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                    <text>A M

E

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I

k A

D I E N S T

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1952 - 31. März 1952

Seite
1.) ALLGEMEINES

1

2.) KOMMENTARE

5

3.) SONDERBEILAGEN

6

4.) ARTIKEL FÜR DIE FRAU

8

5.) JUGEND

10

6.) GEISTIGES LEBEN

11

7.) WIRTSCHAFT UND ARBEIT

12
•

8.) LANDWIRTSCHAFT

16

* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA
DIENST" kostenlos Bildmaterial

�iL. .-AllGEMEINES,
4/1/52

*

IRO zieht Bilanz
Das Ozeanographische Institut von Woods Hole
sammelt Erfahrungen über die nordatlantischen
Meeresströmungen
Die zehn wichtigsten Ergebnisse der asrtronomisehen
Forschung im Jahre 1951

9/1/52

*

Die Sonne tönt .
Weltenraum

Funksignale aus dem

Das Leben im Jahre 2027
Morgenrot am Filmhimmel
11/1/52

*

Rekruten vor dem Fernsehschirm
Ausbildungsunterricht durch Fernsehübertragungen
bei der Marine
Auf der Spur des Schnupfenvirus
Berlin Anno 1930 auf der New Yorker Bühne.
John van Drutens Bühnenstück "Iam a Camera"

16/1/52

*

Internationale Verständigung durch persönlichen
Kontakt
Babylonische Sprachentwirrung
Die voraussichtlichen Vorzüge einer endgültigen
Weltsprache
Die gefährliche "rosa Lady"
Gegen den Mißbrauch von Schlaftabletten

18/1/52

*

Sister Ann Joachim, eine der interessantesten
Frauen der USA
"Alcometer" im Kampf gegen betrunkene Autofahrer
Wir werden das Raumschiff erleben

23/1/52

Die Vereinigung "Operation Democracy".
Kultureller Austausch zwischen amerikanischen
und westdeutschen Städten
*

Aus der Arbeit der UN-Vollversammlung in Paris

''Sicherheit beim Absturz"
Neue Gesichtspunkte im Flugzeugbau
ZTu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST'
kostenlos Bildmaterial
- 1 -

�ALLGEMEINES
25/1/52

*

David K. Bruce - der zweite Mann im State
Department

*

Das Palais de Chaillot besitzt einen eigenen
Gebetraum für UN-Delegierte

*

Versandhaus für Bakterien
Stephan Wolpe - ein Künstler, der sich treu bleibt

30/1/52

*

Zum Geburtstag Abraham Lincolns am 12. Februar
Tiere im Winterschlaf
50 Jahre amerikanisches Genossenschaftswesen
Amerikanische Farmgenossenschaften
* * * * * *

1/2/52

"Zum Seemann geboren" - Admiral L.D. McCormick,
Oberbefehlshaber der NATO-Seestreitkräfte
Eine neue Aera der Landwirtschaft?
"Krilium", das neue Dünge- und Bodenverbesserungsmittel
Über eine neue einheitliche internationale
Fliegersprache

6/2/52

*

Das amerikanische St. Moritz

*

Der Schlittschuh fahrende Scholar - Dick Button

*

Wunderland Colorado
Wiedergutmachung an Winnetous Erben
Senfgas für kranke Kinder
Bedeutende Erfolge in der Behandlung von Leukämie

8/2/52

*

Kameradschaft der Völker auf See
Länger und glücklicher leben
Probleme für alternde Menschen
Journalismus per Elektron

-

2

-

�ALLGEMEINES
13/2/52

*

Elektroingenieure als Mädchen für alles
Synthetische Photosynthese

15/2/52.

*

Marlenes Tochter
Maria Riva, die Tochter der Dietrich

*

Die Sportfliegerei in den USA

*

Die Pathologie, das gute Gewissen der Ärzte
Das Zeugnis - eine Reliquie aus dem vorigen
Jahrhundert?

20/2/52

*

George Washington: Bauer, General und Staatsmann
(Zu seinem Geburtstag am 22. Februar)

*

Der Sender im Schützenloch
Verbesserungen des Nachrichtensystems der amerikanischen Streitkräfte
Schach in der dritten Dimension

22/2/52

*

"Amerika-Haus Ruhr" öffnet seine Pforten

*

Das Magnetophon -erobert Amerika
Wissenschaft mit Bagger und Geigerzähler
Deutsche Jungärzte an amerikanischen Krankenhäusern

27/2/52

*

Das Museum für Wissenschaft und Technik in
Chikago
Wir sterben nicht aus
Gespräch über die Chancen und Erwartungen der
Menschheit

29/2/52

*

"Handeln ist das große Geheimnis des Erfolgs"
Am 2. März 1829 wurde der deutsche Rebell der
Freiheit und amerikanische Politiker Carl Schurz
geboren

*

"Nach Oregon oder zum Teufel!"
Die Sonne - bei Licht besehen
Neues Sonnenobservatorium registriert durch
Elektronen-Lenkgerät die gesamte Sonne.naktivität
Deutsche Bücher in Amerika
* * * * *

*

�ALIGEMEINES
5/3/52

7/3/52

Bundespräsident Heuss spricht zur Eröffnung der
"Woche der Brüderlichkeit"
*

Travelers Aid - Schutzengel der Reisenden

*

Der erste schwimmende Sender der "Stimme Amerikas

*

Als Krankenschwester in Korea
Synthetische Edelsteine sind keine minderwertigen
"Glasbonbons"
Sind die Vereinigten Staaten imperialistisch?
Zur "Woche der Brüderlichkeit" 1952
Aussprüche großer Männer

12/3/52

*

Spokane - die "Fröhliche Bergarbeiterstadt"
Amerikanischer Geschäftsmann bestimmt zwei
Drittel des jeweiligen Reingewinns seiner Firma
für karitative Zwecke
Das Geheimnis um Adolph Strasser
Die sonderbare Lebensgeschichte eines großen
Arbeiterführers
Zur "Woche der Brüderlichkeit" 1952
Aussprüche großer Männer

14/3/52

*

Panama-Kanal - heiße Zone Zentralamerikas
West Points stolze Tradition
Vor 150 Jahren wurde die berühmte amerikanische
Militärakademie gegründet
Kulturgeschichte des Zeichenfilms

19/3/52

ÄtherfreundSchäften
Seit zwei Jahren haben die deutschen Funkamateure
wieder die Möglichkeit, internationale Verbindungen aufzunehmen
Das Schulspeisungsprogramm in den Westsektoren
Berlins
Schubert - Portrait eines Musikers
Das letzte Werk des in Deutschland geborenen
und kürzlich in den USA verstorbenen Musikkri-rtikers Dr. Alfred Einstein

�ALLGEMEINES
21/3/52

*

Moderne Isolationstechnik ermöglicht "Heizung"
mit Körperwärme
Kreuzweg der Kalmücken
"Amahl und die nächtlichen Gäste"
Gian-Carlo Menotti schrieb erste Fernsehoper

26/3/52

*

Das Transpazifik-Kabel hat seine Bedeutung
verloren

*

Der Amerikanische Automobilverband AAA
Biber als Fallschirmspringer

28/3/52

*

Atlantic City, der Badeort zwischen New York
und Philadelphia
Staatsexamen im Gefängnis
Todesursache: Angst
* * * * * *

2)

KOMMENTARE

4/1/52

Wiedersehen in Washington

9/1/52

Europa vor dem Wendepunkt

11/1/52

Europa und die amerikanischen Wahlen

16/1/52

Zuversichtliche Stimmung in Washington

18/1/52

Eine Mahnung an Europa
* * * * * *

1/2/52

Bonn im Mittelpunkt

6/2/52

London - eine entscheidende Etappe

13/2/52

Diskutable Bedingungen

15/2/52

Appell an die Vernunft

20/2/52

Neutralismus - eine Utopie
- 5 -

�KOMMENTARE
22/2/52

Optimismus in Lissabon

27/2/52

Eine erfolgreiche Konferenz

29/2/52

Lissabon und die Präsidentschaftswahlen
# • # * * #

5/3/52

Die Schuldigen an den Pranger

7/3/52

Tito und die deutsche Wiederbewaffnung

14/3/52

Stimmungsbarometer New Hampshire

21/3/52

Die zweite Runde

26/3/52

Erst Europa - dann die Saar

28/3/52

Der Kreml hat das Wort
* * * * * *

3)

SONDERBEILAGEN

11/1/52

Trumans Botschaft über die Lage der Nation
Schlußkommunique der Truman-Churchill-Besprecbungen

18/1/52

Trumans Wirtschaftsbotschaft an den US-Kongreß

23/1/52

McCloy: Rede vor Studenten der Universität Freiburg vom 21.1.1952

30/1/52

Acheson
Auszüge
nischen
Action"

zum Punkt-Vier-Programm
einer Rede vom 25.1.1952 vor der amerikaOrganisation "Americans Por Democratic
in New York
* * * * * *

6/2/52

Resolutionsentwurf der US-Senatoren über die
Schaffung der "Vereinigten Staaten von Europa"
und Antwortschreiben Präsident Trumans vom 31«
Januar 1952
- 6 -

�SONDERBEILAGEN
15/2/52

Vierter MDAP-Halbjahresbericht Trumans (Auszüge)

22/2/52

Die Londoner Kommuniques
Wortlaut zweier Kommuniques, die nach Abschluß
der Londoner Besprechungen von den Außenministern
der drei Westmächte und dem deutschen Bundeskanzler sowie von den Außenministern der Vereinigten
Staaten, Großbritanniens und Prankreichs herausgegeben wurden

27/2/52

9. ViertelJahresbericht McCloys
Die grundsätzliche Deklaration der NATO
Das Abschlußkommunique des Nordatlantikrates
* * -x-

5/3/52

Achesons Rechenschaftsbericht über Lissabon (29.2.52)
Truman eröffnet das erste Programm des schwimmenden Senders der "Stimme Amerikas" (Rede v.4.3«52)

7/3/52

"Report on Germany"
Auszüge aus dem 3ericht eines Unterhausausschusses
des US-Repräsentantenhauses über die auf einer
Reise durch Westdeutschland und Berlin gesammelten Eindrücke von den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen in der Deutschen Bundesrepublik

14/3/52

Wortlaut eines Interviews, das Dr. Adenauer einem Vertreter der amerikanischen Wochenzeitschrift "United States News and World Report" gab

19/3/52

Wortlaut der US-Note zum österreichischen Staatsvertrag
Wortlaut des alliierten Entwurfes eines Staatsvertrages für Österreich

28/3/52

Wortlaut der amerikanischen Antwortnote vom
25.3.1952 auf den sowjetischen DeutschlandvorscbLag
Truman-Botschaft vom 24.3.1952 zum Flüchtlingsproblem
henschai csbericht General Eisenhowers vom 2.4

�il__ARTIKEL_PÜR_DIE_PRAü
9/1/52

Zwölf-Ton-Musik im Kinderzimmer
Was wird aus Musterschülern
Ein Kapitel über angereicherte Nahrungsmittel
*

Die fahrbare Kinderklinik
Unfallverhütung durch bedachtsam gewählte Kinderkleidung
Gleichberechtigte Frauen
Neues Verfahren zur Tiefkühlung von Fischen
bereits auf hoher See
Neue Auszeichnung für Marguerite Higgins

*

23/1/52

Kindheit und Gesellschaft
*

Ausblick auf die Frühjahrsmode 1952
Warum so eilig?
Eine amerikanische Mutter erzählt aus ihrem Alltag
Ratschläge zur Erhaltung gesunder und zur Behandlung kranker Füße
Hausfrau oder Karriere?
Die' schwierige erste Dekade
Carepakete für Korea
Eine wundersame Insektenbekämpfungsanlage
* * * * * *

6/2/52

Zum Tode Dorothy Dix', der meistgelesenen Journalistin Amerikas
Frauen in Halbtagsstellungen
Empanadas aus Chile und Falafel aus Israel
über ein internationales Kochbuch
Wer verfügt über das Haushaltsgeld?
*

Vollendete Gebrauchskunst
Musterschau für Möbel in Chikago

- 8 -

�ÄBIIKSL-EÜß-DIE-EBAU
20/2/52

Mr. Groggle muß noch viel lernen
Besprechungen eines kürzlich in New York erschienenen "Leitfadens für intelligente Männer zum
besseren Verständnis der Frau"
"Kein Mitleid bitte . . ."
Eine unverheiratete Amerikanerin verbittet sich
das Mitleid der Umwelt
Darf ein Kind auch "nein" sagen?
Die Orientalin und das Punkt-Vier-Programm
Kleine Kaffeepause groß geschrieben . . .
Wie in Chikago an Hand von Tests festgestellt
wurde, ist die umstrittene Kaffeepause des Angestellten ein Mittel zur Leistungssteigerung
Eine Modenschau besonderer Art
Vom amerikanischen weiblichen Arbeitsmarkt
*

5/3/52

*

*

*

•

*

•

*

-

*

"Ich bin mit drei Männern verheiratet"
Aus dem Leben der Mrs. Eisenhower
Frauenstudium - immer noch zu männlich?
Für und wider eine Lehrplanreform zugunsten
der "höheren Töchter"

*

"Modell 1952" - zart und verspielt
Brigitte Horney findet Amerika himmlisch
Wie können Eltern ihren Kindern helfen, Freunde
zu gewinnen?

19/3/52

*

" . . . Ich hätte sterben mögen für die Schönheit"
Die de Mille-Story
Amerikanische Ärztin und Psychologin gibt Ratschläge für Kindererziehung
Vom Mythus der Wundernahrung
Das Weltmeer um uns
Der amerikanische Bestseller "The Sea Around Us"
von Rachel Carson
Moskauer Mode in New York
Gegen die Trägheit des Herzens
Mrs. Ellen I McCloy zum 125-jährigen Bestehen
des Krefelder Frauenvereins
* * * * * *

_ 9_

�Januar 1952

Die Waljäger vom Kap Cod
Kalulu und der Tausendfüßler
Eine Tiergeschichte
Nonstopflug der Zugvögel
..Abraham Lincoln auf dem Totempfahl
Der Indianerstamm der Raben in Alaska errichtete
aus Dankbarkeit für die Befreiung von der Sklaverei
einen Totempfahl mit einem Standbild Abraham
Lincolns
Kriegsrat mit Friedenspfeife
Abhaltung von Versammlungen bei den Indianern
Nordamerikas
* * * * * *

Februar 1952

Rotkehlchen und der Güterzug
Eine wahre Geschichte
Iglu, das billigste Haus der Welt
Besuch bei den Eskimos in den arktischen Ländern
Die wunderbare Geschichte von Amerikas bedeutendstem Amateur-Astronomen
Fußball im Dornröschenschlaf
*

Schauspieler aus Kreppapier und Pappmache
Eine Kindergruppe in Annapolis geht mit einem
selbstgebastelten Marionettentheater auf Tournee
* * * * * *

März 1952

Huhurit und sein Brüderchen
Eine Indianererzählung
*

100 Jahre "Onkel Toms Hütte"
Ein guter Handel
Eine Geschichte aus der amerikanischen Kolonialzeit •
Frau Eskimo bittet zu Tisch
Aus dem Leben der Eskimos (2.Folge)
* * * * * *

- 10 -

�6)

GEISTIGES LEBEN

Januar 1952

Wie denken Sie über die Danirier?
Man haßt am "anderen", womit man in sich selbst
nicht fertig geworden ist, lehrt die Psychologie
der Gruppenvorurteile
Europa, Amerika und die Musik
Ein Viertel Jahrtausend Yale
Eine Weltrundschau der Literatur
Die einzige umfassende internationale Literaturrevue gibt der deutsche Schriftsteller Ernst E.
Noth in Oklahama heraus,
Akademisches Allzuakademisches
Die deutsche Universität leidet unter dem Gewicht ihrer Tradition und unter Mangel an Kontakt mit der Öffentlichkeit
* * * * * *

Februar 1952

Es bleibt noch viel zu tun
Ein Aufruf gegen die geisuige Müdigkeit unserer
Zeit von Pulitzer-Preisträger Edgar A. Mowrer
Interview mit einem Roboter
Über die Kapazität des ersten Elektronen-Gehirns
in der amerikanischen Industrie
Der Abenteurer Lorenzo da Ponte
Aus dem Leben des Librettisten der Mozart-Opern
"Figaros Hochzeit","Don Giovanni" und "Cosi fan
tutte"
Hitlers Vermächtnis an das deutsche Kunstschaffen
Eindrücke eines amerikanischen Kunsthistorikers
nach einem Besuch in der Bundesrepublik«Von Dr.
Alfred Werner
* *

März 1952

*

*

Die große Debatte
Die Niederlage des amerikanischen Isolationismus
Amerika entdeckt neuerdings die Freude am reinen,
gesprochenen Wort
Hinter den Kulissen der koreanischen Waffenstills tandsverhandlungen
Buchauktion auf Weltreise
Internationales Theater als Brücke zwischen den
Völkern
* * * * * *
- 11 -

�Z1__™?SCHA20N5_^BEIT
4/1/52

* Europa lernt von Amerika
US-Produktionsmethoden bewähren sioh auch
in Europa
*

Neukonstruktionen vorläufig "auf Eis gelegt"
Lieferstop für Werkzeugmaschinen für US-Automobilindustrie
Gewerkschaftsführer von morgen auf der Schulbank
Gedämpfter Optimismus am Baumwollmarkt
Neues Herstellungsverfahren für Gummi
100 Photokopien in der Minute

H/l/52

Weiter ansteigende Produktion und. hoher
Beschäftigungsstand
EOA-Garantien ermöglichen amerikanische K^Ltalinvestierungen in der europäischen Wirtschaft
Amerikas "Volkswagen" wird im Warenhaus verkauft
Miss Hardy arbeitet 6 Tage im Monat nur für die
Steuer
Stahlarbeiterstreik vorläufig ausgesetzt
Setzmaschine mit Lochstreifensender
US-Stahlindustrie in Zahlen
Spareinlagen erreichen Höchststand
Unabhängigkeit der US-Gunmiindustrie von fernöstlichen Gummieinfuhren

18/1/52

* Europäische Raffinerien für orientalisches Öl
Starke Zunahme der Lebensversicherungen
Industrie hat großes Auftragspolster
ölchemie wird zur Großindustrie
Der deutsche Arbeiter besitzt eine größere
soziale Sicherheit
CIO-Gewerkschaft dreht Film aus der praktischen
Arbeit
"Holmanit" macht Lehm zum Heizmittel
"Ausfrieren" - ein neues Trocknungsverfahren
- 12 _

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
18/1/52

Die OEEC berichtet über ihre Arbeit im Jahre 1951

25/1/52

Amerikas Wirtschaft im Zeichen der westlichen
Verteidigung
*

Europas Schiffbau kommt auf Touren
Ein Blick in die Geschäftsberichte der US-Gesellschaften
US-Handelslaboratorien lösen technische Knoten
im "Handumdrehen"
Warum die amerikanischen Arbeiter ein garantiertes
Jahreseinkommen fordern
Die Stellungnahme des Präsidenten der amerikanischen CIO-Gewerkschaft, Philip Murray
Technik und Wissenschaft in der US-Ölindustrie
Turbinengeneratoren mit "Hohlkühlung"
* * * * * *

1/2/52

Die Hintergründe der russischen Handelsoffensive
Großwirtschaftsräume in Zahlen gesehen
Die industrielle Entwicklung in Westeuropa,
Sowjetrußland, den USA und Westdeutschland
(Schaubild)
Produktionsausweitungen schufen angespannte Versorgungslage bei Kraftstrom
Kunststoffe - der "Schrei der Stunde"
Die USA an der Schwelle des Atomzeitalters
Die amerikanischen Gewerkschaften wurden von
Menschen aus 38 verschiedenen Nationen aufgebaut
Der "AFI News Reporter" - eine neue Gewerkschaftszeitung

8/2/52

Gegensätze zwischen europäischem und amerikanischem Kapitalismus
Kreditschöpfung auf neuen Wegen
Ein Blick hinter die Kulissen der amerikanischen
Flugzeugindustrie

- 13 -

�IIETSCHAET-USD-AEBEIl.
8/2/52

Produktionssteigerung - der Schlüssel zum höheren
Lebensstandard
Die Entwicklung der Löhne im Verhältnis zu den
Produktionsleistungen in den letzten 100 Jahren
"Telefonitis" - eine Zeitkrankheit
Die großen Überraschungen bei den US-52-er Modellen blieben aus
Eine neue Gleitschutzvorrichtung

15/2/52

Die Kohle muß reichen
Wie kann Europa von Kohleneinfuhren unabhängig
gemacht werden?
Amerikas Hausfrauen schwören auf tiefgekühltes
Obst und Gemüse
Invasion neuer Kunstfasern
Höhere Umsätze und Gewinne für 1952 erwartet
Ausgefallene Werbeideen brachten volle Kassen
Arbeitsschutzgesetze für die Frau in den USA
Eine Frau kämpfte für die arbeitenden Frauen

22/2/52

Kanada '- die Rohstoffkammer des Westens
Schiffahrts-"Boom" dauert an
Lebensversicherungen stark gefragt
US-Exporte erreichten neuen Höchststand
"Highway-Sklerose", die Verkehrskrankheit der USA
"Suburbanite" ein neuer Autoreifen
"Xm" - der "Scheibenwischer1 für Brillen

29/2/52

Der amerikanische Außenhandel im Spiegel des
letzten Jahres
Gebrauchsgüterindustrie hat Sorgen
Metallzuteilungen um weitere 10$ gekürzt
Kapazitätsausweitungen werden beschleunigt
Mehr Zeitungspapier in Sicht
21 Uhr - Ladenschluß
- 14 -

�WIRTSCHAFT JJNp__ARJ3EIT
29/2/52

New Yorker «-Preiskrieg" schlägt hohe Wellen
"Kaltziehen" von Stahl - keine Utopie mehr
Radioaktiver Kobaltdraht für Werkstoffprüfung
*

7/3/52

* * * * *

Alle zwei Minuten ein neuer Volkswagen
Gute Jahresabschlüsse der Banken
Der "Dollar-Kreislauf" (Schaubild)
Die Einnahmen und Ausgaben des US-Staatshaushaltes
1952-53
Amerikanische Impxteure sind wählerischer geworden
K

Hubschrauber - das "Automobil" der Luft?
Blauer "Virginia-Dunst" in den USA
"CAMEL" weiterhin führend - PALL MALI holt auf
Mangel an Arbeitskräften nimmt zu
"Atomreifen" mit größerer Lebensdauer
Die ideale Schulbank

19/3/52

HANOMAG intensiviert Rationalisierungsbestrebungen
Beträchtliche Zunahme der Emissionen
Schwefel bleibt knapp
Der Wert der Kohle wurde neu "entdeckt"
Erhöhung der Förderleistung von 570 auf 880
Mill. Tonnen geplant
Brathähnchen und Mastgänse vom Fließband
Die "Soziale Revolution" der USA
Tonfilm im eigenen Atelier
Mylar - ein neues Kunstharz

26/3/52

Die europäische Energieverbundwirtschaft kann
verwirklicht werden
US-Finanzexperten im Meinungsstreit über antiinflatorische Maßnahmen
- 15 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
26/3/52

Die chemische Industrie - "Mädchen für alles"
Aluminiumindustrie mit Siebenmeilenstiefeln
Tiefgekühlte Diners a la Qarte
US-Speisewagengesellschaften beschreiten neue
Wege zur Kostensenkung
Warum unterstützen die Arbeiter das Wirtschaftssystem der USA?
"Germanium" ersetzt Radioröhre
* * * * * *

§2__5Mffi35§25APT
Januar 1952 *

Hinweise für den Viehzüchter
Plattenspieler im Schweinestall
Gute Erfolge mit synthetischer Schweinemilch
Das häuslichste Haustier - die Kuh
Was bedeutet PH?
Mit Hilfe der PH-Skala wird der Kalkgehalt des
Bodens gemessen
Gegen Maul- und Klauenseuche
* * * * * *

Februar 1952

Rechenschaftsbericht der amerikanischen Landwirtschaft für 1951
*

Soja - die vielseitigste Anbaupflanze der Welt
Sollen Eier gewaschen werden?
Stallbedingungen für die Aufzucht gesunder Kälber
Die Qualität der Kartoffel (Folge I)
Ratschläge zur Verbesserung der Kartoffel
* * * * * *

- 16 -

�LANDWIRTSCHAFT
März 1952

*

Die Zukunft der Landwirtschaft

*

Diverse Gemüse aus den hängenden Gärten der Armee
Hydrokulturen der US-Army in Japan
Boden - die Schatzkammer der Vereinigten Staaten
Von Russell Coleman, Präsident des Verbandes der
amerikanischen Düngemittelindustrie
Hühner am laufenden Band
Die Qualität der Kartoffel (Folge II)
Die Kochqualität
Wieviel trinkt ein Tier?
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

- 17 -

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INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL
DES "AMERIKA DIENST"
vom 1. April

1952 - 30. Juni 1952

Seite

1.

ALLGEMEINES

1

2.

SONDERBEILAGEN

5 .

3.&lt;

FÜR DIE FRAU

7

4.

JUGEND

9

5.

GEISTIGES LEBEN

10

6.

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11

7.)

LANDWIRTSCHAFT

16
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA
DIENST" kostenlos Bildmaterial

�1) ALLGEMEINES
2/4/52

NATO - Garant des Friedens
Zum 3. Jahrestag der Gründung der Nordatlantikpakt- J
Organisation
*

Helikopter - Nußschalen der Luft
Langfristiges Herzforschungsprogramm der medizinisehen Wissenschaft in Framingham, Mass.,

4/4/52

*

Hat unser Kind Musik im Blut?
Vier Teste überzeugen Eltern, ob es Zweck hat,
ihren Kindern Musikunterricht erteilen zu lassen

*

Ostern in den Vereinigten Staaten
Geheimnisvolle Zusammenhänge zwischen den Jahresringen der Bäume und der zyklischen Wiederkehr von
Sonnenflecken
Ein halbes Jahrhundert Hollywood
Vier Jahre Weltgesundheitsorganisation

9/4/52

Brüder, die in Einheit leben
Die Grenze zwischen den USA und Kanada ist seit mehr

*

als 100 Jahren ohne jegliche Befestigung
Basketball - Das Spiel der großen Männer

11/4/52

Mr. "X" geht nach Moskau
George F. Kennan, Rußland-Experte Nr. 1
der USA
Holz aus Tacoma
Tacoma gehört neben Seattle zu den wichtigsten
Umschlaghäfen im amerikanischen Nordwesten
Amerikanische Kinderhilfe für Korea

*

Durch elektrischen Herzschock ins Leben zurückgerufen

16/4/52

*

Am Grabe F. D. Roosevelts
Zum 7. Todestage des amerikanischen Präsidenten
am 12. April

*

Die Renovierung des Weißen Hauses ist beendet
Die fremdsprachige Presse in den USA
Der See in den Schwarzen Bergen
Archäologische Funde geben Aufschluß über das
Leben der Ureinwohner des amerikanischen Kontinents

18/4/52

*

Die neue Aera in der Met und der New xork
City Opera Company

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DlEflST*
kostenlos Bi ldmaterial
1

x

�ALLGEMEINES
18/4/52

^

Internationale Regelung des Straßenverkehrs
Am 25. März 1952 trat die Internationale Straßenverkehrskonvention in Kraft
Eine bittere Erfahrung
"Endstation Sehnsucht" - Regisseur Elia Kazan
widerlegt Gerüchte über seine politische Vergangenheit

23/4/52

*

Meisterwerke des XX. Jahrhunderts
Künstlerische Veranstaltung des "Kongresses
für kulturelle Freiheit" in Paris
Der"Eiserne Mann"
Das Wahr- und Warnzeichen des Eisernen Tales
am Roten Berge bei Birmingham
Dämme und Fluten
Der "Pick-Sloan-Plan" soll im Missouri-Gebiet
die Gefahr erneuter Hochwasserkatastrophen
bannen
James W. Riddleberger Deutschlandkenner im amerikanischen Außenministerium

25/4/52

*

Pierre Monteux - Botschafter der Musik
Amerikanische Bundesbehörden zahlen Prämien
für Vorschläge und Anregungen zur Rationalisierung und Verbilligung der Arbeitsmethoden

\

Dinosaurier-Eier aus Afrika
Entdeckungen im Jahre 1951
30/4/52

*

Neuer Oberbefehlshaber der NATO
Ridgway Nachfolger General Eisenhowers

K

Die Bostoner Symphoniker
Erfolgreicher Kampf gegen die Kinderlähmung
Menschen ohne Heimat - das große Problem
des 20. Jahrhunderts
* * * * *

2/5/52

*

Die Philantropie der Rockefellers (I)
Roboter als Wetterprophet

*

*

Der New Yorker Hafen
Die europäische Integration
Yor drei Jahren unterzeichneten zehn europäische y
Staaten die Satzung des Europa-Rates

�ALLGEMEINES
7/5/52

*

Zum 124. Geburtstag Henri Dunants, des
Schöpfers des Rnten Kreuzes
"Woche der Musik" in. den USA

A.

Die Odyssee des Heiniiun Suhliemann
Berlin - Barometer internationaler Politik
Zur Aufhebung der Berliner Blockade vor
drei Jahren
Muttertag in den USA
9/5/52

*

Von Aahwahnachee bis Zylyff
Die New Yorker Stadtbibliothek
Die Philantropie der Rockefellers (II)
Banthin gegen Magengeschwüre
Pulitzer-Preise verliehen

14/5/52

16/5/52

"Die genaue Zeit, bitte"
Die amerikanische Rundfunkstation '/V/V sendet
Zeitangaben
Amerika bewahrt seine Tradition
*

Atomkraft und Radioisotope zum Wohle
der Menschheit

*

"Ersatzstoffe" erobern den Industriemarkt
Warum kauft Mrs. Jones ein grünes Kleid?
Mathematische Biologie - ein neuer Zweig
der Naturwissenschaft
"Reader's Digest", die meistgelesene
Publikation der Welt

21/5/52

Der amerikanische Bevölkerungsschwerpunkt verlagert sich ständig weiter nach Westen
Der Weise von Concord
Aus dem Leben des amerikanischen Dichterphilosophen Ralph Waldo Emerson
Tödliche Viren gegen wuchernde Zellen
Der Stand der Krebsforschung in den USA

23/5/52

Amerika gedenkt der Toten
Zum "Memorial Day" am 30. Mai
Dammbau-Zentrale Denver/Colorado
"Vom unendlichen Leben ich singe
Aus dem Leben Walt Whitmans

P

-

3

..."

�ALLGEMEINES
28/5/52

Idlewild - größter Zivilfiughafen der Welt
Flüchtlinge der Revolution
Über Carl F. Wittkes neues Buch
"Refugees of Revolution"
Berufseignungstests in den Schulen,
in der Industrie und bei den Streitkräften

30/5/52

A

Meteorstudien mit Super-Schmidt-Kameras
Die Millionen des "Herzogs von Florida"
Geschichte eines Mannes, der ein großes
Dschungelgebiet in Florida kultivieren wollte

^

Fernsehen rund um die Erde
6/6/52

Reklame für die gute Sache
Aus der Arbeit des amerikanischen "Rates für
Reklame", einer Gesellschaft, die große Werbekampagnen im Dienst am Gemeinwohl durchführt

^

Was ist "American Way of Life"?
Neun bekannte amerikanische Persönlichkeiten
diskutieren die geistigen Grundlagen der
Vereinigten Staaten
Die Stadt der "Heiligen der letzten Tage" Salt Lake City
Zum Tode John Deweys am 1. Juni
11/6/5:

X

Das große Puppenkonzil in den USA
Gefiederte Flugzeuge und Wolfsmilch-Wolle

&lt;

Grönlands größter Exportartikel: Eisberge
1 3/6/52

Gorki - der totgeschwiegene Humanist

x

Mr. Ex-President
Amerikas Präsidenten werden nach Ablauf
ihrer Amtszeit wieder einfache Staatsbürger
ohne Pensionsansprüche
Drei UNESCO-Institute in der Bundesrepublik
1 8/6/52

Die schweigenden Farmer
Aus dem Alltag des Trappistenklosters

New Meileray

Organverpflanzungen in lebenden Körpern
20/6/52

Amerika vor der Olympiade
Freie Bahn den jungen Unternehmern
Über "Junior Achievement Firms", in denen
junge Menschen spielerisch die Grundzüge des
Kaufmannsstandes erlernen

^

�ALLGEMEINES
20/6/52

Uralte Indianerkultur am Mississippi
Bakterienkrieg als Propaganda (I)
Deutsche Nobelpreisträger sprechen sich gegen
die kommunistischen Anschuldigungen aus

25/6/52

*

Die Jungfernfahrt der "United States"
Bakterienkrieg als Propaganda (II)
Wissenschaftler und Politiker der westlichen
Welt überführen die Sowjets und ihre Anhänger
der verleumderischen Fälschung
Das Gebot der Stunde ist Humanitas
Von Peter Viereck

27/6/52

Betriebsärztliche Betreuung in den USA
Gemeinsame militärische Ausbildung für
Soldaten der freien Welt
Die Kunstakademie New Yorks

* * * * * *

2)

SONDERBEILAGEN

2/4/52

Wortlaut der Rundfunkansprache General Dwight
D. Eisenhcwers anläßlich des ersten Jahrestages der Gründung von SHAPE

11/4/52

Ansprache Präsident Trumans vom 8. April über
die Bedeutung des Punkt-Vier-Programms

1 6/4/52

Unterzeichnung des japanischen Friedensvertrages durch Präsident Truman

23/4/52

Acheson zur Deutschlandfrage
Auszüge einer Ansprache des US-Außenministers
vom 19. April vor dem amerikanischen Journalistenverband in Washington
Wir], die Völker der Vereinten Nationen, sind
entschlossen . . .
Zum 7. Jahrestag der Konferenz von San Franzisko
am 25. April 1952

25/4/52

Amerika wählt (I)
Sheriff, Bürgermeister und Präsident
Das amerikanische Volk wählt 800 000 Vertreter
Botschaften amerikanischer Gewerkschaftsführer
zum 1. Mai
- 5 -

�SONDERBEILAGEN
30/4/52

Truman zum Inkrafttreten des japanischen Friedensvertrags
* * * * * *

9/5/52

Deutschland - heute und morgen
Auszüge aus einer Ansprache Dr. Henry Kellermans
vom 5. Mai 1952 auf dem Empfang der Carl SchurzGesellschaft in Philadelphia
Erklärung Präsident Trumans zum letzten Waffenstillstandsangebot der Vereinten Nationen (7.5.52)
Amerika wählt (II)
Ursprung, Entwicklung und Vorgang der "Primaries" *
in den Vereinigten Staaten

21/5/52

Rede Präsident Trumans vom 20. Mai 1952 anläßlich
des 150-jährigen Bestehens der Militär-Akademie
in West Point

26/5/52

Amerika wählt (III)

*

Geschichte des amerikanischen Zweiparteien-Systems
Zur Unterzeichnung des Generalvertrages
30/5/52
Wortlaut der Dreier-Erklärung zur SVG
Acheson zur Unterzeichnung des EVG-Vertrages
* * * * * *

6/6/52

Wortlaut der Botschaft Präsident Trumans vom 2.6.52
an den US-Senat anläßlich der Übersendung der Verträge von Bonn und Paris
Wortlaut der Rede Dean Achesons vom 2.6.52 anläßlich
der Unterzeichnung des Generalvertrages und des Vertrages über die EVG

13/6/52

Erklärung des US-Außenministers Dean Acheson vom
10. Juni 1952 zu der Drei-Mächte-Konvention und
dem NATO-Protokoll vor dem außenpolitischen Ausschuß des US-Senats
Bruce: Bundesrepublik ein wesentliches Element
der EVG
Amerika wählt (IV)
Feldzüge um Wähler-Stimmen - Methoden und Finany
zierung der Wahlkampagnen in den Vereinigten Staaten

1 8/b/^

San Franzisko und Panmunjon
Zwei denkwürdige Jahrestage in der letzten Juniwoche
Rede Präsident Trumans anläßlich der Kiellegung des
ersten mit Atomkraflaigetriebenen Unterseebootes
( H . Juni 1952)
- 6 -

*

�SONEERBEILAGEN
20/6/52

*

27/6/52

Biographie von Walter J. Donelly
Die Geburtsstunde einer Nation
Der 4. Juli in den Vereinigten Staaten
Text der Unabhängigkeitserklärung
Kongreßsitzung vom 4. Juli 1776

*

Amerika wählt (V)
Biographien der zehn Anwärter auf eine Kandidatur
um die Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft der
Vereinigten Staaten

* * * * * *

3)

ARTIKEL FÜR DIE FRAU

2/4/52

*

Eine echte "Mammy" Mary McLeod Bethune
Eine junge Deutsche wirkt in New York für
Berlins Studenten
Für jeden etwas im internationalen Kaufladen
der Vereinten Nationen
Mangelberuf Krankenschwester
Grundumsatz und Körpergewicht
Wie wird die Amerikanerin wählen?
Ergebnis einer Umfrage

,,

Ursula Thiess macht Karriere
Erfolge der deutschen Nachwuchsschauspielerin
in Hollywood
Auch große Frauen haben Modesorgen
16/4/52

*

Der Tag der Gesundheit des Kindes
Der 1. Mai in den Vereinigten Staaten

*

Vorurteile gegen Superwohnungen
Die Entwicklung der Mode in den letzten Jahrzehnten

*

Claudette Colbert
Die Frau mit den Märchenaugen
Konvention für die politische
Gleichberechtigung der Erau
Migräne eine Allergie?

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
30/4/52

Die Frau im zwanzigsten Jahrhundert
*

Einwanderer in den USA bereiten sich
auf ihre Staatsbürgerprüfung vor

*

Museen für Kinder
Texas zeigt Stoffe und Modelle für heiße Tage
Internationaler Kinderhilfsfonds verstärkt
Arbeit in Asien und Afrika
Milch in Scheiben
* * * * * *

14/5/52

Dr. Martha Eliot, die Leiterin des US-Bundesamtes für Jugendfürsorge
Das Leben der Familie Garland Durchschnitt des amerikanischen Lebensstandards
*

Wo die Vereinten Nationen zu Mittag essen
Mode - leicht verrückt
Doppelröcke, Pumphosen und andere Neuheiten
auf New Yorker Modeschauen
Die amerikanische Frau im -Berufsleben
Aschenbrödel - beliebtestes Märchen
Vitamin C zur Behandlung von Brandwunden

28/5/52

*

*
*

Amerikanische Haus- und Küchengeräte für Europa
Große Frau ganz privat Mrs. Roosevelt
Warum sind sie unzufrieden?
Testergebnisse in Arbeits- und Berufsfragen
Kunsterziehungsprogramm an den Schulen von Chikago
"Sie sagen, was sie denken"
Ein populäres Radioprogramm
Amerikanische Urgroßmutter veröffentlicht
ihre Lebensgeschichte
Kindergärten auf kooperativer Basis
Nicht so viel bücken
53 Projekte in 72. Ländern
Aus der Arbeit des Kinderhilfsfonds der UN
- 8 -

�ARTIKEL PUR DIE FRAU
11/6/52

*

Mittlerin zwischen Ost und West
Zum 60. Geburtstag von Pearl S. Bück
Aus dem Leben einer amerikanischen Diätköchin
Das menschliche Gesicht der Tiere
Persönliche Initiative fördert Völkerverständigung
Welt-Freundschafts-Fonds der Frauen
Ist Kriminalität schon im Kindesalter absehbar?
Eine Frau fliegt über den Atlantik - Amelia Earhart

25/6/52

Die Herrin von Fort Knox - Mrs. Nellie Tayloe Ross,
Schatzmeister der USA

*

Eine außergewöhnliche Mädchenschule
Das fortschrittliche Bennington College in Vermont
Überfüttert die Kinder nicht!
Kopfschmerz der Friedlichen - Neue Erkenntnisse
in der Erforschung der Migräne
Veränderlich wie die Launen einer Frau - Sommerkollektionen
Frischmilch in Konserven
* * * * * *

4)

JUGEND

April 1952

Peter der Dritte - der kein Osterhase sein wollte
Gigi und die Ostereier-Krone
Eine Ostergeschichte aus dem Gnomenreich
Schiffsreise durch sechs Jahrtausende
Überblick über die Entwicklung des Schiffsbaus
Wie Admiral Peary den Nordpol entdeckte
Triumph und Tragik der Arktis-Forscher
Das lebendige Museum
Das Naturkunde-Museum für Kinder in San Franzisko
* * * * * *

Mai 1952

Der Seehund, der Angst vorm Wasser hatte
*

Der größte Zirkus Amerikas spielt für kranke
Kinder in New York
- 9 -

�JUGEND
Mai

1952

*

"Rodeos", die Cowboy-Wettkämpfe des
amerikanischen bestens
Der weiße Vogel mit dem grünen Kreuz
Ein ehemaliges Transportflugzeug als "fliegende Rettangsambulanz"
Erfolgreiche Schüler-Polizei in Chikago
Europareisen amerikanischer Studenten 1952 mehr
als verdoppelt
YWCA hält Nationalkonvent ab
* * * * * *

Juni 1952

Daniel Boone - Der Held der Wildnis
Weißt du, wieviel Monde stehen
Die "Familie" unserer Sonne
Meeresungeheuer - Sage oder Wirklichkeit?
Eine amerikanische Münzenausstellung zeigt
die seltsamsten Zahlungsmittel der Welt
Achtung: Rotes Licht
Verkehrserziehung als Unterrichtsfach
* * * * * *

5) GEISTIGES LEBEN
April 1952

Die Kritik am Buch der Bücher
^er Stand der wissenschaftlichen Bibelforschung
Die Wirtschaftslage des amerikanischen Buchautors
*

Das Wunder der musikalischen Schöpfung
Auszug aus "A Composers World" von Paul Hindemith
Eine der anregendsten Ausstellungen dieses Jahres: "Vierzehn Augen in den Magazinen eines
Museums"
US-Institut für internationales Erziehungswesen
veröffentlicht Jahresbericht
August Macke-Ausstellung in New York
Hugo-Wolf-Biographie in USA erschienen
"Europäische Geschichte" eines amerikanischen
Historikers in Deutschland erschienen
* * * * * *

- 10 -

�GEISTIGES LEBEN
Mai 1952

*

Getanztes Leben und erlebtei' Tanz Martha Graham und Doris Humphrey
Die Vernichtung des Judentums durch den Kreml

*

Eugene O'Neill und die moderne Dramatik
Die neue Welt wird porträtiert
Bericht von der Neukartographierung der westlichen Hemisphäre
Ausstellung zweier Mainzer Bibeln in der Kongreßbibliothek in Washington
Columbia-Universität in New York beginnt Ostasien-Seminar
20 Millionen Besucher der National-Galerie in
Washington
Wallfahrt amerikanischer Katholiken nach Barcelona
* * * * * *

Juni 1952

Zur bevorstehenden Veröffentlichung einer Autobiographie der Menschheit
*

Beethoven-Händschriften in Amerika
Sammlungen von Notenhandschriften und Briefen
großer europäischer Musiker in den USA
Geknebelte Sowjetwissenschaft - Der wohlüberlegte
Mord an der Vererbungsforschung

*

Auf das Zusammenleben kommt es an - über das
Pulbright-Programm
Religionsgemeinschaften in den USA
Relaisstationen im Weltall
Zehn Jahre Tanglewood

* * * * * *

6) WIRTSCHAFT UND ARBEIT
2/4/52

Im Delawaretal entsteht Amerikas Ruhrgebiet Neues Stahlzentrum Morrisville
Deutsche Spielwaren eroberten Amerika
Bilanz der II. Internationalen Spielwarenmesse
in New York
- 11 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
2/4/52

Kalt- und Ölgummi auf dem Vormarsch
Westdeutschland zweitgrößter Werkzeugmaschinenexporteur
Kreuzzug mit Pinsel und Quast - 65$ aller amerikanischen Familien streichen heute ihre Wohnungen
selber
Der Magier von Bad Nenndorf
Public-relations, wie sie sein sollen
"Verjüngungsbäder" für Nylon
Neuer Kunststoffüberzug
Klemmsicherer Reißverschluß
Moskauer "Handelsfrühling" ohne "Schwalben"
Der inflationistische Druck ist gewichen
bbröckelnde Preise - bessere Versorgungslage zurückhaltende Käufer
Erdölsorgen - vorläufig unbegründet
Der amerikanische Reisekompass zeigt nach Europa
Die soziale Sicherung der Arbeitnehmer in Deutschland und den USA
Betriebsdemokratie und Mitbestimmung - international
gesehen.
Wo arbeitet die Amerikanerin?
Die "fliegende Schreibmaschine"

16/4/52

Die richtige Heilmethode
Preiskontrollen oder freier Markt?
Aufträge für Riesentanker
Fast 2 Millionen dwt Schiffsraum auf den amerikanischen Helligen
Die wirtschaftliche Stärke in Ost und West (Schaubild)
VI. internationaler Kongreß für Weidewirtschaft
in den USA
Der automatische Parkplatz
AutoSteckbrief
Der größte PKW-Motor: Chrysler K - 31 0

- 12 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
1 6/4/52

Pur und wider den Indexlohn
Lohngleichheit von Mann und Frau
Reallöhne in den Marshallplanländern 1938 und 1951
Probleme des Düsenmotorbaues
Keramische Werkstoffe statt Metalle

25/4/52

Die Conti-Werke suchen neue Wege zur Leistungssteigerung
Elektrizität in neuer "Ehe" mit Aluminium
Der US-Staatshaushalt in 4 Jahrzehnten
Neues aus der Atomphysik
XPs - Herolde eines neuen Zeitalters
Die Entwicklung der amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft
Der garantierte Jahreslohn in der Praxis
Verbesserte Metallsehneideverfahren

50/4/52

In Labrador wird das größteriisenerzgebietder
Welt erschlossen
Amerikanische Wirtschaftslage teils rosig, teils
grau gesehen
Aufrüstung kein gutes Geschäft
Lehrlingsausbildung und Berufsschulung in den USA
Gewerkschaftsunterricht für Lehrer
Büchsenmilch mit Geschmack von Frischmilch
Durchsichtiger Kunststoff aus Zucker
* * * * * *

7/5/52

Schaumgummi erobert Amerika
Vielfältige Verwendungsarten - hervorragende Eigenschaften
Lebenshaltungskosten in den USA 1941 - 1952
Hohe Spareinlagen als Inflationsbremse
Über 4 Millionen Firmen in den USA

- 13 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
7/5/52

Die "Arbeiterhochschulen" der CIO-Gewerkschaft
"Taylorismus" und "Mayoismus"
Die Entwicklung der amerikanischen Betriebsverhai tnisse
Vom Abfall zum wichtigen Rohstoff - Die Rinde
der Douglas-Tanne
Die Badeanstalt in der Aktentasche

14/5/52

*

Aktivierung der innerbetrieblichen Reserven bei
der Dortmund-Hörder Hüttenunion A.C.

*

Wallstreet zwischen 1792 und 1952
Die New Yorker Börse feiert ihren 160. Geburtstag
Wie groß wird das Defizit im amerikanischen Staatshaushalt?
Die Bedeutung des Abzahlungsgeschäftes und der
Kreditbüros im amerikanischen Wirtschaftsleben
Was erwartet den deutschen Einwanderer in den USA?
Arbeitsmarkt und Verdienstmöglichkeiten
X-2 verdoppelt Haltbarkeit von Kunstseide
Veredelte Baumwolle mit Eigenschaften synthetischer Fasern

21/5/52

So arbeitet die "Wall Street"
Ein Interview mit dem deutschen Handelsattache
in New York
Ausbau von Erzbergwerken im In- und Ausland
Steigender Brennstoffverbrauch in der ganzen Welt
Überblick über die Weltenergieversorgung 1929-1950
Arbeitsfrieden ohne Gesetzgeber und Richter
Die freiwilligen Abmachungen der US-Gewerkschaften
zur Eindämmung der StreiKgefahr
Weibliche Halbtags- und Stundenarbeit in den USA
Das Problem der Morphinsynthese
Billiges Kohlehydrierverfahren

28/5/52

*

"Das Herz des Viertakters schlägt in Detroit"
Die ^'ordwerke - die größte Industrieanlage der Welt
Der "Fall" Giannini
Federal Reserve Board gegen Monopolisierungstendenzen im Bankwesen
- 14 -

�* WIRTSCHAFT UND ARBEIT
28/5/52

Weltfilmproduktion im Spiegel der

etzten 20 Jahre

Neue Farben mit Titanpigmenten - Synthetische
Edelsteine aus Farbpigmenten
Was erwartet den deutschen Einwanderer in den USA?
Der US-Arbeitsmarkt bis 1953
Arbeitsbedingungen in der amerikanischen Landwirtschaft
Atombatterie
Feuerlöscher im Benzintank
* * * * *

11/6/52

Die Rolle der Aktiengesellschaften in der US-Wirtschaft
Die deutsche Wissenschaft stand Pate
Amerikas Chemische Industrie "entdeckte" die Kohlehydrierung
Die Aufga en der Weltbank im Jahre 1952
Serie "Was erwartet den deutschen Einwanderer in
den USA9"
Die Verhältnisse in der amerikanischen Schuhindustrie
Die amerikanische Negerbevölkerung holt auf
1 0 000 Zeichen/sec mit dem "Charactron"
Hochwertige Treibstoffe durch neues Raffinationsverfahren
Kalt-Polybutadien
Schrumpffeste Kunstseide

18/6/52

*

Technische Planung nach neuartiger Methode
Kaiser-Frazer spart Arbeitsstunden und Personal
Fünf Jahre Taft-Hartley-Gesetz
Westdeutschland im Mittelpunkt der Toronto-Messe
Wieviel kostet ein Kilo Film?
UNESCO im Kampf gegen die künstlichen Kulturschranken
Die Gewerkschaften am Kreuzweg
Wandlung vom Arbeiterscnutzverband zum wirtschaftlichen Kontrollorgan?
Feuersichere Wolle

- 15 -

�"WIRTSCHAFT UND ARBEIT
18/6/52

Alkohol aus Holzabfällen
F!ugzeugtreibstoffe mit hoher Verbrennungstemperatur
Pia: tisches Fernsehen

25/6/52

*

Deutschland fragt - Amerika antwortet Der Technologische Informationsdienst des RKW

*

Amerikanische Flugzeugprod; ktion rollt
Der amerikanische "Kapitalismus" im Spiegel neuer
Wirtschaftsthe rien
Weltre'sernte auf Vorjahrshöhe
Ameri anischer "union-shop" und deutsches Mitbestimmungsrecht
Der Feuerlöscher in der Handtasche
Der perfekte

alzstreuer

Schallplatte als Sparschwein
"Walkie-lookie1
* * * * * *

IXm LANDWIRTSCHAFT
April 19i2

Neues Verfahren der "Herstellung"' von Süßwasser
aus Meerwasser
Neue Luzernes rte gibt gute Weidu - Die Bewährung
der Nomad-L zerne
*

Experimente mi

präparierten Rüben- und Gemüsesam n

Die Nahrungsmittelreserven der Welt liegen im Ozean
Das Notizbuch des Bauern
Aufzeichnung n ersparen Arbeit un

Ärger

Landwirtschaftliches Produktionsprogramm Amerikas
für 1952
53 Millionen Truthühner
Eierproduktion in den USA
* * * * * *

- 16 -

�i

* LANDWIRTSCHAFT
Mai 1952

Das internationale Weizenabkommen
Queckentöterin Trespe
*

Das Geld wächst auf der Wiese
Salz für die Milchkuh
Amerikanische Plugzeuge gegen Heuschrecken im
Mittleren Osten
Neue Geräte zur Düngerverteilung
Pasteurisieren von Eiern
Amerikanische Jungfarmer besuchen Europa
* * * * * *

Juni 1952 *

Riesenfußball mitten im Urwald
Ein Wald wird in Stunden gerodet
Fliegenbekämpfung mit chemischen Mitteln

*
*

Erfahrungen mit künstlicher Befruchtung
Kleine Mäuse - Große Geschäfte
Chinchilla-Zucht in Kalifornien
Insektenvertilgungsmittel fördern Pflanzenwachstum
Die Verteilung der Traktoren in den Ländern
der Welt
Amerikanische Parmjugend in Westdeutschland
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

- 17 -

�A M E R I K A

D I E N S T

f~^

^UJLZT

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTSNHATERIAL UND ARTIKEL
DES »AMERIKA DIENST»
vom 1. Juli 19t?2 - 2o.September 1952.

Seite
1

1.) ALLGEMEINES
2.) SONDERBEILAGEN

5

% ) FÜR DIE FRAU

6

4.) FÜR DIE J1NS1I)

8

5.) GEISTIGES LEBEN

9

6.) WIRTSCHAFT UND ARBEIT

lo

7.) LANDWIRTSCHAFT

15

* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der »AMERIKA DIENST»
kostenlos Bildmaterial

�1) ALLGEMEINES
2/7/52

4/7/52

11/7/52

16/7/52

Philadelphia - Schrein der amerikanischen
Freiheit
Wissenschaftler entwickeln neue
Ratten-Vernichtungsmittel
Osteuropa hinter Stacheldraht
Zu dem Buch "Eroberung durch Terror"
r'on Leland Stowe
* Die gestörte Kurzwelle
Beobachtungen der Sonnenaktivität durch ein weltumspannendes Netz von Observatorien
* Nordamerikas älteste Siedlung
Das 800 Jahre alte Old Oraibi in der Reservation
der Hopi-Indianer
Geheimnisvoller Pazifik
Wissenschaftliche Expedition in die Tiefen des
Pazifischen Ozeans
Zehn Ereignisse machten Geschichte
Die für die Entwicklung der USA wichtigsten
Ereignisse
* Großhändler in Fliegenden Bananen
Erfolgreicher•amerikanischer Hubschrauber-Konstrukteur
Das Chamäleon würde blaß vor Neid
Verblüffende Farbänderungen bei Fischen
*
*

18/7/52

*

Indianer, Mexikaner,, Amerikaner
Von Oliver La Farge, dem Verfasser des bekannten
Indianerromans "Der große Nachtgesang"
PVP als Blutplasma-Ersatz
Menschen an der Schwelle des Weltraums
Ich war Volontär bei der UN
Studenten aus aller Welt lernen die UN durch
praktische Arbeit aus eigener Anschauung kennen
Die Negerpresse in den USA

23/7/52

New York braucht billige Wohnungen
Die Vereinigten Staaten von Europa in amerikanischer
Perspektive
Neue Hoffnung für Geisteskranke
Erfolge mit chemischer Schocktherapie

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

�ALLGEMEINES

n/1/52
6/JÖ/52

Sozialversicherung für Selbständige
# # # Tt *

*

Zwischen Tiefsee und Dschungel
Zum 75» Geburtstag von William Beebe
Cleveland —

Amerika en miniature

Das billige gute Buch
Heue Tierteljahrea-Pocket-Book-Serie
*New World Writing*
Rockefellerstiftung verteilte im 2»Quartal
1952 zehn Millionen Dollar
Die Klima-Anlage im menschlichen Körper

8/8/52

Würstchenbude bringt Millionenkapital
USA. - Die Permanente Revolution
Buchbesprechung einer kürzlich in Deutsch
erschienenen selbstkritischen Analyse der USA
13/8/52

*

Die Trommeln rufen zum Pow-Wow
Das Treffen der nordamerikanischen Indianer
in öallup
Was ist Blindheit?
TU nimmt sich Lösung; der Blinden-Probleme an
Die amerikanischen

Universitätsverlage

Tosemite Talley - Das Ferien-Paradies
in der Sierra Nevada

15/8/52

Das Ende einer Revolution! Klassen im
•klassenlosen'1 Staat der UdSSR
Aufführung von Johann Strauss* »Sine Nacht in
Venedig* im Freilichttheater von Jones Beaoh
in New Xork
Nationaltheater ohne Subventionen
Rolle der ANTA (American National Theatre and
Academy) im amerikanischen Theaterleben

2o/8/52

Die Forstwirtschaft in den USA
Eine Stadt ist zu vermieten
Privatunternehmer baut Stadt für 7o ooo Einwohner
22/8/52

*

Wyoming - der Staat auf dem Berg

*

Der Tater des amerikanischen realistischen Romana
leben und Werk Theodore Dreisers

- 2

�22/Ö/52

*Haben wir Zeit, ein Taxi zu nehmen?*
Bas Terkehrsproblem der amerikanischen Großstädte und Vorschläge zu seiner Lösung

27/8/52

Methode zur Konservierung *lebender"Bautstttcke
Luftbrücke über den Pazifik
Naoh Korea aind zu jeder Stunde loo Transportflugzeuge; der KULTS unterwegs
Gruß an Trossingen
Amerikanische Stimme zur 5oo—Jahrfeier der
Mundharmonika-Stadt
LABOR DAX - Tag der Besinnung und der Mahnung

29/8/52

Die staatliche Druckerei der USA.
lex Feldzug gegen das Analphabetentum
UNESCO bildet in aller Welt »Missionare in
Wort und Schrift* aus
Das internationale Netz der Höhenforschung
Hochgebirgslaboratorien im Dienste naturwissenschaftlicher Forschung
* * * # *

3/9/52

*

New Orleans - ein Welthandelsplatz
Yollinvalide mit Beruf und Lebensziel
Aus der Arbeit des Mew Torker Instituts für
Physikalische Medizin
Zur Ökonomie des Lesens
Winke für den, der mit seiner Lektüre
"nicht durchkommt*

5/9/52

*

Garl Schürzt Unbeirrbarer Rebell der Freiheit

*

Das Weiße Saus im Wandel der Jahrhunderte

*

lo/9/52

• • . Und wieder fallen alle Zehne
Kein Sport in den USA hat so viele aktive
Anhänger wie das Kegeln
1H0 gegen Krankheit und Seuchen
Europa und das Technische Hilfsprogramm der
Weltgesundheitsorganisation.
Idean muß manrhaben
Deutscher_Sehneidermeister wird in USA angesehener business man
Die Mohawka von Brooklyn
4 000 Mohawk-Indianer arbeiten bei Stahlbaufirmen
in Brooklyn

�ALLGEMEINES
Für Hilfsbereitschaft und Fairness
Aus der Tätigkeit der vier großen amerikanischen Clubs Rotary, Kiwanis, Lions und
Exchange

lo/9/52

12/9/52

*

Der Selfmademan, der Plugwege baut
Die rollende Blutbank
Eisenbahnspezialwagen hilft in der großen
Blutspendeaktion
Sinnesorgane und ihre Fehler
Musikalität und verfeinerter Geschmackssinn
sind von Genen abhängig
Hie unsichtbaren Mörder
über die Erforschung der Pflanzenviren versucht
man die Erreger der menschlichen Tirenerkrankungen der medizinischen Kontrolle zu unterwerfen

17/9/52

Onkel Toms VersieherungsgeSeilschaft
Charles Spaulding, ein Pionier des zwanzigsten
Jahrhunderts
Khigge ex cathedra
Amerikanische Eochschulen machen ausländische
Studenten mit den Gewohnheiten des Landes vertraut
Hemingways neues Werk *The old Man and the Sea*
Universität unter dem Polarkreis
Alaska, Land mit der großen Zukunft

19/9/52

Lärmbekämpfung erhöht Produktivität
Erfahrungen eines amerikanischen Industriewerkes
Anonym« Größe
Her Bildhauer James Earle Praser
Kabeljau auf der Börse
H e Pisch-Börse von Boston

24/9/52

Brücken zwischen Kontinenten
Aufgaben der Amerikat-Häuser in der Welt
34o Millionen Tolt gegen Krebsgeschwüre und
Materialfehler
Hollywood dreht ^Joe-Louis-Pilm1"
26/9/52

*

Herzen unter dem Messer
Methoden und Möglichkeiten der Thorax-Chirurgie
In der größten Baumwollspinnerei der USA

- 4 -

�26/9/52

*

Der *Supreme Court", Amerikas höchste richterliche Gewalt
* * * *

*

2) SdSDBRBBILAGEH
2/7/52

Wir werden in Berlin "bleiben
Berliner Rede dea "US-Außenministers Dean Aoheson
Tom 29o6.1952

4/7/52

AMERIKA WÄHLT (VI)
Wie wird man Kandidatt
Form, Aufgabe und Durchführung der nationalen
Parteikonvente der.USA.

11/1/$ 2

Das neue China Mao l'se-tungs - eine totale
Despotie
Leitartikel der "Times of India" vom 2.Juli 1952

18/7/52

"Jaran glaube ich" ?!
Menschliche Bekenntnisse amerikanischer Persönlichkeiten zu Anstand, Würde, Gerechtigkeit
und Freiheit
John Steinbeck antwortet einem Kommunisten
Brief des amerikanischen Schriftstellers an den
kommunistischen italienischen Schriftsteller
Ezio lad de i

23/7/52

*

"Daran glaube ich" (II)
Bekenntnisse amerikanischer Persönlichkeiten
ZXL Anstand, Würde, Gerechtigkeit und Preiheit
•

»

»

*

»

*

6/8/52

"AMERIKA" - ein Dorn im Auge der Sowjets
Zur Einstellung des Erscheinens der russischsprachigen amerikanischen Monatszeitschrift
"Amerika" im Bereich der Sowjetunion

27/8/52

Erklärung Präsident Trumamzum amerikanischen
Peiertag der Arbeit (1.9.52)
LABOR DAT 1952
Ton Maurice J.Iobin, Arbeitsminister der USA
*

* * * *

�SOfflQEBBEIIAGEK
12/9/52

Amerika wählt (VII)
Die große Bewährungsprobe
Wahlkampf um die US-Präsidentsehaft ist in
vollem Gange

17/9/52

Dean Acheson zur weitpolitischen läge (11.9.52)

19/9/52

Das Erbe Carl Schurz'
Bede des amerikanischen Hochkommissars
Walter J.Bonnelly in der Frankfurter Paulakircha (17.9.52)
* * * * *

3) ARTIKEL FÜR DIE FRAU
9/7/52

*

Die Welt erlebt mit nur drei Sinnen (I)
Ton Helen Keller
Ernst zu nehmende Backfische
Psychologin weist nach, daß die junge Amerikanerin von heute ausgesprochen verantwortungsbewußter Mensch ist
Die ganze Welt wartet
Das Tagebuch der 13-jährigen Anne Frank
Unbeschwerte SchwangerSchaftswochen
Internationales Stipendium für Frauen
33 Ländern

23/7/52

aus

x

^

Gleiches Recht für die Frau
Eine Round-Table-Diskusaion der Universität
von Chicago über die sich ständig wandelnde
Rolle der Frau in den USA.
Die Welt erlebt mit nur drei Sinnen (II)
Ton Helen Keller
Das redselige Geschlecht
Wer ist redseliger, Mann oder Frau?
Pflanzen- oder gemischte Kost?
Forschungsergebnisse zu einer alten Streitfrage
Schülerin aus Bayern
dem Akkordeon

erobert- Amerika mit

Eierschalen nicht wegwerfen
* * * * *

- 6-

�ARTIKEL PUR DIE FRAU
13/8/52:
Das einsame Land der schwerhörigen Kinder
*

Variationen iil&amp;er ein Thema, in Stoff
Ans der Arbeit amerikanischer Modeschöpfer
Die Frau» Reserve des amerikanischen Arbeitsmarkt es
Inte rnationaler Kinderhilfafomda setzt Arbeit fort
Salfclos braucht nicht geschmacklos zu sein

2.7/8/52

*Die amerikanischen Frauen könnten den Präsidenten wählen ...*
Der politische.Einfluß der amerikanischen Frau.
Das begabte Kind
Aufgaben, die außergewöhnlich begabte Kinder
Eltern und Lehrern stellen
Atome in der Küche
Radioaktive Substanzen kommen Nahrungsmitteln
zugute
Indiskretionen über die kommende Herbstmode
Sinn für Humor gehört zur glücklichen Ehe
Karl au Anderson filmt
Die verborgene Blums
Ein neuer Roman Pearl S. Rucks
*

10/9/52

* * * *

Die Wunderbare Wirkung der Spieltherapie
Schwer erziehbare Kinder spielen sich von ihren
Komplexen frei
*

Ihre Exzellenz, die Frau Botschafter
Eugenie Anderson,US-Botschafterin in Dänemark

*

Tierkinder erziehen Menschenkinder
Kinder entwickeln Verantwortungsgefühl,Fürsorglichkeit beim Spielen mit jungen Tieren
Nebenlinie der Modet Der Sweater
Sag niemals »immer*
Ratschläge für eine gute Ehe
Studium - die beste Mitgift

24/9/52

*

Gespräch mit Marian Anderson

*

Kinderspielplätze - Paradiea der New Torker Kinder
Waschtag ohne Schrecken

�ARTIKEL FÜR VIR FBAU
24/9/52

Neues Antibioticum

gegen Akne

Wohlriechende: Farben ttschmecken^besaer
Forschungsergebnisse einer chemischen Versuchsanstalt
Frauenclubs planen Veitreise zur Hebung; &lt;ies
Seme ins chaf t sgedankens
* * * * *

4) JUSEEB
Juli 1952

Lebende Fossilien im Schatten der Wolkenkratzer
Chemiker - ein Beruf mit Zukunft
Schwere Musik leicht gemacht
M e New Torker Philharmoniker bereiten wieder
Konzerte für Kinder und Jugendliche vor
Unter dem Schlamm der Sintflut
Ausgrabungen im Delta des Enphrat und ÜÜgris
Yor der Wissenschaft steht der Mensch
Erfahrungen eines Austauschstudenten in den USA
* * * * * *

August 1952 * Bronco Charlie
Der letzte Postreiter aus dem Wilden Westen
"Der Streik schadet den Blumen*
Stuart Jackson, ein neunjähriger Zeitungsverleger
75 Jahre "Konservierter Schall*
Von Kdisons. phonographischer Walze zum
Magne t ephonb an d
Geheimnis der fliegenden Monarchen
Wissenschaftler versuchen das ©eheimnis des Wanderflugs eines Schmetterlings zu enträtseln
Schwarze Kiesel für die UN
Bin einzigartiges; Gr.eschenk der Insel Ihodos
*

* * * *

�September 1952

Der leichtsinnige Urachjäger
Eine. Ihdianererzählung
*Eie pjferde stehlende Katze von Oregon*
Im amerikanischen Westen sind auf Pumas
Kopfpreise ausgesetzt
•Jungferninseln* mit buntbewegter Vergangenheit
Seeräuber und Zuckerrohrpflanzer traten
Kolumbus' Erbe an
Himmelsfeuerwehr im Urwald
Todesmutige Bauchspringer ersticken Waldbrände im Keime
* * * * *

5) «5I8TISBS LEBEN
Juli

1952

Menottis Einfluß auf die moderne amerikanische Opernbühne
Mary Gassatt - Malerin der Mutter und Kinder
Eegistrierte Sehirnwellen
über Erfahrungen mit Elektroencephalographen
Erzieherische Formung der Gesamtpersönlichkeit
Die landwirtschaftliche Kochschule von
Michigan
Offener Brief TTpton Sinclairs an Joseph Stalin
Deutsche Chorstühle im Metropolitan Museum
* * * * *

August 1952

Kind und Kultur
über das Hauptwerk des Kinderspezialisten
Er« med« Er.phil. Arnold. Gesell, das in
deutscher.Sprache erschien
Wort, Müsi^j Geräusche
Erfolgreiches Fest moderner schöpferischer
Kunst an der Erandeis-TIhiversität
Genialität und Disziplin
Ben Stahl fand Synthese zwischen den künstlerischen und praktischen Werten der Malerei
und Graphik
- 9 -

�GEISTIGES LBBüiN
August

1952

Beutsehe Bandesrepüblik nimmt am
Fulbright-Prograinm "teil
25o deutsche Studenten und Bozenten werden
ab 1953 jährlich im lahmen des Fulbrightr-Austausehprogramms in den USA. studieren
# * * * *

September 1952

*

"Weg von den farblosen Aufsätzen*
T Gilbert G'rosvenor und sein "National
Geographie Magazine*

*

Sinclair Lewis:1 letzte Tage
Ton Alexander Manson, dem Privatsekretär
des amerikanischen Bichters
OoHenry - der "Entdecker"' Hew Xorks
William Sydney Porter, der unter dem
Pseudonym 0»Henry Weltrühm erlangte
Bas Traumhaus von Peterb.orough
Im Haus der greisen Mäzenin Marian MacBowell
schrieb Thorton Wilder ttBie Brücke von
San Luis.Key*
Beutsehe lucherfolge in den USA
* : &lt; * * * *

6] WIRTSCHAFT UND ARBEIT
2/7/52

*

Betroiter Zukunftsmusik

*

Herrscher über Milliarden Kilowatt
Bie "Bonrarille Power Administration"1 verfügt über die größten Staudämme der.Welt
Bars hatte eine Idee
Deutsche Eln-Mann-Niederlassung überwindet
internationale lohstoffkontrollen
Kunststoffe haben eine große Zukunft
Gewerkschaftliche Selbstkontrolle in den USA
Reform des Arbeiterbildungswerks in einer
US-Gewerkschaft
Zweirädriger Eisenbahnwagen
"Synchro—TapeH: - ein neues Magneto phonband

- lo -

�WÜHSOHAKL UND AHBSIf
9/7/52

Erdöl in Nordalaska
Rationelleres Metallformua&lt;gpverfahren durch
Metallpulver
Bergbau ohne Bergleute
Heißwasser zur Schwefel- und Salzgewinnung,
Kohl«verbrennung unter Tage, Leichtmetall aui
dem Ozean
USA-Gewerkschaften und politische Wahlen
Die amerikanischen Arbeitnehmerverbände als
politischer Faktor
Präzisionsuhr ohne Steine

16/7/52

Auch Amerikas Zeitungen haben ihre Sorgen
Ißfc-Wirtschaft trotz Stahlstreik stabil
Gewinnbeteiligungs- und Pensionspläne in der
US-Privatindustrie
Größere soziale Sicherheit durch Initiative der
Unternehmer
Warum arbeitet die Amerikanerin?
Die Universitäten dringen ins Volk
Mangangewinnung aus Hochofenschlacke
•

6/8/52

# * • •

Der Prosperitätswall gegen den. Kommunismus
Das amerikanische Hilfeprogramm für Ostasien
zeitigt erste Erfolge
Lebt der Amerikaner besser als wir?
. Auf je 4 Arbeitnehmer 5 Aktionäre
Die großen Industrieunternehmen der USA in
Zahlen gesehen
Die 8 Gebote des sozialen Friedens
Ursachen der innerbetrieblichen Spannungen
Kaffeemaschine mit Wählseheibe
Magnetpumpe für flüssige Metalle
Metalle freischwebend geschmolzen

11 -

�WIRTSCHAFT UJSD ARBEIT
13/8/52

*

Tradition und Fortschritt verbinden sich bei
Soennecken
Anzüge aus Erdöl - völlig knitterfrei
•Chemische* Textilindustrie auf dem Tormarsch
Wer besitzt die amerikanische Industrie?
Die Masse der Aktien befindet sich in der
Band von Kleinaktionären
Ungewöhnliche Metalle in der modernen Industrie
"Union Shop* mit neuem Akzent
"Motor der Zukunft*
225-Megahertz-Transi stören
HoQhspannungs-Trockengleichriehter

2o/8/52

Leistungsfähiger - schneller - billiger
Bin alter Kraftfahrer zieht Bilanz
Das Fernsehen erobert den amerikanischen
Kontinent
Amerikas Wirtschaft zur Jahresmitte
Trotz Stahlstreik normale Entwicklung
Der ideale Lebensmittelladen der Zukunft
Die strukturellen Veränderungen in der
amerikanischen Textilindustrie
Kunstharzbeton mit doppelter Festigkeit
Fertigbetonplatten für Industrie und Wohnungsbauten

27/8/52

Zur Stärkung der freien Welt
Das neue KSA-Gesetz konzentriert die amerikanische Wirtschaftshilfe
Werkzeugmaschinenfabrik »Till Märkte zurückerobern
Die USA sind eine Billion Dollar wert
tiberblick über das amerikanische Volksvermögen
Zwischen Scylla und Charybdis.
Die Frage der Preispolitik in dem USA
Sin Haus aus Stroh
Die gleitende Lohnskala in den. Vereinigten
Staaten

- 12 -

�WIFTSCHAFT UND ARBEIT
27/8/52
Die "sprechende" Fahrbahn
Neue Gummifarben mit überragenden Eigenschaften
Neues Hochleistungskabel
Die Gewerkschaften als Hüter des Lebensstandards
*

3/9/52

* * * *

Man sagt Merck und meint Medizin
Väterliche Tradition und eigene Initiative
schufen ein bedeutendes Industrieunternehmen
in der Neuen Welt
Die amerikanische Wirtschaft im Jahre 1975
Wie amerikanische Volkswirtschaftler die wirtschaftliche Entwicklung der USA in den nächsten
25 Jahren sehen
Titanerzeugung soll durch staatliche Hilfe
forciert werden
US-Gewerkschaften als potentieller Wahlblock
Neuerungen in der Meßtechnik
Apothekerwaage mit 1/10 Milligramm Genauigkeit
Microgasometer

10/9/52

Compax PH-Messer
Minot Rotary Microtome
Strontium 90 als Dickenmesser
Die Türkei löst ihre Verkehrsprobleme
Amerikanische Autos erhalten ein neues Gewand
Baisse am amerikanischen Wollmarkt
Radar für den Flughafen
Weltpolitik als Thema der Erwachsenenbildung
"Musterbetrieb" der amerikanischen Textilindustrie
Aluminiumüberzüge nach neuem Tauchverfahren

- 13

�WISH5QHAPT UHB ARBEIT
17/9/52

Das Scrjnalfilmprogramm der MSA unterstützt die
Bestrebungen der deutschen Produktivitätsaktion
4oQ-BH 11 ionen—Do 11 ar-AJ.umIni.uHBV erk in Alaska
Manganerzeugung soll durch staatliche Subventionen erhöht werden
Deutsche Maschinen für amerikanisches Aluminiumwerk
Wie kaufe ich einen gebrauchten Wagen? (I)
Streikfrage und Gewerkschaftsmonopol in
den USA
Frauen

im amerikanischen

Plugzeugbau

Einkommen der Ärzte,Rechtsanwälte und Zahnärzte in den "USA
Neue "Wunderfaser" widersteht 1 4oo Grad Celsius
Penicillinpräparat gegen Gelenkrheuma
BAL gagen Hauterkrankungen
Cortison gegen Haarausfall
24/9/52

Hollywoods Pilmproduzenten in der Zwickmühle
Selbstbedienung bei Woolworth
Steht eine nochmalige Erhöhung der Aluminiumkapazität bevor?
Wie kaufe ich einen gebrauchten Wagen? (II)
Gewerkschaftliche "Tachhoehschule* in den USA
Die I1GWU besehreitet neue Wege im Arbeiter-,
bildungswerk
Farbfernsehen jetzt technisch durchführbar
Marisilid gegen TBC

* * * * *

- 14 -

�7) LASMIRTSCHAFT
August

1952

Internationale Abwehrmaßnahmen gegen die
Bang*sehe Krankheit
G'afi-Schutzhülle für Obst und Gemüse
Versand von frischem Gbst und Gemüse ohne
Kühlung
Klima-Kalender für Bauern und Gärtner
Amerikanischer Klimaforscher errechnet
Waohstumseinheiten für Hutzpflanzen
Ein Pionier des ITeizenbaues
Einkommensverhältnisae in der amerikanischen
Landwirtschaft
Hormone gegen Sterilität
* * * * *

September 1952

Bodenbeschaffenheit und menschliche Exnährung
Ein ungewöhnliches Geschenk
Die Universität von Missouri erhält 4ie
Guernae^Zuchtviehherde mitsamt Liegenschaften als Geschenk
Viehfutter waggonweise aus dem Labor
Schwefel in Landwirtschaft und Industrie
Ein neues Vitamin-A-Präparat
Rekordernten aus Hydrokulturanlagen
Interessantes für den Bauern

* * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der »AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

- 15 -

�A M E R I K A

D I E N S T

W V

VVMA-

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL
DES "AMERIKA DIENST"
vom 1. Oktober 1952 «- 31 • D.esember 1952

Seite

1.) ALLGEMEINES

1

2.)

SONDERBEILAGEN

5

3.)

PUR DIE FRAU

5

4.)

EUR DIE JUGEND

7

5.)

GEISTIGES LEBEN

8

6.)

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

9

7.) LANDWIRTSCHAFT

12
* * * * »

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

�1) ALLGEMEINES
1/10/52 * Cape Cod, der historische "Landungssteg" Amerikas
Der Mann am Ton-Steuer Die physikalische Technik kommt den Musikfreunden
vor den Lautsprechern zu Hilfe
* Er war ein unzeitgemäß glücklicher Mensch Zum Tode des Dichterphilosophen George Santayana
Aus dem Kraftfahrwesen der USA Ermäßigte Versicherungsprämien für unfallfreies Fahren
3/10/52
Die amerikanische Handelsflotte Zwei neue Typen von 10 C00 BRT-Handelsschiffen
Völker sprechen miteinander Auslandische Studenten an der Universität von Ohio
Hollywoods Talentsucher mit neuer Mission
8/10/52 * An der Pforte des Düsenzeitalters
Die neue Theatersaison am Broadway
Nur für starke Nerven Der neue dreidimensionale Tonfilm "CINERAMA" in
New York angelaufen
* Es gibt nicht Freund noch Feind Über alle Grenzen hinweg betreiben die Quäker ihr
stilles Werk der Nächstenliebe
10/10/52
USA und Montan-Union
* Das neue Thule Amerika baut Flugplätze in der Arktis
Industrieforschungsinstitut untersucht nationalökonomische Verhältnisse
Trygve Lie zum 24. Oktober 1952, dem Tag der
15/10/52
UN-Sonder- Vereinten Nationen
ausgabe
Vermitteln - Verhandeln - Versöhnen Sieben Jahre UN-Charta
Die Bank der UN und ihre Aufgaben Weltbank und Internationaler Währungsfonds
Aus der Tätigkeit des Wirtschafts- und Sozialrates
der Vereinten Nationen
Aus der Arbeit der Vereinten Nationen im Jahre 1952
15/10/52 * Schiffsmuseum in "Lebensgröße" im historischen Hafen
von Mystic
Augenzeuge einer Apokalypse Arthur Köstlers erster Band seiner Autobiographie
* Episoden aus dem Verhandlungszelt von Panmunjom
17/10/52
Limit: sechs Weltsprachen Zwei französische Sprachforscher weisen einen neuen
Weg aus dem Sprachenbabel unserer Welt
Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial
- 1 -

�ALLGEMEINES
17/10/52 * Auf zwei Quadratkilometer ein Mensch Nevada lebt vom Fremdenverkehr und Bergbau
Sprechstunde für Blattläuse Naturwissenschaftler nutzen Mikroben, um
Pflanzenseuchen zu bekämpfen
22/10/52 * Sorgloses Alter in der Blumenkolonie Stiftung des Staates New Jersey schenkt alten
Leuten eigene Siedlungskolonie
* Pracht per Luftexpreß
Kleine Tempel echter Filmkunst
24/10/52
UN-Haushaltplan für 1953
Man ist so alt wie seine Arterien Durchblutung bestimmt die körperliche Verfassung eines Menschen
* Die Kunst, öl zu bohren
Im größten Tierspital der Welt Aus der Arbeit des Angell-Memorial-Hospitals
in Boston
29/10/52
Probleme der UN-Vollversammlung Die 7. Vollversammlung, die neue Bewährungsprobe der großen internationalen Organisation
* Büffelhäute und Känguruhleder Ein Blick auf die amerikanische Lederindustrie
Fremdsprachenunterricht von acht Jahren an Die Yale-Universität untersucht ein vieldiskutiertes Unterrichtsproblem
* Beseelte Drahtgestelle Sandy Calder, einer der eigenwilligsten Bildhauer Amerikas
31/10/52 * Boston - Keimzelle der USA Die historische und kulturelle Bedeutung der Haupt
stadt des amerikanischen Bundesstaates Massachusetts
"Große Bücher der westlichen Welt" Der Verlag der "Encyclopedia Britannica" in
Chikago gibt Jetzt in 54 Bänden die "Großen
Bücher der westlichen Welt" heraus
Moderner amerikanischer Gebrauchs-Stil
Der Dichter und sein Lektor Die Geschichte der Freundschaft zwischen Thomas
Wolfe und seinem Verlagslektor Maxwell Perkins
* Herve J. L'Heureux Der neue rangälteste amerikanische Generalkonsul
in Deutschland
* * * * *
5/11/52
Pflugscharen statt Schwerter Zur einjährigen Arbeit der UN-Abrüstungskommission
Die Kohlenpipeline im Pittsburgher Revier
Erste Hilfe für Geigen und Trompeten Die Vereinigung amerikanischer Musikgesellschaften
unterstützt Musiker in kriegsgeschädigten Ländern
- 2 -

�INES
7/11/52 * Die Korbmacherinnen von Arizona Nach uralten Vorlagen flechten die Eingeborenenfrauen der Indianerstämme Arizonas ihre formschönen
und bunten Körbe
Die Luxusvilla des Sowjetdelegierten bei den
Vereinten Nationen auf Long Island
Rost nagt an der Zivilisation Forschungsinstitute der USA führen scharfen Kampf
gegen Metallkorrosion.
* Tampa, an der Westküste Floridas gelegen, ist
Industriezentrum, Kurort und Welthafen zugleich
Langsamfahren - keine Garantie gegen Unfälle
"Er war still und immer voller Güte..." Besprechung der Einsteinbiographie aus Bela
Kornitzers neuem Band "Amerikanische Väter und Söhne"
U/11/52
Die Viehzucht in den USA
Der Vulkanausbruch auf San Benedicto
Bibel bricht Verkaufsrekorde
19/11/52 * Charleston ist eine der schönsten und eigenartigsten
Städte des amerikanischen Südens
Walt Disney: Auch ein Kulturfilm muß unterhalten
Das elektronische Gedächtnis
Im Zeichen der Roten Feder Sammelfeldzug füllt die Wohlfahrtskassen der Gemeinden
21/11/52 * Die Spanisch-Moos-Sammler von Louisiana
Spielzeugangebot wie noch nie
* Die Brezellegende
* Amerika und sein Truthahn
26/11/52
Millionengeschäfte mit Ruß
* Wie ich Schachmeister wurde von Larry Evans, dem 19jährigen amerikanischen
Schachmeister
Musik lehren heißt Menschen erziehen
28/11/52 * Hurrikan-Flieger über der karibischen See
Die Räucherkammer der USA Smithfield in Virginia ist durch seinen Schinken
bei den Feinschmeckern der ganzen Welt ein Begriff geworden
Den Erzfeind hegen und pflegen... Analyse der gegenwärtigen russischen Haß-Kampagne
gegen die USA und der Ziele und Formen der Sowjetpropaganda überhaupt
Schwester Kenny Die um die Bekämpfung der Spinalen Kinderlähmung
verdiente Krankenschwester
* * * * *

�ALLGEMEINES
3/12/52

*
5/12/52

*

10/12/52

*
*
*

12/12/52

*
*

17/12/52

*

19/12/52

*
*
*

Menschenrechte - eine Verpflichtung
Am 10. Dezember 1948 wurde in Paria die "Allgemeingültige Erklärung der Menschenrechte" von der UNVollversammlung unterzeichnet
Regen ohne Risiko - Die künstliche Auslösung von Regen
Wisconsin - Milch, Käse und sozialer Portschritt
Weihnachtsbäume - Ein Weihnachtsrundbrief von Robert
Frost
Weihnachtsbräuche in den USA
Geschichten um die Weihnachtskarte
In Amerikas Christbaumwäldern
Frau Weihnachtsmann von Oklahoma
22 Millionen Dollar zur Bekämpfung der Tuberkulose
bfachte der vorjährige Verkauf der "Xmas-Seals"
Der Erfinder des Streptomycins • Interview des diesjährigen Trägers des Nobelpreises für Medizin, Professor Selman A. Waksman
Häuser auf Rädern - Wohnwagen-Anhänger finden eine
immer größere Gemeinde
"Laßt die Moleküle rasen..." - Ein Laie spaziert durch
das Atomlaboratorium Brookhaven
Die Erdölfarmer von Oklahoma
Produktivität eine Geisteshaltung
Aber Frauen leben länger als Männer ...
Einzelheiten über den Bevölkerungsstand der Erde
gibt die 700 Seiten starke Publikation der V.'HO
"Lebensstatistiken und Todesursachen"
Deutsche Richter im Zuschauerraum - Deutsche Juristen
finden bei amerikanischen Jugendgerichten Beispiele
väterlich - rücksichtsvoller Prozeßführung
Vom Waisenknaben zum Finanzminister - Zur 150. Wiederkehr des Geburtstages von Christopher Gustavus Memminger
Kunst und Werbung
Frauen bei der UNESCO
Kapitol: Schauplatz großer Entscheidungen - Seit 150
Jahren werden im Kapitol die wichtigsten politischen
Entscheidungen der Vereinigten Staaten getroffen
Bücher - Filme - Bilder - Foren
Die Programme und Projekte der HAMERICAN LIBRARY
ASSOCIATION"
Avenue der Botschaften - Diplomaten von 77 Nationen
leben in Washington
Andersens Märchen am Broadway
* * * * *

- 4 -

�2) SONDERBEILAGEN
3/10/52

22/10/52
31/10/52

5/11/52

7/11/52

AMERIKA WÄHLT (VIII)
Macht und Verantwortung
Bedeutung der amerikanischen Präsidentschaft als
oberste Exekutive des Landes
Rede des amerikanischen Außenministers Dean Acheson
vom 16. Oktober 1952 vor der UN-Vollversammlung in
New York
Auszüge aus der Rede des US-Außenministers Dean
Acheson vom 24. Oktober 1952 vor dem I. Politischen
Ausschuß der UN-Vollversammlung
AMERIKA WÄHLT
IX. Folge und Schluß
"Die Wahlmänner . »• stimmen durch Stimmzettel für
einen Präsidenten ..."
Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen 1948 und
1952 Aufschlüsselung der 531 Wahlmänner nach einzelnen Bundesstaaten.
*

*

3) ARTIKEL FÜR DIE FRAU
8/10/52

2 2/10/52

Die Frauen in den gesetzgebenden Körperschaften von
New Hampshire
UN-Organisationen sorgen für die Ausbildung von
Hebammen in asiatischen und latein-amerikanischen
Ländern
Das kleine Porträt (I)
Die Bibliotherapeutin Sadie Peterson Delaney
Geld - psychologisch betrachtet
Ergebnisse einer Reihe von Umfragen über
die Beziehungen des Menschen zum Geld
Selbstvertrauen schon in der Kinderstube
M
Good Housekeeping" - Drinnen und Draußen
Erziehung zum Staats- und Mitbürger, ein Schulfach
am Mills College in Kalifornien
Schmitz, Gnepp und Hutzelbrod
Deutsch-PennsyIvanischer Küchenzettel
Gesellschaftliches Rezeptbuch 1952
Amy Vanderbilts Ein Buch für gutes Benehmen, wie es
der Neuzeit angepaßt ist
Sie begeisterte Könige und Bürger
Annie Oakley, das scharfäugige Mädchen aus Ohio
Das kleine Porträt (II)
Doriot Antony, erste Flötistin bei den Bostoner
Symphonikern

- 5 -

�ARTIKEL!ÜR DIE *EAU
22/10/52

Die Hausfrauen-Polizistinnen von Milwaukee

5/11/52

* New Yorker Ausstellung über die Geschichte
der Suffragettenbewegung in den USA
* Wenn das Kind nicht schlafen will ...
Amerikanischer Wissenschaftler untersucht,
warum Kinder sich gegen das Zubettgehen sträuben
Das kleine Porträt (III)
Ida Hildibrand - die Freundin der Farmersfrauen
Landschaft auf Lager
Amerikanische Photographin arbeitet als
"Filmszenerie-Detektiv" für Hollywood
In 57 Staaten sind die Frauen gleichberechtigt
Bericht des UN-Generalsekretärs Trygve Lie

19/11/52

Ein Bündel Malstifte
Ein schizophrenes Kind malt sich gesund
In Schönheit verhungern
Amerikanische Ernährungs-Wissenschaftler raten
bei allen "Sehne11-Abmagerungs-Kuren" zur Vorsicht
Wandelbare Mode - Spiegelbild der Zeit
Das Bostoner Kunstmuseum zeigt zur Zeit eine
umfassende Sammlung von Kleidern aus den vergangenen 250 Jahren
Brillen sind "fashionable"
Eis-Shows im New Yorker Madison Square Garden
Über die Freiheit zur Selbstdisziplin
"Mutter-Sohn-Team" erstmals im Kongreß der USA

3/12/52

.Die natürliche Überlegenheit der Frau
Von Ashley Montagu, Direktor des anthropologischen Instituts der Rutgers-Universität
in New Brunswick
Das kleine Porträt (IV)
Gewebte Geschichtsbücher - Deutschamerikanerin
restauriert wertvolle Gobelins
Ehe der Jugendrichter eingreift •••
Erwachsenen-Forum soll gefährdete Jugendliche
vor der Bekanntschaft mit dem Gericht bewahren
Frauen in den Vereinten Nationen
Frauen übernehmen diplomatische Funktionen bei
den UN-Delegationen
Warm behütet in den Winter
Große, weiche Winterhüte in der Gunst der
Amerikanerin

�^

ARTIKEL FÜR DIE FRAU

17/12/52

* Psychologin auf eigenen Wegen
Die in Deutschland geborene Psychotherapeutin
Karen Eorney starb am 4. Dezember in New York
* Eltern sind reizend, aber ...
Amerikanische Teenagers sprechen über "elterliche" Probleme
Vati ist kein Kinderschreck
Disziplin und die Rolle des Vaters in der
Erziehung der Kinder
Das kleine Porträt (V)
Florence Chambers - Olympiamedaille und
Züchterdiplom
Das Kleid der Zukunft
Synthetische Pasern und Pasermischungen sind
eine starke Konkurrenz natürlicher Produkte
Sandwiches für festliche Stunden
•

# • * *

4) ARTIKEL FÜR DIE JUGEND

m

Oktober 1952 Der Teufel und Daniel Webster
"Mensch, ihr seid doch anständige Kerle!"
Kinder erteilen den Erwachsenen von Bloomfield
eine Lektion darin, was es heißt, Mitbürger
zu sein
* Ich breche die Blitze •••
Im Jab.e 1752 erfand Benjamin Franklin den
Blitzableiter
"Halloween" - Nacht der Hexen und Geister
Kindermummenschanz am 31. Oktober
Rennwagen aus Schrott
"Hotrod"-Rennen an den Salzseen im Staate Utah
November 1952

*

Das Kaninchen und die Brunnenwächter
Eine Tiergeschichte aus dem amerikanischen
Märchen- und Sagenschatz
Das Tagebuch einer kleinen Stadt
Fünfzehnjährige Jungen und Mädchen einer höheren
Schule schreiben ein Buch über ihre Heimatstadt
Pack die Angelrute ein •••
In den USA gibt es Millionen begeisterter junger
Angler
Mister Clark, der Büffelzüchter
Trupp 198
New Yorks blinde Pfadfinder

Dezember 1952

Die Geschichte vom kleinen Esel
Eine Weihnachtsgeschichte aus dem amerikanischen
Süden

�JUGEND
Dezember 1952

Der Schneeschuhgeist der Sierra Nevada
Ein amerikanischer Landbriefträger vollbrachte 20 Jahre lang Übermenschliches
an Entsagung und Hilfsbereitschaft
Das Wunder der gefüllten Strümpfe
Die Entstehungsgeschichte eines amerikanischen Weihnachtsbrauches
Besuch in der Spielzeugstadt
Eine kleine Weihnacht :krippe gab Anregung
für die Anlage einer selbstgebastelten
Spielzeugstadt
* * * * *

5) GEISTIGES LEBEN
Oktober 1952

*

Geigerzähler korrigieren Geschichtsbücher
Archäologen bestimmen mit Isotopenkalender
und Atomuhr das genaue Alter historischer
und prähistorischer Funde
Ostasiatische Kunstsammlungen in den USA
Neues Programm zur Veröffentlichung von
Dissertationen
Was Geschäftsleute sammeln
Eine Ausstellung privater Gemäldesammlungen
Engländer gewinnt Carnegie-Preis
Das Carnegie-Institut zeichnet den englischen
Maler Ben Nicholson aus

November 1952^ Über den wahren Humanismus
Interview mit Albert Einstein
* Der begabte Zuhörer
Von Aaron Copland
Worpswede in Florida
Sarasota, das Künstlerstädtchen am Golf
von Mexiko
Tennessee Williams in Moll und Dur
US-Außenministerium verteilt Fachbibliographie
Dezember 1952

Deutsche Maler in Amerika
Ein Menschenalter reicht nicht aus
Interview mit dem jungen amerikanischen
Dirigenten Thomas Schippers
* Die Dumbarton Oaks-Sammlung für byzantinische
Kunst
Die Pyramidentexte
Der erste Buddhistentempel der USA eingeweiht
* * * * *

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
1/10/52

*

Werkzeuge des "Management" für deutsche
Unternehmer
Amerikanische Betriebsführer berichten
deutschen Industriellen über ihre Erfahrungen
Der .Farmer wird umworben
Beide Parteien versprechen das gleiche
USA lehnen Vorschläge zur Bildung eines
neuen Gummikartells ab
Der Sender des US-Normenamtes übermittelt
Zeit-, Frequenz- und Tonsignale
Amerikanische Landarbeiterprobleme
Die nächsten 10 Jahre in der amerikanischen
Gewerkschaftspolitik
Besser und schöner als Papierwolle
Neues amerikanisches Kunstharzmaterial für
den Glaswarenversand

8/10/52

*

Im Emslandmoor geht der Mammutpflug um
Bankiers, Kredite und Kartelle
NAM-Gutachten umreißt die Möglichkeiten und
Hindernisse für ausländisches Anlagekapital
in Westdeutschland
Heilmittel für alle Welt
Amerikanische pharmazeutische Werke für den
Riesenbedarf an Medikamenten
Die Renaissance der Baumwolle
Lohnwellen und Sozialleistungen in der
amerikanischen Privatindustrie
Der Arbeiter muß das Ziel seiner Arbeit kennen
Größeres wirtschaftliches Verständnis durch
volkswirtschaftliche Fortbildungskurse
Leuchtschirm und Schattenflugzeug als
konstante Wegweiser
Cortisongewinnung vereinfacht

15/10/52

*

Erdöl verändert Landschaft und Menschen
4-5 ölgesellschaften in Nord-Dakota
Neue Riesen-Ölleitung wird Texas mit dem
Westen verbinden
Hudson in Konkurrenz mit Ford
Neuer Wagentyp in der billigen Preisklasse
Das Autovermietgeschäft nimmt ständig zu
Mode- und Textilkrise in den USA
Neuheiten auf dem amerikanischen Weihnachtsmarkt
Deriechte Mann am rechten Platz
Deutsche u»d amerikanische Produktivitätserfahrungen Verden in Berlin gezeigt

22/10/52

- 9-

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
22/10/52

Mehr Wissenschaftler in die Betriebe
Die Verteidigungsausgaben müssen erhöht werden
Erhöhung der Gesamtausgaben auf rund 250 Milliarden Dollar wahrscheinlich
Der ungekrönte König aller Sehreibutensilien
Ein Kapitel sozialer Selbstverwaltung
Die "Agreed Bills" im Staate Illinois als
Vorbild für die Sozialgesetzgebung
Flüssiger Kunststoff
"Abstossende" Farbe
Neues Schweißgerät für Nichteisenmetalle

29/10/52

Der Venezuela-Handel hat goldenen Boden
Wie man heute in Amerika baut
Gewaltiger Anstieg des luftfrachtverkehrs
Westdeutschland hat größten Anteil an der
Steigerung des Frachtvolumens
In den USA ist der Automat "Mädchen für alles"
Die russischen "Paradieslöhne" - einmal
nüchtern betrachtet
Die hundertprozentige Kunststoffwohnung

5/11/52

Industrie baut Basteln zu einem Millionengeschäft aus
Amerikanische Wirtschaftslage weiterhin stabil
Die Wandlung der Einkommenstruktur
"Autofahren" im Schulzimmer
Amerikanische Frauenarbeit und Frauenlöhne
Neues Jugend-Arbeitsschutzgesetz
Hochempfindlicher Wärmemesser
Photographiere mit Datum
Regenschirm mit Fenster

32/11/52

Betrachtung zu den deutsch-amerikanischen
Betriebsführerbesprechungen
Läden ohne Waren und Verkäufer
Ein Experiment zur Senkung der Preise und
Betriebskosten
Konkurrenzkampf auf dem Automarkt verschärft sich
Erdölwunder in der modernen Chemie
Berufswahl und höheres Schulwesen in den USA
Kleinzündanlage mit "Superfunken"
Oszillograph-Kontrollwaage für LKW

*

- 10 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
19/11/52

*

Amerikanisches Weihnachtsgeschäft läuft an
Neue Tongeräte mit neuen Effekten
Auf die richtige Farbe kommt es an
Amerikanische Geschäfte prüften verschiedene
Barben auf ihre "Verkaufseigenschaften"
Wandlungen im Arbeitsplatzwechsel in den USA
Neues gummiartiges Produkt mit großer Widerstandsfähigkeit
Neue Kunstgummiqualität verringert Reifenerwärmung

26/11/52

Planung und Test - Das A und 0 der
Produktivitätssteigerung
Weiterhin lebhafte Investitionstätigkeit in
der US-Industrie
Volkswagen auf US-Markt durchaus konkurrenzfähig
Technisches Spielzeug beherrscht den diesjährigen
amerikanischen Weihnachtsmarkt
Die Bedeutung der amerikanischen Gewerkschaftspresse
Koffer-Fernsehapparate mit Germanium-Transistoren
"Rechnendes" Transportband
Ungeziefer-sichere Kleidung

3/12/52

Bessere Wohnungen - Niedrigere Baukosten
MSA-Bergarbeitersiedlungen als Modelle für
den künftigen sozialen Wohnungsbau
"Werkprofessoren" - Ein Bindeglied zwischen
Hochschule und Industrie
Autobahnbau mit privaten Mitteln
Amerikas Erfahrungen mit einem internationalen
Problem
Die Kältetechnik in Dienste der modernen Industrie
"Musikkonserven" bedrohen die Existenz des
Berufsmusikers
Spuranzeiger lokalisiert Heizrohrschäden
Wasserski für Düsenflugzeuge
Düsenpropeller-Flugzeug

10/12/52

Das RKW - die Clearingstelle für technische
Erfahrungen aus aller Welt
-Liiternationales Wirtschaftstreffen der Freien
Welt 1953 in Wien
Das Zentrum der Aluminium-Industrie liegt
in Kanada und Alaska
"Glas"-Kunststoffe so hart wie Stahl
"Ferngelenkte" Handlungsreisende
"Walkie-listen" - der verlängerte Arm des Chefd
- 11 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
10/12/52

Pharmazeutika in Kapselform
Neue Papiersorte aus Glas

17/12/52

Amerikanischer Wirtschaftsspiegel 1952
(Schaubild)
Ein Jahr der Konsolidierung
Der Dollarkreislauf (Schaubild)
Produktionsausweitung - der Schlüssel zur
Erfüllung der Verteidigungsaufgaben
Großwirtschaftsräume in Zahlen gesehen
(Schaubild)
Die Außenhandelsstruktur veränderte sich
Der amerikanische Außenhandel im Jahre 1952
(Schaubild)
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung 1952
Das Wachstum der US-Gewerkschaften (Schaubild)
* * * * *

7) LANDWIRTSCHAFT
Oktober 1952

November 1952

Dezember 1952

*

Die große Zukunft der Hybriden Formen
Große Fische im Genossenschafts-Netz
Amerikanische Fischer organisieren sich
zu Genossenschaften
Kraftfutter aus dem eigenen Betrieb
Künstliche Trocknung ermöglicht rationellere
Futterwirtschaft
Saatgutkontrolle in Texas
Neuer Trächtigkeitstest bei Kühen
US-Landwirtschaftsministerium will
Rosinenexport subventionieren
USA tauschen Weizen gegen Dünger
Der Dichter hinter dem Pflug
Louis Bromfield als Pionier der
Bodenkultivierung
Impfstoffe gegen Hühnerkrankheiten
Jede Stunde ein Ferkel
Arbeitsbericht von einer Drei-Mann-Schweinezucht in Delaware
Es geht auch ohne Melken
Kurioses Experiment amerikanischer Viehzüchter
Maßnahmen zur Hebung der Eier-Produktion
Höherer Zuckergehalt der Zuckerrüben
Zwergwuchs bei Rindern
- 12 -

�LANDWIRTSCHAFT
Dezember 1952

Hexereien mit Hirse
Colchicinpräparat beschleunigt
Zuchtauslese
Mehr Schweinefleisch - weniger Fett
Die Schweinezüchter von Ohio haben ihre
Produktion nahezu ganz auf Fleischschweine
umgestellt
Äcker schwimmen ins Meer
Experimente im Mississippital veranschaulichen, welch ungeheure Mengen von Mutterboden jährlich durch Auswaschung verloren
gehen
Buschrodung mit chemischen Mitteln
Erfahrungen mit Chlorphenoxy-Essigsäuren
Hülsenfruchtanbau seit 6000 Jahren
Ersatzstoffe für Eiweiß
Neomycin gegen Mastitis
#

*

*

•

#

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMEEIXA DIENST
kostenlos Bildmaterial

- 13 -

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1*1 R K

I

K

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IN S

S/6 - April 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENliATERIAL UND ARTIKEL
DES "AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1950 - 31. März 1950

ACHTUNG REDAKTIONEN!
Um Ihnen das Auffinden von Nachrichten und Artikeln
aus früheren Nummern des "AMERIKA DIENST" zu erleichtern,
bringen wir Ihnen ein Inhaltsverzeichnis des Materials,
das Ihnen im ersten Quartal 1950 zugegangen ist. Durch
eine Aufgliederung nach Sachgebieten soll Ihnen die spätere Verwendung des einen oder anderen nicht allzu zeitgebundenen Artikels ermöglicht werden.

Redaktion
"AMERIKA DIENST«
(U.S. Feature Service).

I

�S/6 - April 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
«AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1950 -31« März 1950
Seite
Leben in den U.S.A.
Wissenschaft
Portrait der Woche
Kunst, Musik, Theater, Film, Literatur
Das neue Buch
Europäisches Wiederaufbauprogramm
Wirtschaft
8.) Arbeit
9.) Politik
10.) Architektur
Erziehung
Medizin
Meilensteine auf unserem Wege
Amerikanische Städte
Unser modernes Zeitalter
Rundfunk
Religion
Sport
Zu Ihrer Information
Artikel für die Prau
Kurznachrichten für die Prau
Landwirtschaftliche Nachrichten
Kurznachrichten für den Landwirt
Die amerikanische Wirtschaft
Kurzberichte aus der amerikanischen Wirtschaft
Gewerkschaftliche Nachrichten aus den Vereinigten
Staaten
Geistiges Leben
Jugend
Sondernummern
+ + + + + + + + + + + + + +

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2
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16
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18
20
21

�1.) LEBEN IX JE&amp;JJ •?•.*&lt;
4/1/50

+) 1) "Warenhaus der Gedanken" ... die amerikanische
Tageszeitung.
2) Gefängniszellen nach persönlichem Geschmack.
6/1/50 +) Die amerikanische Kleinstadt.
9/1/50
Das Atom der Demokratie — Eine Stadt psyohoana^
lysiert sich selbst.
H/l/50
Fernsehen verdrängt Wochensohau.
13/1/50
Cahokia, Illinois, ist die älteste Siedlung am
Mississippi.
16/1/50 +) 1) Louisiana, der*europäische' Staat.
2) Wohnwagen mit Klimaanlagen und Brausebad.
18/1/50 +) Das kulturhistorische Museum im Albuquerque.
20/1/50
1) Filmstar für zwei Minuten.
+) 2) AmerikasWintersport No. 1 - Basketball.
23/1/50 +) HDer weiße Traum" - Kunsteisbahnen in den
Vereinigten Staaten.
25/1/50
1) Aus der Geschichte des Bronx-Zoo.
2) Kampf dem Großstadtlärm.
27/1/50 +) 1) Altes und neues Kalifornien.
2) Sträflinge können duroh nützliche Arbeit
ihre Haft verkürzen.
31/1/50
1) Landbriefträger in den Rocky Mountains.
+) 2) Freiheitsstatue in neuer Umgebung —
Bedloe's Island im New Yorker Hafen wird
renoviert.
+ + + + + + + + + + + + +
2/2/50
4/2/50
7/2/50
9/2/50
14/2/50
16/2/50
18/2/50
21/2/50
23/2/50
25/2/50
28/2/50

Skiwettkämpfe in Lake Plaoid, New York, und Aspen»
Colorado.
+ ) Kalifornien - der Weinberg Amerikas.
1) Ölbohren ist Glüokssache.
2) Vermont: Ein Laboratorium des Fortschritt«•
Hotel Waldorf Astoria - "die Bühne der Welt".f) Seattle - das Tor nach Alaska.
Amerikanische Organisation zur Behebung rassieohsr
und politischer Vorurteile.
-^ Die Maulesel-Hochschule am Grand Canyon.
+) Zwanzig Millionen Kegler.
+) Death-Valley - Das Tal des Todes.
Kleine Kulturgeschichte aus dem Speisezettel.
Höfliche Telefonvermittlung ist die zugkräftigste
Reklame.
+ + + + + + + + + + + + +

- 1 -

�LEBEN IN DEN UoSoA,
2/3/50
4/3/50
7/3/50
9/3/50
11/3/50
14/3/50
16/3/50
18/3/50
21/3/50
23/3/50
25/3/50
28/3/50
30/3/50

Eingefrorener Fisoh begründet eine Industrie.
Der letzte Postreiter des Wilden Westens.
+ ) Millionen Menschen besuchten das Empire State
Building.
Klimawechsel auf der ganzen Welt wirkt sioh auoh
in den ü,SoAJ'aus»
+) "Drüben im Westen" — Cowboys leben im Volkstum,
in Liedern und Tänzen weiter.
+) Amerikanische Großstädte beschleunigen Fernverkehrsstraßenbau.
Die Stadt im Park — ein Musterbeispiel moderner
Stadteplanungo
DP's passen sich leicht an.
+) Das Bürohaus der Zukunft.
+) Landwirtschaft: mit Idealismus. - Leistungen und
Ziele des 4-H-Clubs.
+) Eine deutsche Studentin berichtet von ihren Eindrücken auf einer amerikanischen Universität.
Ein Dorf, das sich weigert, eine Stadt zu werden Carmel.
Im Kapitol von Washington gibt es keine Hofetikette,
aber 75 "Pagen".
+ + + + + + + + + + + + +

2.) WISSENSCHAFT
4/1/50
6/1/50
9/1/50
H/l/50
13/1/50
16/1/50
18/1/50
23/1/50
25/1/50
31/1/50

Anwendungsmögliohkeiten der Atomwissenschaft in der
Textilindustrie.
Fata Morgana — Trugbild am Himmel.
Sprachunterricht an Elektronengeräten.
+) Neues Kleinflugzeug mit vorzüglichen Flugeigenschaften.
+) Das amerikanische Telefonsystem.
+ ) Bomben gegen Waldbrände.
+) Die Antarktis — ein zweites Alaska?
Das Riesenauge auf dem Mount Palomar.
Laminator rettet Dokumente.
Expedition in eine zweitausendjährige Vergangenheit.
+ + + + + + + + + + + + +

- 2 -

�WISSENSCHAFT
2/2/50
4/2/50
9/2/50
11/2/50
14/2/50
16/2/50
21/2/50
28/2/50

Weltraumstrahlung im Salzbergwerk.
Zukunft lichter denn je — Hoffnungsvolle Prognose
eines Harvard Professors.
Psychiater prüfen die Wiedergabetreue in der Hypnose.
Dreimal wöchentlich zum Nordpol.
Die wichtigsten Entdeckungen des Jahres 1949«
Zu viel und zu wenig — Haben Sie das richtige Verhältnis zu sich selbst?
Land aus der Tiefe - Schöpfungsgeschichte - von einem Physiker verfaßt.
+ ) Heliumgefüllter Kunststoffballon erreicht 31 000
Meter Höhe.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50
4/3/50
7/3/50
14/3/50
18/3/50
21/3/50
28/3/50

Erdbeben — das Sicherheitsventil der Erde.
Atomkraftwerk Sonne - Nach einem Bericht der HarvardSternwarte.
+) Vielseitiger Kunststoff - Teller, Reagenzgläser,
Plaschen und Stoffgewebe aus Polyaethylen.
Auch ein "Atomgeheimnis" - Amerikanische Wissenschaftler entdeckten das neutrale Meson.
Mach gute Miene zum bösen Spiel! - Gefühle und ihre
sichtbaren Äußerungen stehen in mannigfacher Wechselwirkung.
Ein praktischer Professor. - Maschinen im Dienste
der Shakespeareforschung.
+) Kostbarer Schnee - Reiche Schneefälle im Gebirge
bedeuten gute Ernten für Tausende von Farmern.
+ + + + + + + + + + + + +

3.) PORTRAIT DER WOCHE.
6/1/50
9/1/50
13/1/50
20/1/50
27/1/50

+) Aus Walt Disneys Zauberkabinett.
Zum 74o Geburtstag Jack Londons am 12. Januar 1950.
+) Benjamin Franklin — Wissenschaftler und Staatsmann.
Zum 100sten Geburtstag Samuel Gompers, des Begründers
und Präsidenten der AFL.
Zum 75o Geburtstag Fritz Kreislers am 1. Februar 1950.
Von Louis Po Lochner.
+ + + + + + + + + + + + +

- 3-

�PORTRAIT DER WOCHE
16/2/50

+) John Dos Passos —

Revolutionär und Inidividualist.

+ + + + + + + + + + + + +
11/3/50
16/3/50

+) Dr. William A. Hinton — bekannter Syphilisforschtr.
+) Auf den Spuren Carusos — Mario Lanza, ein junger
amerikanischer Tenor.
+ + + + + + + + + + + + +

4.) Kunst, Musik, Theater, Film, Literatur
4/1/50
13/1/50
23/1/50
25/1/50
31/1/50

Einem Steckenpferd Picassos verdankt Baltimore sein
Museum moderner Kunst.
Das Land der Symphonie-Orchester.
Das Negerproblem im amerikanischen Film.
Harmonisches Familienleben auf dem Konzertpodium.
+) Robert Flahertya Filmwerk: "Louisiana Story".
+ + + + + + + + + • + + +

2/2/50
4/2/50
7/2/50
9/2/50
11/2/50
14/2/50

25/2/50

Auftakt der New Yorker Musiksaison.
Ausstellungen von Rembrandt und Pioasao in New York.
+) Das Museum für moderne Kunst in New York feiert sein
zwanzigjähriges Bestehen.
+) Lawrence Tibbett-- erster Bariton der MetropolitanOper.
In einer halben Stunde Star der Metropolitan Opera Interview mit dem Sängerehepaar Ferdiand Franz und
Helena Braun.
Hollywoods ungekrönter König schuf neuen Monumentalfilm — De Milles "Samson" eröffnet einen Kreuzzug
für Erziehung und Kultur.
New York ist ein schwieriger Filmstar.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50
9/3/50
9/3/50
18/3/50
23/3/50
28/3/50

+) Tanglewood — Eine Volkshochschule der Musik.
Das Wandertheater im Mittelwesten der Vereinigten
Staaten.
+) Ein Amerikaner erschließt die deutsche Kunst.
+) Die Navajo-Indianer in Nordamerika haben sich ihre
Stammeseigentümlichkeiten erhalten.
Hollywoods Ton-Ingenieure•
Was sagt New York zum "Dritten Mann"?
+ + + + + + + + + + + + +

- 4 -

�5) DAS NEUE BUCH
11/1/50
18/1/50

Alice Herdan: Die Farm in den Grünen Bergen.
Conway Zirkle: "Der Tod einer Wissenschaft in
Russland".
+ + + + + + + + + + + + +

18/2/50

4/3/50
7/3/50

14/3/50

Ideen und Atombomben - Das Glaubensbekenntnis von
David E. Lilienthal, Vorsitzender der amerikanischen
Atomenergiekommission.
+ ) Will Rogers - Das 'Enfant terrible' Amerikas.
"Der Gott der keiner war" - verfaßt von Arthur
Koeatler, Ignazio Silone, Eichard Wright, Andre" Gide,
Louis Fischer und Stephen Spender.
"Warum ich entfloh", von Peter Pirogow.
+ + + + + + + + + + + + +

6) EUROPÄISCHES WIEDERAUPBAUPROGRAMM
23/2/50

Einzelheiten zum EOA-Programm für Technische Hilfe.
+ + + + + + + + + + + + +

11/3/50

ERP-Plakatausschreiben — Ein internationaler Wettbewerb zur Hebung des Lebensstandards.
+ + + + + + + + + + + + +

7) WIRTSCHAFT
9/1/50
16/1/50
20/1/50
25/1/50

Große Projekte für die Entwicklung Afrikas im Rahmen
des Marshall-Planes.
Die meisten Amerikaner haben Ersparnisse.
Amerika und seine Minderbemittelten.
Wiedererrichtung der StXFa Poikilä von Athen mit Hilfe
des Marshallplans.
+ + + + + + + + + + + + +

4/2/50

Hindernisse der Liberalisierung des Handels in Europa.
+ + + + + + + + + + + + +

23/3/50

Eine Rückschau der AFL auf das vergangene Jahr.
+ + + + + + + + + + + + +

- 5 -

�8) ARBEIT
31/1/50

40-Stunden-Woche für die amerikanischen Eisenbahner.
+ + + + + + + + + + + + +

25/2/50

Wird die 40-Stundenwoche den Errungenschaften der
modernen Technik gerecht?
Regelung von Arbeitsstreitigkeiten einmal anders.

28/2/50

+ + + + + + + + + + + + +
4/3/50

Die Statistik der Ü.S.A. paßt sich den veränderten
Kaufgewohnheiten an.
Amerikaner nehmen zum Pensionsproblem Stellung.
Ein Weltplan zur Verhütung der Arbeitslosigkeit.
Im Dienste der Gesundheitsfürsorge. - Ein Großambulatorium für Werktätige.

9/3/50
14/3/50
21/3/50

+ + + + + + + + + + ++ +
9)

POLITIK

13/1/50
23/1/50

Parlamentarische Spielregeln in Ü.S.A.
Die Hauptereignisse des Jahrhunderts.
+ + + + + + + + + + + + +

7/2/50
11/2/50
21/2/50

Politiker der kommunistisch beherrschten Welt suchen
Asyl in den Vereinigten Staaten.
+ ) Das Wagnis der Freiheit. Von Felix Frankfurter, Richter am Obersten Bundesgericht.
Die Sowjetunion gibt ihren Untertanen ideologische
Halbbildung.
+ + + + + + + 4- + + + + +

11/3/50
16/3/50
28/3/50

"Der Zug nach Westen" findet im Parlament seine Bestätigung.
Eindrücke von einer Deutschlandreise. — Von Ernst
Hoffmeister, politischer Kommentator der "Stimme
Amerikas".
Wie setzt sich der amerikanische Kongreß zusammen?
+ + + + + + + + + + + + +

- 6 -

�10) ARCHITEKTUR
18/2/50

Das Sekretariatsgebäude der UN.
+ + + + + + + + + + + + +

11) ERZIEHUNG
6/1/50

Amerikanisches Außenministerium erweitert Austauschdienst.
Aus der Arbeit des Internationalen Studentenhilfsfonds.

11/1/50

+ + + + + + + + + + + + +
16/3/50

Über die Erziehung zum Verständnis außenpolitischer
Fragen.

30/3/50

Neue akustische Methode erleichtert das Sprachstudium.
+ + + + + + + + + + + + +

12) MEDIZIN
4/1/50
6/1/50
16/1/50
18/1/50
20/1/50

Operation unter Novokain und Mozart.
Gesunde Hornhaut von der "Augenbank".
Hormone und Geschleohtscharakter.
Die Arbeit der Gesellschaft zur Betreuung Schwerhöriger in San Francisco.
+ ) Krebsheilung mit Elektronensohleuder.
+ + + + + + + + + + + + •

2/2/50
9/2/50
14/2/50
25/2/50

Ein erfolgreiches Schnupfenheilmittel.
Aufklärungsfilme als Waffe im Kampf gegen Brustkrebs.
Wie der Gesundheitsdienst gefährliche Epidemien verhütet.
+) Amerikanische Kriegsblinde arbeiten wie ihre sehenden
Kameraden.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50

11/3/50
23/3/50
25/3/50

30/5/50

Neue Gesichtspunkte in der Hirnforschung —
Dr. Wendeil J.S. Krieg, ein Nervenanatom der
Universität Chicago, berichtet über seine Arbeit.
Alkoholismus als Krankheit.
Krebserreger entdeckt?
Organisation zur Bekämpfung von Herzkrankheiten klärt
amerikanische Bevölkerung über neueste Heilmethoden
auf.
Europas Gesundheitszustand besser als je zuvor. —
Aus dem Jahresbericht des U.S.-Sozialversicherungsamtes.
+ + + + + + + + + + + + +

�13) MEILENSTEINE AUF UNSEREM WEGE
7/2/50
16/2/50

+) Lincolns Amerika — Die Zeit des großen Präsidenten
formte die Grundlage der heutigen Vereinigten Staaten.
+) George Washington - der 1. Präsident der U.S.A.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50

Thomas G. Masaryk - zum 100. Geburtstag des ersten
Präsidenten der Tschechoslowakei
+ + + + + + + + + + + + +

14) AMERIKANISCHE STÄDTE
23/2/50

+) Milwaukee.
+ + + + 4 + + + ++ + + +

18/3/50

Cincinnati, die ehemalige Königin des Westens
+ + + + + + + + + + + + +

15) UNSER MODERNES ZEITALTER
18/2/50

BENELUX wird SKANDANGLIOES - Eine Meditation über
Schlangenwörter.
+ + + + + + + + + + + + +

21/3/50

Ein akustischer Querschnitt durch die Jahre 1945
bis 1948»
+ + + + + + + + + + + + +

16) RUNDPUNK
21/2/50

"Morgen wird der Nordpol entdeckt" - Eine RadioSendereihe vermittelt Geschichte in lebendigster
Form.
+ + + + + + + + + + + + +

7/3/50
25/3/50
30/3/50

Die "Stimme Amerikas" und ihre Hörerbriefe.
Ärztliche Ratschläge für erkrankte Seeleute auf dem
Funkweg.
+) Fernsehsendungen für Kinder.
+ + + + + + + + + + + + +

17) RELIGION
25/2/50

Der moderne Katechismus - Er gibt den amerikanischen
Katholiken die Antwort der Kirche auf Fragen ihres
Verhaltens als Staatsbürger, Arbeitnehmer und Ehepartner.
+ + + + + + + + + + + + +

�18) SPORT
25/3/50

+) Die Basketballartisten der Harlem Globetrotters,
+ + + + + + + + + + + + +

19) ZU IHRER INFORMATION
4/1/50
6/1/50
9/1/50
11/1/50
13/1/50
16/1/50

18/1/50
20/1/50
23/1/50

25/1/50
27/1/50

31/1/50

Wortlaut der "State of the Union" Ansprache von
Präsident Truman.
Ziele der amerikanischen Innenpolitik.
Von John L. Morton.
Formosa — Die Debatte über die Verteidigung der
Insel beschäftigt die öffentliche Meinung Amerikas«
Von John L. Morton.
Wortlaut jenes Teils der Budget-Botschaft Präsident
Trumans, der sich mit internationalen Angelegenheiten
und Finanzfragen befaßt.
Weitere Opfer, heftige Debatten -- Zur zweiten Sitzungsperiode des amerikanischen Kongresses.
Von John L. Morton.
1) Oberstleutnant Walter R. deForest, Chef der Unterabteilung für medizinische Angelegenheiten für
öffentliche Gesundheit und Wohlfahrt, HICOG, berichtet über das öffentliche Gesundheitswesen in
Deutschland von 1945 - 49«
2) Wieder einmal die alten Gerüchte.
Von John L. Morton.
Altersversicherung in Amerika.
Ea geht um Europa, nicht um Einzelheiten.
Von John L. Morton«
1) Die spanisohe Frage - Diplomatische Beziehungen
sind kein Bruderkuß. Von John L. Morton.
+ ) 2) Zum Gedenken Franklin D. Roosevelts, dessen Geburtstag am 30. Januar in den Vereinigten Staaten
festlioh begangen wird.
Bericht über den Fortschritt in Deutschland. Voller
Wortlaut der Rundfunkansprache Mr. John J. McCloys»
gehalten am 23. Januar in Washington.
Wortlaut der Ansprache Mr. John J. McCloys vor dem
"United Council for International Affairs" in Boston
am 26. Januar.
Völkermord —» Rückhaltlose Offenheit allein kann zu
einer besseren Welt führen. Von John L. Morton.
+ + + + + + + + + rf + + +

- 9.

�ZU IHRER INFORMATION
2/2/50

4/2/50

7/2/50
9/2/50
11/2/50

14/2/50
16/2/50
18/2/50

21/2/50
23/2/50

25/2/50
28/2/50

Wortlaut des am 25* Januar vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Dokumentenmaterials
über die sowjetische Infiltration der vier nordchinesischen Provinzen.
1) Wortlaut der Truman- Erklärung zur Unterzeichnung
der Verteidigungshilfsabkommen.
2) Die Antwort: Kollektive Sicherheit.
Von John L. Morton.
Die SPD und der Europarat. Von John L. Morton*
HalbJahresbericht des U.S.-Atomausschusses.
1) Surrealistische Politik. Von John L. Morton.
2) Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Außenministers Aoheson vom 8. Februar in Washington.
Ernste Mahnung. Von John L. Morton.
Eine Lanze für McCloys Deutschland-Bericht.
Von Erio M. Warburg, New York.
1) Die Neue "Tatsache" - Der Kreml und die Wasserstoffbombe. Ton Joan 1. Morton.
2) Voller Wortlaut eines von Arthur Krocks in der
"New lork Times" veröffentlichten Truman-Interviews.
Weltfriede oder Weltuntergang. Von John L. Morton.
Amerikabesuch hat viele Anregungen gegeben.
Von Franz Blücher, Vizekanzler und Bundesminister
für Marshallplan-Angelegenheiten.
Diplomatie im Satellitenland. Von John L. Morton.
1) Truman und das Taft-Hartley-Öesetz.
Von John L. Morton.
2) Voller Wortlaut der Rede Präsident Trumans vom
22.2. anläßlich der Enthüllung eines George
Washington-Denkmals in Alexandria (Virginia).
3) Voller Wortlaut der Erklärung, die der Leiter
der ECA-Sonderkommission Robert M. Hanes am 24.2.
in Washington abgab.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50
4/3/50
7/3/50
9/3/50

11/3/50

Die Erfordernisse des Friedens. Von Warren R. Austin.
Die amerikanische Öffentlichkeit und die Wahlen in
Großbritannien. Von John L. Morton.
Einheit - nur in Freiheit. Von John L. Morton.
Amerikas Einheit beruht auf Mannigfaltigkeit.
Von James Bryant Conant, Präsident der HarvardUniversität.
Hinter dem Rücken der deutsohen Kinder,
Von John L. Morton.
- 10 -

�ZU IHRER INFORMATION
14/3/50
16/3/50

18/3/50
21/3/50

25/3/50
28/3/50
30/3/50

"Ein neuer Ausgangspunkt"• Die Forderung der freien
Wahlen in Ostdeutschland darf nicht vergessen werden.
Von John L. Morton.
Darlegung der Prinzipien und Ziele der Republikanischen Partei*
Angenommen von den republikanischen Mitgliedern des
Repräsentantenhauses und des Senats in Übereinstimmung mit den Mitgliedern des republikanischen Nationalkomitees, vom 6. Februar 1950.
"Die Russen sprengen den Kontrollrat".
Von John L. Morton.
1) Fünf Kurzbiographien maßgebender HICOG-Beamtert
a) Major General George P. Hays, stellvertretender amerikanischer Hochkommissar für Deutschland.
b) Benjamin J. Suttenwieser, Assistent des Hoch•)
kommissars für Deutschland.
o) James E. King. Exekutivsekretär im Amt des
•)
amerikanischen Hochkommissars für Deutschland.
d) Oberstleutnant H.A. Gerhardt, Sonderbeauftrag•)
ter des Hochkommissars für Deutschland.
e) Major General James P. Hodges, amerikanischer
Vertreter im Alliierten Militärischen Sicherheit samt für Deutschland.
2) "Totale Diplomatie" - Acheson appelliert an das
amerikanische Volk. Von John L. Morton.
"Massenvertreibungen - ein beliebtes Kampfmittel der
Sowjets." - Von John L. Morton.
Ein neuer Impuls - Zu den Bonner Vorschlägen für gesamtdeutsche Wahlen. Von John L. Morton.
Wortlaut eines Schreibens des amerikanischen Senators
Arthur H. Vandenberg an den Leiter der ECA, Mr. Paul
G. Hoffman.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der
"AMERIKA DIENST" kostenlos Bildmaterial zur
Verfügung stellen.

- 11 -

�20) ARTIKEL PUR DIE FRAU.
9/1/50

1.)
2.)
3.)
4.)
5.)

Eine Reporterin macht Karriere.
Mehr Familiensinn.
Amerikas Spielzeugindustrie im Jahre 1949»
Die ideale Kücheneinrichtung.
Griechische Hodenschau in Frankreich und Amerika»

16/1/50. 1.) Ständig wachsender Einfluß der Frau in Politik und
Verwaltungswesen der Vereinigten Staaten.
2.) Gleicher Lohn hei gleicher Beschäftigung. - Die
Forderung der amerikanischen Frauen.
+)
3.) Kein Kind ist völlig untalentiert. - Zeichnen, Musik, Theaterspiel und schöpferische Betätigung anderer Art fördern die Entwicklung.
4 0 Knabenmode auf neuen Wegen. - Jeder Junge will ein
Miniatur-Cowboy sein.
5.) Müdigkeit kann gefährlich sein. - Kleine Winke für
Schlaflose
6.) Fußböden wie neu. - Vorzüge und Nachteile von Lack,
Schellack und Tränklösungen.

23/V501 K)10 Das begabte Kind«, - Schule und Elternhaus müssen

gemeinsam die bei der Erziehung hochbegabter Kinder auftauchenden Probleme zu lösen suchen.
Kinderehen: in den Vereinigten Staaten«,
Selbst Millionäre und brave Hausfrauen werden
mitunter zu Ladendieben.
Keine Angst vor Frühgeburten.
Freiwillige Mitarbeit der amerikanischen Frauen
in der CIO.
Tiefkühlanlage schlägt Weckapparat.

1:1

ti
+&gt;

30/1/50
+)
•)

7/2/50

14/2/50

+)

60

1:1

Die Gesetzgebung für Frauenarbeit in den Ü.S.A.
Am schönsten ist es doch zu Hause. - Gemeinsames
Erleben von Freud und Leid schafft ein engeres
Familienleben.
Elizabeth
Blackwell - Ein Pionier der Wissenschaft.
50 Wird ihr Kind
Freundschaften schließen?
40 Das Geheimnis des
Charmes.
50 Kunststoffe ersetzen
Porzellan und Steingut.
60
+ + + + + + + + + + + + +
1 0 Gleichberechtigung der Frau soll in Ü.S.A.
konstitutionell verankert werden.
2.) Die Frau in der amerikanischen Journalistik.
Zu alt für ein Kind?
50 Längeres
Leben durch bessere Ernährung.
40

1 0 Amerikanische Frauen werben für gleiche Ent-

lohnung der Frauen in der deutschen Industrie
Mrs.
McCloy: Die deutschen Frauen müssen po2.)
litisch aktiver sein.
30 Die Schule Terpsiehore*. - Die Akademie für volkstümliche Tanzkunst in New York geht neue Wege
zum Verständnis exotischer Tänze.
Mein Kind mag keinen Orangensaft.
Wie wird man Filmstar?
Kariert - Kariert. - Ausblick auf die New Yorker
Frühjahrsmode.
7.) Besseres Wachstum durch neues Vitamin. - Kinderheilstätte in U.S.A. führt Versuche mit Vitamin
B-12 durch.

!':i

_ 1o

-

�ARTIKEL PUR DIE FRAU.
Frauenorganis.ationen in den U.S.A.
Zahl der weiblichen Arbeitskräfte in U.S.A.
ansteigende
3.) Frau Detektivin. - Aus der Arbeit eines weiblichen
Mitglieds des New Yorker Polizeibüros.
Laßt eure Kinder nicht zu früh lesen!
+)
Sind sie nicht selbst Schuld an ihrer Blauen-Mont ags-St ixnmung?
6.) Große Wäsche - wenig Arbeit.

21/2/50 +)

28/2/50

7/3/50

14/3/50

1.) "Family Court" rettet Ehen.
Von Peking bis zur Heiligen Pforte. - Neue Rich2.) V&lt;
tungen in der Hutmode.
In der guten alten Z#it.
Angstgefühle und wie sie überwunden werden.
Versuchen sie es einmal mit Käse. - Das Finale
einer Mahlzeit muß nicht immer süß sein.
+ + + + + + + + + + + + +
Frauen im Kongreß der Vereinigten Staaten.
Kinder sind gar nicht ungezogen.
Von der Kittelschürze zum Hauskleid.
Die Wechseljahre, der Schrecken vieler Frauen.
) Farbenfroh und widerstandsfähig. - Neuer Kunststoffbodenbelag für Wohnungen und gewerbliche
Räume.
6.) Schwedische Ehrung für Mrs„ Eleanor Roosevelt.
1.)
2,)
3.)
4.)
5.)

Amerikas Frauenorganisationen und der Kongreß.
Ein moderner Vater wie ersein soll.
Von der Krinoline bis zur tiefen Taille.
Wie steht es mit ihrem Schlaf.
Alles zur Entlastung der Hausfrau. - Amerikanische Fabrikanten zeigen die neuesten technischen
Erfindungen für das Heim.

21/3/50 +) 1.) Amerika hilft
50 Millionen Kinder warten auf
Hilfe.
2.) "Die Stunde des gemeinsamen Opfers".
3.) Kinder spielen überall.
4.) Frühgeburten und Erblindung.
+) 5.) Das Gesetz für Lebensmittel und Heilmittel sdiützt
die Gesundheit des amerikanischen Bürgers.
6.) Hilfe für zerrüttete Ehen. - Geschiedene Frauen
wollen andere vor der Scheidung bewahren.
7.) Sonne und frische Luft für Wollsachen.
28/3/50 +) 1.) Berufstätige Frauen in den U.S.A.
2.) Ehrung für fünf hervorragende Arztinnen in den U.S.A.
3.) Das Soroptimisten-Haus in Los Angeles.'- Das Heim
für minderbemittelte Studentinnen.
+) 4.) Eine alte Volkskunst erwacht zu neuem Leben. MrSo Mary Meigs Atwater, die Mutter der amerikanischen Handwebereio
+) 5.) Jede Frau kann schön sein, wenn sie es nur will. 1. Folge einer Artikelserie von Terry Hunt.
+ + + + + + + + + + + + +
- 13 -

�21) KURZNACHRICHTEN FliR DIE FRAU.
9/1/50

a) Mrs. Eleanor Roosevelt: Der deutsohe VolksCharakter
kann nicht von heute auf morgen geändert werden.
b) Spielzeugsammlung der "Amerioan Legion11.
c) Wildreia-Ernte in den U.S.A.

16/1/50

a)
1
b)
c)

23/1/50

a) Anteil der amerikanischen Frau am Wirtschaftsleben.
b) Schottisch - die große Kindermode.
c) Kleine Winke für die Küche.

30/1/50

a

7/2/50

Die Frauenorganisationen der Vereinigten Staaten.
setzen internationale Zusammenarbeit fort.
Die Mähmaschine in der Handtasche.
Amerikanische Firma bringt nunmehr auch Kaffeebeutelchen auf den Markt.
4) Aus Konservendosen wurden technische Kleinanlagen.

"Perma" statt Stärke.
Der Heiße-Würstel-Automat.
c. Für den eleganten Herrn.
dj Einkaufen mit dem Schubkarren.
+ • + + + + + + + + + +
"Zigarettenaichere" Tischplatte.
Hauswirtschaftssachverständige gehen in die Vereinigten Staaten.
Das festliche Nachmittagskleid.
"Flair" - ein sensationelles 50-Cent-Maga/in.

b]

I
14/2/50

a) Die erste Schiffsladung Spielzeug für Europa hat
Amerika verlassen.
Wußten Sie eigentlich, daß...
Heues für Kinderzimmer.
Frauen leben länger als Männer.

21/2/50

a) Amerikanische Studentinnenvereinigung finanziert
das Studium von 155 ausländischen Frauen.
Das lauwarme Bad.
Ratschläge für Leckermäuler.
Ahornzucker.

28/2/50

a) Wunschhaus, Modell 1950
b; Zionistische Frauenbewegung in den U.S.A. ehrt
Norwegen.
c) Claudette Colbert als Regisseurin.
d) Lieber Orangen als Äpfel.
+ + + + + + + + + + + + +
a) Salat- und Speiseöl aus Reissohalen und Spelzen.
Dosenfisch hat keinen Abfall.
Essig aus ganzen Äpfeln.
Kinderkopfwäsche ein Vergnügen.
e) Kinderstuhl mit Tischplatte ringsherum.

7/3/5O

14/3/50

a) Das Budget eines amerikanischen Durchschnittshaushalts.
b) Kunststoffaser für Decken.
c) Filme für Kindergarten und Hochschule.
d) Die 6 populärsten Frauen in den Vereinigten Staaten.
e) Über 3,5 Millionen Kinder wurden im Jahre 1949
in den Vereinigten Staaten geboren.
- 14 -

�IDH2BA0HBICHTEN PUB DIE fBAU*
21/3/50

a) 2 400 Frauen befinden sich unter den bekanntesten
rar Zeit lebenden Amerikanern,,
bj Girl Seouts spenden Schulmappen für deutsche Kinder«
c) lurso Eleanor Boosevelt übernimmt den Torsits für
die Feierlichkeiten am lag der Vereinten Kationen.

28/3/50

a) Amerikanische "Modsstudenten" kommen nach Europa«,
Amerikanische Kriegewaisen besuchen Suropa.
Kleine linke - Großs Hilfst
lo Bügeln leicht gemacht»
2. Wie rsinigs loh meine Möbel?

• • • • • + • • • • • + •
Zu dsn mit •) bssslohneten Artikeln kann dsr "AMEBIKA DIEBST"
kostsnlos Bildmaterial rar Verfügung stellen»
22) LANDWIBTSCHAFTLICHE NACHHICHTEN.
12/1/50

1.)
*
2.)
3»)
- 4.)
5.)
:)

26/1/50

lo)
+) 2.)
3.)
4.)
5.)
6.)

21/2/50

1.)

:i
24/3/50

2
3
4.
5
1.)

•) 4.)
5.)
6.)

Die Landwirtschaft der Marshallplanländer Ein besonderer
Schützling der U.S.A..
"Bound upM - Die große Zeit des Cowboys.
Hygienische Schweinehaltung.
Elektrische Beheizung von Mistbeeten«
Badioisotope entschleiern das Geheimnis der Aufnahme und Verteilung von Nährstoffen in Bäumen.
Kunstdünger aus Maisstroh.
Ureaform verhindert Feuchtwerden von Kunstdünger,
Grand National Bodeo - Die größte Schau der Welt.
Die Biene - Helferin des Farmers.
Hybridenzucht bei Haustieren.
Passen sich Gräser dem Klima an?
Unkrautbekämpfung mit dem Flammenkultivator.
Die "kalte" Pasteurisation.
+ + + + + + + + + + + + + +
Modernisierung der Landwirtschaft - Europäische
Fachleute informieren sich in U.S.A.
Kann man die Legetätigkeit der Hühner erhöhen?
Ahornzuckerernte in den Vereinigten Staaten.
Der Weg der Milch - Vom Erzeuger zum Verbraucher.
Amaryllis als Zimmerpflanze.
+ + + + + + + + + + + + +
Landwirtschaftliche Informierung der europäischen Bauern durch den Marshallplan.
Neues Preisstützungsgesetz für Farmprodukte.
Vollwertige Frischmilch - Monate nach dem Melken. •
Neues amerikanisches Milchkonservierungsverfahren.
Bindertuberkulose - In Amerika heute kein Problem mehr.
Künstliche Brut bei Hühnern.
Die "innere Bräune". - Eine ernste Tomatenkrankheit.
+ + + + + + + + + + + + •

- 15 -

�23) KURZNACHRICHTEN PUR DEN LANDWIRT.
12/1/50

a) Farmer trägt zur Vertiefung internationaler
Freundschaft bei.
b) Gesamtergebnis der letzten amerikanischen Ernte
günstig.
c) Wuchsstoffe als Konservierungsmittel.

26/1/50

a) Amerikanische Fachleute studieren Lage der europäischen Landwirtschaft.
b) Intensive Weidewirtschaft führt zur Bodenverhärtung.
c) Unkrautbekämpfung durch Flugzeuge.
+ + + + + + + + + + + + +
Kartoffelschälen - wissenschaftlich gesehen.
Zwei Lammwürfe im Jahr?
Garantiert reine Wolle von 7-9 cm im Jahr.
+ + + + + + + + + + + + +
Wissenswertes
für den Bauern, - Neuer Impfstoff
a)
gegen Bang'sehe Krankheit
Lieblingsspei8e für Schafe.
Oberwintern im offenen Stall.

21/2/50

24/3/50

+ + + + + + + + + + + + +
24) DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
5/1/50

19/1/50

LWirtschaftsbericht zum Jahresende. - Von U.S.-Handelsminist er Charles Sawyer.
Europa im 2. Marshallplanjahr. - Westdeutschland
auf den 3. Platz der ECA-Bewilligungsliste gerückt.
3. Europa erforscht den Dollarmarkt.
4 Die Lücke im amerikanischen Staatshaushalt. Bundesdefizit übersteigt Präsident Trumans
Schätzungen.
Sozialabgaben in U.S.A. steigen. - Alters- und .
Hinterbliebenenrenten sollen den Lebenshaltungskosten angeglichen werden.
6. Der magnetische Manschettenknopf.
1.
2.
3.
4.
5.
6.

Weltfriede durch Welthandel. - Ist Amerika autark?
von Thomas J. Watson, Sr., Präsident der IBM
Corporation.
Der Fiskus wacht auch in U.S.A. - Ein Dollar
Gewinn gleich 38 Cent Steuern.
Kammerjäger mit Hubschrauber.
Direkte Auslandsinvestitionen bevorzugt. Strukturwandel des amerikanischen Privatkapitals
im Ausland.
Vergrößerung der amerikanischen Passagierflotte. 1950 wird ein 60 000 t Luxusdampfer auf Kiel
gelegt.
Zu ihrer Information: ECA-Liste deutscher Ausfuhrwaren.
+ + + + + + + + + + + + +

- 16 -

�24) DIE AMERIKASISCHE WIRTSCHAFT,
7/2/50

1949 - DaB beste Jahr des amerikanischen Verbrauchers. - U.S.-Handelsminister Sawyer über
die Entwicklung des Konsumentenmarktes in U.S.A.
2. ERP-Portschritt unter der Lupe. - Der neueste
ECA-Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung der Marshallplan-Länder.
Koteletts
aus dem Laboratorium. - Speiseeis aus
•) 3.
Schweineschwarten und andere Merkwürdigkeiten.
4. Der amerikanische Staatshaushalt für 1950/51. Soziallasten steigen - Defizit soll verringert
werden.
5. Die Arbeitsanalyse. - Eine Studie über die Bewertung der Arbeitsleistung in U.S.A. Teil I.
6. Zu ihrer Information: Voller Text der Messeordnung für die erste internationale Handelsmesse der Vereinigten Staaten in Chicago.
+ + + + + + + + + + + + + +
1/3/50
1. Die Steuervorschläge Präsident Trumans. - Einkommensteuer unverändert - Erleichterungen für
Mittelbetriebe.
2. Die Bevorratung kriegswichtiger Rohstoffe in
den U.S.A. - Mitte 1950 werden über 50# des
Solls erreicht.
3. Neuer amerikanischer Ozeanriese verspricht
Rekordleistungen. - Mit 31 Knoten ein Anwärter
auf das Blaue Band.
4. Sparen - Die große Losung Hollywoods. - Produktionskosten seit 1946 um 205* gesenkt.
5. Die Margarineschlacht ist gewonnen. - In den
U.S.A. wird die Margarinesteuer abgeschafft.
6. Die Arbeitsanalyse. - Teil II.
+ ++ + + + + + + + + + +
Gesicherter Arbeitsfriede im amerikanischen
15/3/50
Bergbau.Betriebe werben bei ihren Angestellten.
2
Wissenschaftliche
und praktische Kraftstoff3
Forschung in U.S.A.
Die Arbeitsanalyse. - Teil III - Der Bewert ung saus sc huß .
Zu ihrer Information: Voller Text des ECA-Vorschlags zur Bildung einer Europäischen Zahlungsunion.
+ + ++ + + + + + + + + + +
25) KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT.
5/1/50

1.

Werbung durch Fernsehen.
Rekordzahl neu zugelassener Kraftwagen in U.S.A.
Rücklagen der amerikanischen Lebensvarsicherungsgesellschaften.
Export technischer Daten aus U.S.A. teilweise
kontrolliert.
Westdeutschland erhält technische Schriften durch
ERP.
Amerikanischer.Architektenverband will Wiederaufbau Europas unterstützen.
- 17 -

�25) KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHER WIRTSCHAFT.
19/1/50

a) Die amerikanische Streikbilanz des Jahres 1949.
Leichtbau-Eisenbahnwagen setzten sich durch.
Neue Verbrennungsturbine für Luftschraubenbetrieb.
Messeleitung in Chicago beginnt mit Zuweisung
der Stände.
+ + + + + + + + + + + + +
a) Einwohnerzahl der ü.S.A. 17^ höher als 1940.
b) Gesamtauflage aller amerikanischen Zeitungen
seit Kriegsende um 6$ gestiegen.
c) Europa-Saison für U.S.-Touristen beginnt früher
als erwartet.

1/3/50

15/1/50

a)
b)
c)
d)

U.S.A. beseitigen Elendsviertel.
Steuererleichterungen für U.S.-Auslandsinvestitionen,
U.S.-Außenhandel im Januar.
Vorläufig keine neuen Panama-Kanalgebühren.
+ + + + + + + + + + + + +
26) GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.

1/3/50

CIO unterstützt U.S.-Außenpolitik.
Schutzbestimmungen für Kinderarbeit in U.S.A.
Was leistet der Sozialfonds der amerikanischen
Stahlarbeiter?
CIO-Erklärung zur Arbeit der UN.
7/eitere Verbesserung der amerikanischen Sozialgesetzgebung gefordert.
ECA-Missionschefs berichten über EEP-Fortschritte.

15/3/50

Fortschrittliche Betriebsführung - Belegschaft
eines chemischen Betriebes in U.S.A. erhält
Kitbestimmungsrecht.
Lehrgänge für Unfallverhütung.
Gewerkschaftsfragen in der amerikanischen Presse.
Kostensenkung und Produktionssteigerung.
Arbeitslosenunterstützung bei außerberuflicher
Krankheit.
+ + + + + + + + + + + + + +

2,

3.
4,
5.

27) GEISTIGES LEBEN.
John Deweys Bedeutung für die Pädagogik.
Charles Munch, der neue Dirigent des Bostoner
Symphonieorchesters".
3«) Gottes Wort auf telefonischen Anruf.
4.) Der kürzeste weg zur Kunst.
5.) Fünf Autoren geben Beispiel für die Integration
des Theaters.

10/1/50 +).

9

:l

24/1/50 +) 1.) Robert M. Hutchins, der "Heilige Thomas von Chicago."
2.) Vier Millionen Papiere aus Roosevelts Nachlaß
für die Geschichtsforschung.
3.). Filmprüfer werden geprüft.
4.) Vierhändiges Klavierspiel, ein versunkener Sohatz.
5.) Moderne Kunst kritisch betrachtet.

:J

- 18 -

�27) GEISTIGES LEBEN„
8/2/50

+)

t)

•) 5
4
+&gt; 5

Franz Lieber, der Brockhaus Amerikas .
Zehn Filme^ die die Welt begeisterten - «in
halbes Jahrhundert amerikanischen Films.
Keine Religion ohne Kunst und Symbol.
Ein nicht-zerstreuter Professor macht Schule.
Völkerverständigung im 3/4 Takt.

24/2/50 •) lo) Musik ist kein Baldrian - Ein fort für die modern«
Musik von Aaron Copland.
2.) Ein amerikanischer Trappist erzaalt die Geschichte
seines Ordens.
3 0^-marsden Hartley - Er malte die tausend Gesichter
y
der Erde.
4.) Schule und Leben - zwei neue pädagogische Versuche •
)
Adalbert Stifter und Henry Thoreau. Von
*&gt; 5
Johannes Ursidil, New York*
+ + + + + + + + + + + • +
8/3/50
Akademische
Verbindungen mit Ansprüchen. Studen1.)
ten ohne Kiesewetter und Bierkomment. Von
Dr. Frederick Lehner, Professor am West Virginia
State College.
Es führen viele Wege nach Damaskus.
Eliel Saarinen - Architektur ein seelisches
Problem.
4.) a) Haydn-Renaissance in Amerika.
b) 100 000 Dollar Koussevitzky-Stiftung für
•)
zeitgenössische Musik.
5.) Moderne Kunst durchdringt den Alltag.

:1

22/3/50

1:1

Die Sonntagsschule in Amerika.
Die Verantwortung des katholischen Romanschriftstellers.
Charles Ives - ein musikalischer Außenseiter.
Die Wahrung bürgerlicher Rechte und Freiheiten.
5! Die Entwicklung des Bühnentanzes in Amerika.
+ + • + + + •»• + + + +

••

Zu den mit + bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.
27) KÜRZNACHRICHTEN.
24/1/50

8/2/50

a) Internationale Zentrale des Baugewerbes.
Manuskripte und Kunst des Altertums auf Mikrofilmen.
Klassikerübersetzungen der UNESCO vor dem Forum
der Fachleute.
d) Kunst Unterricht in den Schulen der Welt.
+ + + • + +.+ + • + • + +
a) Picasso und der letzte Weltkrieg.
b) Die Sprachen des New Yorker Rundfunks.
e) Politische Filme nicht gefragt.
d) Film über Helen Keller geplant.
e) Flaherty bearbeitete den deutschen MichelangeloFilm.

- 19

�27) KURZNACHRICHTEN.
24/2/50

8/3/50

a) Rotaryklub stiftet Stipendien.
Afrikanischer Literat urpreis.
Haiti feiert die Menschenrechte.
Indien wird das Dezimalsystem einführen.
+ + + + + + + + + + + + +
a) General Eisenhower als Maler.
Revision des Bibeltextee in Vorbereitung.
Amerikanische Archäologen durchforschen
Südwestarabien.

22/3/50

a) Columbia wird der freien Universität Berlin
helfen.
b) Kampf im Warschauer Ghetto wird verfilmt.
c) David E. Lilienthal gegen Atompsychose.
+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit + bezeichneten Artikeln liefert der •'AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.

28) JUGEND.
10/2/50

1.) Die Reise der kleinen Hütte: Eine Pfadfindergeschichte.
+) 2.) Generaldirektoren mit 16 Jahren: Jugendliche
in Amerika lernen das Geschäftsleben aus eigener
Erfahrung kennen.
+) 3.) Amerikas "Camp-Plre-Girls": Arbeit und Ziele eines amerikanischen Jugendverbandes für Mädchen.
4.) Kindermuseum in Amerika:
5.) Jungen lernen kochen:
6.5 Text einer Ansprache, die Mrs. John J. McCloy,
die Gattin des U.S.-Hochkommsissars in Deutschland, vor dem Deutsch-Amerikanischen Jugendklub
in Nürnberg hielt.
7.) L.S. Wilson zum Portschritt der Jugendarbeit
in Deutschland.
8.) Versuch's mal: Kleines Experiment mit einer Kerzenflamme.
+ + + + + + + + + + + + +
1 . Pluto besucht den Präsidenten.
10/3/50
2. Was ist Demokratie?
3 . Boys* Ranch - ein Bubenparadies.
4 . Howe Caverns - Ein Nationalwunder Amerikas.
5 . Die Erwachsenen sollen ihren Hader begraben.
6. Dringendstes Erfordernis der deutschen Jugend:
Wiederherstellung des Kontaktes mit der Außenwelt.
Reiseführer für Kinder.
: ) Versuch's mal. Die unsichtbare Schrift.
+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit + bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.

- 2o -

�29) SONDERNUMMERN.
Januar 1950 Die Verwendung der ERP-Gegenwertgelder.
(Das von der ECA-Mission in Deutschland im Anschluß an das ERP-Abkommen genehmigte Investierungsprogramm der Deutschen Bundesrepublik.)
+ + + + + + + + + + + + +
7/2/50
Ansprache des Amerikanischen Hochkommissars für
Deutschland, Mr. John J. McCloy, anläßlich der
Eröffnung des Amerika-Hauses in Stuttgart.
18/2/50

16/3/50

Text eines von Arthur Krocks am 15.2.50 in der
"New York Times" veröffentlichten Berichte über
sein Interview mit Präsident Truman.
+ + + + + + + + + + + + +
Rede des U.S.-Außenministers Dean Acheson anläßlich
der Konferenz für internationale Zusammenarbeit
zur Entwicklung der Weltwirtschaft.
(Gehalten am 16. März 1950 an der Universität von
Kalifornien).
+ + + + + + ++ + + + + +

- 21 -

�S/8 - Juli 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. April 1950 - 30. Juni 1950

1.
2.
3.
4.
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6.
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8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.
22.
23.
24.
25.
26.
27.
28.
29.
30.

Seite
Leben in den U.S.A.
1
Wissenschaft
2
Portrait der Woche
3
Kunst, Musik, Theater, Film, Literatur, Tanz
3
Das neue Buch
4
Europäisches Wiederaufbauprogramm
4
Wirtschaft
5
Arbeit
5
Arohitektur
6
Erziehungswesen
6
Medizin
.*
6
Meilensteine auf unserem Wege
7
Sport
7
Psychologie
7
Industrie und Technik
7
Verkehrswesen, Plugwesen
8
Amerikanische Rechtspflege
8
Internationale Verständigung
8
Presse
8
Vereinte Nationen
8
Kommentare von John L. Morton
9
Zu Ihrer Information
10
Artikel für die Frau
12
Kurznachrichten für die Frau
15
Landwirtschaftliche Nachrichten
18
Die amerikanische Wirtschaft
19
Kurzberichte aus der amerikanischen Wirtschaft
21
Gewerkschaftliche Nachrichten aus den Vereinigten Staaten
22
Geistiges Leben
23
Jugend
25
+ + + + + + + + + + + + +

�1.) LEBEN IN DEN U.SoA.
1/4/50

+)

Mit dem Auto ins "Drive-In-Theater".

4/4/50

Enttäuschen Wunderkinder?

6/4/50

Von der Tätigkeit des amerikanischen Landmessers.

8/4/50
15/4/50
18/4/50
20/4/50
22/4/50

+)
+)

West Point, die amerikanische Militärakademie.

+)

Deutsche Mystiker als Sohwerindustrielle.
Millionen Menschen besuohen jährlich das
Washington Denkmal.

25/4/50

+)

Die "Hofkirche" des Weißen Hauses.

27/4/50

+)

Das Blutspenderprogramm des Amerikanischen
Roten Kreuzes.

Lachszucht in Kalifornien.
Der •'geräuschvollste" Mann der Welt.

29/4/50

Materialprüfung und Zerreißproben zu Forsohungszwecken,

+ + + + + + + + + + + + +
2/5/50

Frauen leben länger und hören besser.

4/5/50

+)

6/5/50
9/5/50
11/5/50

+)
+)
+)

13/5/50
16/5/50
18/5/50

+)

20/5/50
23/5/50

+)

Treffpunkt im Drugstore.
Volksbücherei auf Rädern.
Das Community Center - die Volkshochschule Amerikas.
Wahiawa, die Ananashauptstadt der Welt.
Die Gasfernleitung, Kaliforniens Lebenslinie.
Die malerische Nordküste von Massachusetts.
1.) Die Stadt New York als Angeklagte.
2.) 12-jähriges lettisches Mädchen als Ehrengast bei
den Feierlichkeiten zum amerikanischen Staatsbürgertag am 22. Mai in Washington.
Auf den Spuren der Ureinwohner Amerikas.

+ ) Überall in den U.S.A. blühen um diese Zeit die "State
Flowers", die Wappenblumen der 48 Einzelstaaten.
Das Auskunftsbüro des New Yorker Automobilolubs.

25/5/50
27/5/50

+)

Das gemeinnützige Reisebüro der U.S.A.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 1 -

�LEBEN IN DEN U.S.A.
1/6/50
3/6/50
8/6/50
10/6/50
22/6/50
27/6/50

+ ) Die Fertighaussiedlung vor den Toren New Yorks.
Fünfjahresplan in Detroit — Die Bedeutung des neuen
General Motcrs-Kollektivvertrages.
Emigrantensöhne im U.S.A.-Kongreß.
Paradies der Edelsteinjäger.
+) Eine Idee wird zur Weltstadt - 150 Jahre Washington.
+ ) Moderne Romantik am Mississippi.
+ + + + -)• + + + + + + + +

2.) WISSENSCHAFT
4/4/50
8/4/50
15/4/50
18/4/50
22/4/50
25/4/50
27/4/50

Die Riesenlibelle, das Flugzeug der Zukunft.
Mr. Kearney ist Spezialist für die Wiederentdeokung
gestohlenen Radiums.
Erforschung des Milchstraßensystems.
+) Das Smithsonian Institut.
DDT„ das weltbekannte Schädlingsbekämpfungsmittel,
wirkungslos bei bestimmten Moskitoarten.
Amerikanische Expedition begann Ausgrabungen in Arabien.
Druckerschwärze mit Fichtennadelduft.
+ + + + + + + + + + + + +

6/5/50
9/5/50
16/5/50
18/5/50
23/5/50

Deutsche Psychiater besuchen die Vereinigten Staaten.
Das 97. Element (Berkelium) in den Vereinigten
Staaten entdeckt.
+) Künstlicher Regen für New York.
Wird die Erde wärmer? - Ein amerikanischer Chemiker
begründet eine neue Theorie.
Die Chemie der kleinsten Organismen.
+ + + + + + + + + + + + +

1/6/50
13/6/50
15/6/50
20/6/50

+) Die "Amerikanische Stiftung für Naturwissenschaften' 1 .
Verbilligung des synthetischen Benzins durch verbessertes Herstellungsverfahren.
Akustische Versuche im Kleinen.
Ein hessischer Hauptmann beschrieb den Unabhängigkeitskrieg.
+ + + + + + + + + + + + +

- 2 -

�3.) PORTRAIT DER WOCHE
I/4/5O
22/4/50
29/4/50

+ ) Percy L« Julian, Chemiker und Forscher.
+) Der amerikanische Karikaturist Herbert Block.
+) Der fliegende Botschafter - W. Averell Harriman.
+ + + + + + + + + + + + +

6/5/50
11/5/50
18/5/50
23/5/50
27/5/50

Hamburgs Bürgermeister Max Brauer.
+) Roger Duvoisin, einer der führenden amerikanischen
Buchillustratoren.
+ ) Prof. Dr. Shuster, Bayerns neuer Landeskommissar.
+) Japans MacArthur.
Nathaniel Currier und Merritt Ives - die ersten
Bildreporter Amerikas.
+ + + + + + + + + + + + +

10/6/50
17/6/50
20/6/50

+) Hüter der Maoht des gedruckten Worts: Kent Cooper Generaldirektor von Associated Press.
+) Der "wilde Mann" in der amerikanischen Literatur William Paulkner erhielt hohe Auszeichnung.
+) Capus M. Waynick, Direktor des Punkt-Vier-Programms,
+ + + + + +++ + + + + +

4.) KUNST,_MUSIK, THEATER,_FILM&gt;_LITERATUR_L TANZ_
4/4/50
6/4/50 +;
15/4/50
18/4/50
20/4/50
25/4/50

Ein Kino, das nichts einbringen soll.
Ruth St. Denis, Ted Shawn und ihre Tanzgruppe, die
"Denisshawn Dancers".
+ ) Die bildende Kunst hat eine große Zukunft in Amerika.
Hollywood wählte die besten Filmkünstler der letzten
50 Jahre.
Ein Regenschirm für 9 500. - Die regensichere Freilichtbühne von Pittsburgh.
New Yorker Ausstellungen geben Einblick in das Schaffen
moderner Bildhauer.
+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
4/5/50
13/5/50
16/5/50

+)

Ivan Mestrovic, der große kroatische Bildhauer, wirkt
heute in den Vereinigten Staaten.
+) Ferdinand Schäfer, der Gründer des Indianapolis
Symphonie-Orchesters.
+) Bürokratie nach Noten. - Gian-Carl) Menotti, die
große Hoffnung der modernen Oper.
"Tonys" statt "Oskars" — Preisverteilung an amerikanischen Bühnen.
- 3 -

�KUNST,_MUSIK_, THEATER,_PILM,_LITERATUR_L TANZ_
20/5/50
25/5/50

Die Pulitzerpreise von 1950.
+)

Das Negerspiritual, echtester Ausdruck der Seele
des schwarzen Menschen.
+ + + + + + + + + + + + +

1/6/50

Die Theater-Arbeitsgemeinschaft in New York.

3/6/50

+) Der LuftbrückenfilnuVom Rechte, das mit uns geboren . . . Professor
R.Mo Maciver: Great Expressions of Human Rights.

10/6/50
15/6/50
17/6/50

+ ) Singendes Amerika.
Hollywood in Deutschland.

27/6/50
29/6/50

+)
+)

Louis Armstrong, der König der Trompete.
Die Ruhmeshalle des Films in New York,City.
+ + + + + + + + + + + + +

5.) DAS NEUE BUCH
"Der Sprung in die Freiheit" — Oksana Kosenkina erzählt ihr Leben.
Das Ende eines Ghettos — Zu John Herseys Roman
"Die Mauer".

8/4/50
27/4/50

+ + + + + + + + + + + + +
In fünfzehn Jahren Abflug zum Mond — Besprechung des
Buches von Willy Ley "Conquest of Space" (Eroberung
des Weltenraumes.)

9/5/50

+ + + + + + + + + + + + +
24/6/50

+)

John Foster Dulles: Krieg oder Frieden.
+ + + + + + + + + + + + +

6.) EUROPÄISCHES WIEDERAUFBAUPROGRAMM
13/4/50

+)
+)

Rote Kreuze im Kalender - Chronik des Marshallplans.
Marshallplan auf vollen Touren. Von Robert M.Hanes,
Chef der ECA-Sondermission in Westdeutschland.
Der Weg nach Europa — Zwei Jahre ERP für
Deutschland. Von John L. Morton.
ERP-Mittel für den deutschen Wohnungsbau —
Von Wilhelm Weisser.
Überblick über die Marshallplanhilfe und den
Wiederaufbau der deutschen Industrie.
Westdeutschlands erstes internationales Abkommen —
Mit dem ERP-Vertrag begann eine neue Phase des
deutschen Wiederaufbaus.
- 4

�EUROPAI3CHES WIEDERAUFBAUPROGRAMM
13/4/50

+)

7.) Qualitätsschuhe am laufenden Band — ERP-Lederlieferungen helfen der deutschen Schuhindustrie.
8.) Europahilfe — eine moralische Aufgabe —
Marshall-Rede zum 2. Jahrestag der Gründung der
OEEC.
9.) Auszüge aus Marshalls großer Rede in Harvard
am 5. Juni 1947.
+ + + + + + + + + + + + +

11/5/50
27/5/50

"Die Anderen und Du" - Ein Lehrheft für Schüler über
Aufbau, Ziel und Zweck des Marshallplanes.
+ ) Europareisen im Zeichen des Marshallplans.
+ + + + + + + + + + + + +

6/6/50

Technische Unterstützung fördert den Wiederaufbau.
+ + + + + + + + + + + + +

7.) WIRTSCHAFT
15/4/50
22/4/50
25/4/50
29/4/50

+ ) Ein Land macht Inventur — 17. Volkszählung in den
Vereinigten Staaten.
Die erste Weltbevölkerungs-Zählung hat begonnen.
Jährlich 23 Milliarden Kilowatt aus den Niagara-Fällen.
Prozeß der U.S»-Regierung gegen den A &amp;P-Konzern.
+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
20/5/50
25/5/50

+)

Was ECA in Europa leistet
Seifenfreie Seifen.
Eine Erziehungskampagne der UNESCO über die Ernährungsprobleme der Welt.
+ + + + + + + + + + + + +

20/6/50

Zahlungsunion gegen Dollarknappheit.
+ + + + + + + + + + + + +

8.) ARBEIT
6/4/50
8/4/50
20/4/50

Lehrgänge über Gewerkschaftsfragen an amerikanischen
Hochschulen.
Neue Verteilung der Werkpausen in amerikanischen
Betrieben.
Vollbeschäftigung und wirtschaftliches Wachstum.
+ + + + + + + + + + + + +
- 5

�ARBEIT
4/5/50
13/5/50

Kollektivvertragliche Regelung von Werkküchenpreisen.
+) Gewerkschaften bauen Arbeiterwohnungen.
+ + + + + + + + + + + + +

22/6/50

Amerikas Arbeiter und "Euopa - Von William Green,
Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFI.
+ + + + + + + + + + + + +

9.) ARCHITEKTUR
29/4/50

+)

"Helix", das Rundhaus der Zukunft.
+ + + + + + + + + + + + +

10.) ERZIEHUNGSWESEN
1/4/50

Aufgaben und Leistungen der amerikanischen öffentlichen
Bibliotheken.
Gewerkschaften sollen am Aufbau des neuen Schulsystems
in Deutschland mitarbeiten.

4/4/50

+ + + + + + + + + + + + +
Die Whittler-School, Versuchsgrundschule der Universität in Berkeley, California.

13/5/50

+ + + + + + + + + + + + +
24/6/50

+)

Schulunterricht für körperbehinderte Kinder.

11.) MEDIZIN
1/4/50
18/4/50
27/4/50

+) Medizinmann hilft dem Arzt. Ein modernes Krankenhaus
für Indianer.
Die neuerrichtete Veteranenheilanstalt in Chelsea,
Massachusetts.
Kampf der Müdigkeit.
+ + + ++ + + + + + ++ +

4/5/50
27/5/50

Neue Präparate gegen Lepra.
Neue Waffen gegen Tuberkulose.
+ + + + + + + + + + + + +

13/6/50

+) Keine Angst vor'm Zahnarzt.
+ + + + + + + + + + + + +

- 6 -

�12.) MEILENSTEINE AUF UNSEREM WEGE
6/4/50

+)

Wallfahrt nach Hyde Park — Zum 5« Todestag des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt am
12. April.
+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50

+)

Der Präsident der Vereinigten Staaten und sein Werk.
+ + + + + + + + + + + + +

8/6/50

+)

20/6/50

+)

27/6/50

+)

14. Juni - Flaggentag in Amerika. - Von der Entstehung der amerikanischen Nationalflagge.
Amerikanische Verfassung und "Bill of Rights" zum 162. Jahrestag der Ratifizierung der Verfassung
der Ü.S.A.
Geburtstag einer Nation - Der Unabhängigkeitstag in
Amerika.
+ + + + + + + + + + + + +

13a)_SP0RT
20/4/50

Wie schnell ist ein Skispringer? + + + + + + + + + + + + +

6/6/50
24/6/50

Fünfzig Jahre Entwicklung im amerikanischen Boxsport,
Sportreporter anno dazumal.
+ + + + + + + + + + + + +

14O_PSYCH010GIE
6/5/50
20/5/50

Wie groß ist Ihr "Reizbarkeitsfaktor"?
Maurice Reddy vom Amerikanischen Roten Kreuz beobachtet das Verhalten des Publikums bei Katastrophen.
+ + + + + + + + + + + + +

15.) INDUSTRIE UND TECHNIK
9/5/50

+)

11/5/50
16/5/50

+)

18/5/50

+)

10 t - Lastkraftwagen mit Turbinenantrieb verläßt
den Prüfstand.
Die synthetischen Fasern Orion, Vinyon und Saran.
Unterirdische Kleinbahnen versehen den städtischen
Güterverkehr Chicagos.
Der Grand Coulee-Damm, die größte Energiequelle der
Vereinigten Staaten
+ + + + + + + + + + + + +

- 7 -

�INDUSTRIE UND TECHNIK
25/5/50

+)

Die Bedeutung des Films als Lehrmittel in der Industrie
der UcS.A.
+ + + + + + + + + +

6/6/50
22/6/50
29/6/50

+)

H- + +

Orgelspielen leicht gemacht.
Ein neues Straßenpflaster.
Wunderstoff Glas.
+ + + + + + + + + + + + +

l6i)_VERKEHRSWESENi FLUGWESEN
18/5/50
25/5/50

+)

Unfallverhütung in den Vereinigten Staaten.
Verkehrsluftfahrt nach 1955.
+ + + + + + + + + + + + +

3/6/50
17/6/50

+ ) Windkanal und Üherschallgeschwindigkeit — Aus der
Luftfahrt-Forschung der U.S.A.
»Weltflughafen der Freundschaft" - Riesenflughafen
in Neu England.
+ + + + + + + + + + + + +

i7l)_AMERIKANISCHE_RECHTSPFLEGE
13/6/50

+)

Las Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten,
+ + + + + + + + + + + + +

18._)_INTERNATIONALE VERSTÄNDIGUNG
15/6/50

Amerika im Bild - für Europa. Fernsehnetz als Schwesterunternehmen der "Stimme Amerikas."
+ + + + + + + + + + + + +

19j_PRESSE
17/6/50
24/6/50

+)

Heiße Würstchen im Kalten Krieg. Die amerikanische
Zeitschrift "Newsweek" über das Pfingsttreffen der FDJ.
Hugh Baillie, Chef der United Press - Nachrichtenfreiheit und gewappneter Frieden.
+ + + + + + + + + + + + +

20_.)_VEREINTE NATIONEN_
29/6/50
UNESCO plant einheitliches Urheberrecht.
+ + + + + + + + + + + + +
- 8 -

�21.) KOMMENTARE VON JOHN Lo MORTON
1/4/50
4/4/50

Der europäische Gedanke»
Wo bleibt das Verfassungsgericht? — Ein System der
Kontrolle und Ausgleiche Bedingung
für das Vertrauen
zu Bonn0
Wirtschaftsstrategie nach dem Marshall-Plan.
Freie Bahn für ein neues Experimente
"Wenn das Geschrei verhallt, wird West-Berlin nach
immer frei sein."
Die Suche in der Ostsee.
"Das amerikanische Volk hat nicht vergessen . . . "
Wer sabotiert die Vereinten Nationen?

8/4/50
15/4/50
18/4/50
20/4/50
25/4/50
29/4/50

+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
4/5/50
9/5/50
11/5/50
16/5/50
20/5/50
23/5/50
27/5/50

+)

Außenminister Acheson erklärt sein Programm.
Diener - nicht Herren des Volkes.
Zur Londoner Konferenz der Außenminister.
Sowjetische Rache nach fünf Jahren.
Europa -- Theorie und Wirklichkeit.
Zur Londoner Außenministerkonferenz. Ein freies
Deutschland in einem freien Europa.
Im Osten: Unmenschliche Härte.
"Ich habe die Ehre . . . " Weltfrieden und Volkspolizei.
+ + + + + i- + + + + + + +

1/6/50
3/6/50
6/6/50
10/6/50
15/6/50
17/6/50
20/6/50
22/6/50
27/6/50
29/6/50

"Hottentotten-Gerede"c Herr Ulbricht zum Frieden und der
Einheit Deutschlands.
Heute - Kartoffelkäfer! Morgen - vielleicht das Ungeheuer von Loch Ness?
Flaschen mit zu engem Hals*
DIVIDE ET IMPERA - Das Warschauer Abkommen - ein
schwarzer Tag für Deutschland.
Was die Kommunisten am meisten fürchten.
Deutschland sagt JaBerlin und kulturelle Freiheit.
Zahlen, die für sich selbst sprechen - Der sowjetische
Haushaltsplan.
Immer wieder das alte Lied • die Ostzonenpresse und
der Kongreß für kulturelle Freiheit.
Die Vorgeschichte de» Korea-Konflikts in Tatsachen.
+ + + + + + + + + + + + +

_ 9_

�22.) ZU IHRER INFORMATION
6/4/50

Wortlaut der Ansprache Mr. McCloya beim Essen der
Pilgrim's Sooiety in London.
1.) Wortlaut der U.S.-Note an Moskau.
2.) Wortlaut einer mündlichen Erklärung des Sprechers
im amerikanischen Außenministerium, Michael MoDermött.
Wortlaut der Rede Präsident Trumans vor dem Verband
der amerikanischen Redakteure.
Wortlaut der Rede des U.S.-Außenministers Dean
Acheson vor dem Verband amerikanischer Redakteure
am 22. April in Washington.

22/4/50

25/4/50
27/4/50

+ + + + + + + + + + + + +
2/5/50
6/5/50
13/5/50

16/5/50
18/5/50
20/5/50

25/5/50
27/5/50

+)

Auszug aus einer Ansprache John Poster Dulles1 über
Probleme der U.S.-Außenpolitik.
Deutsche Bundestagsmitglieder in Washington.
Auszug aus dem Congressional Record vom 25. April 1950.
Voller Wortlaut der Rede "Bericht aus Deutschland"
des Direktors des Aiptes für öffentliche Angelegenheiten, Mr. Ralph Nicholson, vom 12. Mai 1950, auf
der 19. Jahrestagung des Institutes für auswärtige
Angelegenheiten an der Earlham-rUniversität in
Richmond, Indiana.
Der amerikanische Kongreß schafft ein Gesetz. Von
Francis J. Myers, U.S.-Senator für den Staat Pennsylvanien.
Wortlaut der Londoner Kommuniques.
1.) Entschlüsse von historischer Tragweite in London.
2.) Wortlaut der Rede des stellvertretenden amerikanischen Hochkommissars für Deutschland, Benjamin
J. Buttenwieser, am 18. Mai -1950 in White Sulphur
Springs (West Virginia.)
Wortlaut der Ansprache des amerikanischen Hochkommissars für Deutschland, John J. McCloy, zur Eröffnung des Amerika-Hauses in Hannover.
Wortlaut der amerikanischen Protestnote an die
Sowjetunion.
+ + + + + + + + + + + + +

1/6/50
3/6/50
8/6/50

Die Hochkommissare der Westmächte übermitteln Tschuikow
einen Plan zur Wiederherstellung der deutschen Einheit.
Wortlaut der Rede des U.S.-Außenministers Dean
Acheson vor dem U.S.-Kongreß .
Voller Wortlaut der Rede des amerikanischen Außenministers Dean Acheson in einer gemeinsamen Sitzung der
Senatsausschüsse für außenpolitische Angelegenheiten
und für die bewaffneten Streitkräfte*.

- 10 -

�ZU IHRER INFORMATION
10/6/50
13/6/50

15/6/50

22/6/50
27/6/50

Wortlaut der Rede Präsident Trumans vom 9. Juni 1950
über Friedensbemühungen der U.S.A.
1.) Amerikanische Erklärungen zur Oder-^Neiße-Linie.
2.) Voller Wortlaut der Ansprache Präsident Trumans
über die Außenpolitik der U.S.A. (10.6.1950 in
St. Louis, Missouri.)
Zusammenschluß der freien Welt. Von Neal Stanford.
Wortlaut der großen außenpolitischen Rede des U.S.Außenministers Dean Acheson in Dallas am 14.6.1950.
Ein weiterer Schritt zur Linderung der Flüchtlingsnot.
Das Punkt-Vier-Programm.
+ + + + + + + + + + + + +

•- 11 -

�23

ARTIKEL FÜR DIE FRAUo
1.)

"Wir, die Völker der Erde ..»"-Eine Erklärung von Mrs.Eleanor Roosevelt zu
dem internationalen Gesetzesvorsohlag, der die
Grundrechte des Individuums für alle Menschen
der Erde garantieren soll.

2.)

Die Frau auf dem Wege zur politischen Gleichberechtigung»

3.)

Pearl Elleene Primus, die amerikanische Tanzwissenschaftlerin, zwisohen afrikanischem Busch
und Universität.

4.)

Kinder lesen mit den Händen*

5.)

Eierspeisen einmal anders»

6.)

Sei immer du selbst»
Von Terry Hunt» (2.Folg«)

1.)

Die Stellung der Frau im politischen Leben
der U.S.A»

2»)

Hunter College, die älteste und zugleioh mo^
dernste Mädchenschule der U.S.A»

3.)

Über die Höflichkeit der Kinder.

•)

4.)

Haben sie eine anständige Zahnbürste?

+)

5.)

Kostüm, Kleid und Mantel in diesem Frühjahr
betont jugendlich und weich.

6.)

Kummer und Sorgen - Feinde der Schönheit*
Von Terry Hunt. (3»Folge)

1.)

Rektor eines Frauen-College berichtet aus
seinen Erfahrungen.

2.)

Wir adoptieren ein Baby

3.)

Eine Frau auf Eisbärjagd.

+)

4.)

Die amerikanische Küche Das moderne Labor des Haushalts.

+)

5.)

Schöne Figur durch richtiges Essen»
Von Terry Hunt. (4-Folge)

4/4/50

+&gt;

+&gt;

13/4/50
•)

18/4/50

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 12

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU.
Amerikanerin verschafft 24-0 europäisehen
DP-Familien Unterkunft und Brot.

25/4/50

Der werbliche Einfluß im politischen Leben
Kaliforniens.

+)

3.

Dezente Kundenwerbung in den Ü.S.A»

4.

Wenn Kinder streiten.

5.

Amerikanische Innenarchitekten lösen das
Raummangelproblem der Einsimmerwohnung.

6.

Oute Kleidung die beste Kapitalsanlage auf
dem Konto der Schönheit.
Von Terry Hunt. (5.Folge)

7.

Leiterin der Frauenabteilung beim U.8.- Hochkommissar für Deutschland sprioht über ihre
Arbeit.
+ + + + + +' + + + + + + +

2/5/50 +)

1.

Der erste Mai in den Vereinigten Staaten.

2.

Mrs. Elizabeth Faekt, eine bekannte Pädagogin
der U.S.A,., berät deutsche Gruppen in Frauenangelegenheiten.

3.

Die Füsse deines Kindes.
Probleme der Sexualerziehung der Jugendlichen.

«

9/5/50

+&gt;

5.

Florence Wiokham, die einzige Opernkomponistin
der Ü.S.A», zur Situation der Opernkomponisten
in den Vereinigten Staaten.

6.

Kleines Schönheitahievier.
Von Terry Hunt. (6.Folge)

7.

Kleine Winke - große Hilfe.

8«

Kleine Vitamintabelle für

1.

Flüchtlinge und Arbeitslose — Die Sorgenkinder
von Mrs. Scheyer, Expertin für Wiederanaiedlungsfragen beim Pariser Büro der EGA.»

2.

Wachsender Einfluß der Frauen in U.S.-Gewerkschaften.

3.

Glanz und Elend eines Photomodells.

4.

Warum sind wir lufthungrig?

- 13 -

das Frühjahr.

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU.

5.

Seohs Prozent berühmte Frauen im amerikanischen
Nachschlagewerk Mfho is Who"»

6.

Wie entfernt man Flecke?

1.

Frauen und Demokratie.

2.

Flugstewardess, ein begehrter Beruf in Amerika.

3.

Illusion und Wirklichkeit.

4.

Der amerikanische Kühlschrank von heute.

5.

Zitronenspeise - Götterspeise.

23/5/50 +)

1.

Bauklötzchen als Lernmittel.

+)

2.

Mrs. Eleanor Roosevelt — Eine vielgeehrte Frau.

3.

Sensationelle Schuhmode.

9/5/50

16/5/50
+&gt;

+)

Amerika propagiert den "nude look".
4.
Schönheitsmittel wie vor 5 000 Jahren.
5.
Der Tod in der Streichholzschachtel»
6.
Blau bevorzugt.
Das Ergebnis einer Chicagoer Rundfrage.
+ + + + + + + + + + + + +
1.

Der Gleichberechtigung der Frau entgegen.

+)

2.

Bundestagsmitglied Frau Irma Keilhack über ihre
Eindrücke in Ü.S.A.

-0

3.

Entwicklung und ästhetische Ausdrucksform.

4.

Gelenkrheumatismus und Schwangerschaft.

5.

Ferien vom loh.
Minna entpuppt sich als bekannte Schriftstellerin
und - Lebenskünstlerin.

1.

Die Liga der amerikanischen Wählerinnen.

2.

Rose Markward Knox, die Präsidentin der
"Knox-Gelatine-Gesellschaft".

1/6/50

13/6/50
+)

+). 3.

Am Badestrandt Spitzen und Leinen.

4.

Ratschläge für die Stilltechnik.

5.

Auoh "Er" kocht und putzt und wäscht.

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU.
20/6/50

+ ) 1.
2.

Säuglingspflege und Kindererziehung

3.

Wissenswertes über den Sonnenbrand»

4.

Frauen-Nebenberufe in den U.S.A.

+ ) 5»
27/6/50

Amerikanische Farmersfrauen begehen die
"Woche des Haushalts".

1.
+) 2o

Zum 70ten Geburtstag Helen Kellers.
Mrs. Roosevelt und der Tag der UN«
Die Frühgeburten-Station des Michael-ReeseKrankenhauses in Chicago.

3.

Geschichte eines modernen Aschenbrödels.

4.

Ein kleines "Haushaltsarohiv" erspart viel
Ärger.

5.)

Zweimal Kunstseide.
+ + + + + + + + + + + + +

KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAU,
4/4/50

1.)

Modisches aus den U.S.A.

2.)

Mütter gehen mit ihren Kindern zur Schule.

.)

13/4/50

Fast 1,5 Millionen amerikanische Frauen sind
freiberuflich tätig.

4.)

Margaret
Trumans Stimme erstmals auf Schallplatten aufgenommen.

1.)

Gleichberechtigung der amerikanischen Frau
auch im Bankgeweroe gefordert.

2.)

Pandora Tsaldaris spricht über ihre Eindrücke
in den Vereinigten Staaten..
Ungewöhnliche Auszeichnung für Schwester
Elizabeth Kenny.

3.)

- 15 -

�KURZNACHRICHTEN PUR DIE FRAU.
18/4/50

+)

25/4/50

1.

Vereinte Nationen erhalten UeS.-Vorschläge
zur Frage der Staatsangehörigkeit der Frau
bei Heirat und Scheidung.

2.

Mrs. Roosevelt, die einflußreichste Frau
Amerikas.

3.

Vertreter der Amerikanischen Legion beschenken
Patienten der Kinderklinik in Mammolshain.

1.

"Philadelphia (Pennsylvania) Inquirer" über
die Frauenemanzipation in der Ostzone.

2.

Amerikanische Negerin wird ausgezeichnet.

3.

Metallimprägnierte Textilien.

4.

Eine Frau erhält hohe wissenschaftliche
Aus z e i chnung.
+ + + + + + + + + + + + +

9/5/50

16/5/50

23/5/50

1.

Präsident Truman ehrt verdiente Amerikanerinnen»

2.

HalbIndianerin die "Mutter des Jahres*.

3.

Ahorn-Sirup.

4.

Kleiner Modebrief.

1.

Die Axt im Hause ....

2.

Sonnenbrille mit schwenkbarer Linse.

3.

Weibliches Sexualhormon aus Süßholz.

1.

Dies ist wahrhaft Dienst am Kunden.
Abendhütohen bis Zulupuppe, das Telefonbuch
weiß es.

2.

Kleine Kniffe - große Hilfe.
+ + + + + + + + + + + + +

- 16 -

�KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAU.
1/6/50

13/6/50

20/6/50

27/6/50

1.)

Deutsche Vertreterinnen auf der Jahresversammlung des Verbandes amerikanischer Frauenklubs.

2.

Ernährung und Fruchtbarkeit.

3.

Neue psychologische Demonstrationsmethodet
Kasperlefiguren.

4.

Kleinkühlschränke für Kraftwagen.

5.

Gloria Swanson, der Vamp des frühen Tonfilms,
wieder hoch in Kurs,

+) 1.

Katharine F.Lenroot, Leiterin des U.S.-Bundesamtes für Kinderfürsorge, ausgezeichnet.

2.

Tiefgekühltes Gulasch - Vollständige Mahlzeiten
samt Teller in amerikanischen Lebensmittelgeschäften zu kaufen.

3.

Tips für Hausfrauen und Junggesellen.- über den
Umgang mit Nagelfeilen, Kleiderbügeln und
Alkoholfleoken auf Möbeln.

4,

Neue Reinigungsmittel für automatische Geschirrwäscher.

1»

Deutschlandbesuch der Vizepräsidentin des YWCA.

2.

Qualitätskleider billig von der Stange.

3.

Ist Orion ein Konkurrent für Nylon?

4.

Schuhe mit auswechselbarem Oberteil.

1.

Das Textil-Archiv in New York City.

2.

Regenschirm mit auswechselbaren Bezügen.

3.

Der Wert der Spieltherapie»

+ + + + + + + + + + + + +

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�LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN,
April 1950 +)

+)

1,

Rasch* Ernte erhält Nährwerte.

2.
3.

Mehr Fleisch durch verbesserte Schweinefütterung.
"ölperle", die künstliche Butter,

4.

Junge Hühnchen auf alter Streu.

5.

Häufige Verwendung der richtigen Spritzmittel sichert eine gute Obsternte»

6.

Pflanzen wachsen ohne Erde.

7.

Bestand an Milchkühen in den U.S.A. nimmt zu»

8,

Eßt Gras . . „

9.

S t a t i s t i s c h e Erfassung der amerikanischen
Landwirtschaft»
+ + + + + + + + + + + + +

Mai 195Q

1.)

Die landwirtschaftliche Revolution in
den U.S.A.

2.)

Entdeckung vitaminproduzierender
in einer A b f a l l g r ü b e .

3»)

Erfolgreiche Rattenbekämpfung.

4-.)

Radiometer zur Verhütung v o n Frostschäden»

5.)

D i e Sojabohne erobert die Welt»

6.)

Die Kultur von Himbeeren und Brombeeren.

7.)

Zuohtversuche mit Tomaten.

8.)

Landbevölkerung der U.S.A. 19# der Gesamteinwohnerzahl.

90

Neue Grassamenbeize.

10.)

Bakterien

Kühleier ebenso haltbar wie gewöhnliche.
+ + + + + + + + + + + + +

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- 18 -

�LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN.
Juni 1950

1»

Für und wider die Preisstützung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

2.

Neuartiger Silobau in den Ü.S.A,

3.

Mehr Schweinefleisch in Auesicht.

4.

Senkung der Gewichtsverluste und Steigerung
des Wollertrages bei Schafen.

5.

Neue KartoffelBorten aus den TJ.S.A.

6.

Fischfabrik auf See.

7.

Der Blütenwecker»

8»

DDT steigert den Kartoffelertrag.

9.

"Heu-Kanonen" helfen dem Farmer,
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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26^ DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
April 1950/1

l.)

Die amerikanische Wirtschaftslage Anfang 1950.

2.)

Das Jahrhundert der Konservendose»

3.)

Deuteche Steuern echrecken U.S.-Privatkapital
ab.

4.)

Europa wirbt in U.S.A»
Deutsches Markenporzellan wird in Denver gezeigt.

5.)

Amerikanisches Kapital für Europa.
Investitionsprogramme für 1950 wesentlich erweitert»

6.)

Die ECA-Freigaben im Februar»

- 19 -

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
April 1950/11

+)

!•]

Am Wendepunkt des MarshallplaneB«

2.)

8,6 Milliarden Dollar für Europa.

3.]

Deutsche Kohle für den Marshallplan.
Der westdeutsche Bergbau - ein wichtiger
Faktor im ERP.

4.;

Leistungssteigerung durch Erfahrungsaustausch.

5.;1

Marshallplangelder für europäische
Investitionsprogramme.

6.: i

Gegenwertmittel gegen Kapitalnot und
Inflation.

7.: i

ECA beschafft strategische Rohstoffe.

H+ + + + + + + + + + + +
Mai 1950/1

+)

Mal 1950/11

i.]l

Zollsenkung und Liberalisierung.

2.; i

Elektrische Leitfähigkeit, Liohtempfindlichkeit und Strahlendurchlässigkeit
als bestimmende Merkmale neuer Gläser.

3. )

Die Kapazität der amerikanischen Stahlindustrie»

4. )

Die Lebensmittel der Zukunft, tiefgekühlt.

5. )

Amerikanisches Versuchslaboratorium
trägt zur Reduzierung der Produktionskosten bei.

1. )

U.S.A. untersuchen Export-Möglichkeiten
des Auslandes.

2. )

Marshallplanmittel für Westeuropas
Kolonien.

3. )

Amerikanische Werbefirmen im Dienst der
Allgemeinheit»

4. )

Turbinen verdrängen Kolbenmotor»

5. )

Senkung der Verbrauchersteuern in U.S.A.

- 20. -

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
Juni 195o/l

Juni 1950/11

1.

U.S.-»Sozialversicherung vor der Neuordnung.

2.

13 Milliarden für Neuinvestitionen in Ü.S.A.

+)

3.

Das Fertighaus erobert den amerikanischen
Markt zurück.

+&gt;

4.

Schiffsverkehr zwischen Ü.S.A. und Deutschland nimmt zu.

5»

Wirtschaftskalender - Mai 1950»

1.

"Brookings Institution" fordert Neugestaltung der amerikanischen Bundessteuern.

2.

Neue Gesichtspunkte bei der Auswahl von
Baugrundstücken in U.S.A.

3»

Das größte amerikanische Versandhaus hat
147 Millionen Kunden in aller Welt.

4.

Ein geschäftstüchtiger Geflügelhändler.
+ + + + + + + + + + + + +

27)

KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT.

April 1950/1

1.

U.S.-Amt für Arbeltsstatistik zur Arbeit slosenfrage *

2.

U.8.-Samengroßhandlung gründet Zweigniederlassung in Italien.

3.

Neue Gleichstrom-E-Lok in U.S.A.

4.

Kundenfertige Fleisohportionen bevorzugt.

5.

Gold aus Meerwasser»

6.
Mai 1950/1

1.
2.
3.
4.

Spanien und Portugal Hauptabnehmer für
überschüssige U.S.-Kartoffeln.
+ + + + + + + + + + + + +
2,5 Millionen U.Su-Patente.
U.S.-Öffentlichkeit billigt Privatgewinne.
Rückgang des Barsparens in U.S.A.
U.S.-Handelskammer weniger "'isolationistisch"»

- 21 -

�KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT.
Mai 1950/11

1.

Der unfehlbare "Denkroboter".

2.

Fernsehen und Bierverbrauch.

3.

Was hält der Aktionär vom Jahresbericht?

+ + + + + + + + + + + + +
Juni 1950/11

Junl 1950/11

1.

Boston erhält Warenhaus mit modernsten
technischen Einrichtungen.

2.

Der Einwanderer spart - Eine Gewohnheit»
die er in die neue Welt mitbringt.

3.

Wäschewaschen ohne Seife.

4.

"Amprobe", der neue KleinstStrommesser.

1.

Erdölbohrungen in Nordafrika.

2.

Eisgekühltes ohne Eis.
+ + + + + + + + + + + + +

28) GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.

April 1950/1

1.)

CIO fordert Unterstützung des Auslandshilfegesetzes durch U.S.-Repräsentantenhaus.

2.)

Gewinnbeteiligung für Arbeitnehmer in den
U.S.A.

3»)

Schwedische Gewerkschaftler besuchen U.S.A.

4.)

Facharbeiter von morgen.

5.)

Generaldirektor der ILO gibt Rechenschaftsbericht.

6.)

Sparmarken für Aktienerwerb und Urlaubsfinanzierung.

7«)

U.S«-Seeleutegewerkschaften fordern Maßnahmen
gegen kommunistische Störversuche.
+ + + + + + + + + + + + +

Mai 1950/1

1.)

AFL und CIO gratulieren Berlin.

2.)

Die öffentlichen Gewerkschaftsorgane in den
U.S.A.

3.)

AFL-Gewerkechaftsausstellung in Philadelphia.
- 22 -

�GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.

Mai 1950/1

Mai 1950/11

Juni 1950/1

4»

AFL-Gewerkschaft erörtert antikommunistischen Aktionsplan.

%

AFL lobt "freien Gewerkschaftsbund im Exil".

6.

Amerikanische Arbeiter sind zahlungskräftige
Touristen.

1.

UAfvKollektiwertrag mit General-Motors lebhaft
begraset.

2.

AFL-Erklärung zum Deutsohlandproblem.

3.

AFL-Erklärung zur internationalen Lage.
+ + + + + + + + + + + +

1.

Die amerikanischen .Gewerkschaften und das
Punkt-4-Programmo

2.

Goldenes GewerkschaftsJubiläum in U.S.A.

3.

AFL schlägt Studium der Altersfürsorge vor.

4.

Unfallziffer im U.S.-Bergbau rückläufig.

5.

U.S.-Elektroarbeiter stimmen gegen Kommunismus.

Juni 1950/11 1.
+)

2.

U.S.-Arbeiter werden Kampf gegen den Kommunismus fortsetzen«
U.S.-Konferenz für Invalidenfürsorge fordert
"totale Neueinschulung" der Arbeitsinvaliden.

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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29) EISTIGES LEBEN.
April 1950/1 1.)

Grau ist alle Theorie.

+)

2.)

Mystik —- durchaus unmysteriBs.

+)

3.)

Volkskunst in Amerika und anderBWO.

4.)

Die Krise der Kunst ist keine Krankheit
zum Tode.

5.)

Die Grundzüge des Liberalismus.

- 25 -

�«

GEISTIGES„LEBEN.
April 1950/11 +)l.

Der schöpferische Neger.

2.

Langston Hugh.es.
Der Neger spricht von den großen Strömen

3.

Amerikanische Notenbibliothek für deutsche
Musiker.

4.

Seminar für Amerikakunde in Salzburg.

5.

Das Land ohne Mittelstand.

6.

In zwei Jahren 150 neue amerikanische
Hochschulen.

7.

Täuschungen als Quelle der Erkenntnis»
+ + + + + + + + + + + + +

Mai 1950/1

1.

Rot und Schwarz oder Der tödliche Bruderkuß.

2.

Strawinsky für die Kleinen.
Ein Schallplattenolub für Kinder.

+) 3 .

4.

Mai 1950/11

Von der babylonischen Hieroglyphe bis zum
Schundroman.
Amerikanische Pädagogen in Deutschland
eingetroffen.

+) 5.

Malerei aus dem Geiste der Musik.
Das Lebenswerk Lyonel Feiningers in New York.

+) 6.

Helen Keller in Paris.

+) 1.

Die Oper ist tott Es lebe die Oper.
Von Gian Carlo Menotti.

2.
+) 3.

Das kirchliche Leben in Amerika.
Hochkommissar McCloy vor der Evangelischen
Akademie in Hermannsburg»

4.

Die Summe des menschlichen Denkens Ein Philosoph sichtet das Gedankengut
unserer Welt.

+) 5.

Paul Klee, der Palmström der Palette.

6.

Mikrofilmexpedition ins 5* JahrhundertAuf dem Sinai werden anderthalb Jahrtausend
alte Manuskripte photographiert..

7.)

Dr. Read fordert pädagogische Zusammenarbeit
im Sinne hundertjährigen deutsch-amerikanischen Gedankenaustausches.

- 24 ~

�GEISTIGES LEBEN.
1.)

Juni 1950/1
+)

2.)

Lebendige Ordnung — Zum Kongreß für kulturelle Freiheit. Berlin 26.-30. Juni 1950
Dae am meisten umstrittene Bild des Jahre»..,
Salvador Dalie Madonna für Port Lligat-

3.)

Der Weg des großen Musikhistorikers
Alfred Einstein.

4.)

Las amerikanische Buch im Nachkriegs—
deutschland.

5.)

Wer hat den "Pythagoras" zuerst bewiesen?

6.)

Lie hochsinnige Rothaut»

7.)

Freierer Geist in den deutschen Schulen.

8.)

UNESCO erweitert ihre Arbeit in Deutschland»
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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30) JUGEND,
April 1950

1.)

Maxi, der glücklichste Hund der Welt.

2.)

Die deutsche Jugend und das
Problem.

3.)

Fachausbildung für die amerikanische Jugend.

4.)

Erziehung zum praktischen Leben.

5.)

Die schönsten Jahre unseres Lebens.

Arbeitslosen-

+) 6.)

Amerikanische Marine-Pfadfinder erhalten
Unterricht in Navigationelehre»«

7.)

"Campfire-Girls" begehen ihr 40-jähriges
Bestehen.

8.)

Versuch*s mal.

Wie groß ist der Druck der

Luft?
+ + + + + + + + + + +•+ +

- 25 -

�JUGEND.
Mai 1950

1.

Der Holzfäller und die Hexe.

2.

Eint Schule kommt zu den Schülern.
Die Calvert-Schule unterrichtet Kinder in
aller Welt.

3.

Amerikanische Organisation zur Förderung der
Wissenschaften unterstützt junge Talente.

4.

Bleistifte ohne Blei.

+)

5.

Ringling Bros, und Barnum &amp; Bailey in New York,

+)

6.

Sommerlager in den Vereinigten Staaten.

7.

"So leicht" ... - nein, "so schwer wie Luft",
müßte es heißen!
+ + + + + + + + + + + + +

1.

Der kleine Ralph und der Mammutbaum.

2.

Erziehung und internationale Verständigung.

+)

3.

Sommerlager des amerikanischen Quäkerhilfskomitees.

+)

4.

Ein Kindertheater auf Rädern.

5-

Im Kindertiergarten von New York.
Eintritt nur in Begleitung von Kindern.

6„

Versuch*s mal. Die tanzende Haarnadel.

Juni 1950

+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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- 26 -

�Oktober 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1 Juli 1950 - 30. September 1950
Seite
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6
6
6
6

Leben in den USA,
Wissenschaft,,
Polin*'.
•era^ur Kunst und Theater^
lirteohaft,
P rtrai^ der Woche,
Arb e
Medizin.Presse, Rundfunk, Fernsehen,
Industrie &amp; Teohnik,
Amerikanische Staaten., Amerikanische Städte,
Gesundheitswesen
Erziebungswesen
Psy »hologie.
W.'hnungsba
Das neue Buoh
Jugend in Amerika^
Kr.:.mj na ixstik
Spi r + ,
Die öffentliche Meinung,,
Vereinte Nationen.,
Eur • pä.i sches Wiederaufbauprogramm,,
Kommentare von John 1 Morton,,
Zu Ihrer Information,

.

Artikel für die Frau,,
znachrichten für die Frau-,

6
6
6
7
7
8
10
12

Geistiges Leber

14

Landwirtschaftliche Nachrichten..

15

Jugend o

16

Die amerikanische Wirtschaft..

18

Gewerkschaftliche Nachrichten aus den Vereinigten
S aaten,

19

+ + + + + + + + + + + H ••

�1;)

LEBTEN I N DEN USA.

4/7/50

6/7/50
8/7/50
11/7/50
13/7/50 •
15/7/50 *
18/7/50
20/7/50
22/7/50
25/7/50
27/7/50
29/7/50

*

Was saßt der Rundfunkhörer? — Neuartige Meinungsforschung in den USA.
Auf den Spuren des Wilden Westens.
Was ist ein Yankee?
.Die fremdsprachige Zeitung in den USA.
Das amerikanische Rote Kreuz.
Kalifornien, der goldene Staat des amerikanischen
Westens»
Amerika sucht Lösung des Altersproblems.
Die Entwicklung der Negerfrage im Süden der Vereinigten Staaten.
Die Handelskammer - das Planungszentrum der amerikanischen Stadt.
Der modernste Unterwassertunnel der Welt.
Die Himmelspolizei von New York.
Austauschprogramm führt deutsche Polizisten nach
Michigan.

+ + + ++ + + + + + ++ +
1/8/50 *
3/8/50 *
5/8/50 *
16/8/50
19/8/50
23/8/50
26/8/50
30/8/50

2/9/50
6/9/50
13/9/50
16/9/50
20/9/50

*

Der Yocemite-Naturschutzpark.
Die Indianerschule in Chicale.
Höhlenbewohner in Alaska.
Das Handelsmuseum in Philadelphia weiß alles.
Die ersten vorlaufigen Ergebnisse der amerikanischen
Volkszählung.
Mannslcut und Weibsmensch, Buwe und Maed. — "Pennsylfawnische Deitch" als Muttersprache.
Indianertreffen in New Mexico.
Ein Hund mit Bankkonto — "Cappy" - ein Stück New
Ycrker Leben.
+ + + + + + + + + + ++ +
1.) Der Tag der Arbeit in den Vereinigten Staaten.
2.) Präsident Truman an die Arbeiter der USA.
Sängerfest jenseits des Ozeans.
Aus der amerikanischen Mythologie — Riesen formten
da3 Antlitz Amerikas.
'Sprechende Bücher" für Blinde.
Zwei-Mann-Ingenieurbüro mit Rekordkontrakten.

Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

1

�LEBEN IN DEN USA.
23/9/50

Rotary International - "Nur wer wahrhaft dient, kann
Lohn erwarten".
"Phi Beta Kappa", die älteste und berühmteste amerikanische Vereinigung von Studenten und Akademikern.
Madison Square Garden.

27/9/50
30/9/50

*

+ + + + + + + + + + + + + +

2.) WISSENSCHAFT.
1/7/50
4/7/5C

Probleme der Raumschiffahrt vom Standpunkt des Arztes.
Wandlungen der Weltwirtschaft durch die chemische
Industrie.
Fluorverbindungen - neue*Zaubermittel der Chemie.
Medizinische Möglichkeiten der Atomenergie.
Uransuche aus der Luft — Das Geigerzählrohr im
Plugzeug.
Malariabekämpfung in Sardinien.

*

11/7/50
2C/7/50
25/7/50
27/7/50

+ + + + + + + + + + + + + +

1/8/50
9/8/50

t

6/9/50
13/9/50
27/9/50 *

Psychologische Tests mit Tauben.
Tausendjährige Wolkenkratzer.
+ + + + + +++ + + + + + +
Der Mars und seine Geheimnisse.
Was sagt die Wissenschaft über die Hypnose?
Aus dem Leben des Biologen, Forschungsreisenden und
Schriftstellers William Beebe.
+ + + + + + + + + + + + + +

3.) POLITIK.
1/7/50
11/7/50

Mr. McCloys erstes Jahr.
Errichtung eines v/issenschaftlichen Stabes im amerikanischen Außenministerium vorgeschlagen.
Die weiß-blaue Plagge der Vereinten Nationen.

22/7/50

+ ++ + + + + + + + + + + +

9/8/50
12/8/50

*

30/9/50

*

Durchschaute "Friedenspetition".
Die politische und wirtschaftliche Entwicklung der
Hawaiischen Inselgruppe.
+ + + + + ++ + + + + + + +
Friedensnobelpreisträger Ralph Bunche.
+ + + + + + + + + + + + + +

- 2 -

�4.)

Literatur, Kunst, Musik und Theater.

1/7/50 *
6/7/50 *
15/7/50
18/7/50 *
25/7/50

*

Robert Frost - der 75jährige Dichter Neu-Englands.
Kulturleben ohne Sommerpause.,
Amerikanische Studenten führen 'Parsifal' auf.
Bergmannslieder gehören zur Volksliedsammlung der
amerikanischen Kongreßbibliothek.
Amerikanische Maler stellen in Venedig aus.
+ + + + + + + + + + + ++ +

3/8/50 *
9/8/50 *
23/8/50

Landgemeinde wird Kulturzentrum.
Amerikanisches Gespräch mit Gerhard Marcks.
Die Arena des Altertums - letzte Errungenschaft am
Broadway.
+ + ++

2/9/50
20/9/50
23/9/50
30/9/50

*
*

+ + + + + + + + +

Robert Russell Bennett, eine der eigenwilligsten Gestalten des amerikanischen Musiklebens.
Brooklyn Library in New York verleiht Reproduktionen
der schönsten Bilder der Welt,
Die "Met" - Amerikas repräsentativstes Opernhaus.
Edward Hopper — Realistischer Romantiker.
+ + + + + +++

+ + + + + +

5.) WIRTSCHAFT.
3/8/50
16/8/50
19/8/50
23/8/50
26/8/50

*

Kohle, die zweimal arbeitet.
Ab 1. September wieder deutsches Generalkonsulat in
New York, j
Freies Unternehmertum und soziale Sicherheit.
Berlin führt mit amerikanischen Hilfsgeldern sein
Notprogramm durch.
Nahrungsreserven aus dem Meer«
+ + + + +++

2/9/50
20/9/50

+ + ++ + + +

Der internationale Boden von New York. Schiffe bringen zollfreien Wüstensand und Bombenschutt.
"Flanktonsandwich" - die Nahrung der Zukunft?
+ + + + + + + + + + + + + +

- 3 -

�6.)

PORTRAIT DER Y/OCHE.

Milton Katz, der neuernannte ECA-Sonderbotschafter
für Europa.
James Thomas Farrell, Schriftsteller und Essayist.
Charles M, Spoffcrd, der neuernannte Vertreter der
USA im Exekutivausschuß des Nordatlantikrates
Mit Schreibmaschine und Zeichenstift - Der unnachahmliche Ludwig Bemelmans»
+ + + + + ++ + + + + + +
Mr, Shepard Stones der neue Direktor des Amtes für
öffentliche Angelegenheiten hei der US-Hochkommission
für Deutschland»
+ + + + + + + + +'+++ +
General Walton Harris Walker, Oberkommandierender der
UN-Landstreitkräfte in Korea»
Percy Aldrich Grainger, der markanteste Zopf auf
Amerikas Konzertpodium.
+ ++ + + + ++ + + + + +

8/7/50 +
15/7/50 +
20/7/50 +
22/7/50 +
16/8/50 +

6/9/50 +
16/9/50 +

7.) ARBEITo
13/7/50
22/7/50
27/7/50
5/8/50
19/8/50 +
16/5/50
27/9/50

Frauen im Staatsdienst der USA.
Zinsfreie Darlehen für amerikanische Elektroarbeiter.
Las US-Arbeitsministerium«
+ + + -^ + + + + + + + +
Hohe Produktion sichert hohe Einkommen und gesteigerten
Lebensstandard der amerikanischen Arbeiterschaft»
Das Bankett für den Boas,
+ + + + + + ++*+ + + + + .
Sommer-Seminare für amerikanische Gewerkschaftler«
Streiks, die beim Abendessen beigelegt werden,*
+ + ++ + + + + + + + + +

8,-) MEDIZIN.
8/7/50
15/7/50 +
18/7/50

Überragende Heilwirkungen bei Blinddarmentzündung durch
Aureomycin,
Neue Wege bei der Behandlung der Kinderlähmung.
Alkoholische Trugschlüsse - Die Medizin widerlegt
die Ausreden der Gewohnheitstrinker»
+ + + + ++ + + + + + + +

9 ) PRESSE, RUNDPUNK, FERNSEHEN.
4/7/50
6/7/50

^Die. "Leichenhalle" - letzte Zuflucht des Redakteurs
Im Sendewagen durch Amerika. - Neue Sendefolge der
"Stimme Amerikas"»
+ + + + + + + + + + + + +
- 4

�PRESSE, RUNDFUNK, FERNSEHEN.
1/8/50
16/9/50
23/9/50

Spezialsender für schwere Musik»
+ ++ + + ++ + + + + + +
Tcscaninischüler über klassische Musik und die
Television»
"TIME" über den Berliner Oberbürgermeister, Professor
Dr&lt; Ernst Reuter»
+ + + + + + + + + + + + +

10.) INDUSTRIE &amp; TECHNIK.
13/7/50
16/8/50
9/9/50

Elektrische Anlagen im neuen Sekretariatsgebäude der UN,
+ + + + + + + + + + + + +
Der Radioapparat am Handgelenko
+ + ++++.+ + + + + + +
Amerikanische Wissenschaftler untersuchen die Unfallgefährdung in modernen Personenkraftwagen«
+ + + +-fc--fc + + + + + + +

llo) AMERIKANISCHE STAATEN, AMERIKANISCHE STÄDTE.
20/7/50 +
12/8/50

Maine - der Staat der Kiefern»
+ + + + + + + +++ + + +
Brooklyn - der Irrgarten auf Long Island•
+ + ++ + + + + + + + + +

12,) GESUNDHEITSWESEN,
9/8/50
26/8/50 +

Der Cesundheitsstand der Negerbevölkerung in den
Vereinigten Staaten»
Keine Panik bei Kinderlähmung - Amerikanische Spezialisten geben praktische Ratschläge»
+ + + + + + + + + + + + +

13.) ERZIEHUNGSWESEN,
13/7/50
22/7/50

6/9/5Ö •
9/9/50 +
13/9/50 +

Eine Universität für Taubstummet
Die internationale Arbeitstagung für Sozialkunde in
HeidelbergJ
+ + + + + + + + + + + + +
Das internationale Studentenheim in Boston»
Psychologie der Farbe.
Columbia--Universität plant für die Zukunft,
+ + + + + + ++•* + + + +

- 5-

�14.) PSYCHOLOGIE,

30/8/50
9/9/50

Amerikanischer Psychologe mißt den menschlichen
Charakter.
+ + + + + + + + + ++ + +
Der Geburtsschein trügt.
+ + + + + + + + + + + + +

15.) WOHNUNGSBAU.
29/7/50 +

Aufschwung der amerikanischen Fertighausindustrie.
+ + + + + + + + + + + + +

16.) DAS NEUE BUCH.
29/7/50
12/8/50

Heitere Betrachtung über
Your Age". Von Dr. Corey
.+ + + + + + + +
Ethos und Wissenschaft —
nischen Physikers Robert
H. Compton.
+ + + + + ++ +

das Altern. Aus "How to Guess
Ford.
+ + + + +
Ein Lebensbild des amerikaA. Millikan. - Von Dr. Arthur
+ + + + +

17.) JUGEND IN AMERIKA.
5/8/50 +

Jugendherbergen in den Vereinigten Staaten.
+ + + + + + + + + + .+ + +

18.) KRIMINALISTIK.
8/7/5 » +

AI Valanis - der Detektiv, der Verbrecher mit dem
Bleistift fängt.
+ + + + + + + + + + + + +

18.) S.P0RT.
30/9/50 +

Ein Weltmeister ist abgetreten — Joe Louis sohtffte
es nicht.
+ + + +'+ + + + + + + + +

19.) DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG. .
30/9/50

Überwiegende Mehrheit der Deutschen auf der Seite
des Westens.
+ + + + + + +++ + + + +

20.) VEREINTE NATIONEN.
23/9/50

Der Rundfunknachrichtendienst der Vereinten Nationen
sendet in 27 Sprachen.
+ + + + + + + + + + + + +

- 6-

�21.) EUROPÄISCHES WISDERAUFBAUPROGRAMM.
23/9/50 +

Schleswig-Holstein baut zehntausend Flüchtlingswohnungen mit Hilfe von ERP-Mitteln.
+ + + + + + + +++ + + +

22.) KOMMENTARE VON JOHN I. MORTON.
1/7/50
6/7/50
13/7/50
15/7/50
18/7/50
22/7/50
25/7/50
29/7/50
1/8/50
5/8/50
9/8/50
12/8/50
16/8/50
19/8/50
23/8/50
26/8/50
30/8/50
6/9/50
9/9/50
13/9/50
16/9/50
20/9/50
23/9/50
27/9/50

Aktive Seihritte zur Friedenssicherung — USA handeln
im Rahmen der UN.
Frischer Wind in Washington.
Amerikanische Politik der Gegenwart - Die Vereinten
Nationen beweisen große Entschlossenheit.
"Sie lispeln 'Frieden', wenn sie lügen..."
Feldzug der Y/ahrheit wider die lüge.
Die Antwort auf falsche Friedensfühler.
Wir sind alle im gleichen Boot.
Die amerikanische Wirtschaft stellt sich um.
+ + + + + + + + + + + + +
Überflüssige Spekulationen.
Fünfte Kolonne unter der Lupe.
Auf dem Wege zu einem geeinten Europa — Straßburg:
Symbol für eine künftige bessere Welt.
Aus Schwarz mach Weiß — Aber die Tatsachen über Korea
lassen sich nicht verdrehen.
Erinnerung an eine kurze Freundschaft.
Westdeutschland muß sich entscheiden.
Vclkswahlen ohne Volk.
'Demokratie' an den Ufern der Donau.
Sie sind nicht vergessen — Die Kriegsgefangenenfrage
vor den Vereinten Nationen.
+ + + + + + + + + + + + +
Eine Warnung an den Kreml — Gegen die Wahrheit ist
kein Kraut gewachsen.
Nicht Divisionen allein
Die einzige Sprache, die der Kreml versteht.
Sie irren, Herr General.
Politische Pathologie im Osten.
Es geht voran.
Neuer Ku: 3?
+ + + ++ + + + + + + + +

- 7 -

�23.) ZU IHRER INFORMATION.
1/7/50

11/7/50

22/7/50

1.) Voller Wortlaut der Erklärung Präsident Trumans
vom 27.6.1950 und der Resolution vom gleichen
Tage, die die USA dem Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen vorlegten.
2.) Voller Wortlaut der Rede des US-Außenministers
Dean Acheson, gehalten am 29.6.1950 vor der
"American Newspaper Guild" in Washington.
1.) Voller Wortlaut der offiziellen Note der Regierung
der Vereinigten Staaten an die Sowjetunion über
den angeblichen Kartoffelkäferabwurf über Ostdeutschland (überreicht am 7.7.1950).
2.) Voller Wortlaut einer Erklärung des US-Außenministeriums zum Kartoffelkäferabwurf über Deutschland,
die der Presse am 6. Juli 1950 übermittelt wurde.
Wortlaut der Einführung zum Weißbuch der USA über
Korea (veröffentlicht am 20. Juli 1950).
+ + + + + + + + + + + + +

3/8/50
16/8/50
19/8/50

23/8/50

30/8/50

2/9/50
6/9/50
9/9/50

13/9/50

Wortlaut einer Rundfunkansprache des republikanischen
Beraters des US-Außenministers, John Poster Dulles,
gehalten am 31. Juli 1950 in San Francisco, California.
Die zehn großen Lügen Maliks. (Aus "New York Times"
vom 10. August 1950).
1.) Das Problem der japanischen Kriegsgefangenen.
2.) Präsident Truman übermittelt dem US-Kongreß den
achten Quartalsbericht der ECA. (17. August 1950).
3 0 Liste der Gedenktage für September I S O .
Zwei Jahre Republik Korea.
Die kommunistische Presse in Westdeutschland. Von F.
Gardner Cox, jr.
Io United Natior.j sollen das Kriegsgefangenen-Problem
erörtern.«
II. Bundesrepublik lacht Fortschritte — Der zweite
Viertel Jahresbericht MCCIOJB,
III. Präsident Truman über die Ziele der amerikanischen
Chim politik.
+ + + + + + + + + + + + T
Die Wahrheit über Moskaus Friedensfeidzug.
Präsident Truman: Keine Weltkriegsgefahr. (Wortlaut
der Rundfunkansprache Präsident Trumans vom 1. September 1950).
Die öffentliche Meinung in Deutschl-md. VierJahresbericht der Abteilung für Erforschung der öffentlichen
Meinung bei der amerikanischen Hochkommission in
Deutschland.
Präsident Truman: Für die Verteidigung Opfer bringen...
(Voller Wortlaut der Rundfunkansrrache Präsident Trumans
vom 9« September 1950)

�ZU IHRER INFORMATION.
16/9/50

20/9/50

23/9/50

a) Wortlaut des Zwischenkommuniqu^s vom 14. September
1950 der drei Außenminister der Vereinigten Staaten,
Großbritanniens und Prankreichs.
b) Wortlaut eines offenen Briefes an die "New York
Times", in dem Irvin Shaw sein Friedensstück
"Begrabt die Toten" vom Spielplan zurückzieht.
Bevölkerung der US-Zone befürwortet deutsche Trappen
für westeuropäische Verteidigung. - Resultate einer
von der Abteilung für Meinungsforschung im Amt für
öffentliche Angelegenheiten, HICOG, durchgeführten
Befragung der Bevölkerung der US-Zone.
Kämpfer gegen die Unmenschlichkeit.
Die internationale Frauentagung in Bad Reichenhall
vom 25. - 30. September 1950. . .
+ + + + + + + + + + + + +

�24.) ARTIKEL FÜR DIE FRAU.
4/7/50 *

1)

Ellen McCloy. Die Gattin des amerikanischen Hochkommissars für Deutschland•

+

2.

Psychisches Trauma der Kindheit.

+

3

Richtige Ernährung.

4»

Der waschbare Wintermantel, aus - Orion.

5. Deutsche Studentinnen schreiben aus den Vereinigten
11/7/50 4

1.

5.
18/7/50

lo
2.
3c

i
25/7/50 t

1/6/50

4.
5.

Frauen im Berufsleben«
Gloria Swansons "come-back".
"Mein Gott, wie du gewachsen "bist"«
Von der Dekoration zur Form.
Viele Ursachen können zu Kopfschmerzen führen.

1.

Kinder von UN-Angestellten spielen miteinander und
kennen kein Veto»
2.. Hauswirtschaftlerinnen in Maryland sind am Weltgeschehen interessiert»
3. Ausblick auf die kommende Herbstmode in den USA.
4, Getreidekömer als SchuhmaJ3 - Absonderliche Größeneinheiten.
5c
Um die Gleichberechtigung des Mannes im Kinderzimmer»

1. Ein amerikanischer Sommerkurs für Eltern und linder,
2. Der internationale Kampf gegen die spinale Kinder-

3
4.
5o

6/8/50 ;•

Staaten«,
Die amerikanische Dichterin Emily Dickinson. Von
Cc Hansen•
Das "einzige" Kind.
Küchen werden größer und wohnlicher,
"Vicara" - ein neuer Konkurrent für Schafwolle.
Kühlende Mischgetränke»

lähmung» Von Eleanor Roosevelt,
Betty Hutton - Von der Straßensängerin zum Star„
Amerika entwickelt den "echten" Fahrstuhl,
Waschmittel wollen richtig benutzt sein.

1. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.
Der Angsttraum.
Amerikanische Studentin wird Star-Mannequin bei
Christian Dior.
4.) Warum Frühstück? Eine zu Unrecht vernachlässigte
Mahlzeit.
2.
3

- 10 -

�ARTIKEL P'JR DIE FRAU,
New Yorker Psychologe schlägt Ehetauglichkeitsgesetz vor»

8/8/50

1. Die Aufgaben der Frau im Wechselspiel des modernen

16/8/50

2.
3&lt;
+

*.

5.
23/8/50 + 3
2.
3o
5o

30/8/50

1,
+ 2.

3.
4.
6,

Lehens.
Hormone und Charakter Amerikanische Psychologen
entwickeln den Mann-Frau-Test.
Die Frau im amerikanischen G-ewerkschaf tsleben.
Ein unmuseales Museum - Neue Wege zur Kunsterziehung.
Dunkelblau — vornehm, schick und praktisch.
Gwendolyn Brooks - Eine junge amerikanische Dichterin.
Vorschriften und Privilegien für Jugendliche.
Das Traumhaus von Mr. und Mrs. Mathias in Jackson.
Hundert Jahre Panama-Hüte«.
Sin Wort für die ledige Frau.
D.i e USA nehmen sich heimat- und elternloser europäischer Kinder an»
Ein amerikanischer Filmstar und seine Familie.
Von Joel McCrea«
Neuzeitliche Babywiege mit Klimaanlage und SendeStation.
Antike Möbel mit modernem Zubehör.
Backfisch- und Schulmoden in den USA.
über den Umgang mit Schnittblumen.
t + rt- + + + + + + + + +

6/9/50 +

13/9/50

1.
2,
3.
4.

Lehrfach: Familienglück.
Kinder, Eltern und das Gesetz.
Probleme gehören nicht ins Bett.
Chance für Drillinge: 1 zu 9 400.
5. Pfannen, Töpfe, Tiegel - und was man darüber wissen
mußu
Amerikanische Farmersfrauen auf der Kopenhagener
Konferenz»
7. Amerikanischer Frauenverband befürwortet UN-Aktion
in Korea..
1.
2.
3.
4.
5.

Sozialarbeit in den Vereinigten Staaten.
Wie lebt eine Arbeiterin in New York?
Das US-Bundesamt für Frauenfragen.
Die Ursache des Bettnässens.
Selbsterkenntnis, Selbsterziehung und Toleranz, drei
bedeutsame Faktoren im Berufsleben.
- 11 -

�ARTIKEL F J R DIE FRAU.
13/9/50

6.
7.

Oberlin in USA unterstützt Gronenberg in Holstein.
Hollywoods größter Star - Dorothy Ford.

20/9/50

1.
2.
3.
4.

Das Y/erk der Schriftstellerin Edna Ferber.
Ein Loblied auf die 'Separates'.
"Und vor allem, Konrad, hör...."
Für und wider die sexuelle Aufklärung durch die
Schule.
Die amerikanische Frau im Berufsleben.
Pearl 3. Bucks "Haus des Willkommens" in Pennsylvanien.

+

+

27/9/50

5.
6.
1.
2.

+

3»

+

4.
5.

Die Gesellschaft für den Dienst an der Familie,
US-Bundesamt für Frauenfragen beschafft erforderliche Unterlagen für eventuelle kriegswirtschaftliche Maßnahmen.
Shirley Graham: Amerikanische Opernkomponistin und
Biographin.
Vorschau auf die New Yorker Hutmode der kommenden
Saison.
Wie gewöhnt man einem Kind häßliche Ausdrücke ab.
+ + + + + + + + + + + + +

2&lt;T KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAU.
4/7/50

1,
2,
3.
*.

Hundert Jahre amerikanische Frauenschule für Medizin
Der Pappteller wird gesellschaftsfähig.
Fortschrittliches Amerika.
Churchills Tochter filmt in Hollywood.

11/7/50

1.
2.
3.
4.

Hauptberufsarten der Frauen in den Vereinigten Staaten.
Lampenschirm: waschbar und unzerbrechlich.
Fürs Badezimmer.
Die Weste stirbt aus.

18/7/50

1.
2.
3.

Luftiger Regenschutz.
Einkochen in kürzerer Zeit mit Subtilin.
Ein neues Dämpftuch zum Entglänzen von Anzügen.

25/7/50

1.
2.
3.

Colleen Townsend filmt wieder.
Der Vitamin-C-Gehalt der Kartoffel.
Eine 67-jährige Negerin - Washingtons "Mutter des
Jahres.

- 12 -

�KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAUo
1/8/50

1.
2.

Gebackene Bananen.,
Salatschale für heiße Sommertage,»

1,

Frau Wolle-Egenlof spricht über die Rechtsstellung
der amerikanischen Frau,
Das Fashion Institute of Technology in New York.
Automatische Orangenpressen.

•

8/8/50

2»
3.
16/8/50

1.. US-Pfadfinderführerin besucht Deutschland.
2. Gekocht in New York City - serviert in Dakar, Buenos
Aires und Lissabon»
Das Portrait auf dem Kopftuch.
3.

23/8/50

1.
2»
3.
45.

30/8/50

1.

Das weibliche Hilfskorps der amerikanischen Streitkräfte ,
Vorboten der Herbstmode.
6 140 Frauen aus 125 Ländern besuchten im Laufe des
letzten Jahres die USA.
Elektrisch beheizte Teppiche^
Dr. John Ethel 1. Nixon, die erste farbige Ärztin
der John Hopkins-Universitätsklinik in Baltimore.

4.
5.

Amerikanische Jugendkonferenz mit starker Auslandsbeteiligung.
Gute Berufsaussichten für Sozialarbeiterinnen in den
USAAmerikanische Farmer wollen auf ihre "Porch" nicht
verzichtenc
June Allyson - Filmstar No. 1.
Jane V/yman wird Stewardess.

20/9/50

1,
2.
3»
4.

Amerikanische Jugendheime vorbildlich für Deutschland.
New Yorks Frauen gegen kommunistische Lügenpropaganda.
Was heißt "Denier"?
Ernährung und Knochenbau•

27/9/50

1,
2,
3.
4.,

Kupferhaltige Nahrung verhindert graue Haare.
Penicillinhaltiges Zahnpulver gegen Zahnkaries.
Kleiderkäufe - nicht planmäßige
Wenn der Schuh drückt.

2.

3.

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln

kann der "AMERIKA DIENST"

kostenlos Bildmaterial liefern»

- 13 -

�26/GEISTIGES LEBEN.
Juli

1950/1

Kongreß für kulturelle Freiheit (Berlin)
1.) Manifest der Freiheit des Geistes.
2.) Die Fragestellung des Kongresses.
3.) Scheidung der Geister.
4.) Wesen und Weg der Freiheit.
+ + + + + + + + + + + + +

Juli 1950/11

1.) Die UNESCO und ihre Ziele.
2.) Die UNESCO und die Vereinigten Staaten.
+ + + + + + + + + + + + +

August 1950/1

*)

1.)

EdTsrard Munch - schwere Kost f ü r Amerika.

2.) Theater auf Schallplatten.
3.) Werkstatt der Toleranz.
4.) Internationale Arbeitsgemeinschaft für
Studentenverwaltung und Studentenselbsthilfe.
+ + + + + + + + + + + + +
August 1950/11

*)

1.) Das Glück als Aufgabe der Wissenschaft.

*)

2.) Sonntagsmalerei und Psychoanalyse.
3.) Die verzwickteste aller Fragen:
"Wer sind Sie?"

*)

4.) "Zu wenig Wissensdurst"
Einstein klagt über die jüngeren Kollegen.
5.) Atomphysiker als Archäologen.
+ + + + + + + + + + + + + +

September 1950/1

Internationale Arbeitstagung für Sozialkunde
in Heidelberg.
1.) Die Forderung der Gegenwart an die
Schule: Soziale Erziehung.
2.) Humanismus und soziale Erziehung.
Von Dr. James M. Read.
3.) Über die Gemeinschaft.
Von Dr. Theodor Bäuerle.
- 14 -

�GEISTIGES LEBEN.
September 1950/1
September 1950/11

4.
•) 1.

über einige Prägen der Schulreform.
Von Jean Barbas.
Moderne deutsche Kunst in New York
und Venedig.

2.

Zukunftsmusik - im wahrsten Sinne
des Wortes.

3.

Der Krieg beginnt im Klassenzimmer.

4.

Sprache, die Jeder versteht, und Orakel.

5.

Soziologie in den Vereinigten Staaten.
Von Kurt H. Wolff, Professor an der
Staateuniversität Columbus, Ohio.

+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

27») LANDWIRTSCHAFTLICHE. NACHRICHTEN..
Juli 1950

)

1.) Die Reiserzeugung der Welt steigt.
2.) B&amp;llenauswahl schon bei Jährlingen.
3.) Getreideernte zur richtigen Zeit.
4.) Patente für Mais und Rosen.
5.) Konserven - besser und haltbarer.
6.) Kampf den Fliegen.
+ + + + + + + + + + + + +

August 1950

1.) Ausreichende Ernährung für die ganze
Welt - das Ziel der FAO.
•)

2.) Landwirtschaftswochen in den
Vereinigten 8taaten.
3.) Wundersamen für Amerikas Gärten.
4.) Mehr Obst durch Hormone.
5.) Landwirtschaftliche Abfallprodukte
in der KunstStoffindustrie.
6.) Rosenhecken als Erosionsschutz und
Weidezaun.
- 15 -

�LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN.
Juli 1950

KURZNACHRICHTEN
1.) Mietenanlage ohne Erdbewegung.
2.) Jedem Landbezirk sein eigenes
Laboratorium für Bodenanalysen.
3.) Mehr Rauhfutter für Schafe.

August 1950

KURZNACHRICHTEN
1.) Spezialflugzeug für die
Landwirtschaft.
2.) Sollen Mastschweine einen
Auslauf haben?
3.) Geschorene Schafe nehmen nicht
rascher zu.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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38L} JUGEND .
Juli 1950

1.) Die Geschichte vom ersten Specht.
2.) Forscher kämpfen im Dschungel für Edisonj
erste elektrische Lampe.
3.) Den Beard, der Pfadfinder.
4.) Football - rauh aber herzlich.
5.) Wildwecthelden helfen im Baushalt.
6.) Zv/ei Blechbüchsen und eine lange Schnur.,
und fertig ist dar. Haustelephon.
7.) Zehn Cent und fünfzig Dollar.
8.) Deutrehe Juccndla^er fördern internationale Verständigung.
+ + + +++

Aucust 1950/1

+ + + + + + + +

1.) Wie Kana Sonne, Mond und Sterne wiederbrachte. Eine Hawaiische Volkssage.
2.) Von der Urwaldtrommel zum Telephon.
3.) Wir fahren zurück nach Caleton
Eine Stadt lädt Kinder als Feriengäste
ein.
4.) tut Federschmuck und Tomahawk. "Vaterund-Sohn"-Bev7egung in den USA.
-* 1 6 -

�JUGEND.
August 1950/1

*

5.) Der Marschallstab im Zeitungsbeutel.
Zahlreiche Berühmtheiten Amerikas waren
einmal Zeitungsjunge.
6.) Versuch's mal! Eine Nadel steht auf dem
Kopf.

August 1950/11

1.) Vom Zug, der nicht auf den Schienen
bleiben wollte.
2.) »Voll beglichen".
3.) Eine Schule auf Rädern.
4.) Ein paar neue Spiele im Freien.
5.) Wir bauen uns ein echtes Indianerzelt.
6.) Versuch's mal! Die Chemie des Feuers.
+ + + + + + + + + + + + +

September 1950/1

1.) Boots und die Brandeisen.
2.) Alfred Haenle, der deutsche SeifenkistlDerby-Champion, erlebt die USA.
3.) Geliebte Puppe. Die alten Puppen sind
doch immer die liebsten.
4.) Neuzeitliche Methoden zur Rettung aus
Seenot*
5.) Präsident Truman empfängt Mädchen aus
allen Teilen der USA.
6.) Versuch's mal! Assimilierende Pflanzen.
+ + + + + + + + ++ + + + +
*

1.) Der historische Prozeß gegen den amerikanischen Journalisten John Peter Zenger.
2.) Korea - Land der Morgenstille.
3.) Das Haus der sieben Säulen. Von Daniel
L. Marsh, Präsident der Universität Boston
*
4.) Die Geschichte des Madison Square-Jugendclubs.
+ + + + + + + + + + + + + +

September 1950/11 *

Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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- 17-

�29.) DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
Juli

Juli

1950/1

Aufgaben der Gesellschaft zur Förderung des
deutsch-amerikanischen Handels m.b.H.

1.)

•) 2.)

Die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft
seit 1850.

+ ) 3.)

"Florists1 Association" versendet Blumen
in die ganze Welt.

1950/11

4.)

Naehwuchsausbildung in der amerikanischen
Industrie. (Teil I)

1.)

Die wirtschaftspolitischen Absichten
Präsident Trumans.

2.)

ECA garantiert Konvertierbarkeit von »-Erlösen amerikanischer Spielfilme«

3.)

Synthetischer Gummi wieder stark gefragt.

4.)

Der radioaktive Golfball.

5.)

Nachwuchsausbildung in der amerikanischen
Industrie. (Teil II)

6.)

Mehr als sechstausend Grundstücke seit
Januar 1948 in der US-Zone freigegeben.

+ + + + + + + + + + + + +
August 1950/1

DER WIRTSCHAFTLICHE HALBJAHRESBERICHT
PRÄSIDENT TRUMANS FÜR DAS ERS-TE HALBJAHR 1950

August 1950/11 1.)

Die Bilanz von Chicago.
Westdeutsche Aussteller erhielten Aufträge
für-4 Millionen Dollar.

2.)

ERP-Hilfe ermöglicht Wiederherstellung des
Berliner Fernsprechnetzes und Aufbau der
Telephonindustrie.

3.)
4.)

10 000 amerikanische Kreditvereine.

Publio Relation Sin Sprachrohr der amerikanischen Wirtschaft«

5.)

Die Sozialleistungen der USA«

6«)

Entkohlen von Verbrennungsmotoren«

+ + + + + + + + + + + + +

- 18 -

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
September 1950/1

1.)

ERP - Gegenwertkredite für die Berliner
Industrie.

2.)

Die Lage auf dem amerikanischen Baumarkt«

•0 50

September 1950/11

Aus der Werkstatt der Dollarfabrikanten.

4.)

Neue amerikanische Textilmaschinen.

5.)

ECA verbilligt ölliöferungen aus dem
nahen Osten.

6.)

Lohnanreizsysteme in USA«

1.)

Neue Anforderungen an die amerikanische
Wirtschaft.
Produktionssteigerung - Steuererhöhung Inflationsbekämpfung.

+ ) 2.)

Hamburger Ölindustrie baut mit ERP-Krediten.

5.)

Papier aus Hühnerfedern.
USA entwickeln neue AusgangsStoffe
für die Papierherstellung.

4.)

Lohnanreizsystem in USA.
Teil I
Arten des Lohnanreizes

+ + + + + + + + + + + + +
50.) GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.
DIE "DRITTE KRAFT» IN DER WELT

Juli 1950/1

Juli 1950/11

1.)

Der stellvertretende US-Arbeitsminister,
John Gibson. zur internationalen Aufgabe
der freien Gewerkschaften.

2.)

AFL und CIO für Steigerung der amerikanischen Importe.

1.)

AFL-Präsident Green zum Korea-Konflikt.

2.)

US-Gewerkschaften fordern garantiertes
Jahreseinkommen.

5.)

ECA-Beamter fordert europäische Gewerkschaften zur Mitarbeit am Marshallplan
auf.

- 19 -

�GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.
Juli 1950/II

4.)

Gewerkschaftsmarken schützen die Interessen der Arbeiterschaft und der Konsumenten.

August 1950/11

1.)

Für Freiheit und Demokratie in Korea.

+)2.)

Kampf dem Unfall.
Sicherheitsmaßnahmen in amerikanischen
Betrieben.

3«)

Statistik erleichtert Kollektiwerhandlungen.

4.)

Eine Gewerkschaft filmt ihre Gesehiehte.

September 1950/1 1.)

Unbedingte Loyalität des amerikanischen
Arbeiters.

2.)

Die Beilegung von Lohnstreitigkeiten in
der amerikanischen Atomindustrie.

3.)

US-Arbeitsminister fordert Erfassung aller
Arbeitskräfte.

4.)

Zur Lage in Korea.
Von Victor G. Reuther.

5.)

Weibliche Arbeitskräfte in USA wieder
gefragt.

September 1950/11 1.)

Der neue Reuther-Plan zur Verteidigung der
Demokratie.

2.)

Vorschläge der Gewerkschaften zur Steigerung
der Produktivität.

3.)

Höchste Unfallrate bei Mittelbetrieben.

+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 20 -

"AMERIKA DIENST«

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                <text>Inhaltverzeichnis über Nachrichtenmaterial und Artikel des "Amerika Dienst"&lt;br /&gt;vom 1. Januar 1950 - 31. März 1950</text>
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ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder,
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden« Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

Nr. 46

B e r l i n , 7 . Januar 1949

'

DIETORLIEGE3KDSCTM-TflRDIE "I^TI^l^TK'X^LLi:
ARBEITa^IITTEILUlTGSN ' ERH V '
SCJIL] B3LIGH
AUSZUEGE VDr DZ."
1S4S er TAGUNG

DES BUTCDES E!DCSnil3LL3R 0RG.J ;ISATIOI EN(C1D)
V DIE .'Ja 22.!IOVmiEER lv4S I PORTLlND.OIÜaON,
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- RESOLÜTIOF D:?3 CIO
E A3
»LITE UND AUSSCHRITTE AUS DER DI3Küssio? ITIJHTJIBES
: KSEN,

D-i,6 aussenpolitIsche Resolution des, CIO.
v

:ie Resolution t» der "I. r- ung des
3er Qrganis?ti'on uebei äie Beziehungen
dern und zu den Problemen dex Arbeiter
und die Diskussion drrueber bilden r1«n
November«

CIO gibt die Auffassungen und Ansichten
der Verein! .ten Staaten au anderen La enin der ganzer a l t "
••
osolutit
3©;.en3tend dos Tä^un .sverlsufs von " \

Die internationale Lage b l e i b t weiter k r i t i s c h und bildet fuei unser
n~
zes Voll: den 3a .enstand ernster
s o r r n i s . Der'CIO t e i l t den ?ufrichti
'"unsch a l l e r Amerikaner nach ;ch\ffun- eines dauerhaften Friedens, Unser
Land hat auf den Isolationismus verzichtet und i s t sich ueber seine Ver*anti orturi;-- in bazu&lt; tüf die Vorgaenge in der " o l t k l a r , Der '10 .V.ubt,
ciasE ein .esundes, f o r t s c h r i t t l i c h e s Amerika in der ~ :&lt; ;e i s t , den Voelkern
der Erde dabei zu helfen, ihren Lebenss'tandard zu verbessern und Ton Horit

\

sont ihrer politischen Freiheiten auszuweiten. Unsere Aussenpolitik rauss
in steigendem Hasse dem bei der letzten T:ahl zum Ausdruck '^brachten Windes Volkes entsprechen. Waehrond sie einerseits naoh Bofriedun strebt
und. diese widerspiegelt, sollte der Sinfluss der E nkiers, Monopolisten
und Militaristen h
lindert und die Bedeutung und der Einfluss der ..rbeitorschaft und der liberalen demokratischen Kraeftc ^ostoigort •-erden.
In dem Hesse, • ie v ir fu &gt;r eine Aussenpolitik eintrete , die hoch " oltfric
den und Wohlstand strebt, fuöhlt sich der CIO dazu berufen, die üoberzeugungen und Ansichten seiner Mitglieder in bozug auf die vichti ,en Aragon
_ 1 „

�4

von Weltbedeutung, denen vir heute gegenüberstehen, darzulegen.
n

X* Dio Vereinten Nationen;- Nach wie vor geben vir den Organisationen
der Vereinten Nationen, zu deren Gruandung wir beigetragen haben,
unsere Unterstuetzung. Wir verurteilen den Missbrauch des Vetorechts
seitens der Sowjetunion, der den Sicherheitsrat daran hinderte,seina
edlen und erhabenen Ziele, zu deren Verwirklichung er eingesetzt
wurde, zu erreichen. TTir bedauern gloichcrmassen, dasr. die Voreinten
Nationen mehr als eine Tribueno fuer eine masslose Propaganda benutz
0

1

wurde statt einer Einrichtung zur friedlichen und unparteiischen
Loesung der Treltprobleme. Alle Anstrengungen muessen gemacht werden,
um das Gefuege der Vereinten Nationen als eine Macht fuer den '7&lt;3ltfrieden, fuer die Freiheit und die Sicherheit zu staerken.
"2. Das Buropasisohe Wiederaufbau-Pro rramtt. Nach wie vor unterstuetzen
wir das Europaeische Wiederaufbau-^Programm als Instrument des Friedens und des "Wohlstandes fuer die Voelker Europas und der "Zelt, Vir
sind der Meinung, dass die grossen schoepfarisehen und produktiven
Faehigkeiten unseres Landes dazu benutzt 'erden sollten, dorn durch
den Ilrieg verwuesteten Europa Kahrung, Kleidung und die Mittel zum
wirtschaftliehen Wiederaufbau zur Verfuegung zu stellen.
"Die freie demokratische Arbeiterschaft und andere Organisationen in
Buropa haben das E^P begruesst und hohen mit ihren eigenen Regierungen und der amerikanischen Arbeiterbewegung zusammen am Werk des 7erwaltungs-usschusses fuer das 3HP mitgearbeitet. 7ir unterstuetzen
und billigen die Taetigkeit der Funktioniere und Mitglieder dos CIO
in bezug auf ihre Zusammenarbeit im Rahmen des BGA. (Vervialtungsausschuss fuer das ERP). Dia Beteiligung der amerikanischen Arb3itorschaft am SGA auf jedem Gebiet der Verwaltung ist die beste Garantie
fuer'die Europaoische Arbeiterschaft, daas die Interessen der Mitglieder and die Uhabhaongigkeit der Europaeisohen Voelker gewahrt
'bleiben, '..'ir dringen darauf, dass dio Arbeiterschaft in steigondom
Masse sowohl an der Politik 'ia auch ..n äor VorKaltungsarboit innerhalb d.as Programms beteiligt wird unter vollster Anorkonnun? der
wichtigen Rollo, die ihr dabei zuf'eilt, den Erfolg des Programms
zu sichern.
"Wir Vorurteilen den organisierten Kampf und Jiuerst nd seitens der
So* jetunion und ihrer Satelliten gegen das SEP und dio Art und. "'/eise
wie das wirtschaftliche Flond Europas fuer politische Zwecke ausgeschlachtet und dazu benutzt wird, um ein Chaos zu schaffen und Verwirrung zu stiften, Einen der Wege zum Frieden bildet die Aufgabe
dieser Icurzsichtigonuod «nvernuenftigen Opposition. "Jir dringen
darauf, dass der Kongress auch weiterhin die notwendiges Mittel bewilligt, um dio Ziele des 2RP zu erreichen.
"3. :?uer' froio Gewerkschaften ^n. Japan und D:yuts chlandj -. T:/ir erhoffen
den baldigen'Abschluss von Jriodonsvertraogon mit Deutschland und
Japan und anderen frueheren Feindstaaten, dio von fr .i gowachlton
demokratischen Regierungen gcfuoisrt 1 ordon und sich von dorn Finfluss
und den Einrichtungen dos Faschismus, dos totalitaorcn Stastsgodan-

�kons, dos Militarismus und dar Konzerne (Kartelle) fTolgemaeht h bon.
Letzteres kann aber nur orrolcht^•wrdca, "enn die freien Qov'orksohafton
hinreichend untorstuotzt worden, un Sie in fllo Loge zu versetzen, die
ihnen eukommondc wichtige Rolle in einer l i b e r a l e n , domoler-tischen Oes l i s c h a f t zu splolon,
"Dio •.Gosundung und der Wiederaufbau Huropas verlangt ^ino Ausfuellung
-.•Vakuums, das durch die Zorstoorung Deutschlands ontst: ndun i s t . Eine
f-.Ische Noutralitaot seitens unserer Mill1porrogicrun{" go .nuobor den
Itooten und Probioman der deutschen Gka;erkechofton s o l l t o rm zugunsten
einer offenen und vollkommenen Hilfe f e i l e » lassen, und flss ISatttazlfizlorun£sprogroma s o l l t e solange fortgesetzt, '-erden, bis dar Golst dos
I" z, Ismus ausgerotto^ i s t . Dies - i r d 3iehc.rho.4t.on bieten itgen ein " i e dor-.uf leh^n des Militarismus, dor ..ggrossion und einer "irtacb-ftlfchen
Bedrohung der JJaohbnrn Deutschlands. Dan Scwarkscb ften muss ihr Sigontum zuruookgogobon werden, ferner rouossoh ihnen die technischen K i t t e l
zur Arbeit zur vorfuogang g e s t e l l t werden, wie Papier, Zeitun-en, Transportraittcl und Buerobod:erf,. Die berechtigten Forderungen der Ckr.iorksshsf
ten auf Botoiligang cm doutsohon ' "lrtsch: f t s l . b e n durch ein Sfstom von
Gemischten Kommissionen! dlo eich ^us Arbeitgebern und Arbeitnehmern
zuE"..;i;-iwnsetz eil, sind ein hoechst erroiti^-nc! es Anzolshen ftt-iir d-;- ' n achsen dos äomokrntischon (fcd^hJöJns in boutsohlnnfl und s o l l t e n dahor ?nge*ernt werden.
:
'Di i Sorstooruns dos K i l l t a r Ismus und dor K a r t e l l e in Japan mttss ^in
Anwachsen der freien Gewerkschaften und "Zoll Hctivvertr' :: 3T os: ,ns im Cofol,.e h b . : , D.s Rocht auf Streik und auf andere gor.orksdhaftlioho TCJOt i g k o i t Im E~.hr.ion dos Gesetzes muss gesebnotzt worden. 2in„ P o l i t i k dor
ressell^n gogenuober den Ge1- er', seh. ften und die VorhiadorunG des
KolloktlTYortr&amp;gsrcescns in Japan hoomun noch diu demokratische ""ant-aicklung« ' i r verlangen dlo Staorkunc d.s z i v i l e n Einflusses unr" insbesondere des Slnflussos der ^Qwqrksohr.ftpn in unserer Bosr t z u n ^ p o l i t l k in
Japan', ' i r verurteilen die Hinrichtung von Ckwarkschaftsfunktionncroa
in Glrioohonlqnd und In anderen Leoneern, dlo lodl^lloh in Raljpon des
Gesetzes gororksohaftllch t-.etia, KPTOJU
"4. Die- ^norkennun\ 3p:-nijmsjNach • io. vor b i l l i g e n r i r dlo P o l i t i k des
CIO, der sich der Anerkennung und Unters tue tzunrj des f v&amp;chlst'isohcn
Fr: neo-Spanien seitens unscror R^ai^run ••i&lt;"_r s e t z t .
«

•

"5. Die 5pw jotblpckado^ Perlins,;- Wir • e r u r t e i l o n ufs soiporfstc dio Auffassung, dass ein neuer Weltkrieg unvermeidlich i s t . " i r b e s t s e t i l e n
nach wie vor die t i e f e Friedensliebe des amerikanischen Volkes und weisen den Vorv.urf 4er Kriogstroibcrci, den die SowjotunlonsUjigeroohtorwofe»
se gogen uns erhebt, eis nbsurd und unbe^ruendet zuruock, "'ir sind siehe
dass der r ' i l l e des Volkes in jedem Lende, wonn er f r e i zura Ausdruck koiml
. . schnellstens jeder Kria^spropecend-: s e i t e n s einer Hind^rhcit ein -2ndo
. setzen wucapöo« Die Berlin von don Sowjet« auferlegte Blockada b i l d e t
cino Ocfrhr.fuer den Bestand des Friedens, "'ir v e r u r t e i l e n die .\nwondung
m i l i t r e r i s c h c r I'acht, um eine ' i r t s c h i f t s p o l i t i k zu erzwingen, wodurch
2\ Millionon Menschen, Ha.enn.ern, Frauen und Kindern Heilmittel, Nahrung,
Kleidung und Brennmaterial entzogen r i r d . , T ir bogruesson und scheetzen
don Mut und die Standhaftif.'koit der l-Iaenner und Frauen, die an der Luftbruecke mitarbeiten, die den Srfolg dieser hartherzigen und rufu^hlloscr

�Aktion zunichte gemacht h a t . Siru. Loosung der augenblicklichen Krise
in Borlin koenhte jofuhdon T orden, rro'nn man auf dio Anrcndung flos pol i t i s c h e n und T irt&amp;'ch •ftlichon Drucks vorrichten euordc, und dio vier
LA echte ihro Vorh nilun.on f r ; i von ^lrtschaftliohpn und r i i i t e o r i s c h c n
Drohungen T :iodor aufnehmen koennon«
"6. Abruestuir-;;- '"ir sppcllioron an d i e Vercinton Nationen, si^ raoegon in
ihren Boitniohungon fortf- hron, um oftio v;irklichc Abrnestune, kerb- izufuohroh, e i n s c h l i e s s l i c h oliwr- internationalen XControlle der Atomenergie
a l t der Vollmacht zur Pruefung. Di.. Vereinigten Staaten koonnon nicht
•Jbruustun, es s.-i denn, a l l e gogehraertigeri mllitaorisohon Einrichtun
woardoh offen bekanntgegeben und 3io Abruostung *lrd auf einer u n p a r t e i ischen, jorocuten und universal oh Grundlage vorgenommen,
*7« Proio Solbstro^lcrurtfit-'Ein Sruerhnftor Friede vorlangt, flass die Voelkor üoborall - e i n s c h l i e s s l i c h - e r w i r t s e h f t l i c h öarnioderBcgondon und
der Kolonial ; biete - f r e i vor. nilitaorischcm, p o l i t i s c h e n un" w i r t schaftlichem Druck in ihren RtChtön auf Selbstbestimmung ün* Solbstrogiorun j gosehuctZt Verden.
"o. Dio P o l i t i k der gut-.;;: A •chb-.rgchai't;- Der CIO haolt urebrondcrlich an
einer P o l i t i k fior guten Nachb^rseb i't ogonuobor den Voolkorn dor gnnzoi
Welt f e s t . ' i r v e r t r e t e : die klaro, unverkennbare Wahrheit., e s s Sriodo
und Wohlstand von oinandor rächt zu trennen sind. Wir uobernehraen die
Ver'int'voruir;, von uns us illos zu tun, un zu j/Jt lebrloiston, dnss.dio
Beteiligung Amerikas an den Fragen von 'ifoltintorosso 3&lt; rauf - b z i c l t ,
den Godankcn cor Demokratie zu verbreiten und uebo.r.11 der menschlichen
'Tuordö und F r e i h e i t . nerkermure zu verschiffen."

Bofuorwortc_Bfl c_ Rod.e zur aussonpolitisqhen Roselution, des_JJIO
Nech Einbringung obiger Resolution bogruossto der Vorsitzende (Waltor
Routher, Rraosldont des Vorbfajaftos der Vereinigten Automobil-Arboitor) don Vorsitzendon dos Ausschusses fuer Aussonpolitik, Vcn ... B i t t a o r . Er prooffnoto
seine Anspreche damit", öass er erkl icrte, es s e i &lt;* :fl 5fcl dös Ausschusses gewesen, der Resolution ein.-n klaren.und cllimfesr.ord.cn Charakter zu geben, Denn
f e s s t c er d i e Hauptpunkt© zusammen. Er r i c s larauf hin, fiaas Jotzt die Zeit
gekommen sei eine offene und. deutliche Sprache zu gobr uehen, '*ic z.B. in bezug
auf den kommunistischen Vorwurf, der CIO macho sich der Ariegstreiboroi schuldig."Die Tage in Amerika sind vorbei, in denen die Sowjets irgend welche Hilfe
bzw, Untcrstuotzung vom CIO erwarten koonnon."
"7ir haben eine Menge ueber Eusslahd un d i e Sowjet»; gohoort. "/ir kennen
auch eine Kongo Russen, diese :bor leben e i l e in den Vereinigten Staaton, .Sie
kemon zu uns herueber, weil sie in Russland kein Auskommen hätten. Ich glaubodes t r i f f t auf die meiston Russen zu, die in unserem tende leben. Ich habe es
neulich schon in unserem Exokutlvausschuss erkloort« a l l e diese Lcuto, die Bekehrte geworden sind und fuer die grossen Dinge, die in Russland vor sich gehen
Propaganda machen, a l l diese, von denen ich gehoe: t habe, kommen e n t s e t z t und
haenderingend zum CIO end Sagen« 'Um Gettos willen, behaltet uns hier in den
Vereinigten Staaten! ' , wenn man zu verstehen .gibt, dass e i n e r von ihnen nach
- h -

�Russland deportiert werden Soll
' ;ie ein Kommunist, der An^st hat nach
Russlcnd zu gehen," *dfen "wisch, heben kann, russische Vcrhaeltniase" bei uns einzuführen, geht ueter meinen Horizont....
"Als Amerikaner bekonaa ich es langsam satt, und es macht mich krank, mit
anhoeron zu muessen, wia diese Kommunisten immer nur die Vereinigten Staaten
von Amerika verurteilen, waehrend sie aber nie ein "'ort da* Verurteilung fuer
Russland finden. T;ir fuerchten uns keineswegs^ in dieser Resolution das zu
verurteilen, was vir als Maengel in der Politi'- unseres Aussenministeriums und
unserer Regierun., in Bezug auf ihre Beziehungen zum Ausland ansahen, "ir schildern ganz offen die Dinge, an die vir glauben...So also, meine• Freunde, spricht
dor Bericht des Resolutionskomiteos fuor sieh seibat.•,."Tir sind Amerikaner.
*7ir glauben an unser... Regieruffg und wir glauben an unser Land. So wie wir aa
Russland und den Sov.-jots g&lt;
i Bhreaft dos Krieges zum Ausdruck gebracht
haben so sagen wir heute;""ir worden es nicht zulassen, dass Russland cinom
Kandidaten fuor die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten eine Niederlage
zufliegt..". Nun, dos haben 'ir am 2. NoVOOböT ga2oigt, und das sollte, weiss
Gott, eine Lektion fuor diese verdammton kommunistischen Dunmkoopfü sein, dio
hier in den '
i t ,•&gt;: Staaten Russland In den Himmel heben..,, T'onn dos keine
Lektion fuor sie ist, i

rden sie os nie b . erelf 3n,.. '•'
*

'•Es handelt sich hier u.: ir amerikanische Resolution, es i s t eine gewerks c h a f t l i c h e Resolution, •:. In . Srounäo, es ls1
Resolution, »io s i e s e i n
s o l l , Hir v e r t r e t e n a l l das,
3 i äiesor Resolution jjosagt i s t , und daher
wollon wir es h i e r noch einmal aussprechen«, es s o l l eine AnkUondigung an dio
Sowjets sein, dass s i e doh GIü nicht dazu benutzen r'oonnöh, um ihre Propaganda
in ti~r Vereinigten Staaten v
•i
;u verbroiton« " i r woUcn s i e oben nicht
habon, und jo fruohor sich Russland daruobor kl ir , ; ird und un so eher sich a l l e
axnor und Frauon hiwf in ititorika dius ve:
es um uns und um die ifolt stehon.

rtl

, um so besser

T

-ird

" /ir ••ollen ilso mit unmissverstaendlichen ""orten erklaoron, dass dor CIO
ein», amerikanisch . Organisation i s t « ,T ir r ollon a l l o n Diktatoren, don S c - j e t s
und allon ihren
igehuebor ojjcla r o n , dass wir h i e r in .«aorika zu
r
unserem Lande und .'.u unserer Regiorung s t e h e n . . . . 1 '

Oppositionelle i

_ion_ dio, aiyisjinjapli t i s c h e Resolution
dos GIC.

Der Vorsitzende der Tagung bögruossto danach Joseph P. Selly, den Praosidenten des Verbandes dor Angestellten des Nachrichten- und Vorkohrswosona, ein«.
d^r dem CIO angeschlossenen Verbaonde, von dost behauptet wird, dass er kommunistisch beeinflusst ist, Selly begann seine Rede, indem er darauf hinwies,
dass "er sich gegen dio Resolution wenden wuordo." Hanoho der anwesondon Dologierten murrten, Selly antwortete»" Und ich -u; rdo denon von Ihnen, die de
murren, dankbar sein, wenn aio ndr dio Hoefliohkoit orwiosen, meine Intogritaet
und Aufriehti^eoit zu respektieren, Bio lob dio i r üajoritaot respektiere."
Dur Voraitzondc der Esgung maohto di Zwischenbemerkung; ,!Der Vorsitz ersucht Sie, waohrond der Diakussiohen nicht zu demonstrieren. Sie werden dazu

'- 5 -

�Gelegenheit habon, sobald dio Abstimmung vor sich g c h t , . , ' ' l r ' e i l e n judem das
Rocht zubilligen, das zu sagon, was er v i l l . . . "
Nachstehend Scllys Rene l t . Bericht «"Im vergangenen Jahr war ich auf der Tagung in Doston a l s Delegierter und
stimmte wio jeder andere Dologiorta fuer die Annahme eine? aussonpolitischcr
Resolution, dio den "Wiederaufbau der YOrwuostoton La,nder Europas und Asiens
forderte, sowie Nahrung fuer die Hungrigen und Kleidung fuer die Nackten,
wie auch Unterkunft fuer die .-u-men. .*ls ich fuer diese Resolution stimmte,
stimmte ich aber nicht fuer den Kurshall-Flan in d^r Form, nie er in dor
Z e i t , die auf die Tagung in Boston folgte, enti' i c k c l t und in die Tat umges e t z t vurdo. Javohl^ und ich entsinne mich, dass die Resolution, diu auf
der Tagung in Boston gefasst -iirdo, nicht ausdruecimlich die Untorstuotzung
eines Harshall-Flans forderte, Sie s t a l l t e eine Reihe von Prinzipien auf,
von denen sich dar CIO in tezug auf du. Unters tue tzung einer Aussenpolitilc
l e i t e n lassen wo 11t o,
"Nun, meiner Meinung nach - und ich habe diesen Punkt im Resolutionskomitoo
n a c h d r ü c k l i c h s t , all.erding" erfolglos v e r t r e t e n , und ich mache ihn auch
hier, hoffentlich mit 3rfolg, r/äciidruecklichct geltend - meiner '"einung
nach eoieht die Resolution ;or Majoritact bedenklich von der gesunden, verpuonftigcn traditioneller- P o l i t i k dos CIü -:b, dio den Zi sck verfolgt, eine
internationale Jusaflunenarboit im Interesse des Friedens zu fo-rdorn. Ich bin
der Meinung, flass der • asontlicho Inhalt der Resolution - wenn es auch nicht
besonders zum Ausdruck kommt - darin besteht, dass man den M i l i t a r i s t e n , der
Generalitaet, den Bankier*, die die " i r t s c h a f t dieses Landes k o n t r o l l i e r e n
und soino Aussonpolitlk l e i t e n , freie Hand l a o s s t .
"Meiner Meinung naoh ignoriert die Resolution der Kajoritaot dio Tataaoho,
dass das ""ottruQSton, das Jetzt zur Untorstuotzung der Taktiken des ""alten
Kripgos" vor sich geht, und des ; ; icht nur a l l das, r a s wir in urser^m Inlandpro ^ramm fordern, gofaohrdot, sondern auch die Verbesserung der Lebcnsbodingungon dos Tri' „s äieses Landes, das ' ohnungsprogramm, dio Beendigung
der I n f l a t i o n und d ,r Preiskontrolle - und meiner Meinung nach koonnen Sic
'nicht das e i n , tue und l . i c h ~ „ i t i eine P o l i t i k des ::".'o.lt. n Kriogos" fuer
oir. " "ettrueston fordern zum '7irtschsftlicho.n Schutz der' gesamten Bovoolkorung
diosos Landes - um
. ri.•/. fuehrt. Sie koonnon das nicht tun
und g l e i c h z e i t i g das Programm zur Erhoohung dos Lebensstandards».,• und eine
Ausweitung; der Demokratie in diesem Lande verwirklichen«
'•Ich habe der Mehrheit des Rosolutionskomltoos, ill.jrdin.gs ohne Srfolg,
dringend eine 2rklaorung ompfohloh, die meines Eraohtens mit der Resolution,
die in Boston angenommen wurde, durchaus vereinbar i s t und ausserdom durch-«
aus vorcinbar i s t mit den I n t c r c s s
-riranischen Volkes und dor amerikanischen 3
,, renn »vir uns v o r s t e l l e n , dass dioso mit. den I n t e r e s :
sen dos amori]
ichen Volkes identisch sind, Gestatten Sic mir, diese Erklacrung zu verlosen, die ich der uajoritaot so dringend empfohlen habe."
'"i... man f o s t s t v l l e n wird, S
Bemerkungen mit -ingeflochten.
.

-

- . Solly beim Verlosen dor Erklaorung
6-

�"Die Aussenpolitik unserer Regierung ist fuer die Arbeiterschaft von primaorer Bedeutung, woll von ihr das Ergebnis der Bestrebungen dos Volkes
nach Frieden abhaengt, v;io auch die Möglichkeit einer gedeihlichen Inlandwirtsohaft, die nicht nur fuor die Vereinigten Staatoa, sondern auch fuor
andere Laondor einen hoehoren Lebensstandard gestattet, Triade und WohlStand sind von einander nicht zu trennen.
"Eine Politik des "Ealton QuifißfiS" bedeutet erhoehte Lasten fuer Ruostungflausgabon, Inflation, die Drohung dos Einfrierens der Lochne, Kontrolle doa
arbeitenden I.lcnschenmatorials, eine drohende arbeiterfeindlich; Gqsotzgobung
so,-ie Massnahmen, die die bücherlichen Freiheiten beschneie1 cn, und schliesslich dio Katastrophe dos Kriegos.
'Der oinzigo I'urs, der -2or Saoho des Friedens dienlich ist un" sie foordort
und die Lago res arbeitenden Volkos verbessert, ist eine Politik, die auf dem
Programm, des Prausidonton Roosovolt, einem Pro ramm der internationalen Zusammenarbeit und dos ehrlichen, aufrichtigen Flompromissos, beruht, und Ablehnung dor Untcrstuotzun,;, reaktionärer Rogiorun cn. Dio Politik Roosovolts bc.hrto sich in unsoron Beziehungen zur Sowjetunion &gt;"cchrend lor kritischen
Zeit des kriegor. und SÜSS jetzt zum "Ohio unsorcr Familien und des einfachen
Volkes in der ganzon ' elt fortgcfuohrt • .»rdonV
Mir sind der Ansicht, dass auf dieser ?k un . die vor kurzem aus oeprochono
nadigung von Ilse Hoch, der Bp.stio von 3uch.onr;aL8, sov'io anderer LUohrondor nazistischer Iriogsvorbroeher verurteilt ' erden sollte, und - ir protostioren dagegen, dass unsere Vertreter in Deutschland dio deutsche L-dustrie
den nazistischen Industriellen und Tkusthorron zuruockgobon,. ur,' C iSf dio
Gel
2E5 dazu benutzt verd.cn, um die deutsche rriogsIndustrie un3 die
7' rtollo i lodoraufZubauon.
"In Übereinstimmung mit unserer traditionellen CIO-Politik b&lt;
I 333 ' ir
jede ;:• ssnahmo unserer Regierung, dem. faschistischer 3raneo—S.-anien ''lifo
und U' tcrstuotzun._ zukommen zu lassen.
'Ich freue mich darueber, feststellen zu koennen, 'ass die P.oSolution der
II- joritaet diesen Funkt enthielt, -ir uurde auf der letzton Sitzung des
Ausschusses mit aufgenommen. I°h bin fuer Blanche Dinge dankb .
sind
noch verschi3dene andere lenkte, uf die ich noch zu sprechen komme,
die von der ;k joritaet angenommen r:urden und ur Spruen lieh in ihrem Bericht nicht enthalten raren.
"ir erheben Einspruch ^egen die Verschiffung amerikanischer Sruppen, schrie
egen die Lieferung von Geldmitteln und l'unition an das reaktionaere und
crupte Chiang—Hai-Chek-Regime in China, das sieh offen ^egen das chinesische Volk stellt.
"""ir verlangen die Freilassung aller Arbeitshaeftlinge in Griechenland, sowie
Einstellung der Hinrichtung von Arbeiterführern und rufen unser
mg
, jede Unterstutetzun.\ der royalistisohen Regierung Griechenlands einzustellen« Die Verei ten Nationen sollen Schritte unternehmen, die ^eei: net
sind, den Buergerkrieg in 'Griechenland friedlich beizulegen.
;

Das die 3rfahrungen eines Jahres gezeigt haben, dass das 3RP, ent;
_ 7 _

in

�vom CIO zum . .usOrutf: ^brachten und Tom amerilc mischen Volke verfolgten ~ielen, &lt;Sen europaelsehen 'Jie'ersttfhau • ehemmt, die Lage der europaeischen Arbeiterschaft verschlechtext hat, und ausserdem eine Sinmischung in Sie Angelegenheiten anderer Nationen mit sich gefu©hr,t hat, schlagen vir vor, öaaa
die Krage der wirtschaftlichen Hilfe jetzt den Vereinten Kationen "ftterbreitet werden soll, damit von diesen ein Plan ausgearbeitet und in öie ' irklichIceit umgesetzt T-ird.
:i

Ich moechte besonders hervorheben, dass wir es ernstlich in Frage stellen, ob eine Hilfeleistung fuer die • hungernden Voelker Europas un* eine
Wiederherstellung ihrer "'irtschaft und ihres zerstoerten Labans nicht
doch besser durch die Vereinten Nationen geschehen koennte.
''Einerseits sind wir gegen die Resolution der Mehrheit, Wir Sind fuor eine
Staerkung der Vereinten Nationen, und ich bin der koinung, dass os ein
' .utes Zeichen fuer unsere Autriehtigkeit in diesem Sinne, ein -Utas
Zeichen fuer unsere Absicht, eine Staorkuna, dor Vereinten Nationen zu
arantieron, •. aere, wenn die Frage dos Wiederaufbaus den Vorcinton Nationen uobortragen wuerdo.
"Uir bekaempfon nach T\ic vor die Dienstpflicht im Frieden und die allgemeine
mllitaorischo Ausbildung.
•Ich wiederhole hier lediglich das, was jahrelang die Politik des CIO
ausmachte, einschliesslich dor letzten Tagung Ich stalle naohdruooklichst fest, dass dies eine Unterlassung von-grosser Bcdcutun; ist, und
dass in dor Resolution der liajöritaot diosc Fragen nicht beruohrt wurdon,
•\..'ir sollton an.alle Nationen den Aufruf orgohon lassen, einen Plan fuer
vollkommene Abrueatung und fuer ein ontsprochehdos Hecht der Untersuchung
seitens der VöruiBton I ationen anzunehmen.
"Und schliesslich glauben wir, das?-, dies den 3run,,Stoin fuer sino rirkliche Politik des Friedens bildet, ot*as, das die Sohnsucht dor breiten
Nasse in dor ganzen Welt ausmacht, r'ir unterstuetzen alle Bomuohungon,
die dazu dienen, ein friedliches Ilompromiss harbeizufuehron - un" ich
meine hiermit ein Kompromiss, in dem beide Seiten die Gobendorisein
muessan - zwischen den Vereinigten Staaten und dor Sowjetunion als "lauptfaktor fuer den Frieden, und -wir beguenstigen direkte Verhandlungen zwischen den Laendorn, T"io es Praesidont Truman in der Vinson-1 Mssion versucht hat, die durch die Intervention der Oonoralitaot und dar Bankiers
fles Aussonministeriums voreitalt norde«
,;

Aus diosom ü?ündo erhobo ich Einspruch gegen dio Resolution der :ajori-

fcaot.

.aagpracho zugunsten 'der au sscnppjli tischen Resolution^ des CIO
Darauf bat JamuS Caroy, car SelCPctaojJ und "chatzmoistcr das CIO, um das
Hort, das ihm erteilt wurde. ISrsprach sich ohne 3{nsehraonkung fuer Sie Resolution aus. Seiner ^oinung nach sei die Resolution nicht, T le der Delogierte Solly
behauptet hatte, oino Verrohrung der Haltung des CIO in bozu£ auf dio ..ussonpolitik, wie fruohor erwaohnt, 2r erinnerte die Versammlung daran, kasr. 3.11a/ im
Jahre 1942 die Haltung des CIO bozuoglich einer internationalen Arbo! .rorgonisation, an d-r alle amerikanischen Gewerkschaften teilhaben wuordon, unterstuetzt
hatto.
- 8 -

�"Er (Soily) b e t e i l i g t e sieh auch an Deklarationen auf anderer. Tagun&lt; an, -o
wir uns s l o i c h f a l l s an die Arbeit rschaft wandton und sie aufford &gt;rton, ihro
Stimme eltond zu machen bei flor Bestimmung der P o l i t i k unserer R&lt; ; irung* die
bzjolto, •Triodonobodlngunsen zu sohaffon, Im Jahre 1944 o r k l 1 &amp;*;&gt; n wir,
6 i enn die . irboitorsöhaft oino Stimme haben s o l l in den geschichtlichen -entsohoidungon, die j o t z t und auch in Zukunft beim Abscnluss von FriodonsschluosaoB
gotroffon wordon, diese Stimme von cinor Einigkeit und Einheit otragen sein
muss durch oino p o s i t i v e aktive Allianz du:- arboitondon Bovoolkorunf; der Erdo.
"Und rix nahmen (im Jahre 1944) folgende Resolution an« 'der 010 untor—
s t u e t z t das Projokt der Schaffung einer neuen einzigen und nacohtigi n i n t o r a tionnlen Arboitor-£oorpors , ohaft l die die Gcworfcschafton der freien Laonder um• s o l l auf der Basis der Gleichberechtigung, vor. 3er niemand nusgesahlosson und in der niemand eine zweitrangige Stallung einnahmen s o l l , flio faehig
i s t , (5i Interessen des kleinen Mannes zu v e r t e i d i g e n ' , . ,
"In London t r a f eine grooflsore Delegation des 010 mit Vertretern der sowJetlsohon Gewerkschaften, der englischen Gewerkschaften und a l l e r an* ren Gcworksohaftabuondo dar ganzen " o l t zusammen, mit Ausnahme der AH*. Vuf dieser
Tagung kamen also die Dologierton e i l e zusammen, und a l l e Cehwtdrigkoiton und
Problem», denen sich die Arbeiter gogonüobersohen, um den Ejplcgsbo3trobungen
ein Endo zu b e r e i t e n , Wirdon e r n s t l i c h o r e o g e n . . . . 3fi i s t dein Zjollögon Sclly
bekannt, das« bei jedem Ausschuss auf dieser Sbnforenz einor der Vertreter des
cic den Vorsitz h e t t p . . . I o h nehme tu, er versteht manche der Vorpfiichtun on,
flio or dufoh solno Vertreter den Arbeitern Europas und a l l e anderen Laond .r
onuobor eingegangen i s t . Dieselben Verpflichtungen uobornahmon aber euch die
Vertreter der sowjetischen Gewerkschaften und a l l e r anderen Arbeiterorganisationen*.«
"Di
itsproohondon Berichte «urdon den verschiedenen Ooworksohaftsbuonden
uobormlttelt und wurden g e b i l l i g t , und dann fcnmqn wir im Oktober 1945 • i drum
zusammon und bokraoftigton diese Srklaorungen. " i r orklaiortont"Unsere ''cltkonforenz, die den wirtschaftlichen und sozialen Problemen,
denen sich vilie Kationen gogcnuoborsehqja, wenn der ICric£ gewonnen i s t , Rechnung
traegt, hat Hasanahmon in Betracht gozogon, die ergriffen vordon mucason, um
eine ' , i r t s c h a f t s k r i s o in der Nachkriegszeit abzUv.'öndon, durch die äoi" ^ o l t f r i e den wiederum gofaehrdot wordon wuordc. Die: Konfcronz hat daher ein konstruktives
Prograara fucr »ine w i r t s c h a f t l i c h - Zusammenarbeit in aor vfolt angenommen, um
die industriell!.. Entwidmung der unontwickolton Lanndor zu sichern, und um die
materlollon Hilfsquellen jeder Nation zusammen eiit ein ,r wirksamen Or T , i a a t i o n
der menschlichen Arbeitskraft voll auszunutzon, rodureh die wirtschaftliche Produktion auf Seochstloistung gebracht und ein., Vollboschaoftigung- und sasteigenr
. Lebensstandards in a l l e n Lacnflorn mooglich gemaoht T ereen
•'Der übltkongross bogruosst die Bomuohungonsoitens d^r demokratischen Rorungon zwecks Wiodoraufbaus der Industrie und der Lendwirtachafti Tic auch
eine ITouplanung der wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen, Dadurch w
n unerlaess,lidhor und wertvoller Beitrag zum SFiodoraufbau des intomationalon
Lotons g e l e i s t e t . . . (der IGongross hat o; s c h l o s s o n ) . . . , die S i l f e l i s t
untorstuotzen, die niesen Laondorn z u t e i l wordon soll auf Grund der tcchni&amp;e
und finanziellen H i l f s m i t t e l der fortgoschrittonen Laonder ir. Form vor, lai -f r i s t i g e n Krediten und mit anderen Mitteln, ohne jedoch zuzulassen, c
'oh
- 9 -

�lotztoro in die internen Angolagonheitoh der notleidenden Laonder olnmißchon
oder ohne dass sie sie den Binfluss der internationaloa Trusts und I!artollo
auslief ern.'
"Als or diese Resolutionen untorstuotzto, sagte clor Goaoralackrctaor des
rfoltgatTorksohaftsbuhdea auf der Parisor Konvoatloni
'"Der Weltgewerkschaftsbund ("TTU) orklaert hierdurch ooffentlieh, dass
es sein oberstos Ziel sei, don 3'ricg zu bokaompfon, wie auch flio ürsachen dos Krieges und fuer einen festen und dauerhaften Frieden zu arbeiten, indem, or eine mooglichst aüsgodohnto internationale Zuau •• rboit
auf sozialen und wirtschaftlichem Gebiet unterstuotzt, so de alle Massnahmen zur Industrie H o n Entwicklung und vollen Ausnutzur;3 der Rosorvon
und Ililfsqucllon der unentwickelten Laonder, sowie auch r"i^ Lr.;;r . ifung

aller andoron Massnahmen, dio geeignet sind, den sozialen und • irt- '
schaftlichen "ohlstand der Arbeiter zu foerdern'",
Carey zitierte dann Erklärungen verschiedener Arbeitordoleglorton auf der
Pariser Convention, diu fuer die obige Stellungnahme sprachen, Unter "onjonigon,
dio sich dafuer aussprachen, befand sich auch Taraspw, der in Namen der sorjjotisohon Gewerkschaften sprach. Dann wandto er sich zu einer Erklaorung Sollys,
der zufolge dio CIO-Tagung in Boston in Jahre 1947 den Marshall-Plan nicht
unterstuotzt haettc, Obwohl, in der aussonpolitlschon Resolution von Jahre 1947
nichts uobor den Llarshall-Plan gosagt war (da der Plan damals noch keine Gc—
setzoskraft erlangt hatto), orkläertc Carey, dass diu Delogierten " ohl an den
Marshall-Plah godaeht haotten, als siu fuer den Godankon einer Hilfsaktion fuor
die fromdon Laonder sttnsaton,
Carey berichtete dann, wie im Jahre 1947 gewisse Gruppen innerhalb des
OTTO es fortig gebracht hatten, zu verhindern, dass der Earshall-Plan in irgendwelchen Versammlungen dos "ITTU diskutiert tiurdo. Er erzaohlte dann, - io or vorsucht hatte, diesen Punkt zur Diskuaaion zu stellen. Bann kam der 5»0ktobor
1947, da öaa KOKINFOKM gebildet wurde, das eineffirkloorungabgab, dein die sowjetischen GoworkSOhaf.ton beistimmten, in den eine Aondorung im T'TTLT gefordert
vurde.
"An glelohon Tage wurden dio ;P.iehtllnlon festgelegt, wonach der "SPOT von
einer ullumfasSonden Organisation eins ohliosslioh dor komraunistischen, sozialistischen, christlichon und neutralen Arbeiterorganisationen wie unserer eigenen
in uino Einrichtung der komraunistischen Front umgowandolt forden sollte. Dann
begann eine rampaghO| un die Gewerkschaften in jedem Lande Europas aufzuspalten und sie zu veranlassen, die Bomuohungon dos amerikanisohon Volke und anderer Laonder zu sabotieren, die darauf abzielten, dieselben Abkommen zu orfuollon, die nach Boratung mit den sowjetischen Goworkschoftsfuehrorn angenommen worden waren.
"Es rar notwondig, diesen sowjetischen Gowcrkschaftafuohrorn gegonuebor
vordem in diosom Jahre in Moskau zu orklaercn, dasa wir ihr*
, uch
weiterhin den Stfl^doraufbau der europaeischon Ltendor zu sabotieren, nicht mitmachen koennton« 7ir wuerden die Anwendung ihrer roaktionaoron Politik, Nutzen.
'.-. dem Elend und dem Ringer des arbeitondon Volkes zu ziehen, nicht aitr.?ohcn»'
Caroy schloss seine Ansprache danit, dass er davon sprach, wio die Go orkschafton der Marshall-Plan-Laonder spaeter eine zeitweilige Organisation freier
- 10 -

�Gev.'erjs

m aufbauten, derer . Ziel es i s t , das SEIT au u n t e r s t u e t s e n r . ,

Ansprache

aten^fteo

p l i t i s c h e n Resolution des CIO

Danach s t e l l t e fler Vorsitzende der T &gt;.\un\ äarry ü^rtin vor, den Pr
inten des ZeitungSverbandes, dar j e t z t beim ECA in Paris t a e t i s i s t . Ilartin legte
dar,
.- er , er ade von einem Besuch in den osteuropaelschen La
urueckehrt s e i .
"Am l e t z t e n Donnerstag hatte ich hinter deir. "Eisernen Vorh-:\; ;; , in 3 r
s t , und auch schon frueher und spaetor in der 'oohe d&amp;rau in Prag
ein '
onii Gelegenheit, eine Probe von der neuen Lebensweise im eu n Eumen, das die Sowjetunion Jetzt aufzubauer.
it i t , unr'! ich bin
r , um Ihnen zu sagon, Sass eine Probe von fliesen sogenannton ;''ei'/•-"• ^o'-ivtion : mir mehr als. r e i c h t e . . .
Als Praesi^ent flos Amerikanischen 2eitungaverbanfles
s meine .'-flicht,
Sitaungen fles ilxokutivratos der Internationalen Journaliston~Or anisatlori
in Budapest beizuwohnen. Ich blieb in fliesen Sitzungen gerado solango, wio mein
r
Ikanischoa
'dflerlichan Srguss an Haas., an t o t e l i t a o r c r
Proj
-r umdung jegon dli
fl
bische L bonsr;olso, v i o ' i r
in
r
I i Fr ien
! rn ö r " elt Tonnen, vertragen konnte. Als S.io Seit .' im, ••'
moino An
fcor
keinen Zwöek hatto, in., ich lieber eis äon guten Namoiner y
irkschaft... selbst in negativem Sinno - fuor so eine vorletzende i;nd orapoerenflfj Seliaustcllun; herzugeben.,».
sh einigen oinlcitcnöon Bestärkungen uober seine 2rnonnun; zum Hit ,liofl
flos Pariser Buoros fles SGA ivie ueber sein Vertrauen auf flio Ziolc und b c g l i c h keiten flos SEP, sagto
irtin:
•'Ich muss Ihn.cn schon sagen, fl iss ich hooehst orstaunt bin, • onn lc£
fuehronde Persoonliehkoiton des 010 - "_e isse Fuohror der Minderheit - hc r ,
v:onn sie hiei vor Ihnen stehen und behaupten, dass . .
bonsbodin^un
' o i t c r in Europa auf Grund ßo.s Ilarshall-Plans heuto schlechter sind "!.:. dies
frueher der Pall war« loh kann Ihnen nur als Jomand, äcr im 3ildo i s t in a l l e r
;it und Aufrichtigkeit sa cn, flass Jemand, der H." behauptet, c iss sich
der I'arshaH-Plan fuor dio ouropaoischen Arbeitor zun Schaden a n s t a t t zum Vort e i l ausgewirkt hat, entweder ein Durairkopf, ein Lu. r.'.r oder ein Verraotor an
seinem Lande und an aoinor Gewcrkachoftsboi cgung i s t . Dank der
Hilfe und Srmutigung faongt Suropa an, wieder aufzulohen, und es besteht auch
Jodor Grund zur Annahme, das: das Viorjahros-Proßramm s c h l i e s s l i c h euch vor
2rfolg -; -hrociit so,in v i r d , wonn es im richtigen und f o r t s c h r i t t l i c h e n Sinne
fortgofuohrt T i r d . ' r i r gor-'innen dio Ichlacht in Europa, und mit ,,'fcrmeine ich
dio freiheitsliebenden, friedfertigen Voelkor der. Erde - und mit Schlacht meine
loh dcn.üanrpf um JodJJ
Anrocht auf ein anstaondlgoa Loben,
.nlichc
Sicherheit, individuelle Freiheit und auf einen, grossen Anteil in öon Quotcrn
3 Lebons,
•'Ucborall in Europa zeigen sich Anzeichen fuor einen " iod&lt; i i itieg und
oinc Ooeundung...Ich w i l l Sit nicht mit Zahlen iangwoilon, ich kann Ihnen abor
die Versicherung gobon, das? d^r . / r s h a l l - P l a n j e t z t anfaongt, sich .
ünturnohmun zu entwickeln, wie Sie es und auch ich In Europa erwarten. A l l e r flin s sieht nun nicht a l l e s so rosig aus. Die Ljraofto dos rommunismus babon
- 11 -

�sich flic Aufßnbc gestellt, das EHP zu Fall zu bringen. In ®?.nz Europa, besonder,
aber in It-lion und Frankreich, fuchren di&gt;- getreuen Anhaenger des Kreml einen
unbarmherzigen Kampf gegen das ERF. Durch Anwendung jeder Art von Vorractoroi
und Sabotage bomuohcii sie sich, die Uhr Europas zurückzustellen, das System
staatlicher Kontrolle, die unt'-r Tütler bluehtc, wi-dereinzufuehror. und den
ungluecklichcn VoKLlurn des Kontinents eine Art von linksgerichtetem Faschismus
aufzuzwingen, der bis ins kleinste hinein ebenso so verrottet und zersetzend
fuer die Fr3iheit ist wie der, den die Nazis verbrecherisch einfuehrten...
''Ich stehe hier, um Ihnen und all meinen Kollegen vom CIO fuer die loyale
Unterstuetzung

zu danken, die sie dem "Jie^eraufbauprogramn von Anfang an haben

zuteil werden lassen. Der CIO muss und wird diese Unters tue tzurm, fortsetzen,
dessen bin ich sicher, der CIO sollte und wird auch in steigendem Kasse Anteil
nehmen an den Angelegenelißitsn der arbeitenden Voelker der "elt. Der CIO muss
und wird auch den freien Gewerkschaften in Europa, die verzweifelt darum kaempfen, angesichts ungeheurer Schwierigkeiten v'ieder aufzuholen, Unterstuetzung
zuteil werden lassen....
"Genau das ist es, was die Resolution fordert. Sie verurteilt die Eemuehun
gen der Sowjetunion, Chaos und Verwirrung zu stiften. Sie fordert staendige
Hilfe fuer Europa und eine staendige Beteiligung ''er Arbeiterschaft am Ililfsprogramm auf allen Gebieten... Ich meine, 'lr -ollen diese Resolution einstimmi
annehmen. Wir wollen es hier der Welt gegenueber ohne jeden Rueckhalt aussprechen; In diesem Kampfe um Frieden und

!

ohlstand tritt der CIO fuer die arbei-

tenden Voelker der Welt ein,"
Oppositionelle ReC.e .ae.ien die aussenpoj&amp;iseho Besjolutjton A?ikPJP
Es wurde nun ein Antrag auf Abstimmung ueber die Resolution abstellt. Der
Delegierte Feinglass protestierte da-egan, dass die Debatte geschlossen werden
sollte. Er forderte die Koeglichkeit, gegen die Resolution sprechen zu koennen.
Es wurde abgestimmt, und das './ort wurde ihm erteilt. Er erhob dann den Vorwurf,
dass die Gelder des ERP dazu be motzt wuerden, um die deutschen Kartelle im
Ruhrgebiet wieder ins Leben zu rufen und dass die Veraltung dos ER? sich in
den Kaenden der amerikanischen Bankiers befaende. Er kuendigte an, dass die
Verwaltung dieser zum kufbau bestimmten Gelder in einer "eise benutzt werden,
die zu einem neuen Krieg fuehrt, dass das Geld fuer den Karshall-Plan in gewissen Laendern dazu veraendet wuerde, um einen Erleg hervorzurufen. Er schlcsr
seine Ausfuehrungen mit den VJorten«11 Nur wenn Sie einiae dieser Fragen beantra g t e n , werde ich mich Ihnen anschliessen und diese Resolution unterstuetzen."

Dejr Vor£ai_tZ3_nd_e J^eujther..J^ter_s_tuet_zt_ die ,aussenyol.itisohe
Resolution des. CIO
"•alther Reuther, der Praesident des Verbandes der Vereinigten AutomobilArbeiter Amerikas, der als Vorsitzender der T a u n g fungierte, sprach dann in
seiner Eigenschaft als Mitglied des Resolutions-.Vusschusses. Er erklaerte, das(
der CIO die Militaristen Und Faschisten genau so bekaempfe xie die Kommunisten
und fuegte hinzu»i!

Wir bekaempfen die Kartelle in Deutschland und wir bekaempfen jede Mili-.

taerregierung der Vereinigten Staaten, die Jede Form von Nazismus haetschelt...

- 12 -

�3o hoisst os in unserer Resolution. Wir werden irgendivelohe Bestrebungen bekaeip&gt;
fcn, diö darauf aushebert, diejenigen Leute wieder ,-n 3ie wirtschaftliche und
s c h l i e s s l i c h e an d i e p o l i t i s c h e J.acht zu bringen, die mit Hitler zus
arbeiteten, und *le sich daher a l l der Verbrochen schuldig genaöht haben, deren H i t l e r schuld?.-. r.Tirde.. . " i r sind heute gögän Hitlorlamus und Nazismus und *.'aron
luoa schon flagogon zu der Zeit, a l s Joe S t a l i n mit Hitler liebaougalto, "'ir beimpfen dd £onzontrationBlaj _ : • . . . ' i r sind auch gegen die Zrarigsnrbeitslai
in der Sowjetunion, wo man Sic in Kotton 103t, wenn Sio olna andere Moinung vertreten.
"Ich hebb inein 'Tisscn nicht aus Buocborn soschoopft* Ich habo 9 Monata
untar Hitlor gelobt und habe mit den äoutfechon Gtoworkschafton zusammongoarboitot
und ihnen doboi geholfon, olno ühtergrundbo • uns aufaubouon. Ich habo 11 Monatti
lang in ganz Ruropa Vcrbinduiv.on unterhalten und dabei goholfon, otwas zusammen*
zufuegon, das Aohnliohkoit mit einer ''idoretanä'abarc o ,un.., h a t t e . Und was goschah}
Viele von denen, mit denen' ich äusammonarboitote, -urden rorraton, a l s der Hitl e r - S t a l i n - P a k f zustandaham, 1 ' 11 sio mit den Romraun iaten dabei zuFamooncoarboiT
t e t hatten, uia die Untorgrandbetfogung su sehaffon, und a l s die ftazis und fllo
Kommunisten zusa.mmonginßon, taeuf.chton' und. Torrictcn sie (die Kommunisten) dies*.
Arbeiter .,."'a'rum aproohon 31o denn nicht einmal uobor so btwaa, wenn Sie sich
so rechtschaffen und bl idor hlftstollon und fuor solche wunderbaren Prinzipion
eine Lant. br iöh - n l . . . .
-Di... ganz olnfachon und ;jpundlc , . d . n Tatsacher. sind folgondot " i r sind
d^vor. uoborzou; t, daas ' t Ih &gt;it 1 1 d Doniokratio und stab._rh.ait, und monsohlioho
r
Aiordo in der 7olt von &gt;i:
untrennbar sind,
Sio nicht eine "fclt haben
:cocnn.on, die :-.ur Häolftc f r o i ua5' zur Kaolfto Torsklart i s t , und wann v , ir nicht
kaempfon und r^onn * i r hiebt uasarc Hilfsmittoi dazu Tarnenden, um jedermann in
dor " o l t die Krcihoit zu eichern, denn wird auch unsere F r e i h e i t hier in den
Tcroinigton Steaton nicht sicher s e i n . Aus dlosom Grunde t r e t e n T i r fuor don
Marahall-Plan e i n . . . D03 Ilarshall-Plan i s t die l e t z t e und oinzigo Hoffnunj; des
freien Hannos in der T c l t . . . "
Zusamm

indo, JfrklajoruEfi dpa Pfraps^dpn*o_n dos CIO Philip,Murray

In seiner Eigenschaft a l s Delegierter und Praesident de-s Verbandes r'er Vereinigten S t a h l a r b e i t e r bat P h i l i p liurray um das " o r t und .'.ab seine Erwiderung
auf &lt;*en ",'iderstand der !;o imunlstiseheh Kinderbelt sagen die aussenpelitiaeha
Resolution des GIO.
•'Ich-bin der Meinung, dass die Diakus&amp;ion, die hier von dor. Mitgliedern
der Minderheit des Ausschusses so uebereilt gefuehrt wurde*••;, einen Teil des
"Kalten '.'riw^es1' b i l d e t . Er ' ird in jedem demokratischen Lande der " o l t von b e i nahe immer denselben Leuten gefuehrt. Einiga Delegierte, die Gelegenheit genom• men haben, ueber diese Präge heute nachmittag zu diskutieren' hoben geaagt, daaa
sio die Qedanken Roosevolts- in besag auf die internationalen Beziehungen und
die A u ß e n p o l i t i k v o r t r a t e n . Ich kannte unseren verstorbenen Freund, den P r ä sidenten der Vereinigton Staaten, Vx. Rooscveit ebenso gut wie jedermann hier
Im S a a l . . . Zu vorff»hie denen 3olegcnholten, da ich Rra-jen der Ausscnpolitik mit
ihm zu besprachen h a t t e , brachte er oft und : iedcrholt seine Opposition gogen
jede Form von Diktatur zum Ausdruck, ganz sieich, aus wolehem Lande s i e stammen
mochte....
••Eii. paar von den Burschen, die houto nachmittai Mar das " o r f ergriffen
haben, um gogen die Resolution zu aproehon, w r .n In ihrer. Reden auf den
- 13 -

�Tagungen des CIO vor 1%1 ziemlich laut. Das war In den Tagen des Hitler-Stalin
Fakts, in don Tagen, da Hitler und Stalin uobproingekommen ^roh, Polon zu vergewaltigen und diese Nation zu entleihen, in den Tagen, da ein Austausch von
Kriegsmaterial vor sieh,; ging und Rus&amp;lnnd Deutschland in soinom'Eajnpf sogen die
Domokration unterstuetzte....
"Es mag vielleicht nicht verzeihlich sein, dio Delcgicrtonvorsemmlung daran zu erinnern, dass mehrere von diesen Burschen, die heute gegen don Bericht
der Ausschusses opponieren, damals sehr ruehrig waren in ihrer Opposition gegen
Amorika, gegen die Regierung der Vereinigten Stauten, die den Demokratien der
"'olt Hilfe zuteil vorden lies3...Sie weichen niemals von der Parteilinie ab.
Sie heben den Pracsidontcn Roosevelt verurteilt und haben ihn als Kriegshetzer,
einen Kriegshetzer der "all Street hingestellt«»«als das Volk und flio Regierung
hier in diosom Lande den Englaondorn und ihren Vorbuendeten in ihren Kampf SO—
gen den Hitlorismus und Nazismus helfen wollto,
"Erst Juni 1%\ aenderton 3io Burschen ihre Taktik...Da wurde ploetzlich
der Krieg, den sie einen imperialistischen Krieg nannton, zu einem Krieg der
Demokratien gegen den ITitlorismus. .Da bestanden absolut freundschaftliche Beziehungen zwischen der Sowjetrcgierung und. der Kommunistischen Partei und den
Vereinigten Staaten und dem gesamten Volke« Als ober der Krieg zu 'ende war und
die Vereinigten Staaten sich beschleunigt daran nachten, selbst nbzuruesten, da
fing in Europa der Aggressionskrieg, die militaorischo Aggression an, 1 es Icein
Ende nahm und weitergehen vuerde, bisflorKommunismus und die So^Jotrogiaruag
den groesaten Teil Europas ueberranut haotten«...
'•'Ihre Prinzipien aendorn sich nie«.«Sic geben keine Entschuldigung fucr da-Verhalten Russlands an» demzufolge lt. den besten vorliegenden- Gchactzungen sie]
jetzt oinigo k oder 5 .Millionen Menschen in Kon zon trat Ions- und Zwangsarbeitslagorn befinden. Sie worden feststellen, das/ si&gt; auch kein WortflorAnklage
oder einer milden Kritik Russlands bz- . der sovjotischenfcfBHSunistisehonFolitil
ueber ihre Lippen bringen. Ich fordere sie; auf, es hier zu tun auf dieser TaguW
Sit ;efallen sich lediglich darin, nur ihre eigono Regierung und. die Politik
ihrer eigenen Regierung allgemein zu tadeln und zu kritisieren« ••
"Wenn einmal der Tag Common vird, da diese Apostel des Sowjetismus hier auf
einer CIO—Tagung stehen und sich mit den freimuetig Denkenden auf dieser Tagung
zu einer allgemeinen Kritik des Verhaltens der Sowjetregierung zusammenfinden,
erst dann '/erden dazu uebergehen, sie als freimuatig Denkende zu akzeptieren und
als freie Kaenner, die nicht sklavisch der Farteilinie folgen.
'Sie machen einen Riesenlaerm um den Gebrauch der Atombombe, "eiss Gott,
wohl keiner KuOnscht, dass noch einmal eine Atombombe in einem, neuen Konflikt
angewandt vird. Keiner ..ill einen Konflikt. Aber^aehrend sie einerseits ^iese
Art Propaganda gegen die Vereinigten Staaten von Amerika anwenden« lassen sie
vor jedem Delegierten auf dieser Tagung ihre ideologischen Bomben platzen. Das
bildet einen Teil ihres 'Kalten Krieges". Dies geschieht vorsaetzlich und ist
so berechnet....Sie kommen aber nicht weit damit. Und je frueher sie anfangen,
sich darueber klar zu Verden, desto besser T"ird es auch fuer sie und die Cr nisationen ,:erd.en, die zu fuohran sie den Vorzug haben.
- 1A Manpower Division
OKGUS, AFO 742

OTTICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUMGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

Nr. 47

Berlin, 14.Januar 1949

Die Aussichten fuer den neuen Weltgewerkschaftsbund
Der Britische Gewerkschaftsbund (TüC) hatte angedeutet, dass er kein
Interesse mehr am Weltgewerkschaftsbund (V.TTU) habe, es sei denn, dass diese Organisation ihre Taetigkeit fuer ein Jahr einstellen wuerde. Dies kann
man als gleichbedeutend ansehen mit einer Loesung der Beziehungen* Berichte
vom amerikanischen Gewerkschaftsbund CIO lassen den Schluss zu, dass der
CIO vielleicht seinen Austritt aus dem WFTO erklaert. Da der 1UC und der
CIO die Hauptstuetzen fuer den WFTO waren, kann man annehmen, dass der
WFTO zu einer Vereinigung von Gewerkschaften kommunistischer Staaten wird,
also, ganz offen zu dem, was er in den vergangenen Monaten helmlich zu sein
versuchte, naemlich -eine Propaganda-Agentur fuer die Sowjetunion. Es wird
erwartet, dass der Austritt des TOC und des CIO zum Signal fuer die anderen
freien Gewerkschaften der Marshall-Plan-Laender wird, den WFTTJ zu verlassen.
Unter dem 31.Dezember kommt jetzt aus Paris die Nachricht, dass die
AFL einen neuen Weltgewerkschaftsbund plant, in dem sie in Gemeinschaft mit
dem CIO zusammengehen wuerde. Die AFL hat immer heftige Kritik an der Politik des WFTU geuebt.
"Die AFL verbreitet in Westeuropa einen Vorschlag, dem zufolge die
nichtkommunistischen Gewerkschaften zusammenkommen und die Bildung einer
neuen Internationalen Organisation gegen den WFTO beraten sollen. Irving
Brown, der Vertreter der AFL fuer Europa, sagte gestern, dass seine Organisation davon ueberzeugt sei, dass es nur eine Frage der Zeit sei, wann
der von den Sowjets beherrschte WFTO auseinanderfaellt. Daher wuerde die
AFL, die sich niemals dem WFTU angeschlossen hatte, die Fuehrung bei der
gewerkschaftlichen ümorganisation uebernehmen.....
"Mr. Brown hob hervor, dass die AFL keineswegs versuche, Jemand ihre
eigenen Anschauungen aufzudraengen, sondern lediglich diesen Vorschlag als
Verhandlungsbasis ansehe. Dessenungeachtet brachte er deutlich zum Ausdruck,

- 1 -

�dass die AFL die Meinung vertrete, dass die Executivorgane des WFTü von
den Kommunisten fuer Propagandazwecke missbraucht worden seien. Die beste
Garantie gegen solchen Hissbrauch, fuhr er fort, sei eine gebietsmaessige
Umgruppierung der nichtkommunistischen Gewerkschaften, Der internationale
Rat, der die sich ueber die ganze Welt erstreckende Taetigkelt ueberwacnen
wurde, wuerde eine Verbindungsstelle und keine Exekutivkoerperschaft sein.
"Der Vertreter der AFL fuegte hinzu, dass bereits Organisationen bestehen, mit denen man einen regionalen Aufbau durchfuehren koennte. Die
wichtigsten davon sind» der Interamerikanische Gewerkschaftsbund, der gewerkschaftliche Beirat der 16 Marshall-Plan-Laender zuzueglich Westdeutschland und Triest, die Internationalen Bandeissekretariate, die sich aus 15
Vereinigungen ausserhalb des WFTO zusammensetzen und die Gewerkschaften
Afrikas und des Fernen Ostens.•
"New York Herlas Tribüne" Paris, 1.Januar 1948

Der Wohltaetlgkeitsfonds der amerikanischen Musiker
Der Amerikanische Musiker-Verband (AFM), der der AFI» angeschlossen ist,
hat jahrelang mit den Firmen, die Schallplatten herstellen, Im Streit gelegen,
well er eine Abgabe von allen hergestellten und verkauften Schallplatten verlangte. Inzwischen ist ueber ein Jahr lang keine Schallplatte mehr von Instrumentalmusik aufgenommen worden. Jetzt hat man endlich eine Loesung gefunden.
Der AFM wird von jeder hergestellten Schallplatte, je nach der Art, 1 - 2 &lt;f
erhalten, und die Abgaben werden rueckwlrkend vom 20.September 1943 gezahlt
werden. Die Hauptpunkte in dem jetzt getroffenen Abkommen, das bis zum 31.
Dezember 1953 laeuft, sind folgende:1. Von den Schallplattenfirmen wird ein Treuhandfonds gebildet, der von
den Abgaben finanziert wird, die fuer jede verkaufte Schallplatte zu
entrichten sind. Die Abgaben werden jaehrlich etwa 2 Millionen Dollar
betragen.
2. Es wird ein unparteiischer Treuhaender fuer den Fonds ernannt. Seine
Ausgaben aus dem Fonds werden dazu dienen, stellungslosen Musikern
Arbelt zu verschaffen, wobei diese Konzerte kostenlos vom Publikum
in Anspruch genommen werden koennen.
3. Die Hilfsmittel des Fonds werden nach einer Kopfquote an die oertlichen Zweigstellen des AFM verteilt werden. Dem unparteiischen Treuhaender faellt die Verantwortung zu, ueber Ort und Stelle der stattfindenden kostenlosen Konzerte zu entscheiden, wie ueber die Bedingungen, unter denen diese gegeben werden. Der Vorzug bei den Konzerten wird vaterlaendischen, wohltaetigen und erzieherischen Organisationen gegeben.
4. Die stellungslosen Musiker, die bei solchen Konzerten beteiligt sind,
koennen Mitglied des Musikerverbandes sein oder auch nicht.
"Overseas American News Service" 16. Dezember 1948

- 2 -

�Die Hillman-Stiftung verteilt insgesamt $30.000
Die Sidney-Hillman-Stiftung wurde mit einem Fonds in Hoehe von einer
Million Dollar errichtet, der dazu bestimmt ist, die Erziehung, Bildung und
Forschung auf dem Gebiete des Arbeitswesens zu foerden, und hat vor kurzem
die ersten Zuwendungen gemacht. Die Zuwendungen erstrecken sich auf $11.000
fuer k Universitaeten fuer Forschungsarbeiten, $10.000 fuer eine Vorlesungsreihe von Herold J. Laski, Grossbritannien, ueber das Arbeitswesen in den Vereinigten Staaten» eine Anzahl Betraege wurde an Einzelpersonen fuer Forschungsarbeiten gezahlt. Es ist dies das erste Mal, dass in den Vereinigten Staaten
eine Stiftung fuer solche Zwecke errichtet wurde. Die Stiftung ist dem Gedenken des verstorbenen Sidney Hillman gewidmet, der frueher Vorsitzender des
Verbandes der Vereinigten Bekleidungsarbeiter (CIO) war und im Jahre 1946
verstarb.
"The CIO News« 22. November 1%8

Grosse Aufgaben fuer gewerkschaftliche Forschungsabteilung
Vielehen Nutzen kann wohl eine Forschungsabteilung fuer eine Gewerkschaft
haben. Soweit der CIO in Frage kommt, so ist seine Abteilung fuer Forschung
und Bildung dafuer verantwortlich, dass Informationsmaterial hereinkommt, das
sich fuer die Gewerkschaften als nuetzlich erweist, ein Material, das die Gewerkschaften bei ihren Verhandlungen ueber Lohnerhoehungen benutzen koennen.
Bei diesen Verhandlungen muessen die Gewerkschaften ueber Tatsachenmaterial
verfuegen, und so ist es die Aufgabe der Forschungswirtschaftler, Informationsmaterial zusammenzutragen ueber Produktionskosten, feste Kosten, Verluste, Zinsen, Transport - gezahlte Dividenden etc. Diese Abteilung ist aber
auch fuer die Foerderung der Bildung und Erziehung verantwortlich. Sie haelt
Konferenzen ueber Fuehrerausbildung ab, veroeffentlicht Druckschriften und verschafft sich Informationen fuer die Mitglieder. Anscheinend haben die amerikanischen Gewerkschaften die Feststellung gemacht, dass sich Forschung und Ausbildung bezahlt macht, da die meisten ier groesseren Gewerkschaften solche Abteilungen eingerichtet haben.
"The CIO News" 22. November 1948

Das Stachanow-System in Rumaenian
Die "Informations Roumaines", die von der rumaenischen Gesandtschaft in
Paris herausgegeben werden, veroeffentlichen am 17. Oktober folgende Nachricht;
"In dem sozialistischen Wettbewerb, der anlaesslich des 31. Jahrestages
der Sozialistischen Revolution begann, an dem die rumaenischen Arbeiter
mit die erste Stelle einnehmen, haben letztere bedeutende Erfolge zu
verzeichnen. Eine Belegschaft aus 3 Mann hat in Lonea einen neuen Rekord
im Kohleschuerfen ohne Anwendung von Explosivstoffen aufgestellt* sie
hat das Plansoll um 933^ ueberschritten."

-3-

�Wie man sieht, weiss man im Lande Anna Paukers die Feste nach guter
Stalinistischer Tradition zu feiern* durch Verschaerfung des Arbeitstempos.
Das haben aber sicher diejenigen, die vor 31 Jahren die Revolution
wirklich machten, nicht vorhergesehen.
Aus "Documentation Syndicale" (Paris) 22. Oktober 1%8
Konzentrationslager in der Tschechoslowakei
Folgende Saetze, die keines Kommentars beduerfen, sind einem Artikel entnommen, der am 4* Oktober mit der Ueberschrift "Der Juengste Erfolg in der
Tschechoslowakei" in dem Schweizer Sozialistenblatt "Der Bund" erschien*Die Kommunisten in der Tschechoslowakei wissen, dass sie den anderen
Laendern gegenueber, die sich hinter dem "Eisernen Vorhang" befinden, noch viel
"aufzuholen" haben. Die juengste kommunistische Massnahme besteht darin, vom
"ganzen Volk" durch "spontane" Aktion eine Ausmerzung der "Feinde des Staates
und der Untergrundelemente" fordern zu lassen. Dieser Wunsch nach einer Reinigungsaktion wird in der Presse, im Radio usw. verbreitet. Es handelt sich hier
wie anderwo darum, alle diejenigen in den Konzentrations- und Zwangsarbeitslagern unterzubringen, die in Worten oder mit der Tat gegen den volksdemokratischen Staat suendigen, alle die Kritikaster und diejenigen, die nicht fuer die
neue "sozialistische Ordnung" begeistert Hurra schreien.
Die kommunistischen Aktionskomitees haben vor kurzem eine Bewegung organisiert, der zufolge Petitionen an den Ratspraesidenten Zapotocky gerichtet werden.
Diese Bewegung ist gekennzeichnet durch Tausende von Adressen und Resolutionen,
die von Vereinigungen derrtArbeiterweit" stammen. Bei dieser Gelegenheit bekunden sie "den Unwillen", den sie ueber die Tatsache empfinden, dass die
"Reaktionaere" Versuche unternehmen, um einen Umsturz in der Tschechoslowakei
herbeizufuehren oder um die Entwicklung zu "einem besseren Leben im Rahmen der
sozialistischen Ordnung" zu hemmen.
"Die Resolutionen enden schematisch mit einer Phrase, in der stets mit
einigen Varianten beteuert wird, dass das Volk bereit ist, den Arbeitsertrag
zu steigern, dass man aber alle diejenigen in die Zwangsarbeitslager schicken
soll, die sich dem Willen des Volkes entgegenstellen.
"Die Presse veroeffentlicht u.a. einen Brief des Personals der TeslaFabriken in Prag-Strasnice, in dem es heisst: "Wir fordern, dass die Provokateure,
die Agitatoren und die Untergrundelemente in die Arbeitslager geschickt werden und mit ihnen die Faulenzer, die die Moral in den Betrieben untergraben! "
"Diese Aktion ist gut auf ein Ziel abgestimmt. Es kann uebrigens in einer
Volksdemokratie nicht anders sein.
"Ist es noch noetig, zu erwaehnen, dass diese Aktion nicht ergebnislos verlaufen ist. Diese Ergebnisse sind gleichermassen abgestimmt« Die Zeitungen,
z.b. das Organ der Tschechischen Schriftsteller "Lldove Noviny" berichten schon
von positiven Resultaten - wie gesagt, so getan» Es sind bereits in Kladno,
Pardubice und in Karlsbad Konzentrationslager eingerichtet worden."
"Documentation Syndicale" (Paris) 22. Oktober 1948
Ansichten eines Amerikaners ueber die Fuehrerschaft der deutschen
Gewerkschaften
Am 15. November hielt Edwin F. Beal, der fruehere Berater der Amerikanischen Militaerregierung in Stuttgart fuer Arbeitseinsatzfragen, eine Ansprache
im Radio, in der er geine Beobachtungen in bezug auf die deutsche Gewerkschaftsbewegung schilderte. Mr. Beal brachte zum Ausdruck, dass er nicht mehr als oeffent-

-4 -

�licher Beamter, sondern als Privatmann spraeche, der stark an der Entwicklung
einer fortschrittlichen demokratischen Arbeiterbewegung in Deutschland interessiert sei. Er aeusserte die Meinung, dass in vieler Hinsicht die Gewerkschaften
heute mehr geeint seien als im Jahre 1933, andererseits bedauerte er abergewisse Tendenzen, die eine Rueckkehr zu den Auffassungen und der Denkweise von
1933 erkennen lassen, sowie "Tendenzen zur Uneinigkeit, Spaltung, wie auch ein
verhaengnisvolles Zoegern und eine Abneigung dagegen, die Kraefte der Arbeiterschaft in den Eaempfen einzusetzen, die sie manchmal notwendigerweise auszufechten hat."
"Zum grossen Teil ist der Grund hierfuer in der Tatsache zu suchen, dass
es nur sehr wenig junge fuehrende Kraefte gibt. Es fehlt eine Generation einflussreicher Gewerkschaftsfuehrer, die Generation, die gerade um 1933 herum
den Grad der Reife erreicht hatte. Hitler unterdrueckte sie zusammen mit anderen,
oder sie wurden zusammen mit anderen in den Kaempfen des Hitlerkrieges getoetet.
Die deutsche Arbeiterbewegung musste auf aeltere Maenner zurueckgrelfen, naemlich
auf diewenigen Fuehrer aus der Zeit vor 1933, die es fertig gebracht hatten,
am Leben zu bleiben. Ein Fuehrer kann alt sein und doch gut, aber manche von
ihnen haben sich seit 1933 doch nicht gewandelt. Ich kenne z.B. einen, der viele
Jahre im Konzentrationslager war. In alldiesen Jahren gelang es Hitler nicht, die Gesinnung dieses alten Gewerkschaftsführers zu aendern - jedoch koennen
es andere heute auch nicht. Ich glaube bestimmt, er denkt, dass wir einen falschen Kalender haben, und dass es noch 15 Jahre bis 1948 dauern wird. Glücklicherweise ist er nicht typisch fuer das Gewerkschaftswesen, ungluecklicher weise ist er aber auch nicht der einzige.
"Ich glaube, keiner ist sich ueber diesen Mangel mehr im Klaren als die
meisten der alten Fuehrer selbst. Sie sehnen sich danach, abzutreten und ihre
Sorgen und ihre Muehe auf kraeftigere Schultern zu legen. Dennoch sind sie dazu
nicht in der Lage, weil eben niemand anders da ist. Diese Verhaeltnisse findet
man nur in Deutschland. In Belgien oder Frankreich liegen die Dinge nicht so.
Die alten Fuehrer waren dort nicht allzu lange fort, waehrend die illegale Bewegung gegen die Nazibesetzung junge Fuehrer anwarb und bei ihrer Schulung Hilfe
leistete. Es liegt jetzt bei der deutschen Arbeiterbewegung, irgendwelche Massnahmen zu improvisieren, um neue Fuehrer zu schulen und zwar schleunigst. Das ist
eine schwere Aufgabe, eine Aufgabe mit der man sich vorher nicht zu befassen
brauchte...Keiner kann es der deutschen Arbeiterbewegung jetzt sagen, wie es gemacht wird, aber ich hoffe, Amerika kann es und wird auch dabei helfen....
"Die deutsche Arbeiterschaft wird in Amerika Unterstuetzung und Rueckhalt
bei ihren Gewerkschaftskollegen finden, die sich den gleichen Problemen gegenuebersehen und die die gleichen Noete haben. Wenn die deutschen Arbeiter fuer
demokratische Rechte, fuer Rede- und Versammlungsfreiheit, fuer das Streikrecht
und fuer das Recht kaempfen, Gesetze gegen Missbrauch durchzubringen, wie dafuer
dass die Preise herabgesetzt werden, wenn sie die Hilfsmittel der Gesellschaft
gerecht gebrauchen und verteilen, wenn also die deutschen Arbeiter dafuer kaempfen. ...dann werden sie auch Freunde finden, ganz gleich, gegen wen sie kaempfen.
Sie werden Freunde finden, gber sie muessen so handeln, dass sie sie gewinnen..."
Rundfunksendung der Üilitaerregierung Wuerttemberg-Baden,

-5-

Stuttgart,15.November
1948

�Beschaeftigungsstand in den wichtigen englischen Industriezweigen
Manche englischen Industriezweige haben Schwierigkeiten, genuegend Arbeitskraefte zu bekommen. Anderen Industrien wieder geht es besser, wie aus
dem Britischen '//irtschafts-Ueberblick fuer. 1948 hervorgeht. Aus nachstehender
Tabelle gehen die Zunahmen und Abnahmen im Laufe des Jahres 1948 hervor, wobei
die Zahlen fuer den 31. Dezember 1948 Schaetzungen darstellen«

Industriezweig

Kohlenbergbau (Arbeitskraefte
insgesamt)(beschaeftigt laut
Buch)
Anderer Bergbau u.Steinbruch
0öffentliche Einrichtungen
Transportwesen u. Schiffahrt
Landwirtschaft
Bauwesen und Maschinenbau
Fischerei
Fabrikation.
Baumaterialien
Metall und Maschinen
Textilien
Bekleidung
Lebensmittel,Getraenke,Tabak
Chemikalien
Andere Fabrikationen
Vertrieb
Dienstleistungen fuer Verbraucher
Oeffentliche Dienste»
Landeszivilverwaltung
Andere Dienste in der
Landesregierung
Oertliche Regierung

Beschaeftigung
Ende 1947

Beschaeftigung
Ende 1948

758,000
(718,000)

790,000
(750,000)

Zunahme o.Abnahme
(geschaetzt)

/ 32,000
/ 32,000

73,000
270,000
1,438,000
1,055,000
1,364,000
35,000

75,000
280,000
1,460,000
1,110,000
1,200,000
37,000

/ 2,000
/ 10,000
/ 22,000
/ 55,000
—164,000
/ 2,000

590,000
2,876,000
652,000
831,000
623,000
336,000
1,343,000
2,351,000
2,120,000

575,000
2,900,000
760,000
800,000
600,000
335,000
1,355,000
2,320,000
2,123,000

— 15,000
/ 24,000
/108.000

692,000

715,000

/ 23,000

375,000
1,105,000

360,000
1,075,000

—
—
—
/
—
/

—
—

31,000
23,000
1,000
12,000
31,000
3,000

15,000
30,000

Hinter diesen Zahlen verbergen sich viele interessante Betrachtungen ueber das
Ausmass, in dem die englische Arbeiterschaft wirksam eingesetzt ist. So ist z.B.
die Anzahl der Kohlenarbeiter sehr gross, wenn man die Tonnenzahl an gefoerderter
Kohle in Betracht zieht. Dasselbe gilt auch fuer die Bauarbeiter. Die englischen
Wirtschaftler studieren jetzt diese Zahlen mit grosser Sorge, und die Gewerkschaften sind ebenfalls daran interessiert, weil Grossbritannien entschlossen ist,
die Arbeiterschaft im Jahre 1949 wirksamer einzusetzen als im Jahre 1948.
"International Labour Review" November 1948.

-6-

�Festes Programm des Britischen Gewerkschaftsbundes (TÜC)
Der Britische Gewerkschaftsbund (TUC) hat sich entschlossen, seinen
ganzen Einfluss aufzubieten, um das Produktionsprogramm der Regierung zu
foerdern. Am 18.November haben die Exekutivorgane der Gewerkschaften des TUC
•ine Konferenz abgehalten, um die Mittel und Wege zu studieren, die geeignet
sind, eine maximale Lelstungsfaehigkeit in der Industrieproduktion zu sichern.
"Die industriellen Unternehmen schwanken zwischen grosser Lelstungsfaehigkeit
und Erfolglosigkeit, wobei die ueberwiegende Mehrzahl von ihnen weder sehr
gut noch sehr schlecht ist. Der allgemeine Durchschnitt muss gehoben werden.
Es gibt wenig Betriebe, in denen durch sorgfaeltige Disposition, Planung und
erspriessliche Beratung mit den Arbeitern und Arbeiterinnen im Betrieb nicht
bessere Erfolge erzielen koennten. Wir gehen von der Erkenntnis und dem Wissen aus, dass eine Erfolglosigkeit, die durch fehlerhafte Planung, mangelhaften Produktlonsfluss und andere Ursachen hervorgerufen wurde, bei den beteiligten Arbeitern den Gedanken an eine willkuerliche Vereitelung bzw. Hemmung
wachwerden laesst, zumal sie wissen, was fuer eine lebenswichtige Rolle die
Produktivitaet notwendigerweise dabei spielt, dass das Land selbst seinen
lebenswichtigen Bedarf durch Einfuhr beschaffen kann.
"Der typische Gewerkschaftler will an seiner Arbeit interessiert und stolz
auf sie sein, und er hat auch seine ziemlich scharfsinnigen Gedanken darueber, was seinen Bestrebungen helfen koennte...Die Fragen des Einsatzes der
Arbeitskraefte, der*technischen Ausbildung, der Schulung, und ob es wirklich
einschraenkende Praktiken gibt, die in der Industrie angewendet werden, sind
ebenfalls von Wichtigkeit. Aber vor all unseren Gedanken muss das Problem
stehen, welches die beste Art und Weise ist, den Mann am Arbeitsplatz ueber
den breit angelegten nationalen Plan, ueber die Gewerkschaftspolitik, und
ueber die Rolle auf dem Laufenden zu halten, die er persoenlich bei der riesigen Aufgabe, der wir gegenueberstehen, spielen kann.
"Nur dadurch, dass wir Waren exportieren, koennen wir unseren Verbindlichkeiten nachkommen und der Aufgabe gerecht werden, die unser Vierjahresplan
umfasst, der darauf abzielt, dass wir uns als Nation bis 1952 selbst erhalten,
in welchem Jahre die amerikanische Hilfe aufhoeren wird. Es ist. ein dornenvoller VJeg
und er wird noch dornenvoller durch die Hindernisse, die uns
von Leuten in den Weg gelegt werden, die irrgeleitet sind infolge einer politischen Propaganda, die bewusst darauf abzielt, in die Frage der Produktivitaet Verwirrung zu bringen, um das Europaeische Wiederaufbau-Programm und
die Marshall*Hilfe zu sabotieren.
"Was die Produktivitaet und das ERP betrifft, so weiss die Gewerkschaftsbewegung genau, wo sie steht. Ueber diese beiden Punkte gab es auf der TOCTagung im September keine Meinungsverschiedenheiten. Dennoch versucht die
kommunistische Partei, die Beschluesse des TUC zu unterminieran...Die kommunistische Partei besitzt weder Verantwortungsgefuehl noch Moral. Sie empfindet keine Scham vor ihren eigenen politischen Purzelbaeumen, weil sie eben
glaubt, dass der Zweck die Mittel heiligt. Wenn noetig, versucht sie, dieses
Ziel durch Spaltung zu erreichen. Sie glaubt an die Diktatur. Sie glaubt
nicht an eine Herrschaft der Majoritaet. Unsere Bewegung hat die Verantwortung
fuer 8 Millionen Mitglieder und deren Angehoerige. Sie fusst auf der Gemeinschaft freier Maenner. Sie glaubt an die Demokratie, die sie zwei Jahrhunderte

-7 -

�lang geuebt hat...Den kommunistischen Taktiken, die Gewerkschaftsbewegung fuer
ihre eigenen Zwecke und Ziele zu missbrauchen und herabzuwuerdigen, muss schon
in den Werkstaetten, in der Zweiggewerkschaft und bei anderen Zusammenkuenften
entgegengearbeitet werden.
"Der Generalrat wurde schon mit einer Warnung eroeffnet...und dieser wird
eine Enthuellung der kommunistischen Taktiken folgen, so dass jeder richtige
Gewerkschaftler in der Lage ist, zurueckzuschlagen und zu zeigen, wie stark
denn eigentlich die Kommunistische Partei in der englischen Gewerkschaftsbewegung ist. Es handelt sich hier nicht um eine Ketzer- oder Hexenjagd, wie die
Kommunisten in ihren Protesten behaupten. Keiner erhebt ein lauteres Geschrei
als die kommunistische Partei, wenn irgendjemand es anzuzweifeln wagt, dass sie
nicht die Quelle aller Weisheit, Wahrheit und Redlichkeit ist. Angesichts der
Schritte, die der Generalrat bereits unternommen hat, war man sich ja auch schon
im voraus darueber klar, dass sie ihr altes Geschrei erheben wuerde^"
"Labour" Dezember 1948
Die Lage in Finnland
Bei der Beurteilung der finnischen Verhaeltnisse soll darauf hingewiesen werden, dass waehrend des Krieges unserem Lande das Schicksal der osteuropaeischen
Laender erspart geblieben ist, denn unser Land wurde nicht besetzt» wir hatten
den Siegern gegenueber aber Verpflichtungen nachzukommen.
Die Kriegsschulden, die wir zahlen sollen, belasten unsere Wirtschaft, aber
wir haben keine Besatzungskosten. Trotz aller Schwierigkeiten ist die Lage Finnlands sichtlich besser als die der uebrigen Nachbarstaaten Sowjetrusslands.
Trotz der schweren Verluste ist die wirtschaftliche Lage ziemlich guenstig,
was groesstenteils den nachfolgenden Faktoren zu verdanken istj
1. Sowjetrussland hat unsere Kriegsschulden herabgesetzt«
2. Die guenstige Lage auf dem Weltmarkt inbezug auf Holz- und Papierwaren,
wodurch die Zufuhr sehr zugenommen hat.
Auch die von den Westmaechten erhaltenen Kredite haben zu dieser guenstigen
Entwicklung mitgeworkt.
Bei der Reichstagswahl im Sommer hat die von den Kommunisten gebildete "volksdemokratische Front" einen Verlust erlitten, sie haben in allen Positionen den
Rueckzug antreten muessen.
Die Minderheitsregierung der Sozialdemokraten hat es nicht gerade leicht. Der
Angriff der Kommunisten auf die sozialdemokratische Regierung verknuepft sich
mit deri auslaendischen Politik, und sie haben versucht, Unruhe und Verwirrung
zu stiften. Infolgedessen ist aber der groesste Teil unseres Volkes jetzt erwacht und unterstuetzt die Minderheitsregierung.
Die Kommunisten verwenden die Provokation als Kampfraethode inbezug auf die
auslaendische Politik; was ihre innere Politik betrifft, so ist voriges Jahr
der politische Streik zugunsten des Innenministers Leino misslungen.
Es besteht ein grosser Unterschied zwischen den Akkord und Zeitloehnen, und
die wirtschaftliche Lage der Arbeitnehmer ist schwach. Die Kommunisten versuchen
ihren Zweck durch eine ausserordentlich luegenhafte Propaganda, welche sich
insbesondere gegen die sozialdemokratischen Fuehrer innerhalb der Gewerkschaftsbewegung richtet, zu erreichen.

- 8-

�Sie haben fuer ihre Propaganda syndikalistische Kampfmethoden ergriffen.
Ohne Genehmigung des Gewerkschaftsbundes und der Gewerkschaften haben sie in
verschiedenen Teilen des Landes wilde Streiks veranlasst.
Das Bestreben der Kommunisten die wirtschaftliche Lage des Landes zu stoeren, macht sich am deutlichsten dadurch bemerkbar, dass sie-—obwohl die Produktion um 7-&amp;&amp; im Vergleich zu den VorkriegsJahren zugenommen hat
den Torschlag eingereicht haben, die Loehne der Arbeiter um 20-3Q&amp; zu erhoehen.
Die Sozialdemokraten haben darauf hingewiesen, dass es fuer die Arbeitnehmer
von groesster Wichtigkeit waere, wenn die Preise und die Steuern herabgesetzt
wuerden. Die Regierung hat den Torschlag gemacht, naechstes Jahr die Steuern um
50t herabzusetzen. Zu gleicher Zeit sind die Sozialdemokraten der Meinung, dass
es notwendig sei, eine derartige Verbesserung der Loehne der schlechtentlohnten
Arbeiter vorzunehmen, dass diese Lohnerhoehung die wirtschaftliche Lage nicht
gefaehrden werde.
Ton besonderer Bedeutung ist diese Politik inbezug auf die ExportIndustrie,
da die Exportpreise viel zu hoch liegen.
Im Augenblick, da wir diesen Artikel schreiben, ist die politische Krise
noch nicht ueberwunden. Jedenfalls koennen wir feststellen, dass sich die Taetigkeit der sozialdemokratischen Arbeiter intensiver geworden ist.
Die kommunistischen Provokationen wurden entlarvt, und die sozialdemokratischen Arbeiter haben dem Aufruf der FFC Folge geleistet.
Es laesst sich schwer vorhersagen, wie lange sich die Kommunisten gegen die
Polizei und die Ordnung widersetzen werden.
Die Ausfuhrmoeglichkeiten sind noch nicht gerade guenstig, aber die Herbsternte ist ausserordentlich reich gewesen.
Wir haben z.B. eine so grosse Kartoffelernte gehabt, dass die Preise stark
gesunken sind. Der Nahrungsmittelvorrat hat in jeder Hinsicht zugenommen, und
die Preise werden fbrtwaehrend herabgesetzt. Dadurch verliert die Propaganda und
das elende Auftreten der Kommunisten an Bedeutung.
Trotz der ungeheuren Schwierigkelten, sehen wir der Zukunft hoffnungsvoll
entgegen und unsere finnische Energie bietet eine Garantie dafuer, dass sich
unsere wirtschaftliche Lage heben wird.
Unser Volk wurzelt in einer Demokratie, die wahrscheinlich eine Hemmung
fuer das kommunistische Streben nach einer Diktatur bilden wird.
Bis jetzt haben wir uns besser als die uebrigen Randstaaten bewaehrt und hoffen, dass unser Land trotz seiner gefaehrlichen Lage seine Selbststaendigkeit
und Freiheit unter den uebrigen Laendern Europas aufrechterhalten wird.
Auszug aus einem Artikel der "Mitteilungen des Internationalen Bundes Privatangestellter • (Amsterdam)
Das Angestelltenwesen in der Tschechoslowakei
Ton befreundeter Seite wird uns geschrieben;
•"2s hat sich die Umbildung auf Industrieorganisationen durchgreifend vollzogen. Hie und da kommt es zu kleinen Stoerungen, aber da unterdessen die sozialpolitische Gesetzgebung der Umbildung angepasst wird, wird auch dies behoben werden. Seit 1. Oktober ist die Sozialversicherung in Kraft. Sie erfasst
alle Zweige von Tersicherungen, Kranken- Unfall- Invaliditatsversicherung usw.
und dehnt sich auf alle arbeitenden Menschen, einschliesslich der selbstaendigen

- 9-

�Gewerbetreibenden und Landwirte aus.
Die Renten werden wesentlich erhoeht, und es wird eine Rente fuer bisher
nicht Versicherungspflichtige eingefuehrt.
Es ist u.a. auch ein Arbeitsgesetz in Vorbereitung, durch das auch unser
Handelsgehilfengesetz wegfaellt. Im Grossen und Ganzen kann gesagt werden,
dass, was die sozialpolitischen Gesetze anbelangt, eine Nivellierung nicht
erfolgt ist und dass im Gegenteil alle Vorteile, die bisher fuer Privatangestellte galten, b eibehalten und auf alle andern Arbeitenden ausgedehnt wurden.
Die URO (Gewerkschaftszentrale) ist enorm gross und buerokratisch geworden.
Der Einfluss der Gewerkschaften auf die Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Verhaeltnisse ist durchgreifend, aber ebensogross ist die Verantwortung.
Was die Kategorie der G-eschaef tsreisenden betrifft, laesst sich bemerken,
dass diese Kategorie der Privatangestellten in der Tschechoslowakei nahezu
ausgestorben ist. Es begann in der Industrie, die groesstenteils verstaatlicht
wurde, es folgte darauf der Textilgrosshandel und der Lebensmittelgrosshandel.
Die Juengeren sind in den Verteilungsstellen untergebracht, die Aelteren sind
insoweit sie nicht versichert waren, brotlos geworden.
Diejenigen, welche versichert waren und jetzt eine Rente beziehen, sind die
Mitglieder der ehemaligen Union der Geschaeftsreisenden; sie beziehen heute
rund Kcs.2000.- Pensoin, waehrend die Rente fuer nicht Versicherte bloss
Kcs. 700/- betraegt.
Auch der Angestellten-Grosshandel wurde zum Teil betroffen. Die neuen
Distributionsformen werden nicht alle uebernehmen koennen, und dies bedeuted
also Umschulung fuer andere Berufe.
Es kommen viele Angestellte des Kleinhandels hinzu, der zwar noch nicht betroffen wurde, in welchem aber durch eine Steuerpolitik der Regierung groessere
Betriebe mit einer groesseren Zahl von Angestellten verhaeltnismaessig hoch besteuert werden, wodurch sich die Tendenz bemerkbar macht, dass sich der Kleinhandel, soweit es geht, der Angestellten entledigt.
Die -Frage der Vergenossenschaftlichung des Kleinhandels steit vor der Tuer
und wird mit allen Mitteln betrieben. Unter diesen Umstaenden ist die Arbeit
des "Svaz zamestnancu v distribuci" fuerwahr nicht leicht und die Verantwortung
schwer. Trotzdem oder deswegen muss aber festgestellt werden, dass die Angestellten dieser Kategorie fast zu lOOl organisiert sind."
"Aus Mitteilungen des Internationalen Bundes der Privatangestellten"(Amsterdam)
Berufsausbildung in Canada
Das Berufsausbildungsprogramm der kanadischen Regierung, das vor kurzem
ueberprueft worden ist, wird nach folgenden 5 Richtlinien durchgefuehrt werden«1. Ausbildung der Jugendlichen, die hauptsaechlich in den Schulen vorgenommen
wird. Sie umfasst eine finanzielle Unterstuetzung fuer Krankenpflegerinnen,
die in der Ausbildung begriffen sind, sowie fuer andere Berufsschüler.
2. Unterstuetzung fuer Berufsschulen, die in einem Programm besteht, den oertlichen Schulen dabei zu helfen, Ausruestungsmaterial und Lehrkraefte zu
beschaffen, sowie Lehrplaene fuer die Berufsschulung auszuarbeiten.

10-

�3« LehrlingsSchulung in bezug auf die Ausbildung fuer Facharbeiter in besonderen Handwerksraechern (keine Arbeiter an Fabrikationsmaschinen).
Die Regierung hilft dabei, die Normen fuer die Schulung aufzustellen
und unterstuetzt die Arbeitgeber und Gewerkschaften bei der Entwicklung
der Ausbildungsprogramme.
4* Meister- und Vorarbeiter-Ausbildung, ein Programm, das den Zweck hat,
die Arbeitgeber bei der Schlung von Vorarbeitern und anderem Aufsichtspersonal zu unterstuetzen.
5. Umschulung von Arbeitskraeften, die aus ihrer Beschaeftigung entlassen
wurden« diese erstreckt sich auf Arbeiter, deren Facharbeit ueberholt
ist, und auf solche, die auf Grund ihres Gesundheitszustandes oder ihres
Alters zu anderen Arbeitsarten ueberwechseln mueesen.
"International Labour Review" November 1948.

Beschaeftigung und Wohnungswesen in Schweden
Der Staatliche Ausschuss fuer Arbeit hat im Laufe des Monats Mai 1948 eine
Uebersicht ueber unbesetzte Arbeitsstellen ausgearbeitet. Es stellte sich heraus, dass in gewissen Gebieten ein Arbeitermangel besteht. Die Arbeitsplaetze
sollen ausgefuellt werden, waehrend wiederum Arbeiter in anderen Gegenden
nicht dorthin ziehen koennen, wo Arbeit angeboten wird, weil dort Wohnungsnot
herrscht. In manchen Gegenden kann die Nachfrage nach Wohnungen nur zu etwa
20t befriedigt werden. Der Grund fuer den Mangel an Wohnraum, bzw. dafuer,
dass ihm nicht gesteuert wird, ist in dem Mangel an Bauarbeitern und Baumaterialien zu suchen. Im August 1948 waren 215,000 Arbeiter im Baufach taetig,
von denen 83,900 ungelernte Arbeiter waren. Man zaehlte 50,000 Tischler,
21,200 Maurer und 42,500 andere Handwerker.
"International Labour Review" November 1948.

Ein oeffentliches Handbuch fuer Gewerkschaften
In diesem Artikel ist von einem Gedanken bzw. einem Plan die Rede, der
vielleicht auch fuer die deutschen Gewerkschaften von Interesse sein mag.
Es handelt sich um eine Methode, der zufolge die Exekutive der Gewerkschaft
stets Inforraationsmaterial ueber Arbeiterangelegeneheiten in Bereitschaft
hat. Das Amerikanische Arbeitsministerium bereitet ein Handbuch vor, das
den Gewerkschaften geliefert werden soll. Es handelt sich um ein 220 Seiten
starkes Buch mit losen Blaettern, das man auf dem Laufenden halten kann,
indem man immerwieder neue Seiten einfuegt, sobald Informationsinaterial
hinzukommt. Das Buch enthaelt statistische Angaben nach dem juengsten Stande
auf folgenden Gebieten« Beschaeftigung, Arbeitsplatzwechsel, Lohntabellen,
Verdienste, Arbeitsstunden und Lohnsaetze, Preise und Lebenshaltungskosten,
Produktivitaet udn Einheitskosten, Industrielle Beziehungen, Betriebsunfaelle,

11

-

�Bau- und Konstruktionsstatistiken, Wohnungswesen und Mieten, Sozialversicherung,
Verbraucher-Konsumvereine, Produktion, Einkommen und Ausgaben. Der moderne Gewerkschaftsfuehrer muss auf diesen verschiedenen Gebieten auf dem Laufenden
sein. Sein Handbuch ist fuer ihn ein Nachschlagwerk, das er jederzeit befragen
kann.
"State Department Newsletter" 14. Dezember 1948.
Amerikanische Gewerkschaft eroeffnet Kleidergeschaeft
Der Bezirk 64 des Internationalen Maschinisten-Verbandes, einer unabhaengigen Gewerkschaft, hat Jetzt sein eigenes Bekleidungsgeschaeft in Providence,
Rhode Island, eroeffnet. Es haben jedoch nur gewerkschaftlich organisierte Maschinisten und ihre Familien oder Mitglieder der AFL-Gewerkschaften das Hecht,
daran teilzuhaben. Der Maschhistenverband war frueher der AFL angeschlossen,
und es ist durchaus moeglich, dass er ihr wieder beitritt. Das Bekleidungsgeschaeft wird 25 Angestellte haben, die alle Mitglied einer AFL-Gewerkschaft
sind. Das Geschaeft ist aus dem Grunde eroeffnet worden, um den Mitgliedern die
hohen Kosten zu ersparen, die sie fuer Konfektionskleidung zahlen muessen.
Amerikanisches Arbeitsministerium "Weekly Labor News Digest" 1.Dezember 1948
-

Manpower Division
OMGUS, APO 742

12

-

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge an* der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteare. der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschalen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post sageleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

Nr. 48/49

Berlin, 28. Januar 1949
DIE MEISTEN ARTIKEL DIESER DOPPELNUMMER BEZIEHEN SICH
AUF DEN VER7JALTUNGSAUSSCHUSS FUER DAS ERP UND AUF DAS
EUROPÄISCHE WIEDERAUFBAUPROGRAMM IM ALLGEMEINEN,

Einzelne Punkte aus der Ansprache Praesldent Trumans
an den Kongress
Anlaesslich der Eroeffnung des 81. Kongresses verlas Praesident Truman
seine "Botschaft ueber die Lage in den Vereinigten Staaten". Seine Ansichten
ueber die Innenpolitik der Regierung sind hier wiedergegeben, weil sie zu der
amerikanischen Aussenpolitlk In wichtigen Beziehungen stehen. Die Ansichten
des Praesidenten ueber die Aussenpolitlk werden diesem Auszug folgen.
1. Die Probleme des amerikanischen Volkes im Lande selbst
"Das amerikanische Volk ist sich darueber klar, dass Armut ebenso verheerend und ebenso unnoetig ist wie eine Krankheit, die man verhueten kann. Wir
haben uns mit unseren gesamten Hilfsmitteln dafuer eingesetzt, einander in den
Noeten und Kaempfen des individuellen Lebens zu helfen. Wir sind der Meinung,
dass kein ungerechtes Vorurteil oder irgend ein kuenstlicher Unterschied irgend
einen Amerikaner von einer Ausbildung, von einem Leben in Gesundheit oder von
einem Beruf ausschliessen soll, den auszufuellen er in der Lage ist.
"Um eine Gesellschaft dieser Art heranzubilden, bedarf es der besten
Bemuehungen jedes einzelnen Buergers in jeder Sphaere seines Lebens, es erlegt
aber auch der Regierung eine stets wachsende Verantwortung auf. Die Regierung
muss mit der Industrie, der Arbeiterschaft und den Bauern zusammenarbeiten, um
die Wirtschaft auf vollen Touren laufen zu lassen. Die Regierung muss darauf
sehen, dass jeder Amerikaner die Chance hat, seine gerechten Anteile an unserem
wachsenden Reichtum zu bekommen. Diese Verantwortlichkeiten gehen Hand in Hand.
"Wir koennen keinen 'ohlstand beibehalten, wenn wir nicht eine gerechte
Verteilung und einen weitverbreiteten Verbrauch der Erzeugnisse unserer Fabriken
und Bauernhoefe schaffen. Unsere Regierung hat es uebernommen, dieser Verantwortung gerecht zu werden.
"Wir haben riesige Summen an oeffentlichen Geldern in Landstrassen,
Wasserkraftwerkprojektion, Bodenerhaltung und Urbarmachung angelegt. Wir haben
ein System der Sozialversicherung geschaffen. Wir haben Gesetze erlassen, die
die Rechte und die Wohlfahrt unseres arbeitenden Volkes und das Einkommen

-

1

�unserer Bauern schuetzen. Diese Bundespolitik hat sich mehr als reichlich bezahlt gemacht. Sie hat die materiellen Grundlagen unserer demokratischen Ideale
gefestigt. Ohne sie waere unser jetziger Wohlstand nicht moeglich gewesen.
"Durch diese Politik gestaerkt, hat unser System des privaten Unternehmens neue Hoehepunkte in der Produktion erreicht. Seit dem Rekordjahr 1929
ist unsere landwirtschaftliche Produktion, waehrend sich die Bevoelkerung nur
um 20£ erhoehte, um Vit und unsere Industrieproduktion um 75? gestiegen. Wir
fertigen viel mehr Waren und schaffen mehr Wohlstand pro Arbeiter als dies
jemals zuvor der Fall war.
"Dieser Fortschritt hat die klaeglichen Propheten - bei uns wie auch im
Ausland - verwirrt, die den Zerfall des amerikanischen Kapitalismus vorausgesagt hatten. Das amerikanische Volk, das seine eigenen Wege geht und auf seine
eigenen Kraefte vertraut, hat den groessten Wohlstand geschaffen, den die Welt
je gesehen hat. Wie gross unser Fortschritt auch gewesen ist, wir haben noch
einen weiten Weg zu gehen. Wenn wir uns im Lande umsehen, dann treten viele
Ilaengel bei uns krass hervor.
"Wir leiden immer noch an enorm hohen Preisen. Unsere Produktion ist
immer noch nicht gross genug, um die Nachfrage zufriedenzustellen.
"Unsere Minimalloehne sind bei weitem zu niedrig. Die kleinen Unternehmen verlieren vor den wachsenden Monopolen an Boden. Unsere Bauern stehen noch
vor einer unsicheren Zukunft und zuviele von ihnen ermangeln noch der Segnungen unserer modernen Zivilisation.
"Manche unserer natuerlichen Hilfsmittel werden noch vergeudet. Es mangelt
uns augenblicklich an elektrischem Strom, obwohl wir in reichlichem Masse die
Mittel zur Verfuegung haben, Kraftstrom zu entwickeln.
"5 Millionen Familien leben noch in Elendsvierteln und Loechern. 3 Millionen Familien teilen ihre Wohnung mit anderen. Der Gesundheitszustand bleibt
weit hinter dem Fortschritt der medizinischen Wissenschaft zurueck. Eine richtige und angemessene aerztliche Behandlung ist so teuer, dass sie sich der
groesste Teil unserer Buerger nicht leisten kann.
"Unsere Schulen sind in manchen Gegenden absolut unzulaenglich. Unsere
demokratischen Ideale werden oft durch Vorurteil und Unduldsamkeit durchkreuzt.
"Jeder einzelne dieser Maengel bietet auch eine Gelegenheit - eine Gelegenheit fuer den Kongress und den Praesidenten - zum Besten des Volkes zu arbeiten
"
2. Trumana Erklaerung zur Aussenpolitik
"Unsere einheimischen Programme bilden die Grundlage fuer unsere
Aussenpolitik. In bezug auf die Fuehrerschaft sieht die Welt heute auf uns,
weil wir innerhalb unserer Grenzen in so grossem Masse die Segnungen der Demokratie verwirklicht haben, nach denen sich die meisten Voelker der Welt so
sehnen.
"Wir haben eine Aussenpolitik verfolgt, die den aeusseren Ausdruck
des demokratischen Glaubens darstellt, zu dem wir uns bekennen. Wir tun, was
wir koennen, um die freien Staaten und freien Voelker in der ganzen Welt zu
ermutigen, den Leidenden und Betruebten in fremden Laendern Hilfe zu bringen
und die demokratischen Staaten gegen Bedrueckung zu staerken.
"Der Angelpunkt unserer Aussenpolitik ist der Friede. Wir unterstuetzen eine Weltorganisation, um Frieden zu halten und eine Weltwirtschaftspolitik
um fuer die Menschheit Wohlstand zu schaffen. Unser Leitmotiv ist das Prinzip
der internationalen Zusammenarbeit. Fuer diesen Gedanken haben wir einen nationalen Beitrag geleistet, der so bedeutend ist wie nur irgend etwas in der
-

2 -

�Geschichte. Wir haben uns verpflichtet, hierfuer mit unseren Hilfsmitteln und
mit unserer Ehre einzutreten....
"Es sollte nun Jetzt allen Nationen klar geworden sein, dass wir nicht
danach streben, den Status quo zu verewigen. Wir haben nicht die Absicht, die
Ungerechtigkeiten der Vergangenheit bestehen zu lassen. Wir begruessen die konstruktiven Bestrebungen mancher Nationen mit dem Ziel, bessere Lebensbedingungen fuer ihre Voelker zu schaffen. Im Europaeischen Wiederaufbau-Programm, in
unserer gutnachbarlichen Politik und in den Vereinten Nationen haben wir damit
begonnen, diese nationalen Mauern einzureissen, die das wirtschaftliche Wachstum und den sozialen Fortschritt der Voelker der Erde hemmen.
"Wir haben den Glauben, dass, wenn wir entschlossen an diesem Kurs festhalten, das Prinzip der internationalen Zusammenarbeit schliesslich doch denjenigen Nationen Beifall abnoetigen wird, die jetzt den Versuch machen, es zu
schwaechen oder zu untergraben bzw. zu zerstoeren. Wir stehen am Anfang einer
Aera, die entweder zu einem grossartigen Erfolg oder zu einer schrecklichen
Katastrophe fuer uns selbst und die gesamte Menschheit fuehren kann.
"Die Staerke unserer Nation muss weiterhin im Interesse Aller anstatt im
Interesse von einigen Privilegierten gebracht werden. Sie muss weiterhin selbstlos im Kampf um den Weltfrieden und fuer eine Verbesserung der Menschheit in
der ganzen Welt eingesetzt werden. Das ist die Aufgabe, die vor uns liegt.
"Es ist keine leichte Aufgabe. Sie bringt viele Schwierigkeiten mit sich
und wird von selbstsuechtigen Interessen stark bekaempft werden. Ich vertraue
auf die Mitarbeit der Bauern, der Arbeiterschaft und der Gesohaeftswelt. Jede
Schicht unserer Bevoelkerung und jeder Einzelne hat das Recht, von seiner Regierung eine aufrichtige, gerechte und unparteiische Handlungsweise zu erwarten
"
"Botschaft des Praesidenten ueber die Lage in den Vereinigten Staaten". 5. Januar 1%9
Das Interesse Amerikas an einem Vereinten Europa
John Foster Dulles, der amerikanische Delegierte bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen, hielt am 18. Dezember im Amerikanischen Klub in
Paris eine Rede. Er sprach ueber das Interesse des Durchschnittsamerikaners
an einem vereinten demokratischen Europa. Mit geringen Auslassungen ist seine
Rede untenstehend wiedergegeben)"Als Thema meiner Ansprache habe ich mir die Frage der Einheit Europas
gewaehlt. Ich habe dieses Thema gewaehlt, weil es sehr aktuell ist, weil ich
aber auch in Europa auf ziemlich viel Missverstaendnisse in bezug auf die Haltung des amerikanischen Volkes gestossen bin. In meiner Rede kommt nicht die
offizielle amerikanischenStellungnahme zum Ausdruck, sondern vielmehr, wie ich
es verstehe und auffasse, die der interessierten Buerger der Vereinigten Staaten. "
Die amerikanische Zivilisation wurzelt in Europa
"Dieses Interesse ist sehr stark. Es handelt sich nicht um ein ausschliessliches Interesse, denn wir haben panamerikanische und auch andere Bindungen.
Wir nehmen aber an Europa ein besonderes Interesse. Das ist hauptsaechlich darauf zurueckzufuehren, dass dergroesste Teil der amerikanischen Bevoelkerung
aus Europa kommt. Unsere Vorfahren waren zum grossen Teil englischer, irischer,
deutscher, italienischer, juedischer, polnischer, franzoesischer oder anderer

- 3 -

�Nationalitaet, die in Suropa wurzelte, ehe sie in Amerika Puss fasste. Es besteht somit eine Blutsverwandtschaft. Zudem haben die Amerikaner das Gefuehl,
dass sie ein Teil dessen sind, was im allgemeinen westliche Zivilisation genannt wird. Diese ist ganz eindeutig ein europaeisches Produkt. Es spiegelt
die ohristliche Auffassung von der Natur des Menschen wider. Das Individuum
wird als die hoechstentwickelte Einheit der irdischen Werte angesehen, und es
wird die Anschauung vertreten, dass zusammenwirkende Körperschaften so wie sie
z.B. der Staat ist, Mittel dazu sind, dem Individuum groessere Moeglichkeiten
zu bieten, dass sie aber nicht Zweck an sich sind, zu dessen Ruhm und Macht
das Individuum geopfert und beeinflusst werden sollte. Das Ergebnis ist eine
Gesellschaft, die zu einer individuellen Verschiedenheit und zu einem individuellen Experimentieren ermutigt. Wir haben unsere eigenen Einrichtungen und
unser eigenes Experimentieren geschaffen und geformt und haben lange mit Europa den Reichtum geteilt, den eine solche Gesellschaft bietet. Unsere Identifizierung mit Europa ist tatsaechlich so eng und stark geworden, dass in vielen
Teilen der Welt, besonders in Asien und Afrika, diejenigen die aus den Vereinigten Staaten kommen, allgemein "Europaer" genannt werden.
Amerika hat ein festbegruendetes Interesse an der Demokratie
Waehrend so unser Volk und unsere Denk- und Handlungsweise eine Art von
Ueberschuss Europas darstellen, ist da amerikanische Volk aber auch der Meinung,
etwas an Werten in Europa angelegt zu haben. In den letzten 30 Jahren haben wir
dreimal grosse Anstrengungen gemacht, um den Voelkem Europas dabei zu helfen,
ihre freien Einrichtungen beizubehalten. Im Jahre 1917, als es den Anschein hatte,
dass Europa der militaristischen Herrschaft des deutschen Kaisers zum Opfer fallen wuerde, beteiligten wir uns an den Auseinandersetzungen und halfen durch
grossen Einsatz von Menschenmaterial und wirtschaftlichen Hilfsmitteln, diese
despotische Bedrohung abzuwenden. Und wieder - im Jahre 1941 -, als ein grosser
Teil Europas von den Armeen Nazideutschlands ueberrannt worden war, machten die
Vereinigten Staaten wieder mit und spielten wiederum eine gewichtige Rolle in
der Abwendung dieser neuen Bedrohung durch den Despotismus. Und jetzt wieder haben wir riesenhafte wirtschaftliche Anstrengungen gemacht, um Europa zu Hilfe zu
kommen, und wir bauen wieder unsere militaarische Staerke auf, um ein Gegengewicht
zu bilden gegen die Macht, die Westeuropa umgibt, so dass das Gebiet, das der Krieg
fast in einem Machtvakuum liess, besser durch einheimische Kraefte als durch eine
auslaendische Macht ausgefuellt wird.
Diese drei Anstrengungen haben uns allerdings etwas gekostet. Es gibt kein
Dorf in den Vereinigten Staaten, in dem nicht eine Ehrentafel existiert, in der
die Namen seiner jungen Maenner aufgefuehrt sind, die kaempfend In Westeuropa
starben. Unsere Staatsschulden sind von 3 Milliarden im Jahre 1917 auf 270 Milliarden im Jahre 1946 angewachsen, und dies ist nur ein Teil der wirtschaftlichen Kosten dieser drei Anstrengungen, und die dritte ist noch dazu noch nicht
abgeschlossen. So kommt es, dass das amerikanische Volk auf Grund seiner Blutsverwandtschaft und der gemeinsamen Kultur ein tiefes Interesse an Europa nimmt
und der Meinung ist, dass die frueher und jetzt gebrachten Opfer ihnen als Freunde das Recht gibt, dieses Interesse zum Ausdruck zu bringen. Sie sehen das nicht
als Einmischung an.
Amerika wuenscht ein starkes und freies Europa
Was will Amerika. Manche behaupten, unser Interesse an Europa stelle weiter
nichts als den Wunsch dar, Westeuropa als Militaerstuetzpunkt zu benutzen, von

- 4 -

�dem aus die Weltherrschaft verwirklicht werden soll. Diese Behauptung wurde in
den Debatten der Vereinten Nationen hier in Paris aufgestellt und wird staendig
von gewissen Elementen der europaelschen Presse und im Rundfunk wiederholt. Ich
glaube aber, dass es nur wenige gibt, die das' glauben, selbst, wenn diese Behauptung so oft wiederholt wird. Ich zweifle aber daran, dass es von vielen geglaubt wird. Die meisten Menschen, die in Westeuropa leben, haben mit ihren eigenen Augen gesehen, wie die amerikanischen Truppen gekommen und auch wieder abgezogen sind. Sie haben diesen Truppen zugejubelt, als die kamen und jubelten ihnen
auch zu, als sie nach dem Siege wieder abzogen. Das war....(Text ist hier verstuemmelt), obwohl hier manche Jetzt wuenschen, unsere Truppen waeren nicht so
schnell und so vollstaendig wieder abgezogen. Aber alle mit Ausnahme einiger Weniger wissen, dass, wenn die Vereinigten Staaten den Wunsch gehabt haetten,
Europa als Militaerbasis zu benutzen, wir dazu nach Beendigung des Ersten Weltkrieges Gelegenheit gehabt haetten und jetzt wieder nach Beendigung des Zweiten
Weltkrieges. Sie wissen das, weil sie gesehen haben, dass die amerikanische
Nation durch diese Gelegenheiten nicht einmal in Versuchung gebracht wurde.
"Es wird auch von manchen Leuten behauptet, dass die Vereinigten Staaten
in erster Linie deshalb an Europa so interessiert sind, weil wir Gebiete finden
muessen, wo wir unsere ueberschuessigen Waren loswerden koennen, auch das ist
absurd.
"In Wirklichkeit verfolgen die amerikanischen Hoffnungen in bezug auf Europa gerade und genau das Gegenteil von dem, was uns unfreundliche Kreise zur Last
legen wollen. Wir wollen, dass Europa politisch so stark ist, dass weder die
Vereinigten Staaten noch irgend eine andere Macht je in der Lage sein wird,
Europa zu einem Zwecke zu gebrauchen, der der freien Entwicklung Europas selbst
entgegensteht. Wir wollen, dass 2uropa wirtschaftlich so stark ist, dass es aus
eigener Kraft in Wohlstand lebt und nicht auf wirtschaftliche Zuwendungen von
anderer Seite her angewiesen ist. Wir wollen, dass Europa in genuegendem Masse
geeint ist, damit wir praktisch mit ihm arbeiten koennen. Wir wollen, dass Europa
so viel moralische und intellektuelle Dynamik beweist, dass es weiterhin im Sinne
der Tradition der Magna Charta und der Erklaerung ueber die Menschenrechte ueberall Maenner hervorbringt, die in der Lage sind, irgendwelche Fesseln abzustreifen,
die geeignet sind, ihre Selbstentwicklung zu hindern. Wir wollen ein Europa, das
faehig ist, eine neue industrielle Umwaelzung hervorzurufen, die weiterhin die
Produktivitaet der menschlichen Arbeit vermehrt. Wir wollen ein Europa, das wieder grosse Leistungen auf dem Gebiete der Literatur, Musik, Kunst und solche
religioesen Bewegungen hervorbringt, wie sie in der Vergangenheit die Welt inspiriert und bereichert haben.
Die Gefahren einer Uneinigkeit Europas
"Das sind unsere Hoffnungen. Wir haben aber auch Befuerchtungen. Wir befuerchten, dass ein uneiniges Europa nie unsere Hoffnungen wird verwirklichen
koennen. Die Amerikaner sind der Ansicht, dass die Geschichte Europas, und
insbesondere die Geschichte der letzten 30 Jahre, die sie aus der Naehe kennen,
gezeigt hat, dass die Uneinigkeit Europas eine Schwaeche ist, die ehrgeizige
Despoten staendig auszubeuten versuchen werden, und dass, obwohl diese Versuche
bisher vereitelt worden sind, die Kosten hierfuer so hoch waren, dass von jetzt
ab selbst die Vereinigten Staaten nicht ohne ernste Risiken Schutz vor dieser
Gefahr gewaehren koennen. In den Vereinigten Staaten greift die Ansicht immer
mehr um sich, dass dieser dritte Versuch, den wir Jetzt machen, die europaeische
Einheit zur Folge haben sollte, die das Volk genuegend dafuer staerkt, um spaeter
sich selber in Freiheit zu erhalten.

-

5 -

�"Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass 10 der 30 getrennten Nationen Europas eine nach der anderen einem fremden Despotismus zum Opfer faellt.
Die uebrigen verhehlen keineswegs ihre Furcht, dass ihnen ein gleiches Geschick
zuteil wird. Dieser aengstliche Rest in Westeuropa besteht aber aus etwa 260
Killionen Menschen. Es sind dies Menschen, die sowohl menschliche Qualitaeten
wie auch natuerliche Hilfsmittel besitzen, die sie in die Lage versetzen, eines
der grossen Machtgebiete der '.Veit zu sein. Zahlenmaessig sind sie sowohl der
Sowjetunion wie auch den Vereinigten Staaten ueberlegen. Sie sind fuer dieses
moderne industrielle Zeitalter hervorragend vorgebildet und geägnet. Allerdings sind sie in Sprache und Rasse verschieden, und es bestehen kriegerische
Traditionen zwischen ihnen. Sie sind sich jedoch in Kultur und ihren Einrichtungen hinreichend gleich, so dass sie der uebrigen Weit gegenueber eins zu sein
scheinen, da sie die sogenannte westliche oder christliche Zivilisation darstellen. Wenn sie zu uns in die Vereinigten Staaten kommen, dann gliedern sie
sich politisch ohne Schwierigkeit in die dortigen Kreise als Einheit ein. Hier
in Europa haben die Gewerkschaften und die Geschaeftsleute die Moeglichkeit gefunden, kameradschaftlich zusammenzuarbeiten, ausgenommen da, wo es die Politik
verhinderte. Die natuerlichen Hilfsquellen Suropas sind gross, und Afrika liegt
nahe, wo riesige natuerliche Hilfsmittel existieren, die durch Zusammenarbeit
mit den eingeborenen Voelkern ausgenutzt werden koennten. Kurzum, alle diejenigen, die heute in Europa von Furcht beherrscht werden, liegen zahlenmaessig,
wie auch in bezug auf Q,ualitaeten, Einrichtungen, Hilfsmittel und Nachbarschaft
so, dass es laecherlich ist, wenn sie Furcht haben. Sie sollten sich zu einer
unangreifbaren Zitadelle der Freiheit und des Wohlstandes zusammenschliessen.
Nur Uneinigkeit kann sie schwaechen.
Die Aussichten fuer eine Einigung Buropas
"Was das amerikanische Volk sehen will, ist eine Einheit, die sie stark
macht. Dies ist offenbar auch das Bild, das die Fuehrer und das Volk Europas
vor Augen h.nben. Wir haben die grossartigen Erklaerungen von Attlee, Bevin,
Churchill, Auriol, Schuman, Spaak, De Gasperi und erst vor ein paar Tagen eine
vom Papst Pius XII. gelesen. Soweit ich weiss, hat sich tatsaechlich jeder bedeutende politische oder religioese Fuehrer in Westeuropa in der Oeffentlichkeit
wie auch im Privatleben fuer die Erreichung einer erweiterten politischen und
wirtschaftlichen Einheit ausgesprochen, um den sich wiederholenden Bemuehungen
ehrgeiziger Herrscher, Westeuropa unter ihre despotische und fremdartige Herrschaft zu zwingen, ein Ende zu bereiten. Es hat daher fuer die Amerikaner den
Anschein, dass ihre eigenen Interessen und ihre Anteilnahme an Europa sich mit
denen der Voelker Europas und ihrer politischen Fuehrer decken.
"Wir sind uns natuerlich darüber klar, dass der Gedanke einer Einheit
Europas nichts Neues ist, dass es schon viele Bestrebungen in dieser Hinsicht
gegeben hat, die aber alle gescheitert sind. Es scheint uns aber, dass ebensoT
viel Geduld Europa auf friedlichem Wege zu einen, aufgebracht v/erden muesste
wie Ausdauer vorhanden ist, Europa durch Eroberungen zu einen. Es scheint uns
auch, dass jetzt die Fuerspreeh&gt;-r fuer ein» friedliche Einigung eigentlich Erfolg haben muessten, denn die Ereignisse der letzten 30 Jahre haben eine Lehre
erteilt, die jetzt ihre praktischen Folgen zeitigen sollte.

- 6 -

�Das Interesse Amerikas an Europa ist konstruktiver Natur
Diese Ereignisse sind wenigstens fuer das Amerikanische Volk eine Lehre &lt;
gewesen. Die Lehre, die wir daraus gezogen haben, ist, glaube ich, die dass,
waehrend einmal die Vereinigten Staaten die Verbindungen zu einem starken,
kraeftigen und beitragsleistenden Partner in Freiheit immer enger gestalten
sollten, wir unser Schicksal nicht unbegrenzt an das Schicksal eines Westeuropa knuepfen sollten, das darauf besteht, eine Uneinigkeit beizubehalten, die
immer wieder zu einem Kriege herausfordert. Die Vereinten Nationen sind noch
kein Ersatz fuer gebietliche und kollektive Bestrebungen, die die Charta
billigt und foeeiert.
"Im Allgemeinen sind die Amerikaner willens, sich an einem grossen Bestreben zu beteiligen, naemBch mitzuhelfen, der Uneinigkeit Westeuropas ein Ende
zu bereiten und an Stelle der Schwaeche die Staerke der Einheit zu setzen. Das
ist es, was viele Amerikaner zu tun glaubm, wenn sie zum Europaeischen Wiederaufbau-Programm beitragen und wenn sie die Beteiligung an irgend einem Atlantikpakt zu einer kollektiven Verteidigung in Betracht ziehen. Aber sie sind
der Meinung, dass diese Bemuehung in hinreichendem Masse konstruktiv und
schoepfarisch sein muesste, so dass es der letzte dieser Versuche ist, den man
von uns verlangt. Wir meinen, dass dies nicht der Fall waere, wenn diese Bemuehungen lediglich nach der Struktur der Vorkriegszeit geplant sind, die sich
sowohl fuer diejenigen, die in ihr leben, wie auch fuer deren Freunde als gefahrvoll erwiesen haben.
"Die Struktur Europas in der Vorkriegszeit ist ein Gebilde, das wiederholt in Flammen aufgegangen ist. Die Verluste an Menschen und Material waren
enorm und sind nicht wieder gutzumachen. Nach jeder Feuersbrunst in der Vergangenheit ist dieser Aufbau wieder ebenso dauerhaft und fest vollzogen worden.
Wir sind der Meinung, dass die Regierungskunst und Politik doch etwas besseres
leisten kann als dazu ueberzugehen, eine solche Dummheit zu wiederholen.
"Die Amerikaner erinnern sich der Verhaeltnisse und Bedingungen, unter
denen ihre eigene Einheit geplant und verwirklicht wurde. Unsere 13 unabhaengigen souveraenen Staaten waren von den despotischen Regenten der damaligen
grossen Weltreiche England, Frankreich und Spanien bedroht. Die Buerger unserer
Staaten erkannten damals genau, dass sie getrennt schwach und fuer sich allein
dem Anprall ausgesetzt waren.
"Eslaesst sich garnicht vermeiden, dass die Bevoelkerung der Vereinigten
Staaten Jetzt daran zurueckdenkt, da sie Westeuropa beim Wiederaufbau hMft.
Es erscheint uns, dass ein Wiederaufbau nicht von Dauer sein kann, wenn er lediglich die Struktur getrennter souveraener Staaten, wie sie in der Vorkriegszeit bestand, wieder ins Leben ruft.
Die Bedeutung der Einheit Europas fuer Deutschland
"Manchen erscheint es auch, dass das deutsche Problem nicht zufriedenstellend geloest werden kann, es sei denn im Rahmen irgend einer westeuropaeischen Einheit. In Deutschland - und in diesem Zusammenhang kann man nur von
einem Westdeutschland sprechen - leben etwa 45 Millionen Menschen, die in
einem beaengstigenden Masse auf engstem Raum zusaramengepresst sind. Diese Menschen, die fleissiger Natur sind, und die ueber bedeutende Hilfsmittel und
Industriebetriebe verfuegen, haben grosse Lloeglichkeiten, die sich zum Outen
und zum Boesen auswirken koennen. Man koennte ihnen eine grosse friedliche

- 7 -

�Chance als kleine Minderheit - sagen wir 2ö£ - Westeuropas geben. Aber als
eine der verschiedenen unabhaengigen Nationen Europas haben die Deutschen, die
strategisch im Herzen Europas ansaessig sind, eine verfuehrerische Gelegenheit
sich wieder zu einer beherrschenden Stellung emporzuarbeiten. Kein Vertrag, der
heute zum Abschluss kommt, sollte als zuverlaessiger Schutz gegen dieses zukuenftige Risiko angesehen werden.
"Ein vereintes Westeuropa wird auch als Basis fuer die Wiederaufnahme
freundlicher Beziehungen zwischen den oestlichen und westlichen Gebieten des
europaeischen Kontinents benoetigt. Es liegt im Interesse von ganz Europa, dass
die augenblickliche Schranke faellt. Man bemueht sich jetzt ernstlich, Westeuropa zum Osten herueberzuziehen und dem Westen zu entfremden. Wenn dies Erfolg
haette, waere es sowohl fuer den Osten wie auch fuer den 'Westen eine ungesunde
Loesung, ob aber der Westen als Gegengewicht eine hinzureichende Anziehungskraft
ausueben kann, die gute Arbeitsbeziehungen auf dem Kontinent in seiner Gesamtheit wiederherstellen kann, haengt am meisten davon ab, ob die Voelker Westeuropas sowohl die Faehigkeit an den Tag legen, die menschliche Freiheit zu
bewahren, als auch die Faehigkeit, eine politische und wirtschaftliche Staerke
und einen sozialen Wohlstand zu entwickeln.
Amerika verfolgt keine diktatorischen Ziele in Buropa
"Das amerikanische Volk will unverkennbar in vorsichtigen Grenzen seiner
Hilfsquellen dabei helfen, eine schoepferische Arbeit zu leisten. Es hat aber
auch seine eigenen Gedanken darueber und wuerde wahrscheinlich unguenstige
Schluesse ziehen, wenn verschiedene Nationen Westeuropas es vorziehen, eine Uneinigkeit beizubehalten, die, wie die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen nur
aufrechterhalten werden kann mit einer dauernd wiederkehrenden Hilfe seitens
der Vereinigten Staaten, wenn sich ueberhaupt beibehalten werden kann. Es gibt
einen Punkt, bei dem Hilfsaktionen aufhoeren, nuetzlichen Zwecken zu dienen.
"Es besteht jedoch kein Grund, verzagt zu sein. Ich habe waehrend der
letzten 12 Monate 4 davon in Europa verbracht und habe den deutlichen Eindruck,
dass bei der Bildung einer Einheit in Europa, die sich zum Nutzen seiner Bevoelkerung auswirkt, wirklich Fortschritte erzielt wurden.
Der Grad des Fortschritts steht vielleicht nicht im Verhaeltnis einerseits
zu der Gefahr und andererseits zu der verfuegbaren Hilfe, wenigstens scheinen
aber die Bestrebungen in dieser Hinsicht endgueltig fortzuschreiten.
"Ich kann Ihnen die Versicherung geben, dass das amerikanische Volk fuer
Europa weder ein besonderes Schema noch irgend einen Fahrplan bereit hat, den
es Europa aufzwingen will. Es weiss ganz genau, dass irgend ein System, das in
Frage kommt, ein System sein muss, das sich Europa selbst auserwaehlt hat. Es
ist wahrscheinlich sogar ganz etwas anderes als die Amerikaner selbst ausarbeiten wuerden. Es koennte sich z.B. mehr nach funktionsmaessigen Richtlinien
entwickeln. Der Gra&lt;3 des Fortschritts, den wir verwirklichen, haengt von Ereignissen ab, die man nicht vorhersagen kann. Das 'Wesentliche ist, dass sich
ein konkreter und ein anhaltender Fortschritt auf dem Wege ergibt, der klar und
deutlich durch Vernunft und Erfahrung gekennzeichnet ist. Wenn sich Europa frei
und aus eigenem Willen dafuer entscheidet, diesen Weg gehen zu wollen, dann will
auch das amerikanische Volk das Vorrecht haben, sich als hilfreicher Kamerad zu
erweisen, wenn dieser Weg Schwierigkeiten mit sich bringt. Es will seinen Beitrag dabei leisten die wirtschaftlichen Probleme zu loesen, die sich immer

8

�zeigen, wenn man einer groesseren Einheit zustrebt. Es will die Furcht bannen,
dass die Bestrebungen nach der Einheit einen bewaffneten Angriff ausloesen
koennten. Das amerikanische Volk sieht aber am Ende dieses Weges ein Europa,
das nicht mehr abhaengig ist, sondern stark und frei in sich selbst und das
zur Staerkung und Inspiration der Welt beitraegt."
"Amerikanisches Aussenmisterium",(Radio Bulletin
19. Dezember 1948.)
"Der Marshall-Plan ist die einzige und letzte Hoffnung
des freien Mannes"
Das sind die Worte Walter Reuthers, des Praesidenten des Verbandes der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas, die er am 23. November auf der Landestagung
des CIO in Portland, Oregon, sprach.
"Der Marshall-Plan ist die letzte und einzige Hoffnung des freien Mannes in
der Welt. Wenn wir ihn verwirklichen, wenn wir den demokratischen Voelkern Europas die -/Chance zum Wachstum und die Chance, wieder frei atmen zu koennen, geben,
dann besteht auch die Moeglichkeit, dass wir einen neuen Krieg vermeiden. Wenn
aber der "Eiserne Vorhang" die Moeglichkeit hat, naeher und naeher an den Englischen Kanal heranzuruecken, bis er schliesslich ganz Europa hat, wie es jetzt
in China dank der Dummheit vieler Leute dort in diesem Lande der Fall zu sein
scheint, dann wird die Freiheit an die Wand gedrueckt. Wir wollen aber nicht,
dass das geschieht.
"Wir haben nichts gegen das Sowjetvolk. Ich hatte die Gelegenheit und das
grosse Erlebnis, mit russischen Arbeitern zusammenzuarbeiten. Sie sind genau
so wie Sie und ich. Sie wuerden sich den Arm ausreissen, wenn sie auf dieser
Seite des "Eisernen Vorhangs" sein koennten. Sie teilen dieselben Hoffnungen,
dieselben Bestrebungen, die wir auch teilen, ausgenommen dass sie nicht die Gelegenheit haben, die Dinge zu bekommen, fuer die wir hier kaempfen, weil es in
Russland keine freien Gewerkschaften gibt.
"Ic*h gehoerte einer russischen Gewerkschaft an, weil ich eintreten musste,
als ich dahin ging. Ich bin beigetreten, weil ich sehen wollte, wie sie arbeiten.
In jeder Abteilung, in Jeder Fabrik in der Sowjetunion gibt es einen Gewerkschaftssekretaet und einen politischen Sekretaer, der von der kommunistischen Partei ernannt wird. Solange der Gewerkschaftssekretaer ueber eine Beschleunigte Erfuellung des II. und III. luenfjahresplans sprach, sassen die Kollegen der Gewerkschaft auf dem hohen Pferd und hatten Macht
Ich habe das nicht etwa aus
Buechern, ich bin selber dagewesen
"Diese Resolution (die das europaeische Hilfsprogramm unterstuetzt) ist
lediglich eine Geste, den Voelkern der Welt zu helfen, die Hilfe brauchen, so
. dass wir und sie zusammen den gemeinsamen Kampf fuehren koennen in dem Versuch,
die Freiheit und Sicherheit in der Welt zu etwas Bestaendigem und Dauerhaftem
zu machen."
"Aus dem Verlauf der 1948er Tagung des CIO"
Das internationale Programm des AFL
Folgender Artikel von William Green, dem Praesidenten der AFL stellt eine
Erklaerung darueber die Ansichten seiner Organisation in bezug auf die amerikanische Aussenpolitik, wie sie auf der 67. Jahresversammlung, die am 15. November
in Cincinnati, Ohio, zum Ausdruck gebracht wurden.
"Der"Kalte Krieg", den die Kommunisten gegen die Wirtschaft der Laender in
Schluesselstellung in der ganzen Welt fuehren, ist von einer so grossen Bedeutung

- 9 -

�fuer unsere Lebensweise, dass dieser Frage im Verlauf unserer Tagung mit der
Vorrang gegeben wurde. Dieser Krieg stuetzt sich in bedeutendem Masse auf verräterische kommunistische Organisationen von Buergern der Fuenften Kolonne.
Diese Organisationen haben den Auftrag, Kommunisten in fuehrende Stellungen
bei der Regierung, in der Politik, bei der Polizei, bei den Gerichten, im Transportwesen und bei bedeutenden Gewerkschaften zu bringen mit der Absicht, soviel
Verwirrung zu stiften, dass die Nation zu Gewaltmitteln greift, die Kommunisten
die Macht an sich reissen und die Befehle Moskaus ausfuehren.
"Das geschieht in Frankreich, wo,die Sowjets den kuerzlichen Bergarbeiterstreik finanzierten, um einen wirtschaftlichen Wiederaufbau gemaess dem ECA zu
verhindern. Das ECA verfolgt den Zweck, die europaeischen Nationen wieder soweit
aufzubauen, dass sie selbstaendig sind und sich selbst regieren koennen, so dass
sie in der Lage sind, sich mit anderen Laendern zwecks Abwehr der kommunistischen
Beherrschung zusaramenzutun.
"Die organisierte Arbeiterschaft ist fuer einen Erfolg der Arbeit des ECA
von enorm wichtiger Bedeutung, fuer das unsere Demokratie Milliardenwerte unseres
Wohlstandes ausgibt. Durch Vereitelung oder Verzoegerung dieser Bemuehungen
hofft der Kreml, unsere Wirtschaft zugrundzurichten. Um aber die kommunistische
Propaganda zunichte zu machen und um einen Erfolg des ECA zu sichern, haben wir
unsere Gewerkschaftsvertreter in Europa, die dabei helfen sollen, die dortigen
freien Gewerkschaften zu staerken. Die Gewerkschaften sind auch in der Verwaltung des ECA vertreten.
"Um die Arbeit unserer Regierung in internationalen Angelegenheiten wirksamer zu gestalten, draengen wir auf eine offizielle Vertretung der Gewerkschaften bei den Einrichtungen der Vereinten Nationen, die eine Politik bestimmen,
die unsere Wohlfahrt angeht, wie auch auf eine Vertretung unserer Delegation
bei den Sitzungen der Generalversammlung,tfirempfehlen ebenfalls eine Revision
der Charta der Vereinten Nationen. Darüber hinaus sollte auch die Erfahrung der
Gewerkschaften bei dieser ausserordentlich vichtigen internationalen Frage in
der Politik des Aussenministeriums eine Rolle spielen bei nachdruecklicher
Entfernung der Kommunisten aus dem Ministerium.
"Wir sehen in diesem "Kalten Krieg" eine erneute asiatische Invasion Europas durch rueckstaendige Barbaren, die weiter keinen Fortschritt aufzuweisen
haben als Herrschaft durch Eroberung und Gewalt. Wir empfehlen Defensivbuendnisse unter den demokratischen Laendern der westlichen Zivilisation. Wir hoffen,
unsere gewerkschaftliche Hilfe im kommenden Jahr auch auf Asien und Afrika ausdehnen zu koennen und Trollen auch weiterhin mit den Arbeitern Lateinamerikas
durch den Interamerikanischen Gewerkschaftsbund zusammenarbeiten."
"American Federationist" Dezember 194S
Die Arbeit der Organisation fuer die wirtschaftliche
Zusammenarbeit Europas (OEEC)
Es handelt sich hier um eine Organisation fuer internationale Zusammenarbeit, die in der Geschichte nicht ihresgleichen hat, denn hier arbeiten die Vertreter von 19 Regierungen an der Planung und Entwicklung von Programmen zusammen.
Am 16. Oktober 1948, 6 Monate nach Gruendung der Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEC), unterbreitete die Organisation dem
Verwaltungsausschuss fuer das Europaeische V.'iederaufbau-Programm (ECA) ihr erstes
Programm. Der Bericht stellt fuer das Finanzjahr, das mit dem 30. Juni 1949

1 0

�endet, ein Programm fuer den Wiederaufbau Suropas dar unter Zuweisung von
$4.875 Millionen fuer Hilfeleistung der Vereinigten Staaten und fuer verschiedene Zwecke der Zusammenarbeit zwischen den OEEC-Laendern.
Im Vorwort zu dem Bericht an den EGA haben die Mitglieder der OEEC folgende
allgemeine Erklaerungen ueber ihre Taetigkeit abgegeben«"Die Regierungen und Behoerden, die gemeinsam als Mitglieder des OEEC wirken, sind der Auffassung, dass in Durchfuehrung der Programme fuer 1948-1949 ein
neuer Fortschritt im Sinne einer ehrlichen, wirklichen und staendigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit erzielt wurde. Es waren die Bemuehungen und Anstrengungen
der Regierungen und Beamten in den verschiedenen Hauptstaedten, die harmoniahe
Zusammenarbeit der Delegierten, der Sachverstaendigen und des Sekretariats in
Paris wie auch die freundschaftliche Hilfeleistung des EGA und der Missionen,
die diesen Fortschritt ermoeglicht haben.
"In der OEEC besteht fuer ihre Mitglieder ein Hilfsmittel, das - einmalig
und beispiellos in seiner Reichweite und seiner Stetigkeit in bezug auf die Arbeit - es ihnen ermoeglicht, international und in gemeinsamer Taetigkeit die
praktischen Probleme der europaeischen Wirtschaft anzupacken. Die staendigen Delegationen und das Sekretariat in Paris arbeiten die ganze Zeit ueber an der
gemeinsamen Aufgabe. Andere nationale Sachverstaendige....kommen haeufig, um
ihre Hilfe zur Verfuegung zu stellen. Die Delegierten sind von ihren Regierungen
ermaechtigt, Verhandlungen von groesster wirtschaftliche Bedeutung fuer ihr
Land zu fuehren. Wenn Fragen der hohen Politik entschieden werden sollen, dann
versammeln sich die von ihren Regierungen bevollmaechtigten Minister der Mitgliedstaaten im Rat.
"Der Bericht ueber das Programm 1948-1949, der auf diese Weise von der
OEEC ausgearbeitet wurde, ist zweifellos unvollkommen. Unzweifelhaft gibt es
auch noch Taetigkeitsgebiete, auf denen die Mitgliedstaaten die frueher erzielten Erfolge verbessern wollen. Ausserdem sind die Aufgaben, denen die OEEC gegenübersteht, groesser als die, die hinter ihr liegen. Die Mitglieder sind aber der
Ansicht, dass der Bericht die gemeinsamen und loyalen Bestrebungen zum Ausdruck
bringt, die dieses Unternehmen von Anfang an inspiriert haben. Sie sind der Meinung, dass es lebt, dass es praktisch arbeitet und auch neuartig ist. Sie werden
dadurch ermutigt, dass dieses Wagnis in bezug auf die Zusammenarbeit in seiner
Einmuetigkeit und Freundschaftlichkeit schon so weit gediehen ist, und dass eine
Phase der Zusammenarbeit, die gestern noch ein Experiment war, heute bereits
zur Gewohnheit und zu einer fest umrissenen Idee geworden ist.
"Es ist das wachsende Gefuehl der Vollendung, dasefer Gewissheit entspringt,
dass der Wohlstand jedes einzelnen Landes am besten durch den richtigen und wirksamsten Einsatz der Talente und Hilfsmittel aller erreicht werden kann, dieses
Gefuehl ist es, das die Mitglieder der OEEC ermutigt und anfeuert, wenn sie auf
die Schwierigkeiten und Ungewissheiten der heutigen Zeit stossen. In dem Masse,
wie ein Fortschritt zur engeren Zusammenarbeit und ein wachsender Wohlstand erzielt wird, ist es ein grosser Ansporn fuer die Mitglieder zu wissen, dass sie
den guten Willen und die Unterstuetzung des Volkes des Vereinigten Staaten hinter
sich haben, Die ersten Schritte auf dem gemeinsamen Wege zu Friede und Wohlstand
sind bereits getan. Dieses Programm wird vorgelegt in dem festen Glauben, dass
das, was bereits "getan wurde, von Dauer ist, und dass sich noch groensere "infolge
zeigen werden."
"Programm der OEEC fuer 1948-1949"
1 1 -

�Die amerikanischen Seeleute wollen ERP-Lieferungen befoerdern.
Paul C. Hoffman, der Leiter des Verwaltungsausschusses fuer das Europaeische V/iederaufbau-Prograsim (ECA) kuendigte zu Anfang Dezember an, dass die grossen Schiffsladungen an ElQA-Waren auf auslaendischen Schiffen befoerdert wuerden,
es sei denn, "es stuenden ab 1. Januar amerikanische Schiffe zu konkurrenzfaehigen Preisen zur Verfuegung". Hoffman hatte diese Erklaerung in einem Brief an den
Vorsitzenden des "Ueberwachungs" Ausschusses des Kongresses gemacht, der fuer
eine rationelle Leitung des ECA verantwortlich ist. Obwohl nach dem Gesetz 50%
der Ladungen auf amerikanischen Schiffen befoerdert werden sollen, erklaerte Hoffman, dass die Differenz bei den Preisen der amerikanischen und der auslaendischen
Schiffe sich bei manchen Guetern bis auf $4.50 pro Tonne belaeuft. Hoffman Ist
der Meinung, dass die wirtschaftlichen Erfordernisse des Gesetzes vor der Bestimmung, dass die Haelfte der ECA-Lieferungen auf amerikanischen Fahrzeugen transportiert wird, den Vorrang haben.
Gegen diese Entscheidung haben die amerikanischen Verschiffungsgesellschaften
wie auch die Seemannsverbaende Hoffman gegenueber scharf protestiert, dem vorgeworfen wird, das3 er "auf Kosten der Arbeit rler Seeleute hinter vorteilhaften Geschaeften her ist". Joseph Curran, der Vorsitzende des Landesverbandes der Seeleute (CI0,&gt; nannte Hoffmans Entscheidung "in kleinen Dingen sparsam, in grossen
aber verschwenderisch". Curran fuegte hinzu, dass die Abtretung des Geschaefts
an auslaendische Schiffe den Erfolg haette, dass "die amerikanische Handelsmarine
noch mehr geschaedigt wuerde". Die Verschiffungsgesellschaften in den Vereinigten
Staaten haben sich geaeussert, dass die ihre Preise nicht senken koennten.
Die amerikanischen Seeleute haben sich den Vorzug erworben, dass sie die
hoechstbezahlten in der Welt sind. Sie sagen, dass ihre Lebensverhaeltnisse auf
den Schiffen die besten der Welt sind. Die amerikanischen Schiffe muessen die
hoechsten Preise berechnen, um fahren zu koennen. Vor kurzem haben AFL-Seeleute
an der Pazifikkueste Lohnerhoehungen erreicht, wodurch sich der Lohn der gewoehnlichen Seeleute von $212.50 auf $237.50 pro Monat erhoeht. Dazu kommt noch, dass
die meisten Seeleute auf jeder Reise durch Ueberstunden fast noch einmal soviel
verdienen. Auf der Fahrt erhalten die Seeleute Verpflegung, Unterkunft und aerztliche Hilfe. Die monatlichen Einkuenfte der amerikanischen Seeleute sind heute
nahezu um das dreifache hoeher als vor 10 Jahren. Es ist daher verstaendlich,
warum die amerikanischen Seemannsverbaende so sehr darauf bedacht sind, dass die
Seeleute anderer Laender hoeherer Loehne und bessere Lebensbedingungen bekommen
sollen.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest" 8.und 15. Dezember 1948
Einige halbe Wahrheiten ueber den Marshall-Plan
"Vor kurzem erst haben vier Mann, die aus der Mitgliederschaft des Internationalen Verbandes der Lager- und Speicherarbeiter (ILWU) ausgewaehlt wurden,
der dem CIO angeschlossen ist und angeblich von den Kommunisten kontrolliert
wird, eine dreimonatige Reise angetreten, die sie durch die meisten Laender Europas fuehren wird, um "nach Tatsachen zu forschen", u.a. nach Tatsachen ueber
den Marshall-Plan.
"Nach den Zeitungsberichten des Auslandes zu urteilen sind sie in eine Falle
gegangen. Sie haben Unwahrheiten fuer Tatsachen hingenommen. In einem Interview

-

12

�mit Zeitungsvertretern in der Sowjetunion geben sie einen Ueberblick ueber
ihre Kritik am Marshall-Plan. Sie sag&amp;en z.B. die franzoesischen Arbeiter beklagten sich darueber, dass Frankreich "gezwungen sei, amerikanische Kohle
zum Preise von $24 pro Tonne zu kaufen", waehrend dieselbe Kohle frueher nur
$10 gekostet haette.
"Was ist nun aber richtig. Der Preis der amerikanischen Kohle in Frankreich betraegt durchschnittlich $20 Pro Tonne, wovon die Ifaelfte Transportkosten sind. Die englische Kohle, die nach Frankreich geliefert wird, kostet etwas
mehr als $19 pro Tonne, polnische Kohle $21. Es besteht absolut kein "Zwang",
amerikanische Kohle zu kaufen, das Gegenteil entspricht der Wahrheit. In jedem
Monat kauft Frankreich in dem Masse, wie die Inlandproduktion steigt, weniger
amerikanische Kohle. Im Laufe eines Jahres sanken die Kohlenkaeufe in Amerika
von 1500.000 Tonnen pro Monat auf etwa 400.000 Tonnen. Die Kohleneinfuhr aus
Amerika sinkt weiter ab.
"Die Vertreter des ILWU erklaerten, dass "Amerika gemaess dem MarshallPlan grosse Mengen Waren nach Frankreich exportiert, die die franzoesische Industrie selbst herzustellen pflegte"....Eine Pruefung der Waren, die nach
Frankreich gehen, beweist, dass dies nicht der Fall ist mit Ausnahme, von Maschinen und Maschinenwerkzeugen. Diese werden auf Ersuchen der franzoesischen Regierung geliefert, weil die eigene Maschinenindustrie nicht in der Lage ist, allen
Anforderungen in Bezug auf normalen Ersatz, auf Modernisierung und Ausruestung
gerecht zu werden.
"Die herumreisenden Delegierten des ILWU erwaehnten auch den Widerstand der
Italienischen Arbeiter gegen den Marshall^Plan. Sie behaupteten, dass man den
Leuten in Italien aus den Geldern des ECA Kaugummi und Zigaretten liefere....
Es wurde aber nach dem Marshall-Plan nicht eine Zigarette oder ein einziger
Streifen Kaugummi nach Italien geliefert. Sie behaupteten, Amerika sende keine
Maschinen nach Italien...Ab 15. Oktober wurde der Betrag von 12 Millionen
Dollar fuer Maschinen bereitgestellt. Das gesamte Jahresprogramm fuer Italien
umfasst 130 Millionen Dollar fuer Maschinen und Ausruestung, wovon 2/3 aus einer
ECA-Anleihe finanziert werden.
"Die mü-Delegierten berichteten ferner, dass die italienischen Arbeiter
der Meinung seien, dass die 2h Millionen Arbeitslosen in Italien "das Ergebnis
der Politik Ihrer Regierung und des Marshall-Plans seien". Es gibt keine Zuverlaessige Statistik ueber den Stand der Beschaeftigungslosigkeit in Italien. Selbst
wenn man jedoch die Tatsache zugibt, dass die Beschaeftigungslosigkeit in Italien
ein ernstes Problem darstellt, dann gibt sie aber immer noch keine Erklaerung
dafuer, warum gerade der Marshall-Plan dafuer verantwortlich sein soll. Das bleibt
unserer Phantasie ueberlassen. Die Arbeitslosigkeit war in Italien schon lange
ein akutes Problem, als es noch gar keinen Marshall-Plan gab, ohne die EGA -Gelder
wuerde die Arbeitslosigkeit in Italien nach inoffiziellen Schaetzungen in Zukunft
bis auf 5 Millionen Menschen ansteigen.
"Es ist tatsaechlich eine Tragoedie, dass solche falschen Auffassungen ueber
die Durchfuehrung des Europaeischen Wiederaufbau-Programms kritiklos von denjenigen geäussert werden, die sich selbst als Wahrheitssucher hinstellen. Es ist
klar, dass man sich niemals ein vernuenftiges Urteil ueber den Marshall-Plan
nur nach dem Hoerensagen bilden kann. Die amerikanische und europaeische Arbeiterschaft ist dafuer verantwortlich, Informationen ueber das Europaeische Wiederaufbau-Programm zu geben, doch muessen diese Informationen auf Tatsachen beruhen
und nicht auf Unwahrheiten."
"Trans-Atlantic", "EGA Labor News Letter"November 48

- 13 -

�Kohleneinfuhr und -Produktion in Frankreich
Die Angaben ueber die Kohleneinfuhr nach Frankreich in vorstehendem Artikel
rechtfertigen die Veroeffentlichung einer Tabelle, aus der die tatsaechlichen
Kohlenimporte und die Kohlenproduktion in Frankreich hervorgehen. Die Auswirkungen des kuerzlichen Kohlenstreiks in den Mohaten Oktober und November sind daraus
leicht zu ersehen.
Monatsdurchschnitt in
1000 metrischen Tonnen

Durchschn. Nov
1938
1947

Juni

1948
Juli Aug. Sept. Okt. Nov.

Produktion;
Frankreich
Saargebiet
Einfuhr;
Deutschland
Grossbritannien
Belgien u. Luxemburg
Vereinigte Staaten Polen
Marokko
Andere Laender Gesamteinfuhr - Zuteilung aus dem Saargebiet

3964
1199
439
539
392
—

26l6 4079 4015
—
1071 1150

3629
1111

492

548
—

171
—

131
3
206

70
1084
46
11
12

1710
132

1394
103

%7
125
85
966

3930
508
1061 1116

2664
1117

483
—
42

393
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88
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5
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23
15
15
27
1772 1848 1817 1500 1203 1223
206
249
302
248
270
252

New York Herald Tribüne (Paris), 11 Januar 1949
Buergerausschuesse bekaempfen kommunistisches
Arbeitsprogramm in Italien
Wie in Frankreich, so werden auch in Italien die von den Kommunisten kontrollierten Gewerkschaften durch ein organisiertes Streikprogramm dazu benutzt,
um die Plaene der Regierung in bezug auf einen wirtschaftlichen Wiederaufbau in
Zusammenarbeit mit dem Marshall-Plan zu durchkreuzen. Der von den Kommunisten gefuehrte Italienische Gewerkschaftsbund (CGIL), der nach Angaben seiner Gegner
3 Millionen, wie seine Anhaenger aber behaupten, 6| Millionen Mitglieder hat,
ist in ein systematisches Streikprogramm mit eingegliedert worden, um die Produktion zu unterbrechen. Viele dieser Aktionen richten sich zugegebenermassen
gegen die Regierung.
Die Organisation der Katholischen Aktion in Italien hat seit mehr als eine»
Jahr eine oppositionelle Bewegung aufgebaut, die mit etwa 24.000 Buergerausschuessen arbeitet. Die Anzahl der Ausschuesse ist staendig im Wachsen begriffen. Durch
diese Ausschuesse wird eine Wochenschrift "Im Interesse der Arbeiterschaft" gratis an alle Gewerkschaftler in allen Teilen Italiens verteilt. Obwohl man von
ihnen verlangt, dass die unpolitisch sein sollen, bringen es die Buergerausschuesse fertig, ihre antikommunistische Propaganda im Namen der Wohlfahrt der
buergerlichen Gemeinden fortzufuehren.
Die Organisation der Katholischen Aktion wendet jetzt ihre ganze Aufmerksamkeit einem Programm zu, das das Wiederaufbauprogramm der Regierung und die Werbung von Mitgliedern fuer die neue antikomraunistische Gewerkschaftsorganisation
unterstuetzt. Das Ziel besteht darin, alle Nichtkommunisten aus dem CGIL zu sich
herueberzuziehen. Nach Berichten aus Italien haben diese Bemuehungen einen unerwarteten Erfolg gehabt. Der beste Beweis fuer den Erfolg der Buergerausschussbewegung ergibt sich aus der Tatsache, dass die in steigendem Masse von der kommu-

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�nistischen Gruppe innerhalb des CGIL scharf angegriffen wird. Solche Terrortaktiken haben insofern einigen Erfolg gehabt, als viele Gewerkschaftler sich von
den Versammlungen der Buergerausschuesse fernhalten.
"New York Herald Tribüne" (Paris)" 12. Januar 1949
Eine Demokratie kann nicht imperialistisch sein
Professor J.B. Condliffe, ein Wirtschaftler an der Universitaet Kaliforniens,
schrieb vor kurzem ueber seine Einstellung zu den Moeglichkeiten und Schwierigkeiten, denen das Europaeische Wiederaufbau-Programm gegenueber3teht. Er ist z.B.
der Meinung, dass ein groesserer Wert der Aufgabe beigemessen werden muss, Deutschland wieder seinen Platz im Welthandel zurueckzugeben. Er glaubt auch, dass die
erschuetterte europaeische Industrie technische Hilfe von den neuen Laendern ebenso noetig hat wie amerikanische Dollars. Vor allem sieht er das ECA (Verwaltungsausschuss fuer das ERP) fuer die Nationen als eine Moeglichkeit zur Zusammenarbeit
an. Er weist die kommunistischen Beschuldigungen in bezug auf Imperialismus zurueckj nur ein totalitaeres Land kann in unserer modernen Zeit imperialistisch
sein.
"Die kommunistische Propaganda, derzufolge Amerikas Beharren auf einer wirksamen wirtschaftlichen Reorganisation Wirtschaftsimperialismus bedeutet, sollte
die Vereinigten Staaten nicht davon abhalten, die Politik zu verfolgen, die sich
auf die Dauer im Interesse der europaeischen Laender wie auch in ihrem eigenen
Interesse auswirkt.
"Die amerikanischen Interessen haben keine Ghan^e, die europaeische Wirtschaftstaetigkeit zu beherrschen, selbst wenn sie es wollten. Man kann den
politisch denkenden und wirtschaftlich erfahrenen Voelkern Europas darin vertrauen, dass sie bei irgend-welchen Handelsgeschaeften sich selber zurechtfinden. Wir wollen ihnen auch nicht sagen, welche Industrien verstaatlicht werden
sollen und welche nicht, welche Steuerpolitik sie einschlagen sollen oder auf
welche V.'eise sie ihre Produktivitaet verteilen sollen. Wenn sie aber beim Wiederaufbau ihrer wirtschaftlichen Taetigkeit unsere Hilfe suchen, dann haben wir das
Recht und auch die Pflicht, in gemeinsamen Verhandlungen mit ihnen die wirksamsten Massnahmen auszuarbeiten, wie wir ihnen helfen koennen."
"The Survey Graphic" Dezember 1%8.
Gedankenaustausch ueber den Europaeischen Wiederaufbau
Auf einem Essen in Paris im vergangenen Herbst gab nussenminister George
Marshall vor einer Gruppe von Gewerkschaftsfuehrern aus den 16 Marshall-PlanLaendern folgende Erklaerung ab;"Ohne gut organisierte Gewerkschaften koennen Sie keine Produktion erwarten. Wofuer wir kaempfen, ist nicht der Friede schlechthin, sondern eine Art
Frieden, in dem es dem einzelnen Menschen oder einer Gewerkschaft freisteht,
sich an einer Versammlung zu beteiligen, so wie es jedem passt und zu sagen,
was jeder will. Weiter weg von einem Folizeistaate geht es kaum....Ihr freies
Leben haengt von diesen Freiheiten ab."

-

15

-

�Auf diesem selben Essen sagte Evaert Kupers vom Höllaendischen Gewerkschaftsbund, Vorsitzender der Gewerkschaftsorganisation des ERP«
"Was wir brauchen, ist eine engere Zusammenarbeit zwischen allen westlichen Nationen Europas, einen freieren Handel, freizuegigere Zahlungen.
Eines der Ziele des Europaeischen Wiederaufbau-Programms besteht in der
Gruendung der Vereinigten Staaten Europas."
"Trans-Atlantic" EGA. Labor News Letter, November 1948

- 16 -

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OMGÜS, APO 742

(OMOI, q - 209. I , Jan U9, 7 t c)

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Di« folgenden Artikel stellen Auszüge a u der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mittflieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

Nr. 50

Berlin, 4 Februar 1V49

Das Jahr der Entschliessung fuer die englischen Gewerkschaften
Nachstehende Saetze sind der Neujahrsbotschaft des Generalsekretaers des
Britischen Gewerkschaftsoundes, Vincent Tewson, an die englische Arbeiterschaft
entnommen. Nachdem er besonders auf die grossen Entscheidungen hingewiesen hatte,
die die Gewerkschaften Englands im Jahre 1948 getroffen hatten, bezeichnete er
1949 als ein Jahr der Entschliessung, der festen Entschlossenheit und der schweren Arbeit.
"Im Weissbuch, in dem der langfristige Plan niedergelegt ist, und in der Erklaerung, die Sir Stafford Cripps ueber seine Veroeffentlichung abgab, ist die
Groesse unserer Aufgabe gut umrissen. Unsere Bestrebungen muessen jetzt darauf
gerichtet sein, unsere Industrieerzeugung um ein Drittel des Vorkriegsstandes zu
erhoehen. Es waere toericht anzunehmen, dass dies eine leichte Aufgabe ist, aber
dennoch kann sie erfuellt werden. Die Regierungserklaerung enthaelt beruhigende
Anzeichen dafuer, dass die britische Industrie nicht nur ueber enorme Kraefte
zur Erholung verfuegt, sondern dass sie ihre Hilfsmittel wirksam zum Einsatz
bringt, um das gewuenschte Ziel zu erreichen. I M wir aber bisher erreicht haben,
stellt nicht mehr dar als einen Beweis fuer die Faehigkeiten unseres Landes,
einen Plan fuer eine Aktion zu erfuellen, die fuer das Jahr festgesetzt wurde, das
jetzt seinen Anfang nimmt...
"Fuer dieses Jahr wird erwartet, dass die Kohlenfoerderung fuer 1949-1950
um 12 Millionen Normaltonnen auf 230 Millionen gebracht wird, und im Laufe dieses
Jahres wird das langfristige Programm fuer den "Jiederaufbeu der Gruben vorangetrieben werden. In diesem Jahre muessen Massnahmen ergriffen werden, um die Kapazitaet der Oelraffinerie zu erhoehen mit dem Ziel, bis 1950 die Gewinnung von
Rohoel in den Raffinerien des Vereinigten Koenigreichs bis auf ueber 8 Millionen
Tonnen Rohoel zu erhoehen. In diesem Jahr muss auch die Hochofen-Kapazitaet fuer
Roheisen zur Stahlproduktion um h Million Tonnen erhoeht werden und die Jahresproduktion von Stahlbarren und Guss wie auch von Roheisen ist so berechnet, dass
sich eine Produktion von 50£ Millionen Tonnen im Jahr ergibt, so dass schaetzungsweise 11.3 Millionen Tonnen Stahl fuer den Inlandverbrauch und fuer Exportfertigwaren zur Verfuegung stehen. Entsprechende Erhoehungen in der Produktion der
Maschinenindustrien von lebenswichtiger Bedeutung bilden einen Teil des Plans fuer
1949-1950...Dies trifft auch auf die chemische Industrie, auf Textilien, Elektrizitaet, Verschiffung und andere Industriezweige zu

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1

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�"Anfang Neujahr (Mitte Januar) werden die ersten Industriekonferenzen
ueber die Produktivitaet vom Generalrat des Gewerkschaftsbundes in Erfuellung
des Auftrages lt. der letzten Konferenz.der Gewerkschaftsexekutiven einberufen
werden. Andere werden in schneller Folge einberufen werden. Die konkreten Aufgaben unseres Produktionsprogramms gehen jetzt auf die einzelnen Industrien und
auf die Gruppen der uns angeschlossenen Gewerkschaften innerhalb der Industrien
ueber. Ton allgemeinen Prinzipien kommen wir von Industrie zu Industrie zur
praktischen Anwendung.
"Die Entschlossenheit unserer Gewerkschaftsbewegung, diese Aufgaben zu beschleunigen, darf nicht angezweifelt werden. Denn von der erfolgreichen Erfuellung haengt in Zukunft das Glueck des Volkes ab, in dessen Namen wir sprechen des einfachen Mannes, seiner Frau und seiner Familie. Wir werden in dem Masse
Erfolg haben, wie wir das wirtschaftliche Leben unserer Nation wiederaufbauen
und unseren Beitrag zur Stabilisierung Europas und der Welt leisten.
"Bei dieser grossen begeisternden und gebieterischen Aufgabe sollten alle
Maenner und Frauen mit gutem Willen stolz darauf sein, mit dieser EntSchliessung
zum Neuen Jahre, die das ganze Jahr hindurch Gueltigkeit haben soll, mitarbeiten
zu koennen."
"Labour" Januar 1949.
Der Schluessel zur sowjetischen Aussenpolitik
Der Inhalt des folgenden Leitartikels aus der New York Times vom 16.Dezember hat in der Presse der demokratischen Laender bedeutendes Aufsehen erregt.
Dieses Interesse ist bezeichnend.
"Die Fuehrer Sowjetrusslands haben ganz offen ihre Plaene, ihre Ziele und
ihre Strategie in ihren eigenen Buechern niedergelegt, die jetzt in der kommunistischen Welt als Bibeln angesehen werden. Sie waren gezwungen, dies zu tun,
weil sie, wie der Autor des Buches "Mein Kampf", eine Bewegung aufbauten, die
zu ihrer eigenen Orientierung fundamentale Lehrsaetze brauchte* Diese Doktrinen
legen ueberall - abgesehen von irgendwelchen oder allen taktischen Winkelzuegen die Gedanken, die Haltung, Erwaegungen oder Bemerkungen der Verehrer des Kommunismus fest. Sie bestimmen die Ziele und Politik des Kommunismus und sind so
stark zu einem Teil der ganzen kommunistischen Bewegung geworden, dass selbst
seine Fuehrer zu ihren Gefangenen wurden.
"Weil nun diese Doktrinen mit einem Hokuspokus marxistischer Dialektik umgeben sind, wurden sie bis jetzt verhaeltnismaessig wenig von der Oeffentlichkeit
des Westens beachtet. Jetzt aber, da sie anfangen, von verhaengnisvoller Bedeutung fuer den Westen zu werden, werden sie von den Regierungen, Kongress-Ausschuessen und auch durch Privatstudien einer schaerferen Pruefung unterworfen.
Eine solche Studie wurde im Januarheft (1949) der Zeitschrift "Foreign Affairs"
(Auswaertige Angelegenheiten) von einem Verfasser veroeffentlicht, der sich
selbst mit "Historicus" unterschreibt. Der Artikel kann insofern Glaubwuerdigkeit
fuer sich in Anspruch nehmen, als er»auf Stalins eigenen Aufsaetzen fusst, und
weil er taeglich von der Sowjetpolitik bestaetigt wird, fuer die er den Schluessel
liefert.
"Der Hauptpunkt dieser Doktrinen besteht darin, dass der Kommunismus die
Welle der Zukunft ist, der dazu bestimmt ist, ein dekadentes und zum Untergang
verurteiltes kapitalistisches System (das soll heissen« demokratisches) zu ersetzen. Das letztere ist auf Grund seiner Widersprueche dem Untergang geweiht, die

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2

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�einen Klassenkampf zwischen dem Proletariat und den Kapitalisten einerseits und
unvermeidbare Kriege zwischen den kapitalistischen Staaten andererseits hervorrufen. Um aber den Triumph des Kommunismus zu beschleunigen, muessen die Kommunisten ueberall, wo dies moeglich ist, Revolutionen anzetteln, und sie koennen
dies am besten unmittelbar im Anschluss an eine Desorganisation, die durch Krieg
verursacht wurde. Sie duerfen dies aber nicht daduch tun, dass sie versuchen,
- ausgenommen fuer taktische Zwecke - die Differenzen durch Kompromisse zu loesen
oder Abkommen zu treffen, wie dies in den Demokratien der Fall ist, sondern sie
muessen jede Differenz oder jeden Widerstreit der Interessen ausnutzen, selbst
jede Reformbewegung, um den Boden fuer die Revolution vorzubereiten. Bei dieser
Aufgabe muessen sie jeden Kniff und jede Luege gebrauchen unter Ausserachtlassung
der ueblichen moralischen Normen, die fuer die Kommunisten keineswegs auf irgendwelchen ewigen Wahrheiten fussen, sondern lediglich die Reflexe der wirtschaftlichen Verhaeltnisse der kapitalistischen Gesellschaft sind.
"Aber der Hoehepunkt dieser Doktrinen besteht darin, dass, bevor der Triumph
des Kommunismus ein vollstaendiger wird, es unvermeidlich ist, dass es zu einer
letzten Entscheidungsschlacht kommt zwischen der kapitalistischen Welt, die von
den Vereinigten Staaten und der kommunistischen Welt, die von der Sowjetunion
gefuehrt wird. Fuer diese endgueltige Auseinandersetzung muss sich die Sowjetunion nicht nur selbst vorbereiten, sondern auch ihren fuehrenden Einfluss ausdehnen, waehrend sie gleichzeitig fuer diesen Zweck Material und jede technische
Hilfe von den kapitalistischen Staaten in Anspruch nimmt. Diese Vorbereitungen
koennen sich vielleicht noch 15 bis 20 Jahre hinziehen, und waehrend dieser Zeit
wird die Sowjetunion versuchen, einen bewaffneten Konflikt zu vermelden. Fuer die
Vereinigten Staaten besteht aber der einzige Weg, dieser letzten Kraftprobe aus
dem Wege zu gehen, darin, dass sie sich angesichts einer wachsenden "sozialistischen" Einkreisung ergeben.
"Diese Doktrinen malen der Welt offenbar ein trostloses und schreckliches
Zukunftsbild. Wenn es ueberhaupt einen Lichtstrahl gibt, dann ist es die Tatsache,
dass Stalin selbst zugibt, dass sogar die kommunistische Weltrevolution Schwankungen unterworfen ist und dass, wenn die kapitalistische Welt von sich aus stabilisiert werden kann, der endgueltige Abstieg vielleicht hinausgezoegert werden
rauesste.
"Es ist daher die Aufgabe der kapitalistischen und demokratischen Welt, sich
nicht nur zu stabilisieren, sondern sich selbst moralisch und militaerisch so zu
staerken, dass es nicht nur die Sowjetischen Fuehrer entmutigt, einen Krieg zu
fuehren, sondern auch ihre Doktrinen aufzugeben, indem sie eine bessere und
gluecklichere Welt schaffen, fuer alle Menschen, die an der Freiheit haengen."
"American Overseas News Service" 18. Dezember 48
Misserfolg der Kommunisten In einem
Streik in Italien
Nach einer Depesche vom 21. Dezember aus Rom an die "New York Times", erwies
sich der von den Kommunisten inspirierte Streik der Arbeiter im Staatsdienst in
Italien als ein Fehlschlag, obwohl die Kommunisten das Gegenteil behaupten. Der
von den Kommunisten gefuehrte Italienische Gewerkschaftsbund hatte fuer den 20.
Dezember zu einem 24-Stunden Streik aufgerufen mit dem Ziel, jeden oeffentlichen
Verkehr und das oeffentliche Nachrichtenwesen zu unterbinden. In Sizilien und auf
Sardinien merktensehr wenig Leute von diesem Streik. In Sueditalien wurden die
Einrichtungen des oeffentlichen Dienstes kaum in Mitleidenschaft gezogen. In den
Ministeria» in Rom wurde mit wenigen Ausnahmen weitergearbeitet. Am staerksten

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�erwies sich die Einstellung der Arbeit im Arbeitaministerium, dort blieben 22t
des Personals der Arbeit fern. In Mittelitalien war der Streik zu 50&amp; erfolgreich, der Verkehr war aber nicht "unterbrochen.
Nur in den Staedten im Norden Italiens blieb eine betraechtliche Zahl Arbeiter der oeffentlichen Betriebe der Arbeit fern, aber selbst in Mailand ging
der Telefon- und Telegrafenverkehr weiter, und die Arbeiter kehrten bereits einige Stunden vor der festgesetzten Beendigung des Streiks an ihre Arbeitsplaetze
zurueck. Waehrend des ganzen Streiktages hatten die Kommunisten Tagesberichte
herausgegeben, in diesen erklaerten sie, dass die oeffentlichen Einrichtungen
vollstaendig ihre Arbeit eingestellt haetten. Die Auswirkungen waren fuer die
Kommunisten nachteilig, da so wenig Leute ernstliche Schwierigkeiten hatten.
"American Overseas News Service" 22. Dezember 1%8
Die auslaendisehen Arbeiter in Grossbritannien
Gegen Ende 1%8 befanden sich ungefaehr 164.000 Fremdarbeiter in Grossbritannien. Diese rekrutieren sich aus verschiedenen Nationen einschliesslich
80.000 Polen. Die groessten Gruppen davon sind in den 3 hauptsaechlichsten Industriezweigen beschaeftigt. In der Landwirtschaft arbeiten etwa 37.000 Polen.
Annaeherad 11.000 Auslaender arbeiten in der Textilindustrie, von der behauptet wird, dass sie noch weitere 30.000 Arbeiter benoetigt. In der Kohlenindustrie sind nahezu 11.000 Fremdarbeiter verschiedener Nationalitaet beschaeftigt.
Wahrscheinlich werden keine weiteren Auslaender in der Kohlenindustrie beschaeftigt werden, weil die englischen Bergarbeiter stark gegen ihre Beschaeftigung
protestieren.
Bis zu einem gewissen Grade sind Auslaender in verschiedenen anderen Industriezweigen Grossbritanniens beschaeftigt worden, doch hat es den Anschein, dass
viele von ihnen auf Schwierigkeiten gestossen sind. Nach einem hier zusammengestellten Bericht sind die Klagen ueber die Fremdarbeiter zum Teil auf Vorurteile,
Missverstaendnisse und aehnliche Schwierigkeiten zurueckzufuehren, die immer entstehen, wenn eine Gruppe von Leuten aus einem gaenzlich verschiedenen Milieu
ploetzlich in bereits bestehende, festgefuegte Gemeinschaften versetzt werden.
Trotz der Tatsache, dass vor kurzem 77 Ukrainer als "unerwuenscht" von
Grossbritannien in ihre Heimat zurueckgeschickt wurden, wird den meisten dieser
europaeischen freiwilligen Arbeiter ein gutes Betragen nachgesagt.
"The New Statesman and Nation" 8. Januar 1549
Verhandlung zwischen Gewerkschaft und Arbeitnehmern
in Grossbritannien.
Am ersten Sonnabend im Januar inszenierten die Omnibuschauffeure einen inoffiziellen 24-Stunden-Streik. Die Regierung drohte mit Massenentlassungen und
Lohnausfall, wenn die Chauffeure ihre Drohung, inoffiziell am 8. Januar zu streiken, in die Tat umsetzen wuerden, und zwar am 2. Sonnabend des Monats. Nachstehend
die Meinung einer liberalen Zeitung ueber die Massnahme der Regierung«
"Es ist schwer, einzusehen, welche anderen Massnahmen die Behoerden im Falle
eines inoffiziellen Streiks in einem von der Oeffentlichkeit kontrollierten Unternehmen haetten ergreifen sollen. Man kann zweifellos verschiedener Ansicht darueber sein, ob der Verdienst des Londoner Autobuspersonals ausreichend ist oder
nicht. Die Tatsache bleibt aber bestehen, dass sich die Streikenden dadurch, dass
sie die Arbeit niederlegten, ohne alle Moeglichkeiten einer Beilegung der Streit-

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�frage durch Anrufung eines Schiedsgerichts erschoepft zu haben, ins Unrecht gesetzt haben. Es ist keine Frage, dass etwa der Arbeiterschaft in den verstaatlichten Betrieben das Recht versagt sein soll, in den Streik zu treten, aber auch
nicht darueber, dass der Regierung etwa das Recht zusteht, damit zu beginnen,
einen Sklavenstaat zu errichten.
"Es geht hier einfach darum, ob die Arbeiter in einem Unternehmen, das von
der Allgemeinheit, der es dient, kontrolliert wird, berechtigt sind, ein in Kraft
befindliches Abkommen nicht anzuerkennen, um durch direkte Aktionen eine Forderung
zu erzwingen, ueber das zu urteilen das zustaendige Schiedsgericht keine Moeglichkeit hat. Auf diese Frage kann es nur eine Antwort geben; und obwohl die Streikenden anfuehren moegen, dass das Schiedsgerichtsverfahren weniger verlockend wird
durch die Tatsache, dass von jedem Gericht verlangt wird, auf die allgemeinen
Richtlinien der Regierung ueber die Stabilisierung der Loehne und Einkommen zu
achten, so teilen wir doch Mr. Isaacs (des Arbeitsministers) Ansicht, diss die
Londoner Autobuschauffeure in erster Linie einmal verpflichtet waren, die Streikdrohung fallen zu lassen und sich an das Schiedsgericht zu wenden.
"Glücklicherweise entschieden sich die Delegierten (der Gewerkschaft) am
Mittwoch mit einer 2:1 Mehrheit dafuer, die Anrufung eines Schiedsgerichts zu
empfehlen, wie auch eine Fortsetzung der normalen Sonnabend-Arbeit bis zur gerichtlichen Entscheidung
"
"The New Statesman and Nation" 8. Januar 1%9
Auch Gewerkschaften haben Schwierigkeiten
mit ihren Arbeitern
Der Landesverband der Seeleute (NMU), der dem CIO angeschlossen ist, machte
vor kurzem noch aus anderen Gruenden als wegen seines erfolgreichen Kampfes gegen
die Kommunisten von sich reden. Dies geschah, als der NMU erklaerte, er koenne es
sich nicht leisten, die Lohnsaetze zu zahlen, die seine Bueroarbeiter gefordert
hatten, die Mitglied des Verbandes der Buero- und Amtsarbeiter sind, der ebenfalls
dem CIO angehoert. Obwohl die Frage durch ein Kollektiwerfahren geregelt wird,
hat sie doch die Presse dazu veranlasst, die Angelegenheit zu kommentieren. So
bemerkte z.B. die "New York Herald Tribüne", dass solche Erfahrungen, die die Gewerkschaften jetzt machen, dazu geeignet sind, dass man den .Schwierigkeiten, mit
denen die Arbeitgeber zu kaempfen haben, ein groesseres Verstaendnis entgegenbringt.
Aussenministerium, "News Letter", ?8. Dezember 1%8
Steigende Arbeiterinnenziffer bei den verheirateten Frauen
Amerikas
Es hat den Anschein, als wenn die Frauen in den Vereinigten Staaten der
amerikanischen Tradition untreu werden, derzufolge eine junge Frau, wenn sie sich
verheiratete, ihre Stellung als Lohnempfaengerin mit der einer Hausfrau vertauschte. Die Anzahl der in Amerika berufstaetigen verheirateten Frauen ist groesser als
die der ledigen Frauen, wie die statistische Abteilung fuer Volkszaehlung im
Handelsministerium bekanntgibt. Dies offenbart eine bezeichnende Umkehrung der
Vorkriegstendenz und auch einen Wandel im amerikanischen Familienleben.
Die steigende Zahl der Sheschliessungen waehrend und seit Beendigung des
Krieges und das gleichzeitige Absinken des Altersniveaus fuer Eheschliessungen
hat einen wirtschaftlichen Druck ausgeloest, der geeignet ist, die traditionelle
Ablehnung gegen die Beschaeftigung verheirateter Frauen zu unterminieren. Ein
weiterer Faktor ist das staendige Ansteigen des amerikanischen Lebensstandards

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�und der Wunsch der Arbeiter, die Vorteile zu geniessen, die durch die fortschreitende Wissenschaft und die moderne Produktion moeglich gemacht wurden. Die Jungen
Maenner und Frauen von heute scheinen also doch nicht die albernen Jitterbug-Taenzer zu sein, wie sie zuweilen in den Hollywood-Filmen dargestellt werden. Es hat
den Anschein, alswann sie die ernste Absicht haben,flieheine wirtschaftlich
sichere Existenz fuer sich selber und fuer ihre Kinder aufzubauen.
Aussenministerium "News Letter" 24. Dezember 1%8
Die franzoesischen Arbeitgeber und die
Betriebsausschuesse
Nach der Landestagung der Mitglieder der Betriebsausschuesse, die im April
1%8 vom Allgemeinen Gewerkschaftsbund (COT) einberufen wurde, hat der Landesausschuss der franzoesischen Arbeitgeber nochmals seine Ansichten in bezug auf
die gesamte Frage der Betriebsausschuesse und den Geist dargelegt, in dem seiner
Meinung nach die betreffende Gesetzgebung anzuwenden sei.
"Nachdem der Ausschuss daran erinnert hatte, dass in der Einleitung zur
Vorschrift vom 22. Februar besonders auf ein erspriessliches Zusammenwirken aller
Faktoren in der Eroduktion hingewiesen sei, was fuer die Betriebsausschuesse als
Institution charakteristisch sein sollte, weist der Landesausschuss nachdruecklich
darauf hin, dass "die Zusammenarbeit, die im Unternehmen zwischen der Betriebsleitung und dem Personal bestehen sollte, nur durch ehrliche und staendige Bemuehungen auf Seiten aller Mitglieder des Ausschusses innerhalb der wirtschaftlichen und sozialen Einheit, die vom Unternehmen gebildet wird, erreicht werden
kann." Dann fuehrt der Ausschuss aus, dass die Richtlinien, die der CGT fuer die
Arbeiter-Mitglieder der Betriebsausschuesse erlassen hatte, lediglich alle nur
auf "Kampf und nicht auf Zusammenarbeit" abzielten; er warnte die Arbeitgeber vor
irgendwelchen Versuchen, die neue Einrichtung ihren eigentlichen Zwecken zu entfremden, er ist der Meinung, dass "jedes Eingreifen in die Arbeit der Ausschuesse
von aussen her,.insbesondere seitens der Gewerkschaft, nur die Taetigkeit der
Ausschuesse hemmt und die Erreichung ihrer Ziele verhindert" und bittet seine
Mitglieder, sich mit allen Mitteln dem Eindringen politischer Meinungen und Instruktionen in die Arbeit der Betriebsausschuesse zu widersetzen, die sie nur von
ihrem Ziel entfernen und eine Einrichtung, die fuer eine bessere Verstaendigung
fuer alle gedacht ist, zu einem Naehrboden der Provokation und des Kampfes zu
machen."
Wenn man obige Ausfuehrungen liesst, muss man sich vor Augen halten, dass der
CGT von den Kommunisten beherrscht wird, und dass die Kommunisten in Frankreich
entschlossen sind, ihre erklaerten Ziele, den wirtschaftlichen Aufbau zu hemmen,
zu verwirklichen.
Auszug aus dem "International Labor Review" November 1%8
Amerikanische Gewerkschaft bekaempft rassische
D i skr imin i erung
Die Vereinigung der Schlafwagenkontrolleure (AFL), deren Mitglieder zum
groessten Teil Neger sind, hat am 27. November an das Amerikanische Volk appelliert,
ihr dabei zu helfen, die Diskriminierung auf den Landeseisenbahnen abzuschaffen
und fuer die Beschaeftigung von Negern als Bremser, Heizer, Lokomotivfuehrer und
Maschinisten einzutreten. Der Appell wurde veroeffentlicht im Namen des Provisorischen Ausschusses fuer die Organisierung farbiger Lokomotivheizer. Dieser Ausschuss wurde vor 6 Jahren ins Leben gerufen, um sich des Falles von 21 farbigen
Lokomotivheizern anzunehmen, die in bezug auf Befoerderung, und Arbeitssicherheit
von der Vereinigung der Lokomotivheizer und Maschinisten bei den hauptsaechlich-

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�sten Eisenbahnlinien des Suedens unterschiedlich behandelt worden waren. Der Verband der Eisenbahningenieure und Heizer in den Suedstaaten hat sich den seit langem von gewissen anderen Gewerkschaften unterstuetzten Standpunkt zu eigen gemacht, die Neger auszuschliessen. Die meisten der vor kurzem gegruendeten Gewerkschaften in den Suedstaaten machen schon keine Unterschiede mehr, und bei den
aelteren Gewerkschaften Tollzieht sich allmaehlich ein Umschwung in dieser Hinsicht.
Amerikanisches Arbeitsministerium" Weekly Labor News Digest" 1 Dezember 48
Weitere Massnahmen zum "Grossreinemachen" beim CIO
Nachdem der CIO alle moeglichen anderen Maasnahmen - allerdings ohne Erfolg ergriffen hatte, hat er sich jetzt endgueltig entschlossen, die kommunistischen
"Nester" in seinen Bezirksbueros auszuheben. Der Bezirksrat des CIO in der Gegend,
die die Stadt Detroit umfasst, war in der Lage, sich der Kommunisten durch eine
frontale Angriffsbewegung, die von den rechtsstehenden Gewerkschaften des betreffenden Gebietes gefuehrt wurde, zu entledigen. Trotz ihrer parlamentarischen
Tricks, Kanpf gegen die Delegierten etc. wurden die Kommunisten ueberstimmt. Am
29. November meisterte die Landeszentralstelle des CIO in New Tork City die Lage
derart, dass sie die Lizenz des Bezirks-Rates widerrief und fuer Gross-New York
einen neuen Rat ernanntej der von den Kommunisten gefuehrte Rat war gezwungen,
das Aktenmaterial herauszugeben, und die Gelder wurden abgehoben.
Es steht den linksgerichteten CIO-Gewerkschaften im New Yorker Bezirk frei,
weiter zu dem fuer ungesetzlich erklaerten Rat zu halten, wenn sie wollen, doch
wird man an alle CIO-Gewerkschaften des Bezirks mit der Aufforderung herantreten,
sich dem neuen Rat anzuschliessen, indem man sie aber auch darauf hinweist, dass
der neue Rat unter demokratischer Kontrolle stehen wird. Hier ist also den kommunistischen Arbeiterfuehrern Gelegenheit gegeben, zu zeigen, ob sie den CIO aufspalten wollen. Sie muessen jetzt zwischen einer Niederlage oder der Errichtung
ihrer eigenen Arbeiterbewegung waehlen.
Amerikanisches Arbeitsministerium "Weekly
Labor News Digest" 1. Dezember 1%8
Unbillige Haussuchungen und Verhaftungen (Beschlagnahmen)
In manchen Teilen Deutschlands scheint in dieser Zeit das Problem der Haussuchung und Beschlagnahme durch die Polizei ohne entsprechende Vollmacht seitens
eines Gerichts in betraechtlichem Masse Beachtung zu finden. Die verfassungsmaessig garantierte Sicherheit vor unberechtigten Polizeirazzien hat keinen Wert,
wenn nicht ein Gesetz besteht, das die Vorschriften der Verfassung stuetzt. Die
Gesetze muessen dann von einer starken oeffentlichen Meinung gestuetzt werden.
Diese Frage ist aber auch ein gewerkschaftliches Problem. Folgender Artikel ist
einer amerikanischen Broschuere mit dem Tita. "Unsere verfassungsmaessigen und
bürgerlichen Freiheiten; ein amerikanisches Erbe", entnommen.
"Wenn auch die beiden eben besprochenen Freiheiten ziemlich veraltet erscheinen, so kann keine Frage ueber die fuer die heutige Zeit praktische Bedeutung der bürgerlichen
Freiheit bestehen, wie sie in Zusatz bzw. Anhang 17 zur
Verfassung unter Schutz gestellt ist, der wie folgt lautet»
"Das Recht des Volkes auf Sicherheit in bezug auf Person, Haus, Papiere
und Gegenstaende, vor unberechtigten Haussuchungen und Verhaftungen (Beschlagnahmen) darf nicht verletzt werden, und es duerfen keine Vollziehungsbefehle
ausgestellt werden, es sei denn, es liegt ein mutmasslicher bzw. berechtigter Grund hierfuer vor, der durch einen Eid oder eine eidesstattliche Erklaerung erhaertet ist, und insbesondere Ort und Stelle der Durchsuchung
wie auch die Personen oder Gegenstaende beschreibt, die verhaftet bzw.

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�beschlagnahmt werden sollten."
Das gemeine englische Recht erklaerte, dass "jedermann Herr in seinem eigenen
Hause sei" (my house is my Castle). Der Schutz vor einem willkuerlichen Sindringen
seitens der Beamten des Koenigs auf der Suche nach Beweismaterial fuer Schleichhandel oder Empoerungen war von groesster Bedeutung fuer die Erreichung der bürgerlichen Freiheit in England. Der Unwille des Volkes kannte daher keine Grenzen, als
die englische Regierung diese traditionelle Freiheit verletzte, indem sie die
Steuerbeamten, die mit "Beschlegnahmebefehlen" (fuer unverzollte Waren) oder "allgemeinen Vollziehungsbefehlen" versehen,waren, ermaechtigte, in die Haeuser der
verdnechtigten Buerger in den Kolonien einzudringen und diese zu durchsuchen. Die
Erinnerung an diesen Eingriff in ihre Rechte veranlasste die Urheber der Freiheitsurkunde (Bill of Rights vom Jahre 1689), "unberechtigte Haussuchungen und Verhaftungen (Beschlagnahmen) zu verbieten und genau den Charakter des Vollziehungsbefehls zu umreissen, was noetig war, um die Durchsuchung zu begruenden.
"Tm allgemeinen wird solch ein Befehl benoetigt, bevor die Beamten "Personen,
Haeuser, Papiere und Gegenstaende" durchsuchen. Wenn sie lediglich Verdacht haben
oder hoffen, Beweismaterial fuer ein Verbrechen zu finden, duerfen sie noch nicht
in das Haus des Betreffenden eindringen. Es gibt Jedoch Faelle, in denen ein solcher Befehl nicht noetig ist. Eine Person, die gesetzmaessig verhaftet worden ist,
darf ohne einen solchen Befehl durchsucht werden. Man darf ohne Vollziehungsbefehl
in ein Haus eindringen, um einen Verbrecher zu verhaften, von dem man weiss, dass
er sich darin aufhaelt. Es wird auch kein Befehl benoetigt, um ein Boot, ein Automobil oder ein anderes Fahrzeug zu durchsuchen, wenn man berechtigten Grund zu der
Annahme hat, dass es fuer verbrecherische Zwecke gebraucht wird. Der Buerger ist
ferner durch die Bestimmung geschuetzt, derzufolge im Vollziehungshefehl genau
Ort und Stelle der Durchsuchung bzw. die zu durchsuchenden Personen oder Gegenstaende genannt sein muessen. Ein Vollziehungsbefehl darf nur ausgestellt werden,
wenn "berechtigte Gruende" vorliegen, nicht etwa nur auf Grund von Verdacht oder
Vermutungen. Er muss durch einen Eid oder eine eidesstattliche Erklaerung des
Anklaegers erhaertet sein. Diese letztere Bestimmung soll dazu dienen, zu verhindern, dass Vollziehungsbefehle nur auf Grund von unverantwortlicher Rederei oder
Boeswilligkeit ausgestellt wird.
"Robert E. Cushman, Our Constitutional Fre.edoms"
Opposition gegen die Bildung von Landarbeiter-Gewerkschaften
Ein Unterausschuss des Ausschusses fuer Arbeitsfragen im Repraesentantenhause hat am Ö. Dezember einen Bericht veroeffentlicht, in dem vorgeschlagen wird,
den Arbeitergewerkschaften nicht zu gestatten Landarbeiter zu organisieren. In
diesem Bericht heisst es u.a.;
Wenn man weiterhin eine Organisierungskampagne fuer Landarbeiter zulaesst,
dann besteht die ernste Gefahr, dass die Arbeiterorganisationen in allernaechster
Zeit die Existenz von Tausenden von selbstaendigen Farmern zerstoeren...Waehrend
einerseits der Kongress den Unterschied zwischen Industrie- und Landarbeit anerkannt und versucht hat, die Farmer vor der Organisierungsbewegung der Arbeiterfuehrer und der unmoeglichen Belastung durch die 40-3tunden-Woche durch die Einfuehrung einer Strafe des anderthalbfachen Betrages fuer Ueberstunden zu schuetzen, ist ihr Ausschuss der Meinung, dass es absolut notwendig sei, dass der Kongress einmal den Begriff "landwirtschaftlicher Arbeiter" genau umreisst, um dem
Ausschuss fuer Arbeitsbeziehungen dabei zu helfen, die Absichten des Kongresses
durchzufuehren."

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�Es ist anzunehmen, dass unter dem jetzt tagenden Kongress auf diese Empfehlung hin nichts unternommen wird; der Vorschlag rueckt aber eine brennende Frage
in den Vordergrund. Die Arbeiter auf den Farmen arbeiten viele Stunden und erhalten im Vergleich zu den Arbeitern in der Stadt nur geringe Loehne. Es besteht
Anlass zur Sorge, wenn die Organisation der Landarbeiter nicht die Loehne und die
Preise fuer Farmerzeugnisse erhoeht. Das Problem beruehrt im Augenblick hauptsaechlich die grossen Farmen, auf denen Arbeiter in grosser Anzahl unter Bedingungen beschaeftigt sind, die viel weniger zufriedenstellend sind als die der
Industriearbeiter.
"Amerikanisches Arbeitsministerium"
"Weekly Labor News Digest" 15.Dez 48
Amerikanische Transportarbeiter setzen linksstehende Funktionaere ab.
"In einer Bewegung, die einer Linkskontrolle, die ununterbrochen 14 Jahre
lang dauerte, ein Ende bereitete, haben die Delegierten bei der Tagung des Transportarbeiter-Verbandes (TWü), der dem CIO angeschlossen ist, Michael J. Quill am
7. Dezember wieder zum Vorsitzenden gewaehlt und alle linksstehenden Mitglieder
des Internationalen Exekutivausschusses des Verbandes abgesetzt.
"Der ungestueme Vorsitzende, der als der "rote Mike" bekannt war, bis er im
vergangenen Maerz mit dem linken Fluegel brach, hatte sich zum unbestrittenen
Fuehrer des Verbandes gemacht. Die drei Maenner, die mit ihm am Aufbau des Verbandes eng zusammengearbeitet haben - Austin Hogan, der Vizepresident des Exekutivausschusses, John Santo, der Internationale Leiter der Organisation und Douglas
L. MacMahon, Sekretaer und Schatzmeister, verloren ihren Posten infolge der von
Quill eingeleiteten Saeuberungsaktion. Auch 5 der 6 Vizepresidenten des Verbandes
und 11 der 17 Mitglieder des Exekutivausschusses wurden abgesetzt.
"Keiner der Uebriggebliebenen hat etwas mit den Linksgerichteten zu tun. Die
Posten, die Hogan (der auch Praesident der New Yorker Ortsgewerkschaft No. 100 ist)
und Santo (dessen Ausweisung als unerwuenschter \uslaender jetzt von der Bundesregierung betrieben wird) frueher innehatten, wurden abgeschafft. Alle anderen Posten
wurden von den Anhaengern Quills besetzt. MacMahon, der ueberzeugter und eingefleischter Kommunist ist, trat nicht einmal fuer die V'iederwahl als Kandidat auf.
Quill schlug Hogan in der Wahl zum Praesidenten bei der namentlichen Abstimmung
mit 473 zu 186 Stimmen...
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest" 15. Dezember 1943
Kritik ueber das Buch eines Gewerkschaftlers
Nachstehender Artikel ist eine Buchbesprechung, die der offiziellen Veroeffentlichung des Britischen Ge7.-erkschaftsbundes entnommen ist. Das Buch wurde von
Fred Copeman geschrieben und betitelt sich "Warum ich abtruennig wurde" (Reason
for Revolt) ^Herausgegeben von der Brandford Press Ltd. - Preis 8s 6d)
"Die Arbeiter koennen keinen Nutzen aus einer Philosophie ziehen die jede
Guete, die dem menschlichen Herzen entspringt, ausschliesst". In dieser autobiographischen Studie eines Koumuhisten, der Katholik wurde, haette man erwartet,
bittere Vorwuerfe zu finden; statt dessen schreibt Fred Copeman mehr in Sorge als
veraergert von seiner Enttaeuschung ueber die kommunistische Partei. Das Betragen
Ceorgi Dimitroffs nach seiner Uebernahme des Postens eines Premierministers Bulgariens ueberzeugten ihn davon, dass der Kommunismus, als er auf die Probe gestellt
wurde, verabsaeumt oder verfehlt hatte zu zeigen, dass er ein Herz habe
"Copeman hat ein seltsames und buntes Leben gefuehrt. Es begann in einem
Arbeitshaus in Suffolk. Er legte in der Watts Marineausbildungsschule, die den
Dr. Bernardo-Heimen angeschlossen ist, eine I-ruefung ab. Von diesen Heimen, die

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�eine freiwillige Organisation sind, spricht er mit grosser Achtung. Eine Zeit
lang blieb er bei der Marine und nahm dann im Jahre 1931 an dem Aufstand in
Invergordon teil. Als Mitglied des Streikkomitees wurde er mit den uebrigen
Mitgliedern des Komitees entlassen.
"Die kommunistische Partei hatte diejenigen, die eine fuehrende Rolle gespielt hatten, beobachtet und war nun schnell dabei, diese Leute zu sich herueberzuziehen. Er nahm an den Hungermaersehen der Arbeitslosen aktiv Anteil und
ging dann nach Spanien, um dort in den Reihen der Internationalen Brigade zu
kaempfen. Er konnte sich zwar nicht an die Purzelbaeume der kommunistischen Partei zu jener Zeit gewoehnen, doch lehnte er es immer noch ab, zu glauben, dass
alle ihre Anhaenger Unrecht haben sollten.
"Bei seiner Rueckkehr aus Spanien veranlassten ihn seine Meinungsverschiedenheiten mit dem Exekutivkomitee der Partei, um eine Reise nach Moskau nachzusuchen, um seinen schwindenden Enthusiasmus wieder zu beleben. In Moskau stellte
er fest, dass manche Russen ein weit besseres Leben fuehrten als die anderen,
dass das Bedaux-System (Ein Akkord-Praemienlohnsystem, wobei die Arbeitsleistung
in Einheiten von Minuten, sogenannten "B^" gemessen wird (60 B's machen ein
Arbeitspensum pro Stunde aus) und Praemien fuer ueber den Durschnittssatz geleistete B's bezahlt werden)
obwohl es hier einen anderen Namen (Stachanow-System) hatte, allgemein in der
Industrie galt, dass kein Ausschuss irgendwelcher Art im Traum daran denken
konnte, seine Mitglieder zu waehlen, bevor nicht Stalin zum Ehrenmitglied ernannt worden war, am meisten aber wurde er durch die sorgfaeltig ausgearbeiteten
Vorsichtsmassnahmen abgestossen, die verhindern sollten, dass die Mitglieder
nichts ueber den Versammlungsort der Komintern erfahren, zu dem sie hingefahren
wurden. Sein Besuch in der Sowjetunion machte ihn tatsaechlich etwas zynisch.
"In der zweiten Haelfte des Jahres 1939 hielt er Vorlesungen ueber Luftbombardements, wobei er sich auf seine Erfahrungen in Spanien stuetzte, und 1%1
wurde er vom Ministerium zur Sicherung der Heimat berufen, die Leitung der neuen
tiefen Luftschutzraeume in London zu uebernehmen.
"Das fuer die Gewerkschaftler vielleicht interessanteste und bezeichnendste
lapitel in seinem Buche befasst sich mit SBiner Mitgliedschaft beim Exekutivausschuss des Konstrukteur- und Maschinenbauer-Verbandes, in den er zu Anfang des
Krieges gewaehlt wurde. Er beschreibt im einzelnen die kommunistische Aktivitaet
und hebt besonders hervor, dass Parteiintrigen innerhalb der Gewerkschaften eine
kostspielige Sache sei, nicht nur fuer das Land und die Bewegung, sondern vor
allem fuer die Mitglieder derjenigen Gewerkschaften, wo diese Intrigen gesponnen
werden." H. Th.
"Labour" Dezember 1948
Der CIO leitet organisierten Propagandafeldzug gegen
die Kommunisten ein.
Auf der Jahresversammlung des CIO in Portland wurde der Entschluss gefasst,
ein Organisierungsprogramm auf breiter Basis ins Leben zu rufen. Es ist klar,
dass dos Bestehen einer kommunistischen Fuehrerschaft in gewissen Gewerkschaften
dazu gedient hat, das Anwachsen solcher Organisationen wie des Verbandes der
Angestellten des Einzel- und Grosshandels und der Warenhaeuser zu verzoegern,
der in den juengst vergangenen Monaten in eine Reihe von Streiks und Gerichtsprozessen in bezug auf die kommunistische Frage verwickelt war. Jetzt hat sich
der CIO entschlossen, auf diesem Gebiete eine neue Gewerkschaft ins Leben zu
rufen und hat diese Aufgabe dem Verband der Vereinigten Bekleidungsarbeiter,
einer der staerksten CIO-Organisationen in New York, uebertragen. Der neue
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�Verband wuerde unter dem Schutz dieses Bekleidungsarbeiter-Verbandes stehen.
Dies ist bereits der zweite Schritt, den der CIO unternommen hat. Der erste
richtete sich gegen den Verband der Arbeiter fuer landwirtschaftliche Ausruestung
und im Metallgewerbe, von dem behauptet wird, dass er von den Kommunisten gefuehrt
wird. Diese Organisation, die in manchen Industriezweigen mit dem antikommunistischen Verband der Automobilarbeiter Amerikas im Wettbewerb steht, ist angewiesen
worden, ihren Zusaramenschluss mit den Automobilarbeitern zu vollziehen. Dadurch
wird eine Anzahl kommunistischer Gewerkschaftsfuehrer ausgeschaltet, es sei denn,
sie entschliessen sich, mit ihrer Gewerkschaft aus dem CIO auszutreten.
Der dritte Schritt, der noch nicht unternommen wurde, besteht in einem Plan
des CIO, einen neuen Verband fuer die Bueroarbeiter in der Regierung zu gruenden,
um gewisse Kreise von Angestellten des Staatsdienstes zu erfassen, die nicht von
dem dem CIO angehoerenden Verband der Vereinigten Staatsangestellten erfasst werden, von dem ebenfalls behauptet wird, er werde von Kommunisten gefuehrt. Man erwartet, dass der neue Verband schnell wachsen wird, und dass ihm viele Ortsverbaende beitreten werden, die mit der Führerschaft des Verbandes der Vereinigten
Staatsangestellten unzufrieden sind.
Diese drei Beispiele zeigen die Schwierigkeiten, die sich ergaben, wenn man
auf demokratische Weifce die Kontrolle ueber eine Gewerkschaft zurueckgewinnen will,
wenn einmal die Kommunisten in ihrer Mitte die absolute Kontrolle in den Haenden
haben.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest" 15. Dez 48
Amerikanische Flugzeug-Piloten gruenden einen Verband
Anfang Dezember uebergab die AIL dem Internationalen Verband der Luftfahrt
Ingenieure eine Lizens. Die Lizenz wurde von den Praesidenten von 4 Ortsverbaenden von Luftfahrtingenieuren entgegengenommen, die die bedeutenden Fluglinien
vertreten. Der Verband hat etwa 1000 Mitglieder; dies entspricht 97 t aller Luftfahrtingenieure der privaten Fluglinien in den Vereinigten Staaten.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest" 15. Dez 48
"Knabenstaedte" werden in Italien gegruendet
Ein Plan, heimatlosen Knaben zu helfen, wie er in den Vereinigten Staaten
von Monsignore Edward J. Flannagan, der in Berlin anlaesslich seines kuerzlichen
Besuchs in Deutschland verstarb, ins Leben gerufen wurde, ist Jetzt von Italien
aufgegriffen worden. Die "Knabenstadt", die vor mehr als 20 Jahren von Pater
Flannagan gegruendet wurde, ist ueberall beruehmt geworden. Viele ihrer ehemaligen Absolventen sind bereits erfolgreiche Maenner im amerikanischen Leben geworden.
Die Jungen in der "Knabenstadt" haben ihre eigene demokratische Verwaltung mit
Gerichten und leiten die Wirtschaft dieser Einrichtung.
Derselbe Gedanke zur Gruendung einer solchen "Stadt" wurde im Jahre 1944 von
einem Priester in Italien in die Wirklichkeit umgesetzt. In Santa Marinella, 40
Meilen noerdlich von Rom, wurde eine Hauptstelle gegruendet. Das Experiment mit
heimatlosen Strassenjungen ist jetzt auf 5 kleine Stellen oder "Staedte" ausgedehnt worden, die zu einer "Republik" zusammengefasst wurden. Sie werden nach der
demokratischen Theorie geleitet, dass den Jungen die Vernntwoiting fuer die Leitung und die Verwaltung uebertragen wird, Die Jungen arbeiten gegen Lohnzahlung
und verwenden die Loehne, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Oder man gibt
ihnen die Erlaubnis, sich **ine Arbeitsstelle in den nahegelegenen Orten zu suchen,
sie behalten trotzdem ihr "Buergerrecht" in der "Stadt" bei. Sie ist ihre Heimat
und "ihr Land", bis sie eine Pruefung abgelegt haben, um Buerger im Leben und
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�in der Wirtschaft der Nation zu v/erden.
Es v/erden jetzt 7 andere "Staedte" in Italien errichtet; das Anfangskapital
hierfuer kommt von amerikanischen Organisationen. Jede dieser Stellen wird etwa
300 Knaben unterbringen. Die Gelder stammen von verschiedenen amerikanischen
'Verbefeldzuegen und bewegen sich zwischen $100.000 und $1.000.000.— So wird z.B.
die "TCnabenstadt New York" in Palermo von einer New Yorker Ortsgruppe des Verbandes der Vereinigten Bekleidungsarbeiter Amerikas finanziert. Sine dieser "Staedte"
in Pozzuoli wird von einer New Yorker Ortsgruppe der Internationalen Damenbekleidungs-Arbeiter finanziert. Fuer eine andere wieder haben die Buerger der Stadt
Vineland, New Jersey, einen Verbefeldzug zur Aufbringung von $150.000 unternommen.
Zum groessten Teil werden die amerikanischen Spenden von der katholischen Fuehrerschaft gesammelt; viele der Spender sind Amerikaner italienischer Abkunft.
"Overseas American News Service" 11. Januar 1949
Betrieblicher Arbeitsfriede braucht nicht
immer erkaempft zu werden.
Der Landesverband fuer Planung (NPA) hat bei Industriefirmen, in denen gute
rbeitsbeziehungen herrschen, eine Reihe von Untersuchungen und Studien angestellt.
Vor kurzem hat nun der NPA einen Bericht ueber einen solchen Industriezweig veroeffentlicht. Zwischen der chemischen Fabrik Dewey and Almy und dem Internationalen
Verbind der chemischen Arbeiter (AFL) besteht seit 9 Jahren ein Arbeitsfriede. Die
Produktion der Firma hat sich staendig vergroessert, und die Gewerkschaft hat
immer mit der Geschaeftsleitung zusammengearbeitet. Fuenf Gruende fuer gute Arbeitsbeziehungen waren etwa die gleichen wie die, die der NPA bereits in frueheren Untersuchungen genannt hatte;
1. Zu der Zeit, als die Gewerkschaft aufgebaut wurde, leistete der Arbeitgeber keinen '.'iderstand dagegen. Die Gewerkschaft brauchte ihrer -Anerkennung
wegen nicht zu streiken} die bitteren Nachwirkun&amp;en solcher Streiks sind
somit niemals aufgetreten.
2. Die Haltung der Direktion bei der Zulassung der Gewerkschaft war richtunggebend fuer die Einstellung der Leiter in gehobener Position bis herunter zum Heister. Die Firma war bestrebt, sich der Gewerkschaft bei der
fachlichen .Ausbildung und der Entwicklung der Faehigkeit der Arbeiter zu
bedienen.
3. Der freie Gedankenaustausch zwischen den Arbeitern und der Firma ist innerhalb aller Abteilungen und Dienststellen sowohl der Geschaeftsleitung als
auch der Gewerkschaft ermoeglicht norden. 2s war nicht noetig, irgendwelche Vorschriften darueber festzulegen, dass die Geschaeftsleitung mit der
Gewerkschaft zu Beratungen zusammenkommt.
4. ".7eder der Arbeitgeber noch seine Vertreter haben sich jemals in die Angelegenheiten der Gewerkschaft gemischt. Die Gewerkschaft hat sich frei
entwickeln koennen. Sie hat sich auch nicht um die Verpflichtungen der
Geschaeftsleitung gekuemmert, hat aber immer mit der Geschaeftsleitung
zusammengearbeitet, wenn es sich um Dinge von gemeinsamem Interesse handelte.
5. Argwohn oder Kisstrauen zwischen der Gewerkschaft und der Geschaeftsleitung gab es nicht, ^iese Tatsache wird d-.rauf zurueckgefuehrt, dnss jeder
der beiden Partner die Rechte des anderen anerkennt und respektiert.
.merikanisches Arbeitsministerium
"'.'feekly Labor News Digest" 1*5. Dezember 48

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�Die Beschaffenheit guter Arbeitsbeziehunaien
Folgende Saetze sind einer Rede entnommen, die John "'. Gibsoh, der stellvertretende Arbeitsminister, am 14. Dezember in New York vor einer Zuhoererschaft
hielt, die sich aus Geschaeftsleuten zusammensetzte. Als Thema hatte er die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gewaehlt.
"Es ist unlogisch, anzunehmen, dass, weil es Streiks gibt, die Verhaeltnisse
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei uns total ungesund seien. Sin unlogisches
Denken dieser Art erzeugt unlogische Srgebnisse. Das Taft-Hartley-Geeetz Ist ein
Beispiel fuer diese Art unlogischen Denkens.
"Ich bin der Meinung, dass die Handlung in der Ansicht des amerikanischen Volkes ueber das Taft-Hartley-Gesetz,Sls ihm diese Frage mit all ihrem verwickelten Beiwerk vorgelegt wirde, ein gutes Zeichen ist fuer die zukuenftigen Beziehungen zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
"Meiner Ansicht nach bildet in 75t aller Faelle, in denen sich Reibungen ergeben, die Persoenlichkeit derjenigen, die Unternehmer und Arbeiterschaft vertreten,
das groesste Hindernis. Ich denke da z.B. an einen netten jungen Mann, der in einem
College die Arbeitsbeziehungen in der Industrie studiert hatte. Sine seiner ersten
Stellungen erhielt er in einer kleinen Firma und als Leiter der Abteilung fuer Arbeitsbeziehungen fuehrte er die Verhandlungen fuer die Geschaeftsleitung. Da er
ein Streber war, war er der Ansicht, dass er in seiner Stellung ein vollkommener
Versager sein wuerde, wenn er nicht die besten Bedingungen fuer seinen Arbeitgeber
herausholen wuerde. Er verlor den Blick fuer die menschlichen Beduerfnisse, die
damit im Zusammenhang standen.
"Nachdem er mehrere Niederlagen erlitten und seine Firma in mehrere Streiks
verwickelt hatte, kau er zu mir und fragte mich, was er falsch gemacht haette. Ich
sagte ihm, dass ich der Meinung sei, dass er die Technik des usgleichens lernen
und der Tatsache mehr Rechnung tragen muesse, dass es bei seinen Verhandlungen um
das '"ohlergehen von Menschen ginge. Heute leistet er eine sehr gute Verhandlungsarbeit fuer seinen Arbeitgeber und hat auf dem Gebiete der Arbeitsbeziehungen ganz
annehmbare Srfolge zu verzeichnen. Seine Haltung ist durch eine gewisse VJendigkeit
gekennzeichnet.
"Solche Fehler, wie sie dieser junge Mann machte, ehe er aus seiner muehevollen Arbeit Lehren zog, beschraenken sich nicht allein auf den Arbeitgeber am Verhandlungstisch. Auch die Vertreter der Gewerkschaften muessen die Technik des Ausgleichen lernen. Sie duerfen niemals die menschlichen Beduerfnisse in dieser
Situation aus dem Gesicht verlieren.
"Ich habe gesehen, wie gewerkschaftliche Unterhaendler den Versuch unternommen
haben, das Kollektivvertragsverfahren als "'erkzeug zu benutzen, um ihre politischen
Plaene dabei zu verfolgen, "eiche Politik sie auch immer vertreten moegen: der Verhandlungstisch ist nicht die gegebene Stelle dafuer. Auch der bornierte "Angeber"
oder der "Meckerer", der zu den Verhandlungen geht, um zu versuchen, den Arbeitgeber mattzusetzen, hat dort nichts zu suchen. Glücklicherweise stellen diese Charaktere fuer das Kollektiwertragsverfahren im amerikanischen Gewerkschaftswesen nur
eine verschwindende, unendlich kleine Minderheit dar."
Amerikanisches Arbeitsministerium
"News Release" 14. Dezember 1948
Britische Gewerkschaftler berichten ueber ihren
Besuch in Deutschland
James Bowmsn und Robert "Jillis, Vertreter des Britischen Gewerkschaftsbundes
(TÜC) haben vor kurzem eine Reise durch Deutschland unternommen, un die Lage und
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�Verhaeltnisse der Gewerkschaften in der Britischen und Amerikanischen Zone zu
studieren. Nachstehend eine Zusammenfassung der wesentlichsten Punkte ihres Berichts an den Generalrat des TÜC*
"Zum Verkauf ausgestellte Waren, die Tordem nicht vorhanden waren, ausgebombte Gegenden, aus denen die Truemmer bis zum Erdboden gruendlich weggeraeumt
waren, neue Einrichtungsgegenstaende auf dem Wege zu den Kunden, Berge von neuen
Mauersteinen, Zementsaecke, Stahlschienen, alles das und noch viel mehr Anzeichen
fuer ein neues Aufleben, das sich Jetzt in Deutschland entwickelt, konnte die Delegation des Britischen WC feststellen. "Die Torteile der Waehrungsreform machten
sich ueberall bemerkbar" meinten Mr. Bowman und Mr. Willis, die den Wandel im wirtschaftlichen Leben Deutschlands aus eigener Erfahrung auf Grund ihrer frueheren
Besuche waehrend der letzten 12 Monate feststellen konnten.
n

3 Grosse Probleme; Aber die deutschen Arbeiter versuchen, noch die tiefe Kluft
zwischen den ihnen gezahlten Loehnen und den geforderten Preisen zu ueberbruecken.
Ihre Gewerkschaften, die vielmehr auf Preissenkungen als auf Lohnerhoehungen hinarbeiten, messen hierfuer den Aufhebungen der Kontrollmassnahmen die Schuld bei. Sie
gaben der Befuerchtung Ausdruck, dass die Aufhebung der Kontrolle, ueber die sie nicht
befragt wurden, den Sturz der neuen Mark nach sich ziehen und die Bemuehungen der Arbeiter in Westdeutschland, die-Produktion zu steigern, zunichte machen wuerde. Wie
aus den letzten fuer 1948 vorliegenden Ziffern hervorgeht, hatten sie bereits die Produktion um 30 bis 40£ gegenueber dem vergangenen Jahr erhoeht.
"Wie Gewaehrsmaenner des DGB an fuehrten, wird der Kampf um die Stabilisierung
weiterhin dadurch erschwert, dass die Arbeitgeber in ausgedehntem Masse Steuerhinterziehungen begehen. Trotz der viel hoeheren Erzeugung in der Industrie seien nach ihrer
Behauptung die Steuereinnahmen nur um U% gestiegen. Die Britische Delegation hat auch
festgestellt, dass die Demontage der Fabriken und Werke den Funktionaeren und Mitgliedern der deutschen Gewerkschaften noch Kopfschmerzen macht. Obwohl die Gewerkschaftler vollkommen von der Notwendigkeit ueberzeugt sind, dass die RuestungsIndustrie zerstoert und fuer den durch die nazistische Kriegsmaschine in Buropa angerichteten Schaden Reparationen gezahlt werden muesse, haben sie jetzt den Verdacht, dass
man sich bei der Demontage von internationalen und sogar internen Erwaegungen leiten
lass&amp;. Mr. Bowman und Mr. Willis hatten mit den Funktionaeren des DGB langwierige Diskussionen ueber diese komplizierte und delikate Frage, um, wenn moeglich, ueber die
gesamte Lage einen Ueberblick zu gewinnen.
ANWACHSEN DER GE77ERKSCHAFT3N; Trotz all ihrer Schwierigkeiten haben die Gewerkschaften in der Britischen Zone bemerkenswerte Erfolge beim Wiederaufbau ihrer Organisationen zu verzeichnen. Waehrend sie bis Mitte 1947 ueber 850.000 Mitglieder
zaehlten, hat sich die Zahl ihrer Mitglieder bis Oktober 1948 auf 2.656.000 erhoeht.
Sie hoffen, dass es ihnen gelingen wird, bis Ende des Jahres die Rekordzahl von
2.900.000 Mitgliedern zu erreichen. Im Ganzen genommen, haben sich die Handarbeiter
den Industriearbeitern gegenueber zu 50t mehr organisiert. Die Bergarbeiter fuehren
mit 90t. Relativ niedrig ist der Prozentsatz bei den Kopfarbeitern und den Behoerdenangestellten, und nur 1 von "9 Arbeitern in der Landwirtschaft schloss sich seiner Gewerkschaft an. Auf diesem Gebiete sptit die Tatsache eine Rolle, dass viele der
900.000 Arbeiter auf dam Lande auf Bauernwirtschaften beschaeftigt sind, die sich im
Familienbesitz befinden, weshalb hier die V'erbetaetigkeit der Gewerkschaften beschraen
ist.
"Gebaeude und Banken"» Den Gewerkschaften in der Britischen Zone wird immer noch
die Rueckgabe ihres von den Nazis beschlagnahmten Eigentums verweigert, obwohl die
Freigabe bereits im Prinzip im April 1947 genehmigt wurde. Im auffallenden Gegensatz
zu der Erfahrung, die die Gewerkschaften in der Amerikanischen Zone gemacht haben,
die bereits alle ihre noch existierenden Gebaeude, die ihnen in der Vornazizeit ge-

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�gebeerten zurueckerhielten, steht die Tatsache, dass die im April 1 % 7 gefseilte
Entscheidung noch nickt •erwirklicht wurde.
"Andererseits haben die amerikanischen Beheerden angeordnet, dass die Gelder
der Bank der Deutsahen Arbeit - die die Nazi-Arbeltsfront nach der Beschlagnahme der
Arbeiterbank der deutschen Gewerkschaften errichtet hatte - liquidiert und den oertlichen Behoerden uebergeben werden sollen, wobei Einzelkonten auf Privatbanken ueberwiesen werden* "Das sie befuerchteten, dass diese Massnahme fuer das uebrige Deutschland beispielgebend sein koennte, haben die Gewerkschaften bei den Gouverneuren der
Bizone scharfen Protest eingelegt, und die britische Delegation vergewisserte sich,
dass eins weitere Liquidierung der bei der Bank deponierten Gelder aufgeschoben werden
wuerde, bis ihr Bericht ueber diese Trage dem Generalrat des TOC vorgelegen haette.
"Ple wirkliche Kernfrage." Wenn alle diese Probleme bereinigt sind, dann bleibt
jedoeh immer noch eine Frage von grosser Bedeutung zu beantworten: Welche Stellung
nehmen die Gewerkschaften im wirtschaftlichen und industriellen Leben der Bizone ein.
Der DGB, der das Recht fordert, in gebuebrendem Masse zu den Besprechungen der vielen wichtigen wirtschaftlichen Probleme seiner Zone hinzugezogen zu werden, bestreitet, dass es regulaere und verfassungsmaessige Moeglichkeiten gibt, denen zufolge
er die Meinung des arbeitenden Volkes der deutschen Regierung und den Besatzungsbehoerden gegenueber vertreten koennte.
"Die Gewerkschaften behaupten, dass sie viel zu haeufig erst dann befragt werden,
wenn bereits Entscheidungen ueber das Wohl ihrer Mitglieder gefaellt worden sind anstatt vorher. Ein solcher Mangel an Ruecksichtnahme auf die Meinung der Arbeiter ist
ihrer Ansicht nach nicht nur ein Hindernis in sich, sondern bietet auch ein Beispiel
dem viele Arbeitgeber-Organisationen nur zu eifrig folgen.
Eine geeinte Bewegung; Was aber an der Gewerkschaftsbewegung in Westdeutschland in der Nachkriegszeit besonders bedeutungsvoll ist, ist die Tatsache, dass sie
ein geschlossener Machtfaktor und - im Gegensatz zu den deutschen Gewerkschaften aus
der Zeit vor der Machtuebernahme Hitlers in bezug auf politische oder religioese
Fragen nicht aufgespalten ist.
"Viele der von den beiden Vertretern des TOC im Bericht erwaehnten Probleme
wurden vom Generalrat auf der Bezember-Sitzung fuer so dringend angesehen, dass er
seinen Internationalen Ausschuss ermaechtigte, den ganzen Bericht im Einzeken zu pruefen und hinsichtlich der dringenderen Punkte Massnahmen zu treffen, ohne erst den
Generalrat zu befragen."
"Labour" Januar 1 % 9 .
80 deutsche Sachverstaendlge auf dem Gebiete des Arbeltswesens besuchen die
Vereinigten Staaten
In der Zeit von heute bis zum 30. Juni werden ÖOmdeutsche Sachverstaendlge auf
dem Gebiete des Arbeitswesens unter Mitwirkung und auf Veranlassung der Manpower Div.
der Amerikanischen Militaerregierung auf je 60 Tage die Vereinigten Staaten besuchen.
Unter ihnen befinden sich Gewerkschaftsfunktionaere und Beamte deutscher oeffentlicher
Einrichtungen auf dem Gebiete des Arbeitswesens. Sie werden die amerikanische Gewerkschaftsorganisation, die Methoden des Kollektiwertragsverfahrans, die Arbeiterbildung
und die Industrielehrgaenge, die Regelung der Arbeitsbeziehungen durch Schlichtungsverfahren und Schiedskommern wie auch das Funktionieren der oeffentlichen Einrichtungen auf dem Gebiete des Arbeitswesens studieren. Jedem der Teilnehmer wird es freigestellt sein, seine Beobachtungen auf ein Interessengebiet zu beschraenken und nur gerade das zu studieren, was ihn selbst fuer seine Arbeit in Deutschland am meisten interessiert.
Die Reise dieser deutschen Experten wird in Washington ihren Anfang nehmen, wo
sie eine Zeitlang mit den Bundeseinrichtungen Bekanntschaft machen werden, die sich
mit den Arbeitsbeziehungen, der Arbeiterinformation, der Sozialversicherung und anderen
Zweigen des oeffentlichen Dienstes beschaeftigen. Sie werden sich mit verschiedenen
Gewerkschaften bekannt machen und als Gaeste des Amerikanischen Arbeitsministeriums
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�und der amerikanischen Gewerkschaften verschiedene Staedte besuchen. Sie werden Fabriken besichtigen, mit Ortsgevrerkschaftsgruppen und mit Arbeitern in ihren "'ohnungen zusammentreffen.
Damit auch die anderen deutschen Arbeiter aus den Besuchen der Experten in Amerika
etwas Nutzen ziehen, wird jeder von ihnen aufgefordert, nach seiner Rueckkehr einen Bericht zu schreiben, Diesen Bericht ueber seine Beobachtungen und Sindruecke, die er auf
seiner Heise durch die Vereinigten Staaten gesammelt hat, wird dann der 3achver9taendige seiner Gewerkschaft, oder, wenn es sich um einen Angestellten des oeffentlichen Dienstes handelt, seiner Abteilung uebergeben.
"Mehr 'Vissen durch Berufsschule;"
Dies ist der Titel einer Broschuere, die gerade von der "Briefschule" Frankfurt
a.H. "'.'ilbiLm Leuschner-Strasse 69-77, eingegangen ist. Sie traegt die Unterschrift:
Hans t!ugrauer. 3s handelt sich hier um etwas, was jeden deutschen Arbeiter interessieren sollte, der die \bsicht hat, sich weiterzubilden. Nach dem Planentwurf kann der Arbeiter allein studieren oder er kann sich einer Studiengruppe von 5 bis 15 Personen anschliessen, die von einem "Zirkelleiter" beaufsichtigt wird. Das Programm wie auch einige der Kurse lehnen sich etwas an das System an, dass in Schweden eingefuehrt ist.
Einige der Kurse, die Jetzt oder bald belegt werden koennen, sind; Gewerkschaftskunde, das Genossenschaftswesen, Einfuehrung in die Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft
Grundfragen der Psychologie, die freie Rede, Englisch fuer AnCaenger, Grundkurs:Rechnen (technisch). Die Kurse sind systematisch nach Lektionen aufgebaut, die dem Studenten
in bestimmter Reihenfolge zugehen. Seine Antworten schickt er durch die Fost ein. Seine
Pruefungen werden ihm mit Anmerkungen und Koten versehen zurueckgesandt.
Es gibt manche, die diese Lehrmethode nicht billigen, jedoch absolvieren in verschiedenen Laandern sogar Universitaetsstudenten ihre Kurse durch Korrespondenz. Das
ist praktische Ausbildung. Vuf diese "eise hr.ben die meisten von uns den groessten
Teil ihrer Ausbildung genossen, eben durch Lesen und Studium, wenn sie allein sind,
jedoch besteht der Vorteil bei diesen Kursen darin, dass sie systematisch aufgebaut
sind.

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Manpower Division
GLKJUS, APO 742
ONOUS, 9-2(6, L, J u »9. 'i c.

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse nnd anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

Ir. 51

Berlin, 11 Februar 1949

)ie wirtschaftliche Lage in Deutschland
Folgender Artikel, der stark gekuerzt ist, wurde von 2 deutschen 'Virtschaftlern,
)r. Walter Eucken und Dr. Fritz V« Meyer, verfasst. Dr. Eucken war frueher Lektor an
ler Universitaet Berlin und spaeter '.VirtSchaftsprofessor an der Universitaet Tuebinjen; 1927 wurde er 7/irtschaftsprofessor an der Universitaet Freiburg. Seine bedeutendJte Veroeffentlichung sind die "Grundlagen der Nationaloekonomie" (5.Ausgabe, 1947)
)r. Meyer ist Lektor fuer Wirtschaft an der Universitaet Bonn. Frueher hatte er eine
lehnliche Stellung an der Universitaet Kiel inne. Seit 1935 war er Mitglied des Insti;uts fuer Weltwirtschaft in Kiel. Mit Rudolf Heberle zusanmen schrieb er "Die Oross»taedte im Strome der Binnenwanderung" (1937) und "Der Aus?1 dich der Zahlungsbilanz"
;i933).
Es ist bedauerlich, dass wegen des wenigen zur Verfuegung stehenden Raums nicht
ler ganze Artikel veroeffentlicht werden kann. Der Leser sollte daran denken, dass,
&gt;bwohl der Artikel in der November-Ausgabe der "Annalen der Amerikanischen Akademie
*uer Politik und Sozialwissenschaft" erschienen ist, er vor ungefaehr 3 Monaten vorbereitet werden musste. ihm sind die Verhaeltnisse in Deutschland im Juli und August
sugrundegelegt.

"Nach Beendigung des Krieges verlor Deutschland etwa 25* des Gebietes das es im
rahre 1937 besass. Die verlorengegangenen Gebiete sind Ostpreussen, Schlesien, '/est)reussen, 2/3 des Gebiets von Pommern und im '.'testen das kleine, wirtschaftlich aber
lehr wichtige Saargebiet. Mit Ausnahme des letzteren sind dies alles Gebiete, die
rrueher einen grossen Ueberschuss an landwirtschaftlichen Produkten-auszuweisen hatten,
tan kann mit Recht annehmen, dass Deutschland mit diesen Gebieten nahezu 20? seiner
&gt;roduktiven Kapazitaet von 1936 verloren hat.
Die Bevoelkerung und das Arbeitspotential
Die Bevoelkerung der verlorenen Gebiete musste von dem uebriggebliebenen Deutsch.and aufgenommen werden. Allerdings kamen von den etwa 15 Millionen Einwohnern, die
ror dem Kriege in den Gebieten oestlich der Oder-Neisse-Linie gelebt hatten, nur 7
iillionen als Fluechtlinge und.Ausgewiesene an. Ueber das Schicksal eines wesentlichen
Felis der "restlichen" 8 Millionen wenigstens ist nichts bekanntgeworden.... Die umjesiedelte Bevoelkerung bestand fast gaenzlich aus Frauen, Kindern und alten Leuten,
larueber hinaus aber musste das restlichs Deutschland auch noch 3 Millionen Menschen
lufnehmen, die die Tschechoslowakei und andere Laender verlassen mussten.
Rumpfdeutschland - also das Gebiet der Besatzungszonen und Berlin - hatte vor
lern Kriege eine Eevoelkerung von nahezu 60 Millionen Menschen, d.h. eine BevoelkerungsJichte von 163 Menschen auf den ' uadratkilometer. Die Verluste Deutschlands waehrend
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�des Krieges an Soldaten und Zivilbevoelkerung werden auf 4.5 Millionen Menschen geschaetzt. Im Gegensatz zu diesem Menschenverlust hatte Deutschland seit 1939 einen
Bevoelkarungszuwachs von 13 Millionen als Ergebnis eines Geburtenueberschusses gegenueber den Todesfaellen und durch den Zustrom an Fluechtlingen, Ausgewiesenen und Umgesiedelten, die in Deutschland verblieben sind. So belaeuft sich die Anzahl der Bevoelkerung im heutigen Deutschland auf nahezu 70 Millionen, Wenn man annimmt, dass
rund 196 Personen auf den Quadratkilometer kommen, so weist Deutschland heute dieselbe Bevoelkerungsdichte auf wie Grossbritannien und Nordirland.

Die eben angefuehrten Zahlen koennten zu der Annahme verleiten, dass das in
Deutschland existierende Arbeitspotential in erkennbarem Masse durch diese groesste
Bevoelkerungsumsiedlung der modernen Geschichte, unter welch traurigen Umstaenden sie
auch immer vor sich gegangen sein mag, gestaerkt wurde. Die Lage ist jedoch viel komplizierter. Auf Grund der deutschen Vorkriegs- und der heutigen westeuropaeischen Normen hat das Arbeitspotential trotz der offensichtlichen Bevoelkerungszunahme abgenommen.
Produktionsveraenderungen waehrend des Kriep.es
In der Zeit zwischen 1933 und den ersten KriegsJahren wurden die Produktionsmoeglichkeiten ungeheuer ausgeweitet. Diese Ausweitung war jedoch keine allgemeine. Einerseits wurden kreditpolitische Massnahmen, die Lenkung des Menschenmaterials, das Verbot der Investierung und die Beschraenkung der Einfuhr notwendiger Rohmaterialien mit
ins Spiel gebracht, um die Industrien fuer Verbrauchsgueter und damit den Verbrauch
selbst niederzuhalten. Andererseits absorbierten die Industriezweige fuer die wichtigsten Warengruppen und die Rüstungsindustrie den gesamten Zuwachs an produktiver Kapazitaet, den man durch Zwangssparen und zentral gelenkte Wirtschaftsplanung gewonnen
hatte.
Die Intensitaet, mit der diese Umstellung in der wirtschaftlichen Struktur Deutsch
lands auf die Produktion von "Kanonen statt Butter" durchgeführt wurde, kann man am
besten aus der Tatsache ersehen, dass in den Jahren von 1933 bis 1939 sogar die Landwirtschaft einen Abgang von 1.5 Millionen Arbeitern zu verzeichnen hatte. Das war der
Fall trotz der Propaganda fuer die Nahrungsmittelerzeugung und der Versuche, eine
wirtschaftliche Autarkie zu schaffen. Der Abgang der 1.5 Millionen Arbeiter bedeutete
nicht etwa, dass hier ein Ueberschuss an Arbeitskraeften aufgesogen wurde, sondern,
dass der Landwirtschaft dadurch ein tataaechlicher Verlust an Arbeitern erwachsen war.
Man kann es als eine bittere Ironie des Schicksals ansehen, dass die Bombardierung
Deutschlands waehrend der Kriegszeit den schon'- in der Entwicklung zurückgebliebenen
Industriebetrieben fuer Verbraucherwaren einen viel groesseren Schaden zufuegten als
der Rüstungsindustrie. Die Rüstungswerke wurden zum grossen Teil nach 1933 errichtet
und zwar wurden hierfuer solche Gebiete ausgesucht, in denen sie vor Luftangriffen
sicher waren. Dagegen wurde die Verbraucherwarenindustrie dort belassen, wo sie sich
schon vorher befand, also meist in den Städten.

Die Industriepolitik der Alliierten
Nach Beendigung des Krieges wurden die Industriewerke, die von den Bomben und
anderen Auswirkungen des Krieges verschont geblieben waren, als Reparationen gefordert.
Im Maerz 1946 veroeffentlichten die Alliierten einen Plan fuer die Reparationen und
fuer die Nachkriegsorganisation der deutschen 'Virtschaft. Nach diesem Plan wurden die
Industriezweige bestimmt, die vollkommen demontiert werden sollten, und die Produktion;-'
grenzen fuer die uebrigen festgelegt, und zwar in einem gewissen Verhaeltnis zu den
Produktionswerten des Jahres 1936. Der Plan setzt diese Grenzen fuer den Kohlenbergbau und fuer die Fabriken fuer die wichtigsten Warengruppen auf Werte zwischen 15 und
kOt fest. Fuer die verarbeitende Industrie wurde die Grenze auf 60 bis 78^ festgesetzt.
Einige Industriezweige (Bauunternehmen, Moebel- und Fahrradfabriken) sollten davon
unberuehrt bleiben
In der Ostzone ging die Sowjetunion ihre eigenen Wege, indem sie nach eigenem Ermessen die Fabriken - teilweise einschliesslich der Arbeiter - verlegte und die Ver-

2 -

�kehrsmittel demontierte. Die meisten der verbleibenden wertvollen Betriebe wurden in
Sowjet-Aktiengesellschaften umgewandelt. Dies bedeutet, dass man sie an ihrer alten
Stelle belassen hat, und dass nur das Eigentumsrecht auf die Sowjetunion uebergegangen ist
Die Folge davon ist natuerlich, dass die Industrie der Ostzone fuer alle
praktischen Zwecke vollkommen sozialisiert wurde. Auf dem Gebiete der Landwirtschaft
hat man noch frueher damit begonnen, den Weg zur Kollektivisierung zu beschreiten,
indem man alles Land ueber 50 ha enteignete und aufteilte. Das gegenwaertige Industriepotential in der Ostzone schwankt schaetzungsweise zwischen 1/3 und 2/5 der Kapazitaet
von 1936....Von der Erzeugung, die man mit diesem verbleibenden Potential erreichen
kann, geht mindestens 1/3, wahrscheinlich aber mehr als die Heelfte, nach der Sowjetunion.
Das Produktionspotential in der Bizone
Nachdem das Scheitern jeglicher einheitlichen Zusammenarbeit der Alliierten in
bezug auf Reparationen und Wirtschaftsplanung offenbar geworden war, wurde fuer die
Amerikanische und Britische Zone ein revidierter Plan aufgestellt. Diesem Plan zufolge wurde die zukuenftige Produktion im allgemeinen auf den Stand von 1936 festgelegt.
Abgesehen von der Erhoehung des zulaessigen Produktionsvolumens von 67 auf 100$ des
Standes von 1936, brachte dieser Plan in erster Linie eine Erleichterung durch eine
bessere Zumessung der Quoten fuer die verschiedenen Industriezweige. Nicht alle Demontagen, die in diesem revidierten Plan vorgesehen waren, sind bis jetzt vorgenommen
worden, und man hofft in Deutschland, dass dies in Anbetracht der letzten Entwicklungen auch nicht mehr der Fall sein wird.
Man darf nun aber nicht glauben, dass das Produktionspotential der Industrie in
der Bizone wirklich dem Stande von 1936 nahekommt, selbst wenn weitere Reduzierungen
nicht erzwungen werden. Die Maschinen sind, besonders in dea Industriebetrieben fuer
Verbraucherwaren, veraltet, ^iese Tatsache wird ganz besonders dadurch augenfaellig,
dass die modernsten Einrichtungen demontiert worden sind, findet aber nicht ihren Niederschlag in den Angaben, die in bezug auf die Ausstosskapazitaet gemacht v/erden. Die
Fortschaffung einzelner Maschinen und Werkeinrichtungen im Zuge der Reparationspolitik hat die Kapazitaet des Werks in vielen Faellen in groesserem Masse beeintraechtigt als dies der Produktionskapazitaet dieser Maschinen und V/erkeinrichtungen als
solche entsprechen wuerde. Die Produktionskapazitaet ist weiter gesunken, weil Kriegsschaeden, Demontage und die Aufspaltung Deutschlands in verschiedene wirtschaftlich
von einander getrennte Gebiete die gesamte organische Einheitlichkeit der verschiedenen Zweige der deutschen Industrie zerstoert haben
Yenn keine Hindernisse fuer den Aussenhandel bestehen wuerden, dann waere eine
Koordinierung im Rahmen der deutschen Wirtschaft selbst nicht notwendig. Worauf es
dann ankaeme, waere nur ein auf einander abgestimmter Aufbau der Weltwirtschaft. Von
diesem Idealzustand haben wir uns Jedoch sehr weit entfernt. Die Betrachtung der Auswirkungen der Demontage und der Mangel einer Koordinierung innerhalb der deutschen
Industrie laesst lediglich eine Schaetzung der Produktionskapazitaet der Industrie
in der Bizone zu, derzufolge sich nicht mehr als 75 bis 80» des Standes von 1936 ergeben. Die Landwirtschaft in diesem Gebiet hat ihre Erzeugung niemals auf einen Stand
bringen koennen, der hoeher lag als der von 1936. Daherraussman den Verlust an Produktionskapazitaet durch die Verschlechterung des Bodens von diesem Stand absetzen.
Diese ist sicher bedeutend, mengenmaessige Schaetzungen liegen jedoch nicht vor....
Niedriger Produktionsstand
Die bisher angefuehrten Tatsachen geben jedoch nur den ersten Anhaltspunkt zum Verstaendnis der Ursachen der Stagnation in der deutschen Wirtschaft. Im Augenblick ist
der existierende Umfang in Landesertraegen bei vollem "insatz nur halb so gross wie
die Kapazitaet des quantitativ reduzierten und cualitativ zerstoerten Betriebsmaterials,
Es ist daher einleuchtend, dass die Produktivitaet der Arbeiterschaft sehr klein sein
muss, und so ist es auch in der Tat der Fall. Dies zeigt sich auch in denjenigen In-

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�dustriezweigen, die nicht mit solchen Schwierigkeiten wie Rohstoff- oder MaschinenMangel zu kaempfen haben
Beobachter, die keine sehr guenstige Meinung haben, schliessen einfach daraus,
dass die Deutschen nicht arbeiten wollen, dass sie sich nicht genug anstrengen, oder
wenigstens, dass sie nichttuechtig genug arbeiten. Aufmerksamere Statistiker, die in
Deutschland und im Auslande die Verhaeltnisse studieren, gehen einen Schritt weiter
und erklaeren diese Erscheinung mit Unterernaehrung, Mangel an Bekleidung und im
allgemeinen mit den bestehenden erbaermlichen Lebensverhältnissen. Sie weisen darauf hin, dass es diese Verhaeltnisse sind, die es dem groessten Teil der deutschen
Bevoelkerung unmoeglich machen, irgend eine intensive koerperliche oder geistige
Arbeit zu leisten. Sie fuegen hinzu, dass in manchen Industriezweigen Rohmaterialien
wie auch Maschinerie nicht in genuegendem Masse vorhanden sind. Schliesslich verweisen sie auch noch auf den "Schwarzen Markt" und den "Grauen Markt" mit ihren zersete
zenden Auswirkungen auf das wirtschaftliche Unternehmen und die Moral.
Diese einfachen und anscheinend so ueberzeugenden Erklaerungen herrschen tatsaechlich ueberaU vor. Sie spiegeln die Meinung der Besatzungsbehoerden wie auch
der Mehrzahl der Wirtschaftspolitiker in den deutschen Regierungstellen wider. Sie
bildeten die Grundlage und Richtlinie fuer alle wichtigen wirtshaftlichen Massnahmen
seit 1945 bis zur Formulierung des "'irtschaftsplans der Bizone fuer 1%7- 1948. Trotzdem diese Meinung in den politischen Kreisen vorherrscht und trotzdem sie in ihrer
offenbaren Klarheit und Einfachheit auf die Bevoelkerung Eindruck macht, stellt sie
doch nur eine gefaehrliche Halbheit dar
Vergeudete Arbeitskraft
Die Deutschen von 1%S arbeiten keineswegs weniger als in den Jahren vor dem
Kriege oder weniger als irgend ein Volk der anderen Laender Europas. Vermutlich arbeiten sie sogar noch mehr und noch laenger. Die ueberwiegende Mehrheit der Stadtbevölkerung, d.h. viele Millionen von Menschen sind einfach gezwungen, eine Mehrarbeit zu leisten, die vor dem Kriege nicht notwendig war, wenn sie nicht verhungern
und vollends vor die Hunde gehen wollen. In schmutzigen, ueberfuellten und unbeleuchteten Zuegen fahren sie in die laendlichen Gegenden in der Umgebung ihrer Stadt
oder sogar noch weiter hinaus in Gebiete, die hundert Kilometer entfernt sind, um
sich bei den Bauern gegen einen Teil ihrer Stadtrationen, ihres Naturallohns, wenn
sie solchen erhalten, oder einfach gegen anderen Besitz, der ihnen noch verblieben
ist, etwas Lebensmittel einzutauschen. Sie sammeln Bucheckern in den '.Vaeldern,
gehen Aehren lesen oder Kartoffeln nachernten. In ihrer Freizeit oder waehrend ihres
Urlaubs stechen sie Torf, sammeln Holz im Walds, bebauen ein kleines Laubengrundstueck oder suchen Kaninchenfutter.......
All diese Arbeiten, die hier noch keineswegs vollständig aufgezaehlt sind,
nehmen taeglich extra mehrere Stunden in Anspruch. Diese Extraarbeit muss aber geleistet werden. Nur diejenigen bleiben davon verschont, die noch genuegend Gegenstaende in ihrem Besitz haben, um ihre normale Lebensfuehrung durch mehr oder weniger staendige Tauschgeschaefte-aufrechterhalten zu koennen, oder die, die auf betrügerische Weise Rohmaterialien zurueckhalten, die sie eigentlich in der Produktion
verwenden sollten, diejenigen, die ihre Zuflucht zu Schiebungen und Bestechungen
nehmen, die sich mit Schwarzmarktgeschaeften im grossen Stil abgeben und auch solche,
die Pakete von ihren Verwandten aus Amerika bekommen
Selbst unter den bestehenden Verhaeltnissen wuerde es vernuenftiger sein, die
so zusammengebrachten Lebensmittel in einem halben Gueterwagen zur Stadt zu bringen
al3 sie durch Waggons, die mit Menschen ueberfuellt sind, dort hinbringen zu lassen,
und zwar auf Kosten der viele Male noetiger gebrauchten Eisenbahnen und auf Kosten
von mehreren Tausend Arbeitsstunden, fuer die Menschen, die sie bekommen

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�Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus ist diese Extraarbeit eine sinnlose Verschwendung. Von dem Standpunkt des einzelnen Deutschen aus gesehen ist sie jedoch
ausserordentlich wichtig, weil sie ihn vor dem endgueltigen Elend und haeufig vor
dem Hungertode rettet. Aus diesem Grunde ist diese Extraarbeit fuer ihn von groesserer Wichtigkeit als seine regulaere Arbeit. Da die Deutschen auf die Erhaltung
ihrer koerperlichen Kraft grosse Ruecksicht nehmen muessen, ist es fuer Millionen
zu einer Selbstverständlichkeit geworden, sich in den Laeden und in den Bueros
nicht zu ueberstuerzen und so gemaechlich wie moeglich zu arbeiten, um ihre Kräfte
fuer den Kampf um die Existenz ausserhalb ihrer regulaeren Arbeit zu schonen. Heute
wird ein bedeutender Teil der Arbeitskraft des deutschen Volkes auf diese Weise von
der Taetigkeit abgelenkt, in der es wertvolle und dringend benoetigte Waren erzeugen
und Leistungen vollbringen koennte
Ein sehr bedeutender Teil, wenn nicht sogar der groesste, des Unterschieds
zwischen der produktiven Kapazitaet und dem wirklichen Ausstoss in Deutschland findet seine Erklaerung in der Vergeudung der Arbeitskraft. Auch die Taetigkeit einer
riesigen Zahl von Beamten und Angestellten bei den Regierungs bzw. Verwaltungsstellen, die in einer Planwirtschaft benoetigt werden, stellt eine Vergeudung dar
Bezahlung in Ware
Im Bergbau, z.B. und seit kurzem auch in zahlreichen anderen Industriezweigen
wurde eine Bezahlung in Ware eingefuehrt. In diese Kategorie gehoert auch ein Devisenbonus, bei dem man fuer Einfuhrzwecke ueber 10? des Devisenbetrages, der durch
den Verkauf exportierter Waren erzielt wurde, frei verfuegen kann. Je 5*£ von diesem Bonus gehen an den Unternehmer und s&amp;ine Leute. Erreicht wurde hierdurch aber
nur, dass die Zahl der Angestellten in diesen Industriezweigen stieg, wodurch in
anderen wiederum ein Arbeitermangel eintrat. Die erwartete Besserung in der Produktivltaet ist nicht eingetreten.
Anteilige Bezahlung in Vfare hat ueberdies den Umsatz auf dem Schwarzen Markt
und auf dem Gebiete des Tauschhandels erhoeht. Hierdurch ist die Lage des Normalverbrauchers verschlimmert worden, der nicht den Vorteil geniesst, fuer seine Arbeit Bezahlung in Ware zu erhalten, weil seine Rationen und Zuteilungen gesenkt
werden mussten, um dieses zum Fehlschlag verurteilte Praemienlohn-SJrstem durchfuehren zu koennen. Schliesslich haben diese Zahlungen in Ware alle bestehenden
Unterschiede in den Lohn- und Gehaltsgruppen vollkommen durcheinander gebracht
Die Errechnung des Einkommens in Waren zu Schwarzmarktpreisen ist vollkommen
gerechtfertigt, weil ja der Normalverbraucher auch Schwarzmarktpreise bezahlen muss,
wenn er Waren kaufen will, an denen Mangel herrscht.
Demoralisierung
Unter solchen Umstaenden kann von einer Angleichung des Einkommens bei den
Lohn- und Gehaltsempfaengern keine Rede sein. Als Ergebnis einer Lohnpolitik, die
sich unter den verschiedensten Formen von Zahlungen in Waren verbirgt, ist eine
vollkommen neue soziale Klassenstruktur entstanden. Das neue Proletariat setzt
sich aus denjenigen zusammen, die mehr oder weniger Normalverbraucher sind. Es
umfasst Angehoerige aller frueheren Einkommensschichten. Es rekrutiert sich meistens aus unorganisierten Gruppen, die zu schwach sind, um der Diskriminierung Widerstand leisten zu koennen, oder aus Gruppen, die dafuer bekannt sind, dass sie nicht
streiken oder keinen Druck auf die Regierung ausueben.
In den hoeheren Einkommensschichten sind es die Arbeiter, die hoehere Bezahlungen in Ware erhalten und die Geschaeftsleute, die Steuerhinterziehungen begehen
und die Vorschriften ausser Acht lassen, zahlreiche Landwirte und schliesslich die
Haendler auf dem "Schwarzen Markt" und dem "Grauen Markt". Das Einkommen des Einzelnen steht kaum im Verhaeltnis zu seiner wirklichen Arbeitsleistung oder seiner

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�Tuechtigkeit. 2s haengt vielmehr vom unerwarteten Gluecksumstand, vom Zufall und
von der Bereitwilligkeit ab, das Gesetz zu umgehen.
Es ist daher nicht zu verwundern, dass unter solchen Umstaenden die Moral der
Angestellten sinkt. Wenn der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft ueberhaupt
nicht noch schlimmer geworden ist, dann ist dies nur auf den Umstand zurueckzufuehren, dass es immer noch eine erstaunlich grosse Anzahl Leute gibt, die unverzagt und unter den schwierigsten Umstaenden ihrer Arbeit wie frueher nachgehen.
Ihre Zahl nimmt jedoch zusehends ab
Muehe am falschen Platz und fehlgeleitete Materialien
Der Unterschied zwischen der vorherrschenden, jedoch unhaltbaren Meinung,
der zufolge die koerperliche Erschoepfung als Hauptursache fuer den niedrigen Produktionsstand in Westdeutschland angesehen wird, und der Ansicht, die hier vertreten wird, die den falschen Einsatz der vorhandenen Arbeitskraft als Kernpunkt dieser Präge bezeichnet, ist vielleicht spitzfindig. Trotzdem ist er von einer ungeheuten praktischen Bedeutung. Man muss sich einmal vor Augen fuehren, dass, wenn
es nicht an Arbeitskraft mangelt, sondern diese nur falsch gelenkt wird, man sie
wieder in wirtschaftlich nuetzliche Kanaele leiten koennte; man koennte die Vergeudung wieder gutmachen und die Zerruettung des Lohngefueges wieder korrigieren,
Es waere somit moeglich, die wirtschaftliche Lage Deutschlands von innen heraus
zu bessern.
Man muss sich natuerlich fragen, was fuer einen Zweck es haben soll, wenn man
Produktionsmoeglichkeiten hat, die noch einen erhoehten Ausstoss und eine Umleitung
der Arbeitskraft zulassen, wenn gleichzeitig die mechanische Kraft und die Transportmoeglichkeiten unzulaenglich bleiben. Was kann man wohl erhoffen, wenn Kohle,
Schrott und Bauholz fuer den erzwungenen Export vorgesehen sind und gleichzeitig
die Vorschriften der Alliierten es unmoeglich machen, diese Rohmaterialien, die
die Fabrikanten so dringend bencetigen, einzufuehren. Im Augenblick kommen auf
Grund des bestehenden Imports Waren nach Deutschland, die im Auslande gerade erhältlich sind oder solche, die die deutschen Planstellen auf Grund von reichlich erkuenstelten Kalkulationen angefordert haben. Wenn man der Ein- und Ausfuhr nicht
freien Lauf laesst, dann koennte der bestehende Mangel an Rohmaterialien und mechanischer Kraft fuer eine Produktionserhoehung hinderlicher sein als der Mangel
an Arbeitskraeften und der niedrige Stand der Produktivitaet des Arbeiters

Anscheinend ist aber genuegend Rohmaterial fuer vollkommen nutzlose Erzeugnisse vorhanden, die den deutschen Markt ueberschwemmen. Es gibt wohl Kohle und
Eisen fuer die Herstellung von Aschbechern, Leuchtern, Lampen usw. aber nicht
fuer die Anfertigung von Bratpfannen, Eimern, Kuechengeraeten und Messerschmiedewaren. Fuer eine Flut von zwecklosen Broschueren ist genuegend Papier dat-aber
nicht fuer Schulbuecher oder fuer eine neue Goethe-Ausgabe. Keramiken und Porzellanwaren werden in unglaublichen Mengen auf den Markt geworfen, aber Teller
und Tassen werden nicht hergestellt. In der Naehe von Koeln haben die Bauern
ganze Felder mit Tulpen bepflanzt in der Stadt aber sterben die Menschen vor Hunger. Leder ist ganz besonders knapp, aber die Haeute und Felle von Tieren, die
schwarzgeschlachtet worden sind, verfaulen in der Erde, wo man sie vergraben hat.
Holzbretter sind so selten, dass immer nur eine von drei verstorbenen Personen in
Deutschland in einem Sarg begraben werden kann, Edelhoelzer aber werden verfeuert...,
Gegenwaertig besteht eine beachtliche Menge von dem Wenigen, was angefertigt
wird, nur aus zwecklosem Kram, der weiter nichts ist als vergeudetes Rohmaterial
das zur Steigerung eines unbedingt notwendigen Ausstosses haette verwendet werden
koennen. Und schliesslich werden ja viele Waren hergestellt, aber nicht verkauft.
Im Zuge der deutschen Flucht aus dem Gelde werden diese Waren gehortet. Wo aus

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�technischen oder anderen Gruenden eine Hortung nicht durchfuehrbar ist, nimmt
die Flucht aus dem Gelde andere Formen an. Der Fabrikant fertigt weniger Waren
an, um seine Maschinen zu schonen, und der Bauer bestellt weniger Land, um nicht
den Boden zu ershoepfen oder auszusaugen.....
Wozu nun all diese Vergeudung bei der schrecklichen Not. Warum nur dieses
vollkommene Chaos in Produktion und Verteilung. Welchen Weg gibt es, um den Wiederaufbauprozess in Westdeutschland anlaufen zu lassen und eine bedeutungsvolle,
produktive und eine brauchbaiewirtschaftlich Ordnung wiederherzustellen.
Fehlerhaftes Preisgefuege
Die wichtigste Ursache fuer die bestehenden Verhaeltnisse ist das vorherrschende Preisgefuege. Die Preise sind einfach sinnlos. Die von der Verwaltung bewirtschafteten Preise sind praktisch ausnahmslos die verhaeltnismaessig niedrigsten
fuer diejenigen Waren, an denen am meisten Mangel herrscht. Die Lebensmittelpreise
und die Mieten sind immer noch meist dieselben wie vor 10 oder 15 Jahren. Je weniger wichtig jedoch die Waren oder Leistungen sind, desto hoeher liegen die Preise
Die Preise bieten fuer den Fabrikanten von Mangelwaren keineswegs einen Anreiz dafuer, soviel wie moeglich davon zu liefern und auf den Markt zu bringen.
Der Bauer hat natuerlicherweise keinen Grund, sein Land intensiv zu bestellen und
seinen Eigenverbrauch zu beschraenken, um viel Erzeugnisse auf den Markt zu bringen. Die Preise bieten auch keinen Anreiz fuer den Haeuserbau oder fuer die vielen
Reparaturarbeiten, die an den noch stehenden Haeusern vorgenommen werden muessen;
sie machen nicht einmal die Hauswirte geneigt, sich mit seinen Raeumlichkeiten einzuschraenken, um aus den Mieten Nutzen zu ziehen. Falsche Preise, die nicht das
Spiegelbild wirklichen Mangels darstellen, sind in erster Linie der Grund fuer eine
unangemessene Verwertung der produktiven Kapazitaet - der ueberhandnehmenden Vergeudung in Deutschland.
Die Schaeden der Planwirtschaft
Fuer die Bekaempfung der Auswirkungen dieser falschen Preisverhaeltnisse ist
in Deutschland eine grosse Anzahl von Beamten und Polizeikraeften mit den entsprechenden notwendigen Vollmachten eingesetzt worden. Dieser Apparat soll die Fabrikanten zwingen, genuegende Mengen Waren liefern und zu festgesetzten Preisen zu
verkaufen, an denen Mangel besteht oder von denen die Beamten glauben, dass sie
Mangelware sind. Produktion und Handel werden zentral verwaltet. Dieser Kontrollapparat, eine richtige Armee von Beamten soll auch die Verbraucher durch Rationierung zwingen, die Nachfrage nach Mangelwaren zu beschraenken und nicht falsche
Schluesse aus der scheinbaren Billigkeit dieser Waren zu ziehen.
Die Erfahrung zeigt, dass ein Erfolg in beiden Richtungen gering ist. Das Wasser fliesst nicht den Berg hinauf. Die Duldung der Tauschgeschaefte und Lohnzahlungen in Waren ist ein stillschweigendes Eingestaendnis dafuer, dass wirtschaftliche
Erfolge, die von wirklichkeitsfremden Preisen stammen, nicht durch Regierungsverordnungen korrigiert werden koennen - und schon garnicht von Beamten, die zum grossen
Teil von der Korruption angesteckt sind. Das ganze Experiment hat nicht nur das gesamte Lohn - und Einkommens-Gefuege in Deutschland zerruettet, sondern es hatte
auch eine ungeheure Vergeudung zur Folge
Die festgesetzten Rationen zwingen den Verbraucher nicht nur, seine Zuflucht
zur Selbsthilfe zu nehmen, weil sie mengenmaessig zu gering sind; sie lassen auch
den individuellen Bedarf ausser Acht. 'A'as wird wohl ein Nichtraucher mit Zigaretten
anfangen. Was soll wohl der Bergmann mit Rosinen und Kaffee anfangen, wenn er keine
Kartoffeln hat. Die schematische Behandlung der Einzelperson seitens einer zentral
verwalteten Wirtschaft zwingt ihn zum Tausch oder zur Selbsterzeugang, wenn er innerhalb der Grenzen der Moeglichkeit seinen Bedarf vollkommen decken will. Das aber

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�erfordert wiederum einen bedeutenden Aufwand an Arbeitskraeften und Transportmoeglichkeiten, die so einer wirtschaftlicheren Verwendung entzogen werden, was somit
eine weitere Form von Vergeudung darstellt.
In dieser deutschen Wirtschaft mit einer eingedaemmten Inflation, mit ueberreichen Vorraeten an Geld und daher mit einer uebermaessigen Nachfrage nach Waren
findet praktisch Jede Warenart, die ueberhaupt bis auf den Markt kommt, ihren Kaeufer. Der Unternehmer wie auch die Planstellen der Regierung brauchen sich keine Gedanken darum zu machen, ob ihre Taetigkeit zu einer maximalen Deckung des Bedarfs
fuehrt. Selbst wenn es ihnen wirklich damit Ernst waere, dieses Ziel zu erreichen,
dann koennten sie es nicht, weil sie keinen richtigen Preisindex haben, an den sie
sich halten koennen
Natuerlich gibt es viele Vorschriften und Strafen fuer ihre
Uebertretung. Aber nur eine Art Strafe existiert nicht - der geldliche Verlust, der
in einer preisgebundenen Wirtschaft das staerkste Motiv fuer die Hoechstleistung
darstellt.
Ein richtiger Masstab fehlt
Deutschland ermangelt auch eines vernuenftigen Masstabes fuer wirtschaftliche
Kalkulationen. Diesem Mangel liegen tatsaechlich alle bestehenden Ursachen fuer
die Vergeudung zugrunde. Es waren nicht allein der Krieg und seine Nachwirkungen,
die dieses Chaos in der deutschen Wirtschaft hervorriefen. Natuerlich wurde dadurch eine moegliche Produktion verringert, wodurch der Lebensstandard unter den
Vorkriegsstand sank
Solange dieser Zustand existiert, ist ein wesentlicher
Fortschritt unmoeglich, und alle Hilfe aus dem Ausland wird sozusagen in ein leckes
Fass geschuettet, aus dem der groesste Teil des Inhalts wieder herausfliesst, ohne
viel Gutes zu stiften.
Das erste und wichtigste Erfordernis fuer einen Wiederaufbau der deutschen
Wirtschaft ist die Einfuehrung eines Masstabes fuer das wirtschaftliche Rechnen.
Dies erfordert wiederum die Erfuellung zweier in Wechselbeziehung zu einander
stehender Aufgaben» 1. Die Schaffung eines Rechnungsmasstabes, auf den sich jeder das heisst, auch die Besatzungsbehoerden - verlassen kann und aus dem klar und
deutlich der bestehende Mangel und die entsprechenden wirtschaftlichen Massnahmen
hervorgehen. 2. die gesetzliche Verankerung von Massnahmen, wonach jeder - auoh
die Regierung bzw. Verwaltung - die Anhaltspunkte fuer sein Handeln aus diesem
Masstab ersehen kann.
Wenn dieser Artikel erscheint, dann werden wahrscheinlich die Waehrungs- und
Steuerreformen fuer Westdeutschland, die geplant wurden, um diese beiden Aufgaben
zu erfuellen, bereits zur Wirklichkeit geworden sein. Zu der Zeit jetzt, da dieser
Artikel geschrieben wird, sind Einzelheiten jedoch noch nicht bekannt geworden...«
Es machen sich Tendenzen stark bemerkbar, den Ueberschuss an Kaufkraft zu verringern und die Steuern zu senken, um den Unternehmern und Angestellten einen Anreiz zu bieten, ihre Anstrengungen zu erhoehen. Es bestehen jedoch auch Tendenzen,
gleichzeitig wesentliche Teile des Systems der Preisregulierung und der zentralisierten Verwaltung der Wirtschaft beizubehalten. Dies aber wuerde gleichbedeutend
sein mit einem Anfang ohne Ziel, mit einer Reise in das Unbekannte. Wenn ein bedeutender Teil der Preise auf einem festen Stand bleibt, dann wuerde die Wechselwirkung der falschen Orientierung der produktiven Kraefte, die Bildung eines neuen
Heldueberhanges, die Erscheinung des Schwarzen Marktes und die Notwendigkeit des
Tauschens erneut ihren Anfang nehmen
Wiedereingliederung in die Weltwirtschaft
Natuerlich genuegt die Schaffung eines funktionierenden Preissystems allein
noch nicht, die deutsche Wirtschaft wieder auf normale Wege zu fuehren, wenn das
Land vom Aussenhandel abgeschnitten bleibt. Deutschland kann nur leben, wenn es
seine Industrieerzeügnlsse gegen die Erzeugnisse der Industrien anderer Laender
austauschen kann - wenn es einerseits Rohmaterialien, Halbfabrikate und Nahrungs-

8

-

�mittel einfuehrt und andererseits Fertigwaren exportieren kann. Durch einen freiein Aussenhandel kann solch ein kommerzieller Austausch wiederhergestellt werden.
Das Preissystem Deutschlands sollte dem Preissystem anderer Laender angegliedert
und ein Gleichgewicht wiederhergestellt werden.
In diesem Lichte gesehen bildet die wirtschaftliche Frage in Deutschland nur
einen Teil der viel wichtigeren Frage eines Wiederaufbaus der '.Veitwirtschaft.
"The Annais of the American Academy of
Political and Social Science" Nov 48

Die Beamten der Manpower Division der Militaerregierung erhalten zahlreiche
Anfragen, die die Politik und die Praktiken der amerikanischen Gewerkschaften zum
Gegenstand haben.
Die am haeufigsten gestellten Fragen sind nun dem CIO und der AFL zur Beantwortung vorgelegt worden. Nachstehende Antworten stellen die offizielle Meinung
dieser beiden Organisationen dar:
1.

Struktur und Selbstverwaltung

F. Gehoeren die Gewerkschaftsmitglieder in erster Linie einer zentral geleiteten
Organisation an oder einer solchen, die jeweils fuer einen besonderen Industriezweig fuer ein besonderen Gewerbe oder Handwerk in Frage kommt.

A.
AFL Einzelmitglieder gehoeren direkt
einer Ortsgewerkschaft oder einer internationalen * Gewerkschaft an, die
sich auf einen Industriezweig, ein Gewerbe oder besonderes Handwerk erstreckt. In der AFL koennen manche
Arbeiter nach Erledigung des Aufnahmeverfahrens einer Bundes-Ortsgewerkschaft angehoeren, die direkt dem
Exekutivrat der AFL angegliedert ist
und von ihm kontrolliert wird. Nach
einer gewissen Zeit koennen die Mitglieder der Bundes-Ortsgewerkschaft
an die zustaendige Ortsgewerkschaft
einer neugebildeten internationalen
Gewerkschaft oder einer bereits bestehenden angeschlossenen internationalen Organisation ueberwiesen werden.
Mit Ausnahme der oben erwaehnten
Bundes-Ortsgewerkschaften gehoert kein
einzelner Arbeiter direkt der Landeszentralstelle der AFL an, wird aber
durch seine internationale Gewerkschaft
vertreten, die die Koerperschaft darstellt, die direkt der AFL angezweigt

CIO Die Gewerkschaftsmitglieder gehoeren in erster Linie einer Organisation
fuer einen besonderen Industriezweig
oder ein solches Gewerbe an und nicht
direkt einer zentral geleiteten Dachorganisation. In gewissen Faellen koennen sie waehrend der Zeit des Organisierungsprozesses bei einer Firma oder
eines Gebiets eine Sektion der Dachorganisation angehoeren, werden aber
spaeter ihrer zustaendigen Gewerkschaft
zugewiesen.

(*) Anmerkung: In der Bezeichnung
"International Union" bedeutet
der Begriff "international", dass
der betreffenden Gewerkschaft
auch in Canada Mitglieder angeschlossen sind.

ist.
Zahlen
die Gewerkschaftsmitglieder ihre Beitraege an eine Dachorganisation oder
F.
an die Gewerkschaft des betreffenden Industriezweiges, Handwerks oder Gewerbes.

- 9 -

�AFL Im allgemeinen zahlen die Mitglieder der Gewerkschaften ihre Beitraege an die Ortsgewerkschaft, der
sie direkt angehoeren oder in manchen Faellen an die internationale
Gewerkschaft, von der die Ortsgewerkschaft einen Teil bildet. Einzelne
Mitglieder zahlen nie direkt an die
Zentralstelle der AKL. Die Einkuenfte der AFL stammen im Grunde aus den
pro Kopf festgesetzten Beitraegen
und anderen Abgaben, die der AFL von
den ihr angegliederten Koerperschaften gezahlt werden.

CIO Die Gewerkschaftsmitglieder zahlen
ihre Beitraege an ihre Gewerkschaft, die
fuer den betreffenden Industriezweig,
das Gewerbe oder Handwerk zustaendig ist
und nicht direkt an die Dachorganisation.

Wenn die Gewerkschaften einen Bund oder Rat gruenden, geben sie dann ihre Unabhaengigkeit als Organisation auf und werden lediglich betriebliche Zweigstellen
der zu einem Bunde zusammengeschlossenen Koerperschaft oder behalten sie ihre
Selbstverwaltung bei und uebertragen dem Bund diejenigen Funktionen, die sie
fuer gemeinsame Schritte seitens des Bundes fuer wuensehenswert halten.
AFL In manchen Faellen werden sich
die Ortsgewerkschaften des gleichen
internationalen Verbandes zusammenschliessen, um ihre Macht fuer Kollektivverhandlungen zu staerken. In
solchen Faellen verhandelt der gemischte Ausschuss oder Rat, der gebildet wird, ueber den Kollektivvertrag fuer seine Mitgliedsgruppen.
Jede Ortsgewerkschaft uebertraegt
dem gemischten Ausschuss die Vollmacht,
als ihr Vertreter bei den Kollektivverhandlungen zu fungieren, behaelt
jedoch ihre Selbstaendigkeit in bezug
auf ihre internen Angelegenheiten bei.
In anderen Faellen, in denen sich
die Ortsgewerkschaften oder die internationalen Gewerkschaften aus anderen
Gruenden als des Kollektiwertragsabsählusses wegen zusammengetan hatten,
behaelt Jede Gewerkschaft ihre Selbststaendigkeit.

CIO Wann fuer ein besonderes geographisches Gebiet ein Bund oder ein Rat gebildet wird, dann geben die Gewerkschaftsorganisationen ihre Unabhängigkeit nicht
auf, um nur betriebliche Zweigstellen der
zu einem Bunde zusammengeschlossenen Koerperschaft zu werden. Sie behalten ihre
Selbstaendigkeit bei und uebertragen dem
Bund oder Rat die Funktionen, die sie
fuer eine gemeinsame Aktion fuer wuenschenswert halten.

Basiert ein Bund oder ein Rat auf der Vertretung, die ihm von den ihm angehoerenden Gewerkschaften des entsprechenden Industriezweiges, Gewerbes oder Handwerks
uebertragen wurde oder auf einer Vertretung, die sich lediglich auf ein geographisches Gebiet erstreckt ohne Ruecksicht auf Industriezweig, Gewerbe oder Handwerk.
AFL

CIO

Die Raete sind in ihren Orga-

Buende oder Raete basieren auf der

Vertretung, die ihnen von den Gewerk-

nisationen wie folgt abgestuft«
-

10

�1. Innerhalb einer internationalen
Schäften in den betreffenden IndustrieGewerkschaft
zweigen und nicht gebietlich uebertragen
Mehrere Ortsgewerkschaften in einem
wurde.
bestimmten Bezirk, die einen Teil
derselben internationalen Gewerkschaft bilden, koennen sich zum
Zwecke des Abschlusses von Kollektivvertraegen und fuer andere Zwecke zusammentun. Abgesehen von der Mitgliedschaft in diesen Ortsverbaenden behaelt darueber hinaus jede einzelne
Ortsgewerkschaft direkt ihre Mitgliedschaft in der Internationalen Gewerkschaft bei, von der sie einen Teil
bildet und von der 3ie ihre Konzession
(charter) erhalten hat.
2. Innerhalb des Industriezweiges
Mehrere internationale Gewerkschaften
koennen sich zu einer Sektion der AFL
zusammenschliessen (Baugewerbe, Metallgewerbe, Seemannsgewerbe etc) Eine
Sektion besteht aus internationalen Gewerkschaften, die fuer verschiedene Sektoren eines allgemeinen industriellen
Gebiets zustaendig sind. So besteht z.B.
die Sektion Metallgewerbe der AFL aus
verschiedenen internationalen Gewerkschaften, deren Mitglieder in den verschiedenen
Metallgewerbezweigen beschaeftigt sind.
Waehrend jede Sektion die allgemeinen
Richtlinien festlegt, behaelt jede einzelne internationale Gewerkschaft einer Sektion ihre absolute Selbstaendigkeit bei
und fuehrt ihre eigenen Kollektiwerhandlungen durch und regelt auch selbst ihre
internen Angelegenheiten.
3. Innerhalb eines Gebiets
Ortsgewerkschaften, die verschiedene Gewerbezweige vertreten und verschiedenen nationalen Gewerkschaften angeschlossen sind,
koennen sich zu zentralen Arbeitergewerkschaften zusammenschliessen, die gewoehnlich
ihrem Charakter nach sich ueber die ganze
Stadt erstrecken, oder zu Buenden, die ihrem
Charakter nach ueber einen ganzen Staat verteilt sind. Eine jede solcher geographischen
Organisationen entspricht fuer ihre Gebiet
einer AFL fuer sich im kleinen. Die Mitgliedschaft erfasst nicht Eihzelmitglieder,
sondern Ortsgewerksohaften, die Arbeiter
zahlen irgendwelche Beitraege nicht direkt
-

11

-

�an die zentrale Arbeitergewerkschaft
oder den Gewerkschaftsbund eines
Staates. Diese Ortsverbindungen fuehren keineKollektivverhandlungen mit
den Arbeitgebern, sondern bilden die
Organe, durch die die Ortsgewerkschaften ihre Einstellung den politischen
und anderen Dingen gegenueber zum
Ausdruck bringen.
Von wem werden Vereinbarungen bei Kollektiv-Verhandlungen seitens der Gewerkschaften getroffen. Von den Ortsgewerkschaften, von den Landesgewerkschaften oder von
beiden. Verhandeln die Buende oder die Raete der Gewerkschaften ueber solche
Vereinbarungen.
AFL Abkommen ueber Kollektiwertraege werden von vielen Stellen oder
Kompetenzen getroffen. Solche Abkommen koennen nur fuer ein Handwerk in
einem bestimmten Gebiet, fuer ein
Gewerbe in einem Gebiet, fuer einen
Industriezweig in einem Gebiet, fuer
alle Arbeiter in eten Industriezweig des Landesverbandes oder fuer
eine Kombination dieser Gruppen getroffen werden. Ortsgewerkschaften,
die derselben Internationalen Gewerkschaft angeschlossen sind, schliessen
sich zusammen, um oertliche gemischte Ausschuesse oder Räte zu bilden,
und fuehren haeufigflier andere Ortsgewerkschaften, Verhandlungen mit
Arbeitgebern. Die anders gearteten
oertlichen Organisationen, die zentralen Arbeitergewerkschaften, die
sich ueber die ganze Stadt und die
Buende, die sich ueber den Staat
erstrecken, verhandeln nicht mit
den Arbeitgebern ueber Bedingungen
und Vertraege.

CIO Kollektivvertragsabkommen werden sowohl, von Ortsgewerkschaften wie auch von
Landesverbaenden abgeschlossen. Das Ziel
besteht fuer unsere Gewerkschaften darin,
wenn moeglich ein Kollektiv-Vertragsabkommen zu erreichen, das sich auf den ganzen Industriezweig erstreckt. Der Bund oder Rat, der fuer ein bestimmtes Gebiet
gebildet wurde, verhandelt nicht ueber
Kollek t i wertragsabkomraen.

2. Religion und Politik
Gehoeren Arbeiter verschiedenen Glaubens denselben Gewerkschaften an oder verteilen sie sich auf die Organisationen, die auf ihren verschiedenen religioesen
Bindungen basieren.
AFL In der AFL gehoeren die Arbeiter
verschiedener religioesen Bekenntnisse alle zu denselben Gewerkschaften. Es gibt keine Gewerkschafen,
-

CIO Im CIO gehoeren die Arbeiter verschiedener Konfession denselben Gewerkschaften an und verteilen sich nicht auf
Organisationen, die auf diesem Unter12 -

�Landes- oder Ortsgewerkschaften, die
auf religioesen Bindungen basieren.
F.

schied basieren.

Gehoeren Arbeiter verschiedener politi3cher Anschauungen denselben Gewerkschaften an oder verteilen sie sich auf Organisationen, die auf ihren von einander
abweichenden politischen Bindungen basieren.

A. AFL In der AFL gehoeren die Arbeiter
verschiedener politischer Ueberzeugungen und Vereinigungen zu denselben
Gewerkschaften. Es gibt keine Gewerkschaften, weder Landes- noch Ortsgewerkschaften, die auf gemeinsamen
politischen Bindungen basieren.

CIO Die Arbeiter mit verschiedenen
politischen UeberZeugungen gehoeren
denselben Gewerkschaften an und verteilen sich auch nicht diesen unterschieden entsprechend.

Sind Sie damit einverstanden oder missbilligen Sie es, wenn eine politische
Partei versucht, Gewerkschaften zu beherrschen, und sie fuer ihre'Parteizwecke
auszunutzen.
AFL Die AFL widersetzt sich energisch jedem Versuch seitens irgend
einer politischen Partei oder Organisation, die Gewerkschaften zu beherrschen und sie oder ihre Mitglieder fuer irgendwelche Zwecke zu gebrauchen.

CIO Wir Im CIO missbilligen die Versuche jeder politischen Partei, die
Arbeiter fuer ihre parteipolitischen
Zwecke auszunutzen.

Sind Sie damit einverstanden oder missbilligen Sie es, wenn eine politische
Partei in Werkstaetten und Fabriken Fuss fasst und diese Fuer ihre organisatorischen Zwecke als Grundlage benutzt.
A. AFL Die AFL missbilligt die Gruendung politischer Organisationen in
den Anlagen der Fabrik in jeder Form.
In den Vereinigten Staaten stellen wir
fest, dass die Grundeinheit der politischen Parteien ihrem Charakter nach
im allgemeinen nichtindustrieller
Natur ist. Waehrend einerseits eine
politische Partei zu besonderen Gelegenheiten und aus besonderen Bedürfnissen heraus vielleicht zeitweilig fuer eine Gruppe von Menschen
mit gemeinsamen wirtschaftlichen
Interessen politische Organisationen
bildet, sind jedoch die staendigen
politischen Einheiten ihrer Natur
nach mehr geographischer als wirtschaftlicher Natur.

-

13 -

CIO üeber diese Frage bin ich mir
nicht ganz im Klaren« im allgemeinen
missbilligt es der CIO, wenn eine politische Partei ihre Organisation in
Werkstaetten und Fabriken bringt und
diese fuer ihre organisatorischen Zwecke
benutzt. Der CIO verfuegt ueber seine
eigenen politischen Einrichtungen, die
bestrebt sind, sich die Unterstuetzung
der Arbeiter fuer die Erreichung der
politischen und gesetzgeberischen Ziele,
die er fuer nuetzlich haelt, zu sichern.

�Truman atnwortet auf die Beschuldigung, dasa Amerika
nach der Weltherrschaft strebt.
In ihren Reden behaupten die Kommunisten staendig, der Marshall-Plan sei der
Kern des amerikanischen Imperialismus. In diesem Zusammenhang erscheint es daher
angebracht, zu dieser Frage einige Saetze aus der Antrittsrede des Praesidenten
Truman zu zitieren«
"Imperialismus und Ausbeutung fuer fremden Profit haben in unseren Plaenen
keinen Platz. Was uns vor Augen steht, ist ein Aufbauprogramm auf der Grundlage
demokratischer Fairness.
"Aller Staaten der Welt, einschliesslich unseres eigenen Landes, werden aus
einem konstruktiven Programm zur besseren Ausnutzung der natuerlichen und menschlichen Hilfsquellen der Welt grossen Nutzen ziehen, und wie die Erfahrung lehrt,
wäschst unser Aussenhandel mit dem industriellen und wirtschaftlichen Gedeihen
des Auslandes.
"Produktionssteigerung ist der Schluessel zu Wohlstand und Frieden. Der Schluessel zu einer groesseren Produktion aber ist eine ausgedehntere und energischere
Auswertung moderner wissenschaftlicher und technischer Errungenschaften.
"Nur durch eine Unterstuetzung der weniger vom Glueck gesegneten Glieder der
menschlichen Gesellschaft bei ihren Bemuehungen, sich selbst zu helfen, kann die
Menschheit das anstaendige und befriedigende Leben fuehren, das ein Hecht aller
Menschen ist.
"Die Demokratie allein kann den Yoelkern der Welt die Kraft zu siegesgewissen
Handeln geben, nicht nur gegen ihre menschlichen Bedruecker, sondern auch gegen
ihre uralten Feinde-. Hunger, Elend und Verzweiflung.
"In Verfolgung dieser Tier Hauptgesichtspunkte hoffen wir, zur Schaffung
von Verhaeltnissen beitragen zu koennen, die schliesslich zu persoenlicher Freiheit und zum Glueck der ganzen Menschheit fuehren werden. Um unsere Ziele der Verwirklichung naeher zu bringen, ist es natuerlich erforderlich, dass wir uns in
diesem Lande weiterhin wirtschaftlichen Wohlstandes erfreuen und uns stark erhalten. Langsam, aber unbeirrt schaffen wir jedoch auf diesem Wege eine Welt
internationaler Sicherheit und wachsenden Wohlstandes.
"Wir haben alle diejenigen zur Seite, die frei von Furch leben wollen,
und auch alle, die heute in der Furcht vor ihrer eigenen Regierung
leben.
"Wir haben alle zur Seite, die sich nach Befreiung von den Luegen der
Propaganda sehBn und Wahrheit und Aufrichtigkeit erstreben.
"Wir haben alle zur Seite, die fuer Selbstregierung und ein Mitbestimmungsrecht bei der Entscheidung ihre eigenen Angelegenheiten eintreten.
"Wir haben alle zur Seite, die sich nach wirtschaftlicher Sicherheit
sehnen, nach jener wirtschaftlichen Sicherheit und dem Wohlstand, dessen
sich Menschen in freien Gemeinschaften erfreuen koennen.

- 14 -

�"Wir haben alle zur Seite, die Redefreiheit, Religionsfreiheit und die Freiheit erstreben, ihr eigenes Leben in den Dienst eines positiven Zieles zu
stellen
"Unsere Verbuendeten sind die Millionen, die nach Rechtschaffenheit duersten.
"In absehbarer Zeit, wenn unsere Festigkeit klarer zu Tage tritt, und wenn
mehr und mehr Nationen die Segnungen der Demokratie kennenlernen und an dem wachsenden Wohlstand Anteil haben, dann glaube ich, werden jene Staaten, die heute noch
unsere Gegner sind, ihre Irrtuemer aufgeben und sich mit den freien Nationen der
Welt zu einer gerechten Regelung aller internationalen Streitfaelle zusammenfinden."
"Der Lauf der Weltgeschichte hat unserer amerikanischen Demokratie neuen Einfluss und neue Aufgaben gebracht, die unseren Mut, unser Pflichtbewusstsein und unsere Auffassung der Freiheit auf die Probe stellen werden.
"Doch ich erklaere vor allen Menschen: w a s wir i&amp; Freiheit erreicht haben, werden wir in noch groesserer Freiheit uebertreffen.
"In festen Vertrauen auf den Allmaechtigen werden wir voranschreiten in eine
Welt, in der die Freiheit der Menschen gewaehrleistet ist. Diesem Ziel werden wir
unsere Kraft, unsere Hilfsquellen und unsere Entschlossenheit weihen.
"Mit Gottes Hilfe wird die Zukunft der Menschheit in einer Welt des Rechts, der
Harmonie und des Friedens gesichert sein.
Antrittsrede des Praesidenten Truman vom 20. Jan 49 vor dem amerikanischen Kongress
Die Betriebsraete in Oesterreich
Nachstehend einige Auszuege aus Berichten ueber die Betriebsraete in Oesterreich, die ineder "Documentation Franpaise" erschienen und vom "Bulletin Hebdomadaire Reserve aux Militants Syndicalistes Libres," abgedruckt wurden. Die Betriebsraete in Oesterreich bildeten eine Waffe der Gewerkschaftsbewegung. Sie wurden vom
Dollfuss-Regtme fuer ungesetzlich erklaert. Im August 1945 begann ihr Wiederaufstieg.
Das Betriebsraetegesetz von 1947i das im folgenden aufgefuehrt ist, erstreckt sich
auf alle Firmen, die wenigstens 20 Arbeiter haben. Betriebe mit wenigstens 5 Arbeitern waehlen "Vertrauensmaenner". Land - oder Forstarbeiter sowie Verwaltungsangestellte werden von diesem Gesetz nicht betroffen.
"Das erste oesterreichixhe Betriebs-raetegesetz geht auf das Jahr 1919 zurueck.
Dank diesem Gesetz wurde zum ersten Mal auf gesetzlicher Basis die Zusammenarbeit
in einem Unternehmen zwischen dem Arbeitgeber und den gewaehlten Vertretern der Arbeiter erweitert. Obwohl sie von den Gewerkschaften unterschieden waren, sollten die
Betriebsraete eng mit ihnen zusammenarbeiten. Diese Klausel war mit im Gesetz verankert worden, um den Befuerchtungen zu begegnen, die vor allem von den Gewerkschaften
zum Ausdruck gebracht worden waren, dass sich ein gewisser Egismus in den Verkstaetten breitmachen könnte, der geeignet waere, die Berufsorganisationen zu schwaechen.
Tatsaechlich bestand jedoch keine Rivalitaet zwischen den Betriebsraeten und den
Gewerkschaften. Im Gegenteil, die Vertrauensmaenner der Gewerkschaften wurden im allgemeinen auf Grund ihrer Erfahrungen zu Mitgliedern der Betriebsraete gewaehlt. Jedoch wurde die Stellung der Betriebsraete durch die Wirtschaftskrisen geschwaecht,
die in Oesterreich baLd eng aufeinanderfolgten und durch einen Vorstoss der konservativen Parteien....
"Ein neues Gesetz vom 28. März 1947 sieht fär jeden Privatbetrieb die Bildung
eines Betriebsrates vor, der von den Arbeitern und Angestellten fuer 2 Jahre gewählt
wird und dem folgende Pflichten auferlegt sind«1. Die wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen und praktischen Interessen
des Personals des Unternehmens zu schuetzen und zu foerdern, und zwar durch folgende Massnahmen; Ueberwachung der Durchfuehrung der Kollektiwertraege durch
gemeinsames Entwurf der Arbeitsbestimmungen,
-

15

-

�Ueberwachung der Einstellungen und Entlassungen (in manchen Faellen hat der entlassene Arbeiter das Recht, durch den Betriebsrat Beschwerde zu erheben.),
Pruefung der Durchfuehrung gesetzlicher Bestimmungen zur Verhuetung von Unfaellen
und Berufskrankheiten, indem ein Arbeitsinspektor die Raeume ueberprueft und zwar
in Anwesenheit des Betriebsrates,
Kontrolle der Kasse fuer Schutzmassnahmen und der Unterstuetzungsgelder oder Beteiligung an ihrer Verwaltung, wenn der Arbeitgeber die Verantwortung dafuer trägt.
2. Die Errichtung eines Fonds aus Beitragsgeldern, die von den Loehnen abgezogen
werden, um die Kosten fuer die Geschaeftsfuehrung des Betriebsrates zu decken
oder fuer Sparmassnahmen.
2« Mitarbeit in der Leitung und Geschaeftsfuehrung des Betriebs, wenn er mehr als
20 Lohnempfaenger beschaeftigt.
"Diese Bestimmung, die ausserordentlich wichtig ist, gab Anlass zu den hitzigsten
Debatten. Sie gibt dem Lohnempfaenger durch seine Vertreter das Recht, ueber die Interessen des Betriebes als solchen hinaus die allgemeinen wirtschaftlichen Interessen zu
berücksichtigen und Massnahmen in Betracht zu ziehen, die geeignet sind, Menge und Qualitaet der Produktion zu erhoehen.
"In grossen Gesöhaeftsunternehmen )Banken, Versicherungsgesellschaften, Bergwerken
usw.) geht das Mitbestimmungsrecht sogar noch weiter. Der Leiter des Unternehmens ist
rerpfliehtet, einen Bericht abzugeben ueber die wirtschaftliche Lage des Unternehmens,
ueber die Produktion, Auftraege, Absaetzgebiete und die Massnahmen, die fuer die Verbesserung der Fabrikationsverfahren und den glatten Geschaeftsverlauf geplant wind".
Bulletin Hebdomadaire Reserve aus Militants Syndicalistes Libres"
10 Dezember 1948

- 16 -

OHOUS, ?-3B3, L, F.* U9, ^

0

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge «tu der amerikanischen Presse and anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

Nr. 52

Berlin, 18 Februar 1%9

Die Spaltung im Weltgewerkschaftsbund
Bis jetzt sind in diesem Informationsblatt keine Artikel ueber die Spaltung im
Weltgewerkschaftsbund (WFTO) erschienen, die gegen Mitte Januar in Paris vollzogen
wurde. Hierueber haben die Zeitungen berichtet. Die Spaltung hat nicht ueberrascht.
die meisten demokratischen Gewerkschaftler haben sie auch erwartet. Nun wollen die
Ueberbleibsel des WFTO ihre Arbeit fortsetzen und betrachten sich als die Vertretung
vpn 70 Millionen Arbeitern. Der WFTO wird auch weiterhin vom Arbeitswesen und fuer
die Arbeiterschaft sprechen, wird aber Politik treiben.
Es ist noch nicht sicher, was fuer eine Organisation die demokratischen Gewerkschaften gruenden werden, oder wann sie gebildet wird. Nach amerikanischen Berichten
zu urteilen, werden die drei grossen Organisationen der amerikanischen Arbeiterbewegung, der CIO, die AFL und die Eisenbahner-Verbaende der neuen Organisation beitreten. Die AFL wird sich nicht fernhalten, wie sie es beim WFTO getan hatte. Der CIO
und die AFL muessen sich jedoch darueber einigen, ob sie der neuen Organisation als
gleichgestellte Verbaende beitreten. Es hat den Anschein, als wenn die AFL als der
aeltere und etwas groessere Verband die Forderung stellen wird, als fuehrende amerikanische Gewerkschaftsorganisation anerkannt zu werden. Es ist aber auch nicht wahrscheinlich, dass der CIO sich mit einer zweitrangigen Stellung zufriedengeben wird.
Die Loesung dieser Frage kann vielleicht noch viele Monate dauern.
Es muss aber auch noch etwas anderes in Betracht gezogen werden. Wird nun der
im Verfall begriffene V/FTU sich bemuehen, in denjenigen demokratischen Laendern, die
sich der neuen Weltorganisation anschliessen, getrennte von den Kommunisten beherrschte Verbaende zu gruenden. In den Vereinigten Staaten wuerde eine solche Organisation
nur klein aber immer noch gross genug sein, um viel Getoese zu machen und Delegierte
in den WFTC zu schicken, die alle amerikanischen Arbeiter "vertreten".
Wenn dieser Artikel dem Leser vorliegt, wird der Exekutivausschuss des RumpfWFTU wohl bereits eine ausserordentliche Sitzung in Paris abgeschlossen haben, mit
der noch vor Ende Januar zu rechnen ist. Es ist anzunehmen, dass dieser Zusammenkunft eine Flut von Beifallstalegrammen von kommunistischen Gewerkschaftsgruppen aus
der ganzen Welt zugehen werden. Vor Kitte Februar wird man wohl irgend eine formelle
Erklaerung ueber die zukuenftige Politik, die man einschlagen will, als Beschluss
dieser Rumpf-Konklave erwarten koennen.
Die organisierte Arbeiterschaft kann die Kluft ueberbruecken
Einer der wichtigsten Sprecher auf der 10. Jahresversammlung des CIO, die im
November in Portland, Oregon, stattfand, war William 0 Douglas, Beigeordneter Richter
-

1 -

�im Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. Einige Hoehepunkte in seiner Ansprache an die amerikanische Arbeiterschaft sind fuer die Arbeiter ueberall von
Interesse.
"Die Demokratien der Welt sehen erwartungsvoll auf die Arbeiterschaft, damit
diese den Mittalweg offen haelt," sagte Douglas, "Sie wissen, dass es heutzutage in
der Welt keine staerkere Zitadelle der Demokratie gibt als die Gewerkschaftshaeuser."
Der Arbeiterschaft rechnete Douglas die wichtigste "politische Erfindung" des J rrhunderts, "das Gemeinwesen der menschlichen Wohlfahrt" hoch an, in dem die Philosophien fuer das Volk arbeiten. Der Richter Douglas fuehrte aus, dass die Arbeiterschaft" die erste Koerperschaft sei, die ganz besonders deutlich die wirtschaftliche
Unsicherheit des neuen Industriezeitalters empfindet."
Er fuegte hinzu, dass das Denken der Arbeiterschaft nicht bei den Problemen
innerhalb des Landes allein Halt machen kann. "Die Arbeiterschaft ist ganz besonders
dazu befaehigt, die Kluft zu ueberbruecken, die zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten im Wachsen war." Er erklaerte, dass die Gewerkschaften diese entscheidende
Stellung einnehmen koennen, weil "ein neues Europa geboren wird
neue Fuehrer an
die Macht gekommen sind" und auch neue Parteien. Diese neuen Parteien deren Grundlage die Arbeiterschaft bildet, haben wohl verschiedene Hamen, aber sie treten fuer
dieselbe Art liberaler Demokratie ein." "Es ist eine Tatsache, dass aus dem nazistischen Schmelztiegel des Todes in jedem Lande Westeuropas eine starke, wachsame und
mit politischen Denken begabte Arbeiterpartei hervorgegangen ist."
"Die amerikanische Arbeiterschaft bringt gute Empfehlungsschreiben fuer diese
neuen europaeischen Fuehrer mit, sagte Douglas. "Tore, die fuer alle anderen fest
verschlossen sind, koennten sich vielleicht auf ihr Anklopfen hin oeffnen
Botschaften der Amerikanischen Arbeiterschaft lassen hoffen, dass sie schnelle Aufnahme
finden. Die amerikanische Arbeiterschaft, fuegte er hinzu, ist in hohem Masse befaehlgt,
als Gesandte dieses Landes bei den europaeischen Nationen zu wirken.
"Der konventionelle Diplomat wird in diesen Tagen der Umwaelzung elend Schiffbruch erleiden, es sei denn, er bringt dem Aufstieg der Arbeiterregierungen der Welt
Verstaendnis entgegen und kann die Faktoren ermessen, die sie geschaffen und erhalten
haben. Nur diejenigen, die in diese Kraefte Einsicht haben, die im Herzen wie in Gedanken Verstaendnis fuer den Kampf der Arbeiterschaft in der ganzen Welt aufbringen,
sind geeignet, das richtig und wahrheitsgemaess darzulegen, was sie gesehen haben...."
Der uebrigen Welt wie auch diesem Lande hier "kann die amerikanische Arbeiterschaft zeigen, auf welche '/«'eise ein Gemeinwesen der menschlichen Wohlfahrt in der
Wirtschaft, als Ganzes gesehen, Gesundung und Stabilitaet schafft", sagte Douglas.
Er fuegte noch hinzu, dass die Arbeiterschaft auf die Vorteile einer industriellen
Gerechtigkeit, einer politischen Unabhaengigkeit oder eines wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritts auf einer wohlgeordneten und ruhigen Grundlage verweisen kann.
"Die Kommunisten sind in bezug auf die Geschichte falsch beraten, wenn sie den
Klassenkampf zur Hauptfrage dieses Zeitalters machen. Diese Streitfrage ist delikater
und erheischt mehr. Die Streitfrage geht darum, wie man ein modernes Industrieunternehmen zum Vorteil aller reibungslos und produktiv arbeiten lassen kann....Die amerikanische Arbeiterschaft kann zur Verschmelzung der verschiedenen demokratischen Gruppen in der Welt zu einem harmonischen Ganzen enorm viel beitragen. Die amerikanische
Arbeiterschaft kann die klassenbewussten Gruppen ueber den Unsinn des Klassenkampfes
belehren. Die amerikanische Arbeiterschaft kann den Glauben und das Vertrauen auf die
amerikanische Methode verbreiten, die eine klassenlose Gesellschaft ohne Ausbeutung
irgend einer Gruppe aufbaut."
"The CIO News" 29. November 19A8

-

2 -

�Franzoesische Kommunisten zitieren AFL-Vertreter
Auf der AFL-Tagung in Cincinnati hielt Irving Brown, der europaeische Vertreter
dieser Organisation, eine Rede, in deren Verlauf er den Verfall des Weltgewerkschaftsbundes (WFTO) eroerterte.
Er sprach darueber, wie diese Organisation von den Russen als PropagandaInstrument benutzt wurde, bis sie ihre Zweckdienlichkeit verloren hatte. Er fuegte dann
hinzu, dass der Zerfall des WFTO hauptsaechlich auf die Opposition der AFL gegen ihn
zurueckzufuehren sei. Schliesslich sagte er: "Der WFTO ist ein Leichnam, der nur noch
nicht begraben ist. Wir wollen hoffen, dass das bald der Fall sein wird."
Die kommunistische Zeitung "Humanite" hat die Rede Browns aber nicht so wiedergegeben. Das Blatt schrieb am 18. November, dass Brown "der Organisator mit den Dollars...., der die Gewerkschaftsbewegung korrumpiert," von seinen "Force OuvriereLakaien" gesagt haette, dass ihre Gewerkschaften "beinahe Leichname seien". Er fuegte
jedoch hinzu, 'dass sie mit unserer Hilfe und der Hilfe Amerikas wieder zum Leben
erweckt werden koennen'".
"Weekly Bulletin for Militant Free Trade
Unionista (Paris)" 13. November 1948
Norwegische Arbeiterfuehrer besuchen die Vereinigten Staaten
Sieben Gewerkschaftsfuehrer aus Norwegen verliessen am 23. Dezember Oslo, um
auf Kosten des Marshall-Plans die Produktionsmethoden in den amerikanischen Industrie«
zu studieren. Ausser den Arbeiterfuehrern befinden sich noch 3 prominente norwegische Industrielle bei dieser Gruppe. Die Reisegruppe wird die industriellen Einrichtungen in New York, Detroit und im Tennessee-Tal besichtigen.
"European Information Service" ECA.
Ein Ungar erklaert, was Arbeiterdiktatur bedeutet
Matyas Rakosi, der Vizepresident Ungarns und Fuehrer der Kommunistischen Partei Ungarns enthuellte vor kurzem in seiner Eigenschaft als wirkliches Oberhaupt
der Regierung in einer Rede die rauhe Wahrheit ueber die "Volksdemokratie". Es ist
dies eine "Diktatur des Proletariats ohne die Sowjetform". Er stellte folgende
Frage: 'Was bedeutet es, wenr in einer demokratischen Republik die Arbeiterklasse
die Macht in ihre Haende nimmt. Ist das auch eine Diktatur. Darauf kannes nur eine
Antwort geben; ja, unbedingt.
"Die Diktatur des Proletariats, 'sagte Stalin vor 25 Jahren', ist genau dasselbe wie jede andere Art von Diktatur, ein Mittel, um den Widerstand des Klassenfeindes zu unterdruecken. Der proletarische Staat ist ein Apparat zur Unterdrueckung
der Bourgeoisie. Die Volksdemokratien, und unter ihnen die Volksdemokratie des ungarischen Volkes, sind in der Lage, eine proletarische Diktatur zu errichten ohne
die Sowjetform, weil sie sich selbst auf die grosse Sowjetunion stuetzen keennen.
"Die Feinde des Volkes flohen zum groessten Teil nach Westen und diejenigen,
die hiergeblieben sind, hielten sich von einem offenen Aufstand fern, weil sie
schwach sind, und weil die Sowjetarmee hier ist. Aus diesem Grunde konnte ein volksdemokratischer Staat unter verhaeltnismaessig friedlichen Verhaeltnissen und ohne
einen blutigen Buergerkrieg die Funktionen einer proletarischen Diktatur ausueben."
"New York Times" 23. Januar 1949.
Amerikanische Sachverstaendige bezeichnen Baumethoden
als rueckstaendlg
Die Abteilung fuer Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen hat vor
kurzem eine 74-seitige Schrift veroeffentlicht, die sich mit dem Bauproblem in den

- 3 -

�hauptsaechlichsten Industrielaendern befasst. In einem Abschnitt dieses Berichts
ist die Rede von den Arbeitsmethoden der Baumeister in den meisten Laendern. Es
wird mit den anderen Industriezweigen ein Vergleich gezogen. In 16 Europaeischen
Laendern besteht ein Mangel an 14 Millionen Wohnungen. In dem Bericht wird zum
Ausdruck gebracht, dass man mit den heutigen Baumethoden diesem Mangel nie wird
begegnen koennen, weil diese sich bei manchen Handwerksberufen jahrelang nicht geaendert haben und jedem Aenderungsvorschlag heute Widerstand entgegengesetzt wird.
In vielen Laendern, wie in den Vereinigten Staaten, bekommt man fuer einen Dollar,
der fuer Haeuserbau ausgegeben wird, nicht soviel wie fuer einen Dollar, der in
Automobilen, Kuehlschraenken, Radioapparaten, Waschmaschinen und andere Industrieerzeugnisse angelegt wird."
In dem Bericht wird der Vorschlag gemacht, man solle beim Haeuserbau mehr an
industrielle als an jahrhundertalte manuelle Baumethoden denken.
"New York Times" 23. Januar 1949.
Franzoesische Gewerkschaften wuerdigen den Marshall-Plan
Die "Force Ouvriere", das Wochenblatt der nichtkommunistischen Gewerkschaft
"Confederation Generale du Travail"- Force Ouvriere", beantwortete vor einiger Zeit
die Angriffe der Kommunisten auf das Europaeische Wiederaufbau-Programm. In einem
Artikel mit der Ueberschrift "Die Wahrheit ueber den Marshall-Plan" schreibt die
Zeitung u.a.«
"Viele Arbeiter in der Welt fragen sich, warum die Vereinigten Staaten in bezug
auf einen Teil Europas so grossherzig und freigebig geworden sind, und ganz besonders
in bezug auf Frankreich. Es ist schwer, fuer eine solche grosszuegige Geste eine Erklaerung zu finden, und es wird behauptet, dass die Amerikaner nur die Ware loswerden wollen, die sie sonst nicht verkaufen koennen. Dies entspricht jedoch nicht der
Wahrheit.
"Nach dem augenblicklichen Stande der Weltproduktion gibt es keine Erzeugnisse,
die nicht verkaeuflich waeren. Ausserdem werden die Waren, die man uns seit Inkrafttreten des Marshall-Plans kostenlos liefert, von den amerikanischen Steuerzahlern
bezahlt. Dadurch, dass die Amerikaner den Marshall-Plan angenommen haben, glaubten
sie, dass es in ihrem Interesse waere, eine politische Krise zu vermeiden, die sich
aus einem Zusammenbruch der europaeischen Wirtschaft ergeben haette. Die verschiedenen kommunistischen Parteien erheben oft den Vorwurf, dass der Marahall-Plan ein
Instrument des Krieges sei, das gegen sie, oder, um es genauer zu sagen, gegen Sowjetrussland gerichtet sei.
"Er ist aber nichts weiter als eine Waffe des Krieges gegen das Elend. Nur diejenigen, die darauf hoffen, dass dieses Elend der UdSSR hilft, leugnen das ab. Das
wird auch durch ihre Massnahmen und ihre Agitation bewiesen. Es besteht daher kein
Grund, warum die Arbeiter nicht an diesem Plan mitarbeiten sollen, was in ihrem
eigenen Interesse waere. Es ist sicher, dass weder das politische Regime Frankreichs
noch seine Abhaengigkeit in Gefahr ist

"
"European Information Service" EGA 17. Dez. 48
Arbeiterführer des ERP kommen in der Schweiz zusammen
Am 22. Januar kamen Gewerkschaftler aus 12 Marshall-Plan Laendern in Bern,
Schweiz, zu einer Konferenz zusammen, um Besprechungen ueber die Beteiligung der
Arbeiterschaft am Europaeischen Wiederaufbau-Programm zu fuehren. Obwohl es nicht
auf der Tagesordnung stand, bildete das wichtigste Diskussionsthema den Vorschlag
zur Bildung einer neuen V.'eltgewerkSchaftsorganisation. Die Teilnehmer ernannten
V/alter Schevenels (Belgien) zum staendigen Leiter der Beratungsstelle beim ECA,

- 4 -

�die in Paris von den nichtkommunistischen Verbaenden unterhalten wird. Aus den
Berichten geht hervor, dass die deutschen Gewerkschaftler, die anwesend waren, derueber Klage fuehrten, dass die organisierte Arbeiterschaft in der amerikanischen
Zone Deutschlands "im Prinzip von der Beteiligung an der Wiederaufbauplanung durch
die Amerikanische Kilitaerregierung ausgeschlossen wuerde."
"New York Times" 23. Januar 1%9
Die AFL erhebt Einspruch gegen die Ernennung von Schevenels
Am 22. Januar wurde auf der Konferenz der nichtkommunistischen Gewerkschaftler
aus den Marshall-Plan Laendern in Bern Walter Schevenels (Belgien) zum Vertreter
dieser Gruppe beim EGA in Paris ernannt. Der Delegierte der AFL erhob zugleich mit
den Delegierten der Christlichen Gewerkschaften aus der Schweiz, aus Italien und
Frankreich Einspruch gegen die Ernennung. Es liegen jetzt Nachrichten aus Washington
vor, denen zufolge die Exekutive der AFL in bezug auf diesen Einspruch gegen Schevenels fest auf ihrem Standpunkt beharrt. Die AFL wird sich weigern, sich in irgend
einer ?/eiser"an der Arbeit des Gewerkschaftsbeirats der am Europaeischen Wiederaufbauprogramm interessierten Nationen zu beteiligen, wenn Walter Schevenels als Sekretaer eingesetzt wird."
Schevenels war 2. Sekretaer des Weltgewerkschaftsbundes (WFTü), wollte aber von
seinem Posten zuruecktreten, um sein neues Amt anzutreten. Jahrelang war er Generalsekretaer des Internationalen Gewerkschaftsbundes, der im Jahre 1945 durch den 7JFTÜ
ersetzt wurde. Die AFL macht Schevenels, den sie "politisch unzuverlaessig" nennt,
den Vorwurf, er haette von den Bueros des WFTÜ in Paris aus Telegramme an die Gewerkschaften verschiedener Laender gesandt mit der Aufforderung den von den franzoesischen
Kommunisten gefuehrten Kohlenarbeiterstreik zu unterstuetzen.
"New York Times" 25. Januar 1949
Sind die Differenzen zwischen Jugoslawien und dem Kominform echt?
Ein amerikanischer Aufsatz in der "New York Times" macht eine Anzahl anzueglicher Bemerkungen zu dem Zwist zwischen dem Kominform und der Kommunistengruppe Jugoslawiens. Der Artikel folgert,dass dieser Zwist ein verabredeter Trick sei, um Russland etwas von der Last beim Aufbau der Laender des "Eisernen Vorhanges" abzunehmen.
Russland muss seine Entwicklung beschleunigen, doch brauchen diese Laender mehr als
Russland jetzt liefern kann. Jugoslawien ist zeitweilig aus der "Familie" ausgestossen
worden und zu einem Verstossenen gestempelt worden in der Annahme, dass ihm die Westmaechte zu Hilfe kommen werden.
Wenn dies ein Trick sein sollte und der Trick seinen Zweck erfuellt, dann wird
Jugoslawien, wie der Verfasser meint, die Grosszuegigkeit der Westmaechte geniessen
und von ihnen die Industrieerzeugnisse erhalten, die Russland augenblicklich nicht
liefern kann. "Dann wird der Prozess der "Feindseligkeit", nachdem er seinen Zweck
erfuellt hat, von Jugoslawien abgestoppt. Und wenn es dann vom Westen alles bekommen
hat, was es braucht, dann wird sich Jugoslawien mit genau demselben Theater wieder
anfreunden, wie es ausgestossen wurde."
"New York Times" 22. Januar 1949
Der Praesident Amerikas ist ein vielbeschaeftigter Mann
Der Praesident der Vereinigten Staaten sowie der Vizepräsident sind die einzigen
Regierungsbeamten, die vom ganzen Tolke gewaehlt werden. Die Senatoren und Mitglieder
des Kongresses werden in ihren entsprechenden Staaten oder Bezirken vom Volke gewaehlt und vertreten lediglich ihre Bezirke oder Staaten. Der Praesident aber vertritt das ganze Volk.
Das bedeutet, dass jeder Mann, jede Frau oder jedes Kind in den Vereinigten
Staaten an den Praesidenten schreiben, ihm ein Telegramm schicken, ihn sogar anrufen
oder ihm Pakete schicken kann. Das bringt natuerlich eine Menge Arbeit mit sich.

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�Der Praesident muss ein grosses Personal haben, um die Zuschriften aus dem Volke
alle bearbeiten zu koennen. Nur gelegentlich bekommt er einmal persoenlich eine
Zuschrift in die Hiaende. Alles Uebrige geht an die verschiedenen Bueros und Dienststellen zwecks Beantwortung "im Auftrage des Praesidenten". Im Laufe des Jahres l%ä
hat der Praesident 562.000 Briefe, 770.000 Postkarten und 255.000 Pakete, Plaene,
Vorschlaege, Programme und Telegramme erhalten.
"Amerikadienst" 12. Januar 1949
Fortbildungsprogramm fuer Arbeitgeber in Grossbritannien
Der Britische Gewerkschaftsbund (TÜC) hat den Vorschlag gemacht, mit der Britischen Industrie an der Einrichtung eines neuen College fuer das Studium der Bobleme der Arbeitgeber in der Industrie und des bürgerlichen Lebens zusammenzuarbeiten.
"Die Ziele des College bestehen darin, die Frinzipien und Techniken der Organisation und der Fuehrerschaft im buergerlichen Leben zu untersuchen und zu erklaeren. Durch wechselweise Beeinflussung des Denkens der jungen Verwaltungsleute versucht das College, denjenigen ein besseres Verstaendnis zu vermitteln, die mit verschiedenen Taetigkeitsgebieten betraut sind, mit anderen Worten, mit Hilfe von Diskussionen, Vorlesungen und einer Zusammenfassung von Gedankengebieten den Gesichtskreis zu weiten
"Anerkannte Autoritaeten auf verschiedenen Gebieten werden fuer das ganze
College Vorlesungen halten...Spezialkraefte, die Gastlektoren am Kollege waren. Der
groesste Teil der Arbeit wird jedoch in den Klassen oder "Konsortien" ("syndicates")
wie sie genannt werden, geleistet. Neun Mitglieder, die alle auf einem verschiedenen
Gebiet erfahren sind, bilden ein "Konsortium", das seinen Vorsitzenden und seinen
Sekretaer waehlt, wobei die geschaeftsfuehrende Lehrkraft den Vorsitz fuehrt und
nur leitet, wenn es sich als notwendig erweist.
"Jedes Konsortium bleibt das ganze Pensum ueber bestehen, das folgende Themen
umfasst; Organisation und Verwaltung, Beziehungen zu Lieferanten, Verbrauchern, zur
organisierten Arbeiterschaft, zur Regierung und zur Oeffentlichkeit, Planung, technologische Entwicklungen und Handel mit Uebersee. Abgesehen vom Studium dieser
Hauptgebiete werden auch Konsortien gebildet, die sich mit anderen, diesen aber verwandten Gebieten befassen. Fuer diese besonderen Frage werden die Konsortien umgruppiert, so dass jeder Student während seiner Studienzeit im College mindestens
3 verschiedenen Gruppen angehoert.
"Unterweisung und Ideen werden aber nicht allein durch Lesen, Vorlesungen und
Diskussionen vermittelt. Wenn persoenliche Probleme untersucht werden, dann sucht
der Vorsitzende und der Sekretaer des Konsortium fuer einen halben Tag ein Industrieunternehmen auf und befragt den Leiter der Personalabteilung. Wenn die Stadtverwaltung den Gegenstand des Themas bildet, dann suchen sie den Buergermeister und den
Stadtarchivar von Raading (wo das College gelegen ist) oder irgend einer anderen
Stadt auf. Jedes Mitglied des Konsortiums fungiert dann als Vorsitzender eines Stadtverwaltungsausschusses (Finanzen, Erziehung, Gesundheitswesen usw.) und setzt sich
dann mit einem richtigen Vorsitzenden in Verbindung, um seinen Bericht auszuarbeiten.
Sobald das Konsortium Beinen Bericht ueber einen Gegenstand abgeschlossen hat, wird
er dem Rektor zugeleitet, der ihn eingehend mit den beamteten Personen des Konsortiums bespricht.
"Die bis in die Einzelheiten gehende Untersuchung der modernen Industrie- und'
Verwaltungsprobleme stellt offenbar in Anbetracht der Uichtbeteiligung der Gewerkschaften etwas Unzulaengliches dar. Die Gewerkschaften sind ein viel zu wichtiger
Faktor, als dass man sie hferbei ausschaltet, und es werden durch besondere Vorlesungen und durch Literatur alle Anstrengungen gemacht, diesen Uebelstand zu beheben.

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�,.'enn nur ein Gewerkschaftler in jedem Konsortium saesse, dann wuerden nicbjt nur
7 Gewerkschaftler ihren Gesichtskreis in bezug auf ihre Ansichten ueber die Betriebsleitung in der Industrie ausweiten, sondern auch 35 Exekutivbeante wuerden viel mehr
ueber das Gewerkschaftswesen wissen. Es wuerde sich somit ein doppelter Gewinn fuer
das Gewerkschaftswesen ergeben
"Labour" Januar 1949
Ein eigenartiges Arbeiterproblem in Japan.
Es ist ein alter Brauch in Japan, das Recht des Arbeiters auf seinen Arbeitsplatz anzuerkennen, ebenso, dass die Arbeiter im Verhaeltnis zu ihrer Beschaeftigungszeit in der Firma, gemessen an den Jahren, Anrecht im Unternehmen haben. Wenn
es sich fuer eine Firma als notwendig erweist, einen Arbeiter wegen Arbeitsmangel zu
entlassen, muss sie ihm ein Entlassungsgeld zahlen, und zwar einen Monatslohn fuer
jedes Jahr, das er beschaeftigt war zusaetzlich eines weiteren Monatslohns. Wenn
also ein Arbeiter, der bei einer Firma 10 Jahre gearbeitet hat, entlassen wird, muss
ihm die Firma fuer 11 Monate eine Abkehrsumme zahlen.
Dieser Umstand ist zu einem ernstlichen Industrieproblem geworden. Seit Beendigung des Krieges waren viele Firmen in Japan nicht in der Lage, alle ihre Arbeiter
voll zu beschaeftigen. Hierfuer lagen viele Gruende vor; Mangel an Brennmaterial,
an Kraftstrom, Rohmaterialien, defekte Ausruestungen. ^ie Arbeiter wurden in grosser
Zahl weiter in den Lohnlisten gefuehrt, obwohl sie nicht produzierten. Die Gesellschaften hatten nie genug Geld, um die ueberschuessigen Arbeitskraefte zu entlassen
und die gesetzlich vorgeschriebenen Abkehrgelder zu zahlen. Jetzt ist vielen Firmen
das Geld knapp geworden, so dass sie allen ihren Arbeitern nicht mehr den Tageslohn
zahlen koennen. Manche Firmen wuerden sich Geld borgen, um ihre Betriebsausgaben
decken zu koennen, jedoch sind solche Anleihen von den Besatzungsmaechten verboten
worden. Nach den Bestimmungen der Militaerregierung ist es den Firmen gestattet, nur
dann fuer ihren Betrieb und fuer die Entwicklung desselben Gelder aufzunehmen, wenn
sie nachweisen koennen, dass sie in ihre Lohnlisten keinenUeberschuss an feiernden
Arbeitern haben.
Die von den Besatzungsmaechten vorgeschriebene Einschraenkung hat viele Industriezweige dazu angeregt, ihre Geschaeftsmethoden zu verbessern. Die durchgefuehrte Industriereform ist etwas, was viele fuehrende japanische Persoenlichkeiten in der
Regierung, in der Industrie und in der Arbeiterschaft schaetzen, doch zoegern sie
immer nofih, sich fuer einen '.Vande 1 einzusetzen.
"New York Times" 23. Januar 1949
Das Schicksal der Arbeiterführer im neuen Polen
Der Herausgeber des franzoesischen Bulletins der Freien Gewerkschaften hat vor
kurzem in einer Ausgabe ueber die Verhoere berichtet, die in Polen stattgefunden haben. Nachstehend einige Beispiele fuer das, was verschiedenen demokratischen Gewerkschaft sfuehrern passiert ist. Manche Namen sind vielleicht den deutschen Gewerkschaftlern bekannt.
"Im Jahre 1947 wurden die hauptsaechlichsten aktiven Arbeiter von der Politischen Sicherheitspolizei verhaftet, unter ihnen Anton Zdanowski, der von 1918 bis
1939 Sekretaer der Polnischen CCL war, Kasimir Pusak, Generalsekretaer der Sozialistenpartei seit 1921, J. Dziegielewski, langjaehriger Sekretaer des Varschauer sozialistischen "Foederalisten", Thaddeaus Szturm, einer der standhaftesten aktiven Sozialisten,
Frau Jeannine Pajdak, Viktor Urawczyk und Felix Misioroski, aktive Gewerkschaftler.
"6 Monate Verhoer kosteten Anton Zdanowski das Leben.... In bewusstlosem Zustande
wurde er seiner Familie zurueckgegeben, ohne jemals wieder das Bewusstsein zurueck-

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�zuerlangen. Er schrie nur immer; 'Nein ich weiss nichts, ich will nichts sagen!•
Frau Pajdak 'zog den Tod der kommunistischen Justiz vor und stuerzte sich aus einem
Fenster des Gebaeudes der Sicherheitspolizei, nachdem sie ein paar Wochen lang
"befragt" worden war.
"Nach 18monatiger Vorbereitung hat jetzt das Verhoer der 6 aktiven Arbeiter vor
einem kommunistischen Militaergericht in Warschau stattgefunden. Wir wollen hier nur
von den Gewerkschaftlern sprechen; es sind zwei; Viktor Krawczyk und Felix Misiorowski.
"Viktor Krawczyk, ein Textilarbeiter, 46 Jahre alt, war jahrelang aktiv in der
Gewerkschaft der Textilbranche in Tschenstochau taetig gewesen, bei der er vor dem
Kriege den Posten eines Sekretaera bekleidete. Er hatte viel Einfluss auf seine
Kameraden. In der polnischen Widerstandsbewegung war er besonders aktiv, er organisierte die Arbeiter seines Bezirks, fuehrte die militaerischen Einheiten der Arbeiter
waehrend der Besetzung. Als er von der Gestapo verhaftet und gefoltert wurde, kam
kein V/ort ueber seine Lippen. Nachdem er zwei Jahre lang von den Deutschen gefangen
gehalten worden war, nahm er seine Arbeit in der Gewerkschaft sofort wieder auf,
als die Befreiung kam.
"Vor Gericht hatte er keine Schuld zugegeben. Andererseits bestritt er auch
nicht gewissen Aktionen, die ihm in der Anklage zur Last gelegt worden waren, weigerte
sich jedoch zuzugeben, dass solche Handlungen mit Verbrechen auf dieselbe Stufe gestellt werden. Jawohl, er war mit seinen Kameraden in der Untergrundbewegung zusammengekommen zu dem Zweck, im guenstigen Moment eine bewaffnete Aktion gegen die Besatzung einzuleiten. Das waren die Handlungen, deren man ihn bezichtigte, und auch
andere, besonders die Tatsache, dass er der sozialistischen Organisation angehoert
hatte, die in Wirklichkeit die Fortfuehrung der Sozialistischen Partei Polens war,
und der die Stalinregierung im Jahre 1945 ihre Anerkennung versagt hatte.
"Viktor Krawczyk, der sich in den 25 Jahren «eines kaempferischen gewerkschaftlichen Lebens als ein energischer und aufopferungsbereiter Mensch gezeigt hatte,
blieb die ganze Zeit ueber waehrend des heimtueckiachen Verhoers seitens des Staatsanwalts mutig und standhaft. Heute wurde er zu 9 Jahren Gefaengnis verurteilt. Da
inzwischen eine Amnestie erlassen wurde, betraegt-seine Gefaengnisstrafe nur noch
4 ^ Jahr Gefaengnis.
"Felix Misiorowski vom Transportarbeiter-Verband war besonders zur Zeit der
Besetzung durah Hitler sehr aktiv. Er war auch ein kaempferischer Sozialist, getreu
seiner demokratischen Einstellung, was in der "Volksdemokratie" als Verbrechen betrachtet wird. Er wurde deshalb schon im November 1946 verhaftet. Zwei Jahre Gefaengnis bis zu seiner Vernehmung haben diesen Eaempfer zerbrochen. F. Misiorowski, der
mutig 6 Jahre Kampf in der Untergrundbewegung, alle Haerten des Krieges und alle
Gefahren des Widerstandes ertragen hatte, wurde durch die Folterungen der Sicherheitspolizei vernichtet. Er gestand alles, was man vom. ihm verlangte...Misiorowski,
der zu 5 Jahren Gefaengnis verurteilt worden war, wurde auf Grund der Amnestie freigelassen, ist aber immer noch 5 Jahre lang seiner buergerlichen Ehrenrechte beraubt..."
"Wochenblatt der Aktiven Gewerkschafter"
Paris, den 26. November 1948
Walter P. Reuther, der Vizepresident des CIO
Walter P. Reuther ist neben Philip Murray, dem Praesidenten des CIO, einer der
bedeutendsten und einflussreichsten amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer. Reuther,
der frueher Sozialist war, tritt heute fuer einen modifizierten Kapitalismus ein
und betont nachdruecklich seine anti-kommunistische Einstellung.
Wenn er auch den Kommunismus ablehnt, so ist Reuther dennoch kein Reaktionaer.
In seinen Ansichten ueber Gewerkschaftspolitik kommen noch immer sozialistische Ge dankengaenge zum Ausdruck, was auch sein Eintreten fuer ein Mitbestimmungsrecht der
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�Arbeiter in der Betriebsfuehrung und Planung beweist. Dieses Mitbestimmungsrecht,
erklaert Reuther, soll durch Betriebsraete erreicht werden,in denen Unternehmer und
Gewerkschaftsvertreter zusammenarbeiten. Nach Reuthers Meinung muessten die Loehne
erhoeht und woechentlich garantiert, die Renten heraufgesetzt und die Sozialversicherung ausgedehnt werden. Obwohl er den Zusammenschluss von Arbeitern und Bauern
in einer Arbeiterpartei anstrebt, wird er jedem Versuch der Kommunisten, eine dritte
Partei aufzubauen, entgegentreten.
Von seiner Fuehrung erhofft man sich eine Verringerung der Streiks, und diese
Hoffnung ist nicht unbegruendet, denn als Reuther Vizepraesident der UAW war und die
Arbeiter bei General Motors vertrat, war das Verhaeltnis zwischen Belegschaft und
Direktion weitaus besser als in den anderen Grossbetrieben der Automobilindustrie.
Reuther wurde am 1. September 1907 in Wheeling, West Virginia, gebaren und ging
mit 17 Jahren bei der Wheeling Steel Co. als Werkzeugmacher und Stempelschneider in
die Lehre. Nach dreijaehrigem Studium an dertfayneUniversitaet arbeitete er von
1927 bis 1932 in Detroit bei der Briggs Manufacturing Co., der General Motors Co.
und als Vorarbeiter bei der Ford Motor Co.. Waehrend der naechsten 3 Jahre fuhr er mit
dem Fahrrad durch Europa und den Nahen Osten, wo er Auto- und Maschinenfabriken besichtigte. 1935 kehrte er nach den Vereinigten Staaten zurueck, um die Arbeiter der
Automobilindustrie zu organisieren, gruenjiete die Ortsgruppe 174 der Vereinigten Automobilarbeitergemeinschaft (U.A.W.) und wurde spaeter deren Leiter. 1939 wurde er
zum Vorsitzenden der U.A. W. Abteilung bei General Motors gewaehlt, nachdem er vorher
Vorstand der U.A.W.-Facharbeiterabteilung gewesen war. Seit 1942 war er Vizepraesident der U.A.W, und Vizepraesident der Internationalen Gewerkschaft der Arbeiter der
Automobil-, Flugzeug- und landwirtschaftlichen Maschinenindustrie. 1946 wurde er
Praesident der U.A.W, und Vizepraesident des amerikanischen Gewerkschaftsbundes CIO.
Mit seiner Frau May Wolf, die er 1936 heiratete und seiner Tochter lebt Reuther
jetzt in seinem Heim in Detroit.
'•Amerika Dienst" 22.Januar 1949
Die Bauarbeiterloehne in Amerika
Das amerikanische Arbeitsministerium kuendigte am 25. Januar an, dass der durchschnittliche Grundlohn fuer organisierte Arbeiter im Baugewerbe in Amerika $2.16 pro
Stunde betraegt. Durch Ueberstunden und Extraloehne wird dieser durchschnittliche
Stundenverdienst jedoch noch viel hoeher. Der woechentliche Bruttoverdienst aller
organisierten und nicht organisierten Arbeiter im privaten Baugewerbe hat sich seit
1939 um 129« erhoeht. Die gev/erkschaftlichen Lohntabellensaetze sind um 10? im Laufe
des Jahres 1948 gestiegen; die groesste Steigerung war im ersten Halbjahr zu verzeichnen. Die Zahlen beruhen auf einer Pruefung der Lohnaaetze, die bei 7 Gewerbezweigen in 85 Staedten vorgenommen wurde. Auf anderen Gebieten als im Baugewerbe
stiegen die Grundlohn-Saetze der organisierten Arbeiter seit Juni 1939 um 6?i,
waehrend der Lebenshaitungsindex der Regierung um 75^ stieg.
"Overseas American News Service" 27. Januar 1949
Eine weitere amerikanische 0rtsp;ewerk3Chaft setzt Kommunisten ab.
Der Verband der Vereinigten Elektro-, Radio- und Uaschinen-Arbeiter von Amerika
(UE), der dem CIO angeschlossen ist, steht in dem Ruf, die groesste amerikanische
Gewerkschaft zu sein, die von den Kommunisten beherrscht wird. Auf Grund dieser
Tatsache sind verschiedene Ortsgewerkschaften des UE aus der Mutterorganisation ausgetreten, um sich zeitweilig anderen CIO-Gewerkschaften, wie z.B. der Gewerkschaft
der Vereinigten Automobil-Arbeiter, anzuschliessen.
Jetzt kommt die Nachricht, dass die UE-Ortsgewerkschaft im Gebiet von Pittsburgh, die 16.000 Mitglieder zaehlt, bei einer kuerzlichen Wahl ihre linksstehenden
Funktionaere ausbootete. Es handelt sich hierbei um eine Schluesselgewerkschaft

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�innerhalb der Organisation und der Verlust der Kontrolle ueber sie bedeutete einen
schweren Schlag fuer den Kommunismus in der amerikanischen Arbeiterbewegung.
In den Arbeiterkreisen ist man der Ansicht, dass andere Ortsgruppen des DE aehnliche Schritte unternehmen werden, Obwohl Berichten zufolge mehr als 90£ der UE-Funktionaere entweder Kommunisten sind oder unter kommunistischem Einfluss stehen, macht
die Anzahl der kommunistischen Mitglieder im UE jetzt insgesamt noch nicht einmal

10t aus.
"Overseas American News Service" 21. Januar 49
Streikziffern fuer 1948 in Amerika
Das Amerikanische Arbeitsministerium hat unlaengst Zahlenmaterial ueber die
Streiks, die 1948 und 1947 in der amerikanischen Industrie stattfanden.

1947
3,693

S t r e i k s (Arbeitseinstellungen)
Arbeiter, die vom Streik betroffen wurden
Verlust an Arbeitstagen auf Grund
der S t r e i k s

1948
3,300

2,170,000

2,000,000 ( l )

34,600,000

34,000,000 ( l )

Streiks, an denen 10.000 Arbeiter
und mehr beteiligt waren
20
15
(l) Die endgueltigen Ziffern werden spaeter veroeffentlicht.
Die Gesamtzahl an Streiks ist gering, wenn man die Tatsache damit vergleicht,
dass die amerikanischen Gewerkschaften in jedem Jahr nahezu 100.000 Vertraege mit den
Arbeitgebern abschliessen.
"Radio Bulletin des Aussenministeriums" 15. Januar 1949
Das Stachanowsystem in Russland
In den westlichen Demokratien bekaempfen die Kommunisten mit aeusserster Schaerfe
jeden Plan, die Produktion durch besondere Schulungs- und Leistungsmethoden zu heben.
Dieselbe ablehnende Haltung nehmen sie dem Akkordlohnsystem gegenueber ein. Sie bezeich
nen die Akkordarbeit als eine Form der Sklaverei. Die beiden genannten kapitalistischen
Methoden sind jetzt zu einem russischen Leistungssystem zusammengefasst worden, das
als Stachanowsystem bekannt, und als «ine Stufe zum industriellen Fortschritt verherrlicht wird. Wir zitieren folgende Saetze:"Ihr Korrespondent besuchte diese Woche die Dynamo-Werke in Moskau, ein groesseres
Elektromaschinenwerk, das seinen Plan fuer 1948 bereits am 7. November erfuellt hat,
und berichtete am anderen Tage ueber die Errungensclmaften des Produktionsstandes, der
fuer das letzte Jahr des Fuenfjahresplans festgelegt worden war.
"Im ganzen Dynamo-Werk ist auch nicht ein einziger Arbeiter, der nicht zu irgend
einer Zeit an einem technischen Kursus teilgenommen haette. In diesem Jahre haben nahezu 40? der alten und alle neueingetretenen Arbeiter solche Kurse besucht. In der Fabrik besteht tatsaechlich eine besondere Abteilung, die von einem Ingenieur geleitet
wird, der die Arbeiten ihrer zahlreichen Schulungskurse und Stachanow-Schulen wie
auch die individuelle Ausbildung der Arbeiter ueberwacht. In diesem Jahr hat die
Fabrik ihr Schulungsprogranm bedeutend ueberschritten, was hauptsaechlich auf den
allgemeinen Eifer der Arbeiter zurueckzufuehren ist, ihr technisches Wissen zu vervollkommenen
"Die Stachanow-Schulen bestehen aus kleinen Gruppen von Arbeitern, die am Arbeitsplatz unter der Leitung derjenigen Arbeitskraefte studieren, die die besten Produktionsleistungen aufzuweisen haben. Die Instruktoren treffen Abkommen mit der technischen Schulungsabteilung der Fabrik, den Kursusteilnehmern innerhalb einer ausbedungenen Zeit die Feinheiten und Kniffe ihrer Beschaeftigung beizubringen. '.Venn sie den
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10 -

�Kursus absolviert haben, legen die Teilnehmer eine Pruefung ab und uebernehmen entsprechend ihrer Faehigkeiten eine Arbeit, die ein groesseres Geschick erfordert. Die
Stachanow-Arbeiter, die als Instruktoren fungieren, erhalten neben ihrem ueblichen
Lohn eine zusaetzliche Verguetung. Diese Lehrmethode wurde in Moskau eingefuehrt und
hat sich auf das ganze Land ausgedehnt.
"Augenblicklich studieren Hunderte von Arbeitern einzeln und in Schulungskursen
die letzten Errungenschaften auf dem Gebiete des Schnellfraesens von Metallen und
andere verbesserte Arbeitsprozesse, die die Produktivitaet der Arbeiter erhoeht. Waehrend der vergangenen 6 Monate hat sich die durchschnittliche Produktivitaet im DynamoWerk pro Arbeiter um 14.5£ erhoeht, waehrend.die Durchschnittsloehne um 10? gestiegen
sind."
In dem Artikel werden Faelle von Arbeitern angefuehrt, die sich an den Schulungskursen beteiligen, um mehr produzieren zu koennen und dadurch mehr bei der Akkordarbeit zu verdienen. Die in diesem Zusammenhang benannten Arbeiter waren die juengeren,
nicht die aelteren Arbeiter.
"Moscow News" 28. Dezember 1948
Die kommunistische Partei Italiens wacht von selbst auf.
In einer Veroeffentlichung vom 9. Januar beklagt sich die kommunistische Partei
Italiens darueber, dass es unter ihren 2.200.000 Hflgliedern zuviele Opportunisten,
Unehrliche, Feiglingen und sogar antikommunistische Polizeispitzel und zu wenig von
der Doktrin durchdrungene Mitglieder gaebe. Als Grund hierfuer gibt die Erklaerung
an, dass zuwenig nominelle Kommunisten die Parteizeitungen lesen. Die Lage wird als
"unertraeglich" bezeichnet. Es muesse in dieser Hinsicht etwas geschehen.
Die Partei hat nun einen Propagandafeldzug eingeleitet, der Haus um Haus erfasst.
Man will alle Kommunisten aufsuchen und sie fragen ob sie sich mit der Parteiliteratur
befassen und wenn nicht, warum sie es nicht tun. Die ParteiZeitungen sollen in den
Strassen und bei allen oeffentlichen Versammlungen verkauft werden, um so einen "Graber.
des Hasses" zwischen der Bevoelkerung und den Veroeffentlichungen der "Bourgeoisie"
auszuheben.
Das ist aber noch nicht alles. Die Kommunistische Partei befasst sich aber auch
damit, die Kunst in Italien zu saeubern. Dem kommunistischen Kulturmagazin "Rinascita"
(Wiedergeburt) zufolge ist vieles in der kommunistischen Kunst formlos, albern, laeppisch, bloede, gruelich, haesslich und missgestaltet. Die kommunistischen Kuenstler
fuehlten sich durch diese Kritik verletzt, doch haben gute Parteimitglieder unter
ihnen versprochen, sich zu bessern. Sie wollen nicht, dass die Arbeiter hinfort wie
"rechteckige Gegenstaende mit hoelzernen Schenkeln" aussehen sollen.
"New York Herald Tribüne" (Paris) l6.Jan 1949
"American Overseas News Service" 13. Jan 1949
Russische Wirtschaftler suchen nach einer Antwort
"Die fuehrenden Wirtschaftler in der Sowjetunion beschaeftigen sich in einer
Reihe Konferenzen mit einem Thema von gewichtiger Bedeutung....naemlich eine fuer
Stalin und das Politbuero annehmbare Erklaerung dafuer zu finden, wie es kommt, dass
die Vereinigten Staaten auch weiterhin wirtschaftlichen Wohlstand aufzuweisen haben,
wahrend sie dochnach der Karx-Lenin-Stalin-Theorie bereits auf dem Tiefstand einer
katastrophalen Depression angekommen sein muessten.....Eine Anzahl sowjetischer ?/irtschaftler hat den Versuch unternommmen, tatsaechlich zu erklaeren, warum die Depression noch nicht planmaessig eingetreten sei. Der angesehenste unter ihnen war Eugen

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�Targa, der einfach geradeweg behauptete, dass sich unser Zusamnenbruch noch um
10 Jahre verzoegern wuerde, weil wir uns nicht in unseren Massnahmen an die orthodoxen "kapitalistischen" Richtlinien hielten....Professor Varga und andere gleich
ihm wurden der Ketzerei fuer schuldig befunden und aus ihren hohen Stellungen entfernt...Die uebriggebliebenen Wirtschaftler wurden zusammengerufen, und es wurde
ihnen aufgegeben, eine Brklaerung zu finden, die mit der kommunistischen Dialektik
im Einklang steht....es war ihnen aber nicht moeglich, dieser Aufforderung gerecht
zu werden...Jetzt sind 70m Kreml Befehle ergangen, denen zufolge die Konferenz vergroessert werden soll, indem man die gesarate Sowjetische Akademie der Wissenschaften mit hinzuzieht, damit diese der Abteilung des Instituts fuer Wirtschaft, die
versagt hat, hilft.
"Washington Evening Star" 12. Januar 1%9
-

Manpower Division
0M0ÜS, APO 742

uHOOS, 9-«&lt;9. L, *rt li?, I 3/U C

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OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUHGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 1

Berlin, 25 Februar 1%9

MIT DIESER AUSGABE BEGINNT DER ZWEITE JAHRGANG DER ARBEITSMITTEILUNGEN.
DER INHALT IST INZWISCHEN VON ETWA 3000 WORTEN IN DER WOCHE AUF NAHEZU
7000 GESTIEGEN. DER ZWECK DIESES BULLETINS BESTAND DARIN, DEN DEUTSCHEN
GEWERKSCHAFTEN DAS INFORMATIONSMATERIAL UEBER GEWERKSCHAFTSWESEN UND ARBEITSANGELEGENHEITEN AUS DEM AUSLANDE ZUKOMMEN ZU LASSEN, WOFUER ANDERE
QUELLEN NICHT VERFUEGBAR WAREN. WIR MOECHTEN UNSERE LESER BITTEN,UNS BEKANNT ZU GEBEN, OB DIESE ART VON NACHRICHTENDIENST AUF DEM GEBIETE DES
ARBEITSWESENS DEN BEDUERFNISSEN ENTSPRICHT UND 7KJERDEN AUCH V0R3CHLAEGE
WIE AUCH KRITIK SEHR BEGRUESSEN.
torshallplan und Welthandel
Folgende Saetze sind einem Artikel von Thomas C. Blaisdell, dem stellvertretenden
Staatssekretaer im Amerikanischen Handelsministerium, entnommen. Blaisdell ist ein bekannter Wirtschaftler und eine anerkannte Autoritaet auf dem Gebiete des Welthandels.
"Der Marshallplan ist mehr als ein Versuch, Europa wirtschaftlich wieder aufzubauen. Es ist zugleich ein Teil des Versuches der Vereinigten Staaten, ihren Beitrag
EU den fuer einen bluehenden Welthandel unerlaessuchen Voraussetzungen zu schaffen.
)as eine Ziel des Mars hallplanes, naemlich der Wiederaufbau Suropas, widerspricht
liesem wichtigen amerikanischen Grundgedanken in keiner Weise, denn Westeuropa war
ätets am Welthandel#sehr stark beteiligt und wird diese Stellung auch in Zukunft wieier einnehmen. Die Vereinigten Staaten vollen ueberall in der Welt Gueteraustausch und
Capitalexport wieder in Gang bringen und den Welthandel von dem komplizierten und
ächwerfaelligen Netz von Einschraenkungen befreien, das ihn waehrend der Kriegs- und
JachkrJ.egszeit immer staerker behinderte.
Bevor Europa nicht wieder als ein Zentrum des Welthandels gelten kann, muessen
lie Amerikaner damit rechnen, dass ihre Handelsbilanz auch weiterhin so unausgeglichen
)leibt wie in den letzten Jahren, in denen die Vereinigten Staaten weit mehr exportierten als einfuehrten. Die Dollarknappheit hat bereits zu einer Schrumpfung des amerikalischen Handelsvolumens gefuehrt
Gleichzeitig mit dem Absinken der Ausfuhren gingen die Zahlen fuer die Importe
Ln die Hoehe. Aus diesen Anzeichen kann wohl auf einen allmaehlichen Ausgleich zwischen
imerlkanischen Exporten und Importen geschlossen v/erden
Der Marshallplan stellt den Versuch dar, der durch kriegsbedingte Stoerungen des
Internationalen Wirtschaftskreislaufes verursachten Dollarknappheit Herr zu werden.
Curopa erhaelt von uns Dollarkredite im Rahmen des Larshallplanes und gewinnt dadurch
Seit, um sich wieder in seine Stellung als Grossproduzent von Ausfuhrgütern hinein-

1 -

�zuarbeiten und wieder ein Zentrum des Welthandels und der internationalen Wirtschaftsentwicklung zu werden.

Einige unserer auslaendisehen Kritiker haben erklaert, dass der Marshallplan nur
dazu dient, unseren Export anzukurbeln und das Ausland mit Waren zu ueberschwemmen,
die wir nicht gebrauchen koennen. Diesen Anwuerfen laesst sich mit verschiedenen Argumenten begegnen, und ich moechte davon nur eines herausgreifen» wenn wir ein Interess
daran haetten, unsere ueberfluessigen Waren im Ausland abzusetzen, wuerden wir zweifellos keine Dollars zur Verfuegung stellen, um Gueter zu liefern, die auch bei uns verhaeltnismaessig knapp sind

Wir haben den Marshallplan so elastisch gestaltet, dass ein Teil unserer Dollars
auf Ankaeufe in aussereuropaeischen Ländern verwendet werden kann. Europa kann somit
LIarshallplandollars nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch' in andere Laender geben und damit ergibt sich gleichzeitig die Moeglichkeit, Kapital fuer die Entwicklung aussereuropaeischer Laender zur Verfuegung zu stellen. Europa konnte nach dieser Methode zunaechst Einkaeufe in den Laendern der westlichen Hemisphaere taetigen.
Dieses-System wird jetzt auch in anderen Teilen der Welt angewendet werden koennen,...,
Der Marshallplan ist nicht die einzige Kapitalquelle, die fuer den europaeischen
Wiederaufbau eingesetzt wird. Auch die Weltbank stellt Dollars zur Verfuegung und triel
im September 1948 die Entwicklung um ein gutes Stueck voran, als sie eine Anleihe von
8 100 000 Dollar garantierte, die zehn amerikanische Privatbanken der Regierung der
Niederlande zum Ankauf neuer Schiffe gewaehrten. Dieser Schritt ist deshalb bedeutsam,
weil die Weltbank damit den privaten Investitionsstrom amerikanischer Dollars nach dem
Ausland Rueckhalt verleiht. Gelingt es Europa innerhalb der naechsten vier Jahre, sein«
Produktionskapazitaet wieder herzustellen und von neuem ein Welthandelszentrum zu werden, dann duerften auch die Dollars zuversichtlicher amerikanischer Investanten wieder
nach Europa fliessen
Wir Amerikaner muessen uns bei unserer Beschaeftigung mit den Nationalen Prinzipien der europaeischen Voelker vor allem vor einem hueten; wir duerfen nicht darauf
bestehen, dass Europa unser System nachahmt. Wir erwarten den Aufbau eines gesunden
europaeischen Wirtschaftssystems," das ein hohes Mass an Freiheit sichert....
Europa muss selbst die richtige Loesung fuer das Problem finden, wie diese Freiheit garantiert und eine gesicherte Wirtschaftsstruktur geschaffen werden kann. Wir
sind vor allen Dingen darum bemueht, ein Europa wiederaufzubauen, das in eigenem Interesse, und indirekt damit auch in unserem, jene Freiheiten schuetzen will, die in
unserer "bill of rights" und in dem Grundsatz der "Freiheit von Furcht und Not" ausgedruckt wird.

Ich will mit diesen Darlegungen zeigen, dass der Marshallplan.nicht nur ein besseres Unterstuetzungswerk ist. Das Stadium der Hilfsmassnahmem ist ueberwunden, und wü
schaffen jetzt die Grundlagen fuer einen wirklichen Wiederaufbau. Unser Ziel ist ein
Europa, das seinen Platz in der produzierenden und handeltreibenden Welt wieder einnehmt
kann und sich sein Brot durch seine geistigen und manuellen Leistungen verdient.
"Amerika Dienst" 28. Januar 1949
VerteilungsQuoten des ECA-Fonds fuer 1949-1950

"Der Hauptanteil des Betrages in Hoehe von $4.280,000.000 den ^er Verwaltungsausschuss fuer das ERP (ECA) vom Kongress gefordert hat, um im Laufe des am 1. Juli beginnenden Rechnungsjahrs das Europaeische Wiederaufbau-Programm durchfuehren zu koennei
wuerde auf Grossbritannien, Frankreich, Westdeutschland und Italien entfallen.
Ausser dem Betrage von $4.280.000.000 hat der EGA $1.150.000.000 fuer die Durchfuehrung der Arbeiten fuer die Zeit vom 4. April bis 30. Juni 1949 gefordert, sowie
eine weitere Summe von 5150.000.000 fuer die Ermaechtigung fuer langfristige Projekte,
die ueber den 30. Juni 1950 hinausgehen , also insgesamt ^5.580.000.000.
Der Betrag von ^4.280.000.000, der lt. Vorschlag auf die 16 Laender und die 3
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2 -

�b e s e t z t e n G e b i e t e v e r t e i l t werden s o l l , s e t z t s i c h im V e r g l e i c h zu den "Mindestaaetzen?
wie s i e von den u n t e r s t u e t z t e n Laendern g e f o r d e r t wurden, wie f o l g t zusammen:
TOHSCHLAEGE DES ECA-PR0GRAMM3 FÖER DAS RECHNUNGSJAHR 1949/50
( i n Millionen D o l l a r )
Von den
Laendern
er beten
Oesterreich
Belgien-Luxemburg und B e l g i s c h e
Ueberseegebiete
Daenemark
Triest
F r a n k r e i c h und U e b e r s e e g e b i e t e
Deutschland;
Bizone
F r a n z o e s i e c h e Zone
Griechenland
Island
—
Holland und Ueberseegebiete
Irland
Italien
Norwegen
Portugal
Schweden
Tuerkei

-

Vereinigtes Koenigreich

-

Insgesamt (gefordert und vorgeschlagen)
Dollarkosten fuer strategisches Material
Ozeanfracht fuer Liebesgabenpakete
Technische Hilfe
Verwaltungskosten
Vertraulicher Fonds
___

Vom ECA
vorgeschlagen

217.0

197.0

250.0
110.0
12.8
890.0

200.0
109.0
12.0
875.0

372.4
100.0
198.1
10.0
507.0
75.4
610.1
131.8
100.6
70.7
94.2

404.0
115.0
170.0
7.0
355.0
64.0
555.0
105.0
10.0
54.0
30.0

940.0

940.0

4-,690.1
___

—

_ —

Gesamtfonds, den der ECA vom Kongress forderte;

4,202.0©
—
___

- __ —

32.0
15.0
15.0
17.5
0.5
4.280.0

C) abzueglich ^2.000.000 um den gesamten vom ECA verlangten Betrag auf
$4.200.000.000 abzurunden.
"New York Times" 10. Februar 1949.
Warum die amerikanischen Gewerkschaften das Taft-HartleyGesetz bekaempfen
Ueber das Taft-Hartley-Gesetz, das von den amerikanischen Gewerkschaften und auch
von Praesident Truman bei den kuerzlichen Praesidentenwahlen so angegriffen wurde, ist
schon viel geschrieben worden. Es ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, dass der
neue Kongress das Taft-Hartley-Gesetz durch'irgend eine andere Arbeitergesetzgebung
ersetzen wird. In einer kuerzlichen Nummer der Nev; York Times gab Arthur J. Goldberg,
der Hauptberater des CIO die Ansichten dieser grossen Arbeiterorganisation ueber die
Arbeitsgesetzgebung bekannt«-

3 -

�"Da sich jetzt die Debatte ueber das neue Bundesarbeitsgesetz entwickelt, koennen
wir es uns nicht erlauben, gewisse grundlegende Tatsachen und Prinzipien ausser Acht
zu lassen, auf denen ein gesundes Arbeitsgesetz fussen muss:"1. Die Arbeiterorganisationen in Amerika arbeiten noch in einer stark feindlichen
Atmosphaere
Die wohlorganisierte Arbeiterbewegung in New York
kann fuer das uebrige Land nicht als typisch angesehen werden. Die Organisierung
im Lande - als Ganzes gesehen - ist durch das Taft-Hartley-Gesetz ausserordentlich erschwert worden. Etwa nur £ von insgesamt 60 Millionen L'enschen der arbeitenden Bevoelkerung sind organisiert. Dieser Prozentsatz schneidet sehr schlecht
ab im Vergleich zu 48,2? in Grossbritannien, 35? in Italien, 36,8? fuer Frankreich, 33,4? fuer Norwegen, 36,6t fuer Schweden und 31? fuer Daenemark. Im Jahre
1%7, dem letzten Jahr der Gueltigkeit des Lagner Gesetzes (das teilweise durch
das schaerfere Taft-Hartley-Gesetz abgeloest wurde) berichtete der Ausschuss
fuer Arbeitsfragen ueber mehr Faelle von Klagen ueber Zwang, Behinderung und Einmischung seitens des Personals als jemals zu einer Zeit in der Geschichte dieses
Gesetzes.

"2. 7rir muessen den Schutz der Kollektiwerhandlung und der Selbstorganisation zu
einem grundlegenden und unzweideutigen Ziel der Bundes-Arbeitspolitik machen,
"j'ir koennen nicht, wie es der 80. Kongress beim Taft-Hartley-Gesetz tat, vorgeben, das oeffentliche Interesse an der Selbstorganisation und dem Kollektiwerfahren zu schuetzen und gleichzeitig behaupten, dass der Arbeitgeber ein IntereS'
se daran hat, von der Selbstorganisation und dem Kollektiwerfahren frei zu sein
was das Gesetz ja hueten und schuetzen muss.
"3. "Tir muessen bei der Gesetzgebung vielmehr von dem bildlichen und typischen Verstoss ausgehen anstatt vom Einzelfall. Es hat sich eine gefaehrliche Tendenz
entwickelt, Gesetze zu erlassen, die besondere Faelle umreissen. Das war es auch
was fuer eine so unglueckliche Gesetzgebung wie Ä e verwirrende und unwirksame
Einschraenkung in bezug auf den Unterstuetzungsfonds verantwortlich war, die
lediglich in dem Gesetz verankert war, um den Bergwerksdirektoren in einem
Streitfall mit dem Verband der Vereinigten Bergarbeiter Amerikas zu helfen. Demzufolge wurde auch im Taft-Hartley-Gesetz eine allgemeine Verwerfung aller
Boykotts aufgenommen ohne Ruecksicht auf die Umstaende, unter denen diese Durchgefuehrt wurden.
"4. Ein gesundes Arbeitsgesetz darf niemals von der Voraussetzung abweichen, dass
das Kollektiwerfahren am besten gedeiht, wenn die Regierung so wenig wie moeglich eingreift. Man sollte nicht zulassen, dass das Bundesstatut, das fuer die
Beziehungen in der Industrie massgebend ist, in dem Masse degeneriert wie das
Taft-Hartley-Gesetz, und zwar so, dass es, wie der Senator Douglas aus Illinois
es einmal treffend bezeichnete, zu einem "industriellen Emily Post-V7aelzer" (*)
wird. Die Taft-Hartley-Tendenz....bedeutet eine Diktatur der Regierung. Sie bedeutet auch,dass die Handhabung des Statuts in eine starre und unrealistische
Zwangsjacke gepresst wird anstatt der Handhabung nach freiem Ermessen fuer ein
gewisses Lavieren Spielraum zu geben.
"5. Es ist hoechst gefaehrlich, die Arbeitsgesetzgebung, wie es beim Taft-HartleyGesetz der Fall ist. Punkt fuer Punkt im einzelnen zu betrachten und eine Untersuchung daraufhin durchzufuehren, ob jede einzelne Bestimmung fuer sich allein
anfechtbar ist. Kein Gesetz kann in einem Vakuum wirksara sein, und dies trifft
in ganz besonderem Masse auf das Arbeitsgesetz zu. Es ist daher irrefuehrend,
wenn man einzeln fuer sich Faelle untersucht wie z.B. Gesuche von Arbeitgebern
(*)

Emily Post verfasste ein Buch ueber die gesellschaftlichen Umgangsformen, das
in Amerika das klassische Werk auf diesem Gebiete geworden ist.

- 4 -

�auf Abhaltung von V/ahlen, das Recht der Arbeitnehmer, bei Betriebswahlen 'Wahlagitation zu treiben, das Recht der Streikbrecher, aber nicht der Streikenden,
zu waehlen, und das Recht auf Streik gegen eine anerkannte Gewerkschaft. Alle
diese Bestimmungen muessen als ergaensende Teile einer einzigen streikbrecherischen Technik angesehen werden' die einem gewerkschaftsfeindlichen Arbeitgeber lt. dem Statut zu Gebote steht.
"6. Das Recht auf Streik ist fuer die freie Gesellschaft von grundlegender Bedeutung. Alle diejenigen, die so nachdruecklich darauf bestehen, dass von allen
Produktionsunterbrechungen, die in unserer Wirtschaft vorkommen, nur Streiks
fuer die Bundesgesetzgebung oder fuer ein Verbot herausgegriffen werden sollten, koennen sich logischerweise der Kette von Folgen, die sich aus ihren Voraussetzungen ableiten, nicht entziehen, denn das Verbot des Streikrechts ist
ein langer Schritt vorwaerts auf dem V/ege, der zum Totalitarismus und zur
vo 11 staendigen Schematisierung der '.Virtschaft fuehrt.
"Es scheint mir, als ob das Taft-Hartley-Gesetz diese Ueberlegungen vollkommen
ausser Acht gelassen hat und dass das Wagner-Gesetz das mit gewissen Abaenderungen in
die Vorlage des Thomasgesetzes, die jetzt dem Kongress vorliegt, mit einbezogen wurde,
ihnen die ihnen zukommende Bedeutung beimisst." (**)
(**)

Dieser Gesetzentwurf hat - wie es im Kongress ueblich ist - seinen Namen von dem
Vorsitzenden des Planenden Ausschusses, Senator Slbert Thomas, eine international
bekannte Authoritaet auf dem Gebiete des Arbeitswesens, ist Vorsitzender des Senatsausschusses fuer Arbeits- und Unterrichtsfragen.
"The New York Times" 11. Februar 1%9
Die Ziele guter Arbeitsbeziehungen zwischen
Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Ein Ausschuss, der sich aus Gewerkschaftlern und Industriellen zusammensetzt, hat
inter der Leitung einer privaten Gruendung, des "Twenty Century Fund", seine Taetigceit aufgenommen und hat die wesentlichen Punkte, die den Gegenstand guter Beziehungen
zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber bilden, untersucht. Der Ausschuss hat in seinem
Bericht folgende Ziele der Arbeiterschaft aufgefuehrt:"Das Gefuehl der Sicherheit, sowohl in der Arbeit wie auch in der Geraeinschaft.
Der organisierte Arbeiter sieht die Gewerkschaft in erster Linie als seinen
Schutz an.
"Eine Gelegenheit zum Vorwaertskommen, eine guenstige und gerechte Chance zur Befoerderung und allgemeine bessere Stellung des Arbeiters.
"Eine menschlichere Behandlung, einschliesslich d:. Befragung des Arbeiters ueber
Dinge, die fuer die TJohlfahrt der Arbeiterschaft von lebenswichtiger Bedeutung
sind.
"Das Gefuehl der Wuerde am Arbeitsplatz, das Gefuehl auf Seiten des Arbeiters, dass
er eine nuetzliche, produktive Arbeit leistet.
Folgendes sind die Ziele der Arbeitgeber;
"Gute Beziehungen zum Personal, seine Loyalitaet zu gewinnen und es in bezug auf
die" Arbeitsverhaeltnisse zufriedenzustellen.
"Freizuegigkeit in der Leitung, ohne Einmischung der Gewerkschaften oder des Personals.
"Geschaeftsmaessige Beziehungen (Verhaeltnisse) und mehr Verantwortungsgefühl
seitens des Personals und der Gewerkschaften, so dass das Unternehmen die Gewaehr hat, dass die Vertraege und Abkoromen mit den Gewerkschaften durchgeführt
werden.

-

5 -

�Der Bericht wurde einstimmig vom Auscchuss unterzeichnet, der sich wie folgt
zusammensetzt: William H. Davis, Vorsitzender (frueher Vorsitzender des Landeseusschusses fuer Arbeitsfragen im Kriege) James A. Brownlow von der AFL, William L.
Cherney vom "Collier1s Weekly", Howard Copnley, American Standards Company, Herbert
W. Payne, vom Verband der Textilarbeiter Amerikas (CIO), Prof.Sumner H. Slichter,
Harvard University, und Prof. Edwin E. Witte von der Universitaet Wisconsin.
Amerikanisches Arbeitsministeriura
"Weekly Labor News Digest" 26. Januar 1949
Deutsche Veroeffentlichungen ueber Arbeitsprobleme
In Dortmund besteht eine Organisation zum Studium sozialer und wirtschaftlicher
Probleme, die fuer die Gewerkschaften von Interesse sind. Dr. Otto Neuloh und mehrere
Kollegen haben in Dortmund Rheinlanddamm 201, eine Sözialforschungsstelle eingerichtet. Diese Organisation, die sehr von den Gewerkschaften unterstuetzt wird, ist der
Universitaet Muenster angeschlossen. Nachstehend die Titel einiger Studien, die vor
kurzem von dieser Gruppe von Wissenschaftlern, die mit sehr wenigem viel schaffen,
veroeffentlicht wurden.
Es handelt sich um 6 Broschueren, die alle im Jahre 1947 gedruckt wurden und unter der Bezeichnung "Dortmunder Schriften zur Sozialforschung" erschienen sind;
1. Loehne und Lebenshaltungskosten, von Dr. Marga Rohlfing. Eine Studie ueber die
verschiedenen Klassen von Arbeiterfamilien In bezug auf Einkommen und Lebenshai tungsko st en.
2. Sozialaufbau und Gebietliche Wirtschaftsplanung, von Dr. Karl Schiller, Direktor des Instituts fuer Aussenhandel und Ueberseewirtschaft der Universitaet
Hamburg.
3. Marktspaltung und Kernplanung in der Volkswirtschaft von Dr. Wilhelm Kromphardt, Professor der Volkswirtschaftslehre, Technische Hochschule, Hannover.
4. Ernaehrung. Gesundheit, Leistung,Teil I:"Ernaehrungslage und Gesundheitszustand" schrieb Obermedizinalrat Dr. Oliver, Teil II«"Die Auswirkungen der
Mangelernaehrung" von Dr. med. Otto Graf. Dies ist eine Studie ueber den
Lebensmittelmangel der Arbeiter.
5. Gegenwartsfragen des Deutschen Arbeitsrechts von Assessor Helmut Duvernell
(unter besonderer Berücksichtigung der Englischen Zone)
6. Wirtschaftliche Vernunft und Wirtschaftliche Weisheit, von Irof. Bernhard
Pfister, Leiter des Instituts fuer Verkehrswissenschaft und Verkehrspolitik
an der Universitaet Hamburg.
Abgesehen von obigen Broschueren hat die Sözialforschungsstelle die ersten
vier Buecher der Studienreihe fuer 1948 veroeffentlicht. Diese werden unter der Bezeichnung "Sozialforschung und Praxis" gedruckt.
1. Der Ausgleich von Kriegslasten vom Standpunkt der Sozialgerechtigkeit, von
Dr. Herbert Guersch.
2. Das Recht des Berfignann, von Dr. Gerhard Boldt, Rechtsanwalt in Dortmund und
Lehrbeauftragter an der Universitaet Muenster. Dieses Buch beruecksichtigt
insbesondere das Ruhrgebiet.
3. Der Aufbau des Rfarvolkes im Zuge der Ost-West-Wanderung Dr. Wilhelm Brepohl. Es handelt sich hier um eine Studie zur Zu- und Abwanderung verschiedener Volkskreise waehrend des 19. und 20. Jahrhunderts.
Eine Anzahl anderer SpezialStudien wird jetzt veroeffentlicht oder wird in Kuerze erscheinen. Fuer alle, die daran interessiert sind, wiederholen wir hier die Adresse. Dr. Otto Neuloh, Sözialforschungsstelle, Dortmund, Rheinlanddamm 201.

- 6 -

�Die Kommunisten und die Britischen Gewerkschaften
Am 27. Oktober 1948 veroeffentlichte der Britische Gewerkschaftsbund (TUC)
eine ""farnung an Gewerkschaftler" vor den Bemuehungen der Kommunisten, den Bestrebungen der Gewerkschaften, das Programm der Regierung fuer den Nachkriegs-Wiederaufbau zu unterstuetzen, Widerstand zu leisten. Am 24. November 1943, veroeffentlichte der Generalrat des TUC eine zweite Erklaerung zu demselben Thema. Einige
3aetze aus der zweiten Erklaerung sind nachstehend zitiert. Die Erklaerung vom 24.
November legt klar, dass:
"die Gewerkschaftsbewegung es niemals einer Minderheit innerhalb der Bewegung
»•erwehrt hat, zu versuchen, die Politik einer Aenderung zu unterziehen, dass es aber
irollkommen den Begriffen unserer Bewegung zuwiderlaeuft, bzw. ihrer Ueberlieferung
entgegensteht und sich fuer ihr Prestige verhaengnisvoll auswirkt, wenn sie zulaesst
dass ihre von demokratischen Prinzipien bestimmte Politik auf das Geheiss eines
ausserhalb der Bewegung stehenden Systems untergraben wird."
Die kommunistische Partei wird nicht nur als ein System bezeichnet, das aussertialb der Arbeiterbewegung operiert, sondern als eine Partei, die in ihrer Arbeit
ron Einrichtungen kontrolliert wird, die weder britisch noch demokratisch sind. Es
ist eine Organisation, die die Gewerkschaftsbewegung ausnutzt.
Die Erklaerung macht darauf aufmerksam, dass die Britische Kommunistische Partei noch bis August 1947 eifrig alle Bemuehungen unterstuetzte, die englische Proiuktion zu erhoehen, um den Lebensstandard in England zu heben. Damals brachte die
Partei Plaene in Vorschlag, das Programm des wirtschaftlichen Wiederaufbaus zu beschleunigen. Ausserdem standen die englischen Kommunisten im August 1947 dem Gedanken einer Hilfe von Amerika guenstig gegenueber.
Ploetzllchefflrsaenderungder Kommunisten
Dann wurde im September 1947 das Kominform gegruendet. Nun aenderte sich der
£urs der Kommunistischen Partei Grossbritanniens, Produkt!vitaet war fuer die Satellitenstaaten Sowjetrusslands noch notwenig, aber eine groessere Produktivitaet
In Frankreich, Italien und besonders in Grossbritannien wuerde den Wiederaufbau
Vesteuropas mit Hilfe Aaerikas beschleunigen. Jetzt schwenkte die Kommunistische
Partei Grossbritanniens um und der "Kurs" vom August 1947 war weiter nichts als eine
ueberholte Taktik.
Man muss sich daran erinnern, dass die Haipttaktiken, wie sie uebereinstimmend
70m Generalrat in bezug auf die Produktivitaet, das Europaeische Wiederaufbauprogramm, Löhne, Preise und Gewinne wie auf den Weltgewerkschaftsbund empfohlen wurden
nicht nur von der ueberwaeltigenden Mehrheit in Margate gebilligt worden warer,
sondern dass auch der Gewerkschaftsbund nachdruecklich und mit ueberwaeltigender
«lehrheit seine Missbilligung zum Ausdruck gebracht hatte ueber die Versuche einiger
politisch Inspirierter Delegierten, die Taktik zum Scheitern zu bringen, von der
Dffenbar die Gewerkschaftsbewegung allgemein innerlich ueberzeugt war.
Nun haette man annehmen koennen, dass die entschiedene Billigung der Politik
des Generalrats bei Fragen, die fuer die Gesundung der Nation von so lebenswichtiger
Bedeutung sind, jetzt auch von der Minderheit akzeptiert werden wuerde. Jedoch unmittelbar nach der Konferenz gab die Kommunistische Partei Grossbritanniem; massgebliche Erklaerungen ab, in denen sie nicht nur den Ansichten der Minderheit Beifall
zollte, sondern mit grossen '.Vortschwall zum Ausdruck brachte, dass die Mehrheit nicht
die Ansichten der Gewerkschaftler vertrete und dass trotz der ueber diese Fragen
stattgefundenen Diskussionen und trotz der gefassten Beschluesse jetzt noch klarer
zum Ausdruck kommen vnierde, dass die "Kommunistische Partei Schritte unternehmen wolle,
hinter dem Ruecken des Gewerkschaftsbundes zu arbeiten und Unzufriedenheit unter den
Gewerkschaftsmitgliedern zu saeen.

7 -

�Kurz, die Kommunisten haben erklaert, dass sie nicht nur ihren Anhaengern
empfehlen werden, die auf der Konferenz demokratisch gefassten Beschluesse abzulehnen, sondern dass die Mitglieder der Kommunistischen Partei,die Absicht haben, alles
zu tun, was in ihrer Macht steht, um diese Politik zu unterminieren und durch umstuerzlerische Taktiken innerhalb der verschiedenen dem Bund angeschlossenen Gewerkschaften Unzufriedenheit unter den loyalen Mitgliedern zu stiften....
"Verbrecherischer Betrug"

Kurz, alle Delegierten auf der Konferenz, die ihre Stimme fuer die Empfehlungen
des Generalrates abgaben, werden faelschlich als Maenner gebrandmarkt, die ihre gewerkschaftlichen Prinzipien beiseitegeworfen haetten. Darueber hinaus muessten Schri
te von der "Opposition" - die, wie zugegeben wird, von den Kommunisten gefuehrt wird'
unternommen werden, um die Beschluesse und Richtlinien von Margate .zu verwerfen.
Mr. Palme Dutt, der Generalsekretaer der kommunistischen Partei, hat einen
Kommentar zu der Konferenz von Margate abgegeben. Er behauptete, dass die ueberwaeltigende Mehrheit der Delegierten sich fuer die "Unverletzlichkeit der Profite, den
Verzicht auf Lohnforderungen, Zusammenarbeit mit der Herrenklasse, fuer den Krieg
gegen die aktiven Gewerkschaftler, Zerschlagung der internationalen Einigkeit und
die Abhaengigkeit vom amerikanischen Koloss des Grossunternehmertums" ausgesprochen
habe. Er brachte ganz eindeutig seine Ansicht darueber zum Ausdruck, dass die Mehrzahl der Delegierten "treultbse, verraeterische Vernichter" seien und dass sie "eine
panische Furcht" vor der "wachsenden Staerke und Aktivitaet der Opposition der werktaetigen Klasse" gezeigt haetten.
Der Generalsekretaer der Kommunistischen Partei erklaerte auch dass die Beschluesse der Margate-Konferenz steigendes Elend und wachsende Armut fuer Millionen
des arbeitenden Volkes Englands zur Folge haben wuerden, "wenn man nicht energisch
dagegen ankaempfe". Weiter erklaerte er, dass die Darlegung der wirtschaftlichen
Lage seitens des Generalrates des TUC "ein verbrecherischer Betrug an der Bewegung"
sei
Die Kommunistische Partei steht daher jetzt wieder in schaerfster Opposition
zu der demokratisch formulierten Politik der Gewerkschaftsbewegung, wie sie auf
zwei Konferenzen der Exekutiven und auf dem Kongress selbst beschlossen wurde.
Jahrelang hat sich die kommunistische Partei staendig in die inneren Angelegenheiten der angeschlossenen Gewerkschaften eingemischt, und diese verschwoererische Arbeit hat zugenommen. Ihre Anmassung bzw. Vermessenheit, die Politik ausserhalb des Apparats der Gewerkschaftsbewegung zu formen mit der Absicht, diese
Politik in die normalen Kanaele zu leiten, ist ebenfalls immer kuehner geworden.
Die Bewegung muss auf dem Laufenden gehalten werden.
Der Generalrat sieht es fuer notwendig an, dass die Gewerkschaftler in der
gesamten Industrie ueber das Bestehen des Apparates voellig unterrichtet sind, mit
dem die Kommunistische Partei versucht, die Politik und die Arbeit ihrer Gewerkschaften zu lenken. Der Generalrat schlaegt vor, Material darueber zu veroeffentlichen, das weitere Informationen ueber das Funktionieren dieser I-iaschinerie und
ueber die schlimmen Folgen der kommunistischen Einmischung in die gewerkschaftlichen Angelegenheiten bekanntgibt.
Es ist z.B. bekannt, dass es Industrieausschuesse gibt, die von der Kommunistischen Partei aufgestellt wurden und in vielen Industrie- und Gewerbezweigen bestehen, z.B. bei den Eisenbahnen, im Transportwesen, in der Schiffahrt, in den
Baumv/ollSpinnereien, im Bergbau, usw. usw. Die Mitglieder dieser Ausschuesse bestehen su3 Delegierten, die aus den Gewerbe- und Industriezweigen stammen, in denen
sie eine Funktion haben, «us diesen industriellen Unterausschuessen sichert sich
die Kommunistische Partei das Informationsmaterini, wonach die Funktionaere der
Kommunistischen Partei, die keine Bindung zu dem betreffenden Industriezweig haben,
-

3

-

�ihre Industriepolitik und Taktiken entwerfen und ausarbeiten, die als Grundlage
fuer Belehrung und Propaganda, die innerhalb der Gewerkschaften gelenkt werden,
dient.
Der Generalrat haelt es fuer notwendig, die angeschlossenen Gewerkschaften
aufzufordern, Untersuchungen darueber anzustellen, in welchem Misse diese Einmischung in ihren besonderen Gewerben und Industrien bereits vorgeschritten ist.
Die Gewerkschaften muessen ernstlich in Erwaegung ziehen ob es mit den Verpflichtungen, die sich aus der Loyalitaet der Politik der Gewerkschaft und der Bewegung als Ganzes gegenueber ergeben, vereinbar ist, wenn ein Mitglied diesen industriellen Unterausschuessen oder in den Landesausschuessen der Kommunistischen
Partei eine Funktion ausuebt, gleichzeitig aber auch das Amt eines Exekutivfunktionaers oder eines Delegierten in der Gewerkschaft innehat.
Ein falsches Bild fuer das Ausland
Darueber hinaus ist der Generalrat der Meinung, dass eine Politik nicht fortgefuehrt werden darf, durch die die Haltung des Britischen Gewerkschaftswesens im
Auslande durch Abgesandte von Gewerkschaftsbuenden oder von Mitgliedern von Gewerkschaften, die - vielleicht persoenlich - zu Konferenzen oder Demonstrationen im Ausland eingeladen wurden, in falschem Licht dargestellt wird. Im Laufe von 2 Jahren
haben sich Vorfaelle dieser Art ereignet mit dem Erfolg, dass die Arbeiter in anderen Laendern einen ganz falschen Eindruck von der Britischen Gewerkschaftsbewegungerhielten. Von jetzt ab wird der Generalrat alle moeglichen Massnahmen ergreifen,
um die Behauptungen solcher Personen zurueckzuweisen, die vorgeben, im Kamen der
Britischen Gewerkschaftsbewegung zu sprechen.
Bei den Gewerkschaftsraeten
Ausserdem ist der Generalrat ueber die Kommunistische Aktivitaet innerhalb
gewisser Gewerkschaftsraete ernstlich besorgt, die die Meinung aufkommen laesst,
dass manche davon als V'erkzeuge fuer die direkte oder indirekte Foerderung der kommunistischen Politik angesehen werden.
In gewissen Gegenden hat die Taetigkeit der zerstoerenden Elemente, die fuer
die Koiimunistische Partei und die ihr untergeordneten Organisationen arbeiten, die
Arbeit der Gewerkschaftsraete schwieriger gestaltet, und die Delegierten in gewissen
Gebieten der Gewerkschaftsraete bleiben den Versammlungen fern, weil sie es ablehnen
sich dauernd mit endlosen Diskussionen zu befassen, die jeder praktischen Arbeit auf
gewerkschaftlichem Gebiete im '.'.rege stehen.
Es ist bekannt, dass manche Gruppen sich unlaengst aus gewissen Gewerkschaftsraeten zurueckgezogen haben, weil sie von den kommunistischen Delegierten fuer ihre
Zwecke benuetzt wurden.
Als es im Jahre 19/» 3 den Gewerkschaf tsraeten wieder gestattet war, Delegierte
von Gewerkschaftsgruppen aufzunehmen, die Mitglieder kommunistischer oder faschistischer Organisationen waren, war dies als Experiment gedacht, denn der Generalrat
brachte der Gewerkschaftsbewegung gegenueber klar zum Ausdruck, dass im Falle einer
erneuten Entwicklung von zersetzender Taetigkeit seitens der kommunistischen und
faschistischen Organisationen der Generalrat als eine dem Gewerkschaftsbund gegenueber verantwortliche Koerperschaft jede ihm geeignet erscheinende Massnahme ergreifen wuerde, um die Gewerkschaftsraete vor der Zersetzung oder anderen Aktionen zu
schuetzen, die dem allgemeinen Interesse der Bewegung schaedlich sind.
Bei der Pruefung und Untersuchung der Bemuehungen der Kommunistischen Partei^
Abneigung und Unzufriedenheit innerhalb der Bewegung zu stiften, beabsichtigt der
Generalrat, sein besonderes Augenmerk auf die Notwendigkeit zu lenken, die Gewerkschaftsraete zu schuetzen, deren Funktion nicht darin besteht, Jrolitik zu treiben,
sondern die Politik des Bundes zu foerdern. Mittlerweile koennen die Gewerkschaftsraete und die ihnen angeschlossenen Gruppen dabei helfen, die Lage in ihrem Bezirk

- 9 -

�zu pruefen und die Bestrebungen zu bekaempfen, die Gewerkschaftsraete als erkzeug
fuer die Propagierung von Massnahmen, die sich gegen die demokratische struktur und
Apparatur unserer Bewegung richten, zu benutzen.
Beistand wird zugesagt
Der Generalrat ist entschlossen, trotz des Hauchschleiers der Falschheit und
Herabsetzung gegenueber dem Hat selbst, den Mitgliedern der Gewerkschaftsexekutiven
und den Delegierten beim Bund den Kampf auszutragen. Er beauftragt daher den Ausschluss fuer Allgemeine ilanung und den Internationalen Ausschuss, als gemischte
Koerperschaft zu wirken, um staendig einen Ueberblick ueber alles zu haben, was mit
diesem Kampf zusarrmenhaengt und dem Qtt&amp;ctr&amp;lrat Vorschlaege zu unterbreiten, die als
informatorische und richtunggebende Grundlage fuer die Gewerkschaften, fuer die Gewerkschaftsraete und die einzelnen Mitglieder dienen sollen, um ein Einsickern und
eine Einmischung in die Gewerkschaftspolitik von Kraeften ausserhalb der Bewegung
und selbst ausserhalb dieser Kuesten zu bekaempfen.
"Flugschrift des TÜC".
Fersoenliche Ansichten eines amerikanischen Beamten
ueber die deutschen Gewerkschaften

Bevor er Deutschland verliess, hielt Edwin F. Beal, der Berater der Amerikanischen Militaerregierung fuer Arbeitseinsatzfragen, am 15. November von Stuttgart aus
eine Ansprache ueber den Rundfunk. Mr. Beal sagte, dass er als Privatmann spraeche
und nicht als oeffentlicher Beamter.
"Obwohl ich das uebliche Leben eines Mitgliedes der Besatzungsmacht fuehrte, da
so fernstehend ist von dem taeglichen Leben des durchschnittlichen deutschen Buerger
und Arbeiters, habe ich doch manches vom alltaeglichen Leben und Treiben in Deutschland gesehen, wie auch von der Taetigkeit des deutschen Arbeiters in seinen Arbeiter
Organisationen, in den Fabriken, in seinem ^eim. Zwar habe ich nicht so viel gesehen
wie ich es gewuenscht haette, aber immerhin noch genug, um gewisse Aehnlichkeiten
und Kontraste zwischen den Angelegenheiten der arbeitenden Klasse und denen der Gewerkschaften in Deutschland und in meinem eigenen Lande festzustellen. Ich moechte
sagen, dass mehr Aehnlichkeit besteht als Unterschied, wenn ich alle meine Eindrücke
mit einigen Porten wiedergeben muesste
"Das fiel mir schon auf, als ich das erste Mal in offizieller Eigenschaft einer
deutschen Gewerkschaftsversammlung beiwohnte. Es war dieselbe Art von kahlem unfreundlichem Raum, wie ihn die Arbeiter in meinem Lande fuer ihre Versammlungen zu
mieten gewohnt sind. Die Mitglieder stroenten herein, plaudernd, scherzend und lache
Ich hoerte dasselbe undeutliche und verwirredne Stinmengemurmel, das man, abgesehen
von dem Unterschied in der Sprache, auch bei den amerikanischen Versammlungen hoert.
Die Versammlung wurde eroeffnet und die Arbeit begann. Ich stellte fest, dass der
Vorsitzende die Versammlung zur Ordnung rief, indem er eine Glocke betaetigte statt
mit einem Hemmer auf den Tisch zu schlagen, wie wir es in den Vereinigten Staaten
tun. In dem Masse wie die Arbeiter begannen, um das V/ort zu bitten, wurde mir alles
mehr und mehr vertraut.
"Ich stellte fest, dass diese deutschen Arbeiter ueber Probleme sprachen, die
ich auch die Arbeiter in Amerika hatte diskutieren hoeren, und ziemlich auf die
gleiche ",'eise. Sie versuchten, durchzusetzen, dass ihre Frauen und Kinder genug zu
essen, Kleidung, Unterkunft, Sicherheit und Freiheit und Frieden fuer die Zukunft
haetten. In ihrer Art, die Dinge zu sagen, waren manche hochtrabend, manche sprachen
mit schriller Stimme, andere wieder geziert, ernst, einige sprachen ernsthaft, manch
wieder unbeholfen. Dennoch herrschte allgemein eine Atmosphaere des Ernstes und der
Aufrichtigkeit, die ich anerkennen musste und in der ich mich heimisch fuehlte. Abgesehen von allen persoenlichen Unzulaenglichkeiten herrschte aber ein Ton und ein
-

10 -

�Geist, der bewies, dass ein demokratischer Fortschritt existiert« es waren einfache
Leute, die Probleme anpackten, die fuer ihr taegliches Leben von 7/ichtigkeit waren.
Ich verliess die Versammlung mit einem Gefuehl der Hoffnung und des Vertrauens
auf die Zukunft der Demokratie in Deutschland. Dieses Vertrauen ist gewachsen und
hat sich vertieft.
"Rundfunksendung der Militaerregierung Vuerttemberg-Baden"
Stuttgart, 15. November 1948.
Der sowjetische Standpunkt ueber Gewerkschaften und Politik
Aus franzoesischer Quelle liegt uns eine Erklaerung vor, die am 16. November 48
in der "Prawda", dem offiziellen Sowjetorgan, erschien. Es handelt sich um einen Kommentar des Genossen Kusnjezow, dem Leiter der Staatlichen Gewerkschaften in Russland,
zu der Einrichtung von Gewerkschaftsraeten in den Republiken und Bezirken. Vie er
sagte, werden diesen Raeten die folgenden Funktionen obliegen«"um die politischen Pflichten, wie es verlangt wird, richtig und gut zu erfuellen, ist es, wie Stalin gesagt hat, notwendig,
"1. unsere gewerkschaftliche Taetigkeit zu verbessern, damit sie den politischen
Erfordernissen der Partei gerecht wird,
"2. die Arbeit der gewerkschaftlichen Fuehrerschaft auf die gleiche Stufe zu
bringen wie die der politischen Fuehrerschaft,
"3. die volle Durchführung der politischen Direktiven und Parteibeschluesse
durch die gewerkschaftliche Fuehrerschaft.
"Die Partei der Bolschewik! beobachtet aufmerksam von "Dag zu Tag die Konsolidierung der Gewerkschaften.
"Die Gewerkschaftsraete muessen regelmaessig die Agenten der Gewerkschaften, die
in den Staedten und Doerfern taetig sind, zusammenrufen, um die Erfahrungen auf gewerkschaftlichem Gebiete zu besprechen und um die Beschluesse und Direktiven, die von
der Partei, der Regierung und vom Zentralrat der Gewerkschaften ergangen sind, zu erlaeutern."
Diese Forderung ist klar; die Gewerkschaften sind in erster Linie der kommunistischen Partei ihre Loyalitaet schuldig. Auch ist die Forderung fest und entschlossen.
Es kann keine Frage darueber geben, ob die Gewerkschaften ihren Mitgliedern gegenueber eine Verantwortung tragen. Sie muessen Werkzeuge der Regierung und der Partei
sein, die ja beide identisch sind.
"Bulletin Hebdomadaire Reserve aux Militants
Syndicalistes Libres" 19. November 1943
Die Auffassung der Sowjets vom Gesetz und den Menschenrechten
Unlaengst wies Charles E. Bohlen, der Berater des Amerikanischen Aussenrr.inisteriums, in einer Rede vor der New Yorker Anwaltsvereinigung auf einige grundlegende
Unterschiede zwischen der kommunistischen und der demokratischen Gesellschaft hin.
"In unserer demokratischen Gesellschaft besteht die Funktion des Staates darin,
die menschlichen Rechte und grundlegenden Freiheiten zu wahren und zu foerdern. Der
Staat existiert zum 7/ohle des Menschen und nicht der Mensch zum .Vohle des Staates.
Jeder einzelne Mensch muss in seiner Lebensfuehrung soviel Freiheit haben, wie dies
mit den Rechten der Anderen vereinbar ist. Das sind die wesentlichen Bestrebungen
und Ziele unserer Gesetze. Die Freiheit und Wuerde des einzelnen Menschen kann nur
unter einem Gesetzsystem erreicht werden, das die Hechte des einzelnen Menschen
schuetzt.
"Dieser moralische Begriff, der hinter unseren Gesetzen steht, traegt zur Annehmbarkeit des Prinzips bei, dass in internationalen Dingen statt Gewalt und Anarchie die Vorschriften des Gesetzes herrschen sollten.
"Die sowjetische Auffassung vom Gesetz vertritt vollkommen entgegengesetzte An- • 11

-

�sichten. Die Sowjets verneinen nachdruecklichst, dass ihm ein moralischer Begriff
innewohnt und bezeichnen den Glauben daran, dass es so etwas wie Ehrlichkeit und Gerechtigkeit gibt, als Heuchelei der Bourgeoisie. Fuer sie ist das Gesetz lediglich
ein Werkzeug des Staates und nicht zum Schutze des einzelnen Menschen. Keine geringere
Autoritaet als Wischinskij, dessen Buch "Das Gesetz im Sowjetstaat" vor kurzem in diesem Lande (Amerika) veroeffentlicht wurde, laesst keinen Zweifel hierueber aufkommen.
Er behauptet, dass die "gesetzlichen Beziehungen (und folglich das Gesetz selbst) in
den materiellen Lebensbedingungen wurzeln, und dass das Gesetz lediglich den Willen
der herrschenden Klasse darstellt, der zum Gesetz erhoben wurde..."
"Ueber das Thema Sowjetjustiz ist er nicht weniger offenherzig; 'Die Aufgabe der
Justiz in der UdSSR besteht darin, eine genaue und unbedingte Erfuellung der Sowjetgesetze seitens aller Institutionen. Organisationen. Beamten und Buerger der DdSSR zu
sichern. Dies erreicht der Gerichtshof dadurch, dass er erbarmungslos alle Kraefte im
Volke - in welcher Form sie auch immer ihre verbrecherischen Angriffe gegen den Sozial
mus bekunden moegen - vernichtet... In unserem Staate kann es natuerlich fuer die Fein
de des Sozialismus keinenPlatz geben fuer eine Freiheit der Rede, der Preroe usw. Jede
Art von Versuch ihrerseits, diese den 7/erktaetigen gewaehrten Freiheiten zum Schaden
des Staates - d.h. zum Schaden der 7erktaetigen - zu benutzen, muss als konterrevolutionaeres Verbrechen bezeichnet werden
'"
"State Department Radio Bulletin " 29. Januar 49
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Manpower Division
OMGUS, APO 742

12 -

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aas der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and d e m Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGÜS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 2

Berlin, 4 Maerz 1949

Die Rolle der amerikanischen Arbeiterfuehrer
Professor C. Wright Mills, ein Soziologe an der Columbia-Universitaet und bekannte Autoritaet auf dem Gebiete der Arbeiterprobleme, hat ein bedeutendes Buch geschrieben mit dem Titel» "Neue Maenner an der Macht". Die neuen Maener sind die Arbeiterführer, und er denkt hierbei an die amerikanischen Arbeiterführer, an die,
die im Laufe der vergangenen 10 Jahre in Krscheinung getreten sind. Nachstehend
einige seiner Beobachtungen, die der Einleitung entnommen sind;
Neue Bewegungen und neue Fuehrer
"Waehrend die aelteren Wortführer inner noch zu Heroen gestempelt werden, sind
neue Männer in Amerika dabei, Macht anzusammeln. Innerhalb dieses Landes sind die.
Arbeiterführer heute die strategischen Akteure« sie fuehren die einzigen Organisationen, die in der Lage sind, Bestrebungen, die zu Krieg und Untergang fuehren, Einhalt zu gebieten.
"Vor 25 Jahren war die Bewegung, die sie fuehrten, uneinheitlich und zerstreut,
das Land Jedoch, in dem sie die Fuehrung hatten, war sicher und voller Hoffnung und
die 7/elt war der Ueberzeugung, dass sie fuer den Gedanken der Demokratie gesichert
war. Jetzt, Mitte des 20. Jahrhunderts, umfasst ihre Bewegung ein Drittel des amerikanischen Volkes, die Macht in der Welt ist zur Ilaelfte amerikanisch, und doch ist
die Demokratie ueberall gefaehrdet und im Rueckzug begriffen.
"Der Schluessel zu dem, was sich in der Welt ereignen wird, liegt darin, was
die Vereinigten Staaten tun bzw. zu tun unterlassen. Aber was der Arbeiterfuehrer
tut bzw. zu tun unterlaesst, koennte der Schluessel zu dem sein, was sich in den Vereinigten Staaten ereignet.
Der neue Arbeiterführer kommt aus der Gewerkschaft
"Wenn man die Frage stellt, was der Arbäterfuehrer eigentlich darstellt, muss
man gleichzeitig fragen, was fuer eine Organisation er leitet und welcher Art das
Land ist, in dem er sie fuehrt.
Er ist kein privater Buerger, er ist ein sozialer Akteur und seine Aktionen
werden durch den Charakter seiner Gewerkschaft bestimmt. Der Arbeiterfuehrer ist
das Produkt einer Gewerkschaft und das stimmt, wenn man sich fragt, ob er seine
Gewerkschaft allein fuer sich aufgebaut hat und sie jetzt als seinen privaten Besitz behandelt oder ob er spaeter zu ihr stiess und sich immer noch als Fremder in
ihr fuehlt.
"Die Arbeitergewerkscbaft ist eine Armee, der Arbeiterfuehrer ist ein Oberster
Befehlshaber. Die Gewerkschaft ist ein demokratisches Parlament, der Fuehrer ist ein
parlamentarischer Redner. Die Gewerkschaft ist eine politische Maschine, der Fuehrer
ist ein politischer "Meister". Die Gewerkschaft ist ein Geschaeftsunternehmen, das
die Arbeiterschaft beliefert, der Arbeiterführer ist ein Unternehmer, ein Lieferant
1

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�fuer die Arbeiterschaft. Die Arbeitergewerkschaft ist ein RegulierInstrument fuer
den industriellen Unwillen des arbeitenden Menschen, die Arbeiterfuehrer sind bezahlte Techniker fuer die Regelung dieses Unwillens, der die Arbeitenden durch
Niedergang, Kriege und Zeiten des Aufschwungs und der Hausse in der amerikanischen
Gesellschaft in eine Institution einsteuert.
Er ist ein Befehlshaber fuer die Arbeitenden
"Der Arbeiterführer ist so etwas wie ein General aus frueheren Zeiten: Er
rekrutiert und befehligt eine Armee. Es gibt aber viele Arten von Armeen. Die Gewerkschaft aehnelt mehr einer lose zusammenhaengenden Guerilla-Formation, die von
einem Kriegsherren gefuehrt wird als einer modern bewaffneten Streitmacht, die von
Bureaukraten gefuehrt wird, die besonders fuer die geschickte Anwendung mechanischer
Kraft gedrillt sind. Dennoch besteht wie in jeder Armee auch in jeder Gewerkschaft
eine Hierarchie und es herrscht Disziplin. Generale koennen nicht Generale ohne
Sergeanten sein und koennen auch nicht eine Armee formieren, wenn nicht die Disziplin jeden einzelnen Mann an den anderen und an eine Masse von Soldaten bindet.
In diesem Sinne sind Gewerkschaften Armeen mit der besten oder auch der schlechtesten Disziplin, wie man sie heutzutage ueberall findet-....
"Aber weder Armeen noch Gewerkschaften befinden sich dauernd im Kriegszustand
noch staendig im Stadium des Kampfes. Es gibt da Vertraege, Waffenstillstand und
diplomatische Beziehungen mit dem Feinde. Dennoch ist die Gewerkschaft zu allen
Zeiten fuer die Moeglichkeit eines industriellen Kampfes organisiert und vorbereitet.
Sie hat ihre Spione und ihre militaerischen Geheimnisse, und bis zu einem gewissen
Grade kann sie tatsaechlich ihre Soldaten fuer den Dienst an der Front einberufen.
"In einem Hauptpunkt aber unterscheidet sich die amerikanische Gewerkschaft
sehr von der amerikanischen Armee; sie waehlt ihre eigenen Generale und Sergeanten,
manchmal alle 1-2 Jahre oder manchmal mitten in Ablauf eines gefaehrlichen Kampfes.
Sie ist eine Armee, die in Wirklichkeit mit Stimmzetteln waehlt...Daher ist die
Arbeitergewerkschaft nicht nur eine Armee, sondern auch ein Parlament, und deshalb
ist der Arbeiterfuehrer nicht nur ein General oder ein Sergeant, sondern auch ein
parlamentarischer Fuehrer
Der Arbeiterfuehrer ist auch ein Kaufmann.
"Der Arbiterfuehrer organisiert und verkauft Lohnarbeiter an den Meistbietenden zu den bestmoeglichen Bedingen. Er ist ein Makler fuer die Arbeiterschaft. Er
akzeptiert die allgemeinen Arbeitsbedingungen unter dem Kapitalismus und dann
feilscht und handelt er als vertragsschliessender Agent innerhalb dieses Systems
um Loehne, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen fuer die Mitglieder seiner Gewerkschaft. Der Arbeiterfuehrer ist der Unternehmer des Arbeiters, und zwar in einer
Weise, die mandnal der des Leiters einer AG gegenueber dem Aktlonaer gleichkommt.
In der Geschaeftswelt gibt es aModische und auch modern denkende Leiter, und das
trifft aich auf die Welt der Arbeiterschaft zu.
"Eine Arbeitergewerkschaft ist eine Verbindung, die ein Hindernis bildet fuer
den unfreien Arbeitsmarkt. Die Arbeitsmaerkte sind Seiten frei, weil auf ihnen die
einzige Art von Vertrag, den der einzelne Arbeiter gewoehnlich schliessen kann,
die ist, die die Rechtsanwaelte als "Not-Kontrakt" bezeichnen. Das Machtverhaeltnis zwischen dem einzelnen Angestellten und dem einzelnen Arbeitgeber ist zu ungleich, um ein freies Verbandeln zu gewaehrleisten. Eine Arbeitergewerkschaft J.st
eine Verbindung, die die Schaffung eines freien Arbeitsmarktes durch Angleichung
der Macht der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer erhofft.
"Das Gewerkschaftswesen" sagt einer unserer fuehrenden Arbeiterfuehrer,
"braucht den Kapitalismus wie der Fisch da« Wasser." Wenn wir unter dem Begriff
"Gewerkschaftswesen" die Gewerkschaften verstehen, wie wir sie kennen, dann hat
er vollkommen recht. Gewerkschaften und Privatbesitz sind jetzt Teile des gleichen
Systems. Bevor es Privatbesitz gab, gab es keine Arbeitergewerkschaften, und so
-

2 -

�bald der Staat die Funktionen eines Unternehmers ueberninmt, dann besteht auch immer
die Moeglichkeit, dass er die Funktionen, die jetzt von den Arbeiterführern ausgeuebt, werden, antastet, an sich reisst und schliesslich abschafft."
Diese Einleitung, die noch andere interessante Bemerkungen enthaelt, ist der
Anfang eines Berichts von Professor Mills über seine Studien ueber 500 amerikanische
Arbeiterführer. Das Ergebnis seiner Studien sind obige Betrachtungen und die
Schluesse, die er,zog.
C. Wright Mills:"Neue Maenner an der Macht"
Polnische Arbeiterschaft angeblich unter
scharfer Kontrolle
Einem Bulletin, das von der freien Arbeiterschaft in Frankreich herausgegeben
wird, entnehmen wir einen Bericht ueber die Lage der Arbeiterschaft in Polen. Wir
zitieren hier nur die Saetze, die sich auf die polnischen Bestrebungen beziehen, gewaltsam die russische Spielart des industriellen "Antreibertums", des StachanowSystems, einzufuehren. Die polnischen Arbeiter, die dieses System akzeptieren oder
durch schwere Arbeit ihr Einverständnis hierzu bekunden, werden in leitende Stellungen gebracht. Das sind dann die "Ja-Sager" die Stachanowleute.
"Alle Stachanowleute werden von der Polizei kontrolliert und bestaetigt. Sobald
sie zum Schlchtfuehrer ernannt worden sind, muessen sie von ihren Arbeitskollegen besondere Anstrengungen fordern, was dann die Form eines kollektiven Wettbewerbs annimmt. Die Stachanowleute werden als eine Art Arbeitereilte angesehen, und der Staat,
die Partei und die Gewerkschaft laesst ihnen kleine Aufmerksamkeiten zukommen, natuerlich unter der Bedingung, das3 sie die Produktion der ihnen anvertrauten Schichten vorantreiben.
"Die arbeitenden Massen sind absolut machtlos, um dieser schamlosen Ausbeutung
Widerstand entgegensetzen zu koennen. Sin Netz von Zutraegern, die geschickt ueber
die Werkstaetten, Bueros, Werke und sogar ueber die Haeuser verteilt werden, die
'Tersonaldienststellen" und die Polizeitruppe, die 500.000 Main stark und nach sowjetischem Muster organisiert ist, machen Jede Neigung zum Streik unmoeglich. Auf jeden Fall wird ein Streiken von den Kommunisten von vornherein schon als Sabotage
hingestellt und entsprechend bestraft.
"Die kommunistische Regierung fuerchtet jedoch die iVrbeiter. Ihre Fluesterpropaganda, ihre Unzufriedenheit mit den Vorschriften in bezug auf das Stachanowsystem,
die von der unlaengst geschaffenen V/ettbewerbs-Kommission veroeffentlicht wurden,
setzen sie in Furcht. Die polnischen Arbeiter haben viel Gruende, unzuMeden zu sein.
Abgesehen davon, dass keine Redefreiheit und ueberhaupt keine gewerkschaftliche Freiheit besteht, ist ihre materielle Lage weit davon entfernt, sich zu bessern. Die
Loehne sind praktisch blockiert. Es kommt noch hinzu, dass die Regierung gerade jetzt
die Sach- oder Naturalleistungen abgeschafft hat und sie laecherlich niedrig angesetzt hat, was wiederum die Kaufkraft der arbeitenden Klassen verringert.
"In den neuen Arbeitsabstufungen ist mit Bedacht ein starkes Mlssverhaeltnls
in bezug auf die Loehne festgelegt worden. In Warschauer Elektrizitaetswerken gibt
es z.B. 21 verschiedene Kategorien von Lohnempfaengern. Die Konsolidierung dieser
Missverhaeltnisse und die Schaffung neuer Vorrechte verschaerft die Feindseligkeit
gegen das Regime. Dazu kommt noch, dass bei Jeder Gelegenheit (Streiks in Frankreich
Errichtung eines Volkshauses fuer die neue Vereinigte Sozialistische und Kommunistische Partei usw...) den Arbeitern von den Kommunisten "freiwillige" Beitraege von
ihrem Arbeitslohn abgeaogen werden. Diese zusaetelichen Beitraege verringern in hohem
Masse die äinkuenfte der Arbeiter
Um den Ernst der Unzufriedenheit des Volkes begreifen zu koennen, darf man nicht
vergessen, dass die polnischen Arbeiter vor dem Kriege im Kampf eine fuebrende Rolle
spielten. Damals war das Regime reaktionaer und beguenstigte die kapitalistische

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�Ausbeutung, aber es stand den Arbeitern frei, sich in ihren Gewerkschaften zu organisieren, ihre Rechte mit allen Mitteln zu verteidigen, wozu auch der Streik gehörte.
Sie besassen eine gewerkschaftliche Freiheit und widersetzten sich gewaltsam dem reaktionaeren Regime, das vergeblich versuchte, sie zu unterdrücken. Heute aber stellen sie fest, dass ihnen die •Volksdemokratie' nur eine erzwungene "freiwill ige "Arbeit, kollektiven Wettbewerb, die Abschaffung der gewerkschaftlichen Freiheit und
des Streikrechts, Zutraegerei im Betrieb und die Unterwerfung des Einzelnen zum Wohle
des totalitaeren Staates gebracht hat, denn trotz aller Schlagworte der Sowjetpropaganda sind dies die einzigen "Siege" fuer die arbeitende Klasse wo auch immer die
Stalinisten die Herren werden."
Bulletin Hebdomadaire Reserve auz Militante
Syndicalistes Libres" Paris, 31. Dezember 1948
Vorschlaege fuer einen alleuropaeischen Arbeltsmarkt
Hierbei scheint es sich um eine der guenstigsten Auswirkungen zu handeln, die
sich auf der Beteiligung von Arbeiterfuehrern an den internationalen Beziehungen ergeben haben. Das Internationale Amt fuer Arbeitsangelegenheiten (ILO) der Vereinten
Nationen schlug im vergangenen Jahre in San Francisco vor, eine Konferenz einzuberufen
um ueber den Einsatz von Arbeitern ausserhalb der nationalen Grenzen zu beraten.
Jetzt hat die Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEC),
die die Marshallplan-Laender vertritt, das ILO gebeten, einen Plan auszuarbeiten,
demzufolge Inspektoren ausgebildet werden sollen, die sich mit den Problemen des internationalen Austausches von Arbeitskraeften befassen. Alle europaeischen Laender
sind dringend ersucht worden, Sachvarstaendige zu den Studienkursen zu entsenden, die
das ILO moeglicherweise in Genf abhalten will.
Clinton S. Golden, der Berater in Arbeitsfragen beim ECA aeusserte sich zu diesem Plan«" Wenn dieser Beschluss von den Marshallplan-Laendern gebilligt wird, dann
sind die traditionellen nationalen Schranken in einem kritischen und entscheidenden
Abschnitt des wirtschaftlichen Lebens Westeuropas gefallen. Dieser Akt ist vielversprechend fuer die Einheit und ist ein weiterer Schritt zur Errichtung der Vereinigten Staaten von Europa."
Man wird sich noch mit vielen Problemen befassen muessen, bevor man daran denken
kann, den Plan fuer eine Ueberfuehrung der Arbeiter von einem Land in das andere in
die Wirklichkeit umzusetzen. Diese Probleme muessten TOn den Experten untersucht werden, die sich an dem Unterweisungskursus des ILO beteiligen. Danach muessten die verschiedenen Laender gesetzliche Vorschriften erlassen, damit die Schranken fallen,
die Jetzt den Arbeiter daran hindern, von einem Land in das andere zu gehen, um Arbeit zu bekommen. Es wird sich fuer die Arbeiter die Notwendigkeit ergeben, Geld
von einem Lande in das andere zu ueberweisen, Es muessen Wege gefunden werden, um
die Sicherheitsmassnahmen auf die Arbeiter auszudehnen, die aus anderen Laender kommen, so dass ihre Gesundheit geschuetzt wird und sie eine angemessene Entschaedigung
erhalten, wenn sie krank werden oder einen Unfall erleiden, v/aehrend sie sich in dem
fremden Lande befinden.
Diejenigen Kreise, die diesen Plan fuer eine internationale freizuegige Umgruppierung der Arbeitskraefte beguenstigen, sind der Meinung, dass es den Arbeitern in
Europa genau so freistehen sollte, von einem Lande zum anderen zu fahren, wie ihnen
dies in ihrem eigenen Lande von Stadt zu Stadt moeglich ist.
"Amerikanisches Arbeitsministerium"
"Labor Information" Januar 1949
Ansichten Russlands ueber den Marshall-Plan
In diesem Bulletin sind bereits viele Artikel ueber das Europaeische Wiederaufbau-Programm erschienen. Diese Berichte aeusserten sich im allgemeinen im guenstigen

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�Sinne hierzu. Aber die Russen bringen auch weiterhin unguenstige Berichte." In einem
I r t i k e l , den V. L i n e t z k i j unlaengst in der Z e i t s c h r i f t "Moscow News" veroeffentlicht
l a t , lesen wir, dass "Frankreich f a s t vollstaendig seine Warenkaeufe in Belgien eing e s t e l l t hat",, dass "sich die norwegische Regierung entschlossen hat, fuer den
Schiffsbau im Auslande keine Lizenzen mehr auszustellen", dass diese und noch andere
Jmstaende eingetreten sind, weil "der Marshall-Plan den europaeischen Handel gelähmt
iat."
Hierfuer macht der Artikel W. Averell Harriman, den Direktor des europaeischen .
ferwaltungsausschusses fuer das ERP, verantwortlich. Es wird behauptet, dass die Benuehungen Harrimans nicht ein"Gefuehl der Zusammenarbeit," sondern "unvereinbare Wilersprueche im Lager der Marshallplan-Laender zur Folge gehabt h a t " . Nachstehend die
»Tuende hierfuer;
"Unter dem Vorwand, den "Geist der Zusammenarbeit" unter den Marshallplan-Laendern zu staerken, mischt sich der Verwaltungsausschuss (EGA) in immer steigendem
Masse in die inneren Angelegenheiten der wasteuropaeischen Staaten.
"Der Marshall-Plan hat die w i r t s c h a f t l i c h e Entwicklung Westeuropas in der
Nachkriegszeit gelaehmt. Das amerikanische Kapital hat, indem es dem a l t e n imp e r i a l i s t i s c h e n Prinzip "divido et impera" ( t e i l e und herrsche) f o l g t , die Widersprueche und Unvereinbarkeiten zwischen den k a p i t a l i s t i s c h e n Staaten Europas
angefacht. Und j e t z t bestehen die amerikanischen Monopolisten auf groesserer
"Zusammenarbeit" und auf einem s i c h immer steigernden Druck auf Westeuropa, i n dem s i e ihre eigene I n s t i b t i o n dazu benutzen.
"In dem Masse, wie die Zeit voranschreitet, wird die S t r a t e g i e und d i e Taktik
der amerikanischen Monopolisten immer o f f e n s i c h t l i c h e r . Sie versuchen, den Marshallplan dazu zu benutzen, um s i c h d i e westeuropaeischen Laender zu unterwerfen.
Die Verwirklichung dieses Plans offenbart seinen raeuberischen Charakter in immer
steigendem Masse und s t o e s s t unvermeidlich mit den Antagonismen zusammen, die
unter den Laendern, die daran b e t e i l i g t sind, herrschen."
Amerika wird der Vorwurf gemacht, dass es in Westeuropa eine Spaltung hervonuft.
is wird angedeutet, dass ohne einen solchen Plan in Westeuropa mehr Aussichten fuer
iine Einheit bestehen wuerden. Will Russland denn eine solche Einheit. Wir wissen,
ras die Kommunisten in Frankreich und England tun, um solch ein vereintes Westeuropa;u verhindern und warum s i e den Marshall-Plan fuerchten.
ier oben angefuehrte Artikel erschien in den :
"Moscow News" vom IB. Januar 1°A9
[arshallplan-Laender schicken Experten nach den USA
Verschiedene Marshallplan-Laender sind eingeladen worden, Arbeiterfuehrer und
' a r t r e t e r der Arbeitgeberschaft nach den Vereinigten Staaten zu entsenden, damit
ie die Produktionsmethoden studieren. Dies isttanscheinend eine t e i l w e i s e Antwort
uf den vorhergehenden A r t i k e l , der in den "Moscow News" erschienen i s t . Unlaengst
e r i c h t e t e das amerikanische Arbeitsministerium ueber den Besuch einer Delegation
on 7 Gewerksöhaftsfuehrern auf Norwegen. Diese Gewerkschaften waren i n t e r e s s i e r t ,
itwaa ueber die Art und Weise zu erfahren, wie die Arbeitsmethoden in der amerikaniichen I n d u s t r i e sind und die Lebensweise des amerikanischen Arbeiters zu beobachten,
achstehend ein weiterer Bericht des Arbeitsministeriums, der eine b r i t i s c h e Delegaion b e t r i f f t .
"Etwa 200 b i s 300 englische Arbeiter und Arbeitgeber Vertreter werden Kuerze die
'ereinigten Staaten besuchen, um die amerikanischen Produkt ionsmethoden zu studieren.
iie Rundreisen werden durchgefuehrt a l s eines der Ergebnisse der ersten Zusammenkunft
es Anglo-Amerikanischen ProduktionsausSchusses. Der Ausschuss, der sich aus Vertreern der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberschaft Englands und der Vereinigten Staaten zuiammensetzt hat sich dafuer ausgesprochen, dass s i c h unter den Delegierten die hier
[ie Werke besichtigen wollen, solche jeder Stellung aus kleinen und grossen ','erken
-

5

-

"

�der verschiedensten Industriezweige vertreten sein sollen.
Der Produktions-Ausschuss, der auf Veranlassung des BGA gebildet wurde, hat
sich jetzt in Komitees aufgeteilt, um die Studien besonderer Probleme fortzusetzen.
Die Komitees sind jetzt gebildet worden, um Massnahmen zu treffen fuer Werksbesichtigungen und Austausch von Produktionstechniken, fuer die Instandhaltung der Produktionsstaette und der Kraftanlage, fuer Spezialisierung in der Produktion und
wirtschaftliche Information. Der Ausschuss wird in voller Zusammensetzung wieder
zu Anfang des Jahres In den Vereinigten Staaten zusammentreffen.

"Der Ausschuss setzte sich dafuer ein, dass in England die vorhandenen Hilfsmittel voll ausgenutzt wuerden. Er wies darauf hin, dass der ECA die Hauptentscheidungen treffen muesse, die auf dem Ersuchen seitens der Britischen Regierung beruhen,
und zwar in bezug auf Anforderungen von Stahl, Werkzeugen, Maschinen, und anderen
benoetlgten Materialien, und auch darueber, dass der Instandhaltung, dem Bau und der
Mechanisierung bei der Planung in erster Linie der Vorzug gegeben werden sollte."
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Labor Information" Januar 1%9
Die Vorarbeiter in den russischen Fabriken haben
eine schwere Zeit
Lt. einem Bericht in der Zeitschrift "Foreraan Facta", einem Organ des Instituts
fuer Arbeitsbeziehungen in New York, hat der Vorarbeiter in einer russischen Fabrik
durchaus keinen angenehmen Posten, Viele Vorarbeiter werden nicht deshalb ausgewaehlt, weil sie in Dingen der Arbeit Tuechtigkeit und Geschicklichkeit an den Tag
gelegt haben, sondern weil sie schnell gearbeitet haben und in der Lage waren, viel
zu produzieren. Wenn sie erst einmal Vorarbeiter geworden sind, dann stellen sie
fest, dass sie den groessten Teil ihrer Zeit damit verbringen muessen, um Berichte
abzugeben und Formulare auszufuellen. Ausserdem hat selten ein Vorarbeiter irgendwelche Autoritaet, seine Arbeiter bei der Disziplin zu halten. Auch ist der Vorarbeiter keineswegs der Leiter der ihm unterstellten Arbeiter., da der Inspektor berechtigt ist, Anordnungen zu geben, ohne sich mit dem Vorarbeiter vorher besprechen
zu muessen. Dennoch kann aber der russische Vorarbeiter bestraft werden, wenn seine
Abteilung oder Arbeitsgruppe nicht produziert. Er kann sogar schlechter Arbeit wegen oder wegen Materialverschwendung ins Gefaengnis geworfen werden. Aus dem Bericht
geht hervor, dass es in den russischen Fabriken an Sicherungsmassnahmen mangelt.
Die Unfallziffern in der Sowjetindustrie sind hoch, d.h. nahezu 4 Millionen Unfaelle
im Jahr.
"The Management Review" Dezember 1948
Die Britische Elsen- und Stahl-Gesellschaft
Gemaess dem Britischen Plan fuer die Verstaatlichung der Eisen- und Stahl-Industrie per 1. Mal 1950 werden bis auf etwa 5^ alle Elsen- und Stahlwerke des Landes
oeffentlicher Besitz werden. Alle Firmen, die lt. dem Durchschnitt fuer 1946 und
1947 50.000 Tonnen oder mehr Eisenerz im Jahr verarbeiten, sollen verstaatlicht
werden. Alle 7/erke mit 20.000 Tonnen oder mehr Eisen oder Stahl sollen auch von der
neuen im oeffentlichen Besitz befindlichen Eisen- und Stahl-Gesellschaft uebernommen
werden. Die Gesellschaft wird von einem Direktorium geleitet, dass sich aus 4 bis
10 Mitglieder zusammensetzt, die vom Minister fuer Versorgung ernannt werden. Die
Firmen, die Motorfahrzeuge herstellen sollen von dieser Massnahme ausgeschlossen
sein.
Die Eisen- und Stahl-Gesellschaft wird etwa 107 Gesellschaften mit Ihren Zweigunternehmen in ihren Besitz ueberfuehren. Die Uebernatrne geschieht durch Ankauf der
Aktien der betreffenden Unternehmen. Der Wert der Aktien wird zu dem Wert festgesetzt, wie er in der Zeit vom 1. bis 2§ Oktober 1948 an der Boerse notiert war oder

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�zu dem V/ert, den sie 6 Monate vor den Wahlen im Jahre 1945 repraesentierten, je
nachdem, welcher Wert hoeher liegt. Die Terstaatlichten Firmen werden unter ihrem
jetzigen Namen weitergefuehrt und auch von derselben Leitung. Es wird unter ihnen
auch weiterhin das Prinzip des Wettbewerbs herrschen, obwohl sie in bezug auf
Planung der Leitung der Eisen- und Stahl -Gesellschaft unterstehen.
Folgende Tabelle enthaelt Zahlenmaterial ueber Produktion und Verbrauch an
Stahl im Vereinigten Koenigreich, unlaengst und fuer 1939.
(Tausend Tonnen)

1222

12kZ

12&amp;

Inlandproduktion in Barren und Guss
Nettoeinfuhren, Barren und Halbfertigfobrikate
Fuer Fertigfabrikation im Vereinigten

13,221

12,725

14,500

939

358

340

Koenigreich verfuegbare Barren
Gegenwert an Fertigwaren
Hinfuhr von Fertigfabrikaten
Ausfuhr von Fertigfabrikaten
Inlandverbrauch an Fertigfabrikaten

14,160
10,620
441
1,175
9.936

13,083
9,341

14,840
10,700

74

230

1,279
8,136

1,330
9.600

"Labor and Industry in Britain" Dezemrer
1948
Automobilarbeiter fordern Pensionen.
Pensionen in Hoehe von $100 pro Monat forderte Walter P. Reuther, der Praesident des Verbandes der Vereinigten Automobilarbeiter (CIO) fuer Autamobilarbeiter,
die sich zur Ruhe gesetzt haben. Dieser Vorschlag wurde anlaeaslich einer Schulungskonferenz dieser Gewerkschaft am 20. Januar eingebracht. Die* Gewerkschaft hatte ber e i t s in ihrem Abkommen mit den Kaiser-Frazer-Automobilwerken zum Ausdruck gebracht,
dass s i e bei den Kollektivvertragsverhandlungen 1949 besonders die Sozialversicherung
im Auge habe. Sie hat bereits eine Lohnskala aufgestellt, der zufolge die Loehne erhoeht oder herabgesetzt werden sollen, je nachdem sich der Lebenshaitungsindtac aendert.
Ein Weg, wie dieser Pensionsplan finanziert werden s o l l , i s t von Rauther noch
nicht genannt worden, man nimmt aber an, dass sich die Arbeiter an den Kosten nicht
beteiligen werden. Nach Schaetzungen duerfen sich die Ausgaben im ersten Jahr a l l e i n
fuer Unterstuetzungen ohne Beruecksichtigang der Verwaltungskosten auf mehr a l s 100
Millionen Dollar belaufen.
Es i s t nicht unwahrscheinlich, dass der vorgeschlagene Pensionsplan in den bevorstehenden Verhandlungen mit der Ford-Motor-Company eine Rolle spielen wird. Die
Fordgesellschaft s o l l das "erste Ziel" Im Jahre 1949 sein. Thomas Thompson,- der
Vorsitzende der Ortsgewerkgchaft 600 der Fordwerke hat darum ersucht, dass die Gewerkschaft den Fenslonsplan auf einer Basis aufstellen moege, die sich auf die gesamte Industrie erstreckt,Anstatt darueber mit jeder Firma einzeln zu verhandeln. Soch
ein Plan, der sich ueber die gesamte Industrie erstreckt, sagte Thompson, wuerde
weitreichend genug sein, um fuer lange Zeit in Zeiten der Depressionen zu funktionieren und wuerde "die ganze Frage in einer einzigen Verhandlung erledigen. Dadurch
wuerden die Unter haendjer der Ortsgewerkschaft wie auch der Gesellschaften in die
Lage versetzt werden, ihre ganze Zeit der Loesung von Problemen, zuzuwenden, die sieh
Tag fuer Tag aus den Beziehungen im Werk ergeben."
Bis jetzt wurden die meisten Vertraege, die die Automobilarbeiter abgeschlossen
haben, mit Jeder Firma einzeln ausgehandelt. Man muss nun abwarten, ob die Gewerkschaft es schaffen wird, Verhandlungen mit allen groesseren Werken der Automobilin-

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�dustrie einzuleiten. Die Gewerkschaft hat auch Mitglieder in verwandten Industriezweigen, wie im Flugzeugbau und der landwirtschaftlichen Maschinenindustrie.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest" 26. Jan 49
Die AFL fordert Reinigung; der in Canada angeschlossenen
Gewerkschaften von Kommunisten.
i Die American Föderation of Labor (AFL) hat jetzt den ihr in Canada angeschlossenen Gewerkschaften gegenueber eine feste Haltung eingenommen. Einige der canadischen Gewerkschaften sollen angeblich von den Kommunisten beherrscht sein, obwohl
sie der AFL angeschlossen sind, die stark antikommunistisch eingestellt ist. Jetzt
hat sich der Exekutivrat der AFL an den ihm angeschlossenen Canadischen Arbeiterund Gewerkschaftsbund (CTLC) gewandt und ihn aufgerufen, sich vor der Gefahr des
Kommunismus fuer das freie Gewerkschaftswesen zu hueten.
"Wir koennen und wollen auch nicht einen Kompromiss mit den Kommunisten schliessen, deren vornehmstes Ziel darin besteht, Bewegungen, wie es unsere sind, in den
Vereinigten Staaten und Canada zu zerstoeren. Wir glauben und vertrauen darauf, dass
die Funktionaere des CTLC in enger Zusammenarbeit mit den Vertretern unserer internationalen Gewerkschafen in Oanada einen Weg finden werden,....um diesen wirklich
wuenschenswerten Bestrebungen gemeinsam zum Fortschritt zu verhelfen.
"Falls dies nicht gelingen sollte, dann wuerden sich Innerhalb der canadischen
Gewerkschaften chaotische Verhaeltnisse ärgeben. Wir wiederholen aber, dass wir
keine Loesung unserer schwierigen Lage akzeptieren wollen oder koennen, die in irgend einer Weise einen Kompromiss mit den Kommunisten darstellt.
"Die Kommunisten in der canadischen Arbeiterbewegung sind nicht sehr zahlreich
aber diese paar Leute haben sich bis an die Spitze emporgearbeitet und beherrschen
also auf diese Weise den CTLC, eine der beiden Koerperschaften auf dem Gebiete des
Arbeitswesens in Canada. Unlaengst war die Seeleute-Gewerkschaft Canadas, die von
den Kommunisten gefuehrt wird, in etwas verwickelt, was man als ungesetzlichen
Streik bezeichnete. Diese Gewerkschaft wurde von anderen Mitglied-Gewerkschaften des
CTLC bekaempft. Die Zentralstelle des CTLC schloss eine Eisenbahner-Gewerkschaft aus,
die die streikenden Seeleute angegriffen hatte. Als die Stammorganisation, die AFL
in den Vereinigten Staaten, gegen diesen Ausschuss protestierte, wurde die Eisenbahnergewerkschaft vom CTLC wieder aufgenommen. Zu dieser Aktion hat jetzt die AFL
ihrer canadischen Zweigorganisation gegenueber folgende Erklaerung abgegebenj"Waehrend nun einerseits der Ausschluss aufgehoben wurde, draengen wir andererseits darauf, dass alles, was sich darauf bezieht, aus den Akten und Aufzeichnungen
des CTLC entfernt wird, und dass satzungsmaessige Schutzmassnahmen erlassen werden,
um einer Wiederholung solcher undemokratischen Handlungen zuvorzukommen. Wir draengen nachdruecklich darauf, dass der CT LC seine Satzungen so abaendert, dass die
internationalen Gewerkschaften der A L bei den Konferenzen des CTLC Stimmrecht haben, und zwar gemaess der Hoehe der Kopfquote, die diese Organisationen bezahlen."
In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass, um die Konferenzen
kontrollieren zu koennen, die Kommunisten den Trick anwenden, viele kleine Gewerkschaften ins Leben zu rufen und es so einzurichten, dass diese dann einen unverhaeltnismaessig grossen Einfluss bei der Wahl haben. Es wird behauptet, dass die
nichtkommunistischen AFL-Gewerkschaften in Canada mehr als 6Cf£ der Beitraege zur
Unterhaltung der Zentralstelle zahlen. Solch eine Aenderung der Wahlmethoden bei den
Konferenzen wuerde den nichtkommunistischen Gewerkschaften ihre Macht wiedergeben.Es
ist allerdings unwahrscheinlich, dass die paar Kommunisten, die jetzt an der Macht
sind,, irgend einen Wandel hinnehmen werden, der ihre Ausschaltung zur Folge haben
wuerde. Wenn sie sich weigern, die geforderten Schritte zu unternehmen, dann bleibt
abzuwarten, ob die AFL nicht Massnahmen einleitet, um einen neuen Gewerkschaftsbund
in Canada ins Leben zurufen.

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"The New York Times" 9. Februar 1949
-

8

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�Gewerkschaftsvertrag betont soziale Sicherheit
Die Bedingungen des vor kurzem zwischen der Keiser-Frazer Automibil-Gesellschaft und dem Verband der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas (UAW) - der dem
CIO angeschlossen ist - abgeschlossenen Vertrages erstreckt sich auf 12.500 Arbeiter in den Werken dieses Unternehmens in Detroit. Die sich aus dem neuen Abkommen
fuer die Arbeiter ergebenden Vorteile sehen eine geringe Lohnerhoehung vor, konzentrieren sich Jedoch hauptsaechlich auf andere Vorteile, was auf eine neue Tendenz
beim Abschluss von Kollektiwertraegen hindeutet.
Jeder Arbeiter bei den Kaiser-Frazer-Werken- bekommt eine Lebensversicherungspolice ueber $2.000 und hat im Krankheitsfalle oder bei Unfaellen Anrecht auf Krankenhaus - und aerztliche Behandlung. Dieses Versicherungsprogranm wird vollkommen
von der Firma finanziert, und zwar dadurch, dass fuer jede von den Arbeitern geleistete Arbeitsstunde 5 4 in einen Fonds eingezahlt werden. Die 300 Gehaltsempfaenger, die nicht Mitglied des Verbandes sind, fallen ebenfalls unter diesen Unterstuetzungsplan. Der UAW hat darauf hingewiesen, dass er versuchen wird, mit anderen Automobilfabrikanten aehnliche Abkommen abzuschliessen.
"American Overseas News Service" 4. Februar 1949
Die AFL will eine Arbeiterzeitung herausgeben
Obwohl in den Vereinigten Staaten bereits viele Gewerkschaftblaetter und Zeitschriften erscheinen, gibt es nur wenige Gewerkschaftszeitungen. Vor kurzem hat sich
nun die AFL entschlossen, eine Zeitung als Organ ihrer Liga fuer Politische Schulung
herauszugeben. Die Zeitschrift wird in kleinem Rahmen aufgezogen werden und wird
nicht an einzelne Interessenten abgegeben, sondern packweise an die Gewerkschaftsgruppen verteilt. Das neue unternehmen wird damit beginnen, mehr Nachdruck auf politische und gesetzgeberische Nachrichten zu legen. Die Liga fuer Politische Schulung steht unter der Leitung von Joseph Keenan, der bereits vielen deutschen Gewerkschaften bekannt ist. Er war frueher zu der Zeit Mitglied der Manpower Division bei
der Amerikanischen Militaerregierung, als sich der Wiederaufbau der deutschen Gewerkschaften in den Jahren 1945/46 vollzog.
"American Overseas News Service" 2. Februar 19k 9
Zusammenarbeit von Dienststellen der Vereinten Nationen
zur Loesung des Ernaehrungsproblems
Die Internationale Organisation fuer Arbeitsfragen und die Organisation fuer
Ernaehrung und Landwirtschaft (Dienststellen der Vereinten Nationen) wollen sich
in diesem Jahre bemuehen, das Problem des Landarbeitermangels, der in der ganzen
'Veit herrscht, zu loesen. Sie wollen versuchen, viele Arbeiter zu ermutigen, wieder
zu ihrer landwirtschaftlichen Beschaeftigung, die sie aufgegeben hatten, zurueckzukehren. Es sollen auch Plaene ausgearbeitet werden, die dazu dienen sollen, Landarbeiter aus den Gebieten herauszuziehen, wo bereits genuegend Arbeitskraefte vorhanden sind, um sie dort einzusetzen, wo ein Landarbeitermangel herrscht.
"American Overseas News Service" 28. Januar 1949
Druckerstreik in Argentinien.
In Argentinien wird behauptet, dass die obersten Gewerkschaftsführer begeisterte Anhaenger des Peron-Regimes sind. Zwischen den Mitgliedern des Druckerverbandes in Buenos Aires und den Verbandsfuehrern bestehen Jedoch scharfe Meinungsverschiedenheiten; erstere sind aus Protest gegen die Herrschaft, die die Regierung
ueber die Gewerkschaften ausuebt, in Streik getreten. Der Streik wurde jedoch fuer
ungesetzlich erklaert, und das bedeutet, dass die Streikenden entlassen werden koennen,
es hat aber den Anschein, als wenn sie nicht entlassen worden sind. Nach den letzten

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�Berichten versuchen die Verleger, eine friedliche Loesung herbeizufuehren. Warum
sind nun die Drucker nicht festgenommen worden, weil sie das Gesetz verletzt haben.
Die Antwort- auf diese Frage ist anscheinend darin BU suchen, dass in Argentinien ein
Mangel an tuechtigen Druckern herrscht. Ihre Gewerkschaft ist eine der aeltesten und
staerketen des Landes.
"The New York Times" 9. Februar 1949
Kollektiwerhandlungen ohne Arbeitseinstellungen.
Streiks lassen die Oeffentlichkeit aufhorchen» sie gehen fuer die Zeitungen
Schlagzeilen ab. Von den Beziehungen jedoch, die zwischen den Gewerkschaften und den
Unternehmern im besten Einvernehmen bestehen, macht man kein Aufhebens,und nimmt
keine Kenntnis.
Nach vorsichtigen Schaetzungen betraegt die Zahl der von den Gewerkschaften
jaehrlich unterzeichneten,Abkommen zwischen Arbeitern und Unternehmern ueber 100.000.
Diese Vertraege wirken sich unmittelbar auf die Arbeitsbedingungen von ungefaehr
15 Millionen amerikanischer Lohnempfaenger aus. Mittelbar beeinflussen die durchgesetzten Lohn- und Arbeitsbedingungen auch die Gehaeiter und damit das Wohlergehen
von Millionen weiterer Arbeiter, die aus dem einen oder anderen Grund nicht ausdruecklich unter die Bestimmungen der abgeschlossenen Abkommen fallen.
Nur in wenigen Faelleu, wenn sowohl unmittelbare Verhandlungen als auch Vermittlungen von dritter Seite erfolglos blieben, kommt es vielleicht zu einer Arbeitseinstellung.
Das Amt fuer Arbeitsstatistik im amerikanischen Arbeitsministerium trifft
jetzt Vorbereitungen, um seine Streikstatistik durch Statistiken ueber den "Arbeitsfrieden" zu ergaenzen. Im Rahmen desneuen Vorhabens soll erstmalig versucht werden,
Einzelheiten ueber die Zahl der allmonatlich unterzeichneten Vertraege und der davon betroffenen Arbeiter wie auch darueber, ob die Abkommen ohne Arbeitseinstellung
erzielt werden konnten, zu sammeln. Die Gewerkschaften werden ersucht, dem Amt fuer
Arbeitsstatistik allmonatlich Unterlagen dafuer zur Verfuegung zu stellen. Zu diesem Zweck wurde eine einfache Postkarte entworfen, die sofort nach der Unterzeichnung eines Vertrages von einem Gewerkschaftsfunktionaer ausgefuellt und aufgegeben
werden kann. Einige Gewerkschaften fuehren bereits laufend vollstaendige Aufzeichnungen ueber die in ihrer Zentralstelle abgeschlossenen Abkommen und beabsichtigen,
die regelmaessig von den Lokalsektionen eintreffenden Berichte zusammengefasst an
das Amt fuer Arbeitsstatistik weiterzuleiten.
"Amerika Dienst" 1. Februar 1949
Revolutionierung des Kohlenbergbaus.
Eine neue Kohlenfoerdermaschine
In den Vereinigten Staaten wurde eine neue Kohlenfoerdermaschine erfunden, deren ungeheure Bedeutung fuer die kuenftige Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft
nur schwer abgeschaetzt werden kann.
Das neue Geraet.wird voraussichtlich die Zahl der amerikanischen Bergarbeiter
von einer halben Million auf 25 000 Mann verringern, während gleichzeitig die Kraftstoff-Ausgaben der Industrie durch eine Erhoehung der derzeitigen Tagesfoerderung
um das 20-fache nur noch die Haelfte betragen werden.
Die etwa 8 m lange Foerdermaschine, die eine entfernte Aehnlichkeit mit einem
Panzerkampfwagen hat, wird den Abbau ausserordentlich beschleunigen, da sie die
bisher getrennten Vorgaenge des Saegens, Bohrens, Sprengens und Verladens zu einem
einzigen Arbeitsgang zusammenlasst.
Das Geraet wird zur Zeit in den Kohlengruben von Colorado, Zentral-Pennsylvanien und Illinois verwendet, hat sich bisher in Steinkohlengruben sehr bewaehrt
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�und wird voraussichtlich auch bei Anthrazitvorkommen mit gleichem Erfolg eingesetzt
werden koennen.
Die Joy Maschinenbau-Gesellschaft in Pittsburgh hat fuer'die neue Maschine bisher 300 Auftraage erhalten, 25 Stueck haben das Werk bereits vor kurzem verlassen.
Bis September 1949 will die Gesellschaft weitere 150 Maschinen herstellen und bis
zu diesem Zeitpunkt eine Monatsproduktion von 50 Foerdermaschinen erreichen*
Die in der "United Mine Worters" (Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft) zusammengeschlossenen amerikanischen Bergarbeiter begruessen die Einfuehrung dieses
neuen Foerderautomaten. Schon als die Serien-Produktion des neuen Foerdergeraetes
erst anlief, erklaerte ihr Vorsitzender, John L. Lewis, dass die Mechanisierung
nicht nur des Bergbaus, sondern auch aller anderen gleichgearteten Industrien eine
absolute Notwendigkeit sei.
"Die Arbeiter der"United Mine Workers" haben bereits vor drei oder vier Jahrzehnten erkannt, dass groessere Produktion -mehr Tonnen Kohle pro Mann und pro Tag
neue Werte schafft und somit den Lebensstandard des Bergarbeiters hebt" erklaerte
Lewis vor kurzem in einem Interview fuer den "United States News and World Report".
"Amerika Dienst" 12. Januar 1949
Nicht alle Aerzte tragen Scheuklappen
Dr. Channing Frothingham ist ein amerikanischer Arzt, der sich nicht den
Standpunkt zu eigen macht, wie ihn die Amerikanische Aerzte Vereinigung (AMA) in
ihrem organisierten Kampf gegen den Vorschlag zur Errichtung eines Nationalen Gesundheitsdienstes in den Vereinigten Staaten vertritt. Die AMA versucht, einen
Fonds in Hoehe von 3^ Millionen Dollar zur Aufklaerung der Oeffentlichkeit zu bilden,
d.h. sie will eine Kampagne gegen den Gedanken eines oeffentlichen Heilwesens einleiten. Aber nicht alle Aerzte haben dieses Programm guenstig aufgenommen. In einer
Reihe von Staaten haben sich die aerztlichen Gesellschaften geweigert, sich an dem
Plan der Landesorganisation, $ 25 bei Jedem Arzt in den Vereinigten Staaten zu erheben, zu beteiligen.
Da die Meinungen der amerikanischen Doktoren geteilt wind, hat die AMA beschlossen, den Betrag des Kampffonds von 3g auf 2 Millionen Dollar herabzusetzen. Hierzu
schreibt Dr. Frothingham;"Viele Doktoren haben die Tatsache uebel aufgenommen, dass der Beschluss, eine
Dollarmillionen-Kampagne, die sich ueber das ganze Land erstreckt, gegen die LandesKrankenversicherung einzuleiten, gefasst wurde ohne dem Aerztestand darueber ausführlich zu befragen. Sie bedauern die heimliche und uebereilte Art und Weise, wie diese
Abgabe vorangetrieben wurde, um die groeaste politische Kriegskasse in der Geschichte
des "Lobby" -Verfahrens (Beeinflussung) zu schaffen.
"Viele von uns Sind der Meinung, dass die AMA sich eines Vertrauensbruchs gegenueber den ihr angeschlossenen Doktoren, der Berufsethik und auch dem amerikanischen
Volke gegenueber schuldig gemacht hat.'
"Die Funktionaere der AMA haben sich beharrlich geweigert, mit der AFL und anderen Arbeiter-, Geschaefts-, Landwirtschafts- und Verbraucher-Organisationen an
einem realen Programm zusammenzuarbeiten, um eine angemessene aerztliche Behandlung
fuer alle Buerger zu ermoeglichen. Es ist mir persoenlich bekannt, dass die Aerzte
in steigendem Masse die Obstruktionspolitik der AMA ablehnenj sie draengen auf eine
konstruktive Annäherung an die Probleme der Finanzierung aerztlicher Behandlung und
eines besseren Einsatzes der Aerzte, Krankenhäeuser und aerztlichen Einrichtungen.
"Den besten Beweis fuer die Tatsache, dass nicht alle Aerzte AMA-3cheuklappen
tragen, liefert eine vor kurzem vorgenommene-Aerzteabstimmung, ueber die die Zeitschrift "Medical Economics" berichtet. Als ihnen die Frage vorgelegt wurde, ob sie
sich zur Verfuegung stellen wuerden, wenn die Landes-KrankenverSicherung zum Gesetz
erhoben wuerde, sprachen sich U Aerzte von 10 dafuer aus, dass sie entweder in die-

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�ser Hinsicht vorurteilslos seien oder bereit waeren. mitzumachen. - trotz einer Gegenpropaganda der AMA, die 25 Jahre lang gefuehrt wurde.
"Es handelt sich hierbei um eine Frage, die jedes AFL Mitglied und seine Familie richtig verstehen muss. Jeder Arbeiter hat das groesste Interesse daran. Eshandelt sich hier um eine Sache der Volksgesundheit gegenueber einer Sonderaktion
der Amerikanischen Aerzte-Vereinigung. loh bin der Ansicht, dass sich in diesem
Kampf das Gros der amerikanischen Aerzte dem Gros der AFL und anderer Gruppen anschliessen wird, die aufrichtig an der oeffentlichen Wohlfahrt interessiert sind.
"American Federationist" Januar 1949
Die Rolle der Regierung im System des Freien Unternehmens
Der nachstehende Artikel wurde von Professor Oyril Zebot, einem Wirtschaftler
an der Universitaet Duquesne geschrieben. Er ist der Verfasser meherer Buecher ueber
Vergleiche verschiedener Wirtschaftssysteme. Der Artikel stellt einen Brief dar, der
an die "New York Times" als Antwort auf einen Zeitungsbericht in der Zeitschrift
"Times" gerichtet war.
"Die "Times" brachte einen Bericht ueber die Rede, die Praesident Truman vor
dem Landesplanungsausschuss gehalten hatte. Es wurde dem Praesidenten darin nachgesagt, er haette sich im Gegensatz zur gelenkten Wirtschaft fuer die Planwirtschaft
ausgesprochen. Der "Times"-Bericht gab folgenden Kommentar:" Als er diesen Unterschied machte, deutete er an, dass er eine gelenkte Wirtschaft als totalitaer und
eine Planwirtschaft als demokratisch ansehe."
Bis zu einem gewissen Grade mangelt es an Verstaendnls fuer die Bedeutung einer
geplanten, kontrollierten oder einer geregelten Wirtschaft. Es ist bekannt, dass wir
uns seit einiger Zeit von der urspruenglichen Wirtschaftsform des freien Unternehmens
entfernt haben. Wie weit dies zutrifft und welchem Ziel wir zustreben
das ist,
allgemein genommen, nicht bekannt. Die Oeffentliohkeit kennt wohl bis zu einem gewissen Grade die verschiedenen Massnahmen der Wirtschaftspolitik, die durchgefuehrt
wurden oder noch geplant werden. Es hat aber keine umfassende Vorstellung davon, was
all diese Aenderungen und Reformen bedeuten.
"Steuern wir augenblicklich auf eine Planwirtschaft hin! Dieser Ausdruck bezeichnet offenbar eine Erzeugung, einen Austausch, einen Verbrauch nach einem vorher
festgelegten Plan. Aber der Ausdruck "Planwirtschaft", der verhaeltnismaessig juengeren Datums ist, bedeutet eine Planung seitens der Regierung fuer die Wirtschaft
als Ganzes. In technischem Sinne ist dieser Ausdruck eine andere Bezeichnung fuer
eine kollektivistische, sozialistische oder kommunistische Wirtschaft. In einer
solchen Wirtschaftsform ist es die Regierung, die alle Produktions- und Verteilungsmittel besitzt und steuert.
"Das amerikanische Volk wuenscht eine solche Art von Planwirtschaft nicht.
Aber zum grossen Teil ist die Tatsache, dass die Regierung in der nationalen Wirtschaft ihre gesetzmaessigen Funktionen nicht ausuebte, fuer die traditionellen Unzulänglichkeiten, Maengel und falschen Anordnungen, fuer die Verschwendung nationaler Hilfsauellen, fuer das Anwachsen ungerechtfertigter monopolistischer Praktiken,
die von der Groesse der Produktionsbetriebe, wie sie durch die technologischen Bedürfnisse gerechtfertigt «ind, weit entfernt sind, wie auch fuer die periodischen
Schwankungen zwischen Depression und Wohlstand verantwortlich. Nur angemessene und
geeignete Massnahmen seitens der Regierung haetten diese Entwicklungen hemmen können.
"Die Vereinigten Staaten sind vom "Souare Deal" Theodore Roosevelts zum "New
Deal" Franklin Roosevelts uebergegangen. Jetzt sind wir dabei, uns mit dem "Fair
Deal" des Praesidenten Truman zu befassen. In all diesen Reformperioden ergab sich
immer weitere wirtschaftliche Massnahmen seitens der Landesregierung. Jetzt aber
wird das Problem nicht durch die Frage geloest, ob die Regierung ausserhalb unseres
Wirtschaftslebens steht, sondern vielmehr dadurch, bis zu welchem Grade die Regierung
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12b-

�daran beteiligt sein sollte.
"Jede intelligente Handlung erfordert ein Planen, Jedes Programm der Regierung
muss ebenfalls geplant werden. Wenn Praesident Truman dies meinte, als er den Begriff "geplante Wirtschaft" gebrauchte, dann hatte er Reoht, Allerdings kann ein
Planender nur auf den Gebieten wirken, Ton denen er etwas versteht und die er beherrscht. Auf die Wirtschaft angewendet, beantwortet dieses Prinzip die Irage warum
ein Plan der Regierung nicht den oeffentlichen Markt ersetzen kann,
"Die einzelnen Produzenten und Verbraucher, die sich selbst ueberlasaen waren,
waren nicht faehig. Schwankungen im Geschaeftsleben auszuschalten, weil sie nicht
das noetige Wissen oder die notwendige Macht besassen, diesem Uebel zu steuern.
Andererseits kann die Regierung nicht den Markt als Gradmesser fuer die Beduerfnisse
des Volkes und als bestimmenden Faktor fuer wirtschaftliche Werte, Mengen und Qnalitaeten ersetzen,
"Welches ist der gesetzmaesslge Aktionsbereich der Regierung in unserer modernen
Wirtschaft"?
(1) Die natuerliche Funktion der Regierung besteht darin, angemessene und
hinreichende Vorschriften fuer einen gesunden Wettbewerb unter den einzelnen Menschen, den Unternehmen und den sozialen Gruppen festzulegen.
(2) Die Aufgabe der Regierung besteht darin, ein gesundes Geld zu schaffen,
und zwar ohne Inflation und Deflation.
(3) Nur die Regierung kann und muss groesseren Schwankungen durch eine intelligente Steuerpolitik im Hinblick auf die Aufrechterhaltung einer Vollbeschaeftigung Einhalt gebieten. Danach sollte die Regierung, wenn sich
die Nation keinem Notstand gegenuebersieht, weiter vorsichtig in steigendem Masse ihre wirtschaftliche Rolle spielen."
Professor Zebot schloss seine Ausfuehrungen, indem er sagte, die von der Regierung durchgefuehrte Taetigkeit sollte durch die sozialen Beduerfnisse bestimmt
sein. Seine Ansicht geht dahin, dass die Regierung sich nicht im Interesse des Volkes mit Dingen Befassen sollte, die das Volk selbst durch private Unternaunen durchzufuehren imstande ist. Die Regierung hat aber die Verpflichtung, einzugreifen, wenn
die Aufgabe fuer ein Privatunternehmen zu gross ist, oder wenn die Privatindustrie
zu kostspielig wird oder zu verschwenderisch arbeitet. Auf Grund der sozialen Erfordernisse muss sich das Volk darueber klar werden und entscheiden, welche Arbeiten
es die Regierung durcnfuebren lassen will. Eine Regierung kann beider Planung fuer
die nationale Wirtschaft mithelfen, und das erfordert vielleicht, dass irgendwelche
Vorschriften fuer das Privatunternehmen erlassen werden. Bis zu welchem Grade jedoch die Regierung planen soll und inwieweit Vorschriften von ihr erlassen werden,
da* muss vom Volke bestimmt werden.
"The New York Times" 13. Jebruar 1%9
Grossbritannien hat ein ataendiges Gesundheitsprogramm
In den Vereinigten Staaten fordern die Gewerkschaften, dass die Regierung ein
Krankenversicherungs-Programm aufstellt, und sie verweisen dabei auf das Gesundheitsprogramm der Englaender. Die Aerztevereinigungen und andere besondere Interessentengruppen behaupten, dass das englische Programm ein Fehlschlag sei und aufgegeben
werden wird. Der Chefkorrespondent der "New York Times" hat einen Bericht ueber das
britische Programm nach den ersten 6 Monaten seines Bestehens geschrieben. Dieser
Bericht, der nachstehend aufgefuehrt ist, hat in der amerikanischen Arbeiterpresse
weitgehend Verbreitung gefunden.
"Das groesste Experiment, das jemals von einer demokratischen Regierung unternommen wurde - der Landesgesundheitsdienst von "der Wiege zur Bahre" - besteht
jetzt 6 Monate. Diese Zeit ist noch zu kurz, um schon ein Urteil darueber abgeben
zu koennen, ob es ein Erfolg oder ein Fehlschlag war, aber nicht zu kurz, um sein

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13 -

�junges Dasein zu beschreiben und zu werten. Es schreit noch vor Schmerzen und Pein,
aber a l l e s in allem kannes doch immerhin schon a l s gesundes, lebhaftes Kind bezeichnet werden
"Dieses a l t « Land hat haeufig ein Talent fuer neue Ideen an den Tag gelegt,
und es war natuerlich, dass eine sozialistische Regierung entschlossen war, dass
ein Plan, der dazu bestimmt war, S5% der Bevoelkerung Nutzen und Vorteile zu bringen, auch gut sein muesste. Jetzt bekommen sie sozusagen a l l e s . Doktoren und Dent i s t e n , Spezialisten und Krankenhaeuser, Muetterheime und Einderwohlfahrt, Heimbetreuung, Brillen, Gebisse, Perruecken, Instrumente fuer Schwerhoerige, kuenstliche
Gliedmassen und andere notwendige Materialien, ebenso Drogen, Medizin, a l l e s das
steht einem auf Verlangen zur Verfuegung. Man kann ein Baby bekommen, sich ein Bein
brechen, Zahnschmerzen haben und den Verstand verlieren, und a l l e s das wurde einem
nicht einen Pfennig an direkten Auslagen k o s t e n . . . .
"Die meisten Englaender gehoeren heute dem "Nationalversicherungs"-Plan an und
jede so versicherte Person zahlt sh l l / 4 d (etwas mehr als $1) pro Woche durch Ankauf
von besonderen Marken, die es auf den Postaemtern gibt. Von diesem Betrag f l i e s s e n
8^d (weniger a l s 15(0 an den Nationalen Gesundheitsdienst, der Rest wird fuer Altersund Witwen-Pensionen, fuer Erwerbslosen-, Krankheita- und Invaliden-Fuersorge verwend e t . . . . D i e Arbeitgeber steuern einen kleinen Betrag zu diesem Plan bei, 5/6 des Gesamtbetrages kommen jedoch aus dem Staatshaushalt. In Zeiten der Flaute wird ein
Teil durch hoehere Einkommensteuer g e d e c k t . . . .
"Von der geschaetzten Zahl von 21.000 praktischen Aerzten in England und Wales
haben sich mehr a l s 18.000 f r e i w i l l i g bereit erklaert, sich dem Plan anzuschliessen.
(Anmerkung: Bevor der Plan verwirklicht wurde, hatten sich etwa 80£ der Doktoren
fuer eine Nichtbeteillgung ausgesprochen). Es gibt hier ungefaehr 10.000 Dentisten,
von denen 8.700 beigetreten sind* Vtunden 14.000 Chemists (wie die Drogisten und
Apotheker hier genannt werden) sind im Prinzip a l l e im Gesundheitsdienst.
"Am eindruckvollsten von allem sind wohl die Zahlen der Patienten. Die Bevoelkerung von England und Wales zaehlt nahezu U3 Millionen Menschen. Davon haben sich
ueber U0 Millionen bei den Doktoren einschreiben lassen* die uebcigen sind hauptsaechlich Leute, die gut dastehen und aeltere Personen, die sich weiter gegen Honorar von ihren Hausaerzten behandeln lassen. Nach diesen Zahlen zu urteilen, findet
die englische Oeffentlichkeit an diesem neuen Plan flefallen. Die Nachfragen a l l e r
Art sind schon so gross, dass Mr. Bevan (der Gesundheitsminister) die dringende
Bitte an die Oeffentlichkeit richtete, die Dinge nicht zu ueberstuerzen.
"Es wird zugegeben, dass die durchschnittliche Verguetung fuer die Aerzte angemessen i s t ; s i e wurde allerdings auch von einem Ausschuss f e s t g e s e t z t , der sich
je zur Haelfte aus lerzten und Laien zusammensetzt....Es werden aber noch Jahre vergehen, ehe es genug Dentisten, Krankenschwestern, Krankenbesucher, genuegend Krankenhaeuser und Betten, und vor allem, bevor die Gesundheitsstaetten, die in Zukunft
die wirkliche Grundlage fuer diese Einrichtung bilden, erbaut worden werden. Der Erfolg des gesamten Gesundheitsunter nehmen s haengt in Vfirklichkeit von diesen Staetten
ab, In denen die Doktoren, Spezialisten, Krankenschwestern und das Verwaltungspersonal zusammenarbeiten, wo s i e teure Ausruestungen und Laboratorien benutzen und ihre
Patienten mit groesster Schnelligkeit und Wirksamkeit behandln.
"Inzwischen, wenn der Nationale Gesundheitsdienst reibungslos und g l a t t 10 Jahre
lang arbeitet, wird er zu einem grossen Erfolg geworden sein. Man wird ihn auch nicht
wieder abbauen koennen, s e l b s t , wenn die Konservativen bei den naechsten allgemeinen
Wahlen siegen sollten, zum Teil, weil man etwas, das existiert nicht wieder ungeschehen machen kann, und dann auch, weil jeder das Ideal bewillkommnet, das der neuen
Einrichtung innewohnt. Die Kritiker dieses Systems haben keine t r i f t i g e n Gruende,

-

IL

�die sie vorbringen koennten, und das ist auch der Grund, warum sich schliesslich
die Britische Aerztevereinigung entschied, an dem Plan mitzuarbeiten."
"New York Times Magazine" 9. Januar 1949
von den "CIO News" uebernommen, 24. Januar 49
Auch die Frauen haben eine gewerkschaftliche Aufgabe
Die amerikanischen Gewerkschaften haben gesehen, dass Frauen in der Gewerkschaftsarbeit nuetzlich sein koennen, und zwar nicht nur die arbeitenden Frauen,
die Mitglieder der Gewerkschaft sind, sondern auch die Frauen der Gewerkschaftsmitglieder. Der CIO hat nun eine Vereinigung weiblicher Hilfsgruppen gegruendet. In
allen CIO Gewerkschaften bestehen solche Hilfsgruppen. Ihre Organisation traegt
nationalen Charakter und erstreckt sich somit auf das ganze Land. Sie berufen ihre
eigenen Sitzungen ein und haben ihre eigenen Arbeitsprogramme. Bei den kuerzlichen
Praesidentschaftswahlen haben die Frauen des CIO eine sehr aktive Rolle gespielt.
"Frau CIO" wird sich mehr und mehr ueber die Tatsache klar, dass die politische
Aktivitaet 365 Tage im Jahre anhalten muss. Im Gedanken daran sind Sonderlehrgaenge an vielen Orten eingerichtet worden, um unseren Mitgliedern ihre Verantwortung als Frauen, die im Leben stehen, vor Augen zu fuehren. Das Ergebnis ist
durchaus ermutigend. Das Programm wird nun fortgesetzt und noch ausgedehnt werden. Es ist erfreulich, festzustellen, dass sich in steigendem Masse die Arbeiterschulen des CIO um die Mitarbeit der Frauen bemuehen und in manchen
Faellen Kurse ueber die Probleme dieser Hilfagruppen und ueber spezielle Arbeitsphasen fuer die Frauen in den Gemeinden durchgefuebrt haben."
"Frau CIO" hat sich waehrend des vergangenen Jahres aktiv an Konferenzen in
vielen Gemeinden mit den Frauen anderer Organisationen beteiligt, um eine Kampagne
gegen die steigenden Preise durchzufuehren. Diese Konferenzen hatten einen weitgehenden Einfluss auf die Entscheidung bei der letzten Wahl. Die Frauen des CIO
hielten auch in vielen Staedten oeffentliche Versammlungen ab, auf denen es um das
Taft-Hartley-Gesetz ging, das Gesetz von 1947, das von den Gewerkschaften so heftig
bekaempft wird. Zweifellos wird dieses Gesetz bald aufgehoben. Das ist nicht zuletzt
das Verdienst der Frauen-Hilfsgruppen der Arbeiterbewegung.
"Bericht des CIO fuer das Jahr 1948"
16 Millionen amerikanische Frauen sind Lohnempfaenger
Am 30. Januar berichtete das Arbeitsministerium, dass 16.323.000 amerikanische
Frauen, d.h. 29,8t aller Frauen in arbeitsfaehigem Alter Lohnempfaenger sind. Der
durchschnittliche Jabresverdienst der Frauen, die voll gearbeitet haben, belaeuft
sich auf $ 1.661, waehrend der Verdienst fuer Maenner bei voller Arbeitszeit
$ 2.588 betraegt.
Unter Berücksichtigung der Berufszweige verrichten 90t Frauen Hausarbeiten,
nahezu 60£ von ihnen sind mit Bueroarbeiten beschaeftigt, etwa 40? sind in Berufen,
im Verkauf und bei Dienstleistungen taetig (andere als Hausdienste), waehrend
30£ aller Betriebsarbeiter in den Fabriken Frauen sind. Abgesehen von der Hausarbeit findet man die groesste Anzahl weiblicher Arbeiter im Unterrichts-, Aerzteund Gesundheitsdienst.
Nach Altersgruppen eingeteilt, waren 39# aller weiblichen Angestellten im Jahre

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�1947 20 bis 34 Jahre alt, 38i waren 35 bis 54 Jahre alt. Von diesen angestellten
Frauen waren 38i ledig, 46£ waren verheiratet, waehrend 16t verwitwet oder geschieden waren.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"W«ekly Labor News Digest" 2. Februar 1949
Canadische AFL-Gewerkschaftler duerfen nicht in die IBA
3 Funktionaeren der canadischen Sektion des Verbandes der Internationalen
Chemiearbeiter, der der AFL angeschlossen ist, wurde die Einreise in die Vereinigten Staaten verwehrt; offenbar steht dies im Zusammenhang mit Gewerkschaftsangelegenheiten. Gruende hierfuer warden nicht angegeben; es wurde lediglich darauf .hingewiesen, dass diese Massnahme nach den gesetzlichen Bestimmungen getroffen worden
sei, denen zufolge einer Ferson die Einreise verwehrt werden kann, "deren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten als nachteilig fuer die Interessen des Landes angesehen wird."
"New York Times" 26. Januar 1949
-

Manpower D i v i s i o n
OMGÜS, APO 742

OMOOT, 9-Sgs. i , » . . U9, r* c

16

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OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
IM« folgenden Artikel »teilen Ansinge aas der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar nnd Ü B f
dar Information deutscher Redaktenre, dar Gewerkschaften, GewerfcafhaftserhnUa nnd deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht Werden.
Wattara Exemplare können kostenlos bei
MANPOV/ER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Aul Wunsch werden diese anch einzelnen Interessenfan direkt durch die Fast zugeleitet.
Dar Inhalt der ^Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Maimag oder Stellungnahme dar amerikanische*
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle dar Regierung dar Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 3

Berlin, 11. Ilaerz 1949

Informationen ueber die russische Sklavenarbeit gefordert.
Der Wirtschafts- und Sozial-Ausschuss der Vereinten Nationen hat den Vereinten
Nationen eine Besolution unterbreitet, in der darum ersucht wird, die Beschuldigungen zu pruefen, denen zufolge lt. Angaben gewisser freier Gewerkschaften 14 Millionen Menschen in Bussland in einer Art Sklaverei gehalten werden. Obwohl dieser Vorschlag in der Presse behandelt wurde, werden hier noch einige Einzelheiten von besonderem Interesse angefuehrt.
Der Vorschlag ging -von der AFL aus und wurde dem Wirtschafts- und Sozial-Ausschuss von Toni Sender, einer frueheren aktiven Gewerkschaftlerin in Deutschland,
und Willard Thorpe, einem amerikanischen Vertreter, eingebracht. Tri. Sender, die
bei der AFL arbeitet, sagte, wenn die Anschuldigungen falsch sein sollten, dann
muesstendle Bussen eine Untersuchung eigentlich begruessen.
Thorpe, der jetzt Staatssekretaer im Aussenministerium ist, erklaertei "Trotz
des dichten Schleiers des Geheimnisses, der von der Sowjetregierung beibehalten wird,
ist dennoch aus sowjetischen Quellen wie auch aus einer immer mehr sich steigernden
Anzahl anderer Quellen genuegend Beweismaterial der Weltaufmerksamkeit zugaenglieh
geworden, um die Notwendigkeit darzulegen, das SeheInwerferlicht der Untersuchung
auf diese Angelegenheit zu lenken." Thorpe zaehlte dann einzelne Beweise aus Sowjetquellen wie auch solohe aus anderen Quellen auf.
,
"Aehnliche Beschuldigungen sind auch gegen andere Laender erhoben worden. Ich
beziehe mich dabei auf die osteuropaeisehen Laender, die mehr oder weniger nach
russischem Vorbild ein kommunistisches Regime haben. Z.B. halten sich Berichte
ueber Zwangsarbeiten in den Uranbergwerken im Deutsch-Tschechoslowakischen Grenzgebiet zu hartnaeekig, als dass man sie ignorieren koennte. Die Schablone ist dieselbe wie in der UdSSB, nur eben in «feinerem Masstabe entsprechend der Groesse der
Laender.
"Wo immer auch kommunistische Regierungssystarne auftauchen, bringen sie eine
Bueckkehr zu den Praktiken der Sklavenarbelt mit sich, die denen aebnlieh sind,
die in denselben Laendem vor 100 Jahren abgeschafft wurden.." Der sowjetische Vertreter beim Wirtschafts- und Sozial-Ausschuss bezeichnete diese Brklaerung als eine
Sohmaehung seines Landes und behauptete, sie sei ein Teil des politischen Komplotts,
das darauf abzielt, die Sowjetunion in Misskredit zu bringen. Kr griff dann die
Arbeiterpolitik der kapitalistischen Laender an und meinte, dass die Arbeiter in
der Sowjetunion im wahrsten Sinne des Wortes frei seiaa.
(Presseberichten zufolge weigert sich Bussland eine Untersuchung irgendeiner Art
anzunehmen.)
"State Department Badio Bulletin" 15. Februar 1949
-

1

�Veraenderangen in den Famlllenelnkuenften in Amerika
Nachstehende Tabellen sind dem Wirtsohaftabericht Praesident Trumana fuer
1948 entnommen. Aus der ersten Tabelle geht hervor, wie sieh die Familieneinkuenfte einschliesslich derjenigen der Familien, die nur aus einer Person bestehen,
ueber die Jähre 1935-1936, 1941 und 1947 verteilen. Auch die gesamten Einkuenfte
des Landes sind genannt.
*

Prozentsatz an geldliehen Einknenften Jeder 5. Familie der Nation
Familieneinheit, abgestuft
innerhalb des niedrigsten
und des hoechsten Einkommens

Prozentsatz des gesamten
geldliehen Einkommens
1935-1936
1941
1947

Einkuenfte des Landes in
Milliarden Dollars

Niedrigstes Einkommen jeder
Zweithoechstes •
•
Dritthoechstes •
"
Vierthoeehstes "
•
Hoechstes
"
•
Gespartes Fmmilienelnkommen

77.3

(1)

5* Familie 4.0
•'
»
8.7
«
*&gt; 13.6
•
"
20.5
"
•
53.2
100.0

100.5

231.6

3.5
9.1
15.3
22.5
49.6

4.0
9.8
15.4
22.6
48.2

100.0
100.0
(1) Nationale Einkuenfte 1935: 72.2 Milliarden, 1936«.82.5 Milliarden

Wie sieh das nationale Einkommen fuer 1941 und 1947 vor und naeh der Besteuerung aufteilte, ergibt sich aus der naeohsten Tabelle. Im Jahre 1941 wurde das gesamte Nationale Einkommen um 5% durch die Steuern reduziert, 1947 sber ermaessigten sich die Einkuenfte wm durchschnittlich 10£ fuer alle Familien.
Prozentsatz an geldlichen Elnkuenften jeder 5. Familie der Nation, vor und
nach der Besteuerung, abgestuft nach der Groesse des Einkommens. 1941 und 1%7
Familieneinheit, abgestuft inner- Prozentsatz des gesamten geldhalb des niedrigsten und des
liehen F.iTiVr&gt;mmftWH
hoechsten Einkommens
1941
1947
Vor
Nach
Vor
Nach
der Besteuerung

Niedrigstes Einkommen jeder 5 . —
Familie
Zweithoechstes
Dri^tthoechstes - —
—
Vierthoechstes
&gt;Hoechabes
Gesamtes Femilieneinkonmen

3.5

3.7

4.0

4.3

-9.1
15.3
22.5
49.6

9.5
15.9
23.2
47,7

9.8
15 •*
22.6
48.2

10.4
16.2
22.8
4.6.3

100.0

100.0

100.0

100.0

Aus obiger Tabelle ist ersichtlich, dass die Steuern einigen Elnfluss auf die
Verteilung aller Einkuenfte hatten, die naechste Tabelle zeigt die Einkuenfte nach
der Besteuerung im Vergleich zu den verschiedenen Einkommensgruppen. Man muss dabei in Betracht ziehen, dass die Einkuenfte sowohl fuer 1941 wie fuer 1947 nach
der Kaufkraft des Dollars im Jahre 1947 angewetzt wurden.

- 2 -

�Durchschnittliches geldliches Einkommen jeder 5. Familie des Landes nach
der Besteuerung, abgestuft nach der Groesse des Einkommens
Familieneinheit, abgestuft
innerhalb des niedrigsten
und des Hoechsten Einkommens

(geldliches Einkommen
nach der Besteuerung
(Dollarwert 1947)
1941

1947

Prozentsatz der
Veraenderungen
1941 bis 1947
1941

Niedrigstes Einkommen Jd. 5. Familie

$ 562

$ 796

41.6

Zweithoechstes
Dritthoechstes
Vierthoechstes
Hoechstes -

1,444
2,421
3,523
7.245

1,933
2,992
4,226
8.574

33.9
23.6
20.0
18.3

1947

Aus der letzten Tabelle geht hervor, dass in der Zeit zwischen 1941 und 1947
die Kaufkraft bei den Gruppen mit den niedrigeren Einkuenften verhaeltnismaessig
schneller stieg. Die Saetze fuer die niedrigeren Gruppen haben sich auf Grund der
Lohnveraenderungen im Jahre 1948 noch mehr erhoeht, es wird jedoch noch einige
Monate dauern, ehe die Zahlen vorliegen.
Der Wirts che ftsberi cht des Praesidenten*, 7.Januar 49
Ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit in Amerika
bildet kein Problem
Trotz der betraechtlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten
Staaten im Januar steigt die Beschaeftigung im ganzen Lande weiterhin leicht an,
erklaerte Maurice J. Tobin, der Arbeitsminister, und der Grad der Geschwjiadigkeit
im Ansteigen der Arbeitslosigkeit.hat nachgelassen.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Arbeitslosigkeit nach der Weihnachtssaison immer ansteigt, und dass dies auf die Drosselung im Bauwesen zurueckzufuehren
ist. In diesem Jahre war die Abnahme der Beschaeftigungsziffer groesser. Im Januar
1949 standen insgesamt 57.400.000 Menschen in Arbeit im Vergleich zu 57.100.000 im
Januar 1948. Im Januar 1948 belief sich die Zahl der Arbeitslosen auf 2.100.000 im
Vergleich zu 2.700.000 im Januar 1949. Im Februar 1948 waren 2.600.000 Menschen arbeitslos. In einer Presseerklaerung sagte Minister Tobin;"Waehrend einerseits der augenblickliche Stand der Beschaeftigungslosigkeit
eine sorgfaeltige Pruefung und Beobachtung bedingt, ist die Lage andererseits keineswegs beunruhigend...Augenblicklich ist es nicht moeglich, festzustellen, in welchem Masse die laufende Arbeitslosigkeit auf die Rueckkehr zur saisonbedingten Taetigkeit der Vorkriegszeit einschliesslich der Inventuraufnahme zurueckzufuehren ist
und bis zu welchem Grade die juengste Unsicherheit im Geschaeftsleben und die
Rueckkehr der Kaeufermaerkte in vielen Industriezweigen fuer Verbraucherwaren dafuer verantwortlich ist.
"Es ist Jedoch klar, dass Entlassungen in denjenigen Industriezweigen, die
typisch dafuer sind, dass sie gegen Jahresende Einschraenkungen vornehmen, in diesem Jahre groesser waren als zu irgend einer Zeit seit 1940. Es ist auch einleuchtend, dass gewisse Industriezweige, wie Textilien- und Leder-Ausstattungen, HolzMoebel- und manche Maschinen-Industrien als Ergebnis der Veraenderungen ihrer
Marktlage eine Abnahme an Beschaeftigungslosigkeit zu verzeichnen hatten."
Obwohl 700.000 Menschen im Januar arbeitslos wurden, besteht doch kein Grund
zur Annahme, dass diese Entlassungen einen Rueckgang in den Geschafften ankuendigen,
erklaerte Dr. Edwin G. Nourse, der Leiter des Ausschusses der Wirtschaftsberater
Praesident Trumans.
"State Department Radio Bulletin" 4. Februar 49

- 3 -

�Die amerikanische Politik der Sozialisierung
Die Politik der Amerikanischen Militaerragierung in bezug auf die Sozialisierung wurde in dieser Woche In einem Brief dargelegt, den ein Beamter aus der naeheren
Umgebung Praesident Trumans an Norman Thomas, den Sozlalistenfuehrer, geschrieben
hatte. Dieser Brief war die Antwort auf einen Protest seitens Thomas gegen die
Sehritte der Militaerregierung, die zusammen mit den Englaendern ein Gesetz 75 erlassen hatte vorbehaltlich weiterer Schritte der deutschen Regierung in Hessen in
der Sozialisierung der Bergwerke und Stahlwerke. Generalmajor Harry H. Vaughan,
der militaerIsche Adjutant des Praesidenten, sagte, dass die Politik auf 3 grundlegenden Punkten basiere*
"1. Es wuerde keine Sozialisierung ohne eine schnelle und angemessene Abfindung
der frueheren Besitzer geben.
"2. Die Militaerregierung ueberlaesst die Frage der Sozialisierung im Gegensatz
zum Privatunternehmen den Deutschen, und wird sich in jedem einzelnen Falle
an ihre Entscheidungen halten.
"3* In Faellen, in denen die Bedeutung eines Unternehmens ueber die Grenzen des
Landes hinausgeht, muss der Beschluss zur Sozialisierung das Betriebes von
einer Gruppe gefasst werden, die das gesamte deutsche Volk repraesentiert,
das von dieser Massnahme betroffen wird."
Bei Verkuendung des Gesetzes No. 75 aeusserten sich die amerikanischen und
britischen Dienststellen dahingehend, dass die Frage, ob Kohlen-, Eisen- und StahlIndustrien in Deutschland sozialisiert werden sollten, dem Votum der neuen deutschen
Zentralregierung fuer die Westzonen Deutschlands ueberlassen bleiben sollte, schrieb
ferner General Vaughan.
"Overseas American News Services" 17. Februar 1%$
Die gewerkschaftliche Lage in Japan
Nach einem zweiwoechigen Studium des Kommunismus in Japan und der allgemeinen
Lage der Industrie und der Arbeiterschaft gab der Stellvertretende Arbeitsminister
John W. Gibson anlaesslich einer Pressekonferenz folgenden Bericht abfr
1. Der Kommunismus nimmt in Japan zu, aber die Gewerkschaften machen keine
wirklichen Anstrengungen, um dies, bekanntzugeben. Er fuegte hinzu, dass die
Amerikanische Militaerregierung in Japan keineswegs "unnoetig beunruhigt"
sei.
2. Das Stabilisierungsprogramm fuer Japans wirtschaftliche Erholung wird von
den Gewerkschaften, von den Arbeitgebern wie auch von der Regierung aufrichtig unterstuetzt. Moderne Technik und moderne Ausrüstungen fuer die
Kohlenbergwerke werden benoetigt.
3. Die japanischen Arbeiterverbaende sind wohl als Gliederung Irei, aber in
ihrer Taetigkeit durch Zwangsvergleiche und durch die Tatsache gehemmt,
dass den Angestellten der Regierung (Post, Eisenbahn ebenfalls) das Recht,
in den Streik zu treten oder Kollektiwertraege abzuschliessen, versagt ist.
Gibson berichtete, dass die japanischen Gewerkschaften etwa 6 Millionen Mitglieder haetten. In der Arbeiterbewegung entwickelt sich das System der KollektiwerHandlungen nur langsam und hat noch einen langen Heg vor sich. Freie Gewerkschaften,
fuegte er hinzu, seien sowohl fuer die Regierung als auch fuer die Privatunternehmer
etwas Neues. Rat und Hilfe von aussen wird noch lange notwendig sein, bis eine freie
Gewerkschaftsbewegung endgueltig in Japrn verwirklicht ist. Gibson sagte»"Einer der schwächsten'Punkte in der japanischen Industrie ist der Mangel an
Kohle, sowie der Mangel an modernen Produktionsmethoden. Der Mangel an Kraftstrom
schafft Engpaesse. Die japanischen Industriegewerkschaften haben mich ganz besonders
gebeten, bei meiner Pressekonferenz darauf hinzuweisen, dass sie das Stabilisierungs-

k

-

�Programm roll und ganz unterstuetzen. Sie alle sind willens, daran mitzuarbeiten..."
"Overseas American News Service" 18. Februar 1949.
Wird die Wissenschaft der Freiheit oder der Tyrannei dienen.
Die moderne Wissenschaft kann im Interesse der Freiheit und Wuerde angewendet
werden oder dazu dienen, die Menschen zu Sklaven zu machen. Es haengt davon ab, ob
sich das Ruestzeug der Wissenschaft in den Haenden demokratisch denkender Menschen
oder von solchen befinden, die nach despotischer Macht streben.
Diese Saetze bildeten den wesentlichen Inhalt einer Rede, die David E. Lilienthal, der Vorsitzende der amerikanischen Atomenergie-Kommission, unlaengst gehalten
hat. Er sagte,"dass die Technologie, die zum Wohle des Menschen angewandt wird,
nicht nur materiellen Wohlstand bringen, sondern auch das freiheitliche Denken des
Menschen foerdem kann.
"Die Maschine und die Technologie selbst sind weder gut noch boese. Sie sind
gut, wenn sie der Mensch zum Guten anwendet und sie sind boese, wenn er sie fuer
boese Zweoke verwendet.
"Die Maschine kann natuerlich so angewendet werden, dass sie den Menschen degradiert und versklavt. Sie kann dazu verwendet werden, das Land zu erschoepfen
und mit ihm die Wuerde derjenigen, die auf diesem Boden leben, sie kann die Luft
vergiften, kann Fluesse verunreinigen, die Waelder verwuesten und dadurch Maenner,
Frauen und Kinder zur geistigen Degradierung grosser Armut verurteilen. Sie kann
aber auch die Tore zum Vorteil und Nutzen des Menschen weiter oeffnen, sie kann....
dazu benutzt werden Schmutz, Unrat, Stauungen und Krankheiten zu beseitigen, um
den Boden zu kraeftigen, um die Waelder zu erhalten, um die Umgebung des Menschen
menschlich zu gestalten
*
Wir muessen nun unsere Wahl treffen. Wir koennen uns nun bewusst und vorsaetzlich dafuer entscheiden, ob die Maschine oder der Mensch an erster Stelle stehen
soll. Diese Entscheidung wird aber nicht zu einer einzigen Gelegenheit vorgenommen,
die als Schauspiel und dramatisch ablaeuft. Wir werden von Entscheidung zu Entscheidung schreiten, von Streitfrage zu Streitfrage. Sie und ich und wir alle werden für
den Rest unserer Tage inmitten dieses Kampfes stehen."
"State Department Radio Bulletin", 7. Februar 1949
Schwedische Arbeiterführer besuchen die Vereinigten Staaten
Der Verwaltungsausschuss fuer das ERP (ECA) gab am 11. Februar bekannt, dass
im Maerz 12 schwedische Gewerkschaftler in den Vereinigten Staaten eintreffen
wuerden, um dort einen Monat zu verbringen und die Arbeitsbedingungen in den Vereinigten Staaten zu studieren.
Waehrend ihres Besuches, der auf Einladung der Abteilung fuer Technische
Hilfeplanung des EGA erfolgt, wird die Gruppe in den Staedten, die sie besucht,
auch mit Fuehrern der amerikanischen Arbeiterbewegung, mit Beamten der amerikanischen Regierung wie auch mit Arbeitern zusammentreffen.
Fuehrer der Delegation ist Axel Strand vom Schwedischen Gewerkschaftsbund, zu
den Mitgliedern der Gruppe zaehlen ferner; Karl Lindeil, der Schatzmeister des Fabrikarbeiter-Verbandes, Evald Johansson, der Vorsitzende des Verbandes der Arbeiter
im Bergbau, Arne Geijer, Holgar Olsson und Erik Ostrand vom Metallarbeiterverband,
J.V. Kunblad und Birger Ohquist vom Palerarbeiter-Verband, sowie Ragner Helgesson
und Sture Lindblad vom Transportarbeiter-Verband.
Die schwedische Gruppe ist bereits die vierte aus einem Marshallplan-Land,
die die Vereinigten Staaten besucht, um die Industrieproduktion zu studieren. Die
erste Gruppe bestand aus norwegischen Gewerkschaftlern, die im Januar eine drei-

- 5 -.

�woechlgen Tour unternahm, die zweite Ist eine daenische Delegation, die in dieser
Woche eintraf, und die dritte wird die erste von einer Reihe britischer Delegationen aus der Industrie sein, die gegen Ende Februar eintreffen wird.
"Overseas American News Service" 12. Februar 1949
Senator Vandenberg ueber die Aussenpolltlk
der Vereinigten Staaten
Folgende Erklaerung ist einer Rede der Senators Arthur H. Vandenberg, des
Fuehrers einer Minderheit im amerikanischen Senatsausschuss fuer Auswaertige Angelegenheiten, entnommen, die er in Detroit hielt. Das Hauptthama seiner Ansprache
gipfelte darin, dass die beiden grossen politischen Parteien in der Beibehaltung
des bisherigen Kurses in der Aussenpolltlk zusammengehen wuerden, obwohl sie bei
internen Fragen vielleicht verschiedener Meinung sein moegeh. Sowohl Republikaner
wie auch Demokraten wollen zusammenarbeiten, um Frieden zu bringen.
"Dieser "Kalte Krieg" keennte in 20nMinuten vorbei sein, wenn Russland in
Worten und Werken gutens Willens waere. Wir wollen nichts von Russland als das
Recht fuer die unabhaengigen Nationen, Innerhalb ihrer eigenen Gebiete nach ihrem
eigenen Freien Willen "leben und leben zulassen". Wir bieten Freundschaft auf einer
doppelwegigen Strasse. Wir wollen peinlichst genau jede Verpflichtung einhalten,
die wir mit der Atlantic Charta und den Vereinten Nationen gegenueber eingegangen
sind. Wir wollen uns an einer allgemeinen Abruestung - einschliesslich der Atombombe - beteiligen, wobei eine zuverlaessige Bestrafung bei Treulosigkeit und Vertrauensbruch vorgesehen ist.
"Nur Taten geben ein zuverlaesslges Bild. Bis zu dem herrlichen Tage, da Jeder bereitwillig Frieden zu schliessen gewillt ist, werden wir auf die Sicherheit
unseres Landes bedacht sein und unser Pulver trocken halten. Wir werden die kollektive Sicherheit und Gerechtigkeit durch die Einrichtung der Vereinten Nationen unterstuetzen. Wir werden uns mit anderen gleichgesinnten Nationen durch regionale
Sicherheitsabkommen Im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen, jedoch ausserhalb
des Sowjetischen Vetos, zusammenschliessen. Wir werden unnachsichtlich gegen jeden
umstuerzlerischen kommunistischen Verrat vorgehen."
"State Department Radio Bulletin" 11. Februar 1949
Kontrolliertes Unterrichtswesen in den
kommunistischen Laendern
Alle diejenigen, die an ein freies Gewerkschaftswesen glauben, sind gewoehnlich auch Verfechter des freien Unterrichts. Es sollte aber die deutschön Gewerkschaftler nicht uebarraschen, einen Artikel wie den folgenden in einer offiziellen
Publikation des Britischen Gewerkschaftsbundes (TDC) zu finden;
"Die kommunistischen Regierungen Osteuapas benuehen sich energisch, eine
juengere Generation heranzuziehen, die von der kommunistischen Idee durchdrungen
ist. Die von den verschiedenen kommunistischen Regierungen erlassenen Verordnungen
illustoinren den Prozess, der jetzt hinter dem "Eisernen Vorhang" mit beschleunigter
Eile vorangetrieben wird.
"An den Schulen und Universitaeten in Ungarn, der Tschechoslowakei, Polens
und Rumaeniens werden jetzt fuer die Lehrkraefte Sommer-Lehrgaenge in den Grundprinzipien des Kommunismus abgehalten. Der polnische Unterrichtsminister hat unlaengst darauf hingewiesen, dass die Lehrer ihre ideologische und politische Aktivltaet steigern muessten.
"Tschechoslowakei» Einen Schritt vorwaerts zur Kommunisierung des Unterrichtswesens in der Tschechoslowakei bedeutete die Bildung von Aktionskomitees innerhalb
des Lehrerberufs an den hauptsaechlichsten Universitaeten und im Nationalverband
der Studenten. Diese Ausschuesse stellten Listen von allen Personen euf, die Geg-

- 6 -

�ner des kommunistischen Regimes sind, was zur Entlassung von 17 Mitgliedern des
Lehrkoerpers der Karls-Universitaet und zur Ernennung neuer Professoren seitens des
Unterrichtsministeriums fuehrte, ohne dass die Universitaet ueberhaipt vorher befragt wurde.
"Um eine Umarbeitung der Geschichte vom kommunistischen Standpunkt aus zu erleichtern, ordnete die tschechoslowakische Regierung die Vernichtung aller Exemplare
der Memoiren des verstorbenen Praeddenten Benesch und Winston Churchills an.
Polen» In Polen sind aehnliche Entlassungen an der Universitaet Posen und auch
anderswo vorgenommen worden, und der Universitaet wird jetzt durch das Unterrichtsministerium der Lehrkoerper aufgezwungen. Die Professoren und Studenten, die sich
dem widersetzen, sind ins Gefaengnis geworfen worden.
Bulgarien» Bei der ersten Reinigungsaktion in Bulgarien wurden 500 Studenten von
den Hochschulen relegiert. Alle unabhaengigen Sclmlen sind auf Anordnung der Regierung geschlossen worden. Die Rektoren, Direktoren, Erzieher, und Vorsteher innerhalb des bulgarischen Unterrichtssystems sind jetzt unter den aktiven Mitgliedern der kommunistischen Organisation ausgewaehlt worden.
Russland; Eine Ueberpruefung und Umorganisation der wissenschaftlichen Lehr- und
Forschungstaetigkeit in allen Zweigen der Biologischen Forsdhung in der Sowjetunion war die Folge von Anschuldigungen des Akademikers T.D. Lysenko, dass sich
ideologische Ketzerei und abweichende Anschauungen unter seinen Kollegen ausgebreitet hatten, die nicht glauben, dass die Lehren Mendels, Morgan« und anderer
fuehrenden Biologen der westlichen Welt durch Lysenkos Theorien ueber die Vererbung und die Erblichkeit charakteristischer Merkmale in Misskredit gebracht worden
sind. Als Ergebnis dieser Polemik sind fuehrende Wissenschaftler in der Sowjetunion von ihren Posten entlassen worden, weil sie angeblich "reaktionaere idealls- '
tische Anschauungen" vertreten.
"Diese Reinigungsaktion ist auf die Heilkunde, Physik, auf die Philosophie,
die Sozialwissenschaften, ja, sogar auf die historische und literarische Kritik
ausgedehnt worden."
TLabour" Februar 1949
Der Wert der Forschung fuer den Arbeiter
In unserem Blatt ist bereits ueber das wachsende Interesse der amerikanischen
Gewerkschaften an der Forschung berichtet worden. Nachstehender Artikel ist dem offiziellen Organ des Britischen Gewerkschaftsbundes (TUC) entnommen.
"Im Allgemeinen wollen die Gewerkschaftler an dem Nutzen, der durch verbesserte Methoden und Arbeitsprozesse geschaffen wird, teilhaben, insbesondere koennen
sie die Ideen und Stellungnahmen der Arbeiter in bezug auf irgendwelche neuen wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen zum Ausdruck bringen.
Forschung macht sich bezahlt
"Heutzutage sind diese Entwicklungen im Steigen begriffen, da 39 verschiedene
Vereinigungen den Versuch unternehmen, wissenschaftliche und technologische Probleme auf einem immer groesser werdenden Gebiet zu loesen. Jede Vereinigung steht
in engster Verbindung zu dem betreffenden Industriezweig, sie bestimmt ihre eigene
Richtung in der Forschung, und ihre Ergebnisse sind Eigentum ihrer Mitglieder. Der
Mitgliedsbeitrag, der oft niedriger ist als die Jahresbezuege eines Bueroburschen
bei manchen kleineren Firmen, macht sich bereits jetzt immer wieder bezahlt. Es
ist nicht uebertrieben, wenn man sagt,dass unter Berücksichtigung der geringen
Kosten der Vorteil oder Gewinn fuer die einzelne Firma, fuer die Industrie und den

- 7

�Staat hoch gewesen ist.
"Sin kurzer Ueberblick ueber einige Arbeiten, die von den Vereinigungen, an
denen die Gewerkschaften beteiligt sind, durchgefuehrt wurden, gibt eine klarere
Vorstellung von ihrem Wert.
Neue Techniken
"In dem bekannten Shirley Institut in Man ehester mit seinen 50 Laboratorien
wird praktisch auf jedem Gebiet der Baumwoll-Textilien-Manufaktur eine ausgedehnte Forschungsarbeit unterhalten. Die Leiter des Instituts machen alle Anstrengungen, um neue Techniken bei den Baumwollfirmen einzuführen und zeigen eine begruessenswerte Bereitwilligkeit, alle Ideen einer Pruefung zu unterziehen, die
die Firmen selbst dem Institut einreichen.
Eine weitere Angelegenheit, die die Forschungsvereinigung fuer Stiefel- und
Schuhfabrikation aus den Vorkriegstagen wieder aufgenommen hat, verfolgt den
Zweck, den richtigen Arbeitsschuh herauszubringen. Die Vereinigung vertritt die
Ansicht, dass, wenn dies in der Kriegszeit fuer Soldaten und Flieger moeglich war,
es ebenso auch im Frieden fuer Kellnerinnen, Verkaeuf er innen, und Gepaecktraeger
durchfuehrbar sein muesste. Fuer diejenigen, die eine gehende Beschaeftigung haben,
wuerden solche Entdeckungen viel von den Beschwerden beseitigen, die sich aus
schlecht zugeschnittenen Schuhen und Stiefeln ergeben und die zweifellos Stimmung
und Gesundheitszustand beeinflussen.
"Solche Faelle von Projekten und Nutzanwendungen koennten beliebig erweitert
werden, wer aber daran interessiert ist, wird einen sehr nuetzlichen Ueberblick
ueber die modernen technischen Entwicklungen in einer unlaengst von der Regierung
veroeffentlichten Broschuexe "Die Forschung in der Industrie" finden.

*

("Research in Industry" heisst diese Broschiere, die zum Preise von
l/8d portofrei vom «Publications Department, TUC. Smith Square, London
SW 1 bezogen werden kann. Bei genuegend grosser Nachfrage wuerde die
Manpower Division, OMGUS, versuchen, eine Uebersetzung zu besorgen)
Darin pruefen und ueberwachen 18 Mitarbeiter die Taetigkeit ihrer Vereinigungen
und Sir Edward Appleton, der allen Gewerkschaftlern bekwmt ist, entwirft und
plant die Ziele der Abteilung fuer Wissenschaftliche und Industrielle Forschung
(DSIR), deren Sekretaer er ist.
"Seine Aufgabe besteht darin, die Verbindung zwischen der von privater Seite
her unterstuetzten Forschung in der Industrie und der von der Regierung gefoerderten durch Vermittlung der DSIR, die bereits im Jahre 1916 ihre Arbeit aufnahm,
herzustellen.
Man findet immer eine Loesung
"Die DSIR fuehrt aber nicht allein ihre eigenen Forschungen auf Gebieten, die
weit abseits liegen, wie z.B. Rundfunk und Bauwesen, durch, sondern sammelt auch
durch ihre Nachrichtenstelle ausgedehntes Informationsmaterial aus jeder verfuegbaren Quelle. Auf diese Weise ist es moeglich, jemand, der sich mit einem Problem
beschaeftigt, an diejenige Stelle zu verweisen, bei der er mit groesster Wahrscheinlichkeit die benoetlgte Auskunft erhalten kann.
"Durch seinen Beratenden Ausschuss, der sich aus hervorragenden Wissenschaftlern, fuehrenden Gewerkschaftlern und Industriellen zusanmensetzt und der Oberleitung des Praesidenten des Geheimen Staatsrates untersteht, bemueht sich die
DSIR in jeder Hinsicht, mit allen Bedürfnissen und Problemen der britischen Industrie Fuehlung zu behalten. Sie legt Wert darauf, die Oeffentlichkeit darauf
hinzuweisen, dass ihre Zentralstelle von jedem in Anspruch genommen werden kann,
der mit der Industrie zu tun hat.
"Aber bei dem Fortschritt in der Forschung ergeben sich oft genug Probleme
eigener Art, die von den Prinzipien, nach denen die britische Industrie aufgebeut
8

-

�ist, herruehren. Dies bewahrheitet sich insbesondere beim Radar-System, erklaert
Sir Robert Watson-Watt, der selbst Gewerkschaftler und Mitglied des Wissenschaftlichen Beratenden Ausschusses des TÜC ist, in dem abschliessenden Artikel der Veroeffentlichung.
Einsatz des Radar-Systems
"In der Kriegszeit wurde die Radarforschung zentral geplant, auf ein bestimmtes Ziel abgestellt und vom Staate entsprechend finanziert. Mit dem Eintreten
friedlicher Verhaeltnisse loeste sich dieses System natuerlich aif und die einzelnen Firmen auf den verschiedenen industriellen Gebieten gingen in bezug auf die
Entwicklung ihre eigenen Wege. Es soll nun damit nicht gesagt werden, dass ihre
Bemuehungen fruchtlos verliefen, aber die Zeit ist nun wohl gekommen, um sich darueber klar zu werden, dass der Geist und der Sinn der Unabhaengigkeit ueber den
Punkt hinausgegangen ist, da er dem Interesse des Einzelnen wie auch dem des
Staates am besten dienen kann.
"Sir Robert ist der Ansicht, dass "ein groesseres Mass an Zusammenarbeit in
der Industrie selbst der Sache des Inlandsmarktes und den Forderungen des Exports
ohne eine wirkliche Schaedigung oder Benachteiligung der Konkurrenzlage in der Industrie des Landes dienen koennte." Was nun den Beitrag, den das Radarsystem zu
den wirtschaftlich lebenswichtigen Verbindungen dieses Landes zu leisten imstande
ist, anbetrifft, so enthalten die Gedanken Sir Rotoerts eine Botschaft die allgemein Anwendung finden koennte.
Zusammenarbeit ist die Quintessenz der Forschung
"Die Forschung muss so weit wie moeglich zu allen Erwaegungen in Beziehung
.stehen, die die Industrie angehen. Von diesen Erwaegungen nehmen die Beduerfnisse
des Landes die erste Stelle ein. Grosszuegige und produktive Zusammenarbeit muss
zwischen der Regierung und den einzelnen Industriezweigen wie auch zwischen denen
herrschen, die sich in gemeinsame Gebiete teilen. Woaoeglich muessen auch die Gewerkschaftler den vollen Bestrebungen•jene einzigartige Unterstuetzung zuteil
werden lassen, ohne die jede neue Idee wahrscheinlich zu einem Versager wird
das drueckt die Ansichten und das Interesse des Arbeiters aus, der ja schliesslich
in der Fabrik und an der Arbeitsbank die Arbeit zu leisten hat."
"Labour" Februar 1%9
Gesundheitsminister draengt auf Schaffung einer
Abteilung fuer Sozialfuersorge
Der Gesundheitsminister-Rajkumari Amrit Kaur machte den Vorschlag es sollte
sowohl in Zentralindien wie auch in den Provinzen eine getrennte Abteilung fuer Sozialfuersorge geschaffen werden, als sie auf der Zweiten Allindischen Konferenz
fuer Sozialarbeit in Madras eine Rede hielt. Auf der Konferenz waren mehr als
500 Delegierte und Beobachter anwesend.
Bei der Abgabe des ersten Jahresberichts fueliPte der Gensralsekretaer aus,
dass die Entsendung einer Delegation aar Vierten Internationalen Konferenz fuer
Sozialarbeit, die in Atlantic City getagt hatte, eines der wichtigsten Ereignisse
des Jahres gewesen sei. Der Vorschlag, fuer die Laender des Fernen Ostens in
Indien ein Seminar fuer Sozialfuersorge zu gruenden, wurde fuer spaeter im Jahre
1949 verschoben.
Die Konferenz empfahl, die SoziaIfuersorger sollten die Foerderung der Dorfindustrie als eine ihrer vornehmsten Pflichten ansehen und brachten auch in Vorschlag, dass die Regierungsstellen fuer Entwicklung und Fortschritt zusammenarbeiten und den Beziehungen der PrivatInstitute finanziell und funktionell in dieser Hinsicht Hilfe zukommen lassen sollten.
Indische Krankenhaus-Vereinigung
In Bombay wurde "ron indischen Aerzten unter der Bezeichnung "Indische Kran-

- 9 -

�kenhaua-Verelnigung" eine neue Organisation gegruendet, deren Praesidlum Dr. M.D.
Gilder, der Gesundheitsminister von Bombay, innehat.
Die Hauptziele der Vereinigung bestehen darin, durch die Entwicklung des Krankenhauswesens die Fuersorge zu foerdern und Mindestsaetze fuer die Krankenhausbehandlung festzulegen. Die Vereinigung wird nach denselben Grundsaetzen arbeiten
wie die amerikanische Krankenhaus-Vereinigung.
Neben der Angleiohung der Plaene, Probleme, Taetigkeit und der Beduerfniese
aller Krankenhaeuaer wird sie auch die Berufsausbildung und die wissenschaftliche
Forschung foerdern.
Eine Abteilung fuer Sozialmedizin
Die Regierung Ton Madras hat beschlossen, in der Hochschule fuer Medizin
in Madras eine Abteilung fuer "Sozialmedizin" ins Leben zu rufen und hat Dr. R.
Ratnaswamy zum Professor fuer Sozialmedizin ernannt. Ihm wurde die Aufgabe zuteil,
auf diesem Gebiete einen Plan auszuarbeiten.
Dieser Zweig der aerztlichen Ausbildung wurde vom Bhore-Aussohuss befürwortet. Der Lehrplan fuer die Studenten umfasst u.a. das Studium der wirtschaftlichen
Verhaeltnisse, der sozialen Gewohnheiten und der UmgebungsTerhaeltnisse des Volkes
in ihren Beziehungen zur Gesundheits- und aerztlichen Hilfe, zu den Mitteln, die
Krankheiten im Stadium ihrer Entstehung zu bekaempfen und Nachdruck auf die Anwendung vorbeugender Medikamente zu legen.
"India News" 3. Februar 1949
Die Vorsitzende des Allindischen Frauenkongresses
ueber die Rolle der Frauen
Das zukuenftige Programm der Allindischen Frauen-Konferenz wurde von Urs. Ur—
mila Mehta, einer bekannten Kongress-Mitarbeiterin, in ihrer Ansprache als Praesidentin auf der 21. Sitzung der Konferenz, die am 26. Januar in Gwalior ihren Anfang
nahm, dargelegt.
Sie empfahl, die Allindische Frauen-Konferenz sollte die Organisation von Beratungsstellen fuer werdende Muetter in die Wege leiten. "In diesen Stellen," sagte
sie, "wird es uns moeglich sein, unseren Schwestern die richtigen Wege zur Erziehung
ihrer Kinder, die spaeter der Stolz unseres Landes sein werden, aufzuzeigen."
"Ich habe den Eindruck, dass wir die Organisation einer Art Bewegung, wie sie
in China unter der Bezeichnung "Bewegung des Neuen Lebens" besteht, bitter noetlg
haben, die sich in jeder Hinsicht mit unserem sozialen Leben befasst und ihm einen
neuen Sinn und ein neues Ziel/ gibt", sagte sie.
Sie empfahl ferner, die Allindische Frauen-Konfeimz moege unverzueglich ein
Programm fuer konstruktive Arbeit entwerfen, dem zufolge alle Mitglieder verpflichtet sein sollten, sich fuer eine bestimmte festgelegte Zeit der Sozialarbeit zu
widmen.
"India News" 3. Februar 1949
Die Weltfoerderung an Kohle und Stahl
Fuer den Zeitabschnitt von 12 Monaten, der am 30. September endete, betrug
die Weltfoerderung an Kohle 1.520.000.000 Normaltonnen, d.h. IQt hoeher als im
Jahre 1937 und Jl mehr als 1947« Diese Zahl enthaelt nicht die Foerderung in der
Sowjetunion. Die durchschnittliche Monatsproduktion an Rohstahl in der Welt
waehrend der ersten 9 Monate des Jahres 1948 war um 10&amp; hoeher als fuer den gleichen Zeitraum im Jahre 1947. Die U hauptsaechllchen stahlerzeugenden Nationen
(mit Ausnahme der Sowjetunion) produzierten 45 Millionen Tonnen« 60£ davon entfielen auf die Vereinigten Staaten.
"New York Times" 20. Februar 1949

10

�Wir helfen anderen, um uns selbst zu helfen1
Ohne den Marshall-Plan wuerde sich Grossbritannien vielleicht heute in einer
Lage befinden, in der es l£ Millionen Arbeitslose, keine Bammwollartikel in den
Laeden, nur ^ der augenblicklichen Tabakmenge, nur 2/3 der jetzigen Menge an Zucker,
Speck, Kaese, weniger Schuhe, weniger Benzin, weniger Filme, Zeitungen und Bächer
geben wuerde.
So ungefaehr wuerde unsere Lage aussehen, wie es die Broschuere "Wir muessen
zusammengehen'*, ein neuer und volkstuemlicher Rechenschaftsbericht ueber das Suropaeische Wiederaufbau-Programm (ERP), hinstellt, wie ihn Jeder klar verstanden
haben nuss.
Diese Broschuere unter der Bezeichnung "Getting on together"
ist portofrei vom Publicatlons Department,TDC, Smtth Square,
London SW 1 zum Preise von Ad erhaeltlich.
Sie wurde fuer die Regierung von der Wirtschaftlichen Informationsstelle und
dem Zentral-informationsbuero zusammengestellt. Auf 16 Seiten Text mit Karten und
Bildmaterial bringt sie einen kurzen Ueberblick ueber die Geschichte des SRP,
einen Bericht ueber den Verwaltungsapparat, Bemerkungen ueber die beteiligten
Laender, ueber die europaeische Zusammenarbeit und ueber die Geschichte der Hilfe
Amerikas.
Unter der Ueberschrift "Was wLr bekommen und was wir geben" wird eine Darstellung des Beitrags Grossbritanniens zum Wiederaufbau Suropas gegeben. Eine der Bedingungen der Marshall-Hilfe bestand darin, dass die betroffenen Laender Europas
sich einander helfen sollten, und an dieser Bedingung haelt Grosshrltannien unbedingt fest.
Wir sind das groesste Industrieland Westeuropas und der wichtigste Eckpfeiler
fuer die Wiedergesundung Buropas (heisst es in der Broschuere), und wir helfen den
anderen 18 Nationen, indem wir sie mit Oel, Sohle, Maschinen, Fahrzeugen, Chemikalien und Textilien beliefern.
So exportierten wir z.B. im Laufe des ersten und zweiten Tierteljahres 1948
durchschnittlich 500 landwirtschaftliche Traktoren (im zweiten Vierteljähr waren
es duBhschnittlich 547 im Monat). Im Jahre 1938 waren es nur durchschnittlich
190 pro Monat.
Wir haben 1948 6j Millionen Tonnen Sohle nach Westeuropa geliefert, das waren
500.000 Tonnen mehr, als wir urspruengllch liefern wollten. Es wird angenommen,
dass unsere Sohlenexporte nach Westeuropa bi« zum Jahre 1951 insgesamt 29 Millionen Tonnen ausmachen werden im Vergleich zu 2? Millionen Tonnen im Jahre 1938.
Die Bedeutung des Oels
Oel ist mit der bedeutendste Beitrag. Die von-den Englaendern kontrollierten
Petroleumgesellschaften liefern fast ebenso viel Oel nach Europa wie die amerikanischen Gesellschaften.
Die Ausmasse der Anstrengungen Englands werden an Hand der graphischen Darstellungen geschildert, die Ana ermutigende Sprache sprechen. Im Jahre 1946 war die
Industrieproduktion um ein Fuenftel groesser als 1938. Sie koennte zwar noch weiter
erhoeht werden, aber nur durch eine steigende Leistung des einzelnen Arbeiters, da
nahezu alle verfuegbaren Arbeitskraefte schon vollbeschaeftigt sind.
Im Jahre 1947/48 lag der Ertrag der Landwirtschaft Grossbritanniens um ein
Viertel hoehr als vor dem Erlege. Das Ziel ist, den Ertrag bis 1951/52 auf 50t
ueber dem Vorkriegsstand zu steigern, was eine starke Srhoehung in der Produktion
von Weizen, Kartoffeln, tierischen Futtermitteln, Zucker, Eiern, Milch, Rind- und
Kalbfleisch gegenueber den Vorkriegsziffern bedeutet, obwohl wir aber noch weniger
Schafe und Schweine haben werden.
-

11

�Der umfang unserer Ausfuhr ist im Laufe der vergangenen 18 Monate staendig
angestiegen* 1948 haben wir mehr Waren exportiert als 1938.
Bin neues Experiment
"Es liegt an uns" - so lautet die aufmunternde üeberschrift eines Kapitels, in
dem es heisst. "Das ERP ist ein neues Experiment auf dem Gebiete der Internationalen Zusammenarbeit. Nach dem jetzigen Stande zu urteilen, koennen wir noch nicht
genau sagen, wie es sich in den naechsten vier Jahren weiterentwickeln wird.
Wir wissen aber genau, dass es.uns den richtigen Weg weisst und dass es ohne
das ERP keine Hoffnung mehr gaebe, unsere Lebensbedingungen in der Zeit, die unmittelbar vor uns liegt, zu verbessern.
"Aus diesem Grunde verdient es aus vollem Herzen unsere Unterstuetzung, auch
wenn es zu Zeiten erforderlich ist, dass wir unsere eigenen Einrichtungen, Abkommen
usw. aendern muessen, um anderen.Laendern gerecht zu werden, und wir auf manches
verzichten, was wir brauchen, weil es anderswo noch dringander benoetigt wird.
"Dadurch, dass wir den anderen 18 helfen, helfen wir ihnen in Wirklichkeit dabei, uns Hilfe zu bringen. Ja noch mehr, wir vereinigen uns mit den Vereinigten
Staaten in einem gewaltigen Kampf gegen Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit, in einem Kampf, von dessen Ausgang die Chancen fuer den Frieden oder den Krieg abhaengen."
"Labour" Februar 1949.
-

Manpower Division
OMGUS, APO 742

omm, 9-bW. i&gt;». ««• *9. '* "

12

-

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Aaszage aas der amerikanischen Presse and anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschalen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weiter* Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wonach werden diese auch einseinen Interessenten direkt durch die Post sageleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilunge.n" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 4

Berlin, 18, Maerx 1%9

Die Stellung der Gewerkschaften Im ERP
Irving Brown, der Vertreter der AFL in Buropa, hat einen ausführlichen Bericht
ueber die Bedeutung des Marshall-Plans verfasst. Dieser Bericht, der in der offiziellen Monatsschrift der AFL erschien, ist zu lang, um hier vollstaendig wiedergegeben zu werden. Der hier veroeffentlichte Auszug beschraenkt sich daher nur auf die
Absaetze des Artikels, die die Rolle der Arbeiterschaft im EuropaeIschen Wiederaufbau-Programm behandeln.
"Was hat wohl Amerika - seine Regierung und sein Volk - dazu veranlasst, sich
nit diesem gewaltigen Programm zu befassen.
"Es waere irrefuehrend, wenn man behauptete, dass der amerikanische Wohlstand
von grossen Exporten und von den Maerkten im Auslande abhaengt. Der Internationale
Handel ist nur zu einem kleinen Prozentsatz an der amerikanischen Produktion und
dem Gesamteinkommen Amerikas beteiligt. Zu einer Zeit, da die PreisInflation das
wichtigste wirtschaftliche Problem darstellt, wuerde ein Exportprogramm die Lage
nicht erleichtern, sondern erschweren. Die Hauptsorge der Vereinigten Staaten besteht darin, zu verhindern, dass sich wirtschaftliches Chaos und Unbestaendigkelt
zu einem Faktor der Zerstoerung fuer die Unabhaengigkeit und die demokratische
Grundlage der europaeischen Staaten enwlekeln...
"Die amerikanischen Gewerkschaften haben bei der Formulierung der amerikanischen Vorschlaege zum ERP eine sehr aktive Rolle gespielt. Ein grosser Teil der
dynamischen Kraft, die hinter dem Marshall-Plan steht, ging von den amerikanischen
Gewerkschaftlern aus. Die Arbeiterschaft trat gemeinsam mit den liberalsten Elementen der amerikanischen Gesellschaft nicht nur fuer eine Unterstuetzung dieser
Hilfe fuer Europa ein, sondern kaempfte auch dafuer, dass eine Garantie dafuer gegeben ist, das sich das ERP nicht in die Souveraenitaet der europaeischen Nationen
einmischt.
Wer ist gegen den Marshall-Plan und wer finanziert ihn
"Die angeblichen Reaktionaere und Isolationisten Amerikas waren gegen den
Marshall-Plan und stimmten gegen eine Hilfe fuer Europa seitens der amerikanischen
Regierung. Die letzteren Gruppen, die sich lediglich von ihrem Eigennutz leiten
lassen, wiesen darauf hin, dass Amerika nicht von den europaeischen Maerkten abhinge, und* dass die Anlage von Geldern in Europa sehr unvorteilhaft sei. Sie draengten auf eine Verwendung dieser Geller innerhalb der kontinentalen Grenzen Nord und Suedamerikas, ein Vorschlag, der - vom streng ni cht human itaeren, selbstsüchtigen wirtschaftlichen Standpunkt aus - durchaus vertretbar erscheint. Andererseits
bildet das amerikanische Hilfsprogramm in Europa entgegen der von den Sowj ets inspirierten Propaganda den Ausdruck des Denkens und der Aktivitaet der fortschritt-

1

-

�lichsten Teile der amerikanischen Gesellschaft.
"Die grosse Masse der amerikanischen Arbeiter bezahlt mit dem Schweias ihrer
Arbeit die Hilfe ihrer Mitmenschen in Europa, nicht ein einziger Pfennig kommt von
Privatbanken. Ausserdem wird das amerikanische Volk immer die Eontrolle darueber
haben, wie das Geld verwendet wird, um Europa bei seinem Wiederaufbau zu helfen.
Die beste Garantie dafuer wird die Macht der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
in der Heimat wie auch im Ausland sein.
Der Beitrag der Arbeiterschaft zur Durchfuehrung des Programms.
"Amerikanische Gewerkschaftler sind ernannt worden, um sowohl in den amerikanischen wie auch den europaeischen Dienststellen des Verwaltungsausschusses fuer
das EHP leitende Posten zu uebernehmen. Diese Vertreter der Arbeiterschaft, die
selbst aus den Reihen der Arbeiter kommen, stehen in vorderster Front, um eine Gewaehr dafuer zu bieten, dass sich das Änropaeische Wiederaufbau-Programm zum Wohle
der Massen des Volkes auswirkt.
"Es hat sich fuer die europaeischen Gewerkschaften als notwmdig und aeusserst
dringend erwiesen, in hoeherem Masse bei den Plaenen unmittelbar eine Rolle zu spielen, die von den Marshallpian-Laendern formuliert werden, die jetzt mit Hilfe der
Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEC) durchgefuehrt
werden. Um die Interessen der Arbeiter zu wahren, die die Last des Produktionsprogramms zu tragen haben, und um eine Garantie dafuer zu haben, dass das ERP nicht
zu einer"kapitalistischen Intrigue" wird, um mit den Worten des KOMINFORM zu reden,
ist es erforderlich, daas sich die Gewerkschaftsbewegungen an der bewunderungswürdigen Hilfsaktion fuer die arbeitende Bevoelkerung beteiligen und sich um sie sammeln,
um eine wirtschaftliche und demokratische Stabilitaet in Westeuropa zu wahren. Das
bedeutet aber auch, dass die Gedanken der Arbeiterschaft ueber die eigenen nationalen Grenzen hinausgehen muessen, und dass sie sich fuer die endgueltige Verwirklichung der westlichen Wirtschaftsunion einsetzen. Um dies zu erreichen, ist folgendes notwendig»
"1. Beteiligung der nationalen Gewerksdhaften; Die Arbeiterschaft muss in hinreichendem Masse in der Verwaltung des ERP vertreten sein - sowohl in Aaerika wie
auch in Europa. Damit muss auch eine direkte Beteiligung der europaeischen Arbeiterschaft auf international koordinierter Basis an der OEEC verbunden sein.
"2. Internationale Verbindungsstelle fuer Gewerkschaftssekretariate« Die internationalen Gewerkschaftssekretariate in den entsprechenden Industriezweigen sollten
zusammen mit den nationalen Gewerkschaftszentralstellen eine staendige Verbindungsorganisation ins Leben rufen, die sich mit den Interessen der Arbeiterschaft am
ERP befasst, bei den zustaendigen Stellen Vorschlaege einreicht und die Arbeiter
darueber aufklaert, was es mit dem gesamten Projekt auf sich hat.
"3. Die Arbeiterschaft muss die Taetigkeit des ERP ueberwachen; Zusammen mit
dem Internationalen Amt fuer Arbeit (ILO) und den Dreierausschuessen muss die Arbeiterschaft am funktionieren und an der Belebung des ERP beteiligt sein, indem
sie sich dazu aeussert, ob Prouuktionsziele erreichbar sind, ob fuer die Erfuellung von Aufgaben Arbeitskraefte verfuegbar sind oder nicht, ob Unterkunft und
Verpflegung in, ausreichendem Masse vorhanden ist, um Praduktionserhoehungen durchzufuehren, die gefordert werden, was zur Modernisierung der Ausrüstungen gehoert
und welche neuen Formen wirtschaftlicher Organisation erforderlich sein moegen,
um die gesteckten Ziele zu erreichen.
"4. Die Einstellung der Arbeiterschaft muss ehrlich sein; Die Arbeiterklasse
muss bei diesen grandiosen Produktionsbestrebungen der aufrichtigen und begeisterten Unterstuetzung aller Arbeiter sicher sein, die aber zum .Scheitern verurteilt sind, wenn die europaeische Arbeiterschaft nicht zu begeisterter Hilfeleistung angespornt wird.
»5. Groesstmoeglicher Einsatz aller Hilfsquellen; Die Arbeiterschaft muss
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2 -

�bereit sein, den EHP-Laendern bei ihren Bestrebungen "einen hohen Beschaeftigungsstand und einen Hoechsteinsatz aller verfuegbaren Hilfsquellen der europaeischen
Laender aufrechtzuerhalten," zu helfen.
"6. Die Arbeitsnormen muessen einen hohen Stand einnehmen:

Die Arbeiterschaft

muss Kollektivrerhandlungen, gewerkschaftlich» Normen und Abkommen, Sozialgesetzgebung schuetzen, sie muss sich mit Schulungs- und Umschulungs-Prpgrammen befassen
und vor allem die Prinzipien der freien Arbeit wahren und aufrechterhalten.
"Bis zu welchem Grade das Wiederaufbauprpgramm ein Voelkerprojekt wird, haengt
von der Arbeiterschaft ab. Bis zu welchem Grade das KEP erfolgreich sein oder versagen wird, haengt in Anbetracht der Groesse und Wichtigkeit der Produktionsaufgaben, die vor uns liegen, von der Arbeiterschaft ab. Erfolg oder Fehlschlag bedeuten entweder den Portbestand oder das Ende eines demokratischen Westeuropa,.in dem
eine freie Gewerkschaftsbewegung durchaus existieren kann.
"Die Hilfe der Gewerkschaften ist von entscheidender Bedeutung. Diejenigen,
die Westeuropa zerstoeren wollen, fangen jetzt an zu versuchen, die Gewerkschaften
gegen das ERP aufzuhetzen. Aber diejenigen von uns, die die Demokratie und das
freie Gewerkschaftswesen retten wollen, muessen dem ERP zum Erfolg verhelfen und
dafuer sorgen, dass es ein Werkzeug dazu wird, den Wohlstand der Massen Europas
zu heben und nicht bloss ein Werkzeug, um jahrhundertealte Formen der Ausbeutung
beizubehalten. Die endgueltige Entscheidung liegt bei den Arbeitern und bei ihren
Vertretern in den Gewerkschaften.
Die Arbeit der ERP-Gewerkschaften
"Die Internationale Gewerkschaftskonferenz vom Maerz 1948 fuer das Europaeische Wiederaufbau-Programm bildet« den ersten Schritt vorwaerts zu einer Sammlung
der Hilfe fuer den Marshall-Plan durch die Arbeiter und den Anfang zu einer direkten
Beteiligung der europaeischen Gewerkschaftsbewegung an den Beratungen und an der
Verwaltungsarbeit des ERP. 28 Gewerkschaftsorganisationen aus 13 Mai&amp;allplan-Laendern waren durch 50 Delegierte und Beobachter vertreten. Man schaetzt, dass nahezu
40 Millionen Arbeiter Westeuropas und Amerikas auf dieser Konferenz vertreten waren.
"Die hauptsaechlichsten Erklaerungen der europaeischen Gewerkschaftsdelegierten enthuellten den Ernst der wirtschaftlichen Lage ihrer Laender und die Notwendigkeit einer amerikanischen Hilfe. Die Gewerkschaftsdelegierten gaben folgende
Berichte ab»
"1. Wirtschaftskrise« Europa braucht ganz dringend eine Marshall-Plan-Hilfe.
Wenn keine Hilfe von aussen her kaerae, wuerde der Lebensstandard der Arbeiter auf
ein Miniiaim von 25^ sinken, und in manchen Laendern wuerde ein wirtschaftlicher und
politischer Zusammenbruch unvermeidlich werden.
"2. Die Hilfe der amerikanischen Arbeiterschaft wird begruesstt Die vereinten
Anstrengungen der amerikanischen Arbeiterschaft im Rahmen des ERP wurden nicht nur
bewillkommnet, sondern auch als beste Garantie fuer eine Hilfe ohne politische Bindungen warm begruesst. Die harmonische Zusammenarbeit der Vertreter der AFL und
des CIO auf der Konferenz wurde fast von jedem Sprecher hervorgehoben und bildete
sofort einen der hervorragendsten Momente in der Entwicklung der Konferenz.
"3. Beteiligung der Arbeiterschaft! Die Arbeiterschaft sollte an den Beratungen
und der Verwaltungsarbeit des ERP beteiligt sein, nicht nur vom Standpunkt der entsprechenden nationalen Regierungen,aus, sondern auch als geeinter Machtfaktor bei .
der Arbeit der Wirtschaftsorganisation der 16 Nationen.
Die Beschluesse der ERP-Gewerkschaften
"Die Beschluesse, die auf dieser Konferenz gefasst wurden, hatten die Bildung
eines Beratenden Gewerkschaftsausschusses fuer das ERP zur Folge. Die Konfeimz
nahm einstimmig eine Erklaerung an, die ein Fanfarensignal fuer die Arbeiter Europas war und aufs neue die demokratische und fiäe Grundlage herausstellte, auf der

- 3 -

�das ERP geplant bzw. entworfen und angewendet wird. Die Erklaerung umfasste und hob
die folgenden Punkte hervor«
"1. Ein Erfolg des ERP bedingt gewerkschaftliche Zusammenarbeit.
"2. Ohne amerikanische Hilfe ist die europaeiache Krise unueberwindlich.
"3. Die europaeischen Gewerkschaftler stellen mit Befriedigung fest, dass keine
politischen Bedingungen an die amerikanische Hilfe geknuepft sind, und dass
eine Nichteinmischung der Vereinigten Staaten in die inneren Angelegenheiten anderer Nationen gesichert ist.
"4. Eine ünterstuetzung der Aufgaben und Massnahmen in der Produktion ist vom
nationalen wie vom internationalen Standpunkt aus notwendig.
"5. Die Konferenz verzeichnet ihre hohe Anerkennung fuer die von der amerikanischen Arbeiterschaft in vollkommener Einmuetigkeit ergriffene Initiative in
der Formulierung des Europaeischen Wiederaufbau-Programms.
"Dieser Ausschuss hatte urspruenglich seine Zentralstelle in London, und der
Generalsekretaer des Britischen Gewerkschaftsbundes leitete das Sekretariat des gesamten Ausschusses. Ein kleines Sekretariat wird jetzt in Paris errichtet, um die
direkten Verbindungen mit der OEEC aufrechtzuerhalten.
Die Gewerkschaften und die OEEC
"Seit der Abhaltung der ersten Konferenz haben bereits Sitzungen des Beratenden
Gewerkschaftsausschusses stattgefunden. Es wurden vorbereitende Massnahmen ergriffen,
um die Wege fuer eine ausgedehntere Beteiligung der europaeischen Arbeiterschaft
an der OEEC zu ebnen.
"Der Vertreter der AFL als Mitglied des Beratenden Gewerkschaftsausschusses fuer
das ERP bestand als erster darauf, dass folgende Richtlinien fuer die Arbeiterschaft
im derzeitigen ERP-Apparat gelten sollen«
"1, Ideen und Massnahmen, die zu einer endgueltigen Wirtschaftsunion in Westeuropa fuehren, sollen unterstuetzt werden.
"2. Der Beratende Aussohuss fuer das ERP sollte als der formelle Beratende Gewerkschaftsausschuss bei der OEEC angenommen und befragt werden.
"3. Europaeische Gewerkschaftler sollen mit leitenden Verwaltungsposten in der
OEEC betraut werden.
"4. Eine angemessene Vertretung und Beteiligung in den verschiedenen Schluesselindustrie-Ausschüssen der Abteilungen der OEEC (wie Stahl, Metalle, Kohle, Transportwesen usw.) sollte verwirklicht werden. Die internationalen GewerkSchaftsSekretariate koennten logischerweise fuer diese Arbeiten als die geeigneten Mittlerstellen
dienen.
Die Aussichten fuer die Arbeiterschaft der Welt
"Die im letzten Juli in London abgehaltene Konferenz des Gewerkschaftsausschusses des ER? traf ein Abkommen, dem zufolge von den beteiligten Gewerkschaftsorganisationen Beitragsgebuehren in Aussicht genommen sind, und ergriff auch noch andere
:;sssnahmen, die einen Schritt vorwaerts zur Bildung einer internationalen Organisation bildet, die befaehigt ist, die wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter Europas
zu verteidigen und zu foerdern, waehrend sie andererseits den Versuchen des KOMINFORM und des Weltgewerkschaftsbundes, den Wiederaufbau zu sabotieren, Widerstand
entgegensetzt.
"Eine solche Organisation ist geeignet, einen enormen Beitrag zur wirtschaftlichen, politischen und sozialen Jiederbelebung und Einigung Europas und schliesslich der ganzen Welt zu leisten. Das amerikanische Volk in seiner Gesamtheit sieht
diesan Ziel entgegen und erblickt darin einen Teil seiner Bestrebungen wie auch den
Zweck des Marshall-Plans. Ohne dabei an seinen persoenlichen Vorteil zu denken und
ohne Kerrschgelueste hat ganz Amerika das Gefuehl, das sein Geschick mit dem eines
demokratischen Europa eng verknuepft ist.
"Die hierfuer aufgewendeten Geldsummen bedeuten nur einen geringen Preis, der fuer

_ 4 _

�die Aufrechterhaltung unseres gemeinsamen Erbes an Freiheit und Demokratie zu
zahlen ist. Diese Begriffe sollten unser Ziel sein - nichts mehr und auch nicht«
weniger1 "
"American Federationist" Januar 1949
Die Meinung eines Beamten fuer Arbeitsbeziehungen des ECA
Boris Shishkin, der fruehere Direktor der Forschungsabteilung der AFL und Jetzige Leiter der Abteilung fuer Arbeitswesen beim Wirtschaftsausschuss fuer das ERP
(ECA) besuchte vor kurzem den Ausschuss fuer Auswaertige Angelegenheiten des Repräsentantenhauses. Shishkin, der im Pariser Buero des EGA taetig ist, sprach ueber
die Wirkung des Wiederaufbauprogranms auf die Arbeiter in Europa. Er, erklaerte,
dass die europaeische Arbeiterschaft wegen der greifbaren Erfolge des Europaeischen
Wiederaufbau-Progranms voller Hoffnung sei.
Shishkin erklaerte ferner, dass die aktive Teilnahme der amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer an den Aufbauprogrammen auf die Europaer grossen Eindruck gemacht
haetten und dass sie fuer den Beitrag, den die amerikanische Arbeiterschaft - die
groesste steuerzahlende Klasse - leistet, volles Verständnis aufbringen. Neue und
engere Zusammenarbeit zwischen den internationalen Arbeitersekretariaten (Transportarbeiter, Textilarbeiter, Bergleute) sei ein weiterer ermutigender Beweis fuer d
die Bemuehungen der Arbeiterschaft, Europas Wirtschaft wieder zu beleben.
Eines der wichtigsten Probleme fuer die europaeischen Nationen besteht, wie
Shishkin feststellte, darin, dass zwischen Angebot und Nachfrage bei Arbeitskraeften
Ausgleich geschaffen wird. Die richtige Beschaeftigung fuer die Arbeiter, insbesondere fuer die Facharbeiter, zu finden, sei eine der Hauptsorgen des ECA. Mit dieser
Frage befassten sich Jedoch die ERP-Nationen s elfest durch ihre Organisation fuer
die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEC). Trotz aller Fortschritte in den
Bemuehungen, die passende Arbeit fuer alle zu finden, bleibt immer noch das Problem
des Bevoelkerungsueberschusses, bemerkte Shishkin, das aber auf dem Kontinent nicht
geloest werden kann. Man braucht Aufnahmegebiete fuer die Durchfuehrung gross angelegter Auswanderungen.
Mehrere Gewaehrsmaenner beim Ausschuss traten dafuer ein, dass keine Abstriche
bei dem geforderten Zuteilungsbetrage von 5.580 Millionen Dollar vorgenommen wuerden
und waren der Meinung, dass solche Abstriche nur den Fortschritt des .'/iederaufbaus
beeintraechtigen koennten.
"State Department Radio Bulletin" 21 Februar 1949
Norwegische Gewerkschaften berichten ueber Russland
Vor kurzem besuchte eine Delegation norwegischer Gewerkschaftsfuehrer auf
Einladung der Sowjetregierung Russland. Aus privaten Quellen war es moeglich,
einen Bericht ueber die Beobachtungen und Eindruecke der Delegation zu bekommen.
Obwohl die Bewegungsfreiheit der Norweger beschraenkt war, war es ihnen doch moeglich, vieles zu sehen und zu hoeren. Folgendes entnehmen wir dem Bericht;"Die durchschnittliche Familie kann kaum vom Einkommen des Mannes leben. Die
Frauen werden in einem Ausmasse auf die Arbeitsmaerkte getrieben, wie es bei uns
ganz ungewoehnlich ist. Viele von ihnen sind als ungelernte Bauarbeiterinnen in
Strassenbautrupps taetig. Der gewoehnllche Lohn ist kaum hinreichend, um die Dinge
zu kaufen, die fuer den LebBnsunterhalt am notwendigsten sind.
"Die Lebensmittelversorgung ist jetzt so gross, dass der groesste Teil der
Bevoelkerung zweifellos ihre notwendige Nahrung an gewoehnlichen Lebensmitteln
erhaelt, wie z.B. Brot, Kartoffeln und Gemuese. Aber die Preise fuer Fleisch und
Fleischerzeugnisse, fuer Butter, Fisch, Konserven usw. sind im Verhaeltnis zu
den Loehnen so hoch, dass es nur einigen Wenigen moeglich ist, solche Lebensmittel

�zusaetzlich zu ihren taeglichen Mahlzeiten zu kaufen.
"Fuer Kleidung und Schuhe bleibt nur wenig, denn solche Waren sind ganz besonders teuer. Das^beweist auch ueberall deutlich die aeussere Erscheinung und
Aufmachung der Bevoelkerung. Sie scheinen in guter Verfassung zu sein, sind aber
schaebig gekleidet, und ihr Schuhwerk ist dementsprechend sehr aermlich. Das
groe8ste Problem fuer den Lebensstandard sind wahrscheinlich die Wohnungsverhaeltnisse. Ueberall kann man eine Menge ueberfuellter, alter, halbzerfallener Haeuser
und solche, die schlecht instandgesetzt wurden, sehen, und das nicht etwa nur in
Gegenden, die durch Kriegsweinwirkungen verwuestet wurden.
"Die Delegation versuchte, eine Vergleichsnorm zu dem gewoehnlichen Lebenshaltungsindex 100 zu finden, und so wurde der russische Lebensstandard auf nicht
hoeher als 60 geschaetzt.
"Die Absonderung in bezug auf die Aussenwelt ist sehr straff und wird strengstens erzwungen. Jeder auslaendische Einfluss auf Kunst und Wissenschaft wird vermieden. Es werden Versuche unternommen, darzulegen, dass fuer die groessten Fortschritte auf verschiedenen Gebieten den Russen die Ehre zukommt und dass z.B.
nicht Edison, sondern ein Russe die erste elektrische Gluehlampe erfand. Die Regierungsbehoerden beobachten mit grossem Misstrauen eine Zusammenkunft mit Auslaendern. Anfang 1948 wurde ein Gesetz rechtskraeftig, das den Russen untersagt,
Auslaender in ihrer Wohnung zu empfangen oder Auslae'nder in deren Wohnung zu besuchen.
"Die Russen, mit denen wir in den Gewerkschaften, Fabriksleitungen und Instituten zusammenkamen, waren sehr stolz auf die Rolle, die die Sowjetunion waehrend
des Krieges gespielt hat und auf die Erfolge," die sie bei ihrer Wiederanfbautaetigkeit zu verzeichnen haben. Wir zweifeln nicht daran, dass sie Vor allem an einer
friedliehen Entwicklung interessiert sind und in dem festen Glauben leben, dass
sie in ein paar Jahren alle Schwierigkeiten ueberwunden haben, es sei denn, dass
ein Krieg dazwischen kaeme.
"Es waren alles ausnahmslos einfache und sympathische Menschen, die in grossem Masse dazu beitragen, den Glauben zu festigen, dass, wenn nichts Unvorhergesehenes eintritt, es der Sowjetunion allmaehlich moeglich sein wird, zu einer
gluecklicheren Phase der Entwicklung zu kommen als zu der, in der sich das Land
im Augenblick befindet."
"Overseas American News Service" 22. Februar 1949
New York hat einen Plan fuer den Arbeitsfrleden
Gewisse fuehrende Buerger von New York City sind mit dem dringenden Ersuchen
an die Bundesregierung herangetreten, die in ihrer Stadt entwickelten Methoden
zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten anzunehmen. Bei dem Plan handelt es sich
um ein Verfahren, das mit Erfolg bzw. annehmbarem Erfolg in anderen Gegenden der
Vereinigten Staaten ausprobiert wurde. Wenn zwischen einer Gewerkschaft und Arbeitgebern Streitigkeiten entstehen, dann ernennt der Bürgermeister einen Ausschuss
der sich aus Arbeitgebern und Gewerkschaf-Bern der betreffenden Industrie zusammensetzt. Wenn der Ausschuss aus 3 Gewerkschaftlern und 3 Arbeitgebern besteht, dann
werden noch 3 neutrale Personen dem Ausschuss beigeordnet. Das Verfahren ist das
aisbekannte, wobei der Ausschuss sich damit beschaeftigt, ueber die Streitfragen
zufliskutieren,bis eine Regelung getroffen wird. Nach diesem Verfahren konnten
schon eine*Anzahl schwieriger Faelle in New York beigelegt werden."
"New York Times" 23. Februar 1949
Viele New Yorker Frauen bevorzugen Nachtarbeit
Das Arbeitsministerium des Staates New York hat unlaengst bei einer Auswahl
von Frauen, die Nachtarbeit verrichten, Umfragen gehalten, Vor dem Kriege war

- 6 -

�eine solche Beschaeftigung in New York nicht gestattet. Das Verbot wurde jedoch in
den Notzeiten gelockert, und nach dem Kriege wurde das Gesetz wieder in Kraft gesetzt, jedoch wurde der Zeitraum fuer die Nachtarbeit auf die Zeit von 11 Uhr bis
Mitternacht ausgedehnt.
Das Ministerium befragte 347 Frauen, die des Nachts arbeiteten. Die meisten
von ihnen berichteten, dass sie es aus den Gruenden vorzoegeji, Nachts zu arbeiten,
wie sie eine Frau vorbrachte "Es wuerde sich fuer mich nicht lohnen, am Tage zu arbeiten und mir ein Maedchen zu nehmen, das auf die Kinder achtgibt. Aber so ist
mein Mann um 3 Uhr 30 zuhause und alles klappt wunderbar." Nachstehend einige
Gruende, die von den Frauen angefuehrt wurden, die es vorziehen, nachts in der
Fabrik zu arbeiten;
Gruende fuer die Nachtarbeit
Anzahl der Arbeiterinnen
Betreuung der Kinder
Fuer die Hausarbeit praktischer
Um die Stellung zu behalten
Finanzielle Vorteile
Betreuung kranker oder alter Angehoeriger
Ausruhen am Tage oder persoenliche Dinge
Morgens laenger schlafen
____ —
Tagesschicht f aengt zu frueh an
- "Andere Gruende
—

—

101
— 138
103
13
11
29
yj
___
u
-,-_
46
469

Die Zahl der Gruende (469) ist groesser als die Zahl der befragten Frauen,(347)
weil manche von ihnen mehr als einen Grund dafuer angaben, warum sie Nachtarbeit
vorziehen. Aus Obigem geht hervor, dass die meisten Gruende haeusliche Verhaeltnisse und Familienangelegenheiten betrafen. Als man die Frauen ueber die Auswirkungen der Nachtarbeit auf die Gesundheit befragte, gaben 9t der Frauen an, dass
diese Beschaeftigungsart gesundheitsschaedlicher als Tagesarbeit sei; sie klagten
ueber Ermuedung und Ueberanstrengung der Augen. Alle diese Frauen waren in Fabriken beschaeftigt, die besondere Schichten fuer Frauen eingefuehrt hatten.
Amerikanisches Arbeitsministerium,
"Monthly Labor Review" Januar 1949
Britische Ziele und Erfolge auf dem Gebiete
der Arbeitseinsatzlenkung
Im Verlaufe des Jahres 1948 hatte sich das englische Arbeitsministerium gewisse Ziele in bezug auf die Verteilung der Arbeitskraefte gesteckt. Nur wenige
dieser Ziele wurden erreicht, und zwar hauptsaechlich deswegen, weil die Britische Regierung nur ungern zu Zwangsmitteln greifen will und es vorzieht, dass es
den Arbeitern freigestellt sein soll, sich ihre Arbeit bzw. ihren Arbeitsplatz
selbst auszusuchen.
Das Ziel, das erreicht werden sollte, waren 1.110.000 Landarbeiter und es
wurde auch beinahe im September erreicht, als die Zahl der Landarbeiter auf
1.110.000 anstieg. Nachstehend sind die Ziele und Ergebnisse in anderen Industriezweigen aufgefuehrt:
Ziel
Ergebnis
Kohlenbergbau (lt. Buch erfasste Arbt) 750,000
726,000
Baumwollindustrie
325,000
287,000
Wollwaren-Industrie
200,000
186,000
Andere Textilien
235,000
207,000

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�Es war geplant, die Anzahl der Arbeiter im Bau- und Maschinenbaugewerbe von
1.364*000 auf etwa 1.210.000 herabzusetzen, aber die Verringerung war nur unbedeutend, naemlich weniger als 10.000 Arbeiter in diesen Gewerbezweigen. Die Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn man Arbeiter dazu veranlassen will, von einem
Industriezweig zu einem ai deren ueberzuwechseln, ist darauf zurueckzufuehren, dass
es sich in vielen Faellen um aeltere Arbeiter handelt, die sich schwer an die
neuen Arbeitsformen gewoehnen koennen. In anderen Faellen wuerde die Ueberfuehrung
eines Arbeiters von einem Industriezweig zu einem anderen seinen Umzug von einer
Stadt in die andere bedingen. Hier spielt natuerlich auch wieder das Problem der
Unterbringung eine Rolle. Die Arbeiter sehen esnur ungern, wenn man den Umzug
ihrer Familie verlangt, wenn sie aber bereit sind, umzuziehen, dann ist es nicht
immer moeglich, Unterkunft fuer sie zu finden.
Aus diesen Tatsachen geht aber immer noch nicht hervor, dass der Plan der
Regierung gescheitert ist. Es ergibt sich lediglich dass manche der Ziele, die
sich die Regierung gesteckt hat, nicht "realistisch" sind. Jetet ist man dabei, '
die Ziele anders zu gestalten. Die Arbeiter wechseln von Industriezweigen, in
denen weniger Leute gebraucht werden, zu denjenigen ueber, in denen mehr Personal
gebraucht wird, doch ist die Zahl derjenigen die ueberwechseln, niedriger als in
der Planung vorgesehen.
"The Manchester Guardian Weeüy" 17. Februar 1949
Die Wohnungsfrage ist ein brennendes Problem in Frankreich
Bertrand de Jouvenel, ein hervorragender franzoesischer Schriftsteller, der
sich mit ,,rirtschaftsproblemen befasst, hat vor kurzem eine Schrift mit dem Titel
"Nichts freil"' (No Vacancies) verfasst, in der er den akuten Wohnungsmangel in
seinem Lande behandelt. Danach sind in den letzten 12 Jahren in Frankreich keine
neuen Haeuser gebaut worden. In Paris sind z.B. &amp;9i alle Wohngebaeude ueber 34
Jahre alt, v/aehrend 57^ der Haeuser 6ä Jahre und noch laenger stehen.
Aus de Jouvenels Uebersicht ueber die Wohnungsverhaeltnisse in Paris geht
hervor, dass 20? der Wohnungen kein fliessendes Wasser haben, 54? haben keine
privaten Toiletten, 76^ der Wohnungen haben keine Zentralheizung und in 82t aller
Wohnungen befinden sich weder Bade- noch Brause-Anlagen. De^ Mangel an solchen
Einrichtungen ist auf die niedrigen Mieten zurueckzufuehren, die entsprechend
dem Mietskontrollgesetz gezahlt werden. Die Besitzer von Wohnhaeusern koennen es
sich nicht leiaben, Verbesserungen vorzunehmen.
In Paris kann z.B. eine sechskoepfige Familie Raeume zum Preise von etwa
2$ im Monat mieten (das entspricht dem Preise fuer 11 Paeckchen der billigsten
Zigarettensorte). Familien des Mittelstandes zahlen bis zu #3 im Monat, und
Raeume fuer die oberen Schichten kosten bis zu $10 Miete im Monat.Wenn eine
Familie aber Wohnung sucht, dann stellt sie fest, dass keine leerstehenden Wohnungen vorhanden sind.
Wer T/ohnung sucht, verfolgt genau die Zeitungen, um zu erfahren, wo Todesfaelle eingetreten sind und ueber Leute berichtet wird, die im Begriff sind, Paris
zu verlassen. Dem Gesetz nach koennen sie sich um die Wohnung bemuehen, die leer
wird, aber es sind hunderte von Anwaertern da, die in der gleichen Lage sind.
"Die ungesetzliche Methode ist immer noch die sicherste - ein Abkommen mit dem
Erben (der verstorbenen Person) dem zufolge einige der Ihnen gehoerenden Moebelstuecke sofort nach dem Ableben des Mieters in die Wohnung getragen werden.
Wenn sie erst einmal drin sind, dann sind sie Herr im Heuse.
"Wenn man sich eine Wohnung kaufen will, muss man zwiwchen $500 und $1.500
pro Zimmer anlegen. Lohnempfaenger muessen die Hoffnung, einen Hausstand zu gruenden, aufgeben- sie muessen entweder bei ihren Familien weiter wohnen bleiben oder
in miserablen Hotels wohnen."
"The Reader's Digest" Februar 1949

�'.Verden die argentinischen Arbeiter fuer Perdn kaempfen?
Praesident Juan D. Per6n, den viele als den Diktator Argentiniens bezeichnen,
ist von einigen seiner politischen Kritiker angegriffen worden. Vor kurzem verteidigte er sich selbst in einer Ansprache an die Eisenbahner-Gewerkschaft. Er sagte,
dass er sich an die Arbeiter wenden wierde, um seine Sache zu verteidigen. Er erHaerte ferner; "Wir werden kaempfen, wenn es sein muss, und zwar bis zum letzten
Atemzug und mit der gewaltigsten Entschlossenheit."
Perdn sagte aber nicht, dass dieser Beschluss, zu kaempfen, von den Arbeitern
gefasst werden wuerde. Er sagte;'".Vir wollen eine klare Sprache gebrauchen und entschlossen handeln. Ich werde mich bald darueber aeussern, was wir tun muessen. Bis
dieser Augenblick eintritt, werden die Arbeiter von ihrem Heim zur Arbeit und von
der Arbeit wieder nachhause gehen. Ich werde mit der Starterflagge das Signal geben,
sobald das Rennen beginnt, und dann werden wir mit groesster Geschwindigkeit losjagen."
Dann erklaerte Praesident Perftn, dass er in kommenden Reden seine Gegner genau bezeichnen wuerde. Manche von ihnen, sagte er, sind politische, andere wieder
wirtschaftliche Gegner, und unter ihnen befinden sich die Vertreter des auslaendischen Kapitals, die dritte Gruppe seiner Gegner aber setzt sich aus Pseudo-Ideologen, aus Kommunisten und Sozialisten zusammen. Hinsichtlich-der letzteren, die
er Maskentraeger nannte, sagte er; Nehmt Eure Baerte ab' Ihr seid erkannt." Auf
derselben Versammlung hielt auch die Frau Perdns eine Rede. Die fuehrende Trau
Argentieniens, die die Armeefuehrer aus dem oeffentlichen Leben zu verdraengen
suchen, erklaerte, dass sie "im Namen der Frauen meines Landes" spraeche."
Ein Kommunist ist gegen ein starkes Deutschland
Gerhart Eisler, der vom amerikanischen Bundes-Untersuchungs-Ausschuss als
Kommunist Nr. 1 der Vereinigten Staaten hingestallt wird, hielt unlaengst in
New York vor einer Gruppe Studenten der Columbia-Universitaet eine Rede. Die Studentengruppe bezeichnet sich selber als Marxistische Gesellschaft. Neben anderen
Themen, ueber die Eisler sprach, beruehrte er auch die deutsche Wirtschaft. Er
sagte! "Die Geschichte lehrt uns, dass ein starkes Deutschland fuer eine friedliche und demokratische Welt nicht notwendig ist." Als frueherer Deutscher, der
aber noch kein amerikanischer Buerger ist, wartet Eisler noch die endgueltige Revision seines Falles ab, d.h. ob er seinerkommunistischen Taetigkeit wegen wieder
nach Deutschland abgeschoben werden soll,
"Overseas American News Service" 28. Februar 1949
Gewerkschaften und Politik in den Vereinigten Staaten
A.H. Raskin, der Arbeiterkorrespondent fuer die "New York Times" der vor kurzem fuer eine britische Zeitschrift schrieb, gab der Ansicht Ausdruck, da«s es
den amerikanischen Gewerkschaften an einer politischen Philosophie fehle. Darueber
hinaus besteht die Auffassung, dass die kuerzlichen Wahlen jeder der grossen Arbeiterorganisationen ein so starkes Gefuehl der inneren Staerke verliehen haetten,
dass die Moeglichkeit eines Zusammenschlusses sobald als nicht gegeben erscheint.
"Augenblicklich bestehen keine Aussichten dafuer, dass sich Friedensverhandlungen ziemlich ernsthaften Charakters zwischen der AFL und dem CIO anbahnen,
ganz abgesehen von der Moeglichkeit eines Zusammenschlusses. Beide Gruppen haben
das Gefuehl, dass der Ausgang der Wahlen jede unmittelbare Bedrohung der Rechte
der Arbeiterschaft beseitigt hat. Sie sehen im naechsten Jahr relativ geringen
Schwierigkeiten mit den Arbeitgebern entgegen und erwarten ein "Zeitalter der
freundlichen Stimmung" in ihren Beziehungen zum Kongress und zum Praesidenten.

- 9 -

�tmter diesen Umstaenden ist es kaum moeglich, dass eine der beiden Gruppen irgend
etwas unternehmen wird, um den "status quo" in ihren wechselseitigen Beziehungen
»u aendern.
Die organisierte Arbeiterschaft und die Landwirte
Nachdem er darauf hingewiesen hatte, wie sich die amerikanische Arbeiterbewegung in rechts und linksstehende Fuehrer und Gruppen, sowie in Gruppen ohne jedes
politische Interesse aufteilt, schliesst Raskin, dass aus der Arbeiterschaft kein
unabhängiger politischer Hachtfaktor werden kann, ohne dass ein Buendnis mit den
Landwirten und der Mittelklasse geschlossen wird. "Versuche, die zu dem Zweck
unternommen wurden, die Landwirte und Arbeiter in Organisationen mit gemeinsamen
Zielen zu bringen, sind bemerkenswerterweise in den Vereinigten Staaten erfolglos
geblieben. Dieselben Verhaeltnisse sind in bezug auf die Arbeiterschaft und ungebundene Gruppen von Bueroangestellten und Facharbeitern, sowie Ladeninhabern aufgetreten. Es besteht wenig Grund zu der Annahme, dass man sich ernstlich bemuehen
wird, die Bande zwischen der Arbeiterschaft und einer der beiden Gruppen in naechster Zeit enger zu knuepfen.
Die Amerikanischen Gewerkschaften haben kein Ziel
Es feäüb auch fuer die Zukunft der Arbeiterschaft,Amerikas und fuer die Zukunft der Welt jedes Ziel auf lange Sicht. Die Philosophie der amerikanischen Arbeiterschaft ist fast ausschliesslich eine Philosophie, die lediglich materiell
und auf den Lebensunterhalt wie auch auf die Erfordernisse und die Befuerehtungen
des Augenblicks ausgerichtet ist. Man schenkt der Entscheidung darueber, wohin der
Weg der Arbeiterschaft geht und warum, wenig Beachtung. Noch viel weniger achtet
man darauf, wohin die Arbeiterschaft gehen sollte und wie sie an ihr Ziel gelangt.
Das erklaert die Unentschlossenheit in den Ansichten der amerikanischen Arbeiterschaft ueber die wirtschaftliche Planung und die Verstaatlichung.
"In ihrem Stolzgefuehl, den hoechsten Lebensstandard der Welt zu besitzen,
machen sich die amerikanischen Arbeiter darueber Gedanken, wie sie den Wohlstand
des Systems aufrechterhalten koennen, vun dem sie ihren eigenen Wohlstand herleiten. Sie sind sich darueber klar, dass die Hinnahme interner Kontrollen und
die Ausdehnung der Bemuehungen, den Lebensstandard in der Welt durch den Marshallplan zu erhoehen, notwendig sind, um dieses Ziel zu erreichen. Es besteht aber
keine Uebereinstimmung - und man macht sich verhaeltnismaessig wenig Gedanken ueber die Besonderheiten eines Programms, einen Schutzwall fuer die amerikanische
Wirtschaft zu schaffen und ihren Nutzen grosszuegiger auszuweiten."
Raskin schliesst mit der Bemerkung, dass die amerikanische Arbeiterschaft
jedoch ihre entschlossene Forderung auf eine liberale Regierung in Washington
bekundet hat. Ausserdem hat die amerikanische Arbeiterschaft in bezug auf einen
anderen Punkt ihre Entscheidung getroffen« sie hat den Kommunismus abgelehnt.
Schliesslich hat die Arbeiterschaft eine Regierung gefordert, die ihm dient, und
.die nicht diktiert."
"The Nineteenth Century" Dezember 1948.
Streikende Gewerkschaft wurde aufgefordert, Gewaltmassnanmen
einzustellen
Dem Verband der Vereinigten Moebeiarbeiter (CIO) wurde in seinem Streik gegen
die Moebeifabrikanten in Salem, Indiana, der Worwurf gemacht, dass den Firmenangestellten und nichtStreikenden Arbeitern gegenueber Gewalt angewendet worden sei.
Nachdem der Fall untersucht worden war, forderte der Landesausschuss fuer Arbeitsbeziehungen die Gewerkschaft auf, sich solcher Handlungen zu enthalten, wie sie
im folgenden aufgefuehrt sind«-

10 -

�"Streikposten duerfen keine Stoecke bei sich tragen, Aufstapeln von Steinen
zum Gebrauch fuer die Streikposten, Versperrung der Fabrikeingaenge durch Eisenbahnschwellen, Automobile, hochgestellte Rinnstein-Platten und das Ausstreuen Ton
Reissnaegeln, Gewaltsandrohungen gegen NichtStreikende durch den Lautsprecher,
Sinschueohterungen NichtStreikender, die das Werk zu betreten Tersuchen, die Aufstellung von Streikposten in der Weise, dass die Arbeitswilligen keine Eisenbahnwagen abladen koennen, Massenueberfaelle auf Arbeitswillige, das Umstuerzen von
Autos der Arbeitswilligen und Slnzelueberfaelle auf sie, Behinderung des Meisters
und Vorarbeiters am Betreten des Werks durch Gewalt und Einschuechterung, sowie
Versuche, das Auto des Vorarbeiters umzuwerfen und es zu beschaedigen."
Die Anordnung des Ausschusses erging gegen die leitenden Funktionaere des
Moebeiarbeiter-Verbandes. Die Streitfrage, um die es ging, wurde in eiBem Leitartikel der "New York Times" behandelt;
•Das Ziel des Streiks ging dahin, die Anerkennung zu erzwingen. Die Gesellschaft hatte sich geweigert, mit der Gewerkschaft in Verhandlungen zu treten, bis
diese vom Landesausschuss fuer Arbeitsbeziehungen anerkannt wird. Das konnte aber
nicht geschehen, da sich ihre Funktionaere geweigert hatten, die nichtkommunistische
Erklaerung abzugeben. Als nun der Fall eintrat, dass viele von den 400 Beschaeftigten des Werks die Arbeit wieder aufnehmen wollten, schritten die Gewerkschaften
(d.h. die Stanmgewerkschaft und die Ortsgruppen) zu Handlungen, die nach Meinung
des Landesausschusse« dem Taft-Hartley-Gesetz entsprechend als unfaire Methoden
angesehen werden muessen."
Nach diesem Gesetz geniessen Gewerkschaften, deren Funktionaere nicht die
nichtkommunistische Erklaerung abgeben, keinerlei Rechte, wie sie in diesem Gesetz vorgesehen sind. Eine Gewerkschaft, die sich an das Gesetz haelt, haette
das Recht fuer sich in Anspruch nehmen koennen, dass eine Wahl stattfindet, aber
dem Gesetz nach kann sich ein Arbeitgeber weigern, mit einer Gewerkschaft zu verhandeln, deren Funktionaere nicht einen Eid darueber ablegen, dass sie keine
Kommunisten sind.
"The New York Times" 25.U.28. Februar 1949
Lohnkuerzungen fuer die Automobilarbeiter
nach dem neuen Lohnabkommen
Im naechten Monat werden den 270.000 Automobilarbeitern, die bei General
Motors beschaeftigt sind, pro Stunde 2&lt;f abgezogen. Das ergibt sich aus dem Abkommen zwischen dem Verband der Vereinigten Automobilarbeiter (CIO) und der Gesellschaft, in dem vorgesehen ist, dass eine Aenderung des Lohnsatzes von 1$ pro
Stunde erfolgt, sobald sich der Lebenshaltungsindex, wie er jeweils vom Amerikanischen Arbeitsministerium veroeffentlicht wird, um 1.14 Punkte aendert, also l&lt;f
pro 1.14 Punkte.
Als sich die Gesellschaft und der Verband ueber das Abkommen im Mai 1948
einigten, erhielten die Arbeiter eine Lohnerhoehung von llpf pro Stunde, wovon
&amp;V eine"Lebenshaltungskosten-Erhoehung" darstellen, Im Juli legte die Firma
3&lt;f pro Stunde zu. Damals stand der Lebenshaltungsindex auf 173.7« Vom Juli bis
Dezember hatte sich der Index wieder soweit geaendert, dass auch eine Lohnaenderung gerechtfertgt erschien. Aber fuer den 15. Januar war der Index auf 170.9
gefallen, was ausreichte, um eine Lohnsenkung von 2$ pro Stunde zu fordern.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Gewerkschaft gedenkt, sich an den
Vertrag zu halten, der bis 1950 Gueltigkeit hat. Die Frage ist nur, ob man sich
dann bemuehen wird, aehnliche Abkommen mit anderen Atoraobilwerken abzuschliessen."
"The New York Times" 25. Februar 1949
-

11

�Fehlschlagen eines kommunistischen Streiks in Rom
"Die Kommunisten riefen heute (19. Februar) zu einem 24-Stunden-Streik auf,
den sie gestern fuer das Buchdruckergewerbe festgesetzt hatten. Gegen Mitternacht
des gestrigen Tages hatten sich aber trotz des Streikbefehls so viele Arbeiter zur
Arbeit eingefunden, dass die "Arbeitskammer" es fuer das beste hielt, aus der Not
eine Tugend zu machen und ihre Mitglieder anwies, die Arbeit wiederaufzunehmen,
und zwar auf Grund der Tatsache, dass sie bereits ihre "herrliche Solidaritaet"
unter Beweis gestellt haetten. Alle Zeitungen erschienen wie gewoehnlich.
"New York Times" 20. Februar 1949
Versammlungen beim Grossunternehmertum in den Vereinigten Staaten
Die Bedeutung privater Gruppen in der amerikanischen Gesellschaft wird durch
die Tatsache beleuchtet, dass im Jahre 1948 mehr als 20.000 staatliche und LaridesVersammlungen abgehalten wurden. Es handelte sich dabei um Versammlungen, die mit
50 oder mehr Delegierten beschickt wurden bis zu mehr als 25.000 Menschen. Der
Hauptversammlungsort war Chicago mit 1.056 Versammlungen, die von 882.000 Mensohen
besucht wurden. In der groessten Stadt der Vereinigten Staaten, Hew York, fanden
650 grosse Versammlungen statt. Solche Versammlungen bedeuten immer ein gutes Geschaeft fuer die Geschaefte, fuer die Hotels,und die Theater-Versammlungsbesucher
geben im allgemeinen durchschnittlich mehr als $100 pro Person aus. Der Gesamtumsatz an Geschaeften, der den verschiedenen Staedten im Jahre 1948 durch die Versamnlungen zugute kam, betrug ueber 200 Millionen Dollar.
"New York Times" 23. Februar 1949
-

Manpower Division
0MGUS, AP0 742

0M0US, 9-7*&gt;l4. L*KB, M.P 1(9, ll C

12

-

0FFICIAL

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Di* folgenden Artikel stellen Auszüge an« der amerikanischen Press« und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden* Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Pott zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 5

Berlin, 25. Maerz 1949

Die Tageszeitung der Britischen Gewerkschaften
Seit dem Jahre 1922 haben die Britischen Gewerkschaften eine Zeitung, "The
Daily Herald". Dieses Organ ist jetzt eines der fuehrenden Blaetter in England,
doch bis 1928 war es noch ein Blatt, das schwer zu kaempfen hatte, und jedes
Jahr mussten die Gewerkschaften Gelder zuschiessen, um es vor dem Eingehen zu
bewahren. Die Zeitung war nicht konkurrenzfaehig, weil sie nicht viel Personal
und auch kein Geld zur Vwrfuegung hatte, um Nachrichtenmaterial aus der ganzen
Welt zusammenzutragen. Im Jahre 1928 ergriff der Gewerkschaftsbund TUC eine ungewoehnliche Massnahme. Er ging eine Teilhaberschaft mit einem Handelspresse Unternehmen ein. Der "Daily Herald" wurde das Eigentum von zwei Teilhabern, Kapital und Arbeiterschaft, wobei dem TUC 49# und der Odhams Press Ltd. 51o der
Aktien gehoerten.
"Bestand nun aber nicht das Risiko, dass sich dieser Schritt bei eventuellen
zukuenftigen Meinungsverschiedenheiten in bezug auf die von der Zeitung verfolgten
Politik zu Ungunsten der Bevregung auswirken wuerde. Die Gewissheit ueber diese
Frage wurde bald offenbar. Eine genaue,Pruefung des Vertragsentwurfs durch
Ernest Bevin und '/alter Citrine bot die Gewaehr dafuer, dass der neu herauskommende "Herald" stets ehrlich und wahrheit3gemaess die Auffassungen der Bewegung
(der Arbeiterschaft; widerspiegeln wuerde.
"In den Artikeln der Genossenschaft war eine Klausel verankert, die ausdruecklich besagte, dass die Politik der Zeitung die der Labour Party und die
Wirtschaftspolitik die der TUC zum Ausdruck bringen vruerde. Vier Direktoren
sollten vom TUC.und vier vom Odhams-Unternehmen ernannt werden, wozu noch ein
weiterer Vertreter von Odhams als Vorsitzender kam. Den TUC-Vertretern sollte
jedoch das Stimmrecht zustehen, v;enn die Haltung des"Herald" in bezug auf irgendwelche politischen oder industriellen Dinge bestimmt werden sollte."
Dieses Abkommen war im Jahre 1929 getroffen worden. Die erste ausgäbe der
als Gemeinsch^ftseigentum gefuehrten "Herald " erschien am 15. Maerz 1930 als ein
10 seitiges Blatt, dessen Umfang innerhalb einer "toche auf 20 Seiten stieg.
Diese Zeitung, deren .uflage selten die Zahl von 400.000 ueberstieg, im
allgemlnen über immerhin 250.000- betrug, erreichte innerhalb eines Jahres eine
Auflageziffer von 1 Million, die bis 1933 nuf taeglich 2 Millionen Exemplare
anstieg.
"Man muesste nun daraus schliessen, dass der TUC damit ein ausgezeichnetes
Geschaeft gemacht hat. Die Beanspruchung der Gewerkschaftsyelder hatte nun ein

-

1 -

�Ende genommen... .Das Geld nimmt "aber jetzt andere Wege. Was aber viel wichtiger
ist, ist die Tatsache, dass die Handvoll Leser sich in eine riesige Anzahl verwandelt hat, die 6 Tage lang in der Woche einen massgebenden Bericht ueber die
Ereignisse in Politik und Industrie bekommen. In den Leitartikelspalten und in
den Artikeln, die von Spezialverfassern beigesteuert werden, laesst man den Angelegenheiten Gerechtigkeit widerfahren, zu denen die Gewerkschaften und die
Labour Party den Stoff geben....
Die Geschichte des "Herald"; Diese Zeitung erschien zum ersten Mal am 15. Januar
1911 in einer vierseitigen Auflöse und wurde von Druekern herausgegeben, die sich
im Streik befanden. Dies ging bis zum 28. April. Auf Grund von Sammlungen bei
den Gewerkschaften erschien der "Daily Herold" im April 1912, der sich aber nicht
als erfolgreich erwies. Vom September 1914 bis zum Maerz 1919 erschien das Blatt
woechentlich unter der Bezeichnung "The Herald". Im September 1922 uebernahm der
TCJC die Zeitung als offizielles Organ der englischen Arbeiterschaft unter der
Bezeichnung "The Daily Herald".
"Labour" Februar 1949
Die in das kommunistische Netz gehen....
Benjamin Gitlow hat erst vor ganz kurzer Zeit ein Buch mit dem Titel "The
Whole of their Lives" veroeffentlicht, das die Geschichte des Kommunismus in
Amerika und eine genaue Beschreibung der Persoenlichkeit der augenblicklichen
Fuehrer des Kommunismus darstellt. Gitlow kennt alle diese Fuehrer sehr gut.
Frueher war er einmal selbst einer von Ihnen, doch hat er sich von ihrem Zersetaungsprogramm abgewendet. Die Einfuehrung zu diesem Buch schrieb Max Eastman, der
ebenfalls ein guter Kenner der Materie ist. Wir zitieren hier Eastman wie folgt:
"Ich kenne Ben Gitlow nunmehr 35 Jahre. Er ist fuer mich eine heroische Persoenlichkeit, nicht nur fuer mich, sondern auch fuer andere, die ganz genau wissen
was er erlebt hat. Eine solche moralische Kraft, wie er sie an den Tag legt, haben
wir heutzutage bitter noetig.
"Unsere Zivilisation ist in Gefahr, .weil soviele eifrige und kritiklose Gemueter, die, anstatt zur Lauterkeit und Tugend erzogen zu werden, und geblendet
vom Ideal des Kommunismus, dazu geschult werden, im Dienste ihres Ideals auf alle
moralischen Begriffe zu verzichten. Diejenigen, die sich dem Kommunismus verschreiben, muessen nicht nur Wahrheit, Mitleid, Gerechtigkeit und persoenliche
Ehre ueber Bord werfen, sondern muessen sich auch einer widerlichen Disziplin im
Luegen im Verbrechen, in der Grausamkeit und in der Selbsterniedrigung unterwerfen.
Sie muessen sich "leninistische" Maximen wie die folgenden zu eigen machen;
"Wir glauben nicht an aeusserliche Prinzipien der Moral....die kommunistische
Moral ist identisch mit dem Kampf, die Diktatur des Proletariats zu staerken...
"Wir muessen bereit sein, Betrug, Taeuschung, Gesetzuebertretung,anzuwenden
mit der Wahrheit zurueckzuhalten und sie zu verbergen."
"Wir koennen und muessen...in einer Sprache schreiben, die unter den Massen
Hess, Umschwung, Hohn und Verachtung und dgl. verursacht und die gegen diejenigen
gerichtet ist, die entgegengesetzter Meinung sind."
"Diese Doktrin der UnSittlichkeit aus Prinlp, die von Marx erfunden, von
Lenin in den Brennpunkt gerueckt und von Stalin ins Grenzenlose durchgefuehrt wird,
spielt die Hauptrolle bei der Zersetzung unserer griechisch-christlichen Zivilisation. Viele von denen, die in dem hochherzigen Gedanken an eine Empoerung gegen
kleinere Uebelstaende fuer den Kommunismus eintreten, gelangen schliesslich zu
einem Punkt, da sie sich ueber diese Dinge klar werden und mit Schrecken die Folgen

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2

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�zu begreifen beginnen. Zu diesem Zeitpunkt sind sie aber bereits verloren und
sind festgenagelt. Ihre ganze Lebensweise, ihr taegliches Brot und ihre taeglichen Begriffe von der Achtung haengen davon ab, ob sie fest bleiben^ es ermangelt ihnen an Charakterfestigkeit, an Geistesklarheit, an Selbstvertrauen,
einfach an dem blossen Mut, sich zurueckzuziehen und ein Renegat zu werden."
Aus "The Whole of their Lives".
Was wird aus dem amerikanischen Sozialismus.
Daniel Bell, der fruehere Chefredakteur der sozialistischen Zeitschrift
WNew Leader" und derzeitiger Professor fuer Sozialwissenschaft an der Universitaet Chicago, bereitet ein Werk ueber die Gewchichte des amerikanischen Sozialismus vor. Er zieht den Schluss, dass die Sozialistische Partei Amerikas, im, Absterben ist. Mit Bedauern bemerkt er, dass der Sozialismus in den Vereinigten
Staaten niemals so etwas wie eine Gewerkschaftsbewegung geworden ist. Vielleicht
liegt dies auch daran, dass die amerikanischen Arbeiter niemals die zwingende
Notwendigkeit fuer parteipolitische Bindungen in ihren Gewerkschaften eingesehen
haettan. Zu diesem Thema zitieren wir hier Saetze aus einem Artikel, den Professor Bell unlaengst geschrieben hat.
Warum gibt es keinen Sozialismus in den
Vereinigten Staaten
Nachdem er die Frage gestellt hat, warum die Sozialisten bei den kuerzlichen
Praesidentschaftswahlen so wenig Stimmen erhielten, erinnert uns Bell daran, dass
diese Frage schon vordem des oefteren gestellt wurde. So schrieb einmal Verner
Sombart ein Buch mit dem Titel: "Warum gibt es keinen Sozialismus in den Vereinigten Staaten."
Sombart hob in seinem Buch 3 grundlegende Betrachtungen darueber, warum eine
sozialistische Bewegung bis jetzt in den Vereinigten Staaten nicht Fuss fassen
konnte, hervor.
"1. Die offene Grenze des Landes und die Moeglichkeit, seinem Los durch Abwandern nach dem V.'esten zu entgehen;
"2. Die Gelegenheit zum sozialen Aufstieg durch persoenliche Bemuehungen«
"3. Der steigende Lebensstandard des Landes.
"Dennoch verschwand im ersten Viertel dieses Jahrhunderts der erste F-.ktor,
und die beiden anderen wurden ernstlich in Frage gestellt. Als vor zwanzig Jahren Selig Perlman in seinem Buch "Theorie der Arbeiterbewegung" den Versuch unternahm, die Frage hinsichtlich des Mangels an Klassenbewu'sstsein unter den amerikanischen Arbeitern zu beantworten, fuehrte er ebenfalls 3 Faktoren an, die bis zu
einem gewissen Grade die Sombartsche These in einer anderen Form wiedergeben;
"1. Das Fehlen einer "fest anaaesaigen bzw. in geordneten Verhaeltnissen
lebenden" (seltled; Klasse von Lohnempfaengern.
In diesem ZusammenT
hang hat das .7ort "settled" hier zweierlei Bedeutung, naemlich raeumlich
und sozial, d.h. die Arbeiter wechselten den Ort in betraechtlichem
Masse, ohne Fuss zu fassen; gleichzeitig war eine Klassenbeweglichkeit
(von der Armut zum Wohlstand) gegeben.
"2. Das freie Privileg derAbStimmung. In anderen Laendern, wo die Arbeiterschaft sich politisch organisiert hatte, hatte man den Arbeitern das
Stimmrecht verweigert, wodurch ein greifbarer Beweis fuer ein Klassenproblem gegeben war. In den Vereinigten Staaten dagegen war die Richtung nicht politisch und sozial, sondern wirtschaftlich, und sie war

- 3 -

�nicht so starr wie dort.
"3. Einwanderung; 'Vellen neuer Einwanderer koennten die Entwicklung der Gewerkschaften zurueckwerfen, indem sie den Arbeitsmarkt ausweiten, und
zudem eine unorganisierbarere Gruppe schaffen wuerden. Gleichzeitig
schuf die Existenz solcher in sich verschiedenen ethnologischen, religioesen und sprachlichen Gruppen eine heterogene arbeitende Klasse und
errichtete Schranken gegen ihre kulturelle Vereinigung.
Der Sozialismus in den Vereinigten Staaten ermangelte
des Politischen
"Diesen Erlaeuterungen haben die hauptsaechlichen Historiker der amerikanischen
Politik eine dritte hinzugefuegt. Unter Beruecksichtigung des Durcheinander an
partikularistischen und wirtschaftlichen Interessen in den Vereinigten Staaten haben
sie darauf hingewiesen, dass eine idealogische Partei ein zu geringer vermittelnder
Faktor dazu waere, um sich einander bekaempfende Interessengruppen zu einigen und
ihnen zu dienen,
"Diese Antworten dienen noch immer als Rahmen fuer entsprechende Hinweise...
V'aehrend aber eine Entscheidung ohne Bezugnahme auf die allgemeinen Verhaeltnisse
und den Zusammenhang nicht getroffen werden kann, erhebt sich, nuechtern und praktisch gesehen, die Frage; V/arum gelang es der Sozialistischen Partei nicht, ihre
Umgebung zu verstehen, und warum passte sie sich nicht entsprechend an. Wenn das
Ergebnis in der Natur der Sozialistischen Partei und ihrer duesteren, unklaren
Selbstbildnisse als eine soziale Bewegung liegt, dann wuerde ich als passende Beurteilung vorschlagen, dass die Sozialistische Partei keine politische Partei gewesen ist... Denn fast waehrend der gesamten Zeit ihrer Geschichte und ihres Bestehens hat die Sozialistische Partei das Dilemna, dem es auch noch heute gegenübersteht niemals loesen koennen, naemlich ob sie eine politische Partei oder
eine ethische Bewegung ist."
"Modern Review" Januar 1%9
Englische Bergleute berichten ueber polnische
ArbeiterVersammlung
"Zwei englische Bergleute, die im vergangenen November als Delegierte an der
Polnischen Bergarbeiter-Konferenz teilnahmen, haben jetzt ueber das, was sie in
Polen gesehen und gehoert haben, dem Natiohalverband der Bergarbeiter Bericht erstattet. Es handelte sich dabei um 'V. Crews, den Vizepresidenten aus dem Bezirk
Suedwales, und Harold Lockett, dem Vertreter der Bergarbeiter aus North Staffordshire.
"»Wir wnren Mitdelegierte1 sagten Crews and Lockett," zusammen mit Russen,
Rumaenen, Bulgaren, Ungarn, Tschechen und Mitgliedern der Griechischen und Spanischen "'ider Standbewegungen.
"Die Eroeffnungsreden wurden am Sonnabend gehalten. Am naechsten Morgen entschuldigte sich der Vorsitzende wegen des kurzen Berichts in der Presse, worueber
dann Erklaerungen abgegeben wurden
"'Vir moechten in diesem Zusammenhang erwähnen, dass, waehrend man dem russischen Delegierten in der Presse eine ganze
Spalte gewidmet hatte, die englische Rede mit nur 3 Zeilen abgetan wurde.
Viele Resolutionen wurden eingebracht

"Am nsechsten Tage h i e l t der Sekretser der Polnischen Bergarbeiter-Organisation "eine lang« Rede, in der er d i e ''estmaechte v e r u r t e i l t e " . Crews antwortete
damit, dass er rmf den F o r t s c h r i t t Englands unter der Labour-Regierung hinwies,
und besonders nuf die Verbesserung in der Lebenshaltung der Bergleute. Die beiden
englischen Delegierten berichteten, rt«s- m,:,n ihnen m i t g e t e i l t haette, dass der
Konferenz 111 Resolutionen vorgelegt worden s e i e n .

_ 4 _

�"Diese Resolutionen wurden erst der Resolutionskommission vorgelegt, die
waehrend der Konferenz Dauersitzungen abhielt. Der Vorsitzende dieser Kommission
berichtete dann ueber die Empfehlungen hierzu; viele Vorschlaege wurden als unnoetig abgelehnt, manche wurden behandelt, andere wieder sind angenommen worden.
Der Bericht und die Empfehlungen der Kommission wurden in l£ Stunde erledigt.
Wie die Wahlen vor sich gingen
"Die Wahl des Exekutivrates bildete den Hoehepunkt der Konferenz. ?00 Namen
waren fuer 45 Posten in Vorschlag gebracht worden. Diese wurden wieder einer
Nominierungskommission vorgelegt. Der Vorsitzende der Kommission meldete der
Konferenz die 45 Mitglieder, die die Exekutive bilden sollten, Der Bericht wurde
von der Konferenz angenommen. Es wurde nur eine Abstimmung vorgenommen,
"Die Britischen Delegierten erklaerten, dass die Punkte, die entweder von
der Rednertribuene oder von der Versammlung zur Sprache gebracht wurden, hauptsaechlich politischer Natur waren"und wir schaetzen, dass Bot der Diskussionsthemen, die waehrend der 3 Tage behandelt wurden, alles andere waren als ausgesprochene Bergwerksangelegenheiten. FUer jemand, der bisher noch keiner Konferenz
auf dem Festland beigewohnt hat, sind viele Kuensteleien und Gebraeuche irrefuehrend und befremdend. Es hatte den Anschein, als wenn es da eine besondere
Gruppe von Beifallsrufern gab mit einem besonderen Schlagwortgeschrei, und alle
paar Minuten waehrend der Sitzungen wurden wir mit ihrem Geschrei bedacht, besonders aber, wenn Stalin und die Sowjetunion genannt wurden. V/ir hoffen, dass die
Konferenzen der englischön Bergleute niemals in aehnlicher '/eise verlaufen wie
die polnische Konferenz,
Enttaeuaohung der Britischen Delegierten
"Crews und Lockett fuehlen sich verpflichtet, zu erwaehnen, dass sie mit
ihrem Dolmetscher nicht zufrieden waren. "'Vir standen unter dem Eindruck, dass
man uns nicht ein richtiges Bild von dem vermittelte, was vor sich ging, auch
waren wir nicht zufrieden, insofern als wir unter dem Eindruck standen, dass bei
der Unterhaltung mit den Delegierten unsere Aeusserungen nicht richtig uebersetzt
wurden. Am Abend unserer Abreise uebergaben wir unserem Dolmetscher ?6 Fragen,
um uns ueber Dinge zu informieren, die hsuptsaechlich den Bergbau betrafen. Der
Praesident und der Sekretaer der Gewerkschaft teilten uns mit, dass ihnen die
Fragen zugegangen seien, und versprachen, uns die Antworten zukommen zu lassen.
Wir muessen zu unserem Bedauern sagen, dass wir diese bis heute noch nicht erhalten haben,
Bemerkungen ueber Polen
"Ueber die Verhaeltnisse in Polen aeusserten sich Mr. Crews und Lockett wie
folgt« "Die VJohn- und gesundheitlichen Verhaeltnisse sind sehr schlecht, es werden aber Anstrengungen gemacht, sie zu verbessern. Die Rationierung ist vor
kurzem aufgehoben worden, das bedeutet aber noch nicht, dass von allem genug vorhanden ist. Es gibt zwei fleischlose Tage in der Joche, Fett ist knapp und Milch
gibt es wrklich selten. Das Rationierungssystem in diesem Lande scheint viel
gerechter zu sein besonders in bezug auf die Arbeiter.
"Als die beiden eine Grube besichtigten, wurde ihnen in der Grubenknntine ein
Essen vorgesetzt. Obwohl dss Essen gut war, lag die Mahlzeit doch noch unter der
englischen Norm. Hinsichtlich der Loehne wurde ihnen gesagt, dass ein Bergmann,
der in der Grube schafft, in der "fache E 4-3s-4d (etwa #18) verdient, andere
Arbeiter werden zu niedrigeren Saetzen bezahlt. Wenn die "Norm" ueberschritten
wird, sind Leistungspraemien, billigere Lebensmittel und billigere Kleidung vorgesehen. Es besteht der Achstundentag und die Sechstagewoche. Die Sntlueftung
ist schlecht und die Beleuchtung armselig.

-

5 -

�"Die Freundlichkeit der Polen und aller anderen, mit denen wir •usammentrafen
wird anerkannt, doch schlagen die Delegierten vor, dass angesichts des Fehlens
Jeder Berichterstattung in Polen ueber Grossbritannien, eine Delegation der Organisation polnischer Bergleute eingeladen werden sollte, zu uns herueber zu kommen
und sich die Yerhaeltnisse hfer selbst anzusehen."
"The Daily Herald" 17. Februar 1949
Ergebnisse des Englischen Gesundheitsprogramms
In der Kritik am Nationalen Gesundheitsdienst Englands, der jetzt im ersten
Jahr besteht, werden Klagen ueber die Kosten laut. Es ist eine Tatsache, dass die
Bevoelkerung, jetzt mehr und auch eine bessere aerztllche Behandlung bekommt als
je zuvor. Die Erfolge Werden durch Zahlen wie die folgenden offenbar, die unlaengst veroeffentlieht wurden«"Sterblichkeitsziffer« Im Jahre 1948 betrug die allgemeine Sterblichkeitsziffer 10.8 pro 1000 der Bevoelkerung. Das war die niedrigste Ziffer, die wir
jemals in unserer Geschichte zu verzeichnen hatten und bedeutete eine Verbesserung
gegenueber 1947 mit 12 pro 1000.
"Die Totgeburten-Ziffer; Auch hier wurde 1948 die niedrigste Rekordzahl fuer
das Land aufgestellt, naemlich 23.1 pro 1000. Die niedrigste Zahl von frueher war
24.1 fuer 1947."
"Die SterblichkeitsZiffer fuer Kinder« (Anzahl von Todesfaellen bei Kindern
unter 1 Jahr pro 1000 geborener Kinder) Dies ist der wichtigste Einzelindex im
gesamten Gesundheitswesen des Staates. Im Jahre 1948 erreichten wir fuer alle
Zeiten einen Rekord mit der Ziffer 34 pro 1.000 Lebendgeburten. Es ist dies das
erste Mal, dass unsere'Jahresziffer unter 40 sank.
"Sterblichkeit bei der Geburt; Vor dem Kriege starben von je 1000 Frauen
3 im Kindbett. Die letzte verfuegbare Ziffer ist die fuer 1947, die sich auf
1.01 belaeuft. Dies ist wiederum die niedrigste Ziffer, die jemals erreicht
wurde. Das bedeutet, dass es vor dem Kriege genau dreimal so gefaehrlich war,
ein Kind zur Welt zu bringen, wie es heute der Fall ist. Es bedeutet auch, dass
pro Jahr 1.600 Muetter am Leben erhalten werden."
"The Daily Herald" 17. Februar 1949
Die Labour Party bezeichnet die Politik der Konservativen
als planlos.
Die Wahlen in South Hammersmith, einem Londoner Vorort, waren Gegenstand
eines scharfen Kampfes zwischen der Britischen Labour-Partei und den Konservativen.
Die Konservativen hatten mit einem Sieg gerechnet, und '.Vinston Churchill und andere Fuehrer dieser Gruppe hatten in diesem Bezirk Reden gehalten. Die Labour
Party aber trug den Sieg davon. Premierminister Attlee sandte eine Botschaft
an den Kandidaten der Labour Party, einen jungen Professor namens Tom Williams.
Attlee sagt darin«"Grossbritannien befindet sich auf dem Wege zu einer wirtschaftlichen Stabilitaet. Es sind nicht nur viele Verwuestungen des Krieges wieder behoben, sondern
auch lange vernachlaessigte Uebelstaende behoben worden; es wurde fuer die soziale Ordnung ein neues und gerechteres Fundament gelegt. Viel von diesen Erfolgen
ist der Selbstdisziplin und der schwere Arbeit des Volkes zuzuschreiben, doch
haette dies alles nicht ohne die Fuehrung seitens der Regierung bewerkstelligt
werden koennen.
"Die Maenner und Frauen der aeiteren Generation, die sich noch der Unsicherheit, der Massenarbeitslosigkeit und armseligen Sozialeinrichtungen der Vorkriegs-

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�zeit erinnern, werden sich wohl ueber den Kontrast zwischen der Vergangenheit
und der Gegenwart im Klaren sein. Zum ersten Mal in unserer Geschichte haben wir
eine Regierung, die den Willen und auch die Macht hat, das wirtschaftliche Leben
des Landes im Interesse aller zu formen.
"Zum ersten Mal sind die sozialen Einrichtungen der Erziehung, des Gesundheitswesens und der Versicherung in einer Weise gehandhabt worden, dass sie allen
zugute kommen, und nicht nur einer bestimmten Klasse. Die Durchfuehrung eines
seitens der Regierung erwogenen Programms steht im Gegensatz zu der Zusammenhanfclosigkeit und Inkonsequenz der Opposition, wie dies durch den vollstaendigen'
Mangel einer Alternativpolitik zu Tage tritt. Sie wagen es nicht, eine Rueckkehr
zur Vergangenheit vorzuschlagen. Sie haben fuer die Zukunft keine Plaene parat."
"The Daily Herald" 18. Februar 1949
Die Indische Regierung gebietet kommunistischer
Sabotage Einhalt
"Drastische Regierungsmassnahmen haben eine kommunistische Sabotageaktion,
die sich ueber ganz Indien erstreckte, bei der Eisenbahn und anderen Verkehrsmitteln, abgewehrt. 500 Raedelsfuehrer, die den Plan gefasst hatten, waehrend
eines Streiks, der auf den 9. Maerz angesetzt war, Kraftwerke, Werkstaetten,
Stellwerkkabinen und Bruecken anzugreifen, wurden zum Wochenende (19. zum 20. Tebr.)
verhaftet.
"Darunter befinden sich 72 Kommunisten von den Eisenbahnen, die Bombay, Baroda,
Zentralindien und die grosse Indische Halbinsel verbinden. Ein hoher Beamter des
Innenministeriums hat sich heute abend geaeussert» dass der Regierung "endgueltigea
Informationsmaterial darueber vorlaege, dass die Kommunisten den Streik zu einer
ausgedehnten Sabotage-Aktion machen wollten". Er fuegte hinzu, dass man geheime
Rundschreiben entdeckt haette, aus denen im einzelnen die Absichten der Kommunisten
hervorgehen, mit Explosivstoffen gegen lebenswichtige Einrichtungen vorzugehen,
und dass diese Rundschreiben zu dieser Aktion gefuehrt haetten. Manche Post- und
Telegrafenarbeiter, die ebenfalls die Absicht hatten, am 9. Maerz zu streiken, sind
ebenfalls verhaftet worden.
"Bewaffnete Polizei bewacht alle wichtigen Punkte, ebenso die Schienenstränge
sowie die Pumpstationen und die Kraftwerke. In Hyderabad ist ein besonderes Gefaengnis hierfuer eingerichtet worden, alle Versammlungen sind verboten, ebenso
das Hissen von roten Fahnen. Im Westen Bengalens hat die Regierung die kommunistische Zeitung "People's Age" verboten, und die Polizei beschlagnahmte Flugblaetter.
Die hauptsaechlich betroffenen Gebiete sind Calcutta, Bombay, Ahmedabad, Madras,
Lucknow, Benares und Trichinopoly. Durch die heute (21. Februar) und am Sonnabend
(19. Februar) vorgenommenen Verhaftungen erhoehte sich die Zahl der inhaftierten
Kommunisten auf 1.600. Der letzte grosse Kehraus fand vor 11 Monaten statt....Es
wird erwartet, dass die Indische Regierung ein Gesetz erlaesst, wonach Streiks in
oeffentlichen Betrieben "als ungesetzlich erklaert werden, wenn sie fuer Parteizwecke gefuehrt werden."
"The Daily Herald" 21. Februar 1%9
Auch ein Erfolg eines kommunistisch gelenkten
Streiks in Indien
"Die staendige Unruhe unter der Arbeiterschaft in ganz Indien, mit der die
Verschaerfung der Streitfaelle durch die Kommunisten Hand in Hand geht, schafft

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�Tendenzen, die geeignet sind, bedeutsame Auswirkungen auf die Zukunft der indischen
Arbeiterbewegung, auf den Kommunismus und auf die Politik im allgemeinen hervortreten zu lassen.
"Eine bedeutsame Massnahme, verursacht durch die Ankuendigung eines Eisenbahn-,
Post- und Telegrafenstreiks, sowie eines Streiks in der Zuckerindustrie und in den
Docks, der fuer den 9. Maerz fuer das ganze Land angesetzt war, wurde gestern vom
Indischen Parlament (am 24. Februar in New Delhi) in Form eines Gesetzes ergriffen,
derzufolge Streiks in den lebenswichtigen oeffentlichen Einrichtungen fuer gesetzwidrig erklaert wurden. Dieses Gesetz... .wird wahrscheinlich in der naechsten T'roche
angenommen werden, und es besteht kein Zweifel darueber, dass die darin enthaltenen
Bestimmungen in bezug auf die Verhaftung illegaler Streikender und ihre Verurteilung
zu Geldstrafen im Schnellverfahren durchgesetzt werden. Das Gesetz wird als eine
Notmassnahrae bezeichnet und soll nur bis zum 31. Maerz 1950 in Kraft bleiben.
"Als naechstes Ergebnis der augenblicklichen Lage muss das offensichtliche
Erstarken der sozialistischen Gewerkschaften erwaehnt werden, die zusammen mit den
Gewerkschaften, die dem von der Regierung gefoerderten Indischen Landesgewerkschaftsbund angehoeren, die Majoritaet der Arbeiter in den grossen Industriezweigen repraesentieren. Unter dem Druck der Regierung wurden Streiks, die fuer den naechsten
Monat angesetzt waren, von den Sozialisten abgeblasen, die Kommunisten jedoch, die
etwa 30£ der organisierten Arbeiterschaft oder ungefaehr 500.000 Angestellte in
den betroffenen Industriezweigen repraesentieren, gaben bekannt, dass sie entschlossen seien, allein in den Streik zu treten.
"Als Erfolg dieser Massnahme wurden im ganzen Lande die kommunistischen Arbeiterfuehrer verhaftet, von denen sich etwa 1.000 in Gewahrsam befinden, und heute
wurde das Antistreik-Gesetz eingefuehrt. Inzwischen scheint in der kommunistischen
Partei eine innere Umwaelzung vor sich zu gehen. Eine Anzahl prominenter Parteimitglieder, einschliesslich des frueheren Generalsakretaers P.C. Joshi, sind ausgestossen worden. Es wird behauptet, dass die Entwicklung eine "Saeuberung" von
Elementen der "Bourgeoisie" in der Partei darstellt".
Anmerkung;

"The New York Times" 26. Februar 1949
Fuer das Transportgewerbe und die oeffentlichen Verkehrsbetriebe hatten
die Kommunisten fuer den 9. Maerz einen Sabotagestreik angesetzt, der
sich ueber ganz Indien erstrecken sollte. In Calcutta war ebenfalls
zu einem Streik aufgerufen vjorden jedoch erwies sich dieser wie jener
als ein Fehlschlag.

Die Bedeutung des vernuenftigen Denkens bei Arbeitsstreitigkeiten
Einige Tage lang wurde New York City von einem Streik der Arbeiter der
oeffentlichen Betriebe in der Elektrizitaetsversorgung bedroht. Der Streik kam
jedoch nicht zustande. Unter der Fuehrung von oeffentlichen Schiedsmaennern
blieben die Vertreter der Gewerkschaft und der Gesellschaft in der Verhandlung,
bis ein Abkommen erzielt wurde. Dieses Abkommen wurde voneiner New Yorker Tageszeitung in einem Artikel begruesst.
"Die Beilegung des drohenden Streiks gegen die Consolidated Edison Company
bewies offensichtlich eine Ruecksichtnahme beider Parteien auf einen dritten Faktor,
der von diesem Streit in Mitleidenschaft gezogen war, naemlich die Oeffentlichkeit.
V/ir sind der Meinung, dass sowohl die Gesellschaft wie auch die Gewerkschaft, der
Verband der Arbeiter der oeffentlichen Betriebe von Amerika (CIO), dafuer auf den
Dank und die Achtung des Staates Anspruch haben, dass äie einen Kompromiss im
Geiste des fair play geschlossen haben. Es handelte sich hier um eine Art von

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�Streik, der nicht stattfinden darf, da, wie Calvin Coolidge es einmal aussprach,
"fuer niemand nirgends und zu keiner Zeit das Recht besteht, gegen die Interessen
der Oeffentlichkeit zu streiken". Vom Standpunkt der Gewerkschaft aus bedeutete
der Kompromiss soviel, dass sie von ihrer urspruenglichen Lohnforderung auf etwa
die Haelfte heruntergegangen war. Fuer die Gesellschaft andererseits, deren
Einkuenfte ganz genau nach den Tabellen der Kommission fuer Oeffentliche Betriebe
festgelegt »lud, bedeutete es die Verantwortung fuer die Uebernahme von weiteren
6£ Millionen Dollar zusaetzlich zur Jahrealohnliste. Man kann dieser Verpflichtung nur gerecht werden entweder durch erhoehte Leistung und Sparsamkeit oder aif
Kosten der Aktionaere, oder durch beides.
"Wenn eine Gewerkschaft willens ist, anzuerkennen, dass die Moeglichkeiten
fuer eine Gesellschaft, ununterbrochenen Lohn-Forderungen gerecht zu werden, nicht
bis ins Unendliche gehen« wenn eine Firma sich ueber die Probleme ihrer Angestellten klar wird und in drastischer Weise Konzessionen macht, um sie zu loesen - dann
ist dies gewiss ein Fortschritt auf dem Gebiete der Beziehungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber."
"The New York Mirror " 3. Maerz 1949
Zweierlei Arten von Gewerkschaften in Italien
Von Rom aus, wo er sich mit den Arbeitsbedingungen und der Lage der Arbeiterschaft beschaeftigt hat ,zieht Allen L. Swim, der Redakteur der "The CIO News",
die in Washington als offizielles Organ des CIO herausgegeben werden, einen scharfen Trennungsstrich zwischen den kommunistischen und den nichtkommunistischen Gewerkschaften in Italien.
,
"Die Arbeiter in den von den Roten beherrschten Fabriken", erklaerte Swim,
"machen nur, was ihnen ausdrücklich zu tun anbefohlen wird - aber auch nichts
weiter. Sie bewegen sich wie ihre Maschinen, wenn man ihnen sagt, dies oder das
zu machen« dann stehen Sjle aber muessig herum, bis man ihnen wieder sagt, sie
sollen mit der Arbeit anfangen. Wenn ein besonderer Arbeitsgang erledigt ist,
dann stehen sie untaetig umher, bis man ihnen sagt, sie sollten etwas anderes tun.
Dieser Zustand beeintraechtigt natuerlich in hohem Masse die Produktion.
"Die nichtkommunistischen Arbeitsgruppen bilden - obwohl sie in verschiedenen
politischen Fragen auseinandergehen - eine starke Stuetze fuer den Mnrshallplan."
"Overseas American News Service" 3. Maerz 1%9.
Die Amerikanische Gesellschaft fuer ein
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Demokratisches Deutschland
Am 19. Februar fand in New York eine Versammlung von 300 prominenten Arbeiterführern und anderer Persoenlichkeiten statt, die an der Foerderung einer Weltdemokratie interessiert sind. Diese Versammlung war von der Amerikanischen Gesellschaft fuer ein Demokratisches Deutschland einberufen worden. Die hauptsaechlichsten Sprecher waren Charles M. Lafollette, der fruehere Militaergouverneur
fuer Wuerttemberg-Baden und George Silver, der frueher einen Posten bei der Manpower Division der Militaerregierung innehatte. Es wurde auch eine lange Botschaft verlesen, die Victor Reuther, der Leiter der Erziehungsabteilung des Verbandes der Vereinigten Automobilarbeiter von Amerika (CIO) der Versammlung hatte
zugehen lassen. Wir bringen nachstehend Auszuege aus den beiden Reden und aus
der Botschaft:
•
Aus der Rede Lafollettes
Der fruehere Gouverneur Lafollette erklaerte, dass die offizielle Politik

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�der Vereinigten Staaten Deutschland gegenueber gut sei und zog in diesem Zusammenhang folgende Saetze aus der offiziellen Brklaerung ueber die amerikanische
Politik an (Artikel II, Absatz 3):
"Das grundsaetzliche Interesse der Vereinigten Staaten in der ganzen Welt
ist auf einen gerechten und dauernden Frieden gerichtet. Solch ein Friede
kann nur verwirklicht werden, wenn in ganz Europa Verhaeltnisse geschaffen
werden, die von oeffentlicher Ordnung und Wohlstand getragen sind. Sin
geordnetes und wohlhabendes Suropa fordert den wirtschaftlichen Beitrag
eines stabilen und produktiven Deutschland, aber auch die notwendigen Einschraenkungsmassnabmen, um zu gewaehrleisten, dass in Deutschland nicht
wieder der destruktive Militarismus zum Leben erweckt wird.....
"Als positives Programm,das ein rasches Handeln erfordert, betreibt die
amerikanische Regierung die Schaffung politischer, wirtschaftlicher und
moralischer Verhaeltnisse, die geeignet sind, auf wirksamste Weise zur
Schaffung eines stabilen und wohlhabenden Suropa beizutragen."
Nach Lafollettes Meinung ist diese Politik eine gute, doch erinnerte er
die Amerikaner daran, dass noch viele Hindernisse aus dem Wege geräumt werden
muessten, bsror man Deutschland als produktiv und aufbluehend ansehen koenne»Er
sagte, dass die Deutschen an der Arbeit seien und dass Fortschritte erzielt werden. Sie brauchen Maschinen, aber auch gute Nahrungsmittel. Dann koennen sie
auch produzieren und exportieren.
"Manche Leute legen der Bedeutung dieser Notwendigkeit, zu exportieren, um
zu importieren, den Masstab an, dass sie hierbei an Maschinen, Investierungen,
Reparationen und "Fachwissen usw." denken. Ich sehe darin lediglich den Schweiss
und die Plackerei der Arbeiter. Arbeiter, aermlich gekleidet, die abends von
der Arbeit in ueberfuellte, unzulaenglich geheizte Haeuser zurueckkehren und bereits vor Tagesanbruch aufstehen, um wieder an die Arbeit zu gehen, um Waren zu
produzieren, damit sie und andere Deutsche essen koennen. Das ist keine Propaganda fuer den "armen, seinem Broterwerb nachgehenden Deutschen". Das ist ein Wortgemaelde, das jedermann, der ueber genuegend Einbildungskraft verfuegt, die Probleme der anderen Mitmenschen zu verstehen, sehen muss. Vom egoistischen Standpunkt aus bildet die Faehigkeit, das Los ganz Westeuropas zu verstehen, sich zu
vergegenwaertigen und zu erfuehlen, den Schluessel zum Erfolg oder Fehlschlag
unserer Arbeit in Deutschland und auch in Westeuropa in bezug auf den MarshallPlan".
Aus der Rede George Silvers
"Die meisten Menschen hofften, dass nach der Niederlage des Naziregimes der
Weg fuer das deutsche Volk frei sein wuerde, um sich auf den Wiederaufbau seiner
Wirtschaft und den Umbau seines politischen und sozialen Lebens auf demokratischer
Basis konzentrieren zu koennen. Offenbar waren aber nicht alle Kraefte in Deutsehland dieser Aufgabe gewachsen.
"Aber der deutsche Arbeiter machte sich sofort ans Werk. Trotz seiner mageren Kost und der wertlosen Reichsmark, die den Enfeelt seiner Arbeit bildete, verstand er es, die zerstoerten Staedte, Fabriken, Elsenbahnen und Haeuser wiederaufzubauen und leistete Erstaunliches. Gleichzeitig aber drang er auf eine
gruendliche Entnazifizierung und beteiligte sich in einem Masse daran, wie dies
die Gesetze und Direktiven, die er allerdings nicht formuliert hatte, zuliessen.
Er bestand auf demokratischen Formen und zuverlaessigem Personal bei der Regierung. Er suchte das Gift der Nazi-Ideologie auszumerzen, wo es sich auch zeigen
mochte.
"Der deutsche Arbeiter hegt e|n grosses Misstrauen gegenueber den alten

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�Nazibeamten, und wenn es nach ihm ginge, dann wuerde er in den könnenden Jahren
sich eifrig damit befassen, mit allen Resten und Truemmern aufzuraeumen. Er
duldet es nicht, dass die Finanz- und Industriegewaltigen des Krieges wieder
ihre alten Machtpositionen einnehmen und wird es auch nicht dulden.
"Ungluecklicherweise ist es aber dem deutschen Arbeiter nicht moeglich,
seine ganze Zeit und Energie auf einen demokratischen Wiederaufbau zu konzentrieren, denn dies ist eine ungeheure Aufgabe. Es kommt noch hinzu, das« er einerseits stejendig dem starken Druck, der von den alten Industriemagnaten ausgeht,
begegnen muss, andererseits aber auch der Bedrohung durch eineineuen Despotismus, den neuen Totalitarismus" aus dem Osten.
"Die Arbeiter von Berlin sind es, die den Versuchen der Kommunisten, geatuetzt auf die Sowjetbajonette und die Konzentrationslager, die vo11staendige
politische Vorherrschaft zu erlangen, Widerstand entgegensetzen. Die Arbeiter
von Berlin sind es, die die Versuche der Sowjets bekaempften, die voBstaendige
Kontrolle ueber die Gewerkschaftsbewegung zu gewinnen, und die in der Stunde
der Gefahr sich von der Bewegung abspalteten, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren.
Dieselben Arbeiter sind es, die den sowjetischen Plan, die Westmaechte aus Berlin
zu vertreiben, durch einen Generalstreik zunichte machten. Diese Arbeiter sind es
die die letzten Wahlen in Berlin moeglich machten, in denen der Wille und die
Entschlossenheit der Stadt zum Ausdruck kam, eine demokratische Regierung und eine
freie Lebensweise beizubehalten»
"Dennoch stellen diese wirklichen Freunde der Freiheit allzuhaeufig fest,
dass diejenigen, auf deren Verstaendnis und ünterstuetzung sie sich verlassen,
ihre Bemuehungen, ihr Programm und Ihre Bestrebungen zu verwirklichen, diese
ignorieren und sogar hemmen. Es besteht die Gefahr, dass, wenn manche Praktiken,
wie sie momentan von der Militaerreglerung verfolgt werden, beibehalten werden,
der deutsche Arbeiter sich in seinen Illusionen enttaeuscht sieht und unsere ehrlichen Absichten anzweifelt. Es koennte sogar der Fall eintreten, dass er gegen
das opponiert, was ihm als Demokratie hingestellt wird."
Aus der Botschaft Victor Reuthers
Nachdem er seinem Bedauern darueber Atsdruck verliehen hatte, dass es ihm
seihe gewerkschaftlichen Verpflichtungen in Detroit nicht gestatten, auf der
Versammlung in New York zu erscheinen, aeusserte sich Reuther in seiner Botschaft
zu seinem kuerzlichen Besuch, den er den europaeischen Laendern abgestattet hatte
und ueber seinen kurzen Aufenthalt in Berlin.
"Und ueberall habe ich Europaer getroffen, die folgende Fragen an mich
richteten»
Wird Amerika seine grosse Macht und seinen geialtigen Reichtum im Rahmen des
Marshall-Plans weise einzetzen....Oder wird es versuohen, die Energien und Hoffnungen der europaeischen Bevoelkerung nach amerikanischen Vorbild In eine Form
des freien Unternehmens zu zwaengen Im Austausch gegen die wirtschaftliche Hilfe,
die Europa haben muss, um am Leben zu bleiben.
Werden wir der europaeischen
Demokratie den Todesstoss versetzen und Europas Zukunft dem Kommunismus oder einer
wiederauflebenden Nazibewegung ueberantworten. Oder werden wir uns zurueckzlehen
nachhause gehen und Europa In seinem Chaos sitzen lassen, wie wir es nach dem
ersten Weltkrieg getan haben, bis unsere Jungens wieder in Italien, in Frankreich
oder sonstwo landen muessen.
"Das sind praktische Fragen, so praktisch wie wohl irgend welche Fragen
unserer Innenpolitik, denn der Marshallplan und unsere deutsche Besatzungspolitik
ist in Gefahr. Diese ist durch die Wirrnisse unserer eigenen Europapolitik ebenso bedroht wie durch einen Strom drohender kommunistischer Bemuehungen, sie in
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�Misskredit zu bringen oder sie zu verhindern...."
Reuther erklaerte, dass es die Arbeiter Deutschlands seien, *ie v;irkliche
»Freunde der Demokratie sind, und er bedauerte, dass diese Tatsache nicht genuegend anerkannt wird. Er gab seiner Achtung vor den Gewerkschaften in Baiin und
in den Westzonen Ausdruck. Er betra-chtete die Berliner Politik der restlichen
Alliierten als die fuer die westliche Demokratie entscheidende. Er nannte Berlin den "Vorposten der Freiheit". "Aber", fuegte er hinzu, "wir muessen ebenso
klug sein wie wir fest bleiben muessen". Und wir muessen auch in bezug auf den
M^rshall-Plan klug sein, der dazu dienen kann, "entweder eine wirtschaftliche
Grundlage fuer einen dauerhaften Friöden zu schaffen, oder der dazu benutzt
werden kann, Millionen Dollars der Steuerzahler in den tiefsten Abgrund zu werfen, der jemals in der Geschichte der Menschheit existierte."
Aus der Versammlung der "American Association for a Democratic
Germany".
Frankreich braucht neue Arbeit3kraefte
Frankreich braucht nicht nur neue Arbeitskraefte, sondern es muss auch
neue Quellen fuer Rohmaterialien ausfindig machen. Der BevoelkerungsZuwachs
des Landes ist nicht gross genug gewesen, um dem Bedarf an Arbeitskraeften in
Frankreich gerecht zu werden. Frankreich ist ein eigenartiges Land im Vergleich
zu den uebrigen Laendern Europas. Seine Bevoelkerung ist ein Jahrhundert lang
verhaeltnismaessig gleich gross geblieben und ist es jetzt laenger als eine
Generation teieder. Dieselben Probleme existieren uebrigens auch in den franzoesischen Kolonien; auch dort herrscht ein Mangel an Arbeitskraeften.
Jedoch ist Frankreich in bedeutendem Masse mit Rohmaterialien gesegnet. Ein
Oelvorkommen im Bordeauxbecken wird entwickelt. Grosse Kohlenlager bestehen auf
Madagaskar, einer franzoesischen Kolonie, und wenn die Bergwerke ausgebeutet v/erden, wird sich der Ertrag auf 2 Millionen Tonnen oder noch mehr im Jahre belaufen.
Auf Neu-Kaledonien, einer anderen franzoesischen Besitzung, sind grosse Nickelvorkommen, und in Franzoesisch-Marokko kommen grosse Mengen an Mangan vor, das fuer
die franzoesische Industrie so notwendig ist»
Diese ausgedehnten Hilfsmittel koennen nur entwickelt v/erden, wenn Frankreich
von der Marshall-Plan-Hilfe klug Gebrauch macht. Die Monnet-Planungsgruppe hat
ein Programm entworfen, um von dieser Hilfe richtig Gebrauch zu machen. Es werden
wenigstens 300.000 neue Arbeiter benoetigt, die bis 1952 verfuegbar sein muessen.
"In Aequatorial-Afrika koennen z.B. die Bergwerksgesellschaften nicht einmal
in den Konzessionsgebieten Schuerfprogramme durcnfuehren, weil die Arbeitskraefte
hierfuer ihrer laufenden Taetigkeit entzogen werden wuerden. Es ist den Unternehmern im Strassenbau und im oeffentlichen Bauwesen nicht moeglich, die erforderlichen Arbeitskraefte zu bekommen. Jedoch in der Hoffnung, dass sich mit
Hilfe der anderweitigen ueberbeveolkerten Gebiete irgendeine Loesung fuer dieses
Problem finden lassen wird, ist Frankreich jetzt intensiv auf der Suche nach
sowohl neuen arbeitskraeften als auch nach neuen Rohstoffquellen.
"The New York Times" 7. Maerz 1949
Englische Soccers (Fussballer) drohen mit Streik
In den Vereinigten Staaten ist Baseball das volkstümlichste Spiel; Baseball
ist aber auch ein grosses Geschaeft. Gewisse Baseballspieler haben den Versuch
unternommen, eine Gewerkschaft zu bilden, es scheint dafuer aber wenig Interesse
zu bestehen. Dieselben Verhaeltnisse scheinen aber in England nicht zu bestehen,
VJO das volkstuemliche Spiel "Soccer" ist. (Ein Fusabnllspiel, bei dem der Ball

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�nicht mit der Hand beruehrt werden darf). Dort haben die 88 Soccer-fereine eine
Gewerkschaft, die nach einem Bericht vom 4. Maerz aus London ueber den Streik
abstimmen will. Wenn der Streik tatsaechlich zustande kommt, dann deshalb, um
die Forderung nach einem Pensionsplan und einer neuen Vertragsart zu unterstuetzen, derzufolge es den Spielern gestattet sein soll, von einem Verein zu einem
anderen ueberzuwechseln.
Vor zwei Jahren rief die Gewerkschaft zu einem Streik auf, der aber durch
das Eingreifen der Regierung in Form einer Einsetzung eines Landesschiedsgerichts
verhindert wurde. Diesmal bittet der Verband die Regierung, ihm bei der Ausarbeitung eines neuen Vergleichs behilflich zu sein. Die Gewerkschaft hat den Vorwurf erhoben, dass zuviel Geld aus den Einkuenften der Fussball-Verein? dazu
benutzt wird, um in Schottland und Irland Spieler zu engagieren.
Der durchschnittliche ''fochenlohn eines berufsmaessigen Soccer-Spielers betraegt &gt;32 und die durchschnittliche "Spiellaufbahn" eines Soccer-Kaempfers dauert etwa 7 Jahre. Die Gewerkschaft fordert ein Pensionssystem, wonach fuer
Spieler, die sich zur Ruhe setzen, Betraege beiseitegelegt werden sollen, die
ungefaehr 25t vom Jahreslohn ausmachen. Die Gewerkschaft ist der Ansicht, dass
eine Pension dem augenblicklichen System vorzuziehen waere, demzufolge Wohltaetigkeitsspiele fuer Spieler, die sich zur Ruhe gesetzt haben, veranstaltet werden.
"The New York Times" 5. Maerz 1%9
Die Frage der Sklavenarbeit in Russland
Am 7. Maerz billigten die Vereinten Nationen mit einem Abstimmungsergebnis
von 14 zu 3 einen Vorschlag, der vom T7irtschafts-und Sozialrat eingebracht worden
war, worin eine Untersuchung der Anklagen wegen der ausgedehnten Sklavenarbeitpraktiken in Russland gefordert wurde. Die beiden Sowjetdelegierten und die
Tuerkei enthielten sich der Stimme, und die polnische Stimme war in der Opposition.
Ebenfalls am 7. Maerz wurde Tom Englischen Gewerkschaftsbund (TÜC) ein
Bericht veroeffentlicht, in dem den Russen der Vorwurf gemacht wurde, dass aie
Sklavenarbeitslager in den Uranbergwerksgebieten Ostdeutschlands unterhielten.
Der Bericht des TÜC gruendete sich auf die kuerzlichen Beobachtungen und Pruefungen zweier englischer Gewerkschaftler, die "estdeutschland besucht hatten,
Diese Sewerkschaftsvertreter, Robert Willis, vom Druckerverband, und James
Bowman, vom Bergarbeiterverband, kamen zu ihren Ergebnissen, nachdem sie eine
grosse Anzahl Deutscher befragt hatten, die in den Uranbergwerken Zwangsarbeiter
gewesen spaeter aber aus Ostdeutschland .gefluechtet waren.
"New York Herald Tribüne" (Paris) 9. Maerz 1949
Franzoesischer Arbeiterfuehrer fordert Untersuchungen
in Venezuela
Auf einer Versammlung, der Internationalen ^rbeits-Organisation (ILO),
die vor kurzem in Genf stattfand, forderte Leon Jouhaux eine Untersuchung der
Klagen darueber, dass Gewerkschaftler in Venezuela verfolgt werden. Jouhaux,
der Fuehrer der nichtkommunistischen Arbeiterbewegung in Frankreich sagte, dass
der Organisation Berichte darueber zugegangen seien, die Regierung in Venezuela
Gewaltsmassnahmen gegen die Gewerkschaften ergriffen haette. Der polnische
Delegierte stellte die Forderung, dass die entsprechende riesolution auch auf
verschiedene andere Laender ausgedehnt v.'erden sollt- , die in einer Resolution
erwaehnt waren, die der eltgewerksch^ftsbund ( .TTU) vor kurzem den Vereinten
Nationen hatte zugehen lassen. Der Vorschlag Jouhaux1s wird Gegenstand einer
spaeteren Diskussion der ILO sein.
"The New York Herald Tribüne" (Paris), o. Maerz 1949
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�Der ECOSOC billigt Resolution ueber Gewerkschaftsrechte
Der Wirtschafts- und Sozial-Rat der Vereinten Nationen (ECOSOC) in Lake
Success nahm eine EntSchliessung an, die die Aufmerksamkeit all r Mitgliedstaaten auf die Bedeutung des Schutzes der Gewerkschaftsrechte lenkte.
Die von Neuseeland eingebrachte Resolution wollte auch die Aufmerksamkeit
auf die Prinzipien lenken, wie sie in diesem Zusammenhang im 194.8er Abkommen
ueber die Koalitionsfreiheit und den Schutz des Rechts auf Organisierung niedergelegt sind^- das von der Internationalen Arbeits-Organisation (ILO) angenommen
worden war. Die Berichte der ECOSOC-Debatte ueber die Verletzung der Gewerkschaftsrechte sollten an die ILO und die Kommission fuer Menschenrechte weitergeleitet werden.
Vor der Abstimmung ueber die Resolution Neuseelands verwarf der Rat eine
sowjetische Resolution, derzufolge der Bat eine Anzahl arbeiterfeindliche Anklagen, die der Weltgewerkschaftsbund (WFTO) gegen verschiedene Laender vorgebracht hatte, entgegennehmen sollte.
Bei der Abstimmung ueber die sowjetische Resolution wurde diese vom Rat
mit 13 gegen 3 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt, wobei nur Sowjetrussland, Weissrussland und Polen fuer die Resolution eintraten.
Bei der Annahme des Vorschlages Neuseelands stimmte der Rat mit lk gegen
3 Stimmen bei einer Stimmenthaltung.
Vordem hatte heute der amerikanische Vertreter Leroy Stinebower darauf hingewiesen, dass der WFTO durch Ignorierung der Verletzung der gewerkschaftlichen
Rechte hinter dem "Eisernen Vorhang", andererseits aber durch Anspielung auf
anderweitige Uebergriffe, einzig sein Interesse fuer eine "kommunistische politische Propaganda" zum Ausdruckfeebrachthatte.
Waehrend der Debatte im Rat ueber die Verletzung der gewerkschaftlichen
Rechte beschuldigte ein Vertreter des WFTO Argentinien, Birma, Chile, Brasilien,
Aegypten, Griechenland, Indien, den Iran, die libanesische Republik, Portugal,
Spanien und Suedafrika, dass sie verschiedene Zwangsmassnahmen anwenden, um die
gewerkschaftlichen Rechte zu unterdruecken. Er setzte sich dafuer ein, dass der
ECOSOC unter Mithilfe des WFTO, "wirksame Aktionen" einleiten sollte, um diese
Situation zu bereinigen.
Die Vertreter Chiles, Brasiliens, Indiens, der Republik Libanon, Griechenlands, Aegyptens, Perus und Argentiniens hatten ganz oder teilweise die gegen
sie vom WFTO vorgebrachten Anschuldigungen widerlegt.
Unter Hinweis darauf, dass die Vereinigten Staaten die "Richtigkeit der
Anschuldigungen des WFTO weder bestaetigen noch in Abrede stellen", draengte
Stinebower darauf, dass die Angelegenheit der ILO "als der sachkundigen und erfahrenen Stelle zugeleitet werden solle, die von den Vereinigten Staaten als diejenige Organisation anerkannt wird, die die Gerichtsbarkeit ueber solche Fragen
hat."
Diese Empfehlung bewegt sich auf einer Linie mit der Ankuendigung des Leiters
der ILO, David A. Morse, dass das Arbeitsgremium die Lage der Gewerkschaftsbewegung in verschiedenen Laendern auf ihrer naechsten Sitzung im Juni behandeln wnerde. Unter Beruecksichtigung der ECOSOC-Debatte wies Morse darauf hin, "dass man
erwarten koenne, dass der ECOSOC im Laufe der naechsten paar Jochen die Angelegenheit der ILO ueberweist, deren Gerichtsbarkeit sie ganz klar untersteht."
Dr. Julius Katz-Suchy, der Delegierte Polens, meinte, der WFTO haette es
verabsaeumt, den "offenkundigsten Verletzer der Gewerkschaftsrechte - die Vereinigten Staaten - auf seine Liste zu setzen. Er stellte die Rolle, die, wie er

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1A

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�sagte, die Gewerkschaften in Polen und anderen "Volksdemokratien spielten, im
Gegensatz zu der angeblichen Unterdrückung der Arbeiterrechte in den Vereinigten Staaten, Chile, Griechenland, Indien und anderen Laendern heraus.
Der polnische Delegierte zitierte dann die Kritik der AFL an manchen Punkten des Taft-Hartley-Gesetzes, dessen Revision der amerikanische Kongress staendig in Erwaegung zieht. Kr meinte, dies waere ein Beweis fuer die kapitalistische Ausbeutung der Arbeiterschaft und draengte darauf, dass der ECOSOC die sowjetische Resciition zur ünterstuetzung der Anklagen des WFTÜ gegen andere Laender
billigen solle.
Stinebower antwortete darauf, dass die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten
die Freiheit der Gewerkschaften garantieren, am besten in ihrem Recht, die Regierung zu kritisieren, zum Ausdruck kaeme. Er hob hervor, dass sich die amerikanischen
Arbeitergewerkschaften "frei an den Debatten im Kongress ueber Revisionen in der
amerikanischen Arbeitergesetzgebung beteiligen koennten."
"Im Gegensatz bferzu," fuhr Stinebower fort, "sind gewerkschaftliche Rechte
bedeutungslos oder noch schlimmer, daran, wenn die Verbaende vom Staate kontrolliert, beherrscht oder dem Staat dienstbar sind. Eine Arbeitergewerkschaft in
einem von Kommunisten beherrschten Lande unterscheidet sich kaum von den Arbeitsfront in Nazideutschland." Hinter dem "Eisernen Vorhang", sagte er, "ist eine
Gewerkschaft ein bewaehrtes Werkzeug, um noch mehr Arbeit aus jedem einzelnen
Arbeiter herauszupressen und um jeden Beweis der Unabhängigkeit des Denkens,
des Wortes oder der Tat zu beseitigen." Den Arbeitern in den kommunistischen
Laendern werden alle solchen wesentlichen und spezifischen Rechte, wie das
Streikrecht, das Recht der freien Verhandlung und das Recht die Politik der Gewerkschaft und der Regierung zu kritisieren, verweigert, sagte er.
Stinebower bemerkte, dass sich aber das Anklage-Memorandum des WFTÜ ueber
den "sowjetischen Prototyp der nazistisch-faschistischen Arbeitsfront" wie auch
ueber die aeusserst straffe Ausrichtung der Arbeiterschaft in Polen, Albanien,
Ungarn, Weissruäsland und anderen sowjetischen Satellitenstaaten "ausschweige".
Er schloss, indem er sagte, der WFTÜ muesste damit einverstanden sein, dass das
Problem der ILO unterbreitet wird, "wenn der WFTU uns wirklich glauben machen
will, dass es ihm mit den Behauptungen Ernst ist und er nicht nur unnoetig
unsere Zeit mit einer boesartifcen Propaganda vergeuden will."
Roland Lebenau (Belgien) hob hervor, dass bis jetzt eine international
angenommene Definition des Begriffs Gewerkschaftsrechte nicht existiere. Gesetzmaessig koennte daher der ECOSOC nicht empfehlen, dass Mitgliedsstaaten die
gesetzmaessige Durchfuehrung der Gewerkschaftsrechte festsetzen. Dies wuerde
bloss auf die Forderung hinauslaufen, eine nationale Gesetzgebung zu erzwingen.
Der belgische Delegierte erklaerte sich Jedoch mit dem amerikanischen Vorschlag
und gleichzeitig mit dem auf gleicher Linie liegenden Tsil der Resolution Neuseelands einverstanden, und empfahl die ganze Angelegenheit der ILO als der
einzigen kompetenten Stelle auf diesem Gebiet zu ueberweisen..
Amerikanisches Aussenministerium
"Radio Bulletin" 8. Maerz 1949
Der Wiederaufstieg Finnlands wird als ein
Wunder bezeichnet
Trotz zweier Kriege und gewaltiger Reparationskosten, trotz seines Gebietsverlustes und der 400.000 Verschleppten hat Finnland in seinem 7/iederauf stieg
grosse Fortschritte gemacht. Hier sind einige Kennzeichen fuer den Fortschritt
Finnlands; (l) Die Bevoelkerung bekommt mehr Lebensmittel als jemals zuvor seit
1939. (2) Die Industrieproduktion lag 1948 um 25^ hoeher als 1947 und 10$ hoeher
als im Jahre 1938. (3) In gewissen Industriezweigen besteht ein Mangel an Arbeitern.
-

15

-

�Wie in anderen nordischen Laendern, so haben auch in Finnland die Gewerkschaften
zusammen mit den Arbeitgebern und der Regierung daran gearbeitet, einen Arbeitsfrieden zu schaffen und soweit wie moeglich die Wirtschaft Finnlands wieder auf
den Vorkriegsstand zu bringen. Das Parlament gab der Regierung Vollmachten, eine
Stabilitaet in Preisen und Loehnen zu schaffen, indem Methoden angewendet warden,
die vom freundschaftlichen Ratschlag an die Arbeitgeber und Arbeitnehmer bis zur
scharfen Regierungskontrolle gehen.
"So gelang es z.B. der Regierung, die Lebensmittelpreise zu senken, indem
sie grosse Mengen daenischer Butter und Eier, sowie Rindfleisch aus Argentinien
einkaufte. Importierte Lebensmittel werden, soweit dies moeglich ist, in G-efrierhaeusern gelagert und die fuer den Verkauf an die Verbraucher freigegebenen Mengen
richten sich nach den Preisverhaeltnissen. Die Lebensmitteleinfuhr ist eine entscheidende und maechtige T7affa in den Haenden der Regierung und ermoeglicnt es ihr,
die Probe niedrig zu halten und unnoetige Umstellung in der Industrie Finnlands
zu vermeiden.
Die augenblickliche Lage Finnlands wurde zusammenfassend in einem Interview
vom Premierminister K.A. Fagerholm zusammengefasst, der der Fuehrer der Finnischen
Sozialdemokratischen Arbeiter-Partei ist. Er v;ies darauf hin, dass sich die .Virtschaft Finnlands im letzten Jahr gefestigt habe, d-*ss sich die Devisenreserven verdoppelt haetten und dass es der Regierung moeglich gewesen sei, manche Steuern bis
auf 50' zu senken."
"The New York Herald Tribüne" (Paris) 8.Maerz 49

- 16 -

Manpower Division
0MGU3, APO 742

OMOUS, S-nki,

I&gt;MJ, Mar U9, 7 3/U 0

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUHGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wonach werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 6

Berlin, 1. April 1&lt;*9

DIE VEREINTEN NATIONEN SOLLEN UNTERSUCHUNGEN
UEBER SKLAVENARBEIT ANSTELLEN
Mit Opposition der Sowjets hat der Wirtschafts- und Sozial-Rat der Vereinten
Nationen (ECOSOC) die Internationale Arbeits-Organisation (ILO) gebeten, Untersuchungen ueber das Problem der Sklavenarbeit, insbesondere hinter dem "Eisernen
Vorhang", durchzufuehren. Das Abstimmungsergebnis war 14 zu 3, wobei sich Polen
Weissrussland und der Sowjetunion in der Minderheit anschloss.
Die Resolution, die urspruenglich von der AFL ausging, richtete sich in
erster Linie gegen Russland und erhob den Vorwurf, dass Millionen von Menschen in
diesem Lande in Sklavenlagern schwerste Arbeit verrichten muessen. In einer Resolution Sowjetrusslands war der Weltgewerkschaftsbund als diejenige Organisation
bezeichnet worden, die die Untersuchungen durchfuehren sollte. In dieser Resolution waren wohl verschiedene westliche Laender genannt, in denen die Untersuchungen durchgefuehrt werden sollten, aber Laender des "Eisernen Vorhangs" wurden hierbei nicht erwaehnt. Die Resolution der Sowjets wurde bei der Abstimmung mit 15 zu
3 Stimmen abgelehnt.
Die Resolution besagt, dass:
"nach Kenntnisnahme von einem Memorandum ueber die Untersuchung von Zwangsarbeit und ueber Massnahmen zu ihrer Abschaffung, wie es von der AFL eingebracht
wurde
"in der Ueberzeugung, dass es wuenschenswert ist, dass die Anklagen betreffs
Zwangsarbeit, die im Laufe der jetzigen Debatte vorgebracht wurden, unparteiisch
untersucht werden,
tinter Berücksichtigung der Tatsache, dass internationale Bestimmungen in
der Frage der Zwangsarbeit von der ILO akzeptiert worden sind,
'Im Hinblick darauf, dass sich die Mitglieder der Vereinten Nationen lt.
Artikel 55 feierlich verpflichtet haben, allgemein die Achtung vor den menschlichen
Rechten und den grundsaetzlichen Freiheiten fuer alle und ihre Beobachtung und
Einhaltung zu foerdern,
"der ECOSOC die ILO bittet, dem Problem der Zwangsarbeit, ihrer Art und Ausdehnung im Lichte aller moeglichen Informationen Beachtung zu schenken, einschliesslich des Memorandums der AFL und der Protokolle ueber die Diskussionen im
Rat ueber diesen Punkt, die sie der ILO zu ueberweisen sich entschlossen hat;
"der ECOSOC den Generalsekretaer um enge Zusammenarbeit mit der ILO ersucht,
um die Arbeiten auf diesem Gebiete voranzutreiben,
"der ECOSOC ferner den Generalsekretaer ersucht, sich mit jeder einzelnen
derjenigen Nationen in Verbindung zu setzen, gegen die Anklagen wegen Sklavenarbeit erhoben wurden, und sich zu erkundigen, in welchem Masse diese bereit sind,
-

1

-

�sich an einer unparteiischen Untersuchung ueber die Verbreitung von Zwangsarbeit
in ihren Laendern zu beteiligen,
"ersucht der ECOSOC den Generalsekretaer, die ILO ueber die Fortschritte
in dieser Frage auf dem Laufenden zu halten und mit ihr darueber zu beraten, sowie auf der naechsten Sitzung des Rates einen Bericht ueber die Ergebnisse seiner
FueHungnahme und Beratungen abzugeben;

"der ECOSOC beschliesst, dass Memorandum der AFL und die Akten ueber die Diskussionen des Rates ueber diese Angelegenheit an die Kommission fuer Menschenrechte zusammen mit dem Entwurf der Vertragsklauseln in bezug auf die Menschenrechte zwecks Erwägung weiterzurejchen.
•
Amerikanisches Aussenministeriun
"Radio Bulletin" 7. Maerz 1949
VERTRETER DER SCHWEDISCHEN UND ITALIENISCHEN ARBEITERSCHAFT
STUDIEREN INDUSTRIELLE EINRICHTUNGEN IN AMERIKA
Eine Gruppe von 12 fuehrenden schwedischen Arbeiterfuehrern sowie eine weitere,
bestehend aus 3 Italienern, kam gestern in New York an, um als Gaeste der Amerikanischen Regierung die amerikanischen Arbeitsbeziehungen, die ArbeitSTerhaeltnisse
und das Gewerkschaftswesen zu studieren. Sie kamen im Rahmen eines Sonderprogramms
des ECA hierher, in den vorgesehen ist, die industrielle Produktivitaet zu erhoehen
und den kommunistischen Einfluss auf die Arbeiterschaft in den haiftsaechlichsten
Marshallplan-Laen'lern zu bekaempfen.
Die Schweden landeten morgens mit einem Flugzeug der American Overseas Airlines aus Stockholm auf dem La-Guardia-Flughafen. Kurze Zeit darauf landeten die
Italiener in einem Transworld Flugzeug aus Rom. Beide Gruppen nahmen zeitweilig
im McAlpin-Hotel Aufenthalt.
Axel Strand, der Vorsitzende des Schwedischen Arbeiterverbandes und Fuehrer
der Delegation, erklaerte, dass die Gruppe im besonderen unsere Stahl-und Transport-Industrie studieren wuerde. Eine der Fragen, die sie besonders interessierte,
sagte er, sei die, wie es mit den amerikanischen Produktionsmethoden moeglich sei,
pro Arbeiter 2g mal soviel Stahl zu produzieren wie mit den schwedischen Methoden.
Die italienische Delegation wurde von Giulio Paatore, dem Generalsekretaer
des Freien Italienischen Allgemeinen Gewerkschaftwbundes gefuehrt, der sich von
der von den Kommunisten gefuehrten Mehrheit des Arbeiterverbandes in Italien abgesondert hatte. Kit ihm kamen Giovanni Canini, der 2. Generalsekretaer des Allgemeinen Arbeiter-Verbandes und Fuehrer der antiroten Minderheitsopposition dieser
Vereinigung, sowie Appio Rocchi, der Leiter' des Arbeiterausschusses der Italienischen Republikanischen Partei.
Pastore erklaerte spaeter den Reportern, dass die italienischen Arbeiter zu
Tausenden aus den Gewerkschaften ausgetreten sind, "weil sie der kommunistischen
Machenschaften muede seien". Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass man in Italien
einen Zusammenschluss aller nichtkoramunistischen Arbeitergruppen erreichen wuerde,
der dann den bedeutenderen Arbeiterverband darstellen wuerde. Zu diesem Zweck,
sagte er, seien er und seine beiden Kollegen nach hier gekommen, um die amerikanischen Arbeiterorganisationen zu studieren, die seiier Meinung nach den italienischen Gewerkschaften weit voraus seien.
Am Nachmittag besuchten die Italiener David Dubinsky, den Praesidenten des
3 r.ternationalen Damenbekleidungsarbeiter-Verbandes.
In der naechsten ''fache werden italienischen Besucher die Arbeitsmethoden des
ILG.VU und des Textilarbeiter-Verbandes in New York, sowie des Verbandes der Vereinigten Bekleidungsarbeiter in Paterson, New Jersey studieren. In der 'oche
darauf werden sie sich nach Vashinston begeben und von da aus nach den Industrie-

�gebieten des Ostens.
"The New York Times" 12.-Maerz 1949
DAS ERP UND DIE SCHWEDISCHE ARBEITERBEWEGUNG
In seiner Ansprache zur Begruessung einer Gruppe schwedischer Arbeiterfunktionaere, die nach Amerika gekommen waren, um die industriellen Produktionsmethoden zu studieren, erklaerte Paul G. Hoffman, der Leiter des Verwaltungsausschusses fuer das ERP« "Die ".'eltraussvon 2 Dingen befreit werden - einmal vom
Krfege und zweitens von der Furcht vor dem Kriege...." Er sagte, "wenn sich die
freien Voelker vereinigen und vereint bleiben", dann brauche man keine Furoht
vor Angreifern zu haben.
"Keine freie Nation", sagte Hoffman, "ist jemals eine angreifende Nation.
Das Volk fuehrt keine Krieg. Das tun Diktatoren. Diktatoren stellen immer eine
Bedrohung dar. Um sich selbst an der Macht zu halten, muessen sie dauernd Vorwaende und Entschuldigungen parat haben, um ihr Volk versklaven zu koennen, und
um ihrem Volk weismachen zu koennen, dass er durch eine angriff von aussen her
bedroht wird....
"Wir haben nur eine aggressive Nation, die eine Gefahr darstellen koennte...
und das ist Russland...". Er erMaerte, dass die freien Voelker ueber den groessten Teil der Weltvorraete an Stahl, Oel, Schiffsraum verfuegen, also ueber die
materiellen Vorteile, die geeignet sind, den Vorstoss eines Angreifers zum "cheitern zu bringen. Die Einigkeit der freien Voelker kommt in solchen wechselseitigen Besuchen zum Ausdruck.
Axel Strand, der Leiter der schwedischen Gewerkschaftsgruppe, sagte, d'iss
die schwedischen Arbeiter von der Bedeutung des J'arshall-rians ueberzeugt seien.
Sie wissen, dass der Plan von groesster Dichtigkeit ist, um den wirtschaftlichen
Wiederaufbau Suropas zu entwickeln." Strand fuegte hinzu, dass rier Besuch der
schwedischen Gewerkschaftier "uns eine Gelegenheit bietet, mit unseren Kollegen
in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zusarinenzukommen und mit ihnen Angelegenheiten von gemeinsamen Interesse zu besprechen."
Beim Empfang in "'ashington waren ~rbeiterfuehrer vom CIO, von der AFL, von
den Eisenbahner-Verbaenden und vom Maschinenarbeiter-Verband anwesend. In den
verschiedenen Staedten, die sie besuchen werden, werden die delegierten Gaeste
verschiedener Gewerkschaften sein
"Overseas American News Service" 14. Maerz lc,49
EIN KLEINER STREIK. DER GROSSES AUFSEHEN ERREGTE
Ein Streik, der von 240 Arbeitern der beiden katholischen Friedhoefe in New
York City gefuehrt wurde, wurde am 12. Maerz beigelegt. Auf einem Friedhof hatten
die Arbeiter genau zwei Monate lang gestreikt, der Streik der anderen Gruppe hitte
einen Monat gedauert. Aber selten hat ein kleiner Streik groesseres Aufsehen in
der Oeffentlichkeit erregt wie dieser.
Am 4. Ilaerz wurde der Streitfall zum Thema der Titelseite in den 'eitunpen,
als sich Kardinal Spellman von New York an die Spitze einer Gruppe von freiwilligen Studenten aus dem Seminar stellte, das von ihm geleitet wird. Mehrere Hundert
Leichen warteten auf ihre Bestattung. Er rief Freiwillige auf, und 100 Studenten
griffen zur Schaufel und folgten dem Kardinal auf die Friedhoefe. '.'ehrere Tage
lang leisteten etwa 100 Seminaristen diese freiwillige .^rbeit. Die Streikenden
beliessen ihre Streikposten auch weiterhin auf den Friedhoefen.
Die S reikenden hatten eine 5-Tage-Woche zu 40 Stunden gefordert mit rer
4

gleichen Bezahlung wie fuer eine 6-Tage-Woche. Fuer Sonnabendarbeit und Ueberstunden wollten sie das Anderthalbfache haben. Dies haette- eine Lohnerhoehung
von 359.40 auf etwas mehr als $70 pro Woche zur Folge gehabt. Darauf wollte rler

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�Kardinal aber nicht eingehen. Ausserdem weigerte er sich, mit einer Gewerkschaft
zu verhandeln, von der behauptet wird, sie stehe unter kommunistischem Einfluss.
Zu dieser Zeit war dar Verband der Friedhofsarbeiter noch dem Verband der Nahrungsmittel-, Tabak- und LandwirtSchafts-Arbeiter Amerikas (CIO) angeschlossen.
Am 5. Maerz versammelten sich, waebrend die 100 Seminaristen Graeber aushoben, 175 Streikende in der Naehe. Die gesamte Gruppe bestand aus Katholiken mit
Ausnahme von 3 Personen. Die Versammlung wurde mit dem Vaterunser, einem "Sei
gegruesst, Maria" und dem Arbeitergebet des Verbandes katholischer Gewerkschaftler
eroeffnet, das mit den Worten beginnt;" Herr Jesu, Zimmermann aus Nazareth, Du
warst ein Arbeiter wie ich...."Dann leisteten die 175 Streikenden einstimmig
den antikommunistischen Eid, nachdem sie vorher eine einstimmige Resolution angenommen hatten, in der sie die gewerkschaftszerstoerenden Taktiken jedes Arbeitgebers verurteilten, einschliesslich der katholischen Kirche, wenn sie als Arbeitgeber auftritt." In dieser Versammlung stimmte die Gewerkschaft ueber ihre Trennung von dem Verband der Nahrungsmittel-, Tabak-und Landwirtschafts-Arbeiter ab.
Mehrere Tage spaeter beschlossen die streikenden Friedhofsarbeiter, sich dem
Internationalen Verband der Gebaeudepfleger-Arbeiter, einer AFL-Organisation,
anzuschliessen. Von verschiedenen AFL-und CIO-Gewerkschaften waren Einladungen
an sie ergangen mit dem Ziel, die Friedhofs-Arbeiter als Kitglieder aufzunehmen.
Inzwischen waren die Frauen der Streikenden in diesem Streit nicht untaetig
geblieben. Ein Ausschuss der Frauen sprach beim Kardinal vor und machte den Vorschlag, die Angelegenheit sollte einer dritten Stelle zur Vermittlung ueberwiesen
werden. Der Kardinal lehnte diesen Vorschlag ab und sagte;" Sie hatten nichts,
was sie mir haetten bieten koennen und von mir aus ist es ihnen gegenueber dasselbe." Eine der Frauen sagte;" Der Kardinal war unnachgiebig und versprach weiter
nichts, als dass die Streikenden mit einer kleinen Lohnaufbesserung zur Arbeit
arueckkehren koennten, aber nicht als Gewerkschaftler....er will mit der Gewerkschaft nichts zu tun haben." Die Administratoren der katholischen Friedhoefe, die
den Streikenden eine 3^ige Aufbesserung angeboten hatten, boten nunmehr eine &amp;rhoehung um 8% an. Der Presse gegenueber aeusserte sich Kardinal Spellman;" Ich
tue etwas fuer die organisierte Arbeiterschaft. Aber aus der Tatsache dass eine
Gewerkschaft existiert, geht hervor,dass es nicht unbedingt eine gute Gewerkschaft
sein muss. Und wenn ein Streik ausgerufen wird, ist es noch nicht gesagt, dass er
gut ist."
Schliesslich wurde aber mit einem Funktionaer des Verbandes der Gebaeudepfleger-Arbeiter, der neuen KopfOrganisation der Friedhofsarbeiter, ein Abkommen
erzielt, Sie bekamen eine Lohnerhoehung von 8,3t, was einer Steigerung von 59.40 $
auf 64.35 $ entspricht. Der Kardinal war damit einverstanden, die Gewerkschaft
anzuerkennen," indem er seine frueheren Erklaerungen aufhob, wonach er es den
Maennern nur als Einzelnen gestatten wuerde, die Arbeit wiederaufzunehmen."
Dies war ein Sieg fuer die Streikenden. Sie gingen ihrer Forderung auf eine
5-Tage-7«Toche mit 40stuendiger Arbeitszeit verlustig und waren damit einverstanden,
weiterhin 48 Stunden zu arbeiten, doch einigten sie sich darueber, dass ein
Ausshhuss gebildet werden sollte, der ein Abkommen ueber die Arbeitsstunden ausarbeiten soll.
"The New York Times" 4.5.8.9. und 12. Meerz 1949
DIE ATOMENERGIE FUER FRI33LICHE Z7ECKE SROEFFNET "TEGE
FU5R NEUE BE5CEiEFTIGUNGSZ?,TEIGE
Nach Berichten des Arbeitsministeriums sind ungefaehr 70.000 Arbeiter direkt
in Atomenergie-Projekten taetig. Alle mit Ausnahme von etwa 5.000 sind fuer
Privatbetriebe taetig. Sie werden in mehr als 1.200 Werken, Laboratorien und anderen Einrichtungen in ganz ^merika die sich in privater Hand befinden, beschaeftigt.

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�Die meisten dieser Arbeiter werden mit irgendwelchen Forschungsarbeiten beschaeftigt und ein grosser Teil ihrer Taetigkeit erstreckt sich darauf, neue Wege
fuer die friedliche Anwendung der Atomenergie zu eroeffnen bzw. ausfindig zu machen. Es besteht ein weiterer Bedarf an Arbeitern auf diesem Gebiet, besonders
an Arbeitern, die eine Spezialausbildung genossen haben.
"Der Mangel an ausgebildeten und erfahrenen Leuten, um den Anforderungen in
der erweiterten Anwendung dieser fundamentalen Kraft gerecht zu werden, ist auf
vielen Gebieten akut. Darunter fallen Stellungen mit einem laengeren Dienstalter
fuer Wissenschaftler mit langjaehriger Erfahrung ueber den Akademikergrad hinaus.
Ausserdem besteht ein sehr ernster Mangel an Leuten, die sowohl in der Physik
wie auch in der Medizin zuhause sind. Besonders dringend benoetigt werden Kraefte
mit spezialisiertem Wissen in den Zweigen der Physik und Chemie, oder mit gleichzeitiger Ausbildung auf chemischen und biologischen Gebieten. Abgesehen davon
fehlt es an Ingenieuren mit Kenntnissen in der Kernphysik oder bestimmter chemischer Verfahren, deren Mangel sich besonders fuehlbar macht.
•Weitere Kraefte, die fuer das Programm gebraucht werden, sind; erstklassige
Schweisser, Gasdieselmechaniker, KeramikIngenieure, Metallurgen, KraftwerkIngenieure, Verfasser von wissenschaftlichen Berichten, die in der Lage sind, technische Berichte ueber Physik, Chemie oder chemisch-physikalischen Maschinenbau
vorzubereiten, abzufassen oder zu rezensieren, Zeichner mit Erfahrungen im Anfertigen von EinzelZeichnungen von Flugzeugmotoren-Einzelteilen, von Zubehoer und
Pruefgeraeten.
"Um den Mangel an Technikern und Wissenschaftlern zu beheben, verlieh die
Atomenergie-Kommission 247 Studenten akademische Grade fuer das Studienjahr
1948-1949." Diese Studenten werden in verschiedenen Atomenergie-Werken und
Laboratorien der Universitaeten arbeiten, studieren und mit der Kommission zusammenarbei ten.
Amerikanisches Aussenministerium
"Labor Information Bulletin" Feb.49
WIE DIE AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
EUROPA BEEINFLUSSEN
Eine der interessantesten Erweiterungen des politischen Einflusses Amerikas
seit Kriegsende iwt die Entstehung einer ganz neuen Art von Diplomatie - der
"Gewerkschafts-Diplomatie". Die Gewerkschaftsbewegungen in den einzelnen Laendern unterhielten zwar seit jeher internationale Beziehungen, aber viele von
ihnen haben keine staendige Vertretung im Ausland. Die amerikanischen Gewerkschaften haben dagegen solche Vertretungen.
Die American Föderation of Labour (AFL) hat ein Buero und einen "europaeischen Vertreter" in Bruessel sowie ein zweites Buero in Frankfurt, das die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland beobachtet. D ie .AFL ist auch
in Suedamerika ausserordentlich aktiv.
Auch der Rivale der AFL, der Congress of Industrial Organisation (CIO)
betaetigt sich im Ausland, aber da er sich dem veltverband der Gewerkschaften
bereits bei dessen Gruendung im Jahre 1945 anschloss, aeussern sich seine
internationalen Bestrebungen mehr in der herkoemmlichen Form von Versuchen, die
Einigkeit unter den Arbeitern der Veit zu foerdern.
Die AFL, die heute ueber sieben Millionen Arbeiter vertritt, wurde offiziell
im Jahre 1885 gegruendet. Sie bewegte sich von Anfang an auf der Linie der britischen Berufsgewerkschaften des 19. Jahrhunderts, das heisst der Organisierung
der Arbeiter nicht nach Industriezweigen, sondern nach den einzelnen Berufen.
Hauptsaechlich auf Anregung von John L. Lewis, dem Fuehrer der Vereinigten

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�Bergarbeiter-Gewerkschaft, wurde 1935 innerhalb der AFL ein "Ausschuss fuer Industrielle Organisation" gebildet. 1936 erklaerte die Leitung der AFL, sie
koenne diese "Meuterei" gegen ihre prinzipielle Auffassung des Gewerkschaftswesens in ihren eigenen Reihen nicht dulden, und schloss zehn Gewerkschaften
wegen ihrer Zugehoerigkeit zu dem neuen Ausschuss aus. 1938 konstituierte sich
der "Ausschuss fuer Industrielle Organisationen" als "Kongress der Industriellen
Organisationen", der seitdem ein mit der AFL rivalisierender amerikanischer Gewerkschaftsverband ist.
Der Weltgewerkschaftsbund
Die World Föderation of Trade Unions - der Weltgewerkschaftsbund - verdankte
ihre Entstehung den aus dem Krieg geborenen Freundschaften zwischen dem britischen
TÜC (Trade Union Council) und den sowjetischen Gewerkschaften. Daa Ideal, das den
Beteiligten bei der Gruendung vorschwebte, war die Vereinigung der organisierten
Arbeiter aller Laender in einem einzigen internationalen Gewerkschaftsbund. Aber
die AFL lehnte den Beitritt wegen ihrer ausserordentlich scharfen antikommunistischen Haltung ab und erklaerte, die sowjetischen Gewerkschaften seien keine"echten"
Gewerkschaften, sondern Vollzugsorgane der Sowjetstaaten. Die AFL stand nicht nur
abseits des Weltverbandes, sondern nahm von Anfang an eine aktiv feindliche Haltung
ein und tat ihre Absicht kund, diese "Schwindel-Internationale" zu zerstoeren, die
in Wirklichkeit nur eine Deckorgariisation fuer kommunistische Intrigen sei.
Frankreich und Italien
All dies aenderte sich durch die Gruendung des Kominform. Arthur Deakin,
der britische Praesident des Weltverbandes, bezeichnete es im September 1948 als
eine Organisation, die "sich zu nichts als einer Plattform der Sowjetpolitik entwickel" habe.
Durch den Verfall des Weltverbandes hat sich die politische Bedeutung der
internationalen Taetigkeit der AFL gewaltig erhoeht. In Frankreich hat sich eine
antikommunistische, von Leon Jouhaux geleitete Gruppe von der ueberwiegend kommunistischen CGT (Confederation Generale de Travail) abgesplittert und sich als unabhaengige Foröe Ouvriere etabliert. M. Jouhaux1 Force Ouvriere bezeichnet sich
als eine rein franzoesische, im Gegensatz zum Kommunismus stehende Gewerkschaftsbewegung. Eine aehnliche antikommunistische Gewerkschaftsgruppe hat sich von dem
kommunistisch geleiteten italienischen Gewerkschaftsverband abgespalten....
Die kommunistische Taktik
Die AFL hat den Marshall-Plan von Anfang an nachdruecklich unterstuetzt und
eine energische Propaganda durchgefuehrt, um die amerikanische Oeffentliche Meinung
dafuer zu gewinnen. Auch der CIO unterstuetzte den Plan,
Innerhalb weniger Monate nach Marshalls beruehmter Harvard-Rede wirkte sich
diese Initiative bereits in Europa aus. Die Gewerkschaften der Westlaender, so
erklaerte die AFL, sollten sobald wie moeglich eine Konferenz einberufen, um den
Marshall*-Plan und die Rolle, die die Gewerkschaften dabei zu spielen haetten, zu
eroertern. Die Schwierigkeit bestand jedoch darin, dass die meisten europaeischen
Gewerkschaftsbewegungen dem V/eltverband angeschlossen waren, in dessen Leitung
die Kommunisten die Majoritaet errungen hatten.
Im November 1947 stellte der britische TUC gemeinsam mit dem amerikanischen
CIO den Antrag, dass das Verhaeltnis der Gewerkschaften zum Marshall-Plan formell
von der Leitung des Weltverbandes behandelt werden solle. Die Kommunistischen
Gewerkschaften versuchten Zeit zu gewinnen, indem sie alle moeglichen "technischen" Hindernisse als Grund fuer ihre Verzoegerungstaktik vorschoben.
Im Fruehjanr 1948 verlor der TUC endlich die Geduld und beschloss, eine
Konferenz aller den Marshall-Plan unterstuetzenden Gewerkschaftsbewegungen, ob

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�sie dem Weltverband angehoerten oder nicht, nach London einzuberufen....'.
Im Maerz 1948 fand die Londoner Konferenz statt. Zum erstenmal in der Geschichte der amerikanischen Gewerkschaften sassen hier Vertreter der beiden revalisierenden Lager um einen internationalen Konferenztisch; es war der Beginn einer
neuen Epoche der Zusammenarbeit.
Kampf um die Fuehrung
Im Juli 1948 fand in London eine zweite Gewerkschaftskonferenz fuer den Marshall-Plan statt; hier wurde die Einigkeit der amerikanischen Arbeiterschaft bezueglich Europas erneut betont durch die Teilnahme von Vertretern nicht nur der
AFL und des CIO, sondern auch der unabhaengigen Bergarbeiter-Gewerkschaft und der
Eisenbahner-Bruederschaften. Die Verwirklichung einer neuen Gewerkschafts-Internationale rueckte einen Schritt naeher durch die Verstaerkung des "Ausschusses
fuer den Marshall-Plan", an dem nur die westlichen Gewerkschaften teilnehmen, und
die Einsetzung eines staendigen Bueros dafuer in Paris.
Ausser in Frankreich und Italien sind die westeuropaeischen Gewerkschaften
vorherrschend antikommunistisch und die staerkste Kraft, die dem Kommunismus in
den europaeischen Gewerkschaften entgegenarbeitet, ist die sozialdemokratische
Weltanschauung, Es handelt sich hier um rein europaeische Probleme, die nur von
europaeischen Gewerkschaftsfuehrern durch Propagierung einer wirkungsvollen europaeischen Alternative zur kommunistischen Weltanschauung geloest werden koennen.
Auszug aus einem Artikel von R.L. Anderson in
der "World Review", London, erschienen in der
"Neuen Auslese"
KOMMUNISTISCHER STREIT SPALTET DIE
ARBEITERSCHAFT JAPANSDie beiden grossen Landesverbaende Japans, die von den Kommunisten beherrschte
Landeavereinigung Industrieller Organisationen und der konservative Allgemeine
Gewerkschaftsbund, die beide frueher behaupteten, dass die &gt;jj Million Mitglieder
haetten, haben jetzt vielleicht jeder noch 1 Million Mitglieder.
Die Antikommunisten innerhalb der Landesvereinigung Industrieller Organisationen bekaempften die Demokratisierungsbuende. Die Kommunisten parierten, indem
sie Gewerkschaften ausschlössen, die sich weigerten, die Befehle der Partei entgegenzunehmen. Die linke Gruppe innerhalb des rechtsstehenden sozialistischen Allgemeinen Gewerkschaftsbundes bekaempfte die "Reaktionaere"; diese Organisation
umfasst eine ziemliche Anzahl von Gruppen, die sich ihrem Wesen nach kaum von Betriebsgewerkschaften unterscheiden. Auch Verfechter von Reformen sind ausgetreten
oder werden ausgeschlossen, wenn sie in der Erreichung ihrer Ziele versagen.
Jetzt werden diese abtruennigen Gruppen mit Unterstuetzung der Sozialistischen
Fartei, wie vorgesehen, einem Landesverband von Arbeitergewerkschaften zusammengeschlossen, der nach dem aufgestellten Plan auch Gewerkschaften aufnehmen soll,
die frueher niemals einem Bund angehoerten. Die Sozialisten, die bei den kuerzlichen Wahlen schwere Rueckschlaege hatten, betreiben die Organisation mit Entschlossenheit, um in dieser neuen Bewegung die Fuehrung zu uebernehmen.
Viele Beamte des Alliierten Hauptquartiers, die sich mit Arbeitsfragen beschaeftigen, wuerden es begruessen, wenn die neue Organisation Fortschritte machen
wuerde, denn sie wuerden ihren Druck gegen den Kommunismus und seine Bestrebungen,
die echten Arbeiterverbaende zu Gliedern des augenblicklich bestehenden Allgemeinen Verbandes zu machen, bewillkommenen. Sie sind jedoch nicht besonders optimistisch und weisen darauf hin, dass die Demokratisierungsbuende und die Antire Jctionaere, die dem neuen Verband die meisten Mitglieder zufuehren würden, augenblicklich in die entgegengesetzte Richtung gefuehrt werden.
"New York Times" 11. Maerz 1%9

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�DIE AMERIKANER DACHTEN IMMER. DAS GEGENTEIL SEI DER FALL
Einem Bericht aus London entnehmen wir, dass die Sowjetunion die Fuehrung
der Kommunisten der Welt bei der Veranstaltung des Internationalen Frauentages
am 8. Maerz uebernahm. Diese geplante Aktion hatten die Marxisten mit Energie
eingeleitet. Die Sowjetlinie sollte die sogenannte emanzipierte russische Frau
mit ihrer kapitalistischen Schwester verglichen.
"Trud", das Organ der russischen Gewerkschaften versuchte, stillschweigend
zu folgen, dass die Frauen in den Vereinigten Staaten so abgekaempft seien, dass
sie ihre Zuflucht zu Alkohol nehmen. Die "Trud" zitierte in diesem Zusammenhang
eine New Yorker Zeitung, derzufolge es 600.000 weibliche Alkoholiker in den Vereinigten Staaten geben soll. Die Kommunistenzeitung "Prawda" erklaerte in bissiger Sprache, dass die "demokratischen" Gesetze in den Vereinigten Staaten die
Frauen ihrer elementarsten Rechte beraubten.
"The New York Times" 8. Maerz 1949
DIE METHODE DES ZEITNEHMENS UND DIE GEWERKSCHAFT
Viele Jahre lang haben die amerikanischen Gewerkschaften die Methode des
Zeitnehmens in den Fabriken scharf bekaempft. Sie betrachteten die Leistungsingenieure, Produktionsexperten und die Personalbeamten als Feinde der Arbeiter.
Die juengeren Gewerkschaften nehmen einen anderen Standpunkt ein. Manche der
Juengeren Industriegewerkschaften haben ihr eigenes Forschungspersonal, ihre eigenen Leistungsingenieure, Produktionsexperten und ^ersonalberater.
Der Verband der Vereinigten Automobilarbeiter (CIO) bildet ein hervorragendes Beispiel fuer eine Gewerkschaft, die sich diese modernen Methoden zunutze
macht. Diese Gewerkschaft, die mehr als eine Million Mitglieder zaehlt, hat eine
grosse Forschungs- und Unterrichtsabteilung. Die Gewerkschaft widersetzt sich
der Zeitnehmermethode nicht, sondern erkannte den Grundsatz an, dass sich Arbeiter sowohl wie Arbeitgeber in die Vorteile des Zeitnehmens teilen sollen. Einer
vor kurzem ueber dieses Thema herausgegebenen Broschuere, die fuer die Gewerkschaftsfuehrer (Betriebaraete) in den Werkhallen geschrieben wurde, entnehmen wir eine
Anzahl Fragen und Antworten;
Frage» Was versteht man unter Zeitnehmen.
Antwort;Das Zeitnehmen ist eine Methode, mit der die einzelnen Gaenge bestimmt

Frage;

werden, die man benoetigt, um eine Arbeit zu verrichten, sowie die Festsetzung der Zeitspanne jedes einzelnen Arbeitsganges zu dem Zweck, festzustellen, wieviel Zeit man fuer die betreffende Arbeit benoetigt.
Worin besteht der Zweck, eine Arbeit zu bestimmen und dann mit der

Stoppuhr zu arbeiten.
Antwort; Die Werkleitüng kauft oft Zeitnehmer-Systeme und benutzt die Zeitnehmermethoden, um fuer weniger Geld eine hoehre Produktion mit den Arbeitern
zu erreichen.
Frage»
Wann wurde damit begonnen.
Antwort» Der erste, der damit anfing, war Frederick Winslow Taylor, der in Germantown, Pennsylvania, kurz vor dem Buergerkrieg geboren wurde und der in
einem Krankenhaus in Philadelphia starb, als er gerade im Begriff war,
seine Uhr aufzuziehen.
Er war der erste Baseballwerfer, der den Ball mit nach' oben gekehrter
Hand warf und im Jahre 1981 m t einem von ihm selbst erfundenen Schläger
die Nationalmeisterschaft im Tennis-Doppelspiel gewann. Gegen 1890 ging

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�er Jedoch in die Geschichte ein, als er sich als erster beratender Ingenieur fuer Werkleitungen selbstaendig machte und vor der Amerikanischen
Gesellschaft der Ingenieure zum erstenmal das Taylor-System der wissenschaftlichen Betriebsleitung darlegte. Damals war er bei den Bethlehem
Stahlwerken beschaeftigt, und im Zeitraum von 7 Jahren steigerte er die
Produktion im Stanzwerk um etwa das Zweieinhalbfache.
Was sagt nun die Internationale Gewerkschaft zu dieser Zeitnehmermethode.
Die internationale Gewerkschaft hat ihre eigene Zeitnehmer-Abteilung, an
die sie sich wenden koennen, damit sie IhnBn dabei hilft, zu verhindern,
dass die Zeitnehmerraethode dazu verwendet wird, um Sie zur Arbeit "anzutreiben". Die Internationale Gewerkschaft ist der Meinung, dass Lohnerhoehungen "aus den Arbeitern nicht durch Antreiben herausgepresst werden
sollen" oder "durch Plaene, die darauf abzielen, Lohnerhoehungen mit
einer erhoehten manuellen Produktivitaet zu verknuepgen, die auf Produktionsnornen basiert, die von der Firma ohne Befragung des Personals
willkuerlich festgesetzt worden sind.
Auf welche r.\reise koennen denn nun Kenntnisse auf dem Gebiete des Zeitnehmens dem Betriebsrat helfen.
Antwort; Nehmen wir einmal an, es kommt ein Arbeiter zu Ihnen und sagt, sein Arbeitsanteil sei zu hoch. Bei einer Beschwerde koennen Sie sich nicht
allein auf das Wort des Mannes verlassen. Um den Fall durchzufechten,
muessen Sie in der Lage sein, sagen zu koennen, dass er zu hoch sei, weil
dabei keine Ruecksicht auf Ermuedung oder auf den Zustand seiner Maschine
genommen wurde, oder weil der Produktionsanteil hoeher ist als der Anteil
bei aehnlichen Arbeiten in anderen Werkstaetten der Fabrik. Es wird
leichter sein, den strittigen Punkt unter Beweis zu stellen, wenn Sie allgemeine Kenntnisse von allem haben, was mit dem Zeitnehmen zusammenhaengt.
Frage.

Frage?

Zeitnehmer-Experten sagen, dass es eine wissenschaftliche Art und ?.'eise
gibt, um festzustellen, wieviel Arbeit ein Mensch verrichten sollte.
Stillt das.
Antwort; Nein. Sie koennen fuer eine Arbeit die Zeit messen und sagen, wie lange
der Mann daran gearbeitet hat, um die Arbeit in dieser Zeit zu verrichten;
das bedeutet aber nicht, dass nun jeder die Arbeit in derselben Zeit fertigstellen sollte.
Frage»
Ja, worin besteht denn nun der Zweck des Zeitnehmens, wenn es nichts bedeutet.
Antwort; Im Moment ist es wohl die beste Methode, um Produktionssaetze zu messen.
Auf jeden Fall muss aber der Betriebsrat ueber das Zeitnehmen im Bilde
sein, ob es nun vorteilhaft oder nachteilig ist, ob wissenschaftlich
oder unwisschenschaftlich. Weil das System von der Werkleitung benutzt
wird, um Produktionsnormen festzusetzen, um festzustellen wie schwer Sie
arbeiten und wieviel Sie (nach den Leistungs-Lohn-Systemen) fuer Ihre
Arbeit zu bekommen haetten. Wenn Sie das Zeitnehmen zum Gegenstand der
Kollektiwertrags-Verhandlungen' machen, helfen Sie dabei, die Arbeiter
vor unrichtigen und ungerechten Anforderungen in bezug auf die Arbeit zu
schuetzen. In Wirklichkeit wird sich eine Zeitnehmermethode, die sich aus
einem Gedankenaustausch ergeben hat, genauer und praeziser auswirken, als
eine, die lediglich auf der personelichen Beurteilung eines Zeitnehmers
basiert.
Frage;

Kann denn nun aber die Firma nicht behaupten, dass die Resultate des Zeitnehraens wissenschaftliche Tatsachen darstellen, ueber die man nicht verhandeln kann.

Antwort; Nein. Die meisten fundamentalen Ziffern beim Zeitnehnen haengen vielmehr

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�von der Beurteilung einer Person ab als vom Messen. Das Ergebnis des
Zeitnehmens ist ebenso wenig endgueltig wie ein Lohnsatz und ist in
gleichem Masse von Vertraegen und Verhandlungen abhaengig.
Frage»
Schoen, wie geht das Zeitnehmen vor sich.
Antwort; Man beginnt, indem man die Arbeiten in einzelne besondere messbare Arbeitsgaenge einteilt, die man "Elemente" nennt.
Frage;
Die einzelnen Arbeitsphasen nennt man also Elemente. Wie nennt man nun
die ganze Arbeit.
Antwort; Die ganze Arbeit wird "Zyklus" genannt.
Frage;
Dann wird also die Arbeit in "Elemente" aufgeteilt. Was kommt dann.
Antwort; Dann wird die ganze Arbeit sorgfaeltig von Ihnen bestimmt und Sie sagen
dann genau, unter welohen Bedingungen die Arbeit geleistet wurde«
Tageszeit, Art des Materials, Art der Maschine, Zustand der Maschine.
Sie notieren alles genau, was irgendwie Einfluss auf die von Ihnen gewonnenen Ergebnisse haben koennte.
"Der Mensch ist nicht aus Elsen"
Es folgen dann 25 Fragen, die sich auf die Einzelheiten bei der Durchfuehrung
des Zeitnehmens in einer Automob11fabrik beziehen, wo die Arbeit eines jeden Einzelnen am Produktionsband in jeder Minute des Arbeitstages auf die Arbeit aller
anderen Kollegen im Werk abgestimmt ist. Das ist das Produktionsband. Die gesamte Arbeit wird einem Bewegungsschema angepasst, dessen Wirksamkeit nach der
Zahl der Arbeitsminuten pro Arbeiter gemessen wird, die gebraucht werden, um ein
Auto zu fabrizieren. Dann kommen folgende Fragen und Antworten«
Frage«
Wenn ich etwas vom Zeitnehmen lese, dann stelle ich fest, dass man auch
dafuer Zeit ansetzt, in den Waschraum zu gehen oder bei fehlerhaftem
Material oder, wenn man ermuedet. Stimmt das.
Antwort» Ja, die Zeit, die man fuer solche Faelle beruecksichtigt, nennt man
"Zugaben". Im allgemeinen gibt es 3 Arten von "Zugaben": persoenlicher
Art, fuer Ermuedung, unvorhergesehene Zwischenfaelle oder Verzoegerungen.
Was versteht man unter "Zugaben" persoenlicher Art.
Das ist die Zeit, die fuer den Gang zum Waschraum und fuer andere persoenliche Beduerfnisse angesetzt wurden, z.B. um Wasser trinken zu gehen.
Frage :
Was versteht man unter einer "Zugabe" fuer Ermuedung.
Aprtort: Sie koennen nicht den ganzen Tag lang mit hoechster Geschindigkeit arbeiten. Sie ermueden, also muss das Zeitnehmen diese Tatsache berücksichtigen. Die "Zugabe" fuer Ermuedung wird "Ermuedungszugabe" genannt.
Frage;
Und was bedeutet die "Zugabe" fuer unvorhergesehene Zwischenfaelle und
Ver zo egerungen.
Antwort; Niemand ist in der Lage, vorherzusagen, ob sich im Arbeitsablauf nicht
irgend etwas ereignet. Vielleicht kommt kein Material heran, oder ein
Werkzeug ist fehlerhaft. Dann muessen Sie den Arbeitsgang unterbrechen,
um das Werkzeug auszuwechseln oder um es zu justieren. Vielleicht muss
eine Maschine oder ein Teil davon extra geoelt werden. Die Unterbrechungen kommen oft genug vor, so dass Sie wissen, dass damit zu rechnen ist,
aber im Arbeitsplan sind sie nicht aufgefuehrt, daher muss man, wenn man
fuer die Arbeit die Zeitmessung vornimmt, dafuer eine allgemeine "Zugabe"
in Ansatz bringen.
Frage»
Schoen, auf welche 7-'eise soll man nun diese "Zulagen" ansetzen.
Antwort» Die Firma wird oft sagen, man soll sie nach Prozenten ansetzen. Sine
bessere und gerechtere Art und Weise ist die, dass man dafuer eine besondere Anzahl Minuten pro Stunde in Ansatz bringt.
J
Frage;
'ie rechnen Sie nun aber aus, wieviel Minuten fuer jede dieser "ZugabenW
nun vorgesehen werden sollen.

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�Antwort; Durch das Kollektirrerfahren. Kein Zeitnehmer hat irgend eine wissenschaftliche Methode, um zu bestimmen, wieviel Minuten fuer diese "Zugaben" in Frage kommen. Die Mitglieder der Gewerkschaftsausschuesse sollen
auf Grund der Erfahrungen des Personals im Werk ueber diese "Zugaben"
verhandeln
Das Zeitnehmer-Verfahren kann nicht feststellen, in welchem Masse ein Mann ermuedet, wie lange er wohl braucht, um etwas zu
trinken, oder wieviel Zeit er auf der Toilette braucht. Die "Zugaben"
fuer solche Faelle sind daher Ansichtssache, und die Absicht oder Meinung des Mannes, der die Arbeit verrichtet, ist ebenso gut oder noch
besser als die eines jeden anderen Mannes.
Aus den Fragen und Antworten, die jetzt folgen, geht klar hervor, dass die
Zeit fuer die "Zugaben" je nach der Arbeit schwanken. Manche Arbeit ist Mcht,
manche schwer, manche geht schnell vonstatten, manche langsam. Die Entscheidungen
muessen sich immer nach den vorhandenen Tatsachen richten. Die Verhaeltnisse
aendern sich stets, und das bedeutet, dass man inner neue Entscheidungen treffen
muss. Aus allem aber ist die Schlussfolgerung zu ziehen, dass der Gewerkschaftsfuehrer im Werk auch ein Sachverstaendiger auf dem Gebiete des Zeitnehmens sein
muss, damit er die Moeglichkeit hat, gerechte und angemessene Entscheidungen zu
treffen bzw. Schluesse zu ziehen.
"Das ABC des Zeitnehmens"
Verband der Vereinigten Automobilarbeiter
(CIO)
DIE AFL FORDERT OFFIZIELLES VERBOT DER FUSNFTEN KOLONNE
Die AFL hat dem Aussenminister Dean Acheson ein umfangreiches Programm ueber
die internationale Politik und die Rolle der Arbeiterschaft in den internationalen
Angelegenheiten unterbreitet. Gefuehrt vom Praesidenten Green haben die Sprecher
des Gewerkschaftsbundes, die den Ausschuss fuer Internationale Arbeitsbeziehungen
vertraten, folgende Vorschlaege gemacht:
1. Der Nordatlantische Verteidigungspakt (der von dem Bund unterstuetzt wird)
soll jedes demokratische Land einbeziehen, einschliesslich Italiens.
2. Die Foerderer des deutschen Militarismus und des Nazismus sollen von der
Treuhaenderschaft in der Eisen- und Stahlindustrie der Ruhr ausgeschlossen
sein, wahrend ehrliche und aufrichtige freie deutsche Gewerkschaften in
dieser Treuhaenderschaft vertreten sein sollen.
3. Die amerikanische Delegation bei den Vereinten Nationen soll die Absichten
der AFL unterstuetzen, die den Zweck haben, jede Handlung seitens einer
Regierung als verbrecherisch anzusehen, wenn diese die Taetigkeit einer
Fuenften Kolonne in einem Lande, mit dem sie friedliche Beziehungen unterhaelt, organisiert oder unterstuetzt.
4. Washington soll alle Vorschlaege missbilligen, denen zufolge "einer totalitaeren Diktatur", die jetzt das spanische Volk terrorisiert, militaerische Hilfe oder private finanzielle Anleihen gewaehrt werden."
Das AFL-Programm tritt dafuer ein, dass der Widerstand der Vereinigten Staaten
gegen totalitaere Verbrechen und Verfolgungen in ihrer Politik Suedamerika gegenueber zum Ausdruck kommen sollte, insbesondere gegenueber Venezuela und Peru. Die
AFL forderte auch, dass Berater in Arbeitsfragen, die die Gewerkschaf tsbev/egung
vertreten, den offiziellen Delegationen der Vereinigten Staaten beim Wirtschaftsund Sozial-Rat (ECOSOC) und bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen
beigeordnet \Merden sollten.
"The New York Times" 10. Maerz 1%9

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�BEGRUESSUNG DEUTSCHER GEWERKSCHAFTLER IN NEW YORK
Die 9 deutschen Gewerkschaftler aus Berlin, die von der Manpower Division
der Amerikanischen Militaerregierung nach Amerika entsandt wurden, kamen am 11.
Maerz in New York an. Eine Gruppe von 25 amerikanischen Gewerkschaftsführern
hatte sich zusammengetan, um sie mit einem Begruessungsessen zu empfangen, den
Vorsitz hierbei hatte Charles H. Kerrigan, Bezirksleiter des Verbandes der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas (UAW), einer CIO-Gewerkschaft. In seiner Begruessungsansprache an die Deutschen sagte Kerrigan, dass seine Gewerkschaft
grosses Vertrauen in solche Besuche zwischen Gewerkschaftlern verschiedener Laender setze.
Kerrigan fuegte hinzu, dass die UAW anderen CIO-Gewerkschaften den Vorschlag
gemacht habe, eine Gruppe amerikanischer Gewerkschaftler auf Besuch nach Deutschland zu entsenden. Der Austausch von Vertretern der Arbeiterschaft, sagte er, sei
fuer die Laender ebenso wichtig, als wenn sich ihre Vertreter von Kunst und Wissenschaft gegenseitig Besuche abstatten. Seiner Meinung nach seien es die Gewerkschaften, erklaerte er, "die dabei helfen koennen, den Krieg zu verhindern, während
die mangelnde Kenntnis anderer Laender nur dazu beitraegt, Kriege entstehen zu
lassen."
Die 9 UGO-Gewerkschaftler aus Berlin werden von New York nach Detroit gehen,
wo sie sich 3 Wochen lang als Gaeste des UAW aufhalten werden. Sie werden ddn
Aufbau der amerikanischen Gewerkschaften und die Methoden des Kollektiwerfahrens
studieren, ebenso die Produktionsmethoden in der Industrie und die Taetigkeit der
oeffentlichen Einrichtungen Amerikas auf dem Gebiete des Arbeitswesens.
Aussenministerium, "Radio Bulletin" 11. Maerz 1949
DER GLAUBE. IN DEM FREIE MENSCHEN LEBEN
Folgende Saetze sind der Antrittsrede des Praesidenten Truman vom Januar 1949
entnommen. Sie ist zwar in den Zeitungsberichten wiedergegeben worden, jedoch
stellt sie immerhin etwas dar, was man immer wieder lesen kann.
"Es ist daher angebracht, wenn wir diese Gelegenheit ergreifen, um der Welt
die wesentlichen Glaubensprinzipien, nach denen wir leben, zu verkuenden, und
allen Voelkern unsere Ziele darlegen.
"Das amerikanische Volk steht treu zu seinem Glauben, der unsere Nation von
Anbeginn inspiriert hat. Wir glauben, dass alle Menschen ein Anrecht auf die
gleiche Gerechtigkeit haben wie auch dieselbe Gelegenheit, am Gemeinwohl beteiligt
zu sein. Wir glauben, dass alle Menschen auf Freiheit des Gedankens und des Ausdrucks Anspruch haben. Wir glauben, dass alle Menschen von Geburt gleich sind, weil
sie nach dem Bilde Gottes geschaffen wurden.
"Von diesem Glauben lassen wir uns nicht abbringen.
"Das amerikanische Volk wuenscht eine Welt - und ist entschlossen fuer diese
zu arbeiten -, in der es allen Nationen und allen Voelkern freisteht, sich selbst
so zu regieren, wie sie es fuer richtig halten, und um ein anstaendiges und zufriedenstellendes Leben fuehren zu koennen. Vor allem aber wuenscht unser Volk
Frieden auf Erden und ist auch entschlossen, dafuer zu wirken, fuer einen gerechten
und dauerhaften Frieden, der auf einem ehrlichen und aufrichtigen Abkommen fusst,
das von gleichgestellten getroffen wird."
DAS EÜROPAEISCHE WIEDERAUFBAU-PROGRAIM UND WESTDEUTSCHLAND
Nachstehende Sätze sind einer Broschuere entnommen, die im Dezember 1948 vom
Informationsdienst der Britischen Militaerregierung fuer Deutschland herausgegeben
wurde.
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�3 Jahre lang war der Hangel an Hoffnung das groesste Uebel, das ueber dem
deutschen Volke hing. Wenn es sich das auch selbst zuzuschreiben hatte, so lag
doch ein trostloser Weg vor ihm, dunkel, endlos und ohne Aussichten. Fuer dieses
Volk ist das Suropaeische Wiederaufbau-Programm (ERP) wie der Anbruch eines neuen
Tages gekommen. Es hat ihm einen neuen Y.'eg gezeigt, den es zusammen mit Westeuropa mit einem Ziele vor Augen beschreiten kann.
Kann sich Deutschland in 4 Jahren erholen
Die Antwort darauf besteht nicht in einer Dollarhilfe, einer auslaendischen
Organisation oder in Europaprogrammen. Die Antwort fuer Deutschlands Beduerfnisse
musa in Deutschland selbst gefunden werden, durch deutsche Arbeit und deutsche
Organisationen.
Das ERP kann jedoch folgenden lebenswichtigen Beitrag dazu leisten und tut
es auchj1. Es sorgt dafuer, dass genuegend Rohmaterialien verfuegbar sind, um die
Produktion in Gang zu halten,
2. Es sorgt dafuer, dass sich die Lebensmittellieferungen bessern, soweit dies
die Lage der internationalen Liefermoeglichkeiten gestattet und Deutschland
in der Lage ist, seine Lebensmitteleinfuehren mit seinem eigenen Gelde zu
bezahlen.
3. Es beseitigt Hindernisse, wie z.B. Maengel oder Engpaesse, die aber nicht
ausschliesslich als deutsche, sondern als europaeische Probleme angesehen
werden. Man wird sie dementsprechend behandeln, weil Deutschland als Partner des ERP wiederum einen positiven Faktor in der Wirtschaft Europas darstellt.
Der wesentliche Beitrag Deutschlands besteht in folgendem;
1. Vollbeschaeftigung der deutschen Arbeiterschaft und organisatorische Faehigkeit, das Produktionssoll zu erfuellen.
2. Der gute Wille, in den Begriffen einer europaeischen anstatt einer nationalen Wirtschaft zu denken und zu handeln.
Vorausgesetzt, diese Bedingungen werden erfuellt, dann kann man erwarten, dass
die ungeheure Kluft zwischen der deutschen Ein- und Ausfuhr, die sich fuer 1949
fuer die Bizone auf $1.200.000.000 belaeuft, bis 1952 wenigstens enger geworden ist.
Wenn wir schaetzungsweise ein fuer die Bizone verbleibendes Defizit von $200.000.000
annehmen, so kann man dannMittel finden, um es ohne Hilfe vom Ausland zu beseitigen,
indem man die Aus und Einfuhr einander anpasst. Das wuerde dann bedeuten, dass
Deutschland innerhalb 4 Jahren wieder nahezu seine Lebensfaehigkeit erlangt hat,
und dass dies auch-der Fall sein wird, waehrend es sich gleichzeitig eines vernuenftigen Lebensstandards erfreut.
Das erste ERP-Jahr in Deutschland
Hit einer gesunden .'aehrung, mit genuegender Hilfe und einer steigenden Exportquote sollte V.'estdeutschland 1948/1949 den Grundstein fuer eine staendige Gesundung
gelegt haben.
Das Zusammentreffen der westdeutschen Waehrungsreform mit dem Beginn des ERP
ist aus einem der folgenden Gruende als gluecklich zu bezeichnen«
1, Eine stabile Waehrung ist eine der Hauptbedingungen, die die Organisation
fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (0EEC) ihren Mitgliedern
stellt.
2. Die Waehrungsreform erreicht ihr Ziel. Wenn die Verwaltung und alle Klassen
sich die finanzielle Disziplin, die der Reform innewohnt, zu eigen machte,
dann wird die neue '..'aehrung nicht nur die Industrie und das Gewerbe normalisieren, sondern die Mark wird auch einen Wert gegenueber den Devisenkursen
darstellen.
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�3. Mit Hilfe des ERP ist Deutschland in der Lage, notwendige Verbraucherwaren
herzustellen. Mit der D-Mark ist es dem Volk moeglich, diese Waren zu
kaufen.
Wieviel Hilfe kann Westdeutschland im ersten ERP-Jahr Tom Ausland erwarten.
Man wird sich erinnern, dass gemaess dem Gesetz ueber Auslandshilfe von 1948
der den 3 Westzonen zugebilligte Betrag sich auf 514 Millionen Dollar belief. Diese
Summe ist jedoch nur ein kleiner Teil der Auslandshilfe, die Westdeutschland ueber
diese Zeit erhalten soll. Das ERP soll nicht irgendwelche Hilfsmassnahmen, die
bisher getroffen worden sind, ersetzen« es arbeiter zusaetzlich. Das bedeutet,
dass Einfuhren, der Kategorie A (hauptsaechlich Lebensmittel mit hohem Kaloriengehalt, Saemereien, Duenger, Medikamente, Benzin und Petroleum), fuer die die Vereinigten Staaten und Gross-Britannien bereits 2 Milliarden Dollar bezahlt haben,
ebenfalls fuer 1948/49 bewilligt worden sind.
Dazu könnt noch, dass die gesamten Geldertraege aus westdeutschen Ausfuhren
waehrend der gleichen Zeit (Bauholz, Kohle, Pottasche, Schrott, Fertigwaren usw.)
zur Deckung der Einfuhren verfuegbar mein werden.
Auf welche ''/eise beeinflusst das ERP die deutsche Ausfuhr
1. Durch die offensichtlichen Auswirkungen der Lieferungen der wichtigsten
Rohmaterialien.
2. Durch die sehr bedeutende und wichtige, aber nicht in Erscheinen tretende
Auswirkung des ERP, indem die Kaufkraft der anderen Mitgliedstaaten durch
die Dollarhilfe enorm gehoben wird.
Aus diesen 3 Quellen, naemlich 25? aus der Europahilfe, 40? aus-der Bewilligung aus Kategorie A sowie 35? aus den Exporterloesen wird Westdeutschland
waehrend der ersten 15 ERP-Monate fuer Einfuhrzwecke annaehernd 2 Milliarden Dollar
(oder den Gegenwert in anderen Waehrungen) zu seiner Verfuegung haben. Das wird
nahezu dreimal soviel ergeben, wie im Jahre 1947 eingefuehrt wurde.
Die Auswirkung dieser Einfuhren, schaetzt man, werden die Produktion auf mehr
als 60? des Produktionsstandes von 1936 bringen. Das wuerde anderthalbmal soviel
sein wie im Jahre 1947.
Wir haben versucht, nachzuweisen, dass Deutschlands Einfuhrprogramm keineswegs
ausschliesslich vom ERP abhaengt. Tatsaechlich ist es haeufig unmoeglich, zu definierne, welcher Anteil von einem Einfuhrposten auf das ERP entfaellt und was
davon aus anderen Quellen herruehrt. Ein Schiff, dass in Bremen, Hamburg oder
Rotterdammseine Ladung loescht, laedt vielleicht Lebensmittel aus, die teilweise
vom ERP, teilweise mit Kategorie A-Einfuhrbewilligungen und zum Teil mit Devisenerloesen deutscher Ausfuhr bezahlt worden sind. Im Brot der Hausfrau ist ausser
diesen 3 Moeglichkeiten evt. noch eine vierte enthalten, naemlich das Brot enthaelt vielleicht auch deutsches i^ehl.
Einerseits gibt es gewisse Einfuhren, die nur duch die Dollarhilfe des Verwaltungsausschusses fuer das ERP (ECA) vorgesehen sind. Diese umfassen gewisse
Rohmaterialien, industrielle und Bergwerksausruestung, Betriebsmittel oder-geraete, landwirtschaftliche Maschinen, Autoreifen usw. Diese Einfuhren sind alle
getaetigt worden, um Deutschland in die Lage zu versetzen, sich in den ersten
Stadien des ERP schnell zu entwickeln. Ueber Einfuhren dieser Art hat die OEEC
entschieden.
22.000 Gueterwagen
LIehr als 22.000 Gueterwagen sind der Bizone zugebilligt worden. Diese werden
im Laufe des ersten Jahres hauptsaechlich aus Belgien, Italien und Oesterreich geliefert werden. Die Geschichte dieser typischen Zuteilung ist kurz folgende:
Ausreichender Bahntransport war einer der lebenswichtigsten Punkte fuer den
7'iederaufbau. Lt. dem Programm fuer 1948/49 fehlten der Bizone 13.00C Gueterwagen.
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L4

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�Sie e r k l a e r t e , s i e sei in der Lage, 8.0U0 s e l b s t zu bauen und bat um Zuweisung von 17.000 Waggons, die eingefuehrt werden s o l l t e n . Im J u l i befasste
sich der Inland-Transportausschuss des OEEC mit dieser B i t t e und kam zu der
Ueberzeugung, dass 25.000 Gueterwagen zu wenig seien. Der Ausschuss errechnete, dass 30.000 Wagen gebraucht werden und erhoehte die Einfuhrquote fuer
die Bizone von 17.000 auf 22.000 Gueterwagen.
Dies i s t ein Beispiel fuer die Art von Hilfe, die man vom ERP im e r s t e n
Stadium des Programms, die Wirtschaft wieder so s c h n e l l wie moeglich in Gang zu
bringen, erwartet.
"ERP" Broschuere, Dezember 1948
"Information Services Division, ( B r i t i s c h
Element)
AMERIKANISCHER JÜGSNDVERBAND MELDET SICH ZUM WORT
Kuerzlich wurde in San Francisco eine Zwoelfmillionen-Anleihe zur Schaffung
neuer Erholungsstaetten aufgelegt; der groesste Teil davon s o l l t e fuer d i e Anlage eines grossen Stadions verwendet werden. Der Jugendverband von San
Francisco (SFYA), h i e l t es aber fuer zweckmaessiger, einen groesseren Teil der
Mittel auf den Bau gewoehnlicher Sportplaetze zu verwenden. Der Ausschuss des
Jugendverbandes brachte seinen Standpunkt vor die Oeffentlichkeit. Ergebnis:
San Francisco wird eine groessere Anzahl normaler Sportplaetze e r h a l t e n .
Dies i s t nur ein Beispiel dafuer, was fuer eine erfolgreiche Arbeit der
Jugendverband von San Francisco im Interesse der Allgemeinheit g e l e i s t e t h a t .
Der Verband besteht e r s t seit zwei Jahren, konnte s i c h aber k r a e f t i g e n t wickeln und hat eine grosse Zukunft. Die Mitglieder r e k r u t i e r e n sich aus 9
s t a a t l i c h e n und 17 konfessionellen hoeheren Schulen, 3 Privatschulen und 24
privaten Vereinigungen der S t a d t . Eine der wichtigsten Einrichtungen i s t ein
Jugendparlament, in dem 190 gewaehlte Delegierte zwanzigtausend junge "ensehen
v e r t r e t e n . Jeder der 190 Delegierten i s t g l e i c h z e i t i g in wenigstens einem der
sechs Ausschuesse t a e t i g , die folgende Sachgebiete bearbeiten; Rundfunk, Verbandszeitung, ierbung, Meinungsforschung, Weltpolitik und Lokalpolitik.
Wie diese Ausschuesse, so tagt auch die Vollversammlung regelmaessig und
l e g t gemeinsam mit einem Erwachsenenbeirat die Richtlinien fuer die Arbeit der
Ausschuesse f e s t . An Hand der Sitzungsberichte unterrichten die Vertreter ihre
Gruppen ueber d i e schwebenden Fragen, und die 20 000 Mitglieder diskutieren
die gefassten Entschluesse.
Der Rundfunk-Ausschuss b e a r b e i t e t e im vergangenen Jahr ueber 40 Radioprograimie. Kennzeichnend fuer die Arbeit dieses Ausschusses i s t die Mitarbeit
an dem Sendeprogramm "Sichert d i e Rechte". In dieser Sendereihe wurde der Ber i c h t des vom Praesidenten eingesetzten Ausschusses fuer Buergerrechte diskutiert.
Der w e l t p o l i t i s c h e Ausschuss widmete sich mit besonderem Eifer einem g r o s s zuegigen Auslandsprogramm. SFYA hatte beschlossen, die Patenschaft ueber eine
franzoesische und eine philippinische Stadt zu uebernehmen. Die jungen Leute
konnten jedoch nicht wie andere Organisationen Lebensmittel, Kleider und d e r g l .
schicken, stattdessen entschlossen s i e sich, Buecher, Papier, B l e i s t i f t e , und
andere Lehrmittel fuer ihre Altersgenossen in den betreffenden Staedten zur
Verfuegung zu s t e l l e n .
Der .Jerbungsaus schuss des Jugend verband es sieht es a l s seine Aufgabe an,
den Jugendverband a l l e n Einwohnern von San Francisco wie auCh den Zeitungen
zu einem Begriff zu machen.

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�Der Jugendverband ton San Francisco hat sich s e l b s t ernste und schwierige
Aufgaben g e s t e l l t . Im weitem umfang i s t fuer die Erholung und Geselligkeit
der Mitglieder durch kleinere Clubs gesorgt. Der Verband hat jedoch, um den
Zusamnenhalt und die Zusammenarbeit noch mehr zu foerdern, j e t z t auch einige
grosse g e s e l l i g e Veranstaltungen auf sein Winter-Programm g e s e t z t .
Auszug aus einem Artikel von Sara Salzer
im "Amerika Dienst" Nuernberg, 1 1 . Maerz 49

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Manpower Division
0M3XJS, APO 742

(OtCUS 9-964 LIM Itar 49 8*0 )

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OFFICIAL

�International«

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel «teilen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS. Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 7

Berlin, 8. April 1949

DIB KOMMUNISTISCHE PARTEI AMERIKAS AUF DEM RUECKZUG
Der nachstehende Bericht ueber die Schwierigkeiten der kommunistischen Partei
Amerikas ist einem laengeren Artikel entnommen, der in der amerikanischen Zeitschrift "Newsweek" vom 14. Februar erschien. Der Artikel wurde vollstaendig im
Organ der AFL, "Newsletter" in der Februarnummer abgedruckt. "Newsletter" wird in
Bruessel herausgegeben. Der wesentlichste Punkt dieses Artikels besteht darin,
dass der Kommunismus in den Vereinigten Staaten schwere Zeiten durchzumachen hat.
Das allgemeine Bild
"Die Kommunisten haben seit Anfang der zwanziger Jahre, als sie schliesslich
gezwungen waren, im Geheimen zu arbeiten, den schaerfsten Angriff auszuhalten.
Die kommunistische Jugendorganisation ist fast vollkommen verschwunden. Die Zahl
der kommunistischen Mitlaeufer, die einst in die Hunderttausende ging% ist rapide
gesunken.
"Wo es frueher der Partei moeglich war, hauenweise "Front" Organisationen zu
unterhalten, besteht nur noch eine Handvoll, und diejenigen, die noch existieren,
besohraenken sich nur noch auf bekannte "Linientreue" und sind verhaeltnissmaessig
machtlos. Die kommunistische Partei hat an Ansehen verloren. Es gelingt ihr
nicht mehr, prominente Nichtkommunisten, wie Mrs. Eleanor Roosevelt, Roger Baldwin,
den frueheren Senator Gerald Nye und den Pfarrer John Heynes Holmes fuer ihre
Zwecke vorzuschieben.
Im CIO hat sie ihren groessten Einfluss verloren, wo sie einmal mehr als
25£ der Mitglieder kontrollierte. Sie leitet zwar immer noch den Internationalen
Verband der Hafenarbeiter, hat aber einen etwas zweifelhaften Rueckhalt bei dem
Verband der Vereinigten Elektroarbeiter und bei einigen Gewerkschaften von untergeordneter Bedeutung. In der Partei herrscht Uneinigkeit und Streit, und es
herrschen verworrene Verhaeltnisse wegen der in ihrer Meinung abweichenden Gruppen.
Die Fuehrerschaft ist gezwungen worden, eine Reihe von Saeuberungsaktionen einzuleiten; der Erfolg besteht in einer groesseren Anzahl Ausgestossener als die
Jemals in der ganzen frueheren Geschichte der Partei vorkommt. Die Kommunistischen
Fuehrer geben zu, dass die ParteJ. ihren Einfluss in Washington verloren hat.
Der Aufstieg
In der Zeit von 1930 bis 1945 war der Aufstieg der kommunistischen Partei in
den Vereinigten Staaten fast meteorisch. Waehrend die Partei im Jahre 1930 nur
7.500 Mitglieder zaehlte, schwoll sie spaeter bis auf 80.000 an
Im CIO
bildete die Partei das Zuenglein an der V/age und fuehrte oder beherrschte mehrere
seiner bedeutendsten Gewerkschaften, einschliesslich derjenigen, die in den stra-

1

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�tegisch wichtigen Kriegsindustriezweigen bestanden, wie der Landesverband der
Seeleute (NMU) und der Verband der Vereinigten Automobilarbeiter (UAW). Tausende
von Parteimitgliedern und zuverlaessigen Llitlaeufern waren in die Bundesregierung
eingesickert, und manche von ihnen waren in der Verwaltung so hoch gestiegen, dass,
wenn sie auch selbst nicht die Politik bestimmten, sie doch wenigstens auf kommunistische Ziele ausrichten - oder sie eben sabotieren konnten. Die Kommunisten
waren sogar ins Aussenministerium und ins Strategische Amt eingesickert
Der Niedergang
Jetzt hat sich das Bild vollkommen geaendert. Die Mitgliederzahl der kommunistischen Partei ist von 80.000 auf 60.000 gesunken und sinkt noch weiter
Innerhalb des CIO haben die Kommunisten zwar noch Halt, aber man ist im Begriff,
sie schnellstens zu entfernen. Auch der Verband der Vereinigten Automobil-Arbeiter hat sie hinausgeworfen. Zwei langjaehrige Mitlaeufer, Joseph Curran, der
Vorsitzende des Landesverbandes der Seeleute, und Michael Quill, der Vorsitzende
des Transportarbeiter-Verbandes, hat mit ihnen gebrochen, und bei dem sich entspinnenden Kampf um die Machtf habendie kommunistischen Organisationen innerhalb
dieser Gewerkschaften Schiffbruch erlitten. Philip Murray, der Vorsitzende des
CIO, hat jeden Kommunisten, den erfinden konnte, aus dem Landesbuero entfernt,
und jetzt ist er dabei, die kleineren kommunistischen Gewerkschaften zu zerschlagen und ihre Mitglieder der Aufsicht der antikoramunistischen Puehrer zu unterstellen.
Das letzte Bollwerk, das den Kommunisten im CIO noch verbleibt, ist dar Verband der Vereinigten Elektro-, Radio und Maschinen-Arbeiter (UE), aber auch hier
befinden sich die Kommunisten in der Defensive. In privaten Unterhaltungen haben
die kommunistischen Fuehrer zugegeben, dass , wenn nicht ein Wunder geschieht,
es nur noch eine Frage der Seit ist, wann ihnen der UE entrissen wird. Der Vorsitzende Albert J. Fitzgerald, der jahrelang ihr fuehrender Main war, scheint
sich ueber die Richtung, die die Dinge nehmen wollen, klar zu werden. Die Kommunisten erwarten von ihm, dass er sich von ihnen trennen und im antikoinmunistischen
Lager Schutz suchen wird.
Bereits im Dezember 1946 gab William Z. Foster, der Landesvorsitzende der
Partei in einer Geheimsitzung des Landesausschusses zu, dass die Partei keinen
Einfluss mehr auf die Regierung haette, und dass ihre Fronten stark demoralisiert
seien. Er jammerte ueber den "Verrat der Truman-Verwaltung". Der Landesausschuss fuer die amerikanisch-sowjetische Freundschaft hat die grossen, glanzvollen
Namen verloren, die einmal die Zierde ihrer Mitgliedslisten waren. Nachdem er
jetzt vom Justizminister fuer umstuerzlerisch erklaert wurde, findet man in ihm
nur noch politisch total Harmlose und hartgesottene i-litlaeufer
Die Saeuberung
Der Niedergang der kommunistischen Partei setzte gegen Mitte 1945 ein, als
Joseph Stalin seine Aussenpolitik von der einer scheinbaren Zusammenarbeit mit
den westlichen Demokratien zu der eines offenen Antagonismus ihnen gegenueber
wechselte. Die Schwenkung ueberraschte die amerikanischen Kommunisten. Earl
Browder, der Generalsekretaer, hatte gepredigt, dass- der amerikanische Kapitalismus und der sowjetische Kommunismus in der Nachkriegswelt zusammenarbeiten koennten
und dass der amerikanische Kapitalismus "progressiv" sei.
Nach dem Stalinschen Wandel in der Aussenpolitik prangerte Jacques Duclos,
ein franzoesischer Kommunistenfuehrer, als Sprachrohr Moskaus Browders Politik
mit scharfen Worten an. am Union Square herrschte Empoerung. Browder wurde zunaechst von seinem fuehrenden Posten in der Partei abberufen und dann aus der
Partei selbst ausgestossen. Eugene Dennis uebernahm Browders Posten als Generalsekretaer und wurde somit dem Titel nach der Fuehrer der amerikanischen Kommunisten.
Foster wurde zum Landesvorsitzend3n ernannt und fungierte hauptsaechlich als Aus-

2

-

�haengeschild. Die Parteirichtun^ wurde scharf revolutionaer und kritisierte in
steinendem Masse die Verwaltung Trumans, nicht nur in bezug auf die Ausrenpolitik,
sondern auch auf die Innenpolitik
Die Saeuberung von den Browder-Anhaengern brachte aber keinen Frieden in die
Partei, denn eine Gruppe von Extremisten beklagte sich darueber, dass Dennis und
Foster nicht weit genug nach links steuerten, und dass sie sich also selbst der
"Tendenzen Browders" schuldig gemacht haetten. Die Partei fiel auch ueber sie her
und warf ihnen eine "trotzkistische Haltung" vor, ein kommunistisches Synonym
fuer jemand, der zu weit links steht....
"Jeremiaden"
In dem Masse, wie der Einfluss der Partei schwindet, waechst die Kritik innerhalb der Partei an der Fuehrerschicht. Die meisten der Ausgestossenen - sowohl die
"Browder-Anhaenger" wie auch die Linksextremisten" - sind Kommunisten geblieben,
obwohl sie keine Mitglieder der Kommunistischen Partei sind. Sie haben immer
noch Freunde in der Partei. Dies ist besonders bei Browder der Fall, der auch
enge Beziehungen zum Politbuero in Moskau unterhaelt und eingetragener Sowjetagent
als amerikanischer Vertreter der OGIZ, des sowjetischen Verlagshauses, ist. Die
"Browderanhaenger" und die "Linksextremisten" kommen weiter mit ihren kommunistischen Freunden zusammen und bombardieren sie mit Argumenten, warum die Partei an
Boden verliert. Trotz aller Bemuehungen seitens der Führerschaft, die Unzufriedenheit zu beseitigen, ist sie staendig im -mchsen begriffen
Eine der abtruennigen Gruppen in der Partei (eine Zelle der Radio-City Angestellten) hat ihr Leid in einer Broschuere, die sich an andere Parteimitglieder
richtet, zum Ausdruck gebracht: "v'ir machen uns ernste Sorgen wegen der sich daraus ergebenden Liquidation einer kaempferischen Bewegung der amerikanischen Arbeiterklasse. Da demokratische Verfahren in unserer Partei nicht existieren, muessen
aeusserordentliche Massnahmen ergriffen werden....Viele Parteimitglieder sehen
kaum einen Grund, warum sie an den Gruppenversammlungen teilnehmen sollen. Die
Versammlungen verlaufen zi&amp;los, langweilig und ziehen sich traege in die Laenge,
so dass wenig Veranlassung zu ihrer Einberufung besteht. Sie bilden nicht mehr
den Mittelpunkt marxistischer Erziehung und Taetigkeit....
Abfall und Ausblick
Die Unzufriedenheit geht natuerlich mit einem Verfall der Parteidisziplin
Hand in Hand. Im Kampf mit Curran stellte die Fartei selbst fest, dass sie nicht
in der Lage war, ihre Reihen innerhalb des NMU fest bei der Stange zu halten.
Viele Parteimitglieder haben sichfetsaechlich Curran angeschlossen. Andere wieder trennten sich, um Curran von sich aus ausserhalb der Partei zu bekaempfen.
Der kommunistische Apparat, der im Verband 107 von 150 leitenden Stellen kontrollierte, war zerschlagen.
Dasselbe ereignete sich im UAW und TWU. Bis zur CIO Konferenz im November
handelte sogar Ben Gold, der Vorsitzende des Pelzarbeiter-Verbandes und Mitglied
des Landeaausschusses der Partei, auf eigene Faust, wie es auch andere kommunistische CIO-Fuehrer taten. Als die Konferenz vorbei war, wies die Partei die
stoerrischen und widerspenstigen kommunistischen Arbeiterführer im "Daily Vorker"
zurecht, sie wagte aber nicht, irgendwelche Kamen zu rennen.
tfenn nicht entweder die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion ihre Aussenpolitik aendern, und die beiden Kationen wieder zusammenzuarbeiten beginnen, kann
erwartet werden, dass der Verfall der Kommunistischen Partei Amerikas anhaelt.
Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Kommunisten im CIO ebenso machtlos sein
werden, wie es schon lange innerhalb der AFL der Fall ist.
Dennoch wird die Partei nicht verschwinden, noch kann sie sich so vollkommen
aufloesen xvie es bei der Sozialistischen (Trotzkistischen) Arbeiterpartei und
aehnlichen revolutionaeren Gruppen der Fall war. ^ie Macht und das iTestige -

? -

�und die finanziellen M i t t e l - der Sowjetunion werden d i e s nicht z u l a s s e n . . . . . .
"Newsweek" 14. Januar 1949
DIE INDUSTRIEPRODUKTION AMKRTKAS IM JANUAR 1949
Wenn man die durchschnittliche Produktion in den Jahren 1935-1939 zugrundel e g t , dann b e l i e f sich d i e Produktion fuer die gesamte Industrie in den Vereinigten Staaten im Januar 1949 auf 191 oder nahezu das Doppelte. Sie lag um einen
Punkt niedriger a l s im Dezember 1948 und um 2 Punkte niedriger a l s im Januar 1948,
a l s der Index der Industrieerzeugung 193 betrug. Der Index der Automobilprodukt i o n balief sich im Januar auf 215; es wurden im ganzen 256.000 Wagen herausgebracht. Die Eisen- und S t a h l - I n d u s t r i e produzierte 1.461.000 Normal tonnen, was
einem Index von 227 vom Durchschnitt fuer 1935-1939 e n t s p r i c h t , d.h. mehr a l s das
Doppelte. Nachstehende Tabelle zeigt die Produktion in den fuehrenden I n d u s t r i e zweigen.
Industrieproduktion in den Vereinigten Staaten im
Januar 1949 - Index fuer 1935 - 1939i

100

Die gesarate I n d u s t r i e

191

Industriechemikalien

— 438

Maschinenfabrikation
Transportausruestungen (meistens Luftfahrt)
Kohlen- und Petroleum-Erzeugnisse —
Eisen und Stahl
Automobile
Zigaretten —
Gummi
Moebel
Druck und Verlag
- - - - — _ _ _ _ _ _
Wolltextilien
Farbenerzeugnisse
___
_Kohle (bituminoes)
Seifenerzeugnisse — —
Bauholz

— 267
— 252
— 227
227
215
214
193
158
_ 156
151
_ _ 146
145
— 139
124

Ledergerberei

—

_ _ _ _ _ _ _ _ _

Hartkohle (Anthrazit)

—

_ _ 103
88

"Aussenministerium 'Economic Letter1" 10. Maerz 1949
GEMEINSAME BERATUNG IN DEN KOHLENFLOEZEN
"Wir glauben, dass die Bedeutung der gemeinsamen Beratung fuer die Gegenwart
und die Zukunft der Industrie allgemein bekannt ist, und dass jeder das groesste
Interesse daran hat, dass diese Einrichtung wirksam arbeitet." Dies sind die einleitenden Bemerkungen mit der Unterschrift von Lord Hyndley, dem Vorsitzenden des
Nationalen Kohlenausschusses (NOB) und Sir William Lawther, dem Vorsitzenden des
Britischen Gewerkschaftsbundes (TUC) und Praesidenten des Nationalen BergarbeiterVerbandes (NUM), in einer Broschuere, die in den Kohlenfloezen Englands verbreitet
wurde. Ihr Titel lautet "Richtlinien fuer die Beratung" und bringt genau zum
Ausdruck, wie der Apparat der Beratung innerhalb der Kohlenindu3trie funktioniert.
Grundstruktur
Im Grunde genommen laeuft die konsultative Struktur mit der verwaltunsmaessigen parallel. Im Schacht bestehen die beratenden Schachtausschuesse/, dann kommen

- 4 -

�die Gebiets- und Bezirksausschüsse und schliesslich die Landesberatungsausschuesse.
In den Schachtausschuessen werden die Vertreter der Arbeiter aus den Kreisen
der Maenner, die im Schacht arbeiten, und der Vertreter der Bevollmaechtigten aus
deren Mitte gewaehlt. Der NCB ist durch den'Leiter und die Beamten vertreten,
die er zu den Sitzungen ernennt.
Im Gebiet, im Bezirk und fuer dies Land bestehen die Ratsausschuesse aus
Mitgliedern des Kohlenamts, des NÜM, des Landesverbandes der Grubenleiter und
aus Mitgliedern des Landesverbandes der Steiger, der Bevollmaechtigten und
Schiessmeister. Diese konsultativen Koerperschaften haben die Befugnis, ueber
alle Prägen der Sicherheit, der Wohlfahrt und der Gesundheit zu beraten und Vorschlaege darueber zu machen. Sie koennen auch die Organisation pruefen, wie auch
die Taetigkeit derjenigen, die in der Industrie taetig sind.
Mit Lohnfragen, Bestrafungen und Arbeits- und Anstellungsbedingungen duerfen
sie sich nicht befassen, also mit anderen Worten, nicht mir fragen, die normalerweise den Gegenstand von Verhandlungen zwischen der Leitung und den Gewerkschaften
im Rahmen des Schiedsverfahrens bilden.
Um die Taetigkeit dieser Koerperschaften bald in Gang zu bringen, gibt diese
kleine Schrift nuetzliche Anregungen fuer die Ausschussarbeit und ueber verschiedene Organisations- und Flanungsfragen, die bei den Versammlungen eventuell ausgeworden werden koennten.
Zwei Brwaegungen
Es kommen hierin Prinzipien zum Ausdruck wie;"Beratung basiert auf gegenseitiger Achtung" und "Keine Beratung kann ohne vollstaendige und genaue Information
Erfolg haben". Dies mag selbstverstaendlich und vernuenftig klingen, aber diese
Funkte, die man sich immer wieder vor Augen halten muss, sind fuer die Zukunft
wesentlich.
Der entscheidende Nachdruck liegt auf zwei Erwaeguqaen, an denen die Gewerkschaften seit langem stark interessiert sind. Erstens muss"bei allen Entscheidungen, die den Schacht angehen, moeglichst vollstaendiges Informationsmaterial
vorliegen. Zweitens wird es, um diesen Apparat wirksam und dauerhaft zu gestalten, vonnoeten sein, dass er von den Vertretern der Gewerkschaften aktiv gestuetzt wird, wie auch von ihrer. Entschlossenheit, ihre Kitglieder davon zu unterrichten, was vor sich geht.
"Labour" (London) Maerz 1949
DIB KAUFKRAFT DER ARBEIT IN RÜSSLAND UND IN ANDEREN LAENDERN
Neal Stanford hat in der Ausgabe des "Christian Science Monitor" vom 5. Maerz
einige Angaben gemacht, die er ueber den Lebensstandard in Rus land im Vergleich
zu dem anderer Laender Europas zusammengetragen hat. Aus den Zahlen geht hervor,
wieviel Stunden oder Minuten ein Arbeiter in Russland im Vergleich zu Arbeitern
anderer Laender arbeiten muss, um gewisse Bedarfsartikel kaufen zu koennen. So
muss z.B. der Schweizer Durchschnittsarbeiter 6l Stunden und 30 Minuten arbeiten,
um genug fuer einen Herrenanzug zu verdienen. Ein Schwede muss 73 Stunden und
30 Minuten dafuer arbeiten, aber ein Russe 580 Stunden, um sich einen Anzug
kaufen zu kennen.
Ein russischer Arbeiter muss 3 mal mehr arbeiten als ein belgischer Arbeiter,
um sich ein Paar wollene Socken kaufen zu koennen, und viermal mehr als ein Belgier, um soviel zu verdienen, dass es fuer ein Paar Schuhe reicht, bzw. fast
dreimal solange wie ein belgischer Arbeiter, um ein Kilo Rindfleisch kaufen zu
koennen. Fuer ein Kilo Tee muss der Russe 21 mal mehr arbeiten als der englische
Arbeiter. Wenn ein englischer Arbeiter ein Pfund Butter in etwa einer stunde
verdienen kann, muss der Russe 19 Stunden dafuer arbeiten, er muss schon 10 mal
solange arbeiten wie ein belgischer «rbeiter, um ein Pfund Butter kaufen zu

- 5 -

�koennen. Der Russe muss 3maJ. mehr arbeiten als der Schwede, wenn er ein Roggenbrot kaufen will.
Der Russe, der gerne Zucker In seinen Tee tut, wuerde einen Schreck bekommen,
wenn er erfahren wuerde, dass er 19mal mehr arbeiten muss als ein englischer Arbeiter, 9mal mehr als ein Belgier und lAmal mehr als ein Schwede, damit es zu
einem Kilo Zucker reicht. Derselbe Vergleich laesst sich anwenden, wenn der
russische Arbeiter 1 Pfund Kaffee kaufen will.
"Overseas American News Service" 9. Maerz 1949
DIE EINKOMMENSTEUER IN DEN VEREINIGTEN STAA.TEN
Ein Amerikaner, der 2.500 Dollar im Jahr verdient, muss der Landesregierung
an Steuern soviel bezahlen, wie sein Verdienst fuer 18 Tage ausmacht. Wenn aber
sein Gehalt 5000 Dollar betraegt, dann muss er ungefaehr 28 Tage arbeiten, um
seine Einkommensteuer zu bezahlen. Wenn er 25.000 Dollar im Jahr verdient, dann
macht die Einkommensteuer soviel aus, wie er in 3 Monaten bekommt. Ein Amerikaner
mit einem Einkommen von 100.000 Dollar muss der Regierung eine Steuer zahlen, die
dem Verdienst von 5 Monaten entspricht, und 75^ seines Einkommens gehen fuer
Steuern ab, wenn sein Einkommen 1 Million Dollar im Jahr betraegt. Es gibt in
den Vereinigten Staaten 177 Personen, die Einkommen in Hbehe von 1 Million und
rtirueber versteuern. Ungefaehr 85^ aller Einkommen liegen unter 5000 Dollar.
Alle Amerikaner mit einem Jahreseinkommen von $1.500 und darueber muessen
Einkommensteuer bezahlen, ungefaehr ein Sechstel aller Lohn- und Gehaltsempfaenger fallen unter die Einkommensklasse unter 1.500 Dollar, aber viele davon sind
nicht ganz und gar von ihren Einkuenften abhaengig. Viele von ihnen sind Personen, die bei ihren Familien leben und die andere Personen oder Angehoerige nicht
zu versorgen haben. Wie verwendet nun die Regierung der Vereinigten Staaten das
Geld, das ihr aus der Einkommensteuer zufllesst. Dafuer gibt es viele Verwendungsmoeglichkeiten, aber nur eine davon soll hier genannt werden, weil sie fuer* die
ganze Welt von Interesse ist. Etwa 12&amp; der Einkuenfte der Landesregierung werden
fuer das Europaeische Wiederaufbau-Programm verwendet.
"Overseas American News Service" 16. Maerz 1949
ENGLISCHE VEKTRETERGHUPPEN DER AHBEITERSCBATT
FAHREN NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN
Im Laufe der naechsten Monate werden mehr als 80 Deutsche Gewerkschafter,
Vertreter der Industrie und Angestellte oeffentlicher Dienststellen auf dem
Gebiete des Arbeitswesens die Vereinigten Staaten bereist haben, um das amerikanische Regierungssystem, die amerikanische Industrie und die Gewerkschaften wie
auch das amerikanische Leben zu studieren. Aehnliche Gruppen werden auch aus
anderen Laendern Amerika besuchen. Abgesehen von denjenigen, die von der amerikanischen Militaerregierung aus Deutschland entsandt werden, wird auch eine betraechtliche Zahl von Industrie- und Arbeiterfuehr er n vom Verwaltungsausschuss fuer
das Europaeische Wiederaufbau-Programm aus eine solche Studienreise unternfcmen.
Folgender Artikel ist ein Bericht ueber die erste Gruppe', die Grossbritannien verlassen wird, die erste der 50 Gruppen, deren Reise aus den Geldern des MarshallPlans finanziert wird.
"Fuenfzehn Leute aus Englands Stahlhuetten fahren in diesem Monat mit der
"Queen Mary" nach den Vereinigten Staaten, um eine öwoechige. Studienreise durch
die Stahlhuetten Amerikas zu unternehmen. Dem Plan nach sollen sie im Mai die
Britische Stahlindustrie mit irgendwelchen neuen Produktionsmethoden bekanntmachen, die sie waehrend ihrer Studienreise kenne gelernt haben, und die sich
fuer die Stahlhuetten diesseits des Atlantik als nuetzlich erweisen.

- 6 -

�"Die Gruppe, die sich aus vertretern der Arbeitgeber, Techniker und des Betriebspersonals zusammensetzt, wird sich darueber klar sein, dass, bevor sie abfahren, ihre Mission nicht den Zweck verfolgt, um Methoden "schwerer Arbeit"
kennen zu lernen. Sie erwarten auch nichts Ausaergewoehnliches in Amerika oder
wollen Wunder wirken, wenn sie zurueckkommen. Ihre Reise, die von dem AngloAmerikanlachen Ausschuss fuer Produkt!vitaet gefoerdert wird, soll lediglich ein
Versuchsunternehmen sein, um festzustellen, wie die britische Industrie dazu
beitragen kann, ihre Produktionsprobleme zu loesen, indem sie sich mit den besten
Amerikanischen Technikien vertraut macht. Dieser Gruppe werden solche aus anderen
britischen Industriezweigen folgen.
Der schnelle Arbeiter
Alle diese Gruppen werden in dem Bewusstsein abfahren, dass die Mitglieder
des Anglo-Amerikanischen Ausschusses es als Tatsache verzeichnet haben, dass der
englische Arbeiter tagsueber schwer arbeitet. Als der Ausschuss im letzten
Herbst in London zusammentrat, legte Victor Reuther vom Automobilarbeiter-Verband
in Amerika folgendes Bekenntnis ab;"Ich habe mich mit anderen der Taeusohung hingegeben, die bei uns in Amerika gang und gaebe zu sein scheint, naemlich, dass
der Unterschied in der Produktivitaet hier ron der Tatsache herruehre, dass die
Arbeiterschaft hier in England nicht so schwer oder so schnell arbeitet wie in
Nordamerika." Nachdem er aber genuegend Einblick in die englische Autoindustrie
gewonnen hatte, konnte er sagen«" Ich habe festgestellt, dass das Arbeitstempo
hier sicher ebenso schnell ist wie in Amerika."
Philip Reed, der Vorsitzende der amerikanischen Sektion de« Anglo-Amerikanischen Ausschusses, hat dies gleichfalls bezeugt. Die englische Arbeiterschaft,
sagte er auf einer Versammlung in New York, arbeitet mit einer Geschwindigkeit
und einer physischen ^nergie, die der gutgeleiteter amerikanischer Werke gleichkommt. Er fuegte hinzu*"Das soll aber nicht besagen, dass der englische Arbeiter
ebensoviel produziert. Das ist nicht der Fall." Der Ausschuss ist sich bereits
ueber den Hauptgrund fuer die hoehere Produktion der amerikanischen Industrie
klar. Der Amerikaner arbeitet in einer Industrie, die in hoeherem Masse mechanisiert ist und hat zweimal soviel mechanische Energie zur Verfuegung wie der
Arbeiter in der englischen Industrie.
Die Alternative
Auf den Herbstsitzungen des Gemischten Ausschusses ist man sich darueber
einig geworden, dass moderne Maschinenwerkzeuge und eine erhoehte Energieanwendung notwendig sind, um die englische Produktion zu heben. Es sind jedoch
der britischen Industrie starke Beschraenkungen in bezug auf ihre lloeglichkeiten
und Faehigkeiten auferlegt, die Industrie schnell und im grossen Stil neu auszuruesten. Das muss einen Teil einen irogramms auf lange oicht bilden, mit dem
sich z.B. die verstaatlichten Kohlenindustrie und die stromerzeugenden Industrieen
Bedarfsartikel bereits befassen. Es kann jedoch schon jetzt viel geschehen, ohne
dass man deshalb auf eine voüstaendige Neuau3ruestung wartet; man muss die vorhandenen Moeglichkeiten wie auch die verfuegbaren Arbeitskraefte wirksam einsetzen.
Die Alternative ist ein Absinken der Produktivitaeti sind hoehere Kosten, hoehere
Probe und ein niedrigerer Lebensstandard fuer die britische Bevoelkerung.
In diesem Zusammenhang ist ein weiterer Kommentar von tor. Reed von Dichtigkeit. "Die Groesse den Unterschieds," sagte er bei seiner Rueckkehr nach Amerika,
"zwischen den besten und leistungsfaehigsten britischen Fabriken einerseits und
den mittleren und unwichtigen andererseits schien groesser zu sein als man ihn
hier bei uns finden kann« ausserdem erschien mir die Zahl der mittleren und unwichtigen Firmen groesser zu sein." Das war fuer die Englaender nichts Neues.
Die meisten der Studienkommissionen, die sich mit den Verbraucher-Waren-Industrien
dieses Landes beschaeftigten, uebten in aehnlichem Sinne Kritik
i

�Das Nebenerzeugnis
Dieselben Verhaeltnisse lassen sich anwenden, wenn man transatlantische Delegation aus anderen Industriezweigen arrangiert. Alle Industriegruppen werden somit in der Lage sein, festzustellen, was die leistungsfaehigsten und fortschrittlichsten Unternehmen in der Industrie ihres eigenen Landes tun, um die Produktion
aufrechtzuerhalten und zu erhoehen. Die Ideen, die sie von der Fabrikorganisation
und den Produktionsmethoden in sich aufnehmen, werden ein Nebenprodukt ihrer Arbeit sein. Aber das Nebenprodukt kann sich sehr wohl als dem Hauptprodukt ebenbuertig - wenn nicht gar ueberlegen - erweisen, wenn es sich darum handelt, unsere
Industrien nach den modernsten Methoden auszurichten und diese auf sie anzuwenden.
"Das," erHaerte Mr. Reed", muss man den Englaendern ueberlassen, wie sie
das machen. Wir wuerden als Amerikaner keine grossen Sympathien haben, wenn wir
unsere Nase in ihre Fabriken stecken.
Alles in al lern sollen Gruppen aus etwa 50 Industriezweigen oder aus der
Grossindustrie waehrend der naechsten 12 Monate die Vereinigten Staaten bereisen.
Der anglo-amerikanische Ausschuss selbst waehlt einige Industriezweige aus, ist
aber durchaus bereit, auch die Gesuche anderer in Erwaegung zu ziehen, und hat
keineswegs die Moeglichkeit ausgeschaltet, dass verstaatlichte Unternehmen, die
sich an dem Plan zu beteiligen wuenschen, ebenfalls beruecksichtigt werden.
Die Auswahl
Die Gruppen sollen auf Grund eines Abkommens zwischen den Arbeitgeberorganisationen und den Gewerkschaften ausgewaehlt werden und werden, obwohl kein starres
System hierfuer festgelegt islj gewoehnlich aus nicht mehr als 15 Mitgliedern bestehen. Mindestens /+ Personen mit einer aufsichtsfuehrenden Taetigkeit, einschliesslich der Werkleitung und der Werkmeister, sind vorgesehen, ausserdem
mindestens 4 Vertreter aus den Werkstaetten, das heisst, Vertreter des Betriebspersonals und der Betriebsraete. Ferner werden 4 Spezialisten auf dem Gebiete
der Planung, der Arbeitsvorbereitung, Arbeitsmethodik und der Personal und
Kostenfragen ausgewaehlt. Um die Gruppe auf die Hoechstzahl von 15 Personen
zu bringen, werden noch Techniker ausgesucht^ ein Sekretaer wird die Gruppe auf
der Reise begleiten um ihre Beobachtungen und Ansichten aufzuzeichnen.
Die Stahlgiesser werden sich bereits auf der Reise befinden, waehrend der
gesamte Anglo-Amerikanische Ausschuss fuer Produktivitaet in den Vereinigten
Staaten zusammentritt. Die beteiligten englischen Gewerkschaftler sind Lincoln
Evans, Arthur Deakin, Jack Tanner, Tom Williamson, Vincent Tewson und Sir 'Villiam
Lawther. Die vorbereitenden Massnahmen fuer weitere Reiseabordnungen aus der
Industrie bilden nur einen Punkt der Tagesordnung, in der auch Reden ueber viele
andere Gesichtspunkte in bezug auf die Produktivitaet (z.B. Spezialisierung und
Normung in der Herstellung von Einzelteilen; gehalten werden sollten; diese
Fragen wurden bereits angeschnitten, als der gesamte Ausschuss im vergangenen
November in London tagte.
Zweifellos werden die Mitglieder der britischen Gewerkschaften auch den
TJunsch haben, sich einmal die Arbeit der Berater fuer produktive Leistungsfaehigkeit anzusehen, die von den amerikanischen Gewerkschaften eingesetzt werden,
und ueber die sie hier soviel schon gehoert haben.
Es ist jetzt gerade etwas laenger als 6 Monate her, dass sich der Gedanke
der Errichtung eines Ausschusses aus einer Unterhaltung zwischen Sir Stafford
Cripps und ^r. Paul Hoffman, dem Leiter des Verwaltungsausschusses fuer das ERP,
ergab. Der Britische Gewer ks che ftsbund begruesste diesen Vorschlag und seh los s
sich mit dem Britischen IndustrJEverband und dem Britischen Arbeitgeber- er band
zwecks Bildung der Britischen Sektion des Ausschusses zusammen; die amerikanische
Sektion ist uebrigens auch aus Arbeitgebervertretern und Gewerkschaftsorganisationen zusammengesetzt.
A

-

�Der Ausschuss arbeitet unabhaengig von den Regierungen beider Laender und
erhaelt sich selbst, mit Ausnahme der kostspieligen Industriereisen. Die Dollarausgaben werden aus den Geldern des Verwaltungsausschusses fuer das E^P bestritten,
wobei die englische Regierung etwa die Haelfte der Kosten in Pfunden traegt.
Ausserdem hat Sir Stafford Cripps Schritte unternommen, dass Berichte ueber die
Arbeit des Ausschusses in der Zeitschrift "Target" (das Ziel), veroeffentlicht
werden. Dieses Organ, das monatlich erscheint, und sich mit Produktionsfragen befasst, wird den Werksleitungen und den Vertretern der Arbeiterschaft in Hunderten
von Industrieunternehmen zugestellt.
"Labour" (London) Maerz 1949
RUECKNAHMB DES GESETZENTWURFS ZUR VERHINDERUNG
VON STREIKS
Der Premierminister kuendigte im Parlament an, dass die Regierung nicht den
Wunsch habe, den Gesetzentwurf zur Verhinderung von Streiks in lebenswichtigen
Betrieben, der am 25. Februar eingebracht worden war, weiter zu behandeln.
Eine Erklaerung, die der Premierminister fuer den Innenminister verlas,
brachte zum Ausdruck, dass der Gesetzentwurf eingebracht worden war, um gegen
gewisse drohende Streiks im Eisenbahn- und Postwesen vorzugehen. Darauf entschied sich der Allindische Eisenbahner-Verband gegen den Streik, und es ging
Jetzt darum, Streiks zu begegnen, die von Gewerkschaften unterstuetzt wurden, die
sich nicht an die Richtlinien des Verbandes halten wollten, wie auch dem drohenden
Poststreik.
Die Lage hat sich jetzt, heisst es weiter in der Erklaerung, soweit gebessert,
dass sich die Streikdrohungen nur auf gewisse Eisenbahnergewerkschaften beschraenken, deren Mitglieder von der kommunistischen Partei beherrscht waren» Es haben
sich Jedoch in Calcutta und anderswo gewisse Vorfaelle ereignet,"die eine ernste
Verschlechterung" der Lage im Gefolge hatten.
Eine Herausforderung
Das Problem beschraenkte sich nicht allein auf irgendwelche moeglichen
Streiks, sondern es ging im Gesetz und Ordnung, und dies bedeutete eine ernste
Herausforderung an den Staat. Es mussten geeignete Massnahmen geplant werden,
um dieser Situation zu begegnen. D ie Erklaerung besagt, dass die Regierung dies
zu tun vorschlage, und dass sie, falls notwendig, wegen der geforderten Machtbefugnisse wieder an das Haus herantreten wuerde.
Der Premier erklaerte, dass sich die Lage vollkommen geaendert habe, sowohl
zum Guten, wie auch bis zu einem gewissen Grade in anderer Richtung, zum schlechteren. Im vorliegenden Falle war kein organisierter oder regelrechter Streik in
Aussicht genommen worden. Sie sahen sich Jedoch einer neuen Lage gegenueber.
Gewisse Gruppen waren nicht so sehr zu einem Streik geneigt als vielmehr dazu,
Unordnung und Chaos zu stiften und Sabotageakte zu begehen.
"Wir sind vollkommen davon ueberzeugt," fuegte Pandit Nebru hinzu, "dass wir
der Situation in hingtchandem Masse gewachsen sind. Was mich aber beunruhigt,
ist nicht so sehr das Ausmass oder die Gefahr der Situation, sondern ihr Charakter,
und dass es Menschen in diesem Lande geben soll, die so vollkommen gelenkt werden
oder in ihren Ansichten so verkehrt beraten sind, dass sie in solchen Begriffen
denken." Er gab seinem Vertrauen Ausdruck, dass die ueberwaeltigende Mehrheit
des Volkes und der Industriearbeiter davon nicht beeinflusst werde und diese
Schritte missbilligen wuerde.
Der Premierminister stellte klar heraus, dass die Regierung nicht die Absicht haette, einen Schlag gegen die Gewerkschaftsorganisationen zu fuehren, oder
gar gegen ihr allgemeines Recht auf Streik. "Diese Regierung" erklaerte er,

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�"ist nicht nur geneigt, die allgemeinen Arbeitsbedinungen zu verbessern, sondern
auch der Arbeiterschaft den rechtmaessigen Platz einzuraeumen, den sie in der
Regierungsform des Landes einnehmen sollte."
"India News" London, 10. Maerz 1949
GRUNDSTEINLEGUNG- FUER DIB ERSTE HBILSTABTTB
Rajkumari Amrit Kaur, Minister fuer Gesundheitswesen, legte am 6. Maerz in
Najafgarh, einem Dorf, das etwa 20 Meilen von Dehli entfernt liegt, den Grundstein fuer eine Heilstaette, die die erste ihrer Art in Indien darstellt.
"Es handelt sich dabei um eine epochemachende Zeremonie in der Geschichte
unseres Gesundheitswesens", erklaerte sie. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, dass
Delhi sehr bald einen vollkommenen Gesundheitsdienst haben werde, der als Vorbild fuer die anderen Provinzen dienen koennte
Die Heilstaette, von der man annimmt, dass sie innerhalb eines Jahres den
Betrieb aufnehmen wird, ist nach den Vorschlaegen des Ausschusses fuer Gesundheitsplanung und -Entwicklung errichtet worden, der von der Regierung Indiens
im Jahre 1943 ernannt worden war. Die Heilstaette dient fuer 26 Doerfer mit
einer Bevoelkerung von 20.000 Einwohnern. In Euerze wird in Narela eine aehnliche
Heilstaette fuer die Provinz Delhi errichtet werden.
Der Arbeitsbereich erstreckt sich auf Krankenbehandlung, Woechnerinnenhilfe,
Verbesserung der hygienischen VerhaeltniSM der naeheren Umgebung, aerztliehe
Untersuchung der Schulkinder, Zusammenstellung lebenswichtiger statistischer Daten,
sowie Aufklaerung ueber Gesundheitswesen im Heim. Die aufsiehtsfuehr enden Gesundheitsbeamten werden sich nicht nur mit Vorbeugungsmassnahmen, sondern auch mit
der Heilung von Krankheiten befassen.
"India News" London, 10. Maerz 1949
STRASSENBAUINGENIEURE BESUCHEN AMERIKA
Eine Gruppe von kindischen Strassenbau-Ingenieuren will sich nach den Vereinigten Staaten begeben, um sich dort in einem 13-woechigen Kursus als Spezialisten in den modernen Methoden des Landstrassenbaus ausbilden zu lassen.
Die Gruppe, die von Mr. D.P, Nayar, dem Ober Ingenieur der Abteilung fuer
oeffentliche Bauten in East Punjab, gefuehrt wird, soll Indien am 3. Mai verlassen.
Ein Plan auf lange Sicht
Diese Abordnung faellt unter einen Plan auf lange Sicht, der jetzt von de*
Indischen Regierung in Zusammenarbeit mit den Regierungsstellen der Provinzen
und Staaten in die Wirklichkeit umgesetzt wird, um die Fertigkeiten und Leistungsfaehigkeit der Wegebau-Ingenieure zu erhoehen, so dass sie sich darauf einrichten
koennen, in zufriedenstellender Weise die grosszuegigen Wegebau-Programme zu
meistern, die jetzt in Aussicht genommen bzw. Vorbereitet werden.
"India News" London, 10 Maerz 1949
AMERIKANISCHE MUSIKER BEGRUESSEN 5CH0STAK0WITSCH
Am 17. Maerz veroeffantlichte Richard McCann, der Vorsitzende der Ortsgewerkschaft 602 des Amerikanischen Musiker Verbandes (AFL) einen Brief, den er an den
Landesausschuss fuer Kunst und Wissenschaft gerichtet hatte. McCann sagte, seine
Gewerkschaft wuerde den russischen Komponisten Dimitrij Schostakowitsch willkommen
heissen, der in Kuerze mit einer Delegation von 21 Russen die Vereinigten Staaten
besuchen wuerde, um an der w'eltfriadenskonferenz von Kultur und Wissenschaften
teilzunehmen.
In seinem Brief an den Ausschuss brachte McCann klar zum Ausdruck, dass
seine Gewerkschaft Schostakowitsch lediglich als grossen Musiker bewillkommnet.
Er aeusserte sich jedoch ueber die Konferenz abfaellig die, wie er sagte, von den
- 10 -

�Bussen fuer sowjetimperialistische Zwecke ausgeschlachtet werden wuerde. Er forderte den Ausschuss auf, "den Mangel an kuenstlerischer Freiheit in der Sowjetunion" zu untersuchen und zu eroertern. Nachstehend ein Auszug aus seinem Briefe;
"Als Gewerkschaftsbeamter fordere ich Ihre Konferenz auf, das Gewerkschaftswesen in der Sowjetunion zu behandeln. Als Anhaenger der B i l l of Rights fordere
ich Ihre Konferenz auf, die Freiheit der Gott esVerehrung, die Versammlungs- und
Bedefreiheit in der Sowjetunion zur Sprache zu bringen.
"Jawohl, auch wir a l s Musiker heissen einen grossen Komponisten wie Dimitrij
Schostakowitsch willkommen. In Wirklichkeit bewillkommnen wir Schostakowitsch.um
unsere Regierung bei seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten zu b i t t e n , ihm die
Erlaubnis zugaben, hier seinen ataendigen Aufenthalt nehmen zu duerfen. Ich bin
sicher, dass sein Genius in der gesegneten Atmosphaere der Freiheit hier und in
Westeuropa wie nie zuvor wachsen wird; das einzige, wovor er Furcht haben koennte,
waeren die ohnmaechtigen Angriffe einiger ohnmaechitgen Musikkritiker.
McCenn erklaerte dem Ausschuss, der diese Konferenz fördert, "Solange Ihre
Organisation in Wort und Tat zum Ausdruck bringt, dass sie anerkennt, dass die
Sowjetunion eine Diktatur und nicht eine Volksdemokratie i s t , solange kann jeder
Arbeiter, Musiker oder sonst jemand anders Ihre Konferenz a l s nichts anderes ansehen, a l s einen Teil der sich ueber die ganze Welt erstreckende Verschwoerung des
Kreml gegen die Freiheit und Demokratie der W e l t . . . .
"Die Ankunft Schostakowitsch* wird mehr a l s jedes andere Ereignis die voellige
Entwuerdigung der Freiheit der Kunst in der Sowjetunion herausstellen. Erst vor
ein paar Monaten wurde DemiirLj Schostakowitsch, der jetzt von Ihrer Organisation
a l s einer der Unsterblichen gefeiert wird, von den Fuehrern der Sowjetunion angeprangert...."
Damals musste sich Schostakowitsch, wie McCann ausfuehrt, selbst vor der Partei
demuetigen und versprechen, dass er in Zukunft nur noch Musik im marxistischen
Geiste schreiben wuerde.
Eine Anzahl amerikanischer Professoren auf kuenstierischem und wisschenachaftlichem Gebiete, von denen einige von der bevorstehenden Konferenz fuer Weltfrieden
ausgeschlossen wurden, wollen eine Gegenkonferenz einberufen.
Ausaenministerium, "Radio Bulletin" 17* Maerz 1949
WAS DES MARSCHALL-PLAN FÜER FBAHffiBICH BEDEUTET
Wir geben nachstehend einige Fragen und Antworten aus einem Interview wieder,
das Jean Monnet, der Generalkommissar des franzoesisehen Plans zur Modernisierung
und Ausruestung, am 24. Dezember 1948 der Zeitschrift "La Vie Francaise", gewährte.
Dies s t e l l t eine Antwort dar auf die Behauptungen mancher Kommunisten im franzoesischen Gewerksohaftsbund (CGT), dass der Monnet-Plan gegen den Marshall-Plan gerichtet i s t .
"Unsere Unabhaenglgkelt steht auf dem Spiel"
Frage. "Aus Ihrem dritten Durchfuehrungsbericht geht hervor, dass "Wir uns dem
Ende des grossen Mangels naehern". Halten Sie daher die produktiven
Bemuehungen fuer zufriedenstellend.
Antwort;"Wir beginnen jetzt die Fruechte der vor 2 Jahren begonnenen Arbeit zu
ernten. Obwohl wir bis kurz vor dem Kriege 20 Milliarden Kwh erzeugt
haben und unser Ziel fuer 1952 40 Milliarden betraegti haben wir erst
den halben Weg zurueckgelegt. Bei der Kohle entsprach der Produktionssatz vor den Streiks einer jaehrliehen Foerderung von 55 Millionen Tonnen,die
nur im Jahre 1929 erreicht wurde. Unser Ziel von 60 Millionen Tonnen
muss daher erreichbar s e i n . In bezug auf Oele uebersteigt unsere augenblickliche Raffinierkapazitaet bei weitem die der Vorkriegszeit. Schliess-

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�lieh haben wir heute 100.000 Traktoren im Vergleich zu 35.000 im Jahr«
1939t und w i r koennen unserer Landwirtschaft mehr Duenger als jemals zuvor liefern. Alles in allem verfuegt unsere Wirtschaft ueber bedeutendere Produktlomsmlttel als jemals zu einem frueheren Zeltpunkt. Das fuer
die Durchfuehrung des Modernisierungsplans investierte Geld ist daher
gut angelegt gewesen. Wenn wir in demselben Tempo fortschreiten, aber
natuerlich nur unter dieser Bedingung, dann werden wir 1952 von dem Produkt unserer eigenen Arbeit leben koennen.
Unser Lebensstandard ueberstelgt unsere Mittel
Frage;
"Wie leben wir heute.
Antwort; Heute ueberstelgt unser Lebensstandard unsere Mittel. Zum grossen Teil
haengt es von der Einfuhr ab, die uns durch die "Amerikahilfe" zugutekommt. Unser Produktionsniveau fusst daher wie unser Lebensstandard auf
Hilfsmitteln, die uns nicht gehoeren. Es wuerde alles zusammenbrechen,
wenn die Amerikahilfe morgen aufhoeren wuerde und nicht durch das Produkt
unserer eigenen Anstrengungen ersetzt werden keennte. Alle Franzosen,
die das vergessen, leben in einer gefaehrlichen Illusion.
Die dreifache Auswirkung der Marshall-Kredite
Frage;

Aber die Marshallplan-Kredite stellen doch nur einen kleinen Teil des
nationalen Einkommens und selbst dar oeffentlichen Ausgaben dar.
Antwort; Nichts waere falscher, als die Bedeutung dieser Kredite nach dem Nennwert von 1,3 Millionen Dollar beurteilen zu wollen, oder nach ihrem
verwendbaren Gegenwert, d.h. 280 Milliarden Francs. Tatsaechllch haben
diese Kredite eine dreifache Auswirkung. Zunaechst. die direkte Auswirkung, wir erhalten Rohstoffe und Erzeumlsse, die fuer unsere Wirtschaft
von Wichtigkeit sind, und zwar kostenlos. Es ist noch nicht genuegend
bekannt, dass diese Summe mehr als die Haelfte unserer Einfuhr ausmacht.
Dann haben die Marshallplan-Kredite eine indirekte Auswirkung, denn ihr
Gegenwert in Francs gestattet es uns im Augenblick - ohne dass dem franzoesischen Steuerzahler auch nur ein einziger Centime an Kosten entsteht,
Investierungen zu finanzieren, dank denen es uns moeglich ist, unser
Produktionspotential staendig zu steigern.
Schliesslich traegt die amerikanische Hilfe durch die Produktion, die sie
schon jetzt ermoeglicht, dazu bei, dass wir uns einen bedeutenderen Teil
unserer nationalen Einkommen selbst schaffen. Aus diesem Grunde ist
unsere Produktion auf einem augenblicklichen Stande angelangt, da wir
in der Lage sind, unsere oeffentlichen Ausgaben zu decken und unseren
augenblicklichen Lebensstandard zuhalten.
Vom Produkt unserer Arbeit leben, bedeutet diher; Unsere Einfuhr mit
unserer Ausfuhr bezahlen, unsere Ausruestungsbestrebungen selbst finanzieren und unsere Ausgaben aus unseren eigenen Mitteln bestreiten.
Tataaechlich hat der amerikanische Europa-Hilfeplan nur eine Bedeutung;
Es ist eine Unterstuetzung unserer nationalen Bemuehungen, damit wir
in Zukunft ohne diese Unterstuetzung auskommen und selber zum Wohlstand
der Welt beitragen koennen.
Die Lasten der Investierung
Frage:
"Aber sind die Ziele des Plans nicht zu ehrgeizig und die Lasten der
Investierungen nicht zu schwer.
Antwort; "Im Augenblick bedeuten diese Investierungen fuer uns keinerlei

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�Belastung, da sie von dem Gegenwert der Amerika-Hilfe finanziert werden.
Fuer die Zukunft stellt der Anteil der produktiven Ausruestungen, die
vom Staat finanziert werden muessen, noch nicht den zehnten Teil der
oeffentlichen Ausgaben dar; Zivilhaushalt, Sozialversicherung, Landesverteidigung, Haeuserbau. Dies bedeutet sicherlich grosse Investierungen
die aber so genau ausgerechnet wurden, um dem franzoesischen Volk wenigstens dasjenige an materiellen Mitteln zukommen zu lassen was ihm fehlt.
Wir wollen uns vor Augen halten, dass wir fuer 1952 eine Energiemenge
erreichen wollen, die 2,9 Tonnen Kohle pro Person entspricht, waehrend
jeder Englaender ueber 6,6 Tonnen verfuegen wird. Wir wollen erreichen,
dass 310 kg. Stahl pro Person verbraucht wird, waehrend jeder Englaender
378 kg haben wird. Wjj wollen erreichen, dass unsere Landwirtschaft
ueber 12 kg Stickstoff pro ha an bestelltem Boden verfuegt, waehrend der
hollaendische Bauer 56 kg. und der belgische Bauer 68 kg zu seiner Verfuegung hat. Es handelt sich also nicht um ein riesenhaftes und undurchfuehrbares Programm, sondern um Bemuehungen, die im Verhaeltnis zu unseren
Mitteln stehen.
"Die Investierungslasten sind die einzigen, die die Produktion steigern
und es infolgedessen moeglich machen, andere Lasten zu tragen. Wenn wir
diese Anstrengungen nicht machen, was eine Steigerung des Landeseinkomznens
bedeutet, dann waere es bei dem jetzigen Lebenshaltungsniveau unmoeglich,
die Waehrung zu stabilisieren und alle sozialen Vorteile, alle Versprechungen in bezug auf die Wiedergutmachung von Kriegsschaeden, alle Aussichten
auf eine Verbesserung des Kaufkraft wuerden nichts anderes sein als ungedeckte Schecks.
"Documentation Syndicale"
"Weekly Bulletin for Militant
Free Trade Unionists" Paris 1U. Feb.49
GEWERK5CHAFTSFUNKTI0NAERE AN DER HARVARD-UNIVERS ITABT
Amerikanische Gewerkschaftsfunktionaere nehmen an Fortbildungslehrgaengen
der Universitaet Harvard teil, um spaeter, wie der Lehrgangsleiter Professor
J.J. Healy erklaerte, in der Gewerkschaftsbewegung bedeutendere Stellungen einnehmen zu koennen.
Die Teilnehmer an diesen Lehrgaengen, werden von den Gewerkschaften ausgewaealt und mit Stipendien finanzielleunterstuetzt. In den Kursen beschaeftigen
sich die ^unktionaere mit Fragen der Gewerkschaftspolitik., wie z. B . Aufbau
der Gewerkschaften, Verhandlungen ueber ArbeitsVereinbarungen und ihre Durchfuehrung, Verhandlungen mit Regierungs-und Schlichtungsbehoerden, Beziehungen
zwischen Arbeiterschaft und Unternehmern.
Neben dem Unterricht treffen sich die Funktionaere einmal in der Woche mit
Wissenschaftlern der Betriebswirtschaftlichen Abteilung der Universitaet und
besprechen sich mit ihnen die Beziehungen zwischen Arbeiterschaft und Unternehmern.
Ausserdem beteiligen sie sich an Rundfunkdiskussionen ueber sehnliche Fragen.
Die Entscheidungen der Gewerkschaften, erklaerte Professor Healy, gewinnen
sowohl im oertlichen als auch im gesamtamerikanischen Rahmen immer staerkeren
Einfluss auf Wirtschaft und Gesetzgebung. Darum will die Harvard Universitaet
befaehigten Gewerkschaftsfuehrern die Mittel in die Hand geben, mit denen sie
die zahlreichen Probleme der heutigen Geweric Schaftsbewegung bewaeltigen koennen.
Die Kurse dauerten anfangs neun Monate, wurden aber dann auf 13 Wochen
verkuerzt, um auch solchen Funktionaeren, die nicht 9 Monate lang von ihren Arbeitsplaetzen fernbleiben koennen, die Teilnahme zu ermoeglichen.
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�Nach Professor Healys Ansicht wird sich die Teilnehmerzahl in diesem Jahr
bedeutend erhoehen, denn bis Anfang Februar waren schon 65 Funktionaere von
ihren Gewerkschaften nach Harvard geschickt werden.
"Amerika Dienst" 4. Maerz 1949
DAS LEBENSMITTELPROBLEM DER WELT
Kann sich die Welt selbst ernaehren. - Beamte der Forschungsabteilung des
Landwirtschaftsministeriums der Vereinigten Staaten glauben, fuer diese Frage
eine bejahende Antwort gefunden zu haben.
In einem kuerzlichen Forschungsbericht haben Wissenschaftler zum Ausdruck
gebracht, dass dieses Problem einer gut ernaehrten Welt in 2 Phasen zerfaellt.
1. Die Frage der natuerlichen Hilfsquellen und 2. ein angemessenes System fuer
Planung, Produktionsabsatz und Transportmittel. Ausserdem kommt noch die
Durchfuehrung und Finanzierung eines so riesengrossen Unternehmens hinzu.
In den meisten Laendern herrscht Mangel
Vor dem Kriege gab es etwa nur ein Dutzend Laender, die eine ziemlich gute
Ernaehrung hatten. Dies waren; Nordamerika, Grossbritannien, Canada, Australien, Neuseeland, Holland, Daenemark, Schweden, Deutachland, Argentinien,
Uruguay, Norwegen, die Schweiz und wahrscheinlich auch Finnland. Aber selbst
in diesen Laendern war die Ernaehrung sehr unterschiedlich. In anderen Laendern
der Welt war aber die Lage kritischer, wo mehr als die Haelfte der Bevoelkerung
der Welt lebte. Die Haelfte der Bevoelkerung der Welt erhielt im Jahre 1939
weniger als 2250 Kalorien am Tage und weite Bevoelkerungskreise mancher Nationen
bekamen weniger als 1000 Kalorien. Das bedeutet ein langsames Verhungern, und
um die Welt hinreichend ernaebren zu koennen, so heisst es in dem Bericht,
muessen die Weltproduzenten fuer mehr als die Haelfte der Bevoelkerung der Welt
fuer eine starke Kalorienerhoehung sorgen« sie muessen mehr Kalorien durch Produktion hochwertiger Nahrungsmittel schaffen, wie Fleisch, Milch, Gemuese, Eier,
und Fisch, und sie muessen diese Lebensmittel in solchen Mengen liefern, damit
die Bevoelkerung ansteigt. Waehrend der letzten zehn Jahre ist die Zahl der
Bevoelkerung um 7* gestiegen und ein weiteres Ansteigen ist sicher.
Die Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft hat die Vermehrung der
Lebensmittelerzeugung errechnet, die notwendig sein wird, um die Welt bis
i960 hinreichend zu ernaehren, wobei man der bis dahin erwarteten Bevoelkerungsvermehrung Rechnung tragen muss. Bei Obst und Gemuese muss die Erzeugung in
der ganzen Welt um 163* ueber den Durchschnitt von 1936-1939 hinaus erhoeht
werden, und bei Milch wird die doppelte Menge der Erzeugung notwendig sein*
Die Erzeugung muss ferner gehoben werden bei« Erbsen und Bohnen (80&amp;), Fleisch
(56*), Fett (34*), Kartoffeln und Rueben (27*), Naehrmittel (21*), und Zucker
(12*).
Wieviel ist moeglich
Ist es vom natuerlichen Standpunkt aus moeglich, die Lebensmittelerzeugung
der Welt um soviel zu erhoehen, dass die Bevoelkerung in der Welt nicht nur
genug zu essen, sondern auch die richtige Qualitaet bekommt. Die Wissenschaftler
in der Landwirtschaft sagen; "Ja". Sie sagen, es gibt 2 Wege, um diese enorme
Erhoehung in der Lebensmittelerzeugung zu verwirklichen
indem man mehr
Land bestelle und groessere Ertraege von dem bereits bebauten erzielt« sie haaen
auch schon errechnet, wie man beides verwirklichen kann.
Das Landwirtschaftsministerium hat Untersuchungen ueber den bestellten
Boden auf der Erde angestellt. Die Haelfte des Gebietes in der Welt kann nicht

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�bestellt werden. Riesige Gebiete unentwickelten Landes gibt es an 2 Stellen in
der ?.Telt - noerdlich der gemaessigten Zonen Canadas, in der Sowjetunion, und
suedlich der gemaessigten Zone in den 'Eropen Afrikas, Mittel- und Suedamerikas,
Suedostasiens und der tropischen Inseln.
Die Moeglichkeiten, die Lebensmittelerzeugung auf bereits bebautem Boden
zu erhoehen, koennen leicht durch eine Pruefung der Veraenderungen bezeugt
werden, die in der Landwirtschaft Amerikas durch die Anwendung moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse vorgenommen wurden. In den letzten 20 Jahren stieg
der Maisertrag pro acre (-etwa 40,5 a) in den Vereinigten Staaten um 37?, Weizen
um etwa 20?, Baumwolle um fast 60?, Kartoffeln um etwa 65?, Sojabohnen um etwa
58? und Hafer um etwa 20?
Im Jahre 1820 konnte ein Landarbeiter genuegend Nahrungsmittel fuer etwa
4 Menschen anbauen, wenner weniger Stunden arbeitete, heute kann 1 Mann Nahrungsmittel fuer weitere 14 Menschen anbauen. Seit 1939 hat sich der Ertrag pro
Landarbeiter um einige 40? erhoeht.
Der Bauer mus3 geschult werden
Diesen Schaetzungen zufolge kann eine hinreichende und richtige Ernaehrung
fuer alle Menschen auf der Erde zur Wirklichkeit werden. Eine Schwierigkeit
besteht aber noch in der Schulung der Bauern in der ganzen Welt zu dem Zweck,
dass sie diese ergiebigeren Ernten hervorbringen. Ein gruendlich und gewissenhaft ausgearbeitetes System landwirtschaftlicher Versuchsstationen, ein Propagandadienst, Landwirtschaftsschulen, viele Farmorganisationen stattlichen und
lokalen Charakters sind noetig,gewesen, um die Bauern mit besseren Bewirtschaftungsmethoden bekanntzumachen.
Die Aufgabe wird dadurch noch um ein Vielfaches groesser, dass man das
Informationsmaterial den Farmern in den weniger entwickelten Gebieten zukommen
lassen muss. Jedenfalls ist der Anfang gemacht, doch die noch zu beseitigenden Aufgaben sind enorm, wenn die fuehrenden Maenner der Welt ishc wirklich
ernstlich mit der Aufgabe beschaeftigen, den Hunger zu beseitigen.
"Overseas American News Service" 8. Maerz 1949
WIE DER DURCHSCHNITTLICHE AMERIKANISCHE EISENBAHNARBEITER LEBT
Im Jahre 1917 erhielt ein Lokomotivfuehrer bei 8stuendiger Arbeitszeit
einen Lohn in Hoehe von 14.20 pro Tag. Sein Durchschnittslohn pro Tag betraegt
heute bei gleicher Arbeit $13.57. Heute aber erhält er fuer Ueberstunden d ö 3
Anderthalbfache und 6? seiner Bezuege (wozu noch weitere 6$ vom Arbeitgeber
kommen) werden in einen Pensionsfonds eingezahlt, der den Beguenstigten nach
seinem Tode mit 4? Zinsen zurueckgezahlt wird.
Gewoehnlich hat der amerikanische Lokomotivfuehrer 2 Kinder, die eine
hoehere Schule absolviert haben. Er hat sein eigene« Heim mit automatischer Gefrier- und Heizanlage) besitzt ein Auto, hat Ersparnisse auf der Bank und sieht
seiner Pensionierung mit 65 Jahren entgegen, waehrend welcher Zeit er dann monatlich eine Zuwendung in Hoehe von $144 erhaelt. Dieser Betrag wird ihm monatlich per Scheck von der Regierung zugestellt, denn die Regierung ist der Verwalter des Pensionsfonds.
Der amerikanische Lokomotivfuehrer hat jedes Jahr einen 7tae§igen bezahlten
Urlaub. Er erhaelt Kranken-und Erwerblosen-Unterstuetzung in Hoehe von $1.75 $5.00 pro Tag, und zwar 130 Tage lang, wenner von seinem Arbeitgeber entlassen
wird. Nach lOjaehriger Taetigkeit kann er sich mit steigenden Zuwendungen zur
Ruhe setzen, wenn er gaenzlich dienstuntauglich geworden ist. Wenn er beruflich
behindert ist, um seine regelmaessige Arbeit zu leisten, dann kann er sich nach
20 jaehriger Taetigkeit mit voller Pension zur Ruhe setzen, selbst wenn er noch
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�irgend eine andere Arbeit tun kann. Er braucht dann nichts in seinen Krankenund Erwerbslosen-^er Sicherungsfonds zu zahlen. F a l l s der Arbeiter s t i r b t ,
e r h a e l t seine Witwe, sobald s i e 65 Jahre a l t geworden i s t , seine Pension.
Die Kinder der Lokomotivfuehrer haben im Durchschnitt ausserordentliche
Bildungsmoeglichkeiten. Viele werden Sechtsanwaelte, Aerzte, Musiker oder
Facharbeiter. Hauptmann Jimmy Gallagher, der vor kurzem mit einem Bomber einen
Nonstop-Flug um d i e Welt a n t r a t , i s t der Sohn eines Lokoraotivfuehrers. Viele
Lokomotivfuehrer haben Jura, Buchhaltung und andere Spezialfaecher s t u d i e r t .
Manche sind hervorragende Euender des Evangeliums.
"Overseas American News Service" 12. Maerz 1%9
EINE MORDGESCHICHTE
Die vom Zentralkomitee der Kommunistischen P a r t e i i n Moskau herausgegebene
Z e i t s c h r i f t "Bolschewik" veroeffentlichte folgende beunruhigende kleine Notiz:
"Nach Angaben des Amerikanischen I n s t i t u t s fuer Kriminologie", so b e r i c h t e t das
B l a t t , "wird a l l e 5 Minuten und 7 Sekunden in Los Angeles ein Mord begangen."
Das bedeutet 270 Morde am Tage und f a s t 100.000 Morde im Jahr; das waere
ein Rekord ohne gleichen fuer diese Stadt, die so gern Rekorde b r i c h t . Da
Los Angeles eine Bevoelkerung von etwa 1.800.000 Menschen hat, wuerde dies b e deuten, dass die Stadt in 18 Jahren vollkommen entvoelkert sein wuerde. Aber
der Kniff bei der Sache i s t der, dass das Amerikanische I n s t i t u t fuer Kriminologie wieder einmal eine jener kommunistischen Gruppen zu sein scheint.
"The New Leader" 5 . Maerz 1949.

-

Manpower Division
OMGDS, APO 742

CtWUS, 9-lCftl, L*MB, Her U9, Kl C

16 -

OFFICLAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEH
Die folgenden Artikel «teilen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder,
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden* Anf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet,
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 8

Berlin, 15. April

1%9

BEISPIELE FUER DIE GE'.'ERKBCHAFTL ICHE HANDLUNGSIVEISE
VERSCHIEDENER NATIONEN
P r o f e s s o y Adolf Sturmthal vom Bard C o l l e g e , New York, h a t vor kurzem e i n e n
a u f s c h l u s s r e i c h e n V e r g l e i c h zwischen der Handlungsweise der Gewerkschaften v e r s c h i e d e n e r w e s t l i c h e r Laender gezogen, Der A r t i k e l i s t zu l a n g , um h i e r ganz
wiedergegeben zu werden, a b e r die nachstehend aufgefuehrten Saetze geben 1-rofess o r S t u r m t h a l s Auffassungen und Ansichten ueber d i e s e s Thema w i e d e r .
Warum v e r h a l t e n s i c h d i e Gewerkschaften in den verschiedenen Laendern auf
u n t e r s c h i e d l i c h e . c t . Um es kurz zu machen, d i e Gewerkschaft in einem Lande i s t
das i r o d u k t v e r s c h i e d e n e r F a k t o r e n , d i e d e r Bevoelkerung d o r t e i g e n t u e m l i c h s i n d .
Die h i s t o r i s c h e n , w i r t s c h a f t l i c h e n , s o z i a l e n und anderen F a k t o r e n sind in jedem
Lande v e r s c h i e d e n . E r l a e u t e r u n g e n zu der E i g e n a r t der g e w e r k s c h a f t l i c h e n Haltung
i n einem Lande koennen nur t e i l w e i s e das g e w e r k s c h a f t l i c h e V e r h a l t e n in einem
anderen Lande d a r l e g e n .
Die f r a n z o e s i s c h e n Gewerkschaften haben L o k a l t r a d i t i o n
E i n e r der a u g e n f a e l l i g e n U n t e r s c h i e d e i n der g e w e r k s c h a f t l i c h e n Haltung in
v e r s c h i e d e n e n Laendern b e s t e h t i n den Organisationsmethoden. Die S t r e i t f r a g e ;
G e s a m t i n d u s t r i e l l e Verhandlungen c o n t r a Einzelfirmenverhandlungen und L o k a l v e r h a n d l u n g e n . . . . i s t i n w e i t e n Kreisen e r o e r t e r t worden
Aber um r i c h t i g v e r s t a n d e n zu werden, muessen d i e s e verschiedenen LIethoden der K o l l e k t i v v e r h a n d l u n g e n
im Zusammenhang mit der S t r u k t u r d e r Gewerkschaft gesehen werden.
Ein Extrem f i n d e t man b e i den f r a n z o e s i s c h e n Gewerkschaften. In dem .Masse,
wie e i n K o l l e k t i w e r t r a g s v e r f a h r e n ueberhaupt i n F r a n k r e i c h i n der .ieit zwischen
den b e i d e n .Weltkriegen e x i s t i e r t e , war e s h a u p t s a e c h l i c h e i n Einzelfirmen - oder
hoechstens e i n B e z i r k s - o d e r Gebietsabkommen. Das war aber durchaus n i c h t im
Sinne der G e w e r k s c h a f t s f ü h r e r , noch war e s d a s Ergebnis der l o k a l b e s c h r a e n k t e n
K a e r k t e , denn, s o b a l d der Sieg der Volksfront d i e Gewerl:schaft3fuehrer w i r k l i c h in
d i e Lage v e r s e t z t e , d i e Gesetzgebung zu b e e i n f l u s s e n , (durch das Gesetz vom ?A.
J u n i 1936; b o t s i c h ihnen d i e ? : o e g l i c h k e i t , d i e Verhandlungsabkommen a u s z u w e i t e n .
Nach diesem Gesetz koennten d i e abkommen durch I.'asnnahmen des Arbeitsmii, i s t e r s
" i n e i n wahres Gesetzbuch abgeaendert './erden, das fuer die gesamte I n d u s t r i e e i n e s
bestimmten G e b i e t s v e r b i n d l i c h i s t " , '.'.'enn d i e Vertragsabkommen l o k a l e n Charakter
h a t t e n , dann war d i e s h a u p t s a e c h l i c h deswegen der F a l l , w a l l der 'chv.-errunkt
der f r a n z o e s i s c h e n Arbeiterbewegung b e i der o e r t l i c h e n Qaw x'.cschaft lr;g, und
g r o e s s t e n t e i l s b e i d e r O r g a n i s a t i o n des Departments oder i r o v i n z . Die F o b r i k s gewerkschaft war e i n e f a s t vollkommen autonome Gruppe. l.eon Jouhaux h a t das so
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�ausgedrueckt: "Entgegen dem, wie es in anderen Laendern gehandhabt wird, ist die
Confederation Generale du Travail (CGT) nicht zentralisiert und weist auch keine
Tendenzen in dieser Richtung auf
Es ist somit eines der unterschiedlichsten
Merkmale des Gewerkschaftswesens in diesem lande, dass die Organisationsformen
so vielgestaltig sind
"
Mit anderen Porten: die organisatorische Disziplin besteht in erster Linie
bei den Ortsgewerkschaften. Vfollte man zu sehr auf eine Landes-Führerschaft
VJert legen, dann waere dies nicht mit den Neigungen des franzoesischen Arbeiters
vereinbar, so sehr auch Landesabkommen - wirtschaftlich gesehen - wuenschenswert
waeren. Es ist nicht wirtschaftliche Vernunftmaessigkeit, sondern vielmehr der
nationale Charakter des Verhaltens, der diese Aspekte der Gewerkschaftsstrategie
erklaert
Der Mangel an Streikfonds zwang die Gewerkschaften, auf schnelle Siege hinzuarbeiten. Die Streiks mussten, wenn sie Erfolg haben sollten, rasch gefuehrt
werden, ohne lange Beratungs- und Verhandlungsepisoden. Der Ueberraschungsfaktor
war der Eckpfeiler der französischen Streikstrategie, denn, wenn der Gegner durch
eine rechtzeitige 'Tarnung von einer bevorstehenden Lohnforderung informiert war,
dann würde er in der Lage sein, sich auf den Konflikt einzurichten und ihn in
die Laenge zu ziehen. Ohne Gelder wuerde die Gewerkschaft nicht in der Lage sein,
einen langen Streik durchzufuehren. Das Ueberraschungsmoment war von einer
aeusserst wichtigen Bedeutung, und nur diejenigen, die zuerst an Ort und Stelle
waren, konnten ueber das geeignete Moment zur Einleitung eines Angriffs entscheiden.
Die schwedischen Gewerkschaften haben eine
Tradition der Zentralisierung
"Auf der anderen Seite der '.Vagschale sind die schwedischen Gewerkschaften.
Abkonsnen, die die gesamte Industrie erfassen, sind hier die Regel. Landesgewerkschaftszentralen und der entsprechende Arbeitgeberverband (gleichfalls als Landesvereinigung gebildet) kommen zusammen und legen in etwa UO Industrieabkomnen,
die fuer das ganze Land gelten, die Lohntabellen und andere ArbeitsvorSchriften
fuer die meisten Industrieangestellten des Landes fest. Dieses System ist bei
manchen Industrien auf Ersuchen der Arbeitgeber, haeufiger auf Verlangen der
Gewerkschaften, eingefuehrt worden, und zwar bereits 1905, besonders oft aber um
1909.
Offenbar schwaecht aber ein System dieser Art die Bedeutung der oertlichen
Gewerkschaft ab. Die Tendenz zur Zentralisierung wird durch ein stark zentralisiertes Unterstuetzungssystem gestaerkt. In den Statuten heisst es;
"Die Ortsgruppe, die die Absicht hat, eine Lohnbewegung in die Wege zu
leiten, muss die Gewerkschaftsexekutive rechtzeitig davon in Kenntnis
setzen, b,ei der sie zwecks Genehmigung, die Forderungen, die sie den Arbeitgebern vorlegen will, einreichen muss. Um die Einheitlichkeit so weit wie
moeglich zu wahren, haben die Gewerkschaftsexekutiven auch das Recht die
Entwuerfe zu den Lohnabkommen usw., die von den Ortsgruppen eingereicht
werden, abzuaendern. Die Ortsgruppen koennen ohne die Zustimmung der Gewerkschaftsexekutive keinen Streik oder keine Sperre durchfuehren, und in
der .cegel muessen sie erst die Genehmigung der Gewerkschaft haben, bevor sie
mit den Arbeitgebern ein Abkommen treffen. Wenn eine Lohnbewegung eingeleitet worden ist, bevor die Gewerkschaftsexekutive die Moeglichkeit gehabt hat,
die Forderungen der Ortsgruppe zu pruefen, dann laeuft die Ortsgruppe das Risiko,
dass ihr im Kotfall jede Hilfe verweigert wird. Wenn eine Ortsgruppe einen Streik
oder eine Sperre proklamiert, oder wenn sie zu irgend einem anderen Mittel greift,

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�ohne vorher die Billigung der Gewerkschaftsexekutive eingeholt zu haben, dann
begibt sie sich ihres Rechts bzw. Anspruchs auf finanzielle Unterstuetzung aus der
Gewerkschaftskasae."
Der Kontrast zwischen dem ordentlichen, etwas buerokratischen Verfahren der
schwedischen Arbeiterschaft und dem nahezu anarchistischen und individualistischen,
fast vollkommen ungeregelten Vorgehen der Franzosen ist ueberraschend
Konkurrenz und Gewerkschaftsdifferenzen
"Diese Unterschiede koennen wohl am deutlichsten durch Hinweis auf ein besonderes Problem demonstriert werden, naemlich auf das der gewerkschaftlichen
Lohnpolitik, sobald Vollbeschaeftigung vorliegt. Die grundlegende theoretische
Streitfrage ist wie folgt ausgedrueckt worden: Es gibt in der Industrie oder im
Gewerbe ein Niveau an Beschaeftigungslosigkeit, ueber das hinaus die Lohnsaetze
eine fallende Tendenz aufweisen
Das ist das Knochengeruest einer abstrakten Analyse» das mit dem Fleische
realistischer Krwaegungen umkleidet werden muss, wenn es sich auf das Verstaendnis der aktuellen Probleme und der Lenkung der Politik anwenden lassen soll. Die
Existenz gelenkter Lohnstrukturen gestattet Erhoehungen des Verdienstes, waehrend
andererseits die "besonders ansteckenden" Erhoehungen der planmaessigen Lohnsätze
vermieden werden
I'it ein Grund fuer die Ausdehnung der Erhoehungen planmaessiger Lohnsaetze
ist die Konkurrenz unter den Gewerkschaftsfuehrern. In den Vereinigten Staaten
ist eine solche Konkurrenz akut,» und sie erstreckt sich mehr auf die grundlegenden Lohnsaetze als auf irgend ein anderes Clement der Lohnverhandlung, besonders
auf das Steigerungsmass des Lohnsatzes.
Eine solche Konkurrenz fehlt wahrscheinlich nirgends ganz, aber wer die europaeischen Arbeiterbewegungen studiert, wird sie in einer ganz verschiedenartigen
Form und Fassung feststellen*
Auf den ersten Blick mag es den Anschein haben, dass in den meisten Ländern
des Kontinents die Bedingungen fuer eine Konkurrenzkampf zwischen den Gewerkschaften besonders guenstig sind: Die Arbeiterbewegungen sind in 2, 3 oder sogar mehr
konkurrierende politisch-industrielle Organisationen gespalten. Abgesehen von
einer Zahl besonderer Faelle waren die sogenannten "freien"(d.h. die von den
Sozialisten gefuehrten) Gewerkschaften jedoch waehrend der Zeit, die zwischen den
beiden Kriegen lag, so vorherrschend, dass die Konkurrenz zwischen den Gewerkschaften nur eine verhaeltnismaessig unwichtige Rolle spielte. So hatten die "freien"
Gewerkschaften in Skandinavien, in Deutschland und in Oesterreich von der Konkurrenz anderer Gewerkschaften wenig zu fuerchten, besonders in den Berufen der Arbeiterklasse, obwohl die Lage in den sogenannten "Stehkragen"- Berufen fuer die
"freien" Gewerkschaften weniger guenstig war. Stattdessen erwies sich eine andere
Art von Konkurrenz als ungeheur wichtig - der Kampf innerhalb der Gewerkschaft,
der um die Fuehrung der Gewerkschaften, und zwar hauptsaechlich zwischen den
Sozialisten und Kommunisten, ausgetragen wurde. In einem Lande nach dem anderen,
von Lohnkonflikt zu Lohnkonflikt ergab sich immer die gleiche Lage: Die Fuehrer
der Gewerkschaft wuerden Lohnforderungen stellen, nur um dann auf eine Opposition
innerhalb der Gewerkschaft zu stossen, die von einer anderen Politischen Farbe
war, und die dann viel hoehere Lohnforderungen stellte. Nur vrenige Gewerkschaf tsfuehrer •.varer. stark cenug um es sich leisten zu koennen, diese Art von Konkurrenz
zu ignorieren. Diese Konkurrenz muss mit unter die Faktoren eingereiht Verden,
die die Gefahr einer inflationistischen Entwicklung bei nornaler Vollbeschaeftigung beeinflussen."

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�Die europaeiachen Gewerkschaften sind klassenbewusst
"Diese Art Konkurrenz ist im wesentlichen vielmehr politischer Natur als eine
Frage persoenlicher Rivalitaet, wie sie fuer die Vereinigten Staaten so charakteristisch ist. Erfolge oder Fehlschlaege einer Gewerkschaft sind mehr einer politischen
Philosophie zuzuschreiben als den persoenlichen Qualitaeten ihrer Fuehrerschaft. Bei
Fabrikwahlen bewirkt der Gebrauch von Kandidatenlisten im Zusammenhang mit einem
System der anteilmaessigen Vertretung, dass sich der Kampf mehr auf politische Prinzipien als auf Personen konzentriert. Der Arbeiter stimmt fuer die "sozialistische",
die "revolutionaere" die "katholische" Liste usw., oft ohne dass ihm die Narren der
Kandidaten bekannt sind, und ohne dass es ihm gewoehnlich gestattet ist, die Namen
verschiedener Listen zusammenzustellen. Der Nachdruckt den man auf Personen und die
individuellen Faehigkeiten und Taetigkeit legt, wie dies in den Vereinigten Staaten
so weit verbreitet ist - John L. Lewis ist dafuer ein hervorragendes Beispiel - ist
mit dem Geiste der meisten kontinentalen Bewegungen unvereinbar. Wo in den Vereinigten Staaten eine Oligarchie (Herrschaft von wenigen) besteht, innerhalb welcher
staendig Rivalitaet herrscht, da besteht in vielen europaeischen Arbeiterbewegungen
eine Pyramide nach Rang und Ordnung, und so gut aufgebaut, dass einzelne Elemente
in ihr nur mit der gesamten Struktur aufsteigen oder absteigen koennen.
Man sollte nun aber nicht annehmen, dass dies nun das gleiche waere wie eine
amerikanische "Maschine" unter einer schuetzenden politischen Faertaung, denn es
besteht in den meisten Laendern des europaeischen Kontinents von Gewerkschaft zu
Gewerkschaft eine politische Solidaritaet, die die Grenzen des Handwerks oder des
Industriezweigs ueberschreitet. In ihrem Streik verlaesst sich die franzoesische
Lokalgewerkschaft auf die Unterstuetzung der Arbeit'er in jedem Teile Frankreichs
und in Jedem Gewerbe. Es muss ihr daher gelingen, ihre Forderungen vor ihrem
Kollegen in anderen Teilen des Landes und in anderen Gewerbe- und Industriezweigen
zu rechtfertigen. Anstatt mit dem Fortschritt anderer Gewerkschaften zu konkurrieren, scheint die von einer Lokalgewerkschaft unternommene Offensive eine Aktion zu
sein, die im Interesse aller unternommen wird, und die einen oeffnenden Keil in die
feindliche Front der Arbeitgeber treibt.
Die Klassensolidaxitaet verdraengt in hohem Masse den Konkurrenzgeist. Lohnvorteile, die eine Gewerkschaft erreicht hat, ebnen so den Weg fuer sehnliche Lohnbewegungen seitens anderer Gewerkschaften, nicht, weil sie miteinander konkurrieren,
sondern weil vielmehr eine von einer Gruppe gewonnene Schlacht, seitens der Arbeitgeber wie auch der Gewerkschaften, als eine Entscheidung angesehen werden kann, die
Einfluss auf die Lage aller Arbeitergruppen haben kann. Deswegen unternimmt die
einzelne Gewerkschaft in manchen Laendern selten groessese Aktionen, ohne sich
vorher mit anderen Gewerkschaften beraten zu haben. In einigen Laendern wird
nicht nur eine Beratung, sondern ein formelles Zugestaendnis der Landesgewerkschaftszentrale, oder wenigstens aller Gewerkschaften mit den gleichen politischen Anschauungen verlangt. In diesem Falle kann die Klassensolidaritaet auch als Bremse bei
gruppenweisen Lohnforderungen dienen, die nicht auf einer bestimmten Linie liegen
und deutlich inflationistische V/irkung haben."
Differenzen innerhalb der amerikanischen Arbeiterkoerperschaften
"Diese sind mehr als blosse statutenmaessige Abkommen. Sie repraesentieren
verschiedene Arten oder Methoden, wie man die Gewerkschaftsprobleme ansehen kann,
verschieden von denen der Vereinigten Staaten und selbst Grossbritanniens. In
den Vereinigten Staaten entwickelten sich zwar Arten von Lohnerhoehungen waehrend
des Krieges, und der Exekutivrat des CIO bespricht die allgemeine Gewerkschaftsstrategie in beratender Form. Dies stellt einen hoeheren Grad der Zentralisierung
dar, als er in der A F L existiert. Diese Zentralisierung ist der Tatsache zugeschrieben worden, dass einige der groe.sten CIO-Organisationen von oben herunter

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�geschaffen wurden, und somit vom CIO abhaengig waren. Es wurde jedoch behauptet,
dass eine solche Situation nur solange andauern wuerde, bis es diesen Gewerkschaften moeglich sein wuerde, auf eigenen Fuessen zu stehen. Die Regriffe der Dezentralisierung und des Freiwilligkeitsprinzips der AFL-Art werden augenscheinlich
als einen Teil der amerikanischen Anschauungen angesehen. Zur -Srlaeuterung dieses
Denkens ist es vielleicht bezeichnend, dass Woodruff Randolph, der Praesident des
Internationalen Buchdrucker-Verbandes (I.T,U.) mit Entsetzen den Vorschlag eines
Arbeitgebers ablehnte, einen strittigen Punkt bei den Verhandlungen zwischen dem
I.T.U. und dem Arbeitgeber vom Exekutivrat des Chicagoer Gewerkschaftsbundes entscheiden zu lassen. Der Vertreter des Arbeitgebers war der Meinung, dass solch
ein "unerhoertes und beispielloses" Angebot ein gewaltiges Entgegenkommen seinerseits waere. Randolph aeusserte sich jedoch dazu rueckhaltlos wie folgt:"Jedesmal
wenn wir es zulassen wuerden, dass der Chicagoer Gewerkschaftsbund oder selbst die
AFL auch nur einen noch so kleinen Konflikt des I.T.U. entscheidet, wuerde an der
Zeit sein, dass ich voller Scham meinen Kopf senke."
Die feste Ablehnung der britischen Gewerkschaften, es dem Gewerkschaftsbund
zu gestatten, eine "Lohnpolitik" zu haben, obwohl die verschiedenen angeschlossenen
Gewerkschaften zum grossen Teil die Empfehlungen des T.U.C. respektieren, bietet
ein Beispiel fuer eine andere Art von gewerkschaftlicher Einstellung.
Es ist klar, dass jede dieser besonderen Handlungsweisen und Einstellungen
auch verschiedene Badingungen fuer die Gewerkschaftspolitik unter Berücksichtigung
der vollen Beschaeftlgung schaffen. Die Erfahrung in den Vereinigten Staaten
stimmt fast ziemlich mit dieser theoretischen Darlegung ueberein und hat die inflationistischen Auswirkungen auf die Lohnsaetze fuer das gehobene lersonal demonstriert.
Aber nach der schwedischen Konzeption ist das Problem verschieden, wonach die Frage
der Vermeidung inflationistischer Entwicklungen hauptsaechlich ein internes Problem
der Gewerkschaftsbewegung dars-teLlt. Bedingte und wichtige Lohnaenderungen werden
innerhalb der Gewerkschaftsbewegung geklaert. Jede Gruppe Arbeiter bringt ihre
Forderungen vor ein Gericht, das sich aus Maennern ihresgleichen zusammensetzt,
damit diese sie gutheissen, bevor die Forderungen an die Arbeitgeber herangetragen
werden."
Vertraege, Beitraege und SeibstverSicherung
Amerikanische Gewerkschaftler, die mit der Lage der europaeischen .orbeiterschaft
einigermassen vertraut sind, weisen ahaeufig daraufhin, wie doch trotz aller ideologischen Unterschiede, die Praktiken der europaeischen Gewerkschaften sehnlich sind.
In dieser Erklaerung steckt viel Wahrheit, wenn man aber die Unterschiede ignorieren wuerde, so wuerde dies bedeuten, dass man den Schluessel zu einem Verstaendnis
einer grossen Zahl eigentümlicher Charakterzuege der Arbeiterschaft auf beiden
Seiten des Ozeans verborgen halten wuerde.
Das Kollektiwerfahren erscheint dem amerikanischen Gewerkschaftler als der
fast selbstverstaendliche Zweck der Gewerkschaften. In der Tat, bevor eine Organisation die Stufe erreicht hat, da sie erfolgreich dss Recht auf Kollektivverhandlungen fuer sich in Anspruch nehmen kann, wuerde der amerikanische Gewerkschaftler (oder der amerikanische Arbeitswirtschaftler/ zoegern, diese Organisation mit
der Bezeichnung "Gewerkschaft" zu beehren. V/aehrend einer langen 3eit in ihrer
Geschichte haben jedoch die franzoesischen Gewerkschaften unter dem Einfluss syndikalistischer Ideen das gesamte Konzept eines geschriebenen Vertrages, in den die
Richtlinien fuer ein Abkommen ueber Loehne und Arbeitsbedingungen niedergelegt sind,
abgelehnt. Ein solches Abkommen, schlössen sie, wuerde dazu neigen, das revolutionaere Bewusstsein der arbeitenden Klasse zu schwaechen, wuerde das nicht zu
rechtfertigende Gefuehl entstehen lassen, dass eine Pause in der unnachgiebigen
Weiterfuehrung des Klassenkampfes eintreten und dadurch der endgueltige Termin fuer
die Befreiung des Proletariats hinausgezoegert werden koennte
S

�Die meisten amerikanischen Gewerkschaftler werden zugeben, dass das ansammeln
beträchtlicher Gewerkschaftsgelder fuer eine erfolgreiche Gewerkschaftsstrategie
hoechst wuenschenswert ist, selbst wenn mancherder erst kuerzlich gegruendeten Gewerkschaften des CIO niedrige Beitraege fordern, was Samuel Gompers in Schrecken
versetzt haette. Die franzoesisehen Gewerkschaften haben jedoch wiederholt ein
Erheben hoher Beitraege im Gewerkschaftswesen abgelehnt und haben ihrer Ueberzeugung darueber Aus,druck verliehen, dass sich in Anbetracht der sich ansammelnden
grossen Geldbestaende innerhalb der Gewerkschaften Charakteristiken und Tendenzen
entwickeln, die sich fuer die wirksame Verteidigung der Interessen der arbeitenden
Klasse unguenstig auswirken. Die Sorge um die finanzielle Stabilitaet wuerde der
Sorge um die Strategie gegenueber den Vorrang einnehmen. Es muesste eine schwerfaeilige Verwaltung eingerichtet werden, die der Gewerkschaft einen buerokratischen
Anstrich geben wuerde, so dass es ihr schwer werden wuerde, sich rasch aendernde
Umstaende und Verhaeltnisse zunutze zu machen.
In einer Anzahl Laender (wie z.B. in den Vereinigten Staaten, in Grossbritannien und in den skandinavischen Laendern) besteht der Rueckhalt der hochentwickelten Gewerkschaften aus einem System der Selb st Versicherung auf dem Gebiete der
Arbeitslosigkeit, der Krankheit uns so weiter
In einigen kontinentalen europaeischen Laendern jedoch hat sich die grosse Mehrheit der Arbeiterorganisationen niemals diese Prinzipien zu eigen gemacht. Es ist ganz klar, dass die Gewerkschaftsstrategie in diesen beiden Gruppen von Laendern verschiedener Art sein werden, und
dass keine Darstellung von der gewerkschaftlichen Haltung zufriedenstellend sein
kann, in der von diesen grundlegenden Fakten der gewerkschaftlichen Organisation
und Ideologie nicht die Rede ist."
Ein Gemisch von Politik und Gewerkschaftswesen
"Im allgemeinen wird da, wo Gewerkschaften von ideologischen Betrachtungen
geleitet werden, besonders, wo sie mit politischen Bewegungen zusamraenhaengen oder
von Fuehrern politischer Parteien gefuehrt werden, die Ortung der Gewerkschaft
von diosen Tatsachen in Mitleidenschaft gezogen. Fast alle groesseren Arbeiterbewegungen des Kontinents sind von Maennern geschaffen worden, dis sich in den Dienst
irgendeiner politischen Idee gestellt hatten, sei es nun marxistischer Sozialismus,
Syndikalismus oder die katholische Sozialphilosophie. Es ist ihnen gelungen, den
Bewegungen das Gepraege ihres Geistes zu geben, so dass es vor dem Zweiten Weltkrieg in Europa kaum eine starke Gewerkschaftsorganisation gab, die nicht irgendwie mit einer der groesseren sozialphilosophischen Richtungen zusammenhing, die die
politischen Parteien Europas beseelten. Welcher Art auch die organisatorischen Beziehungen zwischen Gewerkschaft und Partei sein moegen, so wird doch jede Arbeiterbewegung, die mit einer politischen Organisation verknuepft ist oder von einer politischen Philosophie inspiriert wird, immer in ihren Handlungen von denen des amerikanischen Gewerkschaftswesens im Geschaeftsleben abweichen. Die gewerkschaftlichen Ziele werden vielleicht nur manchmal und bis zu einem gewissen Grade den politischen Srwaegungen untergeordnet. Die franzoesischen Gewerkschaften, die von den
Kommunisten gefuehrt werden, haben 1%5 und 1%6 bewusst im Interesse der allgemeinen kommunistischen Strategie der Zusammenarbeit mit anderen Parteien bei Lohnforderungen kurzgetreten. Offenbar fuerchteten die Gewerkschaften, dass Lohnbewegungen auf grosser Basis das gute Einvernehmen, das zwischen den Kommunisten und anderen
Farteien bestand, trueben koennten, von denen manche sich die Interessen der Arbeitgeber zu eigen machten. Kaum wurde diese Politik aufgegeben, als die von den
Kommunisten gefuehrten Gewerkschaften Lohnforderungen erhoben und einen allgemeten
Streik durchfuehrten, der von den Gewerkschaften unter der sozialistischen Fuehrung
oder der Fuehrung der unpolitischen Force Ouvriere scharf bekaempft wurde.
Aehnlich kann auch die politische Philosophie in der gewerkschaftlichen Akti-

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�vitaet den Ausschlag geben, wenn ein gegebenes gewerkschaftliches Ziel auf verschiedene Art und Weise erreicht werden kann. Der sozialistische Gewerkschaftler
wird mehr die Methoden beguenstigen bei denen die Regierung ein "/ort mitspricht,
ein katholischer Gewerkschaftler wird wohl die Methoden des freiwilligen Abkommens
oder sogar der Selbstbeherrschung vorziehen. Die politische Philosophie kann auch
den Unterschied in der gewerkschaftlichen Haltung gegenueber den privaten und den
verstaatlichten Unternehmen erklaeren, was anscheinend in einer Anzahl europaeischer Laender beobachtet worden ist.
Um die Hitung einer Gewerkschaft zu verstehen, ist es ueberdies nicht genug,
wenn, mand die politische Ideologie der Bewegung oder ihrer politischen Gliederungen kennt, denn im Verlauf ihres Aufstieges von Sekten ergebener Fanatiker, zu
grossen Volksbewegungen haben die politischen Parteien der Arbeiter Europas die
grundlegenden Zuege ihrer nationalen Kultur angenommen. Der deutsche sozialdemokratische Gewerkschaftler wird die gleiche Situation in anderer "/eise auslegen
wie ein englischer Gewerkschaftler, und beide werden in verschiedener ./eise darauf reagieren.
Einer der wichtigsten Punkte, bei dem Ideologien - oder moeglicherweise nationale Traditionen in ideologischer Faerbung - klar die Haltung der Gewerkschaft
beeinflussen, betrifft die Haltung der Gewerkschaft dem Staate gegenueber. Ich
denke natuerlich hierbei an die Unterschiede in der Auffassung der amerikanischen
Gewerkschaften und der "freien" Gewerkschaften in Suropa darueber, ob es erwuenscht erscheint, gewisse Industrien zu verstaatlichen. Allein die Erfahrung
wird einen abschliessenden Beweis dafuer fuehren koennen, ob die augenblickliche
Haltung der Gewerkschaften in verstaatlichten Industrien auf die Dauer gleichmaeesig verschieden sein wird von ihrer Haltung in privaten Unternehmen. Auf
Jeden Fall ist die Tatsache, dass irgendeine Form der erstaatlichung da3 festumrissene Endziel der "freien" Gewerkschaften in den meisten kontinentalen Laendern
bildet, nicht ohne Bedeutung."
Ein Unterschied zwischen den englischen und
den deutschen Gewerka chaften
"Abgesehen davon schwankt die Rolle, die dem Staat innerhalb der Beziehungen zwi
zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber zufaellt, innerhalb des Rahmens der kapitalistischen Gesellschaft von ^and zu Land bedeutend. Traditionsgemaess haben die
englischen Gewerks chaf ten ein gewisses Widerstreben an den Tag gelegt, dem Staat
zu gestatten, in demselben Masse bei der Bestimmung der Arbeitsbedingungen mitzuwirken, wie viele Gewerkschaften des Kontinents seine Intervention gesucht haben.
So aehnelte also die Rolle, die die Britische Regierung bei der Beilegung von
industriellen Streitfragen im Frieden spielte, mehr derjenigen der amerikanischen
als der der deutschen Regierung.
Es ist vielleicht von Nutzen, wenn man kurz einmal die Unterschiede in der
Haltung der englischen und der deutschen Gewerkschaften beim obligatorischen
3 Chi edverfahren behandelt.
V/aehrend des ersten Weltkrieges akzeptierten die meisten Gewerkschaften nach
einem inoffiziellen Streik der Maschinenarbeiter im Clyde—Gebiet, einem der
groessten Ruestungsproduktionszentren Englands, das obligatorische Schiedsverfahren,
allerdings unter der Bedingung, dass diese Verpflichtung bei Beeidigung des Krieges
aufhoeren sollte. Die Bergleute lehnten das obligatorische Schiedsverfahren (ranz
und gar ab; die Techniker akzeptierten es nur, nachdem ihnen die Regierung garantiert hatte, dass die irofite der Arbeitgeber begrenzt werden sollten. Kurz darauf wurde das obligatorische Schiedsverfahren im Munitions-Gesetz mit bindender
Kraft fuer den Maschinen- und Schiffsbau gesetzlich verankert. Dieses Prinzip
konnte jedoch auch auf irgendwelche kriegswichtigen Industriezweige ausgedehnt
werden. Trotzdem traten die Bergleute in Suedwales in den Streik und streikten

�unter Nichtachtung des Gesetzes auch weiter, als die Regierung das Munitions-Gesetz auf die Kohlengebiete von Suedwales ausdehnte, und blieben in ihrem Kampf
siegreich. Obwohl die meisten Gewerkschaften das Gesetz hinsichtlich des obligatorischen Verfahrens beobachteten, taten sie es doch nur sehr widerstrebend
Ganz anders war jedoch die Haltung der deutschen Gewerkschaften unter der
Weimarer Republik gegenueber dem obligatorischen Schiedsverfahren. Das Kaiserreich
hatte 1916 eine allgemeine Aushebung aller maennlichen Arbeitskraefte eingefuehrt
und sogenannte "Schlichtungsausschuesse" eingesetzt, deren EntScheidungen, wenn
auch nicht dem Gesetz nach, so doch in Wirklichkeit zwangsraaessig waren. Das formale obligatorische Schiedsverfahren wurde von der revolutionaeren Regierung im
Januar 1919 eingefuehrt. Diese Regierung wirde von den sogenannten Mehrheitssozialisten beherrscht, mit der die meisten "freien" Gewerkschaftsfuehrer eng zusammenarbeiteten. Die Verordnung haette nicht ohne die Zustimmung der Gewerkschaften gesetzlich festgelegt werden koennen. In der Tat, alle Proteste, die aus den
Reihen der Arbeiter kamen, bezogen sich mehr auf die Schwierigkeiten, Entscheidungen zu erzwingen als auf das Prinzip, waehrend die Arbeitgeber das ganze System
selbst ablehnten....
Das obligatorische Schiedsverfahren wurde 1923 zu einem Teil der staendigen
Gesetzgebung (zum Unterschied von den Notgesetzen), angeblich, um Kollektivabkommen festzulegen. Die Fiktion wurde so eingefuehrt, dass eine obligatorische
Entscheidung ein Abkommen war, und ein Zwang war moeglich wenn eine industrielle
Streitigkeit die Interessen einer einzelnen Industrie gefaehrdete - nach Ansicht
des Arbeitsministers,-was in der Praxis bedeutete; sobald er es wuenschte.
Solch ein System der "autoritaeten" Lohnregelung stand im Gegensatz zu jedem
Prinzip, dass die deutschen Gewerkschaften vor dem Kriege zu verteidigen vorgaben«
jetzt aber, da das obligatorische Schiedsverfahren festbegruendet war, nahmen es
die Gewerkschaften - ganz im Gegensatz zu ihren englischen Kollegen - mit nur
lauen Protesten auf, ja, wie Paul Umbreit, einer der Gewerkschaftsfuehrer es ausdrueckte, "bis zu einem gewissen Grade guenstig"
Das Ausmass, bis zu welchem diese Haltung die Meinungen und Ueberzeugungen
der Organisation der Arbeiterklasse widerspiegelt, kam zum Ausdruck, als Anton
Erkelenz, der Fuehrer der liberalen Hirsch Dunckerschen Gewerkschaften sich gegen
die "Staatsbuerokratie" wandte; seine eigenen Gewerkschaften, zu einem Bund vereint, erklaerten, dass "man auf obligatorische Entscheidungen nicht verzichten
koenne."
Oktober 1929 machte sich Professor Hugo Sinzheiraer, ein Sozialist und fuehrender Export in der Arbeitsgesetzgebung ueber den Widerstand gegen das obligatorische
Verfahren lustig, den er als "kollektiven Liberalismus" bezeichnete. T.Venn man
darauf verzichtete, dann wuerde dies bedeuten, dass man die Grundlage fuer das
gesamte kollektive Arbeitsgesetz verzichtet."
desamtueberblick
"Die Gebiete und Beispiele, wie sie im Vorhergehenden behandelt und dargelegt wurden, sind jedoch nur fragmentarisch und willkuerlich ausgewaehlt. Trotzdem werden sie hoffentlich die Hauptthesen dieses Artikels wiedergeben, naemlich,
dass es unmoeglich ist, eine Theorie der gewerkschaftlichen Haltung auf einer
folgernden Logik und den traditionellen wirtschaftstheoretischen Voraussetzungen
allein aufzubauen, und dass die gewerkschaftliche Haltung von Land zu Land ziemlichen Schwankungen unterworfen ist, selbst irnerhalb der Grenzen dessen, was man
gewoehnlich als v/estliche Zivilisation zu bezeichnen pflegt, als dass man eine
Studie ueber die verschiedenen nrten der nationalen Haltung erwarten koennte.
Sine rein folgernde Theorie dej Gewerkschaftswesens wuerde sich nach der
Natur der Dinge allgemein anwenden lassen, wenigstens soweit freie Arbeitsmaerkte
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�existieren. Jedoch wird niemand, der mit den nationalen Arbeiterbewegungen zu
beiden Seiten des atlantischen Ozeans verlernt ist, leugnen wollen, dass - moegen
sie auch noch soviel Gemeinsames aufweisen - die Unterschiede in ihrer Haltung
solcher Art sind, dass eine Prophezeiung oder ein Verstaendnis ohne Hinweis auf
ihre nationalen Charakteristiken unmoeglich ist.
Die wirtschaftliche Vernunftsmaessigkeit nimmt so verschiedene Formen an
oder ist den Gepflogenheiten bzw. Auffassungen der verschiedenen Gebiete unterworfen. Nur eine Kombination der Methoden der Wirtschaftstheorie mit denen der
Soziologie und der modernen kulturellen Anthropologie kann Ergebnisse zeitigen,
die geeignet sind, die grossen Verschiedenartigkelten der Betaetigung der Arbeiterschaft auf weiteren Gebieten verstaendlich machen."
"The Journal of Political
Economy", Dezember 1948.
DER KAMPF DER SCHWEDISCHEN GEfTEBKSCEAFTW
GEGEN DEN KOMMUNISMUS
Wie der amerikanische Korrespondent W.H. Newton berichtet, werden die Kommunisten in Schweden nicht unterdrueckt, sie werden aber staendig und wirksam biossgestellt. InSchweden sind sie - wie ueberall - in den Werkstaetten aktiv und
auch hier "4e ueberall betreiben sie den "Kalten Krieg". Wie ueberall, so versuchen sie auch in Schweden, die Kontrolle ueber die Gewerkschaften an sich zu
bringen. Aber die Schweden verfuegen ueber ein ausgezeichnet organisiertes Verteidigungssyäem.
Im Moment stellt die Verteidigungsorganisation der Gewerkschaften ein
Offensivprogramm dar. Diesmal ist es die kommunistische Partei, die sich in
diesem Kampf um die Kontrolle ueber die Arbeiterschaft in der Defensive befindet.
Sie verliert staendig an Boden.
"Heute wird in Jeder Fabrik in Schweden eine aggressive Kampagne der Organisation und Schulung durchgefuehrt. Die kommunistische Progpaganda wird Satz fuer
Satz zerpfluecktund widerlegt. Anstatt darauf zu warten, dass die Kommunisten
Ihre Propaganda gegen den V/esten entfesseln, um dann lahme Verteidigungen entgegenzusetzen, wird der Angriff von den Antikommunisten gefuehrt.
"Die Kampagne wird aber nicht in den Zeitungen ausgetragen, sondern sie
wird von den Arbeitern selbst gefuehrt, die Hunderte von Flugblaettern und Broschueren herausgeben und vertreiben. Wo eine kommunistische Zelle besteht, gibt
es auch eine antikommunistische. Ein Gewerkschaftsfuehrer gab dem Korrespondenten
folgenden Bericht«
"Wir stossen in den Gewerkschaften auf die Kommunisten und fechten die
Sache aus. Wir informieren die Arbeiter ueber das, was hinter dem "Eisernen
Vorhang" vor sich geht. Wir weisen auf das System der Lohnpolitik hin, das die
Kommunisten in der Tschechoslowakei elngefuehrt hatten. In Jedem Monat geht von
der Gewerkschaftszentrale aus ein Bericht an Jede Fabrik, der die Bezeichnung
"Das Argument" fuehrt. Dieser Bericht gibt Aufschluss ueber die augenblickliche
Stellungnahme der Kommunistischen Partei zu verschiedenen Themen und enthaelt
Angaben, mit denen man die kommunistischen Ansprueche widerlegen kann.
mcir organisieren viele Versammlungen und fordern die Kommunisten innerhalb
der Gewerkschaften zu Debatten heraus. Hinterher entspinnen sich dann Unterhaltungen unter den Arbeitern, wobei sie die Kommunisten dann fragen, warum sie
keine Antwort geben konnten. 7/ir warten nicht darauf, bis die Kommunisten den
Kampf an uns herantragen. Vir tragen ihn selbst an sie heran. Und wir siegen."
"Overseas American News Service"
24. Kaerz 1949

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�KKP-ZUWÜNUUNGfflJ P8R 10 JANUAR 1949

Wichtige Punkte aus dem Progranm des Verwaltungsausschusses fuer das EHP (ECA)
1. Die gesamten Zuwendungen am alle Laender bis 10.
Januar 1949 betrugen 4,9 Milliarden Dollar. Darunter fallen sowohl Anleihen wie auch Zuschuesse.
2. Etwa 4 Milliarden Dollar sind fuer Ausgaben vorgesehen,
und von den zu kaufenden Waren sind bereits solche im
Werte von 2,1 Milliarden Dollar geliefert worden.
3. Von den bereits gelieferten Waren kamen 53,5t aus den
Vereinigten Staaten, 24,4» aus Ganada, 7,6£ aus Lateinamerika, 3,8t aus den Marshallplan-Laendern und 5,lt
aus verschiedenen anderen Laendern.
Diejenigen Laender, die Gelder aus dem ECA-Fonds als
Zuschuesse erhalten, erklaeren sich damit einverstanden,
fuer ihren Aufbau eine Summe abzuzweigen, die der Hoehe
des Zuschussbetrages entspricht.
Gegenfonds-Hinterlegungsgelder per 31 Dezember 1948
fuer die beteiligten Laender
Dollar
Gegenwert in
Beteiligtes Land
(in Millionen)
Dollar
Frankreich
368
90 Milliarden Francs
90 Millionen Pfund
Grossbritannien
362
63 Milliarden Lire
Italien
109
189
Millionen Gulden
Niederlande
71
674 Millionen .Schilling
Oesterreich
67
108 Millionen Mark
Bizone (.Deutschland)
54
515 Milliarden Drachmen
Griechenland
52
147 Millionen Kronen
Norwegen
30
135 Millionen Kronen
Daenemark
28
Andere Laender
18
Bericht des Oeffentlichen Beratenden
Ausschusses des SGA, 31.Dezember 1948
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�DIE DEUTSCHEN, DIE AMERIKA BESUCHEN WERDEN
Allen Lesern der "Internationalen Arbeitsmitteilungen" ist der Plan der
Militärregierung bekannt, wonach deutsche leitende Persoenlichkeiten auf verschiedenen Gebieten fuer 60 bis 90 Tage zu Studien- und Beobachtungszwecken nach den
Vereinigten Staaten geschickt werden. Auf Grund dieses Programms wird die Manpower
Division der Amerikanischen Militaerregierung 80 Deutsche schicken, d.h. etwa 65
als Vertreter der Gewerkschaften und den Rest aus den Arbeitsministerien und als
Vertreter der Arbeitgeber aus der Industrie.
Es ist ebenfalls bekannt, dass die Deutschen aus ihren eigenen Kreisen hierfuer ausgesucht werden, und zwar innerhalb der Gewerkschaften, der Arbeitsrainisterien und der Arbeitgeber-Verbaende. Db Manpower Division sieht es als gegeben
an, dass diese Organisationen ihre Auswahl verantwortlich treffen werden.
Warum soll nun 80 Deutschen aus dem Gewerkschafts- und Arbeitswesen diese
Gelegenheit geboten werden. Etwa die gleiche Anzahl soll wahrscheinlich naechstes
Jahr fahren. Es besteht nicht etwa die Absicht, ihnen eine kostenlose Reise zukommen zu lassen oder sie fuer etwas zu belohnen. Es ist auch nicht beabsichtigt,
dass sie sich nun mit der amerikanischen Auffassung von der Demokratie vollstopfen
und dass fuer alles, was amerikanisch ist, Propaganda machen.
Im Gegenteil. Diese Deutschen gehen als Vertreter ihrer Organisationen und
Abteilungen nach Amerika. Sie reisen nicht zum Vergnuegen, sondern um zu arbeiten.
Es wird ihnen Gelegenheit gegeben, die Vereinigten Staaten zu besuchen, um alles
sehen und hoeren zu koennen. Sie koennen Fragen stellen, soviel sie wollen. Es
wird ihnen keine Tuer verschlossen bleiben. Sie koennen sich somit selbst ein
Bild von allem machen.
Es ist anzunehmen, dass die fuer diese Amerikareisen ausgewaehlten Maenner
und Frauen Menschen sind, die die Faehigkeit haben, Beobachtungen zu machen,
Menschen, die eine gewisse Schulung und Erfahrung haben, so dass sie in der Lage
sind, Fragen zu stellen. Es ist auch anzunehmen, dass es sich hierbei um Menschen handelt, die schwer arbeiten werden, sobald sie in den Vereinigten Staaten
sind, und die ihre Beobachtungen schriftlich niederlegen. Man erwartet, dass sie
dann in der Lage sind, nach ihrer Rueckkehr in Deutschland einen informatorischen
Bericht abzufassen.
Die Manpower Division bittet alle Deutschen, die auf Grund dieses Plans
nach Amerika fahren, Berichte zu schreiben, so dass ihre Organisationen und Abteilungen aus diesen Besuchen Nutzen ziehen koennen. Diese Berichte werden aber
wertlos sein, wenn sie nicht gruendlich und systematisch vorbereitet sind.
In den 60 Tagen werden diese Deutschen Experten nicht genug Zeit haben, um
alles das zu sehen und zu erfahren, was sich auf ihr besonderes Interessengebiet
erstreckt. Aus diesem Grunde hat die Manpower Division bei den Gewerkschaftsbuenden und den Arbeitsministerien angeregt, Plaene ausarbeiten zu lassen. In
diesen Plaenan sollen sie angeben, welche Fragen von ihren Vertretern, die die
Vereinigten Staaten besuchen, studiert werden sollen. Danach sollen sie die
Persoenlichkeiten aussuchen, von denen anzunehmen ist, dass sie diese Aufgabe
erfolgreich loesen.
Ausserdem muessen die Deutschen, die die Vereinigten Staaten als Vertreter
des Arbeitswesens bereisen, damit rechnen, dass ihnen viele Fragen ueber deutsche
Probleme vorgelegt werden, besonders ueber Probleme, die ihre eigenen Organisationen angehen. Wenn jemand aber von seiner Gewerkschaft dazu ausersehen ist»
die Arbeiterbildung und die Schulung der Gewerkschaftsfuehrer *i den Vereinigten
Staaten zu studieren, dann muss man -voraussetzen, dass er auf diesem Gebiete auch
in Deutschland gut Bescheid weiss. Dasselbe trifft auch fuer die anderen Teilnehmer zu, die hinueberfahren, um andere Spezialprobleme zu studieren.
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�Die Deutschen, die aus Arbeit und Industrie nach Amerika reisen, scheinen
obigen Anforderungen zu entsprechen. Nach ihrer Rueckkehr koennen sie sich
dann bei der Planung des Austausch-Programms fuer das naechste Jahr als nuetzlich
erweisen.
POLITISCHE /KTOTTAET EINES STAATLICHEN GEWERKSCHAFTSBUNDES
Nachstehender Artikel ist ein Bericht ueber die Taetigkeit eines der Gewerkschaftsbuende der AFL in einem amerikanischen Staate. Diese Taetigkeit erstreckt
sich auf die Arbeit der Gewerkschaften bei der 1949er Sitzungsperiode der gesetzgebenden Koerperschaft des Staates Idaho.
"Der Gewerkschaftsbund von Idaho berichtet, "dass, alles in allem, die Arbeiterschaft die beste Sitzungsperiode der regierenden Koerpersehaft in der Geschichte unseres Staates erlebte." Die Legislative- in Idaho fuer 1949 hat 6 arbeiterfeindliche Gesetzentwürfe zu Fall gebracht, von denen einer ein Abklatsch
des Taft-Hartley-Gesetzes war. Dies geschah auf die Forderung der organisierten
Arbeiterschaft hin.
"Ausserdem gelang es der Arbeiterschaft, eine staatliche Arbeitskommission
ins Leben zu rufen, ferner ein staatliches Anti-Silikose-Gesetz zum Schutze der
Bergleute zu verbessern, sowie die Unterstuetzungen zur Entschaedigung der Arbeiter um 301 zu erhoehen. In Idaho hat die Arbeiterschaft festgestellt, dass eine
energische politische Taetigkeit wirklich Zinsen traegt - und die Arbeiterschaft
im Staate Idaho hatte wirklich mit die haertesten Kaempfe in der 1948 Kampagne
auszustehen."
League Reporter of Labor's League for Political Education "AFL"
21. Maerz 1949.
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Manpower Division
OMGUS, APO 742

ONOtn. 9-1112, l A o , ipr hl, SJC

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* folgenden Artikel stellen Austilge au» der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitet« Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden« Auf Wunsch werden diese auch einseinen Interessenten direkt durch die Post »geleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 9

Berlin, 22. April 1949

SIE ENTFLOHEN DER SKLAVEREI IM URANBERGWERK
"Ohne dass man ihm auch nur einen Augenblick Zeit gegoennt haette, von seiner
Familie Abschied zu nehmen oder seine Sachen zu packen, wurde ein junger Deutscher
von einem Polizisten von seiner Arbeitsstelle abgeholt, zum Arbeitsamt gebracht,
aerztlich untersucht und in einen Zug gesteckt, der nach Joachimsthal zu den Uranbergwerken fuhr.
"Dort wurde er Beamten der Sowjetischen Militaerverwaltung uebergeben und
nochmals aerztlich untersucht. Sehr sorgfaeltig war die Untersuchung nicht - von
den 400 Mann, die man mit ihm zusammen per Bahn hierhergebracht hatte, v/urde nur
einer zurueckgestellt, ein junger Kann, der nur einen Arm hatte, wurde ebenfalls
zur Arbeit eingeteilt.
Obwohl er es riskierte, fuer einen Fluchtversuch mit Zwangsarbeit und bei
seiner Wiederfestnahme mit 6 Monaten Gef«engnis bestraft zu werden, entwischte
er den Wachtposten und gelangte in die Britische Zone. Hier erholte er sich in
einem Hospitallager in der Naehe von Hannover von seinen Leiden, als die englische
Gewerkschaftsdelegation, Mr. James Bowman und Mr. Robert '.Villis, die nach Deutschland gekommen waren, sich zu ihm fuehren Hessen, um sich seine Geschichte anzuhoereh.
Das Lager war voll von solchen Fluechtlingen - junge Maenner und Maedchen
unter zwanzig und etwas aelter, die aus der Sowjetzone geflohen waren, weil alle
jungen Leute im Alter von 18 und 25 Jahren auf Anordnung der Sowjetischen Militaerverwaltung gezwungen werden sollten, in den Schaechten zu arbeiten.
"Einmal waehrend der Unterhaltung mit ihnen wurden die jungen Leute unruhig,
weil sie vielleicht vermuteten, dass unsere Fragen den Zweck haben koennten, ihre
Auslieferung an die Ostzone vorzuschlagen oder vorzubereiten. V.'ir zerstreuten
aber ihre Befuerchtungen, die ehrlich und spontan waren," aeusserten sich I.J*.
Bowman und Mr. 7/illis in ihrem Bericht an den Britischen Gewerkschaftsbund.
Ein zartes, schwaches Maedchen war Friseurlehrling gewesen, bis sie im Juli
1948, sobald sie 18 Jahre alt geworden war, ihre Einberufungspapiere bekam. Sie
erzaehlte den englischen Gewerkschaftlern, dass man ihr 3 Tage Zeit gegeben
haette, alle Vorbereitungen zu treffen.
Mit einem in russischer Sprache ausgefertigten Pass, der nur fuer ein eng
begrenztes Gebiet Gueltigkeit hatte und der anstelle ihrer deutschen Ausweispapiere galt, arbeitete sie ueber 2 Monate unter Tage, indem sie Steine schleppte
und schwere Karren zu schieben hatte, wobei sie von Russen und Polen ueberwacht
wurde.
-

1 -

�Fuer die Deutschen, die aus dem V.'esten oder aus Kriegsgefangenenlagern zurueckkehrten, war die Arbeit in den Uranbergwerken die einzige Taetigkeit, die
von den Behoerden der Ostzone sanktioniert wr$rde.
Die Lebensmittelkarten fuer diese zwangsausgehobenen Bergarbeiter wurden
nur fuer Zeitraeume von 10 Tagen ausgegeben, sagten die Fluechtlingen, und die
Rationen waren niedrig.

Diese Tatsache wie auch der Mangel an Entlueftung und

Schutzmassnahmen gegen ünfaelle waren der Grund fuer hohe Unfallziffern, fuer
Hautkrankheiten und andere Leiden.
Desertionen, Krankheit und Ünfaelle forderten ataendig ihren Tribut von
der Sklavenarbeiterbelegschaft in den Urahbergwerken.

Ein Fluechtling erzaehlte

der englischen Delegation, dass, wenn zu Anfang der Woche 100 Maenner und Frauen
ihre Arbeit aufnahmen, gegen Wochenende nur noch 80 - manchmal auch nur noch 50
Leute arbeiteten."
"Labour" Maerz 1&lt;&amp;9.
DIE SKLAVENARBEIT IN RUSSLAND UND DIB SOWJBTSATELLITEN
Die UntersuchungskoBBüision fuer Sklavenarbeit ist eine Organisation, die
in den Vereinigten Staaten gebildet wurde, um Informationsmaterial aus den Berichten ueber Sklavenarbeit in den Konzentrationslagern zu sammeln, die von den kommunistisch gelenkten Laendern hinter dem "Eisernen Vorhang" oder sonst in der Welt
aufrechterhalten werden.

Am 22. Maerz veroeffentlichte die Kommission eine Er-

klaerung ueber ihre vorlaeufigan Untersuchungsergebnisse.

Wir zitieren daraus wie

folgt;
"Die Zwangsarbeit, wie sie in der Sowjetunion und den Satellitenstaaten
existiert, kann nicht mit der Ausbeutung verglichen werden, wie sie irgendwo
anders durchgefuehrt wird.
Erstens wird die Zwangsarbeit in der Sowjetunion und den Satellitenstaaten
vom Staate selbst eingefuehrt und geleitet,
Zweitens

hat sie mit der strategischen wirtschaftlichen Entwicklung und Pro-

duktion zu tun,
Drittens ist die Stelle, die fuer ihre Durchfuehrung verantwortlich ist,
eine interne geheime Polizeistelle, eine Terroreinrichtung,
Viertens rechtfertigen es die Arbeitsbedingungen, die mangelnde Bezahlung
und die hohe Sterblichkeitsziffer in den Lagern nicht, wenn sie als "erzieherische Strafreform" bezeichnet wird,
Fuenftens ist es klar, dass, obwohl dieses System zunaechst als Strafmassnahme gegen verdaechtigte oder wirkliche politische Gegner des Sowjetregimes gedacht war, es sich rasch zu einem wesentlichen Bestandteil der Sowjetwirtschaft und der Fuenf jahres-Plaene entwickelt hat und jetzt zu einem lebenswichtigen wirtschaftlichen Bollwerk des Sowjetsstaates geworden ist.
"Sklaverei Jeglicher Art ist unhaltbar, aber es gibt Abstufungen von Sklaverei,
und auf quantitativer wie auch auf qualitativer Basis gibt es kein System das
dem gleichkaeme, wie es in den Zwangsarbeiterlagern der Sowjetunion existiert.
Eines der fuerchterlichen Merkmale dieser Sklaverei ist, dass sie im Namen der
"Volksdemokratie", der "Freiheit" und des "Sozialismus" in Erscheinung tritt.
Unter diesem Sowjetsystem haben die Worte ihre Bedeutung verloren, und ein
moralischer Idealismus ist zynisch dazu benutzt worden, um ein System der
Erniedrigung und der Entmenschlichung zu bemaenteln, dem nur das der Nazis
kuerzlichen Gedenkens gleichkommt."
Zu den Mitgliedern der Kommission gehoeren einige der hervorragendsten

-

2

-

�liberalen Fuehrer in den Vereinigten Staaten, die alle ihrer aufrichtigen und
anstaendigen Gesinnung wegen bekannt sind.

Zu ihren Mitgliedern zaehlen 3 Uni-

versitaetsprofessoren, 5 Arbeiterführer und 6 Rechtsanwaelte, die auf dem Gebiete
des Arbeitswesens eine prominente Rolle spielen, ferner 3 Geistliche, ein Geschäftsmann, ein beratender Ingenieur und ein prominenter Fuehrer der Sozialistenpartei.
Die Kommission bittet alle freien Maenner und alle diejenigen, in der Welt,
die die Freiheit lieben, ihr Berichte und Informationen, die sie ueber Zwangsarbeit
abgeben koennen, zukommen zu lassen.

Diese Berichte muessen sehr sorgfaeltig abge-

fasst sein und muessen Tatsachen enthalten ueber den Zeitpunkt, den Ort und die
Verhaeltnisse, die man aus der Erfahrung kennen gelernt hat« sie koennen in Jeder
beliebigen Sprache abgefasst sein, und sind zu richten an«
Commisslon of Inqutry
112 East - 19th Street,
New York 3. New York
U.S.A.
VIER SCHWIERIGKEITEN IM SCTmcnsVERFAHREN ZWISCHEN ARBBITNBHMER UND ARRETTrKBKR
Harold W. Davey, eine Autoritaet auf diesem Gebiet, hat auf k Moeglichkeiten
oder Schwierigkeiten hingewiesen, die sich fuer ein erfolgreiches Schiedsverfahren
unguenstig auswirken koennen.

Mit Schiedsverfahren ist hier der Fall gemeint, in

dem eine neutrale oder dritte Partei eingeschaltet wird, um Streitfaelle zwischen
der Arbeiterschaft und den Arbeitgebern zu schlichten.

Gewoehnlich ist der

Schlichter fuer beide Teile taetig und erhaelt die Haelfte seiner Bezahlung sowohl vom Arbeitgeber wie auch vom Verband.

Sobald Differenzen entstehen, hoert

sich der Schlichter die Argumente des Arbeitgebers sowohl wie auch die der Gewerkschaft an und trifft danach seine Entscheidung.
schwierige Taetigkeit.

Es handelt sich hierbei um eine

Aber die Aufgabe des Schlichters kann sich noch schwieriger

gestalten und seine Taetigkeit kann sich noch weniger nutzbringend auswirken, wenn
seine Arbeit nicht richtig ausgewertet wird, z.B.«
1.

Die Nützlichkeit des Schlichters wird zunichte gemacht, wenn er nicht von
beiden Seiten als unparteiisch angesehen wird.

Seine Aufgabe besteht

nicht darin, zu "vermitteln',' um eine der beiden Seiten dazu zu bewegen,
der anderen gegenueber nachzugeben.

Die Vermittlung ist eine politische

Funktion, eine Art der Beschwichtigung, der Aussoehnung bzw. des Vergleichs der sich bekaempfenden Parteien.

Er spielt eine "richterliche"

Rolle.
2.

Die Nuetzlichkeit des Schiedsverfahrens wird innerhalb der Arbeitsbeziehungen zunichte gemacht, wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber darueber nicht
klar sind, welcher Art die Probleme sind, ueber die entschieden werden soll
und welche Fragen durch Kollektiwerhandlungen geloest werden sollen.

Das

Schiedsverfahren kann seine Bedeutung verlieren, wenn eine von beiden
Seiten viele Probleme von untergeordneter Bedeutung vor den Schlichter
bringt.
3.

Die Nuetzlichkeit des Schlichtungsverfahrens kann zunichte gemacht werden,
wenn es entweder vom Arbeitgeber oder von der Gewerkschaft dazu benutzt
wird, um, "den Schein zu wahren."

Wenn sich eine der beiden Parteien

in einem Streitfall des Schiedsverfahrens bedient, um aus einer schwierigen Lage zu 'rönnen, dann wird mehr als wahrscheinlich das Ergebnis sein,
dass die verstossende Partei spaeter dem Schlichter den Vorwurf macht,
eine falsche Entscheidung getroffen zu haben.

- 3 -

�4.

Die Nützlichkeit des Schlichtungsverfahrens wird zunichte gemacht, wenn
es als Ersatz fuer ein Kollektiwerfahren benutzt wird. Es muss stets
eine Ergaenzung des Kollektiwerfahrens sein. Das Schiedsverfahren ist
aeusserst nuetzlich bei Streitfseilen, in denen Angelegenheiten behandelt
werden, die nicht unter das Arbeitsabkommen fallen. Die Entscheidung des
Schlichters kann die Grundlage fuer weitere Verhandlungen bilden und kann
evtl. beispaeteren Vertraegan mit aufgenommen werden. Er ist ein Richter,
ein privates Gericht^ das von der Industrie gestuetzt wird und seine
Funktionen bestehen darin, dazu beizutragen, dass in der Industrie Frieden
herrscht. Obwohl er von beiden Seiten bezahlt wird, vertritt er doch
keine von ihnen.

"Industrial and Labor "Relations Review" April 48
N B O E WOHNONGSBAU-PBOJBCT FÜBR FRANZOESISCHK
(JJ5WJ£KKSCHAFTLER

Nach Angaben des Herausgebers des woechtentlichen Nachrichtendienstes der AFL
sind gewisse Gewerkschaften in Frankreich entschlossen, etwas zu unternehmen, um
den Wohnungsmangel zu steuern, der ein betruebliches Problem fuer die gesamte Arbeiterschaft dieses Landes darstellt. Miller, der unlaengst eine Reise durch
mehrere Marshallplan-Laender unternommen hat, beschreibt im folgenden Artikel ein
genossenschaftliches Wohnungsbauprojekt, das er in der Stadt Roubaix kennengelernt
hat.
"Durch die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in dieser
nordfranzoesischen Stadt sind neue moderne Wohnungen fuer die Arbeiter nach einem
Plan zum Bau vorgesehen, der fuer den Beobachter ein ueberragendes Bild bietet gegenueber den duesteren trostlosen Wohnungsverhaeltnissen des Landes.
Bis heute sind bereits etwa 200 Wohnkomplexe bezogen, 800 befinden sich noch
im Bau und weitere 40 werden in Angriff genomman, sobald die Witterungsverhaeltnisse es zulassen.
Die Komplexe bestehen aus 2 grundlegenden Arten oder Typen, einer Art Gebaeude
mit Mietswohnungen und Mehrfamilienheimen. Sie tragen modernen baulichen Charakter,
sind fest und solide gebaut und haben im Durchschnitt 4 Zimmer mit Bad. Sie sind
in ansprechender VJeise auf weiten Landstrecken errichtet und liegen hell und luftig,
so dass jede Familie genuegend Platz hat, um sich auch im Freien aufhalten zu koennen.
Dieses Bauprojekt kann man sehr gutrait aehnlichen Entwicklungserscheinungen in
den Vereinigten Staaten vergleichen, ^uar Frankreich bedeutet es jedoch einen
grossen Vorteil gegenueber der Mehrzahl der Wohnviertel der Arbeiter. Der Einbau
von Zentralheizung und Bad fuer jede Familie wird hier noch als Luxus angesehen.
In den alten Teilen der Stadt, wo die Masse der arbeitenden Bevoelkerung wohnt,
ist es nicht ungewoehnlich, dass fuer mehrere Familien nur eine Aussentoilette
besteht, die von ihnen gemeinsam benutzt wird. Moderne Heizungsmoeglichkeiten
sind der Mehrzahl dieser Familien unbekannt, ^ie Haeuser sind zu einer einzigen
Mauerwand zusammengedraengt und haben nur niedrige Eingaenge. Gelegentlich fuehrt
einmal ein niedriger Torbogen zu einem kleinen Hofgarten im Hinterhause, der einer
Gruppe Familie als einziger Platz dient, um sich im Freien aufzuhalten.
Moderne Haeuser fuer moderne Arbeiter
Dieses Wunder auf dem Gebiete des Haeuserbaus ist das Ergebnis gemeinschaftlicher Bemuehungen seitens eines ^rbeitgeberverbandes und zweier demokr-itischen
Gewerkschaftsverbaende. Vorbereitende Plaene fuer dieses Projekt wurden bereits
waehrend des Krieges ausgearbeitet, als Frankreich noch von den Deutschen besetzt
war. Nach der Befreiung des Gebiets durch die alliierten Truppen errichteten die
Organisationen gemeinsam eine separate Stelle, die als Berufsausschuss fuer das

- 4 -

�'.Vohnungs-Bauwesen bekannt wurde, und dem die Durchfuehrung u e b e r t r a g e n wurde. Der
Vorsitzende des Ausschusses i s t e i n A r b e i t g e b e r , während der l o s t e n des S c h a t z m e i s t e r s von einem G e w e r k s c h a f t s v e r t r e t e r b e k l e i d e t w i r d . Der L e i t e r der Bauvorhaben fuer d i e Gruppen i s t e i n b e z a h l t e s Ausschussmitglied, der iirfahrung auf dem
Gebiete des '.Vohnungswesens h a t .
Die Kosten des P r o j e k t s werden t e i l w e i s e durch B e i t r a e g e oder Zuschuesse der
A r b e i t g e b e r f i n a n z i e r t , d i e 2% vom Gesaratbetrag der L o h n l i s t e n ausmachen, ' / e i t e r e
Summen werden f u e r d i e Dauer von 50 J a h r e n von der f r a n z o e s i s c h e n Regierung e n t liehen.
Die Zuweisung der neuen V/ohnungen an d i e Familien e r f o l g t von einem Sondera u s s c h u s s , der s i c h aus V e r t r e t e r n der A r b e i t e r s c h a f t und des Unternehmertums zusammensetzt. Die 'Vohnungsmiete b e t r a e g t 2.000 Francs oder etwa $6.25 pro Monat.
Das s i n d ungefaehr 10$ des Einkommens e i n e s f r a n z o e s i s c h e n A r b e i t e r s mit 2 Kindern.
Ss werden Vorkehrungen g e t r o f f e n , denen zufolge e i n A r b e i t e r d i e s e s Heim k a e u f l i c h
erwerben kann, sobald e r dazu in der Lage i s t , F a l l s e i n A r b e i t e r s e i n e T a e t i g k e i t
b e i e i n e r Firma, d i e der Vereinigung angehoert und zu dem r r o j e k t b e i g e s t e u e r t h a t ,
a u f g i b t , i s t e r n i c h t gezwungen, s e i n e .Yohnung aufzugeben."
Die Mieten und das f r a n z o e s i s c h e M i e t s g e s e t z
Das e n d g u e l t i g e Z i e l des Wohnungsausschusses b e s t e h t i n der E r r i c h t u n g von
15.000 ?/ohneinheiten i n n e r h a l b e i n e s Zeitraums von 1 5 . b i s 20 J a h r e n . Man s c h ä t z t ,
dass dadurch etwa 15 ' der bestehenden "Wohnviertel in dem Gebiet e r s e t z t werden.
Fuer den amerikanischen A r b e i t e r mag d i e monatliche Miete von 06.25 fuer modernes
Wohnen so n i e d r i g e r s c h e i n e n , dass e s f a s t absurd k l i n g t . In F r a n k r e i c h i s t d i e s e r Betrag f a s t 3mal so hoch wie d i e Durchschntttssumme, d i e man im Lande an Miete
b e z a h l t . Nach den der ECA Mission zugaenglichen Z i f f e r n g i b t der D u r c h s c h n i t t s a r b e i t e r ungefaehr % s e i n e s Einkommens f u e r Miete aus,, was etwa dem g l e i c h e n Bet r a g e e n t s p r i c h t , den er fuer Tabak a n l e g t .
Dieses Phaenomen i s t auf e i n s t r e n g e s M i e t s k o n t r o l l g e s e t z zurueckzufuehren,
das die Mieten n i e d r i g g e h a l t e n h a t , waehrend andere Lebenshaltungskosten i n s
U f e r l o s e g e s t i e g e n s i n d . Das Gesetz f i n d e t nur auf A r b e i t e r Anwendung, d i e in
denselben .Vohnvierteln wohnen b l e i b e n , die s i e bezogen haben. "Venn e i n - r b e i t e r
umzieht, i s t es fuer ihn f a s t unmoeglich, eine 'Vohnung zu f i n d e n , d i e er s i c h
l e i s t e n kann."
"AFL Veekly News S e r i v c e " 22. Februar 1949.
DAS ENDE DBS AMERIKANISCHEN KOHLENSTREIKS
Ueber den Rundfunk e r h a l t e n wir die N a c h r i c h t , d a s s der S t r e i k der amerikanischen K o h l e n a r b e i t e r am 2 7 . Maerz beendet w i r d . Die A r b e i t s e i n s t e l l u n g war
o f f i z i e l l n i c h t a l s S t r e i k bekannt, sondern a l s "Gedenkurlaub" von zwei .ochen,
a l s T r a u e r p e r i o d e fuer d i e B e r g l e u t e d i e im Laufe des J a h r e s 1948 in den '.cbaecht e n b e i der A r b e i t ihn Leben g e l a s s e n haben.
Es i s t auch d e r Vorwurf erhoben worden, dass John L. Lewis, der P r a e s i d s n t
des B e r g a r b e i t e r v e r b a n d e s aus p o l i t i s c h e n Gruenden zum S t r e i k aufgerufen h a t .
Es war bekannt, dass s i c h Lewis der Ernennung von Dr. James Boyd zum D i r e k t o r
des amerikanischen Bergbau-Amtes w i d e r s e t z t h a t t e . Er h a t t e wohl g e f o r d e r t , dass
e i n B e r g a r b e i t e r e r n a n n t w i r d . Boyd war 1 r a e s i d e n t der Maschineneau-Schule. Er
wird d i e Verantwortung fuer die Sicherheitsmassnahraen in a l l e n Zweigen des Bergbaus wie auch im Kohlenbergbau uebernehmen. B e r e i t s v o r zwei Jahren war er fuer
d i e s e n Posten ausersehen worden- s e i n e Ernennung i s t jedoch aus v e r s c h i e d e n e n
Gruenden vom amerikanischen Senat n i c h t b e s t a e t i g t worden.
laehrend des g r o e s s t e n
T e i l s d i e s e r Z e i t h a t er ohne Gehalt g e a r b e i t e t . Die ganze Z e i t ueber wurde er
von Lewis bekaempft, d e r P r a e s i d e n t w e i g e r t e s i c h a b e r , nachzugeben. J e t z t , da
-

5

-

�sich der Senat mit der Bestaetigung oder Ablehnung von Dr. Boyd befassen sollte,
versuchte Lewis angeblich, mit Hilfe des Streiks den Senat zu zwingen, die Srnennung abzulehnen.
Am 22. Maerz nahm der Senat die Herausforderung an. Die Ernennung Dr. Boyds
wurde mit 50 gegen 11 Stimmen bestaetigt. Drei Tage spaeter rief Lewis die Kohlenarbeiter auf, ihren"Gedenkurlaub" zu beenden.
Die Zeitschrift "The Wallstreet Journal" und gewisse andere Zeitungen haben
die 0Öffentlichkeit daran erinnert, dass der zweiwoechige Urlaub wichtige wirtschaftliche Gruende hat. Die Kohlenfoerderung in den Vereinigten Staaten liegt
bei weitem hoeher als die Nachfrage. Viele Zechen haben kurzgearbeitet. Manche
wurden zeitweilig geschlossen. Die Bergwerksgesellschaften sind ueber den Stillstand nicht boese. Es ist aber auch bekannt, dass der Bergarbeiterverband in
diesem Fruehjahr keine zu grossen Kohlenvorraete sehen moechte, wenn die Gewerkschaft und die Arbeitgeber die Verhandlungen ueber ihren Kontakt aufnehmen. Ein
Kohlenmangel zu diesem Zeitpunkt wuerde sich dann zugunsten des Verbandes der
Vereinigten Bergarbeiter auswirken.
Was die Frage der Sicherheit in den Kohlengruben betrifft, wo 470.000 Arbeiter beschaeftigt sind, so geht aus Berichten des Bergbau Amts hervor, dass die
Unfallruote im Jahre 1948 niedriger war als jemals in irgendeinem Jahr seit 1930,
als dieses Amt errichtet wurde. Im Jahre 1930 betrug die Zahl der Hrbeiter, die
in den Kohlengruben ihr Leben verloren, 2.063, 1948 waren es 1.010, waehrend die
Zahl der im Jahre 1947 umgekommenen Bergleute 1.158 betrug.
"New York Times" 23, Maerz 1949.
"Overseas American News Service" 24.teaerz1949.
DIB UNGARISCHE BAUERN MUESSEK TON. WAS MAN IHNEN SAGT
Bei den Bauern war das immer so. Einer hat stets ueber sie geherrscht. Unter
einer bedrueckenden Gesetzgebung" haben sie aber stets Existenzmoeglichkeit gehabt
und haben viele Kniffe gelernt, das Gesetz zu umgehen. In Ungarn sind sie jedoch
unter eine neue Art von Kontrolle gestellt worden, naemiich die der "Volksdemokratie". 7/ie ein amerikanischer Korrespondent in Wien schreibt, maehen sich die ungarischen Bauern nicht viel aus dem kommunistischen Plan fuer ein kollektives
Paradies. Sie ziehen immer noch die fruehere Art und Weise vor und wollen nicht
freiwillig "mit den Kooperativen zusammenarbeiten."
Solch ein Gesetz ist erlassen wordenl
"Die ungarische Regierung hat neue Richtlinien "fuer den Schutz der Biuernkooperativen" erlassen. Diese sehen Strafen von 2 Jahren bis lebenslaenglich sowie
den Verlust der Buergerrechte vor. Strafen von 2 bis zu 10 Jahren Gef^engnis
werden denjenigen zudiktiert, die;
"1. die Errichtung von Bauernkooperativen behindern,
"2. ihre Taetigkeit und Artreit behindern,
"3. ihr staendiges Bestehen durch Aufhetzen oder Verleumdung gefaehrden,
"4. andere davon abbringen, sich den Kooperativen anzuschliessen oder
"5. die Kitglieder der Kooperativen oder ihre Familien laecherlich machen.
"Diejenigen, die Eigentum landwirtschaftlicher Kooperativen veraeussern
oder ihnen durch Raub, Erpressung, Veruntreuung, Unterschlagung, Sabotage oder
Brandstiftung Schaden zufuegen, werden zu lebenslaenglicher Gefaengnisstrafe und
zur Wiedergutmachung des angerichteten Schadens verurteilt.
Warum nun solch ein drastisches Gesetz.
Die Gruende fuer eise solche Massnahme kann man einer Rede entnehmen, die
Matyas Rako3i, der stellvertretende ...inisterprnesident und Fuehrer der kommur.is-

6 -

�t i s c h e n P a r t e i , Anfang Maerz g e h a l t e n h a t . Er s a g t e : " E s zeigen s i c h heute e r n s t e
Maengel in der Durchfuehrung u n s e r e r B a u e r n p o l i t i k . Unsere Befehle, d i e darauf
a b g e s t e l l t s i n d , den m i t t l e r e n Bauernstand fuer uns zu gewinnen, werden o f t durch
d i e N a c h l a e s s i g k e i t u n s e r e r z u v e r l a e s s i g e n Anhaenger, naemlich der armen Bauern,
f a l s c h a u s g e l e g t . Als Ergebnis z e i g t s i c h , dass s i c h d i e armen Bauern zurueckziehen und s i c h p a s s i v v e r h a l t e n , was n a t u e r l i c h wiederum den I n t e r e s s e n der
Kulaken, a l s o der wohlhabenden Bauern, d i e n t e . Ein a n d e r e r e r n s t e r Mangel z e i g t
s i c h in der Tatsache, d a s s unsere O r g a n i s a t i o n e n in den meisten Orten keinen Unt e r s c h i e d zwischen den m i t t l e r e n Bauern und den Kulaken machen.
"Im allgemeinen sehen wir d i e j e n i g e n a l s Kulaken an, d i e mehr a l s 25 Joch
Landes (etwas mehr a l s 25 a c r e s oder etwa 10 ha/ b e s i t z e n , aber unsere Genossen
in den Doerfern b e t r a c h t e n d i e j e n i g e n schon a l s Kulaken, d i e mehr a l s 15 Joch
besitzen.
Beachraenkung der w i d e r s p e n s t i g e n Kulaken
"Es i s t daher n i c h t zu verwundern, dass sich d i e Kulaken t r o t z der 3 e s c h r a e n kungen, d i e ihnen von der Volksdemokratie a u f e r l e g t werden, zusammenschlicssen,
und es i s t auch k e i n '.'under, dass s i e zum a n g r i f f uebergehen. A l l d i e s i s t das
Ergebnis e i n e r f a l s c h e n r o l i t i k , d i e i n manchen Orten g e t r i e b e n wird. U e b e r a l l
haben .vir e r f a h r e n , dass d i e den Bauern a u f e r l e g t e n Beschraenkungen b e i den
Kulaken g a r k e i n e n Zweck haben. 3 i e b e r e i c h e r n s i c h nach wie v o r .
" ' D i e Kommunisten mues:.en verstehen», warum d i e Bauern d i e Kooperativen
f u e r c h t e n . J t a l i n s e l b s t h a t d a r a u f hingewiesen, d a s s diese Furcht n a t u e r l i c h
i s t , w e i l das Volk hunderte von Jahren nach der a l t e n . e i s e g e l e b t h a t , d . h .
es wurde von den Kulaken und den Grundbesitzern a u s g e b e u t e t . * "
"New York Times" 2 4 . Maerz 1VW
ir
KANADISCHE Gff ERK3CKiFTKN MACHEN SICH SORGE UEBER
DIE DEPRESSION
"Der Kanadische Gewerkschaftsbund (CCL), .der 350.000 M i t g l i e d e r h a t , b r a c h t e
h e u t e zum Ausdruck, d a s s die B e s c h a e f t i g u n g s l o s i g k e i t e i n schwerer Schlag fuer
Kanada bedeute und f o r d e r t e d i e Regierung auf, e i n e r w e i t e r t e s irogramm fuer
o e f f e n t l i c h e Bauprojekte a u s z u a r b e i t e n . In ihrem j a e h r l i c h e n B e r i c h t an das
Bundes-Kabinett b a t d e r CDL zusammen mit der anderen grossen - i r b e i t e r o r . p n i s a t i o n
Kanadas, den A r b e i t e r - u n d Gewerkschafts-Bund (TLC) der 400.000 M i t g l i e d e r z-;ehlt
und der amerikanischen AFL -mgeschlossen i s t , d i e Regierung um d i e Ausarbeitung
e i n e 3 rrogranms fuer eine allumfassende S o z i a l v e r s i c h e r u n g , fuer e i n g r o s s a n g e l e g t e s 'Johnungsbaupro j e k t sowie um Massnahmen gegen d i e I n f l a t i o n durch l r e i s k o n t r o l l e n und i u s c h u e s s e . "
"New York Times" 26.
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN VERSCHIEBEN FORDERUNGEN
AUF LOHNERHOEHUNGEN

Maerz 1S49

Die amerikai ischen T e x t i l g e w e r k s c h a f t e n , sowohl der AFL a l s auch der CIO, die
insgesamt 200.000 T e x t i l a r b e i t e r v e r t r e t e n , haben vor kurzem in 3 Faellen Schiedssprueche a k z e p t i e r t . Die Entscheidungen ihre Forderungen auf d e r z e i t i g e Lohnerhoehungen waren unguenstig ausgefallen. Die Gewerkschaften akzeptierten zwar die
Schiedssprueche, wiesen aber d'imuf hin, dass s i e innerhalb 6 Monaten erneut
Forderungen auf Lohnerhoehungen s t e l l e n wuerden.
Auch in der Schuhindustrie a k z e p t i e r t e die Gewerkschaft, die 25.000 Arbeiter
v e r t r i t t , die Schiedsrichterliche Entscheidung, die dahinging, dass zur Jeit eine
Forderung auf Lohnerhoehung nicht berechtigt s e i . In diese.u Felle hat die Gewerkschaft mit der I n d u s t r i e ein /ibkonmen getroffen, wonach automatisch eine Lohner-

.7

-

�hoebung eintreten soll, sobald der Lebenshaltungsindex steigt, dass aber die Loehne
beim Fallen des Indexes entsprechend gesenkt werden sollen. Auf dieser Basis sind
den Schuharbeitern 3 Cents pro Stunde abgezogen worden. Die Lebenshaltungskosten
sind in den letzten Wochen in den Vereinigten Staaten gesunken.
In diesen Industriezeigen haben die Gewerkschaften und die betreffenden Industrien ausgedehnten Gebrauch von der Einrichtung des Schiedsverfahrens gemacht, um
Differenzen beizulegen, die sich ergeben. DieseSchiedsmaenner haben eine richterliche Funktion. Sie werden gewoehnlich sowohl von der Gewerkschaft als auch von
den Industrien bezahlt. Dies ist ein Beispiel dafuer, dass es den anerkannten
Gewerkschaften und den Arbeitgebern gelungen ist, wirksamaMittel und Wege zu finden,
um ihre Differenzen aus der Welt zu schaffen.
"Newsweek" 12. Februir 1949
DIE KOMMUNISTEN IN INDIEN
Die offenen Angriffe Nehrus im Indischen Parlament gegen die Taetigkeit der
Kommunisten beweist, dass die Regierung jetzt ziemlich denselben Schwierigkeiten
gegenuebersteht wie im letzten Jahre General MacArthur in Japan. Wie ihre japanischen Genossen, sind die Indischen Kommunisten in eine Gewerkschaftsbewegung
eingedrungen, die noch nicht festen Fuss gefasst hat und ermutigen zu Streiks, die
den Zweck verfolgen, die nationale Wirtschaft in Unordnung zu stuerzen. In Indien
wie in Japan haben die kommunistischen Taktiken die Behoerden gezwungen, die Arbeit sgesetze abzuaendern, um ihnen ausreichende Macht zu geben, Streiks in wichtigen Zweigen des Staatsdienstes zu verhindern.
Die Parallele zwischen Japan und Indien sollte man aber nicht zu weit ziehen.
Nehru befindet sich in einer staerkeren Lage als General MacArthur, weil er sich
auf die ueberwaeltigende Mehrheit der patriotischen Bevoelkerung stuetzen kann.
Trotzdem ist aber die Lage in einer Hinsicht schwieriger. Nehru sieht sich lediglich den ueblichen Untergrundtaktiken der Einsickerung gegenueber, die die Kommunisten ueberall anwenden. Ausserdem hat er es mit einer besonderen Art organisierter Gewalt zu tun, die sich gegen den Staat richtet, und die in Japan nicht florieren kann, solange die alliierte Besatzung wirksam funktioniert.
Diese organisierte Gewalt ist das V,'erk der "Revolutionaeren Kommunistischen
Partei", die unter vielerlei Tarnungen in verschiedenen Teilen Indiens besteht.
Sie ist keineswegs eine ausschliesslich staedtische Bewegung. In manchen laendlichen Bezirken ist sie gut organisiert, z.B. im Suedosten der Dominions des
Nizam (Gouverneurs;, von wo sie von den indischen Militaerbehoerden noch vollstaendig vertrieben werden muessen. Sie besteht auch in Bengalen, das vor kurzem den
Schauplatz mancher dramatischen Ausschreitungen in Calcutta bildete, wie auch in
Madras., Bombay und in den Vereinigten Provinzen. Wie die anarchistischen Bewegungen,
deren direkte Nachfolgerin sie ist, bereitet sich die Organisation darauf vor, die
politische Macht mit Gewalt an sich zu reissen, doch ist ihr Programm wenig mehr
als ein Vorwand zu Mord, Brandstiftung und Pluendern, sowohl fuer persoenliche
Vorteile als auch zur Auffuellung der Parteigelder. Sie nennt sich zwar selbst
kommunistisch, kueramert sich aber wenig um kommunistische Disziplin. Obwohl die
Regierungen Zentralindiens und der Provinzen vorbeugende Massnahmen ergriffen haben,
so sehen sie die Bewegung doch als ein stoerendes Element im Hintergrund des politischen Lebens an, das immer bereit ist, die Unzufriedenheit auszunutzen.
Nehru hat seinen ganzen 3influss gegen die Kommunisten aufgeboten. Er weiss
genau, welchen Schaden eine aktive Unruhe fuer die Entwicklungsprogramme, die die
Pegierunp plant, bedeuten wuerde, und er weiss, dass der Kommunismusnnur von den
wirtschaftlichen Schwierigkeiten existieren und gedeihen kann, die er zu beseitigen
-

3 -

�beabsichtigt.

Niemand hat mehr Anspruch auf das Vertrauen und die Mitarbeit aller

derjenigen, die fuer verbesserte Verhaeltnisse in Indien arbeiten.

Die Politik,

die das Parlament gebilligt hat, ist ganz eindeutig und klar umrissen.

Waehrend

es den Kommunisten wie anderen politischen Parteien freisteht, ihre Meinungen frei
zu aeussern, ist es ihnen aber verboten, Unruhen zu foerdern oder Gewaltakte zu
begehen.

In seinem Entschluss, Indien vor der Unordnung zu schuetzen, die Birma

und China erschuettern, ist N e h m fuer andere Laender in Suedost-Asien tonangebend
und fuehrend.
"The Times Weekly Edition" London 16. Maerz 1949
WIE MAN DEN KOMMUNISTEN ANTWORTEN MUSS
Lola Kinel ist eine amerikanische Journalistin, die Russland und das russische
Volk gut kennt.

In einem kuerzlich veroeffentliehen Artikel ueber die kommunisti-

sche Propaganda erklaerte sie, dass das Programm der amerikanischen Arbeitergewerkschaften zur Blosstellung des Kommunismus in den Vereinigten Staaten noch nicht
genuege.

Ein grosser Teil der kommunistischen Propaganda basiert auf Berichten

ueber die angeblich idealen Verhaeltnisse in Russland.

Maifche Qutglaeubigen

kommen in Versuchung, ihnen zu glauben.
"Manche ihrer Grundargumente sind anscheinend triftig und unschlagbar.

Sie

sind darauf abgestellt, an Ihren Sinn fuer ehrliches und anstaendiges Denken, an
Ihren Liberalismus und an Ihren humanitaeren Instinkt zu appelieren.

Sie sind

aber auf halben Wahrheiten oder vollkommenen Luegen begruendet« sie sind irrefuehrend und fuehren zu falschen Schluessen.

Ob

nun

jemand, der Sie zu ueberzeugen

versucht bewusst luegt oder ehrlich davon ueberzeugt ist, dass er Ihnen die Wahrheit
sagt - und schliesslich haben 30 Jahre unablaessiger Propaganda aus vielen Gutgläubigen "ehrliche Luegner" gemacht - es ist wichtig, die Tatsachen zu kennen und
sie so fest und so objektiv, wie es Ihnen nur raoeglich ist, zum Ausdruck zu bringen.
Hier sind einige der ueblichsten und alltaeglichsten Begriffe von Sowjetrussland und dem Kommunismus, wie sie von den Parteimitgliedern und Mitlaeufern
vorgebracht werden, sowie Tatsachen, mit denen man antworten kann«
1. Das russische Volk ist unter dem Kommunismus gluecklich
Antwort; Wenn das stimmt, warum gibt es dann im sowjetischen Strafgesetzbuch verschiedene Strafen fuer ein "Ueberschreiten der Grenze" (d.h.)wenn man das
glueckliche Land ohne Erlaubnis verlassen will).

Die niedrigste Strafe betraegt

5 Jahre Gefaengnis "bei Verlust aller Rechte und des Eigentums", sowohl fuer die
Person, die zu entkommen versuchte, wie auch fuer die Angehoerigen, "die zur Zeit
des Fluchtversuchs im gleichen Hause wohnten" oder fuer Freunde, die eventuell von
der Absicht Kenntnis hatten und die Behoerden nicht benachrichtigt haben.
Warum ist es den Russen nicht gestattet, zu reisen.

Selbst Beamte oder Ange-

stellte der Regierung, die ins Ausland fahren, muessen die zerrauerbendste Untersuchung ueber sich ergehen lassen, die Wochen und sogar Monate dauert.

Und warum

ist den kleinen Sowjetbeamten selten gestattet, ihre Familien mitzunehmen.

Ein

Teil der naechsten Familienangehoerigen wird in Russland als Geiseln zurueckgelassen.
2. In der Sowjetunion gibt es keine Klassenunterschiede.

Die Erziehung

kostet nichts, und jeder hat die Chance, so hoch zu steigen, wie es seine
Faehigkeiten gestatten.
Aptwcrt; Im Gegenteil, die Klassenunterschiede sind kuenstlich gefoerdert
und in monstroesem Ausmasse vertieft worden.
Gruendec geschuert worden.

Der KLassenhass ist aus politischen

Während der Kollektivierung wurden die Bauern in den

Doerfern bewusst in 3 Klassen eingeteilt; Bjednjak (armer Schlucker), Sserednjak
(MittelStandsbauer) und Kulak (Faust oder der Ausbeuter, Reiche).

- 9 -

Die Kulaken

�wurden zu "Feinden des Volkes" und den n a t u e r l i c h e r w e i s e n e i d i s c h e n "Armen" e r z a e h l t e man, d a s s jene fuer i h r Elend v e r a n t w o r t l i c h s e i e n .
Zu manchen Z e i t a b s c h n i t t e n des Sowjetregimes sind v e r s c h i e d e n e Gruppen zu
Suendehboecken .der Regierung gestempelt worden. Zunaechst einmal wurde d i e a l t e
A r i s t o k r a t i e , d i e G e i s t l i c h k e i t und d i e Bourgeosie zum Aussterben v e r u r t e i l t und
zu " L i s c h e n z i " ( B e s i t z l o s e ) e r k l a e r t . Als der e r s t e Fuenfjahresplan in mancher
H i n s i c h t F e h l s c h l a e g e aufwies, wurde e i n e ganze Reihe von " S p e z i a l i s t e n " (Wissens c h a f t l e r n , I n g e n i e u r e n e t c . ) a u s g e b o o t e t , da man doch jemand haben musste, um ihn
fuer die F e h l e r der Regierung zu b e s t r a f e n . Nach Einfuehrung der Verfassung im
J a h r e 1936 wurden die " L i s c h e n z i " o f f i z i e l l a m n e s t i e r t , und i h r e Kinder konnten
i n s o e f f e n t l i c h e Leben t r e t e n ( f r u e h e r d u r f t e n s i e keine hoehere Schule besuchen
oder d u r f t e n s i c h n i c h t um e i n e s p e z i e l l e A r b e i t bewerben). Aber dann wurden
d i e A l t e n Bolschewisten und d i e sogenannten O p p o s i t i o n i s t e n zu Tausenden a b g e s a e g t (man nannte s i e " T r o t z k i s t e n " , " D e v i a t i o n i s t e n " ( V e r i r r t e ) und i n der u e b l i chen Vfeise " V e r n i c h t e r " ) . Langsam kam eine neue A r i s t o k r a t i e auf : d i e kommunistischen Buerokraten, d i e j e t z t Sowjetrussland r e g i e r a n und d i e p r i v i l e g i e r t e K l a s s e
d a r s t e l l e n . I h r e Kinder e r f r e u e n sich grosser P r i v i l e g i e n i n der Erziehung, wodurch a u t o m a t i s c h e i n F o r t b e s t e h e n der K a s t e g e s i c h e r t w i r d .
Das merkwuerdigste Ergebnis d i e s e r schwankenden P o l i t i k b e s t e h t d a r i n , dass
die Kinder d e r Bauern und A r b e i t e r , in deren Namen d i e Revolution gemacht wurde,
langsam d i e s e r A u s s i c h t e n auf e i n e hoehere Erziehung und auf w i r t s c h a f t l i c h e n E r f o l g b e r a u b t worden. Die Hochschuleni S t u d i e n a n s t a l t e n und Q n i v e r s i t a e t e n
fordern a n s e h n l i c h e Studiengebuehren, d i e fuer die Bauern und die u n g e l e r n t e n
Arbeiter unerschwinglich s i n d . "
Der Raummangel g e s t a t t e t es n i c h t , d i e w e i t e r e n 6 p r o p a g a n d i s t i s c h e n E r k l a e rungen und d i e Antworten der V e r f a s s e r i n h i e r aufzufuehren.
Die meisten Punkte
sind aber den deutschen Gewerkschaftlern v e r t r a u t ; z . B . Es g i b t k e i n e A r b e i t s l o s i g k e i t in der Sowjetunion, es g i b t keine '.'. T irtschaftsü.aute in der Sowjetunion,
das r u s s i s c h e Volk wird n i c h t so wie u n t e r den Zaren v e r f o l g t , d i e Sowjetunion unt e r s t u e t z t d i e bedrueckten Voelker in der ganzen '.Veit, und dann s c h l i e s s l i c h d i e s e
k o e s t l i c h e Aeusserung« " N a t u e r l i c h moechte i c h n i c h t d i e r u s s i s c h e Art Kommunismus
h i e r b e i uns haben; da aber die Russen diese Form von Sozialismus gewaehlt haben,
welches Recht haben wir denn, s i e zu k r i t i s i e r e n . "
" P i a i n Talk" (offene Worte) Llaerz 1949.
DIE MISSLICHE LAGE DER"ITALIENISCHEN ARBEITER
C.F. K i l l e r , der Herausgeber d e s "AFL V/eekly News S e r v i c e " hat vor kurzem
eine Reise durch e i n e Anzahl Marshalljslan-Laender unternommen. Seine Beobachtungen ueber d i e V e r h a e l t n i s s e in I t a l i e n sind a u f s c h l u s s r e i c h . Im allgemeinen i s t
e r zu dem S c h l u s s gekommen, dass sich d i e Lage der i t a l i e n i s c h e n A r b e i t e r durch
d i e I.!arshallplan-Hilfe bedeutend g e b e s s e r t h a t . Er h a t f e s t g e s t e l l t , d a s s d i e
i t a l i e n i s c h e I n d u s t r i e im '"iederauf bau g r o s s e F o r t s c h r i t t e gemacht h a t .
Anderers e i t s fand e r a b e r auch, dass das Volk immer noch im Zustand e i n e r t i e f e n und f a s t
entmutigenden Armut l e b t . Es zeigen s i c h aber immerhin F o r t s c h r i t t e .
Der Lebensstandard i s t noch n i e d r i g
"Nach den einem SCA-Beamten vorliegenden Ziffern i s t der Lebensstandard fuer
die A r b e i t e r n i e d r i g e r a l s vor dem Kriege und s t e h t f a s t auf der g l e i c h e n elend
n i e d r i g e n Stufe wie in 5 o v j a t r u s s l a n d .
,7enn man den Lebensstandard nach der Zahl der Standen f e s t s e t z t , die g e a r b e i t e t v.erden muessen, um mehrere Verbrauchsgueter zu teufen, wie s i e im Durchs c h n i t t fuer den Haushalt e i n e s .i_rbeiters in Frage kommen, dann e r k e n n t man v.'ie
dramatisch d i e Lage i s t . Das w i r k t s i c h etwa wie f o l g t sus •
lü

-

�Der italienische Arbeiter muss 51 Minuten arbeiten, um sich damit 1 kg Brot
verdienen zu koennen. Wenn er Schuhe braucht, dann muss er 46 Stunden und 18
Minuten arbeiten, bis er soviel verdient hat, dass er sie sich kaufen kann. Fuer
1 Dtzd Eier muss der durchschnittliche Industriearbeiter 2 Stunden nnd 5 Minuten
arbeiten, wuebrend er erst 1 quart (etwas ueber 1 1) Milch kaufen kann, wenn er
31 Minuten gearbeitet hat. VJenner lieber Kaffee trinkt, muss er 8 Stunden und
4U Minuten lang arbeiten, um sich davon 1 kg kaufen zu koennen. .Venn man alle
diese Lebens- und Genussmittel zusammennimmt, dann stellen wir fest, dass der
Durchschnittsarbeiter fuer 1 kg Brot, 1 Dtzd Eier, 1 quart Milch und 1 kg Kaffee
insgesamt 12 Stunden und 7 Minuten lang arbeiten muss.
Die Wohnungsverhaeltnisse sind jammervoll. In einem Teil dieser Stadt - nicht
weit von den luxurioesen .Vohnhaeusern - leben die Menschen in Hoehlen, die sie
seitlich in die Berge gegraben hatten. In Sueditalien besteht eine (Gemeinde aus
15.000 Italienern, meist Landarbeitern, die in aehnlichen Hoehlen zusammen mit
ihren Tieren leben.
Arbeitsloaifjcelt und Ueberbevoelkerung
"Die Hauptfaktoren, die zu derraisslichenLage der Arbeiter beitragen sind
einmal eine uebergrosse Bevoelkerung, das Fehlen einer wirklich starken, zentral
geleiteten Regierung, die in der Lage ist, positive Hilfs-Massnahmen zu treffen,
sowie eine stark gespaltene Arbeiterbewegung, die in einem solchen Masse von
politischen Splittergruppen und Ideologien zerrissen ist, dass man die wirtschaftlichen Prinzipien des Gewerkschaftswesens vollkommen aus dem Auge verloren hat.
Die Zahl der staendig Arbeitslosen, die auf ca 2 Millionen oder etwa 1/10
der gesamten Arbeiterschaft geschaetzt wird, bildet ein Reservoir an billigen
Arbeitskraeften, das dazu dient, die Lohnsaetze niedrig zu halten. Andererseits
sind die Arbeitgeber in der Industrie straff organisiert, wodurch es ihnen moeglich
war, sowohl dem Druck seitens der Gewerkschaften wie auch dem der Raö-erung standzuhalten, die die Hoffnung haben, einen besseren Ausgleich zwischen den Loehnen
und den Preisen herbeizufuehren.
Das kommunistisch kontrollierte Gewerkschaftswesen
"Der Allgemeine Gewerkschaftsbund (CGIL), der urspruenglich nach Beendigung
der Feindseligkeiten mit Zustimmung der alliierten Militaerregierungen gegruendet
wurde, kam rasch unter die Herrschaft der Kommunisten. Mit Hilfe geschulter Organisatoren, die an strategisch wichtigen Punkten eingesetzt wurden, standen sie bereit und waren somit in der Lage, die Bewegung von der Ortsgewerkschaft aufwaerts
bis zum Exekutivausschuss, der die Politik lenkte, zu kontrollieren. Erst im Juni
1948 wurden sich manche Fuehrer innerhalb des CGIL darüber klar, was die Kommunisten im Schilde fuehrten und zogen sich von dieser Organisation zurueck. Hierauf
folgte ein Beschluss der kommunistischen CGIL-Fuehrer unbeschraenkt einen 24-Stunden-Streik auszurufen als Protest dagegen, dass man auf Togliatti, ein kommunistisches Mitglied des italienischen Parlaments, geschossen hatte. Der kommunistische
Schritt war ein klarer Beweis dafuer, dass das endgueltige Ziel des CGIL auf eine
Zerschlagung der italienischen Regierung ausging.
Der Aufstieg der antikommunistischen Gewerkschaften
"Die Gruppen, die sich vom CGIL abspalteten, bildeten den Kern eines neuen
Freien Gewerkschaftsbundes unter der augenblicklich zeitweiligen Fuehrung von
Giulio Pastore, einem dynamischen, 47 Jahre alten christlichen Demokraten und
-itglied der italienischen Deputiertenkammer. Die neue Organisation, die als
LCGIL bekannt ist, ist verhaeltnismaessig schwach, verfuegt nur ueber unzulaengliche Mittel, um eine ausgedehnte Kampagne gegen die Kommunisten zu fuehren und
hat selber unter EinigungsSchwierigkeiten zu leiden. Politische und religioese
itroemungen beeintraechtigen im Augenblick ihren "Wachstum. Trotz der ausgespro-

11 -

�d a — Absicht des LCGIL, sich in Verfolgung der Prinzipien des wirtschaftlichen
Gewerkschaftsgedankens von allen politischen und religioesen Einfluessen freizumachen, haben sich die Fuehrer der republikanischen Parteien und der Saragat-Sozialisten, die bedeutende Teile der Gewerkschaftsmitglieder kontrollieren, geweigert, aus dem kommunistischen CGIL auszutreten, obwohl sie nicht mit den Politikern des CGIL uebereinstimmen oder ihnen folgen.
Trotz der mangelnden Einigkeit unter den nichtkommunistischen Gruppen hat
der LCGIL einen wesentlichen
zeichnen.

Fortschritt in seiner Mitgliederbewegung zu ver-

In einem Interview mit Pastore aeusserte dieser, dass die Organisation

nahezu 1-| Millionen Mitglieder zaehlt.

Als man ihn ueber die Staerke der Kommu-

nisten befragte, erwiderte er, dass man den Angaben des CGIL in bezug auf seine
Mitgliederzahl nicht trauen duerfe.
allem nicht mehr als 2\ Millionon.

Seiner Schaetzung nach haette er alles in
Davon seien seiner Ansicht nach etwa nur 1

Million wirklich Mitglied der kommunistischen Partei.

Als Beweis fuer die wach-

sende Staerke des LCGIL erklaerte Pastore, dass seine Organisation in den chemischen Industriebetrieben bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen habe, die frueher
kommunistische Hochburgen gewesen seien.
"AFL Weekly News Service" 1. Maerz 1949
IMMER WIEDER D U ALTE GKSOHlCmB i
"Obwohl die polnische Presse spaltenlang Berichte ueber fuehrende Leistungen
im Wettbewerb bringt, uebergeht sie jedoch die traurigen Folgen und Auswirkungen
der erzwungenen Produktion mit Schwelgen.

Es bestehen keine Indexziffern ueber

Fernbleiben vom Arbeitsplatz, ueber Berufskrankheiten oder Betriebsunfaelle.

Da

gibt es aber eine offizielle Notiz, die nach einer internen Ministerkonferenz veroeffentlicht wurde;
"Abnahme an Betriebsunfaellen in allen Industriezweigen, in den Bergwerken«
UnfallZiffern um 30? gesunken."
Die Tatsache, dass diese Notiz, die nur vage Zahlenangaben ohne genaue Statistik enthaelt, weite Verbreitung gefunden hat, zeigt, dass man sich bemueht, die
wirkliche Lage zu tarnen.

Es ist naemlich nicht wahr, dass die Unfaelle in den

Bergwerken um 30? abgenommen haben.

Im Gegenteil, .im Jahre 19^8 sind sie bedeu-

tend gestiegen.
Wir geben hier eine

Stelle aus einem Brief wieder, den ein Bergmann an

seinen Bruder geschrieben hatte, der sich in Frankreich niedergelassen hat."
"Ich bin so froh, dass ich mich einmal wegen meiner Wunde ein bisschen ausruhen
kann.

Es tut einem gut, wenn man nicht die ganze Zeit ueber gequaelt wird.

Gegen frueher sind jetzt anderthalb mal soviel Leute krank und verletzt.

Viele

Bergleute wollen einen Haufen Geld verdienen und spaeter sind sie dann gezungen,
sich auszuruhen."
Wie hoch ist nun der genaue Prozentsatz an Fehlenden, deren Fernbleiben von
der Arbeit auf Krankheit und Unfaelle zurueckzufuehren ist?

Im allgemeinen ueber-

3teigt er weit 20? und ist noch im Ansteigen begriffen.
Jedoch ueben die Gewerkschaften durch die Sozialversicherungskassen eine
strenge Kontrolle aus, um genau festzustellen, wer "vorsaetzlich" krank ist.
Jeder Arbeiter, der einer "vorsaetzlichen" Krankneit verdaechtigt wird, zieht
das Donnerwetter der Bestrafung ueber seinem Haupte zusammen.

Er wird sofort

der Sabotage beschuldigt und muss TOT einem Disziplinarausschuss erscheinen,
mit dem in solchen Faellen nicht zu spassen ist

"

"Aus der regelmaessig erscheinenden Zeitschrift fuer die
Freiten Gewerkschaftler im Exil" Maerz 1949
-

12

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�DIE INDÜSTRTKT.T.TC VERWALTUNG IN DER TSCHECHOSLOWAKEI
Die "Volksdemokratien" haben ein totsicheres Mittel, um auf ihre Landleute
Druck auszuueben. Undzwar die Drohung, sie aus ihrem Hause zu werfen. Die Wohnungskrise ist in diesen Laendern auf Grund der Politik ihrer Regieningen in bezug auf
die wirtschaftliche und politische Konzentration akuter als anderwo.
Die kommunistischen Behoerden arbeiten darauf hin, grosse Industriezentren zu
entwickeln, um darauf fuer sich selber politische 3ollwerke zu machen. Die Zentralisierung der Obrigkeit, die die Grundlage fuer das System bildet, verlangt dies.
Daher werden Parteiorganisationen und ihre Bueros, Truppen, die Verwaltungen usw.,
wirtschaftliche Kreis- und Bezirks-Verwaltungen usw. in den grossen Städten zusammengezogen.
Dort werden auch neue industrielle und kommerzielle Unternehmen gegruendet, so
dass die Staedte mit erstaunlicher Schnelligkeit machsen. Da sich aber die sogenannten "Volks"regierungen nicht viel um die Lebensbedingungen, die sie den Arbeitern
bieten, Sorge machen, kuemmern sie sich auch nicht viel darum, wie sie fuer die
Menschenmassen, die sich in den Staedten zusammenballen, Wohnraum beschaffen sollen.
Sie sehen es fuer ausreichend an, wenn sie eine "Wohnnorm" schaffen, d.h. ein paar
qm Raum pro Bewohner. Nachdem so eine "Basis" geschaffen ist, bringen sie in einem
Hause, das fuer eine einzige Familie gedacht ist, mehrere Familien unter, die zusammengepfercht leben. Ist das nicht genug? Was macht das aus? All diejenigen,
die "unproduktiv" sind, werden aus ihren Haeusern oder Wohnungen hinausgesetzt,
d.h. all diejenigen, die nicht in der Verwaltung oder in staatlichen Betrieben
beschaeftigt sind.
Es ist ganz klar, dass natuerlich die ersten, die von diesem System in Mitleidenschaft gezogen werden, die Gegner der Regierung sind oder solche, die man der
Gegnerschaft verdaechtigt. Tatsaechlich sind sie auch immer die ersten, die ihre
Stellung oder ihre Unterkunft verlieren.
Das Zentralorgan der tschechoslowakischen Gewerkschaften hat gerade jetzt
verkuendet, dass die "unproduktive" Bevoelkerung bald dazu "ersucht" werden wird,
die Hauptstadt zu verlassen, ohne erst den Ausweisungsbefehl abzuwarten. Dieselbe
Zeitschrift schreibt auch, dass alle diejenigen, die als Gegner des Regimes bekannt sind, ohne weitere Formalitasten hinausgesetzt werden, um in Baracken ausserhalb Prags untergebracht zu werden. Das wird dann eine Art Konzentrationslager sein,
denn "diese Leute" wird man bewachen muessen, damit sie sich nicht ueber das ganze
Land hin zerstreuen."
"Aus der regelmaessig erscheinenden Zeitschrift fuer die
Freien Gewerkschaftler im Exil" Maerz 1%9.
IN DER ATMOSPHABRE DER HOFFNUNG
Der folgende Auszug ist einer Erklaerung A.W. Harrimans, des Sonder-Vertreters
des Verwaltungsausschusses fuer das ERP (EGA), vor einem Ausschuss des Kongresses
der Vereinigten Staaten entnommen.
"Hier haben
die Nationen Westeuropas in einem Zeitraum von acht kurzen
Monaten mit Hilfe ihrer zusammengefasstBn Mittel die hauptsaechlichsten und wichtigsten wirtschaftlichen Probleme in ihrer Gesamtheit erfasst und klar herausgestellt, und zwar mit einem gaenzlich neuartigen tiefen Verstaendnis. Die Diagnose
einer ernsten Krankheit bietet niemals ein angenehmes Bild, doch ist sie der unerlaessliche erste Schritt zur ^ilung. Die Diagnose ist jetzt gestellt warden, die
Erkenntnisse, die fuer heilende Massnahmen notwendig sind, erweitern sich staendig,
und, vor allem, es besteht der Wille, vorwaerts zu können
*n der neuen und

- 13 -

�k r a e f t i g e n d e n , belebenden Atmosphaere, die durch d a s Programm der w i r t s c h a f t l i c h e n
Zusammenarbeit geschaffen wurde, haben der s c h a f f e n d e , a r b e i t e n d e Mensch Europas
und die Fuehrer der A r b e i t e r s c h a f t , d i e u n e r s c h u e t t e r l i c h an ihrem Glauben an die
f r e i e Arbeiterbewegung f e s t h i e l t e n , Widerstand gegen den Angriff des Kommunismus
o r g a n i s i e r t , f u e r den s i e auch e i n s t e h e n . . . . Fuer a l l e von uns i s t es w e s e n t l i c h ,
zu v e r s t e h e n und zu erkennen, d a s s die E r e i g n i s s e i n Europa zwangslaeufig zu Tage
b r i n g e n , d a s s d i e f r e i e n A r b e i t e r g e w e r k s c h a t t e n zu den w i c h t i g s t e n Bollwerken der
w e s t l i c h e n Demokratie gehoeren, die u n a b l a e s s i g von einem h a r t n a e c k i g e n und v e r s t o c k t e n Feind b e r a n n t werden."
" T r a n s a t l a a t i c " EGA Labor News L e t t e r " MÄIJZ 1949
AMERIKANISCHE GBWEBESCHAFTSFBINDLICHB ZEITUNG WIHD
BINCESCHPA KNM'
Obwohl die Amerikaner f e s t an d i e F r e i h e i t d e r P r e s s e glauben, g i b t e s doch
F a e l l e , i n denen die P r e s s e durch G e r i c h t s b e s c h l u s s e i n g e s c h r a e n k t werden kann.
Es i s t zu bemerken, d a s s die i n dem nachfolgenden A r t i k e l genannte Zel t s c h r i f t
n i c h t verboten wurde, doch wurde es immerhin einem g e w e r k s c h a f t s f e i n d l i c h e n Arb e i t g e b e r v e r b o t e n , d i e Zeitung k o s t e n l o s u n t e r s e i n e A r b e i t e r zu v e r t e i l e n .
"Der Landesausschuss fuer Arbeitsbeziehungen h a t h e u t e f e s t g e s t e l l t , d a s s
e i n A r b e i t g e b e r das T a f t - H a r t l e y - G e s e t z dadurch v e r l e t z t e , dass er e i n e "Gewerks c h a f t s f e i n d l i c h e " Zeitung v e r b r e i t e t e , sowie dadurch, d a s s die P o l i z e i e i n g r e i f e n
musste, um d i e g e w e r k s c h a f t l i c h e n O r g a n i s a t o r e n und d i e G e w e r k s c h a f t s t a e t i g k e i t
des P e r s o n a l s zu ueberwachen.
"Bei dem Unternehmer h a n d e l t e s sich um die Bibb Manufacturing Company i n
Macon im S t a a t e Georgia. Die P o l i z e i a k t i o n e r e i g n e t e s i c h i n der F a b r i k s t a d t P o r t e r d a l e , Georgia, wo, wie der Ausschuss bemerkte, a l l e B e h o e r d e n a n g e s t e i l t e n e i n s c h l i e s s l i c h des B u e r g e r m e i s t e r s Angestellte der Firma s i n d . Der G e s e l l s c h a f t g e h o e r t a l l e s Eigentum mit Ausnahme der Kirchen und e i n e r E i s e n b a h n s t r e c k e . H i e r
h a t d i e Firma 3.000 a n g e s t e l l t e , 3owie 6.000 w e i t e r e i n Macon und Columbus, Georgia.
"Die f r a g l i c h e Z e i t s c h r i f t i s t e i n v i e r s e i t i g e s 'V'ochehblatt mit dem T i t e l
"Die Posaune", das i n Columbus a l s unabhaengiges Organ gedruckt w i r d . Die Firma
k a u f t e 2.000 S u b s k r i p t i o n e n und l i e s s s i e wechselweise v e r t e i l e n , so d a s s j e d e r
A n g e s t e l l t e wenigstens einmal im Monat e i n Exemplar i n die Haende bekam.
"Der Ausschuss s t e l l t e f e s t , dass das B l a t t g e w e r k s c h n f t s f e i n d l i c h e Angaben
und Erklaerungen e n t h i e l t , d i e zur Gewalt a u f f o r d e r t e n , g e w e r k s c h a f t l i c h e T a e t i g k e i t mit E n t l a s s u n g b e d r o h t e n sowie Belohnungen f u e r d i e Ablehnung gewerkschaftlicher Organisierung versprachen.
"Die Anordnung des Ausschusses r i c h t e t e s i c h e i n z i g und a l l e i n gegen die Bibb
Company, d i e a u f g e f o r d e r t wurde, d i e V e r t e i l u n g d e r "Posaune" e i n s t e l l e n zu l a s s e n ,
wie auch j e d e r anderen V e r o e f f e n t l i c h u n g "die darauf a b g e s t e l l t i s t , s i c h in d i e
Angelegenheiten der A n g e s t e l l t e n zu mischen, s i e zu behindern oder ihnen Zwang
aufzuerlegen."
"Ferner wurde der Firma aufgegeben, Massnahmen zu t r e f f e n , damit d i e P o l i z e i
n i c h t mehr d i e O r g a n i s a t o r e n der Gewerkschaft bzw. die g e w e r k s c h a f t l i c h e T a e t i g k e i t der A n g e s t e l l t e n ueberwachen muesste. Ausserdem s o l l t e d i e Firma d i e i n
Macon i h r e r G e w e r k s c h a f t s t a e t i g k e i t wegen b e r e i t s e n t l a s s e n e n Angestellten u n t e r
Zahlung des L o h n a u s f a l l s wieder e i n s t e l l e n und n i c h t mehr d i e gesetzmaessigen Rechte
der A n g e s t e l l t e n auf S e l b s t o r g a n i s i e r u n g b e h i n d e r n .
Die Klage wurde vom T e x t i l a r b e i t e r verband, der dem CIO angeschlossen i s t , e i n g e r e i c h t . Die D i r e k t i o n wies d i e Beschuldigungen, d a s s 3 a n g e s t e l l t e in P o r t e r d a l e
i h r e r G e w e r k s c h a f t s t a e t i g k e i t wegen e n t l a s s e n worden s e i e n , z u r u e c k . "
"The New York Times" 27. Kaerz 1949
-

IU

-

�ZUNAHME DER IMMATRIKULATIONEN AN DEN AMERIKA! ISCHEN UNIVERS ITAETEN
Fuer das d r i t t e Jahr b e r i c h t e t das amerikanische Amt fuer Unterricht ueber
ein wesentliches Ansteigen der Studentenzahl, die an amerikanischen Hochschulen
und Universtiaeten hoeren. Im Vergleich zu 1947 i s t im Jahre 1948 ein Absinken
des Prozentsatzes an ehemaligen Kriegsteilnehmern b e i der Hochschulen zu verzeichnen. Die Tabelle weist im Jahre 1948 gegenueber 1947 ein staerkeres Ansteigen der Zahl der weiblichen Studenten im Vergleich zu der der maennlichen aus,
doch uebertreffen d i e Maenner an Zahl die Frauen immar noch im Verhaeltnis 3 : 1 .
Immatrikulationen an amerlkaiIschen Hochschulen und ü n i v e r s i t a e t e n 1947-48
Gesamtzahl der Studenten

1947
2.338.000

1948_
2.408,000

maennliche
weibliche

1,659,000
679.000

1,712,000
696.000

593.000

569.000

4.00,000
193.000

370,000
199.000

-

Erstes Jahr an der Hochschule
maennliche
weibliche
Ehemalige Kriegsteilnehmer

-

maennliche
weibliche

1.122.000 1.021.000
1,098,000 1,001,000
24,000
20,000

Amerikanisches Arbeitsministerium
"Information Bulletin" Maerz 1949
ANSICHTEN DAENISCHER GEWERKSCHAFTEN UEBER DEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND (WFTU)
Kuerzlich gab Eiler Jensen, der Vorsitzende des Daenischen Gewerkschaftsbundes
in Odense, Daenemark, die Ansichten seiner Organisation ueber den demokratischen Gewerkschaftsbund (WFTU) bekannt. Er stellte klar heraus, dass der Kommunismus in
den Gewerkschaften dieses Landes keine Fortschritte erzielen koennte.
"Ich verstehe es vollkommen, wieso es den englischen und amerikanischen Vertetern unmoeglich gewesen ist, weitere Zusammenarbeit mit der kommunistischen Mehrheit der Fuehrerschaft innerhalb des WFTU zu sichern. Die blumenreiche Sprache,
die ich auf der Versammlung in Paris mit anhoerte, hat ganz klar und deutlich
den Eindruck bei mir hinterlassen, da«s man Jeden Rueckhalt aufgegeben hatte, und
ich konnte hoeren, wo die anklagenden Redensarten» die die kommunistische Spielart
bei uns zuhause gebraucht, hergekommen waren.
Der Beschluss, der gefasst wurde, war derart, dass es skandinavischen Organisationen, selbst, wenn sie gewuenscht haetten, zu bleiben, und selbst, wenn kein
anderer Grund zum Verlassen vorgelegen haette, dieser Beschluesse wegen unmoeglich
gewesen waere, sich noch weiter zu beteiligen.
Abschliessend bemerkte Jensen noch in bezug auf den 7/FTU« "Wir koennen uns
mit der Tatsache troesten, dass jetzt ein enger Kontakt zwischen den Nationen besteht,
die der demokratischen Ideologie anhangen, und wir koennen gluecklich sein, dass,
selbst wenn auch in der Bildung einer Skandinavischen Verteidigungsorganisation
keine Erfolge erzielt wurden, doch immer noch die engste und bruederlichste Zusammenarbeit zwischen unseren Nationen besteht; dies ist eine Tatsache, die auf der in
der vergangenen "Joche in Kopenhagen abgehalteäen Konferenz zum Ausdruck kam."
"ECA. Office of Labor Information"

-

15 -

�KOMMUNISTISCHE JUGENDORGANISATION GEHT BIN
"Die Vereinigung "Amerikas Jugend fuer die Demokratie" (AYD), die kommunistische
J u g e n d f r o n t , d i e s i c h f a s t 3 J a h r e l a n g i n e i n e r -Hrt Trancezustand befand, wurde
o f f i z i e l l f u e r t o t e r k l a e r t und i n d i e s e r Woche zu Grabe g e t r a g e n . Die AYD, die
1943 gegruendet worden war, wird j e t z t d u r c h d i e " M a r x i s t i s c h - L e n i n i s t i s c h e JugendP a r t i s a n e n - O r g a n i s a t i o n " e r s e t z t werden.
In W i r k l i c h k e i t i s t d i e AYD s e i t 1946 kaum mehr a l s e i n e S i e b - und Auffangs t e l l e fuer d i e b e r e i t s s e i t langem bestehende weniger p r o p a g i e r t e " M a r x i s t i s c h L e n i n i s t i s c h e J u g e n d p a r t i s a n e n - O r g a n i s a t i o n " gewesen. In den Jahren 1943 - 1945
h a t t e s i e s i c h and den Hochschulen so s t a r k e x p o n i e r t , dass s i c h i h r e Bemuehungen
l e d i g l i c h auf e i n e m a r k t s c h r e i e r i s c h e Kampagne f u e r e i n e s i e g r e i c h e Beendigung des
K r i e g e s b e s c h r a e n k t e n . Der V e r f a l l der AYD begann mit Angriffen zweier Studenten
gegen s i e auf dem C i t y College i n New York. Diese s t e l l t e n d i e kommunistischen
Z i e l e der O r g a n i s a t i o n i n so wirksamer ' / e i s e b l o s s , d a s s die Bewegung an P o p u l a r i t a e t v e r l o r und d i e " Z e l l e n " i n n e r h a l b d e r m e i s t e n U n i v e r s i t a e t e n e i n g i n g e n .
Dies i s t e i n g u t e s B e i s p i e l fuer d i e Wirksamkeit der R e d e f r e i h e i t und der F r e i h e i t
der F r e s s e , d i e auf d i e .vtmosphaere r e i n i g e n d w i r k t . O r g a n i s a t i o n e n wie die AYD
koennen n i c h t i n der k l a r e n , r e i n e n Luft e x i s t i e r e n , wo die L i c h t e r h e l l brennen
koennen.
Auszug aus dem "New Leader" 2 6 . Februar 1949

-

Manpower Division
OKGUS, APO 742

OWJ09. * - 1 2 0 J , l » tCt, Apr M ,

8} 0

16

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OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel «teilen Aussage aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
W/eitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „ArbeiUmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 10

Berlin, 29. April 1949

ANSICHTEN IINER SCHiVED ISCHEN ZEITUNG UEBER DIE
AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Der Redakteur fuer Arbeiterfragen der schwedischen sozialdemokratischen
Zeitung "Aftontidningen" brachte in der Ausgabe vom 12. Maerz die folgenden Bemerkungen ueber die amerikanischen Gewerkschaften.

Darueber hinaus gibt er auch

seine Ansichten ueber die Isolierte Lage der Gewerkschaften in den Laendern des
"Eisernen Vorhanges" bekannt.
"Die araerikai ische- Gewerkschaftsbewegung ist verhaeltnismaessig jung....
Soweit wir aber von hier aus beurteilen koennen, bereitet sich ein rascher Wandel
vor.

Zu der Zeit, da Amerika an der Politik anderer Kontinente Interesse nimmt,

werden feste gewerkschaftliche Verbindungen ueber den Atlantik hinweg geknuepft.
Auch die innere Struktur der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung hat sich auf
der gleichen'Linie wie die westeuropaeische geaendert.
Indem er es beklagt, dass die schwedische Gewerkschaftsbewegung keine Chance
haette, Delegationen nach Russland und in die Laender hinter dem "Eisernen Vorhang" zu senden, schreibt der Arbeiterredakteur in der sozialdemokratischen Zeitung weiter«" die schwedische Gewerkschaftsbewegung hat sich immer dafuer interessiert, die Verhaeltnlsse bei anderen Organisationen an Ort und Stelle zu studieren.
Dieses Interesse entspringt dem Wunsch, Studien zu treiben, ohne beeinflusst zu
werden.

Dies ist einer der staerksten Punkte in der Gewerkschaftsbewegung, die

durch die Tradition bedingt sind.

Wenn aber nur ein Teil der Welt diesem Interesse

offensteht, so ist dies nicht die Schuld der schwedischen Gewerkschaftsbewegung."
"ECA, Office of Labor Information"
EüRDPABISCHB GEWERKSCHAFTLER BESUCHEN DETROIT
Wenn die 9 deutschen Gewerkschaftler aus Berlin wieder heimgekehrt sind,
werden sie u.a. auch ueber ihren zweiwoechigen Aufenthalt in Detroit berichten,
wo sie verschiedene Industrien besichtigt haben, einschliesslich der Ford Motor
Company.

Zweifellos werden sie auch mit Gewerkschaftlern aus anderen L,aendern

zusammengetroffen sein, die ebenfalls nach den Vereinigten Staaten gereist sind,
um die Industrieproduktion zu studieren, und die gleichfalls Gelegenheit, hatten,
sich die Fliessband-Produktion in den Ford-Automobilwerken anzusehen.

Ebenso

wie die italienischen Arbeiterführer, die in den nachstehende*» Ausführungen genannt worden, waren die Deutschen auch Gaeste des Verbandes der Vereinigten Automobllarbeiter (UAW).

-

1

-

�"Drei italienische Arbeiterführer, die auf Veranlassung und auf Kosten des
ECA (Verwaltungsausschuss fuer das ERP) eine Reise durch die Vereinigten Staaten
unternehmen, wurden zu Ehrenmitgliedern der Ortsgewerkschaft des UAW im Fordwerk
in Michigan, das s i e besucht hatten, ernannt. Den Italienischen Puehrern wurde
der Fabrikationsprozess, angefangen vom Rpheisenerz bis zum fertigen Automobil,
vorgefuehrt. Sie konnten sehen, wie zu jeder Tag- und Nachtstunde in jeder
Minute 5 Fordmaschinen f e r t i g g e s t e l l t wurden. Sie sahen, wie a l l e 90 Sekunden
ein fertiges Automobil vom Fliessband herunterrollte.
"Bevor die Italiener abfuhren, um ihre Studienreise in Kalifornien fortzusetzen, waren sie Zeuge, wie die Gewerkschaftsmitglieder in einer demokratischen
Wahl ihr V/ahlrecht ausuebten, um fuer das kommende Jahr ihre Funktionaere zu
waehlen. Die Besucher mischten sich unter die Menge, die sich vor den 12 Wahls t e l l e n draengten und berichteten darueber, mit welchem Interesse s i e die freundschaftliche Rivalitaet zwischen den Anhaengern der gegnerischen Kandidaten beobachtet haetten."
Ausseiministerium "Radio" Bulletin" 29. Maerz 1949
LOHNKUERZUNGEN FUER DIE AUTOMOBIL-UND ETJKTRO-ARBEITBR
Am 6. Maerz wurden die Lohnaaetze der Arbeiter bei General Motors, den Mitgliedern des Verbandes der Vereinigten Automobilarbeiter (CIO) und des Verbandes
der Vereinigten Elektro-Arbeiter (CIO), um 2$ pro Stunde herabgesetzt. Die Kuerzung wurde auf Grund des Verbandsabkommens vorgenommen, in dem vorgesehen i s t ,
dass die Loehne um 14 pro Stunde erhoeht bzw. herabgesetzt werden, sobald der
Verbraucherpreis-Index um 1.14 Punkte s t e i g t oder f a e l l t . Laut diesem Abkommen
reichte das Sinken der Lebenshaltungskosten aus, um die Stundenloehne um 24 zu senken. Ein Funktionaer des Automobilarbeiter-Verbandes bei General Motors sagtet"Die Ankündigung des Amts fuer Arbeltsstatistik von heute, derzufolge der
Lebenshaltungskosten-Index 170.9 betraegt, bedeutet, dass die Stundenlöhne der
Arbeiter bei General Motore fuer einen Zeitraum von 3 Monaten, beginnend am 6.
Maerz, durch einen Abzug von 24 diesem angepasst werden*
"Die Mitglieder unserer Gewerkschaft sind keineswegs durch die illusorische
"Lohnerhoehung" um 34 Im letzten September zum Narren gehalten worden«, Wir sind
auch keineswegs in bezug auf die illusorische "Lohnkuerzung" um 2 4 im naechsten
Monat enttaeuscht. Seit der Unterzeichnung des Abkommens i s t durch die Stufenklausel unser Lebensstandard weder erhoeht noch herabgesetzt worden. Sie diente
lediglich dazu, unsere Kaufkraft s e i t der Zeit des Abkommens vom 29. Mai 1948
annaehernd konstant zu halten.
"Am 29. Mai dieses Jahres werden die Arbeiter bei General Motors eine Stundenlohnerhoehung von 34 erhalten, die den Schwankungen des VerbraueherpreisIndex des Amts fuer Arbeitsstatistik nicht unterworfen i s t . Diese Erhoehung wird
durch die "Aufbeseerungsfaktor"- Klausel des Verbandsabkommens mit der Gesellschaft garantiert, die das Anrecht auf eine jaehrliche Aufbesserung des Lebensstandards anerkennt.
"Es waere noch zu verfrueht, wenn man jetzt schon sagen s o l l t e , ob die Preissenkung fuer Lebensmittel, Kleidung und Hausrat in den vergangenen 3 Monaten ein
Ende der inflationistischen Tendenz bedeutet oder nicht| wir hoffen aber, dass dies
der Fall i s t . Die Arbeiter bei General Motors sehen die Lebenshaltungskosten-Angleichung im Maerz nicht a l s eine "Lohnkuerzung" an, sondern a l s ein Zeichen dafuer, dass sich die Preise nach unten bewegen. Wir wissen ganz genau, dass die
wirtschaftliche Sicherheit davon abhaengt, dass ein Ausgleich zwischen der Kaufkraft und den Preisen geschaffen*rd - und es dauert lange, bis die Preise f a l l e n .
Das langsame Sinker der Preise, wie es im Verbraucherpreis-Index zum Ausdruck
kommt, i s t ein willkommenes wirtschaftliches Zeichen."
-

2

-

�GELDER. DIB TITO AK DIB STREIKENDEN NACH FRANKREICH SABDTE
Die Freien Gewerkschaftler im Exil befassen sich in ihren Pariser Veroeffentlichungen damit, die Verhaeltnisse zu schildern, die hinter dem "Eisernen Vorhang"
bestehen, was zweifellos die franzoesischen Kommunisten in Verlegenheit bringt.
Hier ist z.B. ein Bericht, der unter dem Titel "Titos Geld stinkt nicht" erschienen
ist. Der Artikel schliesst mit der Frage, wie die Zuwendungen der jugoslawischen
Arbeiter fuer die streikenden Bergarbeiter wohl nach Frankreich gebracht wurden.
Offenbar ist das Geld seiner Bestimmung zugefuehrt worden.
"Die kommunistische Presse Frankreichs strotzt ton Beleidigungen Titos: "Wir
wollen nichts mit diesem Verraeter zu tun haben!" Wenn es aber um Titos Geld
geht, dann ist das natuerlich etwas anderes
Die Fuehrer der jugoslawischen Gewerkschaften, die zu der Cliqae gehoeren,
die dem Diktator nahesteht, sandte 10 Millionen Francs an den französischen Bergarbeiter-Verband. Das Geld wurde angenommen. Das hinderte aber die "Humanite"
nicht daran, folgende Erklaerung abzugeben« "Titos nationalistischer Clique ist
es nicht gelungen, die internationalen Gefuehle der jugoslawischen Arbeiterklasse
zu ersticken", und zu versuchen, die franzoesischen Bergarbeiter glauben zu machen,
dass diese Geldspende als eine Demonstration der Arbeiter gegen Tito aufzufassen
sei.
Am 1. Dezemoer 1948 klaerte die Zeitschrift "BAD" das Zentralorgan des
Jugoslawischen Gewerkschaftsbundes die Lage, indem sie schrieb;" Der Jugoslawische
Gewerkschaftsbund hat soeben den franzoesischen Bergleuten ausser den bereits
gespendeten 10 Millionen weitere 70 Millionen Francs gesandt."
"Wir wollen noch hinzufuegen", schreibt "RAD", "djass die Geste der Gewerkschaften auch von anderen Organisationen unterstuetzt wird. Der internationale
Geist der kommunistischen Partei und des Genossen Tito, der sich in der arbeitenden Klasse entwickelt, hat auch bei dieser Gelegenheit seine Probe bestanden."
Diese Bemerkung beweist deutlich, dass diese 80 Millionen nicht allein aus
Sammlungen unter den Jugoslawischen Arbeitern stammen, sondern auch von "anderen
Organisationen", die nichts anderes sind als Zweigstellen der Regierungspartei.
Darueber hinaus hat die Tito-Regierung dem Jugoslawischen Bundesbuero einen Betrag von 500 Millionen Dinar fuer "Arbeiter-Propaganda und -Bildung zur Verfuegung
gestellt."
"Aus der regelmaessig erscheinenden Zeitschrift fuer die
Freien Gewerkschaftler im Exil" Maerz 1949
DIE DIKTATUR IN DEN BALTISCHEN LAENDERN
Bruno Kalnins, der fruehere Sekretaer des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes in
Lettland, schrieb folgenden Artikel ueber das Schicksal der Arbeiter unter der
Diktatur seines Landes. Kalnins ist jetzt identisch mit einer Organisation in
Frankreich, die als "Gewerkschaftler im Exil" bekannt ist.
"Drei baltische Staaten, die sich 22 Jahre lang ihrer nationalen Unabhaengigkeit erfreuten, haben seit 1940 unter der Diktatur durch fremder Besatzung bzw.
des Totalitarismus gestanden.
Im Jahre 1940 brach die UdSSR ihre internationalen Abkommen und besetzte
Litauen, Lettland und Estland mit ihren Truppen. Die Annektion dieser 3 Staaten
war das Ergebnis eines Geheimabkommens zwischen den Deutschen und den Sowjets
vom 23. August 1939. Hitler und Stalin gingen in aller Freundschaft dazu ueber,
Osteuropa unter sich aufzuteilen, und die baltischen Staaten wurden Russland
einverleibt. Die erste Sowjetokkupation dauerte nur ein Jahr (1940-41). Sie
hatte jedoch fuer die kleinen baltischen Voelker schwere Verluste im Gefolge.

- 3 -

�Im Juni 1941, zur Zeit des deutsch-sowjetischen Krieges, fielen die 3
Staaten in die Haende der Nazis. Diese beiden Regierungsformen aehnelten einander sehr. Beide zeichneten sich durch denselben wilden Kampf gegen nationale
Unabhaengigkeit und durch die Zerstoerung der politischen Freiheit.aus. Beide
Systeme waren durch Festnahmen, Deportierungen, Konzentrationslager und Hinrichtungen beruechtigt. Die Gestapo uebernahm die Funktionen des kommunistischen
Regimes, die einer einzigen Partei. Das Spezialgefaengnis in Riga, das die
Russen 1940 erbaut hatten, wurde im Jahre 1941 von den Nazis uebernommen, denen
die Zellen sehr gut gefielen, in die kein Lichtstrahl drang. Ich kenne dieses
entsetzliche Gefaengnis, weil ich selbst 25 Tage darin gesessen habe. Die Letten
hatten schon recht, wenn sie damals sagten«" Zwischen der Sowjetbesetzung und der
der Nazis besteht derselbe Unterschied wie zwischen einem Selbstmord, wobei es
gleich ist, ob man sich aus dem 5. Stock oder aus dem 6. Stock zum Fenster hinausstuerzt

"

"Aus der regelmaessig erscheinenden Zeitschrift fuer die Freien
Gewerkschaftler im Exil" Maerz 1949.
INTERESSANTE KURZBERICHTE FUER DIB ARBEITERSCHAFT
Eine Resolution, in der die Wiedererrichtung des Internationalen Bekleidungsarbeiter-Verbandes gefordert wurde, wurde auf einer Versammlung, die vom 9.bis
11. Februar in London stattfand, von den Vertretern der Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaften aus 9 Laendern angenommen.
Die Resolution sieht vor, dass "zu einem fruehest moeglichen Termin" ein
Bund (Kongress) gebildet wird, der die Bekleidungsarbeiter jedes demokratischen
Landes vertritt, um den satzungsmaessigen Aufbau der wieder ins Leben gerufenen
Organisation zu billigen, Unter den Delegierten, die der Resolution zustimmten,
befanden sich ausser den der Vereinigten Staaten auch die Vertreter der skandinavischen Laender, Belgiens, Hollands, der Schweiz und Grossbritannien». Die
Delegierten der deutscher. Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft waren als Beobachter
anwesend. Es wurden nur Vertreter aus freien und demokratischen Laendern zugelassen.
Die Vereinigten Staaten waren durch Morris Bialis, dem Vizepresidenten des
Verbandes der Internationalen Damenbekleidungs-Arbeiter (ILGWU) vertreten. Der
ILGWU war eines der ersten Mitglieder der internationalen Vereinigung, der er
im Jahre 1912 beitrat. Seit 1938 ist die Organisation nicht mehr in Erscheinung
getreten.
»BMB»»M»mUHH
Am 1 3 . Maerz verkuendete Louis Hollander, der CIO-Vorsitzende des S t a a t e s
New York, dass vom CIO an den Hochschulen im gesamten Staate New York ein Wettbewerb ueber ein Essay durchgefuehrt wird, das d i e Rolle der Gewerkschaften in
der Nationaloekonomie, in der Entwicklung des S t a a t e s , sowie im Kampf um die
Demokratie in der ganzen Welt zum Gegenstand h a t . Der e r s t e P r e i s besteht in
einer vollkommen kostenlosen Reise zur Versammlung der Landesorganisation des
CIC im Jahre 1949
Joseph E. Uihlein, ein Brauer aus Milwaukee, der s i c h zur Ruhe gesetzt hat,
kuendigte an, dass er die Absicht habe, den Rest seines Lebens damit zuzubringen,
die Angestellten zu o r g a n i s i e r e n .

"Ich glaube, dass 5 b i s 6 Millionen Amerikaner

ihr Los dadurch bessern koennen, wenn sie sich Angestellten-Gewerkschaften
schliessen", e r k l a e r t e U i h l e i n .

-

4

-

an-

�Die Sidney-Hillman-Stiftung des Verbandes der Vereinigten Bekleidungsarbeiter
(CIO) hat einen Preis in Hoehe von $ 1.000 fuer eine Abhandlung ueber die Entwicklung der Gewerkschaften, ueber die Beziehungen der Rassen zu einander, oder ueber
den Weltfrieden ausgesetzt. Der Verfasser muss ein Dr. phil. sein oder darueber
eine Disertation geschrieben haben, oder er lehrt an der Universitaet bzw. arbeitet an einem Forschungsinstitut, Die Stiftung wird die Abhandlung veroeffentlichen
bzw. herausgeben.
•JHHHHHBHHHHHHt

Der Verband der Internationalen Damenbekleidungsarbeiter (AFL) feierte am
19. Februar die Vollendung eines Programms zur Schaffung eines Fonds in Hoehe von
3&amp; Millionen Dollar. Die Feier, die in ihrer Krankenversicherungsstelle stattfand,
dauerte den ganzen Tag ueber. Die Dienststelle hat sich, als sie vor 35 Jahren
eroeffnet wurde, von einem einzigen Raum, in dem nur zeitweise ein Arzt taetig war,
zu einer Organisation entwickelt, in der jetzt 148 Aerzte tätig sind. Im Laufe
des Jahres 1948 wurden 410.000 Faelle von aerztlicher Behandlung gezaehlt.
•»HHHHHHBHHHHt*

Lt. den Abmachungen in einem Vertrag, der am 14. Februar antersehrieben wurde,
erhalten die Angestellten der Keystone Messing- und Gummi-V.'erke an ihrem Geburtstag einen freien Tag oder, wenn sie arbeiten, doppelte Bezahlung. Das Zwei'jahresabkommen, dass rueckwirkend mit dem 1. Januar in Kraft tritt, sieht auch Lohnerhoehungen von $ 5 pro Woche fuer Angestellte vor, die weniger als $ 1.30 pro
Stunde, und $ 4 fuer alle diejenigen, die mehr als diesen einen hoeheren Satz
verdienen.
•»HHHHHHHHHHt-ft*

Die nichtorganisierten Arbeiter von Chattanooga, Tennessee, haben die Ortsgewerkschaft des' Verbandes der Internationalen Gipsarbeiter auf Schadenersatz in
Hoehe von &lt;$ 50.000 verklagt. Sie erhoben den Vorwurf, dass sie ihre Arbeit verloren haetten, und zwar auf Grund der "closed shop"-Politik der Gewerkschaft,
(closed Shop; Abkommen zwischen Unternehmer und Gewerkschaft, wonach niemand eingestellt werden darf, der nicht Mitglied der betreffenden Gewerkschaft ist, und
alle Arbeiter ihre ordentliche Mitgliedschaft beibehalten muessen, solange sie
beschaeft4.g1j sind). Im Staate Tennessee ist es fuer irgend eine Vereinigung oder
Gesellschaft (Firma) ungesetzlich, wenn irgend jemand eine Beschaeftigung verweigert wird, weil er nicht Mitglied einer Gewerkschaft ist.
juyuuüuuuuuuui
VTnonnnnnnooor

Auf ihrer ersten konstituierenden Versammlung nahm der Amerikanische RadioVerband (CIO) eine Bestimmung an, derzufolge kein Kommunist ein Amt in der Gewerkschaft ausueben noch Mitglied eines offiziellen Ausschusses sein darf. Der ÄRA
war frueher die Abteilung fuer Schiffahrt des Amerikanischen Verbandes fuer Nachrichtenwesen (CIO).
Die Gewerkschaft der Internationalen Erdoelarbeiter (CIO) hat dafuer gestimmt,
ihre Konferenz fuer 1949 nicht einzuberufen, um die Kosten zu sparen, die sich
schaetzungsweise auf &amp; 100.000 belaufen wuerden. Dieser Vorschlag wurde deshalb
eingebracht, weil durch den Streik, der im letzten Herbst in Kalifornien durchgefuehrt wurde, grosse Ausgaben entstanden waren. Die naechste Konferenz soll im
Jahre 1950 abgehalten werden. Die Gewerkschaft hat ausserdem bekanntgegeben, dass
sie ihre Zentralstelle am 1. Maerz von Fort V/orth, (Texas) nach Denver (Colorado)
verlegen will.

- 5

�ITALIENISCHE KOMMUNISTEN BEGEHEN PROPAGANDISTISCHEN F ^ ^ R

James D. Zellerbach, der die italienische Sektion des Verwaltungsausschusses
fuer das ERP leitet, wurde fuer diesen Posten ausersehen, weil er der Vorsitzende
eines der fortschrittlichsten Unternehmen in den Vereinigten Staaten ist. Der
Nationale Planungs-Verband, der mit Propaganda nichts zu tun hat, hat vor kurzem
eine Studienreihe mit dem Titel "Gruende fuer den industriellen Frieden im Kollektivverfabren"veroeffentlicht. Studienfall No. 1, der im September 1948 veroeffentlicht wurde, behandelt die Arbeit3beziehungen in der Crown-Zellerbach Corporationl
Es handelt sich hier um ein Unternehmen, in dem jahrelang Arbeitsfrieden herrschte.
Was aber haben nun die italienischen Kommunisten aus den Tatsachen im Fall der
Crown-Zellerbach Corporation gemacht. Sie haben sich darauf eine eigene Geschichte
zurechtgemacht. Jetzt soll eine Anzahl antikommunistischer Italiener eine kostenlose Reise nach Kalifornien unternehmen, um sich die Zellerbach Fabrik anzusehen
und selber festzustellen, ob die Arbeiter im Zellerbach-Werk "Sklaven" oder freie
Mitglieder einer freien Gewerkschaft sind.
Bericht aus Washington vom 24. Maerz.
"Der Verwaltungsausschuss fuer das ERP hat heute bekanntgegeben, dass die
3 italienischen Arbeiterführer, die sich auf einer Besichtigungsreise durch die
Industrie dieses Landes und Canadas befinden, am Sonnabend nach Kalifornien fliegen
werden, um sich von der Unrichtigkeit der kommunistischen Behauptungen zu ueberzeugen, der zufolge in einer grossen Papierfirma der Westkueste "Sklavenarbeit"
eingefuehrt sein soll.
Die Firma, die besichtigt werden soll, Ist die Crown-Zellerbach Corporation,
ein groesserer Pq? ier- und Papierwaren^Konzern, der ungefähr 7 Papiermuehlen an
der Kueste des Stillen Ozeans betreibt, Italienische Kommunisten hatten den Vorwurf erhoben, dass die Firma "Sklavenarbeiter" beschaeftigt, und dass man den
11.157 amerikanischen Arbeitern in diesem Unternehmen die grundlegenden Rechte verweigert bzw. vorenthaelt.
Miss Ann Gould, die Planungsleiterin der Reise vom ECA, sagte, dass Mr.
Zellerbach auf Grund der weitverbreiteten Vorwuerfe der Kommunisten, "er beschaeftige Sklaven in seinen Werken", den ECA gebeten hatte, die Reise so zu gestalten,
dass die italienische Delegation seine Fabriken besichtigen koenne. James D. ZeBerbach, der von seiner Stellung als Praesident der Gesellschaft beurlaubt ist, ist
Leiter der ECA Mission fuer Italien.
Die Crown-Zellerbach Corporation wurde 1924 als Aktiengesellschaft gegruendet
und ist das groesste papierverarbeitende Unternehmen der Welt. Ihre PapierbreiWerke weisen eine Jahresproduktion von 690.000 Tonnen aus, ihre Saegemuehlen produzieren 1.200.000 Fuss Buettenbretter pro 8-Stundenschicht und 4 Verarbeitungswerke stellen 2.000 Millionen Papiertueten pro Jahr her.
Heute sind die Arbeiterfuehrer in Detroit,dem Herzen der Automobilindustrie,
Gaeste des Automobilarbeiter-Verbandes des CIO. Sie werden die Ford-Automobilwerke, die Chenischen "7erke Parke-Davis sowie die Amerikanischen Gummi-Werke besichtigen, ausserdem eine Rundfunkstation und ein aerztliches Institut. Ferner werden
sie einem vom Bürgermeister und von der Stadtverwaltung von Detroit zu ihren
Ehren veranstalteten Empfang beiwohnen.
Abgesehen davon werden sie auch das Tennesse-Regulierungs-Projekt, (TVA),
ein Unternehmen der Regierung zur Versorgung mit Energie, besichtigen,und studieren.
Sie werden sich mit fuehrenden Maennern der Regierung ueber die Politik auf dem
Gebiete der Arbeitsbeziehungen unterhalten und eine- Farm besuchen, die nach den
Prinzipien und Plaenen des TVA Projekts bewirtschaftet wird, sowie einen TVAStaudamm.
Von Tennessee aus wird sich die Delegation nach Canada begeben, um dort mit

- 6 -

�Vertretern der Arbeiterschaft und der Regierung zusammenzutreffen. Von da werden
sie nach New York zurueckkehren, um mit Mitgliedern des Internatiomlen Verbandes
der Damenbekleidungsarbeiter (ILGWU) zusammenzukommen ebenso mit einer zweiten
Delegation italienischer Arbeitervertreter, die als Gaeste des ILGTU nach Amerika
geht
Die Italienische Delegation gab .jetzt ihren Bericht ab
Nach ihrer Reise nach den westlichen Gebieten der Vereinigten Staaten sind
die italienischen Gewerkschaftsdelegierten am 5. Maerz wieder in New York zurueckgekehrt, um mit Kitgliedern des Verbandes der Internationalen Bekleidungsarbeiter
(ILGWU) zusammenzutreffen. Einer ihrer wichtigsten Eindruecke auf ihrer Reise
nach dem Westen*war der viertaegige Besuch der Crown-Zellerbach Papierwerke in
Kalifornien.
Die italienischen Delegierten besichtigten alle Abteilungen des ZellerbachUnternehmens und unterhielten sich mit vielen von den 11.000 Angestellten und
Arbeitern. Appio Claudio Arrochi, der Leiter der Abteilung Arbeit und V/irtschaft
bei der Italienischen Republikanischen Partei, sagte«"Wir haben selbst aus dem
Munde der Arbeiter die 15jaehrige Geschichte der Beziehungen zwischen Arbeitnehmer
und Arbeitgeber vernommen", und er stellte fest, "dass sie ein gutes Beizpiel
fuer harmonische Verhaeltnisse darstellen."
Ein weiteres Mitglied des Ausschusses, Giulio Pastore, Mitglied des italienischen Parlaments und Sekretaer des Freien Italienischen Gewerkschaftsbundes,
aeusserte sich, dass der Besteh und die Besichtigung der Pap ierfabriken an der
Weatkueste dem Auschuss "viel Munition fuer unseren Kampf gegen die kommunistische
Sabotage des Marshall-Plans in Italien geliefert haette
Wir wollen unserem
Volke ueber alles was wir gesehen haben, genau Bericht geben, sobald wir wieder
zurueck sind
"
State Department "Radio Bulletin" 5. April 1%9
BOTSCHAFT DES CIO AN DIE GEWERKSCHAFTEN EUROPAS
Am ersten Jahrestag des Europaeischen Wiederaufbau-Programms sprach James
B. Carey, der Schatzmeister und Sekretaer des CIO ueber die "Stimme Amerikas"
zu den Arbeitern Europas. Er sagte, dass das Programm fortgefuehrt werden wuerde
und gab den Arbeitern Europas folgende Versicherung»"Der CIO und die gesamte amerikanische Arbeiterbewegung, sowie alle Arbeiter
Amerikas unterstuetzen den Marshall-Plan, weil sie glauben, dass dies ein Plan ist,
der den Arbeitern in den beteiligten Laendern Freiheit und Wuerde bringt. Wir
koennen uns unserer Freiheit und Wuerde nicht erfreuen, solange unsere Menschenrechte in Gefahr sind. Wir haben uns feierlich verpflichtet, jede nur moegliche
Anstrengung zu machen, um Euch dabei zu helfen, Euer Ziel zu erreichen, naemlich
Freiheit und Unabhängigkeit.
"Der Kampf ist noch nicht gewonnen, er wird aber gewonnen werden. Die Kommunisten Tergroessern ihre Anstrengungen, um die europaeische Arbeiterbewegung fuer
ihre eigenen egoistischen Zwecke einzufangen. Ihr Ziel besteht darin, die Sowjetherrschaft ueberall ueber die freien Voelker zu bringen. Ihr wisst genau so
wie wir , dass, wenn Ihr in Euren Gewerkschaften die Freiheit bewahrt, Ihr auch
ein freies Land haben werdet.
"Wir bitten Euch, die Versprechungen gegen die Leistungen abzuwaegen. Wir
haben Euch materielle Hilfe zugesagt. Wir haben diese Hilfe auch geleistet. Die
Kommunisten haben Euch nur eine Politische Formulierung versprochen. Die materielle Hilfe, die Ihr bekommt, geht von den Haenden der amerikanischen Arbeiter" aus,
sie ist das Ergebnis ihrer Muehe und Arbeit. Die politischen Versprechungen der
Kommunisten gelangen zu Euch nur von den Fuehrern der kommunisten Partei.

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�"Wir glauben, dass wir Euch diese Hilfe fuer den Beitrag, den Ihr fuer die
Vereinigten Staaten in der Vergangenheit geleistet habt, schulden, indem Ihr Eure
Landsleute zu uns herueberaandtet. Sie haben gearbeitet, sie sind unseren Gewerkschaften beigetreten, sie haben sich geschaeftlich etabliert, sie sind Lehrer in
unseren Schulen, unsere Richter beim Gericht kennen Eure Probleme und wir versprechen Euch feierlich, Euch auch weiterhin unsere Hilfe zukommen lassen zu
wollen, bis Ihr Eure Kraft und Eure Freiheit wiedergewonnen habt."
"State Department 'Radio Bulletin'" 1. April

1949
DIE RICHTIGE DENKWEISE DES VOLLKOMMENEN KOMMUNISTEN - 1%9
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Eine schweizer Tageszeitung "Le Journal de Geneve'' druckte am 15. Maerz folgendes "Brevier fuer den vollkommenen Kommunisten" ab, das zu uns ueber Paris
gekommen ist«
"Wenn die UdSSR, diese gewaltige militaerische Macht, gegenseitige Verteidigungspakte mit ihren Satelliten abschliesstf dann tut sie es, um den Frieden
zu wahren. Wenn aber die westlichen Nationen, die praktisch unbewaffnet sind,
Abkommen unterzeichnen, dann tun sie das, weil sie den Krieg vorbereiten."
"Wenn die UdSSR ihr Uliitaerbudget erhoeht...dann ist das ein friedliches
Ziel. Wenn aber die Vereinigten Staaten, das keine Armeen unterhaelt, sich bemuehen, ein Heer aufzustellen, dann bekunden sie damit ihre Absichten, einen Konflikt zu entfesseln.
"Ein Mann wie Krawtschenko, der die Sowjetunion verlaesst und ihr Regime
kritisiert, ist ein Verraeter, ein Reptil, ein Ueberlaeufer und gemeiner Kerl,
aber die spanischen Kommunisten, die im Auslande Schutz gefunden haben, und die
nun Frankreich bekaempfen, sind Maertyrer und Helden.
"Fuer die Kommunisten machen sich die demokratischen Regierungsformen in Frankreich und Italien, die sie von der Macht fernhalten, der groessten Ungerechtigkeit
schuldig, aber Ruhm gebuehrt den sogenannten "Volksdemokratien" wo alle Parteien,
ob links oder rechts, lediglich zum ausschliesslichen Wohl der Kommunistischen
Partei zermahlen werden.
"Wenn in einem demokratischen Lande ein Gerichtshof unter Beobachtung aller
moeglichen Garantien fuer einen Angeklagten einen Kommunisten oder Terroristen
verurteilt, so Ist dies ein schmachvolles und schimpfliches Urteil, wenn aber
ein Gerichtshof in einer Volksdemokratie einen Bischof oder einen Priester verurteilt, dann ist dies ein Akt hoeherer Justiz*
"Wenn die Westmaechte die frueheren Achsenpartner, die totalitaere Staaten
geworden sind, daran erinnern, dass Friedensverträge auch Verpflichtungen nach
sich ziehen, dann wird dies als eine unertraegliche Einmischung in ihre internen
Angelegenheiten angesehen, wenn aber die Sowjets auf Veranlassung des Kominform
in anderen Laendern Streiks provozieren, dann muss man das als ausserordentlich
lobenswert ansehen.
"Die westlichen Nationen, die den Marshall-Plan billigen, sind Werkzeuge des
amerikanischen Imperialismus, aber die Kommunisten, die die Interessen der Sowjetunion höher stellen als die ihres eigenen Landes, sind unfehlbare Patrioten."
"ECA Office of Labor Information" Paris.
BOTSCHAFT DER AFL ZUM ERSTEN JAHRESTAG DES EGA
Am ersten Jahrestag des Bestehens des Verwaltungsausschusses fuer das ERP
(ECA) sagte William Green, der Praesident der AFL, dass die "amerikanischen Investierungen In diesem konstruktiven Programm dazu beigetragen hat, die schweren
wirtschaftlichen Leiden der Nationen Westeuropas zu heilen." Ferner brachte er
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�zum Ausdruck, dass die amerikanische Arbeiterschaft die Durchfuehrung des Europaelschen Wiederaufbauprograums begruesse "weil es dazu gedient habe, den Weltfrieden
zu bewahren und zu s t a e r k e n . . . . "
"Das Uebel des Hungers und der Arbeitslosigkeit, die beide parallel laufen,
haben die Kraft ihres Volkes und die Entschlossenheit, seine Freiheit, seine Demokratie und selbst ihre Unabhaengigkeit zu wahren, unterminiert. Die Hilflosigkeit
und Hoffnungslosigkeit der westeuropaeischen Wirtshaftslage bildete einen fruchtbaren Boden fuer die totalitaere Propaganda und fuer eine Revolution. Die Fuenften Kolonnen des Kommunismus waren ungestuem auf dem Anmarsch, und der Zusanmenbruch der Tschechoslowakei und ihre Unterwerfung unter die sowjetische Herrschaft
bildete einen traurigen und dramatischen Praezedenzfall fuer das, was vielen anderen
Nationen Suropas b l u e h t e . . . .
"Wir wusstan, dass wir es uns nicht leisten konnten, einfach dazusitzen und
zuzusehen, wie Hunger und Leiden ganz Europa zwingen, die Demokratie im Stich zu
lassen und sich der Sklaverei zu unterwerfen. Das i s t der Grund, weshalb wir
trotz der starken Inanspruchnahme der Hilfsmittel, des Materials und des Wohlstandes unseres Landes fuer das Europaeische Wiederaufbau-Programm eingetreten
sind.
"Wir wollen daran denken, dass dieses Programm mit den schwer erarbeiteten
Loehnen der amerikanischen Arbeiter bezahlt worden i s t - und es i s t keineswegs
ein Imperialistisches Komplott, das von der Wallstreet finanziert wird, wie es
die Kommunisten Immer faelschlich hinstellen. Das Europaeische Wiederaufbau-Programm i s t eine Anlage in Frieden und Bruederlichkeit, wofuer jede amerikanische
Familie ihren Beitrag l e i s t e t . Heute hat unsere Investierung bereits Fruechte
getragen....
"An diesem Jahrestage des Verwaltungsausschusses fuer das ERP muessen wir uns
auch mit der Zukunft befassen. Bis jetzt hat das Europaeische Wiederaufbau-Pro"
gramm einen vielversprechenden Verlauf genomnen. Wir muessen es fortsetzen und es
so weit wie moeglich unterstuetzen, bis sich unsere friedliebenden Freunde in
Europa wieder soweit erholt haben, dass s i e sich selbst erhalten koennen, und bis
ihre Freiheit gesichert i s t , wie auch die Moeglichkeit, eine demokratische Lebensweise, wie s i e sie wuenschen, beizubehalten."
DIE KOMMUNISTEN VERLIEREN IN HOLLAND AN BODEN
Nachstehend aufgefuehrte Zahlen ueber die
schaften Hollands sprechen fuer s l c h ; 1
N.V.V. (Sozialisten)
C.N.V. (Christliche)
K.A.B. (Roemisch-Katholische)
E.V.C. (Kommunistische)

Mitgliederbewegung in den GewerkJanuar 1948
330.000
131.600
251.500
176.900

1 Oktober 1948
360.000
1A3.800
264.800
166.200

Es hat den Anschein, a l s wenn sich der Kampf der Kommunisten gegen das ERP
nicht besonders vorteilhaft auf ihre Mitglieder-Werbekampagne ausgewirkt hat.
"EGA. Office of Labor Information" Paris.
ANTWORT AUF TVEITERE VORWUERFE DER RUSSEN
Das Problem der Beschaffung von A n g e s t e l l t e n fuer die Bueroarbelten bei den
Vereinten Nationen i s t fuer das S e k r e t a r i a t , das dafuer verantwortlich i s t , zieml i c h k o m p l i z i e r t . In Jedem Jahr wird die Zahl der Bueroangestellten, Sekretaere
und Sekretaerinnen, der Uebersetzer, lorschungsexperten und anderer S p e z i a l i s t e n

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�groesser. Jedes Mitgliedsland der Vereinten Nationen hat das Recht, eine bestimmte Quote an Angestellten fuer das Sekratariatspersonal zu stellen. Nun hat
die "New Times" in Russland den Vorwurf erhoben, dass die Vereinigten Staaten eine
zu grosse Anzahl Posten mit ihren Leuten besetzt haetten und folgerten nun daraus,
dass Russland und die Laender des "Eisernen Vorhangs" den anderen Staaten gegenü b e r im Nachteil seien. Die Tatsachen liegen aber anders:
Beschaeftigte
Zulaessige
Angestellte
Quote
Vereinigte Staaten
335
400
Vereinigtes Koenigreich
11!»
115
Frankreich
71
75
Sowjetunion
13
79
Polen
20
12
Tschechoslowakei
20
11
Jugoslawien
5
4
Drei Laender des "Eisernen Vorhangs" haben also mehr Angestellte als ihnen
nach ihrer Quote zustehen. Russland verfuegt ueber eine groessere Quote als
Frankreich, hat aber kein Personal gestellt, obwohl es mehrmals dazu aufgefordert
worden ist. Die in den Quoten verzeichneten Personen umfassen Arbeitskraefte
der Gruppe 7 und darueber. In die Quote miteinbegriffen sind nicht Arbeitskraefte
wie Bueroangestellte, Chauffeure, und Arbeiter in den Gebaeuden.
State Department "Radio Bulletin" 31. Maerz 49
DIB AFL BILLIGT EINEN PLAN ZUR GRUENDUNG EINES NEUEN
WELTGEWERKSCHAFTSBUNDES
Folgender Artikel ist ein Bericht von dem Korrespondenten fuer Arbeltsfragen
aus Washington fuer die "New York Times", Louis Stark. Dieser Bericht betrifft
einen der wichtigsten einleitenden Schritte zur Gruendung eines neuen 'Veitgewerkschaftsbundes. Dieser Beschluss der AFL, mit ihrem Konkurrenten, dem CIO, zusammenzugehen, wird fuer viele eine willkommene Neuigkeit sein.
"Heute (am 7. April) hat die AFL vorgeschlagen, dass in Kuerze besondere
Schritte unternommen werden sollen, um den von den Komnunisten beherrschten Weltgewerkschaftsbund (WFTü) durch einen die ganze Welt umspannenden Gewerkschaftsbund
zu ersetzen. Der Gewerkschaftsausschuss fuer internationale Arbeitsbeziehungen
trat heute zusammen und beschloss zu empfehlen, dass der Exekutivrat der AFL
erneut seine Bereitwilligkeit, an der Gruendung einer neuen VJeltvereinigung der
freien Gewerkschaften mitzuarbeiten, zum Ausdruck bringen sollte. Ueber diesen
Vorschlag wird der Rat am 16. Hai in Cleveland Besprechungen abhalten.
"Die Tatsache, die in der Erklaerung der AFL nicht enthalten war, besagt,
dass es dem Arbeitsaus schuss. der AFL gelungen war, diejenigen einflussreichen
Funktionaere zu diesem Schritt zu gewinnen, die energisch den Gedanken zurueckgewiosen hatten, einer neuen Koerperschaft der Arbeiterschaft der Welt zusammen
mit dem CIO beizutreten.
Eine Erklaerung. die den CIO enttaeuscht
"Trotz dieser Aenderung in der Politik waren doch die CIO-Funktionaere ueber
die Massnahme des AFL etwas enttaeuscht. Dies bezog sich hauptsaechlich auf die
Art und Welse, in der die Erklaerung des AFL abgefasst war, wo von der Art, wie
die Vertretungsfrage in der neuen Arbeiterkoerperschaft geregelt werden sollte,
die Rede war. Der AFL-Ausschuss, dessen Vorsitzender Matthew Woll ist, schlug

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�die Bildung eines vorlaeufigen Ausschusses vor, der die europaeischen sowie die
nord- und südamerikanischen Gewerkschaften vertreten sollte, und der die Lage
vorerst einmal pruefen sollte.
"Dieser Ausschuss sollte, wenn moeglich, im Juni in Genf zusammentreten und
spaeter jedem der Gewerkschaftsbuende, die eingeladen werden sollten, einen Bericht zustellen. Danach sollte dann eine Gruendungskonferenz fuer die neue Weltgewerkschaftsorganisation einberufen werden. Wenn man sich dem heute dargelegten
Programm ansohliessen wuerde, dann wuerde die Genfer Konferenz im Juni einen Gegenstoss der freien Gewerkschaften gegen die Konferenz darstellen, die vom WFTÜ
fuer Juni in Mailand geplant ist....
"Die Entscheidung darueber, dass der CIO einen Teil des neuen Weltbundes
bilden wird, war von Bedeutung, denn sie ebnete den Weg fuer die Einbeziehung der
sogenannten rivalisierenden Arbeiterbuende in den verschiedenen Laendern in die
Mitgliedschaft. Dies bedeutet, dass in Frankreich, Italien, Canada, Belgien,
Holland und anderen Laendern, wo verschiedene Gewerkschaftsbuende existieren,
ihrem Beitritt nicht das Hindernis des "dualistischen Gewerkschaftswesens" im
Wege stehen wuerde.
Die Beziehungen zwischen der AFL and dem CIO werden erwogen.
"Manche AFL-Funktionaere haben darauf bestanden, dass ihrer Organisation eine
"vorherrschende" Stellung eingeräumt wird, soweit die Mitgliedschaft der amerikanischen Arbeiterorganisationen in der neuen Weltorganisation in Frage kommt. Diese
Frage wird aber nicht direkt auftauchen, da die AFL fuer ihre 8 Millionen Mitglieder Beitraege pro Kopf entrichten wird, und der CIO desgleichen fuer seine 6
Millionen Mitglieder. So wuerden also die Stimmen, die auf den Beitraegen begruendet sind, der AFL eine etwas guenstigere Lage verschaffen, dies wird aber
als nicht so bedeutungsvoll angesehen, es sei denn, die Frage der "Gleichberechtigung" fuer den CIO sollte aufgeworfen werden.
"Fuer die AFL ist dies eine delikate Angelegenheit, und zwar wegen ihrer
Mitgliedschaft in der Internationalen Organisation fuer Arbeit (ILO), in der die
Vorschriften die Mitgliedschaft irgendeiner Arbeiterkoerperschaft auf die "vorherrschende" in der Nation beschraenken. Diese Vorschrift verbietet fuer den CIO
in der ILO den Status der "Gleichheit", und als Ergebnis hat sich der CIO geweigert,
das zu akzeptieren, was er als "niedrigeren Status" bezeichnet, indem er bei den
Sitzungen der ILO nur durch "Ratgeber" vertreten wird, die dem AFL-Delegiarten zugewiesen sind.
"Die Erklaerung der AFL gab zu verstehen, dass die grossen Arbeiterbuende
der grossen Nationen nicht danach trachten duerfen, die neue Gewerkschaftsorganisation zu beherrschen und dass man "mit den Methoden der Grossmachtpolitik vollkommen brechen muesste". Es wurde auch angekuendigt, dass die AFL in Tokio ein
Buero fuer ihre Arbeit in Japan und Korea und ein weiteres in- Indien fuer Suedostasien errichten wollte."
"New York Times" 8. April 19^9
SCHARFE ARBEITSGESETZGEBUNG UND ARBEITSFRIEDE
Die Liga fuer politische Erziehung der AFL hat vor kurzem folgende Erklaerung
in ihrer offiziellen Zeitschrift veroeffentlicht. Zum Schluss wird in dieser
Erklaerung zum Ausdruck gebracht, dass "scharfe Schlichtungs-Gesetze" die dazu
dienen sollen, die freien Gewerkschaften zu zuegeln keineswegs wirksam erzwungen
werden koennen.
"Diejenigen arbeiterfeindlichen Kongressmitglieder, die sich fuer ein Streikverbot in den sogenannten Notstandsunternehmen des Landes und gemeinnuetzigen
Einrichtungen einsetzen, sollten sich einmal vor Augen fuehren, was sich bei dem
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�Muellabfuhrstreik in Yonkers, New York, in diesem Monat (Maerz) ereignete.
"Vor zwei Jahren hatte der Gouverneur Dewey das Condon-Wadlin-Gesetz durchgepeitscht, dem zufolge den Angestellten im oeffentlichen Dienst das Streiken verboten i s t , das andererseits aber keine zufriedenstellende Regelung fuer die Festsetzung von Loehnen und Arbeitsbedingungen vorsieht. Nachdemd?r Streik 3 Tage
gedauert hatte, konnten die Angestellten der Abteilung Muellbeseitigung in Yonkers
wieder ohne jeden Nachteil an die Arbeit gehen, trotz der Tatsache, dass l t . dem
Condon-Wadlin-Gesetz jeder oeffentliche Angestellte, der in den Streik t r i t t , nur
auf 5 Jahre Probe wieder e i n g e s t e l l t werden kann und 3 Jahre lang keine Lohnerhoehung erhaelt.
Diese Situation aehnelt der, wie s i e sich kurz nach dem Erlege in Australien
zeigte. In Australien bestand wohl ein obligatorisches Schiedsgesetz, aber dennoch
traten 60£ der organisierten Arbeiter sofort nach Beendigung des Krieges in den
Streik. Offenbar konnte man aber nicht 60% der Arbeiter des Landes ins Gefaengnls
stecken. Das oeffentliche Interesse machte es erforderlich, dass die Arbeiter
ihre Taetigkeit wieder aufnahmen, und dass die Produktion wieder anlief. Australien
musste das Gesetz in den Buechern vergessen und Schiede - und Ausgleichsverfahren
anwenden, um den S t r e i t beizulegen
"
"AFL League Reporter" 28. Maerz 1949
DER PRABSIDENT DUR A1L BEANTWORTET EINIGE FRAGEN
Ein Korrespondent der amerikanischen Zeitschrift "D.S. News and World Report"
interviewte vor kurzem William Green, den Praesidenten der AFL ueber die Ansichten
seiner Organisation in bezug auf gewisse wichtige Tagesfragen. Die Antworten
Greens werden zweifellos fuer die deutschen Gewerkschaften von Interesse sein.
Frage« Mr. Green, sind Sie der Meinung, dass die Gewerkschaften heute
staerker sind a l s jemals zuvor."
Antwort; "Jawohl, ich bin der Ansicht, dass die Gewerkschaften mehr Mitglieder
haben als frueher. In der AFL haben wir eine Mitglieder zahl von 8 Millionen err e i c h t . Seit der Zeit, da ich vor 25 Jahren ihr Praesident geworden bin, i s t s i e
staendig gestiegen. Damals hatte s i e 2£ Millionen Mitglieder."
Frage» "Ist die Mitgliederzahl auch unter dem Taft-Hartley-Gesetz gestiegen."
Antwort» Ich glaube, daas die Mitglieder zahl stark gestiegen i s t , seitdem
•
dieses Gesetz erlassen wurde, und hauptsaechlich wegen der Besserung der wirtschaftlichen Verhaeltnisse. Wenn die Beschaeftigung ansteigt, dann werden unsere
Gewerkschaften groesser, sinkt aber die Beschaeftigung, dann werden sie kleiner.
Das Taft-Hartley-Gesetz hat aber die gewerkschaftliche Organisierung ernstlich
bee intraecht Igt, besonders in bezug auf unsere Bemuehungen, die Arbeiter im
Sueden zu organisieren."
Frage» Wie gross schaetzen Sie die Zahl aller Mitglieder der organisierten
Arbeiterschaft (in den Vereinigten Staaten)."
Antwort« "Bei einer z i v i l e n Arbeiterschaft von insgesamt 60 Millionen Menschen wird sie auf etwa 15 Millionen g e s c h a e t z t . . . . "
Frage« "Wie kommt e s , dass die AFL es fuer notwendig erachtet, das "closed
Shop" System beizubehalten, "(in der Gewerkschaftssprache bedeutet ein "closed
shop", dass es sich hier um einen Betrieb bandelt, in dem jeder Arbeiter Gewerkschaftsmitglied sein muss).
Antwort; Aus Erfahrung haben wir f e s t g e s t e l l t , dass wir durch Aufrechterhaltung des "closed Shop" Systems ueber Loehne und anstaendlge Beschaeftigungsbedingungen verhandeln koennen. Und dass stehen v i e l e Arbeitgeber dem "closed shop"
System wohlwollend gegenueberk weil es ein taoeheres Mass an Zusamnenarbeit, gutem
Willen und Durchfuehrung guter Arbeitsbeziehungen schafft.
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�Sie brauchen sich dannkeine Gedanken darueber zu machen, ob Sie der Gewerkschaft
beitreten wollen oder nicht, sobald das "closed Shop" System im Betrieb eingefuehrt ist."
Fraget

"Es wird manchmal behauptet, dass ein "geschlossener Betrieb"

(closed shop) ein Monopol darstellt.

Wuerden Sie willens sein, gesetzliche

Schutzmassnahmen fuer einen "closed shop" zu akzeptieren, so dass die Regierung
die Verhaeltnisse ueberwacht und Misstaende verhindert."
Antwort; "Wie kann die Rede von einem Monopol sein, wenn von 60 Millionen
Menschen 15 Millionen organisiert sind."
Frage« "Kann es denn nicht in einem besonderen Industriezweig ein Monopol
darstellen."
Antwort» Ich sehe das nicht ein, warum es ein Monopol sein soll.

Ich

glaube, es ist etwa dasselbe, als wenn Direktoren einer Aktiengesellschaft und
Vertreter der Arbeiterschaft ein Lohnabkommen unter sich aushandeln, was doch
auch kein Monopol darstellt.

Es ist lediglich ein "geschlossener" Gewerkschafts-

betrieb, und das bedeutet, dass die Arbeiter einer Gewerkschaft angehoeren sollen,
und dass die Verhandlungen zwischen den Arbeitern und der Betriebsleitung nicht
zwischen dem einzelnen Arbeiter und der Betriebsleitung, sondern zwischen der
Betriebsleitung und der Gewerkschaft gefuehrt werden, und dass dann die Gewerkschaf t Aer die Festlegung des Abkommens verantwortlich ist."
Frage» "Um auf das "closed shop" System zurueckzukommen, ist etwas ''Jahres
daran, wenn behauptet wird, dass Sie dadurch, dass Sie Ihr Lehrlingssystem benutzen, Sie die Gestellung von Arbeitskraeften beschraenken."
Antwort« "Das Lehrlingssystem wird in Uebereinstimmung mit dem Abkommen
mit der Betriebsleitung angewendet.

Die Anzahl der Lehrlinge, die beschaeftigt

werden, basiert auf den Markterfordernissen.

Es ist wichtig, erfahrene Fachleute

au haben und Lehrlinge, die dazu erzogen werden, die Arbeit zu leisten —

so dass

also, wenn Sie ein Gebaeude errichten wollen, Sie es auch gut bauen wollen.
' enn Sie eine Bruecke bauen, dann wollen Sie sie gut bauen.

Das aber koennen

nur erfahrene und tuechtige Maenner tun."
Frage; "Macht sich die AFL ueber die Arbeitslosigkeit Sorgen."
Antwort« "Nein, wenigstens nicht im Augenblick,

Wegen der steigenden

Arbeitslosigkeit waehrend der letzten paar Monate regen wir uns nicht sehr auf,
wir sind aber der Meinung,

dass

die wirtschaftliche Grundlage in Amerika gut

fundiert ist, und e3 bestehen die Aussichten, daes das- Geschaeft im naechsten
bzw. innerhalb der naechsten 2 Jahre in ebenso guter Form weitergehen wird, wie
das bisher der Fall gewesen ist."
Frage« "Glauben Sie, dass die Kaufkraft hoch gehalten werden muss, um eine
Hoechstproduktion aufrechtzuerhalten."
Antwort; "So ist es.
aendern koennen.

Es ist dies ein wirtschaftliches Gesete das wir nicht

V/enn wir eine gesunde Wirtschaft aufrechterhalten wollen, dann

muss die Kaufkraft unseren Produktionsfaehigkeiten entsprechen.

Wenn Sie mehr

produzieren koennen, als Ihnen zu kaufen moeglich ist, dann muessen Sie zwangslaeufig einen Ueberfluss schaffen.

Wenn Sie aber andererseits das kaufen koennen,

was Sie herstellen, dann ist die Nachfrage konstant und ausgeglichen, und entspricht somit praktisch unserer Produktionskapazitaet.

Jeder Arbeitgeber wird

das unterstreichen."
Frage« "Sind Sie der Meinung, dass die Preise nach unten angeglichen und
die Loehne dennoch beibehalten werden koennen."
Antwort;

m,

'ir haben uns gefragt, ob die Preise reduziert und die Loehne

beibehalten werden koennen oder nicht, weil die Frofite ziemlich hoch gewesen
sind.

Ich bin der Meinung, dass die Profite in den letzten 1-2 Jahren groes3er
-

13

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�gewesen sind als dies fuer eine laengere Zeit der Fall gewesen ist. Aus diesen
erhoehten Profiten heraus koennten die Verkaufspreise herabgesetzt werden, ohne
dass man die Loehne senken muesste.1'
Frage» "Sind sich die AFL und der CIO jetzt naeher gekommen, als es frueher
der Fall war."
Antwort« "Davon ist mir nichts bekannt. Sie sind sich heute nicht naeher
gekommen als es vor einem Jahr, vor 2 oder 5 Jahren der Fall war."
Frage» "Wird jetzt irgend etwas unternommen, um ueber einen Frieden zu verhandeln (Frieden zwischen AFL und CIO)."
Antwort» "Nein, im Augenblick nicht. Ich meinerseits fasse das so auf, dass
sich dieser Friede als Ergebnis der Aufloesung des Weltgewerkschaftsbundes entwickeln koennte. Wie Sie wissen, sind der CIO und eine Anzahl anderer Gewerkschaften in den freien demokratischen Laendern Europas aus dem Weltgewerkschaftsbund
ausgetreten und haben die Gruendung eines neuen Weltgewerkschaftsbundes gefordert,
der sich aus demokratischen Gewerkschaften ohne irgendwelche kommunistischen Organisationen zusammensetzt. Als Erfolg davon werden Verhandlungen stattfinden,
die evtl. zu einer Festigung unserer hiesigen Gewerkschaftsbewegungen fuehren
koennten
"
Frage» "Was halten Sie von der Sozialisierung. Beguenstigt die AFL die
Sozialisierung der Industrie."
Antwort; "De, wir ein System des Freien Unternehmens, wie wir es hier in
den Vereinigten Staaten haben, verteidigen, sind wir dagegen, und Amerika ist die
letzte Bastion des Systems des Freien Unternehmens. In allen anderen Laendern
der Welt wird dieses System abgeschafft."
Frage» "Glauben Sie, dass die Gewerkschaften etwas dazu tun, dass dieses
System hier beibehalten wird."
Antwort» "Ja".

Frage; "Sie haben a l s o , bzw. vertreten eine andere Phllosphie als z.B. die
englischen Gewerkschaften."
Antwort; "Ja, wovor loh in dieser Hinsicht die engherzigen Unternehmer zu
warnen versucht habe, i s t , da^s sie aufhoeren s o l l t e n , den Versuch zu machen,
eine Einrichtung zu zerschlagen, die dafuer kaempft, ihr System des Freien Unternehmens zu schuetzen. Das tun sie mit Hilfe des Taft-Hartley-Gesetzes. Was i s t
denn nun besser fuer sie» wenn s i e darauf hinarbeiten, dass das Taft-HartleyGesetz die Gewerkschaften schwaecht, dass sie ausgeschaltet werden, oder dafuer
zu sorgen, dass s i e s t a r k bleiben, damit s i e fuer sie kaempfen koennen.
"In der Tschechoslowakei bestand eine v o r t r e f f l i c h e freie Gewerkschaftsbewegung. Sie a r b e i t e t e ausgezeichnet. Sie wurde weder von der Regierung beherrscht
noch stand s i e unter ihrer Kontrolle. Nach dem Kriege, a l s die Menschen hungrig
und am Verhungern waren, sickerten die Kommunisten langsam, aber sicher in die
Gewerkschaftsbewegungen e i n . S c h l i e s s l i c h kam der Tag, an dem die Revolution
durchgefuehrt werden nso U t e , und da war es die Gewerkschaftsbewegung, die von einer
freien demokratischen Gewerkschaftsbewegung in eine kommunistischen umgewandelt
werden war, die die Revolution e i n l e i t e t e und weiterfuehrte. Als Ergebnis davon
wurde die Tschechoslowakei ein Teil des "Hisernen Vorhangs". Aus den Aussagen
der in New York verhoerten Kommunisten geht henor, dass s i e in Amerika auf die
gleiche Art und '.'.'eise vorgehen wuerden. Glücklicherweise haben s i e hier keine
F o r t s c h r i t t e e r z i e l t , weil wir ihnen gegenueber in einer unwiderstehlichen und
kompromisslosen Opposition stehen."
"Overseas American News Service" 7 . April 1%9

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�DIE LAGE DER FRAUEN IN DER SOWJETUNION
Malvina Lindaay, Buehnenschrlf t s t e l l e r i n b e i der "Washington Post" hat Tor
kurzem einen A r t i k e l ueber d i e Lage der Frauen i n der Sowjetunion v e r o e f f e n t l i c h t .
S i e b e r i c h t e t e , dass man i n den Berufen d i e Trauen nicht u n t e r s c h i e d l i e h behandelt»
dass d i e meisten Arbeiterinnen i n diesem Lande aber e i n beschwerliches und hartes
Leben a l s Eisenschmiede, Bergwerks-Kohlenarbeiterinnen, Dockarbeiter, Saegemuehlena r b e l t e r , Streckenarbeiterinnen, Strassenreinigerinnen und Landarbeiterinnen fahren.
Gewoehnlich arbeiten solche Arbeiterinnen schwer unter der Aufsicht von Maenner.
"Wirkliche Machtstellungen i n der konmunistIschen P a r t e i , i n der Regierung
und in der Wirtschaft mehmen d i e Frauen noch n i c h t e i n . Trotz der Tatsache, dass
g e l e g e n t l i c h eine Frau zum Gesandten ernannt wird, s p i e l e n d i e Frauen im diplomat i s c h e n Dienst nur e i n e untergeordnete R o l l e . . . . D i e G l e i c h h e i t i n Sowjetrussland
hat fuer manche Frauen bessere Gelegenheiten geschaffen, insbesondere b e i den
Landfrauen und fuer d i e Frauen i n den a s i a t i s c h e n Republiken, aber im allgemeinen
sind die Frauen durch den niedrigen Le ensstandard besonderen Haerten a u s g e s e t z t . .
In der Sechstage-Woche muss die s o w j e t i s c h e A r b e i t e r i n nooh ihre Hausarbeit v e r r i c h t e n und s i c h auf dem Markt versorgen, nachdem s i e nach Hause gekommen i s t .
Ihr L'ann h i l f t ihr s e l t e n .
"Die t y p i s c h e A r b e i t e r i n i n der Stadt kehrt von der Arbeit i n ihren Hausstand zurueok, der fuer s i e und ihre Familie aus einem Zimmer b e s t e h t . Eine
Wohnung, die aus 3 oder -U Zimmern b e s t e h t , i s t gewoehnlich mit 3 oder 4 Familien
b e l e g t . Frauen in den K o l l e k t i v w i r t s c h a f t e n haben gewoehnlich e i n e separate
Unterkunft, aber die Einrichtung i s t p r i m i t i v
"Die Sowjetfrauen werden s t a e n d i g an ihr P r i v i l e g e r i n n e r t , dass s i e an der
grossen Arbeit fuer den s o z i a l i s t i s c h e n Wiederaufbau t e i l h a b e n . Ob ihre G l e i c h h e i t auch soweit geht, dass s i e mehr Macht und Ehren geniessen koennen, e r s c h e i n t
j e t z t z w e i f e l h a f t , t r o t z der kuerzlichen Erklaerung des Zentralkomitees. Es wird
angenommen, dass die Tendenz s i c h a u g e n b l i c k l i c h mehr von der Gleichheit a l s zu
ihr hin bewegt« d i e s g i l t besonders fuer die Stadtfrauen, deren Auswahl in den
Berufen mehr und mehr beschraenkt w i r d . . .
S t a t e Department "Radio BulletinW 3 0 . Maerz 1%9
DIE BEDEUTUNG DER GEGECTONDS-HINTERLEGÜNGSGELDiER (COÜNTKKPART FONDS)
DES MARSHALL-PLANS
1

"Nach einem sinnreichen finanziellen Plan, der ausgearbeitet wurde, a l s
das Gesetz erlassen wurde, erfuellen die Marshallplan-Dollars in Europa eine
doppelte Aufgabe, Zunaechst einmal gestatten die amerikanischen Dollarkredite
den Ankauf von Lebensmitteln, Gebrauchsguetern sowie Bergwerks, Transport- und
Industrie-Ausruestungen in Amerika oder in anderen Laendem* die sich die europaeischen Laender sonst wegen Devisenmangels nicht beschaffen koennten. Das Werk
eines jeden Dollars i s t Jedoch erst halb getan, wenn diese Transaktion durchgef ü h r t i s t . In jedem unterstuetzen Land zahlt der Empfaenger der amerikanischen
Zuschuesse fuer die Ausrüstungen, Maschinen oder Lebensmittel in Pfunden, Francs,
Lire, Drachmen, Kronen oder Schillingen."
"Diese "Gegenfonds-Hinterlegungsgelder" (counterpart funds), unter welcher
Bezeichnung s i e bekannt geworden sind, werden in einem besonderen Treuhandkonto
in jedem Lande deponiert. Im Internationalen Handel sind s i e im allgemeinen wertlos,
im internen Gebrauch aber sind s i e bei Projekten, wie z.B. Fabrikanlagen, Strassenbau, Reparaturen von zerbombten Pruecken und Transportsystemen usw. so gut wie Bold.
"Na.ch den EGA Vereinbarungen sind 5% dieser Counterpart Funds fuer die Vere i n ! ten Staaten fuer Verwaltungsausgaben in Verbindung mit dem Marshallplan wie
-

15

-

�auch fuer andere Zwecke verfuegbar. Die verbleibenden 95^ koennen nur mit Genehmigung des USA-Leiters Hoffman ausgegeben werden und nuessen fuer Projekte angelegt
werden, die den Inneren Aufbau der betreffenden Laender fördern."
"Bis zum 31. Januar, dem letzten Datum, an dem die "fehlen fuer die counterpart
funds vorliegen, hat Frankreich nahezu 168 Milliarden Francs angesammelt und g r ö s s t e n t e i l s ausgegeben* das entspricht einem Gegenwert von 717 Millionen Dollar. Der
englische Counterpart Fund hat ueber 95 Millionen Pfund($380.000.000) erhalten.
Hier sind die entsprechenden Zahlen fuer andere Nationen; I t a l i e n IIA Milliarden
Lire ($196.000.000), Griechenland 639 Milliarden Drachmen ($6/,.000.000), Oesterreich 1.839 Milliarden Schillinge ($184.000.000) und Norwegen 147 Milliarden Kronen
($30.000.000)."
"Diese lokalen Aufbau-Fonds kommen im grossen und ganzen den Dollarzuschuessen
die I t a l i e n von den Vereinigten Staaten erhalten hat, gleich und ergaenzen s i e .
Die Counterpart Funds werden dazu benuetzt, um Suempfe trockenzulegen, um Ozeanschiffe wieder flottzumachen, 2.000 Eisenbahnbruecken wiederherzustellen und Stahlwerke fertigzustellen, die Mussolini vor dem Kriege in Angriff nahm. In Frankreich
wird die Modernisierung der Kohlengruben, der Bau von Kraftwerken und Duengemittelfabriken durch die Änsamnlung von Geldern, die aus den Verkaeufen von amerikanischen
Maschienenlieferungen stammen, ermoeglicht."
"New York Poat Editorial" 4 . April 1949
-

Manpower Division
OMGDS, APO 742

ÜNOUS, 9-UJ3, L»KB, Apr U°, SJ C

16

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OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEflLUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Aussage ans dar amerikanischen Press« and anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redaktenre, dar Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mittflieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebranch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Aal Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch dl« Post zugeleitet
Dar Inhalt dar „Arbeitsmitteilungen" ist sieht als offizielle Meinung oder Stellungnahme dar amerikanische«
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung dar Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - U

Berlin, 6. Mai 1%9

AMERIKAMISCHB MKTBODBB ZOR ÜUHCÜFU1SHR0KQ VON QWgHKSCBAFTSsfflKOMMBN
Das amerikanische Arbeitsministerium hat umfangreiche und ausgedehnte Studien
bzw. Untersuchungen ueber die Bestimmungen fuer die Durchführung ron Kollektiwerhandlungen und Abkommen zwischen Arbeitgebern (oder Arbeltgebervereinigungen) und
den Gewerkschaften Torgenommen, üeber dieses Thema ist eine Anzahl Broschueren
veroeffentlicht worden. Diese werden spaeter als Kapital eines Buches erscheinen.
Der folgende Artikel bildet eine Zusammenfassung einer vor kurzem herausgegebenen
Broschuere ueber die Methoden, die Ton den Arbeitgebern und den Gewerkschaften bei
der Durchfuehrung von Abkommen Anwendung finden.
Beim Lesen nachstehender Zusammenstellung sollte man sich vor Augen halten,
dass das Hauptziel sowohl fuer die Arbeitgeber wie auch fuer die Gewerkschaften
beim Aufbau ihres eigenen Mechanismus zwecks Durchfuehrung eines Abkommens darin
besteht, Gerichtsprozesse zu Termeiden. Die amerikanischen Gewerkschaften und
Arbeitgeber treten energisch fuer die Anwendung eines privaten Mechanismus zur
Beilegung ron Differenzen ein. Sie ziehen es ror, sich in die Kosten des gerichtsaehnliohen Mechanismus des Schiedsverfahrens zu teilen.
Die Durchfuehrung von Qewerkschaftsabkommen
1. Sinfuehrung
Gewoehnlich laeuft die Kollektiwerhandlung auf ein geschriebenes Abkommen
hinaus, das vom Arbeitgeber und den Gewerkschaftsvertretern unterzeichnet wird
und als gesetzlioh bindender Kontrakt durchfuehrbar ist. Nach dem bestehenden
Gesetz koennen sich die an einem Kollektivvertrag beteiligten Parteien an die
Gerichte wenden, um eine Durchfuehrung eines Abkommens zu erzwingen
In der Praxis werden die Gerichte nur selten zwecks Durchsetzung von Abkommen
angerufen* die Durchfuehrung haengt zum grossen Teil von der Aufrichtigkeit und
dem guten Willen der betreffenden Parteien ab. Diese grundlegende Fuehlungsnahme
erklaert die relative Seltenheit besonderer und ausfuehrlicher Bestimmungen in den
Abkommen, die darauf abgestellt sind, die Durchsetzung der in ihnen enthaltenen
Vorschriften zu sichern. Wo dennoch solche besonderen Klauseln festgelegt sind,
ist dies durch Verhaeltnisse zu erklaeren, wie sie der betreffenden Industrie eigentuemlich sind, oder durch Schwierigkelten, wie sie sich kuerzlich bei der Aufrechterhaltung der Beziehungen bei Kollektivverhandlungen zeigten.
Die Einhaltung der Bestimmungen, der Arbeitsbedingungen und der Verpflichtungen, die sioh aus dem Abkommen ergeben, wird normalerweise durch ein gerichtsaehnliches Verfahren gesichert, das im Kontrakt selbst niedergelegt ist
durch
das Beschwerde- und Schiedsverfahren. Dieses Verfahren wird angewandt, um die

1

�sich taegllch ergebenden Missverstaendnisse und Streitfaelle in der Auslegung oder
Anwendung des Abkommens wie auch die Streitfaelle zu behandeln, die angebliche Verletzungen zum Gegenstand haben
Viele Abkommen enthalten eine gegenseitige Verpflichtung zur Einhaltung, und
selbst, wenn solche Verpflichtungen nicht ausdrücklich festgelegt sind, dann werden
sie haeufig stillschwelgend durch allgemeine Erklaerungen in dem Sinne miteinbegriffen, dass das Abkommen bis zu seinem Ablauf in Kraft und bindend ist. Erklaerungen, denen zufolge Firmenbestimmungen und Gewerkschaftsvorschriften, verfassungsmaessige Bestimmungen oder Satzungen in keiner Weise mit dem Abkommen kollidieren
duerfen, sind zusaetzliche Vorsichtsmassnahmen gegen eine Umgehung der Verletzung
des Abkommens
2. Allgemeine Bestimmungen fuer die Einhaltung
Obwohl die Tatsache des Abschlusses eines Abkommens die Absicht in sich
schliesst, die im Abkommen niedergelegten Bestimmungen durchzufahren, enthalten
doch die meisten Abkommen eine allgemeine Erklaerung in dem Sinne, dass diese bis
zu ihrem Ablauf in Kraft und bindend sind, und dass sich die Parteien an die
Bestimmungen des Abkommens halten und ihre Verpflichtungen einhalten wollen.
Abkommen, an denen Arbeitgeberverbaende beteiligt sind, sind oft in einem
Stil aufgesetzt, demzufolge die einzelnen Mitgliedfirmen an die Bedingungen des
Abkommens gebunden sind. Bei manchen Abkommen mit Arbeitgeberverbaenden wird der
Verband fuer die Einhaltung der Bestimmungen seitens der einzelnen Mitgliedfirmen
verantwortlich gemacht.
Andere allgemeine Klauseln, die die Einhaltung des Abkommens gewaehrleisten
sollen, untersagen Handlungen, wie z.B. Umgruppierung von Angestellten oder von
Dienstobliegenheiten, oder einen Abschluss von Untervertraegen mit anderen Arbeltgebern, um die Verpflichtungen zu umgehen, die im Abkommen vorgesehen sind.
3. Hilfsmittel fuer die Durchsetzung
Manchmal enthalten die Abkommen Vorschriften, die dazu bestimmt sind, den
Gewerkschaften dabei zu helfen, sich hinlaenglich darueber zu informieren, ob
der Vertrag auch vom Arbeitgeber eingehalten wird. Manchen Abkommen zufolge ist
den Gewerkschaftsvertretern der Zutritt zum Werk gestattet, damit sie sich von der
Einhaltung der Vereinbarungen ueberzeugen koennen. Lt. anderen wiederum haben die
Gewerkschaftsvertreter das Recht, die Lohnlisten und die Personalakten einzusehen,
und in manchen Faellen wird die Weigerung, dies zu gestatten, als ein mutmasslicher
Beweis fuer eine Verletzung des Abkommens angesehen.....Vorherige Benachrichtigung
der Gewerkschaft von gewissen Handlungen des Arbeitgebers, wie z.B. Verwarnung
Entlassung, bzw. zeitweilige Arbeitsniederlegung gibt der Gewerkschaft ebenfalls
das Recht, zu pruefen, ob die Bestimmungen des Abkommens durchgefuehrt wurden.
Manchmal sind in Abkommen, die mit Arbeitgeberverbaenden abgeschlossen werden,
Ausschuesse vorgesehen, die sich gewoehnllch aus einem ubpartauschen Vorsitzenden
und Vertretern dieses Verbandes und der Gewerkschaft zusammensetzen, die die Durchsetzung des Abkommens ueberwachen.
4.

Die Errichtung von Kautionsfonds.
Gelegentlich wird von einer der beiden Parteien oder von allen beiden die
Hinterlegung eines Fonds oder einer Kaution zur Sicherheit verlangt, und zwar
als Sicherheit dafuer, dass die Bestimmungen des Abkommens eingehalten werden,
oder als Schadenersatz fuer Verstoesse, oder um die Zahlung von irgendwelchen
Strafen, rueckwlrkenden Loehnen usw. sicherzustellen.

Nach manchen Abkommen, die mit Arbeitgeberverbaenden abgeschlossen werden,
wird die Stellung einer Kautionssumme von solchen Mitgliedfirmen nicht verlangt,
die sich eines guten Rufs erfreuen, von Mitgliedfirmen, die ausgetreten sind
oder ausgewchlossen wurden, sowie von Arbeitgebern, die nicht Mitglied sind, kann
aber verlangt werden, dass sie eine Kaution stellen. In anderen Faellen unter-

2

-

�liegen die unabhaengigen Arbeitgeber der Rechtsprechung der gemischten Kommissionen
oder dem Schiede- bzw. Durchfuehrungsmechaniamus, der geschaffen wird, um den Verbandskontrakt zu vollstrecken, und es kann von ihnen verlangt werden, dass sie
zum Unterhalt dieses Hechanismus beisteuern.
Wenn fuer die Verletzung des Ab können Schadenersatz gezahlt werden muss, dann
wird im allgemeinen von dem betreffenden Arbeitgeber verlangt, dass er eine zusaetzliche Zahlung leistet, damit der im Abkommen vorgesehene Kautionsbetrag in
der vorgeschriebenen Höehe beibehalten wird.
5» Beendigung des Abkommens als Strafe fuer seine Verletzung
Die Abkommen bleiben gewoehnlich fuer eine bestimmte Zeitspanne in Kraft, am
haeufigsten fuer ein Jahr, manchmal Ist aber vorgesehen, dass ein Verstoss seitens
einer Partei der anderen Partei das Recht gibt, das Abkommen vor seinem Ablauf zu
loesen. Oft ist aber dabei vorgesehen, dass eine Beendigung keine Wirkung hat,
wenn nicht ein Schiedsmann vorher bestimmt hat, ob ein Abkommen verletzt wurde
oder nicht. Bei Abkommen mit Arbeit gebar verbaenden kann durch die Verletzung seitens eines der Hitglieder das Abkommen geloest werden, soweit die betreffende Mitgliedfirma in Trage kommt, gewoehnlich gibt dies aber der Gewerkschaft nicht das
Recht, das Abkommen mit den anderen Hitgliedfirmen des Verbandes zu loesen. Wenn
ein Arbeitgeber mit mehr als einer Ortsgewerkschaft der gleichen Landesgewerkschaft
Abkommen getroffen hat, so koennen durch die Verletzung des Abkommens mit einer
Ortsgewerkschaft diejenigen des betreffenden Arbeitgebers mit allen anderen Ortsgewerkschaften hinfaeilig werden.
6. Sanktionen und Strafen fuer Arbeitgeber.
Zwecks Durchsetzung eines Vertrages stuetzen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften im allgemeinen auf andere Methoden als auf die Auferlegung von Strafen und
Bussen, doch greift man zu solohen Hassnahmen bei Verhaeltnissen, die fuer die
Industrie eigentuemlich sind. So.kann zum Beispiel wenn die scharfe Konkurrenz
Lohnkürzungen notwendig macht, wie in der Bekleidungsindustrie, im Abkommen vorgesehen werden, dass den Arbeitern ein Schadenersatz gezahlt wird, deren Loehne
gekuerzt wurden, um jeden Konkurrenzvorteil auszugleichen, den ein Arbeitgeber
durch die Verletzung des Abkommen gehabt haben mag.
In manchen Bestimmungen ist auch die Geldbusse fuer eine Verletzung des Abkommens seitens des Arbeltgebers festgesetzt. Gewoehnlich stuft sich der Betrag
ja nach Art der Verletzung und nach Zahl frueherer Verstoesse ab. In vielen
Faellen ist jedoch der Schiedsmann oder der unparteiische Vorsitzende ermaechngt,
den fuer jeden Verstoss zu zahlenden Schadenersatz zu bestimmen. Zuzueglich zu
diesem Schadenersatz wird manchmal auoh noch vom Arbeitgeber verlangt, dass er
einen Bussebetrag zahlt, um die Kosten des Verfahrens zu decken. .Es kann auch
eine weitere Busse auferlegt werden, die auf zukuenftige Verstoesse abschreckend
wirken soll.
Nach manchen Abkommen, die mit Arbeitgeberverbaenden getroffen werden, werden
flagrante oder wiederholte Uebeltaeter mit zeitweiligem oder gaenzlichem Ausschluss aus dem Verband bestraft. In anderen Faellen wird es ihm gestattet,
weiterhin Mitglied des Verbandes zu bleiben, jedoch erhaelt er keine Unterstützung
vom Verband.
Eine andere Strafe besteht darin, den betreffenden Arbeitgeber gewisser Vorrechte, die ihm dem Abkommen gemaess zustehen, zu berauben. So kann z.B. eine
Gewerkschaft ermaechtigt werden, ihm' das "union label" (Gewerkschaftsetikett,
d.h. Das Recht, seine Waren mit einem entsprechenden Vermerk der Gewerkschaft zu
versehen, woraus hervorgeht, dass die Ware unter den Arbeitsbedingungen hergestellt wurde, wie sie mit der betreffenden Gewerkschaft vereinbart wurden) oder
die "Shop card" (eine Bescheinigung, aus der hervorgeht, dass er zu gewerkschaft-

-

3 -

�lieh vereinbarten Bedingungen arbeitet) zu entstehen, sobald ein Verstoss eintritt.
Das Recht, in den Streik zu treten, auf das die Gewerkschaft Anspruch hat»
ist vielleicht die schaerfste Strafe fuer die Verletzung eines Abkommens seitens
eines Arbeitgebers. In manchen Abkommen ist ganz besonders das Recht der Gewerkschaft auf Streik vorbehalten, um die Innehaltung des Abkommens durchzusetzen,
selbst wenn die Streikaktion sonst untersagt ist.
"7. Sanktionen und Strafen fuer die Gewerkschaften und das Personal
Ortsgewerkschaften, die sieh eines Verstosses gegen die Bestimmungen inrer
Abkommen schuldig machen, setzen sich manchmal einem Disziplinarverfahren seitens
der Landesgewerkschaft aus. Die Massnahmen fuer solche Faelle werden gewoehnlich
mehr in den Statuten der Gewerkschaften festgelegt als in den Kollektiwertregsabkommen. Die Strafen und Bussen erstrecken sich gewoehnlich insbesondere auf die
"Nicht-Streik"-Klausel. Es kann eine Geldstrafe erhoben werden, oder dem Arbeitgeber kann gestattet werden, die "ünion-security" - (*) oder die "Check-off" -(**
Bestimmungen des Abkommens rueckgaengig zu' machen oder Beschwerdeverfahren zu
hindern«
(*)

"union security" : Ausdruck meist angewandt auf Bestimmungen Innerhalb von
Kollektiwertraegen, die den "olosed" oder jfanlon-shop"
(geschlossenen Gewerkschaftsbetrieb) garantieren oder die
"maintenanoe of membership", d.h. die Beibehaltung der
Mitgliedschaft fuer die, die einmal der Gewerkschaft beigetreten sind.
(**) "check off"
»System, wonach der Unternehmer durch Vertrag mit der Gewerkschaft die Gewerkschaftsbeitraege-und-umlagen vom
Lohn der Gewerkschaftsmitglieder abzieht und den Betrag
der Gewerkschaft ueberweist. Einige Abkommen sehen automatischen "check off" fuer alle Gewerkschaftsmitglieder
vor, manchmal auch "compulsory check off" (Zwangsabzug)
genannt, waehrend nach anderen Abkommen ein Abzug nur bei
denjenigen Mitgliedern erfolgen darf, die den Unternehmer
persoenlich bevollmaechtlgen, derartige Abzuege zu machen
(manchmal "voluntary check off" - freiwilliger Abzug genannt.)
Einzelne Angestellte, die das Abkommen verletzen, setam sich einem Disziplinarverfahren aus, das ^on der Firma, von der Gewerkschaft oder auch "ton beiden
durchgefuehrt wird. Ernstliche oder haeufige Verstoesse fuehren gewoehnlich zur
Entlassung, jedoch koennen bei erstmaligen oder geringeren Verstössen weniger
drastische Disziplinarmassnahmen ergriffen werden. Bei Verstoessen gegen das Abkommen wird vor der Entlassung manchmal eine Untersuchung oder Zustimmung seitens
der Gewerkschaft gefordert, und gewoehnlich werden solche Entlassungen durch ein
Beschwerdeverfahren ueberprueft.
In manchen Abkommen wird von der Gewerkschaft verlangt, dass sie gegen ihre
Mitglieder bei Verletzung des Abkommens disziplinarisch vorgeht, und in manchen
Faellen wird bei der Gewerkschaft der Antrag auf Ausschluss gestellt. Gelegentlich geht die Gewerkschaft darauf ein, dem Arbeitgeber dabei zu helfen, Ersatzkraefte fuer solche Arbeiter zu finden, die das Abkommen verletzt haben.
8. Schutz vor der Verantwortlichkeit bei Kontraktbruechen
Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes ueber die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus dem Jahre 1%7 haben manche Gewerkschaften versucht,
die Auswirkungen der Bestimmungen des Gesetzes bei der Schadenersatzklage dadurch zu verkleinern, indem sie sich auf die Kontraktklauseln berufen, die diese

�Best1 —Miflen entweder ganz ausschliessen oder aus Gerichts Ter fahren entsprechende
Verantwortlichkeit beschraenken. Allgemein nehmen solche Klauseln die Form gegenseitiger fester Verbindlichkeiten an, wonach die Streitfaelle zwecks Schlichtung
nloht vor die Gerichte oder die Regierungsstellen gebracht werden sollen» und
gewoehnllch ist eine Zusage darin enthalten, dass die Parteien die Absioht haben,
alle Differenzen durch Verhandlungen oder durch ein SohiedSTerfahren beizulegen.
In anderen Abkommen wieder ist keineswegs das Recht, an die Gerichte zu
appellieren, gaenzlich ausgeschlossen, dooh werden dann gewisse Sinsohraenkungen
Torgesehen, wie z.B. das Verbot, Klagen wegen Geldschaeden anhaengig zu machen,
oder Faelle, in denen man sich weigert, sieh dem Schiedsverfahren zu unterwerfen
oder sich dem Schiedsspruch zu fuegen.
Das Gesetz ueber die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer von
1947 sieht insbesondere TOT, dass bei der Feststellung, ob eine der beiden Parteien fuer die Handlungen ihrer "Vertreter" verantwortlich ist, die Frage, ob
die Handlungen wirklich zulaessig waren oder spaeter sanktioniert wurden, unwesentlich ist. Einige Abkommen erfordern Jedoch den strikten Nachwels fuer die Billigung oder Bestaetigung, bevor die Gesellschaft oder Gewerkschaft fuer die Handlungen ihrer "Vertreter" verantwortlich gemacht werden koennen. Da die internationalen wie auch die Ortsgewerkschaften nach dem Lokalkontrakt verantwortlich gemacht
werden koennen, beschraenken manche Klauseln die Verantwortlichkeit der Stammgewerkachaft oder weisen darauf hin, dass einzig und allein die Lokalgewerkschaft
fuer Irgendwelche Zahlungen, die sich aus angeblichen Vertragsbrüchen ergeben,
verantwortlich ist. Andererseits wird in manchen Abkommen verlangt, dass Arbeitgeber und die Gewerkschaft die volle Verantwortung fuer die Handlungen ihrer Leiter,
Funktionaere und Vertreter ueber nehmen. Es wird darin zum Ausdruck gebracht, dass
Verstoesse seitens ihrer entsprechenden "Vertreter" als Verabesse des betreffenden
Arbeitgebers oder der betreffenden Gewerkschaft angesehen werden sollen. In manchen Faellen wird dann eine Namhaftmachung der "Vertreter" der betreffenden Gewerkschaft oder Firma vorgesehen.
In Abkommen, die mit Arbeitgeberverbeenden abgeschlossen wurden, wird manchmal besonders festgelegt, dass ein Vertragsbruch seitens irgendeines Mitglieds des
Verbandes nicht die anderen Mitglieder oder den Verband selbst zur Verantwortung
heranzieht.
9. Die Auswirkungen der Firmen- oder Gewerkschaftsvorschriften auf das Abkommen
Obwohl in vieler Hinsicht die Arbeitsbedingungen durch die Bedingungen des
Abkommens geregelt werden, koennen sie doch durch die Arbeitsordnungen der Werke
und Firmen, durch gewerkschaftliche Bestimmungen, Statuten und verfassungsmaessige
Vorschriften beeinflusst werden.
Im Allgemeinen enthalten die Abkommen keine genauen Listen von Arbeitsordnungen, erkennen aber gewoehnllch das Recht der Gewchaeftsleitung an, solche Bestimmungen zu treffen, vorausgesetzt, sie kollidieren nicht mit dem Abkommen, In
manchen Faellen muss ueber eine Absonderung der Bestimmungen beraten werden, und
diese muessen, bevor sie in Kraft treten, mit der Gewerkschaft abgesprochen werden.
In anderen Faellen koennen die Bestimmungen ohne vorherige Beratung mit der Gewerkschaft eingefuehrt werden, allerdings koennen sie durch ein Beschwerdeverfahren
angefochten werden
In einzetan Faellen duerfen Abkommen nicht so ausgelegt wder angewendet werden,
dass sie mit den satzungsgemaessen Richtlinien der Landesgewerkschaft kollidieren,
aber haeufiger ist es der Gewerkschaft verboten, Bestimmungen, Statuten oder
satzungemaessige Vorschriften anzunehmen, die mit dem Abkommen kollidieren.

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�Um eine einheitliche Behandlung des gesamten Personals in einer verhandelnden
Gruppe zu gewaehrleisten, sind manchmal in Kontrakten Einzelabkommen oder-vergleiche zwischen der Betriebsleitung und dem Personal verboten, wenn solche Abkommen
mit den Bedingungen des Kollektivvertrages kollidieren.
Amerikanisches Aussenministerium, Ilaerz 1949
"Durchfuehrung von Gewerkschaftsabkommen"
KOENNEN KOMMUNISTEN ERZIEHER SEIN.
Wir geben hier einen Leitartikel wieder, der unlaengst in einer sozialistischen Wochenschrift erschien und zum Nachdenken anregt. Die darin zum Ausdruck
gebrachten Ansichten werden umso bedeutungsvoller, wenn wir daran erinnern, dass
sich unter den Hedakteuren dieser Zeitschrift einige der liberalsten und verantwortungsbewussten Erzieher in den Vereinigten Staaten befinden.
"Das Problem der Mitarbeit der Kommunisten an unserem Erziehungssystem steht
wieder einmal im Vordergrund. Haben, die Kommunisten ein Anrecht darauf, Lehrerposten anzunehmen und innezuhaben. Kann man es als eine richtige Politik im
Interesse der Allgemeinheit seitens der Schulvorstaende und der Studienkommissionen der üniversitaeten bezeichnen, wenn man ihnen Lehrstellen anbietet. Die
Studienkommission der Universitaet Washington entliess 3 Professoren und setzte
3 andere auf Probezeit. 5 davon sind Mitglieder der kommunistischen Partei gewesen oder sind es noch.
"Es handelt sich hier um eine ernste Angelegenheit. Die Freiheit der Lehre
bildet einen altehrwuerdigen und geachteten Teil der amerikanischen Ordnung.
Darueber hinaus werden alle fortschrittlichen Erzieher zugeben, dass eine Vielseitigkeit der Anschauungen und Meinungen innerhalb des Lehrkoerpers eher fuer vorteilhaft als nachteilig anzusehen ist. Es ist sehr gut, unter den Lehrern Maenner
zu haben, die allen Parteien angehoeren und allen Gruppen, die alle Meinungen von
der konservativsten bis zur radikalsten vertreten. Je groesser die Verschiedenheit
der Meinungen und Auffassungen ist, mit denen sich der junge Mensch befassen muss,
desto besser hat er die Moegliohkeit, seine eigenen Faehigkeiten auszubilden, seine
Auswahl zu treffen bzw. Kombinationen anzustellen. Die Amerikaner haben immer an
die Freiheit geglaubt, die eine solche Art von intellektueller Vielfaeltigkeit
bietet.
"Die Kommunisten stellen jedoch in diesem System der akademischen Freiheit
ein besonders Problem dar. Koennen wir unsere Freiheit der Lehre ausweiten bzw.
bewahren, indem wir Lehrkraefte anstellen und beibehalten, die selbst nicht frei
sind. Die Mitglieder der kommunistischen Partei oder oft genug Maenner, die unter
dem Einfluss des kommunistischen Denkens stehen, haben sieh intellektuell kompromittiert. Sie selbst sind nicht frei, um den Problemen offen und kritisch gegenueberzutreten. Was sie zu lehren haben, ist steril und vorgeschrieben. Jede
Universitaet oder jede erzieherische Einrichtung ist berechtigt, solche Lehrkraefte
aus rein erziehresischen Gruenden abzulehnen
"Aber besonders in einer solchen Zeit der Pruefung muessen unsere Lehrer freier
sein denn jemals, um ueber ihre eigenen Gedanken urteilen und in UebereinStimmung
mit ihren UeberZeugungen lehren zu koennen. So lange die Lehrer Demokraten sind,
solange sie nicht illoyal sind, sollte man sie exmutigen, der Wahrheit zu folgen
und die Freiheit des Denkens und der Diskussion unter ihren Schülern und Studenten
zu entwickeln. Den Bemuehungen, die Kommunisten auszuschalten - die gegen die Freiheit sind - muss logischerweise das bewusste Bestreben folgen, die Grenzen der
Freiheit auszuweiten."
"The New Leader" 5- Februar 1949

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�DIE INDUSTRIEPRODUKTION IN FRANKREICH 1948
Wir entnehmen regelmaessig erscheinenden veroeffentlichungen der freien
Gewerkschaften Frankreichs folgende Ziffern;
Durchschnittliche Monatsproduktion der franzoesischen Industrie in den
Jahren 1926, 1938 und 1948 ( in 1000 t, wenn nicht anders angegeben)
Erzeugnis
Kohle»

1926

Einheimische Foerderung
4,583.0
Einfuhr, einschl. Saargebiet
2,900.0
Elektrizitaet (inMillionen kWh) - - 1,200.0
Wasserkraftstrom 516.5
Rohpetroleum
215.0
Roheisen
863.0
Rohstahl
Automobile (Anzahl der einzelnen
Wagen)
17,600.0
Zement
441.0
Glas
—
Schwefelsaeure

1938
3,960.0
1,842.0
1,550.0
820.0
580.0
501.0

15,200.0
296.0
43.0
106.0

1948
3,757.1
1,640.2
2,290.0
1,218.0
658.2
548.0

8,212.0 ©
446.0
65.5 C
105.2

Kohlensaures Natron —
—
40.2
59.6
Superphosphat
—
114.0
137.0
Papiererzeugnisse
97.7
94.1
Baumwollgarn
20.5
21.2
18.6w
Wollgarn
9.7
%8
11.00
O incl. Durchschnitt fuer die ersten 11 Monate des Jahres 1948
"Documentation Syndicale" of
Militant Trade ünions, 28.Januar 49
ITALIENER ARBEITEN IN HOLLAENDISCHEN KOHLENGRUBEN
Folgender Bericht ueber die Verwendung von Italienern in den Kohlengruben
Hollands ist von der Arbeitsinformations-Abteilung des EGA. in Paris eingegangen.
Angesichts des steigenden Interesses an dem Einsatz von Arbeitern eines Landes in
einem anderen ist dieser Bericht ueber dieses Experiment von besonderer Bedeutung.
"Der Austausch von Arbeitern in Europa wird insofern zur Wirklichkeit, als
Jetzt italienische Arbeiter im Gebiet von Limburg im suedlichen Teil Hollands in
den Kohlenbergwerken arbeiten.
Anfang Januar dieses Jahres traf das erste Kontingent Italiener in den Minen
ein und wurde zunaechst zwei Wochen lang fuer ihre Arbeit im Schacht geschult, ehe
sie ihre Taetigkeit begannen. Weitere Arbeiter folgten ihnen, so dass jetzt 127
Italiener in Hollaendisehen Bergwerken arbeiten. Ihre Zahl soll in Kuerze auf
250 Mann gesteigert werden.
Holland litt entsetzlich unter einem Mangel an Kohlenarbeitern, und zwar auf
Grund verschiedener Umstehende, die nach der Befreiung eintraten. Der sofortige
Einsatz von Zwangsverschleppten aus Europa, meistens Polen, deckte zeitweilig die
Nachfrage nach Arbeitern, ausserdem wurden noch hollaendische politische Gefangene
eingesetzt. Die Mehrzahl der Zwangsverschleppten hat nun jetzt wo anders ihren
festen Wohnsitz gefunden, und die politischen Gefangenen haben ihre Strafe abgebuesst und die Bergwerke verlassen, so dass wiederum ein ernster Mangel an Bergleuten auftrat. Unguanstige Arbeitsbedingungen und ungenuegende Unterkunft vor
dem Kriege und auch waehrend des Krieges waren fuer die hollaendischen Bergleute
der Anlass, sich anderswo Beschaeftlgung zu suchen.
• -

7

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�Waehrend der zweiten Haelfte des Jahres 1948 wurde ein Abkommen zwischen
der hollaendischen und der italienischen Regierung getroffen, wonach Italiener
in den Kohlengruben arbeiten sollten. Die Mehrzahl der fuer diese Arbeit rekrutierten Maenner hatte noch keine Erfahrung auf diesem Gebiete. Es handelt sich um
Maenner, die zwischen 19 und 30 Jahre alt sind. Das Abkommen sieht vor, dass entweder ledige Maenner angeworben werden sollen oder aber, dass, wenn sie verheiratet
sind, ihre Familien in Italien bleiben. Bevor sie Italien verliessen, wurden sie
vorher auf ihre Loyalitaet hin genau geprueft.
Die angeworbenen Maenner unterzeichneten einen Vertrag, dem zufolge sie sich
auf ein Jahr verpflichten, in den hollaendischen Bergwerken unter Tage zu arbeiten.
Dieser Kontrakt kann jedoch mit einer Kuendigungsfrist von 2 Wochen aus verschiedenen Gruenden geloest werden, wenn der Bergmann den Wunsch hat, naah Italien zurueckzukehren. Diese Kontrakte koennen von Jahr zu Jahr erneuert werden, und
wenn sie sich 5 Jahre Lang in Holland aufgehalten haben, koennen diese Maenner
die holla endische Staatsangehörigkeit erwerben
Die Bezahlung der italienischen Arbeiter ist die gleiche wie fuer die hollaendischen Arbeiter; sie wird zu den gleichen Saetzen versteuert wie bei den holländischen Arbeitern. Die Lebensbedingungen werden auf dem gleichen Standard gehalten.
Unverheiratete Bergleute koennen 25t ihres Nettolohnes nach Italien ueberweisen,
waehrend verheiratete Maenner 50£ ueberweisen lassen koennen. Die Bergwerk sbehoerden berichten, dass die Italiener einen grossen Teil ihrer Bezuege nach Italien
ueberweisen. Es bestehen ferner besondere Unterstuetzungen, Versicherungen und
Vorschriften ueber aerztliche Betreuung fuer die Angehoerigen und Familien der
Arbeiter in Italien. Die Kosten hierfuer werden gemeinsam von den hollaendischen
Bergwerken und den italienischen Behoerden auf Grund eines Sonderabkommens zwischen
beiden Laendern gedeckt."
"ECA Labor Information Release" April 1949
BILDUNGSFONDS DEB ENGLISCHEN GEWERKSCHAFTEN
In der Ausgabe der "Internationalen Arbeitsraitteilungen" vom 25. Maerz
(II - 5) war auch ein Artikel ueber den "Daily Herald" erschienen, einer englischen Tageszeitung, die z.T. dem Britischen Gewerkschaftsbund (TÜC) gebeert.
Der TÜC hat aus seiner Investierung Nutzen gezogen. Im Nachfolgenden wird darueber berichtet, wie dieser Nutzen verwendet wird.
"Im Jahre 1943 erhielt der Generalrat des TÜC vom "Daily Herald" (1929)
Limited, an dem er mit U9i der Stammaktien beteiligt ist, seine Dividende. Der
Betrag belief sich auf E 9.800, sodass sich sofort die Frage erhob, auf welche
Art und Weise diese Summe am besten zum Wohle der Bewegung verwendet werden
koennte.
Fuer den Generalrat war es nicht schwer, einen Zweck zu finden, fuer den
dieser unverhoffte Gewinn verwendet werden koennte. Es bestand bereits lange die
Absicht, das Bildungs- bzw. Schulungswesen fuer die Gewerkschaftler auszubauen,
und somit bot sich hier die Gelegenheit, sich mit Plaenen zu befassen, die bereits
gründlich geprueft worden waren und die nur auf ihre Verwirklichung warteten.
Die "Daily Herald" - Hilfe
"Es wurde nun ein Verwaltungsgremium - der "TUC Educational Trust" - ins
Leben gerufen. Dieser Koerperschaft wurde die gesamte "Daily Herald" Dividende
$nit Ausnahme von E 500, welcher Betrag dem Tolpuddle Martyrs' Memorial Trust zur
Unterhaltung der Gedenk-Landhaeuser in Tolpuddle ueberwiesen wurde) ueberschrieben.
Es wurde durch Vertrag festgelegt, dass die "Daily Herald" - Dividende dem Fonds
fuer 7 Jahre zur Verfuegung gestellt werden sollte."
"Ferner wurden 6 Trauhaender vom Generalrat ernannt, um den Treuhandfonds
zu verwalten. Dies sind; Sir George ehester, Sir William Lawther, Mr. H.L. Bullock,
- 8 -

�Mr. Arthur Deakin, Miss Florence Hancock und Mr. Vincent Tewson.
Die Ziele des Fonds lassen sich wie folgt zusammenfassen;
a) Schaffung von Bildungs- und Schulungsmoegllchkeiten, einschliesslich der
Schaffung Ton Sommer- und anderen Schulen oder Hochschulen, an denen die
Studenten in Wirtschaftsgeschichte unterwiesen werden und auch die Geschichte des Gewerkschaftswesens, die Prinzipien und die Verwaltung
* studieren, wo sie sich aber auch der Annehmlichkeiten solcher Schulen
kostenlos oder zu einem Mindestmass an Kosten fuer sie erfreuen,
b) Stiftung ron Stipendien, um die Studenten, die nur ueber geringe Mittel
rerfuegen, in die Lage zu versetzen, zwecks einer weiteren Ausbildung
eine Universitaet oder eine Hochschule zu besuchen,
c) Veroeffentlichungen fuer Bildungszwecke, sowie die Einrichtung von Bibliotheken,
d) Stiftung von Stipendien, um es den Studenten zu ermoeglichen, im Auslande
zu studieren, oder Studenten eines fremden Landes oder aus den Dominions
aus den Kolonien oder aus Indien, in die Lage zu versetzen, in England
zu studieren,
e) Unterstuetzung solcher Bildungsmas snahmen, wie sie von Zeit zu Zeit von
den Treuhaendern bestimmt werden.
Fuer Einkommensteuerzwecke haben die Treuhaender erwirkt, dass ihr Fonds als
"wohltaetiges Unternehmen" angesehen wird« sie sind somit von der Zahlung einer
Einkommensteuer ausgenommen. So war es moeglich, dass der gesamte, beim "Daily
Herald" aufgelaufene Betrag (mit Ausnahme des erwaehnten Betrages von £ 500
jaehrlich) fuer das nach den Zielen des Gremiums festgelegte Bildungsprogramm zur
Verfuegung steht.
Bis jetzt haben die Treuhaender ihre Gelder dazu benutet, um Stipendien fuer
das Ruskin College auszusetzen, ausserdem fuer die Londoner Schule fuer Wirtschaft
(fuer einen Sonderkursus in Gewerkschaftsstudien) und erst vor kurzem fuer das
Hillcroft College fuer Frauen in Surbiton. Jedes Jahr werden mehrere Stipendien
fuer das Ruskin College und die Labor School of Economics ausgesetzt, ausserdem
Jedes Jahr eins fuer das Hillcroft College. Die Stipendien stehen allen Mitgliedern von Organisationen offen, die dem TUC angeschlossen sind, und rwar fuer Mitglieder im Alter von 20 bis 35 Jahren."
"Labour" Maerz 1949.
ENDE DES STREIKS GEGEN DIE AMERICAN EXPRESS COMPANY
Nach 5 Wochen ging am 17. April in New York ein Streik gegen die American
Express Company zuEnde, Es war ein aufregender Streik, weil New York einer der
Schluesselpunkte des Express-Geschaefts ist. Nach Ablauf der zweiten "ioche verklagte die Gesellschaft den Verband der Eisenbahn- und Dampfschiffahrts-Angestellten (AFL) auf Zahlung von 5 Millionen Dollar. Als die Klage gerade beim Gericht
anhaengig gemacht werden sollte, brach die Gewerkschaft die Verhandlungen mit der
Express-Gesellschaft ab, wodurch nun der Streik verlaengert wurde.
Der Streik begann, als die American Express Company 9.000 Arbeiter im New
Yorker Bezirk aus wirtschaftlichen Gruenden entliess. Der Verband hatte damals
eine Lohnerhoehung und die 40 Stunden-Woche statt der 44-3tunden-Woche gefordert.
Ferner forderte der Verband von der Gesellschaft eine Zahlung von 2 Millionen
Dollar fuer den Arbeitsausfall, den die Streikenden erlitten hatten.
Praesident Truman schaltete sich ein und ernannte eine Untersuchungskommission, die aus 3 Mann bestand. Das Komitee bat darauf die Gesellschaft und den

- 9 -

�Verband, zu den Bedingungen zurueckzukehren, die vor dem Streik bestanden hatten.
Die Gesellschaft willigte ein, die 9.000 Arbeiter, die entlassen worden waren,
wieder einzustellen und ihre Klage auf Zahlung von 5 Millionen Dollar zurückzuziehen. Daraufhin Hess die Gewerkschaft ihre Forderung auf die Zahlung von 2
Millionen Dollar rueckwirkender Bezahlung fallen.....
Das Komitee wird sich jetzt 30 Tage damit befassen, alle Tatsachen zusammenzutragen, auf Grund welcher es dem Praesldenten seine Empfehlung unterbreiten wird.
Die Empfehlung des Komitees wird dann sowohl der Gewerkschaft wie auch der Gesellschaft zwecks Annahme oder Ablehnung uebermittelt. Daraufhin werden dann der Verband und die Gesellschaft noch einmal zusammentreten und versuchen, vielleicht gegen Ende Mai ein Abkommen zu erzielen.
"New York Times" 17. April 1%9
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN OTJTERSTUETZEN DEN ATIANTIKPAKT
Sowohl der CIO wie auch die AFL haben zum Ausdruck gebracht, dass sie den
Atlantikpakt billigen. Die AFL nennt diesen Pakt "einen Pakt der lebendigen Solidaritaet und der vollen Gemeinschaft mit allen Kraeften der Freiheit".Der CIO
nennt sich selber "einen entschlossenen Anhaenger der Prinzipien und der Ziele
des Nordatlantik-Pakts" und fuegt hinzu, dass die Vereinigten Staaten "bereit sind,
im Rahmen ihrer Hilfsquellen daran mitzuarbeiten, die soziale und politische Freiheit der Nordatlantik-Gemeinschaft zu wahren."
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest" 30. Maerz 1%9
GEWERKSCHAFTEN WOLLEN SCHIFFE ADS PANAMA UND H3NDURAS BOYKOTTIEREN
Nach einer Erklaerung, die am 28. Maerz auf der Versammlung des Internationalen Seemanns-Verbandes (AFL) abgegeben wurde, ist dem Internationalen Transportarbeiter-Bund ein Plan in Vorschlag gebracht worden, wonach alle Schiffe, die
unter der Flagge von Panama oder Honduras fahren, boykottiert werden sollen. Im
Ganzen betraegt die Zahl der Mitglieder der Gewerkschaften, die dem Bund angeschlossen sind, etwa 5 Millionen.
Es ist behauptet worden, dass viele amerikanischen Schiffe den in Panama
oder Honduras gebildeten Schiffahrtsgesellschaften zugewiesen worden sind, und
dass dies deshalb geschah, um die Sicherheits- und anderen Gesetze zu umgehen,
die die Schiffahrt unter amerikanischer Flagge regeln. Die Gewerkschaften haben
auch den Vorwurf erhoben, dass diese Uebergaben deshalb vorgenommen wurden, "um
die gewerkschaftlich festgesetzten Loehne zu druecken." Wenn dieser Plan vom
Internationalen Transportarbeiter-Bund verwirklicht wird« denn wuerden in den
meisten der wichtigsten Seehaefen der Welt bei den Schiffen unter der Flagge von
Panama oder Honduras Streikposten stehen.
Amerikanisches Auaeenministerium
(Mach Angaben seines Generalsekretaers 7.H. Oldenbrock bittet der Internationale
Transportarbeiter-Bund alle ihm in allen Laendera angeschlossenen Verbaende, von
einer Be- oder Entladung von Schiffen, die unter der Flagge von Panama'oder
Honduras fahren, Abstand zunehmen. Den angeschlossenen Gewerkschaften werden
die Namen der betreffenden Schiffe vom Bund bekanntgegeben.)
ARBEITS VORSCHRIFTEN IN ROMAENIBN
S. Volman, der frueher Arbeiterführer in Rumaenien war, Jetzt aber in Frankreich lebt, uebergab folgende Information einer Organisation, die als die"Freien
Gewerkschaftler im Exil" bekannt ist, zur Veröffentlichung. Er vrwaehnte das vor
-

10

-

�kurzem in Kraft getretene Arbeitsgesetz, das die Todesstrafe vorsieht fuer die
"wissentliche Nichterfuellung der dienstlichen Verpflichtungen, wie sie in industrieellen Unternehmen und Kraftwerken usw. vorgeschrieben sind, wenn sich dadurch Katastrophen fuer die Oeffentlichkeit ergeben sollten." Volman zufolge bedeutet
dies, dass der Streik in Rumaenien fuer ungesetzlich erklaert ist. Die Arbeiter
muessen schwer arbeiten und duerfen sich nicht beklagen.
Die taegllohen Pflichten der Arbeiter
Hinslohtlich der Entlohnung der Arbeiter sind jetzt gerade in Rumaenien neue
Vorschriften in Kraft getreten. Diese weisen folgende Prinzipien auf:"1. Jeder Arbeiter wird nach der Norm der Einzelleistung und nach der Bedeutung de« Industriezweiges, dem er zugewiesen ist, bezahlt, jedoch in der Weise,
dass er zu Anfang des Monats noch nioht weiss, was er bekommen wird.
" 2. Obwohl die gesetzliche Arbeitszeit auf 208 Stunden im Monat festgesetzt
ist, ist sie in Wirklichkeit stets laenger, weil der Arbeiter, um die vom Unternehmen festgesetzte Norm zu erreichen, gezwungen ist, Ueberstunden zu machen, die,
da sie nicht als solohe angesehen werden, nioht bezahlt werden. So arbeiten z.B.die
Angestellten in den metallurgischen Werken von Resitz 12 bis 14 Stunden am Tage.
"3. In der Industrie sind die Loehne in 4 Gruppen eingeteilt, und jede davon
wieder in 8 Kategorien. Theoretisch schwanken die monatlichen Lohnbetraege zwischen
3.328 bis 9.776 Lei (1 lei entspricht ungefaehr 1 franzoesischem franc), vorausgesetzt, der Angestellte erfuellt die ihm auferlegte Norm.
"4. Der Arbeiter wird einer gegebenen Kategoäe zugewiesen, und seine Norm
wird ihm von einer Sonderkommission vorgeschrieben. Die Kommission setzt sich
wie folgt zusammen* Vertreter der zentralen Gewerkschaftsorganisation, Vorarbeiter
aus dem Werk, um es genau zu sagen, aus Delegierten. Sie ist auch fuer die individuelle Leistung, die innerhalb einer dafuer vorgesehenen Zeit geschafft werden
muss, verantwortlich, diese schwankt fuer die verschiedenen Arbeiter.
Neben ihrer Arbeit sind die Arbeiter an jedem Tage gezwungen, Vorlesungen
mitanzuhoeren, die von den Kommunisten organisiert werden, oder "freiwillige",
d.h. unbezahlte Arbeit zu leisten. Oft sind sie gezwungen, Ueberstunden zu machen,
entweder, um kommunistische Streiks im Auslände oder die Markos-Revolution in
Griechenland usw. zu unterstuetzen. Im Jahre 1948, wurde "freiwillige" Arbeit
im Werte von 1 Milliarde 800 Millionen Lei, (d.h. 12 Millionen Dollar) geleistet.
In den neuen Vorschriften ist auch die Einfuehrung von Berufskursen fuer
Frauen und junge Maenner vorgesehen, um diese zu Industriearbeitern auszubilden.
Das Wirtschaftsprogramm, das fuer das Jahr 1949 eine 49^ige Produktionssteigerung
vorsieht, kann nur durch gewaltige Anstrengungen der Arbeiter erfuellt werden.
Die Lebenshaltungskosten und die Löhne
"Wenn man berueckslchtigt, dass die Lebenshaltungskosten in Rumaenien viel
hoeher sind als in Frankreich, waehrend die Steuern (besonders die indirekten)
sehr hoch sind, dann ist es leicht zu verstaien, warum die festgesetzten Loehne
ein Lebenshaltungsminimum fuer die Arbeiter und ihre Familien nicht sichern
koennen. Diese Tatsache zwingt die Frauen und halbwuechsigen Kinder, in der
Industrie zu arbeiten.
Nach der Waehrungsreform im Jahre 1947» wurden die Loehne auf der Basis von
1938 festgesetzt, d.h. von 3.328 bis 9.776 Lei. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass laut dem offiziellen Bericht des Obersten Wirtschaftsrates Rumaeniens vom April 1948 die Lebenshaltungskosten folgende Indexzahlen
aufweisen*

11

�(1933 - Indexzahl

s

100)

Industrieerzeugnisse
Rationierte Landwirtschaftliche
Erzeugnisse
Unrationierte landwirtschaftliche
Erzeugnisse

242.9
124,9
746.2

Sa muss nochbinzugefuegt werden, dass s e i t Januar 1949 die Preise betraechtlich
gestiegen sind. Die Preise fuer die hauptsächlichsten Lebensmittel und fuer Bekleidungsartikel sind sechsmal so hoch wie im Jahre 1938.
Regelmaessige Veroeffentlichung der Freien
Gewerkschaftler im Exil, Paris, Maerz 1949
DIE AMERIKANISCHE ARBEITERSCHAFT SCHICKT MEHR CARE-PAKBTB
Sowohl die AFL wie auch der CIO haben grosse Sammlungen veranstaltet, um
CARE-Pakete an die Gewerkschaften anderer Laender zu schicken. Diese Pakete werden
nicht nur an die deutschen Gewerkschaftler geschickt, sondern auch an die Gewerkschaftler in Holland, Grossbritannien, Luxemburg, Frankreich, Italien, Griechenland,
Oesterreich, China, Japan, Palaestina und auf den Philippinen. Der CIO i s t der
groesste Allelnkaeufer von CARE-Paketen gewesen, deren Gegenwert sich auf 11 Millionen Dollar belaeuft. Verschiedene unabhaengige amerikanische Gewerkschaften haben
ebenfalls in hohem Masse ihren Beitrag zu diesem Hilfswerk g e l e i s t e t .
State Department "Radio Bulletin" 6. April 1949
-

Manpower Division
0MGU3, APO 742

OH00S. 9-13S3, I A O . Apr W , SJ C

12

-

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNOEN
Die folgenden Artikel stellen Ansenge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar nnd dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen nnd deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebranch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden* Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

[1-12

Berlin, 13. Mai 1949

)E5 AMERIKANISCHE JUGEND UND DIE JUGENDBEWEGUNGEN
Eine Anzahl Leser unserer Kitteilungen hat? uns gebeten, mehr Artikel ueber
i i e Jugend und Jugendbewegungen, insbesondere aber ueber d i e Jugend in den Ver»inigten Staaten zu bringen.
Wir haben uns bemueht, Material ueber die amerikanische Jugend ausfindig zu
oachen. Es gibt aber keine amerikanische Jugendbewegungen in dem Sinne, wie man
äie in Deutschland kennt. Der typische amerikanische junge Mensch t e i l t seine
Seit zwischen Schulbesuch und Spiel ein, und der groesste Teil der amerikanischen
rügend beschaeftigt sich mit irgend e i n e r Arbeit, gewoehnlich im Heim. Normalerweise sucht man sich keine Aussenbeschaeftigung, bevor das gesetzliche Alter
licht e r r e i c h t i s t , das in manchen Staaten mit 16 Jahren b i s zu 18 Jahren in
inderen Staaten festgesetzt i s t .
Es besteht in den Vereinigten Staaten fuer die Jugend keine Tradition, sich
Irgendwelchen Bewegungen anzuschliessen, wenigstens soweit ideologisch ausgerichtete Bewegungen in Frage kommen. Es gibt Landes- oder Nationalorganisationen
irle die "Boy Scouts" und Girl Scouts" (Pfadfinder bzw. Pfadfinderinnen) und
lehnliche Organisationen, und in jeder Stadt gibt es v i e l e Arten von Nachbarjchaftsklubs fuer die Jugend. Normalerweise findet der junge Mensch in Amerika
»eine Gefaehrten in s e i n e r eigenen Nachbarschaft. Er wird nicht Mitglied irgendeiner Bewegung.
Aus diesen und auch noch aus anderen Gruenden besteht auch keine amerikanische
rugendliteratur in dem Sinne, wie man s i e in manchen a e l t e r e n Laendern f i n d e t .
Es i s t zu hoffen, dass manche der deutschen Gewerkschaftler, die in diesem
rahre die Vereinigten Staaten besuchen und die sich fuer diese Frage i n t e r e s s i e r e n ,
Lhre Beobachtungen ueber die amerikanische Jugend s c h r i f t l i c h niederlegen werden.
Sie sind e i g e n t l i c h in der Lage, v i e l e s zu sehen, was von Interesse i s t , was die
ünerikaner selbst nicht wahrnehmen weil sie den Dingen eben zu nahe stehen.
Der typische V e r t r e t e r der amerikanischen Jugend waechst in der Tradition
les Individualismus heran. In Uebereinstimmung mit dieser Tradl t i o n beschaeftigt
jr sich in den Jahren, da er heranwaechst, mit Gedanken und Handlungen, die sein
aeben a l s Erwachsener angehen, sobald er a l s einzelner Mensch seiner Arbeit nachjeht. Er erwartet, dass sein Arbeitsleben eine wetteifernde Taetigkeit d a r s t e l l t ,
Ln der er sein Denken und seine Kraefte mit denen anderer misst. Normalerweise
nacht er sich ueber Ideologien keine Gedanken, insbesondere nicht ueber Ideologien,
lie zu einer Bildung von Bewegungen fuehren.

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1

-

�Die deutschen Gewerkschaftler, die im Rahmen des Kulturauatauschprogramms
die Vereinigten Staaten besuchen, haben vielleicht den Wunsch, der Frage der
amerikanischen Jugend bis zu einem gewissen Grade ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Wenn sie darauf achten, wie die Jugend in den Vereinigten Staaten aufwaechst,
kommen sie vielleicht zu manchen Schluessan, die fuer Deutschland von Nutzen sein
koennten.
DER CIO SETZT SEINEN KAMPF GEGEN DEN KOMMUNISTISCHEN EINFLUSS FORT
Der CIO hat jetzt angekuendigt, dass er disziplinarische Massnahmen gegen
Gewerkschaften unternehmen will, die ihre Beziehungen zum Weltgewerkschaftsbund
(WFTü) aufrechterhalten.
Obwohl der CIO im Januar aus dem WFTU austrat, versucht diese Organisation
weiterhin, ihren Einfluss auf einzelne Gewerkschaften beizubehalten, indem sie
Gewerbeabteilungen oder "Sekretariate11 auf 16 verschiedenen Gebieten der gewerkschaftlichen Taetigkeit gebildet hat, wie« Lebensmittel, Eisenbahnwesen, Bergbau,
Metall, Leder, Bueroarbelter, Lehrer und Transportwesen. Die Gewerkschaften, deren
Funktionaere nicht der kommunistischen Parteilinie folgen, werden vom WFTÜ gedraengt, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Zu diesen Gewerkschaften gehoeren
die Arbeiter fuer landwirtschaftliche Austestungen und die Nahrungsmittel-,
Tabak- und landwirtschaftlichen Arbeiter (FTA), deren beide Verbaende dem CIO
angehoeren.
Wie berichtet wird, hat Donald Henderson, der Praesident des FTA, den Plan
gefasst, an der Versammlung der Nahrungsmittelarbeiter, die vom WFTÜ-Eongress in
Paris in diesem Monat einberufen wurde, teilzunehmen, gab James B. Carey, der
Sekretaer und Schatzmeister des CIO bekannt. Carey machte die Fuehrer innerhalb
des CIO darauf aufmerksam, dass, falls sie auf diese Weise der nationalen Politik
der Organisation Widerstand leisten, sie aus ihrer Gewerkschaft ausgeschlossen
werden koennten.
Ein weiterer Beweis fuer die Absichten des CIO, gegen die ihm angeschlossenen
Verbaende, die sich absolut nicht um seine Politik kaemmern, vorzugehen, bietet
die Tatsache, dass diese Woche Tim Flynn, der CIO-Leiter des Gebietes von Nordkalifornien, eine Botschaft von 1000 Worten an die Versammlungsdelegierten des von
Bridges gefuehrten Verbandes der Hafenarbeiter verlas. In dieser Erklaerung, die
vom Praesidenten Murray ausging, wurden die "unverbuergten Geruechte und unbegruendeten Berichte, die ueber den CIO und seine Politik verbfeitet werden,"
angegriffen.
Harry Bridges, der Vorsitzende des Verbandes der Internatioaalen Hafen- und
Speicherarbeiter (CIO), hatte erklaert, dass er gamicht daran denke, seine Politik zu aendern, um sie der des CIO anzugleichen. In seiner Eroeffnungsrede
auf der Versammlung des Verbandes der Internationalen Hafen- und Speicherarbeiter
(LLWU) in San Francisco vom 4. April sagte Bridges; "Wir stehen links und hoffen,
auch weiterhin so zu bleiben.
"Wenn sie (die anderen rechtsstehenden CIO-Gewerkschaften) rechts eingestellt
sind, dann taeten Sie besser daran, diese Gewerkschaft zu reorganisieren und sich
andere Funktionaere zu besorgen, denn die, fuer die bzw. in deren Namen ich jetzt
spreche, werden weiter so arbeiten, wie sie es in den letzten Jahren getan haben."
Was unsere Gewerkschaft betrifft, so moechte ich sagen, dass jeder, der
glaubt, dass Joe Stalin oder die Sowjetunion vollkommen ist, verrueckt ist - aber
darum geht es ja garnicht. In jedem Lande gibt es verdammt viel Dinge, die im
argen liegen. Es geht aber dar«m: ist es so schlimm, dass sie zum Kriege fuehren
koennen."
-

2

-

�Andererseits steht aber Bridges nicht ohne Opposition da. In einer Erklaerung Ton James Kearney, dem Vorsitzenden von Bridges» eigener Ortsgewerkschaft No. 10 in San Francisco heisst es»
"Am naechsten Mittwoch hatte sich die kommunistische Partei selbst erboten,
die Versammlung der Hafenarbeiter zu uebernehmen, indem sie ihre Mitgliederschaft
laenga der Kuesten zu dem Zweck mobilisierte, um unsere 10O£ige Unterstuetzung
der Politik des Landesverbandes des CIO zunichte zu machen. Das lassen w ir nicht
zu."
(In diesen dam CIO angeschlossenen Gewerkschaften machen die Kommunisten
und ihre Freunde verzweifelte Anstrengungen, es hat aber den Anschein, als wenn
sie den Kampf verlieren. Es besteht Grund zu der Annahme, dass sich der CIO bald
vor die Notwendigkeit gestellt sieht, eine feste Haltung den stoerrischen Minderheitsgruppen gegenuebereinzunehmen).
Amerikanisches Arbeltsministerium
"Weekly Labor News Digest" 6. April 1949
GÜTE GEDANKEN BRAUCHEN EINE LANGE ZEIT. UM SICH DÜRCHZUSETZBi
Im Universitaets College in London, England, kann man das Skelett von
Jeremies Bentham, einem beruehmten englischen Philosophen, besichtigen, angetan
mit seinen eigenen Kleidungsstuecken und mit seiuem grossen Strohhut auf. Im
Jahre 1820 hat dieser englische Gelehrte den Vorschlag gemacht, dass dem britischen Kabinett ein Minister fuer das Gesundheitswesen angehoeren sollte, der nicht
nur fuer die Verhuetung von Krankheiten, sondern auch fuer eine vollstaendige
aerztliche Behandlung Aller verantwortlich sein sollte.
Bentham wurde vor 200 Jahren im Jahre 1748 geboren. Er aeusserte den Wunsch,
er moechte alle hundert Jahre wieder zurueckkehren, um festzustellen, welche
Fortschritte seine Ideen gemacht haetten. Nach Ablauf der ersten Hundert Jahre
also 1848, haette sein Geist Zeuge von der Verabschiedung des englischen Gesetzes
ueber das oeffentliche Gesundheitswesen sein koennen, dem ersten groesseren
Schritt des Parlaments zum Wohle der oeffentlichen Gesundheit und zur Verhuetung
von Krankheiten.
Benthams revolutionaere Idee "Gesundheit fuer Alle" wurde im Jahre 1900
von George Bernhard Shaw und H.G. Wells wieder ins Leben gerufen. Im Jahre 1911
Inspirierte sie den Premierminister der Liberalen Partei, Lloyd George dazu, das
britische Krankenversicherungs-Gesetz durch zubringen, wodurch sich die Regierung
auch auf das Gebiet der Medizin begab und fuer die beschaeftigten Arbeiter Kassenaerzte nach dem System der Landeskrankenversicherung vorsah«..
Im Jahre 1919 wurde das britische Gesundheitsministerium geschaffen. 1930
wurde die "Labor Medicine Association" gegruendet, die das Banner fuer einen allumfassenden Landesgesundheitsdienst trug. Im Jahre 1934 bildete die Forderung
auf eine solche Einrichtung auf Veranlassung der Association einen Teil des Wahlprogramms der Labor Party.
Am 5. Juli 1948 uebernahm der Gesundheitsminister der Labour Partei, Bevan,
die Verantwortung zur Schaffung einer vollständigen aerztlichen Behandlung fuer
die gesamte Bevoelkarung Englands. So wurde also im Jahre 1948 - 200 Jahre nach
der Geburt des Philosophen und Belehrten Bentham - der Landeskrankenversichernngsdi enst fuer Alle zur Wirklichkeit. Benthams Geist kann nun in Frieden ruhen nach seinem zweiten hundert ja ehr igen Besuch.
Die langsame Ausdehnung Intelligenter Ideen kann auch in den Vereinigten
Staaten durch Beispiele illustriert werden. Im Jahre 1946 nahm der Kongress

- 3 -

�auf Ersuchen des Praesidenten Truraan, allerdings nur widerstrebend und zoegernd,
das Gesetz ueber die Vollbeschaeftigung an, in dem ein Ausschuss von Wirtschaftsberatern beim Praesidenten vorgesehen ist, der regelmaessig ueber unsere natuerlichen Hilfsmittel, unsere finanzielle Lage wie auch ueber unser Wirtschaftssystem
Bericht zu erstatten hat zu dem Zwecke, unseren nationalen Wohlstand zu foerdem.
Im Jahre 1823 machte Praesident Monroe folgenden Vorschlag: Wir sollten eine
ordentliche und richtige Schaetzung unserer Hilfsquellen, unserer Einnahmen und
unserer Portschritte in jeder Art von Verbesserungen im Zusammenhang mit dem Wohlstand des Landes und der oeffentlichen Verteidigung vornehmen." Nun, 123 Jahre
spaeter wurde der Gedanke des Praesidenten James Monroe zum Gesetz erhoben.
"AFL League Reporter" 14. Maerz 1%9
SOZIflLMEDIZIN
EIS WICHTIGES UND KOSTBARES RECHT
Folgende Erklaerung ueber die Notwendigkeit der Einfuehrung einer Sozialmedizin In den Vereinigten Staaten gibt die Ansichten der amerikanischen Gewerkschaften wieder. Der Autor dieser Erklaerung ist Daniel J. Tbbin, der Praesident
des Verbandes der Fuhrleute, Chauffeure* Warenhaus - und Hilfsarbeiter Amerikas,
(CIO)
"Ich persoenlich glaube an eine soziale Medizin, unter der Voraussetzung,
dass es Einzelpersonen, die es wuenschen, von Gesetz wegen gestattet sein soll,
sich ihren eigenen Arzt zu konsultieren und ihn dafuer zu bezahlen. Kurz vor
der Geburt eines meiner Kinder war ich so verschuldet, dass ich nooh 6 Monate lang
zu zahlen hatte, bis ich die Rechnung meines Arztes beglichen hatte.
Aus vielen Gruenden ist England mit seiner gemaessigten Form des Sozialismus
den Vereinigten Staaten weit voraus. Der arbeitende Mensch sollte nicht vergessen,
dass England schon lange Arbeitslosen-Unterstuetzungen eingefuehrt hatte, als die
Arbeiterschaft in den Vereinigten Staaten sich darueber klar wurde, dass im
modernen Leben so etwas notwendig ist. England hat jetzt unter seiner gemaessigten
modernen sozialistischen Regierungsform - Ernest Bevin ist einer ihrer Fuehrer,
und Ernest Bevin ist einer der fortschrittlichsten Maenner, die ich jemals in
England getroffen habe - das System der Sozialmedizin angenommen.
Wenn ich jetzt sehe, dass in England die Medizin und der Arzt von all denen,
die es sich leisten koennten, mit ihren Steuern bezahlt werden, dann sehe loh darin
einen Fortschritt. In ein paar Jahren werden wir auch in diesem Lande hier den
Spuren Englands folgen, weil sich jedermann, der mit dem Lohn eines Durchschnittsarbeiters eine Familie mit U oder 5 Kindern zu versorgen hat, vorstellen kann, wie
kostspielig und teuer soetwas ist. Manche Frau musste ihr Leben lassen, weil ihr
Mann nicht genuegend Geld hatte, um die Krankenhausrechnung zu bezahlen, manches
Kind ist wegen der hohen Krankenhauskosten und Brillenpreise blind geworden. Es
trifft wohl zu, dass in manchen fortschrittlichen Staaten eine Zahnuntersuchung
der Kinder eingefuehrt ist, was als ein grosser Fortschritt zu bezeichnen ist, aber
wieviele Laender kennen eine solche Einrichtung nicht und wieviele Kinder haben der
hohen Zahnbehandlungskosten wegen die Zaehne verloren.
Dieses ganze Verfahren zur Gesetzgebung auf dem Gebiete des aerztlichen Behandlungswesens wird von der Arbeiterschaft Amerikas in die Wege geleitet, eingerichtet und gefoerdert. Selbstverstaendlich bekaempft die American Medical
Association (Amerikanische Aerzte-Vereinigung), die unter der Diktatur Dr. Fishbeins, des Herausgebers ihres Organs, steht, eine sozialisierte ^edizin*
Nach dem neuen geplanten Gesetz soll es jeder einzelnen Person freistehen,
jeden beliebigen Arzt aufzusuchen und ihm das Honorar dafuer zu bezahlen. In
diesem Jahre wird das Gesetz zwar noch nicht durchkommen, oder vielleicht erst
naechstes Jahr, aber es wird durchkommen, das ist so sicher wie das Amen in der
-

k

-

�Kirche, und diese Gesetzgebung wird in erster Linie der arbeitenden Bevoelkerung
und den armen Leuten zugute kommen, so wie es der Fall bei der Alteraversicherung
war, die mit den Armenhaeusern und der Arbeitslosenhilfe aufraeumte, wodurch die
Menschen gerade davon abgehalten wurden, im ganzen Lande als Bettler zu leben."
"AFL League Reporter" 11. April 1949
KOMMUNISTEN VERLIEREN DOOKARBBITERSTREIK IN HOLLAND
Am 22. Februar verloren die kommunistischen Gewerkschaften Hollands einen
Streik, den die Dockarbeiter Amsterdams etwa 6 Wochen lang gefuehrt hatten. Es
waren Lohnerhoehungen gefordert worden, doch schliesslich waren die Erhoehungen,
die spaeter angenommen wurde, dieselben, wie sie die Dockgesellschaften frueher
selber angeboten hatten. Erst in den letzten Wochen des Streiks wurden sich die
streikenden Dockarbeiter darueber klar, dass die wirklichen Streitfragen, um die
es ging, nichts mit dem Wohlergehen der Arbeiter zu tun hatten. Sie erkannten
schliessliche, dass der wirkliche Zweck des Streiks darin bestand, die Plaene
der Regierung fuer einen Wiederaufbau der Industrie zu durchkreuzen und den Marshall-Plan zu behindern.
Ein Ueberblick ueber den ganzen Streik und eine Biosstellung der politischen
Strategie der Kommunisten wurde in der Ausgabe der Zeitschrift "Staakt, Staakt,
Staakt", des Organs des hollaendischen Transportarbeiterverbandes, vom 12. Maerz
1949 wiedergegeben. Im letzten Teil dieses Berichts heisst es»
"Dieser Streik hat wochenlang gedauert» ohne dass eine Notwendigkeit hierfuer bestand. Absichtlich und bewusst gegen den Willen der Betriebsratmitglieder,
konsequent gegen den Willen ihrer eigenen Vertrauensleute wurde dieser Konflikt
fortgefuehrt, bis er in Armut und Elend muendete. Es handelt sich hier um eine
duestere und tragische Geschichte, aber auch um eine lehrreiche. Hier hat sich
wieder einmal gezeigt» dass den hauptsaechlisten Fuebrem der E7C (kommunistischen
Gewerkschaften) Jede Spur von Verantwortung den Arbeitern gegenueber fehlt. Absichtlich wurden die Verhandlungen zur Verbesserung der Lage der Dockarbeiter
durch einen Konflikt vereitelt, der von vornherein zum Fehlschlagen verurteiltwar.
Und warum. Lediglich, um Furcht zu erregen und Verwirrung zu stiften und ein Chaos
zu schaffen, aus den die CPN (die komnunistische Partei Hollands) politisch
Kapital schlagen wollte. Die Dockarbeiter haben eine bittere Lehre hinnehmen
messen*"
"EGA Office of Labor Information" Paris.
DIE FRAUENBBSCHAEFTIGUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
(Amerikanisches Amt fuer
Volkszaehlung)
Im Februar 1949 waren in der amerikanischen Arbeiterschaft etwa 400.000 Frauen
mehr beschaeftigt als im Februar 1948. Die Zahl der beschaeftigungslosen Frauen
bewegte sich im wesentlichen auf der gleichen Hoehe wie Im Februar 1948. Nachstehende Tabelle weist die Zahlen der weiblichen Arbeiter fuer den Monat 1949 aus,
im Vergleich zum vergangenen Monat.
Statistik ueber in den Vereinigten Staaten beschaeftigten Frauen, Februar 1949
Anzahl der
Veraenderung
GesamtProzensatz an
Frauen
seit Jan.4 9
an zahl
Frauen

Bevoelkerung (14 Jahre
55,506,000 / 47.000
und darueber)
Zivile Arbeitskräfte
17,159,000 / 242,000
16,356,000 / - 92,000
Beachaeftigte
804,000 / 151,000
Beseheeftigung alose
16,000 /
1,000
Streitkraefte
38,330,000 - 197,000
Nichtarbeitende

- 5 -

109 195,000
60,386,000
57,168,000
3,221,000
1,508,000
47,298,000

50.8
28.4
28.6
25.0
1.1
81.0

�ARBSITSFRIEDBN IN DER ATOMENERGIE-INDUSTRIE
Waehrend der letzten Monate hat es fuer die Arbeiterschaft in gewissen
amerikanischen Atomenergie-Werken Schwierigkeiten gegeben. Praesldent Truman
hat jetzt Schritte unternonmen, um eine Organisation zu bilden, die sich mit
Arbeitsstreitigkeiten befassen soll, so dass fuer die Arbeiter keine Notwendigkeit
besteht, in den Streik zu treten. Eine vom Praesldent ernannte Kommission hat vor
kurzem eine Studie ueber die Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Probleme in der AtomenergieIndustrie fertiggestellt. Auf Grund dieses Berichts wird nun folgendes Programm
fuer die Erhaltung des Arbeitsfriedens aufgestellt. Folgendes ist in den 4 Punkten des Plans vorgesehen?1. Keine Streiks oder Aussperrungen waehrend der Zeit, fuer die der Kollektivvertrag abgeschlossen wurde, Beschwerdeverfahren einschliesslich Schiedsverfahren als letzte Massnahme, um jeden Streit ueber die Auslegung oder Anwendung
des Vertrages beizulegen. Diese Art Beschwerdeverfahren, die auf der 1%5 vom
Praesidenten einberufenen Landeskonferenz fuer Arbeitgeber und Arbeitnehmer einstimmig empfohlen wurde, hat den Zweck $ einen ununterbrochenen Ablauf der Arbeiten
waehrend der Laufzeit des Kontrakts zu gewaehrleisten.
2. Waehrend einerseits "die Verantwortung vornehmlich der Vertreter der
Lokalgewerkschaften fuer gesunde und dauerhafte Beziehungen voll anerkannt und
geschuetzt wird, sollen Schritte unternommen werden, um bei allen kritischen Streit'
faellen diejenigen der hoechsten Angestellten und Funktionaere der Betriebsleitung bzw. der Arbeiterschaft heranzuziehen, deren groessere Erfahrung und stark
ausgebildetes Verantwortungsgefuehl mit einem entsprechenden ürteilsvermoegen
Hand in Hand gehen, weil sie selber in den fruehen Stadien des Streits direkt
nicht davon beruehrt werden.
3. Die EntSchliessungen der betreffenden verhandelnden Gruppen und Vertreter
nach dem Landesgesetz ueber die Arbeitsbeziehungen sollen, womoeglich, durch
Abkommen und freie Zustimmung getroffen werden, was einem Streitverfahren vor dem
Landesausschuss fuer Arbeitsbeziehungen vorzuziehen ist, wodurch vermieden wird,
dass Haltungen und Handlungen eingeleitet werden, "Die geeignet sind, Hass zu
erzeugen und Bitterkeit zurueckzulassen", und wodurch auch Prozessschwierigkeiten
vor dem Landesausschuss fuer Arbeitsbeziehungen in solchen Faellen vermieden
werden, die die Sicherheit angehen.
4. Betriebsleitung und Gewerkschaft sollten zusammenarbeiten, "um die Gewerkschaft in die Werksorganisation als einen zweiwegigen Verbindungskanal und
als Mittel zur Verstaendigung zwischen der Betriebsleitung und den Arbeitern einzubauen." Besonders wird der Wert "der ehrlichen Absichten auf beiden Seiten
hervorgehoben, wodurch, sobald einmal die Vertreter bei den Kollektiwerhandlungen
bestimmt sind, die Gewerkschaft zu einem festen und verantwortlichen Bestandteil
der Werksorganisation gemacht wird, indem Inspektoren fuer die Betriebsleitung
und Gewerkschaftsfunktionaere ausgebildet werden, dam itdie Funktion und Verantwortung der Gewerkschaft anerkannt wird, und um ein genaues und eingehendes
Verstaendnis fuer die Bestimmungen des durch Kollektiwerhandlungen festgelegten
Kontrakts, nach dem gearbeitet wird, zu schaffen."
Der Bericht der Kommission hat es vermieden, die Anwendung von obligatorischen Massnahmen irgendwelcher Art zu empfehlen. Es ist anzunehmen, dass die Arbeiterschaft und die Betriebsleitung in der Lage sein werden, ihre Differenzen
durch Verhandlungen beizulegen. Ein Vermittlungsausschuss soll gebildet werden,
der sich mit den Streitfragen befasst und der dafuer sorgt, dass die Vertreter
der Gewerkschaften und der Betriebsleitung oft zusammenkommen, um gemeinsame
•Probleme durchzusprechen.
"New York Times" 19. April 1949

- 6 -

�GEWINNE AMERIKANISCHER GESELLSCHEFTSN FUER 1948
Untenstehende Tabelle enthaelt Zahleni wie sie sich aus dem Jahresueberblick
der National City Bank of New York ueber Gesellschaftsgewinne ergeben. In der
Tabelle werden die im Jahre 1948 e r z i e l t e n Gewinne mit denen aus dem Jahre 1947
verglichen. Es wurde f e s t g e s t e l l t , dass die Gewinnerhoehungen im l e t z t e n Jahr in
der Petroleum-, S t a h l - und Auto-Industrie am hoechsten waren» In diesen I n d u s t r i e zweigen verhandeln J e t z t d i e Gewerkschaften wegen hoeherer Lohnsaetze. In den
Industriezweigen, in denen Verbraucherwaren h e r g e s t e l l t wurden, insbesondere
Textilien, waren die Einkuenfte im Jahre 1948 geringer a l s im Jahre 1947. In
manchen dieser Industriezweige haben die Gewerkschaften ihre Forderungen auf
Lohnerhoehungen fuer mehrere Monate aufgeschoben.
Anzahl der berichtenden
Gesellschaften

Art des
Unternehmens

Nettoeinkommen nach Abzug der
Steuern ( in Millionen Dollar)

IM
680
115
193
243
262
108
661
2.262

Fabrikation
$6,567
Bergbau e t c .
225
Handel
634
Transportwesen
545
Oeffentliche Einrichtungen
803
Vergnuegungswesen
Dienststellen e t c .
117
Finanzwesen
_64J
$9.538

i24J
$8,063
318
693
773
883
91
852
$11.673

Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest" 6. April 49
DIE NEW YORKER TAXICHAUFF&amp;URE VEHLIERBJ EINEN STREIK
Die amerikanischen Kohlenarbeiter haben einen Taxistreik in New York verloren,
und h i e r wird eines der seltsamen Ergebnisse des Kampfes der amerikanischen Gewerkschaften, ihre Mitgliederzahl zu erhoehen, g e s c h i l d e r t . Der Verband der
Vereinigten Bergarbeiter (UM»), die Gewerkschaft der^Kohlenarbeiter mit ungefähr
450.000 Mitgliedern, i s t eine unabhaengige Organisation. Zu verschiedenen Zeiten
war der UM» waehrend der l e t z t e n 12 Jahre zweimal der AFL und einmal dem CIO
angeschlossen. Heute i s t er eine unabhaengige Gewerkschaft.
"Bezirk 50" des UM»
Als eine Industriegewerkschaft s t e l l t der UM» in den S^aedten mit Kohlenfoerderung die gewoehnlich kleine Staaten fuer sich bilden, die vorherrschende
Organisation dar. Vor mehreren Jahrengcuendete der UM» eine Hilfsorganisation,
die a l s "Bezirk 59" bekannt i s t . Sie i s t auch a l s eine "Auffang-Ge^erkschaft"
bekannt und umfasst Arbeiter a l l e r Gewerbe und Berufe.
Die Ortseinheit des "Bezirks 50" in 1Jew York City umfasst eine bedeutende
Anzahl von Erdarbeitern, wie z.B. Tunnelausheber. Diese Optsgewerkschaft hat
auch versucht, die TaxiChauffeure von New York zu organisieren. Nach langen
Verhandlungen mit den Taxigesellschaften ueber die Anerkennung der Gewerkschaft
und Lohnforderungen, r i e f der "Bezirk 50" am 1. April zum 3 T reik auf. Manche
Taxichauffare haben behauptet, dass s i e auf der Versammlung, auf der ueber den
Streik abgestimmt wurde, in der Minderheit gewesen seien.

-

7 -

�Dann aber war der Streik ein Fehlschlag
In New York befindet sich das Taxigeschaeft in den Haenden mehrerer grossen
Gesellschaften. Manche davon sind'so etwas Aehnliches wie Genossenschaften.
Die Autos, die von den Chauffeuren betrieben werden, gehoeren diesen selbst. Es
bestehen viele kleine Kompagnon-Firmen. Manche TaxiChauffeure sind unabhaengige
Geschaeftsleute. Die Fuehrer des "Bezirks 50" hegten die Hoffnung, sie koennten
diese alle unter einen Hut bringen. Es stellte sich aber heraus, dass zuviele
Ansichten herrschten. Nicht mehr als 502 der Taxichauffeure folgten dem Aufruf
zum Streik. Manche arbeiten deshalb nicht, weil sie mit der Angelegenheit nichts
zu tun haben wollten.
Nach Ablauf des zweiten Streiktages konnte man wieder Taxen in grosser Zahl
in den Strassen sehen, und vor dem Wochenende zwaengten sich wieder mehr als 906
der 11.500 Taxen durch die Strassen der Stadt. Hierfuer wurden verschiedene
Gruende genannt. Als ein Grund wurde angegeben, die Konmunisten haetten ihren
Einfluss aufgeboten, den Streik zum Erliegen zu bringen, well sie die Führerschaft nicht an sich reissen konnten. Es wird behauptet, dass sie die Streikenden in dem Glauben bestaerkten, sie koennten aus dem Reservefonds des UMW, der
sich auf 16 Millionen Dollar belaueft, Streikunterstuetzung beziehen. Als diese
Unterstützung verweigert wurde, wurden viele der Streikenden aergerllch.
An wem lag nun die Schuld.
Der Leiter des "Bezirks 50" ist A.D. Lewis, der Bruder von John L. Lewis,
dem Fraesidenten des UMW. Er schob die Schuld fuer das Fehlschlagen des Streiks
auf den Buergermeister von New York City, O'Dwyer. Er erhob gegen ihn den Vorwurf
er haette nicht ehrlich gehandelt, als er Spezialabteilungen der Polizei eingesetzt hatte, um den Frieden aufrechtzuerhalten und das Publikum zu schuetzen.
Lewis erhob den Vorwurf, die Polizei wurde dazu benutzt, um die Interessen der
Taxigesellschaften zu schuetzen, und dass die Polizei den Streikenden gegenueber
nicht objektiv aufgetreten sei. Ein Fuehrer einer Ortsgewerkschaft des "Bezirks
50" sagte den Streikenden;
"Leute, ich bitte Euch, zur naechsten Schicht an die Arbeit zu gehen. Ich
gratuliere Euch zu dem, was Ihr getan habt. Angesichts des schlimmsten Betruges
der Arbeiterschaft, den ich jemals erlebt habe....habt Ihr den Gesellschaften und
der Bevoelkerung New Yorks gegenueber bewiesen, dass Ihr eine Gewerkschaft habt,
dass Ihr eine Gewerkschaft braucht, und die Gesellschaften werden mit der Zeit
geaongen sein, die Organisation anzuerkennen.
"Ihr habt den Verkehr der Taxischwaerme in New York unterbunden. Ihr habt
dies den blauen Streikbrechern O'Dwyers und den Taxi-Inspektoren zum Trotz getan.
Ihr tatet es, waehrend man Euch herumjagte und hetzte, ja, waehrend Euch sogar
die streikbrechenden TaxiChauffeure, die vom Gesetz in dieser Stadt ausgenommen
waren, niederschlugen."
Der Sprecher der Taxigesellschaften erklaerte, dass der "Bezirk 50" nur
einen Bruchteil der TaxiChauffeure der Stadt organisiert habe. Er sagte, dass
die Tatsache, dass die Gewerkschaft den Streik abgeblasen habe, ohne jede
Bedeutung sei, da ja die Chauffeure bereits ihre Arbeit wieder aufgenommen
hatten. Schliesslich sagte er« "Der Streik haette niemals proklamiert werden
duerfen. Die Gewerkschaft hatte niemals eine Mitgliederschaft aufzuweisen. Es
handelte sich hier lediglich um einen Versuch von aussen her, von Maennern wie
A.D. Louis, der in ".:ashlngton wohnt, Mr. Brock aus Connecticut und verschiedenen
anderen, die in Tennessee, New Jersey, Pennsylvanien und V/est Virginia leben.
Die "New York Times" schreibt im redaktionellen Teil. "Jetzt, nachdem sich John
L. Lewis' "Bezirk 50" in Unordnung zurueckgezogen hat, sollten die Taxi-Besitzer
noch einmal die Bedingungen ueberpruefen, unter denen ihre Angestellten arbeiten
-

8

-

�und zusehen, ob sie sie von sich aus freiwillig verbessern koennen. Und die
Stadtverwaltung sollte schleunigst eine Entscheidung ueber die geforderte TaxiFahrpreiserhoehung erlassen."
"New York Times" 9. April 1949
GRIECHISCHE ARBEITKRFUliHRBR BESUCHEN DIE VEREINIGTEN
STAATEN
Die Bedeutung der amerikanischen Hilfe auf lange Sicht wird jetzt in Griechenland offenbar, sagten 2 griechische Arbeiterführer bei ihrem Besuch in der
Zentralstelle des ECA (Verwaltungsausschuss fuer das ERP). Es waren dies John
Patsantzis, der Sekretaer und Schatzmeister des Griechischen Gewerkschaftsbundes
und Stephan Leios, der Generalsekretaer des Tabakarbeiter-Verbandes.
Der Wiederaufbau der Haefen in Piraeus und Saloniki, die Wiederinstandsetzung
der Eisenbahnen, die Urbarmachung von Landstrichen, der Bau neuer Chausseen, all
dies spielt fuer die Zukunft Griechenlands eine bedeutende Rolle, sagte Patsantzis.
Fatsantzis wies darauf hin, dass der Lebensstandard des griechischen Volkes
immer noch «ehr niedrig ist. Die Loehne sind immer noch eingefroren, aber die
Preise sind gestiegen, worunter die breite Masse der Bevoelkerung schwer zu leiden
hat. Er hob die Tatsache hervor, dass eine Waehrungs- und Preisstabilisierung
notwendig,sei, bevor wieder irgend eine Art von wirtschaftlichem Gleichgewicht
erreicht werden koennte.
Der Verlust an Tabakexporten hat die griechische Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen, aeusserte sich Leios. Vor dem Kriege waren 56.000 Griechen
in dieser Industrie beschaeftigt, und 60 Millionen kg Tabak wurden jaehrlich
exportiert. Jetzt sind es lediglich noch 20 Millione kg, die im Jahr ausgefuehrt
werden, und nur noch 9*000 Saisonarbeiter haben Beschaeftigung. Der hauptsächlichste Hinderungsgrund fuer den Exportmarkt, sagte Leios, sei der unguenstige
Devisenkurs. Er fuegte noch hinzu, dass dies auf die Notwendigkeit und die
Bedeutung einer Waehrung mit einem einheitlichen Wert in allen europaeischen
Laendern hindeute.
Sowohl Patsantzis wie auch Leios hoben die Tatsache hervor, dass sie nicht
auf Veranlassung ihrer Regierung oder des ECA gekommen seien. Sie wären lediglich als Vertreter der griechischen Arbeiter da. Sie haben ein grosses Interesse
daran, Verbindungen zu den amerlkmlachen Arbeiterorganisationen aufzunehmen
und Freundschaft mit ihnen zu pflegen, sie wollten neue Elndruecke empfangen in
bezug auf Verwaltung Sozialversicherung, Lehdings- und Berufsausbildung usw. und
wollten eine Reihe von Industriezweigen besuchen, um neue Elndruecke zu sammeln,
die sich bei der Verbesserung der Produktionsmethoden in ihrem Lande als vorteilhaft auswirken koennten.
"AFL Weskly News Service" 1. April 1949
DIE AMERIKANISCHEN KOHLENABBBITER VERLIEREN
EINE STREIK
Es ist etwas ganz Neues, wenn John L. Lewis, der Fuehrer der Vereinigten
Bergarbeiter Amerikas (UMW) einen S reik verliert. Dieser Streik, von dem die
Rede ist, wurde diesmal nicht in den Bergwerken sondern in New York City ausgetragen. Die Streikenden waren keine Bergleute, sondern Taxichauffeure, Mitglieder einer Sektion des UMW, die als "Bezirk 50 bekannt ist, und die eine
"Auffang"gewerkschaft fuer viele Berufe genannt wird. Der Bezirk 50 wird von
AID. Lewis, dem Bruder von John L. Lewis, geleitet. Ihm gehoeren kleine Gruppen
^verwchiedener Berufe In vielen Teilen der Vereinigten Staaten an. Viele Mitglieder des Bezirk 50 im Stadtgebiet von New York City sind Erdarbeiter ein-

- 9 -

�sfehliesslich der Tunnelausheber. Aber auch eine grosse Anzahl Taxichauffeure
gehoert dem Bezirk 50 in New York an.
Der Streik der Taxichauffeure wegen hoeherer Entlohnung begann am 1. April
jedoch eine Woche spaeter waren fast alle 8000 Taxis wieder im Betrjsb. Fuer
das Fehlschlagen des Streiks lagen vielleicht eine Anzahl Gruende vor, ueber die
in den Zeitungen nicht berichtet wurde. Die Gruende aber, die angefuehrt wurden,
sind u.a.: (l) Viele Taxichauffeure wollten von dem Streik nichts wissen. 3s
wird behauptet, dass sie bei der Versammlung, auf der ueber den Streik abgestimmt
wurde, in der Minderheit waren, und dass Mitglieder aus anderen Berufen im Bezirk
50 die Mehrheit bildeten« (2) Viele Streikende waren veraergert, weil sie gedacht hatten, der maechtige UMW wuerde sie finanzfeil unterstuetzen. Als ihnen
aber gesagt wurde, dass man ihnen keine Unterstuetzung aus dem Reservefonds-©n
17 Millionen Dollar des UMW zahlen wuerde, waren viele der streikenden Taxichauffeure aufgebracht und nahmen die Arbeit wieder auf. (3) Die Fuehrer des
Bezirk 50 behaupten, dass die Arbeitgeber, denen die meisten Taxis gehoeren,
nicht ehrlich gehandelt haben. Die Streikfuehrer haben auch den Vorwurf erhoben,
dass die New Yorker Kommunisten den Versuch gemacht hatten, die Kontrolle ueber
den Streik in ihre Haende zu bekommen. Als ihnen dies nicht gelang, beschlossen
sie, den Streik abzubrechen.
Als man sich nun allgemein darueber klar geworden war, dass der Streik ein
Fehlschlag gewesen war, behaupteten die leitenden Funktionaere, dass ihr Vorgehen
das Ergebnis des Eingreifens der Oeffentlichkeit gewesen sei, dass der Bürgermeister der Stadt eine grosse Anzahl Sonderkommandos der Folizei gestellt haette,
die die Aufgabe hatten, die Streikenden daran zu hindern, Schaden anzurichten.
Sie erhoben ferner den Vorwurf, dass die Polizei nicht unparteiisch vorgegangen
sei, dass sie sich gegen die Streikenden gewandt und die Arbeitgeber beguenstigt
hatte. Es scheint aber, noch eine andere Erklaerung zu geben. Die meisten
Taxich»uffeure in New York City sind selbstaendig. Vielleicht mieten sie die
Autodroschken, betreiben sie aber fuer eigene Rechnung als Einzelunternehmen;
ausserdem sehen es viele von ihnen nicht fuer notwendig an, sich gewerkschaftlich
zu organisieren.
"New York Times" 7. und 8. April 1%9
RUSSISCHER WIRTSCHAFTLER BEKAEMPFT LOHNPARITAET
Hier folgt ein Bericht, der fuer die Kommunisten in den demokratischen
Laendern a chlechte Nachrichten bringt, die die Welt glauben machen wollten,
dass die Sowjetunion das Paradies der Arbeiter ist. Der Bericht ist den Argumenten eines ausbeuterischen Kapitalisten, der die Profite vor das Wohl der
Arbeiter setzt, verteufelt sehnlich. Hier hat es de» Anschein, als wenn die
Interessen des Staates vor das Wohl der Arbeiter gesetzt werden.
"Die Loehne der verschiedenen sowjetischen Arbeitergruppen weisen die
Tendenz auf, dass sie sich zu sehr angleichen, so dass sie ungleichförmiger
gestaltet werden muessen, um eine erhoehte Produktivitaet zu foerdern." schrieb
neulich E. Manevich in einer Ausgabe der "Fragen der Wirtschaft", dem Organ des
Sowjetischen Instituts fuer Wirtschaft.
Er erwaehnte die sowjetische Maschißnindustrie, wo die hoechsten Grade der
Arbeiter gewoehnlich 3 - 4 mal hoehre Loehne beziehen als die niedrigsten Grade,
wo aber das Verhaeltnis jetzt einvenig hoeher ist als 2*1. Diese Verringerung
des Lohndifferenzials schreibt er hauptsaechlich den Lohnerhoehungen zu, die
den niedriger bezahlten Sowjetarbeitern im September 1946 gewaehrt wurden, als
die Preise der rationierten Lebensmittel nahezu verdreifacht wurden.
Mr. Manevich ist der Meinung, dass das Stuecklohnsystem dem Zeitlohnsystem
-

10

-

�dem Zeitlohn syst ein ueber legen sei, weil das Einkommen des Arbeiters direkt Ton
seiner Erzeugung abhinge. Im kapitalistischen System, so schliesst er, ist das
Stuecklohnsystarn lediglich ein Mittel, um die Arbeiter "auszubeuten", in Sussland aber dient es dazu, die Beschleunigung intensiver zu gestalten, mit der die
Produktivitaet der Arbeiterschaft erhoeht wird.
Die grundlegenden Produktionsquoten, die ron den sowjetischen Arbeitern gefordert werden, sind oft zu niedrig, schreibt er, und muessen erhoeht werden, um
die Produktion zu steigern. Manche Quoten basieren lediglich auf Durchschnittswerten frueherer Arbeitsverrichtungen, waebrend andere wieder auf wissenschaftlichen Studien hoechstmoeglicher Produktion beruhen. Da beide Quoten nebeneinander bestehen, versuchen die Arbeiter haeufig, diejenigen beizubehalten, die
auf frueheren Durchschnittsleistungen beruhen, da diese "vorteilhafter" leichter
zu erfuellen sind oder leichter zu ueberschreiten sind, wobei Praemlen erzielt
werden koennen.
Mr. Manevich griff auch die Inflation bei den Lohnstufen der Arbeiter in
vielen Fabriken an, In der Mehrzahl von Unternehmen zur Fabrikation schwerer
Maschinen gibt es ueberhaupt keine Arbeiter, die in der untersten Lohngruppe
sind« nur ein kleiner Prozentsatz befindet sich in der vorletzten Gruppe. Durch
diese Praktiken werden die Lohnausgaben der Sowjetfabriken "kuenstlioh" gesteigert, was oft zu ungesetzlichen uebermaessigen Ausgaben von Regierungsgeldem
fuer Loehne fuehrt."
»New York Times" 25. April 1949
BIN MENSCHALTER LANG ARBEITSFKIEDEN
Folgende Saetze sind einer Broschuere entnommen, die Stuart Chase ueber die
Standard Oil Company, New Jersey, geschrieben hat, einem Industrieunternehmen,
in dem 30 Jahre lang gute Arbeitsbeziehungen bestanden haben.
Der Mann, der den Plan fuer die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer fuer diese Gesellschaft aufgestellt hat, war Clarence J. Hicks, der einer
der Pioniere auf dem Gebiete der Arbeitsbeziehungen in den Vereinigten Staaten
geworden ist.
Stuart Chase erinnert uns daran, dass der Mensch von Natur aus nicht dazu
geschaffen wurde, um sich in die Forderungen eines Maschinenzeitalters einzufuegen, und dass der technologische Weg, den der Mensch geht, ein Weg der Pruefung und des Kampfes ums Dasein ist. Natuerlicher weise sind die Menschen in den
Fabriken nicht gluecklich, und es muss erwartet werden, dass zwischen den Maennern,
die in den Fabriken arbeiten und denen die ihre Besitzer sind, Konflikte entstehen.
Es ergeben sich viele Differenzen, die beigelegt werden muessen.
"Ein grosses Gebiet fuer die Beilegung solcher Differenzen sind sicherlich
die Beziehungen zwischen den paar menschlichen V.'esen, die man Leiter, und einer
grossen Zahl menschlicher Wesen, die man Arbeiter nennt. Hier war nun Mr. Hicks*
"Weinberg", und er "bestellte"ihn gut. Sr beschreibt 3 Etappen an industriellen
Beziehungen«
Die erste ist die Zeit der Grossen Herren; "Du hast zu tun, was man Dir
sagt - und keine Widerrede." Jede Konzession an die Arbeiterschaft wird Philanthropie genannt. Die Idee eines Zusammenarbeitens ist nichts als Mumpitz.
Die zweite Etappe besteht in einem Kampf, manchmal heftig, aber immer
intensiv. Die Arbeiterschaft hat sich durch Kanpf ihren Weg aus dem autokratischen Zeitalter heraus gebahnt und eine starke Arbeiterorganisation geschaffen.
Die beiden Partelen ringen und kaempfen um die Ueberlegenheit in der Annahme, dass

-

11

-

�das Bruttoeinkommen stark beschraenkt ist, kaempft die Arbeitgeberschaft um
einen groesseren Anteil an den Dividenden, die Arbeiterschaft jedoch um einen
groesseren Anteil in Loehnen. Eine Zusammenarbeit wird von beiden Seiten als
albern und sentimental angesehen. Das oeffentliche Interesse wird vollkommen
ausser Acht gelassen«
Das dritte Stadium tritt in Erscheinung, wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer darueber klar werden, dasa ihre Lebenshaltung von einer gesunden Industrie
abhaengt, dass keine Industrie als Schlachtfeld in einem Buergerkrieg sehr lange
gesund bleiben kann. Sie fangen an, die fundamentale Gleichartigkeit ihrer
Interessen einzusehen. In diesem Lande, sagte M r. Flicks, handelt es nicht mehr
um das "Kapital", das mit der "Arbeiterschaft" zu tun hat, sondern um Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die mit Aktionaeren, Verbrauchern und der Oeffentlichkeit
zu tun haben. Ein Lohnempfaenger "setzt zuviel aufs Spiel, wenn er die Gesellschaft, die ihn beschaeftigt, als etwas ansieht, was man bekaempfen muss". Die
Funktion der Betriebsleitung besteht in diesem Stadium darin, den Arbeiter, den
Besitzer und den Verbraucher zu einem gegenseitig nutzbringenden Verhaeltnis
einander naeherzubringen
Im vergangenen Jahr hat man uns eine trautige Lektion erteilt darueber,
was eintreten kann, wenn Betriebsleitung und Arbeiter nicht Hand in Hand arbeiten.
In dem dirchaus logischen Versuch» das oeffentliche Interesse zu schuetzen,
wird die Regierung die Angelegenheit dann in ihre eigenen Haende nehmen...«
Die Ideologie des Klassenkampfes, die auf einem System des Unurasehrsenkten
basiert,»neigt dazu, eine Zusammenarbeit zu verhindern, ein Arbeiter» der an
den Klassenkampf glaubt, sieht die Chefs fuer eine Gesellschaft von Teufeln an.
Einem Unternehmer, der daran glaubt» erscheinen die Arbeiter» insbesondere aber
deren Fuehrer, als eine Rotte von Vagabunden, Strolchen und auslaendlschen Agitatoren. Der Klassenkampf mag wohl, als er vor einem Jahrhundert in Europa
formuliert wurde, ein nuetzlicher philosophischer Begriff gewesen sein oder auch
nicht. Er hat aber niemals in die amerikanischen Verhaeltnisse gepasst, ausgenommen in einigen entlegenen Fabrikstaedten und in anderen enger umrissenen Situationen
Der Klassenkampf ist ein veralteter Begriff, der sich mit der wachsenden
gegenseitigen Abhaengigkeit im Zeitalter der Energie nicht vereinbaren laesst.
Die kuerzliche Drohung mit einem Eisenbahnerstreik hat dem ganzen Lande, vom
Praesidenten Truman herunter, klargemacht, wie hilflos wohl jeder Einzelne von
uns sein wuerde, wenn keine Lebensmittel und Brennstoffe mehr ueber das Verkehrsnetz hin transportiert werden sollten.
Grosse Staedte wuerden in wenigen Tagen ausgehungert sein. Ein Streik in
den Kraftstromanlagen wuerde sich noch schlimmer auswirken, ein Telefonistenstreik fast ebenso. Ein Streik in den 0Ölraffinerien wuerde Jedes Flugzeug
zur Erde zwingen, wuerde Jeden Lastwagen und jedes Auto in kuzer Zeit zum Stillstand bringen
"
Brosebnere der Standard Oil Company (New Jersey)
KOMMUNISTISCHE VERLIBTE BEI PSW SCHWEDISCHEN ARBEITERWAHLBT
Der folgende Artikel stellt die Zusammenfawaung eines Berichts ueber die
schwedischen Gewerkschaftswahlen dar, der vom Bureau fuer Arbeitsfragen des
Verwaltungsausschusses fuer Europaeische Zusammenarbeit veroeffentlicht wurde«
Wir geben nur einem Teil der Varoeffentlichung wieder. Den angefuehrten
Saetzen schliesst sich eine Liste an, in der etwa 50 Wahlergebnisse bei Ortsgewerkschaften aufgefuehrt sind, denen zufolge mehrere hundert Funktionaerposten die frueher die Kommunisten innehatten, von den Sozialdemokraten ueber-

12 -

�nommen wurden.
In einem üeberblick in der Zeitung "Aftontidningen", einer Stockholmer
Tageszeitung, die vom Schwedischen Gewerkschaftsbund herausgegeben wird, heisst
es: "Die vor kurzem stattgefundenen Gewerkschaftswahlen in Schweden" haben sieh
fuer die Kommunisten zu einer Katastrophe ausgewirkt."
Der Bericht des "Aftontidningen" ist ein Beweis dafuer, dass die Abneigung
der Schwedischen Regierung, sich gegenwaertig den Signatarmaechten des AtlantikPakts anzuschliessen, nicht auf einen wachsenden kommunistischen Einfluss in
Schweden hindeutet. Im Gegenteil, die Zeitung stellte fest, dass die kommunistischen "Gewerkschafts"bastionen wie Kartenhaeuser zusammenstuersen.
Kommunistische Rueckschlaege zeigten sich bei 26 Gewerkschaftswahlen in
Stockholm und bei 10 in Gotenburg, wie "Aftontidningen" zusammenfassend berichtet.
In den Provinzen war es das gleiche Bild. Praktisch in allen Faellen waren die
Sozialdemokraten die Gewinner.
Nachdem die Zeitung Wahl auf Wahl aufgezaehTt hatte, wobeisie Einzelheiten
ueber Ort, Gewerkschaft und Ergebnisse nennt, zieht sie den Schluss dass die Gewerkschaftswahlen "klar und bezeichnenderweise zum Ausdruck bringen, dass die
Kommunisten vor einer Desorganisation stehen. Die Maenner in den Gewerkschaften
wollen nichts mit ihnen zu tun haben."
Die Zeitung "Aftontidningen" wurde im Jahre 1942 vom Schwedischen Gewerkschaftsbund gegruendet, um der nazifeindlichen Einstellung der organisierten Arbeiter Schwedens Ausdruck zu verleihen.
In der Stockholmer Sektion des Metallarbeiter-Verbandes, in der die Kommunisten stark vertreten waren, haben sie 51 Sitze an die Sozialdemokraten verloren. Die neuen Delegierten ueber nehmen ihr Amt im Mal,
Bei den zuletzt am 31. Maerz abgehaltenen Wahlen gewannen die Sozialdemokraten 218 Stimmen gegen 191 der Kommunisten. Wie "Aftontidningen" achreibt,
wurde der kommunistischen "Friedens"Propaganda eine Abfuhr erteilt, als die
Sektion beschloss, zum Ausdruck zu bringen, dass sie die Politik der Regierung
billige.
"EGA Labor Information" (Paris)
ARBEITSSTUNDEN UND VERDIENSTE IN DER AMERIKANISCHEN INDUSTRIE
Das amerikanische Arbeitsministerium veroeffentlicht monatlich Berichte ueber
die in den Fabrikationsbetrieben gezahlten Loehne wie auch ueber die pro Woche
geleisteten Arbeitsstunden. Vielleicht interessieren sich die deutschen Gewerkschaften fuer die Unterschiede, die innerhalb der verschiedenen Staaten bestehen.
In der ersten Tabelle sind diese Zahlen aus 5 Staaten in verschiedenen Gegenden
des Landes aufgefuehrt.
Verdienst und Arbeitsstunden in Fabrikationsbetrieben in bestimmten
Staaten und Staedten Amerikas fuer Dezember 1948
Durchschnittlicher Durchschnittl. Durchschnittl.
Staat oder Stadt
Wochenverdienst
Arbeitsstunden Stundenverpro ".Joche
dienst

Kaliformia (im Durchs c h n i t t fuer den ganzen Staat
Hafengebiet von San Francisco
New York (im Durchschnitt
fuer den ganzen Staat)
New York City
North Carolina
Tennessee
Utah

$61.33

38.7

$1.59

63. 94

38.7

1.65

59.73
62.53
41.58
44.13
56.56

39.6
37.9
38.1
40.3
40.4

1.51
1.66
1.09
1.10
1.40

- 13 -

�Es ist zu bemerken, dass die durchschnittlichen Arbeitsstunden und der
Durchschnittsverdienst in den Staedten hoeher sind als der Durchschnitt fuer den
ganzen Staat fuer das Gebiet von San Francisco in California und fuer New York
City. Dies trifft auch auf andere Staaten zu.
In der naechsten Tabelle sind die durchschnittlichen Arbeitsstunden und
Bruttoverdienst pro Stunde fuer die Arbeiter in den Fabrikationsbetrieben aufgefuehrt. Sie weist auch den Durchschnittsverdienst fuer die regelmaessigen Arbeitsstunden aus. Der Bruttoverdienst schliesst Ueberstunden mit ein, z.B.
Sonnabendarbeit oder Arbeit, die ueber 40 Stunden hinaus pro Woche geleistet
wurde, fuer die die Bezahlung hoeher ist.
Arbeitsstunden und Verdienst der Arbeiter in Fabrikationsbetrieben fuer
haltbare und nichthaltbare Waren in den Vereinigten Staaten
Haltbare Waren
Nichthaltbare Waren
J a h r i and

Monat

1941, Durchschnitt
it
it
1942,
n
ii
1943,
n
UM
1944,
M
n
1945,
II
it
1946,
n
n
1947,
1947, Dezember
1948, Dezember

ausschliesslich
Brutto-Ueberstunden
$

$

808
947
1,059
1,117
1,111
1,156
1,292
1,354
1.457

770
881
976
1,029
1,042
1,122
1,250
1,299
1.408

aus s c h l i e s s l i c h
Brutto-Ueberstunden
$

640
723
803
861
904
1,012
1,145
1,196
1.286

$

625
698
763
814
858
978
1,109
1,152
1.251

Der Nettoverdienst hat sich in Zeit zwischen 1941 und Dezember 1948 nahezu
verdoppelt. Die Differenz zwischen dem Nettoverdienst und dem Bruttoverdienst
bildet in manchen Faellen das Mass fuer die Nachfrage nach Arbeitskraeften, wenn
die Arbeiter der Nachfrage dadurch gerecht werden, indem sie gegen Extrabezahlung
Ueberstunden machen.
Amerikanisches Arbeltsministerium
"Monthly Labor Review" Maerz 1949
DER CIO VERTEIDIGT DAS STREIKRBCHT
Die Forschungsabteilung des CIO hat unlaengst einen Bericht ueber den Fortschritt des Gewerkschaftswesens in den Vereinigten Staaten waehrend der letzten
15 Jahre veroeffentlicht. Nach einem Hinweis auf die Lohnerhoehungen der amerikanischen Arbeiter, die durch gewerkschaftliche Massnahmen erreicht wurden, hebt
der Bericht die Bedeutung des Streiks als Verhandlungsinsliument der Arbeiterschaft
hervor. Trotz aller Bemuehungen, das Gegenteil zu erreichen, haben die amerikanischen Gewerkschaften das Streikrecht beibehalten koennen.
Wie aus dem Bericht hervorgeht, bestand fuer viele Gewerkschaften auf Grund
der "freundschaftlichen Beziehungen" zwischen der Arbeiterschaft und der Betriebsleitung keine Notwendigkeit, groessere Streiks durchzufuehren. Weiter heisst es;
"In den 13 Jahren seines Bestehens hat der Stahlarbeiterverband nur 2mal zu
groesseren Streiks aufgerufen. Fuer den Verband der Vereinigten Bekleidungsarbeiter lag mehr als 10 Jahre kein Grund zum Streiken vor, weil zwischen ihnen und
den Arbeitgebern ihrer Industrie ungewoehnlich freundschaftliche Beziehungen bestanden. Viele andere Gewerkschaften haben aus Erfahrung gelernt, dass Streiks
im eigentlichen Sinne nur eine wirtschaftliche Waffe darstellen, zu denen man als
letztes Mittel greift.
-

14

-

�"Ob es nun haeufig angewendet wird oder nicht, so wird doch das Streikrecht
ron den amerikanischen Arbeitern allgemein a l s grundlegender Faktor der Macht der
Arbeiterschaft angesehen, um die Lebensbedingungen der Maenner und Frauen der
amerikanischen Gewerkschaften zu verbessern.
"Ohne dieses Recht wuerden s i c h selbst die freundlichsten Arbeitgeber veranlasst fuehlen, die Forderungen, die die Gewerkschaften •vorbringen, drastisch zu
kuerzen. Das Streikrecht i s t dazu angetan, die Kollektiwerhandlungen zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer beschleunigt zum Abschluss zu bringen, die meistens
durch grosse Verzoegerungen oder unnoetig hinausgezoegerte Verhandlungen gekennzeichnet sind. Das Streikrecht i s t eine Waffe gegen hartnaecklge Arbeitgeber, die
sich weigern, Bedingungen zu gewaehren,. die bei ihren Konkurrenten bereits eingefuehrt sind, oder die sich weigern, Forderungen zu erfuellen, die die Gewerkschaften
a l s gerecht und vernuenftig ansehen.
"Schliesslich erinnert das Recht auf Streik staendig daran, dass die Arbeiterschaft in den Vereinigten Staaten nicht aus "Sklavenarbeitern" besteht, dass es
den Gewerkschaftsmitgliedern frei steht, gemeinsam zu handeln, um ihre Lage zu
verbessern, oder ihren Arbeitsplatz zu verlassen, wenn ihre Bedingungen auf Grund
einer demokratischen Abstimmung a l s untragbar angesehen werden."
"State Department Radio Bulletin" 15. April 1%9
DIE KOMMUNISTEN KOENNEN MR. BROWN NICHT LEIDEN
Adrienne Tassler, die europaeische Korrespondent in des "AFL News Service"
schrieb vor kurzem folgende]} Artikel, aus dem der Haas der Kommunisten gegen den
Vertreter der AFL in Europa hervorgeht;"Irving Brown, der Vertreter der AFL in Europa, i s t ein beliebter Pruegelknabe der Kommunisten Europas.
Der breitschultrige fruehere Gewerkschaftsorganisator, der s e i t mehr als 3
Jahren versucht hat, die europaeischen Arbeiter mit den Vorteilen der freien
Gewerkschaften vertraut zu machen, muss fast taeglich in den von den Roten
kontrollierten Veroeffentlichungen von Frankreich fcis Ungarn Vorwurfe, geringschaetzlge Bemerkungen usw. ueber sich ergehen lassen* Er i s t in Dutzenden von
Karikaturen geschmaeht worden und dient den haeufigen Rundfunkattacken als Zielscheibe.
Die ungarische Kommunistische Tageszeitung "Szabadsag", die in Budapest
herausgegeben wird, beschrieb die Eroeffnung der Europa-Zweigstelle der AFL in
Bruessel, Belgien, als einen Teil der "Sturms der Wall-Street-Soziallsten auf
Europa." Sie behauptete ferner, dass die Taetigkeit der AFL "von der neuen imperilistischen Offensive der Vereinigten Staaten ersonnen sei".
Das kommunistische Organ Belgiens, "Drapeau Rouge" bezeichnete den AFL-Vertreter a l s den "Geheimnisvollen", fuhr aber dann mit der Behauptung f o r t , dass
die Rolle, die er in Europa spiele, klar s e i - " er arbeitet daran, die Gewerkschaften Westeuropas zu spalten, um die europaeischen Arbeiter den amerikanischen
Geschaeftsmagnaten zu ueberantworten;.."
"Brown", so fährt der Artikel fbrt, "vertritt die arbeitenden Klassen Amerikas
nicht mehr als die zahlreichen Vertreter fuer Maisflocken und Coca-Cola, die im
Augenblick die Laender unseres Konttents bevoelkern
"
Ein Artikel der "Humanite", einer in Paris erscheinenden kommunistischen
Zeitung bezeichnet Brown a l s einen amerikanischen Buerger» der von den "Reaktionaeren" der AFL nach Frankreich geschickt wurde, und fuegt hinzu; "Er arbeitet
unter der Leitung des Aussenministeriums."
In einer kurz darauffolgenden Ausgabe der gleichen Zeitung war ein Artikel
ueber Brown ueberschrieben; "Der berufsmaessige Spalter Irving Brown kehrt nach
-

15

-

�Amerika airueck", mit einem U n t e r t i t e l , der begann; "mit noch mehr Dollars
•
Kurz vor dem Zusammenbruch des Weltgewerkschaftsbundes (WFTU) schrieb
die linksstehende daenische Tageszeitung "Land og Folk";"Irving Brown, dessen Dollarhilfe die rechtsstehenden Sozialdemokraten vera n l a s s t e , s i c h aus der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung zurueckzuziehen, versucht j e t z t im I n t e r e s s e der AFL und Marshalls, seine englischen Kollegen davon
zu ueberzeugen, dass noch mehr getan werden muesse a l s nur dies, und dass sie aus
dem Weltgewerkschaftsbund austreten muessen.
"Er rechnet damit, dass es ihm gelingen wird, a l l e Landesorganisationen aus
dem WFTÜ herauszubringen, um so eine Marshall-Internationale au b i l d e n . Wir
wollen nur hoffen, dass sich die Sozialdemokraten des rechten Fluegels noch nicht
so weit in ihrem sklavischen Gehorsam der amerikanischen Aussenpolitik gegenueber e r n i e d r i g t haben
"
"AFL Weekly News Services" 5. April 1%9

-

Manpower Division
OMGUS, APO 742

(OMOUS 9 - 1 4 3 2 UMB Majr 49 8tC)

16

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OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl* folgenden Artikel »teilen Aussage an« der amerikanischen Press« und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher .Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Poet zugeleitet.
Der Inhalt der „ArbeiUmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 13

Berlin, 20. Mai 1%9

AMERIKANISCH ARBEITERRBDAKTBORB AEUSSERN SICH
Drei amerikanische Arbeiterredakteure haben unlaengat eine Rundreise durch
europaeisehe Laender unternommen, und jeder von ihnen hat seine Eindruecke niedergelegt. Nachstehend folgen kurze Auszuege aus ihren Erklaerungen:1. William C. Geuaman. Redakteur der "Labor Press Associates"
Die demokratischen Gewerkschaftler in ganz Westeuropa haben sich jetzt die
Aermel aufgekrempelt und sich in die Arbeit gestuerzt, um den Marshall-Plan fuer
die Gesundung Europas zu einem Erfolg zu machen.
In den letzten beiden Monaten habe ich Belgien, Frankreich, Gross-Britannien,
die Westzonen Deutschlands, Italien und die Niederlande besucht. Undueberall ist
es dasselbe.
Die antikommunistischen Gewerkschaftafuehrer haben im Marshall-Plan eine
fuehlbare und greifbare Antwort auf die russische Behauptung gefunden, daas nur
eine Verbindung mit dem Osten die ernsten wirtschaftlichen Probleme des vom
Erlege verwuesteten Europa loesen koenne. Die breite Masse in der Arbeiterbewegung, die von Natur aus den zynischen Manoevem der Kommunisten ablehnend gegenübersteht, hat auf den grossen Aufruf, der in der von der amerikanischen Hilfe gestützten Planung innerhalb Europas zum Ausdruck kommt,geantwortet.
Die europaeisehe Arbeiterschaft hat die Maenner der AFL und des CIO, die bei
den verschiedenen "LaendermlssIonen" als Berater in Arbeitsfragen taetig sind,
als gute Freunde und als wirksame Sprachrohre kennengelernt, durch die sie ihre
Ansichten darueber zum Ausdruck bringen koennen, auf welche Weise die MarshallPlan-Hilfe am besten angewendet werden koennte.
In ganz Suropa erbitten oder fordern sogar die Arbeiter mehr Nachrichten
ueber Amerika und insbesondere ueber die Arbeiterbewegung in den Vereinigten
Staaten. Auf diesem Gebiete leistet die Abteilung fuer ArbeiterInformation beim
ECA unschaetzbare Dienste.
Die meisten ECA-Beamten sind Geschaeftsleute. Waehrend es einerseits nicht
der Wahrheit entsprechen wuerde, wenn man behauptete, dass sie sioh In wirtschaftlichen Fragen den gewerkschaftlichen Gedanken zu eigen gemacht haben, so
verlangt es andererseits die Gerechtigkeit, zu sagen, dass sie die Bedeutung der
freien Arbeiterbewegungen fuer die Zukunft der europaeischen Demokratie schaetzen
gelernt haben, und dass sie sich dafuer interessleren, was die Arbeiterschaft zu
sagen hat.
Die Rolle, die die Gewerkschaften bei der Planung zur Verwendung der amerikanischen Hilfe spielen, ist von Land zu Land sehr verschieden. Dies haengt von der
Haltung der in den verschiedenen Laendern an der Macht befindlichen Regierungen
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1

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�der Arbeiterschaft und der Wirtschaftspolitik im allgemeinen gegenueber ab. In
verschiedenen Laendern haben die Gewerkschaftsfuehrer die Beobachtung gemacht,
dass die ECA-Missionen der Vereinigten Staaten ihren Vorschlaegen aufgeschlossener
und freundschaftlicher gegenueberstehen als ihre eigenen Regierungen.
2. Cornelius F. Miller. Redakteur. AFL Weekly News Service.
Der Anfang von dem, was die Vereinigten Staaten erhoffen und Russland fuerchtet, bahnt sich Jetzt In Westeuropa an. Die Nationen, die am Marshall-Plan beteiligt sind, erholen sich. Ein wirtschaftliches Chaos ist abgewendet worden.
Neues Blut stroemt durch die industriellen Adern derjenigen Laender, die westlich
des "Eisernen Vorhanges" liegen. Der einfache Buerger in Frankreich, Italien,
Belgien, den Niederlanden und in Westdeutschland ist wiedermit neuer Hoffnung auf
die Zukunft erfuellt.
Die Welle von Hoffnung und Vertrauen auf das zukuenftige wirtschaftliche Leben
dieser Nationen war einer der hauptsaechlichsten Eindruecke, die ich waehrend
meiner kuerzlichen 5 wöchigen Rundreise durch 6 derjenigen Laender, die gemaess dem
ERP Hilfe von den Vereinigten Staaten erhalten, gewonnen habe.
Gleichzeitig war ich von der gewaltigen Groesse der noch vor uns liegenden
Aufgabe beeindruckt. Der wachsende Erfolg des Maxball-Plans faengt Jetzt langsam
an, den Hintergrund fuer zukuenftige Probleme zu schaffen, die ein Zustrom von
Dollars und Material nicht zu loesen vermag. Um die geeigneten Loesungen zu finden, werden die Faehigkeiten, die staatsmaennischen Qualitaeten und die Geduld
sowohl der Fuehrerpersoenlichkeiten des Landes wie euch der Durchschnittsbuerger
In Westeuropa und in den Vereinigten Staaten auf die Probe gestellt.
Diese Probleme schliessen such die Notwendigkeit ein, einen hoeheren Grad
europaeischer Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet zu erreichen, wie auch
die Notwendigkeit, die Fruechte einer wachsenden landwirtschaftlichen und industriellen Wirtschaft in Westeuropa zu verteilen, allerdings auch die Tendenz einiger
besonders interessierten Gruppen in den Vereinigten Staaten, die versuchen, den
Marshall-Plan zu einem Instrument zu machen, das ihnen einen dauernden Wohlstand
und ein staendiges Gedeihen garantiert.....
Die tatsaechliche Aufgabe, die vor uns liegt, besteht darin, die beteiligten
Nationen zu veranlassen, ihr wirtschaftliches Denken und Planen so zu ueberpruefen
und umzustellen, dass der Bedarf jeder einzelnen von ihnen nahezu ganz gedeckt
wird. Im Falle eines Fehlschlagens wuerde dies bedeuten, dass der Nationalismus
auf dem Gebiete der Wirtschaft nur gesteigert wuerde. Mangels Zusammenarbeit
wuerde Jede Nation nur darauf bedacht sein, jeder anderen Nation gegenueber im
Dampfe um den Weltmarkt und die Maerkte Europas, auf denen sie die Erzeugnisse
einer ueberentwickelten Industrie abzusetzen sucht, eine halsabschneiderische
Politik zu verfolgen» wodurch die Stabilitaet eines ordnungsmaessigen Welthandels
unterminiert werden wuerde
Ein weiteres, gleichermassen beunruhigendes Problem ist die interne Verteilung der Erzeugnisse und des Wohlstandes jeder Nation auf ihre Bevoelkorung.
In allen Laendern ist genuegend Raum fuer bedeutende Verbesserungen. In manchen
werddn sich die bestehenden Ungerechtigkeiten - wenn sie weiter bestehen bleiben zu einem wirklichen Hindernis fuer einen endgueltigen Wohlstand Europas auswirken.
Es muessem Mittel und Wege gefunden werden, um den Lebensstandard der Massen derjenigen Manschen zu heben, die durch ihre schwere Arbelt und ihre Opfer daran
mitarbeiten, Europa aus der wirtschaftlichen Flaute wieder herauszubringen. Man
muss den europaeischen Arbeitern die Gewissheit geben, dass in dem Masse, wie die
Produktion steigt, sie auch auf eine staendige Verbesserung ihrer Loehne und
Lebensbedingungen hoffen koenuen. Ebenso wie die Nationen es lernen muessen, mit
-. 2

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�den Nationen zusammenaiwirken, um eine gesunde einheitliche europaelsche Wirtschaft
zu entwickeln, so muessen die Segmente der Wirtschaft einer jeden einzelnen Nation
lernen, zum Wohle der Gesamtorganisation zusammenzuarbeiten."
3« Allan L. Swlm. Redakteur der "CIO News"
"Es gibt noch Menschen, die in Italien in Hoehlen, in Deutschland in zerbombten Gebaeuden und in anderen Teilen Europas eng zusammengefpercht leben. In
manchen Laendern gibt es nicht genug Nahrungsmittel, in anderen wieder nicht genuegend Kleidung. In dem ganzen Gebiet herrscnt ein Mangel an Rohmaterialien
und an Maschinen fuer die Produktion.
Diese Terhaeltnlsse sind groesstenteils das Srgebnls des letzten Krieges —
und a l s Ergebnis dieser bestehenden Terhaeltnlsse begann der Kommunismus, westlich
des "Eisernen Torhanges" Fuss zu fassen. Tor einem Jahr glich Westeuropa etwa
einem Boxer, der hart angeschlagen und groggy in den Seilen hing. Heute i s t
dieses Gebiet wieder Im Ring und faengt an, wieder mit erneuter Kraft zuzuschlagen.,
dank dem Marshall-Plan. Und der Kommunismus verliert an Boden, Das sind die
Eindruecke, die ich hatte, a l s ich 6 Marshall-Plan-Laender besuchte und mehrere
hundert Menschen aus verschiedenen Berufen und Kreisen befragte.
Niemand i s t in der Lage, ein einfache, genaues und yollstaendiges Bild von
den Terhaeltniasen, wie sie heute in Westeuropa bestehen, abzugeben, weil in den
verschieden Laendern auch die Probleme verschiedener Natur sind. Aber mit einer
gewissen Sicherheit kann man schon einige allgemeine Sohluesse ziehen;1. Es besteht ein wirklicher Bedarf an einer erhoehten Produktion und einer
erhoehten Produktivitaet - in ganz Westeuropa.
2. Es besteht ein wirkliches Beduerfnis fuer eine gerechtere Verteilung des
Wohlstandes und der guenstigen Gelegenheiten in vielen Teilen Westeuropas.
3 . Die HauptVerantwortung fuer einen Erfolg desEuropaeisehen WiederaufbauProgramms l i e g t unbedingt bei den Marshall-Plan-Laendern selbst - weil die amerikanische Hilfe l e d i g l i c h dazu dienx, "die Pumpe anzustechen".
k» Der Kommunismus wird neue Anhaenger gewinnen, wenn die wirtschaftlichen
Terhaeltnlsse eine Wendung zum schlechten nehmen, und wenn einige der westeuropaeischen Nationen nicht die sozialen und wirtschaftlichen Reformen durchfuehren,
wuerden, die von der Bevoelkerung dringend verlangt werden.
5. Die Marshallplan-Laender muessen in Zukunft noch enger als bisher miteinander zusammenarbeiten, wenn s i e ein Durcheinander vermeiden wollen» sie
muessen die Handelsschranken abschaffen und Wirtschaftsverhaeltnisse schaffen,
die mit einander nicht im Widerstreit stehen."
"Trans-Atlantic" 11. April 1%9
DIE OBSTERREICHISCHE ARBEITERSCHAFT BILLIGT DAS ERP
In einer o f f i z i e l l e n Teroeffentlichung des Oesterreichischen Gewerkschaftsbundes erklaerte Johann Böhm, der Praeaident des Bundes, vor kurzem; "Die meisten
Arbeiter und Angestellten, die dem Oesterreichischen Gewerkschaftsbund angehoeren,
sind s i c h sehr wohl der Tatsache bewusst, dass die Marshall-Plan-Hilfe, die unserem Lande gewaehrt wurde, den wichtigsten Faktor fuer unseren wirtschaftlichen
Wiederaufbau bildet."
Böhm sagte, dass die Marshallplan-Hilfe nicht nur "die Mittel fuer Investierungen" l i e f e r e , sondern Nahrungsmittel. "Wenn wir nicht aierst die Nahrungsmittellieferungen der UNRRA und jetzt die Lieferungen aus dem Marshall-Plan gehabt
haetten, dann waere sicherlich ein grosser Teil des Oesterreichischen Tolkes an
Hunger und ansteckenden Krankheiten zugrunde gegangen.
"Wir s o l l t e n nicht vergessen, dass selbst heute noch mehr a l s die Haelfte
der vom oesterreichischen Volke verbrauchten Lebensmittel aus der Marshallplan-

3

-

�H i l f e stammt."
Nur e i n e k l e i n e Minderheit unter den 0 e s t e r r e i c h e r n leugnet den Wert d e r
Marshallplan-Hilfe ab, schrieb Böhm, aber "diejenigen, die den Marshall-Plan
k r i t i s i e r e n , sind a n d e r e r s e i t s durchaus b e r e i t , d i e Lebensmittel anzunehmen, d i e
uns nach dem Marshall-Plan g e l i e f e r t werden."
"Die Gegner des Marshall-Plans moegen s i c h drehen und wenden wie s i e w o l l e n ,
s i e koennen aber n i c h t d i e Tatsache aus der Welt schaffen, d a s s e s nur der Marshai l p l a n - H l l f e zu danken i s t , dass s i c h unser Land wieder langsam erholen kann,"
sagte Böhm.
"BCA Labor Information" 2 5 . April 1949
FORDERUNG NACH INTERNATIONALER GEWERKSCHAFTSSOLIDARITAgT
" E i n h e i t l i c h a u s g e r i c h t e t e Aktionen der Arbeiterschaft ueber d i e Landesgrenzen hinweg" s i n d heut* e i n e anerkannte Notwendigkeit, sagte Maurice J . Tobin, der
A r b e i t s m i n i s t e r der Vereinigten S t a a t e n .
Tobin e r k l a e r t e am Donnerstag b e i einem F e s t e s s e n zu Ehren des Zentralaueschusses des I n t e r n a t i o n a l e n Metallarbeiter-Verbandes, dass e i n Land nur durch
d i e Zusammenfassung a l l e r wahren demokratischen Elemente i n a l l e n Laendern auf
d i e Dauer s e i n e F r e i h e i t wahren koennen. "Es b e s t e h t kein Zweifel, dass da, wo
e s der A r b e i t e r s c h a f t f r e i s t e h t , s i c h zu o r g a n i s i e r e n und i h r e Meinung zu aeussern,
d i e allgemeinen Impulse zu e i n e r anstaendigen und wuerdeTollen Lebensweise g e staerkt werden."
Tobin beglueckwuenschte den Internationalen Metallarbeiter-Verband wegen
s e i n e r Arbeit waebrend e i n e s halben Jahrhunderts a l s Gewerbesekretariat. Die
"umfassenden und klaren Anschauungen" d i e s e s S e k r e t a r i a t s und auch anderer
"temperiert durch einealebendigen und gesunden Sinn fuer TJnabhaengigkeit" hat
s i e davor bewahrt, "zu einem Werkzeug der S o w j e t p o l i t i k zu werden." s t e l l t e Tobin

fest.
Der Zentralausschuss, der einige 4 Millionen Metallarbeiter in 11 Laendern
Europas, wie auch in Canada und den Vereinigten Staaten-vertritt hat sich waebrend
der Sitzungen in Washington mit der Frage der zukuenftigen Verwertung der Ruhr,
die dort einen der Streitpunkte bildete, befasst. Tobin erklaerte mit Nachdruck,
dass "die Arbeiterschaft bei der Loesung des Problems der Verwertung des Ruhrgebietes eine wichtige Rolle spielen rauesse."
Sachverstaendige Ratschlaege von Organisationen wie die Ihre werden gebraucht. Dies i s t die beste und einzige Garantie dafuer, dass dieses wichtige
Industriegebiet fuer einen friedlichen Aufbau Europas benutzt wird. Die demokratische Arbeiterschaft Deutschlands muss daher unbedingt ermutigt wnd gestaerkt
werden. Ihre freien Gewerkschaften fuehren einen gewaltigen Kampf nach zwei
Fronten hin, und zwar gegen die nationalistische Reaktion und gegen den t o t a litaeren Kommunismus.
Tobin wies dann noch auf die "Stimme hin, die s e i n Ministerium bei der Pol i t i k und den Massnahmen habe, die vom Aussenministerium verfolgt bzw. getroffen
werden," vowie auf das Interesse an dem Programm zur Beteiligung der Arbeiterschaft, an der primaeren Verantwortung fuer die Beteiligung Amerikas an der
Internationalen Organisation fuer Arbeitsfragen (ILO), "an dem Austasch technischer
Kompetenzen" mit den Arbeitsministerien anderer Laender und an der engen Zusammenarbeit mit der amerikai isehen Armee in bezug auf die "Gesichtspunkte der
Arbeiterschaft" im Hinblick auf d i e Verwaltung der besetzten Gebiete.
"State Department Radio Bulletin" 22. April 1949
-

4

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�TREFFEN DES INTERNATIONALEN METALLARBEITER-VERBANDES
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
12 Mitglieder des Zentralkomitees des Internationalen Metallarbeiter-Verbandes (IMF), dessen Zentralstelle sich in Genf, in der Schweiz, befindet, sind nach
den Vereinigten Staaten unterwegs, um mit der Internationalen Vereinigung der
Maschinisten (IAM), einer der fuenf groessten Gewerkschaften in den Vereinigten
Staaten zusammentreffen. Dies ist in der Geschichte des IMF das erste Mal, dass
ein Treffen jenseits des Atlantik vor sich geht. Gewerkschaftsfunktionaere bezeichnen dies als einen Bruch mit "dem traditionellen Isolationismus der Gewerkschaften beider Kontinente."
Der IMF setzt sich aus den hauptsächlichsten Metallgewerkschaften in 11
westeuropaeischen Laendern, in den Vereinigten Staaten und Canada zusammen, wobei die letzteren durch die IAM vertreten werden. Die Sitzungen werden hier
am 20. April eroeffnet werden« der Exekutivrat der IAMsoll am folgenden Tag
zusammentreten.
Die zur Debatte stehenden Fragen befassen sich auch mit der Vergroesserung
und Ausweitung der Organisation. Es wird auch in Erwaegung gezogen, die Zweigverbaende anderer Gewerkschaftsorganisationen im Metallgewerbe in den Vereinigten
Staaten einzuladen, einschliesslich der AFL und des CIO. Auch die zukuenftige
Kontrolle der deutschen Kohlen- und Stahlindustrie im Ruhrgebiet sowie die
zukuenftigen Beziehungen der Gruppe zu der neuen Weltbewegung der Arbeiterschaft
sollen zur Sprache kommen.
Am 26. April wird das Komitee eine Rundreise unternehmen, um metallverarbeitende Werke in den Vereinigten Staaten zu besichtigen. Die Mitglieder brachten
zum Ausdruck, dass sie Vertreter "freier Gewerkschaften seien und keinerlei
Verbindungen zu irgendeiner Regierungsstelle unterhüten." Erik Peterson, der
Sekretaer und Schatzmeister der IAM, erkJa erte, dass die Konferenz fuer den
grossangelegten "Kampf zur Staerkung der westlichen Demokratie von Bedeutung sei."
"Die Maschinisten und Metallarbeiter in jedem europaeischen Lande bilden
den groessten Teil der organisierten Gewerkschaftsbewegung. Sie halten die
Schluessel zum wirtschaftlichen und industriellen Wiederaufbau in Westeuropa in
ihren Haenden. Mehrere Jahre habmi sie erfolgreich gegen die Flut des Totalitarismus angekaempft. Heute arbeiten diese Gewerkschaften daran, den Widerstand
gegen den Kommunismus zu einem positiven Kampf zu gestalten, mit dem Ziel, das
Leben in jedem freien Lande lebenswert zu machen."
Die Laender, die vertreten sein werden, sind; Oesterreich, Belgien, Daenemark, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, Holland, Luxemburg, Norwegen,
Schweden und die Schweiz, ausserdem die Vereinigten Staaten und Canada.
"State Department Radio Bulletin" 15. April 1949
EINE GEWERKSCHAFT STREICHT EIN HAUS IN 2£ MINUTEN
unter den Beifallsrufen Tausender von Zuschauern stellten heute 96 gewerkschaftlich organisierte Anstreicher einen, wie behauptet wird, Weltrekord auf,
als sie ein Haus in 2 Minuten und 36 Sekunden vollkommen weiss anstrichen. Die
Bewohner der Stadt haben Robert W. Hoelzte, einem Kriegskrueppel, ein Helm geschenkt
Mit glueckstrahlendem Gesicht beobachteten der 23 Jahre alte ehemalige Kriegsteilnehmer des Pazifik und Miss Elaine Noll, die er am 12. Juni heiraten wird,
wie die Maler geschaeftig auf dem Geruest hin und her eilten und emsig ihre
Arbeit verrichteten. In seinem Rollstuhl gab er begeistert seinem Beifall
-

5

�zusammen mit den Umstehenden Ausdruck, als die offizielle Zeit, in der die Arbeit
verrichtet wurde, bekanntgegeben wurde.
"Wir sind ja so glueoklich," sagte er, "aber ich freue mich, dass das nun
geschafft ist. Ich aoechte den Hunderten freundlicher Menschen, die dies alles
ermoeglicht haben, unseren tiefsten Dank aussprechen."
Sine Stunde, bevor der Anstrich begann, versammelte sich schon die Menge
vor dem Bau im Stadtteil Edgebrook. Um das gesamte Gebaeude war ein Geruest
errichtet worden, und John Pecoraro, der GeschaeftsVertreter der Ortsgewerkschaft 834 des Verbandes der Maler, Dekorateure und Tapezierer wies jedem einzelnen seiner Maenner seinen besonderen Platz an."
Mehr als 1000 Personen haben dazu beigetragen, um dem Krie gskrueppel ein
ein Heim zu geben. Verschiedene Gewerkschaften halfen mit ihrer Arbeit dabei,
das Haus, das 5 Zimmer enthaelt, in ein paar Tagen zu errichten.
"New York Times" 24. April 1949
ENGLISCHE SEEMANSGEWERKSCHAFT GREIFT KOMMUNISTEN AR
Tom Yates, der Generalsekretär des Landesverbandes der Seeleute, der
55.000 englische Arbeiter im Schiffahrtswesen vertritt, geisselte in der laufenden Ausgabe des "Seemann", dem offiziellen Organ der Gewerkschaft, die kommunistischen Bemuehungen, die Arbeiterbewegung der Welt und der des Vereinigten
Koenigreichs zu beherrschen.
In einem von ihm unterzeichneten Artikel eroertate Yates die Unterstuetzung,
die der Seemannsverband dem Englischen Gewerkschaftsbund bei dessen Austritt
aus dem Exekutivbureau des Weltgewerkschaftsbundes hat zukommen lassen. Yates
schrieb "Die Vertreter der Sowjets und ihre Verbuendeten innerhalb des Bundes
haben jede nutzbringende Arbeit, die auf internationaler Grundlage geleistet
wird, behindert."
Ebenso rechnete Yates auch mit den "kommunistischen Machinationen" innerhalb der Seemannsgewerkschaft ab und wies darauf hin, dass die Organisation
solche "inoffiziellen Streiks" wie den, durch den die "Queen Elizabeth" Im vergangenen Jahr in Liverpool festgehalten wurde, nicht dulden wuerde. "Es hat
keinen Zweck, vorzugeben, dass Unruhen dieser Art auf Zufaelle Burueckzufuehren
sind. Es ist nichts als geplanter und organisierter Unfug," schrieb Yates.
"Man hat mich beauftragt, verantwortlich in aller Offenheit darauf hinzuweisen, dass unser Exekutivrat im Rahmen des Gesetztes gegen umstuerzier Ische
Elemente vorgehen wird, die unsere Gewerkschaft in illoyale Handlungen dieser
Art verwickeln wollen."
Dann pries der Sekretaer der Seemannsgewerkschaft das Programm der LabourRegierung zur Erhoehung der industriellen Produktiv!taet. In einem anderen
Artikel der Zeitschrift wird es dem Europaeischen Wiedaufbuu-Programm zur Ehre
angerechnet, dass es den Englaendern eine Hilfe gebracht habe, die sich pro
Kopf der Bevoelkerung auf 6 Pfund Sterling im Jahr beläuft. "
"ECA Office of Labor Information"
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN NEHMEN 28 MILLIONEN
MENSCHEN AM SCHULBESUCH TEIL
Nach Angaben des Amerikanischen Amts fuer Volkszaehlung wurden zu Beginn
des Schuljahres 1948-49 mehr als'28 Millionen Schüler bei den amerikanischen
Schulen angemeldet.
Diese Rekordzahl ist im Vergleich zum vergangenen Jahr um 600.000 hoeher
und 1940 gegenueber um mehr als 1 Million gestiegen. Dies geht aus einer probeweisen Untersuchung des Amts fuer Volkszaehlung hervor. Die Zahl umfasst alle

- 6 -

�Schueler, vom Kindergarten angefangen bis hinaus zum College, und zwar sowohl
in oöffentlichen wie auch in privaten Anstalten.
Das Amt fuer Volkszaehlung fuehrt den Grund fuer die staerkeren Anmeldungen
in den niederen Klassen auf die Tatsache zurueck, dass die Kinder, die aus den
im Kriege geschlossenen Ehen hervorgegangen sind, Jetzt das schulpflichtige
Alter erreicht haben. Mehr als 1 Million ehemaliger Angehoeriger der amerikanischen Streitkraefte, die auf Grund einer Unterstuetzung seitens der Regierung
studieren, bilden den Grund dafuer, dass sich bei den Hochschulen und Colleges
eine staerkere Anmeldung bemerkbar macht.
Einem Bericht der U.S. National Education Association (Landesbildungs-Vereinigung Amerikas) ueber die Lage der amerikanischen Schulen, erhaelt heute der
Schüler einer Volksschule in den Vereinigten Staaten eine weit bessere Bildung
als dies bei seinen Eltern der Fall war."
"State Department Radio Bulletin" 18. April 1949
ETWAS UEBER AMERIKANISCHE LEBENSVERHAELTNISSE
In einer vor kurzem erschienenen Veroeffentlichung des Amerikanischen Arbeitsministerium sind folgende typischen Beispiele fuer die Kaufkraft der Loehne angegeben, die ein amerikanischer Fabrikarbeiter im Durchschnitt verdient, und was er
sich - unter Zugrundelegung der Preise von 1947 - nachdem er eine gewisse Zeit
gearbeitet hat, kaufen kann.
1 Pfund Brot
6 Minuten
1 Pfund Rinderkeule
37
"
1 Pfund jungen Lachs (Konserven)
21
"
•
Butter
40
«
"
Cheddarkaese
29
"
"
Kaffee
23
"
"
Zucker
5
"
1 Quart Milch (etwa 0,95 1) 9
"
1 Dtzd Eier
34
"
1 Dtzd Apfelsinen
21
"
1 Paar Arbeitsschuhe fuer Maenner
6 Stunden
1 tragbarer Radioapparat, Standardmodell . . . . 2 Tage
1 elektr ischer Kuehlschrank, Standardmodell . . 22
"
1 neues Automobil, eines der preiswerten Volks- 140
"
modeile
1 Mietswohnung zum durchschnittlichen Mietssatz .
Monatsmiete dafuer
3

"

Die Anzahl aller Wohnungen in den Vereinigten Staaten, die von ihren Besitzern bewohnt wurden, stieg von 44l im Jahre 1940 auf 55^ im Jahre 1947. Die
von Mietern bewohnten Wohnungen (1947) waren mit folgendem Komfort ausgestattet.
Mit fliessnedem V/asser
94.6 Prozent
Mit Bad und Spueltoilette im Hause
79.2
"
Mit Zentralheizungsanlage zur Beheizung
aller Raeume
In den Vereinigten Staaten
59.4
"
In den nordoestlichen Staaten
83.4
"
In den noerdlichen Mittelstaaten
75.1
"
Mit elektrischer Beleuchtung
97.5
"
Mit nicht mehr als fuer 1.5 Fereonen Raum im
Zimmer
93.5
"
New York Times, ?U April 1949
- 7 -

�CIO-FUEHKER BEDAUERT PARISER REDE EINES KOLLEGEN
Jacob S. Potofsky, der Vorsitzende des Verbandes der Vereinigten Bekleidungsarbeiter Amerikas (CIO) bedauerte gestern die Erklaerungen, die von Mitgliedern
der amerikanischen Delegation zu dem von den Kommunisten inspirierten V.'eltfriedenskongress - der am Montag beendet wurde,abgegeben worden waren.
Mr. Potofsky bemerkte insbesondere, dass Donald Henderson, der Vorsitzende
des Verbandes der Lebensmittel, Tabak- und Landarbeiter, eines Zweigverbandes des
CIO, kein Recht haette, im Namen des CIO Erklaerungen abzugeben, und dass seine
Ansichten von noch nicht l6 der organisierten Arbeiterschaft in den Vereinigten
Staaten geteilt wuerden.
Mr. Henderson hatte den sowjetischen und auch anderen Delegierten versprochen,
dass "die arbeitende Bevoelkerung nicht in einen Krieg gegen die Sowjetunion
getrieben warden wuerde....."
Jacob Potofsky, den der ClO-Praesident Philip Murray nach Israel gesandt
hatte, um dort die amerikanische Arbeiterschaft bei den Feierlichkeiten anlaesslich des ersten Jahrestages der Errichtung des Staates Israel zu vertreten, befand sich gerade auf der Durchreise in Paris, als er von den Aeusserungen der
amerikanischen Delegierten auf dem Friedenskongress erfuhr. Er war darueber so
aufgebracht, dass er sich entschloss, eine Pressekonferenz einzuberufen.
Zu der Erklaerung des amerikanischen Schriftstellers Howard Fast, dass die
amerikanischen Cefaengnisse mit politischen Gefangenen vollgestopft seien,
aeusserte sich Mr. Potofsky;" Das ist mir nicht nur ganz neu, sondern ich glaube
eher, dass ein politischer Schwindel ist."
Er sagte;'* Wir vom CIO haben zu Zeiten unserem eigenen Kongress und unserer
Verwaltung kritisch gegenuebergestanden, doch glauben wir an unsere demokratischen
Einrichtungen und an die amerikanische Lebensweise." Er sagte ferner, er wuerde
Praesident Truman auch weiterhin unterstuetzen und sei der Ansicht, dass Aussenminister Dean Acheson "ein sehr grosser Staatsmann" sei."
Er fuegte nochünzu; "Wir glauben, dass unsere Regierung und unser Volk
den Frieden wollen entgegen den Erklaerungen, wonach wir zum Kriege zu ermutigen
suchen." Mr. Potofsky sagte, dass der Vorstand des CIO sich wahrscheinlich auf
seiner naechsten Sitzung am Mai mit Mr. Hendersons Taetigkeit befassen wuerde,
er glaube aber nicht, dass irgendwelche disziplinarischen Massnahmen gegen ihn
ergriffen werden wuerden."
"New York Herald Tribüne" (Paris) 27. April 1%9
DIE HOHER KOSTEN DER AMERIKANISCHEN HILFE FÜER DIE
KRIBGSVETERAgEN
Ein ehemaliger Kriegsteilnehmer aus dem Zweiten Weltkrieg hat lt. einem bei
Beendigung des Krieges vom amerikanischen Kongress verabschiedeten Gesetz ein
Anrecht auf oeffentliche Unterstuetzung, wenn er keine staendige Beschaeftigung
finden kann. Fuer die Zeit von 52 VJochen bek ront er eine Unterstuetzung in
Hoehe von $20 pro Woche. Wenn er selbstaendig, ein Farmer oder kleiner Geschaeftsmann ist, hat er Anrecht auf Bundeshilfe bis zum Gesamtbetrage von
$1.040.—. Waehrend des Krieges wurden etwa 15 Millionen Maenner und Frauen
zum Heeresdienst herangezogen. Wenn sie alle diese Unterstuetzung in Anspruch
nehmen wuerden, auf die sie ein Recht haben, dann wuerden hierdurch der amerikanischen Regierung Ausgaben von ueber 15 Milliarden Dollar entstehen.
Bis heute haben insgesamt 8g- Millionen ehemaliger Kriegsteilnehmer Unterstützungen im Gesamtwerte von $ 3.355.173.000 erhlaten. Nahezu 7 Millionen
3

-

�haben nicht um Unterstuetzung gebeten und 1.038.000 haben vollkommen die ihnen
zustehende Unterstuetzung in Anspruch genommen.
"New York Times" 25. April 1949
ZWANGSARBEIT IN DER TSCHECHOSLOWAKEI
Gemaess der Praeambel zu einem Gesetz, das am 25. Oktober 1948 von der
tschechoslowakischen Regierung erlassen warde, heisst es, dass "die Praxis,
nur notorische Verbrecher zu Zwangsarbeit zu verurteilen, sich angesichts der
Tatsache nicht als zufriedenstellend erwiesen hat, dass es die kollekü ve Sicherheit erfordert, dass aehnliche Massnahmen auch gegenueber solchen Personen
angewandt werden sollen, die, obwohl sie sich nicht eines bestimmten Verbrechens
schuldig gemacht haben, trotzdem fuer das wirtschaftliche und soziale Regime
insofern eine Bedrohung darstellen, als sie die Arbeit verweigern und auf Grund
ihrer antisozialen Haltung. "Fuer solche Leute muss es eine Haft geben, die
einen "besserden" Charakter hat.
Dieses Gesetz sieht Arbeitslager vor, die nach dem Muster der in der Sowjetunion bestehenden eingerichtet sind. Es ist anzunehmen, dass alle Arbeiter die
Pflicht haben, zu arbeiten, jedoch muessen sie so arbeiten, wie es die Regierung
haben will. Das Recht auf Arbeit wird auch als eine Pflicht angesehen, so zu
arbeiten, wie es verlangt wird.
"Aehnliche Gesetze wurden auch im Jahre 1945 und 1946 in Bulgarien erlassen,
und ueber die Sowjetzone Deutschlands sind ueber ein Dutzend Lager verstreut,
wo schaetzungsweise 200.000 bis 300.000 Menschen interniert aind.
Folgende Analyse der Zwangsarbelt in der Tschechoslowakei erschian in der
Ausgabe der Zeitschrift "Industry and Labor" vom 1. April, einem der offiziellen
Organe der Internationalen Organisation fuer Arbeit, die in Genf herausgegeben
werden»
"Zwangsarbeitslager in der Tschechoslowakei
Am 25. Oktober 1948 trat in der Tschechoslowakei ein Gesetz ueber die Zwangsarbeitslager in Kraft.
Zunaechst wurde die Zwangsarbelt in der Tschechoslowakei als eine zeitweilige
Massnahme elngefuehrt, um damit dem Wiederaufbau in der Nachkriegszelt zu helfen,
und zwar lt. einem Erlass des Praesidenten vom 1.0 ktober 1945. Der Einsatz
solcher Arbeitskraefte wurde durch das Gesetz vom 9. Mai 1947 ueber die Mobilisierung der gesamten Arbeitskraefte des Landes fuer die Durchfuehrung des Zweijahres-Plans bestaetigt. Nach der neuen tschechoslowakischen Verfassung von 1948
wird die Verpflichtung, im Interesse der Allgemeinheit zu arbeiten, zu einem der
Grundprinzipien des Rechts auf Arbeit erklaert.
Nach dem neuen Gesetz sollen Zwangsarbeitslager zu dem Zweck eingerichtet
werden, um gewisse Klassen von Buergern in ihren buergerlichen Verpflichtungen
zu unterweisen, und um ihre Arbeitsfähigkeit Im Interesse der grossen Allgemeinheit nutzbar zu machen.
Dienstpflichtige Personen»
Folgende Personen sind zu Dienstleistungen in den Zwangsarbeitslagern verpflichtet»
(1) Personen im Alter zwischen 18 und 60 Jahre, die, obwohl sie ueber die
notwendigen koerperlichen und geistigen Kraefte verfuegen, die Arbeit verweigern,
oder die eine Bedrohung fuer das demokratische Regime oder das wirtschaftliche
Leben des Landes bilden,
(2) Personen, die nach folgenden Gesetzen verurteilt worden sind;
Gesetz vom 6. Oktober 1948 zum Schutze der volksdemokratischen Republik, Gesetz
vom 13. Februar 1947 zur Beseitigung des Schwarzmarkthandels und aehnlicher

- 9 -

�Taetigkeit, Gesetz vom 13.Februar 1947 ueber den strafrechtlichen Schutz bei
der Durchfuehrung des Zwei-Jahres-Flans, Gesetz vom 18. Juli 1948 ueber den
strafrechtlichen Schutz bei nationalen Massnahmen
(3) Personen, die in üebereinstlmmung mit den fuer Verstoesse in der Verwaltung in Kraft befindlichen Strafen zu Zwangsarbeit verurteilt worden sind.
Die Bezirks-Volksausschuesse werden besondere Komitees, aus 3 Mitgliedern
bestehend, bilden, die diejenigen Personen angeben werden, die unter Kategorie
(1) wie oben, fallen, und die das fuer die Zwangsarbeit vorgesehene Strafmass
festsetzen (3 Monate bis 2 Jahre). Eine Berufung gegen die Entscheidung eines
dieser Ausschuesse kann nicht einer Aussetzung des Verfahrens gleichkommen. Das
Komitee hat das Recht, entweder die Haftzeit abzukuerzen, wenn die Meinung
herrscht, dass der Gefangene nach seiner Freilassung ein nuetzliches und makelloses Leben fuehren wird, oder sie im gegenteiligen Felle zu verlaengern. Die
in der Slowakei bestehenden Arbeitskolonnen werden in Zwangsarbeitslager umgewandelt.
Die Art der Arbeit
Die in Zwangsarbeitslagern festgehaltenen Personen werden mit Arbeiten beschaeftigt, die vom Staat, den staatlichen Unternehmen und autonomen Behoerden
zur Durchfuehrung des Landeswirtschaftsplans durchgefuehrt werden. Sie werden
nach den festgelegten Saetzen bezahlt, und zwar nach Abzug der Internierungskosten. Es sollen Schritte unternommen werden, um ihnen berufliche, kulturelle
und moralische Schulung zuteil werden zu lassen.
»ECA Labor Information" 22. April 1949
AEÜSSERUNGEN EINES AMERIKANISCHEN ARBSrTERFUEHRERS
In seiner Ansprache an die zweite Sitzung des Anglo-Amerikanisehen Rates
fuer Produktivitaet in New York sagte kuerzlich Barvey W. Brown, der Praesident
des Internationalen Maschinisten-Verbandes (IAM); "Die freien Gewerkschaften
der Welt sind, wenn sie gemeinsam handeln, am besten ausgeruestet, die destruktiven Massnahmen der Kommunisten zu bekaempfen. Dies ist auch der Grund, warum
es die Arbeiterbewegung so eilig hatte, sich zur Unterstuetzung des MarshallPlans zusaramenzuschliessen. " Der IAM, der sowohl von der AFL wie auch vom CIO
unabhaengig ist, zaehlt mehr als 1 Million Mitglieder.
Brown ist Mitglied des Rates fuer Produktivitaet, dessen erste Sitzung im
vergangenen Oktober in London abgehalten wurde. Auf Veranlassung des Rates
haben Vertreter der amerikanischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Betrieb
in den englischen Industriezweigen studiert, und eine englische "Produktivitaetsgruppe" hat amerikanische Industriebetriebe besichtigt.
Brown erklaerte in seiner Ansprache:" Wenn vir weiterhin unsere freie
und demokratische Lebensweise in der ganzen Welt beibehalten und ausweiten wollen,
dann muessen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ehrlich zusammenarbeiten, was einen der
Grundbegriffe der Demokratie bedeutet. V/ir muessen dies in die Praxis umsetzen
und mit derselben Intensitaet verteidigen, mit der wir unsere politische Freiheit
verteidigen."
"Die industrielle Demokratie ist die unwiderstehliche Macht des zwanaigsten
Jahrhunderts." sagte er. ".'/eise Maenner, die die Lehren aus der Geschichte bezogen haben, v/erden nicht versuchen, sich ihr in den '.'leg zu stellen."
"3CA Labor Information" 20. April 1949

-

10

-

�DIB AMERIKANISCHE
ARBBIBRSCHftFT

INDD5TRIB LERNT VON DER ENGLISCHEN

"Englische Giessereiarbeiter haben amerikanischen Industriellen manche
wertvollen Winke gegeben, wie die amerikanischen Produktionstechniken verbessert
werdenrkoennen, als sie gemaess dem Technischen Hilfsprogramm des Marshallplans
Stahlgiessereien in den Vereinigten Staaten auf ihrer Rundreise besichtigen.
In Milwaukee machte ein Former aus Sheffield auf das ungeeignete und unbeholfene Modell eines Meisseis aufmerksam, das zum Grobmeissein der Form benutzt
wird. Er schlug die Verwendung des englischen Meisseis vor, der besonders geformt ist. Dieser Meissel wird Jetzt in dem betreffenden 7/erk benutzt und spart
viel Zeit und Geld.
In einem anderen Werk in Milwaukee erklaerte ein englischer Giesser ein
schon lange in England eingeführtes System, mit dem besondere Arten von Verkleidungen fuer Schmelzoefen hergestellt werden. Er sah die Plaene fuer eine
neue Ofensohle und wies darauf hin, dass der Aufbau nur eine kurze Lebensdauer
habennwuerde. Die Firma hat jetzt die Absicht, seine Ideen zu verwirklichen.
U.a. gaben die 16 Mann der Produktionsgruppe aus England den amerikanischen
Industriellen auch Ratsohlaege in bezug auf die Lehrlingsausbildung und die
Kostenberechnungsmethoden, wie sie in Grossbritannien eingefuehrt sind.
Indem er darauf verwies, dass das Technische Hilfsprogramm nicht nur eine
einseitige Angelegenheit sei, sagte der Leiter des ECA, Paul Hoffman:" Wir
hoffen, dass dies der Anfang von etwas sehr wichtigem ist - zu einem groesseren
Gedankenaustausch - weil darauf Verstaendigung und Gedeihen erwachsen wird."
"ECA Labor Information" 19. April 1949
PRIVATE WOHLFAHRTSPFLEGE IN NEW YORK CITY
In den meisten amerikanischen Staedten gibt es einmal im Jahr einen Werbefeldzug ("drive"), um Spenden zur Unterstuetzung verschiedener privaten Wohltaetigkeitseinrichtungen zu sammeln. In jeder dieser Staedte gibt es einen Fonds,
der "Community Chest" genannt wird. In New York hat die Gemeindeorganisation
diesen Fonds ins Leben gerufen. Besonders interessant ist es, dass sich die Gewerkschaft an den meisten dieser Sammlungen beteiligen. Nachstehend ein Leitartikel der "New York Times" ueber die Sammlung, die in dieser Stadt durchgefuehrt
wurde.
"Es bedeutet einen Vorzug, dass wiederum zur Unterstuetzung der Sammlung fuer
den Fonds von Gross-New York, 11 West - 42nd Street, New York 18, aufgerufen wird,
der Leistungen vorsieht, wonach die Gesundheit aller von uns, die in New York
leben oder ihren Unterhalt verdienen, geschuetzt und der 7/ohlstand gefoerdert
wird. Geschaeftsfinnen und Angestelltengruppen werden um Spenden gebeten, die
dazu dienen, 423 unabhaengige Krankenhaeuser, Gesundhelts- und soziale Einrichtungen zu unterstuetzen, die fuer nahezu den gesamten Gesundheitsdienst und die
Wohltaetigkeitsstrebungen der Stadt verantwortlich sind.
Die 423 Organisationen arbeiten in allen Vorstaedten, und zwar im Interesse
aller Glaubensbekenntnisse und aller Rassen. Zu ihnen gehosren Einrichtungen,
die keiner Sekte angehoeren, Mitglieder des Vereinigten Krankenhaus-Fonds, Mitglieder der katholischen Caritas-Verbaende aus New York und Brooklyn, sowie die
Mitglieder der Vereinigung juedischer philanthropischer Einrichtungen und der
Vereinigung Protestantischer Wohlfahrtseinrichtungen. Der Fonds fuer GrossNew York ermoeglicht es den Spendern, jaehrlich einmal eine Gabe fuer ein allumfassendes Liebeswerk zu entrichten und vermeidet somit 423 von einander getrennte
-

11

�Jaehrliche Aufrufe an die Arbeiter, Firmen und Gewerkschaften "an Ort und Stelle".
Immer einer von dreien von uns - 3 Millionen Menschen - werden in diesem Jahre von
den Einrichtungen Vorteile haben, die von diesem Fonds unterstuetzt werden.
Im Jahre 1949 werden die 423 Organisationen, die der Fonds umfasst, fuer ihr
Hilfswerk 170 Millionen Dollar ausgeben. Nahezu die Haelfte dieses Betrages - 80
Millionen Dollar - gehen bei den Einrichtungen in Form von Mitgliedsbeitraegen,
Klinikgebuehren und Zahlungen fuer irgendwelche Dienstleistungen ein. Etwa 45
Millionen Dollar werden aus Stiftungen und Zahlungen aus Regierungsfonds eingehen.
Die restlichen 45 Millionen Dollar werden von der Oeffentlichkeit erbeten. Koererschaften, private Firmen und Angestelltengruppen werden um 8 Millionen Dollar
als Anteil der Oeffentlichkeit gebeten. Der Betrag erscheint gering genug im
Vergleich zu den grossen Leistungen des Unternehmens. Wir sprechen die Hoffnung
aus, dass die Samsung den festgesetzten Betrag weit uebersteigen wird.
"New York Times" 28. April 1949
DIB ARBEITERSCHAFT IN RUSSLAND
Nachstehender Artikel- bringt eine Aeusserung des frueheren amerikanischen
Oberstaatsanwalts Francis Biddle«Die russische Regierung ist keine Regierung der arbeitenden Klasse. Die
Arbeitergewerkschaften, das Rueckgrat eines jeden sozialistischen Regimes, wie
sie sich in Grossbritannien erwiesen haben, werden nicht mehr von den Arbeitern
gewaehlt, denen es praktisch nicht zu streiken erlaubt ist, und seit 1921 hat
es dort keine Streiks mehr gegeben. Die Gewerkschaften vertreten die Arbeiterschaft nicht bei der Lohnfestsetzung, was man den Leitern in der Industrie ueberlaesst. Da sie in die Staatsbuerokratie eingefuegt sind, "besteht ihre Aufgabe
nicht mehr darin, die Interessen der Arbeiter zu schuetzen, sondern die Arbeitsdisziplin zu staerken und zu Hoechstleistungen anzuspornen, "wobei es den Meistern
bzw. Vorarbeitern nach der Arbeitsgesetzgebung erlaubt ist, jemand wegen "unzulaenglicher Leistung" zu entlassen, was den Verlust der Lebensmittelkarte und des
Anrechts auf Wohnraum nach sich zieht. N.M. Schwernik, der Praesident des Zentralrates der Gewerkschaften der Sowjetunion, erklaerte vor dem Rat im April 1942, dass
"die wichtigste Aufgabe der Gewerkschaften....darin bestuende, die Anstrengungen
der Arbeiter darauf zu konzentrieren, dass der Produktionsplan fuer 1941 erfuellt
wird.".., mit anderen Worten also, Antreiberei.
"Trana-*tlantic" n . April 1949
ABNAHME DER STREIKS IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Folgende VergleichsZiffern beziehen sich auf die Streiks, die in den Vereinigten Staaten in den Jahren 1947 und 1948 stattgefunden haben;

Anzahl der Streiks
Anzahl der davon betroffenen
Arbeiter

Verlust an Arbeitstagen

l&amp;Z
3,693

1948
3,419

2,170,000

1,960,000

34,600,000

34,100,000

Bei den Streiks im Jahre 1948 ergaben sich nur 41 Tage vollkommener Arbeitsstillegung fuer je 10.000 Arbeitstage der amerikanischen Arbeiterschaft. Etwa
die Haelfte der Streiks im Verlaufe des Jahre 1948 wurde wegen Lohnforderungen
gefuehrt, waehrend etwa 25% der Streiks auf Streitigkeiten zwischen den r i v a l i s i e renden Gewerkschaften zurueckzufuehren waren.
"State Department "Radio Bulletin" 21. April 49
-

12

-

�FRANZOESISCHBR GE7ffiRKSCHAFTLER LOBT DEN ATLANTIK-PAKT
Waehrend eines kuerzlichen Besuches in den Vereinigten Staaten wurde eine
Anzahl franzoesischer und italienischer freier Gewerkschaftler von der Presse
interviewt. Die folgenden Zeilen sind einer Erklaerung eines alten Mitglieds
der Eisenbahnergewerkschaft, Andre Lafond, entnommen. Lafond war in der franzoeaisohen Widerstandsbewegung taetig, 1947 wiederum in einer Widerstandsbewegung, diesmal aber gegen die kommunistische Beherrschung der franzoesischen Gewerkschaften .
"Die franzoesischen Gewerkschaftler sind der Sache des Friedens ergeben. Sie
wissen, dass passiver und negativer Pazifismus nicht den Frieden garantiert, um
den Weltfrieden zu schuetzen, muessen Mittel gefunden werden, die eine Garantie
dafuer bieten, dass Recht und Freiheit von der Macht geschuetzt werden, insbesondere in bezug auf die Bedrohung durch den totalitaeren Vormarsch muessen wir
den Atlantik-Pakt haben, der - ohne dass er kriegstreiberische Ziele verfolgt die Macht im Dienste des Friedens mobilisiert.
"Daher unterstuetzen die franzoesischen Gewerkschaftler den Atlantik-Pakt
unter der Voraussetzung, dass er der Sache des Friedens dient und die Bildung
imperialistischer Blocks bekaempft. Abgesehen ton den Massnahmen, die die
Regierungen treffen, muss aber auch die arbeitende Bevoelkerung aus sich heraus
die Initiative zum Handeln ergreifen«
"Eine neue Internationale der freien Gewerkschaften, die an die Demokratie
glauben, wird ein bedeutsamer Faktor sein, um den Frieden zu sichern. Eine
wirtschaftliche oder soziale Organisation Europas auf demokratischer Basis wird
grossen Einfluss auf die Voelker hinter dem "Eisernen Vorhang" nehmen und wird
diesen "Eisernen Vorhang" dadurch zarstoeren, indem sie beweist, dass der Lebensstandard fuer die Bevoelkerung im Rahmen des Friedens und der Demokratie erhoeht
werden kann. Die kommunistische Opposition gegen den Atlantik-Pakt ist ein Fehlaehlag. Die Kommunisten Frankreichs haben versucht, die Gewerkschaften in
Streiks, die fuer politische Zwecke gefuehrt wurden, zu benutzen, aber die Arbeiter haben sich geweigert, den Kommunisten zu folgen. Sie haben begriffen,
dass der Atlantik-Pakt ein Abkommen fuer den Frieden ist."
"AFL Weekly News Servioe" 8. April 1 % 9
AMERIKANISCHER GEWERKSCHAFTLER DRABNGT AUF GHDBNDÜNQ
EINER WSLT-ARBEITERALLIANZ
Der Internationale Metallarbeiterverband (IMF), der die MetallindustrieGewerkschaften in den Vereinigten Staaten, Canada und 11 europaelachen Laendern
vertritt, tritt hier zusammen, um Fragen der Politik, die die Interessen der
Arbeiterschaft in der ganzen Welt angehen, zu eroertern.
Harvey W. Brown, der Praesident der Internationalen Maschinisten-Vereinigung
einer unsbhaengigen amerikanischen Gewerkschaft - sagte heute den Delegierten
des IMF, dass "der Totalitarismus, sei er nun faschistisch oder Kommunistisch,
einer starken freien Gewerkschaft gegenueber nicht bestehen koennte" und dass
er die Gruendung einer Vereinigung der Arbeiterbewegung in Europa und Amerika
empfehle "wegen der beiden sogenannten Ideologien, denen sich die Welt gegenueber sehe.
"Einerseits besteht der demokratische Staat, auf der anderen Seite der
totalitaere", sagte Brown. "Der Konflikt wegen dieser Ideologien sollte die
organisierte arbeitende Bevoelkerung in den demokratischen Laendern mehr denn
je darueber klar werden lassen, dass sie zusammenarbeiten und alles moegliche
-

13

-

�tun muessen, um unsere demokratische Lebensweise zu wahren."
Nach der eralten Sitzung der Konferenz gab Conrad Ilg, der Sekretaer des IMF
aus der Schweiz, einen Kommentar ueber die Einheit der freien Gewerkschaften.
Eine solche Einheit, sagte er, wuerde "das beste Hindernis gegen die Bedrohung
durch den Totalitarismus bilden, der die demokratische Welt schreckt". Ilg
fuehrte auch aus, dass seine Organisation daran stark interessiert sei, dass
die Arbeiterschaft an der Leitung der Industrieunternehmen im Ruhrgebiet in
Deutschland beteiligt wird.
Offizielle Kreise des IMF brachten zum Ausdruck, dass die AFL und der CIO,
die beiden bedeutendsten amerikanischen Arbeiterorganisationen, ein Interesse
daran haetten, dem Internationalen Bund beizutreten.
Auf ihrer Rundreise durch die Vereinigten Staaten werden die Gewerkschaftsfunktionaere die groesseren amerikanischen metallverarbeitenden Werke besichtigen.
Ausser den Vereinigten Staaten und Canada sind folgende Laender auf der Konferenz
•ertreten: Oesterreich, Belgien, Daenemark, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, Holland, Luxemburg, Norwegen, Schweden und die Schweiz.
State Department "Radio Bulletin" 20. April 1%9
SOZIALE FORDERUNGEN DER AMERIKANISCHEN
STAHLARBEITER
Jetzt ist wieder einmal die Zeit gekommen, da der Verband der Vereinigten
Stahlarbeiter Amerikas mit seiner Millionenzahl an Mitgliedern ueber einen neuen
Vertrag mit der Stahlindustrie •erhandeln wird. Man wird eine Lohnerhoehung
fordern, aber die Hauptforderungen der Stahlarbeiter erstrecken sich auf die
Arbeitersicherheit. Nach Angaben des Praesidenten der Gewerkschaft, Philip
Murray, der gleichzeitig Praesident des CIO ist, wird das Programm folgende
Punkte umfassen«,
1.

Eine Zahlung von $ 35 pro Woche, und zwar 12 Monate lang, fuer Arbeiter
die krank oder arbeitsunfaehig geworden sind.
2. Halbprivate Behandlung fuer Frauen und Familien von Gewerkschaftsmitgliedern, wenn die Kosten hierfuer nicht $ 10 pro Tag uebersteigen.
3. Freie aerztliche Betreuung fuer einen Zeitraum, der 70 Tage nicht uebersteigt.
4« Woechnerinnenfuersorge. Ebenso Fuersorge fuer Angehoerige unter 18
Jahre.
5. Eine Lebensversicherungspolice mit 18 monatlicher Zahlung.
Mr. Murray sagte, dass keine der 3 hauptsaechlichsten geldlichen Forderungen
vor den anderen Vorrang geniesse, dass aber jede gleichermassen wichtig sei. Das
gesante Programm der Kollektiwerhandlungen, fuegte er hinzu, basiere "auf den
Beduerfnissen der Mitgliederschaft."
"Im Laufe der Verhandlungen", erklaerte **r. Murray, "hoffen wir, dass es
uns moeglich sein wird, nicht nur im Gewerkschaftsrat, sondern auch bei den
Kollektivabkommen, die besonderen Zahlen und Kosten festzulegen, die bei den
Loehnen, Pensionen und bei der Versicherung eine Rolle spielen."
Der Gewerkschaftsfuehrer erklaerte, dass eine grosse Menge an Tatsachenund statistischem Material, sowie Unterlagen ueber PensiaBn, Sozialversicherung
und ueber Loehne zusammengetragen worden sei, und dass alles der Presse zugaenglich gemacht werden wuerde, sobald die Verhandlungen abliefen.

-

14

-

�Trotz der Abneigung, die ltr± Murray an den Tag l e g t e , Einzelheiten ueber
die Ausgaben in bezug auf die Lohnforderungen und Pensionen bekanntzugeben,
wurde doch angedeutet, dass a l l e s in allem etwa bei 30 cents liegen wuerde.
Von diesem Betrag wuerden ungefaehr 12 bis 15 4 auf die Loehne entfallen.
Auf den Versioherungsplan wuerden $0.084 entfallen, der Rest wuerde fuer Pensionen in Frage kommen. Vordem war man der Meinung, dass die Gewerkschaft Pensionen in Höhe ron $ 150 pro Monat fuer diejenigen Arbeiter fordern wuerde, die
sich im Alter Ton 65 Jahren zur Ruhe setzen.
In manchen Kreisen hier i s t man der Meinung, dass trotz des Dementis von
Mr. Murray die Lohnforderung an erster S t e l l e rangiere. Es wurde angenommen,
dass die Gewerkschaft bereit gewesen » i , zunaechst in der Frage der Pensionen
nachzugeben und dann bei der Sozialversicherung, dass s i e aber in bezug auf
eine Lohnerhoehung bis zum bitteren Ende durchhalten wuerde.
"New York Times" 6. Mai 1949
RIVALISIERENDE SBLLEUTB-GBWERKSCHAFTEN BEKAEMPFEN SICH IN CANADA
In Caneda wie in den Vereinigten Staaten gibt e s 2 Gewerkschaften fuer
Seeleute der Handelsschiffahrt. Eine davon i s t der linksstehende Canadische
Seemanns-Verband (CSU), die andere der Internationale Seemanns-Verband (SIU),
der der AFL angeschlossen i s t . Da behauptet wird, dass der CSU von den Kommunisten beherrscht wird, haben sich die Reeder in manchen der canadischen Haefen
entschlossen, nur mit dem SIU Arbeitsabkommen abzuschliessen.
Der CSU begegnete der Situation, indem er ungefaehr zum 1. April zum Streik
aufrief. Der Streik im Hafen von Halifax hatte eine Anzahl schwerer Schlaegereien zwischen den Seeleuten der beiden Gewerkschaften zur Folge.
Soweit die Streitfrage von den Gerichten ueberprueft wurde, fielen die
Entscheidungen zu Ungunsten des CSU aus. Aus einem Bericht aus Halifax vom
29. April geht hervor, dass die P o l i z e i 6l Mitglieder des CSU in St. John wegen
angeblicher Gewaltakte verhaftet hat. Die meisten davon wurden wieder entlassen, nachdem s i e sich verpflichtet hatten, Frieden zu halten.
Der CSU-Streik bedeutet, dass die Seeleute der streikenden Gewerkschaft
auf den Docks Streikposten aufstellen. Dadurch erhob sich die ernste Frage,
wie die Dockarbeiter die Schiffe be- bzw. entladen s o l l e n . In Halifax weigern
sich die Dockarbeiter, die mit den Streikenden sympathisieren, die Streikpostenkette zu durchschreiten. Dieser Kampf kann noch ziemlich lange anhalten, weil
die Streitfragen die Wiederbelebung des CSU mit einbegreifen. Fuer den SIU i s t
jedoch der HauptStreitpunkt der Kommunismus.
Inzwischen nimmt die fuehrende amerikanische Seeleute-Gewerkschaft, dar
Nationale Seeleute-Verband (NMU), der dem CIO angehoert, unter ihren Mitgliedern
eine Abstimmung vor, um f e s t z u s t e l l e n , ob Kommunisten in der Organisation aufgenommen werden s o l l e n . Man wird sich erinnern, dass der NMU unlaengst die kommunistische Streitfrage in bezug auf seine Funktionaere geregelt hatte. Alle
Kommunisten wurden auf Grund des Abstimmungsergebnisses aus ihren Aemtern entfernt. Jetzt s o l l die Gewerkschaft darueber entscheiden, ob ein Kommunist auf
einem Handelsschiff Arbeit bekommen s o l l .
"New York Times" 30. April 1%9
"New York Herald Tribüne" (Paris) 9. Mai 19*9
DIE SOWJETISCHEN GEWERKSCHAFTEN SETZEN DIE BETTRAEGE HERAB
Als russischer Arbeiter muessen Sie einer Organisation angehoeren, die
28.500.000 Mitglieder zaehlt. Diese Organisation hat mehr Mitglieder a l s die
-

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-

�Gewerkschaften Frankreichs, der Vereinigten Staaten und England zusammen. Etwa
bis April haetten Sie als Mitglied einer russischen Gewerkschaft 2i Ihres Lohnes
fuer die Berechtigung zahlen muessen, der groessten aller Arbeiterbewegungen
anzugehoeren. Sie wuerden sich sicher freuen, wenn Sie erfahren wuerden, dass
Sie jetzt nur noch 1% Ihres Lohnes fuer die Aufrechterhaltung Ihrer Gewerkschaft
zu zahlen haben.
"New York Herald Tribüne" (Paris) 22. April 1%9
DER NEW YORKER STUDENTENSTREIK GDP2Ü ENDE
Im City College von New York hatte eine bedeutende Anzahl Studenten mehrere
Tage lang gestreikt. Wenn Studenten streiken, dann bedeutet es, dass sie den
Unterricht nicht besuchen. Der Grund fuer den Streik war die Forderung, eines
bestimmten Teils der Studentenschaft auf Entlassung zweier Professoren, die
ihre Toreingenommenheit gegen Juden und Neger zum Ausdruck gebracht hatten. Obwohl die Professoren nicht entlassen wurden, waren die Streikenden Studenten nach
5 Tagen zu der üeberzeugung gekommen, dass der Streik seinen "Hauptzweck" erfuellt
habe. In manchen Kreisen wurde behauptet, dass es sich hier bei der ganzen Aktion
um eine kommunistische Demonstration gehandelt habe. Es wurde viel Staub aufgewirbelt, jedoch beteiligte sich nur ein kleiner Prozentsatz Studenten an der
Aktion.
"New York Times" 21. April 1949

- 16 -

Manpower Division
01CUS, APO 742

JKHIS, 9-lW, lAMB. *Kf U9. SJ, C

OFFICIAL

�Infernalionale
Dl« folgenden Artikel «teilen Auszöge aas der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden,
'Weitere Exemplare können kostenlos bei
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OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese nach einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierang der Vereinigten Staaten aufzufassen.

I I - 14

Berlin, 27, Kai 1949
INHALTSVERZEICHNIS

Der CIO lehnt eine Einladung des 'Weltgewerkschaftsbundes ab . . . . l
Die belgischen Bauarbeiter und der Marshall-Plan
2
Canadische Gewerkschaft lobt den Marshall-Plan T
2
Die Aktivitaet der Kommunisten in den englischen Gewerkschaften . . 3
Manche Gewerkschaftler besuchen Russland und bewundern es
4
•AFL und CIO t r e t e n fuer einen neuen 'Veitarbeiterbund e i n
5
A r b e i t e r f ü h r e r l e i t e t ECA Mission in Norwegen
6
Die deutsche Ausstellung in New York
7
Die Rechte der Gewerkschaften
8
Vorschlaege des amerikanischen Rates fuer d i e Internationale
Handelskammer . . . . .
12
Der WFTU wird a l s "gefaehrliche fuenfte Kolonne bezeichnet . . . . 13
A r b e i t e r w e t t s t r e i t in der Tschechoslowakei
14
Die freien Gewerkschaften koennen den Weltfrieden gestalten . . . . 15
Zwei.Daenen weisen auf die Vorteile des ERP fuer die
Arbeiterschaft hin
16

DER CIO LEHNT EINE EINLADUNG DBS WELTGEWERKSCHAFTSBUNDES AB
P h i l i p Murray, der Praesident des CIO veroeffentlichte heute den Text eines
Telegranms, das an den Leiter des Allsowjetischen Zentralrates der Gewerkschaften
g e r i c h t e t war, in dem der CIO es ablehnt, sich an dem 10. Kongress dieser Organ i s a t i o n , der bevorsteht, zu b e t e i l i g e n . Der Text des Telegramms l a u t e t e « "In Beantwortung Ihrer Einladung habe ich Ihnen im Auftrage des CIO mitzut e i l e n , dass wir der Meinung sind, dass es angesichts der kuerzlichen Entwicklungen in der Weltorganisation (7/FTD), der wir beide angehoeren, nicht angemessen
erscheint, Delegierte zu Ihrem 10. Kongress zu entsenden."
Dieses Telegramm war an V/aas 111 j Kuanjetzow g e r i c h t e t . Der CIO i s t eine der
bedeutenden Gewerkschaftsorganisationen, die vor kurzem aus dem WTÜ ausgetreten
war, weil ihm der kommunistische Einflusa vorherrschte.
State Department "Information Service" 13. April 1949

-

1

�DIE BELGISCHEN BAUARBEITER UND DER MARSHALL-PLAN
Die belgische Regierung hat ein Programm fuer oeffentliche Bauvorhaben
ausgearbeitet, dessen Kosten mit dem Gelde bestritten werden, das aus dem Marshall-Plan stammt, schrieb vor kurzem das Monatsblatt des Verbandes der belgischen christlichen Holz- und Bauarbeiter. "Die Regierung hat somit ein wirksames Mittel gefunden, um die Arbeitslosigkeit zu bekaerapfen." Die Zeitschrift
weist darauf hin, dass 2.462.000.000 belgische Franken (etwa $ 61.500.000) fuer
oeff entliche Bauvorhaben bereitgestellt werden.
Das Geld soll fuer den Bau neuer Kanaele, fuer die Modernisierung der
Haefen von Gent, Luettich und Antwerpen, fuer die Gruendung landwirtschaftlicher
Forschungsinstitute, fuer die erneute Ausruestung der Bergwerke, fuer Rollbahnen
auf Flughaefen sowie fuer Verschoenerungsarbeiten an Gebaeuden verwendet werden.
"Unsere Bauarbeiter", meint der Leitartikler des Blattes, "werden somit in weitem
Masse aus der Anwendung des Marshall-Plans auf unser Land Nutzen ziehen."
Diese Tatsachen, vermerkt das Blatt der Bauarbeiter, sind eine Antwort auf
die kommunistische Propaganda, die den Marshall-Plan beschuldigt, dass er in
Belgien Arbeitslosigkeit verursache. "Mehr als einmal - und die Kommunisten
sind hauptsaechlich die Urheber dieser Geruechte - ist gesagt worden, dass die
kuerzliche Arbeitslosigkeit ein Ergebnis des Marshall-Plans sei. Es wurde auch
behauptet, dass die Vereinigten Staaten hier ein gutes System herausgefunden
haetten, um ihre V/aren auf den europaeischen Maerkten abzusetzen mit dem Erfolg,
dass nun die amerikanischen Industrien unsere Maerkte mit ihren Waren ueberschwemmen und unsere Industrien zum Stillstand bringen. Nichts kann unwahrer sein."
Der Kommentator der Zeitschrift der christlichen Bauarbeiter erinnert seine
Leser daran, dass "uns Amerika keineswegs einen gewissen Betrag an Dollars in
barem Gelde gibt, sondern dass wir einige Kredite und V/aren erhalten. Es ist
uns ueberlassen, diese V/aren und Materialien auszuwählen
und es versteht
sich von selbst, dass wir von unseren amerikanischen Freunden nur diejenigen
Waren kaufen werden, die wir nicht besitzen, wie z.B. notwendige Rohmaterialien,
Ausruestungsgegenstaende, Maschinenwerkzeuge etc
"EGA Labor Information" 29. April 1949
CANADISCHS GEWEHRSCHAFT LOBT DEN MARSHALL-PLAN
In einer Ansprache, die er vor der Versammlung der Internationalen Vereinigung der amerikanischen Kesselschmiede, Schiffbauer und Hilfskraefte (AFL) in
Montreal, Canada, h a l t e n w i l l , schlug Bert M. Jewell, der Berater fuer Arbeitsfragen beim ECA, Washington, vor, dass die Konferenz "die notwendigen S c h r i t t e
uebernehme", damit auf jeder Versammlung der 608 Ortsgewerkschaften des Kesselschmiede-Verbandes, die ungefaehr am 5. Juni in jedem Jahr, einberufen wird, die
Rede des frueheren Aussenministers Marshall, die den Marshall-Plan fuer den
'Wiederaufbau Europas a u s l o e s t e , "wenigstens b i s zur naechsten Konferenz unserer
Vereinigung" also im Verlauf von 4 Jahren verlesen werden s o l l t e .
'Der 5 . Juni i s t der Jahrestag des Datums im Jahre 1947, an dem Marshall
in e i n e r Rede vor Harvard U n i v e r s i t a e t zuerst das Versprechen gab, dass Amerika
den europaeischen Nationen dabei helfen wuerde, sich s e l b s t wieder von der Zerstoerung und der Armut zu erholen, die durch den Krieg verursacht worden waren.
Jewell ersuchte d-arum, dass die Rede Martialls im staendigen Protokoll der Konferenz der Kesselschmiede-Vereinigung aufgenommen werden s o l l t e .
Ueber Karshall und seine Rede sagte J e w e l l ; " jener grosse Soldat, S t a a t s mann und jnerikanar e r l i e s s in mildem, aber gemaessigten Ton den Ruf zur
2

-

�Sammlung an olle Voelker Amerikas und Europas ergehen. Jawohl, an Europa als
Ganzes gesehen, nicht an einen Teil Suropas, sondern an ''Suropa als Ganzes."
Jewell erinnerte die Versammlung der Kesselschmiede daran, das3 "Russland
kurz nach der Rede Marshalls der ersten in Paris abgehaltenen Sitzung beiv.ohnte,
dass aber Kolotow, Russlands Vertreter,die Versammlung verliess und dass dies
das Ende der Beteiligung Russlands am '.Viederaufbauprogramm bedeutete." Russland
hat auch mehrere Satellitenstaaten gezwungen, sich vom Karshall-Plan zurückzuziehen oder sich zu weigern, sich daran zu beteiligen, sagte Jewell. "Damals
war es, dass die Russen dem Wiederaufbau den Krieg erklaerten," kommentierte er.
Die Erhebung des Gesetzentwurfes fuer di^ Auslandshilfe zum Gesetz durch
den Kongress und den Praesidenten, um den Wiederaufbau Europas durch zu fuehren,
wurde von Jewell als ein "Umschwung vom blinden Isolationsimus zur Erkennung
der Tatsachen des Lebens" bezeichnet. Er sagte, die Weigerung den Tatsachen ins
Auge zu sehen, haette frueher einmal einen Kongress veranlasst, die Bemuehungen
des Praesidenten "Wilson abzulehnen, einen starken Voelkerbund aufzubauen und
haette in gewissem Grade das amerikanische Denken in bezug auf die internationalen Angelegenheiten charakterisiert, und zwar bis zum Zweiten Weltkriege.
"Bis Jetzt habe unser gesamtes Volk noch nicht-voll und ganz erfasst, welche
Verantwortung Amerika' in der Welt habe," fuegte er hinzu.
Die amerikanischen Gewerkschaften "muessen sich darauf vorbereite! , in
allen Weltfragen jetzt eine fuehrende Rolle zu spielen," riet Jewell. "Die
Weltfragen beruehren und gehen jedes menschliche Wesen, jedes Volk an» die
Gewerkschaften sind aber Mittler des Volkes. Isolationismus fuehrt noch und
fuehrte immer zum Kriege. Die Zusammenarbeit in der Welt wird den Frieden wahren.
Die Gewerkschaften sind fuer den Frieden. Sie muessen den Isolationismus bekaempfen und mit aller Macht die Zusammenarbeit der Welt unterstnetzen."
"ECA Labor Information" 29.April 1949
DIE AKTIVITAET DER KOMMUNISTEN IN DEN ENGLISCHEN
GEWERKSCHAFTEN
Bevor der kommunistische "Friedenskongress" vor kurzem in Paris zusammentrat, haben die Kommunisten in Grossbritannien gewaltige Anstrengungen gemacht,
um sich die Unterstuetzung der Gewerkschaften zu sichern.
Verschiedene "Ausschuesse" sind gegründet worden, um die Arbeiterschaft
Zugewinnen. Berichte des Britischen Gewerkschaftsbundes (TUC) besagten, dass
die sogenannten "Arbeiterfuehrer" in diesen Ausschuessen in vielen Faellen garkeine Arbeiterführer waren; manche der Wortfuehrer waren irregeleitete "Harmlose". Dies wird durch die Tatsache bewiesen, dass in dem ersten Rundschreiben,
das verschickte wurde, 28 Wortfuehrer genannt waren, waehrend in einem spaeteren
Zirkular die Namen von nur 16 aufgefuehrt waren.
Wir zitieren aus dem Bericht des TUC wie folgt:Unbefugte Behauptungen
"Es sind auch Untersuchungen in bezug auf einen Bericht angestellt worden,
der in der kommunistischen Presse erschien, demzufolge sich die Gewerkschaftsraete von Lancashire und Cheshire entschlossen haetten, einen Delegierten zu
entsenden, und obwohl behauptet wurde, dass diese EntSchliessung im Namen von
70 Gewerkschaftsraeten getroffen worden sei, hat der Sekretaer des Bundes
dem TUC mitgeteilt, dass diese Erklaerung unberechtigt sei. Der Bericht soll
weiterhin erwogen werden.
"Die Gewerkschaftsraete und Zweigstellen der Gewerkschaften koennen den
groessten praktischen Beitrag zum Weltfrieden leisten, wenn sie weiterhin voll

- 3 -

�und ganz die Politik unterstuetzen, wie sie -von den angeschlossenen Gewerkschaften
durch den TUC verkuendet worden ist. Der Aufwand an Zeit, Energie und Geld, der
fuer die Gewerkschaften entsteht, wenn sie Delegationen dieser Art entsenden, die
keinerlei praktischen Zweck verfolgen, behindert mehr die Arbeit unserer Bewegung
bei der Begruendung der Sicherheit mitzuhelfen, als sie ihr dient.
Eine Warnung fuer daa "Zielgebiet"
"Es gibt Grund zu der Annahme, dass Lancashire ganz besonders ein Ziel
fuer die Konzentration der kommunistischen Aktivitaet bildet, und die Gewerkschaftler in Lancashire und Cheshire werden dringend gewarnt, vor Bestrebungen
auf der Hut zu sein, die darauf abzielen, sie in die kommunistischen Kampagnen
mit einzubeziehen, Lanca&amp;lre und Cheshire sind mit die groessten Gebiete des
Landes, die die meisten Betraege an Dollars einbringen und ersparen, und ihre
verschiedenen Industriezweige - Baumwolle, Schiffahrt» Bergbau, Maschinenbau und
Nahrungsmittelproduktion - sind sowohl fuer die Englaender, fuer den Wiederaufbau
wie auch fuer die Welt von einer enormen Bedeutung.
"Es werden erneut Versuche unternommen, die Gewerkschaftsraete wie auch die
Gewerkschaftszweigstellen in Lancashire und Cheshire mit den Organisationen,
denen sie fuer ihre Politik verantwortlich sind, in Konflikt zu bringen, mit
der bewussten Absicht, unseren wirtschaftlichen Wiederaufbau zu behindern.
Fragen Sie den TOP 1
"Diese Kampagne wird unter dem Deckmantel betarnter kommunistischer Organisationen durchgefuehrt, die, waelrend sie vorgeben, die Sache des Friedens oder
die Handelsbeziehungen zwischen der Sowjetunion und Osteuropa zu foerden, in
Wirklichkeit versuchen, unseren eigenen Fortschritt auf dem Wege zum Wiederaufbau zu zerstören.
»Gewerkschaftsraete, die sich uaber die Aufrichtigkeit oder irgendwelche
Organisationen, die sie um Hilfeleistung angehen, im Zweifel sind, sollten sich
sofort mit dem TUC .in Verbindung setzen.
"Die Hinzuziehung eines Funktionaers eines Gewerkschaftsrates zu einer
Organisation hat seine Entfernung aus einem wichtigen Ausschuss mit dem Erfolg
nach sich gezogen, dass auf jeden Fall die Gewerkschaftsorganisation, deren
Kandidat er war, durch niemand vertreten wird."
"TUC Industrial News" 8. April 191*9
MANCHE GEWERKSCHAFTLER BESUCHEN HUSSLAND
UND BEWUNDERN ES
Dieser Bericht erschien in der Europa-Ausgabe der amerikanischen Presse,
ist aber den Lesern dieser Nachrichtenuebersicht vielleicht nicht vor Augen
gekommen. Er betrifft eine Zahl Gewerkschaftler, die Russland besucht haben.
Sie waren begeistert. Einer von ihnen erklaerte, dass die kapitalistische
Presse Liegen ueber die Sowjetunion verbreitet haette. Er habe z.B. gelesen
dass die russischen Arbeiter keine Schokolada oder keinen Tabak haetten, er
haette aber eine Schokoladenfabrik und auch eine Tabakfabrik gesehen. Er besuchte eine Automobilfabrik, wo er den Direktor gefragt haette, wieviel Autos
dort hergestellt werden. Der Direktor antwortete;-"Soviel, wie man uns anzufertigen vorgeschrieben hat."
Bie auslaendischen Gewerkschaftler waren als bruederliche Megierte zum
Allsowjetischen Gewerkschaftskongress nach Russland gefahren. Die venezolanische Delegierte fand den Kongress "grossartig" und er fand dort, wie er sagte,
eine ausserordentliche Faehigkeit fuer politische Aktivitaet vor. Obwohl er
sich nicht darueber ausliess, wie diese Faehigkeit zum Ausdruck kam, schloss

- 4 -

�e r aber, d a s s die "Arbeiterbev/egung der Sowjetunion d i e f o r t g e s c h r i t t e n s t e d e r
V.'elt s e i . "
AUf i h r e r Rundfahrt h a t t e man den D e l e g i e r t e n 'Gelegenheit gegeben, Fragen
zu s t e l l e n wie auch i h r e eigenen Ansichten der r u s s i s c h e n A r b e i t e r z e i t u n g "Trud"
zun Ausdruck zu b r i n g e n .
"Louis S a i l l a n t , der S e k r e t a e r des ".'eltgeiverkschaftsbundes"('.'. r FTü) fue
te
d i e f r a n z o e s i s c h e D e l e g a t i o n , d i e aus 3 Mann b e s t a n d . Er r u e g t e d i e amerikanischen
und e n g l i s c h e n Gewerkschaften w i e auch d i e P o l i t i k des Generals Lucius D. Clay
in Deutachland. Er b e r i c h t e t e , d a s s e r im V e r g l e i c h zu s e i n e n frueheren Besuchen
i n d e r Sowjetunion v i e l e g r o s s e E r r u n g e n s c h a f t e n b e m e r k t ' h ä t t e . So wierden z . B .
in diesem Sommer in S o c h i , am Schwarzen Meer, 5 neue S a n a t o r t e n e r o e f f n e t .
" S a i l l a n t e r k l a e r t e , d a s s d e r '7FTÜ immer noch v e r s u c h e , d i e d e u t s c h e n Gew e r k s c h a f t e n zu e i n i g e n und d a s s e r v e r a n l a s s e n v/olle, d a s s d i e s e Frage b e i dem
bevorstehenden Treffen des A u s s e n m i n i s t e r r u t e s der Grossen Vier a u f g e r o l l t werde.
Kr e r k l a e r t e f e r n e r , d a s s t r o t z des A u s t r i t t s d e r a m e r i k a n i s c h e n , b r i t i s c h e n
und h o l l a e n d i s c h e n Gewerkschaften d i e Mit g l i e d e r z a h l des V.TTU auf 67 K i l l i o n e n
g e s t i e g e n s e i , und zwar auf Grund d e s B e i t r i t t s von 4 Millionen Japanern,
6 M i l l i o n e n Deutschen und anderer in d e r Mongolei, in Tunis und auf den P h i l i p pinen."
New York Herald Tribüne" P a r i s 1 1 . Mai 1%9
AFL UND CIO TRETEN FÜER EINEN NEUEN
7/ELTARBEITERBUND EIN
Im Verlauf der Diskussionen mit F u e h r e m des B r i t i s c h e n Gewerksche f t s b u n d e s
(TUC), d i e auf Besuch h i e r s i n d , v e r p f l i c h t e t e n s i c h in d e r vergangenen "fache
sowohl d i e AFL wie auch der CIO, fuer d i e Baldige Gruendung e i n e s neuen demokrat i s c h e n I n t e r n a t i o n a l e n Gewerkschaftsbundes zu w i r k e n .
Da nun d i e V e r t r e t e r der 3 s t a e r k s t e n Gewerkschaftsbewegungen d e r " e l t
d i e Probleme d e r Schaffung e i n e r neuen i n t e r n a t i o n a l e n O r g a n i s a t i o n e n d u r c h a r b e i t e t e n , war e r k l a r , d a s s Untersuchungen und Pruefungen, d i e w e n i g s t e n s mehrere
Monate dauern werden, notwendig s e i n werden, b i s d e r F r e i e Gewerkschaftsbund
zu einem Faktum w i r d .
I n e i n e r E r k l a e r u n g d e r Ausschusses fuer I n t e r n a t i o n a l e Arbeitsbeziehungen
d e r AFL wird darauf aufmerksam gemacht, d a s s d e r Weltgewerkschaftsbund ('VFTU)
j e t z t e i n e "unverschaemte und a k t i v e R o l l e d a b e i s p i e l e , " d i e Z i e l e d e r Sowjets
zu f o e r d e r n . Ein demokratisches Gegengewicht gegen d i e s e WFTU-Propaganda s e i
von a e u s s e r s t e r W i c h t i g k e i t , h e i s s t es i n d e r Erklaerung der AFL.
"Aber," s o h e i s s t es w e i t e r , "V&gt;'ir verkennen n i c h t d i e T a t s a c h e , d a s s e i n e
Klaerung, Ausrichtung e i n e r Anzahl w i c h t i g e r o r g a n i s a t o r i s c h e r Probleme und
eine Einigung darueber - wie z . B . der v i e l f a c h e B e i t r i t t i n i r g e n d einem Lande
auf Grund der w i r k l i c h e n M i t g l i e d e r s c h a f t - e r r e i c h t v/erden muss, bevor f o r m e l l
d i e Bildung der neuen demokratischen ' " e l t a r b e i t e r o r g a n i s a t i o n e i n g e l e i t e t werden
kann."
Die AFL s c h l a e g t d i e s o f o r t i g e Bildung e i n e s Ausschusses v o r , d e r s i c h aus
V e r t r e t e r n der Gewerkschaftler der V e r e i n i g t e n S t a a t e n sowie Europas und L a t e i n amerikas zusammensetzt, um mit d i e s e n Problemen i n s r e i n e zu kommen. Die AFL
b e s t e h t darauf, dass d i e Gewerkschaften a l l e r Laender dazu mit herangezogen
werden muessten, gnnz g l e i c h , wie g r o s s s i » s i n d .
In e i n e r Ansprache anlaesslich e i n e s von d e r AFL, dem CIO und dem E i s e n bahner-Exekutiv-Verbandes fuer d i e M i t g l i e d e r des Anglo-Amerikanischen Ausschusses fuer P r o d u k t i v i t a e t gegebenen Essens e r k l a e r t e der P r a e s i d e n t des CIO,
F h i l i p Murray.-

5

-

�"Der CIO ist bereit, sich mit ganzem Herzen zusammen mit den freien und
demokratischen Gewerkschaften anderer Laender, ob klein, ob gross, an einer
neuen Organisation zu beteiligen, die Millionen von Gewerkschaftlern hueben
wie drueben inspirieren und fuehren soll, die sich unserem gemeinsamen Erbe
an Freiheit und Demokratie Ter schreiben. Wir koennen und wir wollen auch diese
grosse Koerperschaft gruenden, die als Symbol wirklicher Gewerkschaftsprinzipien
in den Gewerkschaftsraeten der Welt bestehen und sie vertreten soll."
Die Probleme, getrennte Gewerkschaftsbuende in verschiedenen Laendem zu
einer gemeinsamen internationalen Organisation zu vereinen, stehen in den Vereinigten Staaten nicht allein da. In vielen europaeischen Laendern weisen die
Gewerkschaften, die von den Sozialisten gefuehrt oder von katholischen oder
protestantischen Kirchen gestuetzt werden, sehnliche Probleme auf, und in manchen
Faellen noch schwierigere als diejenigen, die auf der nichtpolitischen, nichtreligioesen Spaltung der amerikanischen Arbeiterbewegung in zwei grosse Buende
beruhen.
In der vergangenen Woche gingen in Washington Erklaerungen vom Exekutivkomitee der starken und demokratischen Gewerkschaftsbewegungen Norwegens und
Daenemarks ein, die immer noch dem Jetzt voellig von den Kommunisten beherrschten WFTU angehoeren. Aus diesen beiden Berichten geht hervor, dass sich die
skandinavischen Buende auf ihren bevorstehenden Konferenzen vom 'TTU loesen
werden, und dass sie bei der Schaffung einer Art von neuem Internationalen Arbeiterbund, wie ihn sowohl die AFL wie auch der CIO wuenscht, eine aktive Rolle
spielen wollen.
"Labor Press Associates" 8. April 1 % 9
ARBEITEKFUEUKER LEITET BCA-MISSION IN NORWEGEN
Als der Bericht ueber die Ernennung von John E. Gross zum Leiter der
ECA Mission in Norwegen bekannt wurde, waren wir sehr erfreut. Wir hatten Gross
bereits vor'Jahren gekannt, als er noch der Leiter einer Ortsgewerkschaft in einem
der westlichen Staaten war. Wir freuen uns auch darueber, dass unsere Ansichten
ueber Mr. Gross von den Fuehrern in Norwegen auf diese Weise bestaetigt werden.
Bevor er den Posten eines Leiters bekam, war Gross Berater fuer Arbeitsfragen
fuer Norwegen und Daenemark beim ECA. Er uebernahm die Stelle von A.E. Staley,
der am 1. Mai von setem Posten als Leiter zuruecktrat.
Der Handeisminister Erik Brofoss erklaerte u.a.
"Bereits bei seiner Ankunft hat sich Mr. Gross stark fuer Norwegen und
seine Probleme interessiert. Ich habe den Eindruck, dass er weitgehend Verstaendnis fuer die grundlegenden Wirtschaftsprobleme Europas und Norwegens hat.
Ueberdies verfuegt er ueber sehr viel Erfahrung. Er kennt beide Seiten der
Industrie. Ich glaube sicher, ich gehe nicht fehl in der Annahme, dass er in
seiner Eigenschaft als Gewerkschaftsfuehrer mehr als einmal auf den Tisch geschlagen haben wird, um seinen Argumenten oder seinen Forderungen auf hoehre
Loehne und bessere Arbeitsbedingungen mehr Nachdruck zu verleihen.... Die
Welle der Ereignisse hat ihm aber auch die Stellung eines Eisenbahnfunktionaers
eingebracht....Ich glaube sicher, dass sich das alles während der Zeit, da er
hier stationiert ist, als ein Vorteil erweisen wird, in einer Zeit, da sich die
Fragen der Arbeitsbeziehungen und der industriellen Demokratie mehr denn je in
einem Durcheinander befinden
"Als Mitglied einer Arbeiterregierung erscheint es mir nur gerecht und angemessen, wenn ich darauf hinweise, dass die Ernennung von Mr. Gross fuer den

- 6 -

�prominenten Posten eines Leiters der ECA-Mission fuer Norwegen auch eine Achtungsbezeigung fuer die amerikanische Arbeiterbewegung bedeutet.
"Die amerikanische Arbeiterschaft hat sich in der Vergangenheit nach anderen
Richtlinien entwickelt als ihre Bruderorganisationen in Europa.

Es hat fuer mich

den Anschein, dass jetzt auch innerhalb der amerikanischen Arbeiterschaft eine
staerkere Neigung dafuer besteht, nicht nur fuer das Wohlergehen der Mitglieder
der Gewerkschaft die Verantwortung zu uebernehmen, sondern auch fuer die Lenkung
der Wirtschaftspolitik des ganzen Landes.

Der Beweis hierfuer ist die einstimmige

und ungeteilte Unterstuetzung, die die amerikanische Arbeiterschaft dem MarshallPlan und allen anderen Massnahmen zuteil werden laesst, die auf eine Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilitaet Europas abzielt."
Konrad Nordahl, Praesident des Gewerkscbaftsbundes
"Zu unserer groessten Freude haben wir erfahren, dass Mr. John E. Gross zum
neuen Leiter der Marshallplan-Mission fuer Norwegen ernannt werde ist.

Waehrend

der Zeit, da er Berater fuer Arbeitsfragen bei der Mission gewesen war, haben wir
stets ausgezeichnet mit ihm zusammengearbeitet.

Jetzt, da er zum Leiter der

Mission ernannt worden ist, fassen wir dies als einen Ausdruck der Wertschaetzung
und der Achtung seitens der Amerikanischen Regierung fuer die amerikanischen
Gewerkschaftsorganisationen und ihre Maenner auf, wie auch fuer die grossen
Fortschritte, die die amerikanische Gewerkschaftsbewegung waehrend der vielen
Jahre gemacht hat.

Wir wuenschen John Gross fuer seine neue und verantwortungs-

volle Arbeit viel Glueck."
Haakon Lje. Generalsekretaer der Sozialdemokratischen Partei
"Die Norwegische Arbeiterpartei hat im Parlament Norwegens die Mehrheit,
und Norwegens Regierung ist eine Arbeiterregierung.

Die Gewerkschaftsbewegung

und das Konsumgenossenschaftswesen nehmen einen entscheidenden Einfluss auf das
wirtschaftliche und soziale Leben unseres Landes.

Es ist daher besonders er-

freulich, dass der Liann, der jetzt die Fuehrung der ECA-Mission fuer Norwegen
uebernimmt, Mr. John Gross, ein Mensch ist, der sein ganzes Leben der organisierten Arbeiterschaft gewidmet hat.

Wir wissen, dass dies eine Garantie dafuer

ist, dass die herzliche Zusammenarbeit, die zwischen der ECA-Mission und dem
norwegischen Volke und ihren Leuten bestanden hat, noch mehr erweitert, vertieft
und gestaerkt werden wird.

Die Arbeiterschaft Norwegens sieht in der Ernannung

des Mr. Gross einen neuen Ausdruck des Wunsches der amerikanischen Regierung,
dass die Marshallplan-Hilfe ein Werkzeug zur Vertiefung des Vertrauens und der
Freundschaft zwischen den Demokratien der neuen Welt und Europa sein soll."
"ECA Labor Information" U. Mai

1%9

DIE DEUTSCHE AUSSTELLUNG IN NEW YORK
P. Edson, der Washington Korrespondent des "New York World Telegram" bezeichnet in seinem Bericht voa 5. Mai die Durchfuehrung der Deutschen Ausstellung
seitens der Amerikanischen Militaerregierung im Rockefelder Center im vergangenen
Monat als einen Triumph der Vernunft,

Edson schreibt hierzu u.a.«

Die erste Deutsche Nachkriegsmasse, die in Amerika durchgefuehrt werden
sollte, nahm mit einer mehr als ueblichen Bedeutsamkeit ihren Abahluss.

Die

Ausstellung wurde von der Amerikanischen Militaerregierung in Deutschland
arrangiert.

Vor ihrer Eroeffnung hatte man gedroht, dass man Sperrketten auf-

stellen wuerde, dass man sie boykottieren und aus dem Lande jagen wuerde.
Dennoch war sie 2 Wochen lang im Museum fuer Wissenschaft und Industrie, Rockefeiler Plaza, geoeffnet-

nur 2 Stoerungen geringfuegiger Natur waren zu ver-

zeichnen.

- 7 -

�Dieser Rekord stellt einen Sieg der Toleranz und des Coranon Sense des
amerikanischen Volkes im allgemeinen und der amerikanischen juedischen Organisationen im besonderen dar. Einwaende dagegen, dass diese Ausstellung ueberiiaupt stattfinden sollte, kamen von verschiedenen Stellen. Zunaechst einmal
wandten sich die frueheren juedischen Kriegsteilnehmer dagegen, dass man ueberhaupt irgendwelche deutschen Geschaeftsleute nach Amerika kommen lasse, da man
vermutete, dass diese alle ehemalige Nazis seien. Zweitens wandten sich andere
juedischen Organisationen dagegen, dass man zum Verkauf deutscher Waren in den
Vereinigten Staaten ermutige. Drittens fuerchteten amerikanische Geschaeftskreise die Konkurrenz der Deutschen in den Vereinigten Staaten und auf den
Weltmaerkten.
Die amerikanische Militaerregierung in Deutschland befasste sich mit der
Frage der ehemaligen Nazis. Alle deutschen Geschaeftsleute, die nach Amerika
gehen wollten, wurden aufs sorgfaeltigste gwsiebt. 700 Bewerber wurden abgewiesen. Schliesslich wurden 250 mit zeitlich begrenzten Visa zugelassen, nachdem ihnen bescheinigt wurde, dass sie keinerlei Verbindungen zu den Nazis unterhalten hatten» Der Kampf der amerikanischen juedischen Organisationen war mehr
propagandistischer Art. Die Puehrerschaft der meisten Organisationen sah die
Notwendigkeit des Wiederaufbaus der deutschen Ausfuhr ein, aber manche aus den
Reihen der Mitgliederschaft, die sich der nazistischen Grausamkeiten, die man
in Hitlerdeutschland ihren Verwandten und Freunden gegenueber begangen hatten,
erinnerten, waren scharf dagegen, den Deutschen ueberhaupt eine Chance zu geben.
Die Anti-Nazi-Liga drohte mit Stoerungen. Am Eroeffnungstage standen ein
paar Sperrposten um die Ausstellung herum. Die American Jewish Agency wollte
zunaechst die Ausstellung unterstuetzen, erliess aber dann eine Presseveroeffentlichung gegen sie, und erklaerte, sie koenne ihre Mitglieder nicht kontrollieren.
Der Zweck, den die Amerikanische Mi U t a erreg ierung mit der Abhaltung der
Messe verfolgte war der, den Verkauf in Deutschland hergestellter Waren zu
foerdern. Vom Standpunkt des amerikanischen Staerzahlers aus liegt hierin ein
egoistisches Interesse.
Die Amerikanische Regierung unterstuetzt jetzt die Wirtschaft Westdeutschlands im Betrage von etwa $1.100.000.000 pro Jahr. Im Jahre 1948 belief sich
die Ausfuhr aus den 3 Westzonen Deutschlands auf 660 Millionen Dollar. Somit
ergab sich ein Defizit von 440 Millionen Dollar fuer den deutschen Handel.
Der einzige Weg, dieses unguenstige Verhaeltnls zu verkleinern, besteht darin
dass man den Deutschen dabei hilft» durch den Verkauf ihrer Exportwaren mehr
zu verdienen, damit sie ihre Einfuhren bezahlen koennen.
"Overseas American News Service" 9. Mai 1949
DIE RECHTE DER GEWERKSCHAFTEN
Folgende Erklaerung gab der Zweite Vertreter der Vereinigten Staaten beim
Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, leroy D. Stinebower, am
8. Maerz 1949 vor dem Rat ab«Verletzung der Gewerkschaftsrechte
Die Vereinigten Staaten haetten es vorgezogen, wenn der Wirtschafts - und
Sozial-Rat die Denkschriften ueber die Verletzung der Gewerkschaftsrechte unverzueglich und ohne Diakussion in diesem Stadium an die Internationale Organisation fuer Arbeit zwecks Bearbeitung weitergegeben haette. Es hat jedoch den
Anschein, als wenn eine Diskussion darueber notwendig ist.
Ich werde mich zunaehst mit der Lage in meinem eigenen Lande befassen.
Die gewerkschaftlichen Rechte in den Vereinigten Staaten sind auf Erfahrungen
-

8 -

�begruendet, die sich ueber Generationen erstrecken und spiegeln sich in den
Kollekti•Vertragsabkommen wider, wie sie von den Gewerkschaften fuer die Arbeiter
im ganzen Lande ausgehandelt werden. Dazu kommt noch, dass die gewerkschaftlichen
Rechte in unserem Lande in Terschledenen Bundestatuten und Statuten der Staaten zum
Ausdruck kommen. Der exakte Charakter einer solchen Gesetzgebung i s t eine Angelegenheit, die selbst jetzt noch in Debatten behandelt wird - in Debatten, an denen
sich unsere Gewerkschaften in weitem Masse beteiligen. Die Vereinigten- Staaten
sind der Meinung, dass die Rechte der freien Gewerkschaften eines der fundamentalen Prinzipien einer wirklich demokratischen Freiheit bilden. Wir glauben,
dass die freien Gewerkschaften ein Bollwerk gegen den totalitärIsmus bilden.
Wir massen uns nicht an, genau zu wissen, wie man die Freiheit des Zusammenschlusses am besten gegen Verstoesse oder Verletzungen schuetzen kann. Es i s t
ein schwieriges Problem, und die Schwierigkeiten, -vor denen wir auf der Hut sein
muessen, koennen in den einzelnen Laendern verschiedener Natur sein. Wir geben
offen zu, dass wir in diesem Lande vielleicht in der Praxis noch keine Vollkommenheit erzielt haben, jedoch i s t der Weg weit offen fuer die Richtigstellung irgendwelcher Prozeduren, die man als fehlerhaft erkannt hat. Jetzt i s t sogar auch
unser Kongresa dabei, unsere eigene Arbeitergesetzgebung abzuaendern bzw. zu
verbessern. Die Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten haben ein weites
Gebiet fuer ihre energischen Bemuehungen im Inteasse ihrer 16 Millionen Mitglieder.
Der beste Beweis fuer die Freiheit und die Wirksamkeit der amerikanischen Gewerkschaften i s t der, dass diese Millionen Arbeiter f r e i w i l l i g , nach ihrer eigenen
Wahl, ihr aktives Interesse an diesen grossen Organisationen aufrechterhalten
haben und s i e w e i t e r u n t e r s t u e t z e n .

Die Ablenkungsbestrebungen des WFTÜ
Waehrend die Vereinigten Staaten wie auch ihre Arbeitergewerkschaften sich
grosse Sorgen wegen der Uebertretung der gewerkschaftlichen Recht machen, wo
immer sich eine solche zeigt, behaupte ich, dass die uns vorliegenden WFTUDenkschriften beredte Demonstrationen dafuer darstellen, dass der Weltgewerkschaftsbund im Prinzip an politischer Propaganda und nicht an den Prinzipien
des freien Gewerkschaftswesens interessiert i s t . Die Dokumente enthuellen eine
Art von Bestrebungen und Tendenzen, die vor kurzem 3 grosse freie Gewerkschaftsorganisationen zu der Erklaerung veranlasste, dass der WFTÜ zu existieren auf gehoert habe. Der CIO, der TÜC und der Hollaendische Gewerkschaftsbund haben
f e s t g e s t e l l t , dass der WFTÜ zu einem kommunistischen Werkzeug gemacht wurde.
Die uns vorliegenden Denkschriften moegen vielleicht viele Erklaerungen
enthalten, die der Tatsache entsprechen.
DIE Vereinigten Staaten wollen die
besonderen Behauptungen oder Darstellungen in den WFTD-Ookumenten weder bestaetigen noch abstreiten. Ihre Motivierung i s t aber offensichtlich. Diese Behauptungen sind von kommunistischen Erwaegungen fuer konmunistische Zielsetzung
motiviert. Sie haben ihren Ursprung nicht in der Achtung vor der menschlichen
Freiheit oder vor der Liebe zur sozialen Gerechtigkeit. Wenn diese Behauptungen
eine ernsthafte Bemuehung darstellen wuerden, Verstoesse gegen die gewerkschaftlichen Rechte zu registrieren, dann waere ihre Aufzeichnung in ihrer Unausgeglichenheit so geraeuschvoll. Die Denkschriften des WFTÜ sehen in den kommunistischen Laendern keinerlei Unzutraeglichkeitaa oder Uebel. DerOTTOerhebt Vörwuerfe
gegen die Beherrschung der Gewerkschaften durch den Staat - er schweigt sich aber
ueber den sowjetischen Prototyp der Nazifaschistischen Arbeitsfront aus. Er veru r t e i l t angebliche Einschraenkungen, die den Gewerkschaffen auferlegt werden, er
sieht aber nichts Boeses darin, dass es den Arbeitern in der Tschechoslowakei heute

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9

-

�an Freiheit ermangelt, er sieht nichts Boeses in der strengen und starren Kontrolle,
der die Arbeiter in Bulgarien oder Rumaenien durch eine Kommunistische Arbeitsfront ausgesetzt sind, er kritisiert keineswegs die aeusseist straffe Arbeiterkontrolle durch die sogenannten Gewerkschaften in Polen, Albanien, Jugoslawien oder
Ungarn, noch existiert ueberhaupt eine Spur von Kritik in bezug auf die Ukraine
oder auf Weissrussland.
Die Wortverdreherei des WFTU
Ich habe die Absicht kurz einige Angaben ueber dre Verhaeltnis3e in den
Laendern zu machen, die nicht in den Dokumenten des WFTU aufgefuehrt sind, doch
moechte ich wiederholen, dass in dem Masse, wie in Wirklichkeit manche der Behauptungen des WFTU der Tatsache entsprehcen, wir solche Angriffe auf die Gewerkschaftlichen Rechte aufs tiefste bedauern. Wir bedaueren solche Angriffe, ganz
gleich, wo sie vorkommen. Wir bedauern sie als eine Sabotage der menschlichen
Freiheit, der wirtschaftlichen Demokratie oder der sozialen Gerechtigkeit. Wir
ignorieren keineswegs Verletzungen, die innerhalb mancher Nationen vorkommen
moegen und verurteilen etwa nur solche, die sich in anderen Laendern ereignen.
Die Gewerkschaftsrechte und insbesondere das Recht auf Zusammenschluss mit dem
Ziele, Kollektiwerhandlungen zu fuehren, um Arbeitsbedingungen zu verbessern,
gehoeren zu den wesentlichsten Rechten, die der freie Mensch besitzt.
Die gewerkschaftlichen Rechte sind aber bedeutungslos - oder sogar noch
schlimmer, - wenn dieser Zusammenschluss vom Staat kontrolliert, vom Staate beherrscht wird, und wenn er dem Staat dient. Eine Arbeitergewerkschaft in einem
von den Kommunisten Beherrschten Lande kann man kaum von der Arbeitfront in Nazideutschland unterscheiden. Beide dienen dem Interesse des Staates oder der Partei
und sind gegen die Freiheit des Arbeiters gerichtet. Selbst wenn die Gewerkschaften
frei und unabhaengig waeren, dann koennten die Arbeiter kaum auf der Baäs der
Gleichstellung mit der Regierung verhandeln. Die Tatsache, dass der Arbeitgeber
die Regierung ist, die nicht nur die Verhaeltnisse oder die Arbeit kontrolliert,
sondern auch alle anderen Aspekte des taeglichen Lebens, macht den Arbeiter noch
umso hilfloser. Und das ist schlimm genug. Wenn aber die sogenannten Arbeitergewerkschaften selbst Agenten der beschaeftigenden Regierung, sind, die mit
Funktionaeren arbeiten, die aus der kommunistischen Oligarchie ausgesucht werden,
dann wird der Arbeiter in Wirklichkeit von beiden ausgebeutet.
Es ist nicht das erste Mal in diesem Rat und in der Generalversammlung, dass
wir uns einer Verdrehung von Worten und Saetzen in ihrer gewoehnlichen Bedeutung
gegenuebersehen. Die Praxis, die Bedeutung der Worte zu verdrehen, erschwert
es Jedem, ernst ueber solche Denkschriften zu sprechen, wie sie vom WFTU eingebracht werden. Fuer den Kommunisten ist eine Gewerkschaft in einer Demokratie
eine Koerper schaft, in die man einsickern muss, um die Wirtschaft des betreffenden
Staates zu unterminieren, um den Lebensstandard zu gefaehrden und um die nationale
Verteidigung in Gefahr zu bringen. Fuer einen Kommunisten ist eine Gewerkschaft
hinter dem "Eisernen Vorhang" ein erprobtes und bewaehrtes Werkzeug, um aus Jedem
Arbeiter mehr Leistungen herauszupressen und um Jeden Beweis an Unabhängigkeit
des Gedankens, des Wortes oder der Tat auszuschalten.
Nur durch Akzeptierung einer solchen undemokratischen totalitaeren Auffassung von den gewerkschaftlichdn ÄecWfen kann der Vorwurf des WFTU wegen irgendwelcher Praktiken in niehtkoramunjstlachen Laendern der offensichtlichen Zufriedenheit mit den Praktiken in der UdSSR und ihren Satellitenstaaten angepasst
bzw. angeglichen werden.
Die Arbeiterschaft hinter dem "Eisernen Vorhang"
Waehrend der ersten paar Jahre, nachdem die kommunistische Partei in der
UdSSR die Macht ueber das russische Volk in ihre Hbende bekam, wurden von den
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�Gewerkschaften im Interesse ihrer Mitglieder weiterhin bis zu einem gewissen
Grade Verhandlungen durchgefuehrt, dann aenderte sich die Parteilinie. Die Arbeiterfuehrer wurden liquidiert« die Arbeitergewerkschaften wurden dem Wesen
nach zu Verwaltungsstellen der Regierung. Die russischen Arbeitergewerkschaften
wurden durch den Allsowjetischen Zentralrat der Gewerkschaften zusammengeschlossen,
dessen Fuehrerschaft der Billigung seitens der kommunistischen Partei unterliegt.
Diese Fuerherschaft hat offenbar nicht die Notwendigkeit zu einer Leitung in der
Verwaltung der Geschaefte der Gewerkschaft eingesehen. Anstatt als Mittler fuer
ihre Mitglieder bei Verhandlungen mit der Betriebsleitung zu dienen, koennte man
diese sogenannten Fueirer passend als Agenten der Betriebsleitung bezeichenen im
Bestreben, mehr Leistungen aus ihren Mitgliedern heraus.zupressen, die Arbeiter
bei der Stange zu halten, Fernbleiben vom Arbeitsplatz zu bestrafen, irgendwelches
unabhaengige Denken auszuschalten und die ideologische Zuverlaessigkeit zu ueberpruefen. Theoretisch befassen sich die russischen Arbeiterorganisationen fuer ihre
Mitglieder mit Beschwerden, Jedoch nur theoretisch» dies ist nur teilweise Pose,
um zu zeigen, dass sie den Interessen der Arbeiter dienen. AUCOTU gestattet
es den Arbeitern nicht, frei zusaramenzukomnBn oder geheim abzustimmen. In Wahrheit wird von den Arbeitern verlangt, dass sie ihre persoenliche Freiheit und
ihre sonstigen Freiheiten der Partei und der Regierung opfern - ihre Freiheit,
sich einer Gewerkschaft nach ihrer eigenen Wahl anzuschliessen und ihre Freiheit,
bei Festsetzung des Kurses ihrer Gewerkschaft angehoert zu werden.
In der Tschechoslowakei waren die Gewerkschaften vor dem Kriege freie
und kaempferische unabhaengige Verhandlungsmittler fuer ihre Arbeiter. Fast gönau
vor einem Jahr erging von der Versammlung der Vertreter der Betriebsraete der Ruf
nach Schaffung von Aktionsausschuessen. Der Zweck dieser Ausschuesse war der,
alle Nichtkommunisten aus der Fuehrerschaft der Arbeiterorganisationen zu entfernen. Unter der Fuehrerschaft der kommunistischen Politiker fordert die
tschechoslowakische Arbeiterorganisation nicht mehr bessere Bedingungen fuer die
Arbeiter, sondern sie ist zu einem aktiven Werkzeug der neuen Ausbeuter der
Arbeiterschaft geworden.
In Polen besagt, das Gesetz, dass unabhaengige Gewerkschaften gebildet werden
duerfen. Die Praxis sieht aber so aus, dass wer dies tut, absolut sicher sein
kann, dass er verhaftet wird. Wo einmal wirkliche Gewerkschaften bestanden haben,
sind diese von der polnischen Regierung durch etwas ersetzt worden, was wir als
"Company unions" (firmenbeherrschte Gewerkschaften) bezeichnen oder was man in
Buropas als "Gelbe Gewerkschaften" kennt.
Wo der WFTP schweigt.
Eine sehnliche Verzerrung des Gewerkschaftswesens ist in allen sogenannten
"Volksdemokratien" zu finden. Aber ueber diese Verstoesse gegenueber den Gewerkschaftsrechten bewahrt der WFTÜ Stillschweigen.
Wie ist das nun mit den spezifischen gewerkschaftlichen Rechten. Existiert
nun wirklich in einem dieser Laender, die loh genannt habe, ein Recht auf Streik.
Wenn es nur auf dem Papier existiert, was geschieht dann mit denjenigen, die es
wagen, dieses Recht auf Streik in die Praxis umzusetzen. Fuehrt die Gewerkschaft
Kollektiwerhandlungen, um die Beschaeftigungsverhaeltnisse zu bessern, hoehre
Loehne herauszuholen, um eine kuerzere Arbeltswoche zu erreichen. Haben die
Arbeiter das Recht, nach ihrem eigenen Ermessen Gewerkschaften zu gruenden. Ist
den Gewerkschaften der Versuch gestattet, ihre Mitglieder vor der Ausbeutung zu
schuetzen. Alle diese Fragen deuten auf Verletzungen der demokratischen Gewerkschaftsrechte hin, wenn die Gewerkschaftsrechte ueberhaupt einen Sinn und eine Bedeutung haben sollen. Dies sind Fr«gen, deren Bedeutung und Wichtigkeit dieser
Rat unfehlbar anerkennen muss. Sie bilden einen wesentlichen Bestandteil des
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�Problems der gewerkschaftlichen Rechte, das auf Veranlassung des Rates b e r e i t s
in angemessener Welse von der ILO (Internationale Organisation fuer Arbeitsfragen)
behandelt worden i s t . Diese Koerperschaft i s t e s , von der wir wiederum eine
wirksame Aktion erwarten. Wir schlagen vor, dass das Problem dieser sachkundigen
internationalen Organisation zur Pruefung, Analyse und zur Berichterstattung bzw.
zur Abgabe eines Kommentars u n t e r b r e i t e t wird.
Wenn der WFTÜ uns wirklich glauben machen w i l l , dass e s ihm mit. seinen
Behauptungen ernst i s t , und dass er nicht nur mit einer boeswilllgen Propaganda
unsere Zeit verschwenden w i l l , dann wird e r sich mit den Mitgliedern des Rates
zusammensetzen, um dieses Problem mit allen seinen Aspekten der erfahrenen und
sachkundigen S t e l l e zu unterbreiten, die von den Vereinten Nationen anerkannt i s t ,
insofern a l s s i e in solchen Fragen die Rechtsprechung bzw. die Gerichtsbarkeit
h a t . Ich schlage daher vor, dass a l l e Denkschriften ueber diese Frage unverzuegr
l i e h der ILO zugehen.
VORSCHLAEGE DES AMERIKANISCHES RATES FUER DIE
INTERNATIONALE BANDELSKflMMKR
Die Gewerkschaften in a l l e n Laendem des Marshall-Plans werden sicher s t a r k
an den Vorschlaegen i n t e r e s s i e r t sein, die der Amerikanische Rat fuer die I n t e r nationale Handelskammer (TJSC-ICC) zur Planung vorgelegt h a t . Der Rat lenkt
die Aufmerksamkeit auf d i e Abhaengigkeit, die in den Beziehungen der Laender
Europas zu einander b e s t e h t . Der Bericht des Rates macht darauf aufmerksam, dass,
wenn sich die Marshallplan-Laender nicht zu l a n g f r i s t i g e n Wirtschaftsplaenen vereinigen, sie nach 1952 wiederum vor einem wirtschaftlichen Chaos stehen.
Der Bericht s t e l l t f e s t , dass die Organisation fuer d i e wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEC) manohe Erfolge zu verzeichnen hat, dass aber nunmehr
die Zeit gekommen s e i , dass der Rat, der sich aus 8 Vertretern der OEEC zusammens e t z t , b a l d i g s t zusammentritt, "um sich mit den Aufgaben zur Planung eines i n t e grierenden Wirtschaftsprogramms zu befassen". Der Bericht der diese Vorschlaege
enthaelt, i s t unter dem herausfordernden T i t e l "Das Gespenst von 1953" erschienen.
Die Endphase der Wirksamkeit
"Nachdem er darauf hingewiesen h a t t e , dass die OEEC sich j e t z t darueber k l a r
sein muesse, dass "die e r s t e Phase ihrer Taetigkeit abgeschlossen s e i , und dass
die zweite und l e t z t e Phase begonnen habe, s c h i l d e r t e C D . Jackson, der Herausgeber der "Fortune" und der Vorsitzende des TJSC-ICC Ausschusses fuer I n t e r n a t i o nale VJirtschaftsangelegenheiten, d i e Besorgnisse der amerikanischen Geschaeftsleute wegen des Misserfolges der kuerzlichen Versammlung der Berater-Gruppe der
0E3C. Es h a t t e sich zwischen den englischen, den franzoesischen und kontinentalen
Ansichten Abweichungen ergeben, wodurch s i e h die Notwendigkeit ergeben h a t t e , den
amerikanischen Standpunkt herauszuheben.
"Wir wissen," sagte Mr. Jackson, "dass die Sitzung dadurch aufflog, dass
e i n e r s e i t s England eine scharfe Haltung einnahm und jede Nation fuer s i c h a r b e i t e t e ,
und dass andererseits Mitglieder auf dem Kontinent zusammengIngen und s i c h bemuehten, die Wirtschaft Westeuropas zu einem Gänsen zu vereinigen.
"Man s o l l t e daran denken, dass sich d i e europaeis eben Nationen gemaess
der OEEC s e l b s t b e r e i t e r k l a e r t haben, "ein gemeinsames Wiederaufbau-Programm auszuarbeiten und in die Tat umzusetzen,"
Jede Nation plant unabhaenglg Massnahmen, um der I n f l a t i o n Einhalt zu gebieten, die Produktion zu s t e i g e r n , die Ausfuhr zu erhoehen, die Einfuhren zu
drosseln, auslaendische Investierungen zu beguenstigen und neue Versorgungsquellen zu finden, die nicht mit Dollars gespeist werden. Jede Nation hat ihr
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�eigenes Programm, um Dollars zu bekommen, und zwar zweiseitigen, dreiseitigen
oder vielseitigen Handel und hat ihre eigenen Auffassungen und Begriffe &lt;von dem
Umfang und der Lenkung des innereuropaeischen Handels.
Widerstreitende Massnahmen
"Vom Standpunkt Westeuropas aus, als Ganzes gesehen, sind viele dieser
nationalistischen Massnahmen widersprechend und haben einen zersberenden Elnfluss, der sich allgemein auswirkt. Als solche bilden sie ernste Behinderungen
fuer den Wiederaufbau Europas."
Der Bericht hebt die Meinung des Rates hervor, dass ein integrierendes
Progranm fuer Suropa folgende Funkte enthalten muss«
"1. Freier, ungehemmter Warenfluss, Abbau der Zoelle, Ausschaltung von
Frioritaeten, mengemaessige Beschraenkungen und Unterschiedlichkeit.
"2. Freier Geldmittelfluss, Abschaffung der Devisenkontrolle, freie Konvertierbarkeit der Waehrungen, Heranziehung und Schutz von ausländischen Investierungen, Foerderung des Reiseverkehrs.
"3. Freie Konkurrenzfaehige Unternehmen, Wiederherstellung des Wettbewerbsund die Schaffung des Anreizes fuer den privaten Kaufmann.
"4. Erhoehte Produktion, Aufhebung des privaten Kartells, oder der staatlichen Beschraenkungen der Produktion, Einfuehrung einer fortgeschrittenen Gewerbekunde, Modernisierung der Verteilungstechniken, neue Investierung und Entwicklung der Kolonien und der zurueckgebliebenen,
rueckstaendigen Gebiete."
"•nie New York Times" 12. Mai 1%9
DER WFTU W3BD ALS "GEFAEHRLICHE FUENFTB KOLONNE"
BEZEICHNET
William Green, der Praesident der AFL sagte den Mitgliedern des Zentralausschusses des Internationalen Metallarbeiterverbandes, dass "Jedwede Verskavung der Arbeiter ueberall die Freiheit gefaehrdet," und verurteilte die
Behandlung der Arbeitergewerkschaftan durch die Sowjets.
Green erklaerte, die sowjetischen Bemuehungen, in die amerikanischen Gewerkschaften einzusickern, waeren fehlgeschlagen, dass aber der Weltgewerkschaftsbund (WFTU) immer noch "eine gefaehrliche Fuenfte Kolonne der Sowjetdiktatur"
bleibe. Er fuegte hinzu, dass "die Sache der Demokratie keinen staerkerenund wirksameren Verbuendeten haben koenne als einen wachsamen Gewerkschaftsbund".
Green sagte, die Staerke des groessten Gewerkschaftsbundes in den Vereinigten Staaten (AFL) komme in einer Mitgliederzahl von mehr als 7-jjr Millionen
zum Ausdruck. Er hielt seine Rede auf einem Essen des Internationalen Metallarbeiterverbandes, brvor die Mitglieder desZentralausschusses dieser Organisation
eine Rundreise durdh die metallverarbeitenden Werkstaetten Amerikas antraten.
• Der Text der Rede lautete wie folgt:- "Die Sache des freien und demokratischen Gewerkschaftswesens, dem wir angehoeren, sieht sich heute einer ausserordentlichen grossen Verpflichtung und Verantwortung gegenueber. Es muss sich
auf der Basis einer internationalen Front organisieren, um die menschliche
Freiheit zu schuetzen, um die soziale Gerechtigkeit und den Weltfrieden zu
sichern.
"Unsere Verantwortung geht ueber die Erhaltung unserer eigenen Lebensweise fuer uns selbst hinaus. Sie erstreckt sich auf unsere arbeitenden Genossen in anderen Nationen der ganzen Welt. Denn die Geschichte dieses Jahrhunderts beweist ohne Frage, dass Jegliche Versklavung der Arbeiter ueberall
die Freiheit gefaehrdet.

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�Die AFL i s t sich schon lange darueber klar geworden, dass der Krieg der
grosse Feind der Menschheit i s t . Immer wieder sind wirtschaftliche und p o l i t i sche Gebiete durch den Krieg ueber Nacht vernichtet worden. Wir von der Arbeiterschaft bauen auf. Der Krieg vernichtet. Unser Haas gegen den Krieg stammt daher nicht nur aus sentimentalen Erwaegungen, sondern aus unseren ureigenen Lebenszweck und unseren Lebensfunktionen. So wie wir die internationale Sage heute
ansehen, sind wir zu dem unvermeidlichen Sdhluss gekommen, dass die Bedrohung
einer Aggression nur aus einer Quelle kommt - aus Sowjetrussland".
State Department "Radio Bulletin" 25. April 1949
ARBEITER-WETTSTREIT IN DER TSCHECHOSLOWAKEI
Nach Angaben von Dana Adams Schmidt, Korrespondent der "New York Times" in
Prag, sind die tschechoslowakischen Gewerkschaften entschlossen, die Industrieproduktion durch etwas zu erhoehen,was s i e mit "sozialistischem Wettstreit" bezeichnen. Sie glauben, dass s i e unter dem Kommunismus eine hoebare Produktivitaet erreichen, a l s dies unter dem Kapitalismus moeglich i s t . Der Wettstreit
s o l l am 1. Juli beginnen. Jede Arbeit wird in diesen Wettstreit mit einbezogen.
Fabriken kaempfen gegen Fabriken, Gebiete gegen Gebiete und Arbeiter gegen Arbiter.
Es sieht so aus, als wenn die Ehrungen den schnellsten und staerksten z u t e i l
werden s o l l e n . Die ,Fuehrerschaft auf manchen Gebieten des Wettstreits untersteht
der Leitung der "Stossbrigaden".
Entliehene Sowjetpraktiken
"So etwas i s t in der Sowjetunion schon etwas Altes und Ailtaeglich.es", wo
es sich mit der Industrie selbst mitentwickelt hat. Hier jedoch wird es zum
ersten Mal in einer Industrie angewendet, die sich ursprünglich nadi kapital i s t i s c h e n Richtlinien entwickelte.
Die kommunistische Parteizeitung "Rüde Pravo" erklaerte gestern: "Die
Garantie fuer einen Sieg ueber den Kapitalismus i s t darin begruendet, dass der
kapitalistische Stand der Technik in der Industrie ueberfluegelt werden muss."
In der ersten Entwicklungsphase nach dem Kriege, schrieb die Zeitung, wurden
die Arbeiter lediglich dazu aufgerufen, "nach der Pluenderung und der Miss Wirtschaft wahrend der Besetzung die Industrie wieder in Gang zu setzen."
In der zweiten Phase, heisst es weiter, "wurde die Ausbeutung des Menschen
durch den Menschen f a s t gaenzlich durch die Verstaatlichung der Industrie abgeschafft", unter diesen Unistaenden, bemerkt die Zeitung, war es moeglich, die
Arbeiter "auf einen so hohen politischen Stand zu bringen, der s i e f r e i w i l l i g
dazu veranlasste, in der Reserve liegende Arbeitskraefte freizumachen und neue
Techniken zu lernen."
Jeder Arbeiter wird eine Aufgabe nahen
"Die Entwicklung der Arbeiter i n i t i a t i v e , faehrt die "Rüde Pravo" fort,
machte dann verschiedene Phasen durch.
Es gab Gegenplaene oder Verbesserungen
beim Zweijähres-Plan, die Libeic-Bewegung, in der die Arbeiter eine Kampagne
gegen das Fernbleiben vom Arbeitsplatz und fuer eine e^hoehte Produktion einl e i t e t e n , manctaial mit Hilfe von Ueberstunden, und die ersten Stossbrigaden",
die anlaesslich des Geburtstages des Praesidenten Klement Gottwald zu Geschenken fuer die Republik anspornten und im allgemeinen' auch die Fuehrung uebernabmen.
Jetzt, berichtet die Zeitung, gibt es in der tschechoslowakischen Industrie
10.377 Stossbrigaden, im Vergleich zu 5.856 im Januar.
Diese muessen die Wettbewerbe l e i t e n und die Produktlvitaet steigern jedoch
nicht, so warnt das Blatt, durch ausserordentliche koerperliche Anstrengungen,
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�sondern ''durch technische und organisatorische Verbesserungen."
Arbeit, wird erklaert, muessen dann "popularisiert" werden.

Die Erfolge dieser

Bei den Belohnungen, die fuer Verbesserungsvorschlaege gezahlt werden, sollte
man nicht etwa knauserig sein, schreibt die Zeitung, und fuegt hinzu, dass die
Mittel dafuer gefunden worden muessen, um die augenblicklich statische Lohnpolitik
zu ueberwinden, sodass ausserordentlich leistungsfaehige die Hoechstloehne ueberschreiten koennen."
"New York Times" 14. Mai 1949
DIE FREIEN GEWERKSCHAFTEN KOENNEN DEN
'WELTFRIEDEN GESTALTEN
Freie, demokratische Arbeitergewerkschaften sind die staerksten Bundesgenossen der demokratischen Laender in ihren Bestrebungen nach '.Vohlstand und Frieden,
sagte der amerikanische Arbeitsminister Maurice J. Tobin. In seiner Rundfunkrede,
die er heute als seine siebente Ansprache in einer Sendereihe "Die Vereinigten
Staaten und die ''.'eitereignisse" in einer Landessendung hielt, stellte Tobin eine
freie Gewerkschaft als etwas hin, was weder von der Arbeitgeberschaft noch von
der Regierung beherrscht wird.
"Mit demokratischen Gewerkschaften bezeichne ich solche, die ihre eigenen
Angelegenheiten auf demokratischer Linie regeln. Die demokratischen Gewerkschaften
werden von verantwortlichen Funktionaeren geleitet, die in freien und geheimen
.Vahlen gewaehlt worden sind. Es steht ihren Mitgliedern frei, ueber Streitfragen
zu diskutieren und ihre Ansichten auf offenen Versanmlungen auch offen zum Ausdruck zu bringen. Demokratische Gewerkschaften unterstuetzen die politische
Demokratie - die dem Totalitarismus entgegengesetzt ist. Das sind einige der
Hauptpunkte, nach denen man beurteilen kann, ob eine Gewerkschaft demokratisch
und frei ist. Die meisten amerikanischen Gewerkschaften und auch die europaeischen,
die das 7/iederaufbauprogramm unterstuetzen, werden diesen Punkten gerecht. Sie
sind unsere staerksten Verbuendeten.
Der Arbeitsminister erklaertc, dasa sein Ministerium damit beauftragt sei,
auf die allgemeinen Interessen der amerikanischen Arbeiterschaft zu achten, die
nur dadurch geschuetzt werden koennen, dass man den freien Arbeitergewerkschaften
in der ganzen "'elt den Ruecken staerkt. Er erinnerte seine Hberer daran, dass
der Kampf zwischen den Kraeften der Demokratie und denen des Totalitarismus zum
grossen Teil in den Reihen der Arbeiterschaft ausgefochten werden'wuerde.
"Die Arbeiterschaft ist das vornehmste Ziel des kommunistischen Angriffs",
erklaerte Tobin. "In den Vereinigten Staaten und in den meisten westeuropaeischen
Laendern haetten sich die Arbeiter gegen diesen Angriff erhoben. Sie haetten
dies getan, weil sie sich darueber klar sind, dass der Kommunismus darauf ausgeht,
die Freiheit der Gewerkscharten zu zerstoeren und sie fuer ihre politischen Zwecke
zu gebrauchen. Aber der Kampf ist noch keineswegs abgeschlossen. Deshalb ist die
Arbeiterschaft unser staerkster Verbuendeter im Kampf um die Freiheit."
"In Frankreich und Italien stellt der kommunistische Einfluss in den groesseren Gewerkschaften noch ein ernstes Problem dar", sagte Tobin, "aber es besteht
bei uns kein Zweifel darueber, dass es jetzt beiweitem weniger ernst ist als dies
im vergangenen Jahr der Fall war. Die Zahl der Mitglieder in den von den Kommunisten beherrschten Gewerkschaften hat abgenommen. In der CGT, der groessten
franzoesischen Gewerkschaft, hat sich die Mitgliederschaft waehrend der vergangenen
10 Monate gespalten. Die Verbreitung der kommunistischen Zeitungen und Zeitschriften ist staendig in der Abnahme begriffen. Was dabei ermutigt, ist die Tatsache, dass
sowohl in Frankreich wie auch in Italien die von den Kommunisten fuer politische
Ziele ausgerufenen Streiks im letzten Herbst ihren Zweck, die Arbeiter um sich zu
sammeln, verfehlten."
State Department "Radio Bulletin" 1. Mai 1949
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�ZWEI DAENEN WEISEN AUF DIE VORTEILE DES ERP FÜER DIE ARBEITERSCHAFT HIN
Die Unterstuetzung der daenIschen Arbeiter durch den Marshall-Plan und d i e Vort e i l e , deren s i e aus ihm t e i l h a f t i g werden, wurden von Daenen hervorgehoben, die auf
beiden S e i t e n des A t l a n t i k Erklaerungen darueber abgaben.
Knud Meister, e i n Z e i t u n g s b e r i c h t e r s t a t t e r auö Kopenhagen schrieb i n der
"Baltimore Sun", waebrend er s i c h auf e i n e r Rundreise durch Amerika befand« "Als
Ergebnis des Plans i s t e i n e r i e s i g e A r b e i t s l o s i g k e i t verhindert worden." "Es waren
s o f o r t Erfolge zu verzeichnen", e r k l a e r t e M e i s t e r . Die Ausfuhr l a n d w i r t s c h a f t l i c h e r
Erzeugnisse konnte schon nach e i n i g e n Wochen, nachdem d i e e r s t e n Lieferungen an
ECA-Waren e i n g e t r o f f e n waren, erhoeht werden. Nach und nach werden immer mehr
Einfuhrlizenzen e r t e i l t . Der k l e i n e Mann kann s i c h e i n neues Hemd, e i n Paar
Struempfe, e i n Bettuch, einen neuen Mantel und etwas b e s s e r e Zigaretten kaufen, a l s
e s ihm waebrend der l e t z t e n 8 oder 10 Jahre lang moeglich war."

Einar Jensen, der Praesident des Daenischen Gewerkschaftsbundes, der mehr a l s
600.000 M i t g l i e d e r z a e h l t , spräche auf e i n e r Malkundgebung i n Kopenhagen vor e i n e r
Menge von etwa 100.000 Arbeitern und Anhaengem.
Jensen gab s e i n e r Achtung vor den amerikanischen Arbeitern und dem amerikanischen Volk Ausdruck, die mit H i l f e des Marshall-Plans dem daenischen Arbeiter die
Moeglichkeit gegeben haetten, Ihren Lebensstandard zu erhoehen.
Jensen e r k l a e r t e ; "Wirtschaftliche gesehen, hat Baenemark w i r k l i c h e i n e Chance,
wieder s e i n e n Lebensstandard wir vor dem Kriege zu erreichen und zwar durch die
g i g a n t i s c h e Wirtschaftsplanung, die vom amerikanischen Volk und von den amerikanische:
Gewerkschaften u n t e r s t u e t z t und nur von den Maennern der W a l l s t r e e t und dem Cominform bekaempft wird. Diese Wiederaufbau-Hilfe s o l l t e b i s zum a e u s s e r s t e n Masse v e r w e r t e t und nutzbar gemacht werden."
ECA Labor Information" 1 0 . Mai 1949
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Manpower D i v i s i o n
OMGÜS, APO 742

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-

OFFICLVL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Ansinge aas der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewer'-rhaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mittflieder,
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wonach werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Iahalt der „Arbeitsmltteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierang der Vereinigten Staaten aufzufassen.

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Berlin, 3. Juni 1949

INHALTSVERZEICHNIS
Seite

Die Gev/erkschaften Neuseelands
Die Bedeutung der Arbeiterbildung
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Arbeiterkontrolle in Jugoslawien
—
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Die Elektroarbeiter fordern eine Jaehrliche Zulage von
$500
Die Handelskammer der Vereinigten Staaten aeussert
sich ueber "Stille Loehne"

1
2
6
6

—

7

Die Arbeiter sollen entscheiden
—
—
Freiheit russischer Praegung
— --- —
—
Die Sowjetkontrolle ueber die Estnische Arbeiterschaft —
In Holland gibt es nicht bloss Tulpen!
Die AFL will mit dem CIO in einem Vtoltarbeiterbund
zusammengehen
____ —
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—
—

7
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8
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Arbeitnehmer und Arbeitgeber arbeiten gemeinsam
an einem Wohnungsbau-Programm
—
— - —
—
Die Arbeiterbildung und die Gewerkschaft
____
Technische Ausbildung in der 7&lt;eltgesundung
Lebensmittelkosten-Index; Ein Vergleich
Bergarbeiterverband lehnt eine Einladung des 'JFTÜ ab
Die Notwendigkeit eines weiteren Ausbaus der
Arbeiterbildung
—
Das Forschungsinstitut fuer Sozial- und Vertfaltungswissenschaften in Koeln
____
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DIE GEWERKSCHAFTEN NEDSKELANDS
Aus einer lresseveroeffentlichung aus Neuseeland vom 20. Mai geht hervor,
dass der Gewerksciiftsbund dieses Landes mit 197 gegen 6l Stimmen beschlossen
hat, aus dem ",'eltgewerkschaftsbund (.7FTU) auszutreten. Die Frage sollte entschieden werden, ob die organisierte Arbeiterschaft- frei sein oder ob sie
"unter Diktatur" stehen sollte.
"New York Times" 21. Mai 1949
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�DIE BEDEUTUNG DER ARBEITERBILDUNQ
Die Fortbildung oder "Adult Education", wie der Ausdruck in den Vereinigten
Staaten heisse, stellt ein breitangelegtes Thema dar. Wie aus den nachstehenden
Zitaten aus einem Artikel von Eleanar G. Coit, hervorgeht, ist die Arbeiterbildung eine wichtige Phase auf diesem ausgedehnten Gebiet. Dieser Artikel erscheint in der 1948er Ausgabe des "Handbuches fuer Fortbildung", das vom Fortbildungsinstitut der Columbla-Üniversitaet veroeffentlicht wurde. In dem Augenblick, da dieser Artikel erscheint, befindet-sich Miss Coit in Deutschland, wo
sie als Beraterin fuer Arbeiterbildungsfragen taetig ist. Im Laufe ihrer Taetigkeit hat. sie die meisten Gewerkschaftsschulen der Amerikanischen und der Britischen Zone besucht. Sie ist Leiterin des Amerikanischen Arbeiterbildungs-Dienstes
in New York City, einer Organisation, die von amerikanischen Gewerkschaften und
anderen Einrichtungen unterstuetzt wird.
Die Rolle der Arbeiterbildung
"
Es ist zum Ausdruck gebracht worden, dass unsere Hauptsorge heute
darin besteht, die Wissenschaft der menschlichen Beziehungen zu betreiben. Im
Grunde genommen besteht die Funktion der Arbeiterbildung darin, diese Wissenschaft zu kultivieren, indem man der Arbeiterschaft sowohl Wissen wie auch Selbstvertrauen vermittelt. Eine solche Aufgabe fordert eine groesstmoegliche Verbreitung von Wissen und einen Sinn fuer die soziale Verantwortung auf Seiten
aller Kreise. Sie erfordert auch eine Entwicklung der besten Techniken, mit
deren Hilfe die Erwachsenen dazu angeregt werden koennen, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme zu verstehen, die ihrer Erfahrung zuwiderlaufen. Schliesslich erfordert sie ein Verstaendnis fuer die Mittel und Wege, mit denen solche
Probleme behandelt werden koennen.
Die Arbeiterbildungs-Bewegung hat in vieler Hinsicht zu der Fortbildungsbewegung als Ganzes einen wichtigen Beitrag zu leisten, wozu nicht zuletzt die
Frage der Methode gehoert. Es ist das Ziel aller, die sich heute um die Fortbildung ernste Sorgen machen, ihre Programme bedeutungsvoller und wirksamer zu
gestalten, indem Theorie und Praxis in bezug auf die Beduerfnisse der Gesamtheit
enger in Beziehung zueinander gebracht werden. Auf Grund der Tatsache, dass die
Beduerfnisse der Arbeiterschaft unverzueglich beruecksichtigt werden rauessen,
stehen diejenigen, die sich mit der Arbeiterbildung befassen unter dem besonderen
Zwang, ihre Techniken im Sinne einer gesunden und wirksamen Arbeit zu vervollkommnen. Sie dienen dann sozusagen als Laboratoriumstechniker fuer die gesamte
Fortbildungsbewegung. Die Fortbildung hat auch noch einen weiteren wichtigen
Anteil an der Arbeiterbildung, und zwar wegen der bedeutungsvollen Rolle, die
die Arbeiterbewegung als demokratische Institution in unserer Gesellschaft spielt.
In dem Kasse wie die Fuehrerschaft der Arbeiterschaft, sowohl innerhalb der Mitgliederschaft wie auch in d«n Funktionaerkreisen, die Gelegenheit hat, sich
selbst fuer diese Aufgabe mehr und mehr zu vervollkommnen, wird die sich rasch
ausweitende Rolle der Arbeiterbewegung in der Allgemeinheit wirksamer durchgefuehrt werden."
Die Ziele der ;trbeit erb ildung
"Die arbeiterbildung befindet sich heute in einem Stadium des üeberganges.
Die alten Formen werden den heutigen Bedürfnissen nicht mehr gerecht,, und neue
Organisationen und neue Programme befinden sich im Zustande der Entwicklung.
Diejenigen, die mit diesem Arbeitsgebiet vertraut sind, wissen ganz genau, dass
sich seit der Beendigung des Zweiten Weltkrieges die Arbeiterbildung in den Vereinigten Staaten stark ausgedehnt hat. Es sind neue Gewerkschaftsprograimie entwickelt worden, neue, von der Allgemeinheit geforderte Projekte sind in vielen
Teilen des Landes aufgetaucht und die Prograitme der Universitasten sind rapide
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2 -

�gewachsen. Heute wird daher die Arbeiterbildung unter der Schirmherrschaft v i e l e r
Gruppen durchgefuehrt und besteht in v i e l e r l e i Formen. Lokalkurse und Sommerschulen, Kurz! ehr ga enge und Projekte, die sich ueber das ganze Jahr erstrecken,
Wochenend-Institute und Arbeitsgemeinschaften, s i e a l l e spielen eine Rolle. Von
gleicher Bedeutung und 7/ichtigkeit sind die weniger l e i c h t definierbaren Massnahmen,
die Bezug haben auf d i e unmittelbaren Beduerfnisse der Betriebsvertrauensmaenner,
der Ausschussmitglieder und anderer verantwortlicher Gewerkschaftsmitglieder, die
sich selber darauf vorbereiten muessen, ihrer besonders gelagerten Verantwortung
gerecht zu werden. Die Reihe von Themen,- "Jir tschaft, Soziologie, Geschichte und
humanistischen Lehrfaecher (Philologie) - die von diesen Arbeitern s t u d i e r t werden,
spiegeln ihre weitgehenden Interessen wieder. Notwendigerweise k r e i s t das Studium
der Arbeiter in seiner Entwicklung um ihre s p e z i a l i s i e r t e n Erfahrungen und i s t
eng damit verknuwpft.
Die Arbeiterbildungs-Frogramme bringen grosso Abwechslung mit s i c h . Der intensive Lehrgang des Gewerkschaftlichen Kameradschafts-Programms der Harvard Univers i t a e t , der s i c h ueber das ganze Jahr e r s t r e c k t , erzieht die Gewerkschaftsfuehrer
zur Verantwortlichkeit in ihrer vollziehenden T a e t i g k e i t . Die Elnwochen- und
Zweiwochen -Kurse der I n s t i t u t e der Hudson Shore und 7/isoonsin Sommerschulen bieten
Programme, die sich an die Gewerkschaftsmitglieder in ihrer Gesamtheit r i c h t e n .
Das Gesamtprogramm der Arbeiterbildung s c h l i e s s t Sonderkurse ein,wie z.B. solche,
die s i c h mit den Problemen des Kollektivverfahrens befassen, oder die sich aus
den Beduerfnissen der Betriebsvertrauen smaenner heraus entwickeln, damit sie ihren
besonderen Industriezweig verstehen lernen. Es g i b t Lehrgaenge ueber das P a r l a mentsgesetz, ueber Englisch und ueber andere, sogenannte V/erkzeug-Themen. Dann
gibt es auch Kurse, die mehr verallgemeliierter Natur sind, und Grundlehrgaenge,
die den Zweck verfolgen, d i e Denkfaehigkeit der daran teilnehmenden Arbeiter zu
entwickeln oder auszubilden und ihnen einen gediegeneren Hintergrund an Wissen
vermitteln, das ihnen dabei h i l f t , ihr taegliches Leben zu verstehen
Die Einrichtungen der Arbeiterbildung
Es s o l l hier nicht der Versuch unternomne,n werden, ein allgemeines Bild von
den Organisationen zu geben, die heute auf dem Gebiete der Arbeiterbildung t a e t i g
sind. Es i s t b e r e i t s darauf hingewiesen worden, dass das Bild von heute mit dem
der zwanziger Jahre stark k o n t r a s t i e r t , a l s die Arbeiterbildung a l s o r g a n i s i e r t e
Bewegung in diesem Lande etwas Neues d a r s t e l l t e . Die Einrichtungen der Arbeiterbildung haben schon lange i n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaften, lokale Arbeiterhochschulen und andere Lokalgruppen wie auch Soramerseminare fuer Arbeiter umfasst.
Im Laufe der letztvergangenen Jahre hat eine Anzahl i n t e r n a t i o n a l e r Gewerkschaften
Bildungsabteilungen gebildet, die noch hinzukommen. Unter diesen sind die Vereinigten Fleischpacker Amerikas und die Mitglieder des Internationalen MaschinistenVerbandes zu nennen. Andere wieder haben besondere Bildungsprojekte ausgearbeitet,
ohne jedoch notwendigerweise allgemeine und v i e l g e s t a l t i g e BildungsProgramme aufz u s t e l l e n . Ein hervorragendes Beispiel bilden die Vereinigten S t a h l a r b e i t e r Amerikas,
deren Sommer I n s t i t u t e von den internationalen Bueros aus unter Mitarbeit einer
Anzahl Hochschulen und Universtiaeten a r b e i t e n . S t a a t l i c h e Arbeiter-Organisationen
(AFL) haben schon lange besondere I n s t i t u t e und Arbeitsgemeinschaften. Diese
werden j e t z t durch Programme ergaenzt die von den Industrlegewerkschaftsraeten des
CIO und von den Bildungsbehoerden gefoerdert werden und Lehrgaenge durchfuebren,
die sich ueber das ganze Jahr erstrecken, besonders in Michigan und New Jersey
(CIO) und im Staate Kentucky (AFL)
V i e l l e i c h t das ueberraschendste Moment in der 5Intwicklung der Arbeiterbildung
waehrend der letztvergangenen Jahre war die Tatsache, dass auf diesem Gebiet die
Universitaeten und Hochschulen neuerdings eine Verantwortung uebernommen haben.
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3

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�In manchen Faellen haben sich I n s t i t u t e der hoeheren Lehrtaetigkeit auf dieses
Gebiet begeben, um Programme durchzuf uehren, die d i r e k t den Bildungsbeduerfnissen
der Gewerkschaften Rechnung t r a e g t . In anderen Faellen l i e g t die T ä t i g k e i t
wieder auf dem Gebiete der Beziehungen in der I n d u s t r i e . Obwohl die Universitaeten b e r e i t s s e i t langem der Arbeiterbildungsfrage Interesse entgegengebracht haben,
war ihr I n t e r e s s e in der Vergangenheit im allgemeinen mehr oder weniger informator i s c h e r A r t . Haeufig kam dies durch d i e Beteiligung von Mitgliedern der Fakultaet
bei den verschiedenen Arten von Arbeiterbildungsbestrebungen zum Ausdruck, oder
dadurch, dass den Arbeitergruppen Raeume der Universitaet gegen Miete zur Verfuegung g e s t e l l t wurden. Erst vor kurzem hat es eine grosse Anzahl von Universitaeten und Hochschulen unternommen, das Arbeiterbildungswerk in ihr Gesamtprogramm mit aufzunehmen. Die Programme der Hochschulen und Universitaeten wenden
sich heute an a l l e Stufen der gewerkschaftlichen F ü h r e r s c h a f t und. umfassen
Klassenarbeit. Aussen-Seminare, Forschung und Materialvorbereitung."
Studium und Taetlgkeit
'.•Die Probleme, die fuer die Unterweisung erwachsener Arbeiter e i g e n t ü m l i c h
sind, haben s t e t s eine besondere Schulung und ein besonderes Studium e r f o r d e r t .
Um wirksam zu sein, muss die Unterweisung auf diesem Gebiet die wirkliche Erfahrung der Arbeiterstudenten zu ihrem Ausgangspunkt nehmen und muss darauf ger i c h t e t sein, ihnen vielmehr einen Hintergrund zu einem t i e f e r e n Verstaendnis
zu geben a l s l e d i g l i c h ihr Wissen zu erweitern. Die Faehigkeit der Arbeiter,
wirksam a l s i n t e l l i g e n t e Buerger zu handeln, s t e h t in d i r e k t e r Beziehung zu ihrer
Faehigkeit, d i e besonders gearteten Probleme, denen sie sich gegenuebersehen,
zu verstehen und mit ihnen f e r t i g zu werden, denn aus dem Erfassen der unmittelbaren Probleme heraus wäschst auch ein Verstaendnis fuer die damit verwandten
Gebiete. Das Studienprogramm i s t daher notwendigerweise mit einem Problem der
Praxis eng verknuepf t .
Wenn iTgendwelche allgemeinen Erklaerungen heute ueber d i e Arbeiterbildung
gegeben werden koennen, dann i s t die Fuehlungsnahme dazu ausgesprochen funktion e l l e r Natur. Etwa so, wie es Eduard C. Lindeman, Professor fuer Sozialphilosophie an der New Yorker Schule fuer S o z i a l a r b e i t , als "brennende Fragen" bezeichnet h a t . Das v i t a l s t e Studienprogramm i s t ein solches, dass in einem Problem
wurzelt, das Realitaet und V i t a l i t a e t fuer die betreffende Gruppe aufweist. Eine
Analyse gesetzgeberischer Fragen erwächst z.B. aus dem Interesse an einem besonders gearteten Gesetz. Das Studium der Mitwirkung verschiedener r a s s i s c h e r
und nationaler Kreise erwaechst ©ft aus dem I n t e r e s s e der Gewerkschaft an einer
Beschaeftigung von Negerarbeitern oder aus dem Wunsch heraus, ein wirksames
Kollektivabkommen durchzufuehren, das die Rechte a l l e r Gruppen innerhalb der
Gewerkschaft s c h u e t z t . Obwohl Studium und Diskussion s i c h nicht auf ein unmittelbares Programm der Praxis beziehen, da sich die Studenten nicht in ihren
Heimatorten befinden erwaechst das Bildungsprogranm ebenfalls an den Seminaren
(Alumnaten) aus Fragen, die fuer die Arbeiterstudenten von Bedeutung sind, wie
a.B. Loehne, Sozialversicherung, oder Beschaeftigungsnormen.
In a l l diesen Programmen werden v i e l e r l e i Methoden und Techniken angewandt,
wobei sich die Durchfuehrung aus den Problemen und der Gesamtlage e r g i b t . Manchmal i s t der Klassenraum der Mittelpunkt des Studiums, wie es In den Seminaran
(Alumnaten) der F a l l i s t . Oft bestimmen die Beduerfnisse des Gewerkschaftsausschusses oder das Problem, mit dem sich die Gruppe beschaeftlgt, die angewandte
Methode. Diskussionen, Vorlesungen, Filme und andere Massen!ehrmittel, geschriebenes Material, Gruppendiskussionen und Lehrausfluege cder zweckdienliche
Unterlagen- a l l e s dies s p i e l t eine Rolle. 7/ie in jedem andeven Fortbildungsprogramm, so werden auch diese und a l l e Moeglichen anderen verfuegbaren H i l f s m i t t e l
mit herangezogen, um das Problem zu beleuchten, mit dem sich die betreffende

-

k

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�Grupp« befaast. Offenbar wird das Studium hoechst bedeutungsvoll, sobald es dazu
fuehrt, dass man sich der Notwendigkeit der Umsetzung in die Praxis bewusst wird
und wenn eine enge Beziehung zwischen Theorie und Praxis besteht
Probleme von heute und morgen

"

"Frank KcCulloch, der Leiter der Abteilung fuer Arbeiterbildung am Roosevelt
College hat darauf hingewiesen, dass, um voll und ganz das heutige Programm der
Arbeiterbildung zu verstehen, es notwendig ist, dass wir uns der sozialen und
politischen Atmosphaere erinnern, in der dieses Programm entwickelt wird. Wir
muessen uns klar darueber sein, dass wir von jeher seit Ausbruch des Zweiten
Weltkrieges in der Epoche einer grossen industriellen Wandlung gelebt haben, in
deren Verlauf sich die Arbeiterbewegung rapide ausgedehnt hat, und dass wir uns
staend'ig technologischen und wissenschaftlichen Veraenderungen revolutionierenden
Charakters gegenuebersahen. Es war dies aber auch eine Zeit, in der ein grosses
internationales Chaos herrschte. Wenn wir uns die Zukunft betrachten, dann muessen
wir uns vargegenwaertigen, dass wir vor einer Kampfperiode stehen, in der die Lage
der Arbeiterschaft so ungewiss ist., dass ihr Recht auf Bildung in Frage gestellt
sind. In einer solchen Zeit ist es fuer die Arbeiterbildung von steigendem Interesse, der Arbeiterschaft auch weiterhin Gelegenheit zur Ausweitung ihrer Bildung und
ihres Verstaendnisses zu bieten, wenn die Gewerkschaftsbewegung ihre Wirksamkeit
beibehalten soll.
Unter den Problemen, denen sich heute diejenigen gegenuebersehen, die an der
Durchfuebrung der Arbeiterbildung mitarbeiten, sind Fragen, wie diese von ganz
besonderer Bedeutung« Wie koehnen wir den Lehrprozess zu einem vitaleren gestalten, die Arbeiterschaft auf ein Verständnis der Fragen vorbereiten, bei deren
Loesung sie in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spiatai muss. Wie kann
man den Gewerkschaften dabei helfen, dass sie einen wirksameren Gebrauch von den
neuen Techniken der Sozialwissenschaften und solchen Hilfsqueilen, wie Rundfunk
und anderen Einrichtungen fuer die breite Masse machen. Wie koennen die Lehrer
auf ihre Aufgabe, mit den Arbeitergruppen zusammenarbeiten zu wollen, besser
vorbereitet werden. Wie koennen die Hilfsquellen und Moeglichkeiten fuer den
Unterricht der gesamten Gemeinschaft besser in den Arbeiterbildungsprogramaen
ausgenuetzt werden. Wie kann die Arbeiterschaft ihre Interessen besser darlegen,
sodass die allgemeine Oeffentlichkeit die Fragen, um die es geht, besser versteht.
Wie koennen die Normen der Arbeiterbildung aufrechterhalten und ihre Ziele und
Zwecke waehrend dieser Periode der starken Entfaltung der Arbeiterbildung beibehalten werden.
Diese letzte Frage ist von ganz besonderer Bedeutung, und zwar wegen der
neuen Bewegung zur Ausweitung der Arbeiterbildung durch Zurverfügungstellung
von oeffentlichen Mitteln zwecks Gebrauchs seitens staatlicher und anderer
Koerperschaften. Wenn diese Bewegung ihr Ziel erreicht, dann v/erden in das
Gebiet der Arbeiterbildung viele Personen mit einbezogen v/erden, die jetzt mit
den Methoden und Beduerfnissen der Arbeit er gruppen nicht vertraut sind. Lehrer,
die auf dem Gebiete der Arbeitarbildung neu sind, muessen erkennen lernen, dass
ihr wesentlicher Zweck darin besteht, den erwachsenen Arbeitern dabei zu helfen,
eine ihnen zukommende reifere Verantwortlichkeit zu uebernehmen, damit sie so
besser geruestet sind, an der zukuenftigen sozialen Veraenderung teilzuhaben.
Die Lehrer auf dem Gebiete der Arbeiterbildung muessen auch Geschick entwickeln
und es sich zu eigen machen, indem sie die tagtaeglichen Interessen der Arbeiterals Grundlage fuer den Lehrprozess ansehen und andere weiterhin im Hinblick
auf ein weiteres Studium Theorie und eine vernuenftige Praxis motivieren. Auf
die Notwendigkeit, solche neuen Lehrer fuer die Arbeiterbildung auf ihre Aufgaben
vorzubereiten, kann nicht genug hingewiesen werden
5

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�"//aehreni des vor uns liegenden Zeitraums, muss eine s o r g f a e l t i g e Planung
s e i t e n s der verschiedenen Stellen vorgenommen werden, die mit der Arbeiterbildung
zu tun haben. Insbesondere s o l l t e k l a r und endgueltig die besonders geartete
Verantwortung herausgestellt werden, die von den verschiedenen Gruppen uebernommen werden muss. Die Gewerkschaften muessen sich d e u t l i c h e r dazu aeussern,
welcher Art Unterstuetzung s i e von den Universitasten und Hochschulen verlangen.
Die akademischen I n s t i t u t e muessen sich darueber k l a r sein, dass ihre Funktionen
und i h r e Verantwortung nicht das gesamte Gebiet umfassen. So i s t z.B. eine der
langjaehrigen Runktionen der Arbeiterbildung die Entwicklung der gefuehlsmaessigen Loyalitaet gegenueber der Gewerkschaftsbewegung a l s Lebenszustand und a l s
K i t t e l dazu, neuere Werte im Leben zu erwerben. Klarerweise l i e g t d i e Verantwortung nicht bei der Hochschule, sondern bei der Gewerkschaft in ihrem Arbeiterbildungsprogramm, der Entwicklung d i e s e r Loyalitaet Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Jedoch muessen sich sowohl d i e akademischen I n s t i t u t e wie auch d i e A r b e i t e r bildungsstellen der Gewerkschaft in ihrer Taetigkeit darueber k l a r sein, dass
wie niemals zuvor die Allgemeinheit in bezug auf ihre Beteiligung an den I n t e r e s sen der AllgemlnheJLt auf die Arbeiterbewegung s i e h t . Dies e r f o r d e r t , dass die
Arbeiterbewegung neue Methoden zwecks Erlaeuterung ihrer Beduerfnisse f i n d e t ,
ein besseres Verstaendnis fuer die Beduerfnisse, d i e die Allgemeinheit a l s Ganzes
angehen und eine neuartige Geschicklichkeit b e i den oeffentlichen Beziehungen.
Die Arbalterbildung muss dabei mithelfen, diese Techniken herauszuarbeiten."
"Handbuch der Fortbildung" 1%8
ARBEITERKONTROLLE IN JUGOSLAWIEN
Jugoslawische Arbeitgeber, die ihren Arbeitern bessere Arbeitsbedingunjen
bieten a l s d i e v e r s t a a t l i c h t e n Unternehmen, werden fuer schuldig angesehen,
"den Aufbau des Sozialismus in Jugoslawien zu sabotieren", b e r i c h t e t die Z e i t schrift"Der Gewerkschaftler im Exil" in i h r e r laufenden Nummer. Das Organ wird
von Gewerkschaf tsfuehrern herausgegeben, d i e ihr Heimatland h i n t e r dem "Eisernen
Vorhang" vor einem Jsjhr verlassen haben, um eine neue Organisation in P a r i s zu
gruenden.
Nach AngabS der Belgrader konmunistischen Zeitung " P o l i t i k a " s i e h t die
Anklage gegen die "verbrecherischen" Arbeitgeber so a u s ; "Die Arbeitslohnregelung wird auf jede einzelne unserer Fabriken angewandt. Die selbstaendigen Handwerker beachten diese Vorschriften jedoch n i c h t .
Sie bieten hoehere Loehne als diejenigen, die in der Vorschrift f e s t g e l e g t sind
und v e r l e i t e n somit d i e Arbeiter dazu, die v e r s t a a t l i c h t e n Betriebe zu verlassen.
Diese Handwerker nutzen auch die Wohungsschwierigkeiten der Belgrader Arbeiter
aus, die in den Fabriken von Zeleznik beschaeftigt s i n d . Diese Arbeiter koennen
in Zeleznik keine Wohung finden und muessen jeden Tag einen 10 Kilometer lagen
"Teg von ihrer ''fohnung zu ihrer A r b e i t s s t e l l e zuruecklegen.
"Kleine tferkstattbesetzer haben d e r v e r s t a a t l i c h t e n Fabrik in Zeleznik
eine gewisse Anzahl Facharbeiter entzogen, indem sie s i e bei sich e i n g e s t e l l t
haben. Dies steht ira "Jiderspruch zu den Interessen der Allgemeinheit und denen
der Arbeiter s e l b s t , " s c h l i e s s t die "Politika", die "drastische Massnahmen"
gegen die Beschuldigten f o r d e r t .
"ECA Labor Information" 12. Mal 1%9
DIE EI.1&amp;TR0ARBEITER FORDERE EINE JAEHRLICHE
ZULAGE VON $ 500
Der Verband der Vereinigten Elektro-, Radio- und Maschinen-Arbeiter (UE),
eine CIO-Gewerkschaft, hat "allen Korferenzausschuessen und Ortsgewerkschoften
anempfohlen, ihre Forderungen fuer die bevorstehenden Verhandlungen auszuarbei-

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6 -

�ten i n Rahmen e i n e r Erhoehung von $ 500 pro Jahr und pro A n g e s t e l l t e n an Loehnen
und Gehaeltern, Pensionsaufbesserungen, Krankenversicherungen und anderen w i r t schaftlichen Vorteilen."
Der UE hat es jeder verhandelnden Gruppe ueberlassen, wie die Forderungen
formuliert s e i n s o l l e n - ob in Form einer hoeheren Bezahlung, einer kuerzeron
Arbeitswoche oder in Form anderer V o r t e i l e .
James J . Matels, der O r g a n i s a t i o n s l e i t e r des UE s o l l s i c h in P r e s s e v e r o e f f e n t lichungen geauessert haben, dass 90.000 Mitglieder der Gewerkschaft am 1 . Maerz
n i c h t v o l l g e a r b e i t e t haben.
"Unsere Leute brauchen s o f o r t eine Erhoehung ihrer Kaufkraft, einen v e r b e s s e r ten Lebensstandard und e i n e Kuarzung der Arbeitsstunden, um der augenblicklichen
Tendenz zu z e i t w e i l i g e r Entlassung, Teilbeschaeftigung und f a l l e n d e n Wochenverd i e n s t e n Einhalt zu gebieten", e r k l a e r t e der Exekutivausschuss des UE".
Amerikanisches Arbeitsministerium, "Weekly
Labor New» Digest" 4 . Mai 1949
DIB HANDELSKAllIER DER VEREINIGTEN STAATEN AEUSSBBT
SICH UBBER "STILLE L0EHNB"
Die Forschungsabteilung der Amerikanischen Handelskammer e r k l a e r t e , dass d i e
t y p i s c h e Firma a u s s e r den Loahnen " s t i l l e Lohnlisten"-Kosten aufzuweisen h a e t t e ,
d i e mehr a l s 15£ des Betrages der ausgewiesenen Lohnrechnung ausmachen. Dies
geht aus einem Berieht hervor, der am 28. April v e r o e f f e n t l i c h t wurde.
Nach diesem Bericht e r h i e l t der amerikanische Arbeiter zuzueglich zu seinen
Loehnen Zuwendungen i n Hoehe von mehr a l s $ 424 im Jahre 1947. Diese V o r t e i l e
z e i g t e n s i c h in Form von Pensionsversicherungen, Lebensversicherungen, A l t e r s und Ueberlebenden-Beihilfe, Arbeiterentschaedigung, Gewinnanteilen und anderen
Vorteilen.
Der g r o e s s t e Einzelposten der Zuwendungen, d i e keine Loehne betrafen, war
l t . dem Bericht d i e "Bezahlung fuer nicht g e a r b e i t e t e Z e i t " . Diese Zahlungen
machten f a s t 5% von der Summe der Lohnrechnung aus, und darin waren bezahlter
Urlaub, Verguetungen a n s t a t t Urlaub und Bezahlungen fuer nicht g e a r b e i t e t e Ferienz e i t einbegriffen.
Der A r b e i t g e b e r a n t e i l an den Pensionen und anderen vereinbarten Zahlungen
machte etwa z u a a e t z l i c h 4,5? des Betrages der Lohnausgaben der Durchschnittsfirma aus, waehrend d i e g e s e t z l i c h verlangten Zahlungen, wie AItersverSicherung,
Erwerbslosenversicherung und Arbeiterentschaedigungen l t . der Pruefung 3,2$ der
Ausgabenrechnung fuer die Arbeiterschaft ausmachte.
Verschiedene andere Zahlungen brachten d i e Gesaartsumme an Zuwendungen d i e
n i c h t d i e Loehne betrafen, auf 15,h% der Lohnausgaben der Durchschnittsfirma.
Amerikanisches Arbeitsministerium,
"Weekly Labor News Digest" 4 . Mai 1949
PIK ARBEITER SOLLE* ENTSCHEIDEN
Die Erklaerungen des Ostblocks ueber d i e "glueckliche Lage" der Arbeiter
in den von den Kommunisten beherrschten Laendern im Gegensatz zu den "elenden"
Arbeitsbedingungen in Westeuropa haben d i e Aufmerksamkeit von den Plaenen der
Wirtschaftskommission der UN fuer Europa zur Entwicklung des Handels abgelenkt.
Auf der Sitzung vom Mittwoch f u e h l t e s i c h der f r a n z o e s i s c h e D e l e g i e r t e
Andre P h i l i p p e v e r a n l a s s t die langatmigen Behauptungen ueber die "Ausbeutung"
der Arbeiter in den Westlichen Demokratien auf ihre S t i c h h a l t i g k e i t hin auf d i e

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�Probe zu stellen. Als Antwort auf die Aeusserungen des bulgarischen Delegierten
Ivon Stefanoff schlug Philippe vor, 1000 Arbeiter "aus der kommunistischen Partei"
Frankreichs auf 3 Monate zur Arbeit nach Bulgarien zu schicken. Dafuer sollten
1.000 bulgarische /o*beiter in Frankreich zur Arbeit eingesetzt werden, "dann
wollen wir mal sehen," sagte Philippe, "wer von ihnen zuerst wieder nachhause will."
Aussenministerium,
"Radio Bulletin" 19. Mai 1949
FREIHEIT RIESISCHER PRAEGÜNG
In Shreveport, Louidana, erklaerte Erich Johnston, der President der Filmvereinigung Amerikas, dass die russische Auslegung der Begriffe Freiheit und
Demokratie weiter nichts bedeute als Schlagworte, die von dem, was man in den
Vereinigten Staaten darunter versteht, weit entfernt seien. Johnston hielt
am Mittwoch abend vor der Handelskammer der Stadt eine Rede. Vor kurzem ist.er
von seiner Reise nach Moskau zurueckgekehrt. "Freiheitsliebende Voelker" ist
eine beliebte sowjetische Phrase, sagte Johnston. Fuer uns bedeutete der7 Begriff Freiheit immer, dass wir Gelegenheit haben zum Waehlen, die Freiheit der
Bewegung, die Freiheit der Gelegenheit selbwt. Dies erstreckt sich auf Jede
Phase unseres Lebens. Russland gestattet aber einer russischen Frau und ihren
in Russland geborenen Kindern nicht, das Land mit ihrem auslaendischen Ehegatten
zu verlassen.
Der russische Kommunismus spricht von einer Arbeiterdemokratie. In Russland
aber arbeitet der Mensch an einem Arbeitsplatz, der ihm vom Staat zugewiesen Ist,
zu einem Lohnsatz, den der Staat festgesetzt hat und dort bleibt er auch, bis man
ihn woanders hinstellt. Und seit vielen Jahren hat man nichts ueber einen Streik
in Russland gehoert.
Aussenministerium,
"Radio Bulletin" 19. Mai 1949
DIB SOWJETKONTROLLB ÜBBBR DIB ESTNISCHE
ARBEITERS CB3PT
"Den estnischen Arbeitern bleibt das Recht versagt, sich ihren Aufenthaltsort und ihre Arbeit selbst zu waeblen, und einer Versetzung von einem Ort zum
anderen koennen sie keinen Widerstand leisten, selbst wenn es sich um eine Deportation nach Asien handelt," schrieb Johannes Mihkelson, der fruehere Sekretaer des Estnischen Gewerkschaftsbundes in der laufenden Ausgabe der Zeitschrift
"Der Gewerkschaftler im Exil".
Mihkelson gibt einige Beispiele aus der sowjetischen Arbeitergesetzgebung,
die den estnischen Arbeitern aufgezwungen wird.
"Wer seine Arbeit verlaesst oder seinen Beruf aendert, ohne dass er dazu
ausdruecklich von der Betriebsleitung ermaechtigt worden ist, kommt vor das
Gericht und wird zu 4 Monaten Gefaengnis verurteilt. In der RuestungsIndustrie
und viele sowjetischen Industriezweige werden so klassifiziert - kann dieses
Urteil auf 8 Jahre Gefaengnis ausgedehnt werden.
Alle Urteile werden geraaess einer Verordnung gefaellt, die der Oberste
Sowjet am 26. Juni 1940 erlassen hat. Mihkelson erwaehnt noch andere Vorbehalte
und Klauseln in dieser Sowjet-Verordnung.
"Jeder Arbeiter, der ohne triftigen Grund aufhoert und 20 Minuten zu spaet
zur Arbeit kommt, oder 20 Minuten vor der Arbeitspause aufhoert, kommt vor ein
Gericht und wird zu 6 Monaten Zwangsarbeitslager verurteilt; 25t seines Lohnes
wird einbehalten. 7/enn sich der Arbeiter waehrend seines Aufenthalts im Lager
wiederum etwas zuschulden kommen laesst, dann wird sein Urteil in Gefaengnis-

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�strafe umgewandelt
"
Eine weitere Anordnung des Obersten Sowjets, die am 19. Oktober 1940 herauskam, so berichtet Mihkelson, gibt dem Volkskommissar das Recht, die Arbeiter von
einer Fabrik in eine andere zu versetzen ohne Ruecksicht auf den Ort, wo sie leben,
Wer sich weigert, setzt sich derselben Strafe aus wie diejenigen, die Ihre Arbeit
im Stich lassen. "So ist eine grosse Anzahl estnischer Facharbeiter waehrend der
ersten und zweiten russischen Besetzung von Estland nach Russland verbracht lorden",
berichtet Hihkelson. "In Wirklichkeit ist das weiter nichts als Deportation.
"ECA Labor Information" 12. Mai 1 % 9
IN HOLLAND GIBT E NICHT BLOSS TULPEN l
"Der Amerikaner stellt sich Holland gewoehnlich so vor: Windmuehlen, Eanaele,
Tulpen, Fahrraeder, Holzschuhe und Kaesel Aber Holland besteht aus Menschen, aus
einer arbeitenden Bevoelkerung, die den Versuch macht, wieder zu einem guten Leben
zurueckzukehren, nachdem ihr Land von Bomben, Panzern und Flugzeugen vermiestet
wurde. Neulich habe ich einmal einige holla endis che Arbeiter in ihrer Wohnung
besucht; d i e Suedemeyers, die Hoeksemas und die Stadigs, und ich moechte sie mit
Ihnen bekannt machen, so wie ich sie kennen gelernt habe.
"Es handelt sich hier um drei Durchschnittsfamilien der arbeitenden Klasse,
die aufs Geratewohl aus der Mitgliederliste der Christlichen Niederlaendischen
Gewerkschaft ausgewaehlt wurden. Sie leben in einer gewoehnlichen Wohnung fuer
die arbeitende Klasse mit dem Durchschnittseinkommen eines hollaendischen Arbeiters.
Keine von ihnen beklagt sich ueber so vage Dinge, die man "Verhaeltnisse" nennt,
aber wie es auch bei anderen Familien ueberall der Fall ist, so haben auch sie
ihre persoenlichen Probleme. Der Marshall-Plan hat dazu beigetragen, dass sich
ihr Lebensstandard gebessert hat, und die Maenner in der Familie haben ihre Arbeit.
Ihr Arbeitsverdienst ist nicht hoch, aber sie koennen damit immerhin ganz anstaendig auskommen - ohne grosse Schwierigkeiten. Das ist immerhin bedeutungsvoll.
Wenn man in Betracht zieht, dass sie vor gar nicht so langer Zeit noch zu einer
Nation gehoertea, die vom Feinde ueberrannt, verwuestet und zerbombt wurde. Es
war hart und hat lange gedauert, bis sie sich wieder erholten. Nach und na eh
wurde die Rationierung aufgehoben, man braucht aber immer noch Punkte, um sich
Bekleidung, Fleisch und Kaese zu kaufen, fuer die Maenner gibt es nur 2 Paeokchen
Zigaretten pro Woche, fuer die Frauen (wenn sie rauchen) nur eins
"Die Snedemayers sind 16 Jahre verheiratet und haben eine 11 jaehrige Techter.
Herr Snedemeyer baut und repariert Klaviere. Sein gesamter Wochenverdienst betraegt nach Abzug der Steuern 43 Gulden, was etwa 40 amerikanischen Cents jro
Gulden entspricht. Das Schulgeld fuer die Tochter betragt woechentlich 33 Beats,
und ihr Beitrag fuer die Kirche belaeuft sich auf 40 Gulden pro Jahr,
Ihre Wohnung im vierten Stock befindet sich in einem Mietshaus, das bereit«
60 aJahre steht, und besteht aus 4 kleinen Zimmern. Sie haben elektrische«
Licht, fliessendes Wasser und Gas. Sie besitzen ein Klavier und einen kleias*
Radioapparat, doch stellt dies den groessten Luxus dar. Frau Snedemeyer kam
sich nicht entsinnen, wann sie zum letzten Mal im Kino war, und ihre Toc**s» ist
nur einaal in einem Auto gefahren-- als sie evakuiert wurden
"Herr und Frau Hoeksema haben 4 Kinder im Alter von 2 bis 16 Jahren. *#•
vor kurzem war Herr Hoeksema Landarbeiter, im Augenblick ist er aber in einer
Zuckerraffinerie beschaeftigt, wo seintfochenlohn47 Gulden betraegt. LuxÄsgegenstaende befanden sich nicht in dieser Wohnung, aber auch dort war elektrisches Licht, Gas und Nasser vorhanden. Die Wohnung liegt in einem sehr alten
Holzhaus, gegenueber den Eisenbahnschienen mit einem Schlackeweg davor. Die
Wohnung bestand aus 3 kleinen Zimmern im ersten Sbckwerk mit einem darueberliegenden Schlafzimmer, eine Treppe hoeher, wofuer die Familie woechentlich 3.50

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�Gulden Miete zahlt. Frau Hoeksema arbeitet sonntags, um zum Unterhalt der Familie
beizusteuern. Diese Familie war sehr einfach gekleidet. Frau Hoeksema erklaerte,
dass sie einzig und allein nur am Sonntag, wenn sie zur Kirche geht, Struempfe
anzieht.
"Herr Stadig ist Polizist,in Amsterdam, dessen Gehalt monatlich 295 Gulden
betraegt, Kinderzulage einbegriffen. Die Stadigs sind 12 Jahre verheiratet und
haben 4 Kinder im Alter von 2 bis 11 Jahren. Fuer ihre Wohnung, die im Erdgeschoss liegt, und die aus 3 Schlafzimmern, einem Wohnzimmer und der Kueche besteht, zahlen sie 5*10 Gulden Mite pro Woche. Das Haus ist etwa 40 Jahre alt
und hat Wasser, Gas und Elektrizitaet. Wie auch bei den anderen Wohnungen, die
ich besuchte, war die Wohnung der Stadigs sehr einfach eingerichtet, ohne irgendwelche Luxusgegenstaende. In keiner der 3 Wohnungen befand sich eine Badewanne.
"Diese 3 V'ohnungen sind fuer die arbeitende Bevoelkerung Hollands typisch.
Nur sehr wenige besitzen ein eigenes Heim, vielleicht nur 5?. Die Mahlzeiten
der hollaendIschen Arbeiter sind sehr einfach und bestehen aus Brot, Genuese,
staerkehaltigen Nahrungsmitteln und etwa 2 Mal in der Woche aus einer kleinen
Portion Fleisch. Vor der Aufhebung der Bewirtschaftung waehrend der zweiten
Haelfte des Jahres 1943, bekam jede Person nur 1 Ei pro Monat. Seitdem die
Rationierung der Eier aufgehoben wurde, bestimmt der Preis (l6 - 18 cents pro
Stueck) zum grossen Teil die Zahl der Eier, die der arbeitende Mensch kaufen
kann. Die Mahlzeiten dieser Familien am Morgen und mittags bestehen gewoehnlich
aus Tee oder Kaffee, Kaese und Brot mit einer Art von Butter. Das Abendessen
ist gewoehnlich das wichtigste und das groesste und auch das einzige warme Essen
am Tage, und man nimmt es ganz bequem und mit Müsse ein.
"In den meisten Gegenden und Stadtteilen gibt es keine Spielplätze fuer die
Kinder, doch werden jetzt Flaene ausgearbeitet, um in den meisten Staedten Hollands
Spielplaetze anzulegen. Die Erholung der hollaendischen Bevoelkerung ist notwendigerweise auf die Gebiete beschraenkt, die man mit dem Fahrrad erreichen kann.
Es ist durchaus nichts Ungewoehnlich.es, wenn man am Sonntag nachmittag ein Kind
auf der Lenkstange und ein anderes auf dem Rueckensitz der Fahrraeder der Eltern
sitzen sieht, die nach den Sandduenen oder wo anders hin unterwegs sind, um
frische Luft zu schnappen. Das Gesellschaftliche beschraenkt sich auf solche
Gruppen oder Zirkel, wo es am billigsten ist. Meistens dreht sich alles nur um
die Kirche oder um die Schule......"
Aus einem Bericht des ECA Beraters fuer Arbeitsangelegenheiten der Niederlande, Lee R. Smith
9. Mai 1949
PIK AFL WILL MIT DEM CIO IN EINEM WBL'BIRBEITBBBÜND
ZUSAMMENGEHEN
Die Plaene zur Schaffung eines neuen Weltarbeiterbundes in Genf, Schweiz,
im naechsten Monat wurden wesentlich dadurch beschleunigt, als der hier tagende
Exekutivrat der AFL einstimmig eine gemeinsame Beteiligung mit dem CIO an den
geplanten Organisation billigte.
Die Genfer Konferenz, die auf den 24. und 25. Juni angesetzt ist, wird zum
ersten Kai in den langen Jahren Amerikas beide groessten Arbeiterorganisationen
in der gemeinsamen Bemuehung zusammenbringen, die freien Arbeiterbewegungen der
VJelt zu einer neuen Gruppe zu vereinigen, die den von den Kommunisten kontrollierten V/eltgev/erkschaftsbund (V/FTU) bekaenjft und mit ihm rivalisiert.
Die formelle Entscheidung, sich zusammen mit dem CIO der neuen Weltorganisation anzuschliessen, ist eine Entscheidung hoeherer Politik fuer die AFL, die die

-

10 -

�Mitgliedschaft der Sowjetunion im WFTO bekaempfte und sich weigerte, sich zusammen
mit dem CIO an der Gruendung des WFTO im Jahre 1%5 zu b e t e i l i g e n . Die Stellungnahme der AFL wurde vor kurzem dadurch g e r e c h t f e r t i g t , a l s der CIO Busammen mit
der englischen, hollaendischen und anderen Arbeitergruppen aus dem WFTO a u s t r a t ,
dem sie Beherrschung durch die Sowjets vorwarf.
Wie sich der AFL-Praesident William Green aeusserte, hat der CIO den Weg
fuer das Abkommen geebnet, indem er sich damit einverstanden erklaerte, diese gemeinsame Bemuehung als einen Fraezedenzfall auszunutzen, um den Status der AFL
in der Internationalen Organisation fuer Arbeitsfragen (ILO) anzufechten. Als
aelteste und groesste Arbeiterorganisation Amerikas hat die AFL immer auf ihr
Recht bestanden, Vertreter der amerikanischen Arbeiter zum Verwaltungsrat der
ILO abzuordnen.
Green erklaerte, dass man die freien Gewerkschaften aus allen Teilen der Welt
einladen wuerde, dem neuen Bunde beizutreten, und sagte voraus, dass dieser Den
WFTO an Groesse und Bedeutung uebertreffen wuerde. Alle Arbeiterorganisationen
werden auf der Grundlage ihrer Mitgliederzahl beteiligt sein und demzufolge Beitraege leisten. Man erwartet, dass der CIO auf der Basis einer beglaubigten Mitgliederzahl von 6 Millionen, die AFL mit 7ß Million Mitgliedern beteiligt sein
wuerde.
Aussenministerium "Radio Bulletin" 18. Mai 1%9
ARBEITNEHMER DKP ARBEITGEBER ARBEITEN GEMEINSAM
AN EINEM WOHNUNGSBAU-PROGRAMM
Bei dem, was die amerikanischen Gewerkschaften tun, gibt es immer wieder
Ueberraschungen. Hier ist z.B. ein Leitartikel aus der "New York Times" ueber
eine Genossenschaft von Arbeitgebern und Arbeitern beim Haueserbau. Die Internationale Vereinigung der Elektro-Arbeiter (IBEW), die der AFL angeschlossen ist,
hat sich mit ihren Arbeitgebern zu einem Plan zusammengetan, um ein grossangelegtes Haeuserbauprogramm zu fördern.
"Das Pr jekt, dass sich auf 2000 Wohnungen erstreckt^ und dessen Kosten etwa
20 Millionen Dollar betragen werden, das das in Queens mit finanzieller Hilfe der
Elektroarbeiter der AFL und einigen ihrer Arbeitgeber durchgefuehrt wird, stellt
eine originelle und interessante Entwicklung dar, nicht nur auf dem Gebiete des
Wohnungswesens, sondern auch in bezug auf die Arbeitsbeziehungen. Es ist ein Beispiel, das wohl der Beobachtung und der Nacheiferung seitens anderer Arbeitnehmer
Arbeitgeber-Gruppen wert ist. Bs ist darin ein Preis fuer den Erwerb oder fuer
eine Miete vorgesehen, der nach dem heutigen Lebensstandard gemessen, erstaunlich
niedrig ist. Da eine Gewerkschaft an dem Projekt beteiligt ist und die Gewericschaften des Baugewerbes ebenfalls daran teilhaben, mag dies als ein Masstab dafuer dienen, was das eigene Interesse an einem schnellen und wirtschaftlichen
Bauen fuer die ''.'ohnungskosten bedeuten kann.
Der Landesbeauftragte fuer das "Tohnungswesen, Stichman, der einer der ersten
Foerderer dieses neuen Planes ist, hat diesen mit grossem Stolz verkuendet. Er
warnte die privaten Bauunternehmer und sagte, "3ie sollten sich d^rueber klar
werden, dass, wenn sie nicht schleunigst den Forderungen der Familien mit kleinem,
mittleren Einkommen nach Preisen, die sich sich leisten koennen, nachkommen, diejenigen, die eine V.'ohnung brauchen, sich anderen kooperativen Irojekten anschliessen
und die Angelegenheit selbst in die H-ind nehmen. " Er sieht das Frojekt auch von
der Seite an, dass 'die .jbeiterschaft ein weiteres Interesse daran nimmt, die
Kosten fuer den -ohnungsbau herabzusetzen, was sich fuer die gesamte Geffentlichkeit zum Vorteil auswirkt." 3r berichtet, dass es jetzt im Staate New York 22.000
-

11 -

�beschaeftigungslose Bauarbeiter gibt, mehr als die Haelfte derjenigen hier bei
uns, trotz des Wohnungsmangels.
Mr. Stichman aeusserte sich dahingehend, dass dies das groesste gerne innuetzige kooperative Wagnis aus dem Gebiete des Bauwesens sei, das jemals unternommen
wurde. Zwei Jahre lang hat er diesen Gedanken an ein kooperatives tfohnungsbauwesen genaehrt, und so werden die ersten Unterkuenfte in Bell Park Gardens,
Queens,- ein Projekt zur Schaffung von 800 Wohnungen fuer ehenalige Kriegsteilnehmer- gegen Mitte des Sommers beziehbar werden. An anderen Orten des Staates
scheint die Idee Boden gefasst zu haben. Es kommen auch schon aus dem mittleren
Westen Anfragen ueber das neu angekuendigte Kooperativ-Programm unter Mitwirkung
von Gewerkschaft und Arbeitgeber.
"Ehe New York Times" U . Mai 1949
D U AHBBITgRBTTJ)ONG ÜHD DIE GEWERKSCHAFT
Kachstehender Artikel aus dem "Labor Sducation Guide" des Amerikanischen
Arbeiterbildungs-Dienstes ist ein Bericht ueber eine Studiengruppe, den Lawrence
Rogin, der Leiter fuer das Bildungswesen des Textilarbeiter-Verbandes Amerikas,
kuerzlich abgegeben hat. Er befasst sich mit der Bedeutung der Arbeiterbildung
fuer die Gewerkschaft*
"Wie koennen wir das, gewerkschaftliche Bildungswerk, als Teil und als Gesamtes
innerhalb des gesamten Gewerkschaftsprogramms entwickeln« V/ie kann es aus der
alltaeglichen gewerkschaftlichen Taetigkeit herauswachsen und andererseits dazu
beitragen, die Arbeit der Gewerkschaft zu staerken. Wie kann es so ausgestaltet
werden, dass es von den Fuehrern und der breiten Masse der Mitglieder der Gewerkschaft als nuetzliche und notwendige SelbstverstÄndlichkeLt angesehen wird."
Das waren die Fragen, die von einer Gruppe von Gewerkschaftslehrern, die zu
Anfang dieses Jahres in einer besonderen Fabrik zusammengerufen worden waren,
eroertert wurden. Man war sich darueber einig, dass der Begriff "Lerne durch
Taetigkeit" ein gesundes erzieherisches Prinzip sei, und die Aufgabe des Direktors
fuer Bildung darin besteht, jede Phase der Gewerkschaftstaetigkeit, die einen
guten Ausgangspunkt fuer den Lehrprozess liefert, zu erkennen und zu nutzen,
sowie Techniken bei dieser Taetigkeit zum Aufbau von Bildungsprogrammen zu finden.
Eine solche Bildung wird die Arbeit der ganzen Gewerkschaft staerken.
Unter den Punkten, die eine gute Basis fuer die Bildungsarbeit bieten, wurde
auch die Notwendigkeit genannt, die Betriebsvertrauensmaenner so zu schulen,
dass sich ihre. Taetigkeit erfolgreich auswirkt.
Ein Weg, um eine starke Gewerkschaft aufzubauen, besteht darin, dass man
die Verbindung zwischen der breiten Masse der Gewerkschaftsmitglieder und der
obersten Fuehrerschicht staerkt. In dieser Hinsiekt hat der Betriebsvertrauensmann eine Schluesselstellung inne. Der Vertrauensmann sollte daher als ein
Bildungsmittler angesehen werden, und man sollte ihm daher bei seiner Bildungsarbeit
innerhalb der Mitgliederschaft helfen. Er muss z.B. lernen, ein Gewerkschaftsabkommen zu erklaeren und zu erlaeutern. Gar zu oft wird er zu Vertragsabschluessen
herangezogen, an deren Entwurf er nicht beteiligt war, und dass erwartet man von
ihm, dass er sie richtig durchfuehrt. Er sollte dazu ermutigt werden, die Durchfuehrung im Sinne des Bildungsprogramms zu bewerkstelligen."
"Labor Education Guide" Band VII No. 3.
TECBNISCHE AUSBILDUNG IN DER WELTGESÜNDÜNG
Paul G. Hoffman, der Leiter des ECA (Verwaltungsausschuss fuer das ERP) hat
vor kurzem dem Amerikanischen Bildungs- und Erziehungs-Rat erklaert, dass das
-

12 -

�Ziel des Marshallplans darin besteht, fuer ganz Europa einen hohen Lebensstandard
zu schaffen.
"Wir arbeiten auf das Ziel hin, dass die freien Nationen Europas ihrer Bevoelkerung einen Lebensstandard geben koennen, der nicht nur dazu ausreichen soll,
ihr Leben in "stiller Verzweiflung" zu fuehren, sondern hoch genug, um den Menschen
einen Ansporn zur Arbeit, zum Leben und zum Fortschritt als freie Menschen zu geben.
Es ist klar, dass eine erhoehte Produktion der wichtigste Punkt fuer eine wirtschaftliche Gesundung ist. Da praktisch in allen Laendern, in denen der ECA wirkt,
tatsaechlich in allen Laendern mit Ausnahme Deutschlands und Italiens - der Mangel
an Arbeitskraeften ein Problem darstellt, so bedeutet dies vielmehr einen erhoehten
Ausstoss pro Mann und Arbeitsstunde als lediglich eine Erhoehung der Arbeiterzahl
und eine groessere Verwendung von Maschinen
"Kuerzlich in Europa unternommene Studien
haben gezeigt,.... dass die
Industrieproduktion pro Mann und Arbeitsstunde in dem Vereinigten Staaten 2\ - 3mal
hoeher liegt als in Europa
Der ECA und die ECA-Nationen machen nun den Vorschlag,
das "warum" der hoehren amerikanischen Produktivitaet festzustellen und womoeglich
dieses "warum" in europaeische Begriffe zu uehersetzen....
"Ich moechte hier erklaeren", fuegte Mr. Hoffman hinzu, "dass eines der Ergenisse des Programms diesseits des Atlantik die Entdeckung war, dass die europaeischen Arbeiter und Sachverstaendigen viel zu unserem industriellen Wissen beizutragen haben. Das Programm hat sich vielmehr als ein "Austasch von Ideen" erwiesen als lediglich ein Export der "Belehrung". Die Neue Welt kann die Alte Welt
vieles ueber Massenproduktion lehren, aber die Alte Welt ist den Produktionstechniken der Neuen Welt in vielen Faellen ueber legen."
"ECA Labor Information" 11. Mai 1949
LEBENSMITTELKOSTEN-INDEX; EIN VERGLEICH
Nachstehende Tabelle enthaelt die Lebensmittelindexzahlen fuer eine Reihe
europaeischer Laender wie auch fuer Canada und die Vereinigten Staaten. Es handelt sich hierbei nicht um einen Lebenshaltungsindex, sondern lediglich um den
ueblichen hauptsaechlichen Posten in den Lebenshaltungskosten fuer Arbeiter. Man
wird feststellen, dass Grossbritannien hierbei nicht aufgefuehrt wird. Da das
Land seine Indexzahl insofern geaendert hat, als das Jahr 1947 als Grundjahr angenommen wird, war es nicht moeglieh, diese Zahlen zusammen mit denen der anderen
Laender aufzufuehren, die 1937 als Grundjähr annehmen. Wenn man die Zahl fuer das
Grundjahr mit 100 annimmt, dann war die LebensmittelIndexzahl fuer 1946 das Vereinigte Koenigreich 122. Auf der Basis von 1947 mit 100, betrug der Index fuer
1948 108.
Index fuer Lebensmittelkosten fuer bestimmte Laender und Jahre 1937 = 100
Land
Durchschnitt 1947 Duchschnltt 1948 Letzter Bericht 1949
Oesterreich
204
325
413 Januar
Belgien
305
384
375 Februar
Canada
155
189
194 Februar
Tschechoslowakei 317
316
nicht gemeldet
Daenemark
170
173
174 Januar
Finnland
719
950
956 Februar
Frankreich
1,030
1,650
1,845 Februar
Deutschland (Bizone) 126
134
151 Februar
Norwegen
162
168
154 Februar
Portugal
220
211
213 Februar

-

13 -

�La,nd

Durchschnitt 1947

Spanien
Schweden
Schweiz
Vereinigte Staaten

Durchschnitt 1948

581
156
171
184

599
l68
177
200

Letzter Bericht 19^9
nicht gemeldet
168 Februar
177 Februar
190 Februar

International Labour Review, April 1949
BERGARBEITERVERBAND LEHNT EINE
EINLADUNG DES WFTÜ AB
Der Executivausschuss des Internationalen Bergarbeiterverbandes stimmte
auf einer Versammlung, die am 6. Kai in Washington stattfand, dafuer, die Einladung des Weltgewerkschaftsbundes (WFTü) zu der Konferenz dieser Organisation,
die im Juni in Mailand stattfinden soll, abzulehnen. Der Bergarbeiterverband,
der im Jahre 1890 gegruendet wurde, ist der aelteste internationale Verband der
Welt. Er wird am 5. Oktober in Amsterdam zu einer Konferenz zusammentreten.
Der Executivausschuss verpflichtete sich auf der Versammlung, darauf hinzuarbeiten, in allen Laendern hoehere Normen im Bergbau zu erreichen.InZusammenhang hiermit bestaetigte die Konferenz das Normenprogramm, das auf der kuerzllchen Versammlung der Bergarbeiter aus verschiedenen Laendern in Pittburgh unter
der Schirmherrschaft der Internationalen Organisation fuer Arbeitsfragen (ILO) aufgestellt worden war. Auf der Konferenz in Washington waren folgende Laender vertreten; Canada, Frankreich, Grossbritannien, Deutschland, Oesterreich, Belgien,
Holland, Schweden, Norwegen, die Suedafrikanische Union, die Vereinigten Staaten
und Indien. Ein Vertreter der Bergarbeiterverbaende Japans war als Beobachter
anwesend. Die Gewerkschaften, die vertreten waren, zaehlen etwa 2 Millionen
Bergarbeiter.
Aussenministerium "Radio Bulletin" 6. Mai 49
DIB NOTWENDIGKEIT EINES WEITEREN AUSBAUS
DER ARBEITERBILDUNG
In einer sich so rasch wandelnden 7/elt muss die Bildung bestaendigen Charakter haben. Die Gelehrsamkeit von gestern kann vielleicht nicht ganz den Anforderungen von heute gerecht werden. Der Bildungsinhalt muss sich in dem Masse
veraendern, wie neue Probleme auftreten. Der Arbeiter in der Werkstatt wie auch
der Arbeitgeber muss den Lehrprozess fortfuehren. Das alles sind einfache Tatsachen des Lebens, die die fortschrittlichen Gewerkschaftler begreifen. Es sind
dies die einfachen Tatsachen des Lebens, die in allen Laendern, wo- freie demokratische Gewerkschaften geschaffen wurden, eine Arbeiterbildung entstehen lassen.
Wir zitieren hier kurz einige Punkte ueber dieses Thema aus einem Artikel
ueber* Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiete der Arbeiterbildung von Eleanor
G. Coit und Orlie Pell vom Amerikanischen Arbeiterbildungsdienst, einer Organisation, die von den amerikanischen Gewerkschaften unterstuetzt werden.
"Heutzutage ist die Arbeiterbildung ihrem CHrakter nach in steigendem
Masse funktioneller Natur. Die Gelegenheit fuer die Gewerkschaftsmitglieder,
ihre Faehigkeiten zu erhoehen, um die Frobleme, denen sie sich gegenuebersehen,
zu verstehen und sie in wirksamer "'.'eise zu loesen, beruht groesstenteils auf
ihrer Beteiligung an den Massnahmen ihrer Gewerkschaft. Die Frage, der die

- 14 -

�Arbeiterbildung gegenuebersteht besteht darin, diejenige Art geistiger Beteiligung
anzuregen und zu unterstuetzen, die auf ein solches Wachstum an Verstehen und
Praxis hinauslaeuft.
"So finden wir, dass die Bildung, wie sie heute in der Arbeiterbewegung
fortgefuehrt wird, direkt aus den tagtaeglichen Sorgen, Noeten und Massnahmen
der Gewerkschaft Brwaechst. Wo diese Massnahmen auf soziale Fragen stossen,
werden sie zu dem Boden, auf dem ein groesseres Verstaendnis und ausgedehnte
soziale Beziehungen wachsen und sich entwickeln koennen. Etwa im Aufbauprozess
der Gewerkschaft, wo z.B. die Mitglieder lernen muessen, die Ziele der Gewerkschaft und die Bedeutung der gesamten Arbeiterbewegung im Leben der Nation zu
•erstehen und dies den neuen Mitgliedern zu erlaeutern und klarzumachen. Oder
etwa bei den Verhandlungen mit dem Arbeitgeber, wo die Gewerkschaftsvertreter
die Kraefte verstehen muessen, die die Industrie beeinflussen, wie auch das
laufende wirtschaftliche Bild.
Bei der Bearbeitung von Beschwerdefaellen und der Durchsetzung eines Gewerkschaftsabkommens muessen die Vertrauensmaenner und die Vertrauensobleute
des Betriebes staendig ein wachsendes Verstaendnis fuer die manschlichen
Beziehungen wie auch fuer die mehr technischen Seiten ihres Aufgabengebietes
an den Tag legen. Die Streiklage mit ihren ausgedehnten Rueckwlrkungen auf das
Leben und die Empfindungen der Gewerkschaftsmitglieder bietet ein weites Feld
an Gelegenheiten fuer die Art der Taetigkeit, die den Blick des Gewerkschaftsmitgliedes weitet. Jedes dieser Betaetigungsgebiete der Gewerkschaft erfordert
realistische und verantwortliche Massnahmen seitens vieler Gewerkschaftsmitglieder, die durch ihre Ausschuesse und Raete taetig sind.
Waehrend der letztvergangenen Jahre hat sich die Taetigkeit der Gewerkschaften in bemerkenswerter Weise auf Beziehungen zu Regierungsstellen ausgedehnt, und dies hat den Gesichtskreis der Beteiligung der Gewerkschaftsmitglieder am Verstaendnis fuer das soziale und wirtschaftliche Leben des Landes erweitert. Ob es sich nun darum handelt, dass ihr Fall vor einem Arbeitsausschuss vorbereitet wird oder ob es darum geht, Ausschuesse unterzubringen, in
jedem Falle sehen sich die Gewerkschaftsmitglieder einem Taetigkeitsgebiet gegenueber, das ein tieferes Wissen und Verständnis fuer das Funktionieren unseres
politischen und wirtschaftlichen Systems erfordert."
"Artikel aus dem im Jahre 1%8 erschienenen
Buch "A Decade of Group Work"
DAS FORSCHUNGSINSTITUT FUER SOZIAL- UND VERWALTUNGSWISSENSCHAFTEK IN KOELN
In No. II-l der "Arbeitsmitteilungen" brachten wir auf Seite 6 einen Bericht
ueber das Arbeitsgebiet der Sozialforschungsstelle in Dortmund, die der Univer-»
sitaet Lluenster angeschlossen ist. Wie wir erfahren, besteht auch in Koeln ein
solches Institut. .Vir haben uns daraufhin mit der betreffenden Organisation in
Verbindung gesetzt und gebeten, uns ihr Programm und Einzelheiten ueber ihr Arbeitsgebiet zugehen zu lassen. Nachstehend bringen wir eine Notiz hierueberj die
zweifellos einen grossen Krei3 unserer Leser interessieren duerfte;
Deutsche Forschungsstelle fuer Fragen des Arbeits- und Sozialrechts
an der Universitaet Koeln
Ausser der in ITr. I I - l auf Seite 6 genannten Forschungsstelle besteht auch
an der Universitaet Koeln ein Forschungsinstitut fuer Sozial- und Verwaltungswissenschaften, dessen Abteilung Sozialrecht unter der Leitung von Professor Dr.
H.C. Nipperdey steht. Dieser gilt auf Grund seiner jahrzehntelangen Arbeiten als
-

15

-

�einer der fuehrenden deutschen Wissenschaftler auf dem Gebiete des Arbeitsrechts.
Die Sozialrechtliche Abteilung des Koelner Forschungsinstituts steht in
engem Arbeitskontakt mit allen fuehrenden Persoenlichkeiten des deutschen Arbeitslebens in den Arbeitsbehoerden und Arbeitsgerichten wie in den deutschen Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen. Anhand des ihr zur Verfuegung stehenden
umfassenden Materials ist sie in die Behandlung der grossen Gegenwartsfragen des
deutschen Arbeitsrechts eingeschaltet und wird bei deren Neugestaltung laufend zu
wissenschaftlicher Beratung und Begutachtung in Anspruch genommen.
Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschungstaetigkeit auf dem Gebiete des
deutschen Arbeitsrechts sollen in eigenen Veroeffentlichungen niedergelegt werden.
Als erstes Werk erscheint im Monat Juni 1949 (in dem Bfbderstein Verlag, Muenchen)
eine umfassende Textsammlung der arbeitsrechtlichen Gesetze und Vorschriften aus
allen Zc»n und Laendern Deutschlands, in der erstmals die unuebersichtllche deutsche
Gesetzgebung zum Arbeitsrecht systematisch geordnet vollstaendig zusammengestellt
ist. Das 'tferk wird als Loseblattausgabe laufend weitergefuehrt werden.
Sodann wird von dem Direktor der Soziali'echtlichen Abteilung des Forschungsinstituts in Gemeinschaft mit allen fuehrenden Wissenschaftlern und Praktikern des
deutschen Arbeitsrechtslebens die zur Zeit einzige unabhaengige arbeitsrechtliche
SpezialZeitschrift in Deutschland 'Recht der Arbeit' herausgegeben, die bereits
im zweiten Jahrgang erscheint und fuer die Wissenschaft wie die Praxis des deutschen Arbeitslebens ein une±behrliches Organ geworden ist.
Fuer Interessenten, die sich mit dieser Forschungsstelle in Verbindung setzen
wollen, wird ihre Anschrift wiederholt;
Abteilung Sozialrecht
des Forschungsinstituts fuer Sozial- und Verwaltungswissenschaften an der Universitaet Koeln,
Albertus-Magnus-Platz

- 16 -

Manpower Division
OKGUS, APO 742

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse and anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

I I - ]£

Berlin, 10. Juni 1%9
INHALTSVERZEICHNIS
Die AFL schickt Lebensmittel an die Streikenden
in Berlin

1

Ausgang der Wahlen in den geschlossenen Gewerkschaftsbetrieben (
, union Shops) Amerikas
Die deutschen Gewerkschaftler beginnen ihre Studien
ueber die amerikanische Arbeiterschaft —
Aufforderung an die Jungen Maedchen Amerikas, fuer ihre
Arbeit und ihr Heim Plaene zu machen.

2
3
3

Die oesterreichische Arbeiterschaft tobt den Marshallplan Die ILO fordert Lohnsicherheit fuer die Arbeiter
Der CIO v e r u r t e i l t den kommunistischen Streikbruch in
Berlin

4
4

Scharfe Antwort an Russland
- Ein Schwede berichtet ueber Amerika
_-_
_Die Forderungen der amerikanischen Musiker —
--- —
Besprechungen mit dem ECA in Griechenland ueber die

5
6
7

5

Beziehungen der Landarbeiter
Ende des Streiks in den Fordwerken
Die Gewerkschaften in Grossbritannien
Die kommende Generation
—
Zum Berliner Streik
Die englischen Kommunisten und der Verwaltungsausschuss

8
8
9
10
10

fuer das europaeische Wiederaufbau-Pro gramm (ECA) —
Fuenfzig Jahre Ruskin College
Mai Botschaft der b r i t i s c h e n Arbeiterschaft
Die Schwierigkeiten der Kommunisten in Bulgarien
Polens Produktionsgang a l s schleppend bezeichnet Bezahlter Urlaub fuer d i e Arbeiter in den chemischen
Betrieben - -

10
11
13
14
15

-

15

DIE AFL SCHICKT LEBENSMITTEL AN DIE STREIKENDEN IN BEi&amp;IN
Die AFL wird an die streikenden Eisenbahner in Berlin CARE-Pakete mit Lebensmitteln
im Werte von $5.000 schicken, kuendigte Matthew Woll, der Vorsitzende des Ausschusses
der Freien Gewerkschaften an. Er e r k l a e r t e , diese Pakete s o l l t e n ein Zeichen der
"moralischen und materiellen ünterstuetzung" s e i n . Woll sandte g l e i c h f a l l s ein Telegramm von der AFL and den sntikommunistischen Gewerkschaftsbund in B e r l i n , i n dem dem
-

1

-

�mutigen Kampf gegen d i e r u s s i s c h e n Bedruecker und d i e "deutschen moskauhoerigen
Marionetten" B e i f a l l und Anerkennung g e z o l l t wird".
AUSGANG DER WAHLEN IN DM GESCHLOSSENEN GEVJERKSCHAFTSBETRIEBEN (UNION SHOPS) AMERIKAS
In den Vereinigten Staaten hat eine Gewerkschaft das Recht, die Arbeiter in
einem Betrieb zu organisieren. Manchmal kommt es aber auch zu Streitigkeiten. Zwei
oder auch mehr Gewerkschaften rivalisieren miteinander, um in einem Betrieb die
Vorherrschaft zu gewinnen, oder vielleicht Ist der Arbeitgeber auch nicht davon
ueberzeugt, dass die Arbeiter eine Gewerkschaft wuenschen, die sie vertreten soll.
Im Falle einer solchen Streitigkeit ist im Gesetz vorgesehen, dass eine Wahl durchgefuehrt werden soll. Die untenstehende Tabelle zeigt die Ergebnisse von 23.584
solcher Wahlen, die im Laufe des Jahres vor dem 31. August 1948 vom National
Labor Relations Board (dem Landesausschuss fuer Arbeitsbeziehungen) durchgefuehrt
wurden.
Bei diesen Wahlen wurden die Arbeiter aufgefordert, folgende Frage mit "Ja"
oder "nein" zu beantworten* Wuenschen Sie, dass die nachstehend genannte Gewerkschaft ein Abkommen mit Ihrem Arbeitgeber trifft, auf Grund dessen der Beitritt
zu dieser Geweikschaft eine Anstellungsbedingung darstellt. Die Tabelle zeigt die
Anzahl der Wahlen, in denen die Gewerkschaften der AFL siegreich hervorgingen,
ausserdem diejenigen, in denen die CIO-Gewerkschaften siegten sowie die Wahlsiege
der unabhaenglgen Gewerkschaften.
Unab-

Anzahl der abgehaltenen Wahlen
Entscheide fuer den union shop Entscheide gegen den union shop
Stimmberechtigte Arbeitnehmer
Arbeitnehmer fuer den union shop
Arbeitnehmer gegen den union shop —
Arbeitnehmer, die keine Stimme abgaben

Insgesamt
23,584
23,055
529
2,582,982
2,107,039
126,464
349,479

AFL
CIO
haenglge
17,056
3,109
3.419
16,644
3,066
3,345
412
43
74
1,330,722 873,481 378,779
1,108,309 711,685 287,045
52,428
40,374
33,662
169,985 121,422
58,072

Es muss darauf hingewiesen werden, dass man bei zwischen dem "union shop",
fuer den sich die ueberwaeltigende Mehrheit der Arbeiter aussprach, und dem
"closed shop", der gesetzlich verboten i s t , unterscheiden muss. Der "closed Shop"
i s t ein Betrieb, in dem nur Arbeitnehmer e i n g e s t e l l t werden koennen, die Gewerkschaftsmitglieder sind. Ein Arbeiter, der nicht Gewerkschaftsmitglied i s t , kann
in einem "union shop" beschaeftigt sein, man erwartet aber von ihm, dass er nach
einiger Zeit Gewerkschaftsmitglied wird. Die Bedingungen, denen zufolge vom
Arbeiter verlangt wird, der Gewerkschaft beizutreten,.sind in dem Kontrakt zwischen
der Gewerkschaft und dem Arbeitgeber im einzelnen niedergelegt. Die naechste
Tabelle zeigt obige Ergebnisse in Prozenten.
Insgesamt
Anzahl der abgehaltenen Wahlen
100.0
Entscheide fuer den union shop
97.8
Entscheide gegen den union shop — —
2.2
Stimmberechtigte Arbeitnehmer
100.0
Arbeitnehmer fuer den union shop
81.6
Arbeitnehmer gegen den union shop
4.9
Arbeitnehmer, die keine Stimme abgaben 13.5
Prozentsatz derjenigen Waehler, die fuer
den union shop stimmten
94.3

AFL
100.0
97.6
2.4
100.0
83.3
3*9
12.8

CIO
100.0
98.6
1.4
100.0
81.5
4.6
13.9

95.4

94.6

Unabhaengige
100.0
97.8
2.2
100.0
75.8
8.9
15.3
89.5

Aus einem Artikel von Professor John A. Hogan in der April-Ausgabe der Zeitschrift
"Induatrial and Labor Review".
- 2 -

�DIE DEUTSCHEN GEWERKSCHAFTLER BEGINNEN IHRE STUDIEN
UEBER DIE AMERIKANISCHE ARBEITERSCHAFT
"Elf deutsche Gewerkschaftler haben die erste von einer Reihe 2-monatiger
Besichtigungsreisen durch die Vereinigten Staaten begonnen, die den Zweck verfolgen, den deutschen Arbeitern die Technik der Demokratie Tom Standpunkt des
amerikanischen arbeitenden Menschen aus zu zeigen, erklaerte Maurice J. Tobin,
der amerikanische Arbeitsminister.
Diese Gruppe, die auf Veranlassung der Manpower Division der Amerikanischen
Militaerregierung in Deutschland hinausgesandt wurde, steht, wie auch die apaeter
folgenden, unter der Schirmherrschaft des Bueros fuer Internationale Arbeltsangelegenheiten des Arbeitsministeriums. Im ganzen werden 50 Gewerkschaftler aus den
Westzonen und aus Berlin erwartet.
Die erste Gruppe verbringt die erste Woche in Washington, um den Kbngress,
die Bundesstellen, die sich mit Arbeitsangelegenheiten befassen, die Landeshauptstelle der APL, des CIO, der Railway Labor Executives' Association, wie auch
andere Arbeiter- und Arbeitgeber-Organisationen kennen zu lernen, Der Rest der
Reise wird damit ausgefuellt sein, dass die Besucher Staedte besichtigen, in
denen ihnen die Ortsgewerkschaften als Fuehrer dienen. Gestern wurde die Gruppe
dem Arbeitsminister Maurice J. Tobin vorgestellt.
Minister Tobin bezeichnete das Programm als "einen Versuch, den Arbeitern
neuen Mut zu geben und ihnen zu beweisen, dass die Demokratie arbeiten kann und
dass sie des Kampfes um sie wert sei.
"Es handelt sich hier nicht um eine einfache Besichtigungsreise", sagte
Tobin. "Der Plan in Washington wird Irgend einen Realunterricht in sich schliessen
ueb'er die amerikanischen Arbeitsangelegenheiten. Die Fahrten nach anderen Staedten
werden in erster Linie von den Ortsgewerkschaften und einzelnen Gewerkschaftsmitgliedern gefuehrt werden. Wir hoffen, dass jeder Deutsche bei einem amerikanischen
Arbeiter wohnen und lernen kann, wie die Arbeiter hier leben und wie die Gewerkschaften arbeiten. Sie werden auch die Meximen der Betriebsleitungen in den •'•'ericstaetten und Fabriken kennen lernen, in denen der hohe Lebensstandard der Amerikanischen Arbeiter geschaffen wird."
Ein Zweck der Tour besteht darin, einflussreiche antinazistische und Antikommunistische Deutsche in die Lage zu versetzen, aus ihrer persoenlichen Erfahrung ueber die Vereinigten Staaten sprechen zu koennen, wie aus einer Erklaerung
der Militaerregierung hervorgeht. Ein weiterer Zweck ist der, praktische Informationen darueber weiterzugeben, wie sich die freien Gewerkschaften organisieren,
wie sie Vertraege und Abkommen abschliessen, wie sie selbst demokratisch geleitet
werden und wie sie am gewarnten Aufbau der demokratischen Regierung beteiligt sind."
"AFL '.feekly News Service" 29. April 1%9
AUFFORDERUNG AN DIE JUNGEN MAEDCHEN AMERIKAS. FÜER IHRE
ARBEIT UND IHR HEIM PLASNE ZU MACHEN.
Das Amt fuer Frauenangelegenheiten im Amerikanischen Arbeitsamt hat vor
kurzem einen Ueberblick ueber die Erfahrungen der Jungen Maednhen fertiggestellt,
die an den hoeheren Schulen ihre Abschlusspruefung abgelegt haben, von denen die
meisten noch Junge Maedchen im Alter von 18 oder 19 Jahren sind. Auf Grund von
Tatsachen hat das Amt den Jungen Maedchen geraten, sich sowohl auf ein Helm wie
auch auf eine Taetigkeit vorzubereiten.
Der Lebensablauf des typischen amerikanischen jungen Maedchens ist etwa folgender; Wenn sie die hoehere Schule absolviert
hat, dann nimmt sie eine Stellung an und verheiratet sich spaeter.
"Von 5 Frauen sind heute 4 verheiratet, von 3 ist eine, die Arbeit hat und
von 4 Frauen haben 3 in ihrem Leben 9ine Zeitlang ausserhalb ihres Heims gearbeitet.

- 3 -

�Etwa ein Drittel a l l e r jungen Maedchen, die die Hochschule absolviert haben,
setzen ihre Weiterbildung f o r t . Mehr als die Haelfte a l l e r Maedchen, die 18 und
19 Jahre a l t sind, stehen in Beschaeftigung.
Die Arbeitsmoeglichkeiten schwanken in den verschiedenen Teilen des Landes.
Im Allgemeinen besteht jedoch Nachfrage nach Frauen in Berufen wie Stenotypistinnen, Schreibmaschinendamen, Telefonistinnen Ladenverkaeuferinnen, Buchhalterinnen,
Restaurant und Cafe-Angestellte, Schneiderinnen, Kunstgewerblerinnen, Modeschoepferinnen, Wirtinnen, Innendekorateure, Modelle und Personalbearbeit erinnen.
Die Nachfrage schwankt bei Modistinnen, Angestellten in Juweliergeschaeften,
Rundfunksprechern und Saisonarbeiterinnen in Kurhotels und in solchen Industriezweigen wie in der Konservenindustrie und im Putzmachergewerbe.
Beschaeftigungsarten mit der gleichen Bezeichnung koennen stark schwanken,
worauf die Broschuere besonders aufmerksam macht. So bietet z.B. ein Bueroposten
in einem grossen Versicherungsbuero eine wesentlich unterschiedliche Umgebung als
ein Bueroposten in einem Krankenhaus. Eine junge Dame, die Beschaeftigung sucht,
s o l l t e sich daher vorher moegliohst genau ueber die Arbeitsbedingungen orientieren,
ehe s i e eine Beschaeftigung annimmt.
Amerikanisches Arbeitsiinisterium,
"Labor Information Bulletin" Mai 49
DIE OESTERREICHISCHE ARBEITERSCHAFT LOBT
DEN MARSHALL-PLAN
Unlaengst hat die "Solidaritaet", die Zeitschrift des Oesterreichischen Gewerkschaftsbundes, d i e oesterreichischen Gewerkschaften dazu aufgerufen, sich
aktiv im Sinne des Marshall-Plans zu betaetigen, und erklaert, dass "die MarshallPlan-Hilfe in Wirklichkeit die oesterreich!sehe Wirtschaft wieder in Gang gebracht
habe."
"Innerhalb der Organisation des Marshall-Plans hat man den Gewerkschaften
mehr und mehr eine beratende und entscheidende S t e l l e eingeraeumt", heisst es in
dem Artikel. "Aber wie koennen die Gewerkschaftsvertreter ihren Pflichten nachkommen und den Interessen der Arbeiter dienen, wenn sie nicht einmal in der Lage
sind, ihre eigenen Interessen wirksam geltend zu machen. Eine genaue Kenntnis
der Organisation, des Mechanismus und der Ziele des Marshall-Plans i s t eine absolute Notwendigkeit fuer eine wirksame Zusammenarbeit«
"Es i s t daher wesentlich, dass die Arbeiter ueber a l l e Fragen, die den
Marshall-Plan angehen, bestens informiert sind, und dass s i e sich an allen seinen
Problemen aktiv beteiligen," erklaerte die "Solidaritaet". "Ebenso wie der Arbeiter mit seinen Maschinen umzugehen verstehen muss, wenn seine Produktivitaet nicht
nachlassen und Schaden auftreten s o l l , so muss die europaeische Arbeiterschaft das
komplizierte Funktionieren diese neuan Werkzeuge verstehen, um es zu seinem Vorteil
benutzen zu koennen."
"ECA Labor News". 19. Mai 1949
DIE ILO FORDERT LOHNSICHEBHEIT FUER DIE ARBEITER
In vielen Laendern gibt es verschiedene Methoden, die die Arbeitgeber anwenden, um die Ausgaben der Arbeiter zu kontrollieren. Eine beliebte Methode
besteht darin, die Arbeiter zu veranlassen, in Laeden zu kaufen, die den Arbeitgebern gehoeren. Vielleicht bezahlt der Arbeitgeber seine Arbeiter nicht in
barem Gelde, sondern in Kreditgeld, das man nur in den Laeden ausgeben kann,
die dem Arbeitgeber gehoeren oder die unter seiner Kontrolle stehen. Wenn diese
Geldmittel wo anders in Zahlung genommen werden, so nur mit einem Abzug.
-

4

-

�Eine Konventur, die im letzten Jahre auf der Konferenz der Internationalen
Organisation fuer Arbeitsfragen.(ILO) in San Frandiseo in Vorschlag gebracht
wurde, wuerde alle solche Praktiken verbieten.

Auf der ILO-Konferenz, die am

8. Juni in Genf eroeffnet wird, wird ueber eine solche Konvention wieder diskutiert werden.

Die Konvention wuerde alle Nationen, die der ILO als Mitglied an-

gehoeren, bitten, entsprechende Gesetze zu erlassen.

Das bedeutet aber nocht nicht,

dass solche Gesetze in allen Nationen erlassen werden, wo solche Praktiken bereits in Erscheinung treten, sondern es bedeutet, dass das Bestehen eines solchen
internationalen Vorschlages dazu dienen wird, die oeffentliche Meinung zugunsten
eines solchen Schutzes der Arbeiter zu interessieren.

Die Konvention wuerde

auch die Arbeiter vor einer ungesetzlichen Beschlagnahme oder Einziehung ihrer
Loehne schuetzen und wuerde ihre Rechte in solchen Faellen wahrnehmen, in denen
das Unternehmen, in dem.sie beschaeftigt sind, bankrott geht oder liquidiert
wird.
Aussenministerium "Radio Bulletin"
2k* Mai 1 % 9
DER CIO VERURTEILT DEN KOMMUNISTISCHEN
STREIKBRUCH IN BERLIN
James B. Carey, der Sekretaer und Schatzmeister des CIO hat die Massnahmen
der sowjetischen Behoerden im Zusammenhang mit dem Berliner Eisenbahnerstreik
als "Beispiel fuer den reaktionaeren Charakter des Kommunismus" bezeichnet.
"Aus den Tatsachen scheint klar hervorzugebsn, dass es bei dieser Streitfrage um den Reallohn der Arbeiter geht.

Jeder Arbeiter in der Welt weiss, dass

der Betrag, der in ein Geldstueck eingepraegt ist, nicht das Wesentlichste ist.
Das Wichtigste ist die Menge an Lebensmitteln, Kleidung, Wohnung und anderen
Beduerfnissen, die mit dem Inhalt der Lohntete erworben werden koennen.

Das

Verkehrspersonal in Berlin hat daher gestreikt, um klarzumachen, dass es erwartet,
dass man es mit einem Gelde bezahlt, das eine Kaufkraft besitzt, die seinen Taeglichen Beduerfnissen mehr angemessen ist.

Der Streit geht darum, ob die Leute

Westgeld bekommen oder Ostgeld mit seinem herabgeminderten Anschaffungswert.
"Aus den Tatsachen scheint gleichfalls klar hervorzugehen, dass die Kommunisten in Berlin, die von der sowjetischen Satellitenpolitik der Ostzone unterstuetzt werden, und sogar russische Offiziere den Versuch unternommen haben, den
Streik zu brechen.

Fuer so etwas kennen wir hier in den Vereinigten Staaten einen

besonderen Ausdruck,

Wir nennen das "scabbing" (Streikbrecherei uebelster Art)."

"Etwas, was sonderbarerweise bei dem Berliner Streik nicht in Erscheinung
tritt, ist ein Protest von WassiliJ V. Kusnjetzo», dem Fuehrer der Sowjetischen
Gewerkschaften.

Er laesst den Streikenden keine Hilfe zuteil werden, er prangert

auch die Streikbrecher nicht an, die wie es ueblich ist, einen niedrigeren Lebensstandard foerdern....Wir haben auch nichts •von einem Protest des Weltgewerkschaftsbundes (V.TTU) gehoert, der hier wieder einmal eine herrliche Gelegenheit haette,
um die Sache der Arbeiter zu verteidigen und sich fuer die gesetzlichen Gewerkschaftlichen Forderungen bzw. Ziele einzusetzen."
"Aussenministerium, "Radio Bulletin"
2h.

Mai 1949

SCHARFE ANTWORT AN RUSSLAND
Die Behauptungen und Vorwuerfe der kommunistischen Laender, dass der Marshall-Plan in Westeuropa Arbeitslosigkeit zur Folge habe, wurden in einer nicht
aufgezeichneten Debatte auf der Genfer Tagung der Wirtschaftskommission der UN
fuer Europa scharf zurueckgewiesen.

-

Auf dieser Sitzung, auf der untersucht

5 -

�werden sollte, in welcher Weise man den Cst-'Vest-Handel foerdern koennte, brachte
der russische Delegierte den Antrag ein, dass der Ausschuss fuer Arbeitseinsatzfragen bei der ECE die Lage der Arbeitslosigkeit untersuchen solle. Christopher
Mayhew, der britische Delegierte, warf den Russen Propagandaabsichten vor.
"Fuer die Sowjetregierung stellt die Arbeitslosigkeit in den Laendern des
'•'estens keine menschliche Tragoedie dar, auch kein Problem, das geloest werden
muss, es ist lediglich eine politische Gelegenheit, die ausgenutzt werden soll,"
erklaerte Mayhew. "Das ist auch der Grund, warum in so vielen Laendern die
Politik der kommunistischen Parteien darauf ausgerichtet ist, die Produktion
zu verlangsamen und politische Streiks zu schuerenr um die steigende Arbeitslosigkeit als eine 'Satte in der politischen Kriegsfuehrung zu gebrauchen. Dies erklaert auch die Feindselige Einstellung der sowjetischen Regierung gegenueber dem
Marshall-Plan, der einzig und allein zwischen den Laendern 'Vesteuropas und der
Moeglichkeit einer Arbeitslosigkeit auf einer sehr grossen Basis."
'Venigstens 1 Million Menschen sind in Russland ohne Beschaeftigung und haben
keinerlei Hilfe, sagte Mayhew. "Nach der englischen Definition betraegt genaess
den niedrigsten vernuenftigen Schaetzungen die Zahl der Arbeitslosen in Russland
1 Million, die vielleicht noch viel hoeher sein mag. Diese Arbeitlosfekeit besteht
trotz der drueckendsten Arbeitsdisziplin in Europa, zu der noch die Einrichtung
der Zwangsarbeit auf riesiger Basis kommt. - Es besteht keinerlei System einer
Arbeitslosenversicherung wie bei den westlichen Demokratien. Diese Hunderttausende von Menschen, die keine Arbeit finden, laufen hungrig umher."
Das Betteln ist in Russland sehr stark verbreitet, sagte der britische Delegierte, und fuegte hinzu, dass "die Arbeitslosigkeit in der Sowjetuniom geheimgehalten wird, um das kommunistische Propagandamaerchen aufrechterhalten zu
koennen, dass Sowjetrussland dem Westen in bezug auf die Rechte und Normen der
Arbeiter dem Westen noch etwas beibringen koennte."
Die Arbeitslosigkeit sei hauptsaechlich eine "Wechselfolge der Beschaeftigung"
erklaerte Mayhew. "Die Arbeitslosenziffer in England betrug im letzten Maerz
340.000
Das sind nur 1.7? der versicherten arbeitenden Bevoelkerung
Unsere Arbeitslosigkeit traegt hauptsaechlich voruebergehenden Charakter
Augenblicklich sind mehr als die Haelfte dieser 340.000 Arbeitslosen fuer eine
Zeit von weniger als 3 Monaten ohne Beschaeftigung gewesen."
In der Bizone, fuhr Mayhew fort, "ist der Hauptgrund fuer den hohen Arbeitslosenstand darin zu suchen, dass 650.000 Deutsche der Armut und dem Schrecken der
Sowjetzone entflohen sind....Unsere sowjetischen Kollegen haben die Ostzone nicht
erwaehnt. Dort belaeuft sich die Zahl der Arbeitslosen nach dem letzten Stand
auf 230.000." Die Konzentrationslager in der Russischen Zone sind im Augenblick
dichter bevoelkert als im Jahre 1939. Es werden dort 200.000 bis 300.000 Gefangene festgehalten, sagte der britische Delegierte der ECE.
"ECA Labor Information
EIN SCHWEDE BERICHTET UEBER AMERIKA
r

Hochqualifizierte wirksame Fabrikationsmethoden und ein grosser Binnenmarkt
sind die Grundlagen fuer die grosse industrielle Produktiom der Vereinigten
Staaten, sagte Axel Strand, der Vorsitzende des Schwedisehen GevrerkSchaftsbundes,
nach seiner Rueckkehr von einer Reise nach den Vereinigten Staaten.
Mr. Strand hatte vor kurzem eine Gruppe von 12 schwedischen Gewerkschaftlern
nach den Vereinigten Staaten begleitet, wohin sie unter der Schirmherrschaft des
ERP gefahren waren, und nach seiner Rueckkehr schrieb er einen Artikel fuer das
"Svenska Dagbladet", in dem er die Erfahrungen der Delegation im einzelnen darlegte.
Eine der wichtigsten Fragen, fuer die die Delegat?. o n e in e Antwort suchte,

- 6 -

�wari "Wie Kommt es, dass in Amerika die Eisen- und Stahlproduktion pro Mann und
Arbeitsstunde 2\ mal so gross ist wie in Europa. "Es wurde berichtet, dass ein
Walzwerk fuer duenne Platten, in den 5.000 Arbeiter in 3 Schichten beschaeftigt
sind, einen Iroduktionssatz aufwies, der zwischen 1, \ \ und 2 Millionen Tonnen
pro Jahr schwankte. Unsere Fachleute waren von der maschinellen Ausruestung,
von den Transportanlagen und der vorbildlichen Ordnung, die in den Fabrikationsräumen herrschte, stark beeindruckt.
Wirksame Transportanlagen innerhalb der Fabrikanlagen, die Existenz eines
ausgedehnten Binnenmarktes und ein 3schichtiger Betrieb tragen zu der Produktivitaet Amerikas bei, bemerkte Mr. Strand. Eine Verbesserung der internen Transportanlagen fuer Werkzeuge und Material in den Fabriken wuerde die schwedische Produktion heben, sagte er.
Im Norden Minnesotas sah die Delegation Sisenbergwerke, wo die Erzfoerderung
im Durchschnitt 40 Tonnen pro Arbeiter und pro Tag betraegt. In Detroit, Michigan,
besichtigten sie die Ford-Autowerke, "gleichzeitig ein Maerchen und Inferno", wie
sie Mr. Strand bezeichnete, wo 70.000 Arbeiter beschaeftigt sind, und wo auf jedem
der verschiedenen Fliessbaender 50 Automobile in der Stunde hergestellt werden.
Der schwedische Gewerkschaftsfuehrer sagte, dass sich die Arbeiter in Amerika
einer bedeutenden Freiheit in den Fabriken erfreuen, wo es fuer ihn den Anschein
hatte, dass das Arbeitstempo dasselbe sei wie in der schwedischen Industrie.
Obwohl er eine weite Spanne zwischen den besten und den schlechtesten Arbeitsbedingungen in den amerikanischen Fabriken feststellte, bemerkte er, dass der durchschnittliche Stand derselbe sei wie in Schweden.
"ECA Labor Information" 20. Mai 1%9
DIE FORDERUNGEN DER AMERIKANISCHEN MUSIKER
Jahrelang hat der Amerikanische Musikerverband (AFM), ein Verband der AFL,
einen Kampf durchgefochten, um Arbeitsplätze fuer "lebende" Musiker zu sichern
gegenueber den verschiedenen Formen der mechanischen Musik. Jetzt steht der Verband in einem anderen Kampf, ea geht naemlich darum, die Bill9tsteuer bei Konzerten
und In den Clubs herabzusetzen. Wir bringen nachstehend die Hauptpunkte aus einem
Artikel, der ueber dieses Thema in der Zeitschrift "Der Internationale Musiker,"
dem offiziellen Organ des AFM, veroeffentlicht wurde. Es handelt sich hier um
die Forderung, die 20'ige Vergnuegungssteuer abzuschaffen oder herabzusetzen. Der
Herausgeber der Zeitschrift, Leo Cluesmann, erkl.-ierte«"Das Ziel des AFM besteht darin, eine Aenderung dieser Steuer herbeizufuehren
und zwar angesichts der Tatsache, dass diese 3ich auf die Engagementsbedingungen
schaedlich auswirkt, und zwar nicht nur fuer die Mitglieder dieser Organisation
sondern fuer alle Arten von Äuenstlem und Darstellern in der Vergnuegung3Industrie;
sie zieht aber auch in nachteiligem Sinne andere Angestellte, wie Kellner, Koeche,
Portiers usw. in Mitleidenschaft."
Cluesmann vertritt die Meinung, dass das Geschaeft in den Nachtclubs und in
anderen Etablissements, wo Musiker beschaeftigt sind, nachgelassen hat, weil "das
Publikum offenbar jetzt dazu uebergegangen ist, mit dem Pfennig zu rechnen" und
sich weigert, die 20tige Steuer auf der Rechnung zu zahlen. Als Ergebnis davon
haben viele Etablissements zugemacht oder sie haben Spielapparate, Radiomusik oder
Musikapparate mit »"Teldeinwurf eingefuehrt.
"Dies erweist sich als eine unfaire Konkurrenz gegenueber den lebendigen
Musikern", behauptet Cluesmann, "denn komischerweise ist mechanische Musik von einer
Besteuerung seitens der Regierung ausgenommen
Mit anderen Worten, der Arbeitgeber

�i s t gezwungen, e i n e Praemie dafuer zu z a h l e n , dass er das Vorrecht fuer s i c h i n
Anspruch nimmt, e i n l e b e n d e s T a l e n t zu b e s c h a e f t i g e n . Aber der B e s i t z e r e i n e s
E t a b l i s s e m e n t s , wo e i n M u s i k s p i e l a p p a r a t i n B e t r i e b i s t , h a t dazu noch den Vort e i l , dase e r aus s e i n e r Benutzung bedeutende Einkuenfte b e z i e h t .
"Dies b e w e i s t d e u t l i c h , dass Musiker und K u e n s t l e r b e s t r a f t werden und i h r e
B e s c h a e f t i g u n g s m o e g l i c h k e i t e n zu gunsten der mechanischen U n t e r h a l t u n g b e h i n d e r t
werden.
"Es i s t a l l g e m e i n bekannt, d a s s , wenn d i e Z e i t e n s c h l e c h t werden, die M i t g l i e d e r der VergnuegungsIndustrie d i e e r s t e n s i n d , d i e die Auswirkung b e i s i c h
spueren, und wenn s i c h d i e V e r h a e l t n i s s e b e s s e r n , dann s i n d s i e d i e l e t z t e n , d i e
Vorteile darauf ziehen."
Cluesraann e r i n n e r t datfan, dass auf anderen Gebieten des Notstandes d i e Regierung "es s i c h angelegen s e i n l a e s s t , " U n t e r s t u e t z u n g e n i n Form von S u b s i d i e n
zu gewaehren, "aber den Musiker v e r g i s s t man. anscheinend macht man s i c h um s e i n •
Wohlergehen wenig S o r g e . "
"AFL Weekly News S e r v i c e " 29. A p r i l 1%9
BESPRECHUNGEN MIT DM ECA IN GRIECHENLAND USBER
DIE BEZIEHUNGEN DER LANDARBEITER
Auf der l e t z t e n von e i n e r Reihe von Konferenzen, d i e von M a r s h a l l - P l a n Beamten i n Athen m i t g r i e c h i s c h e n A r b e i t e r f u e h r e r n abgehalten wurden, wurde den
Gewerkschaftlern e i n B e r i c h t ueber d i e g e g e n s e i t i g e Abhaengigkeit der I n d u s t r i e a r b e i t e r und der Bauern gegeben.
F a u l A. J e n k i n s , der L e i t e r der Abteilung fuer Ernaehrung und L a n d w i r t s c h a f t
des amerikanischen Verwaltungsausschusses fuer das ERP e r k l a e r t e auf e i n e r Versammlung der g r i e c h i s c h e n A r b e i t e r f ü h r e r , dass e i n wohlhabender Bauer e i n g u t e r
Kunde f u e r d i e E r z e u g n i s s e der g r i e c h i s c h e n I n d u s t r i e a r b e i t e r s e i , und d a s s a n d e r e r s e i t s e i n e e r t r a g s r e i c h e L a n d w i r t s c h a f t b e s s e r e Ernaehrung fuer den A r b e i t e r b e deute.
J e n k i n s h i e l t einen V o r t r a g ueber d i e Bemuehungen des ERP, d i e l a n d w i r t s c h a f t l i c h e P r o d u k t i o n Griechenlands durch v e r b e s s e r t e Techniken, durch d i e Vert e i l u n g h o c h w e r t i g e r S a a t und Weinstöcke und durch e i n e wirksamere Verwendung
von Duengemitteln und P l a t z k o n t r o l l e und erhoehte Fuer sorge fuer das lebende
I n v e n t a r zu v e r b e s s e r n .
"BGA Labor I n f o r m a t i o n " 9. Mai 1%9
ENDE DES STREIKS IN DEN FORDWERKHi
Aus Rundfunkberichten vom 3 1 . Mai geht h e r v o r , d a s s zwischen der Ford
Motor Company und dem Verband der V e r e i n i g t e n A u t o m o b i l - A r b e i t e r , der dem CIO
angeschlossen i s t , e i n e Einigung e r z i e l t wurde, wodurch ein S t r e i k zu Ende ging,
der 24 Tage g e d a u e r t h a t t e und an dem 65.000 Arbeiter b e t e i l i g t waren. Es hand e l t e s i c h h i e r um einen S t r e i k , zu dem d i e Ortsgewerkschaft der Werke aufger u f e n h a t t e ; der S t r e i t f a l l war l o k a l e r N a t u r . Die A r b e i t e r h a t t e n b e h a u p t e t ,
d a s s s i c h das F l i e s s b a n d zu s c h n e l l weiterbewegt h a b e . Die Gewerkschaft wie
auch d i e G e s e l l s c h a f t waren uebereingekommen, d i e s e Frage des " A n t r e i b e n s "
einem S c h l i c h t u n g s a u s s c h u s s zu u n t e r b r e i t e n . Diesem Ausschuss wird e i n von d e r
Firma zu bannender V e r t r e t e r und e i n von d e r Gewerkschaft a u f g e s t e l l t e r V e r t r e t e r angehoeren, und d i e s e beiden werden das d r i t t e M i t g l i e d w a e h l e n . Bevor eine
Entscheidung f ä l l t , wird der Ausschuss a l l e Arbeitsgaenge um die es g e h t , durch
Zeitnehmen bestimmen, um d i e A r b e i t s s c h n e l l i g k e i t zu bestimmen.
Die 2 4 t a e g i g e A r b e i t s e i n s t e l l u n g b e d e u t e t i n diesem J a h r e i n e n P r o d u k t i o n s a u s f a l l von etwa 70.000 Automobilen oder fuer d i e Ford Company einen g e l d l i c h e n
-

8

-

�Verlust von 140 Millionen Dollar. Fuer die Arbeiter ergibt sich durchschnittlich
ein Verlust von $225 an Loehnen. Der Streik hat auch die Verhandlungen ueber das
naechste Abkommen zwischen der Gesellschaft und der Gewerkschaft zum Stillstand
gebracht. Der momentan in Kraft befindliche Kontrakt geht am 15. Juli zu Ende.
Die Gewerkschaft hat angedeutet, dass sie eine Lohner ho ehung von etwa 50o* pro
Stunde fordern wird.
"New York Times" 28. Kai 1949
DIE GEWERKSCHAFTEN IN GHQSSBHITAHNIEN
Nachstehende Tabelle gibt die kuerzlich von dem Britischen Gewerkschaftsbund
(TUC) veroeffentlichen Schaetzungen ueber die Anzahl und die prozentuale Verteilung der Gewerkschaftsmitglieder in den verschiedenen britischen Industriezweigen
wieder. Obwohl diese Zahlen im Jahre 1949 veroeffentlicht wurden, beliehen sie
sich auf die Ichaetzungen fuer das Jahr 194?. Die wichtigsten Veraenderungen,
die seit 1947 eirgetreten sind, sind folgende:a) die gesamte arbeitende Bevoelkerunc ist auf ueber 4 Millionen angestiegen
b) die Beschaeftigung im Verwaltungsdienst ist auf ueber 3 Millionen angestiegen.
In den untrr unfgefuehrten Zahlen sind die Arbeitslosen nicht enthalten,
auch nicht etwa 1 Million Menschen, die im Jahr 1947 im Heeresdienst standen.
Abgesehen davon hat sich die Mitgliederzahl der Gewerkschaften seit 1947 erhoeht.
Geschaetzte
Industriezweig
Beschaeftigung
TUC Mitglieder
Ende 1947
i
pro 1000
pro looo
Kohlenbergbau
Andere Bergwerke und Steinbrueche
Gemeinnützige Betriebe
Transportwesen und Schiffahrt - Landwirtschaft
Fischerei
•
Bauwesen und Zivilingenieurwesen
Fabrikate;
Baumaterialien
Metalle und Maschinenbau
- Baumwolle
Folie
Andere Textilien
Bekleidung
Lebensmittel, Getränke und Tabak
Chemikalien
Andere Fabrikate — _ - _ _ —
Vertrieb
Verbraucherbetreuung Oeffentliche Dien3te;
Verwaltungsdienst Andere Landesregierungsdienststellen
Ortswaltungsdienst
— - - —
Gesamtzahl der Beschaeftigten-

758
73
270
1,438
1,055
35
1,034

598
38
155
1,209
163
17
655

79
52
57
84
15
49
40

590
2,876
207
178
207
831
623
336
1,343
2,351
2,120

171
1,487
163
104
. 65
289
195
120
544
465
456

30
52
61
59
31
35
31
30
41
20
22

680

385

57

388

183

47

1.105
18,888

329
7,791

20

Labour t M ^
-

9

-

19/+9

�"BIE

KOMMENDE GENERATION"
Zeichnung von L i s a Armgardt

sir.d b i s h e r k e i n e Art i k e l von uns aufgenommen worden. Es handelt s i c h h i e r um e i n e A n g e l e g e n h e i t , ueber
d i e d i e deutschen Gewerkschaftler i n vollem Masse durch d i e d e u t s c h e P r e s s e auf dem
Laufenden g e h a l t e n w i r d . Dennoch moechten wir n i c h t v e r f e h l e n , in d i e s e r Ausgabe
e i n e K a r i k a t u r zu b r i n g e n , d i e k u e r z l i c h i n e i n e r B e r l i n e r Zeitung e r s c h i e n und
e i n e d e u t l i c h e Sprache s p r i c h t .
DIE ENGLISCHEN KOMMUNISTEN UND DER VERWALTUNGSAUSSCHUSS
FUER DAS EUROPAEISCHB WIEDERAUFBAU-PROGRAMM (EGA)
Nachstehender A r t i k e l b r i n g t e i n e E n t h u e l l u n g des B r i t i s c h e n Gewerkschaftsbundes (TUC) i n e i n e r der l e t z t e n Ausgaben s e i n e s o f f i z i e l l e n Organs, i n d e r d i e
Kommunisten in bezug auf den M a r s h a l l - P l a n der D o p p e l z ü n g i g k e i t b e z i e h t i g t werden.
7 i r z i t i e r e n wie f o l g t «
"Die F u e h r e r d e r kommunistischen P a r t e i behaupten wie prominente P o l i t i k e r
a n d e r e r p o l i t i s c h e r P a r t e i e n , d a s s d i e Z u t e i l u n g e n aus der M a r s h a l l p l a n - H i l f e
G r o s s b r i t a n n i e n s n a t i o n a l e Unabhaengigkeit z e r s t o e r e n w i r d .
Wenn d i e Fuehrer der kommunistischen P a r t e i fuer s i c h das Recht in Anspruch
nehmen, d i e e n g l i s c h e Gewerkschaftsbewegung ueber d i e Anwendung bzw. Ausuebung
der "Unabhaengigkeit" b e l e h r e n zu w o l l e n , so i s t d i e s e i n e Unverschaemtheit s o n d e r g l e i c h e n . Wenn d i e Fuehrer der kommunistischen P a r t e i s e l b s t anfangen, darauf
zu b e s t e h e n , unabhaengig zu s e i n , dann werden d i e b r i t i s c h e n Gewerkschaftler i n
bezug auf i h r e A u f r i c h t i g k e i t und E h r l i c h k e i t weniger s k e p t i s c h s e i n , a l s s i e e s
j e t z t sind.
Es waere n i c h t unangebracht, d i e Gewerkschaftler d a r a n zu e r i n n e r n , dass d i e
e i n z i g e G e l e g e n h e i t , b e i der d i e kommunistische P a r t e i Englands etwa b e w e r k s t e l l i g t e , was e i n e r " n a t i o n a l e n Unabhaengigkeit" nahekam, im September 1939 b e s t a n d .
In diesen Wochen t r a t e n s i e fuer den K r i e g e i n . Gegen Ende 1939 und das
ganze J a h r 1940 hindurch b i s M i t t e 1941» waren s i e dagegen, d a s s England den K r i e g
w e i t e r f u e h r t e - h a e t t e n d i e Kommunisten mit i h r e r Kampagne, d i e s i e in gehorsamer
Befolgung der S o w j e t p o l i t i k durch den " V o l k s e n t s c h e i d " e i n g e l e i t e t h a t t e n , E r f o l g
g e h a b t , um den K r i e g zu beenden, dann h a e t t e u n s e r e a u g e n b l i c k l i c h e n a t i o n a l e
Unabhaengigkeit durch d i e Beherrschung von den Nazis v e r n i c h t e t werden koennen.
-

10

-

�Die Fuehrer d e r kommunistischen P a r t e i wissen genau, und s i e haben e s auch
e r k l a e r t , dass u n s e r W i e d e r a u f s t i e g - ohne H i l f e zur Stopfung der D o l l a r l u e c k e s i c h in d i e Laenge gezogen und s c h w i e r i g e r g e s t a l t e t h a e t t e . Kommunistische P a r t e i f u e h r e r haben e r k l a e r t , d a s s s i c h d i e Regierung durch "normale Kanaele" H i l f e
sichern s o l l t e .
"Normale Kanaele" b e d e u t e t jedoch d i e Aufnahme e i n e r D o l l a r a n l e i h e . Die
D o l l a r a n l e i h e rauesste aber a i r u e c k g e z a h l t werden, und ausserdem muessen darauf
Zinsen g e z a h l t werden. D r e i v i e r t e l der M a r s h a l l p l a n - H i l f e a b e r i s t e i n Geschenk des Volkes d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n , und sowohl d i e AFL wie auch d e r CIO
e r k l a e r e n sich d a f u e r . Eine D o l l a r a n l e i h e wuerde von der W a l l s t r e e t herkommen,
und auch d i e Zinsen a u e s s t e n an W a l l s t r e e t b e z a h l t werden. Indem s i e s i c h nun
zu F u e r s p r e c h e r n e i n e r solchen P o l i t i k machen, s i n d a l s o d i e Kommunisten s e l b e r
zu "Freunden der W a l l s t r e e t " geworden.
Die b r i t i s c h e n Gewerkschaftler werden f e s t g e s t e l l t haben, d a s s d i e F u e h r e r
der kommunistischen F a r t e i d i e P o l i t i k des TUC, d e r AFL und des CIO, der d r e i
maechtigen G e w e r k s c h a f t s o r g a n i s a t i o n e n bekaempfen, d i e s i c h fuer d i e M a r s h a l l p l a n - H i l f e ausgesprochen h a b e n . "
"Labour" Mai 1%9.
FÜENFZIG JAHRE RUSKIN COLLEGE
In den meisten Laendern, wo d i e Gewerkschaften f r e i und demokratisch s i n d ,
wird d i e I d e e , d a s s d i e Gewerkschaften an d e r Hochschulbildung i h r e r F u n k t i o n a e r e
i n t e r e s s i e r t s i n d , a k z e p t i e r t . H i e r aber z e i g t s i c h etwas Ungewoehnliches,
naemlich e i n e A r b e i t e r h o c h s c h u l e , d i e 50 J a h r e b e s t e h t . Nachstehende Z e i l e n
s i n d dem o f f i z i e l l e n Organ des B r i t i s c h e n Gewerkschaftsbundes (TUC) entnommen.
"Vor f u e n f z i g J a h r e n sind s i c h d i e Gruender des Ruskin College ueber die
wachsende s o z i a l e Bedeutung der O r g a n i s a t i o n e n k l a r geworden, d i e sich d i e engl i s c h e n A r b e i t e r geschaffen h a t t e n , vor a l l e m aber der Gewerkschaften, und waren
s i c h e r , d a s s b a l d d i e Z e i t koinmen wuerde, da i h r e Fuehrer n i c h t nur zu F u n k t i o n a e r e n , sondern zu Staatsmaennern erzogen werden m u e s s t e n . . . . . V i e l e moegen
wohl davon g e h o e r t haben, aber wenige wissen etwas d a r u e b e r .
Was i s t nun e i g e n t l i c h das Ruskin College und welcher Art sind
s e i n e Beziehungen z u r Gewerkschaftsbewegung
Obwohl das Ruskin College f o r m e l l keinen T e i l der G e w e r k s c h a f t s s t r u k t u r
b i l d e t , wird e s von V e r t r e t e r n der O r g a n i s a t i o n e n d e r a r b e i t e n d e n K l a s s e g e l e i t e t ,
d i e e s u n t e r s t u e t z e n . So b e s t e h t d e r V e r w a l t u n g s r a t h e u t e aus 3 M i t g l i e d e r n des
G e n e r a l r a t e s des TUC und aus V e r t r e t e r n der KonsumgeHossenschaft, des A r b e i t e r k l u b s und der I n s t i t u t e Union. Unter anderen O r g a n i s a t i o n e n , d i e mit einem S i t z
im Rat v e r t r e t e n s i n d , b e f i n d e t s i c h die A r b e i t e r - R e i s e v e r e i n i g u n g , der A r b e i t e r Bildungsverband und e i n e Anzahl e i n z e l n e r Gewerkschaften und a n d e r e r Koerperschaft e n , d i e S t i p e n d i e n e r t e i l e n oder den Colleges S t i f t u n g e n zukommen l a s s e n . Dazu
gehoeren auch 3 akademische b e r a t e n d e M i t g l i e d e r , von den 2 ( P r o f e s s o r G.D.H. Cole
und P r o f e s s o r R.H. Tawney) l a n g e Z e i t in d e r Gewerkschaftswelt bekannt s i n d
Womit b e s c h a e f t i g e n s i c h d i e Studenten auf dem C o l l e g e .
Der normale Lehrgang d a u e r t 2 J a h r e , in dessen Verlauf der g r o e s 3 t e T e i l
d e r Studenten einen Kursus In W i r t s c h a f t s l e h r e , S o z i a l g e s c h i c h t e , p o l i t i s c h e r
T h e o r i e und O r g a n i z a t i o n , waehrend ungefaehr e i n F u e n f t e l e i n e n L e hrgan? i n
L i t a r a t u r und S o z i a l g e s c h i c h t e b e l e g t . Eine z i e m l i c h g r o s s e Anzahl \&gt;tu3enten
b e f a s s t sich auch m i t e i n e r fremden S p r a c h e . Das Z i e l b e s t e h t d a r i n , ihnen d i e

-

11

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�ausgedehnte Schulung und Bildung zuteilwerden zu lassen, die die Gewerkschaftler
und diejenigen, die aehnliche Interessen haben, noetig haben, und nicht etwa eine
Berufsausbildung fuer die taegliche gewerkschaftliche Arbeit. "Die eigenen
Schulungskurse des TOC tragen jetzt dazu bei, diesem letzteren Beduerfnis gerecht
zu werden).
Wer sind die Studenten
In der Zeit von 1919 bis 1940 besuchten 585 Studenten das College, Ton denen
ein Fuenftel weiblich war. Etwa 400 dieser Studenten waren Gewerkschaftler und
90 andere kamen aus Uebersee.
In der Zeit ron 145 bis 1949 nahm das College 218 Studenten auf (man beachte
den ausgesprochen starken Anstieg im Verhaeltnis zu frueher), und zwar 172 Maenner
und 46 Frauen. Von denen, die nach dem Kriege eintraten, kamen 35 aus Ueberaee
(einschliesslich mancher Gewerkschaftler aus den Kolonien, die ein grosses Interesse daran hatten, sich besser fuer ihre Taetigkelt weiterzubilden, und in manchen
Faellen solche, die durch Vermittlung des TOC kamen), 37 davon waren keine Gewerkschaftsmitglieder, oft deshalb, weil sie direkt vom Heeresdienst aus kamen und
seit sie die Schule verlassen hatten, keine Beschaeftigung im Verwaltungsdienst
innegehabt hatten, die restlichen 146 waren englische Gewerkschaftler.
Was hat nun ein Student oder eine Studentin vom Ruskin
nach Absolvierung des Instituts vor sich.
Entgegen der in manchen Kreisen verbreiteten Meinung uebernimmt er nicht sofort einen gutbezahlten Posten im Geschaeftsleben. Ganz im Gegenteil. Ueber ein
Drittel der Studenten kehrt zu seiner alten Arbeit zurueck, ein weiteres Drittel
nimmt eine Beschaeftigung an, die zwar neu ist, aber oft zu ihrer frueheren
Taetigkeit in Beziehung steht - groesstenteils Arbeit in der Gewerkschaft oder im
Konsumwesen, in der Fortbildung oder in irgend einer Form des Sozialdienstes.
Manche gehen auch auf die Universitaet Oxford oder wo anders hin und promovieren die Absolvierung des Ruskin College nach zwei Jahren verschafft ihnen wohl ein
Oxford Diplom auf verschiedenen Gebieten, aber keinen akademischen Grad. Man
soll aber nun keineswegs annehmen, dass diese Leute "fuer die Bewegung verloren
sind", es gibt genuegend Beweise fuer das Gegenteil, z.B. in dem Lebenslauf des
jetzigen stellvertretenden Generalsekretaers des TOC. Manche wie er, machen sich
im oeffentlichen Leben einen Namen, unter ihnen koennte man Mr. Jack Lawson rennen,
der Kabinettsminister wurde, Sir Robert Young (von den Maschinenbauern und frueher
Stellvertretender Sprecher im Unterhaus) sowie Mr. Ebby Edwards, der zum Generalsekretaer des Bergarbeit er Verbandes aufstieg, bevor er Mitglied des Landes-Kohlanausschusses wurde. Andere wiederum machen sich in ihrem oertlichen. Bereich einen
Namen eis Sekretaere der Zweigstellen oder als fuehrende Maenner in der Arbeiterbildung, oder als Mitglieder ihres staedtischen Rates.
Wie sind die Aussichten fuer diese Arbeiter-Hochschule.
Seit der Beendigung des Krieges hat sich das Ruskin-College in bemerkenswerter Weise vergroessert. Frueher pflegten dort 30 bis 40 Studenten zu studieren
die auch dort wohnen, heute sind es ueber 100. Die Hochschule hat ein groesses
Privatgebaeude erworben, um die Studenten unterzubringen, sowie 20 acres an
Boden (l acre etwa 40,5 a), auf dem ein weiteres Gebaeude mit Studentenwohnungen
errichtet werden soll. Aus diesem Grunde haben auch die dem TOC angeschlossenen
Gewerkschaften Jetzt vom Generalrat ein Schreiben bekommen, in dem sie dringend
gebeten werden, fuer den Jubilaeumsfonds Zuwendungen zu machen. Das College
bittet um ICO.000 Pfund Sterling, die benoetigt werden, um das neue Gebaeude zu
errichten und auszustatten, um das Privatgebaeude einzurichten und um Spiel- bzw.
SpoBtplaetze anzulegen."
"Labour" Mai 1949
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�MAI-BOTSCHAFT DER BRITISCHBJ ARBEITERSCBAFT
Nachstehend folgt der volle Text der Proklamation des Britischen Nationalrates der Arbelt, der im offiziellen Organ des Britischen Gewerkschaftsbundes
mit dem Titel "Maifeier 1%9" erschien.
"Drei Generationen lang haben die organisierten Arbeiter bei jeder Maifeier
in der ganzen Welt ihren Glauben an Demokratie, Freiheit und Frieden verkuendet.
Wiederum verkuendet der Nationalrat fuer Arbeit feiedich die loyale Zusammenarbeit der organisierten Millionen im Konsumwesen, in der GewerkSchafts- und
in der Arbeiterbewegung Grossbritannien in dem staendigen Bestreben zur Aufrechterhai tung der Grundsaetze der Demokratie, zur Verteidigung der Einrichtungen
der freien Buergerrechte und zur Erreichung eines dauernden Friedens unter allen
Nationen.
In einer Welt, die wie nie zuvor beunruhigt, verzweifelt und geteilt ist,
die sich in einem Zustand der Verworrenheit und des Widerstreits befindet, wodurch die Vernichtung dieser Ideale droht, bekraeftigt und beteuert der Nationairat fuer Arbeit aufs neue die feste Ueberzeugung, die von allen drei grossen
Bewegungen, die er vertritt, gehegt werden, dass Friede und Freiheit fuer die
Voelker nur durch die Praxis der Demokratie erreicht werden koennen.
Das Demokratische Bekenntnis
Unsere eigenen Gewerkschaftlichen Konsumgenossenschafts und politischen
Organisationen beruhen auf dieser Grundlage. Ohne die Freiheit des Zusammenschlusses in der Industrie, im Handel und in der Politik, so wie sie sich unsere
eigenen organslerten Bewegungen in langen Jahren des Kampfes und der Opferwilligkeit erworben haben, koennen sich die Prinzipien der Demokratie nicht durchsetzen« und ohne die Aufrechterhaltung der demokratischen Prinzipien wird der
Friede der Welt Immer wieder in Frage gestellt werden.
Der Nationalrat fuer Arbeit verkuendet feierlich die unerschuetterliche Ergebenheit der Gewerkschafts - der Korsumgenossenschafts und der Arbeiterbewegungen
gegenueber der Sache des Friedens. Br verwirft die Anklagen, die letzten Endes
aus politischen Motiven heraus wegen unserer Abtruennigkelt gegenueber den hohen
Zielen und Ideale der menschlichen Brudergemeinde erhoben werden, als unwahr
und ungerecht, da diese doch seit den fruehesten Tagen unsere Bewegungen beseelt
und geleitet haben. Wir haben ehrlich und konsequent versucht, die demokratischen
Grundsaetze in der Politik unserer Bewegungen zur Anwendung zu bringen. Wir
glauben fest daran, dass das Mass an wirtschaftlicher Wiedergesundung, die unser
Land nach 6 Jahren eines verwuestenden Krieges zu verzeichnen hat, das Ergebnis
der Treue des britischen Volkes zu diesen Grundsaetzen darstellt. Wir verkuenden
durchaus nicht dem arbeitenden Volk in anderen Laendern etwas, was wir nicht
selbst als Organisationen von Herstellern, Verhauenem und Buergern geuebt
haben.
Wiederaufstieg und Entwicklung
Nur unter der Fuehrung einer demokratisch gewaehlten Regierung des Volkes,
die fest auf unseren drei grossen organisierten Bewegungen begruendet ist,
konnten solche Resultate erzielt werden. Durch seinen eigenen Aufbau ist so
unser Land in die Lage versetzt norden, an der grossherzigen Hilfe des amerikanischen Volkes zur Wiederherstellung geregelterer wirtschaftlicher Verhaeltnisse
in den am Marshall-Plan beteiligten Laendern mitzuarbeiten.
Aus unseren eigenen sich entwickelnden Hilfsquellen haben wir einen beachtenswerten Beitrag zur Erfuellung des Europaeischen Wiederaufbau-Programms geleistet.
Die Staatsmaenner und politischen Fuehrer unseres Landes haben ihr volles
Mass an Verantwortung uebernommen, die Politik der Vereinten Nationen zu formen;

- 13 -

�im Atlantik-Fakt und im Ministerat haben sie neue Werkzeuge geschaffen fuer die
Errichtung eines dauernden Friedens, der auf den Grundsaetzen der kollektiven
Sicherheit und des gegenseitigen Vertrauens beruht.
Eine grosse E^nte an sozialer Gesetzgebung, die auf die Initiative unserer
Arbeiterregierung hin durchgefuehrt wurde, ist bereits eingebracht worden und
neue Ernten reifen heran, die ein noch groesseres Mass an Sicherheit fuer unser
Volk und Glueck und Wohlstand fuer die Heime aller bringen werden.
Freiheitliche Planung und Arbeit
Diese Vorteile wurden nicht ohne eine sorgfaeltige Planung, ohne weitschauende Ziele und ohne staendige Bemuehungen auf Seiten derjenigen errungen, deren
Verantwortung darin liegt, die Politik unserer drei Bewegungen zu erlaeutero und
zu leiten. Aber ohne die volle Mitarbeit und das volle Verstaendnis seitens der
einzelnen Mitglieder unserer Bewegungen haette keiner dieser Vorteile zuwege gebracht werden koennen.
Wir haben Vertrauen auf die Faehigkeiten unseres eigenen Volkes, dass es
seine herrlichen Bemuehungen weiterfuehren wird. Unsere Traditionen und der
lebendige Glaube unseres Volkes garantieren eine Erfuellung dieses feierlichen
Versprechens, das der Nationalrat fuer Arbeit vor den Arbeitern der Welt ablegt,
dass die Gewerkschaftsbewegung, die Konsumbewegung und die Arbeiterbewegungen in
Grossbritannien eins mit ihnen sind in ihrem Kampfe um die Freiheit, und dass sie
mit ihnen die Hoffnung auf einen dauernden Frieden teilen, der auf wirtschaftlicher
und sozialer Gerechtigkeit, auf der Freiheit des Zusammenschlusses, der Freiheit
der Rede, der Freiheit der Religion und der Herrschaft von Gesetz und Ordnung in
der ganzen Welt beruht.
"Labour" Mai 1949
DIE SCHITIERIGKEITSN DER KOMMUNISTEN IN BULGARIEN
Aus einem Bericht amerikanischer Korrespondenten in Jugoslawien geht hervor,
dass es mit dem kommunistischen Regime in Bulgarien nicht allzu rosig aussieht.
Es sind Nachrichten durchgesickert, aus denen ersichtlich ist, dass die Wiederaufbauzlele dieses Balkanlandes nicht erreicht werden. Obwohl sie sich nicht offen
in der Opposition befinden, sind die Bauern bei einem Stadium der passiven Zusammenarbeit angelangt. Die Bauern arbeiten fuer den Staat nicht so, wie sie fuer sich
selbst arbeiten wuerden. Sie leisten ihre Arbeit auf Grund von Befehlen, die sie
nur murrend und widerwillig befolgen.
Was die Industrie betrifft, so wird berichtet, dass die Arbeitsmoral einen
niedrigen Stand aufweist. Die Arbeiter sind muerrisch, trotzig und aergerllch,
sidd aber machtlos, ihre Empfindungen zu offenbaren, ausgenommen, dass ihr mangelndes Interesse in dem niedrigen Produktionsstand zum Ausdruck kommt. Es ist bekannt, dass sich die fuehrenden Per3oenlichkeiten in der Regierung deswegen Sorgen
machen. Sie wissen ganz genau, dass Gewalt allein nicht geeignet ist, die Produktion voranzutreiben,obwohl Gewalt in wirksamer Weise Demonstrationen der Unruhe
unter den Arbeitern verhindern kann.
Weiter geht aus dem Bericht hervor, dass die Behauptungen Bulgariens, die
Produktionsziele fuer 1948 seien mit 99^ erreicht worden, nicht den Tatsachen entsprechen. In den Erfolgsberichten der Regierung fehlen gewisse landwirtschaftliche
Erzeugnisse, wie z.B. Tabak, auch sind gewisse SchiuesselIndustrien darin nicht
aufgefuehrt. In manchen Betrieben der Schluesselindustrien hat die Produktion im
letzten Jahr 50t nicht ueberschritten. in anderen Faellen waren es 60 - 70i der
Ziele fuer 1949.

-

14

-

�Eine Anzahl von Wasserkraftwerken,
setzung begonnen worden waren, sind von
Die bulgarischen Kommunisten sind jetzt
es nicht zulassen wollen, dass ihr Land

die in Bulgarien unter der deutschen Beden Bussen zum Stillstand gebracht worden.
darueber klar geworden, dass die Bussen
industrialisiert wird.
"New Yoric Times" 3. Juni.1%9
POLENS PBODUKTIONSGANQ ALS SCHLEPPEND BEZEICHNET
Die Ilaengel und die Unzutraeglichkeiten in der Arbeiterschaft waren das
Thema einer Bede, die der Stellvertretende Ministerpraesident Alexander Zawadski
auf der 2. Nachkriegskonferenz der polnischen Gewerkschaften hielt. Zawadski,
der aus der Regierung austritt, um Torsitzender der Gewerkschaften zu werden,
rief zu einer 100?igen Produktionserhoehung in der Terbraucherwaren-Industrie auf.
Wie ersagte, sei es notwendig, dass die polnische Arbeiterschaft sich von der
"Erbschaft einer starken ideologischen Belastung aus der Torkriegeszeit" freimache.
Er erklaerte dass*
1. obwohl Polen im Arbeitswettstreit anderen "Tolksdemokratien" gegenueber
fuebre, immer noch gewisse Ideen in bezug auf die Beschraenkung der
Produktionsnormen bestuenden. Die alten Normen der "beschraenkten Produktionskapazitaet" hielten sich hartnaeckig.
2. die Arbeitsausschüsse, die doch eigentlich die Arbeiter vertreten
sollten, haeufig "aus untauglichen und unfaehigen Maennern zusammengesetzt seien, die keineswegs bereit sind, sich im Interesse der Mitglieder aufzuopfern, oder aus Funktionaeren, die den Direktoren gegenueber nichts als blosse Jasager geworden sind".
3. eine zu grosse Kluft zwischen den Arbeitern und denjenigen Intellektuellen bestehe, die ueber die Probleme der Arbeiter informiert sind,
sowie, dass der Durchdringung der Trauen und Kinder mit den Ideen des
Sozialismus zu wenig Beachtung geschenkt werde.
Praesident Boleslaw Bierut erklaerte in seiner grundlegenden Bede vor dem
Kongress, dass die Produktion in Polen im Jahre 1955 um 350t ueber der Torkriegsproduktion liegen und das nationale Einkommen um 60% hoeher sein muesse als vor
dem Kriege.
'New York Times" 2. Juni 1949
BEZAHLTES URLAUB FÜEB DIE ABBEITER IN DEN CHEMISCHEN
BETRIEBEN
Die chemische Industrie und die Gewerkschaften in Belgien haben jetzt ein
Abkommen getroffen, demzufolge den Arbeitern die Zeit bezahlt wird, waehrend
der sie aus familiaeren Gruenden ihrer Arbeit fernblieben. Hier sind einige
dieser Gruende aufgefuehrt, die in diesem Abkommen enthalten sind;1. Eheschliessung des Arbeiters
» 2 Tage
2. Eheschliessung eines Elternteils oder Kindes,
Bruders oder einer Schwester
• 1 Tag
3. Niederkunft der Frau des Arbeiters
-2 Tage
l». Ableben eines Familienmitgliedes des Arbeiters,
das mit der Familie zusammengewohnt hat
&gt;.3 Tage
5. Ableben eines Familienmitgliedes des Arbeiters,
das nicht mit der Familienzusararaengewohnt hat,
oder Tod eines Bruders, einer Schwester, eines
Enkels, oder Grosseltern teils, ob bei der Familie
gewohnt oder nicht
» 2 Tage
-

15

-

�6.
7.

Betriebsunfall an dem betreffenden Tage selbst
; 1 Tag
Stellung zur Musterung, zu Militaerparaden, Erscheinen als Zeuge vor
dem Gericht, Zusammentritt des Familienrates
&gt; 1 Tag

Wenn ein Arbeiter Anspruch auf mehrere bezahlte Urlaubstage hat, messen
dies aufeinanderfolgende Tage sein. Arbeiter, die aus Irgend einem der oben angefuehrten Gruende der Arbeit ferngeblieben sind, koennen aufgefordert werden,
spaeter Ueberstunden zu leisten um eilige und notwendige Arbeiter zu erledigen,
die mit ihren normalen Pflichten zusammenhaengen. Fuer diese Ueberstunden wuerde
der Arbeiter die im Gesetz vorgesehenen hoeheren Lohnsaetze erhalten. Andererseits wird den Arbeitern aber nichts gezahlt, wenn sie auf irgend einem der oben
angefuehrten Gruende fernblieben, ohne dem Arbeitgeber vorher entsprechend Meldung
gemacht zu haben, ausgenommen natuerlleh in solchen Faellen, in denen eine Benachrichtigung unmoeglich ist.
(Industry and Labour) (ILO) 1. Mai 1949
-

16

-

Manpower Division
OMGUS, APO 742

OFFICIAL

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amm, vi«], i*m. i.. n, i W •

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse nnd anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
'Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

H - 17

Berlin, 17. Juni 1%9
INHALTSVERZEICHNIS
Erhaltung des Friedens in der Industrie
- - Die Arbeltsbeziehungen und das oeffentliche Interesse Die amerikanischen Universitaeten entdecken die
Gewerkschaften
— — —
!
Hoehere Schulbildung und Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen
.
Koennen Fragen der Arbeit geber-Xrbeitnehmer-Beziehungen
ein Lehrfach der Universitaet sein
•
Wie prueft der Diskussionsleiter sich selbst
•
Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen und Gesellschaftslehre - - - - - - - —
---__-______
Die amerikanischen Gewerkschaften und das TaylorSystem

- 1
- 2
k

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9
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13

ERHALTUNG DES FRIEDENS IN DER INDUSTRIE
Fuer diese Ausgabe wurden nur Artikel ausgewaehlt, die denselben Gegenstand zum Thema haben« den industriellen Frieden. Sie haben auch Bezug auf
Jene Art von Bildung, die die Gewerkschaftsfuehrung in die Lage versetzt, sich
an den gemeinsamen Bemuehungen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, den industriellen Frieden zu wahren, beteiligen zu koennen. Die amerikanische Arbeiterschaft will nicht, dass ihr die Industrie gehoert, sie will auch nicht die Verantwortung fuer die Leitung in der Industrie teilen. Sie uebernimmt jedoch mit
der Leitung die Verantwortung fuer die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zwischen Arbeltgeber und Arbeitnehmer. Die amerikanischen Gewerkschaften nehmen
ein wachsendes Interesse an Jener Art von Bildung, die die Arbeiterführer befaehigt, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Gute Beziehungen werden sich In
der Industrie ergeben, wenn eine Zusammenarbeit zwischen Arbeiterschaft und
Leitung, die beide ueber alles informiert sind,besteht. Die Fuehrer beider Gruppen muessen ueber den Mechanismus wie auch ueber die wirtschaftliche Seite der
modernen Industrie orientiert sein«

-1-

�DIE ARBEITSBEZIEHUNGEN UND DAS OEFFENTLICHS INTERESSE
Ordway Tead, einer der fuehrenden amerikanischen Experten auf dem Gebiete
der Arbeits- und industriellen Beziehungen, hat vor kurzem einen tiefsinnigen
Artikel ueber die Bedeutung des oeffentlichen Interesses an allen Beziehungen
zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern geschrieben. Da nun die moderne Gesellschaft so kompliziert aufgebaut ist, ist bei manchen dieser Beziehungen das oeffentliche Interesse nicht immer vom eigenen Interesse zu unterscheiden. Jedoch bleibt
eine Tatsache bestehen, ueber die sich Tead wie folgt ausdrueckt; "Die Motive und
Methoden einer kooperativen Gesellschaft von Gleichgestellten muessen auch im Verhaeltnis zu der Wahrheit verstanden werden, dass in der bei uns bestehenden Art
technologischer Gesellschaft die Verfolgung der produktiven wirtschaftlichen Taetigkeit im Grunde genommen ein oeffentliches Interesse darstellt."
Als Mitglieder einer Gemeinschaft werden sich Tead zufolge Arbeitgeber und
Arbeitnehmer "durch Loyalitaet zu einer Gemeinschaft" ueber ihr eigenes Selbst
klar. Obwohl ihre Interessen in vieler Hinsicht rivalisierender Natur sein moegen,
muessen sie alle innerhalb gewisser Beschraenkungen wirken, wie sie von der Gemeinschaft vorgezeichnet sind. Eine der Aufgaben der industriellen Beziehungen besteht
daher darin, nicht nur eine Loesung fuer die Differenzen zwischen Arbeitnehmern
und Arbeitgebern, zwischen den Gewerkschaften und den Betriebsleitungen zu finden,
sondern das oeffentliche Interesse zu entdecken, das ihnen allen gemeinsam ist.
Wie man die gemeinsamen Interessen zum Vorschein kommen latest
"Wenn daher die gemeinsamen Interessen, die oeffentlicher Natur sind, den
ihnen eigentümlichen Einfluss auf die Kontrolle des Betriebes bzw. der Unternehmungen haben sollen, dann finden wir, dass sich in praxi folgende Schritte als notwendig erwiesen haben«
1. Klare Begriffsbestimmung der wirklich gemeinsam gelagerten Interessen.
2. Nachdrueckliche geistige Ausbildung mit dem Ziel der Erkenntnis, dass
diese mehrfachen Interessen gemeinsamer Natur sind.
3. Anerkennung der Interessen in bezug darauf, welche Unterschiedlichkeit
und welcher Widerstreit natuerlieherweise entstehen koennte und in bezug
darauf, wie dies definiert und ins reine gebracht wird.
4. Einschaltung des Verhandlungsprozesses, um zeitweilig diese von einander
abweichenden Interessen auf einen Nenner zu bringen.
5. Einschaltung festgelegter, oeffentlicher, gesetzlicher und regelnder Bestimmungen, um einen minimalen Boden fuer alle Arbeitsnormen vorzusehen,
um konkurrierende Kraefte daran zu hindern, mit Umstaenden menschlicher
Natur zu operieren und um besondere monopolistische Interessen aller Art
in Schach zu halten.
6. Uebernahme der vollen Verantwortung seitens der Betriebsleitung fuer
Schaffung aller betrieblichen Voraussetzungen fuer hohe Produktlvitaet,
einschliesslich einer klugen, geschickten und einsichtsvollen Personalpolitik.
7. Uebernahme einer hoeheren Verantwortung seitens der Gewerkschaften fuer
die Aufklaerung ihrer Mitglieder darueber, wie eine Zusammenarbeit zur
Foerderung gemeinsamer Interessen bei der Arbeit den wirtschaftlichen
Ausblick bzw. die wirtschaftlichen Aussichten fuer sie in Begriffen eines
nationalen Lebensstandards staerkt.
8. Erkenntnis seitens aller direkt betroffenen Parteien, dass der Kampf fuer
ihre speziellen Interessen im Rahmen eines oeffentlichen Gesamtinteresses
weitergeht, und dass dieser Kampf im Verhaeltnis zu diesem ueberragenden
-

2 -

�und hoeheratehenden oeffentlichen Interesse gefuehrt werden muss."
wie man die auseinandergehenden Interessen ausgleichen kann
Dann sollte in bezug auf den Ausgleich der Interessen, die innerhalb der Gruppen, die in einem einzigen zusammengeschlossenen oder einem industriellen Gefuege
arbeiten, miteinander im Konflikt stehen, oder anscheinend oder angenonmenermassen
im Konflikt stehen, die Annaeherung an eine friedliche Loesung dieser Differenzen
konkret definiert werden. Denn eine vitale Phase eines oeffentlichen Interesses
in unserer Art von Gesellschaft ist die gewaltlose Behandlung
von Streitfaellen
aller Art. Es gibt hier natuerlich mehnre Alternativen, die moeglich sind - die
der Gewalt, der passiven Unterwerfung unter die Beherrschung, der passiven Zustimmung und der positiven, unterrichteten und bereitwilligen Zustimmung oder der
produktiven Zustimmung. Nur die letztere davon ist die akzeptable Methode als
Prozess der sozialen Bereinigung innerhalb von Gruppen in einer -demokratischen
Gesellschaft.
Das Prinzip zur Erreichung einer positiven Zustimmung ist bekannt. Es baut
sich wie folgt auf:1. Feststellung und Defbition der betreffenden Gruppe als Gesamtheit oder
der Mitgliederschaft.
2.

Feststellung der internen Gruppen Innerhalb der gesamten Mitgliederschaft
mit wichtigen funktionalen Unterschieden in bezug auf Aussichten oder
Interessen.
3. Vorsorge fuer eine bestimmte, klare, organlserte staendlge Darstellung
und Vertretung dieser Interessen in einer repraesentativen Koerperschaft.
4* Versorgung der repraesentativen Stelle mit allen Moeglichkeiten und Unterlagen, um eine Verhandlung zwecks Erreichung eines Abkommens zu foerdern.
5. Gewissheit ueber die volle Verfuegbarkeit aller Fakten, die auf die
Beschluesse Bezug haben, bei denen es fuer noetig erachtet wird, dass alle
daran beteiligt sind. Die Anwendbarkeit dieser Tatsachen oder Fakten
kann nicht von vornherein entschieden werden« es ist eine Frage der Natur
und der Komplexe der zur Debatte stehenden Fragen, wie diese von den beteiligten Parteien aufgefaast werden.
6.

Schaffung einer klugen und einsichtsvollen persoenlichen Fuehrerschaft,
die das Bestreben hat, zu einem Abkommen zu gelangen.
7* Abschluss von Abkommen, Belehrung der davon Betroffenen und Ausprobieten
der beschlossenen Politik oder der betreffenden Programme.
8. Zeitweilige Ueberpruefung der vereinbarten Massnahmen und Schritte, um
festzustellen, dass sie sich auch zufriedenstellend auswirken.
9* Verbesserung oder Absonderung von Abkommen, wie dies nach kritischer
genauer ^ruefung aller Beteiligten bzw. Betroffenen notwendig Ist.
Beteiligung an der Diskussion und an den Entscheidungen
"Hier muss der Nachdruck auf verschiedene Punkte gelegt werden (a) auf die
Bedeutung des repraesentativen Mechanismus, der als normaler Weg der Konferenz
zwecks Erzielung der Abkommen vorgesehen ist* (b) auf die Bedeutung der Darlegung
aller bezueglichen Fakten seitens derjenigen, die sie besitzen, einschliesslich
der Entwicklung der die Tatsachen ermittelnden Quellen, wo dies vonnoeten ist»
(c) auf die Bedeutung der Anwendung ausprobierter Methoden zur glatten Durchfuehrung von Konferenzen unter dem Konferenzvorsitz seitens einer intelligenten
und wenigen Person; (d) auf die Wichtigkeit bzw. Bedeutung der Erlaeuterung der

- 3 -

�Entscheidungen bzw. Beschluesse in ueberzeugender Weise gegenueber der insgesamt
davon beruehrten Gesamtheit oder Mitgliederscbaft, um eine bereitwillige Annahme
und Pruefung zu sichern.
Diese ganze Vorsorge fuer festgelegte Wege zwecks Behandlung und Ausgleich
abweichender Interessen ist im oeffentliehen Interesse notwendig. Ferner sollte
man die Tatsache beruecksichtigen, dass dieses Problem bei auf einanderfolgenden
verwaltungsmaessigen Stufen oder Graden in der Durchfuehrung auftritt, und ich
lege Wert darauf, zum Ausdruck zu bringen, dass es nicht so einfach ist, wie es
aussieht, bei jeder Stufe der Beschlussfassung das Dominierende eines im gemeinnuetzigen Sinne guten Ergebnisses zu gewaehrleisten. Da existieren spezifisch
genommen, die Stufe des Schlichtungsverfahrens in der Abteilung, und der Arbeiter
innerhalb einer'jeden Abteilung mit ihrem Meister oder Vorarbeiter, die Fabrik
als Ganzes, die verschiedenen produzierenden Werkstaetten in einem vielseitigen
Betrieb, und die Werke oder Fabriken in einem bestimmten Bereich oder Bezirk, oder
national genommen, die Industrie, wo das nationale Kollektiwerfahren als Faktum
zur Wirklichkeit oder Moeglichkeit ist.
Und ob es sich nun um Fragen handelt, die die Qualitaet des Erzeugnisses,
die Einheitskosten, Sicherheitsmethoden, Einfuehrung neuer Maschinen oder Erfindungen, Aenderungen des Modells oder der Type des Erzeugnisses, Gewinnspannen,
Werkanlagen betreffen, - ueber diese und andere Dinge bei den Arbeitern, den
Leitern und Firmenbesitzern ein oeffentliches Interesse zu erwecken ohne Beruecksichtigung irgend einer Stinme aus Verbraucherkreisen oder der Regierung
kann vielleicht gereade.dann nicht der Fall sein, wenn sogar der ^rozess der repraesentativen Beratung bestanden hat. Frueher waren die Gewerkschaften und die
Geschaeftsleiter dafuer bekannt, dass sie im monopolistischen Sinne zusanmenwirkten und ihre Plaene entsprechend festlegten, und das koennen sie auch wiederum
tun. Wie man aber dieser Moeglichkeit im oeffentlichen Sinne zum Schutze der
Oeffentlichkeit gegenuebertreten soll, stellt ein neues und ungeloestes Problem
dar.
Kurz gesagt, das Entscheidende dabei ist nicht nur das Abkommen auf Grund
einer Verhandlung an der alle beteiligt sind; es ist auch entscheidend, dass der
Vorgang des Zustimmens die Ruecksicht auf alle Parteien in sich schliessen soll,
die entschlossen sind, ein lebenswichtiges Interesse daran im Auge zu haben."
"Industrial and Labor Relations Review" April 19A9
DIE AMERIKANISCHEN UNIVERSITAETEN ENTDECKEN DIE GEWERKSCHAFTEN
Es liegt uns die Zusammenfassung eines "Die Lehrplaene der Universitaeten
und die Ausbildung von Gewerkschaften" betitelten Aufsatzes vor, den Frau Dr.
Caroline F. Ware fuer den "Amerikanischen Dienst fuer Ausbildung in Arbeitsfragen"
verfasst hat. Da der Aufstz noch nicht in der fuer eine Veroeffentlichung vorgesehenen Form vorliegt, koennen wir ihn nicht woertlich wiedergeben, sondern muessen
uns darauf beschraenken, von der uns erteilten Erlaubnis Gebrauch zu machen,
einige ih ihm enthaltene allgemeine Beobachtungen mitzuteilen. Diese koennen
als Zeichen der Zeit gewertet werden, und als solche lassen sie auf eine grundlegende Umwaelzung auf dem Gebiet des hoeheren Unterrichtswesens in Amerika
schliessen.
1.

Zunehmendes Interesse der Universitaeten an den Werktätigen und

ihren Problemen
Wir werden darauf aufmerksam gemacht, dass es fuer die amerikanischen Universitaeten etwas Neues ist, sich mit den Gewerkschaften so eingehend zu befassen.

- 4 -

�Mit der Anpassung ihres Lehrplans an die Beduerfnisse der wachsenden Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten haben die hoeheren Lehranstalten und Universitaeten
eine Tradition gebrochen.

Mit Befriedigung duerfen wir davon Kenntnis nehmen,

dass Hunderte von Universitaetsprofessoren beim Studium der Arbeitnehmer- Arbeitgeberfragen mit den Gewerkschaften eng zusammenarbeiten.

'.Vaehrend frueher nur

eine Handvoll amerikanischer Hochschullehrer Buecher und Artikel ueber die Arbeiterfrage verfassten, gibt es heute bereits Hunderte von Buechern, die von Hochschullehrern ueber das Problem der Arbeiterschaft, der Gewerkschaften und der
Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen geschrieben wurden.
2.

Gewerkschaftler als Universitaetsstudenten

Von ueber sechzig amerikanischen Universitaeten werden besondere Lehrplaene
fuer Gewerksehaftsfuehrer und -funktionaere, die sich gewerkschaftlich betaetigen
werden, aufgestellt.

Fuer eine grosse Zahl von Arbeitern ist es etwas Neues,

eine Univeraitaet zu besuchen, in Vorlesungsraeumen zu sitzen und Professoren
ueber die Probleme der organisierten Arbeiterschaft sowie ueber die Beziehungen
von Gewerkschaft zu Betriebsfuehrung sprechen zu hoeren.

Auch ist es fuer die

Universitaetsprofessoren etwas Neues, in einem Gewerkschaftsgebaeude Kolleg zu
halten.

Eine Reihe von Landwirtschaftsschulen haben schon seit Jahren ihre Lehrer

aufs Land hinausgeschickt, um dort die Bauern ueber praktische Arbeitsfragen zu
unterrichten.

Aehnliche Fortbildungskurse werden zur Zeit von den Universitaeten

fuer die in der Industrie beschaeftigten Arbeiter abgehalten.
3.

Die Frage der akademischen Freiheit

Es war nicht ganz einfach, den bestehenden Gegensatz zwischen den Gewerkschaften und den Universitaeten zu ueberbruecken.

Der allgemeinen Auffassung nach

stellt die Gewerkschaft eine kaempferisdhe Organisation mit ausgepraegten Parteiinteressen dar, waehrend sich die Universitaeten bisher rein wissenschaftlich
betaetigen.

So ergaben sich vielfach Fragen wie z.B.: Wie kann eine Univeraitaet

ihren Lehrapparat parteigebundenen Arbeitergruppen zur Verfuegung stellen, ohne
ihre akademische Unabhaengigkeit einzubuessen.

Die Erfahrung der letzten vier

Jahre hat erwiesen, dass eine Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften fuer die Universitaeten weitgehend moeglich ist, ohne dass die letzteren ihr wissenschaftliches Niveau, dessen Aufrecht er haltung ihnen obliegt, herabzuschrauben brauchen.
Die Universitaeten haben festgestellt, dass die Gewerkschaften staerker parteipolitisch gebunden sind als die Arbeitgeberorganisationen.

Bei den Gewerkschaften

setzt sich die Erkenntnis durch, dass ihre Mitglieder auf den Universitaeten etwas
Nuetzliches lernen koennen.
4«

Bedarf der Gewerkschaften an geschulten Kraeften

Frau Dr. Ware weist in ihrem Aufstz auf den zunehmenden Bedarf der groesseren
Gewerkschaften an geschulten Funktionaeren hin.

So sehen sich einzelne Gewerk-

schaften, die in den vergangenen zehn Jahren sehr schnell gewachsen sind, verwickelten Verwaltungsproblemen gegenueber.
leute, und

Sie benoetigen geeignete Verwaltungs-

wie in einem Betrieb, so ist auch in der Gewerkschaft ein Verwaltungs-

fachmann tuechtiger, wenn er als solcher ausgebildet ist.

Hier handelt es sich

also um eine Angelegenheit, fuer deren Behandlung die Univeraitaet die geeignete
Stelle sein duerfte.

Es gibt Gewerkschaftwfunktionaere, die Buchhalter und

Statistiker sein muessen.

Andere muessen in Fragen des Personal- und Wohlfahrts-

wesens bzw. der Gestaltung der Freizeit Erfahrungen haben.

Eine besondere Aus-

bildung auf diesen Gebieten koennen die Gewerkschaftler auf den Universitaeten
erhalten.
5.

Die grosse Gewerkschaft - ein Grossbetrieb

In mancher Beziehung gleichen die Spitzenfunktionaere, welche eine Gewerkschaft mit einer Million Mitgliedern leiten, den Direktoren eines grossen Industriebetriebes.

Der Verwaltungsapparat der Gewerkschaft ist in verschiedene Abteilungen

-

5 -

�g e g l i e d e r t . Die r i c h t i g e Handhabung der finanziellen Mittel s e t z t eine verantwortungsvolle Kassen- und Kontenverwaltung, sowie Planung der Ausgaben und kluge
Investierung voraus. Auf dem Gebiet der Beziehungen zur 0Öffentlichkeit kann es
sich um den Betrieb eines Bundfunksenders, die Herausgabe einer Arbeiterzeitung
oder um die Veroeffentlichung verschiedener Berichte und Broschueren lehrhaften
Inhalts handeln. Eine Industriegewerkschaft benoetlgt v i e l l e i c h t einen Stab von
i n d u s t r i e l l e n Sachverstaendigen und Fachleuten fuer Leistungssteigerung. Sie muss
sich auch laufend mit Forschungsarbeit auf technischem und wirtschaftlichem Gebiet
befassen, f a l l s s i e imstande sein w i l l , den Arbeitgebern in Lohn- und anderen
Arten von Kollektiwerhandlungen auf gleicher Ebene zu begegnen. Nach dem Gesagten
i s t es fuer die Gewerkschaften aeusserst wichtig, ueber Fachleute zu verfuegen,
die eine Universitaetsausblldung haben und zugleich gewerkschaftlich e i n g e s t e l l t
sind. Im Hinblick auf derartige gewerkschaftsberufliche Erfordernisse kann man
es l e i c h t verstehen, weshalb die groesseren Gewerkschaften in den Vereinigten
Staaten ein steigendes Interesse an den Hodtschullehrgaengen zeigen. Aber auch
die Universitaeten haben ein praktisches I n t e r e s s e an dieser neuen Entwicklung:
die Gewerkschaftsbewegung b i e t e t den von ihr ausgebildeten Maennern und Frauen
ein neues Betaetigungsfeld.
6. Zoegemde Haltung einzelner Gewerkschaftler
Frau Dr. Ware weist darauf hin, dass einzelne amerikanische Gewerkschoftsfuehrer t r o t z der im allgemeinen positiven Einstellung zur Zusammenarbeit zwischen
Gewerkschaften und Hochschulen doch von ihr nicht b e g e i s t e r t s i n d . Manche alten
Gewerkschaftler haben ihr eingewurzeltes Misstrauen gegenueber den " I n t e l l e k t u e l len" noch nicht abgelegt. Diese Zurueckhaltung entbehrt nicht einer gewissen
Berechtigung, denn mancher a l t e Gewerkschaftler weiss aus Erfahrung, dass lange
Zeit hindurch kein Interesse seitens der Universitaet an den Arbeiterproblemen
bestand. So i s t es fuer diese alten Gewerkschaftler nicht l e i c h t zu vergessen,
dass waehrend v i e l e r Jahre die Fuehrung der amerikanischen Hochschulen f a s t
a u s s c h l i e s s l i c h in den Haenden von Personen lag, die entweder kein Interesse an
Arbeiterproblernen hatten oder ihnen sogar ausgesprochen feindlich gegenueberstanden.
Aber auch in diesem Punkt i s t inzwischen eine Aenderung e i n g e t r e t e n . Mehrere
Gewerkschaftsfuehrer - t e i l s erwaehlt und t e i l s ernannt - gehoeren heute der
Leitung der amerikanischen Univers i t a e t e n an. So scheint das gerade erwaehnte
Misstrauen allmaehllch einem gegenseitigen Vertrauen P l a t z ai machen.
HOEHERE SCHULBILDUNG UND ARBEITGEBER- ARBEITNEHMER-BEZIEHUNGEN
Die Schule des Staates New York fuer Beziehungen in der Industrie und Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen i s t ein I n s t i t u t der Cornell-Universitaet. Sie
g i l t a l s eine der besten Schulen auf diesem Gebiet. Wir bringen im folgenden
Auszuege aus einem Artikel von Donald J . Shank, einem Mitglied des Lehrkoerpers.
Er s t e l l t und beantwortet darin fuenf Fragen ueber die Beziehungen zwischen einer
Universitaet und der A r b e i t e r s c h a f t . In seinen Antworten gruendet er sich auf
die Untersuchungen auf dem Gebiete der Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen und
der Beziehungen in der I n d u s t r i e .
1. "Gibt es einen lehrbaren Wissens- und ^rfahrungsachatz betreffend
Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen.
Der Lehrplan, der von der Cornell-Universitaet gemeinsam mit fuehrenden Persoenlichkeiten aus Kreisen der Regierung, der Arbeiterschaft und des Unternehmertums a u f g e s t e l l t worden i s t , s i e h t ein ausgedehntes Programm auf dem Gebiete der
Sozialwissenschaften vor. Sieben-undneunzig der hundertundzwanzig Studienarbeiten,

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6

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�die zur Verleihung eines akademischen Grades, der das Studium der Arbeitswissenschaften und des Arbeitsrechts umfasst, noetig sind, sind Fflichtarbeiten. Während
der ersten zwei Jahre nimmt der Student eine grosse Menge Lehrstoff in den folgenden Faechern in sich auf« Sozialwissenschaften, amerikanische Geschichte, Soziologie, Sozialpsychologie, Volkswirtschaft, Rechtslehre, amerikanische Staatskunde,
Theorie der Arbeitswirtschaft. Ausserdem verbessert er seine Ausdrucksfaehigkeit
indem er Jahreskurse in Englisch und Rhetorik belegt. Er belegt fuer ein Semester
einen Sonderkursus in Buchpruefung, bei dem auf die Beurteilung von Jahresberichten
grosser V/ert gelegt wird. In obligatorischen Fuehrungen wird ihm Gelegenheit gegeben, Arbeiter an ihren Arbeitsstaetten zu beobachten. Mit Ausnahme einer Einfuehrungsvorlesung und der Vorlesungen ueber Arbeitswirtschaftstheorie, Grundlagen des Rechts und Arbeiter und Arbeit fallen alle uebrigen Vorlesungen in den
Rahmen anderer Fakultaeten, insbesondere der philosophischen und wissenschaftlichen. Das Programm der Fflichtfsecher umfasst einstweilen noch keine fremden
Sprachen oder ordentlichen Wissenschaften. Die einzige Ausbildung in formaler
Mathematik besteht in den Vorlesungen ueber Buchprüfung und Statistik. .
Der technische und berufliche Kern der Ausbildung wird dem Studenten im
dritten und vierten Jahr gegeben. Im dritten Jahr belegt jeder Student eine
Vorlesung ueber Organisation und Leitung von Unternehmen und eine Vorlesung ueber
Finanzwesen von Aktiengesellschaften. Jeder Student belegt eine Jahresvorlesung
ueber die Geschichte der Arbeiterbewegung und ueber Leitung und Organisation von
Gewerkschaften. Ausser der Jahre»Vorlesung ueber Statistik gibt es fuer das
dritte Jahr Pflichtvorlesungen ueber menschliche Beziehungen in Industrie und
Verwaltung.
Fuer das vierte Jahr sind Jahresvorlesungen ueber das Absehliessen von Tarif vertraegen, das Schlichtungswesen und Schiedsgerichtsverfahren und ueber Personalfragen vorgesehen, die durch besondere einsemestrige Vorlesungen ueber die rechtliche und verfassungsmaessige Seite von Arbeiterfragen und Fragen der Sozialversicherung, ueber soziale Sicherheit und ueber den Verkehr mit dem Kaeufer ergaenzt werden.
Obwohl die meisten Vorlesungen fuer hoehere Semester vom Lehrkoerper der
Schule gehalten werden, werden bestimmte Vorlesungen an der Technischen Hochschule
und an der Handels- und Verwaltungs- Hochschule gehalten.
Wer nur geringen persoenlichen Kontakt mit den Problemen der Beziehungen
in der Industrie und der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen hat, wird ueberrascht
sein, welche umfangreiche Literatur in den letzten Jahren auf diesem Gebiet entstanden ist. Ausser umfassenden Arbeiten ueber Volkswirtschaft, Politik, Psychologie, Soziologie und Anthropologie bieten die Tarifvertraege, die von tausenden
von Gewerkschaften und Firmen Im ganzen Land abgeschlossen worden sind, eine
grosse Fuelle von Material. Ausserdem gibt es bei der organisierten Arbeiterschaft
ein staendig wachsendes Schrifttum, das sowohl fuer die Arbeiter selbst als auch
fuer die Betriebsleitung von Bedeutung ist. In der Cornell-Universitaet wird
dieses Material zusammengetragen. Auf Gebieten, auf denen noch kein Lehrstoff
vorhanden ist, sammelt der Lehrkoerper die laufend erlassenen Staats- und Bundesgesetze und verarbeitet die von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen und
von anderen Stellen herausgegebenen Berichte.
2. Sollen Hochschulen und Universitaeten versuchen, auf diesem Gebiete
ein Lehrprogramm aufzustellen.
Wie schon erwaehnt, sind eine Reihe von Lehranstalten bereits in der einen
oder anderen Richtung auf dem Gebiet der Beziehungen in der Industrie und der
Arbeltgeber-Arbeitnehmerbeziehungen taetig. Einige Universitaeten haben Programne
aufgestellt mit dem Ziel, Personal fuer die Geschaeftsleitung auszubilden. Andere

- 7 -

�haben versucht, den Arbeitern bei ihren Verhandlungen mit den Arbeitgebern zu
helfen.
Das Programm der Cornell-Universitaet war, im Gegensatz zu dem v i e l e r anderer
Lehranstalten, von Anfang an darauf a b g e s t e l l t , in gleicher Weise den Beduerfnissen
der Regierung, der Arbeiterschaft und des Unternehmertums zu dienen. Eine Universit a e t , die hofft, dieses schwierige Ziel zu erreichen, muss dafuer sorgen, dass a l l e
drei Gruppen in der Leitung der Anstalt gleichmaessig v e r t r e t e n sind, dass der
Lehrkoerper so ausgewaehlt wird, dass eine gerechte Beruecksichtigung a l l e r Gesichtspunkte gewaehrleistet i s t , und dass solche Studenten zugelassen werden, die
an a l l e n Aspekten der Industrie und Arbeiterprobleme i n t e r e s s i e r t sind.
3 . Koennen Leute, die sich fuer den Verwaltungsdienst, fuer Arbeiterfragen,
und fuer Frap.en der Betriebsleitung i n t e r e s s i e r e n , an ein und derselben
Anstalt u n t e r r i c h t e t werden.
Viele S o z i a l k r i t i k e r waren der Ansicht, das9 die Cornell-Universitaet nicht
gut einen Lehrplan haben koennte, der gleich sinnvoll waere fuer Leute, die sich
in spaeteren Jahren a l s Vertreter des Unternehmertums, der Arbeiterschaft oder
der Regierung am Konferenztisch gegenuebersitzen wuerden. Die im ersten Jahr der
L e h r t a e t i g k e i t gemachten Erfahrungen haben die Ansicht a l l e r Beteiligten noch
v e r s t a e r k t , dass es nicht nur moeglich i s t , nach einem einheitlichen Lehrplan zu
arbeiten, sondern dass Lehren und Lernen dadurch sogar noch gefordert werden.
k. Wie koennen Tagesfragen der Beziehungen in der Industrie und der Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen im Lehrplan behandelt werden.
Niemand in Cornell glaubt, dass saemt liehe Probleme dieser Art im Hoersaal
geloest werden koennen. Der Lehrplan wird a l s Ausgangspunkt fuer eine gruendliche
praktische Behandlung der Probleme angesehen, so wie s i e in der Wirtschaft auftauchen. Es werden in Cornell zwei Methoden der Behandlung der akuten Probleme
in den Beziehungen in der Industrie und in den Arbeitgeber- ArbeitnehmerbeZiehungen angewandt.
Erstens kommen regelmaessig fuehrende Persoenlichkeiten aus Kreisen der Regierung sowie aus Gewerkschafts- und Arbeitgeberkreisen nach Cornell, um mit den
Studenten einen regen Meinungsaustausch zu pflegen. Waehrend des vergangenen
Jahres kamen woechentlich mindestens zwei und haeufig b i s zu v i e r Besucher fuer
einen Aufenthalt von einigen Stunden b i s zu mehreren Tagen zur Universitaet.
Das zweite wesentliche Mittel, um Studenten mit den akuten Problemen vert r a u t zu machen, i s t die Absolvierung eines Pensums an praktischer Arbeit. Jeder
Student, der noch keine Pruefung gemacht hat, muss waehrend dreier Sommerferien
p r a k t i s c h a r b e i t e n . Im e r s t e n Sommer muss er, f a l l s er noch nicht in einer
Fabrik gearbeitet hat, in einem i n d u s t r i e l l e n oder kaufmaennischen Betrieb a r b e i t e n . Im zweiten und d r i t t e n Sommer wird ihm ein freistehender Arbeitsplatz in
einer Regierungsstelle, in einem Betrieb oder in einem Buero zugewiesen. Jeder
Student muss vor der Abschlusspruefung einen Sommer a l s Arbeiter und einen zweiten
in einem Buero verbracht haben.
5.

In welcher Weise koennen die Studenten der Schule der Allgemeinheit
nuetzen.
Die Schule i s t nicht der Ansicht, dass die beschraenkte Anzahl von Akademikern, die s i e hervorbringt, a l l e Probleme, die die Beziehungen in der Industrie
und d i e Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen des Staates New York betreffen,
loesen wird. Die Schule glaubt Jedoch, dass ihre Studenten spaeterhin bei der
Arbeit im S t a a t s d i e n s t , in den Gewerkschaften, in der Industrie und in den Personalbueros der Unternehmen ein besseres Verstaendnis fuer die Rechte und Pflichten

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�a l l e r am Wirtschaftsgeschehen Beteiligten aufbringen werden.
Journal of Educational Sociology, April 1947
KOENNEN FRAGEN DSR AKBBITGBBBR-ARBBITNEHMER-BBZIEBUNGEN EIN LEHRFACH DER UNIVERSITAET SEIN.
Professor John T. Dunlop Ton der Harvard Universitaet i s t der Ansicht, dass
die üniTersitaeten in Zukunft eine fuehrende Rolle beim Studium und der Loesung
der Probleme der Werktaetigen uebernehmen s o l l t e n . Die Zelt kommt naeher, die von
den Gewerkschaftsfuehrem und den leitenden Personen in der Staatsverwaltung und
Industrie, die sich mit Arbeiterproblemen zu beschaeftigen haben, eine gruendliche
Vorbildung Terlangt. Im folgenden seien einige diesbezuegliehe Stellen aus seinem
Aufsatz wiedergegeben:
"Die ÜniTersitaeten muessen ihre ernsthafte Aufmerksamkeit einer Frage zuwenden,
die Toraussichtlich waehrend der naechsten Generation erhoehte Bedeutung erlangen
wird. S o l l man besondere Pakultaeten fuer Prägen der Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen einrichten, die ihren Unterricht in Einklang zu bringen haetten mit
dem der reShts-, betriebe- und Terwaltungswissenschaftlichen Fakultaeten. Da die
ÜniTersitaeten in der Gestaltung ihrer Lehrtaetigkeit ungezwungen verfahren koennen,
so kann diese Frage in der verschiedensten Weise beantwortet werden. Bei allen
Eroerterungen ueber den einzuschlagenden Weg s o l l t e man Jedoch die folgenden Gesichtspunkte in die Betrachtung einbeziehen;
1. Die Anforderungen, die der Stellenmarkt fuer Fachkraefte mit einer Ausbildung auf dem Sondergebiet dar Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen s t e l l t ,
werden die Art ihrer üniTersitaetsausbildung bestimmen. In diesem Zusammenhang
sind d i e Richtlinien, nach denen Kraefte fuer neue Stellungen ausgesucht werden,
Ton Bedeutung. S o l l der Angestelltenstab der Personalabteilungen in Handelsund Industriebetrieben hauptsaechlich aus den Kreisen entnommen werden, die ueber
weitgehende Erfahrung im Geschaeftsleben Terfuegen. Muessen Berichterstatter, die
ueber Arbeiterfragen schreiben, immer Journalisten gewesen sein. Soll das leitende
Personal der Arbeiterorganisationen aus gewerkscheftsfremden Kreisen staunen/
Diese Fragen beruehren das Problem, bis zu welchem Grade Ausbilfangsmoeglichkeiten
bei den Gewerkschaften einerseits und an den ÜniTersitaeten andererseits bestehen*
I s t es fuer den Posten eines leitenden Angestellten eines ^ersonalbueros besser,
wenn der Anwaerter ueber eine Handelshochschulausbildung Terfuegt, oder wenn er
ein umfassendes, auf die Gesamtheit der Arbeit gebar -Arbeitnehmer -Beziehungen gerichtetes Studium hinter sich hat. Soll die Ausbildung des Personals der Abteilungen fuer Arbeitsfragen derjenigen von Ingenieuren, Aerzten und Rechtsanwaelten
angeglichen werden.
2. Zur Zeit fehlt es auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen
sowohl an einer klaren und zusasmenhaengenden Systematik, als auch an methodischen
Hilfsmitteln. Es gibt weder eine Terminologie, noch herrscht üebereinstimmung
ueber die verschiedenen BegriffSysteme. Solange solch eine Grundlage noch nicht
entwickelt i s t , fehlt das Fundament, auf dem sich eine besondere Fakultaet fuer
das Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen aufbauen Hessen. Angesichts
des Fehlens einer strengen Untersuchungsmethode und eines Begriffsystems besteht
nur geringe Aussicht darauf, dass den Studenten ein Gefuehl fuer klares Denken
und fuer die Achtung vor den wissenschaftlichen Tatsachen beigebracht und dass
bei ihnen eine Neigung zum selbstaendigen Forschen entwickelt werden kann. Die
Ausbildung in einem alteingefuehrten Lehrfach, wenn es auch nur teilweise auf
unseren Gegenstand Bezug hat, kann fuer die Ausbildung der Studenten von grösserem
Nutzen sein als ein umfassendes Studium der Fragen der Arbeitgeber-Arbeit nehmer Beziehungen, solange diesen noch eine strenge Systematik abgeht.
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�3. Die Spezialgebiete innerhalb des Komplexes der Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen erfordern Menaohen mit umfassmnder Ausbildung. Das Ideal waere, wenn
s i e ein eingehendes Verstaendnis fuer eine ganze Reihe von Wissensgebieten, wie
Volkswirtschaftslehre, Rechte- und Verwaltungswissenschaft, Psychologie und Soziologie besaessen. Darueber hinaus s o l l t e n sie sich In allgemeinen Verwaltungsfragen,
in der Wirtschaftstheorie, in der S t a t i s t i k und in Gruppentestmethoden, usw. auskennen. Das Feld der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen bedarf der Mitarbeit
fuehrender Persoenliohkeiten auf den rerschiedensten Gebieten bei der Loesung
der in seinen Bereich fallenden Probleme."
(Zeltschrift fuer Gesellschaftslehre im Unterricht, April 1%7)
WH PRÜEFT DER DISKÜSSIOHSLETJER SICH SELBST,
An der Universitaet Chicago gibt es einen Kursus fuer die Ausbildung von
Gewerksehaftsfuehrern. Im Zusammenhang mit diesem Kursus hat die UniTersltaet
kuerzlioh eine Anleitung fuer Diskussionsleiter herausgegeben, deren Zweck es i s t ,
den Leitern der Aussprachegruppen bei der Vervollkommnung ihrer Methoden der
Diskussionsfuehrung behilflich zu s e i n . Das Buch s c h l i e s s t mit einer Rolhe von
Pruefungsfragen, die es dem Gruppenlei ter ermoeglichen sollen, selbst zu bestimmen,
ob seine Arbelt ron Erfolg gekroent war. Das Pruefungsschema traegt den Titel;
Nachpruefnng der Ergebnisse?
"Nach Abschluss des ganzen Kursus werden Sie wahrscheinlich erfahren wollen,
ob er seinen Zweck erfuellt hat. Die Beantwortung dieser Frage i s t jedoch sehr
schwierig, solange Sie noch nicht wissen, was aus den Kursustellnehmern nach e i nigen Monaten geworden i s t , und bevor Sie sich davon ueberzeugen koennen, ob Sie
tatkraeftigere und verstaendnisvollere Funktlonaere und neue Fuehrer ausgebildet
haben."
Selbst dann mag e s noch schwierig sein f e s t z u s t e l l e n , in welchem Masse dies
dem Diskussionskursus a l s solchem zugeschrieben werden kann. Sicherlich haben
Sie das Beduerfnis, sich selbst zu pruefen, damit Sie das naeohste Mal einen besseren Kursus abhalten koennen«
Hier nennen wir Ihnen einige Gesichtspunkte, die Ihnen Klarheit darüber verschaffen koennen, ob Ihr Kursus erfolgreich war;
1. Besucherzahl«
Die Zahl der Teilnehmer bildet einen Pruefstein fuer den Erfolg ihres Kursus.
Wenn sich die Diskussionsgruppe nicht verkleinert, so i s t das ein Beweis fuer das
vorhandene Interesse. Wenn Teilnehmer Ihrer Gruppe darum ersuchen, Bekannte mitbringen zu duerfen, dann koennen Sie ueberzeugt sein, dass ihnen der Kursus
Freude macht.
2 . Aktive Teilnahme
Wenn fast jedes Mitglied Ihrer Gruppe sich an der Diskussion b e t e i l i g t ,
Vorschlaege macht oder Benerkungen zum Thema beisteuert, dann haben Sie einen
grossen Teil Ihrer Aufgabe als Diskussionsleiter e r f u e l l t . Es mag Ihnen nicht
gelingen, jeden Einzelnen zur Teilnahme an der Diskussion zu gewinnen, denn gar
viele sind nur zum Zuhoeren bereit. Oft denken indessen die Schweigsamen genau
so v i e l nach wie die, die reden. Auf jeden Fall i s t der Umstand, dass sich die
meisten Angehoerlgen Ihrer Gruppe aktiv beteiligen, einer der wichtigsten Beweise
fuer I^ren Erfolg als Diskussionsleiter.
3. Das Festhalten am Thema
Blieben Ihre Diskussionen, einigermassen im Rahmen der in den Leitfaeden behandelten Themen, oder schweiften sie so z i e l l o s von einem Gegenstand zum anderen,
dass die Gruppe in Verwirrung geriet. Wenn es Ihnen gelang, am Thema festzuhalten,
und wenn die Gruppe zu einigermassen schlnessigen Ergebnissen kam, dann haben Sie
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�schon einen Teil Ihrer Aufgabe e r s t e l l t .
4. Zusanmengehoerigkeltsgefnehl der Gruppe und Achtang Tor der Meinung
des anderen
Brachten die einzelneu, M I U B M T der Gruppe waehrend der Diskussion den Anschauungen der anderen Verstaendnis und Achtung entgegen. Gab es wirklich einen
gegenseitigen Meinungsaustausch. Fuehlte sich die Gruppe als solche und handelte
s i e entsprechend, oder war s i e nur eine Ansejsmlung unterschiedlicher, zusanmengewuerfelter Individuen, die zufaellig im gleichen Raum zusammenkamen. Wenn es
Ihnen gelang, dieses Gruppengefuehl zu wecken, so Ist das ein sehr wichtiges Anzeichen dafuer, dass Sie auf dem richtigen Wege waren.
5. Haltung dem Leiter gegenueber
Hatten die Teilnehmer der Gruppe das Gefuehl, dass s i e die Antworten auf ihre
Fragen nur von Ihnen bekaemen. Hatten sie das Empfinden, dass Sie der "Herr"
waren und dass das l e t z t e Wort s t e t s bei Ihnen lag. Oder waren die Teilnehmer
davon ueberzeugt, dass sie wenigstens einige Fragen beantworten konnten und dass
Sie s e l b s t "nur einer der ihren" waren und nicht ein Aussenstehender, der sieh von
ihnen unterschied und sich klueger duenkte. Wenn Sie in den vorher erwaehnteh
Punkten erfolgreich waren, einer "ron der Gruppe" blieben und nicht zum "Boss"
wurden, dann haben Sie wirklich gute Arbeit g e l e i s t e t .
6. Sonstige Haltung der Gruppe
Wenn Sie in den Ansichten Ihrer Gruppe (was sagen s i e , was erzaehlen sie den
anderen draussen, was tun s i e . ) hinsichtlich der folgenden Punkte eine Aendexung
f e s t s t e l l e n koennen, dann haben Sie Resultate zu verzeichnen:
a) Die Gruppe zeigt besseres Verstaendnis fuer die Gewerkschaft.
b) Der Einzelne hat ein staerkeres Gefuehl der Zugehoerigkeit zur Gewerkschaft.
c) Die Mitglieder der Gruppe sind gruendlicher tteber Dinge informiert, die
ihnen die Arbeit erleichtern koennen.
d) Das Interesse der Gruppenmitglieder, in Gewerkschafts- und Gemeinscbaftsangelegenheiten aktiv mitzuwirken, hat sich erheblich verstaerkt.
e) Die Mitglieder sind nicht mehr so geneigt, vorschnell zu urteilen und
anderen Leuten gegenueber ihre Voreingenommenheit zu zeigen.
7 . I n t e r e s s e am Erwerb und B e s i t z von Kenntnissen
Es muss s c h l i e s s l i c h auch noch f e s t g e s t e l l t werden, ob der Kursus das Verlangen der Gruppe nach eingehender Unterrichtung, Kenntnissen und Tatsachenmaterial
wirkungsvoll b e e i n f l u s s t hat. Machen die Teilnehmer Forschlaege fuer w e i t e r e
Diskussionen oder Kurse. Fragen S i e , wo s i e Buecher oder Denkschriften erhalten
koennen. Zeigen s i e I n t e r e s s e fuer d i e Benutzung der o e r t l i e h e n B i b l i o t h e k e n .
Sprechen s i e mit ihren Freunden innerhalb oder ausserhalb der Gewerkschaft ueber
das Unterrichtsprogramm. Dies sind e i n i g e der Fragen, durch deren Beantwortung
S i e s i c h darüber Rechenschaft ablegen koennen, ob S i e i n Ihrer Gruppe w i r k l i c h
den Wunsch nach Erwerb und B e s i t z von Kenntnissen geweckt haben.
Aus; Anleitung fuer Diskussionsredner, herausgegeben von der U n i v e r s i t a e t Chicago.
ARBEITGEBER - ARBEITKEHMERBEZIEHUNGEN UND
GESELLSCHAFTSLEHRE
Nach Professor Hilda M. Watters i s t Zweck der

Erziehung, "dem S t a a t s b ü r g e r

das Ruestzsug mitzugeben, um Im Leben eine l e i t e n d e S t e l l e oder d i e e i n e s A r b e i t nehmers einzunehmen."

Ein w e i t e r e r Erziehungszweck b e s t e h t darin, die Menschen

so zu formen, dass s i e imstande sind, e i n t r a e c h t i g miteinander zu leben und zu
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�arbeiten« Tram m*. Watters i s t Inhaberin des Lehrstuhls fuer Sozialwissenschaft
am Western I l l i n o i s State Teachers College. Aus ihrem Aufsatz ueber die g e s e l l schaftliche Bedeutung der Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen s e i hier die f o l gende S t e l l e zitiert*
"Das Problem der Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen i s t kein neues. Es
i s t jedoch fuer den inneren Frieden und das Allgemeinwohl der Nation ron ausschlaggebender Bedeutung. In dem Hasse, in dem sich unser Leben in der Gesellschaft
immer mehr kompliziert, wird jeder Einzelne immer staerker von den zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschuft bestehenden Beziehungen betroffen.
Logischerweise gehoert dieses Thema zum Lehrgegenstand von Kursen in Gesellschaftskunde. In frueheren Jahren Ist e s allerdings in ziemlich alfeemeiner Welse
im Unterricht ueber die Geschichte der Vereinigten Staaten und im Lehrgang ueber
Probleme der Demokratie behandelt worden. Erst in den letzten drei oder Tier
Jahren, nachdem die Frage der erwaehnten Beziehungen eine so wesentliche fuer das
Leben in unserem Lande geworden i s t , sind sich die Erzieher der Tatsache bewusst
geworden, dass diese Frage es verdient, in der Schule in wohlueberlegter und angemessener Weise behandelt zu werden. So betonten auch einige in Fachzeitschriften
erschienene Abhandlungen, dass die Schulen der Behandlung der Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen groessere Beachtung schenken muessten. Waehrend es noch vor
wenigen Jahren kein fuer Schulzwecke geschriebenes Unterrichtsmaterial ueber den
Gegenstand gab, sind nunmehr ein paar Schriften erschienen, die sich mit ihm befassen. Ausserdem sind kuerzlich einige Staaten und Staedte dazu uebergegangen
neue Lehrpiaene ueber Gesellschaftskunde aufzustellen, die als ^ehrgegenstand auch
die Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen einschliessen. All dies sind hoffnungsvolle Ansaetze, die zeigen, dass wir imner klarer erkennen, was unsere zukuenftigen
Mitbuerger als Mitglieder der Gesellschaft wissen muessen.
Was also kann die Klasse im gesellschaftskundlichen Unterricht mit dem erwaehnten Lehrgegen stand anfangen, und wie i s t er am besten anzupacken. Zunaechst
einmal bietet der Unterricht in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Entwicklung des Problems im Verlauf unserer Geschichte
aufzuzeigen und darzustellen, welche Wirkung die Ausbreitung der Gros sunt ernennen
und der organisierten Arbeitnehmerschaft auf unsere Gesellschaftsordnung hatte.
Bei dieser Gelegenheit s o l l nicht unerwähnt bleiben, dass nur wenige Geschichtslehrer mehr zu geben pflegen a l s eine chronologische Aufzaehlung von Ereignissen.
Dadurch begeben s i e sich der Moeglichkei t, dem Schueler zu zeigen, wie man Tatsachenmaterial unter einem bestimmten Gesichtspunkt zusainnantraegt, und zwar so,
dass er ein einigermassen umfassendes Verständnis des Gegenstandes gewinnt. Die
meisten Geschichtsbuecher enthalten - dies i s t an sich lobenswert * eine chronologische Schilderung des historischen Geschehens. Aufgabe des Lehrers i s t es,
den Unterricht in der Klasse so zu gestalten, dass seine Schuler den Lehrgegenstand unter bestimmten Gesichtspunkten einordnen koennen. Auf diese Weise werden
dem Schuler die zu behandelnden Probleme auf zwei verschiedenen Vegen naehergebracht, was ihm dazu verhelfen wird, zusammengehoerige Geschehnisse miteinander
in Verbindung zu bringen.
Sodann muesste der Lehrgang ueber Probleme der Demokratie einen betraechtliehen Teil der Lehrzeit, moeglichst ein Drittel, der Behandlung des Problems der
Arbeitgeber- Arbeitnehraerbeziehungen widmen, denn mit keinem anderen Problem als
diesem wird der Schueler nach Verlassen der Schule in so v i e l f a e l t i g e r 7/eise in
Beruehrung kommen. Als aktives Mitglied der Gemeinschaft wird er sehr wahrscheinl i c h in irgend einer Form, entweder a l s Lohn- oder Gehalt sempfa eng er oder als sain
eigener Herr eine Taetigkeit ausueben. Ganz gleichgueltig, ob er als Arbeitnehmer
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�oder Arbeitgeber oder auch nur a l s Verbraucher an unserem Gemeinschaftsleben t e i l nimmt, er muss b i s zu einem gewissen Grade ueber das Verhaeltnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern u n t e r r i c h t e t sein.
S c h l i e s s l i c h kann ein Lehrgang in Gesellschaftskunde von allem auf dem hier
interessierenden Gebiet verfuegbaren aktuellen Material Gebrauch machen. Sehr
v i e l e Lehrer der GeseLLsehaftskunde schliessen in ihren Lehrplan auch die Behandlung von Zeitgeschehnissen e i n . Eine g r o s s a r t i g e Gelegenheit, seine Stunden
i n t e r e s s a n t zu g e s t a l t e n , b i e t e t sich dem Lehrer, der im Zusammenhang mit a k t u e l len Ereignissen das Verhaeltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer behandelt.
Viele Lehrer vermeiden zwar diesen Diskussionsgegenstand, weil er oft umstrittener
Natur oder zu schwierig i s t und darum sowohl von seiner Seite wie der des Schuelers
zusaetzliche Vorbereitungsarbeit e r f o r d e r t . Eine sorgfaeltige Untersuchung der
Probleme duerfte aber im I n t e r e s s e der oeffentlichen Meinungsbildung aufklaerend
wirken. Eben der Umstand, dass das Thema stark umstritten i s t , wird die Schüler
mehr aufhorchen l a s s e n . Es darf jedoch nicht der Versuch gemacht werden, die
Schueler fuer oder gegen die Arbeitnehmer oder Unternehmer einzunehmen. Jeder
Streitpunkt muas eingehend von a l l e n Seiten untersucht werden, und f a l l s beabsicht i g t wird, Schlussfolgerungen zu ziehen, so s o l l t e man dies den Schuelern ueberl a s s e n . Der Zweck des Unterrichts besteht nicht darin, eine Schulklasse ein bestimmtes Problem loesen zu lassen, sondern sie dazu zu bringen, es unter a l l e n
Gesichtspunkten zu verstehen.
Z e i t s c h r i f t fuer Gesellschaftslehre
im Unterricht, April 1947
DIE AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
UND DAS TAYLORSYSTEM
Clinton S. Golden, der Berater in Arbeiterangelegenheiten bei der Verwaltung
i'uer w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit (ECA), e r k l a e r t e am 3 . Juni in Paris vor dem
3 . Kongress fuer I n t e r n a t i o n a l e Forschung auf dem Gebiete des S o z i a l - und Arbeitslebens, dass die demokratischen Voeltoer an einem "Kreuzweg der Entscheidung"
stehen.
Golden sagte, dass die Grundsaetze der Rationalisierung, die frueher nur
fuer das Gebiet der Massenproduktion gegolten haben, j e t z t auch eine aeusserst
bedeutungsvolle Rolle im Gebiet der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern spielen. Er sprach vom Taylorsystem, einer Bezeifihnung, die in den Vereinigten Staaten auf wissenschaftliche Betriebsfuehrung angewandt wird. Dieses
System i s t nach Frederick Taylor benannt, einem der bahnbrechenden amerikanischen
Industrie-Ingenieure. Sein ganzes Gedankengut, das Taylorsystem, wurde von den
amerikanischen I n d u s t r i e l l e n aufgenommen, von den Gewerkschaften aber heftig bekaempft. Heute a l l e r d i n g s haben v i e l e amerikanische Gewerkschaften ihre Einstellung geaendert. Sie sind Anhaenger des Taylorsysteras geworden, aber nur fuer
ihre Zweake.
Golden, der s e l b s t jahrelang in der Stahlarbeitergewerkschaft a k t i v t a e t i g
war, e r k l a e r t e , wie diese Wandlung zustande kam und welche Bedeutung die Lehren
Taylors fuer die amerikanischen Gewerkschaften haben. Golden war einer der ersten
amerikanischen Arbeiterfuehrer, der erkannte, dass Gewerkschaften wie Unternehmer
die von Frederick Taylor vertretenen Grundsaetze nutzbringend zur Anwendung bringen
koennen. Wegen Raummangel koennen hier nur die wichtigsten Punkte der Ansprache
Goldens wiedergegeben werden;
Zusammenarbeit zwischen Arbeiterschaft und Unternehmern
"In den zwanziger Jahren entstand eine Bewegung, d i e man "Zusanmenarbeit
zwischen Gewerkschaften und Unternehmertum" nannte. Sie begann waehrend des ersten
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�Weltkrieges im s t a a t l i c h e n Zeugamt in Rock Island in I l l i n o i s . Spaeter wurde sie
auch bei der Eisenbahn, in Maschinenwerkstaetten und in anderen Industriezweigen
versuchsweise von verschiedenen i n t e r e s s i e r t e n Gewerkschaften eingefuehrt, die
danach t r a c h t e t e n , bessere Beziehungen und engere Zusanmenarbeit mit den Unternehmern zu entwickeln. Die Versuche waren erfolgreich
Als die Vereinigten Staaten in den zweiten l e l t k r i e g e i n t r a t e n , hatten sich
einige Gesichtspunkte und Phasen wissenschaftlicher Betriebsfuehrung nach b e stimmten Richtungen hin entwickelt. Im wesentlichen handelte es s i c h um Z e i t und Bewegungsuntersuchungen. Die Entwicklung wurde jedoch ueberschattet von einer
starken, Immer mehr wachsenden Bewegung innerhalb der Gewerkschaft, die an dem
Grundsatz f e s t h i e l t , dass eine Wissenschaft, die nicht den Arbeiter a l s Menschen
beruecksichtige, den Namen "Wissenschaft" nicht verdiene. Einige amerikanische
Gewerkschaften hatten technische und Forschungsabteilungen e i n g e r i c h t e t , welche
die Unternehmer in Fragen der Erzeugung und Verteilung b e r i e t e n . Fuer ein Krieg
fuehrendes Land war eine dauernde Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern
von grundsaetzlicher Bedeutung. Unter s t a a t l i c h e r Fuehrung wurden ueber 4,000
Ausschuesse aus Vertretern der Arbeiterschaft und des Unternehmertums gebildet, die
den Zweck hatten, die Kriegsproduktion zu steigern und Arbeitsstoerungen und Streiks
einzuschraenken. Hierbei zeigte es sich, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber gut
zusammenarbeiten konnten. Noetig war l e d i g l i c h , dass der Wille zur friedlichen
Zusammenarbeit vorhanden war, und dass durch die Abhaltung von Besprechungen der
geeignete Apparat geschaffen wurde, um Ursachen von Stoerungen zu untersuchen und
s i e auf friedlichem Wege zu regeln
Nicht a l l e waehrend des Krieges taetigen
Ausschuesse blieben auch weiterhin bestehen. Was jedoch b l i e b , war eine Reihe
erfolgreich abgeschlossener Versuche."
Unternehmer s t e l l e n Untersuchungen an
Wie Golden ausfuehrte, erwog nach de» Kriege eine Gruppe l e i t e n d e r Arbeiterfuehrer, Unternehmer und Staatsbeamter einen Plan, die Verhaeltnisse in einigen
Industrien, in denen d i e Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern
von Erfolg b e g l e i t e t war, einer naeheren Pruefung zu unterziehen. Die Mittel
zur Durchfuehrung des Planes wurden von p r i v a t e r Seite, und zwar von der Greenwood Stiftung, zur Verfuegung g e s t e l l t . Die Untersuchung wurde von einem Ausschuss g e l e i t e t , der 15 Industrieunternehmen auswaehlte, in denen die "Ursachen
des Arbeitsfriedens" untersucht werden s o l l t e n . Die Arbeiten s e l b s t wurden mit
Unterstuetzung des Nationalen Planungsverbandes durchgefuehrt."
"Wenn auch nur ungefaehr die Haelf te dieser 15 Untersuchungen zum Abs&lt;Jhloas
gebracht worden i s t , so lassen s i c h doch gewisse feststehende Tatsachen erkennen
und Folgerungen schliessen. Ich g r e i f e aufs Geratewohl die folgenden heraus;
(a) Anerkennung der Gewerkschaften» Zwischen der widerwilligen und f r e i willigen Anerkennung der Gewerkschaften seitens der Industrie und des Unternehmerturas besteht e i n grundsaetzlicher Unterschied. Ich moechte in diesem Zusammenhang die Ausführungen Frederick Taylors ueber die wissenschaftliche Betriebsfuehrung zitieren«
'Ihrem Wesen nach bedeutet d i e wissenschaftliche Betriebsfuehrung eine v o l l kommene g e i s t i g e Revolution der in einem Betrieb oder einer I n d u s t r i e beschaeft i g t e n Arbeiter h i n s i c h t l i c h ihrer Arbeit und i h r e r Pflichten gegenueber ihren
Mitarbeitern und Arbeitgebern. In gleichem Masse bedeutet sie aber auch eine v o l l kommene g e i s t i g e Revolution der auf der Arbeltgeberseite stehenden Personen, d.h.
der Werkmeister, Betriebsvorgesetzten, BetriebsInhaber und des Direktoriums hins i c h t l i c h ihrer Pflichten gegenueber ihren Mitarbeitern in der Betriebsfuehrung,

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�gegenueber ihrer Belegschaft und bezueglich all ihrer taeglichen Probleme.
Ohne diese vollkommene geistige Revolution auf beiden Seiten gibt es keine wissenschaftliche Betriebsfuehrung.'
Das Wesen der wissenschaftlichen Betriebsfuehrung besteht gerade darin»
die alten Methoden durch diese neue Betrachtungsweise, diese neuen Gesichtspunkte zu ersetzen. Es kann keine wissenschaftliche Betriebsfuehrung geben, solange nicht dieser Gedanke das Gemeingut beider Parteien geworden ist, solange
nicht die neue Idee der Zusammenarbeit-und des Friedens an die Stelle der alten
ton Zwietracht und Streit getreten ist.
(b) Ein patriarchalisches Verhaeltnis
zwischen Arbeitgeber und
Arbeiter bringt nicht notwendigerweise Arbeitsfrieden mit sich oder steigert die
Erzeugung.
(c) Das Nichtvorhandensein von Streitigkeiten ist nicht immer ein Anzeichen
dafuer, dass konstruktive oder gesunde Beziehungen bestehen.
(d) Der Arbeitsfrleden kann nicht durch beschwichtigende Massnahmen oder
unwirtschaftliche Konzessionen erkauft werden.
(•) Offener Zugang? Die ungehinderte Verbindung zwischen dem Inhaber und
der Betriebsleitung auf der einen Seite und der gewerkschaftlich organisierten
Arbeiterschaft ist eine zwingende Notwendigkeit.
(f) leine Einheitlichkeit« Die verschiedenen Untersuchungen erweisen,
dass die Art und das Wesen der gegenseitigen Beziehungen keineswegs ueberall
gleich sind*
(g) Klarheit in den Beziehungen; Wie auch immer die gegenseitigen friedlichen Beziehungen gestaltet sein moegen, sie muessen immer auf der Anerkennung und
dem Verstaendnls der beiden Parteien obliegenden Aufgaben und Verantwortlichkeiten beruhen. Beiden Parteien liegt es ob, fuer ihr Verhaeltnis Achtung und
Vertrauen aufzubringen. Eine solche Haltung hat natuerlioh Bedeutung fuer das,
was wir Demokratie nennen. Demokratie naemlich verlangt Achtung vor der Würde
des einzelnen Arbeiters«
(h) Kein Wunsch nach Sozlallaierung» Bis heute liegen keine Anzeichen
dafuer vor, dass eine nennenswerte Zahl von Arbeitern, Gewerkschaftsfunktionaeren und Gewerkschaftsfuehrern der Ansicht ist, dass eine Sozialisierung der
Industrie bessere Arbeitsbedingungen oder ein groesseres Mass sozialen Wohlergehens mit sich bringen wuerde als es im Rahmen der Privatwirtschaft moeglich ist.
Dies trifft nicht notwendigerweise auf solche ein ganzes Gebiet umfassende Unternehmen zu, die von der Bundesregierung ins Leben gerufen wurden und von ihr geleitet werden, wie z.B. die "Tennessee Valley Authorlty" (Tennessee-StromtalPro je et)*
Rechte der Arbeitnehmer und Arbeitgeber
In den Vereinigten Staaten hatte der Arbeitgeber urspruenglich alle Rechte
und die Gewerkschaften wenige oder gar keine. Mit der wachsenden Zahl ihrer Mitglieder und der Ausdehnung ihres Interessengebietes griffen die Gewerkschaften
zweifellos auch auf das Gebiet ueber-, das der Unternehmer seiner ausschliesslichen Betaetigung vorbehalten hatte. Unsere Untersuchungen beweisen, dass hier
ein Ausgleich stattfand, der die Betriebsfuehrung in ihrer Betaetigung eher unterstuetzte als behinderte. In keinem der in die Untersuchung einbezogenen Betriebe
konnte ein Streik oder sonstige bedrohlichen Momente im Zusammenhang mit einem
Eingriff in die Vorrechte des Unternehmers festgestellt werden.
Wir haben ebenfalls festgestellt, dass die Methoden fuer Kollektiwerhandlungen, wie sie von Handwerksbetrieben, geschaeftllohen Unternehmen, Industrien
lokaler oder regionaler Art, angewandt werden, einander gleichwertig sind. Unter
bestimmten Bedingungen ist jede Methode gleich gut anwendbar. Unsere Untersuchungen zeigen, dass Arbeitsfrieden dort erreicht werden kann, wo

-15-

die Betriebe und

�die Gewerkschaften auf Gebieten zusammenarbeiten, auf denen sie gemeinsame
Interessen haben, ferner dort, wo sie In verstaendnisvoller Welse Kompromisse
schllessen, wenn ihre Interessen einander zuwiderlaufen. Es scheint - und das
ist von grosser Bedeutung fuer die Veit -, dass das Gebiet, auf dem Arbeitnehmer
und Arbeitgeber gemeinsame Interessen haben, groesser ist als dasjenige, auf
dem Konfliktsstoffe bestehen.
Ich kann Ihnen berichten, dass der beratende Ausschuss sehr befriedigt
ron der Art und Weise war, mit der diese ersten Untersuchungen aufgenommen worden sind. In gewisser Beziehung haben dieselben in der oeffentllehen Meinung eine
sympatische Reaktion ausgeloest, und sie sind euch im Auslande bekannt geworden."
"Arbeitsmitteilungen der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit" 3. Juni 1949
- 16-

Manpower Division

OFFICIAL

OMGÜS, AFO 742

lilhographvd by

OMOUS, 9-1870, iAto,

J a n . U9. 8 3/U C

�International«

ÄRBEITSMITTEILUHGEN
Di« (olgenden Artikel stellen Auszüge an* der amerikanischen Presse und anderen Quellen d u und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese nach einzelnen Interessenten direkt durch die Poet zugeleitet
Der Inkalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nickt als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 18

Berlin, 24. Juni 1949
INHALTSVERZEICHNIS

Die Kommunisten moeohten die ILO aendern
—
Auf dem Wage zur Einheit der demokratischen Arbeiterschaft
Die europaeisohe Arbeiterschaft t r i f f t ihre Wahl
Wir bauen die Zivilisation auf
Die Qewerksohaftsaekretarlate —
Bari cht ueber das Europabuero der AFL —
Sine Mahnung an die Qeseheeftswelt
Das Arbeitslosen-Problem in Italien
Hohe Arbeitslosenziffern in I t a l i e n
Der Hollaendische Ausseht»s fuer Arbeitsfragen
Ansichten griechischer Gewerkschaftler ueber Amerika
Die Kaufkraft in Ungarn und Frankreich
Die Kaufkraft in Estland
Zinnarbeiter streik in Bolivien
Sozialpolitik der Regierung von Israeli
Die Gewerkschaft bei Ford unterwirft sich dem Schiedsverfahren —
- Kurzberichte aus der Welt der amerikanischen Arbeiterschaft
Entweder Leistungen oder
- —
Die struppigen Beerte sind schuld
Die amerikanischen Gewerkschaften diskutieren
ueber die unterschiedliche Behandlung —
Die Manpower Division schickt 56 Experten auf dem Gebiete
des Arbeltswesens zu Stadien zwecken nach den U.S.

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DIE KOafiDNISTSN IPEOTOsf PIK ILO ABNDEnN
Als die Internationale Organisation fuer Arbeit sfragen( ILO) gegruend et wurde, war s e i tens der beteiligten Kationen beschlossen worden, dass jedes Land in gleicher Weise
durch Delegierte der Arbeiterschaft, der Arbeitergeber und der Regierung vertreten
sein s o l l . Die von den Kommunisten vertretenen Laender versuchen j e t z t , diese Einrichtung zu aendern. Bei der Eroeffnung der 32. Jahreskonferenz der ILO in Genf am
8. Juni brachten die Delegationen Polens und der Tschechoslowakei eine Resolution ein,
der zufolge nur Vertreter der Arbeiterschaft der Organisationen angehoeren s o l l e n . Es
sieht aber so aus, a l s wenn nur wenig Aussichten fuer die Annahme dieser Resolution
bestehen, da die meisten Nationen, die der ILO angehoeren, mit der augenblicklich bestehenden Einrichtung zufrieden sind.
"New York Herald Tribüne1' (Paris) 9. Juni 1949
-

1

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�AUF DKM WEGE ZUR EINHEIT DER DEMOKRATISCHEN
ARBEITERSCHAFT
Noch vor Ende dieses Moaata wird die erste Versammlung der Vorbereitenden
Internationalen Gewerkschaftskonferenz zusammengetreten sein, und alle Anzeichen
deuten darauf hin, dass die Beratungen einen erspriessuchen Abschluss finden werden. Die Konferenz ist natuerlich eine unvermeidliche Konsequenz aus dem Austritt
der Zentralstellen der Freien Gewerkschaften aus dem Weltgewerkschaftsbund (WFTU).
Es wird ihre Aufgabe sein, den Grundstein fuer eine neue demokratische Gewerkschaftsinternationale zu legen, deren Gruendung unter den bestehenden Verhaeltnissen eine
unumgaengliche Notwendigkeit darstellt, die ausser Frage steht.
An die Zentralstellen und Organisationen in allen Teilen der Welt, von denen
bekannt ist, dass sie an dieser Frage interessiert sind, sind Einladungen zu der
Konferenz ergangen. Andere Organisationen, die wahrscheinlich aus verschiedenen
Gruenden nicht in der Lage sind, Delegationen zu entsenden, sind auf dem Laufenden
gehalten worden. Es wurde beschlossen, an solche Organisationen, von denen bekannt
ist, dass sie unter kommunistischer Kontrolle stehen, keine Einladung ergehen lassen.
Jede beteiligte Organisation wird von nicht mehr is 2 Delegierten vertreten sein*
jeder Delegierte kann einen Beobachter mitbringen* Die Internationalen Gewerkschaftssekcetariate sind ebenfalls eingeladen worden, 3 Vertreter von der gesamten
Koerperschaft zu entsenden.
Vorbereitende Besprechungen
Die Versantulung wird am 25. und 26. Juni in Genf abgehalten werden, und Zeitpunkt wie auch Ort sind in Anbetracht der Tatsache ausgewaehlt worden, dass sich zu
dieser Zeit die Vertreter vieler nationalen Gewerkschaftszentralstellen wegen der
Arbeiten der Internationalen Organisation fuer Arbeltsfragen (ILO) in Genf aufhalten. Da die Konferenz lediglich vorbereitenden und beratenden Charakter haben
wird, werden die daran teilnehmenden Zentralstellen in keiner Weise irgendwie Verpflichtungen uebernehmen.
Trotzdem kann man vernuenftigerweise im voraus bereits annehmen, dass das
Ergebnis der Versammlung etwas mehr sein als nur eine oeffentliche Behandlung
bzw. Darstellung der akademischen Ansichten ueber die Lage des internationalen
Gewerkschaftswesens. Die dringende Notwendigkeit zur Schaffung einer neuen Gewerkschaftsinternationale wird von der AFL in ihrem laufenden Informationsblatt
"International Free Trade Union News" in aller Freimuetigkeit zum Ausdruck gebracht, wo die Lage mit folgenden Worten beleuchtet wird«
"Als sich der Britische Gewerkschaftsbund, der CIO und der Hollaendische Gewerkschaftsbund schliesslich von dem vom Kominform kontrollierten Weltgewerkschaftsbund loesten, gaben sie damit das Signal fuer jede andere echte freie Gewerkschaftsorganisation, ebenfalls ihre Beziehungen zu dieser bolschewistischen Karikatur und
Verdrehung einer internationalen Arbeiterbewegung abzubrechen.
In dem Hasse , wie dieser Trennungsprozess fortschreitet, wird in den Reihen
der Arbeiterschaft der Welt ein Vakuum geschaffen. Die AFL kann nicht nachdruecklioh genug darauf hinweisen, dass dieses Vakuum von der organisierten Welteinheit
der freien Arbeiterschaft ausgefuellt werden muss. Schon die Kommunisten haben
versucht, dieses Vakuum auszufuellen und haben dadurch die Bedrohung der menschlichen Freiheit, des Wohlstandes des arbeitenden Volkes und des Friedens durch den
TotalitärIsmus verschaerft. Wir muessen eine echte, unverfaelsehte Weltorganisation der freien Gewerkschaften haben - eine Weltorganisation von Gewerkschaften,
die frei sind von aller Kontrolle seitens der Regierungen, frei von aller Beherrschung und allen Machenschaften seitens politischer Parteien und politischer Ideologien. "
"Der CIO, die zweitgroesste Gewerkschaftsorganisation in den Vereinigten
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2 -

�Staaten hat vor kurzem auf seiner Jahresversammlung eine Resolution gefasst, in
der formell der Austritt aus dem WFTU gebilligt wurde, und seinen Entschluss zum
Ausdruck gebracht, sich mit anderen Arbeitergruppen zusammenzuschliessen in dem
Bestreben, die Intemsen der freien Gewerkschaften in der ganzen Welt zu foerdern.
Groessere und freiere Gebiete
"Wir sind der Meinung," heisst in dieser Erklaerung, "dass es jetzt mehr denn
Jemals zuvor notwendig ist, dass zwischen den freien Voelkern enge Beziehungen
unterhalten bzw. aufrechterhalten werden muessen, und dass wir mit ehrlichen und
aufrichtigen Gewerkschaftsgruppen in anderen Laendern zusammenarbeiten muessen,
um die Gebiete in der Welt, wo ein.freier Zusaamenschluss der Arbeiter gestattet
ist, auszuweiten."
"Es ist sicher, dass binnen kurzem ziemlich bedeutende Austritte aus dem
WFTÜ erfolgen werden. Eine Anzahl nationaler Zentralstellen ist sich in diesem
Punkt bereits schluessig geworden. Darauf wird sicherlich die Billigung seitens
ihrer Jahreskongresse und Konferenzen folgen, und zwar angesichts der geistigen
Einstellung und Haltung, die die Hassen an den Tag legen, die die Mitgliederschaft
der demokratischen Gewerkschaften bilden.
"Die Bezeichnung Weltgewerkschaftsbund ist in Wirklichkeit zu einem Namensirrtum geworden. Seine Berechtigung, in dieser Eigenschaft zu sprechen, ist dahin;
sein Einfluss schwindet. Hier besteht in der Tat ein Vakuum, das notwendigerweise
ausgefuellt werdenrauss,und die Demokratie der arbeitenden Klassen kann es sich
nicht leisten, sich diese Gelegenheit entgehen zu lassen."
"Labour" Juni 1949
DIE EDROPAEISCHE ARBEITERSCHAFT TROTT IHRE WAHL
Der Nationale Bundesausschuss der "Force Ouvriere", des franzoesischen Gewerkschaftsbundes, der am 28. und 29. Mai zusammentrat, beschloss, sich an der Bildung
eines neuen demokratischen internationalen Gewerkschaftsbundes zu beteiligen, der den
von den Kommunisten beherrschten Weltgewerkschaftsbund (WFTU) ersetzen soll, und
sprach sich gegen jede gemeinsame Aktion zusammen mit den kommunistischen Arbeitergruppen aus. Der Ausschuss erklaerte erneut seine Bereitschaft, den Marshall-Plan
zu untersituetzen und bat, in hoeherem Masse in der franzoesischen Verwaltung fuer
die Wiederaufbau-Massnahmen beteiligt au werden.
Der franzoesische Allgemeine Verband der Vorarbeiter (CGC), der am 28. und
29. Mai zusammentrat, bestaetigte seine Aufnahme in die Gewerkschaftliche Beratende Arbeitsgemeinschaft (TÜAC) des Europaeischen Wiederaufbau-Programms (ueber die
der Rat der TÜAC zwei Tage zuvor abgestimmt hatte) und wurde somit eine Mitgliedsorganisation des Marsball-Plans. Die Aufnahme des CGC in die europaeische gewerkschaftliche Gemeinschaft ebnete fuer ihn den Eintritt in die Gewerkschaftliche
Beratende Koerperschaft, die am franzoesischen Wiederaufbau-Programm beteilig t
ist.
Am 29* Mai stimmte der Allgemeine Belgische Arbeiterverband auf einer ausserordentlichen Versammlung im Verhaeltnis 9:1 fuer den Austritt aus dem WFTU, und
zwar auf Grund der Tatsache, dass die kommunistischen Minderheiten Angriffe gegen
den Beschluss und gegen den Marshall-Plan gerichtet hatten.
Eine Woche
Jahreskonferenz
und hatte seine
Gruendung einer

vorher hatte sich der Norwegische Gewerkschaftsbund auf seiner
mit 300 gegen 16 Stimmen fuer den Austritt aus dem WFTU entschlossen
Funktionaere angewiesen, sich an Beratungen, zu beteiligen, die die
neuen internationalen Köerperschaft zum Ziel haben.

Auf einer Konferenz,die am 21* Mal zu Ende ging, sprach sich der Daenisohe
Gewerkschaftsbund fuer eine staendige Unterstuetzung des Marshall-Plans, fuer
volle Besohaeftigung, angemessene Loehne und den Austritt aus dem WFTU aus. Die
1000 Delegierten stimmten dafuer, den Verbandfunktionaeren die Notwendigen

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�Sohritte fuer ton Ansehluss an die neue Gewerksehaftsinternationale zu ueberlaasen.
Sie legten auch den ihnen angeschlossenen Gewerkschaften nahe, keine Beziehungen
weiterhin zum WFTU zu unterhalten."
"BOA Labor Information" 2. Juni 1949
WIR BAUM DIE ZIVILISATION AUF t
Charles 7. McOowan, der Praesident der Internationalen Vereinigung der Kesselschmiede (AFL) aeusserte sich -vor kurzem wie folgt«
Wir sind der Meinung, daas man den Interessen der Lohnempfaenger wie die de«
Volkes als Ganzes am bestem damit dient, daas man die Produktion steigert, sowohl
in der Qualitaet wie auch in der Qnantitaet, sowie durch angemessene Lohnnormen,
die den Arbeitern eine staendige Kaufkraft garantieren, wodurch fuer die Umgebung,
in der sie leben, hoehere nationale Normen geschaffen werden wie auch die Mittel,
dass sie sich der kulturellen Gelegenheiten erfreuen kommen, was als ihr unveraeusserliches Recht anzusehen ist. Wir wollen niemals Tergesaen, dass wir die
Zivilisation aufbauen. Die Grossartigkeit einer Zivilisation wird nfemala allein
nach dem Stande der Produktion pro Kopf gemessen. Sie wird zum Teil gemessen an
der Art und Qualltaet der Produktion und an dem wirtschaftlichen Wohlstand ihres
Volkes. Der richtige bzw. wirkliehe Masstab fuer eine Zivilisation ist die Art
von Menschen, die sie hervorbringt. Wir wollen es ganz glasklar herausstellen,
dass wir in der Geschaeftsleitung, in der Regierung und in der Fuehrerschaft der
Gewerkschaften in der Lage sind, die Torzaege bzw. Verdienste zu untershheiden und
zu ehren, Maengel anzuerkennen bzw. zu erkennen und ihre Abstellung zu forden,
und darauf zu bestehen, dass unsere Stimme bei der Gestaltung unseres Geschickes
gehoert wird."
"American Federationist" Mal 1 % 9
DIB GEWEHKSCBAFTSSEKRKTARIATE
"Die Gewerkschaftssekretariate sind Einrichtungen, die schon sehr lange
bestehen. In manchen Faellen bestanden sie schon frueher als die Zentralstellen
der allgemeinen internationalen Gewerksehaftsverbaende. Die meisten dieser internationalen Gewerkschaftssekretariate waren in Suropa organisiert, wo sich die
Industriewirtschaft zuerst entwickelte.. Unter den ersten befanden sieh diejenigen,
welche die Diamanten-Arbeiter, die Drucker, die Bergleute, die Tabakarbeiter und
die Textilarbeiter vertraten. Die Arbeiter in Europa gingen, wenn sie Arbelt
suchten, ganz bestimmten Kanaelen auf der Wanderschaft nach. Die Drucker hatten
eine Wandervorschrift, wie auch ein Kartenaustausch-System, das so alt «er wie
ihr Gewerbe selbst.
Der Handel zwischen den Laendern Europas und die Wanderschaft der Arbeiter
entwickelten die internationalen Aspekte der Förderung der Arbeiterwohlfahrt und
der Aufrechterhaltung von Arbeitsnormen. Die Notwendigkeit brachte die Exekutiven
der Gewerkschaften in den betreffenden Laendern einander naeher» so waren die
Gewerkschaftssekretariate staendig funktionierende Einrichtungen beim Aufbau
internationaler Arbeiterorganisationen.
Waehrend des Zweiten Weltkrieges wurden viele Gewerkschaftssekretariate zur
Untaetigkeit verurteilt. Hier war es der Internationale Transportarbeiter-Verband, der als Untergrundbewegung zur Linderung der Not der DPs und zur Hilfeleistung fuer die Arbeiter in den Widerstandsbewegungen und in den Freien Gewerkschaften diente. Die Geschichte seiner heldenhaften Untergrund-Ttetigkeit iwt
etwas, worauf die freien Arbeiter ueberall immer stolz sein werden.

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�Ja waren auch dl« Gewerkachaftasekretariate, die den Widerstand gegen die
kommunistische Fuehrerschaft in der internationalen Arbeiterschaft fuehrten, and
die sieh weigerten, dem Weltgewerkschaftsbund beizutreten, weil dieser ron den
Kommunisten beherrscht wird.
Sine Anzahl nationaler und internationaler Gewerkschaften der AFL ist den
Sekretariaten, zu denen sie zugelassen werden konnten, beigetreten. Diejenigen
aber, die am der Aufrecht erhalt ung ihres Charakters als freie Institutionen interessiert sind, sollten den geeigneten Gewerkschaftssekretariaten beitreten,
denn bei diesen Institutionen hat es sich erwiesen, dass sie der Weltarbeiterorganisation am Herzen liegen. Augenblicklich bestehen etwa 25 GewerkschaftsSekretariate. Diese demokratischen Arbeiterorganisationen koennen grossen Einfluss
darauf haben, den Charakter des naeehsten Weltarbelterbunles zu bestimmen."
"American Federet ionist" Hai 1949
BERICHT UBBBR DAS BÖBOPABOBBO DBB AFL
Buropakorrespondent fuer den AFL Nachrichtendienst Bruessel» Hunderte von Fuehrern
freier Gewerkschaften in Buropa schauen erwartungsvoll auf das Buropabuero der AFL
in Bruessel, Belgien, von dem sie Ermutigung, Bat und - zuweilen - Hilfe erwarten.
Am haeufigsten verlangen sie aber Nachrichtenmaterial ueber die amerikanische
Arbeiterschaft, das bisher nur in sehr beschraenktem Masse erhaeltlich war,
waehrend andererseits das Propagandamaterial ueber Bussland den Kontinent ueberschwemmte. Sie verlangen den "News Letter" (etwa* Nachrichtenblatt"), ein vervielfältigtes Informationsblatt, das hier vonder AFL herausgegeben wird, um daraus
Aufsaetze ueber typische amerikanische Gewerkschaftler, ueber statistische Angaben
zu den Loehnen und Preisen in den Vereinigten Staaten zu entnehmen.
Jeden Monat ergehen Dutzende von Aufforderungen an Irving Brown, den Buropavertreter der AFL, auf GewerkschaftsverSammlungen Reden zu halten. Er hat tatsaechlich in Jedem Lande Europas - mit Ausnahme Spaniens - gesprochen, und darueber
hinaus ist er von einer grossen Menge von Zeitungs- und Zeitungsverlegern hier gebeten worden, sie mit Artikeln ueber das Gewerkschaftswesen in Amerika zu versehen.
So schrieb z.B. ein Funktionaer des Finnischen Gewerkschaftsbundes• Auf Grund der Tatsache, dass der Schreiber dieses keine andere Verbindung
zur amerikanischen Gewerkschaftsbewegung unterhaelt, habe ich mir erlaubt, wegen
gewisser Informationen und Wuensche meinerseits an Sie heranzutreten
Ein Wortfuehrer des Griechischen Gewerkschaftsbundes schrieb; "Wir haben Gelegenheit gehabt, die von Ihnen herausgegebene Broschuere mit dem Titel "Die
amerikanischen Gewerkschaften und die internationalen Probleme" zu lesen und moechten Sie bei dieser Gelegenheit bitten, uns freundlicherweise Ihre Broschueren
zukommen zu lassen, damit wir die Entwicklung Ihrer Bewegung verfolgen koennen.
"Wir wuerden Ihnen auch dankbar sein, wenn Sie uns mitteilten, ob Sie uns
gestatten, dass wir die wichtigsten Abschnitte der erwaehnten Schrift uebersetzen
und veroöffentlichen lassen, damit sich eine groessere Anzahl griechischer Gewerkschaftler mit Ihren Gedanken vertraut machen kann....Es wuerde fuer uns auch eine
Ermutigung sein, wenn Sie uns ueber die-guten Absichten der amerikanischen Gewerkschaften Mitteilung machen wuerden, die darauf abzielen, die Lage der griechischen
Gewerkschaftsbewegung, international und europaelsch gesehen, zu verbessern."
Ein belgischer Rechtsanwalt schrieb;
"Wuerden Sie mir bitte den vollen Wortlaut der Botschaft des Praesidenten
Truman an die Jahresversammlung der AFL zusenden.....

�Der Generalsekretaer des Metallarbeiterverbandes, der der "Force Ouvri*re",
einem freien Gewerkschaftsbund, angeschlossen ist, schrieb an Hr. Brown, um ihm
fuer 6 Schreibmaschinen zu danken, "die uns die AFL zur Verfuegung gestellt hat."
"AFL Weekly News Service" 10. Mai 1949
EINE MAHNUNG AN DIE GESCHAEFTSWELT
Eric Johnston, der fruehere Fraesident der Amerikanischen Handelskammer*
der in der Februarausgabe der Zeitschrift "Fortune" Artikel veroeffentlicht, erklaerte, dass das Versagen der europaeischen Geschaeftsleute die Ursache des europaeischen Sozialismus sei. Der Kapitalismus hat nicht versagt, schreibt er,
sondern viele Kapitalisten haben im System der freien Unternehmen ihre Verantwortung vernachlaessigt. Er ist der Meinung, dass sich das amerikanische Geschaeft
in dieser Hinsicht auf dem Wege der Besserung befindet.
"Als amerikanischer Geschaeftsmann bin ich stolz auf das wachsende soziale
Empfinden innerhalb unserer Geschaeftswelt, ich bin mir aber auch darueber klar,
dass die amerikanische Geschaeftswelt fuer ihren Widerstand gegen die sozialwirtschaftlichen Reformen noch buessen muss. Wenn die Geschaeftswelt sich mehr
soziales Empfinden zu eigen macht, dann wird es auch weniger Sozialgesetzgebung
geben. Der Weg der Freiwilligkeit steht der Industrie offen* moege sie nun
ihrem Genie auf dem Gebiete der Erfindung und des Scharfsinns auf sozialem Gebiet
ebenso freien Lauf lassen, wie es auf technischem Gebiete der Fall ist. Technisch
gesehen« wir heizen eine neue Maschine kaum an, bevor wir die Zeichnungen eines
besseren Modells auf dem Zeichenbrett haben. Wir koennen - und wir muessen dasselbe mit unserem sozialen Denken tun.
Die grosse Frage, der sich heute die amerikanischen Geschaeftsleute gegenuebersehen, besteht darin, neue Wege zu finden, um die Vorteile des Kapitalismus
einer groesseren Anzahl Menschen zugute kommen zu lassen. Ich spreche hier nicht
davon, dass der Reichtum verteilt werden soll. Ich spreche davon, dass ein neuer
Reichtum geschaffen werden soll, der verteilt wird. Wenn wir daran ebenso wirksam
arbeiten wie fuer die Produktion und die Schaffung von Qualitaetsware, dann werden
wir die Vorteile unseres Systems verbreiten und das Vertrauen unseres ganzen Volkes
dazu ausweiten. Vielleicht koennen wir sogar den Europaeern neues Vertrauen vermitteln. Und die Bedrohung durch den Sozialismus wird mehr und mehr in die Ferne
gerueckt."
Aus "The Readerto Digest", Juni-Ausgabe 1%9
DAS ARBEITSLOSEN-PROBLEM IM ITALIEN
In Italien besteht ein Vier Jahres-Plan, der mit dem Europaeischen Wiederaufbau-Programm Im Zusammenhang steht. Der Hauptzweck dieses Planes besteht darin,
fuer die italienischen Arbeiter Stellung zu finden. Allerdings sind die Aussichten nicht ermutigend, wie aus einem Bericht hervorgeht, den die italienische
Delegation dem Staendigen Ausschuss fuer Umsiedlungsfragen bei der Internationalen
Organisation fuer Arbeitsfragen (ILO) unterbreitet hat.
"Der Vi er jahresplan erstreckt sich auf die Landwirtschaft, auf Fischereien,
Industrieproduktion, Bau- und Transportwesen, sowie auf oeffentliche Bauvorhaben,
die auf grosser Basis geplant sind. Die Durchfuehrung beruht auf einer Reihe von
Massnahmen, die die Finanz- und Geldpolitik, wie auch die Politik, die den internationalen Kredit und Handel bestimmt, betdfft.
"Der Hauptzweck der geplanten Massnahmen ist das Verschwinden der Arbeitslosigkeit und die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten. Es hat jedoch den Anschein,

- 6 -

�a l s wenn der erwartete Erfolg keineswegs eine vollstaendige Loesung des i t a l i e n i schen Arbeltsproblems darstellen wird. Man wird sich erinnern, dass sich bis
31. Dezember 1948 die Zahl der Arbeitssuchenden auf 1.930.436 belief, und dass
sich die italienische Bevoelkerung jaehrlich im Durchschnitt um 450.000 Menschen
vermehrt, einschliesslich einer Zahl von 292.000, die jaehrlich dazu bestimmt i s t ,
das Heer der Arbeitslosen zu vergroessern, was fuer die 4 Jahre des Plans insgesamt 1.163.000 Menschen bedeuten wuerde. Der Plan sieht fuer die Jahre 1952-1953
ein Ansteigen der Beschaeftigungsziffer vor, wovon 1.150.000 Menschen betroffen
werden wuerden - 25.000 in der Landwirtschaft, 425.000 in Industrie und Handwerk,
300.000 fuer Bauten und oeffentliche Arbeiten, sowie 400.000 fuer den Verwaltungsdienst, fuer Handel und Transportwesen, in dem Plan i s t auch die Auswanderung von
832.000 Menschen einschliesslich ihrer Familienmitglieder vorgesehen, und zwar
364.000 naoh europaeischen Laendern und 468.000 nach aussereuropaeischen Laendern.
Wenn man zu der Zahl von 1.930.'+36 Arbeitssuchenden, die am 31. Dezember 1948
beim Ministerium fuer Arbeit und Sozialfuersorge r e g i s t r i e r t waren, die 1.168.000
Arbeitssuchenden, die sich aus dem natuerlichen Ansteigen der Bevoelkerungsziffer
ergeben, hinzuzaehlt, hiervon aber die 1.982.000 Menschen, die im Lande und in
üebersee Arbeit finden wuerden, abzieht, dann ergibt sich daraus, dass in den
Jahren 1952-1953 die Arbeltslosenziffer ungefaehr 1.200.000 Menschen betragen
wird."
Industry and Latour" (ILO) 15. April 1949
HOHE ARBBITSLOSENZIFFERN IN ITATJTN
Nach Schaetzungen wird angenommen, dass etwa 3 Millionen Arbeiter in der i t a lienischen Industrie beschaeftlgt sind, andererseits gibt e s aber v i e l mehr Arbeiter
als Arbeitsplaetze. Die letzten Angaben die vom Ministerium fuer Arbeit und Sozialwohlfahrt ueber die Zahl der Arbeitssuchenden veroeffentlicht wurden, beziehen
sieh auf den Monat November 1948. Berichte aus anderen Quellen besagen, dase in
der Zwischenzeit auf dem Arbeitsmarkt eine Besserung eingetreten s e i .
Stellungsuchende in Italien - November 1948
Kategorie
Maenner
Frauen
Gesamt
._
1
2
3
4.
Qeaamt
Prozent

71,359

5.6

245,093
957.143
1.273.595
66.0

19.3
75.1
100.0

11,142
210,305
99,381
336.013
656.841
34.0

1.7
32,0
15.1
51.2
100.0

82,501
210,305
344,474
1.293.156
1.930.436
100.0

4.2
11.0
17.8
67.0
100.0

Schlueasel zu den einzelnen Kategorien
1 . Arbeiter, die sich zur Ruhe gesetzt haben und Pension beziehen, sowie
Beschaeftigte, die eine andere Stellung suchen.
2. Hausfrauen, die eine bezahlte Beschaeftigung suchen.
3 . Junge Menschen unter 21 Jehren und aus dem Heer entlassene Soldaten, die
zum ersten Mal Beschaeftigung suchen.
4 . Arbeitslose, die ihre fruehere Beschaeftigung verloren haben.
Zusammengestellt nach Tabellen in "Industry
and Labour" (ILO) 1. April 1949
DER HOLLÄNDISCHE AlBSCHDSS FOER ARBEITSFRAOBN
S e i t einigen Jahren haben sich die Beziehungen zwischen den Arbeitgeberund Arbeitnehmer-Organisationen in den Niederlanden in einer Weise entwickelt, die
-

7

-

�man wirklich als ausserordentlich guenstig ansehen kann, und die, moechten wir
sagen, fast in keinem anderen Teile der Welt ihresgleichen haben.
Die Tatsache, dass sich regelrechte Beziehungen langsam zwischen den organisierten Arbeitgebern und Arbeitern entwickelt haben, die sich zu Anfang ziemlich
feindlich gegenüberstanden, ist ein Phaenomen, das man mehr oder weniger in allen
westlichen Laendern beobachten kann, aber in den Niederlanden hat diese Entwicklung
einen sehr schnellen Verlauf genommen. Dort haben die fuehrenden Organisationen auf
beiden Seiten beschlossen, eine staendlge Einrichtungen, der Zusammenarbeit zu
gruenden, den sogenannten Ausschuss fuer Arbeitsfragen.
Das Ziel dieses Ausschusses besteht darin, "gute und bestaendige soziale
Beziehungen Im industriellen Leben Hollands auf der Basis gemeinsamer Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu gewaehrleisten." Durch Schaffung dieser
Eoerperschaft brachten die fuehrenden Personen in den Kreisen der Arbeitgeber und
der Arbeiter ihre üeberzeugung zum Ausdruck, dass sie hier ihre Faehigkeiten unter
Beweis stellen koennten, um durch freie Beratung zu einer Verstaendigung ueber die
grossen Arbeitsprobleme zu gelangen.
Die Erfahrungen, die in den 3 Jahren des Bestehens dieses Ausschusses gesammelt
wurden, haben die Erwartungen bestaetigt) in der gesamten Industrie wie auch in den
besonderen Industriezweigen, wo in mehreren von ihnen freiwillige kooperative
Organisationen gebildet wurden, sind konstruktive Gedanken, die sowohl fuer die
Arbeitgeber wie auch fuer die Arbeiter annehmbar waren, auf zahlreichen Tragen der
Sozialpolitik entwickelt worden.
Fuer die Regierung ist diese Entwicklung von grosser Bedeutung. Zum grossen
Teil ist es ihr zu verdanken, wenn die Zahl der industriellen Streitfaelle, die
sich waehrend der Nachkriegsjähre ergaben, nur klein geblieben Ist. Abgesehen davon
wird auch die lenkende Aufgabe der Regierung wesentlich erleichtert, wenn sie sich
auf die einstimmigen Ratschlaege aus dem gesamten industriellen Leben terlassen
kann. Aus diesem Grunde ist auch der Ausschuss fuer Arbeitsfragen seitens der
Regierung als Beratende Eoerperschaft anerkannt worden.
"Informationsdienst des Hollaendischen Ministeriums fuer Soziale Angelegenheiten" Maerz 1949
ANSICHTEN GRIECHISCHER GEWERKSCHAFTLER UEBER
AMEHIEA
Die amerikanischen Arbeiter haben einen hohen Lebensstandard, sie erfreuen
sich einer vollkommen individuellen Freiheit und bringen volles Verstaendnis auf
fuer die Opfer, die von den Griechen in dem Bestreben gebracht werden, der Ausbreitung des Totalitarismus ueber die Grenzen hinweg Einhalt zu gebieten, erklaerte John Patsantzis, der Sekretaer und Schatzmeister des Griechischen Gewerkschaftsbundes (GSEE), nach der Rueckkehr von seiner Reise nach den Vereinigten Staaten
in seinem Bericht an seine Kollegen.
Patsantzis meinte, die amerikanische Arbeiterschaft koennte auch fuer sich
die Vorteile der Weihnacht*- und Ostern-Zuwendungen und der Trennungsentschaedigung, wie sie bei der griechischen Arbeiterschaft eingefuehrt sind, fuer sich in
Anspruch nehmen. Andererseits, sagte er, "fuehlen sich die amerikanischen Arbeiter
in einem hoehren Lebensstandard sicherer, sie sind auf ihre Arbeit stolz und
brauchen vüleicht auch nicht diese Schutzabkommen, wie sie innerhalb der Beziehungen zwischen Arbeitsnehmern und Arbeitgebern getroffen worden sind."
"Die reichere Wirtschaft der Vereinigten Staaten spiegelt sich sogar -in der
Errichtung industrieller Werke wider. In Griechenland wtfrde kein Industrieller
8

-

�#

Jamals auf den Gedanken kommen, Im Bauplan eine Stelle fuer den Parkplatz zur Unterbringung der Automobile der Arbeiter vorzusehen, so wie das im Amerika der Fall ist.
Pataantzis und Stephan Lolos, der Generalsekretaer des Griechischen Tabakarbeiterverbandes, wurden nach den Vereinigten Staaten geschickt, um dort die Arbeitsbedinguagen und die Arbeitsbeziehungen zu studieren.
"BGA Labor Formation" 23. Mai 1949
D U KAUFKRAFT IN UNGARN UND FRANKREICH
Die folgenden Ziffern ueber die Kaufkraft des Ungarischen und franzoesIschen
Arbeiters sind uns vom Amt fuer Arbeitsangelegenheiten beim Verwaltungsausschuss
fuer das ERP zugegangen. Sie wurden in einer der laufenden Ausgaben der Zeitschrift
"Gewerkschaftler im Exil" veroeffentlicht, die in Paris von gefluechteten Ai-beiterfuehrem aus den Laendern.hinter dem "Eisernen Vorhang" herausgegeben wird. Die
Ziffern ueber die Kaufkraft in Ungarn wurden Srnoe Kilary nach den laufenden franzoesischen Prelsindices, zusäum engesteilt und wurden ferner von ihm der ungarischen
kommunistischen Zeitung "Szabad Nep" entnommen. Die ungarischen Ziffern gelten
fuer einen Facharbeiter des Csepel-Werks, die franzoesIschen fuer einen solchen
in einer Pariser Fabrik der Luftfahrtindustrie. Nachstehend Mr. Kilary's Vergleichsziffern:
Menge

Ware

_____
150 g
300 g
250 g
3700 g
780 g
3200 g
110 g
3000 g
500 g
110 g
1± 1
4
20

Wie lange der Arbeiter arbeiten muss, um
diese Menge an Waren kaufen zu koennen
in Ungarn
in Frankreich

1 Stunde
1
"
n
1
n
1
n
1
n
1
n
1
M
1
N
1
n
1
n
1
n
1
ii
1
13 Stunden

Sehweinefleisch
Zucker
Reis
Kartoffeln
Brot
Mohrrueben
Butter
Zwiebeln
Aepfel
Schmalz
Milch
Eier
Zigaretten

15 Minuten
n
22
n
42
n
14
n
14
n
19
n
20
n
30
•
20
n
17
n
20
n
20

22

n

4 Stunden 52 Minuten

"EGA Labor Information" 3 . Juni 1949
DIE KAUFKRAFT IN ESTLAND
Ein scharfes Absinken der Kaufkraft des estnischen Arbeiters kommt in den
Zahlen zum Ausdruck, die ein Gewerkschaftler, der aus Estland gefluechtet ist,
zusammengetragen hat. Sie sind in der Zeitschrift "Der Gewerkschaftler im Exil",
die in Paris erscheint, veroeffentlicht worden. Diese Zeitung wird von einer
Gruppe frueherer Gewerkschaftsfuehrer herausgegeben, die aus den Laendern hinter
dem "Eisernen Vorhang" gefluechtet sind. In der Mal-Ausgabe dieses Jahres hat
J« Mikhelson, ein frueherer estnischer Gewerkschaftssekretaer, folgende Tabelle
zusammengestellt, in der die Menge an Waren angegaben ist, die der durchschnittliche
Este mit seinem monatlichen Einkommen vor und nach dem Zweiten Weltkriege kaufen
konnte bzw. kaufen kann.

- 9 -

�%

Die Kaufkraft des monatlichen Einkommens in Estland
Ware
Brot
Rindfleisch
Speck
Butter
Zucker
Kartoffeln
Schuhe
Fertige Herrenanzuege

1222
398 kg
114 •
84 •
38 "
170 •
1592 •

7 Paar

1941
555 kg
93
66
36
100
1562
2

124Jt
260 kg
—

"
"
•
B

»
Paar

0.5

0,5

1.5

20 •
10 •
52 •
650 »
2 Paar

1948
109 kg
—

10 "
5 K
21

•

350 "
1,3 Paar

0,4

Die Normen der estnischen Arbeiter sind sogar noch niedriger, als aus diesen
Ziffern hervorgeht, erklaerte Mikhelson, da die meisten Waren nur auf dam Schwarzen Markt zu haben sind. Die estnischen Arbeiter erhalten jetzt taeglioh 1500
bis l600 Kalorien an Nahrungsmitteln wogegen es Im Jahre 1939 1» Durchschnitt
3553 waren, fuegt der gefluechtete Gewerkschaftler hinzu.
"EGA. Labor Information" 3. Juni 1949
ZIKNARBBITKRSTRBIK IN BOLIVIEN
In Bolivien befinden sich die Arbeiter in den Zinnbergwerken im Ausstand.
Dieser Streik hat im Laufe der Zeit langsam den Charakter einer wirtschaftlichen
Revolution angenommen. Die Minen wurden von Truppen besetzt. Sine Anzahl Firmexe'
angestellter ist getoetet worden, und einige 40 weitere Personen, meistens Streikende, verloren das Leben. Am 1. Juni kan aus La Paz, Boliviens Hauptstadt, die
Nachricht, dass die Arbeiter verschiedener Industriezweige zu Sympathiestreiks
fuer die Bergleute aufgerufen haetten.
Die bolivianische Regierung behandelt den Streik wie eine politische Revolution. Verschiedene Fuehrer der Nationalrevolutionaeren Bewegung sind festgenommen
worden. Ausserdem hat die Regierung einen Mobilisierungsbefehl zum Wehrdienst fuer
alle tauglichen Maenner Im Alter von 19 bis 50 Jahren erlassen. Er scheint sich
um Streitfragen grundsaetzlicher Natur zu handeln, deren Beilegung sich vielleicht
noch wochenlang hinziehen kann.
"The New York Times" 2.6.49
SOZIALPOLITIK DER REGIERUNG VON ISRAELI
Die Regierung von Israeli hat dem Parlament am 9. Maerz 1949 verschiedene
Vorschlaege unterbreitet, die sich auf das Sozialprogramm des neuen Staates beziehen. Die Vorschlaege umfassen einige Punkte, die die Buergerrechte sowie allgemeine Plaene der Regierungspolitik in bezug auf die Einwanderung. Die Regierung
verpflichtet sich, die Konsumgenossenschaften und die Arbeitersiedlungen auf dem
flachen Lande zu unterstuetzen« ebenso sollen die Arbeiter vor zu hohen Lebenshaltungskosten geschuetzt werden. Folgende Punkte sind in den Vorschlaegen zu dem
Arbeitsbedingungen enthalten; "Freiheit des Zusammenschlusses und das Streikrecht"
Der Staat wird die Freiheit des Zusanmenschlusses garantieren, die Bildung
von Gewerkschaften fuer alle Klassen von Arbeitern wird gefoerdert, das Recht auf
Streik wird garantiert, es wird ein Gremium gebildet, das sich mit der Schlichtung
von Arbeitsstreitigkeiten befasst, ebenso werden Kollektivabkommen gefoerdert.
Woechentliche Ruher und Feiertage
Im Staate Israel sind der Sabbath und die Juedischen Feiertage zu Ruhetagen
-

10

-

�erklaert; Anhaenger anderer Glaubensbekenntnisse sollen das Recht haben, ihre
eigenen Feiertage und Ruhetage einzuhalten und zu beobachten.
Arabische Arbeiter. Die Regierung sichert den arabischen Arbeitern die gleichen Rechte zu wie den Juedischen Arbeitern, es soll eine Politik verfolgt werden,
die darauf abzielt, dass der Lebensstandard progressiv ansteigt, auch soll ein
Organisations - und Bildungswerk fuer die arabischen Arbeiter geschaffen werden.
Berufsausbildung. Fuer alle Kinder wird obligatorischer Schulunterricht eingeführt; die Jungen Arbeiter erhalten eine Berufsausbildung, landwirtschaftliche
und technische Ausbildung wird gefoerdert* der Gedanke von der Notwendigkeit der
Arbeit wird bereits den Jungen Menschen eingeschaerft.
Weibliche Arbeiter. Auf Grund der Rolle, die die Frauen als Muetter spielen,
werden diese von Jeder gefaehrlichen Arbelt ausgenommen, bei der Niederkunft erhalten sie bezahlten Urlaub, ihre Arbeltsstellen werden fuer sie offen gehalten.
Nachtarbeit ist fuer Muetter von Familien verboten* fuer gleiche Arbeit wird
gleicher Lohn bezahlt.
Kinderarbeit; Die Beschaeftigung von Kindern unter 14 Jahren ist nicht zulaessig, die Beschaeftigung Junger Leute im Alter von 15 bis 18 Jahren unterliegt
einer scharfen Kontrolle.
Arbeitsaemter; Es wird ein zentrales Arbeitsamt geschaffen, das fuer alle
Arbeitsfragen und damit zusammenhaengenden Beduerfnisse in den Dienst gestellt
wird, ohne irgendwelche unterschiedliche Behandlung.
Versicherung und Unterstuetzung» Die Regierung wird nach und nach eine Reihe
von Sozialversicherungs- und Unterstuetzungsinstltuten ins Leben rufen (Arbeitslosigkeit, Betriebsunfaelle, Invaliditaet, Altersversorgung, Witwen- und WaisenHilfswerk) .
Gesundheit und Sicherheit* Zum Schutze der Arbeiter in den verschiedenen
Industrien und um gesunde und sichere Arbeitsbedingungen zu gewaehrlelsten, werden
gesetzliche Bestimmungen erlassen."
"Industry and Labour" (ILO) 1. Mai 1949
DIB GEWERKSCHAFT BEI FORD UNTERWIRFT SICH
D M SCHIEDSVERFAHREN
Die Arbeiter bei der Ford Motor Company», die Mitglied des Verbandes der Vereinigten Automobilarbeiter (UAW) im CIO sind, haben dafuer gestimmt, am 29. Mai
die Arbeit wieder aufzunehmen, wodurch ihr Streik wegen angeblich zu schnell
laufender Fliessbaender, der 25 Tage gedauert hatte, zu Ende ging.
Die Firma wie auch die Gewerkschaft will versuchen, bis zum Nachmittag des
2. Juni einen Schiedsmann zu finden, der beiden Partelen zusagt. Wenn sie sich
nicht einigen koennen, dann wird die Gesellschaft wie auoh die Gewerkschaft Je
einen Vertreter waehlen, die beide mit Dr. Harry Shulman, dem Schiedsobmann des
UAW bei Ford, zusammenkommen sollen. Die Entscheidung des aus 3 Maennern bestehenden Ausschusses soll dann als bindend angesehen werden.
Nach dem erzielten Abkommen soll ueber folgende Frage entschieden werden*
"Hat die Gesellschaft nach dem Kontrakt auf Grund der gesundheitlichen wie auch
der Sicherungsverhaeltnisse oder sonstwie das Recht, von einem Werksangehörigen
zu verlangen, sein Arbeitspensum zu irgendeiner Einheit in einer kuerzeren Zeit
zu erledigen als die Zeitnehmerkontrolle fuer sein Pensum zeigt, vorausgesetzt,
dass dem Arbeiter nicht mehr als 480 Minuten an Arbeit zugeteilt sind, wie sie
durch die Zeitkontrolle in einer 8-Stundensohicht gemessen wurde."
Mit anderen Worten, die Frage lautet, ob die Gesellschaft das Recht hat,
schneller als mit der durchschnittlichen Geschwindigkeit arbeiten zu lassen, wenn
der gesamte taegliche Ausstoss nicht die festgelsetzte Quote uebersteigt.
-

11

�Abgesehen von dem Abkommen, die Schiedsrichterentscheidung einzuholen, ist
u.a. vorgesehen, dass die Gesellschaft bei jedem Fliessband die konstante Geschwindigkeit belbehaelt und die Einheiten verteilt, um fuer ein gleichfoermiges Fliessen
der Arbeit zu sorgen.
Die Gesellschaft war auch damit einverstanden, dass die normale Arbeitsleistung, die von den Arbeitern verlangt wird, bei Fehlen nicht erhoeht werden wuerde„
sie versprach, "kitzliche" Arbeiten am Fliessband zu ueberpruefen und nahm die
disziplinarischen und zeitweiligen Entlassungen zurueck, die in 27 Faellen wegen
Irgendwelcher Handlungen, die vor dem Streikbeginn lagen oder zeitlich mit ihm
zusammenfielen, ausgesprochen worden waren.
Die Verhandlungen zwischen Ford und dem UAW ueber ein neues Abkommen beginnen
am 1. Juni, der augenblicklich laufende Kontrakt laeuft am 15. Juli ab.
Amerikanisches Arbeitsministerium "Weekly
Labor News Digest," 1. Juni 1949
KURZBERICHT» AUS DER WELT DER AMERIKANISCHEN
ARBEITERSCHAFT
Die obligatorischen Schiedsverfahren, wie sie im Antistreikgesetz fuer Gemeinnuetzlge Einrichtungen in New Jersey verankert sind, wurden vom Obersten Gericht des Staates New Jersey fuer verfassungswidrig erklaert, weil in ihnen keine
Normen und Beschraenkungen als Richtlinien fuer die Schiedsmaenner enthalten sind.
Die Bell Telephone Company hatte die Gesetzlichkeit des Schiedsverfahrens in einem
Falle in Fragen gestellt, der sich aus einem Telefonstreik im April 1947 ergeben
hatte.
**********

An den Allgemeinen Arbeiter verband des Staates Israel (Hisdadrut) i s t von
der Mapai (Arbeiter) Partei des Premierministers David Ben-Gurion eine Aufforderung ergangen, die p o l i t i s c h e Haltung des Hisdadrut auf die Neutralitaetspolitik
des Staates in der Ost-West-Spaltung abzustimmen. Dies wuerde bedeuten, dass der
Arbeiterverband Israels sich aus dem Weltgewerkschaftsbund zurueckziehen wuerde,
andererseits aber auch davon Abstand nehmen wuerde, s i c h der in Vorschlag gebrachten, neuen Weltarbeiterorganisation anzuschliessen, ueber deren Gruendung gegen
Ende dieses Monats beraten werden s o l l .
**********

Die Arbeitsniederlegung in 6 New Yorker Baeckereien geht j e t z t
Monat, wobei die Backoefen, die normalerweise löi des von der Stadt
Brotes produzieren, ausser Betrieb sind.. Im Kleinhandel i s t jedoch
mangel f e s t z u s t e l l e n . Auch die groessten Brauereien New Yorks sind
2 Monate auf Grund von Arbeitsstreitigkeiten s t i l l g e l e g t .

in den 4 .
verbrauchten
kein Brotbereits ueber

**********

Die von der Gewerkschaft der Fuhrleute (AFL) ueber saemtliche Staaten durchgsfuehrte "Strassenprudfung" (um die Anzahl der Fahrer festzustellen, die organisiert
sind) hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass die Gewerkschaft sehnliche Versuche mit den Fahrern im Milchhandel, in der Backwaren- und Getraenke-Industrie
vornehmen will, wie aus dem Gewerkschaftsblatt "Der Internationale Fuhrmann" hervorgeht. Dan Tob in, der Leiter der Gewerkschaft, erklaerte hierzu, dass die Versuch)
den Nachwels erbracht haben, dass viel weniger Fuhrmaenner dem Fuhrmannverband
angehoeren, als wir angenommen hatten."
**********

Am 31. Mai wurden Urlaubszuwendungen im Gesamtbetrage von $5.450.000 an die
New Yorker Mitglieder des Internationalen Verbandes der Arbeiter im Damenbekleidungsgewerbe ausgezahlt. Ausserdem begannen am 1. Juni die Zahlungen der Ruhegelder in
Hoehe von $50 pro Monat fuer die Aber 65 Jahre alten Gewerkschaftsmitglieder. Die
Pensionen werden aus Umlagen finanziert, die 1% des Betrages der
- 12 -

�Lohnlisten betragen, waehrend 3$ des Betrages der Lohnlisten in den Krankenversicherungs- und Urlaubs-Fonds der Gewerkschaft fllessen.
MHHHHMMHHi
Ein Ersuchen der Bethlehem Steel Company an die Industriegewerkschaft der
Arbeiter in der Schiffahrt und im Schiffsbau (CIO), in diesem J'ahre von einer Forderung auf Lohnerhoehung Abstand zunehmen, ist von der Gewerkschaft zurueckgewiesen
worden. John Green, der Fraesident der Gewerkschaft fuehrte aus, dass die Bethlehem Steel Company fuer die ersten 3 Monate des Jahres 1949 nach Abzug der Steuern
einen Gewinn von ueber 33 Millionen Dollar ausgewiesen hat, oder zweimal soviel
wie fuer dieselbe Zeit im vergangenen Jahr, und stellte die Frage» "Wenn das Jetzt
kein guenstiger Zeitpunkt fuer Verhandlungen ueber die von uns geforderten Lohnerhoehungen, Pensionen, und- Versicherungsschutzmassnabmen ist, dann moechte ich
einmal wissen, wann denn sonst."
Amerikanisches Arbeitsministerium,"Weekly
Labor News Digest" 1. Juni 1949
ENTWEDER IBISTOMGEN ODER

I

Folgender Artikel ist eine direkte Wiedergabe einer Notiz in der "Prawda",
der offiziellen Sowjetzeitung, in der Ausgabe vom 16. Dezember;
"Das Buero des Staatsanwalts des Saratow-Gebietes hat festgestellt, dass in
der Tabakrabrik Saratow des Ministeriums der Genussmittelindustrien der UdSSR
Zigaretten minderwertiger Qualitaet hergestellt wurden. Die Zigaretten wurden
zum Verkauf freigegeben, obwohl sie verschiedene Beimischungen enthielten, ungenuegend gestopft und in zerrissenen Huellen verpackt waren.
"Der Direktor der Fabrik, D.E. OwtschinskiJ, wurde zu 7 Jahren Gefaengnis,
der ChefIngenieur P.V. Kirejeff sowie der Produktionsleiter V.l. Podshivalin zu
Je 5 Jahren Gefaengnis verurteilt.
"Die Erste Staatliche Schneiderei in Eriwan hat ihren Kunden systematisch
Herrenkleidung schlechter Qualitaet geliefert. Der Chefingenieur A.T. Awaklan
und der Produktionsleiter A.G. Manukian wurden zu Je 5 Jahren Gefaengnis verurteilt.
Das Werk*"Stanzrekord" in Dnjepropetrowsk hat 72.740 Scheunenschloesser
minderwertiger Qualitaet hergestellt. Die schuldigen Personen, der technische
Inspektor G.E. Adartlan und der Produktionsleiter A.V. Kosloff sind zu 5 bzw. 7
Jahren Gefaengnis verurteilt worden".
Auszug aus "The New Leader", uebernommen aus
"The Reader"s Digest" Mai 1949
DIE STRUPPIGEN BAERTE SIND SCHULD
I
"Mit den kunstseidenen Hemden, die 24 $ kosten und von der Leningrader Fabrik
"Rotes Banner" fuer Strickkleidung und Strumpfwaren herausgebracht werden, ist
alles in Ordnung, meinte der Direktor.
Allerdings, sagte er, seien sie in der Beschaffenheit nicht so, dass sie das
Kratzen der Bartstoppeln derjenigen Maenner aushalten, die zu faul sind, sich Jeden
Tag zu rasieren.
Dieser Hemden"Skandal" bildete den Gegenstand eines Artikels in der heutigen
Ausgabe der Leningrader "Prawda". Die Zeitung schrieb, dass sich zahlreiche Leute
darueber beklagt haetten, dass schon nach einigen Tagen die Kragen abgingen.
Das Hemd No- 508, wie es genannt wird, sollte nur von Maennern getragen werden,
die sich gruendlich rasieren, antwortete der Direktor. "Kunstseide, so erklaerte

-

13

-

�er, sei gegen die dauernde Reibung, die durch nicht richtig rasierte Beerte hervorgerufen wird, nicht Widerstandsfaehig.
Wenn das der Fall ist, so bemerkt der Redakteur der "Prawda" sarkastisch,
wie könnt es dann, dass die Manschetten nicht auch abgehen.
"New York Times" 11. Juni 1 % 9
DIE AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTER DISKUTIEREN HEBER DIB
UNTERSCHIEDLICHE BEHANDLUNG
Nachstehender Artikel wurde von Dan Smith, einem Arbeiterberichterstatter
geschrieben, ueber eineDiskussion ueber das Thema "Wie wir innerhalb unserer Gewerkschaften den Problemen der unterschiedlichen Behandlung begegnen." Diese Diskussion stand unter der Schirmherrschaft des Chicagoer Gewerkschaftsbundes.
"Der Graue Saal" in Sherman's Hotel war ueberfuellt, als Nick DePietro, der
Vorsitzende der Versammlung, die Debatte mit einer Wiedergabe der Erfahrungen
eroeffnete, die die Drucker mit der unterschiedlichen Behandlung innerhalb der
Rassegruppen gemacht hatten. DePietro kam auf die historische Entwicklung der
Arbeitseinstellung bei der Industrie in Chicago zu sprechen, an Hand deren er
nachwies, wie die Arbeitgeber aus La endische, neue nationale Gruppen ins Land
brachten, um Streiks in den fruehen Tagen der Arbeiterorganisierung zu brechen.
Er las dann aus einer Studie der Interrassischen Kommission von Illinois,
einer neutralen Organisation, vor, die festgestellt hatte, dass die Verantwortung
fuer eine unterschiedliche Behandlung am Arbeitsplatz in erster Linie beim Arbeitgeber, in zweiter Linie bei den kommerziellen Stellenvermittlungsbueros und
schliesslich bei den Arbeitergewerkschaften laege.
"Der Zweck dieser Versammlung ist nicht der, irgend eine Gewerkschaft zurechtzuweisen", sagte DePietro, "sondern darzulegen, wie es moeglich ist, diesem Problem zu begegnen. Wir wollen, dass die Fuehrer der Lokalgewerkschaften, die sich
der Frage der Unterschiedlichkeit gegenuebersehen, von denjenigen lernen sollen,,
die sich bereits damit befasst haben."
Ein Drucker, der in der Versammlung das Wort ergriff, erinnerte daran, wie
der Widerstand des Herausgebers einer polnischen Zeitung gegen Einstellung eines
schwarzen Setzers ueberwunden wurde, als der Vertreter der Gewerkschaft auf die
Mbeglichkeit hinwies, dass es dann die polnischen Drucker sehr schwer haben wuerden, bei den von den Iren beherrschten Chicagoer Zeitungen Arbeit zu finden, falls
man eine Abtrennung oder Absonderung in dieser Hinsicht zur Regel machen wollte.
Dann stellte DePietro den Vorsitzenden des Bezirksrates des Verbandes der Moerteltraeger, Anthony C. D1Andrea, vor, der den einheitlichen Charakter der Lokalgewerkschaften der Arbeiter hervorhob. Diesen Gewerkschaften gehoeren alle Rassen- uad
Nationalitaetengruppen an, und sie gestatten keine Absonderung oder Unterschiedlichkeit.
"Aber mit dem Arbeitgeber haben wir Unannehmlichkeiten", sagte D'Andrea.
"Wenn ein Bauunternehmer, der Leute beschaeftigt, Arbeiter seiner eigenen Natioaalitaet oder Rasse einstellen will, dann koennen wir nicht daran hindern. Aus diesem Grunde haben viele unserer Mitglieder, die Neger sind, Schwierigkeiten heutzutage eine Arbeitsstelle au finden."
Jim Gilker, der stellvertretende Leiter der Forschungsabteilung des Internationalen Fleischhauer-Verbandes, war der dritte Redner. Er sagte, dass seine Internationale Gewerkschaft alle Mitglieder eidlich verpflichtet, dass sie bei ihren
Arbeitskollegen niemals irgendwelche Unterschiede hinsichtlich der Rasse, der
Religion oder der Farbe machen. Gilker meinte, dass jede Gewerkschaft ihre Mitglieder veranlassen sollte, diese eidliche Verpflichtung zu uebernehmen.
-

14

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�Professor Louis Wlrth von der Universitaet Chicago kritisierte die Arbeiterbewegung im allgemeinen wegen ihrer Schwaeöhe in der Einstellung zur Frage des Rassenvorurteils.
"Heute morgen", sagte er, "hoerte ich, wie der Buergermeister von Chicago
(Martin H. Kennelly, ein weiterer Redner auf der Konferenz) sagte, man koenne keine
Gesetze gegen die unterschiedliche Behandlung erlassen. Zum Donnerwetter, natuerlich kann man das nicht. Man kann selbstverstaendlich nicht durch Gesetzgebung
den Menschen das Vorurteil aus dem Kopf treiben. Man kann aber dagegen Gesetze
erlassen, dass bei Arbeitsmoeglichkeiten und Anstellungen keine Unterschiede gemacht
werden. Das Gesetz kann Mindestnormen durchsetzen, wie dies bei den Loehnen der
Fall ist."
Man wurde sich allgemein darueber einig, dass in bezug auf das Problem der unterschiedlichen Behandlung eine ausgedehntere erzieherische Arbeit innerhalb der
Lokalgewerkschaften geleistet werden muesse. Die Delegierten nahmen einstimmig
folgende Punkte an*
1. Die Bildung eines staendigen Ausschusses zur Bekaempfung der unterschiedlichen Behandlung
2. Die Organisierung staendiger Ausschuesse innerhalb der Lokalgewerkschaften.
"AFL Weekly News Service" 13. Mai 1%9
DIE MANPOWER DIVISION SCHICKT 56 EXPERTEN AUF DEM GEBIETE DES
AHBEIT3WESENS ZU STODIENZWEO&amp;Br NACH DEN VEREINIGTEN STAATEN
Auf Grund des Kulturellen Austauschprogramms der Amerikanischen Milltaerregierung hat die Manpower Division 56 deutsche Experten nach den Vereinigten Staaten gesandt, damit sie dort das Gewerkschaftawesen, die oeffentliehen Dienststellen auf dem
Gebiete des Arbeitswesens,und die Arbeitsprobiene studieren. Unter diesen Experten
befinden sich Vertreter der Arbeiterschaft, die von den Gewerkschaften auserwaehlt
wurden, ferner Vertreter der Arbeitgeberschaft, die von den Arbeitgebervereinigungen
ausgewaehlt wurden, sowie Vertreter der Angestellten der oeffentliehen Dienststellen
auf dem Gebiete des Arbeitswesens, die von den Arbeitsministerien in Vorschlag gebracht wurden. Die meisten dieser deutschen Fuehrer gingen nach Amerika, um Spezlalprobleme zu studieren* jeder von ihnen wird sich dort 60 Tage aufhalten. Diejenigen von ihnen, die im Februar und April nach Amerika gingen, sind bereits zurueckgekehrt. Nachstehend sind die Namen der 56 Experten aufgefuehrt, die zwischen dem
25. Februar und dem 26. Juni nach drueben gingen*
ANGESTELLTE DER OEFFENTVERTRETER DER
LICHEN DIENSTSTELLEN
ARBEITGEBER
ARBEITERVERTRETER
Bayern
Berlin
Bremen
Berlin
Paul Brochier
Annemarie Traclnski
Friedrich Duessmann
Gerhard Anger
Eduard Kalb
Georg Halder
Bayern
Eduard Bernoth
Otto Kraus
Josef Dantscher
Henry Bier
Hessen
Paul Miesbeck
Fritz Heinemann
Jowef Nothass
Georg Ammon
Kurt Hirsch
Hans Kreitling
Gerhard Nuernberg
Gustav Pietsch
Richard Schroeter
Bayern
Oskar Gensberger
Lorenz Hagen
Jakob Messthaler
Herta Obermayr
Peter Zink

Karl H. Brennecke
Heinz Haversieck
Caspar Hoffmann
Erich Jordan
Hermann Klinkenberg
Karl Kumpf
Hildegard Pfister
Sofie Quint
Fritz Schramm
Otto H. Theiss
Johann Wiegand
-

Hessen
Rolf Schirm
Wuerttbg.Baden
Egmont Hiller
Hanns Voith

15

-

Walter Schiffel
Josef Schilling
Margarete Ultsoh
Josef Weigl
Breien
Hannelore Conze
Wuerttbg. Baden
Adolf Engelhardt
Karl Hof
Gerhard Klebs
Siegfried Kuehn

�Fortsetzung von Seite 15

iBBBBSBBBM

ANGESTELLTS DIR OIFFBULICHU

.^ssaa
Heinrich Wolfram
WuerttembergBaden
Wilhelm Kleinknecht
Elaa Koch
Otto Wallenmeier
Heinrieh Wittkamp

Eugen Mayer
Franz Binger
Klara Schwab
Otto Uhlig

"

- 16 -

Manpower Division
OMGÖS, AFO 742

OHOOS. t-i.%1, lAo, J I M k9, t 3/k 0

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITS MITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mittflieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanisches
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 19

Berlin, 1. Juli 1949
Eine Gruppe bestehend aus 8 Berliner Gewerkschaftlern ging im
Februar auf 2 Monate nach den Vereinigten Staaten, um die amerikanischen Gewerkschaften und die Probleme der amerikanischen
Arbeiterschaft zu studieren. Inzwischen sind die neun Berliner
wieder von ihrer Reise zurueckgekehrt und haben jetzt ihre Berichte fertiggestellt. Diese Berichte werden von der U G 0 in
Buchform herausgegeben und veroeffentlicht. Dr. Kurt Hirche,
ein Mitglied aus dieser Gruppe, hat uns gestattet einen Auszug
aus seinem Bericht hier abzudrucken, der sich mit seinen Beobachtungen im allgemeinen befasst. Die technischen Phasen seines Berichts, der sich mit seinen Beobachtungen auf dem Gebiete
des Sozialversicherungs- Systems in Amerika befasst, lassen wir
weg. '.Vir bringen seine Beobachtungen ueber die amerikanische
Arbeiterpresse und die "American Newspaper Guild" (Verband der
Angestellten im Seitungswesen.

BERICHT UEBER DIE AMERIKA-REISE DER
ÜGO GEflERKSCHAFTSDELEGATION - BERLIN
I.

Ergebnisse

"Sind Sie mit dem Ergebnis Ihrer Amerika-Reise zufrieden. Haben Sie durch
Ihren Besuch einen tieferen Einblick in das amerikanische Arbeits- und Gewerkschaftsleben gewonnen. Glauben Sie aus Ihren Studien verwendbare Anregungen
fuer Ihre eigene Arbeit und fuer den weiteren Aufbau einer freiheitlich-demokratischen Gewerkschaftsbewegung in Deutschland und Berlin gewonnen zu haben."
Solche und aehnliche Fragen sind uns auf unserer Reise und vor allem in Washington
von Beamten des Labor Departments, von Gewerkschaftsfuehrern und von anderen,
zahlreichen Amerikanern, mit denen wir in Beruehrung kamen, wiederholt gestellt
worden. Ich glaube, diese Fragen mit gutem Gewissen bejahen zu koennen. Das
Ergebnis unserer Reise erblicke ich im wesentlichen in Folgendem;
1. Neue Verbindungen
Sir haben durch unseren Besuch wertvolle neue. Verbindungen zur amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung, dem Labor Department und anderen amtlichen Stellen (z.B.

-

1

-

�zur Social Security Administration) sowie zu fuehrenden Persoenlichkeiten des
oeffentlichen Lebens (Kongressmitgliedern, Mitgliedern von Staats- und Stadtparlamenten usw.) knuepfen koennen. Der sich daraus kuenftig ergebende regelmaesstge
Gedanken- und Materialaustausch wird das gegenseitige Verstaendnis und die Zusammenarbeit beider Teile laufend foerdern. Selbst wenn die Reise nur dieses eine
Ergebnis gehabt haette, waere ihr Zweck voll erfuellt worden.
2. Staerkere Gewissheit
Wir haben die unerschütterliche Gewissheit mitgenommen, dass sich die amerikanischen Gewerkschaften mit dem Schicksal der deutschen und der Berliner Gewerkschaftsbewegung eng verbunden fuehlen und kuenftig noch mehr als bisher alles, was
in ihren Kraeften steht, tun werden, um die Entwicklung freiheitlich-demokratischer
Gewerkschaften in unserem Lande zu unterstuetzen. Auf grund unserer eigenen Eindruecke koennen wir nun mit noch staerkerer Ueberzeugungskraft den deutschen Arbeitern mitteilen, dass dieses Interesse nicht von aktuellen politischen Erwaegungen geleitet wird, sondern einer grundsaetzlichen Haltung entspringt. Es resultiert aus der Erkenntnis, dass die demokratischen Gewerkschaften aller Laender eng
zusammenarbeiten muessen, um ihre gemeinsamen Ziele mit vereinten Kraeften zu
foerdern.

3.

Owreifcaohafts-Internatlonale

Eines der wichtigsten Instrumente bei dieser Zusaitmenarbeit wird die im Aufbau begriffene neue Internationale der freien, demokratischen Gewerkschaften sein.
Wir haben schon waehrend der Reise aus unseren Unterhaltungen mit fuehrenden Gewerkschaftlern in allen von uns besuchten Orten und Organisationen die Gewissheit
gewonnen, dass sich sowohl die AFL, als auch der CIO fuer die Aufnahme der deutschen Gewerkschaften als gleichberechtigte Mitglieder dieser neuen Gewerkschaftsinternationale einsetzen werden. An besonders repraesentativer Stelle hat das uns
gegenueber vor allem William Green, der Preesident der AFL, in Washington zum Ausdruck gebracht. Und kurz vor unserer Abreise konnte uns Mr. Lovestone, der International Representative der AFL. in New York mitteilen, dass sich die beiden grossen amerikanischen Gewerkschaftsverbaende ueber ihre Stellungnahme zum internationalen Gewerkschaftsbund geeinigt haetten und nun gemeinsam offiziell fuer die
gleichberechtigte Teilnahme der deutschen Gewerkschaften an dieser Weltorganisation
eintreten werden. Dass wir diese Mitteilung den Berliner Gewerkschaftern persönlich ueberbringen konnten, war fuer uns als Abschluss unserer Reise besonders beglueckend.
4. Bessere Kmmtfnls des amerikanischen
Arbeltslebens:
Insbesondere ist es aber fuer uns von unschaetzbarem Wert, dass wir durch
unsere Reise eine tiefere Einsicht in das amerikanische Arbeits- und Gewerkschaftsleben gewonnen haben, als das durch das Studium noch so vieler Buecher moeglich
gewesen waere. Vieles, das uns vorher fremd war, ist uns durch unsere Studien
an Ort und Stelle verstaendlich geworden. Vor allem erhielten wir eine bessere
Kenntnis der Gedankenwelt und Ziele der amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer und leitenden Funktionaere. Sie ergab, dass wohl in der gewerkschaftlichen Praxis erhebliche Unterschiede zwischen den amerikanischen und deutschen Gewerkschaften bestehen,
in den wesentlichsten Grundsaetzen aber eine weitgehende Uebereinstimmung mit unseren eigenen Ansichten vorhanden ist.
Es ergab sich ferner eine bessere Kenntnis der Arbeitsweise der amtlichen
Stellen, die sich mit Arbeiterfragen befassen, insbesondere des Labor Departments
in Washington sowie verschiedener staatlicher Labor Departments. Und wir konnten
uns auch einen guten Einblick in die Taetigkeit des Kongresses und einiger staatlicher Parlamente verschaffen, sodass wir nun eine bessere Torstellung insbesondere
-

2

�von den aktuellen Problemen haben, mit denen sich diese Stellen auf dem Gebiet
der Arbeits- und Sozialgesetzgebung beschaeftigen. Diese Einsichten haetten aus
dem Studium von Buechern und Schriften allein nicht gewonnen werden koennen, vielmehr haben sich dafuer die zahlreichen Unterhaltungen, die wir mit den leitenden
Beamten der staatlichen und Bundesarbeitsverwaltung sowie mit Parlamentariern
fuehrten und die Informationen, die wir von ihnen empfingen, als unentbehrlich
erwiesen.
5. Genauere Kenntnis der amerikanischen Wirtschaft
Wohl jeder von uns hatte bereits in mehr oder minder grossem Umfange Kenntnisse
ueber Umfang und Leistungsfaehigkeit der amerikanischen Wirtschaft. Durch die
Besichtigungen repraesentativer amerikanischer Unternehmen (z.B. Automobilfabriken,
Stahlwerke, Motorenfabriken usw.) war es uns moeglich, sie wenigstens auf einigen
Gebieten zu erweitern. Mein Eindruck ist, dass diese Betriebe vor allem produktionstechnisch und in ihrer Maschinenausstattung einen derartigen Vorsprung vor
vergleichbaren deutschen Betrieben gewonnen haben, dass. diese noch viele Jahre
harter Arbeit benoetigen werden, um ihn auch nur annaehernd aufzuholen. Mir vertiefte sich daraus die Ueberzeugung, dass die deutsche Fertigwarenindustrie kuenftig nur dann Aussichten auf dem Weltmarkt hat, wenn sie erstens in die Lage versetzt wird, ihren Maschinenpark neu aufzubauen und zweitens, wenn sie sich noch
mehr als frueher auf die Herstellung hochwertiger Spezialerzeugnisse konzentriert.
Und ich folgere daraus weiter, dass die deutschen Gewerkschaften noch mehr als
bisher die gruendliche Ausbildung von Facharbeitern fordern muessen.
Im uebrigen konnten wir bei den 'Betriebsbesichtigungen feststellen, unter
welchen Bedingungen die Arbeiter in den Betrieben arbeiten, vermochten das Arbeitstempo zu beobachten und uns ueber den Stand des Arbeitsschutzes zu unterrichten.
Diese Beobachtungen waren fuer uns um so wertvoller als sie uns zeigten, an welchen
Punkten die Gewerkschaften mit ihren Bemuehungen zur Verbesserung dieser Arbeitsbedinguqen ansetzen.
Mir persoenlich ist in diesem Zusammenhang klar geworden, dass die grosse
Leistungsfaehigkeit der amerikanischen Wirtschaft und die ausgefeilte Rationalitaet
ihrer Produktionstechnik die wichtigsten o ökonomischen Voraussetzungen fuer den
von den dortigen Gewerkschaften erkämpften hohen Lohn- und Lebensstandard der
Arbeiter sind.
6. Tiefere Einsicht in Spezialgebiete»

Wohl das wertvollste Ergebnis unserer Reise duerfte aber die t i e f e r e Einsicht
sein, die jeder von uns auf seinen Spezialgebieten (Gewerkscbaftsorganisation,
Ausbildungswesen, Tarifwesen usw.) gewonnen hat. Wenigstens darf ich z.B. fuer
das von mir bearbeitete Gebiet der Sozialversicherung sagen, dase ich sehr aufschlussreiche Feststellungen treffen konnte, die mir fuer meine sozialpolitische
Arbeit fruchtbringende Anregungen geben werden. Dartiber werde ich in meinem anschliessanden Spezialbericht naehere Angaben machen.
7. Demokratie in Aktion
Ein weiteres Ergebnis erblicke ich darin, dass wir waehrend unserer. Studienreise taeglich von neuem feststellen konnten, wie in den USA. die Menschen vieler
verschiedener Voelkerschaften und Rassen in den Betrieben, im oeffentlichen Leben
und insbesondere in den Gewerkschaften e intraechtig auf dem Boden einer humanitaeren Demokratie zusammenwirken und sich alle als Angehoerige der einen amerikanischen Nation fuehlen. Dies lebendige Beispiel zeigte uns, dass eine wirkliche
Zusammenarbeit der Vbelker und Rassen moeglich ist. Es gibt uns neue Kraft, verstaerkt fuer die notwendige engere Zusammenarbeit auch der europaeischen Voelker
im Interesse des friedlichen Aufbaus einer europaeischen Demokratie einzutreten.

- 3 -

�8.

Amerikanische Hilfataetigkeit

Es war fuer uns ausserordentlich aufschlussreich, dass wir in den Ton uns besuchten Orten auch einen vielseitigen Einblick in umfang, Art und Quellen der amerikanischen Hilfataetigkeit fuer Europa und Deutschland erhielten. In Deutschland
herrscht teilweise die Vorstellung, als ob die Millionen Care- und Liebesgabenpakete, die in den letzten Jahren gespendet wurden, im wesentlichen aus dem üeberfluss
stammten. Wir konnten nun feststellen, dass sich breite Kreise des amerikanischen
Volkes in ihrer Lebenshaltung bewusst eingeschraenkt haben und vielfach recht erhebliche persoenliche Opfer gebracht haben, um ihre Angehoerigen und Bekannte sowie
ungezählte Tauaende unbekannter Notleidender in Deutschland unteratuetzen zu koennen.
Die zahlreichen Einzelbeispiele, die wir dafuer erhielten, haben uns sehr tief
beeindruckt. Ich bin ueberzeugt, daas jeder einzelne von uns in seiner gewerkschaftlichen Taetigkeit kuenftig nachdruecklich auf diese uneigennuetzige und umfassende
Hilfataetigkeit hinweisen und aufklaerend wirken wird.
9. Aufklaerung ueber deutsche Verhaeltnlsse
Unsere Aufgabe war, amerikanische Lebens- und Gewerkschaftsverhaeltnisse zu
studieren, um sie mit den unseren vergleichen zu koennen und daraus Anregungen zu
ziehen. Es ergab sich aber zwangslaeufig, dass wir ueberall von den Gewerkschaften
und anderen Gastgebern nach unseren deutschen Verhaeltnissen gefragt wurden. Ich
glaube, es kann als ein nicht zu unterschaetzendes Ergebnis unserer Reise bezeichnet werden, dass wir diese Aufklaerung geben und dazu beitragen konnten, das Verstaendnis fuer die deutschen Probleme zu vertiefen und manche irrtuemlichen Vorstellungen zu beseitigen.
10. Berliner Problem?
Wir waren eine Berliner Delegation. So war es verstaendlich, dass wir insbesondere ueber die Berliner Blockade und den Kampf der Berliner freiheitlichen
Demokratin befragt wurden und unsererseits in privaten Gespraechen festzustellen
suchten, was in Amerika ueber diese Fragen gedacht wird. Wir koennen nunmehr daheim berichten, dass die verantwortlichen amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaere
und Parlamentarier, mit denen wir sprachen, aber auch zahlreiche Amerikaner verschiedener Gesellschaftsschichten in ihrer grundsaetzlichen Beurteilung der Berliner
Frage weitgehend mit unseren eigenen Ansichten uebereinstimmen. Sie halten die
Verteidigung von Freiheit, Demokratie und Menschenrecht in Berlin nicht fuer ein
lokales oder nur deutsches, sondern fuer ein entscheidendes politisches Problem,
dessen Loesung den Weltfrieden unü den Aufbau einer europaeischen Demokratie maasgebend beeinflusst. Waren wir schon vorher ueberzeugt, dass die USA ihre Position
in Berlin auf jeden Fall halten und vor keiner kommunistischen Agression weichen
werden, so ist diese Ueberzeugung nunmehr nur noch staerker geworden. Sie gibt
uns Kraft fuer unseren weiteren Kampf in Berlin, der auch nach der inzwischen erfolgten Aufhebung der Blockade noch nicht zu Ende gekaempft ist. Dass wir diese
Einsichten mit uns nehmen und weitertragen koennen, betrachte ich als ein weiteres
positives Ergebnis unserer Reise.
Ich glaube, in den vorstehenden Punkten einige der wichtigsten Ergebnisse
unserer Reise zusanmengefasst zu haben, so wie sie sich mir persoenlich darstellen.
Irgend ein spezifiziertes Urteil ueber die Verhaeltnisse in den USA zu faellen,
war und ist nicht unsere Aufgabe. Dazu wuerde auch der auf zwei Monate befristete
Aufenthalt nicht ausreichen. Jedoch glaube ich, dasa es fuer kuenftige Delegationen
wertvoll iat, etwaa ueber unsere Erfahrungen bei der Durchfuehrung der Studienreise
zu hören. Dazu das Folgende;
II. Erfahrungen
Der Ablauf unserer Studienreise wurde durch das Programm bestimmt, das fuer
uns in New York, Detroit, Milwaukee und Washington vorbereitet worden war. Wir

- 4 -

�sind hierfuer dem Beauftragten der Militaerregierung, Mr. Joh. Meskimen. zu grossem
Dank verpflichtet. Wenn wir in den von uns besuchten Orten in der Lage waren, jenen
vielseitigen Einblick in die amerikanischen Verhaeltnisse zu gewinnen, den wir uns
alle erwuenscht hatten, so ist das hauptsaechlich dieser Vorarbeit durch Mr. Meskimen
zu danken.
Im Rahmen dieses Programms konnten wir eigene Wuensche fuer Besichtigungen, Besprechungen usw. aeussern, die von unseren Gastgebern in der Regel auch sehr bereitwillig erfuellt wurden. Darüberhinaus hatten wir die Moeglichkeit, uns frei zu
bewegen, mit jedermann zu sprechen und nach allem, was uns am Herzen lag, zu fragen.
Wir haben von dieser Freiheit gern Gebrauch gemacht und sind dankbar, dass sie uns
in diesem Umfange geboten wurde. Sie ist auch die Voraussetzung da fuer, dass eine
Delegation unbeeinflusst die Vielfalt des amerikanischen Lebens zu studieren vermag.
Ueber das von uns durchgefuehrte Reiseprogramm habe ich ausfuehrlich in verschiedenen Artikeln im "Freien V.'ort", Berlin, berichtet, auf die ich hier ergaenzend
verweise. Ich kann daher auf eine Wiederholung verzichten und beschraenke mich auf
die folgenden ergaenzenden Bemerkungen.
In Washington trafen wir mit der Delegation deutscher Gewerkschaftler aus der
amerikanischen Zone zusanmen, die ihre Studienreise dort begann und ihr Pigramn mit
Beamten des Labor Departments durchsprach. Auf einer gemeinsamen Sitzung beider
Delegationen berichteten wir ueber unsere Erfahrungen. Die Herren des Labor Departments versicherten uns, dass sie daraus wertvolle Anregungen fuer die Durchfuehrung
kuenftiger Delegationen geschoepft haetten. Ich glaube, dass sich dieser Erfahrungsaustausch bereits fuer das Reis eprogranm der zweiten Delegation fruchtbringend ausgewirkt hat.
Als Resultat dieser Aussprache in Washington und der Erfahrungen, die ich auf
unserer Reise gesammelt habe, ergibt aich fuer mich da8 Folgende:
1. Reisedauer?
Es ist uns gesagt worden, dass sich Militaerregierungund Labor Department bei
der Frage, ob weniger Gewerkschaftsvertreter laengere Zeit (90Tage) oder mehr fuer
kuerzere Zeit (60 Tage) entsandt werden aollen, fuer das letzere entschieden haben.
Das duerfte auch nach meiner Auffassung die zweckmaessigste Entscheidung gewesen
sein. Jedoch bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, dass diea nicht ala starre Regel
gelten aollte. Ich kann mir vielmehr voratellen, dass es in Sonderfaellen zum
Studium bestimmter Einzelgebiete (z.B. dea Tarifweaens oder der freiwilligen «ozialen Leistungen amerikanischer Unternehmungen) angebracht waere, einige Delegierte
fuer 90 Tage zu entsenden, waehrend andererseits auf anderen Spezialgebieten (z.B.
etwa des Rundfunkwesens, der Gewerkschaftspresse usw.) auch 30 Tage genuegen wuerden,
um einen verhaeltnismaessig befriedigenden Einblick in das betreffende Spezialgebiet
zu gewinnen.
Eine wirklich intime und erschoepfende Kenntnis des amerikanischen Arbeitaund Gewerkschaftslebens ist selbstverstaendlich waden in 30, noch in 60 oder 90
Tagen zu gewinnen, dazu waere ein weitaua laengerer Aufenthalt in den USA notwendig.
Was die Mitglieder unserer Delegation an Erfahrungen und Kenntnissen erwerben
konnten, sind demnach nur Teilausschnitte. Wie wertvoll aber auch sie fuer unsere
Arbeit sind, wurde im ersten Abschnitt dieses Berichtes bereits dargelegt.
2. Reiseorte
Die Auswahl der in den USA aufzusuchenden Orte und die Dauer des Aufenthaltes
in diesen Orten haengt davon ab, welche Studienaufgaben den Delegationen oder einzelnen Delegierten gestellt werden. Eine bestimmte Regel wird man hierfuer nicht
aufstellen koennen. Jedoch erscheint es zweckmaessig, den Delegierten schon vor
Antritt ihrer Reise in Deutschland, mindestens aber sofort nach ihrer Ankunft in
den USA, das vorgesehene Programm mitzuteilen und mit ihnen darueber zu sprechen,
damit gegebenenfalls Abaenderungswuensche der Teilnehmer~beruecksicht igt werden

-

5 -

�koennen. Diese fruehzeitige Information ermoeglicht es den Teilnehmern, sich vorher ueber die Reiseorte aus Handbuechern usw. zu unterrichten, sodass sie ihr Interesse auf die wirklich wesentlichen Dinge konzentrieren und spezifizierte Wuensche vorbringen koennen.
Es wurde in Washington diskutiert» ob auf einer Reise lieber mehr Orte aufgesucht oder die Verhaeltnisse in wenigen Orten gruendlich studiert werden sollen.
Ich glaube, dass es nicht zweckmaessig ist, zuviel Orte in ein Reiseprogramm aufzunehmen. Die Beschraenkung unserer eigenen Reiseroute auf nur fuenf Hauptplaetze
(New York, Detroit, Chicago, Milwaukee und Washington) erschien uns allen im wesentlicher, als richtig. Davon haben wir zu Reisebeginn knapp 7 Tage in New York,
18 in Detroit (davon 2 in der Umgebung), 5\ in Chicago, 14 in Milwaukee (davon 2 in
der Umgebung), 5 in Was hington und abschliessend nochmals 5 in New York zugebracht,
die aber zu einem erheblichen Teil von Reisevorbereitungen in Anspruch genommen
waren. Ich habe heute den Eindruck ( und er wird von anderen Teilnehmern unserer
Delegation geteilt), dass es fuer das Ergebnis unserer Reise vielleicht besser gewesen waere, den Aufenthalt in Detroit und Milwaukee um einige Tage zu verkuerzen,
um dadurch mehr Zeit fuer Chicago und Washington zu gewinnen. In Chicago haben
wir leider nur einen kleinen Teil der Dinge, die uns interessiert haetten, Studiaren
koennen. Auch in Washington erwies sich die Zeit als zu kurz, um dort bei den Zentralen der AFL und des CIO, im Labor Department usw. jenen zusammenfassenden Ueberblick ueber die von uns waehrend der Reise studierten Probleme zu gewinnen, den
wir uns gewuenscht haetten.
3. Relhefolge der Reise
Wir wurden bei unserer Studienreise sofort mitten in die Praxis des amerikanischen Gewerkschafts und Arbeitslebens hineingestellt. Das hatte den Vorteil, dass
wir unvoreingenommen an die einzelnen Probleme herantraten. Es hatte aber nach
meiner Auffassung den Nachteil, dass wir manchmal zuviel Einzelheiten (einzelne
Tarifvertraege, die Besonderheiten einzelner Gewerkschaften usw) vor uns hatten
und sie erst allmaehlich in groessere Zusammenhaenge einzuordnen vermochten. Ich
bin daher zu der Meinung gelangt, dass es fuer kuenftige Delegationen besser ist,
mit dem Studium in Washington D.C., zu beginnen, so wie das auch fuer die uns
nachfolgende zweite Gewerkschaftsdelegation arrangiert worden ist. In Washington
befinden sich die Zentralen der beiden grossen Gewerkschaftsverbaende. Hier sind
f.uch das Labor Department, die Social Security Administration und andere bundesstaatliche Behoerden. Den Delegationen kann daher zu Beginn ihrer Reise ein Ueberblick ueber alle Probleme und Einrichtungen, die sie studieren sollen, gegeben
werden| auch koennen sie hier das wichtigste zentrale Unterlagenmaterial erhalten
•und im weiteren Verlauf ihrer Reise laufend auswerten. Ein derartiges Vorgehen
ermoeglicht es dem einzelnen Delegierten, beim spaeteren Studium der Einzelheiten
das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und so zu einem tieferen Einblick in sein
Studiengebiet zu gelangen.
Ich wueide es ferner fuer v/ichtig halten, wenn die Delegationen in den einzelnen Orten noch vor der Durchfuehrung von Betriebsbesichtigungen mit den Resesrch
Departments der Gewerkschaften - soweit solche vorhanden sind- in Verbindung gebracht v/erden. Diese Departments haben haeufig ein grosses Material ueber die
Industrie, in der ihre Organisation Gewerkschaftsarbeit leistet und koennen so den
Delegierten, insbesondere v?enn sie Unterlagen fuer Spezialgebiete benoetigen, damit
an die Hand gehen. Wie notwendig das ist, zeigte mir z.B. unser Besuch der FordV.'erke in Detroit. Zweifellos war er sehr interessant und ich moechte die aufschlussreichen liindruecke, die er vermittelte, nicht missen. Aber vär erhielten keine
geschlossene Vorstellung von den oekonomischen und betriebstechnischen Problemen

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�der amerikanischen Autoindustrie, die m.E. notwendig i s t , um auch ihre Lohn- und
Arbeitsprobleme wirklich sachverstaendig b e u r t e i l e n zu koennen.
U. Zeiteinteilung
Der Studienerfolg einer Delegation haengt weitgehend von der oekonomischen
Zeiteinteilung und der zweckmaessigen Verteilung der Besichtigungen, Besprechungen,
Meetings usw. ab. In dieser Hinsicht i s t z e i t w e i l i g fuer unsere Delegation des
Guten zuviel getan worden. Insbesondere in Detroit und Milwaukee waren d e r a r t v i e l
Veranstaltungen fuer uns vorgesehen, dass wir haeufig 1A-16 Stunden auf den Beinen
waren. Wir hatten auf diese Weise zu wenig Z e i t , um unsere Eindruecke s c h r i f t l i c h
so ausfuebrlich, wie das wohl jeder wuenschte, festzuhalten und gedanklich zu vera r b e i t e n . Dafuer mussten oft die spaeten Nachtstunden verwendet werden. Auch
fanden wir durch die s t a r k e Beanspruchung kaum Z e i t , uns regelmaessig zu gemeinsamen Besprechungen zu versaranin, um auf ihnen das Geschaute und Erfahrene zu d i s kutieren und auszuwerten. Teilweise fanden wir e r s t waebrend der Heimfahrt die
Müsse, das Gehoerte und Gesehene zu ueberdenken und s c h r i f t l i c h zu f i x i e r e n . Anderers e i t s haben wir dadurch weitaus mehr Eindruecke empfangen, a l s das sonst moeglich
gewesen waere.
Aber nicht nur die absolute Zeitbeanspruchung einer Delegation muss von ihr
s e l b s t laufend s e l b s t k r i t i s c h beobachtet werden, damit sie Zeit zu Arbeitsbesprechungen und zum k r i t i s c h e n Verarbeiten des Materials behaelt. Sie muss vielmehr
auch danach trachten, die vorgesehenen Besichtigungen usw. so e i n z u t e i l e n , dass den
einzelnen Delegierten Gelegenheit b l e i b t , Studien auf ihren Spezialgebieten vorzunehmen. Meines Erachtens sind fuer unsere Delegation etwas zuviel gemeinsame Besuche, Besprechungen usw. durchgefuehrt worden, an denen a l l e Delegierten t e i l g e nommen haben. Dadurch konnte der einzelne Teilnehmer nicht immer im gewuenschten
Umfange seinen Spezialstudien nachgehen. Ich habe das z.B. in Detroit, Madison
und vor allem in Washington a l s einen Mangel empfunden. In V/'ashington h a t t e ich
auf diese '«eise nur Gelegenheit, mir einiges wichtige Material in der Social
Security Administration zu verschaffen, aber keine Z e i t , mich mit einigen der l e i tenden Beamten dieser Verwaltung ausfuehrlieher ueber die mich interessierenden
s o z i a l p o l i t i s c h e n Probleme zu unterhalten. Ich b i n daher der Auffassung, dass
kuenf t i g e Delegationen nur etwa d i e Haelfte ihrer Zeit fuer gemeinsame Besichtigungen, Veranstaltungen usw. verwenden, die andere Haelfte aber den einzelnen Teilnehmern fuer ihre Spezialstudien ueberlassen s o l l t e n .
Wenn ein Teil von uns bei seinen Spezialstudien etwas zu kurz gekommen i s t , so
i s t das aber auch darauf zurueckzufuehren, dass unsere Delegation stark von r e p r e e sentativen Aufgaben in Anspruch genommen war. Keine Delegation wird umhin koennen
repraesentativen Pflichten zu genuegen und auf Meetings, Konferenzen, o f f i z i e l l e n
Erapfaengen usw. zu erscheinen. Es duerfte jedoch angebracht sein, diese repraesent a t i v e n Anforderungen nicht zu ueberspannen.
5. Unterbringung der Delegation
Bei der erwaehnten Aussprache im Labor Department, ""ashington, wurde auch die
Frage d i s k u t i e r t , ob die Delegierten im Hotel oder in P r i v a t q u a r t i e r e n untergebracht
werden s o l l e n . Fuer die Unterbringung in Privatquartieren spricht, dass der Deleg i e r t e dadurch einen unmittelbaren und t i e f e r e n Einblick in die L e b e n s v e r h ä l t n i s s e
des amerikanischen Arbeiters e r h a e l t . Dennoch duerfte es nach unseren Erfahrungen
nicht zweckmaessig sein, 30 zu verfahren. Selbst wenn man die nicht zu unters*haetzende Belastung ausser Acht l i e s s e , die einer Arbeiterfamilie durch die mehrtaegige
oder laengere Aufnahme eines Gastes entstuende, i s t doch zu bedenken, dass der Deleg i e r t e im P r i v a t q u a r t i e r z e i t l i c h zu sehr gebunden i s t , •'Siecksichten auf die haeu3lichen Gewohnheiten seiner Gastgeber nehmen und sich mehr mit ihnen unterhalten muss,
a l s seiner Studien aufgäbe dienlich i s t . Er wird im P r i v a t q u a r t i e r ausserdem, vor
-

7

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�allem wenn Kinder vorhanden sind, nicht immer Gelegenheit haben, sich zurueckzuziehen und in Ruhe zu arbeiten. In dieser Hinsicht ist das Hotel weitaus geeigneter.
Ausserdem darf nicht verkannt v/erden, dass sich die Delegierten taeglich zu bestimmten Stunden fuer Besichtigungen, Besprechungen usw. versammeln und wiederholt
schnell von Programmaenderungen verstaendigt werden muss. Das ist weitaus schwieriger moeglich, wenn die einzelnen Delegierten in raeumlich dann vielleicht weit auseinander gelegenen Privatquartieren wohnen.
All das schliesst natuerlich nicht aus, dass die Delegierten zweitweilig, z.B.
fuer ein Wochenend oder bei Besichtigungen in kleinen Staedten in Privatquartieren
untergebracht werden, wie das bei unserer Delegation z.B. beim Besuch verschiedem er
Staedte im Staate Michigan der Fall war. Einblicke in die Wohn- und Lebensverhüeltnisse des amerikanischen Arbeiters koennen ausserdem durch Einladungen zum Abendessen und zu zwanglosen Ausspracheabenden gewonnen werden. Solche Einladungen sind
an uns haeufig ergangen, vor allem in Detroit und Milwaukee.
6. Neutralitaet der Delegation«
Wir wusaten, dass zwischen den einzelnen Gewerks chaftsverbaenden der USA. teilweise Spannungen bestehen. Es war fuer uns selbstverständlicher Grundsatz, das«
wir keine Partei fuer die eine oder andere Richtung ergriffen. Unser Bemuehen war
vielmehr, an jedem Ort die Verbindung zu allen Gewerkschaftsrichtungen aufzunehmen,
da wir das gesamte amerikanische Gewerkschaftsleben kennenlernen wollten. Das ist
uns nach meiner Ueberzeugung auch gelungen, war jedoch nicht immer ganz einfach,,
z.B. in Chicago. Als besonders angenehm haben wir es empfunden, dass wir in Milwaukee bereits am Bahnhof von Vertretern der AFL und des CIO gemeinsam empfangen
wurden, die dann auch auf einer folgenden Besprechung das Besichtigungsprogramm
ebenfalls gemeinsam mit uns festlegten.
7. Sprachschwierigkeiten
Es hat sich als ueberaus nuetzlich erwiesen, dass 2 von den 9 Mitgliedern
unserer Delegation, die bereits frueher einen Englandaufenthalt hatten, gute englische Sprachkenntnisse aufwiesen und daher bei Empfaengen und anderen Anlaes3en
als unsere Uebersetzer und Sprecher helfen konnten. Bis auf zwei andere Mitglieder
haben soweit ich feststellen konnte, auch die uebrigen Delegierten verhaeltnismaessig bald ihre Sprachkenntnisse soweit aufgebessert, dass sie sich verständlich
machen und auch ohne Uebersetzerhilfe ihren Studien nachgehen konnten. Im uebrigen
ist uns die Durchfuehrung unserer Aufgabe wesentlich dadurch erleichtert worden,
dass wir in jedan Ort Gewerkschaftler usw. fanden, die Deutsch sprachen und uns
behilflich waren. Ihre Hilfe wird bei keiner Delegation entbehrt werden koennen,
da selbst Delegierte mit guten Englisch-Kenntnissen nicht immer allen Sprachschwierigkeiten, die sich insbesondere bei Spezialfragen ergeben, gewachsen sind. Im
allgemeinen glaube ich jedoch sagen zu duerfen, dass wir mit unseren Sprachkenntnissen besser durchgekommen sind, als ich das anfaenglich selbst geglaubt hatte.

8.

Delegationsfuehrung

Die Mitglieder unserer Delegation gehoerten saemtlich der Unabhaengigen Gewerkschaftsorganisation Berlin (UGO) an. Es ergab sich daher praktisch von selbst,
dass Gustav Pietsch vom Bundesvorstand der UGC, dem wir die Anregung und Vorbereitung der Delegation verdanken, unser Delegationsleiter war. Bei Begruessungen,
Empfaengen usw. traten er und Fritz Heinemann vom Bundesvorstand der UGO als unsere
Sprecher auf. Das war m.E. richtig, da hierbei haeufig zwangslaeufig wichtige gewerkschaftspolitische Fragen angesprochen wurden und es auf diese "reise am besten
moeglich war, den amerikanischen Gewerkschaftlern die offizielle Haltung der UGO zu
vermitteln. Es duerfte sich m.E. auch bei anderen Delegationen empfehlen, dass sie
einen Mann ihres Vertrauens bzw. ein durch seine gewerkschaftliche Funktion besonder
geeignetes Iwitglied zu ihrem Leiter bestimmen, der u.a. dafuer zu sorgen haette,
dass die Delegation zu regelmaessigen Arbeitsbesprechungen zusammentritt, einen
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�staendigen Erfahrungsaustausch pflegt und ihre "Arbeitszeit" (siehe Bemerkungen zu
Punkt 6) zweckentsprechend einteilt.
Meines Erachtens koennte es auch recht foerderlich sein, wenn kuenftigen Delegationen, soweit solche beabsichtigt sind, jeweils ein Mitglied einer frueheren
Delegation beigeordnet wird, das sie mit seinen praktischen Erfahrungen unterstuetzt
und wesentlich zur technisch reibungslosen Durchführung der Studienreise beitragen
koennte.
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PKEBSEGEWERKSCHAFT UND GEWEHRSCHAFTSPRESSB
1. Allgemeines;
Ich habe den Aufenthalt in den USA auch dazu benutzt, mich - soweit das bei
der starken Beanspruchung durch die uebrigen Studien moeglich war - mit der Gewerkschaftsorganisation der Journalisten und de» amerikanischen Gewerkschaftspresse bekannt zu machen. In New York hatte ich waehrend der ersten Tage unseres Aufenthalts
und nochmals kurz vor unserer Abreise Gelegenheit, Ralph B. Novak. den SecretaryTreasurer der American Newspaper Guild (ANGJ zu sprechen der mich ueber diese Organisation informierte und mir die Satzungen sowie wertvolles Studienmaterial mitgab,
dessen Durcharbeitung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Ich hoffe, dass
sich daraus eine staendige Verbindung und ein Gedanken- und Schriftenaustausch
zwischen der ANG und dem Presseverband Berlin (UGO) entwickelt.
In den einzelnen von uns besuchten Staedten konnte ich die dortigen Funktionaere
der ANG sprechen und mir ihre Agreements mit den Zeitungen beschaffen, die unserer
Berliner Pressegewerkschaft aufschlussreiches Vergleichsmaterial bieten werden. Das
war vor allem in Detroit der Fall, wo ich unter Fuehrung von Praesident Frank Angelo
auch die "Detroit Free Press" besichtigen konnte, in Milwaukee, wo ich an einer Versammlung der Guild teilnahm und sprach, sowie in Chicago, wo ich :nich bei der Sekretaerin der Organisation, Dorothy Johnson, informieren konnte. In V/ashington war es
mir dagegen trotz mehrfacher Bemuehungen nicht moeglich, mit der ANG eine Zusammenkunft herbeizufuehren.
In allen Staedten konnte ich mir ferner die von den verschiedenen Gewerkschaften
herausgegebenen Zeitungen beschaffen und mich mit einigen Gewerkschaftsredakteuren
ueber ihr Arbeitsgebiet unterhalten. Wertvolle Aufschluesse verdanke ich Frank
Winn, dem Public Relations Director der UAV/-CIO, Detroit, Phil Pearl, dem Leiter
der Presseabteilung der AFL, '.Washington und Mr. Swim. der Leiter der Presseabteilung des CIO, Washington. In Chicago konnte ich ferner die Radiostation der AFL
besuchen.
So airegend und wertvoll diese Besuche, Besprechungen und die erhaltenen Materialien auch fuer mich und meine hiesige Pressegewerkschaft sind, so reichen sie
doch noch nicht aus, um zu einem wirklich fundierten Urteil ueber die amerikanische
Pressegewerkschaft und die Gewerkschaftspresse zu gelangen. Ich beschraenke mich
daher auf die folgenden Bemerkungen.
2. Pressegewerkschaft
Das Organisationsprinzip der zum CIO gehoerenden ANG weicht stark von dem der
deutschen Presseverbaende ab. 7/aehrend die deutschen Pressegewerkschaften seit
jeher nur wirkliche Journalisten als Mitglieder aufnehmen, organisiert die ANG alle
Beschaeftigten einer Zeitung, mit Ausnahme des technischen Personals, das - wie
z.B. die Buchdrucker - zu Facharbeitergewerkschaften gehoert. Ihre Mitglieder sind
also nicht nur Journalisten, sondern auch die uebrigen Angesteilten, Boten usw.
In Detroit sind auf diese "Veise von den ueber 750 Mitgliedern der Organisation nur
etwa 200 eigentliche Journalisten. Ich halte dieses Prinzip der Industrieorganisation - das fuer andere Arbeitnehmer richtig sein mag - fuer die deutschen Journalisten

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�nicht fuer anwendbar. Nach Auffassung der deutschen Journalisten sind ihre wirtschaftlichen, sozialen und beruflichen Interessen grundlegend andere als die z.B.,
des kauf maennisehen Bueropersonals einer Zeitung. Ihre Vertretung durch ein und
dieselbe Gewerkschaft erscheint nicht als zweckmaessig.
Andererseits ist der Mit gliederkreis der ANG begrenzter als jener deutscher
Presseverbaende. Teilweise sind nach den mir zugaenglich gewordenen Agreements die
Chefredakteure und die leitenden Redakteure der einzelnen Sparten einer Zeitung
nicht Mitglieder der Union, waehrend sie in Deutschland selbstverstaendlich als
Mitglieder aufgenommen werden. Ferner organisieren die deutschen Presseverbaende
alle Journalisten, also auch die Journalisten, die im Rundfunk, in amtlichen und
privaten Pressestellen taetig sind, waehrend in den USA die RundfunkJournalisten und
Kommentatoren besonderen Rundfunkgewerkschaften angehoeren.
Die ANG. schliesst, aehnlich wie die meisten amerikanischen Gewerkschaften,
ihre Tarifvertraege mit den einzelnen Zeitungen ab. Die deutschen Pressegewerkschaften - auch der Presseverband Berlin- haben in der Regel Tarifvertraege mit Verbaenden
der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger abgeschlossen und halten das auch fernerhin
fuer richtig.
aus der andersgearteten Struktur der amerikanischen Presse ergibt essich, dass
dort nur wenig sogenannte "freie Journalisten" (free-line-men) taetig und organisiert
sind. In der deutschen Presse stellen diese freien Mitarbeiter, die keine Arbeitsvertraege mit den Zeitungen haben, sondern gegen Honorar oder vereinbartes Fixum
arbeiten, einen erheblichen Teil der Journalisten. Im Presseverband Berlin stellen
sie z.B. etwa 27 % der Mitglieder. Die gewerkschaftliche Vertretung der Interessen
dieser Mitglieder ist ein rech t schwieriges Problem.
In den Satzungen der ANG sind keine Bestimmungen ueber besondere Unterstuetzungsleistungen in Faellen von Krankheit, Not oder Alter enthalten (dagegen versucht
man in den agreements solche Vorschriften aufzunehmen), waehrend die deutschen
Presseverbaende stets ein reges Unterstuetzungswesen hatten und gegenwaertig dabei
sind, es neu aufzubauen. Insbesondere soll das fruehere "Versorgungswerk der deutschen Presse" wieder in Gang gebracht werden. Das schliesst nicht aus, dass auch
die deutschen Pressegewerkschaften aehnlich wie die amerikanischen bei kuenftigen
TarifVerhandlungen versuchen, die Zeitungsy und Zeitschriftenverleger wieder zu besonderen Beitraegen fuer diese Unterstuetzungseinrichtungen heranzuziehen.
3. Gewerkschaftspresse
'.Vaehrend sich die deutsche Gewerkschaftspresse erst wieder im Aufbau befindet
und mit Papier- und auch Finanzierungsschwierigkeiten zu kaempfen hat, haben die
amerikanischen Gewerkschaften ein ausserordentlich vielseitiges Pressewesen. Wahl
war mir ein Teil davon schon bekannt. Ss ueberraschte mich aber doch zu sehen,
wie ruehrig selbst die einzelnen "locals" sei es durch eigene Zeitungen, sei es
durch laufende hektographierte Mittel lungsblaetter ihre Mitglieder ueber die gewerkschaftlichen Fragen auf zuklaeren suchen.
Angesichts der Fuelle der gewerkschaftlichen Presserveroeffentlichungen werde
ich noch einige Zeit benoetigen, um das erhaltene Material durchzuarbeiten und zu
einem fundierteren Urteil ueber seinen Inhalt zu gelangen. Ich betrachte es jedoch
bereits als ein wertvolles Ergebnis der Studienreise, dass die UGO auf meine entsprechenden Anregungen hin von einer Reihe groesserer Gewerkschaften und den Zentralen der AFL. und des CIO. regelmaessig die Geiverkschaftsveroeffentlichungen zugestellt erhalten soll. Aus dieser staendigen Information verspreche ich mir gute
Anregungen fuer die hiesige Gewerkschaftspresse und Gewerkschaftstaetigkeit.
Soweit ich bisher schon zu beurteilen vermag, steht die amerikanische Gewerkschaftspresse grundsaetzlich vor denselben Problemen wie die deutsche. Das Hauptproblem sehe ich darin, den Inhalt der Gewerkschaftszeitungen zu gestalten, dass er
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�die Mitglieder interessiert und wirklich von ihnen gelesen wird. Einzelne Untersuchungen, z.B. in Detroit, haben ergeben, dass nur ein verhaeltnismaessig kleiner
Teil der Mitglieder seine Gewerkschaftszeitung regelmaessig liest. Die Gewerkschaften berauehen sich darum, hierin einen Wandel zu schaffen und den:Inhalt ihrer
Blaetter anziehender zu machen. Das duerfte Jedoch weitgehend davon abhaengen, ob
es gelingt, qualifizierte Journalisten als Gewerkschaftsredakteure zu gewinnen.
Mir steht kein Urteil ueber die Qualifikation der amerikanischen Gewerkschaftsredakteure und das Niveau der dortigen -Gewerkschaftspresse zu. Jedoch muss ich, um
meiner Berichterstatterpflicht zu genuegen, darauf hinweisen, dass mir einige kenntnisreiche Leute, insbesondere in Washington, erklaerten, so umfangreich die amerikanische Gewerkschaftspresse auch sei, so habe sie doch gegenwaertig nur wenige wirklich gut geleitete Blaetter und nur einen kleinen Stanm befaehigter GewerkschaftsJournalisten. Angesichts der Geldmittel, ueber die insbesondere die groesseren Gewerkschaften und die grossen Gewerkschaftsverbaende verfuegen, miesste es - nach
dieser Meinung- moeglich sein, das Niveau der amerikanischen Gewerkschaftspresse
wesentlich zu heben und bessere Redakteure zu gewinnen. Voraussetzung dafuer sei
aber auch, dass sich die Gewerkschaften entschliessen, ihre Redakteure besser zu
bezahlen und ihnen groessere Freiheit in der eigenverantwortlichen Gestaltung des
Inhalts der von ihnen geleiteten Zeitungen einzuraeumen. Ich kann diese Aeusserungen hier zunaechst nur ohne eigene Stellungnahme wiedergeben und moechte hinzufuegen,
dass aehnliche Kritiken auch hinsichtlich der deutschen Gewerkschaftspresse wiederholt aufgetaucht sind.
Angesichts der Staerke der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung war ich etwas
ueberrascht, dass keine gewerkschaftliche Tageszeitung vorhanden ist. Aus Unterhaltungen, insbesondere mit dem Editor der UAW-Zeitung, Mr. Winn, Detroit, erfuhr
ich, dass diese FrRge bereits ernsthaft diskutiert wird. Die Schwierigkeiten, die
der Verwirklichung eines derartigen Projektes gegenueberstehen, erscheinen den
Gewerkschaften nach der Darstellung, die mir zuteil wurde, aber gegenwaertig noch
zu gross zu sein. Jedoch glaubt man, dass sich die Herausgabe einer gewerkschaftlichen Tageszeitung dann eher verwirklichen liesse, wenn es einmal zu einer Vereinigung der AFL und des CIO in einer machtvollen Gewerkschaftsorganisation kaeme.
Schlussbemerkungen;
Mein Bericht ist wesentlich umfangreicher geworden,als mir anfaenglich vorschwebte. Dennoch gibt er nur einen Teil der Ergebnisse, Erfahrungen und Beobachtungen wieder, die ich von unserer Studienreise mitbringen konnte. Ich hoffe, die
zahlreichen Anregungen und Einsichten, die ich empfangen habe, durch das Studium
des umfangreichen, mitgebrachten Studienmaterials weiter vertiefen und zum Nutzen
der demokratischen Gewerkschaftsbewegung sowie im Dienste einer fortschrittlichen
Sozialpolitik auswerten zu koennen.
Es verbleibt mir zum Schlüsse die angenehme Pflicht, der Amerikanischen Militaerregierung mit all ihren beteiligten Stellen und dem Labor Department, Washington, herzlich dafuer zu danken, dass sie mir die Teilnahme an der Studienreise ermoeglicht haben.
Berlin, den 31. Mai 1949
DEUTSCHE GK7SRK5CHAFTLSR STUDIEREN IN DEN VEREINIGTEN
STAATEN
Die z'.vcite Gruppe fuehrender deutscher Gewerkschaftsfunktionaere die die Vereinigten Staaten besuchen, um die Techniken der modernen demokratischen Arbeiterorganisationen zu studieren, kamen im Mai auf ihrem Wege nach verschiedenen Staedten
des Landes nach "'ashington.
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�Den 6 Leuten der zweiten Gruppe folgten weitere 11, die im April angekommer
waren. Waehrend ihres Aufenthalts in Washington besichtigten beide Gruppen Bundesstellen, die sich mit Arbeiterangelegenheiten befassen; sie besuchten Arbeitsausschuesse des Kongresses und trafen mit Gewerkschaftsfuehrern in den Landeshauptsteilen der AFL, des CIO, der Eisenbahner-Exekutiven und anderer Arbeitnehmer und Arbeitgeber-Grgani3ationen zusammen. Alles in allem werden 50 deutsche Gewerkschaftler nach den Vereinigten Staaten gehen, um die Methoden der amerikanischen Arbeiterschaft zu studieren.
Unter Mithilfe der Armee
Die Deutschen besuchen die Vereinigten Staaten gemaess einem Abkommen zwischen
dem Kriegeministerium und dem Arbeitsministerium unter Mitarbeit der Manpower Division der Amerikanischen Militaerregierung in Deutschland. Die deutschen Gewerkschaften waehlen zukuenftige oder jetzige Fuehrer fuer die Schulung aus, und die
Manpower Division trifft alle notwendigen Vorbereitungen und stellt die Psp iere aus,
bevor die Schulungsteilnehmer Deutschland verlassen.
Alle Teilnehmer haben eine antinazistische und antikommunistische Vergangenheit
und befinden sich in Stellungen, in denen sie in der Lage sind, die Entwicklung einer
demokratischen Gewerkschaftsbewegung in Deutschland wesentlich zu beeinflussen.
Viele von ihnen haben eine lange Zeit in Konzentrationslagern zugebracht und wurden
wegen ihrer demokratischen und gewerkschaftlichen Gesinnung von der Gestapo ueberrwacht.
Die Schulungsteilnehmer bleiben 60 Tage in den Vereinigten Staaten. Das Reiseprogramm wird vom Buero fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten beim Arbeitsministerium zusammen mit der AFL, dem CIO und den unabhaengigen Gewerkschaften
aufgestellt. Es umfasst 1 Woche allgemeine Orientierung in Washington, einen Besuch in wenigstens 2 grösseren Staedten und ihre Betreuung durch die Ortsgewerkschaften, sowie schliesslich eine allgemeine Zusammenfassung der Erfahrungen etc. in
Washington.
Die Deutschen besichtigen amerikanische Werke, wohnen bei Arbeitern und studieren Lohnverhandlungen, und das Gewerkschaftswesen, Lehrlings,»vesen, Schiedsverfahren,
Kollektiwerhandlungen, und Arbeiterbildung. Im Allgemeinen koennen sie beobachten,
welche Rolle freie und demokratische Gewerkschaften in unserer Gesellschaft spielen.
Die 6 deutschen Besucher befinden sich jetzt in Chicago, wo sie unter der
Betreuung seitens der Textilarbeitergewerkschaft, die dam CIO angeschlossen ist, ihre
Studien machen. Andere halten sich in Atlante auf und studieren dort unter Anleitung
der Zentralstelle der AFL, einige sind in Milwaukee und in Madison, Wisconsin, bei
der AFL. Eine weitere Gruppe haelt sich in Pittsburgh beim CIO auf.
Die Unterhandlungen mit den Lokal- oder Ortsgewerkschaften werden durch die
Landeszentralstellen der Gewerkschaften in Washington gefuehrt. James F. Taylor
befasst sich mit der Durchfuehrung des Programms im Buero fuer Internationale Arbei tsangelegenheiten.
Der Arbeitsminister Tobin bezeichnete das Programm als einen "Versuch, die
Arbeiter wieder erneut zu inspirieren und ihnen zu zeigen, dass die Demokratie wirksam sein kann, und dass es wohl der Muehe wert ist, dass man fuer sie kaempft."
Amerikanisches Arbeitsministerium,
"Information Bulletin" Juni 1949
DIE KAMPFSTRATEGIE DER AMERIKANISCHEN
MEDIZINISCHEN GESELLSCHAFT
Die Amerikanische Aerzte-Vereinigung (AMA) fuehrt augenblicklich einen Kampf
gegen das Oeffentlichte Gesundheitsprogramm, das Praesident Truman in Vorschlag
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�gebracht hat und jetzt vom Kongress erwogen wird. Die organisierte Arbeiterschaft
unterstuetzt dieses Programm. Es ist behauptet worden, dass die AMA einen Fonds
in Hoehe von 3^Millionen Dollar unterhaelt, der fuer Propagandazwecke verwendet wird.
Der Kampfplan wurde kuerzlich in einem aerztlichen Lokalblatt enthuellt und ist von
der AFL veroeffentlicht worden.
"Dieser Plan ist durch viel uherhoerte Massnahmen und Zuege gekennzeichnet.
So will man dazu uebergehen, dass alle fuehrenden Zeitungen und Zeitschriften veranlasst werden sollen, Propagandaartikel gegen die Krankenversicherung zu schreiben,
die dann in einer riesigen Auflage gedruckt werden sollen.
"Wir haben die Absicht, mit den grossen Zeitungen und den Magazinen zusammenzuarbeiten, um sie dazu zu veranlassen, eine besondere Arbeit zu leisten, und
diese Arbeit hat schon einen guten Anfang genommen", geht aus der Schrift hervor.
Wenn erst einmal ein Artikel in einer Zeitschrift bzw. Zeitung von nationaler Bedeutung erschienen ist, dann werden Abdrucke dieses Artikels in die Haende von
Leuten gelangen, die eine Schluesselstellung einnehmen, damit dann die Abdruecke
ueber das ganze Land hinweg verbreitet werden."
"Noch unverschaemter ist die Art und ".'eise, wie die AMA die Mitglieder des
Kongresses propagandistisch zu erfassen gedenkt. Die Soche soll etwa so vor sich
gehen»' Wir muessen den Hausarzt eines jeden Kongressmitgliedes und jedes amerikanischen Senators ausfindig machen und ihn dazu veranlassen, dass er - der Arzt seinem Patienten einen persoenlichen Brief schreibt, in dem er ihn auf die Gefahren
einer sozialisierten Medizin aufmerksam macht, und in dem er ihn um seine Hilfe
bittet, zur Vereitelung der Einfuehrung irgendeines obligatorischen Krankenversicherungsprogramma, das eventuell eingebracht wird, beizutragen!
"Auch jedes aerztliche Sprechzimmer muss zu einem Propagandazentrum gegen die
Krankenversicherung werden. Reproduktionen eines klassischen Gemaeides mit dem
Titel "Der Arzt" sollen in jedem Sprechzimmer angebracht werden. Das Bild zeigt
den Hausarzt einer Familie, wie er am Bett eines ernstlich erkrankten Kindes sitzt.
Unter dem Bilde befindet sich ein Spruch in grossen Buchstaben mit der Ueberachrift
"Lasst auf diesem Bilde die Politik aus dem Spiel". In vollkommener Verdrehung der
Ziele der Krankenversicherung, heisst es in der Botschaft; 'Sie wuerde noch einen
Dritten - den Politiker - zwischen Dich und den Arzt stellen. Die Gesundheit
Deiner Familie wuerde an den Buerokratismus gefesselt werden. Der Erfolg waeren
hohe Abgaben vom Lohn - und minderwertige aerztliche Betreuung fuer Dich und
Deine Familie. Lass das hier nicht zui"
"Das ist eine der vielen Methoden, mit denen der"Aerztetrust" hofft,
Millionen von Patienten zu taeuschen, indem er sie glauben machen will, dass die
Krankenversicherung sie zu schaedigen beabsichtigt. In dem betreffenden Artikel
3ind noch mehr "Schlachtplaene" angefuehrt. Sie bringen den Nachweis dafuer, dass
die 3-^- Millionen Dollar fuer eine der boesartigeten, zuegellosesten und hinterlistigsten, truegerischsten Kampagnen in der Geschichte des Landes verwendet werden
sollen."
"AFL V/eekly News Service" 13. Juni 1949
EIN NEUES LOHNSYSTEM IN DER ENGLISCHEN
BAUMWOLLINDUSTRIE
Die englische Baumwollindustrie sieht sich der harten Notwendigkeit gegenueber,
dass die Arbeiter die Produktion erhoehen muessen. Die Gewerkschaften arbeiten mit
den Arbeitgebern zusanaan In dem Bemuehen, die Leistungsfaehigkeit der Baumwollteztilwerke zu steigern. Es handelt sich hier keineswegs um eine leichte Aufgabe, da
die Arbeitsweise geaendert werden muss.

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In manchen Faellen muessen die Lohnskalen

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�dementsprechend angeglichen werden. Es muessen mehr Arbeiten nach dem Akkordsystem
geleistet werden. Viele Arbeiter, die beunruhigt sind, wollen manche dieser Aenderur
gen nicht hinnehmen.
Es ergibt sich daher fuer die Gewerkschaften die Notwendigkeit, eine gewaltige
Schulungskampagne einzuleiten, um dadurch den Arbeitern verstaendlich zu machen,
dass diese Aenderungen notwendig sind, wenn die Industrie gedeihen soll. Trotzdem
klammern sich viele Arbeiter noch an die bestehenden Methoden. Nachstehend folgt
eine Darlegung der Arbei-tsziele der Kommission der Baumwollfabrikation,' die in der
offiziellen Zeitschrift des Britischen Gewerkschaftsbundes (TDC) erschien. Den
Arbeitern wird darin erklaert, dass das Problem einem eingehenden Studium unterzogen wird, und dass die neuen Plaene zunaechst einmal sozusagen "imaginaer", begrifflich, untersucht werden, bevor man an ihre Verwirklichung geht.
Der Gang des "imaginaeren" Experiments
"Bis jetzt ist noch kein Abkommen zwischen den Arbeitgebern und der Organisation der Weber getroffen worden." Es wurden zunaechst Kalkulationen vorgenommen,
was auch jetzt noch der Fall ist, aus denen sich der Verdienst fuer verschiedene
Arbeitsarten ergibt, bevor Lohnaenderungen vorgenommen wurden. Aus einem vorläufigen Bericht der Kommission geht hervor, dass die Studien bei 39 verschiedenen Firmen
noch ihren Fortgang nehmen, was einem Querschnitt durch die gesamte Industrie entspricht.
Die Loehne sind viel hoeher
"Die Kommission hebt hervor, dass jedes neue Lohnsystem, dem zufolge die Zahlung nach der Leistung abgestuft wird, manchen Webern die Moeglichkeit gibt, ihren
Verdienst zu erhoehen, dass sich aber fuer andere wiederum eine unvermeidliche Lohnherabsetzung ergeben wird, wenn die Arbeitsbedingungen die gleichen bleiben, und
wenn keine Umstellung im Betriebe vorgenommen wird.
Wo sich jedoch bei den Studien ein Verlust an Lohn zeigte, muss auch gesagt
werden, dass der Weber diesen dadurch ausgleichen kann, indem er einen zusaetzlichen
Webstuhl uebernimmt oder weitere Webstuehle, ohne dass er deshalb irgendwie unangemessen ueberansprucht wird. Und wo die Umstellung richtig durchgeführt wird,
wird auch der groesste Teil der Weber nach dem Plan der Kommission mehr verdienen
als dies jetzt der Fall ist."
Ein weiterer Faktor, den die Kommission bei der Ausarbeitung ihres Lohnsystems
in Betracht zog, war, darauf zu achten, dass Kunstseide-Weber, die bisher einen
Stttcklohnsatz hatten, der bis zu 40? hoeher war als der der Baumwollweber, diesen
Vorteil nicht weiterhin geniessen sollten lediglich auf Grund der Tatsache, dass
Kunstseide leichter zu verarbeiten ist.
Die Selbstkosten werden herabgesetzt
In einer Anzahl Webereien wurden auch tatsäechliche Versuche durch die Vereinigten Industrieberater, Lancashire, durchgefuehrt. Es ergab sich eine allgemeine
Steigerung bei den Loehnen und in der Produktion, wobei gleichzeitig ein Fallen
der Selbstkosten zu verzeichnen war. Bei den Loehnen ergab sich durchschnittlich
eine Erhoehung von 43? nach dem augenblicklichen Stande, und die Produktion pro
Stunde und Arbeiter wurde durchschnittlich um 89? gesteigert.
In diesen Webereien ergaben sich bei der Kalkulation der Loehne nach dem
neuen System keine Schwierigkeiten, weder fuer die Weber noch fuer die Betriebsleitung. Die Qualitaet des Gewebes wurde nicht schlechter - in vielen Faellen war
sie sogar besser -, und von 380 davon betroffenen Webern "haben bisher nur 2 bei
einem groesseren Arbeitsanfall keine Ausdauer an den Tag gelegt."
Abschliessend bemerkt die Kommission;"Wir haben nicht die Absicht, den Eindruck
zu erwecken, das3 sich Erfolge dieser Art nun bei jeder Spinnerei zeigen muessen,
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�wo das neue Lohnsystem zusammen mit der betrieblichen Umstellung eingefuehrt ist.
"Andererseits sind die Schilderungen, die wir hier gegeben haben, nicht etwa
sorgfaeltig ausgesucht worden als solche, bei denen sich die besten Erfolge gezeigt haben, sondern sie erstrecken sich auf alle Spinnereien, bei denen diese
Umstellungen vorgenommen wurden, bzw. bei denen das neue System lange genug eingefuehrt war, um den Erfolg beurteilen zu koennen. In jedem Falle spricht der Erfolg
fuer sich selbst."
Aenderung im System
Was die gesetzliche Seite angeht, so sind Vorkehrungen getroffen worden, dass
dem Weber kein Akkordsatz gezahlt werden darf, der unter dem liegt, wie er im Abkommen von 1937 festgelegt ist. Das bietet natuerlich kein Hindernis, das schwer
zu ueberwinden waere, da es noch heutzutage unfassbar waere, von den V/erkleitungen
wie auch von den Webern zu wrwarten, dass sie bis zur betrieblichen Umstellung ein
System akzeptieren, demzufolge der augenblickliche Durchschnittslohn gesenkt wird.
Die Kommission empfiehlt daher den Arbeitgebern wie auch den Gewerkschaften,
ein neues Abkommen zu treffen, das jedem Fabrikanten - mit Zustimmung seiner Leute
und ihrer Organisation- gestattet, das neue Lohnsystem einzufuehren.
"Labour" Juni 1949
DIE ILO SOLL DAS PAKAMA-SCHIFFSPROBLBM
UNTERSUCHEN
"Die Internationale Organisation fuer Arbeitsangelegenheiten (ILO) berief
die erste Sitzung ihres aus 3 Parteien zusammengesetzten Untersuchungsausschusses
zusammen, um die Verhaeltnisse auf den Schiffen untersuchen zu lassen, die unter
der Flagge von Panama fahren.
Die Handelsmarine von Panama , die bis kurz vor dem Kriege nur etwas mehr als
eine halbe Million Tonnen besass, ist jetzt auf etwa 2|- - 3 Millionen Tonnen ange-*
wachsen, wovon ein grosser Teil auslaendischen Schiffahrtsgesellschaften gehoert.
Der Internationale Transportarbeiter-Verband (ITF) und die Schiffahrtsgewerkschaften der AFL haben die Behauptung aufgestellt, dass viele Schiffe der Flagge
von Panama unterstellt wurden, um dadurch der Besteuerung und den Devisenbeschraenkungen zu entgehen, wie auch der Einfuehrung von Normen, die geeignet sind, die
Sicherheit des Lebens auf See zu schuetzen, und die Lohnsaetze und andere Einstellungsbedingungen fuer Seeleute, wie sie von den fortschrittlichen Seemaechten
durchgesetzt worden sind. Der Verband empfahl daher, diejenigen Schiffe, die aus
diesen Gruenden abgegeben worden sind, zu boykottieren.
Die Regierung von Panama hat an den Geschaeftsfuehrenden Ausschuss der ILO
die Aufforderung gerichtet, einen aus 3 Parteien zusammengesetzten Ausschuss zu
ernennen, der eine unparteiische Untersuchungs der Behauptungen des ITF vornehmen
soll, insbesondere hinsichtlich der Sicherheitsverhaeltnisse und Einstellungsbedingungen an Bord derjenigen Schiffe, die unter der Flagge Panamas fahren.
"AFL Weekly News Service" 13. Mai 1949
DER STREIK DER ENGLISCHEN DOCKARBEITER
Es ist zu erwarten, dass die Kommunisten in der Arbeiterbewegung versuchen
v/erden, im Transportwesen die Kontrolle ueber die Gewerkschaften in ihre Haende
zu bekommen. Die kommunistischen Bemuehungen in dieser Hinsicht sind ein schlüssiger Beweis fuer ihre politischen Ziele. Es ist daher nicht erstaunlich, dass der
jahrelange Konflikt zwischen den rivalisierenden .Gewerkschaften im Kampf um die
Kontrolle der Schiffahrt in Canada groesstes Aufsehen in der Welt erregt hat, obwohl
nicht mehr als 20.000 Menschen davon betroffen wurden.
Der Kampf wird zwischen dem canadischen Seeleute-Verband, der angeblich von den
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�Kommunisten beherrscht wird, und der Internationalen Seeleute-Gewerkschaft, (SIU),
die der AFL angeschlossen i s t und s t a r k antikommunistisch i s t , ausgetragen. Die
e r s t e r e , der CSU, behauptet, dass die SIU eine Kampagne e i n g e l e i t e t hat mit dem Ziel,
die Kontrolle ueber die bisher beim CSU o r g a n i s i e r t e n Leute in die Haende zu bekommen
Es hat nun den Anschein, a l s wenn die SIU in ihren Bestrebungen von gewissen Schifffahrtsgewellschaften u n t e r s t u e t z t wird. Dieser Prozess des Eindringens einer Gewerkschaft in die Interessensphaere eter anderen, was man in Amerika mit "raiding" (etwa
eine "Razzia" durchfuehren) bezeichnet, wird von den amerikanischen Gewerkschaften
g e m i s s b i l l i g t . Diese uebliche Missbilligung scheint aber auf ein "raiding" nicht
anwendbar zu sein, wenn es um den Kommunismus geht, und die SIU fuehrt ihren Kampf
wegen des Kommunismus.
Im canadischen S t r e i t hat der CSU an Boden verloren und hat somit zum Streik
aufgerufen. Die mit CSU-Leuten bemannten Schiffe liegen i n verschiedenen Haefeu der
Welt f e s t . Der CSU hat aber ueberdies ueberall an die Dockarbeiter einen Aufruf
erlassen, s i c h zu weigern, Schiffe unter canadischer Flagge, die mit SIU-Besatzungen
bemannt sind, auszuladen. Das e r k l a e r t den Streik in gewissen englischen Haefen, wo
sich die Dockarbeiter s e i t einigen Viochen geweigert haben, mit SIU-Leuten bemannte
Schiffe abzufertigen.
Auf Grund des S t r e i k s der englischen Dockarbeiter gegen die mit SIU-Leuten bemannten Schiffe hat die AFL mit einem Streik gegen englische Schiffe gedroht. Unlaengst veroeffentlichten Pressemeldungen zufolge wurde der englische Dockarbeiters t r e i k um den 15. Juni herum beendet. Die S t r e i t f r a g e i s t aber noch nicht abgeschlossen. Zweifellos wird der Kampf zwischen den rechtsstehenden und linksstehenden
Gewerkschaften der Seeleute wieder aufleben.

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Manpower Division
OMGUS, APO 742

(OMSDS 9 - 2 0 3 4 LAHB J u l j 49 »$C)

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEI1
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder,
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Aul Wunsch werden diese auch einxelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II-

2°

Berlin, 8. Juli 1949
INHALTSVERZEICHNIS
Amerikanischer Arbeiterfuehrer t r i t t aus der
kommunistischen Partei aus
—
Plaene fuer einen neuen Weltgewerkschaftsbund
Das Internationale Problem des Arbeitseinsatzes
Der X. Kongress der Sowjetischen Gewerkschaften
Die Jugoslawischen Stahlarbeiter haben keine
Disziplin
Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern breitet sich in den Vereinigten Staaten aus CIO sorgt fuer seine Mitglieder
Meinungsverschiedenheiten unter den amerikanischen
Arbeiterfuehrern
Zum ersten Jahrestag des ERP

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AMERIKAinSCRER ARBm'EHKUfliKER TRITT AUS DER
KOMIdNISTlSCHKN PARTEI ABB
Max Perlow, ein fuehrender Funktionaer des Verbandes der Vereinigten Moebeiarbeiter (CIO) ist aus der kommunistischen Partei ausgetreten, weil er es vorzieht,
seine Stellung in der Gewerkschaft beizubehalten. Er hatte sich zu diesem Schritt
entschlossen, weil seine Gewerkschaft nach den gesetzlichen Bestimmungen keine
gesetzlichen Rechte fuer sich in Ansiruch nehmen kann, wenn Jemand aus den Reihen
der Funktlonaere Mitglied der kommunistischen Partei i s t . Perlow erklaerte Jedoch,
dass er immer noch an den Kommunismus glaube^ und dass dies sein verfassungsgemaesses Recht s e i .
"New York Herald Tribüne"
(Paris) 7. Juni 1%9

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�PLAENE FÜER EINEN NEUEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND
Zweifellos werden die deutschen Gewerkschaftler Interesse an der folgenden
zusaramengefaasten Darstellung der juengsten Ereignisse haben, die mit der Gruendung
eines demokratischen Weltgewerkschaftsbünde» zusammenhaengen. Diese Darstellung
stammt von Irving Brown, dem Europavertreter der AFL. Wir geben den Artikel vollinhaltlich wieder. Wer daran interessiert ist, das periodisch von Mr. Brown herausgegebene Nachrichtenblatt (Newsletter) zu lesen, kann sich mit ihm unter folgender Adresse in Verbindung setzen; Mr. Irving Brown, 33, Avenue de 1'Armee, Bruessel,
Belgien.
Eine neue Weltbewegung; der Arbeiterschaft
"Am 18. Januar 1%9 erklaerten die Vertreter des Britischen Gewerkschaftsbimdes
(TUC), unterstuetzt vom GIO und den Hollaendern, ihren Austritt aus dem Weltgewerkschaftsbund (WFTü). Am 25. Juni ds. Jhs. wird in Genf, in der Schweiz, eine Konferenz der Delegierten der freien Gewerkschaften der Welt, die vom Britischen TUC
einberufen wurde, stattfinden. Was hat sich nun in der Gewerkschaftswelt waebrend
des Zeitraums von 6 Monaten ereignet. Welche Fortschritte sind in bezug auf die
Gruendung einer neuen internationalen Arbeiterbewegung erzielt worden. Welche
Aussichten bestehen fuer die Zukunft«
Die Internationalen Gewerkschaftssekretariate werden aktiv
Am 8. Maerz fand in Bournemouth, England, eine Konferenz der Internationalen
Gewerkschafts-Sekretariate statt. Alle Gewerkschaftssekretariate waren vertreten,
mit Ausnahme des Internationalen Bergarbeiter-Verbandes. Diese 15 Gewerkschaftssekretariate repraesentieren annähernd 18 Millionen Arbeiter. Nach einer ernsthaften und demokratisch gefuehrten Aussprache, die sich 3 Tage lang hinzog, wurde
ein koordinierender Ausschuss gebildet, der die gemeinsamen Interessen aller Sekretariate vertritt. Das Ersuchen seitens des WFTO, zu den Sitzungen zugelassen zu
werden, wurde einstimmig abgelehnt. Dies bildete den ersten internationalen Beschluss von Bedeutung in der Trennung vom WFTU seit dem Austritt der Englaender,
sowie einen Schritt vorwaerts auf dem Wege zur Bildung einer neuen und freien internationalen Arbeiterbewegung, die auf nationalen freien Gewerkschaftszentralen begruendet ist Beistand und Unterstuetzung seitens der internationalen Gewerkschaftssekretariate. 3 Delegierte des koordinierten Ausschusses der internationalen Gewerkschaftssekretariate werden am 25. Juni auf der Genfer Tagung anwesend sein«
Die Gewerkschaften und das Ruhrgebiet
Am 15. Maerz trafen die Vertreter der Gruben- und Metallarbeitergewerkschaften
aus Frankreich, Holland, Belgien, Luxemburg, Deutschland und den Vereinigten Staaten
in der Stadt Luxemburg zusammen, um sich ueber ein Programm bzw. eine Organisationsform fuer die Beteiligung der Gewerkschaften an der internationalen Kontrolle der
Ruhrkohle, des Eisens und der Stahlindustrie schluessig zu werden. Hier wurde zum
ersten Male seit Beendigung des Krieges mit Unterstuetzung der Amerikanischen Arbeiterschaft durch die Forderung nach einer gemeinsamen gewerkschaftlichen Beteiligung an der Ruhrkontrollbehoerde eine deutsch-franzoesische Annaeherung erreicht.
Ueberdies* fanden die Forderungen der deutschen Gewerkschaften in bezug auf die
Ruhrindustrie die einstimmige Unterstuetzung s eltens ihrer Gewerkschaftekameraden
im Ausland. Es wurde ein Gewerkschaftskomitee, an dem alle Gewerkschaften beteiligt
sind, sowie ein Sekretariat in Luxemburg gebildet, dass sich mit den Ruhrproblemen
befassen soll. Diese Organisation trifft jetzt Vorbereitungen, ihre Forderungen
bei der Ruhrkontrollbehoerde wie auch bei den beteiligten Regierungen geltend zu
machen. Es handelt sich hier um eine bedeutende internationale gewerkschaftliche
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2

�Entwicklung, die eine endgueltige Kontrolle nicht nur der Ruhr, sondern der gesamten
nordwesteuropaeischen Kohle, Eisen und Stahlindustrie erwarten laesst.
Die Gewerkschaften der Kleinen Nationen werden ruehrig
Die Gewerkschaften der Kleinen Nationen Westeuropas sind in den letzten Wochen
in ihren Bestrebungen, in einer neuen Weltarbeiterbewegung eine fuehrende Rolle zu
spielen, sehr ruehrig gewesen. Sie alle weigerten sich, den Mausender Kongress
des WFTO zu beschicken und sind aus ihm ausgetreten. Am 25. Juni werden sie in
Genf vertreten sein, und es wird berichtet, dass sie ihre Haltung beibehalten
werden, indem sie einen Antrag unterstuetzen, demzufolge ein Generalsekretaer gewaehlt wird, der einer der kleinen Nationen Europas angehoert. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie auch fordern, dass die neue Weltkoerperschaft ihren Sitz
in einem der kleinen Laender Europas nimmt.
Die Oesterreicher haben sich endgueltig dahingehend entschieden, nicht nach
Mailand zu gehen und zur Genfer Tagung Beobachter zu entsenden. Seitdem hat sich
auch der Gewerkschaftsbund Neuseelands aus dem WFTU zurueckgezogen. Auch sind
Berichte eingelaufen, wonach die Australier beschlossen haben, sich nicht an dem
Mailaender Kongress des WFTO zu beteiligen.
Die Bergleute und die Metallarbeiter
Wenn wir von Europa nach Amerika uebergehen, dann stellen wir fest, dass sich
dort ebenfalls wichtige und bedeutende Entwicklungen vollziehen, die die internationale Gewerkschaftsläge beeinflussen. Am 20. April wurde zum ersten Mal in
seiner Geschichte in Amerika vom Zentralkomitee des Internationalen MetallarbeiterVerbandes (IMF) in der Zentralstelle des Internationalen Maschinenarbeiter-Verbandes
der dem IMF angeschlossen ist, eine Sitzung in Washington D.C. abgehalten. Die
Beschluesse, die auf dieser Konferenz gefasst wurden, werden in allernaechster
Zukunft dazu fuehren, dass sich die Gewerkschaftsorganisationen der Metallarbeiter
sowohl in der AFL wie auch im CIO dem IMF anschliessen. Eine Anzahl grosser Gewerkschaften des Metallgewerbes innerhalb der AFL zieht einen Anschluss in Erwaegung, ebenso wie der Verband der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas und der
Verband der Vereinigten Stahlarbeiter Amerikas innerhalb des CIO. Dadurch wuerde
der IMF heute zum groeeaten internationalen Gewerkschaftssekretariat der Welt
werden. Ueberdies hat das Zentralkomitee des IMF einstimmig die in Bournemouth
gefassten Beschluesse unterstuetzt, denen zufolge ein koordinierender Ausschuss
der internationalen Gewerkschaftssekretariate gebildet werden soll.
Der Internationale Bergarbeiterverband (MIF) veranstaltete,im Mai eine Konferenz seines Zentralausschusses in Washington und zwar in der Zentralstelle des
Verbandes der Vereinigten Grubenarbeiter Amerikas, der dem Internationalen Bergarbeiterverband angeschlossen ist. Die gefassten Beschluesse bestaerkten die
Tendenz, die auf eine Trennung vom WFTÜ abzielt. Es wurden Massnahmen eingeleitet,
um jede Beziehung zum WFTO zu unterbinden. Der MIF wird sich an der Mailaender
Tagung nicht beteiligen, noch zieht er In Erwaegung, ein Teil der Gewerkschaftsabteilungen im WFTO zu werden. Die amerikanischen Kohlenarbeiter spielten auf
den Sitzungen eine aktive Rolle und verpflichteten sich, auch weiterhin den MIF
zu unterstuetzen.
Anglo-Amerikanische Konferenzen
Im Laufe des Monats April fanden wichtige Sitzungen zwischen den Vertretern
der britischen Gewerkschaften und der AFL und dem CIO statt. Die Vertreter des
britischen Gewerkschaftsbundes (TOC) hatten getrennte Konferenzen mit den Vertretern der AFL und des CIO. Die Besprechungen drehten sich um die Frage der Gruendung einer neuen internationalen Gewerkschaftsbewegung die sich im Gegensatz zum
WFTO auf freie Gewerkschaften stuetzen wuerde, der politisch von den Russen beherrscht und kontrolliert wird. Die Konferenzen zwischen dem britischen TOC und

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�der AFL fuehrten zu einem tieferen Verstaendnis der Probleme, die mit der Gruendung
einer neuen Internationale zusammenhaengen. Schwierigkeiten, besonders pwaoenliLcher
Art, wurden rasch aus dem Wege geraeumt, waehrend es den ameiikanisehen Organisationen selbst ariheimgestellt wurde, die Frage der Beziehungen zwischen der AFL
und dem CIO zu loesen. Die AFL wies ganz besonders nachdruecklich darauf hin und war auch damit einverstanden, dass sich die kleinen Nationen an der Foerderung
irgend eines neuen Weltverbandes beteiligen sollten. Der britische TÜC war durchaus
damit einverstanden und begruesste es, wenn die erste Einladung zu einer inoffiziellen vorbereitenden Versammlung in Genf hinausgeschickt wuerde, die nicht als ein
Kongress angesehen werden sollte, sondern lediglich als ein Versuch, diejenigen
Verfahren in Gang zu setzen, die zu einem ersten Weltkongress fuehren. In Genf
wird darueber beschlossen werden, welche Gewerkschaften als Foerderer der ersten
Weltkonferenz angesehen werden sollen, und wann ein solcher Kongress einberufen
werden soll«
Das Abkommen zwischen der AFL und dem CIO
Schon dadurch wurde ein bedeutender Fortschritt in der erfolgreichen Entwicklung der neuen Internationale erzielt, als bzw. nachdem die AFL eine Resolution
angenommen hatte, derzufolge sie sich einverstanden erklaerte, sich zusammen mit
dem CIO an einer solchen Organisation zu beteiligen. Diese Resolution ist insofern von grosser Bedeutung, als sie die Grossmachtpolitik des WFTO verwirft und
die Gruendung einer Weltorganisation fordert, in der die kleinen Nationen bei der
Bestimmung der Politik die gleichen Rechte haben wie die grossen Organisationen,
und nicht nur eine Rueckkehr zu der europaeischen Vorkriegsorganisation fordert,
sondern die Schaffung einer Weltbewegung, die sich gleichermassen mit den Arbeiterbewegungen Asiens, Afrikas und Suedamerikas befasst.
Auf die Annahme der Resolution der AFL folgte eine gemeinsame Konferenz
zwischen der AFL und dem.CIO, die am 28. April in Washington D.C. stattfand, und
die zu einem Abkommen zwischen den beiden amerikanischen Gewerkschaften fuebrte,
demzufolge Vorbereitungen fuer die Gruendung einer neuen freien Gewerkschaftsinternationale getroffen werden sollten. Wegen der grossen-Bedeutung, die einem
solchen Abkommen beizumessen ist» bringen wir nachstehend die Hauptpunkte, ueber
die sich die AFL und der CIO einiggeworden sind«1. Sowohl die AFL wie auch der CIO erklaeren sich damit einverstanden, dass
der .britische TUC im Laufe oder gegen Ende des Monates Juni eine vorbereitende
bzw. vorlaeufige Konferenz nach der Schweiz einberuft, zu welcher Zeit das Internationale Amt fuer Arbeitsfragen (ILO) in Genf seine Tagungen abhaelt. (Dies ist
bereits durch die Festsetzung einer Versanmlung auf den 25. Juni geschehen.)
2. Die Konferenz soll einen vorbereitenden provisorischen Ausschuss bilden,
der die Aufgabe hat, ueber gewisse einleitende Schritte hinsichtlich der,Foerderung
einer neuen Weltarbeiterorganisation zu beschliessen wie auch darueber zu entscheiden, wer die ersten Foerderer und Einberufer des ersten Kongresses sein sollen.
3. Vor der Einberufung eines Kongresses sollen die Beschluesse und die Massnahmen der vorbereitenden Konferenz den fuer den Anschluss in Frage kommenden Mitgliedern unterbreitet werden. Dies wird die nationalen Gewerkschaftszentren in die
Lage versetzen, offiziell und demokratisch ihre Stellung in bezug auf den neuen
freien Weltgewerkschaftsbund zu bestiranen. ,
4*

Die internationalen Gewerkschaftssekretariate sollen aufgefordert und

dringend ersucht werden, sich an allen -vorbereitenden Massnahmen und Phasen zu beteiligen, die zur Gruendung eines neuen Welt Verbandes fuehren.
5. Der Anschluss der AFL und des CIO an eine neue Weltgewerkschaftsorganisation soll auf Grund der Mitgliederzahl vorgenommen werden, die auf ihren letzten
Versammlungen bekanntgegeben wurden. Die Vertreter des CIO erklaerten, dass sie
sich auf der Basis von 6 Millionen Mitgliedern anschliessen wuerden, die AFL

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�unter Zugrundelegung von 7k Millionen beitragszahlenden Mitgliedern. Dieses Abkommen
s o l l jedoch nicht so ausgelegt werden, dass es den Status der AFL als vorherrschende
Arbeiterorganisation in den Vereinigten Staaten beeinflusst oderaendert - z.B. den
Status der AFL in der ILO. Wenn das augenblickliche Kopfzahlverhaeltnis bei» Anschluss an d i e neue Weltarbeiterorganisation entweder von der AFL oder vom CIO geaendert werden s o l l t e , um so den Status der AFL in Frage zu s t e l l e n , dann hat jede
Organisation das Recht, den Nachweis ueber die wirkliche Mitgliederzahl zu verlangen.
6. Sowohl die AFL wie auch der CIO sollen im Mechanismus der neuen Weltarbeiterorganisation v e r t r e t e n s e i n . Eine Diskussion ueber persoenliche Angelegenheiten,
die sich auf d i e neue Organisation beziehen, wurde bis auf spaeter z u r u e c k g e s t e l l t .
Seitdem dieses Abkommen getroffen wurde» sind die Exekutivausschuesse beider
Organisationen zusammengetreten, d i e auch das Abkommen r a t i f i z i e r t haben. Darueber
hinaus begann der CIO endgueltige Massnahmen gegen diejenigen kommunistisch kont r o l l i e r t e n Organisationen zu ergreifen, die noch im CIO verblieben sind, und darauf
bestehen, weiterhin Beziehungen zum WFTU zu unterhalten.
Die AFL wird in Genf am 25. Juni wie folgt v e r t r e t e n sein: George Maany,
Sekretaer und Schatzmeister der AFL, George P . Delaney, der internationale Vertret e r der AFL, William J . McSorley, der Vorsitzende des Verbandes der Internationalen
Holz- und Metalldreher und Irving Brown, der Europavertreter der AFL.
Nicht nur Europa und Amerika
Diese Entwicklungen in Westeuropa und in den Vereinigten Staaten von Amerika
weisen auf den F o r t s c h r i t t hin, der in dem Bestreben e r z i e l t wird, die freien
Gewerkschaften zu einer neuen WeltgewerkSchaftsbewegung zu vereinigen. Das i s t
jedoch noch nicht a l l e s . Die grossen Gebiete in der Welt wie Asien,. Afrika, S ü d amerika und der Mittlere Osten gewinnen mehr und mehr an Bedeutung a l s entscheidende
Faktoren in dar zukuenftigen Weltwirtschaft und im Kampfe zwischen Demokratie und
Diktatur. Wenn die Gewerkschaftsfuebrer der westlichen Welt nicht in den Gebieten
der Welt, wo so lange das Kolonisierungsprinzip und der Imperialismus vorgeherrscht
haben, ihre Bemuehungen vergroessem und intensiver g e s t a l t e n , dann wird es unmoegl i c h s e i n , eine wirkliche Weltorganisation aufzubauen.
Mehr als die Baelfte a l l e r Menschen der Welt l e b t in Asien. Dort sind Nationalismus und Selbstbestimmung im fortschreiten begriffen. Die I n d u s t r i a l i s i e r u n g
macht F o r t s c h r i t t e und hat unmittelbar ein Anwachsen des Gewerkschaftswesens im
Gefolge. Waehrend der westeuropaeis che Imperialismus im Laufe der l e t z t e n 10 Jahre
seine Umklammerung gelockert hat, versucht j e t z t ein neuer bolschewistischer
Imperialismus, diese ^ansehen unter dem Banner des Nationalismus und der Selbstbestimmung, enger zu umklammern. In vielen Laendern des Fernen Ostens i s t die
Gewerkschaftsbewegung von den neuen Imperialisten dazu benutzt worden, ihre ausbeuterischen Plaene im Namen eines falschen Sozialismus zu foerdern. Wenn keine neue
Weltarbeiterbewegung geschaffen wird, die nicht das Monopol der Welt des weissen
Manne» i s t , und die mit den Gewerkschaftsbewegungen der ferner gelegenen Gebiete
zusammenarbeiten und ihnen dabei helfen w i l l , eine groessere F r e i h e i t auf w i r t s c h a f t lichem, politischem und sozialem Gebiete zu erringen, dann wird man diesen neuen
und noch gefaehrlicheren Imperialismus nicht daran hindern koennen, seine ueblen
und schlimmen Ziele zu verwirklichen. Darueber hinaus wird ein solcher Sieg auf
Seiten der Russen und des WFTU in diesen Gebieten der Welt s c h l i e s s l i c h die demokratischen Rechte und den hohen Lebensstandard bedrohen, wie er in der westlichen
Welt errungen worden i s t .
Es i s t b e r e i t s darueber b e r i c h t e t worden, dass der WFTU und seine Marionetten
im Fernen Osten eine Asien-Konferenz in Shanghai vorbereiten. Das wird sich a l l e r
Wahrscheinlichkeit nach in anderen Teilen der Welt wiederholen. Die Lage erfordert
daher mehr denn Je gebieterisch, dass d i e Genfer Konferenz zum ersten S c h r i t t wird
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�in der Bildung einer Weltorganisation, die den welterschuetternden Ereignissen, die
jetzt ausserhalb Europas vor sich gehen, die gebuehrende Beachtung schenkt. Organisatorisch gesehen, bedeutet dies nicht nur die Schaffung einer zentralen Koerper3Chaft mit einem Buero in Westeuropa, sondern auch die Gruendung von freien Gewerkschaftszentren in jedem groesseren Gebiet und Kontinent der Welt mit einer Vertretung auf gleicher Basis aus allen diesen Gebieten bei der zentralen Koerperschaft
des neuen Vereinigten Weltbundes der Freien Gewerkschaftent
"AFL News Letter" (Bruessel) Juni /+9
ENTWICKLUNGEN DER LETZEN ZEIT» Am 25-26 Juni kamen Delegationen
der Freien Gewerkschaften von 3k Nationen, die 42,000,000 Arbeiter
vertraten, in Geneva zusammen. Die Zusammenkunft ging einer Hauptkonferenz voraus, die im November stattfinden wird. Komitees wurden eingerichtet um die Vorbereitungen fuer die November Konferenz
zu treffen.
Am 29. Juni trafen sich die restlichen Mitglieder des W«lt
bwdoo km fraion Gewerkschaften, die angaben "7k,000,000 Arbeiter"
zu repraesentieren, in Milan, Italien.
DAS INTERNATIONALE PROBLEM DES ARBEITSEINSATZES
Eines der brennendsten Arbeitsprobleme von weltweiter Bedeutung, mit dem sich
das Internationale Arbeitsamt (ILO) zur Zeit beschaeftigt, ist das des Arbeitseinsatzes. Nachdem sich das Arbeitsamt viele Monate lang der Sammlung von Unterlagen
ueber das Angebot von und die Nachfrage nach Arbeitskraeften in den einzelnen
Staaten gewidmet hat, befasst es sich jetzt mit der Austeilung eines Aktions-Progranmes fuer die verschiedenen Nationen. Wir entnehmen die folgenden Ausführungen
einem Taetigkeitsbericht des ILO,
"Der Bedarf an Arbeitskraeften und die damit zusammenhaengender Probleme;
Selbst unter den guenstigsten Umstaenden ist die Durchfuehrung einer Arbeitseinsatzpolitik keine leichte Aufgabe. Geeignete Arbeitskraefte muessen in genügender Zahl zur Verfuegung stehen, um jederzeit und an Jedem Ort, wo sie gebraucht
werden, eingesetzt werden zu koennen. Diese Leute muessen die vorhandenen Bodenschaetze und Rohstoffe nutzbar machen, um die fuer die Volkswirtschaft der einzelnen Staaten und der Welt benoetigten Gueter herzustellen. Diese Aufgabe loest sich
nicht von selbst, vielmehr ist es notwendig, den Arbeit3markt zu diesem Zweck
zu organisieren. Dies ist, in Kuerze, die Hauptaufgabe unserer heutigen Arbeitseinsatz-Politik.
Unter den heutigen Verhaeltnissen bereitet die Durchfuehrung dieser Aufgabe
besondere Schwierigkeiten, tfohin wir in der Welt sehen, ueberall besteht eine
dringende und weitgehende Nachfrage nach Arbeitskraeften. Der Bedarf auf diesem
Gebiet ist ein internationales Problem, insofern als alle Staaten hierunter
leiden, wenn auch nicht alle im gleichen Masse. Die Ursache hierfuer ist, dass
Arbeitsmoeglichkeiten und Arbeitskraefte sowohl quantitativ als auch qualitativ
nicht in der gleichen Anzahl vorhanden sind. Man findet sowohl zu viel als auch
zu wenig auf beiden Gebieten. In einigen Staaten haben alle Einwohner Arbeit,
in einigen ist Arbeitslosigkeit, und andere leiden unter einem Mangel an Arbeitskraeften. Allen gemeinsam aber ist der Mangel an gelernten Arbeitern.
Der unausgeglichene europaeische Arbeitsmarkt
In Europa haben beispielsweise eine grosse Reihe von Staaten ihre Reserven
an Arbeitskraeften bereits ganz ausgeschoepft und benoetigen noch weitere Arbeitskraefte, um ihre wichtigen Industrien mit dem erforderlichen Personal zu versorgen,

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�waehrend einige wenige andere Laender unter einem betraechtlichen Ueberangebot an
Arbeitskraeften leiden, die nicht produktiv eingesetzt werden koennen. In Westeuropa allein duerfte sich die Nachfrage nachaislaendischen Arbeitern im Jahre
1949 auf rund 200,000 belaufen. Dagegen besteht in gewissen westeuropaeischen
Laendern ein ebenso ausgesprochenes Ueberangebot an Arbeitskraeften, die anderweitig Beschaeftigung finden koennten: rund 1.500.000 in Italien, 500.000 in der
deutschen Bizone (hauptsaeohlich Stauen) und 300.000, die von der Internationalen
Fluechtlings-Organisation (IR0) betreut werden. Die Wiedereinschaltung dieser
zwei Millionen Menschen in das Wirtschaftsleben ist eines der dringendsten Probleme
des europaeischen Wiederaufbaues. Wir haben es hier nicht nur mit einem auf Europa
beschraenkten Problem zu tun, denn bereits aus den obigen Zahlen geht klar hervor,
dass Europa allein gar nicht in der Lage ist, diesen innerhalb seines Gebiets vorhandenen Ueberschuss an Arbeitskraeften aufzunehmen.
Im Gegensatz hierzu besitzen andere Weltgegenden nicht genuegend Arbeiter,
um ihre Plaene fuer den Ausbau ihrer wirtschaftlichen und sozialen Einrichtungen
durchzufuehren. So benoetigen eine Reihe englischer Kolonien und sued-amerikanischer Staaten zusaetzliche Arbeitskraefte, wenn sie ihre Bodenschaetze nutzbar
machen und ihrer Bevoelkerung einen hoeheren Lebensstandard ermoeglichen wollen.
Bedenkt man, dass bestimmte europaeische Laender noch auf lange Zeit hinaus
ueber ein Ueberangebot an Arbeitskraeften verfuegen werden, andere Staaten inund ausserhalb Europas dagegen einen dringenden Bedarf an Arbeitskraeften fuer
ihre wirtschaftliche Entwicklung haben, so erkennt man sofort, wie erstrebenswert es waere, einen internationalen Austausch von Arbeitskraeften und eine Umsiedlung durchzufuehren. Allerdings sind die Auswanderungsmoeglichkeiten in vielen
Faellen noch mehr oder weniger versperrt. Aus vielfachen Gruenden ist es Leuten,
die in ihrer Heimat keine nutzbringende Arbeit verrichten, noch immer nicht
moeglich, in groesserer Zahl nach anderen Laendern auszuwandern und sich dort
niederzulassen, wo man ihre Arbeitskraft und ihr berufliches Koennen bestens gebrauchen koennte.
Die Nachfrage nach gelernten Arbeitern
Dagegen stossen wir in anderen Teilen der '"'alt auf Probleme ganz anderer
Art. In Asien und in groesseren Gebieten des Mittleren Ostens beispielsweise
verbringen Millionen von Menschen ihr Leben in Sorge um ausreichende Beschaeftigung und in Armut, ohne die Moeglichkeit, ihre Faehigkeiten zu entwickeln und
ihren vollen Beitrag zum wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehen ihres Volkes
zu leisten. Dabei fehlt es in diesen Laendern weder an natuerlichen Reichtuemern
noch an Menschen, aber sie leiden unter dem allzu langsamen Tempo ihrer Industrialisierung. Bei einem Ueberangebot von Arbeitswilligen fehlt es an Arbeitsmoeglichkeiten und den fuer die wirtschaftliche Entwicklung erforderlichen Fachkraeften.
Haeufig ist bei nicht ausreichenden Beschaeftigungsmoeglichkeiten gleichzeitig
ein Mangel an geeigneten Arbeitskraeften vorhanden. Beide Probleme stellen ein
ernstliches Hindernis auf dem Wege zu wirtschaftlicher und sozialer Weiterentwicklung dar. Es muss daher etwas unternommen werden, um die Entwicklung der Industrie
zu beschleunigen, versteckte Arbeitslosigkeit in den Arbeitsprozess einzugliedern,
den Bedarf an gewoehnlichen und qualifizierten Arbeitskraeften fuer die geplante
wirtschaftliche Entwicklung zu decken, ohne dass andere Zweige der Wirtschaft, insbesondere die Lebensmittelerzeugung, darunter leiden. Der weltweite Mangel an geschulten Fachkraeften ist die Ursache fuer viele der dringlichsten Probleme. Die
Arbeiter sind einfach nicht imstande, ihre Arbeit, so wie sie verrichtet werden
muesste, auszufuehren. Ueberall in der Welt besteht so ein ausgesprochener und allgemeiner Mangel an qualifizbrten Kraeften. In Europa stellt dieser Mangel ein
Haupthindernis fuer die wirtschaftliche Gesundung dar. Er hemmt die Vergroesserung
der Industriebetriebe, den Einsatz der rvrbeitskraefte an den freien Arbeitsplaetzen
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�und ihre Umsiedlung von einem Lande in das andere. Y/aehrend die allgemeine Nachfrage nach Arbeitskraeften vorwiegend gelernte Arbeiter betrifft, besteht die Hauptmasse der Arbeitssuchenden aus ungelernten oder unerfahrenen Arbeitern.
Im Fernen und Mittleren Osten, in Sued-Amerika und in Afrika ist der Facharbeitermangel noch staerker. Fast jede Kategorie von Facharbeitern, die im heutigen
mechanisierten Arbeitsprozess der Industrie und Landwirtschaft eingesetzt werden kann,
wird gebraucht, und zwar dringend gebraucht. Der wirtschaftliche Fortschritt in
diesen Gebieten haengt in nicht geringem Masse davon ab, wie weit und wie schnell
sich dieser Mangel an gelernten Arbeitern beheben laesst. Es ist dies ein wirtschaftliches Problem, das nicht nur fuer die Gegenwart Bedeutung hat, es betrifft
auch die Zukunft. Der Mangel an Fachkraeften ist einer der Faktoren, die die Grenzen des wirtschaftlichen Fortschritts auf ungefaehr ein Lebensalter festlegen.
'Weiterhin erschwert ein solcher Mangel an gelernten Arbeitern die erforderliche
internationale Verteilung der Arbeitskraefte auf dem Wege der Einwanderung. Das
berufliche Koennen des Auswanderers muss sich den Einwanderungsmoeglichkeiten anpassen oder anpassen lassen; solche Moeglichkeiten bestehen aber fuer gelernte,
und nicht fuer ungelernte Kraefte.
Wo, gleichgueltig aus welchem Grunde, das Arbeiter-Angebot in einem Missverhaeltnis zur entsprechenden Nachfrage steht, sei es zahlenmaessig, ortsmaessig
oder fachlich, ob innerhalb desselben Landes oder international, muss ein neuer
Ausgleich gefunden werden. Der Mensch und der Arbeitsplatz muessen zusammengebracht
werden. Diesem Zwecke dient der Apparat der Arbeitsvermittlung,Berufsausbildung
und Umschulung, sowie internationale Umsiedlung. Vielfach jedoch ist der Mechanismus
der Arbeitsvermittlungs-Organisationen (Vermittlungs-, Schulungs- und Umsiedlungsdienst) gar nicht in der Lage, die Aufgaben zu bewaeltigen, die sich' aus der Verteilung der Arbeitskraefte ergeben, wie sie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und die Aufrechterhaltung eines Zustandes der Vollbeschaeftigung erfordern.
Arbeitsvermittlungsorgacisationen werden benoetigt
Da viele Laender noch keinen staatlichen Vermittlungsdienst besitzen, fehlt
ihnen bisher auch der notwendige Apparat zur praktischem Durchfuehrung einer Arbeitsvermittlungspolitik. In anderen Laendern wiederum steckt dieser Dienst noch in den
Kinderschuhen« die Arbeit hat erst begonnen, es fehlt an der noetigen Ärfahrung,
einem eingearbeiteten Mitarbeiterstatr und dem Vertrauen seitens der Bevoelkerung.
In wieder anderen Laendern fehlt es an fachlichem und verwaltungs-technischea
Koennen, um eine fuehrende Rolle darin zu spielen, Arbeitskraefte auf solche Art
in den Arbeitsprozess einzuschalten, dass sie zur Loesung brennender wirtschaftlicher Tagesfragen beitragen. Selbst in Laendern, welche ueber einen eingespielten
Arbeitsvermittlungsdienst verfuegen, also z.B. in vielen europaeischen Laendern,
und zwar sowohl in Laendern mit Mangel wie solchen mit Ueberangebot an Arbeitskraeften, lassen sich die obwaltenden Arbeitsvermittlungsschwierigkeiten auf die Rueckstaendigkeit der staatlichen Arbeitsvermittlungs-Organisation oder eine zu engherzige Auffassung von der ihnen zugewiesenen Aufgabe zurueckfuehren
Fast ueberall in der Welt mangelt es an Berufsausbildungs-Moeglichkelten, vor
allem aber dort, wo sie am noetigsten waeren. Ihre Zahl ist unzureichend. Wo sie
vorhanden sind, sind sie meist veraltet und sollten auf die beruflichen Erfordernisse
der Gegenwart und auf zeitgemaesse Verfahren umgestellt werden. Es fehlt an Ausbildungspersonal; seine Zahl ist zu klein, und die wenigsten von ihnen sind nach,
den wirksamsten und geeignetsten Methoden geschult. In allen wirtschaftlich unterentwickelten Gebieten besteht ein dringender Bedarf an Schulungsmaterial, und
vielfach sind diese Dinge gerade in solchen Laendern oder Gebieten nicht erhaeltlich,
wo sie am noetigsten gebraucht wuerden.
Die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Umsiedlung von einem
Lande in das andere steht bisher noch in keinem Verhaeltnis zu dem Bedarf an
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�Arbeitskraeften. Viele schwierige Fragen finanzieller, wirtschaftlicher und
politischer Art muessen noch in Angriff genommen werden, eho Auswanderung und
Einwanderung die Loesung des Problems der Versorgung eines Landes mit gelernten
und ungelernten Arbeitskraeften darstellen kann."
Aus« International Labour Review (Zeitschrift
fuer Internationale Arbeitsfragen) April 1949
DBB I. KONQHBSS DER SOWJETISCHEN SJWKHK3CHAJTBN
Bis jetzt sind die Nachrichten uober den X. Kongress der Sowjetischen Gewerkschaften, der am 20. April in Moskau eroeffnet wurde, sehr spaerlich. Lediglich
2 kurze Notizen in der "Humanite" und ein Artikel von Henry Raynaud in der "Vie
Ouvriere" vom 5. Mai liegen bisher vor. Die "Humanite" vom 5. Mai setzt uns mit
6 Zeilen davon in Kenntnis, dass Kusnjetzow zum Praesldenten des Gewerkschaftsbundes
der UdSSR wiedergewählt wurde. Man muss also noch auf andere Informationen oder
Kommentare in der Presse des Auslandes warten, ehe man sich ein abschliessendes
Urteil ueber diesen Kongress bilden kann.
Heute wollen wir uns nur auf einige Betrachtungen beschraenken. Die Art und
Weise, wie sich Henry Raynaud in der "Vie Ouvriere" ueber seine Entsendung nach
der UdSSR aeussert, ist so ungeheuerlich, dass man sich fragen muss, ob seine
Aufrichtigkeit wirklich den Sieg ueber die Rafinesse der Demagogie davon getragen
hat.
Es ist sicherlich schwer, an die Aufrichtigkeit eines Raynaud zu glauben,
der seit 25 Jahren immer mit dem gleichen Wortschwall alle Aspekte irgendwelcher
Orientierungen verteidigt hat, die die allmaechtigen Herren des Politbueros den
franzoesischen Gewerkschaftskommunisten zu vermitteln beliebten. So ist es wahrscheinlich mehr aus einem Ueberschwang der Demagogie heraus, dass er uns das wahrhaft idyllische Bild von dem malt, was er in der UdSSR gesehen hat....sofern es
nicht schon eine gewisse1 Art von Unbewusstsein ist, das die "neuen Herren" dazu
fuehrt, die Vorteile, die sie sich selbst mit dem Niveau einer aussergewoehnlichen
Lebensweise - deren sich die neue fuehrende Kaste in der UdSSR und in den Staeben
des Kominform erfreuen - zugebilligt haben, mit der Lage der einfachen Arbeiter zu
vergleichen. Diese muessen auch weiterhin ihr "Uebersoll" erfuellen, ueber das
einzig und allein die hohen Wuerdentraeger des ArbeitgeberStaates ein Verfuegungsrecht haben.
Wie dem auch sei, so informiert Raynaud die ungluecklichen Leser der "Vier
Ouvriere"."Was man dort zu sehen bekommtl Einen sehr dichten Automobilverkehr, aber
reibungslos, leicht und schnell, dank der Breite der Verkehrsadern und der ausgezeichneten Ordnung und Befolgung der Verkehrsvorschriften.
"Die Lae den sind mit Ware ueberfuellt; Lebensmittel, Kleidung, verschiedene
Bedarfsartikel. Alles ist im Ueberfluss vorhanden.
"Von frueh bis spaet, jeden Tag, staut sich in ihnen eine dichte Menge.
"Denn es gibt ja auch alles, auch haben die Sowjetarbeiter Geld in der
Tasche, um sich das zu kaufen, was sie wuenschen.
"Entgegen dem, was sich in Frankreich zeigt, wo die Kaufkraft der Arbeiter
seit 1938 um 50? abgenommen hat, sehen die Arbeiter hier im Vaterlande des Sozialismus, dass dank der bewunderungswuerdigen schaffenden Bemuehungen des Sowjetvolkes unter der Leitung ihres Inspirators, des grossen Josef Stalin, ihr materielles und kulturelles Lebensniveau staendig im Steigen begriffen ist.
"Die Herabsetzung der.Preise, die Erhoehung des Einkommens bei der Produktion
haben die Realloehne der organis ierten Arbeiter im Jahre 1948 um mehr als das
Zweifache erhoeht.

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�Das Schema ist klassisch. Hier (im kapitalistischen Lande) verschlechtert sich
die Lage der Arbeiter regelmaessig. Dort (im Lande des "Sozialismus") bessert sich
die Lage staendig. 30 Jahre lang hat man uns immer wieder die gleiche Geschichte
erzaehlt. Wenn ihr, alles in allem, auch nur das geringste Fuenkchen Wahrheit innewohnen wuerde, dann muesste doch bereits seitavigen Zeiten das Lebensniveau der
Sowjetarbeiter unvergleichlich viel hoeher stehen als das der Arbeiter in den alten
kapitalistischen Laendern. So liegen die Dinge aber nicht. Alle Informationen
ernsthafter Natur sind darueber hinaus alle uebereinstimmend. Erst vor ganz kurzer
Zeit stellte der Bericht einer norwegischen Gewerkschaftsdelegation fest, dass das
wirkliche Lebensniveau eines russischen Arbeiters nicht einmal so hoch sei wie 60t
des norwegischen Arbeiters. Und Norwegen ist ein Land, das vom Kriege keineswegs
verschont blieb. Was den Reallohn angeht, der sich um mehr als das Zweifache im
Jahre 1949 erhoeht haben soll, so moechten wir unsere Leser noch auf Informationen
hinweisen, die aus sowjetischen Unterlagen geschoepft wurden, die wir in einer
frueheren Nummer veroeffentlicht haben. Erinnern wir uns der Schlussbemerkung:
"Im Jahre 1949 standen die Preise auf einem Index von 344, waehrend die Loehne noch
nicht einmal den Index von 240 erreicht hatten."
•lHHH8HHBHW*1ttBHHBHJ"H-ft#

Raynaud hat "dichte Menschenmengen" in den Laenden in Moskau gesehen. Es wird
immer eine Menschenfuelle in Laeden sein, deren Zahl im Verhaeltnis zur Bevoelkerung
unendlich klein i s t . Aber, aus welchen Menschen setzt sich diese Menge zusammen,
und wer kann denn wohl kaufen, was er w i l l . Natuerlich nur solche Leute wie Raynaud,
die in einer politischen, gewerkschaftlichen oder sozialen Hierarchie ein Amt innehaben, dass nach einem "Schema" bezahlt wird, ueber das mit Schweigen hinwegzugehen
die "Vie Ouvriere" gute Gruende hat. Wir wollen darueber hinaus einmal einige
Bemerkungen von D» Rousset entlehnen, der im "Franc-Tireur" Fragen s t e l l t , auf die
die "Humanite" niemals antworten w i l l ;
"Existiert in Russland nicht eine enorme Kluft zwischen den Arbeiterloehnen
und den Gehaeltern der Ingenieure, der Fabrikdirektoren und der hohen Funktionaere
des Staates.
"Betrug nicht vor dem Kriege, also im Laufe eineB "normalen" Zeitabschnitts,
im Jahre 1939* das mittlere Monatseinkommen eines Arbeiters, der nicht nach dem
Stachanow-System arbeitete, den o f f i z i e l l e n Zahlen zufolge 150 Rubel, waehrend
die Gehaeiter der Techniker sich in der Schwerindustrie zwischen 350 und 1.000
Rubel bewegten. Erreichten nicht gewisse Gehaltsklassen sogar 3.000 Rubel im Monat
also 20 mal mehr als der Lohn eines Arbeiters. Geht nicht zu der gleichen Zeit, da
die o f f i z i e l l e n Statistiken das Gehalt eines qualifizierten Arbeiters mit 250 Rubel
pro Monat beziffern, aus denselben Statistiken hervor, dass die Abgeordneten 1.000
Rubel im Monat beziehen,(Verfuegung vom 17. Januar 1938), zuzueglich 150 Rubel pro
Sitzung, dass die Praesidenten und Beigeordneten der 11 Bundesrepubliken 12.500
Rubel pro Monat erhalten, dass die Praesidenten der Union sich monatlich 25.000
Rubel zugebilligt haben. Bedeutet dieses Verhaeltnis zwischen den 250 Rubeln eines
qualifizierten Arbeiters und 25,000 Rubeln fuer einen hohen Funktionaer, dass Privilegien abgeschafft wurden.
•MHHMUUHUHHUHHMHUHW

Kehren wir nun zu dem Artikel Raynauds zurueck, der sich dann mit der "enorm
wichtigen Rolle der sowjetischen Gewerkschaften" befasst.
"Welche Eindiuecke s o l l man wohl von diesen gewaltigen Sitzungen der sowjetischen Gewerkschaften vermitteln.
"Hier handelt es sich bei ihnen wie bei den Gewerkschaften in Frankreich darum,
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�den Kanpf der Forderung zu organisieren, um die Arbeiterklasse aus ihren Schwierigkeiten und aus ihrer harten und ruecksichtslosen Ausbeutung herauszufuehren, um
gegen die reaktlonaere Politik der nationalen und internationalen Grosskapitalisten
zu kaempfen.
"Hier ist die Arbeiterklasse an der Macht, der Kapitalismus Ist verschwunden
und mit ihm die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen".
Es stimmt schon, es handelt sich fuer die russischen Gewerkschaftler nicht
darum, "einen Kampf der Forderung zu organisieren", und zwar nicht etwa deshalb,
weil die Ausbeutung verschwunden ist, sondern well weder die Partei Stalins, noch
die Regierung irgend eine Form von Forderung seitens der Gewerkschaften oder der
Arbeiter duldet.
Die Rolle, die die sowjetischen Gewerkschaften in Wirklichkeit spielen, ist
bereits zu verschiedenen Malen von den bolschewistischen Lenkern selbst umrissen
worden, und man hat sich auch niemals geniert, die Gewerkschaftler jedesmal, wenn
es fuer notwendig erachtet wurde, daran zu erinnern, Als Beweis zitieren wir die
Definition, die Schwernik im Jahre 1937 auf einer Sitzung des VIII. Kongresses der
Russischen Gewerkschaften praegte*
"Seit ihrer Entstehung arbeiten unsere Gewerkschaften unter der Leitung der
Partei Lenins und Stalins und ueben die Funktion eines Treibriemens aus
zwischen der Partei und den Massen".
10 Jahre spaeter, im Jahre 1947» war es ein "Gewerkschafts"fuehrer, Kusnjetzow,
- derselbe, der jetzt weiter Vizepraesident des Weltgewerkschaftsbundes bleibt der sich zu demselben Thema aeusserte;
"Nach den Weisungen Lenins und Stalins haben sich unsere Gewerkschaften
unter der Aegide der Partei genau zu einer Schule des Kommunismus entwickelt.
"Ihre praktische Taetlgkeit wird Airch die Aufgaben bestimmt, die die
Partei zu verschiedenen Zeitpunkten dem Volke zuerteilt.
Nun, "die Aufgaben, die die Partei dem Volke zuerteilt", bestehen nicht darin,
Forderungen zu stellen, sondern immer nur mehr zu produzieren. Raynaud ist ueber
all dies noch befriedigt, weil, wie er s agt:"hier (d.h. "da drueben") die Arbeiterklasse an der Macht ist."
Aber nein, in Wirklichkeit ist es nicht die Arbeiterklasse, die die Macht
in den Haenden haelt. Es ist eine totalitaere Partei, die sich als zur Arbeiterklasse gehoerend ausgibt, die aber den Arbeitern weder irgendwelche Rechte noch
Freiheiten einraeumt»
Darueber hinaus hat D. Rousset noch andere Fragen gestellt, auf die man
nicht antwortet;
"Es sei mir gestattet, meinerseits einige Fragen zu stellen. Es handelt
sich nur um ein paar Tatsachen unter vielen anderen, die aber die Arbeiter direkt
interessieren. Nach einer Verfuegung vom 27. Dezember 1932, wurden in der UdSSR
wieder die Inlandpaesse eingefuehrt, die man durch die Revolution 1917 als Schandmal des Zarismus abgeschafft hatte. Lt. einer Verfuegung vom 12. November 1931
wurde in der UdSSR ein Arbeitsbuch eingefuehrt, in dem alle Bestrafungen, Entlassungen usw. unter Angabe der Gruende aufgefuehrt werden mussten. Dieses Arbeitsbuch besteht heute noch. Verfuegungen vom 24. September und 9. Oktober 1930, die
am 26. Juni und 6 August 1940 erneut in Kraft gesetzt wurden, untersagen es den
Arbeitern, ihre Fabrik ohne Genehmigung des Leiters zu verlassen, und zwar unter
Androhung von Strafen, die als Hoechstmaas die Zwangsarbeit vorsehen. Nach einem
Dekret vom 16. November 1932, das erneut am 26. Juni 1940 in Kraft trat, wird ein
einmaliges Fernbleiben ohne Angabe von Gruenden im Monat oder 3maliges unbegruendetes Zuspaetkommen mit Entlassung bestraft unter Entzug der Gewerkschaftsmitgliedskarte und der Wohnung.
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�Ich stelle nun die Frage» Welche Gewerkschaftszentrale hat einen Streik gegen
solche Massnahmen organisiert, welche Presse hat eine Agitationskampagne dagegen
entfesselt, welche Partei hat die Massen mobilisiert, um die verantwortlichen Politiker davonzujagen. Auf welche Weise ist die Entruestung der Arbeiterschaft
zum Ausdruck gekommen. Zum Unglueck ist die Antwort bekannt. In keiner Weise
durfte etwas gegen diese Verfuegungen gesagt werden."
("Franc-Tireur" vom 28.4.1949)
"In vollstaendiger Unabhängigkeit"!
Abschliessend haelt Raynaud seine Leser mehr als an anderen Stellen in seinem
Artikel zum Narren. Unter der vielversprechenden Bezeichnung; "die wahre Demokratie" als UeberBChrift schreibt er wie folgt;"Wir wollen es klar herausstellen, dass die Gewerkschaften- entgegen dem,
was gewisse Kreise glauben machen wollen - diese Aufgaben in voller Unabhaengjgkeit
in bezug auf die Ministerien uebernehmen, die sie keinesfalls trotz ihrer vollkommenen Zusammenarbeit mit ihnen mit ihrer Kritik verschonen.
"Diese Aufgaben, die sie in einer gewerkschaftlichen Demokratie uebernehmen,
erstrecken sich auf die geringste Spaltung von unten angefangen bis nach oben, von
der kleinsten Werkstatt der Fabrik bis zum Zentralrat der sowjetischen Gewerkschaft.
"Es ist etwas Grandioses, und welche herrlichen Aussichten bieten sich da
nicht fuer solche Gewerkschaften in diesem riesigen Lande auf dem Gebiete der Arbeit und des Friedens!
"Jawohl, hier strebt alles nach Arbeit und Frieden, nach dem sozialen Fortschritt, und das erklaert auch den rasenden Beifall, mit dem der X. Kongress der
Sowjetischen Gewerkschaften eine Delegation der Roten Armee empfing, die gekommen
war, um ihm zu versichern, dass sie ihm fuer die Verteidigung aller Massnahmen
der Sowjetischen Gewerkschaften zur Verfuegung staende, einer Verteidigung, die
sich auf den Frieden und den sozialen Fortschritt erstrecktl"
Diese paar Zeilen stellen wirklich einen Gipfel der Ünverschaemtheit dar:
die "wahre Demokratie", in der die Arbeiter rechtlos sind, die "vollkommene
Unabhängigkeit", in der die Gewerkschaften nichts als Treibriemen sind« die
"Gewerkschaftsdemokratie", in-der alles bis auf die allergeringsten Einzelheiten
von den Organen der Partei geregelt wird, die uebrigens recht oft mit denen der
NKWD verwechselt werden koennen.
Es fehlt 33 gar nicht einmal der beruehmte "Pazifismus" der In einem ueberbegeisterten Empfang fuer die Rote Armee zum Ausdruck kommt (es gibt uebrigens
keine "Rote" Armee mehr, sondern nur eine "Sowjet"armee)
Herr Joseph
Prudhorame hatte uebrigens auch einen Saebel: "Um die Institutionen zu verteidigen.,
aber auch, um sie bei Bedarf zu bekaempfenl"
Soweit fuer heute in bezug auf H. Raynaud. Wir werden aber noch einmal auf
diesen Kongress zurueckkommen muessen und auf die Art und Weise, wie man darueber
reden wird, denn man kann es trotzdem nicht zulassen, dass ein so plumper Versuch,
den "Leuten die Koepfe zu verkeilen" unbeantwortet bleibt.
Die Arbeiter eines freien Landes verdienen mehr, als dass man ihnen diese
Propaganda auftischt, die mit den Methoden eines totalitaeren Staates- und nur
zu dessen Vorteil - betrieben wird.
"Documentation Syndicale" Paris, Organ der Aktiven
Freien Gewerkschaftler, No.8. vom 6. Mai 1949
DIB JUGOSLAWISCHEN STAHLARBEITER
HABEN KEINE DISZIPLIN
Nachstehender Artikel ist ein Bericht des amerikanischen Korrespondenten Gaston
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�Ooblentz aus Belgrad, der darauf hinweist, dass in Jugoslawien Schwierigkeiten
bestehen, die Arbeiter zur Arbeit zu bewegen.
"Der Mangel an Arbeitsdisziplin wirkt sich auf den Beitrag einer der vier
groeasten Eisen- und Stahlwerke Jugoslawiens zum Erfolg des Wirtschaftsprogramms
des Premierministers Uarshall Tito unguenstlg aus", schrieb das Parteiblatt "Borba"
der jugoslawischen Kommunisten in dieser Woche.
In bezug auf die Schilderung der Schwierigkeiten im Werk von Jesenice in
Slowenien berichtet die Zeitung, dass "eine grosse Anzahl Arbeiter oft das Werk
verlaesst und wo anders Arbeit sucht«
üeberdies kommen die Arbeiter, der "Borba" zufolge, reichlich spaet zur
Arbeit. In einem Monat in diesem Fruehjahr "gingen 628 Arbeitstage durch den
3taeglgen Krankheitsurlaub verloren, den die Arbeiter aus geringfuegigen Gruenden
ausnutzten." (Die Gesamtzahl der Belegschaft in Jesenice ist unbekannt).
Das Werk liegt in der Naehe der oesterreiChiseh-jugoslawischen Grenze, etwa
7 Meilen suedlich der oesterreichischen Provinz Kaernten. Jugoslawiens Gebietsansprueche bzw. Forderungen auf Abtretung dieser Provinz wurden unlaengst vom
Au8senministerrat der Grossen Vier abgelehnt. Die Schuld fuer die Arbeitslage in
Jesenice wird von der Zeitung teilweise dem Versagen der lokalen kommunistischen
Parteiorganisation in der geeigneten Beeinflussung ihrer Mitglieder beigemessen,
was sich nun so ausgewirkt hat, dass die Arbeiter keine geeignete Fuehrung haben.
So hat z.B. der von den Kommunisten gelenkte Fabrlkausschuss bei der Durchfuehrung eines Schulungakursas fuer 40 kommunistische Propagandisten, die die
Arbeitsmoral aufpulvern sollten, Misserfolg gehabt.
"Nur 4 Vorlesungen wurden abgehalten, und dann wurde der Kursus aufgeloest",
schreibt die Zeitung, "weil der Leiter wo andershln zur Arbeit ging". Bis vor
kurzem hat auch nicht eine einzige der kommunistischen Parteigruppen, wie die
"Borba" berichtet, in der Fabrik Besprechungen darueber abgehalten, wie man die
Disziplin der Arbeiter heben koennte."
"New York Herald Tribüne" (Paris) 24. Juni 1949
DIE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN ARBEITNEHMERN UND ARBEITGEBERN
BREITET SICH IN DEN VEREINIGTEN STAATEN ATE
Die Amerikanische Arbeitgeber-Vereinigung (AMA) hat unlaengst einen Bericht
mit dem Titel "Hoehere Produktion durch Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und
Arbeitgebern" veroeffentlicht, der von Professor Ernest Dale von der Columbia
üniversitaet ausgearbeitet worden ist. Aus diesem Bericht geht hervor, dass eine
solche Zusammenarbeit heute weit verbreiteter ist als jemals zuvor.
Es gehoert zur Politik der AMA, zu keiner besonderen Technik der Arbeitgeber
bzw. Betriebsleitung Stellung zu nehmen. Trotzdem legt der Bericht dar, dass in
dem Masse wie eine solche Zusammenarbeit dazu beitraegt, dass die moderne Betriebsleitung bzw. der moderne Arbeitgeber seinen Verpflichtungen den Aktionaeren, den
Angestellten und der Öffentlichkeit gegenueber gerecht wird, "die Frage nicht
mehr lautet, ob es sich die Betriebsleitung leisten kann, die Arbeiterschaft mit
heranzuziehen, sondern, ob sie es sich leisten kann, dies nicht zu tun".
"Die Zusammenarbeit der in Frage stehenden Art basiert," wie die AMA in
ihrer zusammenfassenden Darstellung ausfuehrt, "auf dem Gedanken, dass sie zum
beiderseitigen Vorteil sowohl fuer die Betriebsleitung als auch fuer die Arbeiterschaft ist (organisierte wie auch nicht organisierte) in dem Bestreben, die Produkt ivitaet zu erhoehen - dass nur auf Grund einer erhoehten Produktion Loehne
.wie auch Gewinne erhoeht werden koennen, ohne dass man. sich genoetigt sehen muesste

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�die Preise zu erhoehen. Dieser Standpunkt vertritt die Meinung, dass viele Meinungsverschiedenheiten, die bei solchen Fragen wie Sicherheitsvorschriften, Produktionsnormen, Qualitaetskontrolle, im Grunde genommen unnoetig sind, weil ein
wirklicher Interessenkonflikt garnicht besteht. Arbeitgeber, die sich fuer die
Zusammenarbeit aussprechen, weisen auch darauf hin, dass der einzelne Angestellte
vielleicht wirklich nur ein Interesse an der Produktion und an der Leistung nimmt,
wenn man ihm das Gefuehl vermittelt, dass er an dem Unternehmen teilhat.
Die Durchfuehrung
"In den untersuchten Faellen gewchieht die Beteiligung durch Gruppen, die
sich aus Mitgliedern der Betriebsleitung und der Belegschaft zusammensetzen, die
regelmaessig zusammenkommen, um gemeinsame Probleme zu besprechen. Der Grad der
Beteiligung schwankt von Firma zu Firma:
(1) sie kann rein informatorischen Charakter haben, d.h., Betriebsleitung und
Belegschaft sanmeln Unterlagen ueber gemeinsame Probleme. (2) sie kann beratender
Natur sein - die Zusammenkuenfte bieten sowohl der Betriebsleitung wie auch der
Belegschaft die Gelegenheit, sich von einander Rat zu holen. (3) sie kann konstruktiven Charakter haben, was bedeuten wuerde, dass jede der beiden Parteien
Vorschlaege einbringt."
Es zeigen sich weniger Reibungen
Aus der Pruefung der AMA ergab sich, dass "dort, wo die Zusammenarbeit in
Firmen mit organisierter Belegschaft erfolgreich war (und 90^ aller erfolgreichen
Faelle zeigten sich in Firmen mit organisierter Belegschaft), es sich zeigt, dass
sich das Gebiet der Meinungsverschiedenheiten zwischen Betriebsleitung und Gewerkschaft verkleinert hat. So wird z.B. von Firmen berichtet, dass da, wo
Gewerkschaftsmitglieder, entweder als Einzelpersonen oder als Vertreter ihrer
Organisation, an den Arbeiten des Sicherheitsausschusses beteiligt sind, weniger
Zwang fuer die Gewerkschaft gegeben ist, sich den Disziplinarmassnahmen zu widersetzen, die fuer Uebertretung oder Nichtbeachtung der Sicherheitsvorschriften
vorgesehen sind. In aehnlicher Weise berichtet eine Anzahl Firmen, dass sich als
Ergebnis ihrer gemeinsamen Planung weniger Reibungen in bezug auf die Produktionsnormen gezeigt haetten. Manche Firmen, die den Gedanken der Zusammenarbeit mit
in ihre Schulungs- oder Ausbildungsprogramme eingebaut haben, sind der Ansicht,
dass dies zu einer weniger rigorosen Durchsetzung der Dienstalterpraktiken gefuehrt haette und somit zu weniger Meinungsverschiedenheiten bei Befoerderungen."
Mit anderen Worten, dadurch, dass man das Verstaendnis der Arbeiter fuer die Vorschriften und die Politik der Firme steigert, und dass man bei den Problemen, die
Tag fuer Tag im Betrieb auftauchen, ihren Rat sucht, hat die fortschrittliche Betriebsleitung sowohl das Ausmass als auch die Intensitaet der Meinungsverschiedenheit im Kollektiwerfahren verringert.
Viele Firmen, mit organisierter und nicht organisierter Belegschaft behaupten, dass sich die Zusammenarbeit in einer besseren Haltung des Personals ausgewirkt habe, Firmen, die fuer die Zusammenarbeit eintreten, aeusserten sich'etwa
wie folgt« "Fast in jedem Fall hat sich die Leistung gebessert, und in manchen
Faellen haben wir nicht nur die Vorkriegsnormen erreicht, sondern diese sogar noch
ueberschritten." "Seitens der Belegschaft besteht ein ungewoehnliches Interesse
an den Problemen, die in der Firma auftreten."
Nach Angaben der AMA konzentriert sich die Zusammenarbeit ausserordentlich
stark auf mittlere Betriebe.
Der Bericht der ANA beruht sowohl auf Fragebogen, die von 228 Firmen mit
mehr als lj Millionen Arbeitern ausgefuellt zurückgesandt wurden, als auch auf
40 Firmenstudien auf diesem Gebiete. Hierunter fallen Hunderte von Interviews

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�mit Maennern aus der Produktion und aus Personalkreisen, mit Gewerkschaftsfunktionaeren und einzelnen Angestellten. Die von allen Gruppen ueber die verschiedenen
Aspekte der Zusammenarbeit zum Ausdruck gebrachten Ansichten wurden in der Studie
niedergelegt, zusammen .mit einer grossen Anzahl von einzelnen Faellen und deren Geschichte. Der Bericht umfasst auch eine Analyse der Faktoren, die vielleicht den
Erfolg oder Fehlschlag der Plaene beeinflussen koennen, wie auch die zukuenftigen
Aussichten der Bewegung zur Zusammenarbeit hin.
Amerikanisches Arbeitsministerium,
"Labor Information Bulletin* Juni 1949
CIO SORGT FUER SEINE MITGLIEDER
Der amerikanische Gewerkschaftsbund CIO, der zu den groessten Arbeitnehmerorganisationen in den Vereinigten Staaten gehoert, beschaeftigt gegenwaertig ueber
1 000 hauptamtliche "Berater", die den Gewerkschaftsmitgliedern bei der Regelung
ihrer persoenlichen Angelegenheiten mit sachkundigen Rat zur Seite stehen und
mithelfen, ihnen das Leben zu erleichtern.
Die persoenlichen Berater sind selbst Gewerkschaftsmitglieder und hervorragende Kenner der Arbeitsgesetzgebung des Bundes wie der Einzelstaaten. Sie wissen
genau Bescheid ueber die fuer Unfaelle und Berufskrankheiten vorgesehene finanzielle Hilfe sowie ueber die Hoehe der Arbeitslosenunterstuetzung. Ausserdem sind sie
in der Lage, die Arbeitnehmer ueber alle Rechte aufzuklaeren, die ihnen durch die
Arbeitsgesetzgebung eingeräumt wurden. Geraet ein Mitglied der CIO oder seine Familie in Not, so verweist ihn der Berater an die zustaendigen Stellen, bei denen
er aerztliche Hilfe, Beratung in Rechtsfragen, Unterstuetzung durch Wohlfahrtsorganisationen oder andere Uebergangshilfe finden kann.
In diesem Zusammenhang erklaerten Vertreter der CIO kuerzlich, "Unser Verband
ist nicht nur eine "Brot- und Butter-Gewerkschaft". Wir sind bestrebt, das Leben
innerhalb der menschlichen Gesellschaft so reibungslos wie nur moeglich zu gestalten, und wir helfen allen in Not geratenen Gewerkschaftsmitgliedern, in den Genuss
der Einrichtungen zu gelangen, zu deren Unterhalt sie selbst beitragen."
"Amerika Dienst" 29. Juni 1949
MEINDNGSVBRSCHIgDENHElTJÜH UNTER DEN AMERIKANISCHEN

Aus irgendwelchen Gruenden, die er aber nicht anfuehrte, hat John L. Lewis,
der Praesident des Verbandes der Vereinigten Bergarbeiter Amerikas Philip Murray,
dem Vorsitzenden des CIO, und William Green, dem Praesidenten der AFL, den Vorwurf
gemacht, dass sie in ihren Berauehungen, die auf die Abschaffung des Taft-HartleyGesetzes draengen, nachgelassen haetten. Dieses Gesetz, das im Jahre 1947 eingeführt wurde, ist von den Gewerkschaften scharf bekaempft worden. Praesident Truman
hat den Kongress gebeten, das Taft-Hartley-Gesetz durch ein anderes zu ersetzen,
das fuer die Gewerkschaften annehmbarer waere. Murray erwiderte, die Behauptungen
die Lewis aufgestellt hatte, seien "falsch, gehaessig bzw. heimtueckisch" und seien
ein Beweis fuer mangelnde Verantwortung. Sowohl Green wie auch Murray waren
frueher einmal Mitglied des Verbandes der Vereinigten Bergarbeiter.
"New York Herald Tribüne" (Paris) 6. Juni 1949
ZUM ERSTEH JAHRESTAG DES ERP.
Evert Kupers. der Praesident des Niederlaendischen Gewerkschaftsbundes,sagtei
Dieses Wiederaufbau-Programm war fuer das ganze Europa bestimmt,und ich bedauere,
dass Russland es unmoeglich gemacht hat, diesen Plan fuer den Wiederaufbau Europas
-

15

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�auf alle Laender dieses Kontinents auszudehnen
Die Sowjet Union verweigerte
die Zusammenarbeit aus dem Grunde, weil sie den wirtschaftlichen Wiederaufbau von
West Europa nicht will. Sie weiss, dass in einem zufriedenen Land ihre Weltanschauung keine Chance hat
Ich spreche die Hoffnung ans, dass die Zusammenarbeit zwischen den 19 ERP Laendem zu der Gruendung der Vereinigten Staaten 'von
Europa fuehren wird - zuerst von West Europa - durch welche ein besseres Verstehen
unter den Nationen erwachsen wird.

-

16

-

Manpower D i v i s i o n
OJH3U3, APO 742

OFFICIAL

a u n . 9-20TH, itoa, Jmif », % o

�Internationale
Di* folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Preise und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschahsschulen und deren Mitglieder.
Ton diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
nagelordert werden« Auf Wonach werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Poet zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanische»
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

11-21

Berlin, 15. Juli 1%9
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Bericht ueber die Amerikareise der Berliner Gewerkschaftler von Annemarie Tracinski
1
Die organisierte Arbeiterschaft und die nichtlandwirtschaftlichen Konsumgenossenschaften
7
Zum Thema der letzten Sowjetanleihe
.-12
Der Kohlenarbeiterstreik in Australien
14
Amerikanische Gewerkschaft rettet befreundete
Zeltung
15

Wir bringen hier Ausschnitte aus einem weiteren Bericht
der Gruppe der Berliner Gewerkschaftler ueber ihre Studienreise nach den Vereinigten Staaten. Dieser Bericht
von Annemarie Tracinski geschrieben, befasst sich hauptsaechlich mit der amerikanischen allgemeinen Arbeitsverwaltung. Wir geben hier die Abschnitte wieder, die sieh
in erster Linie auf Kollektiv - Verhandlungen beziehen.
Fraeulein Tracinski ist Arbeitsgerichtsrat.
VKBOBDHDMQ UEBER KDLLKffriV-VEBHAHDLUNGEN IN PKK VEREINIGTEN STAATEN
Mein spezielles Aufgaben- und Interessengebiet lag bei der Arbeltsgesetzgebung
und den Einrichtungen, die in den USA fuer die Beilegung von Arbeltsstreitigkeiten
geschaffen sind. Auf dieses Gebiet will ich meinen Bericht weitgehend besohraenken,
um nicht in allgemeinen Aeusserungen das, was auch andere Reiaeteilnehaer berichten
werden, zu wiederholen
Unser Versuch, in die gewerkschaftliche Arbeit der USA einzudringen, musste
unvollstaendig. bleiben und konnte nur unvollstaendige Ergebnisse zeitigen. Denn
natuerlieh ist ein Aufenthalt von 2 Ifonaten zu kurz, um einen umfassenden Einbllek
in einen bestimmten Lebensbereioh irgendeines Volkes oder Landes zu erhalten -

1

-

�noch unnoeglicher ist es, sich in so kurzer Zeit ein abschliessendes Urteil ueber
amerikanische Verhaeltnisse zu bilden angesichts der geographischen Weite des Landes und der Vielgestaltigkeit seiner Bewohner.
Der Einblick in die gewerkschaftlichen Verhaeltnisse der USA. war fuer uns besonders schwer der so ganz anderen Organisationsformen wegen. Schwer insbesondere
auch dadurch, dass wir uns bemuehen muasten, in das Wesen der AFL-Verbaende einerseits, der CIO-Verbaende andererseits und schliesslich der ebenfalls sehr bedeutenden unabhaengigen Verbaende einzudringen. Noch immer besteht ein seharfter Gegensatz zwischen CIO und AFL, obwohl es fuer den Ausaenstehenden schwierig ist» die
wirklich prinzipiellen Unterschiede zu finden, und man oft den Eindruck hat» dass
die Unterschiedlichkeiten innerhalb der Verbaende, die einem der beiden Buende angehoeren, fast genauso gross ist, wie die Unterschiedlichkeit der beiden Buende untereinander. Auch Verbaende der AFL sind inzwischen dazu uebergegangen, sich nach dem
Industrie-Prinzip und nicht mehr nach dem reinen beruflichen Prinzip zu organisier«
sodass also dieser erste und entscheidende Unterschied zwischen den beiden Buenden.
AH, und CID, teilweise in Wegfall geraet. Trotzdem haben wir eine Annaeherung der
beiden Buende in der praktischen Arbeit nur selten getroffen. Dieses nicht Miteinander- sondern Nebeneinander-Arbeiten Innerhalb der Arbeiterbewegung stellt natuerlich in mancher Beziehung eine Schwaeehung dar, bedeutet aber auch eine Staerkung
insofern, als im gegenseitigen Wettbewerb beide Organisationen versuchen, soviel
wie moeglieh fuer ihre Mitglieder zu tun und durchzusetzen, um die Menschen auf
diese Weise fuer sich zu gewinnen.
Sehr viele der amerikanischen Gewerkschaften scheinen sich auch heute noch
auf die urspruengliche Aufgabe zu beschraenken, die Interessen der Arbeitnehmer
dem Arbeitgeber gegenueber in Bezug auf ho obere Loehne und tragbarere Arbelt 82/eiten
durchzusetzen. Sie verfolgen haeufig nur die Ziele ihrer eigenen Mitgliederschaft,
ohne besondere Ruecksicht auf die Arbeiterschaft schlechthin und darueber hinaus
auf die gesamte Volkswirtschaft. Im Gegensatz hierzu haben wir beispielsweise
In der International Union, United Automobile, Aircraft &amp; Agrieultural Implement
Workers of America, CIO (UAW) eine Gewerkschaft getroffen, deren Führerschaft
Ziele verfolgt, die weit ueber das hinausgehen, was urspruenglich als die einzige
gewerkschaftliehe Aufgabe angesehen wurde
"Im uebrigen ist aber diese politische Betaetigung der Gewerkschaften nicht
das einzige Gebiet, auf das sie sieh ueber ihre urspruengllohen Funktionen, naemllch Kampf um hoehere Loehne und bessere Arbeitszeiten, hinaus begeben haben. Ein
anderer Komplex, allerdings in Zusammenhang mit den allgemeinen Lohnfragen und
Fragen der Arbeitsbedingungen stehend, ist die Forderung der Gewerkschaften nach
sozialer Sicherung ihrer Mitglieder Im Alter, Im Krankheits- oder Im Todesfälle*
Eine Forderung, die mit um so groesserem Nachdruck erhoben und verfolgt wird, als
es eine staatliche Versicherung, wie etwa in Deutsehland, auf diesem Gebiet nur in
sehr beschraenktem Umfange gibt.
Einige Gewerkschaften, wie insbesondere die Ladies Garment Workers, deren
Einrichtungen wir in New York genauer kennenlernten, haben solche sozialen Sicherungen fuer ihre Mitglieder in den von ihnen abgeschlossenen Tarifvertraegen bereits weitgehend erreicht, andere, wie die Stahl- und Autoarbeiter, sind gerade
im Augenblick dabei, diese Forderungen ihren Arbeitgebern gegenueber durchzusetzen.
Es taucht hier die Frage auf, wieweit solche Gewerkschaften, die durch Kollektlvvertraege fuer ihre Mitglieder bereits recht gute Bedingungen fuer die Alters- und
Krankenvera orgung geschaffen haben, und zwar durch Fonds, die sehr haeuf ig ausschliesslich von den Arbeitgebern gespeist werden, noch ein Interesse an dem Kampf
fuer eine staatliche Sozialversicherung haben, der von anderen Gewerkschaften bzw.

2

�von der unorganisierten Arbeiterschaft gefuehrt wird. Bei den Ladies Qaxment
Workers sohlen das Interesse fuer eine allgemeine staatliehe SozialYeraioherung
trotz der eigenen sehr guten Einrichtungen TOT banden zu sein.
Weiterhin hat beispielsweise die CIO Ihren Arbeitsbereich ausgedehnt durch
Schaffung von union counsellors, d.h. von besonders geschulten Leuten, die die
Gewerkschaftsmitglieder auf a l l e n moeglichen Gebieten, s e i es in Rechtsfragen, in
Fragen des Gesundheitswesens, des Versicherungswesens usw., kurzum bei allen Schwierigkeiten, die dem Mensohen begegnen koennen, beraten. loh hatte Gelegenheit, einer
Jahresversammlung solcher union counsellors des Chicago In'dustrial Union Councils,
CIO, beizuwohnen und hierbei einen Einblick in die Vielgestaltigkeit der Probleme
zu gewinnen, mit denen sioh diese Gewerkschaftsfunktionaere befassen, um den Mitgliedern beratende und taetige Hilfe zu geben.
Mein s p e z i e l l e s Arbeitsgebiet
Wenn loh nun snf mein spezielles Arbeltsgebiet komme, so muss ieh auch hier
wieder betonen, was loh.schon zu Anfang sagte, dass e i n Einblick.in die arbeitsgesetzliche Situation und ein üeberblick ueber die Einrichtungen fuer die Beilegung
von Arbeitsstreitigkeiten im Hinblick snf die ungeheure Vielgestaltigkeit schwer
ist.
Diese Vielgestaltigkeit auf arbeitsgesetzlichem Gebiet ergibt sich insbesondere
daraus, dass der amerikanischen Verfassung gemaess die Befugnisse der Bundesregierung In Washington in Bezug auf die Arbeitsgesetzgebung nur ausserordentlich beschraenkte sind. Im allgemeinen i s t die Arbeltsgesetzgebung Sache der Staaten,
die ihren Machtbereich auch in dieser Beziehung aengstllch hflten und darin vom
Supreme Court, also dem Obersten Gerichtshof der USA, insbesondere b i s in die
30iger Jahre hinein stark unterstuetzt w u r d e n . . . . . . . .
Weiterhin wird die Arbeitsgesetzgebung fuer den Außenstehenden insofern
unuebarsichtlich, a l s die von der Bundesregierung, also der fuer die gesamten Vereinigten Staaten kompetenten gesetzgebenden Gewalt, erlassenen Bundesgesetze nur
auf solche Betriebe und Geschaefte Anwendung finden koennen, die in mehr a l s einem
Staat arbeiten bezw. Gueter aus anderen Staaten beziehen oder eigenen Gueter nach
anderen Staaten transportieren, also in irgendeiner Form zwischenstaatlich taetlg
sind. Alle sonstigen Industrien deren Taetlgkeitsfeld Innerhalb der Grenzen eines
Staates liegen, koennen nur von Staatsgesetzen erfasst weAn.
Taft-Hartley-Gesetz
"Aus verstaendlichen Gruenden habe ich mich bemueht, in das Taft-Hartley-Gesetz einzudringen. Es begegnet einem der Name dieses Gesetzes in f a s t allen Unterredungen, Versammlungen, Diskussionen, aber nur selten bekommt man, wem man
danach fragt, eine umfassende Auskunft ueber den Charakter dieses Gesetzes und
die Gruende, die zu seiner Bekämpfung seitens der Arbeiterschaft gefuehrt haben.
Durch einige Regelungen hat dieses Gesetz den Gewerkschaften einige ihrer
Rechte genommen, die s i e s e i t Jahrzehnten a l s verbrieft ansahen. Es hat damit
eine sehr beachtliche, von den Gesetzgebern nicht beabsichtigte Nebenwirkung
e r z i e l t , e s hat naemlich die Arbeiterschaft, d.h. insbesondere die Gewerkschaften,
entscheidend zur politischen Aktivitaet veranlasst und zum guten Teil bewirkt,
dass nun nicht mehr nur vereinzelte Gewerkschaftsführer an der politischen Gestaltung des Landes i n t e r e s s i e r t und b e t e i l i g t sind, sondern dass auch die b r e i tere Masse der Mitglieder, bis dahin p o l i t i s c h uninteressiert, wach wurde.
Im uebrlgen musste mein besonderes Interesse dem Taft Hartley Gesetz schon
deshalb gelten, weil es die Funktion und Arbeitswelse des National Labor Relatlons
Board (NLRB) regelt, das ueber bestimmte Arten von Arbeitsstreitigkeiten zu entscheiden hat.
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3

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�Entstehung des Taft-Hartley-Qeaetzes ala HVerbeBBemng"des Wagner-Gesetzos
"Das Taft-Hartley-Geaetz ist 1947 erlassen worden, angeblieh, wie es in dar
Fraeadbel helsst, um das Wagner-Gesetz, dessen amtliche Bezeichnung National Labor
Relations Act lautet, zu verbessern. Das Wagner-Gesetz bedeutete fuer die Geworkachaften eine ungeheure Stuetze und hat eigentlich erst das ausserordentliche Anwachsen -von damals 2&amp; Hillionen Mitgliedern auf heute 15 -16 Millionen Mitglieder
sowie die derzeitige Staerke der amerikanischen Gewerkschaften moeglich gemaoht.
Xs wurde Im Wagner-Gesetz 2unaechst nochmals betont, was schon vorher bundesgesetzlieh niedergelegt war, dass naemlieh den Arbeitnehmern das Recht auf Organisierung
in selbstgewaehlten Gewerkschaften und das Recht auf Kollektiv-Verhandlungen zusteht
und es wurde- und das war das neue und wichtige an dem Wagner Gesetz - eine Stelle
geschaffen, naemlieh das KLEB, mit der .Aufgabe, diese anerkannten Rechte der Arbeiterschaft durchzusetzen. In Terhaeltnismaessig nur wenig und kurzen Saetzen formulierte das Wagner-Gesetz bestimmte Handlungen oder auch Haltungen der Arbeitgeber als "unfair Labor Practica1*. So wurde beispielsweise Jede Diskriminierung
eines Arbeiters durch den Arbeitgeber wegen seiner Zugehoerigkeit zu einer Gewerkschaft oder die Weigerung eines Arbeitgebers, sich ueberhaupt mit der zustaendlgen
Gewerkschaft an einen Vexhandlungatisch zu setzen, als unfair Labor Practica gebrandmarkt und dem NLBR Mittel an die Hand gegeben, gegen derartige Handlungsweisen
Torzugehen. Weiterhin wurde dem NRLB die Aufgabe zugeteilt, Entscheidungen darueber
zu faellen, ob und welche Gewerkschaft flier einen Betrieb zustaendlg i s t , sofern
darueber ein Streit entstanden war, und fuer diesen Zweck ertl. Wahlen zu veranlassen und zu beaufsichtigen."
Besohraenknngen der gewerkschaftlichen Arbeit durch das Taft-BartleyGesetz
"Das Taft-Hartley-Gesetz nun, In der amtlichen Bezeichnung Labor Management
Relations Act, wird Im wesentlichen der folgenden lins ehr aenkungen wegen ron der
Arbeitnehmerschaft angegriffen:
Xs legt gewisse Streikbeschraenkungen auf, insofern als jeder Sympathiestreik
Boykott sowie Streik, der im Kampf um die Zuständigkeit verschiedener Gewerkschaften untereinander gefuehrt wird, verboten ist* weiterhin die Moeglichkeit gegeben
ist, gewisse Streiks, die lebenswichtige Interessen der Allgemeinheit beruehren,
durch Geriohtsbeschluss zu unterbrechen* und schliesslich jeder Streik, der vor
Ablauf einer bestimmten Ankuendigungsfrist in Gang gesetzt wird, eine unfair
Labor Practica darstellt. Wie ueberhaupt das Taft Hartley Gesetz im Gegensatz
zum Wagner Gesetz auch gewisse Handlungen der Arbeitnehmer, nicht nur der Arbeitgeber, als unfair Labor Practica kennzeichnet und dem HLBB die Moeglichkeit gibt,
hiergegen vorzugehen. Im uebrlgen koennen die Arbeitgeber - und auch das Ist
voellig neu - im Falle einer unfair Labor Praotice seitens der Arbeitnehmer beim
Gericht gegen die beteiligte Gewerkschaft und ihre Mitglieder einen Schadenersatzanspruch geltend machen. Hierbei koennen die Gewerkschaften als Ganzes fuer die
Handlungen einzelner ihrer Vertreter haftbar gemacht werden.
Das Taft Hartley Gesetz verbietet darueber hinaus die Vereinbarung eines
"Closed Shops", eine Regelung, die zuvor ziemlich verbreitet war, und bestimmt,
dass ein "Union shop" nur dann vereinbart werden kann, wenn ueber diese Präge idne
Wahl in der Belegschaft durehgefuehrt wurde.
Sehr angegriffen wird die Klausel des Taft Hartley Gesezes, die besagt,
dass es den Gewerkschaften verboten ist, Wahlkandidaten, soweit es sich um Wahlen
der Bundesregierung handelt, finanziell in Irgendeiner Form yu unterstuetzen. Kine
sehr einschneidende Beschraenkung der polnischen Betaetigung der Gewedeschafton,
wenn man weiss, wie kostspielig in Amerika die Wahlkampagne fuer jeden Kandidaten
ist und dass nur solche Leute Aussicht auf Erfolg haben, die ueber die noetigen

�Geldmittel verruegen.
Sehr haeufig habe ich bei den Gewerkschaftsfunktionaeren eine Ablehnung
der Bestimmung getroffen, dass die Gewerkschaften, wenn sie ueberhaupt das NLRB
in Anspruch nehmen wollen, genaue Informationen ueber ihre Finanzlage, Statuten,
ihre Vertreter usw. geben messen, insbesondere aber, dass ron jedem Funktionaer
der betreffenden Gewerkschaft eine eidesstattliche Versicherung dahingehend, dass
er nicht Kommunist sei und dass er nicht den Kommunismus unterstuetze, Tsrlangt
wird. Dieses Affidavit wird auch ron antikommunistischen Gewerkschaftlern abgelehnt mit der Begruendung, dass solche Xrklaerungen - wenn ueberhaupt - allgemein,
aber nicht von der Arbeiterschaft im besonderen verlangt werden muessten. ••••••
Einzelstaatliche B M t l B B t t H ^
Dass in allen Staaten Arbeitslosenveralcherungsgesetze existieren, die in
ihrer Ansfuehrung unterschiedlich sind, ist schon gesagt. Darueber hinaus haben
fast alle Staaten Gesetze, die die Sntschaedigung eines Arbeitsnehmers bei Arbeitsanfall regeln, sogenannte Workmen's Compensation Acts. Es gibt Staaten, die den
Grundsatz der gleichen Bezahlung der Frauenarbeit zum Gesetz haben, wie der Staat
Illinois.
Sehr viel weiter geht der Komplex der gesetzlich geregelten Materie nirgends/
Urlaubs-, Feiertagebezahlung, insbesondere Kuendigungsschütz sind Fragen, die
vom Gesetz nicht beruehrt werden. Sie sind der freien Vereinbarung, d.h. im
wesentlichen der Festlegung in Kollektiwertraegen vorbehalten. Bestimmte Kündigungsfristen fuer die Loesung eines Arbeitsverträge«, wie sie in Deutschland eine
Selbstverstaendliohkelt sind, kennt man in USA ueberhaupt nicht. Auch in den
Tarifvertraegen gibt es keine Festsetzung bestimmter Kuendigungsfristen, sondern
nur einen gewissen Kündigungsschutz aufgebaut auf dem in fast allen Tarifvereinbarungen verankerten Prinzip der Senloritaet. Dieses Senioritaetsprinzip besagt,
dass dem Arbeiter entsprechend seiner Betriebszugehoerigkeit gewisse Privilegien
zustehen, insbesondere derjenige mit einer hoeheren Senloritaet nicht entlassen
werden kann, solange noch andere mit kuerzerer Betriebszugehoerigkeit und etwa
gleicher Befaehigung beschaeftlgt sind.
Beilegung von Arbeltsstreitigkeiten
Wichtig war fuer mich vor allen Dingen die Feststellung, dass die Beilegung
von Arbeltsstreitigkeiten im wesentlichen auf der Grundlage freiwilliger Vereinbarung erfolgt, ohne dass der Staat hierfuer besondere Einrichtungen zur Verfuegung stellt. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz bildet das NLHB, dessen besondere
Kompetenzen ich bereits ausgefuehrt habe, das also nur fuer ganz bestimmte Arten
von Arbeitsstreitigkelten zustaendlg ist. Im usbrlgen haben sich in fast allen
Kollektiwertraegen die beteiligten Parteien, also die Arbeltgeber auf der einen
Seite und die Gewerkschaften auf der anderen Seite, auf einen bestimmten Mechanismus geeinigt, dessen sie sich bei Entstehung einer Streitigkeit bedienen und
dessen letzte Phase im allgemeinen aus der Entscheidung eines Unparteiischen besteht, die beide Parteien dem Kollektivvertrag entsprechend als bindend ansehen.
Ich ha.tte Gelegenheit, mehrfach Sitzungen vor einem solchen unparteiischen
Schiedsrichter beizuwohnen, und zwar erstmalig wahrend der ersten läge unseres
Aufenthalts in New York in der Bekleidungsindustrie. Ich gewann schon damals
den Sindruck, der sich im Laufe der nachfolgenden Wochen Immer mehr verstaerkt ,
dass die Arbeitnehmer, soweit sie einer Industrie angehoeren, fuer die eine
starke Gewerkschaft besteht, und sie die Moegliehkeit haben, sich in dieser
Gewerkschaft zu organisieren, in vieler Hinsicht einen staerkeren Schutz dem
Arbeitgeber gegenueber haben als bei uns.
Es hat insbesondere dieser Unparteiische, dem in vielen Faellen die gleichen

- 5

�Streitfragen zur Entscheidung vorliegen wie in Deutsehland dem Arbeitsgericht, die
Moeglichkeit, in der Prozedur und in der Entscheidung sehr viel formloser und damit
oft sozial gerechter vorzugehen, als wir Richter des Arbeltsgerichtes es manchmal
koennenf die an das Gesetz gebunden sind. Es entsteht hierbei natuerllch die Frage,
ob nicht etwa durch diese fonlose Verhandlung und verhaeltnismaessig weitgehende
Kompetenz des Unparteiischen der Willkuer manchmal ein zu weiter Spielraum gelassen
wird« Ich glaube aber, dass diese Gefahr insofern eingedaemmt ist, als diese unparteiischen das Vertrauen beider in Streit stehenden Parteien besitzen messen und
ueberhaupt nur auf Grund dieses beiderseitigen Vertrauens taetig werden koennen.
Auch die Bezahlung des unparteiischen erfolgt in den meisten Faellen von beiden Par.eien zu gleichen Teilen» Der Unparteiische wird sieh also im allgemeinen bemuahen,
eine wohlabgewogene Entscheidung zu faellen«
Der Nachteil dieses Systems der weitgehenden Regelung der Arbeitsbeziehungen
allein durch Kollektiv-Vereinbarungen ohne staatlichen Eingriff besteht darin, dass
eben immer nur solche Arbeitnehmer betroffen sind, die gewerkschaftlich organisiert
sind und deren Organisationen stark genug sind, sich der Arbeitgeberschaft gegenueber durchzusetzen. Insgesamt sind Jedoch nur etwa 15 - 16 Millionen Menschen
in den Vereinigten Staaten gewerkschaftlich organisiert von insgesamt 35 - 40 Millionen Industriellen Arbeitnehmern
"Betrlebsraete"
Bei der Schilderung der haeufig uebllchen Prozedur, mit der Arbeitsstreitigkeiten in den Betrieben beigelegt werden, streife ich einen anderen ProblemkrelEi,
mit dem loh mich unserem urspruenglichen Plan nach auch zu befassen hatte, naemlich
die Trage, ob es Betriebsvertretungen sehnlich den deutsehen"Betriebsraeten" in
den Vereinigten Staaten gibt und welches ihre Funktionen sind. Um es vorweg zu
nehmen| Uns, die wir allerdings fast ausschliesslich Betriebe mit gewerkschaftliche
organisierter Arbeiterschaft besucht haben, sind von den Gewerkschaften unabhaengige
Betrlebsraete, die die Belegschaft als ihre Vertreter waehlt, nicht begegnet. Der
Betrieb bildet vielmehr, sofern seine Arbeiterschaft orgarisiert ist und er die
noetlge Groesse hat, in sich eine Einheit des Gewerkschaftsverbandes, ein sogenanntes
Local.
Die Arbeitsbedingungen werden in einem solchen Fall durch einen Tarifvertrag
zwischen Gewerkschaft und dem einzelnen Arbeitgeber, also einem Firmentarif vertrag,
geregelt und in diesem Kollektiv-Vertrag euch die Anzahl und die Funktionen der Vertreter der Belegschaft im Eetrieb festgelegt. Die Vertreter also, die die Belegschaft waehlen, um ihre Interessen gegenueber der Betriebsleitung wahrnehmen zu
koennen, sind gleichzeitig Gewerkschaftsfunktionaere. Dieses System, dass die Gewerkschaft unmittelbar in den Betrieb hineingeht und in jeder auch nur den einzelnen
Betrieb betreffenden Frage als Vertreter der Arbeitnehmersebaft auftritt, hat auf
der Hand liegende Vorteile gegenueber dem deutschen System insofern, als der Arbeitnehmerschaft groessere Stosskraft zur Verfuegung steht, und weiterhin die Gewaehr
gegeben ist, dass auch im einzelnen Betrieb das Gesamt Interesse der dieser Industrie
angehoerenden Menschen, nicht nur das Einzelinteresse einer bestimmten Belegschaft,
zur Durchsetzung kommt.
Das System ist zweifellos zu begruessen, solange die Gewerkschaften in sich
selbst wirklich demokratisch sind und die Mitglieder die nicht nur formale und auf
dem Paper befindliche Moeglichkeit der Mitbestimmung in der Gewerkschaftspolitik
haben. Es ist unzweckmaessig dann, wenn diese Demokratie nicht vorhanden ist und
wenn, wie es bei einzelnen amerikanischen Gewerkschaften der Fall ist, die gesamte
Politik von oben herab dirigiert wird.
Die Gewerkschaften bzw. die Arbeitnehmerschaft haben in den einzelnen Betrieben

- 6 -

�sehr verschiedene Vertreter zur Wahrnehmung ihrer Interessen, deren Kompetenzen
gestaffelt sind. Die unterste Stufe dieser Betriebsvertretung bildet im allgemeinen
der Steward als Vertreter einer nur kleinen Abteilung innerhalb des Betriebes.
In groesseren Betrieben folgt als naeohst hoehere Stufe ein Komitee, das s ich aus
einzelnen oder aus allen Steward zusammensetzt. Hat nun ein Arbeitnehmer eine
Beschwerde, so wendet er sich entweder allein oder gemeinsam mit seinem Steward
an den zuataendigen Vormann und es wird versucht, auf dieser Ebene den Streit beizulegen. Gelingt das nicht, so nimmt sieh das eben erwaehnte Komitee des Falles an
und bespricht die Angelegenheit mit einer diesem Vormann vorgesetzten Instanz der
Betriebsleitung. Wird hier keine Einigung herbelgefuehrt, so finden im allgemeinen
Verhandlungen zwischen der Gewerkschaftsleitung einerseits und den hoechsten Instanzen der Betriebsleitung andererseits statt, und erst wenn alle diese Phasen ergebnislos verlaufen sind, wird der Fall vor einen unparteiischen Schiedrichter gebracht.
Fehlt es den Parteien an einer geeigneten Persoenlichkeit, auf die sie sich
als Schiedsrichter einigen koennen, so haben sie die Moeglichkeit, sich an den
Föderal Mediation and Conciliation Service (FMCS) zu wenden, der «taendig eine
Liste geeigneter Leute zur Verfuegung hat. Der FMCS wurde, wie ich schon frueher
ausfuehrte, durch das Taft Hartley Gesetz geschaffen, als staatliche Stelle mit
der Aufgabe, den Tarif-Parteien dort, wo diese sich ueber neu abzuschliessende Vertraege und Vereinbarungen nicht einigen koennen, durch Rat und vergleichende Vorschlaege zu helfen und ihnen, falls die Tarif-Parteien einen schiedsrichterlichen
Spruch wuenschen, solche Schiedvrichter zu benennen. Dem FMCS steht selbst keinerlei Entscheidungsbefugnis zu gemaess dem dominierenden amerikanischen Grundsatz,
dass die Spielregeln unter den Arbeitsvertragsparteien selbst auszuhandeln seien
und der Staat hierzu nur eine gewisse Hilfestellung leisten koenne und solle."
ANMERKUNG;

Einige Abschnitte aus diesem Bericht wurden bereits von der Zeitschrift
der "Sozialdemokrat" veroeffentlicht. Da sicher nicht alle Leser der
Internationalen Arbeitsmitteilungen diese Zeitung lesen, geben wir
hier den Report wieder, soweit er uns geeignet erschien,

DIE ORGANISIERTE ARBEITERSCHAFT UND DIE NICHTLANDWIRTSCHAFTLICHEN
KONSUMGENOSSENSCHAFTEN
Kuerzlioh veroeffentlichte das Ü.S. Department of Labor einen Bericht ueber
die Amerikanischen Konsumgenossenschaften fuer das Jahr 1947. Es sind ungefaehr
48,ooo Genossenschaften mit ungefaehr 20,000,000 Mitgliedern die $ 1,700,000,000
im Jahre 1947 einbrachten. Es ist nicht bekannt wieviele der genannten Mitglieder
zwei oder mehreren Genossenschaften angehoeren. Die meisten dieser Konsummitglieder
sind Bauern. Wir geben hier jene Abschnitte wieder, allerdings etwas gekuerzt, die
sich auf die nichtlandwirtschaftlichen Konsumgenossenschaften beziehen.
Die Gewerkschaften und die Genossenschaften
Einige der aeltesten nichtlandwirtschaftlichen Konsumgenossenschaften in den
Vereinigten Staaten worden mit Hilfe oder Unterstuetzung von Arbeiterorganisationen
gegruendet, jedoch wurde ein groesserer Teil der neuen als der bestehenden Genossenschaften auf diese .'eise gebildet. Aus einer Studie, die vom Amt fuer Arbeitsstatistik in dem Bestreben ausgearbeitet wurde, festzustellen, bis zu welchem Grade
die organisierte Arbeiterschaft an den Konsumgenossenschaften beteiligt ist, geht
hervor, dass im grossen und ganzen verhaeltnismaessig wenig Genossenschaften im
Verlauf der Zeit, da diese Institutionen gefördert wurden, eine Unterstuetzung
seitens der Gewerkschaften erfuhren. In vielen Faellen waren aber ihre Mitglieder

- 7 -

�obwohl sich die Gewerkschaften als solche nicht beteiligten, an dem Projekt fuehrend
beteiligt.

Zum groessten Teil brachte die organisierte Arbeiterschaft den Konsumgenossenschaften im Jahre 1947 ein Interesse entgegen aus dem Grunde, weil die Lebenshaltung«
kosten, insbesondere die Lebensmittelpreise, gewaltig anstiegen. Als eine Folge
davon wurden zahlreiche neue Konsumgenossenschaften gebildet, und einige laenger
bestehende Genossenschaften berichten, dass die Gewerkschaftler in schwankender
Zahl den Konsumgenossenschaften beigetreten sind oder sie in Anspruch nehmen. Aus
anderen Berl chten wie darum geht hervor, dass in vielen Faellen das Interesse schwand,
bevor sich Irgend welche positiven Resultate zeigten.
Die Hilfe, die ihnen seitens der Gewerkschaften zuteil wurde, hat verschiedene
Formen angenommen. So wurde in förderndem Sinne in Gewerkschaftsver samnlungen ueber
die Konsumgenossenschaften gesprochen, es worden gemeinsame Versammlungen von der
Arbeiterschaft und den Genossenschaften abgehalten, in Gewerkschaftsresolutionen
wurden die Genossenschaften (oder einzelne Organisationen) unterstuetzt, In denen
die Gewerkschaftsmitglieder dazu aufgefordert wurden, den Konsumgenossenschaften
beizutreten und sie in Anspruch zu nehmen, in den Gewerkschaftsblaettern wurden
regelmaessig oder gelegentlich Artikel veroeffentlicht, man half mit bei der Organisation neuer Konsumvereine (entweder durch freiwillige oder angenommene Kraefte)
es wurden sogar neuen oder schon bestehenden Konsumgenossenschaften Gewerkschaftsgelder geliehen oder solche bei ihnen angelegt.
In den Berichten benannten die Genossenschaften viele Arbeiterorganisatfcmen,
die ihnen mehr oder weniger Hilfe in der geschilderten Form hatten zuteil werden
lassen. Ton diesen Gewerkschaften entfüen etwas ueber 50% auf die AFL, etwa
30£ auf den CIO, sowie-nahezu 20t auf die unabha engigen Gewerkschaften.
Viele Konsumgenossenschaften befinden sich an Orten, wo keine Gewerkschaften
bestehen. Dies waere z.T. der Grund dafuer, dass bei 21,7# der Organisationen,
die einen Bericht ueber die Zusammensetzung ihrer Mitgliederschaft abgaben, die
Mitglieder nicht in Arbeiterorganisationen organisiert waren. Bei 27,9^ bestard
1/10 der Mitglieder oder weniger aus Gewerkschaftlern. Bei anderen Organisationen
31.0 aller Organisationen - wiederum gehoerten die Haelf te der Mitglieder oder
sogar noch mehr den Gewerkschaften an. Im allgemeinen spiegelte die Zusammensetzung des Vorstandes der Genossenschaften mit einem ziemlich grossen Prozentsatz
an Gewerkschaftsmitgliedern ungefaehr dasselbe Verhaeltnis wieder.
Die gewerkschaftliche Hilfe bei der Organisation.
Nur ein kleiner Teil dieser Konsumgenossenschaften wurde mit Hilfe der Gewerkschaften gegruendet. Am groessten war der Prozentsatz bei den Petroleum-Konsumvereinen (3 von 13), den "anderen Vertriebsorganisationen" (2 von 9), den AerzteOrganisationen (2 von 4), und den BegraebnisInstituten (2 von 6). Von 254 Laecien
und Einkaufsgenossenschaften hatten nur 37 bei ihrer Gruendung die Unterstuetzung
von Arbeiterorganisationen. Keine der Genossenschaften» die Wohnung und bzw. oder
Mahlzeiten besorgte, und keine der Organisationen fuer Unterkunft, Kuehlhauswaren
oder "andere Verteilungsgenossenschaften" hatte eine solche Hilfe. So waren also
die Gewerkschaften von Anfang an nur an 46 von 347 Genossenschaften aller Art
interessiert» ein grosser Teil davon waren Genossenschaften juengeren Datums, die
im Verlaufe der letzten paar Jahre gebildet worden waren.
In dem Fall einer neuen Vereinigung, der Negaunee (Michigan) Konsumgenossenschaftsstellen, wurde der Gedanke, die Konsumgenossenschaft zu gruenden, zweifellos ins Leben gerufen, als die Eisengrubenarbeiter, die den Hauptbestandteil derselben bilden, waehrend ihres Streiks im Jahre 1947 von einer Konsumgenossenschaft
in der benachbarten Stadt und von dem Konsumgrosshandel des betreffenden Gebiets
finanziell unterstuetzt wurden. Innerhalb eines Monats, nachdem der Streik
-

8

-

�beigelegt war, leiteten die Vertreter der 5 CIO-Lokalgewerkschaften einen Werbefeldzog ein, der darin gipfelte, dass 9 Monate spaeter ein Konsumladen eroeffnet vor de.
Zur Zeit der Berichterstattung des Vereins an das Amt wurde das Interesse der Gewerkschaften durch Berichte ueber den Fortsehritt des Ladens wachgehalten, die regelmaessig das Hauptthena bei den Versammlungen der Ortsgewerkschaften bildete*
3 andere neu aufgebaute Genossenschaften - 2 im Staate Michigan and 1 im Staat«
Minnesota - hatte kostenlose Werbetaetigkeit, Hilfe bei der Organisierung sowie
finanzielle Unterstuetzung durch die Gewerkschaften, insbesondere seitens der Automobilarbeiter. In alledem foerderten der CIO und die AFL gemeinsam die Konsumgenossenschaften. Die Konsumvereine im Staate Michigan eroeffneten Auslieferungssteilen nach Art der Warenhaeuaer in Detroit und Pontiac und verkauften die Waren
direkt aus den Kisten in denen sie versandt worden waren. In diesen Konsumgenossenschaften machen die Gewerkschaftler 70 und 75£ der Mitgliederschaft aus
An der Bildung eines Neger-Konsumvereins, der Cooperatlve Commonwealth Ine.
in Gary, Indiana, beteiligte sieh die Lokalgewerkschaften der Stahlarbeiter (CIO),
denen ein grosser Teil der Mitglieder angehoert, durch Propaganda und mit einigen
Geldmitteln. Der Konsumverein zog Nutzen ans den Fehlern einer frueheren Konsumgenossenschaft (die im Jahre 1941 einging), und ihrer Gruendung ging eine erzieherische und foerdernde Arbeit unter den zukuenftigern Mitgliedern, die mehrere Jahre
gedauert hatte, voraus. Es wurden Geldmittel fluessig gemacht, und zwar nach und
nach ueber eine lange Zelt hinweg durch Agenten, die bei den Leuten in gewissen
Zeitabataenden immer wieder vorsprachen. Die Mitglieder haben sehr viel zur Errichtung des Gebaeudes zur Unterbringung eines aus einer Kolonialwaranbandlang, einem
Drugstore und einem Restaurant kombinierten Unternehmens das gegen Ende 1946 eroeffnet wurde, beigetragen
Einer der staedtisehen Petroleum-Konsumvereine, Cooperatlve Services, dessen
Zentrale sich jetzt in St. Paul, Minnesota, befindet, eroeffnete seinen Betrieb
im Jahre 1933 in Minneapolis, und zwar mit Unterstuetzung der Zentralen Arbeitergewerkschaft der Stadt an einer Tankstelle, die man von der Labor Temple Association
gepachtet hatte. Seine Organisatoren waren alles Gewerkschaftler. Waehrend seines
15Jaehrlgen Bestehens erfreute er sich allgemein der unterstuetzung der oertliohen
Arbeit er gewerkschaften. Der Verein, der 4 Tankstellen und eine Reparaturgarage in
den Zwillingsstaedten betreibt, wird staendlg von den 15 verschiedenen Lokalgewerkschaften propagiert und unterstuetzt, von denen einige Geld bei ihm angelegt haben.
Das Interes«« fj^j die unterstuetzung der Arbeiterschaft
unter den Konsumvereinslaeden hat nur eine kleine Anzahl (im ganzen 82) ueber
eine groessere wachsende unterstuetzung seitens der Gewerkschaften oder ihrer Mitglieder seit Gruendung der Konsumgenossenschaft berichtet. Einer von ihnen stellte
fest, dass die Zunahme nur "sehr gering" war, ein anderer wieder erklaerte, daae
das Interesse meist durch "Gespraeche" zum Ausdruck kam und nicht durch ein Aufsuchen des Ladengeschaefts.
Im Staate Massachusetts traten "50t der Gewerkschaftsmitglleder in einer
Baeekerei" der bedeutenderen Boston Cooperatlve Society bei; andere Gewerkschaften,
deren Mitglieder ebenfalls der Konsumgenossenschaft in schwankender Zahl beigetreten sind, sind die der Lehrer und die der staatlichen, bezirkliohen und staedtisehen
Angestellten (beide von der AFL). Gegen Ende 1947 betrug der Prozentsatz bei den
575 Mitgliedern nur etwa 13&amp;. Eine Genossenschaft im Staate Pennsylvania stellte
fest, dass "der Beginn einer stark anwachsenden, ploetzlieh aber wieder abnehmenden
Unterstuetzung" seitens einzelner Gewerkschaftler zu verzeichnen ist, meistens aber
bei Mitgliedern des Verbandes der Hafen- und Werfterbeiter (AFL).
Die United Cooperatlve Society in Maynard, Massachusetts, die vor ueber 40

- 9 -

�Jahren gegruendet wurde, beror sieh die oertliehe Wollspinnerei der Gewerkschaft
anschloss, berichtete, dass die Unferstuetzung seitens der Gewerkschaftler (aber
nicht seitens der Gewerkschaften selber) groesser wird. Gegen Ende 1947 gehoerten
etwa 50% ihrer 2.567 M itglieder der Gewerkschaft (CIO) an. Eine Genossenschaft
in Staate Michigan, deren Mitglieder s i c h aus ansehnlichen Gruppen organisierter
Fabrikarbeiter, Bueroangestellten und Lehrer zusammensetzen, berichtete ein steigendes Interesse seitens der CIO- und AFL-Ortsgewerksehaften, jedoch "habe nicht eine
einzige Gewerkschaft irgendwelohe gemeinsamen Schritte zur ünterstuetzung der Konsumgenossenschaften unternommen.n 6o£ ihrer Mitglieder sind Gewerkschaftler.
Die Cloquet (Minnesota) Cooperative Society, eine der groessten Konsumgenossenschaften in den Vereinigten Staaten, wurde im Jahre 1910 gegruendet, lange bevor
die Arbeiterorganisationen in der Oeffentlichkeit in Erscheinung traten. Ihre
Angestellten waren die ersten in der Stadt,- und auf Jahre hinaus die einzigen
Ladenangestellten - die sich organisierten. Die Ünterstuetzung der streikenden Arbeiter in den Saegemuehlen und Papierfabriken in den Jahre 1920 und 1922 brachte
ihnen fuer immer die Dankbarkeit und das Wohlwollen der Gewerkschaft e i n . Die Mitglieder dieser Gewerkschaften fuehrten eine Verkaufskampagne und einen Aufklaerungsfeldzug unter den Fabrikarbeitern fuer die Konsumgenossenschaft durch, und
zwar zu der Zeit, da die Genossenschaft ihren Bericht bei dem Amt einreichte. In
einem Waldbrand, der im Jahre 1913 die ganze Stadt vernichtete, verlor diese Genossenschaft ihr Lager und ihre Waren. Seit diesem Jahr hat s i e jedoch keine Betriebsverluste mehr aufzuweisen gehabt. Sie hat an ihre Mitglieder durch Zurückzahlungen
auf Kaeufe die Summe von $1.006.676 zurueckerstattet zusaetzlich zu $100.808 an
Zinsen auf ihren Kapitalsanteil. s i e nimmt in bezug auf die Reichhaltigkeit der
Waren und der Dienstleistungen eine hervorragende Stellung oin. Gegen Ende 1947
waren etwa 30£ ihrer Mitglieder Gewerkschaftler.
Die Janesvllle (Wisconsin) Consumers Cooperative Association, die kurz vor
dem Zweiten Weltkriege von Gewerkschaftsmitgliedern des CIO und der AFL gegruendet
wurde, die sich zu diesem Zwecke zusannengetan hatten, hat in l e t z t e r Zeit ein
ausgesprochenes Interesse seitens der Arbeiterschaft hervorgerufen. Die zentrale
Arbeitergewerkschaft der AFL (mit 23 angeschlossenen Gewerkschaften) und der Automobllarbeiterverband des CIO hatten beide einen staendlgen Ausschuss fuer Konsumgenossenschaften ernannt, und l e t z t e r e Gewerkschaft war ein genossenschaftliches
Mitglied des Konsumvereins geworden. Im Jahre 1947 waren die organisierten Arbeiter
mit 60i in der Mitglioderschaft vertreten
Eine Konsumgenossenschaft der Eisenbergarbeiter im Staate Minnesota, die
ihren Betrieb im Jahre 1926 aufnahm, berichtete, dass unlaengst die Mitglieder der
Friseur- und Stahlarbeiter-Gewerkschaften (die beide dem CIO angehoeren) wie auch
die Eisenbahnarbeiter (AFL) Interesse gezeigt haetten. Ein weiterer Konsumverein
in diesem Staate berichtete, dass die "Trades and Labor Assembly" die Konsumgenossenschaften durch eine Reihe von Konferenzen foerdere, die gemeinsam von Vertretern der Konsumgenossenschaften und der Arbeiterschaft durchgefuehrt werden. Ein
dritter Konsumverein im Staate Minnesota, der kurz vor dem Kriege von Mitgliedern
des Verbandes der Hafen- und 7/erftarbeiter (AFL) gegruendet worden war, berichtete,
dass mehrere Lokalgewerkschaften von der AFL wie vom CIO vor kurzem Konsumausschuesse gebildet haetten» 601 der Mitglieder der Konsumgenossenschaft gehoerten
den Arbeiterorganisationen an
Der Konsumgenossenschaftsverein in Racine (Wisconsin), der ebenfalls von
Gewerkschaftlern ins Leben gerufen worden war, fing 1933 mit einer einzigen Benzintankstelle an. Die Mitglieder der Arbeiterorganisationen bilden 75^ seiner Mitgliederschaft, die sich auf 2.700 belaeuft. Die groesste ünterstuetzung hatte &lt;sr
von selten des AutomobllarbeiterVerbandes des CIO (die AutofabrikatIon i s t der
-

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�einzige und groesste Industriezweig der Stadt), es wird aber berichtet, daas sich
jetzt die Gewerkschaftler der AFL ebenfalls recht rege beteiligen« Der Konsumverein Terfuegt ueber 2 Lebensmittelgeschaefte, 4 Tankstellen, 1 Kohlenplatz und 1
Versicherungsagentur
Die "Cooperative Services", Indianapolis - ein Kohlaikonsumunternennen, bei dessen Gruendung die Gewerkschaften beteiligt waren - berichteten, dass die Gewerkschaften in steigendem Masse das unternehmen unters tue tzen, indem sie dort Ihre
Kohle beziehen, um die Gewerkschaftsversammlungsraeume zu heizen; ausserdem wird
auf den Versammlungen der Lokal gewer kschaften des CIO wie auch der AFL eine starke
Propaganda gemacht und das Unternehmen unteratuetzt. Ein Kosumrerein fuer Milchertrieb im Staate Michigan ist, obwohl er nicht *&gt;n Gewerkschaftlern gegruendet
urde, durch eine kleine Summe aus Gewerkschaftsfonds unteratuetzt worden, und die
okalgewerkschaften des CIO haben ihren Mitgliedern nahegelegt, dem Verein beizutreten»
m Jahre 1947 waren die Mitglieder zu 80£ Gewerkschaftler
Andere Konsumgenossenschaften wieder berichten ueber eine weniger ermutigende Lage*
er Leiter eines neuen Konsumvereins Im mittleren Westen erklaert. dass die Gewerkohaften nicht so mitgeholfen haben, wie sie es versprochen hatten, als der Verein aning. Die Ortsgewerkschaft der Elektroarbeiter (AFL) "war die einzige, die uns wirklich
eholfen hat." Bin Konsumverein an der Ostkueste berichtete ueber "Obstruktion" seitens
er Ortsgewerkschaften der AFL. Bin Konsumverein Im Staate Illinois hatte mit gelesen AFL-Gewerkschaften gemeinsame Versammlungen abgehalten, hatte aber "in Wirklohkeit keine ünterstuetzung." In einer Stadt im Staate New York "hatten die Arbeisrfuehrer zu einem Beitritt zum Konsumverein aufgefordert, jedoch nur ein paar (GeBrkschaftsmitglieder) haben dieser Aufforderung Folge geleistet." Ein Konsumverein
m Staate Pennssylvania berichtete ueber eine nur "Lauwarme" ünterstuetzung, und einer
a Staate Washington stellte lediglich "etwas Interesse, aber keine sehr aktive
aterstuetzung" fest. In einer Stadt im Staate Connecticut begann eine Ortsgewerkshaft zunaechst damit, fuer den Konsumverein eine gewaltige Reklame zu machen, was
Ine Zeitlang ging, aber dann bald vollkommen einschlief." Bin Konsumverein im Staate
assachusetts stellte fest, dass die Gewerkschaftsmitglieder "ein ausgesprochenes In»resse hatten, dass aber nur wenige beigetreten sind"« Ende 1947 waren in der
»samten Mitgliederschaft nur 10i Gewerkschaftsmitglieder. Eine sehnliche Lage bestand
i einer Stadt im Staate Ohio, wo der Konsumverein Gegenstand des Interesses der zenralen Arbeiterorganisationen der AFL und des CIO gewesen war, jedoch war die ünterbuetzung in bezug auf die Einkaeufe In dem Geschaeft nur "geringfuegig". Bei einem
jnsumverein im Staate Pennsylvania wurde das Interesse der Gewerkschaften lediglich
idurch unter Beweis gestellt, dass "eine kleine Gruppe" der Textilarbeiter des CIO
»itrat* 1947 waren nur 5% der Mitglieder Gewerkschaftler.
Die Gewerkschaftler in der Mitgliederschaft und in der Leitung«
Gewoehnlich gehen die Konsumgenossenschaften nicht bewusst darauf aus, den Arbeitsorganisationen oder ihren Mitgliedern eine Vertretung in ihrem Vorstand zu geben. Die
iblichen Voraussetzungen hlerfuer sind die Mitgliedschaft Im Konsumverein und die Faehigait, diesen Posten auszufuellen. Die Zahl der Gewerkschaftler im Vorstand eines Konimvereins ist daher gewoehnlich vielmehr das Ergebnis eines Zufalls (oder der Zuimmensetzung der Mitgliederschaft) als das der Absicht und Planung.
Trotzdem hat alles in allem den Anschein, dass die Vertretung der Gewerkschaft
i Vorstand der Konsumgenossenschaften, die in dieser Studie ihre Berichte abgegeben
iben, ziemlich genau dem Verhaeltnis der Gewerkschaftler in der Mitgliederschaft
rtspricht. In 31.Q&amp; der Faelle von berichtenden Kosumgenossenschaften bildeten die
Ltglieder der Arbeiterschaft 50£ oder noch mehr der Mitgliederschaft der KonsumvereiJ, jedoch nur lOi oder noch weniger in 49,6£ der Faelle. In 51,2| Faellen bei den
»nsumvereinen, bei denen sich Gewerkschaftler im Vorstand befanden, gehoerten die

11-

�Baelfte oder mehr der Mitglieder des Konsumvereins den Arbeitergewerkschaften an»
in 23.Q£ aller Faelle betrug der Anteil an Gewerkschaftlern an der Mitgliederschaft des Konsumvereins IQ? oder weniger. Andererseits machen unter den Konsumvereinen, die keine gewerkschaftliche organisierten Direktoren hatten, dl» Gewerkschaftler 10* oder weniger aller Mitglieder bei 85,2g aller Konsumvereine
ans (innerhalb dieser Gruppe hatten 53.3&amp; ueberhaupt keine Gewerkschaftsmitglieder
aufzuweisen)•
Amerikanisches Arbeitsministerium
Amt fuer Arbeitsstatistik Bulletin No. % 8
ZUM THEMA DER LETZTEN SOWJETANLBIHB
In der "Vie Ouvriere" vom 12. Mai beschliesst Monmousseau seinen Artikel,
den er - man weiss nicht genau, warum - NAn das Paradies der Dummkoepfe" ueber schreibt, mit einer Frage an die Zeitschrift "Franc-Tireur". Die Frage hat allerdings nichts mit dem uehrigen Inhalt des Artikels zu tun* da es sich aber um Dummkoepfe handelt, wollen wir den Artikel aus dem Spiel lassen und zu der Frage zurueckkehren, die wie folgt lautet;
"Wie erklaert er (Franc-Tlreur) es sich, dass der sozialistische Staat,
den er luegenhafterweise als Polizeistaat der Gewalt und der Ungerechtigkeit bezeichnet, dieser Tage eine Anleihe von 1.000 Milliarden Francs in
24 Stunden aufgebracht hat."
"Diese Woche laesst Monmousseau die Dummkoepfe beiseite, um sich an die
Tauben zu halten« Wollen wir hoffen, dass er, bevor er sich an die Blinden haelt,
die Zeit gehabt hat , einige Erlaeuterungen ueber den Mechanismus zu lesen, mit desse
Hilfe die Anleihen in der ÜdSSB durchgefuehrt werden, sowie einige naehere Angaben die der Sowjetpresse entnommen sind - ueber den Charakter der Kampagne, die von
den russischen "Gewerkschaften" anlaesslich der letzten Anleihe gefuehrt wurde»
Am Tage der Ankuendigung ueber die Eroeffnung der Zeichnung, veroeffentlLchte
die Zeitschrift "Trud", das Gewerkschaftsorgan, einen Beschluss des Zentralkommittees der Gewerkschaften der UdSSR, demzufolge in 4 Spalten die Arbeiter in
der UdSSR aufgefordert wurden, fuer die Anleihe zu zeichnen. Der Schlusssatz lautete wie folgt;
"Dadurch, dass sie fjjnflflfl und geschlossen fuer die IV. Staatsanleihe fuer
die Entwicklung und den Wiederaufbau der nationalen Wirtschaft der UdSSR
zeichnen, werden die Arbeiter der Sowjetunion wieder einmal ihre unbegrenzte
Liebe und ihre Loyalitaet gegenueber der Bolschewistischen Partei, der Sowjetregierung und ihrem herrlichen Fuehrer, ihren Lehrer Stalin, bezeugen."
Die Arbeiter wurden also davon in Kenntnis gesetzt, dass ein Mangel an Begeisterung fuer die Anleihe einer Aensserung des Trotzes bezw. der Herausforderung gegenueber der Partei, dem Staat und ihrem herrlichen Fuehrer gleichgesetzt werden
wuerde.
In Frankreich und ueberall, wo Staatsanleihen in privater Form gezeichnet
werden und wo kein Polizist sie zwingt, zur Bank zu laufen, um ihre Begeisterung
zum Ausdruck zu bringen, waeren diese Erklaerungen von keiner grossen Bedeutung«
In der UdSSR ist das aber ganz anders, denn dort schliessen die Arbeiter auf
grossen Massenversammlungen, fuer Anleihen zu zeichnen. Und unter diesem Gesichtspunkt nehmen die Begriffe "Sinmuetlgkelt" und "Geschlossenheit" erst den ihnen eigenen Sinn an. Vor mehreren tausend, mehreren hundert und gegebenenfalls vor einigen Dutzend von stummen Lohnempfaengern, verpflichten sich die Vertreter der Innungen und Zuenfte in ihrem Namen oder im Namen der Lohnempfaenger, fuer die Anleihe
zu zeichnen. Mit anderen Worten: die Bezahlung am. Ende des Monas setet sich zum
Teil aus Lohn, zum Teil aus Anleihescheinen zusammen.
-12-

�Vom 5. bis 10« Mai, schrieb die ganze Sowjetpresse 5 und 6 Spalten mit der
itgedruckten Ueberschrift: "Die Anleine vollzieht sich In ganzen Lande mit der
tessten patriotischen Begeisterung." Die Pravda" vom 5. Mai ist voller Schilderen von Szenen der Begeisterung. Wir wollen einmal eine auf Geratewohl heraus»lfen*
"In den Bergwerken des Don - Stalino" (teilw. Auszug)
"Das Bergwerk 'Novo-Muschketowo' umfasst etwa 100 Bergleute. Manche sind beim
ifahren, andere schicken sich an, einzufahren. Es wird eine Versammlung eroeffnet,
i wegen der neuen Anleihe einberufen wurde.
Der erste Sprecher ist der Grubenzimmermann der Stossbrigade Nlkephor Gordeje;sch Golub, Held der Sozialistischen Arbeit, der vor kurzem aus Moskau zurueckgeirt rst, wohin er als Delegierter zum Gewerkschaftskongress gegangen war. "Genossen",
;t er, indem er sich an die Bergleute wendet, "es gibt kein anderes Land in der
,t, wo man sich so sehr mit dem Arbeiter beschaeftigt wie bei uns. Ich habe mich
on ueberzeugen koennen, als ich das hoerte, was uns die auslaendisehen Gewerklaftsdelegierten erzaehlt haben. Bei ihnen wird die Lebenslage des Arbeiters staen; schlechter. In den kapitalistischen Laendern haben die Arbeiter nicht einmal Anuch auf kostenlose aerztliche Behandlung." (Sollte wieder einmal Henri Beynaud wohl den Schwung aus den Jahren um 1930 wiedergewonnen hat - zufaellig die
&gt;eltaten" der Sozialversicherungen in den anderen Laendern, ausgenommen die UdSSR,
den Pranger gestellt haben). "Bei uns stellt die Regierung keine Erwaegungen an,
n es sich um die Sozialversicherung handelt. Wir Bergleute koennen uns darueber
. Urteil erlauben."
Spaeter erklaert dann Genosse Golub, dass er mit Freuden fuer die Anleihe zeichi wuerde.
"Die Steiger (Aufseher) Erassilnikoff und Kosirlkitzkij nehmen darauf das
t und begruessen begeistert die Ankuendlgung ueber die neue Anleihe. Nach der
Sammlung machen sich die Bergleute daran, fuer die neue Anleihe zu zeichnen."
Wir haben hier nichts hinzugefuegt und auch nichts weggelassen. Die "Prawda"
i 5. Mal befindet sich bei dem Nationalen Presseverbanddienst. Wer in bezug auf die
aulgkeit dieser Schilderung Zweifel hegen sollte, kann auf die Nummer dieser Zeig zurueckgreifen. Es steht alles da, die Intervention des Helden der Arbeit, die
laerungen der Stelger und das Schweigen der Bergleute.
Unter diesen Umstaenden ist es zu verstehen, wenn am Tage der Zeichnung allein
Stadt Moskau, die 4 Millionen Einwohner zaehlt (darunter Hausfrauen, Kinder,
ise und eine Anzahl unproduktiver Personen) In 12 Stunden 2.070.967 Rubel zeichne(Leitartikel der "lawjeatiJa" vom 6. Mai 1949). Wie bei der Militaerparade zur
nde H, haben sich die Arbeiter der Hauptstadt zu begeisterten Versammlungen vereinigt,
ein paar Sekunden hatten sie die Haelfte ihrer Mbnatsbezuege verloren.
Diejenigen, die ueber die Hintergründe der Lanzierung einer sowjetischen Anhe Informiert sind, sind zu suchen. Denn die Zahl derer, die dem Ausland darueber
kunft geben koennte, ist klein. Dank des Zeugnisses eines Aktivisten, der lange
der UdSSR gelebt hat, und der sehr gut die Vorgaenge kennt, koennen wir ueber die
gwierige und minutloese Vorbereitung berichten, die den "spontanen Zeichnungen"
angehen.
Giliga, ein Mitglied des Politbueros der Kommunistischen Partei Jugoslawiens
. ein einflussreiches Mitglied des Komintern-Bueros in Moskau hatte das Unglueck,
7 von der GPU wegen "Opposition" verhaftet zu werden.

Er verblieb lange Jahre im

aengnis, in gesonderten Einzelzellen, bis schliesslich 1935 seine Strafe in Zwangsschickung in das Innere Sibiriens umgewandet wurde. Auf Grund der Tatsache, dass
Auslaender war (er war Italiener), wurde Giliga schliesslich aus der UdSSR ausgeben. Waehrend der Zeit seiner Verbannung wurde Ciliga als Buchhalter in einem Werk

-13-

�beschaeftigt. In dieser Eigenschaft musste er also fuer seine Fabrik die Lancierung
einer Anleihe vorbereiten, die ebenfalls in einigen Stunden abgeschlossen sein misste
Wir erteilen Ihm nachstehend das Wort hierzu;
"In den ersten Apriltagen erhielten alle Banken in Krasnojarsk von Ihrer Zentraldirektion ein Rundschreiben, in dem sie von der bevorstehenden Ausgabe einer neuen Anleihe in Kenntnis gesetzt wurden. Alle notwendigen Arbeiten, die hierzu noetlg
waren, missten innerhalb 10 Tagen nach Eingang des Rundschreibens erledigt sein. Die
Mitarbeiter der Bank erhielten den Auftrag, die Zeichnung mit den Gewerkschaften und
den Werkleitern vorzubereiten. Im Verlauf dieser 10 Tage sorgte jeder Betrieb dafuer
dass fuer die Versammlungen und die Zeichnungen Raeume vorhanden waren und organisierte eine Propagandagruppe, die mit den noetigen gedruckten Formularen versehen waren. Im voraus hatte man uns bereits die Hoehe der Anleihe bekanntgegeben. Der
Zeichnungsbetrag eines jeden einzelnen entsprach ungefaehr dem Lohn von 3 Woohen.
Am 15« April veroeffentlichten die Zeitungen den Beschluss der Regierung, eine neue
Anleihe aufzulegen. Innerhalb 3 Tagen war die Anleihe bereits gezeichnet, was durchaus die Bereitwilligkeit der Arbeiter bewies, alle notwendigen Opfer zur Konsolidierung ihrer Anleihe zu bringen."
In Frankreich, wo die kapitalistischen Arbeitsbedingungen andere sind als in
der UdSSR, und wo die Arbeiter nicht das Objekt einer staendigen Fuersorge seitens
ihres Staates sind, waere niemals ein Finanzminister auf den Gedanken gekommen, einfach den Lohn von 3 Wochen zu konfiszieren, um das Defizit in seinem Budget zu decken
Taete er es, was wuerden dann die "Humanite" und die "Vie Ouvriere" wie auch die
Gewerkschaften fuer ein Geschrei erheben. Und mit Recht. In der UdSSR aber ist das
ganz etwas anderes, weil es ja dort einen herrlichen Fuehrer und Lehrer der Hassen
gibt.
Wir wissen ganz genau, dass alle diese Darlegungen einen Mann wie Monmousseai
nicht ueberzeugen werden. Aber die koennen sehr wohl dazu dienen, dass Sich alle
diejenigen einmal darueber Gedanken machen, die der Ansicht sind, dass die Rolle der
Gewerkschaften, selbst in der UdSSR, nicht darin bestehen kann, dafuer zu sorgen,
dass der Lohn der Arbeiter in die Kassen des Staatlichen Arbeitgebers fliesst
Documentation Syndicale Paris, No. 20 vom
20. Mai 1%9.
DER KOHLENARBEITERSTREIK IN AUSTRALIEN
Der folgende Pressebericht aus Sidney (Australien) vermittelt nicht nur ein
anschauliches Bild von der SchluesSelstellung, die die Kohle einnimmt, sondern
erhellt auch zwangslaeufig die Gruende, weshalb die Kommunisten unbeschraenkten
Einfluss auf die wichtigsten Gewerkschaften gewinnen wollen.
"Morgen früh werden die 20,000 unter kommunistischer Fuehrung stehenden australischen Kohlenbergwerksarbeiter einen sich ueber das ganze Land erstreckenden Streik
beginnen, der zu der ernstesten Betriebsstillegung in der Industrie seit 1917
fuehren wird.
Eine in elfter Stunde anberaumte Konferenz zwischen dem Australischen Gewerkschaftsrat, der Landeskohlenbehoerde und dem kommunistisch beherrschten Grubenarbeiter-Verband musste gestern abend erfolglos abgebrochen werden, da die Grubenarbeiter auf der Weigerung, ihre Lohnansprueche einem Schiedsspruch zu unterwerfen,
beharrten.
Nahezu 500,000 Arbeiter wurden bereits durch die Regierungsmassnahmen zur
Kohleneinsparung zum Feiern gezwungen, und weitere Tausende werden Mitte naechster
Woche arbeitslos werden.
Herrn sich auch der Streik auf den Staat Neu-Suedwales, wo die Kohlengruben
liegen, konzentriert, sow ird doch der ganze Kontinent in Mitleidenschaft gezogen,
_

ll.

_

�denn Neu-Suedwales erzeugt fast lOOi des Stahl- und Eisenbedarfs sowie einen grossen
Teil der Verbrauchsgueter Australiens.
Zunahme der Arbeitslosigkeit
Da die meisten australischen Staaten auf Kohle aus Neu-Suedwales angewiesen
sind, so rechnet man in ihnen und auch in den uebrigen Staaten mit einem sofortigen
Anwachsen der Arbeitslosigkeit. Man versucht, schleunigst englische Kohle nach
Australien zu bringen, doch wird diese nur fuer wenige Tage ausreichen. -Zur Zeit
- es herrscht kaltes Wetter - koennen die 1,3 Millionen Einwohner Sidney's nicht
heizen. Ihnen steht nur noch 3 Stunden taeglich Gas oder Elektrizitaet zum Kochen
zur Verfuegung. Waehrend einiger weniger Nachtstunden koennen sie in jedem Hause
zwei Gluehbirnen brennen.
Die Lage hat starke Aehnlichkeit mit derjenigen Ton Berlin, als die Bussen
vor gerade einem Jahr alle Land- und Wasserzufahrtswege zur Stadt sperrten.
In Sidney wurden alle Uoeglichkeiten ziviler Luftbefoerdmrung bis aufs
aeusserste angespannt, um Frischgemuese und Obst in die Stadt zu schaffen. Der
Zugverkehr war gestern stark eingeschraenkt und wird es auch voraussichtlich morgen
sein. Fuer die kommende Woche fallen alle Verkehrsmittel, die schon seit gestern
nachmittag nicht mehr liefen, aus.
Kochfeuer in Hoefen
Alle LebensmittelVerarbeitungsbetriebe wurden behoerdlieh geschlossen. In
den Vororten kochten einige Familien auf Feuern in ihren Hoefen. Hunderte anderer
draengten sieh in den Cafes der Innenstadt» jedoch konnten sie wegen Strommangels
nicht bedient werden.
Die Grubenarbeiter verlangen eine 35-Stunden-Woche, eine woechentliche Lohnsteigerung um $4,84 und einen Urlaub nach laengerer Dienstzeit.
Die Regierung besteht darauf, dass der Streik durch Schlichtung und Schiedsverfahren beigelegt werden muss. In seinen gestrigen Erklaerungen Hess Ministerpraesident Joseph B. Chifley keinen Zweifel darueber, dass die Drohungen und Streiks
der Grubenarbeiter "gleichgueltig wie lange sie auch fortgesetzt werden, auf die
Politik der Regierung keinen Einfluss haben werden.n
New York Herald Tribüne (Pariser
Ausgabe) 27, Juni 1949
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFT RETTET BEFREUNDETE
ZEITUNG
Auch in einem demokratischen Lande, in dem das Recht der freien Presse allgemein anerkannt wird, kann dieses Recht manchmal gefaehrdet sein, und es bedarf
dann des Schutzes. Wir geben im Folgenden einen Bericht von Dan Symth, einem Chikagoer Presseberichterstatter fuer Arbeitsfragen, wieder, der zeigt, wie im Falle einer Zeitung
in Flora, einer kleinen Stadt in der Naehe von Chikago, ein derartiger Schutz zuatandekam.
Die Internationale Elektroarbeitergewerkschaft im amerikanischen Gewerkschaftsbund (AFL) kam dem Herausgeber der "Flora Sentinel" (Wache) Charles A. Crowder mit
einem Darlehen von $12,500.- zu Hilfe, um seinen Betrieb vor der von einer Gruppe
arbeiterfeindlicher Gesehaeftsleute angestrebten Stillegung zu bewahren. Seit dem
Erwerb des Blattes durch Crowder im Jahre 1945 hatte sich die "Sentinel", eine
kleine zweimal wöchentlich erscheinende Zeitung, nicht nur die Feindschaft einiger
oertlieher Unternehmer, sondern auch die der im suedlichen Illinois gelegenen Oelindustrie zugezogen, weil das Blatt — Streiknachrichten und Leitartikel veroeffentlichte, welche die Ziele der Arbeiterschaft beguenstigten.
Der Druck gegen Crowder wurde verstaerkt, als er sich auf die Seite der Arbeiter des staedtischen Kraftwerks von Flora stellte, die in den Streik getreten waren,
-

15

-

�weil die staedtischen Behoerden sieh weigerten, die erwähnte Elektroarbeitergewerksehaft als Tarlfvertragspartel anzuerkennen. Einige Gesobaeftsleute der Stadt zogen
ihre Anzeigenauftraege zurueck und drohten mit einem Boykott, waehrend andere der
Zeitung treu blieben. Saemtliche Gewerkschaften des Bezirks leiteten Aktionen zur
Gewinnung von Abonnenten ein, um die Auflageziffer des Blattes zu erhoehen. So blieb
der Boykott erfolglos.
Die naechste Massnahme, die gegen Crowder ergriffen wurde, war der unerwartete
Aufkauf seiner Hypothek, fuer deren Tilgung er bei der White County Bank mit $800.im Rueckstand war. Ein gewisser E.D. Given, der Vertrauensmann der unbekannten
Kaeufer, strengte Klage gegen Crowder an. Richter James G. Burnside verlangte b«i
der Verhandlungen vor dem Bezirksgericht von Given Angabe der Namen seiner Auftraggeber. Daraufhin wurden H.G. Henson, Geschaeftsfuehrer einer Oelerzeugungsgesellschaft, Fred Chaney, im Reinigungsgewerbe taetig, H.W. Eaton, Inhaber «Ines Geschaefts fuer Automobilersatzteile, saemtlich von Flora, und 7/alter Appllng, Schleife
fuer Bohrwerkzeuge, als Streitgenossen des KLaegers in den Rechtsstreit einbezogen.
"Vergangene Woche war ich mit meinem Latein zu Ende", erzaehlte Crowder einem
Reporter des Wochen-Nachrichtendienstes der AFL. "Der Gerichtsvollzieher hatte die
Maschinenanlagen meines Betriebes zur Sicherung der Forderung verlangt. Ich war
gezwungen, entweder $12,500.-aufzubringen oder meine Zeitung aufzugeben."
Zi diesem Zeitpunkt erhielt Crowder ein Telegramm von D.W. Traoy, dem Vorsitzenden der Internationalen Elektroarbeitergewerkschaft, der ihm das Darlehen gegen Sicherheit anbot. Tracy erklaerte, dass die Gewerkschaft das Angebot als eine rein
geschaeftliche Angelegenheit betrachte, und dass sie das Darlehen nicht dazu benutzen wolle, um auf die redaktionelle Politik des Blattes irgendwelchen Einfluss
auszuueben.
Mit grosser Erleichterung nahm Crowder dieses Angebot sofort an."
Wochen-Nachrichtendienst der Amerioan.
Föderation of Labor, 7. Juni 1%9

- 16 -

Manpower Division
OMGDS, APO 742

ÜMOUS, *-2\IO,

M O , lalf

Hl, ? 3/1* C

0FFI0IAL

�Internationale

ARBEIT SMITTEILUNGEII
Dl« folgenden Artikel stellen Auslage a u der amerikanischen Presse nnd anderen Quellen dar nnd dienen
der Information denUcher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen nnd deren Mittflieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
• e i t e r e Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Aal Wunsch weiden dies e auch einzelnen Interessenten direkt durch die Poet sageleitet
Der Inhalt der „Axbeitsmitteilungen" iet nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, neck irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

11-22

Berlin, 22. Juli 1%9
INHALTSVERZEICHNIS
Zum ersten Jahrestag des Europaeisehen Wiederaufbau-Programms
1
Die Posse der Hennecke-Bewegung
2
Steigen der Industrie-Produktion in West-Europa- 5
70-taegiger Streik in den Vereinigten Staaten
wird durch Vermittlung beendet
5
Stellungnahme der belgischen Gewerkschaften
zum Weltgewerkschaftsbund
6
Arbeiter und Unternehmer ziehen am gleichen
Strang
6
Die Lage der Arbeiter in Ungarn
7
Streik in einem mexikanischen Zeitungsverlag
der Linkem
S
Zustaendigkeitsstreitigkeiten in Australien —
9
Die freie Presse urrl die Presse in "Polizeistaaten" 9
Kommunistische Taetigkeit in Ungarn
10
Ein amerikanischer Leitartikel ueber die Genfer
Gewerksohaftstagung
-12
Der Sozialplan der bolirianisohen Arbeiter
12
Es geht auch ohne Streik
13
Gemeinsames Vorgehen der CIO-Gewerkschaften — K|
Die amerikanische Zeitungsgewerkschaft und die
Marshallplan-Verwaltung
15

BCA-VERWALTER HOFFMANN SAGTE»
Es i s t n i c h t klug i n der Mitte des Gefechts aufzuhoeren . . . I m e r s t e n Jahr der
ECA T a e t i g k e i t i s t e i n Moment e r r e i c h t worden, das n i c h t wieder verloren gehen darf.
Die v o l l e Wirkung der heutigen Leistung kann nur erkannt werden, wenn das Moment
aufrechterhalten wird. D i e Not i s t noch n i c h t v o r b e i . . . . W i r s i n d a l l e r d i n g s durch
den F o r t s e h r i t t i n der Produktion und Geldstab111taet, Handel u . s . w . ermutigt worden,
meiner Meinung naoh i s t aber d i e g r o e s s t e Leistung d i e Entwicklung des g e g e n s e i t i g e n
Vertrauens n i c h t nur zwischen den f r e i e n Nationen Europas s e l b s t , sondern auch z w i schen ihnen und den Vereinigten S t a a t e n . Aus der Zusammenarbeit i s t e i n e V e r e i n i gung der f r e i e n Voelker geworden, welche d i e g r o e s s t e Hoffnung der Menschen auf einen
dauernden Frieden i s t .
"trana-atlantlc" Juni 1949
-

X

-

�DIE POSSE DER HENTCBCKB-BEWEGUNG
Riehard Hanser hat fuer das Magazin "Life" einen Aufsatz ueber die sogenannte
"Hennecke-Bewegung" in der Sowjetzone Deutsehlands gesehrieben. A u Raummangel
koennen wir den ganzen Artikel hier nicht bringen. Sein wesentlicher Inhalt ist
jedoch in den nachstehenden, woertlich wiedergegebenen Absaefczen enthalten;
"Bis zu dem Augenblick, in dem ihn das helle Schweinwerferlicht der sowjetischen Propaganda erfasste, war Adolf Hennecke ein -voellig unbekannter deutscher
Bergmann, der sich 26 Jahre seines Lebens damit geplagt hatte, immer in derselben
Zwickauer Kohlengrube Kohle zu brechen. Dieser sauertoepfisehe, sehmalllpplge
Mann mit beginnender Glatze hatte in all dieser Zeit kaum etwas getan, um sich
als Kumpel auszuzeichnen, und es war kaum zu erwarten, dass er es gar uebertage

zur Beruehmtheit bringen wuerde
Hennecke1s Sarg
Im Oktober letzten Jahres begann
die Glorifikation
Adolf Henneckes dann ploetzlich damit, dass die Ostzonenpresse in marktschreierischer Weise verkuendete,Henneeke
habe ganz allein in einer Acht-Stundenschicht 24,4 cbm
Kohle gehauen und verladen, sein Tagessoll somit um 330£
uebererfuellt und die bisherige Rekordleistung der Grabe
um mehr als 200£ verbessert. 'Diese beispielhafte Leistung
des Hauers Hennecke, • so posaunten die Zeitungen, 'stellt
einen in der Geschichte des deutsehen Bergbaus noch nloht
dagewesenen Leistungsrekord dar und wird zweifellos in dem
kuenftigen Wiederaufbauwerk der sowjetischen Zone Deutseh"Der Foerderkorb war ihm
lands noch eine gewaltige Rolle spielen*.
zu langsam» er sprang
Die Hennecke-Bewegung
Diese Voraussage erwies sich als richtig. Von nun
in den Schacht."
an war Hennecke nicht nur ein energischer Bergmann, nsln,
er war zum Symbol geworden. Im Triumph wurde er von der
russischen Militaerverwaltung nach Berlin gebracht, um hier vor dem kommunistisch
gelenkten Volksrat zu sprechen. Ganzseitige Bilder von ihm erbluehten in allen
illustrierten Zeitschriften. Interviews beleuchteten seine bescheidene Versicherung,
er habe eigentlich garaiehts üngewoehnlichea geleistet, es sei auch keine besondere
Anstrengung oder Ausruestung erforderlieh gewesen, und es koenne tatsaeehlloh jedermann das gleiche tun. Und das war, wie bald ersichtlich wurde, der Punkt, auf den
die ganze Propaganda hinauslief* Man erwartete von jedem, dass er Hennecke-Leistungen vollbringe. Henneckes Einzelleistung wurde zur "Hennecke-Bewegung" aufgeblasen,
die sieh in einer Welle von Massenversammlungen, Werbeplakaten, Reden und Schlagworten ueber die Sowjetzone ergoss
"Aktivisten" -so nennen die Kommunisten streberhaft beflissene Arbeiter tauchten auf einmal ueberall in der Ostzone auf. Da uebertrifft die Naeherin
Erika Kalz ihr Soll um 527,5^ und Willi Boetteher, ein Former in einer Thuerlnger
Metallgiesserei, bewirkt eine 339^ig© Arbeitssteigerung. Und Liselotte Zappoli
bringt es zu einem neuen Rekord im Erfurter Postamt; Sie sortiert 3*000 Briefe
innerhalb einer Stunde. Ein Dreigespann von zwei Maennern und einer Frau im
Siemenswerk Lichtenberg steigert sein Arbeltsergebnis um 330£, und Hochofen Nr. 2
im Stahlwerk Henningsdorf liefert in einer Hennecke-Sonderschicht 6,4 Tonnen
statt der normalen Ausbringung von 4,5 Tonnen.
Niemand, auch nicht die Bauern, Hausfrauen und Kinder vermochten sich dem
Druck der Hennecke-Bewegung zu entziehen. Die Schulen veranstalteten HenneckeWettbewerbe und-Ausfluege; Muetter kinderreicher Familien in Mecklenburg erhielten
den Ehrentitel "Hennecke-Aktivisten", weil sie ihr "Leistungsoll" an Kindern uebererfuellt hatten
-

2

-

�Das deutsche Stachanow-System
Die Deutschen sind mit derartigen Methoden genugsam bekanntgemacht worden,
denn sie sind durch die gruendliche Schule der Nazi-Propaganda gegangen. Jetzt,
da sie Ton kommunistischer Seite in sehnlicher Weise bearbeitet werden, scheinen
sie wie damals zu reagieren. Sie haben begriffen, dass die Hennecke-Bewegung nichts
anderes darstellt als eine Neuauflage des russichen Produktionssystems, das der
Sowjetarbeiter unter dem Namen "Stachanowsystem" kennt.
Wie Hennecke, so hatte auch Alezel Stachanow als Bergmann in einer Kohlengrube gearbeitet. Im August des Jahres 1933 ergossen sich aus der Sowjetpresse
und dem sowjetischen Rundfunk eine Flut Ton Nachrichten, die die besondere Leistung
Staohanowa verherrlichten, der in einer 6-Stundenschicht 102 Tonnen Kohle gehauen
hatte, was beinahe dem Vierzehnfachen der Normalleistung gleich kam. (Das war ein
weit wunderbarerer als der von dem braven Hennecke erzielte Prozentsatz, aber
schliesslich war Stachanow ja auch ein Busse.) Dem Propagandagetoese folgte dann
ein Bummel, den 15 Jahre spaeter die Kommunisten in Deutschland vorlagegetreu im
Rahmen der Hennecke-Bewegung wiederholten. Trotz aller fuer eine üebererfuellung
des verlangten Solls in Aussieht gestellten Belohnungen, hatte die Stachanow-Bewegung mit ihrer unerbittlichen Forderung nach Stueckarbeit und Produktlonsbesehleunigung grosse Aehnlichkeit mit dem Ausbeutungssystem, das in den westlichen Demokratien durch jahrelangen Kampf der Gewerkschaften schon weitgehend abgeschafft
worden war.
Als das Stachanow-System in der sowjetischen Besatzungszone unter der Maske
der Hennecke—Bewegung seine Auferstehung feierte, glaubte auch der deutsche Arbeiter
wieder das ihm nicht ganz unbekannte Gefuehl des Stiefelabsatzdruckes im Nacken
zu Terspueren. Sine Steigerung der Produktion war dringend erforderlich, um den am
Versacken befindlichen Zweijahresplan fuer den Wiederaufbau zu retten. Der Niedergang der Industrie in der Sowjetzone begann naemlich bedrohliche Formen anzunehmen,
weil dank der Gegenblockade der Alliierten weder Ruhrkohle noch sonstige dringend
benoefigte Erzeugnisse in die Zone gebracht werden konnten. Die Rettung konnte nur
auf dem Ruecken der Arbeiterschaft -vollzogen werden, und hierzu waren die sowjetischen Herren auch fest entschlossen. Einer der Wege zur Erreichung dieses Zieles
war die Umstellung der Loehne Ton Zeit- auf Stueeklohn
Fohlschlag der Propaganda
Aber trotz aller schoenen Reden begann sieh ein Murren der Empoerung und d es
Protestes gegen die Hennecke-Bewegung zu regen. Wenn auch die Presse weiterhin
mit dicken Sehlagzeilen den "ueberwaeltigenden Erfolg" der Henneeke-Bewegung verkuendete, so zeigte dooh die Flut der aus der Sowjetzone einlaufenden Berichte deutlich, dass die Enttaeuschung der grossen Masse des Volkes staendlg zunahm. Zunaedhst
begann es durchzusickern, dass die der ganzen Bewegung zugrunde liegende Leistung
Adolf Henneckes, naemlich seine «historische" 380 ^-Ausbringung, ein Schwindel war,
den man Im Hinblick auf die zu gruendende "Bewegung" vorher inszeniert hatte.
Hennecke erschien nun bei seinen Arbeitskameraden nicht mehr als ^eld, und viele
von ihnen begannen ihn mit Verachtung als eine Handlanger der Sowjets anzusehen.
Eine der ans Sachsen stammenden Geschichten will sogar wissen, dass er bei seiner
Rueekkehr in den Schacht verpruegelt wurde, nachdem er vorher von den Berliner
Kommunisten als grosse Beruehmtheit herausgestellt worden war.
\
Allmaehlich wurde der Verdacht, dass die statistischen Angaben ueber die gesteigerte Produktion gefaelscht waren, zur Gewissheit. So kamen beispielsweise die
Drucker auf Grund von ein paar einfachen Berechnungen zu dem Schluss, dass die gemeldete Leistung eines Hennecke-Schriftsetzers ein Ding der ünmoeglichkeit war.
In der Waggonfabrik Wumag in Goerlitz gingen die Maschinen unter der Ueberanspruchung einer Hennecke-Schicht einfach zu Bruch, so dass der durch die erhoehte

- 3 -

�Anstrengung ersielte Arbeitswert durch Ate fuer die Wiederinstandsetzung erforderliche Zeit verloren ging. Aehnliehe Vorkommnisse ereigneten sieb in einer Reih» von
anderen Betrieben In der Zone« Die Hennecke-Schichten setzten den unterernaehrten
Arbeitern so stark zu, dass sie sieh noch fuer Tage danach krank melden anssten..
Zuweilen wurden Maschinen und Arbeiter von einer Fabrik an eine andere ausgeliehen,
um einen Hennecke-Rekord zu erzielen, mit dem Ergebnis, dass der abgebende Betrieb
nun seinerseits mit dem "Soll" in Rueekstand geriet. In der Rostocker Neptunwerft
hatte man In einer Hennecka-Sehicht 1.300 Nieten gesehlagen, aber dafuer musste
alle andere Arbeit zurueckgestellt werden, und am folgenden Tage waren die Beende
der zu dieser Schicht gehoerenden Arbeiter so geschwollen, dass sie nicht zur Arbeit antreten konnten
Armer Henneekel
Da wir es mit der Sowjetzone zu tun haben, so wurden solche Fehlschlaege der
Henneeke-Bewegung in den Zeitungen mit keinem Wort erwaehnt, auch waren weder
Streiks noch andere Formen offenen Protestes gestattet. So kam es, dass die Bevoelkerung zu der Waffe des Witzes griff. Dieser hatte man sioh schon unter der.
Nazis zu bedienen gewusst, die ja auch Hissfallensaeusserungen nicht aufkommen
Hessen. Von Schwerin bis hinunter nach Chemnitz wurde Adolf Hennecke nun zu
einer Witzfigur. Zwar blieb er noch ein Symbol, allerdings ein Symbol des ganzen
Schwindels und der Ungereimtheiten des Programmes, dem er seinen Namen geliehen
hatte. Der Hennecke-Witz wanderte von der Ostzone bis in den Westen, und bald
lachten Deutschland und sogar seine Nachbarlaender ueber Adolf und seine uebermenschlichen Anstrengungen. Und hier einige Hennecke-Witze•
Wer war der groesste Hennecke-Arbeiter der Geschichte? Ganz einfach, war
die Antwort, natuerlich Adolf Hitler, der das "Tausendjaehrige Reich" in 12 Jahren
fertigmachte.- Hennecke tauchte ganz unvermutet in der britischen Zone auf. Wie
gewoehnllch war er zur Schicht in eine Grube in Sachsen eingefahren, hatte aber so
toll gebuddelt, dass er abends am anderen Ende Deutschlands, Im Ruhrgebiet, wieder
ans Tageslicht kam
H.

Eines Tages, so wusste eine andere Geschichte zu erzaehlen, ging ennecke zum
Zahnarzt, um sich unter Betaeubung (solchen Luxus kann er sioh leisten) einen Zahn
ziehen zu lassen. Als er wieder zu sich kam, stellte er wuetend fest, dass ihm
gleich 6 Zaehne fehlten. Der Zahnarzt suchte ihn zu beschwichtigen, indem er stolz
erklaerte» Arn ichbin ein ^nneeke-Aktivist. Ich habe eben mein Soll um 500?
ueber trof fenj.»
Auch hoert man manchmal die traurige Nachricht, dass Hennecke ploetzlich des
Todes verblichen sei. Die einen behaupten, er sei in seinem eigenen Schweiss ertrunken, die anderen, er haette in dem ihm eigenen Arbeltseifer nicht auf den Foerlerkorb warten wollen und waere gleich in den Schacht hinabgesprungen.
Erinnert schon diese Art des Spottes stark an die Hitlerzeit, so wird die
Aehnllchkeit der Situation noch unterstrichen durch die Art, wie die sowjetische
Milittterverwaltung auf die Verbreitung solcher Witze reagiert. Nach einem kuerz*
liehen Erlass ist die"Verbreitung von Falschmeldungen ueber die Wirtschaftslage"
eine strafbare Handlung, auf die Gefaengnisstrafe bis zu 10 Jahren steht. Auch
die Hennecke-Witze fallen unter diese Bestimmung, und die Presse, so beispielsweise die Sueddeutsche Zeitung, wusste von Faellen zu berichten, wo Leute festgenommen und verurteilt worden sind, well sie Adolf Hennecke verulkt haben, ganz wie
vorl945 andere Deutsche ins Gefaengnis geworfen wurden, weil sie sich Witze ueber
Adolf Hitler erlaubt hatten."
Riehard Hanser, "Life", 9. Mai 1%9

- k -

\

�STEIGIN DER INDUSTRIE-PRODUKTION IN WEST-EUROPA

Index
1938 = 100

samtl.
Belgien
Frankreich Griechen- W.DeutBChIrrland
Norwegen
Linder
land
land
Dänemark
Schweden
Gr.BritanHolland
Italien
Oesternien
reich

Die obige Zeichnung ist nach dem Muster einer Tabelle gemacht worden, die
in der Juni-Ausgabe der EGA Arbeitsmitteilungen - des "Trans-Atlantic" erschienen ist. Diese Tabelle soll das Wachsen der Industrie-Produktion in den Laendern Westeuropas zeigenl Westdeutschland steht am niedrigsten - aber relativ
gesprochen hat es einen beachtlichen Aufsohwung ueber 1947 zu 1948 genommen.
Trans-Atlanticn Juni 49
70-TAEGIGEB STREIK IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
WIRD DURCH VERMITTLUNG BEENDET
Zwischen der Bendix Corporation in South Bend, Indiana, und der dortigen
Gewerkschaft der Vereinigten Arbeiter der Amerikanischen Automobilindustrie (UAW)
ist nach einem 70-taegigen Streik ein Uebereinkommen erzielt worden. Der Streik
war deshalb so bedenkliohi weil die Firma Bendix wichtige Flugzeugteile herstellt.
Amerikanischen Regierungsbeamten gelang es aber, eine Zusammenkunft zwischen dem
Vorsitzenden der UAW, Walter P. Reuther, und H.E. Ferguson, dem Direktor der
Bendix Corporation, herbeizufuehran. Nach einer Sitzung, die die ganze Nacht andauerte, wurde ein Uebereinkommen erzielt. In dieser Arbeitsstreitigkeit wurde
somit gezeigt, dass Zusammenarbeit von Regierungsstellen mit Industrie und Arbeiterschaft durchaus moeglich ist.
Obgleich die Einzelheiten des Uebereinkommens nicht bekanntgegeben wurden,
bestaetlgten sowohl Mr. Reuther als auch Mr. Ferguson, dass die Arbeit sofort
wieder aufgenommen werde. Mr. Reuther fuehrte aus; "Wir waren in der Lage, ein
sehr schwieriges und verwickelte Problem der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen
am Kragen zu packen."
Fuer die Gesellschaft erklaerte Mr. Ferguson, dass die Betriebsleitung ihrerseits alles tun werde, um "dem Abkommen zum Erfolg zu verhelfen und dass die Herstellung dringend benoetigter Flugzeugteile wieder aufgenommen werden koenne."
Die Gewerkschaftsmitglieder hatten jedoch noch ueber das getroffene Uebereinkommen
abzustimmen.
Auch die Automobil-Produktion wurde von dem Streik in Mitleidenschaft gezogen. Der Ausfall der Lieferungen von Bremsen zwang die Kraftwagenwerke Packard
und Nash zu zeitweiligen Betriebsstillegungen. Der Streik begann am 20. April
mit der Entlassung von 47 Arbeitern in der Bremsschuhabteilung, denen vorgeworfen
wurde, eine Verlangsamung des Arbeitsprozesses verursacht zu haben. Die Gewerkschaft ihrerseits beschuldigte die Betriebsleitung, sie habe das Tempo der Fliessfertigung erhoeht. Der den Arbeitern durch den Streik erwachsene Lohnausfall betraegt annaeherad $4,500.000.
New York Herald Tribune(Pariser Ausgabe), 29.Juni 49

-

5 -

�STELLUNGNAHME DER BELGISCHEN GKWEKKS CHATTEN
ZUM WELTGEWKBEBCBAFTSBOND
Der belgische Gewerkschaftsbund legte auf seiner kuerzlich abgehaltenen Tagung
einen Bericht vor, in dem er die Gruende fuer seinen Austritt aus dem Weltgewerkschaftsbund bekannt gibt. Der Weltgewerkschaftsbund wird darin beschuldigt, sich
zu sehr von politischen und zu wenig von wirtschaftlichen Gesichtspunkten leiten
zu lassen«
Es wird ferner festgestellt, dass der Generalsekretär und das Sekretariat
dieser Organisation hauptsaechlich die Schwierigkeiten ausserhalb der sowjetischen
Einflussphaere betonten, kaum indessen die in den Satellitenstaaten herrschenden
zur Erwaehnung brachten. Ebenso wuerde man sich darueber ausschweigen, dass freie
Gewerkschaften in den Satellitenstaaten nicht bestehen duerfen. Dem Weltgewerkschaftsbund wird sodann vorgeworfen, alle freien Gewerkschaften unaufhoerlich angegriffen zu haben. Auch habe er waehrend der letzten vier Jahre nichts anderes
getan, als doppelsinnige antimilitaristische Aufrufe herauszugeben.
Man kann diese Organisation daher nur als Wortfuehrerin einer bestimmten politischen Gruppe ansehen. Sie hat es versaeumt, fuer einige der folgenden Forderungen, die ihr zu groesserem Ansehen haetten verhelfen koennen, einzutreten*
- die Staaten sollten auf einen Teil ihrer Souveraenitaet verzichten, um so
der U.N. das noetige Ansehen fuer die Arbeit an einem dauerhaften Frieden zu verschaffen.
- den Bestrebungen, eine ideologische oder wirtschaftliehe Expansionspolitik
mit Hilfe von Macht, Gewalt oder Drohung zu betreiben, muss ein Ende gesetzt
werden.
- gegenseitiges Voelkerverstaendnis muss auf die Achtung der Menschenrechte
gegruendet sein, die ihrerseits einem allgemeinen Schutz zu unterstellen sind«
- die Beschraenkungen der persoenlichen Freiheit der Staatsbuerger muss bekaempft und es muss verhindert werden, dass sie vom Staat oder dem kapitalistischen
System unterjocht werden.
Documentation Syndicale (Paris),

13. Mai 1949
ABBEITER UHD WBMtKBtä

M M

AM GLEICHEN STRANG
Im Hinblick auf die gegenwaertige Wirtschaftslage sollten die Gewerkschaftsmitglieder bei Verhandlungen mit den Arbeitgebern mehr Maesslgung zeigen, heisst
es in der Juninummer der vom amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL herausgegebenen
Monatszeitschrift "Labor's Monthly Survey". Woertlich schreibt das Blatt;
"Bei der augenblicklichen angespannten Gewchaeftslage kommt einem klugen Verhalten der Gewerkschaften bei Verhandlungen mit den jeweiligen Arbeitgebern ausserordentliche Bedeutung zu. Man muss versuchen, genaue Unterlagen ueber die finanzielle Lage sowie die Zukunftsaussichten des Betriebs zu erhalten, und sich zur
Vervollstaendigung dieser Informationen mit der Zentrale der AFL in Verbindung
setzen.
"Vielleicht sind die Aussichten fuer den Arbeitgeber sehr guenstlg; wenn sich
aber seine Gewinnspanne durch Preissenkungen stark verringert hat, so sichert sich
die Belegschaft ihre Zukunft am besten dadurch, dass sie dem Unternehmer hilft,
wieder wettbewerbsfaehig zu werden. Eine Erhoehung der Loehne laesst sich unter
Umstaenden auch ermoeglichen durch einen von Gewerkschaft und Unternehmern gemeinsam gefaasten Plan zur Verhuetung unnuetzer Vergeudung von Material und Arbeitskraft,
zur Einsparung von Spesen, Senkung der Betriebskosten und Steigerung der Produktion.

�"Sin solcher Plan kann durch einen aus Vertretern der Gewerkschaft und der
Betriebsfuehrung gebildeten Produktionsausschuss aufgestellt werden. Die Zeit ist
gekommen, diese Idee der Torkriegszeit neu zu beleben und mit ihr die heutigen
Schwierigkeiten zu meistern."
Produktionssteigerung Tor Lohnerhoehungen
In diesem Zusammenhang umreisst der Artikel der "Labors Monthly Survey" auch
den unterschied zwischen dem Aufgabenbereich dieser ron Gewerkschafts- und Arbeitgebervertretern gebildeten Ausschuesse und den ueblichen Kollektiwerhandlungeausschüssen» "Die gemeinsame Eroerterung von Produktionsproblemen durch Gewerkschaften und Unternehmer und die dadurch eingeleiteten Verbesaerungen helfen mit, die
Leistungsfaehigkeit des Betriebs, seine Produktionsziffern sowie die Arbeitsmoral
und die soziale Lage der Arbeitnehmer zu verbessern.
Solche Ausschuesse, die bisher erfreulicherweise wirklich beachtenswerte Erfolge erzielen konnten, treten zweimal im Uonat zusammen, und beide Parteien loeaen
sich jeweils im Torsitz ab. Hier werden Torschlaege zur Produktionserhoehung -von
Seiten der Betriebsleitung oder der Gewerkschaftsmitglieder eroertert, Beschluesse
gefasst und in die Tat umgesetzt. Produktionsnachweise, Geschaeftsberichte und
Kostentabellen geben Aufschluss ueber die erzielten Erfolge und noch zu loesende
Probleme. Die durch diese Zusammenarbeit erzielten Geldgewinne treten in der
Bilanz des Unternehmens in Erscheinung. Aufgabe der Kollektiwerhandlungsausschuesse ist es dann, fuer eine gerechte Aufteilung dieser Gewinne unter Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu sorgen."
Amerika Dienst, 11. Juli 1949
DIE LAGE DER ARBEITER IN UNGARN
Im Laufe des Jahres 1948 wurden einem aus Regierungs- und Gewerkschaftsvertretern zusammengesetzten Ausschuss weitgehende Tollmachten uebertragen, ungarische
Betriebsangehoerige der Staatsunternehmen von einer Arbeitsstelle zur andern und
von einem Staatsunternehmen zu einem anderen zu versetzen, sie zu entlassen oder
zu pensionieren. Diese Vollmachten wurden auf Grund einer neuen Verordnung gewaehrt, die den Zweck verfolgte, Arbeitskraefte in verstaatlichten unternehmen einzusparen. Die Tollmachten des Ausschusses wurden durch eine weitere Verordnung
noch erweitert, welche sich gegen Arbeitnehmer richtet, die sich wegen "Gefaehrdung der Demokratie durch ihre Einstellung, Aeusserungen oder Handinngen" schuldig
gemacht haben.
Diese Verordnungen beruehren die Mehrzahl der Industriearbeiter,
immer andauernde Verstaatlichung den privatwirtschaftlichen Anteil an
lichen Wirtschaft -von 80£ auf 20&amp; herabgedrueckt hat. Mitglieder von
ausschuessen, die von den politischen Parteien ernannt werden, fallen
die TerOrdnungen.

da die noch
der gewerbBetriebsnicht unter

Arbeitewettbewerbe
Im Februar 1948 wurden nach dem urspruenglich in der Sowjetunion ueblichen
Muster Arbeitswettbewerbe eingefuehrt. Als Grand wurde angegeben, dass dadurch
die Leistung und der Reallohn der Arbeiter gesteigert wuerden, ohne gleichzeitig
die Selbstkosten in die Hoehe treiben zu muessen. Es warden Wettbewerbe veranstaltet zwischen verschiedenen Betrieben und zwischen einzelnen Abteilungen eines
Betriebes; es sollte der Versuch gemacht werden, das Leistungssoll des Dreijehresplanes zu ueberschreiten. Die Praemlen bestanden in Geldzuwendungen an Einzel*
Personen und Gruppen sowie in der Verleihung von Ehrenbezeichnungen, wie "Bester
ungarischer Betrieb", "Rekordarbeiter", u.s.w.
In der ersten Jahreshaelfte bewirkten die Wettbewerbe erhoehte Einkommen bei

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�den Besohaeftigten« diese sanken jedoch in der «reiten Haelfte, da die Leistungsnormen erhoeht wurden und die Wettbewerbstaetigkeit allgemein abflaute. Starke
Unzufriedenheit machte sich unter der Arbeiterschaft bemerkbar, als die festgesetzten Lohnerhoehungen durch bürokratische Schachermethoden gekuerzt wurden.
Die Produktion stieg zwar an, doch im gleichen Masse erhoehten sich die Aussohussziffern und Materialvergeudung. Die Qualitaet der Erzeugnisse war gering,
und der effektive Wert der erhoehten Produktionsmenge war weniger als es den Anschein
hatte. In den letzten Monaten des Jahres wurden die Bemuehungen auf eine Verminderung der Srstellungakosten konzentriert. Zu diesem Zweok wurde beschlossen, die
Loehne einer Nachpruefung zu unterziehen. Danach werden die Arbeitnehmer nach dem
fuer ihren Arbeitsplatz geltenden Tarifvertrag entlohnt und nicht mehr nach ihren
besonderen Faehigkeiten oder nach der Dauer ihrer Betriebszugehoarigkeit.
Umbildung der Gewerkschaften
Im Laufe des Jahres wurde eine Umbildung der Gewerkschaften vorgenommen. Industriegewerkschaften traten an die Stelle der frueheren Fach-Gewerkschaften, die
nach Berufsgruppen organisiert gewesen waren. Es warde erklaert, dass durch diese
Regelung die Anzahl der in einem Betrieb abzuschllessenden Tarifvertraege verringert
wuerde, dass die Durchfuehrung der Arbeitswettbewerbe gefördert und die Rivalitaet
innerhalb der Gewerkschaften hinsichtlich der fuehrenden Stellung in den Betriebsausschuessen ausgeschaltet wuerden. Bis jetzt sind die bestehenden 48 Fach-GewerkSchäften durch 9 Industriegewerkschaften ersetzt worden. Es wird erwartet, dass
durch diese Umbildung die letzte Trennungslinie zwischen Angestellten und Arbeitern
verschwinden wird. Im Maerz allerdings war das Durchschnittseinkommen der Angestellten immer noch 42£ (im Anstreichergewerbe) bis 150? (in der Papierindustrie)
hoeher als das der Arbeiter.
"Arbeiterfragen im Ausland" des US Ministeriums fuer Arbeit, Mai 1949
STREIK IN EINEM MEXIKANISCHEN
ZEITUNGSTERLAG DER LINKEN
Am 26. Maerz ersuchte die Compania Editoria Populär, S.A., Herausgeberin der
Zeitung El Populär, die ssit langer Zeit das Propagandawerkzeug von Lombardo Toledano
des CTAL (Arbeiterverbandes von Latein-Amerika) und der Partido Populär ist, den
Hauptausschuss fuer Schlichtungs- und Schiedsverfahren um die Genehmigung, 53 Angestellte entlassen zu dnerfen. Grund fuer diese Massnahme, so gab die Gesellschaft an,
sei die schwere wirtschaftliche Krise, in die sie durch die Zurueckzlehung der
staatlichen Subventionen geraten sei.
Die Arbeiter, die mit den beabsichtigen Entlassung nicht einverstanden waren,
traten am 13. April in den Streik mit der Begruendung, dass die Gesellschaft mit der
Lohnzahlung 6 Wochen im Rueckstand sei. Am 29. April wurde eine Einigung erzielt
und El Populär erschien wieder, nachdem 15 Ausgaben ausgefallen waren.
Im Hinblick auf die behoerdliche Handhabung des "Telefonstreiks" verlangte
die Verlagsgesellschaft, dass der Streik als "nicht zulaessig" erklaert werde. Sie
behauptete, dass durch den Streikbeschluss die Arbeitsgesetze formell verletzt
worden seien und dass das Vorbringen der Arbeiter einen Streik nicht rechtfertige.
Der Schlichtungsausschuss verhielt sich passiv und gebot der peinlichen Situation
eines Streiks der Arbeiter gegen eine "Arbeiter"-Zeitung keinen Einhalt. Einige
Zeitungen s chlugen vor, dass die Eigentumsrechte an der Zeitung auf die Arbeiter
uebertragen werden sollten, wie aehnliche Vermoegensuebertragung'en in Faellen des
Bankrotts kapitalistischer Unternehmen bewirkt worden waren. Die Gewerkschaft der
Zeitungsangestellten, die den Streik unterstuetzte, erhob schwere Angriffe gegen
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8

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�Lombarde Sie bezichtigte ihn der Anwendung von Arbeitgeber-Taktiken, weil er versucht habe, den Streik wegen Verletzung einer Formalitaet als "nicht zulaessig" erklaeren zu lassen.
Waehrend El Populär in seiner Erstausgabe nach dem Streik einen grossen Teil
seiner Spalten dem Beistand widmete, den die Zeitung von verschiedenen, Lombardo's
Alianza de Obreros 7 Compesinos de Mexico (Arbeiter und Bauern Vereinigung) angeschlossenen Arbeiterorganisationen erfahren hatte, schrieb er nur sehr wenig ueber
die Beilegung des Streiks. Meldungen aus anderen Teilen der Mexico City Presse
stimmen im allgemeinen darin ueberein, dass die Arbeiter 50£ des waehrend des
Streiks entgangenen Arbeitslohnes, rueokstaendigen Lohn fuer zwei Wochen sowie das
Versprechen erhielten, dass XI Populär den Restlohn in am 6. Mai beginnenden Teilzahlungen begleichen werden. Die Geldquelle, die dieses Abkommen ermoeglichte,
wurde nicht genannt. Die wirtschaftliehen Schwierigkeiten El Populär's bestehen
weiter und Lombardo's Ansehen als hervorragender Politiker der Linken und Arbeiterfuehrer hat nennenswerten Schaden erlitten.
"Arbeiterfragen im Ausland" des TB
Ministerium fuer Arbeit, Mai 1949
ZOSTAENDIGKBITBSTBBITIGKBITES IN AUSTRALIEN
Wie in verschiedenen andern Laendern, so haben auch die Gewerkschaften in
Australien grosse Schwierigkeiten im Hinblick auf die Abgrenzung ihrer Zustaendigkeiten. lin Beispiel hierfuer ist der folgende Bericht*
Im Zustaendlgkeltsstreit des Spaetjahres 1948 zwischen dem kommunistisch
beherrschten Bergarbeiter-Verband und der Australischen Arbeiter-Gewerkschaft
(AWU) entschied der Schiedsrichter zugunsten der letzteren. Den Anlass zu der zu
dem Schiedsverfahren fuehrenden Streitigkeit, die vom 7* Oktober bis zum 8. November
1%8 andauerte und den Foerderungsausfall von ueber 400.000 Tonnen Kohle zur Folge
hatte, gab eine der AWU angehoerende Gewerkschaftsgruppe von 50 Mann, die mit der
Bohrung eines Durchstichs zwischen zwei Gruben fuer eine Köhlenfoerderstrecke besehe eft igt war.
Schiedsrichter Kelly gruendete seine Entscheidung lediglieh darauf, welche
der beiden Gewerkschaften fuer die Arbeit besonders geeignet war, und Hess die
Frage, ob Kerneira als Bergwerk oder als Tunnel anzusehen sei, offen. In einem
frueher entschiedenen, aehnlichen Fall war dem "Verband" die betreffende Arbeit
zugesprochen worden. Zeugenaussagen in der gegenwaertigen Arbeitsstreitigkeit
Hessen, so erklaerte der Schiedsrichter, keinen Zweifel darueber aufkommen, dass
die der AWU angehoerenden Arbeiter die Arbeit in ungefaehr 3 Jahren vollenden,
waehrend diejenigen des Bergarbeiter-Verbandes fuer die gleiche Arbelt wahrscheinlich 20 Jahre benoetigen wuerden. Funktionaere des Bergarbeiter-Verbandes teilten
mit, dass sie den Schiedspruch anfechten wuerden.
Der eroerterte Fall ist indessen nur ein Zwischenspiel in dem anhaltenden
Streit zwischen der AWU und dem Bergarbeiter-Verband. Kuerzlich erhob dieser
Verband Anspruch auf Zustaendigkeit ueber die Bergarbeiter im Erzbergbau, und zwar
in Gebieten, die bisher der Zustaendigkeit der AWU unterlagen. Im Bergwerk Captain's
Fiat traten Bergarbeiter, die seit Mitte Oktober 1948 streikten, schliesslich aus der
AWU aus und schlössen sich dem "Verband" an, aber erst nachdem der groessere Teil
Captain's Fiat verlassen und anderweitig Arbelt angenommen hatte.
"Arbeiterfragen im Ausland" des US
Ministerium fuer Arbeit, Mal 1949
DIE FREIE PRESSE UND DIE PRESSE IN
"POLIZEISTAATEN"
Der amerikanische Journalist Carrol Binder, ehemaliger Pressekorrespondent

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�in Deutschland, hielt kuerzlioh einen Tortrag vor den Unterausschuss der Vereinten
Nationen fixer Nachrichten- und Pressefreiheit. Er verglich die freie Presse mit
der eines Polizeistaates. Binder fuehrte aus, dass eine freie Presse mit der weltanschaulichen Einstellung eines Polizeistaates unrereinbar sei und dass die Sicherheil
der Demokratie auf einer gut unterrichteten Staatsbürgerschaft beruhe. Hinsichtlich der Art der Unterweisung des Staatabuergers und des Umfange der Nachrichten,
die ihm vermittelt werden duerfen, machte er auf zwei sich widersprechende Anschauungen aufmerksam.
"Die erstere gilt dem klassischen Begriff des freien Wettbewerbs der Melnungnaeusserung, der auf der Ueberzeugung beruht, dass ein freies Volk, dem sieh widersprechende und aus verschiedenen Quellen herruehrende Informationen nioht verschlossen sind, befaehlgt ist, die Wahrheit einer Nachricht zu erkennen und sein eigenen
Urteil zu bilden.
Wer immer sich zu dieser Ueberzeugung bekennt, begrnesst die Veröffentlichung
sich widersprechender Anschauungen. Er weiss, dass es gerade dieser Meinungsstreit
ist, der ein Volk geistig muendig macht und der es dem einzelnen ermoeglicht, bei
der Gestaltung seiner sozialen Umgebung taetig und nutzbringend mitzuarbeiten.
Der Anhaenger dieser Ueberzeugung ist auch bereit, die mit dieser Freiheit
verbundenen Nachteile in Kauf zu nehmen, naemlich die manchmal falschen Urteile,
die ihrerseits auf die Anschauungen irregeleiteter oder vielleicht auch boeswilliger
Personen gegruendet sind. Er ist bereit, diesen Preis zu zahlen, weil er weiss,
dass es keinen andern sicheren Weg zur Freiheit gibt*
Die andere Anschauung beruht auf der Verneinung des Wertes und der Wuerde des
Einzelmenschen und stuetzt sich auf den Begriff der behoerdlich kontrollierten Gesellschaft. Die Parteigaenger dieser Ansicht behaupten, dass nur diejenigen Staatsbürger als gut unterrichtet gelten koennen, denen ihr Wissensschatz nach behoe räuchern Rezept verabreicht worden ist. Sie vertreten die Meinung, dass die Wahrheit
nur einer herrschenden Klasse offenbar wird, deren Aufgabe es dann sei, sie an ihre
weniger erleuchteten Mitbuerger weiterzugeben.
Um den Erfolg ihrer Mission sicherzustellen, erachten es die Verneiner demokratischer Freiheit fuer notwendig, in fanatischer Weise das Volk propagandareif zu
machen. Das tun sie, indem sie ihre Wahrheitsdeutung eindringlich wiederholen, ihre
Ansichten widerstreitender Anschauungen systematisch unterdruecken, zu Verdrehungen
und sogar zu amtlichen Luegen Zuflucht nehmen, um die nicht ganz unterbundene
Meinung der andern Seite als unglaubwuerdig hinzustellen. Ja, sie schrecken nicht
vor Terrormassnahmen zurueok, um diejenigen ihrer %tbuerger zu beseitigen, die auf
ihre Propaganda nicht vorschriftsmaessig reagieren.
Hier haben wir den Begriff des Polizeistaates, in dem die Elite die Aeusseruagen ihrer Mitmenschen nur durch die dicke Mauer absichtlich erzeugter Unwissenheit
und staatlicher Propaganda vernimmt und diese Menschen dazu verurteilt, in Finsternis und Furcht zu leben."
Hundfunknachrichtenblatt des Aussenministeriums, 13. Juni 1 % 9
KOMMUNISTISCHE TAETIGKEIT IN UNGARN
Abgesehen von der Anwehdung krasser Terrormassnahmen, haben nach den Ausführungen des frueheren amerikanischen Gesandten in Ungarn, Seiden Chapin, "Die Kommunisten
die Bevoelkerung der Laender hinter dem eisernen Vorhang mit einem 'wirtschaftlichen
Wuergegriff umfasst, der in jedes Gebiet ihres täglichen Lebens eingreift." Chapin
beschrieb die Lebensweise des durchschnittlichen ungarischen Staatwbuergers in einem
Vortrag ueber 'Gewalt und Freiheit', den er vor katholischen Kriegsteilnehmern hielt.
"In der Kunst, sich an der Macht zu halten, zeigen die Kommunisten grosse Geschicklichkeit
Terrormethoden spielen dabei natuerlich eine Rolle. Jeder Ungar
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�kennt irgend jemanden, der auf geheimnisvolle Welse verschwunden ist; der Terror
lauert gewissermassen im Hintergrund und ist daher in der Regel nicht augenfaeilig.
Es ist vielmehr ein wirtschaftlicher Zwang, mit demder einzelne im Zaume gehalten
wird." Kit Bezug auf das kommunistisch beherrschte Ungarn sagte Chapin: "Die Ungarn
werden streng ueberwacht. Da gibt es die uebllchen Blockleiter, und die Besitzer von
Wohnblocks und selbst oft von Einzelhaeusern sind gesetzlich verpflichtet, einen
Hausobmann, eine Art Oberportier, anzustellen, der ueber das Leben und Treiben der
Hausbewohner Bericht zu erstatten hat*
Wenn nach einem solchen Bericht das Verhalten eines Ungarn als unvorschriftsmaesslg angesehen wird, dann wird er unter wirtschaftlichen Druck gesetzt. Er
stellt ploetzlich fest, dass er seine Stellung verloren hat, und nach einer gewissen
Zeit bemerkt er, dass keiner ihn mehr anstellen will. Nebenbei gesagt, haben die
Arbeiter in Ungarn, ungeachtet des Aufhebens, das um die kommunistischen Gewerkschaften gemacht wird, kein Streikrecht mehr. Die wenigen Faelle, in denen die Arbeiter
gegen die Beschleunigung der Akkordarbelt die Stimme erhoben, wurden in der kommunistischen Presse ueberhaupt nicht erwaehnt, obwohl bei diesen Protesten Blut vergossen wurde.
Einem Buerger, der wegen seiner politischen Einstellung in Ungnade gefallen
ist, kann es auch untersagt sein, in den staatlichen Laeden und Restaurants, die
billige Preise haben, zu kaufen oder zu essen. Seinen Fuehrerschein verlaengert
man ihm nicht. Er ist gezwungen, den schwarzen Markt aufzusuchen, und schliesslich
ist es soweit, dass er nichts mehr zu verkaufen und keine Einnahmequelle mehr hat.
Und dann naehert sich 1hm und seiner Familie das Schreckgespenst des Hungers
All dies ist eine sehr wirksame Methode, die Bevoelkerung den Anordnungen der Behoerden gefuegig zu machen. Ich habe diese Methode selbst beobachtet, und sie
funktioniert."
Chapin bezeichnete Ungarn als ein Schulbeispiel dafuer, wie sich der Kommunismus stufenweise die Herrschaft ueber ein freiheitsliebendes Volk sichert.
"Ein Satellitenstaat nach dem andern wurde auf diese Weise unter kommunistische
Herrschaft gebracht, und der kommunistische Einfluss haette sich wahrscheinlich noch
viel weiter ausgedehnt, wenn wir nicht wirksame Gegenmassnahmen ergriffen haetten,"
erklaerte er. Er erinnerte daran, dass bei den ersten Nachkriegswahlen in Ungarn
Im November 1945 nur 17t der Waehler fuer die Kommunisten stimmten, waehrend die
Majoritaet, d.h. 57^, ihre Stimme der Partei der kleinen Landwirte, einer fortschrittlichen und demokratischen Bauernpartei, gab.
Chapin machte darauf aufmerksam, dass sich die Kommunisten in der Koalitionsregierung eine Igelstellung gesichert hatten. Diese Regierung war auf Grund einer
zwischen den massgeblichen Parteien vor den Wahlen getroffenen Vereinbarung, ohne
Ruecksicht auf das Wahlergebnis eine Koalitionsregierung zu bilden, zustandegekommen.
"Nach typischem kommunistischen Muster folgte dann schrittweise mittels Gewalt und
Umsturzmethoden von innen heraus die Einnahme einer herrschenden Stellung."
Zuerst verschafften sich die Kommunisten die Kontrolle ueber die ungarische
Polizei und das Nachrichtenwesen, wobei sie bei dieser "uebllchen einleitenden Aktion"
von Sowjetmarschall Woroschilow, dem Vorsitzenden der Alliierten Kontrollkommission,
unterstuetzt wurden. Es folgte eine Saeuberungsaktion, der die fuehrenden Vertreter
der Regierung und des Heeres zum Opfer füen. Dann erweiterten die Kommunisten ihre
Machtstellung, indem sie innerhalb der Koalitionsregierung einen extremen Linksblock
bildeten, der in Opposition zur Fartei der kleinen Landwirte trat. Schliesslich konzentrierten sie ihre Bemuehungen darauf, innerstaatliche, wirtschaftliche und politische Unruheherde zu schaffen, um das Vertrauen der Bevoelkerung in die Regierungsfaehigkeit der Partei der kleinen Landwirte zu erschuettern.
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�Chapin fuhr fort« "Die Kommunisten griffen zu offenen Terromassnahmen gegen
ihre Gegner. Schauprozesse auf Grund erdichteter Anschuldigungen, Entfuehrungen,
und all die anderen Auswuechse totalltaeren Zwangs und totalltaerer Rechtsprechung
waren an der Tagesordnung.
Rundfunknachrichtenblatts des Aussenministeriums, 17. Juni 1949
EIN AMF.RTKANISCHER LEITARTIKEL UEBER DIE GENTER
GEWERKSCHAFT5TAGUNG
Aus Anlass der am 25. Juni eroeffneten Genfer Konferenz von Gewerkschaftsführern, die sich mit den Vorarbeiten fuer die Schaffung einer neuen Weltgewerkschaftsorganisation befasste, erschien der folgende Leitartikel in einer amerikanischen Zeitung, dem "Louisville COURIER-JOURNAL1':
"Es dauerte freilich Jahre, bis sich die ersten Anzeichen einer kommunistischen Niederlage bemerkbar machten, und die Genfer Tagung ist der Hoehepunkt dieser Niederlage. Die kommunistische Strategie bestand in den einzelnen Laendern
darin, Freunde und Terbuendete dadurch zu gewinnen, dass man fuer die Sache der
Arbeiterschaft eintrat, und das Eindringen ron Kommunisten in Schlüsselstellungen
einiger internationaler Gewerkschaften hatte schon seine wirkung.
Die Arbeiterschaft der Welt, ebenso wie Anhaenger weltumspannender religioeser
Glauben sind sich jedoch seit langem der Tatsache bewusst, dass eine totalitaere
Anschauung keine Freiheit kennt, und dass fuer sie einzig und allein der Staat der
Herrscher ist. Es war gerade das Wissen davon, dass es im kommunistischen Russland keine echte Gewerkschaft gibt, das in erster Linie die Aufloesung des alten
Weltgewerkschaftsbundes herbeifuehrte. Das zweite zerstoerende Element war die
sich in allen Laendern langsam durchsetzende Erkenntnis, dass Kommunisten innerhalb der Gewerkschaften nicht die Sache der Arbeiterschaft vertraten, sondern nur
ein willfaehriges Werkzeug im Dienste eines einzigen Herrn, naemlich Moskaus,
waren.
Die Russen sind geschickte Propagandisten, konnten jedoch nie eine stichhaltige Antwort auf die Frage geben: Wie kommt es, dass in Russland die Gewerkschaften niemals streiken. Sie beantworteten die Fragen natuerlich in einer
gewissen Weise, naemlich damit, dass alles im Lande Eigentum der Arbeiterschaft
sei und dass also die Arbeiter keinen Grund zum Streiken haetten. Das klang
keineswegs uaberzeugend, umsoweniger als man vergass, die folgerichtige Frage zu
stellen, warum denn in diesem Falle die Russen ueberhaupt Gewerkschaften haetten..
Die Fadenscheinigkeit einer derartigen Antwort trat aber noch mehr zutage, als
Grossbritannien zeigte, dass unter einer freien Arbeiterregierung die Gewerkschaften Anlass und Freiheit zum Streik haben.
Kapitalisten und Arbeiterschaft, sie beide haben in demokratischen Laendern
mit Schwierigkeiten zu kaempfen. Unternehmertum und Arbeiterschaft haben, selbst
In DeiLokratien mit weitestgehender Sozialisierung, schwierige Probleme zu loeser..
Sie koennen jedoch frei protestieren, sie sind frei beweglich, und sie geniessen
den Schutz des Gesetzes. Die Genfer Konferenz spiegelt die tiefe Erkenntnis der
freien Arbeiter der Welt wider, dass es unter dem kommunistischen System keine
derartigen Freiheiten gibt."
Aus dem Rundfunknachrichtenblatt des
Aussenministeriums, 30. Juni 1949
DER SOZIALPLAN DER BOLIVIANISCHEN ARBEITER
In Einklang mit dem von dem Direktor der "Bolivianischen Arbeiter-Versicherungs- und Sparkasse" fuer 1949 aufgestellten Haushaltsplan hat diese Anstalt
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�einen ehrgeizigen Arbeltsplan entwickelt. Dieser erstreckt sich auf den Bau
billiger Wohnungen, Krankenhaeuser, Genesungs- und Erholungsheime fuer Arbeiter«
mindestens eine Fortbildungsschule soll errichtet und Darlehen sollen Einzelpersonen
fuer allgemeine konstruktive Zwecke /axr Terfuegung gestellt werden.
Die Anstalt, die im Jahr 1935 als Zentralorganisation fuer ArbelterrerSicherung
errichtet wurde, besteht aus fünf Abteilungen; Versicherung, Sparkasse, Pressewesen,
Sozlalhllfe und Arbeiterwohnungswesen. Die Einnahmen der einzelnen Abteilungen
stammen aus verschiedenen Quellen« z.B. Arbeltgeber- und Arbeitnehmer-Beitraege,
Steuern auf Zinn, Zigaretten, Bier, Bierflaschen, Wein und Importierte Buecher und
Zeitschriften. Der Verwaltungsausschuss der Anstalt setzt sich aus neun Mitgliedern
zusammen, d.h. drei Vertretern der Regierung und je weiteren drei Vertretern ron
Unternehmern und Arbeiterschaft.
Der fuer 1949 aufgestellte Plan soll ron der Anstalt in eigener Regie durehgefuehrt werden, obwohl sie allmaehlioh in das neue umfassende Sozialversicherungssjrstem, das auf dem Sozialversicherungsgesetz vom 7 Januar 1949 beruht, eingegliedert werden soll. Arbeitersiedlungen sollen in den Bezirken mit den duerftigsten
Wohnverhaeltnissen errichtet werden. Bei der vorzugsweisen Zuteilung von Wohnungen
an Arbeiter soll die Anzahl der Familienmitglieder, die Laeng» der Anstellungszeit
in einem bestimmten Betrieb, Militaerdienst, u.s.w. ausschlaggebend sein. Den
Arbeitern wird eine zwanzigjaehrige Zahlungsfrist fuer Haus und Boden gewahrt.
Der erste Schritt in dar Entwicklung von Laendereien, die der koerperlichen
Srtueohtigung von Arbeitern dienen, wurde gegen Ende 1948 durch den Ankauf von
Grundstuecken in den Cochabamba und Oruro Provinzen getan. Arbeiter, insbesondere
Bergleute sollen in die Landgebiete geschickt werden, um dort jeweils 6 - 1 2 Monate
landwirtschaftlich beaehaeftlgt zu werden. Die Verwaltung der "Arbeiter-Versicherungsund Sparkasse" ist der Ansicht, dass sich die "Ertueohtigungsgebiete" mit der Zeit
selbst erhalten und auch den allgemeinen Gesundheitszustand der Arbeiter heben
werden. Man hofft, dass jedem Arbeiter mindestens einmal alle 4 oder 5 Jahre Gelegenheit gegeben wird, einige Monate in den erwaehnten Gebieten zu verbringen.
Die Errichtung der Arbeiter-Fortbildungsschule beruht auf einem Vorschlag der
Abteilung fuer Sozialhilfe. Sie soll besonders der Umschulung von erwerbsbesehraenkten Arbeitern dienen, so dass deren Erwerbsfaehigkelt wenigstens teilweise wieder
hergestellt werden kann. Sollte die Durchfuehrung des Planes noch innerhalb des
Jahres beendet werden, so wuerden sich die Ausgaben auf Bs. 157*743.465 belaufen,
d.h. auf etwa die Haelfte der fuer 1949 geschaetzten Eihkuenfte der Anstalt. Der
mit dem Internationalen Geld-Fond vereinbarte Kurs des Bolivianos ist« 1 US Dollar
- 42 Bolivianos.
"Arbeiterfragen im Ausland" des US Ministeriums fuer Arbeit, Mai 1949
ES GEHT AUCH OHNE STREIK
Streiks hat es in der New Yorker Bekleidungsindustrie schom seit Jahren nicht
mehr gegeben. Arbeiter wie Unternehmer verdanken dies der Arbeitsschlichtung durch
den sogenannten "unparteiischen Vorsitzenden", einer Methode, die von immer mehr
amerikanischen Industrien und oeffentllchen Versorgungsbetrieben angewandt wird.
Auf diese Welse werden Arbeitsniederlegungen meist noch vor Eintreten von Produktionsunterbrechungen beigelegt.
Dieses System, das die New Yorker Bekleidungsindustrie zu einem Vorbild harmonischer Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemacht hat, ist die
Frucht zahlreicher Streiks und Aussperrungen, die zu den erbittertsten und kostspieligsten der amerikanischen Geschichte zaehlen.
Frucht der "grossen Revolte" von 1910
Den Anstoss zur Einfuehrung des Arbeitsschlichtungsverfahrens gab der Ausstand von
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�50 000 Arbeitern der MaentelIndustrie im Jahre 1910, der in die Geschichte der Internationalen Gewerkschaft der Arbeiter der Damenbekleidungsindustrie als die
"grosse Revolte" eingegangen ist. Damals verfasste eine unter dem Vorsitz des
spaeteren Bundesrichters Louis Brandeis stehende Kommission das historische
"Friedensprotokolln, durch das der zweimonatige Streik beendet wurde. Neben einem
aus zwei Vertretern der Gewerkschaften und zwei Vertretern der Arbeitgeber bestehenden Vier-Mann-Komltee wurde ein dreikoepfiger Schlichtungsausschuss geschaffen, dein
Brandeis als Repraesentant der Oeffentlichkeit und je ein Sprecher der Unternehmer
und der Arbeiter angehoerten.
Verhaeltnismaessig wenig Auseinandersetzungen werden ueberhaupt bis vor den
unparteiischen Vorsitzenden getragen. Soweit sie nicht durch Arbeitgeber und Betriebsrat beigelegt werden koennen, versuchen Gewerkschaft und Unternehmerverband
zu einer Einigung zu kommen. Schlaegt auch dieser Versuch fehl, so wird der unparteiische Vorsitzende gebeten, eine Verhandlung anzuberaumen. Ein Grossteil
dieser Faelle wiederum klaert sich, bevor es zu der angesetzten Verhandlung kommt,
bzw. bevor der Schiedsspruch gefaellt wird.
Nach den Vereinbarungen muss jede dem unparteiischen Vorsitzenden unterbreitete
Meinungsverschiedenheit als neuer Fall behandelt werden - d.h., fruehere Entscheidungen in gleichen Angelegenheiten koennen nicht zur Abweisung einer neuen Klage
als Praezedensfaelle zitiert werden.
Die entscheidende Vollmacht des unparteiischen Schiedsrichters besteht in
seinem Recht, ohne Ruecksicht auf die jeweiligen Ursachen die Beendigung jedes
Streiks und jeder Aussperrung innerhalb von 24 Stunden zu verlangen. Vergehen
gegen diese Anordnung koennen mit Verlust des Arbeltsplatzes fuer die Weiterstreikenden bestraft werden, und unnachgiebige Unternehmer koennen aller ihrer Vorrechte
aus dem bestehenden Kollektivvertrag verlustig gehen. Damit diese Bestimmung nicht
dort zu Ungerechtigkeiten fuehrt, wo es sich um wirklich berechtigte Meinungsverschiedenheiten handelt, pflegt der zur Zeit amtierende unparteiische Schiedsrichter
bei Arbeltseinstellungen die Verhandlung innerhalb der naechsten 24 Stunden anzuberaumen. Dringende Faelle werden noch am gleichen Tage und die meisten innerhalb
einer Woche entschieden*
"Amerika Dienst" 18. Juli 1949
GEMEINSAMES VORGEHEN DER CIO-GEWERKSCHAFTEN
Auf seiner der Delegiertenkonferenz vorangehenden Tagung begann heute der
Internationale Vorstand der dem Verband der amerikanischen Industriegewerkschaften
(CIO) angeschlossenen Automobilarbeitergewerkschaft damit, die kuenftlge Verbandspolitik auf das Vorgehen der dem Verband angehoerenden Stahlarbeitergewerkschaft
abzustimmen* dieses geschah, indem sich der Verbandsvorstand auf das nachdruecklichste fuer die in diesem Jahre erhobenen Pensions- und andere wirtschaftliche
Forderungen einsetzte.
Da der Vorstand der Automobilarbeitergewerkschaft bei seinen Verhandlungen
mit der Ford Motor Company nicht unmittelbar vor der Notwendigkeit stand, sich
sofort entscheiden zu muessen, ob er einen Streik ausrufen sollte oder nicht, versuchte er anstattdessen, in eine strategische Position zu können, die Philip Murray,
dem Vorsitzenden sowohl der Stahlarbeitergewerkschaft wie des Verbandes der amerikanischen Industriegewerkschaften (CIO), bei seinen Verhandlungen mit den grossen
Stahlgesellschaften eine bessere Verhandlungsbasis bieten wuerde.
Das gemeinsame Ziel der Stahlarbeitergewerkschaft, die mit der United States
Steel Corporation in Verhandlungen steht, und der mit Ford und Chrysler verhandelnden Automobilarbeitergewerkschaft besteht darin, fuer die der CIO angehoerenden

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�6 Millionen Arbeiter soziale und wirtschaftliche Sicherungen durchzusetzen, die
in rerbesserten Ruhegehaeltern, unterstuetzung bei Krankheit oder sozialer Bedürftigkeit und in einer der Steigerung der Lebenshaltungskosten entsprechenden
Lohnerhoehung bestehen.
Diese drei Forderungen, die weiter gehen als alle sonst bisher von der CIO
nach dem Kriege aufgestellten Forderungen, bilden das Ziel der vierten Runde des
Kampfes der beiden Gewerkschaften, von denen jede eine Million Mitglieder hat.
Man erwartet, dass bei den Verhandlungen beider Gewerkschaften der kritische Punkt
noch im Laufe dieses Monats erreicht sein wird.
Reuther ueber sein Vorgehen
Walter P. Reuther, der Vorsitzende der Automobilarbeitergewerkschaft, erklaerte, dass er und Murray nach einem gemeinsamen Plan vorgingen. Vor Beginn
der Sitzung des aus 22 Mitgliedern bestehenden Vorstandes aeusserte Reuther der
Presse gegenueber, er wuerde die Haltung der Automobilarbeitergewerkschaft auf
der am Sonntag beginnenden Delegiertenkonferenz dieser Gewerkschaft darlegen.
Am Sonntag wird Reuther zu den 2.400 Delegierten sprechen und am folgenden
Tage auf der Konferenz das Wort ergreifen. Die Tatsache, dass der CIO-Vorsitzende
selbst auf der Tagung anwesend sein wird, bietet die Moeglichkeit, die von beiden
Gewerkschaften gleichzeitig vorgebrachten Plaene noch in letzter Minute enggueltig aufeinander abzustimmen«
In der offenbaren Absicht, der Stahlarbeitergewerkschaft die Fuehrung zu
ueberlassen, machte die Automobilarbeitergewerkschaft in der vergangenen Woche
Ford den Vorsehlag, das am 15. Juli ablaufende Tarifabkommen bei taeglicher Kuendigungsmoeglichkeit vorlaeufig weiterbestehen zu lassen. Dieser Vorschlag wurde
von Ford angenommen. Auf diese Weise wurde die Automobilarbeitergewerkschaft
des Zwanges enthoben, in ihren Unterhandlungen mit Ford unverzueglich Entscheidungen su treffen.
Man nimmt an, dass die Verhandlungen mit der Chrysler-Gesellschaft, die nicht
bis zu einem bestimmten Termin abgeschlossen sein muessen, solange hinausgezogen
werden werden, bis die Verhandlungen mit Ford zu einem Ergebnis gefuehrt haben.
Man wies hier gestern darauf hin, daws sich ein Streik gegen die United States
Steel Corporation sofort auch auf einen grossen Teil der Automobilindustrie auswirken wuerde. Allerdings wuerde das noch nicht bedeuten, dass somit ein Streik
gegen die Fordgesellschaft ueberfluessig geworden waere» ein solcher Streik
koennte durchaus notwendig werden, erzeugt doch Ford einen grossen Teil seines
Stahlbedarf8 selbst«
New York Times, 8. Juli 1949
DIB AMZRIKANISCHB ZEITUNGSGBWBRKSCHAFT UND
D U MAR3HALLPLAN-VERWALTJNG
Die American Newspaper Guild, die Gewerkschaft der im Zeitungswesen Beschaeftigten, hat auf ihrer diesjaehrigen Delegierten-Konferenz in Columbus (Ohio) ihren
bisherigen Vorsitzenden Harry Martin fuer eine weitere Amtsdauer von zwei Jahren
durch Zuruf wledergewaehlt. Anschliessend bewilligte man ihm eine Verlaengerung
seines Urlaubs, die ihm erlaubt, seine Taetigkeit als einer der Berater Botschafter W. Avereil Harrlman's, des Sondervertreters der Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) in Europa, weiter fortzusetzen.
Am 2. Juli fasste der internationale Vorstand der Zeitungsgewerkschaft einen
Beschluss, der u.a. folgenden Satz enthielt« "Die Gewerkschaft ist stolz darauf,
dass ihr Vorsitzender Martin aufgefordert worden ist, unserem Lande auch weiterhin in gleicher Eigenschaft zu dienen. Die Gewerkschaft ist der Ansicht, dass
sie keinen besseren Beitrag zur Herstellung eines dauerhaften Friedens leisten
-

15

-

�kann als dadurch, dass sie der Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit
(ECA.) bei der grossen und schwierigen Aufgabe, Suropa wirtschaftlieh wieder aufbauen zu halfen, die Dienste ihres Vorsitzenden zur Yerfuegung stellt."
Martin berichtete der Konferenz, dass sich der Marshallplan erfolgreich
auswirkt und die Billigung der europaeischen Arbeiterschaft deshalb findet, weil
die amerikanischen Gewerkschaften an massgebender Stelle am europaeischen Wiederaufbauprogramm teilnehmen.
Martin erklaerte jedoch, dass man mit dem Wiederaufbau Suropas erst am
Anfang stuende und fuehr fort: "Wir messen die einmal begönne Aufgabe auch zu
Ende fuehr en. Ton Anfang an war das europaeis che Wiederaufbauprogramm als ein
Vierjahresplan gedacht. Wir haben noch drei Jahre vor uns. Zwar sind die Kommunisten in Europa im Zurueckwelohen," fuegte Martin hinzu, "aber wir muessen auch
in Zukunft in allen Laendern auf der Hut sein« "Denn," so sagte er,"die Bedrohung
durch den Kommunismus in Friedenszeiten ist groesser als die durch den Fashismns
im Kriege."
Kr bezeichnete es als ampoerend, dass es noch Menschen gibt, die vorgeben,
die Freiheit zu lieben, und dabei ein politisches System unterstuetzen, das 12
Millionen seiner eigenen Buerger als Sklaven in Arbeitslagern gefangen haelt.
"Die Sowjetunion von heute wendet all« die bekannten Waffen des Polizeistaates an;
Aufhebung der Freiheit der Presse, der Bede und der Religionsausuebung: Unterdrueckung der Bürgerrechte und der persoenlichen Freiheit« willkuerliehe Eingriffe in das baeusliehe und kulturelle Leben und in die Arbeit der Gewerkschaften
und schliesslich jetzt auch wieder die unheilvolle Aufreizung zum Rassenhaas
mittels einer planmaessigen antisemitischen Hetze .

- 16 -

Manpower Division
OMODS, APO 742

QNOUS. »-22W0, lAo. J.U « , 1 «

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

I I - 23/24

Berlin, 5. August 1949

Die Manpower Division der amerikanischen Militaerregierung wird
sich in Kuerze in Frankfurt e t a b l i e r e n . Bis zur endgueltigen Uebersiedlung erscheinen d i e "Internationalen Arbeitsmitteilungen" in unregelmaessigen Abstaenden. Manche Nummern werden nur 12 oder 8 Seiten stark
sein s t a t t der ueblichen 16 Seiten.
Es wird s i c h in Kuerze a l s notwendig erveisen, eine ISntscheidung
darueber zu t r e f f e n , ob das B l a t t weitergefuehrt wird oder n i c h t . Unsere
Leser werden gebeten, ihre Stellungnahme dazu, ob s i e es fuer notwendig
halten, dass die "Internationalen Arbeitsmitteilungen" fortgefuehrt werden
im bejahenden oder verneinenden Sinne an folgende Adresse zu senden« Manpower Division OMGÜS, AFP 757, U.S. Army
INHALTSVERZEICHNIS
Report von Gerhard Nuernberg
Eine Ueber sieht ueber das Kollektiwerfahren
Englische Bevoelkerungsprobleme
Die Lage der Arbeiterschaft in Japan

1
5
9
— 10

Folgender Artikel i s t aus dem Report von Gerhard Nuernberg, Vorstand der öffentlichen Betriebe und Verwaltungen sowie des Iransportes Gross-Berlin (UGO).Er e n t h ä l t
einige Beobachtungen, die Herr Nuernberg während seiner
Studienreise nach den Vereinigten Staaten a l s Mitglied
der Gewerkschaftlergruppe aus Berlin machte.
Bemerkungen zur Lohn- und T a r i f p o l i t i k in den Vereinigten Staaten
Venn man erstmalig - und v i e l l e i c h t auch ueberhaupt einmalig - in den Vereinigten Staaten von Nordamerika w e i l t , dann sind die 3indruecke dieses Landes, das
t r o t z und sogar wegen der Verwicklung in den 'Veitkrieg Nr. 2 an w i r t s c h a f t l i c h e r
Macht immer s t a e r k e r geworden i s t , auf den aus Deutschland kommenden Besucher dera r t frappierend, dass man zunaechst einmal betaeubt von dem schier unendlich schei-

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1

-

�nenden Strom dar Automobile, geblendet von den schreienden Reklamen und den In
allen Variationen spiegelnden und glitzernden Lichtreflexen des Broadway und nachdenklich Tor den uebervollen Laeden und Warenhaeusern wird. Unter dem Eindruck
dieses pulsierenden Lebens eines jungen Erdteils, der ueber alle Bodenschaetze
und landwirtschaftliche Gueter verfuegt, die sich eine moderne Zivilisation ueberhaupt nur vorstellen kann, vergisst der aus Europa Könnende und mit der Tradition
einer ueber 2.000 Jahre alten Geschichte Behaftete beinahe, dass er Ja dieses Land
zu Studienawcken bereist und dass es gilt, innerhalb der zur Verfuegung stehenden
60 Tage alle Moeglichkeiten hierfuer auszunutzen.
Als Berliner Gewerkschaftler, die wir ohnehin durch den Kampf um die zukuenftige Stellung Berlins innerhalb Deutschlands und der '.Veit durch ein gemeinsames Band
verbunden sind, kamen wir in die U.S. auch mit unserem gemeinsamen Grund-Interesse,
und wir haben uns redlich darum bemueht, uns ueber alle Fragen des wirtschaftlichen
und oeffentlichen Lebens sowie der Gesetzgebung und der Beziehungen der Menschen
untereinander, die einen Gewerkschaftler ueberhaupt nur interessieren koennen, so
erschoepfend wie moeglich zu unterrichten.
Aber neben diesen gemeinsamen Interessen hatte sich jeder von uns fuer ein
besonderes Spezialgebiet entschieden. Da meine wesentliche Taetigkeit im Gewerkschaftsleben bisher auf dem Gebiet der Lohn- und Tarifpolitik lag, stand es fuer
mich fest, dass ich mich diesen Fragen in den U.S.A. besonders widmen wuerde.
I. Verfahren ueber Tarifvertraege und Vereinbarungen
DiB rd. 15 Millionen amerikanischen Gewerkschaftler fallen unter rd. 50-000
Tarifvertraege und TarifVereinbarungen. Die tariflichen Regelungen unterscheiden
sich in mancher Beziehung wesentlich von dem in Deutschland ueblichen Verfahren.
Die Gruende hierfuer sind u.a.»
Es gibt in den Vereinigten Staaten noch keine gesetzliche Krankenversicherung,
wie sie bei uns in Deutschland seit etlichen Jahrzehnten besteht. Es bestehen
keine derartig tiefgreifenden Unterschiede zwischen den "Arbeitern" und den "Angestellten" (was wesentlich in das Gebiet des Kuendigungsschutzes hinueberspielt),
es gibt auch in der privaten Wirtschaft keine Betriebsraete, und demzufolge ist
auch der Begriff des "Mitbestimmungsrechtes" in den U.S.A. ganz anders aufzufassen
als bei uns.
Um bei dem Mitbestimmungsrecht zu bleiben:
In den Kontrakten und Agreements ist durchweg festgelegt, wie der Betrieb, fuer den
ein derartiger Vertrag gilt, gewerkschaftlich klassifiziert wird, d.h. ob es sich
um einen "closed Shop" oder einen "union shop" handelt. Im closed Shop werden nur
Gewerkschaftsmitglieder eingestellt, und der Arbeitgeber verpflichtet sich hierzu durch seine Unterschrift unter den Tarifvertrag. Im Union shop muessen sich
Neueingestellte innerhalb einer bestimmten Frist, meist sind es 30 Tage, entscheiden
ob sie der Gewerkschaft beitreten wollen oder nicht. Im letzteren Falle muessen
sie nach Ablauf der Frist die Konsequenzen ziehen. Hier haben die Gewerkschaften
also ein hundertprozentiges Mitbestimmungsrecht auf die Einstellung, und bei Entlassungen haben sie es auch, weil nach dem Prinzip der Seniority bei Betriebseinschraenkungen oder Konjunkturkrisen stets diejenigen zuerst entlassen werden muessen
die nicht durch die Seniority geschuetzt sind, d.h. diejenigen, die die relativ
kuerzeste Zeit in dem Unternehmen taetig sind.
Hier ergab sich uebrigens ein Kuriosum, da viele Frauen, die waehrend des
Krieges in den fuer die Kriegsindustrie wirkenden Betrieben an die Arbeitsplaetze
der Maenner getreten waren und die nun, wo entweder die entlassenen Soldaten in
die '.Virtschaft zurueckstroeinen oder bei Betriebseinschraenkungen entlassen werden
sollen, sich auf das Prinzip der Seniority berufen, und in der Tat sind ja manche
inzwischen schon 6, 7 oder 8 Jahre in ein und derselben Fabrik taetig
- 2 -

�Unaero alte Forderung "Gleicher Lohn bei gleicher Arbeit" ist in vielen Betrieben tarifvertraglich festgelegt, und dort, wo die Bedingung der "gleichen Arbeit" nicht erfuellt ist, werden die Frauen etwa 10 -15? geringer bezahlt als die
Maenner.
Krankenvers icherung
Die Tarifvertraege kennen keine Sozialzulagen und KinderZulagen, wohl aber
haben wir- und das betrifft insbesondere die Staffelung der Bezuege im ©öffentlichen Dienst, in dem ca. 3 Millionen Arbeitnehmer taetig sind - eine Aufteilung nach
Dienst- und Berufsjahren.
An Stelle der bisher fehlenden generellen Krankenversicherung gibt es in den
Unternehmen der verschiedensten Industriezweige haeufig Abschluesse mit Privatversicherungsgesellschaften, und in den Tarifvertraegen wird genau festgelegt, wie
hoch der prozentmaessige Anteil der Arbeitgeber bzw. der der Arbeitnehmer ist. In
anderen Tarifvertraegen wieder ist ausdruecklich vermerkt, dass den Beschaeftigten
pro Jahr eine Anzahl von Tagen als bezahlter Krankheitsurlaub garantiert werden.
Es gibt Regelungen, die eine siebentaegige Krankheitsbezahlung zulassen, es gibt
aber auch Vereinbarungen, wonach jeder Arbeiter 15 Tage im Jahr Anspruch auf Bezahlung bei Krankheit und damit verbundene Arbeitsunfaehigkeit hat. Bei den Bediensteten der Amerikanischen Bundesregierung und der hierzu gehoerenden und im
ganzen Lande verteilten Ressorts besteht auf Grund der tariflichen Vorschriften die
Moeglichkeit, diesen Krankheitsurlaub fuer eine bestimmte Anzahl von Jahren zu
akkumulieren, d.h. ein Arbeitnehmer, der das Giueck hatte, waehrend dreier Jahre
nicht krank geworden zu sein, kann im vierten Jahr im Falle seiner Erkrankung nunmehr mit einer Bezahlung waehrend der Krankheit fuer 60 Tage rechnen. Bei unverschuldeten Entlassungen geht der aufgesparte Krankheitsurlaub nicht verloren, sondern wird in bar abgegolten.
Da es in den Vereinigten Staaten keine so ausgedehnten KuendigungsVorschriften
wie bei uns gibt und also die wirtschaftliche Sicherung unter Umstaenden fuer
mehrere Monate wie bei uns nicht gegeben ist, wird der aufgelaufene Betrag fuer
nicht in Anspruch genommenen Krankheitsurlaub am Ende der Taetigkeit in Dollar
ausgezahlt und erweist sich trotz des an sich unsozialen Charakters doch als wertvolle Ueberbrueckung beim Uebergang von einer Stellung in die aidere.
Urlaubsbestimmungen
Die Bestimmungen fuer den jaehrlichen Erholungsurlaub weichen auch von unserem
deutschen Brauch ab. Im allgemeinen besteht - und zwar fuer Arbeiter wie fuer
Angestellte - in gleicher '..eise Anspruch auf eine Woche Erholungsurlaub nach einer
Betriebszugehoerigkeit von einem Jahr. Steigerungen um eine weitere Woche erfolgen,
und zwar in einzelnen Tarifvertraegen unterschiedlich, nach drei, fuenf oder auch
mehr Jahren, und drei Wochen Urlaub werden in einigen Faellen nach 15-jaehriger
Betriebszugehoerigkeit und sogar auch erst nach 25-jaehriger Zugehoei-igkeit gewaehrt.
Im Gegensatz zu unserer Auffassung, die wir den Urlaubsanspruch als unabdingbar und
nicht durch Bargeld abzufinden betrachten, kommt es in Amerika haeufig vor, dass der
Arbeiter anstatt der Freizeit die Bezahlung vorzieht.
Das Gesamtpersonal des Bundesdienstes erhaelt, wie uns von der zuständigen
Gewerkschaft erklaert wurde, allerdings einen weit hoeheren Urlaub, und zwar einheitlich 26 Werktage pro Jahr. Auch hier besteht die Moeglichkeit des Gutschreibens
fuer zwei und mehr Jahre, doch duerfen nicht mehr als 150 Tage akkumuliert werden.
Bei Entlassungen, die etwa vorgenommen werden muessen, wird der gesparte Urlaub in
bar ausbezahlt. Am meisten beeindruckt hat mich, dass seit 1914 die woechentliche
Durchschnittsarbeitszeit von 49 Stunden durch die riinflussnahme der Gewerkschaften
allmaehlich gesenkt und auf 40 Stunden beschraenkt werden konnte. £s gibt kaum
einen Tarifvertrag, in dem nicht die 40-stuendige Arbeitswoche ausdruecklich aner-

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�kannt wird.
Bei notwendig werdenden Ueberstunden - und dies trifft natuerlich in ausgesprochenen Konjunktur- und Saisonbetrieben zu - erhalten die Beschaeftigten generell
eine 50-prozentige Ueberstundenbezahlung, und an Feiertagen betraegt der Aufschlag
100*.
II Lohnverhaeltnisse der Arbeiter &amp; Angestellten
Bei der Ermittlung des Lohnbildes in den einzelnen Berufsgruppen der verschiedenen Industrie- und Wirtschaftszweige ist - wie ueberall - bei der Weitraeumigkelt
der U.S.A. keine allgemein gueltige Festlegung moeglich. In den Suedstaaten liegt
der Durchschnittslohn bei jedem einzelnen Beruf um 20 - 30i niedriger als etwa in
den Staaten Michigan, Illinois oder 'Wisconsin, und auch in den einzelnen Staaten
der U.S.A. gibt es Unterschiede in der Bezahlung in den kleineren und groesseren
Staedten. Der Facharbeiter verdient etwa zwischen 80 und 90 Dollar, der qualifizierte Facharbeiter zwischen 90 und 110 Dollar, der angelernte Arbeiter zwischen
60 und 70 Dollar und der ungelernte Arbeiter zwischen 40 und 55 Dollar pro Woche.
Der Durehschnittsangestellte in der Privatwirtschaft bzw. der Bedienstete in der
oeffentlichen Verwaltung erhaelt etwa zwischen 65 und 80 Dollar pro Woche. Die
perfekte Stenotypistin kommt auf etwa 50 - 55 Dollar pro Woche, waehrenü ihre
Schwester, die Fabrikarbeiterin, beispielsweise in einem Grossbetrieb der chemischen Industrie, bei einem Stundenlohn zwischen 1,20 und 1,30 Dollar auf 48 bis
52 Dollar pro 'Joche kommt.
Die Lebenshaltungskosten liegen gegenueber 1945 und erst recht gegenueber der
Torkriegszeit wesentlich hoeher, doch seien zum Vergleich mit den Loehnen einige
Preise genannt«
Ein Herrenanzug kostet 40-45 Dollar, ein Damen-Sommerkleid zwischen 6-8 Dollar,
ein Paar Herren-Halbschuhe 7-9 Dollar, ein Herren Oberhemd 2,50 bis 3,50 Dollar,
ein Paar Herrenstruempfe 1,10 bis 1,30 Dollar, ein Pfund Kaffee 52 Cent, ein Pfund
Mehl 10 Cent, eine Zigarette 1 Cent, Fahrgeld auf der U-Bahn in New York 10 Cent.
Diese Beispiel lassen sich beliebig erweitern, allerdings sind die Mieten recht
hoch, man rechnet etwa 20-25 £ des Einkommens fuer Wohnungsmieten.
Durch die Rationalisierung der Arbeitsmethoden basieren die meisten Loehne
infolge der Arbeit am Fliessband auf den Zeitstudien und entsprechenden kalkulatorischen Berechnungen. Der Einfluss der Gewerkschaften als Tarifpartner auf die
Geschwindigkeit des Bandes, wie a.B. in den Ford-V/erken, ist recht unterschiedlich.
Durch die Mitbestimmung im Arbeitstempo bei Ford sind die Arbeiter und Arbeiterinnen
vor Ausbeutung geschuetzt, und der jetzige Streik in den Ford-V/erken geht nicht zuletzt darum, dass die Unternehmerseite, die sich aus Gruenden der Absatzschwierigkeit zu PreisSenkungen verstehen musste, sich nunmehr bemueht, die Einbusse im
Profit dadurch wettzumachen, dass sie das Arbeitstempo wieder wie frueher beschleunigen will, und dagegen wehrt sich die Gewerkschaft. Bei anderen Gross-Betrieben
wie z.B. der International Harvester Company in Milwaukee, hat die Union gar keinen
Einfluss auf das Fliessbandsystem. Dort, wo manuelle und kombinierte Arbeit vorherrscht, wie z.B. in der Konfektion oder in Grosswaeschereien, in Reinigungsanstalten, sind saemtliche Loehne auf Stueckbasis und damit auf Akkord abgestellt.
III Allgemeine Beobachtungen und Zusammenfassung.
Waehrend des Aufenthaltes in den U.S. habe ich uebttr 30 verschiedene Tarlfvertraege von den von uns besuchten Firmen erhalten, und sehr viel Spezialmaterial
stellte das Arbeitsministerium in Washington zur Verfuegung. Alle diese Unterlagen
werden im Laufe der naechsten Zeit sorgfaeltig ausgewertet und der Berliner Gewerkschaftsbewegung als abgeschlossene Arbeit zur Verfuegung gestellt.
Die Sozial- und Arbeitsgesetzgebung sowie das Tarifrecht und das System der
Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten kann man natuerlich in 60 Tagen nicht erschoep-

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�fend kennenlernen, doch hat der uns gewaehrte Einblick genuegt, um Vergleiche
zwischen dem bei uns Vorhandenen und den Errungenschaften drueben anzustellen.
Seit 1935, dem New Deal des Praesidenten Roosevelt, der fuer diese seine soziale
Einstellung Ton den Gewerkschaftlern besonders hoch verehrt wird und dessen Bildnis in keinem Gewerkschaftsbuero fehlt, wie auch bei GewerkschaftsVeranstaltungen
aller Art das Symbol der U.S., das Sternenbanner, ueberall sichtbar aufgestellt ist,
sind sehr beachtliche gesetzliche Regelungen verabschiedet worden, die einmal beweisen, wie hoch das soziale Verantwortungsgefuehl sich entwickelt hat und zum anderen
zeigen, in welcher Richtung sich die zukuenftige Arbeitsgesetzgebung bewegen wird.
Es gibt bereits Gesetze ueber die Festlegung von Mindestloehnen, ueber die Verhinderung von Kinderarbeit, und in jedem der 48 Staaten des Landes gibt es neben
vielem anderen besondere Bestimmungen zum Schutze von Frauenarbeit.
Durch Vermittlung der AFL und CIO sowie durch die faire Zusammenarbeit beider
Gewerkschaftsrichtungen in bestimmten Fragen haben wir unsere Beobachtungen sammeln
und manche lehrreiche Vergleiche mit unseren eigenen Nachkriegsverhaeltnissen in
Deutschland ziehen koennen. Der hohe Lebensstandard der amerikanischen Arbeitsnehmerschaft ist nicht nur ein Ergebnis der technischen Vollkommenheit bei der
Gewinnung industrieller und landwirtschaftlicher Gueter zu verhaeltnismaessig niedrigen Gestehungskosten, sondern auch dem energischen Wirken der amerikanischen
Gewerkschaften bei der Interessenwahrnehmung der von ihnen vertretenen Mitglieder
zu verdanken. Die amerikanischen Gewerkschaften sind nicht, wie teils irrtuemlich
und teils auch boshafterweise angenommen wird, Fuersorgevereine oder von der
Unternehmerschaft abhaengige Gebilde oder gar "Staatengewerkschaften", sondernund das hat uns als Berliner das Herz hoeher schlagen lassen - ausgesprochene
KampfOrganisationen.
(Gerhard Nuernberg)
EINE UEBSRSICHT UEBER DAS KOLLEKTIV VERFAHREN
Arnold F. Campo ist Funktlonaer beim Verbände der Vereinigten Stahlarbeiter
Amerikas (CIO), gleichzeitig ist er aber auch Lehrer auf Gebieten, die fuer die
Gewerkschaften von Interesse sind. Dieser Artikel gibt eine Uebersicht, wie sie
Mr. Campo bei Diskussionen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ueber ein wirksames Verhandlungsverfahren anwendet. Wir zitieren hier den ganzen Artikel:I. Bedingungen, die fuer ein wirksames Kollektiwerfahren vonnoeten sind
a) fuer die Gewerkschaft und den Unternehmer.
1. Das Kollektiwerfahren sollte ein erzieherischer wie auch ein vermittelnder
Prozess sein. Es sollte den Fuehrern der Gewerkschaften die Gelegenheit geben,
dem Unternehmer die Beduerfnisse, die i'/uensche die Beschwerden wie auch die
Stellung der Arbeitnehmer zu vermitteln, und es dem Arbeitgeber ermoeglichen,
den Gewerkschaftsfuehrern und durch diese wiederum den Arbeitnehmern die Probleme
und wirtschaftlichen Kraefte nahezubringen, denen sich die Arbeitgeber gegenuebersehen.
2. Der Arbeitgeber wie auch die Gewerkschaft muessen das Kollektiwerfahren
als ein Mittel ansehen, um die bestmoegliche Loesung zu finden, und nicht als ein
Mittel, einerseits soviel wie nur irgendmoeglich herauszuholen, waehrend man
andererseits so wenig wie nur irgend moeglich zu geben gewillt ist. Es muss
das ehrliche Bestreben vorhanden sein, die Fragen zu loesen anstatt einen Korapromiss abzuschliessen.
3.

Beide Parteien muessen über genuegend vermittelnde Kraefte verfuegen,

um sich Respekt verschaffen und die Bedingungen des Abkommens durchsetzen zu koennen.

-

5 -

�4. Gegenseitiges Vertrauen muss -vorherrschen, ebenso guter Wille und der
Wunsch, das Kollektiwerfahren in Gang zu bringen.
5. Eine ehrliche, faehlge und verantwortliche Fuehrerschaft ist notwendig.
6. Die Parteien muessen genauestens die Gesetze des Landes bzw. des betreffenden Staates in bezug auf das Kollektivverfahren beachten.
7. Es ist sehr wichtig, dass sich beide Parteien darueber klar sind, dass das
Kollektiwerfahren in einem Sinne eine Form von Preisfestsetzung darstellt und
dass ein erfolgreiches Kollektivverfahren letzten Endes davon abhaengt, ob die
Gewerkschaft und der Arbeitgeber richtig dabei verfahren, wenn es darum geht,
den Preis der Arbeit in angemessener Weise den anderen Preisen anzugleichen.
b) fuer den Arbeitgeber«
1. Der Arbeitgeber muss eine realistische Arbeitspolitik entwickeln und sich
staendie an sie halten, die von allen seinen Vertretern akzeptiert und durchgefuehrt werden muesste.
2. Da die Gewerkschaft fuehlen muss, dass ihre Existenz gesichert ist, muss
der Arbeitgeber die Gewerkschaft ohne jede Eins ehr aenkung anerkennen und sie als
eine konstruktive Kraft in der Industrie akzeptieren.
3. Der Arbeitgeber sollte keineswegs guten Willen seitens der Arbeitnehmer
als einen fortdauernden Zustand betrachten. Er sollte von Zeit zu Zeit die Be••
stimnlUngen und Vorschriften - einschliesslich derjenigen, die die Vorgesetzten
einfuehren und durchsetzen - pruefen, mit denen die Arbeitnehmerschaft geleitet
wird. Diese bestimmen naemlich die Haltung, die Zufriedenheit und den guten Willen
der Arbeitnehmer.
4. Der Arbeitgeber sollte sich von der Voraussetzung leiten lassen, dass es
notwendig ist, die Gewerkschaft fair zu behandeln, wenn sie eine verantwortungsvolle und ein erhaltender Faktor sein soll, und zufriedenstellende Geschaeftsbeziehungen zu ihren Vertretern zu schaffen, damit diese und die Gewerkschaftsmitglieder nicht leichtfertigerweise diese Beziehungen gefaehrden.
5. Der Arbeitgeber sollte nicht darauf warten, bis die Gewerkschaft Beschwerden vorbringt, sondern sollte jeden moeglichen Versuch machen, der darauf abzielt,
zu verhindern, dass sie ueberhaupt erst entstehen koennen, und sie prompt zu beseitigen, sobald sie sich zeigen.
6. Bei jeder verhandelnden Gruppe sollte der Arbeitgeber nur mit einer einzigen Gewerkschaft verhandeln, wo aber zwei Gewerkschaften um ihre Anerkennung bemueht
sind, da sollten keine Verhandlungen aufgenommen werden, bis eine Gewerkschaft die
Mehrheit darstellt.
7. Beim Abwaegen der wirtschaftlichen Belange innerhalb der Kollektiwerhandlungen sollte der Arbeitgeber mehr Viert auf soziale Momente legen.
c) fuer die Gewerkschafte»
1. Vom Gesichtspunkt der Rechte aus, die der organisierten Arbeiterschaft in
den letztvergangenen Jahren zugebilligt wurden, muss es jede Gewerkschaft als ihre
Pflicht ansehen, dass innerhalb ihrer eigenen Organisation alle Zwangsmassnahmen
und andere undemokratischen Praktiken ausgeschaltet werden.
2. Die Gewerkschaftsfuehrer muessen die wirtschaftlichen Momente innerhalb
des Kollektiwerfahrens verstehen und sich darueber klar werden, dass die Forderungen der Gewerkschaft aus dem Einkommen und aus den Hilfsquellen der Industrie
bewilligt werden muessen.
3. Die Gewerkschaftsführer duerfen ihre Funktion nicht in der "'eise auffassen,
dass sie lediglich dazu dient, hoehere Loehne, kuerzere Arbeitszeiten und bessere
Arbeitsbedingungen fuer ihre Mitglieder herauszuholen. Sie selbst und ihre Mitglieder haben die Verpflichtung, daran mitzuarbeiten, dass Verschwendung bzw. Vergeudung vermieden und dass Menge und xualitaet der Produktion verbessert wird.

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�4. Die Gewerkschaftsfuehrer haben die Verpflichtung, irgendwelche einschraenicenden Vorschriften und Bestimmungen seitens der Gewerkschaftsmitglieder abzuschaffen, da diese nur die Kosten und Preise hoeher bringen, den Betrag, der als Loehne
gezahlt werden koennte, verringern und dazu neigen, die Beschaeftigungsmoeglichkeiten und, auf lange Sicht, den Lebensstandard aller sozialen Gruppen zu verringern.
5. Die Gewerkschaften sollten nur dann ihre Zuflucht zu einem Streik nehmen,
wenn alle anderen Methoden, eine zufriedenstellende Loesung der Streitfrage oder
der betreffenden Probleme herbeizufuehren, erfolglos geblieben sind.
II. Methoden und Praktiken, die bei Verhandlungen ueber ein Abkommen
beruecksichtigt werden muessen«
a) fuer Gewerkschaft und Arbeitgeber.
1. Seien Sie waehrend der Verhandlung freundlich. Stellen Sie jeden Teilnehmer vor. Beseitigen Sie jede bestehende Spannung.
2. Hoeren Sie bereitwillig zu. Es ist immer noch Zeit genug, sich darueber
Gedanken zu machen, wie Sie spaeter "Nein" sagen werden^ nachdem Sie alle Punkte
gehoert haben.
3. Geben Sie jedem Gelegenheit, seinen Standpunkt vorzutragen. Dadurch kommt
oft der wahre Wortfuehrer fuer ein Problem oder fuer eine Beschwerde zum Vorschein.
4« Machen Sie sich mit dem Lebenslauf der Vertreter der anderen Partei vertraut.
5. Denken Sie immer an das, was als richtig und fair zu tun waere.
6. Beide Parteien sollten danach streben, eine objektive Haltung beizubehalten.
Sie sollten die zur Debatte stehenden Fragen mehr durchdenken als gefuehlsmaessig
zu behandeln.
7. Versuchen Sie nicht, bei der Diskussion zwecks Loesung eines Problems die
gerade Linie beizubehalten. V/eichen Sie zeitweilig ruhig vom Thema ab; ueberstuerzen Sie nichts.
8. Sehen Sie zu, dass sich bei den Verhandlungen kein toter Punkt ergibt.
Helfen Sie dabei, das Problem genau zu umreissen und schlagen Sie Loesungen vor.
Ultimaten sind bei den Verhandlungen nicht am Platze.
9. Wenn sich aus den einzelnen Punkten die Notwendigkeit ergibt, mehr zu tun
als nur das unmittelbar zur Debatte stehende Problem zu loesen, seien Sie dann
bereit, soweit zu gehen, wie dies gerechtfertigt erscheint.
10. Umreissen Sie jeden strittigen Punkt klar und eindeutig und diskutieren Sie
darueber unter Beruecksichtigung aller greifbaren Tatsachen.
11. Vermeiden Sie bestimmte Vorschriften und unbedeutende Einzelheiten, um eine
groessere Labilitaet zu waehrleisten.
12. Streben Sie zu allen Zeiten nur nach einer richtigen und realen Loesung.
13. Der Umfang der Konferenz sollte nach den gegebenen Umstaenden so klein wie
moeglich gehalten werden. Kleinere Gruppen erleichtern erfolgreiche Verhandlungen.
lh. Vermeiden Sie scharfe Methoden.
15. Bei der Festsetzung der zeitlichen Dauer der Konferenzen sollte man auf
Ermuedungserscheinungen und auf die geistige Haltung Ruecksicht nehmen.
16. Sorgen Sie dafuer, dass ein Arbeitnehmer-Ausschuss waehrend der Verhandlungen anwesend istj dies kann sich als sehr vorteilhaft erweisen und ist praktisch
\ fuer den Fall, dass die verhandelnde Gruppe eine einzige Organisation ist.
17. Die vereinbarten Bedingungen sollten schriftlich niedergelegt werden, die
Parteien sollten ihre Unterschrift ohne jeden geistigen Vorbehalt geben. Die
Abfassung des Abkomr ens sollte de» Wirklichkeit entsprechen und nicht nach den toten
Buchstaben ausgelegt werden.
18. Bei der Abfassung von Vertraegen sollte man das Schiedsverfahren nur als
letztes Mittel ansehen.
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7

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�19. Beide Parteien s o l l t e n zu allen Zeiten die Rechte der Oeffentlichkeit respektieren.
b) fuer den Arbeltgeber.
1. Gleich zu Anfang sollten sich die Arbeitgeber vergewissern, dass die Arbeiterfuehrer wirklich die Vertreter der Arbeiter in der betreffenden verhandelnden
Gruppe sind.
2. Nehmen Sie keine Rechtsanwaelte als Unterhaendler, es sei denn, sie verfliegen ueber eine genaue Kenntnis der industriellen Beziehungen.
3. Beschraenken Sie Abmachungen mit der Gewerkschaft nicht allein auf
strittige Punkte, sondern beruecksichtigen Sie auch Dinge von allgemeinem Interesse.
4. Der Arbeitgeber sollte kleinere Konzessionen machen, die dazu dienen, das
"Gesicht zu wahren".
5. Laecherliche Forderungen sollten taktvoll auf ein Nebengleis geschoben
werden, anstatt sie laecherlich zu machen.
6. Der Arbeitgeber sollte die Vertreter der Arbeiterschaft und der Gewerkschaft
von den Faktoren und Bedingungen in Kenntnis setzen, die die Politik des Arbeitgebers bestimmen. •
7. Der Arbeitgeber sollte die Forderungen der Arbeitnehmer nicht ablehnen,
ehe er sie nicht ganz genau geprueft hat.
8. Benutzen Sie jede Gelegenheit, um
a) den Ausachusa weiter zu bilden,
b) dabei zu helfen, einseitige Einstellungen oder orurteile blosszulegen,
c) zu zeigen, wie festgelegte Methoden der Firma gewisse Aktionen notwendig machen,
d) irgendwelche Beschwerden, die mit den Verhandlungen Im Zusanmenhang
stehen oder nicht, und die sich erweisen sollten, auszugleichen.
9» Beenden Sie die Verhandlungen auf freundschaftlicher Basis. Schliessen Sie
nicht die Tuer fuer eine weitere Behandlung des Problems. Zeigen Sie den guten
Willen, zuzuhoeren, sobald sich neue Tatsachen zeigen.
10. Wenn eine Forderung abgewiesen werden muss, dann sollte der Arbeitgeber
den Vertretern der Gewerkschaft alle Gruende hierfuer bekanntgeben und ihnen dabei
helfen, den Arbeitern die Ansichten des Arbeitgebers nahezubringen.
11. Der Arbeitgeber muss einen weiten Gesichtskreis haben. Kr sollte der
Gewerkschaft dabei helfen, ihre Forderungen zu analysieren und ihre Aufrichtigkeit
und Korrektheit zu bestimmen.
12. Vergewissern Sie sich, dass sich der verhandelnde Ausschuss ueber den
ehrlichen Willen zur Loesung des Problems einig ist, und dass genuegend Gruende
vorliegen, um seinen Mitgliedern zu beweisen, dass die Loesung wirklich fair ist.,
c) fuer die Gewerkschaft»
1. Die Gewerkschaftsführer sollten keine sozialen Theorien in den Verhandlungsgang bringen, die geeignet sind, Streit zu stiften,
III. Anzuwendende Methoden und Maasnahmen in der Durchfuehrung
des Abkommens
a) fuer Gewerkschaft und Arbeitgeber»
1. Beide Seiten sollten sich ehrlich bemuehen, danach zu streben, dass der
Apparat des Kollektiwerfahrens reibungslos laeuft. Dies erfordert eine tolerante
Haltung, einen Geist der Anpassung, guten Willen und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
2. Der vorgeschriebene 7/eg in der Behandlung von Beschwerden muss eingehalten
werden. Als dienliche Methode wird es angesehen, wenn
a. jedermann ueber sein Funktionieren im Bilde ist,
b. alle Beschwerden sofort behandelt werden,
-

3

-

�c. die Beschwerden schriftlich eingereicht und die Punkte genannt

werden,

worueber sich beide Seiten einig sind,
d. Versammlungen der Beschwerdeausschuesse abgehalten werden,
a. darauf geachtet wird, dass in der Taetlgkeit der AufSichtsbeamten und
Meister (Vorarbeiter) kein Leerlauf entsteht, da sonst die Arbeitsmoral
zerstoert wird,
f. wenn vermieden wird, dass das Beschwerdeverfahren mit Angelegenheiten in
Zusammenhang gebracht wird, die in Wirklichkeit garkeine Beschwerden sind.
3. 'Venn die Konferenzen bei Beschwerdefaellen in eine Sackgasse geraten ist,
dann sollte die Angelegenheit einem Schiedsverfahren ueberantwortet werden.

Die

Schiedsmaenner sollten mit groesster Sorgfalt ausgewaehlt werden.
4. Beide Parteien sollten sich vergewissern,, dass jede Verpflichtung auch
peinlichst genau erfuellt wird.

Die Anwendung eines entsprechenden Verfahrens,

das die Garantie bietet, dass dies auch durchgefuehrt wird, ist empfehlenswert.
b) fuer den Arbeitgeber»
1. Der Arbeitgeber sollte immer fuer Konferenzen zur Stelle sein, die mit den
Vertretern der Arbeiter abgenalten werden, so dass er von irgendwelchen Aenderungen
in der Haltung der Arbeitnehmer und von ihren Problemen erfaehrt.
2. Der Arbeitgeber muss darauf achten, dass die Geister (Vorarbeiter) und
Aufsichtsbeamton die Bedingungen des Abkommens erfasst haben und sie durchfuehren.
3. Der Arbeitgeber sollte nicht die Taetigkeit der Gewerkschaftsvertreter
durch Leerlauf behindern oder die Autoritaet der Gewerkschaft untergraben.

Ir-

gendwelche Massnahmen oder Methoden bzw. vorgeschlagene Programme, die die Arbeiter
angehen, sollten mit den Gewerkschaftsvertretern durchgesprochen werden, bevor sie
in Kraft treten.
4. Der Arbeitgeber sollte es anerkennen, wenn die Gewerkschaften ihre Arbeit
leisten, wo immer dies die Verhaeltnisse gestatten.
5. Der Arbeitgeber sollte ein patriarchalisches Verhaeltnis vermeiden und
danach streben, die Gewerkschaftsvertreter und die Arbeitnehmer als seinesgleichen
betrachten.
6. Vieles an einsehraenkenden Massnahmen und Methoden und das, was als unvernuenftige Forderung seitens der Gewerkschaft erscheinen mag, wird verschwinden,
wenn der Arbeitgeber danach strebt, seinen Arbeitern eine regulaere Beschaeftigung
zu bieten.
7. Der Arbeitgeber sollte angemessene Personalakten einrichten.
c) fuer die Gewerkschaft!
1. Die Gewerkschaft sollte darauf achten, dass ihre l'itglieder die Bedingungen
des Abkommens verstanden haben.
2. Die Gewerkschaft sollte die Verantwortung dafuer uebernehmen, dass sich
ihre Mitglieder nach den Bedingungen des Abkommens richten.
3. Die Gewerkschaftsvertreter sollten fuer Konferenzen zur Verfuegung stehen,
sobald dies vom Arbeitgeber gewuenscht wird.
"Advances Management" Juni 1949
ENGLISCHE BEV0ELKERI3NGSPR0BLEME
Vor kurzem hat die Koenigliche Kommission fuer Bevoelkerungsfragen einen Bericht herausgegeben, in dem von einigen ernsten Problemen in bezug auf die Beschaeftigung aelterer Arbeiter in Grossbritannien die Rede ist.

Folgende Stellung-

nahme zu diesem Bericht erschien in "Labour", der offiziellen Zeitschrift des
Britischen Gewerkschsftsbundes (TÜC).

�"Im Jahre 1978 wird das Britische Schatzamt mehr als zweimal soviel Pensionen
zu bezahlen haben als im Jahre 1%8, wenn der augenblickliche Bevoelkerungsstiud
wie jetzt bestehen bleibt. Seit 1871 ist das Varhaeltnis der Bevoelkerung im
Alter von ueber 65 Jahre von 1;25 auf 1«10 gestiegen.
"Das bedeutet, dass im Laufe der naechsten 30 Jahre immer weniger Junge
Maenner in Arbeit stehen werden - das koennte moeglicherweise die wirtschaftliche
Kraft der Allgemeinheit bedrohen, die in hohem Masse von der Energie, der Initiative und dem Unternehmungsgeist ihrer jungen Maenner abhaengt.
"Allerdings, meint die Kbenigliche Kommission fuer Bevoelkerungsfragen,
koennte man diesen zu erwartenden Verlust dadurch ausgleichen, in dem man fuer
den aelteren Menschen in der Industrie bessere Verwendung findet. Sie vertritt
die Meinung, dass "gute Gruende zu der Hoffnung bestehen, dass sich der Gesundheits- und Eignungszustand im Alter heben werden und dass sich somit die Zahl
derer erhoehen duerfte, die willens und faehig dazu sind, die Arbeit fortzusetzen.
Die Aussichten fuer die Jugend
"Hierbei besteht jedoch noch ein Hindernis. Wenn das Alter, in der man sich
zur Ruhe setzt, auf 68 oder 70 Jahre heraufgesetzt wird, dann waere das Ergebnis
eine langsamere Aufstiegsmoeglichkeit. Und dies wuerde "ein starkes Gefuehl
dafuer erzeugen, dass daa Unternehmen zum Fehlschlag verurteilt ist." Der T.U.C.
bringt die Ansicht zum Ausdruck, dass fuer diejenigen, die noch nach Erreichung
des normalen Rühestandaalters weiter arbeiten, irgendwelche Moeglicbkeiten geschaffen werden muessten. Er hat zu verstehen gegeben, dass viel Unzufriedenheit, die
aus getaeuschtem Ehrgeiz entsteht, vermieden werden koennte, wenn man aeltere
Maenner in verschiedenen Positionen oder Berufen unterbringt.
"In sehnlichem Sinne hat die Kommission selber empfohlen, dass aeltere
Arbeiter beratende Stellen uebernehmen sollten und auch weniger verantwortungsvolle Posten innehaben sollen. Juengere Maenner eines bestimmten Alters
koennten dann befoerdert werden, so dass man ihnen weder die Stellungen versagt,
die ihrer Faehigkeiten wuerdig sind, hoch ihnen die Moegliohkeit nimmt, die Erfahrung der Fuehrerschaft fuer das spaetere Leben zu sammeln.
Ansteigen des Durchschnittsalters
"Die Kommission hebt besonders hervor, dass "die Allgemeinheit vollen Nutzen
aus dem abnehmenden Reservoir an Jugendlichen ziehen sollte". Eine allgemeine
Schlussfolgerung des Berichts besteht darin, dass wir dafuer dankbar sein sollten,
dass kein weiteres grosses Anwachsen der Bevoelkerung moeglich ist. Diese Ansicht
sei durch die Ungewissheit unserer Zeit eingegeben, besonders im Hinblick auf die
Lebensmittel Versorgung der ?Telt und die Verhaeltnisse im Export- Grossbritanniens.
"Der Bericht weist jedoch darauf hin, dass in den naechsten 30 Jahren die
Bevoelkerungsziffer leicht steigen und ihren Hoechststand im Jahre 1977 erreichen
wird, vorausgesetzt, dass die durchschnittliche Kopfzahl der Familie so bleibt,
wie sie vor dem letzten Kriege war. Danach wird sich ein Absinken bemerkbar
machen. Bei dieser Tendenz wird das Durchschnittsalter ansteigen. Wenn es jetzt
35,4 Jahre betraegt, so wird es im Jahre 1977 wenigstens 38 sein, und wird sogar
noch steigen, wenn die Zukunft entweder ein betraechtliches Absinken der Familienkopfzahl mit sich bringt oder die Sterbeziffer fuer die aelteren Gruppen der Bevoelkerung stark absinkt."
"Labour" Juli 1%9
DIE LAGE DER ARBEITERSCHAFT IN JAPAN
Nachstehend zitieren wir einige Punkte aus einer Rede, die ehester W. Hepler,
der Leiter der Abteilung fuer Arbeitsfragen bei der Alliierten Militaerregierung
-

10 -

�in Japan, auf der 32.Konferenz der Internationalen Organisation fuer Arbeitsfragen
(ILO) gehalten h a t . Er gab eine Beschreibung ueber das Fehlen einer freien Gewerkschaftsbewegung in Japan wahrend der Zeit des Kaiserreichs. Im Laufe der Beaatzungszeit i s t die Mitgliederschaft in den Gewerkschaften von 5.300 im Oktober 1945
auf insgesamt 6.910.000 im Juni 1949 angewachsen.
Eine Anzahl guter Arbeitsgesetzte i s t erlassen worden. Verschiedene u n l i e b same Verhaeltnisse, die vordem bestanden, sind abgeaendert worden. Ein starkes
Arbeitsministerium wurde geschaffen. Obwohl die Arbeiterbewegung in Japan von
denselben t o t a l i t a e r e n Einflueasen, wie sie sich i n anderen Laendern zeigen, b e droht wird, sind die Aussichten, wie Hepler angibt, fuer eine starke demokratische
Gewerkschaftsorganisation in diesem Lande guenstig. Er erwaehnite in diesem Zusammenhang gewisse Verbesserungen, die wir hier anfuehren.Abschaffung der Arbeitsherren
"Zu Beginn der Besetzung Japans standen nahezu 2 | Million Arbeiter von einer
I n d u s t r i e a r b e i t e r s c h a f t -ron 14 Millionen unter der Kontrolle der "Arbeitsherren"«
es handelt sich h i e r b e i um eine Beschaeftigungsabkommen, das man allgemein in ganz
Asien a l s "Kuli-System" bezeichnet.
Im P r i n z i p schlug fuer diese boesartige Form der Ausbeutung die l e t a t e Stunde,
a l s d i e neue japanische Verfassung angenommen wurde, die insbesondere jedem Buerger
das Recht z u b i l l i g t e , sich nach eigenem Gutduenken eine Beschaeftigung zu suchen
oder s i e zu wechseln. Im Arbeltsnormen-Gesetz i s t eine Verfuegung enthalten, die
unmittelbare Ausbeutung v e r b i e t e t , und im November 1947 e r l i e s s der Reichstag durch
Annahme weiterhin eine verfassungsmaessige Verordnung zum BeschaeftigungsSicherheitsgesetz, wodurch die Ausnutzung von .Arbeitskraeften nach einem Kontrakt seitens jeder
Person, Organisation oder S t e l l e , In der Regierung oder in der Verwaltung, verboten
ist.
"Die "Arbeitsherren", die weiterhin so grossen Nutzen aus der Fortfuehrung
dieses Systems ziehen, wollen jedoch ohne Kampf nicht aufgeben« das Arbeitsministerium aber, das d i e Verantwortung fuer die Dur chfuehrung des Gesetzes hat, hat das
Problem energisch angepackt. Dieses System i s t n i c h t nur fuer d i e Arbeiter ungerecht und unmenschlich, sondern auch fuer die moderne Industrie der V.'elt v e r a l t e t
und unwirksam. In Japan i s t es zu einem baldigen Ende v e r u r t e i l t . Bis zum Maerz
dieses Jahres sind 800.000 -von schaetzungsweise 2^ Millionen Arbeitern der Kontrolle
s e i t e n s der "Herren" entzogen worden, wobei beruecksichtigt werden muss, dass weit e r h i n monatlich 40.000 Arbeiter von Ihnen unabhaengig werden.
Abschaffung der erzwungenen Rekrutierung
"Ebenso wurden grosse F o r t s e h r i t t e dabei e r z i e l t , junge Maedchen und Burschen
in den laendlichen Gebieten von d e r Methode der erzwungenen Rekrutierung f r e i z u machen, wie sie vor dem Kriege besonders i n der T e x t i l i n d u s t r i e gang und gaebe war.
Die Anwerbungspraktiken stehen heute unter der Kontrolle des Arbeitsministeriums,
und in staendig steigendem Masse werden die T e x t i l a r b e i t e r heute durch die oeff entlichen Stellenvermittlungen untergebracht.
Schutz der Frauen und Mjnderjaehrigen
"Nach der Beendigung des Krieges wurden s i c h hervorragende japanische Frauen
darueber k l a r , dass der t r a d i t i o n e l l niedrige Stand der japanischen Frauen es o r f o r d e r t e , dass bei der japanischen Regierung eine S t e l l e geschaffen wird, die
i h r e ganze Aufmerksamkeit und Energie der sozialen, wirtschaftlichen und g e s e t z l i c h e n Stellung der Frauen widmet und eine Misbeutung der Kinder verhindert, AUS
dieser Erkenntnis heraus wurde das Amt fuer Frauen und Binder ja ehrige bem A r b e i t s ministerium gegruendet.
"Dieses Amt zeichnet verantwortlich fuer die Einfuehrung, die Ueberprüfung und
die Auslegung der Bestimmungen des Arbeitsnormen-Gesetzes in bezug auf Frauen und
- 11 -

�Kinder und beraet das Amt fuer Arbeitsnormen bei der Durchfuehrung dieser Bestimmuagen. Das Amt i s t auch verantwortlich fuer die Verbindungsarbeit und Zusammenarbeit
mit anderen japanischen Dienststellen, um die F o r t s c h r i t t l i c h k e i t a l l e r Frauen und
die Gesundheit und das Wohlbefinden der Kinder zu foerdern.
"Dieses Amt h a t auf seinem Taetigkeitsgebiet v i e l g e l e i s t e t . Dadurch dass es
seine Taetigkeit in den Dienst der Sache der Frauen und Kinder g e s t e l l t h a t , hat
sich das Amt die Hochachtung und die Unterstuetzung der japanischen Frauen in a l l e n
Lebenslagen errungen. Dies kam ganz besondersndurch die Art und ' e i s e aum Ausdruck,
in der sich vor kurzem d i e Frauen zur Unterstuetzung des Amts zusammentaten, als
seine Existenz durch ümorganisation in der Verwaltung bedroht war. Die am meisten
e r n i e d r i g t e Klasse in der japanischen Arbeiterschaft hat j e t z t einen Vorkaempfer,
und die Frauen und Kinder der Nation sind nunmehr auf dem V,Tege, eine Stellung einzunehmen, die sich mit der der maennlichen erwachsenen Arbeiter vergleichen l a e s s t .
Fuer Japan i s t dies i n der Tat eine bemerkenswerte Entwicklung".
"Privatmeldung ".
-

Lianpower Division
0LIGU3, APO 742

QMCUS, ? - 4 j B |

IAKB, Au«. *»?, 1 K

12

-

OFFICIO

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Aaszage aus der amerikanischen ftisii und anderen Qnellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschalen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschrlnkt Gebrauch gemacht werden.
Weiter« Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Aal Wunsch werden diese mach einzelnen Interessenten direkt durch die Poet zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierang der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 25

Berlin, 12. August 1&amp;9

Die Manpower Division der Ü.S. «ülitaerregierung i s t im Begriff, von Berlin
nach Frankfurt ueberzusiedeln. Bis neue Vorkehrungen getroffen werden koennen, die
"Internationalen Arbeitsmitteilungen" drucken zu lassen, werden die einzelnen Veroeffentlichungen in unregelmaessigen Abstaenden erscheinen.
Ausserdem muss eine Entscheidung darueber getroffen werden, ob sich die Veroeffentllchungen auch weiterhin als zweckdienlich erweisen. Wir wuerden es begruessen,
wenn unsere Leser zu dieser Frage Stellung nehmen wuerden. Besteht noch genuegend
Interesse daran, dass die Veroeffentliohung der "Internationalen Arbeitsmitteilungen"
fortgesetzt wird. Unsere Leser werden gebeten, Ihre Meinung zu richten a n : Manpower Division - OMGÜS. APO 757. Ü.S. Army
INHALTSVERZEICHNIS
Beendigung des Kohlenstreiks in Australien
1
Sicherung des Friedens
2
Stimmen zu Arbeiterfragen - —
2
Streik der kanadischen Seeleute
3
Russische Trinksprueche
5
Antrag auf Ausschluss kommunistischer Gewerkschaften
aus der CIO
6
Der Aufbau der neuen Internationale
6
Eroeffnung einer Rundfunkstation durch eine Gewerkschaft 8
Was die Arbeitslosigkeit kostet
10
üurchfuehrung der Verlagerung von Arbeitskraeften
11
BEENDIGUNG DES KOHLENSTRSIKS IN /PSTRALIEN
Aus einem Bericht der Associated Press aus Sidney, Australien, vom 11. August
geht hervor, dass der Streik der Kohlenarbeiter, der am 27. Juni begann, sein Ende
gefunden hat. Dieser Streik war von groesster Bedeutung fuer das Land, weil es hierbei um die Frage ging, ob die Kommunisten die Gewerkschaft der Kohlenarbeiter koni trollleren wuerden oder nicht. Die kommunistischen Fuehrer in der Bergarbeitergewerkschaft haben verloren. Dies i s t nun schon die zweite Niederlage, die die Kommunisten
in der Arbeiterschaft Australiens innerhalb eines Jahres e r l i t t e n haben. Die erste
[Niederlage hatten s i e zu verzeichnen, als s i e den Versuch unternahmen, die Kontrolle
ueber das Transportwesen an sich zu r e i s s e n . Obwohl zu der Zeit, a l s der Streik
seinen Hoehepunkt erreicht hatte, nicht mehr als 20-000 Bergarbeiter davon betroffen
wurden, hatte doch die Stillegung der Bergwerke die zweitweilige Beschaeftigungsloslgk e i t von etwa 600.000 Industriearbeitern im Gefolge. Die Streikenden hatten eine 35Stundenwoche s t a t t der bis jetzt eingeführten üf5-Stundenwoche gefordert. Ausserdem
verlangten sie eine Lohnerhoehung von 15». Jetzt gehen die Bergarbeiter wieder an
ihre Arbeitsplaetze zurueck; ueber ihre Forderungen wird noch beraten.
-

1

-

�SICHERING DBS FRIEDENS
"Die Auslandspolitik jeder Regierung ist wertlos, solange diese keine Macht
hat, sie auch durchzusetzen. AI« Sowjet-Russland sein Veto gegen die Schaffung
einer internationalen Militaerpolizei einlegte, hat es mit Vorbedacht die Kraft
der Vereinten Nationen lahmgelegt. Bis jetzt ist es noch keiner Regierung gelungen, Cresetz und Ordnung einzig und allein durch moralische Beeinflussung des Volkes
aufrechtzuerhalten. Falls eine Regierung dies versuchen wuerde, wuerde sie Insbesondere dann einen Fehlschlag erleiden,wenn sie es mit einem Volk zu tun hat,
dem das Wesen und die Selbstzucht des Freiheitsbegriffes fremd ist; wenn es sich
dann noch um eine Bevoelkerung handelt, die infolge Abschaffung der Religion jedes
sittliche Verantwortungsgefuehl yerloren hat, dann kann nichts diese Regierung vor
einem katastrophalen Misserfolg bewahren.
Mit unermuedlicher Ausdauer versuchen es die Vereinten Nationen, zu einem
grundsaetzlichen Einverstaendnis zu kommen, das dann auch einheitlich durchgefuehrt werden sollte. Stattdessen sind sie zu einer Propagandabuehne und zu
einem Hemmschuh fuer Voelker geworden, die versuchen, sich von den Fesseln der
Tyrannei zu befreien.
Die letzten vier Jahre haben alle Nationen gelehrt, dass die Kommunisten
weder guten Willens sind, noch mit anderen ernstlich zusammenarbeiten wollen.
Sie ergreifen vielmehr jeden Vorwand, um herrschen und diktieren zu koennen.
Darum haben sich die westlichen Demokratien zu einem Buendnis, dem Atlantikpakt,,
zusammengeschlossen, einem Schotzbuendnis zur Sicherung des Friedens,
Wir haben die Notwendigkeit, Flaene fuer gemeinsame Aktionen zu machen, um
die Angriffslust im Keime zu ersticken, eingesehen. Wir haben einen Pakt in Rio
mit den Staaten von Zentral- und Suedamerika im Interesse des Friedens derswestliehen Heraiaphaere geschlossen. Was den Atlantikpakt anbelangt, so muessen wir
die Signatarmaechte bei der Aufruestung unterstuetzen, denn kein Friedensprograita
ist wirksam, wenn seine Urheber nicht in der Lage sind, den Frieden zu erzwingen
und Angreifer in ihre Schranken zu verweisen.
Der Fakt muss durch Massnahmen ergaenzt werden, die es den Signa tarmae cht an
moeglich machen, Angreifer gemeinsam abzuwehren. Auf diese Weise koennen alle
verteidigt werden. Der Atlantikpakt stellt sine endgueltige Abkehr von der
traditionellen amerikanischen Politik dar, so wie sie seit George Washingtons
Zeiten gepflegt wurde. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, in der Demokratien
zum Schutz ihrer Freiheit zusammenstehen muessen. Wir werden uns nicht in die
Machenschaften irgendeines Landes oder die inneren Angelegenheiten von Paktmitgliedern verwickeln lassen, aber wir sind bereit, im allgemeinen Interesse der
freien Voelker Opfer zu bringen."
William Green, Praesident der American Föderation of Labor
STIMMEN ZU ARBEITERFRAGEN
"Die Einstellung des amerikanischen Gewerkschaf talers zur politischen Betaetigung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend geaendert. Seit
1930 ist er mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangt, dass unmittelbare politische Betaetigung ein zusaetzlicb.es Mittel ist, die Ideale und Ziele der gewerkschaftlichen Bewegung durchzufuehren und zu verwirklichen. Politische Diskussionen innerhalb der Arbeiterschaft und die allgemeine Erkenntnis der Tatsache,
dass unbestreitbar in ihr die Tendenz besteht, bei den Wahlen die Parteizugehoerlgkeit unter den Tisch fallen zu lassen, fuehrt uns unvermeidlich zu der Frage;

-

2 -

�Wir wird sich die Zukunft gestalten. Bis jetzt glaube ich nicht daran, dass die
Mitglieder der American Federatlon of Labor im allgemeinen das Verlangen nach einer
von diesem Verband aufgezogenen politischen Partei verspueren. Ich habe jedoch
nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Arbeiterschaft genau so weit gehen
wird, wie die Zeitgeschehnisse und die jeweiligen Umstaende es notwendig machen,
um unser fundamentales Ziel zu erreichen, naemlich den Lebensstandard der Arbeiter
dieses Landes zu schuetzen, zu erhalten und zu.erhoehen.
George Meany, Sekretaer-Schatzmeister, A.F. of L.
"Genau so wie der Faschismus ist der Kommunismus eine aeusserst ansteckende,
ja eine toedliche Krankheit. Sie wird den nicht-kommunistischen Staaten durch
Spione und Saboteure eingeimpft. Ihre Bazillen werden durch Dutzende von Organisatoren mit schoen klingenden Namen uebertragen. Die Kampfmittel des Kommunismus
sind entweder heimliche Verleumdung oder der Donner der Roten Armee. Da dieses
totalitaere Regime wie alle anderen seiner Art darauf besteht, die uebrige Welt
mit seiner eigenartigen Krankheit anzustecken, ist der Kommunismus nicht ein
russisches sondern ein Weltproblem. Um unsere Gesundheit wie auch unsere Freiheit
zu erhalten, sind wir gezwungen, den Kommunismus in Quarantaene zu nehmen. Und
das bedeutet mehr als der Ausbreitung des russischen Reichs geographische Grenzen
zu ziehen. Wir muessen den Kommunisten unter uns den Deckmantel des friedlichen
Buergers abreissen, und wir muessen uns weigern, ihnen auch nur im geringsten beizupflichten. Wir muessen, um demokratisches Denken zu schützen und zu staerken,
positive Schritte unternehmen. Die Demokratie muessen wir wirtschaftlich untermauern und sie mit geistiger Widerstandskraft ausstatten. Wir muessen die demokratischen Staaten in materieller und militaerischer Hinsicht unterstuetzen, damit
sie entweder imstande sind, sich gegen einen Angriff der Sowjets zu verteidigen
oder aber deren etwaige Angriffslust im Keime zu ersticken. Schliesslich muessen
wir, um die Idee der Demokratie in der ganzen Welt zu staerken, mit gutem Beispiel
vorangehen, indem wir die schwarzen Schafe aus unseren eigenen Reihen entfernen."
David Dubinsky, Praesident der International Ladies' Garnent Workers Union
"Wor immer die Kommunisten zur Macht kommen, lehnen sie die parlamentarischen
Gebraeuche der Demokratien ab. Wenn sie aus einer Wahl siegreich hervorgehen,
dann weichen sie nicht mehr zurueck. Es entspricht demokratischer Gepflogenheit,
dass eine politische Partei die Fuehrung nur solange behaelt, wie sie von ihren
Waehlern gestuetzt wird. Der Kommunismus ist nicht so duldsam. Bei ihm gibt es
keine Anpassung und keinen Kompromiss. *g hat nur das eine Ziel - die Staatsgewalt in die Haende einer kleinen Clique zu spielen. Daran hat er immer unweigerlich
festgehalten. Nur in der Methode, wie diesem Ziel naeher zu kommen ist, hat e^
sich zu Kompromissen herbeigelassen."
William 0. Douglas, Bundesrichter des Obersten
Gerichtshofes der Vereinigten Staaten.
American Federationist, Juni 19A9
STREIK DER KANADISCHEN SEELEUTE
In einer Zeit, in der von den freien Gewerkschaften in der ganzen Welt Schritte
l unternommen werden, einen neuen internationalen Gewerkschaftsbund ins Leben zu
I rufen, werden wir in den verschiedenen Laendern mit einem langandauernden und erbitterten Ringen zwischen den freien und den kommunistisch beherrschten Gewerkschaften zu rechnen haben. Der Streik der Kanadischen Gewerkschaft der Seeleute, einer
linksgerichteten Organisation, die bereits Streiks in anderen Laendern veranlasst
hat, ist wahrscheinlich nur der Beginn von Auseinandersetzungen im Lager der
Arbeiterschaft."

-

3 -

�Wie bereits hinlaenglich bekannt, fuehrte der Streik der englischen Dockarbeiter
zur Verkuendung des nationalen Notstandes. Die Kommunisten in der britischen Gewerkschaftsbewegung taten a l l e s , um ihre Genossen in Kanada zu unterstuetzen, und in
dem vor kurzem stattgefundenen Streik franzoesischer Dockarbeiter wandten sich diese
gegen die Anti-kommunistische Besatzung kanadischer Schiffe. Da der Streik wahrscheinlich einmal von historischer Bedeutung sein wird, s o l l t e der folgende Bericht
des Arbeitsministeriums der Vereinigten Staaten fuer die deutschen Gewerkschaftler
von Interesse sein.
Wie der Streik begann
Am 31. Maerz 1949 r i e f die dem Kanadischen Gewerkschaftsvorband (Trades and
Labor Gongress of Canada (CIO)) angeschlossene Kanadische Gewerkschaft der Seeleute
(CSU) zum Streik gegen die Kanadischen Reedereien (Shipping Föderation of Canada)
und den Verband der Hochsee-Schiffsbesitzer (Shipowners1 Association (Deep Sea))
von British Columbien auf. Im Verlauf dieses Streiks kam es zu Gewalttaetlgkeiten
im eigenen Land und zu groesseren Unruhen in auslaendischen Haefen.
Die Unterzeichnung eines Abkommens der Schiffahrtsgesellsohaften mit der
Internationalen Gewerkschaft der Seeleute (Seafarers' International Union ( S . I . U . ) die l e t z t e r e handelte als Unterhaendler zwischen Reedern und Seeleuten - gab das
Signal zum Streik. Auf die Anerkennung dieser Konkurrenz-Gewerkschaft seitens der
Reeder folgte die Weigerung der Kanadischen Gewerkschaft der Seeleute (CSU), den im
Februar von dem Bundes-Schllchtungsausschuss g e f s e i l t e n Schiedsspruch als verbindlich anzuerkennen. Verhandlungen ueber eine Erneuerung des Abkommens zwischen
den Reedern und der CSU laufen bereits s e i t dem 15 Oktober 1948.
Die Seeleute forderten: 1. 15£ige Lohnerhoehung; 2. verbesserte Arbeitsverhaeltnisse* 3 . Unterlassung des von den Reedern angeblich geuebten Brauches,
immer mehr Schiffe unter der Flagge Panamas oder Honduras fahren zu lassen, um
dadurch die Vorschriften der kanadischen Arbeitsgesetze zu umgehen; 4 . Verbot
kanadische Schiffsbesatzungen in auslaendischen Haefen durch fremde Seeleute zu ersetzen.
Die Reeder verlangten u.a.* 1. Herabsetzung der Loehne um $ 20.— bis $ 40.00
monatlich; 2. Aufhoeren der angeblichen Gepflogenheit, weniger a l s 8 Stunden fuer
8-Stunden-Lohn zu arbeiten; 3. Einsetzung einer anti-kommunistischen Klausel
in den neuen Tarifvertrag und 4. Abschaffung der Inanspruchnahme der den Gewerkschaften unterstehenden Heuerbueros.
Der Schi ich tungsausschuss hob zwar die vorgeschriebene Inanspruchnahme der
gewerkschaftlichen Heueruhgsbueros auf, kuerzte jedoch die Loehne nicht. Die
Reeder nahmen am 28. Februar die Vorsehlaege des Schlichtungsausschusses an; von
der CSU wurden s i e Jedoch am 28. Maerz verworfen. Obwohl der Gewerkschaftsvertreter im Ausschuss dem Schiedsprueh zugestimmt hatte, war der Gewerkschafts-vorstand nicht damit einverstanden und versuchte, andere Bedingungen auszuhandeln.
Um die Annahme ihrer Forderungen zu erzwingen, ging die Schiffsbesatzung in den
"Sitzstreik", a l s ihre Schiffe im Hafen von Halifax ankamen. Der erste derartige
Streik ereignete sich am 21. Maerz 1949 auf der "Lady Rodney", einem Schiff der
Canadian National Steamships, Ltd.
Einfluss des Streiks auf andere Gewerkschaften
Der Besitzer der "Lady Rodney" erlangte eine einstweilige Verfuegung, derzufolge die Besatzung das Schiff verlassen musste, und trat mit der* Internationalen
Gewerkschaft der Seeleute (SIU) wegen einer Bemannung der Schiff* in Unterhandlung.
Um zu verhindern, dass Seeleute, die nicht der CSU angehoerten, angeheuert wurden,
r i e f die CSU am 31. Maerz 1949 zu einem allgemeinen Streik im Schiffahrtsgewerbe
auf.

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4

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�Etwa 300 Mitglieder der SIU gingen unter dem Schutz von Polizisten der kanadischen Bahnpolizei durch die CSU-Streikpostenkette, um die "Lady Rodney" und zwei
andere Schiffe der Kanadischen Schiffahrtslinie zu bemannen. Sieben CSU-Mitglieder
mussten ins Krankenhaus wegen Verletzungen, die s i e in dem dreistuendigen Kampf
zwisohen SIU-Leuten auf den Schiffen und dem CSU-Personal der Docks e r l i t t e n hatten.
Das Handgemenge hoerte erst mit dem Abschleppen der Schiffe von den Docks auf.
Seitdem i s t der Zwist' zu einem Kompetenzstreit zwischen der SIU und der CSU,
die angeblich unter kommunistischer Fuehrung steht, geworden. Massgebliche Beamte
des Kanadischen Arbeitsministeriums und FunktJona ere der kanadischen Gewerkschaften
sind sich darueber einig, dass die CSU um ihren Fortbestand kaempf t . Nach Meldungen
von Anfang Mai kehren Seeleute, denen es an einer Wiederaufnahme der Arbeit gelegen
i s t , der streikenden Gewerkschaft den Ruecken und treten der SIU b e i .
Der S t r e i t beruehrte nicht nur die kanadische Arbeitspolitik, sondern auch
die anderen Laender. Arbeitgeber an der Ostkueste Kanadas wurden von dem Internationalen Hafenarbeiter-Bund (AFL) in Kenntnis gesetzt, dass seine Mitglieder Schiffe
weder laden noch entladen wuerden, deren Besatzung zur CSU gehoerten. An der Westkueste, wo Arbeitgeber ein frueheres Uebereinkoramen mit einer CSU-Gruppe erneuerten,
stehen die Hafenarbeiter (Mitglieder des Internationalen Hafen- und Lagerhausarbeiter-Bundes, (CIO) hinter der CSU.
Sympathie-Streiks
In mehreren auslaendiseben Haefen kam es zu S t r e i t f a e l l e n . In Australien
weigerten sich Mitglieder der CSU-Besatzung eines kanadischen Schiffes in See zu
stechen und wurden deshalb mit 1A Tagen Gefaengnis bestraft. Dockarbeiter, die mit
der CSU sympathisierten, traten auf mehreren britischen Docks in den Ausstand,
und kanadische Schiffe wurden in Frankreich, Norwegen und anderen Laendern bestreikt.
Veranlasst durch Vorkommnisse dieser Art forderte die Kanadische Regierung Unterstuetzung seitens der P o l i z e i , f a l l s die Reedereibesitzer sich zur Entfernung der
Besatzungen entschliessen s o l l t e n .
Das Arbeitsministerium lehnte eine Einmischung mit der Begruendung ab, dass
der Streik gesetzmaessig s e i und durch direkte Verhandlungen beigelegt werden muesse.
Kanadische Seeleute, die wegen Arbeitsstreitigkeiten ihre Schiffe in fremden Haefen
verliessen, wuerden sich einer Geeetzesuebertretung schuldig machen. Es versteht
sich, dass diese Erklaerung mit Ruecksieht auf den Schaden abgegeben wurden, den
das Ansehen der kanadischen Schiffahrt erleiden wuerde, wenn die Streikenden ihre
Sohiffe verlassen und in Verfahren fremder Gerichte verwickelt wuerden.
Eine weitere Erklaerung, die sich an die "Gewerkschaftler und andere interess i e r t e Mitbuerger" richtete, wurde von dem Arbeitsminister in Ottawa am l6.Mai 1%9
zum Zwecke einer wahrheitsgetreuen Darstellung der wirklichen Begebenheiten des
S t r e i t e s veroeffentlicht, da v i e l e der in der 0Öffentlichkeit erschienenen Berichte
"uebertrleben, irrefuehrend und falsch" waren.
Die Angaben ueber die Zahl der festliegenden Schiffe waren widersprechend.
Die CSU behauptete Anfang Mai, dass 60 Schiffe bestreikt wurden, die Reedereien
gaben zu, dass 15 Schiffe in ueber seeischen Haefen festlagen.
Labor Abroad, Mai 1949
RUSSISCHE TRINKSPRUECHE
[
James B. Carey, Sekretaer und Schatzmeister der CIO, erzaehlt die folgende
Geschichte. Er war nach Russland gekommen, um zu versuchen, die russischen Gewerkschaften zu einer Unterstuetzung des Marshallplanes zu bewegen. Obgleich
seine Mission erfolglos war, waren die Beziehungen zwischen ihm undden Russen
herzlich. Es fand ein Bankett s t a t t , und bei einem russischen Bankett gibt es
Immer v i e l Trinksprueche und Wodka.
"Da a l l e drei Minuten ein Trinkspruch ausgebracht wurde," erzrehlte Carey,
-

5

-

�"war es mir ganz unmoeglich, a l l den Wodka zu t r i n k e n . Ich goss daher meinen Teil
jedesmal in ein l e e r e s Wasserglas."
Als Wassili Kuznetsow, der Fuehrer der russischen Delegation, bemerkte, dass
Carey seinen Wodka nicht trank, wandte er sich unmittelbar an Carey und brachte
einen Trinkspruch a u s . Carey erhob sich mit dem Wasserglas in der Hand, in dem
sich acht "Lagen" Wodka befanden.
"Nein, nein, Carey, das i s t Ja Wasser", sagte Kuznetsow.
"Nein, nein, Wassili, es i s t Wodka," erwiderte Carey.
Darauf h a t t e der Vertreter der CIO eine glaenzende Idee. Er schob sein Wasserglas Kuznetsow zu und nahm dafuer dessen Glas.
Kuznetsow blieb f a s t d i e Luft weg, als er aus Careys "Wasser"-glas trank.
"Aber mir machte es nicht das geringste aus, sein Glas zu leeren, denn der
Kellner h a t t e es aus einer Wodkaflasche mit klarem Wasser g e f u e l l t , " sagte Carey.
Aus "CIO Mitteilungen", 1 3 . Juni 1%9
ANTRAG AUF AUSSCHLUSS KOMMUNISTISCHER GEWERKSCHAFTEN
AUS DER CIO
Auf der Tagung der der CIO angeschlossenen Automobilarbeitergewerkschaft in
Milwaukee am 12. J u l i s e t z t e ihre Vorsitzender, Walter Reuther, die Annahme einer
EntSchliessung durch, d i e der CIO nahelegte, a l l e kommunistisch beherrschten Gewerkschaften aus ihrem Verband auszuschliessen. Eine dieser angeblich kommunistische:!
Gewerkschaften i s t die United Farm Equipment Workers (Landmaschinenarbeitergewerkachaft), die von der CIO angewiesen worden war, sich mit der Automobilarbeitergewerkschaft zu verschmelzen. Die Landmaschinenarbeitergewerkschaft h a t t e dies abgelehnt. Daraufhin wurde von der Automobilarbeitergewerkschaft eine weitere Entschliessung angenommen, d i e den Ausschuss der widerspenstigen Gewerkschaft aus der
CIO verlangte. Ein w e i t e r e r von Reuther eingebrachter Antrag wurde von seiner
Gewerkschaft abgelehnt. Die Versammlung stimmte gegen einen Beschluss, der vorsah
dass die Automobilarbeitergewerkschaft ihre Verbandstagung a l l e zwei Jahre a n s t a t t
j ä h r l i c h abhalten s o l l t e .
Im Verlaufe der Tagung wurde bekanntgegeben, dass die Automobilarbeitergewerkschaft von jeder Gesellschaft, mit der sie Vertraege abgeschlossen hat, eine Aktie
erworben h a t . Der Grund hierfuer i s t , dass die Gewerkschaft a l s Aktieninhaber das
Recht hat, sich von jeder Gesellschaft genaue Auskunft ueber ihre f i n a n z i e l l e Lage
geben zu l a s s e n .
Aus "Stars and S t r i p e s " , 1 3 . J u l i 1&lt;&amp;9
DER AUFBAU DER NEUEN INTERNATIONALE
(Die Einstellung des b r i t i s c h e n Gewerkschaftskongresses (TUC) zu dem neuen
Internationalen Gewerkschaftsbund i s t in der nachfolgenden Erklaerung enthalten,
welche in der Monatszeitschrift "Labour", dem Organ der TUC, veroeff entl icht wurde.)
Die zum Monatsende in London anberaumte Zusammenkunft eines l6-koep figen Gremiums hat den Zweck, Entwuerfe einer Verfassung und eines Frogramnes aufzustellen.,
mit denen sich .eine verfassungsgebende Versammlung zu beschaeftigen haben wird.
Aufgabe der l e t z t e r e n wird es sein, einen Beschluss ueber die Gruendung einer
neuen Weltgewerkschaft zu fassen.
Es u n t e r l i e g t keinem Zweifel, dass ein d e r a r t i g e r Beschluss zustande kommen
wird, da die Notwendigkeit der Schaffung der Organisation k l a r auf der Hand liegt..
Lebenserfordernisse, zu deren Regelung die Gewerkschaften o r g a n i s i e r t werden muessen,
machen weder vor handwerklichen noch i n d u s t r i e l l e n Grenzen h a l t , noch lassen sie
sich auf ein einzelnes Staatsgebiet beschraenken. Wo man s i c h ueber den gemeinsamen
Zweck einer Idee geeinigt hat, i s t es n a t u e r l i c h , dass die Verfechter derselben den
Wunsch haben, nun auch gemeinsamen ueber die Mittel zu i h r e r Verwirklichung zu
beraten.

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6 -

�Leider l o l l t e es sich nur a l l z u bald h e r a u s s t e l l e n , dass die World Föderation
of Trade ünions (Weltgewerkschaftsbund) schon zu Beginn ihres kurzen Bestehens mehr
oder weniger unfaehig erschien, die geeigneten Methoden zu finden, um die bei ihrer
Gründung gesteckten Ziele zu erringen. In der Folgezeit verlor diese Organisation
ihre Lebenskraft uni z e r f i e l s c h l i e s s l i c h infolge der immer offensichtlicher werdenden Bestrebungen, sie zu einem weiteren Werkzeug des unter sowjetischem Einfluss
stehenden Kominform zu machen. Ebenso aber, wie d i e Natur keinen Leerraum duldet,
hat nunmehr der Fehlschlag der WFTU ein sichtbares Wiederaufleben der Bestrebungen
seitens der demokratisch-gesinnten Oewerkschaftler herbeigefuehrt.
Die Formulierung der Grundprinzipien
Dass in der Tat ein starkes und ernsthaftes Interesse an der Schaffung einer
faehigen Gewerkschaft-Internationale bestand, konnte man b e r e i t s zu Beginn der
zweitaegigen, am 25. Juni in Genf beginnenden Konferenz erkennen. An dieser bet e i l i g t e n sich V e r t r e t e r von U5 Millionen Arbeitern auf Einladung des b r i t i s c h e n
Gewerkschaftsbundes (TUC), der s e i n e r s e i t s im Einvernehmen mit europaeischen und
amerikanischen Gewerkschaftsorganisationen handelte. Ein Versuch war g e s c h e i t e r t ,
aber es f e h l t e nicht an Enthusiasmus, einen zweiten folgen zu lassen.
"Die Hauptziele der neuen Organisation lassen sich nach der Genfer Konferenz
wie folgt zusammenfassen: Herstellung enger Beziehungen zwischen den verschiedenen
freien und demokratischen Gewerkschaften der ganzen Welt; Unterstuetzung bei der
Gruendung und Weiterentwicklung von Gewerkschaftsorganisationen in s o z i a l und w i r t s c h a f t l i c h rueckstaendigen Laendern und s c h l i e s s l i c h Foerderung des Friedens gedankens. Den Kundgebungen auf der Konferenz zufolge s o l l der neue Verband danach
trachten, Fuehlung zu nehmen mit solchen internationalen Behoerden und privaten
Organisationen, welche die Ziele der internationalen Gewerkschaftsorganisation
dadurch foerdern, dass s i e sich fuer die Interessen der Voelker der ganzen Welt
und den Schutz der Menschenrechte einsetzen. Die neue Organisation s o l l sich
besonders mit den wirtschaftlichen, sozialen und k u l t u r e l l e n Belangen der Voelker
befassen, deren Laender vom Kriege verwuestet sind, und sie s o l l den w i r t s c h a f t lichen Wiederaufbau dieser Gebiete foerdern. Sie s o l l darauf hinwirken, den Arb e i t s p l a t z der Werktaetigen zu sichern und den Lebensstandard in der ganzen Welt
zu erhoehen, was vor allem durch die Entwicklung rueckstaendiger Gebiete und p o l i t i s c h unselbstaendiger Laender geschehen muss.
Die Konferenz ernannte eine 16 Kopf starke vorbereitende Kommission, die
damit beauftragt i s t , obige Grundprinzipien in einem vorlaeufigen Programm niederzulegen.
Praktische Arbeit
Ausser den Entwuerfen der Statuten fuer die neue Koerperschaft hat die Kommission die Aufgabe, eine Weltgewerkschafts-Konferenz einzuberufen, die ueber die Entwuerfe entscheiden wird. Endlich s o l l s i c h die Kommission ueber Vorschlaege
schluessig werden, wie mit' internationalen Gewerkschafts-Sekretariaten auf engste
Weise zusammengearbeitet werden kann.
Niemand wird sich einbilden, dass der vorbereitenden Kommission die Erfuellung
ihrer Aufgabe l e i c h t f a l l e n wird, noch dass von der e r s t e n Sitzung ab die neue
internationale Organisation ungehindert funktionieren kann. Es ist so, wie sich
l Vincent Tewson den Genfer Delegierten gegenueber aeusserte; 'Nicht nach dem Wortreichtum und dem ehrgeizigen Charakter der o f f i z i e l l e n Verlautbarungen, sondern nach
seinen Resultaten wird man den neuen Weltgewerkschaftsbund b e u r t e i l e n . "
Tewson fuehrte weiter aus; 'Beschluesse und Rundschreiben eines Generalsekret a e r s , der v i e l l e i c h t Tausende von Meilen e n t f e r n t i s t , genuegen nicht a l s A r b e i t s grundlage, ' Der Verband muesse in seinen Einrichtungen und seinem Aufbau.fest gefuegt sein, wobei es s i c h a l s notwendig erweisen koenne, den Verwaltungsapparat auf
-

7

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�regionaler Basis aufzubauen, um die nur dir oh praktische Arbelt zu loeseaden Aufgaben r i e s i g e r Laender bewaeltigen zu koennen.
Mr. Tewson machte die Delegierten darauf aufmerksam, dass ebenso wie die verschiedenen Gewerkschaftsverbaende der Welt verschiedene Sprachen spraecben, s i e
auch in ihrem Aufbau, ihren Ideen und praktischen Massnahmen voneinander abwichen.
Ein i n t e r n a t i o n a l e r Gewerkschaftsverband f r e i e r demokratischer Organisationen
duerfe die Selbstaendigkeit der ihm angeschlossenen Vereinigungen nicht antasten.
Die l e t z t e n muessten s i c h aber, in dem Bestreben auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten, gewissen Selbstbeschraenkungen unterwerfen. Aus nationalen Verschiedenheiten geborene Zwistigkeiten wuerden den Zusammenbruch der neuen GewerkschaftsI n t e r n a t i o n a l e ebenso sicher herbeifuehren wie den der frueheran.
Es s o l l t e nach den Erklaerungen Mr. Tewson's eine der Hauptaufgaben des neuen
Verbandes sein, solchen Gewerkschaften zu helfen, die unter schwierigen Verhaeltnissen zu a r b e i t e n haben, a n s t a t t diejenigen in ihrem Weiteraufbau zu unters tue taen,
welche schon eine gesicherte Stellung und Einfluss in ihren eigenen Laendern geniessen.
Die Wichtigkeit der bevorstehenden Aufgaben s o l l t e die neue Koerperschaft
nicht dazu verfuehren, unerfu eil bare Versprechungen zu machen. 'Man darf niemand
Sand in die Augen s t r e u e n ' . Die Vorschlaege, die wir machen, muessen vernuenftlg
und ausfuehrbar s e i n , sonst bedeuten s i e einen Verstoss gegen die Prinzipien von
Treu und Glauben, auf welchen eine d e r a r t i g e Organisation aufgebaut sein muss.'
FernervTiet Mr. Tewson, die i n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaft i n n e r l i c h so zu f e s t i g e n ,
dass s i e Angriffen der extremen Rechten oder Linken gewachsen sei* Hauptaufgabe
bleibe jedoch die konstruktive Arbeit und nicht das Halten einer Verteidigungsstellung.
Keine Vorzugsstellungen
Wie es auch Mr. Deakin forderte, s e i es e i n Hauptzweck der Organisation sich
mit dem Problem der i n d u s t r i e l l e n Gesundung zu befassen, die von groesstem Ein- .
f l u s s auf das Leben a l l e r Arbeiter s e i .
Seiner Ansicht nach s o l l t e das Verwaltungsorgan in den Westen Europas gelegt
werden, und auch bei ihm s o l l t e n die grossen und kleinen Mitglieaerorganisationen
ihrer Staerke gemaess v e r t r e t e n s e i n . 'Niemand darf d i k t i e r e n ' , e r k l a e r t e
Mr. Deakin. 'Die Herren, die in der WFTU Diktator spielen wollten, sind wir
gluecklich l o s . Wir brauchen keine Nachfolger fuer s i e . " In Bezug auf die Finanzen der Organisation muessten a l l e nach Massgabe ihrer Kraefte Beitraege l e i s t e n ,
wobei verhindert werden muesse, dass die grossen Organisationen mit Hilfe gef u e l l t e r Geldbeutel ihren Einfluss ausdehnten.
Unter Berücksichtigung a l l e r d i e s e r Punkte, l a e s s t s i c h a l l e i n schon aus den
festen internationalen Ueberlieferungen der b r i t i s c h e n Gewerkschaftler die Gewissh e i t h e r l e i t e n , dass der b r i t i s c h e Gewerkschaftskongress (TÜC) bereit i s t , der neuen
Organisation zu e i n e r einflussreichen Stellung auf internationalem Gebiet zu v e r h e l fen und s i e zu einem wirksamen Werkzeug fuer die Fortentwicklung a l l e r Voelker der
Erde werden zu l a s s e n . "
Labour, J u l i 1949
EROEFFNÜNG EINER RUNDFUNKSTATION DURCH
EINE GEWERKSCHAFT
&lt;

New York hat j e t z t den e r s t e n , den Werktaetigen gehoerenden und -ron ihnen gel e i t e t e n Rundfunksender. Der Sender wird allgemeinen oeffentlichen Interessen d i e nen. Zum Andenken an den verstorbenen Praesidenten Franklin Delano Roosevelt i s t
er nach ihm benannt. Der neue frequenz-modulierte Sender (FM) hat das Rufzeichen
WFDR, i s t Eigentum und s t e h t unter der ^eitung der Gewerkschaft der Konfekt ionsarbeiterinnen ( I n t e r n a t i o n a l Ladies Garment Workers Union - ILGWU).
- 8 -

�Mit der aus dru eck lieh en Erlaubnis von Mrs. KLeanor Roosevelt wurden die Rufbuchstaben der Station (WFDR) gleichlautend mit den Anfangsbuchstaben des Namens des
Fraesidenten gewaehlt, den der Vorsitzende der ILGWU, David Dubinsky, "Den grossen
Mann des amerikanischen Wiederaufbaus "nannte.
Die o f f i z i e l l e Uebergabe des Senders erfolgte am 16. Juni in einer zwei Stunden waehrenden eindrucksvollen Feier in der historischen New Yorker Carnegie Hall,
wo auch Mrs. Roosevelt die Einweihungsansprache h i e l t . Vor ihr im Scheinwerferlicht
stand die Bueste ihres verstorbenen Gatten.
WFDR i s t bereits der dritte FM Rundfunksender, der von der ILGWU errichtet
wurde* die beiden anderen befinden sich im Sueden und an der Westkueste. Die
Sender stehen im Dienst der Allgemeinheit. Gewinne wollen s i e nicht machen. Miss
Frieda Hennock, Mitglied der Bundeskommission fuer Fernmeldewesen, gab in ihrer
Rede bekannt, dass die Leitung des Senders sich dafuer verbuergt hat, dass sie
heoehstens die Haelf te der Sendezeit der geschaeftlichen Reklame entgeltlich zur
Verfuegung s t e l l e n , und dass der Dienst an der Allgemeinheit ihr hoechstes Ziel
sein werde. Sendezeit fuer r e l i g i o e s e Programme und solche polemischer Natur
wird umsonst abgegeben.
Von einer Bandaufnahme wurden die folgenden Begruessungsworte Praesldent
William Green1 s an die Anwesenden in der Carnegie Hall und an die Radiozuhoerersohaft uebertragen:
"Der Amerikaner i s t heute lebhaft an den Dingen interessiert, die in seiner
unmittelbaren Heimat, im ganzen Land und in der Welt vorgehen. Angesichts der
ernsten Aufgaben, die uns in unserem Lande und auf dem Gebiete der auswaertigen
Angelegeiheiten g e s t e l l t sind, verlangt es unser Volk nach zeitgemaesser Information.
Um zu einen unparteiischen Urteil ueber einen Vorgang zu kommen, w i l l es alle Ansichten hoeren, die sich auf ihn beziehen. Ich habe die Gewissheit, dass der
WFDR Sender diese Aufgabe in einer Weise erfuellen wird, die ihm die Bewunderung
a l l e r aufrichtigen Einwohner von New York eintragen wird."
Mr. Dubinsky's Rede wurde im Anschluss an eine Wiedergabe von Praesldent
Roosevelt 1 s beruehmter Ansprache;"Ich sehe vor mir e i n Amerika .1
" uebertragen.
In ihr sah.Roosevelt vor seinem geistigen Auge eine Nation, die eines Tages frei
von Furcht, f r e i von Not und den Unsicherheiten des Lebens sein wird. Nach dieser
Uebertragung sprach der Leiter der ILGWU:
"Die grosse historische Aufgabe, ein besseres Amerika und eine bessere Welt
aufzubauen» der Franklin D. Roosevelt sein Leben gewidmet hatte, i s t noch lange
nicht vollendet. Unaere Gewerkschaft i s t sich klar darueber, dass wir im Kongress
noch immer fuer den wahren Liberalismus kaempfen muessen, und dass wir noch manche
Schlacht auszufechten haben gegen die Reaktionaere a l l e r Schattierungen. Die Gefahr
eines wirtschaftlichen Zusammenbruchs i s t noch lange nicht b e s e i t i g t . Es gibt noch
immer Maenner in hohen oeffentlichen Aemtern, die glauben, dass der Arbeiter verwoehnt worden Ist durch ein Zuviel an Arbeitsmoeglichkeiten, Sicherheit, s o z i a l i sierter Medizin, Siedlungsbauten, Bildung, Freiheit und an Dingen, die der "gute
Onkel Sam" bieten kann."
Henry Morgenthau, Jr., der fruehere Finanzminister, h i e l t seine Einweihungsrede ueber den Rundfunk und erinnerte an Praesldent Roosevelt.'s "durch nichts zu
erschuetternden Vorsatz, Unternehmer und Arbeiterschaft immer wieder zusammen zu
bringen." Morgenthau sagte weiter; "Ich fuerchte, dass mit dem Fortscbreiten der
Zeit gar mancher die Bedeutung gegenseitiger Achtung und Zusammenarbeit vergessen
wird. Nur wenn Unternehmertum und Arbeiterschaft weiterhin ^and in Hand gehen,
koennen wir Arbeitslosigkeit vermeiden. Nur bei voller Besohaeftlgung und wenn
a l l e Produktionsmoeglichkeiten voll ausgenuetzt werden, kann Amerika stark bleiben.
Und nur ein starkes Amerika i s t imstande, den Frieden in der Welt zu erhalten. Nur

�ein s t a r k e s Amerika kann jene Kraefte ueberwinden, die es von innen und 'von aussen
her bedrohen.
American Föderation of Labor, Weekly News Service, 21. Juni 1949
WAS DIE ARBEITSLOSIGKEIT KOSTET
Das I n s t i t u t fuer oeffentliche Angelegenheiten, ein p r i v a t e s amerikanisches
Forschungsinstitut, wies kuerzlich auf die hohen Kosten hin, d i e durch die Arbeitsl o s i g k e i t entstehen. Die Berechnung erfolgte auf Grund einer Sohaetzung des Wertes
der Arbeit, die von den Arbeitslosen nicht g e l e i s t e t wird. Wir entnehmen dem Ber i c h t des I n s t i t u t e s folgende Feststellungen;
"In den ersten drei Monaten des Jahres 1949 hat uns, unter Zugrundelegung des
Jahresdurchschnittsertrages, der Beschaeftigungsrueckgang b e r e i t s 13 Milliarden
Dollar an Waren- und Leistungsausfall gekostet.
In den zwoelf Monaten des Jahres 1949 werden uns, f a l l s unsere Beschaeftigungskapazitaet nicht v o l l ausgenutzt wird, 27 Milliarden Dollar an Waren und eistungen
verlorengehen.
Aussicht auf Verlust von 50 Milliarden Dollar
Fuer das Finanzjahr 1950 wuerde s i c h bei Zugrundelegung des Ertrages bei
Völlbeschaeftigung der Verlust an Waren und Dienstleistungen auf ungefähr 50 M i l l i a r den Dollar belaufen.
Unter Zugrundelegung des gesamten Sozialprodukts (Waren und Dienstleistungen)
im v i e r t e n Quartal 1948 e n t s p r i c h t der fuer das Finanzjahr 1950 angenommene Verlust
von 50 Milliarden Dollar f a s t einem Fuenftel des Wertes der im Finanzjahr 1950
produzierten Waren und Dienstleistungen."
'.;:enn d i e Völlbeschaeftigung in dem fuer das v i e r t e Quartal 1948 f e s t g e s t e l l t e n
Ausmass andauern wuerde, so wuerde d i e s bedeuten, dass jeder Familie im Jahr zus ä t z l i c h e Waren und Dienstleistungen im Werte von 380 Dollar zur Verfuegung stehen
wuerden.
1948 als Grundlage
Bei der Errechnung des Verlustes, der der Volkswirtschaft durch die A r b e i t s l o s i g k e i t e n t s t e h t , l e g t e das I n s t i t u t die fuer das l e t z t e Viertel von 1948 v o r l i e genden Zahlen zu Grunde. Obgleich unter den Volkswirtschaftlern die Ansichten
ueber den Begriff der Völlbeschaeftigung auseinandergehen, i s t man sich allgemein
darueber e i n i g , dass waehrend des Jahres 1948 die meisten Leute, die arbeiten
wollten, auch Arbeit fanden.
Das gesamte Sozialprodukt, d.h. der Gesamtwert der fuer das Inland bestimmten
Waren und Dienstleistungen, belief sich unter Zugrundelegung des Jahreserträges
im l e t z t e n Viertel des Jahres 1948 auf 265 Milliarden Dollar.
Haette sich die Wirtschaft im ersten Quartal 1949 in demselben Ausmass weiterentwickelt, wie es in den l e t z t e n Jahren der F a l l war, so wuerde der Jahreswert der
Waren und Dienstleistungen 269 Milliarden Dollar betragen haben. Durch die Arbeitsl o s i g k e i t wird dieser Jahreswert jedoch auf 256 Milliarden Dollar herabgedrueckt,
was einen Verlust von 13 Milliarden Dollar bedeutet.
Entsprechend wuerde bei fortgesetzter Steigerung der Beschaeftigung und Produktion waehrend des gesamten laufenden Jahres und b i s ins Jahr 1950 hinein das
gesamte Sozialprodukt fuer das e r s t e Quartal 1950 u_iter Zugrundelegung des S o z i a l produktes im Jahr 285 Milliarden Dollar ausmachen. Wenn jedoch die Arbeitslosigkeit
im gleichen Ausmasse dwie bisher weiterbesteht, so wird sich der Wert des Sozialprodukts nur auf 230 Milliarden Dollar belaufen, was einen Verlust von 55 Milliarden
Dollar bedeutet.
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�Das Ansteigen der A r b e i t s l o s i g k e i t und der s i c h daraus fuer das amerikanische
Tölk ergebende Verlust an Waren und D i e n s t l e i s t u n g e n sind auf d i e e n g s t i r n i g e Gea c h a e f t s p o l l t i k der Unternehmer zurueckzufuehren.
Aus« "The League Reporter", 4 . J u l i 1%9
DÜRCHPTJEHRÜNQ DER VEBLAGBRTKG VON

Die Internationale Organisation fuer Arbeitsangelegenheiten (ILO) und die Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEC) arbeiten gemeinsam
9inen Plan zur Lenkung des Austausches von Arbeltskraeften von einem Land zum anderen
aus. Der Ausschuss fuer Arbeitseinsatz bei der OEEC t a t den ersten Schritt, indem
9r ein Buero errichtete, das sich mit diesem Problem in I t a l i e n befassen s o l l .
Spaeter werden zweifellos auch in anderen Marshallplan-Laendern solche Bueros errichtet werden. Die deutschen Gewerkschaftler werden sicher an nachstehendem Bericht interessiert sein.
"Der Generaldirektor der ILO- hat bereits Schritte unternommen, um die UnterJtuetzung anderer Internationaler Organisationen zusammen zufassen, die daran interessiert sind, das Arbeitseinsatz-Programm der ILO zu fberdern, sowohl vom Gesichtspunkt des Austausches als auch von anderen Gesichtspunkten aus gesehen, insbesondere
»inschliessuch der Formulierung und der Foerderung von Plaenen fuer wirtschaftliche
Entwicklung. Vorbehaltlich der Zustimmung der betreffenden Regierungen beabsichtigt
xr, eine Versammlung der Vertreter der an dem Austausch interessierten Laender e i n zuberufen, um wo moeglich zweiseitige Abkommen zu treffen, die den Zweck haben,
Jeberschuss und Mangel an Arbeltskraeften in der ganzen Welt auszugleichen.
Auch ein Programm einer weniger formalen "Taetigkeit seitens der ILO, ue-ber
&gt;esondere Bueros und Missionen i s t ebenfalls formuliert worden, das den Zweck
rerfolgen s o l l , den Austausch zu beleben und freizuegig zu arbeiten. Das erste
Spezialbuero, das l t . diesem Programm erqeffnet wurde, befindet sich in I t a l i e n .
)ie ILO hat in Rom ein besonderes Aussendienst-Amt geschaffen, dem Sachverstaendige
luf dem Gebiete des Arbeiteraustausche«, des Einstellungswesens und der Berufsaus&gt;ildung angehoeren.
"Das Aussendienst-Buero in Italien, das eng, jedoch formell mit den i t a l i e n i ichen Behoerden zusammenarbeitet, dient als enges Bindeglied fuer die Hauptstelle
Ler ILO in Genf in bezug auf die Arbeitsmarkt- und Auswanderungs-Lage in Italien
:u jedem gegebenen Zeitpunkt. Es i s t in der Lage, die auftauchenden Probleme zu
|eder gegebenen Zeit zu wuerdigen und s i e zur weiteren Veranlassung seitens der
Iß auf ausgedehnterem Gebiet nach Genf weiterzugeben. Dadurch, dass es auf der
lasis der Verbreitung der Erfahrung anderer Laender vorgeht, besteht seine Taetig:eit auch darin, informell Loesungen fuer Schwierigkeiten vorzuschlagen, je nachlem diese auftreten, und somit wirkt das Buero a l s diskreter Vermittler zwischen
Len betreffenden Parteien. Insbesondere kann es Mittel und Wege vorschlagen, auf
reiche Weise der Mechanismus der Werbung, der üeberfuehrung, der Aufnahme und der
Unterbringung der ausgetauschten Arbeit skr aefte am besten organisiert werden kann,
ind zwar unter Zusammenarbeit mit der Zentralstelle der ILO in Genf bei Fragen,
lie die aufnehmenden Laender angehen.
"Zusaetzlich zu dieser Arbeit auf dem Gebiete des Austausches vermittelt
uch das Aussendienst-Buero der ILO in I t a l i e n den italienischen Behoerden, die
i e Einstellungs- und Berufsausbildungsdienststellen in Uebereinstimmung mit dem
euen Gesetz umorganisieren und weiterentwiclÄn, die wichtigen Erfahrungen anderer
Bender. Die HO-Experten arbeiten aufs engste mit denjenigen auf der italienischen
e i t e zusammen.
"Die Zentralstelle der ILO und das Aussendienstbuero in I t a l i e n uebernehmen
uer folgende, weitere konkrete Aufgaben die Verantwortung;-

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�a) Torbereitung eines Handbuches ueber die Landwirtschaft I t a l i e n s , verfasst
vom Gesichtspunkt der technischen Kompetenz des Arbeiters aus gesehen. Dieses
Handbuch kann In den aufnehmenden Laendern weit verbreitet werden zu dem Zweck, das
Interesse bei a l l e n Beteiligten wachzurufen. Die Vorbereitung solcher Handbuecher
i s t auch fuer das italienische Maschinenbauwesen und das Zivilingenieurwesen in der
Industrie in Aussicht genommen:
b) Anreiz zur Schaffung des Eontakts zwischen den Arbeitgebern in den aufnehmenden Laendern und I t a l i e n , vorbehaltlich der Genehm!gang der betreffenden Regierungen.
c) Erforschung der Sozialversicherung vom Gesichtspunkt des Austausches aus
gesehen, e i n s c h l i e s s l i c h der Entwicklung der gegenseitigen Abkommen. Die ILO hat
natuerlich schon grosse Arbelt g e l e i s t e t in bezug auf die Erfassung der einzelnen
Berufsgruppen, sowohl vom Standpunkt des Arbeiteraus tausch es a l s auch von a l l g e meinen Gesichtspunkten aus betrachtet, und entwickelt diese Taetigkeit auf diesem
Gebiete auch noch weiter.
"Ein gewisser Fortschritt i s t von der ILO auf den genannten Gebieten bereits
zu verzeichnen. Dies s t e l l t natuerlich vorerst nichts endgueltiges dar von dem,
was die ILO noch auf den konkreten Gebieten des Arbeiteraustausches zu tun gedenkt.'
"OEEC, Manpower Conmittee (49) 36.
-

Manpower*Divis Ion
OMGUS, APO 742

OHO». 9-2179. ! &gt; » . i t .

19. 1 «

12

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OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aas der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Aal Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht alt offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aulzufassen.

I I - 26

Berlin, 19. August 49

Die Manpower Division der U.S. Militaerregierung i s t im Begriff von
Berlin nach Frankfurt ueberzusiedeln. Bis neue Vorkehrungen getroffen
werden koennen, die "Internationalen Arbeitsmitteilungen" drucken zu lassen,
werden die einzelnen Veroeffentlichungen in unregelmaessigen Abstaenden e r scheinen.
Ausserdem muss eine Entscheidung darueber getroffen werden, ob sich die
Veroeffentlichungen auch weiterhin als zweckdienlich erweisen. &gt;'&lt;rir wuerden
es begruessen, wenn unsere Leser zu dieser Frage Stellung nehmen wuerden.
Besteht noch genuegend I n t e r e s s e daran, dass die Veroeffentlichung der
"Internationalen Arbeitsmitteilungen" f o r t g e s e t z t wird? Unsere Leser werden
gebeten, Ihre Meinung hierzu an folgende Adresse zu r i c h t e n ; Manpower Division - OMGUS
APO 757 - U. S. Army
INHALTSVERZEICHNIS

Erklaerang der AFL zur chinesischen Frage
Die freien Gewerkschaften und die Demokratie
in Europa

ERKLASRONG DER AFL ZUR CHINESISCHE FRAGE
Die deutschen Gewerkschaftler werden zweifellos an den folgenden Erklaerungen
des Freien Gewerkschaftsausschusses i n t e r e s s i e r t sein, der eine Organisation b i l d e t i
die von der AFL u n t e r s t u e t z t wird. Die Erklaerung i s t eine Forderung nach Schutz
der nationalen Unabhaengigkeit Chinas und nach Errichtung der Demokratie und des
Friedens in Asien. Wir geben hier die ganze Erklaerung wieder:
Die Krise in China
"Unser Land i s t zur ersten demokratischen Weltmacht geworden. Angesichts der
augenblicklichen internationalen Lage muss d i e Hauptaufgabe und das Hauptziel der
Ausssenpolitik unseres Landes darin bestehen, k r a f t v o l l und beharrlich einen Kurs
zu verfolgen, der dazu angetan i s t , den Erfolg a u f r i c h t i g e r demokratischer Kraefte
zu foerdern und zu sichern, die gewillt und faehig sind, a l l e s zu tun, um den Ueber-

�griffen und der Aggression der totalitaeren kommunistischen Reaktion Widerstand
zu leisten.
Die erste Vorbedingung dafuer, dass Amerika seine neue internationale Rolle
spielt, insofern als es eine inspirierende Fuehrerschaft liefert und den demokratischen Kraeften der ganzen Welt zeitlich wirksame Unterstuetzung zuteil werden
laesst, liegt fuer unser Land darin, dass es global Fuehlung nimmt zu den grundsaetzlichen Fragen der Weltkrise und der Beduerfnisse der Me. schheit.

In diesem Sinne lassen sich die Kaempfe und Schlachten in China nicht von
den Wirren und Konflikten in Deutschland trennen« jeder Versuch, den Problemen zu
begegnen, denen sich die zivilisierten friedenshungrigen Nationen in einem Teile
der Welt gegenuebersehen - abgesehen von den Aufgaben, die sie auf anderen GebieT
ten zu loesen haben - ist zum Scheitern verurteilt. Tatsaechlich wuerde eine improvisierte Fuehlungnahme nach und nach dieser Art nur einen allgemeinen Fehlschlag
der Ausaenpolitik unserer Nation zur Folge haben.
Unsere Sorge um die Krise in China ist weit mehr als lediglich ein ehrliches
und freundliches Interesse an seinen inneren Angelegenheiten. Vor allem machen wir
uns Sorge wegen des Vorgehens der chinesischen Kommunisten und ihrer Moskauer Herren das darauf abzielt, China als eine aggressive Macht auf die Seite Russlands
zu bringen, die den demokratischen Nationen feindlich gesinnt ist. Der wichtigste
Strohmann der Sowjets, Mao Tse Tung, hat zu allen Zeiten Anschuldigungen gegen das
Europaeische Wiederaufbau^Programm und den Atlantikpakt.
China bildet die Vorhut
Die augenblickliche Phase des Konflikts in China ist keineswegs die Nachhut
und das abschliessende Stadium eines Buergerkrieges, der eine asiatische Nation verwuestet. Selbst wenn wir alle Fehler und Maengel, die der chinesischen Nationalregierung zur Last gelegt werden, als wahr unterstellen und zugeben, dann ist ihr
Widerstand gegen die bolschewistische Seuche im wesentlichen die Vorhut-Phase dos
internationalen Vorgehens gegen den Kommunismus. Moskau und seine getreuen Diener
in China sind sich ueber diese Wahrheit zu jeder Zeit klar geworden. Amerika und
die anderen demokratischen Laender muessen sich noch ueber diese gewaltige Wahrheit
klar werden wie auch ueber ihre ihr innewohnenden Fakten von weitreichender Bedeutung. Aus diesem Grunde war es moeglich, dass der Kreml und seine Fuenf te Kolonne
in China soviel Erfolge zu verzeichnen haben. Aus diesem Grunde muas unser Land
und muesseri seine demokratischen Alliierten noch Erfolge in China davontragen.
Wir lehnen alle Meinungen, Ansichten, Ideen und jede Politik des Defaitismus
in China ab. Wir lehnen ganz kategorisch den Gedanken ab, dass in China alles
hoffnungslos verloren sei. Obwohl Russlands Vorhut ihre militaerischen Fangarme
weit suedlich des Yangtse ausgestreckt hat, hat es jedoch seine kommunistische
Kontrolle noch nicht in eine einheitliche Form gebracht. Nur im Nordosten, der
seit der Niederlage Japans durch Amerika fest unter russischer Kontrolle gestanden
hat, besteht irgendwelche verwaltungsmaessige Staatäautoritaet. Hier ist das
fruehere Mandschu-Kuo, in dem sich die einzigen wichtigen Munitions-Industriebetriebe in ganz China befinden. Dieses von den Russen kontrollierte Gebiet ist es,
das auch die Masse und das Rueckgrat der wirksamen kommunistischen Armee in China
gestellt hat. In unserer Eile, die Schuld fuer die Fehlschlaege, die kueriLich
sein Regime trafen, einzig und allein Tschiang-Kai-Schek zuzuschreiben, duerfen
wir nicht vergessen, dass dieses strategisch, wirtschaftlich und militaerisch
hoechst wichtige Gebiet von unserer Regierung selber mit Zustimmung der Englaender
auf der schicksals-schwangeren Konferenz von Jalta Stalin ueberantwortet wurde.
Wir sind davon ueberzeugt, dass trotz aller frueheren kostspieligen Irrtuemer
in der Innenpolitik der chinesischen Nationalregierung und der Fehler der amerikanischen Politik im Orient, die Sache der Demokratie und des Friedens in China und
-

2 -

�im uebrigen Asien auf keinen Fall verloren ist. Wenn wir die augenblickliche
missliche Lage Chinas und seiner Nationalregierung betrachten, duerfen wir die
Tatsache nicht ausser Acht lassen, dass diese nationale Autoritaet seit mehr eis
30 Jahren gezwungen war, einen Buergerkrieg zu fuehren und sich vollkommen allein
ueberlaasen war, als sie 8 Jahre lang einen Krieg gegen den japanischen Imperialismus
fuehrte. Unter diesen Umstaenden kann niemand ein rasches Tempo in einer konstruktiven Sozialreform oder eine Atmosphaere erwarten, die frei war von entsetzlichen
Schwierigkeiten. Wenn wir dies hervorheben, dann unterschaetzen wir nicht den Ernst
der Krise in China. Wir unterstreichen nur die Dringlichkeit, mit der unser Land
seine gesamte Politik China gegenueber ueberpruefen, neu auswerten und revidieren
muss. Wir koennen nicht stark genug auf die brennende Notwendigkeit hinweisen, die
danach draengt, dass Amerika mit einer positiven, konstruktiven Politik auf den
Plan tritt, um Frieden, Demokratie, echte nationale Unabhaengigkeit und soziale
Gerechtigkeit in China und im ganzen Orient zu schaffen. Bevor unsere Regierung
eine gesunde Politik gegenueber China anwenden kann, muss sie alle Spuren und Ueberbleibsel bzw. Merkmale dreier falscher und verderblicher Auffassungen fallen lassen:Ausschaltung dreier gefaehrlicher Begriffe;
Zunaechst einmal muessen wir unsere Politik von jedem Gedanken frei machen,
dass China lediglich ein riesiger Markt ist, auf dem der weisse Privatunternehmer
rasch reich werden kann. Die erste Voraussetzung dafuer, dass wir imperialistische
Invasionen seitens irgend einer anderen Macht in China verhindern, besteht fuer uns
darin, dass wir frei und sauber dastehen gegen jeden moeglichen Vorwurf des Imperialismus unsererseits. Wir muessen unseren Glauben an die Chinesen als ein grosses
Volk dramatisieren, das als unabhaengige Nation sehr viel zur Foerderung des menschlichen Wohlstandes, zum Frieden und zum kulturellen Fortschritt in Asien und in der
Welt ueberhaupt beitragen kann.
Zweitens sollte unsere Regierung jeden Rest vergangener Illusionen darueber
begraben, dass die Kommunistische Partei in China nicht totalitaeren Charakter
traegt, in Wirklichkeit nicht kommunistisch ist, sondern lediglich ein ganz besonderer Ausdruck einer Agrarreform sei. Die kommunistische Partei Chinas ist niemals
von der Linie abgewichen, .die Moskau fuer seine kommunistischen Bewunderer unr"
Werkzeuge in allen Laendern festgelegt hat. Bei den Pluenderungen Moskaus in der
Mandschurei erwiesen sich die chinesischen Kommunisten als hoerige Agenten des
russischen Imperialismus. Nicht nur, dass die Kommunisten in China nicht gegen diesen brutalen Raub der Hilfsquellen des chinesischen Volkes seitens einer fremden
Macht protestierten, nein, sie unterstuetzten diesen Raub auch noch und leisteten
ihm Vorschub. Durch ihre militaerischen Erfolge aufgepulvert, hat diese russische
Zweigstelle in China vor kurzem ganz besonders beissende und aetzende Attacken
gegen das amerikanische Volk vom Stapel gelassen, das mehr als jede andere Nation
den Chinesen geholfen hat und sie vor dem Hungertode errettete. Zweifellos kann
die ausserordentliche Gehaessigkeit und Feindseligkeit der Kommunisten Chinas gegen die westlichen Demokratien im allgemeinen und gegen die Vereinigten Staaten
insbesondere nur mit dem ?/unsch dieser Anhaenger der russischen Fuenften Kolonne
erklaert werden, ihre feige und verraeterische Rolle in der Vergewaltigung der Mandschurei durch den Kreml zu verdecken.
Wir muessen gleichfalls den anspruchsvollen Gedanken fallen lassen, dass die
Kommunisten Chinas sich dem Titoismus zuwenden und Moskau gegenueber ein gewisses
Mass an Unabhaengigkeit an den Tag legen werden. Jede Erklaerung jedes einzelnen
bedeutenden Sprechers des Kommunismus in China schliesst diese eitle Hoffnung aus.
Einmal hat Moskau auf Grund seiner Erfahrungen mit den Jugoslawen gelernt, jede
Bekundung, eines selbst maechtigen Titoismus prompt und ruecksichtslos zu zermalmen.
Abgesehen davon kann Moskau auf Grund einer enormen Sowjetmacht in China (Mandschurei)

- 3 -

�schnell enorme Kraefte gegen alle abschwenkenden Kommunisten und ernuechterten und
enttaueschten Liberalen mobilisieren.
Drittens muessen wir jede Illusion fahren lassen, dass das totalitaere SowjetRussland mit seiner riesigen Sklavenarbelter-Wlr tschaft auch nur den geringsten
Wunsch oder die geringste Faehirfceit haette. eine fortschrittliche oder befreiende
Rolle in seinen Beziehungen zum chinesischen Volk spielen zu wollen. In einem verzweifelten Versuch, noch etwas aus dem Handel, den die Grossen Drei in Jalta auf
Kosten des chinesischen Volkes zusammenbrauten, zu rotten, unterzeichnete die Nationalregierung einen Freundschaftsvertrag mit Russland, Dieser Vertrag verpflichtete Russland feierlich zu folgendem« "Volle Hilfe und Unterstuetzung fuer die
Nationalregierung als der Zentralregierung Chinas." In der Folge ging der Kreml
dazu ueber, aus diesem Vertrag eine tragische Farce zu machen, indem er zynisch
jedes internationale Gesetz verletzte. Trotz dieses Vertrages führ der Kreml fort,
die Mandschurei zu beherrschen und auszupluendern.
Nach vorsichtigen Schaetzungen der Amerikanischen Reparation-Kommission
betraegt der T.7ert der Pluenderungen in der Mandschurei 858 Millionen Dollar. Der
Gesamtverlust, der der Wirtschaft der Mandschurei durch die "befreienden" Russen
durch 7/egnahme aller industriellen Einrichtungen, Minen und Maschinen als Kriegsbeute entstanden ist, ueberseigt 2 Milliarden Dollar. Niemand anders als Stalin
selber hfit sich so laut vor der ganzen Welt im September 1945 geruehmt, nachdem
Amerika Japan so entscheidend geschlagen hatte« "Vierzig Jahre lang haben die Maenner der aelteren Generation auf diesen Tag gewartet. Und jetzt ist dieser Tag angebrochen."

Diese Erklaerung stellt mehr dar als einen vollkommenen und schamlosen Bruch
mit jedem Vorwand fuer revolutionären Idealismus, der die Politik der Bolschewik!
waehrend des russisch-japanischen Krieges im Jahre 1905 charakterisierte - als sie
unter der Fuehrung Lenins auf die Niederlage des zaristischen Russland hinarbeiteten.
Diese u'nverschaemte Prahlerei, die erniedrigende Niederlage, die Nippon dem alten
imperialistischen Russland in der Meerenge von Tsuschima und bei Port Arthur beigebracht hatte, ausgeloescht und geraecht zu haben, bildet eine krasse Umkehrung und
sogar eine Erweiterung der unanataendigsten und schmutzigsten Raeuberpolitik des
zaristischen Imperialismus in China und in ganz Asien. Schon jetzt ist .das neue
imperialistische Russland ueber die Grenzen des Gelben Meeres hinausgegangen.
Der Russische Imperialismus.
Hier muessen wir aber noch hinzufuegen, dass der heutige Imperialismus RussLands
bei weitem gefaehrlicher ist als die Aggression Nikolaus II; Der stalinistische
Imperialismus ist unehrlicher und wirksamer. Er verbirgt seine finsteren Ziele
hinter demagogischen und hochklingenden sogenannten radikalen Phrasen. Der stalinistische Imperialismus sucht nicht nur wirtschaftliche und militaerische Beherrschung
wie das bei den Zaren frueher der Fall war - sondern er strebt auch nach der totalen
Kontrolle der Gedanken, des Glaubens und des Gemuets des Volkes. Hier besteht nicht
nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein ideologischer Imperialismus - der ruecksichtslos darauf hinsteuert, das Denken und Fuehlen derjenigen zu versklaven, die
unter seiner "Fuehrung" stehen. Ausserdem besitzt das stalinistische Russland alleil
von allen anderen grossen Nationen eine riesige, wohlfinanzierte, maechtige Fuenfte
Kolonne, die durch den Weltgewerkschaftsbund und das Kominform arbeitet. Die Diktatur des Kreml hat mit teuflischem Geschick und ungezuegeltem Zynismus den guten
Willen, die Energien und die Talente vieler gutgläubigen Liberalen fuer ihre schaendlichen Ziele und Handlungen eingespannt, die auch weiterhin sich an den unbegruendeten Glauben klammern, dass das Sowjetsystem trotz aller seiner Irrtuemer heute die

- 4 -

�Inkarnation des fortschrittlichen Staates und der fortschrittlichen Gesellschaft
darstellt.
Es ist die hoechste Zeit, dass unser Land jetzt-einen Weg aufzeigt, um dem
chinesischen Volk Genugtuung zu geben dafuer, dass die Grossen Drei seine Souveraenitaet geopfert haben. Die amerikanische Fuehrung im Abdaemmen der Flut des totalitaeren Kommunismus und des Chaos in China ist laengst ueberfaeilig. Wir muessen
offen anerkennen, dass die Siege des Kommunismus in China den bedeutendsten Triumpf
des Bolschewismus darstellen, seit dieser in Russland die Macht an sich riss. Wir
moechten hierbei hervorheben, dass die Annahme einer neuen Politik gegenueber China
im Geiste einer aufrichtigen Beiderseitigkeit vor sich gehen rauss. 2s sollten keine
Versuche unternommen werden, parteiisches Kapital zu gewinnen, indem man die alten
Fehler wieder aufruehrt und aus ihnen Kapital schlaegt fuer parteiliche Zwecke.
In Asien nicht weniger als in iSuropa ist eine zweiseitige Politik zum Wohle des
amerikanischen Volkes und des Weltfriedens notwendig.
Fuer ein konstruktives Programm
In diesem Gebiete ist es, dass wir folgendes als Richtlinien fuer eine definitive konstruktive amerikanische Politik vorschlagen, um der Krise in China zu
begegnen«
1. Es darf weder eine Anerkennung der kommunistischen Kraefte in China noch
einen Handel mit ihnen noch eine wirtschaftliche Unterstuetzung fuer sie geben. Die
amerikanischen Handelsinteressen sollten mit aller Festigkeit vor einer engstirnigen, egoistischen und kurzsichtigen Politik der Staerkung der chinesischen Usurpatoren gewarnt werden, die darin bestehen wuerde, dass Geschaefte mit ihnen getaetigt
werden. Die Krise in China kann durch eine Haltung und Politik "des Geschaefts wie
gewoehnlich" nur zum Schaden Amerikas und des Weltfriedens verschlimmert werden.
Wir duerfen unsere Feinde von heute und morgen nicht unterstuetzen und bewaffnen,
wie wir es im Falle des japanischen Imperialismus getan haben.
2. Unsere Regierung darf in keiner Form irgend einem sogenannten Koalitionsregime, das auf Befehl Moskaus von der Kommunistischen Partei Chinas aufgerichtet
wird, diplomatische Anerkennung oder wirtschaftliche Hilfe zuteilwerden lassen.
3. Wir fordern dringend von Praesident Truman, dass er mit allen demokratischen Nationen Europas, Asiens und Lateinamerikas Beratungen pflegt, wie ein Sofortprogramm der kollektiven Aktion aufgestellt werden kann, um die Flut der kommunistischen Tyrannei einzudaeiamen, und wie die demokratischen Kraefte unterstuetzt und verteidigt werden koennen.
4. Unsere Regierung soll dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die gesamte
Frage der Rolle Russlands unterbreiten, die darin besteht, dass es den Buergerkrieg
in China naehrt und finanziert, dass es gegen die legitime Regierung konspiriert,
die von allen Mitgliedern der Vereinten Nationen anerkannt wurde, dass es die feierlichen Verpflichtungen seines Vertrages in flagranti erhoeht und so absichtlich
den Weltfrieden unterminiert und gefaehrdet.
5. Wir beantragen eine prompte und angemessene amerikanische Hilfe fuer die
einzigen Regierungsbehoerden, die von den Vereinigten Staaten in China anerkannt
worden sind.
6. Wir beantragen, dass diese Hilfe unter sorgfaeltiger Aufsicht seitens der
amerikanischen Milltaer- und Wirtschaftsbehoerden geleistet werden soll, die darauf
achten koennen, dass die Soldaten angemessene Verpflegung und Bewaffnung rechtzeitig
erholten und dass die wirklich demokratischen Kraefte das nationale Geschick des
chinesischen Volkes lenken«
7.

Zu diesem Zwecke beantragen wir, dass unsere Regierung autoritative und

kompetente Milltaer-, Industrie-, Landwirtschafts- Gesundhelts- und Arbeits-Mi«sIonen nach China schickt, damit diese den Chinesen dabei helfen, ihr Heimatland zu

- 5 -

�verteidigen, die Demokratie und das freie Gewerkschaftswesen zu foerdern und ihre
Arbeits- und Lebensbedingungen zu bessern.
Wir fordern dringendst eine angemessene und prompte Unterstuetzung fuer die
Regierung des Fraesidenten Li Tsung Jen. Wenn wir eine solche moralische und
materielle Hilfe verweigern, ermutigen und sichern wir die Demoralisierung der
restlichen nationalen Armeen und vergroessern die Desertionen ehrgeiziger, knieweicher Provinzgenerale, die das Gefuehl haben, dass nur die Kommunisten internationale Hilfe (von Russland) haben, waehrend keine demokratische Nation die Nationalregierung unterstuetzt.
Die Kwangsi-'Eruppen unter dem Befehl des Fraesidenten Li und des Generals Pei
Chung Hai haben alle Moeglichkeiten fuer einen wirksamen Widerstand. Ebenso verfuegen die Kwangtung-Streitkraefte unter der Fuebrung der Generale Chang Fa Kwel
und Yue Han Mou wirklich ueber kaempferische Qualitaeten und koennen sich als Dorn
im Auge der Kommunisten erweisen trotz des Terlusts von Nanking und Schanghai.
Die Kommunisten sind nicht in der Lage gewesen, die Kontrolle auf See oder in der
Luft an sich zu reissen, wie es auf dem Lande der Fall war. Da die Nationalisten
die Inseln Formosa und Chusan kontrollieren, sind sie in der Lage, die Muendung
des Wang-Poo durch Minen, Luftangriffe oder Schiffe zu blockieren. Hier besteht
ein ernstliches Hindernis fuer die kommunistische Konsolidierung ihrer Kontrolle
des Yangtse-Gebiets. Unsere Regierung sollte nichts tun, was geeignet waere, die
Wirksamkeit solcher Blockademassnabmen zu stoeren oder querzutreiben. Selbst wenn
die Streitkraefte des Freien China noch mehr an Gebiet verlieren sollten, wuerde
dies nicht von entscheidender Bedeutung sein. Ein fortwaehrender demokratischer
Widerstand wuerde die Konsolidierung eines stabilen kommunistischen Regimes auf
nationaler Basis hemmen. Wir duerfen nicht vergessen, dass schon frueher einmal,
in den Jahren 1927/28, China 2 rivalisierende Regime hatte, aber dennoch wurde
der nationale Staat nicht offiziell geteilt und das Schicksal Chinas war weit davon
entfernt, besiegelt zu sein.
Heute zeigen sieh die Erfolge der kommunistischen Partei fast ausschliesslich
in Gebieten, die einmal von Japan Besetzt waren - in Gebieten, wo die Kuo-Min-Tfeing
nicht wachsen und nicht Fuss fassen konnte. Ausserdem besteht heute, da das reeiktionaerste Element der Kou-Min-Tang nicht mehr an der Macht ist, umsomehr Grund,
der Nationalregierung von uns aus militaerische und wirtschaftliche Hilfe und Ratschlaege zu geben, und sie zu ermutigen und zu beraten, wie man die Lage des Volkes
in den Stadt- und Landgebieten verbessern und den Fortschritt der Demokratie foerdern kann.
Fuer Demokratie und Nationale Freiheit in Asien
8. Unsere Regierung sollte verkuenden, dass sie in ihrer Politik fest entschlossen ist, eine staendige Zusammenarbeit unter den demokratischen Kraeften
Asiens zu foerdern und zu unterstuetzen - auf einer Linie mit der vor kurzem stattgefundenen Konferenz der Nationen Asiens, die von Indien einberufen wurde - u m den
chinesischen und anderen kommunistischen Einfluessen und Uebergriffen Widerstand
zu leisten und diese zu ueberwinden. Die Ausdehung des Einflusses der chinesischen

Kommunisten ist lediglich ein Stosskeil der totalitaeren Aggression und des Imperiale
1Ismus der Russen.
9« Unsere Regierung sollte ihren ganzen moralischen Druck auf Frankreich und
die Niederlande ausueben, damit diese den Wunsch der Voelker Asiens, die noch von
ihnen regiert werden, nach nationaler Freiheit, nach wirtschaftlicher Besserung
und sozialer Gerechtigkeit im Rahmen und durch die Methoden der Demokratie anerkennen. Sonst werden die Kommunisten diese unerfuellten legitimen Forderungen
fuer ihre eigenen niedrigen Ziele und im Interesse des russischen ImperialIsmus
ausschlachten.

- 6 -

�10. unsere Regierung sollte eine Sonderkommission ernennen, in der auch die
Arbeiterschaft vertreten ist, die gemeinsam mit den demokratischen Obrigkeiten
Asiens die Anwendung des Punkts 17 des Praesidenten Truman auf diese unentwickelten
Gebiete im Interesse ihrer eingeborenen Voelker und der ganzen Welt vorbereitet.
Abschluss und Schlussfolgerung
Die Welt kann nicht frei bleiben und in Frieden leben, ohne das Asien frei
ist und dort Frieden herrscht. Ueberdies kann Asien nicht frei, friedlich und
gedeihlich leben, wenn sich China im Wuergegriff des Kommunismus befindet. Es
gibt nichts Unerbittliches und Unbesiegbares in bezug auf den Kommunismus in China
und das uebrige Asien. Aber wir koennen den Kommunismus nicht allein mit militaerischen Waffen schlagen. Die Demokratie hat hoehere Ideale und bessere Ideen als der
Kommunismus oder irgend eine andere Art totalitaeren Despotismus. Wir muessen diese
Ideale und Ideen in positive Aktionen, in die Wirklichkeit umsetzen.
In Indonesien, in Birma und Indochina bestehen starke demokratische nationalistische Kraefte, die Todfeinde des kommunistischen Despotismus sind. Abgesehen
davon wollen noch koennen weder Russland noch die Kommunisten in China den asiatischen
Voelkern echte nationale Freiheit, das notwendige Kapital die Maschinen geben damit
sie ihre Wirtschaft entwickeln und ihren Lebensstandard verbessern.
Wenn wir dies alles betonen, dann versuchen wir nicht, die Bedeutung der Siege,
die die Kommunisten in China heute davon tragen, zu verkleinern, Die Auswirkungen
dieser Siege sind enorm - besonders und augenblicklich fuer Suedostasien, und selbst
fuer die Philippinen, Australien und Neuseeland. So ernst auch die sich fuer die
Freiheit ergebende Gefahr ist, die schlimmste Gefahr, der wir heute gegenueber stehen
ist das Gefuehl der Verzweiflung und eine Politik der Untaetigkeit und des Sichtreibenlassens. Wenn wir auch weiterhin in der chinesischen Krise nichts tun, dann sind
wir auf dem besten Wege, die Freunde, die wir in China noch haben, zu verlieren und
es wird unmoeglich sein, die Zusammenarbeit der in der Entwicklung begriffenen demokratischen Kraefte in jedem anderen Teile Asiens zu sichern.
Die Krise in China ist sehr ernst, aber sie ist nicht hoffnungslos. Die Zelt
kann noch zugunsten der Freiheit und des Friedens in China und fuer die Demokratie
unter den Voelkern Asiens gewandelt werden. Zwecks Erreichung dieser grossen Ziele
hat der Freie Gewerkschaftsausschuss der AFL obiges Programm in Vorschlag gebracht.
Wir wenden uns an unsere Regierung, unsere Vorschlaege prompt, gründlich und im
guenstigen Sinne in Betracht zu ziehen.
"Der Freie Gewerkschafts-Ausschuss der Arbeiterliga fuer Menschenrechte,'
Box 65, Station G. New York 19, 5. Juli 1%9
DIE FREIEN GEWERKSCHAFTEN UND DIE
DEMOKRATIE IN EUROPA
Die Entwicklung einer starken und freien Arbeiterbewegung wird von George
Meany, dem Sekretaer und Schatzmeister der AKL, als Schluessel zum Aufleben und zur
Staerkung der europaeischen Demokratie angesehen.
Bei einem Interview anlaesslich sainer Ankunft aus Europa am Dienstag sagte
Meany, dass starke demokratische Gewerkschaften dasein muessen, wenn es ein demokratisches Europa geben soll. Der AFL-Funktionaer kehrte aus Genf zurueck, wo er
an den Versammlungen der Internationalen Organisation fuer Arbeitsfragen (U&gt;0) und
einer neuen Weltgewerkschaftsorganisation teilgenommen hatte.
Die neue Arbeiterorganisation wurde gegruendet, nachdem Gewerkschaften aus
% Nationen einschliesslich des amerikanischen CIO aus dem Weltgewerkschaftsbund
(WFTU) ausgetreten waren. Der Hauptgrund fuer die Massenabspaltung vom WFTU war

, - 7 .-

�das Gefuehl, dass dieser -von den kommunistischen Regierungen Osteuropas fuer politische Zwecke ausgenutzt wurde. Die neue Organisation wurde in voller Unabhaengigkeit von irgendwelchen Regierungseinflüssen gebildet«
Meany berichtete, dass die neue Organisation gute Fortschritte erzielt haette,
seit sich die englischen, hollaendischen und amerikanischen Mitglieder vom WF1U
zurueckgezogen hatten. Er erklaerte, dass auf der Konferenz in Genf ein Staendlger
Ausschuss, der aus 16 Mitgliedern besteht, gebildet wurde, der in London am 25.
Juli zusammentreten soll, um den Entwurf einer Resolution aufzustellen fuer eine
verfassungsgebende Delegierten-Konferenz im November.
Der "New York Times" zufolge soll Meany gesagt haben; "Wenn es ein demokratisches Europa gibt, dann nur, weil es eine demokratische Arbeiterbewegung gibt. Nach
meinen Wahrnehmungen ist Westdeutschland der Schluessel fuer die gesamte Europaeische Lage, und die Entwicklung haengt dort von dem Grade ab, in dem das deutsche
Gewerkschaftswesen entwickelt und gestaerkt werden kann. Der Kampf dauert noch an
zwischen den Kommunisten und den freien Gewerkschaften in Frankreich, doch glaube
ich, dass in Westdeutschland der Kampf gewonnen wurde. Die einzige Gefahr ist ein
wirtschaftlicher Zusammenbruch oder die Rueckkehr der Nazis und der grossen Kartelle. Die Gewerkschaftsbewegung ist das groesste Bollwerk gegen die Trusts."
"State Department Radio Bulletin"
6. Juli 1949
-

Manpower D i v i s i o n
OMGUS, APO 757

JMOUS, 9 - 2 W ,

iAlffl, Aug. U9, 11 C

8

-

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Ansinge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebranch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

11-27/28

Berlin, 2 . September 1949

Die Kanpower Division der U.S. Militaerregierung i s t im Begriff von
Berlin nach Frankfurt ueberzusiedeln. Bis neue Vorkehrungen getroffen
werden koennen, die "Internationalen Arbeitsmitteilungen" drucken zu lassen,
werden d i e einzelnen Veroeffentlichungen in unregelmaessigen Abständen e r scheinen.
Ausserdem nuss eine Entscheidung darueber getroffen werden, ob s i c h die
Veroeffentlichungen auch weiterhin a l s zweckdienlich erweisen. 'Vir wuerden
es begruessen, wenn unsere Leser zu dieser Frage Stellung nehmen wuerden.
Besteht noch genuegend Interesse daran, dass die Veroeffentlichung der
"Internationalen Arbeitsmitteilungen" f o r t g e s e t z t wird, so werden unsere
Leser gebeten, Ihre Meinung hierzu an folgende Adresse zu r i c h t e n : Manpower Division - 0WGÜ3
APO 757 - U. 3 . Army
INHALTSVERZEICHNIS
Forderungen der Vorarbeiter bei Kaiser-Frazer — - 1
Schiedsgerichtsverfahren —
_ _ _ _ _ _ _
_ 2
Vertrauen und Zusammenarbeit
___
__ 0
Ein schv;edischer Bergarbeiter besucht die USA
6
I t a l i e n b l i c k t nach '.'festen
7
Die Lebenshaltungskosten Frankreichs im Jahre 1948- 9
CIO-Bericht empfiehlt Lohnerhoehung
- - 10

FORDERUNGEN DER VORARBEITER BEI I-VI3ER-FRAZER
Der Vorarbeiter-Verband Amerikas (FAA), der V e r t r e t e r des AufSichtspersonals
von Kaiser-Frazer bei den Kollektivverhandlungen, hat d i e Gesellschaft gebeten,
mehrere neue Klauseln in das Abkommen, ueber das j e t z t verhandelt wird, mit aufzunehmen. Abgesehen von einem Pensions plan, einem dreiwoechigen Urlaub und 6 bezahlten Feiertagen hofft der FAA, noch folgende Forderungen durchzudruecken; 1. Lohnzahlung- fuer mindestens 1 Monat, wenn das *.7erk aus Gruenden schlies3en muss, auf
die d i e Vorarbeiter keinen Einfluss haben, 2. Barentschaedigung fuer Vorarbeiter,
die entlassen werden, und denen Krankengeldzuschuss zusteht, 3 . Anrechnung des
D i e n s t a l t e r s b e i Vorarbeitern, damit s i e ein Anrecht auf eine A r b e i t s s t e l l e haben,
wenn s i e zurueckgestuft werden, 4 . Rueckstufungen bei Entlassungen gemaess dam
D i e n s t a l t e r und 5. Verschliessbare Kleiderablagen und Brausebaeder.
"Employee Relations B u l l e t i n " 20. J u l i 1949
i

�Der folgende Artikel ist der erste Abschnitt einer vom Amerikanischen Arbeitsministerium herausgegebenen Broschuere ueber das Schiedsgerichtsverfahren. In
diesem Bericht wird zum Ausdruck gebracht, bis zu welchem Grade Gewerkschaften
und Unternehmer vom Schiedsgerichtaverfahren Gebrauch machen. Der Stoff dieses
Berichts ist in Kraft befindlichen Tertraegen entnommen, von denen mehrere Hundert
geprueft wurden.
Unsere Dienststelle wuerde es begruessen, wenn sich diejenigen unserer Leser
melden wuerden, die sich fuer weiteres Material auf diesem Gebiete Interessieren«
Sine genuegende Nachfrage wuerde uns eventuell veranlassen, die gesamte Broschuere
ins Deutsche ueber setzen zu lassen. Zuschriften sind zu richten an:
Manpower Division. OMGUSf APO 757. U.S. Army
Schiedsgerichtsbarkeit» A) Verhandlungsteohnik
Die Schiedsgerichtsbarkeit bei Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und
Arbeitgebern ist heute ein allgemein anerkannter Grundsatz auf dem Gebiete der
Amerikanischen Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen. Die Schiedsgerichtsbarkeit
ist eine friedliche, freiwillige Methode, um Streitigkeiten durch eine oder mehrere
Personen, die von denstreitenden Parteien ausgewaehlt werden, zu schlichten,
Sie wird nur dann angewandt, wenn die Parteien nicht selbst zu einer Einigung
gelangen koennen, auf direktem Verhandlungswege. Beide Parteien werden angehoert,
unterbreiten dabei ihre Beweismittel und legen ihre Argumente dar. Danach trifft
der Schiedsrichter seine Entscheidung und faellt seinen Spruch, den beide Partelen
anzunehmen sich freiwillig im Toraus bereiterklaert haben.
Schledsgerlchtsbarkeitsverfahren
In einer Konferenz, die der Praesident
Jahre 1%5 mit Ter tretern der
Arbeitnehmer und Arbeitgeber abhielt, haben sich beide Partelen einstimmig fuer
die Schiedsgerichtsbarkeit als letzten Schritt eines vernuenftigen Beschwerdeverfahrens ausgesprochen;
"Die Parteien sollen In gemeinsamen Abkommen einen unparteiischen Vorsitzenden, Schiedsrichter oder einen Ausschuss vorsehen, dem die endgueltige Entscheidung ueber unerledigte Beschwerden oder Streitigkeiten hinsichtlich der Auslegung
oder Anwendbarkeit von Vereinbarungen zusteht. In diesem Zusammenhange soll das
Abkommen folgendes vorsehen»
"(a) Ein endgueltiges Terfahren, dem beide Seiten zugestimmt haben muessen,
und das die Auswahl des unparteiischen Torsitzenden, des Schiedsrichters
oder des Ausschusses regelt«
"(b) Dass der unparteiische Torsitzende, Schiedsrichter oder Ausschuws nicht
die Tollmacht haben, Zusaetze, Streichungen, Aenderungen oder Modifizierungen an irgendeinem Paragrafen des Abkommens vorzunehmen, sondern
dass sie nur berechtigt sein sollen, die bestehenden Paragrafen des
Abkommens auszulegen und sie auf die spezifischen Tatsachen der Beschwerde oder des Streitfalles anzuwenden:
"(c) Dass die Ueberweisung einer Beschwerde oder eines Streitfalles «n
einen unparteiischen Tor sitzenden, Schiedsrichter oder Ausschuss
den letzten Instanzenzug dieses Verfahrens darstellen sollte, und dass
man nur dazu schreiten sollte, wenn das Einigungsverfahren vorangegangener Instanzen erschoepft ist.
"(d) Dass die Entscheidung des unparteiischen Vorsitzenden, Schiedsrichters
oder Ausschusses von beiden Parteien als endgueltig und bindend anerkannt werden sollte«

-

2

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�"(e) Dass die Kosten fuer den unparteiischen Vorsitzenden, Schiedsrichter
oder Ausschuss zu gleichen Teilen von beiden Parteien getragen werden
sollten.
"Sonstige Fragen, die nicht die Anwendung oder Auslegung der Vereinbarung,
wie sie jeweils besteht, beruehren, die aber ordnungsgemaess in Verfolg der Vorschriften des Abkommens aufgev/orden werden koennen, sollten zum Gegen stand von Verhandlungen und einer guetlichen Vereinbarung gemacht werden oder mit anderen
Mitteln geloest werden, die den Parteien geeignet hierfuer erscheinen.
"Sofern ein Abkommen eine Erneuerungsklausel und eine Aenderung oder Modifienthaelt oder sofern von einer der beiden Parteien die Wiederinkraftsetzung eines
Abkommens verlangt wird, oder sofern ein bestehendes Abkommen in naechster Zeit
abläuft, sollte eine ausreichende Zeitspanne fuer Verhandlungen ueber ein neues
oder modifiziertes Abkommen vorgesehen werddn. Falls derartige Verhandlungen
fehlschlagen sollten die Parteien rechtzeitig von den Moeglichkeiten der Schlichtung, Vermittlung und, sofern dem gemeinsam zugestimmt wird, vom Schiedsgerichtsverfahren Gebrauch machen.
"In diesem Bericht ist in keiner Weise beabsichtigt, ein zwangsweises Schieds-r
gerichtsverfahren zu empfehlen, mit anderen Worten die Empfehlung eines Verfahrens,
dem nicht beide Parteien freiwillig zugestimmt haben.
Schiedsgerichtsbarkeit und Kollektiv-Verhandlungen
Im grossen und ganzen ist die Schiedsgerichtsbarkeit ein inoffizieller und
kein durch starre Verfahrensvorschriften eingeengter Prozess. Die Parteien setzen
in gemeinsamer Vereinbarung ihre eigenen Verfahrensregeln fest, waehlen den Schiedsrichter oder legen eine Methode fuer seine Auswahl fest, legen auch Termine fest,
definieren Probleme oder Streitfaelle, die unterbreitet werden sollen, und stimmen
schliesslich gemeinsam darin ueberein, dass innerhalb dieser Grenzen die Entscheidung des Schiedsrichters engueltig und bindend sein soll.
Im Gegensatz zur Vermittlung und Schlichtung ist die Schiedsgerichtsbarkeit
in Wirklichkeit kein Teil des Kollektiv-Verhandlungswesens, obgleich sie oftmals
als Kollektiv-Verhandlungen oder dazugehoerig angesehen werden. Waehrend eine
Vermittlung die gegenseitige Einraeumung von Zugevtaendnissen einschliesst, wobei
den betroffenen Parteien auch gestattet ist, sich das Recht einer endgueltigen
Entscheidung ueber den Streitpunkt vorzubehalten, schliesst die Schiedsgerichtsbarkeit keinerlei Kompromisse in sich und nimmt den streitenden Parteien die endgueltige Entscheidung aus ihren Haenden. Nachdem die Parteien freiwillig der
Schiedsgerichtsbarkeit zugestimmt haben, sind sie an die Annahme und Aujafuehrung
der Entscheidung des Schiedsrichters gebunden.
Zwei unwandelbare Elemente muessen bei der Schiedsgerichtsbarkeit vorhanden
sein, ohne Huecksicht auf die Elastizitaet aller uebrigen Merkmale. Erstens muss
oder muessen der bzw. die Schiedsrichter unparteiisch sein. Falls ein Ausschuss
gebildet wird, dem auch Vertreter der Parteien angehoeren, so erhaelt das unparteiische Mitglied oder der unparteiische Vorsitzende die entscheidende Stimme.
Zweitens muss es eine endgueltlge und bindende Entscheidung geben, die durch
den Spruch des Schiedsgerichts verkoerpert wird, und nicht lediglich den Versuch,
die Parteien zusammenzubringen, damit sie die Frage selbst regeln koennen, und
die Entscheidung muss innerhalb der Vollmachten liegen, die dem Schiedsgericht
zugestanden worden sind.
Grundsaetzlich ist ein solches Schlichtungsverfahren ein Ersatz fuer wirtschaftliche Massnahmen - fuer Streik oder Aussperrung. In der Tat wird die Vereinbarung, sich der Schlichtung zu bedienen, vielfach mit einer Regelung gekoppelt,

�die S t r e i k s und Aussperrungen aussohliesst in a l l e n Faellen, auf die d i e Schlichtung anwendbar i s t .
Die Schiedsgerichtsbarkeit kann entweder eine jeweils zeitbegrenzte, auf
einen bestimmten F a l l a b g e s t e l l t e Einrichtung s e i n , die getrennt fuer jeden e i n zelnen S t r e i t f a l l e i n g e r i c h t e t wird, oder s i e kann auch staendig bestehen, wobei
dann die gleiche Person oder der gleiche Ausschuss als Schiedsrichter fuer die
G ü l t i g k e i t s d a u e r des Abkomraans t a e t i g i s t . Die unparteiische S t e l l e , an die une r l e d i g t e S t r e i t i g k e i t e n zur endgueltigen Entscheidung ueberwiesen werden, kann
a l s Schiedsrichter, unparteiischer Vorsitzender oder Schlichter bezeichnet werden.
Die Frage der Bezeichnung i s t unbedeutend. Der wichtige Faktor ohne Buecksicht
auf den T i t e l , mit dem die unparteiische Person bedacht wird, i s t die Reichweite
seiner Vollmachten (oder seiner Funktionen), und dies i s t bei den einzelnen Vereinbarungen u n t e r s c h i e d l i c h . Bei manchen Vertraegen mag der 3chiedsrichter(fuer
den einzelnen F a l l oder fuer staendig berufen) nur ein beschraenktes Aufgabengeb i e t haben. Bei anderen Vertraegen wieder mag seine J u r i s d i k t i o n dem Wesen nach
unbeschraenkt s e i n , e i n s c h l i e s s l i c h der endgueltigen Verfuegung ueber irgendwelche
unerledigten Beschwerden, die s i c h auf Arbeitsbedingungen oder sogar auf die
Bedingungen eines neuen Abkommens beziehen.
Durchfuehrungsmoeglichkeiten bzw. Fuehlungnahme in der Schiedsgerichtsbarkeit
Bei den Kollektiv-Verhandlungen i s t es ueblieh, zwischen Fragen der Ausleguag
oder Anwendung spezifischer Klauseln von Abkommen, d i e b e r e i t s ausgehandelt und
in Kraft getreten sind, und S t r e i t i g k e i t e n ueber die Bedingungen, die in ein neues
erneuertes Abkommen aufgenommen werden s o l l e n , zu unterscheiden. (Die Schiedsger i c h t s b a r k e i t kann auch angewandt werden, um S t r e i t i g k e i t e n h i n s i c h t l i c h der
J u r i s d i k t i o n zweier oder mehrerer Gewerkschaften in bezug auf gewisse Arbeiten
oder Arbeitsarten ihres Organisationsgebietes zu r e g e l n . ) Die e r s t e Art der
Schiedsgerichtsbarkeit wird angewandt, um Kontroversen zu bereinigen, die unausb l e i b l i c h bei der taeglichen Anwendung eines Abkommens innerhalb eines Betriebes
entstehen. Die zweite Art wird angewandt, um Meinungsverschiedenheiten ueber
grundsaetzliche Beschaeftigungsbedingungen zu r e g e l n , die in ein neues Abkommen
auf genommen werden s o l l e n . Im ersten F a l l e kann die Taetigkeit des Schiedsrichters
als r i c h t e r l i c h e oder r i c h t e r a e h n l i c h e Funktion aufgefasst werden, wenn er eine
Entscheidung ueber Zwecke oder Bedeutung einer umstrittenen Klausel, oder ihre
Beziehung zu einer gegebenen Lage f a e l l t . Im l e t z t e r e n F a l l e i s t der Schiedsr i c h t e r normalerweise gehalten, eine l e g i s l a t i v e Stellung einzunehmen.
Es g i b t jedoch keine klare Unterscheidung zwischen diesen beiden Mioeglichk e i t e n . Im besonderen in Verbindung mit S t r e i t i g k e i t e n , die waehrend der Gueltigkeitsdauer eines Vertrages auftreten, entscheiden die Auffassungen der Schiedsr i c h t e r im Hinblick auf ihre Funktionen, den Entwicklungsgang der Verhaeltnisse
im Abkommens verfahren, die vertragsmaessige Beschraankung der Reichweite in
bezug auf die'Vollmachten der Schiedsrichter und verschiedene andere Faktoren,
ob ein Schiedsrichter s t r i k t als"Richter"oder a l s . "Gesetzgeber" handeln oder ob
er diese beiden Funktionen weise kombinieren s o l l .
Vorschriften fuer Anwendung der Schiedsgerichtsbarkeit.
Die meisten Kollektiv-Verhandlungs-Abkommen enthalten eine Vorschrift fuer
die Schiedsgerichtsbarkeit bei unerledigten S t r e i t i g k e i t e n . Diese Vorschriften
sind in ihren Einzelheiten sehr unters Chi edlidh. In einigen Abkommen wird die
Schiedsgerichtsbarkeit mit einem einzigen Satz vorgesehen, der etwa l a u t e t ;
"nicht beigelegte S t r e i t i g k e i t e n sind einem Schiedsgericht zu ueberweisenj'
andere enthalten s o r g f a e l t i g d e t a i l l i e r t e Klauseln, die auch die d e f i n i t i v e
Reichweite der S t r e i t f a e l l e einschliessen, sowie Regeln und Vorschriften fuer
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�die Abwicklung, Termine usw. Das Fehlen einer Vorschrift ueber die Schiedsger i c h t s b a r k e i t s c h l i e s s t n a t u e r l i c h n i c h t a u s , dass s i c h Arbeitgeber und Gewerkschaft nicht gemeinsam darueber schluessig werden, bestimmte S t r e i t i g k e i t e n durch
gemeinsam getroffene Uebereinkunft j e d e r z e i t einem Schiedsgericht zu u n t e r b r e i t e n .
Die Reichweite d e r Schiedsgerichtsbarkeit erstreckt sich ueblicherweise nur auf
S t r e i t i g k e i t e n ueber d i e Auslegung und Anwendbarkeit der Vertragsbedingungen. Die
Vertragsbedingungen werden in Kollektiv-Verhandlungen f e s t g e l e g t ; die Erledigung
von S t r e i t i g k e i t e n ueber Bedingungen eines neuen Vertrages oder die Erweiterung
bzw. Abaenderung eines bestehenden Vertrages l i e g t nur s e l t e n innerhalb der
J u r i s d i k t i o n des S c h i e d s r i c h t e r s .
Die Überweisung unerledigter S t r e i t i g k e i t e n an d i e Schiedsgerichtsbarkeit
nach Erschoepfung
des Beschwerdeverfabrens e r f o l g t ueblicherweise automatisch
(ausgenommen fuer nicht schiedsgerichtsfaehige S t r e i t f a e l l e ) , obgleich einige
Vertraege die Anwendung der Schiedsgerichtsbarkeit nur nach b e i d e r s e i t i g e r Zustimmung g e s t a t t e n . Die meisten Vereinbarungen sehen eine Schiedsgerichtsbarkeit
fuer den einzelnen F a l l -vor, was bedeutet, dass ein Schiedsrichter oder ein Schiedsausschuss ausgewählt wird , nachdem die Verhandlungen erfolglos geblieben s i n d .
Andere jedoch sehen d i e Ernennung eines Schiedsausschusses oder eines u n p a r t e i ischen Vaaitzenden vor, der waehrend der gesamten Dauer des Abkommens seine Taetigk e i t ausuebt. Beim Fehlen einer staendigen Schiedsgerichtsbarkeitseinrichtung
koennte sich eine Lage gegenseitigen Miss trauens in jenen Faellen ergeben, wo sich
Arbeitgeber und Gewerkschaft ueber d i e Auswahl des Schiedsrichters e r s t dann e i nigen muessen, nachdem Verhandlungen fehlgeschlagen sind, und in einer solchen
S i t u a t i o n i s t dann eine Einigung auf einen Schiedsrichter schwierig. Manche Abkommen sehen deshalb d i e Auswahl des Schiedsrichters durch eine nicht betroffene
d r i t t e P a r t e i vor, wenn Arbeitgeber und. Gewerkschaf t s i c h n i c h t innerhalb e i n e r
angemessenen Zeitspanne einigen koennen. Die am haeuf igsten fuer die Ernennung
bestimmten S t e l l e n sind der "Bundes Vermittlungs- und Schlichtungsdienst" (Föderal
Mediation and Conciliation Service), verschiedene s t a a t l i c h e Arbeitsausschuesse
( S t a t e Labor boards) sowie d i e Amerikanische Schiedsgerichts Vereinigung (American
A r b i t r a t i o n Association), eine p r i v a t e S t e l l e .
Oftmals werden in den Abkommen Termine fuer einige oder a l l e Stadien des
Schiedsgerichtsprozesses f e s t g e s e t z t worden. Manchmal enthalten sie ins einzelne
gehende Regeln und Richtlinien in Bezug auf die Durchfuehrung des Schiedsgerichtsverfahrens, Zulaessigkeit von Beweismitteln und damit zusammenhaengende Dinge.
Die Kosten fuer den Schiedsrichter werden uebl icherweise gleichmaessig von
beiden Parteien getragen. Einige Vereinbarungen verpflichten die unterliegende
P a r t e i , die gesamten Kosten zu tragen.
Fast immer • sagen sowohl die Arbeitgeber a l s auch d i e Gewerkschaften
zu, den Schiedsgericht ssproch a l s endgueltig und bindend anzunehmen. Dies kann
nur i n wenigen Staaten gesetzlich erzwungen werden. Vielfach enthalten die
Abkommen Bestimmungen, die s i c h auf die rueckwirkende Kraft des Schiedsspruches
beziehen, besondersin Jenen Faellen, in denen es um ungerechtfertigte Entlassungen
oder um die Angleichung von Lohnsaetzen geht.

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�VERTRAUEN UND ZUSAMMENARBEIT

"Es i s t von Wichtigkeit, dass bei den Gewerkschaften des Landes, die mit
der v e r s t a a t l i c h t e n I n d u s t r i e i n Zusammenhang stehen, v o l l s t e Zusammenarbeit
und guter Wille herrschen muss. Daher muss der solidarische Mechanismus zur
Erreichung der Leistung mit den Gewerkschaften behandelt und von ihnen g e b i l l i g t
werden.
"Sollen aber die Mitglieder des gemischten Leistungsaus Schusses von den Gewerkschaften von Seiten der Arbeitnehmer ernannt oder s o l l e n s i e aus den Reihen
der Arbeiter in der I n d u s t r i e a l s Arbeiter gewaehlt werden«
"Ich h a l t e es fuer r i c h t i g , wenn die Mitglieder einer solchen Eberperschaft
innerhalb der I n d u s t r i e s e l b s t gewaehlt werden, und zwar auf der Basis, dass die
Arbeiter daran a l s Arbeiter und n i c h t direkt a l s Gewerkschaftler b e t e i l i g t sind..
Ich moechte hierbei hervorheben, dass dar Arbeiter in der I n d u s t r i e keine Verantwortung bei vollzugsreifen Entscheidungen uebernehmen w i l l . Was er w i l l , i s t ,
dass man seine Meinung hoert, bevor eine vollzugsreif e Entscheidung wirksam wird,
und dann w i l l e r seinen Beitrag l e i s t e n , und u e b e r l a e s s t die Verantwortung fuer
die Entscheidung jemand anders.
"Eine der e r s t e n Aufgaben bei der gemeinsamen Beratung i n der v e r s t a a t lichten I n d u s t r i e besteht d a r i n , das Misstrauen zu zerstoeren, Vertrauen zu
schaffen, und Zusamnenarbeit zu sichern. Vertrauen kann durch gemeinsame Erziehung innerhalb der s o z i a l i s i e r t e n I n d u s t r i e geschaffen werden. Ich hoffe,
dass dies der F a l l sein wird, sobald die B e t r i e b s l e i t u n g wie auch die Arbeiter
Wochenendschulen e i n g e r i c h t e t haben, wo ueber die Funktion der gemeinsamen Beratung gelehrt w i r d .
"Wir muessen den Arbeiter davon ueberzeugen, dass der Mann, der ihn beaufs i c h t i g t , w i r k l i c h seiner Arbeit wuerdig i s t . Arbeiter wollen nicht die Verantwortung dafuer uebernehmen, zu entscheiden, wer befoerdert werden s o l l . Auf
a l l e F a e l l e aber wollen s i e das Gefuehl haben, dass jeder, der ueber angemessen»
Faehigkeiten fuer einen Posten hat, auch die f a i r e Chance,haben s o l l , den Posten
zu bekommen.
"Es wird in der Beaufsichtigung nie ein wirkliches Vertrauen P l a t z ergreifen,
wenn jeder Chef von der Spitze b i s zur niedrigsten Stellung herunter von denjenigen getaeuscht wird, die unter ihm zu arbeiten haben. Hier i s t eine Beratung
vonnoeten. Jeder Arbeiter wird zugeben, dass, wenn es fuer Leute die Moeglichk e i t geben s o l l , sich von unten herauf b i s zur hoechsten Position emporzuarbeiten,
ein besonderes Training innerhalb der I n d u s t r i e bestehen muss und dass darauf
geachtet werden muss, dass diese Leute ein allgemeines Bild von der Industrie
bekommen.
"Ich bin der Meinung, dass der Arbeiter in der Industrie das Recht hat, durch
den Mechanismus der gemeinsamen Beratung ueber die Moeglichkeiten von Erziehungsplaenen befragt zu v/erden. Darueber hinaus s o l l t e ihm die Gelegenheit gegeben
werden, die Ausbildungsplaene in der Auswirkung zu beobachten. Ich denke, dass
dies von Vfichtigkeit i s t , um dem Arbeiter Vertrauen einzufloessen. Je mehr e r
die Erfordernisse und d i e Personalfragen in der Industrie kennen l e r n t , umso mehr
wird er nach gemischten Beratungsausschuessen verlangen."
"Labour" J u l i 1%9
EIN SCHWEDISCHER BERGARBEITER BESUCHT DIE USA
Edward Mattson, der Vorsitzende der sdiwedischen Bergarbeitergewerkschaft,
hat im Auftrage der Behoerden des Karshallplans kuerzlich die Vereinigten Staaten

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�b e r e i a t , um dort das Problem der Leistungssteigerung zu studieren, wie s i e im
technischen Unterstüetzungsprogramm der Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammena r b e i t (BCA) vorgesehen i s t . Mattson schreibt darueber in seinem Gewerkschaftsblatt:
"Es i s t hoechst erfreulich zu wissen, dass sich Amerika gerade J e t z t so sehr
mit internationalen Problemen b e f a s s t , und dass auch die Gewerkschaften in ihrer
Gesamtheit an der internationalen Lage Interesse nehmen,"
Mattson s t e l l t ferner fest« "Die amerikanischen Arbeitgeber haben gelernt,
die Arbeiter und ihre Organisationen zu r e s p e k t i e r e n ; " und fuegt hinzu; "Wie es
heutzutage u e b e r a l l in der z i v i l i s i e r t e n Welt der Fall i s t , sind sich die Arbeitgeber auch in Amerika der Notwendigkeit der Zusammenarbeit im Produktionsprozess
bewusst und glauben, dass auf lange Sicht gesehen eine solche Zusammenarbeit fuer
a l l e B e t e i l i g t e n zum Besten i s t , "
Der schwedische Bergarbeiterfuehrer weist darauf hin, dass in den Vereinigten
Staaten die Unfallverhuetungsmassnahmen von der Arbeiterschaft und der B e t r i e b s l e i t u n g gemeinsam durchgefuehrt werden. Er erwaehnt die Einsetzung beeonderer
Sicherheitsausschuesse in den Fabriken und e i k l a e r t , dass, wie allgemein f e s t g e s t e l l t worden i s t , d i e Zahl der Betriebsunfaelle in Amerika, eins-chliesslich der
toedlichen Unfaelle in den l e t z t e n Jahren abgenommen habe.
Nach Mattson liegen die Stundenloehne in Amerika etwas hoeher « l s in Schweden.
Mattson b e r i c h t e t u . a . , dass einer der amerikanischen Gev;erksdhaftsbuende jaehrlich
250,000 Dollars fuer Ausbildungszwecke ausgibt und neun verschiedene Sommerschulen
fuer seine Mitglieder u n t e r h i e l t .
Aus: Gewerkschaftsnachrichten der, ECA, 7 . J u l i 1949
ITALIEN BLICKT NACH WESTEN
"Bei Betrachtung der p o l i t i s c h e n S i t u a t i o n i n I t a l i e n wuerde ein englischer
Beobachter gut daran tun, s i c h umzustellen und entgegen seiner Gewohnheit die
Dinge eine wenig mehr von rechts her zu sehen* Die Regierungen, die in England
der Arbeiterregierung 'vorausgingen, hatten b e r e i t s eine entscheidende Wendung
zum Sozialismus gemacht. In I t a l i e n wuerden die r e c h t s g e r i c h t e t e n Kreise v i e l e
der Massnahmen, mit denen sich die englischen Konservativen und Liberalen abgefunden haben, als geradzu umstjttrzlerisch ansehen.
Die S o z i a l i s t e n in I t a l i e n schauen sich, Reforraraassnahmen durchzufuehren,
obwohl s i e d i e A r b e i t e r p a r t e i in England a l s ihr Vorbild ansehen. Waebrend des
Baschismus haben sie-den groesseren Teil der s i e unterstu s t ä n d e n Arbeiterschaft
an die Kommunisten verloren; auch j e t z t noch s t e l l e n die i t a l i e n i s c h e n Sozial i s t e n eine E l i t e mehr oder weniger ehrgeiziger I n t e l l e k t u e l l e r dar, die keine
wirkliche Verbindung zum P r o l e t a r i a t und zu den Gewerkschaften haben. Was die
Kommunisten angeht, so-hat es den Anschein, a l s verfolgten s i e mit ihren S t r e i k s
l e d i g l i c h einen sozialen Zweck. In WirUichkeit verfolgen s i e ein p o l i t i s c h e s
Z i e l , naemlich Unruhe im I n t e r e s s e des Kominform zu s t i f t e n . Konkreten Reformproblemen weichen s i e aus. Sie haben kein I n t e r e s s e daran, ein System zu stuetzen,
dessen Zerstoerung s i e bezwecken.
In I t a l i e n , wo s i c h d i e Demokratie sozusagen noch in einem Versuchsstadium
befindet, t r i t t man einer p o l i t i s c h e n P a r t e i oft mehr aus Gruenden der Zweckmaessigkeit bei als in der Absicht, sich fuer bestimmte Interessen oder Ideale
einzusetzen. Daher i s t es schwierig» ideologische Grenzen zu ziehen. Feste
p o l i t i s c h e oder weltanschauliche Ueberzeugungen findet man nur in gewissen
kleinen Kreisen, welche die Kernzellen einiger Parteien b i l d e n . . ! . . Am schwächsten weltanschaulich fundiert sind d i e S o z i a l i s t e n ; es fehlt ihnen der fanatische
Glaube an eine Idee, wie wir ihn bei den Katholiken, Monarchisten, Faschisten

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�und Kommunisten finden. Die S o z i a l i s t e n versuchen, diesen Mangel dadurch auszugleichen, dass s i e die Demokratie zu einem Fetisch machen, obwohl diese Regierungsform dann am besten f u n k t i o n i e r t , wenn man s i e als gegeben hinnimmt.
Mangelnde Reform des Finanzwesens
Es waere unklug, die Tatsache ausser Acht zu lassen, dass der Faschismus fuer
die Arbeiterklasse einen gewissen Grad von Wohlstand geschaffen h a t t e , s e i er auch
noch so schlecht fundiert gewesen, und dass das Koerperschaftsrecht, wenn es auch
nicht den Kampf zwischen Kapitalismus und Arbeiterschaft beendeta doch in gewissen
Ausmasse die Gegensaetze zwischen beiden milderte, oder wenigstens v e r s c h l e i e r t e .
Der Krieg und seine Nachwirkungen haben diesen Wohlstand z e r a t o e r t und die unter
dem faschistischen Regime e i n g e l e i t e t e n Reformen hinweggefegt, ohne d i e w i r t s c h a f t l i c h e Struktur des Landes grundlegend zu veraendern. Diese Struktur i s t ihrem
Wesen nach .undemokratisch; s i e beruht auf einem ungerecht eehandhabten und korrupten Finanzsystem, das mit den heutigen Begriffen von Gleichheit und Gerechtigkeit
ja sogar mit den Grundsaetzen volkswirtsdhaftlichen Denkens unvereinbar i s t , Der
S t a a t , der aus verschiedenen Gruenden nicht i n der Lage i s t , die direkten Steuern
in vollem Umfange einzuziehen, i s t mehr und mehr zu einer indirekten Besteuerung
uebergegangen, die schwer auf den unbemittelten Klassen der Bevoelkerung l a s t e t .
Diese Misstaende werden noch durch die willkuerliche Anwendung der Steuergesetze
und Steuerbefreiungen verschaerft, wobei sich p r i v a t e Interessengruppen nur zu
oft hinter dem Bollwerk k i r c h l i c h e r Vorrechte verschanzen, die an s i c h schon ein
starkes Hindernis fuer eine Steuer- und Agrarreform d a r s t e l l e n .
Anstatt nach der Befreiung des Landes Steuerreformen einzufuehren, wandten
die Linksparteien ihre ganze Aufmerksamkeit den Verfassungsfragen zu und fuhren
f o r t , in vagen Toenen von einer Revolution des Geistes zu reden, obwohl s i e die
geistigen Kraefte des Landes keineswegs auf ihrer Seite h a t t e n . Man v e r l o r Zeit
und verpasste die kurz sich bietende Gelegenheit. Die Reformen, die e i g e n t l i c h
zum Bestände des s o z i a l i s t i s c h e n Programms gehoert haetten, wurden entweder von
anderen Kreisen durchgefuehrt und dann nur unvollstaendig und in anderem Sinne,
oft auch mit der Absicht, ihre Auswirkungen wieder aufzuheben« oder aber s i e unterblieben v o e l l i g .
Der i t a l i e n i s c h e Sozialismus i s t sowohl marxistischen a l s auch l i b e r a l e n Ursprungs. So wird e r dauernd zwischen revolutionaeren und reformatorischen Vorstellungen hin und her g e r i s s e n . Daher auch d i e ideologischen Motiven entspringenden dauernden Absplitterungen, Zusamnenschluesse und Trennungen, die schon zu
e i n e r Art Sport, fast zu einem Laster geworden sind
Seitdem die Sozialisten
wieder im p o l i t i s c h e n Kampfe stehen, haben sie einen neuen und schaebigeren Beweggrund fuer ihre k l e i n l i c h e n Auseinandersetzungen gefunden. Jeder, der nur
geringfuegig von der allgemeinen Richtung abweicht, bemueht sich, eine eigene
Partei oder Parteigruppe mit eigener Fuehrung zu bilden, Minister zu werden oder
einen aehnlichen eintraeglichen Posten mit eigenem S e k r e t a r i a t und zahlreichen
untergeordneten Stellen zu bekommen, auf diese Weise verdienen sich viele Leute
ihren Lebensunterhalt (oder wiegen sich in der Hoffnung, dazu eines Tages in der
Lage zu s e i n . )
Auf geblaehter Verwaltungsapparat
In der Zwischenzeit sind in f a s t jedem Ministerium mit dem Amtsantritt eines
Parteifuehrers oder des Exponenten einer kleineren politischen Gruppe eine Anzahl
i h r e r Anhaenger mit uebernommen worden-, da sich aber niemand durch die Z u r ü c k weisung solcher Leute unpopulaer machen w i l l , fuehrt dies dazu, dass der ohnehin
schon aufgeblaehte Beamtenapparat noch vergroessert wird. Unfaehig zu entscheiüan,
ob das Beamtentum p o l i t i s c h oder unpolitisch sein s o l l , haben die I t a l i e n e r s e i t
ueber fuenfzig Jahren mit Verwunderung und Unruhe der staendigen Erweiterung ihres
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�Beamtenapparata zugesehen. Zurzeit verursacht die Durchfuehrung des Marshallplanes
eine weitere Aufblaehung des Verwaltungsapparats. In I t a l i e n i s t die Ansicht weit
v e r b r e i t e t , dass der europaeische Hilfsplan, der die Einfuhr von F e r t i g - und Halbf a b r i k a t e n v o r s i e h t , der i t a l i e n i s c h e n Industrie schadet und s c h l i e s s l i c h A r b e i t s l o s i g k e i t hervorrufen wird. Bisher hat nur e i n e Gruppe unbedingten Nutzen aus dem
Marshallplan gezogen, naemlich der Beamtenapparat, der zu seiner Verwaltung einger i c h t e t vrorden i s t . Der i t a l i e n i s c h e Staat i s t in doppelter Hinsicht schwer bel a s t e t ; einmal durch die Zuschuesse an die I n d u s t r i e und zweitens durch den auf geblaehten Beamtenapparat; beide Erscheinungen s t e l l e n l a t e n t e Formen der A r b e i t s l o sigkeit dar.
Kein Mensch in I t a l i e n zweifelt daran, dass die Kommunisten s e i t den l e t z t e n
allgemeinen Wahlen an Boden verloren h a b e n . . . . . E s s t e h t f e s t , dass sich I t a l i e n im
vergangenen Jahr, wenn auch noch so zoegernd, fuer Amerika entschieden hat, so dass
die kommunistische P a r t e i vorlaeufig denjenigen i h r e r Mitglieder, die nur um des
V o r t e i l s willen der P a r t e i b e i t r a t e n , wenig zu bieten h a t . Die Lauen und Ungeduldigen sind b e r e i t s ausgeschieden und s e l b s t d i e Masse der Arbeiterschaft wahrt der
kommunistischen P a r t e i die Treue nur noch, weil s i e Vorteile erwartet, und nicht
aus Ueberzeugung. Die Arbeiter wollen keine Revolution, sondern nur greifbare
kleine Vorteile i n Form von Lohnerhoehungen. Sie sind der zahlreichen p o l i t i s c h e n
S t r e i k s ueberdruessig, die nur Zeitverlust und Lohnausfaelle mit s i c h bringen, und
s e l b s t von nichtpolitischen S t r e i k s versprechen s i e sich wenig. Der e i n f a e l t l g s t e
Mensch weiss heute Bescheid ueber den unheilvollen V'ettlauf zwischen Loehnen und
Preisen und kann zwischen Reallohn und Nominallohn unterscheiden. Was froher
einmal eine i t a l i e n i s c h e P a r t e i war, i s t zu einer fuenften Kolonne herabgesunken
und v e r l i e r t infolgedessen immer mehr an Boden.
Ninetta S, Jueker im "Manchester
Guardian V/eekly", 30. Juni 1949
DIE LEBENSHALTUNGSKOSTEN FRANKREICHS IM JAHRE 1949
Aus e i n e r Studie ueber d i e Ausgaben von 1.000 Familien von franzoesiscnan
Lohnempfaengern, Bueroarbeitern und Stellungslosen in P a r i s und Umgegend aus der
Zeit zwischen April und J u l i 1948 ergab, dass ein Ehepaar mit 3 Kindern b3% seiner
Ausgaben in Lebensmitteln, 10.1 in Kleidung, 91 fuer Miete, Heizung und Hausrat,
6% fuer Medizin und sanitaere Dinge und 12% fuer andere Ausgaben e i n s c h l i e s s l i c h
Vergnuegen, Tabak und Fahrgelder a n l e g t e . Das Durchschnittsehepaar ohne Kinder
l e g t e 81 weniger von den Gesamtausgaben fuer Lebensmittel an a l s ein Ehepaar mit
3 Kindern, aber 2% mehr fuer Kleidung und 6% mehr fuer verschiedene Ausgaben. Die
im Verhaeltnis dazu stehenden Ausgaben fuer Miete und aerztliche Betreuung waren
f a s t e i n h e i t l i c h ohne Ruecksicht auf die Grösse der Familie. Die Studie umfasste
ebenso Familien von Stellungslosen wie auch von in Arbeit stehenden Hairt- und
Kopfarbeitern, und wurde gemeinsam vom Landesinstitut fuer S t a t i s t i k und dem Landesi n s t i t u t fuer Hygiene durchgefuehrt.
O f f i z i e l l e und wirkliche Preise
Die Studie hob den Unterschied hervor zwischen den o f f i z i e l l e n Preisen und
denjenigen, die wirklich fuer Lebensmittel bezahlt werden. Obwohl nur geringe
Unterschiede bei den Preisen fuer Brot, Milch, Teigwaren (Spagetti, Nudeln und
anderen Kehlerzeugnissen) bestanden, war die Spanne zwischen den o f f i z i e l l e n
und den wirklich gezahlten Preisen bei Fetten, Mehl, Butter und Schokolade gross.
So wurde z.B. Butter in Wirklichkeit zum Preise von F r c s . 550.- pro kg. verkauft,
waehrend der o f f i z i e l l e P r e i s F r c s . 412.50 b e t r a e g t . Der o f f i z i e l l e Preis fuer
Mehl betrug Frcs 30.— pro kg. der wirklich bezahlte Preis belief sich im Durchs c h n i t t auf Frcs 7 6 . — .
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�Der Ueberblick zeigte grosse Unterschiede bzw. Schwankungen im wirtschaftlichen
Wohlstand der Familien in diesen Gruppen, wobei viel davon abhing, ob ein Teil der
Eheleute oder beide beschaeftigt waren, ob Mitglieder der Familie den Vorteil der
Einrichtung von Werkspeisungen oder Schulspeisungen genossen, und ob die Familie
in ihrem eigenen Garten anbaute. Der Betrag des fuer Lebensmittel verfuegbaren
Geldes lag bei groesseren Familiten durch Familienzuwendungen und durch Herabsetzung der direkten Steuern hoeher, in dem Masse, wie die Familie groesser rmrde.
Direkte Steuern erschienen in keinem Falle als schwere Belastung, da sie nach
unten gestaffelt waren, und zwar etwas unter Zv der Gesamtausgaben (fuer ein kinderloses Ehepaar) bis auf etwa 2/10 % fuer eine Familie mit 3 Kindern.
Die woechentlichen Ausgaben fuer Lebensmittel fuer ein erwachsenes Ehepaar
ohne Kinder betrugen im Durchschnitt Frcs. 4.086. (der offizielle Umrechnungskurs
betrug im Februar 1949 Frcs 214.71 fuer 1 US $. der freie Kurs war 318.6l:l). Die
Zunahme der woechentlichen Ausgaben fuer Lebensmittel schwankte je nach dem Alter
des Kindes wie folgt; Ehepaar mit 1 Kind unter 3 Jahren
Frs 4.491.—
Ehepaar mit 1 Kind zwischen 3 und 16 Jahren . . . .
" 4.672.—
Ehepaar mit 1 Kind von 16 Jahren und darueber . . . " 4.877.—
Familien der Handarbeiter gaben etwa 5% mehr von ihrem Einkommen fuer Lebensmittel aus als diejenigen der Kopfarbeiter» andererseits waren ihre Ausgaben fuer
Kleidung und Miete etwas geringer.
Fleisch und Getraenke
In der Zeit von April bis Juli 1943 gab der Franzose - ohne Berücksichtigung
der Groesse seiner Familie - nahezu ^ des fuer Lebensmittel vorgesehenen Betrages
fuer Fleisch aus, mehr Geld also als er an Miete zahlte, was relativ dem Vorkriegsstand nahekam. Weitere 15t des fuer den Kauf von Lebensmittel bestimmten Betrages
wurden fuer Gemuese und etwa 1Q£ fuer Brotwaren ausgegeben* Wenn er keine Kinder
hatte, gab er durchschnittlich 15,3 seines fuer Lebensmittel vorgesehenen Betrages
fuer alkoholische Getraenke, meistens Wein, aus. Hatte er 3 Kinder, dann waren es
durchschnittlich 10?. Die Ausgaben fuer Milchprodukte stiegen von 7? der Lebens-r'
mittel aus gab an einer kinderlosen Familie auf 12t fuer eine Familie mit 3. Kindern.
Kaffeeeinkaeufe machten nur 1 oder 2? der Ausgaben fuer Lebensmittel aus.
Eine der groesaten Schwierigkeiten in der Aufstellung der Uebersicht ergab
sich insofern, als sich etwa 40? derjenigen, die fuer die Untersuchungen ausgewaehlt waren, weigerten, den Fragebogen (Bericht ueber Ausgaben waehrend dieses
Zeitabschnittes) auszufuellen. Der Hauptgrund fuer die 'Weigerung war Zeitmangel,
ausserdem Misstrauen, Mangel an Interesse und politische Meinungen.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Labor Abroad" Mai 1949
CIO .BERICHT EMPFIEHLT LOHNERHOEHUNG
Mit der Varoeffentlichung eines Berichts, in dem erklaert wird, dass die
Unternehmen im allgemeinen duröhaus in der Lage sind, erhebliche Lohnerhoehunger.
durchzufuehren, ist der Verband der Industriegewerkschaften (Congress of Industrial
Organizations - CIO) in die vierte Runde seines Kampfes um Lohnerhoehungen in der
Massenproduktionsindustrie eingetreten.
In diesem Bericht wird weiter behauptet, dass -wie aus den vorhandenen zahlenmaessigen Unterlagen hervorginge- eine maessige Lohnerhoehung eine Herabsetzung der
Preise durchaus nicht ausschloesse.
Der Bericht, der von der privaten '.VirtschaftsberatungsfIrma Robert R. Nathan
Associates, Inc., verfasst worden ist, v.urde von Mr. Nathan bei einem Essen, an
dem 200 Gaeste, darunter Kabinetts- und Kongressmitglieder sowie Regierungsbeamte,
teilnahmen, eingehend erlaeutert.
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�P h i l i p Murrsy, der Praesident des CIO, fuehrte Mr. Nathan ein und erwaehnte
in diesem Zusammenhang einen aehnlichen Bericht, den Nathan, der damals - tror
drei Jahren- 'Virtschaftsachverstaendiger der Roosevelt-Regierung war, auf Verlangen
des CIO v e r f a s s t h a t t e ; Murray s t e l l t e f e s t , dass die lveitere Entwicklung "die
R i c h t i g k e i t jener glaenzenden Analyse des Wirtschaftslebens v o l l b e s t a e t i g t habe."
Nathan h a t t e behauptet, dass die Unternehmer im grossen und ganzen eine 25^ige
Lohnerhoehung durchaus tragen koennten, ohne dass sie gezwungen waeren, die Preise
zu erhoehen, und dass die Gewinne auch ohne Preissteigerungen sich auf dem waehrend
des Krieges erreichten Hoechststand halten wuerden.
Obgleich s i c h Nathan j e t z t nicht, wie er es im Jahre 1946 getan h a t t e , fuer
eine bestimmte Lohnerhoehung, die e r fuer w i r t s c h a f t l i c h v e r t r e t b a r h i e l t , e i n s e t z t e
so war es dochsain Hauptargument, dass sich der Durchschnittslohnempfaenger s e i t
1946 w i r t s c h a f t l i c h gesehen in e l a e r Tretmuehle befand.
Dass heute d i e Kaufkraft des Durchschnittsarbeiters nicht groesser i s t a l s
es Mitte des Jahres 1946 der F a l l war, fuehrt Nathan hauptsaechlich auf die gegenwaertige P r e i s p o l i t i k und die sich daraus ergebend« Steigerung der Gewinne zurueck.
Seiner Meinung nach haben d i e s e Erscheinungen die Nachkriegsprosperitaet beeint r a e c h t i g t und den ;virtschaftlichen Rueckgang herbeigefuehrt.
In den Bericht wird ausgefuehrt, dass, waehrend der Kapitals er t r a g saemtlicher
i n d u s t r i e l l e r Unternehmen "die nie dagewesene Hoehe von V7% im Fruehjahr 1948 e r r e i c h t e , die General Motors Corporation 2ßt und d i e Studebaker Corporation gut
ueber 30* im Jahre 1943 nach Abzug der Steuern verdient haben."
Die Zeit fuer Lohnerhoehungen i s t da
Obwohl Nathan nicht der Ansicht i s t , dass a l l e Industriezweige gleichmaessig
eine Lohnerhoehung vertragen koennen, e r k l a e r t er dennoch in seinem Bericht;
"Wenn es jemals einen Zeitpunkt gab, in dem eine Lohnerhoehung ohne g l e i c h z e i t i g e Preissteigerung moeglich war, so i s t es j e t z t . "
Die Behauptung, dass die Gewinne noch immer hoch sind, wird im Bericht mit
der F e s t s t e l l u n g begruendet, dass "Öle im ersten Quartal 1949 e r z i e l t e n Gewinne
sich vor Abzug der Steuern auf einen Jahresbetrag von 31 Milliarden Dollar belaufen und auf nahezu 19 Milliarden^Dollar nach Abzug, der Steuern."
Nathan warnt davor, "den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen", und schlaegt
vor, die Unternehmer s o l l t e n d i e P r e i s e auf Erzielung eines groesstmoeglichen
Umsatzes abstellen und Lohnerhoehungen vornehmen; dies g i l t nicht fuer I n d u s t r i e zweige oder Unternehmen, die in e r n s t l i c h e Schwierigkeiten geraten sind. Femer
schlaegt er vor, dass das Unternehmertum d i e von der Regierung aufgestellten
Programme u n t e r s t u e t z t und seine Leistungsfaehigkeit s t e i g e r t .
Der Regierung empfiehlt er folgendes Programm«
1. Werte schaffende und lohnende oeffentliche Arbeiten muessten in dem Umfang in Angriff genommen werden, der notwendig i s t , um d i e Arbeitslosen
In Arbelt zu bringen.
2. Die Steuern muessten soweit und solcher Art ermaessigt werden, wie n o t wendig i s t , um die Nachfrage nach i n d u s t r i e l l e n Erzeugnissen zu erhoehen.
3 . Die unverzuegliche Aufhebung des Taft-Hartley-Gesetztes i s t eine w i r t schaftliche Notwendigkeit.
4 . Der Kongress muesste sofort die Arbeitslosenunterstuetzung erhoehen, die
Z e i t , waehrend der s i e gezahlt wird, verlaengern und den dafuer in Frage
kommenden Personenkreis erweitern.
5. Die Altersrenten muessten sofort erhoeht und der dafuer in Frage kommende
Personenkreis erweitert werden. Die oeffentlichen Unterstuetzungen müssten
erhoeht werden.

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�6.

Der Kongress muesste den Llindestlohn sofort auf 75 Cents pro Stunde erhoehen und sich mit der Festsetzung von Hinimalbetraegen fuer den' Stundenlohn bis zu 1 Dollar durch Gewerbeausschuesse einverstanden erklaeren.

7.

Ein weitlaeufiges Regierungsprogramm zur Beseitigung von verwahrlosten
Kietshaeusern und zur Schaffung von billigem Wohnraum ist nicht nur unerlaesslich fuer das allgemeine Wohl, sondern auch hoechst erstrebenswert
vom Standpunkt der allgemeinen Wirtschaft.

8. Die Bundesregierung muesste Vorkehrungen treffen, um die private Investierung im Auslande anzuregen.
9. Die Bundesregierung muesste die Investierung im Inlande foerdern, indem
sie Anleihen gewaehrt und auf andere Weise einen Anreiz zur Investititionstaetigkeit gibt.
10. Da's fuer die Landwirtschaft aufgestellte Programm muesste dahingehend
abgeaendert werden, dass das Gewicht mehr auf Schutz des Einkommens als
auf Preisstuetzung gelegt wird.
Der Arbeiterschaft wird mehr Angriffslust bei Eollektiwerhandlungen empfohlanj
es wird ihnen gleichfalls geraten, eine konstruktive Wirtschaftspolitik zu unterstuetzan und sich fuer alle Plaene einzusetzen, die eine Produktionserhoehung anstreben.
Aus: "New York Times», 12. Juli 1949

- 12 -

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�Internationale

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I I - 29

B e r l i n , 2 3 . September 49
DIE MANPG.VER DIVISION DER U 3 MHITAERREGISHJNG IST Di
BEGRIFF, VON BERLIN NACH FRANKFURT UEBERZTELEDSLN. BIS
NEUE VORKEHRUNGEN GETROFFEN 7/ERD3N EDENNEN, DIE "INTERNATIONALEN ARBEIT3MITTSILUNGEN" DRUCKEN ZU LASSEN, VER*
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I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Republikaner und V e r e i n i g t e S o z i a l i s t e n t r e t e n aus
der CGIL aus
•
2
Gewerkschaftenrauessenfrei sein i - - - - - - - - 2
Petkoffs Ansichten ueber die Freiheit der Presse
3
Die Politik der Amerikanischen Gewerkschaften - - - k
Ueberblick uaber die Lage der Arbeiterschaft
in Frankreich
____
__ 5
Das europaeis che .Viederaufbau-Programm und
der V'eltgewerkschaf tsver band
—
9
Arbeiterbildung in Deutschland - - -10
Heuchlerische Kaempfer
-___
- - - 11
Untersuchungen ueber die Gewerkschaftlichen
Konopolpraktiken
-12
Die Lebensmittelpreise und der Bauer
13
Russische Historiker schmaehen Roosevelt 1
14
Amerikanische Zeitung greift den
Britischen Sozialismus an
15

•

�REPUBLIKANER UND VEREINIGTE SOZIALISTEN
TRETEN AUS DER CGIL AUS
Am 4 . J u n i 1949 k u e n d i g t e n d i e Gewerkschaftsfuehrer der F.epublikanischen P a r t e i und der P a r t e i d e r V e r e i n i g t e n S o z i a l i s t e n ( S a r a g a t ) d i e Gruendung e i n e s neuen
unabhaengigen Gev.erkscbaftsbundes in I t a l i e n an, des I t a l i e n i s c h e n Gewerkschaftsbundes ( F e d e r a z i o n e I t a l i a n a d e l Lavoro - F I L ) . Beide Gruppen h a t t e n s i c h von dem
von den Kommunisten b e h e r r s c h t e n Allgemeinen I t a l i e n i s c h e n Gewerkschaftsbund
(Confederazione Generale I t a l i a n a del Lavoro - CGIL) im Hai 1949 g e t r e n n t . Die
Neuausrichtung der h a u p t s a s c h l i c h s t e n I t a l i e n i s c h e n Gewerkschaftsgruppen i s t somit
e i n e n S c h r i t t w e i t e r ; d i e Bewegung nahm ihren Anfang im J a h r e 1948, a l s der F r e i e
Allgemeine I t a l i e n i s c h e Gewerkschaftsbund -(LCGIL) g e b i l d e t wurde, e i n i g e Monate
nachdem s i c h d i e C h r i s t l i c h - D e m o k r a t i s c h e n Gewerkschaftsfuehrer von der CGIL g e trennt hatten.
Am 2 3 . Llai k u e n d i g t e n d i e Republikanischen Gewerkschaftsfuehrer i h r e n A u s t r i t t
aus der CGIL an, nachdem s i c h b e i e i n e r Befragung der M i t g l i e d e r ergeben h a t t e ,
d a s s s i c h 99^ gegen d i e prokommunistische P o l i t i k der CGJL-Majoritaet und 92o fuer
e i n e Trennung gestimmt h a t t e n . Am 2 6 . Mai h a t t e n s i c h d i e V e r e i n i g t e n S o z i a l i s t e r .
e n t s c h l o s s e n , a u s z u t r e t e n , a l s der Vorstand d i e s e r P a r t e i mit 9 zu 5 Stimmen ( b e i
e i n e r Stimmenthaltung) d i e Entscheidung des G e w e r k s c h a f t s r a t e s d e r V e r e i n i g t e n
S o z i a l i s t e n ueber e i n e n A u s t r i t t aus der CGIL g e b i l l i g t h a t t e .
Nach der S p a l t u n g b e h a u p t e t e d i e CGIL, dass i h r etwa 4 , 5 M i l l i o n e n M i t g l i e d e r
a n g e s c h l o s s e n s e i e n . Die Fuehrer d e r FIL s c h a e t z e n d i e M i t g l i e d e r z a h l der CGIL
auf 2.5 M i l l i o n e n , d i e der LCGIL auf 1.2 M i l l i o n e n und sind der Meinung, d a s s i h r
neu gegruendoter Bund mit 300.000 M i t g l i e d e r n rechnen kann.
Amerikanisches A r b e i t s m i n i s t e r i u m
"Labor Abroad" Mai 1949
GE.'/ERKSCHAFTEN MUESSSN FREI SEIN 1
Es kann k e i n e F r e i h e i t in Europa - oder sonstv.'o i n der " T elt - geben, wenn d i e
f r e i e n Gewerkschaften u n t e r d r u e c k t werden, s c h r e i b t B e r t V. J e w e l l , e i n a l t e r e r f a h r e n e r Gewerkschaftler und B e r a t e r i n A r b e i t s a n g e l e g e n h e i t e n beim Amerikanischen
A d m i n i s t r a t o r des K a r s h a l l - P l a n s , in der Juli-Ausgabe des ' ' F e d e r a t i o n i s t " , d e r von
der AFL herausgegeben vi r d .
T r o t z des hoechst notwendigen Bedarfs Europas an solchen Dingen wie L e b e n s m i t t e l , Maschinen, P r o d u k t i o n und K a p i t a l , i s t der b e d e u t e n d s t e e i n z e l n e F a k t o r
im 'Wiederaufbau Europas etwas U n a n t a s t b a r e s - d i e F r e i h e i t - , f u e h r t e er a u s .
J e w e l l , der f r u e h e r P r a e s i d e n t der Abteilung fuer E i s e n b a h n a n g e s t e l l t e des
AFL.war, s c h r i e b im " F e d e r a t i o n i s t " : Der Kampf gegen d i e U n t e r d r ü c k u n g wird nusgwf o c h t e n , und e s i s t e i n h a r t e r Kampf. Es i s t der Kampf gegen d i e Beherrschung der
Gewerkschaftsbewegung Europas durch den Kommunismus. Die f r e i e n Gewerkschaftler
werden d i e s e n Kampf gewinnen."
Die g r o e s s t e N i e d e r l a g e , d i e die Kommunisten i n Europa e r l i t t e n haben, war
der A u s t r i t t der f r e i e n Gewerkschaften a u s dem '.,'eltgewerkschaftsbund (.l/FTü) und
d i e darauf folgenden Massnahmen zur Bildung e i n e r neuen demokratischen i n t e r n a t i o n a l e n K o e r p e r s c h a f t , e r k l a e r t e J e w e l l . "Es b e s t e h t k e i n Z w e i f e l , dass d i e
neue A r b e i t e r o r g a n i s a t i o n v i e l zur Vereinigung Europas b e i t r a g e n w i r d . Die N o t wendigkeit e i n e r solchen E i n h e i t i s t auch s e i t e n s des Volkes der V e r e i n i g t e n
S t a a t e n anerkannt worden. Die Abaenderung des Gesetzes ueber d i e w i r t s c h a f t l i c h e
Zusammenarbeit von 1948 l a u t e t ; "Es wird forner e r k l a e r t , d a s s die P o l i t i k des
Volkes der V e r e i n i g t e n S t a a t e n darauf a b z i e l t , d i e - V e r e i n i g u n g Suropas zu

�unterstuetzen und die Prinzipien der individuellen Freiheit, die freien Einrichtungen und eine echte Unabhaengigkeit in Suropa zu verteidigen, und zwar durch Hilfeleistung fuer solche Laender, die sich an einem geraeinsamen Wiederaufbau-Progranm
beteiligen, das auf Selbsthilfe und Zusammenarbeit begruendet ist."
"ECA Labor Information" 22. Juli 19+9
ISTKOFFS ANSICHTEN UEESR DIS FRSIH5IT DBR FRESSE
Michael Fadeff, ein bulgarischer Journalist, der im Exil lebt, hat vor kurzem
in einen Artikel ueber die Verfolgung des freien 3eitungswesens in Bulgarien auch
einen ..rtikel von Nikola Fetkoff gebracht. Vegen seiner Unnachgiebigkeit im Kampf
gegen den Kommunismus wurde Feiäcoff, der Fuehrer der Bulgarischen Bauernpartei, im
September 1947 hingerichtet. In seinem politischen Leben war 2etkoff als Hedner
nicht so einflussreich wie als Verfasser. Dieser Artikel, der im April 1947 erschien
war der letzte, den Jetkoff geschrieben hat.
Diktatur und Presse
"'Selten in der Geschichte hat die Freiheit der Fresse und das Recht eines jeden
Menschen auf freie Meinungsäusserung so fanatische Gegner, so viele Feinde gehabt,
die offen und insgeheim auf ihre Zerschlagung hinarbeiteten, wie es heute der Fall
ist. Nie zuvor in der Geschichte v:ar die totalitaere Idee der Diktatur so eng mit
der Tyrannei ueber das Denken und Gewissen des Menschen verknuepft. Die totalitaeren Diktaturen von heute sind, wenn sie ueberhaupt bestehen wollen, gezwungen, jeden
freien Gedankenaustausch zwischen r]en Menschen und den Nationen zu vernichten. Hur
auf diese ".'eise kann die Sklaverei dem menschlichen Gedanken auferlegt und ihm fuer
immer eingepflanzt werden.
"Gleichzeitig ist aber der Glaube aller freien Maenner an das unverletzbare
Hecht der freien Hede und an die Freiheit der Presse niemals weiter verbreitet gewesen. Niemals zuvor haben die entsetzlichen Ergebnisse der Versklavung des unabhaengigen Denkens durch die totalitaere Regierung alle freiheitsliebenden Voelker
der V/elt so sehr in Schrecken versetzt. Heute wird mehr denn jemals der Beweis
dafuer erbracht, dass, wenn die Ilaenner, die an der Macht sind, die Freiheit der
Rede und der Ixesse vernichten, bald alle Arten Exzesse offenbar werden. Solche
Maenner stellen sich selbst als unfehlbar hin und bestimmen ueber das Geschick der
Voelker nach V/illkuer, ohne dass ihre Handlungen irgendwie kontrolliert werden.
Die Buerger eines solchen Staates hoeren dann auf, eine Gesellschaft denkender
Maenner und Frauen zu sein, und werden zu einer Herde Schafe, die keine eigenen
Meinungen oder Gedanken haben, '/enn erst einmal die Freiheit vernichtet ist, dann
stuerzen alle Grundlagen der menschlichen Gesellschaft zusammen. Sine Herde von
zweibeinigen Schafen, selbst wenn sie ein menschliches Aussehen zeigen und gut genaehrt sind und gute Schuhe tragen, sind keine Gesellschaft menschlicher 7esen.
Staaten, die unter einem solchen Regime leben, koennen nur gerettet werden, wenn
die Freiheit wieder hergestellt vird. Sonst sind sie zum Zusammenbruch verurteilt.
Die Pflicht aller Menschen
"Bis jetzt war die Freiheit der Hede und die Freiheit der Presse eng mit dem
Gedanken der Demokratie verknuepft. Heute sind sie auch notwendige Bedingungen
fuer die Errichtung des internationalen Friedens, weil nur sie allein den freien
M :chrichtenaustausch zv;ischen allen Voelkern der ./elt garantieren und die Verstaendigun;- unter ihnen sichern koennen. ./enn irgend einer Nation Tatsachen vorenthalten
werden, dann vlrd der Frieden in der Welt darunter leiden.
"Heute ist es mehr denn je die Pflicht jller Menschen, nicht nur an die Freiheit in ihren eigenen Laendem, sondern an die Freiheit in der ganzen V/elt zu denken.
Die Freiheit der Rede und des Denkens muss in jedem Staate garantiert sein. Denn,
wenn sie oinr-al in einm Lande vernichtet ist, dann v.'ird zum Schluss dieses Schick"3

�s a l a l l e anderen Laender t r e f f e n .
"IM d i e Luetischen i n d i e Lage zu v e r s e t z e n , f r e i zu denken und f r e i e n Gedankena u s t a u s c h zu ueben, muss i n jedem Lande die F r e i h e i t der P r e s s e u n b e h i n d e r t e x i s t i e r e n . Dies i s t der e i n z i g e Weg, um den Fangarmen der t o t a l i t a e r o n Tyrannei, d i e s i c h
nach dem G e i s t und Gewissen der llenschen a u s s t r e c k e n , E i n h a l t zu g e b i e t e n . Heute
haengt das S c h i c k s a l e i n e s jeden e i n z e l n e n , j e d e r e i n z e l n e n % t i o n und der z i v i l i s i e r t e n Welt a l s Ganz-es davon a b , und nur davon.'!
"New York Herald T r i b ü n e " ( P a r i s ) " 3.August 1949
DIE POLITIK DBR AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN:
B i s vor kurzem haben d i e Landesgewerkschaften i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n keine
O r g a n i s a t i o n e n u n t e r h a l t e n , d i e s i c h mit p o l i t i s c h e n Fragen b e f a s s e n .
Bisher
p f l e g t e n d i e L a n d e s o r g a n i s a t i o n e n den o e r t l i c h e n d i e p o l i t i s c h e n Angelegenheiten :ai
u e b e r l a s s e n . E i n e Aenderung v o l l s o g s i c h auf Grund d e s T a f t - H a r t l e y - G e s e t z e s , d a s
mehr a l s a l l e s andere den g r o e s s t e n E l n f l u s s i n d i e s e r H i n s i c h t a u s u e b t e . Es l a g
im Wesen der t r a d i t i o n e l l e n P o l i t i k der Gewerkschaften, dem 'Wahlspruch t r e u zu b l e i ben: "Suche D i r Deine Freunde aus - s c h l a g e d i e Feinde der A r b e i t e r s c h a f t . "
Heute h a t jede e i n z e l n e der L a n d e s - A r b e i t s o r g a n i s a t i o n e n , d i e A&amp;L, der CIO und
d i e Eisenbahner-Vereinigungen, i h r e besonderen Abteilungen fuer p o l i t i s c h e Angelegenh e i t e n . Die p o l i t i s c h e A b t e i l u n g des CIO i s t d a s P o l i t i s c h e A k t i o n s k o m i t e e , dessen
L e i t e r Jack K r o l l i s t . Die p o l i t i s c h e A b t e i l u n g der AFL, d i e von Joseph Keenan g e l e i t e t w i r d , i s t a l s d i e Liga fuer P o l i t i s c h e Erziehung bzw. Bildung b e k a n n t . . Die Eisenb a h n e r - V e r e i n i g u n g e n haben e i n e n P o l i t i s c h e n Bund, der der L e i t u n g von C.T. Anderson
unterstellt ist.
Die S t a e r k e d e r o r g a n i s i e r t e n A r b e i t e r s c h a f t auf dem Gebiete der P o l i t i k wird
i n diesem J a h r e i n Ohio auf d i e Probe g e s t e l l t werden, wenn s i e s i c h zusammentun wird,
um den S e n a t o r Robert A . T a f t , den H i t b e g r u e n d e r des T a f t - H a r t l e y - G e s e t z e s , zu schlage]
Politische Einigkeit.
"Diese vollkommen d u r c h o r g a n i s i e r t e , wirksame p o l i t i s c h e E i n h e i t und A k t l v i t a e t
f a s t d e r gesamten a m e r i k a n i s c h e n A r b e i t e r s c h a f t i s t e i n e ganz n e u a r t i g e Erscheinung,
d i e keine P a r a l l e l e , s e l b s t n i c h t i n den Jahren des New Deal, aufzuweisen h a t . S i e
wird u e b e r a l l E f f e k t e g r o e s s t e n Ausmasses a u s l o e s e n - e i n e z i e m l i c h g r o s s e Zahl von
D i x i k r a t e n (*) wird reumuetig ihren Kurs a e n d e r n , wenn s i e f e s t s t e l l e n , d a s s die E i senbahner-Vereinigungen s i c h mit der AFL und dem CIO zusammentun, um s i e zu s c h l a f e n .
Doch der schlagende Beweis fuer d i e neue E i n h e i t der . A r b e i t e r s c h a f t i s t in Ohio n a
Ausdruck gekommen.
(*) Hit dem Begriff " D i x i k r a t e n " b e z e i c h n e t man d i e Demokraten des
Suedens, d i e b e i der l e t z t e n J a h l P r a e s i d e n t Truman bekaempft e n und i h r e n eigenen Kandidaten a u f s t e l l t e n . Sie b e k ä m p f t e n Trumans Standpunkt i n bezug auf g l e i c h e Rechte fuer a l l e ,
ohne Ruecksicht auf R e l i g i o n , Rasse oder s o n s t i g e U n t e r s c h i e d e
Etwa vor einem Konat unternahmen d i e AFL-Fuehrer i n Ohio d i e e r s t e n S c h r i t t e ,
um d i e p o l i t i s c h e Lage zu e r o e r t e r n , indem s i e e i n e Versammlung i n Columbus e i n b e r i e f e n . Ueber 20 dar fuehrenden Kaenner der Maschinenarbeiter-Gewerkschaft und der
Gewerkschaft der V e r e i n i g t e n I . ' i n e n a r b e i t e r des CIO im S t a a t e Ohio f o l g t e n diesem
Ruf. Die S t r a t e g e n aus Washington - K r o l l , Keenan und Anderson - , s i e a l l e nahme:a
d a r a n t e i l . Das Z i e l b e s t a n d d a r i n , einen f a e h i g e n und s t a r k e n Kandidaten zu f i n d e n ,
der gegen S e n a t o r Taft im J a h r e 1950 a u f g e s t e l l t werden s o l l .
Das Problem war s c h w i e r i g , und zwar wegen des E n t s c h l u s s e s von Frank Lausche,
s i c h z u r 'Wiederwahl a l s Gouverneur a u f s t e l l e n zu l a s s e n , um 1952 die V e r t e i l u n g der
S t a a t s - und R e g i e r u n g s s t e l l e n ueberwachen zu koennen. Durch das Abtreten von Lausche
b l i e b nur nooh der L e i t e r des s t a a t l i c h e n Rechnungswesens, Joseph Ferguson, u e b r i g ,
e i n e i n g e f u c h s t e r l i e b e n s w u e r d i g e r P o l i t i k e r , der a l s b e d e u t e n d s t e r demokratischer

�Kandidat in Frage kam. Ferguson ist eine Art Politiker, der wohl bei Aemtern geringerer Bedeutung gut ist, der aber sicherlich das gesamte 3timmenmatcrial in
einem /ettkampf mit Taft verlieren '-uerde.
uf der Versammlung in Columbus wurden die Aussichten fuer "erguson und
et--.". 20 andere moegliche Kandidaten genau durch ''einungsbef ragung untersucht, Pach*

dem man einen Tag lang d e b a t t i e r t h a t t e , und e i n e r nach dem anderen ausgeschieden
v;ar, e i n i g t e man s i c h s c h l i e s s l i c h auf Kurray D. L i n c o l n , cbwohl L i n c o l n e i n g e t r a genes K i t g l i e d der Republikaner i s t , h a t e r doch s e i t Beginn des Hftw Deal d i e
demokratischen Plandidaten konsequent u n t e r s t u e t z t . 2 r i s t der fuehrende Kam im
Ohio Farm Bureau, e i n F u e h r e r auf dem Gebiete der Gewerkschaftsbewegung und d e r
Amerikaner des Demokratischen Handelns, e i n a u s s e r o r d e n t l i c h e r f o l g r e i c h e r Redner
und i s t u e b e r d i e s bei den Bauern im S t a a t e Ohio a u s s e r o r d e n t l i c h b e l i e b t , auf deren
Stimmen s i c h Taft v e r l a e s s t .
Labor P a r t y
Nachdem s i e s i c h nun auf L i n c o l n g e e i n i g t h a t t e n , wandten s i c h d i e Fuehrer
der A r b e i t e r g r u p p e n an einen fuehrenden Kann des Demokratischen L a n d e s a u s s c h u s s e s ,
A l b e r t Horstman, sowie an den Vorsitzenden der P a r t e i f u e r den S t a a t , Zugene
H a n h a r t . Kach w e i t e r e n Diskussionen e i n i g t e man s i c h mit- Horstman und Ilanhart
d a h i n , d a s s d i e r e g u l a e r e n K i t g l i e d e r der demokratischen P a r t e i in Ohio mit Lincoln
zusammengehen wuerden, wenn i h r e i g e n e r Kann, Ferguson, a b t r e t e n wuerde. An L i n c o l n
s e l b s t wandte man s i c h , und e r b e z e i g t e e i n g r o s s e s I n t e r e s s e . J e t z t bemuehte man
s i c h , Ferguson dazu zu u e b e r r e d e n , a u s dem Hennen a u s z u s c h e i d e n .
Im Augenblick i s t d i e Lage noch u n g e k l ä r t , und zwar aus einem e i g e n a r t i g e n
Grunde^ L i n c o l n wird s i c h e r mit a u f t r e t e n , wenn e r s i c h der U n t s r s t u e t z u n g s e i t e n s
der r e g u l a e r e n Demokraten s i c h e r i s t . L a n d w i r t s c h a f t s m i n i s t e r Brennan h a t ihn
dringend e r s u c h t , es zu t u n . Aber d i e p o l i t i s c h e n S t r a t e g e n P r a e s i d e n t Trumans
im Landesausschuss der Demokraten s t e h e n dem ganzen P l a n etwas ablehnend gegenu e b e r , und s i e haben i n bezug auf Ferguson oder d i e anderen Demokraten Ohios n i c h t
das g e t a n , was notwendig w a e r e . Die r e g u l a e r e n Anhaenger Trumans sind d a r u e b e r ,
d a s s d i e A r b e i t e r s c h a f t i h r e p o l i t i s c h e Kacht i n d i e .'agschale w i r f t , f a s t ebenso
nervoes wie d i e s e i g e n t l i c h b e i den Republikanern und den D i x i k r a t e n der F a l l
sein s o l l t e .
Es b e s t e h t jedoch d i e K o e g l i c h k e i t , dass L i n c o l n i n e i n e r Rede am Tage d e r
A r b e i t a l s Kandidat a u f t r e t e n w i r d .

Und wenn d i e s das h e r v o r s t e c h e n d e Merkmal

der Wahlen i n Ohio s e i n s o l l t e , und L i n c o l n s c h l i e s s l i c h Taft b e s i e g t , dann •.. lrd
danach auch d i e amerikanische P o l i t i k e i n a n d e r e s G e s i c h t annehmen.
p f l e g t immer unangenehme Spaesse zu machen.

Die Geschichte

Und e s kann durchaus* der F a l l e i n t r e t e n ,

dass das h a u p t s a e c h l i c h e Ergebnis des T a f t - H a r t l e y - G e s c t z e s auf lange 3 i c h t d ; r i n
b e s t e h t , dass e i n a m e r i k a n i s c h e s Gegenstueck zur Labour P a r t y liiglands i n "Erscheinung

r

.

^ u g ( j Q j t i v g i t u n g s a r t i k e l "Tatsache'' von Joseph
Alsop, New York, e r s c h i e n e n in der "HeraM
Tribüne" ( P a r i s , vom k, -mgust 1&lt;A9
UEBERBLICK UEBER DIE LAGE DER ARBFITERSCHSJ'T
IN FRANKREICH
Kachstehender A r t i k e l wurde von i a u l Vignaux, den G e n e r a l s e k r e t a e r des
"Syndicat General de l ' S d u c a t i o r . K a t i o n a l e ', F r a n k r e i c h , v e r f a s s t : 1.
S e i t mehreren Konaten h a t s i c h i n F r a n k r e i c h e i n e e r n s t l i c h e s o z i a l e Unruhe
e n t w i c k e l t , und zwar a l s Folge davon, d a s s d i e A r b e i t e r k r e i s e den wachsenden Konf l i k t zwischen i h r e n Anschauungen und denen i h r e r A r b e i t g e b e r , der Regierung und
-

5

-

•

�der parlamentarischen Mehrheit erkennen.
Die Arbeiterorganisationen einschliesslich der G.F.T.C. und der "Force
Ouvriere" haben ihr Misstrauen der Regierung gegenueber durch ihre Forderung auf
eine Rueckkehr zur Festsetzung von Loehnen durch Kollektiwerhandlunsen zum Ausdruck gebracht. Unter Berufung auf ein Gesetz vom Dezember 1946, dessen Abaende-rung die Regierung von Tag zu Tag verzoegert hatte, haben sich die Arbeitgeber geweigert, sich selbst im entferntesten auf irgendwelche Lohnverhandlungen einzulassen,
und zwar 5 Monate lang, waehrend welcher Zeit die Gemischten Ausschuesse vergebens
zusammengetreten sind, um ueber neue Abkommen zu beraten. Diese Haltung der Arbeitgeber und der Regierung hat in mehreren Industriezweigen zu einheitlichen Massnahmen
gefuehrt, die sich auf Kollektiwerhandlungen erstreckten, und zwar seitens der
verschiedenen CGT und CFTC Gewerkschaftsbuende naemlich der Force Curvriere und des
CGC (Ingenieur-Organisation, Personal und Chefs.).
Unter den angestellten der oeffentlichen Betriebe, die in Frankreich auf eine
ziemlich straffe Gewerkschaftstradition und Organisation zurueckblicken koennen,
und die (Zusammen mit den Bank- und Versicherungs-Angestellten) einen der wenigen
Kreise bilden, in denen die nichtkommunistischen Gewerkschaften "Force Ouvriere"
und der CGTC eine vorherrschende Rolle spielen, bewies ein symbolischer Streik,
der am 15. Juni von den Organisationen der F.O. und des C.F.T.C. mit grossem Erfolg inszeniert wurde, dasa es die nichtkommunistischen Gewerkschaftsorganisatio:aen
nicht dulden wuerden, wenn die Regierung die Erfuellung der bereits ueberfaelligen
Versprechen in bezug auf die Neueinstufung der Angestellten der oeffentlichen Betriebe vielleicht sogar bis ins unendliche hinauszoegert.
2.
Wie sich auch die fallende Tendenz der Preise waehrend des Sommers auswirken
mag, so ist es doch nicht wahrscheinlich, dass die so errungene Srhoehung der Kaufkraft ausreichend 3ein wird, um die Arbeiter zufriedenzustellen, die sich einerseits mehr und mehr darueber klar werden, dass eine ueberreiche Fuelle an Erzeugnissen des taeglichen Bedarfs vorhanden ist, die sie nicht kaufen koennen, wie es
vor dem Kriege der Fall war, und dass andererseits der hohe Profitstand von 1948
besteht. Auf diese Unzufriedenheit wuerde es keine bessere Antwort geben als die
Wiederherstellung der freien Lohnverhandlungen mit den Gewerkschaften, wodurch
folgendes erreicht werden vmerde:
a. Die Regierung wuerde einer Verantwortung enboben werden, die ihr bei den
Massen schadet;
b. Die Verpflichtung fuer die Gewerkschaftsorganisationen, ihre Macht genau
abzuwaegenj
c. Dies wuerde sicherlich nicht zu grossen Lohnerhoehungen fuehren, und zwar
angesichts der Lage des Arbeitsnarkts und der relativen Schwaeche der Arbeiterorganisationen.
Durch eine angemessene Kredit-, Besteuerungs- und Einfuhrpolitik brauchte dann
die Regierung nur die Unternehmen daran zu hindern, in einer neuen Inflation einen
Ausgleich fuer die zu bereitwillig gewaehrten Lohnerhoehungen zu suchen.
Dieser Rueckkehr zu Kollektiwerfahren in Handel und Gewerbe sollte ein drittes Stadium der Umgruppierung der oeffentlichen Angestellten entsprechen; wenn dies
nicht geschieht, edann wuerde diese soziale Klasse, die eine SchluesseiStellung
einnimmt unc groesstenteils bis jetzt der kommunistischen Propaganda Widerstand
entgegengesetzt hat, jedes Vertrauen zu den Versprechungen der Regierung verlieren.
Es muss dabei weiter in Betracht gezogen werden, dass die Umgruppierung des oeffentlichen Dienstes, die in 4 Phasen vollzogen werden muss, deren ersten beiden im
Januar 1943 bzw. im Januar 1949 verwirklicht wurden, auf der Grundlage der

- 6 -

�Lebenshaltungskosten vom 3 1 . Dezember 1947 vorgenommen wird; es handelt sich daher
keineswegs um eine Frage demagogischer Forderungen.
3.
Die Opposition dar Regierung und des Arbeltnebers gegen die Forderungen der
Lohnempfaenger wird allgemein mit den Notwendigkeiten begruendet, dass (.er S t a a t s haushalt ausgeglichen bleiben muss. was, wie man hinzufuegen muesste, von der Regierung der Vereinigten Staaten, dem V e r t e i l e r der Marshallplan-Hilfe, gefordert
wird.
Die Arbeiterkreise e i n s c h l i e s s l i c h der Angestellten der oeffentlichen Betriebe
stehen jedoch den Mitteln, mit denen dieser Ausgleich vollzogen werden kann, keineswegs i n d i f f e r e n t gegenueber. Trotz der 1943 versprochenen Steuerreform wissen s i e ,
dass der Haushalt fuer 1949 es traditionsgemaess e r f o r d e r t , dass der groesste Teil
der Regierungsmittel durch indirekte Steuern aufgebracht v/erden s o l l , die sich aber
deutlich auf der absteigenden Linie bewegen. Angesichts der ernsten K r i t i k an dem
franzoesIschen Finanzsystem in der Studie ueber die Landesverhaeltnisse im Februar
1949 sind die bestinformierten Gewerkschaftler erstaunt darueber, dass d i e franzoesische Regierung amerikanische Forderungen a l s Rechtfertigung fuer ihre Art und
Weise, wie s i e einen ausgeglichenen Staatshaushalt zum Schaden der Lohnempfaenger
herbeifuehrt, anfuehrt und dass die Meinung der amerikanischen Sachverstaendigen
der Oeffentlichkeit nicht besser bekannt i s t . tfie aus der Resolution hervorgeht,
d i e auf dem l e t z t e n Kongress der CFTC einstimmig angenommen wurde, misst die franzoesische Gewerkschaftsbewegung einer V/eiterverteilung des nationalen Einkommens
und e i n e r Ausrichtung der wirtschaftlichen Taetigkeit m i t t e l s der Besteuerung in
steigendem Masse Interesse b e i . Fuer die konservativen Kreise, die diese P o l i t i k
bekaempfen, wuerde es anormal erscheinen, wenn man an Amerika appellieren wuerde.

4.
Es wird behauptet, dass, um einen ausgeglichenen Haushalt herbeizufuehren.
der Umfang an Investierungen, die angesichts der Unzulaenglichkeit der privaten
Ersparnisse hauptsaechllch durch oeffentliche Mittel gedeckt v/erden, reduziert
wird.
Diese Verminder'ing an Investierungen, die die Modernisierung der 'Virtschaft
(und deshalb ein Ansteigen der Froduktivitaet) und ^en Viederaufbau (besonders aber
31e Besserung in den armseligen "ohnverheeltnissen der Arbeiterfamilien verzoegert,)
r u f t den Widerstand der Arbeiterschaft und der Gewerkschaften hervor, der umso
staerker i s t a l s die Minderung bei gewissen industriellen und kommerziellen Massnahmen, die bisher aus der I n f l a t i o n Nutzen gezogen haben und durch die Krediteinschraenkungen in Mitleidenschaft gezogen werden, durch eine groessere Aktivitaet
auf dem Gebiete der Modernisierung und des V'iederaufbaus, wo die Beduerfnisse ganz
besonders augenfaellig sind, ausgeglichen werden s o l l t e . Dies waere die einzige
Massnahme, durch die Arbeiterschaft von der Plage der teilweisen oder gaenzlichen
Arbeitslosigkeit b e f r e i t -werden koennte, die diejenige Progaganda beguenstigt, die
diese Drohung mit der Anwendung des Marshall-Plans verknupeft.
5.

Wenn s e i t der Befreiung die franzoesischen Lohnempfaenger in hinreichendem
Masse ihren Anteil am Nationaleinkommen aufrechterhalten haben, der auf 3le vor
dem Kriege e n t f i e l , so i s t dies l e d i g l i c h auf eine iSrhoehung sowohl der beschaefr l g t e n Personen a l s auch der Arbeitsstunden zurueckzufuehren, wie auch auf d i e Entwicklung der Familienzuwendungen und der Sozialversicherungsanleihen. Daher der
Ernst der drohenden A r b e i t s l o s i g k e i t , auf den vir gerade hingewiesen haben. Daher
auch der Ernst der Kampagne, die von den Parteien der rechten Mitte und der Rechten
gegen die Sozialversicherung gefuehrt wird. Die kleinen Risiken (d.h. die Hilfe
fuer die Lohnempfaenger und ihre Familien bei Krankheitsfaellen von kurzer Dauer),
-

7

-

�die besonders angegriffen werden, bedeuten eine wesentliche Hilfe fuer Arbeiter,
die fuer ihre Familien zu sorgen haben.

6.
Die wachsende Ueberzeugung der xirbeiter aller Parteigruppen, dass. sie dem
Wunsch seitens der Regierung und der Unternehmer nach einer sozialen Reaktion entgegentreten muessen. kann nur durch die Kampagne gegen die Nationalisierung bestaetigt werden. Wenn es wuenschenswert ist, die Umwandlung nationaler Vereinigungen
in politische Vereinigungen durch den Einfluss der kommunistischen Partei und die
Missbraeuche, die sich daraus ergeben haben, abzustellen, dann ist es zwecklos und
gefaehrlich, sich auf eine solche Massnahme einzulassen, wenn man vollkommen die
Reaktion der MenscÜen dabei ausser Acht laesst, gleichzeitig, welcher Art ihre
gewerkschaftliche Zugehoerigkeit sein moege. Ausserdem muss man dabei in Betracht
ziehen, und es muss oeffentlich anerkannt werden, dass die Mehrzahl der finanziellen Schwierigkeiten der oeffentlichen Einrichtungen, wie Gas-, Elektrizitaets- und
Eisenbahn-Gesellschaften, auf die Preispolitik zurueckzufuehren ist, die ihnen von
der Regierung aufgedraengt wurde. Eine solche Politik, wie das Defizit der verstaatlichten Unternehmen ruehrt in grossem Masse von der Stuetzung der privaten
Unternehmen mit Geldmitteln her, die fuer die Dienstleistungen der nationalen Indus triezweige wesentlich niedrigere Preise bezahlen, als sie fuer ihre eigenen Erzeugnisse erzielen.
Die Tatsache, dass die "Gegenwert-Fonds" hauptsaechlich de,zu benutzt werden,
um die Investierungen auf dem Gebiete der Verstaatlichung zu finanzieren, kann
natuerlteh die Neigung der Arbeiterschaft zu glauben, dass Amerika, ein Land des
freien Unternehmens, den Standpunkt der Rechtsparteien und des Arbeitgebers in
Frankreich teilt, einschraenken.

7.
Die soziale Reaktion offenbart sich in der Mehrzahl der Unternehmen durch
eine staendig im Sachsen begriffene scharfe Haltung des Arbeitnehmers den Betriebsund Personal-Vertretungen, wie auch den geringsten Beschwerden gegenueber.
Dies macht eine Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern
praktisch unmoeglich; hier ergibt sich eine Lage, die besonders ernst wird, wenn
man zu dem Problem einer Produktivitaetssteigerung praktisch Fuehlung nimmt. Dies
ist umsomehr der Fall, als ernstdenkende Arbeiterkreise dem Gedanken sehr skeptisch
gegenueber stehen, dass der franzoesische Arbeitgeber auf die Praxis verzichten
wollte, wenig und zu hohen Preisen auf einem geschuetzten Inlandmarkt zu verkaufen,
seine Selbstkosten zu senken und seine Verkaeufe auf einem ausgedehnten Markt zu
entwickeln. Es besteht jeder Grund, daran zu zweifeln, dass sich das Privatunternehmen in Frankreich dazu bereit finden wird, die Massenproduktion fuer den Massenverbrauch einzufuehren, es sei denn, es wird dazu von einer energischen und kompetenten Regierung, die diesen Dingen unabhaengig gegenuebersteht, gezwungen. v7enn diese
I.'euausrichtung der franzoesischen 'Virtschaft nicht durchgefuehrt wird, dann wird die
Marshallplan-Hilfe umsonst gewesen sein.
Angesichts dieser Reaktion des Arbeitgebers erscheinen die Massnahmen des Arbeitsministers kraftlos. Die Arbeiter, allgemein genommen, warten auf guenstigere
Umstaende, un kraeftig reagieren zu koennen, und bis dahin stimmen sie fuer die CGT,
selbst, wenn sie ihr nicht mehr angehoeren U'ahl der Vertrauensmaenner in den Bergweiken, bei den Eisenbahnen, in der Metallurgie....)
Die freien Gewerkschaften koennen nur die noetige Autoritaet zur Verteidigung
der Arbeiter wieder gewinnen durch Viiedereinfuehrung eines Systems der Kollektiwerhandlungen die die freizuegige Festsetzung von Loehnen gestatten und die Moeglichkeit, die unzulaenglichen Bestimmungen der Gesetze und Verordnungen durch kontraktliche Vorschriften zu erweitern. Die Massnahmen der Regierung muessen sich unver-

$

-

�zueglich auf die Wiedereinfuehrung von Abkommen, auf ein drittes Stadium der
Umgruppierung der oeffentlichen Angestellten, auf eine Steuerreform, durch die
eine gerechtere Verteilung der Gewinne gesichert wird, sowie auf eine Politik der
oeffentlichen Investierung erstrecken, wenn man nicht will, dass sich die gesamte
Arbeiterklasse einer in steigendem Masse entschlossenen und starken Opposition
anschliesst.
"Trans-Atlantic" from Office of Labor Advisors
Juli 1949
DAS EUROPAEISDHE WIEDERAITBAÜ-PROGRAMM UND DER
WELTGEtVSRKSCmFTSVERBAND
"Durch den neuen Freien Weltgewerkschaftsbund werden die Arbeiter Tatsachen
ueber den Marshall-Plan erfahren anstatt Propaganda aus dem Kreml", erklaerte Paul
Hoffman, der Leiter des Verwaltungsausschusses (EGA) fuer das ERP in einer Rundfunkansprache vom 12. Juli. Hoffman war an dem Programm "Wie wir die Dinge sehen"
beteiligt, das mit Unterstuetzung der AFL durchgefuehrt wurde.
Gewerkschaftler im ECA
Hoffman hob die Tatsache hervor, dass es in den ERP-Laendern mehr als 29 Millionen Gewerkschaftler gaebe und erklaerte, dass ihnen frueher die Kraft eines
freien Weltverbandes gefehlt haette und dass durch die Bildung des neuen Verbandes
"die Rolle der Arbeiterschaft im ERP noch viel wirksamer werden wuerde."
Unter direktem Hinweis auf die Rolle der amerikanischen Arbeiterschaft Im
ERP sagte Hoffman." Bert Jewell und Clinton Golden (Berater fuer Arbeitsfragen
beim CA in Washington) sind beide meine rechte Hand. Wir haben auch Berater
fuer Arbeitsfragen in Paris und bei jeder Mission in den ECA-Laendern. Zwei der
Missionsfuehrer, John Gross In Norwegen und Michael Harris In Schweden, sind Maenner aus den Reihen der Arbeiterschaft."
Ferner erklaerte Hoffman, er glaube, dass der amerikanische Arbeiter sich ueber
sein Interesse an einer stabilen Wirtschaft in Europa vollkommen klar ist. Er
brachte zum Ausdruck, dass "eine Welt, in der die Haelfte floriert, waehrend die
andere wirtschaftlich in Truemmern laege, nicht lange bestehen koenne", und dass
der Frieden in der Welt in Zukunft davon abhaenge, diejenigen Kraefte zu umrelssen,
die zum Kriege fuehren.
Zum Abschluss erklaerte Hoffman in bezug auf die Europa-Abteilung des ECA Personals fuer Arbeitsfragen» "Ich glaube, es besteht wohl keine Frage darueber, dass
Jedenfalls unsere Berater und Mitarbeiter in Arbeitsfragen im ECA ausserordentlich
ruehrig gewesen sind, all die Zweifel zu zerstreuen, die auch weiter bestanden und
vorgeherrscht haetten, wenn es sich hier lediglich um eine Gesohaeftsorganisation
gehandelt haette."
Die Stellung der AFL
In derselben Sendung sagte George Meany, der Sekretaer der AFL;" Die Erhaltung
des Weltfriedens haengt von der Erhaltung eines freien Europa ab" und "unsere Gesamte Aussenpolltik gruendet sich auf diese Voraussetzung; dies trifft auch auf
das Europaeische Wiederaufbau-Programm zu." Meany schloss, indem er erklaerte:
"dass die freie Gewerkschaftsbewegung der Söhluessel fuer die Wiedererweckung der
Freiheit und der Demokratie in Europa sei."
In bezug-auf die neue 7/eltgewerkschaftsorgan isation hob Meany ihren Kampf
gegen den Kommunismus hervor und ihre Entschlossenheit, ueberall die wirtschaftlichen Normen zu erhoehen und den Arbeitern der ganzen Welt neue Hoffnung zu bringen, Hoffnung auf Frieden und Hoffnung auf Sicherheit und Freiheit.
Der CIO ist gleichen, Sinnes
In der Juli-Ausgabe der Zeitschrift "United Nations World" schreibt Philip

�Murray, der Praesident des CIO, "dass die neue Weltorganisation einen gewaltigen
Einfluss auf die Entwicklung in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht ausuebeo
wird." Murray gab ferner einen Ueberblick ueber die Entwicklung des von den Kommunisten kontrollierten Weltgewerkschaftsbundes (WFTU) und seine Beziehungen zum ERF.
liurray sagte: "Da der WFTU dem ERP-Programm feindlich und den Bedürfnissen der
Arbeiter fremd gegenuebersteht, waren die demokratischen Gewerkschaften gezwungen,
ihre eigenen Ausschuesse zu bilden, die sich mit den Funktionen des ERP befassen.
"So wurden also Beratende Gewerkschaftsausschuesse fuer das ERP ins Leben gerufen, und aus den gemeinsamen Aktionen in bezug auf die EHP-Probleme erwuchs das Verlangen nach einer neuen internationalen Organisation, die den 3eduerfnissen und
Bestrebungen der demokratischen Arbeiter entgegenkommt."
"ECA Labor Information" 22. Juli 1%&lt;
ARBEITERBILDUNG IN DEUTSCHLAND
Nachstehender Artikel wurde von Dorothy Dunbar Bromley, einer New Yorker Journalistin verfasst, die Miss Eleanor Coit nach ihrer Rueckkehr aus Deutschland interviewt hatte. Miss Coit ist vielen Mitgliedern der deutsohen Gewerkschaftsbewegung
persoenlich bekannt.
Die deutschen Gewerkschaftsschulen
Die groesste Hoffnung fuer eine Demokratie in Deutschland liegt in der Gewerkschaftsbewegung, aeusserte gestern Miss Eleanor Coit, die Leiterin des Amerikanischer
Arbeiterbildungsdienstes, in ihrem Buero 1776 Broadway. Miss Coit ist vor kurzem vor
einer viermonatigen Reise durch die Amerikanische und Britische Zone, sowie durch
Berlin zurueckgekehrt. Als Sachverstaendige auf dem Gebiete der Arbeiterbildung bereiste Miss Coit auf Veranlassung der Manpower Division der Amerikanischen Mililaerregierung Deutschland. Wie sie erklaert,hat sie in den Gewerkschaftskreisen wenig
von der Apathie und Verzweiflung feststellen koennen, wie sie von den meisten amerikanischen Besuchern in Deutschland beobachtet wurde.
Sie berichtete, dass es verschiedene gut organisierte Arbeiterschul an gaebe,
angefangen von Akademien, die das ganze Jahr ueber arbeiten, bis zu Schulen, die
Zweiwochen-Kurse abhalten, Schulen fuer die Eisenbahnarbeiter, fuer die Transportund Metallarbeiter bis zu Arbeitsgemeinschaften und lokalen Abendkursen, die von den
Gewerkschaften unterstuetzt werden.
Alles in allem, sagte Miss Coit, werden davon ihrer Schaetzung nach etwa 50100.000 deutsche Arbeiter erfasst, Maenner und Frauen aller Altersklassen. Tuechtig«
Maenner und Frauen - die juengeren ueberall, wo sie die Moeglichkeit haben, sich zu
entwickeln - werden in den Lokalkursen geprueft, ausgesondert und auf die Institute
geschickt, um schliesslich auf Kosten der Gewerkschaft das ganze Jahr ueber die Akademie zu besuchen.
Waehrend einerseits viele Fuehrer in der Arbeiterbildungsbewegung Sozialderaokraten sind, sind die Gewerkschaftsschulen an keine bestimmte Partei gebunden, sagte
Miss Coit, und fuegte hinzu, dass "die Deutschen unter Hitler gelernt haben, wie unheilvoll es sich auswirkte, dass es'nur eine Partei gab, die alle Phasen des deutschen Lebens beherrschte."
In den Arbeiterschulen in Oberursel in Hessen sach Miss Coit Bergarbeiter :tf
Postangestellte, die in einem Institut an einem zweiwöchigen Kursus teilnahmen,
der sich mit Sozialpolitik, Arbeitsgesetzgebung, mit der Aufnahme des Inventars in
einer Fabrik, mit Produktionsausstoss, Lebenshaltungskosten, Arbeitswertbestimmung,
Zusammenarbeit mit der Betriebsverwaltung, Arbeitsteilung und mit den Problemen bei
Lohnabkommen befasste.

10

-

�Die Deutschen stellen Fragen
In jeder Schule, in die Miss Colt eingeladen war, um dort zu sprechen, wurden
nur solche und aehnliche Fragen vorgelegt; "Wie v/erden die Loehne in Amerika den
lebenshaltungwkosten angeglichen." "7/elches sind die Vorteile Ihrer Sozialversicherung." "Warum sind Ihre Gewerkschaften nicht an der Sozialisierung in der Industrie
mehr interessiert." Sind Ihre Gewerkschaften lediglich dazu da, um fuer hoehere
Loehne zu sorgen oder sind sie auch an sozialen Problemen interessiert." "Welche
Stellung nehmen die Neger in der amerikanischen Industrie ein." "Welche Rolle spielen
die Frauen in den amerikanischen Gewerkschaften."
Die deutschen Gewerkschaftler, sagte Miss Ooit, sind sich darueber klar, dass
die Frauen, die fast die Haelfte aller in Arbeit Stehenden ausmachen, ein grosses
Potential ausmachen, das geschult und ausgebildet vrorden muss.
An der Spitze des Arbeiterbildungs-Programms stehen 3 Arbeitsakademien, und
zwar in Frankfurt, Hamburg und Dortmund, an denen Vorlesungen in Geschichte, Jura,
Wlrtschaftakunde, Regierungswesen und Soziologie abgehalten werden, aehnlich den
Vorlesungen an der Universitaet. Die Akademie fuer Arbeit in Frankfurt, die im
Jahre 1921 gegruendet, 1933 von den Nazis geschlossen, 1947 aber wieder eroeffnet
wurde, zaehlt zu ihrem Vorstand den Kanzler der Universitaet Frankfurt, die Staatsminister fuer Wohlfahrt, Arbeits- und Kultus-Angelegenheiten, die die Majoritaet
darstellen, Sie wird mit staatlichen Mitteln unterhalten.
Wenn die 7 Gewerksohaftsbuende in den 3 Zonen sich bald zu einer einzigen
trizonalen Organisation zusammenschLiessen werden, dann wird dadurch die Arbeiterbildungsbewegung einen weiteren Auftrieb erfahren, aeusserte Miss Coit abschliessend.
"New York Herald Tribüne" 24. Juli 1949
HBUCHLERISCHS KASMPFER
Nachstehend bringen wir einen Leitartikel, der in der offiziellen Wochenzeitschrift des CIO erschien. Er behandelt die politischen Taktiken der Kommunisten
in ihren Beziehungen zur organisierten Arbeiterschaft.
"Seit Jahren haben die Kommunisten - und oftmals durohaus berechtigt- ueber
die Art und Weise lamentiert, wie die Rechte des Buergers in den Vereinigten Staaten
ausser Kraft gesetzt werden.
"Sie - so hoeren wir sie sagen - sind die Vorkaempfer fuer die Getretenen
und Unterdrückten. Sie sind die Verteidiger des Juden, der in einem Hotel, das
gewisse "Vorbehalte" kennt, kein Zimmer bekommen kann, des Negers, der nicht in
einem "weissen" Restaurant essen kann, des Mexikaners, der an seiner Arbeitsstelle
herumgestukt wird. Darauf koennte man nun entnehmen, dass die Linksler nun wirklich
die Vorkaempfer fuer die buergerlichen Freiheiten sind, - die Sache hat aber noch
eine Andere Seite, die hiervon ganz und gar verschieden ist.
"Jahre hindurch hat man katholischen Gruppen in manchen Gegenden des Landes
boese mitgespielt. Diese Gruppen haben die Kommunisten nicht verteidigt. Haeufig
wurdan Sozialisten ihrer buergerlichen Rechte beraubt, aber darum haben sich die
Kommunisten nicht gekuemmert. Und diese Burschen, die sich an die Stalinistische
Linie halten, frohlocken, wenn die Trotzkisten den kuerzeren ziehen in irgend einem
Streit, wo es um buergerliche Freiheiten geht.
"Die Gruende hierfuer liegen auf der Hand. - Katholiken, Sozialisten und Trotzkisten stehen- obwohl es sich hier um ganz verschiedene Kathegorien handelt - in den
Reihen derer, die den Kommunismus bei jeder Gelegenheit bekaempfen. Die Dinge liegen
Jedoch tiefer. Der Weltkoramunismus, der von Moskau aus gelenkt wird, baaiert auf
Begriffen, fuer die es keinen Platz fuer wirkliche buergerliche Freiheiten gibt.
Freiheit fuer sie seibat, aber nicht fuer andere
"Die Kommunisten sind grosse Fuersprecher fuer die Freiheit - fuer eine Freiheit,
die demokratischen Methoden voll und ganz auszunutzen in ihrem Bestreben, die Damo-

ll

�kratie zu zerstoeren, fuer eine Freiheit, ihre buergerlichen Freiheiten dazu zu benutzen, um anderen die Freiheit zu versagen, fuer eine Freiheit, ihre politischen
(Jegner zu verfolgen und eine Freiheit, ueber diejenigen Luegen zu verbreiten, die
ihnen missfallen.
Im Augenblick sind die amerikanischen Kommunisten damit beschaeftigt, eine
Kampagne zu starten, um die Meinung an den Mann zu bringen, dass die Führerschaft
des CIO insofern Verrat uebt, als s ie gewisse dem CIO angeschlossene Verbände ihrer
Freiheiten berauben will- ihrer Autonomie, Ihre Idee geht dahin, dass Philip
Murray ein Diktator ist, und dass er und ein paar seiner Busenfreunde beschlossen
haetten, alle diejenigen einer "Reinigungsaktion" zu unterwerfen, die nicht mitiinen gleichen Sinnes sind.
"Das ist ebenso luegenhaft wie die meisten Kampagnen der Kommunisten - und
zwar aus folgenden Gruenden« Eine der Hauptfragen, um die es geht, besteht darin,
dass entschieden wird, ob das Majoritaetsprlnzip, wie es in den Versammlungen
und Sitzungen des Vollzugsausschusses bestimmt wurde, im CIO und seinen ihm angeschlossenen Verbaenden gelten soll. Die Kommunisten behaupten, dass das Majoritaetsprlnzip - in diesem besonderen Einzelfall - der Autonomie widerspricht. Bei
einer anderen Streitfrage geht es darum, ob die Kommunistische Partei oder der CIO
die Rolle bestimmen soll, die ihm angeschlossenen Verbaende auf internationalem
Gebiete spielen.
Sie selber handeln aber anders.
Die Kommunistische Partei handelt aber, genau wie andere heuchlerische Formationen, nicht immer danach, was sie predigt. Ein gutes Beispiel dafuer bieten
die Methoden, die die Partei in der Fuehrung ihrer eigenen internen Angelegenheiten
anwendet.
"Wenn Du ein gutes Parteimitglied sein willst, dann musst Du von vorn herein
alles akzeptieren, was Dir die Parteibonzen sagen, selbst wenn sie Dir etwas sagen,
was genau das Gegenteil von dem ist, was sie Dir vorgestern erzaehlt haben, Jeiaand,
der zu oft und zu sehr von der Parteilinie abweicht, wird hinausgeworfen. - Aber
bei der Ausstossung allein bleibt es nicht. Hierauf folgt dann eine Kampagne des
charakterlichen Totschlages und der Verfolgung.
CIO - Nachrichten - 11. Juli 1949
DNTERSÜCHONGBN UEBER DIE GEWERKSCHAFTLICHEN
MONOPOLPRAKTIKEN
Thurman Arnold, der unter Praesident Roosevelt Leiter der Antitrust-Abtellung
beim Justizministerium war und jetzt in Washington eine private Anwaltspraxis hat,
richtete die dringende Forderung an den Kongress, die Arbeitergewerkschaften den
Antitrust-Bundesgesetzen zu unterstellen. In einer Erklaerung vor dem Senat des
Banken- und Waehrungs-Ausschusses in dieser Woche fuehrte Mr. Arnold aus, dass es
ein "sehr gefaehrliches Unterfangen sei, den Gewerkschaften freie Hand zu lassen,
sich ohne Jede Elnschraenkung auf dem Arbeitsmarkt ein Monopol zu verschaffen.
Seine Erklaerungen wurden im Laufe der Verhandlungen bzw. Untersuchungen abgegeben,
die gerade vom Senatsausschuss eingeleitet worden waren, um die Ausmasse der Macht
der alle Industriezweige erfassneden Gewerkschaften, die Art und Weise, wie diese
Macht ausgeuebt wird, sowie ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft zu entdecken.
Hinsichtlich der 3Tage-Woche, die unlaengst in der Kohlenindustrie eingefuehrt
worden war, - eine der ummittelbaren Entwicklungen, die den Anlass zu der jetzt vorgenommenen Untersuchung gegeben hatte - hatte John L. Lewis (der Praesident der
Bergarbeitergewerkschaft), wie Mr. Arnold ausfuehrte, diesen Plan eingeleitet, um

-

12 -

�eine Kohlenknappheit hervorzurufen, durch die die Gewerkschaft bei dem "naechsten
Streik" in eine guenstige Lage versetzt werden wuerde. Angesichts der Jetzt bestehenden Antitrust-Gesetze, hob Mr. Arnold hervor, koennen Gewerkschaften sowohl
wie Unternehmer "Schritte unternehmen, die den Antitrustgesetzen zufolge verboten
sind", und die "gefaehrlichste Massnahme" einer Gewerkschaft besteht darin, dass
eine Gewerkschaft ihre Macht gebraucht, um Preise festzusetzen und die Produktion
zu•b esehraenken.
"Labor Relatiöns Reporter" ?5. Juli 1949
"Journal of Commerce" 27. Juli 1949
DIE LEBENSMITTELPREISE UND DER BAUER
Harold V. Knight vom Farmerverband fuer North Dakota schrieb folgenden Artikel, in dem er die Ansicht vertrat, dass es notwendig sei, dass die Lebensmittelpreise hoch genug sind, damit sich der Bauer das kaufen kann, was er brauchtj der
Artikel erschien in der offiziellen V/ochenschrift des CIO.
Wenn die Lebensmittelpreise zu niedrig sind
"Kann der Preis fuer Lebensmittel zu niedrig sein. Nachdem die Hausfrau ihren
Wochenbedarf zu Preisen eingekauft hat, die nicht mehr unter die Regie des Preisamts (OPA) fallen, wuerde sie zweifellos "nein" antworten.
"Die Frage ist nicht ganz so einfach. Sie reicht bis an die V/urzel unseres
gesamten Wirtschaftssystems. Sie nimmt einen bedeutsamen Platz in der Geschichte
der Arbeitergewerkschaften ein. Ganz frueher, in den ersten Tagen der Gewerkschaftsbewegung suchten die Unternehmer die Lebensmittelpreise so niedrig wie nur irgend
moeglich zu halten - je billiger das Brot war, desto weniger Loehne brauchten sie
ihren Arbeitern zu zahlen, um sie am Leben zu halten. Die Arbeiter organisierten
sich Jedoch, um fuer ihre Lebenshaltung mehr herauszuholen als nur Nahrun smittel
und einen Strohsack zum Schlafen.
"Heute macht der Anteil, den die Arbeiter, die in den Genuss anstaendiger
Loehne gekommen sind, fuer Lebensmittel ausgeben, 20 oder 25"' ihres Einkommens
aus - obwohl dieser Satz in schlechten Zeiten auf ueber die Haelfte ihres ganzen
Lohnes steigen kann. Natuerlich werden nun manche kurzsichtigen Geschaeftsleute
der Auffassung sein, dass, wenn sie die Lebensmittelpreise senken, die Verbraucher
mehr Geld zur Verfuegung haben, um es fuer andere Dinge auszugeben. Der '.'Johlstand
Amerikas ist aber nicht dadurch aufgebaut worden, indem man eine Gruppe zugunsten
einer anderen niedrig haelt.
Die meisten Arbeiter sind weitblickend
"Vielleicht moegen nun manche Lohnempfaenger der Meinung sein, dass Bauer und
Arbeiter niemals zusammenarbeiten koennen - ausgenommen in Notzeiten, v.ie z.B. zur
Zeit der grossen Depression - , weil die Bauern fuer die Lebensmittel hohe Preise
erzielen wollen, waehrend die Arbeiter niedrige Lebensmittelpreise fordern.
"Der Schreiber dieses Artikels ist sich darueber klar, dass viel zu viel
Bauern diese Gedanken hegen, obwohl immer mehr von ihnen jetzt iar Tatsache gewahr
werden, dass, wenn beide Gruppen ueber eine gute Kaufkraft verfuegen, es beiden
auch gut gehen wird, ./enn das Sinkommen der einen sinkt, dann kommt die zweite
Gruppe sofort hinterher. Statistische Darstellungen zeigen, -dar-s dies seit 1900
der Fall gewesen ist.
"7/enn man sagt, dass die Arbeiter billige Lebensmittel und die Bauern fuer
die Lebensmittel hohe Preise verlangen, so hiesse dies, die Dinge 3\if einen viel
zu einfachen Nenner zu bringen. Zwischen dem, was der Bauer bekoriimt und die Hausfrau auf dem Markt bezahlt, liegt das, was die Vorarbeiter, die Fuhrleute, die
Haendler und andere Mittelsraaenner bekommen. Oft steht der KLeinverknufspreis in
keinem Verhaeltnis zu dem-, was der Bauer bekoiamt. In den letzten anderthalb Jahren
sind die I7eizenpreise um mehr als ein Drittel gesunken, die Brotpreise sind jedoch
-

13

" ,

�absolut nicht - im allgemeinen - niedriger geworden. Selbst wenn der Bauer den
Weizen verschenken wuerde, dann wuerde der Brotpreis keim Kaufmann nur um 2 - 3^
niedriger werden.
Vorgeschlagene Schutzmassnahmen fuer den Bauern
"Die Landwirtschaft ist von Jedem anderen Erwerbszweig sehr verschieden. Wenn
in anderen Erwerbszweigen mehr hergestellt wird, als man zu einem Preise verkaufen
kann, der festgesetzt wird, da.nn gehen die Firmen pleite. Die Arbeiter wissen ganz
genau, was das bedeutet, 5 Millionen Bauern koennen nicht auf diese Weise den Ertrag ankurbeln oder absinken lassen. Sie nehmen eben das, was man ihnen auf dem
Markt dafuer bietet. Selbst wenn die Produktion einer Verbraucherware Monate und
Jahre in Anspruch nehmen wuerde (wie z.B. bei Rindfleisch und Obst), und selbst wenn
die Ausmasse des Ertrages nicht von dem unkontrollierbaren Wetter abhaengen wuerde,
dann koennten sich 5 Millionen Bauern nicht ploetzlich darueber einig' sein, dass
sie den Ertrag bzw. die Produktion reduzieren.....
"Warum sollen wir die Produktion beschraenken, wenn wir wissen, dass ein wohlhabendes, bluehendes Amerika (zuzueglich unseres angemessenen Anteils am Exportmarkt) bedeutet, dass wir alles, was der Bauer erzeugt, auch verbrauchen koennen.
"Das ist die Frage, die Landwirtschaftsminister Brannan aufwarf, als er ein
neues Baueraprogranm vorschlug, um den Bauernfamilien ein anstaendiges Einkommen
zu sichern dafuer, dass sie einen Ueberfluss and Nahrungsmitteln zu angemessenen
Preisen fuer den Verbraucher herstellen. Er schlaegt vor, sich dabei der Vermittlung der Regierung zu bedienen, die diese Zusicherung unterschreibt, ebenso wie auch
die Regierung fuer die MindestLoehne buergt. Die Lebensmittel sind zu billig, wenn
sie die Kaufkraft der Bauern beschneiden, die sie herstellen. "Was wir alle wollen,
ist eine volle, stetige Produktion - auf dem Lande wie in der Fabrik. Wir koennen
dies nur erreichen, wenn 140 Millionen Amerikaner das kaufen koennen, was erzeugt
wird. Wenn wir die Kaufkraft entweder der Verbraucher in den Staedten oder der
Verbraucher auf dem Lande senken, dann biegen wir wieder in den alten Weg ein, der
zur Depression fuehrt. Volle Kaufkraft vbedeutet volle gleichberechtigte Stellung.
Das ist alles, was gleichberechtigte Stellung oder Paritaet bedeutet - einen angemessenen Anteil an Einkommen."
»The CIO News" - 11. Juli 1949
ROSSISCHE HISTORIKER SCHMAEHEN ROOSEVELT l
Eine Notiz, die sich an die Kommunisten in den Vereinigten Staaten richtet:
Ihr taetet besser daran, damit aufzuhoeren, mit lautem Geschrei die Rueckkehr zur
"Politik des grossen Franklin Delano Roosevelt zu fordern." Aber gehoert es immer
schon seit dem Tode jenes grossen Praesidenten zu den Maximen der Kommunisten und
ihrer Genossen in der sogenannten Fortschrittlichen Partei Jeden anzugreifen, der
mit ihnen als Rooseveltgegner nicht uebereinstimmte.
Jetzt ist jedoch das "Heil" aus dem Mutterlande gekommen, das nur das einzige
Land sein kann, woher das "Heil" kommen kann. Es sieht gerade so aus, als wenn
sich die Linie aendern will.
In der letzten Woche wurde eine UP-Depeache aus Moskau, die mit dem Vermerk
versehen war: "mit Verzoegerung zugestellt", in den amerikanischen Zeitungen veroeffentlicht. Warum die Depesche von den Zensoren aufgehalten wurde, wurde nicht
erwaehnt, aber sobald sie einmal freigegeben worden ist, wird der Inhalt, den der
Korrespondent berichtet, zum "Heil" - oder, von Ihnen aus gesehen, zur Parteilinie.
Die Depesche enthaelt den Bericht ueber eine Sitzung des Russischen Historlsohen Instituts, die Mitte Maerz stattfand. Wie UP darlegt, bildet dieses Institut
einen Teil der Akademie der Wissenschaften. Ein Bericht ueber die Maerz-Sitzung
des Instituts erschien In der Zeitschrift "Probleme der Geschichte". Hier wurde

- u -

�wieder einmal gruendlich die Seele sondiert. Nicht weniger als 25 Redner - die
alle fuerchteten, dass sie selbst einmal das gleiche Schicksal teilen koennten
nahmen das V/ort, beugten das Knie vor Stalin und prangerten die Suenden der
"Kosmopoliten" unter den russischen Historikern an. Alle wurden wegen "eines
haltlosen Kosmopolitismus" angegriffen, ebenso deswegen, weil sie "einen nationalen Kihilismus predigten, der den sowjetischen Ansichten zuwiderlaufe."
Um nun wieder zu Franklin Delano Roosevelt zurueckzukehren: Professor Zubok
wurde als einer derjenigen herausgegriffen, die zuviel von den Vereinigten Staaten
halten. Zubok, schrieen seine Kritiker, haette "Roosevelts sogenannten New Deal
verzerrt und entstellt ausgelegt." Zubok, so schrieen sie immer wieder, "haette
vollkommen die Tatsache ausser Acht gelassen, dass alle Bemuehungen Roosevels, das
Problem der Zusammenarbeit der Klassen zu loesen, unter dem Druck der Massen vor
sich gingen, und dass Roosevelt gleichzeitig die Interessen des Monopolkapitals
gewahrt haette."
Amerika kann nun eben einmal vor den Russen nicht bestehen. Ein weiterer
"Kosmopolit", Professor Suswitsch wurde angeklagt, Dass er dem Diplomatischen Institut gesagt haette, - es war eine "Geschichtsfaelschung", Genossen l - "dass die
Invasion der Amerikaner in Italien den Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges bildete."
Natuerlich ist es den loyalen Historikern der UdSSR, bekannt, dass der Kreml mit
seiner Wahrsagemagie besser ueber die Weltgeschichte Bescheid weiss als solche
"Amateure" wir Arnold Toynbee.
Aber der schlimmste Feind dieser Sorte von Wahrheit des Kreml ist der
"bourgeoise Kosmopolitismus". Dieser ist ganz besonders gefaehrlich, schreibt
das Blatt "Probleme der Geschichte", weil er eine ideologische Waffe der internationalen Reaktion gegen den Sozialismus und die Demokratie und eine ideologische
Maske fuer das Streben des amerikanischen Imperialismus nach der Weltherrschaft
darstellt."
Die Vereinigten Staaten und Grossbritannien werden als etwas Entsetzliches
zusammen in einen Topf geworfen, weil sie "den Abschaum der weissrussischen Emigranten, Kosmopoliten und Faelscher wie Professor Struve "rekrutiert" haetten, der
ein boesartiger Feind des russischen Volkes sei, wie auch die widerwaertigen
Renegaten Tarnadsky und Kappos.
(Aus der UP Depesche geht hervor, dass Moskau von Struee behauptet, er sei
Professor in England. Es gibt aber auch einen Otto Struve, einen in Russland
geborenen Astronomen an der Universitaet Chicago. George Varnadsky ist Professor
fuer russische Geschichte an der Yale-Universitaet.)
CIO-Nachrichten 11. Juli 1%9
AMERIKANISCHE ZEITUNG GREIFT DEN
BRITISCHEN SOZIALISMUS AN
Die "New York World-Telegraph" brachte neulich eine Reihe .Artikel ueber das
sozialistische Experiment in Grossbritannien zur Oeffentlichkeit. Unter dem allgemeinen Titel "Utopiens Untergang" wollten diese Artikel einige der Schwaechen
der häutigen Regierung Grossbritanniens zum Vorschein bringen.
Antwort des Norman Thomas.
Norman Thomas, langjaehriger amerikanischer sSozialistenfuehrer und mehrere
Male sozialistischer Kandidat fuer die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten,
schrieb eine Antwort auf diese nach seiner Meinung "fast hysterischen" Versuche,
den Sozialismus durch .uigriffe gegen Grossbritannien in ueblen Ruf zu bringen.
Er erinnerte seine Landsleute daran, es sei ungerecht, Grossbritanniens Produktion
und Leistungen mit denen der "gluecklicherweise unbeschaedigten Vereinigten Staaten"
zu vergleichen. Man muesse Grossbritannien mit anderen kriegsbeschaedigten Laendern
-

15

-

�gleichstellen. Er meinte ferner» "Was schlechte Sanieren und ruecksichtslose Rhetorik betrifft, sollten
wir Amerikaner uns schaemen. Etwas Verwegeneres als diese fast hysterischen
Versuche seitens einflussreicher Kreise in Amerika, den Sozialismus durch
Angriffe gegen Grossbritannien in ueblen Ruf zu bringen, kann ich mir nicht
denken, geschweige denn deren eventuelle 'Wirkungen auf amerikanisch-englische Zusammenarbeit waehrend der ausserordentlich schweren Feriode, vor der
wir z.Zt. stehen."
Mr. Thomas erklaerte, solche .angriffe wuerden Moskau ohne Zweifel entzuecken.
Er fuegte hinzu, er saehe einige Methoden der britischen Regierung 3ur Ausuebung
ihrer Befugnisse ungern, Grossbritanniens Programm sei aber von einer verzweifelten Kotlage, keineswegs von sozialistischen Theorien ins Leben gerufen worden.
Nichtsdestoweniger habe Grossbritannien ihre Demokratie aufrechterhalten. Das
Land sei nicht der Diktatur des totalen Staates zum Opfer gefallen.
"Manchester Guardian", 30. August 1949
-

16 -

Manpower Division
OMGUS, APO 757

(OU», * - 2««U, IM, lipl. M . 1U C)

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgendem Artikel stellen Auszöge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der ,,Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

I I - 30

B e r l i n , 30. September 1949

DIE MANPOWER DIVISION DER U.S.MILITAERREGIERUNG IST IM
BEGRIFF, VON BERLIN NACH FRANKFÜRT UEBERZUSIEDELN, BIS
NEUE VORKEHRUNGEN GETROFFEN WERDEN KOENNEN, DIE "INTERNATIONALEN ARBEITSMITTSILUNGEN" DRUCKEN ZU LASSEN, WERDEN DIE EINZELNEN VEROEFFENTLICHUNGEN IN UNREGELMAE3SIGEN ABSTAENDEN ERSCHEINEN.
WEITERE BESTELLUNGEN RICHTEN SIE BITTE AN«
MANP07/ER DIVISION - OMGUS
APO 757 - U. S. AHMT
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Eine Meinungsaeusserung der b r i t i s c h e n Arbeiterschaft Das Internationale Arbeitsamt
_ _ _ _ _ _ _
Die sowjetische Gedankenkontrolle In Russland l i e g t die Kultur in F e s s e l n
Lagebericht der OEEC
Das b r i t i s c h e Gewerkschaf tsgefuege
Verwirklichungen der "Volksdemokratien" —
Die Autjomobilarbeiter unterstuetzen das ERP Eine Gewerkschaft t r i t t fuer d i e a l t e n Arbeiter e i n

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EINE MEINUNGSAEUSSERUNG DER BRITISCHEN ARBEITERSCHAFT
Six William Lawther, der Vorsitzende des B r i t i s c h e n Gewerksohaftsbundes, aeusserte
s i c h vor kurzem wie folgt« "Unsere Faehigkeit, die enormen Lasten zu tragen, die uns
a l s Nation durch 6 lange Kriegsjähre hindurch a u f e r l e g t wurden, i s t waehrend der l e t z ten 4 Jahre e r n s t l i c h auf die Probe g e s t e l l t worden. Wenn wir i n Wirklichkeit keinen
Bankrott e r l e b t haben, so i s t d i e s auf die enormen Anstrengungen zurueckzufuehren, die
unser Volk gemacht hat, um unseren P l a t z in der Welt a l s grosse Fabrik- und Handelsnation zurückzugewinnen. In d i e s e r Aufgabe wurden wir durch die grossmuetige Mitarb e i t s e i t e n s der Vereinigten Staaten mit H i l f e des Marshall-Plans u n t e r s t u e t z t
"
»ECA Labor Information" 9. Sept. 49

-

1

-

�DAS INTERNATIONALE ARBEITSAMT
An einem Sommernaohmittag des Jahres 1926 oeffneten drei Maenner gleichzeitig,
jeder mit einem goldenen Schluessel in der Hand, die Tore eines neuen Gebaeudes in
Genf. Diese drei Maenner - ein holländischer Arbeiter, ein belgischer Arbeitgeber
sowie ein Mitglied der franzoesischen Regierung - oeffneten symbolisch die staendige Unterkunft fuer das Internationale Arbeitsamt, welches gerade heute seine
zweiunddreissigste Sitzung abgehalten hat.
"Diese Zeremonie symbolisierte lediglich die Abhaengigkeit des Internationalen Arbeitsamtes von seiner dreigeteilten Mitgliedschaft, und es war keine Sensationsmacherei, um die Versicherung abzugeben, dass die ^Entscheidungen dieser Organisation auf demokratischer Grundlage erfolgen und dass sie beachtet und in den
Mitgliedsstaaten angewandt werden wuerdea
"Das Internationale Arbeltsamt kann mit Recht fuer sich In Anspruch nehmen,
eine internationale Koerperschaft zu sein, die sich in einem Punkte gluecklich
von sonstigen derartigen internationalen Organisationen unterscheidet - sie blieb
auoh waehrend des zweiten Weltkrieges intakt und sie hat den arbeitenden Mensohen
in der Welt positiven Nutzen gebracht.
Vertragsabschluss
"Sieben Jahre vor Eroeffnung des neuen Verwaltungsgebaeudes wurde das Internationale Arbeitsamt auf Grund der Bedingungen des Friedensvertrages von 1919 gegruendet. Sa war seine Aufgabe, internationale Normen der Arbeitsbedingungen fuer
die ganze Welt aufzustellen und durchzusetzen.
Diese Fragen sind jedoch bereits in betraechtlichem Umfange von den Britischen Mitgliedern der Kommission behandelt worden und ihre Antworten fanden die
Billigung der Britischen Gewerkschaftsbewegung, die seit dieaer Zeit eng mit dem
Internationalen Arbeitsamt verknuepft war.
"Als dann ihre Vorschlaege der Geaamtkoramisaion vorgelegt wurden, wurden
sie Punkt fuer Punkt in einen Vertragsentwurf fuer die Vollkonferenz der Alliierten "eingehaemmert".
Diesfolgenden beiden Faktoren haben wahrscheinlich bei der Annahme der
Vorachlaege die Stimmung der Delegierten entscheidend bestimmt, naemlioh einmal
die ueberzeugende Rade von George Barnes, einem frueheren Schüler des Ingenieurberufes, sowie von Vandervelde, dem Belgischen Sozialisten, als zweitem, denn
die Delegierten waren bereits von der Sorge um die verwickelten politischen Streitigkeiten verwirrt und froh, wenig8tens einen Teil des sehr dornigen Vertragawerkea
geregelt zu haben.
In veraenderlichen Zeiten
"Als sich die Delegierten zum Abschlüsse der Sitzung erhoben, konnten sie es
sich kaum ertraeumt haben, dass dieses ihr Tagewerk eine dauerhaftere Zukunft
haben wuerde als viele andere ihrer Entscheidungen.
Das Internationale Arbeitsamt hat die Krise des Krieges ueberstanden, welche
den Voelkerbund erschuettert hat, und es gelangt nun zu der Epoche, die fruchtbare
und glueckliche wechselseitige Beziehung zur UNO anzubahnen verspricht. Aber wie
Mr. Carl Hambro, der Praesident des Jahres 1947 erklaerte, werden die neuen wechselseitigen Beziehungen die Wege oder Methoden des Internationalen Arbeitsamtes
nicht aendern.
"Er meinte allerdings damit nicht, dass das Internationale Arbeitsamt etwa
nicht mit den veraenderten Zeitumstaenden Schritt halten konnte oder wollte. Er
meinte damit lediglich, dass der Geist der Teilhaberschaft bestaendig sein wuerde,
um der Nachkriegswelt bei der Verfolgung von Zielen zu dienen, die das Leben des
Mannes auf der Strasse der ganzen Welt verbessern koennten.
-

2

-

�"Zum Beispiel haben sowohl das Internationale Arbeltsamt als auch die Vereinten Nationen kuerzlich Anschuldigungen in Erfahrung gebracht, wonach in gewissen
Laendern ernsthafte Verletzungen des Prinzips der Vereinigungsfreiheit vorgekommen
sind. Die Haupt funk tionaere dieser beiden Körperschaften sind nunmehr angewiesen
worden, Wege aufzuzeigen, um Tatsachen zusammenzutragen» wenn derartige Anschuldigungen vorgebracht werden.
"Sin Teil des bisherigen Erfolges des Internationalen Arbeitsamtes war in
mancher Hinsicht auf seine Statuten zurueckzufuehren und in anderer auf die Inspiration, die ihm ein Franzose, Albert Thomas, in seiner zwoelfJährigen Mitarbeit
zuteil werden Hess.
"Albert Thomas wollte das Internationale Arbeitsamt nicht lediglich als eine
Nachrichtenaustauschzentrale angesehen wissen, die Forschungen von sozialen und
wirtschaftlichen Problemen in einem unermesslich weitem Saume durchfuehrte, noch
lediglich als ein Verlagshaus von Zeitschriften und Studien ueber Arbeits-Themen.
"Gewiss muessen diese beiden Funktionen ausgefuehrt werden, wenn das Internationale Arbeitsamt das richtungsweisende Vorbild der Regierungen und Arbeitgeber
auf dem Gebiete der Sozialgesetzgebung sein soll. V.'as Jedoch von noch groesserer
Bedeutung war* Thomas bestand darauf, dass das Internationale Arbeitsamt die Haende
zu praktischer Arbeit regen muesse, um die Bedingungen jeher vielen zu verbessern,
die ueber Gebuehr arbeiteten, unterbezahlt oder ausgebeutet wurden.
Wie die Delegierten abstimmen
"Das Internationale Arbeitsamt uebt seinen wesentlichsten Einfluss in Vollkonferenzen durch Zustimmung zu Konventionen (wie seine Hauptentscheidungen genannt
werden) und zu Empfehlungen aus, um dann durch Veröffentlichungen und entsprechende
Schritte darauf zu sehen, dass diese Konventionen und Empfehlungen in den Teilnehmerstaaten in Kraft gesetzt werden. Zu solchen Konferenzen entsendet Jeder Mitgliedstaat vier Delegierte, von denen zwei die Regierung vertreten sowie Je einer die
Arbeitnehmer und Arbeitgeber- eine Regelung, welche dem Umstand Rechnung traegt,
dass Konferenz-Entscheidungen, die wirksam sein sollen, das Gewicht der offiziellen
Behoerde hinter sich haben muessen. Ausserdem kann Jeder Delegierte eine Anzahl
von Beratern zu der Konferenz hinzuziehen, Jedoch nicht mehr als zwei zu jedem
Punkt der Tagesordnung.
"Allen Delegierten steht es Jedoch frei, selbstaendig ihre Stimme abzugeben,
wobei es den Delegierten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vollkommen freigestellt
ist, wenn sie wollen, gegen die Delegierten ihrer Regierung zu stimmen.
Gesetze muessen geaendert werden.
"Empfehlungen, die vom Internationalen Arbeitsamt gegeben werden, haben nur
den Charakter eines Rates, der angenommen werden kann, wenn entsprechende Gesetze
gestaltet werden. Die Bedeutung einer Konvention liegt jedoch in der Tatsache,
dass sie mit zweidrittel Mehrheit von einer Konferenz angenommen worden ist, und,
nach den Satzungen des Internationalen Arbeitsamtes, wird den Regierungen eine
aeussemte Frist von 18 Monaten gewaehrt, innerhalb welcher sie sich entschliessen
muessen, ob die Bestimmungen der Konvention in ihrem Lande Geltung haben sollen.
Wenn sich eine Regierung zugunsten einer Konvention entscheidet, muss sie ihre
diesbezüglichen Gesetze nach den Bestimmungen der Konvention ausrichten.
"In Jedem Jahre legen die Mitgliedsstaaten Berichte vor, in welcher sie aufzeigen, wie sie die ratifizierten Konventionen durchfuehren. Zur Gegenkontrolle
koennen Arbeitnehmer und Arbeitgeber Beschwerden unterbreiten, wenn eine Regierung
eine Konvention nicht so durchfuehrt wie sie es sollte, obgleich jedoch Bestimmungen ueber Sanktionen gegen solche Regierungen bestehen, erreicht oftmals die
oeffentliche Kritik das gewuenschte Ergebnis.
"Zwischen den Konferenzen wird die vorbereitende Arbeit ununterbrochen fort-

- 3 -

�gesetzt. Edward Fhelan fuehrte folgendes in der Juni Ausgabe der "International
Labour Review« aus« "Es koennen zwar technische Ausschuesse des Internationalen
Arbeitsamtes gebildet werden, die dann in dem einen oder anderen Stadium Bericht
erstatten, oder es kann eine vorbereitende technische Konferenz abgehalten werden,
bevor die Frage der Internationaleh Arbeitskonferenz endgueltig unterbreitet wird,
und fast regelmaessig werden Regierungsvertreter und wahlberechtigte Vertreter der
Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der einen oder anderen Sitzung des Internationalen
Arbeitsamtes staendig anwesend sein."
"Ein wirkliches Bild vom Internationalen Arbeitsamt kann man sich nur dann
machen, wenn man das unermesslich grosse Panorama fortgesetzter Afctivitaet sowohl
auf nationalem als auch auf internationalem Gebiete betrachtet, welches unmoeglich
in allen seinen verschiedenartigen Einzelheiten erfasst v/erden kann. Es ist dies
die niemals unterbrochene Arbeit der Studien, Beratungen, Betrachtungen und Entscheidungen, welche es erklaerlich machen, warum das Internationale Arbeitsamt
vertrauensvoll fuer sich in Anspruch nehmen kann, "ein allgemeines sich ueber
alle Grenzen erstreckendes soziales Gewissen" geschaffen zu haben.
"In der kurzen Spanne seines Bestehens hat das Internationale Arbeitsamt
einen Reichtum an Kenntnissen sowie eine Technik des Zusammentragens, der Verteilung und Anwendungsmethoden erstellt, womit es sich schon allein die Arbeiter
verpflichtet haette, selbst wenn dies seine einzige Errungenschaft waere.
"Kuerzlich kuendigte der gegenwaertige Generaldirektor des Internationalen
Arbeitsamtes, David Korse, an, dass sich auf Anforderung von Venezuela ein Unter- .
suchungsausschuss nach dort begibt, um die dortigen sozialen und Arbeitsprobleme
einer Untersuchung zu unterziehen und danach einen vollstaendigen Bericht darueber
zu unterbreiten.
Fuer Frieden und Fortschritt
"Bis jetzt haben 90 Konventionen des Internationalen Arbeitsamtes 1012 Ratifizierungen durch die einzelnen Mitgliedsstaaten erfahren. Viele Sachgebiete sind
davon beruehrt worden, jedoch wuerde eine wahllose Uebersicht ergeben, dass gleich
in erster Linie die Behandlung der Zu- und Abwanderung, des Gesundheitswesens in
der Industrie der Vereinigungsfreiheit, der Sicherheit und Wohlfahrt sowie der
Arbeitszeit steht, was bereits im Jahre 1919 Gegenstand der ersten in Washington
angenommenen Konvention war.
"In diesem Jahre entsandten 50 Staaten insgesamt 550 Delegierte zu den internationalen Arbeitskonferenzen. Eine Uebersicht ueber die von ihnen geleistete
Arbeit erscheint auf der naechsten Seite.
"Sie veranschaulicht, dass das Internationale Arbeitsamt immer ein wichtiger
Faktor fuer Frieden und Fortschritt sein wird. Es bleibt jedoch unmoeglich, den
Einfluss des Internationalen Arbeitsamtes auf die Besserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen zu messen, da es unmoeglich ist, eine Erhebung ueber die gesamte
soziale Gesetzgebung der letzten 30 Jahre, die in den verschiedenen Laendern in
Kraft gesetzt und verordnet worden ist, anzustellen, und die direkt durch die Taetigkeit des Internationalen Arbeitsamtes angeregt oder betraechtlich beeinflusst
worden ist.
Besseres Leben
"Als ein fruehes Beispiel sei eine Konvention genannt, die auf der ersten
VJashingtoner Konferenz angenommen werden war und die das Problem der Kinderbeschaeftigung behandelte. Im Jahre 1937» also etwa 18 Jahre spaeter, hatten 30
Laender zugestimmt, dass Kinder unter 14 Jahren nicht .in der Industrie beschaeftigt
werden duerfen, und sie habfln entsprechende Gesetzte erlassen.
"Auf der heutigen Konferenz des Jahres 1949 berichteten die Delegierten, in

- k -

�welchem Ausmasse die Konventionen und Empfehlungen des Internationalen Arbeitsamtes
die Regierungen bei der Ausarbeitung der Sozial- und Arbeitsgesetzgebung unterstuetzt
haben - zum Beispiel: das neue Syrische Arbeitsgesetz und das Aegyptische Sozialversicherungsgesetz,
Als das Internationale Arbeitsamt die Frage der Sozialversicherung behandelte,
hatten lediglich zwei Laender eine Gesetzgebung von Bedeutung auf diesem Gebiete,
naemlich Grossbritannien und Deutschland, jedoch die damit gedeckten Risiken waren
lediglich Alter, Krankheit und Arbeitslosigkeit. Jetzt sind infolge von umfangreichen Anstoessen und Anregungen des Internationalen Arbeitsamtes die Sozialversicherung beziehungsweise soziale Sicherheitsmassnahmen auf sehr viele andere Laender ausgedehnt worden.
"Dramatischer dargestellt hat die Arbeit des Internationalen Arbeitsamtes
einen verbesserten Lebensstandard fuer viele Hundert Millionen von Arbeitnehmern
in den letzten dreissig Jahren bewirkt.
Labour, August 1949
DIB SOWJETISCHE GEDANKENK0NTR0L1E
"Seit der Oktoberrevolution im Jahre 1917 haben die Bolschewiken in Russland
das ausgedehnteste und weitestreichende System zur Kontrolle des Denkens entwickelt,
das Jemals in der Geschichte bekannt geworden ist. Sie waren in der Lage, in
dieser Hinsicht die frueheren Formen des Despotismus zu uebertreffen, weil ihnen
alle Faktoren fuer die Ausbildung des Geistes, die die moderne Wissenschaft und
Technologie geschaffen haben, zur Verfuegung standen. Sie lassen diese Faktoren die Schule, die Fresse, den Rundfunk, das Kino, das Auto, das Flugzeug, und das
Maschinengewehr, die Wissenschaft, die Literatur und die Kunst - mit aeusserster
Rücksichtslosigkeit zusanmenwirken und benutzen sie in diesem Sinne im Hinblick
auf ein einziges Ziel.
Wie sie arbeitet
"Der Schluessel zum Yerstaendnis dieses Systems der Gedankenkontrolle liegt bei
der Allrussichen Komnunistischen Partei, oder der Partei Lenins und Stalins, mit ihren 6 Millionen Mitgliedern, ihrem Zentralkomitee mit 72 Mitgliedern, ihrem Politbuero mit 1A Mitgliedern und ihrem komplizierten und weitreichenden Mechanismus. Hier
liegt auch der wirkliche Schluessel zu Jenem "Verstehen" der Sowjetunion, nach dem
heute soviel Leute Verlangen haben. In Wirklichkeit ist die Partei und nicht die
Regierung der Sowjetstaat.
"Die Partei Lenins und Stalins ist natuerlich absolut nicht eine politische
Partei in dem Sinne, wie dieser Ausdruck in den demokratischen Staaten gebraucht
wird. Sie regiert weder im Auftrage noch mit Zustimmung des Volkes. Wie ihr Vorgaenger, das Zarenreich, kann sie nur durch eine gewaltsame Revolution abgeschafft
werden. Dem allgemeinen Aufbau und ihrer Handlungsweise nach ist sie eine Ar\ politische Armee. Indem sie mit erstaunlicher Praezision dem Plan fuer eine revolutionaere Organisation folgt, wie ihn Paul Pastel, ein russischer Revolutionaer zu
Anfang des 19. Jahrhunderts aufgestellt hat, hat sie 3 verschiedene Mitgliederschichten oder-kreise; Sie hat ihre Offiziere, ihre Unteroffiziere und ihr Oberkommando.
Die Pflicht der Soldaten und Offiziere ist es, die Befehle des Oberkommandos auszufahren. Das letztere setzt sioh aus 14 Mitgliedern zusammen, im Politbuero, und
aus 72 Mitgliedern im Zentralkomitee.
Parteikontrolle
"Zu Lenins Zeiten sollte die Taetigkeit der Partei nach dem Prinzip des "demokratischen Zentralismus" gelenkt werden. Diesem Prinzip zufolge soll jede Art
von politischer Aktivitaet von den gewoehnlichen Mitgliedern in den Tausenden von
Zellen besprochen werden, die die Grundlage der Organisation bilden. Danach werden
Delegierte gewaehlt, die die Mitglieder auf regelmaessig zusammengerufenen Partei-

-

5 -

�kongressen vertreten sollen, und die dort angenommenen Beschluesse in bezug auf
die Politik sollten dann fuer die gesamte Mitgliederschaft bindend sein. Unter
Stalin ist dieses ganze Verfahren abgeschafft worden, und sogar umgekehrt norden.
Der letzte Kongress wurde im Fruehjahr 1939 zusammengerufen. Und wenn ein neuer
Kongress in naechster Zeit zusammengerufen werden sollte dann kann man sicher sein,
dass Jeder Delegierte von der Fuehrersohicht aufs sorgfältigste ausgesucht werden
wird, und dass er dann ohne Einsehraenkung die grundlegende Politik Stalins und des
Politbueros unterstuetzen wird.
•&gt;Unter diesem Kontrollsystem kann es natuerlich keine oeffentliche Diskussion
ueber die hohe Politik geben, weder ueber die Aussen, noch ueber die Innenpolitik.
Diese Politik wird vom Oberkommando der Partei eroertert und formuliert, und wird
dann der Welt gewoehnlich in Form einer Resolution seitens des Zentralkomitees bekanntgegeben. Danach ist es dann die Aufgabe der anderen Mitglieder dieser politischen Armee, die Politik ins Volk zu bringen, zu erklaeren, zu ueberzeugen, zu
argumentieren, die Leute zu bereden, die Annahme von Resolutionen zu sichern und
das Auftauchen jeder Art organisierten Widerstandes zu verhindern. Alle Zweige
des kulturellen Mechanismus werden so ausgerichtet, dass sie demselben Zweck dienen,
Der Sowjetbuerger liest und hoert ueberhaupt nicht die leiseste Spur von Kritik an
jeder Art von Politik seitens der Zentralorgane der Partei."
Prof. George S. Counts von der Columbia Universitaet
im "AFL Weekly News Service" 22. Juli 1949
IN RUSSLAND LIEGT DIE KOI/TOR IN FTCYSTCT.N
"Im spaeten Sommer und zu Anfang des Herbstes des Jahres 1946 erhielt die
Amerikanische Bevoelkerung kurze Nachrichten aus Moskau, wonach gewisse Schriftsteller, Dramatiker und Filmdirektoren in Schwierigkeiten waren. Es schien, als
ob das Zentralkommitee der Partei Lenins und Stalins den Finger der Kritik auf
jene Leute gerichtet haette, um sie zu bitten, ihren bisher eingeschlagenen Weg
zu aendern. Da die meisten Amerikaner weder mit den in den Berichten erwaehnten
Namen noch mit der Rolle, den die Partei im russischen Staate zu spielen pflegt,
vertraut waren, neigten sie dazu, die Berichte als jenseits ihres Fassungsvermoegens liegend abzutun oder die betreffenden Ereignisse als mit Leichtigkeit zu betrachtende Episoden anzusehen. Sie versaeumten gaenzlich, ueber die persoenlichen
Tragoedien nachzudenken, die hinter diesen Berichten liegen und ueber die in jenen
seltsamen Aktionen der allumfassenden Kommunistischen Partei eingeschlossene WeltTragoedie.
"Als Tatsache wurde in den Nachrichten von den ersten Schlachten einer gigantischen und sorgfaeltig geplanten Offensive gegen den Westen und die gesamte freie
Welt gesprochen. Der Angriff der Partei auf die literarische Kunst war der Anfang
einer Kampagne, die darauf abzielte, den gesamten Kulturapparat zur nachdrücklicher
und unberechtigten Unterstuetzung der agressiven Aussenpolitik, die das Politbuero
zur Reife bringen wollte, einzuspannen da der Krieg zu Ende gegangen war.

Die Ziele der Kommunisten
"Offenbar war das erste Ziel deä Angriffs, alle guenstigen Eindruecke vom
Westen und insbesondere von Amerika, die man waehrend des Krieges gewonnen hatte,
in den Hirnen der Soviet-Bevoelkerung auszuloeschen. Aber der beherrschende Zweck
war und ist offenbar die Unterstuetzung erstaunlicher und ko-ordlnierter Bemuehungei
ausgeruestet mit der vollen Macht des russischen Staates und der dritten Internationale, die Voelker aufzuwiegeln, um ueberall zu revoltieren, um das sowjetische
System weitestgehend zu verbreiten und um damit die Versprechungen der bolschewistischen Revolution im eigenen Lande und ausserhalb zu erfüllen.
"Die theoretische Untermauerung dieser Aktion der Partei war schon durch Lenin

- 6 -

�e r f o l g t . Da er zu der marxistischen Konzeption des Staates steht, mit a l l seinen
Organen und seiner Macht a l s ein Instrument der herrschenden Klasse, gelangt er
logisch rorgekend zu der Doktrin, dass es die erste Pflicht jeder Abteilung der
Sowjetkultur i s t , das Volk in der Parteidoktrin und P o l i t i k zu erziehen. In einer
Botschaft, die heute mehr z i t i e r t wird a l s zu Lenins Zeiten, drueokte er sich f o l gendermassen aus: "Auf dem Gebiete der oeffentliohen Erziehung s e t z t es sich die
Partei zum Ziele, die von der Oktober-Revolution im Jahre 1917 begonnene Umbildung
der Schulen von einem Werkzeug zur Beherrschung der Klassen durch die Bourgoisie
in ein Werkzeug zur Zerstoerung dieser Herrschaft zu beenden..." Die Schule muss
ein Werkzeug der Diktatur des Proletariats werden."
Erziehung i s t eine Waffe
"Stalin bringt, wie es seine Gewohnheit i s t , die Sache noch plumper in einer
Unterhaltung mit H.a. Wells zum Ausdruck. Sr sagtet "Erziehung i s t eine Waffe,
deren Wirksamkeit davon ab ha engig i s t , wer s i e in der Hand haelt und auf wen s i e
geriohtet i s t . " Und wenn der Ausdruck "Erziehung" heute in der Sowjetunion angewandt wird, dann s o l l er damit a l l e Xlnfluesse und T ä t i g k e i t e n , die der Information
und der Meinungsbildung dienen, umfassen. Im dem Masse, in dem diese Xlnfluesse
und Taetigkeiten organisiert und beherrscht werden koennen, stellen s i e eine Waffe
oder eine Batterie von Waffen von fabelhafter Kraft dar, die die Kommunistische
Partei i n ihren Haanden haelt, und die s i e auf jedweden und jedwedes Ziel richten
kann«
"Bear Torgang des Zielweohsels und des Anpassens der Visiere dieser maechtigen
Batterie von Waffen begann ernstlich am 1A. August 1%6 mit einer Resolution des
Zentralkomitees der Bartei ueber zwei in Leningrad vexo effantllohte literarische
Zeitschriften. Dies war die beruehmteate a l l e r Resolutionen, weil s i e die erste
war und daher a l s Muster galt. Ihr folgten Resolutionen ueber das Drama, den Film,
die Musik, die Vererbungslehre, den Humor sowie andere Phasen kultureller Betaetigung. Zasssmengefaast sind s i e in der Sowjetunion als die "Resolutionen ueber die
Ideologie" bekannt. Sie zeigen sehr deutlich das sowjetische System der Kontrolle
der Gedanken anf."
Von Professor G.S. OODNTS von der Columbia Unlvarsitaet.
(Aus dem woechentlichen Nachrichtenblatt der A? of L vom
23. August 1 * 9 )
TAftWfflCRIOHT DER QEBC
Der euxDpaeisohe Arbeiter traegt dadurch, dass er die Produkt!vitaet erhoeht
und sieh von Arbeitsunterbreohungen fernhaalt, zum Wiederaufbau Europas bei. Dagegen sieht er Nutzen aus dem Wiederaufbauprogramm durch eine Beschaeftlgung, die
besser i s t a l s vor dem Zweiten Weltkrieg und durch die Stabilisierung der Preise
in den meisten Laendern Westeuropas.
Diese Tatsachen werden in dem juengsten Lagebericht, der Im Juni von der
Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Buropas (OEEC) vero eff entlicht
werde, klar herausgestellt.
Arbeitslosigkeit, Streiks
"Die Arbeitslosigkeit in den meisten westeuropaeis oben Laendern war nur ein
Viertel so hoch wie vor dem Kriege," he last es in dem Bericht, "allerdings mit Ausnahmen von Wichtigkeit, wie in I t a l i e n , wo nahezu 20£ a l l e r Lohn- und Gehaltsempfaenger arbeitslos sind» in Belgien, wo etwa 12£ a l l e r versicherten Arbeiter
stellungslos sind, und in Westdeutschland, wo die Zahl der eingetragenen Arbeitslosen etwa 9? der Bevoelkerung betraegt, die Lohn oder Gehalt beziehen."
An Hand einer Tabelle, d i e nach Berichten aus Oesterreioh, Daenemark, Frankreich, Irland, Holland, Norwegen, Portugal, Schweden, der Schweiz und dem Varel-

7

-

�nigten Koenlgrelch zusammengestellt wurde, schaetat die OEEC, dass die Gesamtzahl
der Arbeitslosen fuer diese Laender im Jahre 1938 3.1 Millionen betrug. Im Jahre
1949 betraegt die vorlaeufige Zahl fuer diese Laender 0.7 Millionen.
"Die .Arbeitszeit, die durah industrielle Streitigkeiten in der Zelt von 1946
bis 1%8 verloren ging, betrug nur 1/5 des Verlustes waehrend der 3 Jahre 1919 bis
1921. Das macht etwa 2 Stunden pro Jahr fuer jede beschaeftigte Person aus, oder
nahezu 1 Stunde pro 1000 Arbeitsstunden", heisst es weiter in dem OEEC-Bericht.
Produktivitaetslndex und Preise
Sin ueberschlagsmaessiger Index der industriellen Produktivitaet, den die Experten der OEEC ausgearbeitet haben, i l l u s t r i e r t die Besserung, die sich in den
b e t e i l i g t e n Laendern gezeigt hat: 1938

1946

1947

1948

100
100

77
89

81
94

90
102

Eins chlie s a l i oh Westdeutschland
Ausschliesslich Westdeutschland

"Die Produktivitaet pro Arbeitsstunde hat in Frankreich wieder fast den Vorkriegsstand erreicht," berichtet die OEEC, "und die durchschnittliche Arbeltswoohe
wurde von 38 Stunden im Jahre 1938 auf 45 Stunden im Jahre 1948 erhoeht.
In Westdeutachland wurde die Arbeit von der anormalen Hoehe von 48 Stunden
vor dem Kriege auf 44 Stunden herabgesetzt. In den meisten anderen beteiligten
Laendern i s t die Laenge der Arbeitswoche nicht sehr von der verschieden, wie sit,
vor 10 Jahren bestand.
Eine Preisstabilisierung, die einen Ansporn fuer die Produktion bildete, wurde
in den meisten Westeuropa ei sehen Laendern durohgefuehrt, bemerkt die OEEC und
fuegt hinzu, "dass die Stabilisierung der Preise waehrend der letzten 12 Monate
mit einer auffallenden Lockerung der Eontrollen zusammenfiel. Es besteht wenig
Zweifel darueber, dass der inflationistische Druck aufgehoert hat, in den meisten
b e t e i l i g t e n Laendern ein ernstes Problem darzustellen. 11
Die OEBC-Experten haben allerdings die Warnung geaeussert*"Man muss sich daran
erinnern, dass d i e Preise v i e l e r Verbrauchswaren nur dank der grossen Einfuhren,
die von der amerikanischen Hilfe finanziert wurden, s t a b i l i s i e r t wurden.
Eine weitere Wuerdigung der Besserung, die durch die gemeinsamen Bemuehungen
seitens der Westeuropasischen Laender und der Vereinigten Staaten erreicht wurden,
geht aus dem Lagebericht hervor. Es heisst darin; Die Hilfe der Vereinigten Staaten
hat einen ataendigen Fluss an Lebensmitteln und Importierten Materialien gesichert.
Die Bemuehungen der beteiligten Laender haben das TransportsyBtem wiederhergestellt
und die Produktion an Kohle, Stahl und anderen lebenswichtigen Materialien Europas
erhoeht, waehrend ihr Kampf gegen die Inflation bedeutende Fortschritte e r z i e l t e n .
Infolgedessen bestand fuer die Produktion die Moeglichkeit sioh ohne eine entsprechende Erhoehung der Arbeit skr aefte auszuweiten."
Jetzt aber, besagt der Bericht, "werden weitere Produktionserhoehungen zum
grossen Teil von der Verbesserung der Produktionsmethoden und von der Investierung
frischer Kapitalien abhaengen."
Zusammenarbeit mit dem ERP
Die OEEC zaehlt dann noch einige Faelle von Zusammenarbeit zwischen den bet e i l i g t e n Laendern und den den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der verbesserten
Produktionsmethoden auf.
Sowohl Arbeiter wie Unternehmer haben dieser Frage gegenueber ein starkes
Interesse bekundet, heisst es hier. "In Frankreich wurde unter Zusammenarbeit mit
dem EGA die industrielle Produktivitaet in 125 Babrikationsbetrieben einem Studium
unterzogen. Auf Ersuchen der griechischen Regierung wurden amerikanische Sachverstaendige der ECA-Mission z u g e t e i l t , um a l s Berater in technischen Angelegenheiten
-

8

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�zu fungieren. Ein anglo-amerikanischer Bat fuer Produktivitaet wurde Ende 1948
geschaffen, um Methoden zu studieren, die geeignet sind, die Industrielle Produkt i v i t a e t zu erhoehen; saine Arbeit hat bisher gute Fortschritte gemacht. StudieakommissIonen, bestehend aus Industriellen und Arbeitern aus mehreren Laendem haben
die Vereinigten Staaten besucht, um amerikanische Arbeitsmethoden zu studieren."
Dieses Bild steht in krassem Gegensalz zu den Behauptungen, die in dem Memorandum enthalten sind, das der von den Kommunisten beherrschte Weltgewerkschaftsbund (WFTO) an den Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen gesandt hat.
Das Dokument des WFTU wirft den "kapitalistischen Laendem" vor, dass s i e die
wirklichen Ausmasse der Arbeitslosigkeit Yersohwelgen. Es wird darin behauptet,
dass es in den "kapitalistischen Laendern" einschliesslich der Vereinigten Staaten
7 Millionen Arbeitslose gaebe. Davon muss man aber, wird gesagt, 6 j Millionen auf
die Vereinigten Staaten rechnen. Dieses Memorandum des WFTO wurde von der "New
York Times" als eine "statistische Kuriositaet" bezeichnet.
üeberbliok der OBBC ueber die Besohaeftlgungalage
Der OBEC-Bwricht untersucht ausfuehrlich die Ursachen und die Ausmasse der
Arbeitslosigkeit in Belgien, I t a l i e n und Westdeutschland. Nachstehend folgt eis«
Zusammenfassungt•
Die Beschaeftlgungslosigkelt in Belgien scheint zum Teil das Ergebnis einer
Besehraenkung der Exportauftraege fuer manche Fertigwaren wegen der englischen und
deutschen Konkurrenz zu sein« teilweise i s t s i e wohl auf die nachlassende Inlandnachfrage naoh Textilien, kostspieligen neuen Haeusern und nach Industrie-Neubauten
zurueckzufuehren. Gegen Ende Mai 1949 waren 212.000 Belgier ohne Besohaeftigung.
Der üeberschuss an italienischen Arbeitskraeften ergibt sich aus der dienten und
s t e t s wachsenden Bevoelkerung ( s e i t der Beendigung des Krieges s t i e g die Zahl dar
italienischen Bevoelkerung um 3 Millionen) und aus dem Mangel an natuerlichen
Hilfsquellen und an Kapitalausstattung. Dieses Problem, dass vor dem Kriege durch
grosse Zahlen an Streitkraeften und damit zusamnenhaengender Besohaeftigung maskiert
wurde, wurde durch eine lOjaehrige Unterbrechung in der Auswanderung, durch die
kuerzliche Elnsohraenkung der Schwarzmarkt- und Nebengescheefte und die Rueckkehr
der Kriegsgefangenen verschlimmert. Die Zahl der Arbeitslosen s t i e g lon 1.2 Millionen auf den Hoehepunkt, als s i e im Mai 1948 2.4 Millionen errelohte. Im Maerz d i e ses Jahres waren es 1.835.000.
In Westdeutschland brachte die Währungsreform im Juni 1948 manche Aenderungen
In der Beschaeftigungslage. Das Fernbleiben vom Arbeitsplatz f i e l von 15.2t auf
6.7I. Die Zahl derjenigen, die bezahlte Arbeit suchten, wurde noch durch diejenigen vergroessert, die frueher von Sohwarzmarktgesohaeften gelebt hatten, sowie
von anderen, wie Frauen, die frueher keine bezahlte Beschaeftigung gesucht hatten*
Viele Bueroangesteilte wurden entlassen, wenn s i e nicht mehr vo*ll leistungsfaehig
waren. Kreditbeschraenkungen erschwerten die Finanzierung von Investierungen.
Ausserdem stroernten Flueohtlingen in grosser Zahl aus dem Osten zu. So s t i e g dl«
Zahl der registrierten Arbeitslosen Im Mai auf ueber 1.2 Millionen.
Naoh einem Ueber blick ueber die Ursachen der Arbeitslosigkeit in den Gebieten, wo s i e besonders stark a u f t r i t t , fuehrte die 0EEC aus: "Die meisten europaeisohen Laender haben eine Massenarbeitslosigkeit und Streitigkelten grossen S t i l s
in der Industrie vermieden, die in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen soviel
Elend und Verluste verursacht haben."
"ECA Labor Information" 19. l u l l 1949
DAS BRITISCHE GEtVERKSCHAFTSGSFUEGB
Der nachfolgende, von einem britischen Sonderberichterstatter fuer das Arbeitswesen geschriebene Artikel, behandelt das Gefuege des British Trades Union Oongresa
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9

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�(TUC). Der Artikel duerfte die deutschen Gewerkschaftler der Westzonen interessieren
Insbesondere handelt es sich um die Vertretung der einzelnen Gewerkschaften bei dem
General Council, d.h. dem Verwaltungsrat der T.U.C.
Die Reform der T.U.C.
"Trotz seiner demokratischen Natur s t e l l t der Verwaltungsrat in mancher Hinsicht keine sehr gute Vertretung fuer v i e l e Gewerkschaften dar, deren Interessen
er angeblich wahrt. Abgesehen von der Wiederaufnahme eines Vertreters der Angestellten-Gewerkschaften (Civil Service Unions), hat sich, nachdem im Jahre 1945
die diesen Gewerkschaften auferlegten Beschraenkungen aufgehoben wurden, die Struktur des Verwaltungsratea, der f a s t d r e i s s i g Jahre zuvor zur Erweiterung des ehemaligen Parlamentarischen Ausschusses geschaffen wurde, nicht geaendert. Diese Struktur
spiegelt die hervorragende PersoanHenkelt der Maenner wider, die damals fuehrend
waren, und hatte zweifellos zum Zweck, a l t e Buendnisse moeglichst dauerhaft zu
macheh.
"Das Wahlsystem verleiht den groesstan Gewerkschaften eine ungeheure Macht.
Die Kandidaten werden gruppenweise ernannt, was theoretisch die Gewähr dafuer l e i s t e n
s o l l , dass innerhalb einer einzelnen Gewerkschaftsgruppe die Gewerkschaften t a t saechlich durch den annehmbarsten Kandidaten aus ihren Reihen vertreten werden,
Wenn auch die Ernennung gruppenweise erfolgt, so werden die Stimmen von der Trades
Union Congress doch als Ganzem abgegeben; d.h. die gemeinsame Stimmabgabe der zwei
oder drei groesstan Gewerkschaften kann jeweils bestimmen, welcher Kandidat zu
waehlen i s t .
Nicht ausgeglichen
"Ferner sind d i e einzelnen Gruppen sehr ungleich aufgegliedert. Der Verwaltungsrat wurde kurz nach dem Kriege 1914-18 a l s das Gleichgewicht zwischen Wirtschaft
und Gewerkschaften anders als heutzutage ausgesehen hat, ins Leben gerufen. Die
Vertretung der Industriegruppen war damals schlecht ausgeglichen. Die alten Grundindustrien, die die Bewegung im 19. Jahrhundert beherrscht hatten, waren immer noch
zu stark vertreten. Dieser Mangel an Gleichgewicht hat sich staendig erhoeht.
Die nachfolgende Tabelle z e i g t die Anzahl der Gewerkschaftler, welche jeweils
durch ein Mitglied des Rats in den Jahren 1923 und 1947 darin vertreten waren
(spaetere Zahlen sind noch nicht verfuegbar.)
Anzahl der VerCongress-Mitglieder, die auf
Industriegruppe
treter
je einen Vertreter entfallen.
1923
läZ
Bergbau und Steinbruch
3
201
263
Eisenbahnen
3
208
U9
Sonstiger Verkehr
3
458
137
132
Schiffbau
1
121
Maschinenbau, Buettenwerke
und Fahrzeugbau
3
143
404
Eisen-Stahl-und sonstiges
Metallgewerbe
2
76
94
Baugewerbe, Holzbearbeitung,
Moebel
2
178
294
Druckerei und Papier
1
159
237
Baumwolle
2
119
75
Sonstige Textilien
1
153
107
Bekleidung
1
93
173
Leder und Schuhwaren
1
116
84

-

10

-

�Anzahl der Vertreter

Industriegruppe ,
Glas, Töpfereien, Nahrungsmittel und chemische Industrien
und Einzelhandel
1
Landwirtschaft
1
Beamte und Angestellte des
oeffentl. Dienstes
2a
Nicht-Handarbeiter
1
Arbeiter
3
Frauen
2
(a) ein Vertreter im Jahre 1923

Congress-Mitglieder, die auf
je einen Vertreter entfallen.
1923
1947
189
30

481
129

IM
64
152

320
217
277

"Diese Zahlen geben zu denken. Der Einzelhandel und die neuen gemischten
Industrien, sowie der Maschinenbau, haben v i e l zu wenig Vertreter» dagegen haben
der Schiffbau und die unbedeutenderen Metalle zu v i e l , waebrend die Baumwollindus t r i e hoeher vertreten i s t a l s irgendeine andere Gruppe.
'•Die beiden grossen Gewerkschaften der allgemeinen Arbeiter koennen sich in
mehr als einer Gruppe direkt vertreten lassen. Die "Transport and General Workers
Union" hat in der Gruppe "Sonstiger Verkehr (d.h. ausschliesslich der Eisenbahnen)"
zwei Vertreter, und ebenfalls einen der beiden Sitze, die fuer Frauen reserviert
sind. Bei den dies jaehrigen Wahlen hat die "General and Hunicipal v.'orkers Union"
fuer a l l e drei Sitze, die den "allgemeinen Arbeitern zugeteilt sind, Kandidaten
a u f g e s t e l l t , ausserdem noch eine Kandidatin fuer die Frauenabteilung.
Sitze fuer die Frauen
"Das Prinzip, Sitze fuer die Frauen zu reservieren, l a e s s t sich nicht leicht
rechtfertigen, besonders in einer Organisation, die angeblich Maenner und Frauen
gleichmaessig v e r t r i t t und die z.B. Ansprueche auf gleiche Bezahlung staendig
geltend zu machen versucht. Aber selbst, wenn das Prinzip angenommen wird, weil
es die Gewaehr dafuer gibt, dass einige Frauen in den General Council gewaehlt
werden, so i s t die Vertretungsbasis sehr eigenartig. Einundreissig maennliche Vertreter beim jetzigen General Council wurden aus etwa 6,572,000 maennlichen Gewerkschaftsmitgliedern gewaehlt, aber die beiden Frauen sollen a l l e i n die Interessen
von 1,200,000 weiblichen Gewerkschaftlern vertreten. Das Verhaeltnis der maennlichen zu den weiblichen Gewerkschaftlern l i e g t zwischen 5 und 6 zu 1, beim General
Council aber i s t es 15:1. Es koennte einigermassen gerechtfertigt erscheinen, wenn
man die Gewerkschaften, die einen hohen Prozentsatz an weiblichen Mitgliedern aufweisen, zusammengruppieren und der Gruppe alsdann eine SonderVertretung von e v t l .
fuenf oder sechs Frauen zubilligen wuerde« aber heutzutage scheint die willkuerliche Entscheidung, dass wenigstens zwei Mitglieder des General Council Frauen
sein muessen, wenig gerechtfertigt. In der Tat s t e l l t die bestehende Frauenabteilung l e d i g l i c h ein anderes Mittel dar, den grossen allgemeinen Arbeitergewerkschaften nach Belieben eine zusätzliche Vertretung zu gewaehren.
Wichtigkeit der Tradition
"Durch traditionelle Buendnisse und Vereinbarungen innerhalb des 'Wahlsystems
wird gewissen Gewerkschaften ein fast automatisches Recht zur direkten Vertretung
beim General Council zuerkannt. Da den Eisenbahngewerkschaften drei Sitze zuget e i l t werden, erhalten die drei Geweikschaften je einen Sitz, und in dieser Gruppe
gibt es gewoehnlich keinen Wahlkampf. In der Gruppe "Bergbau und Steinbruch!* gen i e s s t s e i t einigen Jahren die Steinbrechergewerkschaft von Nord-Wales, deren
Mitgliederzahl nur 7,500 betraegt, ein scheinbar automatisches Recht auf einen der
drei S i t z e . Die National Union of Minewcrkers (Bergbaugewerkschaft) war gewohnt,
ihren Generalsekretaer, den Kommunisten Arthur Horner, als einen ihrer Kandidaten
_

-ii

�fuer die drei Sitze zu ernennen, und wenn nun d i e Steinbrecher nicht dagewesen
waeran, h a e t t e Mr. Horner schon laengst seinen S i t z im General Council. Aber die
Steinbrecher-Gewerkschaft i s t eine Verbuendete der maechtigen Transport and General
Workers' Union« durch die Aufstellung ihres eigenen Kandidaten fuer die Gruppe hat
s i e s i c h e r g e s t e l l t , dass es mindestens einen anderen Kandidaten gegeben hat, dem die
r i e s i g e Transport Workers Union ihre Stimme abgeben konnte. Als p o l i t i s c h e s Zweck:maessigkeitsmanoever i s t das recht unterhaltend; es i s t aber fuer den T.U.C., wie
frueher fuer das Parlament, ungesund, geschlossene Wahlbezirke ("pocket boroughs")
zu h a l t e n .
"Die Gewerkschaften, die eine zu geringe Vertretung haben, setzen sich ziemlich
s t a r k fuer Veraenderungen ein« der General Council selber hat s i c h aber immer streng
konservativ verhalten. Beim vorjaehrigen Kongress fassten die Toepfereiarbeiter
einen Beschluss, wonach s i e eine repraesentativere Vertretung verlangten« Mr. Vincent
Tewson, der seitens des General Council gegen den Beschluss sprach, machte die merkwuerdige Erklaerung, dass, s e l b s t wenn der Beschluss angenommen werden s o l l t e , der
Council augenblicklich "keine Moeglichkeit" sehe, die darin k r i t i s i e r t e n Unregelmaessigkeiten zu beseitigen. Diejenigen, die im S a t t e l s i t z e n , beabsichtigen, mit
a l l e r Kraft dazubleiben.
Nicht - Handarbeiter
"Wenn die Gewerkschaftsbewegung aus den Erfahrungen der Aerzte, der wissenschaftlichen Arbeiter und der Bankbeamten, die in ihren Reihen sind, Nutzen ziehen
s o l l , i s t es Unsinn zu behaupten, dass diese Leute a l l e durch den ueberschwenglichen
Mr. O'Brien, MP, von der Nationalen Gewerkschaft der Theater- und Kino-Angestellten
genuegend vertreten werden - denn zur Zeit i s t dieser der einzige V e r t r e t e r , der
ihnen gegoennt i s t .
"Es waere fuer die Gewerkschaften eine gesunde Massnahme, wenn der Congress
darauf bestehen wuerde, das ganze System zu untersuchen. Die bisherige S t a r r h e i t
des General Council i s t einer der Faktoren, die dazu beitragen, den Kommunisten
ihren Einfluss zu geben.
"Die Luecken in der Vertretung an der Spitze der Gewerkschaftsbewegung sind
ebenfalls in einzelnen wichtigen Gewerkschaften auf zuweisen. Niemand koennte behaupten, dass der Landes-Vorstand der Transport &amp; General "forkers Union v i e l Einfluss auf die Londoner Hafenarbeiter ausgeuebt h a t . Man kann nicht l e i c h t ueber
diese Affaere hinweggehen, a l s ob s i e eine •unglueckliche Familiensorge waere,
worueber in den besten Gewerkschaftskreisen nicht gesprochen werden darf. Es
l i e g t h i e r eine ernsthafte Schwaeche vor, und der T.U.C. t a e t e gut daran, einen
Sonderausschuss zu bilden, dessen Aufgabe es waere, die Struktur a l l e r Gewerkschaften zu untersuchen, die, sagen wir, eine Mitgliedschaft von ueber ?50,000 haben,
ilan moechte auch vorschlagen, dass ein solcher Ausschuss sich a u s s c h l i e s s l i c h aus
Mitgliedern von solchen Gewerkschaften zusammensetzen s o l l t e , die nicht dem
General Council angehoeren.
Warum eine Reform benoetlgt wird.
"Es i s t kein Grund vorbanden, warum man dreiundreissig Leuten aus einer
3-Millionen starken Bewegung a l l e s aufbuerden sollte« noch warum sie darauf bestehen s o l l t e n , a l l e s s e l b s t zu machen. Der General Council koennte sich v i e l
Arbeit ersparen, wenn fuer Abordnungen, Delegationen und Ausschuesse, die seine
eigenen Lasten nur noch vervielfachen, Mitglieder der Nebenstellen verwendet
wuerden, wobei die Gewerkschaften sich dann nationalen Angelegenheiten widmen
koennten.
"Ein Anfang i s t vom T.U.C. gemacht worden, indeid er in den v e r s t a a t l i c h t e n
Industrien die Frage des "Mitbestimmungsrechts" untersucht, und es i s t von lebenswichtiger Bedeutung, dass diese «ufgabe nicht auf Kebengeleise geschoben wird. Der
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12

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�eigene Bericht des T.U.C. hat d i e I l l u s i o n vertrieben, dass nur die Arbeitgeber
(oder die v e r a l t e t e n "Funktionaere") dem Mitbestimmungsrecht feindlich gegenüberstehen, es muss gruendlich darueber nachgedacht werden, wie ein solches Mitbestimmungsr e c h t aussehen muss, wenn es den Bergarbeitern, Lokomotivfuehrern und Fabrikarbeitern
ein wahres Gefuehl persoenlichen I n t e r e s s e s an i h r e r Arbeit einflqessen s o l l .
"Im Grunde genommen sind a l l e Mitglieder der General Council, Funktionaere der
eigenen Gewerkschaften - gewoehnlich die Generalsekretaere. Heute i s t es so, dass
die Regierung in f a s t allen Angelegenheiten des Staatslebens eine Fuehlungsnahme
mit dem T.U.C. sucht. Ein f l e i s s i g e r Gewerkschaftssekretaer, wenn er die ganze
Gewerkschaftsbewegung zur Genuege v e r t r e t e n s o l l , kann sich daher nicht g l e i c h z e i t i g den Geschaeften seiner eigenen Gewerkschaft widmen. Zum Zeitpunkt des
l e t z t e n Budgets, a l s es offenbar wuensehenswert war, die Stellungnahme der Gewerkschaften e i n h e i t l i c h zu halten, waren die leitenden Funktionaere einer Anzahl wicht i g e r Gewerkschaften nach Amerika g e r e i s t . In den Gewerkschaften i s t die Dezent r a l i s i e r u n g ebenso wichtig wie i n der ' l i r t s c h a f t . Es koennte v i e l e s getan werden,
um die Luecken zwischen den leitenden Persoenlichkeiten und den gewoehnlichen Mitgliedern der Gewerkschaften auszufuellen, wenn l e t z t e r e n ein groesserer Anteil der
Taetigkeiten, die vom Transport House g e l e i t e t werden, gegoennt werden koennte.
Manchester Guardian, 1. September 1949
VERWIRKLICHUNGEN DER "VOLKSDEMOKRATIEN"
Nach dem Vorbilde der UdSSR s i n d a l l e Voelker der "Volksdemokratien" dem
"Sozialistischen Aufbau" ausgesetzt, der durch das Stachanow-System und durch P r o duktionselnsparungen gekennzeichnet i s t und offenbar wird. Diese Parolen, die mit
einer erstaunlichen Gleichartigkeit in Ungarn, Polen, Rumaenien usw. verkuendet
werden, werden ueberall sofort angewendet bzw. in die Wirklichkeit umgesetzt.
Es genuegt auch, einmal die Arbeitsorganisation in einem dieser Laender zu
studieren, um ein genaues Bild vom Leben der Arbeiter h i n t e r dem "Eisernen Vorhang"
zu erhalten.
So beschaeftigen sich im Polen des Herrn Bierut die sogenannten "Arbeiter" Zeitungen nach dem Wettbewerb der Bergleute und der Arbeiter in der Metallurgie nun
auch mit dem Wettbewerb der Bauarbeiter.
Am 1. Juni 1949 verkuendete die "Trybuna JJudu" (Tribuene des Volkes), das Zentralorgan der Vereinigten Polnischen Arbeiterpartei (P.C.) in einem begeisterten
A r t i k e l : "l.ÜÜO I der Produkt ionsnorm wurden im Baugewerbe u e b e r s c h r i t t e n . Die Arbeit e r Wozniak, Bednarczyk und Orzechowski, die an einem Arbeitstag 15.588 Steine mauerten, haben einen neuen Rekord erkaempft."
Hierbei u n t e r s t r e i c h t das B l a t t ;
"Durch Anwendung des "Dreiersystems" haben die Maurer einen solchen Arbeitsrythmus entwickelt, dass der Rekord des Vortages b e r e i t s am naechsten Tage geschlagen war."
Die gleiche Zeitung beschreibt dann am 1 1 . Juni die Resultate, die diesmal, dank der Kettenarbeit -.durch 2 Schichten e r r e i c h t wurden, welche innerhalb 9 Stunden 27 Minuten 66.500 Steine mauerten.
Es wird nun beschrieben, wie die Maurer bei einer Temperatur von 37° e i f r i g
a r b e i t e n , und wie der "Techniker a l l e 30 Minuten die Ergebnisse prueft, die er in
einer Tabelle e i n t r a e g t . "
"Dieses Ergebnis, s c h l i e s s t die Z e i t s c h r i f t , i s t das eines Rekordes, den der
sowjetische Maurer Maximenko erreicht hat, indem er 31.000 Steine proTag mauert. Wie
man s i e h t , beginnen die neuen Methoden der sowjetischen Maurer, die in Polen auf Anregung Krajewskis hin eingefuehrt wurden, gute Resultate zu z e i t i g e n . "
Wir haben b e r e i t s mehrmals in der "Documentation Syndicale" darauf hingewiesen,
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13

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�dass die Rolle der sogenannten Gewerkschaften in der Volksdemokratie darin besteht,
den Ausstoss zu foerdern und Produktionseinsparungen zu propagieren. Es i s t daher
keineswegs e r s t a u n l i c h , wenn man in der Z e i t s c h r i f t "Zwiazkowiec" ("Der Gewerks c h a f t l e r " ) , der o f f i e l l e n Wochenzeitschrift des Polnischen Gewerkschaftsbundes, vom
3 . J u l i , einen A r t i k e l l i e s t , der mit dem Sata "Verallgemeinern wir die s o z i a l i s t i schen Arbeitsmethoden" uebersehrleben i s t . Es handelt sich da um eine Konferenz von
Stachanowaktivisten, d i e vom Baugewerbe-Verband einberufen wurde. Man hat hier f e s t g e s t e l l t , dass dank der Bemuehungen der Gewerkschaften "die Zahl der Arbeiter, die
am Arbeitswettbewerb b e t e i l i g t waren, von 8.000 im Jahre 1948 auf 21.500 in diesem
Jahre gestiegen i s t . "
Wir moechten hierzu bemerken, dass diese Zahl im Verhaeltnis zur Gesamtzahl der
Bauarbeiter (200.000) einen ziemlich geringen Prozentsatz ausmacht. Wenn sie sich
aber noch erhoehen s o l l t e , so doch nur deswegen, weil s i c h zahlreiche Lohnempfaenger
durch den Verdienst koedern lassen, oder durch die Genugtuung, dass ihr Name in den
Zeitungen v e r o e f f e n t l i c h t wird. Uebrlgens wird es ihnen immer schwerer gemacht, sich
dann der Sabotagedrohung zu entziehen, die e r n s t l i c h e Unannehmlichkeiten im Gefolge
hat
Nachdem hervorgehoben vurde, dass "die Anwendung neuer Erfindungen Im Laufe
des e r s t e n Vierteljahres 1949 21 Millionen Einaparungen ergab, "hat die Konferenz
eine Resolution angenommen, die die Bauschichten v e r p f l i c h t e t , v o r z e i t i g die Plaene
dieses Jahres zu erfuellen und d i e geplanten Einsparungen zu verwirklichen, wenn
moeglich, sogar noch zu uebertreffen. Die m i t t l e r e Leistung a l l e r Schichten muss
um 12t g e s t e i g e r t werden."
Die Erdarbelterinnen« Die Wirtschafts-Tageszeitung "Rzeczpospolita" (Die Repub l i k ) vom 2. J u l i fuehrt einige erbauliche Angaben an ueber den s o z i a l i s t i s c h e n Wettbewerb im Baugewerbe. Wir erfahren da, dass t a t s a e c h l i c h 200 Frauen mit Erdarbeiten
beschaeftigt sind, die in Warschau durchgefuehrt werden. Darunter befinden sich
junge Kaedenen von 18 Janren, r e i f e Frauen, von denen manche schon das 53. Lebensjahr ueberschritten haben. Sie arbeiten gebueckt, das Kopftuch umgebunden.
Auf die Frage, ob ihnen die Arbeit nicht zu schwer s e i , antwortete eine von
ihnen, eine bejahrte Frau, wie der B e r i c h t e r s t a t t e r erzaehlt: "Nein, es geht schon.
Der Ruecken t u t zwar ein bischen weh, aber man gewoehnt sich daran."
"Sie sind s o r g f a e l t i g e r mit i h r e r Arbeit a l s die Maenner, s t e l l t e der Kolonnenfuehrer f e s t . "
Das hindert nichts daran, dass ihr Stundenlohn nur 54 Z^oty b e t r a e g t (die
Kaufkraft von 54 Z^oty i s t geringer a l s diejenige von 54 franzoesischen Francs.)
Wir wollen einmal f e s t s t e l l e n , dass vor dem Kriege die Frauenarbeit unter
Schutz stand, dass d i e Frauen weder in Bergwerken noch bei Erdarbeiten beschaeftlgt
waren, was einer Gesetzgebung entsprach, d i e in a l l e n Kulturlaendern angewendet
wurde.
Diese praezisen Beispiele, die der o f f i z i e l l e n Regierungspresse entnommen sind,
g e s t a t t e n e s , dass d i e Verwirklichungen eines Regimes, zu dessen beruf smaessigen
Beweihraeucherern sich die Herren S a l l l a n t , Frachon und Co machen, ihrem Werte nach
b e u r t e i l t werden koennen.
Diese Verwirklichungen sehen so aus;
Zuegelloser Leistungswettbewerb,
Zwangswettbewerb der Arbeiter,
Frauenbeschaeftigung bei schwersten Arbeiten.
Es i s t durchaus nicht nowendig, dass dies a l l e s auf Kosten der Arbeiter geschieht. Die Produktionseinsparungen werden ebenfalls auf Kosten der Arbeitssieherh e i t und -hygiene e r r e i c h t . Von diesem Gesichtspunkt aus muss die Lage sogar

- U -

�ziemlich beunruhigend sein, da die o f f i z i e l l e Presse von Zeit zu Zeit darueber ber i o h t e t . Es genuegt, einen Artikel zu z i t i e r e n , der vor kurzem in der "Rzeczposp o l i t a " mit der Ueberschrift: "Die Uebereifrigen und die Einsparungen", erschien
um sich davon ueberzeugen zu lassen, dass die von dem volksdemokratischen Regime
eingesparten Zlotys keineswegs zu dem P r e i s an menschlicher Gesundheit im Verhaeltn i s stehen, den man dafuer bezahlen muss.
Auszug aus "Documentation Syndicale", Wochenblatt der Freien
Aktiven Gewerkschafler No. 27 (k5) vom Ö. J u l i 1SV?
DIE AüTOMOBILARBEITER UNTERSTUETZBN DAS E.R.P.
Die leitenden Funktionaere des Verbandes der Vereinigten Automobilarbeiter
(DM) mit seiner Millionenmitgliederschaft, (CIO) eroeffneten ihre Konferenz am
10. J u l i in Milwaukee, auf der sie erneut versicherten, das Europaeis che Wiederaufbau-Programm zu unterstuetzen und Vorschlaege fuer einen vernuenftigen und
fairen internationalen Arbeitsnormen-Vertrag einbrachten.
Der Bericht des Praesidenten Walter Reuther an die 2.AO0 Delegierten der Gewerkschaft brachte zum Ausdruck, dass die kaempferische Unterstuetzung des MarshallPlans "eine h i s t o r i s c h e Tatsache und ein Dokument" d a r s t e l l e und wies darauf hin,
dass die Gewerkschaft a k t i v daran b e t e i l i g t s e i , der demokratischen Arbeiterschaft
Europas moralische und materielle Hilfe zu bringen. Nach seiner Ansprache sprachen
sich die Delegierten einstimmig fuer die Unterstuetzung des Uarshall-Plans mit angemessenen Geldmitteln aus und stimmten fuer die Ausweitung' des Gesetzes ueber das
Gegenseitige Handelsabkommen und fuer die Billigung des Atlantikpakts "unter Gewaehrung praktischer Hilfe und Verwirklichung desselben".
Reuthers Vorschlag fuer einen internationalen fairen Arbeitsvertrag forderte
eine Garantie des Rechts der Arbeiter in der ganzen Welt, s i c h zu organisieren und
K o l l e k t i w e r t r a e g e abzuschliessen, wobei im Vertrag eine Hoechstarbeitszeit und
Minimalloehne festgelegt werden s o l l t e n , die naoh einer Formel berechnet sind, demzufolge 3.000 Kalorien an Lebensmitteln, sowie Unterkunft, Kleidung, aerztllche
Betreuung und andere lebensnotwendige Dinge g a r a n t i e r t werden sollen«
Er sagte auch, dass nach dieeem Programm die Kinderarbeit beschraenkt und in
gefaehrlichen Industriezweigen verboten werden s o l l t e , ausserdem s o l l t e n fuer den
Internationalen Handel keine Waren zugelassen werden, die entgegen den im Vertrag
niedergelegten Normen a l s dagegen verstossend h e r g e s t e l l t wurden. Reuther erklaert e , dass solah ein Vertrag p o s i t i v e Programme zur Aufrechterhaltung der vollen
Produktion, des Verbrauchs und des Wohlstandes in den Vereinigten Staaten unterstuetzen wuer-ien, wie auch Programme mit dem Ziel, dass sich die USA mit anderen
Nationen in den wirtschaftlichen Wohlstand t e i l e n . Er empfahl dringend die Foerderung seiner Idee durch den CIO, dem der Verband der Automobflarbeiter abgeschlossen i s t , und durch die neue internationale Arbeiterorganisation, die j e t z t
im Entstehen begriffen i s t .
Der Praesident der Automobilarbeiter e r k l a e r t e , dass die praktische Hilfe, die
die amerikanische Arbeitersftiaft den europaeischen Arbeitern zu l e i s t e n in der Lage
i s t , "sich durchaus a l s ein entscheidender Faktor in dem Kampf aif Leben und Tod
erweisen kann, den die demokratische Arbeitershaft gegen die Diktatur und die Verzweiflung f u e h r t . "
"Brot und F r e i h e i t sind beide im Hause der Demokratie-jonnoeten", sagte er
der Konferenz, indem er s i c h v e r p f l i c h t e t e , in diesem Jahre fuer hoehere Loehne
und fuer eine bessere Arbeitergeeetzgebung zu kaempfen.
"Das demokratische Europa", sagte er, "sieht v o l l e r Hoffnung auf Amerika
und schaut auch erwartungsvoll auf die materiellen Dinge, die gecen Marshall-PlanKredite g e l i e f e r t werden. Wenn man die Demokratie wirksam machen kann in der
-

15

-

�Weise, dass man den grundlegenden Problemen des Volkes gerecht wird, dann wird sich
daraus eine Art Hoffnung entwickeln, die Europa helfen wird."
"Joe Stalin spitzt sich auf eine Depression In Amerika", fuhr er f o r t . "Das
Kominform nimmt eine abwartende Haltung ein und rechnet damit, dass wir uns selber
schlagen, wie es Im Jahre 1929 der Fall war."
"EGA Labor Information" 12. Juli 1949
EINE GEWEHC3GHAFT TRITT FÜER DIE ALTEN ARBEITER EIN
Der Internationale Maschinisten-Verband (IAM), eine Organisation mit etwa
700.000 Mitgliedern (die weder dem CIO noch der AFL angeschlossen i s t ) , hat ein Programm in Vorschlag gebracht, demzufolge die Sicherheit der ueber 45 Jahre alten Arbeiter erhoeht werden s o l l . Wie der IAH erklaert, i s t es durchaus nicht ungewoehnl i e h , dass Arbeitgeber denjenigen Arbeitern den Vorzug geben, die unter 45 Jahre a l t
sind. Diejenigen Arbeiter, die zwischen 45 und 65 Jahre alt sind, s t e l l e n f e s t , dass
es immer schwieriger wird, eine dauernde Besohaeftigung zu finden.
Der IAM meint, dass der Kongress dem SozialverSicherungsgesetz nach das pensionsfaehlge Alter herabsetzen s o l l t e , oder dass man ein Gesetz zur Verhuetung einer ungerechten und unfairen Benachteiligung a l l e r aelteren Arbeitnehmer erlassen muesse.Das
gesetzliche Pensionsalter i s t jetzt 65 Jahre. Der IAM w i l l es fuer ungesetzlich erklaeren lassen, wenn Arbeitnehmer sich weigern, Arbeiter ihres Alters wegen einzus t e l l e n , wenn s i e letztere deswegen entlassen oder s i e sonstwie aus diesem Grunde
benachteiligen.
Es wird interessieren, wenn man erfaehrt,dass der zuruecktretende Praesident
des IAM, Harvey W. Brown, zum Leiter des Amts fuer Arbeitsangelegenheiten beim Hohen
Kommissar Amerikas in Deutschland ernannt worden i s t . Er t r i t t an die S t e l l e von
Leo R. Werts, dem Direktor der Manpower Division OMGOB.
-

Manpower Division
OMGDS, APO 757

tOHOUI. 5 - 2»1, L * m&gt;„ $^t. M , 13 0)

16

-

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stallen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gehrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 737, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post sugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch Irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

11-32

Berlin, U . Oktober 1%9
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Gewerkschaften gewinnen gegen den Kommunismus an Boden

-

2

Amerikanischer Gewerkschaftler lehnt Sozialismus ab
6
Die amerikanischen Stahlarbeiter treten in den Streik - —
6
Die amerikanischen Stahlarbeiter verlangen Pensionen
- 7
Lebenshaltungskosten des griechischen Arbeiters
8
Ein Mann und eine Gewerkschaft - ____
___ 9
Studium Arbeitssparender Methoden
-11
Die Arbeiter In den Fordwerken bekommen einen Pensionsplan - 11
Produktivitaet und Investitionen
___
12
Auch in Neu-Seeland ist es die gleiche Methode
13
Abnahme der Fortbildungsprogramme in Frankreich
1A
Englische Arbeiter aeussern sich anerkennend ueber
den Verband der amerikanischen Stahlarbeiter
15

In frueheren Ausgaben der "Internationalen Arbeitsmitteilungen" baten wir
unsere Leser, uns bekanntzugeben, ob die Veroeffentlichung der "Labor News"
fortgesetzt werden sollte. Wir haben daraufhin Zuschriften von fast allen
Gewerkschaften der 7/estzone, von Zeitungen Vfestdeutschlands wie auch von
vielen Einzellesern erhalten. Alle haben sich fuer die Fortsetzung der Herausgabe der "Internationalen Arbeitsmitteilungen" ausgesprochen.
Irgendwelche Zuschriften, in denen ersucht wird, die Veroeffentlichung einzustellen, sind uns nicht zugegangen« man hat uns aber auf einen Artikel vom
30. August in der "TRIBUENE", dem offiziellen Organ des FDGB, die im Ostsektor erscheint, aufmerksamgemacht.
"Die Manpower Division, OMGUS, der Herausgeber der gewerkschaftlichen "Internationalen Arbeitsmitteilungen" teilt den Lesern dieses vor allem von der AFL ausgenutzten USA Organs mit, dass infolge des Umzugß der OMGUS nach Frankfurt/lt die Seitenzahl dieser Mitteilungen eingeschraenkt wuerde. Es solle sich sogar in Kuerze eine
Entscheidung darueber notwendig machen, ob das Blatt ueberhaupt weitergefuehrt werden
soll oder nicht, und die Leser moegen ihre Meinung darueber der OMGUS mitteilen.
"Von uns aus, die wir dieses Blatt aus "bestimmten Gruenden" lesen muessen,
recht gern« Lasst sie verschwinden, diese "Mitteilungen", und das recht schnell.
Lieber heute als morgeni Ihr wuerdet damit - ungewollt, das wissen wir - der gewerkschaftlichen Bewegung einen guten Dienst erweisen."
-

1

�GEWERKSCHAFTEN GEWINNEN GEGEN DEN ROMMONISMUS AN BODEN.
Die Kraefte der freien Gewerkschaftsbewegung in l/esteuropa und in den Vereinigten Staaten, die vor einem Jahre aus der Verteidigung heraus zum Gegenangriff
uebergegangen sind, stehen jetzt voll im Angriff gegen den Kommunismus.
Ein Angelpunkt, um den die Schlacht jetzt tobt, ist der Marshall-Plan.
Gross-Britannien
Kuerzlich brachte Arthur Deakin, der Fuehrer der groessten Gewerkschaft der
'.Veit, der Britischen Gewerkschaft der Transport- und ungelernten Arbeiter, den
Unterschied zwischen den Beniuehungen der freien Gewerkschaften um die Erholung
Europas im Gegensatz zu den kommunistischen Manipulationen, den Kontinent in ein
Chaos zu stuerzen, zum «us^ruck. Dies geschah in seiner Rede am 7. September vor
dem Britischen Gewerkschaftskongress in Bridlington.
Er wies darauf hin, dass die Kommunisten die britischen Dock-Arbeiter dazu
bringen wollten, nur Schiffe aus nordamerikanischen Atlantikhaefen zu bestreiken,
dagegen nicht jene, die nach den nordamerikanischen Pazifikhaefen abgingen, da
die nach dem Pazifik fahrenden Schiffe keine Hilfsmittel fuer Europa mit sich
fuehren, und er fuehrte woertlich aus;
"Das ist die schmutzige Absicht des Kominform - den Verkehr abzudrosseln
und den Lebensfaden jener Lasnder, die Marshall-Hilfe erhalten, abzuschneiden."
Die kommunistischen Elemente im Britischen Gewerkschaftskongress v.urden in
der Konferenz in Eridlington ueberwaeltigt, als der Kongress (TUC) mit 6.258.000
Stimmen gegen 1.017.000 fuer den austritt aus dem kommunistisch beherrschten ,7eltgewerkschaftsbund (VfPW) stimmte.
Der Generalrat des Britischen Gewerkschaftskongresses (TÜC) errang auch mit
6.746.000 gegen 760.000 kommunistische Stimmen einen Sieg, als er um Abstimmung
ueber den einzuschlagenden \'eg bei der Bekaempfung kommunistischer Einmischung
in Angelegenheiten der ihm angeschlossenen Gewerkschaften bat. Die kommunistischen Stimmen ergaben weniger als 10&amp; der Gesamtmitgliedschaft des Gewerkschaftskongresses (TUC). Darueberhinaus war das kommunistische Element so schwach, dass
eine Resolution, die den austritt Gross-Britanniens aus dem "kapitalistischen"
Marshall-Plan verlangte, nicht einmal unterstuetzt wurde.
Seeleute und Dockarbeiter.
Dreizehn Laender, die auf der Internationalen Konferenz der Vereinigten Dockarbeiter und Seeleute in Rotterdam vom 26. bis 30. August vertreten waren, brachten
eine in vernichtenden './orten gehaltene Resolution gegen die Bildung einer Dockarbeiter und Seeleute-Abteilung innerhalb des kommunistischen .'eltgewerkschaftsbundes
durch.
Die beiden Sparten des Internationalen Transportarbeiterverbnndes (ITF) betonten, dass sie bereit und entschloscen seien, der Herausforderung zu begegnen,
die der zweit« Versuch, einen konkurrierenden internationalen Verband z\x schaffen,
darstellt, und sie drueckten ihre feste Ueberzeugung aus, dass die Hitgliedschaft
in den neue*i Organisationen oder einer anderen Organisation mit totalitaerer Tendenz mit der Mitgliedschaft im ITF unvereinbar ist.
Mitgliedsgewerkschaften der ITF aus Belgien, Daenemark, Frankreich, Deutschland, Gross-Britannien und den Vereinigten Staaten baten den Vorstand, eine
Satzungsaenderung fuer den naechsten Zweij:hreskon:*ress zu erwae-jen, wonach Mitglieder ausgeschlossen werden sollen, wenn sie gegen die erklaerten Grur.^saetze
und Interessen des Verbandes Verstössen. Die Konferenz nahm eine Resolution lieber
allgemeine kommunistische Betaetigung an, die nachstehend auszugsweise wiedergegeben wird«
-

2 -

�"Berichte glaubhafter Gewerkschaftsvertreter des Seefahrts- und Hafengewerbes
besagen, dass in Juengster Zeit eine sehr bedeutende Wiederaufnahme der zersetzenden Taetigkeit von Seiten kommunistischer und kommunistenaehnlicher Organisationen
zu verzeihnen war, die darauf berechnet ist, Verwirrung zu schaffen und damit die
wirtschaftliche Belebung in verschiedenen Laendern zu behindern.
Durch abwegige Mittel versuchen die Kommunisten, Kontrolle ueber die freien
Gewerkschaftsorganisationen mit dem angeblichen Ziel, die Interessen der Arbeiterklasse zu wahren, zu bekommen, jedoch ist es dabei ihr wirklicher Ziel, die freien
Organisationen zu unterjochen und die Interessen der Mitglieder den Absichten der
sowjetischen Aussenpolitik zu opfern.
Die Internationale Konferenz der Dockarbeiter und Seoleute verurteilt solche
politischen Umsturzmanipulationen, da sie gegen die materiellen und moralischen
Interessen der frei Organisierten und der Gesellschaft als Ganzes gerichtet sind,
da sie nur darauf abzielen, die Bemuehungen zu untergraben, die unternommen werden,
um gegenseitiges Verstaendnis unter den Voelkern wachzurufen, um soziale Fortschritte weiterzuentwickeln und den Frieden der .Veit zu sichern.
Sie erteilt eine ernste '.Varnung an die Arbeiter in allen Laendern und an ihre
freien Gewerkschaften, gegen zersetzerische Taetigkeit wachsam su sein, und fordert
sie auf, der Herausforderung durch eine Angriffsschlacht gegen die kommunistische
Bedrohung, woimmer sie in Erscheinung tritt, zu begegnen."
V/eiterhin wird dem Vorstand des ITF empfohlen, alle Schritte auf dem Gebiete
der Organisation und der Propaganda zu unternehmen, ebenso wie fihanzielle und andere Massnahmen zu treffen, um die anti-kommunistische Kampagne auf nationaler und
internationaler Ebene zu fuehren und zu koordinieren.
Schliesslich gibt sie das Geluebde ab, dass die freien Gewerkschaftsorg^nisationen, fuer die sie spricht, jede nur moegliche materielle und moralische Unterstuetzung jenen geben werden, die den Kampf um die VJiederaufrichtung und Erhaltung
des Grundsatzes einer freien Gewerkschaftsorganisation in Laendern, ,ro totalitaere
Tendenzen die Oberhand gewonnen haben, fortsetzen, und sie tut ihren .Villen kund,
mit allen freien internationalen Gewerkschaften und anderen Ho erpers cha fiten zur
Foerderung gemeinsamer Ziele zusammenzuarbeiten.
Die Konferenz empfahl ausserdem die einstweilige Aufhebung der Mitgliedschaft
der Kanadischen Seeleutegewerkschai't und ihren endgueltigen Ausschluss aus dem ITFKuerzlich wurde bereits ihre Mitgliedschaft im Kanadischen GewerkscbM" tsbund
(Canadian Trades and Labor Congress) vorlaeufig aufgehoben, veil sich ihre Fuehrer
geweigert hatten, einen politischen Streik abzubrechen. Anstelle der :.u3zustossenden Gewerkschaft hat die Konferenz um Anerkennung der Kanadischen uv/eigorganisation
der Internationalen Seeleute Gewerkschaft von Kord-Amerika gebeten, die, wie die
Konferenz glaubt, die kanadischen Seeleute besser vertreten v.-uerde.
Finnland.
Der Finnische Gewerkschaftabund hat die Kommunisten innerhalb seiner Organisation ausgeschaltet, indem er Anfang September fuenf streikende GewerkSchäften ausschloss. Es handelt sich um die Gewerkschaften der Transportarbeiter, der Holzarbeiter, der Bauarbeiter und LIaurer und der Taucher. Es wird erwartet, dass die
Sozialdemokraten, die die Schritte gegen die sowjetisch gelenkten Gewerkschaften
unternahmen, heue Gewerkschaften fuer ihre Anhaenger innerhalb der ausgeschlossenen
Gruppen gruenden werden, waehrend die ausgeschlossenen Organisationen einen rein
kommunistischen Gewerk3Chaftsbund bilden werden.
Holland.

Die Hollaendische Gewerkschaft, NW ( s o z i a l i s t i s c h ) , fuehrte einen der ersten
Gchlaege gegen den kommunistischen "/eltgewerksch^ftsbund, a l s ihr Vertreter im
Januar 1949 die Sitzung, an der noch Vertreter des jlritischen Gewerkschaftskongresses
-

3

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�(TÜC) und der amerikanischen CIO teilnahmen, verliess. Die einzige Gewerkschaft
in Holland, deren Mitgliedschaft abgenommen hat, ist die EVC, eine kommunistlache
Gruppe. Den anderen drei, N W , CNV und KAB, wird zugute gehalten, dass sie viel
zum sozialen Frieden des Landes beigetragen haben, wo nach einem Bericht des Beauftragten der Niederlaendischen Regierung fuer das ERP "normale Verhaeltnisse" viermal so schnell wie nach dem ersten Weltkrieg herbeigefuehrt werden konnten. Der
Bericht besagt, dass innerhalb von zwei Jahren nach der Befreiung ein normaler
Standard erreicht wurde, waehrend nach den Jahren 1914 bis 1918 acht Jahre erforderlich waren, um zu normalen Verhaeltnissen zurueckzukehren. Alle nicht kommunistischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind im Institut der Arbeit vertreten, dass der
Regierung in beratender Eigenschaft fuer Fragen der Loehne, der Sozialversicherung
und der Arbeitsgesetzgebung zur Seite steht.
Belgien.
Obschon der Kommunismus niemals einen nennenswerten Rueckhalt in Belgien besass, gab der Belgische Gewerkschaftsbund seine Ablehnung des Weltgewerkschaftsbundes durch seinen Austritt am 29. Mai bekannt und entsandte daraufhin einen Vertreter zu der Anti-Weltgewerkschaftsbund- Versammlung der internationalen Gruppen, die
ausgetreten waren, in London. Aus der Londoner Versammlung entstand die "Vorlaeufige Internationale Gewerkschaftsorganisation," die diesen Herbst wieder zusammenkommen
wird, um die Absichten der nicht-kommunistischen internationalen Gewerkschaftsbewegung zu foerdern.

Italien.
Vor zwei Jahren, und sogar noch bis vor einem Jahr, war der Kommunismus in
Italien maechtig. Die hungernden Italiener waren politischer Theorien und Versprechungen muede. Jedoch gerade im vergangenen Jahre hat die Italienische Kommunistische Partei auf Grund zuverlaessiger Quellen um mehr als 2L? abgenommen. Drei dar
fuenf grossen italienischen Gruppen, die einmal Mitglieder des Allgemeinen Italienischen Gewerkschaftsbunde3 (OGIL).waren, sind wegen der kommunistischen Machenschaften ausgetreten. Zwei davon, die Republikaner und die Sozialisten des rechten
Fluegels haben eine neue anti-kommunistische nationale Gewerkschaftsorganisation,
die FIL, (Italienischer Gewerkschaftsbund), gegruendet. Die christlich-demokratische
Arbeiterschaft trat aus dem urspruenglichen CGIL im vergangenen Jahre aus und
gruendete eine nationale Gewerkschaft unter dem Namen Freier Allgemeiner Italienischer Gewerkschaftsbund. Politische Beobachter glauben, dass zwischen den beiden
nationalen Gruppen eine eventuelle Uebereinkunft zustande kommen koennte, da beide
wegen der kommunistischen Einmischung ausgetreten waren. Falls eventuell eine
fuehrende Koerperschaft gebildet werden sollte, duerfte die Gewerkschaftsbewegung
eine entscheidende Rolle bei der Befreiung Italiens von der kommunistischen Vorherrschaft spielen.
Latein-Amerika.
Eine Warnung, dass der Weltgewerkschaftsbund versuchen wuerde, die MarShells
Plan-Hilfe fuer die europaeischen Laender zu sabotieren,, wurde auf der Internationalen Gewerkschaftskonferenz in Havana im September verlautbart, an der Vertreter aus
15 latein-amerikanisehen Staaten und aus den Vereinigten Staaten teilnahmen. Mitglieder der Seefahrtsabteilung des ITF hatten Informationen darueber erhalten, dass
die kuerzlich stattgefundene Versammlung des Weltgewerkschaftsbundes in Marseille
unter dem Vorsitz von Harry Bridges Plaene entworfen haette, "den Marshall-Plan zu
sabotieren und Stuetzpunkte fuer Seeleute und Dock-Arbeiter in einer Anzahl von
Haefen zu errichten, die als Instrument der sowjetischen Politik betrachtet werden
muessten, und man wuerde versuchen, den Eindruck zu erwecken, als ob sich die Westmaechte nicht auf die Unterstuetzung der Seeleute und Dock-Arbeiter im Falle eines
internationalen Konfliktes verlassen koennten, und dass diese Einrichtungen zu
Spionagezwecken benutzt werden sollten." Der Generalsekretaer des ITF betonte, dass

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�seine Organisation das Bridges-Programm, wenn notwendig, auch hinter dem Eisernen
Vorhang bekaempfen wuerde.
Frankreich.
Die Gewerkschaftsbewegung in Frankreich ist ein Opfer der politischen Manoever
der Kommunisten geworden, und weit verbreitete Unzufriedenheit und Enttaeuschung hat
viele Arbeiter dazu gefuehrt, der Gewerkschaftsbewegung den Ruecken zu kehren. Als
der Marshall-Plan als ein wirksames Instrument fuer die franzoesische Wiedergesundung in Erscheinung trat, traten die Kommunisten in den Streik, um die franzoesische Wirtschaft zu sabotieren. Als sich der Allgemeine Gewerkschaftsbund (CGTJ auf
der Bundeskonferenz im Jahre 1947 in kommunistisch tendierenden Resolutionen entschieden gegen den Marshall-Plan aussprach, trat eine Minderheitsgruppe, die Force
Ouvriere, gegen die Fuehrung auf und verliess geschlossen die Tagung. Seit dieser
Zeit ist die Lage der franzoesischen Wirtschaft, der Loehne und Preise und der Politik so kritisch geworden, dass es schwierig ist, endgueltige Schluesse zu ziehen.
Die lorce Ouvriere ist eine starke Minderheit, doch fehlen ihr die Mittel des
laenger bestehenden CGT. Beide Gewerkschaften sind zu einer Zeit entschieden geschwaecht worden, als Frankreich eine einige Arbeiterklasse fuer seine Wiedergesundung und fuer die Erlangung besserer Lebensbedingungen brauchte. Wenn man das Jahr
1938 als Ausgangspunkt nimmt, liegen die Preise heute 19 Mal hoeher, wogegen die
Loehne fuer einen Durchschnittsarbeiter nur 12 Mal hoeher sind. Bis nicht von den
freien Gewerkschaften, die von der Kommunistischen Partei abgesattelt wurden, mehr
geboten werden kann, kann die franzoesische Situation nicht mit dem Fortschritt der
uebrigen Welt auf dem Wege zu einer freien Gewerkschaftsbewegung Schritt halten.
Die Kommunistische Partei in Frankreich hat seit 19^6 Mitglieder verloren, aber
"ihr Wert, in der Politik Schaden anzurichten", ist noch von starker Kraft.
Schweden.
Die skandinavischen Laender sind einmuetig aus dem Weltgewerkschaftsbund ausgetreten, und die Gewerkschaften in Schweden, Norwegen und Daenemark haben mit
ihren Regierungen und der Arbeiterschaft zusammengearbeitet, um den Kommunismus
zugunsten einer freien Gewerkschaftsbewegung zu vertreiben.
Im April waren die Gewerkschaftswahlen in Schweden fuer die Kommunisten katastrophal. 26 Gewerkschaften in Stockholm und 10 in Goeteborg lehnten kommunistische Kandidaten ab. In der Stockholmer Organisation der Metallarbeiter, wo
die Kommunisten stark waren, haben die Kommunisten 51 Mandate an die Sozialdemokraten verloren. Die schwedische Tageszeitung, Aftontidningen, die vom Schwedischen
Gewerkschaftsbund herausgegeben wird, schrieb, dass die kommunistischen Bollwerke
bei den Wahlen "wie Kartenhaeuser zusammengefallen" seien.
Norwegen.
Ebenso wie Schweden hat auch Norwegen ein Programm fuer eine starke Zusammenarbeit der Gewerkschaften angenommen, was sich sowohl auf Norwegen selbst als auch
auf alle anderen skandinavischen Laender bezieht. Der Norwegische Gewerkschaftsbund
traegt die Verantwortung fuer die Festlegung der Gewerkschaftspolitik und der Tarifverträge mit den Arbeitgebern sowie auch fuer die Durchfuehrung der in Kollektivverhandlungen abgeschlossenen Tarifvertraege. Es besteht nur wenig Zweifel darueber, dass der Vorsatz des Landes, mit dem ERP zusammenzuarbeiten, ein Zeichen dafüer ist, dass die Arbeiterregierung frei von kommunistischen Sinfluessen ist.
Daenemark.
Eintausend Delegierte, die mehr als 600.000 Mitglieder des Daenischen Gewerkschaftsbundes vertraten, sprachen sich gegen den Weltgewerkschaftsbund aus und begruessten den Marshall-Plan als ein Mittel zur Aufrechterhaltung des daenischen
Lebensstandards, der Produktion und der Beschaeftigung in der Nachkriegs-Krise.
Weiterhin versprachen Delegierte aus 12 Laendern auf dem Kongress des Inter-

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�nationalen Verbandes der Staedtischen Arbeitnehmer, der am 30. Juni in Kopenhagen
tagte, dem Marshall-Plan ihre Unterstuetzung zu geben, und der daenische Ministerpraesident Hans Hedtoft gab den Delegierten die bestimmte Versicherung ab, dass
sich Daenemark gegen den Eisernen Vorhang stellen werde.
3CA Labor Information
AMERIKANISCHER GEVERKSOHAFTLER LEHNT
SOZIALISMUS AB
Die folgende Abhandlung ist einem Artikel ueber David Dubinsky, Praesident
der internationalen Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft (HG'.VU), der in der Auagabe vom 29. August 1949 des "Time" Magazins erschienen ist, entnommen. Dieser
Abschnitt des Artikels behandelt die Stellung seiner Gewerkschaft zur Politik:
"Dubinsky ist der festen Meinung, dass sich die Arbeiterschaft am politischen
Geschehen beteiligen muss, und auch er selbst ist daran weitestgehend interessiert.
Im Jahre 1936 trat er aus der Sozialistischen Partei aus und waehlte Roosevelt.
Dubinsky unterstuetzte die Gruendung der Amerikanischen Arbeiterpartei in New York
und als die AAP von den Kommunisten uebernoramen wurde, gruendeten er und andere
Liberale des rechten Fluegels die Liberale Partei. Dies bedeutete einen endgueltigen Bruch mit dem verstorbenen Sidney Hillman von der Vereinigten Bekleidungsarbeitergewerkschaft des CIO. Dubinski hat nur Verachtung fuer jene Liberalen, die
glauben, sie koennten mit den Kommunisten zusammenarbeiten, und Dubinsky sagt dazu«
'Man kann nicht mit einem Gesaess auf zwei Stuehlen sitzen.'
'Weitestgehend von der ILGWU finanziert brachte die Liberale Partei 222.562
Stimmen fuer Truman auf und Harry Truman ist dafuer dankbar. Er beruft den kleinen
Mann aus Lodz oftmals zu sich, um seinen Rat zu hoeren. Aber Dubinsky wuerde sich
nie mit kleinen Leuten abgeben. Einmal bat ihn der Leiter des Amtes fuer Bundessicherheit zu sich. "Er soll sich zum Teufel scheren", sagte Dubinsky, "wenn er
etwas von mir will, soll er zu mir kommen."
"Hinsichtlich all ihrer Erfolge kann die von Dubinsky gefuehrte ILGWU nicht
als Vorbild fuer die gesamte Gewerkschaftsbewegung dienen. Ihre Methoden sind zu
sehr mit einem Industriezweig verbunden, wo Streitigkeiten die Eigenschaft von Familienschlaegereien haben, und die Arbeiter reden ihren Chef mit 'Hallo, Danny!'
an. Ihre P.olle als Daempfer und Polizist koennte anderen Industriezweigen der
Massenproduktion nicht angepasst werden, und sie waere nicht einmal wuenschenswert.
Sie ist eine einzigartige Gev;erkschaft in einem einzigartigen Industriezweig. Aber
sie leistet auch Pionierarbeit auf allgemeinen Gebieten des Gewerkschaftswesens.
Andere sozial-eingestellte Gewerkschaften bemuehen sich jetzt auch um die .Tohlfahrtsleistungen, die die sozialistische ILGitfU als erste gefordert hatte.
"Dubinsky gibt ein Beispiel fuer das Dangsame Wachsen der amerikanischen Gewerkschaf tsbewegung zu vollem Ansehen und voller Verantwortung. Er sagt dazu; 'In
juengerer Zeit war es der Klassenkampf und die Parole. Zum Teufel mit dem Chef.
Heute ist es Zusammenarbeit und die Sorge um den Betrieb.1 Der fruehere Sozialist
Dubinsky, ein Apostel des freien Unternehmertums und der Belohnung fuer jeden Arbeiter entsprechend seinen Fertigkeiten und seines Fleisses, ist mit seinen Ergebnissen zufrieden. Er sagt; 'Wir haben einen groesseren Fortschritt erzielt als der
Sozialismus.1"
"Time", 29. August 1949
DIE AMERIKANISCHE!: STAHLARBEITER TRETEN IN DEN STREIK
Nachdem das fuer den Streik festgesetzte Datum dreimal verschoben worden war,
traten etvra 500.000 Mitglieder des Verbandes der Vereinigten Stahlarbeiter, der dem
CIO angeschlossen ist, am 1. Oktober in den Ausstand. Die fuehrenden Stahlwerke

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�hatten sich geweigert, die grundsaetzliche Forderung der Gewerkschaft nach einem
Pensionsplan anzunehmen, demzufolge die Arbeitgeber 10 4 pro Stunde od«e etwa
34.00 pro Arbeiter und pro '.Voche zu zahlen leetten.
Urspruenglich hatte die Gewerkschaft sowohl eine Lohnerhoehung l ie auch einen
Pensionsplan gefordert. Im Juli, als der Kontrakt zwischen der Gewerkschaft und der
Industrie ablief, was es Fraesident 'Pruman gelungen, den Streik dadurch hinauszuzoegern, indem er einen Unter'suchungsausschuss einsetzte. Nachdem dieser Ausschuss
seine Untersuchungen ueber die Streitfragen beendet hatte, empfahl er, die Gewerkschaft moege ihre Forderung nach einer Lohnerhoehung fallen lassen, andererseits
schlug er aber auch der Industrie die Annahme des Pensionsplans vor.
Die Industrie widersetzte sich dem Pensionsplan
Es hat den Anschein, als ob die Stahlindustrie, bevor sie den Bericht des Ausschusses erhalten hatte, das groesste Interesse daran hatte, sich der Forderung der
Gewerkschaft nach einer Lohnerhoehung von 12$ 4 pro Stunde zu widersetzen. Der Vorschlag des Ausschusses, die Industrie moege fuer die Altersversicherung ihrer Arbeiter die Verantwortung uebernehmen, stellte eine Prinzipienfrage dar, die die Stahlgesellschaften nicht akzeptieren wollten. Die Industriefuehrer verlangten, dass die
Arbeiter an den Kosten des Versicherungsplana beteiligt sein sollten. Die Gewerkschaften fordern, dass die Industrie die gesamten Kosten hierfuer tragen soll.
Obwohl etwa 300 Stahlwerke durch den Streik zum Stillstand kommen, akzeptierte
eine Anzahl Firmen die Vorschlaege des Ausschusses; sie sind daher am Streik nicht
beteiligt. Der Streik wird auch die Eisenbergwerke in Mitleidenschaft ziehen, und
verschiedene Industriezweige, die von Stahlerzeugnissen abhaengen, werden empfindlich dadurch getroffen.
Die Bedeutung des Stahlarbeiterstreiks
'.7ie auch der Streik der Stahlarbeiter auslaufen mag, er stellt doch einen
wichtigen Schritt in der Geschichte der Gewerkschaften Amerikas dar. Sr bedeutet,
dass gewisse Gewerkschaften ueber das Stadium hinaus sind, da sie lediglich LohnVerhandlungen fuehren. Sie verhandeln jetzt wegen einer Versicherung auf lange
Sicht. Die Bedeutung dieses Kampfes geht aus dem nachstehenden Artikel hervor,
den Herbert Kupferberg verfasst hat.
DIE AI.IERIKAHISCIISN STAHLA3BEI1SR VERLANGEN PENSION^
".Venn es zu einem Streik in der Stahlindustrie kommt
dann nicht deswegen,
weil es um Loehne und Arbeitszeit geht, sondern weil die Unternehmer etwas bekaempfen, was sie als Versuch bezeichnen, in die industriellen Beziehungen Amerikas ein
ganz neues Prinzip hineinzutragen.— ein Prinzip, das weit ueber das Interessengebiet der Stahlindustrie hinausgehen und eventuell alle Arbeiter im ganzen lande
erfassen wuerde. Das neue Prinzip, in seinen Grundgedanken zusaramengefasst, besteht
darin, dass die Arbeiter ein Anrecht auf Pensionen haben, und da3s es ^l^ein den
Unternehmern zukomme, fuer die ganze Angelegenheit geradezustehen.
Die Pensionskosten fuer die Arbeiter
"L'anche Gesellschaften haben bereits Pensionsplaene verwirklicht, aber bei den
meisten von ihnen traegt die Belegschaft in bedeutendem Kasse zu den Kosten bei,
und formell das Prinzip au. fzustellen, dass der .Arbeitgeber zur Hilfeleistung wie
auch zur Zahlung der Pensionen verpflichtet ist, wuerde etwas Revolutionierendes
darstellen. Dies ist der Grund warum die meisten Stahlwerke diesen Gedanken so
energisch bekaempfen, und warum andere Industrielle und auch die Gewerkschaften
den i:ampf in der Stahlindustrie so sorgfaeltig beobachten.
"Das Eigenartige daran ist, dass die Frage der Pensionszahlung ganz ploetzlich
fast zufaellig, als Hauptpunkt des Konflikts auftauchte. Urspruenglich hatte Philip

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�Murrays Verband der Vereinigten Stahlarbeiter eine Stundenlohnerhoehung von 12^- &lt;ft
sowie ein Pensions- und /fohlfahrts-Programm gefordert, das die Werke zusaetzliche
17g &lt;t Pro Stunde gekostet haben wuerde. Da ein Streik unmittelbar bevorstand, ernannte Praesident Truman einen Untersuchungsauaschuss, der Vorschlaege fuer eine
Einigung ausarbeiten sollte, und da einige Mitglieder dieses Ausschusses Anhaenger
des New Deal waren, erwarteten viele, dass der Ausschuss so etwas wie eine Lohner—
hoehung empfehlen wuerde. Dies haette natuerlich den Anstoss zu einer "Vierten
Runde" fuer Lohnerhoehungen im Ganzen Lande gegeben.
Die Frage ist von weltreichender Bedeutung
Als der Ausschuss den Gedanken an eine Lohnerhoehung ueberhaupt verwarf, obwohl
er Pensionsleistungen empfohlen hatte, deren Kosten 10 4 in der Woche ausgemacht
haetten, waren die Konservativen und die Industriellen ziemlich begeistert, weil
somit die "Vierte Runde" abgewendet worden waere. Als sie aber den Bericht genauer
prueften, stellten sie fest, dass die Pensionsbewilligung folgenden Passus enthielt;
"Die Sozialversicherung und Sozialunterstuetzung sollen als ein Teil der
normalen Geschäftsunkosten angesehen werden, um der zeitweiligen und
staendigen Wertminderang der menschlichen "Maschine" in derselben Art und
Weise zu begegnen wie Vorsorge fuer die Wertminderung und die Versicherung
des Werkes und der Maschinen getroffen wird."
Die Stahlgesellschaften haben durchaus nichts gegen Pensionen als solche, sie
wollen aber, dass die Arbeiter selbst einen Teil der Kosten dafuer tragen, ungefaehr so wie sie bereits zu den Sozialversicherungsleistungen (Unterstuetzungen)
beitragen, die sie von der Regierung erhalten
Ob es nun zum Streik kommt
oder nicht, Jedenfalls erscheint es sicher, dass irgend ein Pensionsplan ausgearbeitet werden muss, und dass sich viele Arbeitsstreitigkeiten in Amerika in Zukunft
nicht um die alltaegliohe Frage der Bezahlung waehrend der Arbeit, sondern um die
neue Streitfrage der Bezahlung im Ruhestand drehen werden."
Herbert Kupferberg in der "New York Herald Tribun«»"
Paris, 21. September 1949
LEBENSHALTUNGSKOSTEN DES GRIECHISCHEN ARBEITERS.
Der griechische Durchschnittsarbeiter gibt zwei Drittel seiner gesamten Lebenshaltungskosten fuer Lebensmittel aus.
Nach einer Umfrage bei 500 Familien besteht die Nahrung eines griechischen
Durchschnittsarbeiters aus ungefaehr 28 % Trockengemuese, 16 t Kartoffeln, 14 %
Makkaroni, 13 t Fisch, 11 S frischem und gekochtem Gemuese und nur 10 t Fleisch.
Die Umfrage wurde von der Abteilung Arbeit der ECA Mission in Griechenland
durchgefuehrt. In dem Kreis der Befragten waren 48 Berufe beruecksichtigt, die aus
einer Gruppe von mehreren Tausend Beschaeftigten ausgewaehlt worden waren. Bei
dieser Erhebung sind nur Facharbeiter und ungelernte Arbeiter beruecksichtigt
worden, waehrend Angestellte ausser Betracht blieben.
Waehrend 66,1 i der Ausgaben einer griechischen Familie fuer die Beschaffung
von Lebensmitteln aufgewandt werden, wurden 11,1 t&gt; fuer Dinge des taeglichen Bedarfs,
wie Fahrgelder, Tabak, Suessigkeiten und Zeitschriften verwandt. Ferner gaben
sie 7,8 i fuer Bekleidung, 5,9 « fuer Brennmaterial zum Kochen und Heizen, 4 t fuer
Wohnung, 2,4 t fuer persoenliohe Dinge und weniger als 1 t fuer Haushaltsgegenstaende aus.
Der Bericht besagt, dass sich die darin genannten Ausgaben fuer Brennmaterial
zum Kochen und Heizen auf einen Zeitraum mit relativ mildem -Vetter beziehen. Fuer
die Winteraonate muss aber damit gerechnet werden, dass diese Ausgaben etwas höher
liegen,
Die Erhebung wurde in den Industriebezirken von Athen, Pireaus, Heraklion,
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8

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�Patras, Saloniki und Volos angestellt.
Niedrige Mieten
Nach dem Bericht liegen die Mietpreise infolge der griechischen MietpreisStabilisierungsmassnahmen ausserordentlich niedrig. Ausserdem wird der durchschnittliche Mietpreis durch das Vorhandensein freien Wohnraumes verschiedener
Art herabgedrueckt.
In dem Kommentar des Berichtes heisst es, dass der groesste Teil des freien
Wohnraumes wenig begehrenswert sei, denn in manchen Gebieten leben Familien in
Kellern oder in provisorischen Notwohnungen, die aus geborgenem Material gefertigt
wurden. Von den 500 von der Erhebung erfassten Familien zahlen 163 ueberhaupt
keine Miete, 201 leben in Miethaeusern und 136 haben ihr eigenes Haus.
Nicht eine Badegelegenheit wurde bei den in der Erhebung berueckaichtigten
Familien gefunden. Ferner fuehrt der Bericht aus, dass der Gesundheitszustand
der meisten Familien weitestgehend unbefriedigend sei.
In den 500 Familien waren vielfach mehr als ein Lohnempfaenger. Mit 676
angegebenen Lohnempfaengem belaeuft sich der Durchschnitt der Lohnempfaenger auf
1,35 Je Familie.
Infolge der vielen privaten Abmachungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern kann zu diesem Zeitpunkt kein der Wirklichkeit entsprechender Bericht ueber
die tatsaechlichen Nettoelnkuenfte eines Arbeiters gegeben werden. Eine ausgedehnte Erhebung ueber diese getrennte Frage ist zu einem spaeteren Zeitpunkt vorgesehen.
Die Erhebung wurde unter Fuehrung von Leonhard Linaenmayer angestellt, der
ueber eine neunjaehrige Erfahrung auf diesem Gebiete als Wirtschaftssachverstaendiger in der Abteilung ArbeitsStatistik des Arbeitsminiateriuma der Vereinigten
Staaten verfuegt. Linaenmayer wurde von Alan Strachan, dem Leiter der Abteilung
Arbeit der EGA Mission, mit dieser Aufgabe betraut.
Das griechische Arbeitaministerium ebenso wie der Allgemeine Griechische
Gewerkschaftsbund haben an dieser Erhebung mitgearbeitet. Der Letztere stellte
die Mithilfe verschiedener griechischer Gewerkschaftsstellan sicher, um von Selten
der Arbeiter und ihrer Familien weiteatgehend Unteratuetzung fuer die Durohfuehrung
der Erhebung zu bekommen. Der groesste Teil der hauswirtschaftlichen Angaben
wurde von Hausfrauen gemacht.
Labor Information Bulletin (ü.S. Dept.of Labor)
September 1949
EIN MANN UND EINE GEWERKSCBAFT
John L. Lewia, Praesident der Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft.
Die gespannte Lage im amerikanischen Kohlenbergbau rueckt die grosse amerikanische Bergarbeitergewerkschaft ÜMlATund ihren atarrkoepfIgen Praesidenten John L.
Lewia wieder einmal in den Mittelpunkt des Interesses. Woher kommt dieser Mann,
und was gibt ihm und der Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft so grosse Macht,
dass sie praktisch die gesamte amerikanische Kohlenfoerderung lahmlegen koennen?
Welches ist ihre Geschichte und was sind ihre Ziele? Das aind die Fragen, die
auch den deutschen Leaer in dieaem Zusammenhang Interessieren.
Zusammenschluss unter aeusserem Druck
Die heute den amerikanischen Kohlenbergbau dominierende Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft konstituierte sich im Jahre 1890, und zwar in Hocking Valley
im Staate Pennsylvania.
Schon in den 90iger Jahren kam es zu mehreren groesaeren Arbeitaniederlegungen, doch erat der Streik des Jahres 18S7 brachte der Gewerkschaft den ersten

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�Triumpf. Obwohl die UMtfJdamals erst 9 OOO Mitglieder zaehlte, legten 100 000 Grubenarbeiter die Arbeit so lange nieder, bis die Gewerkschaft mit den Grubenbesitzern ein
Abkommen erzielt hatte, in dem ein Arbeitslohn von ca. 75 cents pro Tonne festgelegt
wurde.
Die Forderung nach weiteren Lohner ho ehungen und nach dem Achtstundentag fuehrte
zu dem grossen Streik des Jahres 1902, der die Stillegung der meisten Kohlengruben
der Vereinigten Staaten zur Folge hatte. In den Kohlenataedten von Pennsylvanien
und Illinois kam es zu Ausschreitungen, und die Kohlenpreise stiegen ins Unermessliche. Mit Einbruch des Winters gelang es Theodore Roosevelt, dem damaligen Praesidenten der Vereinigten Staaten, die streitenden Parteien im Interesse der Oeffentlicnkeit an den Verhandlungstisch zu bringen. Die Bergarbeiter erzwangen dabei
zwar einige Zugestaendnisse, doch wurde die Gewerkschaft an sich auch in der Folgezeit noch nicht voll anerkannt.
Im Jahre 1919 wurde der damals 40 Jahre alte John L. Lewis Praesident der
Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft. Er erblickte am 12. Februar 1380 in Lucas
im Staate Iowa das Licht der Welt. Sein Vater, ein Grubenarbeiter aus Wales, war
im Jahre 1875 nach den Vereinigten Staaten ausgwandert. Mit 17 Jahren fuhr John
L. Lewis selbst zum ersten Male in eine Kohlengrube ein. Dann zog er weiter nach
dem besten und arbeitete in Kohlen- und Kupferminen. Ein furchtbares Grubenunglueck in einem Bergwerk invHannah in Staate "Wyoming hinterliess einen nachhaltigen
Eindruck bei dem jungen Kumpel. Damals half er bei den Bergungsarbeiten, um die
zerquetschten und vorstuemmelten Leichname von 400 Grubenarbeitern, die infolge
einer Explosion lebendig begraben wurden, wieder freizulegen. Sein Vater starb an
der "Staublunge", der Berufskrankheit des Bergmanns.
Mit seiner ".fahl zum Delegierten im Jahreskonvent der Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft im Jahre 1906 begann Lewis seine Laufbahn als Gewerkschaftsfunktionaer.
Bereits im Jahre 1919 hatte er die hoechste Position innerhalb der Vereinigten
Bergarbeitergewerkschaft erklommen, die damals noch als eine der maechtigsten Einzelgewerkschaften dem grossen amerikanischen Gewerkschaftsverband AFL angehoerte.
Bald darauf war Lewis sogar Vize-Praesident des ganzen Verbandes.
Grenzenloses Vertrauen
Das grosse Vertrauen, das die Grubenarbeiter Lewis entgegenbringen, entspringt
ihrer festen Ueberzeugung, dass er bei allen seinen Schritten in den wirtschaftlichen Auseinandersetzungen nur ihr "fohl im Auge hat und jederzeit fuer sie zu kaempfen entschlossen ist. Dieses unerschuetterliche Vertrauen seiner Gewerkschaftler
gibt ihm die Macht, Abkommen fuer 600 000 Bergarbeiter zu schliessen, und erklaert,
weshalb sie manchmal auf sein Wort hin widerspruchslos die Arbeit fuer Monate niederlegen, um dann - wieder nur seinem //orte gehorchend - ruhig zur Arbeit zurueckkehren.
Im Laufe seiner Taetigkeit als Praesident der Bergarbeitergewerkschaft stand
Lewis unzaehlige Male als Angeklagter vor Gericht, wurde immer wieder gerichtlichen Verfuegungen unterworfen, musste sich direkten Anweisungen des Staatspraesidenten unterwerfen und war Partner in zahllosen Zivilprozessen. Er hat dies alles
gelassen ueber sich ergehen lassen. So wurde ihm im Fruehjahr 1948 eine persoenliche Geldbusse von 20 000 Dollar und der Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft eine
solche von 1,4 Millionen Dollar auferlegt als Strafe fuer vorsaetzliche Missochtung
einer gerichtlichen Verfuegung durch Anordnung eines Streiks. Damals erklaerte
Lewis sich bereit, lieber ins Gefaengnis zu gehen, wurde jedoch nicht eingesperrt.
Zwei Jahre zuvor war er fuer das gleiche Vergehen mit einer geringeren Strafe belegt worden.
Gehoert Lewis zum alten Eisen.
Nicht einmal der Krieg und der nationale Kotetand machten auf Leivis einen be-

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�sonderen Eindruck, '.'fahrend des zweiten .'/eltkrieges rief er verschiedene Streiks
aus und hielt sie so lange durch, bis seine und seiner Grubenarbeiter Forderungen
erfuellt waren. Das Vertrauen der Bergarbeiter in ihn war so gross, dass sie die
Kohlenfoerderung einstellten, obwohl die Stahlindustrie sie notwendig zur 'Taffenherstellung brauchte, um ihre eigenen Soehne auf fremden Schlachtfeldern mit Nachschub zu versorgen. Lewis wurde auch damals nicht eingesperrt, denn damit huette
man die dringend benoetigte Kohle nicht bekommen.
In den Jahrzehnten eines erbitterten Kampfes zwischen Kapital und Arbeiterschaft haben die Grubenarbeiter gelernt, dass sie entschlossen zusammenstehen
muessen, wenn sie ihre Verhaeltnisse verbessern wollen. Lewis lernte in seiner
Jugend in einer harten Schule der Erfahrung, und seine heutige Handlungsweise ist
groesstenteils von den damals herrschenden Gesetzen bestimmt. Man kann ohne Zweifel erwarten, dass in spaeteren Jahren eine Aenderung in der Haltung der UM//U
eintritt, wenn juengere Kraefte in der Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft aufruecken, die mit der Idee ausgeglichener V/echselbeziehungen zwischen Kapital und
Arbeiterschaft naeher vertraut sind.
Amerika Dienst 28. September 1949
STUDIUM ARBEITSSPARENDER METHODEN.
Zwei prominente britische Gewerkschaftsführer reisen am 21. Oktober mit einer
Gruppe von Fachleuten unter der Schirmherrschaft der EGA Verwaltung der Vereinigten
Staaten und des Anglo-Amerikanischen Rates fuer Fragen der Produktivitaet nach
Amerika, um die Verwendung mechanischer Hilfsmittel in der amerikanischen Industrie
zu studieren.
Es handelt sich um Ben Gardner, Generalsekretaer der Vereinigten Gewerkschaft
der Ingenieure (AEU), und um James Young, Generalsekretaer der Vereinigung der
technischen und Schiffsbau-Konstrukteure.
Beide wurden als Kitglieder des ringlo-wiierikanischen Rates fuer Fragen der
Produktivitaet vom Verband der Gewerkschaften der Schiffsbauer und Ingenieure,
einer der groessten Fachabteilungen der britischen Gewerkschaftsbewegung, ausgewaehlt. Weitere Mitglieder der Gruppe vertreten Arbeitgeber, oder sie sind Techniker.
Die Mitgliederzahl der AEU belaeuft sich auf nahezu 750.000 in der englischen
Automobil-, Flugzeug-, Schiffsbau-, Maschinen- und feinmechanischen Industrie. Mit
45.000 Mitgliedern wird die Vereinigung der technischen und Schiffsbau-Ingenieure
als eine der erfolgreichsten der britischen Angestelltengewerkschaften angesehen.
Britische Gewerkschaftler und Industrieunternehnor, die bisher ihre "Counterpart Betriebe" in den Vereinigten besucht hatten, aeusserten sich alle ueber die
Verwendung mechanischer Hilfsmittel in den Vereinigten Staaten. Sie sagen, dass
diese einen wichtigen Faktor bei der Erreichung der hohen Produktivitaet in den
Vereinigten Staaten darstellen. Und die Arbeiter fuegen hinzu, dass diese Hilfsmittel Belastungen bei der Arbeit abnehmen.
Kommentare von Mitgliedern anderer Gruppen zum Studium der Produktivitaet,
die aus den Vereinigten Staaten zurueckgekehrt sind, waren ein wesentlicher Faktor,
den Anglo-Amerikanischen Rat fuer Fragen der Produktivitaet zu veranlassen, eine
Gruppe von Spezialisten zum Besuch verschiedener amerikanischer Industriezweige
zusammenzustellen, um die vielen Arten mechanischer Transportmittel sowie andere
"Kniffe" in der Anwendung zu studieren. Sie werden auch Betriebe besuchen, die
solche Dinge herstellen.
ECA Labor Information, 21. September 1%9
DIE ARBEITER IN DEN FORDWERKEN BEKOMMEN
EINEN PENSIONSPLAN.
Nach monatelangen Verhandlungen hat die Ford Motor Company mit dem Verband
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�der Vereinigten Automobilarbeiter (UAW), der groessten Gewerkschaft im CIO, ein
Abkommen getroffen. Die Verhandlungen wurden 2 Stunden nach dem Zeitpunkt abgeschlossen, der fuer den Beginn des Streiks von etwa 100.000 Arbeitern in den Fordwerken in mehreren Staaten festgesetzt worden war. Die letzte Sitzung, auf der die
Vertreter der Gesellschaft und der Gewerkschaft verhandelten, dauerte ununterbrochen 34 Stunden.
Die urspruenglichen Forderungen der Gewerkschaft
Urspruenglich hatte der UAW 3 Forderungen gestellt, und zwar a) einen Altersversicherungsplan, demzufolge sich der Arbeiter nach einer 25jaehrigen Taetigkeit
im Alter von 60. Jahren mit einer monatlichen Pension von $ 100 zur Ruhe setzen
kann, b) einen Krankenversicherungsplan, der auch von der Fordgesellschaft unterstuetzt wird. Die' geforderten Beitraege wuerden 5o von der Lohnliste ausmachen,
und c),eine Lohnangleichung, die die Kaufkraft der Arbeiter wieder auf den Stand
des Monats Juni 1946 bringen wuerde. Die letzten beiden Forderungen wurden spaeter
vom U M zugunsten eines Pensionsplanes fallengelassen.
Im Jahre 1947, als der UAW mit den Fordwerken ueber einen neuen Kontrakt verhandelte, hatte die Gesellschaft das Angebot gemacht, einen Pensionsplan statt
einer Lohnerhoehung einzufuehren. Damals hatte sich der UAW aber fuer eine Lohnerhoehung ausgesprochen. Seit dem Jahre 1947 haben sich jedoch die Ansichten der
fuehrenden Kreise des UA7/ geaendert.
Merkmale des Pensionsplans
Es hat den Anschein, als wenn der UAW die Erreichung des Fensionsplans als einen
bedeutenden Sieg ansieht. Die Fordwerke haben ebenfalls in bezug auf 2 ihrer Forderungen einen Sieg errungen: a) der neue Kontrakt ist fuer 30 Monate festgelegt, was
in der Automobilindustrie eine lange Zeit bedeutet, und b) die Gesellschaft hat
auch weiterhin das Recht, die Fuehrer von ungesetzlichen und "wilden"3treiks, zu
denen der zentrale Vollzugsausschuss des UAW nicht aufgerufen hat, zu entlassen.
Der Pensionsplan sieht vor, dass die Gesellschaft 8-3/4 4 pro Stunde oder etwa
$ 3.50 pro Woche und pro Arbeiter in den Fonds einzahlt. Dieser Beitrag zusammen
mit dem Betrag, den die Gesellschaft zum Bundes-Sozialversicherungsplan beisteuert,
wuerde 3ich auf Seiten der Fordwerke auf etwa $ 4.20 pro Arbeiter und pro Woche
belaufen. Man schaetzt, dass der Fonds gross genug sein wird, um den Arbeitern bei
Ford, sobald sie sich zur Ruhe gesetzt haben, eine Pension von monatlich 100 Dollar
zu zahlen. Das Ruhestandsalter ist auf 65 Jahre festgesetzt.
Der Kontrakt, der zwischen dem UAW und den Fordwerken abgeschlossen wurde, ist
von grosser Bedeutung, weil er fuer andere Abkommen als Muster dienen koennte, die
die Gewerkschaft mit anderen Gesellschaften in der Automobilbranche und auch in
anderen Industriezweigen, in denen der UAW Mitglieder hat, abschliessen werden.
"Summary of News" per 1. Oktober 1949
PRODUKTIVITAET UND INVESTITIONEN
Die Produktivitaet in der europaeischen Industrie und Landwirtschaft haengt
nicht allein von der individuellen Leistung der Arbeiter ab, sondern muss vor allem
unter dem Gesichtspunkt der Kapitalanlagen betrachtet werden, welche die Industrio
mit neuen und produktiveren Maschinen versorgen und den Arbeitern geeignetes Werkzeug zur Verfuegung stellen.
Ein Blick auf die Statistiken zeigt uns nicht allein einen betraechtlichen
Unterschied zwischen der Produktivitaet pro Mann und Stunde der amerikanischen und
der europaeischen Arbeiter, sondern auch den Zusammenhang zwischen Investition und
Produktivitaet, da die letztere wesentlich bedingt ist durch den Zustrom von Kapital.

In Europa, wo viel weniger Kapital in der Produktion angelegt wird, bleiben

die moderne Ausruestung und die in der Industrie angewandten Pferdekraefte weit
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�hinter denen des Neuen Kontinents zurueck.
Dies sind einige der Hauptfaktoren, die die Produktion hemmen und auch eine
nachhaltige Wirkung auf den Beschaeftigungsstand ausueben. Ein ueberzeugender Beweis kann in Europa selbst gefunden werden, wo Laender mit akutem Mangel an Kapital
und Krediten, wie Deutschland und Italien, mit schwerer Arbeitslosigkeit zu kaempfen
haben.
Und hier wird wieder, ein wichtiger Beitrag zum Wiederaufbau Europas geleistet
durch die amerikanische Hilfe, die mit der Freigabe der Gegenwertfonds aus dem
Verkauf von Marshallplan-Guetern grosse industrielle Investitionen ermoeglicht«
Nach den Statistiken der Vereinten Nationen hat Europa, mit Einschluss Gesamtdeutschlands und des Ostens, im Jahre 1948 fuer seine landwirtschaftliche und
industrielle Entwicklung ungefaehr 5 Milliarden Dollar Investiert, was die Haelfte
der Anlagen in den Vereinigten Staaten darstellt. Die geringsten Investitionen
weisen die Laender hinter dem Eisernen Vorhang aus: Ungarn 4 Dollars, Polen 7|50
Dollars, Jugoslawien 9 Dollars. Unter den westeuropaeischen Laendern verzeichnet
Italien-den niedrigsten Satz an Kapitalinvestitionen (10 Dollar pro Kopf), während
in anderen E.R.P.-Laendern die Kapitalanlagen zwei- bis dreimal hoeher liegen als
in Italien. Aber all diese Zahlen muessen verglichen werden mit dem Investitionssatz in den Vereinigten Staaten, der 65 Dollar pro Kopf der Bevoelkerung betraegt.
Diese Ziffern werfen etwas Licht auf ein sehr interessantes wirtschaftliches
Problem, das fuer den europaeischen Wiederaufbau von lebenswichtiger Bedeutung ist.
Es sind schon Kritiken erhoben worden, dass nicht genuegend Marshallplan-Gelder
fuer Investitionen verwendet werden, da wir uns immer und immer wieder zu vergegenwaertigen haben, dass jede wesentliche Verbesserung der Produktivitaet in sehr
weitem Ausmass von der Anschaffung neuer Maschinen und Werkzeuge abhaengt, durch
welche die Produktivitaet pro Mann und Stunde gesteigert werden kann.
Labor News B u l l e t i n , 2 3 . September 1949
ERP Trade Union Advisory Committee
AUCH IK NEU-SEELAND IST ES DIE GLEICHE METHODE
Aus Neu-Seeland, wo auch eine Labour-Regierung am Ruder ist, welche, ebenso
wie unsere Regierung, darum kaempft, ihr Programm fuer soziale Sicherheit und
Vollbeschaeftigung erfolgreich durchzusetzen, kommt dieser Auszug aus einem Rundschreiben des Vorstandes der Vereinigten Neu-Seelaendlsehen Seeleute Gewerkschaft
an ihre Mitglieder.
In unserem eigenen Lande wird die Kampagne zur Einleitung von Hilfsmassnahraen
fuer Gross-Britannien von den Kommunisten im Rahmen ihrer allgemeinen Verschwoerung
sabotiert. Da die Kommunisten mit ihrer ueblichen Verschlagenheit einsehen, dass
die neu-Seelaendischen Arbeiter niemals derartige Massnahmen wissentlich billigen
wuerden, wagen sie es nicht, offen damit hervorzutreten. Stattdessen hoffen sie
durch eine staendige Stoerung des Arbeitsfriedens, unsere Labour-Regierung zum
Scheitern zu bringen und die Wirtschaft unseres Landes in den Abgrund zu stuerzen,
um damit die Erzeugung sowie die Lebensmittelverladungen fuer Gross-Britannien
zu hemmen.
In unserer Gewerkschaft haben wir nur eine Handvoll von eingeschriebenen
Kitgliedern der Kommunistischen Partei, aber diese und ihre Gimpel und Mitlaeufer
sind in unserer Mitte sehr tatkraeftig darum bemueht, ihre "Partei-Linie" einzuhalten.
Sie legen eine heuchlerische Sorge um das Wohlergehen der Arbeiterschaft an
den Tag, aber unsere Mitglieder sollten lediglich ihre Manoever sorgfaeltig beobachten, um zu erkennen, dass sie die ihnen zugedachte Rolle bei der grossen
Verschwoerung spielen.
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�Betrachtet ihre Gewohnheit, gleichlautende EntSchliessungen gleichzeitig in
verschiedenen Streikversammlungen einzubringen; ihre Methoden in Versammlungen,
wozu auch gehoert, dass sie deren Verlauf allein bestimmen und sie ermuedend lange
hinschleppen, oftmals mit Dingen, die keinerlei Bezug auf die internen Angelegenheiten der Gewerkschaft haben; ihre Reiserei von und nach anderen Haefen, scheinbar auf ihre eigenen Kosten, um an den Versanmlungen teilzunehmen, ihre Entschlossenheit, auf jedem Schiff, auf das sie kommen, irgendeinen Streit zu erzeugen,
der darauf hinauslaeuft, das Schiff moeglichst fuer unbestimmte Zeit auf ai halten;
ihre Stimnienwerbung von Schiff zu .Schiff, um Unterstuetzung fuer die Einberufung
von ausserordentlichen Versammlungen zu bekommen, und selbst dann, wenn der betreffende Streitfall schon laengst beigelegt ist oder gerade von den gewaehlten
Funktionaeren der Gewerkschaft beigelegt werden soll; ihre Bemuehungen, das Vertrauen der Mitglieder in den Mann zu erschuettern, den sie zur Wahrnehmung der
Gewerkschaftsinteressen gev/aehlt haben, um damit Anarchie und Poebeiherrschaft
zum Durchbruch zu verhelfen.
Beachtet diese Taktik und andere und beobachtet, wie diese zu einer wohl
durchdachten organisierten Kampagne passen.
Die Arbeiterschaft unseres Landes erwacht nun bei dem, was unter ihren Augen
vorgeht, und sie sind entschlossen, unsere Arbeiterbewegung von den Verschwoerern
zu befreien, die, wenn man sie ungehindert haette gewaehren lassen, unsere Bewegung
zerschlagen und die Arbeiterschaft der Gnade jedweder Reaktion ueberlassen haetten.
"Labour", August 1949
ABNAHME DER FORTBILDUNGSPROGRAMIE IN FRANKREICH
(nach ILO Quellen)
Die Notwendigkeit der Einsehraenkung hat die franzoesische Regierung geawungen, die Anzahl der Schnellkursus-Stellen fuer Arbeiter im Bau- und Metallgewerbe
zu verringern. Alle hauptsaechlichen Gewerkschaftsverbaende beguenstigen Jedoch
den Ausbau der Schulungsmoeglichkeiten und protestierten gegen das Dekret vom
11. Januar 1949, wonach 67 Schnellkursus-Stellen geschlossen werden sollen. In der
Zeit von Juli 1946 bis Juli 1948 hat sich die Zahl dieser Stellen von 70 mit 3000
Teilnehmern auf 192 mit mehr als 15.000 erhoeht. Alle Stellen ueber 125, die weitergefuehrt werden sollen, sollen geschlossen werden, da sich die Teilnehmer bereits zwecks Vollendung ihrer Kurse angemeldet hatten.
Die Fortbildung ist reduziert worden, obwohl Frankreichs Wiederaufbaubemuehungen durch den Mangel an Facharbeitern stark behindert werden. Die Kontrolle
der Nachkriegsloehne hat den Erfolg gehabt, dass nur ein ganz geringer Unterschied
zwischen den Loehnen der gelernten und der ungelernten Arbeiter befffceht| infolgedessen besteht also wenig Anreiz fuer die Arbeiter, sich fortzubilden, um die Fachkenntnisse zu erwerben, die fuer die franzoesische Industrie so notwendig sind.
Das Vorkriegskontingent an Facharbeitern ist erschoepft, weil einmal die Kriegsgefangenen ihre Fertigkeiten verlernt haben, andererseits, weil die Arbeiter im
Kriege in anderen Industriezweigen eingesetzt wurden als ihren eigenen; dazu kommt
noch, dass die Fortbildung der jungen Arbeiter unterbrochen wurde.
Um dem Kachkriegsmangel an Arbeitern zu steuern, ist die Regierung fruehzeitig
dazu uebergegangen, alle seitens der Regierung bestehenden Fortbildungsmassnahmeii
zu koordinieren und die Moeglichkeiten der Fortbildungsauzubauen. In der Zeit
zwischen 1945 und 1947 stieg die Zahl der oeffentlichen Fortbildungsstellen im
Rahmen der obligatorischen Berufsausbildung von 98 auf 1A8, an der alle Jugendlichen unter 17 Jahre, die bei Handels- oder Industrie-Unternehmen unterkommen
wollten, teilnehmen mussten. Durch einen gemeinsamen Erlass des Arbeitsministers
und des Unterrichtsministers vom 15. April 1943 wurde ein staendiger Studien- und
Koordinierungs-Ausschuss fuer Berufsfortbildung geschaffen. Es wurden Landesbe-

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�ratungs-Ausschusses ins Leben gerufen, die sich aus Vertretern der Arbeiterschaft,
des Unternehmertums, des Lehrkoerpers, der Eltern der Schueler und der Regierung
zusammense tzten.
Das beschleunigte Fortbildungsprogramm
Im November 1946 baute die Regierung das beschleunigte Fortbildungs-Prograniiijdas
auf das Jahr 1937 zurueckgeht, aus. Dies Programm, das finanziell von der Regierung
gestuetzt wird, sieht 6-Monats-Kurse vor im Vergleich zu dem ueblichen Fortbildungsschulkursus, der 3 Jahre dauert. Die Teilnehmer erhalten mindestens den Satz fuer
ungelernte Arbeiter in der Industrie, aus der sie gekommen sind. Die Stellen koennen
als Privatunternehmen aufgezogen sein oder kollektiv durch Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer; sie muessen aber den Normen gerecht werden, die vom Arbeitsministerium festgelegt sind, wenn sie Subsidien erholten wollen.
Urspruenglich war fuer dieses Programm die Fortbildungsvon 200.000 qualifizierten Arbeitern im Baugewerbe und von 60.000 im Metallgewerbe vorgesehen, und zwar bis
1950 gemaess dem im Monnet-Plan festgesetzten Bedarf an Arbeitskraeften. Dieses
Ziel wird aber nicht erreicht werden, was teilweise auf die Einschraenkungsmassnahmen der Regierung zurueckzufuehren ist. Im Laufe der Jahre 1947 und 1%8 vurden
insgesamt 49.171 Arbeiter ausgebildet; 34.500 im Baugewerbe, 8.300 im Metallgewerbe
und 5.871 in anderen gewerblichen Berufen.
Eine der hauptsaechlichsten Quellen fuer ausgebildete Arbeitskraefte in Frankreich ist das Lehrlingssystem. Die Zahl der Lehrlinge stieg von 80.200 im Jahre
1945 auf ueber 400.000 im Jahre 1948, wie das Landesunterrichtsministerium bekanntgab.
Die Lehrlingsausbildung erfordert im allgemeinen 3 Jahre; die Lehrlinge werden
an Lehrlingsschulen ausgebildet, die von grossen privaten Gesellschaften unterhalten
werden, oder an kollektiven Instituten, die fuer Gruppen von kleinen Unternehmen
eingerichtet werden. Die endgueltige Ausbildung erfahren die Lehrlinge ira allgemeinen in den Fabriken, und zwar am Arbeitsplatz selbst. Augenblicklich bestehen
keine allgemeinen Richtlinien fuer die Lohnsaetze.
'.'/aehrend der Nachkriegszeit besuchten jaehrlich mehr als 100.000 Schueler
die verschiedenen Berufsfortbildungsschulen, die vom Staat aus betrieben werden.
Im Jahre 1947 betrug ihre Anzahl 119.427.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Labor Abroad" Mai 1949
ENGLISCHE ARBEITER AEU55ERN SICH ANERKENNEND UEBER
DEN VERBAND DER AMERIKANISCHEN STAHLARBEITER
Cyril Arthur Hawson, Stanzer und Former in einem Stahlwerk in Oxford, England,
aeusserte sich mit V/orten hoechster Anerkennung ueber den Verband der Vereinigten
Stahlarbeiter Amerikas (der dem CIO angeschlossen ist), als er von seiner Besieh-^
tigungsreise durch amerikanische Metallstanzwerke zurueckgekehrt war. Mawson war
eines der Mitglieder einer Gruppe von 10 englischen Arbeitgebern, Technikern und
Arbeitern aus der Stahlindustrie, die vor kurzem auf Grund des AAPC - Frogramme
im Rahmen des ECA zwecks Austausches englischer und amerikanischer Iroduktionserfahrungen die Vereinigten Staaten bereist hatten.
".7ir waren aeusserst befriedigt ueber die gute Organisation der Vereinigten
Stahlarbeiter in Pittsburgh und ueber ihre umfassenden Kenntnisse in bezug auf die
Betriebskosten, ueber die Gewinne usw", erklaerte Mawson. Das beweist, dass die Gewerkschaften in Amerika auf der Hoehe sind, wie auch die Arbeitgeber ihr Bestes tun,
um die Iroduktion zu steigern und die Selbstkosten zu senken. Die Belegschaften arbeiteten sicher und anhaltend und bewiesen eine Fertigkeit und Geschicklichkeit, wie
sie sich auf diesem Gebiete der der besten englischen Arbeiter wuerdig an die Seite
-

15

-

�stellen kann".
Es ist dem AAPC gelungen, sich fuer sein Austauschreise-Programm die volle Mitarbeit seitens der amerikanischen Arbeiterschaft und Unternehmer zu sichern, erklaerte Mawson. "In Jedem Werk, das wir besichtigen, nahmen sich die Maenner, vom Werkleiter, angefangen bis zu den Aufsehern und den Arbeitern an der Maschine, die Zeit,
uns die Maschinen wie auch die Arbeitsprozesse zu erklaeren.
Wir tauschten unsere Gedanken aus und haben alle grossen Nutzen daraus gezogen.
Die Qastfreundliohkeit der Maenner in diesen Werken, der Leiter, der Gewerkschaften
und der einzelnen Arbeiter war wirklich mehrend," erklaerten die Maenner aus Oxford
abschliessend.
Ein weiteres Mitglied der englischen Gruppe, Edgar James Young, ein Stanzenmacher in der Vauxhall-Autofabrik in Luton, England, widerlegte mancher der "Schauermaerchen", die ueber die amerikanische Industrie verbreitet werden.
"Bevor ich nach den Vereinigten Staaten ging, hatte ich In englischen Zeitungen
Berichte gelesen, aus denen hervorging, dass die Arbeiter in den amerikanischen Giess«
reien das Lachen verlernt und ein absolut trauriges Los zu tragen haetten. Das traf
Jedenfalls nicht auf die Fabriken zu, die wir in Massachusetts, New York, Pennsylvanien, West Virgdnien, Ohio und anderen Gegenden des Landes besucht haben," versicherte Young.
"Die Arbeiter aeusserten sich dahingehend," fuhr- er fort, "dass sie alle durchaus mit ihren Loehnen und Arbeitsbedingungen zufrieden seien, obwohl sie natuerlich
keineswegs beabsichtigen, bei dem stehenzubleiben, was sie bisher erreicht haben.
Wir stellten fest, dass ueberall, wohin wir kamen, zwischen den Arbeitgebern und
der Arbeiterschaft gute Beziehungen bestanden. Wir haben jedenfalls keine Anzeichen
von dem feststellen koennen, was von manchen Schriftstellern als "Sklavenarbeit"
hingestellt worden ist."
"EGA Labor News" 9. August 1949

- 16 -

Manpower Division
OMGUS, APO 757

OMGUS 9-3046 L.P&amp;Mb Oct 49 1"JM

0FF3DIAL

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNCEN
Di« folgenden Artikel Italien Auszüge aus der amerikanischen Preise und anderen Quellen dar und diaaan
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und daran Mitglieder.
Von diesem Material kaaa uneingeachrankt Gebrauch gemacht werden.
Weiter« Exemplare können koetenloa bei
Office oi Labor Affairs
HICOG, APO 737, Frankfurt
»gefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einseinen Interessenten direkt durch die Poet eugeleitet.
Der Inhalt dar „Arbeitsmitteilungen" tat nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufsufaaeen.

II - 33

Berlin, 21. Oktober 1S49

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Sind die Gewerkschaftsfuehrer zu alt?
- - Sin Programm fuer technische Zusammenarbeit
in Westeuropa
Verleumdungskampagne gegen England
Gewerkschaften und Verwaltung fuer europaeische
Zusammenarbeit
_ _ _ _ _ _ _ _ —
_ —
_ —

1
2
3
4

Verwaltung fuer europaeische Zusammenarbeit
(3CA) und ein starkes Westeuropa.
—
4
Chikagoer Drucker beenden ihren 22 monatigen
Streik
5
Gewerkschaftlich nicht organisierte Arbeiter
brauchen keine Beitraege zu entrichten - - - - - 6
Internationale Fachabteilungen innerhalb
des V.'eltgewerkschaftsbundes
-6
Die Sisenarbeiter
—
8
Amerikanischer Gewerkschaftsfunktionaer
besucht italienischen Betrieb
-11
Bodengewinn der freien Gewerkschaften In Latein Ameri-12
ka
SDTD DIE GErfEHCSCIIAFTSFUSHRER ZU ALT.
In verschiedenen Laendern haben aus vielen Anlaessen heraus Diskussionen
ueber das Alter der Gewerkschaftsführer stattgefunden, und es ist oftmals
ermittelt vorden, dass jene an der Spitze der Gewerkschaften stehenden Leute
zu ilt sind. In einem kuerzlich veroeffentlichten Dokument fanden ^ir einige
Einzelheiten hinsichtlich des Alters der Gewerkschaftsführer in Deutschland,
die ein Schlaglicht auf die tatsaechliche Lage in diesem Lande werfen. Das
Dokument besagt, dass 52&amp; der deutschen Gewerkschaftsfunktionaere noch unter
40 Jahre alt sind j 32t sind zwischen 41 und 55 Jahre alt- Bi sind zwischen
56 und 6ü Jahre alt. Nur etwa 8'i der deutschen Gewerkschaftsfunktionaere
haben ein Alter von 6l Jahren oder darueber erreicht.
Newsletter of the International Föderation of Commercial, Clerical
and Technical Eraployees, Amsterdam, September 1949.

-

1 -

�BIN PROGRAMM FUER TECHNISCHE ZUSAMMENARBEIT IN WESTEUROPA

Auf arund der einmuetigen Billigung eines britischen Vorschlages fuer eine
wissenschaftliche Zusammenarbeit in Westeuropa seitens eines Arbeitsgremiums, da»
vom Rat der OEEC gebildet wurde, wird jetzt von den Marshallplan-Laendern ein Fün£rpunkte-Programm fuer einen intereuropaeischen Austausch von Technikern und technischen Daten aufgestellt.
Aehnlich dem technischen Hilßprogranm des EOA, demzufolge der Austausch von
amerikanischen und europaeischen Technikern und technischen Unterlagen vorgesehen
ist, besteht der Zweck des europaeischen ProjektB darin, die Produktivitaet unter
den Mitgliedern des OEEC zu steigern.
Das Europaeische Programm umfasst Methoden, um auf diesem Gebiete den Technische
Hilfsplan Europas auf die Taetigkeit des ECA abzustimmen. Das Fuenfpunkte-Programm
sieht vor»
1) Austausch von Dokumenten» In dem Plan ist der Austausch von offiziell veroeffentlichten Dokumenten ueberwissenschaftliche und technologische Angelegenheiten
vorgesehen, die von den einzelnen Regierungen entwickelt oder finanziert worden sind.
Jeder Regierung wuerde kostenlos bis zu 6 Exemplare dieser Dokumente zur Verfuegang
gestellt werden, und zwar auf folgenden Gebieten« a) physikalische und biologische
Wissenschaften von direktem und indirektem Interesse fuer die Industrie, b) jeder
Zweig der Technologie, c) medizinische Angelegenheiten von Interesse fuer die Industrie, d) wirtschaftliche Dokumente.
2) Austausch von Statistiken. Durch den Austau«ch statistischer Daten und
Messtechnikern in der industriellen Produktivitaet beabsichtigen die Laender, eine
allgemeine Norm fuer den Vergleich von Produktionstatistiken aufzustellen.
3) Austausch von Technikern. Vorschlagsgemaess wuerden die Laender Fachleute
und Experten austauschen, die die Produktions-Methoden und -Techniken in den verschiedenen Laendern mit der Aussicht darauf, sich die besten Methoden der beteiligten Laender wo immer dies moeglich ist, zur Auswertung zu eigen zummachen.
U) Besprechungen ueber technische Hilfsplaene. Die ERP-Beteiligten wuerden mit
einander ueber die vorgesehenen technischen Hilfsplaene Besprechungen abhalten, sowol
entsprechend ihrem eigenen wie auch dem ECA-Programm, um ein Parallellaufen bzw. eine
Wiederholung zu vermeiden und um eine gleichgeschaltete Erfassung der verschiedenen
Gebiete zu gewaehrleisten. In diesem Plan ist auch ein intereuropaeischer Austausch
der Erfahrungen vorgesehen, die durch Besuche der europaeischen Experten in den Vereinigten Staaten gesaianelt werden.
5) Gemeinsame Forschung Die Regierungen wuerden gemeinsame Forschungen auf den
Gebieten durchfuehren, wo das Operationsgebiet, wie z.B. die Notwendigkeit fuer ausgedehnte Durchfuehrungsmoeglichkeiten oder der Kostenaufwand, fuer das einzelne Land
zu gross sein wuerde. Als Beispiel hierfuer sei hier das jetzige gemeinsame Forschung sprojekt "Die Leuchtkraft der Flamme in Schmelzoefen," genannt, das von Hollanc
dem Vereinigten Koenigreich, Belgien und Schweden verfolgt wird.
Im Laufe der Besprechungen erkleerte sich das Arbeitsgremium damit einverstanden, dass, wenn sich bereits bestehende Organisationen wie z.B. die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen fuer Erziehung, Wissenschaft und Kultur) bereits riit
technischen Hilfsprojekten befassen, die OEEC mit diesen Organisationen zusammenarbeiten sollte anstatt Parallelaktionen durchzufuehren.
Die bei den Sitzungen des Arbeitsgremiums anwesenden Delegierten vertraten
Belgien, Daenemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Norwegen, Holland, Portugal,
Schweden, die Tuerkei, das Vereinigte Koenigreich und die Bizone Deutschlands, Es
waren ferner Beobachter aus Oesterreich, der Schweiz und Triest bei einigen der
Sitzungen anwesend.
"Labor News Bulletin" 16. Sept. 49
- 2 -

�TSRLSDMDONGSKAMPAfflnS GEGEN ENGLAND
Es sind Bestrebungen im Gange, um die Labour Regierung und die Sozialleistungen
in Misskredit zu bringen.' Von Allan L. Swim
Grossbritannien, eine Nation, die von Muessiggaengern und sozialen Traeumern
beherrscht wird, ist im Begriff, aus den Fugen zu gehen. Seine Sozialleistungen
haben sich als Misserfolge erwiesen und die Verstaatlichung einiger Industriezweige
hat einen wirtschaftlichen Wiederaufstieg verhindert. Da drueben geht wahrhaftig
alles drunter und drueber, und die Labourregierung ist dafuer verantwortlich.
So etwa sieht das Bild aus - und es stimmt ganz und gar nicht-, das heute der
lesenden und aufmerksamen Oeffentlichkeit Amerikas vor Augen gefuehrt wird. Es ist
offenbar, dass England zum Gegenstand einer Verleundumgskampagne geworden ist. Die
Tatsachen, die im Hintergrund dieser Kampagne stehen, sind derart, dass sie jeder
amerikanische Gewerkschaftler erfahren sollte.
Um ganz offen zu sein, kuemmern sich alle diejenigen, die heutzutage oft ueber
die "Misserfolge" Englands schreiben, den Teufel um die sozialen Wohlfahrtsleistungen, die das englische Volk erfaehrt. Ihr Interesse ist lediglich in ihrem eigenen
Entsohluss begruendet, soziale Wohlfahrtsmassnahmen in unserem Lande aufzuhalten.
Und was koennte ihnen dabei wohl dienlicher sein als das "entsetzliche Beispiel",
das ihnen die Englaender geben.
Zunaechst einmal liegen die Britischen Inseln fuer uns am anderen Ende des
Ozeans, so dass es also schwer ist, irgendwelche Angaben ueber Massnahmen in England nachzupruefen, Zweitens ist es verhaeltnismaessig leicht, der Labour-Regierung
und ihrem Programm fuer die wirtschaftlichen Schwlsrigkeiten die Schuld in die Schuhe
zu schieben.
Wir wollen einmal ein ganz einfaches Beispiel anfuehren, um zu illustrieren,
wie die Kampagne arbeitet. Der durchschnittliche englische Arbeiter produziert
aus dem einfachen Grunde nicht soviel wie der amerikanische Durchschnittsarbeiter,
weil dem ersteren nioht soviel an elektrischer Energie und Maschinen zur Verfuegung
stehen. Dieser Zustand hat viele Jahre angedauert. Dennoch haben unsere "antienglischen" Schreiber und Kommentatoren das jetzt gerade entdeckt - und sie äussern sich
darueber derart, dass der Eindruck erweckt wird, als sei die Verstaatlichung der Industrie dafuer verantwortlich zu machen. Und ausserdem deuten sie an, dass das englische Gesundheitsprogramm ganz gewiss zu einem Teil die Verantwortung dafuer tragen
muss. In Wirklichkeit haben die 2nglaender Bemerkenswertes darin geleistet, die Industrieproduktion seit der Beendigung des Krieges zu erhoehen.
England hat genau wie eine Anzahl anderer Laender mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kaempfen - Schwierigkeiten, die durch den letzten Krieg entweder verursacht oder verstaerkt wurden. Abgesehen von einer bestimmten politischen Partei,
die an der Regierung ist, wuerden sie sowieso existieren. Aber die Labour-Regierung
wird dafuer verantwortlich gemacht, und es wird haeufig darauf hingewiesen, dass
diese Schwierigkeiten verschwinden wuerden, wenn Winston Churchill und seine Konservativen das Steuer in der Hand hielten. Ja ja, die Kampagne ist ganz geschickt
eingefaedelt. Man weist zunaechst auf die wirtschaftlichen ochwierigkeiten Englands
hin, dann auf die Labour-Regierung und die Sozialleistungen und erklaert dann;
"Seht Ihr. Das haengt alles miteinander zusammen - es ist alles ein und dasselbe.
Bedarf es wohl noch besserer Beweise dafuer, um uns davon zu ueberzeugen, dass wir
keinen "Wohlfahrtsstaat" in Amerika brauchen."
Man kann mit Sicherheit voraussagen, dass man im Laufe der Zeit noch mehr
Dampf hinter diese Kampagne machen wird, und dass auch mehr und mehr "unparteiische"
Korrespondenten England besuchen werden. Das wird sich aeusserst ungluecklich auswirken, es sei denn, sie sind wirklich unparteiisch und sie haben die Moeglichkeit,

- 3 -

�einen wohlerwogenen Bericht ueber das abzugeben, was zu erfahren sie in der Lage
waren.
Es steht sehr viel auf dem Spiel. England ist einer der wichtigsten Schluessel
zum Wiederaufbau eines Nachkriegseuropa, aber dennoch sucht eine Anzahl Senatoren,
England daran zu hindern, sich die EGA-Gelder zunutze zu machen, weil manche englischen Industriezweige verstaatlicht worden sind. Die Vereinigten Staaten koennen
viel aus dem Sozialleistungs-Programm Englands lernen, und es ist daher von Wichtigkeit, Es waere also ein guter Gedanke, die Beschuldigungen, die man Grossbritannien
vorwirft, einmal sorgfaeltig zu pruefen. Es muss festgestellt werden, wer sie vorbringt und warum dies geschieht.
"The CIO News" No. % - 29.August 1949
GEWERKSCHAFTEN UND VERWALTUNG FUER EÜROPAEISGHE ZUSAMMENARBEIT (ECA)
Paul G. Hoffmann, der Administrator der ECA, hob am 5. Oktober auf einer Pressekonferenz in St. Paul, Minnesota, hervor, dass die nicht von den Kommunisten beherrschten Gewerkschaften immer einer der staerksten Faktoren fuer den Erfolg des
!v5arshall-Plans gewesen sind. Hoffmann hielt diese Pressekonferenz unmittelbar nach
seiner Rede vor der 68. Jahrestagung der A.F. of L. ab. Auch in seiner Rede zollte
Hoffmann dem zur ünterstuetzung des Wiederaufbauprograrans beigetragenen Anteil der
amerikanischen und europaeischen Gewerkschaftler seine Anerkennung. Sein Bericht
ueber die Entwicklung des Marshall-Plans wurde von den anwesenden Delegierten als
optimistisch angesehen. Hoffmann erntete langanhaltenden Beifall, als er seine
Rede mit den Worten schlos3:"Wenn wir, die freien Voelker der Erde, weiterhin zusammenarbeiten, uns gegenseitig helfen und zusammenstehen, koennen wir den Frieden
gewinnen. Und dieser Friede muss gewonnen werden."
Praesident Truman, der am Erscheinen verhindert war, sandte an die Delegierten
eine Botschaft. Er fuehrte darin unter anderem aus«
"In ihrem langen Bestehen ist die A.F. of L. in der Verfechtung der Rechte der
Lohnempfaenger und in deren Ünterstuetzung bei der Erlangung besserer und sicherer
Arbeitsbedingungen, groesserer sozialer Sicherheit sowie eines hoeheren Lebensstandards immer fuehrend gewesen."
Sondermi tte ilung
VERWALTUNG FUER EUROPAEISCHE ZUSAMMENARBEIT
(ECA) UND EIN STARKES WESTEUROPA.
Wenn es der Zweck des Märshall-Planes waere, ein Europa zu schaffen, das von
den Vereinigten Staaten wirtschaftlich ausgebeutet werden soll, muesste die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) auf zwei Ziele hinarbeiten« a) Sie
muesste versuchen, eine Steigerung der Indis trieproduktion in Europa zu verhindern
und b) ihren Einfluss dahingehend geltend machen, die zwischen den Staaten Europas
bestehende Trennung zu vertiefen. Auf beiden Gebieten trifft das Gegenteil zu.
Das Hauptziel der Verwaltung fuer Europaeische Zusammenarbeit (ECA) ist klar und
unmissverstaendlich in der folgenden Wiedergabe einer kuerzlich von ECA Administrator Paul G. Hoffmann gehaltenen Rede dargelegt worden«
"Ich moechte es ganz klar herausstellen, dass die ECA darauf abzielt, den
allgemeinen europaeischen Lebensstandard im Laufe ihrer vierjaehrigen Taetigkeit
nicht ueber den Vorkriegsstand von 1938 hinaus zu erhoehen. Diese Zielsetpung
hat bei allen Nationen, die Hilfe erhalten, Zustimmung gefunden, und infolgedessen
werden alle eingehenden Mittel, die nicht fuer die Unterhaltung eines mittleren
Lebensstandards erforderlich sind, fuer die Investierung in Kapitalgueter verwandtfuer Kraftwerke, neue Fabrikausruestungen, bessere Transportmittel und neue Industrien.

- U -

�"In einem Zeitraum von 12 Monaten, der am 30. Juni endete, investierte Europa
von einem Gesamtbruttoeingang von etwa IAO Milliarden Dollar mehr als 30 Milliarden
Dollar in Kapitalguetern. Dies liegt weit ueber dem Normalen, und es ist ein Teil
der Fruechte des Marshall-Plan-Aufbaus. Ein besonders gutes Beispiel dieses Entwicklungsvorganges ist die Tatsache, dass Norwegen heute 35? seiner Eingaenge an
Mitteln in Kapitalguetern, d.h. in Ausmästungen, anlegt, wodurch es so frueh wie
moeglich in der Lage sein wird, wieder auf eigenen Fuessen zu stehen.
Diese Investitionen in Kapitalguetern werden Europa bei der Erreichung hoeherer
Produktivitaet helfen, und das bedeutet, einen groesseren Produktionsausstoss je
geleisteter Arbeitsstunde, was ein wichtiger Schritt dahin ist, wieder ohne fremde
Hilfe auszukommen. Eine hoehere Produktivitaet erfordert bessere Maschinen, bessere
Methoden sowie eine bessere Einstellung sowohl auf Seiten der Arbeitgeber als auch
auf Seiten der Arbeiterschaft. Es ist keineswegs der Eigensinn der europaeischen
Arbeiterschaft, der die Produktivitaet in Europa niedrig haelt. Man moege sich der
Tatsache bewusst werden, dass hinter jedem amerikanischen Arbeiter 7 PS stehen gegenueber 2\ PS hinter einem europaeischen Arbeiter. Der Marshallplan traegt dazu bei,
PS und bessere Maschinen zur Verfuegung zu stellen« er traegt dazu bei, bessere
Methoden zugaenglich zu machen, und er foerdert ferner eine bessere Einstellung, die
die Produktivitaet der europaeischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erhoehen kann.
Und dies ist ein weiterer Teil der Fruechte, die der Marshall-Plan mit sich bringt.
"Hoehere Produktivitaet allein ist jedoch nicht die Loesung zu einer dauerhaften europaeischen Wiedergesundung. Europa muss unter allen ümstaenden einen erweiterten Absatzmarkt fuer sich gewinnen, damit die europaeische Industrie aus
einer Grossproduktion mit niedrigen Kosten Nutzen ziehen kann.
"Das bedeutet,_dass Europa in seinem eigenen Interesse unverzueglich zu einer
wirtschaftlichen Vereinigung gelangen muss, wodurch ein einheitlicher Absatzmarkt
mit 275 Millionen Verbrauchern geschaffen würde, fuer den die europaeische Industrie
und Landwirtschaft wirtschaftlich produzieren und auf dem die europaeischen Erzeuger
und Landwirte frei verkaufen koennten. Nur in einem solchen Rahmen kann Europa zu
einen hoeheren Lebensstandard gelangen."
ECA News Dispatch
CHIKAGOER DRÜCKER BEENDEN IHREN 22 MONATIGBN STREIK
Die Setzer, Mitglieder des Ortsausschusses 16 der Internationalen Typographen
Gewerkschaft (AFL) stimmten in dieser Woche der Beendigung ihres seit dem 24. November 1947 gegen 5 Chikagoer Tageszeitungen andauernden Streik zu.
Der seit 22 Monaten durchgefuehrte Streik zeichnete sich durch ausgedehnte
Gerichtsprozesse hinsichtlich streitiger Eihstellungsbestimmungen aus. Beide Teile
gaben ihrem Glauben Ausdruck, dass der neue Vertrag diese Streitfragen in Uebereinstimmung mit dem Taft-Hartley-Gesetz loesen wird. Nach der neuen Vereinbarung
bleibt der Ortsausschuss 16 der ausschliessliche Verhandlungspartner. Die Mitgliedschaft oder Nichtmitgliedschaft in einer Gewerkschaft ist nicht mehr bei der Einstellung und waehrend der Dauer der Beschaeftigung massgebend.
Die Typographen Gewerkschaft nahm eine woechentliche Lohnerhoehung von %, 1 0 . —
an, was den Arbeitern der Tagesschicht einen Verdienst von $ 95.50 je Arbeitswoche
von 36£ Stunden gewaehrt.
Es wurde eine Bestimmung in den Vertrag aufgenommen, die eine Wiederaufnahme
von Lohnverhandlungen durch einen der Partner nach dem 15. Juli 1950 vorsieht, und
die nach dem 15. Juli 1951 ausser Kraft tritt. Die Anwendung des photografischen
Schriftbildverfahrene (varitype-photo-engraving), das den Verlagen auch waehrend

-

5 -

�des Streiks die Herausgabe von Zeitungen ermoeglichte, ist verboten, sofern nicht
Streiks oder andere Arbeitsniederlegungen stattfinden. Der Typographischen Gewerkschaft wurde die organisatorische Zustaendigkeit fuer die Automaten-Setzer zugestanden. (Automaten-Setzmaschinen sind verhaeltniamaessig neu; das Setzen der
Typen geschieht automatisch.)
U.S. Dept. of Labor, Weekly Labor
News Digest, 21. September 1949
GEWSJK3CHAFTLICH NICHT ORGANISIERTE ARBEITER
BRAUCHEN KEINE BEITRAEGE ZU ENTRICHTEN
Vertragsbestimmungen, nach denen gewerkschaftlich nicht organisierte Arbeitnehmer verpflichtet werden, Abgaben zur "Unterstuetzung der fuer die Arbeitnehmer
als Vertragsverhandlungspartner auftretenden Organisation" zu entrichten, sind
nach dem Dafuerhalten eines Pruefers des National Labor Relations Board der Vereinigten Staaten (Nationale Behoerde fuer .irbeitgeber-.-trbeitnehmer-'.'echselbeziehungen) ungesetzlich.
Die Public Service Gesellschaft in Colorado und die Internationale Gewerkschaft
der Slektro-Arbeiter (AFL) haben nach dem Befund des Pruefers das Taft-Hartley-Gesetz verletzt, indem sie die Entlassung eines Arbeitnehmers wegen Nichtentrichtung
der "Unterstuetzungszahlung" bewirkt hatten. Die als ungesetzlich erkannte besondere Vertragsbestiramung zwang alle Arbeitnehmer, als Teil der Erfuellung des Arbeitsvertrages monatlich $ 2 . — an die Gewerkschaft zu entrichten, obgleich die
Arbeitnehmer nicht verpflichtet waren, der Gewerkschaft beizutreten.
Die Gewerkschaft begruendete die3e Abgaben damit, dass alle Arbeitnehmer,
da sie 3us der Verhandlungstaetigkeit Nutzen ziehen, gewillt sein sollten, einen
Teil der Kosten zu tragen, selbst wenn sie nicht Mitglieder der Gewerkschaft
werden wollen.
U.S. Dept. Of Labor, Weekly Labor
News Digest, 21. September 1949
INTERNATIONALE FACHABTE ILÜKGEN INNERHALB DES
WELTGEWERKSCHAFTSBUNDES.
Einleitung;
Die Errichtung internationaler Fachabteilungen beim Weltgewerkschaftsbund
wurde anlaesslich des zv/ischen dem 30. Juni und 10. Juli in Kailand stattgefundenen
Kongresses der vorerwaehnten Koerperschaft besprochen. Die Aussprache fand am
5. und 6. Juli statt.
Di Vittorio (CGIL), Praesident des Weltgewerkschaftsbundes, hob die Notwendigkeit hervor, Fachabteilungen zu errichten, um den Auswirkungen der Macht internationaler Trusts, die industriezweigmaessig zusammengeschlossen sind, entgegenarbeiten zu koennen. Er fuehrte aus, dass der Vorteil der Fachabteilungen auf der
latsache beruhe, dass sie den Ausdruck der Solidaritaet der i\rbeiterschaft der ganzen Welt auf der Grundlage von Industriezweigen foerdere, wie es bereits im Falle
der Sympathiestreiks der italienischen Seeleute fuer ihre kanadischen Kollegen
zum Ausdruck kam.
Er ruegte die Verzoegerung bei der Bildung der Fachabteilungen des Weltgewerkschaftsbundes vor Januar 1949 zwecks Einbeziehung der der Amsterdamer Internationalen Gewerkschaftsorganisation angeschlossenen Internationalen Fach-Sekretariate auf Betreiben der "Abtruennigen" (Britischer Gewerkschaftsbund, CIO und
Bollaendischer Gewerkschaftsbund). Diese Forderung "der Abtruennigen" haette
dor Weltgewerkschaftsbund unbeachtet lassen sollen, aber der Vorstand des WGB
wollte um jeden Preis seine Einheit bewahren.

- 6 -

�Nach Di Vittorio's Ausfuehrungen schlug der Weltgewerkschaftsbund im September 1949 die Aufhebung der vom Vorstandsbuero des WGB ausgearbeitete Bestimmung
vor^ wonach die Internationalen Fachabteilungen dem Vorstandsbuero unterstehen
sollten, und man entschied, es den Internationalen Fachabteilungen selbst zu ueberlassen, ihre Statuten unabhaengig vom Weltgewerkschaftsbund auszuarbeiten und sich
entsprechend zu entwickeln. Gleich nachdem die CIO, der Britische Gewerkschaftsbund und der Hollaendische Gewerkschaftsbund ihren Austritt erklaert hatten, nahm
der Weltgewerkschaftsbund seine Taetigkeit auf, um diese Abteilungen zu bilden,
und heute ist die Bildung im besten Werden begriffen.
Drei Fachabteilungen sind vor dem Mailaender Kongress errichtet worden und
weitere werden jetzt gerade gebildet, und zum Jahresende rechnet man damit, dass
zwoelf Fachabteilungen im Rahmen des Weltgewerkschaftsbundes ihre Arbeit aufgenommen ha^en werden.
Die vor Beginn des Mailaender Kongresses errichteten Fachabteilungen.
Im Verlaufe des Mailaender Kongresses erstattete der stellvertretende Generalsekretaer, Gebert, einen Bericht ueber Zusammenkuenfte der Internationalen Fachabteilungen, die bis zum Beginn des Kongresses stattgefunden haben. Er berichtete
ueber die folgenden Sitzungen«
1. Fachabteilung Metall.
Tagungsort« Turin, Italien.
62 Delegierte aus 17 Laendern, die 7.538.700
Mitglieder vertraten, nahmen daran teil.
2. Internationale Fachabteilung Leder und Rauchwaren.
Tagungsort; Qottwaldov (frueher Zlin) Tschechoslowakei.
36 Delegierte und 16 Beobachter aus 16 Laendern,
die 691.760 Mitglieder vertraten, nahmen daran
teil.
3. Internationale Fachabteilung Textll und Bekleidung.
Tagungsort; Lyon, Frankreich.
40 Delegierte und 22 Beobachter aus 11 Laendern,
die 3.115.400 Mitglieder vertraten, nahmen daran
teil.
Aus dem Bericht des Generalsekretaers ging hervor, dass die Internationale
Fachabteilung der Lehrer zwischen dem 11. und 16. August in Warschau, Polen, zusammenkommen werde. Nach dem Bericht wuerde der Organisationsausschuss der Internationalen Fachabteilungen Zusanmenkuenfte der folgenden Fachsparten vorbereiten;
Transport, Landwirtschaft und Nahrung, sowie Post-, Telefon-, Telegrafen- und
Rundfunk - Arbeiter.
Nach dem Mailaender Kongress errichtete Internationale rachabtellungen.
4. Internationaler Seeleute und Dockarbeiter Bund.
Die konstituierende Versammlung des Internationalen Seeleute und Dockarbeiter
Bundes wurde entsprechend dem Beschluss des Mailaender Kongresses des "Veltgewerkschaftsbundes am 15., 16. und 18. Juli 1949 in Marseille, Frankreich, abgehalten.
17 Nationen waren vertreten. Die Delegationen Polens, Jugoslawiens und Chinas
waren nicht in der Lage, daran teilzunehmen, da es ihnen nicht moeglich war, die
erforderlichen Visen zu erhalten. Eine Reihe von Bestimmungen fuer den Bund, ein
Programm und ein Manifest v.-urden beschlossen. Das Manifest war an d ie Seeleute
und Hafenarbeiter der ganzen Vifelt gerichtet und wurde von der Konferenz einstimmig
angenommen. Diese Organisation wird ihren Sitz in Marseille, Frankreich, haben.
5. Internationale Vereinigung der Gewerkschaften der Bau-Holz- und Baumaterial
Arbeiter.
Am 14., 15. und 16 Juli 1949 wurde die konstituierende Versammlung der Inter-

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�nationalen Vereinigung der Gewerkschaften der Bau-, Holz- und Baumaterial - Arbeiter in Mailand abgehalten. Der Vertreter des •Veitgewerkschaftsbundes, Di Vittorio,
richtete eine Ansprache an die Versanmelten. 600 Delegierte aus 15 .Laendern, die
27 nationale Organisationen der betreffenden einzelnen Industriezweige und damit
4.900.000 Mitglieder vertraten, nahmen daran teil. Eine Reihe von internen Bestimmungen wurde angenommen, und zum Sitz der neuen Organisation Twurde Helsinki, Finnland, bestimmt.
EGA European Labor Office, 15. September 1949
DIE EISENAHBEITER
Von J.H. Lyons, Praesident der Internationalen Vereinigung der Bruecken, Eisenbahnund Ziereisen-Arbeiter.
Die Internationale Vereinigung der Bruecken-, Eisenbau- und Ziereisen-Arbeiter
organisiert durch George W. Geary in Chikago im Februar 1896, in einer Epoche, wo
die Arbeitgeber die Gewerkschaftsvertreter, die sogenannten "wandelnden Delegierten"
von der Seite ansahen, und sie in vielen Faellen mieden, als waeren sie Aussaetzige hat im vergangenen halben Jahrhundert einen langen, schweren Weg gehen muessen.
Der Punkt wirtschaftlicher Stabilitaet den Faehigkeiten entsprechend ist nie^
mals von den Eisen-Arbeitern erreicht worden und duerfte auch niemals erreicht
werden, denn dies wuerde "Traumland" bedeuten, aber sie hatten staendige Fortschritte zu verzeichnen, und sie wollten, dass die ganze W*l£ es wusste, dass ihr Streben
niemals nachlassen wuerde.
Der Anfang war schwer
Die ersten Jahre der Taetlgkeit unserer Organisation sind ziemlich verschwommen, da die alten Unterlagen verloren gegangen sind. Als jedoch im Jahre 1901
etwa fuenfzig Delegierte als Vertreter von siebenundzwanzig oertlichen Gewerkschaftsvereinigungen zu ihrer Tagung anlaesslich des fuenfjaehrigen Bestehens der Gewerkschaft zusammenkamen, erkannten sie die Notwendigkeit gedruckter Berichte ueber
ihre gemachten Fortschritte. Sie gruendeten das "Magazin der Brueckenleute" als
das offizielle Organ der Internationalen Organisation, das monatlich herausgegeben
werden sollte.
üaehrend in den Anfaengen aller Gewerkschaftsbewegungen die Arbeiterschaft
mehr oder weniger stuermisch war, erkannten die Eisenarbeiter zur Jahrhundertwende,
dass ein friedfertiges und vernuenftiges Schlichtungswesen fuer Lohnangelegenheiten
und Arbeitsbedingungen die geeignete Methode war, die verfolgt werden sollte. Die
Bisenarbeiter waren mit die ersten, die Vertraege zur Verhinderung von Streiks oder
Aussperrungen gleichviel aus welchem Grunde, aushandelten, die gleichzeitig Vorschriften fuer die Schlichtung aller Streitfaelle enthielten.
Der urspruengliche Mitgliedsbeitrag der Organisation betrug 25jf im Monat.
Im Jahre 1902 wurde dieser auf 400 erhoeht, als auf dem Verbandstag entschieden
wurde, dass die Hauptfunktionaere der Gewerkschaft, fuer die Zeit., die sie im
Interesse der Mitglieder aufwenden, entschaedigt werden sollten.
Zu dieser Zeit war die Finanzlage der Gewerkschaft tatsaechlich unguenstig
und in sehr vielen Faellen waren die internationalen Funktionaere gezwungen, Ausgaben im Dienste der Gewerkschaft aus ihrer eigenen Tasche zu bezahlen.
Zu dieser Zeit arbeiteten die Mitglieder neun und zehn Stunden am Tag», und
sechs Tage in der n.roche fuer 50tf pro Stunde. Einer der ersten Fortschritte, der
der Organisation zu verdanken war, war die Sicherstellung von regulaeren Stundenlöhnen fuer die Leute dieses Gewerbes anstelle von Akkordloehnen, die zur Zeit
des Aufbaues der Gewerkschaftsorganisation weitestgehend vorherrschend waren.

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3 -

�Gleichzeitig wurde der Achtstundentag endgueltig eingefuehrt, ebenso wie der freie
Sonnabendnachmittag und anderthalbfache Bezahlung fuer Ueberstunden.
Arbeit und Arbeitsschutz.
Die verschiedenen Arbeitsklassifizierungen fuer Eisenarbeiter schliessen
ausser den urspruenglichen Bruecken- und Bau- Branchen des Gewerbes die Ziereisenarbeiter, die Fabriken, die Stahlprofilteile herstellen, die von den Eisenbauarbeitern verbaut werden, die Verstaerkereisenleute,die Steinkranleute, die
Takler und die Maschinenschwerarbeiter, die Marine-Takler und Schweisser ein.
In jener Anfangszeit wurde dieArbeit der Eisenarbeiter als die gefährlichste
aller Berufe angesehen, und sie nimmt bis auf den heutigen lag einen Platz an der
Spitze dieser Kategorie ein. Die erschnaekenden Unfaelle jener Tage, als die
Eisenarbeiter noch auf schmalen Eisentraegern auf die im Bau befindlichen Wolkenkratzer hinaufklettern mussten und wo nichts vorhanden war, was einen zehn oder
fuenfzehn Stockwerke tiefen Fall haette aufhalten koennen, stellten die Leute
unseres Handwerkszweiges vor ein weiteres Problem groesster Bedeutung.
Unsere Funktionaere gingen sofort an die Arbeit, um diese Bedingungen zu erleichtern. Mit der faehigen Mithilfe anderer Handwerkszweige, von Arbeitsschutz
Ingenieuren und Versicherungsfachleuten bewogen die Etsenarbeiter schliesslich die
Gesetzgeber der einzelnen Staaten dazu. Sicherheitsvorschriften zum Schutze der
Arbeiter in Kraft zu setzen. In erster Linie wurde ein Bohlenboden fuer jedes
vierte Stockwerk eines Gebaeudes vorgeschrieben, jedoch wurde diese Vorschrift
spaeter dahingehend geaendert, dass nicht mehr als zwei Stockwerke oder eine Maiimalhoehe von 25 Fuss offen beziehungsweise unbedeckt bleiben darf. In *n vergangenen Jahren sind viele andere Sicherheitsvorschriften zum Schutze unserer Leute erlassen worden.
Die Unfall- und Todesrate ist aber immer noch zu hoch, und vermehrte Sicherheitsmassnahmen sind und werden immer das Hauptziel sein, nach dem wir streben.
Ueber einen gewissen finanziellen Schutz gegen diesen beunruhigenden Einfluss
des Zufalls wird von den Anfaengen des Zwanzigsten Jahrhunderts berichtet. Als
das Gewerkschaftsvermoegen einen Stand erreicht hatte, der solche Massnahmen
rechtfertigte, wurden ein Sterbegeldfond sowie ein Altersunterstuetzungsfonds
errichtet. Dies wurde von Jabrestagung zu Jahrestagung verbessert mit dem Ergebnis, dass die Mitglieder der Internationalen Vereinigung der Bruecken-, Eisenbauund Ziereisen- und Arbeiter heutzutage wesentliche Sterbegeld- oder Pensionszahlungen bei Gebrechlichkeit im Alter erhalten.
Vereinbarungen der Gewerkschaften.
Mit an erster Stelle in ihrem Arbeitsprogramm im Interesse der Mitglieder
steht fuer die Funktionaere der Eisen-Arbeiter der Abschluss von oertlichen und
internationalen Vereinbarungen.
Die oertliche Vereinbarung wurde und wird, wie schon ihre Bezeichnung besagt,
zwischen den interessierten oertlichen Gewerkschaftsorganisationen und den in ihrem
Gebiet ansaessigen Arbeitgebern ausgehandelt, die allerdings in jedem Falle von
der internationalen Organisation bestaetigt werden muss. Die internationale Vereinbarung, die jene Arbeitgeber umfasst, deren Geschqeftsbereich auf zwischenstaatlichem Gebiete liegt, hat sich als eine der groessten Wohltaten fuer die
in der Bauindustrie beschaeftigten Arbeitnehmer und Arbeitgeber erwiesen. Allen
interessierten Beteiligten wird voller Schutz gewaehrt, wobei es dem Bauunternehmer gestattet ist, ein wohl durchdachtes und genaues Angebot fuer die von ihm
zu vergehenden Arbeiten herauszugeben, waehrend eine solche Vereinbarung den Ar-

- 9 -

�beitern dank der in allen Staaten aufgestellten einheitlichen allgemeinen Arbeitsbedingungen die Sicherheit eines fairen Lohnes fuer ihren Arbeitsaufwand gewaehrleistet.
Dank an einen Gewerkschaftsfuehrer.
Es wuerde eine arge Nachlaessigkeit meiner Pflichten bedeuten, wenn Ich bei
dem geschichtlichen Bericht ueber die Taetigkeit unserer Organisation versaeumen
wuerde, dem Presidenten Emeritus P.J. Morrin die volle Ehre, die ihm zukommt, zu
erweisen, denn es war in der Zeit seiner dreissigjaehrigen Praesidentenschaft in
der Gewerkschaft der Eisenarbeiter - von 1918 bis 1948, als er zuruecktrat - dass
unsere Gewerkschaft die groessten Fortschritte erzielte.
Er war es, der in seinem Bekenntsnis zu den Grundsaetzen wahrer Demokratie
fuer die Einrichtung einer Tagungskasse sorgte, die es jeder oertlichen Gewerkschaft ermoeglicht, ohne Ruecksicht auf ihre Groesse oder ihre finanzielle Lage
die ihr zustehende Zahl Delegierter zu jeder Tagung zu entsenden, um ihre Wuensche
zum Ausdruck zu bringen und bei Abstimmungen der Meinung ihrer Auftraggeber Ausdruck zu verleihen. Diese Kasse ist fuer die Deckung der Reisespesen und Tagegelder jedes ordnungsgemaess fuer die Tagungen gewaehlten und berechtigten Delegierten
bestimmt und sie ist stets als Ausdruck des starken Glaubens der Gewerkschaftsleitung an das demokratische Mehrheitswahlprinzip angesehen worden.
Als Kollege Morrin sein Amt als Fuehrer der Eisenarbeiter antrat, bestand
die Mitgliedschaft aus etwa 18.000 Anhaengern, die sich auf 100 oertliche Gewerkschaftsorganisationen verteilten. Der Kassenbestand belief sich auf etwa 100.000$
Heute kann sich die Organisation stolz ruehmen, 100.000 Mitglieder in 300 oertlichen
Gewerkschaftsorganisationen mit einem entsprechenden Kassenbestand fuer sich verbuchen zu koennen.
Kollege Morrin's Ausdauer im Laufe der dreissig Jahre, in denen er Praesident
war, schaffte in den Annalen der Gewerkschaftsbewegung beinahe einzig dastehende
Bedingungen. Achtundneunzig Prozent der Bauunternehmen im gesamten Bundesgebiet der Vereinigten Staaten sind als fair bekannt und beschaeftigen nur Gewerkschaftsmitglieder. Waehrend die Eisenarbeiter es zu gewissen Zeiten tfuer notwendig erachtet haben, das Mittel des Streiks anzuwenden, wurde der Streik niemals
als eines der zur Verfuegung stehenden Mittel angewandt, sondern nur als letzte
Zuflucht. Die Schlichtungspolitik der Gewerkschaft, die vor vielen Jahren so
ausgezeichnet festgelegt worden war, wird zumindest so lange Vorrang gegeben werden wie die gegenwaertige Fuehrung am Ruder ist.
Zukunftsaussichten der Gewerkschaft.
?/aehrend meine eigene Amtstaetigkeit erst von verhaeltnismaessig kurzer
Dauer ist, habe ich ehrgeizige Plaene im Interesse der Eisenarbeiter geschmiedet.
Ich "hoffe, in den kommenden Monaten meiner leitenden Taetigkeit zahlreiche Verbesserungen schafften zu koennen, und ich werde mein Versprechen, das ich dem
Hauptvorstand zur Zeit meiner Y.rahl gegeben habe, einloesen, nichts unversucht zu
lassen, um die wirtschaftliche Lage unserer Mitglieder zu verbessern, solange
ich Hauptvorsitzender bin.
Ich hoffe persoenlich, den Tag zu erleben, wo die Fragen der Organisationagebiete, die fuer viele, viele Jahre ein Hindernis fuer das Wohlergehen des Baugewerbes gewesen sind, freundschaftlich und fair zur Zufriedenheit aller Beteiligter Kreise geloest werden. Ich werde alle mir zur Verfuegung stehenden
Mittel einsetzen, um dieses Ziel zu erreichen.

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-

�Unseee Gewerkschaft setzt jetzt einen Auftrag, den sie auf unserer letzten
Tagung erhalten hatte in die Tat um. Auf dieser Tagung haben sich die Delegierten
einstimmig dafuer ausgesprochen, eine Regelung fuer die Zahlung von Alterspensionen an alle hauptamtlichen Funktionaere, Organisationeleiter und Arbeitnehmer,
die bei den Hauptverwaltungen angestellt sind, zu erlassen, und ich hoffe, im
Laufe der Zeit eine Anzahl weiterer Verbesserungen fuer die Hitglieder und fuer
unsere Gewerkschaftsorganisation durchfuehren zu koennen.
American Federationist, Juli 1%9
AMERIKANISCHER Gg^EHKSCHAFTSFÜKKTIONASR
BESUCHT ITALIENISCHEN BETRÜBE.
Der Vorsitzende des Community Service Committee der CIO, Irvin Abramon,
berichtete heute, dass die aus von den Vereinigten Bekleidungsarbeitern der CIO
zur Verfuegung gestellten Mitteln in Italien errichtete Bekleidungsfabrik "die
modernsten Einrichtungen besitzt, die ich je gesehen habe, einschliesslich
Jener in Amerika".
Abramon, der in der vergangenen '.'.'oche nach den Vereinigten Staaten zurueckkehrte, nachdem er fuenf VJochen in Italien verbracht hatte, um die in Carrara
gelegene Fabrik beim Aufbau sozialer Einrichtungen zu unterstuetzen, fuegte ergaenzend hinzu, "der Betrieb ist einzigartig, denn er besitzt eine Kantine,
eine Klinik, Erste Hilfe-, Gesundheits- und Vfohlfahrtseinrichtungen, FluoreszensLicht sowie eine Klimaanlage. Die Betriebsanlagen liegen inmitten von Gemuesegaerten und Obstplantagen fuer die Arbeiter." Abramon sagte, dass die fuer
500.000 Dollar erstellte Bekleidungsfabrik aus Mitteln der Bekleidungsarbeiter
der Vereinigten Staaten errichtet wurde, und ausserdem stellte das Community
Service Committee der CIO 29.000 Dollar durch die YüfCA fuer die Durchfuehrung
des YJohlfahrtsprogrammes zur Verfuegung.
Rundfunk-Verlautbarungen des State
Department vom 2U. August 1^9
BODENGEWXBN DER FREIEN GEWERKSCHAFTEN
IN LATEIN-AMERIKA
Die Gewerkschaftsbewegung der meisten latein-amerikanischen Laender sind
frei von kommunistischen Einfluessen, und ihre demokratischen Gewerkschaften machen
ermutigende Fortschritte. Dies wird in einem Bericht von Delegierten der AFL und
der Eisenarbeiter zum Ausdruck gebracht, die von einer Konferenz des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes in Havanna auf Kuba zurueckgekehrt sind.
A.E. Lyon, geschaeftsfuehrender Finanzsekretaer der Vereinigung der Sisenbahn-Gewerkschaftsfuehrer, der an der Konferenz als Delegierter teilnahm, arbeitete
in einem Ausschuss, der ein weitlaeufiges 'Virtschaftsprogramm formulierte, das eine
intensivierte Industriealisierung Latein-Amerikas und den Schutz der Rechte der
Arbeiter verlangt. Diese Empfehlungen sind grundsaetzlich vom Bunde angenommen
worden. Ebenso wurde von der Konferenz eine nachhaltige Mitgliederwerbung zur
Organisierung von Arbeitern in "unentwickelten" Laendern gebilligt, wo die Gewerkschaftsbewegungen noch in den Kinderschuhen stecken.
Es wurd* die Schaffung eines "Menschenrechtstribunals" von den Delegierten
vorgeschlagen, welches Faelle von Einzelnen oder Gruppen behandeln soll, die von
Militaer-Diktaturen verfolgt ;verden, welche in verschiedenen latein-amerikanischen
-

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-

�Laendern an der Macht sind. Der AFL wurde eine Anerkennung fuer ihre Anstrengungen zum Schutze der Arbeiter der.Panama-Eanal-Zone gegen Lohn- und Arbeitsplatzzuruecksetzungen ausgesprochen.
Unter den fuer einen Rat gewaehlten Vertretern, die jaehrlich zusammenkommen worden, befinden sich auch Lyon und Roy Brown, Vize-Praesident der Internationalen Vereinigung der Maschinenarbeiter.
Bernada Ibanez, der Fuehrer des Chilenischen Gewerkschaftsbundes würfle v.-iederum zum Praesidenten gewaehlt. Francisco Aguirre, ein kubanischer Gewerkschafts fuehrer, wurde zum Generalsekretaer des Interamerikanischen Bundes
benannt.
U.S. Department
''Jeekly Labor Ne-vs Digest
28. September 1%9

-

llanpov.-er Division
Ol'SGUS, APD 757

( neos, » - )i]o t iAr, oot. u?, l* « )

12 -

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
IM« folgenden Artikal atallaa Auszüge aua dar amarlkaalachaa Praaaa und aadaraa Qaallaa dar und dlaaaa
dar Information dautachcr Radaktanra, dar Gawarkachaltaa, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von dlaaam Material kaaa uneingeschränkt Gebrauch gemacht wardaa.
Weitere Exemplare können koataaloa bei
Office oi Labor Affaira
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert wardaa. Aal Wunsch wardaa dlaaa auch einzelnen Interessenten direkt durch die Poat zugeleite«.
Dar Iahalt dar „Arbeitsmitteilungen" lat nicht ala offizielle Meinung oder Stellungnehme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - %

Berlin, 28. Oktober 1949

IN

H A L T S V B R Z E I C H N I S

Botschaft ueber den europaeisehen Wiederaufbau
an die A.F.L.
Maschinen und Arbeitaplaetze

2
—

4

Carey beschuldigt die Delegierten entgegen den
Anweisungen gestimmt zu haben

7

Die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Arbeiterschaft und Arbeitgebern

7

Der Praesident des britischen (Jewerkschaftsbundes
(TdC) Lawther sagte;

10

Beilegung des Dockarbeiter-Streiks in Honolulu

10

Premierminister Attlee sagte - - - - - - - - - - -

11

�BOTSCHAFT UEBER DEN EUROPAEISCHEN WIEDERAUFBAU
AN DIE A.F.L.
Ausführungen des Botschafters W. Avereil Harriman, Sonderbeauftragter der
Vereinigten Staaten in Europa. Verlesen auf der 68. Tagung des Amerikanischen
Gewerkschaftsbundes (A.F.L.) in St. Faul, Minnesota, USA.
Es ist fuer mich eine aufrichtige Snttaeuschung, dass ioh in diesem Jahre
nicht gemeinsam mit Ihnen die grosse Tagung der A.F.L. besuchen kann. Ich hatte
mich darauf vorbereitet, der warmen und herzlichen Einladung des Herrn Presidenten Green zu entsprechen und, genau wie Im vergangenen Jahre, ueber den Ozean
zu kommen, um an Ihrer Tagung teilzunehmen, um Ihnen ueber die Fortschritte des
Europaeischen Wiederaufbau Programms zu berichten. Aber unter dem Druck der sich
schnell entfaltenden Ereignisse bin ich genoetigt, jetzt in Europa zu bleiben.
Heine Botschaft an Sie und an die Millionen amerikanischer Arbeiter, die Sie
vertreten, ist in erster Linie eine persoenliche Wertschaetzung der A.F.L., fuer
ihre so wichtige Initiative und ihre unablaessige Unterstuetzung des Europa-Hilfe
Programms. Ihre Organisation hat bis heute wesentlich zum Erfolg der MarshallPlan-Verwaltung beigetragen. Sie hat den Arbeitern in Europa auch die Versicherung
gegeben, dass die Hilfe der Vereinigten Staaten beim Aufbau Suropas die entschlossene Unterstuetzung der amerikanischen Gewerkschaften geniesst, und dass sie bis
zu ihrem Abschluss mit voller Billigung der Arbeiterschaft durehgefuehrt werden
wird.
Aber das Ausmass Ihrer gewerkschaftlichen politischen Voraussicht ist sogar
noch groesser, denn Sie, die amerikanische Arbeiterschaft, hat in vollem Umfange
die Verantwortung fuer die Zukunft auf sich genommen und unserer Aussenpolitik
auch ueber das Wiederaufbauprogramm hinaus ihre Unterstuetzung gewaehrt.
Fuer die Sicherheit der Welt
Unser Volk hat sich der Aufgabe gewidmet, der Welt Sicherheit zu geben.
Amerika hat sich mit anderen freiheitsliebenden Voelkern zusammengeschlossen,
um dieses Ziel zu erreichen. Um dem Ansturm und dem Druck jener Kraefte zu
widerstehen, die auf Aggression und Zerstoerung der Freiheit aus sind, muss da»
Gebaeude eines anhaltenden Friedens in einer stabilen Welt errichtet werden. Es
kann nur durch die Erzielung wirtschaftlicher Stabilltaet - die nur durch wirtschaftliche Zusammenarbeit der Voelker moeglich ist - erreicht werden, den Weltfrieden dauerhaft zu sichern.
Das Europaeische Wiederaufbau-Programm ist der Schluesselstein im Gebaeude
des kuenftigen Friedens. Wie weit ist es uns gelungen, es zu gestalten und es
in das Vorhaben der Demokratien zur Sicherung der Welt einzubauen.
In den ersten anderthalb Jahren seines Bestehens hat das ERP den teilnehmenden europaeischen Laendern geholfen, sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf herauszuziehen, in den sie durch die Geschehnisse des Letzten Krieges geraten waren und
in dem sie festgehalten wurden. Aber das ERP* hat sogar noch mehr getan als das.
Es hat diesen Voelkern den VJeg zu gegenseitigem Beistand und staendiger Zusammenarbeit gewiesen, ohne die die europaeische Wirtschaft nicht wieder aufgebaut
werden und ohne die Europa niemals gedeihen kann.
Wie sieht es nun mit den noch vor uns liegenden zweiundeinhalb Jahren des
ouropaeischen Hilfsprogramms aus. Kann es Erfolg haben. Ist es ihn wert. Der
Hauptzweck unserer Hilfe beim europaeischen Wiederaufbau ist es, Europa immer
mehr zur Unterstuetzung aus eigener Kraft zurueckzufuehren. Ich vertraue darauf,
dass das Wiederaufbauprogramm dieses Ziel erreichen wird. Und der Masstab seines
-

2

-

�Erfolges wird der Umfang sein, In welchem Buropa nicht mehr von amerikanischen
Geschenken abhaenglg Ist. Gleichzeitig wird auch der Masstab seines Erfolges
der Umfang sein, In welchem Buropa und Amerika gegenseitig zahlende Kunden
werden.
Buropa muss sich aus eigener Kraft unterhalten koennen
Die Weltsicherheit Ist unmoeglich ohne ein starkes Buropa, das sich selbst
erhalten kann. Buropa kann sein Selbstvertrauen nicht ohne den vollen Umfang
der BOA Hilfe erlangen. Andererseits kann Buropa nicht allein durch die BGA
Hilfe dazu gebracht werden, sich selbst zu erhalten. In desgleichen Masse, wie
die wirtschaftliche Unterstuetzung von unserer Seite verringert wird, muss der
normale gesunde Handel zwischen Amerika und Buropa an Umfang zunehmen.
Die Normalisierung, die wir in der Nachkriegszelt in unserem eigenen Lande
erfahren haben, hat bewiesen, dass sie weit weniger sehmerzhaft war als vorausgesagt und erwartet. Dieser Normalisierungsprozess ist noch nicht ganz beendet.
Aber wir koennen unsere Wirtschaft in Amerika ausreichend staerken und stabilisieren, um in der Lage zu sein, Kraeften der Unausgeglichenheit zu widerstehen, sobald
wir die Bedeutung unserer neuen Stellung in der Weltwirtschaft erkannt haben und
danach handeln.
Der Fortschritt der Stellung Amerika's in der Welt seit dem Ausbrauch des
letzten Krieges entbehrt nicht der Wunder. Wir stehen heute da als ein Volk, das
fast die Haelfte aller auf der Welt erzeugten Gueter produziert. Wenn wir weiter
Fortschritte machen und eine schmerzhafte Krise vermeiden wollen, muessen wir ganz
begreifen, dass diese neue fuehrende Stellung auch neue Verantwortung mit sich
bringt. Wir muessen in weit groesserem Umfange als Je zuvor mit unserem Handel
von der Aussenwelt abhaengen; viel mehr als Je in der Vergangenheit wird das
Anwachsen und die Ausdehnung wirtschaftlicher Taetigkeit in anderen Laendern die
Quelle unserer Beschaeftigung und des Gedeihens in unserem eigenen Lande sein.
Wirtschaftliche Stabilitaet kann in den Vereinigten Staaten nur in einer
stabilen Unweit erzielt werden. Die Stabilitaet der Welt ausserhalb der Vereinigten Staaten haengt von unserer Faehigkeit ab, mit anderen Voelkern auf der
Grundlage der Gegenseitigkeit zu verkehren und Handel zu treiben. Um in der Lage
zu sein, zu exportieren, muessen wir auch importieren. Falls wir diese Verpflichtung versaeumen, muessen wir auch die Folgen eines Zusammenbruchs, der unvermeidlich eintreten wuerde, tragen.
Das HRP ist ein Programm fuer die arbeitenden Menschen
Das Europaeische Wiederaufbau Programm ist immer in sehr weitem Masse auch
ein Programm fuer die arbeitenden Menschen gewesen. Bei der Unterstuetzung der
europaeischen Laender zur Erzielung einer wirtschaftlichen Wiedergesundung aus
eigener Anstrengung heraus hat es die Regierung der Vereinigten Staaten niemals
versaeumt, auf Jene Rolle nachdruecklich hinzuweisen, die die Lohn-Empfaenger bei
dieser Wiedergesundung spielen muessen, auf den Anteil der Arbeiter an dem Mutzen
der Wiedergesundung und auf den Beitrag der freien und demokratischen Gewerkschaften zu den Wiederaufbauplaenen und deren Ausfuehrung. Die Marshall-Plan Verwaltung war nur deswegen in der Lage, erfolgreich BU arbeiten, weil sie auf die
Unterstuetzung von Gewerkschaftlern aus Ihrem Funktionaerkoerper zurueckgreifen
konnte, denen Stellungen mit hoechster Verantwortung innerhalb der Marshall-Plan
Verwaltung uebertragen worden sind.
Einer der lebenswichtigen Dienste, die die Marshall-Plan Verwaltung leistet,
ist die Nachrichtenuebermittlung an die Arbeiter Europas ueber die Lebens- und
Arbeitsbedingungen sowie das "Erachten der Arbeiter in unserem Lande. Ich sehe
diese Erziehung zur 'Wirtschaftsdemokratie als entscheidend fuer ein erfolgreiches

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�Gedeihen einer wahren Demokratie in Europa an. Die Information der Arbeiterschaft
steht an erster Stelle, wem? ein Band der Verstaendigung zwischen Amerika und
Europa geknuepft werden soll. Hiexitn war Ihre Gewerkschaftsorganisation immer
tatkraeftig, - und ich vertraue darauf, dass sie es auch weiterhin bleiben wird,
um auf das Gelingen unserer groesseren Aufgabe hinzuarbeiten, die auf der Anerkennung der Gewerkschaftsbewegung als die dynamische Kraft beruht, ohne deren Antrieb eine Demokratie nicht weiterleben kann.
Die Gewerkschaftsbewegung in Amerika hat sich zu einem vollwertigen Partner
bei der Gestaltung und Ausfuehrung der Aussenpolitlk unseres Volkes entwickelt.
Ich moechte, dass die Welt von der weitreichenden Bedeutung dieser Tatsache weiss
und sie versteht. Und ich moechte Ihnen sagen, wie ausserordentlich dankbar ich
fuer die Art und Weise der Fuehrung der A.F.L. und ihren Beitrag am Aufbau einer
Welt bin, die vor dem Krieg sicher ist, einer Welt, in der der Mensch frei sein
kann.
EGA Labor Information, 20. Oktober 1949
Der nachstehende Artikel von Clinton S. Golden gruendet sich auf eine
Ansprache, die er vor zwei technischen Studiengruppen aus Gross-Britannien
gehalten hatte, die auf ihrer Reise nach den Vereinigten Staaten zum Studium amerikanischer Methoden zur Foerderung der Produktivitaet am 5.. Oktober 1949 in New Tork zusammenkamen. Mr. Golden, ein Veteran der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, ist einer der beiden Berater fuer Arbeitsfragen '
bei Paul G. Hoffmann, den Administrator fuer den Marshall-Plan.
MASCHINEN UND ARBEIT3PLAETZE
In der Regel sind amerikanische Arbeiter nicht gewillt, mehr Energie aufzuwenden fuer die Erledigung ihrer Arbeit als unbedingt erforderlich, Wo immer
moeglich ueberlassen sie die Last physischer Anstrengungen entweder Maschinen
oder mechanischem Werkzeug. Diese Einstellung hat nicht immer bestanden. Es
trifft ächon zu, dass wir im- Laufe der Entwicklung der Industrie in den Vereinigten Staaten ruecklaeufige Perioden mit ziemlich umfangreicher Arbeitslosigkeit zu verzeichnen hatten. Allgemein ausgedrueckt gab es, wenn solche Perioden
eintraten, ausgedehnte Diskussionen ueber "die Ueberproduktlon, die die Ursache
fuer den Niedergang unserer Industrien sowie die daraus sich ergebende Arbeitslosigkeit ist."
Es ist deshalb ganz natuerlich, dass in den frueheren Perioden unserer industriellen Entwicklung EntsChilessungen von Seiten der Gewerkschaften zum Protest
gegen die Einfuehrung von arbeitssparenden Mitteln erschienen.
Die Einstellung der Arbeiter
Zwei wesentliche Entwicklungen haben stattgefunden, die dazu neigten, ion
durch die Einfuehrung arbeitssparender Maschinen entstehenden Schock zu daempfen
und gleichzeitig die Einstellung der Arbeiter und ihrer Organisationen gegenueber
der Einfuehrung solcher Maschinen zu aendern.
Die erste dieser Entwicklungen ist die verbleitnismaessig neu eingefuehrte
Arbeitslosenversicherung, die die arbeitslosen Industriearbeiter in die Lage versetzt, einen in den einzelnen Staaten verschieden hohen Prozentsatz ihrer vorherigen Bezuege fuer Zeitraeume, die zwischen 26 Wochen und einem Jahr liegen, in
Anspruch zu nehmen.
Die zweite ist die wachsende Erkenntnis auf Seiten der Arbeiter, dass, wenn
auch die arbeitssparenden Maschinen eine voruebergehende Entfernung der Arbeiter
von ihren Arbeitsplaetzen, an die sie sich gewoehnt hatten, zur Folge haben, die
Einfuehrung solcher Ausruestungen auf lange Sicht betrachtet tatsaechlich mehr
Arbeitsplaetze schafft. Dies war zumindest Immer unsere Erfahrung hier in den

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�in den Vereinigten Staaten. Die durch die Einfuehrung der Maschinen neu geschaffenen Arbeitsplaetze werden oftmals in jenen Industrien angetroffen, die diese
Maschinen oder Hilfsmittel herstellen oder reparieren. In vielen Industriezweigen hat es die Einfuehrung staerker mechanisierter Hilfsmittel ermoeglicht, mehr
Ware zu niedrigeren Preisen herauszubringen. Dieser niedrigere Preis hat dann
das Produkt in eine Preisgruppe mit einem wesentlich groesseren Kaeuferkreis gebracht. Wegen dieser erhoehten Nachfrage hat sich dann der betreffende Industriezweig vorgroessert und viel mehr Arbeitnehmer eingestellt als je durch Aufnahme
neuer Maschinen arbeitslos geworden sind.
Maschinen und Schwerarbeit.
Eine dritte.wesentliche Entwicklung ipt mit jenen, die ich oben erwaehnt
habe, verknuepft, Mit dem Anwachsen der Mitgliedschaft in den Gewerkschaftsorganisationen, besonders im vergangenen Jahrzehnt, haben die Arbeiter neues Vertrauen in ihre Faehigkeit gewonnen, wirksam und konstruktiv mit den Arbeitgebern hinsichtlich der Auswirkung solcher mechanischer Hilfsmittel auf ihre Arbeitsplaetze,
Beschaeftigungsgelegenheiten, Loehne und Arbeitsbedingungen zu verhandeln.
Ich moechte noch gern darauf hinweisen, dass die Zahl der in der Industrie
beschaeftigten vollkommen ungelernten Handarbeiter, die koerperliche Arbeit verrichten, bestaendig abgenommen hat, waehrend auf der anderen Seite die Einfuehrung
der Maschinen den Erwerb und die Entwicklung neuer und besonderer Fertigkeiten
in Bezug sowohl auf die Produktion als auch auf die Bedienung der arbeitssparenden oder "Arbeiter ersetzenden" mechanischen Hilfsmittel erforderlich machte.
Die Arbeitsplaetze haben somit die Tendenz bekommen, weniger koerperliche Arbeit
zu beanspruchen, und sie werden damit fuer die Arbeiter und das Maschinenbedienungspersonal interessanter.
Mit all diesem haengt ein sehr wichtiger psychologischer Faktor zusammen.
Das Bedienungspersonal der mechanischen Hilfsmittel erwirbt sich offenbar einen
Sinn fuer persoenliche Befriedigung und vielleicht auch fuer groessere persoenlicht Bedeutung als Ergebnis der Bedienung der mechanischen Hilfsmittel anstelle
der schweren Handarbeit.
Gewerkschaften beguenstigen maschinelle Entwicklung
ljö)ti moechte gern kurz auf die Art und Weise eingehen, in der der Schock
auf die Arbeitsplaetze, der sich in einigen Eaellen aus der Einfuehrung solcher
Hilfsmittel ergibt, behandelt wird. Unsere Gewerkschaften beguenstigen heute
im grossen und ganzen die Einfuehrung jedweder neuer mechanischer Hilfsmittel,
die die Lasten oder die Handarbeit der Menschen erleichtern koennen. Wenn dies
die Entlassung von mehreren niedrig bezahlten ungelernten Arbeitern und die
Schaffung eines Arbeitsplatzes, sagen wir, fuer einen gut ausgebildeten Kranfuehrer bedeutet, koennen Vorkehrungen getroffen werden, um auf dem ueblichen
Wege der Kollektiv-Verhandlungen andere Arbeitsplätze fuer die entlassenen ungelernten Arbeiter zur Verfuegung zu stellen, Auf die Merkmale der Vorschriften
üeber das Dienstalter der meisten Kollektiv-Vereinbarungen wird aus wichtigen
Gruenden Bezug genommen, und sie werden in steigendem Masse zur Loesung derartiger Probleme angewandt.
Ich denke dabei an ei n Unternehmen, das, wie wir es nennen, auf dem Gebiete
der Stahlerzeugung arbeitet und als "veralteter Betrieb" bezeichnet wurde. Die
Betriebsmittel waren veraltet, die Betriebsunkosten waren hoch, und die Firma
hatte vor dem letzten Weltkrieg mit zunehmenden Schwierigkeiten zu kaempfen, um
konkurrenzfaehig zu bleiben und ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Eine allgemeine
Stimmung der Furcht und der Ungewissheit herrschte unter den fast 5.000 Arbeitnehmern. Sie fuehlten instinktiv, dass sich das Unternehmen entweder modernisieren muss oder seine Abnehmer verlieren wird. Seinerzeit konnten sie nicht auf

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�ihre Faehigkeit vertrauen, andere Stellen, besonders innerhalb ihrer eigenen
Gemeinde, in der sie tief verwurzelt waren, zu finden.
Es wurden viel Vermutungen darueber angestellt, was wohl das Unternehmen
in der Zukunft tun wird. Die Geschaeftsleitung sah sich der Notwendigkeit gegenueber, eine endgueltige Entscheidung zu treffen, und zwar entweder a) den Betrieb
zu schliessen und zu liquidieren, oder b) eine Geldanleihe aufzunehmen, um die
Betriebseinrichtungen zu modernisieren. Die erste Alternative waere natuerlich
ein Unheil fuer die Belegschaft gewesen. Die zweite bot die Moeglicbkeit, wenigstens einige Arbeitsplaezte zu erhalten, aber niemand wollte entlassen werden.
Ein Beispiel der Zusammenarbeit.
Nachdem die Entscheidung getroffen worden war, mit der Modernj.sierung der
Betriebsausruestung zu beginnen, drangen die Gewerkschaftsvertreter bei der Betriebsleitung darauf, sie zuerst in's Vertrauen zu ziehen ufid ihnen die Plaene.
der Gesellschaft so weit wie moeglich in's einzelne gehend auseinanderzusetzen.
Als naechstes wurde vorgeschlagen, eine Studie ueber das Alter der Arbeilyiehmer
anzustellen, was vorher noch nie geschehen war - und zwar im Hinblick auf eine
den Tatsachen Rechnung tragende Entscheidung ueber die Zahl derer, die im kommenden Jahre in den Ruhestand versetzt werden sollten, auch wegen ihres Alters. Die
Gewerkschaftsvertreter drangen darauf, dass die Geschaeftsleitung eine Studie ueber
die Fluktuation oder das "Kuendigungsvolumen" anstellt, um auf Grund der Erfahrung
aus der Vergangenheit festzustellen, wie viele Leute pro Jahr aus der Firma ausgeschieden sind. Als Naechstes wurde vorgeschlageil, sobald diese Informationen vorhanden sind, genau auszurechnen, wie viele Arbeitnehmer durch die Einfuehrung der
Ersteinrichtung der neuen Betriebsmittel ausscheiden muesstan.
Soweit ich mich erinnere, wurden endgueltig etwa 70 Leute festgelegt. Nachdem man die voraussichtliche Fluktuation oder das "Kuendigungs-Volumen" festgestellt hatte, wurde mit Hilfe der Gewerkschaft bei der Betriebsleitung darauf
gedrungen, Schulungskurse fuer jene Arbeitsplaetze einzurichten, die durch die
Kuendigungen oder die Fluktuation voraussichtlich frei werden werden.
Alle Arbeitnehmer, die durch die neuen Betriebsmittel ihre Stellungen verlieren sollten, konnten bei der Firma bleiben, vorausgesetzt, dass sie sich der
erforderlichen Schulung unterziehen wuerden, um dann andere Arbeitsplaetze auszufuellen, sowie sie frei werden. Die Kosten fuer die Lohnzahlungen an diese
Arbeiter sowie die Kosten fuer ihre Ausbildung sollten dem gleichen Konto wie die
Anschaffung und Aufstellung der neuen Betriebsmittel belastet\werden.
Dieser Plan wurde in die Tat umgesetzt mit dem Ergebnis, dass die Firma
ihre Betriebsmittel modernisierte und dabei nicht nur in der Lage war, ihre
Betriebsunkosten zu reduzieren sondern darueber hinaus noch ihr Betriebavolumen
zu vergroessern. Waehrend natuerlich der letzte Krieg issauf nicht ohne Einfluss
blieb, ist die Firma heute noch im Geschaeft, und sie, beschaeftigt jetzt eine
groessere Zahl von Arbeitern als je zuvor in ihrer GeBchichte.
Der Fall kann nicht verallgemeinert werden. Vielmehr ist er eine dramatische Illustration dessen, was durch gemeinsame Anstrengungen der Betriebsleitung
und der Arbeiterschaft erreicht werden kann. Der springende Punkt ist jedoch
folgender* Derartige Plaene zur Begegnung von Erschuetterungen, die sich durch
neue arbeitssparende oder Arbeiter ersetzende Maschinen ergeben, sind immer und
koennen auch von beiden direkt daran interessierten Parteien gemeinsam aufgestellt werden, und sie haben dazu gedient, die Einstellung der Arbeiter zu der
Einfuehrung solcher Betriebsmittel zu aendern.
Leistungsfaehigkeit und Betriebsgroesse.
Noch ein letzter Punkt, bey&lt;yr ich schliesse.

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Ich bin etwas besorgt um die

�von einigen unserer Besucher gewonnenen Eindruecke, dass die amerikanischen
Massenproduktionsraethoden die Errichtung riesiger Fabriken und fuerchterliche
Ausgaben fuer Anlagegueter erforderlich machen. Das ist nur teilweise, aber
nicht ganz richtig.
Die Anwendung der Grundsaetze der Massenproduktion erfordert in erster Linie
einen Umbau der Organisation sowie der Wechselbeziehungen zu den Arbeitern, um zu
allgemeinen Anstrengungen zu kommen. Es schliesst auch die Aufgabe alter Praktiken und Methoden ein, wobei der Arbeiter unmittelbar mit dem erzeugten Produkt in
Verbindung gebracht wurde. In einer Massenproduktion ist niemand durch sich selbst
unmittelbar mit dem Endprodukt verbunden, sondern es hat vielmehr jeder einzelne
seinen Beitrag auf dem Wege bis zur Fertigstellung zu leisten.
Es ist nicht erforderlich, gigantische Fabrikanlagen zu errichten spwie
fuerchterliche Investierungen vorzunehmen, um diese Grundsaetze in jedem Falle anzuwenden. Sie sind schon immer auch in kleinen Holzbearbeitungsbetrieben in den
Vereinigten Staaten, die nur fuenf Leute beschaeftigen, angewandt worden. Die
Einfuehrung und Anpassung dieser Grundsaetze an das erzeugte Produkt hat bei
uns in den Vereinigten Staaten eine wesentliche Erhoehung des Ausstosses mit sich
gebracht. Es sprechen alle Gruende dafuer, davon ueberzeugt zusein, dass, wenn
die gleichen Grundsaetze auch in der europaeischen Industrie angewandt werden,
sie aehnliche Ergebnisse zeitigen werden.
ECA Labor Information
CAREY BESCHULDIGT DIE DELEGIERTEN ENTGEGEN
DEN ANWEISUNGEN GESTIMMT ZU HABEN.
James B. Carey, Fuehrer des rechten Fluegels der Vereinigten Elektro-Arbeiter
(CIO) und Sekretaer fuer das Finanzwesen des CIO erklaerte am 27. September, dass,
wenn die Delegierten auf der Tagung der Gewerkschaft der Vereinigten Elektrizitaetsarbeiter gemaess den Anvreisungen gestimmt haetten, die ihnen von ihren Ortsausschüssen erteilt worden waeren. Nach Aussagen von Carey haben die oertlichen Gewerkschaftsorganisationen in Lynn, Massachusetts, Dayton, Ohio, Beschwerden gegen
ihre Delegierten eingebracht, weil sie nicht in Uebereinstimmung mit den ihnen erteilten Weisungen gestimmt haben. Von anderen Ortsausschuessen wird erwartet,
dass sie diesem Beispiel folgen werden. "Eine solche demokratische Aktion der
Mitglieder erbringt den Beweis dafuer, was wir immer vermutet haben, naemlich»
dass sdie von den Kommunisten beherrschte Fuehrung tatsaechlich nicht die Mitgliedschaft unserer Gewerkschaft vertritt," sagte Carey.
Wir wissen, dass diese Art eines militanten Ausdrucks der Mitgliedschaft
die Ungereimtheit der Ansprueche des linken Fluegels klar herausstellt, die Mitglieder der Gewerkschaft der Vereinigten Elektro-Arbeiter zu vertreten, und wir
sind gewiss, dass diese die Totenglocke fuer den komunistischen VJuergegriff ist,
der sich in den letzten 8 Jahren um die Vereinigten ELektizitaetsarbeiter gelegt
haette.
U.S. Department of Labor
T
.'eekly Labor News Digest
28. September 1949
DIE BEDEUTUNG DER ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN ARBBITERSCKAFT
UND ARBEITGEBERN
Die folgenden Absaetze sind aus einem kuerzlich erschienenen Buch ueber
"Zusammenarbeit zwischen Arbeiterschaft und Arbeitgebern" wiedergegeben, das
von dem frueheren Gewerkschaftsfunktionaer E.J. Le^er und einem Industrie-

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�Ingenieur namens Francis Goodell verfasst wurde. In der Einleitung diskutieren
sie die Forderung des modernen Zeitalters nach erhoehter Produktivitaet. Sie
lenken die Aufmerksamkeit auf die klar ersichtliche Tatsache, dass die Produktion nur durch gemeinsame Anstrengungen der Arbeitgeber und der Arbeiterschaft
erhoeht werden kann. Das Folgende ist ihrem Buch entnommen:
Gewerkschaften in einer entwickelten Umwelt.
Jener lang anhaltende Druck auf die Lohniempfaenger er^ab eine gewaltige
Ausweitung der bestehenden Gewerkschaften und bezeichnenderweise auch das schnelle
Anwachsen eines neuen Typs von Gewerkschaftsorganisationen, die sich auf dem Grundsatz der Betriebsgewerkschaft gruenden. In den letzten 15 Jahren wuchs die Mitgliederzahl der amerikanischen Gewerkschaften auf fast 15.000.000 an.
Bis jetzt haben die organisierten Arbeiter viele Lehren erhalten, die den
Weg zu besserer Gemeinschaftsarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeiterschaft ebneten. Wichtig ist die Tatsache, dass sie viele Jahre gebraucht haben, um zu
lernen, als Kitglieder einer einzigen Betriebsorganisation fuer ein gemeinsames
Ziel zusammenzustehen. Eine weitere Tatsache ist ihre Erkenntnis der praktischen
Torteile, neue Wege zur Vereinfachung der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeiterschaft zu finden.
Fuer unseren Zweck lassen wir den durch die Nachkriegsverhaeltnisse geschaffenen wirtschaftlichen Druck auf die Arbeiter ausserhalb der Diskussion. Die hoeheren Lebenshaltungskosten und hoehere Lohnforderungen werden dahingehend anerkannt,
dass sie eine Beziehung zu den Problemen des LohÄempfaengers haben. Diese liegen
auf dem Gebiete der Kollektiv-^Verhandlungen, bei denen die Regierungspolitik jetzt
eine wichtige Rolle spielt. Aber hier wollen wir uns auf die Betrachtung dessen
beschraenken, was der Arbeitgeber und die Arbeiter innerbetrieblich tun koennen.
Hier koennen sie nicht nur die Produktion erhoehen, sondern sie koennen dabei auch
viele ihrer ^schwierigen" Probleme loesen, deren Loesung heute irrtümlicherweise
irgendwo anders gesucht -wird.
Was die Betriebsleitung allein nicht erreichen kann
Die Arbeiter sehen oftmals Gelegenheiten zur Verbesserung ihrer Arbeitsmethoden, die die Betriebsleitung vielfach nicht allein sehen kann. Obgleich der
Arbeiter mit vielen Froblenen der Betriebsleitung bei der Inganghaltung des Be
triebes als ganzes nicht vertraut ist, ist die Leitung eines Betriebs doch zu
weit entrueckt, um die einzelnen Schwierigkeiten am Arbeitsplatze eines Arbeiters
richtig zu ermessen. Und da sich der Produktionsvorgang aus unzaehligen Sinzelvorgaengen zusammensetzt, die alle fest miteinander verbunden sind, ergibt die
staendige Beachtung eines jeden Vorganges eine gewaltige Zeitersparnis und Qualitaetsverbesserung. Wenn deshalb die Faehigkeit der Betriebsleitung, den Betrieb zu leiten, und die Faehigkeit des Arbeiters, besser zu arbeiten, miteinander verbunden werden, werden sie gemeinsam viele neue './ege entdecken, beide Aufgaben mit einem staendig abnehmenden Energieaufwand zu erfuellen.
Da es nur natuerlich ist, Zeit fuer das Nachdenken ueber sein Aufgabengebiet zu verwenden, ist es fuer viele Arbeiter ebenso natuerlich, zu erkennen, dass
in1 ihren Betrieben die Produktion materiell erhoeht werden kann. Jeder Arbeiter
v;ird, wenn er gefragt wird, wie sie zu vergroess3rn waere, viele Gruende fuer die
Fehler angeben, von denen er glaubt, dass die Betriebsleitung groesstenteils
defuer verantwortlich sei.
Die Betriebsleitung erkennt auch, dass eine hoehere Erzeugung moeglich ist.
Sie nimmt oftmals wesentliche Unkostensenkungen durch verbesserte Ausruestungen
und andere Massnahmen vor. Da die Betriebsleitung aber oftmals durch Beanspruchung
ihrer Zeit und Energie belaestigt wird, versucht sie in ihren menschlichen Wechsel-

8

-

�beziehungen haeufig vertraute und fadenscheinige Mittel anzuwenden, die eher
einen Bruch als Zusammenarbeit aufzurichten geeignet sind, wodurch es unmoeglich
gemacht wird, dass die Produktion ihr volles Potential erreicht. Zu oft versucht eine Betriebsleitung alles, nur nicht die Kunst, jedermanns guten 7'illen
auf das eine Ziel der hoeheren Produktion zu lenken
Die gesamte Industrie ist Jetzt verpflichtet, sich auf das Froblem der
Schaffung des Geistes der Zusammenarbeit zu konzentrieren. Die Betriebsleitung
ist nicht einfach nur der Verwalter des Betriebes. Ihre Gebaeude und Maschinen
koennen ohne zusammenarbeitende Menschen nichts erzeugen • Maenner und Frauen mit
Hirnen zum Denken, Augen zum Sehen, Haenden zum Schaffen und Herzen zum Vertrauen
und Fuerchten. Die Arbeiter produzieren besser, wenn sie bei der Erfuellung ihrer
Aufgaben gelenkt und gefuehrt - und nicht befohlen - werden.
Betriebsleitung plus Gewerkschaftsfliehrung
Wir koennen Maschinen und Fabriken entwerfen, aber wir koennen keine Menschen
entwerfen. Alles, was wir tun koennen, ist, die Menschen so zu nehmen, wie wir
sie finden, und daraus das beste zu machen, was wir koennen. Einen grossen Kreis
von Menschen unter einem Dach zusammenarbeiten zu lassen und aus ihren gemeinsamen Anstrengungen das groesstmoegliche herauszuholen, ist noch keine Wissenschaft,
Es ist eine Kunst, die sich einige Betriebsleitungen und einige Gewerkschaften zu
eigen gemacht haben. Und die Erfahrung beweist, dass, wenn man diese Kunst erst
einmal beherrscht, sie sich auch durch erhoehte Produktivitaet bezahlt macht.
Die Gewerkschaftsfuehrung ganz gleich auf welcher Ebene, ist grundsaetzlich
abhaengig vom guten 'Tillen ihrer Mitglieder. Im Gegensatz zu manchem volkstuemlichen Glauben besteht ein betraechtlicher demokratischer Geist innerhalb der
meisten Gexverkschaften und bei der Beteiligung an der gewerkschaftlichen Arbeit.
Die Arbeitgeber wundern sich manchmal darueber, warum ihre Arbeitnehmer - die
vermutlich nur durch Zwang und durch die Anziehungskraft des Lohnes bei ihrer
Arbeit gehalten werden - freiwillig so viel Zeit fuer die Arbeit fuer ihre Gewerkschaft opfern. Was befriedigt einem Mann so sehr bei einer Gewerkschaft,
dass es ihn sogar von seiner Familie fernhaelt, obgleich es manchmal sogar einen
Verlust seines persoenlichen Einkommens nach sich zieht. Das Mysterium liegt
hauptsaechlich im Freiwerden persoenlicher Wuensche, aufgespeicherter Energien
oder schoepferischer Kraft, die dann auf einem selbst gewaehlten 7Jege ihren Ausdruck finden
Hier ist eine klar ersichtliche Pruefung. Eine imaginaere Gewerkschaftsfuehrung hat die grosse Macht der freiwilligen Gruppenarbeit vor Augen gefuehrt.
Die Gewerkschaften koennen ohne diese nicht bestehen. Auch die Betriebsleitung
kann es nicht - obgleich sie den Lohn zahlt. Diese Parallele des Strebens der
Unternehmer und der Gewerkschaften nach groestmoeglicher Mitarbeit der Gefolgschaft ist wichtig, da es beide notwendigerweise mit den gleichen Arbeitern zu
tun haben. Wenn die Aufforderung positiv gehalten wird, - durch Aufforderung
zu voller Beteiligung - wird auch der Widerhall positiv - und produktiv - sein.
Wenn die Aufforderung negativ ist oder nicht aus vollem Herzen kommt, ist der
Widerhall fast immer ebenso negativ. Die Aufforderung entscheidet ueber die Art
des Widerhalls.
Wie «erden die Fuehrer der Arbeiterschaft und der Unternehmer dieser Forderung gerecht werden. Werden die Unternehmer und die Arbeiterschaft den Kampf um
ein paar Cents in der Stunde in einer Atmosphäre xveiterfuehren, wo jeder nur das
gibt, was er muss, waehrend das Froduktions-Volumen auf seinem alten Stande

- 9 -

�bleibt. Oder werden sie eine Gemeinschaftsarbeit entwickeln, um die Produktion
zu foerdern und an einem schoepferischen Wohlstande teilzuhaben.
Labor-Management Cooperation
Seite 2 - 5
Harper &amp; Bro. 1948
DER PRAESIDENT DBS BRITISCHEN GEWERKSCHAFTSBUNDES
(TÜC) LAWTHBR SAGTE;
Wir muessen gegen den Missbrauch der Waffe des Streiks auf der Hut sein.
Sie Ist in den vergangenen Tagen immer die staerkste Waffe unter den gewerkschaftlichen Kampfmitteln gewesen, wenn «*e unter gewerkschaftlichem Binfluss
fuer klar definierte wirtschaftliche Zwecke gefuehrt wurde*
Die Gewerkschaften sind immer dann gezwungen worden, die Waffe des Streiks
zu verwenden, wenn ihnen kein anderer Weg offenstand, das ihnen zugefuegte Unrecht zu beseitigen. In kuerzlichen Streltfaellen Ist jedoch das Mittel des
Streiks missbraucht worden. Es wurde in unverantwortlicher Weise angewandt,
wo kein wirkliches gewerkschaftliches Interesse, das Fragen der Loehne oder
Arbeitsbedingungen beruehrte, zur Debatte stand. In unserer Gewerkschaftspc—
litlk und Praxis ist nun die Zeit gekommen zu sagen, dass wilde Streiks als
ungesetzlich behandelt werden muessen.
Die gewerkschaftliche Disziplin muss gegen Jene zur Geltung gebracht werden, die wlMb Streiks foerdern, organisieren oder fuehren. Jene, die sie recht'fertlgen und die sich an ihnen beteiligen, haben sich eines schweren Verrats an
den wirklichen Interessen der Arbeiterschaft schuldig gemacht.
Es ist wider den gesunden Menschenverstand, wenn wir als Bewegung eine
wirtschaftliche und soziale Politik unterstuetzen wuerden, die auf die Erhaltung
der Vollbeschaeftigung abzielt sowie auf eine staendlge Verbesserung der Loehne
und Arbeitsbedingungen durch erhoehte Produktivitaet und groessere Leistungsfaehigkeit bei der Leitung und Fuehrung der Industrie, und wenn wir da)nn gleichzeitig gewissenlose Stoerungen des ordentlichen Produktionsprozesses dulden
wuerden.
Labour, Oktober 1949
BEILEGUNG DES DOCKARBEITER-STREIKS DT HONOLULU
Die Dockarbeiter in den Haefen von Hawaii stehen seit dem 1. Mai 1949
im Streik. Bis vor kurzem ist es den Vermittlern der amerikanischen Regierung
nicht gelungen, zwischen dem Internationalen Verband der Hafen- und Speicherarbeiter (3XWÜ), der dem CIO angeschlossen ist, und den Schiffahrtsgesellsohaften eine Einigung herbeizufuehren, Von Seiten der Gewerkschaft ging es bei dem
Streit um eine Forderung auf Lohnerhoehung. Die Arbeitgeber hatten das Bestreben
bei den Streitfall den Kommunismus in den Vordergrund zu schieben, da von
Harry Bridges, der Fuehrer des IL'VU, behauptet wird, er sei Kommunist.
Es Ngelang den Arbeitgebern, die Regierung von Hawaii dahingehend zu beeinflussen, dass ein Notstand proklamiert wurde, so dass also Notstandsarbeiter,
die von der Regierung beschaeftigt werden, eine Anzahl Schiffe be- bzw. entlud.
Die groesste Bedeutung des Streiks lag darin, dass die Erzeugnisse Hawaiis,
hauptsaechlich Ananas und Sucker, nicht befoerdert wurden.
So wurde der Streik beigelegt
Am 23. Oktober teiltan die Arbeitgeber und die Gewerkschaft dem Gouverneur

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10 -

�von Hawaii mit, dasS eine Yerstaenfligung erzielt vrorden sei. 6 Arbeitgeber
und die Gewerkschaft hatten sich geeinigt. Eine siebente Firma verhandelte
noch mit der Gewerkschaft ueber eine Frage von sekundaerer Bedeutung. In
der Benachrichtigung an die Regierung hiess es, "die Massnahmen der Regierung
sollten eingestellt und die Geschaeftsraeume, Werkstaetten und Anlagen, die
besetzt worden waren, sollten den Firmen zurueckgegeben werden."
Die Bedingungen des Abkommens
Die allgemeinen Bedingungen des Abkommens in dem 1 Million Dollar-Streik
wurden am 6. Oktober von Harry Bridges, dem Praesidenten der H.MT und den Gesellschaften verkuendet. Es wurde eine Erhoehung des Stundenlohns um 14 4
auf $ 1.54 pro Stunde fuer die gewerkschaftlich organisierten Hafenarbeiter
in Hawaii verlangt zuzueglich einer weiteren Erhoehung von 7 4 pro Stunde ab
naechsten 1. Maerz. Der augenblicklich in Kraft befindliche Vertrag wurde
his zum 15. Juni 1951 verlaengert. Damals ( am 6. Oktober) wurde erklaert,
dass die Steuer nicht wieder an ihre Arbeit gehen wuerden, bis nicht die
sogenannten "Rand",fragen in den Aussenhaefen geklaert seien.
"Bei diesen Fragen ( fringe issues) handelt es sich um einen Lohnsatz
fuer zeitweilig beschaeftigte Stauer waehrend der Zeit, da sie nicht auf
den Schiffen gearbeitet hatten und fuer die Arbeiter in den Aussenbezirken
der Stauergesellschaften. Der Satz hierfuer wurde mit einer Erhoehung von
8 4 pro Stunde fuer mehrere Hundert Leute (Arbeiter) festgelegt.
Ein aus 8 Punkten bestehendes Memorandum, das heute ( 23. Oktober )
unterzeichnet wurde, sieht vor, dass die Steikenden ohne Benachteiligung fuer
sie wiedereingestellt werden, und umfasst ruecjcwirkende Zahlungen fuer die
Zeit vom 1. Maerz zum 29. Juni dieses Jahres....Der Gouverneur wird auch
eine Proklamation erlassen, aus der hervorgeht, dass der Notstand fuer
beendet erklaert wird, bevor die Gewerkschaft die Arbeit wieder aufnimmt.
"Etwa 900 nicht organisierte Stauer, die von der Territorialregierung
angeworben worden waren, um auf den Schiffen zu arbeiten, werden ihre Taetigkeit einstellen. Sie wurden z.Zeit auf Grund des Dockbesetzungs-Gesetzes
eingestellt, dass von der Gesetzgebenden Eoerperschaft Hawaiis in einer Sondersitzung erlassen worden war."
"The New York Times" 24. Oktober 1949
PREMIERMINISTER ATTLEE SAGTE»
Ich glaube nicht an eine Lohnkuerzung als Mittel fuer eine Mostensenkung,
aber gleichsam ist es noetig anzuerkennen, dass Lohnerhoehungen, die nicht
durch eine Erhoehung der Produktion gerechtfertigt sind , unsere Moeglichkeiten einer schnellen Ueberwindung unserer Schwierigkeiten schwer beeintraechtigen wuerden.
Erhoehte Forderungen nach Geldzahlungen gleich welcher Art fuehren,
wenn nicht auf der anderen Seite eine groessere Menge von Guetern vorhanden
ist, um diesen Forderungen zu begegnen, geradewegs auf eine Inflation mit
allen ihren Folgeerscheinungen zu.
Ich moechte gern im besonderen die Aufmerksamkeit auf einen Punkt lenken.
Es besteht die Gefahr, dass, wenn Lohnerhoehungen fuer einen Kreis von unterbezahlten Arbeitern gewaehrt worden sind, sich daraus Forderungen von jenen
ergeben, die sich bisher hoeherer Loehne erfreuten, um ebenfalls eine Erhoehung

-

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-

�zu erhalten, um damit die bisherige Differenz zwischen ihnen und den niedriger
bezahlten Arbeitern aufrecht zu erhalten. Fuer meine Begriffe ist dies eine
"schlechte Wirtschaftspolitik und eine schlechte soziale Moral, und ich hebe
diesen Punk t der sozialen Moral deswegen hervor, weil unsere Gewerkschaftsbewegung eine ethische Grundlage besitzt. Wir versuchen staendig von der alten
Balgerei um wettbewerbsmaessiger Vorteile willen, fortzukomman.
Labour, October 19kh

-

Manpower Division
OMGUS, APO 757

IMCOO. 9 - J2&lt;K. lAr, IOT. U9, 1&gt; X)

12

-

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artlkal stellen Auszüge aua dar amarlkaalachea Preaaa uad anderen Qaallaa dar aad dienen
dar laformatioa deutacher Radaktaura, dar Gawarkachaftaa, Gewerkachaftaachulaa aad daraa Mitgliadar.
Voa diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Offica ol Labor Affaira
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einreinen Interessenten direkt durch die Poat zageleitet.
Dar Iahalt dar „Arbeitsmitteilungen" lat alebt als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amarlkaalachea
Militärregierung, noch irgendeiner Dienatstelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 35-36

Frankfurt, 11 November 1949
INHALTSVERZE1CHN

I S

CIO macht s i c h von Kommunisten f r e i - - - - - - - - - - - - _ _ _ _
Der Kalte Krieg gegen d i e f r e i e Gewerkschaftsbewegung . . . .
Bericht an den amerikanischen Gewerkschaftabund ueber d i e
Gewerkschaftsbewegung i n Deutschland
P r o t e s t des AFL ueber d i e Demontage i n Dai tschland

2
4

5
9

Arbeiterschaft
und europaeischer
Wiederaufbau - - - - - - - - - - - 1 2
Geluebde der Arbeiter
Ungarns
17
Geht Amerika neuen Arbeitskonflikten entgegen? - - - - - - - - - - 18
Kommunismus und Arbeiterschaft in den Malaienstaaten
-------19
Kommunistischer Druck auf die Gewerkschaften Russlands - - - - - - 20
Mehr Urlaub in den Vereinigten Staaten - - - - - - - - - - • . . . 21
Genossenschaftsbewegung in England
- - - - - . - . - - - - - . . . 2 3

Mitglieder (In Millionen)
1

18 tm
14
12

*

*^*

ENTWICKLUNG DER GE.VERKSCHHFTSBEflBGUNG IN DEN VEREINIGTEN
STAATEN WAEHREND EINES HALBEN
JAHRHUNDERTS, VON
1897 BIS 1947

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1897 1900 1905 1910 1915

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1920

1925

1

1

1930 1935 1940 1945 1950

Obige Skizze zeigt die Zahl der Mitglieder der zwei Hauptgewerkschaftsverbaende, American Föderation of Labor (AFL) und Congress of lndustrial
Organization (CIO; sowie mehrerer unabhaengiger Gewerkschaften, wie z.B.
der Vereinigten Eisenbahner, Berg-, Maschinenarbeiter u.a.
Amt fuer Arbeitsstatistik
U.S. Arbeitsministerium

- 1-

�CIO MACHT SICH VON KOMMUNISTEN FREI
Als der Gewerkschaftsbund (CIO) auf seiner Jahresversammlung in Cleveland in der ersten Novemberwoche seinen festen Entschluss zum Ausdruck brachte,
die Organisation von kommunistischen Elementen zu saeubern, bedeutete dies
selbst fuer die Kommunisten in dem CIO keine Ueberraschung. Philip Murray,
der Fraesident der CIO« hatte bereits angekuendigt, dass sich die Mehrheit
der CIO-Fuehrer darueber einig waren, dass "das kommunistische Programm fuer
die amerikanische Arbeiterschaft ein Programm der Zersetzung ist." Man war
waehrend der letzten zwei Jahre oft bemueht, den verschiedenen, der CIO angeschlossenen Verbaenden zu helfen, sich von kommunistischem Einfluss frei
zu machen« Dies gelang einigen, aber nicht allen. Die kommunistischen
Minderheiten sassen bereits zu fest im Sattel.
Am 2. November handelte die CIO Jahresversammlung, indem sie den Verband
der Vereinigten Elektrizitaetsarbeiter (UE), eine Organisation von 450*000
Mitgliedern, ausstiess. Dieser Verband steht an der Spitze von mehreren CIO
Gewerkschaften, von denen man sagt, dass sie unter kommunistischem Einfluss
stehen« Die anderen Verbeende sind bedeutend kleiner. Zusammen zaehlen die
links-gerichteten Gewerkschaften eine Mitgliedschaft von etwa 650,000.
Warum der CIO so handelte
Auf der Jahresversammlung des CIO im Jahre 1946 brachte Praesident Murray
eine Resolution ein, die von einem Sonderauaschusa des CIO ausgearbeitet werden
war. Vir geben den Hauptpunkt dieses Beschlusses wieder, der mit grosser Mehr»
heit angenommen wurde: "Wir, die Delegierten der Achten Konstitutionellen Jahresversammlung des CIO, verurteilen und verwerfen ßemuehungen der Kommunistischen
Partei oder anderer politischer Parteien und ihrer Anhaenger, die den Zweck
haben, sich in Angelegenheiten des CIO einzumischen. Durch diese Konvention
sollen alle davon-unterrichtet werden, dass wir eine derartige Einmischung
nieht dulden werden."
Diesem Beschluss felgten eine Reihe von Handlungen seitens fuehrender
CIO Funktionaere. Funktionaere, die unter dem Verdacht standen, Kommunisten
oder auch nur Freunde dieser Bewegung zu sein, gaben ihre Stellungen bei dem
CIO auf. Unter diesen tritt besonders Lee Pressman hervor, der Hauptrechts«
berater bei der CIO gewesen war«
Waehrend der Jahre 192,7 und 1948 wurde in der Nationalen Seeleutegewerkschaft um die Macht gekaempft. Diese vorher kommunistisch beherrschte Gewerkschaft von Seeleuten ist schliesslich von deren Einfluss bereinigt werden.
Ebenso erfolgte in den Jahren 1947 und L%8 die sensationelle Befreiung
des Automobilarbeiterverbandes von kommunistischem Einfluss. Unter der Fuehrung
von Walter Reuther ist diese Organisation mit 1 Million Mitgliedern nun fuehrend
an dem Saeuberungsprogramm des CIO beteiligt« Dieser Verband ist auch 1948
hindurch aktiv gewesen und hat spaeter verschiedene Gewerkschaften aufgenommen,
die sich vom kommunistisch beherrschten LJE zurueckgezogen hatten. Diese Taetigkeit einer Gewerkschaft, die darin besteht, Mitglieder einer anderen anzuwerben,
nennt man "Invasion."
Die Transportarbeitergewerkschaft war ebenfalls als kommunistisch beeinflusst entlarvt worden« Der Kampf um die Macht war erbittert, doch die Kommunisten verloren 1948 auf der ganzen Linie.
Wahjerflebnlsse fr Jahre j%Q
Im Januar 1948 nahm die exekutive Koerperschaft des CIO zu zwei Hauptproblemen Stellung; aj die Opposition4er Fortschrittspartei gegenueber, die
unter der Fuehrung von Henry Wallace stand, der von allen Kommunisten unterstuetzt wurde; und b) die Unterstuetzung des Marshall-Plans zum europäischen
Wiederaufbau. Diese Beschluesse wurden von allen Verbaenden des CIO gebilligt
und unterstuetzt, mit Ausnahme der kommunistisch gefuehrten. Dieser Politik
des CIO zum Trotz, unterstuetzte die kommunistische Fuehrerschaft Wallace in
offener Weise und widersetzte sich laut laermend dem europaeischen Wiederauf- 2 -

�bauprogramm. Als sich der CIO oeffentlich fuer die Wiederwahl Praesident
Trumans entschied, richteten die kommunistischen Arbeitsfuehrer einen Schwall
persönlicher Angriffe gegen Praesident Murray und andere CIO Fuehrer.
Tn—a wurde am 2. November gewaehlt. Am 22. November sagte Praesident
Murray in seiner ixoeffnungsansprache vor der Jahresversammlung des CIO in
Portland, Oregon: "Es i s t eine endgueltig feststehende Tatsache, dass die
Kommunistische Partei vor ungefaehr zwei Jahren beschloss, unter Ausuebung
a l l ihrer Macht Praesident Truman zu vertreiben. Es war ihnen gleichgueltig,
ob Dewey oder der Teufel gewaehlt werden waere. . . . Wenn ein kommunistischer
Arbeitsfuehrer in der CIO nach jahrelangem Amt bewiesen hat, dass er nicht
faehig i s t , Nichtorganisierte zu organisieren, dann s o l l t e er aus Gerechtigkeit gegenueber dem Volke abtreten."
Murray fuehrte ferner in dar Konvention apaeter noch aus: "Ich war in
den letzten 12 Monaten Zeuge des traurigen Schauspiels entwuerdlgender Denkungsa r t , das sich in den Versammlungen des CIO bot. Die Anhaenger der sowjetrussischen Weltanschauung haben noch kein einziges Mal auf einer Exekutivversammlung
oder in einer Konventionshalle auch nur eine einzige Tat bemaengelt, die Russland s e i t dem Kriegsende begangen hat. •..«« Diese Apostel des Kommunismus
moegen sich erheben und als Maenner betrachtet werden.*
CIO Probleme auf der Konvention von lQiiQ
Es folgen einige Auszuege aus der Praesidentenbotschaft Murray», dl« die
Stellungnahme de» CIO zu verschiedenen Problemen zeigen:
a) Amerikas ueberschuessige Produktion: Der CIO widersetzte sich dem
Vorschlag, dass europaeische Laender bestimmte amerikanische Ueberscbusswaren
a l s Bedingung fuer die Gewaehrung der Marehall-&lt;Plan-Hilfe kaufen s o l l t e n .
Murray sagte« dass eine solche Bestimmung dem Hauptziel des Marshall«Planes
zuwiderhandeln wuerde." Wenn ein Land Zement zum Aufbau von Wasserkraftwerken
braucht, waere es Sabotage am Wiederaufbau, wenn man von ihm verlangen wuerde,
Erdnuesse zu kaufen, nur weil in den Vereinigten Staaten ein Ueberschuss an
Erdnuessen herrscht•"
b) Sozialismus in Grosshrj^flnp^ni Der CIO verwirft den Vorschlag, nach
dem der britischen und anderen Arbeiterregierungen keine Marshall*Plan-*iilf e
gewaehrt werden s o l l , weil s i e bestimmte Industriezweige unter Staatsaufsicht
g e s t e l l t haben. Eine solche Bedingung waere "ein unverschaemter Versuch,
sich in Regierungsangelegenheiten demokratischer Voelker einzumischen.* Der
CIO sieht "mit Verstaendnis und Sympathie den notwendigen Versuchen der b r i tischen Arbeiterschaft mit den wirtschaftlichen Einrichtungen des Staates* zu.
c) Arbeiterschaft in Frankfreich: Er sagte:
Geweiksehaftlern Frankreichs unsere Ermutigung an
zeugung, dass es den Vereinigten Staaten o b l i e g t ,
in ihrem Kampf um die Erfuellung ihrer wuerdigen,
zustehen.*

*Wir bieten den demokratiachen
und wiederholen unsere Ueberden franzoeslachen Arbeitern
wirtschaftlichen Aufgaben b e i -

i l per Weltgewerkschaftsbund (WFTü): Murray berichtete, warum der CIO aus
dem Weltgewerkschaftsbund austrat und sprach hoffnungsvoll von der Bildung
einer neuen Arbeitervereinigung der Welt.* Wir treten der neuen Organisation
b e i , weil s i e eine praktische Basis fuer die Arbeit an der Loesung v i e l e r Probleme bedeutet, denen Arbeiter aus allen Teilen der Welt gegenuebersteben."
e) Westeuropa: «Europa wird mit amerikanischer Hilfe wiedergesunden. Der
erfolgreiche Abschluss des Programms i s t noch nicht endgueltig abzusehen, aber
schon zeigen sich Tausende kleiner Erfolge. Diese Erfolge sind der gemeinsamen
Arbeit der schaffenden Menschheit innerhalb ihrer Gewerkschaften zu verdanken.
Die organisierten Arbeiter a l l e r Laender fuehren einen staendigen Kampf um
Tarifvertraege, politische und gesetzgebende Betaetigung, Kollaboration und
manchmal auch Konflikt. So wie in den Vereinigten Staaten, fuehren die Gewerkschaften der ganzen Welt ihren Kampf um bessere Lebensbedingungen-einen Kampf,
fuer den in den westeuropaeiseben Laendern dank der Marshallhilfe grosse Aussichten fuer endgueltigen Erfolg bestehen."
t)

Die Kommunisten in der Arbeiterschaft: Murray nahm zu den Kommunisten

3 -

�S t e l l u n g , d i e s i c h noch im CIO befinden und s a g t e , d a s s i h r e Forderungen ( s e l b s t s t a e n d i g handeln zu koennen) g e p r u e f t worden waeren und nur e i n e Entscheidung
g e t r o f f e n werden konntet •Das kommunistische Programm fuer d i e amerikanische
A r b e i t e r s c h a f t i s t e i n Programm d e r Z e r s t o e r u n g , wenn man k r i e g e r i s c h e A b s i c h t e n
so nemlen w i l l . Es bedeutet S a b o t a g e der A r b e i t , Z w i e s p a e l t i g k e i t i n unseren
O r g a n i s a t i o n e n und das V e r f e h l e n s e l b s t u n s e r e r b e s c h e i d e n s t e n Z i e l e , i/ehr
a l s d a s , das Programm des " l i n k e n F l u e g e l s * wuerde uns zu Sklaven der Absichten
und Bestrebungen e i n e r P a r t e i machen, d e r e n I n t e r e s s e n mit denen des a m e r i k a nischen A r b e i t e r s n i c h t zu v e r e i n b a r e n , sondern auf d i e E r r i c h t u n g e i n e r f u e r
unser Leben r u e c k s c h r i t t l i c h e n D i k t a t u r a u s g e r i c h t e t s i n d . I c h wuensche n i c h t s
von alledem und d e r CIO e b e n f a l l s n i c h t .
K) E i n t r a c h t i n dem Gewerkschaftsbundt Mit Bezufc auf v e r m e i n t l i c h e U n e i n i g k e i t u n t e r Verbaenden des CIO t e i l t e Murray m i t , d a s s kein d e r a r t i g e s e r n s t l i c h e s
Problem b e s t e h t . "Es g i b t h a e u f i g M e i n u n g s v e r s c h i e d e n h e i t e n zwischen unseren
Gewerkschaften, und fuer mich i s t d i e s e i n gesunder Vorgang* Die B e s e i t i g u n g
s o l c h e r D i f f e r e n z e n i n u n s e r e n Reihen i s t an d e r Tagesordnung und v e r d i e n t hohes
Lob; das Fehlen d i e s e r M e i n u n g s v e r s c h i e d e n h e i t e n wuerde bedeuten, d a s s ungesunde
V e r h a e l t n i s s e h e r r s c h e n . Dieses Problem kann jedoch n i c h t mit dem tfcuertreiben
der Elemente v e r g l i c h e n werden, d i e s i c h w e i g e r n , unsere P o l i t i k zu u u t e r s t u e t z e n ,
d i e unseren demokratischen Grundsaetzen m i s s t r a u e n , und deren I n t e r e s s e n von Kraeft e n und p o l i t i s c h e n Gruppen g e l e i t e t werden, d i e n i c h t s mit uns gemein h a b e n . "
B e s c h l u s s der Konvention
Im V e r l a u f e der Konvention wurden zwei kommunistisch b e h e r r s c h t e Gewerkschaften
aus dem CIO a u s g e s t o s s e n * Es waren d i e Verbaende der V e r e i n i g t e n E l e k t r i z i t a e t s - ,
R a d i o - und M a s c h i n e n a r b e i t e r (U£) und d e r A r b e i t e r der l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n A u s r u e s t u n g s - und M a s c h i n e n i n d u s t r i e (FE). Die FE h a t t e auf Grund i h r e r kommunist i s c h e n B e e i n f l u s s u n g e i n i g e Monate zuvor den Befehl e r h a l t e n , s i c h der s t r e n g
a n t i - k o m m u n i s t i s c h e n Gewerkschaft d e r A u t o m o b i l a r b e i t e r a n z u s c h l i e s s e n .
Statt
dessen v e r e i n i g t e s i e s i c h jedoch mit den E l e k t r i z i t a e t s a r b e i t e r n (UE). E s wurde
s o f o r t e i n n e u e r Verband der E l e k t r i z i t a e t s a r b e i t e r g e b i l d e t und James Carey mit
dessen Fuehrung b e a u f t r a g t , d e r b i s zu s e i n e r Amtsenthebung durch d i e Kommunisten
F r a e s i d e n t d e r UE gewesen war. Er war mit e i n e r der e r s t e n Gruender d i e s e r Gewerkschaft vor etwa 10 J a h r e n gewesen.
Es b e s t e h e n noch mehrere k l e i n e Verbaende im CIO, d i e u n t e r starkem kommun i s t i s c h e m E i n f l u s s s t e h e n , aber man h a t n i c h t s gegen s i e unternommen. Harry
B r i d g e s , dem p r a e s i d e n t e n der I n t e r n a t i o n a l e n S e e l e u t e - und D o c k a r b e i t e r g e w e r k s o h a f t , wurde e s warnend n a h e g e l e g t , s e i n e Beziehungen zu dem kommunistischem
Weltgewerkschaftsbund (WFTU) abzubrechen. E r i s t zum V o r s i t z e n d e n des k u e r z l i c h
o r g a n i s i e r t e n S e e l e u t e v e r b a n d e s gewaehlt worden» e i n e der neuen WFTU A b t e i l u n g e n .
S o l l t e B r i d g e s diesem B e f e h l n i c h t nachkommen und aus dem WFTU n i c h t a u s t r e t e n ,
wird e r w a h r s c h e i n l i c h versuchen m e s s e n , s e i n e O r g a n i s a t i o n aus dem CIO h e r a u s zuziehen.

Auszuege aus S o n d e r m i t t e i l u n g e n .
DER KA1TL KRIEG GEGEN DIL FREIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
T e i l e e i n e r Rede von I r v i n g Brown, E u r o p a d e l e g i e r t e r des
a m e r i k a n i s c h e n Gewerkschaftsbundes AFL, vor der 6 8 . J a h r e s tagung des AFL i n S t . P a u l , M i n n e s o t a , am k- Oktober 1949.
Osteuropa wird a n t e r d e r H e r r s c h a f t R u s s l a n d s in e i n t o t a l i t a e r e s System
h i n e i n g e d r a e n g t , das dem W i r t s c h a f t s k r i e g gegen den Westen gewidmet und auf
Zwangsarbeit i n s k l a v i s c h e r Form aufgebaut i s t . Das Durchdringen und E i n s i c k e r n
in d i e w e s t e u r o p a e i s c h e Gewerkschaftsbewegung bedroht fortwaehrend d i e f r a n z o e s i s c h e und i t a l i e n i s c h e W i r t s c h a f t , a l l e Demokratien Westeuropas und u n s e r e e i g e n e .

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�Ich sage es offen und mit grossem Ernst, dass wir im Schatten einer neuen
Welttragoedie stehen, und dass sich der Kalte Krieg in gefaehrlicher Form in
einen Krieg staendig steigender Temperatur umwandelt« Ungeachtet der zahlreichen
Friedensreden Mr. Wyschinskis braucht sich niemand Illusionen ueber die heutige
Weltlage hinzugeben. Wieder einmal wird die Welt von Krieg bedroht. Wieder
einmal besteht die Gefahr einer Aggression durch einen einzelnen Totalitaerstaat,
und wieder einmal ist es meine Meinung, dass die gesamte Arbeiterschaft der
Welt jetzt Einspruch erheben und handeln muesse, um eine neue, noch schrecklichere
Weltauseinandersetzung zu verhindern
Neue Weltgewerkschaftsbewegung
Entweder wird diese neue Weltgewerkschaftsbewegung aggressiv und mit allen
Mitteln fuer die Entwicklung des freien Gewerkschaftswesens kaempfen, oder es
wird ihr nicht gelingen, der von Krieg und Aggression beschatteten Weltlage
Herr zu werden .•
In dieser neuen Weltgewerkschaftsbewegung muessen wir uns ernstlich mit
dem Problem befassen, dem wir in Westdeutschland gegenueberstehen. Wenn wir
den deutschen Gewerkschaften mehr Kontrolle und mehr Macht in die Haende legen,
haben wir nicht den deutschen Nationalismus zu befuerchten; eine Gefahr fuer
uns waere jedoch die Verbindung des deutschen Nationalismus mit der Sowjetunion.
Deutschland muss ein Bestandteil des westeuropaeischen Wirtschaftagefuegea
werden, und wir muessen unsern Freunden wirtschaftliche Macht verleihen. Im
westdeutschen Ruhrgebiet muessen wir unsere Freunde belohnen und unsere Feinde
bestrafen, sonst zwingen wir Westdeutschland, sich der Sowjetunion wirtschaftlich anzuschliessen. Das ist die Gefahr, in der Westdeutschland heute schwebt
und das Problem, dem wir gegenueberstehen, and das wir als wichtige Aufgabe
ins Auge fassen muessen.
Die neue Weltgewerkschaftebewegung muss sich mit all ihrer Kraft fuer die
Entwicklung einer grosszuegigeren und einheitlicheren Wirtschaftspolitik einsetzen, die allein die Verbesserung des Lebensstandards der Bevoelkerung ermoeglichen kann. Solange in Europa und andern Teilen der Welt keine grosszuegigere, einheitlichere und stetigere Wirtschaftspolitik betrieben wird, wird
es uns nichtraoeglichsein, den Lebensstandard der Arbeiter von Grund auf zu
verbessern.
Entlarvung der kommunistischen Propaganda
Wir muessen es so bald wie moeglich beginnen, die freie Gewerkschaftsbewegung in Laendern zu foerdern, die nicht-kommunistischen Nationalismus
pflegen. Wir muessen die russischen Machenschaften entlarven, durch die man
aus dem Nationalismus im Fernen Gsten Nutzen zieht, und wir muessen sie als
das erkennen, was sie tatsaechlich sind, naemlich eine neue Form des Imperialismus. Fuer die internationale Gewerkschaftsbewegung erwaechst eine riesige
Aufgabe in der ünterstuetzung dieser neuen Kraefte, die sich zur Oberflaeche
durchringen.
Sitzungsbericht der AFL Konvention

BERICHT AN DEN AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTSBUND (AFL) UEBER DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IN DEUTSCHLAND.
Ansprache von Mr. Henry Rutz, Vertreter der AFL in Deutschland
und Oesterreich, auf dem 68. Bundeskongress des Amerikanischen
Gewerkschaftsbundes (AFL) in Saint Paul, Minnesota, am 4.Okt.49
Herr Praesident Green, Herr Sekretaer Meany, meine Herren Vorstandsmitglieder, Delegierte und Freunde:
Ich bin dankbar fuer das mir gewaehrte Vorrecht, vor diesem Kongress
wiederum ueber die Entwicklung in Deutschland im letzten Jahre sowie ueber die
Taetigkeit des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes (AFL) in diesem Lande zu
berichten.

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�Drei Hauptereignisse haben in Deutschland stattgefunden, von denen ein
jedes auf die Gestaltung der Zukunft dieses Landes Einfluss haben wird. Die
grausame und schaendliche russische Blockade Berlins ist aufgehoben worden;
fuer Westdeutschland wurde eine Regierung gebildet und die ersten Parlamentswahlen abgehalten. Alle Vorbereitungsarbeiten fuer den Gruendungskongress
des ersten Gewerkschaftsbundes im Nchkriegsdeutschland sind abgeschlossen
worden.
Der Misserfolg der Russen, die Alliierten aus Berlin zu vertreiben, hat
allen freiheitsliebenden Deutschen wieder neuen Mut gegeben» Anerkannt werden
muss die bemerkenswerte Leistung der Luftbruecke, mit deren Hilfe bis zu ihrem
Aufhoeren am vergangenen Freitag 1,35°.000 Tonnen an Nahrungsmitteln und Brennstoffen nach Berlin eingeflogen wurden, um die Blockade zu brechen. Anerkannt
werden muss aber auch die tapfere Haltung der Berliner Bevoelkerung, die li&amp;er
alle Opfer auf sich nehmen wollten als vor dem russischen Totalitärismus kapitulieren. Bariinfeefindetsich jedoch noch Immer in einer schlechten Lage.
Die Berliner Situation
Als Insel inmitten der russischen Zone gelegen, ist Berlin seiner neuerlichen Hilfsquellen beraubt, und der Handel ist auf einen Bruchteil seines
frueheren Standes abgesunken. Die Folge davon ist ein gefaehrliches Ansteigen
der Arbeitslosigkeit sowie Bankrott der Stadtkasse.
Die Berliner antikommunistische Unabhaengige Gewerkschafts-Organisation (UGO),
deren angeschlossene Üsenbahnergewerkschaft vor einem halben Jahr den schweren
Kampf gegen die von den Russen geleitete Direktion der Berliner S«*abn aufnahm,
ist ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen, da die Weiterzahlung der Betraege fuer Zehntausende von Arbeitslosen immer schwieriger wird. Zufaelligerweise, wie Sie vielleicht erwartet haben werden, halten sich die Russen nicht an
den zwischen den Militärregierungen abgeschlossenen Vertrag, wodurch der Eisenbahnerstreik beendet wurde. Mehr als 2,000 der urspruenglich 16,000 Streikenden
wurden waehrend der vergangenen Monate entlassen, obgleich eine der Hauptbedingungen des Abkommens war, dass die Streikenden nicht benachteiligt werden sollten.
Gleichfalls haben die Russen bisher die Eisenbahner nicht, wie in dem Abkommen
vorgesehen, in Westmark bezahlt, sondern fahren fort, in ihrer Ostmark auszuzahlen, deren Wert nur ein Fuenftel der Westmark betraegt.
Die moralische und materielle Unttrstuetzung der AFL waehrend des Streiks
wurde in hohem Masse anerkannt. 5 0 0 CARE- Pakete wurden an Eisenbahner Familien
verteilt. Daraufhin sperrten die Russen fuer CARE-Pakete den Land- und Wassertransport nach Berlin mit der Behauptung, CARE wuerde fuer politische Zwecke benutzt.
Die Berliner Situation ist ernst. Wir haben die Blockade ueberwunden. Jetzt
muessen wir die Arbeitslosigkeit ueberwinden. Wir sollten darauf bestehen, dass
Westberlin einen groesseren Anteil aus der Deutschland zugebilligten Quote der
Marsball-Hilfe erhaelt, und es sollten Mittel gefunden werden, um Rohstoffe fuer
die Fabriken Westberlins zu beschaffen. Die Alliierten sollten ihren Standpunkt
hinsichtlich des Status Berlins aendern und auf den Anschluss der drei demokratischen Westsektoren Berlins an das neugeschaffene demokratische Westdeutschland
hinarbeiten. Die Berliner haben durch ihren fortgesetzten Widerstand gegen
russische Unterdrneckung und kommunistische Drohungen gezeigt, dass sie die Unterstuetzung der Demokratie verdienen.
Unter der neuen Verfassung
Und jetzt gestatten Sie mir bitte, ueber die kuerzlich stattgefundenen
deutschen Wahlen zu berichten. Die drei westlichen alliierten Militaergouverneure haben endgueltig ihre Zustimmung zu einer deutschen Verfassung gegeben,
die von den Deutschen selbst ausgearbeitet wurde, ober unter Beruecksichtigung
der von den Alliierten gemachten Einschraenkungen. Unter der neuen Verfassung
werden die Deutschen ein groesseres Mass an Selbstverwaltung haben, als dies
unter der Herrschaft der Militaerregierung der Fall war. Jedoch haben sich
die alliierten Behoerden gewisse Rechte vorbehalten, um den Aufstieg einer
neuen militaristischen Klique oder eines neuen Hitler zu verhindern. Infolgedessen
verbleiben die Kbntroll« ueber die auswaertigen Angelegenheiten Deutschlands, Abrüstung, Entmilitarisierung, Reparationen, Wiedergutmachung, Entflechtung

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�Zwansgverschleppte, Aussenhandel und Devisenverkehr weiterhin in den Haenden
der Hohen Kommissare als Nachfolger der Militaergouverneure.
Am 14. Augast wurden die ersten, unter der neuen Verfassung vorgesehenen
Parlamentswahlen abgehalten. Die Wahlbeteiligung betrug 80tf. Das Wahlergebnis stellte eine Niederlage der extremen Fechten und Linken dar, die
Kommunisten erhielten knapp 5% der Stimmen. Bei der Fegierungsb ldung jedoch
kam es zu einer Koalition der CDU, einer rechts vom Zentrum stehenden politischen Gruppe, die als staerkste Partei aus den Wahlen hervorging, mit der
extremen Fechten. Diese Koalition wird vom Grosskapital beherrscht, von
dessen Seite freiwillig zum Wahlfcads beigesteuert wurde. Dieses neue Element
in der Regierung kann nicht als faschistisch oder nazistisch bezeichnet werden.
F.e ist eher nationalistisch oder konservativ im Sinne der Epoche vor Hitler.
Seine Fuehrer waren gegen die Arbeiterschaft eingestellt und haben bisher
keine allzugrosse Aktivitaet gezeigt oder Interesse bewiesen, futr den Aufbau
einer wahren deutschen Demokratie zu wirken. Die Bundesgenossen dieser Koalition sind die frueheren Stahl-und Kohlenbarone, die nicht der Nazi-Partei beitraten und infolgedessen nicht entnazifiziert, zu werden brauchten. Aber sie
waren es, die Hitler den Krieg ermoeglicbten, indem sie das Kapital und die
Anlagen fuer die Kriegsproduktion zur Verfuegung stellten.
Neue Gefahr fuer Deutschland
Meiner Ansicht nach stellt- diese reaktionaere Koalition nicht den Willen
der Mehrheit des deutsehen Volkes dar. Der gewerkschaftliche Fluegel der CDU,
die SPD, die als zweitetaerkste Partei dicht hinter der CDU folgt, und eine
oder zwei kleinere Parteien repraesentieren einen groesseren Teil des deutschen
Volkes, obgleich ihr Wille nicht Jn den Handlungen des Parlaments in seiner
jetzigen Zusammensetzung zum Ausdruck kommt.
Sie haben hier eine aehnliche Situation wie in den Vereinigten Staaten,
wo ein reaktionaerer Eongress der V/uensche der Mehrheit der Buerger spottet.
Und hierin liegt eine neue Gefahr fuer Deutschland. Ich habe vorher
gesagt, dass die Kommunisten knapp % der Stimmen erhielten. Dies ist einerseits zurueckzufuehren auf die Reaktion der Deutschen gegenueber dem Versuch
der Füssen, Berlin durch Asuhungerung zur Unterwerfung zu zwingen, und andererseits auf die Lrzaehlungen von Hunderttausenden von Deutschen, die aus dem
Polizeistaat des oestlichen Deutschland geflohen sind. Wenn jedoch die neue
Regierung die Politik der Grossindustriellen und dei Reaktion betreibt, das
Arbeitslosenproblem nicht geloest wird, die Preise nicht kontrolliert oder
gesenkt, nicht mehr Wohnungen gebaut werden an Stelle von unnoetigen geschaeftlichen Bauten, dann wird eine Situation geschaffen werden, in der der Kommunismus gedeiht. Die Aufgabe, den Kommunismus aufzuhalten, ist eine dauernde.
Gerade jetzt planen die Kommunisten in Deutschland eine umfassende Sabotage
des Marsha LI-Plans, sobald die Durchfuehrung richtig in Gang kommt*
Angesichts dieser Darstellung der deutscnen Vorgaenge ist es unbedingt
erforderlich, dass die drei alliierten Hohen Kommissare weisen Gebrauch machen
von den Kontrollbefugnissen, die sich die Alliierten fuer die Dauer der Besatzung vorbehalten haben.
Die Militaerregierung
Waehrend der vergangenen 6 Monate hat die Militaerregierung ein besseres
Verstaendnis fuer die Ziele der deu.sehen Arbeitelbewegung gezeigt als vorher.
Zum Beispiel hat sie der gleichberechtigten Vertretung der Arbeiterschaft zusammen
mit Betriebsleitungen und Regierung in uem Star Neuordnung der leutschen Stahlindustrie (Entflechtung) eingesetzten Ausschuss zugestimmt. Ebenfalls hat sie
verschiedenen anderen Gesetzen zum Schutze der Arbeiterschaft ihre Zustimmung
erteilt. Aber in anderen Faellen hat die Militaerregierung weiterhin die Politik dei Reaktionaere unterstuetzt, die jetzt ihre Position verstaerken. Bisher
haben sich die US Besatzungsbehoerden geweigert, einem von den Laenderparlamenten angenommenen Gesetz zuzustimmen, da3 der Arbeiterschaft ein groesseres
Mass von Mitbestimmung bei der Demokratisierung der Wirtschaft sinraeumt. Andererseits hat die Militaerregierung den deutschen Wirtschaftsrat, den Vorgaenger
der Bonner Regierung, ermutigt, die Preiskontrolle nicht wieder einzufuehren,

7 -

�obgleich die Preise faer einige lebensnotwendige Dinge die Kaulkiaft des
Durchschnittsarbeiters uebersteigen. Andere von der Arbeitersahaft eingebrachte und v^n den Laenderparlamenten verabschiedete Gesetze erhielten nicht die
erforderliche Zustimmung der Militaerregierung. Die Militaerbuerokratie hat
Einreisegenehmigungen von Arbeiterfuehrern zum Besuch der Vereinigten Staaten
mit der Behauptung "Gefaehrdung der Sicherheit* verweigert, obgleich die fraglichen Personen in „edo^. Faxle «eit langer Zeit als antinaauatisch und antikcmirunistisch bekannt waren. Ein uebereifriger Militaerbeauftragter berichtete,
dass die deutschen Gewerkschaften kommunistische Literatur in Bayern vertrieben.
Die "kommunistische" Literatur bestand aus den "Internationalen Freien Gewerkschaftsnachrichten" unseres eigenen Freien Gewerkschaftsausschusses* Einige
von diesen Vorkommnissen moegen von geringer Bedeutung gewesen sein, sie haben
jedoch unter der deutschen organisierten Arbeiterschaft den Eindruck erweckt,
als ob die Politik der Vereinigten Staaten arbeiterfeindlich sei.
Deutsche Gewerkschaftsbewegung
Die deutsche Geweikachaftsbewe^ng hat oftmals den Amerikanischen Gewerksebaftsbund (AEL) um Unterstuetzun^ angerufen, um eine Aenderung der Politik der
Militaerregierung zu erreichen. Die verschiedentlich erfolgten Interventionen
des Praesidenten Green zu Gunsten einer Revision des destruktiven Demontageprogramms der Alliierten, sowie der an den frueheren amerikanischen Militaergouvernaur
gerichtete Brief des Vize-Praesidenten '.Voll in seiner Eigenschaft als Vorsitzender
des Internationalen Kommittees fuer Arbeitsbeziehungen, in dem gegen arbeiterfeindliche Massnahmen protestiert wird, sind von unseren Freunden in der deutschen
Gewerkschaftsbewegung warm begruesst worden. Viele weitere Beispiele der Unterstuetzung seitens des Internationalen Kommittees fuer ArbtitsbeZiehungen sowie
unseres Freien Gewerkschaftsausschusses haben den Amerikanischen Gewerkschaftsbund (AFL) in den Vordergrund derjenigen Organisationen gestellt, die bestaendig
fuer eine wahre Demokratisierung Deutschlands gewirkt haben.
In Deutschland selbst ist die Arbeiterbewegung noch immer die staerkste
Kraft fuer die Demokratie. Sie ist von der Ortsbasis aus aulgebaut worden und
ist jetzt in l6 trizonalen Industrieverbaenden organisiert. Es gibt keine Kommunisten in leitenden Positionen. Diese 16 Industrieverbaende haben jetzt Vereinbarungen gttrofien, um sich zum ersten Gewerkschaftsbund nach dem Kriege zusammenzuschliessen. Der Gruendungskongress wird vom 12./l^. Oktober 1%9 in
Muenchen stattfinden, und Ihi europaeischer Sondervertreter ist ausersehen worden,
den Amerikanischen Gewerkschaftsbund (AEL) auf diesem ersten Bundestag zu repraesentieren» Die neue Organisation wird ueber 5#°°0,000 Mitglieder umfassen und
damit die zweitgroesste in Europa sein; sie wird nur noch von dem Britischen
Gewerkschaftskungress (T'JC) uebertroffen.
Die 16 Gewerkschaften werden ihre Selbstataendigkeit behalten, aber 15%
der eingezogenen Beitraege an das Bundesbuero abfuehren zuzuetlich 15 Pfenning
pro Mitglied vierteljaehriieh fuer einen Kampffonds, (englischt defense fund Verteidigun&amp;sfond). Von den an den Bundesfond abgefuehrten 15% wird das Bundesbuero die gesetzgeberischen Interessen der Organisation auf Bundesbais wahrnehmen, Unterstuetzung fuer wirtschaftswissenschaftliche Forschung gewaehren,
regelmaessige Zeitschriften veroeffentliehen, und die Gehalts- und Buerounkosten
der Landes- und staedtlachen Organisationen tragen. Die Funktionaere der Landesund staedtischen Organisationen tragen. Die Funktionaeie der Landes- und staedtisehen Organisationen werden von den zustaendigen Koerperschaften gewaehlt, mues.sen
jedoch vom Bundesvorstand bestaetigt werden. Die Hauptaufgabe der Arbeiterbewegung, naemlich Kollektiwerhandlungen zur Festsetzung von Lxhnen, Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen, verbleibt bei den 16 Industrieverbaenden.
Die Waehrungsreform im vergangenen Jahre, wodurch die Gewerkschaften den
groessten Teil ihres Vermoegens verloren, verbunden mit uer weitverbreiteten
Arbeitslosigkeit - im Augenblick 9% der unselbststaendigen Erwerbspersonen machen es erforderlich, dass die Gewerkschaften mit den ihnen zur Verfuegung
stehenden Geldmitteln sehr sparsam umgehen« Ich nenne folgendes Beispiel:
Da die Reisekosten der Delegierten des Muenchener Gruendungskongresses von dem
neuen Bund getragen werden muessen, ordnete der Vorbereitende Ausschuss an, dass

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�keiner der 485 Kongressdelegi rten fuer die Reise zur Kongresstadt ein Auto
benutzen durfte, sondern mit der Bahn reisen musste. Mit der Bundesbahn wurde
eine Vereinbarung getroffen, wonach die Delegierten nur den halben Fahrpreis
zu entrichten hatten.
Vertretung der Arbeiterschaft
Auf diese Weise wurden der neuen Organisation Ausgaben in Hoehe von
k0,000 DM erspart.
Das Hauptproblem, dessen Loesung der neuen Organisation obliegt, wird es
sein, ein allumfassendes Programm zur Bekaempfung der wachsenden Arbeitslosigkeit vorzulegen« weiterhin, fuer eine Gesetzgebung zur Senkung der Preise zu
wirken, fuer eine verbesserte soziale Sicherheit zu wirken, um dieses Gebiet
mindestens auf den Stand der vornazistischen Epoche zu bringen; fuer eine
Vertretung der Arbeiterschaft in Jenen Gremien der Regierung zu kaempfen, in
denen die Mitwirkung der Arbeiterachaft bisher ignoriert worden ist} auf eine
Aenderung des Beamtengesetzes hinzuwirken, um zu verhindern, dass der Geist
einer "geschlossenen Kaste* sich verewigt; bei der Eingliederung der etwa
9 Millionen Fluechtlinge aus den Ostgebieten in eine eingeschraenkte deutsche
Wirtschaft mitzuarbeiten; die in einigen Laendern auftretende steigende
Tendenz, fruehere Nazis wieder in ihre ehemaligen Regierungspositionen einzusetzen, zu bekaempfen; mehr Verantwortung zu fordern bei der Verwaltung des
Marshall-^lans, den die deutsehe Gewerkschaftsbewegung von Anfang an unterstuetzt hat.
Bei der oben aufgezeigten gewaltigen Arbeit werden die Gewerkschaften
die Hilfe der liberalen Parlamentsmitglieder benoetigen. Aber sie werden
ebenso die Hilf« der Alliierten Hohen Kommissare und ihrer Berater benoetigen.
Die amerikanische Politik Deutsehland gegenueber muss mehr den Liberalismus
als die Reaktion unterstnetzen. Wenn wir wollen, dass die demokratischen
Kiemente in Deutschland an Sinfluss gewinnen, dann muss die amerikanische Politik entschieden gegen die Reaktion sein.
Der deutsehe Arbeiter will, dass es in seinem Lande eine wahre Wirtschaftsdemokratie gibt. Der deutsche Arbeiter wuenscht, zu einer freien Gewerkschaftsbewegung zu gehoeren. Er organisiert jetzt diese freie Gewerkschaftsbewegung
in Muenchen. Und diese freie Gewerkschaftsbewegung wird sich auf der komroenden
Londoner Konferenz mit anderen freien Gewerkschaftsbewegungen von allen sechs
Kontinenten vereinigen, um eine internationale Körperschaft der Arbeiter ins
Leben zu rufen, die die entscheidende Rolle bei der Sicherung des Weltfriedens
spielen kann.
Als Ihr Vertreter in Deutsehland, der waehrend der vergangenen 3 Jahre
die Vorgaenge beobachtet hat, kann ich sagen, dass der Amerikanische Gewerkschaftsbund, durch die Arbeit seiner Funktionaere, seines Internationalen
Komitees fuer Arbeitsbeziehungen, und des Freien Gewerkschaftsausschusses
wahrhaft stolz sein kann auf alles, was bisher hinsichtlich des Aufbaus einer
deutsehen Demokratie geleistet worden ist.

PROTEST DES AMERIKANISCHEM GEWERKSCHAFTSBUNDES (AFP UEBtR DIL DEMONTAGE
IN DEUTSCHLAND.
Der folgende Artikel enthaelt die offizielle Stellungnahme
des amerikanischen Gewerkschaftsbundes (AFL) zur Frage der
Demontage von industriellen Unternehmen in Deutschland. Er
wurde in der offiziellen Zeitschrift der AFL, Labor's Monthly Survey. veroeffentlieht.

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�S t e l l t die Demontierung deutscher Fabriken e i n .
Die deutsche Produktion i s t von wesentlicher Bedeutung fuer den Wiederaufbau und d i e Gesundung der europaeischen I n d u s t r i e ; seine modernsten und l e i s t u n g s faehigsten Fabriken sind jedoch zur Demontage bestimmt* Wenn der gegenweertige
Demontageplan durchgefuehrt wird, wird er Europa lebensnotwendige Erzeugnisse
entziehen und eine A r b e i t s l o s i g k e i t von 20% - ^C% a l l e r Arbeiter i n vielen
deutschen Staedten heraufbeschwoeren. Er wird die Produktion in vielen
Industriezweigen lahmlegen, die von den Erzeugnissen der zur Demontage bestimmten
Fabriken abhaengig s i n d . Damit wird er Deutschland daran hindern, eine sich
s e l b s t genuegsame Wirtschaft aufzubauen, und es wird eine Belastung fuer den
amerikanischen Steuerzahler bleiben* Die Erbitterung der Deutschen ueber die
unverantwortliche Demontierung von Werken mit reiner Friedensproduktion und
die verheerenden Auswirkungen auf i h r e Beschaeftigung, i h r Einkommen und ihren
Lebensstandard rufen gefeehrliche p o l i t i s c h e Reaktionen hervor.
Der Praesident des deutschen Gewerkschaftsbundes in der Britischen Zone,
Hans Boeekler, hat in einem Bericht f e s t g e s t e l l t , dass a l l e i n in NordrheinWestfalen 155,000 Arbeiter infolge der Demontierungen a r b e i t s l o s wuerden*. Mit
diesen Entlassungen i s t es jedoch nicht getan, denn die wirtschaftlichen und
sozialen Auswirkungen dieses Programms sind von v i e l weittragenderer Bedeutung«
So l i e g t z.B. d i e synthetische I n d u s t r i e , deren Werke abgebaut werden s o l l e n ,
in unmittelbarer Neehe der Kohlenbergwerke und beschaeftigt a e l t e r e und Versehrte Bergleute und Frauen, die anderswo keine Beschaeftigung finden koennen.
Wenn diese Teusende von Arbeitern im Ruhrgebiet ihre Arbeit v e r l i e r e n , wird eine
sehr ernste S i t u a t i o n entstehen, da i n anderen Staedten, i n denen s i e v i e l l e i c h t
Arbeit finden koennten, keine Wohnungsmoeglichkeiten fuer sie sind«
Demontage und Wiederaufbau Europas
Die bedeutenden wirtschaftlichen Auswirkungen der Demontage werden un- ,
h e i l v o l l fuer das Wiederaufbauprogramm Europas s e i n , des auf die Erzeugnisse
d i e s e r Industrien angewiesen i s t . Die Untersuchung des Humphrey Ausschusses
hat ergeben, dass bestimmte wichtige Stahlwerke von der Demontage ausgenommen
werden muessten, da sie sowohl fuer die Wiederaufrichtung der deutschen Wirtschaft a l s euch fuer den europaeischen Wiederaufbau von groesster Bedeutung
sind. Millionen Dollars waeren fuer d i e Demontierung d i e s e r Industrien e r f o r d e r l i c h , waehrend zu gleicher Zeit noch mehr Millionen fuer die Instandsetzung
der schwer beschaedigten Eisen- und Stahlindustrie in Deutschland gebraucht
wuerdetw Fuer die Zerstoerung der I n d u s t r i e und dann fuer ihren Wiederaufbau
zu zahlen, i s t einfach s i n n l o s , - und amerikanische Steuerzahler haben d i e
Kosten zu tragen»
Die Demontage von S c h l ü s s e l i n d u s t r i e n wird grosse Zweige der deutschen
I n d u s t r i e in Mitleidenschaft ziehen. So i s t z . B . fuer die Durchfuehrung des
Marshall- Planes der Wiederaufbau der stromerzeugenden I n d u s t r i e i n Deutschland
von hoechster Wichtigkeit; die Demontage der August-Thyssen-Huetie wird jedoch
80# der deutschen Erzeugungskepazitaet fuer Transformetorenbleche hoher Quelit a e t z e r s t o e r e n , d i e fuer die Stromerzeugungsindustrie unentbehrH.cn sind»
Ferner werden davon d i e zwei 15,000 Tonnen Schmiedepressen betroffen werden, ohne
d i e d i e dringend benoetigten 200 Turbinenanlegen mit 300 Wellen nicht her g e s t e l l t werden koennen. In anderen Stehlwerken sollen die Einrichtungen zur
S t a h l h e r s t e l l u n g und sonstige wichtige T e i l e des Werkes b e s e i t i g t werden, obwohl
cidere Bestandteile unberuehrt bleiben. Die Produktion an den verbleibenden
Einrichtungen wird damit w i r t s c h a f t l i c h unrentabel. Ein grosser T e i l der
deutschen Stehlerzeugungskepeziteet, die im Rahmen des Marshall-Plenes erlaubt
i s t , geht damit v e r l o r e n . In der Aluminiumindustrie sollen Werke demontiert
werden, d i e unter Ausnutzung der Wasserkraft a r b e i t e n . Da die Benutzung der
Wasser- u nd Kohlekraftquellen aufs Sorgfaeltigste so ausgeglichen wurde, dass
d i e Produktionskosten aufs Moeglichste reduziert wurden und rentabel waren, werden
d i e s e Kosten nun von Werken zu tragen s e i n , die auf der wesentlich teueren Steinkohlenbasis a r b e i t e n . Dies s t e l l t die R e n t a b i l i t ä t der Werke ueberhaupt in Frage».

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�Die deutsche Maschinenindustrie, die von so grosser Wichtigkeit fuer ganz
Europa i s t , wird nicht nur durch die Demontage der stahlerzeugenden Industrie
gelaehmt, die das Material fuer s i e l i e f e r t , sondern auch durch d i e Zerstoerung
v on Fabriken, die wichtige Fraesmaschinen, Webmaschinen, Generatoren und lange
Drehbaenke fuer Schiffsantriebswellen h e r s t e l l e n .
Auswirkungen auf Schluesselindustrien
In der chemischen Industrie sollen nicht nur Fabriken, die synthetischen
Gummi h e r s t e l l e n , demontiert werden, sondern auch solche, die Butadien, den wicht i g s t e n Grundstoff dazu, erzeugen. Dieses Butadien wird auch zur Herstellung von
Fussbodenbelag und wasserdichten Wandplatten gebraucht, die im Wohnungsbau Verwendung finden* In Deutschland herrscht ein Mangel an 4 Millionen Wohnungen,
und bei der unzureichenden Versorgung mit Bauholz i s t dieser Baustoff von groesster
Wichtigkeit. Das deutsche Volk kann nicht verstehen, warum man ihm oin Verfahren
nimmt, das ea s e l b s t erfunden h a t , - naemlich die Herstellung synthetischen Gummis, und das zu einem Zeitpunkt, an dem es so ncetig fuer friedliche Zwecke gebraucht
wird. Die Demontage, die fuer die gesamte chemische Industrie der Kohlenaufbereitung geplant i s t , die wiederum eng mit dem deutschen Kohlenabbau zusammenhaengt,
wird den Arbeitsvorgang von Industriezweigen unterbrechen, die Tausende von Menschen
in einem dicht bevoelkerten Gebiet beschaeftigen und wird periodische Arbeitslosigk e i t in diesen Industrien hervorrufen.
Die gesamte Gruppe von Fabriken, die an dem Fischer-Tropsch-Verfahren der
Oelraffinade b e t e i l i g t sind, s o l l demontiert werden, obwohl diese Industrie nur
in ^anz geringem Umfang zu Kriegszwecken Verwenung finden koennte. Die aus diesem
Verfahren entstehenden chemischen Grundstoffe sind von lebenswichtiger Bedeutung
f u t r eine ganze Anzahl weitervererbt-itender I n d u s t r i e n , und wenn diese Fabriken
demontiert werden, waere es den chemischen Industrien Westdeutschlands nicht mehr
moeglich, ihren bedeutenden Beitrag zur Erfuellung de« Marahall-Planes zu l e i s t e n .
Die deutschen Gewerkschaftler haben energisch gegen die Demontierung dieser gesamten Gruppe von Fabriken p r o t e s t i e r t , da viele Zweigwerke davon von wesentlicher
Bedeutung fuer die deutsche Friedenswirtschaft s i n d . So wird zum Beispiel die
Entfernung der gaserzeugenden Fabriken die schon knappe Gasversorgung der deutschen
Bevoplkerung noch mehr kuerzen, und das Verschwinden der Destillier-Werke die
TreibstoffProduktion aus importiertem Rohoel unmoeglich machen. Es muessten daher
neue Fabriken fuer diesen Zweck aufgebaut werden. Ebenso kann das deutsche Volk
nicht verstehen, warum die Bunaherstellung nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren in
Deutschland e i n g e s t e l l t werden s o l l , waehrend s i e in Japan bestehen bleiben darf.
Zur Demontage sind ferner folgende Friedensindustrien vorgesehen! Die Herstellung
von Elektronenroehren, die im Nachrichtenwesen und bei dem elektrownedizinischen
Heilverfahren gebraucht werden; desgleichen die gesamte Taschen- und Grossuhreni n d u s t r i e in der franzoesichen Zone.
Das Demontageprogramm bedroht selbst die geringe i n d u s t r i e l l e Produktion,
die Deutschland nach dem Plan zur Begrenzung der deutschen Produtktionskapazitaet
erlaubt wurde. -Es ninmt Deutschland die Moeglicbkeit, Rohstoffe zu erzeugen, die
von anderen Laendern Europas dringend benoetigt werden, und durch die Ausfuhr derselben soviel Devisen zum Einkauf von Nahrungsmitteln and Rohstoffen zu erwerben,
wie das deutsche Volk zur Lebenshaltung unbedingt braucht. Di« Gewerkschaften in
Deutschland sind fuer die Beseitigung der deutschen Kriegsproduktion, aber s i e sehen
eine grosse Gefahr in der Lahmlegung der deutschen Friedensproduktion. Sie sind
flieh darueber im Klaren, dass die Erbitterung und Unrihe der deutschen Bevoelkerung
uebwr die verheerenden Folgen der Demontage eine grosse Gefahr d a r s t e l l t , da s i e
von politischen Elementen der Rechten ebenso wie der Linken dazu benutzt werden,
Unzufriedenheit hervorzurufen und undemokratische Organisationen zu schaffen.
Wir wissen, da3s Deutschland zweimal die ganze Welt in einen Vernichtungskrieg g e s t u e r t t h a t , der Menschenverluste und Trauer fuer so v i e l e Familien bed e u t e t e . Diese schrecklichen Geschehnisse brauchen nicht ins Gedaechtnin zurueckgerufen zu werden. Wir glauben jedoch, dass es die beste Gewaehr fuer den Frieden
i s t , Deutschland a l s Mitarbeiter in den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas miteinzuschalten, um es an der Entwicklung des neuen Europas durch Zusammenarbeit mit
anderen Voelkern fuer gemeinsamen F o r t s c h r i t t teilnehmen zu lassen.
AFL Labor's Monthly Survey
Aug. - Sept. 1949
- 11 -

�Ansprache von Svend A. Godfredsen.Referent im Arbeitsinformationsbuero der £CA Delegation in Daenemark, anlaesslich einer Tagung der YMKA. zusammen mit Unternehmer-,
Arbeiter- und anderen oertlichen Organisationen, am 10.
Oktober 1949 in Pudk^bing.

ARBEITERSCHAFT UND EUROPÄISCHER WIEDERAUFBAU
Ich bin heute hier, um zu Ihnen ueber den Marshall-Plan und im besonderen
ueber die Beziehungen der organisierten, demokratischen Arbeiterschaft zu diesem
Plan zu sprechen. Ich bin von der Regierung der Vereinigten Staaten als Delegierter in dem Aufgabengebiet des Marshall-Plans eingesetzt, das sich insbesondere mit den Problemen der Beziehungen der Arbeiterschaft zur Oeffentlichkeit,
Erziehung und Information befasst. Um jedoch keine Missverstaendnisse aufkommen
zu lassen, muss gesagt werden, dass der Marshall-Plan kein Projekt ist, das
eine ganz bestimmte Klasse betreut. Es ist vielmehr eine demokratische Organisation, in der alle wichtigen Gruppen, wie Landwirtschaft, Industrie, Handel,
Arbeiterschaft und Regierung vertreten sind. Die Anhaenger des Marshall-Plans
sind auf seinen demokratischen Aufbau stolz.
Die amerikanische Regierung hat erkannt, wie wichtig die volle Anerkannung
und das Verstaendnis fuer den Marshall-Plan nicht nur in Europa, sondern auch in
den Vereinigten Staaten sind. Aus diesem Grunde ist innerhalb der Organisation
eine Behoerde gebildet worden, die sich mit ArbeitsInformationen befasst. Diese
Behoerde ist als 2uaats zum allgemeinen Informationsbuero geschaffen worden»
Unsere Arbeit besteht darin, Informationen ueber allgemeine Arbeitsbedingungen
und den Lebensstandard herauszugeben, ferner haben wir die gegenseitige Erkenntnis
zu foerdern, nach der die Mitarbeit am Marshall-Plan eine Notwendigkeit ist. Damit
habe ich mein Aufgabengebiet umrissen und deshalb bin ich heute abend hier, um mit
Ihnen die Aussichten und Probleme zu eroertern, denen wir bei der Ausfuehrung unseres
Programms zum europaeischen Wiederaufbau gegenueberstehen.
Die Arbeiterschaft muss aufgeklaert sein
Nicht nur Europas Arbeiter muessen fuer die Ziele, Aufgaben und Problem«
des Marshall-Planes Verstaendnis haben» Von groesster Wichtigkeit ist, dass auch
die organisierten und nichtorganisierten Arbeiter der Vereinigten Staaten dieses
Verstaendnis aufbringen.
Der Leiter unseres Arbeitsinformationsbuero in der Verwaltung fuer europaeische Zusammenarbeit (ECA) ist Harry Martin, der Praesident der amerikanischen
Zeitungsarbeitergewerkschaft» Er ist im Amt des Botschafters Harriman in Paris
taatig. Mit Hilfe dieses Informationsbueros arbeiten wir an der Entwicklung
und Foerderung des Verstaendnisses fuer den Marshall-Plan und seine unmittelbaren
und auf weite Sicht gesteckten Ziele, fuer das Tagesprogramm und das auf weite
Sicht, das 1952 beendet sein soll*
Wir haben Repraesentanten in den verschiedenen Marshall-Plan-Laendern und
arbeiten in Verbindung mit der europaeischen und amerikanischen Arbeiterbewegung.
Unsere Arbeit erstreckt sich auf die demokratischen Kraefte innerhalb dieser
Arbeiterbewegungen, auf die, die den europaeischen Wiederaufbau durch den MarshallPlan unterstuetzen und unterstuetzt haben. Wir alle wissen, dass es eine kleine,
aber viel Laerm verursachende kommunistische Gruppe gibt, die glaubt, dass der
Marshall .»Plan - so sagen sie wenigstens - ein Versuch amerikanischer Kapitalisten
ist, Europa in Besitz zu nehmen und auszubeuten. Sie behaupten dies ungeachtet
der Tatsache, dass, wie allgemein bekannt, der Marshall-Plan nur moeglich ist,
weil der amerikanische Buerger, durch seine Regierung auf demokratischer Basis
repraesentiert, freiwillig eine Abgabe in Form von Steuern leistet, die durchschnittlich fast 34 Dollar im Jahr fuer jeden Mann, jede Frau und jedes Kind betraegt. —
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung
Ich moechte einiges ueber die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten
Staaten aagen. Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter belaeuft sich
auf an- 12 -

�#

naehernd 16 M i l l i o n e n . Die zwei grossen Gewerksr.haftsvereinigungen, a l s CIO
und AFL bekannt, haben eine M i t g l i e d e r s c h a f t von nahezu 13 Mi]] tonen.
Die a u g e n b l i c k l i c h unnbhaengigen Gewerkschaften der Berg- und Maschinena r b e i t e r zaehlen ungefaehr je 600,000 M i t g l i e d e r . Die M i t g l i e d s z a h l der E i s e n bahnergewerkschaften betraegt ungefaehr ^50,000, und der Best der Arbeiter i s t
i n k l e i n e r e n , nichtangeoohlossenen Gewerkschaften o r g a n i s i e r t . S e i t 1933 i s t
d i e Zahl der M i t g l i e d e r der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung von 3 «uf 1&amp;
M i l l i o n e n a n g e s t i e g e n . Diese Entwicklung hatte umwaelzende Auswirkungen aowohi
auf dem Gebiet der Wirtschaft e i s auch der P o l i t i k zur FoJge. S i e bedeutet«
die Neuordnung v i e l e r s o z i a l e r , w i r t s c h a f t l i c h e r und p o l i t i s c h e r Lebens- und
Ex istanznormen.
S o l l t e n S i e mich fragen, •Wie sind d i e Loehne in den V e r e i n i g t e n S t a a t e n ? * ,
fcoennte
ich Ihnen z . B . die Antwort gebent "Der Durchschnittslohn in der
ßo
Knhl&lt;-niudustrie i s t $ 1 , 9 9 pro Stunde oder $ 6 9 , 3 5 P p o Woche." Oder ich koennte
Ihnen sagen, dass der Durchschnittslohn d*r Arbeiter in der S t a h l i n d u s t r i e
$1 68 pro Stunde b e t r a e g t , dass im Baugewexbe e i n d u r c h s c h n i t t l i c h e r Stundenlohn von $ 1 , 9 2 bezahlt wird. Loehne sn sich sagen jedoch wenig. Es dr*ht s i c h
darum, wie wir o l l e w i s s e n , was mun mit diesen Loehnen kaufen Wann.
Der beste Masstab fuer die Kaufkraft der Loehne besteht, in der Berechnung,
wie lange e i n Arbeiter arbeiten muss, um mit dem damit verdienten Geld die
Lebensnotwendigkeiten kaufen zu koennen. In den V e r e i n i g t e n Staaten muss e i n
Mann oder eine' Frau mit einem Durchschnittslohn von $1,3&amp; pro Stunde die f o l gende Anzahl von Minuten oder Stunden arbeitr-n, um die Gegenstände kaufen zu
koennen, die ich Ihnen aufzaehlen werde.
Art der Ware

durch*chnittl.
Stunden

Roggenbrot, 1 kg

Arbeitszeit
Minuten

12

Weizenmehl , 1 k g

9

«

Zucker, 1 kg
. .
F l e i s c h , 1 kg
B u t t e r , 1 kg
Milch, 1 Liter
. . . »
E i e r , 1 Dtzd
.
Kaffee, 1 k g
E i e r , 1 Flasche
.
Whisky, 1 Flasche
•
Z i g a r e t t e n , 20
Damenwollkleid
Herrenanzug, Wolle
Herrenschuhe, 1. Qualitaet . . . . .
Damenschuha, 1. o . j a l i t a e t
Nylonstruempfe

1
1

11
10
30
10

35
6
1
13
35
7
5

35
9

50

Im Jahre 19A7 entsprach d i e Wohnmiete d u r c h s c h n i t t l i c h drei T * ^ n Arbeit
fuer einen I n d u s t r i e a r b e i t e r . Wir koennten in d i e s e r Betrachtung fortfahren
mit Bezug auf w agen, Rsdingeraete und v i e l e andere Gegenstaende, die amerikanische Arbeiter a l s zugehoerig zu ihrem Lebensstandard betrechten.«*—
Im Jahre 19'|6 wurden d i e Einkommen von 14 Millionen amerikanischen Familien
aus a l l e n T e i l e n des Landes in e i n e r Erhebung e i n e r Betrachtung unterzogen. Es
z e i g t e n s i c h folgende Ergebnissei
J a e h r l i c h e s Einkommen
Zahl der Familien
( i n Prozent)
weniger als l,ooo Dollars

1,000
1,500
2,000
?#5oo
3,000
5,000

- 1,500
- 2,000
- 2,500
- 3,000
- 5,000
und mehr

5.7

•
•
•
•
•
•

6.8
10.0
11;.7
14,?
35.I
12.9

- 13 -

�Nachdem wir nun Loehne, Kaufkraft und Produktivitaet, ferner die zum Kauf der
Lebensnotwendigkeiten erforderliche Arbeitszeit eroertert haben, kommen wir zu
einem der wichtigsten Probleme, denen wir in unserer Arbeit am Marshall-Plan
und dem europaeiseben Wiederaufbau gegenueberstehen. Statistische Angaben aus
den Vereinigten Staaten zeigen, dass wir nicht so lange wie in Europa, zu arbeiten
brauchen, um.die Lebensnotwendigkeiten zu kaufen, die es ermoeglichen, unter
annehmbaren Lebensverhaeltnissen zu leben. Und wir fragen ganz natuerlich
•Warum?"
Die Antwort ist selbstverstaendlichi Produktivitaet. Wir haben eine groessere
Produkt ivitaet in den Vereinigten Staaten. In andern Worten, wir erzeugen mehr
Waren des gleichen Wertes pro Arbeiter und pro Stunde als hier in Europa. Das
Erzeugnis kostet damit weniger, kann fuer weniger Geld gekauft werden und mehr
Leute koennen es sich leisten zu kaufen. Diese Tatsache haengt von verschiedenen
Faktoren ab. Es ist nicht nur eine Angelegenheit des Arbeiters an seinem Arbeitsplatz. Es ist ebenso die Folge der Verwendung neuerer und besserer Maschinen,
des Aufbaus der Fabriken und des Massenabsatzes. — Wie der Marshall-Plan ins Leben gerufen -wurde
Ich moechte gern einen kurzen Bueckblick auf die Zeit kurz nach Kriegsende
halten. Wir alle sind mit der tragischen Tatsache vertraut, dass nach Kriegsende
die gesamte europaeische Wirtschaft am Boden lag, und wir wissen, dass alle die
Notwendigkeit des Wiederaufbaus in Europa einsahen. Es war notwendig, seine
Wirtschafts- und Produktionsmachinerie wiederaufzubauen. Am 5« JV*A 1947 hielt
Mr. Marshall, unser damaliger Staatssekretaer, in der Harvard Universitaet eine
Rede und schlug die Hilfe zum Wiederaufbau Europas vor. Er sagte u.a., dass
europaeische Nationen Hilfe von den Vereinigten Staaten dann erwarten koennten,
wenn sie ihre Einwilligung zu einem Wiederaufbauplan geben koennten. Nur vom
Kommunismus beherrschte Laender koennten von diesem Angebot keinen Gebrauch machen.
Seitdem sind die Kommunisten erbitterte Gegner des Marshall-Planes gewesen, und
sie haben auf die verschiedenen Arbeiterbewegungen jeden nur moeglichen Einfluss
ausgeuebt, um deren Mitarbeit am europaeischen Wiederaufbau durch den MarshallPlan zu sabotieren.
In der Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten, mit Ausnahme kleiner Gruppen
kommunistisch gefuehrter Arbeiter, hat der Marshall-Plan die Mitarbeit des Arbeiters erfahren. Im ganzen Lande sind in Arbeiterkonventionen Massnahmen zur
Unterstuetzung des Planes getroffen worden. Vom ersten Augenblick an war die
Arbeiterschaft bei der Aufstellung des Programms und seiner demokratischen Organisierung vertreten. Die Arbeiter haben den Plan unterstuetzt, und es war ihnen
oft nicht leicht, fuer diese neue Phase in ihrer Organisation Yerstaendnis aufzubringen, die eine internationale Zusammenarbeit in einem Masse erforderte, wie es
bisher in der amerikanischen Arbeiterbewegung unbekannt war.
Ich glaube, man kann sagen, dass durch den Weltkrieg Nr. 2 die allgemeine
Erkenntnis geboren wurde, dass kein Teil der Welt ohne irgendeinen andern leben
kann. Die Arbeiterschaft erkannte, dass es mit dem Krieggewinnen nicht abgetan
ist, sondern dass es ebenso muehsam ist und einer staendigen und ehrlichen Anstrengung bedarf, um einen Frieden zu gewinnen - einen Frieden, der da moeglich ist,
wo die Wuensche des Volkes erfuellt werden koennen. In wirtschaftlichem Sinne
dient der Marshall-Plan diesem Zwecke. —
Der Plan soll 1952 ablaufen. Wir hoffen, dass Europa bis dahin in der Lage
ist, ohne unsere Hilfe weiterzuleben. Plaene und Wuensche sind, dass es dann wieder
zu einem Gebilde geworden ist, in dem gesunde Wirtschaften bestehen, der Produktionsapparat ausreichend arbeitet und alle europaeischen Nationen ihre Wirtschaft soweit
ergaenzt haben, dass eine der andern durch freien Handel dienen kann.
Warum Europa geeinigt werden muss

Es ist wahr, dass es viele Probleme dabei gibt» Wer am Marshall-Plan mitarbeitel
weiss, dass immer wieder neue auftauchen, die Arbeit und Verstaendnis, und zwar
nicht nur nationales, sondern auch internationales erfordern.

- 14 „

�Suropas geschichtlicher und endgueltiger Wiederaufbau kann nicht vollzogen werden,
ohne dass Probten» dabei auftauchen. Es ist deshalb wichtig, dass wir vor diesen
Problemen nicht zuruede schrecken, sondern sie in Angriff nehmen, jedes so, wie
es sich ergibt, damit unsere Zukunft frei und sicher sein kann. Die Loesung
dieser Probleme ist die grosse Aufgabe der Demokratie* In der Welt der Dikta&gt;
toren sind die Menschen geneigt, nur nach einer gewissen Sicherheit zu suchen,
nicht aber nach Freiheit» Wir in der demokratischen Welt verlangen:, nicht
weniger als Freiheit und Sicherheit fuer verantwortungsbewusste Menschen, die
gemeinsam streben und arbeiten. Die Feinde der Demokratie sagen staendig, dass
diese nicht faehig waere, die Probleme der Welt zu loesen, und dass deshalb
die Diktatur an ihre Stelle treten muesse. Wir, die wir an die Demokratie
und ihren Erfolg glauben, - und ich bin ueberzeugt, dass Daenemark mit i n
unaen ersten Reihen steht - sind dazu verpflichtet, die Probleme des xages und
unserer Zeit zu loesen. —
Ich betrachte Europa als Amerikaner und bin mir bewusst, das» es hier
viele Probleme gibt. Doch sie koennen geloest werden* In gewissem Sinne
bestehen bei uns in den Staaten Aehnlichkeiten mit Europa. Saemtliche Voelker
und nationale Gruppen Europas sind bei uns vertreten; alle Eure Glaubensbekenntnisse und wahrscheinlich noch ein paar mehr; alle Eure Sprachen werden
bei uns gesprochen, und Menschen aller Rassen der Welt leben in unserm Staate«
Und doch ist es Amerika gelungen, all diese mannigfachen Gruppen zusammenzuschweissen, sodass wir jetzt gemeinsam an unserer Sache arbeiten und ein
gemeinsames Bewusstsein haben, dass auf verschiedene Arten zum Ausdruck kommt*
Es muss jedoch auch gesagt werden, dass diese Gemeinschaft nicht ebne grosse
Anstrengungen und Arbeit, zustandekam, und in Form der Gesetzgebung unserer
Regierung wird dieser Kampf weitergefuahrt werden, damit wir die sich taeglich
ergebenden Probleme loesen koennen. Ohne dieses Ringen, ohne Arbeit und Einsicht werden wir rueckwaerts gehen. Ich glaube bestimmt, dasa hier in Europa
der Friede gewonnen werden kann, aber er wird Mut, Glauben und Arbeit erfordern, ebensoviel, wie noetig war, um die Kriegsjahre zu ueberstehen.
Die Zukunft wird uns Frieden bringen. Er wird bestehen, wo die wirtschaftlichen Bedingungen dem Volke Beschaeftigungsmoeglichkeiten geben; wo
es die Lebensnotwendigkeiten herstellen und kaufen kann} wo Handels- und
Reisebesehraenkungen aufgehoben sind und allen damit moeglich ist, ihre Nachbarn kennen und verstehen zu lernen. Friede wird sein, wo die wirtschaftlichen
Bedingungn so sind, wie sie der daenische Gewerkschaftsfuehrer Grundtvig einst
so treffend bezeichnete - "*o wenige zuviel haben, aber noch weniger nicht
genug haben.
Die Organisation der wirtschaftlichen Zusammenarbeit
Europa* (CEEO
Es i s t wahr, dass Daenemark a l l e i n kein neues Europa, errichten kann.
Daa t r i f f t natuerlich fuer a l l e europaeischen Nationen zu. Deahelb i s t ea
von so grosser Wichtigkeit, dass ein europaeis eher Wirtschaftsrat geschaffen
wurde, unter dem Namen OEEC bekannt. In diesem Rat treffen sich Delegierte
a l l e r Marshall-Plan-Laender, eroertern und loesen Probleme von gemeinsamem
Interesse. Audi s i e sind vor schwierige Aufgaben g e s t e l l t und brachen deshalb
die Hilfe der gesanten Bevoelkerung in Europa. In diesem Wirtschaftsrat gibt
es einen Arbataberatungaausacbusa, in dem Mitglieder a l l e r Arbeiterbewegungen
in aaemtlichen Marshall-Plan-Eaendern vertreten sind. Sie beraten ueber Arbeiterwohlfahrt. Es i s t ohne Zweifel wahr, dass ohne die Unterstuetzung und daa
Verstaendnis der Arbeiterschaft Europas weder ein wahrer Wiederaufbau, eine
Steigerung der Produktivitaet, noch wirtschaftliche Verbesserungen moeglich
sind. Die Kommunisten wissen die», und s i e versuchen deshalb,in jedem
Marshall -Plan-Land ihren Einfluss auf die Arbeiterbewegungen geltend zu machen.
Daenische Gewerkschaftler besuchen die Vereinigten Staaten.
Waehrend der l e t z t e n 3 Wochen hat eine Gruppe daenischer Gewerkschaft«fuehrer die Vereinigten Staaten b e r e i s t . Der Zweck ihres Besuches war daa
Studium amerikanischer Produktionsmethoden, die Bedeutung der Arbeiterbewegung
in den Produktionssteigerung und die Beziehungen zwischen Loehnen und Produktivitaet. Wir betrachten diese Peise als sehr wichtig, da durch s i e

- 15

�Informationen ausgetauscht werden, die sowohl fuer Europa a l s auch fuer die
Vereinigten Staaten nutzbringend sind. —
Wir, die Mitarbeiter am Marshell-Plen, sind ebenfeile ueber die Stellung,
nähme des Preesidenten des Deenischen Gewerkschaftsbundes, Eiler Jensen, zu
der wesentlichen Frage erfreut, die in seinen Worten so klar zum Ausdruck
kommt. Jensen sagte in Washington: "Die deenischen Arbeiter sind sich voll
und ganz der Bedeutung der Produktionssteigerung zur Erreichung eines hoeheren
Lebensstandards bewusst. Wir sind gluecklich, sagen zu koennen, dess die
Produktion pro Arbeitsstunde um 20J£ s e i t dem Kriege gestiegen und nun trotz
Schwierigkeiten ebenso hoch wie vor dem Kriege i s t . "
Jensen fuehrte weiter aus: "Hoehere Produktiviteet bedeutet b i l l i g e r e
Produktion end b i l l i g e r e Waren." Er betonte, dess die Vollbescheeftigung fuer
den europaeischen Wiederaufbau von Wichtigkeit i s t . Jedes Land, jedes Volk
und jede Gewerkschaftsorganisation muessen durch Vermittlung der Regierungen
oder auf einem andern Wege zusammenarbeiten, um die Vollbescheeftigung unbedingt beizubehalten«
Viele von ihnen sind wahrscheinlich erstaunt derueber, dess wir so sehr
die Notwendigkeit der Produktionssteigerung hervorheben. Dies kann ich Ihnen
v i e l l e i c h t am besten erklaeren, indem ich Sie b i t t e , einen Rueckblick auf die
Entwicklung der Vereinigten Staaten in den letzten 100 Jahren zu halten«
Zur Herstellung von Weren im Werte von 5&amp;^ P r o Stunde waren im Jahre
1850 15&amp; Menneskreft, 795t Perfekreft und 6&lt;£ Maschinenkraft notwendig.
1900, 5° Jahre spaeter, konnten mit 10£ Manneskraft, 793t Pferdekraft und
i&gt;% Maschienkraft Weren im Werte von 5&amp;# P r o Stunde hergestellt werden. —
193°» 3° Jahre spaeter, weren e s 1&amp;, Menneskraft, 12% Pferdekraft und 821
Maschinenkreft, mit denen Weren im Werte von 82^ produziert wurden«
Bedeutung der Zusemmenerbeit in Europa
Wir wissen netuerlich, dess mit Massenproduktion, Massenverbrauch und
Massenabsetz Band in Band gehen muessen. Europa i s t ein solcher Absatzmarkt,
ebenso wie die Vereinigten Steeten . . . . des h e i s s t , wird es s e i n , wenn die
HandelsbesehrSenkungen aufgehoben sein werden« In den Vereinigten Staaten
heetten wir niemals erreichen koennen, was wir erreicht heben, wenn e s diese
Beschraenkungen zwischen den einzelnen Staaten gegeben heette. West- und
Mitteleuropa mit 270,000,000 Bewohnern i s t ein solcher Merkt, wenn e s zu
diesem Zwecke organisiert wird«
Ich habe heute Abend versucht, Ihnen darzulegen, was nach unserer Berechnung noetig i s t , damit bis 1952 der europeeische Wiederaufbau soweit
vorgeschritten i s t , dess Europa auf eigenen Fuessen stehen k e n n . . . . das
h e i s s t , dase es hinsichtlich Produktion, Absatz, Ein- und Verkauf auf dem
Weltmarkt selbstgenuegsem geworden i s t . Ich hebe mein Thema mit Betonung der
Arbeitsangelegenheiten bebandelt, weil ich zufaellig in der Abteilung Arbeitsinformetionen teetig bin. Lassen Sie e s mich jedoch nochmals betonen, dess
der Marshall-Plan genau des i s t , was sein Kerne besagti wirtschaftliche
Zusemmenerbeit; wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Regierungen, p o l i t i schen Parteien und verschiedenen Organisationen innerhalb von Steedten und
Gemeinden, so wie sie heute abend hier vertreten sind. Ohne diese Zusammenarbeit wird des Wiedereufbeuprogramm ohne Erfolg sein. Jeder von uns kenn
e i s einzelner und e i s Mitglied einer Organisation seinen Teil zur erfolgreichen
Durchführung des Wiedereufbeuprogramms b i s zum Jahre 1952 beitragen. Die
neechsten 6 oder 8 Monate werden ausschlaggebend s e i n . Wenn Mr. Hoffman,
der Administrator der ECA, den Kongress der Vereinigten Steeten um die Bewilligung weiterer Geldmittel angehen wird, werden dessen Mitglieder zu wissen
wuenseben, welche Fortschritte gemacht wurden«
Ick glaube, wir koennen uns derueber einig sein, dees wir eine Zukunft
voller Probleme vor uns heben, nicht nur jede einzelne europeeische Kation,
sondern euch die Vereinigten Staaten s e l b s t . Aber schwere Probleme sind schon
halb g e l o e s t , wenn wir sie erkennen. Und wenn wir unser Wissen, unsere Feehigkeiten und unsern guten Willer i n ihren Dienst s t e l l e n , sind wir auf dem Wege
- 16 -

�des Fortschritte*. Wir wollen in unsern Bestrebungen zusammen mit dem
daenischen Volke durch Vermittlung seiner Regierung arbeiten und mit allen
verantwortungsbewussten und ehrlich denkenden Menschen«
Der Marshall-Plan ist in seinen Grundzusgen wirtschaftlich, aber er gibt
uns freien Voelkern auch die Moeglichkeit, uns unsere demokratischen Rechte
und Freiheiten zu sichern. Er ist der Grundstein beim Aufbau einer Welt des
Friedens und des Wohlstandes, in der es keine Spaltung mehr geben wird.

ESA Labor Information
25 Oktober 1949
GELUEBDE DLR ARBEITER UNGARNS
Aus einer Rede von Charles Payer, einstmaliger
Praesident des ungarischen Gewerkschaftabundea,
vor der 68. Jahreatagung des pmerikanischen
Gewerkschaftabundea (AFL) am k» Oktober 1949
in St. Paul.
"Heutzutage kann man in Ungarn jahrelang im Gefaengnis sitzen, ohne
verhoert und'verurteilt zu werden. In einigen Faelllen ist jemand freigesprochen
worden und schmachtet trotzdem noch nach Jahren in einem Konzentrationslager*
Es ist unmoeglich, im einzelnen all die Grauenhaftigkeiten wiederaigeben, die
gegen Arbeiter unter einem System begangen worden sind, das weder eine Meinungsaeusserung noch eine abweichende Meinung duldet.
"Sehen Sie mich an, der ich vier Jahrzehnte lang fuer die Rechte des
Arbeiters und einen hoeheren Lebensstandard gekaempft habe* Ich wurde unter
dem Horthy Regime ein Jahr lang ins Exil geschickt und zu sechs Monaten Gefaengnis verurteilt. Vierzehn Monate lang war ich von den Deutschen im Konzentrationslager Mauthausen interniert. Daraufhin musste ich der kommunistischen
Verfolgung durch Flucht entgehen. Ich wurde als "Agent des amerikanischen
Imperialismus" in Abwesenheit zu acht Jahren Gefangenschaft veruerteilt. Heute
befinde ich mich in einer besseren Lage als selbst Laazlo Rajk, der sich niemals dem Regime widersetzte, sondern sogar Innenminister und eine der Haupt stuetzen des Systems war. Nun ist er zum Tode verurteilt worden und wird gehaengt werden, waehrend ich wenigstens noch am Leben bleibe.
"Dieses System verabscheut Freiheit und Demokratie. Aus diesem Grunde
muss es jeder anstaendige Mensch ablehnen*
"Ich moechte noch etwas anderes sagen. Es handel t sich um die seltsame
Art der Auffassung des Kommunismus, wie sie bestimmten Leuten, meist Intellektuellen« eigen ist* Ich hatte im Ausland oft Diskussionen mit solchen Mitmenschen.
In der Regel stellen sie einen Vergleich zwischen der sogenannten russischen
Sozialpolitik und amerikanischem Imperialismus an, und sie sagen, dass den
Russen zwar noch einige Fehler anhaften, die sie jedoch abschuetteln werden,
und dass ihrer Idee die Zukunft gehoeren wird* Dieses kommunistische System
Ungarns hat mit Sozialismus ueberhaupt nichts zu tun. Es ist ein Imperialismus, wie ihn sich die Zaren Russlands nicht ausgepraegter traeumen konnten.
"Amerika vergroessert seine Gebiete nicht, Russland dagegen verschluckt
und annektiert viele Laender, macht Millionen von Menschen heimatlos und die
Haelfte Europas zu Vasallenstaaten. Sozialismus baut sich auf Freiheit«
Demokratie und Menschenfreundlichkeit auf. Die Kommunisten dulden nicht solche
Theorien* Mit friedenspropagandistischen Parolen dringen sie in China «in
und sind nun dabei, ihre Armeen und Panzer gegen Jugoslawien zu richten.
AFL News Letter,
(Bruessel), Oktober 1949

- 17 -

�GEHT AMERIKA NEUEN ARBEITSKONFLIKTM ENTGEGEN?
Die folgenden Ausfuehrungen sind dem Bericht einer
norwegischen Gewerkschaftsdelegation nach ihrer
Rueckkehr von einem Besuch in den Vereinigten Staaten
in der Zeit vom 30.Dezember 1948 bis 22.Januar 1949
entnommen worden. Zweck des Besuches war, technische
und soziale Studien zu treiben.
Ende des Jahres 1945 und fast waehrend des ganzen Jahres 1946 waren
die Vereinigten Staaten der Schauplatz, grosser sozialer Kaempfe. Im letzteren Jahre gingen durch derartige Streitigkeiten 116.000.000 Arbeitstage
verloren. In der Folgezeit fiel diese Zahl rapide ab, und in den Jahren
1947 und 1948 waren es etwa 34*000.000 Arbeitstage pro Jahr. Es waere leicht,
sich ueber diese Zahlen auszulassen. Die grossen Arbeitskonflikte traten in
der zweiten Haelfte des Jahres 1946 auf, d.h. vor Aufhebung der Preiskontrolle.
Zu dieser Zeit besassen die Lohnfestsetzungen noch ihre urspruenglichen
Merkmale. Eine Lohnerhoehung hatte eine Erhoehung des Reallohnes und verminderten Gewinn fuer den Unternehmer bedeutet. Von dem Tage der Aufhebung
der Preiskontrolle an bestanden Lohnfestsetzungen nur doch aus Lohnerhoehungen,
welche die Preiserhöhungen in Wirklichkeit reduzierten. Deshalb ergaben sich
auch kein grossen Schwierigkeiten, sie durchzusetzen» Heute aber fallen die
Preise, und die Festsetzung erhoehter Loehne wirkt sich wieder in groesserem
Masse zu einer Erhoehung des Reallohnes aus. Die Unternehmer koennen Lohnerhoehungen nicht mehr durch Festsetzung erucehter Preise auf die Verbraucher
schieben. Wird Amerika als Folge dieser Tatsache wieder in eine Periode
grosser sozialer Kaempfe eintreten? Vor Beantwortung dieser Frage wollen wir
eine rueckschauende Betrachtung anstellen.
Seit 1945 hat die Lohnentwidklung in grossen Zuegen folgenden Lauf genommen* Einige Zeit nach Einstellung der Feindseligkeiten wurden Lohnerhoehungen gewaehrt, die sich auf 18£ cts. pro Stunde beliefen. Beim naeehsten Schritt wurde eine Erhoehung von ungefaehr 15 cts. gegeben. Im Jahre
1948 begann die "dritte Runde", in welcher den meisten Berufen eine Erhoehung.
von nur wenig weniger als 15 cts. gegeben wurde, (bestimmte Gruppen, wie die
Bauarbeiter und Drucker bekamen 20 cts. und mehr). Ungeachtet der staendigen
Preiserhoehungen haben nur wenige Gewerkschaften Schritte unternommen, um
Bestimmungen ueber gleitende Lohnskalen in die Vereinbarungen aufnehmen zu
lassen. Es trifft zu, dass die Gewerkschaft der Automobilarbeiter im Jahre
1948 mit den "General Motors" eine Vereinbarung getroffen haben, nach welcher
eine Erhoehung von 11 cts. pro Stunde gewaehrt wurde, und worin zusaetzlich
eine Bestimmung ehthalten war, nach der die Loehne jeden dritten Monat gemaess
den Veraenderungen deB Lebenshaltungskosten-Index angeglichen werden sollten.
Tatsaechlich wurde eine untere Grenze von 5 c^s* i m Laufe eines Zeitraumes
von 2 Jahren festgelegt, jedoch*keinen Limit fuer die Angleichung der Loehne
nach oben. Diese Vereinbarung rief grosse Beachtung hervor, aber nur wenige
Gewerkschaften folgten dem Beispiel. Die Gewerkschaften und die Unternehmer
wollten freie Hand behalten, und sich nicht durch eine gleitende Lohnskala
gebunden fuehien.
So sieht also die Lage im gegenwaertigen Augenblick aus, und es wird
stsendig die Frage gestellt« Wird der Preisrueckgang zu neuen Streiks fuehren?
Es ist natuerlich unmoeglich, eine selche Frage mit Bestimmtheit zu beantworten. Aber es besteht die generelle Auffassung, dass eine neue Welle von
Streiks und Aussperrungen nicht folgen wird. In der Stahl- und in der Automobilindustrie werden sich die Gewerkschaften bemuehen, hoehere Loehne zu
erhalten, und sie werden sie vermutlich auch bekommen. In beiden Industriezweigen besteht noch eine Hausse, aber in den meisten Wirtschaftszweigen werden
sich die Gewerkschaften weiterer Lohnforderungen enthalten und zu groesseren
sozialen Forderungen, wie Verkuerzung der Arbeitszeit, Verlaengerung des
Urlaubs, bezahlte Krankheit etc., uebergehen. Wenn dies der Fall sein sollte,
kann angenommen werden, dass die sich aufwaerts bewegende Preiskurve ihren
Hoehepunkt erreicht hat. Der Preissturz wird dann vermutlich anhalten. In
den Vereinigten Staaten bedeutet dies die Gefahr erhoehter Arbeitslosigkeit,
jedoch in unserm Lande bedeutet es, dass wir den kritischen Punkt im Hinblick

18 -

�auf die Bekaempfung der Inflation ueberwunden haben. Die *reis.e importierter
*aren werden fallen. Wohin hat die Lohn- und Preisentwicklung des vergangenen
Jahres gefuehrt? Wo liegen die Loehne jetzt, verglichen mit der Zeit vor dem
Kriege? Nach amtlichen Lohnstatistiken belief sich der woechentliche Durchschnittslohn von 13,000,000 Industriearbeitern - Maennern und Frauen, Gelernte
und Ungelernte, Jung und Alt - im Oktober 1948 auf $54*50 pro Woche oder $1.37
pro Stunde. Dies stellt eine Erhoehung des Wochenlohnes um 1 2 % und des
Stundenlohne» um ll6% seit dem Jahre 1939 dar. Der amerikanische Industriearbeiter hat danach in den letzten 9 Jahren eine betraechtliche Erhoehung
seines Realeinkommens erhalten. Dies ist trotz grosser Preiserhoehungen, die
im Herbst 1946 begannen und, welche dann zu einer Verminderung der Effektivloehne fuehrten, geschehen. Wir werden apaeter auf die Frage der Loehne in
verschiedenen Wirtschafts- und Industriezweigen zurueckkommen. Hier moechten
wir lediglich auf die Tatsache hinweisen, dass die Realloebne sich fuer den
Augenblick gefestigt zu haben scheinen auf einem Stande, der etwa 35% hoeher
liegt als vor dem Kriege.

Bericht ueber Amerika, verfass&gt;t
von Arbeidernes Faglige
Landsorganisasj on

KOMMUNISMUS UND ARBEITERSCHAFT IN DEN MALAIENSTAATBN.
Ein amerikanischer Berichterstatter in den Malaienstaaten nahm in einem
kuerzlich erschienenen Artikel ueber Kommunismus in diesem Lande zu den Beziehungen zwischen den Kommunisten und den dortigen Gewerkschaften Stellung. Sie
waren nach dem Kriege massgeblich an der Gruendung der Gewerkschaften beteiligt,
aber diese Arbeiterorganisationen waren von vornherein dazu bestimmt, Werkzeuge der Politik zu sein. Die Arbeiterschaft sollte zu kriegerischen Zwecken
eingesetzt werden,
"Da die Lebenshaltungskosten doppelt so schnell wie die Loehne gestiegen
waren, und das Prestige Englands tief gesunken war, arbeiteten die Kommunisten
auf fruchtbarem Boden. Die Arbeiterbewegung wuchs sehr schnell. Streik folgte
auf Streik, und den Hoehepunkt bildete einGeneralstreik zu Anfang vorigen
Jahres, der Singapur in ernste Schwierigkeiten verwickelte. Am 1. Mai sahen
die Englaender nicht mehr laenger zu und marschierten ein. Die Kommunisten
zagen sich in die Dschungel zurueck und begannen, einen bewaffneten Aufstand
vorzubereiten.
•Dieser brach vor sechzehn Monaten, im Juni 1948» aus. Die Kommunisten
hofften, die Wirtschaft der Malaienstaaten lahmzulegen, grosse Teile des
Landes zu besetzen und die ^nglaender in die Defensive zu draengen. Ihr*
Taktik bestand in Terror und Ueberfaellen aus dem Hinterhalt. Gummiplantagen
und Bergwerke wurden ueberfallen, ihre Manager ermordet und die Gebaeude in
Brand gesteckt. Mordbanden entfuehrten politische Gegner und Volksaufklaerer.
Waehrend die woechentliche Zahl der kommunistischen Ueberfaelle im Juni 20 war,
waren es im November 78. Dann begannen englische Truppen und Polizei wirksam
einzugreifen. Die Zahl der Ueberfaelle gin&amp; staendig zurueek und betraegt nun
30 pro loche.
•Die Kommunisten waren zu zuversichtlich und haben ihr Hauptziel verfehlt.
Sie bedeuten jedoch noch in grossen Gebieten eine ernstliche Stoerung. obwohl
erbeutete kommunistische Dokumente von vielen Fehlschlaegen und Schwierigkeiten
der Roten berichten - besonders dem Mangel an Munition - sind noch keine Anzeichen fuer eine bevorstehende Kapitulation vorhanden. Aus ihrer Propagande
ist ersichtlich, dass sie mit einer fuer sie guenstigen Wendung der internationalen Lage rechnen."
New York Herald Tribüne
Paris, 24. Oktober 1949

- 19 -

�KOMUNISTISCHER DRUCK AUF D3E GEWERKSCHAFTEN RUSSLANDS .
Die Gewerkschaftsbewegung Russlanda ist schwer bedraengt. Die SowjetRegierung hat im Laufe des vergangenen Jahres die Anzahl der Gewerkschaften
bedeutend verringert, die Machtstellung des Politbueros betont» alle Bemuehungen der Gewerkschaften in der Frage der Loehne und Arbeitszeit unterbunden,
das Stakhanovite Arbeitstempo in die Hoehe geschraubt und die Gewerksataften
unter strengere Kontrolle der kommunistischen Partei gestellt»
Der Zehnte Gewerkschaftskongress.
Obwohl im Fruehjahr dieses Jahres 1343 Delegierte am Zehnten Kongress
der Gewerkschaften Russlands in Moskau teilnahmen, waren nur 67 Gewerkschaften
vertreten, die niedrigste Ziffer seit 1937» Waehrend der letzten zehn Jahre
gab ea l60 bis 1?0 russische Gewerkschaften. Als die Delegation der C.I.O.
Ende 1945 ^ussland besuchte, waren es 168.
Der Kongress, der erste seit 1932, zeigte umwaelzende Veraenderungen
als Folge der Stalin-Politik. In den letzten 17 Jahren ist die gesamte
Fuehrerschaft des Zentralgewerkschaftsbundes-(A.U.C.C.T.U.) verschwunden.
Niemand hat offiziell erklaert, wo die alten Funktionaere sind, woher die
neuen kamen und was die Sowjet-Gewerkschaften seit dem Neunten Kongress geleistet haben.
Seit dem Zehnten Kongress jedoch hat allein die exekutive Koerperschaft der A.U.C.C.T.U. - sich mit Arbeitsangelegenheiten in Sowjetrussland beschaeftigt. Sie vertritt nicht nur die russischen Gewerkschaften beim Weltgewerkschaftsbund, sondern (nicht etwa einzelne Gewerkschaftsfuehrer) ernennt nun
auch Sowjet-Vertreter in der Internationalen Bergarbeiter-, Textil- und
Metallarbeitergewerkschaft, etc.
Loehne und Produktivitaet.
Im Gegensatz zu frueheren Zusammenkuenften ist auf dem Zehnten Kongress
praktisch ueberhaupt nicht die Frage der Loehne und Arbeitszeit angeschnitten
worden. Berichte des Vorsitzenden des A.U.C.C.T.U«, V.V.Kuznetsov, und seines
Sekretaers, A.P. Osipov, enthielten fast die gesamte Tagesordnung des Kongresses.
Keiner von beiden hat die Lohnfrage in irgendeiner Weise eroertert.
Stattdessen wird von der Fuehrerschaft weiterhin betont, dass Loehne
nur "auf Grund der Steigerung der Arbeitsproduktivitaet" erhoeht werden koennen.
Es ist offen zugegeben worden, dass die sowjetischen Gewerkschaften das Unternehmertum in der Lohnfrage unterstuetzen sollen.
Eine Resolution des Kongresses legte dies klar. Sie ruft die Gewerkschaften
dazu auf, "die dem Unternehmertum gewaehrte Hilfe bei der Festsetzung und
Vervollstaendigung der Arbeitsloehne nach Stueckarbeit, fortgeschrittener
Stueckarbeit und Hoechstleistung zu intensivieren."
Ein theoretischer Grundsatz fuer dieses System ist von dem Praesidenten
der Seetransportarbeiter-Gewerkschaft, A.I.Koetkin, aufgestellt worden. Im
Gegensatz zu kapitalistischen Staaten, in denen "die Arbeiter taeglich in
hartem Klassenkampf ihr Lohnniveau verteidigen muessen", sagt Koetkin, "garantiert in unserm Lande die Regierung selbst fuer staendige Erhoehun.? der Loehne
durch Planung". Die Gewerkschaften brauchten sich deshalb nicht mit dieser
Frage zu befassen, sondern sollten sich auf "die Förderung der erhoehten
Arbei tsproduktivitaet konzentrieren".
"Heiliger, unverbruechlicher Eid".
*

"Sozialistischer Wettbewerb" ist heute die Carole fuer die russische
Arbeiterschaft. Der Zehnte Kongress erklaerte, dass die vornehmste Aufgabe der
Gewerkschaften sei, "den sozialistischen Wettbewerb zur Erfuellung des nationalen
WirtSchaftsprogramms weiterhin zu entwickeln, um die im Nachkriegs-Fuenf jahresplan Stalins gesteckten Ziele bald zu erreichen."

- 20 -

�Obwohl 90% der Arbeiter Sowjetruaslanda am "Sozialistischen Wettbewerb"
teilnehmen sollen, gibt selbst Praesident KUznetzov zu» dass in diesem System
"ein Element der Normalisierung und Buerokrätisierung vorhanden ist". Was er
rat int, ist, dass jener "sozialistische Wettbewerb" in ein gewissenloses und
mechanisches Mittel ausgeartet ist, das zur Unterdrückung des Arbeiters gebraucht wird»
Kuznetzov sagt, dass in einigen Industriezweigen der Begriff "Wettbewerb"
"nichts anderes als eine Tarnung der ueberplanmaessig geleisteten Arbeit" sei.
Er beschwert sich darueber, dass zuviel "Arbeiter ohne Grund Zuflucht zu betraechtlichen Ueberstunden nehmen*.
• * •

Die absolute Untertaenigkeit der Gewerkschaften der kommunistischen Partei
Kusslands gegenueber wird von der Prasse immer wieder hervorgehoben. Die
neuen Satzungen des A.U.C.C.T.U. lautem
"Die russischen Gewerkschafter, arbeiten unter der Fuehrung der kommunistischen Partei Russlands, die die Arbeitskraefte des Sowjet-Staates organisiert
und coordiniert* Die Gewerkschaften gliedern ihre arbeitenden Massen der
Partei Lenin - Stalin an"*
Praesident Kuznetzov fuehrt es deutlicher aust
"Wir verdanken all unsere Erfolge den Zentralkommittee der bolschewistischen Partei, dem Genossen Stalin".
Der Kongress hallte wider von Lobgesaengen auf den alternden Sowjet Diktator* Wir erfahren, "dass die Anwendung der Tarifvertraega im Jahre 1947
auf Veranlassung des Genossen Stalin neu geregelt wurde"; "die Errichtung
republikanischer, regionaler und lokaler Gewerkschaftsraete wurde im Jahre 1943
auf Veranlassung des Genossen Stalin durchgefuehrt"; die Gewerkschaften verdanken ihre grosse Autoritaet und ihren bedeutenden Einfluss auf die arbeitenden Massen . . • der bolschewistischen Partei, der ungeteilten Aufmerksamkeit
und vaeteiliehen Hilfe des Genossen Stalin . * •"
Das zu Ehren des Kongresses gegebene Konzert wurde mit einer "Majestaetischen Stalin-Kantate" eroeffnet; ausserdem sang "ein Chor von 900 jungen
Stimmen vor einem Pionierlager als Hintergrund von ihm, der dem russischen
Volke ein glueckliches Leben geschenkt hat und es zu den leuchtenden Hoehen
des Kommunismus fuehrt:. sie singen von Stalin".
Die Prawda ruft in ihrem Bericht ueber die Arbeit des Kongressea. zu dem
Glaubensbekenntnis auf 1
"Die abschliessenden Worte der auf dem Zehnten Gewerkschaftskongresa
getroffenen Resolution moegen ein heiliger, unverbruechlicher Lid fuer alle
Gewerkschaftaorganisationen und Mitglieder sein:
"Im Namen von Millionen Arbeitern und Angestellten, die Mitglieder der
Gewerkschaften sind, gelobt der Zehnte Gewerkschaftskongress der Bolschewistischen Partei und dem grossen Fuehrer und Lehrer des russischen Volkes, Joseph
Vissarionovich Stalin, dass die sowjetischen Gewerkschaften in der Vergangenheit, jetzt und in Zukunft treue und tatkraeftige Verfechter der Politik der
Bolschewistischen Partei sein werden".
Von Solomon M. Schwarz
Tte New Leader, 10 September 1949
MLHR URLAUB IN DEN VEREINIGTE STAATEN
Dank der Bestimmungen der Tarifvertraege erhielten im Jahre 1949 mehr
Arbeiter bezahlten Urlaub als in irgendeinem vorangegangenen Jahr. Auch wurde
vielen dieser Arbeiter, und das zum erstenmal, ein 2-woech iger - und in vielen
Faellen ein 3 oder 4-*°echiger - Urlaab gewaehrt. Dies ist das Ergebnis
wachsender Bestrebungen, Arbeitnehmern hoeheren Dienstalters mehr bezahlten
- 21 -

�Urlaub zukommen zu lassen.
Das Amt fuer Arbeitsstatistiic im U.S. Arbeitsministerium hat kuerzlich eine
Ueberpruefung von nahezu 1500 Tarifvertraegen durchgefuehrt, die ergeben hat,
dass von 10 Vertraegen mehr als 9 (935S) Urlaubsbestimmungen enthalten1. In diesen
war fast ausschliesslich bestimmt, dass Arbeitnehmer hoeheren Dienstalters mindester H einen 2-woechigen bezahlten Urlaub erhalten sollen. Das Hoechstmass an
Urlaub fuer Arbeitnehmer unter gleichen Dienstvoraussetzungen ist 2 Wochen nach
den Bestimmungen von drei Fuenfteln der Vertraege und mehr als 2 Wochen nach denen
von einem Drittel.
Vergleich mit 1944
Ein Vergleich der jetzigen Erhebung mit einer ie3 gleichen Amtes aus dem
Jahre l%k laesst die Tendenz nach grosszuegigeren Urlaubsbestimmungen erkennen.
Nur 1,5% der gewerkschaftlich organisierten Betriebe bewilligten, im Jahre 1944
ihren langbediensteten Arbeitnehmern mehr als 2 Wochen Urlaub mit Bezahlung.
Dagegen wird nach der Erhebung von 1949 in 32% der Vertraege mit Urlaubsbestimmungen
einer grossen ZÄhl von Arbeitnehmern ein Urlaub von mehr als 2-Wochen zuerkannt.
Die meisten Vertraege sehen eine Urlaubsplanung, "abgestuft" nach dem Dienstalter, vor; das bedeutet, dass die Dauer des Urlaubs von'der Anzahl der Dienstjahre abhaengt. In mehr als 8 Faellen von jeweils 10 waren die Vertraege nach
diesem Grundsatz abgeschlossen. Dargegen ist nur in hinein Falle eine einheitliche
Urlaubsregelung ohne Beruecksichtigung des Dienstalters vorgesehen.
In insgesamt 3SO Vertraegen, die ein Hoechstmass an Urlaub von mehr als
2 Wochen festlegen, geht man nach dieser Planung nach Dienstalter vor. Als Beispiel
hat man 100 dieser Vertraege eingehend untersucht, um festzustellen, inwieweit die
gewaehrte Urlaubsdauer von dem Dienstalter abhaengig ist. Demnach besteht in 87
Faellen ein Maximum von 3 Wochen Urlaub und in 11 Faellen 4 Wochen. In den uebrigen
2 Faellen wurde ein Hoechstmass festgesetzt, das zwischen 2 und 3 Wochen liegt. In
36 Vertraegen waren 15 Jahre Dienstzeit die gebraeuchlichste Bedingung fuer 3 Wochen
Urlaub. Fuer 4 Wochen waren gewoehnlich 25 Jahre Dienstzeit erforderlich.
NachstehendX»Xgt_eine bezeichnende Klausel, die 3 Wochen Urlaub fuer Arbeiter
hoeheren Dienstalters festlegt:
•Jeder und alle Arbeitnehmer des Unternehmens erhalten nach diesen Vertragsbestimmungen einen 1-woechigen Urlaub mit voller Bezahlung, vorausgesetzt, dass
sie 1 Jahr oder mehr im Dienste des Arbeitgebers stehen; ein 2-woechiger Urlaub
wird nach 5 oder mehr Dienst jähren und 3 Wochen Urlaub nach 15 und mehr Dienstjahren gewaehrt .*
Urlaubsbestimmungen waehrend des Krieges
Haehrend des zweiten Weltkrieges hielt sich die Nationale Kriegsaufsiehtsbeheerde fuer Arbeit unter Beibehaltung der Lohnregelung an Bestinmungen, die
1-woechigen Urlaub nach einem Dienstjahr und 2-woechigen nach 5 Dienstjahren
enthalten. Dieses System ist mit einigen Aenderungen noch in vielen der in der
Erhebung beruecksichtigten Urlaubsplanungen nach Dienstalter festzustellen. 78 von
100 Vertraegen, die daraufhin analysiert wurden, stellen als Bedingung fuer 1 Woche
Urlaub 1 vollendetes Dienstjahr und 60 Vertraege fuer 2 Wochen Urlaub 5 Dienstjahre.
Viele Unternehmer haben ihr Urlaubsprogramm grosszuegiger gestaltet; nicht
durch Verlaengerung der Urlaubshoechstdauer, sondern indem sie von der Methode
1 - fuer - 1, 2 - fuer - 5 abwichen. Oft wird Arbeitnehmern mit weniger als einem
Jahre Dienstzeit ein kuerzerer Urlaub gewaehrt, so z.B. eine halbe Woche nach
6 Monaten Dienstzeit. Auch ist die Dienstzeit oft verkuerzt worden, die ein Arbeitnehmer geleistet haben muss, um 1 oder 2 Wochen Urlaub mit Bezahlung zu erhalten.
So wird z.B. in immer mehr Vertraegen 2-woechiger Urlaub bei 2,3 und 4 Dienstjahren
bewilligt.

- 22 -

�Kein finanzieller Verlust des Arbeitnehmers
Nach keinem der 1.473 Vertraege, die Gegenstand dieser Erhebung waren,
nussten Arbeitnehmer weniger Bezahlung fuer die Urlaubszeit annehmen, a l s ihnen
bei normaler Arbeit zuteil geworden waere«
Drei Arten der Urlaubsgeldberechnung waren in den untersuchten Vertraegen
vorherrschend« Nach der ersteren wird der Durchschnittaverdienst (pro Stunde
oder fcoohe) waehrend einer bestimmten verflossenen Zeitspanne festgelegt« Der
ermittelte Durchschnitt wird dann bei der Berechnung der Urlaubsstunden oder
-wochen angewendet«
Ein zweites- Verfahren sieht eine Bezahlung rein nach Seit fuer die betreffende
Anzahl der Stunden vor - 40, °0, 120, e t c . Die d r i t t e Methode besteht darin, dass
ein Prozentsatz aus den Verdiensten des Arbeitnehmers waehrend einer bestimmten
Periode ermittelt wird« Diese Perioden variieren zwischen mindestens 4 Monaten
und hoechstens einem Jahr« Die meist angewandten Prozaatsaetze fuer 1,2 und 3 Wochen
Urlaub sind entsprechend 2, 4 und 636 der Verdienste in vorangegangenen Jahren«
Diese Methode i s t besonders geeignet, wenn die Lohnberechnung auf Akkord- oder
sonstiger Leistungsbasis aufgebaut i s t «
Alle Vertraege dieser Erhebung waren gegen Ende 1948 oder im Jahre 1949 in
Gueltigkeit« Sie waren von Unternehmern aus allen Teilen der Vereinigten Staaten
abgeschlossen worden und ungefaehr gleichmaessig auf Verbaende des A.F.L. und
C.I.O. v e r t e i l t « Fast ein Achtel der Verbaende waren unabhaengig oder nicht angegliedert. In ungefaehr der Haelfte der 1.473 Vertraege waren Angaben ueber die
Zahl der Arbeitnehmer vorhanden. Diese b e l i e f sich auf fast drei Millionen.
LABOR INFORMATION
U.S. Dept. of Labor
Oktober 1949
GBJOSSSNSCHAFTSBEY.EGUNG IN ENGLAND
Mr. H. V.iide, Delegierter der Vereinigung der Genossenschaften (Co-operative Union Limited) hat in seiner An«
spräche auf dem Bridlington Congress folgend er nassen
zu den Aufgaben der Genossenschaftsbewegung in der modernen
Gesellschaft Stellung genommen»
Unsere Organisation i s t Eigentum und untersteht der Kontrolle des Verbrauchers
naoh dem einfachen, aber weit verbreiteten, demokratischen Grundsatz» 1 Mitglied,
1 Stimme« In unserer Bewegung i s t die treibende Kraft des Privatgewinns ausgeschaltet und damit die Ausbeutung des Verbrauchers beseitigt worden« Dies muss
nach meiner Ansicht das hoechste Ziel bei der Verstaatlichung sein«
Wenn man den noch herrschenden Einfluss des Privatunternehmens betrachtet,
muss unsere Ueberzeugung zur Geltung kommen, dass in einer sozialistischen Wirtschaft, die auf die Interessen des Verbrauchers ausgerichtet i s t , Raum fuer uns
ist« Sowohl auf dem Gebiete der Produktion a l s auch der Verteilung bestehen einige
Möglichkeiten, dass nrivate und staatlich kontrollierte Unternehmen nebeneinander
bestehen«
Vir koennen vor allem eine Idee nicht unterstuetzen, nach der hundert Jahre
des Fortschritts s e i t dem Eitstehen der Genossenschaftsbewegung in einer ausgesprochen sozialistischen Wirtschaft ohne Bedeutung sein sollen« Dies wuerde einen
Verlust wertvoller Erfahrungen und eine Ungerechtigkeit den zehn Millionen Mitgliedern gegenuebar bedeuten« die dessen Eigentuemer sind, es kontrollieren und
unterstuetzen. Wir, aus der Bewegung, sind an dieser Frage hoeohst interessiert
und sind der Meinung, dass der Stand der Dinge so bald vie moeglich geprueft werden

sollte.

- 23 -

�Deshalb ist es uns eine Befriedigung zu sehen, dass unser Arbeitsaossdius*
mit einem sehnlichen Ausschuss der Labor Party konferiert, und dass solche
Tagungen mit dem entsprechenden Unterausschuss des Gewerkschaftsbundes abgehalten werden. Wir hoffen, dass das Ergebnis dieser Tagungen gegenseitiges
Verstehen und Zusammenarbeit sein wird»
Tatsachen an Hand von Zahlen.
Nach kuerzlichen offiziellen Feststellungen des Hauptkarteifuehrers
der Genossenschaftnkrankenkassen belief sich die Zahl der Mitglieder von
1.113 Genossenschafts-Vereinen Ende 1948 auf ueber 10 Millionen.
Im vergangenen Jahr wurden in den Konsumlaeden ("Stores") Einkaeufe im
Werte von fast 490»OOOfOOO Pfund Sterling getaetigt - das sind ueber 50
Millionen mehr als 191*7 und 200 Millionen mehr als im Jahre 1938*
Die Aktiva dieser Verteiler- und Erzeugergenossenschaften zusammen
beliefen sich auf 396,000.000 Pfund Sterling.
Die Zahl der Grosshandels- und Erzeugergenossenschaften war 189« doch
sind es davon hauptsaechlich drei bedeutende, die fast alle Geschaefte erledigten. Die Co-operative Wholesale Society Limited, die Scottish Cooperative Society Limited und die English and Scottish Joint Co-operative
Wholesale Limited verkauften im Jahre 1948 Waren im Gesamtwerte von
3il.304.OOO Pfund Sterling.
Der Umsatz dieser Grosshandelsgenossenschaften hat sich waehrend der
letzten 10 Jahre verdoppelt, und sie haben damit mit dem Aufstieg der Verteilergenossenschaften Schritt gehalten.
Labor
Oktober 1949

Office of Labor Affairs
HIC0G, AP0 757

OFFICIAL

- 24 IKIC00,

9 - }JOS, iMli,

I S T . U9, 1* K)

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dto felgaadaa Artlkal rtallan Anazflga i m dar amarlkaalackaa Praaaa und andaran Quallan dar and dlaoan
dar Information daatackar Radaktaura, dar Gawarkackaftan, Gawarkackaftaackalaa and daran Mltgliadar.
Von diaaam Material kann unalagaachrinkt Gabranck gemacht wardan.
Waltara Exanplaxa kfinnan koataaloa bal
Offica oi Labor Attaira
HICOG, APO 757, Frankfaxt
aagalordart wardaa. Aal Waaaek wardaa dlaaa anck alnialnan Intaraataotan dlrakt durch die Poat ingaUltat.
Dar Inhalt dar „ Arbaitamittailungan- iat nicht ala offlilalla Malnnng odar Stellungnahme dar amarlkanlackan
Militärregierung, noch irgendeiner DIaaaUtolla dar Regierung dar Vereinigten SUataa aufrufaaaan.

I l - 37-38

F r a n k f u r t , 25 November 1949
s

INHALTSVERZEICHNIS
Offene Buecher g e f o r d e r t . . . . . .
P r o d u k t i o n s S t e i g e r u n g durch Mechanisierung . . . . .
CIO e r n e u t fuer M a r s h a l l - r i a n . .
Getferkschaftseigene Wohlfahrtsfonds und i h r e
p o l i t i s c h e Bedeutung . . . . . . . . . • . . . • • •
W e s e n t l i c h e s f u e r den TUC
Zusammenarbeit i n d e r TVA
•
S o z i a l e Betreuung d e r A r b e i t s l o s e n
.
Betriebsunfaelle der S t a h l i n d u s t r i e . . . . . . . . .
Bizone e r h i e l t 1948 - 49 H a u p t a n t e i l der ERPLebensmittellieferungen
• • • • • •
Beri c h t von Holland
Kapers b l e i b t im D i e n s t .
Die Frau e i n e s Farmers wird B o t s c h a f t e r i n der
Vereinigten Staaten
.
O e f f e n t l i c h e Gewerkschaftsorgane i n den U . S . • . • •
E r f o l g e d e r Ei B e n b a h n a n g e s t e l l t e n i n den U . S . . . .

1
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5
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9
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OFFENE HTECHER GEFORDERT
E i n S c h i e d s r i c h t e r d e r N a t i o n a l e n Behoerde fuer Wechselbeziehungen d e r A r b e i t
( N a t i o n a l Labor R e l a t i o n s Board) f o r d e r t e i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n f u e r e i n e
Gewerkschaft d a s R e c h t , d i e Buecher e i n e r Firma e i n s e h e n zu Koennen.
Wenn d i e s e r Vorschlag von dem 3 M L t g l i e d e r a u s s c h u s s s e l b s t b e w i l l i g t w i r d , wuerde
e i n P r a e z e d e n z f a l l von g r o s s e r Bedeutung f u e r u n s e r e O r g a n i s a t i o n geschaffen werden,
e r k l a e r t e P a u l S t y l e » , B e z i r k s d i r e k t o r d e r NLRB. Er e r i n n e r t e d a r a n , d a s s Walter
R e u t h e r , d e r P r a e s i d e n t d e r A u t o m o b i l a r b e i t e r (CTO), b e i Verhandlungen mit den
•General Motors" (Allgemeine Motorenwerke) im J a h r e 1946 i n A t l a n t a d i e s e l b e Frage
aufgeworfen h a t t e »
der
Ein
ihr
sie

A n l a s s zu d i e s e r F o r d e r u n g gaben L o h n s t r e i t i g k e i t e n zwischen der Gewerkschaft
L e d e r a r b e i t e r (AFL) und d e r S o u t h e r n S a d d l e r y Company i n C h a t t a n o o g a , T e n n e s s e e .
J a h r l a n g h a t t e d i e Firma bei T a r i f v e r h a n d l u n g e n immer wieder e r k l a e r t , d a s s e s
unmoeglich s e i , d i e g e f o r d e r t e Lohnerhoehung zu z a h l e n . G l e i c h z e i t i g w e i g e r t e
s i c h j e d o c h , i r g e n d e i n e n Beweis fuer i h r e Z a h l u n g s u n f a e h i g k e i t zu l i e f e r n .
The CIO News,
2 4 . Oktober 1949

- 1 -

�PRCDUKTIONSSTEIGSHUNG DURCH MECHANISIERUNG
Clinton S. Golden, Berater fuer Arbeitsfragen
i n der Verwaltung fuer w i r t s c h a f t l i c h e Zusammena r b e i t (ECA), sprach vor einer b r i t i s c h e n Gewerk-

schaftsdelegation, die die Vereinigten Staaten
besuchte, um die dortigen Arbeits- und Produktionsbedingungen zu studieren* Wir entnehmen seiner
Rede die folgenden interessanten Auszuege»
Der Begriff der *Produktionssteigerung" i s t l e i d e r , meiner Ansicht nach
jedoch ganz verstaendlicher Weise, i n der Anschauung v i e l e r Arbeiter g l e i c h bedeutend mit einer groesseren Beanspruchung ihrer physischen Kraefte - kurz
gesagt, eine "beschleunigte" und gesteigerte Ausbeutung des Menschen im Dienste
privater Interessen*
Das s e i n e r s e i t s hat die Befuerchtung aufkommen lassen, dass die Gesundheit
des Arbeiters infolge der erhoehten koerperlichen Beanspruchung bedroht i s t *
Noch groesser i s t die Furcht vor Arbeitslosigkeit a l s Folge der erhoehten Warenerzeugung, fuer die kein rentabler Absatzmarkt gefunden werden kann* In den
Vereinigten Staaten hatten wir leider Krisen im gesamten Verlauf unserer i n dustriellen Entwicklung durchzumachen* Die Folge davon waren weitverbreitete
Arbeitslosigkeit, das Herabsinken des Lebensstandards - wenigstens zeitweise und grosse Entbehrungen und Elend fuer v i e l e Lohnempfaenger*
Unter diesen Umstaenden i s t es verstaendlich, wenn Arbeiter die Einfuehrung
neuer arbeitssparender Maschinen und Produktionsmethoden zur Reduzierung der
Produktionskosten nicht nur fuerchten, sondern sich ihr mit allen moeglichen
Mitteln widersetzen«
Bis vor einigen Jahren sah unsere technische Wissenschaft ihre Hauptaufgabe in der groesstmoeglichen Mechanisierung der Industrie, ohne a l l z u v i e l
Ruecksicht auf das Leben, die Sicherheit und das Wohlergehen der Arbeiter zu
nehmen*
Wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass die "Produktionssteigerung"
nicht unbedingt diese nachteiligen Folgen nach sich ziehen nuss* Ich halte
es weder fuer ungerecht noch uebertrieben, wenn ich f e s t s t e l l e , dass das Ansteigen der Mitgliederzähl i n unseren Gewerkschaften und ihr wachsender Einfluss
mehr a l s irgendein anderer Einzelfaktor die Ceffentlichkeit erkennen l a e s s t , dass
Sicherheitsmassnahmen im Interesse der Lohnempfaenger getroffen werden muessen*
Besucher aus zahlreichen Laendern, die zum Studium der Produktionsleistung
nach den Vereinigten Staaten kommen, sind ausnahmslos von der Mechanisierung und
von dem Maschinenpark unserer Fabriken beeindruckt worden*
Es besteht kein Zweifel, dass diese Mechanisierung einen wichtigen Faktor
in der Produktionsleistung Amerikas darstellt* Ich moechte etwas ueber die Haltung unserer Gewerkschaften hinsichtlich der Einfuehrung dieser neuen Maschinen
und ihrer Verwendung anfuehren*
In der Regel sind amerikanische Arbeiter nicht so sehr darauf versessen,
mehr Kraftleistung anzuwenden, a l s zur Ausfuehrung ihrer Arbeit unbedingt noetig
i s t * Sie sind b e r e i t , Maschinen oder sonstige mechanische Mittel immer dann zu
gebrauchen, wenn sie damit Kberperkraft ersetzen koennen* Diese Einstellung war
nicht immer so*
Zwei Dinge haben die Einfuehrung von produktiveren Maschinen fuer die Arbeiterschaft und die Gewerkschaften ertraeglich gemacht.
Erstens die Arbeitslosenversicherung, durch die Arbeitslose Anspruch auf
Unterstuetzung haben, deren Dauer in den einzelnen Staaten verschieden i s t und
sich bis auf 26 Wochen fuer jedes Jahr belaufen kann*
- 2 -

�Zweitens i s t es die wachsende Erkenntnis innerhalb der Arbeiterschaft, daes
die Einfuehrung arbeitssparender Maschinen fuer einige Arbeiter z e i t w e i l i g zwar
den Verlust ihrer gewohnten Beschaeftigang bedeuten kann, fuer die Dauer jedoch
durch diese neuen Maschinen mehr Besohaeftigungsmoeglichkeiten geboten werden*
Jedenfalls haben wir diese Erfahrung hier in den Vereinigten Staaten gemacht« Die
durch die Mechanisierung neu entstandenen Arbeitsplaetze sind haeufig unmittelbar
in denselben Industriezweigen zu finden, in denen diese Maschinen und die dazu
gehoerigen Einrichtungen hergestellt oder bedient werden«
In vielen Industriezweigen hat der Einsatz von mehr Maschinen eine groessere
Produktion von Waren zu niedrigeren Preisen ermoeglicht« Durch diese niedrigeren
Preise sind somit mehr Gueter in den Bereich der Kaufkraft weiterer Kreise gelangt.
Die Folge der vermehrten Nachfrage war die Ausdehnung der Industrie und die Neueinstellung von weit mehr Arbeitern, a l s je durch den Einsatz dieser Maschinen
ihres Arbeitsplatzes beraubt wurden.
Die Entwicklung in der Textilindustrie dieses Landes zeigt diese Vorgaenge
deutlich. Der Einsatz elektrischer Maschinen, sowie die Anwendung neuer Arbeitsverfahren haben aus der Bekleidungsindustrie, die aus kleineren Betrieben bestand
und insgesamt etwa 10.000 Menschen beschaeftigte, eine Industrie gemacht, die heute
100.000 Arbeitern in New York a l l e i n in der Herstellung von Damen-Bekleidung Beschaeftigung b i e t e t . Darueber hinaus arbeiten viele Tausende in Industriezweigen, die
eng damit verbunden sind und das Material fuer sie liefern* Mit der Einfuehrung
dieser Maschinen waren zwar bestimmte Berufe ueberfluessig geworden, doch zur g l e i chen Zeit wurden Tausende von neuen Arbeitsplaetzen geschaffen. Noch etwas anderes:
Produktionssteigerung haengt haeufig nicht nur von dem Einsatz von Maschinen ab,
sondern auch von der Verbesserung der Werksanlagen, der Verwendung besserer Werkzeuge, von besserer Produktionsplanung und groesserer Beruecksichtigung der Wuensche
des Verbrauchers. Natuerlich muss gewaehrleistet werden, dass die Produktion die
Absatzmoeglichkeiten nicht uebersteigt.
Ein d r i t t e s wichtiges Moment steht mit diesen beiden Entwicklungen in engem
Zusammenhang: Mit dem Wachsen der Mitgliederzahl der Arbeiterorganisationen, besonders in den letzten 10 Jahren, bestehen fuer die Arbeiter bessere Moeglichkeiten
mit den Unternehmern erfolgreich zu verhandeln und durch diese Mechanisierung
bessere Beschaeftigungsmoeglichkeiten, Loehne und allgemeine Arbeitsbedingungen
zu erzielen.
Zu dem zweiten Hinkt moechte ich noch bemerken, dass in der amerikanischen
Industrie die Zahl der ungelernten Arbeiter, die schwere Handarbeit verrichten,
staendig im Absinken begriffen i s t . Die Verwendung neuer Maschinen hat die Einfuehrung und Entwicklung neuer Fachberufe zur Herstellung und Bedienung der arbeitssparenden oder -"ersetzenden" Maschinen noetig gemadi t* Fuer die Arbeiter und das
Muschinenpersonal wird deshalb die Beschaeftigung weniger muehsam und weit interessanter*
In a l l diesen Ueber legungen i s t ein wichtiger psychologischer Faktor zu beruecksich ti gen. Den Arbeitern gibt ihre Arbeit ohne Zweifel persoenliche Befriedigung und das Bewusstsein groesserer persoenlicher Verantwortung, weil die Bedienung
der Maschinen an die S t e l l e schwerer Handarbeit getreten i s t .
Die Industrie i n den Vereinigten Staaten war hauptsaechlieh auf unsere Inlandsmaerkte angewiesen, um fuer die gesteigerte Produktion Absatz zu finden* Diese Absatzmaerkte konnten sich zum Teil ausdehnen und entwickeln, weil es keine Steuern
und sonstige Beschraenkungen im freien Handelsverkehr unserer 48 Staaten gibt und
zum T e i l , weil es infolge der Lohnerhoehungen den Arbeitern moeglich wurde, weit
mehr Waren a l s je zuvor zu kaufen. Diese neue Nachfrage hat in vielen Faellen zu
weit mehr Beschaeftigungsmoegli chkei ten gefuehrt, a l s durch die Einfuehrung neuer
Maschinen b e s e i t i g t worden waren*
Eine europaeische Wirtschaftseinheit wuerde durch die Beseitigung der Handelsbeschraenkungen, (wie z.B. zwischen den Laendern), einen freien Warenaustausch ermoeglichen und einen europaeisehen Absatzmarkt erschliessen, im dem*** zur Zeit
2?5 Millionen kaufkraeftige Verbraucher g i b t . Diese Tatsache s o l l t e eigentlich

- 3 -

�a l l e n Europaern zu denken geben, die nicht nur an der wirtschaftlichen Gesundung,
sondern auch an einer Verbesserung des Lebensstandards und der Schaffung neuer
fieschaeftigungsmoeglichkeiten
interessiert sind. Es gibt keine bessere Gewaehr
fuer einen zukünftigen Weltfrieden, a l s eine vereinigte europaeische Wirtschaftsp o l i t i k , da das die Vollbeschaeftigung, Hebung des Lebensstandards und Wohlstand
fuer die Bevoelkerung des Kontinents bedeuten wuerde«
Einige Besucher, die im Rahmen des Programms zur Technischen Unterstuetzung
(Technical Assistant Program) zu uns i n die Vereinigten Staaten kommen, haben den
Eindruck gewonnen, dass fuer die amerikanische Massenproduktionsmethoden riesige
Fabrikanlagen und ungeheure Kapitalanlagen noetig sind« Dies t r i f f t t e i l w e i s e ,
aber nicht ganz zu«
Die Methoden der Massenproduktion erfordern unter anderem eine Umstellung i n
der Organisation und i n den Beziehungen der Arbeiterschaft selbst« Es bedeutet
z . B . die Aufgabe alter Arbeitsmethoden, bei denen der Arbeiter direkt an der Herstellung der Waren b e t e i l i g t war« Bei der Massenproduktion i s t niemand an der
Fertigstellung der Ware direkt b e t e i l i g t , doch jeder traegt seinen Teil dazu b e i .
Es i s t nicht in jedem Falle noetig, riesige Fabrikanlagen und ungeheure Kapitalanlagen bei der Anwendung dieser neuen Prinzipien zur Verfuegung zu haben« Sie
sind sogar in kleinen holzverarbeitenden Betrieben in den Vereinigten Staaten zur
Anwendung gekommen, wo nur 5 Personen beschaeftigt werden« Die Einfuehrung neuer
Arbeitsmethoden machte grosse Produktionssteigerungen selbst in solchen Zwergbetrieben moe g l i c h .
Labor Information
November 1949

CIO ERNEUT FUER

MARSHALL-PLAN

Der Elfte Verbandstag des 600.000 Mitglieder umfassenden CIO (Congress of
Industrial Organizations) brachte erneut die Bereitschaft zum Ausdruck, den MarshallPlan mit allen Mitteln zu unteretuetzen, und erklaerte, dass die amerikanische Hilfe
"nicht dazu missbraucht werden duerfe, anderen Voelkern altbekannte Wirtschaftsmethoden zur Ausbeutung und Unterdrv.eckung aufzuzwingen«"
Diese Feststellung gehoert mit zu den Hoehepunkten einer Resolution zur amerikanischen Aussenpolitik, die von den Delegierten gegen nur 5° Stimmen einer unbedeutenden, aber laermenden Gruppe des linken Fluegels angenommen wurde«
Die Resolution .verspricht die Mitarbeit des CIO an dem Atlantik-Pakt, den Aufgaben der Vereinten Nationen, am Pankt-VI-Programm Praesident Trumans, den Bemuehungei
zum Wiederaufbau eines geeinten, demokratischen Deutschlands und an der Unteretuetzung der demokratischen Kraefte i n Asien«
Mit der Erklaerung, dass die Wiedergesundung Europas engere wirtschaftliche
Zusammenarbeit der Marshall Plan Laender erforderlich macht, s t e l l t e der Verbandstag
f e s t , "dass es nun ganz eindeutig i s t , dass wirtschaftliche Sicherheit mit politisches
Freiheit gepaart werden muss, wenn Europa nicht wieder in die Arme des Fachismus oder
des Kommunismus getrieben werden s o l l . "
Mit der Bitte an den U. S. Kongress, ausreichende Hilfsmittel zur Durchfuehrung
des Marshall Plans zur Verfuegung zu s t e l l e n , wird in der Resolution warnend f e s t g e s t e l l t , dass "die fortgesetzte Zusammenarbeit der Arbeiterschaft Amerikas und Europas" von ausschlaggebender Bedeutung fuer die erfolgreiche Durchfuehrung des H i l f s programms i s t . Es heisst dann weiter:
•Wir ersuchen die Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA), engere
Beziehungen mit den Gewerkschaftsbewegungen und sonstigen nichtkommunistischen, fortschrittlichen Organisationen in Europa aufzunehmen. Die sowjet-konmunistische Beeinflussung und Opposition der Demokratie muss dort bekaempft werden, wo sie ihre zersetzende Arbeit auszufuehren versucht, und das i s t unter den Arbeitern."
- k -

�In der CIO R e s o l u t i o n zur Ausrenpolitik h e i l s t e s w e i t e r , dass Deutschland
e i n B e s t a n d t e i l des neuerstandenen, europaeisehen W i r t s c h a f t s g e b i l d e s s e i n rauss,
und dass e s g e f a e h r l i c h s e i , die i n t e r n a t i o n a l e Kontrolle des produktiven Ruhrg e b i e t e s nur a l s e i n e Massnahme aufzufassen, "durch die die Besiegten von den
Siegern u n t e r d r ü c k t werden."
Man faehrt dann f o r t i "Um Erfolg zu haben, nuessen a l l e w e s t e u r o p ä i s c h e n
Demokratien gemeinsame Vereinbarungen t r e f f e n , die die gleichmaessige V e r t e i l u n g
und Zuteilung i h r e r Kohlen- und Stahlproduktion r e g e l n .
"Dies i s t der Kernpunkt einer engeren Zusammenarbeit im europaeisehen Wirts c h a f t s l e b e n ! die u n e r l a e s s l i c h i s t , wenn Wohl stand und allgemeine Hebung des
Lebensstandards auf der Basis der w i r t s c h a f t l i c h e n S t a b i l ! t a e t e r r e i c h t werden
sollen."
Der CIO wandte s i c h an den Hohen Kommissar der V e r e i n i g t e n Staaten i n Deutschland, John J . McCloy, und l e g t e ihm nahe, "der neuerstandenen deutschen Gewerkschaftsbewegung und a l l e n anderen demokratischen Kraeften i n Deutschland jede nur
moegliche, a u f r i c h t i g e H i l f e zukommen zu l a s s e n , " um dem bedrohlichen Wiederaufleben n a z i s t i s c h e n E i n f l u s s e s und monopolistischer Kartellierungsversuche entgegenzuarbei t e n .
Es wird i n der R e s o l u t i o n e r k l a e r t , "dass zu diesem Zweck die Abteilung fuer
Arbeitsfragen im Amt des Hohen Kommissars vergroessert werden n u e s s e , d a a i t s i e
s i c h auf a l l e n Gebieten der S o z i a l - und W i r t s c h a f t s p o l i t i k b e t a e t i g e n k o e n n e . " —

Labor Information
7 . November 1949

GJWEHKSCHAFTSEIGENE WOHLFAHRTSFCNDS UND IHRE POLITISCHE BEDEUTUNG
Es f o l g e n Auszuege aus einem A r t i k e l von Professor A. L. Gitlow
von der U n i v e r s i t a e t i n New York. Er behandelt eine Präge, d i e
von zunehmendem I n t e r e s s e fuer d i e Vereinigten Staaten i s t , da
s i c h i n den verschiedenen Wohlfahrtsfonds der Gewerkschaften
v i e l e Millionen Dollar angehaeuft haben. Diese Fonds, Aber die
zum grossen T e i l die Gewerkschaften verfuegen, s t e l l e n e i n e n
neuen w i r t s c h a f t l i c h e n Machtfaktor d a r .
Es scheint e i n e Tatsache zu s e i n , dass von Gewerkschaften verwaltete Wohlfahrtsfonds (health and welfare funds) den Gewerkschaften und ihren Fuehrern einen starken,
p o l i t i s c h e n Machtfaktor i n die Hand geben. Warum i s t d i e s so?
E r s t e n s , w e i l s i e die Treue des Arbeiters zur Gewerkschaft foerdern. Sie ziehen
Nicht Mitglieder an und h a l t e n d i e , die schon Mitglied s i n d , zurueck. Letztere haben
e i n l e b h a f t e s I n t e r e s s e an den Fonds und ihren Leistungen. Der A u s t r i t t aus der Gewerkschaft bedeutet f u e r s i e den Verlust ihrer Ansprueche auf Unterstuetzungen. Kann
s i c h jemand e r n s t l i c h v o r s t e l l e n , dass e i n Durchschnittsmitglied unter diesen Umstaenden aus s e i n e r Gewerkschaft a u s t r i t t , um i n e i n e r anderen Mitglied zu werden? l o h
denke nicht»
Zweitens s t e l l t e i n Wohlfahrtsfond eine m a t e r i e l l e Quelle dar, aus der die Arb e i t e r Verstaendnis und Anerkennung fuer die Gewerte chaft und ihre Äehier schoepfen.
Ich hatte G e l e g e n h e i t , d i e s i n e i n e r Ausfuehrung ueber den Versicherungsfond der
Amalgamated Laundry Workers ( V e r e i n i g t e Waeschereiarbeiter) f e s t z u s t e l l e n . Die Erfahrungen d i e s e r Versicherung haben ohne den g e r i n g s t e n Zweifel ergeben, dass die
Arbeiter der Gewerkschaft Dankbarkeit z o l l e n . Die Treue beruht auf Dankbarkeit, und
L o y a l i t a e t der gesamten Mitgliederschaft i s t von grosser Bedeutung fuer die Gewerkschaf t sfuehr er . —

- 5-

�Drittens wird manchmal angedeutet, da es Gewerkschaftsfuehrer sich die Unterstuetzung der Arbeiter sichern koennen, indem sie ihnen nahelegen» eine Krankheit
Torzutaeusehen und dadurch unberechtigte Aneprueche an die Wohlfahrtsfonds zu s t e l l e n .
Viertens bietet ein Wohlfahrtsfond einer Gewerle chaft und ihren Fuehrern eine
grossartige Moeglichkeit, sich ein gewaltiges f i n a n z i e l l e s Reservoir zu schaffen»
Eine Vorauszahlung geht unmittelbar an den Arbeiter* Die Gewerkschaft kann einen
finanziellen Gewinn nur durch Aenderung der Beitraege und sonstigen Erhebungen erz i e l e n . I s t jedoch ein Fond vorhanden, dann kann die Gewerkschaft unabhaengig verfuegen. Manchmal i s t der Reservefond selbst mit ein Grund fuer das Bestehen eines
Wohlfahrtsfonds, weil i n einigen Faellen Gewerkschaftsfuehrer mit wenig Begeisterung
f e s t s t e l l e n , dass die Hoehe der Beitraege der Unternehmer von den Ergebnissen ihrer
wissenschaftlichen, statistischen Untersuchungen ueber vorhandene Sicherheiten abhaengig i s t ) auch i s t es manchmal nur die Tatsache, dass zahlreiche Kassen das Bestreben haben, weit mehr Geldreserven anzusammeln, a l s dies zur Leistung der Unterstuetzungsgelder noetig waere* Die Beitraege der Unternehmer sind oft von keinerlei
Untersuchungen ueber Sicherheiten abhaengig, sondern sie zahlen s o v i e l , wie die Gewerkschaften im Verlauf von Kollektiwerhandlungen herauszuschlagen verstehen*
Fuenftens scheinen viele Gewerle chaf tsfuehrer die Meinung zu t e i l e n , dass man
Wohl fahr tsfonds im allgemeinen nicht aufgibt, auch wenn i n wirtschaftlidien Krisen
die Loehne herabgesetzt werden* Folglich waeren diese Wohlfahrtskassen dann eine
Kraftquelle fuer die Gewerkschaften, wenn sie am dringendsten benoetigt wird» Die
grosse Masse der Mitglieder wuerde nicht so b e r e i t w i l l i g die Mitgliedschaft bei der
Gewerkschaft aufgeben, wie sie das sonst in Notzeiten tun wuerde» wenn mit ihrem
Austritt der Verlust ihrer langbestehenden Ansprueche auf Unterstuetzungen verbunden
i s t . Dieses Programm i s t fuer die Wohlfahrt a u f g e s t e l l t , und es besteht mehr Grund,
e s i n einer Krise beizubehalten a l s in Zeiten des allgemeinen Wohlstandes*—
Sechstens bestehen in der Verwaltung eines Wohlfahrtsfonds fuer Gewerkschaftsfuehrer staendig Beschaeftigungsmoeglichkeiten mit v i e l l e i c h t guter Bezahlung* Durch
diese Moegli chkei ten, die den Gewerks chaf tsfuehrern in die Hand gegeben sind, erlangei
diese Wohlfahrtsfonds grosse Bedeutung fuer sie* Ein schlagender Beweis i s t durch
die Debatten im Fruehjahr 192|8 gegeben, die sich um das Wohlfahrtsprogramm der Vereinigten Bergarbeiter in der bitundnoesen Kohlenindustrie drehten* Eines der Hauptz i e l e von John L* Lewis, das scheinbar infolge bedeutenderer Probleme wie Streik
und seine Beilegung uebersehen wurde, war die Forderung nach administrativer Kontrolle
der Wohlfahrtsfonds*
Siebtens s t e l l e n Wohlfahrtsfonds eine maechtige Waffe im Ringen um die innere
Disziplin i n den Gewerkschaften dar* Eine gelegentliche Durchsicht der Gewerkschaft sbeStimmungen ueber die Verwaltung solcher Kassen wird enthuellen, dass f a s t
ueberall "guter Ruf" i n der Gewerkschaft Grundbedingung bei der Auswahl der Arbeiter
i s t , denen Unterstuetzungen gewaehrt werden. Es kommt vor, dass die Gewerkschaft womit gewoehnlich die Verwaltung gemeint i s t - nach fast freiem Ermessen bestimmen
kann, wer und wer nicht in "gutem Rufe" steht* Wenn entschieden wurde, dass ein
einzelner oder eine gesamte oertliche Vereinigung nicht diesen guten Ruf geniessen,
i s t es moeglich, den Betreffenden a l l e Ansprueche auf Unter stuetzungen zu entziehen«
Dies bedeutet einen schweren wirtschaftlichen Schlag fuer die betroffenen Mitglieder*
Sie werden nicht l e i c h t f e r t i g eine solche Bestrafung riskieren* Diese Befugnis wird
in den Haenden der Gewerkschaft zu einem starken, politischen Machtfaktor*—
Wohlfahrtsfonds koennen v i e l zum allgemeinen Wohle beitragen* Um dieses Ziel
zu foerdern, s o l l t e n abschliessend zu unseren hiesigen Betrachtungen bestimmte Regeln
beachtet werden; (1) angemessene, s t a t i s t i s c h gerechtfertigte Prinzipien bei der
Festsetzung der Beitraege» (2) strenge Bestimmungen, um die Faelle zu reduzieren,
in denen Krankheit vorgetaeuscht oder der Fond zu politischen Zwecken benutzt wird,
(3) Erziehung der Arbeiter zu der Einsicht, dass die Unternehmer einen gewissen
Kredit zur Gruendung dieser Wohlfahrtsfonds benoetigen und (ii) berufsmaessige Verwaltung der Kasse, damit sie nicht zum politischen Gehilfen der Gewerkschaftsverwaltung wird.

- 6 -

�Die s t a t i s t i s c h e Untersuchung i s t e r f o r d e r l i c h , um das Anhaeufen von ueberschuessigen Geldreserven zu verhindern» üeberschuessige f i n a n z i e l l e Reservoirs
sind eiut folgenden (iruenden abzulehnen! S i e haben zersetzende Wirkung auf die
E h r l i c h k e i t der Gewerlschaftsverwaltung, koennen Anlass zum Vortaeusehen einer
Krankheit geben, eine unnoetige Mehrausgabe des A r b e i t e r s d a r s t e l l e n und zu
einem umfangreichen Speicher u n t a e t i g e n Kapitals anwachsen« Auf der anderen
S e i t e koennten s i e Gewerkschaftsfuehrer dazu v e r l e i t e n , unkluge Investierungen
vorzunehmen.
I n d u s t r i a l and Labor R e l a t i o n s Review

Oktober 1949«

WESENTLICHES FUER DEN BRITISCHEN GEWERKSQiAJTSBUND (T.U.C.)
Man hat i n l e t z t e r Z e i t den Gewerkschaftsfuehrern so v i e l den Vorwurf g e macht, s i e haetten den Ernst der gegenwaertigen Lage n i c h t zu e r f a s s e n gewusst,
dass e s e i n gutes Recht des Verwaltungsrates i s t , auf d i e U n r i c h t i g k e i t d i e s e r
Behauptung hinzuweisen«
S i e haben d i e schwere Aufgabe, n i c h t nur e i n a u s s e r o r d e n t l i c h v e r w i c k e l t e s
i n t e r n a t i o n a l e s Problem s e l b s t zu erkennen, sondern auch die grosse Zahl i h r e r
M i t g l i e d e r davon zu ueberzeugen, dass s i e die •Cripps P o l i t i k " mit dem Aufschieben
der Lohnerhoehungen und der S o z i a l f u e r s o r g e auf laengere Z e i t hinaus hinnehmen
nu essen«
Und wenn die Gewerkschaftsfuehrer d i e s t u n , muessen s i e a u s s e r o r d e n t l i c h
wachsam s e i n , damit ihre Vorsicht von den Unternehmern nicht a l s Zeichen der
Schwaeche a u s g e l e g t wird und man demnach die Regierung dazu bewegen koennte,
jene b e g i e r i g e n Wuensche anzunehmen, die die Traeume der Konservativen d a r s t e l l e n
und auf e i n e "geringe" A r b e i t s l o s i g k e i t , Lohnsenkungen, Kuerzung der Lebensmittelzuschucsse und e i n e Reduktion der Steuern abzielen«
Sie duerfen das Vertrauen ihrer Mitglieder nicht enttaeuschen und muessen
zu g l e i c h e r Z e i t darauf bedacht s e i n , eine Notstandslage zu verhindern, d i e l e i c h t
zu einem f i n a n z i e l l e n Chaos fuehren koennte«
Die B e r i c h t e , die der Verwaltungsrat dem Kongress v o r g e l e g t h a t , sind nuecht e r n , gut informiert und mit e i n e r unbedingten V o l l s t a e n d i g k e i t aufgebaut, die
hohes Lob v e r d i e n t . Man hat i n ihnen s o r ^ f a e l t i g e i n Gleichgewicht gewahrt, das
von den gemaessigteren K r i t i k e r n auf beiden S e i t e n ohne die g e r i n g s t e Fairness
angegriffen wurde«
Der allgemeine komnunistische Grundsatz, der b e s a g t , dass a l l e s gut waere,
wenn die Gewerte chaften nur b e r e i t waeren, ihre Macht dazu zu benutzen, einen
Bruch mit Amerika herbeizufuehren und die t o t a l e Zusammenarbeit mit Russland und
seinen Verbuendeten e i n z u l e i t e n , kann nicht a l s ernstzunehmende A l t e r n a t i v e angesehen werden«
Die Beduerfnisse unseres Volkes sind nun durch d i e Marshallhilfe gedeckt«
Diese kann weder durch eine r u s s i s c h e H i l f e e r s e t z t werden noch durch eine solche
Zunahme des ost-westeuropaeisehen Handels, dass die damit verbundenen Risiken
g e r e c h t f e r t i g t waeren«
Zwei Verpflichtungen
Solange uns d i e komnunistische Partei kein genaues Programm vorlegen kann,
nach dem s i e i n der Lage i s t , den Lebensstandard unserer Arbeiter auf dem j e t z i g e n
Niveau zu h a l t e n , sind ihre Anfeindungen gegen die Gewerle chaf tsfuehrer i n keiner
l e i s e gueltig«
Dies bedeutet meiner Ansicht nach keineswegs, dass sich der Gewerle chaftsbund
nun fuer das naechste Jahr zur Ruhe s e t z e n kann, nachdem er die Meinung einer
r i e s i g e n Mehrheit gegen seine komnunis t i s c h e n K r i t i k e r gewonnen hat«

" 7

�Die wichtigste Aufgabe, die den Gewerkschaftsfuehrern o b l i e g t , i s t « sich
zu Ter gewissem, dass a l l e Mitglieder ueber unsere Probleme tatsaechlich u n t e r r i c h t e t sind; die vor kurzem mit den Eisenbahnen gefuehrten Verhandlungen zeigen
jedoch, dass dies nicht der F a l l i s t * Ihre zweite grosse Aufgabe besteht d a r i n ,
eine weit groessere Fuehlungnahme zwischen Arbeitern und ihren Vorgesetzten herzustellen«
i

Die Haelfte der wilden S t r e i k s entstehen, weil dieser Kontakt nicht b e s t e h t ,
zu langsam in seiner Arbeitsweise oder psychologisch unwirksam i s t ; die Kommunisten sind selten dazu i n der Lage, diese Streiks zu foerdern, aber sie koennen
mit grosser Geschicklichkeit Hitzen daraus ziehen*
Die Bewegung i s t i n einem solchen Masse angewachsen, und die von Mitgliedern
des Gewerkschaftsbundes i n Westminster und Whitehall zu uebernehmenden Verpflichtungen sind so gross geworden, dass es den hoechsten Fuehrern der meisten Gewerkschaften noch nicht moeglich gewesen i s t , ihre oeffentlichen Beziehungen i n ein
entsprechendes Gleichgewicht mit diesen Aufgaben zu bringen*
Schwierige Aufgaben
Nur wenige Gewerkschaften lassen ihren Mitgliedern die erforderlichen, l a u fenden, - ich betone das Wort "laufenden" - wirksamen Informationen ueber Wirtschaf tsangelegenheiten zukommen* Nur wenige sind im Besitze eines Forschungss t a b e s , der seinen schweren Aufgaben auch nur annaehernd gewachsen waere* Die
Erziehung i h r e r Mitglieder i s t i n keinem Falle soweit gediehen, dass man i n jedem
Arbeitszweig auf eine wirkliche Armee von Freiwilligen mit der fuer die Loesung
der Aufgaben der Bewegung noetigen Qualifizierung zurueckgreifen koennte*
Es waere mir eine Befriedigung zu wissen, dass sich a l l e Generalsekretaere
darueber im klaren sind, dass die praktische Erfahrung i n einem bestimmten Industriezweig fuer jeden i n der Forschung Taetigen zwar wertvoll i s t , die gruendliche
Erfahrung in wirtschaftlichen und s t a t i s t i s c h e n Fragen jedoch nicht ganz ersetzen
kann*
Ich moechte gerne sehen, dass die Forschung den Gewerkschaften d e r a r t i g e
Dienste l e i s t e t , dass sie den Unternehmern und der Regierung i n ebenbuertiger
Weise gegenuebertreten koennen« Ich hoffe, dass man mir v e r z e i h t , wenn ich behaupte, dass dies heutzutage nicht der F a l l i s t *
Stoehnen von der Rechten
Der andere Gesichtspunkt i s t weit einfacher* Die an den Gewerkschaftsfuehrern
K r i t i k uebenden der Rechten beschaeftigen sich zum groessten T e i l weniger mit der
eigentlichen Lage a l s vielmehr mit der Atmosphaere, die sie fuer die allgemeine
Wahl schaffen inoechten*
Die meisten Seufzer ueber den "Wohlfahrtsstaat" sind das uebliche Propagandam i t t e l , das die Labour Regierung fuer a l l e Schwierigkeiten verantwortlich machen
moechte* Sie sollen genuegend Alarm und Enttaeuschung i n den Vereinigten Staaten
hervorrufen, um die U.S. Regierung und den Kongress zur Mitarbeit an einem neuen
1931 zu veranlassen*
Bis j e t z t haben die Kritiker der R e chten grosse Fehlschlaege i n Amerika e r l e b t «
Doch hinter ihnen stehen hier Leute wie Lord Beaverbrook, Lord Kemsley, Lord Rothermere und ihresgleichen* Ihre Aufgabe besteht d a r i n , Nachrichten fuer die Oeffentl i c h k e i t ' zurechtzulegen, dass man l e d i g l i c h nur Schwierigkeiten sehen kann* Dieselben koennten nur von einer Regierung mit Mr. Churchill an der Spitze behoben werder
Ich glaube n i c h t , dasses ihnen gelingen wird, die Arbeiter zu der Ueberzeugung
zu bringen, dass Mr* Churchill die liebe a l t e Grossmutter i s t , der das kleine Rotkaeppchen, der Gewerkschaftsbund (T.U.C.), unbedingt vertrauen kann*
Labour, Oktober 1949«
Aus einem Artikel von Herold Lasky, der i n
"Forward" erschienen i s t *

- P-

�ZUSAMMENARBEIT IN DE« TVA
Das Tennessee Talsperren-System i s t e i n e s der i n t e r e s s a n t e s t e n Experimente
ooderner Naturkraft - und Wirtschaftsverwaltung i n den Vereinigten Staaten* aber
je i s t i n Deutschland wenig bekannt. Die Tennessee V a l l e y Authority (TVA) i s t
»ine Koerperschaft o e f f e n t l i c h e n Rechts zur Kontrolle des Tennessee F l u s s - T a l s .
Sie b e f a s s t sich mit der Stromkontrolle« der Aufforstung, der Bodenbewaesserung
ind unter i h r e r Leitung laufen eine Anzahl von grossen e l e k t r i s c h e n KraftStationen*
)ie TVA u n t e r h a e l t durch einen Gemeinsamen Zentralen Ausschuss fuer Zusammenarbeit
sute Beziehungen mit den Gewerkschaften. Wir v e r o e f f e n t l i e h e n h i e r e i n i g e Auszuege
ms dem amtlichen Handbuch des Ausschusses* um unseren Lesern einen E i n b l i c k i n die
t r b e i t s v e r h a e l t n i s s e d i e s e r Verwaltung zu gebeni
Grundlagen des Verwaltungs-Gewerkschaftsausschussee
Die TVA und der Gewerkschaftsrat des "Tennessee Tals* erkennen gemeinsam an,
lass e i n e Zusammenarbeit zwischen B e t r i e b s l e i t u n g und Arbeitnehmern e r f o r d e r l i c h
s t , um die Aufgaben zu e r f u e l l e n * fuer welche d i e TVA gegruendet worden i s t .
Zusammenarbeit bedeutet die Schaffung e i n e s G e i s t e s der Gruppenarbeit zwischen
irbeitnehmarn und i h r e n A r b e i t s v o r g e s e t z t e n mit dem Z i e l e , die g e s t e l l t e n Aufgaben
rirksam und unter g u e n s t i g s t e n Arbeitsbedingungen, die geboten werden koennen* zu
Loesen. Solch e i n Geist der Gruppenarbeit gruendet s i c h auf die Wechselbeziehungen
ler Kollektiv-Verhandlungen, welche wohl d e f i n i e r t e Vereinbarungen ergeben haben,
ind er wird zum g r o e s s t e n T e i l aus den t a e g l i c h e n Wechselbeziehungen zwischen Arleitnehmern und ihren unmittelbaren A r b e i t s v o r g e s e t z t e n bei der Erledigung ihrer Auf«
;aben entwickelt«
Vor e i n i g e n Jahren haben d i e TVA und der Gewerkschaftsrat des "Tennessee Tals"
iine Organisation g e s c h a f f e n , um weitere Anregungen fuer Wechselbeziehungen der
»uearamenarbeit unter dem Programm der Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften
ind B e t r i e b s l e i t u n g zu geben ( s i e h e Anlage A). Diese Organisation b e s t e h t aus
dnem Gemeinsamen Zentralen Ausschuss fuer Zusammenarbeit ( s i e h e Anlage B ) , und
gemeinsamen o e r t l i c h e n Ausschuessen fuer Zusammenarbeit, die an verschiedenen A r b e i t s i t e l l e n e r r i c h t e t worden sind ( s i e h e Anlage C ) . Der Zentralausschuss s t e l l t die
grundlegenden R i c h t l i n i e n fuer e i n e o r g a n i s i e r t e Zusammenarbeit auf. Die o e r t l i c h e n
lusschuesse fuehren das Vorhaben aus* In i h r e r Arbeit werden sowohl die z e n t r a l e n
i l s auch die o e r t l i c h e n Ausschuesse von den Festlegungen ueber Zusammenarbeit g e l e i t e t ,
eiche vom Aufeichtsrat im Jahre 1935 herausgegeben worden waren. Der Inhalt d i e s e r
Festlegung wurde i n A r t i k e l XI der Allgemeinen Vereinbarung zwischen der TVA und dem
lewerkschuftsrat des "Tennessee Tals" aufgenommen, a l s ueber d i e s e Vereinbarung im
ahre 1940 verhandelt wurde. Der A r t i k e l b e s a g t , dass der g e n e r e l l e Zweck der
usammenarbeit zwischen B e t r i e b s l e i t u n g und Arbeitnehmern durch ihre I n t e r e s s e n v e r retungen i s t , die Z i e l e zu f o e r d e r n , fuer welche die TVA geschaffen wurde, und e s
erden darin bestimmte Dinge a u f g e f u e h r t , welche die Arbeit der Ausschuesse b i l d e n ,
im zur Erfuellung d i e s e s Zweckes b e i z u t r a g e n . Diese F e s t l e g u n g , die a l s o i n d i e
Lllgemeine Vereinbarung aufgenommen worden i s t , s t e l l t e s klar heraus, dass die
usanmenarbeit zwischen Gewerkschaften und B e t r i e b s l e i t u n g das Kollektiv-Verhandlungs-esen ergaenzt* aber nicht e r s e t z t . Tatsaechlich kann die gewuenschte Art der Zulammenarbeit nur vorhanden s e i n , wenn die Organisation der Kollektiv-Verhandlungen
ilch z u f r i e d e n s t e l l e n d auswirkt. Das Programm fuer Zusammenarbeit i s t sowohl zum
ohle der B e t r i e b s l e i t u n g , a l s auch der Arbeitnehmer a u f g e s t e l l t worden. Die zu
«handelnden Fragen umfassen Vorschlaege a l l e r Art und nicht nur technische Angeegenheiten.
Plan fuer gemeinsame Ausschuesse fuer die Zusammenarbeit der TVA und Gewerkschaft
Die Tennessee Valley Authority (hier TVA genannt) und der gewerkschaftliche Rat
e s Tennessee T a l s (nachstehend Gewerkschaftsrat genannt) s c h l i e s s e n den folgenden
&gt;lan fuer gemeinsame Ausschuesse zur Zusammenarbeit gemaess den Ausführungen i n der
leklaration der Allgemeinen Vereinbarungt
Die TVA und der Gewerkschaftsrat erkennen an, dass Zusammenarbeit zwischen
B e t r i e b s l e i t u n g und Arbeitnehmern u n e r l a e s s l i c h i s t , um die Aufgaben im I n t e r e s s e der O e f f e n t l i c h k e i t zu e r f u e l l e n , fuer welche die TVA gegruendet
worden i s t , gemaess den TVA S t a t u t e n vom 18*5»33»» sowie deren Ergaenzungen,
und erkennen a n , dass e i n e d e r a r t i g e Zusammenarbeit weitestgehend auf einem

9

�klar ausgewaegten gegenseitigen Verstehen zwischen der TVA und ihren
Arbeitnehmern beruht, zu welchem man durch den Vorgang der KollektivVerhandlungen gelangt i s t (Artikel II)«
Gegenseitige zufriedenstellende und nuetzliche Beziehungen haben inner zwischen
der TVA und den Gewerkschaften bestanden, die die Arbeitnehmer der TVA vertraten.
Der Gewerkschaftsrat hat anerkannt, dass das Aufgabengebiet der TVA regionale und
nationale Eigenschaften hat, und die Arbeitnehmer haben ein Interesse bekundet,
das groasser i s t , a l s nur das Bestreben, Geld zu verdienen.
Die Arbeitnehmer und ihre Organisationen haben gemeinsam mit dem Auf sichtsrat
und der Betriebsleitung ein Interesse am und de« Wunsch nach dem Erfolg dieses
Unternehmens bei der Erfuellung seiner einzigartigen und weitsichtigen Zwecke,
fuer die es gegruendet wurde« In a l l den Jahren nach 1933 haben Worte und Taten
die Hoffnung ausgedrueckt, dass die Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften
und Betriebsleitung nicht nur die unmittelbaren Ziele zufriedenstellender Loehne,
Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen erreichen koennten, sondern ebenso eine Art
der Zusammenarbeit aufbauen, die groessere Leistungen auf dem Arbeitsplatze erzielen und den Grundstock einer Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Betriebsleitung legen wuerde« Eine solche Zusammenarbeit wuerde in diesem Teil unseres
Landes jenes Prinzip der Wechselbeziehungen fuer gueltig erklaeren, das wirtschaftlich wirksam sowie sozial wuenschenswert i s t «

Die allgemeine Vereinbarung, die zwischen der TVA und 15 gewerkschaftlichen
Organisationen durch Vermittlung des Gewerkschaftsrates abgeschlossen wurde, hat
ein System geschaffen, das die schuetzenden Aufgaben dieser Vereinigung gebuehrend
zum Ausdruck bringt« Die Arbeitnehmer und der Gewerkschaftsrat erkennen die Pflicht
zur Loyalitaet zum Betrieb oder zum Projekt an« Dieser Grundsatz i s t bekannt und
zeigt sich in der Zusammenstellung erfahrener Werkmannschaften, im Streben nach
Qualitaetsarbeit und manchmal auch darin, dass Garantien fuer gute Ausfuehrung von
uebernommenen Arbeiten gegeben werden, andernfalls die Gewerkschaft die Arbeit
auf Selbstkosten nochmal l e i s t e n wird; und in verschiedenen anderen ueblichen Vereinbarungen. Die TVA erkennt, dass Arbeitnehmer und Gewerkschaftsrat zur Foerderung
ihrer Aufgaben bedeutend beitragen koennen, wenn sie eine solche Verantwortung uebernehmen und garantiert, dass die Vertreter der Betriebsleitung a l l e Vorschlaege der
Arbeitnehmer und ihrer Organisationen zur Verbesserung der Arbeitsleistung entgegennehmen und bearbeiten werden« Die in Artikel XI der Allgemeinen Vereinbarung vorgesehenen und nachstehend erwaehnten Gemeinsamen Ausschuesse fuer Zusammenarbeit
koennen wohl am besten a l s Technische Ausschuesse bezeichnet werden, die sich i n
erster Linie mit Produktionssteigerung und erst dann mit Betreuungsauf gaben befassen,
worunter Loehne, Arbeitszeit und Arbeitsbedinungen fallen« Diese lokalen technische!]
Ausschuesse beraten ueber Mittel und Wege zur Verbesserung der Arbeitsmethoden,
Steigerung der Arbeitsleistung und Foerderung der Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften und der Betriebsfuehrung in den Werkstaetten und an den verschiedenen
Projekten«
Der Plan zur Errichtung eines solchen lokalen Ausschusses oder mehrerer Ausschuesse, sofern sie sich a l s durchfuehrbar und tragbar erweisen s o l l t e n , wird
folgendermassen f e s t g e l e g t !
Der Zentrale Ausschuss
1«) Es wird ein Gemeinsamer Zentralausschuss fuer Zusammenarbeit gebildet,
der aus folgenden Mitgliedern besteht: Exekutivrat des Gewerksdiaftsrates und
Technischer Leiter, Leiter des Elektrizitaetswesens, Direktor der Abteilung fuer
Chemo-Technik, Direktor der Abteilung fuer Materialeinsatz und Leiter der Personalabteilung der TVA, An der Spitze stehen der Praesident des Gewerkschaftsrates
und der Leiter der Personalabteilung der TVA, der den Hauptgeschaeftsfuehrer der
TVA repraesentiert. Der Exekutivrat des Gewerkschaftsrates ernennt aus den Reihen
seiner Mitglieder einen Ausschuss, der befugt i s t , Angelegenheiten des Gemeinsamen
Zentralausschusses fuer Zusammenarbeit zu bearbeiten« Der Gemeinsame Zentralausschuss fuer Zusammenarbeit foerdert, l e i t e t und koordiniert die Organisation
und die Arbeit derjenigen Gemeinsamen Lokalen Ausschuesse, die nach beiderseitigem
Einvernehmen errichtet werden« Er t r i t t mindestens zweimal im Jahr zusammen, um
die gefassten Beschluesse und solche Massnahmen zu ueberpruefen, die getroffen
oder von irgendwelchen Gemeinsamen Lokalen Ausschuessen fuer Zusammenarbeit (deren
Schaffung wie nachstehend vorgesehen i s t ) ueberwiesen wurden; oder um solche
.10 -

�gemeinsamen Massnahmen zu besprechen, die im Sinne von Artikel XI der Allgemeinen
Vereinbarung wuensohenswert erscheinen«
Lokale Ausachuesee
2«) Der Gemeinsame Zentralausschuss fuer Zusammenarbeit wird uetereinkommen,
an welchen Arbeitsstellen und Projekten Gemeinsas» Lokale Aussehuesse fuer Zusammenarbeit gebildet werden sollen» Die ersten lokalen Aussehuesse werden auf
einer Versuchsbasis errichtet werden, und die Ausdehnung des Planes auf andere
Projekte wird von ihren Erfahrungen und ihrem Erfolg abhaengen* Gemeinsame Lokale
AusBchuesoe fuer Zusammenarbeit werden i n regelmaessigen Abstaenden Sitzungen abhalten (Einzelheiten werden oertlich bestimmt)} Sondersitzungen koennen von den
Vorsitzenden wie erforderlich einberufen werden« Wenn die zustaendigen Vertreter
der Gewerkschaft und der Betriebsleitung sich einigen, und wenn der Gemeinsame
Zentralauseohuss fuer Zusammenarbeit seine Zustimmung g i b t , kann auch ein Vereinigter
Aus8chu88 fuer das oeffentliche Stromversorgungswesen oder fuer andere Abteilungen
oder Bezirke mit besonderen Merkmalen, die von den lokalen Ausschuessen nur ungenuegend bearbeitet werden koennen, errichtet werden«

MitoUeflpgfttO't b«i den taMämam*
3«) Die Mitglieder «er Gemeinsamen Lokalen Aussehuesse fuer Zusammenarbeit,
die die Gewerkschaften vertreten, sind vom Gewerkschaftsrat dazu ernannte Arbeitnehmer der TVA« Der die TVA vertretende Mitglieder kreis besteht aus dem obersten
RepraeBentanten der Betriebsleitung und solchen Leuten, die er hierfuer ernennen
kann» Betriebsleitung und Gewerkschaften entsenden nicht mehr a l s 9 Mitglieder,
ohne dass die Mitgliederzahl fuer beide gleich sein muss. Gewerkschaftsvertretern
im festen Arbeitsverhaeltnis, die z u f a e l l i g waehrend einer Sitzung Dienst tun,
entsteht kein Nachteil i n der Bezahlung fuer die zur Sitzung erforderliche Zeit«
Dagegen nehmen andere Mitglieder auf eigene Kosten an der Sitzung t e i l «
Organisation der Aussehuesse
4») Sin Gemeinsamer Lokaler Ausschuss fuer Zusammenarbeit fuehrt seine eigene
Gliederung durch, doch sind/dieser Organisation ein Mitvorsitzender a l s Vertreter
der Betriebsleitung und einer, der die Gewerkschaften v e r t r i t t , ferner ein Sekretaer
zur Erledigung des entsprechenden Schriftverkehrs vorgesehen. Diese Mitvorsitzenden
bilden zusammen mit dem Sekretaer einen Exekutivausschuss, der die regelmaessigen
Sitzungen der Gemeinsamen Aussehuesse fuer Zusammenarbeit anberaumt« Ein Bericht
ueber die Organisation und die Protokolle a l l e r Sitzungen des Gemeinsamen Lokalen
Ausschusses fuer Zusammenarbeit werden oertlich gefuehrt» Je eine Kopie behalten
der Sekretaer des Gewerkschaftsrates, der betreffende Abteilungsleiter und der
Arbeitskreis fuer persoenliche Wechselbeziehungen innerhalb der Betriebe« Berichte
ueber Angelegenheiten, die von jedem Gemeinsamen Lokalen Ausschuss fuer Zusammenarbeit behandelt wurden, werden in einer vom Gemeine amen Zentralausschuss vorgeschriebenen Farm gehalten« Die Betriebsleitung s t e l l t Schreibkraefte zur Verfuegung«
Aufflaben der AusschuesBe
5«) Die Aufgaben der Gemeinsamen Lokalen Aussehuesse sind gemaess Artikel XI
der Allgemeinen Vereinbarung folgende!
Die Gemeinsamen Aussehuesse fuer Zusammenarbeit haben die Au&amp;abe,
Angelegenheiten zu bearbeiten, wie sie in der abschliessenden Festsetzung der Richtlinien fuer Wechselbeziehungen des Arbeitnehmers
erlaeutert sind, naemlich: Vermeidung von Zeitverlust bei der Konstruktion und Produktion} Sparsamkeit in der Verwendung der Materialien,
Vorraete und Energie} Verbesserung der fachlichen Kenntnisse und Arbeiteausfuehrungen; Foerderung der Erziehung und Ausbildung} Beseitigung
von Zustaenden, die Anla M zu Beschwerden und MLssverstaendnissen
gaben} Anleitung zur hoefliehen Ha) tung der Arbeitnehmer im Verkehr
mit der Oeffentlichkeit} Sicherung der Gesundheit; Verhuetung von
UnfaelDen, die Leben oder Eigentum bedrohen} Verbesserung der a l l gemeinen Arbeitsbedingungen} und He hang der Arbeitsmoral. Die
- 11

�Aueschuesse eroertern und bearbeiten jedoch keine Streitigkeiten,
dere'h Beilegung i n den Artikeln VIIi VIII und IX dieser Vereinbarung
vorgesehen i s t « Beschluesse dieser Aueschuesse fuer Zusammenarbeit
nuessen einmuetig angenommen werden und werden dem betreffenden Vorstand einer oder beider Parteien zur Durchfuehrung ueberwiesen.
Alle Parteien sind verpflichtet, sorgfaeltig und genau a l l e Eingaben zu
ueberpruefen. Sie muessen genau unterscheiden, dass Beschluesse ueber Betriebsfuehrung nur die Betriebsleitung und die über Gewerkschaftswesen nur die Gewerkschaften betreffen« Wenn Vorschlaege oder Eingaben nach eingehender Besprechung
der Gemeinsamen .ausBeimesse nicht von a l l e n Parteien g e b i l l i g t werden, bleiben
sie unberuecksichtigt« Wenn sie angenommen werden und e i n Beschluss wird gefasst,
werden die getroffenen Entscheidungen an die zustaendigen Stellen zur Durchfuehrung
weitergeleitet*

SOZIALE BETREUUNG DER ARBEITSLOSEN
Eine neue Aufgabe der amerikanischen GewerkschaftenNEW YORK — (Amerika Dienst) — Die s e i t Anfang Herbst im Abflauen begriffene
Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten hat durch die Streiks in der Kohlenund Stahlindustrie wieder zugenommen. Trotz a l l e r sozialen Schutzmassnahmen und
einer ausgedehnten Arbeitslosenversicherung ergeben sich mit dem Verlust des Arbei teplatzes fuer jeden Betroffenen zahlreiche Problems, die er a l l e i n nur muehsam
oder ueberhaupt nicht zu loesen vermag« Hier greifen die Gewerkschaften ein«
Die Unterstuetzung der arbeitslosen Gewerkschaftsangehoerigen wurde vor kurzem
von Funktionaeren einer dem CIO angeschlossenen Textilarbeitergewerkschaft e i n gehend erlaeutert« "Die Praxis", so erklaerten s i e , "war eine harte Schulet j e doch wird laufend an der Verbesserung der Sozialfuersorge und der Arbeitslosenversicherung gearbeitet* Zuerst suchen die Entlassenen ihr zustaendigea Versicherungsamt a/if und s t e l l e n einen Antrag auf Gewaehrung von Arbeitslosenunter stuetzung*
Schon hieltsetzt die Hilfe der Gewerkschaft e i n , die dafuer sorgt, dass durch das
Ausfuellen der Antraege. keine Zeit verlorengeht« Bei Massenentlassungen s t e l l t
sie geeignete Hilfskraefte zur Verfuegung, um die Bearbeitung der Antraege und
die Zustellung der Zahlungsanweisungen zu beschleunigen*"
In vielen Faellen hat die Textilarbeitergewerkschaft in den Industrie staedten
mit den Unternehmern Abkommen ueber die Umstellung auf Kurzarbeit getroffen* Bevor
nicht die Arbeitszeit auf woechentlich 32 Stunden verk&amp;erzt worden i s t » sollen
keine Entlassungen ausgesprochen werden* In einigen Faellen gehen die Arbeiter
eine Woche zur Arbeit und empfangen die naechste Woche Arbeitslosenunterstuetzung*
Dadurch behalten sie den Kontakt mit ihrem Arbeitsplatz, waehrend sich g l e i c h z e i t i g
ihr Anspruch auf Unter stuetzung durch Fortdauer der Beitragszahlungen verlaengert*
Mitarbeit in oertlichen Wohlfahrtsausechuessen
Die Gewerkschaft unteretuetzt ihre Betriebe auch bei der Beschaffung von
iuftraegen* Wo eine Modernisierung der Maschinenanlagen zur Ueberwindung der
Krise beitragen kann, t r i t t sie fuer die Gewaehrung von staatlichen Krediten e i n ,
und i n industriearmen Bezirken bemueht sie sich um das Heranziehen neuer Industrien*
Aber noch wichtiger i s t die beratende Taetigkeit, die leitende Funktionaere
und Betriebsobleute der Textilarbeitergewerkschaft in den Wohlfahrts- und S o z i a l ausschuessen der Gemeinden ausueben« Sie haben schon v i e l e Arbeitslosenversicherungsempfaenger oder deren Familienmitglieder i n staedtische Krankenhaeuser, Zahnkliniken
und Kinderheime eingewiesen oder, sobald die Versicherung ihre Leistungen e i n s t e l l t e «
fuer ihre Versorgung durch oertliche Hilfsorganisationen gesorgt* Um fuer diese
Taetigkeit geruestet zu s e i n , erhalten die mit solchen Aufgaben betrauten Gewerkschaftsfunktionaere eine Spezialausbildung, die von dem Sozialausschuss der CIO
in Verbindung mit den oertlichen Behoerden durchgefuehrt wird*
Kuerzlich erklaerte e i n fuehrender Vertreter der Stahlarbeit er gewer le chaft
zum Thema der sozialen Aufgaben der Gewerkschaften: "In den l e t z t e n 8 oder 10 Jalren
haben sich die organisierten Arbeiter immer mehr daran gewoehnt, fuer die Loesung
- 12 -

�i h r e r w i r t s c h a f t l i c h e n und s o z i a l e n Probleme die H i l f e der Gewerkschaften
i n Anspruch zu nehmen, S e l b s t v e r s t a e n d l i c h l i e g e n unsere grossen Aufgaben
d a r i n , mit den Unternehmern Verbindung zu h a l t e n , Kbllektivvertraege abzus c h l i e s s e n und fuer eine angemessene Entlohnung zu sorgen» Darueber hinaus
springen die Gewerkschaften auch i n solchen F a e l l e n helfend e i n , i n denen die
Unternehmer ihre Fuersorgepflicht fuer d i e Arbeiter vernachlaessigen«"
BETRIEBSUNFAELLE DER STAHLINDUSTRIE
NEW YCRK — (Amerika D i e n s t ) — Die Zahl der B e t r i e b s u n f a e l l e amerikanischer
S t a h l a r b e i t e r war 1948 die n i e d r i g s t e s e i t Bestehen der S t a h l i n d u s t r i e und betrug
5 , 8 6 pro M i l l i o n Arbeitsstunden, gab das amerikanische E i s e n - und S t a h l i n s t i t u t
kuerzlich bekannt. Die Unfallquote l i e g t 2*9 Prozent unter dem Durchschnitt a l l e r
anderen I n d u s t r i e z w e i g e . L e d i g l i c h die Nachrichtenbetriebe, die Flugzeugwerke
und die e l e k t r o t e c h n i s c h e Ausruestung h e r s t e l l e n d e n Unternehmen wiesen noch
weniger U n f a e l l e auf*
EUR0PAEI5CHES WIEDERMIFBAUP30GRAMM
BIZONE ERHIELT Iqii8-2i9 HAUPTANTEIL DER
ERP-LEBENSMITTELLIEFERU NGEN.
WASHINGTON — (Amerika D i e n s t ) - - Die Bizone e r h i e l t im Wirtschaftsjahr
1948/49 den g r o e s s t e n T e i l der amerikanischen Lebensmittellieferungen im Rahmen
des Marshallplanes, g e f o l g t von den unter amerikanischer Kontrolle stehenden
Gebieten des Fernen Ostens, gab das U . S . Landwirtschaftsministerium vor kurzem
bekannt«
Die ERP-Laender e r h i e l t e n 63 Prozent der gesamten Lebensmittelausfuhren
der V e r e i n i g t e n Staaten« 1 9 , 5 Prozent gingen an d i e Laender des Fernen Ostens
und 9,2 Prozent an die latein-amerikani sehen Republiken« Das Volumen der Gesamtausfuhren l a g um 15 Prozent ueber den Mengen des vorangegangenen W i r t s c h a f t s j a h r e s unfl i s t mehr a l s fuenfmal so gross wie die 1935-39 ausgefuehrte Lebensmitteltonnage«
Weisen, R e i s , Mais und andere Getreidesorten stehen mit 82 Prozent der
Gesamtausfuhren an e r s t e r S t e l l e . Die Lieferungen von F e t t e n und Oelen erhoehten
s i c h gegenueber 1947-48 um 60 Prozent und d i e Exporte von Genuese und Fruechten
a l l e r Art um 10 Prozent.
L e d i g l i c h d i e Ausfuhr von F l e i s c h und Molkerei Produkten g i n g l e i c h t zurueck.

BERICHT VON HOLLAND
Von Evert Supers, Praesident des Niederlaendischen Gewerkschaftsbundes«
Der Kampf der Gewerte chaf tsbewegung i n a l l e n Laendern bedeutet e i g e n t l i c h
n i c h t s anderes a l s Kampf der Arbeiter um das Mitbestimmungsrecht i n s o z i a l e n und
w i r t s c h a f t l i c h e n Fragen, d i e i h r Wohlergehen betreffen«
Als die Gewerkschaftsbewegung i n den Niederlanden noch i n den Kinderschuhen
s t e c k t e t war man bermeht, d i e s e s Recht nur i n Lohn- und Beschaeftigungsfragen zu
erlangen. Diese Forderung nach MitbeStimmung i n Beschaeftigungs- und Lohnangelegenheiten wurde den h o l l a e n d i sehen Gewerkschaften noch zu Ende des 19« und
Anfang des 20« Jahrhunderts o f t s t r e i t i g gemacht«
Erst nach schwerem Kampf begann man i n den Niederlanden einzusehen« d a s s
n i c h t a l l e i n das Unternehmertum ueber Loehne und Arbeitsbedingungen zu bestimmen
habe, sondern dass auch den Arbeitern eine Gelegenheit gegeben werden muesse,.,
ihre Ansichten darueber durch i h r e Gewerkschaften zum Ausdruck zu bringen«
13 -

�Im allgemeinen kann man sagen, dass das Mitbestimmungsrecht in Verhandlungen
ueber Arbeitsbedingungen den hollaendisehen Gewerkschaften heutzutage v o l l und
ganz zuerkannt wird - und zwar nicht nur in Fragen der Lohnregelung, sondern au eh
des Urlaubs, der Bezahlung fuer Ueberzeit, usw. Darueberhinaus hat man durch
Gesetze des Parlaments zahlreiche soziale Massnahmen ergriffen, denen a l l e indust r i e l l e n , landwirtschaftlichen und Handelsunternehmen unterliegen.
Wenn heute neue soziale Gesetze ausgearbeitet werden, zieht der Minister
fuer soziale Angelegenheiten immer Unternehmer- und Arbeiterorganisationen zu Rate*
Damit waere der Kampf der hollaendi sehen Gewerkschaften um das Ml tbestimmungsreeht
erfolgreich beendet, soweit es sich um soziale Probleme handelt* Auf wirtschaftlichem
Gebiet jedoch i s t dieser Stand sicherlich noeh nicht erreicht*
Die Lohnempfaenger der Niederlande sind sieh darueber im&amp;aren, dass e i n
sozial gerechtfertigtes Lohnniveau nur unter gesunden Wirtschaftsverhaeltnissen
beibehalten werden kann, und sie wuenschen deshalb nicht, dass ihr Mltbestiiatungsreeht nur auf Verhandlungen ueber Arbeitsbedingungen beschraenkt bleibt*
Folglich beansprucht die niederlaendische Gewerkschaftsbewegung fuer »loh d»e
Recht, bei der Loesung wirtschaftlicher Probleme, die die Wohlfahrt de» Landes bittreffen , zu Rate gezogen werden. Aus diesem Grunde sind dem Nlederlaendisehen
Parlament kuerzlich zwei wichtige Gesetesentwuerfe unterbreitet worden* In dem
einen handelt es sich um das Mitbestimmungsrecht der Gewerkschaften in der Leitung
der Industrie im allgemeinen, waehrend sich der andere mit dem Mtbestimmungsreeht
der Arbeiter in den einzelnen Unternehmen befasst.
Seit dem Jahre 1922 sieht die nlederlaendisehe Verfassung Koerpersehaften zur
Kontrolle der Industrie vor. Sie haben die Befugnis, den betreffenden Industriezweigen Richtlinien vorzuschreiben, die eingehalten werden muessen.
Ueberall in der Welt haben sieh die Probleme, deren Loesung den Regierungen
o b l i e g t , zu betraeehtliehern Umfang erweitert* So i s t es auch in den Niederlanden«
Folglich musste das Parlament vergroessert werden*
Die Minister haben zusammen mit der Koenigin die Exekutivgewalt inne* Sie
koennen sich jedoch nicht um a l l e s selbst kuemnern, und muessen deshalb einen grossen
Teil ihrer Aufgaben ihren Beamten ueber tragen. Dies birgt die Gefahr einer voelligen
Buerokratisierung in sieh und erweckt die Forderung nach Dezentralisierung und Uebertragung einiger Regierungsaufgaben auf Faehorganisationen sozialen und wirtschaftlichen Charakters*
Es muss h i t r erwaehnt werden, dass die Arbeitgeber erkannt haben, dass die
Schaffung solcher Koerpersehaften unerlaesslich i s t , da sich ihr Fehlen in Notzeiten
sehr stark bemerkbar machte* Um solchen Krisen zu begegaen, haben hollaendi sehe
Unternehmer sehr oft gegenseitige Vereinbarungen getroffen, die bestimmte Rieht«
l i n i e n in Fragen der Produktion, Preise, Verteilung u.ae* f e s t l e g t e n . Wenn sieh
einige Aussenseiter jedoch nicht an diese Richtlinien h i e l t e n , wurde die gesamte
Vereinbarung wertlos. Man erstrebte deshalb, solche Vereinbarungen gesetzmaessig
festzulegen, was, beilaeufig erwaehnt, vor dem zweiten Weltkrieg in Holland i n
einigen Faellen gelang.
Die dem Parlament kuerzlich unterbreitete Gesetzgebung sieht die Errichtung
einer zentralen Koerpersehaft fuer a l l e Industrien des Landes vor, - der Soziale,
Wirtschaftliche Rat - i n dem Regierung, Arbeitgeberverbaende und Gewerkschaften
gleich stark vertreten sein s o l l e n .
Es waere Aufgabe dieses Rates, auf Anforderung die Regierung in allen sozialen
und wirtschaftlichen Angelegenheiten zu beraten* Diese Beratung koennte sich jedoch
auch auf bestimmte Fragen erstrecken, die auf Veranlassung des Rates selbst angeschnitten wurden. Ferner haette der Rat die Richtlinien der verschiedenen industrie l l e n Organisationen zu koordinieren. Was letztere b e t r i f f t , unterscheidet der
Gesetzentwurf vertikale und horizontale Organisationen.
Unter einer vertikalen Organisation versteht man eine Koerpersehaft, die a l l e
Industriezweige umfasst, die an der Herstellung eines besonderen Erzeugnisses bet e i l i g t sind, vom Rohstoff b i s zum Verkaeufer an den Verbraucher. Die vertikale
Organisation umfasst die gesamte Industrie. In dem vertikalen Aufbau gibt es jedoch
a
md
vertil
ö
Ä , i h Thorizontaler
i ^ ° n t a } ^ 8 l Organisationen
^ e i l 2 ; D l e zusammen*
« l e Organisation
s e t z t sieh aus OJ.«Keiner
Anzahl

- 14 -

�Es herrschen Meinungsverschiedenheiten betreffs der Farm, die diesen indust r i e l l e n Organisationen gegeben werden soll» Der Hollaendische Gewerkschaftsbund erachtet beide Formen fuer notwendig« Die Form der horizontalen Organisation
i s t fuer viele B e t e i l i g t e annehmbar, doch sind die Meinungen ueber die Tertikaie
Form sehr verschieden. Sie haengen von der Einstellung zum Problem der Planwirtschaft ab«
In dem Gesetzentwurf i s t nicht v i e l über die Zustaendigkeit der zu errichtenden Koerperschaften gesagt« Er sieht die Schaffung des Sozialen, Wirtschaftlichen
Rates vor« Fuer jede einzelne Organisation bedarf es einer besonderen Verordnung«
Die Frage der Zustaendigkeit jeder einzelnen Organisation wird spaeter nc.ch
geloest werden messen. Der Niederlaendisehe Gewerkschaftsbund bemaengelt, dass
dieses Problem noch v o e l l i g ungeklaert i s t . Man befuerchtet, korporative Bestrebungen zu foerdern, wenn diesen Organisationen das Recht verliehen wird, satzungsmaessig bindende Bedingungen aufzustellen«
Es koennte am Rande vermerkt werden, dass in Belgien Organisationen ins Leben
gerufen wurden, die nur beratenden Charakter haben« Niederlaendisehen Anschauungen
zufolge i s t dies nicht ausreichend.
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass der verantwortliche Minister EntSchliessungen
der industriellen Organisationen fuer ungueltig erklaeren kann« Es besteht zweifell o s die Moeglichkeit, dass sich Arbeiter und Unternehmer in den industriellen Organisationen zusammenschlies8en, um durch hohe Preise und hohe Loehne den Verbraucher
auszubeuten* Um dieser Gefahr zu begegnen, befuerwertet der Niederlaendische Gewerkschaftsbund die Heranziehung von Regierungsdelegierten a l s Vertreter der Oeffentlichkeit.
Die verschiedenen politischen Parteien und Gewerkschaftsverbaende Hollands
sind i n dieser Angelegenheit nicht der gleichen Meinung« Bekanntlich gibt e s in
den Niederlanden vier verschiedene nationale Gewerkschaftsverbaende - Netherlands
Föderation of Trade Unions (Niederlaendischer Gewerkschaftsbund) mit 36O.OOO Mitgliedern, Catholic Federation (Katholischer Bund), dessen Mitgliederzahl sich auf
262*000 belaeuft, Protestant Federation (Protestantischer Bund mit 141.000 Mitgliedern und Communist "Unity" Federation (Kommunistischer "Einheitsbund"), der 168.000
Mitglieder fuer sich beansprucht«
Wir haben uns bis j e t z t mit dem Einfluss der hollaendisehen Arbeiterschaft in
der Industrie im allgemeinen befasst« Nun wollen wir die Frage ihres Einflusses
in den einzelnen Unternehmen eroertern« Wir sind der Meinung, dass beide Formen
sehr wertvoll sind, doch dass ihre Bedeutung verschieden gross i s t .
Die Organisation innerhalb der Industrie kann bedeutende Hilfe bei der Durchfuehrung einer geplanten Wirtschaftspolitik l e i s t e n , doch i s t das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter in der Leitung der einzelnen Unternehmen von mehr unmittelbarer
Bedeutung fuer sie« Innerhalb der Betriebe oder Werkstaetten werden mit den Arbeitern Angelegenheiten besprochen, ueber die sie ihre eigenen Meinungen haben,und
bei deren Eroerterung sie ihren Einfluss geltend zu machen wuenschen*
Zur Anerkennung der Persoenlichkeit des Arbeiters i s t seine Mitbestimmung
innerhalb seines Betriebes oder Werkstaette von weit groesserer Bedeutung a l s seine
Mitbestimmung in der Industrie im allgemeinen*
Vor einigen Jahrzehnten hat man i n einigen Betrieben konsultative Koerperschaften ins Leben gerufen, in denen die Arbeiter vertreten waren* Zum erstenmal
spricht man von diesen Organisationen um 1880* Zu jener Zeit war die niederlaendische Gewerkschaftsbewegung noch sehr schwach*
Nach 1900 entstanden inner mehr solcher konsultativer Körperschaften, die
jedoch weniger ehrliche Ziele a l s die Erstgegruendeten verfolgten*
Die hollaendische Gewerkschaftsbewegung war staendig im Wachsen, und die
Unternehmer hielten nach einem geeigneten Mittel Ausschau, um diese wachsende Bewegung in Zaum halten zu koennen.

15-

�61e glaubten, dieses Mittel gefunden zu haben, indem sie konsultative Ausschuesse, Betriebsvereinigungen, usw. schufen; damit hofften sie g l e i c h z e i t i g ,
ihre Arbeitnehmer davon ueberzeugen zu koennen, dass es ueberfluessig s e i , einer
regelrechten Gewerkschaft beizutreten. Es i s t deshalb nicht verwunderlich, dass
sich die Arbeiterschaft zu jener Zeit mit a l l e n Mitteln der Bildung solcher Organisationen widersetzte«
Die Lage aenderte sich erheblich waehrend und nach dem ersten Weltkrieg« Die
Arbeiterbewegung der Niederlande machte so grosse Fortschritte, dass die Arbeitgeber
sich ihr nicht laenger verschliessen konnten, und nun arbeiteten diese konsultativen
Kberpersohaften fuer die Gewerk« chaften. Es besteht jedoch noch immer die Gefahr,
dass diese Organisationen eines Tages gegen die Gewerkschaften eingesetzt werden*
Wir werden spaeter auf diese Frage zurueckkommen«
Nach dem ersten Weltkrieg uebte die Gewerkschaftsbewegung der Niederlande einen
starken Druck auf die Regierung aus, um die Gesetzgebung auf diesem Gebiet zu e r reichen« Die Bemuehungen waren nicht von Erfolg gekroent. Es wurden jedoch zahlreich«
Tarifvertraege abgeschlossen, nach denen die Bildung konsultativer Kberpersohaften
obligatorisch war« In der Zeit zwischen den beiden Kriegen wurde die Schaffung dieser
Organisationen durch gegenseitige Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern
geregelt«
Die erste Regierung nach dem zweiten Weltkrieg nahm einen Gesetzentwurf ueber
Betriebsraete i n ihr Programm auf« Die zweite Nachkriegsregierung fuehrte die entsprechenden Massnahmen durch«
Der Entwurf sieht vor, dass ein Unternehmen mit mehr a l s 25 Arbeitern einen
Betriebsrat aufstellen muss« Der zustaendige Minister kann i n bestimmten Faellen
Ausnahmen gestatten«
Welche Aufgabe hat der Betriebsrat?

Artikel k des Entwurfes besagtt

"Es i s t die Aufgabe des Betriebsrates, sich - unter voller Anerkennung der unabhaengigen Taetigkeit des Arbeitgebers - mit allen Mitteln fuer die erfolgreiche
Arbeit des Betriebes einzusetzen« Zu diesem Zweck beraet er auf gemeinsamer Basis
ueber Unterweisungsprobleme und die Durchfuehrung und Regelung von Massnahmen, die
ihrem Charakter und der gegebenen Situation zufolge in seinen Taetigkeitsbereich
fallen« Der Betriebsrat s o l l ferner das gegenseitige Terstaendnis und die Zusammenarbeit im Betriebe foerdern*"
Diese Beschreibung i s t ziemlich unbestimmt, irgendetwas i s t jedoch darin enthalten«
Paragraph 2 des Artikels beschreibt jedoch gluecklicherweise i n konkreterer
Form d i e Aufgabe dee Betriebsrates« Man kann sie in zwei Teile zerlegem
(1)

Mitbestimmung in der Regelung der Arbeitsbedingungen«

(2)

Mitbestimmung in der Leitung des Betriebes«

Die s o z i a l i s t i s c h e Gewerkschaftsbewegung der Niederlande i s t der Meinung, dass
die Betriebsraete nicht das Recht haben, die wirtschaftlichen Rechte der Arbeitgeber
zu beschneiden, sondern dass dieses Recht Körperschaften vorbehalten bleibt» denen
die Kontrolle der gesamten Industrie obliegt«
Es i s t jedoch wesentlich, dass Arbeitern Gelegenheit gegeben wird, bei der
Loesung wirtschaftlicher Probleme mitzureden, besonders wenn e s sich um Dinge handelt,
die von unmittelbarem Interesse fuer sie sind, wie zum Beispiel die Schliessung von
Betrieben« In solchen Faellen sollten nach Ansicht des MLederlaendisehen Gewerkschaft sbunö es Betriebsraete das Recht haben, die Angelegenheit vor einer vorgesetzten
Behoerde zur Sprache zu bringen« In keinem Falle s o l l t e der Arbeitgeber nach freiem
Willen entscheiden koennen, wenn die Existenz der Arbeiter seines Betriebes auf dem
Spiele steht« Wir bedauern, sagen zu muessen, dass der Gesetzentwurf, der dem Parlament unterbreitet wurde, diese Fragen nicht beruecksichtigt.

-16 -

�Bin anderes wichtiges Problem i s t die Methode, nach der die Mitglieder der
fietriebaraete
gewaehlt werden* Die Wahlen muessen innerhalb des betreffenden
Unternehmen* durchgefuehrt werden} darueber i s t man sich im allgemeinen einig*
Verschiedene Meinungen herrsehen jedoch ueber die Trage, wer die Kandidaten
ernennen s o l l * Die Gewerkschaften beanspruchen dieses Recht fuer s i c h , waehrend
andere der Meinung sind« dass bei a l l e n Vorrechten, die den Gewerkschaften e i n zuraeumen sind, nichtorganisiarten Arbeitern ebenso das Recht der Ernennung zustehe •
Der Mederlaendisohe Gewerkschaftsbund lehnt diese Ansicht rundweg ab* Wenn
Arbeiter i h r e r P f l i c h t nicht nachkommen und keiner Gewerkschaft b e i t r e t e n , dann
haben sie nicht auf dieselben Vorrechte wie organisierte Arbeiter Anspruch* Das
i s t unsere Meinung, und wir b i t t e n deshalb nicht um Entschuldigung*
Die Ueberwachung der Betriebaraete s t e h t dem Vorstand der b e r e i t s erwaehnten
Industrieorganisationen zu* Wera i n einigen Faellen diese Organisationen noch
nicht bestehen, dann s o l l e n Torlaeufige Ausschuesse gebildet werden* Die Gewerkschaften s o l l e n ebenso s t a r k wie die Arbeitgeberverbaende Tertreten sein*
Diese beiden Gesetzentwuerfe sind zum grossen Teil von der "Labor Foundation"
ausgearbeitet worden* Die "Foundation" i s t eine satzungsmaessige Kberperschaft,
die nach der Befreiung des Landes von den nationalen Gewerkschaftsrerbeenden
und den Unternehmerverbaenden i n s Leben gerufen wurde* Sie hat eine entscheidende
Rolle beim Wiederaufbau des Landes g e s p i e l t und wesentlich zum sozialen Frieden
beigetragen, der i n unserem Lande herrscht und seine wirtschaftliche Wiedergesundung sö~guenstig beeinflusst hat*
Der Kommunistische "Einheitsbund" b e t e i l i g t sich nicht an der Arbeit der
"Labor Foundation" und lehnt natuerlich die Gesetzentwuerfe, von denen wir
sprachen, ab* Der kommunistische Gewerkschaft srer band h i e l t es uebrigens fuer
angebracht. Im M i t t e i l u n g s b l a t t des Weltgewerkschaftsbundes zu behaupten, dass
die Rechte der niederlaendisehen Gewerkschaften bedroht seien*
Wir hoffen, dass wir hiermit beweisen konnten, dass eine suche Beschuldigung laeoherlioh i s t * Ganz im Gegenteil, die Annahme dieser beiden Entwuerfe
durch das Parlament wuerde bedeuten, dass die hollaendi sehen Gewerkschaften vor
neue, grosse Aufgaben g e s t e l l t wuerden*
Man wird v i e l von denen verlangen, die die Arbeiterschaft i n den neuen
Koerperschaften v e r t r e t e n werden* Die Gewerkschaften werden groessere Verantwortung zu uebernehmen haben, aber i n deawachsenden Einfluss der Arbeiterschaft
auf die W i r t s c h a f t s p o l i t i k des Landes wird ein Ausgleich dafuer entstehen, und
wir glauben behaupten zu koennen, dass nur gesunde Wirtschaftsverhaeltnisse eine
zuverlaessige Gewaehr fuer die dauernde Sicherheit der Arbeiter bieten koennen*
The American Föderation!st,
September 1949UPPERS BLEIBT IM DIENST
Es i s t fuer die Abteilung fuer Arbeit i n der ECA (Verwaltung fuer w i r t schaftliche Zusammenarbeit) eine Befriedigung zu erfahren, dass Evert Kupers
a l s Vorsitzender des ERPTUAC (European Recovery Program Trade Union Advisory
Council, Beratungsausschuss der Gewerkschaften) auch weiterhin amtieren wird,
obwohl er sein Amt a l s Vorsitzender des Niederlaendi sehen Gewerle chaftsbundes
niedergelegt hat*
Kupers hat sich ein Leben lang durch verstaendige Planung und Zusammena r b e i t dem Kampf um den Weltfrieden gewidmet* Er war von Anfang an eine starke
Stuetze fuer den Marshall-PI an* Als sich die S a t e l l i t e n Sowjetrusslands im
Welt-Gewerkschaftsbund (WFTU) gegen die Mitarbeit an diesem Plan aussprachen,
s t e l l t e Kupers f e s t t
17

�•Der einzige Grund, den ich i n dieser Weigerung sehe, i s t , dass Russland
die wirtschaftliche Wiedergesundung Westeuropas nicht wuenscht* Man weiss
dort zu gut, dass i n einem wohlhabenden Lande die Komrtuni sten nicht die geringste Chance haben, auf legalem Wege zur Macht zu gelangen* Deshalb sehe
ich i n der Verbesserung des Lebensstandards der Allgemeinheit die beste Waffe
gegen den Kommunismus•"
Als im Maerz 1948 der Britische Gewerksohaftskongrees die demokratischen
Gewerkschaften nach London einlud, um den Beratungsaussohuss der Gewerkschaften
im ERP zu bilden, wurde Kupers sofort zum varlaeufieen Vorsitzenden gewaehlt*
Auf der naeehaten Tagung im J u l i , ebenfalls in London, wurde er zum staendigen
Vorsitzenden gewaehlt« Seitdem hat er die Organisation durch die zahlreichen
Probleme, die sich im ersten Jahr ergaben, bis zu der sicheren Position gefuehrt,
in der s i e sich heute a l s Ratgeberin i n Arbeitsfragen bei der GEBC befindet»
ECA Beamte sind Xupers fuer seine Umsicht und Fuehrung in seiner Eigenschaft
a l s Vorsitzender des ERPTUAC sehr dankbar*
Botschafter W* Avereil Harriman, Sonderbeauftragter der ECA in Europa,
sandte dem Veteranen der Arbeiterführer folgende Botschaft 1
"Als Freund und staendiger Beobachter der europaeisehen Gewerkschaftsbewegung moechte ich diese Gelegenheit wahrnehmen, um Ihnen persoenlich fuer Ihre
wirksame fuehrende Taetigkeit zu danken, die Sie im Kampf um die Einheit Europas
auf der sicheren Grundlage der persoenllchen Freiheit und wirklieh demokratischer
Selbstregierung ausgeuebt haben* S i e , a l s einer der ersten Wortfuehrer der
Arbeiterschaft Europas, haben sehr v i e l getan,um diese Bestrebungen der Verwirklichung naeherzubringen* ..*"
ECA Labor News Letter,
Oktober 1949*
DIE FRAD m

FARMERS WIRD BOTSCHAFTERIN DER VEREINIGTEN STAATEN

Vor einiger Zeit erklaerte der junge Senator Hubert H* Humphrey, f o r t schrittlicher Demokrat in Minnesota, gegenueber dem Praesidenten Truman und
fuehrenden Regierungsbeamtens
"Die meisten amerikanischen Botschafter im Ausland wurden frueher zu
diesen wichtigen Positionen ernannt, weil s i e wohlhabende Leute waren, die
grosse politische Wahlkaempfe mit grossen Zuwendungen unterstuetzen konnten*
Dies s o l l t e j e t z t anders werden*"
"Viele Laender haben nun Arbeiter- und Sozialdemokratische Regierungen*
Botschafter aus den oberen Schichten sprechen deren Sprache n i c h t , und koennen
ihre Ansichten nicht verstehen* "Onkel Sam" s o l l t e heutzutage nicht von solchen
Botschaftern repraesentiert werden*"
Humphrey brachte nicht nur diese Meinung zum Ausdruck, sondern empfahl
auch einen Botschafter v o e l l i g neuer Art - Mrs* Eugenie Anderson, die Frau eines
Bauern in Minnesota, die "lange i n den Gewerkschaften unseres Staates taetig
gewesen i s t . "
"Sie kommt aus unseren Reihen," sagte Humphrey zu Truman* "Sie i s t eine
fortschrittliche Frau* Sie wird den wirklichen "Onkel Sam" und das wirkliche
amerikanische Volk vertreten* Mitglieder a l l e r Arbeiter- und liberalen Regierungen werden sie a l s ihresgleichen anerkennen,"
Vor kurzem ernannte Truman daraufhin Mrs* Anderson zum Botschafter in
Daenemark* Es i s t zum ersten Male eine Frau, die "Onkel Sam" im Auslande reprae sentiert. Bereits drei andere Frauen haben hohe diplomatische Positionen
bekleidet, doch keine hat zuvor den Rang eines Botschafters erreicht* Die i^O-jaehrige Mrs* Anderson wurde auf einer Farm in Iowa geboren» und
i s t die Frau eines Farmers i n Minnesota* Sie hat 2 Kinder, Johanna;14 Jahrefund
Hans^ll Jahre*

- la -

�Sie war i n der "League of Woman Voters und in den Kreisen der DemocraticFarmer-Labor Party (Bauern- und Arbeiter-Partei)" t a e t i g , und wurde 19^8 Mitglied
des Demokratischen Nationalkomitees« Im vorigen Jahr nahm sie am Demokratischen
Parteitag a l s Minnesotas Hauptdelegierte t e i l «
Humphrey erklaerte ferner, dass Mrs. Anderson dabei noch Zeit zur Betaetigung
innerhalb der Ar bei tergewerksch aften fand und ihre Aufgaben, und die der Farmer
kennt* "Daenemark, das eine Arbeiter« und Kleinbauernregierung hat« wird erkennen,
dass s i e ihre Sprache spricht. LABOR
22* Oktober 192*9

QEFFENTLICHE GEWERICSMAFTSORGANB IN DEN Ü.S.A«
Die 197 verschiedenen Gewerkschaften der Vereinigten Staaten veroeffentliehen
insgesamt ungefaehr 800 Zeitungen und andere Schriften* Schaetzungen des US Arbeitsministeriums zufolge l i e g t ihre Gesamtauflageziffer zwischen 20 und 3° M i l l i onen* Die meisten Veröffentlichungen erscheinen monatlich und enthalten Dinge,
die fuer die betreffenden Gewerkschaften von Interesse sind* Es sind die sogenannten oeffentlichen Organe* Als oeffentliches Organ s t e l l e n sie die Stimme der
Gewerkschaft dar und ihre Stellungnahme zu Arbeitsproblemen nationalen und anderen
Charakters*
Die amerikanische Arbeitsveroeffentlichung, ob sie monatlich, woechentlich
oder zwei woechentlich erscheint, i s t keine Zeitung, obwohl viele fuer die Gewerkschaftler interessanten Informationen darin enthalten sind. Eine Wochenzeitung
besteht jedoch, LABOR« die unabhaengig i s t , aber hauptsaechlich in Kreisen der
unabhaengigen Eisenbahnergewerkschaften und bestimmter AFL Verbaende gelesen wird*
Ihre Auflage s o l l sich auf ungefaehr 1 Million belaufen. LABOR i s t i n Zeitungsformat gedruckt und enthaelt vor allem Artikel und Leitartikel ueber Fragen der
Arbeit und Gesetzgebung*
Das fuehrende monatliche Arbeitsblatt i s t wohl das Organ der Vereinigung
der Internationalen Maschinenarbeiter, The Machini st» mit einer Auflage von rund
700,000* Diese Vereinigung war frueher dem AFL angeschlossen und i s t j e t z t unabhaengig. Das oeffentliche Organ des AFL i s t a l s The Federationist bekannt*
Obwohl e s in einer Auflage von nicht mehr a l s 150,000 erscheint, i s t e s fuehrend
im Zeitungswesen fuer Arbeit*
Das oeffentliche Organ des CID i s t ein Wochenblatt von 12 Seiten, The CIO News»
Das Hauptquartier des CIO gibt woechentlich ungefaehr 90,000 Exemplare heraus,
jedoch erscheint in jedem einzelnen Staat eine besondere Ausgabe* Demnach wuerde
sich die Gesamtauflage der The CIO News woechentlich auf mehrerere Millionen belaufen*
Arbeitsmitteilungen in den Gewerkschaftszeitungen und Blaettern entstammen
im allgemeinen oeffentlichen Quellen, doch haben sich zwei Nachrichtenagenturen
entwickelt! Die Federated Press, die bald nach dem ersten Weltkrieg entstand
und spaeter die Labor Press Associates*
Vor noch nicht mehr a l s 20 Jahren waren die Herausgeber der Handelszeitungen
nicht g e w i l l t , v i e l Raum fuer Arbeitsmitteilungen einzuraeumen* Heute gibt es
praktisch fuer jede fuehrende Zeitung und jede periodisch erscheinende V e r ö f f e n t lichung Spezialisten, die ueber Arbeitsfragen schreiben* Die Bedeutung der Arbeitsangelegenheiten in den Mitteilungen i s t in gleichem Masse wie die Gewerkschaftsbewegung groesser geworden, deren Mitgliederzahl von etwa k Millionen im
Jahre 1935 a u f Mf* a l s 1° Millionen im Jahre 1949 angestiegen i s t . (Ein Beweis
fuer die Bedeutung der Arbeitsmitteilungen in den Vereinigten Staaten in der heutigen Zeit i s t die Tatsache, dass bei der Eroeffnung der Jahresversammlung des CIO
in Cleveland am 31* Oktober mehr a l s 200 Pressevertreter zugegen waren«
Aus einem Artikel von Herbert L i t t l e , Direktor der Informationsabteilung
im U.S. Arbeitsministerium, erschienen in Editor &amp; Publisher am 15.10.i|9,
- 19 -

�ERFOLGE DER EISENBAHNANGESTELLTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Die gewerkschaftlich organisierten Angestellten der Eisenbahnen verdienen
heute "in einer Woche mehr» a l s die nichtorganisie rten Angestellten in einem
Monat, a l s unser Verband gegruendet wurde," erklaerte George M. Harrison, der
Praesident der Gewerkschaft fuer Angestellte der Eisenbahnen und der Dampfschifffahrt (AFL), anlaesslich der 5°» Jahrestagung der Angestelltenverbaende des
Bezirks Chicago»
Harri son s t e l l t e f e s t , dass die nichtorganisierten Eisenbahnangestellten
damals nur 17 c t s . pro Stunde bei einem 12-Stunden Arbeitstag und 6 oder 7 Arbeitstagen in der Woche verdienten, waehrend der Durchschnittsstundenlohn heute $1,68
betraegt und nur 5 Tage in der Woche mit insgesamt kO Arbeitsstunden gearbeitet
wird«
Harrison forderte den Einsatz a l l e r Kraefte fuer die Werbung unter den
"Freifahrern" (free riders)„d.h. derjenigen, die aus den gewerkschaftlichen Einrichtungen Nutzen ziehen, der Gewerkschaft aber nicht beitreten wollen« Eine Erklaerung Harrisons, nach der die Eisenbahnangestellten und andere Gewerkschaften
der Eisenbahnen eine Erweiterung des Eisenbahnergesetzes (Railway Labor Act)
erstreben, fand stuermisehen Beifall« Diese Erweiterung s o l l das Recht zum
Abschliessen -von "Union Job"-Vertraegen geben, (Tarifvertraege, die a l l e Arbeitnehmer zur Mitgliedschaft in der Gewerkschaft verpflichten)«
Harri son bezeichnete die Konkurrenz, die den Eisenbahnen in dem Strassentransportwesen entsteht, a l s unfair« Er erklaerte, dass die Eisenbahnen fuer
die Instandhaltung ihrer Schienenanlagen bezahlen muessen, waehrend die Benutzung der Landstrasse fuer die Lastkraftwagen frei sei« Er versicherte, dass
es teilweise dieser Konkurrenz zuzuschreiben s e i , wenn die Beschaeftigungszahl
der Gueterlager- und Rampenarbeiter s e i t 1%6 um y&amp;, gesunken ist«
Weekly Labor News Digest
ü« S« Department of Labor
2 . November 19^9«

- 20 -

Office of Labor Affairs
HlccG, A P O 757

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OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel at«U«a Anazage aua d«r amerikanischen Praaa« und aadaraa Qaallaa dar aad dlaaaa
dar Inlormatloo daatachar Radaktaura, dar Gawarkachaftaa, Gawarkachahaachalaa aad daran Mitglied«,
Voa diätem Material kaaa aaalagaachriaki Gabraack gamackt werden.
Weiter« Exemplare können koataaloa bei
Office ol Labor Affalra
HICOG, APO 757, Fraakfart
angefordert werden. Aal Wunsch wardaa dlaaa auch einzelnen Intereeientan direkt durch dl« Poet zugeleitet.
Dar lakalt dar „Arbeitemitteilungen" let nicht als offixiell« Meinung odar Stellungnahme dar amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienetetelle dar Regierung dar Vereinigten Staaten aufzufassen.

I I - 39

Frankfurt, 2. Dezember 1949

I NHALTSVERZEI

CKNIS

Europahilfe ueberschreitet 7 Billionen Grenze - - - - 1
Warum groessere Produkt!vitaet in den U.S.? - - - - 2
Erfolge auf dem Bridlington Kbngress — - - - - - 4
Produktionsprobleme und englische Arbeiterschaft - 5
Truman zur Arbeitsgesetzgebung - - - - - - - - - - 6
AFL und der neue Internationale Gewerksehaftsbund - - 7
Zwangsanleihen fuer ungarische Arbeiter - - - - - - - . 9
Erfolge des neuen britischen Versicherungswesens - - 10
AFL zur Arbeits- und Wirtschaftslage
- - - - - - - - 1 1
Arbeitsbeschaffung durch Marshall-Plan - - - - - - - 12

EUROPAHILFE UEBSRSCHREITET 7 BILLIONEN GRENZE
Einem Bericht der Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA)
zufolge hat die Marshall-PLan-Hilfe fuer die freien Laender Europas die
7 Billionen Dollar Grenze ueber s c h r i t t e n Die amerikanischen Gewerkschaften
unterstuetzen das Programm.
S e i t dem Inkrafttreten des Marshall-Planes am 3 . April 1948 wurden i n s gesamt 7*008 v 869 ( 000 Dollar ausgegeben. Davon erhielten Grossbritannien
1,914,705.000 und Prankreich 1,510,000,000 Dollar - diesen beiden laendern
wurde die groesste Hilfe z u t e i l e
Die Verlautbarung enthielt ferner einen Bericht, demzufolge die Vereinigten Staaten "nicht genuegend Waren von den Marshall-Plan-Laendern importieren, um deren Dollarschulden damit decken zu koennen."
Sin Ausschluss fuehrender Gesohaeftsleute und Regierungsvertreter forderte
eine Xursaenderung in der anerikanisehen Zoll- und Einfuhrkontroll-Politik und
erklaerte, dass "viele in Europa erzeugten Waren ohne Auswirkungen auf unsere
eigene Industriewirtschaft" importiert werden koennten.

*oechentliches Nachrichtenblatt des AFL
8. lovember 1949
- 1 -

�WARUM GROESSERE PROEUKTIVITÜET IN DEN U.S.?

I n der allgemeinen und technischen Presse i s t oft ueber die
enorme Produktionsleistung der amerikanischen I n d u s t r i e gesprochen worden* Edgar H a r r i e s , der a l s Gewerkschaftsvert r e t e r eine Gruppe I n d u s t r i e l l e r auf i h r e r Reise nach den
Vereinigten Staaten b e g l e i t e t e « gibt einige Ausfuehrungen
ueber verschiedene amerikanische Produktionsmethoden«
I n England gibt es Fabriken» die von Amerika n i c h t s Neues lernen koennten.
Alle Betriebe Amerikas haben zwar nicht den hoechsten Stand der Produktionsleistung
e r r e i c h t , trotzdem i s t d i e s e l b e , im ganzen gesehen, weit hoeher a l s i n unserem Land*
Hierzu gibt es verschiedene Gruende» bessere Anordnung der Werksanlagen, groessere
Normalisierung und S p e z i a l i s i e r u n g , bessere Organisation der Betriebe und groessere
Anwendung der e l e k t r i s c h e n Energie.
Die Leistungsfaehigkeit der amerikanischen I n d u s t r i e hat jedoch noch nicht
• i h r Maximum e r r e i c h t , und den Schaetzungen fuehrender I n d u s t r i e l l e r zufolge, koennte
s i e noch eine Steigerung erfahren, die zwischen 2$% und 60j£ l i e g t .
Beim Besuch amerikanischer Betriebe versuchten w i r , die beruehmte amerikanische
•Hast« f e s t z u s t e l l e n , indem wir das Tempo der Produktion oder die Geschwindigkeit
der Transportmittel beobachteten. Nirgends konnten wir eine groessere Schnelligk e i t a l s i n unserem Lande entdecken, aber - und d i e s i s t e i n sehr wichtiges "Aber" der amerikanische Arbeiter a r b e i t e t wirksamer.
Neue Arbeitsverfahren befuerwortet
Die Stueckarbeit i n der amerikanischen I n d u s t r i e verschwindet. I n nur 9 der
122 Betriebe der General Motors (Allgemeine Motorenwerke) wird Stueckarbeit g e l e i s t e t .
An i h r e S t e l l e i s t die Arbeit g e t r e t e n , die r e i n nach Z e i t bezahlt wird. Die 4 ° Stunden Woche i s t allgemein u e b l i c h . Die amerikanischen Gewerkschaften widersetzen
sich jedoch nicht der Einfuehrung mechanischer H i l f s m i t t e l j e g l i c h e r Art} i n den
meisten Faellen begruessen s i e d i e s e .
Die Normalisierung i n Amerika i s t v i e l weiter f o r t g e s c h r i t t e n a l s i n unserem
Land und i h r i s t , ebenso wie dem grossen inlaendisehen Absatzmarkt, die hoehere
Erzeugungskapazitaet zu verdanken. Wir Englaender stehen d i e s e r Normalisierung
mit einer i n s t i n k t i v e n Abneigung gegenueber, obwohl niemand Anstoss daran nimmt,
dass 20 Z i g a r e t t e n "Player" und 20 "Gold Flake" i n Schachteln verpackt s i n d , die
genau die gleiche Groesse und Form haben und mit derselben Maschine h e r g e s t e l l t
wurden. Wenn es s t a t t der 12? verschiedenen Arten weisser Baumwollgewebe nur
27 gaebe, so waere das fuer unsere Baumwoll^Textilindustrie von grossem V o r t e i l
und niemand waere dadurch b e n a c h t e i l i g t .
Normali si erunfi
I n unserem Lande (mit Ausnahme der Automobil-Industrie) nimmt die Durchfuehrung
einer einzelnen Normung zu v i e l Z e i t i n Anspruch. Seit der Gruendung des b r i t i s c h e n
I n s t i t u t s fuer Normalisierung ( B r i t i s h Standards I n s t i t u t i o n ) im Jahre 1901 hat man
nur 1500 Normungsverfahren dort a u s g e a r b e i t e t . I n Amerika wartet man n i c h t , b i s
j e d e r seine v o e l l i g e Zustimmung gegeben h a t . Vier' oder fuenf grosse Firmen einer
bestimmten Industriegruppe koennen sich untereinander auf e i n gleiches Objekt einigen
(und i h r e B e r e i t w i l l i g k e i t dazu i s t groesser a l s bei u n s ) ; diese Vereinbarung wird
dann von den uebrigen Firmen angenommen. Man nennt d i e s ein "Vereinfachtes Verfahren."
Der Anglo-Amerikanische Ausschuss fuer Produktiv!taet hat j e t z t eine Gruppe
prominenter Experten nach England geschickt, um f e s t z u s t e l l e n , wie diese Erfahrungen
auch fuer die b r i t i s c h e I n d u s t r i e nutzbar gemacht werden koennen.
Noch eine andere Entwicklung i n der amerikanischen I n d u s t r i e i s t fuer die
groessere Produktion von Bedeutung! Grosse B e t r i e b e , die Fertigwaren h e r s t e l l e n ,
beziehen ihre E i n z e l t e i l e im allgemeinen von der gleichen Fabrik« In einer solchen
Fabrik mit etwa 500 Arbeitern s t e l l t e n wir f e s t , dass ein und derselbe A r t i k e l
fuer fuenf »-erschiedene Betriebe h e r g e s t e l l t wurde. Bei uns wird i n den Fabriken
zu oft verseuht, f a s t a l l e E i n z e l t e i l e selber h e r z u s t e l l e n , was kleinere A r b e i t s - 2 -

�vorgaenge und hoehere Produktionskosten zur Folge h a t .
I n keinem amerikanischen Betrieb sahen wir einen Arbeiter mit Handwerkzeugen
a r b e i t e n - a l l e waren e l e k t r i s c h . Wir sahen niemanden Lasten herumtragen - dafuer
stehen Foerderbaender, Rollwagen, kleine Aufzuege und Gleitbahnen zur Verfuegung.
Groesste Sorgfalt wird der Vereinfachung des Arbeitsprozesses und der Bedienung der
Maschinen gewidmet. Wenn die Arbeit an der Werkbank im Sitzen ausgefuehrt wird,
sind die S i t z e i n der passendsten Lage fuer den Arbeiter angebracht. Z e i t und
Arbeitsweise werden ueberall i n Studien geprueft, und die Gewerkschaften b e t e i l i g e n
sich an diesen Studien im Maschinenbau, der Herstellung von Kleidung, T e x t i l i e n und
Stahl.
Fachleute
Einige der groesseren Gewerkschaften haben ihre eigenen tecnnischen Abteilungen
(•engineering"), die sich aus Fachleuten fuer die Anordnung der Werksanlagen, Herstellungsverfahren, Auswertung der Arbeit und Studium der Arbeitszeit zusammensetzen,
Sie a r b e i t e n in e r s t e r Linie fuer den Schutz der Gewerksdi a f t s m i t g l i e d e r . Wenn zum
Beispiel S t r e i t i g k e i t e n h i n s i c h t l i c h der z e i t l i c h e n Einstufung einer Arbeit oder der
Geschwindigkeit eines Foerderbandes entstehen, wird ein Gewerkschaftsfachmann der
betreffenden Branche hinzugezogen. Er i s t b e r e c h t i g t , die Streitfrage mit dem Experten
des Betriebes zu besprechen. Beide Fachleute koennen von der gleichen technischen
Hochachule kommen, (Sehr viele technische Fachleute der Gewerkschaften sind Absolventen des Technologischen I n s t i t u t s von Massachusetts),
Arbeitszeitstudium an l e t z t e r S t e l l e
Die Gewerkschaften haben nichts gegen das Studium der A r b e i t s z e i t , aber sie
betrachten es a l s l e t z t e s Glied einer K e t t e , Bevor man sich in einem Betrieb damit
b e f a s s t , bestehen sie darauf, dasa die Anordnung der Werksanlagen und das Produktionsverfahren b e r i c h t i g t und das Studium zur Vermeidung unnoetiger koerperlicher Beanspruchung vollendet wird. Dann stehen sie oft auf dem Standpunkt, dass das Arbeitszeitstudium ueberfluessig s e i , da eine hoehere Produktionsleistung b e r e i t s e r z i e l t
wurde. Sie lehnen d i e s e s Studium i n schlecht funktionierenden Betrieben grundsaetzl i c h ab»
Der TUC wird unmittelbar im Anschluss an diesen Kongress eine Studiengruppe
nach Amerika schicken, die mit jenen Gewerkschaftsexperten zusammenarbeiten s o l l ,
um aus dem Studium i h r e r Methoden zu ersehen, was wir daraus lernen koennen.
Noch etwas anderes beeindruckte mich. Man haelt oft i n einem Betriebe die
Herstellungsabteilung von den anderen Zweigen (z,B, Verkauf) scharf g e t r e n n t . Der
L e i t e r der Verkaufsabteilung erwirbt a l l e Waren von seinem Kollegen aus der Herstellungsabteilung durch Kauf, so a l s waere es «ine andere Firma. Der Verkaufspreis
i s t damit f e s t umrissen und kann nicht durch a l l e moeglichen Auslagen i n die Hoehe
geschraubt werden. Der herstellende T e i l duerfte nicht an Gewinn i n t e r e s s i e r t s e i n ,
(natuerlich auch nicht an V e r l u s t ) . Wenn also der reine Produktionspreis klar umrissen
i s t , so bedeutet d i e s , dass die Taetigkeiten und Preise der uebrigen Abteilungen der
Firma ueberwacht werden koennen, was fuer die Betriebsfuehning zweifellos sehr v o r t e i l haft i s t ,
•Je groesser die angewandte Pferdekraft, umso hoeher die Produktionsleistung,"
i s t eine andere Erkenntnis, die dem Studium des amerikanischen Produktionssystems
entstammt.
Fuer die meisten der erwaehnten Verfahren i s t die Betriebsfuehrung verantwortl i c h } ein gewerkschaftlicher Gesichtspunkt i s t jedoch auch zu erwaehnen. Das Unternehmertum weigert s i c h , arbeitssparende Methoden einzufuehren, weil es damit auf den
Widerstand der Gewerkschaften s t o e s s t . Dieser Widerstand s t e l l t einen Hemmschuh
fuer die Produktivitaet dar. Der Grund dazu i s t natuerlich die Furcht vor Arbeitsl o s i g k e i t . So wurde zum Beispiel ein Programm zur Betriebsneuordnung, das eine Bet r i e b s l e i t u n g ausgearbeitet h a t t e , abgelehnt, weil 12 Arbeiter ueberfluessig geworden
waren. Die Gefahr, eine Absatzmoeglichkeit damit zu v e r l i e r e n , wurde nicht b e a c h t e t .
Die Aufmerksamkeit der Belegschaft konzentrierte sich ausschliesslich auf

- 3 -

�d i e 12 A r b e i t e r . Ich weiss n i c h t e i n m a l , ob s i e andere Beschaeftigungsmoeglichk e i t e n i n anderen benachbarten B e t r i e b e n i n Erwaegung zogen.
Solche S c h w i e r i g k e i t e n sind gewoehnlich o e r t l i c h b e d i n g t . Man kann sehr o f t
i n einem B e t r i e b mechanische H i l f s m i t t e l und ermuedungsreduzierende E i n r i c h t u n g e n
a n t r e f f e n , denen man i n einem andern Unternehmen der g l e i c h e n I n d u s t r i e und i n
d e r g l e i c h e n Gewerkschaft o r g a n i s i e r t mit der g r o e s s t e n Ablehnung g e g e n u e b e r s t e h t .
Es i s t zwar Aufgabe d e r A r b e i t g e b e r , d i e Reformen durchzufuehren, d i e i n der b r i t i s c h e n I n d u s t r i e notwendig s i n d , a b e r s i e muessen s i c h auch d a s E i n v e r s t a e n d n i s
i h r e r A r b e i t e r s i c h e r n , wenn d i e E r f o l g e von Dauer s e i n s o l l e n . Dies waere u n s e r e
naechste Aufgabe»
• T r a n s - A t l a n t i k"
ECA I a b o r News L e t t e r
Oktober 19^9
ERFOLGE d d DEM BRIDIINGTON KONGRESS
Die b r i t i s c h e Gewerkschaftsbewegung nimmt e i n e so p o s i t i v e S t e l l u n g zum
M a r s h a l l - P l a n e i n , d a s s d i e kommunistischen Widersacher n i c h t einmal e i n e Abstimmung
darueber auf dem l e t z t e n . J a h r e s k o n g r e s s f o r d e r t e n .
Der N a t i o n a l e Verband der Metallmechaniker h a t t e auf der Tagesordnung e i n e
R e s o l u t i o n v o r g e s e h e n , d i e Englands N i c h t b e t e i l i g u n g am Europaeischen Wiederaufbauprogramm f o r d e r t e . Als man jedoch zu diesem Antrag kam und S i r W i l l i a m Lawther,
der P r a e s i d e n t des Gewerkschaftsbundes, f r a g t e , wer i h n u n t e r s t u e t z e , meldete s i c h
niemand, und der TüC fuhr i n s e i n e r Tagesordnung f o r t ,
Lawther b e t o n t e i n s e i n e r E r o e f f n u n g s r e d e , d i e " g r o s s e n Anstrengungen, d i e
u n s e r Volk gemacht h a t , um s e i n e n P l a t z a l s g r o s s e I n d u s t r i e - und H a n d e l f n a t i o n
z u r u e c k z u e r o b e r n . " Er fuhr f o r t : "Die g r o s s z u e g i g e M i t a r b e i t der V e r e i n i g t e n S t a a t e n
im Rahmen des M a r s h a l l - P l a n e s h a t u n s i n d i e s e n Bestrebungen u n t e r s t u e t z t . Wir
w i s s e n d i e H i l f e zu s c h a e t z e n , d i e u n s von d i e s e r S e i t e her und b e s o n d e r s von Mr. Hoffman und seinem Kollegen Mr. Harriman z u t e i l wurde. Diese Maenner haben e i n e g r o s s e
A r b e i t i n h e r v o r r a g e n d e r Weise g e l e i s t e t . "
P r e m i e r m i n i s t e r Clement A t t l e e , der Fuehrer der A r b e i t e r r e g i e r u n g E n g l a n d s ,
b r a c h t e i n s e i n e r Rede denselben Gedanken zum Ausdruck und f u e g t e h i n z u : "Vergessen
wir n i c h t , d a s s England auch andern g e h o l f e n h a t . " Er f u e h r t e a u s , d a s s d a s b r i t i s c h e Koenigreich fuer noch schwerer b e t r o f f e n e Laender zu Wiederaufbauzwecken
Subventionen im Werte von 3.600,000.000 D o l l a r zur Verfuegung g e s t e l l t h a t .
Die D e l e g i e r t e n des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AEL, Harry B a t e s , P r a e s i d e n t d e r Maurergewerkschaft, und Dave Beck, V i z e p r a e s i d e n t der I n t e r n a t i o n a l e n
Gewerkschaft der F a h r e r , v e r s p r a c h e n d i e s t a e n d i g e U n t e r s t u e t z u n g des M a r s h a l l - P l a n s
s e i t e n s der amerikanischen A r b e i t e r s c h a f t . Evert Kiipers, der P r a e s i d e n t des N i e d e r l a e n d i s c h e n Gewerkschaftsbundes i s t , s e i n Amt i n Kuerze jedoch n i e d e r l e g e n w i r d ,
hob d i e Bedeutung des Hilfsprogramms fuer Westeuropa h e r v o r .
J e d e F r a g e , d i e Bezug auf den Kominform h a t t e , b e d e u t e t e fuer d i e kommunistisch
b e e i n f l u s s t e n D e l e g i e r t e n eine N i e d e r l a g e ; und d i e ununterbrochenen Debatten des
d i e s j a e h r i g e n TUC Kongress d a u e r t e n f a s t fuenf T a g e .
Eine R e s o l u t i o n zur B e s t a e t i g u n g d e s A u s t r i t t s des V e r w a l t u n g s r a t e s d e s b r i t i s c h e n
Gewerkschaftsbundes a u s dem Weltgewerkschaftsbund wurde mit 6,258.000 Stimmen gegen
1,017.000 angenommen. E i n i g e n nichtkommunistischen Gewerkschaften war e s p e i n l i c h
genug, i h r e E i n s t e l l u n g p r o - Weltgewerkschaftsbund w e i t e r h i n b e i z u b e h a l t e n . Dies
wurde e i n i g e Stunden s p a e t e r k l a r , a l s e i n e i n f a c h e s M i t g l i e d b e a n t r a g t e , d a s s die
Konferenz die k u e r z l i c a g e s t e l l t e Forderung des V e r w a l t u n g s r a t e s nach Ueberwachung
d e r kommunistischen T a e t i g k e i t i n n e r h a l b der b r i t i s c h e n Arbeiterbewegung b i l l i g e n
moege. Dieser V o r s c h l a g wurde mit 6,746,000 gegen 760,000 Stimmen angenommen.
•Trans-Atlantik"
ECA Labor News L e t t e r

Oktober 1949

�iftCÜJiCTICNSflaOBLEME UND ENGLISCHE ARBEITERSCHAFT
Die b r i t i s c h e Gewerkschaftsbewegung I s t a k t i v i n den Kampf um Produktionssteigerung e i n g e t r e t e n . Der Gewerksehaftskongress (TUC) nimmt lebhaften A n t e i l
an der Arbeit des Anglo-Amerikanisehen P r o d u k t i v ! t a e t s a u s s c h u s s e s , eine Organisation,
die von der ECA (Verwaltung fuer w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit) u n t e r s t u e t z t wird
und s i c h aus Fuehrern der amerikanischen und e n g l i s c h e n A r b e i t e r - und Unternehmerverbaende zusammensetzt»
Der TUC i s t auch im Vorstand des B r i t i s c h e n I n s t i t u t s fuer Betriebsfuehrung
v e r t r e t e n und h i l f t , d i e s e Organisation zu f i n a n z i e r e n , deren Aufgabe e s i s t , jeden
Produktionsbetrieb des Landes die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der indust r i e l l e n Technik zugaengig zu machen« Die Gewerkschaftebewegung brachte auf ihrem
Jahreskongress 1948 eine R e s o l u t i o n e i n , die zum aktiven Feldzug zur Produktionssteigerung durch unmittelbare Beratung mit den Unternehmern und, sofern e s e r f o r d e r l i c h i s t , mit der Regierung aufruft und zwar i n jedem e i n z e l n e n Industriezweig
ueber die betreffenden HerStellungsprobleme.
Zwei Monate s p a e t e r , im November 1948, b e r i e f der TUC eine Sondersitzung der
exekutiven Aussohuesse der angeschlossenen Gewerkschaften e i n , um ueber die Kampagne
zu beraten. Es wurde folgende EntSchliessung angenomment
"Die Exekutivausschuesse, die i n d i e s e r Konferenz v e r t r e t e n s i n d , sind s i c h der
verschiedenen Produkt!vitaetsprobleme bewusst, die einer Loesung beduerfen. Ihre
v o l l e Unterstuetzung und i h r Beistand sind deshalb e r f o r d e r l i c h , um wirksame Beratungen zu ermoeglichen, die auf Vorschlag des Verwaltungsrates s t a t t f i n d e n s o l l e n .
S i e kommen u e b e r e i n , den M i t t e l n und Methoden unmittelbare und nachhaltige Beachtung
zu schenken, d i e s i c h auf d i e praktischen Probleme der verschiedenen betreffenden
Industriezweige e r s t r e c k e n . "
S e i t jener Z e i t haben auf Veranlassung des TUC solche Sitzungen i n folgenden
Industriegruppen stattgefundent S c h i f f s b a u , Bautechnik, Strumpfwaren, Wollwaren,
Konstruktion, P a p i e r h e r s t e l l u n g , Druckerei, Lederwaren, S t a h l - und Kohlenbergbau.
Aehnliche Beratungen innerhalb der Gewerkschaften sind fuer die Industriegruppen
T o e p f e r e i , Chemikalien, Moebel und Konfektion g e p l a n t .
Der Gewerksehaftskongress hat ferner den angeschlossenen Gewerkschaften naheg e l e g t , staendig arbeitende Farschungs- und technische Abteilungen e i n z u r i c h t e n . Er
s e l b s t hat e i n e s seiner a e l t e r e n Vorstandsmitglieder zum Beauftragten fuer Produkt i o n s l e i s t u n g ernannt.
Einige der bedeutendsten Gewerkscharten fuehren eigene Studien i n z a h l r e i c h e n
I n d u s t r i e n durch und haben ausserdem ErziehungsProgramme i n der i n d u s t r i e l l e n Technik
aufgestellt.
Als B e i s p i e l e : Die Nationale Gewerkschaft der Ceffentlichen und Gemeindearbeiter
l a e s s t zehn i h r e r Funktionaere an einem Arbeitslehrgang teilnehmen, der s i c h mit t e c h n i schen Fragen der Arbeitsauswertung und Betriebsfuehrung befasstf e i n Lehrgang mit dem
g l e i c h e n A r b e i t s g e b i e t l a e u f t im Bezirk Birmingham fuer d i e Gewerkschaft der Transport und Allgemeinen A r b e i t e r , und zwar werden an v i e r Samstagvormittagen Vorlesungen
fuer die technischen L e i t e r der A r b e i t s s t e l l e n g e h a l t e n ; die V e r e i n i g t e Gewerkschaft
der Ingenieure hat Kurse ueber I n d u s t r i e t e c h n i k i n den Lehrplan i h r e s Sommer Semesters
aufgenommen.
Die Gewerkschaften des TUC e r g r e i f e n nun s e l b s t die I n i t i a t i v e im Kampf um d i e
Loesung der Produkt!vitaetsprobleme Englands. Die Tagesordnung des Kongresses im
September 1949 z e i g t , dass verschiedene Gewerkschaften Resolutionen eingebracht haben
ueber M i t t e l und Wege, wie die Gewerkschaftsbewegung noch mehr "zur Ueberwindung der
Schwierigkeiten b e i t r a g e n kann, vor die heute o e f f e n t l i c h e und p r i v a t e Industrien
g e s t e l l t sind."
Eine R e s o l u t i o n schreibt d i e Errichtung e i n e s Sonderausschusses v o r , der s i c h
aus Mitgliedern des Verwaltungsrates, Tech n i l e r n und Gewerkschaftsvertretern zusammens e t z t , die wiederum i n verschiedenen i n d u s t r i e l l e n Organisationen m i t a r b e i t e n . Dieser
Aussohuss s o l l "die Erziehung der Arbeiter zu der Verantwortung" foerdern, der s i e

-5 -

�sich unterwerfen muessen. Eine andere Resolution verlangt die "Schaffung einer
endgueltigen Erziehungsmethode zur Unterweisung von Gewerkschaftlern i n technischen
Fragen und Betriebsfuehrung. Besondere Aufmerksamkeit s o l l der Ausbildung der Arbeitsvorgesetzten und Gewerkschaftsvertreter in gemeinsamen Beratungsausschuessen geschenkt
werden."
Vertreter der Unternehmer und Gewerkschaften, die gruppenweise zum Studium der
Produktionsmethoden im Rahmen des Erogramms zur Technischen Unterstuetzung der ECA
die Vereinigten Staaten besucht haben, e r k l a e r t e n , dass sich dieses Programm a l s
sehr nutzbringend erweisen wuerde» Der Anglo-American Council on Productivity (AngloAmerikanischer Produktivitaetsausschuss) s t e l l t die Arbeitsplaene fuer die Besuchergruppen auf und t r i f f t die notwendigen Vorkehrungen.
F o r t s c h r i t t e sind e r z i e l t worden, obwohl es dem TUC mit Unter stuwtzung der Regierung, Labor Party und Betriebsfuehrung oeffentlicher und privater Unternehmen
noch nicht gelungen i s t , einen grossen T e i l der gesamten Mitgliederschaft von dem
Ernst der Lage Englands zu ueberzeugen. Die Fuehrerschaft der Gewerkschaften i s t
entschlossen, sich mit a l l e « Mitteln fuer die Loesung der Produkt!vitaetsproblerne
einzusetzen. Die Erziehung der Arbeiter zu der Erkenntnis, dass die positive Mita r b e i t der Gewerkschaften dabei u n e r l a e s s l i c h i s t , i s t auf gutem Wege,
Ein Beweis fuer den Erfolg des Programms sind die s t a t i s t i s c h e n Angaben ueber
Produktionsleistung, die eine Leistungssteigerung pro Arbeiter von ijjß auf 5% s e i t
Mitte 1948 aufweisen»
Es besteht zweifellos i n einigen Gewerkschaften noch eine gewisse Abneigung
gegen die Aenderung der Produktionsmethoden und der damit eng verbundenen Tarifbestimmungen. Vor dem Kriege fand man i n den Satzungen einiger Gewerkschaften "beschraenkende Bestimmungen» - namentlich bei den Facharbeiterverbaenden des Handwerks,
Die meisten davon wurden jedoch nach gegenseitigem Uebereinkommen waehrend des Krieges
aufgehoben, und heute bestehen solche Bestimmungen praktisch ueberhaupt nicht mehr.
Hinter den t r a d i t i o n e l l e n Einwaenden des Durchschnittsarbeiters zu der Einf ü h r u n g neuer Maschinen und "Produktionsleistungs-Tricks" s t e h t die Geschichte von
der bedrohlichen periodischen Arbeitslosigkeit - eine sehr unangenehme Erinnerung
fuer Arbeiter, die die Notzeiten von 1929 - 1939 miterlebten. Die Kombination der
Wirtschaftsverhaeltnisse i n der ganzen Welt und der von den Arbeiterregierungen verfolgten P o l i t i k hat es moeglich gemacht, die Arbeitslosigkeit s e i t dem Kriege auf
e i n Mindestmass zu beschraenken. Damit i s t diese Furcht der Arbeiter schon b e t r a e c h t l i c h v e r r i n g e r t worden. Im Juni 1949 z u m Beispiel waren nur 263,600 b r i t i s c h e Arbeiter
a r b e i t s l o s , das bedeutet knapp mehr a l s 1% der gesamten erwerbstaetigen Bevoelie rung.
Die Verwendung des gesamten Arbeitspotentials z e i g t ebenfalls i n bezeichnender
Weise die V e r h ä l t n i s s e . Im .Jahre 1948 waren 35*7% a l l e r Arbeiter i n der erzeugenden
I n d u s t r i e beschaeftigtj das sind 3% mehr a l s vor dem Kriege, In den Vereinigten
Staaten waren es im gleichen Jahre nur 27,%• Andererseits waren im vergangenen
Jahr nur 22,2^ der englischen Arbeiterschaft im V e r t e i l e r - und Kuriendienst beschaeft i g t , gegenueber 26,2# im Jahre I938. In Amerika waren es im vorigen Jahr 27• 8?g.
Im Jahre 1948 waren 465? der Bevoelkerung Englands Erwerbspersonen, waehrend es i n
den Vereinigten Staaten 44*5/2 waren,
•Trans-Atlantik"
ECA Labor News Letter
Oktober 1949
TRUMEN ZUR ARBEITSGESETZGEBUNG
Bei der Unterzeichnung der Zusaetze zum Fair Labor Standards Act (Gesetz zur
Festlegung gerechter Arbeitsbedingungen), das mit Wirkung vom 25« Januar naechsten
Jahres den MindestStundenlohn von 40 auf 75 c t s . erhoeht, sagte Praesident Truman,
dass damit "ein entscheidender Sieg im Kampf um die Wohlfahrt des amerikanischen
Volkes errungen s e i . "
Wir entnehmen seiner Erklärung folgende Auszuege*
•Es gibt mir eine besondere Genugtuung, diesen Gesetzentwurf i n der Woche u n t e r zeichnen zu koennen, i n die der 1 1 , Jahrestag des I n k r a f t t r e t e n s des u r s p r ü n g l i c h e n
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�F . L. S t . Act f a e l l t . Diese Gesetzgebung hat sich a l s weise und f o r t s c h r i t t l i c h
nioht/fuer die Wohlfahrt unserer Lohnempfaenger, sondern auch ftB r die Gesundung
unserer gesamten Wirtschaft erwiesen.
•90 Tage nach seiner Verabschiedung wird dieses Gesetz bei seinem I n k r a f t treten!
"(1) Jeden Unternehmer v e r p f l i c h t e n , seinen Arbeitnehmern, die im Handel
oder i n der Produktion beschaeftigt s i n d , einen Stundenlohn von nicht weniger a l s
75 c t s . zu zahlen. Diese Bestimmung bedeutet eine direkte Lohn rhoehung von etwa
1,500,000 Dollar fuer unsere Lohnempfaenger und i n den meisten Einzelfaellen eine
Erhoehung von 5 ° i s 15 c t s . pro Stunde.
"(2) Jegliche ungesetzliche Arbeit Jugendlicher im Handel oder der Rroduktion
v e r b i e t e n . Damit wird dieses Uebel der Arbeit Jugendlicher aus unserem in» und
auslaendisehen Handel und aus der I n d u s t r i e verschwinden*
"(3) Allen Arbeitnehmern ermoeglichen, die nach diesem Gesetz rueckstaendigen
Loehne zu bekommen. Ein s c h r i f t l i c h e s Gesuch i s t dazu e r f o r d e r l i c h . Damit wuerde
der wirksamen Durchfu ehrung des Gesetzes Nachdruck verliehen und der Schuldbetrag
i n Form rueckstaendiger Loehne der Arbeiter verringert«
*(k) Den Begriff"regulaerer Tarif" i n eindeutiger Form f e s t l e g e n , von dem
man i n diesem Gesetz bei der Berechnung der Verguetung fuer ü e b e r z e i t (mehr a l s /jO
Stunden pro Woche) ausgeht. Damit wird es Arbeitgebern und Arbeitern moeglich s e i n ,
mit groesserer Sicherheit zu bestimmen, welche Arten der Bezahlung zur Festsetzung
des Lohntarif 8 zu beruecksi cht igen s i n d .
"(5) Die Entwicklung von Plaenen foerdern, die auf Grund von Kbllektiwerhandlungen Beschaeftigungsbestimnungen'auf j a e h r l i c h e r Basis vorsehen, da sie groessere
Freizuegigkeit in den Bestimmungen fuer Üeberzeit b i e t e n . Durch diese Plaene wuerde
den Lohnempfaengern S t a b i l ! t a e t des Einkommens und den Unternehmern S t a b i l ! t a e t des
Arbeitsverlaufs z u g e s i c h e r t .
"(6) Auch fuer die Arbeiter d e r . I u f t f a h r t g e s e l l s c h a f t e n und die der Fisohkonserven - Fabriken den Mindestlohn von 75 c t s . f e s t s e t z e n . Dies waere ein weiterer
F o r t s c h r i t t i n den Bestrebungen, mehr Arbeitnehmergruppen zu Nüitzniessern dieses
Gesetzes zu machen.
•(7) Zur Beschraenkung i n d u s t r i e l l e r Heimarbeit die Vorschriften aufrechterhalten und bekraefti gen, die zum Schutze des Mindestlohnes notwendig sind."
"Diese Bestimmungen bilden den Grundstein beim Aufbau eines gesunden Bundesges e t z e s zur Festlegung gerechter Arbeitsbedingungen. (*'ederal Fair Labor Standards Act).
" Ich bedauere, dass einige Arbeitergruppen von den Bestimmungen dieses Gesetzes
ausgenommen sind, obwohl sie b i s j e t z t darin enthalten waren; und dass viele andere
Gruppen nicht davon e r f a s s t werden, obwohl es fuer ihren Schutz u n e r l a e s s l i c h waere.
Aber durch die Verbesserungen des neuen Gesetzes sind wir unserem Hauptziel schon
um einen grossen S c h r i t t naehergekommen, das darin b e s t e h t , den Arbeitern die zur
Erhaltung der Gesundheit, Leistungskraft und des Wohlergehens erforderlichen Mindestbedingungen zuzusichern."
Woechentliches Nachrichtenblatt des AFL
8. November 1%S
AFL UND DER NEUE INTERNATIONALE GEWERKSCHAFTSBUND
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL machte Vorschlaege zum Entwurf einer
Verfassung fuer der neuen Internationalen Gewerkschaftsbund, die s i e zur maechtigsten
Weltkoerperschaft der Arbeit machen s o l l , die j e bestand.
Auf der Londoner Organisationsbesprechung, die am 28. November beginnt, wird
sich der AFL fuer folgende Hinkte einsetzeni

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�1« Proklamierung des Rechtes a l l e r Voelker auf volle nationale Freiheit und
Selbstregierung; die Forderung nach baldraoeglichster Verwirklichung dieses Rechtes
tx.br diejenigen, die es noch nicht besitzen«
2« Errichtung einer maechtigen, wirksamen internationalen Organisation der
freien Gewerkschaften, deren Richtlinien und Taetigkeiten von ihren frei gebildeten
Koer per Schäften unter Ausschluss der Regierungen, Unternehmer tO»I politischer
Parteien bestimmt werden«
3» Streben nach allgemeiner Anerkennung und Anwendung der Rechte der freien
Gewerlschaftsorganisationen und des ungehemmten Kbllektiv-Verhandlungswesens«
4« Foerderung der demokratischen Entwicklung in allen laendern, insbesondere
i n den rueckstaendigen Gebieten und solchen, die noch keine Selbstregierung haben«
5« Unterstuetzung eines weltumfassenden Systems der Sicherheit des Lebensstandards und a l l e r Massnahmen, die zur Verteidigung der Weltdemokratie und der
nationalen Freiheit gegen t o t a l i t a e r e s Machtstreben notwendig sind. Besondere Beachtung der regionalen Vereinbarungen, wie sie i n der Charta der Vereinten Nationen
enthalten sind«
Vorschlafe des Presidenten Green
Der Praesident der AFL, William Green, hat in einem Brief an die Vorbereitende
Kommission zur Errichtung eines neuen Weltgewerkschaftsbundes diese Forderungen
zum Ausdruck gebracht«
Der Schatzkanzler der AFL, George Meany, deutete an, dass diese Vorschlaege
auf der Londoner Konferenz zur Sprache gebracht wuerden«
Der AFL vuerde sein Ziel in der Errichtung eines "Internationalen Verbandes
Freier Gewerkschaften- sehen, (International Federation of Free Trade Unions), die
"die Freiheit des Menschen verfechtet, Totalitaerbestrebungen in jeglicher Form,
Absicht oder Gestalt entgegenwirkt und direkt oder indirekt deren Uebergriffe bekaempft;
die sich mit allen Arbeitern, deren Arbeits- oder Menschenrechte von einem totalitaeren
Regime s t r e i t i g gemacht werden, solidarisch erklaert und ihnen ihre Hilfe angedeihen
laesst."
Der AFL brachte sein besonderes Interesse fuer die i n der Verfassung vorgesehenen
regionalen Taetigkeiten zum Ausdruck«
Die Vorschlaege des AFL enthalten die Richtlinien zur Errichtung eines neuen
Internationalen Gewerkschaft stund e s , wie sie von Mr. Meany auf der vorbereitenden
Zusammenkunft im Juni ds. Jhs« bereits verkuendet wurden« Sie bestehen darin, (1) der
drohenden Gefahr des TotalitaerSystems zu begegnen und sie zurueckzuschlagen; (2) die
internationale Gewerkschaftsbewegung scharf von Grossmachtpolitik zu trennen; (3) die
internationalen Gewerkschaftssekretariate fuer sich zu gewinnen und (2j) eine Koerpersohaft zu gruenden, die nicht nur Europa und Amerika, sondern auch Asien, Suedamerika
und Afrika umfasst«
Die neue Internationale der freien Gewerkschaften wird von einem Kongress gefuehrt
werden, der a l l e zwei Jahre zusammentritt; ferner von einem Verwaltungsrat, der in
dem dazwischen liegenden Jahr eine Sitzung abhaelt und von einem Exekutivrat, der
nicht weniger a l s dreimal im Jahr zusammentreten soll«
AFL Delegation in London
Mr. Green und Mr. Meany waren die Fuehrer der AFL Abordnung, die am Qrganisationstreffen in London teilnahm« Es war die hervorragendste Delegation, die der AFL je in
seiner 69-jaehrigen Geschichte zu einem internationalen Treffen entsandt hat« Sie
bestand aus acht Mitgliedern.des Exekutivrates des AFL, das i s t mehr a l s die Haelfte.
Ausserdem waren noch viele andere Funktionaere des AFL in Europa zugegen«
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�Die beeindruckende Delegation i s t e i n Beweis fuer das I n t e r e s s e , das der AFL
der neuen Weltgewerkechaftsorganisation entgegenbringt, d i e der Schaffung und
Erhaltung des Weltfriedens dienen s o l l .
Mr. Meany nannte das Treffen "die g r o s s e Hoffnung der Arbeiter der ganzen Welt"
auf Frieden und g e s i c h e r t e F r e i h e i t .
l o e c h e n t l i c h e s M i t t e i l u n g s b l a t t des AFL
k. November 1949»
ZWANGSANLEIHEN

FJER UNGARISCHE ARBEITER

Der ungarische Arbeiter wird i n diesem Jahr einen Monäteverdienst v e r l i e r e n «
da er gezwungen i s t , eine Anleihe zu z e i c h n e n , die am 2 0 . Oktober von der Volksdemokratischen Regierung herausgegeben wurde. So b e r i c h t e t Viktor H a n z e l i , e i n
ehemaliger ungarischer Gewerkschaftsfuehrer, i n e i n e r neuen Ausgabe der nichtkommin i s t i sehen franzoesisehen Arbeiterzeitung "Force Ouvriere."
Viktor Hanzeli z i t i e r t das o e f f e n t l i c h e Organ der kommunistischen P a r t e i
Ungarnst "Wir betonen, dass das Unterzeichnen der Anleihe mehr eine p o l i t i s c h e , a l s
e i n e w i r t s c h a f t l i c h e Angelegenheit i s t . Es i s t g l e i c h einem Volksentscheid zu gunsten
der Volksdemokratie, d e s F r i e d e n s , unserer Freundschaft mit Russland, der Partei und
d e s s e n , dem wir unsere Siege verdanken, Matyas Rakosi»* (Auszug aus e i n e r Rede des
Generalsekretaers de* ungarischen Gewerkschaftsbundes.)
In ihrer Ausgabe vom 2 9 . September 1949, gab die kommunistische Zeitung "SZABAP"
( F r e i e s V o l k ) , d i e s e Ausfuehrungen wieder und fuegte h i n z u , " a l l e Lohnempfaenger
werden an i h r e r A r b e i t s s t e l l e zeichnen." S i e faehrt f o r t : "Alle Lohnempfaenger mit
Wochenlohn werden ihren Beitrag fuer 4° Wochen e n t r i c h t e n , a l l e , die monatlich bez a h l t werden, fuer 10 Monate."
l u e r a l l e , die n i c h t Lohnempfaenger s i n d , hat die Kommunistische Partei eine
Aktion von Haus zu Haus o r g a n i s i e r t , d i e von den "Volkserziehern" durchgefuehrt w i r d .
"Auf dem Lande fahren d i e s e Erzieher von Dorf zu Dorf und sprechen i n jedem Hause vor,"
schreibt der ungarische Verbannte*
Innerhalb e i n e s jeden Betriebes sind e b e n f a l l s M i t g l i e d e r der Kommnisti sehen
Partei fuer die Durchfuehrung der Aktion v e r a n t w o r t l i c h . S i e reichen i n den Werks t a e t t e n eine U n t e r s c h r i f t s l i s t e herum. Diese wird dem Buero der Komministisehen Partei
im Betriebe uebergeben, da jeder Betrieb s e i n konministisches Parteibuero h a t . Auch
im Kommunistischen Parteibuero jeder Stadt kann gezeichnet werden.
In jedem Hause klebt der "Volkserzieher" die L i s t e derjenigen, d i e gezeichnet
haben, an d i e Wand des Eingangskorridors oder an die Tuere und vermerkt d i e j e n i g e n *
die nicht i n bar ihren Beitrag zur Gesamtleistung der Volksdemokratie e n t r i c h t e t
haben, fuegt Hanzeli h i n z u .
Angst i s t das Hauptmotiv bei der Unterzeichnung, sagte er und gab eine Geschichte
wieder, die i n der kommnistisehen Presse am 1 1 . Oktober erschienen war. "Die "Volkserzieher" besuchten Paul Sutos Tuer. Paul Suto i s t e i n armer Weinbauer der k l e i n e n
Stadt P a z t e . Seine Ernte war sehr s c h l e c h t i Nur 200 L i t e r Wein» Er weigert s i c h
zu z e i c h n e n . Darauf erklaeren ihm d i e "Erzieher"1 "Wir kommen im Auftrage der P a r t e i ,
nuessen Sie w i s s e n . Kamerad Rakosi schickt uns!" Die kommunistische Presse beendete
ihren Bericht mit der F e s t s t e l l u n g , "dass die t i e f e Verehrung die—e Bauern fuer
Kamerad Rakosi ihn v e r a n l a s s t e zu z e i c h n e n . '
Labor Information
November 1949

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�ERFILGE DES NEUEN BRITISCHEN VERSICHERUNGSWESENS
R o b e r t Grosser b e r i c h t e t von s e i n e r Reise nach England und
Schweden, wo e r das neue Versicherungswesen s t u d i e r t e und
V e r g l e i c h e mit dem m e d i z i n i s c h e n Versorgungsprogramm Trumans
anstellte.
»In England i s t der G e s u n d h e i t s d i e n s t fuer jedermann f r e i , und j e d e r kann ?hn
i n Anspruch nehmen, ohne d a s Gefuehl haben zu muessen, d a s s e r auf d i e W o h l t a e t i g k e i t s e i n e s Naechsten angewiesen s e i , " e r k l a e r t e Kbngressmitglied -Robert C r o s s e r
einem V e r t r e t e r der "Labor" (Wochenzeitung)»
"Beb", e i n a l t e r Freund d e r E i s e n b a h n a r b e i t e r , war gerade von e i n e r R e i s e
nach England, Schweden und F r a n k r e i c h z u r u e c k g e k e h r t , wo e r mit anderen M i t g l i e d e r n
d e s W i r t s c h a f t s - A u e s c h u s s e s d e s Abgeordneten Hauses Untersuchungen ueber das m e d i z i n i s c h e Versorguhgswesen durchgefuehrt h a t t e «
Der Zweck d i e s e r S t u d i e n war die Beschaffung von d i r e k t e n I n f o r m a t i o n e n , d l »
man dem Haus dann v o r l e g e n w i r d , wenn der Gesetzentwurf P r a e s i d e n t Trumans z u r
KrarikenverSicherung z u r Sprache kommt»
Der Ausschuss wird zu einem s p a e t e r e n Z e i t p u n k t B e r i c h t e r s t a t t e n .
gab s e i n e e i g e n e n A n s i c h t e n folgendermassen wieder«

Crosser

Von den S t e u e r n b e z a h l t
"Schweden h a t e i n GesundheitsSystem, das d i e Aerzte und auch s o n s t jedermann
z u f r i e d e n z u s t e l l e n s c h e i n t . Es wird h a u p t s a e c h l i c h aus den allgemeinen S t e u e r e i n nahmen f i n a n z i e r t , doch d i e P a t i e n t e n haben auch e i n e n T e i l der Kosten zu uebernehmen»
•Das b r i t i s c h e System g e h t noch w e i t e r . P r a k t i s c h werden d o r t a l l e Kosten fuer
a e r z t l i c h e , z a h n a e r z t l i c h e , Krankenhaus- und andere Dienste aus allgemeinen S t e u e r n
b e z a h l t , und gehen n i c h t zu L a s t e n der P a t i e n t e n . Dazu gehoeren auch Auslagen fuer
Arzneien, B r i l l e n u . a e .
Crosser b e t o n t e , dass "sowohl das e n g l i s c h e a l s auch das schwedische System
den P l a n Trumans u e b e r t r e f f e n .
Der P r a e s i d e n t s c h l a e g t e i n Versicherungssystem
v o r , demzufolge a l l e Kosten i n Form besonderer S t e u e r n von den A r b e i t g e b e r n und
Arbeitnehmern zu t r a g e n s i n d , so wie e s auch b e i den A l t e r s r e n t e n nach dem S o z i a l v e r s i c h e r u n g s s y s t e m der F a l l i s t . "
"Selbst die Konservativen."
Wie i s t die E i n s t e l l u n g des e n g l i s c h e n Volkes gegenueber dem neuen System, das
von der I.abour-Regierung a u f g e t e i l t wurde? C r o f s e r gab dazu folgende Antwort!
"Wir u n t e r h i e l t e n uns mit Leuten aus dem Volk, Aerzten und V e r t r e t e r n a l l e r
p o l i t i s c h e n P a r t e i e n , und e s g i b t keinen mehr, der das neue System wieder a b g e s c h a f f t
sehen moechte. E i n i g e waeren fuer gewisse Aenderungen, a b e r s e l b s t d i e Konservativen
sind d a f u e r , d a s s der G e s u n d h e i t s d i e n s t u n t e r dem gegenwaertigen e i n h e i t l i c h e n P l a n bei«&lt;
b e h a l t e n wird»*
Die " o r g a n i s i e r t e n Aerzte" der V e r e i n i g t e n S t a a t e n b e h a u p t e n , dass dös e n g l i s c h e
System die Mediziner u n t e r d i e " D i k t a t u r d e r Regierung" s t e l l e und s i c h i n i h r e
Behandlungsmethoden e i n m i s c h e . Stimmt das?
•Im G e g e n t e i l , " s a g t G r o s s e r , " d i e b r i t i s c h e n Aerzte s a g t e n m i r , d a s s s i e s i c h
zum e r s t e n m a l f r e i f u e h l t e n und i h r e n P a t i e n t e n d i e bestmoegli che Behandlung a n g e d e i h e n l a s s e n koennten»"
•Wir h a t t e n gewoehnlich zu erwaegen, oh e i n schwer e r k r a n k t e r P a t i e n t t e u e r e
A r z n e i e n , R o e n t g e n s t r a h l e n , e i n e Operation oder d e r g l e i c h e n wohl b e z a h l e n k o e n n t e ,
obwohl e r d i e s e Dinge b e n o e t i g t e , " e r k l a e r t e e i n e n g l i s c h e r Jüfzt, "Nun sind fuer u n s
nur noch s e i n e Beduerfnisse a u s s c h l a g g e b e n d , und e s i s t u n s g l e i c h , wie arm der Mann,
d i e Frau oder das Kind wohl s e i n mag."
Nach dem e n g l i s c h e n System wie nach dem Plan Trumans koennen d i e P a t i e n t e n
i h r e eigenen A e r z t e , und d i e A e r z t e i h r e e i g e n e n P a t i e n t e n b e i b e h a l t e n . Der Kranke
10 -

�kann auch s e i n e n Arzt b e z a h l e n , denn niemand i s t gezwungen, s i c h dem System a n z u s c h l i e s s e n . Es h a t vollkommen f r e i w i l l i g e n Charakter»
C r o s s e r h a t t e auch mit dem b r i t i s c h e n G e s u n d h e i t s m i n i s t e r , Aneurin Bevan,
e i n e U n t e r r e d u n g , und e r h a t e i n e gute Meinung u e b e r i h n .
Labor

19, Nov.49
AFL ZUR ARBEITS- UND WIRTSCHAFTSLAGE
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL h a t dem Kongress e i n Erogramm u n t e r h i e l t e t , d a s die V o l l b e s o h a e f t i g u n g a l l e r A r b e i t e r zu hohen Loehnen e r s t r e b t «
I n d e r E r k l a e r u n g h e i s s t e s im w e s e n t l i c h e n *
1 . Die a u g e n b l i c k l i c h e W i r t s c h a f t s l a g e h a t s i c h m a t e r i e l l s e i t dem Sommer
dieses J a h r e s gebessert«
2 . Mit der z u r Z e i t h e r r s c h e n d e n A r b e i t s l o s i g k e i t i s t e i n b e a c h t l i c h e r Verl u s t an A r b e i t s k r a f t und P r o d u k t i o n s k a p a z i t a e t , sowie allgemeine Notlage d e r Arb e i t e r verbunden,
3# Es muss u n s e r B e s t r e b e n s e i n , e i n e W i r t s c h a f t s i t u a t i o n h e r b e i z u f u e h r e n ,
i n der j e d e r , der b e r e i t , w i l l i g und f a e h i g i s t zu a r b e i t e n , i n k u e r z e s t e r Z e i t
e i n e B e s c h a e f t i g u n g f i n d e n kann, f u e r d i e e r am g e e i g n e t s t e n i s t .
4* Die g u e n s t i g e Auswirkung des a u s l a e n d i s e h e n Hilfsprogramms auf die i n l a e n d i s c h e B e s c h a e f t i g u n g und P r o d u k t i o n werden d i e s e s Programm seinem H a u p t z i e l
n a e h e r b r i n g e n , naemlich d e r Ausdehnung d e s H a n d e l s , Hebung des a l l g e m e i n e n Lebenss t a n d a r d s i n der Welt und Entwicklung der r u e c k s t a e n d i g e n G e b i e t e .
5 * Zur Foerderung e i n e r g u e n s t i g e n B e s c h a e f t i g u n g s l a g e i s t e i n e W i r t s c h a f t s lage n o t w e n d i g , i n der Loehne, Lebensstandard und Beschaeftigungsbedingungen s t a e n d i g v e r b e s s e r t werden. Es b e s t e h t keine U r s a c h e , d i e s e n Aufschwung j e t z t zu bremsen,
und nur e i n f r e i e s K o l l e k t i v - V e r h a n d l u n g s s y s t e m g a r a n t i e r t s e i n e n E r f o l g .
6 . E i n n a t i o n a l e s A r b e i t s l o s e n v e r s i c h e r u n g s s y s t e m und e i n e i n h e i t l i c h e s Programm
z u r E r r i c h t u n g f r e i e r , o e f f e n t l i e h e r A r b e i t s a e m t e r muss a u s g e a r b e i t e t werden.
7 . Das gesamte n a t i o n a l e Steuerwesen s o l l t e e i n e r eingehenden Pruefung u n t e r zogen werden, um e s g e r e c h t e r e n Steuergrund s a e t z e n anpassen zu koennenj e s g i b t keine
E n t s c h u l d i g u n g d a f u e r , d a s s man Gruppen mit niedrigem Einkommen schwere s t e u e r l i c h e
L a s t e n a u f e r l e g t , e s s e i denn, d a s s e i n e I n f l a t i o n d r o h t oder b e r e i t s h e r r s c h t .
8 . Die Massnahmen d e r Regierung z u r Verbesserung der Arbeitsbedingungen s o l l t e n
u n t e r s t u e t z t und n i c h t bekaempft werden. Das M i n d e s t l o e h n e - und A r b e i t s z e i t g e s e t z
muss auf w e i t e r e K r e i s e ausgedehnt und d i e Mindestlohnbestimmungen entsprechend
dem Walsh-Healey-Gesetz s c h l e u n i g s t g e p r u e f t und abgeaendert werden,
9 . Die R e g i e r u n g muss den Gebieten h e l f e n , i n denen i n f o l g e von A r b e i t s l o s i g k e i t e i n e besondere w i r t s c h a f t l i c h e Notlage h e r r s c h t . Die v o l l e Ausnutzung d e r
n a t u e r l i c h e n H i l f s q u e l l e n und d i e Ansiedlung von I n d u s t r i e n i n diesen G e b i e t e n
s o l l t e g e f o e r d e r t werden.
Die E r k l a e r u n g der AFL z u r \ g e g e n w a e r t i g e n A r b e i t s - und W i r t s c h a f t s l a g e s t e l l t
d i e Antwort Mr. Greens auf 11 Fragen d a r , d i e Abgeordneter Hart an i h n g e r i c h t e t
hatte.
W o e c h e n t l i c h e s N a c h r i c h t e n b l a t t d e s AFL
4* November 1949

- U -

�ARBEITSBESCHAFFUNG DURCH MARSKALL-PLAN
Mit der Freigabe der Gegenwertfonds des Marshall-Plans wurden fuer etwa
1500 i t a l i e n i s c h e Arbeiter neue A r b e i t s p l a e t z e geschaffen» S i e werden im Gebiet
von Veneta zur Verbesserung der Entwaesserungsanlagen, Bodenbewaesserung und F l u s s regdlierung e i n g e s e t z t werden« Durch- die e r s t e Phase des Programms fuer l a n d w i r t s c h a f t l i c h e Verbesserungen werden Beschaeftigungsmoeglichkeiten fuer insgesamt
400.000 A r b e i t s t a g e geboten. Man s c h a e t z t , dass b i s zur Beendigung des ERP-Hilfsprogramms am 3 0 , Juni 1952 1000 Arbeiter drei Jahre lang an diesem Projekt beschaeft i g t werden keennen« Darueberhlnaue erwartet man, dass nach Beendigung d i e s e r Arbeiten
das neugewonnene Land j a e h r l i c h 700 Menschen Arbeit geben w i r d . Die Verbesserungen,
die an 57 verschiedenen B a u s t e l l e n vorgenommen werden, sind durch die Freigabe von
insgesamt 2,358 M i l l i o n e n Lire aus dem i t a l i e n i s c h e n Gegenwertfond des Marshall-Plans
ermoeglicht worden« Die e r s t e Phase des Programms e r s t r e c k t s i c h auf die Wiederinstandsetzung a l t e r Entwaesserungs- und Bewaesserungsanlagen, wodurch 150.000 Morgen
Land k u l t u r f a e h i g gemacht, w e i t e r e 125,000 Morgen bewaessert und nahezu 12,000 Menschen
und 50*000 Stueck Vieh mit Wasser versorgt werden. Ferner wird man mit dem Bau von
S t r a s s e n i n e i n e r Laenge von 1 2 j Meilen, Wasserleitungen von 25 Meilen und Daemme
von etwa 12 Meilen Laenge beginnen«

Lebor Information
14» November 1949

- 12 -

Office of Labor Affairs
HIC0G, APO 757

OFFICE AL

( uicoo. 9 - J»H6. L»Mb. D M . I»;, l | M)

�Infernatienale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dia folgoadoa Artlkal atallan Anstflga ana dar amarikanlachaa Praaaa aad aadaraa Qaallaa dar und diaaaa
dar Information daatachtr Radaktaura, dar Gawarkachaftaa, Gawarkachaftaachnlaa nnd daran Mitglladar.
Voa diaaam Matarlal kann aaaingaachriakt Gabrauch gamacht wardaa.
w*altara Ezamplara konnsn koataaloa bai
Offlca ai Labor Affalra
HICOG, APO 757, Frankfurt
aagalardart wardaa. Aal Wnaach wardan dlaaa auch ainialnaa Intaraaaaataa dirakt durch dla Post aagalaitat.
Dar Inhalt dar „ Arbaüsmittailungan" Ist nicht ala offizf alla Mtiaaag oder Stallangnahma dar amarikanlachaa
Milltlrrsgiarung, nach irgaadainar DianaUtalla dar Raglarang dar Vartlaigtaa Staataa aufzufaaaan.

H . . - kfi

Frankfurt, 9 . Dezember 1949

INHALTSVERZEI

CHNIS

F e r i e n "Marken*
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1
Zwei grosse S t r e i k s beendet - - - - - - - - - - — _ - - 2
AFL u n t e r s t u e t z t Gewerkschaften Latein-Amerikas gegen
Kommunisten
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 3
CIO und Marshall Plan
- - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Tobin beglueckwuenscht das I n t e r n a t i o n a l e Arbeitsamt- - 5
V i z e p r e s i d e n t des AFL, Mr. M. Woll, zur Deutschlandfrage
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 6
Erfahrungsaustausch zum Zwecke der Produktionssteigerungö
Marshall Plan und europaeischer Wiederaufbau - - - - - 9
Unternehmer zum Gewerkschaftswesen i n den U . S . - - - - - 1 1
Die Spanne zwischen P r e i s e n und Loehnen - - - - - - - - 1 1

FERIEN "MaRKEN"
Die Gewerkschaft der Maurer (AFL) i n S t . Louis hat probeweise e i n e n
Ferien-"Marken" Plan entworfen, demzufolge j e d e s Mitglied 3% s e i n e r Loehne
i n besonderen Marken ausbezahlt bekommt. Dieselben werden i n einem Markenheft geklebt und koennen e i n Jahr nach Beginn des H e f t e s e i n g e l o e s t werden*
Man s c h a e t z t , dass s i c h e i n Durchschnittsarbeiter auf d i e s e Weise 150 Dollar
im Jahr zusammensparen und damit seine F e r i e n f i n a n z i e r e n kann.

UaS. Arbeitsministerium
Weekly Labor News D i g e s t
9 . November 1949

- 1 -

�ZWEI GROSSE STREIKS BEENDET
Die grossen Streiks in Amerika sind beendet. Die Bergleute sind i n die
Kohlengruben zurueckgekehrt, - wenigstens voruehergehend - und der grosse Stahlstreik i s t erfolgreich abgeschlossen.
Iraktisch wurde der Stahlstreik am 1 1 . November beendet, a l s die United
States Steel eine Einigung mit der Gewerkschaft der Stahlarbeiter e r z i e l t e . Damit
konnten 170,000 Arbeiter ihre Arbeit in den Stahlwerken wieder aufnehmen.
Die U.S. Steel bewilligte dieselben Forderungen wie andere grosse Industriebetriebe, - naemlich Bensionen zu Lasten des Unternehmers a l s Ergaenzung der
Sozialversicherung} andere Unterstuetzungen wie Krankheits-, Krankenhaus- und
Sterbegelder sind von den Arbeitern und den Unternehmern gleichmaessig zu tragen.
Vielleicht noch bedeutsamer a l s die erzielten Gewinne i s t die Tatsache, dass
es der Industrie i n ihrem 42-taegigen Kampf nicht gelungen i s t , die einheitliche
Front der Arbeiter aufzurollen - sie musste vielmehr zu guter Letzt sogar noch mehr
Zugestaendnisse machen, a l s von einem Untersuchungsausschuss der Regierung verlangt
worden waren.
Lewis' Aufruf an die Unternehmer
Das "Schwarze Oel" f l o s s wieder aus den Gruben. Die Bergleute nahmen nach
einem Streik von 52 Tagen auf Anordnung des Eraesidenten John L. Lewis und des nationalen Streik-Komitees der Vereinigten Bergleute ihre Arbeit wieder auf. Die Streikruhe dauerte b i s zum 30» November.
Lewis erklaerte, dass er bereit s e i , die Verhandlungen wiederaufzunehmen, die
die Bergwerksbesitzer der Nord- und SuedStaaten abgebrochen hatten.
"Jetzt l i e g t es an den Unternehmern," sagte er. "Die Bergleute kehrten f r e i w i l l i g in die Gruben zurueck, um dem amerikanischen Volk damit eJ nen Dienst zu erweisen. Es i s t nun an der Z e i t , dass die Bergwerksunternehmer zu den KollektivVerhandlungen zurueckkehren."
Als Cyrus Cning, der Leiter des Vermittlungs- und Schiedsrichteramtes, dem
Iraesidenten ueber die Schwierigkeiten Mitteilung machte, wurde angedeutet, dass
Massnahmen des Weissen Hauses bevorstuenden. Ching erklaerte, dass weitere Verhandlungen "zwecklos" seien, und dass die Unternehmer eine "geschlossenere Front denn je"
gegen die Forderungen der Gewerkschaften bilden wuerden.
Einige Bergwerksbesitzer versuchten, aus der kritischen Lage Nutzen zu ziehen,
indem sie die Preise fuer Kohle hinauftreiben wollten. Diese Versuche wurden von den
Gewerkschaften a l s "Betrug am Volke" angeprangert. Die Gewerkschaft der Vereinigten
Bergleute z i t i e r t e Rekordgewinne der Industrie im vergangenen Jahre und erklaerte,
dass dieser "Einfall in den Geldbeutel des KohleVerbrauchers" nicht zu rechtfertigen
sei.
Rekordstrafe
Die Vereinigten Bergarbeiter zahlten in dieser Woche eine Gesamtsumme von
1,420,000 Dollar an das Bundesbezirksgericht; das z e i g t , wie teuer -das Taft-HartleyGesetz einer Gewerkschaft zu stehen kommen kann. Grund zu dieser Bestrafung gab die
Üebertretung einer Vorschrift der Bundesregierung bei einem frueheren Streik. Ss i s t
der hoechste Strafbetrag, der einer Gewerkschaft oder - aus diesem Grunde- einem
Unternehmen i n den U.S. je auferlegt wurde.
Schiffahrtsstreik verhindert
Im letzten Augenblick wurde ein geplanter Streik von 2,000 Mitgliedern der
Gewerkschaft der Schiffskapitaene, Bootsleute und Lotsen auf Schiffen der atlantischen«
und Golf-Kueste abgebogen. Vermittlungsbeamte der Regierung bewegten die Vertreter

- 2

�der Gewerkschaften und Reeder dazu, sich ueber eine Streikruhe von 3° Tagen
e i n i g zu werden*
Eine der Hauptforderungen der Gewerkschaft i s t ein Heuersystem, das allen
dafuer in frage kommenden Arbeitern gleiche Beschaeftigungsmoeglichkeiten bietet«
Die Reeder der West-Kueste hatten sich damit einverstanden erklaert« aber die der
Ost-Kueste lehnten es entschieden ab*
Pensionsplaene gewinnen an Boden
Der allgemeinen Bewegung folgend bot ein weiteres unternehmen - International
Harvester - einer Gewerkschaft, die 62,000 Arbeitnehmer v o r t r i t t , einen Plan fuer
Pensionen und Sozialversicherung an* Er aehnelt dem System, auf das sich die
Ford-Werke und die Stahlunternehmen mit ihren Gewerkschaften geeinigt hatten* Die
Gewerkschaften nahmen nicht sofort zu den Vorschlaegen Stellung, aber sie setzten
ihre Verhandlungen mit den Unternehmern fort«
Labor
19* November 1949
AFL UNTERSTJETZ,T GEWERKSCHAFTEN LATETN-AMERIKAS GEGEN KCfrlUNISTEN
Im Laufe des l e t z t e n Jahres unterstuetzte der AFL die latein-amerikanisehen
Gewerkschaften in ihrem Kampf gegen die Kommunisten, die Einmischung reaktionaerer
Teile der Regierung und in ihren Bestrebungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen*
Serafino Ronualdi, der Repraeaentant des AFL in Latein-Amerika, konnte dem
68* Gewerkschaftskongress der AFL berichten, dass 142 Delegierte von 47 Organisationen
aus 22 Laendern und 11 Delegierte angeschlossener anderer Terbaende an der zweiten .
Konferenz des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes in Havanna im September
dieses Jahres teilgenommen haben. Dies war ein wesentlicher Erfolg s e i t der Gruendung der Organisation durch den AFL in Lima, Peru, im Januar 1948*
Romualdi erklaerte, dass der Bund, der noch in seinen Kinderschuhen stecke,
den kommunistischen Griff um Kuba und Mexiko geloest habe, und dass sich ihm Paraguay,
Britisch Guayana, Trinidad, Santa Lucia, Ekuador und die Virginischen Inseln angeschlossen haetten*
"Die Kommunisten haben in Mexiko ausgespielt, und besonders in der mexikanischen
Gewerkschaftsbewegung«* Bezugnehmend auf Kuba, "das einst die kommunistische Hochburg der westlichen Hemisphaere war," sagte Romualdi, dass der beste Beweis fuer die
Niederlage der Kommunisten i n diesem Land die Errichtung der Zentrale des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes in Havanna s e i .
Er erklaerte f e r n e n "unsere wichtigste Sorge galt der Verbesserung der Lebensbedingungen der arbeitenden Bevoelkerung suedlich unserer Grenzen, um damit ihren
Lebensstandard zu erhoehen. Die 20 verschiedenen Staaten Latein-Amerikas weisen
keinerlei Einheitlichkeit auf, und doch i s t die arbeitende Bevoelkerung praktisch
jedes Landes immer noch dazu v e r u r t e i l t , ein Elendsdasein zu fuehren, das in manchen
Faellen den Mindestlebensstandard weit unterbietet."
Er bezeichnete die niedrigen Loehne a l s den "Fluch Latein-ümerikas," da sie
zum wirtschaftlichen Stillstand gefuehrt, die Erweiterung der Absatzmaerkte verhindert und die Kaufkraft zu Boden gedrueckt haben*
Er schloss mit den Worten: "Wenn wir 150 Millionen Latein-Amerikanern helfen,
ihre Kaufkraft zu steigern, bereiteten wir den Boden fuer einen Absatzmarkt unserer
eigenen ueberschuessigen Industrieproduktion."
Woechentliches Nachrichtenblatt des AFL
4» November 1949

3 -

�CIO UND MARSHALL-PLAN
Die amerikanische Arbeiterbewegung nimmt heute eine i n t e r n a t i o n a l e S t e l l u n g
e i n , die n i c h t «ohne verheerende Folgen fuer die ganze Welt" aufgegeben werden kann«
s a g t e Harry Martin, der Praesident des amerikanisehen Zeitungsverbandes und Chef d e s
A r b e i t s i n f o r m a t i o n s d i e n s t e s der ECA (Verwaltung fuer w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit)
i n Europa, vor D e l e g i e r t e n der 1 1 . Jahrestagung des CIO i n Cleveland, Ohio.
Martin, der e b e n f a l l s e i n e r der beiden Berater fuer Arbeitsfragen im Gefolge
d e s Sonderbeauftragten der Vereinigten Staaten i n Europa, W. A v e r e i l Harriman« i s t ,
sprach s i c h fuer eine e i n d e u t i g e R e s o l u t i o n ueber d i e A u s s e n p o l i t i k der V e r e i n i g t e n
Staaten a u s , die von 600 Vertretern der 6 Millionen M i t g l i e d e r des CIO mit u e b e r waeltigender Mehrheit g e b i l l i g t wurde.
"Wir sind fuer die t a t k r a e f t i g e Unterstuetzung der fuenf Gewerkschaftszentren
i n den V e r e i n i g t e n Staaten und Europa dankbar," sagte Martin« Der Marshall-Plan
hat den Voelkern der w e s t l i c h e n Demokratien "neue Hoffnung, neuen Lebenswillen und
neuen Mut zur Verteidigung i h r e r F r e i h e i t gebracht."
Der ECA Beamte h i e l t einen Rueckblick auf die Erfolge des amerikanischen H i l f s programms, das die F l u t der sowjetischen T o t a l i t a e r g e l u e s t e abgedaemmt und zum
Wiederaufbau und Wiedergesundung Europas beigetragen h a t . Er nahm zu e i n i g e n akuten
Problemen S t e l l u n g und e r k l a e r t e t
"Wenn das Z e i t a l t e r des Wiederaufbaus von einem des Wohlstandes a b g e l o e s t werden
s o l l , inaessen die Handelsschranken innerhalb des europaeisehen Kontinents b e s e i t i g t
werden« Die Produktionsleistung muss g e s t e i g e r t werden, damit die Europaeer mehr
Waren im Ausland verkaufen und im Inland verbrauchen koennen. Die Dollarluecke i n
v i e l e n Laendern zwischen Export und Import muss g e s c h l o s s e n und der Maerchentraum
von der europaeisehen W i r t s c h a f t s e i n h e i t muss Wirklichkeit werden«
"Diese Aufgaben werden v i e l Z e i t i n Anspruch nehmen, aber s i e koennen g e l o e s t
werden. S i e muessen b i s zur Beendigung des Marshall-Plans im Jahre 1952 g e l o e s t
s e i n , wenn Europa danach i n der Lage s e i n s o l l , s i c h s e l b s t zu erhalten«
"Martin e r k l a e r t e , das der Kreml s i c h s e l b s t schadete , indem e r s i c h i n schaendl i c h e r Weise dem Marshall-Plan w i d e r s e t z t . Seine Haltung, sagte e r , s ü s s v i e l «
Arbeiter Europas von dem "verraeterisehen Treiben der kommunistischen Bewegung"
ueberzeugen, d i e die Wiedergesundung Westeuropas zu sabotieren versucht«
"Die ünterstuetzung des europaeisehen Wiederaufbaus durch d i e Arbeiterschaft
f e h l t nur da, wo die Kommunisten ihre Hand im S p i e l e haben," v e r s i c h e r t e der amerikanische Arbeiterfuehrer. "Die demokratischen Gewerkschaften der f r e i e n europaeisehen
Laender haben sich mit a l l e r Kraft h i n t e r das Programm g e s t e l l t , um Suropa wieder
auf seine eigenen Fuesse zu s t e l l e n « "
Martin sprach s i c h lobend ueber die freundschaftlichen Bemuehungen des CIO
a u s , der Fuehrung der Abteilung fuer Arbeit im ECA d i e geeigneten Leute zur Verfuegung
zu s t e l l e n , deren Aufgabe e s i s t , d i e amerikanischen Gewerkschaften mit den noetigen
Informationen zu versorgen. Er bedankte s i c h ferner fuer den kameradschaftlichen
G e i s t , i n dem europaeisehe Gewerkschaftler von der amerikanischen A r b e i t e r s c h a f t
i n den Staaten aufgenommen wurden«
Eine solche Haltung, sagte e r , hat uns geholfen und wird uns w e i t e r h i n h e l f e n ,
den Arbeitern Europas zu beweisen, d«ss die Kommunisten und ihre Freunde l u e g e n ,
wenn s i e behaupten, dass d i e amerikanische Arbeiterschaft von Wall Street»beherrscht
wird, i m p e r i a l i s t i s c h e Z i e l e v e r f o l g t , und dass die amerikanischen Gewerkschaften
der amerikanischen I n d u s t r i e h e l f e n , die ueberschuessige Produktion loszuschlagen
und monopolistische Bestrebungen im Ausland unter dem Namen "Marshall-Plan" zu
foerdern« Martin e r k l a e r t e , dass die Zusammenarbeit des CIO und seiner M i t g l i e d e r
e s ermoeglicht habe, engere Bande zwischen den Arbeitern der ganzen Welt zu knuepfen«
Er bat um i h r e laufende Ünterstuetzung auch i n Zukunft und s a g t e t

- k -

�"Die a m e r i k a n i s c h e A r b e i t e r s c h a f t nimmt e i n e fuehrende S t e l l u n g i n der
Welt e i n und muss s i c h i h r e r Verantwortung bewusst s e i n , die u n s das S c h i c k s a l
damit a u f e r l e g t h a t * I n s t a e n c i g e r Treue zu unserem eigenen Lande muessen wir
l e r n e n , auch u e b e r seine Grenzen h i n a u s zu s e h e n . Wir haben wie noch n i e zuvor
i n i n t e r n a t i o n a l e n Angelegenheiten e i n e S t e l l u n g i n n e , d i e n i e m a l s ohne v e r h e e r e n d e
Folgen f u e r d i e ganze Welt aufgegeben werden kann.
"Die Zusammenarbeit der f r e i e n A r b e i t e r d i e s e r Erde i s t u n e r l a e s s l i c h , wenn
F r e i h e i t , Ehre und A n s t a e n d i g k e i t b e s t e h e n b l e i b e n s o l l e n . Und gerade von den
G e w e r k s c h a f t s o r g a n i s a t i o n e n der V e r e i n i g t e n S t a a t e n e r w a r t e n d i e f r e i e n A r b e i t e r
d e r ganzen Welt V o r b i l d , F r e u n d s c h a f t und H i l f e . I c h w e i s s , d a s s wir s i e n i c h t
im S t i c h l a s s e n d u e r f e n . "
ECA Labor I n f o r m a t i o n
9 . November 1949

TOBIN BEGLUECKWUENSChT DAS INTIRN*TION*LE ARBEITSAMT
Der S e k r e t a e r im A r b e i t s m i n i s t e r i u m , M o r r i s J . T o b i n , beglueckwuenschte d a s
I n t e r n a t i o n a l e Arbeitsamt (ILO) zu seinem 3°» J a h r e s t a g am 29* Oktober 1949 i n
einem B r i e f , d e r an den G e n e r a l d i r e k t o r des ILO, David A. Morse, g e r i c h t e t i s t .
Es f o l g e n Auszuege aus diesem B r i e f t
"Dies i s t e i n e g r o s s a r t i g e G e l e g e n h e i t f u e r a l l e Menschen d i e guten W i l l e n s
sind und nach F r i e d e n und Wohlstand durch i n t e r n a t i o n a l e Zusammenarbeit s t r e b e n .
•Das I n t e r n a t i o n a l e i t r b e i t s a m t h a t i n der kurzen Z e i t s p a n n e s e i t s e i n e r
Gruendung d e r Welt bewiesen, d a s s Maenner und Frauen v i e l e r Nationen a l s V e r t r e t e r
der R e g i e r u n g , Unternehmer oder A r b e i t e r auf gemeinsamer B a s i s zusammenkommen
koennen, um u e b e r e i n e Verbesserung des Lebens- und A r b e i t s s t a n d a r d s a l l e r Menschen
auf d i e s e r Welt zu b e r a t e n . Die E r f o l g e des ILO l a s s e n a l l e Menschen h o f f e n , d a s s
v i e l e Weltprobleme durch solche gemeinsamen Bemuehungen g e l o e s t werden koennen.
V e r t r e t e r der R e g i e r u n g , A r b e i t g e b e r und A r b e i t e r aus 60 T e i l n e h m e r s t a a t e n haben
gemeinsame Abmachungen g e t r o f f e n , die f u e r d i e ganze Menschheit von Nutzen
sind und e i n h e i t l i c h e Regelung der A r b e i t s z e i t , der B e s c h a e f t i g u n g von J u g e n d l i c h e n ,
d e r Bezahlung und i n d u s t r i e l l e n S i c h e r h e i t der A r b e i t e r a n s t r e b e n . Mehr a l s 1000
s o l c h e r Abmachungen sind b e r e i t s r a t i f i z i e r t worden. D i e s e s E r g e b n i s h a t i n b e z e i c h n e n d e r Weise den Wert des ILO h e r a u s g e s t e l l t .
• I n v i e l e n T e i l e n der Welt l e b e n Menschen u n t e r annormal s c h l e c h t e n Lebensbedingungen. Ü B solche Zustaende zu bekaempfen, h a t P r a e s i d e n t Truman e i n neua r t i g e s Programm zur M i t h i l f e an d e r Entwicklung d i e s e r r u e c k s t ä n d i g e n G e b i e t e v o r g e s c h l a g e n . I h r Programm z u r g l e i c h m a e s s i g e h ' V e r t e i l u n g der A r b e i t s k r a e f t e i s t e i n
Vorkaempfer d i e s e s Programms w i r t s c h a f t l i c h e r E n t w i c k l u n g . Wir werden u n s an d i e
V e r e i n t e n Nationen und i h r e F a c h o r g a n i s a t i o n e n wenden mit c e r B i t t e , u n s zu h e l f e n ,
den r u e c k s t a e n d l g e n G e b i e t e n der Welt d i e modernen w i s s e n s c h a f t l i c h e n und t e c h n i s c h e n
F o r t s c h r i t t e n u t z b a r zu machen. Wir werden u n s besonders an das ILO wenden, da e s
u n s e r e Absicht i s t , der ganzen Menschheit durofc d i e s e s Programm zu h e l f e n .
• V i e l l e i c h t noch w i c h t i g e r a l s d i e s e konkreten E r f o l g e i s t der G e i s t der
Zusammenarbeit zwischen A r b e i t e r s c h a f t , Unternehmertum und R e g i e r u n g , den das ILO
g e s c h a f f e n h a t . Dieser Zusammenarbeit sind d i e e r z i e l t e n E r f o l g e zu verdanken.
S i e l a e s s t noch g r o e s s e r e E r f o l g e fuer d i e Zukunft e r h o f f e n . "
U.S. Arbeitsministerium
Labor P r e s s S e r v i c e
November 1949

�VTy.-KffiATgjlDENr DES AFL. Mr. M. WOLL. ZUR DBUTSQiLANDFRAGE

Mr. Matthew Woll, V i z e p r a e s i d e n t des Amerikanischen
Gewerkschaftsbundes AFL und V o r s i t z e n d e r des I n t e r n a t i o n a l e n Komitees im AFL, b e s u c h t e W e s t d e u t s c h l a n d ,
um s i c h e i n e n p e r s o e n l i c h e n U e b e r b l i c k u e b e r d i e h i e s i g e n V e r h a e l t n i s s e zu v e r s c h a f f e n . Seine Eindruecke
und Erfahrungen s o l l e n ihm und s e i n e n Kollegen im
Vorstand des AFL h e l f e n , z u k u e n f t i g e Massnahmen, d i e
s i c h auf Deutschland b e z i e h e n , b e s s e r b e u r t e i l e n zu
koennen.
Mr. Woll gab vor s e i n e r Abreise folgende E r k l a e r u n g abt
"Mein Besuch h i e r i n Westdeutschland war sehr l e h r r e i c h und a n r e g e n d . Besond e r s b e f r i e d i g e n d waren d i e z a h l r e i c h e n Besprechungen und Zusammenkuenfte, die i c h
mit Gewerkschaft s i u n k t i o n a e r e n und R e ^ i e r u n g s v e r t r e t e r n h a t t e . Die Entwicklung
der f r e i e n Gewerkschaftsbewegung i n den Westzonen h a t mich b e s o n d e r s s t a r k b e e i n d r u c k t . I n ganz k u r z e r Z e i t i s t e s den w e s t d e u t s c h e n Gewerkschaften g e l u n g e n ,
i h r e O r g a n i s a t i o n e n , d i e d a s Naziregime b e s e i t i g t h a t t e , wiederaufzubauen. Mehr
a l s d a s : d i e v e r s c h i e d e n e n Verbaende, d i e vor 1933 nach p o l i t i s c h e n und r e l i g i o e s e n
G e s i c h t s p u n k t e n g e t r e n n t waren, sind v e r e i n i g t worden, und man h a t e i n e gemeinsame
Gewerkschaftsbewegung i n s Leben g e r u f e n , d i e heute mehr a l s 5 M i l l i o n e n M i t g l i e d e r
z a e h l t . Es i s t der d r i t t g r o e s s t e Gewerkschaftsbund der Welt und s t e h t nur knapp
n i n t e r den amerikanischen und e n g l i s c h e n Verbaenden z u r u e c k . Die S t a e r k e d i e s e r
g r o s s e n demokratischen Bewegung i s t der b e s t e Garant fuer d i e Zukunft D e u t s c h l a n d s .
Ich b i n u e b e r z e u g t , d a s s e s d i e s t a e r k s t e o r g a n i s i e r t e Macht d a r s t e l l t , d i e b e r e i t
und i n der Lage i s t , e i n f r e i e s und d e m o k r a t i s c h e s Deutschland aufzubauen und
mit der u e b r i g e n Welt zur S i c h e r u n g e i n e s dauernden F r i e d e n s zusammenzuarbeiten«
"Es f r e u t mich, sagen zu koennen, d a s s i c h im Verlaufe meiner Besprechungen
mit fuehrenden d e u t s c h e n P e r s o e n l i c h k e i t e n i n n e r h a l b und a u s s e r h a l b d e r Regierung
immer wieder d i e E n t s c h l o s s e n h e i t und d a s e h r l i c h e B e s t r e b e n f e s t s t e l l e n k o n n t e ,
Deutschland zu einest n u e t z l i c h e n B e s t a n d t e i l der Weltgemeinschaft zu machen und
e s nach f r e i e n und demokratischen R i c h t l i n i e n zu o r g a n i s i e r e n . Es gab n a t u e r l i c h
manche M e i n u n g s v e r s c h i e d e n h e i t , aber im g r o s s e n und ganzen war der G e i s t d e r Zusammenarbeit unbedingt p o s i t i v und v i e l v e r s p r e c h e n d .
"Ich t r a f mit z a h l r e i c h e n Beamten der V e r e i n i g t e n S t a a t e n zusammen, deren
H a l t u n g und A r b e i t e b e n f a l l s einen g u e n s t i g e n Eindruck bei mir h i n t e r l i e s s e n . I c h
b i n u e b e r z e u g t , d a s s s i e i h r B e s t e s t u n , um den G e i s t d e r Demokratie i n Deutschland
zu f o e r d e r n . Das Demontageproblem war fuer mich von besonderem I n t e r e s s e und e s
i s t mir e i n e Genugtuung, d a s s e i n e b a l d i g e Beendigung der Demontierungen zu e r w a r t e n
i s t . I c h f r e u e mich mit den deutschen Gewerkschaftsfuehrern d a r u e b e r , d a s s d i e
Demontagepolitik e i n e r neuen R e v i s i o n u n t e r z o g e n w i r d , denn i c h w e i s s , dafS d i e E i n s t e l l u n g der Demontierungen n i c h t nur von g r o e s s t e r w i r t s c h a f t l i c h e r Tragweite i s t ,
sondern d a s s den Deutschen damit auch g r o e s s e r e F r e i h e i t i n i h r e r Selbstbestimmung
eingeraeumt w i r d .
•Ich s t e l l t e f e s t , d a s s die d e u t s c h e n Gewerls c h a f t s f u n k t i o n a e r e e i n e abwartende
und beobachtende H a l t u n g i n der Frage der e u r o p a e i s e h e n W i r t s c h a f t s e i n h e i t einnahmen.
Sie machen i h r e d i e s b e z u e g l i c h e E i n s t e l l u n g von der w e i t e r e n Entwicklung der Dinge
a b h a e n g i g . Ich habe den E i n d r u c k , s i e sind e r n s t h a f t b e s o r g t , d a s s d i e ehemaligen
Machthaber der d e u t s c h e n I n d u s t r i e wieder E i n f l u s s gewinnen koennen. S i e sind s i c h
d a r u e b e r im K l a r e n , d a s s a l l e Bemuehungen, das neue Deutschland i n d i e Familie der
demokratischen Voelker e i n z u g l i e d e r n , e r f o l g l o s b l e i b e n muessen, wenn man d e n s e l b e n
L e u t e n , d i e ftnueher d i e I n d u s t r i e und den Grosshandel b e h e r r s c h t e n , wieder e r l a u b t ,
d i e deutsche W i r t s c h a f t auf d i r e k t e m oder i n d i r e k t e n Wege i n d i e Hand zu bekommen«
Es d a r f ihnen weder o e f f e n t l i c h noch p r i v a t e r m o e g l i c h t werden, von neuem d i e Kont r o l l e der w i r t s c h a f t l i c h e n K r a f t q u e l l e n des Landes zu uebernehmen«
"Die Gewerkschaftsfuehrer Deutschlands haben n i c h t s gegen den B e i t r i t t Deutschl a n d s z u r Ruhrbehoerde einzuwenden, v o r a u s g e s e t z t , d a s s bestimmte S a t z u n g s ä n d e r u n g e n
vorgenommen werden. S i e bestellen vor a l l e m d a r a u f , d a s s neben dem Unternehmertum
und d e r R e g i e r u n g auch d i e Gewerkschaften d a r i n v e r t r e t e n s i n d .

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�•ferner brachten d i e deutschen Gewerkschaftsfuehrer mir gegenueber ihre
Hoffnung zum Ausdruck, Deutschland so bald wie moeglich im I n t e r n a t i o n a l e n A r b e i t s amt v e r t r e t e n zu sehen. Ich v e r s i c h e r t e s i e der v o l l e n Unterstuetzung des AFL i n
d i e s e r H i n s i c h t . Ich freue mich sehr, dass die deutschen Gewerkschaften auf dem
bevorstehenden Gruendungskongress des neuen Weltbundes der Freien Gewerkschaften
i n London v e r t r e t e n s e i n werden und bin ueberzeugt, dass mit der Eingliederung von
5 Millionen o r g a n i s i e r t e n deutschen Arbeitern i n d i e uebrige f r e i e Welt die I d e a l e
der F r e i h e i t und Demokratie w e s e n t l i c h gefoe.rdert werden.
"Ich war e r g r i f f e n , wie dankbar die deutschen Gewerkschaften fuer das H i l f s werk der AFL s i n d . Es f i n g mit den CARE Paketen an, a l s die Ernaehrungslage i n
Deutschland v e r z w e i f e l t war. wurde i n Form v i e l e r anderer Hilfsmassnahmen f o r t g e s e t z t und wurde s c h l i e s s l i c h zur p o l i t i s c h e n Unterstuetzung i n e i n e r Reihe von Ang e l e g e n h e i t e n . (Als B e i s p i e l sei die Demontagefrage h i e r angefuehrt).
"Die i d e o l o g i s c h e n Differenzen zwischen der deutschen und amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung werden nach und nach g e r i n g e r . Die amerikanischen Gewerkschaft e n bekennen s i c h zur f r e i e n W i r t s c h a f t , waehrend d i e Deutschen o f t noch s o z i a l i s t i s c h e n Gedankengaengen huldigen. Ihre j e t z i g e n s o z i a l i s t i s c h e n Vorstellungen
weichen jedoch w e s e n t l i c h von den frueheren a b . Die deutschen Gewerkschaften sind
s i c h der Gefahren e i n e r Buerokratie i n der Regierung bewusst und erkennen, dass
die Herrschaft solcher Butrokratie i n e i n e r e g e l r e c h t e Diktatur ausarten kann, f a l l s
das Volk seine Kontrolle ueber s i e v e r l i e r t «
"Ueberall konnte i c h f e s t s t e l l e n , wie sehr die deutsehen Gewerkschaftsfuehrer
darauf bedacht s i n d , dem Ausland zu z e i g e n , dass ihr Land nicht mehr i n den a l t e n
Gedankengaengen s t e c k t , sondern s i c h zu einem demokratischen Gebilde entwickeln
w i l l , das i n Frieden und Harmonie mit der uebrigen Welt l e b e n kann*
"Ein e r n s t e s Problem, mit dem s i c h das deutsche Volk noch zu b e f a s s e n haben
w i r d , i s t die v o e l l i g e Umgestaltung s e i n e s Beamtensystems. Tiefgehende Versenderungen
muessen h i e r vorgenommen werden, um eine Wiederholung der Fehler der Weimarer Republik
zu vermeiden, und um den deutschen Beamten t a t s a e c h l i c h zu einem Diener des Volkes
zu machen. Im S t a a t s d i e n s t kann kein Platz fuer Leute s e i n , die n i c h t g e w i l l t s i n d ,
der neuen demokratischen Republik mit e h r l i c h e r und a u f r i c h t i g e r Treue zu dienen.
"Ich moechte e r k l a e r e n , dass loh i n v o l l e r Uebereinstimmung mit Mr. Paul G.
Hoffman, dem Administrator der FCA, fuer die B e s e i t i g u n g der europaeisehen Handels- .
schranken b i n , denn das i s t e i n e der e r s t e n Voraussetzungen, wenn man i n Suropa
eine gesunde w i r t s c h a f t l i c h e Grundlage schaffen w i l l . Ein f r e i e r Warenaustausch
waere fuer a l l e Laender Europas von V o r t e i l und wuerde e i n Weg s e i n , die deutsche
Wirtschaft i n einen gesamteuropaeisehen Wirtschaftsblock e i n z u g l i e d e r n .
"Ich bedaure e s a u s s e r o r d e n t l i c h , dass ich i n f o l g e Zeitmangels B e r l i n keinen
Besuch a b s t a t t e n konnte. Eine engere Verbindung der westdeutschen Republik mit
B e r l i n i s t von g r o e s s t e r W i c h t i g k e i t , und ich h o f f e , dass man Mittel und Wege finden
w i r d , um B e r l i n zu einem f e s t e n B e s t a n d t e i l des Westens zu machen«
"Bevor ich Frankfurt v e r l a s s e , moechte i c h meiner Anerkennung fuer d i e Arbeit
der amerikanischen Gewerkschaftsangestellten, d i e j e t z t dem amerikanischen Hohen
Kommissar
i n Deutschland a l s Ratgeber zur S e i t e s t e h e n , hiermit Ausdruck verleihen«
Noch e i n l e t z t e s Wert zur Stellungnahme der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
zum Marshall Plant die kommunistische Propaganda versucht immer noch, den Marshall
Plan a l s e i n Werkzeug der Wall S t r e e t zu verdaechtigen« Ich moechte hiermit f e s t s t e l l e n , dass die im Marshall Plan verwirklichten Ideen b e r e i t e vor dem Einsetzen
des ERP Hilfsprogramms und vor der beruehmten Rede des General Marshall i n der
Harvard U n i v e r s i t a e t im Programm der AFL ihren Niederschlag gefunden hatten« Der
Marshall Plan f i n d e t nicht nur die v o l l e Unterstuetzung des AFL, CIO und der uebrigen
f r e i e n amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, sondern i s t t i e f i n dem Herzen und Geist
der amerikanischen Arbeiterschaft verankert."

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�ERFAHRUNGSAUSTAUSCH ZUM ZWECKE DER

JBSMBlSSiSESBSSEBBk

Einem Bericht der Marshall Plan Verwaltung (ECA) zufolge wird auf 2;0 verschiedenen Arbeitsgebieten ein technischer Erfahrungsaustausch unter den Marshall Plan
Laendern durchgefuehrt, um eine Erhoehung der A r b e i t s - und Produktionsleistung zu
erreichen.
Die Gewerkschaftler dieser Laender, die die Vereinigten Staaten im Rahmen
dieses Programms besucht haben, sind an diesen Projekten der ECA b e t e i l i g t » Augenb l i c k l i c h weilen englische und niederlaendisehe Gewerkschaftler zum Studium amerikanischer Produktionsmethoden i n den Vereinigten Staaten. Ihre Aufgabe i s t e s ,
f e s t z u s t e l l e n , welche dieser Methoden in ihren eigenen Industrien zur Anwendung
gebracht werden koennen.
I n dem ECA Bericht wird betont, dass dieser gegenseitige Erfahrungsaustausch
fuer beide Teile von Nutzen i s t . Die europaeischen Besucher i n den Vereinigten
S t a a t e n , die nach Anregungen fuer die Industrien i h r e s eigenen Landes suchten,
haben oft wertvolle Vorschlaege zu Verbesserungen i n amerikanischen Betrieben
gemacht.
Im Rahmen des "Technical Assistance Program," dessen Durchfuehrung i n l e t z t e r
Z e i t i n t e n s i v i e r t wurde, befinden sich augenblicklich etwa 200 europaeische Sachverstaendige i n den Vereinigten S t a a t e n . Weitere 200 haben i h r e Studien dort beendet und sind nach Europa zurueckgekehrt.
Schaetzungen der ECA zufolge sind ausserdem 200 amerikanische Techniker i n
Europa, um amerikanische Produktionsmethoden ueberall dort anzuwenden, wo sie gebraucht und gewuenscht werden.
Die Marshall Plan Verwaltung hat mehr a l s 85 AustauschProjekte g e b i l l i g t
und ueberprueft augenblicklich etwa 200 weitere Gesuche aehnlicher Art aus den
Marshall Plan Laendern.
Die im ECA Programm vorgesehene Technische Unterstuetzung umfasst u . a . folgende
Gebietei I n d u s t r i e l l e Produktionsleistung, V e r t r i e b , Forschungsmethoden; Produktionsl e i s t u n g , Arbeitsverfahren und Vertrieb i n der Landwirtschaft; der Arbeitsoekonomie
und Arbeitsbedingungen; Verbesserung der oeffentlichen Verwaltung; finanzpolitische
Methoden und WirtSchaftsberichte.
Die Besuchergruppen i n den Vereinigten Staaten bestanden aust Oesterreichisehen
Sachverstaendigen der Holzbearbeitung, deutschen Spezialisten der TreibstoffProdukt i o n und des Maschinenbaus; daenischen Gewerkschaftlern; franzoesischen Technikern
fuer schwere elektrische Einrichtungen und Fachleuten der E i s e n g i e s s e r e i i g r i e c h i schen Sachverstaendigen zum Studium der Bodenverbesserung; i t a l i e n i s c h e n Gewerks c h a f t l e r n ; hollaendisehen Spezialisten der Keramik und des Wasserbetonbaus; Gewerkschaftler; Techniker fuer Grubeninstandsetzung, Huettenwesen, S t a h l - und
Papierherstellung aus Norwegen; schwedischen Gewerkschaftlern; tuerkischen Ingenieuren
fuer Wasserkraft und Vertretern der stromerzeugenden I n d u s t r i e der Schweiz.
Unter der Schirmherrschaft der ECA und des Anglo-Amerikanisehen P r o d u k t i v i t a e t s ausschusses haben 12 Besuchergruppen,, bestehend aus Vertretern der Gewerkschaften,
Unternehmer und Techniker, Beobachtungen i n den folgenden Industriezweigen anges t e l l t i S t a h l g i e s s e r e i , Kunstbaumwoll-Weberei, Gesenkschmiedung, Metallpressung,
Baumwolltextilien, Verbrennungsmotors, Konfektion, e l e k t r i s c h e Energie, Herstellung
von Kunstduengern und Produktiönsmethoden der Industrie und Materialtransport mit
mechanischen H i l f s m i t t e l n .
Die landwirtschaftlichen Studien befassen sich mit Saatgutveredelung, Molkereiproeukten, landwirtschaftlichen Maschinen, Bodenbearbeitung, Viehhaltung, Aufforstung
und ansteckenden Krankheiten unter Schweinen und Gefluegel.
Ausserdem widmen sich Regierungsvertreter der b e t e i l i g t e n Laender i n den Vereinigten Staaten dem Studium der Verwaltungsmethoden, Verwaltung des Budget, der
P e r s o n a l p o l i t i k , des oeffentlichen Gesundheitsdienstes, S t a t i s t i k und Finanzwesen.
Amerikanische Experten stehen den Marshall Plan laendern a l c Berater fuer
folgende Fragen zur S e i t e ; Molkereiverfahren i n Daenemark, landwirtschaftliche
8 -

�P r o d u k t i o n i n der Bizone Deutschlands und i n I t a l i e n , Kohleersparung und Ausdehnung der S a l z i n d u s t r i e i n der Tuerkei und fuer Krafterzeugung durch Waerme,
Versorgung mit E l e k t r i z i t a e t , S t a h l e r z e u g u n g , Nachrichtenwesen und moderne B e t r i e b s methoden i n G r i e c h e n l a n d .
JflaRSriALL PL*N UND EUROPAEISCHER WIEDERAUFBAU
Eine Rede d e s B e r a t e r s f u e r A r b e i t und Gewerkschaftsfragen i n d e r ECA,
C l i n t o n S . Golden, vor dem N a t i o n a l k o n g r e s s d e s CIO i n C l e v e l a n d , Ohio«
Der M a r s h a l l P l a n i s t nun 18 Monate a l t , und v i e l e Probleme i n Europa sind
durch i h n mit Umsicht und Hingabe g e l o e s t worden. Die moderne Welt i s t so eng m i t e i n a n d e r verbunden, d a s s man d i e s e Probleme i n zunehmendem Masse a l s u n s e r e eigenen
bezeichnen kann.
I c h raoechte kurz von den E r f o l g e n i n Europa b e r i c h t e n , d i e a l s Folge des M a r s h a l l
P l a n e s zu vierten s i n d . Man darf n i c h t v e r g e s s e n , d a s s d i e s e r P l a n e r s t s e i t l i J a h r e n
f u n k t i o n i e r t und nur noch 2\ J a h r e v e r b l e i b e n , um u n t e r diesem P l a n am Wiederaufbau
Europas zu a r b e i t e n . Die B e r i c h t e z e i g e n schon j e t z t bemerkenswerte E r f o l g e , a b e r
e s b e s t e h e n noch gewisse Probleme, d i e offen besprochen werden muessen»
Was v e r s t e h e n wir u n t e r dem B e g r i f f •Wiederaufbau"'? Es g i b t a u g e n b l i c k l i c h
keinen Masstab, mit dem man den Wiederaufbau messen k o e n n t e . Eine Reihe v e r s c h i e dener F a k t o r e n s p i e l e n dabei e i n e R o l l e .
Das a l l e r e r s t e Problem, das g e l o e s t werden n u s s t e , war d i e L e b e n s m i t t e l v e r sorgung der h u n g r i g e n , u n t e r e r n a e h r t e n Menschen i n den vom Kriege b e t r o f f e n e n
M a r s h a l l P l a n Laendern. Die A r b e i t e r h a t t e n fuer s i c h und i h r e F a m i l i e n n i c h t g e nuegend Nahrung, und man konnte d e s h a l b auch keine besondere P r o d u k t i o n s l e i s t u n g
e r w a r t e n . Und wo n i c h t p r o d u z i e r t w i r d , kann n a t u e r l i c h auch n i c h t aufgebaut werden»
Desüalb mussten i n der e r s t e n Z e i t f a s t 6o?g der im M a r s h a l l P l a n z u r Verfuegung
g e s t e l l t e n Subventionen f u e r L e b e n s m i t t e l und andere Lebensnotwendigkeiten verwendet
werden.
Europa stand vor d e r Aufgabe, wieder zu p r o d u z i e r e n , und darum mussten seine
F a b r i k e n wieder i n Gang gebracht werden. H e u t e , d r e i J a h r e nach dem K r i e g e , h a t
d i e P r o d u k t i o n d e r M a r s h a l l - P l a n - L a e n d e r i h r e n b e s t e n V o r k r i e g s s t a n d um 13% und mehr
u e b e r t r o f f e n . J e d e r wird zugeben, d a s s d i e s eine hervorragende L e i s t u n g i s t , b e s o n d e r s wenn man b e d e n k t , d a s s die ausgebombten B e t r i e b e wieder aufgebaut und d i e
E i n r i c h t u n g e n m o d e r n i s i e r t werden mussten. Ausserdem waren d i e A r b e i t e r nach den
Anstrengungen und Entbehrungen der langen K r i e g s j a h r e v o e l l i g e r s c h o e p f t .
Trotz
alledem h a t die P r o d u k t i o n Europas mit H i l f e des M a r s h a l l P l a n e s u n s e r e b e s t e n E r wartungen n i c h t nur b e s t a e t i g t , sondern sogar u e b e r t r o f f e n »
Der e u r o p a e i s c h e Wiederaufbau kann jedoch l e i d e r n i c h t nur nach der P r o d u k t i o n
b e w e r t e t werden. Fuer d i e e r z e u g t e n Waren muessen Absatzmaerkte zur Verfuegung s t e h e n ,
d i e - wenigstens f u e r den Augenblick - im Ausland g e s u c h t werden muessen. An Hand
e i n e s B e i s p i e l s kann i c h d i e s am b e s t e n e r k l a e r e n »
England i s t e i n k l e i n e s Land, ungefaehr so g r o s s wie I n d i a n a . Es rauss import i e r e n , um s e i n e 40 M i l l i o n e n Einwohner e r n a e h r e n zu koennen. Die e r f o r d e r l i c h e n
Nahrungsmittel koennen n i c h t im Lande s e l b s t e r z e u g t werden; ebensowenig sind d i e
f u e r c i e I n d u s t r i e u n e r l a e B e l i e h e n Rohstoffe vorhanden. England muss a l s o von
anderen Laendern i m p o r t i e r e n . Dazu b r a u c h t e s F r a n k e n , Gulden bezw» D o l l a r s , um
d i e Erzeuger und Bauern i n F r a n k r e i c h , Holland bezw. den V e r e i n i g t e n S t a a t e n oder
a n d e r e r L a e n d e r , mit denen e s Handel t r e i b t , bezahlen zu koennen»
Woher bekommt England D o l l a r s ? Die m e i s t e n v e r d i e n t e s durch den Verkauf
e n g l i s c h e r Waren an d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n » Damit kann e s dann dem amerikanischen
Bauern und Erzeuger d i e Gueter b e z a h l e n , d i e e s von i h n e n kaufen muss, um das e n g l i s c h e Volk e r n a e h r e n und s e i n e I n d u s t r i e i n Gang h a l t e n zu koennen» H i e r u e b e r
muessen wir uns z u e r s t k l a r werden, wenn wir e i n e Reihe w e i t e r e r Vorgaenge v e r s t e h e n wollen»

- 9

�Wenn nun zum B e i s p i e l d i e Vereinigten S t a a t e n von England und der uebrigen Welt
n i c h t s kaufen, dann koennen d i e s e Laender auch nicht von uns kaufen. Die Einfuhr
bestimmter Waren aus den Vereinigten S t a a t e n i s t fuer Europa jedoch lebensnotwendig.
Wenn wir s i e Europa versagen, so wird e i n rapides Absinken s e i n e s Lebensstandards
die unvermeidliche Folge s e i n . In Anbetracht des a u g e n b l i c k l i c h schon sehr niedrigen
Lebensstandards waere e i n w e i t e r e s Sinken fuer die Laender Europas kaum tragbar.
Andererseits s o l l t e n wir nicht v e r g e s s e n , dass d i e s e s Geld, das die Vereinigten Staaten
an andere Laender fuer importierte Waren bezahlen, s c h l i e s s l i c h hierher ( U . S . ) zurueckkommen und unsere inlaendisehen Absatzmaerkte beleben wird.
Ungeachtet d i e s e r einleuchtenden Tatsache i s t e s notwendig, die westeuropaeisehen
Laender von der Notwendigkeit auslaendischer Absatzmaerkte i n genuegendem Umfang zu
ueberzeugen. Hier erwaechst dem Suropa Hilfsprogramm seine g r o e s s t e Aufgabe. Bevor
s i e nicht g e l o e s t i s t , i s t e s a u s g e s c h l o s s e n , dass Westeuropa b i s 1952 w i r t s c h a f t l i c h
s e l b s t s t a e n d i g werden kann.
Wir haben f e s t g e s t e l l t , warum die Marshall Plan Laender im Ausland Absatzmoegl i c h k e i t e n fuer ihre g e s t e i g e r t e Produktion finden nuessen. Die Frage i s t « Wo sind
s i e zu finden?
Erstens s t e l l t Westeuropa mit seinen 275 Millionen Bewohnern s e l b s t einen r i e s i gen Absatzmarkt dar. Hier bestehen jedoch noch Handelsschranken, die die europaeische Wirtschaft i n etwa 20 verschiedene T e i l e z e r l e g e n . Deshalb befuerworten wir
die Schaffung der Vereinigten Staaten Europas, da das die Beseitigung d i e s e r Schranken
bedeuten wuerde. Ich nehme an, dass das amerikanische Volk diese Notwendigkeit
wahrscheinlich besser erkennt a l s die Europäer, da e s aus eigener Erfahrung w e i s s ,
was e s h e i s s t , einen Grossabsatzmarkt zu b e s i t z e n , der s i c h von Maine b i s nach
K a l i f o r n i e n e r s t r e c k t . Koennen S i e s i c h v o r s t e l l e n , was s i c h i n der amerikanischen
Wirtschaft mit ihrer Massenproduktion e r e i g n e n wuerde, wenn jeder der 48 S t a a t e n
s e i n e eigene Waehrung, eigenen Handelsbestimmungen und Z o e l l e haette? Der gesamte
amerikanische Handel wuerde zu einem B r u c h t e i l dessen r e d u z i e r t , was er heute i s t ,
und das Ergebnis waere e i n rapides Absinken des Lebensstandards a l l e r Amerikaner.
So s i e h t e s im heutigen Europa -aber t a t s a e c h l i c h a u s . Die Methoden der Massenproduktion koennen nur i n geringem Masse angewendet werden, weil der entsprechende
Absatzmarkt f e h l t . Wenn die bestehenden Handelsschranken b e s e i t i g t werden koennten,
h a e t t e man e s nicht mehr mit Tausenden, sondern mit Millionen von Verbrauchern zu t u n .
Es i s t deshalb nicht verwunderlich, dass die Marshall Plan Verwaltung so grosse
Betonung auf die Entwicklung einer europaeisehen W i r t s c h a f t s e i n h e i t l e g t .
Die dabei auftauchenden Schwierigkeiten sind keineswegs zu unterschaetzen. Es
bedarf uebermenschlicher Anstrengungen der europaeisehen Staatsmaenner, um s i c h ueber
g e s c h i c h t l i c h e Traditionen und das Gewicht der Jahrhunderte hinwegsetzen zu koennen.
Gelingt e s jedoch n i c h t , dann wird Europa vor einem Chaos stehen. Chne w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit wuerden die Laender Westeuropas mehr und mehr i s o l i e r t werden,
und e i n bedrohliches Absinken des Lebensstandards nach Beendigung des Marshall Planes
waere die unvermeidliche F o l g e .
Die Regierungen der Marshall Plan Laender sind i n d i e s e r Hinsicht schon einen
g r o s s e n S c h r i t t vorwaerts gekommen. In der CEEC (Organisation fuer Europaeische
W i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit) beraten Vertreter a l l e r ERP Laender gemeinsam, wie
die zur Verfuegung stehenden Marshall Plan Fonds unter ihnen zu v e r t e i l e n s i n d .
Leider s c h e i n t e s nicht ganz einfach zu s e i n , wenn 16 hungrige Personen e i n e kleine
Pastete unter s i c h bruederlich t e i l e n muessen»
Wenn man s i c h dennoch einigen konnte, so i s t das e i n Beweis g r o s s e r s t a a t s maennischer F a e h i g k e i t e n . Die Zusammenschaltung der Wirtschaften Europas i s t jedoch
noch nicht v o l l z o g e n , und auf diesem Gebiet b l e i b t noch v i e l e s zu t u n .
In den vergangenen Wochen haben e i n i g e europaeische Laender niedrigere Z o e l l e
angekuendigt. Als i n t e r e s s i e r t e Zuschauer koennen wir d i e s e wichtigen Beschluesse
nur begruessen. Aber zur g l e i c h e n Z e i t muessen wir Westeuropa zu noch groesseren
Bemiehungen anspornen, wenn die g e s t e c k t e n Z i e l e e r r e i c h t werden s o l l e n .
ECA Labor Information
2 . Növetfber 1949
- 10 -

�UHT£RNKtiMSH ZUM GEKERKSCHAFTSWESBN IN DEN U . S .
Der Direktor des I n a t i t u t e s fuer Arbeitsfragen an der
U n i v e r s i t a e t i n I l l i n o i s , Prof. W, E l l i s o n Chalmars,
sprach kuerzlich ueber d i e R o l l e , d i e den Gewerkschaften
i n der Zukunft z u f a l l e n w i r d . Wir geben e i n i g e Auszuege
d i e s e s Vortrags w i e d e r , die er vor einer Versammlung des
I . A . M# ( I n t e r n a t i o n a l e r M e t a l l a r b e i t e r Verband) gehalten
hat.
Nach dem e r s t e n Weltkrieg s t e l l t e n s i c h v i e l e Grossunternehmer auf den Standfunkt, dass ihre I n t e r e s s e n und - so behaupteten s i e - auch die des Landes am besten
gewahrt wuerden. wenn man das Gewerkschaftswesen bekaempfte. S i e g r i f f e n t e i l w e i s e
die Gewerkschaften direkt a n . Auch versuchten s i e , d i e Arbeiter davon zu ueberzeugen«
d a s s "unabhaengige" Vereinigungen ihre I n t e r e s s e n am besten v e r t r e t e n koennten. Ich
vermute, dass e i n e solche Wiederholung solcher direkten Angriffe der Unternehmer auf
die Gewerkschaften i n b e a b s i c h t i g t e r oder unbeabsichtigter Form unwahrscheinlich i s t .
Meiner Meinung nach haben v i e l e Unternehmer erkannt, dass die Gewerkschaft e i n
unvermeidlicher Faktor i n den Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und A r b e i t nehmern s i n d . Viele haben sich eben ueberzeugt, dass das sowohl vom Standpunkt, des
Unternehmers a l s auch des A r b e i t e r s aus e i n wuenschenawertes Verhaeltnis i s t .
Wenn die Gewerkschaften auch nicht mit der Wiederholung des schweren Angriffs
von 1920, der auf der ganzen L i n i e gefuehrt wurde, zu rechnen haben, so muessen s i e
s i c h doch auf dauernde und sogar wachsende Bestrebungen gewisser Unternehmerkreise
g e f a e s t machen, die darauf z i e l e n , die Treue der Gewerkschaftsmitglieder zu u n t e r graben.
Die Gewerkschaftsbewegung erachtet e s demgegenueber nicht nur fuer wuenschenswert sondern fuer d i r e k t notwendig, s i c h nicht mit den Unternehmern herumzuschlagen,
sondern mit ihnen zusammenzuarbeiten. S i e muss a l l e s t u n , um ihren Einf l u s s bei
Kollektiv-Verhandlungen zu wahren und w e i t e r e n t w i c k e l n , um s i c h mit den Unternehmern
messen zu koennen. Je naeher die Gewerkschaften diesem Z i e l e 1 kommen und j e groesser
ihre Einf lussnahme auf wichtige Entscheidungen der Unternehmer wird, um so mehr muessen
s i e s i c h vergegenwaertigen, welchen Schlag s i e mit ihren Forderungen dem Unternehmer
versetzen.

DIE SPiiMNE ZWISCHEN PREISEN UND LOEHNEN
Das U . S . Arbeitsministerium hat in der Z e i t von Oktober 1948 b i s April 1949
eine Untersuchung durchgefuehrt, um die Kaufkraft der Arbeiter fuer Lebensmittel
i n 19 verschiedenen Laendern zu e r m i t t e l n .
Das Ergebnis z e i g t an e r s t e r S t e l l e A u s t r a l i e n mit der d u r c h s c h n i t t l i c h hoechsten
Kaufkraft. Ihm f o l g e n die Vereinigten S t a a t e n , Norwegen, Kanada, Daenemark, Grossb r i t a n n i e n , Schweden, Finnland, Schweiz, I s r a e l , Tschechoslowakei, I r l a n d , C h i l e ,
Frankreica, Ungarn, Deutschland ( B i z o n e ) , I t a l i e n , Oesterreich und Russland.
Man hat ferner f e s t g e s t e l l t , dass die Kaufkraft e i n e s Stundenlohns der Arbeiter
i n Kanada, England und Skandinavien ?0 b i s 9056 derjenigen amerikanischer Arbeiter
b e t r a e g t , wogegen der r u s s i s c h e Arbeiter v i e r - b i s siebenmal solange wie der amerikanische a r b e i t e n muss, um die g l e i c h e Menge Lebensmittel kaufen zu koennen.
Mitteilungen des U . S . Arbeitsministeriums zufolge i s t zu erwarten, dass die
Abwertung des b r i t i s c h e n Pfund S t e r l i n g und anderer Waehrungen Verschiebungen im
Lohn-Preisverhaeltnis i n d i e s e n 19 Laendern hervorrufen w i r d , aber grundlegende
Umwaelzungen sind i n der naechsten Zukunft nicht zu erwarten.
Es war unmoeglich, i n a l l e n F a e l l e n genaue Angaben ueber den Durchschnittslohn zu bekommen. Ebenso konnte nicht f e s t g e s t e l l t werden, wie s i c h die Qualitaet
der auslaendisehen Lebensmittel g l e i c h e r P r e i s l a g e zur C^ialitaet der amerikanischen
Lebensmittel v e r h a e l t . Man bezeichnete darum die Vergleiche a l s "annaehernd*.
- 11 -

�Das Statistische Buero des Arbeitsministeriums setzte 100 a l s den amerikanischen Index und berechnete die Kaufkraft der Arbeiter in den uebrlgen Laendern
im Verhaeltnis dazu. Hier sind die Ergebnisset
Australien 109, Norwegen 88, Kanada 84, Daenemark 80, Grossbritannien 71t
Schweden 69, Finnland 52t Schweiz 51t Israel 51t Tschechoslowakei 48. Irland 45t
Chile 36, Frankreich 35, Ungarn 33, Deutschland (Bizone) 3 2 , I t a l i e n 24, Oesterreich 23 und Russland 18.
In diesen Zahlen sind die Familienunterstuetzungen nicht berueckalchtigt,
die i n Frankreich, Oesterreich, I t a l i e n und Schweden an Arbeiter mit Familien
gezahlt werden. Sine entsprechende Berichtigung wuerde eine wesentliche Er«
hoehung der Kaufkraft in diesen Laendern ergeben, heisst es in dem Bericht»
Tagesbericht des U.S. Informationsdienstes.

- 12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

OFFICIAL

Imcoa, 9 - 3'ioi, iAn&gt;. o«o. »9. U « )

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dia folgenden Artlkal etellea Auszüge ans dar amarikaalschaa Praaaa und aadaraa Qaallaa dar aad dlaaaa
dar Information dänischer Redakteure, dar Gawarkachaliaa, Gawarkachaitaachntaa oad daraa Mitglieder.
Voa diesem Material kaaa uneingeschränkt Gsbrauch gamacht werden.
Weiters Exsmplsrs können kostsnlos bsi
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angefordert wsrden. Auf Wunsch werden disse auch «iaislaaa Intereseenten direkt durch dis Post zugeleitet.
Dar Inhalt dar „Arbeitsmlttsilungan" lat nicht als offizielle Meinung odar Stellungnehme dar amsriksnischen
Militärregierung, noch irgendeiner Diaaststella dar Regierung der Vereiaigtea Staatea aufzufassen.

I I • 41

Frankfurt,
I N H A L T S V E R Z E I

CHNI

1 6 . Dezember 1949

S

E n g l i s c h e Studiengruppe i n den U . S . - - - - - - - - - Neue I n t e r n a t i o n a l e zum Marshall P l a n - - - - - - - - Das U . S . A r b e i t s m i n i s t e r i u m - - - - - - - - - - - - - Neue CIO Gewerkschaft bekennt s i c h zum M a r s h a l l P l a n - CIO Fuehrer s p r i c h t z u r Frage d e s W i r t s c h a f t s f r i e d e n s F a i r Deal fuer e i n b e s s e r e s Leben - - - - - - - - - - I n t e r n a t i o n a l e Verbundenheit - - - - - - - - - - - - Grubenholz a u s den Tropen? - - - - - - - - - - - - - -

1
2
2
7
9
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12

ENGLISCHE STUDIENGRUPPE IN DEN U . S .
B e r t M. J e w e l l , B e r a t e r fuer A r b e i t s f r a g e n des M a r s h a l l P l a n s i n Washington,
e r k l a e r t e vor e i n e r Besuchergruppe e n g l i s c h e r G e w e r k s c h a f t l e r , d a s s e i n e g e s t e i g e r t e P r o d u k t i c n i n Europa " n i e d r i g e r e P r e i s e und hoehere Einkommen mit
s i c h b r i n g e n o u e s s e . Dies waere e i n e gesunde G r u n d l a g e , auf der s i c h e i n
Volk e i n e n hoeheren Lebensstandard aufbauen koenne."
Die b r i t i s c h e D e l e g a t i o n k o n f e r i e r t e waehrend i h r e s 6-woechigen Aufe n t h a l t e s i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n mit Regierungsbeamten und Gewerkschuftsf u n k t i o n a e r e n , um zu u n t e r s u c h e n , i n welchem Maese d i e a m e r i k a n i s c h e n Gewerks c h a f t e n an d e r P r o d u k t i o n s s t e i g e r u n g b e t e i l i g t f i n d .
Bei e i n e r Prepsekonferenz s a g t e W i l l i a m J o n e s , der Wortfuehrer der Gruppe,
d a s s s i c h d i e s e R e i s e f u e r d i e W i e d e r a u f r i c h t u n g der e n g l i s c h e n W i r t s c h a f t a l s
sehr f r u c h t b r i n g e n d e r w e i s e n werde.
J o n e s , der S e k r e t a e r der N a t i o n a l e n Gewerkschaft der B e r g l e u t e Englands
i s t , v e r s i c h e r t e , d a s s s e i n e B e g l e i t e r den f e s t e n Glauben h a e t t e n , " e i n e n g r o s s e n
B e i t r a g zum Wiederaufbau der e n g l i s c h e n W i r t s c h a f t " a l s E r g e b n i s i h r e r U n t e r suchungen i n den S t a a t e n l e i s t e n zu koennen.
ECA Labor I n f o r m a t i o n
1 6 . November 1949

- 1 -

�NEUE INTERNATIONALE ZUM MiBSHALL PLAN
Als Moskau den Osteuropas!sehen Laendern die Teilnahme am Marshall Plan
verweigerte, war die endgueltige Spaltung des Weltgewerkschaftsbundes WFTü besiegelt»
und der Schaffung einer neuen, freien Gewerkschaftsinternationale stand nichts mehr
im Wege, erklaerte Paul Finet (Belgien), vor Delegierten des Londoner OrganisationsKongresses des neuen Weltgewerkschaftsverbandes»
Finet, der Vorsitzende der Konferenz, fuehrte i n seiner Botschaft aus:
"Es gab inner noch Leute, die verzweifelte Anstrengungen zur Aufrechterhaltung
der Einheit des WFTU machten und deshalb versuchten, fuer die stalinistischen I n t r i gen i n dieser Organisation entschuldigende Erklaerungen zu finden. Auch bei ihnen
duerften durch die Haltung Moskaus zum Marshall Plan die letzten Zweifel beseitigt
sein* Nichts anderes a l s die Stellungnahme Ruselands zum Wiederaufbau Programm
in den demokratischen Laendern fuehrte die endgueltige Aufspaltung des WFTU herbei«
"Die Konmunisten erkannten, dass die Wiederaufrichtung der europaeisehen
Wirtschaft ihren Stoerungsversuchen e i n Ende machen wuerde und versuchten deshalb
auf Befehl Moskaus, den WFTü ins Schlepptau zu nehmen« Diese Tendenz trat deutlich
zutage, a l s unsere Kollaborationsversuche im Oktober 1945 endgueltig scheitern
mussten«"
Arthur Dsakin, Grossbritannien, legte im Namen des Vorbereitungsausschusses
dem Kongress einen Bericht vor, in dem an erster S t e l l e die Bedeutung des Marshall
Planes und die finanziellen Zuwendungen amerikanischer Gewerkschaften fuer die vom
Kriege betroffenen Laender hervorgehoben wurde« "Es handelt sich dabei nicht um
wohlklingende Phrasen," sagte er, "sondern um wirklich fuehlbare Hilfe«"
Evert Kupers, ein Veteran der hollaendisehen Gewerkschaftsbewegung, sagte in
seinem Bericht ueber die vom Vorbereitungsausschuss vorgeschlagene Verfassung unter
anderem:
"In der naechsten Zukunft werden wir e s zweifellos erleben, dass die Kommunisten versuchen, Streiks vom Zaune zu brechen« Ich sehe darin erstens einen
direkten Angriff auf unsere Gewerkschaftsbewegung und zweitens einen Sabotageakt
am wirtschaftlichen Wiederaufbau und zwar vornehmlich in den westeuropaeisehen Laendern, wo dank der Marshall Hilfe so grosse Fortschritte e r z i e l t werden konnten«"
ECA Labor Information
30« November 1949
B*SU.S. ARBEITSMINISTERIUM (Von Maurice J . Tobin, Arbeitsminister)
(Da in Deutschland der Aufbau der Arbeitsministerien in Bund und Laendern von
groesster Bedeutung fuer die Arbeiterbewegung i s t , veroeffentliehen wir nachstehend
einen Artikel des amerikanischen Arbeitsministers in dem er zu Reformen des U.S.
Arbeitsministeriums Stellung nimmt«)
Wenn man sich von dem Wesen un der Beschaffenheit des Arbeitsministeriums
ein Bild machen w i l l , muss man von den folgenden drei Gesichtspunkten ausgehen:
Welche Aufgaben hatte das Ministerium in der Vergangenheit? Welche Stellung
nimmt e s heute ein? Und welchen Einfluss muesste es heutzutage a l s eine der bedeutendsten exekutiven Behoerden auf die Gestaltung und Handhabung der Staatspolitik
au sueben?
Die exekutiven Funktionen der Bundesregierung auf dem allgemeinen Gebiet der
Arbeit wurden im Jahre 1903 zum erstenmal statutmaessig im Kabinett f e s t g e l e g t . Sie
bildeten jedoch nur einen verhaeltnlemaessig geringen Bestandteil des Department
of Commerce and Labor (Handels-und Arbeitsministerium), und die Taetigkeiten des
- 2

�neuen Ministeriums b e s c h r ä n k t e s i c h i n e r s t e r Linie auf die des frueheren Bureau
of Labor. D i e s e s Buero war im Jahre 1884 a l s T e i l des Innenministeriums gegründet
worden und wurde 1888 a l s Department of Labor unabhaengig. Es gehoerte jedoch
nicht zum Kabinett und h a t t e dementsprechend auch nicht d i e Exekutivgewalt der
uebrigen M i n i s t e r i e n .
Die Aufnahme des Arbeitsministeriums i n s Kabinett a l s s e l b s t s t a e n d i g e s Mitglied
e r f o l g t e im Jahre 1913» w a s eine natuerliche und unvermeidliche Folge der Probleme
jener Z e i t d a r s t e l l t . Der rapiden Ausdehnung der I n d u s t r i e , dem Entstehen grosser
Unternehmen, der wachsenden Bedeutung der Klasse der Lohnempfaenger und besondere
der g e s t e i g e r t e n Einflussnahme der Gewerkschaften wurde damit Rechnung g e t r a g e n .
Mit der Gruendung des Ministeriums fuer Landwirtschaft (Department of Agrieulture) im Jahre 1862 war die Anerkennung der besonderen I n t e r e s s e n und Beduerfnisse
der Bauern zum Ausdruck gekommen. Zu jener Z e i t b i l d e t e d i e Landwirtschaft den
Hauptbestandteil der Wirtschaft des Landes. 1889 e r h i e l t d i e s e s Ministerium Kabinettsstatut.
Den Forderungen der Geschaeftswelt schenkte man i n der Regierung b e r e i t s zu
einem fruehen Zeitpunkt besondere Beachtung. Lange vor der Gruendung des Ministeriums
fuer Handel und Arbeit im Jahre 19°3 hatte man e i g e n s zu diesem Zwecke verschiedene
bedeutende Organisationen.
Der Jahresbericht j e n e s Ministeriums (Department of Commerce and Labor) von 1904
b e r i c h t e t von 12 solchen Aemtern, die zum grossen T e i l schon lange bestanden und ueber
e i n Kapital von 13,745*000 D o l l a r s v e r f u e g t e n . Der A n t e i l des Bureau of Labor betrug
l8i|,000 Dollars h i e r v o n . Im Jahre 1912 wurde das C h i l d r e ^ s Bureau (Jugendamt) dem
Ministerium f u e r Handel und Arbeit hinzugefuegt. Es i a t t e a u s s c h l i e s s l i c h beratende
und unterlagensammelnde Funktionen.
Das neue Ministerium
Das Aufgabengebiet des Arbeitsministeriums war zu Anfang nicht sehr umfangreich.
Eine Gesetzgebung der Buid esregierung zum Schutze des A r b e i t e r s und zur Wahrung seiner
besonderen I n t e r e f s e n gab e s f a s t n i c h t .
Die s t a t i s t i s c h e T a e t i g k e i t des Bureau of Labor ( e s wurde spaeter i n Bureau of
Labor S t a t i s t i c s , S t a t i s t i s c h e s Buero des Arbeitsministeriums umbenannt) wurde b e i behalten und staenriig ausgedehnt.
Das Children's Bureau (Jugendamt) s c h l o s s s i c h dem neuen Ministerium an. Die
w i c h t i g s t e n verwaltungsmaessigen Aufgaben des Ministeriums lagen auf dem Gebiete der
Zuwanderung, Einbuergerung, Beschaeftigung und Loehne.
Die bedeutendste Neuerung war d i e Errichtung des C c n c i l i a t i o n S e r v i c e (Buero
fuer Schlichtungswesen) im Jahre 1913» Mr. William B. Wilson, der e r s t e A r b e i t s m i n i s t e r , bezeichnete d i e s e neue Funktion a l s eine der w i c h t i g s t e n Aufgaben des
Ministeriums.
Waehrend und nach dem e r s t e n Weltkrieg
Bald nachdem das Ministerium o r g a n i s i e r t war, fanden i n f o l g e des e r s t e n Weltk r i e g e s Aenderungen und Erweiterungen i n seinem Arbeitsbereich s t a t t . Eine War
Labor Administration (Kriegs-Arbeitsverwaltung) mit verschiedenen Unterabteilungen
wurde T e i l des neuen Ministeriums. Der Employment Service (Arbeitsvermittlungsbuero)
und der Women i n Industry Service (Buero fuer Frauen i n der I n d u s t r i e ) wurden i n s
Leben gerufen.
Ein neuer Begriff tauchte auf a l s Ergebnis der Erfordernisse des Krieges und
der lebenswichtigen R o l l e , die den Arbeitern und ihren Organisationen waehrend des
Krieges z u f i e l . Es war der Begriff von den Rechten und P f l i c h t e n des Arbeiters
und von der Verpflichtung der Regierung dem Arbeiter gegenueber.
Dieser neue Begriff ueberlebte den Krieg jedoch n i c h t lange. Sogar der Employment Service wurde aufgegeben, da der Unternehmer nicht mehr nach Arbeitern, sondern
die Arbeiter nach Beschaeftigung suchen mussten. Der e i n z i g e Gewinn war der Fortbestand des Women i n Industry Service a l s Women*s Bureau (Frauenbuero). Die Zwanziger

- 3 -

�Jahre waren von dem "neuen Z e i t a l t e r " d e s "vaeterlichen Arbeitgebers" gekennzeichnet*
und d i e Arbeiterbewegung wurde b e i s e i t e g e d r a e n g t .
A l s d i e "dauerhafte Prosperitaet" des neuen Z e i t a l t e r s bewiesen h a t t e , dass s i e
n i c h t s anderes a l s Ruhe vorm Sturm b e d e u t e t e , r i c h t e t e man, a l l e r d i n g s sehr s p a e t ,
seine B l i c k e wieder auf die A r b e i t e r s c h a f t . Die Funktionen des Arbeitsministeriums
gingen ueber S t a t i s t i k , g e l e g e n t l i c h e Beratung und Angebot von Schlichtungsdiensten
h i n a u s . Der Employment Service e r l e b t e s e i n e Wiederauferstehung, und der C o n c i l i a t i o n S e r v i c e wurde verstaerkt« Die S o c i a l S e c u r i t y Act ( S o z i a l i s i e r u n g s g e s e t z ) ,
National Labor R e l a t i o n s Act ( N a t i o n a l e s A r b e i t s g e s e t z ) , Fair Labor Standards Act
(Gesetz zur Ueberwachung gerechter Arbeitsbedingungen) und v i e l e andere Gesetze
wurden v e r a b s c h i e d e t .
Im zweiten Weltkrieg
Dann kam der z w e i t e W e l t k r i e g . Der Bundesregierung erwuchsen r i e s i g e neue
Aufgaben i n der A r b e i t s - Verwaltung und -Gesetzgebung.
Im Verlaufe a l l dieser Entwicklungen kam jedoch die Notwendigkeit einer Zent r a l i s i e r u n g der Arbeitsgesetzgebung und - Verwaltung, im Arbeitsministerium zusammeng e f a s s t , nur i n unbestaendiger und u n e i n h e i t l i c h e r Form zum Ausdruck. Dar gesunde
Grundsatz e i n e r o e f f e n t l i c h e n Verwaltung, die auf dem Zusammenspiel von Aufgaben
und Verantwortlichkeiten beruht, s c h e i t e r t e , und dafuer g i b t e s verschiedene Gruende«
Mitverantwortlich i s t , dass man die Verwaltung i n K r i e g s z e i t e n der Not gehorchend
g e s t a l t e n und oftmals dementsprechend Einrichtungen improvisi eren musste« Die
U n e i n i g k e i t i n den Reihen der Arbeiterschaft wirkte s i c h z w e i f e l l o s e b e n f a l l s u n guenstig aus.
Wie dem auch s e i , e s i s t nicht nur n i c h t gelungen, die e r f o r d e r l i c h e Zusammenfassung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf diesem Gebiet zustande zu bringen,
sondern eine weitere Zerstreuung der D i e n s t s t e l l e n hat sogar um s i c h g e g r i f f e n .
Darueberhinaus sind d i e H i l f s m i t t e l zur Ausfuehrung der noch uebrigen Funktionen
stark r e d u z i e r t worden.
Der e r s t e "Reorganlzation Plan"
Durch e i n e n Neuordnungsplan, der am lk» Juni 19^0 i n Kraft t r a t , i s t der
Immigration and N a t u r a l i z a t i o n S e r v i c e (Zuwanderungs- und Einbuergerungsbuero) dem
J u s t i z m i n i s t e r i u m a n g e g l i e d e r t worden« Nachdem der C o n c i l i a t i o n S e r v i c e 3k Jahre
lang zum Ministerium gehoert h a t t e , wurde er nach den Bestimrungen des Taft-Hartley
Gesetzes zur unabhaengigen Behoerde« Im vorigen Jahre wurde auch der Employment
Service aus dem Ministerium herausgerissen«
Es verblieben im Arbeitsministerium die Abteilungen fueri Lehrlingswesen,
Ueberwachung der Arbeitsbedingungen, S t a t i s t i k , Rechtsanspruch a e l t e r e r Arbeitnehmer auf W i e d e r e i n s t e l l u n g , das Frauenbuero und das Amt fuer Lohn-, A r b e i t s z e i t regelung und o e f f e n t l i c h e Vertraege zwischen Behoerde und Betrieben« Die Abteilung
fuer Lohn- und A r b e i t s z e i t r e g e l u n g i s t halb-autonom.
Funktionen des A r b e i t s m i n i s t e r s
Nach Massgabe des Gesetzes zur Gruendung des Ministeriums und besonderer
Gesetzgebung hat der Arbeitsminister verschiedene Funktionen, die n i c h t i n dem
Beaeich der genannten Aemter, aus denen das Ministerium b e s t e h t , l i e g e n « Er i s t
vor a l l e m fuer d i e Arbeitsgesetzgebung der Regierung verantwortlich« Er b e t e i l i g t
s i c h an der Arbeit v e r s c h i e d e n e r , unabhaengiger Behocrden, besonders des National
S e c u r i t y Resonrces Board (Nationaler Verteidigungs-Ausschuss zur Ueberwachung und
Sicherung der H i l f s q u e l l e n des Landes){zusammen mit dem A s s i s t a n t Secretary ( S t a a t s eekretaer) und dem S o l i c i t o r of Labor ( J u r i s t i s c h e r Berater des Arbeitend.nisters)
b e f a s s t er s i c h mit Fragen zur Festsetzung der Lohntarife fuer verschiedene Gruppen
von Arbeitern nach den Bestimaingen des Devis-Bacon- oder anderer Gesetze« Es l i e g e n
ihm die Funktionen ob, die zur Aufrechterhaltung der Verbindung des A r b e i t s m i n i s teriums mit der I n t e r n a t i o n a l e n A r b e i t s o r g a n i s a t i o n e r f o r d e r l i c h s i n d , und auf dem
Wege ueber das Amt fuer I n t e r n a t i o n a l e Arbeitsangelegenheiten im Amt des A r b e i t s -

- k -

�mini st er s bearbeitet er i n t e r n a t i o n a l e Arbeitsfragen.
Diese und zahlreiche andere Aufgaben des Arbeitsministers sind zusammen mit
den Funktionen der einzelnen Abteilungen des Arbeitsministeriums nicht nur fuer
die Arbeiterschaft, sondern darueberhinaus fuer das ganze Land von grosser Bedeutung. Sie sind jedoch nicht ausreichend, um den Anforderungen eines der wichtigsten
exekutiven Ministerien vollauf gerecht werden zu koennen.
Der Zweite "Reorganization Plan»
Der Praesident u n t e r b r e i t e t e am 20* Juni i n seiner Botschaft an den Kongress
den Neuordnungsplan Nr. 2 , 1949t (Reorganization Plan No. 2) und nahm zu den Bestrebungen einer Dezentralisierung der Punktionen der Regierung auf dem allgemeinen
Gebiet der Arbeit Stellung* Er fuehrte aust
"Ausserhalb des Arbeitsministeriums befasst man sich mit Arbeitsprogrammen,
und einige diesem Ministerium ureigene Punktionen sind anderen Dienststellen uebertragen worden. Meiner Meinung nach i s t dieser Vcr gang durchaus ungesund und muss
abgeaendert werden. Das Arbeitsprogramm der Buai esregierung s t e l l t eine Gruppe
von Funktionen dar, die e i n h e i t l i c h e berufliche Ausbildung und Erfahrung erfordern,
und i n denen zahlreiche Probleme ineinandergreifen. Zu i h r e r toesung bedarf es
einer s t r a f f e n , einheitlichen Fuehrung."
Dieser Standpunkt kommt jedoch nicht nur i n den Erklaerungen des Praesideoten
zum Ausdruck. Auch die Commission on Organization of the Executive Branoh of the
Government (Ausschuss fuer Exekutivgewalt der Regierung) i s t derselben Meinung.
Dieses Gremium wird von den ehemaligen Praesi denten Hoover gefuehrt und s e t z t sich
aus e i n e r Gruppe prominenter Persoenlichkeiten beider Parteien zusammen. Der HooverAusschuss befuerwortete bestimmte, allgemeingueltige Richtlinien i n der Handhabung
der Exekutivgewalt. In_ einer Verlautbarung des Ausschusses h e i s s t est
"Der Praesident und seine Minister sind dem Volke und dem Kongress fuer die
wirksame Handhabung der Exekutivgewalt verantwortlich."
Der Ausschuss s e t z t e sich unter anderem dafuer e i n , dass die zahlreichen
Abteilungen "nach ihren Aufgaben gruppiert und i n Ministerien zusanmengefasst wuerden,
sodass eine e i n h e i t l i c h e Richtung der Funktionen i n jedem Ministerium gewaehrleistet
i s t . " Dieser Grundsatz sei besonders im F a l l e des Arbeitsministeriums unbeachtet
geblieben. Trotzdem wurden vom Ausschuss keine ungewoehnlichen Vorschlaege zur
Neuorganisation des Arbeitsministeriums gemacht. Das Bureau of Employment Security
(Buero fuer Beschaeftigungssicherheit), zu dem der Employment Service und der Unemployment Insurance Service (Arbeitslosenversicherungs-Buero) gehoerten, und ebenf a l l s der Veterans' Employment Service (Buero fuer a e l t e r e Arbeitnehmer) s o l l t e n
dem Arbeitsministerium angegliedert werden - ein Vorschlag, der schon im 2. Neuordnungsplan des Praesidenten vom 20. Juni enthalten war. Man sprach sich ausserdem
noch fuer die Uebernahme verschiedener anderer Agenturen und Funktionen a u s .
Auch mit anderen Abteilungen befasste sien der Ausschuss, wie zum Beispiel dem
Federal .Mediation and Oonciliation Service (Bundesstaatliche Abteilung fuer Vermittlungs- und Schlichtungswesen), dem National Mediation Board (Nationale Behoerde
fuer Schlichtungswesen) und dem National Labor • w elations Board (Nationale Behoerde
fuer Wechselbeziehungen der A r b e i t ) . Besondere Vorschlaege hierzu wurden jedoch
nicht gemacht. Als der Hoover-Ausschuss gerade dabei war, seinen Bericht auszua r b e i t e n , wurden im Kongress Verhandlungen ueber Aufhebungen oder Abaenderungen der
Bestimmungen des Taft-Hartley Gesetzes gefuehrt. Aus diesem Grunde e r k l a e r t e der
Ausschuss, "keine Vorschlaege zur Organisation jener Behoerden machen zu koennen,
bevor man sich im Kongress ueber diese Fragen nicht e i n i g geworden s e i . "
Die von dem Hoover-Ausschuss ausgearbeiteten Grundsaetze sind jedoch mehr a l s
blosse Vorschlaege zur Vereinigung einiger Agenturen mit dem Arbeitsministerium.
Es i s t eine ausnahmsweise schwerwiegende Vergewaltigung der gesunden Grundsaetze
einer exekutiven Organisation, dass manes versaeumt, dem Arbeitsministerium die ihm
gebuehrenden *iufgaben auf dem Gebiet des Schlichtungswesen* wieder zu uebertragen.
Alan h a t t e im Jahre 1947 den Oonciliation Service aus dem Ministerium mit dem Vorwand

-5 -

�herausgenommen, dass die Unparteilichkeit seiner Arbeit nicht gewaehrleistet
waere. Tatsache i s t jedoch, dass die unparteiische und erfolgreiche Handlungsweise des Conciliation Service waehrend seiner 3A-jaehrigen Zugehoerigkeit zum
Arbeitsministerium ausser Frage s t e h t .
In der Arbeitnehmer- Arbeitgeberkonferenz unter dem Vorsitz des Praesidenten
wurde im November 19^5 die Bedeutung des Conciliation Service innerhalb des Arbeitsministeriums besonders hervorgehoben. Auch die Vertreter der National Association
of Munufacturers (Nationaler Unternehmer-Verband) und des Committee for Economic
Development (Ausschuss zur wirtschaftlichen Entwicklung), die dem 80. Kongress
beiwohnten, a l s das Taft-Hartley Gesetz zur Sprache kam, waren gegen die Errichtung
einer Schlichtungsbehoerde ausserhalb des Arbeitsministeriums.
Die Unparteilichkeit steht ueberhaupt nicht zur Eroerterung. Es kommt auf
die Wirksamkeit der Verwaltungsmethoden der Regierung an. Und dazu i s t notwendig,
da.cs a l l e Faeden der Verwaltung in dem Kabinett zusanmenlaufen, wo ein einzelnes
Mitglied a l s verantwortlicher Beamter fuer - i n diesem Falle zum Beispiel - a l l e
Angelegenheiten auf dem Gebiet der Arbeit dem Praesidenten Rechenschaft schuldet.
Fuer das «anze Volk
Die vom Arbeitsmini steriura g e l e i s t e t e Arbeit i s t weder j e t z t , noch war sie
frueher a u s s c h l i e s s l i c h dem Wohle der Arbeiterschaft gewidmet. Sie i s t vielmehr
der Gesamtheit des Volkes zugute gekommen.
Ich moechte, um ein Beispiel zu geben, an dieser S t e l l e zwei Abteilungen des
Ministeriums herausgreifen. Das Bureau of Apprenticeship (Buero fuer Lehrlingswesen) a r b e i t e t mit einem Federal Committee on Apprenticeship (Bundesstaatlicher
Ausschuss fuer Lehrlingswesen) zusanmen, der sich aus Vertretern des Unternehmertums,
der Gewerkschaften und den daran i n t e r e s s i e r t e n Behoerden zusamnensetzt. In seinem
Bestreben, das Lehrlingswesen zu foerdern, l e i s t e t dieses Buero nicht nir dem Arb e i t e r , sondern auch dem Unternehmer und damit der Gesamtheit des Volkes wertvolle
Dienste} es hat deshalb auch nicht nur die Mitarbeit und Unterstuetzung der Gewerkschaften, sondern auch die der Un1e rnehmer und des ganzen Volkes erfahren. Dank
dieser Zusammenarbeit sind mehr a l s 2*0.000 Lehrvertraege mit etwa 250.000 i n der
Ausbildung befindlichen Lehrlingen abgeschlossen worden.
Ein anderes B e i s p i e l , womit der vorliegende Zweck e r f u e l l t seinlduerfte, i s t
das S t a t i s t i s c h e Buero des Arbeitsmini st er i ums (Bureau of Labor S t a t i s t i c s ) . Den
Leaern des AMERICAN FEDER ATI0NI ST (dieser Gewerkschaftszeitung i s t der vorliegende
Artikel entnommen) braucht wohl kaum die Bedeutung der Informationen e r k l a e r t zu
werden, die dem S t a t i s t i s c h e n Buero des Arbeitsministeriums zu verdanken sind und
Einblick i n allgemein interessierende Fragen geben, wie Loehne, P r e i s e , A r b e i t s z e i t ,
Eeschaeftigung, Unfaelle, Familienhaushalt u . a . . •"'ine Veroeffentlichung der Handelskammer der Vereinigten Staaten unter dem T i t e l • Allgemeininteresse a l s Wertmttss der
Sammlung und Verbreitung s t a t i s t i s c h e r Angaben der Regierung11 bekundet den Wert der
Arbeit des S t a t i s t i s c h e n Bueros fuer Geschaeftsleute und die Allgemeinheit. In
einem Abschnitt mit der Ueberschrift "Bedeutung Fundamentaler S t a t i s t i k fuer Handel
und I n d a s t r i e " werden zwoelf Beispiele angefuehrt. Fuenf davon sind s t a t i s t i s c h e
Angaben des S t a t i s t i s c h e n Bueros im Arbeitsministerium, und ein sechstes Beispiel
•Jahresscnaetzung der Bedeutung der t y p i s i e r t e n Konstruktion" entstammt teilweise
derselben Q i e l l e .
Das Arbeitsmini sterium h a t , soweit e s im Bereich seiner Möglichkeiten lag
(die im Vergleich zu anderen Ministerien aeusserst beschraenkt s i n d ) , zur a l l g e meinen Aufklaerung wertvolle Beitraege g e l e i s t e t . Es hat i n der Vergangenheit und
Gegenwart im Sinne jener Maenner gewirkt, die es geschaffen haben.
Bezugnehmend auf sein neugegruendetes Buero e r k l a e r t e
e r s t e Commissioner of Labor, im Jahre 1885, dass es "durch
und die ruecksichtslose Veroeffentlichung i h r e r Ergebnisse
werden koennte und muesste, die Probleme, denen man bisher
ueberstund, besser zu verstehen."
- 6 -

Carroll D. Wright, der
genaue Untersuchungen
dem Volke ermoeglicht
verstaendnislos gegen-

�G l e i c h h e i t fuer Jedermann
I n dem e r s t e n J a h r e s b e r i c h t des e r s t e n A r b e i t s m i n i s t e r s , William B. Wilson,
h e i s s t e s , d a s s "der Grundsatz d e r g l e i c h e n Behandlung a l l e r von ausschlaggebender
Bedeutung s e i , und d a s s d a s M i n i s t e r i u m g r u n d e a e t z l i c h t a t s a e c h l i c h keine U n t e r schiede zwischen Lohnempfaengern und Lchnempfaengern, zwischen Lohnempfaengern
und Unternehmern und zwischen jedem und der Allgemeinheit a l s Ganzes gemacht h a b e . "
Wir im A r b e i t s m i n i s t e r i u m bewegen uns ebensowenig i n einem Vakuum wie d a s i n
den anderen M i n s t e r i e n der F a l l i s t . Wir haben e i n e n bestimmten T a e t i g k e i t s - und
D i e n s t b e r e i c h , d e r g e s e t z m a e s s i g f e s t u m r i s s e n , a u s der f r u e h e r e n A r b e i t anderer
D i e n s t e t e l l e n naturgemflss hervorgegangen oder e i n e Folge der a l l g e m e i n e n Belange i s t .
Die besonderen Aufgaben, d i e dem Ministerium z u f a l l e n , sind - um die Formulierung
s e i n e s Grundgesetzes anzuwenden - die Foerderung und Entwicklung der Wohlfahrt d e r
Lohnempfaenger d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n , d i e Verbesserung i h r e r Arbeitsbedingungen
und i h r e r M o e g l i c h k e i t e n e i n e r lohnenden B e s c h a e f t i g ü n g .
Zur r i c h t i g e n Durchfuehrung der Äifgaben d e s A r b e i t s n ä n i s t e r i u m s muessen
wir ueber d i e Vorschlaege des hoover Ausschusses hinausgehen, d i e s i c h naturgemaess
nur auf d i e schon bestehenden D i e n s t s t e l l e n und Funktionen b e s c h r a e n k t e n .
i

Wir muessen d i e Abteilungen des M i n i s t e r i u m s v e r s t a e r k e n und w e i t e r e Moeglichk e i t e n i n n e r h a l b und a u s s e r h a l b d e s s e l b e n s c h a f f e n . Eine g r u n d l e g e n d e , w e i t v e r b r e i t e t e Forderung i s t d i e E r r i c h t u n g e i n e s E x t e n s i o n S e r v i c e ( z u s a e t z l i c h e s Amt)
i n n e r h a l b des A r b e i t s m i n i s t e r i u m s .
Das L a n d w i r t s c h a f t s m i n i s t e r i u m h a t s e i t langem s e i n e n E x t e n s i o n S e r v i c e , dem
i n e r s t e r L i n i e d i e Betreuung der 6 M i l l i o n e n L a n d a r b e i t e r der V e r e i n i g t e n S t a a t e n
o b l i e g t . Das K a p i t a l des E x t e n s i o n S e r v i c e im L a n d w i r t n c h a f t s m i n i s t e r i u m b e l a e u f t
s i c h im J a h r e 1930 auf 32.557»°0° D o l l a r . Der Köngress h a t v e r s t a e n d i g e r w e i s e dem
Handelsministerium e b e n f a l l s z u s a e t z l i c h e Gelder zur Verfuegung g e s t e l l t , d i e zur
U n t e r s t u e t z u n g der GeschaeftsleuteVerwendung f i n d e n . S i e koennen zum B e i s p i e l dem
Office of Domestic Commerce ( I n l a e n d i s c h e s Handelsbuero) und dem Cffice of T e c h n i c a l
S e r v i c e (Technisches Buero d e s Handelsministeriums) zugute kommen.
Die E r r i c h t u n g e i n e s E x t e n s i o n S e r v i c e i . J i e r h a l b d e s Arbeitend ni st e r i ums
wuerde a e h n l i c h e n E i n r i c h t u n g e n i n anderen M i n i s t e r i e n , d i e schon lange b e s t e h e n ,
e n t s p r e c h e n und d i e Durchfuehrung s e i n e r satzungsgemaessen Aufgaben w e s e n t l i c h u n t e r stuetzen.
Das Arbeitsministerium l e i s t e t der Allgemeinheit i n v e r s c h i e d e n e r H i n s i c h t w e r t v o l l e D i e n s t e . Die Uebertragung von verwandten Funktionen wuerde uns noch g r o e s s e r e
D i e n s t l e i s t u n g e n i n den kommendeu J a h r e n ermoeglichen.
Wir b e g r u e s s e n d i e s e M o e g l i c h k e i t , weil wir durch s i e noch mehr a l s b i s h e r
zur allgemeinen Wohlfahrt b e i t r a g e n koennen.
The F e d e r a t i o n i s t
Oktober 1949

NEUE CIC GEWERKSCHAFT BEKENNT SICh ZUM MaRgiALL PLaN
Nachdem der u n t e r kommunistischer Fuehrung stehende E l e k t r i k e r
Verband auf der CIC Tagung a u s g e s c h l o s s e n worden w a r , wurde
d r e i Wochen s p a e t e r i n P h i l a d e l p h i a e i n e neue, demokratische
G e w e r k s c h a f t s o r g a n i s a t i o n u n t e r dem Namen I n t e r n a t i o n a l Union
of E l e c t r i c a l , Radio and Macnine Workers (CIC) g e g r u e n d e t .
Auf der Gruencungskonferenz wurde folgende E n t s c h l i e s s u n g
angenommen, d i e f u e r unsere Leser von I n t e r e s s e s e i n wirds
"Es i s t o f f e n s i c h t l i c h , d a s s d i e Welt n i c h t b e s t e h e n kann, wenn d i e e i n e
H.-elfte der Menschen Sklaven s i n d , waehrend d i e andere H a e l f t e e i n f r e i e s Leben
fuehren kann. Amerika muss der u e b r i g e n Welt von s e i n e n Reichtuemern abgeben, wenn
d i e G l e i c h h e i t a l l e r g a r a n t i e r t werden s o l l . Denn ohne unsere H i l f e werden Tausende
von A r b e i t e r n i a anderen Laendern - mit denen wir zum g r o s s e n T e i l i n enger Verbindung s t e h e n , weil v i e l e von uns aus d i e s e n Laendern stammen - zu Armut und Elend
und s c h l i e s s l i c h zun Verhungern v e r u r t e i l t s e i n . Wir, d i e wir u n s nun i n der

- 7

�I n t e r n a t i o n a l Union of E l e c t r i c a l , Radio and Machine Workers (CIO) zusammengeschlossen haben, haben den Marshall Plan von dem Tage an u n t e r s t u e t z t , an dem
Aussenminister Marshall oeffentlich seine Idee kundtat. I s t es nicht I r o n i e ,
dass der a l t e Elektriker Verband (United E l e c t r i c a l , Radio and Machine Workers
of Anerica), es t r o t z unserer Berauehungen vorzog, den kommunistischen P a r t e i losungen zu folgen? Es i s t e? ne I r o n i e , dass die Taetigkeit dieses kommunistischen
Verbandes die amerikanischen Arbeiter i n i h r e r Unterstuetzung des Marshall Planes
nur noch bestaerkt h a t . Zur Aussenpolitik nehmen wir vom CIO folgende Stellung eint
1. Wir bekennen uns zum Marshall Plan und a l l dem, was zu seiner Durchfuehrung
erforderlich i s t . Wir bekaempfen a l l e Versuche, die darauf z i e l e n , diese Arbeit
zu stoeren. Da die menschenfreundlichen Ziele des Marshall Planes im Spanien
Francos nicht verwirklicht werden koennen, nuss diesem Land unter a l l e n Urastaenden
die Marshall Hilfe versagt werden.
2* Wir begruessen den Entechluss des CIO, aus dem von den Kommunisten beherrschten Weltgewerkschaftsbund auszutreten, und versprechen, den i n Europa neu
gegruendeten Weltgewerkschaftsverband mit a l l e n uns zur Verfuegung stehenden Mitteln
zu u n t e r s t u e t z e n .
5 . Wir verlangen, dass der ungerechten Aifepaltung der i r i s c h e n Republik,
die a l l e n demokratischen Grundsaetzen widerspricht, ein Ende gemacht wird.
4. Wir ersuchen unsere Regierung dringend, der neuen Regierung von I s r a e l
jedmoegliche Unterstuetzung z u t e i l werden zu lassen.
5» Wir unterstuetzen die Voelker Latein Amerikas i n ihrem Ringen fuer einen
besseren Lebensstandard.
6. Wir lehnen das Flueehtlingfgesetz des 80. Gewerkschaftskongresses ab in diesem Gesetz wandt« man sich gegen viele Katholiken und Juden - und fordern,
dass der 8 1 . Kcngress so schnell wie moeglich diesen Irrtum widerruft, so dass
Tausende, die vor dem faschistischen oder koraainistisehen Terror und den Massenmoerdern dieser Regimes fliehen nussten, i n unserem Lande eine neue Heimat finden
koennen.
7 . Wir glauben an die Vereinten Nationen und ihre Befaehigung, i n t e r n a t i o n a l e
S t r e i t i g k e i t e n ohne Krieg zu schlichten. Deshalb fordern wir, dass diese Organisation u n t e r s t u e t z t wird.
8. Wir hoffen, dass der neue Weltgewerkschaftsbund die wirtschaftlichen
Probleme Westdeutschlands und Europas loesen wird»
9. Wir setzen uns fuer den Atlantik Pakt a l s ein Mittel zur Erhaltung
des Friedens gegen sowjetische iiggressionspolitik e i n .
10. Wir dringen auf die Ratifizierung der Charta der Internationalen Wirtschaftsorganisation und die erweiterte Anwendung gegenseitiger Handelsvereinbarungen.
11. Wir bekennen uns zur Feststellung Praesident Trumans i n seinem Punkt-4 Programmt "Wir muessen ein gaenzlich neues Programm entwerfen, um die F o r t s c h r i t t e unserer Wissenschaft und I n d u s t r i e den unentwickelten Gebieten zu i h r e r Entwicklung und
Verbesserung zugaenglich zu machen."
12. Der Zusamnembruch Chinas wirkt alarmierend auf u n s , und wir haben ernste
Bedenken zu der korrupten, reaktionaeren und antidemokratischen P o l i t i k der
Chiang-Kai-Check Regierung.
13» Unsere Regierung muss eine neue P o l i t i k verfolgen, die die Voelker Asiens
auf unsere Seite b r i n g t . Wir nuessen die Bewohner der Philippinen in ihren Bemuehunger, zur Selbstbestimmung und Unabhängigkeit u n t e r s t u e t z e n .

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�11|. Wir befuerwoten die allgemeine Abroestung; Voraussetzung dafuer i s t
jedoch, dass das MLlitaerpotential a l l e r Laender nicht v e r h e i m l i c h t , und die
Abruestung u e b e r a l l g l e i c h m a e s s i g durchgefuehrt wird» Ohne d i e s e Voraussetzung
kann Amerika nicht ahruesten.
15* Wir widersetzen uns jedem Versuch, die Kontrolle der Atomenergie i n
m i l i t a e r i s c h e Haende zu uebergeben*
Als treue amerikanische Buerger stehen wir mit unserem Herzen, unserem Geist
und unserer Kraft fuer d i e s e Z i e l e . "
Unter dem B e i f a l l von 2|0° D e l e g i e r t e n , die sich b e g e i s t e r t von ihren S i t z e n
erhoben und "mehr" v e r l a n g t e n , sprach A r b e i t s m i n i s t e r Maurice J . Tobin zum
Kommunismus*
"In der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung haben wir keinen P l a t z fuer
Kommunisten," sagte Tobin, "denn wir lehnen nicht nur die kommunistische I d e o l o g i e
a b , sondern haben auch die Ergebnisse u e b e r a l l da gesehen, wo e s dem Kommunismus
gelungen i s t , s i c h i n der Gewerkschaftsbewegung b r e i t zu machen. Im Ausland
haben die Gewerkschaften dadurch i h r e F r e i h e i t eingebuesst und sind gezwungen,
a n t i - g e w e r k s c h a f t l i c h e n Zwecken zu d i e n e n . Ich kann h i e r o f f e n sagen, d a s s i n
unserem eigenen Lande Organisationen aufgetaucht s i n d , die im Solde e i n e r fremden
Macht stehen* Wir wuenschen h i e r i n unserer ameri kanisehen Gewerkschaftsbewegung
keine A g e n t e n d e s Kreml."
Tobin e r k l a e r t e w e i t e r h i n , dass aus diesem Grunde die Gewerkschaftsbewegung
Amerikas mit solchem E i f e r bestrebt s e i , die f r e i e n , demokratischen Gewerkschuften
Europas vor t o t a l i t a e r e n U e b e r g r i f f e n zu r e t t e n .
"Eine weltumfassende Organisation i s t i n London im Entstehen b e g r i f f e n , der
s i c h auch die AFL, der CIO und andere amerikanische Gewerkschaften angeschlossen
haben, um gemeinsam den Machenschaften des e n t l a r v t e n Weltgewerkschaftsbundes
(WFTU) entgegenzuarbeiten. Die o r g a n i s i e r t e n Arbeiter der demokratischen Laender
muessen i n Gemeinschaft oder auch e i n z e l n dabei m i t h e l f e n . Solange die f r e i e
Gewerkschaftsbewegung zur Haelfte w e i s s und zur anderen Haelfte r o t i s t , hat s i e
n i c h t die g e r i n g s t e Chance, ihre Rechte wahren zu koennen* S i e muss s i c h s e l b s t
von jeder inneren Schwaeche freimachen, um a l l e n Bestrebungen von aussen her g e wachsen zu s e i n , die s i e dem Weltkommunismus und seinen boesartigen Flaenen g e f u e g i g machen s o l l e n * "

CIO KJ EHRER SiKICHT ZUR FfiüGE DES WIRTSCH*FTSFRI EDENS
Clinton S . Golden, Berater fuer Arbeit und Gewerkschaftsfragen i n der Marshall
Plan Verwaltung (ECA), h i e l t a n l a e s s l i c h der Jahreskonferenz der G e s e l l s c h a f t fuer
Gesundheitswesen i n der I n d u s t r i e ( I n d u s t r i a l Hygenie Foundation) kuerzlich i n
Pittsburgh e i n e Ansprache und s t e l l t e f e s t , dass durch U n f a e l l e i n der I n d u s t r i e
den Gewerkschaften und den Unternehmern im vergangenen Jahre h B i l l i o n e n Dollar
verloren gegangen seien*
Golden e r k l a e r t e , dass s i c h t r o t z der ausfuehrlichen und a e u s s e r s t b e f r i e digenden Berichte v i e l e r Unlrnehmer, Gewerkschaften und Bundesbehoerden die Zahl
der A r b e i t s u n f a e l l e im vorigen Jahr auf 1.95°*000 belaufen habe. Davon waeren
16.500 toedlich ausgegangen, und 86.000 h a e t t e n dauernde Arbeitsunfaehigkeit
zur Folge gehabt. Immer noch wuerde a l l e k Minuten eine amerikanischer Arbeiter
g e t o e t e t oder verkrueppelt und a l l e 15 Sekunden e i n e r v e r l e t z t .
Der ECA B e r a t e r , der frueher Sekretaer des Verbandes der V e r e i n i g t e n S t a h l a r b e i t e r von Amerika war, forderte mit a l l e r E i n d r i n g l i c h k e i t die Zusammenarbeit
der Gewerkschaften und Unternehmer, um dieeem Sicherheitsproblem zu Leibe zu gehen*
•Es i s t bedauerlich," s a g t e Golden, "dass die Unternehmer bei sehr v i e l Gelegenh e i t e n nicht nur dem I n t e r e s s e der Gewerkschaften fuer d i e s e Fragen, sondern auch
dei" aktiven Anteilnahme i h r e r eigenen Vertreter keine Beachtung geschenkt haben."

- 9 -

�Der Tatsache, dass man den Gewerkschaften nicht erlaubt habe, sich fuer
Sicherheitsprogramme einzusetzen, und ihre diesbezuegliche Zustaendigkeit
angezweifelt habe, sei zum Teil das enorme Ansteigen der Mitgliederzahl i n den
Gewerkschaften zuzuschreiben»
Golden wies auf die Marshall Plan Verwaltung hin und bezeichnete sie a l s
nachzuahmendes Vorbild bezueglich der Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften
und Arbeitgebern« Er sagte, dass i n dieser Organisation zu Beratungen ueber
allgemeine R i c h t l i n i e n oder Verwaltungsmethoden Vertreter der.Gewerkschaften,
Unternehmer- und Handwerksverbaende, der Bauernverbaende und freiberuflichen
Verbaende hinzugezogen wuerden. Sie beraten a l s Gleichberechtigte und s t e l l e n
ihre besonderen Kenntnisse, Faehigkeiten und Talente in den Dienst der gemeinsamen Sache, des Marshall Plans»
Wenn man z.B. der Geschaeftswelt im ECA Programm offensichtlich vor der
Arbeiterschaft und den Bauern den Vorrang gegeben h a e t t e , fuegte Golden hinzu,
dann waeren a l l e moeglichen Bemerkungen ueber "unberechtigte Bevorzugung"
laut geworden»
Golden b e r i c h t e t e von den Untersuchungen, die von der National Planning
Association (Nationale Gesellschaft fuer Planung) ueber, die "Ursachen des
I n d u s t r i e l l e n Friedens" durchgefuehrt wurden. Leute aus a l l e n Schichten des
Volkes seien gebeten worden, Firmen und Verbaende zu nennen, i n denen nach i h r e r
Meinung gute Verhaaltnisse herrschten« Tausende von Zuschriften bekundeten das
grosse I n t e r e s s e an diesen Untersuchungen. Zwar koennten noch keine enagueltigen
Schlussfolgerungen gezogen werden, fuegte er hinzu, aber Jrotzdem waeren schon
bestimmte Grundsaetze genau zu erkennen.
•Einer davon," sagte e r , " i s t , dass sich Unternehmer sowohl wie Gewerkschaften
a l s berechtigte und nuetzliche soziale Einrichtungen gegenseitig anerkennen»"
Golden fuehrte ferner uus, dass bei einem solchen Verhaeltnis die Gewerkschaften die Belegschaft ueber das Unternehmen und seine Probleme u n t e r r i c h t e t e n ,
und dadurch mehr Arbeitnehmer die Sicherheit und Regelmaessigkeit der Beschaeftigung, gepaart mit dem erfolgreichen Funktionieren des B e t r i e b e s , erkennen wuerden»
S t r e i t i g k e i t e n sind damit auf ein Mindestmass beschraenkt, wenn nicht sogar gaenzl i c h ausgeschlossen»
• S i c h e r h e i t , Gesundheitswesen in der I n d u s t r i e und eine Menge anderer Probleme," sagte e r , "werden zum gemeinsamen Anliegen a l l e r . "
Der ECA Beamte e r k l a e r t e vor seiner Zuhoererschaft, dass aus der gegenwaertigen Lage in Europa viel gelernt werden koenne« Der Konflikt, der aus
Differenzen zwischen Gewerkschaft und Unternehmer entstehe, koennte sich auf
ganze Bezirke, j a auf die gesamte Nation ausdehnen und s c h l i e s s l i c h sogar den
Frieden der Welt bedrohen.
Er schloss mit den Worten» "Stellen Sie sich b i t t e vor, was das Ergebnis
sein wuerde, wenn jeder Einzelne, a l l diese Organisationen und die Unternehmerund Gewerkschaf tsverbaende gemeinsam danach s t r e b t e n , sichere und gesunde Arbeitsplaetze zu schaffen, die den A r t e i t e r n Zufriedenheit i n i h r e r Arbeit und innerhalb
i h r e r Arbeitsgemeinschaft geben koennten."
ECA Mitteilung
18. November 1%9

FAIR DE»L Fügt EIN BESSERES LEBEN
Praesident Truman e r k l a e r t e i n der vorigen Wcche, dass er ungeachtet der
"Reaktionaere" der aeussersten Rechten und aeussersten Linken das Land besseren
Z e i t e n entgegenfuehren werde. Hr. Truman sprach in S t . Paul a n l a e s s l i c h des
100. Jahrestages der Verfassung von Minnesota.

10 -

�Der groesste T e i l seiner Rede g a l t dem Fair-Deal Programm} wir entnehmen
folgende Auszuege:
•Die P o l i t i k , die wir verfolgen, beruht auf folgenden Erkenntnisseni
•Farmer muessen, ebenso wie die Geschaeftsleute, eine gerechte Bezahlung
fuer ihre Erzeugnisse e r h a l t e n .
•Arbeiter haben auf angemessene Loehne und Gleichberechtigung bei Tarif Verhandlungen Anspruch« .
4

•Kleineren Geschaeften und Genossenschaften muessen gute Erfolgsmoeglichkeiten geboten und sie duerfen von Monopolgebilden nicht erdrueckt werden«
•Das ganze Volk muss Anteil an unseren grossen natuerlichen Materialquellen
haben, und sie duerfen nicht im I n t e r e s s e p r i v a t e r P r o f i t g i e r ausgebeutet werden«
"Die a l t e n Leute und Koerperbehinderten muessen ein sicheres Einkommen haben,
um nicht auf die Wohltaetigkeit anderer angewiesen zu sein.
"Familien muessen gegen Lohnausfall infolge U n f a l l , Krankheit oder Arbeitsl o s i g k e i t geschuetzt sein«
•Alle unsere Buerger muessen anstaendige Wohnungsmoeglichkeiten zu vernuenftigen Preisen haben«
•Den jungen Menschen xaiessen Ausbildungsmoeglichkeiten geboten werden, damit
wir eine aufgeklaerte B ü r g e r s c h a f t haben.
"Der Gesundheit und a e r z t l i c h e n Betreuung eines jeden - und nicht nur einer
kleinen Schicht - süss mehr Beachtung geschenkt werden«
"Alle Amerikaner haben nach dem Gesetz gleiche Rechte und Moeglichkeiten,
jeder kann sich am nationalen Leben b e t e i l i g e n , ohne befuerchten zu nuessen.aus
irgendeinem Grunde benachteiligt zu werden."
ü« S. Arbeitsministerium
Weekly Labor News Digest
9. November 1949
INTERNATIONALE VERBUNDEttiEIT
William Green, der Praesident des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL,
e r k l a e r t e , " d a s s die Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten den Marshall
Plan u n t e r s t u e t z e , weil sie den Wunsch habe, den von einem grausamen Kriege betroffenen Voelkern Europas zu helfen."
•Sie bezahlten einen schrecklichen P r e i s fuer die F r e i h e i t der Welt," sagte
Green« "Es i s t recht und b i l l i g , dass wir ihnen jedmoegliche Hilfe zur Wiederaufrichtung i h r e r Wirtschaft und Sicherheit zukommen l a s s e n . •
Bei einem Empfang, der der AFL zu Ehren einer Besuchergruppe von 11 englischen
Gewerkschaftlern gegeben h a t , h i e l t Mr. Green eine i n t e r e s s a n t e Ansprache« Diese
Gruppe h a e l t sich zum Studium der i n der amerikanischen I n d u s t r i e zur Anwendung
gekommenen Produktivitaetsmethoden i n den Staaten auf. Mr. Green fuehrte unter
anderem aus:
•Der AFL hat den Marshall Plan von Anfang an u n t e r s t u e t z t . Wir haben uns
ohne Vorbehalt entschlossen h i n t e r die Regierung g e s t e l l t , um sie i n der Ausfuehrung
d i e s e s bedeutsamen Programms zu u n t e r s t u e t z e n . "
Der amerikanische Arbeiterfuehrer, dessen E l t e r n aus Wales stammen, brachte
der Gruppe gegenueber zum Ausdruck, dass der AFL keine Einmischung i n die Ange- 11 -

�l e g e n h e i t e n der b r i t i s c h e n R e g i e r u n g dulden w u e r d e .
• S i e und I h r e Freunde haben i n d e r r e a k t i o n a e r e n P r e s s e von der K r i t i k g e l e s e n ,
d i e i n unserem Lande an d e r Regierung Englands geuebt w i r d . Wir verwerfen d i e s e
K r i t i k und moechten S i e d a r a n e r i n n e r n , d a s s d i e R e a k t i o n a e r e n i c h t im Sinne der
A r b e i t e r s c h a f t s p r e c h e n . Die wahren Freunde des e n g l i s c h e n Volkes i n den Vere i n i g t e n S t a a t e n sind d i e A r b e i t e r und i h r e P a e h r e r . Die Regierung G r o s s b r i t a n n i e n s
h a t das R e c h t , i h r Programm durchzufuehren und dabei keine fremde Einmischung zu
dulden."
ECA Labor I n f o r m a t i o n
1 1 . November 19^9
GRUBENHOLZ AUS DEM TROPEN?
Eine k l e i n e r e Gruppe von S a c h v e r s t a e n d i g e n d e s Timber Committee i n der Organ i s a t i o n fuer E u r o p a e i s c h e W i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit h a t Untersuchungen ueber
d i e Verwendungsmoeglichkeiten von Bambus und Palme a l s Grubenholz a n g e s t e l l t . Die
Gruppe b e s t e h t a u s Deutschen, - d i e schon e i n i g e Versuche auf diesem Gebiet d u r c h g e f u e h r t haben - F r a n z o s e n und H o l l a e n d e r n , i n d e r e n B e s i t z u n g e n i n Uebersee das
n o e t i g e Holz f u e r den Export b e r e i t l i e g t . Die Versuche werden i n den K ö h l e f e l d e r n
d e s R u h r g e b i e t e s vorgenommen werden. S o l l t e n s i e E r f o l g h a b e n , dann wuerde t r o p i s c h e s
Holz zum e r s t e n m a l d i e g e l a e u f i g e n S o r t e n von Grubenholz i n Westeuropa e r s e t z "F haben»
A r b e i t s n a c h r i c h t e n b l a t t des ERP
1 . - 1 5 . Bovember 1949
- 12 -

Office of Labor A f f a i r s
H1C0G, APO 757

OFFICIAL

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9 - }"&gt;2l t l&gt;Mb, D.C. hl,

l i II )

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel «teilen Aaaiage aaa dar amerlkaaiachen Preeee «ad anderen Quelles dar aad dlaaaa
dar Information daatachar Radaktaura, dar Gawarkachaltaa. Gawarkackaitaackalea aad daraa Mitglieder.
Von dlaaaat Material kaaa uneingeschränkt Oabranck gamackt wardaa.
Waltara Examplare können koataalaa bal
Office oi Labor Affair«
HICOG, APO 757, Frankfurt
aagalordart wardaa. Aal Waoack wardaa dlaaa aack einzelnen Iataraaaaataa dirakt durch dl« Poet lugeleit« I.
Dar lakalt dar „Arbeitemitteilaagea" tat alckt ala offizielle Maiaaag odar Stellungnehme dar amerlkeniechea
MUttlrragiamag, noch Irgaadalaar Dlaaatatalla dar Regierung dar Varaialgtaa Staaten aufsafaaaaa.

I I - il2

Frankfurt, 2 3 . Dezember 19A9

INHALTSVERZEICHNIS
England baut auf - - - - - - - - - - - - - - —
1
Gesundheitszentrale fuer Arbeiter - - - - - - 2
Lebensstandard i n den ü.S.A. - - - - - - - - - 2
Belegschaftsmitglieder machen innerbetriebliche
Verbesserungsvorschlaege - - - - - - - - - 3
Der Marshall Plan e r r e i c h t sein e r s t e s Z i e l - - 3
Binnenschiffahrtswege Westeuropas - - - - - - 5
Hoffmant 'Niedrigere Preise u. hoehere Loehne - 6
Europaeische Gewerkschaften zum Wiederaufbau - - 7
Gewerkschaften Deutschlands im Kampf um
Demokratie - - - - - - - - - - - - - - - - 9
Fachausbildung fuer ungelernte Arbeiter i n
Daenemark - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 0
Punkt-4-Programm - - - - - - - - - - - - - - - H
ENGLAND BiüT gfflfj
Zur Erhoehung der Produktionsleistung i n der S t a h l i n d u s t r i e hat die Marshall
Plan Verwaltung England Maschinen im Werte von 27 Millionen Dollar zur Verfuegung
gestellt«
Dies e r k l a e r t e W. John Xenney, Chef der ERP-Sondermission i n England, nach
einer Inspektionsreise zur Besichtigung der im Aufbau befindlichen Abbey Works
i n Port Talbot, Wales.
Zu den in den Vereinigten Staaten h e r g e s t e l l t e n Maschinen gehoeren ein Walzwerk zum Abflachen von Stahlbloecken und ein Reduzierwalzwerk, das laufend
6 Fuss breite S t a h l p l a t t e n h e r s t e l l e n kann.
Im Anschluss an seinen Besuch sagte Kenneyt "Wir sehen hier i n England ein
typisches Beispiel fuer die ERP-Hilfe zur Steigerung der Produktionsleistung«
Zur wirtschaftlichen Wiedergesundung Englands muss, wie i n a l l e n uebrigen
ERP-Laendern, die Produktionsleistung unverzueglich und erheblich erhoeht werden,
und jeder einzelne nuss sich daran b e t e i l i g e n . Diese Steigerung kann unter folgenden
Bedingungen e r z i e l t werden: Hoechst f o r t s c h r i t t l i c h e und wirksame Arbeitsmethoden«
groesstmoegliche Anwendung mechanischer H i l f s m i t t e l und moderner Maschinen. Wenn
das englische Volk die Dollarluecke schliessen und seinen Lebensstandard verbessern
w i l l , dann gibt es keinen anderen Weg."
6.000 Arbeiter sind nun am Projekt beschaeftigt. Bei Erreichung seiner vollen
Produkt! onskapazitaet koennen j a e h r l i c h etwa 1.2j)0.000 Tonnen Rohstahl erzeugt werden.
ECA Labor Information
2 3 . November 1949
- 1 -

�GESUNDHEITSZENIRALE EUER -aRBEITER
Gemeinschaftswerk von Unternehmern und Gewerkschaften
P h i l a d e l p h i a , Pennsylvanien - - (Amerika Dienst) - - Eine Beratungszentrale
fuer vorbeugende Massnahmen gegen Erkrankungen wird zur Z e i t i n Philadelphia fuer
25 000 Arbeiter der amerikanischen Bekleidungsindustrie e i n g e r i c h t e t . Es handelt
s i c h um eine Gemeinschaftsleistung der Vereinigten Gewerkschaft der Bekleidungsi n d u s t r i e Amerikas, die dem Gewerkschaftsverband CIO angeschlossen i s t und des
Verbandes der B e k l e i d u n g s h e r s t e l l e r von P h i l a d e l p h i a .
Der zweistoeckige Stahlbetonbau s o l l b i s 1950 f e r t i g g e s t e l l t s e i n und eine
Flaeche von mehr a l s 4 1°° gm einnehmen. Unter anderem sind i n dem Gebaeude Warteund Untersuchungsraeume und e i n Hoersaal fuer Vorlesungen und Filmvorfuehrungen ueber
vorbeugende Medizin vorgesehen*
Es g i b t i n den Vereinigten Staaten b e r e i t s eine Anzahl aehnlicher Gesundheitsz e n t r a l e n , d i e den Gewerkschaftsmitgliedern kostenlose a e r z $ l i e h e Behandlung g e waehren. So unterhaelt d i e der AFL angeschlossene I n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaft der
Arbeiter der Damenbekleidungsindustrie sechs Gesundheitszentren i n verschiedenen
T e i l e n des Landes. Die Zentrale i n Www York hat im Jahre 1948 mehr a l s 10 000 Arb e i t e r kostenlos behandelt«
LEBENSSTANDARD IN DEN U.S.A.
S e l b s t k r i t i k und F o r t s c h r i t t
New York — (Amerika Dienst) — Der l e t z t e S t r e i k der amerikanischen S t a h l a r b e i t e r , der fuer die Gewerkschaften so e r f o l g r e i c h abgeschlossen wurde, h a t t e eine
Erhoehung der s o z i a l e n Leistungen bei Alter und Krankheit zur Folge« Immer wieder
wird i n der amerikanischen O e f f e n t l i c h k e i t gesprochen, was geschehen muss, um die
Lebensbedingungen derjenigen Schicht zu heben, die noch nicht A n t e i l an dem a l l g e meinen Wohlstand h a t . Das Regierungsprogramm Praesident Trumans, das sogenannte
"Fair Deal", und eine ganze Reihe von Massnahmen, die vom Kongress b e s c h l o s s e n wurden,
beziehen s i c h auf d i e s e Gruppe von amerikanischen Buergern, die durch A l t e r , A r b e i t s unfaehigkeit und Krankheit e i n nur geringes Einkommen a u f w e i s t .
Ein D r i t t e l des amerikanischen Volkes l e b t i n unzureichenden Wohnungen, hat
nicht genug zu e s s e n und anzuziehen«" Dieser Ausspruch stammt aus e i n e r beruehmten
Pro grammrede
des verstorbenen Praesidenten Franklin D. Roosevelt« D i e s war im
Jahre 1937» Wenn Ernest Rosee d i e s e s R o o s e v e l t - Z i t a t kuerzlich in der Sendung
"Die Stimme Amerikas" erwaehnte, w o l l t e er e i n B e i s p i e l dafuer geben, dass gerade
die fuehrenden Maenner der U.S.A. immer wieder auf die Unvollkommenheiten des Gemeinwesens hinweisen und mit i h r e r K r i t i k zu weiterem F o r t s c h r i t t auffordern. Dieser
Tage v e r o e f f e n t l i c h t e e i n Kongress-Ausschuss einen Bericht ueber die amerikanischen
Einkommensverhaeltni s s e . Danach geht e s dem Amerikaner von heute i n s e i n e r Gesamth e i t g u t , v e r g l i c h e n mit dem Lebensstandard der Menschen i n Europa und A s i e n . T r o t z dem g i b t e s auch i n Amerika noch immer eine Gruppe der Bevoelkerung, die nicht den
A n t e i l am Gesamtwohlstand h a t , den s i e haben s o l l t e «
Das D r i t t e l des amerikanischen Volkes, das vor 12 Jahren unter dem Standard
l e b t e , i s t heute auf e i n Achtel gesunken. Aus dem Kongressbericht geht hervor,
dass acht M i l l i o n e n Personen oder Familien e i n Jahreseinkommen haben, das 1000 Dollar
nicht u e b e r s t e i g t « Weitere zehn Millionen verdienen unter 2000 Dollar im Jahr« Es
sind etwas ueber 9 M i l l i o n e n , die zwischen 2 und 3000 Dollar verdienen. Die g r o e s s t e
Gruppe, f a s t li+ M i l l i o n e n , verdient zwischen 3000 und 5®00 Dollar im Jahr. Das ansehnliche Einkommenvon 5000 b i s 10 000 Dollar haben i n Amerika nicht nur d i e oberen
Zehntausend«sondern d i e s t a t t l i c h e Zahl von 7 Millionen Personen. S e l b s t i n der
Spitzengruppe, deren Vertreter mehr a l s 10 000 Dollar im Jahr verdienen, finden s i c h
1140 Personen«
Bei der Gruppe von 8 M i l l i o n e n , die nicht das Minimum e r r e i c h e n , besteht der
ueberwiegende T e i l nicht etwa aus Arbeitern. Das Wachstum der Gewerkschaften hat i n

- 2 -

�den Vereinigten Staaten dazu gefuehrt, dass die meisten Arbeiter heute zu der
mittleren Einkonmensstufe von 2 b i s 1+000 Dollar im Jahre gehoeren. Die Haelfte
dieser 8 Millionen Kleinstverdiener sind Einzelpersonen, und wenn sich eine Einzelperson fuer 1000 Dollar im Jahr auch keinen Luxus erlauben kann, so kann ein einzelner
Mensch fuer diese Summe doch wohnen, sich kleiden und essen, allerdings in bescheidenem Masse«
Von den Verheirateten 4 Millionen Kleinst Verdiener, die dann verbleiben, leben
l i Millionen auf dem Lande. Diese Farmer oder Landarbeiter haben meistens Wohnung
und Essen f r e i . Ihr Bargeldlohn i s t also nur ein Teil ihres Einkommens. Es bleiben
die 2\ Millionen Personen, die in den Staedten leben und bei denen Alter oder Krankheit
die wesentlichste Ursache ihres geringen Einkommens sind. In a l l e r Offenheit wird
zugegeben, dass noch v i e l zu tun uebrig bleibt, wenn diese so zusammengesetzten 8 M i l l i onen Menschen ihren angemessenen Teil an dem allgemeinen Wohlstand haben sollen«
BELEGSOiAl'TSMITGLIEDER MACHEN INNERBETRIEBLICHE VERBES5^UM3fiVCRSCHLAEGE
Washington .-- (Amerika Dienst) • - In amerikanischen Betrieben gehen zahlreiche
Verbesserungsvorschlaege und Anregungen zur Rationalisierung der Arbeitsverfahren
von den Belegschaftsmitgliedern aus« Eine kuerzlich durohgefuehrte Umfrage der amerikanischen Gesellschaft fuer Betrieis-Vorschlagssysteme (NASS) z e i g t , dass 1949 in 312
groesseren Gesellschaften ueber 2,7 Millionen Arbeiter und Angestellte der Betriebsfuehrung insgesamt 520 452 Verbesserungsvorschlaege eingereicht haben. Gegenueber
einer aehnlichen im Jahre 194&amp; durchgeführten Umfrage i s t die Zahl der eingereichten
Vorschlaege und Anregungen auf je 1000 Angestellte um 40% gestiegen«
Ueber 134 000 der im Jahre 1948 eingereichten innerbetrieblichen Verbesserungsvorschlaege wurden verwirklicht, und die dafuer ausgezahlten Praemien betrugen
In 226 der befragten Betriebe i s t ihre Hoohe unbegrenzt, zwei
2 237 337 Dollar.
Geselle* aften zahlten sogar Sonderpraemien von ueber 10 000 Dollar an ihre Angestellten«
Von dieser Umfrage wurden die verschiedenartigsten Wirtschaftszweige wie Krankenbaeuser, Banken, Zeitungsbetriebe, Warenhaeuser, Annoncenagenturen« staatliche Behoerden.
Beherbergungsbetriebe, Versicherungsgesellschaften und auch Betriebe der Produkt! onsgueterinduStrien e r f a s s t . Die meisten Befragten wiesen darauf hin, dass aus Vor»
schlaegen der Belegschaft auch eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Betriebsfuehrung und Arbeiterschaft entstanden i s t «
Diese innerbetrieblichen Verbesserungsvorschlaege, erklaerte der Praesident der
H*SE und Leiter des innerbetrieblichen Vorschlagprogramms der amerikanischen "Biscuit
Company11, Harry Richey, s t e l l e n einen engen Kontakt zwischen der Betriebsleitung und
dem Mann am Fliessband her. Es i s t eines der besten Verfahren, um den Nachwuchs zu
schulen und auszuwaehlen. Bereits heute greifen viele amerikanische Betriebe bei
Befoerderungen auf solche Arbeiter zurueck, die gute Verbesserungsvorschlaege eingereicht haben«
DER M*RSH*LL PL*N EfiKB CHT SEI*f Vflgnw 7-TET
SCA - Dollarzuschuesse haben in 18 Monaten die westlichen Nationen
auf den Weg zur Wiedergesundung gebracht. (Von Norman H, Collison).
Norman H. Collison i s t kuerzlich aus dem Amt ausgeschieden, nachdem
er a l s ECA-Vertreter und Chef der ECA-MLesion in Deutschland nahezu
s e i t Beginn des Marshallplans t a e t i g gewesen war. Sein besonders
fuer die "Stars and Stripes* geschriebener Artikel i s t sowohl ein
Rechenschaftsbericht ueber seine Taetigkeit in Deutschland als auch
ein Bericht ueber die Fortschritte des Marshallplanes«
In den ersten 18 Monaten seines Bestehens hat der Marshall Plan seine erste
Hauptaufgabe e r f u e l l t i er hat die europaeische Wirtschaft wieder auf annaehernd normalen Stand gebracht«

3

�Xs bedarf keiner besonderen fachmaennisehen Kenntnis« um f e s t z u s t e l l e n ,
in welchem Ausmass die europaeischen Laender sich s e i t Beginn des Marshallplanes im April 1948 erholt haben* Man braucht nur um sich zu schauen und,
sagen wir, das Deutschland von/heute mit dem Deutschland vor einem Jahr zu
vergleichen, um f e s t z u s t e l l e n , welche enormen Fortschritte in der Versorgung
des Durchschnittsverbrauchers mit den lebenswichtigsten Guetern e r z i e l t worden
sind« Die traurigen Ersatzwaren sind nahezu vollkommen aus den Regalen der
Geschaefte verschwunden, und an ihre S t e l l e sind echtes Leder, gutes Leinen,
erstklassige Textilien und praktische Verkaufsgueter getreten«
Die Lebensmittellage hat sich enorm gebessert« Ein deutsches Restaurant
i s t nicht mehr auf den schwarzen Markt angewiesen, um eine Minimalmahlzeit
zu hoechsten Preisen anbieten zu koennen« Heute kann ein Deutscher oder e i n
Amerikaner in deutschen Restaurants ein Diner bestellen, das in Qualitaet und
Menge einer Vorkriegstaahlzeit gleichkommt« Die deutsche Hausfrai km n heute
so einkaufen, dass s i e ihrer Familie taeglich abwechslungsreiche Mahlzeiten
von hohem Naehrwert vorsetzen kann, die den Vorkriegsverhaeltnissen schon
wieder sehr nahe kommen«
Die Probleme, denen sich die deutsche Industrie gegenuebersieht, haben
sich s e i t Anlauf des Marshall planes radikal geaendert. Das Hauptproblem i s t
nicht mehr, die Fabriken in Betrieb zu bringen; sie sind in Betrieb und in
gewissen HerstellungsSektoren schon ueber dem Vorkriegsstand. Auch der Gesamtindex der industriellen Produktion hat sich auf etwa 90# des deutschen Standes
von 1936 erhoeht«
Diese umfassenden Veraenderungen haben sich nicht nur in Deutschland,
sondern ueberall in Europa abgespielt« Der Wiederaufbau in anderen europaeischen
Laendern i n den letzten 18 Monaten war sogar noch erstai nlicher« Ausserhalb
Deutschlands i s t z.B. die Industrieproduktion weit ueber den Stand von 193&amp;
angestiegen, und eine gleiche ausgesprochene Verbesserung der Versorgung des
Durohschnittsverbrauchers mit Lebensmitteln i s t fuer nahezu ganz Europa
charakteristisch« Politische I n s t a b i l ! t a e t , wie sie die wirtschaftliche Unsicherheit der unmittelbaren Nachkriegszeit hervorgerufen hatte, hat sich zur
Zeit gelegt« Auch i n Laendern, die noch vor zwei Jahren am Rande des Zusammenbruchs standen, sind stabile 1 Regierungen errichtet worden«
Koch sind schwierige Aufgaben zu bewaeltigen.
So sieht e s auf der Habenseite der Rechnung aus, das sind die Erfolge,
die e r z i e l t worden sind. Aber in der Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit, der amerikanischen Behoerde, die den Marshallplan verwaltet, macht sich
niemand vor, dass die Sorgen und Noete Europas schon geloest oder beendet seien*
Die wesentlich schwierigeren und sicherlich groesseren Aufgaben liegen noch vor
uns. In den naechsten Monaten wird bestimmt v i e l von wirtschaftlicher Vereinheitlichung und Produkt!vi taet gesprochen werden. Das sind die beiden Hauptthemen, auf die besonderes Gewicht gelegt werden muss, damit Europa wirtschaftlich
von der amerikanischen Hilfe unabhaengig wird und so den amerikanischen Steuerzahler von der Buerde befreien kann, die er auf sich genommen hat«
Mach Ansicht der ECA i s t die wirtschaftliche Vereinheitlichung Europas
das Gebot der Stunde, wenn der europaeische Wiederaufbau-Plan ein wirklicher
Erfolg sein soll« Doch die Erreichung dieses Zieles i s t eine wirtschaftliche,
politische und diplomatische Aufgabe, die historischen europaeischen Traditionen
entgegenlaeuft« Es i s t paradox aber wahr, dass es fuer den Amerikaner, der an
dem ungeheuren freien Markt seiner 48 Staaten geschult i s t , v i e l leichter i s t «
in europaeischen Begriffen zu denken, a l s fuer einen Europaer, der s e i t Jahren,
j a , s e i t Jahrhunderten seinen eigenen Nationalismus gepflegt und kultiviert hat«
Zollschranken, Handelsbeschraenkungen, Unterstuetzungsgelder fuer einheimische
Industrien und Ausbeutung des auslaendisehen Kaeufers sind lange Zeit in Europa
uebliche Praktiken gewesen« All diese unfairen Handelspraktiken nuessen aber
b e s e i t i g t werden, wenn die wirtschaftliche Vereinheitlichung Europas aus einem
Schlagwort zur Wirklichkeit werden soll«

- 4 -

�Die Organisation fuer europaeische wirtschaftliche Zusammenarbeit, eine
europaeische Koerperschaft mit einer Zentrale in P a r i s , i s t das Organ, mit
dessen Hilfe der Vereinheitlichungsplan durchgefuehrt werden soll« Diese Gruppe
aus Vertretern der 18 ERP-Laender hat die von den einzelnen europaeisehen
Laendern vorgelegten Programme aufeinander abzustimmen, sie anzunehmen oder
abzulehnen, wobei ihr a l s Richtschnur eher das gesamteuropaeische Wohl a l s
das der einzelnen Nationen dient»
Es sind b e r e i t s F o r t s o h r i t t e gemacht worden auf dem Gebiet der Ausschaltung einiger Einfuhrbeschraenkungen sowie durch Aufnahme technischer Studien
mit dem Z i e l , den Europäern dabei zu helfen, sich wirtschaftlich l i e b e r gegens e i t i g zu ergaenzen, a l s durch halsabschneiderische Preise miteinander zu
konkurrieren. Dinge wie der inter europaei sehe Zahlungsplan, dessen Z i e l e s i s t ,
die Frage des freien Umtausches der Waehrungen zu loesen, sind in Angriff genommen worden} und wenn auch ein f r e i e r Austausch der Waehrungen noch nicht
verwirklicht werden konnte, so i s t doch e i n b e t r a e c h t l i c h e r F o r t s c h r i t t i n
dieser Richtung e r z i e l t worden«
Das Endziel!

Freie Marktwirtschaft»

Die Amerikaner duerfen nicht erwarten, dass diese Dinge ueber Nacht e r l e d i g t
werden. Das Ziel einer freien europaeischen Marktwirtechaft, i n der die Waren
ungehindert durch Zoelle und andere kuenstliche Massnahmen von Land zu Land
f l i e s s e n koennen, l i e g t noch im Weiten} aber die Benuehungen der MarshallplanVerwaltung in Deutschland und i n ganz Europa werden darauf g e r i c h t e t bleiben,
dieses so wuenschenswerte Z i e l zu erreichen«
Die Erhoehung der Produktivitaet der europaeischen Industrie i s t das andere
Hauptproblem, dem sich die ECA und die europaeischen Laender selbst gegenuebersehen« Wenn Buropa nach Beendigung des Marshallplanes im Jahre 1952 von
zusaetzlichen Dollarzuschuessen unabhaengig werden s o l l , nuessen seine Produkte
auf dem Weltmarkt mit den amerikanischen konkurrieren koennen. Sie koennen aber
nur daan konkurrenzfaehig werden, wenn die Gestehungskosten gesenkt werden koennen«
Mangel an I n v e s t i t i o n s k a p i t a l , an technischen Kenntnissen und i n vielen
Faellen auch ein Mangel an echtem Enthusia smus haben bisher den Produkti ons**
drang gedaempft und werden ihn vermitlich noch weiterhin daerapfen. Aber wenn
die physischen und geistigen Hindernisse nicht ueberwunden werden, wenn die
Leistungsfaehigkeit nicht wesentlich g e s t e i g e r t wird, sind die Aussichten fuer
den wirtschaftlichen Fortbestand Europas ohne a f r i k a n i s c h e Hilfe sehr gering«
Der Marshallplan war a l s Instrument der wirtschaftlichen Genesung i n
Angriff genommen worden. Irgendwelche p o l i t i s c h e n Verpflichtungen h a t t e e r
nicht uebernommen« Doch i s t l e t z t e n Endes eine dauernde wirtschaftliche Gesundung nicht i n einer Atmosphaere von Eifersucht, Misstrauen und der Errichtung
kuenstlicher Schranken zum Nachteil der Nachbarlaender auf einem sonst wahrscheinlich freien Markt zu erreichen«
BINNENSCHIFFAHRTSiEGE WESTEUROPAS WIEDER VOLL IN BETRIEB
Einem Bericht des ECA Sachverständigen fuer Binnenschiffahrtswege zufolge
i s t die Wiederaufnahme des Verkehrs auf den Fluessen und Kanaelen Westeuropas
soweit gediehen, dass "die einzige Beschraenkung im Angebot b e s t e h t . "
Alle Truemmer der gesprengten oder bombardierten Bruecken und Schleusen
sind praktisch b e s e i t i g t worden, und es stehen genuegend Last- und Schleppkähne zur Verfuegung, um a l l e Transportauftraege ausfuehren zu koennen. Wie
vor dem Kriege bestehen f a s t keinerlei Schwierigkeiten mehr.
Der ECA Sachvestaendige s c h a e t z t , dass sich i n diesem Jahr die auf Binnenschiffahrtswegen befoerderte Gesamttonnage i n den Marshallplan Laendern auf
175 Millionen Tonnen belaufen wird« Das waeren ungefaehr 2% der gesamten
inlaendiachen Fracht - d.h. a l l e r auf dem Wasser, mit der Bahn und mit Kraft-

-5-

�fahrzeugen befoerderten Gueter. Allein auf dem Rhein, dem Herzen des Wasserstrassennetzes Europas, werden in diesem Jahre 50 Millionen Tonnen Fracht
befoerdert werden. Die Flotte der deutschen Schleppkaehne, Tanker und lastkaehne
zaehlt augenblicklich ungefaehr 6.000 Einheiten« Das durchschnittliche Ladevermoegen eines Lastkahnes entspricht ungefaehr dem i|0 deutscher Lastkraftwagen
oder 20 amerikanischer«
Die Wiedererstellung der Schiffahrtsmoeglichkeiten auf dem Rhein i s t hauptsaechlich von den a l l i i e r t e n Besatzungsmaechten in Deutschland und von der
wiederauflebenden deutschen Wirtschaft unterstuetzt worden« Im uebri gen Westeuropa
waren es Marshallplan-Gelder - namentlich Gegenwert Fonds - durch die im wesentlichen
die Wiederaufnahme des Transportverkehrs auf binnenlaendisehen WasserStrassen
ermoeglicht wurde«
Die Marshallplan-Hilfe oder - in Deutschland - die Unterstuetzung der
Mlitaerregierung, haben sich besonders beim Wiederaufbau der im Kriege beschaedigten
Hafenanlagen bemerkbar gemacht, die zum Umladen der Fracht von Hochseedampfern
auf Schiffe des Binnenverkehrs und umgekehrt dienen.
Ferner wurde mit Hilfe von ECA-Geldmitteln der Bau eines gaenzlich neuen
Rheinkanals mit Kraftwerk- und Bewaesserungsanlagen begonnen, der Basel mit
Strassburg verbinden soll«
Die ECA i s t ebenfalls am Beginn des gewaltigen Donzere-Mondragon Projektes
b e t e i l i g t , das man auch die "TVA (Tennessee Valley Authority) Frankreichs* nennt«
Diese Anlagen werden nach ihrer Fertigstellung jaehrlich eine Elektrizitaetsmenge
von zwei Billionen Kilowattstunden l i e f e r n , und entlang, einer der schwierigsten
Strecken der Rhone wird ein schiffbarer Kanal von 25 Meilen Iaenge entstehen.
Der Gesamtplan des Rhonetals sieht die Schaffung einer durchgehenden Schiffahrtsstrasse vom Genfer See bis zum MLttellaendisehen Meere vor«
Die ECA Abteilung fuer Binnenschiffahrtswege hatte sich nicht nur mit
technischen und iusruestungsproblemen zu befassen, sondern stand auch den
beteiligten Iaendern beratend zur S e i t e , wenn e s sich um Arbeitsprobleme des
Personale der Wasserstrassen handelte. Sie nahm an Beratungen ueber einheitliche
Zollbestimmungen t e i l , die den Schiffen eine moeglichst schnelle Passierung der
internationalen Grenzen ermoeglichen sollen«
Arbeitsnachrichtenblatt des ERP
1 . - 15« November 1949
HOFFMANi "NIEDRIGERE PREISE UND HOEHERE LOEHNE."
In einer Rede, die der Administrator der Marshall Plan Verwaltung, Paul G.
Hoffman, in Los Angeles, Kalifornien, vor Mitgliedern des Ponoma Kollegiums h i e l t ,
bezeichnete er niedrigere Preise und hoehere Loehne a l s die beiden Hauptziele
im Streben nach wirtschaftlichem Wiederaufbau Europas. ?u diesem Zwecke muessten
die Preise fuer landwirtschaftliche und Industrieprodukt* gesenkt werden«
"In Europa muessen die Preise herabgesetzt werden, um groessere Absatzmoeglichkeiten schaffen zu koennen," versicherte der Chef der ECJU
"Hoehere Loehne muessen dort gezahlt werden, denn der Lebensstandard i s t zu
niedrig, um die Immunitaet gegen den Kommunismus oder irgendeinen anderen "-ismus",
der sich breit machen koennte, gewaehrleisten zu koennen."
Zur Senkung der Preise forderte Mr. Hoffman groessere Anwendung moderner
Maschinen, verbesserte Vertriebsmethoden und bessere Ausnutzung der elektrischen

- 6 -

�Energie. Er legte Europa warnend nahe« eine "fundamentale Gleichrichtung' seiner
Wirtschaft vorzunehmen, um den "erforderlichen Leistungsstand" erreichen zu koennen.
Er sprach sich fuer die Wiedererrichtung eines einzigen europaeisehen Absatzmarktes aus, wie er vor 3° Jahren bestand, a l s Europa unumstritten den Mittelpunkt im Welthandel bildete«
"Ein einziger Absatzmarkt", sagte e r , "fuer den es weder mengenmaessige
Beschraenkungen fuer den Warenaustausch, noch Hindernisse fuer den freien
Zahlungsverkehr und v i e l l e i c h t keinerlei Zoelle gaebe," waere die einzige Grundlage, auf der Suropa versuchen koennte, "wirtschaftlich vollkommen unabhaengig
zu werden und einen hohen und staendig steigenden Lebensstandard zu erreichen«"
Hoffman schilderte die Erfolge, die dank des Marshall Plans bis j e t z t e r z i e l t
wurden und sagte, dass die "freien Nationen Europas mit unserer Unterstuetzung
grosse Fortschritte auf dem Wege zum Wiederaufbau und zur Stabil!taet gemacht
haetten."
Er erklaerte, dass die Ueberschreitung des Vorkriegsstandes der industriellen
Produktion um 20 Prozent eine Antwort an "diejenigen s e i , die behaupten, dass die
Arbeiter Suropas keine wirklichen Anstrengungen machten." "Sie arbeiten und
arbeiten sogar schwer," erklaerte Hoffman«
ECA Labor Information
12. Juni 1949
EaROPAEISGHE GEWERKSCHAFTEN ZUM WIEDERAUFBAU .
Die Mitarbeit der europaeisehen Gewerkschaftsbewegung am ECA Frogranm hat
i n der l e t z t e n Z e i t p o s i t i v e Formen angenommen«
Vertreter nichtkommunistischer Gewerksei af tsverbaende aus 14 europaei sehen
Laendern brachten auf der zweiten I n t e r n a t i o n a l e n Gewerkschaftskonferenz des ERP
Vorschlaege e i n , i n denen ihre B e r e i t w i l l i g k e i t zum Ausdruck kommt, ebenso t a t k r a e f t i g am Wiederaufbau mitzuhelfen, wie e s die amerikanischen Gewerkschaften
b e r e i t s getan haben«
Auf der Londoner Konferenz t r a t die f e s t e Entschlösse nheit der Gewerkschaften
z u t a g e , den Marshall Plan und d i e Verwirklichung s e i n e r Z i e l e zu unterstuetzen«
Bei Tagungen, die kuerzlich i n Skandinavien s t a t t f a n d e n , z e i g t e n die beiden
i n t e r n a t i o n a l e n Verbaende der Transport- und Bergarbeiter eine aehnliche Einstellung«
Sonderbeauftragter W« A v e r e l l Harriman h i e l t e i n e Rede, i n der er seine und
Paul Hoffmans (ECA-Administrator i n Washington) o f t zum Ausdruck gebrachte Ueberzeugung b e k r a e f t i g t e , dass die Mitarbeit der Gewerkschaften fuer das Gelingen
des Marshall Planes von ausschlaggebender Bedeutung s e i « Daraufhin wurde die
Londoner Deklaration v o r g e l e g t , angenommen und v e r o e f f e n t l i c h t «
Mr. Harriman e r k l a e r t e , dass e s i n e r s t e r Linie an den Gewerkschaftsorganisa-

tionen Europas l i e g e , die wirtschaftliche Stabilitaet auf diesem Kontinent mit
Hilfe der ECA wiederherzustellen«
"Wir wuenschen Ihre Unter stuetzung", sagte Mr. Harriman, "und wir brauchen
s i e . Wir werden Ihre Hilfe annehmen, ganz gleich in welcher Form Sie diese l e i s t e n
wollen."
In seiner Antwort griff der Gewerkschaftskongress nochmals die Worte Mr.
Harrimans auf, mit denen er die "Neuordnung der zerruetteten Wirtschaften
Europas a l s den Grundstein zum wirtschaftlichen Wiederaufbau" bezeichnete; sie
nahm o f f i z i e l l zur "Propaganda der Gegner des Marshall Plans" Stellung und
befuerwortete die oft wiederholte Erklaerung, keine Einmischung in die innerpolitischen Angelegenheiten der beteiligten Laender zu dulden. Ferner wurde die
Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht, dass "diese Bestimmungen sowohl dem Inhalt
a l s auch dem Wortlaut entsprechend mit Hilfe der Kollegen aus der amerikanischen

7 -

�Gewerkschaftsbewegung befolgt werden koennen"•
Die Konferenz forderte die Beseitigung vieler Schranken, "die einen freien
Waren- und Dienstleistungs-Austausch noch verhindern, und den Wiederaufbau und
die Zusammenfassung der nationalen Wirtschaften Europas durch s t e t i g e , gemeinsame
Bemuehungen."
"Nur auf diese Weise", erklaerten die nichtkommunistischen Gewerksch af t s fuehrer Europas, "koennen die kleinen Laender von dem Druck befreit werden, den
man von aussen her auf sie ausuebt."
"Die Deklaration sieht ferner die Errichtung eines Verbindungsstabes vor,
dem der Nachrichtenaustausch zwischen den nationalen Zentren und den Gewerkediaftsvertretern bei der ECA auf dem Wege ueber den Sekretaer des Beratungs-Ausschusses
(Advisory Committee) obliegt. Zu diesem Zwecke schlagen wir jedem Teilnehmerstaat
die Ernennung eines verantwortlichen, dauernd angestellten Beamten vor, der in
ERP-Problemen geschult i s t « Ausserdem s o l l der Beratungs-Ausschuss den nationalen
Zentren Anleitungen zur Mobilisierung und Koordinierung ihrer Taetigkeiten geben*
"Und schliesslich ruft diese Konferenz a l l e beteiligten Voelker auf, ihr
Bestes fuer die Unterstuetzung der Zusammenarbeit zu tun, fuer die sich selbst
unsere nationalen Zentren einsetzen. Wir koennen der wirtschaftlichen, politischen
und sozialen Unordnung, die soviel Leid, Not und Unruhe ueber die Voelker Europas
gebracht hat, durch grosszuegige und weitgesttckte Zielsetzung im grossen wirtschaftlichen Wiederaufbau plan Herr werden* Wir sind ueberzeugt, dass sich die
organisierte Gewerkschaftsbewegung, die wir vertreten, und auf der eine grosse
Verantwortung bei dieser Arbeit ruht, dem Aufruf dieses Kongresses zur wirksamen Zusammenarbeit nicht verschliessen wird."
Die Teilnehmer des Kongresses, die diese historische Deklaration einstimmig
annahmen, waren nichtkommunistische Gewerkschaftsführer aus Oesterreich, Belgien,
Irland, Frankreich, Deutschland, I t a l i e n , Griechenland, Holland, Norwegen, Spanien
(Exilgewerkschaften), Schweden, Schweiz und England*
Ferner waren die AFL, der CIO, die Vereinigten Bergarbeiter Amerikas und
der Verband der Ei senbahngewerkschaf ts-Sekretaere vertreten* Die beiden amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaere, die Berater fuer Arbeitsfragen Mr. Harrimans
sein werden, waren ebenfalls zugegen; Boris Shiskin von der AFL s o l l Leiter der
Abteilung Hi er Arbeit werden, und Harry Martin, der Praesident des Zeitungsarbeiter Verbandes (CIO) hat die S t e l l e eines Beraters und Sachbearbeiters fuer Arbeitsinformationen uebemommen* Er i s t vom Redaktionsstab der Zeitung "Comraercial
- Appeal" in Memphis, Tennessee, voruebergehend beurlaubt worden*
Martin war Mitglied der Delegation, die Amerika auf der Konferenz der
Vereinten Nationen fuer Pressefreiheit in Genf kuerzlich vertreten hat* Shiskin
i s t ein bekannter Arbeitsoekonome Washingtons und war lange Jahre in inneramerikanischen Angelegenheiten taetig*
Clinton S* Golden, der fruehere Vizepresident der Vereinigten Stahlarbeiter
Amerikas (CIO) und Bert M. Jewell, ehemals Praesident des Verbandes der Eisenbahngewerksdiafts-Sekretaere, sind schon lange in Washington a l s Berater fuer Arbeitsfragen des Administrators der Marshall Plan Verwaltung, Paul Hoffmen, taetig*
Beide waren schon zweimal i n Europa, um fuer die ECA zu arbeiten und werden r e g e l maessig dahin zurueckkehren*
Schon s e i t den fruehesten Tagen der ECA waren amerikanische Gewerkschaf t s fuehrer an der Planung und Programmgestaltung b e t e i l i g t . Fuehrende Persoenlichkeiten im Oeffentliehen Beratungsausschuss Mr. Hoffmans (Public Advisory Board),
der sich aus 12 Mitgliedern zusammensetzt, sind« James B. Carey, Finanzsekretaer
des CIO, Arion Everett Lyon, Sekretaer des Verbandes der EisenbahngewerkschaftsSekretaere, und George Meany, Fi nanzsekr etaer der AFL*

- 8 -

�Fuer die ECA-Missionen i n den einzelnen Laendern hat man ebenfalls Berater
fuer Arbeitsfragen ernannt« Man erwartet von ihnen, dass sie gute Beziehungen
zu Mr. Martin. Mr. Shiskin und den Mitgliedern der einzelnen Missionen unterh a l t e n , um so die gegenseitige Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften, ECA und
vielen anderen Kraeften, die sich in den Kampf um die Wiederherstellung der
wirtschaftlichen Unabhaengigkeit Europas eingeschaltet haben, zu foerdern. Die
ERP-Gewerkschaftsvertreter fuer Deutschland sind Mr. Harvey W. Brown, der
ehemalige Praesident der Metallarbeiter Gewerkschaft Amerikas und der fruehere
Direktor der genossenschaftlichen Rundti nkstation i n Washington, Helnuth F . Kern*
GEWERKSCHAFTEN DEUTSCHLANDS IM KAMPF UM DEMOKRATIE.
"LABOR*, eine der einflussreichsten Gewerkschaftszeitungen Amerikas,
veroeffentlichte den folgenden Bericht ueber den zweimonatigen Studienaufenthalt deutscher Gewerkschaftsfuehrer in den Vereinigten Staaten
von Amerikat
Zehn Gewerkschaftler aus oertlichen Gewerkschaftsorganisationen Deutschlands haben i h r e 60-Tage Reise durch die Vereinigten Staaten unter Anleitung
des Arbeitsministeriums beendet. Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch erzaehlten
sie von ihren Eindruecken und den Hoffnungen, die sie fuer die Zukunft ihres
eigenen Laendes hegen«
Besonders beeindruckt waren sie von den Arbeitsmethoden, die sie i n den
Betrieben sahen, und die die Produktion so enormer Warenmengen ermoeglichen.
Sie haben jedoch wenig Hoffnung, dass solche F o r t s c h r i t t e auch i n ihrem Land
e r z i e l t werden koennen. Und dafuer fuehren sie zwei Grande a m Erstens mangelt
es ihnen an Maschinen und zweitens an ausreichenden Energiequellen« Ausserdem
haben sie keine Absatzmoeglichkeiten fuer ihre Produkte«
Als jedoch die Frage der politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten
aufgeworfen wurde, zeigten die deutschen Gewerkschaftler ein grosses Interesse«
Sie betonten, dass die Gewerkschaften einen der maechtigsten Faktoren im Kampf
um eine wahre Demokratie Deutschlands d a r s t e l l t e n «
Um ein Beispiel zu geben, berichteten sie von Schulungskursen, die die
Gewerkschaften fuer ihre juengeren maennlichen und weiblichen Mitglieder einger i c h t e t haben. Diese jungen Menschen waren unter H i t l e r gross geworden und
kannten b i s zum Einzug der a l l i i e r t e n Truppen nur dessen Regierungssystem.
"Wir versuchen, ihnen die Ursachen des schreck liehen Ungluecks klarzumachen,
das ueber unser Land hereingebrochen i s t " , sagte einer von ihnen, "und zeigen
ihnen die Uebel des Hitlerismus. Einige Erfolge koennen wir schon fuer uns
buchen«"
Jugend Deutschlands unpolitisch
Ein anderer s c h i l d e r t e , dass die Jugend Deutschlands heute voellig unpolitisch
s e i . "Sie empfindet, dass man sie unter H i t l e r betrogen hat und moechte deshalb
nicht denselben Fehler noch einmal begehen."
Was den Komnunismis b e t r a e f e , sagten s i e , so bestehe i n dieser Hinsicht keinerlei
Gefahr, vorausgesetzt, dass die wirtschaftlichen Bedingungen sich nicht noch mehr
verschlechterten«
Die Besuchergruppe s e t z t e sich aus Anhaengern der Christlich-Demokratischen
a l s auch der Sozialdemokratischen P a r t e i zusammen« Beide Teile waren ueberrascht
zu hoeren und zu l e s e n , dass man in Amerika den neuen Christ lieh-Demokratischen
Kanzler, Konrad Adenauer, a l s einen "Nationalisten" und Reaktionaeren bezeichnet.
Sie sind der Ansicht, dass es sich h i e r um Faelschungen oder Mi ssverstaendnisse
handeln muesse, und es i s t ihnen sehr daran gelegen, vor i h r e r Rueckreise herauszufinden, woher diese Geruechte können.

- 9 -

�Einigkeit innerhalb der Gewerkschaftsbewegung
Die Mitglieder beider Parteien brachten ihre Zuversicht und Ueberzeugang
zum Ausdruck, dass in den Reihen der deutschen Gewerkschaften keine Spaltung
nach politischen Gesichtspunkten zu befuerchten s e i . Sin Mitglied der ChristlichDemokratischen Partei erklaerte, dass man in Deutschland nicht die Absicht habe«
sich einer internationalen Vereinigung Christlicher Parteien, von denen man i n
Westeuropa spricht« anzusehliessen, um die Einheit der Gewerkschaftsbewegung
nicht zu untergraben»
Die zahn Gewerkschaftler kommen aus verschiedenen Industriezweigen, und e s
befinden sich zwei trauen unter ihnen. Die Unterredungen wurden mit Hilfe von
Dolmetschern gefuehrt, und es war eine voellige Uebereinstimmung der Meinungen
ueber die zur Sprache gebrachten Probleme f e s t z u s t e l l e n .
FACHAUSBILDUNG FJBR UNGELERNTE ARBEITER IN DAKNKMARK
Der Metallarheiter-Verband i n Daenemark fuehrt augenblicklich e i n Programm
zur Fachausbildung ungelernter Arbeiter durch, womit dem Mangel der zum Wiederaufbau erforderlichen Facharbeiter begegnet werden soll«
Um den staendig wachsenden Bedarf an Facharbeitern decken zu koennen, hat
dieser 50.000 Mitglieder umfassende Gewerkschafts-Verband ein FachausbildungsProgramm in Angriff genommen und g l e i c h z e i t i g die noetigen Massnahmen zur
Sicherung der Beschaeftigung der Facharbeiter getroffen.
Fuer ein Schiffsbauunternehmen werden bereits 3*000 Facharbeiter ausgebildet,
die man benoetigt, um die Produktionsquote erreichen zu koenaan. Hans Rasmussen,
der Gewerkschaftspraesident, nimmt in der daenischen Veroeffentlichung "Verdens
Gang" zu diesem Programm Stellung:
"Oberster Grundsatz, den wir unseren Erschliessungen zugrunde legen muessen,
i s t , dass ungelernte Arbeiter, die zu Facharbeit herangezogen werden, auch nach
den Tarifen der Facharbeiter bezahlt werden muessen. Ferner bestehen wir darauf,
dass ein Facharbeiter, der an einen anderen Arbeitsplatz g e s t e l l t wird, weil ein
ungelernter Arbeiter seine S t e l l e uebernommen hat, den gleichen Lohn erhalten
muss, der ihm vorher gezahlt wurde. Man i s t sich ausserdem in den meisten Faellen
darueber einig geworden, dass bei Arbeitsmangel Facharbeiter das Vorrecht auf
Beschaeftigung haben.
"Zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit unter den ungelernten Arbeitern halten
wir es fuer angebracht, diejenigen von ihnen, die schon lange Jahre in der Eisenindustrie beschaeftigt sind, in kurzfristigen Lehrgaengen zu Facharbeitern auszubilden.."
Rasmussen gab zu, dass durch dieses Programm regulaeren Lehrlingen Nachteile
entstehen koennten und sagtet "Unsere Gewerkschaft muss durch Aussprache mit den
Unternehmern Massnahmen treffen, die es verhindern, dass sich die Zahl der Lehrlinge in der Industrie verringert,"
Rasmussen warnte vor einer Entwicklung, durch die langjaehrige Facharbeiter
ihrer Beschaeftigung verlustig gingen, und erklaerte, dass es im Falle einer
allgemeinen Arbeitslosigkeit in der Industrie Aufgabe der Gewerkschaften s e i ,
die Prioritaetsrechte ihrer Facharbeiter bei der Anweisung der zur Verfuegung
stehenden Arbeitsplaetze geltend zu machen«
In den Sommermonaten waren 25 - 30.000 Mitglieder der Gewerkschaft der
Ungelernten Arbeiter a r b e i t s l o s . Die Mitgliederzahl dieser Gewerkschaft belaeuft
sich auf mehr a l s 200.000. Christian Larsen, ihr Praesident, hob i n diesem
Zusammenhang die Bemuehungen der Metallarbeiter lobend hervor und fa ehrte aus»

10 -

�•Die Arbeitslosigkeit innerhalb unserer Gewerkschaft kann nicht vollkommen
behoben werden, wenn das Ausbildungsprogramm nur auf einen Industriezweig beschraenkt b l e i b t . . . Es besteht kein Zweifel, dass dieses Vorhaben auch i n
anderen Industriezweigen Beschaeftigungsmoeglichkeiten fuer Arbeitslose schaffen
koennte, wie zum Beispiel im Baugewerbe.

ICA Labor Information

12. 5« 1949

JUNKT-ii-HiOGRAMM HILFT ARBEITERN UND UNTERNEHMERN.
"Den Gewerkschaften f a e l l t eine Hauptrolle im Punkt-ij-Programm Praesident
Trumans zu," erklaerte der Staatssekretaer im Arbeitsministerium, Philipp M. Kaiser,
vor Mitgliedern der Associated ünions of Amerika (kleinerer Verband lokaler Gewerkschaften) i n Milwaukee, Wisconsin.
"Die Gewerkschaften stehen vor zwei Aufgaben", sagte Staatssekretaer Kaiser.
"Erstens muessen die Arbeiter in den technischen Fachgebieten ausgebildet werden,
um die Produktionsleistung steigern zu koennen Unsere Arbeiter und Unternehmer,
das Arbeitsministerium und auch die Internationale Arbeitsorganisation sind in
der Lage, diese Ausbildung durchzufuehren.
"Die zweite und ebenso wichtige Aufgabe besteht darin, den Arbeitern, Unternehmern und Regierungen der unentwickelten Gebiete bei der Verbesserung des a l l gemeinen Lebensstandards zu helfen, so dass die Vorteile einer gesteigerten
Produktion allen Menschen zugute kommen.
•Wir haben nicht die Absicht, anderen Nationen einen bestimmten Lebensstandard und bestimmte Arbeitsgesetze vorzuschreiben. So wie der Aufbau einer
neuen Industrie neue technische Faehigkeiten erfordert, so sind auch zur Ausdehnung einer Wirtschaft neue Methoden der Wechselbeziehungen Arbeiterschaft-Unternehmer und neue soziale Grundsaetze notwendig, um den gerechten, industriellen
Frieden zu sichern. Praesident Iruman moechte sicherstellen, dass wir nicht nur
bei der Industrialisierung der unentwickelten Gebiete mithelfen, sondern auch
deren Bewohner durch bessere Loehne fuer ihre Arbeit belohnen.
"Die amerikanische Industrie, die Gewerkscnaften und die Sachverstaendigen
in der Regierung koennen jenen Gebieten helfen, indem sie ihnen ihre technischen
Erfahrungen und fachliche Beratung z u t e i l werden lassen, die sie befaehigt,
nationale Programme zur Steigerung der Produktionsleistung zu entwerfen und durchzufuehren.
"Zunehmende Industrialisierung erfordert neue Facakraefte. Wir koennen die
Ausbildung der auslaendisehen Arbeiter an den fuer s i e bestimmten Maschinen vornehmen. Da wir selbst industrielle Ausbildungsprogramme haben, i s t es uns
moeglich, die gemachten Erfahrungen jenen Leuten mitzuteilen.
"Die in der Industrialisierung begriffenen Laender werden Ausbildungsprogramme fuer Lehrlinge benoetigen. Auch hier koennen wir helfen, indem wir ihnen
Einblick in unsere gebraeuchliehen Lehrmethoden geben.
"Das Arbeitsvermittlungsbuero im amerikanischen Arbeitsministerium kann fuer
diese Laender Flaene entwerfen, durch die der richtige Arbeiter an den richtigen
Arbeitsplatz g e s t e l l t wird und Facharbeiter aus dem Ausland fuer die eigene Industrie geworben werden koennen.
•Ohne die entsprechenden Arbeitsstatistiken i s t es nicht moeglich, bedeutende
Wirtschaftsprogramme auf gesunder Grundlage aufzubauen. Wir sind in der Lage,
auch hiermit den anderen Voelkern wertvolle Dienste leisten zu koennen.

- 11 -

�"Technische Unters tue tzung koennen wir auf folgenden Gebieten geben: Verbesserung der industriellen Gesundheit und Sicherheit* Sicherheitspruefungen i n
Betrieben und Fabriken, Arbeitslosenversicherung und die besonderen Probleme«
die die Beschaeftigung von Frauen mit sich bringt. Diese Hilfe kann jedoch nicht
nur von der Regierung g e l e i s t e t werden« sondern a l l e , die an der Dirchfuehrung
dieser Gesetze und Projekte b e t e i l i g t waren und mit unserem System vertraut sind,
muessen mithelfen.
"Das Arbeitsprogramm des Punkt-Vier i s t kein leeres Traumgebilde, das niemals
verwirklicht werden koennte. In denselben Gebieten, i n denen wir das Punkt-VierProgramm durchzufuehren gedenken, sind wir bereits mit Projekten beschaeftigt,
die man a l s Vorlaeufer bezeichnen kann.
"Die f r e i e , demokratische Gewerkschaftsbewegung, die gegen den Kommunismus
kaempft, um seine Plaene zu durchkreuzen, die auf die Zersetzung innerhalb der
Arbeiterbewegung z i e l e n , weiss das Punkt-Vier-Programm und seine Bedeutung zu
schaetzen. Sie weiss, dass Arbeiter, die unter schlechten Bedingungen leben
miessen, eher geneigt sind, den kommunistischen Manipulationen zu erliegen.
"Es i s t deshalb nicht erstaunlich, dass i n dem Satzungsentwurf der neuen Internationale freier Gewerkschaften, die gegen Ende dieses Monats i n London organ i s i e r t wird, folgende EntSchliessung enthalten i s t i 'Die Entwicklung der H i l f s quellen a l l e r Laender zu unterstuetzen, um den wirtschaftlichen, sozialen und
kulturellen Fortschritt in a l l e r Welt und besonders i n den unentwickelten Gebieten
zu foerdernJ"
Labor Press Service
ü . S. Arbeitsministerium
2 1 . November 1949

- 12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

QFFICIAL

t HICOO,

9 - 3V5«, IAT,

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ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

7 - 3

Frankfurt, den 1 . Februar 1V52

I N HALTSVBRZBICHNIS

Die Lohnangleichung an die Lebenshaltungskosten in
Westeuropa ."

1

Die Ursachen des industriellen Friedens

8

Paul Finet zur amerikanischen Gewerkschaftsbewegung

11

Vollbesohaeftlgung in Schweden

13

Franzoesisohe Seeleute blickten hinter den
"Eisernen Vorhang

15

Die Lohnangleichung an die Lebenshaltungskosten in Westeuropa
In allen Laendern, in denen die Verbraucherpreise ataendig dazu neigen, sich zu erhoehen, bildet die Angleichung der
Lohntarife an die veraenderten Lebenshaltungskosten ein Problem von lebenswichtiger Bedeutung. Mit zunehmenden Inflationserscheinungen wird die Forderung nach automatischer Angleichung der Loehne oder regelmaessiger Erneuerung der Tarifyertraege immer haeufiger. Weil die Inflation oder zumindest
die Gefahr einer Inflation seit dem Ende des zweiten Weltkrieges allen Laendern droht, die Mitglieder des Europaeischen
Wirtschaftsrates sind, sind haeuflg Diskussionen ueber eine
diese Steigerung ausgleichende Lohnanpassung gefuehrt worden.
Man hat jedoch erkannt, dass die Lohnangleichung allein kein
wirksames Mittel zur Schliessung der Luecke zwischen Kaufkraft
und Angebot bei den Verbrauchsguetern ist. Eine grundlegende
Loesung dieses Problems muss in einer Steigerung der Produktivltaet gesucht werden.

- 1

�In dem Bemuehen, die Kaufkraft der Loehne in den L'arshallplan-Laendern in der Nachkriegszeit stabil zu erhalten, hat
man zu verschiedenen Kitteln gegriffen. Die automatische Lohnangleichung an die Lebensnaltungskosten i3t weit verbreitet,
sie findet sich in Belgien, Luxemburg, Daenemark, Italien und
dem freien Territorium Triest und zwar in Form eines dezentralisierten Tarifvernandlungssystems in Belgien und Luxemburg und
in Form entsprechender Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern auf Landesbasis in den uebrigen drei Laendern.
Verschiedentlich wurde auch in Norwegen und Schweden die gleiche
Methode der Lohnangleichung befolgt wie in Daenemark.
In England sind seit dem ersten Weltkrieg" einige Tarifvertraege in Kraft, die automatische "Stufengleif-Klauseln enthalten. Ende lyöl arbeiteten etwa 10% aller englischen Arbeitnehmer aufgrund ihrer Tarifvertraege unter Stufengleit-Bestimmungen. In Frankreich gab es nur wenige solcher Vertraege.
In Oesterreich, Westdeutschland und Holland sahen sich die
Gewerkschaften auf Grund der Erfahrungen, die sie nach dem ersten
Weltkrieg waehrend der Inflation gemacht hatten und durch die
Bedenken einer Wiederholung dazu veranlasst, von der Forderung
nach automatischer Lohnangleichung abzusehen. Selbst in diesen
Laendern waren jedoch gewisse Lohnerhoehungen unumgaenglieh,
nachdem Preissteigerungen von beunruhigenden üusmassen eingetreten waren. Derartige Lohnangleichungen mussten jedoch in
Oesterreich und Holland von der Regierung genehmigt werden.
In den Laendern, in denen die automatische Lohnangleichung nicht
bekannt ist, hat man versuent, durch haaufige Erneuerung der
Tarifvertraege Abhilfe zu schaffen. Waehrend die Bestimmungen
ueber die Lohnangleichung in den einzelnen Laendern und auch
von Zeit zu Zeit innerhalb der einzelnen Laender verschiedene
sind, blieben die Argumente hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen
Auswirkungen die gleichen. Die Gegner des Stufengleit-Prinzipa
behaupten, dass es der Inflation Vorschub leiste, die PreisLohn-Spirale ins Leben rufe, ja sogar die Inflation beschleunige.
Diejenigen, die dieses System befuerworten, sind dagegen der
Auffassung, dass in ihm nicht die eigentliche Ursache der Inflation zu suchen ist, weil zuerst die Preise anziehen muessen,
bevor eine Lohnangleichung gefordert wird, wenn die Preise
jedoch erhoeht werden, ist eine Lohnanpassung notwendig, um
das Realeinkommen der Lohnempfaenger zu schuetzen. Allein das
Bestehen einer solchen Bestimmung duerfte dazu anspornen, die
Preise zu stabilisiaren. Ihrer Meinung zufolge kann ausserdem
eine ordnungsgemaesse und im voraus berechnete Lohnangleichung,
so wie sie in den Stufengleit-Klauseln der Tarifvertraege
der Gewerkschaften vorgesehen ist, fuer eine .Virtschaft weniger schaedlich sein als die durch Preissteigerungen hervorgerufene Unruhe innerhalb der Industrie oder die langwierigen
TarifVerhandlungen, die Begleitumstaende haeufig wiederkehrender Krisen sind.
Die in London erscheinende Wirtschaftszeitung "Economist"
bringt die Auffassung zum Ausdruck, dass eine gewisse Form der
Lohnangleichung sogar mithelfen koennte, der Inflation entgegenzuwirken; "Diese k'oeglichkeit waere dadurch gegeben, dass die
Loehne den Preisen erst in einem bestimmten Zeitabschnitt folgen und die Srhoehungen der Loehne geringer als die der Preise
sind. Der Zweck der Klausel waere, den Gewerkschaften als Ausgleich fuer die nachhinkenden Loehne ein Gefuehl der Sicherheit zu geben. Die Einfuehrung der Stufengleitklausel koennte
somit die englische Industrie vor einem Chaos bewahren."

- 2 -

�'Vo der Einfluss der Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen
so gross ist wie in den meisten westeuropaeischen Laendern seit
dem zweiten '.Veitkrieg, besteht die Tendenz, Lohnerhoehungen vorzunehmen, wenn eine fuehlbare Preissteigerung eintritt. Die
Angst vor einer inflationistischen Spirale hat jedoch die Gewerkschaften veranlasst, sich wa«hrend eines grossen Teiles der
Nachkriegszeit in ihren Lohnforderungen Beschraenkungen aufzuerlegen.
Die Gewerkschaftsfuehrer sind in den meisten l'arshallplanLaendern entschieden fuer eine Preiskontrolle eingetreten. Unter bestimmten Bedingungen sind die Lohntarife mit dem Lebenshaltungskostenindex gekoppelt worden. Auf der anderen Seite jedoch
haben die Gewerkschaften ihr traditionelles Ziel einer Steigerung
des Realeinkommens der Arbeiter, dem gesteigerte Froduktivitaet
zugrunde liegen muss, nicht aus dem Auge gelassen.
Die Auswirkungen der automatischen Lohnangleichungsbestimmungen auf die .Virtschaft haengen davon ab, wie haeufig solche
Angleiohungen vorgenommen werden, in welcher Hoehe ein Ausgleich
gewaehrt wird, ob diese Massnahmen ein Sinken oder Steigen des
Preisindex' bewirken und in welchem Grade die verschiedenen Freisindizis, die bei der Lohnangleichung verwendet werden, eine Veraenderung der Preise widerspiegeln, die tatsaechlich von den betreffenden Arbeitern gezahlt werden.
Zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Laendern hat
man, um einer Inflation entgegenzuwirken, den zeitlichen Zwischenraum zwischen den einzelnen Lohnangleichungen verlaengert
und die Preiserhoehungen nur zum Teil durch Lohnerhoehungen ausgeglichen, um einen bestimmten Abstand zwischen den Erhoehungen
des Preisindex' und den Lohnerhoehungen zu schaffen. Regierungen, Gewerkschaften und Unternehmer haben haeufig eine Verbindung von Lohnerhoehungen und Produktivitaetssteigerungen einer
Kopplung der Loehne an die Preise vorgezogen; diese Methode ist
jedoch in keinem Lande ununterbrochen zur Anwendung gekommen.
In den nachstehenden Ausfuehrungen wird beschrieben, inwieweit in den Marshallplan-Laendern in der Nachkriegszeit Lohnangleichungen durchgefuehrt wurden, um hauptsaectlich fuer die Arbeiter der Industrie einen Ausgleich fuer die veraenderten Lebenshaltungskosten zu schaffen. Wir werden uns nicht mit anderen Arten der Lohnangleichung beschaeftigen, die zu gewissen
Zeiten und unter gewissen Umstaenden, angewendet worden sind, so
zum Beispiel Belohnungen fuer Produktivitaetserhoehungen oder
um groessere Lohnunterschiede fuer verschiedene Berufe zu schaffen. Es wird gezeigt, wie automatische Stufengleitskalen verhaeltnismaessig haeufig in den Tarifvertraegen der Gewerkschaften auftreten und wie die Lohntarife in Erkenntnis der Veraenderungen, denen die Lebenshaltungskosten unterworfen sind, in
regelmaessigen Zeitabstaenden abgeaendert werden. Es wird
ausserdem gezeigt, welche Rolle die Regierungen hierbei gespielt
haben, sei es durch gesetzliche Anordnungen von Lohnveraenderungen, durch deren Genehmigung oder Ablehnung oder durch
eigene Verhandlungen mit den betreffenden Partnern ueber die
Hoehe der Lohnveraenderung.
In Belgien, Daenemark, Italien, Luxemburg und dem freien
Territorium von Triest sind Bestimmungen ueber eine automatische
Lohnangleichung in fast allen Tarifvertraegen enthalten, die im
Dezember 1951 sowohl fuer Arbeiter als auch fuer Angestellte in
der Industrie gueltig waren. Arbeitern in der Landwirtschaft
und Regierungsangestellten wurden in Daenemark und bis zu einem

- 3 -

�gewissen Grade auch in Belgien und Italien automatische Lohnerhoehungen gewaehrt. Die Tarifvertraege in England, die sich
ueber eineinhalb bis zwei Millionen Arbeitnehmer erstrecken d.h. etwa 10% der unselbstaendigen Erwerbsbevoelkerung - enthalten Bestimmungen ueber automatische Lohnangleichungen. In
Frankreich sind derartige Bestimmungen nur in wenigen Tarifvertraegen vorzufinden, das neue Gesetz bringt hier allerdings eine
grundlegende Aenderung.
In Korwegen und Luxemburg werden Lohnangleichungen in der
Regel halbjaehrlich vorgenommen. In Daenemark werden die Loehne vierteljaehrlich revidiert, und ebenso war es in Schweden,
als dort noch Bestimmungen ueber die automatische Lohnangleichung in Kraft waren. In Italien, Triest und Belgien kann eine
Anpassung der Loehne an die Lebenshaltungskosten alle zwei
Monate erfolgen. In Island hat man in der Zeit von 1940 bis
Januar 1948 die Loehne monatlich den Lebenshaltungskosten angepasst. Seit Januar 1948 sind durch verschiedene Gesetze und
Verordnungen der Regierung monatliche, vierteljaehrliche und
dann halbjaehrliche Lohnangleichungen angeordnet worden. Die
gesetzlichen Bestimmungen in England sind in bezug auf die
Gueltigkeitsdauer der Lohnangleichungen verschieden. In einigen
Faellen werden sie sogar nur einmal im Jahre durchgefuehrt.
t

Die zentralen Arbeitgeberverbaende und Gewerkschaften in
Schweden und Norwegen haben in den dreissiger Jahren und nach
1945 bzw. von 1939-1946 Vereinbarungen getroffen, in denen automatische Angleichungen der Loehne an die Lebenshaltungskosten
vorgesehen waren. In Schweden ist man nach 1946 von dieser Ivlethode abgekommen, in Norwegen hat man sie erst in letzter Zeit
abgeaendert. -Seit 1940 werden in Island die Loehne zur Anpassung
an die Lebenshaltungskosten recht haeufig veraendert. Eine Ausnahme bildete lediglich die Zeit zwischen 1948 und 1950, als
solche Massnahmen durch Gesetz suspendiert waren. In Irland
hat man in Tarif Verhandlungen zum Ausgleich fuer Erhoehungen
der Lebenshaltungskosten von Zeit zu Zeit Lohnaufbesserungen gewaehrt, ohne sich jedoch durch "Stufengleif-Bestimmungen festzulegen.
Einige diesernStufengleitn-Klauseln sehen einen hundertprozentigen, andere einen geringeren Ausgleich fuer hoehere Lebenshaltungskosten vor. Die Vereinbarungen ueber Lohnangleiohungen, die waehrend des Krieges in Schweden getroffen wurden,
legten Lohnausgleiche fest, die teils nur die Haelfte und teils
nur drei Viertel der Steigerung des Lebenshaltungskostenindex1
ausmachten. Die im Oktober 1950 in Norwegen getroffenen Vereinbarungen gewaehrten einen Ausgleich nur fuer solche Preiserhoehungen, die durch die Beschraenkung der Subventionen verursacht
waren. Zurzeit sind neue Verhandlungen hierueber im Gange.
Haeufig werden Loehne dadurch angeglichen, dass man einfach
den Stundenlohn-Tarif erhoeht, wenn dar Lebenshaltungskostenindex um eine bestimmte Anzahl von Punkten gestiegen ist. Hierbei ist nicht ausdruecklich festgelegt, bis zu welcher Koehe
ein Ausgleich gewaefirt werden muss. In solchen Faellen ist
die prozentuale Lohnerhoehung offensichtlich fuer die Arbeiter
der niedrigen Einkommensstufen guenstiger.
In England wird in den Vereinbarungen ueber Lohnangleichungen im allgemeinen bestimmt, dass der Grundlohn um einen bestimmten Betrag zu erhoehen ist. Dieser Betrag ist je nach Alter
und Geschlecht des Arbeitnehmers verschieden. Einige Vereinbarungen, so z.B. die in der Baumwollindustrie, sehen jedoch auch
eine prozentuale ü,rhoehurig des "Standardtarifes" vor.
- 4 -

�In Daenemark werden fuer je sechs Punkte, um die sich der
daenische Index fuer Einzelhandelspreise in den Monaten Januar
und Juli ueber die Indexziffer 291 11914*100) erhoeht hat, erwachsenen maennlichen Arbeitern einen Stundenlohnzuschlag von
fuenf ^re, weiblichen Arbeitnehmern 3,3 0re und Jungarbeitern
zwei 0re mit "Wirkung von dem darauffolgenden 1. Maerz bzw. 1.
September gewaehrt.
Daenemark ist das einzige Land, in dem sich die Loehne
nach einem Lebenshaltungskosten-Index richten, in dem die .Einkommensteuer beruecksichtigt ist. Auch in Holland und Schweden
werden Indizis veroeffentlicht, in denen die Steuern enthalten
sind, werden jedoch nur selten zum Zwecke der Lohnangleichung
verwendet.
In Belgien, Daenemark, England, Island, Italien, Norwegen
und Schweden sind in den betreffenden Abkommen automatische Lohnangle ichungen fuer Erhoehungen und Senkungen des Preisindexes
vorgesehen.
Die Furcht vor der Inflationsspirale, die sowohl gewerkschaftliche Kreise als auch Kreise der Regierung beunruhigt,
war bestimmend fuer das Ausmass, in dem man automatische Lohnangleichungen als Entschaedigung fuer Preiserhoehungen vorgenommen hat. In Oesterreich und Deutschland haben die Gewerkschaften die automatische Lohnangleichung nicht verlangt. Auch
die drei Gewerkschafts Organisationen Hollands KW, KAB und CNV, haben
gemeinsam mit ihrer Regierung dieses Verfahren abgelehnt. In
Frankreich ist es der Regierung bis vor kurzem gelungen, dem
gewerkschaftlichen Druck nach allgemeiner Verwirklichung der
automatischen Lohnangleichung zu widerstehen. Der englische
Gewerkschaftsbund TUC hatte im November 19*9 versucht, die ihm
angeschlossenen Gewerkschaften zu veranlassen, fuer ein Jahr
die Stufengleit-Bestimmungen ihrer Tarifvertraege ausser acht
zu lassen, wenn sich der Preisindex fuer Verbrauchsgueter in
der Zwischenzeit nicht um mehr als fuenf Prozent steigern wuerde. Dieser Versuch scnlug jedoch fehl.
Eine andere, aber aehnliohe Lethode zur Angleichung der
Loehne an die Lebenshaltungskosten besteht darin, dass Gewerkschaften und Unternehmer die Vereinbarung treffen, bei einer
Steigerung der Lebenshaltungskosten neue Tarifverhandlungen aufzunehmen. Nach den Stufengleit-Bestimmungen sind sowohl Hoehe
des Ausgleichs als auch Periodizaet der Lohnangleichung von
vornherein festgelegt. Nach der soeben erwaehnten Methode der
vorzeitigen Tarifkuendigungsmoeglichkeit sind diese beiden Begriffe dagegen unbestimmt. Im Falle einer Neuaufnahme von Tarifverhandlungen ist jedoch die Moeglichkeit gegeben, rueckwirkende Lohnerhoehungen zu gewaehren. aine Neuaufnahme von
TarifVerhandlungen war z.B. in der Schweiz vorgesehen, und zwar
vierteljaehrlich nach den von der Regierung erlassenen Bestimmungen, die von 1941 bis 1946 gueltig waren, und unregelmaessig
nach privaten Vereinbarungen, auf die die Regierung keinen
Einfluss hatte, und die man von 1947 bis 1951 kannte. Seit
1948 werden in .'/Ostdeutschland alle vier bis sechs Monate eine
immer groessere Zahl von Tarifvertraegen neu abgeschlossen.
Dieses Verfahren kennt man auch in England, und zwar vor allem
seit Ende des Krieges, ausgenommen sind natuerlich jene Vertraege, die an sich 3ciion Stufengleit-Klauseln enthalten. Auch in
Frankreich bedient man sich in einigen Faellen dieser Methode.
In Norwegen wurden die Bestimmungen ueber automatische
Lohnangleichungen, die in den von 1945 bis 1946 abgeschlossenen
Tarifvertraegen enthalten waren, 1949 und 1950 von Vereinbarungen
5 -

�abgeloe3t, die fuer eine bestimmte iürhoehung der Lebenshaltungskosten einen automatischen Ausgleich durch Lohnerhoehungen und
fuer eine weitere Steigerung des Lebenshaltungskostenindex*
eine Neuaufnahme der Tarifverhandlungen vorsehen.
In einigen Laendern haben die Vertreter der Regierung,
der Gewerkschaften, der Industrie und anderer Sektoren der
Wirtschaft ueber die Hoehe der zu kontrollierenden Preise, die
Hoehe der Subventionen, ueber Steuersaetze, Sozialunterstuetzungen, Beitraege zur Sozialversicherung und auch ueber die
Anpassung der Lohntarife an die Preise gemeinsam Verhandlungen gefuehrt. Diese Verhandlungen fuehrten in Oesterreich zu
einem formellen Abkommen. Die schwedische Regierung fuehrt
wirtschaftspolitische Besprechungen mit Vertretern der verschiedenen interessierten Gruppen. Ganz bestimmte Vorschriften
ueber die Besprechung wirtschaftlicher und sozialer Fragen zwischen den von der Regierung und der .Virtschaft ernannten Vertretern gibt es in Frankreich, Belgien, Holland und Norwegen.
Dagegen werden in iängland diese Verhandlungen zwischen Beauftragten des Arbeitsministeriums und Vertretern der Unternehmer und Gewerkschaften gefuehrt. Die englische Regierung hat
im allgemeinen nach solchen Beratungen eine Verlautbarung
ueber ihre Politik der Lohn- und Preisstabilisierung vsroeffentlicht.
Die hollaendische Regierung behaelt sich die Kontrolle
der Loehne und ferner das Recht vor, gegen Lohnerhoehungen,
ueber die man sich in 'iarifVerhandlungen einig wurde, ihr
Veto einzulegen. Die drei nichtkommunistischen Gewerkschaftsorganisationen N W , KAB und CNN stimmen dieser Politik zu.
In Frankreich hat die Frage der Lohnangleichung wiederholt
Anlass zu politisch-wirtschaftlichen Krisen gegeben. Das
franzoesische Parlament hat die Streitfrage zeitweilig durch
Abaenderungen der Gesetzgebung beigelegt. Lit dem Gesetz vom
Februar 1950 wurde das Recht, nach Belieben TarifVerhandlungen
zu fuehren, wiederhergestellt, und gleichzeitig wurde eine
Nationale Jtommission ins Leben gerufen, in der Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten sind, und die die Aufgabe
hat, fuer das ganze Land gualtige, garantisrte ilindestloehne
vorzuschlagen, die sodann durch einen ^rlass des Kabinetts
fuer allgemeinverbindlich erklaert werden. Diese Mindestloehne,
die fuer die verschiedenen Industrien, Berufe und Ortsklassen
festgelegt werden, sind von Zeit zu Zeit erhoeht worden, wenn
dies in den Augen der Gewerkschaften in Anbetracht der ^rhoehungen der Lebenshaltungskosten gerechtfertigt war.
Im September 1951 beschaeftigte sich die franzoesische
Nationalversammlung gegen den Protest der Kabinettskoalition
in erster Lesung mit einer Gesetzesvorlage, die die Anwendung
einer Stufengleit-Klausel bei der Festsetzung von l-iindestloehnen einfuehren wollte. Hiernach sollte eine ürhoehung der
lündestlebenshaltungskosten eines Arbeiters um fuenf Prozent
oder mehr sofort durch eine entsprechende xurhoehung des Mindestlohnes ausgeglichen werden, 'im allgemeinen jedoch sollte
diese Angleichung nur einmal in drei Monaten vorgenommen werden.
Noch im November 1951 war ueber diese Gesetzesvorlage nicht
entschieden.
Der franzoesische Premierminister kuendigte an,
die Regierung hoffe, diese Vorlage durch Bestimmungen ersetzen
zu koennen, "die den Arbeitern noch bessere Sicherheiten bieten,
aber auch eine Stoerung der wirtschaftlichen Stabilitaet vermeiden." Inzwischen nat das Parlament jedoch grundsaetzlich
fuer die üiinfuehrung der Stufengleitklausel gestimmt.

- 6-

�Die griechische Regierung setzt die Lohntarife noch immer
nach einem Gesetz aus dem Jahre 1944 fest und erhoeht von
Zeit zu Zeit den Uindesttarif, wenn die Gewerkschaften dies
wegen der erhoehten Lebenshaltungskosten verlangen. Die griechischen Gewerkschaftsfuehrer haben jedoch verlangt, dass man
dieses Gesetz ausser Kraft setzt und dass man ihnen das Hecht
gibt, fuer die einzelnen Industrien Tarifverträge mit Stufengleit-Klauseln abzuschliessen.
Nach der Abwertung eines grossen Teils der euronaeischen
Y/flhi'ungen im Jahre 194« und nach Beginn des Krieges in Korea
waren die Regierungen der Ilarshallplan-Laender bemueht, Lohnerhoehungen moaglichst lange hinauszuzoegern. Die Erhoehungen
der Grosshandelspreise drohten deaals das Gleichgewicht der
Aussenhandelsbilanzen und der Stattsbudgets der ueisten dieser
Laendor zu 3toeren, weil sie eine Erhoehun.? der Preise fuer
Importwaren und der Subventionen fuer Lebensaittel zur Folge
hatten.
Die Auswirkungen der Stufengleitklauseln und aohnlichen
Methoden zur Anpassung der Loehne an die effektive Kaufkraft
des Realeinkommens koennen unmoeglich genau verfolgt werden,
weil erstens daneben noch Lohnaufbesserungen anderer Art gewaehrt wurden, zweitens die Veraenderungen der Lebenshaltungskosten in einigen dieser Laender nur unvollstaendig zu erfassen
sind, und weil drittens in einigen Laendern statistische Angaben
ueber Loehne fenlen und da, wo sie vorhanden sind, sie die Veraenderungen der Einkommen und nicht die der Lohntarife aufzeigen. Die Lohnentwicklung wird jedoch nicht nur durch die Veraenderungen der Tarife bestimmt, sondern auch durch andere Faktoren, wie z.B. die Unterschiede zwischen gut- und schlechtbezahlten Industriezweigen.
Index fuer Stundenloehne, Lebenshaltungskosten und
Realeinkomuen in zehn Liarshallplan-Laendern im 2.
Quartal der Jahre 1950 und 1951 11936 - 100)
Stundenlöhne:

U

Lebenshaltungskosten: 2)

Realeinkommen:
1)

1950

1951

1950

1951

19S0

1951

Daenenark

2c0

239

17b

194

126

123

Belgien

3Ö5

431

352

395

109

109

Italien

5,465

5,985

4,778

5,345

114

112

Niederlande

191

211

236

263

81

80

Oesterreich

.602

761

605

619

91

95

Westdeutschland

155

166

153

165

101

113

Norwegen

200

213

166

19*

120

110

England

239

258

182

197

131

131

Irland

195

217

167

201

104

108

1.)

Die Angaben ueber die Einkommen der Industriearbeiter in
Oesterreich gölten nur fuer Wien. Sie betreffen in Korwegen nur L'aenner. Diese ZaiJ.en bezieheu sich fuer alle
- 7 -

�angefuehrten Laender nur auf die in der Industrie beschaeftigten Arbeitnehmer, unberuecksichtigt bleiben die Arbeitslosen und die Einkommen in der Landwirtschaft.
2.) Die Waren- und Dienstleistungen, die diesem Index zugrundeliegen und die Methoden zur Zusammenstellung der Preise,
auf die sie sich gruenden, sind von Land zu Land sehr verschieden ISiehe Text).
Die
umstehende Tabelle zeigt fuer zehn Marshallplan-Laender den Stand der Preise fuer Verbrauchsgueter, die durchschnittlichen Stundenloehne und die Realloehne, die man dadurch errechnet hat, dass man den Einkommens-Index durch den betreffenden
Index fuer Verbraucherpreise dividiert hat. Die Tabelle zeigt
nicht die Unterschiede des Standes der Realeinkommen zwischen
den angefuehrten Laendern, weil diese Unterschiede in der Vorkriegszeit sehr gross waren. Man kann der Tabelle lediglich
die Veraeriderung der Realeinkommen seit 1938 entnehmen.
Im Vergleich zu 1938 sind die Realloehne in Holland heute
am niedrigsten, was auf einen langfristigen Lohnstop zurueckzufuehren sein duerfte, dem eine Lohnangleichung folgte, die jedooh nur zum Teil einen Ausgleich fuer die Preissteigerungen seit
Beginn des Korea-Krieges darstellt. Man schaetzt, dass der Stand
der Realloehne in Frankreich, das in der obenstehenden Tabelle
nicht angefuehrt ist, im Vergleich zur Vorkriegszeit im vierten
Quartal 1950 noch niedriger war als in Holland. In beiden Laendern wird die wirtschaftliche Lage der Arbeiter mit Familie zum
Teil durch Kinderbeihilfen verbessert, die von Zeit zu Zeit entsprechend den Preisveraenderungen einer Revision unterzogen werden. Die Kinderbeihilfen sind in Frankreich jedoch nicht in dem
gleichen Ausmass wie die Loehne den Preisen angopasst worden.
In Italien, Daenemark und Belgien, wo die Loehne seit 1945
am regelmaessigsten den veraenderten Preisen entweder durch Stufengleit-Bestimmungen oder durch einen regeli^aessigen Neuabschluss von Tarifverträgen aufgebessert wurden, betrug der Index fuer Realloehne im zweiten Quartal des Jahres 1951 112, 123
bzw. 109. In der Liste der zehn Laender steht Daenemark hinsichtlich der Hoehe seiner Realloehne an dritter, Italien an 5.
und Belgien an 7. Stelle.
Die italienischen Arbeiter mit Familie, die recht hohe
Familienunterstuetzungen beziehen, erhalten wesentlich mehr als
in den verfuegbaren Statistiken ersichtlich ist. Wenn diese
Unterstuetzungen in dieser Tabelle beruecksichtigt waeren, waere
Italiens Stellung verhaeltnismaessig guenstiger als es in dieser
Tabelle zum Ausdruck kommt'.
Monthly Labor Review
1/52
Die Ursachen industriellen Friedens
Streiks sind dramatische Ereignisse, ueber die in grossen
Schlagzeilen berichtet wird. Aber weit haeufiger sind friedliche Beziehungen in der Industrie anzutreffen. Streiks bilden
nur eine Ausnahme. Der Zusammenarbeit zwischen Arbeitern und
Unternehmern widmet man in der amerikanischen Industrie groesste
Beachtung.
Es gibt in den Vereinigten Staaten eine private Organisation, die sich mit der Frage beschaeftigt, was das gute Ver- 6 -

�haeltnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ausmacht, und
wie es gefoerdert und verbessert werden kann. Es handelt sioh
hier um die Nationale Vereinigung fuer Planung, die von den Gewerkschaften und auch von den Unternehmern unterstuetzt wird.
Diese Organisation hat unlaengst die Ergebnisse einer Erhebung
veroeffentlicht, die in der Firma "Colorado Fuel and Iron Company'
angestellt wurde. Es ist die neunte Untersuchung dieser Art
ueber bestimmte Industrieunternehmen, in denen ausgezeichnete
Beziehungen zwischen den Arbeitern und der Betriebsleitung bestehen. Fruehere Untersuchungen wurden in Zellulose- und Papier-, Glas- und chemischen Fabriken, sowie Textil-, Flugzeugund Stahlwerken durchgefuehrt. Die Feststellungen, die man in
den //erken der "Colorado Fuel and Iron Company" in i'innequa machen konnte, spiegeln praktisch drei Abschnitte in der Geschichte
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung wider: die anti-gewerkschaftliche Zeit, die Zeit der gelben Gewerkschaften und die der
unabhaengigen Gewerkschaftsorganisation. Von 1882 bis 1915 kam
es in Kinnequa zu Streikaktionen, die zu heftigen Auseinandersetzungen fuehrten. Auf die Initiative der Firma wurde sodann eine
gelbe Gewerkschaft gebildet, die die Belegschaft des Betriebs
vertreten sollte. Dies gesohah im Rahmen des sogenannten Rockefeiler- Planes, der In der amerikanischen Industrie weite Verbreitung fand. Man kam damit jedoch nicht zum Zuge. Wie die meisten gelben Gewerkschaften konnte sich auch diese nicht mohr
laenger behaupten und musste 1937 aufgeloest werden, nachdem
kurz zuvor unter dem New Deal des Praesidenten Roosevelt das
nationale Arbeitsgesetz erlassen worden war.
Nach einer Zeit der Wirrnis wurden die Arbeiter in der
Stahlarbeiter-Gewerkschaft des CIO organisiert. Wie in vielen
anderen Faellen hatten auoh hier die Organisatoren der Gewerk-,
schaft erkannt, dass eine gelbe Gewerkschaft einer unabhaengigen Gewerkschaftsorganisation als Sprungbrett dienen kann.
Die gegenwaertig guten Beziehungen kamen nicht ueber Nacht
zustande. Die Unternehmer waren zu Anfang von der Gewerkschaft
nicht sonderlich begeistert. Nach 1943 waren sie jedoch zusammen mit der Ortsgewerkschaft aufrichtig bemueht, durch Kollektivverhandlungen eine Verbesserung der Situation herbeizufuehren.
Die nationale Vereinigung fuer Planung berichtet, dass man
sich damit die Grundsaetze zu eigen machte, auf denen sich gute
Beziehungen in der Industrie aufbauen.
Hierzu gehoert an erster
Stelle, dass sich der Unternehmer mit TarifVerhandlungen und
Gewerkschaft abfindet. Die Gewerkschaften muessen zu der Erkenntnis kommen, dass die Wohlfahrt und die Beschaeftigung ihrer
Arbeiter von der erfolgreichen Arbeit des Betriebs abhaengig
sind. Gleichzeitig muss eine groessere Produktionsleistung
ihren Niederschlag in hoeheren Loehnen finden. Die Gewerkschaften muessen verantwortungsbewusst und demokratisch sein. Der
Unternehmer darf nicht versuchen, sich in innergewerkschaftliche
Angelegenheiten einzumischen oder das Vertrauen der Arbeiter in
die Gewerkschaft zu untergraben. Das gegenseitige Vertrauen
muss auf dem guten Willen und dem ehrlichen Streben nach Zusammenarbeit beider Partner beruhen. Keiner von ihnen darf versuchen, durch unnachgiebige Haitung und ruecksichtsloses Beschreiten des gesetzlichen Weges*eine Loesung der Probleme herbeizufuehren. Die Beziehungen und gemeinsame Diskussionen muessen auf
freizueglger und dehnbarer Basis gepflegt werden. Die Verhandlungen muessen auf Probleme des Alltags, auf Streitfragen und
Beschwerden konzentriert werden, die so schnell wie moiglich zu
klaeren sind. Es muss ein dauernder Nachrichten-, Eeinungsund Informationsaustausch zwischen der Gewerkschaft und dem
Unternehmer stattfinden.
- 9

�Durch die Befolgung dieser Grundsaetze, die die guten Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern ermoeglichen, konnte das Unternehmen "Colorado Fuel and Iron Company"
aufbluehen. Die Produktionsleistung wurde mehr und mehr gesteigert, die Konkurrenzfaehigkeit der Firma wurde immer staerker. Gleichzeitig verbesserten sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer. Das Bewusstsein ihrer Menschenwuerde steigerte sich, und die gewannen eine neue Auffassung ueber
ihre Mitwirkung in der Gewerkschaft, im Betrieb und innerhalb
der Gemeinschaft. Die Arbeltsdisziplin beruht in erster Linie
auf freiwilliger Basis und wird nicht durch den Staat oder eine
andere aussenstehende Behoerde erzwungen, sie ist vielmehr auf
eigenen Wunsch der Gewerkschaft zustandegekommen.
25% der Belegschaft dieses Unternehmens sind latein-amerikanischer Herkunft. Sechs Prozent sind Neger, die Uebrigen
stammen aus England' oder anderen europaeischen Laendern. Man
kennt keine Diskriminierung im Betrieb, weder aus rassepolitischen Erwaegungen heraus noch aus einem anderen Grunde. Jeder
wird aufgrund seiner Faehigkeiten und seiner Tuechtigkeit eingestellt und befoerdert. Weniger als fuenf Prozent der Belegschaft sind Frauen, die zum groes3ten Teil Buerotaetigkeiten verrichten. 25% der Arbeitnehmer sind in diesem Unternehmen seit
20 Jahren oder noch laenger beschaeftigt, einige von ihnen sogar seit 50 Jahren. Unentschuldigtes Fehlen kennt man fast
ueberhaupt nicht. Die Arbeitsplatzwechsel-Ziffer betraegt
jaehrlich nur zwei Prozent im Vergleich zu sechs Prozent, die den
Durchschnitt fuer ganz Amerika bilden.
Mehr als zwoelf Jahre lang hat dieses Werk ununterbrochen
unter Ausnutzung seiner vollen Produktionskapazitaet gearbeitet,
und es hat keine saisonbedingten Schwankungen in der Beschaeftigung gegeben. Ein wichtiger Beitrag zu dieser Stabilitaet
der Beschaeftigung ist das gemeinsame Lehrlinge-Programm. Lehrlinge sind meist Söehne alterer Arbeiter. Sie verdienen bei
Beginn ihrer Lehrzeit 1,18 Dollar in der Stunde. Nach Je sechs
Monaten wird ihr Lohn regelmaessig erhoeht.
Der Ortsausschuss der Stahlarbeiter-Gewerkschaft ist durchaus demokratisch, und jedes Mitglied wird zur aktiven Beteiligfing an der gewerkschaftlichen Arbeit aufgerufen. Das Problem
des kommunistischen Einflusses ist seit langem ueberwunden. Die
Wahlen sind vollkommen frei, bei den letzten Wahlen waren alle
Gewerkschaftskandidaten Antikommunisten. Die Wahlen sind natuerlich wie in allen amerikanischen Gewerkschaften geheim.
Dieser Ortsausschuss arbeitet mit anderen Ortsgewerkschatten eng zusammen, wenn jaehrlich mit Hilfe der üniversitaet Colorado Schulungskonferenzen abgehalten werden. Der Ortsausschuss
leistet auf oertlicher Basis ausgezeichnete Erziehungsarbeit.
Junge Gewerkschafter werden fuer fuehrende Positionen geschult.
Nichtig ist, dass sie wissen, dass die Fortschritte, die dank
friedlicher und freier Tarifverhandlungen heute erzielt werden
koennen, in vergangenen Jahren nur durch hartnaeckigen Kampf
errungen werden konnten. Sie sollen es lernen, das uebernommene
Lrbe zu schaetzen.
Die Gewerkschaft veroeffentlicht eine Wochenzeitung unter
den Titel "Steel News". Hierin ist ein anderes Mittel zu sehen,
um die Mitglieder zu schulen und sie von der Notwendigkeit zu
ueberzeugen, sich an der gewerkschaftlichen Arbeit zu beteiligen. Es ist eine Gewaehr fuer die Beachtung demokratischer
Grundsaetze innerhalb der Gewerkschaft.

- 10 -

�In keinem der neun ueberprueften Industrieunternehmen hat
di9 Nationale Vereinigung
fuer Planung festgestellt, daas die
Zusammenarbeit in einer nVerv;oehnung" der Arbeiter durch die
Betriebsleitung besteht. Zusammenarbeit bedeutet auch nicht,
dass die Gewerkschaft in ihren Forderungen weniger aktiv und
weniger unabhaengig waere. £a bedeutet vielmehr, dass beide
Partner vernuenftig und verantwortungsbewusst sind, und dass
diese Zusammenarbeit fuer jeden von Vorteil ist - fuer die Arbeiter, den Unternehmer und die Allgemeinheit.
Special Services Branch
1/14/52
Paul Finet zur amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
Paul Finet, der ehemalige Vorsitzende des IBFG, kehrte
unlaengst von seinem vierten Besuch in den Vereinigten Stauten
nach Europa zurueck. In einem Interview, dessen '..ortlaut in
dem monatlichen Or^an des IBFG "Freie Gewerkschaftswelt" veroeffentlicht wurde, berichtet er von seinen iindruecken, die
das arbeitende Amerika auf ihn machte. Auf die Frage, was ihn
am meisten beeindruckte, antwortete Finet:
"In ihrem .v'esen sind die Arbeiter auf beiden Seiten des
Atlantik nicht sehr verschieden. Der tatsaechliche Unterschied
ist die andersgeartete Atmosphaere in den Betrieben und im amerikanischen Leben ueberhaupt. Die sozialen Unterschiede sind
auf ein Minimum reduziert. ILs herrscht ein kameradschaftlicher
Geist zwischen Unternehmern und Arbeitern, wie er etwa in einer
Sportmannschaft vorhanden ist. 3s waere sehr schwierig, in
turopa hierfuer eine Farallele zu finden, beide sprechen sich
nicht nur gegenseitig als Personen gleichen Randes an, sondern
der Chef scheint auch jeden Arbeiter persoeniich zu kennen.
Die Arbeiter, die ich beobachtete, zeigten in ihrer Haltung dem
Chef gegenueber wirklich 'keinerlei Unterwuerfigkeit.
"'.Veil man in Amerika einen hoeheren Grad der sozialen
Gleichheit kennt, ist dem amerikanischen Arbeiter auch nicht
jenes Klassenbewusstsein eigen, an das wir denken, wenn wir
vom Klassenkampf sprechen. Sie sind sich bewusst, da3s -jeder
Erfolg auf Kosten der Kapitalisten verwirklicht werden muss,
aber zur staendigen Verbesserung ihres Lebensstandards streben
sie einen gerechteren Anteil an den Gewinnen an. Armut und Kot,
das Los so vieler «rbeiter in iuropa und Asien, gibt es nicht,
zumindest nicht in den Industriegebieten des Cstons, die ich
besuchte*. Die guten Lebensbedingungen des durchschnittlichen
Arbeiters tragen dazu bei, dass er dem Luxus, dessen sich ein
geringer Teil der Bevoelkerung erfreut, voellig uninteressiert
gegenuebersteht."
Man fragte Finet, welche Rolle die Gewerkschaften im amerikanischen Leben spielten. "Die 16 Millionen Kitglieder der amerikanischen Gewerkschaften haben sowohl im wirtschaftlichen als
auch im politischen Leben ein grosses .fort mitzureden. Ich
glaube jedoch, da3s die Rolle, die sie im politischen Leben
Amerikas spielen, unbedeutender ist als die der eurooaeischen
Gewerkschaften. Dies ist auf die unterschiedlichen Methoden
und Auffassungen der amerikanischen Gewerkschaften zurueckzufuehren. In Amerika wollen die Gewerkschaften nicht, um ihr Ziel
zu erreichen, zu der Gesetzgebung selbst Zuflucht suchen. Sie
ziehen es vor, direkt üit den Unternehmern inre Angelegenheiten
zu regeln.
.vichtige Fragen, wie bezahlter Urlaub", Kranken- und

- 11 -

�Invalidenversicherung, Alterspensionen, Einstellungsbedingungen
und Fragen des Senioritaetsrechtes werden auf dem Wege der
TarifVerhandlung geklaert. loh glaube, dass die amerikanische
Regierung in den kommenden Jahren einschreiten muss, um allen
Arbeitern die Vorteile zu garantieren, deren sich die Mehrheit
ihrer Kollegen bereits erfreut. Inzwischen haben d'le Gewerkschaften einen beachtlichen
Grad an Unabhaengigkeit und Handlungsfreiheit erreioht.n
Der Berichterstatter der "Freien Gewerkschaftsweltn fragte sodann Finet, warum die amerikanischen Gewerkschaften so
maechtig sind. Er antwortete:
"Duroh die Einbeziehung sogenannter Union-Shop-Klauseln
in die Tarifvertraege wird es'den Arbeitern zur Pflicht gemacht,
einer Gewerkschaft beizutreten. Deshalb koennen die Gewerkschaften mit einer ziemlich stabilen Mitgliederzahl und auch
mit ausreichenden Geldmitteln rechnen. So wie die Menschen in
Belgien beispielsweise, wq, die Wahlpflicht besteht, es als
eine ganz natuerliche Tatsache hinnehmen, dass sie am politischen Leben ihres Landes teilnehmen muessen, ist es dem organisierten amerikanischen Arbeiter eine Selbstverstaendlichkeit,
dass sein Betriebsobmann ein aktiver Gewerkschafter ist."
Natuerlich wurde Finet auch ueber die Modernisierung der
amerikanischen Industrie befragt. Hierauf antwortete er:
"Ich besichtigte zwei Kohlenbergwerke. Im Mathies-Bergwerk in Pennsylvanien wird bituminoese Kohle abgebaut, das Bergwerk eignet sich in geradezu idealer .Veise fuer die Modernisierung. Mit Hilfe von Maschinen, die erst vor wenigen Monaten angeschafft wurden, koennen zwei Bergleute innerhalb von
SO Minuten 40 bis 45 Tonnen Kohle abbauen, sie uebertreffen
damit bei weitem die Leistungen im europaeischen Kohlenbergbau.
In dem Steinkohlenbergwerk in Pottsville, das ich besuchte, waren die Verhaeltnisse allerdings schwieriger. Die Modernisierung ist dort nicht so weit vorgeschritten wie im Weichkohlenbergbau. n
Auf die Frage, ob die zunehmende Mechanisierung fuer die
Bergleute eine drohende Arbeitslosigkeit bedeute, erwiderte
Finet:
"Zwar ist die Zahl der Untertage arbeitenden Bergleute
stark zurueckgegangen, aber dafuer ist die Zahl der Beschaeftigten, deren Arbelt im Ueberpruefen und Instandhalter, besteht,
im gleichen Verhaeltnis zum Rueckgang der Zahl jener Arbeiter,
die direkt produktiv taetig sind, angestiegen. Hierbei ist
nioht die Extraarbeit beruecksichtigt, die durch Pflege und
Instandhaltung der Maschinen entsteht."
Der belgische Gewerkschaftsfuehrer berichtete sodann von
den Stahlwerken, die er besuchte - die Stahl- und Walzwerke
und die Metallfabriken der Midvale Steel Company in Philadelphia. "Als frueherer Metallarbeiter haette ich es durchaus
nicht als Verlust betrachtet, wenn man mir in den MidvaleStahlfabriken einen Arbeitsplatz als Facharbeiter angeboten
haette. Vom produktionstechnischen Standpunkt aus sind die
amerikanischen Fabriken auf Grund einer besseren allgemeinen
Planung unseren Betrieben ueberlegen. Die Produktion ist bis
in die kleinsten Einzelheiten sorgfaeltigst organisiert. Den
Arbeitsbedingungen wird weit mehr Beachtung geschenkt. Der
Arbeiter hat nur ein Minimum an koeroerlichen Anstrencuneen aufzuwenden. "
- 12 -

�Ueber den Wohnungsbau und die Wohnverhältnisse in Amerika
berichtete Finet folgendes:
"In Amerika ist das Wohnraumproblem ebenso akut wie in
Suropa. Doch ist es fuer Amerika nichts Ungewoehnliches, 1000
Wohneinheiten in.wenigen Monaten an einer Stelle zu errichten.
In Pittsburgh sah ich mir eiaJLge Arbeiterwohnungen an, die
1U38 gebaut wurden und andere, die erst aus neuerer Zeit- stammen. Ich war erstaunt ueber die soziale Initiative in einem
Land, von dem man im allgemeinen berichtet, dass es eine Einmischung der staatlichen Behoerden in die Angelegenheiten der
Privatindustrie ablehnt. Die Gewerkschaften stehen im Kampf
um ein grosaijuegiges Wohnbauprogramm, das den Arbeitern billige
Wohnungen verschaffen soll, in vorderster Linie. Sie halten es
fuer undenkbar, dass es in einem so wohlhabenden Land wie den
Vereinigten Staaten noch Elendsviertel gibt."
Was die europaeisohen Arbeiter von den amerikanischen
Gewerkschaften lernen koennten, fragte man schliesslich Finet',
und hier meinte er:
"Die Taetigkeit innerhalb der Gewerkschaften und die Durohfuehrung der Tarifverhandlungen duerften fuer die europaeisohen
Arbeiter beispielhalft sein. Die amerikanischen Gewerkschaften
sind absolut geschaeftstuechtig. Sie haben sich auf dem Gebiet der Forschung, der Erziehung und der Publizistik in einer
Weise betaetigt, dass sich die Gewerkschaften der ganzen Welt
diese Arbeiter zum Vorbild nehmen sollten. Die Mitgliedsbeitraege sind hoch, und jeder weiss, dass sie gut verwendet.werden. In New York sah ich das Buero der Allamerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Mit einer Uitgliedszahl von 400.000 und einem Personal st ab des Zentraljbueros von 250 Angestellten besitzt diese Gewerkschaft eine eigene
Rundfunkstation. Die Gewerkschaft der Bekleidungsarbeiter hat
eine eigene Bank, die nicht nur die finanziellen Transaktionen
der luitglieder taetigt, sondern auch Unternehmern, die in Schwierigkeit geraten sind, Darlehen geben kann.
"Was die TarifVerhandlungen betrifft, so war ich von der
Wirksamkeit der von den amerikanischen Gewerkschaften angewendeten Methoden stark beelndruokt. Die Gewerkschaften werden
von Wirtschafts- und Rechtssachverstaendigen gut beraten. Die
Staerke und Solidaritaet der Gewerkschaftsbewegung ist beachtenswert. Vielleicht wendet man politischen Problemen nicht
genuegend Aufmerksamkeit zu, aber was das 'Brot- und Butterproblem ' betrifft, so beurteilt man die Gewerkschaftsfuehrer
nach ihrer Faehigkeit, die Unternehmer zum Zahlen zu zwingen."
Finets Erfahrungen und Erkenntnisse erinnern uns wieder an
die Bedeutung eines umfangreichen Meinungs- und Informationsaustauschs. Ein solcher Austausch kommt allen zugute, denn der
Austausch verschiedener Erfahrungen foerdert die Einigkeit,
und die Gewerkschaftsbewegung hat laengst gelernt, dass in der
Einigkeit zugleich Staerke liegt.
Special Services Branch
1-25-52
Vollbeschaeftigung in Schweden
Die Aufrechterhaltung der Vollbescnaeftigung in Schweden
ist eine Aufgabe, die die schwedische Regierung in der Form
- 13 -

�uebernommen hat, wie sie von der schwedischen sozialdemokratischen Partei vorgeschlagen war. Es ist dies ein 'Grundsatz,
der in engstem Einvernehmen mit der schwedischen '.Wirtschaftspolitik der letzten Jahre steht. In den Richtlinien zur Aufrechterhaltung der Vollbeschaeftigung wird hervorgehoben, dass
eine hohe Kachfrage nach Waren durch die Stabilisierung einer
hohen Investitionsquote gesichert werden muss. Die Wirtschaftspolitik des Landes ist darauf ausgerichtet, die private Investitionstaetigkeit durch Besteuerung und durch Kontrollen zu
lenken, Einer Erklaerung des schwedischen Finanzkonitees zufolge wird die Regierung ihre Taetigkeit auf wirtschaftlichem
Gebiet dadurch erweitern, dass sie die private Investitionstaetigkeit strengeren Kontrollen unterwirft und ihren Einfluss
auf die gesamte Investierungspolitik vergroessert.
Um die ins Auge gefa3sten Ziele zu erreichen, beabsichtigt
man, den Privatverbrauch sich nicht in dem gleichen Tempo wie
in den vergangenen Jahren steigern zu lassen. Kr muss vielmehr
durch hoehere Steuern gelenkt werden, u*m damit eine Moeglichkeit
zur Erweiterung des Investitionsvolumens in der vorgesehenen
Richtung zu geben.
Das Finanzkomitee erklaert weiterhin, dass den Sozialreformen eine bestimmte Grenze gesetzt ist, es kommt zu der Schlussfolgerung, dass diese Reformen in den kommenden fuenf Jahren
nicht ausgedehnt werden duerfen.
Die schwedischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind sich
darin einig, dass ein rationeller Einsatz der Arbeitskraefte
durch den Liangel an vernuenftigen Lohndifferenzierungen zwischen den verschiedenen Industrien und vor allem zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern stark erschwert wird. Nach
der Auffassung des Komitees muesste dieses Problem von Privatunternehmern und Gewerkschaften gemeinsam geloest werden, aber
auch die Regierung des Landes und die Gemeindebehoerden muessten
sioh mit dieser Frage beschaeftigen. Um koerperlich schwere
Arbeit in den Grundstoffindustrien und die Schichtarbeit attraktiver zu gestalten, muessen hoehere Loehne gezahlt und entsprechend der Anzahl der Berufsjahre regelmaessig Lohnerhoehungen
gewaehrt werden. Auch die Berufsausbildung ist von groesster
Wichtigkeit. Das Durchschnittsalter der Facharbeiter ist in
den meisten schwedischen Industrien ziemlich hoch; wenn nicht
geeignete Massnahmen getroffen werden, um einen ausreichenden
Zustrom junger Facharbeiter zu gewaehrleisten, koennten sioh
einige Unternehmen gezwungen sehen, wegen Mangel an Facharbeitern ihre Taetigkeit einzuschraenken.
Indem man die Bedeutung einer vollen Auswertung der zur
Verfuegung stehenden Maschinen und Ausrüstungen hervorhebt
und den Arbeitern, die Nachtschichtarbeit leisten, bessere
ÜJrholungsmoeglichkeiten gewaehrt und besondere Vorrechte auf
vorteilhafte Wohnraeume bietet, wird die Arbeiterschaft staerker an Kachtschichtarbeit interessiert werden.
Der Finanzausschuss empfiehlt weiterhin, dass die Regierung in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern und den Gewerkschaften eine liberale Einwanderungspolitik betreibt, wenn sich
hieraus fuehlbare wirtschaftliche Vorteile ziehen lassen.
Die Zahl der einwandernden auslaendischen Arbeitskraefte wird
einen der Faktoren darstellen, die fuer die Entwicklung der
Produktion in den naechsten fuenf Jahren entscheidend sind.

- 14 -

�Die Bemuehungen zur Steigerung der Produktion in der Zeit
von 1951 bis 1955 muessen auf die Steigerung der Leistungsfaehigkeit des einzelnen Arbeiters konzentriert werden. Der Finanzausschuss ist der Auffassung, dass, auf lange Sicht gesehen,
Investierung und hoehere Produktivitaet in engem Zusammenhang
stehen werden. Die Ergebnisse der in neuerer Zeit vorgenommenen hohen Investierungen duerften sich schon in allernaechster
Zukunft bemerkbar machen. Ausserdem muss die Wirtschaftspolitik ihr Ziel darin sehen, vor allem den leistungsfaehigsten
Sektoren der schwedischen Industrie Moeglichkeite.n zur Ausdehnung zu bieten.
Nach eingehenden Besprechungen uebcr Preiskontrollfragen
mit Industrieunternehmen und Gewerkschaften hat das Komitee auf
die Gefahr hingewiesen, dass dauernde Preiskontrollen einer Steigerung der Produktivitaet im V.'ege stehen koennten. Das Komitee
gibt, zu, dass es unter den jetzigen Vejrhaeltnissen nioht ratsam
ist, die Preiskontrolle zu beseitigen. Sollten sich die Verhaeltnisse Jedoch bessern, dann muesste eine grosszuegigere
Methode zur Beeinflussung der Preise gefunden werden. Die jetzige Methode der Festsetzung von Preisen füer einzelnetfarendurch
die Regierung muss durch, eine allgemeine Ueberwachung der
Preisentwicklung und durch ein Einschreiten im Fall' einzelner
Missbraauche ersetzt werden.
Notes on Labor Abroad
9/10 - 51
Franzoesische Seeleute blickten hinter den "Eisernen Vorhang"
Einige franzoesische Seeleute hatten Gelegenheit, einen
Blick hinter den Eisernen Vorhang zu werden. Nach ihrer Rueckkehr in ihre Heimat konnten sie den kommunistischen Fuehrern
ihrer "Gewerkschaft" die vielsagende Mitteilung machen, du3s die
sowjetischen Satellitenstaaten keine Arbeiterparadiese sind.
Nach ihrer langen Seereise, die sie ueber Odingen und Riga
fuehrte, kamen die franzoesischen Seelaute nach Nantes zurueck,
wo sie im Hafen von dem Sekretaer ihrer Gewerkschaft empfangen
wurden. Er stellte ihnen sofort aehrere Fragen, offensichtlich
in der Erwartung, begeisterte Berichte ueber das, was sie gesehen hatten, natuerlich vor allem ueber die dortigen Arbeitsbedingungen, zu hoeren. "Sie muessten naechstes Mal mit uns
kommen", sagte ein franzoesischer Seemann, "dann koennten sie
sich selbst davon ueberzeugen, dass das Leben, das man in diesen Laendern fuehrt, unsere franzoesischen Arbeiter schwerlich
zufriedenstellen wuerde."
Der ausfuehrliche Bericht der franzoesischen Seeleute wurde
in dem offiziellen Organ des Mittelllaendischen Komitees der
Transportarbeiterfoederation "Air - Terre - Mer" veroeffentlicht.
Dieses Komitee vertritt die Transportarbeiter in Frankreich, Italien und Griechenland. Wir geben den Bericht hier auszugsweise
wieder:
"Wir wurden nicht mit Blumen empfangen, sondern mit zahllosen Maschinenpistolen. Die Polizeibeamten dort tragen ihre
Pistolen nicht versteckt wie unsere Polizisten, sondern ganz
offen, als ob sie damit den Leuten Respekt einfloessen wollten.
Bei unserer Ankunft kam uns ein Lotsenschiff entgegen, das von
einer bewaffneten Mannschaft besetzt war. Der Lotse kam in Begleitung seiner Leute an Bord unseres Schiffes. Es war uebrigens
schwierig, festzustellen, ob wir es mit Soldaten oder Zivilisten
zu tun hatten. Sobald wir in den Hafen eingelaufen waren, wurden alle Luken unseres Schiffes von bewaffneten Maennern be- 15

�setzt, waehrena anaere aas ganze Schiff durchsuchten. Das Funkgeraet und sogar unsere privaten Rundfunkgeraete und Kameras
wurden beschlagnahmt und verschlossen aufbewahrt. Wir mussten
uns alle an Deck einfinden und unsere Ausweispapiere vorzeigen.
£s wurde uns der strenge Befehl erteilt, alle unsere Schubladen, Sohraenke, Kisten usw. nicht abzuschliessen. Waehrend
man die Personalpapiere aller Schiffsangehoerigen an Deck ueberpruefte, wurde das Schiff gruehdlich durchsucht. Man hielt
uns laenger als eine halbe Stunde an Deck fest.
"Sie koennen sich vorstellen, dass wir nach dieser Begruessung wenig Lust hatten, an Land zu gehen. Einige unserer
Leute beantragten die erforderlichen Ausweise, um das Sohiff
verlassen zu koennen; sie erhielten sie erst kurz vor Abfahrt
des Schiffes, sodass auch sie nioht an Land gehen konnten.
"Was wir sahen, war wenig geeignet, uns zu ueberzeugen,
dass man dort wirklich so friedensliebend ist, wie es die Kommunisten staendig behaupten. Wir begegneten unterwegs mehreren
Kriegsschiffen, die Manoever durchfuehrten. Im Abstand von 10
Minuten tauchte immer wieder ein Duesenjaeger auf, und -die
einzigen Kraftfahrzeuge, die wir vom Sohiff aus an der Kueste
sehen konnten, waren von uniformierten Maennern besetzt.
"Obwohl unser Aufenthalt sehr kurz war, konnten wir die
Dockarbeiter bei der Arbeit beobachten. Fuer das Ausladen eines
Schiffes wurde nicht wie sonst eine ganze Mannschaft eingesetzt.
Man laesst vielmehr einen Mann allein arbeiten, und nur wenn
er unbedingt Hilfe benoetigt, wird er von einer Mannschaft unterstuetzt, die zu irgendeinem Schiff abkommandiert werden kann,
das zufaellig Entladehilfe braucht.
"Den Menschen, die man dort zu Gesicht bekommt, steht das
Elend im Gesicht geschrieben. Ihre Kleider sind zerlumpt, und
sie machen den Eindruck, als ob sie dringend eine gute Mahlzeit
brauohten.
"Auf der anderen Seite traegt die Polizei schoene Uniformen, die Polizisten sehen wirklich nicht hungrig aus. Sie sind
sicher gut bezahlt. Der Verkehr wird von weiblichen Polizisten
geregelt, wie man sagt, sind deren Loehne doppelt so hoch wie
die der Facharbeiter.
"Sagen Sie unseren Kollegen, dass sie mit ihren Aussagen
aeusserst vorsichtig sein sollen. Viele Polen, die frueher in
Frankreich lebten und naoh Polen zurueokgekehrt sind, wurden
zur Polizei einberufen, man gewaehrte ihnen alle moeglichen
Vorteile, um sie dem Regime gefuegig zu machen, und sie verstehen franzoesisch. Ein franzoesischer Seemann, der sioh
eine Bemerkung ueber Josef Stalin erlaubte, wurde von der Polizei festgenommen und erst kurz vor Abfahrt unseres Schiffes
wieder freigelassen.
"In Riga beschaeftigt man Frauen, die schwere Lasten und
Pritschen tragen muessen oder" zu Ausbesserungsarbeiten an Eisenbahngeleisen herangezogen werden. Wie man uns sagte, arbeiten s-ie taeglich zwoelf Stunden.
"Was wir sahen und hoerten, hat uns eindeutig gezeigt,
dass es kein Vergnuegen ist, im Sowjetparadies zu leben."
MSA Information
1/17/52

16
II M I 5« I H K III I C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplar können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

V- 4

Frankfurt, den 15. Februar 1V52

INHALTSVERZEICHNIS

Das Geheimnis der Produktivltaet in den Ü.S.A

1

Die Kohlenfoerderung b e r e i t e t den Kommunisten
Sorge

6

Gewerkschaften und Kapitalismus in Amerika und
Europa
Die Notwendigkeit gewerkschaftlicher Schulung

y

11

Die staatliche Organisation fuer Arbeitsvermittlung
in Irland
13
Eine wichtige Aufgabe fuer die Schule

16

Das Geheimnis der Froduktivitaet in den Ü.S.A.
Im Rahmen des Austausohprogramms, das auf die Initiative
der frueheren ECA-Verwaltung zurueokzufuehren ist und jetzt
von der Verwaltung fuer Gemeinsame Sicherheit weitergefuehrt
wird, reisen Vertreter europaeischer Gewerkschaften, Unternehmer und Techniker der europaeischen Industrie nach den Vereinigten Staaten, um die neuesten Produktionsmethoden der amerikanischen Industrie kennenzulernen. Diese Besuchergruppen stellen
immer wieder fest, dass das Geheimnis der amerikanischen Produktivltaet nicht nur in der Maschine liegt.
Eine Gruppe von Vertretern der franzoesischen Schuhindustrie,
deren Bericht an die Schuhhersteller Frankreichs vor kurzem
uebersetzt wurde, hat zu den menschlichen Ursachen der Produktivltaet in Amerika Stellung genommen.
"Es ist die Geisteshaltung der Menschen und nicht die Maschine, die den amerikanischen Lebensstandard hocLhaelt," erklaerten
die franzoesischen Besucher, die Arbeiter, Techniker, Werkmeister
oder auoh Betriebsleiter waren. Ihr Bericht besagt, dass "der
- 1 -

�ausschlaggebende Faktor der Produktivitaet der Mensch ist, weil
Produktivitaet nicht nur ein technisches Problem ist, sondern
vielmehr eine Geisteshaltung voraussetzt, die natuerlicherweise
bestimmte Arbeitsmethoden hervorbringt."
"Wir unterstreichen die Bedeutung des Produktivltaetsbewusstseins", heis3t es weiter in dem Bericht. "Es umfasst die
loyale Zusammenarbeit aller Menschen mit gleichen Interessen,
das ernsthafte Streben nach gegenseitigem Verstaendnis und ein
Solidaritaetsgefuehl, da3 alle im Betrieb Beschaeftigten verbindet."
"Die Menschen in den Vereinigten Staaten sind nicht rein
zufaellig produktivitaetsbewusst geworden." Der Bericht der
franzoesiscn=m Besucher weist auf die wirtschaftliche Depression
zu Anfang der dreissiger Jahre hin, der eine Zelt folgte, in
der sich eine neue Auffassung ueber das Verhaeltnis zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer entwickelte, die fuer Gewerkschaften und Unternehmer von gemeinsamem Interesse rar. Es ist fuer
Europaeer immer wieder Erstaunlich, festzustellen, dass heiss
umstrittene Probleme in Amerika von Gewerkschaftern und Unternehmern gemeinsam geloest werden, und dass sich der Arbeitgeber
und der Vertreter der Belegschaft nach Klaerung einer solchen
Streitfrage wieder voellig einig*sind, sich nichts nachtragen
und dann sofort bereit sind, sich mit gleichem Eifer wie vorher
um die Produktion zu bemuehen." Die Franzosen erklaerten in
diesem Zusammenhang in ihrem Bericht:
"Die Mitglieder dieser Besuchergruppe hegen gemeinsam den
Wunsch, dass in Frankreich eine aehliche Geisteshaltung sich entwickeln moege. Sie wissen, dass kein technologischer Fortschritt
sichtbare Ergebnisse zeitigen wird, wenn die Arbeiter unserer
Betriebe nicht erkennen, dass sie produktivitaetsbewusst sein
muessen, was nur durch loyale Zusammenarbeit erreicht werden kann."
Aus einem sehr praktischen Grunde moechten die franzoesischen Arbeiter diese Geisteshaltung auch in Frankreich verwirklich! sehen« So heisst es in dem Bericht: "Waehrend ein franzoesischer Arbeiter mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von
100 Francs (DM 1.25) etwa 60 Stunden arbeiten muss, um sich ein
Paar Schuhe kaufen zu koennen, muss sein amerikanischer Kollege,
dessen Stundenlohn im Durchschnitt 1,50 Dollar (DM 6.30) betraegt,
nur 12 oder IS Stunden arbeiten, d.h. also, dass er in etwa
einem Viertel der Zeit das Gleiche verdient. Wenn man die Wichtigkeit der verschiedenen Verbrauchsgueter beruecksichtigt, kann
man sagen, dass die Kaufkraft des amerikanischen Arbeiters etwa
viermal so gross ist wie die seines franzoesischen Kollegen.
Und diese Zahl vier bringt auch den durchschnittlichen Unterschied
in der Produktiv!taet Amerikas und Frankreichs zum Ausdruck."
Die amerikanischen Arbeiter, die sich nach den Erfahrungen
der Besucher einmal in der gleichen L8ge sehen moechten wie der
franzoesische Arbeiter, sollten sich die Zeit nehmen, sich mit
den folgenden Auszuegen aus einem Artikel der Zeitschrift
"Workers" zu beschaeftigen. Denn sie geben ein Bild, wie es
dem franzoesischen Volk von seinen eigenen Vertretern vor Augen
gehalten wird, und das dazu angetan ist, bessere internationale
Beziehungen unter all jenen Voelkern zu foerdern, die sich mit
uns im Kampf gegen die sowietische Gewaltherrschaft vereint haben.
"Es dreht sich um eine Feststellung, die vor allen anderen
betont werden muss. Der Besucher, der in der Erwartung nach Amerika kommt, aussergewoehnlicha Werkzeuge und Maschinen zu entdecken, wird schwer enttaeuscht sein. Er wird keine Geheimnisse
- 2 -

�feststellen, durch die maerehenhafte Erfolge erzielt werden koennen, und er wird auoh keine Arbeiter sehen, von denen ueberdurohschnittliche Leistungen verlangt werden. Und trotzdem wird er
mit Erstaunen feststellen, was man erreicht hat, er wird sich
darueber wundern, wie die Amerikaner es fertigbringen, ihre
Produktionszelt dermassen zu reduzieren und Verbrauohsgueter
auf den Markt zu bringen, die um die Haelfte oder sogar um dreiviertel billiger sind als die gleichen Waren in Frankreich, wenn
man sie nach der erforderlichen Arbeitszelt und den Arbeitsaufwand berechnet. Und dabei sind die Masohinen und Werkzeuge,
die in Amerika zur Verfuegung stehen, denen in Frankreich sehr
sehnlich, und auch hier muessen viele verschiedene und haeufig
komplizierte Typen hergestellt und viele Klelnauftraege erledigt
werden.
"Der Zweck dieser Ausfuehrungen ist es, zu zeigen, wie die
amerikanischen Betriebe dieses Problem geloest haben. Wenn auoh
die technischen Methoden eine bedeutsame Rolle spielen, so ist
der Faktor Mensch doch bei weitem der wichtigste.
"In der Literatur und in der Presse Westeuropas wird bei
jeder Gelegenheit darauf hingewiesen, dass die Menschen mehr
Beachtung verdienen als die Maschinen, und dass die Gesinnung
der Arbeiter wichtiger ist als ihre Werkzeuge. Mann kann nicht
umhin, diesen Grundsatz gutzuheissen.
"Aber in der amerikanischen Literatur und Presse werden
diese Dinge nicht so sehr betont und nioht selten findet man
Buecher, Zeitungsartikel oder Filme, in denen die Maschine verherrlicht wird. Trotzdem ist es unmoeglioh, die Tatsache zu
ueberseüen.dass der Mensoh in den Vereinigten Staaten weit mehr
respektiert wird als in den Laendern Westeuropas.
"Wir wuerden ueber unser Thema hinausgehen, wenn wir versuchen wolltsn, die amerikanische Zivilisation auf ihre menschliche Seite hin zu ueberpruefen, denn wir sind Gewerkschafter
und wollen dies den Philosophen und Soziologen ueberlassen; aber
es ist ebenso unmoeglich, in einer Betrachtung ueber die Produktivitaet dem menschlichen Faktor nicht den ersten Platz einzuraeumen.
"Diese Achtung vor dem Einzelmenschen ist stark ausgepraegt.
Fuer Mensohen der lateinischen Welt ist es wahrscheinlich schwierig, die amerikanische Denkweise voellig zu verstehen und sie
klar definieren zu koennen. Diese Volksgruppen sind so zahlreioh
und so verschiedenartig, dass ein Verstaendnis der amerikanischen Denkweise nur zum Teil moeglloh ist. Trotzdem sind die
gemeinsamen Merkmale des amerikanischen Wesens, wenn auch sehr
verschieden, so doch offensichtlich. Es sind jene Merkmale,
von denen wir ausgehen, wenn wir versuchen, jene Geisteshaltung
zu erklaeren, die in amerikanischen Betrieben vorherrscht.
"Der Einzelne wird respektiert und er wird identifiziert
duroh seinen Namen und durch seinen Vornamen. Damit ist sioh
der Arbeiter der Tatsache bewusst, dass er einen individuellen
Charakter hat, der in seiner Art einzig ist. Wenn auch der
Einzelne duroh Üeberiegung zu der Erkenntnis kommt, dass er
Bestandteil einer Gemeinschaft ist, die das soziale Gebilde seines Landes darstellt, so sind es trotzdem sein eigenes Wesen
und sein eigenes Gewissen, die ihn im Umgang mit anderen Menschen beherrschen.
"Dies ist die Antithese zur totalitaeren Auffassung der
Gesellschaftsordnung, in der der Einzelmensoh nur eine Zelle
- 3 -

�ohne eigenes Denken darstellt und verpflichtet ist, dieses Denken einem kollektiven Muster anzupassen.
"Bedeutet dies, dass es in Amerika kein soziales Gewissen
gibt, und dass diese Zusammenballung von 140 Millionen keine
Gemeinschaft darstellt, sondern eine Versammlung von 140 Millionen isolierten Einzelpersonen?
"Keineswegs. Weil der Einzelne sich voellig darueber im
klaren ist, dass er eine Persoenlichkeit und einen eigenen Charakter besitzt, weiss er auch, dass andere Menschen normalerweise auf die gleichen Reohte Anspruoh haben wie er. Er respektiert damit in anderen die persoenlichen Eigenschaften, die er
selbst besitzt. Aus dem Wunsch heraus, sich frei zu fuehlen,
respektiert der Amerikaner die Freiheit der anderen. Weil er
als Mensch behandelt werden will, behandelt er auch die anderen
als Mensohen. Diese Denkweise ist so ausgapraegt, dass sie oft
zu Situationen fuehrt, fuer die wir kein Verstaendnis haben.
Ein Beispiel ist das Familienleben. Die Autoritaet der Eltern
Jungen Menschen gegenueber, die noch nicht £0 Jahre alt sind,
ist nicht so gross wie in unseren Familien, wo noch die willkürlichen Rechte des "pater families" bestehen.
"Der hohe Lebensstandard der gesamten Bevoelkerung, der
einen allgemeinen Wohlstand ermoegllcht, den wir in Europa nur
in wenigen reichen Familien kennen, hat die sichtbaren Unterschiede in der sozialen Stellung des Einzelnen wesentlich reduziert. Diese Gleichschaltung, sofern es eine solche ueberhaupt
gibt, wird dadurch herbeigefuehrt, dass Tian sioh das Beste und
nicht das Schlechteste zum Ziele nimmt. Deshalb gibt es auch
kein Klassenbewusstsein, weij. Jeder die gleichen Moeglichkeiten
hat, vorwaertszukommen. Seinen -Vorgesetzten oder seinem Arbeitgeber gegenueber hat der Arbeiter keine Minderwertigkeitskoaplexe, weil er mit Bestimmtheit weiss, dass er vorwaertskommen
und selbst in hoechste Positionen berufen werden kann, wenn er
den Wunsch und die Faehigkeit dazu hat.
" M n e logische Folge dieser Achtung vor dem Einzelnen und
seiner Freiheit ist der amerikanische Grundsatz von den gleichen
Chanoen fuer Alle.
"Die Erinnerung an den maerchenhaften Aufstieg der Vanderbilts, Rockefeiler und vieler anderer ist im Geist der Amerikaner sehr lebendig geblieben. Wenn ein solcher aussergewoehnlioher Aufstieg auch heute aeusserst selten ist, gibt es doch
noch Beispiele, in denen Menschen mit Nichts angefangen haben
und einflussreiche Geschaeftsleute oder Fuehrer der Industrie
geworden sind. Es ist Grundsatz, Jedem die Moeglichkeit zu geben, seine Talente anzuwenden und Jeder, der sich weigern wuerde,
einem Menschen diese Chance zu bieten, wuerde als antisoziale
Kreatur betrachtet werden.
"Die oben erwaehnten Beispiele und die weniger bekannten,
die sich noch laufend ereignen, verringern den Wert von Diplomen und das Ansehen solcher Leute, die Diplome besitzen. Ein
Mansch wird nicht nach der Anzahl seiner Diplome bewertet, sondern nach seiner praktischen Faehigkeit, an seinem Arbeitsplatz
seinen Mann zu stehen. Es gibt deshalb fuer Absolventen von
Hochschulen praktisch keine Vorrechte. Es kaeme niemandem in
den Sinn, einem Mensohen, der bewiesen hat, dass er tuechtig
ist, eine gute Stellung zu verweigern mit der Begruendung, er
habe keine Hochschule besucht. Die amerikanischen Hochschulen
sind stets voll belegt, weil das erworbene Wissen die Entwick-

- 4 -

�lung der persoenlichen Faehigkeiten wesentlich erleichtern kann,
ohne dass es absolut erforderlich waere, ein Diplom zu erwerben.
" M n drittes gemeinsames Merkmal des "amerikanisierten"
Menschen ist sein unerschuetterlioher Glaube an das bekannte
Sprichwort "Zeit ist Geld". Die Geschiohte der amerikanischen
Industrie bestaetigt eindeutig, dass immer dann mehr Geld verdient wurde, wenn Zeit gespart werden konnte. Es muss vielleicht gesagt werden, dass dieses Sprichwort den Grundgedanken
der Produktivitaet in treffendster Form zum Ausdruck bringt.
Wenn man zugibt, dass Geld erhoehte Kaufkraft bedeutet, dann
stellt das Bemuehen, Zeit zu sparen, letzten Endes den Schluessel zur Produktivitaet und zu allen anderen Moeglichkeiten, die
sich durch sie eroeffnen, dar.
"Diese drei Grundsaetze, die wir soeben aufgezaehlt haben,
und die die Grundlage der amerikanischen Denkweise bilden, loesen in sozialer Beziehung logische Folgerungen aus, die wir bereits in den Betrieben verwirklicht finden. Zweifellos ist
die Atmosphaere in den Betrieben, die unsere Gruppe besucht hat,
eine direkte Folge dieser drei grundlegenden Auffassungen.
Wenn es nur selten vorkommt, dass die Maschinen in einem
Betrieb mit den Namen der betreffenden Arbeiter versehen sind,
dann einfach deshalb, weil im Betrieb jeder den anderen kennt.
Wenn jedoch ein Arbeiter mit der Oeffentlichkeit in Beruehrung
kommt, wird sein Name auf einem kleinen Schild angegeben, das
am Schreibtisch, am Schalter, am Aufzug oder ueber dem Sitz
eines Cknnibusfahrers angebracht ist. Die Angestellten und Arbeiter wollen nicht nur Nummern sein und wuerden es als eine
Erniedrigung ansehen, wenn sie am Kragen oder an der Muetze
durch eine Nummer gekennzeichnet waeren.
"Im Betrieb wird jeder beim Vornamen genannt, was eine
Atmosphaere der Vertraulichkeit schafft. Die Autoritaet des
Vorarbeiters oder des Abteilungsleiters kommt nicht in Form
wlllkuerlicher Vorrechte zum Ausdruck, sondern in Form der persoenlichen Beratung. Jeder Arbeiter, der sich seiner Persoenllchkeit bewusst ist, ist sich tatsaechlich auch seiner Verantwortlichkeiten bewu33t. Man hat ihm eine Arbeit anvertraut, die
er aus Selbstachtung so gut wie moeglich zu verrichten bemueht
ist. Wenn er nur schlechte Arbeit leistet, wird man nicht sagen,
dass ein gewisser Arbeiter nichts von seiner Arbeit versteht,
sondern man wird offen erklapren, dass George Smith ein schlechter Arbeiter ist. Seine Arbeit ist also nicht anonym.
"Das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen ist stark ausgapraegt und wirkt sioh nach zwei Richtungen aus. Der Vorarbeiter weiss, dass George Smith persoenliches Verantwortungsbewusstsein hat, und er hat keinerlsi Grund, diese Verantwortung und die
eines anderen, ihm unterstehenden Arbeiters selbst zu uebernehmen. Damit kann er sich ganz seiner Aufgabe als Vorarbeiter widmen. Weil auch er seinen Verantwortungsbereich sehr gut kennt
und seinem Namen Ehre machen will - und zwar aus dem gleichen
Grunde wie George Smith - gibt ihm auch sein Chef, der Abteilungsleiter, freie Hand in seiner Arbeit, was auch diesem ermoegllcht,
sich seinen eigenen Pflichten zu widmen. Genau so ist das Verhaeltnis zwischen dem Abteilungsleiter und dem Betriebsleiter.
Der Betriebsleiter braucht sich nicht mit Dingen zu belasten,
die den Produktionsgang im Betrieb betreffen, er kann deshalb
all seine Bemuehungen vollkommen auf die Verwaltung, des Betriebs
konzentrieren.
In einer solchen Atmosphaere, in der jeder seinen eigenen
Verantwortungsbereich kennt, muessen Verdienste natuerlich belohnt
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�und Nachlaessigkeiten bestraft werden. Die Loehne bilden das
fuer diesen Zweck geeignete Kittel. Da diese Loehne die Kaufkraft darstellen, ist man sich ihrer grossen Bedeutung bewusst,
und jeder versucht, nicht nur seinen Lohn zu halten, sondern
ihn, wenn moeglich, zu verbessern.
MSA Information
1/22/52
I
Die Kohlenfoerderung bereitet den Kommunisten Sorge
Kohle ist in allen Laendern ein lebenswichtiger Rohstoff.
Seit dem Zeitpunkt, zu dem die Agenten des Kreml die Macht in
Osteuropa an sich gerissen haben, haben sie wiederholt auf die
'.Vichtigkeit einer gesteigerten Kohlenf oerderung hingewiesen.
Sie haben damit jedoch keinen Erfolg, und zwar deshalb» weil sie
versucht haben, die Bergleute anzutreiben, und weil die einzige
Taktik, die die Kommunisten kennen, darin besteht, die "Arbeitsdisziplin" noch strenger zu handhaben."
Aber hoeren wir, was einige Kommunisten darueber selbst zu
sagen haben.
Aus Ungarn erhielten wir kuerzlich den neuesten Bericht
ueber den Stand des Fuenf jahresplanes'. Er war in einer Ausgabe
der "Szabad Kep" abgedruckt. In diesem Bericht heisst es:
"Die Schwierigkelten, die sich im vorigen Jahr und in
der ersten Haelfte dieses Jahres bemerkbar machten, bestanden
auch im dritten Quartal dieses Jahres. Die Kohlenfoerderung
blieb noch immer hinter den gesteckten Zielen zurueck, obwohl
Partei und Gewerkschaften mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfuegung stehen, diesem Uebel zu Leibe gerueckt waren. Eine
Kampagne zur Staerkung der Arbeitsdisziplin folgte der anderen.
Die tuechtigsten russischen Bergleute wurden nach Ungarn gebracht. Die Bergleute wurden veranlasst, Produktionsversprechen an Rakosi zu unterschreiben. Aber auch diese Versprechen
wurden nicht erfuellt. Erno Gero, der fuehrende Mann der ungarischen Wirtschaft, gab auf einer Konferenz der Bergwerkadirektoren zu, dass die Moral der Arbeiter Im Sinken begriffen ist.
Er versprach ihnen, die Fleischrationen zu verbessern, aber,
so sagte er, die Arbeitsdisziplin muss besser werden." Er beklagte sich ueber zu haeufiges Zuspaetkommen und das Fernbleiben vom Arbeitsplatz sowie ueber Herumstehen in den Fabriken
und "Sabotage".
Er berichtete ausserdem, dass von 50(^0 neuen Arbeitern,
die vor kurzem fuer die Bergwerke Tatabanya rekrutiert worden
waren, nur wenige laenger als vier Wochen in den Kohlengruben
blieben. Es handelte sich hier um Frauen, Jugendliche, Bueroangestellte und ehemalige Bauern, die im Zuge der Kollektivierung ihren Wohnsitz wechseln mussten. Sie wurden zur Grubenarbeit unter Tage herangezogen, ohne hierfuer ausgebildet zu sein.
Man wird sich erinnern, dass Tatabanya das Bergwerk ist,
in dem sich am 30. September eine grosse Katastrophe ereignete.
Die Regierung hatte bekanntgegeben, dass 81 Bergleute ums Leben
gekommen waren. Fluechtlinge schaetzen die Zahl der toedlich
Verunglueckten auf 200. In ihrem Eifer, die Produktion zu steigern, hatten die Bergwerksleiter die Sicherheitsvorschriften
voellig vernachlaesslgt.

6 -

�Auch der stellvertretende Premierminister Rakosi nahm
kuerzlioh die Gelegenheit wahr, den Bergarbeitern sein Missfallen auszusprechen. Er sagte: "40# der ungarischen Bergleute sind Kommunisten. Sie muessen es sein, die eine strenge
Arbeitsdisziplin rueckhaltlos unterstuetzen. Sie sollten als
Stossarbeiter den anderen als Beispiel vorangehen. Aber sie
sind undiszipliniert. Sie sind die ersten, die wegen des Mangels an Lebensmitteln protestleren, und sich dem stachanowistischen und anderen sowjetischen Methoden widersetzen."
Rakosi koennte hlnzugefuegt haben, dass sich diese Leute
sogar darueber beschweren, dass Ungarn zuviel Lebensmittel
nach Russland schicken muss und im Ueberfluss leben koennte,
wenn Russland diese Lieferungen von Ungarn nicht forderte.
Die Bergleute machten ihrem Unwillen in den Worten Luft: "Wir
koennen von Rakosls Versprechungen nicht leben." Das ist kein
Wunder, denn die Preise fuer Schinken, Speck, Butter und Oel
haben sich seit. Mai verdreifacht, und die Fleischrationen sind
gekuerzt worden.
Erst im vorigen Monat wurden 400 ungarische Bergleute
verhaftet, weil sie oeffentlich gegen eine Senkung der Fleischration protestiert hatten. Die Ernaehrungslage ist fuer die
Bergleute dadurch noch schlechter geworden, dess sie keine
Zeit mehr haben, ihre kleinen Gaerten zu bearbeiten. Man verlangt von ihnen, dass sie im Bergwerk an Sonnabenden und haeuflg auoh an Sonntagen Ueberstunden leisten.
Angesichts dieser Schwierigkeiten fordern ungarische
Kommunistenfuehrer wie Rakosi und Gero groessere Strenge in
der Handhabung der Arbeitsdisziplin, obwohl derartige Versuche
bereits geseheitert sind. Wie weit diese Arbeitsdisziplin gehen kann, zeigt ein Vorfall, ueber den die "Nepszava" berichtet.
In Tatabanya wurde ein "Volkserzieher" damit beauftragt,
waehrend und nach der Arbeltszeit Bergleute zu ueberwachen, die
regelmaesslg vom Arbeitsplatz fernbleiben.
Auch in der Tschechoslowakei hat das Regime mit aehnlichen
Schwierigkeiten zu kaempfen. Am 3. November wurden die Ergebnisse des dritten Quartals des Jahr-Planes 1951 veroeffentlicht.
Es wurde zugegeben, dass die Kohlenfoerderung 6#6 niedriger
war, als man veranschlagt hatte. Infolgedessen musste auch
die Produktion in den Giesserelen und anderen von der Kohle
abhaengigen Industrien zurueckbleiben.
"Am 13. November gaben Radio Prag und die Prager Presse
bekannt: Strenge Massnahmen werden ergriffen, um die in der
Stahlindustrie herrschende Krise zu bek&amp;empfen. Diese kritische Lage ist eine Folgeerscheinung der Krise im Kohlenbergbau."
Auch hier in der Tschechoslowakei koennen wir eine tyoisch
kommunistische Reaktion feststellen. Der tschechische Minister fu.er Arbeitseinsatz Havelka kuendigte eine intensive Kampagne an, in deren Verlauf Jugendliche im Alter von 17 bis
22 Jahren zu Bergleuten und Jungen zwischen 15 und 17 Jahren zu
Bergwerkslehrlingen ausgebildet werden sollen. Auch auf junge
Maenner, die ihrer Dienstpflicht in der Armee genuegt haben,
wird ein Druck ausgeuebt, um sie zu veranlassen, in den Bergwerken einen Arbeitsplatz anzunehmen. Nicht besser ergeht es
den Jugendlichen Landarbeitern. Drack, aber nicht Belohnung
ist die kommunistische Parole. Der tschechische Innenminister
Nosek sprach z.B. vor kurzem den Bergleuten in Maehrisch-Ostrau
sein Befremden darueber aus, dass sie eine Arbeitswoche von 44
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�Stuftden gefordert hatten. Was in der Vergangenheit revolutionaer gewesen sei, sei heute reaktionaer. Bergleute, die nicht
damit einverstanden sind, dass an Sonnabenden nloht eine kurze,
sondern eine normale Sohioht gearbeitet wird, verurteilte er
als Staatsfeinde.
Es mag beilaeufig erwaehnt werden, dass Bergleute in Amerika und Westeuropa nur selten am Sonnabend arbeiten, und wenn
sie es tun, gewaehrt man ihnen volle Lohnzusohlaege fuer Mehrarbeit.
Wenden wir uns nun Rumaenien zu, von wo uns ebenfalls Berichte ueber die Unzufriedenheit unter den Kohlenbergarbeitern
erreichten. Kuerzlioh gab ein frueherer italienischer Kommunist, der aus Rumaenien fluechtete, einen Tatsachenbericht
ueber die Arbeitsbedingungen in rumaenlsohen Kohlenbergwerken.
Nennen wir diesen Italiener Luigl. Er berichtete, dass in
den Bergwerksgebieten Fetrila., Vulcan und Lppeni in der Naehe
von Petrosani alte pensionierte Bergleute aus ihren Wohnungen
vertrieben wurden, um Platz fuer neurekrutierte Bergarbeiter zu
maohen.
"Die Mehrheit der Bergleute sohloss sich der Kommunistischen Partei aus Gruenden der Zweokmaessigkeit an. Nur 5% von
ihnen sind jedoch ueberzeugte Kommunisten. Wenn sie ernueohtert sind und keine Illusionen mehr haben, wenden sie sioh
meistens der Religion zu. Die Rumaenen sind hoechst empoert
darueber, dass die Bergwerksleitung in den Haenden von Russen
liegt, die Angestellte einer "gemeinsamen Gesellschaft"
(Sovromcarbune) sind.
Unfaelle ereignen sioh in den Bergwerken haeufig, ihre
Zahl nimmt staendig zu. Die Sicherheitsmassnahmen werden aus
Gruenden der Produktionssteigerung vernachlaessigt. Der Durchschnittslohn betraegt monatlioh 9000 Lei, d.h. DM 250.-,
Nebenbei gesagt entspricht dieser Monatslohn dem Verdienst
eines amerikanischen Bergmannes fuer vier Tage Arbeit.
Doch hoeren wir uns Luigis Augenzeugenbericht weiter an:
"Stossarbeiter in rumaenischen Bergwerken koennen monatlioh bis zu 12.Ü0Ü Lei verdienen, aber sie ruinieren dabei meistens ihre Gesundheit. Einer von ihnen namens Ludovic Papp,
der im vorigen Jahr als "Arbeitsheld" gefeiert wurde, befindet
sioh nun mit einer Tuberkulose im Krankenhaus. Die Bergleute
erzaehlen sich deshalb den zynischen Witz: "Werde Stossarbeiter und verdiene Dir eine lange Bettruhe." Das Krankenhaus in
Petrosani, einer Stadt von 15.000 Einwohnern, hat nur 250 Betten. Es f9hlt ausserdem an Medikamenten. Die runaenischen
Bergleute verachten ihre Kameraden, die sich zur Steigerung der
Leistungsnormen ausbeuten lassen und vermoegen ihrer koerperlichen Staerke und ihrer Fertigkeiten mehr arbeiten als der
Durchsohnitt. Schon die Tatsache, dass die Redakteure runaeni3cher Zeitungen es fuer notwendig halten, fast taeglich die
Arbeiter zu tadeln, die sich dem Stachanow-System widersetzen,
ist ein Bewei3 dafuer, dass der Widerstand unter der Arbeiterschaft gros3 ist.
Weil diese Stossarbeiter verhasst sind, forderte die ruraaenisohe Zeitung "Vita Sindicala" Betriebsleiter sowie Partelund Gewerkschaftsfuehrer auf, jene Arb3iter"liebevoller" zu behandeln, die sich bereiterklaeren, die Produktionsleistung zu
steigern.
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�Das Regime In Rumaenlen Ist heute, wie auch in anderen
Satellitenstaaten der Sowjetunion, mit verstaerktem Eifer daran
gegangen, Frauen und Jugendliche fuer die Bergwerke zu rekrutieren. Luigi beriohtet in diesem Zusammenhang:
"Die Erbitterung unter den Bergleuten nimmt zu, wenn sie
mitansehen muessen, wie ihre Frauen in den Gruben Kohle hauen
muessen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auch
dass ihre Soehne zum Verlassen der Schule gezwungen werden, um
in die Bergwerke zu gehen, traegt wenig dazu bei, sie dem
Regime gegenueber fruendlioher zu stimmen."
Auch in polnischen Bergwerken bekaempfen die Kommunisten
mit allen Mitteln das haeufige Fehlen, den haeufigen Arbeitsplatzwechsel und den Widerstand gegen das Stachanow-8ystem.
Die polnischen Bergleute erzaehlen sich einen nooh grimmigeren
Witz als ihre rumaenischen Kollegen: "Sei ein Held der Arbeit,
und Du wirst schnell in den Himmel kommen."
Hilary Mine, der Wirtsohaftsfuehrer Polens, erklaerte in
seiner letzten Rede an Arbeiter und Bergwerkbesitzer warnend,
dass, wenn die in der Vergangenheit aufgetrenenen Schwierigkeiten auoh im kommenden Jahr nicht zu beseitigen waeren, die
Arbeiter bereit sein muessten, noch groessere Haerten auf sioh
zu nehmen. Dies betreffe besonders den Mangel an Verbrauohsguetern. Opfer waeren notwendig, um die kuenftige Sicherheit
des Vaterlandes gewaehrleisten zu koennen. Die polnisohen
Bergleute, von denen man groessere Arbeitsanstrengungen verlangt, und deren Produktion zum grossen Teil naoh Sowjetrussland exportiert wird, fragen sich jedooh mit Reoht: "Welches
Vaterland?"
Die polnischen Bergleute gaben ihrer Unzufriedenheit u.a.
dadurch Ausdruck, dass sie sich weigerten, die Beltraege an
die Gewerkschaft zu »ahlen. "Glos Praoy" berichtet, dass nur
65$ der Arbeiter Beltraege entrichten, obwohl die Mitgliedschaft
in der polnisohen Arbeitsfront obligatorisch ist. Die Zeitung
fordert wie gewöhnlich staerkere Kontrollen.
Diese Reihe der Beweise fuer die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft koennte an Hand offizieller Verlautbarungen und
Pressemeldungen aus allen Laendern der sowjetischen Einflusssphaere nooh lange fortgesetzt werden. Die Methoden sind mit
nur auffaellig wenig Abweichungen ueberall die gleichen. In
den Grundstoffindustrien, wie z.B. dem Kohlenbergbau, ist die
Produktion, im ganzen gesehen, unzureichend. Was achlagen die
Stalinisten vor, um diesem Uebel abzuhelfen? Fuer sie gibt
es keine andere Moeglichkeit als jenes Mittel, das man schon
seit 34 Jahren ohne Erfolg in Sowjetrussland anwendet: Letzten
Endes wird immer die Arbeiterschaft verantwortlich gemaoht.
Die Parole heisst ueberall: Verbessert die Arbeitsdisziplin.
Ueberall nimmt der Terror immer krassere Formen an.
Massnahmen, die die Fehler des kommunistischen Wirtschaftssystems beseitigen wuerden, wuerden das Ende des Regimes bedeuten. Denn was tatsaeohllch hierbei erforderlich waere, ist die
Beseitigung der Diktatur und die Wiedererringung der Freiheit.
Program Servioes Seotion
XI-16-51
Gewerkschaften und Kapitalismus in Amerika und Europa
Die grosse Wirtschaftskrise zwischen den beiden Weltkriegen
foerderte in wesentlichem Masse die Entwicklung der grossen
9 -

�Industriegewerkschaften. Auch der wirtschaftliche Aufstieg
waehrend und nach dem Kriege trug dazu bei, der Gewerkschaftsbewegung als Gesamtheit Macht und Elnfluss in der Industrie zu
verschaffen. Professor Sumner Süchte von der Harvard-Universitaet preegte die Bezeichnung "labouristic economy" (gewerkschaftsorlentierte Wirtschaft). Er und viele andere sind der
Auffassung, dass die neuen Entwicklungen in der amerikanischen
Wirtschaft das Merkmal der gesteigerten Macht der Gewerkschaftsbewegung auf industriellem und sozialem Gebiet tragen. Es mag
Leute geben, die mit dieser Auffassung nicht einverstanden
sind oder auf die Tatsache hinweisen, dass der politische Elnfluss der Gewerkschaftsbewegung beispielsweise hinter dem der
Bauern weit zuruecksteht. Aber es ist kaum anzuzweifeln, dess
die Gewerkschaften heute im allgemeinen staerker sind als je
zuvor. Die Erfolge einiger der groessten Gewerkschaftsorganisationen in Bezug auf Lohnerhoehungen, Stufengleit-Klauseln
und Pensionsplaene waren hoechst eindrucksvoll. Darueberhinaus
wird die Gewerkschaftsbewegung jetzt im allgemeinen von dem
Unternehmertum und anderen Gruppen im Staate als staendige und
vielleicht unerlaessliche Einrichtung akzeptiert, wenn sie
auch gelegentlich Rueckschlaege hinnehmen mus3te, fuer die
das Taft-Hartley-Gesetz und natuerlich auch die grossen Auseinandersetzungen zwischen wirtschaftlichen und reinen Machtinteressen als Symbol gelten koennen.
Woertlich genommen bleibt die bejahende Haltung der Gewerkschaftsbewegung in Amerika dem kapitalistischen Wirtschaftssystem gegenueber eine Tatsache, die fuer das Privatunternehmen
im Gegensatz zum oeffentlichen Unternehmen einen Vorteil bedeutet, die freie Tarifverhandlung mit dem Unternehmer wird in
jedem Fall einer Lohnbeatiimune durch die Regierung vorgezogen.
Im groessten Teil Europas und in vielen anderen Teilen der
Welt haben die Gewerkschaften Verbindungen mit antikapitalistiachen Parteien oder Bewegungen eingegangen und sie zuweilen
aus ihrer fuehrenden Stellung verdraengt. Sie waren entweder
sozialistisch, kommunistisch oder katholisch orientiert oder
hingen mit irgendeiner anderen Ideologie zusammen. In den Vereinigten Staaten waren sie bestrebt, "ein moeglichst grosses
Stueck des kapitalistischen Kuchens zu erhalten, aber nicht
einen neuen Kuchen selbst zu backen - obwohl sie den Koch wenig
schaetzen und ihm nicht sonderlich vertrauen." Um die Mitte
dieses Jahrhunderts gaben sich jedoch viele amerikanische Gewerkschaften nicht mehr mit hoeheren Loehnen und einer kuerzeren Arbeitszeit zufrieden, obwohl diese Ziele in ihren Programmen noch immer einen breiten Raum einnehmen. Aber sie wuenschten jetzt auch eine groessere wirtschaftliche Sicherheit fuer
die Arbeiter durch den Abschluss von Pensionsplaenen und durch
aehnliche Einrichtungen. Sie sind sich der Bedeutung der Realloehne bewusst geworden, sie beanspruchen mehr und mehr sogenannte Stufengleit-Klauseln, d.h. Bestimmungen, die die Loehne
an die Lebenshaltungskosten koppeln. Sie haben festgestellt,
dass die Wirtschaftspolitik ihres Landes und auch die Ereignisse
im Ausland sich immer auf die Lage der Arbeiter auswirken werden,
sie beteiligen sich deshalb aktiv an der Formulierung und Beeinflussung dieser Politik. Sie fangen an, bewusst in oeffentlichen Angelegenheiten, im Erziehungswesen und auf anderen wichtigen Gebieten mitzuwirken, die die Gewerkschaften der alten Z e it
als belanglos abgetan hatten. Bis jetzt haben sie noch keine
direkte Beteiligung an der Betriebsleitung gefordert, viele
Gewerkschaftsfuehrer wuerden sie uebrigens entschieden ablehnen;
aber schon ist John L. Lewis nicht mehr der Einzige, der die
Entscheidungen der Unternehmer entweder auf friedlichem Wege
oder auch durch eine unnachgiebige Haltung tatsaechlich beeinflusst hat.

10 *

�All dies bedeutet, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung wesentlich zu der Umwandlung des amerikanischen Kapitalismus beigetragen hat, auch wenn sie ihn theoretisch befürwortet. Und diese Veraenderung war so einschneidend, dass
Kapitalisten und auch andere Leute bereits bezweifeln, ob es
noch das gleiche Wirtschaftssystem wie frueher ist. Die Antwort auf diese Frage ist letzten Endes eine Frage der Interpretation der Begriffe. Alle, auch die amerikanischen Gewerkschaften, scheinen sich darueber im klaren zu sein, dass das amerikanische Wirtschaftssystem als Kapitalismus zu bezeichnen
ist, gleichgueltig, ob sioh hier Veraenderungen der Funktionen
vollzogen haben, zumindest solange bleibt dieses System kapitalistisch, wie das Privateigentum in dieser oder Jener Art die
Grundlage dieses Wirtschaftssystems bildet.
Es ist deshalb leicht moeglich, dass zukuenftlge Historiker die Unterschiede zwischen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung und - sagen wir - der britischen oder deutschen Gewerkschaftsbewegung als wesentlich geringer ansehen, als diese
uns heute erscheinen. Waehrend die amerikanische Gewerkschaftsbewegung unmissverstaendlich jede ideologische Auffassung antikapitalistischen Charakters und insbesondere Jedes Programm
der Kollektivierung des Eigentums abgelehnt hat, hat sie sich
mit Erfolg um die Solidaritaet der Arbeiter bemueht, wie es
auch in den europaeisohen Gewerkschaften der Fall ist, und es
Ist ihr in sehnlicher V/eise gelungen, nach und nach den sozialen Einfluss der Gewerkschaften als Gesamtheit zu steigern. Es
koennte sein, dass die Mitwirkung der westeuropaeischen Gewerkschaftsbewegung bei der Umformung des kapitalistischen Wirtschaftssystems weniger radikal war als die der amerikanischen
Gewerkschaften, wenn dies in den entsprechenden Schlagworten
auoh nicht zum Ausdruck kommt.
Wenn es Jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen
amerikanischen und europaeisohen Gewerkschaften gibt, dann ist
es ihre Einstellung zur Produktivitaet. Wenn auch der typische amerikanische Arbeiter und seine Gewerkschaft sehr haeufig um Juristische Begriffe und ihre Auslerunp feilschen, so
erkennen sie doch im allgemeinen die Abhaengigkeit eines hoeheren Lebensstandards von der höheren Produktivitaet an. Fuer
ihre europaeisohen Kollegen ist es dagegen bezeichnend, dass
sie in Produktivltaetserfolgen einen Anlass zur Steigerung der
Arbeitslosigkeit und der Ausbeutung sehen. Auch die Haltung
der Unternehmer zur Produktivitaet ist verschieden und weist
einen Unterschied auf, der die Verschiedenertigkeit der Besitzverhaeltnisse, des historischen und kulturellen Erbgutes und
der allgemeinen wirtschaftlichen Motivierung widerspiegelt.
Wenn die Gewerkschaftsbewegung trotzdem dem "Kapitalismus"
ihre Unter3tuetzung nicht versagt hat, so hat sie, wenn auch
zum Teil ohne es zu wissen, dazu beigetragen, die amerikanische
Wirtschaft zu etwas ganz anderem zu machen, als sie es um die
Jahrhundertwende war, wenn auch Sprache und Wortpraegung wiederum hinter der Wirklichkeit zurueckgeblleben sein moegen.
Labor News from the U. S.
1-15-52
Die Notwendigkeit gewerkschaftlicher Schulung
Damit die Mitglieder der Gewerkschaften gleichen politischen und sozialen Zielen zustreben, damit der Zusarunenhang in-

11 -

�nerhalb der Gewerkschaftsbewegung gewaehrleistet bleibt, braucht
man heute wie frueher auch andere Mittel wie Streikposten und
Werbecarolen. Man braucht jedoch mehr als Versprechungen, die
einen schnellen politischen Erfolg in Aussicht stellen, oder
Drohungen mit antigewerkschaftlichen Gesetzen, wenn die organisierte Gewerkschaftsbewegung der Fuelle ihrer Verpflichtungen
gegenueber ihren Mitgliedern und der Allgemeinheit gerecht werden
soll. Selbst eindrucksvolle politische Kampfreden und glattzuengige Wahlreden bieten keineswegs eine echte Moeglichkeit,
die seit langem bestehenden Forderungen der Arbeiterschaft zu
befriedigen, Eine der tat3aechlich konkretesten Methoden, die
jedoch noch nicht genuegend erprobt ist, ist ein grundlegendes
Programm der gewerkschaftlichen Schulung sowohl fuer die Mitglieder als auch fuer die Funktionaere, das darauf ausgerichtet
ist, die Gewerkschaften und die Bevoelkerung im allgemeinen
ihrer Verantwortlichkeit bewusst werden zu lassen.
Wenn auch eine immer groesser werdende Zahl Gewerkschaften
sich darueber im klaren ist, dass wirksame Schulung und Orientierung dringend notwendig ist, will es die Gewerkschaftsbewegung als Gesamtheit noch nicht zugeben, dass die Scbulungsarbeit
eine logische Grundlage fuer das Gefuehl der Staerke am Verhandlungstisch, fuer eine wirksame politische Betaeti^ung und,
fuer die Erkenntnis des staendlg zunehmenden Verantwortlichkeitbereiches bilden kann, dessen sich der Staat zu unterziehen hat.
Trotzdem ueberrascht die Feststellung, dass eine grosse
Zahl Gewerkschafter an der erzieherischen Taetigkeit lebhaft
interessiert ist. Das Bemuehen, sich ein abstraktes Wissen
anzueignen, wird heute vielleicht von praktischen Erwaegungen
uebertrumpft. Einige sind der Ansicht, dass eine derartige
Schulung fuer ihre jetzige oder kuenftige Arbeit als Funktionaer wertvoll sein kann. Andere sind sich ihrer unzureichenden
Kenntnisse bewusst, die sie sich durch die normale Schulausbildung erworben haben. Eine nicht unbetraechtliche Zahl Jedoch
ist einfach der Auffassung, dass Schulung fuer sie, ihre Ortsgewerkschaft und ihre Umgebung einfach unumgaenglioh ist. Aber
dieses Verlangen nach einer zweckmaessigen Schulung steht bei
der Mitgliederschaft der Gewerkschaften haeufig erst im Anfangsstadium, man tastet gewissermassen noch im Dunkeln. Die ausgezeichnete Arbeit, die von einigen fortschrittlichen Gewerkschaften geleistet wird, erfasst nur einen Bruchteil derer, die
dieser Ausbildung beduerfen. Der groesste Teil der Arbeit auf
diesem Gebiet bleibt noch zu tun.
Die allgemeine Lage kann nicht wesentlich verbessert werden, wenn sich nicht bei einer groesseren Anzahl hoher Funktioneere die sichere Erkenntnis durchsetzt, dass die gewerkschaftliche Schulung wichtig ist und dementsprechend mit finanziellen Mitteln und durch Zurverfuegungstellung des erforderlichen Personals unterstuetzt werden muss.
Eine positive Haltung der zentralen Vorstaende gegenueber
dieser Arbeit kann den Funktionaeren der Ortsgewerkschaften
als Richtschnur dienen und dadurch ihre so wesentliche Mitarbeit erwirken, ohne die es bestimmten Interessenvertretern
moeglich sein wuerde, wertvolle erzieherische Programme zu untergraben, die wirklich geeignet waeren, die breite Masse
ihre Verantwortung dem Staat gegenuaber erkennen zu lassen.
Leider deutet nichts darauf hin, dass genuegend einflussreiche zentrale und oertliohe Gewerkschaftsbehoerden bereit
waeren, die gewerkschaftliche Schulung zu foerdern. Sie sind

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�offensichtlich zu sehr mit ihren Gewerkschaften selbst beschaeftigt, um sich um ihre einzelnen Mitglieder kuemmern zu koennen.
Die bedeutungsvolle Rolle, die die Gewerkschaftsbewegung
in der Politik uebernommen hat, koennte vielleicht der gewerkschaftlichen Schulung den Auftrieb geben, den sie seit langen
benoetigt. Trotz der zahlreichen Stimmen, die sich gegen die
angebliche gewerkschaftliche Vorherrschaft erheben, ist die
Teilhaberschaft der Gewerkschaften an allen Angelegenheiten
nationaler Bedeutung, eine feststehende Tatseche und unwiderruflich. Wenn man auch der Gewerkschaftsbewerunsr nicht jenen
Status gewaehrt hat, den sie verlangte, so arbeitet sie doch
aktiv in den Verteidigungsbehoerden der amerikanischen Regierung mit.
Zusammen mit ihren Gegenspielern aus der Industrie arbeiten die Vertreter der Gewerkschaften in oeffentlichen und privaten Sonderausschüssen mit, die die Aufgabe haben, die wirtschaftliche Staerke des Landes zu stabilisieren. Die Gewerkschaftsbewegung hat leider nicht in dem gleichen Umfang wie
Industrie und Regierung genuegend qualifizierte Vertreter, die
entweder auf gewerkschaftlicher oder auf staatlicher übene
den an sie gestellten Anforderungen gerecht werden koennen.
Waehrend der Bedarf an tuechtigen und gut informierten
Gewerkschaftsvertretern immer groesser wird, die einflussreiche hauptamtliche Stellungen als Berater uebernehmen muessen,
macht sich auch unter den Mitgliedern und den unteren Funktionaeren nioht selten ein Mangel an Verstaendnis fuer die Politik und die Handlungsweise ihrer Repraesentanten in der Regierung und anderen wiohtigen Zentralbehoerden bemerkbar.
Labour
XI1/51
Die staatliche Organisation fuer Arbeltsvermittlung in Irland
Die staatliche Organisation fuer Arbeitsvermittlung in
Irland wurde auf Grund des im Jahre 1949 erlassenen Gesetzes
ueber Arbeitsvermittlung errichtet, sie ist bis ins einzelne
durchorganisiert und erstreckt sich ueber das ganze Land. Im
ganzen gibt es in den verschiedenen Teilen des Landes 123 oertliche Arbeitsaemter. Im Durchschnitt hat Jede Grafschaft fuenf
soloher Aemter.
32 dieser Arbeitsaemter arbeiten praktisch fuer die groesseren Staedte; das Personal setzt sich aus Beamten des Ministeriums
fuer soziale Wohlfahrt zusammen. Die uebrigen 91 Arbeitsaemter
befinden sich in Kleinstaedten und sind fuer diese und die sie
umgebenden Gebiete zustaendlg. Die Arbeitsaemter in den Kleinstaedten werden in der Regel von Personal geleitet, das nur
auf eine bestimmte Zeit angestellt ist und die Arbeit als Nebenarbeit verrichtet. Die entsprechende Zentralstelle beim Ministerium fuer soziale Wohlfahrt erteilt allen 123 Arbeitsaemtern die fuer ihre Arbeit erforderlichen Weisungen und beaufsichtigt ihre Taetigkeit.
Alle Iren, die das schulpflichtige Alter ueberschritten
haben, koennen sloh, ganz gleich ob sie Arbeit haben oder nioht,
bei einem Arbeitsamt registrieren lassen; dies kann entweder
durch persoenlloho Vorsprache geschehen oder brieflich. Das
Amt vermerkt das Alter des Bewerbers, seine Kenntnisse und
Fertigkeiten sowie die Art der gewuenschten Arbeit.
13 -

�&lt;•

Im Hinbliok darauf, dass es namentlich In letzter Zelt
fuer die Wirtschaft des Landes sehr wesentlich ist, dass Arbeit skraefte sofort dort eingesetzt werden, wo Luecken bestehen, ist die Eintragung frueherer Arbeitserfahrungen ausführlicher gehalten als es allgemein ueblich ist. Gleichfalls wird
angegeben, ob der Betreffende gewillt ist, Arbeit in anderen
Teilen des Landes anzunehmen. Die Meldungen werden nach Berufszweigen geordnet; zu diesem Zweoke sind ungefaehr 360 verschiedene Berufsgruppen aufgestellt worden.
Wo es sich durchfuehren laesst, werden Frauen und jugendliche Bewerber in gesonderten Raeumen oder In einer besonderen
Abteilung des Arbeitsamts registriert. Wo weder das eine noch
das andere moeglioh ist, werden besondere Empfangszeiten festgesetzt. Soweit es moeglich ist, werden Frauen und Jugendliche
von Beamtinnen registriert.
Die Bewerber halten ihre Bewerbung dadurch aufrecht, dass
sie in regelmaessigen Abstaenden - in der Regel mehrmals in der
Woche, mindestens aber einmal alle zwei Wochen - persoenlioh
oder brieflich beim Arbeltsamt rueokfragen. Antraege auf Arbeltslosenunterstuetzung koennen nur berueokslohtigt werden, wenn
eine solche Meldung erfolgt ist.
Ein Unternehmer, der die Dienste eines Arbeitsamtes in Anspruch nehmen will, meldet seinen Bedarf an. Das Arbeitsamt bemueht sioh, ihm am Ort wohnende Arbeitskraefte zur Verfuegung
zu stellen, unter den registrierten Arbeitssuchenden werden
solohe ausgewählt und dem Arbeitgeber vorgeschlagen, die fuer
den betreffenden Arbeitsplatz geeignet erscheinen. Wenn der
Beamte des Arbeitsamtes nicht in der Lage ist, geeignete
Personen vorzuschlagen, weil keine entsprechenden Bewerbungen
vorliegen, aohlaegt er ein bestimmtes Verfahren ein, nachdem
Einzelheiten ueber den offenen Arbeltsplatz innerhalb von ein
oder zwei Tagen den bei saemtliohen anderen Arbeitsaemtern in
Irland registrierten Arbeitssuchenden zur Kenntnis gebraoht
werden koennen. Dieses Verfahren besteht darin, dass Einzelheiten ueber den offenen Arbeitsplatz der Zentralstelle gemeldet
werden, die sie dann den verschiedenen Arbeitsaemtern meldet.
Diese teilen sodann den in Frage kommenden Bewerbern alle Einzelheiten mit{ weiter werden die Einzelheiten auch oeffentlioh
duroh Aushang bekanntgegeben.
Die Arbeitsvermittlung ist kostenlos und erfasst das ganze
Land. Der Leiter eines Arbeitsamtes kann dem Arbeitssuchenden
einen Sohein fuer Freifahrt ausstellen, vorausgesetzt, dass
sioh der Arbeitgeber oder der registrierte Arbeitsuchende verpflichten, die Fahrtkosten zurueokzuzahlen; das Arbeitsamt
kann ihm auch das noetige Fahrgeld vorstrecken, damit der Arbeitsuchende zur Vorstellung fahren kann. In allen Faellen, in
denen registrierte Arbeitsuchende auf Arbeltslosenunterstuetzung
Anrecht habtn, kann ein Teil des Vorschusses aus dem Fonds fuer
Arbeltslosenunterstuetzung genommen werden.
Der Leiter eines Arbeltsamtes hat die Pflioht, die Arbeitgeber seines Gebietes von Zeit zu Zeit aufzusuohen, um sie zu
veranlassen, das Arbeitsamt von frei werdenden Arbeitsplaetzen
zu unterrichten. Wenn die Arbeitgeber die bei ihnen frei werdenden Arbeitsplaetze dem zustaendigen Arbeitsamt unverzueg-lioh melden, so kann dieses alle notwendigen Massnahmen ergreifen; auf
diese Weise wird der Bedarf in der Regel sohneil und gut befriedigt, das unerfreuliche Feilbieten von Arbeitakraeften ist dadurch
vermieden. Auf diese Weise wird den Arbeitsaemtern leichter ge-

- 14 -

�macht, Stellen an Personen zu vermitteln, die sich andernfalls
um Arbeitslosenunterstuetzung bemuehen wuerden.
Es gibt keine Statistik ueber den Prozentsatz der Zahl
der Arbeitsvermittlungen, die durch die Arbeitsaemter erfolgt
sind, im Vergleich zu den gesamten Einstellungen im ganzen
Land; Jedoch laesst sich feststellen, dass die einzelnen Arbeitsaemter seit Kriegsende im Jahr ungefaehr 50,000 Arbeitsplaetze vermittelt haben*
Es ist von Interesse festzustellen, dass die Arbeitsaemter
gelegentlich besondere Aufgaben durohfuehren. So fuehren zum
Beispiel die Arbeitsaemter Listen ehemaliger Angehoeriger der
irischen Wehrmacht, um auf diese Weise den Veteranen alle nur
moegliche Hilfe bei der Wiedereingliederung ins buergerliche
Leben zu gewaehren; auf Grund dieser Listen werden denjenigen
Arbeitgebern Vorschlaege gemacht, die sioh bereit erklaert
haben, Veteranen bevorzugt einzustellen.
Sodann befassten sich die Arbeitsaemter mit dem von der
Regierung durohgefuehrten Projekt der Beschaffung von Erntearbeitern. So wurden den Bauern in den betreffenden Gebieten
Arbeltskraefte aus den ueberfuellten Gebieten der Westkueste
als Erntehilfskraefte zur Verfuegung gestellt. Der Staat trug
die Reisekosten fuer Jeden Arbeiter und beteiligte sich an der
Deckung seiner Nebenausgaben und Unterhaitakosten. Dazu wurden in den Jahren 1943 bis 1947 noch besondere Listen von Landarbeitern gefuehrt.
Ein weiteres Beispiel fuer die Mitarbeit der Arbeitsaemter
bei der Durohfuehrung verschiedener Projekte bilden die Projekte
fuer Torfgewinnung, die von der Regierungsstelle durchgefuehrt
wurden. In diesem Zusammenhang wurden Arbeitsuchende in den
verschiedenen Teilen des Landes von den freien Arbeitsplaetzen
durch die Arbeitsaemter in Kenntnis gesetzt; die Arbeitsaemter
sorgten auch dafuer, dass sie zu den Arbeitsplaetzen fahren
konnten. Im Jahre 1948 uebernahm die Regierungsstelle von den
Grafschaften einigeBodenameliorationsprojekte. Bei der Durohfuehrung dieser Projekte wurden nur einheimische Arbeltskraefte
verwandt, die, soweit es erforderlich war, von den oertlichen
Arbeitsaemtern vermittelt wurden.
Den Arbeitsaemtern in Dublin, Cork, Limerick und Waterford
sind besondere Ausschuesse zur Beratung Jugendlicher angegliedert. Diese Ausschuesse setzen sich aus Vertretern der Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kirchen, Erziehungsbehoerden und oertlichen Verwaltungsbehoerden sowie aus anderen, an Jugendfragen
interessierten Personen zusammen. Der Zweck dieser Ausschuesse
ist, den Minister fuer soziale Wohlfahrt zu beraten, soweit es
sich um die Behandlung von jugendlichen Arbeitsuchenden handelt;
die Ausschuesse haben ferner die Aufgabe, die Jugendlichen und
ihre Eltern bei der Berufswahl und in anderen Fragen zu beraten.
Die Ausschuesse bemuehen sioh, eine Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Eltern und Arbeitgebern herbeizufuehren und den
Schulentlassenen passende Arbeitsplaetze zu vermitteln. Sie bemuehen sich ferner, mit den Jugendlichen Arbeitnehmern in den
ersten Jahren ihrer Taetigkeit in Fuehlung zu bleiben und sie
zu beraten.
Die Erweiterung des Arbeitsgebietes der irisohen Organisation fuer Arbeitsvermittlung hat netuerlioh an dem ursprueng1lohen Zweck dieser Behoerde nichts geaendert. Die verschiede-

15

�nen irischen Regierungen haben ausnahmslos den Standpunkt vertreten, dass der Staat die Freiheit des Individuums, sich eine Arbeit nach seinem Ermessen zu suchen, nicht beschraenken duerfe.
Die Taetigkeit der Arbeltsaemter soll lediglich dazu dienen,
dem einzelnen dabei behilflich zu sein, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden; der Staat uebt Jedoch in dieser Beziehung keinerlei Druck aus.
Employment Security Review
6/51
Eine wichtige Aufgabe fuer die Schule
"Keine Schule darf sich ruehmen, gute Arbeit zu leisten,
wenn sie ihre Schueler nioht darauf vorbereitet, einen fruchtbaren Kontakt mit allen Organisationen eines modernen Staates,
einschliesslich den Gewerkschaften, aufzunehmen.n Dies erklaerte Mark Starr vor Schuelern der St. Paul's Schule am 4.
Maerz In Concord im Staate New Hampshire.
Starr, der Direktor fuer Arbeitsrbildung in der Allanerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter (AFL),
steht auf dem Standpunkt, die Gewerkschaftsbewegung habe am meisten unter der Tatsache zu leiden gehabt, dass man sie vernaohlaessigt und falsche Informationen ueber ihre Taetigkeit verbreitet habe. Nur gelegentlich vorkommende Streiks und seltene
Faelle von Ausschreitungen und Erpressungen wuerden im allgemeinen als Neuigkeiten angesehen. Das, was die Gewerkschaft
fuer das Wohl der Allgemeinheit getan habe, wuerde nur selten
gebuehrende Anerkennung finden.
Er sagte zum Beispiel, man habe nur wenig Beachtung der
Tatsache geschenkt, dass Kurt Carlsen, der heroische Kapitaen
der "Flylng Enterprise", Mitglied der AFL Gewerkschaft der
Schiffskapitaene, Schiffsmaate und Steuermaenner ist, und dass
die Maenner, die vor einigen Jahren bei der Bergung der dreiJaehrigen Kathie Fiscus mithalfen, die in einen unbenutzten
Erdoelschacht gefallen war, Mitglieder der AFL Gewerkschaft
der Betriebsingenieure waren.
"Wenn Verstaendnis fuer das Verhaeltnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgebracht werden und die Zusammenarbeit zwischen verstaendnisvollen Arbeitgebern und Gewerkschaften gefoerdert werden soll, muss die Schule allen Maennern und
Frauen, die guten Willens sind, helfen, sich ein richtiges Bild
ueber die Gewerkschaftsbewegung zu machen, dem auch wirklich
Tatsachen zugrundeliegen," sagte Starr abschliessend.
Daily News Service
III/4/52

16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILIINGEN
Di« (olgenden Artikel stellen AuszUge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankhirt
angefordert werden. Auf Wunsch werden dies« auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Dar Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

V - 5

Frankfurt, den 29. Februar 1952

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Mindestnormen fuer das Lehrlingswesen

1

Heilands Premierminister zur amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung

9

Kuropaeer studieren moderne Agrarmethoden

10

Energie-Schluessel zur Wirtschaftskraft Europas 12
Hellmittel und medizinische Geroete durch den
Karshallplan

15

Kindestnormen fuer das Lehrlingswesen
Sin Handbuch der amerikanischen Mechaniker-Gewerkschaft
Blnfuehrung:
Da der Beruf des Mechanikers einer Jener Berufe ist, die
in groeastem Masse faohmaennlsches und technisches Eoennen voraussetzen, hat der Beratungsaussohusa fuer das Lehrlingswesen
in der AIlamerikanisehen Gewerkschaft der Mechaniker in dem vorliegenden Handbuch bestimmte Normen fuer das Lehrlingswesen
festgelegt, die bei der Ausbildung und Schulung von Lehrlingen
fuer den Mechanikerberuf Richtschnur und Gewaehr dafuer bieten
•ollen, des« die Fertigkeiten und das Wissen, die siob Gesellen
in diesem Beruf durch labrrelange praktische Erfahrung angeeignet haben, durch die Einfuehrung eines genormten Systems der
Lehrlingsausbildung fuer die Zukunft erhalten bleiben.
In die sem Sinne wird euch gefordert, dass diese Normen so
gut eingehalten werden, wie es die CJmstaende erlauben, dass
- 1-

�Fragen der Produktion gegenueber der Ausbildung als Probleme
zweitrangiger Bedeutung behandelt und dass ^ualitaet ueber Quantitaet gestellt wird.
Richtlinien fuer die Lehrlingsausbildung;
1. Alter der Lehrlinge: Bewerber fuer eine Lehrstelle muessen
zwischen 16 und 23 Jahre alt sein.
2. Dauer der Lehrlingsausbildung: Die Dauer der Lehrlingsausbildung soll nicht
weniger als 8.000 Stunden ununterbrochener
Beschaeftigune- umfassen. Wenn sich der Lehrling bereits frueher gewisse Erfahrungen in diesem Beruf erworben hat, die mit
einer Lehrlingsausbildung gleichgestellt werden koennen, so
kann der Lehrlingsausschuss diese Kenntnisse abschaetzen und
eine entsprechende Kuerzung der Lehrzeit empfehlen.
3. Probezeit: Fuer alle Lehrlinge, die in Uebereinstimmung
mit diesen Bestimmungen beschaeftigt werden, sollen die ersten
1.000 Arbeitsstunden als Probezeit gelten. Waehrend dieser
Zeit kann dar Lehrvertrag von einer der beiden beteiligten Seiten durch Kuendigune: geloest werden. Der Beratungsausschuss
fuer Lehrlingsfregen und die Registrierungsbehoerde sollen jedoch hierueber in Kenntnis gesetzt werden. Nach Beendigung
der Probezeit kann der Lehrvertrag von beiden beteiligten Seiten
jedoch nicht gekuendigt werden, wenn der Lehrlingsausschuss
diese Kuendigung nach entsprechender und sorgfaeltiger Erwaegung der angegebenen Gruende nicht billigt.
4. Lehrplan: (Siehe nachfolgende Beispiele fuer die Arbeitseinteilung waehrend der Lehrzeit).
(Die nachfolgenden "Plaene der Arbeitseinteilung" sind allgemein und sollen bei dem Entwurf entsprechender Plaene
in den verschiedenen Fabriken lediglich als Richtschnur
dienen. Der Arbeitsverlauf selbst und die Anzahl der Stunden, die fuer Jeden Lehrabschnitt aufgewendet werden sollen,
werden von den zur Verfuegung stehenden Einrichtungen und
der Art der Arbeit abhaengig sein, die in dem bestimmten
Betrieb verrichtet wird, fuer den diese Normen angewendet
werden sollen.)
Bei der Ausarbeitung von Lehrplaenen sollen die verschiedenen Arten der Arbeiten, die verwendeten Maschinen und die in bestimmten anerkannten Lehrwerkstaetten zur Verfuegung stehenden
Einrichtungen berueckslchtlgt werden, denn die Lehrzeit hat den
Zweck, durch Ausbildung an allen Maschinen und durch Unterweisung in allen Formen der Arbeit, die zu dem betreffenden Beruf
gehoeren, tuechtige Handwerker heranzubilden. Unter allen ümstaenden soll die Gesamtzeit der Lehrlingsausbildung nicht
unter achttausend Arbeitsstunden liegen.
5.

Berufsschulausbildung:
(a) Der Ausschuss fuer Lehrlingsfragen soll in Zusammenarbeit mit den Schulbehoerden technische Schulungskurse durchfahren, die die praktische Lehrlingsarbeit ergaenzen.
(b) Jeder Lehrling soll an einem anerkannten Berufsschullehrgang -fuer solche Lehrlinge teilnehmen, die ihre Lehrzeit in Uebereinstimmung mit diesen Vorschriften ableisten,
er soll Jaehrlich regelmaessig zumindest an 144 Berufsschul-

- 2 -

�stunden teilnehmen. Wo es keine Berufsschulen gibt, soll
Jeder Lehrling an einem gleichwertig anzusehenden technischen Lehrgang teilnehmen. Von Lehrlingen darf nicht verlangt werden, dass sie ausserhalb ihrer Arbeitszelt an
Berufslehrgaengen teilnehmen, es sei denn, sie werden fuer
dftose Zeit gemaess den Bestimmungen des Tarifvertrags und
des Lehrvertrags bezahlt.
•

6. Arbeitszeit fuer Lehrlinge: Die Arbeitszeit pro Tag und
pro Woohe und die Arbeitsbedingungen sollen fuer Lehrlinge die
gleiohen sein wie fuer Gesellen. Der Lehrling soll zu Jeder
Zelt gemeinsam mit einem Gesellen oder unter der Aufsicht eines
Gesellen arbeiten. Keinem Lehrling darf es erlaubt werden,
Mehrarbeit zu leisten, es sei denn, die gesamte Werkstaette
oder Abteilung, in der er beschaeftigt ist, arbeitet naoh einem
regelmaessigen (Jeberstundenplan.
7.

Loehne:
(a) Lehrlinge sollen nicht weniger verdienen, als in der
nachstehenden Lohntabelle angegeben ist:
In den ersten sechs Monaten 50% des Lohntarifs fuer Gesellen
il
n
n
»
55% "
" m zweiten "
w
•
n
• • dritten "
60% "
a
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N
*
65%
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II
n
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90% "
" n achten
"
Nach Beendigung der Lehrzeit erhaelt der Ausgelernte den
vollen Gesellentarif.
(b) Lehrlinge, denen bereits gesammelte Erfahrungen in demselben Bexuf angerechnet werden, sollen nach ihrem Eintritt
fuer ihre Leistung den Lohntarif derjenigen Stufe erhalten,
in die sie auf Grund ihrer .Erfahrungen eingereiht werden.
Sie koennen auch nach Antritt ihrer Lehrzeit nachtraeglich
hoeher eingestuft werden, wenn ihre frueheren Berufserfahrungen sie hierzu berechtigen.

8. Regelmaessige Pruefungen: Der Lehrlingsausschuss wird die
Berichte ueber die praktische Arbeit und die Berufsschulausbildung der Lehrlinge vor Abschluss eines Jeden Halbjahres oder zu
anderen festgelegten Zeitpunkten ueberpruefen, um sioh ueber die
Fortschritte der Lehrlinge am Arbeitsplatz und in der'Berufsschule und ueber andere Dinge zu informieren, die fuer die Entwicklung des Lehrlings aufschlussreich sein koennen. Der Ausschluss soll Empfehlungen unterbreiten, die ihm wuenschenswert
erscheinen.
9. Zahl der Lehrlinge in einem Betrieb: Auf Je zehn Gesellen
soll im Betrieb ein Lehrling kommen. Fuer den Fall, dass Arbeitskraefte abgebaut werden muessen, sollen auch Lehrlinge
abgebaut werden, sodass auch hier dieses Verhaeltnls 1:10 bestehen bleibt.
10. Lehrlingsvertrag: Der Lehrling und seine Eltern oder
sein Vormund (bei MinderJaehrigen) unterzeichnen einen Vertrag,
der von dem Arbeitgeber gegengezeichnet und von dem Ausschuss
fuer Lehrlingsfragen gebilligt wird. Jeder Vertrag, der unter
Anerkennung der hier beschriebenen Normen abgeschlossen wird,

- 3 -

�soll eine Bestimmung enthalten, die die Einhaltung dieser Normen
zur Bedingung macht. Aus diesem Grunde sollen der Lehrling,
seine Eltern (oder Vormund) und der Arbeitgeber eine Abschrift
dieses Vertrags erhalten. Eine Abschrift des Lehrlingsvertrags
soll also ausgehaendigt werden an;
a) Lehrling
b) Arbeitgeber
o) Gewerkschaft
d) Ausschuss fuer Lehrlingsfragen
e) Registrierungsbehoerde
11. Lehrlingsvorgesetzter: In jedem Betrieb, in dem Lehrlinge
beschaeftigt werden, wird eine Person bestimmt, die allgemein
als Lehrlingsvorgesetzter bekannt ist. Es kann sich hierbei,
besonders in groesseren Betrieben, um einen hauptberuflichen
Lehrmeister oder um einen Werkmeister, Vorarbeiter oder Gesellen handeln. Der Lehrlingsvorgesetzte i3t fuer die Durchfuehrung des Lehrlingsprogramms im Betrieb verantwortlich und wird
von dem Gemeinsamen Ausschuss fuer Lehrlingsfragen bei seiner
Arbeit beraten und beaufsichtigt. Er ist fuer die Einteilung
der Lehrlinge zu den Arbeiten, die sie nach dem Lehrplan verrichten sollen, verantwortlich, er schreibt Berichte ueber den
Stand der Lehrlingsausbildung und steht den einzelnen Lehrlingen zur Loesung ihrer persoenlichen Probleme als Berater zur
Seite. Durch entsprechende Vereinbarungen mit dem Gemeinsamen
Ausschuss fuer Lehrlingsfragen koennen ihm noch andere Funktionen uebertragen werden.
12.

Gemeinsame Ausschuesse fuer Lehrlingsfragen:
(•) Der Gemeinsame Ausschuss fuer Lehrlingsfragen ist
ein Ausschuss, in dem Arbeitgeber und Gewerkschaft paritaetisoh vertreten sind.
(b) Verwaltungsmaessige Einzelheiten:

1. Der Ausschuss tritt jaehrlich mindestens viermal zusammen, wobei eine Zusammenkunft in jedem Quartal des Kalenderjahres zu bevorzugen ist. Er waehlt unter seinen Kitgliedern
einen Vorsitzenden und einen Sekretaer.
2. Alle Mitglieder des Ausschusses, auch der Vorsitzende
und der Sekretaer, sind berechtigt, ueber alle Fragen abzustimmen.
3. Ist der Vorsitzende des Ausschusses in irgendeinem
Jahre der Vertreter der Unternehmer, so muss der Sekretaer ein
Vertreter der Gewerkschaft (oder umgekehrt) sein.
4. Der Aussohuss stellt Richtlinien und Bestimmungen auf,
die die erforderlichen Verwaltungsverfahren regeln.
(o) Aufgaben:
1. Die Ausbildungsnormen und die Moeg Henkelten des Lehrlings zu erhoehen, sich berufliche Erfahrung anzueignen.
2. Lehrvertraege zwisohen Unternehmer und Lehrling zu
billigen und diese Vertraege der zustaendigen Registrierungsbehoerde zur Eintragung vorzulegen.

- 4 -

�3. Mit dem Lehrlingsvorgesetzten, mit dem Arbeitgeber
und den Betriebsleuten der Gewerkschaft zusammenzuarbeiten.
4. Alle Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitgeber
und Lehrling in Bezug auf die Lehrlingsausbildung anzuhoeren und
zu klaeren, wenn solche Meinungsverschiedenheiten durch den
Lehrvertrag nicht entschieden werden koennen, oder wenn sie
von dem Lehrlingsvorgesetzten nicht in zufriedenstellender
Welse beigelegt werden koennen.
5. Durch Pruefung der Arbeitsberichte und durch Praefunigen, denen die Lehrlinge, wenn man es fuer ratsam oder erforderlich haelt, von Zeit zu Zeit unterzogen werden, haelt sich der
Ausschuss ueber den Fortschritt der Lehrlinge in ihren handwerklichen Faehigkeiten und ihren technischen Kenntnissen auf
dem laufenden.
6. Der Ausschuss verfasst elljaehrlich einen Taetigkeitsberlcht fuer den Unternehmer, die Gewerkschaft und die Registrierungsbehoerde.
7. Allgemein gesagt ist der Ausschuss fuer die erfolgreiche Durohfuehrung dieser Vorschriften verantwortlich, indem er
sich den hier angefuehrten Pflichten unterzieht; mit oeffentliohen und privaten Behoerden zusammenarbeitet, die seine Arbeit
foerdern koennen, indem er sich Publiziteet verschafft, um sioh
die Unterstuetzung der Oeffentllchkeit zu sichern, und indem
er mit allen in Frage kommenden Stellen in staendiger Verbindung bleibt.
13. Berater: Die Bereter in diesem Ausschuss nehmen auf dessen
Ersuchen an seinen Konferenzen teil, beraten den Ausschuss in
Fragen, die mit dem Lehr]ingswesen im Zusammenhang stehen, und
stellen ihre Unterstuetzung zur Verfuegung, wenn sie damit
eine Verbesserung der Lehrlingsausbildung erwirken koennen.
14. Bescheinigung ueber erfolgreiche Beendigung der Lehrzelt:
Nach erfolgreicher Beendigung der Lehrzeit unter Einhaltung der
vorliegenden Bestimmungen sorgt der Lehrlingsausschuss dafuer,
dass eine Bescheinigung ueber die Beendigung der Lehrzeit ausgehaendigt wird.
15. Offizielle Billigung dieser Vorschriften: Bevor diese
Vorschriften in Kraft treten, muessen sie von dem Arbeitgeber,
der Gewerkschaft und der Registrierungsbehoerde offiziell gebilligt werden.
16. Etwaige Absonderungen dieser Vorschriften: Diese Bestimmungen koennen zu ,Jeder Zeit durch Mehrheitsbeschluss des Ausschusses fuer Lehrlingsfragen mit Zustimmung des Arbeitgebers,
der Gewerkschaft und der Registrierungsbehoerde abgesondert werden, vorausgesetzt, dass eine solche Abaenderung die von der
Allamerikanischen Gewerkschaft der Mechaniker festgesetzten Mindestnormen nicht verringert. Durch solche Abaenderungen duerfen
Jedoch keine Lehrvertrtiege geaendert werden, die zu dem Zeitpunkt
der Abaenderung in Kraft sind, es sei 'denn, dass alle an diesem
Vertrag beteiligten Partner ihre ausdrueckliche Zustimmung hierzu
geben.
17. Einhaltung der Vorschriften: Diese Vorschriften werden
hiermit zun Bestandteil eines Jeden Lehrvertrags erklaert. Die
Unterzeichnung oines Lehrvertrags verpflichtet deshalb die Beteiligten zu ihrer Einhaitun«.

5 -

�18. Gebilligt wird dieser
am
und im Namen der Ortsgewerkschaft
und (Name des Arbeitgebers)

19
fuer
oder des Bezirks

(Die nachstehenden Lehrplaene, die die einzelnen Arbeiten
aufzeigen, die Lehrlinge in den verschiedenen Mechanikerberufen erlernen nuessen, sollen lediglich als Richtschnur dienen
fuer die Aufstellung von Lehrplaenen in bestimmten Betrieben
oder Industrien. Wir fuehren an dieser Stelle deshalb Beispiele einiger Lehrplaene an, wie sie in den Lehrlingsbestimmungen
der Tarifvertraage einiger unserer 3ezirks- und Ortsgewerkschaften vorgesehen sind. »Vir haben diese Lehrplaene ausgewaehlt,
weil sie sich dort, wo sie angewendet wurden, als ziemlich erfolgreich erwiesen haben.)
Wenn solche Lehrplaene in bestimmten Betrieben oder Industrien angewendet werden, kann die Verschiedenheit der hergestellten Produkte, der verfuegbaren Einrichtungen usw. es erforderlich machen, dass:
1. Die Zahl der einzelnen zu erlernenden Arbeiten erhoeht
wird (wir befuerworten jedoch nicht eine Yerminflerung dieser
Zahl);
2. die Zahl der Stunden geaendert wird, die fuer die einzelnen Arbeiten aufgewendet werden.
Lehrplaene
In einem Betrieb, in dem der Mechanik rberuf ausgeuebt
wird, muss der Lehrling mit Kenntnissen und Erfahrungen in diesem Beruf ausgeruestet werden, die es ihm gestatten, sioh nach
Beendigung seiner Lehrzeit als kompetenter l'echanikergeselle
zu qualifizieren. In der Lehrzeit sollen die Lehrlinge die
folgenden T&amp;etigkeiten ausueben, wobei nicht erforderlich ist,
die hier angegebene Reihenfolge einzuhalten.
Mechanijcer (Lehrplan-Anleitung Nr. 1)
ungefaehre Dauer
(in Stunden)
Werkzeugkunde
320
Bohrmaschine (Einzelspindel)
480
Bohrmaschine (radial)
480
Hobelbank
480
Fraesmaschine
960
Drehbank
1,120
Revolverdrehbank
480
Bohrmaschine
960
Anreissen
480
Montage
480
Reparaturarbeiten an Maschinen (allgemein)
640
Wiederholung und Verschiedenes
480
Schleifmaschine (innen, aussen, Oberflaeohe) ... 480
Stahlbehandlung durch Eitze
160
insgesamt

8,000

Mechaniker (Lehrplan-Anleitung Nr. 2)
Werkzeugkunde
167
Bohrmaschine (Einfach, mehrfach und radial) .... 333
Adjustieren
666

- 6 -

�Hobelbank
666
Fraesmaschine (vertikal und horizontal)
855
Drehbank
1,556
Bohrmaschine (vertikal und horizontal)
666
Schleifmaschine (Innen, aussen und Oberflaeche)
666
Zahnradschneiden
500
Stossbank
555
Anreissen und Werkbankmontage
855
Werkbankmontage
1,556
Bohrmaschine
666
insgesamt 9,005
Werkzeugmacher (Lehrplan-Anleitung Nr. 1)
Werkzeugkunde, Gebrauch von Werkzeugen und Material
520
Bokzmaschinen
800
Fraesmaschinen
1,500
Drehbaenke
1,800
Hobelbank, Stossbank usw
Schleifmaschinen (innen und aussen)
1,040
Reparatur von Werkzeugen etc.
1,040
Werkbankarbeit
2,600
insgesamt 10,400
Werkzeugmacher (Lehrplan-Anleitung Nr. 2)
Profilschleifer
Drehbank
Fraesmaschine
Werkzeugschleifen
Zylindersohlelfen
Oberf laechensohleifen
Höbe lbank
Beerten
Werkzeugpruefen
insgesamt

500
1,500
1,500
1,000
1,000
1,000
500
500
500
8,000

Werkzeugmacher (Lehrplan-Anleitung Nr. 5)
Hobelbank
Drehbinke
Fraesmaschinen
Schleifmaschinen (alle Typen)
Reparatur von Maschinen
Werkbankarbeit
insgesamt

1,000
1,500
1,500
1,000
500
2,500
8,000

Autoschlosser (Lehrplan-Anleitung Nr. 1)
(Vergaser- und Dieselmotore)
".Yerkzeugkunde
Bremsen
Reifen, Raeder, Federn
«
Hinter- und Vorderredachsen, Steuerung,
Univeraalgelenke
Kupplung, Transmissionen
Kuehlung
Treibstoff, Vergaser, Funpen, Injektoren
Generalueberholen von Maschinen
Sammlerbatterien
Anlassen von Kotox&gt;en, Lichtmaschinen, Lampen,
elektrische Anlagen
7 -

160-160
56C-54C
560-540
560-740
560-540
520-400
960-1280
1,600-1800
160-200
1,280-1,500

�Schweissen, Ha rtloeten, Loeten

200-300
8,000

insgesamt
Autoschlosser ILehrplan-Anleitung Kr.2)

Monate

Auseinandernehmen Auseinandernehmen des Motors
von Teilen
Abmontieren des Vorderteils
und der Bremsen, der Steuerung, Raeder usw.

Stunden

6

1,040

des Vorderteils und der
Bremsen, der Fus =rasten,
Uebertragungswellen und Antriebswellen, usw.

9

1,560

Motor, einschl. Transmisslon, Differential, Bremsen, usw.

3

520

praktische Arbeit Bohren, Werkbankarbeit, einIn der Werkstatte schl. Fraesen, Feilen U3'.v.

3

520

6

1,040

Ueberholea

Zusammensetzen
und Einbauen

Ueberholen von

Kupplung, Transmission,
Differential, Steuerung usw.

Ueberholen des

Motors, einschl. Einfahren
und Pruefen
7
Elektrische
Kabel und Beleuchtung pruefen
Anlagen
und ausbessern; Ueberholen
der Verteiler Anlasser, Lichtmaschinen usw.
4
Treibstoffanlagen Pruefen und Reparieren der Benzinleitungen und Vergaser,
Pruefen der Frischluftzufuhr
4

Allgemeine Inspektion
Schweissen

Allgemeine Inspektion, auch
nach Fahrprobe
Schweissen, Loeten, Haerten
und Richten von Einzelteilen
insgesamt

1,214

693
693

3

520

3
48

520
8,320

Autoschlosser (Lehrplan-Anleitung Nr. 3)
Karosserie und Federn
Vorderachse und Steuerung
Hinterrad- und Achsenmontage
Transmission und Kupplung
Motor
Bremsen
Pruefen von Vergasung, Zuendung, elektr. Anlagen,
Kuehlung, Treibstoffpumpe
Wiederholung und Verschiedenes (darf nicht mehr als
25J6 der in einem Vierteljahr geleisteten
Arbeitsstunden in Anspruch nehmen)
insgesamt

Stunden
600
1,000
1,000
1,000
2,000
600
1,600

8,000

Autoschlosser (Lehrplan-Anleitung Nr. 4)
Karosserie und zugehoerige Teile

1,000

8

�Stunden
Bremsen, Kupplung, Transmission, Differential und
zugehoerlge Teile
•
Motor und zugehoerlge Teile
Pruefen von Treibstoffpumpe, Vergasung und elektr.
Anlagen
%
Verschiedenes
insgesamt

1,500
1,500
1,500
2,500
8,000

Flugzeugmechanikerlehrllng
Modellmachen
Metellformen mit der Hand
Bearbeiten von Einzelteilen
Blechzurichtung und Vormontage
Zusammensetzen des Rumpfes
Zusammensetzen des Mittelteils
Fluegelfabrikati on und Montage
Fabrikation und Montage der Seitenruder
Holz, Stoff, Anstrich
Anstrich und Fertignontage
Kabelflechten
Installation und Hydraulik
Fabrikation und Schweissen von Stahl
Elektrische Anlagen
Fertigmontage
Zusammensetzen und Einbauen von Lichtmaschinen
Ueberholen der Motore
Bedienung von Flugzeugen
Technische Fachschulausbildung
Hydraulik und verschiedene Anlagen, Elektrik, Funk,
Instrunente, Lichtmaschinen, Aufbauten
EinJaehrige Fachschulausbildung
insgesamt

120
120
80
120
120
120
120
120
120
80
40
480
200
520
1,380
668
400
1,000
432
1,936
114
8,320

Quelle: Allamerikanische Mechanikergew.
Hollands Prenlermlnlster zur amerikanischen Gewerkachaftsbewegung
Der hollaendische sozialistische Premierminister Willem
Drees erklaerte vor kurzem in Amsterdam, seine Taetigkeit in
den Vereinigten Staaten waehrend seines Besuchs im Januar sei
nach seiner Rueckkehr in ungerechtfertigter Weise in Holland
kritisiert worden, obwohl es zur Zeit seiner Abreise allgemein
bekannt gewesen sei, dass er die Absicht hatte, mit amerikanischen Gewerkschaftarn und Fuehrern sonstiger sozialer Gruppen
Verbindungen aufzunehmen.
"Auf der einen Seite sagte man, ich haette mit Kapitalisten Freundschaft geschlossen, waehrend auf der anderen Seite
behauptet wird, ich sei als "Parteinann" und nicht als Vertreter
unseres Landes nach den USA gegangen, weil ichn mit Gewerkschaftsfuehrern und Arbeitern Unterredungen fuehrte, erklaerte der
Premierminister in einem Artikel, der im Organ des sozialistischen Gewerkschaftsbundes veroeffentlicht wurde. Premierminister
Drees ist Mitglied der hollaendischen Arbeiterpartei; er half
mit, den hollaendischen "Arbaitsvereinigung" zu organisieren,
ein Nachkriegsexperiment zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
"Fuer nich hatten neine Bemuehungen keinen anderen Zweck,
als nich mit den Arbeitsbedingungen, den Sozialversioherungssystemen und der Haltunr der Arbeiter und der Gewerkschaften
vertraut zu machen.
- 9-

�"Ich kann mit Genugtuung feststellen, dass die Erfahrungen, die ich sammeln konnte, fuer mich ungeheuer wertvoll
waren. V.'ie aehnlich waren die Probleme - wenn auch in andersartigem Verheeltnis - denen, die wir hi9r in unserem eigenen
Lande zu loesen haben, und wie gross war das gegenseitige
Verstaendnis fuer Dinge, die auf dem Gebiet der Arbeit getan
werden koennenl"
Premierminister Droes betonte, man sei in Amerika der
festen Ueberzeugung, dass jede Steigerung des Lebensstandards
von einer Steigerung der Produktion abhaengig ist. Eine der
grossen amerikanischen Gewerkschaften habe eine besondere
Abteilung, in der die Unternehmer ueber moderne und leistungsfaehige Produktionsmethoden beraten wuerden.
"Aber die Arbeiter wissen auch, dass Produktionssteigerungen allein keine Gewaehr fuer bessera Lebensbedingungen
oder groessere soziale Sicherheit sind, wenn e3 keine starken
Gewerkschaften und keine umfassende Sozialgesetzgebung gibt,"
fuhr Premierminister Drees fort. "Das Ausmass der gewerkschaftlichen Taetigkuit und der Sozialgesetzgebung ist gegenueber
Holland verschieden, aber die amerikanischen Arbeiter sind
sich der Notwendigkeit dieser beiden Faktoren bewusst."
Drees stellte fest, dass sich die amerikanischen Gewerkschaften auf breitester Basis mit Fragen beschaeftigen, die
sich gewiss nicht auf Loehne und Arbeitszeit allein beschraenken. Gesundheitseinrichtungen, die in Amerika nicht im gleichen Hasse wie in Holland durch bundesstoatliche Gesetze festgelegt sind, ziehen die Aufmerksamkeit der Gewerkschaften ganz
besonders *uf sich. Er berichtete von einem Gesundheitazentrum
einer Gewerkschaft, da3 ausschliesslich mit ICitt9ln der Gewerkschaft aufgebaut worden war, und nun zur Haelfte von Gewerkschaften und Unternehmern finanziert wird. Sehr viel wurde
fuer die Arbeiterbildung getan. Drees berichtet von einem
Besuch in einer Schule fuer Betriebsleiter und in einer "Schulungs- und Bildungsabteilung* einer Gewerkschaft, wo vielseitige Arbeit geleistet wurde.
T o r einigen Tagen erhielt ich von einem Funktionaer dieser Abteilung einige Buecher und Broschueren ueber die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten," sagte der Premier»
minister. "In eines dieser Buecher hatte er die Widmung geschrieben: "Gruesse an die Kollegen in den hollaendischen Gewerkschaften." Es ist mir eine Freude, diese Grueäse zu uebermitteln.
"Das Amerikanische Gewerkschaftskomitee arbeitet auf internationaler 3asis mit den freien Gewerkschaften anderer
Laender zusammen. Diese Zusammenarbeit wird zusammen mit wachsendem gegenseitigem Verstaendnis fuer die Erhaltung der Freiheit und die Verbesserung des Wohlstandes und der sozialen
Sicherheit in zunehmendem Masse von Bedeutung sein."
KSA Resorts
III/5/52
Eurooaeer studieren moderne Agrarmethoden
Europaei3Che Experten, die naoh den Vereinigten Staaten
gehen, um amerikanische Produktionsmethoden zu studieren,
koennen zuweilen auch den Amerikanern noch etwas zeigen. Dies

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�gilt besonders fuer die Landwirtschaft. Landwirte, besonders
aus Nordeuropa, wissen z.B. sehr gut, wie man noch mehr Getreide aus einem Morgen Land herausholt, und wie die Milchleistung
einer Kuh noch besser gesteigert werden kann. Aber die europaeischen Landwirte brauchen fuer ihre Arbeit weit mehr Arbeitskraefte als die amerikanischen Farmer.
Da die Landflucht immer groessere Ausmasse annimmt und
mehr und mehr Arbeiter wegen der besseren Verdienstmoegliohkelten in die Staedte gehen, sind europaeisohe Agrarexperten
hauptsaechlich an arbeitsparenden landwirtschaftlichen Methoden und Maschinen interessiert. Ihre Hauptaufgabe besteht
darin, die Produktionsleistung des einzelnen Arbeiters zu steigern, um einen Ausgleich fuer die abwandernden Arbeitskraefte
zu schaffen und damit dazu beizutragen, die Preis« fuer Lebensmittel niedrig zu halten.
In einigen Teilen Suedeuropas, Suedostaslens und Nordafrikas koennten die Ernten und die Ertraege der Viehhaltung
verdoppelt werden, was einen wesentlichen Beitrag zur Deckung
des Bedarfs an Lebensmitteln und Kleidung in der freien Welt
bedeuten wuerde.
Das Programm zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion bedeutet nicht nur eine Staerkung des Wirtschaftspotentials dieser ^aender, sondern bringt auch einen hoeheren
Lebensstandard fuer deren Bewohner mit sich und steigert zugleich ihre Faehigkeit, sich gegen den Kommunismus zu verteidigen.
Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen des Marshallplans
839 Agrarexperten aus Yuesteuropa und Suedostasien nach den
Vereinigten Staaten geschickt,- um dort Mittel und Wege zur
Steigerung der Produktivitaet in der Landwirtschaft zu studieren. Sie nahmen an 210 Lehrveranstaltungen tei'l, angefangen
von agrarwirtschaftlichen Vorlesungen bis zur Unterweisung in
modernen Methoden der Zucke^ruebenverwertung.
Die amerikanische Verwaltung fuer Gemeinsame Sicherheit
(MSA), der nun die Lenkung der wirtschaftlichen und militaerischen Hilfe Amerikas in Uebersee uebertragen ist, arrangiert
ausserdem Besuche amerikanischer Agrarexperten nach solchen
Laendern, die von Amerika unterstuetzt werden. Das gesamte
landwirtschaftliche Unterstuetzungsprograrnm wird durch die Zusammenarbeit Tausender amerikanischer Farner, Farmerorganisationen, landwirtschaftlicher Hochschulen und des amerikanischen
Landwirtschaftsministeriums ernoeglicht. In unterentwickelten
Laendern Suedostasiens, wie Burma, Indochina, Thailand und
den Philippinen, haengt der Lebensstandard der eingeborenen Bevoelkerung, die sich zu 80-90$ aus Bauern zusammensetzt, voellig von diesen Unterstuetzungsprograrnm ab. Im nahen Osten ist
es die Tuerkei, die unter Anwendung fuer diesen Staat revolutionaerer Neuerungen zur Modernisierung ihrer Landwirtschaft
vorwaertsstrebt. Die fortschrittliche Entwicklung in diesem
Land wird dazu beitragen, die Luecke in seiner Lebensmittelversorgung zu 3Chliessen, die durch den Verlust der Importe aus
Laendern hinter den Eisernen Vorhang entstanden ist. 28 junge
Tuerken verbrachten ein Jahr in den Vereinigten Staaten, um dort
Dinge zu lernen, die sie nach ihrer Rueckkehr den tuerkischen
Bauern mitteilen koennen.
Das nur wenig Nahrungsmittel erzeugende England hat sich
von seiner seit Jahrhunderten befolgten traditionellen Land-

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�Wirtschaftspolitik abgewandt und foerdert mit allen Mitteln
die neuen Methoden der Nahrungsmittelerzeugung. Britisohe
Agrarexperten konnten mit Hilfe des Austauschsprogramms des
Marshallplans viel lernen. Sie waren besonders interessiert
an den Methoden der Arbeitgeber in der Landwirtschaft, die
in Amerika dazu beigetragen haben, dass die Farmer zwei- bis
fuenfmal soviel Lebensmittel pro Arbeitsstunde erzeugen koennen wie die Landwirte in England.
Westdeutschland, das sioh dem Problem gegenuebersieht,
ausser seiner Bevoelkerung elf Millionen Flueohtlinge aus den
Laendern hinter dem Eisernen Vorhang zu ernaehren, prueft alle
amerikanischen Arbeitsmethoden, die geeignet sein koennten,
die landwirtschaftliche Erzeugung zu steigern. Ein deutscher
Agrarexperte leitet seit seiner Rueckkehr aus den Vereinigten
Staaten eine bekannte bundesstaatliche Informationsabteilung,
die Veroeffentllchungen, Lehrfilme, Marktberichte und andere
Informationen fuer die Landwirtschaft ausarbeitet, Dinge, die
fuer den amerikanischen Farmer laengst Selbstverstaendllchkeiten geworden sind.
Die Maisproduktion konnte in Frankreich wesentlich gesteigert werden, nachdem zwei franzoesische Agrarexperten in den
Vereinigten Staaten im Jahre 1949 vier Monate lang den Anbau
von Hybridenmais studierten. 1950 wurden in Frankreich etwa
150 Tonnen Hybridenmais verbraucht. 1951 betrug der Verbrauch
bereits 1,000 Tonnen und die Anbauflaeche fuer Hybridensaatmais, der 1953 zur Aussaat gelangt, "umfasste 800 Hektar.
Die Ertragsfaehigkeit von Hybrideniaais ist um 25 bis 50%
groesser als die der bisher uebliohen franzoesischen Anbausorten.
Ein deutscher Experte fuer Viehzucht hat zusammen mit Vertretern des amerikanischen Landwirtschaftministeriums Forschungsarbeiten ueber eine wenig bekannte Tierkrenkheit durchgefuehrt, was fuer die Viehzuechter in beiden Laendern von Vorteil sein wird.
ECA-Information
Energle-Schluessel zur Wirtschaftskraft Europas
Energie ist das Lebensblut der Industrie, Europas staendig steinende Industrieproduktion braucht neue Energiezufuhren. Der Marshallplan hat die Bemuehungen, der im Wiederaufbau
begriffenen Industrie die noetigen Energien bereitzustellen,
nachdrueoklich unterstuetzt, aufgrund der Gewissheit unterstuetzt, dass das Gedeihen und die Verteidigung der freien Welt
untrennbar mit der Energieversorgung zusammenhaengen.
Die OEEC erklaerte anlaesslich der Annahme ihre3 Prorramms
zur Steigerung der europaeischen Industrieproduktion,dass, um das
Verteidigungsprogramm durchzufuehren und zugleich den Lebensstandard zu steigern, Westeuropa in den naechsten fuenf Jahren
seine Produktion um weitere 25% steigern muss. Energieversorgung, die ausreichend sein soll, ist 3omit ein wichtiger Faktor
zur Durchfuehrung dieses Programms.
Kein anderer Einzelfaktor spielt eine solch wichtige Rolle
bei der Produktionssteigerung wie die Energie. Eine Maschine
mit eigenem Antrieb laesst die Haende des Arbeiters fuer andere
Arbeiten frei und Jluropa wird in den kocinenden Jahren sehr viel
Arbeit fuer freie Haende haben.
- 12

�Der Stromverbrauch der europaeiachen Industrie steigt
staendlg an. Die Produktion haelt Jedoch noch Schritt mit
den Plaenen des SCA-Programms, das eine jaehrliche Mehrproduktion von etwa 8$ vorsah. Bis zum Jahre 1951 hatte sich die
Stromerzeugung im Vergleich zu den VorkriegsJahren verdoppelt,
die Haelfte dieses Fortschritts war seit dem Jahre 1947 zu
verzeichnen. Der industrielle Energiebedarf ist aber nooh
Immer weitaus hoeher als die Erzeugung, bis zum Jahre 1954
wird die3 Jedoch in noch weit groesserem Masse der Fall sein.
Nach den letzten Berechnungen wird das Stromdefizit unter normalen Wasserverhaeltnissen im Jahre 1954 etwa 4,7000,000 kw betragen, waehrend es 1951 erst 3,500,000 kw ausmacht. Der Energiemangel wird vor allem in Grossbritannien, Italien, Deutschland und Holland zu Engpaessen fuehren, waehrend in Griechenland und Oesterreich das Defizit geringer 3ein wird. Nach den
Berechnungen fuer die Jahre 1951 bis 1954 wird bei normalen
Wasserverhaeltnissen in Belgien und Frankreich ein betraechtlioher Energieueberschuss vorhanden sein.
Der Marshallplan leistete einen erhebliohen Beitrag zu der
bedeutungsvollen Steigerung der Stromversorgungskapazitaet.
Dieser Beitrag, der in Form einer finanziellen Hilfe stattfand,
belief sich bis zum 1. August 1951 auf 665 Millionen D-Mark zuzueglioh eines Betrages aus dem Gegenwertfond in Höhe von weiteren 4,116 Millionen D-Mark. Von Anfang an wurde besonderer
Wert darauf gelegt, vor allem grosse Projekte, in erster Linie
Jedooh im Bau befindliche Staudaemme fertigzustellen; ebenso
wurde in der Anlaufphase des. Marshallplans der Ankauf sofort
einsetzbarer Anlagen gefoerdert. Die ECA hat die westsuropaeisohsn Regierungen staendig darin bestaerkt, den Energieprojekten ein besonderes Prioritaetsvorrecht einzuraeumen und das
Interesse des privaten Kapitals wie auoh der Internationalen
Bank dadurch zu foerdern, dass sie solchen Projekten ihre grundsaetzliche Unterstuetzung zusagte.
In Frankreich allein wurde ungefaehr eine Summe von 4,2
Milliarden D-Mark fuer Kraftwerke verausgabt. An dieser Summe
hat sich die ECA direkt mit 160 Millionen D-Mark und mit weiteren 2100 Millionen D-Mark aus dem Gegenwertfond beteiligt.
Im Jahre 1949 wurden 3,130 Millionen Francs aus dem Gegenwertfond zugewendet, um den Plan der Nutzbarmachung der Rhone,
der Frankreich Jaehrlich zusaetzlich 14 Milliarden kw Strom
erbringen kann, durchzufuehren.
Dieses sioh ueber 30 Jahre erstreckende Projekt sieht vor,
dass 22 Daemme im Tal der Rhone erbaut werden. Damit wird die
Rhone zugleioh vom Genfer See bis zum Mittelmeer schiffbar und
bewaessert Tausende von Aeckern, die bisher brach lagen.
Der erste Abschnitt dieses riesigen Brojekts war die Fertigstellung des Ganlaaiat-Damms. Dieser Damm, fuer den
2,395,000 Francs aus Gegenwertfondmitteln aufgewendet wurden,
ist der groesste Staudamm Europas und liefert eine Energiekapazltaet von 390,000 kw. Der naechste Bauabschnitt bildete die
Stauung der Rhone bei Donzere, wobei das Wasser der Rhone in
einen zementierten Seitenkanal abgelenkt wurde. Die naeohste
Etappe war der Bau des Wasserkraftwerks in Mondragon. Das mit
Hilfe von 2,850,000 Franos aus Gegenwertfondsmitteln finanzierte
Donzere-Mondragon Projekt wird nach seiner Fertigstellung im
naeohsten Jahre Frankreichs Stromerzeugung um 2 Millionen kw
im Jahr steigern.

13 -

�Oesterreich erhielt bis zum 30. Juni 1951 aus Gegenwertfondsmitteln 231,000,000 D-Mark fuer die Fertigstellung von
Kraftwerken und fuer die Ausruestung solcher Anlagen. Der
Kaprun-Danm an der Enns mit seiner 129 Meilen langen Ueberlandleltung, die in Richtung Wien fuehrt, wird eine Energie
von 600 Millionen kw im Jahr erzeugen - das sind 10 Prozent
der oesterreichischen Gesamtproduktion. Diese Leitung, die
ueber 680 Stahlma3ten laeuft, die 5,000 Tonnen wiegen, hat bereits sehr wesentlich die bedrohte Stromversorgung Wiens verbessert. Mehr als Zweidrittel der Gestehungskosten wurden von
der ERP getragen, das Projekt konnte innerhalb von neun Monaten fertiggestellt werden. In. diesem Kraftwerk ist ein so
hoher Druck auf die Flaeche eines Quadratzentimeters zu finden, wie es in keinem anderen Werk dieser Groessenordnung erreicht wird.
In Bröunau an der deutsch-oesterreichischen Grenze wurde
der Bau eines Kraftwerks am Inn von dem OesterrelchischenBayerischen Kraftwerk in Angriff.genommen. Das Werk besteht
aus vier Einheiten mit einer Leistung von je 2-i,000 kw, die
eine Gesamtenergie von 96,000 kw erzeugen. Zwei Einheiten werden das oesterreichische und zwei das bayerische Netz versorgen. Die Gesamtkosten fuer das Kraftwerk werden mit 120 Millionen D-Mark veranschlagt. Die ECA erteilte die Genehmigung,fuer
2,395,000 D-Mark aus den Vereinigten Staaten moderne Baugeraete
fuer dieses Projekt anzukaufen.
In Italien erhielt die Gesellschaft Idroelettrica Piemonte in Turin im Jahre 1950 eine Anleihe von 26,500,000 D-Merk,
um ein komplettes Dampfkraftwerk anzukaufen. Dieses Kraftwerk
soll die Wasserkraftwerke Norditaliens in jenen Faellen mit
Strom versorgen, wo durch Stromauafaelle die Versorgung der
Industrie gefaehrdet ist - bei Wasserkraftwerken ist dies
vor allem in den Sommermonaten der Fall. Turin, das wichtigste
Industriezentrum Italiens, hat 'seit Ende des Krieges besonders
schwer unter Stromkuerzungen und -ausfaellen gelitten. Das
neue Werk wird dazu beitragen, diesen Mangelzustand zu beheben. Insgesamt hat Italien bis zum 30 Juni 1951 mehr als 570
Millionen D-Mark zum Bau von Kraftwerken aufgewendet, die ECA
hat sich daran mit 277 Millionen D-Mark beteiligt.
Die Erweiterung des Kyndby-Kraftwerkes auf der daenischen Insel Seeland, deren Kosten sich auf 42 Millionen D-Mark
belaufen; sollen noch in diesem Jahre fertiggestellt sein.
Das Kraftwerk Kyndby wird gemeinschaftlich mit zwei, anderen
Kraftwerken auf Seeland und zusaetzlichen Stromlieferungen aus
Schweden das oestliche Daenemark bis zu 90 Frozant mit Strom
versorgen. Die Baukosten fuer dieses Projekt wurden zur Haelfte aus Marshallplanmitteln bestritten. Die Erweiterung des
Kjtadby-Werkes ist nur ein Teil des Plans der d&amp;enlschen Regierung, Daenemark voellig von den kleinen, unwirtschaftlichen
und unrentablen Kraftwerken unabhaengig zu machen.
In Deutschland hat die Erweiterung des Kraftwerks Hannover-Ost wesentlich zu dem schnellen Wiederaufbluehen des Kamburger Hafens beigetragen. Eine Marshallplanzuwendung von
10,000,000 D-Mark nachte es moeglich, die Energieerzeugung
von 70,000 kw auf 140,000 kw zu steigern. Die Fertigstellung
dieses Dampfkraftwerkes hat den groesseren Strombedarf, der
auf die allgemeine Wiederbelebung der Industrien im Hamburger
Gebiet zurueckzufuehren ist, decken koennen. Eine weitere Zuwendung von 11,000,000 D-Mark bestritt die Baukosten der neuen

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�110,000 kw Ueberlandleitung von Hannover-Ost nach Hamburg,
ueber die der Strom des Kraftwerkes in das Netz geleitet
wird. Die Gesamtkosten fuer diese beiden Projekte betrugen
27,000,000 D-Mark. Ton dieser Summe stammen 21,000,000 DMark aus Marshallplanmitteln und 6,000,000 D-Mark aus privaten Quellen.
Es besteht bereits ein gewisser Stronaustausch zwischen
den benachbarten europaeischen Laendern. Es ist jedoch nicht
moeglich, das Stromdsfizit durch eine Kopplung der bestehenden europaeischen Netze zu ueberbruecken. Ueberschuesse be.stehen an 3ich haeufiger eis Defizite, aber sie bestehen
nicht zur gleichen Zeit, ein gesanteuropaeisches Netz wuerde
daher die Schwierigkeiten zur Zeit noch nicht beseitigen
koennen.
Um diesen Strommangel zu beheben, hat sich die Karshallplan-Verwaltung dafuer eingesetzt, zusaetzliche Kraftwerke in
den Laendern mit einem hohen Stromdefizit zu errichten, waehrend in den Laendern, die durch neue Ueberlandleitungen zu eii ner Verminderung des Defizits beitragen koennen, diese Leitungen und Transf or:;»atorenstationen erbaut werden muessen.
Es wurde auch besonders darauf. Wert gelegt, Waermekraftwerke zu errichten, um einen besseren Ausgleich zwischen
Waerme- und Wasserkraftwerken zu erzielen, um damit die saisonbedingten Maengel besser zu ueberwinden.
Es ist das Ziel der ECA, die europaeische Energieversorgung duroh Errichtung neuer und Erweiterung bestehender
Kraftwerke um fuenf Millionen kw pro Jahr zu steigern, damit
bedeutend mehr PS hinter jedem europaeischen Arbeiter stehen
und somit die Voraussetzungen fuer eine staendig wachsende
Produktion gegeben sind.
ECA Information
Heilmittel und medizinische Geraete durch den Marshallplan
fuer Europa
Radium, eiserne Lungen und DDT, die im Rahmen der Marshallplan-Hllf3massnahmen nach Westeuropa geschickt wurden,
waren fuer die Wiedergesundung dieses Kontinents von einer
Bedeutung, die bei weitem in keinem Verhaeltnis zu den Kosten
steht.
Von Beginn des Marshallplans im Fruehjahr 1948 bis zum
30. Juni 1951 waren aus Marshallplanmitteln insgesamt 200
Millionen D-Mark fuer Arzneien und medizinische Geraete aufgewendet worden. Wunderwirkende Heilmittel und moderne
Heilmethoden haben den Europaeern geholfen, sich einen normalen Gesundheitszustand wieder zu verschaffen. Die Krebsforschung in Frankreich, die Belieferung Hollands mit Brutkasten fuer fruehgeborene Kinder und die Herstellung Jcuen3tlicher Glieder in Griechenland sind einige Beispiels fuer
die Arbeit auf medizinischem Gebiet, die in Europa unter
verhaeltnismaessig geringem Kostenaufwand geleistet werden
konnte.
Die Entwicklung der pharmazeutischen Industrie in Frankreich in den letzten drei Jahren ist beispielhaft fuer das
Wiedererstarken Westsuropas unter dem Marshallplan. Unmittel-

- 15 -

�bar nach dem Kriege, aber noch vor dem Einsetzen des Marshallplans, hatte Frankreich fuer Penicillin, Streptomyzin und
andere Antibiotika 15 Millionen D-Mark ausgegeben. Damit war
bei weitem der Bedarf Frankreichs nicht gedeckt, aber es verfuegte nur ueber geringe Dollarreserven. Seit Beginn des
Marshallplans hat Frankreich Heilmittel dieser Art im "Werte
von 42 Millionen D-Mark erhalten.
Gleichzeitig konnte in diesem Land selbst dank der Hilfe
des Technischen Unterstuetzungsprogramms der ECA mit der Herstellung solcher Heilmittel begonnen werden; heute ist Frankreich sogar in der Lage, bestimmte Arzneien zu exportieren.
Vor kurzem wurden 2,250,000 D-Mark fuer den Bau von zwei Streptomyzin- Werken bereitgestellt, deren Produktion den gesamten
Inlandsbedarf decken wird.
Auch die Krebsforschung und -behandlung wurde in Frankreich
mit ECA Mitteln gefoerdert. Dank einer Sendung von 10 Milligramm Radium im Werte von 336.000 D-Mark konnte die groesste
radiumtherapeutische Klinik Frankreichs weiterarbeiten. Fuenf
Spezialinstrumente, "Autotechnicons" genannt, die bei der
•
Kreb3diagnose das Gewebe automatisch untersuchen, wurden ebenfalls nach Frankreich geliefert. Mit diesen Geraeten koennen
in unterbrochenem Arbeitsgang viermal so viel Untersuchungen
durchgefuehrt werden wie bei dem alten Handverfehren.
Mit dem Flugzeug wurden drei "Eiserne Lungen" nach
Paris gebracht, die zur Bekaempfung der spinalen Kinderlaehmung in dem kritischen Jahr 1949 benoetigt wurden. Flugzeugladungen von DDT, dem bekannten Insektenbekaempfungsmlttel,
wurden nach Europa geschickt, um unter der Anleitung amerikanischer Spezialisten bei einer Malaria-Bekaempfungskampagne
verwendet zu werden. Groessere Mengen gingen zum gleichen
Zweck nach Franzoesisch Afrika. Dem Institut Pasteur in Saigon wurden zur Bekaempfung der Tuberkulose medizinische Geraete
im Vferte von 84,000 D-Mark zur Verfuegung gestellt.
Die Modernisierung und Neuausruestung der Penicillinwerke
in Daenemark und Oesterreich wurde durch einen Zuschuss aus
Marshallplanmitteln in Hoehe von 945.000 D-Mark ermoeglioht.
Die Penicillin-Fabrik in Daenenark kann nun auch Korwegen und
Schweden versorgen, waehrend sich das in Oesterreich erzeugte
Penioillin durch eine besondere Haltbarkeit auszeichnet und
gespeichert werden kann, um etwaigen Notfseilen vorzubeugen.
Zwei Sachverständige aus England, die von der ECA bezahlt
werden, leiten die Herstellung und das Anpassen von kuenstlichen Gliedern in einer grossen orthopaedischen Werkstaette in
Griechenland. Ueber 20,000 Amputierte, groesstenteils Kriegsopfer, werden in einem benachbarten Hospital behandelt, das
zu einem grossen Teil mit Hilfe der ECA erweitert una modernisiert werden konnte.
Wie diese Beispiele zeigen, ist dioser uralte Kampf, in
den die Menschheit von Jeher verwickelt ist, na.emlich der
Kampf gegen Krankheit und Tod, in den letzten drei Jahren
mit Hilfe des Marshallplans in Europa erfolgreich gefuehrt
worden.
ECA Information

- 16 T D c » W7» (I II

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von d i e s e n Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Hohen Kommisaion für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

V - 6

F r a n k f u r t , den 1 4 . iLärz 1952

I N H A L T S V JS R Z ii I C H K I S

Soziale Sicherheit in den Vereinigten Staaten ..
Wright Mills neue Theorie ueber den Angestelltenberuf

1

13

Soziale Sloherhelt in den Vereinigten Staaten
Die meisten Europaeer sehen die sozialen Verhaeltnisse
Amerikas so, wie sie die sozialkritisohen Romane Steinbeeks
und Dos Passos vor zwanzig Jahren geschildert haben. Amerika
ist fuer sie ein Land, in dem ein freies kapitalistisches
Wirtschaftssystem Aufstiegsmoegliohkeiten fuer jeden, soziale
Sloherhelt aber fuer niemand bietet. Sie sahen auf der einen
Seite den "self-made businessman", der sioh vom Zeitungsverkaeufer emporgearbeitet hat, auf der anderen den Fabrikarbeiter, fuer den niemand sorgt, wenn er einmal arbeitsunfaehig
geworden ist.
Dass dieses soziale Bild trotz der veraenderten Verhaeltnisse nooh immer vorherrscht, ist wohl der Eindringlichkeit
einer kuenstlerisohen Darstellung zuzusohreiben. Aber auoh
eine gewisse Propaganda hat dazu beigetragen, dieses Bild zur
Foerderung ihrer Ziele festzunageln. So haben es zum Beispiel
die Kommunisten zur Rechtfertigung des niedrigen Lebensstandards
In der Sowjetunion benuetzt. Ja, sagen sie, der amerikanische
- 1 -

I

�Arbeiter hat einen hoeheren Lohn, es stimmt, dass er sich ein
Auto kaufen kann, ein Haus, und alles was dazugehoert. Aber
im Gegensatz zum Arbeiter in der UdSSR steht er ohne sozialen Schutz da.
Wie liegen die Verhaeltnisse aber wirklich? Die letzten
fuenfzehn Jahre haben nahezu jedem Lohnempfaenger in den Vereinigten Staaten eine ausreichende soziale Sicherstellung gebracht. Daneben beziehen 7,650.000 Arbeiter auf Grund von
Kollektivvertraegen Sozialleistungen wie Altersrente, Unfallentschaedigung und Krankengeld.
Die vorliegende Zusammenfassung ist fuer Gewerkschafter,
Sozialwissenschafter und alle jene gedacht, die ein klares
Bild des Sozialversicherungswesens der Vereinigten Staaten bekommen wollen.
*

*

*

Das Gesetz aus dem Jahre 1950 sieht erhoehte Bundesversicherungsleistungen fuer Millionen neuer Berechtigter vor.
AUS DEM INHALT: EINLEITUNG. - FUENFZEHN JAHRE BUNDES-SQZIALVERSICHERUNGEN. Ihre vordringlichsten Aufgaben: Kinderhilfe,
Blinden-, Alters- und Arbeitslosenunterstuetzung. DIE VERWALTUNGSTECHNISCHE ORGANISATION DES SOZIALVERSICHERUNGSWESENS
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN. DAS GESETZ AUS DEM JAHRE 1950.
EIN BEDEUTENDES HILFSPROGRAMM FUER ALTE ARBEITER UND IHRE
FAMILIEN: Weitere Vorteile des neuen Gesetzes; ein wesentlicher Fortschritt, der in kuenftigen Errungenschaften seine
Fortsetzung finden wird.
E i n l e i t u n g
Am 28. August 1950 hat Praesident Trurnan die "Novelle
aus dem Jahre 1950 zum Sozialversicherungsgesetz" unterzeichnet, das eine Reform des seit dem Jahre 1935 in den Vereinigten Staaten in Geltung gewesenen Bundes-Sozialversicherungagesetzes darstellt. Die neuen Massnahmen stellen einen wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete der Altersversorgung, Familienunterstuetzung, Arbeitslosenunterstuetzung, Unterstuetzung
der Hilfsbeduerftigen, der Blinden und aller derjenigen dar,
denen das Schicksal einen angemessenen Lebensunterhalt versagt
hat.
Das Gesetz aus dem Jahre 1950 sieht vor allem eine Erhoehung der Anzahl der Arbeiter, die zum Bezug einer bundesstaatlichen Altersrente berechtigt sind, vor. Diese stieg von
35,000,000 auf 45,000,000. Hier sind die Nutzniesser vor
allem diejenigen, denen bisher kein Schutz durch Altersversorgung zustand. Es handelt sich hierbei um folgende Gebiete:
Landwirtschaft: 850.000 Arbeitende; selbstaendig, nicht in
der Landwirtschaft Erwerbstaetige: 4,700.000 Arbeitende;
Haushalt: 1,000.000 Arbeitende.
Ausserdem werden 3,000.000 pensionierte Arbeiter schon
ab September 1950 eine hoehere Rente erhalten und ab 1. Januar
1950 - diese Massnahmen sind inzwischen zum Gesetz geworden werden drei von vier in der Wirtschaft taetige Amerikaner
sozialversichert sein; eine Massnahme, die darauf hinzielt,
alte Leute vor drohender Armut zu schuetzen. Von der finanziellen Seite aus gesehen gibt diese neue Massnahme die Moeglichkeit, die monatliche Rente fuer alte Arbeiter und ihre
2 -

�Familien um durchschnittlich 77,5$ zu erhoehen. Dadurch wird
die vom Bundesstaat gewaehrte Alterspension durchschnittlich
46 Dollar gegenueber der frueher gezahlten Rente von 26 Dollar
betragen. Der monatliche Rentenanspruch eines Amerikaners
ohne Familienangehoerige kann unter dem neuen Gesetz 68,5 Dollar erreichen. Fuer Arbeiter mit Familienangehoerigen wurde
die Maximalgrenze von 85 Dollar auf 150 Dollar im Monat erhoeht.
Dennoch umfasst die "Novelle zum Sozialversicherungsgesetz" aus dem Jahre 1950 nur einen Teil des Gebietes, das in
Europa im allgemeinen als "Sozialversicherung" bezeichnet
wird. Zum Beispiel sind in den Vereinigten Staaten die Arbeiter durch andere bundesgesetzliche Massnahmen und durch Gesetze der einzelnen Bundeslaender, durch die fast saemtliche
Arbeiter und Angestellte erfasst werden, gegen Arbeitsunfall
geschuetzt. Ausserdem ist die berufliche Umschulung und Wiedereinstellung der Kranken, Invaliden und der Arm- und Beinamputierten Gegenstand eines sehr fortschrittlichen bundesstaatlichen Hilfsprogramms, das unter dem Titel "Wiedereinstellung der Invaliden und Kranken in den Vereinigten Staaten"
im US-Bundesgesetzblatt Nr. 23 vom 1. Juli 1950 veroeffentlicht
wurde.
Alles in allem haben die Bundesregierung, die einzelnen
Landesregierungen und die Gemeinden im Jahre 1949 einen Gesamtbetrag von 10,500.000,000 Dollar zur Finanzierung der Sozialversioherungs-Gesetze und -Programme auf den verschiedenen Gebieten ausgegeben, waehrend die zahlreichen privaten Wohlfahrtsorganisationen auf dem Gebiete der Altersversorgung,
der Unterstuetzung der Kinder, der Invaliden, etc. im vergangenen Jahr 2,000,000,000 Dollar fuer Programme, die mit den
oeffentlichen Massnahmen parallel laufen, ausgegeben haben.
Ausserdem ist die Zahl der amerikanischen Handels- und
Industriebetriebe im staendigen Anwachsen begriffen, die zusaetzlich zu den staatlichen Sozialversicherungsmassnahmen «in System der Pensions-, Kranken-, Arbeitsunfallversicherung
einfuehren, durch das in vielen Faellen die oben erwaehnten
Altersrenten nicht nur wesentlich erhoeht, sondern sogar verdoppelt werden. Zu den Schutzmassnahmen, die den Arbeitnehmern und ihren Familien vom Staate und von privater Seite auf
diesen verschiedenen Gebieten geboten werden, kommen noch die
oft bedeutenden Zuwendungen der verschiedenen Gewerkschaftsverbaende, die hilfsbeduerftigen Arbeitern zugute kommen.
Die Reichweite der neuen staatlichen Bemuehungen auf dem
Gebiete der Sozialversicherung wird durch die Tatsache beleuchtet, dass im Juni 1950, als die neuen gesetzlichen Bestimmungen
noch nicht in Kraft waren, 2,930,357 Personen eine staatliche
Unterstuetzung im Rahmen des Alters- und Hinterbliebenen-Versorgungsprogrammes erhielten, was einer Ausgabe von 60,681,000
Dollar aus oeffentlichen Geldern entspricht. Vom Juni 1936
bis Juni 1950 betrugen die Ausgaben des Bundessohatzes fuer
diesen Zweok ueber 3,375.000.000 Dollar.
Im Juni 1950 hat die Bundesbehoerde folgende Betraege zur
Finanzierung der oeffentlichen Unterstuetzungsprogramme der einzelnen Staaten der Union zugeteilt: 122,350,600 Dollar fuer
2,790,068 Faelle von Altersfuersorge; 4,394,000 Dollar fuer
95,418 Faelle von Blindenfuersorge; 46,035,000 Dollar fuer Kinderbeihilfe (1,659,766 Kinder). In der Zeit von Juni 1936 bis
Juni 1950 beliefen sich die bundesstaatlichen Ausgaben fuer
- 3 -

�oeffentliche Wohlfahrt auf insgesamt 13,028,000,000 Dollar.
Im folgenden werden wir sehen, dass die Bundesregierung eine
Ausdehnung dieser Hilfeleistung auf Personen, die unfreiwillig
der Oeffentlichkeit zur Last fallen, ins Auge fasst.
Bevor wir auf die neuen, in der "Novelle aus dem Jahre
1950 zum Sozialversicherungsgesetz" enthaltenen Massnahmen der
Sozialversicherung eingehen, wird es zweifellos zweckmaessig
sein, die seit dem Inkrafttreten des Sozialversicherungsgesetzes aus dem Jahre 1935 erzielten Erfolge einer kurzen Betrachtung zu unterziehen und einen allgemeinen üeberblick ueber
die verwaltungstechnische Organisation des heute in den Vereinigten Staaten bestehenden Sozialversicherungs-Systems zu geben.
FOnfzehn Jahre Bundes-Sozialversioherung
Schon vor Unterzeichnung des Sozialversicherungsgesetzes
durch Praesident Roosevelt am 14. August 1935 gab es in den Vereinigten Staaten eine Reihe von Sozialversicherungs-Kasanahme».
In vielen Staaten waren schon seit Jahren gesetzliche Bestimmungen in Kraft, nach denen Arbeitern, die erkrankt waren oder
waehrend der Ausuebung ihres Berufes einen Unfall erlitten haben, eine Entschaedigung bezahlt werden musste. Bundeseinheitliche Gesetze sorgten ebenfalls fuer den Schutz der Seeleute
und der Arbeiter in anderen Berufsgruppen.
Ein besonderes Programm der Bundesregierung sah die Auszahlung einer jaehrlichen Altersrente an Eisenbahner und Staatsbeamte vor, waehrend durch Staatsgesetze und oertliche gesetzliche Bestimmungen fuer Zahlung einer Pension an Angestellte
und Arbeiter des oeffentlichen Dienstes gesorgt war.
Das Gesetz aus dem Jahre 1935 ist ein Markstein, weil es
die erste gemeinsame Aktion aller Regierungsstellen - der Bundesregierung, der einzelnen Staatsregierungen und der oertlichen
kommunalen Verwaltungshehoerden - ist, um das Problem der wirtschaftlichen Stabilitaet, insoweit sie von der Sicherheit der
Arbeitnehmer und ihrer Familien beeinflusst wird, zu loesen.
Es gab den einzelnen Staaten auch die Moeglichkeit, das System
der Krankenversicherung und des Wohlfahrtswesens auszubauen.
Das Gesetz, das eine Bestaetigung des oeffentlichen Einverstaendnisses mit der Auffassung, der Staat trage die Verantwortung fuer die soziale Sicherstellung der Allgemeinheit, darstellt, war das Ergebnis einer langjaehrigen Entwicklung des
amerikanischen Wirtschafts- und sozialen Lebens. Im Laufe
eines halben Jahrhunderts wurde aus einem Agrarstaat ein Handels- und Industriestaat. An Stelle der Einfamilien-Farm, die
Familienmitglieder aller Altersstufen und beider Geschlechter
mit Unterhalt und produktiver Arbeit versorgte, trat als Grundlage der industriellen Wirtschaft die Familie mit ihrem Wohnsitz
in der Stadt, fuer deren Unterhalt ein "Familienerhalter" sorgte,
der im Gehalts- oder Lohnverhaeltnis stand. So kam es, dass
Arbeiter, deren Kraefte infolge vorgeschrittenen Alters nachgelassen hatten, schwer Arbeit finden konnten, andererseits aber
nicht ueber genuegend Ersparnisse verfuegten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Problem wurde dadurch noch ernster,
dass die Bevoelkerung Amerikas sich im Laufe von fuenfzig
Jahren beinahe verdoppelt hatte, wodurch sich auch die Anzahl
von alten Leuten erhoehte; dabei erhoehte der rasche Fortschritt
auf dem Gebiete der Wissenschaft und der Hygiene die allgemeine
Lebensdauer ganz wesentlich. Die allgemeine Unsicherheit, die
durch diesen Stand der Dinge in einem hochentwickelten Industriestaat waehrend der wirtschaftlichen Depression in den Vereinlg-

- 4 -

�ten Staaten vor zwanzig Jahren geschaffen wurde, beeindruckte
die oeffentliche Meinung sehr stark. Die alten Arbeiter waren
natuerlich diejenigen, die zuerst und am schwersten betroffen
waren, denn sie waren die ersten, die entlassen, und die
letzten, die wieder aufgenommen wurden. Der Staat zog die
Konsequenz aus dieser Situation und beschloss einzugreifen,
was schliesslich zum irlass des Sozialversicherungsgesetzes
im Jahre 1935 fuehrte.
Vordringlichste Aufgabe:
Oscar. R. Ewing, der Leiter des Sozialversicherungswesens,
wies kuerzlich auf die durch Bundesgesetze erzielten Fortschritte auf dem Gebiete der Kinderfuersorge hin und stellte
fest, dass die Summe der ifiinzelleistungen, die im Laufe der
letzten fuenfzehn Jahre im Rahmen der Sozialversicherung ausbezahlt wurden, 24,000,000,000 Dollar betrug.
Sin Grossteil dieses Betrages war fuer die Verbesserung
der Kinderfuersorge bestimmt, so dass die Saeuglingssterblichkeit von 1935 bis 1948 um 57 Prozent herabgedrueckt wurde,
wobei die Todeszahl innerhalb eines Jahres von 56 auf 32 pro
1000 Lebendgeburten sank, innerhalb des gleichen Zeitraumes
sank die Sterblichkeit bei Kindern im vorschulpflichtigen
Alter ( 1 - 4 ) um 64 Prozent und bei Kindern im schulpflichtigen Alter um 57 Prozent. Die Zahl der Todesfaelle durch die
verbreitetsten Kinderkrankheiten (Diphtherie.Scharlach, Keuchhusten und Masern) verminderte sich um 88 rrozent. Die Sterblichkeit bei Woechnerinnen nahm ebenfalls zusehends ab, naemlich um 79,5 Prozent oder von 58 auf 12 Todesfaelle pro
10,000 Lebendgeburten. Der Prozentsatz an ülntbindungen in Kliniken erhoehte sich von 37 auf 86. Obowhl wir nicht behaupten
koennen, dass das Sozialversicherungsgesetz die Ursache aller
dieser begruessenswerten Fortschritte ist, so hat das Gesetz
dabei doch eine wesentliche Rolle gespielt.
Ausser Barzahlungen sah das Gesetz aus de« Jahre 1935 ein
Programm vor, das den einzelnen Bundesstaaten fuer den Ausbau
des oeffentllchen Gesundheitsdienstes und der Kinderfuersorge
Hilfe gewaehrte. Diese llittel - die in der Form aerztlicher
Betreuung, ürforschung der Kinderkrankheiten, Aufrechterhaltung
von Betreuungsstellen usw. zur Verwendung kamen - beliefen
sich im Laufe von fuenfzehn Jahren auf 189,367,598 Dollar.
Vor 1935 gab es in den Bundesstaaten verschiedene Formen
der Unterstuetzung fuer Kinder armer Familien, aber in vielen
Bezirken bestanden ueberhaupt keine Betreuun^seinrichtungen.
Im Jahre 1934 wurden 280,000 Kinder unterstuetzt; die Zahlungen waren sehr niedrig und betrugen durchschnittlich monatlich
11 Dollar pro Kind. Kraft des Gesetzes aus dem Jahre 1935 kamen
Programme, die gemeinsam von den einzelnen Staaten und der
Bundesregierung finanziert wurden, in allen Staaten zur Durchfuehrung, mit Ausnahme von Nevada, wo sie wegen der sehr geringen Bevoelkerungsdichte ueberfluessig sind. Zur Zeit werden
durch diese gesetzlichen Bestimmungen ueber 1,600,000 Kinder
unterstuetzt, wobei die durchschnittliche iüonatsleistung 46
Dollar pro Kind und fast 73 Dollar pro unterstuetzter Familie
betraegt. Von Juni 1935 bis Juni 1950 wurden von den oeffentlichen Dienststellen 2,756,000,000 Dollar fuer dieses Gebiet
der Sozialfuersorge aufgewendet.
Blinden-. Alters- und Arbeitslosen-Unterstuetzung
Vor 1935 bestanden in siebenundzwanzig Staaten gesetzliche
- 5 -

�Bestimmungen fuer Darzahlungen an Blinde. 32.000 bis 34.000
Blinde erhielten im Jahre 1934 eine monatliche ünterstuetzung
von ungefaehr 20 Dollar. Derzeit erhalten 77.000 Blinde im
Rahmen de3 Programms der Bundesregierung eine monatliche Ünterstuetzung von durchschnittlich 47 Dollar. Durch das Gesetz
vom Jahre 1950 werden weitere 18.000 Personen, die bisher nur
in den Staaten Pennsylvania, Missouri, Nevada und Alaska unterstuetzt wurden, in das Programm einbezogen. Von 1935 bis 1950
wurden 287,000.000 Dollar fuer Blindenunterstuetzung veranschlagt.
Vor 1935 gewaehrten ungefaehr dreissig Staaten armen
alten Leuton eine Ünterstuetzung. Im Jahre 1934 erhielten
235.000 alte Leute eine monatliche ünterstuetzung von durchschnittlich 14 Dollar. Das Gesetz vom Jahre 1935 schuf zwei
Gruppen von Unterstuetzungsempfaengem: diejenigen, die vor
ihrer Pensionierung regelmaessig Zahlungen an die oeffentliche
Pensionsanstalt leisten, und solche, die eine ünterstuetzung
von einem oeffentlichen Fonds fuer die ünterstuetzung armer
alter Leute beziehen. Die erste Gruppe umfasst 2,100.000
Personen, die derzeit Unterstuetzungen beziehen, sowie 750.000
junge Muetter und Kinder, die ebenfalls innerhalb dieser Aktion
unterstuetzt werden.
Vor dem Inkrafttreten des Gesetzes aus dem Jahre 1950
waren 35,000.000 der insgesamt 64,000.000 Arbeiter und Angestellte durch die staatliche Altersversicherung erfasst. Zur
Zeit sind weitere 10,000.000 Personen altersversichert, wobei
die Altersrenten um durchschnittlich 77 Prozent erhoeht wurden,
wie aus der folgenden Analyse der neuen gesetzlichen Bestimmungen hervorgeht. Die Unterstuetzungen, die im Juni 1950 unter
dem Titel Altersversicherung gemaess den gesetzlichen Bestimmungen des Jahres 1935 gewaehrt wurden, beliefen sich auf
3,375,556,469 Dollar. Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass
nicht nur dem pensionierten Arbeiter oder Angestellten die
Altersrente zugute kommt, sondern auch seiner Frau und den von
ihm unterhaltenen Familienmitgliedern. Wenn wir in Betracht
ziehen, da3S eine amerikanische Familie im Durchschnitt 3,6
Mitglieder hat, koennen wir sehen, dass die Altersversicherung,
die 45,000.000 Arbeiter und Angestellte erhalten, tatsaechlich
130,000.000 Amerikanern zugute kommt, d.h. dem groessten Teil
der Bevoelkerung von 150,500.000 Einwohnern, die eine Alteraversicherung benoetigen.
An hilfsbeduerftige, alte Leute, die keine Altersrente
und keine ünterstuetzung durch das oeffentliche Versicherungsprogramm beziehen, wurde innerhalb von fuenfzehn Jahren ein
Betrag von 9,985.000.000 Dollar an Unterstuetzung3g»ldern ausbezahlt. Zwei Millionen neunhunderttausend Personen dieser
Gruppe erhalten jetzt als ünterstuetzung unter diesem Titel
eine monatliche ünterstuetzung von durchschnittlich 44 Dollar.
Die Bundesregierung kommt fuer die Haelfte der Spesen auf, die
durch die Durchfuenrung dieses Programms in den einzelnen Staaten sich ergeben.
Vor 1935 bezahlte ein einziger Staat, naemlich Wisconsin,
Durch das Sozialversicherungsgesetz aus dem Jahre 1935 kamen saemtliche Staaten in den Genuss
dieser Unterstuetzungsmassnahme, nach der arbeitslose Amerikaner
innerhalb eines Zeitraumes von fuenfzehn Jahren insgesamt
7,949,549.413 Dollar erhielten.

Arbeitslosenunterstuetzungen.

Im Juni 1949 waren 31,500.000 Arbeiter arbeitslosenversichert, wodurch ihnen im Falle "vollkommener Arbeitslosigkeit"
- 6

�eine woechentliche Unterstuetzung von durchschnittlich - nicht
maximal - mehr als 20 Dollar zusteht, was einer monatlichen
Arbeitslosenunterstuetzung von ungefaehr 85 Dollar entspricht.
Dank dieser Massnahmen wurden die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit, die am 3nde des Jahres 1948 und waehrend des ersten
Halbjahres 1949 ein alarmierendes Ausmass anzunehmen drohten,
sehr abgeschwaecht.
Der Aufbau des oel'fentlichen Versicherungs-Systems in den Vereinigten Staaten
Durch das Versicherungsgesetz aus dem Jahre 1935 wurde
das Unterstuetzungssystem in den Vereinigten Staaten nach acht
Programmen organisiert, zu deren Durchfuehrung eine Einteilung
in drei verschiedene Untorstuetzungskategorien vorgenommen
wurde:
1.

2.

3.

Sozialversicherung
a)

Arbeitslosenversicherung

b)

Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung

Staatliohe Unterstuetzung der Hilfsbeduerftigen
a)
b)

Altersfuersorge
Blindenfuersorge

c)

Kinderbeihilfe

Allgemeine Kinderfuersorge

a) "Mutter und Kind"-Gesundheitsdienst
b) Befuersorgung verkrueppelter Kinder
o) ..ohlfahrtswesen fuer Kinder
Das Versicherungsgesetz ist ein Bundesgesetz, aber die
Bundesregierung fuehrt nur eines der obengenannten Programme
durch: die Alters- und Hinterbliebenenversicherung. Die uebrigen sieben Programme werden von den einzelnen Statten unter
Vitarbeit und finanzieller Unterstuetzung seitens der Bundesregierung durchgefuehrt. Diese Kittel gelangen durch das
Finanzministerium zur Verteilung, und zwar im Einvernehmen mit
der Bundesbehoerdo fuer soziale Verwaltung, des U.S.-Bundesamtes
fuer soziale Fuersorge, einer autonomen Organisation, der
ausser den Betreuungsinstitutionen das Erziehungswesen, der
oeffentliche Gesundheitsdienst, die Ueberwachung der Lebensmittel und Medikamente, sowie die Abteilung "Berufliche Umschulung und Wiedereinsteliung" des Gesundheitsamtes unterstehen.
Auf dem Gebiete der Altersversicherung wurden gleich zu
Beginn gewisse prinzipielle Richtlinien festgelegt: die Arbeiter fuehren einen geringen Prozentsatz ihres Einkommens an
den Bundesfonds ab; das Ausmass der Altersrente muss nicht unbedingt mit der noehe der Betraege in Einklang stehen, die
die Arbeiter an den Fonds leisten. Um Anspruch auf eine Altersrente erheben zu Koennen, muessen die Arbeiter waehrend einer
festgesetzten Mindestzeit ihre Beitraege geleistet haben.
Auf dem Gebiet der Arbeitslosenversicherung hat das Sozialversicherungsgesetz nicht fuer ein bundeseinheitiicnes Arbeitslosenversicherunrssystem Vorsorge retroffen, sondern errcoeglichte
es den einzelnen Staaten, ihre eigenen Plaene auszuarbeiten.
Im Itehmen dieses Gesetzes wurde eine Bundessteuer vorgeschrieben,
- 7 -

�die von gewissen Unternehmungen, die mehr als sieben Personen
beschaeftigen, erhoben wird. Jeder Staat erlaesst seine
eigenen Gesetze, die bestimmen, wer und wieviel Personen Anspruch auf Arbeitslosenunterstuetzung haben und fuer welche
Zeitspanne diese gewaehrt wird. Die woechentliche Unterstuetzung, deren Hoehe in den einzelnen Staaten verschieden
ist, betraegt im allgemeinen die Haelfte des Wochenlohnes des
betreffenden Arbeiters.
Von der staatlichen Unterstuetzung, die Hilfsbeduerftigen
dank der Geldmittel, die die Bundesregierung den einzelnen
Staaten fuer diesen Zweck zur Verfuegung stellt, gewaehrt wird,
werden nur Personen ueber 65 Jahre, Blinde, Kinder unter sechzehn und 16- und 17-jaehrige Kinder, die regelmaessig die
Schule besuchen, erfasst. Durch das Gesetz aus dem Jahre 1950
kam eine vierte Gruppe von Unterstuetzungsempfaengern hinzu:
Amerikanische Staatsbürger ueber 18 Jahre, die vollkommen
berufsunfaehig sind.
Die Hoehe des Beitrages, den die Bundesregierung in den
einzelnen Staaten zur Durchfuehrung ihrer Frogramme auf dem
Gebiete derfciuetterfuexsorge,der Bekaempfung von Kinderkrankheiten, der Unterstuetzung verkrueppelter Kinder und der allgemeinen Kinderfuersorge gewaehrt, wird je nach der Dringlichkeit bestimmt, die aus den Plaenen ersichtlich ist', die die
einzelnen Staaten jaehrllch bei der Bundesverwaltungsbehoerde
einreichen muessen. Die Differenz zwischen dem Gesamtbetrag
der Unterstuetzung und dem Bundesbeitrag wird von den einzelnen Staaten finanziert. Die von den Staaten aufgestellten
Plaene beziehen sich auf folgende Details: Arztvisiten,
Schwangerschaftsbetreuung, Konferenzen ueber die Gesunderhaltung der Kinder, Gesundheitsdienst in Sohulen, Krankenpflege
in Kliniken, Schulen und daheim, aerztliche Betreuung und
haeusliche Pflege der Woechnerinnen vor und nach der Geburt,
Lehrvortraege fuer Aerzte, Zahnaerzte und Pflegerinnen ueber
Fragen der Kinderkrankheiten, strenge aerztliche Ueberwachony
verkrueppelter Kinder, Unterbringung dieser Kinder in besonderen Heimen zum Zwecke ihrer Erziehung und Eingliederung in
die menschliche Gesellschaft, unterstuetzung von Waisen und
Kindern hilfsbeduerftiger Eltern, Erziehung und Betreuung der
verwahrlosten Jugend.
Das Gesetz aus dem Jahre 1950 - Ein bedeutendes Hilfsprogramm
fuer alte Arbeiter und deren Familien""
Das Gesetz, das Praesident Triiman am 20. August 1950 unterzeichnete, enthaelt ungefaehr dreissig groessere Abaenderungen
des Sozialversicherungsgesetzes aus dem Jahre 1935, durch das
die staatlichen Hilfsmassnahmen fuer pensionierte Arbeiter
und ihre Familien bedeutend erweitert werden. Es enthaelt
auch wichtige Bestimmungen, auf deren Grundlage Personen sieben
anderer Kategorien des Sozialversicherungs-Systems in den Vereinigten Staaten guenstigererUnterstuetzungsbedingungen teilhaftig werden.
Die wichtigsten Abaenderungen zu Gunsten pernsionierter
Arbeiter und ihrer Familien sind die folgenden:
1. Die Bundes-Altersversicherung erstreckt sich auf
9,700.000 Neuversicherte; von diesen werden 7,650.000 versicherungspflichtig sein, waehrend die restlichen 2,050.000 eine
freiwillige Versicherung eingehen koennen, vorausgesetzt, dass
- 8 -

�sich ihre Arbeitgeber damit einverstanden erklaeren, die Bundesabgaben fuer Sozialversicherung zu bezahlen. Mach dem Gesetz aus dem Jahre 1950 werden von der Gesamtzahl von ueber
64,000.000 Beschaeftigten, 44,700.000 versichert sein, gegenueber 35,000.000 im Jahre 1935. Die Neuversicherten sind hauptsächlich: 4,700.000 Selbstaendige,nicht in der Landwirtschaft.
Erwerbstaetige mit einem Mindest-Nettoeinkommen von 400 Dollar
im Jahr, ausgenommen: Aerzte, Zahnaerzte, Tieraerzte, Ingenieure »Architekten und gewisse andere lierui'sgruppen; 850.000
Landarbeiter; 1,000.000 Hausangestellte; 600.000 Angestellte
nicht auf Gewinn abzielender Unternehmungen (freiwillige Versicherung); 1,450.000 Angestellte der Staats- und Landesregierungen (grossenteils freiwillig Versicherte); 200.000 Beamte der
Bundesregierung; 150.000 Amerikaner, die in Gebieten ausserhalb
der Vereinigten Staaten beschaeftigt sind; Arbeiter und Angestellte aus Puerto Rico und den Virginia Inseln; 350.000 Personen, die zugleich Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind.
2. Fuer Arbeiter und Angestellte, die gegenwaertig eine
Altersrente beziehen, wuerde sich diese um durchschnittlich
ungefaehr 77 Prozent erhoehen und zwar von ungefaehr 50 Prozent
fuer die hoechsten Klassen bis zu 100 Prozent fuer die untersten Klassen, wie es au3 der folgenden Tabelle ersichtlich ist:
Oegenwaertige Rente: 10 15

20 25

30 35 40 45

Neue Rente:

37 46

54 59

20 30

46 Dollar

64 68,5 68,5

n

3. Eine neue Berechnungsbasis wird angewendet, um die Renten fuer kuenftige Rentenempfaenger zu erhoehen, und um die
Altersversicherung einem groesseren Personenkreis zugaenglioh
zu machen. Die Arbeiter und Angestellten, die nach 1950 wenigstens fuer sechs Vierteljahre versichert waren, werden Anspruch
auf eine Rente haben in Hoehe von 50 Prozent der ersten 100
Dollar ihres durchschnittlichen Monatseinkommens, plus 15 Prozent fuer je weitere 200 Dollar (auf der Basis eines jaehrlichen Hoechstgenaltes von 3.600 Dollar). Die Versicherung fuer
«±0 Jahresviertel ist das Hoechstmass, das zur Erlangung des
vollen Versicherungsanspruches erforderlich ist. Nach dem Gesetz aus dem Jahre 1935 richteten sich die Renten nach einem
jaehrlichen Hoechsteinkommen von 3,000 Dollar. Infolgedessen
wird ein Arbeiter mit einem Monatseinkommen von durchschnittlich 300 Dollar, 50 Dollar von den ersten 100 Dollar seines
Gehaltes, plus 15 Prozent der restlichen 200 Dollar, das ist
30 Dollar, erhalten, wodurch er Anspruch auf eigene staatliche
Rente von insgesamt 80 Dollar im Monat hat.
4* Die Auszahlung von Renten an die hinterbliebenen Witwen und an die Ehemaenner verstorbener oder pensionierter Arbeiterinnen, die von diesen erhalten wurden, wird grosszuegig
gehandhabt. Die ueber 65 Jahre alte Gattin hat noch Anspruch
auf einen Betrag in der Hohe der halben Monatsrente des Gatten.
Nachfolgend wird eine Tabelle veroeffentlicht, aus der die Erhoehung der Renten ersichtlich ist, auf die ein alleinstehender
pensionierter Mann einerseits und der pensionierte Ehegatte
und die pensionierte Ehegattin andererseits Anspruch haben.
Pensionierter alleinstehender Mann
Nach einer Versicherungsdauer von fuenf Jahren
Durchschnittliches Monatsgehalt ... Dollar 100 200 250 300
Rente nach dem alten Gesetz
"
26
37
42 /
Rente nach dem neuen Gesetz
"
50
65
72 80
/ Nach dem alten Gesetz gab es fuer diese Gehaltsstufe keine
Altersgrenze
- 9-

�fach einer Versicherungsdauer von dreissig Jahren
Durchschnittliches Monatsgehalt ... Dollar 100 200
n
Rente nach den-alten Gesetz
32,5 45
n
Rente nach dem neuen Gesetz
i.
50
65

250
52
72

300
/
80

Pensionierter Ehegatte und pensionierte Ehegattin
Nach einer Versi.cherungsdauer von fuenf »Jahren
Durchschnittliches Monatsgehalt .. Dollar
w
Rente nach dem alten Gesetz
Rente nach dem neuen Gesetz
•

100
48
75

200
67
98

250 300
78,2 /
109 120

/ Nach dem alten Gesetz gab es fuer diese Gehaltsstufe keine
Altersrente
5. Nach dem neuen Gesetz erhaelt eine Witwe den gleichen
Betrag wie nach dem alten Gesetz - drei Viertel der urspruenglichen Rente. Im neuen Gesetz ist aber insofern eine Aenderung
vorgesehen, als die Hinterbliebenen ei/ies verstorbenen Arbeiters
eine Rente nach folgender Abstufung erhalten: Das erste Kind
drei Viertel der urspruenglichen Rente und die anderen die
uebliche Haelfte. Infolgedessen kann die an die Kinder eines
verstorbenen Arbeiters ausbezahlte Rente um ein Vielfaches
hoeher sein al3 die urspruengliche Rente, die er bei Lebzeiten
bezogen haette.
6. Nach dem abgeaenderten Gesetz wurden die Rentenbezuege
fuer einen Elternteil, fuer dessen Unterhalt gesorgt werden
muss, auf 75 Prozent der urspruenglichen Rente (gegenueber 50
Prozent nach dem alten Gesetz ) erhoeht.
7. Nach dem neuen Gesetz wird beim Tod eines Arbeiters
eine Pauschalsumme ausbezahlt, waehrend dies nach dem alten
Gesetz nur in dem Fall geschah, wenn kein Hinterbliebener Anspruch auf eine monatliche Rente hatte. Diese Pauschalsumme
betraegt das Dreifache der urspruenglichen Rente nach dem alten
Gesetz. Die Versicherten muessen den Tod eines versicherten
Arbeiters innerhalb der vorgesehenen Frist von zwei Jahren melden, um auf die Rente Anspruch erheben zu koennen, auf die
Ehegatten, Gattinnen, Kinder oder andere Versorgungsberechtigte
einen Anspruch haben.
8. Die lioehe des monatlichen Gehaltes, das ein pensionierter Arbeiter nach seiner Pensionierung beziehen darf, ohne der
Altersrente verlustig zu werden, wurde von 14,99 auf 50 Dollar
erhoeht. Ueber 75 Jahre gibt es keine solche Gehaltsgrenze
mehr.
9. In Bezug auf die Anzahl von Vierteljahren der Versicherungsdauer, die erforderlich ist, um in den Genuss einer
Rente zu gelangen, bestimmt das Gesetz, dass Uaennern, die
waehrend des 2. Weltkrieges als Soldaten gedient haben, fuer
die Zeit ihrer Dienstleistung ein Monatsgehalt von 160 Dollar
angerechnet wird, es gilt die Zusatzbestimmung, da3S diese
Beguenstigung nicht gewaehrt wird, falls die Dienstzeit bereits
bei irgendeiner anderen staatlichen Pension angerechnet wurde.
10. Es wurde vereinbart, die Bestimmungen des Gesetzes
aus dem Jahre 1950 zu folgenden Terminen in Kraft treten zu
lassen:
10 -

�Termin fuer das Inkrafttreten der neuen Bestimmungen ueber
die Versicherungsdauer: 1. Januar 1951.
Die Erhoehung der Rente bei Personen, die zur Zeit bereits eine Rente beziehen, erfolgt ab 1. September 1950.
Renten, die auf Grund der Neuformulierung des Rentengesetzes gewaehrt werden, gelangen erstmalig am 1. Kai 1952
zur Auszahlung.
.11. Die Hoechstgrenze des Jahresgehaltes, die fuer die
Berechnung der Rente in Frage kommt, wurde mit 3.600 Dollar
festgesetzt; nach dem alten Gesetz betrug die Eoechstgrenze
3.000 Dollar.
12. Die Beitragssaetze, die zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitern zu entrichten sind, wurden wie folgt
erhoeht: 1950-53, 1&amp;&gt;; 1954-59, 2%; 1960-64, 2 &amp; ; 1965-69, 3&gt;i;
1970 und spaeter, 3£-/0; selbstaendig Erwerbstaetige bezahlen
das li-fache der obigen Saetze.
Weitere Vorteile des neuen Gesetzes: Der Fortschritt, der
durch das Gesetz aus dem Jahre 1950 auf den anderen Gebieten
der Sozialversicherung erzielt wurde, kann wie folgt zusammengefasst werden:
Arbeitslosenversicherung: Die Hoechstgrenze der Unterstuetzungen betraegt, je nach dem Staat, 15 und 28 Dollar je Woche
und die Mindestgrenze 3 bis 10 Dollar je Woche. In den meisten Staaten ist die Mindestgrenze 5 Dollar; die Zeit, fuer
die Arbeiter und Angestellte zum Bezüge einer Arbeitslosenunterstuetzung berechtigt sind, betraegt, je nach dem jeweiligen
Staat, 14 bis 26 Wochen.
Altersunterstuetzung: Die Bundesregierung bezahlt 75 Prozent
der ersten 20 Dollar, die monatlich von den einzelnen Staaten
an die Rentenempfaenger ausbezahlt werden, plus 50 Prozent
des Restbetrages bis zu einer Hoechstgrenze von 50 Dollar pro
Person.
Staatliche Unterstuetzung der Kinder hilfsbeduerftiger filtern:
Die Bundesregierung kommt fuer 75 Prozent der ersten 12 Dollar,
die von den einzelnen Staaten im Durchschnitt an Unterstuetzung je Kind bezahlt werden auf, plus 50 Prozent des
Restbetrages bis zu einer Hoechstgrenze von 27 Dollar fuer
das erste Kind und 16 Dollar fuer jeden Hinterbliebenen.
T.utter und Kind"-Gesundheitsdienst: Der von der Bundesregierung zu leistende Beitrag, der nach dem alten Gesetz ll,0u0.000
Dollar pro Jahr betrug, wurde auf 15,0oü.0ü0 Dollar fuer das
Finanzjahr, da3 am 1. Juli 1950 begann, erhoeht. In den folgenden Jahren wird er 16,500.000 Dollar betragen.
Fuersorge fuer verkrueppelte Kinder: Der von der Bundesregierung zu leistende Beitrag, der bisher 7,500.000 Dollar pro
Jahr betrug, wurde fuer das am 1. Juli 1950 begonnene Finanzjahr auf 12,000.000 Dollar erhoeht; in den darauffolgenden
Jahren wird er 15,000.000 Dolllar betragen.
Wohlfahrtsunterstuetzungen fuer Klndar: Der von der Bundesregierung zu leistende Beitrag, der bisher 3,500.000 Dollar
betrug, wird auf 10,000.000 Dollar erhoeht.
Unterstuetzung fuer Puerto Rico und die Virgin-Inseln: Fuer
Puerto Rico ist ein Hoechstbetrag von 4,250.000 Dollar fuer
- 11 -

�den bundesstaatlichen Beitrag im Gesetz aus dem Jahre 1950 vorgesehen und 160.000 Dollar fuer die Virgin-Inseln.
Diese Unterstuetzung wird fuer die folgenden vier Kategorien Unterstuetzungsennfaenger gewaehrt: hilfsbeduerftige Personen ueber 65 Jahre, Blinde, Kinder unter 16, 16 - 17-jaehrige
Kinder, die regelmaessig eine Schule besuchen, dauern! und vollkommen Arbeitsunfaehige mit einem Mindestalter von 18 Jahren.
Jfis ist das erste Mal, dass diesen amerikanischen Territorien
von der Bundesregierung solche ansehnlichenBetraege fuer den
Ausbau ihres Fürsorgewesens zugewiesen wurden.
Bemerkenswerter Fortschritt, der in kuenftigen Errungenschaften
seine Fortsetzung finden wird.
Als Praesident Truman das Gesetz aus dem Jahre 1950 unterzeichnete, bemerkte er, dass dessen Inkrafttreten einen "bemerkenswerten Fortschritt" darstelle, fuegte aber hinzu, dass
"noch viel geleistet werden muss, ehe die Sozialfuersorge zu
voller Befriedigung Anlass gibt".
"Durch diese Art von Gesetzgebung, die den sozialen Fortschritt unterstuetzt", fuegte Praesident Truman hinzu, "koennen wir am besten beweisen, dass unsere demokratischen ifiinrichtungen Garanten fuer Freiheit und die Sicherheit aller Staatsbuerger sind, über in Zukunft muss sich die Altersversicherung
auf eine weit groessere Anzanl von Amerikanern erstrecken."
Praesident Truman wird seinerseits alles ihm Moegliche tun,
um ein wirkungsvolleres Versicherungssystem einzufuehren und
ein Programm zur Durchfuehrung zu bringen, das Arbeitern und
Angestellten, die infolge zeitweiliger oder dauernder koerperlicher Behinderung ihres Gehaltes verlustig werden, Hilfe
bringt.
Ueberdies werden die Bemuehungen der Bundesregierung in
dieser Richtung in immer steigendeia Masse von den amerikanischen
Gewerkschaften unterstuetzt, denen reichliche finanzielle Mittel zur Unterstuetzung hilfsbeduerftiger Arbeiter zur Verfuegung stehen, sowie von Industrie- und Handelsbetrieben, die
in ihre Kollektrivvertraege Klauseln mit ausdruecklicher Betonung der Sozialversicherung aufnehmen. Der Beweis hierfuer
kann durch den Kollektivvertrag erbracht werden, der im Mai
1950 zwischen der Leitung und den 250.000 Arbeitern und Angestellten von "General Motors", eine der drei groessten Automobilfabriken in den Vereinigten Staaten, abgeschlossen wurde.
Waehrend der naechsten fuenf Jahre werden diese Arbeiter und
Angestellten in den Genuss verschiedener sozialer Beguenstigungen gelangen, die ihren Arbeitgeber zusaetzlich eine iillion
Dollar kosten wird. Die in diesem Vertrag vorgesehenen Altersrenten werden sich auf insgesamt beinahe 120 Dollar im v o n a t
erhoehan, wovon ein Teil von der Bundesregierung getragen wird.
.Veiter enthaelt dieser Kollektivvertrag Bestimmungen, denen
zufolge die Leitung einen Teil der Spesen fuer aerztliche Betreuung und Spitalspflege trae^t und im Falle von Krankheit
oder Unfaellen woechentliche Zuschuesse gevwaehrt.
Das sorgfaeltig abgestimmte Zusammenwirken von staatlichen, privaten und gewerkschaftlichen Massnahmen, sowie die
enge Zusammenarbeit zwischen Staat und .Virtschaft im Hinblick
auf die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter, sind
die wahren Garanten fuer ein immer staerker werdendes System
der sozialen Sicherheit in den Vereinigten Staaten.

- 12 -

�Wright Hills neue Theorie ueber den Angestelltenbe
Wir leben in einer V.elt, die wir nicht verstehen. Was
jedoch noch mehr bedeutet: '.Vir wissen, dass wir sie nicht
verstehen. -Vir wenden uns deshalb mit besonderem Interesse
einem Buch zu, da3 uns den Vteg zu einer neuen Auffassung
ueber das Leben in Amerika im 20. Jahrhundert weist, Es
handelt sich um das Buch "White Collar" (Weisser Kragen),
dessen Verfasser C. Wright Mills ist.
Der Mittelstand frueherer Zeiten, so sagt Hills, setzte
sich hauptsaechlich aus selbstaendigen Handwerkern zusammen.
Sie stellten zu Anfang des 19. Jahrhunderts wahrscheinlich
80$ der arbeitenden Bevoelkerung dar. 1870 machten die selbstaendigen Arbeiter nur noch ein Drittel und 1940 ein Viertel
der Erwerbsbevoelkerung aus. Das Sinken der Zahl unabhaengiger Farmer begann vor 50 Jahren und wurde in den zwanziger
Jahren dieses Jahrhunderts akut. Zur gleichen Zeit uebernahm
das Grosskapital nicht nur die Fabrikation, sondern auch die
Verteilung der Erzeugnisse, die Position des kleinen Geschaeftsmannes wurde damit staendig unsicherer.
Aber waehrend die Mittelklasse frueherer Zeiten von
33% der Erwerbsbevoelkerung im Jahre 1870 auf 20% im Jahre
1940 zusammenschrumpfte, wuchs die neue Mittelklasse von
6% auf 25% an. Sie setzt sich aus Betriebsleitern (10%),
Angestellten mit akademischer Ausbildung 125%), Kaufleuten
(25%) und einfachen Bueroangestellten (40%) zusammen. Die
Angehoerigen dieser Mittelklasse werden, wie die Lohnempfaenger, von anderen beschaeftigt und im grossen und ganzen besser
bezahlt als die Arbeiter. Aber die unterschiede verwischen
sich langsam, das Prestige des Angestelltenberufs nimmt
unaufhoerlich ab.
In den groessten und interessantesten Abschnitten des
Buches beschreib!; Mills die verschiedenen '..elten des "White
Collar"-Arbeiters, das ist der Arbeiter mit dem weissen Kragen, also der Angestellte. In der Betriebsleitung, so erklaert Mills, hat der Angestellte die besten Moeglichkeiten,
in hoehere Einkommensgrurpen zu kommen, aber er erinnert
daran, dass das erfolgreiche Vorwaertskommen in der Betriebsleitung immer weniger von Dingen abzuhaengen scheint, die
einst als unentbehrliche Eigenschaften des wirklichen Kaufmanns galten - Ehrlichkeit, Sparsamkeit, Fleiss und Entschlussbereitschaft. Persoenlichkeit und die Gabe der Manipulation sind jedoch
jene Eigenschaften, die heute ausschlaggebend sind. Heute ist es der zu allem entschlossene
Geschaeftsmann, der vorwaertskommt. Was die akademischen Berufe betrifft, so sind es hier die Mediziner und Juristen, die
mehr und mehr Leute beschaeftigen und die groesste Rolle unter den ünabhaengigen spielen. Beinen Intellektuellen dagegen
wird es immer schwieriger, sich zu behaupten, wenn sie nicht
einer Buerokratie innerhalb der Geschaeftswelt oder der Regierung angehoeren.
Die grosse Expansion der neuen Mittelklasse hat sich jedoch vor allem unter den Kaufleuten und den Bueroangestellten
vollzogen. Mills gibt einen neuartigen Ueberblick ueber die
Entwicklung des modernen Grosskaufhauses, er zeigt, wie der
Persoenlichkeitsfaktor seine zentrale Stellung verloren hat
und zur gleiohen Zeit diese "Persoenlichkeit" zum ausschlaggebenden Faktor im Verkauf geworden ist. Ebenso eindrucksvoll
13 -

�ist das Bild, das er von den grossen Bueros entwirft, die fuer
moderne Unternehmen und fuer die Regierung notwendig sind.
Modernisierung und Rationalisierung stehen hier in voller
Bluete, der Unterschied zwischen einem Arbeiter im Betrieb
und einem Angestellten im Buero verwischt sich mehr und mehr.
Mills hat nur wenig ueber die Lebensweise der Angehoerigen dieser neuen Mittelklasse zu sagen. Die Arbeit selbst
bietet an und fuer sich keine Befriedigung, man lebt deshalb
fuer seine Freizeit. Die Freizeit ist nicht nur wichtig, weil
sie eine direkte Genugtuung bedeutet, sondern auch deshalb,
weil sie dem Angestellten die Moeglichkeit bietet, seinen Anspruch auf ein gewisses Prestige geltend zu machen. Es wird
immer seltener, so versichert Mills, dass Angehoerige des Angestelltenberufs damit rechnen, eine wirkliche Karriere machen
zu koennen. Den alten Traum vom persoenlichen Erfolg haben
sie aufgegeben, sie sind aber bereit, sich mit einer ausreichenden sozialen Sicherheit zufriedenzugeben.
Da die neue Mittelklasse bereits einen grossen Beatandteil der Gesamtbevoelkerung darstellt und dieser Bestandteil
wahrscheinlich noch groesser wird, moechte man natuerlich gern
wissen, welchen Einfluss sie auf das Leben der Kation ausueben
wird. Mills hat nur wenig Hoffnung, dass dieser Einfluss
nutzbringend sein wird. Er rechnet mit einem Anwachsen der
Angestelltengewerkschaften, aber diese Gewerkschaften werden
nach seiner Ansicht ausserordentlich konservativ sein. Auf
politischem Gebiet wird der Angestellte gedankenlos das Zweiparteiensystem akzeptieren oder die Reihen der politisch uninteressierten vergroessern.
Es ist, kjirz gesagt, ein duesteres Bild, das er uns malt,
und dies nicht einmal mit Unrecht. Die industrielle Revolution, der sich die westliche V.'elt und besonders die Vereinigten Staaten so eifrig hingeben, hat uns fast unbewusst in ein
System der Massenproduktion, des Massenvertriebs und der Massenbeeinflussung gestuerzt, das bisher ungekannte Ausmasse angenommen hat. Jeder traditionelle Typ der Menschenbeziehungen
ist veraendert worden, jede sonst selbstverstaendliche Regel
der menschlichen Haltung ist in Frage gestellt.
Aus diesem Grund muss Mills unbedingt ernst genommen werden. Aber es ist auch moeglich, dass gerade in der heutigen
Zeit manche Dinge nicht so schlecht stehen, wie er es behauptet. Es ist moeglich, dass wir, wie Mills es ausdrueckt,
"einer Gesellschaftsordnung entgegentreiben, in der die Menschen gesteuerte V.'esen eines Garn isons Staat es sind." Aber
das soll nicht heissen, dass wir bereits an diesem Punkte
angelangt sind, oder dass eine solche Entwicklung unvermeidlich waere.
Auf jeden Fall ist niemand ausser wenigen hartgesottenen
Grossagrariern der Auffassung, dass wir die Massenproduktion
aufgeben koennen oder muessen. Wir wissen jetzt, dass es "uns
moeglich ist, nicht nur alle lebensnotwendigen Uueter zu produzieren, sondern auch eine Vielzahl von Luxusgegenstaenden, die,
wohlgemaerkt, Jedem zugaenglich sein muessen. Wir werden nicht
freiwillig zu einer Mangelwirtschaft zurueckkehren. Die Frage
ist, wie wir solche Vorteile sichern, vermehren und gerechter
verteilen koennen, waehrend wir zur gleichen Zeit jenen Tendenzen im Wirtschaftssystem der Massenproduktion entgegenwirken, die eine Gefahr fuer die Gesundheit des Einzelnen und
der Gesellschaft darstellen.
- 14 -

�Das, worum es in der Auseinandersetzung mit Mills geht,
ist nicht etwa die Tatsache, dass er keine Antwort hierauf
wuesste (niemand weiss sie), sondern dass er handelt, als
ob er eine Antwort wuesste. Der Titel "White Collar" verraet eine ziemlich radikale Einstellung, aber kein radikales
Programm, Mills wirft dieser Gruppe staendig Feigheit, Nervenversagen und Flucht aus der Wirklichkeit vor, aber er sagt
niemals, was diese Gruppe eigentlich tun muesste.
Einer der Lehrmeister Hills ist Karl Marx, und obwohl
er ein freidenkender Revisionist ist, glaubt er in irgendeiner
Weise an die marxistische Revolution, an die Uebertragung der
Macht von einer Klasse auf die andere. Dies hat er ganz
eindeutig in einem heftigen Angriff auf die Theorie von der
Revolution des Unternehmertums zu erkennen gegeben. "Macht,"
so sagt Hills, "liegt nicht in den Haenden der Betriebsleiter,
sondern in denen der Eigentuemer." "An der Quelle oeffentlicher Entscheidungen," schreibt er an anderer Stelle, "stehen
maechtige Leute, die selbst nicht unter den nachhaltigen
Auswirkungen ihrer eigenen Entscheidungen zu leiden haben."
Fast immer beschaeftigt er sich mit der Existenz einer
Oligarchie, einer kleinen Gruppe von Reichen und Maechtigen,
die enteignet werden koennen und muessen.
Die Essenz seines Baches ist jedoch die Behauptung, dass
der Maschinismus der Massenproduktion und der Massenverteilung
in gewissem Sinne selbstherrlich ist. In den Ausfuehrungen
ueber sein imaginaeres Grosskaufhaus schreibt er: "Es ist
schwierig, festzustellen, wer nun eigentlich der Besitzer des
Basars ist
Er ist selbstschoepferiscfc und selbsterhaltend, und niemand ist sein Besitzer." Vielleicht gibt es im
Zentrum dieses Systems Leute mit hohen Privilegien, die fast
voellig verantwortungslos sind, *ber selbst wenn dem so waere wuerde durch ihre Beseitigung dem Leben des "White-Collar"Arbeiters mehr Inhalt gegeben, als es heute hat?
Die Tatsache, dass sich Mills weigert, in diesen Punkten
ausfuehrlich zu sein, laesst den Verdacht aufkommen, dass er
weiss, dass er kein revolutionaeres Programm aufweisen kann,
das einer kritischen Betrachtung st&amp;ndhaelt. Doch er besteht
darauf, die moralische Entruestung und den Sinn fuer moralische Ueberlegenheit hervorzuheben, die die Geburtsrechte des
Revolutionaeren sind. Unerbittlich macht er den Intellektuellen den Vorwurf, sie seien eine Klasse, die der Politik
den Ruecken kehrt. "Es fehlt ihnen einfach der Wille dazu."
Die "Entfremdung des Intellektuellen"nennt er einen "Jammer
und eine Form des Sichgehenlassens in Selbstbequemlichkeit."
Er gibt zu, dass die Schwierigkeiten, die sich einer wirksamen politischen Betaetigung entgegenstellen, gross sind.
Aber er besteht darauf, dass "die Intellektuellen von dem,
was sie in ihrem Innern als falsch erkannt haben, verraten
sind." Das koennte zutreffen, aber das Recht, solche Vorwuerfe zu erheben, hat nur Einer, der bereit ist, zu sagen,
was die Intellektuellen tun koennen und tun sollen - und das
kann Mills nicht.
Sein unnachgiebiger revolutionaerer Eifer verwickelt ihn
in einige befremdende Widersprueche. So bedauert er z.B. den
Wohlstand, dessen sich die Vereinigten Staaten in groesserem
Masse als irgendein anderes Land erfreuen." Von einem Volk,
das eine derartige Geschichte der sich steigernden und ununterbrochenen materiellen Befriedung durchgemaoht hat," so
- 15 -

�schreibt er, "kann man nicht erwarten, dass es wirtschaftliche Ueberlegungen anstellt, die seine politischen Institutionen in Kampfstaetten des ideologischen Konfliktes oder
ihre Gemueter in politische Foren umwandeln wuerde." Welch
eine Katastrophe!
In seinem Vorwort schreibt Mills: "In Worten der sozialen Philosophie ausgedrueckt, liegt diesem Buch die Annahme
zugrunde, dass das liberale iäthos, wie es in den beiden ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts von Leuten wie Beard,
Dewey und Holmes entwickelt wurde, jetzt haeufig belanglos
geworden ist. Der marxistische Standpunkt, der in Amerika in
den dreissiger Jahren populaer war, ist heutzutage oft unzureichend."
Die Annahme ist in beiden Punkten richtig und Mills
traegt bedeutend zu dem Prozess der Gestaltung einer neuen
und lebensfaehigen Gesellschaftslehre bei. Der Wert seiner
Arbeit ist jedoch dadurch beschraenkt, dass er an der Vorstellung festhaelt, selbst ein Radikaler zu sein. Was ist
Radikalismus heutzutage? Sich mit der radikalen Atmosphaere
abzufinden, ohne diese Frage zu beantworten, ist eine Form
der Verantwortungslosigkeit und in gewissem Sinne eine Flucht.
Edmund Wilson hat aus seinen marxistischen Tagen eine Haltung
beibehalten, die nicht nur rein intellektueller, sondern
auch moralischer ueberlegener Natur ist. Irving Howe, der
Mills Radikalismus befuerwortet, kann uns niemals davon ueberzeugen, dass das, was er gut heisst, mehr als eine Geste
ist. Dwigth Macdonais ist ebenfalls zeitweilig als Vertreter
des Radikalismus aufgetreten, obwohl er in einer Kritik zu
dem Buch "White Collar" zugibt, dass er sioh "hilflos und
verwirrt fuehlt." iSr ist der ansieht, dass Mills ebenfalls
dieses Gefuehl hat. Aber er wuerde es nicht zugeben.
So ergibt sich die Frage, ob der radikale Kenschentyp
heute Menschen, wie z.B. auch Mills, nicht daran hindert,
soviel wie moeglich zum Verstaendnis und zur Lenkung sozialer
Umwaelzungen beizutragen. Die Tendenzen unserer Gesellschaftsordnung sind im grossen und ganzen ziemlich klar und, insgesamt
gesehen, erschreckend. Wenn irgendjemand einen praktischen
Vorschlag zur Hand hat, wie die Uebel einer Massengesellschaft
beseitigt oder vermieden werden koennten, dann moege er ihn
unter allen Umstaenden vorbringen. Wenn es jedoch nicht einen
solchen Plan gibt, waere es dann nicht besser, aus den Vorteilen, den Widerstaenden und den Misstaenden, die man festgestellt hat, oder noch feststellen kann, das Bestmoegliche
herauszuholen? Sollen wir nicht diese sich lediglich entruestende radikale Haltung ablehnen und endlich an die Arbeit
gehen?
The New Leader
1-28-52

- 16 -

IT i p r 3 1 18375

0 * 8 0

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und
dienen der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren
Mitglieder. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weiter« Exemplare können kostenlos bei dem
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post
zugeleitet. Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme
irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

T - XI
I H H A L T S T E B 2 S I C H N I S
Bessere Lebensbedingungen in Westdeutachland

2

Gewerkschaftlicher Iura ouss auf lange Sicht
abgestellt sein. Di« Lehren aus den Ereignissen
Heuseelands, Kanadas und Ausstraliens

3

Solomon Barkini Lohnbestiramungt Trick oder Technik

7

Bie Beitrage der Arbeitsbewertungsplaene
zu den Lohnverhandlungen,

8

Bar Mensch in dar Produktion
(Aus einer Publikation des British Institute of Management

9

William Gombergi Bar Zwack der Arbeitsbewertung

13

Schulungsarbeit der britischen Gewerkschaft*»
Bar britische Gewerkschaftsbund (TUC) fuehrt drei gut organisierte
Wochenkurse als Sommerschule in Oxford durch und veranstaltet darueber
hinaus eine umfangreiche Anzahl von Wochenendkursen im ganzen Land« Viele Gewerkschaften haben dazu eigene Schulungskurse fuer ihre Mitglieder.
Bia "Arbaitarbildungs-Vereinigung** (WSA) und das "Nationalkomitee der
Arbeiterschulung" (NCLC) bieten ebenfalls verschiedene Fortbildungsmoegliohkeiten fuer "Gewerkschaftsstudenten". Abgesehen von diaaan gewerkschaftlichen Schulungsveranstaltungen in dar Heimat wardan viele Kollagen in diesem Jahr fuer Schulung und Bildung sozusagen ein Haus weitergehen» nach Genf mit dar WEA, nach Oslo mit dam HCLC und nach Helsingfors und La Breviere zu dan von dam I3FG und seiner europaeisohen
ßegional-Organisation betriebenen Kursen.
In einigen Faellen werden Ferien und Schulung zusammengekuppelt, in
anderen werden achttaegiga Schulungskurse als Arbeitszeit gerechnet, waehrend die Ferien gesondert stattfinden« Aber ob es sich um ihre Perien
handelt oder nicht, die Mehrheit AMT Sthulungsbeflisaenen verdanken die
Teilnahme an den Kursen entweder ihrar Gewerkschaft oder dem TUC«
Mehr und mehr englische Gewerkschafter benutzen die Sommerzeit auf
die Weise, um ihre Kenntnisse zu erweitern und sich darueber hinaus ein
SfeaielTiaeen fuer ihre gewerkschaftliche Taetigkait anzueignen.

.

1

-

quellet "Freie Gewerkschaftswelt"
24 - 25/1952

�Bessere Lebensbedingungen in Westdeutachland
In Westdeutschland konnte infolge einer Steigerung der Kohleproduktion zu Rekordhoehe in diesem Winter, der glücklicherweise
sehr mild war, eine Kohlennot vermieden werden. Diese Steigerung verspricht auch, West-Deutschland Einsparungen von Millionen Dollar
au bringen, die es bisher fuer die Einfuhr amerikanischer Kohle
zu 22 Dollar die Tonne ausgeben musste.
Die Sachverstaendigen halten sich nun berechtigt zu der Annahme, dass die Produktion im Jahre 1952 die Ertragsziffer des Jahres
1951 in Hoehe von 119 Millionen Tonnen noch um 10 Millionen Tonnen
uebersteigen wird«
Im letzten Jahr hat Westdeutschland ungefaehr 5 Millionen Tonnen
Kohle aus den Vereinigten Staaten eingefuehrt. In diesem Jahr war
geplant, 6 bis 8 Millionen Tonnen zu importieren« Obwohl der Kohlebedarf in Westdeutschland infolge der andauernden Entwicklung der Industrie staendig ansteigt, besteht jedoch Anlass zu der Hoffnung,
dass Abstriche an den Schaetzungen fuer die erforderlichen Importe
vorgenommen werden koennen. Bs wird sogar fuer moeglich gehalten, dass
Westdeutschland Ende dieses Jahres nicht mehr von amerikanischer
Kohle abhaengig sein wird, obwohl es aufgrund seiner1 Verpflichtungen
nahezu 20 Millionen Tonnen Kohle im Jahr nach anderen europaeischen
Laendern ausfuehren muss.
Das Hauptverdienst fuer das ploetzliche Ansteigen der Kohleproduktion kommt einem neuen gemischten deutsch-amerikanischen
Kohle-Produktionsausschuss zu. In diesem Ausschuss sitzen Vertreter
der westdeutschen Regierung, der Betriebsleitungen, der Gewerkschaften und des amerikanischen Hilfsprogramms, Sie ueberpruefen
und koordinieren die Plaene fuer die Steigerung der Produktivitaet.
Der neue Produktionsaufschwung im ersten Monat dieses Jahres ist
zurueckzufuehren auf einen am 1. Januar 1952 eingefuehrten Plan
fuer Leistungspraemien, Die Bergleute erhalten einen Zuschlag fuer
"Extra"-Leistungen, Es wird erwartet, dass dieses neue System eine Steigerung der Gesamtproduktion von 5 his 10 Prozent mit sich
bringen wird.
Andere Massnahmen, die vom Kohleproduktionsausschuss schon ergriffen wurden oder geplant sind, werden nicht so schnelle Erfolge
zeitigen, werden aber dazu beitragen, die auf lange Sicht berechnete Aufwaertsbewegung in der Produktion aufrechtzuerhalten. Die
500 Millionen Mark im Marshallplan-Gegenwertsfonds, die in den letzten drei Jahren fuer Investitionen freigegeben wurden, beginnen
sich auszuwirken und werden sich weiter auswirken. Jetzt werden die
deutschen Banken aufgefordert, sich am Investitionsprogramm zu beteiligen. Weitere 50 Millionen D-Mark aus Gegenwertfonds werden
unt«r der Bedingung freigegeben, dass die Banken ihrerseits ein Darlehen von 100 Millionen D-Mark aufbringen.
Die amerikanischen Gelder werden ebenfalls verwendet, um zur
Behebung des Mangels an Bergmannswohnungen beizutragen. Tausende
von Bergleuten sind immer noch in barackenartigen Gemeinschaftshaeusern untergebracht.
Die ungenuegenden Lebensbedingungen haben viele Bergleute veranlasst, die Gruben zu verlassen, und der sich daraus ergebende
Wechsel an Arbeitskraeften hat den Prozentsatz an erfahrenen»gut
ausgebildeten Bergleuten verringert. Die Produktivitaet leidet

�unter diesem Paktor wie auch unter der allgemeinen Auswirkung schlechter Wohnungsbedingungen auf die moralische Verfassung der Arbeitskraft«.
Der Wohnungsbau hat nun eingesetzt, vorerst mit dem Ziel, 1952
46.OOO Wohnungseinheiten zu bauen. Die gleiche Anzahl von Wohnungen
sollen im Jahre 1953 errichtet werden» Es wird geschaetzt, dass damit der gegenwaertige Bedarf gedeckt sein wird. Die Tatsache allein,
dass die Haueser versprochen worden sind, hat bereits die Wirkung
eines Staudamms gegen die Flut der in andere Berufe abwandernden
Bergleute gehabt.
Gewerkschaftliches Nachrichten-Bulletin
Nr. 39/40 - 52

Gewerkschaftlicher KUrs muss auf lange Sicht abgestellt sein
Die Lehren aus den Ereignissen Neuseelands, Kanadas und Ausstraliens
Die Gewerkschaften dieser Laender haben erhebliche Schwierigkeiten zu ueberwinden, die in erster Linie darauf zurueckzufuehren sind,
dass man sich die Gewerkschaftspolitik etwas bequem machte und alle
Portschritte und Erfolge vom Staat erwartete. Die Vorkommnisse muessen jedoch genau analysiert werden, um den Kern der Ursachen zu erkennen, die zu den Jetzigen Schwierigkeiten fuehrten. Wenn heute diese Schwierigkeiten als Polge planwirtachaftlicher Bestrebungen hingestellt werden, so erfordert dieser Vorwurf erst recht eine kritische Wuerdigung der Ereignisse - auch fuer die europaeische Gewerkschaftsbewegung ergeben sich aus diesen Vorkommnissen gewisse Konsequenzen.
In Neuseeland streikten die Hafenarbeiter, die Aktion wurde durch
kommunistische Agenten ausgeloest und staendig geschuert. Natuerlich
brach der Streik gerade in dem Augenblick aus, als in den Haefen Neuseelands Hochbetrieb herrschte, sodass die Erfolgsvoraussetzungen fuer
den Streik gute zu sein schienen; die Polge war, dass sich die Kuehlhausarbeiter und die Seeleute der Streikbewegung anschlössen. Nun
besteht jedoch in Neuseeland seit 1925 die Regelung, dass die Gewerkschaften sich einer Schiedssprechung unterwerfen koennen, indem sie
eine entsprechende Erklaerung gegenueber den Behoerden abgeben - die
automatische Folge ist der Verzicht auf das Streikrecht. Diesen
Schritt glaubten die neuseelaendischen Gewerkschaften damals vornehmen zu koennen, weil eine gewerkschaftsfreundliche Regierung am
Ruder war, sodass die Meinung vorherrschen konnte, dass die Interessen
der Gewerkschaften auch nach der Unterzeichnung auf jeden Fall gewahrt bleiben.
Nun wurde 1950 in Neuseeland eine konservative Regierung gewaehlt.
Damit ergab sich fuer die Gewerkschaften eine voellig neue Situation,
da sie auf das Streikrecht grundsaetzlich verzichtet hatten. Um aus
dieser Zwangslage herauszukommen, bildeten die Arbeiter des Transportgewerbes, der Kuehlhaeuser und der Hafenbetriebe eine neue Gewerkschaft, sodass die Poederation der Gewerkschaften Neuseelands etwa
ein Drittel ihrer Mitglieder verlor. Der jetzt gefaellte Schiedsspruch, der sich nur auf die von der alten Gewerkschaft erfassten
Arbeiter erstreckte, gewaehrte fuer diese Mitglieder aufgrund der
gestiegenen Lebenshaltungskosten eine allgemeine Lohnerhoehung von
15^* Da jedoch die neugegruendete Gewerkschaft sich dem Schiedsgerichtsverfahren nicht unterworfen hatte, erhielten deren Mitglieder
keine Lohnerhoehung. Es kam jedoch zu direkten Verhandlungen mit
der neuen Gewerkschaft, die auch zu einem positiven Erfolg zu gelangen

- 3

�schienen - die Gewerkschaft lehnte jedoch grundsaetzlioh Jede Ueberstundenarbeit ab, obwohl fuer die neuseelaendischen Eaefen die
Hochsaison heranrueokte« Sie konservativ« Begierung hatte inzwischen
duroh eine zielbewusste Lenkung der oeffentlichen Meinung dafuer gesorgt, dass die Sympathien der Oeffentlichkeit gegen die neue Gewerkschaft eingestellt war, obwohl die kommunistischen Drahtzieher geschickt
im Hintergrund blieben« Die Regierung konnte nunmehr zum entscheidenden Schlag ausholen, sie erklaerte einen nationalen Hotstand und
stellte der neuen Gewerkschaft eine Frist, bis zu der die Begierungsforderungen angenommen werden mussten. Als die Arbeiter dieses Ultimatum ablehnten, wurde kurzerhand der neuen Gewerkschaft die Anerkennung entsogea und sie dadurch aufgeloest« Die Haefen wurden von
Truppen besetzt, die zugleich die Hafenarbeiten uebernahmen.
Es wurde bereits erwaehnt, dass die Dachorganisation der neuseelaendischen Gewerkschaften, die 7oederation der Gewerkschaften Neuseelands, der Entwicklung mit einer gewissen Nervositaet folgte« Durch
das Verderben der Haelfte der Obsternte in den Haefen und das Liegenbleiben der Wolle wurde die neuseelaendische Wirtschaft schwer erschuettert, die Oeffentlichkeit billigte die Massnahmen der konservativen Regierung und verurteilte das Verhalten der Gewerkschaft, wobei massgebende Zeitungen geflissentlich die Unterschiede zwischen
der kommunistisch infiltrierten neuen selbstaendigen Gewerkschaft und
der Foederation verwischten. Die Foederation lehnte in aller Oeffentlichkeit das Vorgehen der Hafenarbeiter ab und brandmarkte die Machenschaften der Agenten des Kreml«
Hach dem Einsetzen der Truppen brach der Streik zusammen* Aber
Jetzt holte die konservative Begierung zu entscheidenden Schritten aus«
Wach der Aufloesung der neuen Gewerkschaft durch ihre Streichung im
Begister und der Beschlagnahme ihres Vermoegens und ihrer Akten wurden
einfach Begierungsgewerkschaften als Gewerkschaften anerkannt, die
lediglich auf dem Papier existiert hatten, wenn den Jetzt wieder zur
Arbeit zurueckkehrenden Streikendem nicht bedeutet worden waere, dass
nur "Gewerkschaftsmitglieder" einen Arbeitsplatz erhalten - auf diese
Weise konnten die Mitgliederzahlen dieser Begierungsgewerkschaften
schnell in die Hoehe steigen«
Die Poederation der Gewerkschaften Neuseelands hatte 1936 die
damalige Arbeiterregierung veranlasst, die Zwangsmitgliedschaft bei
den Gewerkschaften einzufuehren, wie es beispielsweise bei Aerzteoder Anwaltskammern der Fall ist« Dieses Prinzip fuehrte Jetzt dazu,
dass die kuenstlich auf die Beine gestellten Begierungsgewerkschaften
sehr schnell aufbluehten« Da hier jedoch die Funktionmere eher zur
Stelle waren als die Mitglieder, so wurden diese "Gewerkschaften" zu
nichts anderem als zum verlaengerten Ans der konservativen Regierung
Neuseelands«
Diese Entwicklung war nur moeglich, weil vor 16 Jahren die Gewerkschaften es sich allzu leicht gemacht hatten, einfach die Zwangsmitgliedschaft durchzusetzen« Damit erstarb der kaempferische Geist der
Gewerkschaften, die im uebrigen auf die Politik der frueberen Arbeiterregierung Buecksicht zu nehmen hatte - das Schiedsspruchverfahren war unter diesen Umstaenden durchaus bequem fuer eine inaktive
Gewerkschaft«
Und die Lehren aus dem Fall Neuseeland! Die Gewerkschaften muessen politisch neutral bleiben, sie duerfen sich nicht einseitig einer
einzigen Partei - und sei es die massgebliche und majerisierende verschreiben« Je bequemer man es sich macht, umso grosser kann die
Auswirkung in der entgegengesetzten Hinsicht sein« Uninteressierte
Mitglieder fuehren zum Absterben einer Gewerkschaft, Kommunistische
Punktionaere verfolgen ihre eigenen Ziele ohne Jede Buecksicht auf

4 -

�die Konsequenzen, in Neuseeland haben ihre Aktionen die Gewerkschaften
unpopulaer gemacht und sie zur Ohnmacht verurteilt« Es wird einige
Jahre dauern, bis die neuseelaendische Gewerkschaftsbewegung wieder
ein imponierender Machtfaktor sein wird.
Das zweite Beispiel einer gewerkschaftlichen Fehlentwicklung ist
in Kanada gegeben. Hier ist es dem kanadischen Gewerkschaftabund (Canadian Congress of Labor) nicht gelungen, eine echte und eindeutige
politische Schulunesarbeit unter seinen Mitgliedern durchzufuehren.
Die Gewerkschaften verliessen sich gar.z einfach darauf, da:s die Partei es schon machen werde. Dadurch wurde die Mitgliedschaft ziemlich
uninteressiert, sie kue.imerte sich kaue um die Arbeit der Gewerkschaft.
Die Inflation nahm m^n als etwai naturgegebenes hin, es ging den Arbeitern verhaeltnismaessig gut, Arbeitslosigkeit war unbekannt und
die Lo hne stiegen nominal ziemlich regelmaessig an, Betriebsversammlungen fanden kaum statt, aber wenn sie einberufen wurden, kamen nur
wenige Mitglieder - im uebrigen erledigten die Funktlonaere die Arbeit.
Es gab nach den Wahlen in Kanada ein fuerchterliches Erwachen»
Die Arbeiterpartei behielt in Ontario von ihren 21 Sitzen gerade zwei,
in den Staedten verlor sie betraechtlich« Waehlennaseen, auf dem Lande blieb fast nichts an Waehl'-rn uebrig. Zwar waren es immer noch
19% aller Stimmen, aber das ergab nur 2$ aller Sitze.
Die Zahl der Mitglieder der kanadischen Gewerkschaften ist jedoch nach wie vor hoch, aber der Zuwachs geht immer schleppender vor
sich. Im vergangenen Jahre wirkte sich auch in Kanada die Trennung
der AFL in den gemeinsamen Ausschuessen von dem CIO aus, wodurch auch
die gemeinsamen politischen Komitees aufgeloest wurden. Dadurch hat
sich in Kanada ein Gefuehl der Unsicherheit bei den Gewerkschaften ergeben, obwohl die Cueltigkeit des Closed shop-Systems aufrechterhalten
werden konnte, nachdem fuenf Jahre darum gekaempft wurde. Diese Bestimmung besagt, dass nur Gewerkschaftsmitglieder in Betrieben eingestellt werden duerfen, wenn ein solches Abkommen mit der zustaendigen Gewerkschaft abgeschlossen wurde.
In Kanada sind die Verhaeltnisse aiso weit besser als in Neuseeland fuer die Gewerkschaften - aber auch hier zeigt sich deutlich,
wohin eine politische üninteressiertheit der Mitgliedschaft und eine
zu enge Bindung an eine Partei fuehren kann. Die Wichtigkeit des
staendigen Kontakts zwischen Gewerkschaftsmitgliedern und Ortsausschüssen ist ebenfalls unterschaetzt worden. Die kanadischen Gewerkschaften werden sehr schnell die Konsequenzen aus diesen Vorgaengen ziehen und alles daran setzen, um wieder eine kaempferische Gewerkschaftsbewegung, an der Jedes einzelne Mitglied lebhaften Anteil nimmt, wieder auf die Beine zu stellen. Jede Saturiertheit bedeutet den Tod der Gewerkschaftsbewegung - das ist die Lehre des Falles der kanadischen Gewerkschaftsbewegung.
Die Schwierigkeiten der australischen Gewerkschaftsbewegung liegen auf einem ganz anderem Gebiet 1 Die T^rifloehne werden hier nicht
durch direkte Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
festgelegt, sondern durch ein Schied.:jericht. Das war in einer Zeit
der Massenarbeitslosigkeit gewiss eine verstaendliche Massnahme, im
Zeitalter der Vollbeschaeftioing ist ein solches System aber zu eineD Bremsklotz fuer die Gewerkschaften geworden. Das Schiedsgericht
ist geradezu eu einem Gericht geworden, in dem die Anwaelte der Gewerkschaften und die der Unternehmer sich erbittert bekaempfen, um
LohnsugestaenlalM« aeranssukelen. Das Ist verhaeltniamaeerig leicht
fct&gt;l steigenden Preisen, in anderen Faellen vers.igt jedoch dieses
Schiedssystem, da die Schiedsrichter auf die wirterh^ftliche Lage Je-

-

5 -

�ner Betriebe ßuecksicht nehmen muessen, die nur mit einem Grenznutzen
arbeiten. Unternehmen, die ihren Betrieb voellig durchrationalisiert
haben, verdienen infolgedessen ausgezeichnet, aber die Gewerkschaften
•uessen sich mit Hinweisen der gegnerischen Anwaelte zufrieden geben,
dass diese Ausnahmen keine Regel darstellen und deshalb unberücksichtigt bleiben muessen«
Dieses System traegt auch dazu bei, die Lohndifferenzen in den
Betrieben selbst gegenseitig anzugleichen« Hier haben die Gewerkschaften es Jedoch erreicht, dass neben dem Grundlohn noch ein sogenannter Hebenlohn bezahlt wird, der Je nach den fuer die Stellung
erforderlichen Faehigkeiten gestaffelt ist. Diese Staffelung ist sehr
weit gediehen, es bestehen Jedoch natuerliche Grenzen fuer die Festlegung der Differenzierungen, im uebrigen ergeben sich hierdurch in
der Praxis eine Fuelle von Schwierigkeiten.
Es ist auch in Deutschland kein Geheimniss, dass der gute Facharbeiter meist zugleich der beste Gewerkschafter ist. Nun wird aber
gerade der Facharbeiter durch das System der schiedsgerichtlichen
Festlegung der Lohnsaetze am staerksten getroffen, waehrend der Hilfsarbeiter durch dieses System bevorzugt wird. Der Facharbeiter hat aber
keinerlei Moeglichkeiten, sich vorwaerts zu arbeiten, die Inanspruchnahme der Hebenloehne ist ebenfalls nicht Jedermanns Sache - die guten Gewerkschafter resignieren aus diesen Gruenden nach und nach. Zudem werden die Nebenloehne nicht in dem gleichen Umfang erhoeht wie die
Grundloehne, sodass hier eine zunehmende Nivellierung vor sich geht.
Die australischen Gewerkschaften koennen natuerlich noch streiken
aber bei der endgueltigen Lohnfestsetzung ist doch das Schiedsgericht
allein zustaendig, sodass der Wert eines Streiks sehr problematisch
ist. Leistungspraemien werden von den australischen Gewerkschaften
grundsaetzlich abgelehnt, im uebrigen haben es die Unternehmer auch
garnicht noetig, sich auf solche Praemien einzulassen, da Ja der Entscheid des Schiedsgerichts fuer die gesamte Branche massgeblich ist.
Der Kardinalfehler des Systems liegt darin, dass der Lohn fuer
die gesamte Branche Geltung hat. Als eine Massenarbeitslosigkeit
drohte, vertraten die Gewerkschaften das Prinzip der Leistungsmoeglichkeit der Industrie oder der Masse der einzelnen Unternehmen. Bei
der Feststellung eines Durchschnitts muessen aber alle unrentabel
arbeitenden Betriebe mitberuecksichtigt werden, fuer die modernen
Grossbetriebe ist also der Durchschnittslohn eine ausgezeichnete Angelegenheit, naemlich eine zusaetzliche Verdienstquelle.
Lohnfragen sind fuer eine Gewerkschaft die entscheidende Aktionsmoeglichkeit. Durch das australische Schiedsgerichtssystem sind die
Gewerkschaften in ihren wichtigsten Aufgabengebieten lahmgelegt, die
Verhandlungen vor dem Schiedsgericht arten in Juristische Spitzfindigkeiten aus, die Protokolle solcher Schiedssprüche umfassen zuweilen
mehrere 1000 Seiten. Gerade der Facharbeiter wird vera*rgert, die Gewerkschaftsbewegung muss nach und nach erstarren, Kampfgeist und Aktivitaet finden kein Ventil. In einer Zeit der ruecklaeufigen Konjunktur mag dieses Schiedsgerichtsverfahren seine Vorteile haben, bei
steigender Konjunktur wird es Jedoch zum Hemmschuh und Bremsklotz.
Es kommt noch ein weiterer Punkt hinzu. Die Gewerkschaften haben
durch diese Schiedsgerichtsverfahren die Moeglichkeit der Anpassung der
Loehne an veraenderte Preise, Das koennen andere Bevoelkerungskreise
nicht automatisch oder wenigstens mit einer gewissen Automatik nicht
erzwingen, wie etwa ßentner oder Handwerker. Die Machtposition der
Gewerkschaften wird in dieser Hinsicht in der Oeffentlichkeit sehr
haeufig voellig falsch gesehen und erst recht unverstaendig kritisiert.

6

�Es ist eine Frage der Zeit, wie lange die australischen Gewerkschaften dieses S; otem des Schiedsgerichts beibehalten werden. Gluecklich sind sie «it diesem System nicht geworden, die qualifizierten Arbeiter sind zudem unzufrieden mit ihrer Organisation« Die Oeffentlichkeit hingegen redet von einer gewerkschaftlichen Maschinerie, die
Jedooh nicht existiert , sondern nur die Maschinerie der Schiedsgerichte. Vielleicht ist jedoch das eine klar, dass Produktivitaetssteigerungen auf diesem Schiedsgerichtswege nicht erreichbar eind echte und reale Lohnerhoehungen sind nur durch eine Steigerung des
Sozialprodukts moeglich. Bei unzufriedenen und veraergerten Arbeitern wird die Leistung jedoch unnoetig zwangslauefig abgebremst.
Wenn die australischen Unternehmer an einer Produktivitaet interessiert sind,; so waere der erste Schritt dazu eine Weckung des Interesses der Arbeiter durch frei zu vereinbarende Tarifloehne - das setzt
jedoch voraus, dass Unternehmer und Gewerkschafter die Zwangsschiedssprechung ablehnen und beseitigen.

Lohnbeatimmungt Trick oder Technik?
Von Solomon Barkin, Leiter der Forschungsabteilung der US-Textilartnitergewerkschaft.
Die formalen Systeme der Arbeitsbewertung sind waehrend der letzten Jahre in steigendem Masse von den Arbeitgebern verwendet worden.
Ihre Anwendung wurde waehrend der Kriegszeit betraechtlich gefoerdert,
da sie einen Weg boten, tragbare Lohnerhoehungen sicherzustellen. Das
War Labor Board erkannte die Notwendigkeit an, innerhalb einer Fabrik
Ungerechtigkeiten bei den Loehnen auszugleichen. Die Arbeitsbewertungsmethoden lieferten ein brauchbares Werkzeug zur Angleichung der Loehne fuer einzelne Arbeiten. Das kam den massgebenden Analytikern des
Board entgegen. Die Gewerkschaften waren gegenueber den Nachteilen
dieser ^laene nicht uebermaessig empfindlich, da sie unter allen Umstaenden Lohnerhoehungen zu erreichen wuenschten. Da die Arbeitsbewertungsmethoden durch da3 War Labor Board gebilligt wurden, gaben
die Gewerkschaften rasch ihre Zustimmung. Obgleich das Board diese
Plaene hauptsaechlich im Hinblick auf die geltenden Lohnspannen pruefte, die von der organisierten Arbeiterschaft unguenstig beurteilt wurden, waren die Gewerkschaften oft bereit, sich alle Vorteile, die sie
aus diesen Progrannen ziehen konnten, zu sichern, da ja die kollektiven Vertragsverhandlun^en selbst diese Programme nicht aendern konnten. Als Folge hiervon wurden diese ^laene nit groesserer Bereitschaft
akzeptiert, als es unter gewohnlichen Unstaenden haette erwartet werden koennen.
Waehrend der letzten Jahre haben die Arbeitgeber vier Grundmethoden der Arbeitsbewertung entwickelt. Diese sind
1.

das Rangfolgeverfähren, welches die Arbeiten als Ganzes miteinander vergleicht;

2.

die Methode der Gruppeneinteilung, die willkuerlich Arbeitsstufen
festsetzt und sie definiert, wobei gefordert wird, dass, wie bei
der Zivilverwaltung, alle Arbeiten unter diese vorher aufgestellten Stufen aufgeteilt werden;

3.

das Punktsystem, welches die Arbeiten nach gegebenen Bewertungsmerkmalen vergleicht, gewoehnlich 10 - 15 an der Zahl, bei denen die
Punktwerte fuer die verschiedenen vorher definierten Abstufungen
dieser Merkmale angegeben sind;

- 7

�4.

die Methode des Vergleichs nach Merkmalen, welche die Arbeiten mit
Hilfe gegebener Bewertungsmerkmale vergleicht.

Grundsaetzlich beruhen diese Arbeitsbewertungsmethoden mit Ausnahme des Rangfolgeverfahrens auf der Auswahl einer willkuerlichen Reihe
von Arbeitsmerkmalen und einer Liste von Werten fuer die Abstufungen,
die entweder vorher definiert werden wie beim Punktsystem oder durch
vergleichende Untersuchungen der bereits in einer Fabrik bestehenden
Verhaeltnisse der Arbeiten untereinander ermittelt werden, wie bei der
Methode des Vergleichs nach Merkmalen.
Nach dieser Einteilung der Arbeiten wird eine vorher bestimmte
Lohnskala zu diesen festgelegten Arbeiten in Beziehung gesetzt. Diese
Lohnkurve wird entweder durch einen Vergleich mit den ueblichen Loehnen fuer Schluesselarbeiten ermittelt, oder unabhaengig mit Hilfe einer Lohntheorie des Arbeitgebers oder der Ingenieure, die das System
einrichten, oder durch die bestehenden Loehne fuer Schluesselarbeiten.
Die oben skizzierten Arbeitsbewertungsmethoden sind nicht nur ein
System zur Ermittlung einer Lohnskala zur Zeit der Einfuehrung, sondern auch eine starre Methode zur Kontrolle der Festsetzung aller zukünftigen Loehne«
Die Uebergangszeit hat in steigendem Masse viele Arbeiten ans
Licht gebracht, die man waehrend des Krieges uebersehen hatte, als
die Gewerkschaften darauf bedacht waren, Lohnerhoehungen zu erzielen»
Gewerkschaften, die mit diesen Plaenen Erfahrungen gesammelt haben,
sind jetzt gegen die diesen Plaenen innewohnenden Fehler empfindlicher
geworden« Die Arbeitgeberschaft hoffte, diese Plaene zur Lohnsenkung
in der uebergangszeit verwenden zu koennen, hat aber in der grossen
Mehrzahl der Faelle dies nicht getan, weil der Schwerpunkt auf allgemeinen Lohnerhoehungen lag. Es beginnen sich jedoch die Crenzen dieser Arbeitsbewertungsplaene fuer kollektive Vertragsvi-rhandlungen bereits zu zeigen. In steigendem Masse versuchen die Gewerkschaften,
von diesen Plaenen loszukommen, wo sie in den Vertrag aufgenommen worden sind.
Die oben kurz geschilderten Arbeitsbewertungsverfahren stehen im
Gegensatz zu den Verfahren der kollektiven Vertragsverhandlungen. Normalerweise werden die Arbeitsloehne durch gegenseitiges Uebereinkommen festgesetzt. Bei ihrer Bestimmung spielen viele Faktoren eine
Rolle. Es gibt keine begrenzte Zahl von Bewertungsmerkmalen und keine
feste Stufenfolge von Werten fuer jedes Merkmal. Tradition, die herkoemmlichen Beziehungen der Arbeiten zueinander, Produktivitaet, Angebot und Nachfrage an besonders ausgebildeten Arbeitskraeften, Verhandlungsgeschick und Eigenart der Arbeiten spielen bestaendig bei
der endgueltigen Festlegung einer Lohnskala durch kollektive Verhandlungen eine geneinsame Ro'lle. Der jeweilige Schwerpunkt wechselt im
Lauf der Zeit, neue Arbeiten kommen auf, neue Loehne werden gefordert.
Die Gewerkschaften wuenochen keine starre festgelegte Methode zur Abschaetzung der Arbeitswerte,
*

#

*

Die Beitraefte der Arbeitsbewertungsplaene zu den Lohnverhandlungen
Der Nachdruck, den die Arbeitgeber auf die Arbeitsbewertungsverfahren le^en, hat nichtsdestoweniger einige bedeutsame Beitraege zum
Verfahren bei den kollektiven Vertragsverhandlungen zur Folge gehabt,
naemlich indem die Annahme folgender Prinzipien hierdurch gefoerdert
wurde»
1. Die Notwendig! eit eines formalen Syctems von Arbeitsloehnen im
Gegensatz zu einem Sy tem individueller Loehne. Das Ergebnis war,
dass jetzt viel mehr Gesellschaften formale Lohnsysteme haben.

-

8

-

�2.

Herabsetzung der Zahl der verschiedenen Loehne innerhalb eines
Werkes sowie der Versuch, sie auf Lohnuntercchiede von 2,5 bis
5 Cents zu begrenzen.

3.

Eine grundsaetzliche Methode zur Differenzierung der Arbeitsloehne.

4«

Arbeitsbeschreibungen als notwendiger Bestandteil des Lohnsystems,
wobei Jede sorgfaeltig definierte Arbeit auf einen bestimmten Lohn
Anspruch hat. Das Ergebnis wu.r eine groessere Gleichfoermigkeit
der Arbeiterloehne und die Herabsetzung der Lohnunterschiede auf
Grund von Geschlecht, Religion, Rasse oder Farbe.

Deshalb hat die Anwendung der Arbeitsbewertung das kollektive
Vertragsverhandlungsverfahren erleichtert, weil die Gewerkschaften
immer eine Erreichung dieses Zieles durch kollektive Verhandlungen erstrebt haben. Die Gewerkschaften haben es oft als wuenschenswert betrachtet, einen dieser Plaene anzunehmen, da sie sie als eine willkommene Zwischenstufe auf dem 'liege zu einem ordnungsgemaessen und gebilligten Lohnsystem angesehen haben.

Der L'.en3ch in der Produktion. (Aus einer Publikation des British Institute of Management)
Die Haltung der in der Produktion taetigen Menschen gegenueber
dem Betrieb, ihr Verhalten untereinander und gegenueber der Betriebsleitung und das Verhalten der Betriebsleitung ihnen gegenueber sind
entscheidend fi er den Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens. Wenn
die Menschen nicht wissen, was sie zu tun haben oder warum sie es tun,
wenn Regeln und Notwendigkeiten von ihnen nicht verstanden werden,
wenn die Arbeiter fuehlen, dass man sie ungerecht behandelt und wenn
sie der Betriebsleitung nicht vertrauen, dann wird der Produktionserfolg inner geringer sein als er sein koennte.
Die Fabrik wird ihre
Leistungsfaehigkeit nic:.t voll entfalten koennen, wie gut auch ihre
Produktionsmethoden, ihre Planungsarbeit und der Zustand ihrer Maschinen sein moegen.
Der Arbeiter sollte daher ueber die Ziele und Plaene der Betriebsleitung informiert werden, ebenso ueber die Produktionszahlen und den
Umfang der Verkaeufe. Man sollte ihm auch einiges ueber die Organisation und die Produktionsprozesse in anderen Abteilungen sagen, damit
er eine klare Vorstellung von seinem persoenlichen Beitrag zum Endprodukt hat. Genau so wichtig ist es, dass die Betriebsleitungen die Auffassungen, Ideen und Vorschlaege des Arbeiters erfaehrt, besonders wenn
sie bessere Arbeitsmethoden betreffen. Der Arbeiter kennt sicherlich so
gut wie irgendein anderer einige Moeglichkeiten, den Arbeitsprozess zu
verbessern und die Verschwendung von Zeit und Material zu vermeiden«
Es ist ein Teil der Verantwortlichkeit der Belegschaftsvertreter, dafuer
zu sorgen, dass Informationen in beide Richtungen geleitet und dass
schlummernde Ideen und Energien zum Nutzen aller verwertet werden,
•

*

•

Leistungsanreize
Welcher Typ der Leistungsanreize wahrscheinlich die besten Resultate bringt, haengt vom Menschen ab und von der Art der Arbeit, die er
zu verrichten hat. Als der Handwerker ein Produkt vom Beginn bis zu
seiner Vollendung herstellte und unter seinen Haenden wachsen sah, gab
es noch eine echte Befriedigung durch die blosse schoepferische Taetigkeitj dieselbe Art der Befriedigung also, die ein Kuenstler fuehlt,

- 9 -

�wenn er ein Bild malt. Da aber Jetzt nur wenige Arbeiter mehr als
einen kleinen Teil des gesamten Produktionsaufträges erledigen und
oftmals kaum noch mehr als eine Arbeitsverrichtung im Rahmen eines
Arbeitsganges, ist diese schoepferische Befriedigung nur noch selten
zu erreichen» Es gibt allerdings andere Anreize» Ehrgeiz, die Hoffnung auf Befoerderung, Wetteifer, manchmal sogar das Bestreben, einen gut gelittenen Vorgesetzten zu erfreuen, wie das besonders bei
jungen Arbeiterinnen der Fall sein kann. Alle diese Faktoren bestimmen neben vielen anderen die Menschen dazu, wie intensiv sie
arbeiten werden. Nichtsdestoweniger ist der allgemeinste Anreiz
fuer den einfachen Mann und fuer die einfache Frau, die keine unmittelbare Chance einer Befoerderung sehen und deren Arbeit nicht
interessant genug ist, damit sie um ihrer selbst willen getan werden koennte, eine Celdbelohnung»die der zusaetzlichen Anstrengung
entspricht.
Sie ist aus dem einfachen Grunde der allgemeinste Anreiz, weil Geld das uebliche Mittel ist, um die Ziele zu erreichen,
die die meisten Menschen erstreben: Groessere Sicherheit und Behaglichkeit fuer sich selbst und ihre Familien, Es ist ganau das gleiche Motiv, das.die Taetigkeit des selbstaendigen Geschaeftsmannes,
des Landwirts oder des Haendlers anspornt. Wir werden diesen Anreiz spaeter noch besprechen,
•

*

•

Der Zweck der Praemiensysteme«
Wenn ein Mensch einmal an seine Arbeit gewoehnt ist, wird er
in einem gleichbleibende Tempo arbeiten, das seinem Temperament entspricht. Dieses Tempo kann waehrend der Arbeit nicht leicht geaendert
werden. Wenn er nicht einige persoenliche Vorteile sieht ( zum Beispiel eine besondere geldliche Belohnung), wird er dazu neigen,
kleine Arbeitsunterbrechungen zu dulden, entweder aus persoenlichen
Gruenden oder durch Maschinenstoerungen entstandene Unterbrechungen,
Der Erfolg einer Tagesproduktion wird darunter leiden.
Ein gut
ausgearbeitetes Praemiensystem ist nicht in erster Linie dazu bestimmt, das Arbeitstempo zu beschleunigen,waehremd der Arbeiter seine Taetigkeit tatsaechlich ausuebt, ( das ist nie t einmal in allen
Faellen erwuenscht, da die ^ualitaet der Produkte darunter leiden
kann), sondern ihn stetiger arbeiten zu lassen und ihn daran zu
interessieren, dass Unterbrechungen sofort zur Kenntnis des *Bfsi«htsfuehrenden Vorgesetzten gelangen.
•

*

•

Festsetzung von Akkordbetraegen oder Akkordzeiten.
Vor der Entwicklung der Arbeitsstudien war das Feststellen der
Stueckloehne eine Aufgabe des Akkordschaetzers.
Er war im allgemeinen ein Mann mit langjaehriger praktischer Erfahrung bei der Erledigung der Arbeitsgaenge, die er zu beurteilen hatte,Er studierte
die Zeichnungen, pruefte die Vorrichtungen und Werkzeuge und ging
vielleicht auch einmal in die Werkstatt, um mit dem Arbeiter, der den
Auftrag ausfuehren sollte, die Arbeitsmethoden zu besprechen. Schliesslich wog er alle diese Faktoren mit Hilfe seiner eigenen Kenntnisse
ab und setzte eine Vorgabezeit oder - was frueher wahrscheinlich war einen Stn«cklohn fest. Diese Entscheidung konnte von dem Arbeiter
anerkannt werden oder auch nicht. Der Arbeiter konnte recht gut der
Meinung sein, dass er besser als der Akkordschaetzer wisse, wieviel
Zeit die Erledigun&gt; des Arbeitsauftrags in Anspruch nehmen werde.
Wurde der Akkordsatz nicht akzeptiert, dann folgten Verhandlungen,
bis ein beiderseitig annehmbarer Akkordlohn vereinbart war.

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�Diese Methode der Festsetzung des Akkordlohns wird noch in grossem Umfange angewandt, vor allem in Werkstaetten, die haeufig wechselnde Arbeitsauftraege erledigen. Es ist dort schwierig, Arbeitsstudien durchzufahren, weil die Serien der einzelnen Artikel im allgemeinen recht klein sind. Die Methode wird auch in der schweren Industrie angewandt« Sie wird sich dort ohne Zweifel auch noch viele
Jahre behaupten, obwohl sie fuer die Betriebsleitung und fuer die
Arbeiter Nachteile bringt«
Der erste Nachteil besteht darin, dass der Akkordschaetzer, wie
erfahren er auch sein mag, eben immer nur schaetzt. Allerdings
wird ein erfahrener Mann ziemlich genau schaetzen. Eo hat sich Jedoch wiederholt erwiesen, dass Menschen, die eine Arbeit leisten,
nur selten wissen, wieviel Zeit sie in Anspruch nehmen sollte. Wenn
sie nicht ausgebildet sind, einen Arbeitsgang zu analysieren und die
wesentlichen Elemente von den auszuschliessenden Elementen ( wie Unterbrechungen dieser oder Jener Art) zu trennen, dann besteht die Gefahr, dass sie die auszuschliessenden Elemente nicht beachten oder als
Teile des Arbeitsganges ansehen.
Der zweite Nachteil ist der, dass kein nachpruefbarer Bericht
ueber den Arbeitsgang vorliegt, wenn die Berechtigung des Akkordsatzes spaeter bestritten wird oder wenn sich einzelne Elemente des
Arbeitsganges aendern. Es steht dann das Urteil des Akkordschaetzers im Gegensatz zu dem Urteil des Arbeiters,
Um sich selbst
su schuetzen, wird der Akkordschaetzer deshalb leicht dazu neigen,
den Akkordlohn ziemlich niedrig anzusetzen. Er ist dann in der Lage, ihn zu erhoehen, wenn er darum ersucht wird, ohne zu grosse Zugestaendnisse zu machen. Das Ergebnis duerfte unter solchen Umstaenden immer ein Akkordlohn sein, der den Arbeiter nicht zu seinem Hecht kommen laesst. Wenn andererseits ein leicht erreichbarer
Akkordlohn festgesetzt ist, wird der geschickte Arbeiter zurueckhaltend sein, seine ganze Leistungsfaehigkeit einzusetzen, weil er befuerchten muss, dass der Akkordlohn beschnitten wird. Er beschraenkt
deshalb vielleicht sogar seine Leistung bis zu einer Grenze, von der
er annimmt, dass sie von der Betriebsleitung noch geduldet wird. Der
Stueckakkord haette damit auigehoert, als Anreizmitte 1 noch irgendeinen Wert zu haben.
Der dritte Nachteil geschaetzter Stueckakkorde besteht darin,
dass die Betriebsleitung nicht zu genauem Zahlenmaterial gelangt, dass
sie fuer Kostenrechnungen, Toranschlaege usw. braucht, und dass AI«
durch Maschinenschaeden und sonstige Arbeitsunterbrechungen verlorene
Zeit in der Regel nicht genau erkennbar wird.
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#
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Festsetzung der Akkordsaetze durch Arbeitsstudien
Arbeitsstudien als Grundlage der Entlohnung nach den Leistungen
fuehren - wie wir gesehen haben - zu einer viel groesseren Genauigkeit,
denn Jedes Element des Arbeitsganges wird dabei geprueft und Jede
Beobachtung schriftlich niedergelegt. Die fuer Jedes Element erforderliche Zeit wird viele Male gemessen und notiert, so wie auch alle
Einzelheiten ueber Arbeitsmethoden und Werkzeuge schriftlich niedergelegt werden. Der Bericht wird aufbewahrt. Wenn irgendeine Frage
auftaucht, die die Torgabezeit betrifft, besteht fuer alle Beteiligten zu Jeder Zeit die Moeglichkeit, ihn einzusehen. Die festgestellten Zeiten koennen von den betrieblichen Gewerkschaftsvertretern kontrolliert werden, Tatsaechlich ist es erwuenscht, dass Vertrauensleute
der Gewerkschaften in den Betrieben, die Arbeitsstudien betreiben,
die Verfahren kennen und im Gebrauch einer Stoppuhr ausgebildet sind.
Die Arbeitsstudien leiden noch darunter, dass man sie in der Vergangen-

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�heit zu einem Geheimnis gemacht hatte,
F
uer den Arbeiter vorteilhaft ist die Tatsache, dass die durch Arbeitsstudien festgesetzten Zeiten keine durch Arbeitsunterbrechungen
und llaschinenstillstand hervorgerufenen Zeitverluste enthalten. Wenn
sie eintreten, kann der Arbeiter fuer die Dauer der Unterbrechungen
seinen Zeitlohn verlangen und sich so den Akkordverdienst sichern, den
er vorher erreicht hatte. Auch die Betriebsleitung kann dadurch, dass
sie am Ende einer Woche oder eines Monats in den Berichten erscheinende Wartezeiten analysieren lae:st, feststellen, wo die Unterbrechungen vorkommen und sie kann Schritte unternehmen, die die Unterbrechungen in Zukunft verhueten.

Eine andere fuer den Arbeiter guenstige Eigenschaft der durch
Arbeitsstudienmethoden festgesetzten Zeiten ist der Einschluss eines
bestimmten Prozentsatzes als Erholungazuschlag. Die fuer verschiedene Arbeitsarten und verschiedene Arbeitsbedingungen festgelegten Prozentsaetze werden fast allgemein anorkannt, Sie ermoeglichen es, dass
kein Arbeiter - sei er mit leichter oder mit anstrengender Arbeit beschaeftigt - am Ende des Tages uebermuedet ist, vorausgesetzt, dass
er fuer die Art der Arbeit, die er leistet, geeignet ist.
Vielleicht dar einzige, was vom Standpunkt des Arbeiters aus zugunsten der einfachen Akkordschaetzung gesagt werden kann, ist, dass
man ueber die Pestsetzung verhandeln kann. Der Arbeiter fuehlt dann,
dass er einiges dazu zu sager. hat, was er verdienen kann, waehrend
ein Verhandeln zwischen dem Arbeiter und demjenigen, der die Vorgabezeit auf Grund durchgefuehrter Arbeitsstudien festsetzt, unnoetig ist.
Das bedeutet nicht, dass Kollektivverhandlungen ueber die Geldloehne,
die zu zahlen sine1, nicht mehr angebracht waeren; sie sind es in genau der gleichen Weise, wie unter Jedem anderen System, Es bedeutet
auch nicht, dass eine Vorgabezeit, die durch Arbeitsstudienmethoden
festgesetzt wurde, nicht abgelehnt werden koennte. Wichtig ist, dass
die Vorgabezeit sofort kontrolliert wird, wenn moeglich unabhaengig
von denen, die sie festsetzten, falls ihre Hichtigkeit angezweifelt
wird. Es bedeutet jedoch, dass Diskussionen ueber eine Vorgabezeit
auf einer Grundlage niedergeschriebener Tatsachen vor sich gehen koennen, die von jedem Beteiligten zu kontrollieren sind, auch - wenn das
erforderlich ist - vom Arbeiter selbst. Nichtsdestoweniger ist der
Arbeiter berechtigt, Sicherungen zu verlangen, dass die Resultate der
Arbeitsstudien aufrechterhalten und nicht missbraucht werden. Die
erste dieser Scherungen muss darin bestehen, dass die Studien zur
Nachpruefung durch jeden Betroffenen zur Verfuegung stehen. Die zweite Sicher,ng muss darin bestehen, dass die Vorgabezeit nicht verringert wird, wenn sich die Arbeitsmethoden nicht aendern. Diese Sicherungen gehoeren zu oen fundamentalen Regeln der Anwendung von Arbeitsstudien, deren Erfolg von gegenseitigem Vertrauen abhaengt. Wenn
dieses Vertrauen einmal gebrochen wurde, ist die weitere Lohnfestsetzung durch Arbeitsstudien eine Zeitvergeudung, weil ihr Wert als
Mittel der Lohnfindung fuer Stueckakkorde nicht mehr vorhanden ist.
Viele Firmen, die durch Arbeitsstudien festgesetzte Akkorde in
einer Werkstatt um ersten Male anwenden, geben die Bedingungen und
Garantien schriftlich bekannt und lassen sie in der Werkstatt auahaengen. Der Anhang B ist eine genaue Kopie einer solchen Ankuendigung
(nur die Namen sind weggelassen), die in einer Fabrik im Londoner Gebiet waehrend des letzten Jahres verwendet worden ist. Verhandlungen
mit den Vertretern der Arbeiter hatten stattgefunden, bevor die Studien
durchgefuehrt wurden. Alle Arbeiten waren in vollem Umfange studiert
worden. Der Betriebsleiter las die Notiz Absatz fuer Absatz der versanin-lten Belegschaft. Jeder Werk tatt vor, kurz bevor das neue System
in Kraft gesetzt »urde. 2s sollte dar.it erreic. t werden, dass .jeder
3otro:'fene er voll und ra.'.\z v rstand und dass Fr^-en dazu gestellt und

1?

�Aussprachen daxueber stattfinden konnten« Es wird auoh als notwendig
angesehen, dass den Arbeitern nicht spaeter als am folgenden Tage der
Verdienst des Vortages bekannt ist. wenn die Vorgabezeiten durch Arbeitsstudien festgesetzt worden sind.
•

•

«

Sonderpraeaien
Sin anderes Anreizsystem ist der Aufmerksamkeit wert, bevor wir
diesen Teil abschliessen. Es ist in Grossbritannien nicht in grossem
Umfange angewandt worden, aber eine Anzahl bedeutender Firmen wendet
es an und es wird behauptet, dass man damit beachtenswerte Erfolge erzielt hat. Es besteht aus einer ganz besonders sorgfaeltigen Einschaetzung eines Jeden Arbeiters nach bestimmten Zeitabstaenden (drei
oder sechs Monaten). Der Umfang der Produktion eines Arbeiters, die
^ualitaet seiner Arbeit, die Innehaltung festgesetzter Zeiten, die allgemeine Faehigkeit, die Zusammenarbeit mit den aufsiehtnfuehrenden Vorgesetzten und mit seinen Kollegen und andere Faktoren werden dabei
gewertet. Zusätzliche Zahlungen werden gegeben, wenn die ^ualitaet
der Arbeitsleistungen ueber dem Durchschnitt liegt. Als Ergebnisse
der verschiedenen aufeinanderfolgenden Einschaetzungen koennan die
gezahlten Praemien hoeher oder niedriger als die Torgezahlten sein,
Je nach Leistung und Haltung des einzelnen Arbeiters. Das System ist
nuetzlich fuer Betriebe, die Produkte von hoher Qualitaet anfertigen,
da die meisten Entlohnungssysteme nach Leistungen nicht unmittelbar
der Aufrechterhaltung der £ualitaet der Arbeit dienen, obwohl die Lohnzahlung gewoehnlich gute Arbeit als Bedingung voraussetzt.
Aus der Schrifti Leistungssteigerung durch
Organisation
(Bund-Verlag, GmbH, Koeln)
(Gegen Erstattung des Portos kann dl« Schrift
kostenlos bezogen werden)

William Gomberg, Leiter der Forschungsabteilung der Allamerikanischen
Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeitert
Der Zweck der Arbeitsbewertung.
Die Arbeitsbewertung ist ein Verfahren zur Untersuchung von Arbeiten innerhalb eines Betriebes, um ihr Verhaeltnis zueinander nach
dem Arbeitsinhalt festzulegen« Ihr Anliegen ist es, einen Masstab zu
schaffen, um alle Arbeiten so genau und objektiv wie moeglich miteinander vergleichen zu koennen.
Es gibt vier hauptsaechliche Methoden zur Bewertung der Arbeitt
Rangfolgeverfahren, Gruppeneinteilung, Punktbewertung und Vergleich
nach Merkmalen« Alle diese Techniken drehen sich Jedoch um eine einzige Fraget Was ist der Inhalt einer Arbeit im Verhaeltnis zu anderen
Arbeiten im Betrieb? Die Arbeitsbewertung darf nicht mit den Leistungsloehnen verwechselt werden« Die Arbeitsbewertung misst die Arbeit als
solche und beschaeftigt sich nur mit den Grundstundenloehnen« Di* Leistungslöhne bilden ein Mass fuer die persoenliche Anstrengung und betreffen den individuellen Lohn und die Arbeitsgeschwindigkeit« Wenn
eine Praemie oder irgend eine andere Form des Leistungslohnes zu den
durch die Arbeitsbewertung entwickelten Grundloehnen hinzugefuegt wird,
dann koennen allerdings die beiden Elemente der Lohngestaltung so miteinander verquickt sein, dass es im Einzelfall unter Uastaenden fast
unmoeglieh wird, sie auseinander zu halten.

15

�Um jedoch ein klares Terstaendnis der Arbeitsbewertung zu erlangen,
ist es wesentlich, sich der grundsaetzliehen unterschiede im Zweck »wischen der Arbeitsbewertung und einem Leistungslohnsystea bewusst zu sein«
Die Arbeitsbewertung befasst sich ausschliesslich mit dem relativen
Schwierigkeitsgrad der Arbeiten, so wie er in den Grundstundenloehnen
zum Ausdruck kommt. Bin Leistungslohnsystem beschaeftigt sich mit dem
Verhaeltnis des individuellen Lohnes zu den Unterschieden des individuellen Arbeitsergebnisses»
Der Grundzweck der Arbeitsbewertung ist nichts Neues« Die Tatsache,
dass nicht alle Arbeiten den gleichen Lohn wert sind, ist sowohl von
den Arbeitern wie den Betriebsleitungen erkannt worden. Die Aufstellung
einer Lohnskala ist eine der hauptsaechlichen Aufgaben eines Tarifvertrages. Der Zweck einer Lohnskala ist Festsetzung unterschiedlicher
Stundenloehne fuer verschieden hohe Arbeitswerte. Zum Beispiel sind
die historischen Unterschiede zwischen den Lohnsaetzen fuer Lehrlinge,
Hilfsarbeiter und Handwerker schon seit langem anerkannt. In dieses
sehr weiten Sinne ist die Arbeitsbewertung so alt wie die Tarifvertraege.
Charakteristisch fuer die Arbeitsbewertung ist die Art, wie sie
an das Problem der Beurteilung des relativen Arbeitsinhaltes herangeht.
Diese Art und die mit ihr verbundenen Techniken sind hauptsaechlich aus
dem Problem der Bestimmung der Lohnunterschiede in Industriezweigen mit
Massenproduktion entwickelt worden.
Vor dem Kriege erlangten die Arbeitsbewertungsmethoden ihre groesste Verbreitung in der Metallbearbeitung und der Elektroindustrie. Die
Massenproduktion in diesen Industrien fuehrte zur Spezialisierung der
Arbeiten, fuer die die Arbeiter nur einige einzelne spezielle Fertigkeiten benoetigen. Ein gelernter Mechaniker in einem Betrieb musste
viele verschiedene Arten von Drehbaenken, Fraesmaschinen, Schraubenmaschinen usw. zu bedienen wissen. Im Gegensatz dazu erfordert eine
Pabrik mit Massenproduktion einen Maschinenarbeiter, der wie ein angelernter Bedienungsmann an einer Presse nur an einer Maschine arbeiten
kann und ausgebildet ist.
Die Betriebsleitungen versuchten deshalb, eine Technik zu entwickeln,
um die Arbeiten ausschliesslich danach zu bewerten, was die gerade vorliegende Arbeit in dem in Präge kommenden Betrieb erforderte. Der groessere Nachdruck lag auf der inneren Folgerichtigkeit» Der historische
gewerbliche Lohnaufbau, der auf dem Lehrling, dem Hilfsarbeiter und dem
Facharbeiter beruhte, war in den Industriezweigen mit Massenproduktion
nicht anwendbar. Erst kuerzlich ist die Arbeitsbewertung eine bedeutende
Streitfrage bei TarifVerhandlungen geworden. Viele Betriebe der Massenproduktion, in denen die Bewertung zuerst eingefuehrt wurde, waren
nicht gewerkschaftlich erfasst, Betriebe des Metallgewerbes mit einem
hohen Anteil von allseitig ausgebildeten Facharbeitern zahlten auch weiterhin die ueblichen Handwerkers^etze. Die Lage hat sich in wenigen Jahren veraendert» Der Krieg beschleunigte den Zug zur Massenproduktion.In
der ganzen Metallindustrie verwischte sich die fruehere klare TTennungslinie zwischen Massenproduktion und handwerklicher Fertigung. Fruehere
Berufsverbaende wie die internationale Vereinigung der Maschinenbauer
mit einen hohen Bewusstseia von handwerklicher Tradition und Lohngestaltung haben sich schnell im Bereich der Massenproduktion ausgebreitet.
Die zum CIO gehoerenden Auto-, Stahl- und Elektroarbeiter und andere aus
der Massenproduktion entstandene Gewerkschaften haben bereits seit langem Interesse an den Methoden der Lohndifferenzierung gezeigt.
Als Ergebnis dieser Entwicklungen ist die Arbeitsbewertung eine
der strittigsten Fragen bei den laufenden Lohnverhandlungen geworden.
Um die Auseinandersetzungen ueber die Arbeitshewertung auf das geringste
Mass zurueckzufuehren, ist es wichtig, dass die Mitglieder der Verhandlungskocinission, der Bewertungsausschuesse und andere, die die Verant-

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-

�wortung fuer Entscheidungen auf diesem Gebiet tragen, sorgfaeltig ( im
Toraus) die Grundursachen ermitteln, die hinter der allgemein verbreiteten Einstellung gegen die Arbeits'bewertung stehen.
Die Gruende fuer das Misstrauen und den Widerstand der Arbeiterschaft
sind nicht schwer zu finden. Oft verstanden die Arbeiter nicht die Bewertungstechnik, und die Betriebsleitungen zogen bisweilen ihren Vorteil
hieraus. Diese Dmstaende trugen zu dem allzu weit verbreiteten Fehlschluss bei, die Arbeitsbewertung sei eine Art von Zauberformel, die
man etwa wie einen Rechenschieber handhaben koenne und die die menschliche Urteilsfaehigkeit entbehrlich mache.
Missverstaendnisse dieser Art sind zu einem grossen Teil an der
Opposition der organisierten Arbeiter gegen die Arbeitsbewertung
schuld. Die Lage ist aehnlich wie bei den frueheren Versuchen, Arbeitszeitstudien und Leistungsloehne als Waffe zur Dnterbietung der
Tarifvertraege zu benutzen. Das fuehrte dazu, die Arbeiterschaft
gegen fast alle Methoden "wissenschaftlicher Betriebsfuehrung" einzuMksen, einschliesslich der rationellen. In Juengster Zeit vorgekommene Versuche, die Arbeitsbewertung in der gleichen Weise zu missbrauchchon, haben so zu Rueckschlaegen gefuehrt«
Eine Tatsache allein sollte Jedoch genuegen, diese ganze Auffassung
von der "magischen ?ormelu zu zerstreuen. Es gibt mindestens vier
verschiedene Methoden zur Bestimmung der relativen Arbeitsschwierigkeit, die alle als Arbeitsbewertung bezeichnet werden. Ferner gibt es
eine unbegrenzte Zahl von Kombinationen und Abaenderungen dieser vier
grundlegenden Methoden. Die Befuerworter der Arbeitsbewertung sind
oft durchaus verschiedener Meinung in bezug auf die relativen Vorteile
ihrer eigenen Methode und - selbstverstaendlich - die ünzulaenglichkeit aller anderen Methoden. Kurz, keiner der gaengigen Bewertungsplaene ist fehlerlos oder wissenschaftlich objektiv. Selbst die Plaene, welche "Punkte" in dem Bestreben nach mathematischer Genauigkeit
anwenden, verletzen grundlegende mathematische Gesetze in vielen
wichtigen Paellen,
Glücklicherweise sieht man heute mehr und mehr ein, dass die Arbeitsbewertung genau so wie jedes andere Tarifvertragsverfahren auf
menschlichem Urteil beruht. Ausserdem draengt eine wachsende Anzahl von
Befuerwortern der Arbeitsbewertung darauf, dass die ganze Sache gemeinsam von Gewerkschaft und Betriebsfuehrung behandelt wird, damit die
Missverstaendnisse vermieden werden, die sich aus einer einseitigen
Behandlung ergeben.
Ein anderer Grund fuer die Skepsis und die Opposition der Arbeiterschaft ist die Tatsache, dass die Arbeitsbewertung als ein Ersatz fuer
Tarifvertraege, anstatt ein Werkzeug fuer sie zu sein, missbraucht worden ist.
Die Bestimmung einer relativen Lohnskala durch einen Tarifvertrag
braucht nicht nur nach den Gesichtspunkten der Arbeitsbewertung allein
erfolgen. Die Arbeitsbewerung ist ein Versuch, ein objektiveres Mass
fuer den relativen Arbeitsumfang festzusetzen, als dies sonst moeglich
ist. Die schliessliche Lohnskala als Ergebnis einer Tarifvertragsverhandlung kann durchaus das Ergebnis der Beachtung vieler Paktoren sein,
und dabei voellig unanhaengig vom Arbeitsumfang,
Die Tatsache, dass eine verhaeltnismaessig spezialisierte Arbeit
sich auf dem aeussersten Ende einer Befoerderungslaufbahn befindet,
kann zu einem hoeheren Bewertungssatz fuehren, als es allein durch die
Berücksichtigung der relativen Arbeitsschwierigkeit gerechtfertigt sein
wuerde.

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�feiterhin wird ein« stark« Nachfrage nach einem schwachen Angebot irgend einer besonderen Facharbeit die benoetigten Arbeitakraefte nicht
verfuegbar machen, wenn die Betriebsleitung auf der Beibehaltung von
gekuenstelten Arbeit«bew«rtung8grund«a«tzen besteht* Sodann kann die
Tatsache, dass dl« Arbeit einen stark •aisonmaessigen Charakter traegt,
also den betreffenden Arbeiter viel kuerzer« Zeit als eine ander« Arbeit in der gleichen fabrik b«schaeftigt, zu relativ hoeheren Stundenloehnen fuer diese Arbeit fuehren, ganz unabhaengig von dem relativen
Schwierigkeitsgrad der beiden Arbeiten«
Alles dieses laeuft darauf hinaus, dass die relative Arbeitsschwierigkeit genau so wenig allein da« relative Lohnniveau bestimmt, wio die
Produktionskosten den Preis des Produktes« Die Arbeitabewertung ist eine Hilf« zur Beurteilung bei Tarifvertfagsverhandlung^nj sie ist nicht
da« einzige Kriterium fuer die relative Lohnskala*
Sie Statistiken ueber das Lohnniveau in bestimmten Gebieten, wie
man sie in anderen Abhandlungen ueber Arbeitsbewertung findet, sind voellig ausser Betracht gelassen* Die sogenannte Theorie des vorherrschenden oertlichen Lohnes gehoert in keine Behandlung der Arbeitsbewertung*
Die Arbeitsbewertung hat es nur damit zu tun, die relative Arbeitsschwierigkeit zu messen. Die Pestsetzung eine« Grundlohnes, auf dem
die Lohnskala aufgebaut wird, haengt von den jeweiligen Lohntheorien
der TarifVertragspartner ab* Die Gewerkschaftsbewegung in den USA hat
die Theorie eines Gebietslohne« restlos abgelehnt angesichts einer
Volkswirtschaft, In der die meisten Produzenten fuer einen Harkt
arbeiten, der die gesamte Nation umfaast*
Es wird einer Gewerkschaft wenig helfen,die Arbeitsbewertung nur
dazu zu benutzen oder anzunehmen, um die gleiche Lohnsumm« unter der
gleichen Arbeitergruppe aufzuteilen in der Annahme, dass sie so die
Lohnstruktur rationalisiert haette. Das wuerde die durch die Pehler
der Betriebsleitung verursachten Probleme einfach auf die gewerkschaftliche Organisation oder irgend eine ausgleichende Lohnerhoehung verlagern* Vom Gewerkschaftsstandpunkt aus ist der Hauptzweck, zu dem die
Technik der Arbeitsbewertung bei Verhandlungen dienen kann, die Verteilung eines Zuwachses zu der gesamtsten Lohnsumme in der Weise, dass
einige der bestehenden Ungerechtigkeiten, ausgeglichen werden*
Die Arbeiter klagen darueber, dass die Arbeitsbewertung dazu dient,
ihren individuellen Wert zu vermindern, indem sie ihr Augenmerk auf die
jeweilige Arbeit richtet anstatt auf den Hann, der die Arbeit ausfuehrt.
Sie weisen auf aehnliche Zustaende auf anderen Gebieten hin* Beispielsweise werden in groesen Krankenhaeusern die Patienten durch verschiedene Aerzte untersucht« Waere es moeglich, die Arbeit eines Arztes, der
mit dem Hoerrohr das Herz untersucht, zu bewerten und zu erklaeren, dass
diese besondere Arbeit verhaeltnismaessig einfach sei und deshalb kein
normales Arztgehalt verdiene? Sie behaupten, dass es genau so unpraktisch
waere, Uediziner auf dieser Basis auszubilden wie einen Schlosserlehrling.
Genau wie die Hausfrau Knorpel und Knochen in Kauf nehmen muss, wenn sie
Pleisch kauft und bezahlt, muesste die Betriebsfuehrung die _*asaetzlichen Paehigkeiten des Arbeiters nehmen und sie zu Bestandteilen der Arbeit machen.
quelle: "Arbeitsbewertung"
Ein praktisches Handbuch fuer Gewerkschafts- und Betriebsfunktionaere
von Willian Gomberg

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�Inlcrnallonalt

ARBEITSNITTEILUNGEN
Uie folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und
dienen der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren
Mitglieder. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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zugeleitet. Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme
irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

V - XII

I n h a l t s v e r z e i c h n i s

:

Paul R. Hutchings:
Die heutige Gewerkschaftsfront der Angestellten

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1

Produktivität - die Quelle unserer Staerke

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6

Das Senioritaetsrecht des amerikanischen Arbeiters

Seite 11

Pruefung der Wirtschaftsfreiheit

Seite 13

Boris Shishkin:

Paul R. Hutchings, Vorsitzender der allamerikanischen Gewerkschaft
der 3ueroangestellten:
Sie heutige Gewerkschaftsfront der Angestellten
"Die Jront der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind die
15 000 000 Angestellten der Vereinigten Staaten. Sie bilden eine
Herausforderung der amerikanischen Arbeiterschaft und das ist der
Punkt, an dem sie ihre Kraft und Staerke sammeln ..IUSS. Weniger
als 2 Millionen dieser 15 Millionen Angestellten sind Mitglied
der Gewerkschaften. Diese Arbeiter brauchen die organisierte
Gev:erk3chE.f t, und die organisierte Gewerkschaft braucht sie."
Diese Worte sprach Arboitsminister Maurice J. Tobin, als er im
vergangenen Soamur an die Versammlung einer der groessten Angestellten1

�gewerkschaften innerhalb der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation
Worte der Begruessung richtete. Die American Federation of Labor
ist die Dachorganisation der oertlich und branchemaessigen zusammengeschlossenen Gewerkschaften, der auch die Allanerikanis ehe Angestellten-Union als Mitglied angeschlossen ist.
Die ernste Lage der Angestellten war» Gegenstand vieler Kommentare, aber nur wenige Persoenlichkeiten haben der Oeffentlichkeit
so freimuetig die Tatsache terkuendet, dass die wirkliche Loesung der
wirtschaftlichen Probleme des Angestellten in der Hinwendung zur Gewerkschaftsorganisation und in der Annahne gewerkschaftlicher Grundsaetze
liegt.
"Vas ist eigentlich ein Arbeiter mit weissem Kragen?", wie in den
Vereinigten Staaten die Angestellten ganz allgemein bezeichnet werden.
Diese irrefuehrende, dem eigentlichen Wesen ausweichende Redensart ist
entstanden, um jenen Teil unseres Arbeitsheeres zu kennzeichnen, der
keine "blauen Kragen", keine Arbeitsanzuege und keine Overalls traegt.
Er bezieht sich auf jene Personen, die nicht all Teil des Erzeugungsund Versorgungsheeres angesehen werden. Es ist Jer sogenannte "Nichthandarbeiter," der nichtsdestoweniger hauefig genug sich auf die Geschicklichkeit seiner Haende und seine neuro-muskulaere Koordination, das
heisst die tatkraeftige Zusammenarbeit seiner Ilerven und Muskeln verlassen muss, um der geforderten Arbeit Herr zu werden.
In die weite Klasse der Angestellten fallen die vielseitigen Gruppen der Stenotypisten, Lehrer, Musiker, der im Sozialdienst Taetigen,
der Buchhalter, Handwerker, Journalisten, Telephonisten, Reisenden und
Vertreter, Ingenieure, Bueroangestellten und viele andere mehr.
Obwohl einige Angestelltengruppen zurzeit gut organisiert sind,
wie z.B. die Musiker, Schauepieler, Eisenbahn- und Postangestellten
und andere, so ist es eine nuechterne Tatsache, dass heute annaehernd
85$ der 15 Millionen Angestellten des Landes nicht gewerkschaftlich
organisiert sind»
Was ist eigentlich den unorganisierten Angestellten geschehen? Sie
haben eine Hiederlage nach der anderen eingesteckt. Ein US-Regierungsbeamter hat kuerzlich geschaetzt, dass der Angestellte heute einen um
6j» hoeheren Reallohn verdient als 1939» Der Fabrikarbeiter andererseits hat heute ein Realeinkommen, das fast 50/« ueber dem von 1939
liegt.
Was ist die Ursache fuer diese grosse Differenz? Wer hat schuld,
dass es dem Angestellten nicht gelang, wenigstens im gleichen Schritt
wie sein in der Fabrik arbeitender Bruder voranzuschreiten? Die Antwort ist» Die fehlende gewerkschaftliche Organisation.
Der amerikanische Kopfarbeiter - abgesehen von den 2 Millionen,
die organisiert sind - zahlt teuer fuer seine unterlassene Organisierung, Arbeitsminister Tobin schaetzt in einer neuerer. Ausgabe des
"Bulletin des Arbeitsministeriums", dass in der 18aonatigen Periode
von Januar 1950 bis letzten Juni 20 Millionen unorganisierte amerikanische Arbeiter mehr als drei Milliarden Dollar an Kaufkraft eingebuesst
haben.
Einen grossen Teil dieses enormen Verlustes haben notwendigerweise
die 13 Millionen unorganisierter Angestellter auf sich genommen.
Das kaufmaennische Personal in den Geschaefts- und Industriebueros
stellt einen erheblichen Teil der Angestelltengruppe dar. Der Organi-

2 -

�sierung dieser arbeitenden Menschen ist die Arbeit der Allamerikanischen
Gewerkschaft der Bueroangestellten gewidmet. Ss ist eine gewaltige Aufgabe, diesem riesigen Arbeitsheer von Stenotypisten, Buchhaltern, Uaschinenschreibem, Bedienern von Bueromaschinen, Handlungsgehilfen und anderen, die den Bueronervenzentren der amerikanischen und kanadischen
Industrie und Geschaeftswelt dienen, die Vorteile und Wohltaten eines
beruflichen Zusammenschlusses zu bringen.
Buero- und kaufmaennisehe Angestellte sind,
schwer zu organisieren. Organisierungsmethoden,
Arbeitern als gesund erwiesen haben, wirken sich
kampagnen unter den Bueroangestellten nicht aus,
gar manchmal Sueokschlaege.

geschichtlich gesehen,
die aioh bei anderen
bei Organisationsja, sie bringen so-

Der Glorienschein von Tfuerde und Auszeichnung, der um die Buerotaetigkeit gewunden ist, hatte eine Einstellung und ein Empfinden im
Gefolg«, die rorsichtig ueberwunden werden muesseri, wenn die Bueroangertellten Ton ihren Befuerchtungen befreit werden und eine wirkliche
Gelegenheit erhalten sollen, vorwaertszukorimen und ihren eigentlichen
Platz auf dem amerikanischen Gewerkschaftsgebiet auszufuellen.
Der Bueroangestellte ist im allgemeinen gegen alles eingestellt,
was seinen Chef verletzen oder sein Ansehen und seine Bedeutung verringern koennte. Er arbeitet staendig in viel engerer Verbindung
mit der Leitung als der Produktions- und Versorgungsarbeiter, Er
wird haeufig als der verlaengerte Arm vier Geschaeftsleitung angesehen,
der die Myriaden Dokumente und Aufzeichnungen handhabt und verwaltet,
die Verbindung im Betrieb und mit den Geschaeftspartnern unterhaelt und
andere Einzelheiten, wie sie zur Arbeit des Bueroangestellten gehoeren.
Der Bueroangestellte ist meist nicht gewillt, seiner nahen Verbundenheit mit der Geschaeftsleitung zu entsagen. Er widersetzt sich allem,
was seine Eigenschaft als Individuum, al3 selbstaendigem Wesen beeintraechtigen koennte. Wenn, wie es haeufig vorkoinmt, die Geschaeftsleitung aus Kunsichtigkeit die beiderseitigen Vorteile nicht erkennt,
die sich daraus ergeben, dass sie einen wohlorganisierten Stab an Bueroangestellten hat, die frei von Aengsten um unzulaengliche Gehaeiter, Ar»
beitsunsicherheit, Befoerderungsungluecken und aehnlichem sind, dann
spiegelt der Bueroangestellte zunaechst haeufig die gegnerische Einstellung der Geschaeftsleitung gegenueber den Gewerkschaften wider •
Nur dann gehen sie dazu ueber, die Grundsaetze der Organisation anzuerkennen, wenn die Angestellten davon ueberzeugt werden koennen, dass
eine gewerkschaftliche Organisierung üie mit einem wirklichen Hilfsmittel versieht, durch das sie Selbstbewusstsein erlangen, und zugleich
auch die wahren Interessen der Gesellschaft foerdert und gleichzeitig
eine angemessene Eueckverguetung in Dollar bringt fuer die Dienste, die
sie leisten, wobei sie sich frei von Furcht vor Unsicherheit fuehlen
und in der Gewerkschaft ein Hilfsmittel fuer freundschaftliche fiogelung
der Bueroprobleme sehen«
Auch der Arbeitgeber muss umerzogen werden. Die Gewerkschaft muss
ihn ueberzeugen von ihres Interesse an dem Erfolg seines Unternehmens
und von der Tatsache, dass durch die Organisierung sein Buerostab eine stark erweiterte Gelegenheit zur Entwicklung der einzelnen Persoenlichkeiten fuer die Ausbildung von Puehrereigenschaften haben wird. Die
Ausdehnung demokratischer Grundsaetze auf das Buero gilt dann seinen
Angestellten als eine beachtliche Stimme in der Industriegemeinde.
Wir rnuessen den Arbeitgeber zu der Erkenntnis bringen, dass seine
Mitarbeiter im Buero einen groesseren Einsatz fuer das /Wohlergehen der
Pinna entwickeln, wenn sie an demokratischen Entscheidungen, die ihre
Arbeitsbedingungen bei den Unternehmern angehen, Arcteil nehmen. Sie

-

3 -

�koirunen zu der Erkenntnis, dass ea erst einmal den Unternehmern gut
gehen auss, wenn sie alle vorwaertskommen wollen. Das giat ihrer Arbeit eine neue Wuerze.
Die 3ueroangestellten kommen somit dabin, sich selbst als einen Teil
der '.Yettbewerbsmannschaft anzusehen, und dass sich bei angestrengterer
Arbeit ein hoeherer Gewinn ergeben wird, an de« sie teilnehmen koranin.
Wenn die Bueroangestellten wach geworden sind und die Notwendigkeit
ihrer Organisierung anerkennen, dann entdecken sie, dass sie ihre eigene
Organisation haben moechten. Sie noechten nicht von einer Schablone
und einer Politik verschluckt werden, die organisierte Arbeiter anderer
Gevrerbe ausgearbeitet haben. Sie ersehnen vielmehr eine organisatorische
Eigenart und wollen selbst an die Loesun0 threr Bueroprobl'eme herangehen.Die Allamerikanische Bueroangestellten-Gewerkschaft verschafft ihnen
diese Mittal«
iüehr als 2^0 sich selbst verwaltende O.tsgewerkschaften arbeiten
gegenwaertig in den gesauten Vereinigten Staaten und Kamada, sie haben
mit mehr als 600 Handels- und Industrieunternehmen Tar'HTvertraege abgeschlossen. Sie umfassen rund 40 000 Mitglieder - von Neufundland bis San
Diego und von Vancouver bis Miami,
Organisation erzeugt wieder Organisation, i/enn unorganisierte Bueroange3te?lte in einer Gemeinde von den Vorteilen erfahren, die die organisierten Angestellten bei einem anderen Unternehmen erreicht haben, so
wird ih'.en die Moeglichkeit klar, diese Gewerkschaftsmethoden zu benutzen,
um ihre eigenen Gehaeiter und Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Jedes Jahr organisieren sich viele neue Angestelltengruppen und
verbinden sie': mit unserer allamerikanischen Gewerkschaft, in der sie
durch die Anwendung gewerkschaftlicher Grundsaetze ihr wirtschaftliches
Schicksal am gemeinsamen Verhandlungstisch ausarbeiten.
V/aehrend des letzten Jahres habe., sich die Angostelltenstaebe zahlreicher grorser und wichtiger Industriekonzerne der Allamerikanischen
Bueioange.tellten-Gewerkschaft zugewendet. LIehr als 4C0 kaufmaennische
und Buoroangeste] lte der' grossen 3uffalo-'.7erke dertforthingtonPump
Conpany organisierte-: 3ich kuerzlich in unserer Ortsgewerkschaft 212,
ungeachtet der Tatsache, dass die Produktions- und Versorjungsarbeitar
dieses ',7 rkes von einer der gro gen CIO-Gewerkschaf t vertreten werden,
die also auch daran interessiert ist, den Angestelltenstab zu erfassen.
Die Kernfrage wurde klargestellt: Durch die National Labor Relation
Board, eine Auf :;ichtsbehoerde fu=;r die Gewerkschaften,wurde eine Stimmzettelwahl durchgefuehrt. Hierbei bekundeten die Bueroangeutellten
ihren .Vunsch, von einer Gewerkschaft vertreten zu werden, die sich ausschliesslich den Probienen der kaufmaennisehen und Bueromitarbeiter widmet.
Das grosse 3. 36 Boi.iber-',.'erk der Consolidated Vultee Aircraft Corporation in Port V.'orth, Texas, war ebenfalls der 3chauplatzeines Organisations'jieges der allamerikanischen Gewerkschaft der Bueroangestellten. Mehr als 1500 Mitglieder des Büropersonals dieses Werkes wandten
sich im letzten SoTjner der Allamerikanischen Gewerkschaft der Bu-.roangectellten zu und sti.inten in einer V/ahl dafuer, dass sie durch diese
Gewerkschaft bei Verhandlungen fuer bessere Angestelltenbedingungen vertreten sein wollen.
Andere bedeutsame kaufmaennische Gruppen wurden neuerdings unter das
Banner der Allamerikanischen Angestellten Gewerkschaft gebracht wie etwa
das Büropersonal solcher Werke wie die Capital Transit Company in
Washington D.C., die Chicago Pneumatic Tool Company in Utica N.Y., die
Kennecott Copper Corporation in Bingham Canyon/ütah, die A.P. Controls

- 4 -

�Corporation in llilwaukee, die Cities Service Refining Corporation,
Verwaltuugsbuero in Lake Charles/Louisiana, die Abercombie and Fitch
(..'arenhaus) in New ^fork City und die Permanent Hospitals in Vallejo
und Ean Francisco, Kalifornien.
Diese ve schiedenen Firr.er. werden erwaehi.t, um ein Bild von der
Verbreitung der kaufmaennisehen Organisation zu geben, und zwar sowohl geographisch als auch hinsichtlich der verschiedenen Industriegruppen.
In Kanada hat rut ueber die Ilaelfte des kaufnaennicchen Personals
in der beherrschenden Papier- und Eellstoif-Indu3trie dieses Landes die
Alla.nerikanische Angestellten Union als ihren Verhandlungsvertreter erwaehlt, sie geniessen bereits verbesserte Gehaeiter und hervorragende
Arbeitsbedingungen.
Diese Organisation ist. in Kanada jedoch nicht allein auf die kaufmaennischen Angestellten dieser Industrie beschraenkt. Die Bueroangestellten der Dominion "Tabana °re Company Ltd. von Bell Island, einer
Insel, die vor der Tordkue3te Neufundlands liegt, hoerten von der
Allamerikanisc en Angestellten-Union und geniessen bereits die Vorteile der Kollektiv-Verhandlungen ihrer oertlichen Gewerkschaft auf diesem entlegenen Eiland. Der ka fmaennische Stab der Niagara Hydro Electric, ein Bauprojekt, hat eine Ortsgewerkschaft der Allamerikanischen
Union eingerichtet und hat -.Tesentliche Verbesserungen ihrer Loehne und
Arbeitsbedingungen erzielen koennen.
Andere juengere kanadische Organisationen haben den Buerostab der
Canadian I:on Foundries von Thrce Rivers,Quebec, und die Dominion Foils
Company in der gleichen Stadt, das St. Lawrence Alloy3 lerk in Eeauharnols/
^uebec, die Comstock Engineering Conpany in Toionto und viele andere
gewerkschaftlich organisiert.
Die grosse Aufgabe dieser allamerikanischen Union ist es, an '..en
Grundsaetzen, auf die die Gewerkschaft ge^ruendet wurde, festzuhalten
und weiterhin den Angestellten aller Industrien in beiden Laendern eine
echte Gelegenheit zu bieten, ihr rirtschaftliches ",','ohlergehen durch
Kolle'- tiwerhandlur.gon zu verbessern und dabei ihre Eigenart zu bewahren und zu foerdern.
J=den Tag wender: sich kaufmaennische Angestelltengruppen bei der
Suche n".ch ein-jr Antwort auf ihre wirtschaftlichen Probiene und, nachdem sie von den Erfolgen anderer kaufnaenr.ischer Gruppen gehoert haben,
schliessen sich der Allamer^kanischen Union an. Das ist die Loesung.
Wie die Organisation koerperlich waechst, so waechöt sie auch in der
Statur, d.h. in dem, was sio vorstellt.
Sie sa me",t staendig '.vertvoile Erfahrungen und bildet ^eschickte
fachmaer.nische üepraesentar.ten aus, die faehig sind, der. neuerdings
organisierten kaufmaennischen Gruppen beizustehen, wenn sie ihren speziellen Berufsprobleren wirksam gegenuebertreten wollen.
Die Notwendigkeit zur Entwicklung entsprech-nder Forschungs- und
Erziehungsabteilun_en darf nicht uebersfther. werden. Die Allanerikanische Angestellten-Union hat eine zwecknae. si/;e Forschungsabteilung eingerichtet, die von einen erfahrenen Forschungsexperten gefuehrt wird.
Sie will in technischen und enu:ren komplizierten Probienen Beistand
leisten, wie sie avs dem U.w. Lohnst-ibilisi^iungs-i-rogramn herwachsen,
ebenso bei der Notwendigkeit, sich nit den Arbeitsbewertungsproblenen
und anderen grundlegenden Dinjen von besonderen Belang fuer das kaufmaerinicche Personal aur.einan erzu3etze.n.
Ein auf dem lai:f enden gehaltener Kodifizierungs- und Analysierungs-

5 -

�plan aller Vereinbarungen der Union ist eingefuehrt worden, so dass die
Studienergebnisse und Informationen ueber spezielle Vertragsklauseln
rasch zur Hand sind und laufend beraten werden koennen vor allem in Bezug
auf Forn und Aenderungen der Verhandlungsart oertlicher Gewerkschaften
der Angestellten-Union in den verschiedenen Industrien und geographischen
Gebieten.
Jeden Monat findet Jedes Mitglied der Union in seinem Hausbriefkasten ein Exemplar der offiziellen Druckschrift "The Office V.'orker."
Sie informiert ihn ueber organisatorische Fortschritte, zugestandene
Lohnerhoehungen und viele andere wichtige Dinge, die von unmittelbarem
Interesse fuer ihn und sein Wohlergehen als Bueroangestellter sind.
Die Angestellten brauchen eine entschiedene Orgnnisation. Die Bueround kaufmaennisehen Angestellten, die einen breiten Ausschnitt aus der
Kopfarbeitergruppe bilden, benoetigen das Recht, durch Kollektiwerhandlungen an den Entscheidungen ueber ihre Gehaeiter und ueber ihre Arbeitsbedingungen am Ort ihrer Beschaeftigung teilzunehmen.
Sie koennen ihre Ziele erreichen ohne Aufgal3 ihrer Wuerde oder
ihres Ansehens durch ihre Ortsgewerkschaften derA^lamerikanischen
Angestellten-Uni&amp;h, die sich ausschliesslich aus Buero- und kaufmaennischen Angestellten zusammensetzt und sich ausschliesslich ihren Problemen widmet - die (AFL) Union der Bueroangentellten,
"The American Pederationist", Vol. 59» No. 4

Boris Shiskin: Wirtschaftsberater der American Pederation of Labor
Produktivitaet - die quelle unserer Staerke
Wenn wir Gueter produzieren und Dienstleistungen schaffen, so zeugen wir damit Wohlstand. Amerika mit seinen 150 Millionen Menschen
setzt auf diese Weise das Doppelte um wie Westeuropa mit seinen 275
Millionen Menschen.
Unser Land verfuegte ueber viele Vorzuege. Zunaeohst einmal ist es
-reich an natuerlichen Hilfsquellen. Nutzholz, Eisen, Kupfer, Oel und eine
reiche Zahl anderer Rohstoffe ruhen innerhalb unserer Landesgrenzen und
warten auf ihre Erschliessung. Und wir erschlossen sie. Wnehrend die
meisten europaeischen Laender fuer viele ihrer Industrierohstoffe von der
Einfuhr aus Uebersee oder dem Ausland abhaengig waren, fanden wir den
groessten Teil unseres Bedarfs im eigenen Land.
Ein weiterer gewaltiger Vorteil wax die Einheitlichkeit der Vereinigten Staaten. Innerhalb unseres Landes herrschten weder Sprachschranken
noch Zollnauern. Ein Fabrikant in Michigan konnte seine Produkte, wenn
er wollte, in Oregon, Louisiana oder Maine verkaufen. Ein Obstzuechter
in Kalifornien brauchte sich keinerlei Sorgen zu machen ueber eine "ausgeglichene Handelsbilanz" fuer seine Produkte etwa gegenueber den Maschinen, die er vielleicht in Michigan kaufen nusste, wie es etwa ein italienischer Zuechter muss, wenn er seine Erzeugnisse nach der Schweiz, Italien
oder nach den Vereinigten Staaten verkaufen will.
Der dritte grosse Vorteil war unser Wettbewerb- und Unternehmersinn.
Waehrend der Wettbewerbsgeist die Ja.«rd nach neuen, besseren und billigeren Methoden wach hielt, haben wir Gesetze beschlossen, die den freien
Wettbewerb vor dem '.Vuergegriff der Monopolwirtschaft schuetzen.
U n s c vierter Vorteil war das allmaehliche Entwickeln und Wachsen
der Organisatior.staetigkeit der amerikanischen Arbeiterschaft mit dem
Ziel, dem Einzelnen einen fairen Anteil an den Pruechten der Produktion

- 6 -

�zu sichern. Die Maschine hatte denflussund den Schmutz des industriellen Lebens mit sich gebrächt. In ihrem Kielwasser folgte die Ausbeutung, der staendige Druck nach mehr Arbeitsstunden, der unerbittliche
Druck um niedrigere Loehne. Hier rausste ein Gegengewicht geschaffen
werden. Und der Ansatzpunkt fuer den ausbleichenden Hebel kam mit den
Kollektivtarif-Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Waehrend das organisierte T/irken der Arbeiterschaft diese lebenswichtige Handhabe fuer einen gorechteren Anteil am Industriefortschritt
schuf, ermoeglichte die freiwillige Selbstorgani3ation der Arbeiter
auch ein ausgeglicheneres Wachstum unserer gesamten industriellen Ge*meinschaft. Von der Stroemung des 19. Jahrhunderts mit ihren Forderung
nach schulgeldfreien Volksschulen bis zu der Bewegung des 20. Jahrhunderts fuer soziale Sicherung und besseres V.'ohnen, ist es die ununterbrochene Benuehung der Arbeiterschaft gewesen, die dazu beitrug, die vermehrte Produktion in bessere Lebensverhaeltnisse umzuformen.
Wenn eine Fabrik, uie 1000 Einheiten am Tag fertigte, heute 1 200
Einheiten mit derselben Arbeiter- und Stundenzahl taeglich herausbringen
kann, dann oager wir, dass die Produktivitaet um 20$J zugenommen hat. Das
kann ermoeglicht worden sein durch bessere Maschinen, durch den reibungsloseren Ablauf der Herstellung und durch guenstigere Produktionsmetho^en, oder eine Verbindung dieser und anderer Faktoren.
Produktion ist das Ausmass der produzierten Gueter selbst. Hoehere
Produktion kann das Ergebnis des Einsatzes einer groesseren Zahl Arbeiter
oder einer laengeren Arbeitsdauer sein. Sie ist nicht notwendigerweise
das Ergebnis einer ;roeoseren Nutzleistung. Sie kann naemlich mit Hilfe
von mehr Menschen und einem laengeren Arbeitsplan erreicht werden, selbst
bei einer absinkenden Nutzleistung des Einzelnen.
Produktivitaet ist der Wert der Produktion je K0pf und Arbeitsstunden! n i * anderen Worten: der Umfang der Produktion je Kopf und Zeiteinheit. Die industrielle Produktivitaet ist das Produktionsmass Je Kopf
und Stunde. Eine Aenderung in der Produktivitaet gibt das llass fuer die
Veraenderung der industriellen Nutzleistung. Steigende Produktivitaet
bedeutet, dass die Erzeugung leistungsfaehiger geworden ist und weniger
kostet.
Wenn die gleiche Zahl Arbeiter, bei unveraenderter GesamtStundenzahl, mehr Einheiten des gleichen Produkts erzeugen kann, so fallen die
Herstellungskosten je Einheit, denn jede Einheit kostet herstellungsmaessig weniger. Wenn die Produktionskosten, sagen wir einer Taschenlampe, auf diese Weise von einem Dollar auf 80 Cents je Stunde herabgedrueckt werden koennen, dann betraegt der Gewinn aus der gesteigerten
Produktivitaet 20 Cents an jeder Einheit« Dieser gesamte Gewinn kann
als erhoehter Nutzen fuer den Fabrikanten in Erscheining treten. Wenn
die Loehne fuer die Arbeiter, die diese Taschenlampe fertigen, gleich
bleiben und ebenso der Preis der gleiche bleibt, so wuerde der Profit
des Unternehmers je Taschenlampe um 20 Cents steigen.
Ebenso kann aber auch der ganze Gewinn der Produktivitaet in hoehere
Loehne umgewandelt werden. Oder es koennte dazu dienen, die Preise des
Erzeugnisses zu senken. Oder der Ertrag der vermehrten Produktivitaet
koennte in dreiflichtungenaufgeteilt werden» al3 hoeherer Unternehraergewinn, als hoeherer Lohn fuer den Arbeiter und als gesenkter Preis fuer
den Verbraucher.
Auch die gesteigerte Produktivitaet der Wirtschaft als Ganzes kann
in gleicher V/eise gemessen und beurteilt werden wie die Produktivitaet
des einzelnen Unternehmers. Der Wert der gesamten Produktion unserer
ganzen Wirtschaft, den jeweiligen Preisschwankungen angepa;st, repraesentiert den tatsaechlichen Wert der Gueter und Dienstleistungen, die innerhalb eines Zeitabschnitts erzeugt und geschaffen wurden.

- 7

�Die Produktivitaet der amerikanischen Wirtschaft war in einem stetigen Aufstieg begriifen. Im privaten Sektor der Wirtschaft unter Auslassung der ausgesprochenen Regierungsdien^tleistungen und der Wehrmacht
stand der jaehrliche Anstieg der Produktivitaet zwischen 1909 und 1941
auf den Durchschnittssatz von 2,1^. Dies ist natuorlich nur ein Durchschnitt. Depressionen, d.h. wenn weniger Kapital in neuen Ma3chinenanlagen investiert wird, verlangsamen das Tempo, solange sie andauern,
sie zeigen ihre Wirkung meist erst spaeter. In anderen Jahren hat es
Spruenge nit überdurchschnittlichen Steigerungen gegeben. Aber dieses
Bild zeigt, dass bei einer* Aufrechterhaltung dieses durchschnittlichen
Prozentsatzes der industriellen Vervollkommnung die Nutzleistung in
ungefaehr 50 Jahren verdoppelt werden kann.
Seit Ende des letzten Krieges ist dieser Prozentsatz der zunehmenden Produktivitaet bedeutend angestiegen. Seit 1949 stieg die Produktivitaet konstant mit etwa 5"i/j i m J-hre an. Wenn dieses Tempo einer steigenden Produktivitaet beibehalten wird, so kann die Leistungsfaehigkeit schon
in 20 Jahren verdoppelt werden,
Dis Produktivitaet ist daher die quelle, au:, der eine ganze ITi-.tion
schoepfen kann, um eine allgemeine wirtschaftliche Besserstellung herbeizufuehren. Entscheidend Jedoch fuer Erfolg oder Uisslingen der
Uebertragung der erhoehten Produktivitaet in einen besseren Lebensstandard ist die Faehigkeit, den Nutzen der verbesserten Produktivitaet
in eine wirtschaftliche Besserstellung fuer alle zu verwandeln. Durch
Mehrproduktion mit geringeren Konten ist es moejlich, sowohl den Unternehmergewinn als auch die Loehne ohne Preissteigerung zu erhoehen.
Die steigende Produktivitaet in der amerikanischen V/irtschaft
spiegelt wirksame Kraefte wider, die weitreichender sind al3 die verbesserte Leistungsfaehikeit im Rahmen eines einzelnen Werkes, einer
liine oder eines anderen erzeugenden Unternehmens. Die neue Technologie
(technische Wirtschafts- und Gewerbelcunde) hat das Tempo de3 Wirtschaftslebens ueberall beschleunigt, Wo Handel und Gewerbe vor 50 Jahren ohne
Stromlinienbahnen, Fernlagtzuege, Eil-Luftfracht und Luftpost betrieben
wurden, spielen sie sich heute unter ilithilfe all dieser zusaetzlichen
Schnelligkeit ab, plus Fernschreiber und Fern-Schnellsprechdienst. Die
Schnelligkeit der Bewegung und Verbindung allein hat schon die Leistungsfaehigkeit der Wirtschaft gesteigert. Die moderne Technologie hat uns
neue Stoffe und neue Produkte geschenkt, ebenso neuartige Maschinen geschaffen, die die Produktion besser und schneller gestalten koennen.
Die groesste oekonomische Frage unserer Zeit ist nun die: Wie koenner vir am besten diese bessere Wirtschaft sorg- nisation in hoehere Realeinkommen umwandeln? Wie koennen wir die zunehmende Menge neuer Produkte in die finanzielle Reichweite einer groesseren Anzahl Lienschen
bringen, die sie brauchen und in der Lage sein moechten, sie zu kaufen?
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung erkannte fruehzeitig die
fundamentale ./ichtijkeit der Beziehungen zwischen Lohn und steigender
Produktivitaet. Schon vor mehr als einem ViertelJahrhundert nahm im Jahre 1925 die T-.jung der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation (Al'L)
folgende Resolution an, die von dem Delegierten John P. Frey vorgeschlagen wv rde.
"Soziale Ungleichheit, industrielle Unstabilitaet und Ungerechtigkeit muessen wachsen, wenn nicht die Realloehne der Arbeiter und die
Kaufkraft ihrer Loehne, gepaart mit einer staendigen Verminderung der
Arbeitsstunden am Ts?g, im Verhältnis zu der zunehmenden menschlichen
Produktionskraft weiter entwickelt und vorangetrieben werden."
Die Amerikanische Gewerkschaftefoei ration, die eine Anzahl Studien ueber das Verhaeltnis zwischen Lohn und Produktivitaet durchfüehrte,
schlug als "moderne Lohnpolitik der organisierten Arbeiterschaft" eine
solche vor, die die erhoehte Produktivitaet in hoeheren Loehnen widerspiegelt.
8

�Als ein Teil des (grossen Gesantprogramna der wirtschaftlichen
Stabilisrung waehrend der gegenwaertigen Abwehrperiode hat die Arbeiterschaft das Lohnstabilisierungsprogramm angenommen und unterstuetzt«
Jedoch hat die Arbeiterschaft von Anfang an mit der Zustimmung mur
Lohnkontrolle als Teil einer breiteren Abwehr gegen jede Inflation die
Notwendigkeit dargelegt, dass Lohnerhoehungen, die die gesteigerte Produktivitaet widerspiegeln, zuzulassen sind.
Schon am 11» Januar 1951 erklaerte ein gemeinsamer Bericht, der
dem Lohnstabilisierunrrsamt von den Gewerkschaften vorgelegt wurdet
"Der jetzige Verkaufsmarkt macht es offensichtlich, dass eine
Herabsetzung der Kosten je Produktionseinheit, die sich aus .verbesserter Leistungsfaehigkwit ergeben hat, nie t dazu fuehrt, die Preise zu
senken. Die Ablehnung einer Lohnanpassung an den industriellen Fortschritt wuerde daher nicht den Verbrauchern zugute komnen, sondern
allein zur Vermehrung des Unternehmergewinns dienen.
Das Hichtzustandekommen einer Vereinbarung ueber die Zulaessigkeit
einer Lohnanpassung, sei sie in bestehenden Vertraegen festgelegt oder
in kuenftigen vereinbart, wuerde ein Eingriff dieses Amtes in die
Verteilung des Nationaleinkommens zun Schaden der Arbeiteranteile und
zum Nutzen des Geschäfts- und Direktorialeinkoncens darstellen. Dies
wuerde eine schmerzliche Ungerechtigkeit gegenueber den Arbeitern sein,
deren Rolle in Produktionsprozess 30 lebenswichtig ist.
Eine Beteiligung an den Ertraegen des industriellen Fortschritts
und gesteigerter Produktivitaet wuerde erheblich zur Foerderung der Moral und der Leistungsfaehigkeit der Arbeiter beitragen und dabei gleichzeitig die wirtschaftliche Stabilitaet staerken."
i'uenf llonate spaeter handelte das Lohnstabilisierun^samt nach diesem
Vorschlag, aber in zweischneidiger 7eise, Es gab die Erlaubnis zu geringen,
aber
auf der steigenden Produktivitaet basierenden Lohnerhoehungen,
jedochnur bei Abkommen, die vor dem 26, Januar getroffen waren.
Das Ergebnis war ein doppelseitiger Zustand. Arbeiter mit vor dem
26. Januar 1951 abgeschlossenen Tarifvertraegen konnten Lohnerhoehungen,
die sich auf die cteigende Produktivitaet gruendeten, erhalten. Diejenigen, die keine entsprechenden Schritte vor diesem Stichtag unternom.'iwn hatten, bekamen solche Lohnerhoehungen jedoch nicht.
Im Oktober 1951 legten die Gewerkschaftsmitglieder des ^ohnstabilisierunjsantes eine Entschliessung vor, die dringend eine Politik forderte, die die Produktivitaetslohnerhoehungen fuer alle Arbeiter zuliess.
Das Lohnstabilisierungsamt unterliess es jedoch, die noetigen Schritte
zu unternehmen. Am 26, Hai eroeffnete der Vorsitzende des Lohnstabilisierungsamtes, Nathan Feinsinger, eine dreitaegige Beratung, um das
Fuer und Wider dieser *'rage zu erwaegen. Die Amerikanische Gewerkschaftsfoederation erbrachte bei dieser Beratung den Nachweis, dass das Amt
voll und ganz berechtigt sei, Lohnerhoehungen auf Grund der gestiegenen
Produktivitaet in einem Ausnass bis zu ll£ zu bewilligen, wenn solchen
Erheohungen von der Gewerkschaft und der Geschaeftsleitung zugestimmt
worden i3t.
Der Antrag der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation war mit der
Tatsache begruendet, dass sich die Produktivitaet in der amerikanischen
Wirtschaft als Ganzem pro Kopf und Jtunde zwischen 1949 und 1950 um
5,97^» zwischen 1950 und 1951 um 5»4^' erhoeht hatte. Es wurde dargelegt,
dass waehrend dieser zweijaehrlgen Periode von 1949 bis I95I die Produktivitaet in der privaten '.Virtschr.ft um 11,67' stieg. Auf dieser Grundlage hielt es die Amerikanische Gerrerkschaftsfoederation fuer ebenso gerecht wie notwendig, dass das Amt eine allgemeine Anordnung erlaesst, die

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�Produktivitaetslohnerhoehungen von maximal 11$« zulae3st.
'.Yenn das Amt durch die Anordnung, Produktivituetslohnarhoehungen
im Rahmen von llfi als Ergebnis kollektiver Verhandlungen zu genehmigen
erlauben wuerde, so wuerde es im Effekt den Arbeitern gestatten, gleichen Schritt mit ihrem Anteil an der steigenden Produktivitaet fuer die
Periode 1?49 - 1951 zu halten. Der Antrag war also nicht gegruendet
auf Llutmassungen oder irgendeine Schaetzung', wie hoch die kuenftigen
Aenderungen in der Produktivitaet sein koennten, er ist vielmehr gegruendet auf die feststehende Tatsache, dass waehrend dieser zweijaehrigen
Periode, in der die Produktivitaet anstieg, es den Arbeitern nicht
genehmigt wurde, an dem Nutzen dieses Aufschwungs ihren berechtigten
Anteil zu erhalten,
Lohnerhoehungen, gegruendot auf Produktivitaetsgewinnen, sind
keineswegs inflationistischer Natur, Selbst wenn die Preisebene waehrend der vergangenen 50 J- hre gestiegen ist, so liegt das wirkliche
Einkommen pro Kopf heute im V.rhaeltnis von 2J zu 1, verglichen mit der
Lage vor einen halben Jahrhundert. Durch Erfahrung ist bewiesen worden, dass der beste V.'eg, wie sich die Produktivitaetsgewinne in einen
hoeheren Lebensstandard umwandeln koennen, der ist, den Arbeitern zu
genehmigen, sich an dem Produktivitaotsgewinn durch angemessene Lohnerhoehungen zu beteiligen.
Es muss vollkommen klargestellt werden, dass dieser Vorschlag nicht
die Absicht vertritt, die Produktivitaetsgewinne voll und ganz in
hoehere Loehne umzuwandeln. Angenom.-.en, die unmittelbaren Arbeitskosten
je Einheit belaufen sich auf 30;' des '..'ertes des Fertigprodukts. Ein
ll^iges Ansteigen der Loehne wuerde im Verhaeltnis zur Produktivitaetostei^erung nicht mehr als den Arbeitsante. 1 am Produktivitaf;tsgewinn
erfordern, ein Anteil, der nur ein Bruchteil des gesamten Gewinnes ist«
Im Falle der Erzeugung von 111 Einheiten pro Kopf/stunde anstatt
100 wird es moeglich, eine solche Lohnerhoehung, die sich uuf gestiegene Produktivitaet gruendet, ohne weiteres zu gewaehren und trotzdem
die Arbeitsko:ten pro Einheit des Erzeugnisses nicht hoeher gleiten zu
lassen, sondern auf dem bisherigen Stand zu belassen.
Gesteigerte Produktivitaet bedeutet nicht, dass die Arbeiter einer
angespannteren Anstrengung unterworfen werden. Im Gegenteil, die' zusamnengefassten Ergebnisse einer besseren Technologie, vorteilhafterer
Organisation der Erzeugung und hoehere fachliche Fertigkeiten haben
es moeglich gemacht, eine ueberlange Arbeitszeit zu verkuerzen, ebenso
die Loehne zu erhoehen un dadurch die Realeinkommen staendig zu erhoeher..
7/enn eine gesteigerte Produktivitaet nicht von einer Steigerung
des Realeinkommens begleitet ist, so kann die Kaufkraft nicht mit der
erhoehten Srzeugurigsmoeglichkeit Schritt halten. Es ist in hohem Kasse
lebenswichtig, sicherzustellen, da-ss nach Ueberschreiten des Gipfelpunktes der Abwehrproduktion noch eine genuegende Kaufkraft verfuegbar
ist, um einen vollen Fluss der zivilen Produktion nach Durchfuehrung der
^bwehrmassnahnen zu gewaehrleisten. "le USA werden sicher einmal einer
Versetzung und Aufloesung gegenueberstehen, wenn sie den Loehnen nicht
zugestehen, die juengsten Produktivitaetsgewinne aufzuholen.
Das Ziel der Amerikanischen Gewerkschaltsioederation ist eine
lljiige Steigerung der Loehne, die Produktivitaetsgewinne von 1949
bis 1951 begruenden diese Forderung, Das Lohnstabilisierungsamt sollte
eine solche Erhoehung bewilligen, sie sollte verwirklicht werden durch
das Instrument gemeinsamer Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Unternehmer.
Steigende Produktivitaet ist die quelle der Staerke der gesamten
'•Virtschaft, Produktivitaetslohnerhoehungen sind das üittel, um diese
-

10

�Quelle zu den Lebenswurzeln des zukuenftigen Wachstums Amerika» zu
leiten.
"The American Federatlonist",
Vol. 59/No. 6

Das Senioritaetsrecht der amerikanischen Arbeiter.
Der amerikanische Arbeiter schaetzt die Vorteile, die ihn auf Grund
seiner Senioritaet zuteil werden, ueberaus hoch. Das Senioritaetsrecht
ist ein Recht des Dienstalters - je laenger jemand bei einen Unterne'jnen
oder in einer Industrie beschaeftigt ist, umso hoehere Hechte hat er,
er kann z.B. erst dann entlassen werden, wenn alle mit einer gleichartigen Arbeit beschaeftigten Kollegen, die nach ihm in den Betrieb eintraten, entlassen worden sind. Bei liassenentlassungen hat er auch bei
Neueinstellungen das Hecht, bevorzugt wieder eingestellt zu werden diese Holle auf Grund des Dienstalters wird in den amerikanischen
Tarifvertraegen durch den Ausdruck ".Senioritaetsrecht" wiedergegeben.
Diese Hechte sind zumeist c*urch Tarifvertraege geschaffen worden, zuweilen sind sie auch durch die Initiative einzelner Arbeitgeber moeglich.
Das Senioritaetsrecht kann fuer die Dauer des bezahlten Urlaubs
oder der Kranktage entscheidend sein, 'wenn sie dem Arbeiter zustehenj
ebenso kann es bei Befoerderungen oder Personaleinschraenkungen eine
entscheidende Holle stielen. Die Versetzung in den Pensionsstand und
die Auswahl der Arbeiter fuer Tag- oder Nachtarbeit kann sich ebenfalls n^ch der Senioritaet richten. Der amerikanische Arbeiter schaetzt
vorpllem vier Formen der Vorteile der amerikanischen Senioritaet, die
"Sein taegliches Leben beeinflussen. Es handelt sich hierbei um die
Reihenfolge bei der Entlassung und Befoerderung, den Pensionsanspruch
und den bezahlten Urlaub.
Das amerikanische Amt fuer Statistik hat den Versuch gemacht, die
Wichtigkeit dieser Vorteile festzustellen, die sich aus dem Senioritaetsrecht ergeben und durch Kollektiwertraege wirksam wurden. Im Juni 1951
sind 330 Kollektiwertraege, die fuer 4 Millionen Arbeiter gelten, genauestens geprueft, ueber das Ergebnis wurde eine Studie zusammengestellt.

Befoerderungen.
Die Reihenfolge, die bei Entlassungen und Befoerderungen eingehalten werden muss, zaehlt zu den Vorteilen, die 3ich auf Grund des
Senioritaetsrechtes gegenueber anderen Arbeitern ergeben. Die Gewerkschaften bestaetigen, dass es sehr schwierig ist, die Peststellung zu
treffen, wem der Vorrang zu geben ist, zumal keine Vergleichsmethoden
existieren» Sie treten jedoch dafuer ein, der Zahl der Dienstjahre eine groessere Bedeutung fuer Befoerderungen zuzumessen, als auf Grund von
Verdiensten. Die Arbeitgeber hingegen sind der Meinung, dass, wenn man
sich bei Befoerderungen ausschliesslich auf das Dienstalter stuetzt, man
Gefahr laeuft, fuer gewisse' Arbeiten wenig leiatungsfaehige oder ungeeignete graefte aufsteigen zu lassen.
Die Rolle, die das Dienstalter fuer die ^rage der Befoerderung
spielt, ist in ungefaehr 60# der Vertraege genau festgelegt, sie umfassen 52;$ der Arbeiter, die in dieser Studie beruecksichtigt wurden.
Die meisten Vertraege fordern durchweg die Geeignetheit oder bestimmen, dass die Arbeiter fuer den hoeheren Posten die benoetigte Leistungsfaehigkeit haben muessen, wenn das Dienstalter bei der Befoerderung
den Ausschlag geben soll.
11

�Entlassungen und Wiedereinstellungen.
Die Aufstellung einer Entlassungsordnung, die sich auf den
Senioritaetsrecht aufbaut, ist fuer ungefaehr 74$ der Vertraege vorgesehen und betrifft 56$ der Arbeiter. Gemaess diesen Bestimmungen muesste
grundsaetzlich der zuletzt eingestellte Arbeiter zuerst entlassen werden. Beinahe die Haelfte dieser Vereinbarungen betonte jedoch ausdruecklich, dass das Personal mit dem hoechsten Dienstalter in der Lage sein
muss, die geforderte gute Arbeit zu leisten. 12?' der geprueften Vereinbarungen, die sich auf 500 000 Arbeiter erstrecken, lassen die Bevorzugung des Dienstalters nur dann gelten, wenn die Faehigkeiten der durch
das Senioritaetsrecht geschuetzten Arbeiter gleichwertig sind. Die
Industrien der Serienproduktion (z.B. Apparate, Steine, Ton, Glas, Petroliumraffinaden, Lebensmittel und aehnliches) und das Transportwesen legen dem Dienstalter bei Entlassungen den groessten V?ert bei. 95$ der
Arbeiter, die den geprueften Vereinbarungen unterliegen, sind in diesen
Industrien beschaeftigt. In der Tabak-, Textil, Gas- und Elektrizitaetsindustrie betraegt der Anteil 75$» i n d e r Verpackungs- Papiertind Metallbearbeitungsindustrie 50$. Die Bauindustrie ist die einzige,
die auf das Senioritaetsprinzip bei Entlassungen keinerlei fiuecksicht
nimmt, was hauptsaechlich auf den Saisoncharakter der Arbeit in dieser
Industrie zurueckzufuehren ist. In der Bekleidungsindustrie ist die Berücksichtigung des Senioritaetsrechtee bei Entlassungen ziemlich selten,
es herrscht dort die Gewohnheit, waehrend der flauen Zeit verkuerzt zu
arbeiten.
Im allgemeinen richtet sich die Wiedereinstellung von Arbeitern
nach dem Senioritaetsprinzip; die Arbeiter mit der hoechsten Senioritaetsstufe werden somit als erste wiedereingestellt.

Pensionen und bezahlter Urlaub.
Pensionen und bezahlter Urlaub gehoeren ebenfalls zu den Vorteilen,
die ein Arbeiter durch ein Senioritaetsrecht fuer sich selbst beanspruchen kann. In diesem Fall ist es nicht erforderlich, mit anderen
Arbeitern verglichen zu werden.
Ungefaehr zwei Drittel der Arbeiter profitieren von dem Pensionssystem, dass sich auf eine bestimmte Anzahl Dienstjahre stuetzt. Die
meisten Pensionssysteme werden durch Tarifvertraege eingefuehrtj diese
Vorteile treten zu der Altersrente, die durch die Sozialversicherung gewaehrt wird, noch hinzu.
Die Dauer des bezahlten Urlaubs bildet einen weiteren wesentlichen
Vorteil fuer den Arbeiter. Kehr als 70$ der Arbeiter haben Anspruch
auf bezahlten Urlaub, dessen Laenge sich nach den Dienstjahren richtet,
wobei der Tarifvertrag die Einzelheiten festlegt.
Im Augenblick gibt es weder ein industrieweites noch ein bezirkliches Einheitspro^ramn, die Senioritaetsrechte der Arbeiter, die in
die Verteidigungsindustrie uebernommen worden sind, zu sichern. Jedoch
sehen verschiedene Vereinbarungen die Aufrechterhr.ltung dieser ursprünglichen Senioritaetsrechte vor, sobald die eigentliche Arbeit wiederaufgenommen wird, falls vorher eine Ueberweisung in die Verteidijungsindustrie
stattgefunden hat. Dies gilt jedoch nur, wenn die Ueberweisung auf Veranlassung einer Regierungsstelle erfolgte.
(Studie des amerikanischen Staatsministeriums
fuer Arbeit)

-

12

�Pruefung der Wirtschaftsfreiheit.
Was hat das amerikanische freie Unternehmer tum eigentlich dem
Arbeiter gebracht? Lies ist eine sehr heikle Trage - wobei die Sozialisten ihr System als das bessere anpreisen, waehrend die Kommunisten
behaupten, dass der amerikanische Arbeiter ausgebeutet wuerde,
Zunaechst einige grundlegende Betrachtungen. Kein Wirtschaftssystem kann zum Erfolg fuehren, wenn es nicht echten Beduerfnissen
entspringt. In Amerika wurzelt der wirtschaftliche Ansporn im natuer—
liehen Wunsch des llenschen zur persoenlichen Leistung. Gewisse wirtschaftliche Hechte sind sichergestellt, so dass jeder die rolle Freiheit hat, das Erwuenschte in die Tat umzusetzen. Das Recht, sich Besitz
zu erwerben oder einen bestimmten Beruf auszuwaehlen, sich mit irgendeinem
Geschaeft zu befassen und angemessen zu Terdienen, eine Organisation aufzuziehen und gemeinsam um hoehere Loehne und soziale Vergünstigungen
zu verhandeln oder eine Handelsgesellschaft zu gruenden. Leiter hat
Jeder das Hecht, Vertraege abzuschliessen, sei es zwischen Firnen untereinander oder zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern) das Hecht, ein
Geschaeft zu fuehren, bedeutet die Anerkennung des freien Wettbewerbs«
Und ueber allem hat jeder einzelne das Hecht, nach eigenem Gutduenken
zu handeln und eigene wirtschaftliche Entschluesse zu treffen. Alle
diese Rechte bilden das Fundament der persoenlichen Initiative und der
Verantwortlichkeit, die den wirtschaftlichen Fortschritt ausmachen.
Ein anderer Faktor ist dabei auesserst wichtig: Der freie Markt,
der sich rauenlich ueber ein Gebiet von drei LIillior.en ^uadratmeilen
ohne jede Zolltarifbeschraenkun^en oder Waehrungsuntersehiede ausdehnt,
bedient heute 150 Millionen Llenschen.
Dadurch ist es der Industrie moe.;lich geworden, durch Massenproduktion die Kosten zu senken und somit hochwertige Erzeugnisse zu
Preisen zu verkaufen, die die Arbeiter anlegen konnten. Hohe Loehne
haben die Kaufkraft geschaffen, die zur Aufrechterhaltung der Massenproduktion notwendig ist.
In diesem weltoffenen freien Markt steht es Jedermann frei, seine
Talente und Faehigkelten zu entfalten. Das freie Unternehmertum entwickelte die Energie und den Schoepfungsgeist von Millionen massgebender
Mitbuerger, um Werkzeuge, Maschinen und industrielle Einrichtungen zu
schaffen, die den Arbeitern einen hohen Lebensstandard ermoeglichen«.
Der Wettkampf der Unternehmen untereinander gab dem Geschaeftsmann ganz
allgemein den Ansporn, das bestmoeglichste Erzeugnis zu moeglichst geringem Preis auf den Markt zu bringen, die Erzeugnisse staendig zu verbessern und neue Artikel herauszubringen, die dem Beduerfnis der Verbraucher angepasst sind. Millionen Verbraucher haben durch ihre Auswahl
unter den miteinander in Wettbewerb stehenden Erzeugnissen des freien
Marktes bestisimt, was produziert werden soll und welche Unternehmen produzieren sollen« Hicht leistungsfaehige Firmen wurden dadurch vom Markt
ausgeschlossen} ein hoher Standard industrieller Leistungofaehi^keit, der
zur Erhaltung eines hohen Lebensstandards erforderlich ist, wurde dadurch
zwangslauefig aufrechterhalten. Zwar wurde der Wettbewerb zuweilen durch
monopolistische industrielle Zusanmenschluesse behindert, jedoch trugen
die Anti-Trust-Gesetze viel dazu bei, um dies zu verhueten. Im ganzen
gesehen, ist es aber im vergangenen halben Jahrhundert auf G und des Wettbewerb ssystems moejlich gewesen, den Markt mit einem reichhaltigen Angebot qualitativ guter Erzeugnisse zu versorgen und zwar zu Preisen, die
die Kehrzahl der Bevoelkerung bezahlen konnte.
Vor hundert Jahren hat der amerikanische Durchschnittsarbeiter nicht
mehr als 31 Cents in Form des Produktionswertes pro Arbeitsstunde, gemessen
am Dollar in heutiger Kaufkraft, erzeugt. Trotz langer Arbeitszeit waren
seine Loehne sehr niedrig, weil er nicht genug herstellen konnte, um sich
-

13

-

�einen angemessenen Lohn zu sichern. Aber der Anreiz zur Produktionssteigerung war gross - sowohl fuer die Unternehmer als auch fuer die
Arbeiter, Allmaehlich wurde durch neue Maschinen urd neue Arbeitsmethoden die Produktion Je Kopf und Stunde erhoeht. Das Wettbewerbssystem
belohnte die besten Unternehner. Um I890 erzeugten die Arbeiter 53
Cents in Form de« Produktionswertes pro Arbeitsstunde und erhielten 48
Cents Stundenlohn, gemessen in Dollar der heutigen Kaufkraft,
In Jenen Tagen war die noch in den Anfaengen steckende Gewerkschaftsbewegung nicht einflussreich genug, um den Arbeitern ihren gerechten Anteil am aufkommenden Wohlstand, der ihnen z* verdanken war,
xu sichern, Di« Produktivitaet stieg in weiteren 20 Jahren um 19
Cents pro Stunde an, die Loehne aber nur um 2 Cents, Als dann waehrend
des ersten Weltkrieges die Gewerkschaften maechtiger wurden, holten die
Arbeiter ihre Verluste ein. Von 1910 - 1920 stiegen die Loehne um 16
Cents Je Stunde, die Produktivitaet um 6 Cents. Von diesem Zeitpunkt
an und besonders durch die wachsende Mitgliedschaft der Bewegung in den
30iger Jahren zwangen die Forderungen nach hoeh:ren Loehnen die Unternehmer, ihre Produktivitaet mehr denn Je- au steigern. Die Loehne hielten Schritt und von 1920 bis 1944 verdoppelte sich sowohl die Produktion
Je Kopf/stunde als auch das Arbeitsentgelt, Waehrend der NachkriegsInflation trat ein Stillstand ein. Obgleich die Unternehmer die Preise erhoehen konnten, um Lohnforderungen auszugleichen, mangelte es an Interesse,
die Kosten herabzusetzen und die Produktivitaet zu erhoehenj die Arbeiter sahen ihre Lohnerhoehungen durch Preissteigerungen zunichte gemacht.
Als aber 1948 di e Preiserhoehungen genauer untersucht wurden, stiegen die
Produktivitaet und di«^Loehne wieder an. Steigende Produktivitaet aber
war schon immer die Grundlage fuer steinende Loehne gewesen.
Die Kaufkraft pro Arbeitsstunde des Fabrikarbeiters - sein Reallohn
naemlich - stieg um das Dreifache in der Zeit von 1890 bis 1950, naemlich von 48 Cents auf I.76 Dollar. Seine Arbeitszeit wurde dabei verkuerzt. Vergleicht man 1900 mit 1950, so kann festgestellt werden, das*
der Wochenlohn des Arbeiters sich verdoppelte, v.aehrend seine Arbeitsstunden in der Woche sich von 55 oder 60 auf 40 reduzierten. Er hatte
also Je T.'oohe 15 - 20 Erholungsstunden mehr zur Verfuegung.
Das amerikanische Arbeitsminlsteriun fuehrt diesen und andere Vorteile auf, die die amerikanischen Arbeiter in den vergangenen 50 Jahren
erreicht haben« im Jahre 1901 blieben einer Arbeiterfamilie, nachdem
sie ihre Ausgaben fuer Nahrung, Kleidung und Wohnung beglichen hatte,
nur I79S ihres Einkommens fuer andere Ausgaben uebrig, wie etwa aerztliche
Betreuung, Ersparnisse, Erholung, Erziehung und Fortbildung, Dies gestattete keinen Luxus, nicht einmal eine genuegende Sicherung bei Notfaellen oder eine angemessene Erziehung der Kinder. Heutzutage steht der
durchschnittlichen Arbeiterfamilie mit 36$ bis 41/S «in viel groesserer
Einkommensbetrag fuer solche Sonderausgaben zur Verfue^-ung - der Jaehrliche
Betrag, der nach Abzug der Kosten fuer die Lebensnotwendigkeiten verbleibt,
ist von 230 auf 1100 Dollar angestiegen, wenn die heutigen Preise zugrundegelegt werden. Das bedeutet, da'ss der Arbeiter heute mehr iloebel oder
Haushaitsgeraete oder sogar ein Auto erwerben kann. Er geniesst eine
bessere aerztliche Fuersorge, er kann mehr Geld fuer Reisen und Erholung
ausgeben, er hat mehr Zeit fuer seine gewerkschaftlichen und kommunalpolitischen Interessen und kann seinen Kindern eine bessere Erziehung geben.
Heute besucht der Durchschnittsamerikaner die hoehere Schule| er besucht
sie heute vier Jahre laenger als frueher, d.h.. heute 12 Jahre, waehrend
er sie 1900 nur 8 Jahre lang besuchte. Der Arbeiter lebt heut« in einer viel besseren Wohnung als frueher. Um 1900 gab es nur in wenigen Arbeiterwohnungen Strom, fliessendes Wasser, Badeeinrichtungen oder wenigstens eine grause, Fernsprecher waren dem Arbeiter etwas Unbekanntes,
Heute sind diese Dinge in fast allen Arbeiterwohnungen eine Selbstverstaendlichkeit geworden, viele besitzen ei«en FernsprecJaanschluss. Vor
50 Jahren waren die Arbeiterwohnungen klein und ueberfuellt, sie lagen oft

-

14

-

�in den Elendsvierteln der Staedte. Jetzt sind viele Slums beseitigt,
wenn es auch noch immer einige gibt. Im Jahre 1901 besessen nur 20$
der Arbeiter Eigenheime, heute sind es etwa 507»«
Eine Arbeiterfamilie von heute kennt eine wesentlich bessere Ernaehrung, sie verbraucht mehr Eier, Vilch und vitaminhaltige Nahrungsmittel wie Zitrusfrüchte; ihre Kleidung ist besser. Sie sind durch
Sozialversicherungen fuer ihr Alter versorgt, sie kennen die Arbeitslosenversicherungen, viele Tarifvereinbarungen der Gewerkschaften sichern
ihnen Pensionen und sorgen fuer Gesundheits- und '/r'ohlfahrtseinrichtungen.
Das gesellschaftseigene Fabrikdorf, in dem Werkbeamte das Leben der Arbeiter beherrschen, ist schnell im Verschwinden. Heute sind die Arbeiter voellig unabhaengig. Das Recht, sich in Organisationen zusanmenzuschliessen, wurde durch Gesetz zugelassen. Tarifverträge seitens gelber "Gewerkschaften", schwarze Listen, die frueher ueblichen Strafmassnahmen gegen Streikende, wurden durch Gesetz ausgemerzt.
Erzeugtes Nationaleinkommen je Arbeitsstunde von 1850 - 1950
(Der Dollar ist auf "Normal"dol]ar mit der Kaufkraft des Jahres
1QSO umgerechnet. )

FABRIK-STUNDENLOHN PRO KOPF

850

1860

1870

1860

1890

1900

1910

1920

1930 1940

1950

Zur labeilet
Die "Produktion je Arbeitsstunde stellt das gesamte produktive Nationaleinkommen dar unter Beruecksichtigung aller arbeitstaetigen Personen.
Der Lohnsatz stellt den Durchschnittslohn des Fabrikarbeiters je Stunde
dar.
Saemtliche Zahlen sind auf die Kaufkraft des Dollar im Jahre
1950 umgestellt, um Preisschwankungen auszuschalten, die Zahlen stellen
also die echte Kaufkraft dar.
#«*
Hinsichtlich der Verteilung des Einkommens hat Amerika in den
letzten 25 Jahren ebenfalls eine friedliche ümwaelzung erfahren. Spitzeneinkommen sind wesentlich geringer geworden, dagegen sind die Arbeiterund andere niedrige Einkommensklassen weit hoeher als bisher am Nationaleinkommen beteiligt. Im Jahre 1929 waren die % Bezieher von Spitzeneinkommen mit 34$ am Gesamteinkommen beteiligt, waehrend dieser Prozentsatz im Jahre 1946 auf fast die Haelfte, naemlich 18$, zurueckging.
Da»'bedeutet, dass die niedrigen Einkommensgruppen, hauptsaechlich also
die Arbeiterschaft im Jahre I946 etwa 25 Milliarden an Einkommen hatten,
das, wenn es prozentual ebenso wie 1929 verteilt worden waere, zu einem
wesentlichen Teil den wohlhabendsten 5$ zugute gekommen waere.

-

15 -

�Alles in allem zeigt dieser Ueberblick ueber die letzten 50
Jahre sehr deutlich die dem Arbeiter erwachsenden Vorteile und
die Neuaufteilung des Einkommens, das die Sozialisten und Kommunisten zwar immer versprechen, aber niemals gehalten haben.

Erzeugung je Kopf in den Vereinigten Staaten und Europa

U.5.A.

EUROPÄISCHE
NATO-LÄNDER
INSGESAMT

ENGLAND

FRANKREICH

ÜBRIGE
EUROPÄISCHE
NATO-LANDER

Ein Vergleich zwischen Amerika und Europa zeigt, warum in den USA
ein hoeherer Lebensstandard moeglich ist. Vor dem zweiten Weltkrieg
betrug die Produktion in den USA das 2 l/3fache derjenigen von Europa - d.h. 1360 Dollar in den,USA und 550 Dollar Produktionswert pro
Kopf in Europa. Die ueberragende industrielle Produktion Amerikas,
ein Ergebnis des freien Unternehmertums, seine Maschinen und Verfahren, seine Massenproduktion und Massenabsatzmaerkte haben es den
Arbeitern ermoeglicht, sich e.inen hohen Lebensstandard zu sichern.
Seit dem zweiten Weltkrieg ist die Produktion pro Kopf um mehr als
50$ angestiegen, in Europa wegen der Kriegseinwirkungen, die zuerst
beseitigt werden mussten, dagegen nur um 5$« Die heutige Produktion
in Amerika betraegt pro Kopf das 3-§-fache derjenigen von Europa: in
den USA ergibt sich ein Produktionswert je Kopf von 2 100 Dollar,
in Europa von 600 Dollar. Es wird erwartet, dass die Produktion in
Europa in einem solchen Masse ansteigt, dass der Lebensstandard erhoeht werden kann.
"Labor Monthly Survey"
Vol. 12/9

-

16

�Internationale
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und
dienen der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaf tsschulen und deren
Mitglieder. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei dem
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post
zugeleitet. Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme
irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIII

inuiSTinnciriis
Giulia Pastorei
Italiens wirtschaftliche Sorgen..........
George ,Y. Brooks und Rüssel] Allen:
Das gewerkschaftliche Sohulungsprogramm
der Papierarbeitergewerkschaften. .. ,.nn ~r

..«.»............ .Seite

I

1

Seite

5

Forschung»- und Produktivitaetsprobleme
in der britischen Schuhindustrie...

Seite 12

Amerikanische Stahlarbeitergewerkschaft
billigt Leistungsuntersuchung

Seite 14

Amerikanische Gewerkschafter und ihre
Haltung «a politischen Ratschlaegen

Seite 16

Giulio Pastore, Vorsitzender der ciSLi
Italiens wirtschaftliche Sorgen,

(

Ich habe den Eindruck, dasa sowohl unsere als auch die allgemeine
europaelache Situation nicht ao ist, wie es an internationalen Stellen
oft gesagt wird, dass naemlich Italien sich in einer Epoche der Wie»
dergesundung und des Wohlstandes befindet.
"Uns allen ist bekannt, dass unsere Wirtschaft angesichts des
Budgetdefisits und der 2 Millionen Arbeitslosen nicht gerade auf Rosen gebettet ist."
Diese Feststellung erschien in der italienischen Zeitung "Corriere
della Sera" vom 15. Juli und stammte von einer mit der italienischen
Wirtschaft besonders gut vertrauten Autoritaet, dem frueheren Minister
Cesare Merzagora, der ganz gewiss nicht zu denen gehoert, die besonders
pessimistisch eingestellt sind.
Es besteht kein Zweifel darueber, daae Italien eich in einer der
schwierigsten Zeiten seiner demokratischen Wiedergesundung befindet.
Das Budgetdefizit von 1952 und 1955 wird wahrscheinlich den niederschmetternden Betrag von 617 Milliarden Lire erreichen.
Im folgenden gebe ich einige Tatsachen ueber Italiens wirtsohaft-

�Hohe Lage bekannt, die auf dem italienischen Gewerkschaftskongress
der C.I.S.L. in Mailand voroeffentlicht wurden. Diese Tatsachen beziehen aioh jedoch auf nur 23 norditalienisch« Provinzen.
In der Textilindustrie arbeiten waehrend der letzten sechs Monate ron 103.628 Arbeitern 89,550 verkuerzt und 5»4?» wurden voruebergehend entlassen.
Im Sektor der Bekleidungsindustrie arbeiten 64$ verteuerst. 7*3^
wurden vorruebergehend entlassen«
Auch in der Maschinenindustrie sind die Beobachtungen entmutigend!
Innerhalb einer Gruppe Unternehmen arbeiten von 61,000 beschaeftigten
Arbeitern 30.339 verkuerzt und 4»483 wurden •oruebergehend entlassen.
Sie Krisis macht sich auch in der chemischen Industrie bemerkbar«
Ton den beobachteten Unternehmen arbeiten bei insgesamt 21,736 Beschaeftigten 13,335 oder 62.2fS verkuerzt und 1,917 oder 8.8J» wurden
waehrend der. letzten 6 Monate voruebergehend entlassen. Zusammengefasst ergibt sieh folgendes Bild: Ton 1,776 in Horditalien gelegenen
Unternehmen mit insgesamt 213,000 Arbeitern arbeiten 133,690 oder
72j( verkuerzt und 14,006 oder 6,5^ wurden waehrend der letzten 6 Monate voruebergehend entlassen.
Waehrend es auf dem Arbeitssektor sehr unguenstig aussieht, haben sich dagegen die italienischenttiternehmenrecht guenstig entwickelt. Dies geht aus den Gewinnen hervor, die die groesseren Industriekonzerne im Jahre 1951 im Tergleich zu denen des Jahres 1950
erzielten« 13 der groesseren Elektrizitaetsgesellschaften hatten
einen durchschnittlichen Gewinnanstieg bis zu 18ji zu verzeichnen.
Acht der groesseren Gruben- und Metallgesellschaften haben Durchschnittsgewinne von 695S erzielt« Bei den groesseren Unternehmen der chemischen
Industrie erreichte der durchschnittliche Gewinnzuwachs sogar 98^o«
In einem Land wie Italien, dessen Wirtschaft charakterisiert ist
durch ihre ausserordentliche Unbeweglichkeit, Qie Enge der Uaerkte
mit ihrem monopolistischen Charakter und die starke Arbeitslosigkeit um nur die hervorstechendsten Anzeichen zu erwaehnen - hofft die demokratische Gewerkschaftsbewegung mit ihrem starken Terantwortungsgefuehl eine tragende Solle zu spielen« So beschlossen die demokratischen Gewerkschaften auf ihrem ersten Bundeskongress, ihre Lohnforderungen in den Grenzen der in jedem Fall gesicherten Produktion jeder
Industrie zu halten, waehrend sie andererseits sich dafuer einsetzen,
dass den Arbeitern unmittelbare Torteile in Form hoeherer Loehne aus
allen Produktionssteigerungen zustehen«
In Italien besteht der sogenannte Nationale Produktionsausschuss.
Seiner Arbeit standen jedoch Hindernisse im Weg« Ausserdem wurde von
Seiten der Unternehmer und der Regierungsfachkreise Widerstand gegen
die neue Lohnpolitik der CI3L in der Frage der Familienausgleichsloehne entgegengesetzt.
Nur der Hinweis auf schwere Unruhen in grossem Ausmasse, ermoeglichte die Wiederaufnahme von Verhandlungen auf diesem Gebiet und das
Ergebnis, das seinen Ausgang in Form einer Antwort auf ein Memorandum
der CISL an die Regierung nahm, wurde in Form eines Abkommens erst
in der Mitte dieses Jahres erreicht«
Dieses Abkommen legt das Ziel fest, das die CISL sich in Bezug auf
die Industriearbeiterloehne gestellte hatte« Es bedeutet die Erhoehung
der Familienzuschlaege in einem Gesamtbetrag von ungefaehr 48 Milliarden Lire«

2

�Die Gewerkschaft ist jetzt auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft
um die Zahlung von Fanilienzuschlaegen bemueht. Es wird dabei vorausgesetzt, dass die Verhandlungen greifbare Vergünstigungen bieten, die
besonders den in der Landwirtschaft Taetigen in Sueditalien zugute
kommen werden*
Wenn auch der Sieg der Gewerkschaften in der Frage der Familienzuechlaege einen Gewinn fuer die arbeitende Bevoelkerung darstellt,
so bleibt doch die Arbeitslosigkeit ein sehr schweres Problem fuer
die Arbeiter und Gewerkschaften Italiens. Sie bedeutet einen Krebsschaden fuer die ohnehin geringe Kaufkraft der italienischen Arbeiterschaft.
Die Kaufkraft der in der italienischen Nahrungsmittelindustrie
Beschäftigten wurde kuerzlich vom Büero fuer Arbeitsstatistik des
amerikanischen Arbeitsministeriums verglichen. Legt man fuer den
Durchschnittslohn in den Vereinigten Staaten 100$ zu Grunde, so
nimmt der Lohn der italienischen Nahrungsmittelindustriearbeiter
mit 31$ den letzten Platz ein. Die entsprechenden Frozentsaetze anderer
Laender betrugen! Norwegen 73$» Daenemark 70$, Gross-Britanien 67$,
Schweiz 56$, Frankreich 51!«» Holland 44$ und Oesterreich 36$»
Die Kaufkraft der italienischen Lohnempfaenger sinkt dabei staendig, da die mangelnde Bereitschaft der Kaufleute, die Preise zu senken, zu Erhoehungen fuehrt. Von Dezember 1951 bis zum Juni 1952
betrugen die Preissenkungen im Grosshandel ungefaehr 10$, jedoch
blieben fast alle Preise fuer lebenswichtige Dinge, besonders im
Nahrungsmittelsektor, unveraendert. Trotz der niedrigen Grosshandelspreise stiegen in einzelnen Faellen dennoch die Einzelhandelspreise«
Die CISL hat neben ihren an die Adresse der Regierung gerichteten Forderungen hinsichtlich der Massnahmen zur Freissenkung in diesem
Jahre eine eigene Aktion in Form eines psychologischen Feldzugs
gegen Preiserhoehungen unternommen« In jeder Provinz wurden Einwohner-Aussohuesse zum Schutz der Verbraucherschaft gebildet. Di«
Teilnahme stand allen Bevaelkerungsschichten frei; in 90$ aller Provinzen konnte ein begeisterter Widerhall festgestellt werden«
Ein Dienstag wurde daraufhin zum "Verbrauchertag" erklaert« An
diesem Tage wurden von der CISL-Zentrale Resolutionen an die praefekten und das Wirtschaftsministerium gesandt. Diese Resolutionen
forderten wirksame Massnahmen zur Niedrighaltung der Preise. Natuerlich regte diese Aktivitaet der freien Gewerkschaftsbewegung die Kommunisten auf. 7/ieder einmal war die Initiative nicht von ihnen ergriffen worden.
Trotz der Anstrengungen, die von den Organisationen der freien
Arbeiterschaft und ihrer Anhaenger gemacht wurden, hielten sich die
Ergebnisse in engen Grenzen und blieoen auf bestimmte Gebiete begrenzt. Die allgemeine Situation erfuhr keine bedeutende Verbesserung.
Es kann nicht geleugnet werden, dass die Lage in den ersten
Monaten des Jahres 1952 sich-verschlechterte. Die Kaufkraft der
arbeitenden Schichten ging herunter.
Die wirtschaftlich negative Situation unseres Landes ist derart, dass die CISL keine Hoffnung auf eine schnelle und wirksame
Unterstuetzung durch amtliche Stellen hat. Andererseits erkennt
die CISL an, dass es unter den bestehenden Umstaenden sehr schwierig ist, eine allgemeine Wiederaufwertung der Loehne durch andere
als Zwangsmassnahmen zu erreichen.

3 -

�Ernsthaft behindert werden die gegenwaertigen Anstrengungen
der italienischen Arbeiterschaft zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit durch die Reduzierung der Zahl der Arbeiter an einer
Arbeitsstelle. So wird das kuerzlich von der Regierung angekündigte Programm zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit wahrscheinlich
im Sande verlaufen.
Die Finanz- und Steuerverordnungen, die ebenfalls eine zusaetzliche Belastung fuer den Arb.eiter bringen und eine zusaetzliche
erhebliche Lohnverringerung hervorrufen, bewirken gleichfalls
einen Bschaeftigungsrueckgang, anstatt die Zahl der Arbeitsplaetze
zu erhoehen.
Die C-ISL hat deshalb Vorschlaege zur Verbesserung des gegenwaertigeh italienischen starren Produktionssystems unterbreitet»
Wir haben dringend auf die Ergreifung geeigneter Massnahmen
zur Senkung der Lebenshaltungskosten hingewiesen. Die freie
Gewerkschaftsbewegung in Italien is t in jeder Hinsicht bemueht,
die Realeinkommen der arbeitenden Bevoelkerung zu schuetzen. Wir
moechten gern eine Situation erleben, in der die finanziellen Ertraege oeffentlicher und privater Investierungen zu erhoehter. und
ausgedehnterer Kachfrage nach Industrieerzeugnissen fuehren. Wir
sind staeadig um die Entwicklung eines allgemeinen gesunden Absatzmarktes in unserem Lande bemueht. Wir verlangen eine angemessene Kaufkraft fuer alle.
Italiens freie Arbeiter haben sich verpflichtet, nicht gaenzlich gerechtfertigten voruebergehenden Entlassungen ernsthaften
Widerstand entgegenzusetzen und verlangen die Einschaltung der
Regierung in das Problem des Inlandabsatzes bestimmter, lebenswichtiger Erzeugnisse - ausser Nahrungsmitteln - zu Standardpreisen durch eine vorgeschriebene Form des Systems.
Da die konservativen Kraefte die produktiven Moeglichkeiten
der Zusammenarbeit auf regierungsmaessiger Grundlage immer staerker begrenzen, ergreift die CISL die Initiative auf privater Grund*
lage. Durch peraoenliche Zusammenarbeit ihrer Mitglieder werden
Wirkungen erzielt, die revolutionaerer sind als der kommunistische
Herrenstandpunkt. Die CISL setzt ein umfangreiches Schulungsprogramm in die Tat um. Durch dieses Programm wird beabsichtigt, die
Bevoelkerung in die Lage zu versetzen, mit den wesentlichen Produktivitaetsvereinheitlichungen vertraut zu werden und neue Wege zu
finden, um den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes zu foerdern.
In der Atmosphaere der Unsicherheit, in der die italienische
Industrie sich gegenwaertig befindet, hat Ale CISL die wichtige
Aufgabe, die kluefte zu ueberbrueoken. Dies kann nur geschehen
durch eine gewissenhafte, stete und direkte Zusammenarbeit zwischen
den Unternehmern und den fuer die Produktion Verantwortlichen sowie
jenen, die gleichzeitig die grosse Masse der Verbraucher vertretennaemlich die freien Gewerkschaften.
"The American Federationist",

Vol. 59, Ho. 9t 195^
(Giulio Paetore ist Generalsekretaer der Confederazione Italiana
Sindacati Lavoratori, die dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften angeschlossen ist. Die CISL wird scharf von der kommunistischen CIGL bekaempft, die jedoch nach und nach in Italien an
Einfluss verliert.)
(Red.)
4

�George ff. Brooks und Russell Allen:
Das gewerkschaftliche Schulungsprogramm der Papierarbeitergewerkschaften.
Zwei Gewerkschaften der Zellstoff- und Papierindustrie, die Zellstoffr,_ Sulfit- und Papiermuehlenarbeitergewerkschaft und die Papierhersl^ellergewerkschaft (beide AFL) haben ein gruendliches Schulungaprogramm- fuer Funktionaere, gewerkschaftliche Vertrauenslaute und
die Mitglieder der seit 1948 bestehenden Beschwerdeausschuesse durchgeführt. Dieses Programm unterscheidet sich in folgendem von den
ueblichen gewerkschaftlichen Schulungsprojektent 1.) Die Schulungskurse gehoeren zu dem feststehenden Aufgabenkreis der Gewerkschaften!
die Be zirksfunktionaere sind fuer ihre Durchfuehrung verantwortlich.
2.) Der Unterricht in den Ortsgewerkschaften wird von Dozenten erteilt, die von der Ortsgewerkschaft eigens hierfuer berufen wurden.
Diese Dozenten sind angewiesen, in erster Linie die Methoden anzuwenden und das Material zu gebrauchen, die von den Schulungsabteilungen
der beiden allamerikanischen Gewerkschaftsorganisationen ausgearbeitet
und herausgegeben wurden.
Bevor man nun daran ging, dieses Schulungsprogramm zu starten,
stellte man sorgfaeltige Untersuchungen darueber an, was bisher auf
dem Gebiet der gewerkschaftlichen Schulung geleistet worden ist.
Hierbei pruefte man auch Broschueren, Filme, Bildbaender und andere
traditionelle Schulungsmittel und kam dabei zu dem Schluss, dasa
dieses Material keine besondere Bedeutung hat und von nicht allzu
grossem bleibenden Wert ist.
Zwei Dinge fehlten vor allem, die zu einem erfolgreichen Programm
gehoerem Die direkte Mitwirkung der Gewerkschaftsfuehrer am Schulungsprogramm und die umfangreiche Teilnahme aktiver Gewerkschaftsmitglieder. Das hier beschriebene Programm weist diese beiden Vorzuege auf und wird nicht nur von voruebergehendem Wert sein.
Die Ausbildungskurse fuer die Dozenten werden direkt von den
Schulungsabteilungen durchgefuehrt und zwar auf Veranlassung und
unter der Mitarbeit der Bezirksfunktionaere. Diese Funktionaere
besitzen nicht allein die erforderlichen Verhandlungsbefugnisse
oder die Vollmacht fuer die Erledigung von Beschwerden aus den
Betrieben, sie verfuegen ausserdem ueber die volle Verantwortung
fuer die Durchfuehrung und Leitung der Schulungskurse.
Die Bedeutung der gewerkschaftlichen Fuehrung wird durch ein
apaeter angefuehrtes Beispiel geklaertj es muss hier bereits gesagt
werden, dass sie von entscheidender Wichtigkeit ist. Sie ist grundlegend fuer den Erfolg des Programms und umfasst vor allem die an
erster Stelle stehende Fra^e der Qualitaet - naemlich die Annehmbarkeit. Die fuehrenden Persoenlichkeiten der Gewerkschaften, vom
stellvertretenden Vorsitzenden abwaert3, nehmen an diesem Programm
auf Jeder Stufe aktiv teil. Praktisch ist es also ebenaosehr ihr
Programm wie das der Schulungsabteilung.
Der Einsatz ehrenamtlicher Lehrkraefte geschah urspruenglich'
aus dem einfachen und verstaendlichen Grunde, uhnoetige Geldausgaben und personal einzusparen. Diese Methode hat jedoch'auch
ihre Vorteile, die anfaenglich nicht voll anerkannt wurden« Es ist
dies die einzige Moeglichkeit fuer die beiden Gewerkschaf^sorgahisationen, die sich an eine grosse Zahl Mitglieder wenden, die mit
anderen Schulungsprogrammen nicht erfasst werden koennten. Die
ehrenamtlichen Lehrkraefte der beiden Gewerkschaften belaufen sich.
auf einige Tausend Funktionaere,- gewerkschaftliche.Vertrauensleute^
Beschwerdekomitee-Mitglieder, sowie einfache Gewerkschaftsmitglieaer
daneben jedoch solche, die weder ein Seminar, noch einen Kursus
noch etwa eine Konferenz besuchen wuerdeh. Diese freiwilligen

-

5 -

�Lehrkraefte leisten weit mehr und sind zu viel groesseren. Zugestaendnissen bereit als jeder berufsmaessige Dozent, Sie halten
ihre Vortraege in Gewerkschaftsraeumen, in Saelen, oeTfentliohen
Bibliotheksraeumen oder Schulen und richten sich voellig danach,
welche Zeit ihren Kursusteilnehmern am guenstigsten erscheint.
Sie sind schnell mit den oertlichen Verhaeltnissen und den Personen
vertraut, viele von ihnen besitzen ein ausgesprochenes natuerliches
Lehrtalent, alles in allem haben sie bewiesen, dass sie ein hochwertiges Schulungsprogramm durchfuehren koennen.
Die Lehrkraefte wiederholen ihre Kurse, sie erweitern ihr
Lehrpensum jedoch von Jahr zu Jahr. Dadurch wird erreicht, dass
dieses Schulungsprogramm in den einzelnen Ortsgew.erkschaften staendig auf dem laufenden gehalten wird.
Dieser zuletzt erwaehnte Vorteil ist unschaetzbar. Im allgemeinen wurde frueher innerhalb des gewerkschaftlichen Schulungsprogranims ein bestimmter Kuraus abgehalten, danach verschwanden
die Dozenten wieder» . Bei der jetzigen Methode wird den Mitgliedern
der Ortsgewerkschaft ein wirkliches Lernen ermoegliaht, der Studienkursus ist gut aufgebaut und ausgearbeitet, er umfasst eine derartige Stoffuelle, dass alljaehrlich neue Studienklassen errichtet
werden koennen. Die Lehrkraefte der Ortsgewerkaohaften widmen sich
meist viel interessanteren und wichtigeren Aufgabengebieten als
die an vielen Orten bestehenden Schulungskomitees der Verbaende.
, Der persoenlichen Initiative der Lehrkraefte ist keine Grenze
gesetzt, sie steht jedoch in fester Verbindung mit den gewerkschaftlichen Schulungsabteilungeö, die stets-, darueber informiert wurden,
wo Schulungskurse abgehalten werden koennen. Der Dozent sohickt
einfach eine schriftliche Materialanforderung an das Häuptbuero.
Er bestellt die Lernunterlagen klassenweise, sodass die Schulungsabteilung ziemlich gut unterrichtet ist ueber die Fortschritte)
die in den einzelnen Gruppen gemacht werden. Nachdem die ersten
acht Lektionen des ersten Lehrgangs durchgearbeitet sind, uebermittelt der Dozent dem Schulungsbuero seine endgueltigen Anwesenheit sberichte. Auf der Baals dieser Berichte werden am Ende eines
jeden Schulungslehrganges fuer die Teilnehmer Zeugnisse ausgestellt.
Die Auswahl der Lehrkraefte bleibt vollkommen den Ortsgewerkaohaften 'ueberlassen. Sie werden entweder vom Vorsitzenden nominiert oder bei einer ZusammenkUJ&amp;ft der Ortsgewerkschaft durch Abstimmung ermittelt. Es werden hierbei jedoch auch solche Kraefte
ausgewaehlt, die bereits frueher einen Funktionaersposten bekleideten oder nur einfache Mitglieder sind, also keine anderen Funktionen ausueben. Die Schulungsabteilung hat zwax bestimmte Bedingungen aufgestellt, die der vorgeschlagene Dozent au erfuellen
hat, letzten Endes liegt die Entscheidung jedoch bei der Ortsgewerkschaft und die Sohulungsabteilung hat keinerlei Macht, Einwendungen durchzusetzen oder ihr Veto gegehueber bestimmten Lehrkraeften einzulegen.
Die Kosten des Schulungsprogramms werden von den beiden allamerikanischen Gewerksohaftsorganisationen und den Ortsgewerkschaften gemeinsam getragen. Die Gewerkschaftszentrale zahlt
die Gehaeiter und die Auslagen der angestellten Lehrkraefte, die
das Arbeitsmaterial ausarbeiten und die bertlichen Lehrkraefte
sohulen. Ausserdem kommen sie fuer die Miete der Konferenzraeume
auf und beschaffen das Unterrichtsmaterial sowohl fuer die auszubildenden Lehrkraefte als auch fuer die Schulungslehrgaenge in
den Örtsgewerkschaften selbst. Die Ortsgewerkschaften vergueten
den Ausfall, der den Lehrkraeften durch den viertaeglgen Ausbildungslehrgang entstanden ist (einschliesslich der Reisekosten

- 6 -

�und sonstigen Auslagen) und finanzieren di« Errichtung oertlicher
Schulungsklassen.
Methoden und Material.
Zwei Hauptlehrmethoden werden angewandti Die Fuehrung von
Diskussionen auf Grün* von Fragebogen und die der Diskussion
folgende "Praxisprobe". Beide Methoden basieren auf den erfolgreichsten Prinzip, naemlich dem Lernen durch die Praxis. Die
gewerkschaftlichen Vertrauensleute "berichten" z. B. nicht, wie
sie neu Eingestellte behandeln. Sie zeigen vielmehr Beispiele
aus der Praxis, wie etwa ein *ortgeplaenkel mit einem solchen Heuling, dessen Werdegang (vielleicht sogar ein anti-gewerkschaftlicher) der Klasse bekannt ist, jedoch nicht dem gewerkschaftlichen
Vertrauensmann. Dadurch wird der Klasse ein praktisches Beispiel
gegeben, das anschliessend eifrig diskutiert wird. Die Klasse
urteilt sehr scharf darueber, wie der gewerkschaftliche Vertrauensmann vorgegangen ist, was er dabei haette besser machen koennen,
was er dabei uebersehen hat, usw.. Die gleiche Methode wird uebrigens bei Beschwerdefaellen angewandt.
Die Kursusteilnehmer sind nicht verpflichtet, den Vorgang zu
beherrschen. Sie erhalten jedoch Fragebogen, aus denen ihre Gewandtheit bei der Loesung spezieller Probleme wie etwa bei ueberstunden, Zahl der Urlaubstage,Feiertagszuschlaege, hervorgeht.
Die Methode des Lernens durch blosses Zuhoeren wird am seltensten
angewandt, da sie nur die geringsten Erfolge zu verzeichnen hat.
Sie dient lediglich dazu, um auf ein anderes Unterrichtsgebiet
ueberzuwechseln und die Klasse darueber zu informieren, was als
naechstea geschehen soll.
Die Lehrmethoden, die bei den Kursen angewandt werden, sind
natuerlich festgelegt. Manchmal werden einige humoristische
Wendungen in die Diskussionen eingeflochten, die mit Hilfe der
Fragebogen gefuehrt werden. Die jeweiligen Themen sind streng
voneinander abgegrenzt1, die sich daran anschliessenden Diskussionen sind und koennen je'doch in ihrem Inhalt sich sehr unterscheiden. Der Dozent muss aber immer bemueht sein* jede Ungenauigkeit sofort richtig zu stellen. Seine Aufgabe besteht ebenfalls darin, bestimmte Themen anzuregen, die Diskussion za lenken
und zum Schluss einen Ueberblick zu geben. Waehrend also die
Lehrmethoden und die allgemeinen Diskussionsthemen ziemlich feststehen, ist die Art und Weise, wie der Lehrstoff behandelt wird,
durchaus verschieden.
Das Lehrmaterial ist sorgfaeltig ausgearbeitet und gibt dem
Dozenten eine Vielzahl Anhaltspunkte und aufschlussreiche Einzelheiten fuer die Diskussionen. Den Instruktoren wird ausserdem
nahegelegt,sich selbst geeignetes Diskussionsmaterial und "Streitfaelle" zu beschaffen.
Der Lehrstoff
Der grundlegende Lehrstoff des Schulungsprogramms ist in
acht Punkten fuer jeden Kursus festgelegt.
(1) Worin bestehen die Aufgaben des gewerkschaftlichen Vertrauensmannes? (Fragebogenmethode)
(2)

Begruessung des neu Eingestellten (Praktische Darstellung).
Gewerkschaftliche Errungenschaften (Fragebogenmethode).

- 7 -

�(3) V/ie eine Gewerkschaft geleitet wird (Fragebogenmethode).
Statuten.
Das Vermoegen der Gewerkschaften.
Die Mehrheit entscheidet - aber die Minderheit hat Recht»..
(4) Beschwerdefaelle und -verfahren. (Fragebogenmethode und
praktische Darstellung).
(5) Der Tarifvertrag (Fragebogenmethpde)(6)

Beschwerd«regelung (Fragebogenmethode - JPjpaktische Darstellung - Beschwerdeberichte)

(7)

Informationen fuer den gewerkschaftlichen Vertrauensmann
(FragebogenmethodeJ:
Taft-Hartley-Gesetz.
Wagner-Gesetz.
Pensionsplaene und soziale Sicherheit.
Eerichte und Protokolle.

(3) Beschwerdewesen (Praktisch^ Darstellung)
Der vom Dozenten der Ortsgewerkschaft zu behandelnde Lehrstoff
ist, wie an Hand des Beispiels gezeigt wird, durchaus zu bewaeltigen.
Die folgenden Beispiele sprechen dabei fuer sich selbst.
Die gesamte Klasse oder eine bestiamte Gruppe Kursusteilnehmer
widmet sich einer Reihe Fragen, die die Art und Weise betreffen, wie
die Gewerkschaft arbeitete So erscheint zum Beispiel der nachstehende
Satz auf dem Fragebogen und soll mit "richtig" oder ••falsch'* beantwortet werden.
"Kann ein Mitglied den Ortsvorsitzenden der Gewerkschaft auf
einer Konferenz der Ortsgewerkschaft kritisieren, weil er Jm Verlauf eines Beschwerdefalles allein zur Direktion geht, um ueber
diesen Streitfall zu verhandeln?"
Die Kursusteilnehmer beantworten die an sie gerichteten Fragen
nach ihrem eigenen Empfinden und ihren eigenen Kenntnissen der Gewerkschaftsorganisationen .
Ein anderer Fragebogen enthaelt Behauptungen ueber die Statuten,
die von den Schulungsteilnehmern mit "richtig" oder "falsch" beantwortet werden muessen, wie zum Beispiels
"Die Rechte der Minderheit umfassen:
1.) Die unbeschraenkte Moeglichkeit, bei Versammlungen der Ortsgewerkschaft ihre Ansicht zu vertreten.
2.) Die Verhinderung einer Abstimmung ueber einen Antrag, ueber den
sich die Mehrheit bereits einig ist.
Die Kursusteilnehraer muessen sich natuerlich darueber klar werden,
inwieweit diese Behauptungen mit den Statuten in Einklang stehen
und diskutieren anschliessend ueber die tatsaechliche Sachlage in
Bezug auf die vorgebrachten Ausfuehrungen.
Der Lehrgang befasst sich hauptsaechlich mit der Behandlung
alltaeglicher Unzulaenglichkeiten und Beschwerden. Diese werden
8

�teilweise im Fragebogen aufgefuehrt oder auch durch praktische
Uebungen dargelegt. So wird in einem Lehrgang zum'Beispiel eroertert, wie sich der gewerkschaftliche Vertrauensmann eines Betriebes pflichtgemaess .zu verhalten hat, wenn er in das, liuero
des Abteilungsleiters gerufen wird, um hier die Namen seiner Kollegen anzugeben, die bei einer kleinen Spielerei «ine Fabrikuhr
boschaedigt hatten - andere meinten, es haette eine regelrechte
Papierballenschlacht in der Maschinenhalle stattgefunden. Bei
der Uebung beobachteten nun die Kursusteilnehmer, wie einer der
ihren mit dem Abteilungsleiter verhandelt und spaeter witf'd darueber diskutiert, wie sie selbst sich anstelle des Vertrauensmannes
verhalten haetten.
Die ersten acht Punkte, die aufgefuehrt wurden, beziehen sich
auf den GrundSchulungskurs fuer Funktionaere, gewerkschaftliche
Vertrauensleute und Beschwerdekomitee-Mitglieder. Es werden solche
Themen behandelt, die fuer die Dozenten nicht allzu schwierig sind,
da ihr Hauptaugenmerk auf die Lehrmethode und die Technik des Lehrens
gerichtet sein muss.
Die folgenden vier punkte des Schulungsprogramms und gwar die
Punkte 9 - 1 2 behandeln das Senioritaetsrecht. Bei diesen Punkten
muss ein wesentlich staerkerer Nachdruck auf die Schulung gelegt
werden als bei den vorangegangenen leicht fasslichen Themen der:
Fall sein konnte. Auf der anderen Seite nehmen diese Lehrmethoden
weniger Zeit und Muehö. in A n 9 P r u ch t da die Lehrkraefte bereits
eigene Klassen geleitet haben.
Die Schulung der Lehrkraefte fuer die Senioritaetskurse erfordert die Erwerbung der notwendigen Kenntnisse und das Bekanntsein mit der Praxis sowie der Bedeutung der verschiedenen Senioritaetsaysteme. Bis heute wurden die Senioritäetsprobleme in drei
Dezirkem mit unterschiedlichem Erfolg geleitet. rBas Senioritaetsproblam ist jedoch noch zu kompliziert, um in der-g-egenwaertigen
Form Ton allen Gewerkschaftsdozenten in den Lehrgangsunterricht
eingebaut zu werden. Die Unterweisung in die Probleme des Senioritaetsrechts fuer die Punkte 11 und 12 fuer einzelne Werke bedarf
ebenfalls noch einer besonderen Klaerung; mit entsprechenden Materialvorbereitungen wurde bereits begonnen.
Das Senioritaetsrecht wurde fuer den zweiten Kursus, der vier
Dis.kussionspunkte umfasst, vorgesehen. Seitdem die Industrie im
Jahre 1949 durch Auftragsmangel gezwungen war, Entlassungen ausausprechen, wurde dieser Kursus dringend notwendig. Obgleich dieses
Problem augenblicklich nicht in gleichem Masse akut i3t, erscheint
es doch wichtig genug, um als zweiter Kursus im Programm festgelegt
zu werden. Der naechste Kursus wird sich mit gewissen wirtschaftlichen Fragen, die fuer die Zellstoff- und Papierindustrie von
besonderem Interesse sind, beschaeftigen. Ausserdem werden die
Beziehungen zwischen Loehnen, Preisen, Gewinnen und anderen rein
wirtschaftlichen Fragen eroertert werden muessen. Die Ausarbeitung
brauchbaren Materials fuer diesen Abschnitt des Schulungsprogramms
duerfte jedoch nicht leicht sein.
Das Schulungsprogramm an der Pazifischen Kueste.
Die beiden Gewerkschaften der Zellstoff- und Papierindustrie
fuehrten im Fruehjahr und im Winter 1951 i m Gebiet der pazifischen
Kueste ein grossangelegtes Schulungsprogramm durch. Die Schulungskurse fuer Dozenten wurden durch die stellvertretenden Landesvorsitzenden der beiden Gewerkschaften organisiert. In Zusammenarbeit
mit den Schulungssekretaeren legten sie fest, wo und wann die Schulungskurse durchgefuehrt werden sollen, Sie luden alle Ortsgewerk^schaften

9 -

�ein, Vertreter zu diesen Schulungskursen zu entsenden.
Bevor diese Schulungslehrgaenge begannen, hatten die Schulungsabteilungen bereits vollstaendige Listen ueber die Teilnehmer in
Haenden. Bei der Einteilung der Kursusteilnehmer in die vorgesehenen SchulungsZentren wurde selbstverstaendlich auf ihren Wohnsitz
Ruecksicht genommen. So konnte jeder kuenftige Dozent rechtzeitig
benachrichtigt werden, wann und wo der Kursus beginnt.
Vierzehn Schulungskurse wurden auf zehn Staedte verteilt.
Drei Mitglieder der gewerkschaftlichen Schulungsabteilung erteilten den Unterricht. 3s vmrden zweitaegige Schulungslehrgaenge abgehalten, die um neun Uhr morgens begannen und um 17*30 Uhr beendet
wurden. Irgendwelche Schulungsarbeit waehrend der Abendstunden
wurde grundsaetzlich abgelehnt, ebenso gab es keine sogenannte geplante Erholung. Bei diesem zweitaegigeh Lehrgang wurden die ersten
vier Punkte des Schulungsprogrammes durchgenommen. Xja Anschluss
daran konnten die zukuenftigan Dozenten wieder nach Hause gehen,,
zuvor wurden sie jedoch mit verschiedenen Aufgaben betraut, die sie
waehrend der einmonatigen Unterbrechung des Lehrganges zu erfuftllen
hatten. Jeder Dozent sollte ausserdem zwei Beschwerdefaelle, die'
er in seiner eigenen Praxis erlebt hat, schriftlich niederlegen.
Aus diesen Berichten wurde das Material ausgewaehlt, das dann in
das Schulungsprogramm mitaufgenommen wird. 7/eiterhin wurden die
Kursleiter angewiesen, bei ihrer Ortsgewerkschaft einen Bericht
zu erstatten und die Lehrgaenge vorzubereiten, d.h., die in Frage
kommenden Teilnehmer zu notieren, die Zeit und den Ort des Lehrgangs festzulegen und schliesslich eine Aufstellung des Materials
anzufertigen, das fuer den ersten Lehrgang gebraucht wird. Ferner
sollten die Dozenten noch ein Buch lesen, das die Beziehung zwischen
Meister und gewerkschaftlichem Vertrauensmann behandelt.
Nach fuenf Wochen fand ein weiterer zweitaegiger Schulungslehrgang statt. Diesmal wurden die Schulungszentren von 10 auf 8 reduziert. Die Punkte 5 - 8 wurden durchgearbeitet und durch praktische Lehrmethoden ergaenzt. inzwischen war der Lerneifer der
Dozenten wesentlich groesser geworden, sie bekamen allmaehlich ein
gesundes Gefuehl fuer die Wichtigkeit ihres Postens und waren sicherer geworden.
Die Anmeldungsformulare der Teilnehmer an den Ortslehrgaengen
und die Materialanforderung wurden eingereicht. Die Probleme, die
sich in der Zwischenzeit ergeben hatten, wurden selbstverstaendlich
ausgiebig besprochen. Falls die Unterstuetzung eines Vertreters
der allamerikanischen Gewerkschaften noetig wurde, sei es, dass
die Beteiligung der Kursusteilnehmer zu wuenschen uebrig Hess,
sei es aus irgendwelchen anderen Gruenden, so wurde dafuer Sorge
getragen. Bevor die Dozenten entlassen wurden, um ihre Lehrtaetijkeit auszuueben, hatten die Schulungsabteilungen eine genaue Vorstellung von den Problemen, die sich ergeben konnten.
Auch auf diesem zweiten zweitaegigen Lehrgang wurde von einem
Mitglied des Schulungsstabes ueber'jede Klasse eine Kontrolliste
gefuehrt. Um sich ftfer weitere Lehraufgaben zu qualifizieren,
muss jeder Dozent an dem gesamten viertaegigen Schulungskursus'
teilnehmen, die ihm gestellten Aufgaben erfuellen und imstande sein,
den Lehrgang mit seiner Klasse durchzufahren, er muss also zuvor
den Beweis erbringen, dass er die Lehrmethoden und die Probleme
verstanden hat. Dabei war die Feststellung sehr erfreulich, dass
nur etwa 10$ der Teilnehmer fuer eine weitere Lehrgangsarbeit
ungeeignet sind.

-

10 -

�Eine Statistik ueber das Schulungsprogramm an der pazifischen
Kueste ist sehr aufschlussreioh. Eine Gesamtzahl von 143 Uaennem
und Frauen nahmen an dem Dozentenlehrgang teil, unter anderem zehn
Vertreter und Funktionaere der Gewerkschaftszentrale. Zehn Teilnehmer fuehrten den viertaegigen Lehrgang nicht zu Ende, weitere
fuenf fielen spaeter noch aus den verschiedensten Gründen aus.
Von den 110 Dozenten haben 81 tatsaechlich die ersten acht
Punkte des Lehrgangs mit ihren Teilnehnern durchgenommen. Mehr
als 20 Dozenten haben in zwei Kursen unterrichtet und einem
Instruktor wurde die besondere Aufgabe zuteil, in einer neuen
Ortsgewerkschaft zu unterrichten. Die Lehrgaenge wurden von
ueber 800 Ortsgewerkschaftsfunktionaeren, gewerkschaftlichen Vertrauensleuten und Gewerkschaftsmitgliedern besucht.
Diese Ergebnisse der gewerkschaftlichen Schulungsarbeit sind
ausserordentlich beachtlich. Die Zahl der Lehrstunden ueberstieg
noch die der Hochsohulen, die groessere Hilfsmittel und mehr Personal zur Verfuegung haben. Eine bekannte Hochschule, die Gewerkschaftskurse durchfuehrt, berichtete im September 1951 die erfolgreiche Durchfuehrung von 24 Studienkursen. Die Universitaet verfuegt Jedoch ueber zehn hauptberufliche Lehrkraefte, die den gewerkschaftlichen Unterricht erteilen.
Umfang und Auswertung des Programms.
Anfang 1952 war dieses Sohulungsprogramm bereits gut fundiert.
Ueberall in Amerika waren Dozenten geschult worden, sei es an der
pazifischen Kueste oder in Britisch-Kolumbien, in Ontario oder
Quebec in Kanada; in Wisconsin, Minnesota oder Michigan, sei es in
den Suedstaaten; in den Staaten Heu-Englands, im noerdlichen Teil
des Staates Hew York oder in den mittelatlantischen Staaten. Die
Teilnahme der Ortsgewerkschaften* war recht unterschiedlich, Jedoch
leistete ein grosser Prozentsatz der Ortsgewerkschaften, die um
die Foerderung des Schulungsprogramms gebeten wurden, dem Aufruf
Folge.
An Jedem Schulungslehrgang nimmt immer ein Vertreter der Gewerkschaftszentrale teil. Diese Vertreter muessen notfalls ebenfalls in der Lage sein, die Schulungslehrgaenge abzuhalten. Im
grossen und ganzen Jedoch haben sie innerhalb des Schulungsprogramms nur eine beratende Funktion, genau so wie in allen anderen
Angelegenheiten der Ortsgewerkschaften.
Bis jetzt sind "575 Dozenten ausgebildet worden. Die Mehrzahl
von ihnen hat in ihrer zustaendigen Ortsgewerkschaft Lehrgaenge
aufgestellt und erteilt staendig Unterricht.
Das Schulungsprogramm der Ortsgewerkschaften kann jetzt nur
noch dort als experimentell bezeichnet werden, wo es sich um neuhinzugekommenen Lehrstoff handelt. Das Kernmaterial des Lehrgangs
liegt fest. Es sind genuegend Unterlagen vorhanden! um gewisse Voraussagen mit Bestimmtheit machen zu koennen, wie etwa folgendet
1.) Von drei ausgebildeten Dozenten werden zwei in den Ortsgewerkschaften lehren. 2.) Zwei Drittel der Ortsgewerkschaften haben den Wunsch und die Mittel, um an diesem Programm teilzunehmen.
3.) SO"* der Ortsgewerkschaften, die Teilnehmer zu den Anfangskursen entsenden, lassen ihre Dozenten auch spaeter die hoeheren
Kurse besuchen und unterstuetzen das Programm, indem sie die Lehrgaenge erweitern, in denen gewerkschaftliche Grundgebiete gelehrt
werden.
-

11

�Dieses Programm dient nicht nur der Erziehung, sondern auch
der Schulung. Die Gewerkschaftsfunktionaere wollen keine Erziehungsluecken ausfuellen, die vielleicht bei ihren Mitgliedern vorhanden sind. Die Gewerkschaften verfolgen ganz bestimmte Zwecke und
verwenden wohlerprobte Methoden. Das «'ort "Schulung" ist nicht so
aufzufassen, als waere es rein zufaellig gebraucht. Viele alltaeglichen Probleme, mit denen der Vertreter der Ortsgewerkschaft sich
beschaeftigen muss, haben jedoch eine oppositionelle Bedeutung;
auch die gewerkschaftliche Tradition ist bewegt und fordert zu
Aktionen heraus. Der Inhalt und die Richtung der Diskussionen innerhalb der Lehrgaenge wird daher hoechstwahrscheinlich durch die
Haltung, die Wertschaetzung und das Wissen der Lehrgangsteilnehmer
bestimmt.
Das wichtigste Ergebnis dieses Programms ist die Tatsache, dass
sich die Ortsgewerkschaft fuer den langsamen und- schwierigen, letzten Endes jedoch erfolgreichen Prozess der Selbsthilfe entschieden
haben. Beide Gewerkschaften der Papierindustrie, von denen hier die
Rede ist, haben eine starke oertliche Selbstaendigkeit erworben und
verfuegen ueber eine aktive, ideenreiche Gewerkschaftsbewegung. Diese charakteristischen Merkmale ermoeglichen erst e^.n derartig bedeutendes Schulungsprogramm. Ausserdem traegt dieses Programm dazu bei,
jene Bestrebungen weiter zu verfolgen, die den Anlass-zur Gruendung
der Gewerkschaften gaben.

Monthly Labor Review,
1952, Vol. 74, No. 4
Forschungs- urtd Produktivitaetsprobleme in der britischen Schuhindustrie.
Zwei verhaeltnismaessig neue Forschungsergebnisse tragen wesentlich zur Produktivitaetssteigerung in der Schuhindustrie bei.
Die SATRA-Forschungsgemeinschaft (British Boot, jShoe &amp;_Allied
_Trade8 Research Association) hat eine Reihe Untersuchungen zur
FeststeTlung der Arbeitsleistung in Betrieben abgeschlossen,
waehrend die Forschungsarbeit ihrer Laboratorien hinsichtlich
der Beschaffenheit des Schuhmaterials wesentliche Einsparungsmoeglichkeiten feststellen konnte.
Mehr als 90$ aller Betriebe dieses Industriezweiges gehoeren dem Verband an.
Wissenschaftliche und technische Gruppen des Verbandes haben
eine Reihe Fabriken besucht und Durchschnittsplanziffern auf Grund
der Leistungen der drei besten Betriebe ausgearbeitet. In den
Uebersichten v/erden die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Betrieben nach ihrem Ausstoss, den Arbeitskosten und dem Gewinn berechnet. In den meisten leistungsfaehigen Betrieben betragen die Ausgaben fuer Arbei'tsloehne um 25$ weniger als in den
uebrigen Betrieben, waehrend der Gewinn um £2 pro Woche hoeher
liegt. Es ist daneben ein- Verfahren zur schnellen und sicheren
Schaetzung der ^ualitaet eingefuehrt worden, das auch ohne Festlegung von Nornalwerten zeigt, dass zwischen den mooglichen Qualitaetsklassen eine Schwankung von 60 bis 90$ besteht.
Auf Grund dieser Untersuchungen ist die SATRA nunmehr in der
Lage, den einzelnen Unternehmen eine mehrfache Auswahlsmoeglichkeit
zur Festlej-ung ihrer Produl-.tivitaetsziele vorzulegen. Die planziffern lassen sich je nach der Anzahl der fertiggestellten Schuhe,

12

�der Anzahl der Arbeitsgaenge je Vorarbeiter, der durchschnittlichen
Arbeitsleistung je Arbeiter oder aber nach dem Prozentsatz der
Ausschuss-Schuhe festlegen. Neben den Planziffern fuer jeden Arbeitagang werden allgemeingültige Produktivitaetsziffern fuer jede
Abteilung und jeden Betrieb festgelegt. Diese sind besonders wichtig, da sie sich nicht allein darauf beschraenken, die weniger
leistungsfaehigen Betriebe auf den gleichen Stand wie die besten
zu bringen, sondern, da selbst die besten Betriebe wunde punkte
aufweisen, «in Leistungssoll festlegen, das auch fuer diese Gueltlgkeit besitzt.
Unter Verwendung des Zahlenmaterials, das von den Betriebeleitungen zur Verfuegung gestellt wird, kann der Verband zweckmaessige Varsohlaege zur Steigerung der Produktivitaet vorlegen.
Bas Verfahren ist noch in den Kinderschuhen, aber nach den Berichten der. Unternehmen sind bereits Verbesserungen von 10 bis 15$
zu verzeichnen.
Manchmal wird das Leistungssoll um 15 oder 20$ ueberschritten,
womit de* Beweis erbracht ist, dass mit den zur Verfuegung stehenden Arbeitakraeften, Maschinen und Material die festgesetzte produktionshoechstleistung erreicht werden kann.
Vor einiger Zelt erklaerte der Leiter der Indusltrieabteilung
de» SATKAj F.G. Bailey, auf einer Konferenz, deren Thema"Dte Prodüktivltaetssteigerung in der Schuhindustrie" lautete, dass ihre
Forschuhgen.auf dem Gebiet aar Schuhindustrie darauf ausgerichtet
seien, zu beweisen, dass das Verhaeltnis der taeglichen Arbeitsleistung in sich selbst ein guter Masslab fuer die produktivitaet
eines Betriebes ist. Er wies auf einen Forschungsbericht hin,
aus dem hervorgeht, dass die Beschaeftigung von Arbeitern auf
Tageslohnbasis eher als Symptom denn, als Ursache fuer die geringe
Produktivitaet gewertet wird und hauptsaechlich dort zu finden
ist, Wo die bestehende Organisation und der Fluse der Arbeit es
den Beschaeftigten unmoeglioh machen, im Akkord ausreichende Loehne
zu verdienen. Weiterhin wird darin festgestellt, dass die Leistungsfaehigkeit der Betriebsleitung durch die beharrlichen Forderungen
der Akkordarbeiter nach guenstigen Bedingungen einen starken Antrieb erhielt. Fast immer mussten die SATRA-Untersuchungskommissionen feststellen, dass der entscheidende Faktor darin lag, in
welchem Masse die Betriebsleitungen den Finger auf den Puls der
Abteilungen' legten.
In der Schuhfabrik wie in den meisten Industriezweigen, wo
die Bearbeitung und der innerbetriebliche Transport der Ware
schaetzuhgsweise 60 - 80$ der Gesamtarbeitszeit beanspruchen,
ist die Transportfrage ein Problem von besonderer Bedeutung.
Auf Grund entsprechender Untersuchungen hat die SATRA ein neues
Foerdergeraet fuer die Durchfuehrung der Arbeitsgaenge entwickelt.
Es ist so eingerichtet, dass es zwischen den einzelnen Arbeitsgaengen anhaelt, also den verschiedenen Arbeitsgeschwindigkeiten
gerecht werden kann. Es bietet somit eine ideale Voraussetzung
fuer ein schnelles Arbeiten und ermoaglicht bei besonders schwierigen Umstaenden die Seachtung der erforderlichen Sorgfalt .
Durch seine Beschaffenheit laesst es ein ununterbrochenes Arbeiten
in voellig bequemer Stellung zu. Ein spiralfoermiger Behaelter
reguliert den Arbeitsnachacliub nach dem Prinzip der Schwerkraft.
Sobald der Arbeitsgang an der Maschine beendet und der Schuh auf
das Foerdergeraet zurueckgestellt ist, -wird der Schuh automatisch
zum naechsten Arbeitsgang weiterbefoerdert.

-

13

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�Im Anschluss an die Untersuchungen drehte die SATRA einige
Schmalfilme, die Arbeiter"stars" bei ihrer Arbeit zeigen. Da
sonst in einem Film das Hauptaugenmerk nicht auf die Voraussetzungen fuer. aussergewoehnliche Arbeitsleistungen gerichtet
wird, hat der Verband ein voellig neues Filmgeraet unter der Bezeichnung "Tachograph" eingefuehrt. Dieses registriert auf elektrischem v/ege die maschinellen Bewegungen und die Geschwindigkeiten und schaltet dadurch viele menschliche Irrtuemer aus, die
bei der Verwendung von Stoppuhren entstehen. Es kann laengere
Zeit hindurch registrieren und hat bereits zur Verbesserung weiterer Hilfsmittel fuer die ununterbrochene Herstellung gefuehrt.
Bei der Fabrikation von Schuhen werden die Hauptunkosten
durch das Material verursacht. Die SATRA beraet Herstellerfirmen bei der Auswahl besonders geeigneter Materialien und arbeitet
gemeinsam mit den Materiallieferanten an der weiteren Verbesserung
des Schuhmaterials und Zubehoere. Vor kurzem hat der Verband
einen Index zur Berechnung.der Haltbarkeit des Ober- und Sohlenleders ausgearbeitet.
Eine gesteigerte Wirtschaftlichkeit wird beim Zuschneiden von
Sohlenleder durch sorgfaeltig gearbeitete Originalmuster gewaehrleistet. Es ist durchaus nicht ungewoehnlich,' wenn in einer Fabrik,
die eine Vielfalt von Schuhformen herstellt, mehr als 200 Groessen
gebraucht werden, und es ist sicherlich nicht zweckmaessig, fuer
Jede einzelne Groesse eine Zuachneidepresse zu haben. Drei Formen
pro Schuhgroesse sind gerade praktisch, und, die SATRA vermittelt
den einzelnen Firmen die fuer ihre eigene Produktion geeigneten
Zuschneidepressen.
"Target"
No.8/9, 52
Amerikanische Stahlarbeitergewerkschaft billigt Leistungsunter'suchung.
Der Bericht der Stahlbaukommission enthaelt keine Aufstellung
bestimmter Vorsohlaege wie der Bericht der Stahl- und'Eisenkommission. Er beschreibt in objektiver Weise die Eindruecke, die die
Mitglieder dieser Kommission auf ihrer Studienreise gesammelt haben,
jeder technische Abschnitt schlisset mit einer Zusammenfassung der
darin aufgeworfenen Fragen.
Das Thema wird nacn drei verschiedenen Gesichtspunkten behandelte Bruecken- und Stahlgeruestebau, Stahlwalz- und mechanische
Fabrikation3anlagen.
Die Leistung des einzelnen Arbeiters liegt in den Vereinigten
Staaten hoeher, was im wesentlichen auf die Verwendung von breiten
Profilflanschen zurueckzufuehren ist. Weiterhin ergibt sich dort
eine hoehere produktivitaet durch die Tatsache, dass die verschiedenen Arbeitsgebiete in den Werkhallen nicht streng abgegrenzt und
eingeengt sind. Zum Beispiel darf doft ein Monteur jede Art hand*
werklicher Arbeit ausfuehren, die zu einer Montage erforderlich ist,
wie zum Beispiel passen, nieten, schwaivaen, uvw.. Dadurch wird ein
ununterbrochener Arbeitsgang gewährleistet und es entsteht kein
Zeitverlust durch das Warten, auf die Beendigung* des vorhergehenden
Arbeitsganges. In amerikanischen Betrieben werden weniger Hilfekraefte, wie z. B. zur Bedienung, wie etwa Zutraeger, gebraucht,
da die Produktionsarbeiter den Flusa, des Materials selbst bewerkstelligen.

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�In Amerika wird die Arbeit in den technische-» Einzelheiten
im voraus schematisch festgelegt, was den Produktionsprozess dann
epaeter erleichtert.
Die Einfuehrung-verschiedener Sicherheitsvorschriften in den
britischen Betrieben bei der Schweisgung von Verbindungsstuecken
machte die Verwendung von Stahlplatten erforderlich, die staerker
als die normalerweise ueblichen sind. Es wird vorgeschlagen, eine
Revision des Leistungsfaktors in den britischen Betrieben durchzufahren, um Einsparung durch die Verwendung, anderer platten vorzunehmen.
Viele amerikanische Verarbeitungsbetriebe haben aioh auf die
Herstellung bestimmter Zubehoerteile spezialisiert, die sie dann
an andere Verarbeitungsbetriebe absetzen, die sich ihrerseits auf
die Herstellung anderer Teile konzentrieren.
Der Maschinenbau steht auf dem Vorlesungsplan vieler amerikanischer Hochschulen und üniversitaeten.
Im Gegensatz zu Grossbritannien gibt es dort keine fest«
woechentliohe Stundenzahl fuer Stahlbauarbeiter und keine Bezahlung fuer Schlechtwetter-Perioden. Bei langfristigen Vertraegen
werden entapreohende Sicherheiten geboten, obwohl einige in Grossbritannien eingsfuehrte Methoden dort nicht angewendet werden.
In dem Bericht heisst est "
Hinter dem Einzelnen stehen
die amerikanischen Gewerkschaften, die sich der Notwendigkeit
bewuset sind, die Methoden der Betriebsfuehrung zu erforschen und
bei ihrer Anwendung in den Betrieben mitzuhelfen.' Dies wird durch
ihre einzigartige Organisation ermoeglicht, und obschon sie in
dieser Torrn in den britischen Betrieben nicht existiert, kann sehr
viel zur Erreichung einer besseren Zusammenarbeit der verschiedenen
Gewerkschaften auf Betriebsebene getan werden."
"Technische Gewerkschaftsabteilungen koennen Vertreter der
Arbeiterschaft in Produktionsleitungsmethoden ausbilden, damit sie
in der Lage sind, bei Besprechungen gemeinsamer Produktionsaussohuesse einen.konkreten und wertvollen Beitrag zu leisten, ohne
dabei- ihre Forderungen bei Lohnverhandlungen zu gefaehrden* In
dieser Beziehung ist schon einiges getan worden, aber es koennte
noch viel mehr getan werden, der Antrieb hierzu muesete allerdings von Seiten der&gt;beruflieh orientierten Gewerkschaften kommen.»
"Pas Interesse der Gewerkschaften an der Produktionsleitung
und der daraus resultierenden Beibehaltung eines exhoehten Lebensstandard* ist ein wesentlicher Paktor fuer die Staerke und Elaatizitaet der amerikanischen Industrie."
Weiter wird erwaehnt, dase die Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten die Berechnung der normalen taegllchen Arbeitsleistung
durch die Messung der fuer die einweinen Handgriffe beanspruchten
Zeit anerkennen; das« alle Lohnverhandlungen auf Betriebsebene
gefuehrt werden; dass die meisten der beeuchten Betriebe die Arbeiter nach ihref Leistung bezahlen, und dass die Verbundenheit
der oertlichen Gewerkschaften mit'den einzelnen» Fabriken den
Betriebsangehoerigen ein besonderes Interesse an der Leiatungsfaehigkeit und dem Gedeihen des Betriebes vermittelt.
Die Kommission hat festgestellt, dass die Werkanlagen in
amerikanischen Betrieben ^laeufig Einrichtungen zur Erleichterung

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�des Materialtransports und zur Einsparung von Arbeitakraeftan
haben, die eine schnellere Arbeiteabwicklung gewaehrleisten,
iri-e «um Beispiel Hilfflaufzuege und Transportgeraete, besondere
Gabelstapler und Elektrokarren.
•Target"
HO. 8/9, $?
Amerikanische Gewerkschafter und ihre Haltung au politischen
Ratschlaegen
lieber die Frage des Wertes gewerkschaftlicher Ratschlaege
in politischen Angelegenheiten ist eigentlich bisher nur sehr
wenig.geaeussert worden. Das ist insofern natuerlloh, als
seither alle Folgerungen mehr oder minder fr&amp;gwuerdiger Natur
warent da man ueber Vermutungen nicht hinauskam.
Nun hat jedoch der bekannt*, amerikanische Meinungsforscher
Elmo Roper, der Leiter der Prueforganisation fuer oeffentliehe
Meinung, eine besondere Untersuchung durchgefuehrt, um festzustellen, in welchem Masse amerikanische Gewerkschaftsmitglieder
sich nach den Empfehlungen ihrer Organisation bei der Stimmabgäbe richten. Wenn alle Gewerkschaftsmitglieder sich in die
Wahllisten aufnehmen Hessen und am Wahltag ihre Stimme so abgeben, wie es die fuehrenden Maenner der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung vorgeschlagen haben, dann wuerde sich allein aus
den Reihen der Gewerkschaftemitglieder eine Steigerung von etwa
acht Millionen Stimmen ergeben. Bisher ging naemlich nur etwa
die Haelfte der Gewerkschaftsmitglieder zur I&amp;h-lurne, die ander«
Haelfte verzichtete auf jede Wahlbeteiligung, weil sie zu viel
Scherereien machte.
Aus dem Bericht Ropers geht nicht hervor, dass Gewerkschaftsmitglieder keine aktive politische Rolle spielen. Weniger als die
Haelfte der Befragten erklaerte den Interviewern, dass sie bei
jeder Wahl ihre Stimme, abgegeben habe, sei es bei Wahlen der Gemeinde, der Einzelstaaten oder des Bundes, die in den letzten
vier Jahren abgehalten wurden. Die Bemuehunge» der AFL-Liga fuer
politische Schulung, des Politischen Aktionskomitees des CIO sowie der -politischen Ausschusses der verschiedenen unabhaengigen
Gewerkschaften gehen dahin, die Gewerkschaftsmitglieder und ihre
Familien zur Einschreibung in die Stimmlisten zu veranlassen und
sie am Wahltag an die Urnen zu bringen. Natuerlloh erfolgt auch
hier eine Beeinflussung des Waehlers, wobei sich die Gewerkschaften jedoch gewoehnlich keiner Partei verschreiben, sondern stets
den gewerkschaftsfreundlichen Kandidaten empfehlen.
Special Article,
LS 52 - 5070

-

16

O l l t l l K S ! 1»'» ! MIC

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und
dienen der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren
Mitglieder. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei dem
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post
zugeleitet. Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme
irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

Y -

IIT

i H n A 1. x a v t u i t i i; a » i s
Eisenhowers Rad« vor das AFL-Kongrese in New York

Seite

1

George Meanyi
Warum der amerikanische Arbeiter
das fraie Unternehmertum unteretuetzt

Seite

9

Bewegungsstudie halbiert Anlernzeit

Salt« 12

Hans Hansen:
Dia daenisehen Baugenossenschaftan zeigen
Moeglichkeiten verstaerkten Wohnungsbaus

Seite 14

Zunahme des Mittelstandes in den Vereinigten Staaten».

Seite 13

Eisenhowera Rede vor den AFL-Kongress in New York
Die Einladung, auf Ihren Kongress zu sprechen, gibt mir die
erste Gelegenheit, das zu tun, was ich schon lange vorhatte! naemlich vor die amerikanischen Gewerkschaften zu treten und ihnen die
Versicherung zu geben, dass die freie Welt immer in ihrer Schuld
bleiben wird fuer ihre tatkraeftige Unterstuetzung, die sie unserem Sieg in letzten Kriege angedeihen Hessen. Immer, wenn Ich
waehrend des Krieges Botschaften an die Gewerkschaften richtete,
war ich mir der Tatsache bewusst, dass ich die Uniform meine»
Landes trug. Deshalb legte ich stets besonderen Wert auf die
beiden folgenden Punktet Erstens, dass Krieg herrschte und wir
in einen schrecklichen Konflikt um die Verteidigung der Freiheit
verwickelt waren} und zweitens, dass unsere kaempfende Truppe,
Infanteristen, Marine und Luftwaffe, Eure Soehne, Eure Freunde
und Kameraden, Waffen brauchten, die nur von den arbeitenden Maennern und Frauen geschmiedet werden konnten. In diese Botschaften
legte ich die ganze Inbrunst eines Mannes, der das schreibt, was
ihm am Herzen liegt. Und der Widerhall war stark, weit staerker
als jemals der Appell eines einzigen Mannes haette sein koennen.
Lassen Sie mich heute einfach und klar zum Ausdruck bringen, dass
der Beitrag der freien amerikanischen Gewerkschaften zum Siege der
Freiheit alle Erwartungen ueberstieg.

�Fuer alle Zeiten haben Sie bewiesen, dass die freie Gewerkschaftsbewegung besser arbeiten, besser produzieren, bessere
Loehne erzielen und ueberhaupt guenstigere Ergebnisse zustande
bringen kann als Sklavenarbeiter, seien es die im damaligen
Nazi-Deutschland oder im heutigen kommunistischen Russland.
Heute ist unsere Aufgabe weniger dramatisch, aber nicht weniger wichtig oder weniger noetig. Es handelt sich jetzt darum, den
Frieden zu sichern, den wir so teuer erkauften. Wieder muss die
Gewerkschaftsbewegung gemeinsam mit allen anderen Cruppen Amerikas
ihre Posten beziehen, um die freie Welt so stark an Herz und Herren
zu machen, dass eine Aggression undenkbar wird.
Bei dieser grossen Aufgabe ist Ihre Verantwortung eine andere
als jene waehrend des Krieges. Und so ist es auch bei min Meine
Aufgabe ist auch fuer mich eine voellig neue. Und ich weiss, dass
Sie mir glauben, dass ich diese Pflicht niemals uebernommen haette,
waere ich nicht davon ueberzeugt, dass dies meine Aufgabe ist, die
ich im Dienste Amerikas zu erfuellen habe.
Die Tatsache, dass ich heute als Zivilist, als Kandidat fuer
das hoechste Amt unseres Landes vor Sie trete, bedeutet nicht,
dass ich mehr von Ihnen zu verlangen haette als wenn ich in uniform erschienen waere. Sie kennen mich sicherlich gut genug, um
zu wissen, daas ich nicht gekommen bin, um mich einzuschmeicheln.
Ich bin auch nicht zu Ihnen gekommen, um Ihnen ein Angebot zu
machen oder um Ihre Unterstuetzung zu buhlen. Meine Ansichten
ueber die Gewerkschaftsbewegung werden keim« anderen sein als sie
es seit langem waren, ohne Ruecksicht auf die Haltung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung auf diesem Kongress in Bezug auf die
Frage der Unterstuetzung eines Praesidentschaftskandidaten. In
dieser wichtigen Angelegenheit werde ich mich immer nur von einem
Motto leiten lassen: Was ist gut fuer Amerika, fuer ganz Amerika?
Meine Aufgabe hat sich zwar geaendert, ich jedoch habe mich
nicht geaendert.
In meinem ganzen Leben habe ich immer das gesagt, was ich dachte, und ich habe auch stets gedacht, was ich sagte. Daran wird
niemand etwas aendern. Mein ganzes Leben lang habe ich mir einen
tiefen und grundsaetzlichen Glauben an mein Land, sein Tolk, seine
Grundsaetze und seine geistigen Werte bewahrt. Auch das wird niemand aendern.
In dieser meiner neuen Rolle habe ich mit vielen meiner Mitbuerger ueber die grossen Aufgaben von heute gesprochen und auch
ueber die ernsten Probleme, denen wir in den naechsten vier Jahren
gegenueberstehen werden. Jedermann hat ein Recht, zu wissen, was
in meinem Kopf und in meinem Herzen vor sich geht.
Unter dem Druck jener Maenner, die Macht als Recht ansehen,
aber nicht als Verantwortung, sind wir gezwungen, das Aeusserste
zu tun. Politische Fuehrer haben es zugelassen, dass unsere Nation in einen Krieg verwickelt wurde, in dem wir keinerlei Plaene
fuer einen Sieg vorbereitet haben. Politische Fuehrer Hessen
es zu, dass der Abscheu vor dem Kommunismus uns voneinander trennt,
anstatt uns zu einen, wie es haette sein koennen. Und anstatt
innere Probleme zu loesen, nutzten politische Fuehrer diese Probleme fuer engstirnige parteipolitische Zwecke aus. Ich weiss, dass
Millionen Mitglieder der AFL ebenso wie ich von diesem Washingtoner
Durcheinander genug haben, und ich weiss, dass viele von Ihnen mir
helfen werden, diese Misstaende zu beseitigen.

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staatliches Beilegung*- und Schlichtungswesen ist. Es steht aus
Ruecksicht auf politische Manoever solange beiseite, bis der Siedepunkt der Streitigkeiten erreicht ist.
Das staatliche Schlichtungswesen ist in Amerika in einen derartigen Verruf eekonnan. daaa unaa-r VnlV «n«#Unk«T«oi«» ««h«« »•»-

In Wahrheit ist es so, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung viel geschickter und schneller als die amerikanische Verwaltung diesen Problemen begegnete. Ich habe zum Beispiel nie davon gehoert, dass Sie das Problem'eines kommunistischen Agenten in
einer hohen politischen Stellung "Fantasiegeschichte" nannten. Ganz
im Gegenteil, Sie haben gezeigt, wie man durch gruendliches Begreifen des Kommunismus und durch die Entschlossenheit, ihn zu bekaempfen, Organisationen von jedem kommunistischen Einfluss frei halten
kann. Sie haben den Kommunisten wirklich kein glueckliches Heim
bereitet, in dem sie gedeihen und sich weiter entwickeln konnten.
Unsere aufrichtigen amerikanischen Gewerkschafter haben beachtlich
dazu beigetragen, den Widerstand des amerikanischen Arbeiters gegen
den Kommunismus zu staerken.
.Ich weiss, dass Sie meine Ansichten ueber gewerkschaftliche
Probleme als Diskussionsthema wuenschten. Deshalb moechte ich von
Anfang an sagen, dass ich der Meinung bin, dass in Washington eine
Regierung am Ruder sein sollte, die dem Arbeiter im gleichen Umfang
wie dem Unternehmer Vertrauen einfloesst. Zur Zeit gibt es keine
derartige Regierung. Um jedoch eine Regierung zu berufen, der beide
Teile vertrauen koennen, brauchen wir nicht noch mehr Gesetze, sondern eine staerkere Führerschaft.
Vielleicht ist es nicht fehl am Platze, in diesen Tagen der
politischen Forderungen und Gegenforderungen daran zu erinnern,
dass es meine Partei war, die das Recht der Arbeiter, sich zu organisieren und Tarifverträge abzuschliessen, gesetzlich verankerte.
Dieses Recht wurde erstmalig in dem Eisenbahnarbeiter-Gesetz von
1926 festgelegt. Es wurde so langt als vorbildlich angesehen, bis
spaetere Verwaltungen damit Politik machten.
Das Norris-LaGuardia Gesetz wurde ebenfalls unter der Regierung
meiner Partei verabschiedet. Diese beiden Gesetze schafften die
Grundlage fuer die legalen Rechte der Arbeiterschaft und ihrer
Gewerkschaften. Auf dieser Basis wurden weitere rechtliche Verordnungen aufgebaut, die das Wachstum der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung foerderten.
Ich weiss sehr gut, welche konkreten Vorteile das Anwachsen
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung brachte.
Bevor ich vor 41 Jahren in die Armee eintrat, arbeitete ich
in einem Kaeserei- und Kuehlhauabetrieb in Kansas. In damaligen
Zeiten war das eine sehr schoene Stellung. Ich arbeitete 84 Stunden pro Woche und zwar in der Nachtschicht von sechs Uhr abends
bis sechs Uhr morgens, sieben Naschte in einer Woche. Seitdem
haben jedoch die Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit den Unternehmern das Los der Arbeitenden weitgehend verbessert.
Heute nehmen in Amerika die Gewerkschaften einen sicheren
Platz im industriellen Leben ein. Nur eine Handvoll unbelehrbarer Reaktionaere beschaeftigt sich mit dem haesslichen Gedanken, die Gewerkschaften zu spalten und den Arbeitern das Recht
auf freie Wahl ihrer Gewerkschaft streitig zu machen.
Ich kann diese Leute nicht gebrauchen — gleichgueltig,
welcher politischen Partei sie angehoeren -- die sich unnuetzen,
dummen Traeumen von einem Zurueckdrehen der Uhr der Zeit zu jenen
Tagen hingeben, da die Arbeiter noch nicht organisiert waren und
eine zuaammengewuerfelte, hilflose Masse bildeten. Es ist naemlich nicht nur der Unternehmer, der die Arbeiter ausbeuten kann.
Oder sollten die Arbeiter den aussergewoehnlichen Vorschlag der

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3 -

�In Wahrheit ist es so, daas die amerikanische Gewerkschaftsbewegung viel geschickter und schneller als die amerikanische Verwaltung diesen Problemen begegnete. Ich habe zum Beispiel nie davon gehoert, daas Sie das Problem"eines kommunistischen Agenten ia
einer hohen politischen Stellung "Fantasiegeschichte" nannten. Ganz
im Gegenteil, Sie haben gezeigt, wie man durch gruendliches Begreifen des Kommunismus und durch die Entschlossenheit, ihn zu bekaempfen, Organisationen von jedem kommunistischen Einfluss frei halten
kann. Sie haben den Kommunisten wirklich kein glueckliches Heim
bereitet, in dem sie gedeihen und sich weiter entwickeln konnten.
Unsere aufrichtigen amerikanischen Gewerkschafter haben beachtlich
dazu beigetragen, den Widerstand des amerikanischen Arbeiters gegen
den Kommunismus zu staerken.
.Ich weiss, dass Sie meine Ansichten ueber gewerkschaftliche
Probleme als Diskussionsthema wuenschten. Beshalb moechte ich von
Anfang an sagen, dass ich der Meinung bin, dass in Washington ein«
Regierung am Ruder sein sollte, die dem Arbeiter im gleichen Umfang
wie dem Unternehmer Vertrauen einfloesst. Zur Zeit gibt es keine
derartige Regierung. Um jedoch eine Regierung zu berufen, der beide
Teile vertrauen koennen, brauchen wir nicht noch mehr Gesetze, sondern eine staerkere Puehrerschaft.
Vielleicht ist es nicht fehl am Platze, in diesen Tagen der
politischen Forderungen und Gegenforderungen daran zu erinnern,
dass es meine Partei war, die das Recht der Arbeiter, sich zu organisieren und Tarifvertraege abzuschliessen, gesetzlich verankerte.
Bieses Recht wurde erstmalig in dem Eisenbahnarbeiter-Gesetz von
1926 festgelegt. Es wurde so lange als vorbildlich angesehen, bis
spaetere Verwaltungen damit Politik machten.
Bas Norris-LaGuardia Gesetz wurde ebenfalls unter der Regierung
meiner Partei verabschiedet. Biese beiden Gesetze schafften die
Grundlage fuer die legalen Rechte der Arbeiterschaft und ihrer
Gewerkschaften. Auf dieser Basis wurden weitere rechtliche Verordnungen aufgebaut, die das Wachstum der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung foerderten.
Ich weiss sehr gut, welche konkreten Vorteile das Anwachsen
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung brachte.
Bevor ich vor 41 Jahren in die Armee eintrat, arbeitete ich
in einem Kaeserei- und Kuehlhausbetrieb in Kansas. In damaligen
Zeiten war das eine sehr schoene Stellung. Ich arbeitete 84 Stunden pro Woche und zwar in der Nachtschicht von sechs Uhr abends
bis sechs Uhr morgens, sieben Naechte in einer Woche. Seitdem
haben jedoch die Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit den Unternehmern das Los der Arbeitenden weitgehend verbessert.
Heute nehmen in Amerika die Gewerkschaften einen sicheren
Platz im industriellen Leben ein. Nur eine Handvoll unbelehrbarer Reaktionaere beschaeftigt sich mit dem haesslichen Gedanken, die Gewerkschaften zu spalten und den Arbeitern das Recht
auf freie Wahl ihrer Gewerkschaft streitig zu machen.
Ich kann diese Leute nicht gebrauchen — gleichgueltig,
welcher politischen Partei sie angehoeren — die sich unnuetzen,
dummen Traeumen von einem Zurueckdrehen der Uhr der Zeit zu jenen
Tagen hingeben, da die Arbeiter noch nicht organisiert waren und
eine zusammengewuerfelte, hilflose Masse bildeten. Es ist naemlich nicht nur der Unternehmer, der die Arbeiter ausbeuten kann.
Oder sollten die Arbeiter den aussergewoehnlichen Vorschlag der

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�jetzigen Regierung ueber die Massnahmen gegen einen angedrohten
Eisenbahnerstreik schon wieder vergessen haben? Der oberste
Fuehrer der Demokratischen Partei stellte die Forderung, alle
Streikenden in die Armee einzuziehen!
Als damaliger Stabschef fand ich mich in diese Angelegenheit
verwickelt. Das war im Fruehjahr 1946. Ich war gerade von einer
Inspektionsreise im Pazifischen Ozean zurueckgekehrt und wollte
mich in Georgia ein klein wenig erholen. Da kam ein Telefongespraech aus Washington. Ich wurde angewiesen, sofort nach Washington zurueckzukommen, um den Befehl ueber die streikenden Eisenbahner zu uebernehmen, die gerade in die Armee einberufen werden
sollten. Unter bitterem Protest weigerte ich mich. Man sagte
mir, dass ich der einzige Militaer sei, mit dem die Eisenbahner
ueberhaupt sprechen wuerden. Ich uebernahm also die Aufgabe.
Aber ich war natuerlioh Soldat und kein Streikbrecher.
Soweit ich mich erinnere, widersprach mein jetziger Wahlgegner nicht der Einberufung der Streikenden in die Armee. Auch
sein sich fuer die Vizepraesidentachaft bewerbender Anhaenger
stimmte fuer diese Massnahme. Letzten Endes ueberstimmten jedoch
die Angehoerigen der Republikanischen Partei im Senat diesen Vorschlag.
Ich strebe keine Schiedsgewalt ueber die Arbeiterschaft oder
die Industrie an. Ich glaube nicht daran, dass der Praesident
einer freien Nation sie ausueben kann, ohne dass die Nation ihre
Freiheit einbuesst. Mein Gegner hat am "Tag der Arbeit" sehr
klar zum Ausdruck gebracht, dass er die Macht haben will, als
Praesident Entscheidungen zu erzwingen. Das ist genau das, was
ich ablehne. Der grundsaetzliche, unversoehnliche Unterschied
zwischen seiner und meiner Position ist der, dass er und seine
Partei den Zwang befuerworten, waehrend ich ihn ablehne!
Lassen Sie uns frei ueber das Problem des Streiks sprechen.
Das Recht aller Schaffenden, ihre Arbeit niederzulegen, ist ein
Musterbeispiel der Freiheit. Hitler unterdrueckte jeden Streik.
Stalin unterdrueckt ebenfalls jeden Streik. Das Einberufen von
Streikenden zur Armee wuerde den Streik natuerlich auch unterdrücken. In jedem einzelnen Fall wird aber die Freiheit unterdrueckt. Es gibt Dinge, die schlimmer sind, viel schlimmer als
streikende Arbeiter. Eines von diesen ist der Verlust der Freiheit.
Die Zeit ist gekommen, unserem Volke die Wahrheit zu sagen.
Heute, am Tage unserer Verfassung, der die Annahme unseres Verfasaungadokumentes in Erinnerung bringt, hat diese Wahrheit besondere Bedeutung. Die meisten Streiks koennen vermieden werden,
ohne unsere Verfassung durch illegale Beschlagnahme von Eigentum
oder die Einberufung von Streikenden in die Armee zu verletzen.
Vieles bleibt noch zu tun, um Arbeitsstreitigkeiten ohne Streiks
xu schlichten.
Ich bin sicher, dass die Industrie wie auch die Gewerkschaften
ueber eine ausreichend verantwortliche Fuehrerschaft verfuegt, auf
der sich eine feste Basis fuer einen Arbeitsfrieden aufbauen laesst.
Es ist hoechste Zeit, dass wir einige verantwortliche Fuehrer in
die Regierung bekommen, damit wir recht bald an diese Aufgabe herangehen koennen.
Um nur ein Beispiel dafuer zu nennen, wo diese Aufgabe zu beginnen waere, bedenken Sie bitte wie erbaermlich unfaehig unser

�staatliches Beilegungs- und Schlichtungswesen ist. Es steht aus
Ruecksicht auf politische Manoever solange beiseite, bis der Siedepunkt der Streitigkeiten erreicht ist.
Das staatliche Schlichtungswesen ist in Amerika in einen derartigen Verruf gekommen, dass unser Volk moeglicherweise schon vergessen hat, was durch Schlichtung ueberhaupt erreicht werden kann.
Ernsthafte, wohlueberlegte Schlichtung hat schon manche Konflikte
innerhalb der Interessengruppen geloest; ja, sie hat auch Kriege
beendet. Erinnern wir uns doch, was Ralph Bunche tat, als er zwischen den Arabern und den Juden vermittelte. Sicherlich ist keines
der Probleme der Arbeiterbewegung so verwickelt, mit so viel Erregung
angefuellt und so hart umstritten wie das Problem, das er zu loesen
half, indem er den Staat Israel ins Leben rief. Das alles kann durch
Vermittlung erreicht werden. Lassen Sie uns das nicht vergessen.
Sicherlich koennen wir uns auch bei Arbeitsstreitigkeiten solch
echter Bemuehungen und ruhiger Aufrichtigkeit bedienen. Voraussetzung dafuer ist allerdings, dass wir Maenner in der Regierung
haben, die selbst ruhig und aufrichtig sind.
Eine vorbeugende Medizin hat bei der Erhaltung der Gesundheit
schon Wunder bewirkt. Vorbeugende Vermittlung koennte die Fieberflecken in unserer Wirtschaft oftmals schon vorzeitig anzeigen.
Fuer Streitigkeiten von nationaler Bedeutung, die selbst redliche VermittlungBbeauehungen ueberdauern - und deren wird es bestimmt einige geben - halte ich es ebenso wie ein grosser Staatsmann der Gewerkschaftsbewegung. Er war grundsaetslich fuer Freiwilligkeit und gegen jeden Zwang. Ich zitiere ihm "Die Arbeiter
Amerikas halten an freiwilligen Einrichtungen fest, die sie gegenueber den Systemen des Zwanges bevorzugen, da sie diese nicht nur
fuer ungeeignet halten, sondern sogar als Bedrohung ihrer Rechte,
ihrer Wohlfahrt und ihrer Freiheit betrachten." Das sind Worte,
die der Gruender und weitsichtige Fuehrer der grossen amerikanischen Gewerkschaft, der AFL, San Gompers gesprochen hat.
Natuerlich ist es nicht notwendig, dass ich Ihnen vor Augen
fuehre, dass es keine allgemein gueltigen Heilmethoden fuer die
schnelle Beseitigung von Arbeitsstreitigkeiten gibt. Ebenso ist
die Gewaehrung besonderer Verguenstigungen hoeheren Ortes bestimmt
nicht der leichtere Weg, einmal begonnene Streiks zu gewinnen, wie
die Stahlarbeiter vor kurzem erst erfahren mussten.
Verbote, Beschlagnahmungen und sehnliche Massnahmen werden die
fundamentalen Probleme, die zu einem Streik fuehren, nicht loesen.
Auf welchen Platz werden wir von der starken Hand einer Regierungsintervention verwiesen? Sie bringt uns lediglich in das Wartezimmer von Regierungsbeamten - weit vom Ausgangspunkt entfernt. Sie
koennen garantieren, dass Maenner, die so weit vom Schuss entfernt
sitzen, praktisch nichts darueber wissen.
Jeder, der sagt, dass er zwar gegen auedrueckliche Verbote,
jedoch fuer die Beschlagnahme zum Zweck des Ausgleichs in allen
Faellen des nationalen Hotstandes ist, redet bewusst Unsinn. Jede
Beschlagnahme schliesst eine Befehlsgewalt in betonter Form in sich
ein. In dem Moment, da die Regierung Bergwerke oder Eisenbahnen
beschlagnahmt, werden die Gerichte eine Verfuegung gegen jeden
Streik erlassen, da die Streikenden, wenn auch ohne ihre Zustimmung, ploetzlich Angestellte der Regierung geworden sind.

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5 -

�Nachdem die Eisenbahnen beschlagnahmt waren, erwirkte die
Regierung ein Verbot nach dem anderen gegen die Eisenbahnarbeiter.
Die Eisenbahner werden Ihnen erzaehlen koennen, genau so wie sie
es mir erzaehlten, dass die Beschlagnahmen eine Kalamitaet fuer
die "Angestellten" sein koennen. Sie Terfuegung selbst, die durch
die Beschlagnahme gerechtfertigt wird, ist zeitlich wii auch in
ihrem Tollen Ausmass voellig unbegrenzt.
Wenn die Regierung in einem durch den Kongress proklamierten
nationalen Notstand in einen Streik eingreift, um die Wiederaufnahme der Arbeiten zu sichern, muss sie gleichzeitig Tarifverhandlungen anregen und diese nicht unterdruecken. Es gibt keinen
anderen Weg, um an die Streitigkeiten, die dem Streik zugrunde
liegen, heranzukommen.
Ich muss nochmals betonen, dass weder der Arbeitsfrieden noch
der Frieden im internationalen Bereich gesetzlich verankert werden
kann. Dieser kann nur durch gegenseitige Respektierung gesichert
werden, durch den Willen zum Frieden und eine verantwortungsbewusste, humanitaere Führerschaft.
Eine durch die Industrie betonte Gesellschaftsform, die sich
im groesstmoeglichen umfang der wirtschaftlichen Freiheit verschrieben hat, muss sich auch bei TarifVerhandlungen selbst immer treu
bleiben. Diese Haltung ist die beste Methode, um die Arbeitsbedingungen zu Versendern und zu verbessern und dadurch den amerikanischen Lebensstandard zu erhoehen.
Gesunde Tarifvertraege erfordern verantwortungsbewußte
Gewerkschaften und verantwortungsbewusste Arbeiter und Angestellte.
Schwache Gewerkschaften koennen nicht verantwortungsbewusst sein.
Das allein ist Grund genug dafuer, dass wir starke Gewerkschaften
haben muessen.
Der Kampf zwischen der Gewerkschaftsbewegung und der Industrie
kann nicht aus der Welt geschafft werden, ohne die wirtschaftliche
Freiheit aufzugeben. Der Regierung faellt dabei die Rolle des Unparteiischen zu. Ich hoffe sehr, dass wir bald eine Verwaltung
haben werden, die die Regeln des ehrlichen Partners beachten wird*
Unsere schlimmsten Fehlschlaege bei den Tarifverhandlungen
der letzten 50 Jahre erlitten wir, als die Regierung die Rolle
des unparteiischen Schiedsrichters aufgab und aktiv in den Kampf
eingriff.
Ich vermute, dass Sie darauf warten, von mir etwas Naeherea
ueber das Taft-Hartley-Gesetz zu hoeren. Ich will Ihnen ganz
genau sagen, wie ich dazu stehe:
Ich nehme an, dass Ihr eigener Ezekutivausschuss festgestellt
hat, dass er darauf vorbereitet ist, eine, wie sie heute genannt
wird, "realistische" Haltung zu den Zusatzantraegen anzunehmen.
Und meine Einstellung dazu ist genau die gleiche. Ich sage Ihnen
das ebenso einfach wie klar. Ich bin fuer eine Abaenderung, aber
nicht fuer eine Aufhebung dieses Gesetzes.
Ich werde keinen Abaenderungsvorschlag unterstuetzen, der die
Fechte der arbeitenden Maenner und Frauen schwaecht. In dem Bemuehen um eine wuenschenswerte Abaenderung des Gesetzes werde ich
den Rat und die Vorschlaege aller interessierten Gruppen einholen der Oeffentlichkeit, der Unternehmer und der Arbeiter. Und ich

�kann Ihnen versichern, aeine Herren, dass ich es ernst und aufrichtig
meine und dass diese Aufforderung zur Zusammenarbeit keine leere
theatralische Geste ist, wie sie in den letzten Jahren so oft geaacht wurde. Ich bin davon ueberzeugt, dass die Abaenderung des
Gesetzes zustande kommen kann, und zwar in einer Fora, dass keiner
von Ihnen, der gerecht denkt, die Resultate als unvernuenftig ansehen wird. Eine derartige Gesetzgebung kann niemals als endgueltig betrachtet werden; und was die Arbeitsgesetze betrifft, so
verspreche ich Ihnen das eine, dass die Gewerkschaftsbewegung
immer gleichberechtigt neben anderen stehen wird, wenn ich irgendeine Verantwortlichkeit in der Exekutive haben werde.
Es ist die amerikanische Art, die Dinge so zu nehmen wie sie
sind, jedoch staendig auf Verbesserungen bedacht zu sein.
Ich zitiere einige der Grundsaetze, von denen ich glaube, dass
es wichtig ist, sie gesetzlich weiter auszuarbeiten: Foerderung
des Tarifverhandlungssystems; das Recht auf Streik; die vorherige
Bekanntgabe eines beabsichtigten Streiks; die Forderung, dass Gewerkschaften wie auch Unternehmer die bestehenden Vertraege unbedingt einhalten; die Verpflichtung, dass den Mitgliedern der
Gewerkschaften regelmaessig Bericht erstattet wird ueber die
Finanzen ihrer Organisation.
Ich habe ueber das Taft-Hartley-Gesetz mit Vertretern der
Gewerkschaftsbewegung wie auch denen der Industrie gesprochen.
Ich weiss, wie das Gesetz gebraucht werden kann, um die Gewerkschaften zu zerschlagen. Bas muss anders werden. Aaerika will
kein Gesetz, das den Bankerott der Gewerkschaften konzessioniert,
und ich will das auch nicht. (Beifall).
Ich bin der Meinung, dass, wenn alle patriotischen amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer schwoeren mueasen, dass sie kein«
Kommunisten sind, an die Arbeitgeber, ait denen sie verhandeln
auesaen, die gleiche Anforderung gestellt werden auesste. Meine
Daaen und Herren, lassen Sie mich Ihnen hierzu meine persoenliche
Meinung sagen: Ich habe nichts dagegen, jeden Morgen einen Treueschwur auf die Vereinigten Staaten zu leisten. Ich wuerde stolz
sein, jeden Abend einen Eid zu leisten, dass ich kein Kommunist
bin. Aber ich wuerde es ganz entschieden ablehnen, das zu tun,
wenn lediglich mir als Einzelnem diese Auflage geaacht wuerde,
weil ich zufaelligerweise ein Veteran oder irgendein Einwohner
von Kansas oder ein Gewerkschafter bin.
Ich aoechte jetzt der hervorragenden Arbeit gedenken, die
Sie in Kampfe gegen den Kommunismus und gegen den kommunistischen
Einfluss innerhalb der Arbeiterschaft anderer Laender leisteten.
Unsere amerikanischen Gewerkschafter haben ihren arbeitenden Bruedern anderer Rationen, die den Kommunismus dort bekaempfen,wo
der Kampf am erbittertsten ist, uneigennuetzig geholfen und sie
nachdruecklich unterstuetzt. Die ganze freie Welt steht in ihrer
Schuld.
Die fundamentalen Probleme meiner letzten Dienstreise nach
Europa schlössen den Kampf gegen den Kommunismus ein. Ich moechte
hiermit Irving Brown, dem Vertreter der AFL, fuer seine wertvolle
Zusammenarbeit und Unters tuetzung oeffentlich meine Anerkennung
aussprechen.
Er wurde von sehr faehigen Maennern unterstuetzt, unter ihnen
Matthew Woll, der ueberall dort, wo der Kampf am haertesten ist,

-

7 -

�zur Stelle ist, sei es in den Fabriken, in den Docks, in den Bergwerken oder in den Gewerkschaftshallen.
Wir duerfen niemals vergessen, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung nur deshalb stark genug ist, ihren Kollegen im Ausland zu helfen, weil unser Wirtschaftssystem ihr Vorwaertskommen
ermoeglichte. Alle Vorteile, die der amerikanische Arbeiter bisher erzielt hat und auch die Vorteile, die er in Zukunft noch erringen wird, waeren nicht moeglich ohne das freie, sich staendig
ausdehnende produktive System der amerikanischen Industrie. Derjenige, der den Mut hat, von uns zu verlangen, dass wir unser System durch ein anderes ersetzen, verstoesst damit gegen die unmittelbaren Interessen der Gewerkschaften. Er ist dadurch gefaehrlich,
vor allem, wenn er dabei annimmt,im Namen der Gewerkschaften, einer
Weltanschauung oder einer politischen Partei zu sprechen.
Gerade Sie als Gewerkschafter muessen das besonders gut wissen.
Die Arbeiter sind immer und ueberall die auserwaehlten Zielscheiben
gewisser Demagogen. Wie viele verworrene, ehrgeizige Schematiker
haben davon getraeumt, auf den Ruecken der Arbeiter der ganzen
Welt zur Macht empor zu steigen! Sie haben diese Traeume jedoch
immer dort gehabt, wo sich die Ruecken der Arbeiter unter Armut
und Verzweiflung beugten. Ss ist eines jener echten amerikanischen
Merkmale der Groease, dass auch ein Mann aus dem Arbeiterstande
hier nicht beiseite geschoben wird. Er bekommt kein Klasseschild
umgehaengt. Wir sind keine geschlossene Gesellschaft. Wir sind
eine Gesellschaft freier Memschen und freier Buerger. Wir sind
alle - mit der Hand oder mit dem Kopf, mit Geschick und Staerke Arbeiter«
Aus diesem Grunde widersetze ich mich all denen, die besonders seltsame Aufrufe an die Gewerkschaften richten. Man kann
Sie nicht von den uebrigen Buergern durch eine besondere "Behandlung" irgendwelcher Art trennen - sei es zur Unnachgiebigkeit
oder in der wohlwollenden Form des Schulterklopfens. Die Gewerkschaften als einen besonderen Fall zu behandeln, hieaae
Ihre wolle Wuerde als amerikanische Buerger zu verneinen.
loh glaube nicht, dass der amerikanische Arbeiter irgend
etwas anderes von seiner Regierung verlangt als Fairness und
Gerechtigkeit. Mein festes Versprechen, das ich Ihnen gebe,
lautet aot Soweit ich imstande bin, eine Lage zu beurteilen,
werde ich Ihnen immer Gerechtigkeit und Billigkeit widerfahren
lassen. loh wiederhole damit mein Versprechen, das ich Ihnen
am Tag der Arbeit gab. Lassen Sie sich getrost in Ihren politischen Handlungen immer von Ihrem Gewissen bestimmen; ich
werde immer versuchen, ein wahrer Freund der Gewerkschaften zu
•ein.
Diese einfachen Ideale der Gerechtigkeit und Billigkeit fuer
alle sind die Staerke unserer ganzen Lebensform. Sie koennen
jedoch durch industrielle Streitigkeiten gefaehrdet werden. Ein
solcher Streit, der in einen Klassenkampf ausartete, hat die Freiheit in anderen Laendern der Welt voellig zerstoert.
Diese Streitigkeiten zu verhindern, gehoert zu den grossen
Verantwortungen und den Aufgaben der Regierung. Sie zu verhindern bedeutet aber nicht nur, einfach den Ausbruch eines
Streits zu bedauern, sondern vielmehr die Ursachen zu bekaempfen.
Die Inflation ist gegenwaertig ein drohender Grund dafuer. In
den kommenden Wochen werde ich noch viel ueber den Kampf gegen
diese Bedrohung zu sagen haben. Im Augenblick denke ich daran,

�dass eines uns allen klar sein solltet Jene, die die Entwicklung
dieser Bedrohung zuliessen, werden sie nicht wieder von den Heimstaetten der amerikanischen Arbeiter nehmen koennen. Dieser unheilvolle Streit wird nicht von selbstzufriedenen Maennern beseitigt, die der Meinung sind, die Stimmen der amerikanischen Arbeiter
schon sicher in ihren Taschen zu haben.
Meine Herren, ich bin von bescheidener Herkunft. Ich glaube
daher, die elementaren Beduerfnisse und Rechte aller arbeitenden
Maenner und Frauen gut zu kennen. Ich kenne sie nur allzu gut,
als dasa ich den Versuch unternehmen wuerde, politisches Kapital
aus den Sorgen zu schlagen, die jeder einzelne um seine soziale
Sicherheit, seine Wohnung, seinen Lohn, die Arbeitslosenversicherung und die Erhaltung des Wertes seiner Spareinlagen hat.
Meine Damen und Herren, ich habe schon aufgefuehrt, und ich
wiederhole es hier, dass diese Massnahmen der Boden sind, den wir
jedem amerikanischen Buerger bereiten muessen, um zu verhindern,
dass er in Unglueck stuerzt, das er nicht selbst verschuldet hat.
Es ist billig und zugleich erniedrigend, versuchen zu wollen,
aus diesen Problemen Munition fuer oder gegen eine Partei zu
achmieden. Es sind Probleme, fuer deren Loesung die Intelligenz
und Redlichkeit aller Amerikaner, die guten Willens sind, eingesetzt werden muss.
Ich komme nioht mit Schickealsprophezeiungen; ich verspreche
auch keine ünmoegliohksitsn. loh bin aber dar tiefen üeberzeugung, dass vor uns unbegrenzte Moeglichkeiten fuer uns alle liegen. Wir sind ein junges Tolk und ein junges Land. Der Aufbau
Amerikas hat erst begonnen. Wir koennen uns sin Amerika bauen,
dessen Gerechtigkeitssinn und guter Wille dem materiellen Rahmen
und den besonderen geistigen Faehigkeiten aller arbeitenden Maenner und Frauen entspricht.
Mit Gottes Hilfe werden wir das tun koennen.
Meine Damen und Herren, ich moeohte mich noch einmal bei
Ihnen bedanken fuer die grosse Ehre, die Sie mir mit Ihrer Einladung bezeugten. Ich bin Ihnen sehr zu Dank verpflichtet.
Quellet

Protokoll des
71. AFL-Kongresees,
3« Tagesbericht.

Warum der amerikanische Arbeiter das freie Unternehmertum unterstuetzt
George Meaay, Erster Vorsitzender der AFLt
Warum unterstuetzt der amerikanische Arbeiter den Kapitalismus?
Das ist eine der immer wiederkehrenden Fragen der europaeischen
Gewerkschafter, die innerhalb des ECA-Austauschprogramms die Vereinigten Staaten besuchen. Diese Frage beantwortete bereite der
amerikanische Sozialistenfuehrer Norman Thomas in einem kuerzlich
gegebenen Interview. Im Gegensatz dazu steht die Ansicht George
Meanre, des ersten Vorsitzenden der American Federation of Labor.
Vor allen Dingen ist Meany der Meinung, dass das Wort "Kapitalismus" eine ausgesprochen falsche Bezeichnung fuer das amerikanische Wirtschaftssystem ist. Die dogmatische Definition und
Beschreibung des Kapitalismus, wie sie Karl Marx praegte und wie

9 -

�sie von den stalinistischen Zeitgenossen wiederholt wird, hat
durch die grundlegenden und drastischen Versenderungen unserer
Gesellschaftsordnung keine Beziehung mehr zur Wirklichkeit.
Die amerikanische Gesellschaftsordnung ist immer dynamisch,
anpassungsfaehig und fortschrittlich gewesen. Niemals war sie
Jedoch feudalistisch. Die ungeheuer bedeutungsvollen Reformen,
die jahrzehntelang, ganz besonders aber seit 1932, durchgefuehrt
wurden, bilden die Fortsetzung und einen Hoehepunkt der permanenten amerikanischen Revolution. Jene Reformen sind die Verwirklichung der Ideale der hervorragendsten Liberalen von Jefferson bis zu Roosevelt. Und auf dem ganzen Wege, angefangen von
dem unentgeltlichen Besuch oeffentlicher Schulen und den allgemeinen Wahlen bis zur Sozialversicherung und den Massnahmen gegen
das Itonopolwesen, stand die amerikanische Gewerkschaftsbewegung
in vorderster Linie im Kampf fuer die dem allgemeinen Interesse
dienenden Reformen.
Die Gewerkschaften ziehen es vor, die amerikanische .Yirtschaftsstruktur das System des freien Unternehmertums zu nennen. Dieses System unterstuetzt der amerikanische Arbeiter
hauptsächlich deshalb, weil es ihm im Verein mit Freiheit und
Demokratie einen sehr hohen Lebensstandard gebracht hat.
Da hungrige Menschen leicht dazu neigen, den Wert der Freiheit und der Demokratie zu unterschaetzen, muessen erst einmal die
materiellen Vorteile in Betracht gezogen werden, die der amerikanische Arbeiter gewonnen hat.
Man kann jedoch beides nicht vollstaendig voneinander trennen,
da eines vom anderen abhaengig ist. Doch ist der wirtschaftliche
Fortschritt, den Amerika gemacht hat, wirklich erstaunlich. Die
Kaufkraft des Reallohnes eines Arbeiters stieg von 1890 bis 1930
um das dreifache. Die Arbeitswoche verkuerzte sich von 60 auf 40
Stunden. Um die Jahrhundertwende blieben einem Arbeiter, nachdem
er fuer sich und seine Familie Lebensmittel, Kleider und Wohnutig
bezahlt hatte, nur noch siebzehn Prozent seines Einkommens fuer
alle anderen Ausgaben uebrig. Heute gibt die Familie eines einfachen Arbeiters, bei einem weit groesserem Einkommen, ungefaehr
vierzig Prozent ihres Einkommens fuer so wichtige Dinge wie Erziehung, aerztliche Fuersorge, Erholung, Reisen, Moebel und Hausrat aus und kann trotzdem noch Ersparnisse machen. Hinzu kommt
noch, dass der Arbeiter wesentlich mehr Zeit hat, um sich um seine
Gewerkschaft, seine Kirche, kurz alle ihn interessierenden charitativen, sozialen, kulturellen und politischen Angelegenheiten zu
kuemmern und darin taetig zu sein. Dies macht ihn zu einem vollwertigen Mitglied seiner Gemeinde.
Um die Jahrhundertwende hatte ungefaehr nur jede fuenfte Arbeiterfamilie ihr eigenes Haus. Um 1900 konnten sich auch nur
wenige die Annehmlichkeiten der Elektrizitaet, des Badezimmers,
des Kuehlschrankes, oder sehnlicher Dinge leisten. Heute findet
man alle diese Dinge selbstverstaendlich, sie gelten nicht mehr
als Luxus. Natuerlich waren diese Veraenderungen nur durch ein
gewaltig erhoehtes Volksvermoegen zustandegekommen.
Die Frage ist nun, ob die Arbeiterschicht an einer gerechten
Verteilung des hoeheren Volkseinkommens Anteil gehabt hat.
Gerade auf diesem Gebiet hat sich jedoch eine wirkliche, noch
heute andauernde Revolution vollzogen. Die Einkommens- und Erbschaftssteuer sowie andere Finanz- und Sozialreformen, die von

10

-

�der Arbeiterschaft sehr nachdruecklich unterstuetzt wurden, haben
die Verteilung des Vermoegens erheblich veraendert. Die Grossverdiener haben einen weit geringeren, die Arbeiterschaft einen sehr
viel hoeheren Anteil an dem gesamten privaten Nationaleinkommen
als vor fuenfzig oder sogar nur zwanzig Jahren.
Es sei hierbei nur wiederholt, wie Samuel Gompers die Ziele
der organisierten Arbeiterschaft auslegtet "Wir wollen mehr und
mehr an den guten Singen des Lebens teilhaben. Wir fordern immer
wieder, dass durch Steuerreformen und Tarifvertraege der Anteil
des Arbeiters an der Produktion noch weiter gesteigert wird."
Durch die internationale Notlage muessen vielleicht einige unserer
Forderungen zurueckgestellt werden, da wir gewillt sind, Opfer zu
bringen und unseren gerechten Anteil an den Lasten, die der amerikanischen Arbeiterschaft durch Stalins aufgezwungene Wiederaufrüstung auferlegt werden, auch tragen wollen.
Der hohe Lebensstandard der Amerikaner beruht auf verschiedenen Cruenden. In erster Linie sind es jene Beweggruende, die
eine freie Gewerkschaftsordnung mit sich bringen. Freiheit und
die Achtung der persoenlichen Rechte bilden die eigentliche Ursache, dass wir unsere ungeheuer ergiebigen Naturschaetze dem
allgemeinen Wohl zukommen lassen. Wir haben technische Wunder
entwickelt, die die Produktivitaet auf eine Hoehe geschraubt haben, die man sich vor fuenfzig Jahren noch nicht haette traeumen
lassen. Vor dem zweiten Weltkrieg war die Leistung des einzelnen
amerikanischen Arbeiters zweieinhalb mal so hoch wie in Europa.
Heute ist die Produktion pro Kopf dreieinhalb mal so hoch wie die
der Westeuropaeer und sechs oder sieben mal so hoch wie die der
Russen. Die grundlegende Erklaerung hierfuer ist, dass der amerikanische Arbeiter weit mehr durch Maschinen unterstuetzt wird als
der Arbeiter anderer Laender. Im Durchschnitt steht dem Arbeiter
in Westeuropa nur ein Drittel der Maschinenkraft des amerikanischen
Arbeiters zur Verfuegung. Der Russe jedoch hat noch weit weniger
Maschinen als der Westeuropaeer zur Verfuegung.
Es gibt aber noch andere, wesentliche Gesichtspunkte fuer den
"laissez-faire"-KapitaliamuB oder europaeischen Kapitalismus, der
in Amerika nicht vorhanden ist. Das freie Unternehmertum Amerikas
wird durch Anti-Trustgesetze geregelt, die, durch die Macht der Gewerkschaften gestaerkt, den strangulierenden Einfluss der Kartelle
oder Monopole auf die amerikanische Wirtschaft verhindern. Es ist
zum Beispiel einer Interessengemeinschaft verboten, sich mit gleichen Wirtschaftsgruppen zu verbuenden, um durch eine Minderung der
Produktion ein hohes Preisniveau zu halten. Diese Massnahme sichert
einen ehrlichen Wettbewerb. Die allgemeine Politik der Industriellen
ist eine Massenproduktion von Waren, die mit einem geringen Gewinn
auf einem riesigen Markt, der ueber 150 Millionen Verbraucher zaehlt,
abgesetzt werden. Und hierbei gibt es keine Zoll- und Handelsschranken, wie es auf dem europaeischen Kontinent der Fall ist.
Diese Art des freien Konkurrenzkampfes bietet den sichersten
Weg zum Erfolg. Es besteht das gleiche Recht fuer den Unternehmer
und den Arbeiter, vorwaerts zu kommen und seine wirtschaftliche und
soziale Lage zu verbessern. Dieses Recht ist gesichert. Ich behaupte nicht, dass das System des freien Unternehmertums gesetzlich
ein vollkommenes ist. Davon ist es noch weit entfernt und immer
wieder werden seine Fehler von der Gewerkschaft kritisiert. Nach
seiner Ansicht gibt es jedoch kein besseres System.

-

11

-

-

�Es existieren aber noch immer Misstaende. Die Schwaechen
werden jedoch Schritt fuer Schritt durch die entschlossene Zusammenarbeit der liberalen Kraefte und der Gewerkschaften ueberwunden*
Das sind einige der wesentlichen Gruende, warum der amerikanische Arbeiter die freie Wirtschaft unterstuetzt. Wir haben Freiheit in wirtschaftlicher, kultureller und auch politischer Hinsicht.
Und jede totalitaere Macht, die versucht, uns diese Freiheit zu
rauben, muss gegen den amerikanischen Arbeiter kaempfen.
Es muss jedem klar gemacht werden, dass die Amerikaner nicht
die Absicht haben, ihr Wirtschaftssystem und ihre Ideologie anderen
Voelkern aufzuzwingen. Andere Laender moegen den Weg des demokratischen Sozialismus waehlen -- oder irgend ein anderes System
foerdem, solange sie nicht den Weltfrieden und die Unabhaengigkeit anderer Laender durch imperialistische Aggressionen bedrohen.
Die amerikanischen Arbeiter , sowie die Amerikaner ueberhaupt
wuenschen nur, den Menschen anderer Laender zu helfen, ihren Lebensstandard zu heben und die Fruechte freier Arbeit in Frieden und
Freiheit zu geniessen.
Quellet
Features ünit Labor Special,
Ho. 190
Bewegungsstudie halbiert Anlernzeit
Heue Arbeitsmethoden in Verbindung mit neuen Schulungssystemen
haben bei der Steigerung der ProduktlTitaet der Kayser Bondor Strumpffabrik in Baidock, England, eine wichtige Rolle gespielt. Bis 1947
sassen die Arbeiterinnen, die kettelten, saeumten und die Struempfe
prueften, in verschiedenen fiaeumen. Dadurch ging viel Zeit und
Arbeitskraft beim üebergang von einem zum anderen Arbeitsgang verloren.
Die Maedel arbeiten jetzt in Gruppen, die die drei Arbeitsgaenge unter sich aufteilen. Diese Methode reduziert nicht nur
die Dauer der Arbeitsgaenge, es wurde ausserdem festgestellt, das»
einer der groessten Vorteile darin besteht, dass der Pruefer einen
festgestellten Fehler.sofort verbessern lassen kann* Die Produktion
und der Arbeitslohn sind dadurch um 20$ gestiegen.
Weiterhin konnte die Anlernzeit fuer Saeuaen und Ketteln von
12 Monaten auf 12$ Wochen herabgesetzt werden. Zu der Zeit, da
daa Anlernen noch nicht so gut organisiert war, sass der Anlernling mit einer qualifizierten Arbeiterin zusammen und lernte von
ihr, so gut es eben ging.
Als man 1947 intensiv durchgefuehrte Lehrgaenge einfuehrte,
wurde die Anlernzeit von 12 auf 6 Monate reduziert. Im letzten
Jahr jedoch fuehrte man erstmalig Bewegungsstudien bei einem
Abschnitt des Unterrichts durchs der durchschnittliche Anlernling
erreicht jetzt den erforderlichen Leistungsstandard bereits in 12$
Wochen. Ein Maedchen, das waehrend des Unterrichts die erforderliche Geschicklichkeit erreicht hatte, buesste sie oftmals wieder
ein, sobald es seinen Platz innerhalb der Gruppe, die in der Werkstatt arbeitete, einnahm. Man loeste dieses Problem zum grossen
Teil dadurch, dass man der Arbeiterin einen Arbeitsplatz in einer
Produktionsabteilung anwies, die von der Werkstatt der Fabrik

-

12

-

�getrennt war, in der jedoch die Arbeiterinnen den gleichen Leiatungaatandard wie aie aelbat hatten, da aie ebenfalls im Unterricht geschult worden waren.
Hier bleibt nun daa Maedel.bis die naechate TJnterrichtaklaaee
den erforderlichen Leiatungsstandard vermittelt hat, erat dann
wird aie von der Produktionsabteilung in die Fabrikwerkstatt versetzt.
Bewegungsstudien sind auch bei der Schulung der Sortierer angewandt worden, daa aind jene Arbeiter und Arbeiterinnen, die die
gefaerbten und schlusabehandelten Struempfe nach Paaren sortieren.
Vor der Einfuehrung der Bewegungsstudie betrug die durchschnittliche
Anlernzeit sechs Monate. Sie konnte jetzt auf neun Wochen herabgesetzt werden, ohne die Leistungen irgendwie zu vermindern.
Ebenso wie in der Abteilung der Saeumer und Ketteier hat man
auch bei den Sortierern die neuen Methoden der Gruppenarbeit angewandt | innerhalb von zwei Jahren waren hier die Leistungen um
50# und die Loehne um J0% gestiegen. Vor der Einfuehrung des
Gruppenarbeitssystems hatten die Sortierer, die Etikettierer (Arbeiter, die den Markennamen auf den Struempfen anbringen), und die
Falter, die die Struempfe falten und verpacken, je einen Arbeitsraum.
Nach dem neuen System der Gruppenarbeit werden alle diese
Arbeitsgaenge gemeinsam in einem Raum ausgefuehrt. Die Dauer
der Arbeitsgaenge wurde dadurch auf ein Minimum reduziert, ein
Foerderband bringt die verpackten Struempfe in daa Lager und
bringt zugleich leere Kartons zu den Faltern.
Ein anderer Beitrag zur Beschleunigung der Produktion in
dieaer Abteilung wurde mit der Errichtung einea Gestells zwiachen
dar Zurichterei(hier werden vor allem die Fadenenden entfernt)
und der Sortierabteilung geleistet. Bis dahin wurden die Struempfe
auf einem Lastkarren von der Zurichterei duroh eine Tuer in die
Sortierabteilung gebracht. Jetzt hat man die Wand zwiachen dieeen
beiden Abteilungen beseitigt und dafuer ein Gestell erriohtet. Dia
Zurichter achieben mit Struempfen vollgestopfte Behaelter in dieaaa
Gestell, die Sortierer koennen auf der anderen Seite die Struempfe
herausnehmen, wann und wie ee ihnen gerade paaat.
Nach dem Vorschlag einea Arbeiters wurde fuer jeden Sortierer
eine gesonderte verateilbare Lampe angebracht. Auch diese Massnahme hat zur Verbesserung dea Arbeitsergebnisses beigetragen, da
auf diese Weise eine Ueberanstrengung der Augen vermieden wird.
In der Strickabteilung wurde hauptaaechlich durch neue Maschinen eine 25-prozentige Produktionssteigerung innerhalb einea Jahre«
erreicht. Man kann jetzt das Verdoppeln der Einfassung an dreisaig
Struempfen in einem automatischen Arbeitsgang vornehmen, waehrend
frueher jede Einfassung einzeln mit der Hand verdoppelt werden
muaate.
Selbst bei einem verhaeltniamaeaaig geringen Arbeitsergebnis
muss die Leitung des Werkes in Anbetracht der fuer Schulung benoetigten Zeit der Placierung neu eingestellter Arbeiter auf besondere
geeignete Arbeitsplaetze ataendige Aufmerksamkeit widmen. Frueher
war die Placierung der Arbeitekraefte ausschliesslich von einem
Interview mit dem Personalchef abhaengig. Auch heute noch wird
daa "Interview" ala der wichtigate Faktor bei der Auawahl dea

-

13 -

�Personals angesehen; vor zwei Jahren hat man jedoch die vom
Nationalinstitut fuer Psychologie entworfene Eignungspruefung
eingefuehrt. Die Ergebnisse dieser Pruefungen werden in dem
Bericht des Personalchefs mit aufgezeigt; der dadurch gewonnene
Gesamteindruck, ermoeglicht dann eine besonders geeignete Placierung des Neulings in der Fabrik.
In der Fabrik besteht ein Gemeinschaftliches Produktions Komitee (GPK) und ein Betriebsrat. Letzterer besteht aus 21
Mitgliedern, die ihren Vorsitzenden wechselweise fuer ein Jahr
aus den Reihen der Leitung des Betriebs und fuer das naechste
Jahr aus dem Kreis der Arbeiter waehlen. In Verbindung mit dem
GPK gibt es ein Vorschlagsschema-Komitee, das die Hoehe der Praemien fuer geeignete Vorschlaege empfiehlt. Das GPK diskutiert
lediglich Produktionsprobleme, waehrend alle anderen Angelegenheiten vom Betriebsrat bearbeitet werden.
Die neuen Arbeitsmethoden wurden mit voller Unterstuetzung
der Arbeiter eingefuehrt, die fast alle Mitglieder der Gewerkschaft der Strumpfarbeiter sind.
"Target"
51-11-12

Hans Hansens Die daeniachen Baugenossenschaften zeigen Moeglichkeiten
verstaerkten Wohnungsbaus.
In dem Kopenhagener Vorort RVidovre beschaeftigt sich die
daenische Baugenossenschaft "Arbejderbo" augenblicklich mit einem
Bauvorhaben, das fuer den daeniachen Nationalfond fuer Wohnungsbau unter ümstaenden eine Ersparnis von 112,000,000 Kronen bedeutet und Tausenden, die auf der Wohnungs-Warteliste stehen, neue
Hoffnung gibt. Der daenischen Baugenossenschaft, die von den
Gewerkschaften gegruendet wurde, ist es gelungen, die Kosten fuer
107 Wohneinheiten um 15$ im Verhaeltnis zum gegenwaertigen Stand
zu senken. Dies wurde erreicht durch eine weitgehende Rationalisierung der Bautechnik,wobei man besonderen Wert auf die sorgfaeltige Abstimmung der in üntervertraegen festgesetzten Arbeiten legte
und vor allem die Verwendung fertig konstruierter und genormter
Betongussteile vorsieht, die an Ort und Stelle hergestellt werden.
Im daenischen Bauwesen ist es ueblich, alle Vertraege fuer
die vorkommenden einzelnen Arbeiten direkt zu vergeben, anstatt
einen einzigen Vertragspartner damit zu beauftragen; zugleich
wird dem jeweiligen "Hauptkontraktor" ein gewisser finanzieller
Spielraum gegeben, der ihn gegen unvorhergesehene Ereignisse
schuetzt. Bei dem Bauvorhaben wichen der Vorsitzende der "Arbejderbo", Erik Jensen, der Architekt Eske Kristensen und der
Ingenieur P. E. Malstrom von der bisherigen daenischen Tradition
ab und stellten in Zusammenarbeit mit zahlreichen finanzstarken
Kontraktoren einen bis in alle Einzelheiten gehenden Plan auf,
bevor sie Angebote einholten. Der Erfolg dieses Vorgehens bestand darin, dass die Angebote, die angenommen wurden, dem absoluten Minimum viel naeher kamen als es sonst gewoehnlich der Fall
war.
Ein weiterer bedeutsamer Faktor ist der Umfang, in dem neue
Methoden der Betonbauweise die Ziegelsteinbauweise ersetzt haben.

- 14

�Die Aussenwaende bestehen aus Betonplatten von der Croease 60 z
110cm. Sie werden in der "Fabrik", die sich im Freien direkt
neben dem Bauplatz befindet, gefertigt, d.h. im Buettelverfahren
gegossen und heissbehandelt. Diese und sehnlich konstruierte
groessere Platten fuer das Fundament und den Boden werden mit
Hilfe von fahrbaren Kraenen an Ort und Stelle gebracht. Vertikale Innenteile werden direkt in vertikalen Verschalungen gegossen; dieses Verfahren wird der Aufsetzmethode vorgezogen*
Die Standardgussvorrichtungen bestehen aus Holz; sie sind leicht
versetzbar und koennen immer wieder benutzt werden.
Jede Wohneinheit besteht aus vier zweistoeckigen Wohnungen.
Jede Wohnung ist fuer eine Familie mit drei bis vier Kindern
bestimmt; im ersten Stock befindet sich ein Wohnzimmer, eine
Kueche mit einer Essnische- sowie eine Spuelkueche. Im zweiten
Stock liegt ein grosses Schlafzimmer, ein etwas kleineres Schlafzimmer fuer die juengsten Kinder, zwei etwa halb so grosse Zimmer
fuer die aelteren Kinder, die ihr "eigenes" Zimmer haben sollen,
und schliesslich ein Badezimmer. Es ist kein Keller vorhanden,
jedoch ist ein Verschlag vorgesehen, den man zum Abstellen der
Fahrraeder benutzen kann. Fuer die 107 Wohneinheiten soll eine
Zentralheizungsanlage sowie eine Cemeinschaftswaescherei eingerichtet werden. Die daenischen Arbeiterfamilien, die demnaechst
dort einziehen werden, bezahlen etwa 200 Kronen Miete im Monat;
das entspricht ungefaehr einem Wochenlohn.
Die Gesamtbaukosten fuer eine Wohnung betragen 40,230 Kronen
oder etwa 24.000 DM. Die Kosten liegen damit ungefaehr iyf&gt; unter
den gegenwaertigen Baukosten. Man verspricht sich bei dem gesamten
Bauvorhaben durch Anwendung rationalisierter Methoden eine Ersparnis von 700 000 daenischen Kronen. Es erscheint jedoch noch etwas
zu frueh, um bestimmte Angaben zu machen. Verschiedene Sachverstaendige halten es fuer das Beste, diese neuen Methoden erst bei
vier- oder mehrstoeckigen Gebaeuden anzuwenden, ehe sie mit ihnen
vielleicht Schiffbruch erleiden. Andere Sachverstaendige meinen
wiederum, man koenne die Kosten noch weiter reduzieren.
Nachdem nun, nach dreizehn Jahren, die Rationierung der Verbrauchagueter in Daenemark aufgehoben wurde, (Kaffee und Zucker
wurden erst im vergangenen Monat freigegeben), bleibt das Wohnungsproblem noch immer eines der wichtigsten Probleme der daenischen
Wirtschaft. In diesem Jahr sieht der Baufinanzierungsetat der
Regierung die Schaffung von 16 000 neuen Wohnungen vor. Eine
Ersparnis von 7000 Kronen pro Wohnung oder eine Gesamtersparnis
von 112 000 000 Kronen wuerde fuer 13.915 Wartende eine neue
Wohnung bedeuten.
Sonderbericht der
MSA Labor Division,
Kopenhagen.

Zunahme dea Mittelstandes in den Vereinigten Staaten
Eine allmaehliche Veraenderung der Einkommensschichtung der
Vereinigten Staaten hat in den letzten 20 Jahren zu einer Verbreiterung des Mittelstandes gefuehrt. Im Verlaufe dieses Prozesses hat sich die Hoehe des Bevoelkerungsanteils innerhalb der
Spitzeneinkommengruppe und der niedrigsten Einkommenstufe zahlen-

15

�maessig verringert. Tor kurzen beendete Simon Kuznets vom amerikanischen Wirtschaftsforschungsinstitut eine umfangreiche Abhandlung
ueber diese Veraenderungen in der amerikanischen Einkommensstruktur.
Die Ergebnisse dieser Studie wurden von Geoffrey H. Moore fuer die
"American Economic Review", einer amerikanischen Wirtschaftszeitung,
eingehend analysiert. Eine amerikanische Zeitung, die einen Kommentar zu dieser Abhandlung veroeffentlichte, erklaerte, die Studie
zeige, dass in den Vereinigten Staaten eine friedliche soziale
Revolution mit durchgreifenden wirtschaftlichen Folgen vor sich geht.
Im Jahre 1929 gaben 513 Personen ihr Einkommen mit einer Million
Dollar oder mehr an, im Jahre 1948 waren es nur noch 149« Ton 1929
bis 1948 stieg das Einkommen des einprozentigen Bevoelkerungsanteils
mit Spitzeneinkommen um 8$; das Einkommen der restlichen 99$ erhoehte
sich jedoch um 124$. Waehrend des 35-jaehrigen Zeitraums von 1913
bis 1948 stieg das Einkommen der unteren 99$ um das Vierfache.
Waehrend der Zeit von 1929 bis 1939 sank das Individualeinkommen beider Gruppen, und zwar bei der oberen Einkomaensklasse um 39$
und fuer die verbleibenden 99$ der Bevoelkerung um 18$. Von 1939
bis 1948 trat wiederum eine wesentliche Erhoehung ein. Sie betrug
78$ pro Kopf fuer die oberste Einkommensgruppe und 174$ fuer die
untere Einkommensklasse. Diese Veraenderungen in der Einkommensschichtung der verschiedenen Bevoelkerungskreise zeigen eine Tendenz
nach der Mitte hin - und zwar wird sie hervorgerufen durch das steigende Einkommen der niedrigeren Einkommensklassen, einem Absinken
der Spitzeneinkommensklassen und schliesslich einem Ansteigen des
Einkommens der Mittelklasse.
Fuer die Hebung des Einkommensstandards werden verschiedenartige
Begruendungen gegeben. Man "uehrte dabei vor allem an, dass die
Loehne und Gehaeiter im Verhaeltnis zu den Einkommen aus Renten,
Dividenden und Zinsen erheblich gestiegen sind. Die Gehaeiter der
Angestellten haben sich um 134$ pro Kopf der Bevoelkerung erhoeht,
waehrend die Einkuenfte in der Landwirtschaft, Einzelunternehmen
und Handwerksbetrieben um 143$ gestiegen sind.
Die Hebung des Einkommens minderbemittelter Familien hat sich
am staerksten ausgewirkt. Sie wurde spuerbar durch groessere Aufwendungen fuer Verbrauchsgueter und einer groesseren Nachfrage in
den Geschaeften. Im Jahre 1939 hatte eine von 10 Familien ein Einkommen von 3000 Dollar oder mehr und eine von 45 Familien gehoerte
zu der Einkommensgruppe mit 5000 Dollar und mehr. Im Jahre 1948
jedoch hatte die Haelfte aller Familien ein Einkommen von 3000
Dollar oder mehr und eine unter 6 Familien war in der Einkommensgruppe 3000 Dollar und mehr.
Viele Wirtschaftssachverstaendige glauben, dass die Veraenderungen in der Einkommenverteilung die Wiederholung einer Wirtschaftskrise verhindern wuerden. Die wirtschaftliche Lage hat
durch das Anwachsen des Mittelstandes zweifellos eine Stabilisierung erfahren. Die Angehoerigen des Mittelstandes sind so zahlreich wie nie zuvor und verfuegen ueber den groessten Einkommenanteil. Sie besitzen eine starke Kaufkraft und betraechtliche
Spareinlagen; sie tragen dadurch zur Ausdehnung des amerikanischen
Marktes bei. Nach Ansicht vieler Wirtschaftssachverstaendiger wird
die Erhoehung des Realeinkommens des Durchschnittsamerikaners noch
weiter andauern und eine Erhoehung der Produktivitaet sowie ein
Anwachsen des Kapitals zur Folge haben, wobei sich die Durchschnittsziffern erhoehen.
Weekly Labor News Digest
VIl/43
-

16

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                <text>Internationale Arbeitsmitteilungen 01.02.1952</text>
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                <text>Die Lohnangleichung an die Lebenshaltungskosten in Westeuropa&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ursache des industriellen Friedens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Paul Finet zur amerikanischen Gewerkschaftsbewegung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vollbeschäftigung in Schweden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Franzözische Seeleute blicken hinter den "Eisernen Vorhang"</text>
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ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 1

Frankfurt, 5. Januar 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Eine Erklaerung des Vereinigten Komitees fuer
Arbeitsnolitik - - - - - - - - - - - - - - - Prae3ident Truman l o b t zwei grosse amerikanische
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - -

4

Z e i t fuer Lohnkontrollen in Amerika noch n i c h t
gekommen - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

6

Schulung der Experten des Punkt-Vier Programms

1

-

Franzoesische Studiengruppe fuer Zusammenarbeit
Gewerkschaften-Unternehmer - - - - - - - - - -

7
8

Wesen und Arbeitsweise der britischen "Anordnung
1305" - - - - - - -

- - _ - . _ - .

Gewerkschaftliche Erfolge in Neuseeland - - - - -

9
11

Zeit- und Bewegungsstudium kann westdeutsche
Produktion erhoehen - - - - - - - - - _ _ _ 12
Gewerkschaftlicher Beratungsausschuss fuer internationale Angelegenheiten - - - - - - - - - 13
Ein Jahr IBFG - - - - - - - - - - - - &gt; - - 15

EINE ERKLAERUNG DES VEREINIGTEN KOMITEES FUER ARBEITSPOLITIK
Das Vereinigte Komitee fuer Arbeitsgesetzgebung (United Labor
Policy Committee) hat dem Praesidenten der Vereinigten Staaten
folgende Erklaerung unterbreitet:
Die Gewerkschaftsbewegung Amerikas hat ein Komitee fuer Arbeitsgesetzgebung gebildet, das sich aus Vertretern der AFL, des
CIO, der Eisenbahnergewerkschaft und der Internationalen Gewerkschaft der Maschinisten zusammensetzt. Es verpflichtet sich,
die Nation und den Praesidenten in der gegenwaertigen Krise vor- 1-

�behaltlos zu unterstuetzen.
Es ist sein Ziel, gemeinsam die Probleme zu loesen, die sieb
mit dem Mobilisierungs- und Stabilisierungsprogramm ergeben haben.
All sein Streben gilt der Sicherheit und Wohlfahrt unseres Landes.
Die Sicherheit, die Menschenwuerde und das materielle Wohlergehen
der Arbeiterschaft Amerikas und darueberhinaus der ganzen Welt
haengen davon ab, ob die demokratische Lebensform erhalten werden
und sich ausbreiten kann. Es ist sich des Ernstes der Krise bewusst, vor der die Nation steht. Es verpflichtet sich, mitzuhelfen, das Land stark zu machen und diese Staerke so zu verwenden,
dass sie der Menschheit Frieden und Wohlstand bringt.
Es ist von groesster Bedeutung, dass der Gewerkschaftsbewegung eine aktive Teilnahme und eine wirklich fuehrende Stellung
in allen fuer die Mobilisierung des Landes wichtigen Behoerden geweehrt wird. Die Gewerkschaften bedauern, dass sie bisher nicht
die Moeglichkeit hatten, sich uneingeschraenkt an den Mobilisierungsbemuehungen zu beteiligen. Die freie Gewerkschaftsbewegung
kann ihren groesstmoeglichen Beitrag nur dann leisten, wenn sie
die Ermaechtigung hat, sich ueberall fuer die Mobilisierung zur
Verteidigung des Landes in Bezug auf die Politik und die Verwaltung einzusetzen. Keine Gruppe hat bei der Mobilisierung der
Hilfsquellen Anspruch auf ein Ideenmonopol. Jede Gruppe hat viel
zu bieten, und nur in gegenseitiger Zusammenarbeit kann die Kampfansage der Diktatur erfolgreich beantwortet werden.
Die Kontrolle der Preise aller taeglichen Lebensnotwendigkeiten des Arbeiters ist das Grundproblem der Lohnstabilisierung.
Es muss darauf hingewiesen werden, dass es nach den Bestimmungen
des Gesetzes fuer die Ruestungsproduktion, das im Jahre 1950
erlassen wurde, unmoeglich ist, diese Preise zu kontrollieren.
Unter diesem Gesetz sind grosse Preissteigerungen besonders
fuer Nahrungsmittel zulaessig, die etwa 40$ der Ausgaben fuer die
Lebenshaltungskosten der durchschnittlichen amerikanischen Familie darstellen. Ausserdem unterliegen die Mietpreise, die etwa
13% der Lebenshaltungskosten ausmachen, ebenfalls zur Zeit noch
keiner wirksamen Kontrolle.
Solange Lebenmittel- und Mietpreise rapiden und drastischen
Steigerungen ausgesetzt sind',, muessen ausgleichende Lohnanpassungen erlaubt bleiben. Das gegenwaertige Verbot der Lebensmittelund Mietpreiskontrolle macht jedes System der Preis- und Lohnkontrolle unmoeglich, und bevor eine durchfuehrbare Aktion zur Stabilisierung eingeleitet werden kann, muessen diese Verbote aufgehoben werden. Eine wirksame Kontrolle der Lebensmittelpreise des
Kleinhandels kann verwirklicht und den Landwirten koennen gleichzeitig gerechte Preise fuer ihre Erzeugnisse gesichert werden.
Das Gesetz fuer die Ruestungsproduktion muesste vom Kongress
sofort abgeaendert werden, damit es diesen Anforderungen genuegt.
Die amerikanischen Industrien bilden eine geschlossene Einheit, sodass keines ihrer Teile zum Zwecke der Einfuehrung von
Lohn- und Preiskontrollen auf sich selbst gestellt werden kann.
Wenn eine Preiskontrolle wirksam sein soll, muss sie allgemein
sein. Die noetigen Einrichtungen und durchgreifende Ausfuehrungsverfahren muessen ausgearbeitet-werden, andernfalls werden diese
Kontrollen unwirksam sein.
Die Regierung muss nach Gerechtigkeit streben und dafuer sorgen, dass ihre Stabilisierungsmassnahmen durchfuehrber sind. Diese Faktoren unterordnen zu wollen, um durch provisorische Messnah- 2 -

�men Zeit zu sparen, w^ere in Wirklichkeit keine Zeitersparnis,
sondern ein Kinauszoegern des Zeitpunkts, zu dem eine wirkliche
Stabilisierung erreicht werden kann.
Die dringendsten provisorischen Massnahmen sind zwar getroffen-, aber es mues3en weitere Phasen des Stabilisierungsprogramms
in Angriff genommen werden, um spaetere Fehler und Verzoegerungen
zu vermeiden. In Bezug auf die Lohnstabilisierung muessen drei
grundlegende Prinzipien beachtet werden, damit sie in die entsprechenden Bestimmungen aufgenommen werden koennen.
Der erste dieser Grundsaetze bezieht sich auf die Durchfuehrungsmethoden. Gegenwaertig ist die Lohnstabilisierung einer
Buerokratie unterworfen, die diese Arbeit unnoetigerweise behindert. Nach den jetzigen Bestimmungen muessen lohnpolitische Massnahmen zuerst-von einem Ausschuss gutgeheissen werden, in dem
Gewerkschaften, Unternehmer und die Oeffentlichkeit vertreten
sind. Die Empfehlungen dieses Ausschusses unterliegen sodann der
schiedsrichterlichen Entscheidung einer Einzelperson. Dadurch
ist ein schnelles und gerechtes Handeln unmoeglich gemacht.
Wenn diese Empfehlungen dann noch von einem einzelnen hohen
Verwaltungsbeamten ueberprueft werden, der auf Grund seiner allgemeinen verwaltungstechnischen Erfahrung und nicht wegen seiner
besonderen Erfahrungen auf dem Gebiet der Lohnpolitik hierzu ausersehen ist, so wird dadurch in den Prozess der Lohnstabilisierung
nur Ungewissheit, Verzoegerung und Willkuer gebracht. Die Verfahren der Lohnstabilisierung muessen revidiert werden, damit der
Lohlistabilisierungsausschuss das Statut und die Ermaechtigung erhaelt, ueber Angelegenheiten, die in seinen Zustaendigkeitsbereich
fallen, selbst zu entscheiden.
Die Lohnstabilisierungspolitik muss es ermoeglichen, die
Lohntarife den Lebenshaltungskosten anzupassen. Sie mu3s ausserdem die Erhoehung zu niedriger Loehne und die Beseitigung von
Verschiedenheiten in bestehenden Lohntarifen innerhalb oder zwischen den einzelnen Industrien vorsehen. Der jetzt allgemein anerkannte Grundsatz, dass die Arbeiter an den Gewinnen des industriellen Fortschritts und der gesteigerten Produktionsleistung,
die die Nation von ihren Industriearbeitern erwarten muss und kann,
muss in der Lohnstabilisierungspolitik besonders beruecksichtigt
werden. Eine Lohnstabilisierungspolitik muss bestehende Tarifvereinbarungen, die selbst die Stabilitaet garantieren, resnektieren. Das wuerde zum Beispiel fuer die Automobil- und andere Industrien zutreffen, wo in bestehende Vertraege "eine gerechte Anglelchung der Lohntarife vorgesehen ist. Wenn man auf dem Kollektivverhandlungsweg abgeschlossene Vertraege fuer ungueltig erklaeren wollte, wuerde man unweigerlich industrielle Unruhe stiften
und damit das Ziel der Lohnstabilisierungspolitik verfehlen.
Die Ueberstundenbezahlung, die jetzt durch Tarifvertraege oder
gueltige Gesetze gesichert ist, muss weiterhin bestehen bleiben.
Diese Bestimmungen setzen in keiner Weise voraus, dass die jetzt
als normal erachtete Arbeitszeit verlaengert wird. Sie sehen lediglich eine Belohnung fuer produktive Ueberstunden- und Feiertagsarbeit vor.
Ein gerechtes Programm zur Kontrolle der Steuern, Ersparnisse,
Preise und Rationen ist die Antwort auf das Problem der ueberschuessigen Kaufkraft. Erhoehte Steuern, die der Arbeiter zu zahlen hat, und die Erhoehung der Lebenshaltungskosten haben seine
Kaufkraft bereits vermindert. Ausserdem hat die Regierung ein Programm eingeleitet, das die freiwillige Anlage von Geldern aus lau3 -

�fenden Lohnzahlungen in Kriegsanleihen der Regierung der Vereinigten Staaten anregt. Die Gewerkschaftsorganisationen sind bereit,
in jeder Weise an der Erreichtung dieses Zieles mitzuarbeiten.
Wirksame Preis- und Rationierungskontrollen werden dieses freiwillige Sparen nichtausgegebenen Einkommens foerdern. Diese Ersparnisse bilden eine Zusammenballung an Kaufkraft, die nach der gegenwaertigen Krise der Nation einen Auftrieb geben und die Produktion
ziviler Anschaffungsgueter ohne Risiko erweitern wird.
Die arbeitende Bevoelkerung ist das groesste Vermoegen einer
Nation. Es muessen Schritte unternommen werden, um das Reservoir
an Arbeitskraeften zu staerken und zu erweitern. Dabei muss die
Tatsache beruecksichtigt werden, dass die freie Arbeiterschaft dem
System der Sklavenarbeit produktionsmaessig ueberlegen ist. Die
freie Arbeiterschaft wird eine wesentlichere Rolle spielen, wenn
es darum geht, das Ziel der Hoechstproduktion zu erreichen. Die
Erfahrungen aus den Zweiten Weltkrieg haben gelehrt, dass eine
Politik der freiwilligen Verwendung der Arbeitskraefte ein Hoechstmass an Lsistungsfaehigkeit, Zusammenarbeit und Moral gewaehrleistet. Der zwangsmaessige Einsatz ziviler Arbeitskraefte wuerde
jedoch die Bemuehungen zum Scheitern bringen, das Ziel der Hoech3tnroduktion zu erreichen.
Die amerikanischen Arbeiter und Gewerkschaften unterbreiten
diese Vorschlaege,damit das Ruestungsnotprogramm so schnell und
so wirksam wie moeglich zur Ausfuehrung kommt. Sie halten es fuer
ihre Pflicht, nicht nur wörtliche Zusicherungen zu geben, sondern
auch auf die Schwierigkeiten und Probleme hinzuweisen, die geloest
werden muessen, wenn ein Hoechstmass an nationaler Sicherheit erreicht werden soll.
Die Mitglieder des Vereinigten Komitees fuer Arbeitsgesetzgebung sind:
Als Vertreter des CIO: Vorsitzender Fhilip Murray; Vizevorsitzender Walter Reuther; Vizevorsitzender Emil Rieve; Vizevorsitzender L. S. Buckmaster und Jacob Potofsky, Mitglied des Exekutivausschusses des CIO.
Als Vertreter der AFL: Vorsitzender William Green; Hauptkassierer George Meany; Vizevorsitzender George M. Harrison; Vizevorsitzender Dan V,". Tracy und Vizevorsitzender William C. Doherty.
Fuer den Internationalen Maschinistenverband:
A. J. Hayes und Vizevorsitzender Eimer Walker.
Fuer die Eisenbahnergewerkschaft:
und Hauptkassierer A. E. Lyon.

Vorsitzender

Vorsitzender George Leighty

An dem Besuch beim Praesidenten nahmen teil: Green, Harrison,
Tracy, Murray, Reuther, Potofsky, Hayes und Leighty.
Mitteilung des CIO
XII/20/50
PRAESIDENT TRUMAN LOBT ZWEI GROSSE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN
Praesident Truman sprach unlaengst zwei grossen internationalen
Gewerkschaften des CIO seine Anerkennung fuer die grossen Siege
aus, die sie innerhalb der Gewerkschaftsbewegung im Kampf gegen
die Kommunisten errungen hatten. Gleichzeitig gab er der Hoffnung
Ausdruck, dass die Arbeiter in beiden Organisationen auch weiterhin
- 4 -

�den Totalitarismus bekaempfen, indem sie sich mit allen Kraeften
dem gegenwaertigen Wiederaufruestungsprogramm zur Verfuegung stellen.
Es handelt sich um die Internationale Gewerkschaft der Elektroarbeiter, die seit einem Jahr dem CIO angehoert und die die von
Moskau beherrschte Gewerkschaft der Vereinigten Elektroarbeiter
ersetzt, sowie um die Transportarbeitergewerkschaft, die vor zwei
Jahren alle Kommunisten aus ihren fuehrenden Positionen entfernt
hat.
Der Praesident lobte insbesondere den Hauptkassierer des CIO,
•James B. Carey, fuer seine "aufopfernde Arbelt im Interesse der
amerikanischen «rbeiter" und "seinen entschlossenen Widerstand
gegen die Kraefte des Totalitarismus, die die Gewerkschaftsbewegung stuerzen und zerstoeren wollen." Die Botschaft des Presidenten, die auf dem Jahreskongress in Milwaukee verlesen wurde,
schloss, indem sie den mehr als 500 Delegierten "in ihrem Kampf
gasen die unmoralischen Einfluesse des amerikanischen und internationalen Kommunismus Glueck wuenschte."
An die Transportarbeitergewerkschaft, die sich zu einer Tagung in New York ruestet, richtete Praesident Truman eine weitere
Botschaft, in der er erklaert, dass diese Organisation in den
zwei Jahren seit der Entfernung der Kommunisten aus den Aemtern
"die bedeutendsten Erfolge in ihrer Geschichte erzielt hat."
Der Praesident forderte die Mitglieder der beiden Gewerkschaften auf, sich mit allen Mitteln an den Wiederaufruestungsbemuehungen zu beteiligen.
In der Botschaft an die Elektroarbeitergewerkschaft heisst es, dass sich "eine Moeglichkeit bietet, nicht nur
den Glauben an die Demokratie und die Ablehnung der totalitaeren
Philosophie unter Beweis zu stellen, sondern auch mitzuhelfen,
unsere Industrieproduktion so zu steigern, wie es erforderlich
ist, um den Sieg zu sichern."
"Die schwere Zeit, die uns bevorsteht," heisst es in der Botschaft weiter, "wird die hoechste Pflichterfuellung eines jeden
Amerikaners erfordern. Die Freiheit der Arbeiterschaft steht in
der ganzen Welt auf dem Spiel. Ich bin gewiss, dass die Mitglieder der Internationalen Gewerkschaft der Elektro-, Radio- und
Maschinenarbeiter einen wertvollen und patriotischen Beitrag im
Kampf zur Beschuetzung unserer Freiheiten leisten werden."
Die Transportarbeiter forderte der Praesident auf, in kritischen Kriegszeiten von jedem Streik abzusehen.
"In einer Zeit, in der wir zusammenarbeiten, um die Interessen
unserer Nation zu schuetzen und schneller zum Frieden fuer die
ganze Welt zu kommen, muessen sich die vielen Millionen Industriearbeiter unseres Landes darauf verlassen koennen, dass.ihnen die
Transoortarbeiter ohne Unterbrechung dienen."
Besonders anerkennend aeusserte sich der Praesident ueber
das Abkommen, das im Sommer vorigen Jahres zwischen den Transportarbeitern und der Transportbehoerde der Stadt New York zustandegekommen war. Dieser Vertrag weicht von dem ueblichen Standpunkt
der Regierung ab, dass es den bundesstaatlichen, einzelstaatlichen oder kommunalen Behoerden verboten waere, Vertreege mit den
Gewerkschaften einzugehen.
Truman bemerkte, dass dieses Abkommen der Gewerkschaft ihre
seit langem begehrte Anerkennung seitens der Kocmunalbehoerden ge- 5-

�sichert und ihren Mitgliedern wesentliche Vorteile gebracht hat.
Eine Gewerkschaft, die fuer den 1. Januar mit einem Streik
mehrere privater Autobuslinien in New York gedroht hatte, veroeffentlichte die Botschaft ohne jeden Kommentar.
In Milwaukee eroeffnete Carey, der gleichzeitig Ortsvorsitzender der Elektroarbeiter ist, den Kongress dieser Gewerkschaft, indem er die Aufforderung aussprach, einen langen und
besseren Kampf zu fuehren, um die kommunistischen Funktionaere
aus der Gewerkschaft zu entfernen und die "Marionettenfuehrung"
zu beseitigen.
Die
muessten
der Lohn
naehmen,

Bemuehungen zur Organisierung einer freien Gewerkschaft
vorlaeufig zurueckgestellt werden, fuehrte Carey aus;
fuer die Anstrengungen, die die Arbeiter jetzt auf sich
sei die Freiheit.

"Wir haben hier Menschen," sagte er, "die wir in dieser chaotischen Welt dringend benoetigen, Menschen, die den Mut haben,
fuer eine Ueberzeugung auch mit allen Kraeften einzutreten.
Mitteilung des U.S. Aussenministeriums
XI1/6/50
ZSIT FUER LOENKCFTROLIEN IN AMERIKA NOCH NICHT GEKOMMEN
Das beschleunigte Verteidigungsprogramm, das Amerika du'rchfuehren muss, erfordert "strenge und bindende Kontrollen" der
Rohstoffe und Verbraucherpreise, "die Zeit ist jedoch noch nicht
gekommen, um Lohnkontrollen aufzuerlegen."
Diese Meinung vertrat der Praesident der Internationalen Maschini
3tengewerkschaft, AI Hayes, vor dem Nationalen Lohnstabilisierungsausschuss. Er erklaerte in allen Einzelheiten, warum Lohnkontrollen abzulehnen seien, und gab seiner üebErzeugung Ausdruck, dass
das Preisniveau der Zeit nach dem Kriegsausbruch in Korea eindeutig das Ergebnis der Profitmacherei und nicht der Lohnerhoehung
ist.
Hayes hob hervor, dass sich die Internationale Maschinistengewerkschaft des Ernstes der Weltlage und der Notwendigkeit energischer Massnahmen vollauf bewusst ist. Den Vereinigten Staaten
stuende ein "Kampf auf Leben und Tod" mit dem Kommunismus bevor,
der die groesste Bedrohung ihrer Regierungsform und Lebensweise im
Verlauf ihrer gesamten Geschichte darstelle.
"Deshalb," fuhr Hayes fort, "muessen wir unverzueglich unsere
eigene Verteidigung aufbauen und anderen freien Voelkern der '^elt,
besonders in Europa, helfen, die ihrige aufzubauen; und wir muessen alles Notwendige tun, um unser Land stark zu machen, selbst
wenn dies "wesentliche Veraenderungen und Opfer" in unserem eigenen Zivilleben bedeutet.
Auf Loehne und Preise zurueckkonmend, erklaerte Hayes vor
dem Lohnstabilisierungsausschuss, dass das Gesetz fuer die Verteidigungsproduktion Praesident Truman vorschreibe, Hoechstgrenzen
fuer "Preise festzusetzen, die Loehne jedoch nur zu stabilisieren.
"Damit," fuehrte er weiter aus, "gab der Kongress dem Presidenten groessere Handlungsfreiheit in Bezug auf Loehne als auf Preise."
In Kreisen der Industrie hatte man behauptet und darauf bestanden,
dass das Gesetz fuer jede Industrie, in der Preiskontrollen einge- 6 -

�fuehrt sind, auch Lohnbegrenzungen vorsehe.
Was sich nach Ausbruch des Krieges in Korea wirklich ereignete, schilderte Heyes mit folgenden Worten:
Die durchschnittlichen Stundenloehne sind in der gesamten
Industrie geringfuegig in die Hoehe gegangen, und zwar von 1,453
Dollar im Juni auf 1,430 Dollar drei Monate spaeter, eine Steigerung von 1,8$. Im gleichen Zeitraum ist der Verbraucherpreisindex um 2,1$ gestiegen. Diese Aufwaertsbewegung hielt auch in
der letzten Zeit weiter an. Gemessen an den Preisen und Loehnen
ist die Kaufkraft tatsaechlich zurueckgegangen, und die hoehere
Sinkommenssteuer hat die Kaufkraft des Einzelnen noch weiter gesenkt.
Der Grosseinkaufspreisindex stand im Juni auf 157,3. In der
letzten Woche des Monats Oktober hatte er 169.4 erreicht. Die
Grosshandelspreise fuer landwirtschaftliche Gueter waren um 8,5$
angestiegen. Die Lebensmittelpreise gingen um 7,3$ in die Hoehe.
Die Preise fuer Kupfer stiegen um 8,9$, fuer Wolle um 35$, fuer
Blockeisen um 6,5$ , fuer Gummi um 124$ und fuer Zinn um 44$.
(Gummi, Zinn und Wolle werden auf internationalen Maerkten gekauft) .
"Welche logischen Entschuldigungen oder Gruende gibt es fuer
diese ungerechtfertigten Erhoehungen der Grosshandelspreise?"
fragte Hayes. "Sicherlich nicht die Lohnerhoehungen. Die Arbeitskosten fuer den groessten Teil dieser Erzeugnisse sind verhaeltnismaessig gering, und die durch Lohnaufbesserungen verursachten
Mehrkosten (weniger als zwei Prozent) sind nicht der Rede wert.
Vir brauchen nicht weiterzusuchen, wenn wir aufrichtig bestrebt
sind, die Inflation zu verhindern. Hier haben wir die Ursache
fuer die inflationistischen Kraefte, die nun im Aufstieg begriffen sind. Lohnstops oder -beschraenkungen werden sie nicht aufhalten, weil diese Kraefte nicht durch Lohnerhoehungen in Bewegung
gesetzt wurden. Wenn es noch eines weiteren Beweises dafuer bedarf, dass wir zu dieser Zeit keine Lohnkontrollen benoetigen, so
erlauben Sie mir, dass ich auf die Unternehmergewinne hinweise.
"Dem Steueraufkommen zufolge sind die jaehrlichen Gewinne
der Unternehmer von 17,2 Milliarden Dollar im ersten Quartal des
Jahres 1950 auf 24,4 Milliarden Dollar im dritten Quartal angestiegen. Dies ist eine Steigerung um 41,8$. In der gleichen
Zeit ging der Produktions- und Geschaeftstaetigkeitindex der
Bundesstaatlichen Finanzbehoerde um etwa 6,5$ in die Hoehe. Der
Produktionsindex der "Geschaeftswoche" stand im Juni auf 210.2
und hatte im Dezember 220.6 erreicht, was einer Steigerung um
4,9$ entspricht. Es sind keine Unterlagen vorhanden, die besagen,
dass die 41$ige Gewinnsteigerung auf eine gesteigerte Produktion
zurueckzufuehren sei. Auf die Frage nach der Ursache der Inflation gibt es also keine andere Antwort als: Profitmacherei das willkuerliche Steigern der Preise."
Daily News Service
XII/15/50
SCHULUNG DER EXFERTEM DES PUNKT-VIER PROGRAMMS
Das amerikanische Aussenministerium gab bekannt, dass der
'?rste Schulungslehrgang fuer Experten des ^unkt-Vier Programms beendet ist.
- 7-

�In der Bekanntmachung heisst es, dass die erste Schulungsgruppe zwei Wochen intensiven Studiums an dem Institut fuer auswaertigen Dienst beendet hat, und dass sich die Teilnehmer im Rahmen
des Punkt-Vier Programms nach Liberia, Indien, Haiti, El Salvador
und anderen lateinamerikanischen La endern begeben werden.
In dem Lehrgang wird besonderer Wert auf das Verstaendnis fremder Voelker, ihrer Kultur, Geschichte, Sitten und Sprachen gelegt.
Der naechste Lehrgang ist fuer die zweite Woche des Monats
Januar geplant. Der Administrator des Punkt-Vier Programms Henry
G. Benett hofft, die Dauer des Lehrgangs fuer alle Techniker auf
drei bis sechs Monate verlaengern zu koennen.
Zwei erfahrene Anthropologen, Dr. Edward A. Kennard und Dr.
Edward T. Hall, sind von dem Institut fuer auswaertigen Dienst
Planung und Ausbildung anvertraut worden. Die Amerikanische Anthronologische Vereinigung arbeitet ein allgemeines Handbuch zum Gebrauch in dem Lehrgang aus.
Die Gruppe, die den ersten Lehrgang beendet hat, setzt sich
aus folgenden Mitgliedern zusammen:
George G. Vander Berghe, Techniker der Gummiverarbeitung,
(fuer Haiti bestimmt); Nazrio C. De Banca, der in El Salvador die
landwirtschaftliche Entwicklung unterstuetzen wird; William Cornel
Pope, ein fuer lateinamerikanische Laender bestimmter Spezialist
fuer Sicherheitsfragen; George C. Taylor, ein Grundwassergeologe,
der in Indien in Fragen der Wasserversorgung und der kuenstlichen
Bewaesserung Ratschlaege erteilen wird; Frau Helen L. Murphy, die
als Beraterin in Fragen der Krankenpflege und der Krankenhausverwaltung nach El Salvador gehen wird; George W. Kines, der sich als
Experte der Gesundheitspflege nach Liberia begeben wird, und William
E. Harris, der ebenfalls die oeffentliehe Gesundheitsfuersorge in
Liberia foerdern wird.
Daily Wireless Bulletin
XII/28/50
FRArZOESlSCHE STUDIENGRUPPE FUER ZUSA^ÜvSNARBEIT GEWERKSCHAFTENUNTERNEHMER
Eine Studiengruppe der franzoesischen Elektroindustrie, die
zur Zeit die Vereinigten Staaten bereist, ist der Auffassung, dass
die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern der
Schluessel zum zukuenftigen Wohlstand Frankreichs ist, und sie ist
optimistisch in bezug auf die Verwirklichung dieser Zusammenarbeit.
Diese Zusammenarbeit, so sagen die Vertreter der Gewerkschaften
und der Unternehmer in dieser 15-koepfigen Grunpe, haette einen
hoeheren Lebensstandard fuer die Arbeiter, einen angemessenen Ertrag aus den Investitionen und eine stabilere franzoesische Wirtschaft zur Folge.
Die Gruppe hat sich im Rahmen des Marshall-Plan-Programms und
seiner technischen Unterstuetzung mit den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und den Produktionsmethoden in der
Elektroindustrie befasst.
Die stark optimistische Einstellung zur Gestaltung eines
besseren Frankreichs entstammt den Beobachtungen der Grupoenmitglieder in den Vereinigten Staaten, bei denen sie feststellen konnten,
wie erfolgreich Unternehmer und Arbeiterschaft dort oft zusammenarbeiten.
- 8-

�Die Gruppe ist der Ansicht, dass sowohl der hohe Lebensstandard in den Vereinigten Staaten als auch die zeitsparenden Produktionsmethoden dieses Landes auf diese enge Zusammenarbeit zurueckzufuehren sind.
"Was mich am meisten ueberraschte, war die Tatsache, dass
die amerikanischen Chefs den Problemen der menschlichen Beziehungen grosse Bedeutung beimessen," erklaerte Severin Prudhomme aus
Paris, ein Mitglied"des franzoesischen Gewerkschaftszentrura3
"Force Ouvriere".
"Der amerikanische Arbeitgeber scheint ein Psychologe zu
sein, der weiss, dass sein Wohlstand direkt an den der Arbeiter
gebunden ist."
"In Frankreich sind die Arbeiterloehne zehn- oder zwoelfmal
hoeher als vor dem Kriege, waehrend die Lebenshaltungskosten um
das 20- oder 25-fache gestiegen sind. Unter diesen Bedingungen
hat der professionelle Agitator ein leichtes Spiel."
"Wenn viele Arbeiter politischen Fuehrern folgen, dann vor
allem deshalb, weil sie glauben, dass es niemanden anders gaebe,
dem man folgen koenne. Wir werden eine staerkere Nation und eine
gesundere Wirtschaft aufbauen koennen, wenn Unternehmer und Gewerkschaften in Frankreich enger zusammenarbeiten, wenn der
franzoesische Arbeitgeber mehr Verstaendnis fuer die Gewerkschaft
seiner Arbeiter zeigt und der Arbeiter versucht, die Probleme der
Unternehmer zu verstehen, - so umriss Prudhomme seinen Standpunkt'.'
"Pierre Rivat, ein Ingenieur der Firma Garnier in Lyon, die
elektrische Apparate und Zaehler baut, erklaerte, es sei seine
fe3te Ueberzeugung, dass die franzoesischen Arbeiter lernen muessten,
was der Amerikaner bereits weiss, naemlich "dass es fuer die Arbeiter keinen vVohlstand geben kann, wenn es fuer das Unternehmen,
fuer das er arbeitet, keinen Wohlstand gibt." Er sagte ferner,
"Frankreich befinde sich dank des Marshall-Planes jetzt auf dem
Wege zum Wiederaufbau, obwohl es in zwei Kriegen schwer mitgenommen worden sei. Wenn wir erst einmal genuegend technische Fortschritte und Verstaendnis fuer die menschlichen Beziehungen uns angeeignet haben, werden auch die politischen Differenzen geloest
werden koennen."
EGA Labor Information
XII/14/50
WESEN UND ARBEITSWEISE DER BRITISCHEN "ANORDNUNG 1505"
In den letzten sieben Jahren haben die Delegierten des britischen Gewerkschaftskongresses TUC regelmaessig die Auswirkungen
der "Anordnung 1305" eroertert; dreimal seit dem Kriege haben sie
ueber Resolutionen abgestimmt, in denen gefordert wurde, diese
Anordnung fuer ungueltig zu erklaeren.
In allen Faellen war das Ergebnis des gleiche. Der Kongress
hat beschlossen, dass diese Anordnung aus der Kriegszeit, durch
die die Schiedsgerichtsbarkeit geschaffen wurde, noch immer ihrem
urspruenglichen Zwecke dient und mithilft, Streitigkeiten in der
Industrie beizulegen, wenn andere Einrichtungen versagen oder
ueberhaupt nicht bestehen» und deshalb bestehen bleiben soll.
Um die Ziele, Grundsaetze und Bedingungen dieser Anordnung jedoch voll und ganz zu verstehen, ist es notwendig, sich die Ver- 9-

�haeltnisse der kritischen Zeit von 1940 ins Gedaechtnis zurueckzurufen. Als Hitlers Armeen die franzoesischen und belgischen
Kanalhaefen besetzt hatten, war es selbstverstaendlich, dass der
Aufstieg der Industrie durch nichts gestoert wurde. Deshalb wurde diese Anordnung erlassen, die den Zweck hatte, Streitigkeiten
in der Industrie gerecht, schnell und ohne Streik beizulegen.
Die alteingefuehrten Methoden der Tarifverhandlung und der
freiwilligen Scniedssprechung wurden jedoch nicht ueber Nacht abgeschafft, um durch die obligatorische Scniedssprechung ersetzt
zu werden. '.Vie in der Anordnung eindeutig klargestellt war, wuerden alle bestehenden gemeinsamen Schlichtungseinrichtungen in jeder Berufs- und Industriegrup^e weiterbestehen. Dem Arbeitsministerium gemeldete Streitigkeiten wuerden nur dann durch obligatorische Scniedssprechung beigelegt werden, wenn sie nicht auf
eine andere V/eise zu loesen waeren.
Als einen weiteren Beitrag zum industriellen Frieden wurden
die Arbeitgeber durch die Anordnung verpflichtet, Loehne zu zahlen und Arbeitsbedingungen zu bieten, die nicht weniger guenstig
al3 die durch Kollektivverhandlungen oder freiwillige Scniedssprechung bereits festgelegten sein durften. Ausserdem wurde ein
Streik oder eine Aussperrung fuer illegal erklaert, wenn die
Streitigkeit nicht zuerst dem Arbeitsminister gemeldet und von
diesem innerhalb von drei Wochen zur Beilegung weitergegeben war.
Im wesentlichen sind diese Bestimmungen noch in Kraft; ebenso
die aufgrund der Anordnung geschaffenen Einrichtungen, die sich
mit Faellen befassen, die der obligatorischen Schiedssprechung
unterliegen. Be/or der Arbeitsminister jedoch ein Schiedsgericht
einberuft, muss er von einer der beiden Parteien davon unterrichtet worden sein, dass eine Streitigkeit besteht, dass auf normalem
Vege kein Ergebnis erzielt worden sei und man sich nicht einigen
konnte, das Problem dem Industriegerichtshof zu unterbreiten. Nur
dann kann er den Fall unter Einhaltung einer Ankuendigungsfrist
von 21 Tagen dem Nationalen Schiedsgericht uebergeben.
Drei Mitglieder des Gerichtes, einschliesslich des Vorsitzenden, werden vom Arbeitsminister aus einem Gremium ernannter Mitglieder, das er selbst zusammengestellt hat, ausgewaehlt. Die
anderen beiden kommen aus je einem Gremium von Vertretern des
Britischen Gewerkschaftskongresses und des Britischen Unternehmerverbandes. Von diesen fuenf Mitgliedern bilden drei eine beschlu3Sfaehige Einheit, vorausgesetzt, dass immer ein ernanntes
Mitglied, das den Vorsitz uebernehmen kann, und je ein Vertreter
der Gewerkschafts- und Unternehmerseite zugegen ist.
Bei den Aussprachen, die solange inoffiziell abgehalten werden, bis eine gegenseitiges Einverstaendnis erzielt ist, haben
beide Parteien die Moeglichkeit, ihre Meinung kundzutun, und koennen, wenn sie es wuenschen, von einem Anwalt unterstuetzt werden.
Nachdem die beiderseitigen Gutachten erwogen sind, faellt das
Gericht gewoehnlich einen Schiedsspruch, der gesetzlich verbindlich ist und eine Bedingung darstellt, die in die Vertraeße zwischen den in Frage kommenden Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgenommen wird.
In den vergangenen zehn Jahren hat das Gericht jaehrlich durchschnittlich 150 Schiedssprueche gefaellt. Viele davon beziehen
sich natuerlich auf Loehne. So wurden allein in den letzten drei
Jahren dem Gericht 104 Lohnforderungen unterbreitet, von denen
nur 24 abgelehnt wurden.
Ausserdem bietet die Anordnung 1305 den Gewerkschaften die
Moeglichkeit, reaktionaere Arbeitgeber vor das Gericht zu bringen,
- 10 -

�die sich weigern, mit den Gewerkschaften zu verhandeln oder irgendwelche Vertraege abzuschliessen. In dieser Hinsicht fuellt das
Gericht, uni die ."'orte eines Delegierten aus dem Jahre 1946 zu gebrauchen, eine Luecke aus, die in den Verfahren fuer endgueltige
Verhandlungen und Beilegungen vorher bestanden hat. Die Tetsachen bestaetigen diese Behauptung. In der Nachkriegszeit sind
95$ der Verfahren von den Arbeitern angestrengt worden.
Obwohl weder der TUC noch die ihm angeschlossenen Gewerkschaften festellen konnten, dass die Meinung vorherrsche, die Anordnung
und die obligatorische Schiedssprechung muessten zum staendigen
Bestandteil der industriellen Wechselbeziehungen in England werden,
macht man in zunehmendem Masse von der Anordnung Gebrauch.
Im Jahre 1949 wurden dem Arbeitsminister 441 Streitfaelle
uebergeben. Das Gericht faellte jedoch nur 188 Schiedssprueche.
Die uebrigsn Streitigkeiten wurden entweder in inoffiziellen Aussprachen oder auf andere Weise beigelegt.
Trotzdem ist der Arbeitsanfall bei dem Gericht so gross, dass
es selbst bei vier oder fuenf Verhandlungstagen in der Woche rund
elf Wochen dauert, bis ein vom Arbeitsminister an das Schiedsgericht uebergebener Streitfall durch Schiedsspruch beigelegt wird.
Zwei Vorschlaege sind inzwischen gemacht worden, um die Arbeit
zu beschleunigen: die Gremien der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter zu vergroessern und das Gericht zu ermaechtigen, in zwei
Abteilungen Sitzungen abhalten zu lassen.
Beiden Vorschlaegen stimmte der Arbeitsminister zu. Das
Gremium der Arbeitnehmervertreter wurde auf 25 Mitglieder erweitert, die ueber besondere Erfahrungen in den Verhandlungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern verfuegen. Durch eine Abaenderung
der Anordnung vom 1. August ist es nun moeglich, dass zwei Faelle
zugleich von Schiedsgerichten behandelt werden koennen, wobei sich
diese aus verschiedenen Mitgliedern zusammensetzen.
Labour Press Service
XI1/50
GEWERKSCHAFTLICHE ERFOLGE IN NEUSEELAND
"Die bemerkenswerten Erfolge der Kandidaten der Labour-Party
sind ein Beweis fuer den wachsenden Unwillen des Volkes gegen die
Regierung und die Ernuechteru'ng nach den Erfahrungen der vergangenen elf Monate," erklaerte W. Nash, ein Gewerkschafter und stellvertretender Vorsitzender der Oppositionspartei in Neuseeland, als
kuerzlici die Ergebnisse einiger oertlicher V.'ahlen in Neuseeland
veroeffentlicht wurden.
"Diese Ergebnisse," fuhr er fort, "bringen Tausenden von
"Jaehlern die Hoffnung, dass der Tag sich naehert, an dem sie die
Nationalisten und ihre privilegierte Gesetzgebung loswerden. Diese "Zahl bringt deutlich zum Ausdruck, dass die Waehler den schwersten Bruch von 'Wahlversprechungen in der neuseelaendischen Geschichte ablehnen."
In einem Kommentar zu dem Ergebnis der Wahlen erklaerte A. H.
Nordmeyer, der Vorsitzende der Labour-Partei und Vorstandsmitglied
der Gewerkschaften von Neuseeland: "Innerhalb von zwei Jahren wird
die "Vahl des Volkes noch eine deutlichere Sprache sprechen. Wenn
auch viele Kandidaten der Buergerpartei versuchten, ihre politische
Zugehoerigkeit zu ihr zu verschleiern, ist ihre enre Verbindung mit
der Nationalpartei fuer alle offensichtlich. Die Labour-Kandidaten
- 11 -

�singen dagegen zu den Urnen, ohne zu versuchen, ihre politische
Einstellung ZU tarnen. Sie hatten es nicht noetig. Obwohl es
an sich schwierig ist, die Anhaenger der Labour-Partei davon zu
ueberzeup-en, dass sie uebor Probleme oertlicher Natur abstimmen
musssen, war eine bemerkenswerte Zunahme der fuer die Labour-Partei abgegebenen Soimmen zu verzeichnen. Die Tatsachen sprechen
fuer sich."
Labour Press Service
XII/50
ZEIT- ITTD BE'"SGUNOSSTUDIUM KANN WESTDEUTSCHE PRODUKTION ERHOEKEN
F. Mi Holmes, ein Berater der ECA, der sich zur Zeit in
Deutschland aufhaelt, erklaerte, dass die westdeutsche Industrie
durch die Anwendung von Zeit- und Bewegungsstudien ihre Produktion wesentlich steigern und ihre Exporte und den Lebensstandard heben koenne. "Solche Programme wuerden keine zu3aetzlichen
Kaoitalanlagen erfordern und auch den Beschaeftigungsstand nicht
verscnlechtern."
Holmes ist amerikanischer Spezialist auf dem Gebiet der
Zeit- und Bewegungsstudien. Es kam auf Ersuchen des Rationalisiarungskuratoriums fuer die westdeutsche V/irtschaft nachDeutschland. Als Angehoeriger der ECA-Sondermission fuer Westdeutschland
bereiste er im November 1950 die Industriezentren, wo er Vortraere
hielt. In acht bedeutenden Industriestaedten der britischen Zone
besprach er sein Programm mit mehr als 1.500 westdeutschen Industriellen und Spezialisten auf dem Gebiet des Zeit- und Bewegungsstudiums. Auch in den kommenden drei Monaten wird er mit aehnlichen Gruppen zusammentreffen und im Ruhrgebiet und in Staedten der
amerikanischen und franzoesischen Besatzungszone Vortraege halten.
Holmes stellte fest, dass das Interesse Deutschlands an einer
gesteigerten Produktion durch die Anwendung wirksamerer Produktions
methoden staendig zunimmt.
In einer Erklaerung zu den Programmen des Zeit- und Bewegungstudiums sagte er, dass es die Analyse der Methoden, des Materials,
der Werkzeuge und der üusruestung sei, die bei der Arbeit in der
Industrie verwendet wuerde. "Zeit- und Bewegungsverluste im Her3tellungsprozess koennen nur dadurch beseitigt werden, dass man
die Aufmerksamkeit auf diese Verluste konzentriert und sich mit
der Verbesserung der verschiedenen Arbeitsgaenge befasst."
Waehrend sich die beiden Programme in ihrer Arbeitsweise unterscheiden, stehen sie doch in engem Zusammenhang und erfordern
eine wirkliche Aufgeschlossenheit, die Bereitwilligkeit, neue
Ideen auf die Probe zu stellen und die gemeinsame Mitarbeit der
Gewerkschaften und Unternehmer an der Loe3ung dieser Probleme.
Das Programm des Bewegungsstudiums, wie es in Amerika entwickelt ist, verfolgt zwei Ziele, die verschiedenen Zwecken dienen.
Es wendet sich einmal an die Unternehmer, Betriebsleiter und
manchmal an die Arbeiter.
Zum andern sollen durch dieses Programm die Techniker fuer
Zeit- und Bewegungsstudien in den Betrieben ueber die neuesten Methoden auf diesem Arbeitsgebiet informiert werden.
Das Zeitstudium ist eine Zeitbestimmung des Arbeiters und -einer Arbeit mit Hilfe der Stoppuhr. Durch diese genaue Beobachtung
- 12 -

�ist es moeglich festzustellen, warum Zeit- und Bewegungsverluste
eintreten.
"Zeit- und Bewegungsstudien sind fu3r Deutschland nicht ganz
neu," berichtete Holmes. "Obwohl sie nicht allgemein angewendet
wuerden, bestuenden sie in Deutschland seit 25 Jahren. Dar, Rationalisierungskuratorium fuer die westdeutsche Wirtschaft sei eine
Organisation, die in der gesamten deutschen Industrie einen staendig zunehmenden Interessentenkreis finde. Die westdeutsche Industrie habe sich in den letzten drei Jahren rapid ausgedehnt. Deshalb sei ein leistungsfaehigeres arbeiten notwendiger als je zuvor.
Holmes, der zeitweiliger Berater fuer den Marshall-Plan in
Deutschland ist, war vorher Direktor der Industrietechnischen Abteilung der Fieldcrest-Werke in Spray, Nordkarolina. Dieses Unternehmen setzt sich aus 10 Textilfabriken mit 5,000 Arbeitern zusammen.
Die Zeit- und Bewegungsstudien bilden ebenfalls eine "Phase
des Marshall-Plan-Programms zur Steigerung der Produktionsleistung
in Westdeutschland.
ECA-Release Nr. 217
1/2/51
GEWERKSCHAFT!ICHER BERATUNGSAUSSCHUSS FUER INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
ten,
auch
fuer
lung

Sowohl die AFL als auch der CIO haben in ihren Jahresberichdie fuer die Kongresse Rechenschaft ueber die Arbeit ablegten,
zur Taetigkeit des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses
Internationale Angelegenheiten im US-Arbeitsministerium Stelgenommen.

In dem Bericht der AFL heisst es: "Im vergangenen Jahr hat
sich die AFL weiterhin aktiv an der Arbeit des Ausschusses beteiligt. Regelmaessige Konferenzen des Vollausschusses und des staendigen Ausschusses wurden von Arbeitsminister Tobin und seinem
Stellvertreter Philip I'. Kaiser anberaumt, auf denen der Hauptkassierer der AFL, George Meany, die Vizevorsitzenden Matthew '.Voll
und David Dubinsky sowie der internationale Repraesentant George
P. Delaney den Standpunkt der AFL zu wichtigen Fragen der Aussenpolitik darlegten. Dem Ausschuss gehoeren ausserdem Funktionaere
des CIO und der Eisenbahnergewerkschaften an.
"Das Arbeitsministerium, das fuer die Formulierung der Arbeitspolitik unserer Regierung in Amerika und im Ausland verantwortlich ist, wird auf dem Wege ueber diesen Ausschuss von den Fuehrern
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung in internationalen Arbeitsangelegenheiten beraten. Der Gewerkschaftliche Beratunsausschuss organisiert die Zusammenarbeit des Arbeitsministeriums mit
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung.
"Im vergangenen Jahr hat sich der Ausschuss mit folgenden Fragen befasst: Mittel und Wege zu finden, durch die das Programm fuer
Sozialreferenten durch die Ernennung erfahrener Referenten, die
eine erfolgreiche Laufbahn in amerikanischen Gewerkschaften nachweisen koennen, fuer verantwortliche Stellungen im Ausland gefoerdert -werden kann und es fuer die Unterstuetzung unseres aussenpolitischen Programms durch die Arbeiterschaft von besonderer Wichtigkeit ist; die Notwendigkeit einer direkten Vertretung der Gewerkschaftsbewegung in den US-Delegationen bei den Vereinten Nationen
- 13 -'

�und ihren Fachorganisationen; die Rolle, die die Gewerkschaftsbewegung im Punkt-Vier Frogramn zu spielen hat; die Beteiligung der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung an den Programmen zum Austausch von Gewerkschaftsfunktionaeren mit anderen Laendern; die
Notwendigkeit, den gewerkschaftlichen Standpunkt in Bezug auf
Handelsvertraege und Zollfragen wirksamer zu vertreten; die Notwendigkeit, einflussreiche, fuehrende Berater in Arbeitsfragen
den Besatzungsmaechten in Deutschland und Japan beizuordnen; und
die Zusammenstellung einer Mission amerikanischer Gewerkschafter,
die den Fernen Osten besuchen soll.
"Der Ausschuss sprach sich ferner gegen etwaige Veraenderungen des Gesetzes Nr. 75 der Militaerregierung in Deutschland aus,
durch die die Beteiligung der freien deutschen Gewerkschaften an
der Neuordnung der deutschen Kohle- und Stahlindustrie eingeschraenkt worden waere, und forderte, dass die demokratischen Gewerkschaften Deutschlands ermutigt werden, die wirtschaftlichen
Entwicklungen ihres Landes gemaess dem Gesetz Nr. 75 zu beeinflussen. Dieser Standpunkt ist von den Regierun~en der Alliierten gebilligt worden.
"Durch die Zusammenarbeit des Staendigen Ausschusses wurden
gewerkschaftliche Schulungsprogramme fuer eine grosse Zahl auslaendischer Gewerkschaftsfunktionaere arrangiert, die die Vereinigten Staaten im Laufe des vergangenen Jahres besuchten. Annaehernd 300 Gewerkschafter und Experten in Arbeitsfragen aus
Deutschland, Oesterreich, Japan, Lateinamerika und Westeuropa reisten unter der Schirmherrschaft des US-Arbeitsministeriums nach
den Vereinigten Statten, wo sie vom Staendigen Ausschuss mit den
Taetigkeiten der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung vertraut
gemacht wurden. Diese Programme haben viel zur Verbesserung der
Beziehungen zwischen der amerikanischen und auslaendischen Gewerkschaftsbewegungen beigetragen und die demokratischen Gewerkschaftsorganisationen der ganzen Walt materiell unterstuetzt.
"Auf Ersuchen des Ausschusses wurden Vorkehrungen getroffen,
damit die Vertreter des Arbeitsministeriums, die an internationalen Handels- und Zollbesprechungen teilgenommen haben, ueber den
Ausschuss die Gewerkschaften laufend unterrichten. Dies hat zu
einer engeren Zusammenarbeit zwischen Regierung und Gewerkschaftsbewegung auf diesem bedeutsamen Gebiet gefuehrt.
"Gemaess ihrem Wunsch, die gewerkschaftlichen Aspekte der
amerikanischen Aussenpolitik zu staerken, unterstuetzt die AFL
aktiv die Arbeit des Ausschusses und die internationalen Ziele
des Arbeitsministeriums.•
Philip Yurray stellt in seinem Jahresbericht an den Kongress
des CIO fest:
"Im vergangenen Jahr hat sich der CIO weiterhin an der Arbeit
des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer internationale
Fragen beteiligt, die innerhalb des Arbeitsministeriums gebildet
wurde. Der CIO ist in diesem Ausschuss durch James B. Carey,
Jacob Potofsky, Emil Rieve und Michael Ross vertreten.
"Da das Arbeitsministerium dafuer verantwortlich ist, den
Standounkt der Arbeiterschaft in ueberministeriellen Ausschuessen
zu vertreten, die die Politik in allen auswaertigen Angelegenheiten formulieren, ist dieser Ausschuss das Werkzeug gewesen, mit dem
den Beamten des Arbeitsministeriums und insbesondere dem stellvertretenden Arbeitsminister Philip !,!. Kaiser die Stellungnahme der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu aussenpolitischen Fragen
uebermittelt wurde.
- 14 -

�"DurJÜ die Arbeit dieses Ausschusses hat die Gewerkschaftsbewegung wachsenden Sinfluss auf die* Entwicklung des Programms fuer
Sozialreferenten und des Programms zum Austausch auslaendischer
lewerkschaftsfuehrer mit amerikanischen genommen. Der Ausschuss
lfat fernerhin immer -wieder auf den Standpunkt der Gewerkschaftsbewegung in bezug auf das Punkt-Vier Programm, die Besatzungspolitik
Ln Deutschland und Japan sowie zahlreiche andere Taetigkeiten hingewiesen. "
Monthly Service of the Office of International
Labor Affairs
XI1/50
rincent Tewson: EIN JAHR IBFG
Vor einem Jahr gab es Zyniker genur, die dem neugegruendeten
[internationalen Bund Freier Gewerkschaften keine bessere Zukunft
ils die eines Propagandainstruments prophezeiten, dessen Aufgabe
53 sei, eine Serie von Schlagworten hinter den Eisernen Vorhang
su lanzieren.
Gewiss gab es ungluecKselige Vorzeichen, die diesen Zynismus
rechtfertigten. London, die Geburtsstaette des IBFG, hatte oftmals vor 1949 mutige Versuche zur Gruendung internationaler Gewerkschaf tsOrganisationen miterlebt, die jedoch fehlschlugen.
Der erste Versuch wurde 75 Jahre vor der Gruendung des IBFG
zon dem Vorsitzenden des Londoner Berufsverhandes unternommen.
Sr konnte seine Organisation mit Muehe und Not 12 Jahre zusammenhalten,
Dhne dass sie jedoch grossen Einfluss gewonnen haette. Karl Marx
m ä der Anarchist Bakunin konkurrierten um ihre Gunst, waehrend die
inglaender, die den groessten Teil der demokratisch orientierten
.'itgliedschaft bildeten, bestrebt waren, das Gleichgewicht zwischen
seiden zu halten.
Einer der letzten Fehlschlaege, die in London ihren Ursprung
matten, war der "'eltgewerkschaftvbund, der an der Unnachgiebigkeit
ler Kominformhoerigen in seinen Reihen - scheitern musste.
Sich der staendigen Freiheitsbedrohung durch die Kommunisten
antgegenstemmend, erklaerten die Delegierten der Gruendungskonferenz
les IBFG, dass sie sich zusammenschliessen wollten, um auf dem
Gebiet internationaler gewerkschaftlicher Beziehungen einen neuen
Anfang zu machen, und dass die neue Organisation nach ihren Taten
ini nicht nach der Zahl und Laenge ihrer Manifeste beurteilt werden
sollte.
Das soll nicht heissen, dass in diesem Kampf der Ideen 'Torte
als ".äffen verachtet werden sollen. Keine Wuehe soll gescheut
werden, um die Freiheit zu retten und um ueberall Verstaendnis fuer
lie Ziele einer demokratischen Gewerkschafitsbewegung zu erwecken.
Der IBFG verbreitet deshalb seine Nachrichten und Informationen
aeber die ganze Welt.
Von groesserer Bedeutung ist jedoch die praktische Arbeit,
iie diese Organisation zur Staerkung einer jungen Gewerk~cheftsor^anisation in jenen Teilen der Welt leistet, wo Massnahmen fuer
3ie Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit am notwendigsten sind.
Kit der Delegation, die kuerzlich nach Suedostasien entsandt wurde,
•urde eine Reihe von Missionen eroeffnet, die sich um die unterentwickelten Gebiete kuemmern sollen. Sie hat mehr Laender besucht
and mehr Verbindungen aufgenommen als jede fruehere Gewerkschaftsielegation. Ihr Bericht hatte zur unmittelbaren Folge, dass ein
- 15 -

�asiatischer Gewerkschafter ernannt wurde, der ein staendiges
Verbindungsbuero in Singapur leiten wird, bei dem alle asiatischen Gewerkschaften Informationen und Ratschlaege einholen
koennen.
Durch ein ausgedehntes Erziehungsprojekt und ein Programm
fuer wirtschaftliche und technische Unter^tuetzung ist eine
weitere Staerkung der gewerkschaftlichen Organisationen in diesen Gebieten «eplant.
Afrika soll das naechste Taetigkeitsfeld werden, und es ist
offensichtlich, dass des ZweiJahresprogramm des Britischen Gewerkschaftskongresses, mit dem die Arbeiter der britischen Kolonien
unterstuetzt werden sollen, dem Plan des IBFG entgegenkommt,
selbstaendige Gewerkschaften in Anpassung an die oertlichen
Verhaeltnisse aufzubauen.
Bedeutsam ist ausserdem, dass sich der IBFG gegen eine Ueberzentralisierung seiner Funktionen ausgesprochen hat. Gewerkschaftsvertreter aus 15 Laendern, einschliesslich England, sind bereits
zusammengetreten, um sich ueber die Bildung einer europaeischen
Organisation zu einigen, die sich mit den industriellen und
wirtschaftlichen Problemen Europas befassen wird.
Aehnliche Konferenzen sind fuer ganz Amerika, Asien und
Afrika abgehalten worden. Jeder regionalen Organisation wird es
freistehen, unter Beachtung der wichtigsten Entscheidungen, die
vom IBFG in demokratischer Weise getroffen wurden, ihren eigenen
Weg bei der Verwirklichung der Grundsaetze und der einzuschlagenden Politik zu gehen.
Die Aussicht, eine enge und staendige Zusammenarbeit der
Gewerkschaften in allen Gebieten zustande zu bringen, duerfte
den starken und gut fundierten Organisationen die Moeglichkeit
geben, juengeren und weniger erfahrenen NachbarOrganisationen
zu helfen.
Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenartigen Gewerkschaftsorganisationen ist im IBFG bereits erreicht worden und kommt am
deutlichsten in den intsrnationalen Berufssekretariaten zum Ausdruck, die der jungen Internationale ihre Erfahrung und ihr
Koennen zum Wohle der Arbeiter in den Berufen und Industrien, fuer
die sie- zustaendig sind, freimuetig zur Verfuegung gestellt haben.
Obwohl der IBFG noch vor zwoelf Monaten weder durchorganisiert war noch ueber das erforderliche Personal, ueber Bueroraeume
und Arbeitsmaterial verfuegte, ist er bereits zum Sprecher der
freien Gewerkschafter der gesamten freien Welt geworden.
Mit Bueros in Bruessel, Singapur, New York und Genf wird er
in der Lage sein, seine Bestrebungen darauf zu richten, durch
eigene Initiative und auf dem Weg ueber andere Behoerden, wie
zum Beispiel das Internationale Arbeitsamt, die UNESCO und den
Wirt3chafts- und Sozi^lrat der Vereinten Nationen, die dem IBFG
alle mitberatendes Statut gewaehrt haben, das Lebens- und Erziehungsniveau und die Arbeitsbedingungen aller Schaffenden zu verbessern.
Unabhaengig von politischen Parteien und frei von jeder Beherrschung durch Regierungen geniesst der IBFG den Ruf, ein energischer Kaempfer fuer Brot, Freiheit und Frieden zu sein.
Labour
XII/50
- 16 KICOC (9-1-51) «150 5 M 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 2

Frankfurt,

1 2 . Januar 1950 -/

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Gewerkschaften Amerikas u n t e r r , t u e t z e n V e r t e i d i g u n g s produktion - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

1

Amerikanische Gewerkschaften h e l f e n am P u n k t - V i e r Pro.^ramn mit - - - - - - - - - - - - - - - - - -

3

Die Bedeutung der Lehrlings- und Berufsschulausbildung fuer die Verteidigung Amerikas - - - - -

5

Zahl der weiblichen Arbeitskraefte in Amerika steigt 6
In 3ngland entscheiden die Bergleute selbst ueber
ihre Zukunft - - - - - - - - - - - - - - - - - Gerechte? Akkordsyster: steigert Produktionsleistung

9
11

I.'eany zur Rolle des Rundfunk- und Fernsehwesens - - 13
Amerikanische Gewerkschaftsfuehrer unterstreichen
die Bedeutung der Arbeiterbildung - - - - - - - 14
Ausbildungsinstitut fuer die wirtschaftliche Planung
asiatischer Entwicklungsprojekte - - - - - - - - 15
Indische Gewerkschaften erkennen die kommunistische
Gefahr
--.-----___-__
_ _ _ _ IQ

GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS UNTERSTUE1ZEN VERTEIDIGTOIGSFRODÜKTI CN
Die Nachrichten von der bejahenden Haltung der Gewerkschaftsbewegung einer gesteigerten Verteidigungsproduktion gegenueber
und ihrer Bereitwilligkeit, notwendige Preis- und Lohnkontrollen
zu akzeptieren, nehmen in der amerikanischen Gewerkschaftspresse
einen breiten Paum ein.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bekennt sich zu
dem Motto des ersten Wirtschaftsberaters Praesident Trumans, Leon
Keyserling: "Produktion, mehr Produktion und noch mehr Produktion."
- 1-

�Die Gewerkschaften haben ihre uneingeschraenkte Zusammenarbeit bei der Steigerung der Produktion zugesichert, damit Amerika
und die ganze freie Welt gegen alle feindlichen Absichten gefeit
sind. Noch bevor die Kommunisten die Republik Korea angegriffen
hatten, war die Produktion in Amerika auf einen Hoechststand gestiegen, und das nationale Einkommen - einschliesslich der Lohnsumme - ging
wie nie zuvor in die Iloehe.
Heute haben die Ausgaben der Unternehmer zur Ausdehnung ihrer
Produktionskapazitaet eine Stufe erreicht, die ueber der des zweiten Weltkrieges und des Jahres 1948 liegt, als die Nachfrage nach
Waren aller Art eine ungeheure Ausdehnung der Industrie erforderlich machte. Und jetzt wird diese vermehrte Nachfrage nach Waren
fuer den Inlandbedarf noch durch die zwingende Notwendigkeit gesteigert, die freie Welt wirtschaftlich und militaerisch zu staerken, um den kommunistischen Imperialismus abwehren zu koennen.
Auch diese Absicht hat die begeisterte Zustimmung der amerikanischen Gewerkschaften gefunden.
Diese rekordbrechende Ausdehnung der amerikanischen Produktivitaet schafft neue Arbeitsplaetze und stellt die Gewerkschaften
auf Grund des sich hieraus ergebenden Mangels an Arbeitskraeften
in eine guenstige Position. Die Gewerkschaften nutzen diese
groessere Macht jedoch nicht dazu aus, um unberechtigte Forderungen
zu stellen.
Nachdem Praesident Truman den nationalen Notstand erklaert
hatte, kamen etwa 10.000 Eisenbahner im Interesse der nationalen
Verteidigung dem Ersuchen des Praesidenten nach, ihren Streik zu
beenden.
Im August wurden die Bahnen von- der Regierung uebernomnen, um
einen nationalen Streik der Gewerkschaft des Zugpersonals und der
Zugfuehrer zu verhindern. Seit dieser Zeit arbeiten sie unter
der Kontrolle der Regierung.
Die Gewerkschaften wuenschen fuer die Lagerarbeiter der Eisenbahn eine volle Verguetung fuer 48 Arbeitsstunden bei einer
40-Stunden-Woche und eine E0%ige Tariferhoehung fuer die Streckenarbeiter. Augenblicklich verdienen die Zugbegleiter durchschnittlich 1,58 Dollar in der Stunde und woechentlich 75 Dollar. Der
durchschnittliche Wochenlohn aller Industriearbeiter belaeuft sich
gegenwaertig auf 68 Dollar. Nach Ausbruch des Streiks der Eisenbahner wurden Tag und Nacht im Weissen Haus Besprechungen zwischen
den Eisenbahngesellschaften und den Gewerkschaften gefuehrt, an
denen auch der Berater des Praesidenten, Dr. John R. Steelman,
teilnahm. Man rechnete damals bereits mit einer raschen Beilegung
des Streiks.
William Green, der Praesident der AFL, versprach, dass die
acht Millionen Mitglieder dieses Gewerkschaftsbundes waehrend
des Notstandes von Streiks absehen wuerden, wenn Praesident Truman
sie darum ersuchte. Er fuegte hinzu, dans die Arbeiterschaft
bereit 3ei, "mehr als die Haelfte des Weges" zu einer Vereinigung
mit den Unternehmern und Farmern zurueckzulegen, um die Programme
zur Steigerung der Ruestungsproduktion zu foerdern.
Green bestand jedoch darauf, dass eine "Gleichheit" zwischen
Loehnen und Preisen hergestellt werden muesse, bevor irgendein
Lohnstabilisierungaprogramm durchgefuehrt werden koenne^
Philip Kurray, der Vorsitzende des CIO, versprach ebenfalls
Hoechstproduktion zur Unterstuetzung Praesident Trumans und der
Vereinten Nationen in dem ge^enwaertigen Kampf zur Abwehr aller
Aggressionen.
- 2 -

�Der CIO-Vorsitzende fuehrte aus:
"Vor fuenf Jahren erst haben wir den Kampf um die Freiheit
gegen die nazistischen und japanischen Imperialisten gewonnen.
In diesem Kampf spielte die ^roduktivkraft der amerikanischen Industrie und der amerikanischen Arbeiter eine wesentliche Rolle.
"Heute werden wir wieder dafuer arbeiten, die freien Voelker
und die freien Menschen vor dem Angriff des kommunistischen Imperialismus zu schuetzen. Die amerikanischen Arbeiter wissen,
dass Kommunismus Sklavenarbeit bedeutet, die freien Gewerkschaften zerstoert und den Arbeitern das Recht nimmt, zu streiken. 3o
wie Hitler schutzlose Voelker ueberfiel, sind es nun die Kommunisten, die nach Sued-Korea und Indo-China eindringen."
Der CIO-Vorsitzende brachte zum Ausdruck, dass die amerikanischen Arbeiter keineswegs ihre Handlungsfreiheit einbuessen,
wenn sie sie Regierung in dieser kritischen Zeit unterstuetzen.
Sie werden auch in Zukunft verlangen, dass Ungerechtigkeiten in
der Bezahlung korrigiert werden, und dass die Arbeiterschaft an der
Formulierung und Verwaltung der Richtlinien und Programme in allen
Behoerden der Regierung in groesserem Masse beteiligt wird. Sie
werden fordern, dass die durch den Notstand auferlegten Lasten
unter alle sozialen Orup-en gerecht verteilt werden.
"Wenn die amerikanischen Arbeiter ihre Unternehmer oder ihre
Regierung kritisieren, dann glauben Sie nicht, dass Amerika uneinig ist. Unsere Demokratie is*t stark, weil Jeder Buerger das
Recht hat, ohne Furcht zu sprechen, ueber oeffentliche Tobleme
zu diskutieren und abzustimmen. Die Freiheit schwaecht uns nicht.
3ie verleiht uns staerke, weil wir wissen, wofuer wir arbeiten und
kaemofen. In diesen schweren Zeiten wird die hoehere T'roduktivkraft der amerikanischen Arbeiter zusammen mit dem Industriepotential der amerikanischen Industrie die notwendigen militaerischen
und wirtschaftlichen Mittel wieder einmal produzieren, mit denen
die freiheitsliebenden Voelker der ganzen Welt unterstuetzt werden.
Um es erneut zu sagen:
'»Vir werden stark und siegreich sein, weil
wir fuer das Recht kaempfen."
Die Gewerkschaftsbewegung fordert nun energisch eine staendig groessere Beteiligung in allen Phasen der Mobilisierung der
Hilfsquellen und Machtmittel Amerikas. Das Vereinigte Komitee
fuer Arbeitsgesetzgebung, das sich aus Vertretern der AFL, der
CIO und der selbstaendigen Gewerkschaften zusammensetzt, wurde zu
dem Zweck gebildet, sich mit den Problemen der Mobilisierung zu befassen.
Program Service Section
Labor News Rounduo jj- 75
12/20/50
AMERIKANISCHE GE-YERKLCK^FTEr HttLFICr ,-.N PITKT-VILR-F:iOGIui.MM MIT
Jacob 5. Potofsky, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika (CIO), und Lewis G. Hines, der Sondervertreter der AFL, gehoeren zu den 12 Mitgliedern des neuen Beratungsau~schusses fuer Internationale Entwicklungen, der von Praesident
Truman ernannt worden war, um sich mit dem Punkt-Vier-Programm zur
Entwicklung rueckstaendirer Gebiete als eines wichtigen Mittels
zur endgueltigen Sicherung von Frieden, Wohlstand und Sicherheit
in der "elt zu befassen.
- 3-

�Auf einer Konferenz mit- Potofsky, Hines, dem Vorsitzenden
Nelson A. Rockefeiler und anderen Mitgliedern des Ausschusses erklaerte Praesident Truman:
"Die Anregung zu wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt
in den unterentwickelten Gebieten ist eines der wichtigsten Probleme, denen die freie Welt gegenuebersteht. Dies trifft besonders fuer jene asiatischen Laender zu, in denen die kommunistische
Gefahr so gross ist.
"Die Staerkung der unterentwickelten Gebiete und die Staerkung der freien Voelker der ganzen Welt stehen in einem direkten
Abhaengigkeitsverhaeltnis zueinander. Zwei Drittel der Weltbevoelkerung leben in diesen Gebieten. Sie leiden an Funger, Krankheit, Unwissenheit und Armut. Diese Voelker haben bereits beschlossen, dass eine '.Vendung eintreten muss, komme, was da wolle."
Zu diesem Problem erklaerte der ^raesident ferner, dass seine
Dringlichkeit in Anbetracht der chinesisch-kommunistischen Aggressi
in Korea verdoppelt sei.
"Es dreht sich jetzt um die Frage, aus welcher Richtung diese 7/endung kommen soll -" fuehrte er aus, "ob sie sich ungeachtet
der vielen Y.'erte vollziehen soll, die dem freien Menschen teuer
geworden sind, oder ob sie zu einer friedlicheren '.Veit in Wohlstand
beit.ra.een soll. Wir in den Vereinigten Staaten koennen ueber diese Frage nicht entscheiden: sie kann nur von den Bewohnern der
unterentwickelten Gebiete selbst entschieden werden. Aber ich
glaube, dass wir ihnen unsere Hilfe anbieten koennen, wann sie
darum kaempfen, dem Elend zu entrinnen, und wir koennen ihnen auch
den Weg zeigen, den andere zur Srringung der Freiheit, Menschenwusrde und Wohlfahrt gegangen sind."
Die Bedeutung der Worte des Praesidenten wurde in dem Bericht
des Statistischen Bueros der Vereinten Nationen unterstrichen, in
dem' festgestellt wurde, dass die Produktion der £5 aermsten Laender der Welt mit de\r Htelfte der Weltbevoelkerunr nur ein Zehntel
aller Nationaleinkommen betraeet.
China hatte zum Beispiel ein Nationaleinkommen von nur 27
Dollar jaehrlich pro Kopf der Bevoelkerung; in Indien sind es 57
Dollar. Von allen industrialisierten und halbindustrialisierten
Nationen der Erde hat, abgesehen von Polen, Russland das gerinn-te
Nationaleinkommen pro Kopf der Bevoelkerung (30:3 Dollar). Die
Vereinigten Staaten stehen dank ihrer Messenrroduktionsmaschinen
und denk des Draengens der Gewerkschaften und anderer Grunnen nach
gerechter Verteilung dessen, wes produziert wird, tait 1.453 Dollar
T O Kopf der Bevoelkerung an erster Stelle. Mit anderen '.','orten,
das Durchschnittseinkommen der Amerikaner ist fuenfmel so hoch
wie das der Durchschnittsrussen.
In einer Srklaerung des Jahreskongresses der CIO, auf dem
dem ^raesidenten die uneinpe^chraenkte Unterstuetzung dieser Organisation fuer das Punkt-Vier-Programm zugesprochen wurde, hiess
es:
"Unser Export industrieller Methoden im Rahmen des Punkt-VierProgramms bietet uns und unseren Freunden im Ausland groesste Vorteile, wenn Hand in Hand mit ihnen .jene sozial- und erbeitsnolitischen Methoden eingefuehrt werden, durch die das amerikanische
Volk unser eigenes System der Lenkung und des Gleichgewichts unserer industriellen Zivilisation entwickelt hat."
- 4-

�Ebenso erklaerte die AFL:
"Wir fordern, dass das Punkt-Vier-Programm so durchgefu, -*••
wird, dass es die Erziehung, die nationale Kultur, die Volksgesundheit, die technische Ausbildung, Gerechtigkeit und Arbeitsnormen foerdern kann. In allen Gebieten Asiens und Afrikas, die noch
nicht ihre voellige Unabhaengigkeit erlangt haben, sollen Vertreter der eingeborenen Bevoelkerung das Recht haben mitzureden, und
sie sollen in wirksamer Weise an der Planung und Durchfuehrung
des Punkt-Vier-Programms beteiligt werden."
Program Services Section
Labor News Roundun # 73

m/e/so

DIE HEDEUTUFG DER LEHRLINGS- UND BERUFSSCHPLAUSBILDUNG FUER DIE
VERTEIDIGUNG AMERIKAS
(Auszuege aus einer Ansprache des Leiters des Bueros fuer
Lehrlingswesen im U.S. Arbeitsministerium W. F. Patterson, die
er auf dem Kongress der Vereinigung der amerikanischen B/erufsschullehrer hielt.)
Die Gruppe fuer Berufsschulung sowie die b'undesstaatlichen
und staatlichen Behoerden, die sich mit dem Lehrlingswesen befassen, haben in diesem Augenblick die schwerste Probe zu bestehen,
der sie sich je gegenübergestellt sahen. Im Zweiten Weltkrieg
hatte Amerika mehrere Jahre zur Verfuegung, um seine militaerischen Kraefte zu organisieren und seine 'Wirtschafts- und Produktionsquellen zu mobilisieren. In der gegenwaertigen ungeklaerten
Situation weiss niemand, ob ein Krieg in den naechsten Monaten
oder Tagen oder eine Zeit kritischer Ungewissheit bevorsteht, die
sich ueber 10 oder 15 Jahre erstrecken kann.
Jeder, der mit den Fragen der Ruestungsnroduktion vertraut
ist, weiss, dass die Schlagkraft einer militaerischen Streitmacht
an der Front von einer ununterbrochenen Versorgung mit Industrieproduktion abhaengi"; ist: Waffen, Maschinen, Munition, Lebensmittel, Bekleidung und anderem Kriegsmaterial. Um diesen Materialstrom in Fluss halten zu koennen, ist eine Riesenzahl an Arbeitskraeften notwendig, von der ein grosser Prozentsatz gelernte
Facharbeiter sein mue^sen. Der Schluessel zum wirksamen Einsatz
dieser Arbeitskraefte ist, wie allgemein bekannt, die Berufsschulung und Berufsausbildung. Wenn die Berufsausbildung in wirksamem Masse schnell und gruendlich durchrefuehrt werden soll, muessen
alle die, die mit diesen beiden Gruppen verbunden sind, in genauer
Kenntnis ihrer Funktionen, in enger Harmonie und Gleichschaltung
aller Bemuehungen zusammenarbeiten - andernfalls wird es nicht gelingen, die schwere und dringende Aufgabe, die gestellt ist, zu
loesen.
Es ist vielleicht angebracht, wenn kurz auf die Arbeit dieser
beiden Gruppen in den vergangenen Jahrzehnten eingegangen wird.
Das Aufkommen de.: Fabriksystems und der Methoden der Massenproduktion hatten nicht unmittelbar eine Neuorientierung des Erziehungssystems zur Folge. Es dauerte in der Tat viele Jahrzehnte, bevor im Erziehungssystem Beweise fuer die Notwendigkeit erkennbar wurden, Maenner und Frauen durch eine entsprechende Ausbildung auf ihre Arbeit in der Industrie vorzubereiten,30 wie fuer
akademische Berufe eine Ausbildung an einer Hochschule ebenso notwendig wie selbstverstaendlich ist. Weitere Jahre vergingen, bevor
- 5-

�auf Grund dieser Erkenntnis Aenderungen in den Erziehungs- und
Ausbildungsürogrammen vorgenommen wurden. Folglich hatten die
Grundschulaüsbildung und die der hoeheren Schule fast ausschliesslich das Ziel, auf die Aufnahme in eine Hochschule vorzubereiten.
In gewissem Grade sind sich die Erzieher noch immer nicht der
Bedeutung der beruflichen Schulung innerhalb des allgemeinen Erziehungssystems bewusst. Die jetzige Auseinandersetzung mit
diesen Fragen ist ein Beweis fuer den Fortschritt auf dem Gebiet
der Berufsschulung, fuer das Ausmass, in dem diese durchgefuehrt
wird, und fuer die bedeutende Rolle, die sie auf erzieherischem
Gebiet spielt.
Wie wertvoll die Berufsschulen fuer das allgemeine Lehrlingswesen sind, wurde bereits in einer Veroeffentlichung des Bundesstaatlichen Amtes fuer BerufsSchulung mit dem Titel "Lehrlingsausbildung" vom Juni 1923 beschrieben. Man war sich im klaren
darueber, dass, wenn des Lehrlingswcsen seinen ihm gebuehrenden
Platz einnehmen sollte, bestimmte Aspekte einer besonderen Betrachtung unterzogen werden mussten. Wenn mit genuegendem Nachdruck betont wird, dass der Lehrling ein im Arbeitsverhaeltnis
stehender Arbeitnehmer ist, muss irgendeine Behoerde mit der besonderen Aufgabe betraut werden, ein diesem Zweck entsprechendes Programm zu entwickeln und zu foerdern. Dieser Notwendigkeit war
man sich weitgehend bewusst, was zur Entstehung des heutigen Amtes fuer Lehrlingswesen fuehrte. Allen jenen, die auf dem Gebiet
der Berufserziehung taetig sind und sich unablaessig fuer ein
besseres gegenseitiges Verstaendnis der beiden Grupnen eingesetzt
haben, muss eine besondere Anerkennung ausgesprochen werden:
Dr. Stratton, John McCarthy, Clarence Greiber, Howard Campion,
Walter Sahlin und viele andere, die nicht namentlich genannt werden koennen, die fortwaehrend mitgeholfen haben, das nationale
Lehrlingsprogramm und seine Ideen und Ziele zu foerdern.
In einer Zeitspanne von mehr als 16 Jahren sind die beiden
Gruppen zu der Erkenntnis gekommen, dass es nicht notwendig und
nicht ratsam ist, Schwierigkeiten und Mi3svers^aendnisse einfach
zu ignorieren. Auch waere es unklug, nicht zugeben zu wollen, dass
diese Missverstaendnisse fortbestehen, nur weil keine Versuche
unternommen werden, sie in ehrlicher und offener Aussprache zu
beseitigen.
Die Oeffentlichkeit wird sich daran erinnern, dass in der
ersten Zeit des Bestehens der beiden Grupnen mit mehreren tuechtigen Fachleuten eine Vereinbarung ausgearbeitet wurde, in der die
Funktionen der beiden Gruppen gemaess der Auffassung ueber die
Stellung eines Lehrlings, ob Arbeitnehmer oder Schueler, festgelegt wurden. Dieses Dokument hat sich bei der Umgrenzung der
beiderseitigen Taetigkeitsbereiche als ungeheuer wertvoll erwiesen.
Auch die oertlichen und staatlichen Behoerden fuer Berufsschulung, die staatlichen Lehrlingsaemter und die Mitglieder des
Personalstabes, die mit der Aussenarbeit betraut sind, koennen
nicht genu,? Anerkennung fuer die aussergewoehnliche Umsicht erfahren, mit der sie an geneinsame Probleme herangingen, ihre Ansichten austauschten, wo es noet/ig war, konstruktive Kritik uebten,
und in vielen Faellen Schwierigkeiten durch schriftliche Abmachungen beseitigten, in denen sie festlegten, in welcher Form zusammengearbeitet werden sollte. Noch in den letzten Jahren sind Beauftragte der Vereinigung der amerikanischen Eerufsschullehrer
in etwa sechs Faellen mit fuehrenden Mitgliedern des Amtes formell
zusammengetreten, um die gegenseitigen Beziehungen zu eroertern
und freundschaftliche und praktische Abmachungen ueber die beiderseitige Politik und die gemeinsame Arbeit zu treffen. Das Buero
- 6-

�fuer Lehrlingswesen ist immer stolz auf diese guter, Beziehungen gewesen und bemueht sich, die getroffenen Abmachungen auch gewissenhaft einzuhalten.
Eines der "^roble^e, die beide Teile geneinsam interessierten und bei zahlreichen Gelegenheiten besprochen wurden und fuer
das die Berufsschullehrer ausschliesslich verantwortlich sind,
ist die Berufsschulausbildung fuer Lehrlinge. Die Schwierigkeiten sind durchaus bekannt, die die staatlichen und oertlichen
Berufsschullehrer hatten, um genuegend Geldmittel fuer diesen
Zweck zu bekommen. Niemals ist die Tatsache verkannt worden,
dass die Berufsschulausbildung ein notwendiger und grundlegender
Bestandteil des Lehrlingswesens ist, und die Allgemeinheit ist
ueberzeugt, dass ihre Bedeutung, weit groesser ist, als die Zeit
vermuten laesst, die man ihr im allgemeinen widmet. Wenn von
der Berufsschulausbildung gesprochen wird, muss darauf hingewiesen werden, dass ihr mehr Zeit gewidmet werden muesste. Es ist
das Bestreben des Amtes, jedem Lehrling in den Vereinigten Staaten eine Berufsschulausbildung zuteil werden zu lassen, die an
Q,ualitaet und Q,uantitaet nichts zu wuenschen uebriglaesst. Dies
war jedoch immer und muss auch immer eine Funktion der Berufsschulen sein. Der wertvolle Beitrag der Berufsschullehrer zum
Lehrlingswesen wird in dieser Richtung trotz verwirrender und
oft unueberwindlich erscheinender Schv/ierigkeiten stets geschaetzt.
Es ist ein Glueck fuer die Vereinigten Staaten, dass sie
heute ueber die Erfahrungen einer 16-jaehrigen Zusammenarbeit
verfuegen, denn in dieser gefaehrlichen Situation von heute kommt
es darauf an, noch enger als bisher zusammenzuarbeiten. Man muss
alle Gefahren ins Auge fassen, die sich ergebenden Konsequenzen
daraus ziehen und versuchen, entsprechend ausgerichtete wirksame
Programme vorzubereiten. Wenn die USA in eine entscheidende
Krise verwickelt werden, werden alle Kraefte bis zum Aeussersten
angespannt werden muessen, um der Industrie zu helfen, dass sie
die Arbeitskraefte zur Produktion der riesigen Mengen an "Zaren,
die gebreucht werden, richtig einsetzt. In diesem Fall muss die
gemeinsame Arbeitsgruppe, die bereits erwaehnt wurde, aeusserst
aktiv sein und sehr oft zusammentreten.
Wenn die USA in Kuerze einer umfassenden Krise gegenueberstehen sollten, werden die Probleme, die geloest werden muessen,
sehr verschieden von denen sein, die vor 10 oder 15 Jahren bewaeltigt werden mussten.
Unmittelbar vor dem 2. V/eltkrieg verfuegten die Vereinigten
Staaten ueber ein grosses Reservoir an Arbeitskraeften, die der
Industrie zugefuehrt werden konnten. Es gab z.B. eine betraechtliche Zahl Arbeitsloser. Mehrere Millionen Frauen waren zuvor
nie erwerbstaetig gewesen. Es gab ausserdem viele Personen,
die auf Grund ihres Alters oder koerperlicher Maengel zwar nicht
arbeiteten, aber doch bis zu einem gewissen Grade arbeitsfaehig
waren. 100.000 dieser Leute wurden in Berufsschulen ausgebildet
und daraufhin in Ruestungsfabriken beschaeftigt. Ohne diese Reserve waeren die Bemuehungen zur Steigerung der Ruestungsproduktion niemals so erfols-reioh gewesen.
Heute verfuegen die USA nicht ueber diese umfangreichen Reserven. Eine Arbeitslosigkeit besteht praktisch nicht. Viele
Frauen und Koeroerbehinderte sind bereits laengst berufstaetig.
Im uebrigen werden mehrere Millionen junger Leute dem Arbeitsmarkt
entzogen, um bei den militaerischen Streitkraeften Maschinengewehre zu bedienen, Schiffe zu bemannen und Flugzeuge zu steuern.
- 7-

�Wenn die Produktionsleistung unter solchen Bedingungen gesteigert-worden soll, gibt es keine andere Moeglichkeit, als die
Faehigkeiten der bereits Beschaeftigten zu erhoehen.
Dieses Problem der Berufsausbildung im Dienst der amerikanischen Industrie kann bearbeitet werden, ohne dass zu diesem
Zwecke neue Behoerden gebildet werden. Seit dem 2. Weltkrieg
haben sich die beiden Gruppen ausdruecklich und unbedingt an
diesen Grundsatz gehalten. Es ist lediglich erforderlich, die
Richtlinien so auszuarbeiten und die Taetigkeiten so zu lenken,
dass ein derartiger Schritt nicht notwendig wird.
Die Maenner und Frauen, die auf diesen Gebieten taetig sind,
sind sich bewusst, dass sie nicht nur einen Arbeitsolatz ausfuellen, sondern dass sie gemeinsam ein Ziel erstreben. Sie wollen
weiter arbeiten, wie sie es auch in der Vergangenheit getan haben, wobei folgende Ziele ihnen vorschweben moegen: Den nationalen Wohlstand zu foerdern, das wirtschaftliche Wohlergehen des
amerikanischen Volkes zu verbessern und dem Lande eine unueberwindliche Verteidigung zur Verfuegung zu stellen.
U.S. Arbeitsministerium
12/1/50
ZAHL DER WEIBLICHE?! AR3EIT5 KRAEFTE IN AMERIKA STEIGT
Prozentualer Anteil der weiblichen Arbeitskraefte an der
Erwerbsbevoelkerung der Vereinigten Staaten in den Jahren 1870-1949

Dem statistischen Buero der
Vereinigten Statten zufolge hat
sich die Zahl der weiblichen Bevoelkerunr im Alter von ueber 14
Jahren in der Zeit von Oktober
1949 bis Oktober 1950 um 680.C00
erhoeht.
sIa gleichen Zeitraum ist die
Zahl der erwerbstaetigen Frauen
um 1.093.000 angestiegen, deren
Zahl sich damit im Oktober 1950
auf insgesamt 18.668.000 belief.
Die T-roesste Beseheeftigunrszunähme in diesen 12 Moneten" ist bei
jenen Freuen zu verzeichnen, die
in nichtlendwirtscheftlichen Indus triezweis^en beschaeftigt sind.
Ihre Zahl steigerte sich um 599.000
insgesamt, damit heben die Frauen
im Oktober 1950 die 16 1/2 Millionen Grenze uebsrschritten. Die
weiblichen Arbeitnehmer in der
Lendwirt3Cheft, deren Zahl sich
im Oktober 1950 auf insgesamt
1.902.000 belief, hetten seit dem
gleichen Monat des Vor/iahres eine
Zunahme von 494.0C0 zu verzeichnen.

Die_Zahl der berufstaetigen
Frauen in den bereinigten Staaten
uebertrifft somit die Gesamtzahl
der deutschen Berufstaetigen einschliesslich aller .*rbe4tslosen.
Labor Information Bulletin
XII/50
- B-

�IN ENGLAND ENTSCHEIDEN SIE BERGLEUTE S5IBST UEBER IHRE ZUKUNFT
Die Besprechungen uebar den englischen Fuenfzehnjahresplan
werden von den Mitgliedern der Beratungsausschuesse der Kohlenbergwerke gefuehrt, die alle ein Exemplar dieses groessten Programms auf weite Sicht erhalten haben, das die britische Industrie
je gekannt hat.
Die ersten Erklärungen zu dem Programm wurden im November
den Mitgliedern des Landes-Beratungskoiaitees von dem Vorsitzenden
der obersten Kohlenbehoerde gegeben. Die gemeinsame Beratung
wird fortgesetzt, und die Betriebsleiter und Arbeiter jeder Abteilung studieren die Einzelheiten, die vor. unmittelbarer Bedeutung fuer sie sind.
Die Bergarbeitergewerkschaft hat bereits offiziell dieses
ausgeglichene Programm der Kapitalentvvicklung gebilligt, das den
Zweck hat, Arbeitskraefte, Geld und Maschinen so zu verwenden,
dass die besten Ergebnisse erzielt werden koennen.
Wie ein Sprecher erklaerte, waren sich die Bergarbeiter immer
der Bedeutung der Herausstellung der Leistungsfaehigkeit bewusst,
und sehen nun eine Gelegenheit, ihre Hoffnungen zu verwirklichen.
Der ""lan kann jedoch nur gelingen, wenn er von der Industrie
wohlmeinend mit allen Mitteln unterstuetzt wird.
Die Vorschlaege zu diesem Fuenfzehn Jahresprogramm, das en
sich nicht an feste Quoten gebunden ist, sehen eine Steigerung
der jaehrlichen Kohlenfoerderung Englands um 36 Millionen Tonnen
bei einer Senkung der Zahl der Bergarbeiter um 80.000 vor.
Es wird weniger Gruben geben, aber mehr Destillierwerke. Es
werden sich groessere Stollen in den Gruben finden, zum Zerkleinern und Abtransport der Kohle wird weitgehend von elektrischer
Energie Gebrauch gemacht werden. Den Bergarbeitern werden in
groesserem Masse Badeeinrichtungen an den Ausgaengen der Gruben
zur Verfuegung stehen, sie werden mit groesserer Sicherheit arbeiten, und man wird sich eingehender als bisher mit Wohlfahrtseinrichtungen fuer sie befassen.
Diese Aenderungen koennen nicht sofort vorgenommen werden;
es kann bis zu zehn Jahren dauern, bis ein rrosses, modernes Kohlenbergwerk in vollem Ausmass produzieren kann.
Weil eine groessere Mechanisierung hoeheren Ausstoss mit
sich bringt, werden die Gestehungskosten fuer jede Tonne Kohle
um deben Schillinge fallen.
Nicht alle Gewinne werden in Form niedriger Teise der Oeffentlichkeit zufliessen. Die Maenner, die im Bergbau arbeiten, werden
besonders beruecksichti/rt werden, da die oberste Kohlenbehoerde
den Grundsatz akzeptiert hat, dass die Loehne im gleichen Masse
erhoeht werden, in dem die Produktionsleistung steigt.
Den HauTtanteil der Gestehungskosten fuer Kohle bilden die
Loehne (nahezu zwei Drittel). Obwohl das Komitee sich nicht verpflichten wuerde, eine bestimmte Lohnpolitik zu betreiben, hat es
teschlossen, bei der Errechnung der Gestehungskosten an Hand der
Loenne drei Voraussetzungen zugrundezulegen:
Die Unterschiede In den Lohntarifen der einzelnen Gebiete
werden ausgeglichen, die verschiedenen Lohnstufen werden .jetzt
bleiben, und die Loehne als Ganzes werden nur erhoeht, wenn auch
- 9-

�die Produktionsleistung steigt, wobei jedes Gebiet mit Kohlevorkommen getrennt behandelt wird.
Die groesste Aufgabe wird es sein - dessen ist sich auch die
Behoerde bewusst - die Belegschaftsstaerke der Bergwerke beizubehalten.
In vielen Faellen wird es schwierig sein, neue Arbeiter einzustellen. Die Behoerde rechnet damit, dass nur in wenigen Bezirken ueberzaehlige Bergarbeiter Schwierigkeiten haben werden,
einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Als ein Hauptproblem sieht
man die Tatsache an, dass man im allgemeinen bestrebt ist, ueberzaehlige Arbeiter zu halten, anstatt sie zu veranlassen, in anderen Industrien Arbeit zu finden.
Die Gefahr einer weitverbreiteten Arbeitslosigkeit ist sehr
gering. Allgemein gesprochen, wird Neuorganisierung nichts weiter
bedeuten als eine Reihe von Arbeitsplatzwechseln in andere Gruben.
Fuer solche Wechsel ist den Arbeitern versprochen, dass ihnen alle
interessierten Stellen der naechsten Umgebung beratend zur Seite
stehen werden.
Die Kohlenbehoerde hat in ihren Richtlinien jede Rueckkehr
zu jenen Tagen von vornherein ausgeschlossen, als die Bergwerke
ueberbelegt waren und die Bergleute bei geringerer Nachfrage nach
Kohle arbeitslos wurden. Dadurch, dass man die Arbeiter je nach
den Schwankungen im Absatz zu Produktions- oder Ausbauarbeiten
heranzieht, will man die Fuenf tage-Yvoche beibehalten und eine
stabile Beschaeftlgtenziffer sichern.
Der Plan ist nicht unabaenderlich festgelegt, sondern er unterliegt fortwaehrenden Veraenderungen, da die Richtigkeit der Erwartungen staendig nach^eprueft wird.
Dadurch, dass man den Preis fuer jede Hauptkohlensorte in 'edem Absatzgebiet so weit wie moeglich in Uebereinstimmung mit den
Produktions- und Transportkosten festlegt, will die Behoerde dafuer sorgen, dass jede Verbrauchergrupne fuer die Kohle, die sie
braucht, einen angemessenen Preis zahlt. Die Preise fuer die einzelnen Absatzgebiete werden jedoch nicht endgueltig festgelegt
werden, sie werden aber mit den Veraenderungen in der Versorgung
mit verschiedenen Kohlensorten und der Nachfrage schwanken. Andere Faktoren, die berücksichtigt wurden, waren das erforderliche
Kapital und natuerliche Hilfsquellen. Die Behoerde hofft, die noetigen Ausruestungen und Finanzmittel fuer ihre Projekte zu bekommen, zumal Untersuchungen ergeben haben, dass ein Mangel an Kohlevorkommen fuer viele Generationen unwahrscheinlich ist.
Eine Besorgnis erregende Tatsache ist jedoch, dass die be^te
und billigste Kohle bereits abgebaut ist, insbesondere jene Sorten, die sich zu Hartkoks fuer die Stahlindustrie verarbeiten
lassen. Auf der anderen Seite hofft die Kohlenbehoerde, die
Schwierigkeiten, die zur Zeit durch die Nachfrage der Verbraucher
nach besonderen Kohlensorten entstanden sind, ueberwinden zu koennen. Unter anderem beabsichtigt man, durch eine Form der Preisrsgelung, eine bessere Verteilung der einzelnen Sorten und verbesserte Methoden beim Mischen der Kohle der gesamten Nachfrage gerecht
werden zu koennen.
Das Programm der Neuorganisation enthaelt keine Angaben ueber
die Gruben, die geschlossen oder wiederaufgebaut werden sollen.
Diese Entscheidungen bleiben den oertlichen Betriebsleitungen
ueberlassen, die fuer die Durchführung der Einzelphasen des ^lanes
verantwortlich sind.
- 10 -

�Die oberste Kohlenbehoerde ist der Auffassung, dass sie bei
der Ausarbeitung dieses Programms auf lange Sicht sich konservativ verhalten hat. Sfen erwartet von den Arbeitern in der Zukunft
keine groesseren Anstrengungen als sie zur Zeit fuer ihre Arbeit
aufwenden. BSan hat sich auch nicht auf technische Erfindungen
gestuetzt, die gerade im richtigen Augenblick zu Hilfe gekommen
waeren.
Um noch weiterzugehen, erklaert die Behoerde, sie habe in
"einem Gemisch vernuenftiger Erwartung und hoffnungsvollen Denkens" gehandelt. Nachdem sich nun die Produktionsmoeglichkeiten
und die Tendenzen in der Nachfrage klar abgezeichnet haben, kann
der Plan abgeaendart werden. Er wird in jedem Falle staendigen
Revisionen unterliegen.
"fie vorsichtig die Schaetzungen auch sein moegen, so hat
die Kohlenbehoerde doch ein Problem in Angriff genommen, das unbedingt einer Loesung bedarf.
Jedes kleinere und einzelne Projekt zur Neuorganisierung und
"odsrnisierung haette die Produktion nur auf den niedrigen Stand
von 1945 herabgedrueckt. Und der Preis fuer Kohle, der in den
letzten Jahren gesunken ist, wuerde erneut ansteigen, wie es 70
•Jahre lang der Fall war. Innerhalb von fuenf Jahren haette er
ohne einen derartigen ^lan fuenfmal so hoch sein koennen.
Das Programm muss nun einer gründlichen Untersuchung unterzogen wuerden, und zwar nicht nur von Persoenlichkeiten der Industrie, sondern auch von den Vertretern der Oeffentlichkeit in
den Ausschuessen fuer Kohleverbraucher und dem Ministerium fuer
Brennstoff und elektrische Energie. "Wir werden auch in Zukunft,"
erklaerte der Vorsitzende der obersten Kohlenbehoerde, "uns nach
neuen Ideen umsehen und solche Ideen begruessen, soweit es sich
um gesunde und vernuenftige Vorschlaege handelt."
Labour
XII/50
GERECKTES AKKORDSY5T5M STEIGERT PRODUKTIONSLEISTUNG
Die Produktionsziffern der englischen Industrie gehen staendig in die Hoehe. V/ie ist dies ohne zusaetzliche Arbeitskraefte
und ohne schwerere Arbeit moeglich? Das Staatliche Buero fuer
./irtschaftsinformationen hat sich mit 107 Firmen in Verbindung
gesetzt und hat drei eindeutige, aber keineswegs nagelneue Antworten auf diese Frage erhalten:
Gemeinsame Beratung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern,
gerechte Akkord-Systeme und Betriebsinformationen.
Die Untersuchungen haben dieses Buero zu einer grossen Zahl
.^roesserer und kleinerer Betriebe gefuehrt. Ein Fuenftel der
Betriebe zaehlen mehr als 1000 Arbeiter, ein Viertel weniger als
250. Auch die Art der Waren, die sie produzieren, ist sehr verschieden.
Unter Zuhilfenahme der Geschaeftsbuecher der einzelnen Firmen
ist eine Liste zusammengestellt worden, aus der zu ersehen ist,
wie die Produktion gesteigert, die Gestehungskosten und Preise
gesenkt und die Loehne der Arbeiter erhoeht worden sind.
- 11 -

�Diese Zusammenstellung ist sehr aufschlussreich. In 75 Firmen fuehren Vertreter der Unternehmer und Arbeiter gemeinsame Besprechungen. Gerechte Akkordsysteme spielen in 72 Faellen eine
bedeutende Rolle, waehrend 45 Firmen ihre Produktionsziffern dadurch steigern, dass sie ihre Arbeiter uebar die Erzeugnisse des
Betriebes, den Absatz, die ^roduktionsquoten, die Gestehungskosten und die bereits erzielten Erfolge eingehen unterrichten.
"Viele Firmen bedienten sich dieser drei Methoden mit grossem
Erfolg. Zwei Beispiele zeigen, wie fortschrittliche Unternehmer
mit einsichtigen Arbeitern eintraechtig zusammenarbeiten, um die
Produktionsleistung zum Nutzen der Firma, ihrer Arbeitnehmer und
ihrer Kunden zu steigern.
Die Technischen Vferke in Leeds z.B. koennen von einer "Produktivitaetssteigerung um 44% seit 1947 berichten. Der Mangel an
Treibstoff, der in jenem «Tahre geherrscht hat, ist fuer dieses Unternehmen zur Veranlassung geworden, seine 55 Kilowatt-Dieselgeneratoren zu normen. Das Erzeugnis der Firma ist ab heute geaendert, um eine guenstigere Verwendung des Rohmaterials zu gewaehrleisten, und um die Produktion des genormten Produktes zu beschleunigen, ist eine umwaelzende Neuordnung der Betriebsanlagen
durchgefuehrt worden.
Frueher sind spezialisierte V.'erkzeugmaschinen nur im beschraenkten Masse verwendet worden, um Einzelteile fuer eine Vielzahl von Maschinen herzustellen. Nach der Neuorganisation sind
die Yferkzeugmaschinen, in Gruppen geordnet aufgestellt, in voraus
sorgfaeltig eingerichtet, damit die maschinelle Arbeit in ununterbrochenen Fliessbandsystem ausgefuehrt werden kann. Die Arbeiter
sind waehrend dieser Neuorganisation genauestens ueber die einzelnen Vorgaenge unterrichtet worden, ebenso sind die Plaene dem
gemeinsamen Produktionsausschuss laufend vorgelegt worden. Auf
diese Weilst ist es moeglich gewesen, sich die Mitarbeit der Belegschaft bei dieser Neuorganisation zu sichern.
Und die Ergebnisse? Fuer die Verbraucher eine 25%ige Preissenkung, fuer den Unternehmer eine 10%ige Verminderung der Produktionskosten und fuer 1800 Arbeitnehmer eine Steigerung ihrer Loehne um durchschnittlich sechs Schillinge bis zu einem ^fund Sterling,
wobei die Lohnverbes3erungen im Rahmen des nationalen Lohngesetzes
nicht beruecksichtigt sind.
Im Suedwe3ten Englands sehen wir das zweite Beispiel: In
Avonmouth (Bristol) werden den Arbeitern fuer die Erzeugung von
Zink, Schwefelsaeure und Industrie-Chemikalien Leistungspraemien
gezahlt. Die Zinkproduktion hat sich seit dem Kriege um 20% und
die der Schwefelsaeure um 25% gesteigert. Die 7/ochenloehne der
Arbeiter sind dadurch um einen Betrag von dreissig Schillingen bis
zu zwei Pfund Sterling in die Hoehe gegangen.
Die Leistungspraemien werden in den verschiedenen Industriezweigen nicht eher eingefuehrt, als bis in Sondersitzungen mit
Unternehmer- und Gewerkschaftsvertretern alle Einzelheiten des
Systems ausgearbeitet sind und eine Abmachung zustande gekommen
ist, zu der sich 90% der 1500 Arbeiter dieses Betriebes bekennt
haben. Leistungsprämien koennen auch in den Warenlagern gezahlt
vyerden und sind selbst fuer die jungen Leute vorgesehen, die mit
dem Fahrrad Botengeenge ausserhalb der Fabrik verrichten.
Praktisch ist jede Arbeit in diesen Betrieben vom Hofreinifer
bis zum Reparieren der Pumoen und Wiederaufbauen der Retorten ger&gt;rueft und zeitlich bemessen worden. In allen Faellen ist es den
- 12 -

�'&lt;.

Arbeitern moeglich, sich an die Zeitnehmer zu wenden und eine Angleichurlg der Zeit zu erwirken, wenn dies erforderlich ist.
Fuer die Maschinentechniker, Klempner, Maurer und andere
Handwerker sind Akkordsysteme eingefuehrt worden, denen eine Untersuchung ausschlaggebender Leistungseinheiten zu Grunde liegt.
In jedem dieser Systeme ist der Vorarbeiter der wichtigste
Mann. Er prueft die Zeiten, die fuer die Arbeitsgaenge gebraucht
werden. Wenn die Ausfuehrung der Arbeit schlecht ist, kann er
darauf bestehen, dass sie noch einmal verrichtet wird oder die
Praemie nur fuer den Teil gezahlt^wird, der zufriedenstellend ausfaellt. Der Vorarbeiter selbst arbeitet nach einem Leistungspraemien-System, das sich auf die Arbeitsleistung seiner Arbeiter
gruendet.
Diese 105 Faelle, die man untersucht hat, sind ein klarer
Beweis dafuer, dass die englische Industrie ueber ein grosses Mass
an Erfahrung und Wissen verfuegt, das ausgewertet werden kann wenn es die Unternehmer nicht fuer erniedrigend halten, mit den
Vertretern ihrer Arbeiter neue Methoden zu besprechen, bevor
die Fabriken in Betrieb gesetzt werden, und wenn die Arbeiter
nicht zu mi3strauisch oder zu konservativ sind, sich damit einverstanden zu erklaeren, eine neue Idee auszuprobieren, nachdem
sie sie sorgfaeltig geprueft haben.
Labour
6/50
MEANY ZUR ROLLE DES RUNDFUNK- UND FEP.NSEKWSSENS
"Dieses neue und maechtige Beeinflussungsmittel darf nicht
voellie- der Industrie als Propagandawerkzeug zur Steigerung ihres
Absatzes ueberlassen werden."
Dies sagte George Meany, der Hauptkassierer der AFL, vor
der bundesstaatlichen Kommission fuer Rundfunk- und Fernsehwesen.
Er schloss sich der Bitte einer Grupoe Erzieher an, dass ein gewisser Prozentsatz der Fernsehsendungen ausschliesslich fuer erzieherische Zwecke verwendet werden soll. "Wir wollen, dass
unsere Kinder durch die Fernseheinrichtungen mehr lernen koennen
als nur die Kenntnis einer ausgezeichneten Geschaeftsreklame."
n

Die Regierung ist dem amerikanischen Volke sehr vieles
schuldig. Sie sollte die Kinder der Nation und die Erwachsenen
vor den uebertriebenen Haendlergeist bewahren, dem sie zur Zeit
ausgesetzt sind."
Meany stellte fest, dass die bestehenden Fernsehstationen
es versaeumt haetten, sich zu einem Forum fuer die verschiedenen
Meinungen zu den nationalen und internationalen Problemen zu
entwickeln, und erklaerte: "Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, finden in dem IleL.leben zahlloser amerikanischer Familien und den Erziehunpsmoeglichkeiten der kommenden Generationen ihren Niederschlag."
^r wies ferner darauf hin, dass die amerikanische Arbeiterschaft das Erziehunrswesen immer unterstuetzt hat, weil sie zu
der Erkenntnis gekörten ist, dass "ein intelligentes Volk aufeeklaert sein muss." 3r betonte, dass es "die arbeitenden Maenner und Frauen Amerikas waren, die den Kampf fuer die Errichtung
eines freien und oeffentlichen Schulsystsms gefuebrt haben.*'
- I*7 -

�Die Gewerkschaften haben sich fuer der üeffentlichkeit zugaengliche Hochschulen eingesetzt und sind heute an den Universitaeten
und Volkshochschulen ausserordentlich interessiert.
Durch die Entwicklung des Rundfunks und des Fernsehwesens
sind die Erziehungs- und Informationsmoeglichkeiten sehr stark
ausgedehnt worden, man habe jedoch zur Foerderung der allgemeinen
Erziehung und zur Propagierung sozialpolitischer Programme nur
in beschraenktem Masse von den Rundfunk- und Fernseheinrichtunsren
Gebrauch gemacht, und ndie Geschichte der letzten £5 Jahre hat gezeigt, dass der Rundfunk nicht die grosse erzieherische Rolle gestielt hat, die man von ihm erwartete."
"Die fortschrittliche amerikanische Arbeiterschaft ist der
Auffassung, dass hoshere Loehne und bessere Arbeitsbedingungen, so
lebenswichtig sie sind, weder das einzige Interesse der Arbeiter
darstellen, noch die einzige Verantwortlichkeit sind, die die Unternehmer ihren Arbeitern gegenueber zu tragen haben. Die Gewerkschaften wie auch die Unternehmer vertreten die Auffassung, dass
die Erziehung fuer den Arbeiter von vordringlicher V/ichtigkeit ist.
Ein aufgeklaerterer Arbeiter ist leistungsfaehiger. Er lernt in
kuerzerer Zeit mehr, verrichtet seine Arbeit besser und steht innerhalb der Gemeinschaft auch nachdruecklicher seinen Mann."
Daily News Service
XIl/6/50
AFRIKANISCHE GEWERKSCHAFTSFÜHRER UNTERSTREICHEN DIE BEDEUTUNG
DER ARBEIT ^BILDUNG
Bei der feierlichen Uebergabe des Samuel-Gompers-Oedaechtnisfonds an das Roosevelt-College in Chikago, der sich auf ICO.000
Dollar belaeuft, erklaerten fuehrende Funktionasre der Gewerkschaften, der Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
haenge groesstenteils von der Ausbildung ab, die den Gewerkschaftsmitgliedern zuteil '.&lt;erde.
William Green, der Vorsitzende der AFI, fuehrte in diesem
Zusammenhang aus: "»ir waren bisher vielleicht zu sehr geneigt,
unseren Fortschritt nach den I'itgliederzehlsn allein zu bemessen d.h. eher nach quantitativen als nach qualitativen Normen
Nur in dem Masse, in dem wir erziehen und auch werbend wirken,
koennen wir die Gewissheit haben, dass die Struktur der organisierten Gewerkschaftsbewegung in Amerika erhalten bleibt und sich fortwaehrend verbessert."

Der Vorsitzende des CIO, Philip Murray, wies darauf hin, da-rs
"unsere hoeheren Lehrinstitute bis vor kurzem noch der Gewerkschaftsbewegung gegenueber entweder unfreundlich oder irgendwie gleichzeitig eingestellt waren oder ihr sogar den Ruecken kehrten."
Im Roosevelt-College wird die Arbeiterbildung auf der gleichen
Basis wie die Ausbildung in Kuensten und '..'issenochaften betrieben.
Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften sind im Treuhaenderausschuss vertreten, '"alter Reuther, der Vorsitzende der üUtomobilarbeitergewerkschaft des CIO, und Morris Bialis von den Damenoberbekleidungsarbeitern der AFL sind Mitglieder dieses Ausschusses.
V.'eekly Labor News Direst
Vol. V - Nr. 51
XII/20/50

- 14 -

�AUSBILDUNGSIMSTITUT FULR DIE WIRTSCHAFTLICHE PLANUNG ASIATISCHER
ENTWICKLUNGSPROJEKTE
In Lahors (Pakistan) ist das erste regionale Schulungsprogramm fuer Volkswirtschafter, Techniker und Verwaltungsbeamte angelaufen, die sich mit der Planung und Finanzierung landwirtschaftlicher Entwicklungsprogramme befassen. An dem Lehrgang nehmen mehr als 50 Regierungsbeamte aus vorderasiatischen Laendern
und dem Fernen Osten teil. Es handelt sich um eines der ersten
groesseren Schulungsprogramme, die durch das erweiterte technische
Unterstuetzungsprogramn unter der Schirmherrschaft der Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen
und der Internationalen Bank fuer wirtschaftlichen '.Vi ede rauf bau
und Entwicklung ermoeglicht wurden. Zweck dieses Lehrganges ist,
die Beamten asiatischer Laender in der Vorbereitung wirtschaftlicher Entwicklungsprojekte zu unterrichten und ihre Faehigkeiten
auf diesem Gebiet zu vervollkommnen, da:..it derartige Projekte
von den staatlichen Verwaltungsbehoerden und den internationalen
Finanz-Instituten besser bearbeitet werden koennen. Es ist oftmals von verschiedenen Finanzinstituten - wie z.B. der Internationalen Bank - darauf hingewiesen worden, dass schlecht ausgearbeitete Skizzen ueber wirtschaftliche Entwicklungsprojekte eine erhebliche Schwierigkeit fuer den wirtschaftlichen Fortschritt
unterentwickelter Laender darstellen.
Der Lehrplan des Instituts umfasst folgende Gebiete:
a) Die Auswirkung besonderer Projekte auf die wirtschaftlichen Verhaeltni3se eines Landes und die ~laene fuer die
zukuenftige Entwicklung bestimmter Industriezweige und Projekte, bestehender und geplanter Absatzmoeglichkeiten,
Transportwesen, Kredit-Institute fuer die Landwirtschaft
sowie Schulen und andere staatliche Einrichtungen.
b) Voraussichtliche Kosten und Gewinne aus wirtschaftlichen
Entwicklungsprojekten. Kostenvoranschlaege fuer technische
Plaene, Bau- und Arbeitsprojekte und technische Produktionseinrichtungen, das Studium landwirtschaftlicher Projekte
unter Berücksichtigung der dar&amp;u?. entstehenden Einnahmen;
zusammenfassende Finanzberichte ueber Ausgaben und Einnahmen.
c) Besondere Probleme und die verschiedenen Arten der Entwicklungsprojekte. Kuenstliche Be- und Sntwaesserung, Flussregulierung, Bodenkultivierung, Vertriebs- und weiterverarbeitende Unternehmen, die kombinierte Ausbeute der natuerlichen Hilfsquellen, Transport- und Informationswesen, Gesundheitsprobleme, agronomische Fragen in- und auslaendischer
Maerkte zum Absatz der Erzeugnisse und die indirekte Auswirkung aller dieser Probleme auf die Staatseinnahmen.
d) Organisation und Verwaltung der Projekte. Gerichtsbarkeit, Organisationsform, Machtbereich und Aufgaben, PersonalPolitik, Ueberwachung und Rechnungsfuehrung, Beziehungen zur
Landwirtschaft und anderen Industrie-Zweigen, Auswahl und
Ausbildung der Siedler, Vorarbeiter, Mechaniker, die Bearbeitung von Kolonisierungs- sowie Ein- und Auswanderungsnroblemen.
e) Finanzfragen. Direkte Rueckerstattungen an die Farmer,
Siedler und andere Personen, die Erzeugnisse oder Dienstleistungen in Anspruch genommen haben, direkte Projekteinnahmen
in weichen und harten Waehrungen. Bedarf an inlaendischen
und ^ ausländischen Dienstleistungen und Materialien sowie
Kanitalien fuer nationale und internationale Finanzierungen,
- 15 -

�Finanzierungsmethoden eines Projektes und die Verwendung des
zur Verfuegung stehenden Kapitals.
f) Zusammenfassung aller Gesichtspunkte eines wirtschaftlichen Entwicklungsprojektes in einer Abhandlung, in der technische, verwaltungsmaessige und finanzielle Einzelheiten
festgelegt sind.
Den Teilnehmern an diesen Lehrgaengen wird die Moeglichkeit
geboten, besprochene Grundsaetze und Methoden bei der Bearbeitung
praktischer Entwicklungsprobleme und Projekte anzuwenden. Zusaetzlich zu den Informationen, die ueber aus^ev.aehlte Projekte
anzuwenden. Zusaetz-ich zu den Informationen, die ueber ausgewaehlte Projekte in Pakistan der Schule zur Verfuegung stehen
v/erden, erwartet man von den Lehrgangsteilnehmern aus anderen
Ltendern, dass sie moeglichst ausfuehrliche Informationen ueber
eine oder mehrere Entwicklungsprojekte in ihrem eigenen Lande
zu diesem Zwecke vorlegen.
Economic and Social Problems
in the United States
No. 10 Vol. 2
10/50
INDISCHE GEWERKSCHAFTEN ERKENNEN DIE KOMMUNISTISCHE GEFAHR
Hariharnath Shastri, der Generalsekretaer des Indischen Nationalen Gewerkschaftskongresses (INTUC) gab vor kurzem eine Erklaerung cb, in dir er ausfuehrte:
"Die Kommunisten greifen unsere Unabhaengi^keit unmittelbar
an; und das gleiche tun sie auf der ganzen Welt. Sie sind eine
Gefahr fuer die ganze 'Veit.
"Amerika und England repraesentieren die demokratischen
Kraefte. Einige sind der Auffassung, dass sie die kapitalistischen Kraefte repraesentieren. Das mag vor Jahren so gewesen sein;
die Verhältnisse haben sich jedoch geaendert. Sie habon ihre
imperialistischen Ansprueche laengst aufgegeben. Nun versuchen
sie ihr Bestes, um dia demokratischen Kraofte in der '.Veit zu staerkej
Amerika wuenscht, seine Stellung in der gesamten '/Veit auf demokratischer Ba3is beizubehalten. In der Hede Praesident Trumans sind
unlaengst die falschen Vorstellungen von angeblichen Machtanspruechen Amerikas zurueckgewiesen worden.w
Generalsekretaer Shastri, der kuerzlich auf dem Kongress des
INTUC von 2.000 Delegierten wiedergewaehlt worden war, fuhr fort:
"Fuer England, Amerika und Indien besteht eine gemeinsame Gefahr,
der wir ins Auge sehen muessen. Eine einzige Nation bedroht den
Frieden der Welt. Diese Macht ist fuer England und Amerika weniger gefaehrlich als fuer Asien. Starke Nationen koennen sich
selbst verteidigen, wir koennen es jedoch nicht."
Khandubhai Desai, der zum Vorsitzenden des INTUC wiedergewaehlt wurde, brachte die gleichen Ansichten zum Ausdruck.
In den vergangenen 18 Monaten sind 15 Gewerkschaften mit rund
100.000 Mitgliedern von insgesamt 1.434.000 aus dem INTUC ausgeschlossen worden, weil sie der von Moskau diktierten kommunistischen Linie folgten.
Program Services Section
Labour News Roundup # 7 3
XII/6/50
- 16 -

Hl.ui (li-1-51) wn&lt;r S U C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 5

Frankfurt, 2 Februar 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die britischen Gewerkschaften und der Marshallplan

1

Die jugoslawische Gewerkschaftsbewegung

4

Die industriellen Gewerkschaftsraete des CIO

6

Der erfolgreiche Kampf der ECA gegen den Kommunismus

8

Klauseln ueber Index-Loehne in amerikanischen Tarifvertraegen

10

Argentinischer'Gewerkschaftsbund1 zur IBFG-Konferenz in
Mexiko nicht zugelassen

11

Englands Benuehungen zur Steigerung der Produktionsleistung

13

Amerikas Gewerkschaften sichern den VerteidigungsMinistern ihre Unterstuetzung zu

16

DIE BRITISCHEN GL-; ^RKSCHAFTEN UND DER KAK3IIALLPLAN
Grossbritannien war die erste europaeische Nation, die sich mit allem
Nachdruck fuer die Verwirklichung des Marshallplanes einsetzte. Der erste
Anstoss zu diesem Plan ging von einer Rede des damaligen amerikanischen
Aussenministers George C. l.'arshall aus, der die Leitsaetze dieses Hilfsprogramms am 5. Juni 1947 in einer Rede vor der Harvard-Universitaet entwickelte.
Der britische Aussenminister Ernest Bevin, - ein fuehrender Funktionaer
der Gewerkschaften, bevor er seinen Regierungsposten

�uebernahm - tegab sich kurze Zeit darauf nach Paris, um hier
mit den Aussenministern Frankreichs and der Sowjetunion diesen
Pl£n zu eroerte n. Aber Russland verweigerte schon damals jede
Teilnahme, und einige Satellitenstaaten, die an den ersten Vorbesprechungen teilnahmen und grosses Interesse fuer diesen Plan
zeigten, wurde
bedeutet, dass sie mit dem Wirtschaftsfoerderungsprogramm der TJSA nichts zu tun haben duerften.
Trotz dieser Resistenzbefehle Moskaus beteiligten sich 16
europaeische Staaten am Marshallplan, wobei der britische Schatzkanzler Sir Stafford Cripps einer der aktivsten Foerderer wurde.
In den Vereinigten Staaten berief man drei fuehrende Gewerkschafter
in die Marshallplan-Kommission, damit die dringendsten wirtschaftlichen Peduerfnisse der europaeischen Staaten, soweit sie sich am
Marshallplan freiwillig beteiligten, erfuellt werden konnten.
Im Aj-ril 19^6 begann die Marshallplan-Hilfe mit ihrer
eigentlichen Arbeit. In der Zwischenzeit hatte sich in den
*
Vereinigten Staaten die FCA gebildet, die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit, waehrend die europaeischen Laender
aehnliche Organisationen bildeten wie die europaeische Zahlungsunion oder die OEEC, die europaeische Organisation fuer. wirtschaftliche Zusammenarbeit.
In jener Zeit existierte noch nicht der IPFG, der erst im
Dezember 1949 gegruendet wurde, und der damalige Weltgewerkschaftsbund befand sich voellig in den Haenden der Kommunisten. Eine Zusammenarbeit mit dem WGP war fuer die Ma^shallplan-Kommission
unmoeglich, die vorgesehenen Besprechungen wurden immer wieder
veMapt; vom November 1947 auf Fe1, ruar 1948, dann wieder auf den
Monat Mai des Jahres 1948.

Eine Fortsetzung dieser offensichtlichen Sabotagepolitik des
WGP haette bedeutet, dass die Gewerkschaften Europas voellig von
allen Verhandlungen des OPEC ausgeschlossen worden waeren. Aus
diesem Grunde beriefen die belgischen, hollaendischen und britischen
Gewerkschaften eine Konferenz aller freien und demokratischen
Gewerkschaften nach London ein. Hier wurde zu allen Problemen,
die sich aus der Planung und Durchfuehrung des Marshallprogrammes
fuer die freien Gewerkschaften ergaben, eingehend Stellung
genommen und ein Rat gebildet, der sich Gewerkschaftliches Peratungs
komitee fuer das ERP (Europaeisches Wiederaufbauprogramm) nannte
und sich als "T'JAC" konstituierte. Dieses Beratungskomitee der
Gewerkschaften wurde von der OEEC als offizieller Sprecher der
europaeischen Gewerkschaften anerkannt, es ist inzwischen durch
die Europaeische Regionalorganisation des IEFG, den Internationalen
Bund Freier Gewerkschaften, ersetzt worden.

Die britischen Gewerkschaften bildeten zu jener Zeit bereits
ein eigenes Komitee, dessen Vorsitz in den Haenden des Generalsekretaers Vincent Tewson lag und der mit dem britischen Schatzamt ueber ERP-Probleme staendig Beratungen pflegte. Die Vertreter
der britischen Gewerkschaften arbeiteten zugleich sehr aktiv bei
der Festlegung der Politik des Britisch-Amerikanischen Produktivitaetsrates, durch diese Kanaele floss vor allem die technischorganisatorische Unterstuetzung der britischen Wirtschaft im Rahmen
des Marshallplanes. Die ersten Entscheidungen in dieser Richtung
traf der Generalrat der britischen Gewerkschaften. Hier setzte
mitfrllemNachdruck der Gegenstoss der Kommunisten ein,'aber die
Delegierten des britischen Gewerkschaftskongresses billigten die
Politik ihres Generalrates in den Jahren 1948 und 1949 mit ueberwaeltigender Mehrheit. Darueber hinaus wurde auf dem Jahreskongress der Labour Party einstimmig eine Resolution angenommen,
die der Generalsekretaer der Gewerkschaft der oeffentlichen Arbeiter
eingebracht hatte.

- 2 -

�Die ersten Hilfslieferungen im Rahmen des Marshallprogramms
begannen im spaeten Fruehjahr 194-8. Es wurde bereits erwaehnt,
dass Grossbritannien das erste europaeische Land war, das sich
fuer den Marshallplan einsetzte. Es ist aber auch der erste
europaeische Staat, der auf eine weitere Foerderung durch den
Marshallplan verzichten zu koennen glaubt, weil seine Wirtschaft
sich weitgehend von den Kriegs- und Nachkriegsfolgen erholt hat.
Vom Spaetfruehling 1948 bis zum Dezember 1950 hat Grossbritannien an wichtigen Rohmaterialien und Nahrungsmitteln
Lieferungen im Werte von 700 Millionen Pfund Sterling erhalten,
was 12.316.223.800 Mark entspricht. 1948/49 betrug der Wert
der Marshallplanhilfe 2,5$ des gesamten britischen Volksvermoegens, 12$ der Gesamtimporte und 51% aller Importe' aus den
Dollargebieten.
Die gelieferten Gueter waren lebenswichtig fuer den Wiederaufbau der britischen Wirtschaft, aber ebenso wichtig fuer die
Beibehaltung der Vollbeschaeftigung und fuer die Aufrechterhaltung und Verbesserung des Lebensstandards der breiten Masse.
Die wichtigsten Lieferungen im Rahmen des Marshallplanes umfassten von April 1948 bis September 1950 folgende Gueter:
Gueter:

GesamtprozentWert in Millionen $: zahl der Einfuhr
dieses Gutes:

Zucker
Weizen und Weizenmehl
Speck
Kaese
Tabak
Baumwolle
Eauholz
Z e l l u l o s e und P a p i e r e r z e u g n i s s e
Schwefel
Aluminium
Kupfer
Blei
Zink

115,6
536,5
65,6
68,2
173,3

228,9
70,7
71,7
10,0
101,8
101,8

32,5
56,6

20$
54$
21$

23$

48$
34$
8$
12$
100$

9
S
28$
23$
52$

Maschinen und Ersatzteile sind ebenfalls als wichtige Posten
der Marshallplanlieferungen anzusehen. Druckereien, Oelraffinierungsanlagen, Wagenfabriken, Verpackungsbetriebe, Stahlwerke und Bergwerke haben alle mit Hilfe von ERP-Mitteln Maschinen
und Ersatzteile erhalten, aber ebenso sind landwirtschaftliche
Maschinen und Geraete sowie Textilmaschinen durch den Marshallplan importiert worden, ferner Bauholz und Nichteisenmetalle, die
durch ECA-Vereinbarungen eingefuehrt wurden und die in erster
Linie fuer den Bau von Wohnungen und neuen Werkanlagen Verwendung
fanden.
Alles in allem betrug die an Grossbritannien geleitete
Marshallplanhilfe je britischen Haushalt etwa 53 Pfund Sterling,
wie Schatzkanzler Hugh Gaitskell, der Nachfolger Sir Stafford
Cripps vor wenigen Tagen in einer Ankuendigung mitteilte, als er
die Beschluesse der beiden Haeuser der britischen Legislative der
Oeffentlichkeit bekannt gab, dass die Marshallplanlieferungen
nach Grossbritannien in Zukunft nicht mehr erforderlich sind, da
der Wiederaufbau der britischen Wirtschaft beendet ist.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der britische Konsument ganz gleich, ob es ein Arbeiterhaushalt oder ein Industrie-

- 3-

�konzern ist - die Karshallplanlieferun^en nicht bezahlt hat, die er
benoetigte. aber die Konsumenten hatten diese Betraege in Sterling,
also in englischer "aehrung, an ihre eigene Regierung zu Zahlen. Die
Dollarzahlungen selbst werden durch Farshallplanmittel geleistet.
Der Ilarshallplan hat ebenso die Koeglichkeit geschaffen fuer
die Gruendung und In-Gang-Setzung der Europaeischen Zahlungs-Union,
wodurch der britische Handel mit dem Kontinent sich weiterhin ausdehnen laesst. Ebenso wird die Entwicklung bestirnter Ueberseegebiete und die Durchführung strategischer Materialplanungen durch
die ERP-Hilfe weiter angekurbelt. Das gleiche ist der Fall bei dem
technischen Unterstuetzungsprogramm im Hahnen des Punkt-Vier-Programms,
aber auch bei der Arbeit, des «nglo-Amerikanischen Produktivitaetskomitees.
Der Austausch solcher Erfahrungen hat bereits in umfangreichem 1/asse
stattgefunden und bleibt auch weiterhin ein Beitrag zur britischen
Produkt.ivitaetsfoerterung, der vor allem bei den Exportbemuehungen eine
so bedeutsame Rolle pielt.
Kehr als hundert britische Gewerkschafter - sowohl einfache Mitglieder der oertlichen Organisationen als auch festangestellte Funktionaere haben unter dem Leitstern des technischen Unterstuetzungsplanes als
Kitglieder des Anglo-Amerikanisehen Produktivitaetskomitees die Vereinigten
Staaten besucht. Ihre Hauptbeschaeftigung als LIitglieder dieses Komitees
war es, industrielle Methoden in den Vereinigten Staaten zu studieren,
aber sie brachten es fertig, zur gleichen Zeit eine Fuelle von Einzelheiten ueber die amerikanische Arbeiterbewegung und die von ihr angewandten Kittel und Methoden kennenzulernen, die dazu dienen, die Interessen des Arbeiters in einer produktionsintensiven Wirtschaft zu foerdern
und voranzutreiben.
Vom gewerkschaftlichen Standpunkt war von weit groesserer Bedeutung
der Besuch einer Gruppe Gewerkschaftsfunktionaere in den Vereinigten
Staaten, die im Herbst 1949 durchgeführt wurde. Diese Gruppe wurde
durch den Generalrat des britischen Gewerkschaftskongresses ausgewaehlt,
wobei die Vorschlaege der einzelnen Gewerkschaften zugrunde lagen. Der
Leiter dieser Besuchergruppe war der stellvertretende Vorsitzende der
britischen Bergarbeitergewerkschaft '..'. Lrnest Jones. Seine Aufgabe war
es, die Forschungs- und Produktivitaetsfoerderungsabteilungen der
amerikanischen Gewerkschaften zu studieren und gleichzeitig eine Richtschnur festzulegen, bis zu der diese Erfahrungen fuer den britischen
Arbeiter nuetzlich sein koennten - aufgrund dieser Feststellungen und
ihrer Auswertungen, zu denen sich auch die britischen Arbeiter bekannten,
erreichte die britische Produktivitaet bemerkenswerte Steigerungen. Die
Feststellungen dieser Besuchergruppe wurden unter den Titel "Gewerkschaften
und Produktivitaet" vom Britischen Gewerkschaftsbund (TUC) herausgegeben
und bildete den Anlass fuer viele Diskussionen ueber diese Fragen in
beiden Laendern.
ECA-Berichte London
12/21/50

Dp; JUGOSLAWISCHE GEMrSRKSCHAFTSBEM'EGUNG
(Vor kurzer Zeit besuchte eine norwegische Gewerkschaftsdelegation Jugoslawien. Aus dem umfassenden
Bericht wird der Abschnitt ueber die jugoslawische
Gewerkschaftsbewegung abgedruckt.)
Da ueber die Gewerkschaftsbewegung in Jugoslawien genauere Nachrichten
fehlen, hat eine Delegation der norwegischen Gewerkschaften die Verhaeltnisse in Jugoslawien studiert. Da die norwegischen Gewerkschaften noch in
letzter Zeit Studienreisen nach Russland durchfuehren konnten, hatten sie
Gelegenheit, genaue Vergleiche darueber anzustellen, welche Verschiedenheiten seit der Losloesung Jugoslawiens vom Ostblock zu verzeichnen sind.

-4 -

�Die Gewerkschaftsbewegung in Jugoslawien ist von der anderer
Laender sehr verschieden. In der Einleitung ihrer Satzungen heiert
es: "Die jugoslawische Gewerkschaftsorganisation vereinigt in ihren
Reihen die breite Hasse der Arbeiter und Angestellten mit der Aufgabe, sie fuer die Loesung aller Probiene des wirtschaftlichen
Lebens und des Staates zu aktivieren und zu einer intensiven sozialen
und politischen Betaetigung in jeder '.'eise heranzuziehen. Sie ist
damit eine Schule der Fuehrung und der Verwaltung, eine Schule des
Kommunismus, aus der die Fuehrer unseres wirtschaftlichen und politischer
Lebens hervorgehen".
Die Probleme und Aufgaben sind in den Satzungen ausfuehrlich beschrieben. An erster Stelle steht die Erziehung der arbeitenden
Klassen zu einem sozialistischen Bewusstsein im marxistisch-leninistischen Geist. An zweiter Stelle steht die Aufgabe, die Arbeiter zu
groesseren Leistungen in ihren Beruf zu erziehen. Erst an dritter
Stelle steht das Ziel, das vAt der Hauptaufgabe der freien, demokratischen Gewerkschaftsbewegung identisch ist: "Sich taeglich und
mit allen Mitteln um die Beduerfnisse der Arbeiter und ihrer Arbeitsund Lebensbedingungen zu kuemmern, taeglich fuer eine gerechte Einhaltung des Lohnsystems zu kaempfen und das Recht zu verwirklichen,
auf das die Arbeiter eines sozialistische« Staates Anspruch haben."
Da der Kapitalismus verschwunden ist, wird jeder Streik fuer nachteilig und zv/ecklos erklaert. Das Lohnsystem selbst wird zum Bestandteil der staatlichen 'Wirtschaftsplanung. Es wird durch Regierungsverordnungen und nicht durch T"\rif Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und den Staat bestimmt. Es wird jedoch hervorgehoben, dass
diese Verordnungen in gemeinsamen Beratungen mit den Gewerkschaften
ausgearbeitet werden. Auf der anderen Seite haben sich die Gewerkschaften in den einzelnen Betrieben mit zahlreichen weniger wichtigen
Angelegenheiten zu befassen, wenn einzelne Arbeiter oder geschlossene
Gruppen der Meinung sind, dass gegen die Verordnungen Verstössen wurde,
oder dass man sie zun Nachteil der Arbeiter falsch ausgelegt hat. Die
Hauptaufgabe der Gewerkschaften ist jedoch, die Arbeiternassen zu erziehen, sie zu fuehrer! und sie zur gesteigerten Produktionsleistung
anzuspornen. Sie sollen ausserdem eine weitreichende und vielseitige
soziale Taetigkeit ausueben.
Die jugoslawische Gewerkschaftsorg&lt;»nisation setzt sich aus 22
Einzelgewerkschaften zusammen, denen - mit nur wenigen Ausnahmen das System der Industriegewerkschaft zugrundeliegt. Abweichungen
hiervon sind auf nationale oder geographische Besonderheiten zurueckzufuehren. In jeder der sechs Volksrepubliken gibt es ein Zentralkommitee oder ein Sekretariat. Diese sind dem allgemeinen oder dem
geneinsamen Gewerkschaftsbund unterstellt. Kuerzlich wurde eine
Dezentralisierung durchgeführt, durch die der groes3te Teil dieser
Verwaltungsarbeit den Volksrepubliken ueberantwortet wurde. Etwa
90% Arbeiter des Landes sind organisiert. Die Gewerkschaftsvorstaende
und Funktionaere werden von den Mitgliedern gewaehlt. Die Gewerkschaftsfunktionaere jedes Betriebes waehlen alljaehrlich ihren oertlichen Gev.erkschaftsvorstand.
Alle drei Jahre v/erden von den Gewerkschaften Landeskongresse abgehalten, auf denen gleichzeitig ein Vorstand gewaehlt wird. Die Delegierten zu diesem Kongress werden durch Abstimmungen in den Betrieben
ernannt. Auch die Delegierten zun Kongress des jugoslawischen Gewerkschaftsbundes werden von den Gewerkschaftsmitgliedern gewaehlt. Ein
Betrieb mit mehr als 2000 Arbeitern ernennt einen Delegierten, kleinere
Betriebe waehlen gemeinsam einen Abgeordneten.
Die Ge\&lt;erkschaftsbeitraege betragen etwa 1^ der Loehne, d.h. 10
Dinar fuer je 1000 Dinar Monatseinkommens. Die Beiträge werden von den
Loehnen nicht abgezogen, sondern von Kassierern in den Betrieben gesammelt .

- 5-

�Fuer aktive Gewerkschafter verden Ausbildungskurse von verschiedener Dauer durchgeführt, und in Belgrad besteht eine Schule,
deren Lehrgaenge fuer Gewerkschafter sich ueber mindestens ein
Jahr erstrecken. Die einzelnen Gevierkschaften waehler "itglieder,
die sie als geeignet fuer den Besuch dieser Schule erachten. Auf
diese Ueise werden die Funktionaere und Angestellten der jugoslawischen Gewerks.chaftsorganisation ausgebildet.

DIE INDUSTRIELLEN Gg.äRKSCHaFTSRASTS PPS CIO
Die Arbeit der industriellen Gewerkschaftsraete des CIO
(Industrial Union Councils) hat in den letzter. Jahren ununterbrochen und in steigendem i:asse der Uohlfahrt der organisierten
Arbeiterschaft gegolten.
In der Entstehungszeit des CID, als die Grundlagen der
industriellen Gewerkschaftsfona in Amerika geschaffen wurden, widmeten
sich die Gewerkschaftsraete zun groessten Teil den regionalen Raeten
des CIG und den Landesgewerkschaften, um sie auf ihr Ersuchen hin bei
der Loesung ihrer Organisierungsprobleme zu unterstuetzen. Zu dieser
Zeit war es erforderlich, dass die Gewerkschaftsraete ebenso wie die
uebrigen Dienststellen des CIO ihr Hauptaugenmerk darauf richteten,
die Nichtorganisierten fuer die Gewerkschaft zu gewinnen. Die z.ihlreichen anderen Funktionen, die die Gewerkschaftsraete inzwischen
entwickelt haben, waren zu jener Zeit noch von verhaeltnisraaessig
geringer Bedeutung. Die Gewerkschaftsraete haben sich aufgrund der
Aktionen der regionalen Raete und der Landesgewerkschaften natuerlich
auch weiterhin mit der Errichtung oertlicher Gewerkschaften und ihrer
Unterstuetzung befasst. Sie haben sich jedoch nachdruecklich auf
andere Fragen konzentriert, die in dem besonderen Zustaendigkeitsbereich dieser Raete liegen.
Schon in fruehester Zeit bildeten die Gewerkschaftsraete, deren
Zahl sich heute auf 39 belaeuft, die Zentren, ueber die die Organisationen des CIC den Kontakt mit den einzelstaatlichen Regierungen
aufrechterhielten. Dies bedeutete fuer sie in erster Linie legislative Arbeit, die sich vor allem auf direkte Arbeitsangelegenheiten
erstreckte, wie z.B. Arbei'terunfallversicherung, Arbeitslosenunterstuetzung, Lohn- und Arbeitszeitgesetze, Probleme der Sicherheit und
Gesundheit und somit die '.Techselbeziehungen zwischen Unternehmern
und Arbeitnehmern. Es war von ausschlaggebender Bedeutung, die sich
gegen die Gewerkschaften richtenden Gesetzesvorlagen, die im Einzelstaat eingebracht wurden, so weit wie moeglich zu bekaempfen. Die
Gewerkschaftsraete haben darueber hinaus staendig fuer eine unablaessige Verbesserung der Gesetzgebung in allen Fragen der sozialen
Sicherheit und der Arbeitsbedingungen gekaempft.
Die gesetzgeberische Arbeit der Gewerkschaftsraete, deren Befugnisse sich nur auf der Basis eines Einzelstaates erstrecken, ist aber
nicht nur auf dieser einzelstaatlichen Ebene von Bedeutung gewesen;
sie sind darueber hinaus auch fuer die bundesstaatliche Gesetzgebung
innerhalb ihrer Aufgabengebiete verantwortlich.. Es ist ihre Pflicht,
mit den Senatoren und Kongressmitgliedern ihrer Staaten in Verbindung
zu bleiben, um sie ueber den Standpunkt der Gewerkschaften zu unterrichten. Das bedeutet die Erzielung eines ununterbrochenen Kontakts
mit den Kongressmitgliedern sowohl in den Parlamenten Washingtons
als auch durch Besuche in deren Privatwohnungen. Manchmal mussten
sich Delegationen bestimmter Staaten nach Washington begeben, um dort
ihren Standpunkt klarzulegen. Die Mitglieder der Gewerkschaftsraete

-6 -

�der Einzelstaaten nuessen sich sowohl ueber die oundesstaatliehe
als auch ueber die einzelstaatliche Gesetzgebung auf den laufenden
halten und zwar sowohl in allgemeinen Tragen als auch in Bezug
auf bestimmte Gesetzesvorlagen.
In jeder Ortschaft, wo die Gewerkschaft ueber einen Stadtoder Bezirksgewerkschaftsrat verfuegt, - insgesamt heute 236 haben diese Raete den oertlichen Qehoerden gegenueber die gleichen
Verantwortlichkeiten. Sierauessenmit den Bezirksbeauftragten,
den Stadtraeten, Bürgermeistern und anderen oeffentliehen Beamten
in Verbindung stehen. Oft sind einige der schwierigsten Prooleme,
die die ','erbetaetigkeit behindern, durch Verordnungen der Ortsbehoerden verursacht, mit denen z.B. friedliche Streikpostenlinien
oder die Verteilung gedruckten Materials verboten werden. Schwierigkeiten dieser Art koennen rechtzeitig durch gesetzliche Verfahren
ueberv.'unden werden, in denen auf die Verfassungswidrigkeit solcher
Massnahmen hingewiesen wird. Es ist jedoch am besten, derartige
Entwicklungen, wenn irgend moeglich, von vornherein aufzuhalten,
indem die Ge\-erkschaftsraete von ihrem demokratischen Recht der
Einflussnahme auf die oertliche Verwaltung Gebrauch machen. Diese
Aufgaben der oertlichen Gewerkschaftsraete sind von groesster Bedeutung, und die Organisationen haben im Laufe der Jahre auf diesem
Gebiet viel Erfahrung gesammelt.
Auch die Arbeit der CIO-Gewerkschaftsraete auf dem Gebiet der
oeffentlichen Beziehungen ist von hoechster '.Tüchtigkeit. Stadtund Bezirksraete sind die gegebenen kommunalen Organisationen. Die
Raete der Einzelstaaten sind die "Behoerden", die sich auf Landesebene mit allen Fragen der Oeffentlichkeit befassen. In einer
Reihe von Gewerkschaftsraeten gehoeren hauptamtliche Sachbearbeiter
fuer oeffentliche Beziehungen zum Personalstab.
In jedem Falle unterhalten die Gewerkschaftsraete vielseitige
freundschaftliche Beziehungen zu anderen Organisationen in ihrem
Bezirk, wie zu anderen Gewerkschaftsgruppen, 3auernverbaenden,
Berufsverbaenden und besonderen Interessenorganisationen aller Art.
T'o inner die Notwendigkeit und Moeglichkeit besteht, mit wirklich
fortschrittlichen Organisationen die sich mit aehnlichen Problemen
wie die Gewerkschaften befassen, zusammenzuarbeiten, ist es die
Aufgabe der Gewerkschaftsraete, die Verbindungen herzustellen und
diese Zusammenarbeit zu entwickeln.
Publizitaet und Presse steilen ein anderes Gebiet dar, auf dem
die Gewerkschaftsraete der Industrie taetig sein muessen. Es gibt
eine betraechtliche Anzahl Zeitungen, die unter der Schirmherrschaft
der Landesgewerkschaftsraete des CIO von den Gewerkschaften herausgegeben werden.
Die Gewerkschaftsraete der Industrie koennten viele ihrer
Funktionen nicht erfuellen, wenn keine zufriedenstellende politische
Grundlage geschaffen waere. Letzten Endes ist die legislative
Arbeit, sei es auf oertlicher, einzel- oder bundesstaatlicher Ebene,
von der Zusammensetzung der Landesregierungen, der Landesgesetzgebung und dem Kongress in Yfashington abhaengig,. VJenn die Arbeit
der Raete auf dem Gebiet der Verbindungen und Beziehungen noch so
wirksam waere, koennte sie doch nicht die Schranken einer feindlich
gesinnten legislativen Majoritaet ueberwinden. Es ist bekannt,
dass der CIO im Kampf um eine fortschrittliche, politische Betaetigung
in Amerika seit vielen Jahren sehr weit vorgeschritten ist. Infolge
einer einschraenkender Gesetzgebung, die von den Unternehmern selbstverstaendlich beguenstigt wird, und die die politische Arbeit der
Gewerkschaften behindert, ist es notwendig gewesen, politische Aktiona-

-7 -

�ausschuesse ins Leben zu rufen, die in ihrer Struktur den Gewerkschaftsraeten sehr aehnlich sind, die aber die durch die Gesetze
geforderte Trennung einhalten.
Die politische Arbeit der Gewerkschaftsraete und der politischen Aktionsausschüsse ist fuer jede andere Taetigkeit des CIO
von grundlegender Bedeutung. Sie ist letzten Endes fuer saemtliche
freien Institutionen Amerikas von fundamentaler Bedeutsamkeit.
Report to the Congress of Industrial Organizations
Twelfth Constitutional Convention
11/20-24/50

DER ERFOLGREICHE KAMPF DER ECA GEGEN DEN KOMMUNISMUS
(Der nachstehende Artikel von Manchester Boddy, dem
Herausgeber der "Los Angelos Daily News", wird vom
Buero fuer Arbeitsinformationen der Verwaltung
fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit verteilt. Der
Verfasser bringt darin seine Anerkennung fuer den
Kampf der ECA gegen den Kommunismus in Europa zum
Ausdruck.)
"Im Fruehjahr 1947 kehrte ich von einer mehrmonatigen Studienreise durch Mitteleuropa mit einer Menge Dokumente und Beobachtungen
zurueck, die mir bewiesen, dass Sowjetrussland die Absicht hatte, die
organisierte Arbeiterschaft als eine Hauptwaffe zu benutzen, um ganz
Europa unter die Herrschaft des Kommunismus zu bringen."
"Ich hoffe, dass die Oeffentlichkeit eines Tages davon Kenntnis
erhalten wird, wie der Kreml dieses Ziel zu erreichen gedachte. Dann
und nicht frueher wird das amerikanische Volk erfahren, dass die Entscheidungsschlacht des alten Krieges in Europa von der organisierten
Arbeiterschaft und nicht allein vom Marshall-Plan und den Gestaltern
des Atlantiks-Paktes fuer die Freiheit gewonnen wurde."
"Es darf nicht vergessen werden, dass zu Anfang dieses Kampfes
alle Vorteile, die Gewerkschaftsbewegung Europas in die Hand zu bekomnen, auf Seiten Russlands rtanden."
"Der Kommunismus hat diesen Kampf verloren, und jeder Amerikaner
kann auf die Rolle stolz sein, die die Gewerkschaftsbewegung in diesem
Kampf spielte, und der auch Harry Martin, der Vorsitzende der amerikanischen Journalistengewerkschaft und Leiter des Bueros fuer Arbeitsinformation der ECA, in seinem vor kurzem erschienenen Bericht seine
Anerkennung gezollt hat."
Martin erklaerte in einer Rede an den Commonwealth Club in San
Franzisco unter anderem: "Die freien Gewerkschaften Europas waren die
Ersten, die die Handlungen der Vereinten Nationen in Korea unbedingt
befürworteten. VJaehrend andere Schichten der europaeischen Bevoelkerung noch beratschlagten, stellten sich die Gewerkschaften vorbehaltlos auf die Seite der Freiheit."
"Die norwegische Gewerkschaftsbewegung gab eine Broschuere unter
dem Titel "Krieg in Korea" in einer Auflage von 500.000 Exemplaren
heraus. Aufgrund dieses schnellen Entschlusses der norwegischen Gewerkschaftsbewegung wurde das norwegische Wölk ueber die Ereignisse in Korea
sofort aufgeklaert, das fuer die Norweger zwar ein weit entferntes Land

- 8 -

�ist, von dem man nur wenig weiss. Die Gefahr jedoch, in der es sich
befindet, kann eines Tages auch ueber Norwegen hereinbrechen".
"Die daenischen Kommunisten versuchten, das Entladen von Waffenlieferungen zu verhindern. Es war jedoch ein politischer, ein verraeterischer Streik an der Sache der Freiheit. Die Fuehrer der
daenischen Gewerkschaften gaben die Zusage, dass er nicht stattfinden
wuerde, und die Schiffe wurden entladen."
"Als sich Westeuropa mit den Vereinigten Staaten im AtlantikPakt vereinigte und die ersten V.'affenlieferungen an die Verbuendeten
gingen, gerieten die Kommunisten Frankreichs in helle Verzweiflung.
Sie riefen die Arbeiter Europas zu einer Massenbewegung auf, um gegen
die Wiederaufruestung zu protestieren. An den Kuesten ganz Europas
kam es zu Gewalttaetigkeiten."
"Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften klaerte die europaeischen Voelker jedoch ueber den wahren Charakter dieses gemeinen
Feldzuges des Verrats auf, mit dem Europa die Chance genommen werden
sollte, eine Aggression abzuwehren. Die einflussreichen Gewerkschaftsorganisationen der Transportarbeiter, Seeleute und Hafenarbeiter
versetzten den Kommunisten schwere Gegenschlaege."
"Heute werden mit wenigen Ausnahmen die dringend notwendigen
'..'äffen der Verteidigung in den groesseren Haefen jedes demokratischen
Landes Europas ohne jede Verzoegerung entladen."
"Im vorigen Monat hatten die Kommunisten Oesterreichs, die natuerlich von den Russen angestiftet waren, Plaene geschmiedet, um einen
Generalstreik auszurufen, der in einer offenen Revolte und dem Sturz
der Regierung gipfeln sollte."
"Unter den Arbeitern aller politischen Richtungen herrschte damals
eine grosse Unzufriedenheit ueber die neue Lohn-Preispolitik. Ein
Generalstreik wurde ausgerufen, und die Kommunisten ruesteten sich zum
Kampf."
"Dem oesterreichischem Gewerkschaftsbund ist es in erster Linie
zuzuschreiben, dass sich die Kommunisten bei der Abstimmung der Betriebsfunktionaere nur 5% der Stimmen sichern konnten. Die Gewerkschaftsfunktionaere hatten einen Tag vor dem Streik alle Betriebsraete der
oesterreichischen Betriebe und selbst die der russisch-besetzten Zone
zu Versammlungen zusammengerufen."
"Durch die Reihen der gesamten oesterreichischen Arbeiterschaft
ging das Wort: Der Generalstreik ist eine Heuchelei, es ist nur ein
Trick, um unsere Regierung zu stuerzen. Er darf nicht gelingen. In
den naechsten vier oder fuenf Tagen muessen die mutigen und unbewaffneten
Gewerkschaftsmitglieder mit ihren blossen Faeusten gegen die gut ausgebildeten und gut bewaffneten Aktionskolonnen der Kommunisten kaempfen."
"Im freien Europa gibt es nur noch zwei Laender, in denen kommunistischen Gewerkschaften eine starke Stellung einnehmen: Frankreich und
Italien. Ks muss viel getan werden, um den kommunistischen Einfluss in
diesen Laendern voellig zu beseitigen. Die Arbeiter muessen einen angemessenen Lebensstandard haben, und sie muessen an den Fruechten des
Wiederaufbaues gerecht beteiligt werden."
"In den Laendern, in denen die Gewerkschaften stark und frei sind,
ist das europaeische '„'iederaufbauprograram von grossem Erfolg gekroent;
wo die Gewerkschaften dagegen schwach sind oder ihre Leitung in den
Haenden der Kommunisten liegt, haben sich dem Wie deraufbauprogramm

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�entmutigende Probleme in den VJeg gestellt. Es ist meine feste Ueberzeugung, dass diese Probleme geloest werden, wenn die Freien Gewerkschaftsbewegungen Frankreichs und Italiens stark genug sein werden,
um sich Gehoer und Einfluss auf die Arbeiterschaft zu verschaffen."
The CIO News
1/22/51

KLAUSELN UEBSR INDEX-LOEHNE IN AFRIKANISCHEN TARIFVERTRAKGKN
Eine der bedeutendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des Tarifvertragswesens ist seit Juni 1950 die Tatsache, dass in zunehmendem
Masse Klauseln zur automatischen Angleichung der Loehne an die
Lebenshaltungskosten in die Tarifvertraege aufgenommen wurden. Vor
Mitte 1950 bestanden fuer etwa 500.000 Arbeiter derartige Bestimmungen.
Man schaetzt, dass sich die Zahl der Arbeiter, fuer die in der Zeit
von Juli bis Dezember 1950 solche Tarifvertraege abgeschlossen wurden,
die Klauseln zur Angleichung der Loehne an den Lebenshaltungsindex
enthalten, also sogenannte Indexloehne sind, sich auf 1.500.000 erhoeht
hat.
Bestimmungen zur automatischen Angleichung der Loehne an die
Lebenshaltungskosten oder sogenannte "Stufen-Klauseln" sind jedoch
weder neu noch ungewoehnlich.
Das Interesse fuer Lebenshaltungskosten als Grundlage der Indexklausel stieg mit der Sinfuehrung einer Stufen-Klausel im Zweijahresvertrag, der im Mai 1948 zwischen General Motors und der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO abgeschlossen wurde. Der Vertrag enthielt eine neue Bestimmung, wonach den Arbeitern der General Motors
Uerke eine jaehrliche Aufbesserungspraemie von 3% des Stundenlohns
gewaehrt wird, um die Realloehne dieser Arbeiter zu verbessern. Damit
trat eine Aenderung in der Haltung der flewerkschaften ein, die sich
bisher geweigert hatten, in Tarifvertraegen die Loehne an die
Schwankungen der Lebenshaltungskosten zu binden. Vorher waren die
meisten Gewerkschaften der Auffassung, dass die Angleichung der Loehne
an die Lebenshaltungskosten nur dazu diene, keine Verbesserung des
Realeinkommens zuzulassen und den Arbeitern damit jenen Anteil vorzuenthalten, auf den sie aufgrund technologischer Neuerungen oder einer
Expansion der V.'irtschaft Anspruch haben.
Der Neuabschluss des Tarifvertrages zwischen den General Motors
Uerken und der Automobilarbeitergewerkschaft fuer eine weitere Zeitspanne von 5 Jahren mit '.'irkung ab Mai 1950, in dem die Stufen-Klausel
beibehalten und die jaehrliche Lohnaufbesserung auf k% erhoeht wird,
hat erneut die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf die charakteristischen Merkmale dieses Lohnangleichungsverfahren gelenkt.
Obwohl in einigen Vertraegen nicht ausdruecklich bestimmt ist,
dass der Lebenshaltungsindex als Grundlage der Anpassung der Loehne
verwendet v/ird, wird in den meisten von ihnen der Verbraucherpreisindex d
des statistischen Bueros des Arbeitsministeriums als ausschlaggebend
bezeichnet. Zugrundegelegt werden entweder der monatliche Index fuer
die Vereinigten Staaten als Gesamtheit oder monatliche Indizes, die
fuer 10 verschiedene Grosstaedte verfuegbar sind. "Stufen-Klauseln"
basieren meistens auf dem bundesstaatlichen Index, da viele solcher
Tarifvertraege in Staedten abgeschlossen werden, fuer die keine besonderen Indizes zur Verfuegung stehen, oder sie erstrecken sich, wie im
Falle des General Motors-Vertrages, auf mehrere Betriebe in ganz Amerika.

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�Gewoehnlich vdrd der Index des Monats, in dem der Tarifvertrag in
Kraft tritt, als Ausgangsgrundlage zur Berechnung der entsprechenden
Lohnangleichung verwendet.
Zahlreiche Vertraege, die in der letzten Zeit zustandekamen, sind denen der General Motors darin aehnlich, dass sie Lohnangleichungen
schon bei verhaeltnismaessig geringen Verae'nderungen im Lebenshaltungskostenindex vorsehen. Dieser Vertrag bestimmt regelmaessige, vierteljaehrliche Lohnangleichungen und zwar einen Cent fuer jede Veraenderung von 1,14 Punkten im Index. Nach einigen Klauseln muss die Veraenderung im Index verhaeltnissmaessig gross sein, bevor eine Lohnangleichung vorgenommen wird, wie z.B. eine l^ige Lohnveraenderung bei
einer Schwankung im Index um fuenf Punkte.
In vielen Stufen-Klauseln wird eine Tiefst- und Hoechstgrenze oder
auch beides fuer die automatische Lohnangleichung festgesetzt. In
einem Vertrag kann festgelegt werden, dass aufgrund der Schwankungen
im Index unter oder ueber eine bestimmte Punktzahl keine Lohnangleichungen
mehr vorgenommen v/erden duerfen. Allgemein gesagt, ist die untere Begrenzung der Lohnkuerzungen wie bei General Motors dadurch bestimmt,
dass eine weitere Lohnreduzierung untersagt wird, wenn der Index eine
bestimmte Granze unterschreitet.
Da der urspruengliche Zweck der Stufen-Klausel darin besteht, die
Arbeiter fuer laufende Veraenderungen der Preise fue„r 1,'aren und Dienstleistungen, die sie erwerben muessen, zu entschaedigen, werden Angleichungen an die Lebenshaltungskosten verhaeltnismaessig oft vorgenommen. Im allgemeinen werden diese Angleichungen, wie auch im Vertrag
der General Motors, alle drei Monate durchgeführt, in anderen Vertraegen sind sie monatlich oder auch alle zwei Monate vorgesehen.
Andere Vertraege verlangen wiederum jaehrlich nur eine einzige
Lohnangleichung. In verschiedenen Tarifvertraegen wird festgelegt,
dass die Dauer, fuer die Lebenshaltungekostenausgleichsverguetungen
gewaehrt werden, von der Verfuegbarkeit des offiziellen monatlichen
Verbraucher-Index* des Bueros fuer Arbeitsstatistik in seiner jetztigen
Form abhaengig ist.
Labor Information Bulletin
1/51
ARGENTINISCHER "GS.'ERKSCHAFTSBUND" ZUR IBFG-KüNFKRKNZ IN MEXIKO NICHT
ZUGELASSEN
AFL, CIO und die Bergarbeitergewerkschaft der Vereinigten Staaten
bildeten eine gemeinsame Front amerikanischer Gewerkschaften gegen den
Versuch, den argentinischen Gewerkschaftsbund CGT zu der interamerikanischen Regionalkonferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in Mexiko zuzulassen.
"Die AFL Delegation wird unter keinen Umstaenden einer Zulassung
des argentinischen Gewerkschaftsbundes zustimmen," erklaerte George
Meany, der Hauptkassierer der AFL und einer ihrer Delegierten, in einer
Rede an die Konferenz.
"Eine andere Haltung einzunehmen, waere mit einem Verrat an den
vielen argentinischen Arbeitern gleichzusetzen, die an eine wirklich
freie Gewerkschaftsbewegung glauben, und denen das Recht streitig gemacht wird, freie Gewerkschaftsorganisationen zu bilden."
"Diese Arbeiter," fuegte Meany hinzu, "sind praktisch Sklaven, weil

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�der CGT ueber alle ihre Angelegenheiten seine feste Hand haelt. Der
CGT ist keine Gewerkschaft, sondern in Wirklichkeit ein Werkzeug der
faschistischen Regierung. Der CGT ist daher der Arbeitsfront Hitlers
und den sogenannten "Gewerkschaften" Russlands gleichzusetzen."
Jacob S. Potofsky, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter (CIO) und zusammen mit Meany der Vorsitzende der amerikanischen
Delegation, erklaerte:
"Ich bin gegen jeden Totalisarismus, ob er von rechts oder von
links kommt."
Ursprünglich waren Argentinien, Panama und die Dominikanische
Republik nicht zu der Konferenz eingeladen, weil der IBFG der Auffassung war, dass in diesen Laendern keine demokratischen Gewerkschaftsbewegungen existieren, die frei von jeder Bevormundung durch
die Regierung sind. Im Verlauf der Konferenz fuehrte der von Mexiko
eingebrachte Antrag, die Argentinier einzuladen, jedoch dazu, dass
ihre Aufnahme in die neue Regionalorganisation abgelehnt wurde.
Nachdem die uebrigen Delegierten den Standpunkt des mexikanischen
Gewerkschaftsbundes in Bezug auf die argentinische Frage zurückgewiesen hatten, zog sich diese Gewerkschaft, wenigstens voruebergehend,
aus der Regionalgruppe zurueck, und ihr Vorsitzender Fidel Velasquez,
der zum Vorsitzenden der Konferenz gewaehlt worden war, legte dieses
Amt nieder. An seine Stelle trat der Vorsitzende des peruanischen
Gewerkschaftsbundes, Arturo Sabrosa, der aufgrund seiner gewerkschaftlicher Taetigkeit in seinem Heimatland 18 Monate im Gefaengnis verbrachte.
Waehrend der Debatte ueber die argentinische Frage stellte die
amerikanische Delegation klar heraus, dass sie selbst ihre Entscheidungen treffe und nicht, wie man ihr vorgeworfen hatte, eine vom
Aussenministerium der Vereinigten Staaten vorgeschriebene Politik verfolge. Dies wurde zum Ausdruck gebracht, als die drei amerikanischen
Gewerkschaftsgruppen den Antrag William O'Dwyers, des amerikanischen
Gesandten in Mexiko, abschlugen, der die Gruppen ersucht hatte, sich
fuer eine Stunde zurückzuziehen und mit ihm vertraulich ueber diese
Angelegenheit zu beraten,
Alich Brasilien war auf der Konferenz von Mexiko nicht vertreten.
Die brasilianischen Gewerkschaftsführer waren zwar eingeladen worden,
wurden aber an der Teilnahme gehindert, angeblich, weil die Gewerkschaften bei den kuerzlich stattgefundenen Praesidentschaftswahlen
Getulio Vargas unterstuetzt hatten. Vargas gewann, er wird sein Amt
aber nicht vor den Monat üaerz antreten.
Trotzdem sind 20 Nationen und 17 Millionen Arbeiter in der neuen
Interamerikanischen Regionalorganisation der Arbeiter (IRCX«*) vertreten,
die auf der Konferenz in Mexiko gegruendet wurde. Der hauptamtliche
Sekretaer der IRC7.7 ist Francisco Aguirre aus Kuba, sein Amtssitz ist
Havanna.
Die Wirtschafts- und Sozialpolitik der IROW wurde in einer sechs
Punkte umfassenden EntSchliessung niedergulegt, die von einem Sprecher
des CTO eingebracht und von der Konferenz angenommen wurde. Den
gemeinsamen amerikanischen Standpunkt fasste der Hauptkassierer der
AFL, Meany, in einer Rede mit folgenden Worten zusammen:
"Die Hauptaufgabe der Voelker Lateinamerikas besteht in der Frage,
wie sie den lange gehegten Wunsch, ihre Laender zu industrialisieren,

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�verwirklichen koennen. Viele Menschen sind der faelschlichen Meinung
verfallen, dass die Vereinigten Staaten kein Interesse an der Foerderung der Industrialisierung unserer lateinamerikanischen Schwesterstaaten haetten."
"Schon lange sind wir uns klar darueber, dass kein Land erfolgreich
seinen Uohlstand foerdern und verteidigen kann, wenn es von Gebieten
umgeben ist, in denen wirtschaftliche Depression herrscht, der Lebensstandard niedrig und die Kaufkraft praktisch gleich Null ist."
"Die Beibehaltung niedriger Loehne in Lateinamerika stellt letzten
Endes den Versuch dar, den Lebensstandard in den Vereinigten Staaten
herunterzudruecken. Die Antwort der Arbeiter der westlichen Hemisphaere
muss hierauf sein, dass sie sich zusamnenschliessen, ihre Erfahrungen
gegenseitig auswerten, Informationen austauschen und gemeinsames Handeln
planen."
i

"Diese Solidaritaet wird sicn besonders in solchen Faellen als
fruchtbar erweisen, wo lateinamerikanische Arbeiter durch die Macht
bestimmter Grossunternehmen der Vereinigten Staaten unterdrueckt werden.
So, wie wir immer bereit waren, die Versuche zu bekaempfen, die Arbeiter
der Vereinigten Staaten auszubeuten, werden wir auch entschlossen sein,
gegen jene vorzugehen, die die Arbeiter Lateinamerikas ausbeuten wollen."
FYI/183:1/24/50
ttßi
ENGLANDS BEMUEHUNGEN ZUR STEIGERUNG DER PRODUKTIONSLEISTUNG
Zukuenftige Produktionssteigerungen in Grossbritannien fuer den
Zivil- oder auch Kriegsbedarf haengen von der Steigerung der Produktionsleistung selbst und von der Moeglichkeit ab, Arbeiter, die weniger wichtige Taetigkeiten verrichten, an Arbeitsplaetze umzugruppieren, die von
groesserer Bedeutung sind. Im Jahre 1949 waren bei einer Erwerbsbevoelkerung von 22.150.000 im Durchschnitt nur 300.000 arbeitslos. Im
Dezember 19^9 umfasste die gesamte Erwerbsbevoelkerung 90$ aller Maenner
ueber 15 Jahren und l*b% aller Frauen im Alter von 15 bis zu 60 Jahren,
'.'eder durch freiwillige Methoden noch durch die l.'iederauferlegung der aus
dem Kriege bekannten Arbeitsmarktkontrollmassnahmen war es gelungen, in
der Zeit von 1947 bis 1949 eine bemerkenswerte Umschichtung der Arbeiter
aus weniger wichtigen in wichtigere Industriezweige zu erreichen. Die
so bedeutende und entscheidend wichtige Kohlenbergbauindustrie hat z.B.
Arbeiter verloren und zwar besonders solche, die unmittelbar die Kohle
foerderten.
Man ist sich im allgemeinen darueber einig, dass Modernisierung;
wenigeres Fernbleiben vom Arbeitsplatz; Lohnsysteme, die auf dem Leistungsprinzip beruhen; und die Bereitwilligkeit, neue Arbeitsmethoden zu akzeptieren, notwendig sind, um die Kluft zwischen den vergangenen und zukünftigen Produktionszielen der britischen Industrie ueberbruecken zu
koennen. Sowohl die Gewerkschaften als auch die Unternehmer haben diesen
Problemen groesste Aufmerksamkeit geschenkt. Augenblicklich werden etwa
20$ des gesamter. Nationaleinkonmens fuer Kapitalinvestierungen verwendet;
ein Viertel hiervon ist allein fuer den '.Wohnungsbau bestimmt.
Eine weit bedeutendere Erhoehung des Index1 fuer die gesamte Industrieproduktion gegenueber dem der Beschaeftigung bedeutet bereits einen Fortschritt. Dem "irtSchaftsministerium Englands zufolge hat die GesamtProduktionsleistung des Jahres 1949 die des Jahres 1948 um 5h% ueberschritten. '„'enn man die ersten fuenf Monate des Jahres 1950 mit einer
gleichen Zeitspanne des Jahres 1949 vergleicht, so sind es sechs und

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�sieben Prozent. Dieser Prozentsatz ist betraechtlich hoeher, als im
Wirtschaftsbericht fuer das Jahr 1950 veranschlagt wurde, er ist ausserdem hoeher als vor dem Kriege.
Grosszuegige Schaetzungen der Steigerungsquote koennen jedoch nur
dann vorgenommen werden, wenn genauere Hasstaebe fuer die Veraenderungen
in der Produktionsleistung aufgestellt sind. Die Verbesserung der
statistischen Messung der Produktionsleistung innerhalb eines Industriezweiges oder eines Betriebes gehoert mit zu dem allgemeinen Programm
Grossbritanniens. Zu diesem Zwecke haben Gruppen englischer Statistiker
in den Jahren 1949 und 1950 die Vereinigten Staaten besucht, um die im
Statistischen Buero des US Arbeitsrainisteriums angewandten Methoden zu
studieren,
Produktivitaets-Studiengruppen aus der britischen Industrie, denen
Vertreter der Gewerkschaften und Unternehmer angehoerten, haben die
Produktionsmethoden in Amerika eingehend studiert. Derartige Studienreisen werden von dem Anglo-Amerikanischen Produktivitaetsausschuss
arrangiert, der im September 1948 gebildet wurde. Die Gruppen werden
von der Verwaltung fuer TJirtschaftliche Zusammenarbeit finanziell unterstuetzt, die darin einen ihrer Beitraege fuer den Wiederaufbau Englands
sieht. In den letzten zwei Jahren sind meist auf Industriebasis 27
Studiengruppen zusammengestellt worden; einige spezialisierte Gruppen
beschaeftigten sich mit enger begrenzten Problemen, wie z.B. der Vereinfachung spezieller Produktionsmethoden, des Verpackungsverfahrens
oder des Materialtransportes. In neueren Berichten an den Ausschuss
wird zum Ausdruck gebracht, dass die englischen Firmen untereinander
ebensoviel lernen wie von den Unternehmen der Vereinigten Staaten; dass
ferner die Voreingenommenheit der britischen Arbeiter gegen die Methoden
zur Steigerung der Produktionsleistung, einschliesslich der Mechanisierung, zum Teil zerstreut worden sind; und dass Normung und Vereinfachung besonders in den oeffentlich kontrollierten Industriezweigen
akzeptiert worden sind.
Im Anschluss an die Studienreisen der Produktivitaetstudiengruppen
werden gewoehnlich Konferenzen und oeffentliche oder Betriebsversammlungen abgehalten, auf denen die Berichte der Gruppen und die Moeglichkeiten besprochen werden, ihre Vorschlaege und Empfehlungen zu verwirklichen. So hat zum Beispiel die britische Stahlindustrie ia verschiedenen Giessereien Verbesserungen in gewissen Arbeitsprozessen durchgefuehrt, nachdem die Studiengruppe, die sich aus Vertretern dieser
Industrie zusammensetzte, ueber ihren Besuch in den Vereinigten Staaten
berichtet hatte. Das Ergebnis war, dass der Arbeitsaufwand in einem
bestimmten Arbeitsverfahren um 50% reduziert werden konnte, bei anderen
Verfahren konnte sowohl Material als auch Arbeitszeit eingespart werden.
Eine der britischen Gruppen setzte sich ausschliesslich aus Gewerkschaftsvertretern zusammen, die sechs Wochen lang die amerikanischen
Industriezentren besuchten, um sich darueber zu orientieren, welche Rolle
die Gewerkschaften bei der Steigerung der Produktionsleistung in den
Vereinigten Staaten spielen. Nachdem die Gruppe "die Arbeitsweise und
Methoden einer Anzahl amerikanischer Gewerkschaften bei der Durchführung
ihrer Verwaltungsaufgaben und in den Betrieben studiert hatte", gab sie
einen anregenden Bericht ueber die Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaften heraus, eine Analyse, in der die entsprechenden
Probleme der beiden Laender miteinander verglichen wurden. Der Bericht
enthielt einige weitgehende Empfehlungen, die an die Gewerkschaftskollegen und die Unternehmer in England gerichtet waren.
Eine Tatsache, die die Besucher besonders beeindruckte, war, dass
in Amerika leistungsfaehige Betriebsleiter die Quoten der Produktions-

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�leistung festlegen, und dass die Gewerkschaften massgeblich mithelfen, die Leistungsfaehigkeit solcher Betriebe zu steigern, die
nicht so konkurrenzfaehig sind wie andere. "Die amerikanischen
Gev.erkschaften dringen auf bessere Loehne, damit die Arbeit hoeher
eingeschaetzt wird. Sie erwarten, dass die Kraft der Konkurrenz
finanzkraeftige, unternehmende und aggressive Betriebe zwingt,
ihre Gestehungskosten zu senken," und sie rechnen dunit, dass niedrigere Produktionskosten zu niedrigeren Verbraucherpreisen luehren,
die wiederum neue und groessere Absatzmaerkte erschliessen werden,
die ausreichen, um die durch die neuen Methoden ueberfluessig gewordenen Arbeiter zu absorbieren.
In ihren Empfehlungen forderte die .Studiengruppe der britischen
Gewerkschaften dazu auf, eine Lohnpolitik zu betreiben, die sich
nach dem Ausstoss und der Leistungsfaehigkeit der Betriebe richtet.
Angesichts der Notwendigkeit, die Preise niedrig zu halten und die
Vollbeschaeftigung zu sichern, stellte die Gruppe nicht die Forderung
auf, die allgemeine Lohnstop-Politik aufzugeben. Die britischen Gewerkschaften waren, wie man feststellte, in der Tat eher geneigt, auf
dem Leistungsprinzip beruhende Lohnsysteme anzunehmen als die amerikanischen Gewerkschaften, obwohl die Delegierten des GewerkschaftsKongresses sich fuer die Aufgabe der Lohnstop-Politik entschieden.
Die wichtigste Empfehlung der Gruppe besteht in dem Vorschlag
zur aktiven Zusammenarbeit der Gewerkschaften bei der Anwendung "wissenschaftlicher Methoden der Betriebsleitung." Die Initiative soll dabei dem Unternehmertum ueberlassen bleiben, aber von den groesseren
Gewerkschaften und dem britischen Gewerkschaftskongress TUC sollen
technische Gewerkschaftsreferate fuer Produktionsfragen errichtet
werden, die die Interessen der Gewerkschaftsmitglieder wahrnehmen und
ihre Verdienstmoeglichkeiten auf ein Maximum steigern. Eine ablehnende
Haltung der Einfuehrung neuer Maschinen gegenueber beziehungsvreiaeeine
Neuzuteilung der Arbeitskraefte ist nach Auffassung der Gruppe jetzt
nicht gerechtfertigt. Die Gewerkschaften muessten im voraus um Rat
gefragt werden; genaue Plaene zur Entschaedigung durch Entlassungsgelder fuer jene Arbeiter, die ihren Arbeitsplatz wechseln muessen,
sind sofort auszuarbeiten. Die Gewerkschaften muessten auf der einen
Seite bestrebt sein, hoechst wirtschaftliche Unternehmen zu veranlassen, ihre Verbraucherpreise zu senken, und sie muessten auf der
anderen Seite den weniger wirtschaftlichen arbeitenden Unternehmen
helfen, ihre Leistungsfaehigkeit zu steigern.
Zur Unterstuetzung der Gewerkschaften und Unternehmer in Fragen
der Produktion hat die englische Regierung im Jahre 1948 das Britische
Institut fuer Betriebsleitungsfragen gegruendet. 22 Gewerkschaften
und der Gewerkschaftskongress TUC sind eingeschriebene Mitglieder
des Instituts. Oertliche Arbeitnehmervereinigungen, die im vergangenen Jahr in vier Industriezentren gebildet wurden, veranstalten
oeffentliche Foren ueber gute Methoden der Betriebsleitung, an denen
Gewerkschafter teilnehmen.
Zwei kuerzlich erschienene Berichte zeigen die Veraenderungen
in der Produktionsleistung in einem bestirnten Industriezweig, naemlich
der Bauindustrie auf. Nach der Annahme einer freiwilligen Vereinbarung auf Landesbasis im Jahre 1947 wurden in etwa einem Drittel der
Vertraege, die von oertlichen Komraunalbehoerden geschlossen wurden,
Bestimmungen ueber Akkord- und Bonusloehne aufgenommen, die sich auf
etwa die Haelfte der im Monat Oktober fertiggestellten "ohnhaeuser
erstreckten. Diese Bestimmungen sollten von beiden Partnern &lt;Meses
Industriezweiges im Jahre 1950 erneut ueberorueft werden.
Der Untersuchungsausschuss erklaerte, dass die 13 $ige Reduzierung
an Arbeitskraft und Arbeitszeit je Haus, die in der Zeit von Oktober

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�1947 bis Oktober 1949 erreicht werden konnte, zur Haelfte diesem
Leistungsprinzip, das sich in der Entloehnung ausdrueckt, zuzuschreiben sei. Obwohl der groesste Teil der Einsparungen in Form
von Bonuszahlungen den Arbeitern ausgezahlt wurde, konnten je
Haus etwa 15 Pfund Sterling eingespart werden, was etwa einem
Prozent der Gesamtkosten des Hauses entspricht.
Im Anschluss an eine allgemeine Konferenz des TUC ueber Produktivitaetsfragen, an der die Vorstandsmitglieder aller angeschlossenen Gewerkschaftsorganisationen teilnahmen, hat der TUC in den
Jahren 1949 und 1950 verschiedene Konferenzen ueber Produktivitaetsfragen abgehalten, an der eine Reihe verschiedener Gewerkschaften
teilnahmen. Zwei dieser Konferenzen fanden zusammen mit der Landesgewerkschaft der Beschaeftigten der Bauindustrie statt, auf denen
die Reaktionen des Lohnsystems dieser Industriezweige auf die verschiedenen Berichte besprochen wurden und ein Plan zur allgemeinen
Steigerung der Produktionsleistung in solchen Industriezweigen ausgearbeitet wurde, an dem der TUC aufgrund des '.'ohnraummangels besonders interessiert ist. Auf seiner Konferenz im Jahre 1950 forderte der TUC in einer EntSchliessung den Generalrat auf, die Gewerkschaften bei der Ueberpruefung der fuer ihre Industrie eigenen
Probleme zu, unterstuetzen. Der TUC forderte weiter, dass vor der
Einfuehr &gt;ng neuer Methoden und Arbeitsverfahren ausfuehrliche Aussprachen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften ermoeglicht werden,
und darauf zu dringen, dass die durch gesteigerte Produktionsleistung
erzielten Gewinne den Verbrauchern in Form niedrigerer Preise und den
Arbeitern in Form verbesserter Loehne und Arbeitsbedingungen Zugute
kommer..
Monthly Labor Review 12/50

AMERIKAS Gi?..'SRKSCHAFTEN SICHERN DEM VERTEIDIGUNGSMINISTER IHRE UNTERSTUETZUNG ZU
Vor kurzem wurde auf einer Konferenz des Gemeinsamen Ausschusses
fuer Arbeitspolitik, an der auch Verteidigungsminister George C.
Marshall, seine Stellvertreterin Anna Rosenberg und andere Beamte des
Ministeriums teilnahmen, erneut zum Ausdruck gebracht, dass die Gewerkschaftsbewegung den Kampf der Nation gegen den sowjetischen
Imperialismus restlos uncerstuetzt.
Die Konferenz diente einem inoffiziellen, allgemeinen Meinungsaustausch ueber Probleme, die sich mit dem nationalen Hotstand ergeben
haben.
Die Gewerkschaftsgruppe erinnerte die Beamten des Verteidigungsministeriums daran, dass ein grosser Teil der unter '„'äffen stehenden
Soldaten aus den Reihen der Arbeiter und ihrer Familien kommt, und
erklaerte, dass sich die Gewerkschaftsmitglieder der dringenden Notwendigkeit bewusst sind, sowohl die nilitaerische als auch die industrielle Staerke so schnell wie moeglich zu entwickeln. Sie sprach sich
ferner fuer die konstruktive Politik Marshalls aus.
"Fuer keine Gruppe steht in dem Kampf zur Erhaltung der Freiheit
auf der T'elt mehr auf dem Spiel als fuer die arbeitenden Maenner und
Frauen dieses Landes," erklaerte Marshall den Gewerkschaftern.
"Der Bestand der freien Gewerksehaftsorganisationen und aller
anderen demokratischen Einrichtungen haengt davon ab, ob wir mit Erfolg das Anwachsen der Polizeistaaten und die kommunistischen Aggressionsplaene unterbinden koennen."
The CIO News

-16

1/22/51

HICO) (2-2-51) U26 U 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 6

Frankfurt, den 9. Februar 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Arbeit des '..'ohnungsausschusses des CIO

1

Italienischer Gev/erkschaftsfuehrer heisst General
Kisenhower willkommen

7

Der britische Schatzkanzler erklaert den englischen
Arbeitern, warum Produktivitaetssteigerung
notwendig ist

8

T. C. McManus, ehemaliger Hauptkassierer der
kanadischen Seeleute-Gewerkschaft:
Der Untergang einer Gewerkschaft

»^

Die Berichte des internationalen Arbeits-Amtes ueber
den Gesundheitszustand der Seeleute erfordern in
weitem Masse Beachtung

10

15

DIE AKbEIT DES ..OHNUuGSäAUAUSSCHUSS^S DES (JIQ
Der V/ohnraununangel ist auch weiterhin eines der schwierigsten inneren
Probleme der Vereinigten Staaten von Amerika. Deshalb ist der Ausschuss
fuer '.i'ohnungsbau unter der Leitung des Vorsitzenden der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO, '„'alter F. tteuther, aufgefordert worden, sich mit den
verschiedenen Blickwinkeln der Probleme zu befassen, die durch den u'ohnraummangel verursacht sind.
Der Auaschuss war sowohl auf Landesebene als auch innerhalb der
Kommunalverbaende im ganzen Lande vielseitig taetig. Er hatte insofern

- 1 -

�einige Erfolge zu verzeichnen, als es ihm gelang, den Fortbestand der
bundesstaatlichen Mietkontrolle zu sichern und verschiedene organisierte,
gegen die '..'ohnungsbauprogramme gerichteten Bemuehungen zu vereiteln.
Der Ausschuss war massgeblich daran beteiligt, den Kongress davon zu
ueberzeugen, dass angesichts des werbemaessig gut lancierten und freigebig
finanzierten Reklamefeldzuges, den die Hintermaenner der Grundstücksbesitzer mit der Absicht fuehrten, das Gesetz zu verhindern oder zumindest
unwirksam zu machen, irgendeine Form der Mietkontrolle bestehen bleiben
muesse. Da es diesen Interessentenkreisen nicht gelungen war, auf bundesstaatlicher Basis das Gesetz zu beseitigen, beschlossen sie, auf oertlicher
Ebene in der gleichen Richtung taetig zu sein.
Zuerst wurden die Mietberatungsauaschuesse gezwungen, Empfehlungen zu
unterbreiten, in denen auf die Veraenderungen der Mietpreise und den danit
unvereinbaren Fortbestand des Gesetzes'hingewiesen werden sollte. Als dies
jedoch nicht zur voelligen Aufhebung der Mietkontrollen fuehrte, verlegten
sich die Hintermaenner der Grundstücksbesitzer mit Unterstuetzung republikanischer Kreise im Kongress auf die Methode, eine Aufhebung der"Kontrollen
auf oertlicher Basis durch entsprechende Abstimmungen der regierenden
Kommunalbehoerden zu erwirken. Hierauf haben sich zahlreiche oertliche 3ehoerden, in denen kein betraechtlicher Einfluss der Gewerkschaften besteht,
fuer eine Aufhebung der Mietkontrollen ausgesprochen. Die durch diese
Massnahmen in Mitleidenschaft gezogenen Gebiete sind der landwirtschaftliche
Sueden und Suedwesten. Aber auch in einigen Industriebezirken sind die
Kontrollen abgeschafft worden. Die Methoden, die zur Erwirkung dieser Massnahmen angewandt wurden, sind kennzeichnend fuer die politischen Verhaeltnisse in einigen Kommunalbehoerden. Dies ist durch einen Vorfall bewiesen,
der sich in keiner geringeren Stadt wie Los Angeles zugetragen hat, wo der
Stadtrat bestochen worden sein soll, damit er fuer eine Abschaffung der Mietkontrollen stimme.
In diesem Falle wandte sich der Ausschuss fuer Uohnungsbau an gewerkschaftliche und liberale einflussreiche Persoenlichkeiten sowie an den Ausschuss fuer Hauspaechter in Los Angeles und brachte die. Tatbestaende vor die
Gerichte. Schliesslich konnte man durchsetzen, dass die EntSchliessung zur
Abschaffung der Mietkontrolle widerrufen werden musste.
Auf dem letzten CIO-Kongress wurde nun die Vorbereitung eines wirksamen
Gesetzes fuer Mietkontrollen in Erwaegung gezogen.
Der Ausschuss hat unablaessig den Gedanken unterstuetzt, dass die
kontrolle in die Haende der bundesstaatlichen Uohnungsbehoerden gelegt
werden woll, damit eine Gewaehr dafuer besteht, da3s die Mietkontrolle
solange bestehen bleibt, wie tatsaechlich ein '..'ohnraummangel herrscht.
Das '.'ohnungsbauprogramra der Regierung soll darauf ausgerichtet werden,
sen Mangel zu beheben, und Mietkontrollen sollen nur solange notwendig
erforderlich sein, wie ein Mangel an Wohnungen besteht.

Mietnur
dieund

Die bis heute ergriffenen Massnahmen konnten keine zufriedenstellende
Loesung des Problems schaffen. Schuld hieran ist einmal die Tatsache, dass
man sich gesetzlich genehmigte Programme nicht in vollem Umfang zunutze
machte, und zum andern, dass keine Gesetze erlassen Wurden, die die bestehenden Luecken haetten schliessen koennen.
Zu viele Beamte der v.rohnungsbehoerden sind der Auffassung, dass sie
das Problem geloest haben, wenn sie neue Bedingungen fuer die Hypothekenfinanzierung ausgekluegelt haben. Zu wenige dieser Beamten haben anscheinend ein Interesse an der Schaffung eines genuegenden Wohnraums, an
der kommunalen Vohnungsbauplanung, an Massnahmen, die eine Senkung der
Baukosten oder eine Vereinfachung der Bauverfahren foerdern koennten. Infolgedessen hat der 'Johnungsbau die Tendenz, an C.ualitaet -zu verlieren,

- 2 -

�in einem gerechten Gleichgewicht fuer die verschiedenen Schichten der
Bevoelkerung zu stehen, und obendrein stellt er einen unnoetigen
Aderlass des Kreditpotentials der US-Regierung dar.
Seit vielen Jahren hat der Ausschuss fuer Yfohnungsbau eine Expansion der Bauindustrie befuervortet, um den Uohnraumbedarf Amerikas
besser decken zu koennen. Die Sprecher der Industrie und konservative
Volkswirtschaftler haben der Bauindustrie die Faehigkeit der Ausdehnung
abgesprochen. Doch das Jahr 1950 ist ein Rekordjahr fuer die Bauindustrie gewesen. Im August 1950 wurde die jaehrliche Quote von zwei
Millionen Wohnungen, die vom Ausschuss seit 1948 befuerwortet wird,
bereits annaehernd erreicht.
Diese erstmalige Rekordproduktion hat den Rueckstand, der durch
die Kriegsjahre und die geringe Bautaetigkeit waehrend der Depression
der 30er Jahre eingetreten war, erheblich verringert. Selbst die
konservative amerikanische 3par- und Anleiheliga hat diesen hohen Stand
der Bautaetigkeit zur "Beendigung des Wohnraummangels in praktisch
jeder Ortschaft" gutgeheissen. In der Vergangenheit hat die Bauindustrie
ihre Aufgabe, das Land mit genuegend '.Johnraum zu versorgen, nicht erfuellen koennen. In einem etwas engstirnigen Bewusstsein ihrer Verpflichtung dem Volk gegenueber, hat die Bauindustrie eine geplante
Knappheit an Wohnungen beguenstigt, die zu Beunruhigung und Sorge in
Hillionen von Familien Anlass gegeben haben, deren groesstes Problem
darin besteht, dass sie keine angemessene Wohnung bekommen koennen.
Die Bevoelkerungsziffer der Vereinigten Staaten steigert sich jetzt
jaehrlich um fast 900.000 neue Familien. Wenn der rueckstaendige Bedarf der Vergangenheit gedeckt werden soll, die Elendsviertel bereinigt
und mehr Wohnungsmoeglichkeiten geschaffen werden sollen, muss die Bauindustrie ihre neue hohe Kapazitaet von zwei Millionen Einheiten im Jahr
zumindest in den.naechsten zehn Jahren voll ausnutzen.
Mit keinem Programm und keiner Politik koennen alle Einzelheiten
dieses Problems restlos geklaert werden. Mit einem wohlabgerundeten
Wohnungsbauprogramm wird den Beduerfnissen aller Schichten der Bevoelkerung am besten entsprochen werden koennen. Diese Beduerfnisse erstrecken sich nicht nur auf angemessene Wohnungen, sondern auch auf die
gesamte Umgebung innerhalb einer Ortschaft, die die Kindestnormen der
Ansprueche einer Familie erfuellen sollen. Schulen, Kirchen, Krankenhaeuser und Erholungsstaetten sind zu oft in den umfassenden Plaenen
privater Architekten vernachlaessigt worden.
Der Ausschuss fuer Wohnungsbau de« CIO hat deshalb vorgeschlagen:
1.) Ein oeffentliches Wohnungsbauprogramm fuer die niedrigen Einkommensgruppen, d.h. diejenigen, die keine fuer den Besitzer rentable
Miete zahlen koennen.
2.) Anleihen und Darlehen fuer die Bereinigung von Elendsvierteln
und die ftatwicklung der Staedte.
3.) Ein Programm fuer die mittleren Einkommensgruppen, das technische Ilnterstuetzung und langfristige Kredite bei niedrigen Zinssaetzen
fuer die Baugenossenschaften vorsieht.
4.) Ein Programm fuer den nichtlandwirtschaftlichen Wohnungsbau
auf dem Lande,
5.)

Ein einleitendes Programm fuer dft* landwirtschaftlichen Wohungs-

bau.

- 3-

�6.) Ein verbessertes Forschungsprogramm zur Senkung der Kosten
des 'Wohnungsbaus.
7.) Unierstuetsung bei der Entwicklung einer industrialisierten
"'ohnungsbauindustrie.
8.) Verkauf regierungseigener Kriegsbauten an Paechter, die
ohne Gewinn arbeiten und diese l'ohnungen selbst bewohnen.
Die gesamte '..'irtschaft wurde durch die Entwicklung der koreanischen
Krise ersc'mettert. Der '.Johnungsbau, der den groessten Komplex des
inl&amp;endisehen Bedarfs darstellt, wurde als erster durch die Entwicklungen in Mitleidenschaft gezogen, die sich mit der Notwendigkeit der
Steigerung der Ruestungsproduktion ergeben haben. Dieser Zweig der
zivilen "'irtschaft, der sich nach zwei langen Jahrzehnten unzureichender
Produktion zun erstenmal stark ausdehnte, wurde von einer uebereLfrigen
Buerokratie abgedrosselt, die unfaehig ist, die ihr gestellten Aufgaben zu erfuellen.
Die Remuehungen der Regierung, das rTohnungsbauprobleni ausschliesslich durch Kreditkontrollen zu loesen, sind weder wuenschenswert, noch
durchführbar und gerecht.
Diese Kreditkontrolle hat dazu gefuehrt, dass die Preise des
spekulativen 'Wohnungsbaus, der sich jetzt wieder seine« Daseins erfreut,
und auch die Preise fuer die zur Verfuegung gestellten Wohnungen in die
Hoehe geschraubt wurden.
Angenommen, der "'ohnun^sbau muesste im Interesse der sich ausdehnenden Ruestungsproduktion gekuerzt werden, dann muss doch alles
'•'oegliche getan werden, um eine Hoechstproduktion an "ohnraun aus den
noch uebrigen Arbeitskräften und Materialien sicherzustellen. Diese
Verordnung und andere fruehere Verordnungen, die die Kredite der
Regierung einschraenk«n,- wurden erlassen, bevor der fuer das Programm •
notwendige Bedarf an ..rbeitskraeften und ?'aterial veranechlagt war und
genauere Angaben ueber die in Jahre 1951 verfuegbare Zahl an Arbeitskräften vorhanden waren.
/
Die Anwendung der Kreditkontrollen allein zur Erreichung dieses
Zieles ist lueckunhaft und kann zu Missbrauch fuehren. Diejenigen, die
ueber umfangreiche Geldmittel verfliegen, duerfen ohne Einschraenkung
bauen, !36r Gruppe je loch, deren ",'ohnraunbedarf am groessten ist, wird
absolut keine ','oegliohkeit geboten, sich ','ohnraum zu schaffen. Diese
Tatsache ist auch nicht dazu angetan, das Problem der Einschraenkung
der Sautaetigkeit infolge der Inflation der l.'aterialkosten zu erleichtern.
Die Regierung muesste sofort dieses gesarate Problem erneut ueberpruefen und dabei folgendes beachten:
aj Um zu garantieren, dass die fuer das Produktionsjähr 1951
verfuegbaren Arbeitskraefte der Bauindustrie voll ausgenutzt werden,
muss ein jaehrliches Produktions.:iel unter Beruecksichtigung des militaeri'3Chen und wesentlichen zivilen Bedarfs gesteckt werden.
b) Innerhalb der Vereinigten Staaten muessen sofort Vorbereitungen getroffen werden, um den auf 100.000 Einheiten geschaetzten
Bedarf an I.'ilitaerunterknenften zu decken.
c) Fuer Arbeiter in kriegswichtigen Betrieben, die sich staendig erweitern, muessen '.'ohnungen gebaut werden.
Noch schlimmer als die Auswirkungen der Vorgaenge in Korea sind die

- k -

�Entwicklungen in Hahnen des jetzigen '.'ohnungsbauprogramms.
Ifis muss leider festgestellt werden, dass bis jetzt die in den
meisten Phasen des Programms ergriffenen Massnahmen so gehanriha'ot
wurden, dass sie ihren Zweck verfohlten, Ein groesserer Fehlschl&amp;ß
haette nicht eintreten koennen,- v.enn das Programm im umgekehrten
Sinne geplant gewesen waere. Der Vorsitzende dieses Ausschusses,
der das Problem erkannte, dem s.ch die Gewerkschaften gegenuebersahen,
als der Kongress das "ohnungsbaugesetz von 1949 (Gesetz Nr. 171)
erliess, bat in einem Schreiben an Praesident Truman um die Ernennung einer neuen, mit erweiterten Refuegnissen a'^estatteten
Behoerde, die entschlossen sei, die Bestimmungen des neuen Gesetzes
auch zu verwirklichen.
Man kann sich am besten von dem Versagen dieser ^ehoerde ein
Bild machen, wenn man die Ergebnisse unt.er^iicht, die nach den Bestimmungen des Gesetzes 171 fuer den oeffendlichen '.'ohnungsbau erzielt wurden; dieses Gesetz wurde nach fuenf Jahren harten Kampfes
gegen die Grundstücksbesitzer angenommen.
Der Vorsitzende Beuther wies vor dem Kongress im Pebruar ]%9
auf die Dringlichkeit des '.'ohnraumbedarfs hin und verlangte vom
Kongress, "fuer die Erstellung von mindestens einer Million '."ohnhaeuser mit niedrigen Mieten zu sorgen". Das Programm muesse jedoch
zusammengedraengt und in vier anstatt in sieben Jahren durchgefuehrt
werden, sodass in den naechsten vier Jahren jaehrlich durchschnittlich
250.000 Einheiten mit niedrigen Mietsaetzen erstellt werden koennten.
Als Antwort auf diesen Vorschlag und auf die Dringlichkeit der
Situation stimmte der Kongress fuer die Erstellung von mindestens
100.000 Einheiten jaehrlich in den naechsten sechs Jahren ;ait dem Hinweis, dass "auf Reschluss des Praesidenten hin, nachdem dieser den
Ausschuss der Mirtschaftsberater zu Ilate gezogen hat, die gesamte
Jahresproduktion auf 200.000 Einheiten gesteigert werden kann."
Ein Jahr nach dem Srlass des ''ohnungsbaugesetzes von 1949 g"b
Ü e Peh^erds fuer die Finanzierung des '.'ohnungsbaus und der "ohnungen
unter dem Titel "Fortschritt des '.'ohnungsbauprogramms in den Jahren
1949 - 1950'einen Bericht heraus, in dem folgende Feststellung enthalten war: "Am 31. Juli 1950 waren 640 (sechshundertundvierzig 1)
dieser Einheiten begonnen."
In Anbetracht der Tatsache, dass man das betraechtliche Arbeitskraeftereservoir der Arbeitslosen nioht einsetzte und die Kapazitaet
der baustofferzeugenden Industrien nicht ausnutzte, ist eine Kritik
durchaus gerechtfertigt.
Die Verwaltung Tuer den oeffentlichen ' .'ohnungsbau hat in hoechst
buerokratischer "eise dieses Gesetz verwaltet; ihre Haltung koennte
mit der eines Gutsbesitzers seinen Paechtern gegenueber verglichen
werden. Im Gegensatz zu den organisierten Grundstücksbesitzern hat
sich diese Verwaltung bei der Verfolgung der Ziele des Gesetzes 171
viel Zeit gelassen.
Die Verwaltung betrachtet den '..'ohnraumbedarf der niedrigen Zinkommensgruppen als von zweitrangiger Bedeutung. Die meisten Leiter
der oeffentlichen '.'ohnun^s'oauprojekte behandelten diese Mieter mit
einer gewissen Verachtung. Eine wahre Kampagne wurde gegen diejenigen
Mieter eingeleitet, die die gesetzte Einko-imensgrenze ueberschritten
hatten. Auf Veranlassung der Grundstücksbesitzer wurden diese T?«.rni—
lien und besonders jene, die Mitglieder der Gewerkschaftsbewegung
waren, unter Druck gesetzt, u-n sie zu zwingen, ihre ','ohnung zu verlassen, ihre familiaeren und nachbarlichen Verbindungen zu zerreissen und

- 5-

�sich anders&gt;vo Wohnung&amp;noeglichkeiten zu suchen. Statt den Bau der zusaetzlichen Wohnungen in Angriff zu nehmen, konzentrierte sich die Verv/altungsbehoerde auf eine Kampagne, die den Zv;eck hatte, die Mieter mit
allzu hohem Einkommen aus diesen Wohnungen wieder zu verweisen. Die
Kampagne verlief erfolgreich. Tausende von Mieter wurden gezwungen,
Wohnungen zu gesteigerten Preisen zu mieten, deren Mietzins jenseits
ihrer Zahlungsfaehigkeit lag.
Eine Ursache fuer das Misslingen des oeffentlichen Wohnungsbauprogramms ist die Tatsache, dass in vielen Wohnungsbehoerden Vertreter der
oertlichen Grundstuecksbesitzerorganisationen sitzen. Unter solchen
Umstaenden ist es unmoeglich, die dienstlichen Pflichten dieser Vertreter
als oeffentliche Beamte von den Zielen der organisierten Kampagne der
Grundstuecksbesitaer scharf zu trennen.
Die oertlichen WohnungsbauVereinigungen der Buerger sind ebenfalls
zuweilen der Beeinflussung seitens der Grundstücksbesitzer zum Opfer
gefallen. So hat die Buergervereinigung von Baltimore fuer Planung und
Wohnungsbau den Beteuerungen der Grundstuecksvertreter Gehoer geschenkt
und den Vorschlag eines Interessenten des bundesstaatlichen legislativen
Ausschusses, der jedoch praktisch fuer die Hypothekenbanken sich einsetzte, angenommen. Dieser Vorschlag bezieht sich auf ein Programm, das
die Bereinigung der Hinterhoefe der bestehenden Wohnungsbauten vorsieht.
Unter dem Titel "Der Baltimore-Plan" ist dieses Programm der Oeffentlichkeit weitgehend zur Kenntnis gebracht worden. In Wirklichkeit handelt
es sich jedoch um ein privates Unternehmen, um den Ersatz fuer ein Programm,
das die Interessenvertreter "sozialistisch und kommunistisch" nennen, und
das mit Unterstuetzung des Praesidenten Truman und der Senatoren Tobey,
Flanders, Sparkman, Maybank u.a. zum Gesetz erklaert wurde.
Es gibt nur eine Loesung fuer dieses Problem. Die Oeffentliche
Wohnungsbaubehoerde muss mit neuem Blut aufgefrischt werden, und sie muss
von der festen Entschlossenheit beseelt sein, die in den Satzungen des
Kongresses enthaltenen Ziele zu erreichen. Das Programm muss auf einer
festen Grundlage fussen, die durch gegenseitiges Verstaendnis und die
gemeinsame Arbeit an den menschlichen Problemen gebildet wird, deren 3eduerfnisse durch das Programm befriedigt werden sollen.
Fuer den Sieg der Demokratie in der heutigen Welt ist es erforderlich, dass alle Menschen einen angemesseneren Lebensstandard ihr eigen
nennen. Das Wohnungsbauprogramm der Vereinigten Staaten kann und darf
nicht so verunstaltet werden, dass angemessene Wohnungen nur den Wohlhabenden zur Verfuegung stehen, und dass ein Programm, das fuer die wirtschaftlich weniger Beguenstigten bestimmt ist, versiegen und absterben
darf.
Die Bestimmungen fuer die Bereinigung der Elendsviertel und die
staedtische Entwicklung, die in dem '..'ohnungsbaugesetz von 19^9 enthalten
sind, traten erst im Juli 1950 in Kraft. Deshalb hat die Wohnungsbaubehoerde auch erst seit einiger Zeit damit begonnen, mit den Grosstaedten
und anderen Staedten ueber die Durchführung der Bestimmungen dieses
Gesetzes zu verhandeln.
Die Staedte Norfolk im Staate Virginia und Nashville in Tennessee
haben bereits Hervorragendes zur Bereinigung der Elendsviertel geleistet.
Auch in Chikago ist ein Programm angelaufen, und man hofft, aus bundesstaatlichen Mitteln sechs Millionen Dollar und von den oertlichen 3ehoerden drei Millionen Dollar zu bekommen, um das Negerviertel bereinigen
und fuer l.AOO Familien mit hoeherem Einkommen Wohnungen mit hoeheren
Mietsaetzen bauen zu koennen. Ihre frueheren Wohnungen sollen diese
Familien fuer 3.500 Familien der niedrigen Einkommensgruppen zur Verfuegung stellen. Dieser Vorschla8 entspricht jedoch nicht dem eigentlichen Zweck des Programms, v/onach auf den Grundstuecken der Elendsviertel
anstaendige Wohnungen und eine passende Umgebung geschaffen werden sollen.

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�Das industrialisierte Wohnungsbauprograinra, das von diesem Ausschuss
gefoerdert und vom Kongress bewilligt wurde, ist leider der Kontrolle der
im Dienste der Gesellschaft fuer die Finanzierung des Wiederaufbaus
stehenden Vertreter unterstellt. Aul- Ersuchen des üewerkschaftsausschusses und anderen Gremien hin hat der Kongress vor kurzem einen Neuorganisationsplan bewilligt, der eine Uebertragung dieser Funktion an
das Amt fuer die Finanzierung des Wohnungsbaus und der Wohnungen vorsieht.
Man hofft, dass in dieser neuen Umgebung den Ueberlegungen zum Wohnungsbau der Vorrang vor den Befuerchtungen jener Vertreter gegeben wird, in
erster Linie eine neue Industrie zu finanzieren.
Report to the Congress of Industrial Organizations
XI/20-24/50

ITALIENISCHER GSTEKKSCHAFTSFUEHRER HEISST GENERAL 2I5ENH0WER WILLKOMMEN
(Nachstehender Artikel wurde von Giulio Pastore, dem
Sekretaer des Italienischen Gewerkschaftsbundes (CISL)
geschrieben und in "Conquiste dej. lavoro", dem
offiziellen Organ dieser Gewerkschaftsorganisation,
veroeffentlicht. Pastore begruesst in seinem Artikel
die Suropareise General Eisenhowers und warnt vor der
falschen Friedenspropaganda sowjetischer Konmunisten.)
Alle Ereignisse internationaler Bedeutung, die uns in diesen Tagen
bewegen, machen es klar, dass das alte Europa noch nicht alle seiner
Probleme ueberwunden hat.
Der Daemon des Nazi-Faschismus, der fuer den letzten Krieg verantwortlich gemacht v/erden muss, ist gerade beseitigt, und schon tritt der
sowjetische Imperialismus, der ebenso machthungrig ist, in Erscheinung.
Wenn es noch erforderlich ist, einen weiteren Beweis fuer die Aehnlichkeit zwischen Nazi-Faschismus und Kommunismus zu liefern, so kann er zun
grossen Teil aus der Entwicklung der internationalen Lage abgeleitet
v/erden.
Es ist nicht erstaunlich, dass sich die freien Voelker erneut voellig darueber einig sind, dass dieser neuen bedrohlichen Gefahr begegnet
werden muss. V'enn General Eisenhower nach Europa kommt, so ist das
keineswegs belanglos, sondern es zeigt auf, dass die freien Nationen den
festen Willen haben, sich zu verteidigen, damit das Banner der Freiheit
und Demokratie nicht fuer immer gesenkt werden muss.
Kurz nach Beendigung des letzten Krieges hat sich Europa in einer
aehnlichen Lage befunden, als der Kommunismus gehofft hat, Europa durch
Hunger und Elend erobern zu koennen. Wiederum ist es das grosszuegige
amerikanische Volk gewesen, das uns durch den Marshall-Plan eine Lebensmoeglichkeit gegeben und uns von dem grausamen Alpdruck des Kommunismus
befreit hat.
Wenn man nach dem Lauf der Dinge urteilt, muss man annehmen, dass
der sowjetisch-slawische Imperialismus, dessen Hoffnung, seinen Machtbereich durch die Aussaat von Elend und Verzweiflung ausdehnen zu koennen,
sich nicht erfuellt hat, den Krieg gewaehlt hat. Die Entwicklung der
tragischen Ereignisse bestaetigen diese Vermutung«
Dies muss gesagt werden, weil man auch in unserem Lande unter dem
beschaemenden Vorwand, die Demokratie wolle den Krieg, versucht, die
friedliebenden Arbeiter unserer Fabriken und Werften fuer gefahrvolle
Sabotageaktionen zu gewinnen, die eindeutig verraeterische Merkmale
tragen.

-7 -

�l'oegen diese beschaenenden Pazifisten versuchen, die ','ahrheit
Uffl die asiatische Tragoedie zu verbergen', "er ueberschritt zuerst,
bewaffnet bis an die Zaehne, den 38. Breitengrad und brachte dem
friedlichen auedkoreanischen Volk die Geissei des Krieges? Niemand
kann an dieser Tatsache etwas aendern, und es ist keine alt Gewalt
betriebene Propaganda notwendig, um den italienischen Arbeitern, die
mehr denn je zuvor ihre intellektuelle Tuechtigkeit und ihren oinn
fuer Moral unter Beweis gestellt haben, die ganze Bedeutung dessen vor
Augen zu fuehren, was sich in der "..'elt seit jenem un^luecicseligen
25" Juni 1950 zugetragen hat. Nienand anders als die Kolumnisten sind
es, die der Frieden untergraben haben, und es ist jetzt eine niederträchtige Luege und off uns .entliehe Heuchelei, wenn die Kommunisten
ils I'nschul Islamn vor die Arbeiter treten.
Heute muessen sich diejenigen, die auch kuenftig in Freiheit leben
wollen, endgueltig entscheiden. Angesichts des Narren, der sein
eigenes Huus ueberfaellt und seine heiligsten Rechte preisgibt^ ist da«
Vorurteil, nan sei cUnit fuer den Krieg, voellig unsinnig, und kein
Mensch «it Ehrbegriffen kann davon traeumen, passiv zu bleiben. Und
das ist der Clou des Dramas.
',.'ir muessen uns entscheiden, ob wir auf ein freies Leben verzichten
wollen, in dem jeder so handelt, wie es seinen '..'eson als freier Mensen
entspricht, oder ob wir «in Leben fuehren wollen, 'Jas uns zwingt, alle
persoenlichen Hechte eines Menschlichen "esens aufzugeben.
Alle Arbeiter
weil dieser Friede
unterstuetzen, die
Anders zu handeln,
.Stockholm", hiesse
stellen.

Italiens und der '.,'elt sind fuer den Frieden, und eben
ihr groesster ','unsch ist, werden sie alle Massnahmen
in irgendeiner '..'eise den Angreifer entmutigen koennen.
selbst mit einem Mundvoll '.'orte wie "Frieden a la
einfach, sich auf die Geite der Kriegstreiber zu

Die italienischen Arbeiter, die sich der '..'erte eines demokratischen
Lebens bewusst 3in.i, wissen, dass es heute das ^roesste Interesse Italiens
und des italienischen Volkes ist, sieh jedem, innerhalb und ausserhalb
Italiens zu widersetzen, der den Versuch unternimmt, eine Aggression
gegen dieses Land zu fuehren.
l^Cx Labor Information
16/1/50

DZR ""JTI3CH-; JCI:ATZ.KA:iZI«.Pt ^ i I X A ^ T '.)VM dh'GLIGCKMN ARBZITiwTK. "ARUM
k.u-)UKTtVi 1 t;JT37r irr -MING1 ?*,tV:hDiM ilfr.
Di« Zeitschrift "Target" dient dem Zweck, Informationen, Vorschlaege
und Ideen zu veroeffentlichen, die den britischeil Firmen bei der Steigerung der Produktionsleistung ihrer Betriebe helfen sollen« Ist eine
solche Aufgabenstellung jedoch realistisch in einer Zeit, in der sich
einer gesteigerten Produktionsleistung neue Hindernisse in den V.eg stellen?
Der Handel an bestimmten Rohstoffenrausszeitweilige Schwierigkeiten verursachen. )',a wird alles verrucht, um durch internationale Vereinbarungen der britischen Industrie ihren wesentlichsten Bedarf an
Rohstoffen zu sichern, und die ;i*»£i«rung wird, sobald dies moeglich ist,
endgneitig tieber die üesbezueglichen «uösichten Aufklaerung jenen, weil
sie weiss, dass die gegenwärtige Ungewissheit in Bezug auf die Materialversorgung denjenigen grosse Sorge bereitet, der danach strebt, seine
eigene Produktionsleistung und die seines Betriebes zu steigern, '..'eiter
r.uespen die lurch den hinter bedingten Probleme der Versorgung mit Brennstoff urd "'nergie benweksichtigt werden.

- B -

�Auch die Umstellung auf neue Produktionsverfahren, die durch das
'..'iederaufruestungsprograrim bedingt ist, kann in einigen Unternehmen
Anlftss zu grossen Schwierigkeiten geben.
Und warum faehrt die Regierung trotzdem fort, die Akzeptierung
neuer Methoden zur Steigerung der Produktionsleistung zu fordern, und
gibt in "Target" Beispiele, die direkt aus der Industrie genommen sind?
Sicherlich nicht deshalb, v/eil sie die Art der Schwierigkeiten nicht
kennt, die fuer die Produzenten im kommenden Jahr auftreten koennen.
Gewiss auch nicht deshalb, v/eil sie nicht wuesste, dass eß fuer einige
Betriebe sehr schwer sein kann, ihre Produktionsleistung zu steigern,
und. dass einige sogar besondere Anstrengungen machen muessen, um ein
Absinken der Produktionsleistung zu verhindern.
Die Gruende hierfuer sind vielmehr folgende:
1.) Eines der Mittel zur Steigerung der Leistungsfaehigkeit ist,
wie die Erfahrung in Zahlreichen Betrieben gelehrt hat, die enge
Zusammenarbeit und das gegenseitige Umratfragen zwischen Betriebsleitern und Arbeitern. Ein solches Verhaeltnis ist besonders dann unerlaesslich, wenn sich die Moeglichkeit gegenseitigen Missverstehens
und gegenseitiger Reibungen infolge Materialmangels, Stromsperren und
anderer Schwierigkeiten mehren.
2.) Ein anderes Mittel zur Steigerung der Leistungsfaehigkeit,
das auch in "Target" zuweilen genannt wird, ist das Bestreben, Müterialverluste zu vermeiden und eine bestimmte Menge Material so wirtschaftlich wie ;noeglich zu verwerten. Gewoehnlich bleibt immer noch genuegend
Raum fuer neue Ideen zur Einsparung von Material. In Anbetracht der
Notwendigkeit, Material einzusparen, bietet sich hier eine aeusserst
guenstige Gelegenheit; alle Bemuehungen in dieser Richtung sind von
besonderem '..'ert, weil der Erfolg ein dauernder ist.
3.) Verbesserte technische Produktionsmethoden, die im Augenblick
in einigen Betrieben vielleicht nicht verwertbar sind, koennen fuer
andere sehr gut anwendbar sein. Mangel an Material wird sich selbst
im schlimmsten Falle nicht ununterbrochen auf einen Betrieb oder auf
alle Betriebe gemeinsam auswirken.
i+.) Materialmangel und Produktionsunterbrechungen werden, wo sie
auftreten, wohl nicht vor zu grosser Dauer sein. Der weitblickende
Betriebsleiter bereitet sich im voraus auf et..aige'Schwierigkeiten vor.
Somit koennen Systeme zur Steigerung der Produktionsleistung, die in dej
naechsten Monaten ausgearbeitet und besprochen sind, unter guenstigen
Bedingungen angewandt werden, sobald sie praxisreif sind.
5.) Die Frage der Produktionsleistung ist eine Frage auf weite
Sicht. Ungeachtet der gegcnv.aertigen Schwierigkeiten sind zwei Tatsachen unumstoesslich: Erstens muss in Zukunft &amp; r Konkurrenz begegnet
werden. In anderen Laendern gibt es tuechtige liaenner, die ununterbrochen planen und arbeiten, um die Produktionsleistung zu verbessern.
Zweitens wird, was noch entscheidender ist, der Lebensstandard eines
Landes auf lange Sicht hin von der Leistungsfaehigkeit seiner PHxluktionsmaschinerie bcsti• jlt. Es wird verbraucht, was erzeugt wird, '.'enn die
Frage der Produktionsleistung jety.t aufgrund kurzfristiger Unzulaenglichkeiten und Schwierigkeiten ausser acht gelassen wird, so wird im voraus
die Zukunft der britischen Industrie und des britischen Staates geschaedigt. Unter den gegenwaertigen Urastaenden wird es nicht moeglich sein,
scfmell vorwaertszuko u..en, wie es gegenwaertig en.uenscht ist, aber dies
ist gewiss kein Grund, s^ch von der richtigen Richtung abzuwenden und
auf Fortschritte zu verzichten, die moeglich w^eren. Obwohl dies ueber-

- 9 -

�zeugend genug klingt, v/erden einige Betriebsleiter und Arbeitsvorgesetzte in bestimmten Betrieber. jetzt und in den kommenden Monaten
Geduld und Umsicht an den Tag legen mueasen, um tatsaechlich auch
danach zu handeln. Die Regierung ist sich dieser Notwendigkeit bewusst, sie glaubt aber nicht, dass sie damit zuviel von der britischen
Industrie erwartet.
Unter den neuen Gegebenheiten wird in "Target" an Hand von vielen
praktischen Beispielen gezeigt werden, welche besonderen Schwierigkeiten bestimmte Unternehmen ueberwinden muessen, und die Methoden
werden gruendlich erklaert werden muessen, mit denen die Probleme
geloest werden koenncn.
ECA Labor Information
1/18/51

wie

T.G. MCMANUS, EHEMALIGER HAUPTKASSIERER DER KANADISCHEN SKELEUTKGEWERKSCHAFT".
DER UNTERGANG EINER GEWERKSCHAFT.
Vor 5 Jahren zaehlte die kanadische Seeleutegewerkschaft noch nahezu 10.000 Mitglieder. Sie hatte Vertraege mit mehr als 300 Schiffseignern abgeschlossen, die die Grossen Seen, die Kuesten der Ozeane und die
Ozeane selbst befuhren. Die monatlichen Einnahmen der Gewerkschaften
beliefen sich auf 30.000 Dollar.
Heute hat die kanadische Seeleutegewerkschaft nicht mehr als 600
Mitglieder. Ihre Mannschaften arbeiten auf kaum einem Dutzend Schiffen.
Die Gewerkschaft ist aus dem kanadischen Gewerkschaftsbund ^Trades and
Labour Congress,) ausgestossen worden.
Die Achtung, die ihr einst von Unternehmern, Regierung und anderen
Gewerkschaften bezeugt vmrde, hat sich in Feindschaft und Verachtung
umgewandelt. Im gewerkschaftliehen Sinne ist die Seeleutegewerkschaft
einfach tot.
Die Hauptursache fuer ihren Niedergang ist bereits bekannt oder
wird von den meisten, die ihn miterlebten oder davon gelesen haben, in
der richtigen Linie vermutet. Nur wenige kennen die naeheren Zusammenhaenge, und zu diesen wenigen gehoere ich. Ich war Hauptkassierer
dieser Gewerkschaft und hatte damit eine Stellung inne, die hinsichtlich der damit verbundenen Autoritaet nur von der des Vorsitzenden
uebertroffen vmrde. Auch war ich Mitglied der kommunistischen Partei
Kanadas, die bei jeder Gelegenheit die Ereignisse diktierte, die zu dem
bitteren, ruhmlosen Ruin der Gewerkschaft fuehrten. Natuerlich kann
ich mich nicht, selbst wenn ich es wollte, meines eigenen Anteils an
der Verantwortung entziehen. Bei jedem der in der Zeit von 1946 bis
1949 gefuehrten Streiks, die mit dem Zusammenbruch der kanadischen Seeleutegewerkschaft endeten, habe ich den direkten und besonderen Befehlen der kommunistischen Partei Folge geleistet und mitgeholfen, die
Streiks auszurufen und sie zu fuehren. Selbst als ich glaubte, dass
diese Streiks taktisch falsch waeren, konnte ich mich vor vier Uonaten
noch nicht entschliessen, aus der Partei auszutreten. Ich verlasse sie
heute, nachdem ich ihr 19 Jahre lang als selbstloser und disziplinierter
Kommunist gedient habe, weil ich zu der Ueberzeugung gekommen bin, dass
ich die russlandfreundliche und antikanadische Einstellung der Partei
zu den Vorfaellen in Korea nicht gutheissen kann.
Wenn ich befuerchten muesste, dass ich die Sache der Gewerkschafts-

- 10 -

�bewegung schaedigen wuerde, wuerde ich nicht das aussprechen, was ich
an dieser Stelle sage. Es ist jedoch meine feste Ueberzeugung, dass
von 100 kanadischen Gewerkschaftern kein Einziger sich eine klare Vorstellung machen kann, wie eine kommunistisch beherrschte Gewerkschaft
gefuehrt wird, und ich glaube, dass es in ihrem eigenen Interesse
wichtig ist, die Gewerkschafter hierueber aufzuklaeren.
Genau genommen gibt es keine kommunistisch beherrschte Gewerkschaft, denn wenn sie der kommunistischen Bevormundung unterstellt ist,
ist es keine Gewerkschaft mehr. Sie wird zu einer Zweigorganisation
der kommunistischen Partei. Die Partei schreibt ihr oft Ziele und
Handlungsweise vor, die vom Standpunkt eines Gewerkschafters aus absolut gesund und bereciitigt sind, l.'o 3ich die Interessen der Partei
mit denjenigen der Gewerkschaft jedoch ueberschneiden, wird der Partei
der Vorrang gegeben, selbst wenn damit, wie im Falle der kanadischen
Seeleutegewerkschaft, der Untergang der Gewerkschaft besiegelt ist.
Diese Organisation wurde im Jahre 1936 auf einer Konferenz der
kommunistischen Partei Kanadas gegruendet. Zu ihrer Bluetezeit waren
90 % ihrer Mitglieder Nichtkomnunisten, aber die meisten waren damit
einverstanden, den kommunistischen Fuehrern die Kontrolle ueber die
Gewerkschaft zu ueberlassen. Sie waren der Ueberzeugung, dass die
Ziele ihrer Gewerkschaft ehrlich und gesetzlich gerechtfertigt waren,
und ich glaube, dass sie diese Ueberzeugung beibehielten, bis sie mit
diesen Zielen in Konflikt gerieten. In diesem Augenblick brach die
Gewerkschaft zusammen.
Ich trat im Jahre 1945 der kanadischen Seeleutegewerkschaft bei.
Mehrere Monate war ich im Hafen von Montreal als Betriebsrat taetig.
Ich habe sowohl fuer die Partei als auch fuer die Gewerkschaft viel gearbeitet. Zum Kongress der Gewerkschaft im Jahre 1946 in Montreal
wurde ich als Delegierter entsandt.
Die Form, in der diese Tagung abgehalten wurde, entsprach der jeder anderen Konferenz der Gewerkschaft, der ich beiwohnte. Ich bin der
Ueberzeugung, da£s man ohne weiteres annehmen kann, dass seit der Gruendung
der Gewerkschaft durch die Partei jede Konferenz in gleicher ''eise verlief.
Offiziell wurden die Funktionaere fuer das naechste Jahr auf einer
Konferenz von etwa 80 Delegierten und Funktionaeren der Seeleutegewerkschaf gewaehlt. In '.'irklichkeit wurden sie auf einer Partei Versammlung
am Abend zuvor bestimmt. Die einzigen Mitglieder der kanadischen Seeleutegewerkschaft, die dieser Vorbesprechung beiwohnten, waren die 18
oder 20 Gewerkschaftsdelegierten oder -funktionaere, die Mitglieder der
kommunistischen Partei waren. Den Vorsitz dieser Versammlungen fuehrte
J.B. Salsberg, ein bekannter kommunistischer Politiker in Ontario, der
Mitglied des Politischen 3ueros der Partei und gleichzeitig der Leiter
des Referats fuer Gewerkschaftsfragen ist.
Salsberg ging die Kandidatenliste der Funktionaere der Seeleutegewerkschaft durch und gab seine Kommentare zur Arbeit eines jeden einzelnen
Kandidaten. Dann kuendigte er mit der Sicherheit eines Spielfuehrers,
der die Aufstellung seiner Mannschaft bekanntgibt, die neue Kandidatenliste an.
"Su. Ivan wird das Amt des Vorsitzenden weiterhin bekleiden," sagte
er. "Davis wird erster VizeVorsitzender, Cyril Hauptkassierer und Gerry
McManus Sekretaer sein."
Wir alle, die wir Schluesselstellungen bekleideten, waren natuerlich
Parteimitglieder. Einije Mitglieder des Exekutivausschusses, - Leute wie

- 11 -

�Theodore Roy und Eddie Reid - die nicht der Partei angehoerten, sich
aber innerhalb der Seeleutegewerkschaft der Partei nicht widersetzten,
wurden von Salsberg zur Neuernennung zugelassen.
Obwohl auf einen kommunistischen Delegierten vier nichtkommunistische kamen, wurden am naechsten Tag die von Salsberg vorgeschlagenen
Kandidaten auf den Kongress der kanadischen Seeleutegewerkschaft ohne
Zwischenfall gewaehlt. Salsberg nahm an dieser Konfereae natuerlich
nicht teil, weil er niemals Mitglied dieser Gewerkschaft gewesen ist.
Auf dein naechsten Kongress, oder besser gesagt, auf der naechsten
ParteiverSammlung, die Salsberg am Abend vor dem neuen Kongress einberufen hatte, wurde ich zum Hauptkassierer "gewaehlt". Von diesem Zeitpunkt an fuehrte ich zusammen mit Harry Davis die kanadische Seeleutegewerkschaft zur vollsten Zufriedenheit Salsbergs und der Partei.
In jedem der drei Jahre von 1946 bis 1948 trat die kanadische Seeleutegewerkschaft in den Streik. Ich schlage vor, nicht die Probleme
und Einzelheiten dieser Streiks hier zu eroertern. Nicht, dass ich
etwas verbergen moechte. Ich bin lediglich der Auffassung, dass die
Stellungnahme, die der Gewerkschaft von der Partei vorgeschrieben wurde,
richtig gewesen ist, und dass es vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus
vernuenftig und gerecht war, eine derartige Haltung einzunehmen.
Im Gegensatz zu der allgemeinen Meinung waren die Gewalttaetigkeiten und Ausschreitungen, die den Streik auf den Grossen Seen von 1948
begleiteten, nicht von der Partei provoziert worden. Selbst jetzt, nach-,,
dem ich die Ereignisse von hocherer "..'arte aus uebersehe und von der
verpflichtenden Notwendigkeit befreit bin, mir selbst wieder und wieder
sagen zurauessen,dass die Partei immer recht hat, kann ich mich nicht
entsinnen, dass die Partei von mir verlangt hat, etwas zu tun, was ein
gewissenhafter Gewerkschuftsfunktionaer nicht getan haette.
Ich erkenne jetzt, dass der Streik im Jahre 1948 ein taktischer
Fehler war. Er spielte die Gewerkschaftsmitglieder genau Pat Sullivan
in die Haende, der aus der Partei und der kanadischen Seeleutegewerkschaft ausgetreten war, um die rivalisierende Seeleutegewerkschaft der
kanadischen Seen zu gruenden. Er staerkte die grossen Reeder, die den
Streik durch die Aussperrung der der kanadischen Seeleutegewerkschaft aiigehoerenden Mannschaften verursacht hatten. Zwar wurde die Gewerkschaft
von der uebrigen Gewerkschaftsbewegung noch stark unterstuetzt, und
Frank Hall musste eine grosse Fiederlage einstecken, als er zum erstenmal versuchte, die Organisation aus dem Kanadischen Gev&lt;erkschaftsbund
auszustossen; aber selbst die arglosesten nichtkommunistischen Gewerkschaftsführer begannen sich zu fragen, ob wir nicht allru "streiklustig"
waeren.
Alle diese Punkte koennten ins Unendliche fortgesetzt und behandelt
werden. '7enn ich darueber nicht argumentiere, so deshalb, weil ich hier
Tatsachen und keine Meinungen wiedergeben will, Tatsache ist, dass die
Partei den Streik anordnete und fuehrte. Als Hauptkassierer berichtete
ich taeglich Joe Salsberg ueber «He Entwicklungen des Streiks und nahm
seine Befehle entgegen. Im Anfangsstadium des Streiks verlegte ich meinen
Amtssitz von Montreal nach Toronto, um mit Salsberg in staendigem persoenlich^m Kontakt bleiben zu koennen.
Die kana iische Seeleutegewerkschaft var durch den Streik des Jahres
1948 schwer mitgenoi den, aber keinesfalls geschlagen, ürst der Streik von
1949 besiegelte ihren Untergan0, und sie verlor endgueltig die meisten
ihrer Mitglieder an die Internationale Seeleutegei.erkschaft. Sie v.urde
ausserdcu aus dem kanadischen Gewerkschafl.sbund ausgestossen.

- 12 -

�Ich moechte im Kinzelnen berichten, was ich ueber diesen Streik
weiss, denn es war der erste, bei dem selbst ich, der ich noch
immer ein treuer Parteianhaenger war, mied nur schwer davon ueberzeugen konnte, dass die Partei die Interessen des Landes im Auge
habe.
Ende 1948 begannen wir, ueber einen neuen Vertrag mit den Schifffahrtsgesellschaften zu verhandeln, die die Hochseehandelsflotte
Kanadas unter ihrer Kontrolle haben. Ein dreikoepfiger Vermittlungsausschuss unterbreitete im April 1949 einen Bericht. In ihm wurden
Zugestaendnisse beider Partner vorgeschlagen. Ich persoenlich sah
in diesem Vorschlag eine glueckliche Loesung, weil wir hoffen konnten,
mit ihm die schv/ierige Situation zu ueberwinden. Ich war dafuer, die
wesentlichen Vorschlaege in Bezug auf Loehne und Arbeitsbedingungen
anzunehmen und zu versuchen, auch weiterhin ueber die Frage der
Arbeitsvermittlungsbueros der Gewerkschaft zu verhandeln.
In diesem einzigen Falle war Salsberg nicht in der Lage, eine
klare Entscheidung zu treffen. Das war uebrigens nicht erstaunlich.
Die Hochseeschiffahrt ist international. Ein Streik der Hochseeschiffahrt, der von der kanadischen Seeleutegewerkschaft ausgerufen
werden waere, wuerde sich auf viele andere Laender auswirken. Die
kommunistische Partei Kanadas hielt es somit fuer bedenklich, eine
Entscheidung zu treffen, ohne die Partei in anderen Teilen der l'.'elt
um Rat gefragt zu haben. Aus diesem Grunde hatte sich Harry Davis ins
Ausland begeben. Salsberg befahl uns, die Konferenzen, wie geplant,
fortzusetzen, aber nicht zuzugeben, dass eine Entscheidung getroffen
wuerde, bevor Davis zurueckgekehrt sei.
'..'ir waren gerade in einer solchen Sitzung, als Davis zurueckkam. Er blickte freudestrahlend, er hatte an zwei wichtigen Konferenzen
in Europa teilgenommen; einer Sitzung des Exekutivausschusses des
kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbundes und an einer
Sondersitzung der Hafenarbeiterfraktion der kommunistischen Partei
Englands. Man hatte ihm fuer den Fall eines Streiks der kanadischen
Seeleutegewerkschaft die aktive Unterstuetzung fast jedes Hochseehafens in Europa zugesichert.
,r T

..ir koennen gegen die ganze Veit streiken," sagte Davis begeistert. Ich erhob mich. "Einen Augenblick," sagte ich. "Wie
steht es mit Kanada? 'u'enn wir erneut streiken, glaube ich nicht, dass
wir von allen bedeutenden Zweigen der kanadischen Gewerkschaftsbewegung unterstuetzt werden." Und ohne die Hilfe der kanadischen Gewerkschaftsbewegung hielt ich jede Unterstuetzung aus dem Ausland fuer
bedeutungslos.
Die Sitzung wurde vertagt, und v.ir erklaerten Joe Salsberg, dass
wir anderer Meinung seien. Salsberg bat Tim Bück in Toronto, zu uns
zu kommen. Am naechsten Tage fragten die kommunistischen lütglieder
des Vorstandes der kanadischen Seeleutegewerkschaft den hoechsten
Fuehrer der Partei um Rat.
Ich sprach mich noch Limer fuer eine friedliche Loesung aus.
Davis war sehr ueberzeugund. Immer v.'ieder versicherte er, dass wir
auf die Hilfe der Partei und der kommunistischen Gewerkschaften der
ganzen -..'elt zaehlen koennten. In England habe man ihm nicht nur
Hilfe zugesichert, sondern den Streik dringend gefordert. Seitdem
die Labour-Partei in England an der Macht war, erklaerte uns Davis
unablaessig, dass die britische Arbeiterbewegung keine kaempferischen
Fuehrer habe - mit anderen '..'orten, die konmunistische Partei Englands
hatte Schwierigkeiten, bei innerpclitischen Streitfragen die Arbeiter zum Streiken zu bewegen.

- 13 -

�Ein Streik an den Kuesten Grossbritanniens koennte die gejamte
britische Gewerkschaftsbewegung in Mitleidenschaft ziehen. Davis
brachte klar zum Ausdruck, dass die kommunistische Partei Englands
nicht die Absicht habe, sich an den fuer die- kanadischen Seeleute
entstehenden Unkosten zu beteiligen.
Die beiden Schiffe "Lady Rodneyn und "Lady Nelson" der kanadischen Nationalen Schiffahrtsgesellschaft befanden sich in Halifax.
Bück befahl uns, auf diesen beiden Schiffen streiken zu lassen, um
der Regierung zu zeigen, dass unser Streik gegen die Unternehmer gerichtet war.
Davis gab den Befehl zum Streik und wies gleichzeitig im Namen
der Gewerkschaft den Vorschlag des Verndttlungsausschusses rundweg ab.
Er ging damit weiter, als ihm die Partei erlaubt hatte, und 3uck und
Salsberg waren hierdurch offensichtlich beunruhigt. Sie befuerchteten,
dass ein Streik der Partei in Kanada schaden koennte und mussten
ausserdem damit rechnen, dass, wenn'kein Streik gefuehrt wuerde, das
Ansehen der kanadischen Partei im Ausland Schaden erlitt. Sie befahlen Davis, nach Ottawa zu gehen und zu versuchen, mit Arthur McNamara,
dem stellveit retenden Arbeitsminister und P^rcy Bengough, dem" Vorsitzenden des kanadischen Gewerkschaftsbundes zu verhandeln und eine
Beilegung der Streitigkeiten zu erwirken. Ich selbst ging mit ihm.
In der Hauptfrage, naemlich den Arbeitsvermitciungsbueros der Gewerkschaft, machten wir anfangs Fortschritte, '.,'ir arbeiteten eine
komplizierte Vergleichsforrael aus, die zufriedenstellend aussah. Einige Bestimmungen dieser Formel mussten von der Regierung genehmigt
werden. McNamara, ein tuechtiger Verhandlungspartner, der immer versuchen wird, eine Einigung zu erzielen, wenn er meint, dass dies im
Interesse der Oeffentlichkeit ist, erklaerte sich damit einverstanden,
seine Vorgesetzten ueber die bestehenden Probleme zu Rate zu ziehen.
Als er zurueckkam, machte er ein ernstes Gesicht. "Es ist zu spaet",
sagte er. "Die Reeder haben sich soeben mit der Internationalen Seeleutegewerkschaft geeinigt". Mir brachen die Verhandlungen ab. Davis
war ausser sich. "Ich sagte Ihnen schon, dass wir streiken muessen,"
erklaerte er. "Der Streik hat hiermit begonnen."
Davis telephonierte mit einer Presseagentur in Ottawa und kuendigte
an, dass die kanadische Seeleutegewerkschaft in den Streik treten wuerde.
Dann telephonierte er allen Vertretern der Gewerkschaft in den kanadischen Haefen und befahl ihnen, die Arbeiter von der Arbeit wegzurufen.
Er telegraphierte den Leuten, mit denen er auf der Konferenz des V.'eltgewerkschaftsbundes in Paris zusammengewesen war. Er hatte bereits
seinen Bruder, Jack Pope, (der eigentliche Familienname ist Popowit»ch)
ein Mitglied der kommunistischen Partei Englands, zum Delegierten der
kanadischen Seeleutegewerkschaft in London ernannt. Er telegraphierte
an Pope und befahl ihm, die Londoner Hafenarbeiter ueber die Lage in
Kanada zu unterrichten.
Uas sich hierauf ereignete, ist in der gesamten Oeffentlichkeit
bekannt. Als die Schiffe "Beaverbrae" und "Agramont" in London einliefen, befahl Pope den Mannschaften, die Arbeit niederzulegen. Gemaess
ihrem Davis gegebenen Versprechen veranlasste die Dockarbeiterfraktion
der kommunistischen Partei Englands Tausende britischer kommunistischer
und nichtkoramunistischer Hafenarbeiter, als Demonstration gegen die
"schwarzen" Schiffe aus Kanada zu streiken. Streiks und Befehlsverweigerung erschuetterten kurz, aber heftig die halbe Uelt.
Davis' Stern begann zu steigen. Er hatte den Streik ausgerufen,
ohne die Exekutive der Gewerkschaft um Rat gefragt oder um eine Abstim-

- 14 -

�mung der Gewerkschaftsmitglieder ersucht zu haben. Es hatte nicht
einaal einen offiziellen Streikaufruf gegeben. Dies haette eine
unverzeihliche Handlungsweise sein koennen. In Wirklichkeit wurde
sie zu einem Triumpf, als das offizielle Organ des Kominform und die
Bibel der kanadischen Kommunisten "Democracy und Lasting Peace"
(Demokratie und dauerhafter Frieden) den Streik als ein Beispiel
internationaler Solidaritaet der Arbeiterklasse verherrlichte. Dieser Streik fuehrte jedoch zum Zusammenbruch der kanadischen Seeleutegewerkschaft.
Heute ist diese Organisation ruiniert und von jedem mit Ausnahme
der kommunistischen Partei verachtet, und selbst die Partei weiss,
dass diese Gewerkschaft aufgehoert hat, zu bestehen. Aber es ist
nicht ihre Gewohnheit, Vergangenem nachzutrauern.
IIA.

Die kanadische Gewerkschaftsbewegung hat mit ihren Massnahmen im
Kampf gegen den Kommunismus den ersten Schritt getan. Es ist jedoch
nur ein Anfang. Da, wo es wirklich gilt, naemlich in den Ortsgewerkschaften, ist die Partei noch stark.
Waehrend der letzten Monate meiner Partelzugehoerigkeit hatte ich
die Aufgabe, Unterschriften fuer den Stockholmer Friedensappell zu
sammeln, in dem der Bann gegen die Atombombe ausgesprochen wurde. Eine
der Ortsgewerkschaften, in denen ich gearbeitet habe, ist der internationalen Eisenbahnergewerkschaft angeschlossen, die als erste den
Kampf gegen die Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung aufgenommen hat. Diese Ortsgewerkschaft hat mehr als 150 Mitglieder, aber
nur acht hiervon sind im Besitz des kommunistischen Parteibuches. Ich
rief zwei der kommunistischen Mitglieder zu mir, gab ihnen Abschriften
des Aufrufes und erklaerte ihnen, dass die Partei eine lOOjSige Antwort
wuensche. Und sie erhielt diese Antwort. Dies ereignete sich, nicht
zu vergessen, in einer Gewerkschaft, deren hoechste Funktionaere unbeirrbare Antikommunisten sind.
Innerhalb dieser Gewerkschaft wurde der Kommunismus von vielen
Mitgliedern unmittelbar und nachhaltig unterstuetzt, die zwar Nichtkommunisten sind, aber immer noch auf ihre kommunistischen Betriebsraete
hoeren. Deshalb betone ich immer wieder, dass der Entscheidungskampf
der Gewerkschaften gegen den Kommunismus, naemlich der Kampf innerhalb
der Ortsgewerkschaften, noch gewonnen werden muss.
THE SEAMAN
XI-XII / 5 0

DIE BERICHTE DES INTERNATIONALEN ARBEITS-AMTES UEBER DEN GESUNDHEITSZUSTAND DER SEELEUTE ERFORDERN IN WEITEM MASSE BEACHTUNG.

Die gesundheitlichen und sozialen Bedingungen, unter denen die Seeleute noch immer leben muessen, wenn sie in allen Teilen der Welt von
Hafen zu Hafen fahren, bilden sowohl fuer die Seeleute selbst als auch
fuer die Hafenbevoelkerung eine staendige Bedrohung. Dies ist die
Quintessenz eines Berichtes, den der Generaldirektor des norwegischen
Gesundheitsdienstes, Dr. Karl Evang, veroeffentlichte.
Eine sofortige internationale Aktion unter der gemeinsamen Verantwortung der Weltgesundheits-Organisation und des Internationalen
Arbeitsamtes ist erforderlich, wenn allein das ernste Problem der Ansteckungsgefahr und ihre Vermeidung geregelt werden soll, wie Dr. Evang
in dem soeben erschienenen Monatsheft der Internationalen Arbeits-Revue
feststellt. Dr. Evang teilt hier mit, dass trotz aller seit 1920 gemachten Fortschritte, die durch die Annahme internationaler Verein-

- 15 -

�t

barungen, die die Verhaextnisse auf See regeln und die durch das IAA
vorgeschlagen und auch von den meisten an der Schiffahrt beteiligten
Kationen angenommen worden sind, eine ganze Anzahl Probleme ungeloest
bleiben, die dringend einer Regelung beduerfen. Kvang sagt hierzu
folgendes:
Fast jeder Hafen wird von Seeleuten besucht, die an Tuberkulose,
an einer milderen Fora der Blattern, an Geschlechtskrankheiten und
anderen Krankheiten leiden. Das Ziel eines internationalen Gesundheitsdienstes muss es sein, jede Infektionsgefahr fuer die Landbevoelkerung zu vermeiden.
Vom Standpunkt des Seemanns besteht die Notwendigkeit, sich ohne
Schwierigkeiten in den Krankenhaeusern behandeln zu lassen, wobei
faehige Aerzte Voraussetzung, aber auch sprachliche Verstaendigungsraoeglichkeiten gegeben sein rauessen. Viele Seeleute fallen mit ihren
gesundheitlichen Sorgen in die Haende skrupelloser Aerzte, die sich
Jedoch erfreulicherweise in der Minderheit befinden.
Zu den Gefahren, die den Seenann bedrohen, gehoert in erster Linie
der AlKohol. Der Seemann verbraucht an Bord weit weniger Alkohol als
viele Bevoelkerungskreise auf dem Festland, aber waehrend des Aufenthaltes in den Haefen wird eine ausserordentlich grosse Menge an
Alkohol konsumiert - der Alkoholgenuss konzentriert sich praktisch in
den Zeiten des Aufenthalts in den Hafenstaedten.
Die "EntnationalisierungM ist ein anderes Problem, das fuer den
Seemann typisch ist. Getrennt von 3einem Heim, wird er durch das Leben in langen Zeitabschnitten in eintoenigen und oft unruhigen Umgebungen fuer individualistische Einfluesterungen und Ueberzeugungen
gewonnen, die behaupten, dass der Seemann ein unerwuenschtes Individuum
sei. Die vorhandene Umgebung traegt dazu bei, dass er leicht Demagogen
in die Haende faellt.
Das Leben und die sozialen Bedingungen an Land sind ein weiterer
Punkt, der den Seemann ziemlich vernachlaessigt. Nur allzu oft findet
der Seemann keinerlei im gründe selbstverstaendliche Beouemlichkeiten
und Foerderungen, er ist praktisch von den Erholungsmoeglichkeiten und
jeder sportlichen Betaetigung ausgeschlossen.
Dr. Evang ist der Meinung, dass die Zeit gekommen ist, um ernsthaft an die Schaffung eines internationalen Gesundheitsdienstes fuer
Seeleute in allen wichtigen Hafenstaedten heranzugehen. Er schlaegt
drei Moeglichkeiten vor, um diese Gesundheitsfuersorge zu verwirklichen.
1.) Die Bruesseler Uebereinkunft aus dem Jahre 1924 wird auf die
Behandlung ansteckender Krankheiten ausgedehnt und beschraenkt sich nicht
wie bisher auf die Behandlung der Geschlechtskrankheiten. Das Bruesseler
Abkommen verpflichtete die unterzeichneten Staaten, in den Haefen kostenlose Behandlungsjaoeglichkeiten fuer Geschlechtskrankheiten zu schaffen,
sodass die daran leidenden Seeleute sich hier jederzeit behandeln lassen
koennen.
2.) Die Gruendung internationaler medizinischer Ambulatorien durch
Zusammenarbeit zwischen den Hegierungen der schiffahrttreiuenden Laender,
wobei IAA und '..'GO das Protektorat uebexnehmen.
3.) Durch die Gruendung internationaler medizinischer Ambulatorien
durch die Zusammenarbeit zwischen den Schiffahrtinteressenten in den verschiedenen an der Seeschiffahrt beteiligten Laender.
Dr. Evang gibt dem zweiten Vorschlag den Vorzug, weil dieser eine gewisse Form der Selbsthilfe bedeutet, die immer die beste und zweckmaessigste Loesungsform ist.
IAA Nachrichten
IS. 7/
1.2.51
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" 'ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 7

Frankfurt, den 16. Februar 1951

INHALTSVERZEICHNIS
Bauexperten des IAA suchen Ifoeglichkeiten zur
Einschraenkung saisonbedingter Arbeitslosigkeit .... 1
Die Bedeutung des Uarshallplans fuer den franzoesischen
Arbeiter

2

Die vietnamesische Gewerkschaftsbewegung

7

Was ist Produktivitaet?

11

Gute Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen
Gewerkschaften und der ECA

14

BAUEIFERTEN DES I AA SUCHEN MÖGLICHKEITEN ZUR EINSCHRAENKUNG SAISONBEDINGTER ARBEITSLOSIGKEIT

12.
ein
der
der

Den IAA-Au3schus3 fuer Bauwesen und oeffentliche Arbeiten, der vom
- 23. Februar zu seiner dritten Sitzung in Genf zusammentritt, wird
Programm unterbreitet werden, das Massnahmen der Bauindustrie und
Regierungen zur Reduzierung der saisonbedingten Arbeitslosigkeit in
Bauwirtschaft vorsieht.

Der Bericht des Internationalen Arbeits-Amtes, der diese Vorschlaege
enthaelt und die Ueberschrift "Saisonbedingte Arbeitslosigkeit in der
Bauwirtschaft" traegt, wurde von dem Generaldirektor des Internationalen

- 1 -

�Arbeits-Amtes David A. Morse vor kurzem veroeffentlicht.
Dieser Bericht wird von Regierungs-, Unternehmer- und Arbeitnehmervertretern aus 22 verschiedenen Laendern, die in dem Ausschuss vertreten
sind, eroertert «erden.
Die saisonbedingte Arbeitslosigkeit ist, dem internationalen ArbeitsAmt zufolge, die eine den Vereinten Nationen angeschlossene Fachbehoerde
ist, durch die folgenden Hauptfaktoren bedingt:
Klima Clange Frostperioden in den Wintermonaten)

MJ
Soziale Gepflogenheiten (.der Hoehepunkt der Bautaetigkeit faellt in
einigen Laendern mit einem gewohnheitsmaessig festgelegten Kündigungstermin zusammen; traditionelle Ansichten in Bezug auf die guenstigste
Zeit zum Bauen.)
Baukosten (.groessere Schwierigkeiten bei winterlichem Wetter, geringere i,eistungsfaehigkeit der Arbeitskraeftej
Allgemeiner Beschaeftigungsstand (.wenn die wirtschaftliche Aussichten unguenstig sind, besteht die Tendenz, die fuer das Bauen
guenstigste Zeit abzuwarten;
industrielle Organisation (wenn kleine Unternehmen in einer Industrie dominieren, bestehen weniger Aussichten, mit anderen Schwierigkeiten fertigzuwerden)
Das Internationale Arbeits-Amt wird dem Ausschus» folgende Massnahmen zur Bekaempfung dieser Schwierigkeiten zur Eroerterung vorschlagen:
Bessere Kenntnis jener Baumethoden, die die Wirkung niedriger
Temperaturen herabmindern.
Steigern der Produktionsleistung, Senkung der Materialpreise und
regierungsseitige Unterstuetzung fuer im Winter durchgeführte Bauprojekte .
Regulierung der privaten Nachfrage durch Anregung zur ganzjaehrlgen
Bautaetigkeit und durch weitere bewilligte Kuendigungsdaten.
Schaffung ausgleichender Beschaeftigungsmoeglichkeiten durch
Projekte fuer oeffentliche Arbeiten und Beschaeftigungsmoeglichkeiten
ausserhalb der Bauindustrie.
Unterweisung der Arbeitsvermittlungsaemter in der Anwendung dieser
Massnahmen und Schaffung besonderer Arbeitsveraittlungsaemter fuer die
Bauindustrie.
ILO News Service
II/1/51

DIE BEDEUTUNG DES MARSHALL-PLANS FUER DEN FRANZüESISCHEN ARBEITER
T

i dem folgenden Artikel, der -as der Pariser Tageszeitung "L'AUBE"
uebersetzt ist, werden viele Fragen beantwortet, die meistens von Leuten
gestellt werden, die dem Marshall-Plan feindlich gegenüberstehen. Es
wird in breiter Ausführlichkeit erklaert, in welcher Form der Durchsciinittsarbeiter Frankreichs aus der ECA-Hilfe Nutzen gezogen hat.

- 2 -

�Waehrend die ECA selbst haeufig versucht hat, das franzoesische Volk
mit diesen Fragen vertraut zu machen, besteht die besondere Bedeutung
dieses Artikels darin, dass er von einem Franzosen geschrieben und in
einer einflussreichen franzoesischen Tageszeitung veroeffentlicht wurde.
"L'AUBE" ist das offizielle Organ der Christlich-Demokratischen
Partei (MR£ - llouvement Republicain Populaire), die die dominierende
politische Gruppe in der gegenwaertigen franzoesischen Koalitionsregierung darstellt.
Kommt der Marshall-Plan dem Durchschnittsfranzosen in irgendeiner
Weise zugute?
Stellen die Maschinen- und Rohstofflieferungen im Rahmen des MarshallPlans nicht, wie die Kommunisten behaupten, eine Konkurrenz fuer den
franzoesischen Arbeiter dar, und verursachen sie nicht Arbeitslosigkeit
in den "marshallisierten" Laendern?
Aus welchem Grunde sollten die Amerikaner den Franzosen gegenueber
grosszuegig sein, die sie niemals gesehen haben und nur kennen, weil sie
zweimal an ihrer Seite einen Krieg gefuehrt haben?
Diese Fragen sollen hier beantwortet werden.
Eine grosse Zahl der franzoesischen Industrien ist mehr oder weniger
darauf angewiesen, durch den Marshall-Plan mit den erforderlichen Rohstoffen, wie Chemikalien, Metallen und textilen Rohstoffen, versorgt zu
werden•
Tagtaeglich erhaelt Frankreich fuer den Ausbau seiner Fabriken
Maschinen und andere Industrieerzeugnisse im Werte von ueber 500 Millionen
Franken. (1000 Franken - 8,34 EM)

Wieviele unserer Raffinerien waeren i n Betrieb, und wieviel der
29.000 Facharbeiter dieser Industrie haetten Arbeit, wenn durch den
Marshall-Plan nicht ueber 7556 des Petroleumbedarfs Frankreichs gedeckt
wuerde?
Dutzende zweitrangiger Industriezweige sind ebenfalls von dem
Marshall-Plan abhaengig, der ueber 6055 des franzoesischen Kupferbedarfs
deckt, der fast alle nach Frankreich importierten Spinnstoffe, wie Hanf,
Manila-Faser und Sisalhanf lieferte, 95$ des benoetigten Rohboraxes
und 70/5 der fuer die Neueinrichtung der Flachsindustrie notwendigen
Maschinen zur Verfuegung stellte.
So eindrucksvoll diese Zahlen auch sind, so verbergen sie doch nicht
die Tatsache, dass die Marshall-Hilfe nur einen Teil der Gesarataufwendungen Frankreichs fuer seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau darstellt.
Der Plan hat es diesem Land ermoeglicht, seinen Bedarf in der Dollarzone zu decken, auf den es in der Zeit seines Wiederaufbaus stark angewiesen gewesen ist.
Diese Bemuehungen waren erfolgreich. Frankreich ist heute wohlhabender, als viele seiner Buerger wissen.
Frankreichs Importe aus der Dollarzone werden vom Staat vorfinanziert,
wodurch viele Probleme umgangen werden konnten, die die schon bestehenden
Schwierigkeiten noch vergroessert haetten.
Ohne die amerikanische Baumwolle haette die franzoesische Textilindustrie laengst lahm gelegen. Damit haetten auch Weber und Schneider
unter dem Mangel an Textilien zu leiden gehalSt, und die Geschaefte haetten

- 3-

�ihren Kunden nur eine kleine Auswahl an Stoffen bieten koennen.
602.000 franzoesische Arbeiter sind in der Textilindustrie beschaeftigt und 356.000 in der Fertigkleidungsindustrie. 80$ der Baumwolle, die sie verarbeiten, sind durch den Marshall-Plan geliefert
worden.
Ohne amerikanisches Benzin waere das Transportwesen Frankreichs
stark eingeschraenkt worden. Dies haette sich auch auf die Preise
stark ausgewirkt.
Mit anderen Worten, wenn die wesentlichen, durch den MarshallPlan gelieferten Rohstoffe gefehlt haetten, waeren die Auswirkungen
dieses Mangels vielfaeltige gewesen. Mangel an Rohstoffen in einem
Industriezweig zieht zwangslaeufig Beeintraechtigungen in allen anderen Industrieen nach sich.
Im allgemeinen waere Frankreich ohne den Marshall-Plan sicherlich
weniger wohlhabend geworden und waere auf dem Weg zum Wiederaufbau
weit weniger schnell vorangekommen.
Gewisse Kritiker am Marshall-Plan, besonders diejenigen, die ihre
Augen nach Moskau gerichtet haben, behaupten, dass der Plan eine Ursache der Arbeitslosigkeit sei, weil unter ihm Waren nach Frankreich
importiert wuerden, die in Frankreich selbst hergestellt werden koennten
und muessten. Die Wahrheit ist, dass selbst kleinste Mengen irgendeiner Ware nicht importiert wird, wenn die franzoesische Regierung nicht
ausdruecklich darum gebeten hat.
Die Marshall-Plan-Behoerden halten sich an den einfachen Grundsatz, dass eine Ware, die es in Frankreich oder sonstwo in Westeuropa
gibt, besser dort als in Amerika gekauft werden muss.
Extremisten des linken Fluegels haben amerikanische Traktoren als
ein Standardbeispiel fuer die erwaehnte Behauptung bezeichnet. Sie
behaupteten, die amerikanischen Traktoren, die in angeblich zu grosser
Zahl in Amerika hergestellt wuerden, waeren nur deshalb nach Europa
geschickt worden, um damit den franzoesischen Traktorenmarkt zu ueberschwe»men und ein amerikanisches Monopol zu errichten.
Die Tatsachen sind ganz anders. Traktoren waren in der Tat ein
wesentlicher Faktor fuer den Wiederaufbau unserer Landwirtschaft; sie
konnten aber waehrend der ersten Phase der Marshall-Hilfe von franzoesischen Herstellern nicht in genuegender Menge produziert werden, um den
dringendsten Bedarf decken koennen.
Die Situation aenderte sich jedoch, sobald unsere Industrie mit Hilfe
der Werkzeugmaschinenimporte im Rahmen des Marshall-Plans in der Lage war,
Traktoren in ausreichender Menge selbst herzustellen. Von dieser Zeit an
beschraenkte sich die amerikanische Hilfe fuer Frankreich auf diesem
Gebiet auf eine Lieferung, die nur eine geringe Anzahl bestimmter Modelle
enthielt.
Anlaesslich der Fertigstellung des ersten Traktors in den CIMAWerken kamen vor kurzem franzoesische und amerikanische Techniker in
Saint-Didiers zusammen. Dank einer Zuwendung von ECA-Geldern in Hoehe
von 4.600.000 Dollar (1.610.000.000 Francs) werden die CIMA-Werke in der
Lage sein, in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Unternehmen, der
"International Harvester Corporation", ein modernes und volkstuemliches
Traktorenmodell namens "Farmall" herzustellen. Nach Beendigung der Anlaufzeit werden alle Einzelteile dieses Traktors in Frankreich produziert
werden.

-4-

�Wir koennten andere Beispiele anfuehren, um zu beweisen, dass
bestimmte Produkte in dem Augenblick nicht mehr nach Frankreich geliefert werden, in dem sie in Frankreich in ausreichender Menge hergestellt werden koennen.
Wir koennten noch zahlreiche andere Beispiele anfuehren, um zu
beweisen, dass die Einfuhrgenehmigungen des Marshall-Planes fuer ein
bestimmtes Produkt in dem Augenblick aufgehoben werden, in dem
franzoesische Erzeuger selbst in der Lage sind, dieses Produkt in
ausreichenden Mengen herzustellen* Zu diesen Produkten gehoeren
auch Erdnuesse. Waehrend der ersten Phase des Marshall-Planes, als
in Frankreich das Speiseoel streng bewirtschaftet war, hat Amerika
durch die Lieferung von Erdnuessen diesem Mangel abgeholfen.
Die gelieferten Mengen an amerikanischen Erdnuessen entsprachen
etwa 5Q% der in den franzoesischen Ueberseegebieten geernteten Nuessen,
wo die Vorkriegsproduktion jedoch noch nicht erreicht war. Die
Rationierung fuer Salatoel konnte bald aufgehoben werden.
Seit der Ernte 1949/1950 ist der Bedarf Frankreichs an Erdnuessen
mehr oder weniger gedeckt, und wir brauchen sie nicht mehr aus der
Dollar-Zone einzufuehren. Die Marshallplanlieferungen sind deshalb
eingestellt worden.
Die Europa zur Verfuegung gestellten Marshallhilfamittel belaufen
sich zurzeit auf annaehernd 10 Milliarden Dollar. Frankreich hat mehr
als 1/5 dieses Betrages erhalten. Sein Anteil betrug 2,055,043,000
Dollar, das sind 719.265.000.000 Franken nach dem gegenwaertigen Umwechslungskurs.
Das bedeutet, dass das amerikanische Volk ab 3. April 1948 2£ Jahre
lang der franzoesischen Nation alle 15 Minuten Waren im Werte von 10
Millionen Franken geschenkt hat.
In diesem Betrag ist nicht die sogenannte "Gegenwerthilfe" enthalten. Die franzoesische Regierung verkauft die Waren, die sie aus
den Vereinigten Staaten erhaelt, an den fransoesischen Verbraucher und
die Franken, die ihr dafuer gezahlt werden, werden in einen Sonderfonds
deponiert. Dieser Fonds wird meist fuer die Finanzierung des Wiederaufbaus und bestimmter Modernisierungsprogramme verwendet, d.h. fuer
den Rauf franzoesischer Waren in Frankreich. Bis jetzt hat die franzoesische Regierung aus diesem Fonds 574 Milliarden Franken zur Beschleunigung des Wiederaufbaues in den wichtigsten Sektoren der franzoesischen Wirtschaft aufgewendet.
Wer weiss, wieviel Bergwerke in Betrieb waeren, und wieviel der
314.000 Bergarbeiter Arbeit haetten, wenn "Charbonnages de France",
die franzoesische verstaatlichte Bergbauindustrie, aus Gegenwertmitteln
nicht 94 Milliarden Franken erhalten haette?
Wieviel der 815.000 Arbeiter der Bauindustrie waeren arbeitslos,
wenn diese Industrie nicht 29 Milliarden Franken erhalten haette und fuer
den Wiederaufbau zusaetzliche 41 Milliarden zur Verfuegung gestellt
worden waeren?
Die SNCF (Nationale Franzoesische Eisenbahngesellschaft) ist mit
etwa 40 Milliarden Franken aus Gegenwertmitteln unterstuetzt worden, was
fuer unsere Eisenbahnen und die von ihnen abhaengigen 459.000 Arbeitnehmer
eine grosse Hilfe darstellt.
Um den Wiederaufbau der franzoesischen Handelsflotte zu foerdern,
sind aus Gegenwertfondsraitteln 15 Milliarden Franken gewaehrt worden.

- 5-

�Viele franzoesische Haefen verdanken ihren 'Wiederaufbau und
ihren Aufschwung teilweise den Marshallplan-Importen, die in,einigen
Faellen kO - 50$ der gesamten in diesen Haefen vorgenommenen Ausladungen ausmachen. Es gibt ausserdem noch andere Fromen der Marshallplanhilfe, wie z.B. die europaeische Zahlungsunion (EPü).
Im Verlauf der letzten 31 Monate sind Frankreich damit durch den
Marshallplan in jeder Minute eine Millionen Franken zugutegekommen.
Der Durchschnittsfranzose konnte nicht immer feststellen, dass
diese Riesengeldsunmen fuer seine eigene Person von*Belang sind.
"Niemand hat mir etwas gegeben", koennte er sagen; "ich habe vom
Marshall-Plan gehoert, aber mir ist damit in keiner VJeise geholfen
worden."
Nehmen wir Pierre als Beispiel, der zwanzig Jahre alt ist und als
Lehrling in einer Schneiderei in Paris arbeitet. Er weiss nicht, dass
im Rahmen des Marshall-Planes taeglich Baumwolle im YJerte von 10
Milliarden Francs nach Frankreich geliefert wird; das sind 80% des
Gesamtbedarfs Frankreichs. Vielleicht weiss er auch nicht, dass ein
grosser Teil dieser Baumwolle in den Textilien enthalten ist, die er
verarbeitet. Er ist sich auch nicht im klaren darueber, dass ihm ohne
den Marshall-Plan nur sehr wenig Material zur Verfuegung staende, und
dass deshalb nur sehr wenig Schneiderlehrlinge gebraucht wuerden.
Paul ist 41 Jahre alt und arbeitet als Buchhalter in einer Raffinerie
in der Naehe von Marseilles. Er weiss vielleicht nicht, dass der MarshallPlan Frankreich tagtaeglich mit Rohoel im Werte von ueber 10 Millionen
Francs versorgt. Er weiss auch nicht, dass ohne dieses Oel schwere
Einsehraenkungen auf der Raffinierindustrie lasten wuerden und ein Teil
des Personals wahrscheinlich entlassen werden muesste.
Jacques ist 28 Jahre alt und als Bergmann im Bergwerk von Oignies
im Departement Pas-de-Calais beschaeftigt. Er niuimt sich vielleicht
nicht die Zeit, darueber nachzudenken, dass durch den Marshall-Plan
monatlich ueber zwei Milliarden Franken zur Modernisierung und
Mechanisierung der franzoesischen Bergwerke verwendet werden. VJenn
er nachdenken wuerde, muesste er sich 3agen, dass das Bergwerk von
Oignies ohne diese Hilfe wahrscheinlich nicht modernisiert worden waere,
und er und viele seiner Arbeitskameraden deshalb arbeitslos waeren.
Der 35-jaehrige Henri mischt Beton beim Bau eines Staudamms im
Departement Ariege. Er weiss nicht, dass Frankreich im Rahmen des
Marshall-Planes woechentlich fast eine Milliarde Franken zur Finanzierung von Projekten erhaelt, die die Stromerzeugung Frankreichs
steigern sollen, und dass der Damm, an dem er arbeitet, ohne diese Geldmittel heute vielleicht noch auf dem Papier stuende.
Jean, 22 Jahre alt, ist Monteur in den Renault-Yferken, heute eines
der erfolgreichsten Unternehmen Frankreichs. Eine grosse Zahl neuer,
fuer die Fertigung benoetigter Maschinen wurden mit Hilfe des MarshallPlanes importiert. Sie kosten 185 Millionen Franken und ermoeglichen
es der Fabrik, bessere Automobile zu guenstigeren Preisen herzustellen
und damit die Lebenshaltung ihrer Arbeitnehmer zu verbessern.
Diese Liste koennte durch weitere Beispiele auf fast allen franzoesischen Industriezweigen, vom Schiffsbau bis zur Herstellung von
Streptomycin, erweitert werden.
T

.'Iie ist es moeglich, -dass sich das amerikanische Volk bereiterklaert hat, sich in solche-u Ausraass am Yttederaufbau Frankreichs zu
beteiligen?

-6-

�Haben die Amerikaner die Absicht, wie die Kommunisten behaupten,
Frankreich den Vereinigten Staaten voellig «u unterwerfen? N«in,
eine derartige Unterstellung ist geradezu laecherlich, denn die Amerikaner haben in jahrhundertelanger Freundschaft in Frankreich einen
Freund und Verbuendeten gesehen, der die Vereinigten Staaten in gewissen schwierigen Zeiten seiner Geschichte un,erstuetzt hat. Sie
wuenschen nun, dass Frankreich ihr wohlhabender und unabhängiger Verbuendever im Kampf um den Frieden und den Wiederaufbau in der Welt
wird.
V.'uenschen die Amerikaner, ueberfluessige Erzeugnisse Amerikas
loszuschlagen? Nein, denn die Arbeitsweise des Marshall-Planes ist
eine Garantie dafuer, dass die amerikanische Regierung nur dieT,,'aren
liefert, die Frankreich anfordert. Es ist zu beachten, dass keine
Klauseln oder Lintschliessungen, die den Absatz ueberfluessiger Varen
ermoeglicht haetten, jemals in das Gesetz aufgenommen wurden, das die
Verwaltung des Marshall-Plans regelt, obwohl im Kongress derartige Gesetzesvorlagen eingebracht wurden, die sich insbesondere auf die ueberfluessige landwirtschaftliche Erzeugung bezogen.
Soll Frankreich gegen die Kommunistische Bedrohung unterstuetzt
werden?
Indirekt ja.
Das Hauptziel des Marshall-Plans ist die Schaffung einer gesunden
Wirtschaft in Frankreich und dem uebrigen Westeuropa als Garantie fuer
einen dauerhaften Erieden. Die Bevoelkerung eines Landes, das in Wohlstand lebt, fuehlt sich nur selten gezv.ungen, sich in eine Revolution
zu stuerzen.
Sowjetrussland und die Laender Osteuropas sind eingeladen worden,
sich an diesem Programm zu beteiligen. Sie weigerten sich. Man kann
mit gutem Grund annehmen, dass einige der Satellitenstaaten gern mit
"Ja" geantwortet haetten.
Liegen dem Marshall-Plan denn nur Motive der Menschenliebe seitens
eines Landes zugunsten eines anderen zugrunde? Diese Frage kann zu
einem grossen Teil bejaht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben
die Vereinigten Staaten ihren egoistischen Isolationismus aufgegeben.
Sie erkannten, dass Europa ohne ihre Hilfe mehrere Jahrzehnte gebraucht
haette, um sich von den Folgen der sechs Jahre des Krieges und der Besetzung zu erholen. Ohne Frieden und 'Johlstand in Europa konnte es
auch keinen Frieden und keinen 'Johlstand in der 'Jelt geben.
Armut und Unzufriedenheit in Europa haetten sich unvermeidbar auf
die Wirtschaft und das Wohlergehen der Vereinigten Staaten schaedigend
ausgewirkt. Deshalb haben die Vereinigten Staaten in ihrem eigenen
Interesse das Europaeische "Jiederaufbauprogramm aufgestellt. Aus
diesem Gedanken heraus ist der Marshall-Plan entstanden.
ECA Labor Information
1/26/50

DIE VIETNAMESISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
In Vietnam, dem einzigen Land in Indochina mit einer groesseren Gewerkschaftsorganisation, befinden sich drei verschiedene Gewerkschaftsbewegungen. Zwei dieser Organisationen trifft man in den Gebieten, die
unter der Kontrolle der Regierung Bao Dais stehen. Die groessere setzt
sich aus verschiedenen nichtkommunisoischen Gewerkschaften zusammen, die

-7-

�von fran oesischen Arbeitern gegruendet wurden und in allgemeinen
europaeischen Gewerkschaftsverbaenden angeschlossen sind. Die
kleinere Gruppe besteht aus den chinesischen Gilden und den Vereinigungen zur gegenseitigen Unterstuetzung, die in einigen Faellen
gewerkschaftliche Merkmale tragen. Die dritte Bewegung, die von
den Kommunisten in den von der Itebellenregierung Ho beherrschten
Gebieten Vietnams organisiert und geleitet wird, beansprucht fuer
sich eine weit groessere Mitgliedzahl als jede der anderen Bewegungen. Es sind jedoch keine zuverlaessigen statistischen Angaben
vorhanden, die diese Behauptungen bestaetigen oder widerlegen
koennten.
Obwohl 3eit linde des zweiten Weltkrieges die franzoesischen
Arbeiter in Indochina als franzoesische Buerger von ihrem Hecht
Gebrauch machten, sich in Gewerkschaften zusammenzuschliessen, ist
bis jetzt noch keine Gesetzgebung geschaffen worden, die dieses
Hecht auch den indochinesischen Arbeitern zugestanden haette. Ein
Erlass ueber Vereinigungsfreiheit, der im Jahre 1945 unter der
japanischen Besatzung herausgegeben wurde, hat niej^als die Anerkennung des jetzigen Regimes gefunden, und ist im August 1950 widerrufen worden. Das Arbeitsgesetz von 1947 fuer Indochina, in dem die
Bildung von Gewerkschaften vorgesehen war, ist von dem franzoesischen
Hohen Kommissar von Indochina nicht verkuendet worden. Auf einer
Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes im Juni 1950 in Genf,
stellte der Delegierte der Vietnam-Regierung fest, dass die Vereinigungsfreiheit praktisch bereits anerkannt ist, und dass seine
Regierung beabsichtigt, gewerkschaftliche Betaetigungen durch Massnahmen zu schuetzen, die auf internationalen Vereinbarungen beruhen.
Dui'ch die Verordnung Nr. 10 vom August 1950 wurde die Vereinigungsfreiheit jedoch eingeschraenkt. In dieser Verordnung wurde
bestimmt, dass keine Vereinigung oder Gewerkschaft ohne die Genehmigung des Innenministeriums oder der oertlichen Regierungsbehoerden bestehen duerfe, und dass diese Genehmigung ohne Angabe von
Gruenden verweigert werden kann.
Die Gewerkschaften in den Gebieten, die unter der Kontrolle Bao
Dais stehen, sind im allgemeinen dem franzoesischen Gewerkschaftsbund
CGT-Force üuvriere, dem franzoesischen Bund Christlicher Arbeiter
(CPDC), der Internationalen Foederation Christlicher Gewerkschaften
(CI3C)' oder der franzoesischen von Kommunisten gefuehrten allgemeinen
Arbeiterfoederation (CGT) angeschlossen. Die Gewerkschaften, die der
CGT-FO und den christlichen Gewerkschaften angehoeren, sind offiziell
voll anerkannt und behandeln Lohnprobleme und Arbeitsgesetzgebung in
enger Zusammenarbeit mit dem Amt fuer Arbeit.
Die der CGT angeschlossenen Organisationen arbeiten dagegen im
geheimen, weil sie mit Viet Minh sympathisieren.
Funktionaere der CGT-FO in Indochina haben am 27. Juni 1948 einen
nach Bezirken eingeteilten Gewerkschaftsbund gegruendet. Diese
Organisation setzt sich zusammen aus der Beamtengewerkschaft in Indochina, der Berufsvereinigung der franzoesischen Handelsangestellten
in Cochinchina, der Gewerkschaft der Angestellten der Luftfahrtgesellschaft "Air France", der Gewerkschaft des Personals des Arsenals
in Saigon und der Gewerkschaft der Offiziere der Handelsmarine in
Indochina. Die Indochinesische CGT-FO hat am 1. August 1948 ihre
Zentrale formell in Saigon eroeffnet.
Die erste Organisierungsnassnahme galt vor allem den Arbeitnehmern
der Eisenbahnen, die Regierungseigentum sind. Die Organisatoren geben
an, dass die Beamtengewerkschaft in Indochina, zu der offensichtlich

- 8 -

�auch die Eisenbahnangestellten zaehlen, im Juni 1948 2.100 Mitglieder, einschliesslich Europaeer und Chinesen, hatte. Die Mitgliederzahl der Gewerkschaften der CGT-FO wurde zu Ende des Jahres
1949 vom Amt fuer Arbeit mit rund 4.800 beziffert. Hierzu gehoerten 3.500 Europaeer, 1.000 Chinesen der 3eamtengewerkschaft
und 300 franzoesische Arbeitnehmer der privaten Industrie und des
Handels, die zugleich Mitglieder der 3erufsgruppe franzoesischer
Handelsangestellten in Cochinchina sind.
Die christliche Gevurkschaftsbewegung hat zwei Gruppen
organisiert. Die groessere der beiden ist der CFTC angeschlossen
und zaehlt 4.000 Indochinesen und 1.600 franzoesische Beamte. Die
andere Gruppe gehoert direkt dem CISC an und erklaerte im August
1950, dass sie etwa 3.000 Asiaten, einschliesslich Vietnamesen,
Chinesen und Inder aus Handel, Industrie, den freien Berufen und der
Landwirtschaft organisiert habe.
Der indochinesische Zweig der von Kommunisten gefuehrten CGT,
der im Oktober 1945 auf einem Kongress in Hanoi gebildet wurde, ist
von zvrei Gruppen organisiert worden: den Franzosen, die mit den
Kommunisten sympathisieren und fru=her Mitglied der CGT in Frankreich
und Angehoerige der linksorientierten Widerstandsbewegung waren, und
den Indochinesen, die frueher irgendwelchen Kontakt mit der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung hatten. Die CGT konnte jedoch nur
wenige hundert Mitglieder fuer sich gewinnen. Auf dem zweiten Kongress
der CGT, der im Juni 1946 in Hanoi stattfand, kam die Organisation
unter die Kontrolle der sogenannten "Arbeitervereinigung fuer die
nationale Befreiung" und vereinigte sich mit der neugegruendeten Gewerkschaf tsbewegung Viet Minhs. In den unter franzoesischer Kontrolle
stehenden Bezirken des suedlichen Vietnam, besonders in der Gegend
Saigon-Cholon, hat die CGT einige Gruppen organisiert, die in ihrem
Aufbau der franzoesischen Ursprungsgewerkschaft angeglichen sind.
Diese Gruppen arbeiten mit der Gewerkschaftsbewegung des Viet Minh eng
zusammen, besonders wenn es sich darum handelt, Streiks auszurufen
oder Sabotageakte zu begehen. Die Mitgliederzahl der CGT in Indc—
cliina wurde vom Amt fuer Arbeit gegen Ende des Jahres 1949 auf 400
geschaetzt.
Die Bemuehungen der CGT, in gleicher Form wie die CGT-FO und die
christlichen Gewerkschaften anerkannt zu werden, schlugen im Maerz
1949 fehl. Ihr Gesuch um Zulassung zum Lohnaussc!uss des Amtes fuer
Arbeit wurde abgelehnt.
Die unabhaengigen Gewerkschaften in Vietnam sind die Vereinigung
der franzoesischen Handels- und Industrieangestellten in Cochinchina
mit 1.600 Mitgliedern, die Gesellschaft fuer gegenseitige Unterstützung der Cochinchinesischen Arbeitnehmer des Handels und der
Industrie mit 250 Mitgliedern und die beiden Organisationen, deren
Mitgliederzahlen nicht bekannt sind, - naemlich die Arbeitnehmer des
Handels, der Industrie, der Landwirtschaft und der freien Berufe und
eine Gewerkschaft der Schriftsteller und Journalisten des suedlichen
Vietnam. Die Gewerkschaft der Arbeitnehmer des Handels, der Industrie,
der Landwirtschaft und der Angehoerigen freier Berufe wurde offiziell
im Jahre 1950 anerkannt, als ein Mitglied ihres Vorstandes zum
Arbeiterdelegierten fuer die Konferenz des IAA in Genf gewaehlt und
von der Regierung eingeladen wurde, die Interessen der Arbeiter im
Amt fuer Arbeit zu vertreten.
Heiter wird von einer beachtlichen gewerkschaftlichen Taetigkeit
unter den Chinesen-berichtet, Fachleute sind der Meinung, dass vor
dem zweiten '.'eltkrieg 70 derartige Gewerkschaften bestanden. Die
meisten davon waren auf den Bezirk Saigon-Cholon konzentriert. Aus

- 9-

�den Berichten geht hervor, dass seit 1948 kommunistische Agenten in
diese Gewerkschaften eingedrungen sindj diese Tatsachen bereiten den
franzoesischen Behoerden einige Sorgen. Es ist seit jener Zeit nur
wenig ueber diese Gewerkschaften bekannt geworden, weil sie seitdem
im geheimen taetig gewesen sind.
Der unmittelbare Vorlaeufer der jetzigen Gewerkschaftsbewegung
des Viet u-inh war die Arbeitervereinigung fuer die nationale Befreiung
des Vietnam. Sie wurde im Jahre 1941 als der gewerkschaftliche Zweig
der Viet Minh-Liga fuer die Unabhängigkeit des Vietnam - eine linksgerichtete anti-japanische Widerstandsgruppe - gegruendet und trug vorwiegend politische und nationalistische Merkmale. Ihre Mitgliedschaft
setzte sich nicht nur aus Arbeitern, sondern auch aus Unternehmern und
anderen Einzelpersonen zusammen, die die vietnamesische Unabhaengigkeit beguenstigten.
Sobald nach der japanischen Kapitulation die Republik Vietnam
verkuendet war, beschloss diese Arbeitervereinigung, ihre Gewerkschaftsbewegung in aller Öffentlichkeit zu proklamieren und sie ueber das
ganze Land auszudehnen. Dies sollte im Rahmen des Gesetzes ueber die
Vereinigungsfreiheit in Gewerkschaften geschehen, das waehrend der
japanischen Besatzung am 5« Juli 1945 erlassen wurde. Das Gesetz sah
vor, dass Personen, die gleiche Taetigkeiten verrichten, solche in
kommerziellen Unternehmen, die verwandte Erzeugnisse herstellen, und
die freiberuflich Taetigen sich ohne besondere Genehmigung der Regierung
in oertlichen Gewerkschaften zusaramenschliessen duerfen, v;enn ihre
Fuehrer sich zu einem loyalen Verhalten verpflichten und sich an bestimmte Vorschriften der Regierung halten - z.B. in Bezug auf ihre
Satzungen und die Aufstellung einer Mitgliederliste. Diesen Gewerkschaften wurde ein juristischer Status und das Recht zuerkannt, ueber
finanzielle Mittel zu verfuegen, Vertraege abzuschliessen und durch
Zusammenschluss mit aehnlichen oertlichen Gewerkschaften Gewerkschaftsverbaende zu bilden.
Ein vorbereitender Ausschuss, der sich aus Funktionaeren dieser
Vereinigung zusammensetzte, schlug im Maerz 1946 vor, einen Gewerkschaftsbund nach dem Beispiel der kommunistisch beherrschten franzoesischen CGT
zu gruenden. Im Mai 1946 wurde demgemaess die Tong Cong Doan Vietnam
(TCD) oder der allgemeine Gewerkschaftsbund des Vietnam formell gebildet. Diese Organisation wird haeufig auch als Tong Lau Doan (TLD)
bezeichnet.
Dem Mailaender Bericht des Weltgewerkschaftsbundes von 1949 zufolge
sind die oertlichen TLD-Gewerkschaften in Gewerkschaftsverbaenden
aehnlichen Charakters oder in regionalen Gewerkschaftsraeten zusammengefasst. Jede Einheit hat ihre vom TLD festgelegten Funktionen und ist
nur innerhalb der engen, vom TLD vorgeschriebenen Grenzen autonom. Die
Arbeiter zahlen festgesetzte monatliche Beitraege von 60 indochinesischen
Cents (etwa -. 15 DM), die gleichmaessig unter den Industrieverband, den
regionalen Gewerkschaftsrat und den TLD verteilt werden. Es ist bekannt,
wie die .Ortsgewerkschaften finanziert werden. Nach der ueblichen
kommunistischen Methode muessen die Ort sgewe .Geschäften bei ihrer vorgesetzten Organisation um die Geldmittel nachsuchen, die sie benoetigen.
Ende des Jahres 1948 hatte der TLD angeblich eine Mitgliederzahl
von 255.000, von denen 20^ Fabrikarbeiter sein sollen. Im August 1949
berichtete der Weltgewerkschaftsbund von einer Mitgliederzahl dieser
Organisation von 258.000.
Die Zuverlaesdigkeit dieser Angaben ist anzuzweifeln. Die einzelnen
Zentren der kommunistischen Gewerkschaften geben aus propagandistisehen
Gruenden im allgemeinen hoehere Mitgliederzahlen an, und der Weltgewerk-

- 10 -

�schaftsbund ist natuerlich nicht im Besitz genauer Mitgliedschaftszahlen, weil er von den angeschlossenen Gewerkschaften keine Abgaben
erhaelt, so dass schon aus diesem Grund jede Kontrolle illusorisch
ist.
Die Taetigkeit des TLD ist den politischen Zielen des Viet Minh
durch Hoang Quoc angepasst, der sowohl Vorsitzender des TLD als auch
Generalsekretaer der Viet Minh-Partei ist. In dem augenblicklichen
Buergerkrieg ist der TLD in erster Linie damit beschaeftigt, die
Arbeiter zur Unterstuetzung der Kriegsanstrengungen des Viet Minh zu
mobilisieren und zu versuchen, die Produktion durch aufeinanderfolgende Streiks in den franzoesisch besetzten Gebieten zu unterbrechen. Waehrend die Sender des Viet Minh von Erfolgen in den Massnahmen zur Foerderung der Arbeitsstreitigkeiten in den der Kontrolle
Bao Dais unterstehenden Gebieten berichten, zeigen offizielle
statistische Angaben der Bao Dai-Regierung nur wenige ArbeitsStreitigkeiten oder Produktionsunterbrechungen auf.
#
Im Gebiet des Viet Minh hat sich der TLD zur Steigerung der
Produktion im wesentlichen der gleichen Mittel bedient, wie die Gewerkschaften der sogenannten "Volksdemokraten". Arbeitern, die ihre
Produktionsquoten weit ueberschreiten, wird der Ehrentitel "Held der
Arbeit" verliehen. Wie von auslaendischen Rundfunksendern der HoRegierung berichtet wird, ist der TLD bestrebt, seinen Mitgliedern
kommunistische Prinzipien aufzuoktroyieren, er lehrt sie sogar lesen
und schreiben, gibt eine Veroeffentlichung unter dem Titel "Lao Dong"
heraus und stellt Arbeitergruppen zusammen, die einen Teil ihrer Zeit
militaerischen Uebungen widmen. Sie foerdert ausserdem oeffentliche
Arbeitsprojekte, fuer die die Arbeiter ihre "Freizeit" verwenden
sollen.
Der TDL hat im Mai 1946 selbst erklaert, dass er mit den Prinzipien
und Satzungen des Weltgewerkschaftsbundes vollkommen einverstanden ist.
Jedoch erst am 1. Januar 1949 entschloss sich der Exekutivausschuss
des Weltgewerkschaftsbundes, den TDL anzuerkennen und ihn als angeschlossene Organisation zu registrieren. Der Gewerkschaftsbund des
Vietnam entsandte Nguyen Tuy Tinh, ein Mitglied der Eisenbahnergewerkschaft des TDL, als internationalen Vertreter zum Kongress des TJeltgewerkschaftsbundes, der im Juni 1949 in Mailand stattfand. Auf diesem
Kongress wurde er zum dauernden Mitglied des Generalrates des Weltgewerkschaftsbundes und zum Delegierten fuer die Konferenz in Peiping
im November 1949 gewaehlt.
Monthly Labor Review
1/51

WAS IST PRODUKTIVITAET?
Seit Beginn des Wiederaufbauprogramms ist die Steigerung der
Produktivitaet immer wieder als besonders wichtig hervorgehoben worden,
weil sie einen entscheidenden Faktor fuer die Wiedergesundung der
Wirtschaft der Laender Westeuropas darstellt und es ihnen ermoeglicht,
ihre Ausfuhren und die Moeglichkeit, finanzielle Mittel fuer industrielle
Einrichtungen zu investieren, zu erhoehen und zugleich den Lebensstandard
der Arbeiter zu verbessern. Seit der kommunistischen Invasion in Suedkorea ist die Notwendigkeit, die Verteidigung gegen eine Aggression
aufzubauen, vordringlich geworden. Sie wird eine schwere Belastung
fuer die Wirtschaft der westeuropaeischen Laender darstellen. Es ist
nicht moeglich, allen diesen Anspruechen vollkommen und gleichzeitig
gerecht zu werden. Es muss in der Befriedigung der lebenswichtigen
Bedürfnisse ein Gleichgewicht in vernuenftigen Grenzen hergestellt

- 11 -

�werden, ',,'enn die Produktivitaet gesteigert wird, wird es letzten Endes
moeglich sein, einen angemessenen Lebensstandard zu garantieren, wenn
auch ein betraechtlicher Teil den Berauehungen um die Sicherung der
Zukunft und der Erhaltung der Freiheit gewidmet werden muss.
Augenblicklich wird die Produktivitaet im allgemeinen als die
grundlegende Loesung der ungeheuren wirtschaftlichen Schwierigkeiten
dieser Zeit angesehen, "..'enn dieser 3egriff "Produktivitaet" auch noch
so haeufig in oeffentlichen Diskussionen und Zeitungsberichten angewandt wird, so ist seine genaue Bedeutung der grossen Masse doch nicht
genuegend bekannt. Selbst die Experten konnten sich noch nicht auf
eine einfache und klare Definition dieses Begriffes einigen. Auch die
Methoden zur Bemessung der Produktivitaetsquote bilden noch immer Gegenstand heftiger Kontroversen.
Der Produktivitaetsausschuss der Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas hat sich in seinem Arbeitsprogramm die
Aufgabe gestellt, mehr Licht in den Begriff"Produktivitaet" zu bringen,
um zur Anwendung verbesserter Methoden der Wertung der Produktivitaetsquote beizutragen, die die fuer die Produktivitaetskarapagne der westeuropaeischen Laender wesentlichen Informationen liefern koennen. Dieser Ausschuss hat einen Bericht ueber die Terminologie der Produktivitaet
ausgearbeitet, der vervielfaeltigt wurde, um an groesaere Kreise verteilt werden zu koennen.
Fuer diejenigen, die nicht in der Lage sind, den Bericht in allen
Einzelheiten zu studieren, werden die nachstehenden wichtigsten Punkte •
zusammengefasst:
Allgemein gesprochen, bedeutet Produktivitaet besseres Zusammenspiel
von Mensch, Kapital, Zeit, Maschine und Material, um bei dem gleichen
Aufwand an Anstrengungen mehr Waren produzieren und verteilen zu koennen.
Der Produktivitaetsausschuss der UftftC gibt in seiner Abhandlung einen
Ueberblick ueber die Methode zur Berechnung der Produktivitaet. Diese
Studien gruenden sich nicht nur auf die produktivitaet der Arbeitskraft,
sondern auch auf die des Kapitals, der Investitionen und der Rohstoffe,
so wie die Produktion von dem Kapital, den Investitionen und den Rohstoffen im Produktionsprozess abhaengig ist.
Trotzdem bleibt die Produktivitaet der Arbeitskraft das wichtigste
Element bei der Berechnung der industriellen Leistungsfaehigkeit. Man
errechnet sie, in dem man die Produktion durch die Anzahl der Arbeitsstunden teilt. Der so errechnete produktivitaetsindex dient zu Vergleichszwecken und gibt die Situation einer Produktionseinheit (Betrieb,
Industrie, Nation; im Vergleich zu anderen Einheiten oder zu seinen
eigenen Ergebnissen waehrend einer anderen Zeitspanne an. Damit koennen
die Ursachen analysiert werden, die den Stand der produKtivitaet bestimmen, und es kann festgestellt werden, welche Schwierigkeiten moeglichen
Verbesserungen der Produktion im liege stehen.
Es muss hier darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Berechnung dar
Produktivitaet der Arbeitskraft nicht darin besteht, die physische Anstrengung des Arbeiters, sondern die allgemeine '.'irksamkeit der Verwendung
der Arbeitskraft zu messen. Der Produktivitaetsindex stellt das Ergebnis
der kombinierten Wirkungen einer grossen Anzahl verschiedener, aber unabhaengiger Faktoren dar, wie z.B. Menge und Qualitaet der verwendeten Ausruestungen, technische Verbesserungen, die Faehigkeit der Betriebsleitung,
die Zirkulation der Rohstoffe und Einzelteile, den relativen Einsatz der
Produktionseinheiten je nach ihrem Wirksamkeitsgrad und schliesslich
berufliche Tuechtigkeit und Arbeitsbereitschaft des einzelnen, Wenn genaue
Schluesse aus einer derartigen Analyse gezogen werden, ergeben die
Produktivitaetsstudien eine mehr oder minder grosse Veraenderung des

- 12 -

�Produktionsvolumens.
In weiterem Sinne koennen die Bemessung der Produktivitaet und die
gleichzeitige Analyse ihrer Ursachen und Elemente fuer allgemeine
v/irtschaftsanalytische Zwecke verwendet werden, um fuer die Gegenwart
und Zukunft die Gesamtproduktion eines Landes oder einer Industrie, den
Bedarf an Arbeitskraeften, die Konkurrenzfaehigkeit und aehnliches abzuschätzen. Damit ist auch die Berechnung der Produktivitaet ein
wichtiges Hilfsmittel bei der Wirtschaftsplanung.
Je nach dem Zweck, dem die Produktivitaetsstudien dienen muessen,
wird die Produktivitaet aufgrund der verschiedenen Zeiteinheiten und
der verschiedenen Faktoren der Produktion berechnet. Die Unterschiede
sind so gross, dass ein Vergleich der Statistiken ueber die Produktivitaet in den westeuropäischen Laendern zurzeit noch schweren Irrtuemern unterworfen ist und ihre Nutzbarkeit dementsprechend aeusserst
beschraenkt ist. '.Jenn man die Zeiteinheit zugrundelegt, laesst sich
die Produktivitaet pro Mann, pro Stunde, pro '.,'oche oder pro Jahr berechnen. Die Produktivitaet im Verhaeltnis zur Arbeitszeit wird dazu
verwendet, die durch technische Ursachen hervorgerufenen Schwankungen
in der Produktivitaet zu messen, waehrend die Produktivitaet, die auf
jaehrlicher Basis einschliesslich Urlaub und Fernbleiben vom Arbeitsplatz aus sonstigen Gruenden berechnet wird, dazu dient, das Nationaleinkommen oder den Bedarf an Arbeitskraeften abzuschaetzen.
Die verschiedenen zu beruecksiehtigenden Kategorien der Arbeitskraefte stellen einen anderen Faktor dar, der grosse Unterschiedlichkeiten in den statistischen Berechnungen verursacht. Angaben ueber die
Produktivitaet koennen sich entweder nur auf die Arbeiter oder auch auf
das Bueropersonal, die Verwaltungsdienststellen und die technischen
Dienste beziehen. Auch kann zwischen den direkten Arbeitskraeften, die
unmittelbar mit der Produktion beschaeftigt sind, und den indirekten
Arbeitskraeften ein Unterschied gemacht werden, deren Taetigkeiten in
Arbeiten der Instandhaltung, der Vfarenlagerung, des innerbetrieblichen
Transports usw. bestehen. Natuerlich unterscheiden sich die Statistiken
nach dem Zwec'k, zu dem sie ausgearbeitet wurden.
Auch der Berechnung der Gesamtproduktivitaet schenkt man groesste
Beachtung, in der nicht nur die direkten, sondern auch alle anderen
Arbeitskraefte beruecksichtigt werden, einschliesslich der mit der
Herstellung industrieller Ausrüstungen Beschaeftigter und der Arbeiter
der Stromerzeugungs- und Iiohstoffindustrienj diese letzte Kategorie
wird in Bezug auf die Arbeitsstunden und die Zahl der Arbeiter bemessen.
Dadurch wird eine Kontrolle der Gesamtindustrie erraoeglicht.
Anstatt den Ertrag nach seinem Volumen zu bemessen, kann den Berechnungen der ','ert des Reinertrags zugrundegelegt werden. '.Tenn man
von der Gesamtabsatzziffer (Bruttoproduktion) die Kosten fuer Rohstoffe,
Treibstoff usw., die in dem Produktionsprozess verbraucht v/erden, abzieht, erhaelt man den 'i.'ert der bei der Produktion des Erzeugnisses geleisteten Arbeit. Die Nettoproduktion bildet den Fonds, aus dem die
erforderlichen Summen fuer Loehne, Absatzunkonten, Steuern, Zinsen,
Amortisationen usw. geschoepft werden. In ihr ist ausserdem der Gewinn
enthalten. Der 'wert der Nettoproduktion kann deshalb durch jedes beliebige Mass der Arbeitskraft geteilt werden, und man kann von einer
Nettoproduktion pro Stunde oder pro Arbeiter oder Angestellter sprechen.
Diese Art der Produktivitaetsstatistik kann fuer die Gewerkschaften
besonders interessant sein, wenn sie bei einer Steigerung der Produktionsleistung die Absicht habtn, Lohnerhoehungen zu fordern oder Leistungslohntarife festzusetzen.
Uenn man sich mit den technischen und wissenschaftlichen Aspekten

- 13 -

�der Produktivitaet befasst, muss man auch jene Faktoren in Erwaegung
ziehen, die direkt zur Steigerung der Produktivitaet beitragen, wie
z.B. die industrielle Planung, die wissenschaftliche Forschung und
Erfindungen. Der Begriff Produktivitaet ist so umfassend, dass die
gemeinsame Erfassung all jener, die in dem Produktionsprozess stehen,
vom einfachen Arbeiter bis zum Y.'issenschaf tler. und Volkswirtschaftler,
erforderlich ist. Uegen dieser unentbehrlichen Zusammenfassung aller
Betaetigten darf niemals das Ziel der Steigerung der Produktionsleistung aus den Augen verloren werden, die den augenblicklichen
Lebensstandard garantieren, den gemeinsamen Zielen zur Sicherung einer besseren Zukunft dienen und unsere Verteidigungsmassnahmen zur
Erhaltung der demokratischen Freiheiten staerken muessen.
Bulletin D1Information Syndicale
1/15-31/51

GUTE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN DEN AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN UND DER
ECA
Die Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten hat dem MarshallPlan von Anfaig an wertvolle Dienste geleistet.
AFL-Vorsitzender ".Jilliam Green, Bill Gomberg von der Internationalen
Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft, Florence peterson von der Automobilarbeitergewerkschaft, Gordon Cole vom Maschinistenverband und Jim
Carey vom CIO sind einige der amerikanischen Gewerkschaftsführer, die
der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit in den letzten zweieinhalb Jahren hoechst wertvolle Ratschlaege erteilt haben.
Die Maenner und Frauen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
sind aufgefordert worden, auf jede "eise mitzuhelfen, um die zur
technischen Unterstuetzung Europas entsandten Delegationen mit dem erforderlichen Ruestzeug zu versehen, umfassende Informationsprogramrae
und Vorschlaege zur Staerkung der freien Gewerkschaften in Europa auszuarbeiten.
Obwohl in Amerika kein formeller ERP-Beratungsaueschuss wie in Europa besteht, vergeht kaum ein Tag, ohne dass ein amerikanischer Gewerkschafter um Rat oder Auskunft gebeten wuerde. Telephonische Besprechungen
zwischen Beamten der ECA und amerikanischen Gewerkschaftern sind in allen
Teilen des Landes an der Tagesordnung. Haeufig werden Gewerkschaftsführer,
Herausgeber von Gewerkschaftszeitungen, Spezialisten im Erziehungswesen
oder Experten fuer Zeit- und Bewegungsstudien fuer tage- oder selbst
wochenlange Aussprachen in das Zentralbuero der ECA gerufen, wo sie um
ihre Meinung und ihren Rat befragt werden. Die internationalen Vertreter
der AFL und des CIO, George P. Delaney und Michael Ross, halten sich
staendig im oder in der Naehe des Zentralbueros auf. Uichtige Entscheidungen, die fuer die Arbeiterschaft von Belang sind, werden nicht getroffen, ohne diese beiden Vertreter um Rat gefragt zu haben.
Das hoechste Gremium, in dem die Gewerkschaftsfuehrer vertreten sind,
ist der oeffentliche Beratungsausschuss der ECA, dorn ebenfalls Vertreter
der Landwirtschaft und Industrie angehoeren. Die Gewerkschaftsvertreter
sind James Carey, der Hauptkassierer des CIO, George Meany, der Hauptkassierer der AFL, und A. E. Lyon, der Hauptkassierer der Eisenbahnergewerkschaften.
Der Ausschuss hat sich bisher auf Veranlassung des Beraters fuer
Arbeitsfragen Clinton S. Golden mit wichtigen Fragen wie z.B. dem Problem

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�der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten in Verbindung mit der
Einstellung der Gewerkschaftsbewegung zum Marshall-Plan oder Reaktionen
auf die Amerikabesuche europaeischer Produktivitaetsteams befasst.
Eine der wichtigsten Konferenzen zwischen Gewerkschaftsfunktionaeren
und fuehrenden Beamten der ECA fand vor kurzem im Zentralbuero der ECA
statt. Es waren 21 fuehrende Gewerkschaftsfunktionaere anwesend, u.a.
auch William Green, der Vorsitzende der AFL, AI Hayes, der Vorsitzende
des Internationalen Liaschinistenverbandes, und Stanley Ruttenberg, der
Leiter des CIO-Referats fuer Forschung und Erziehung.
An dieser Konferenz nahmen ausserdem teil: L. S. Buckmaster, der
Vorsitzende der Vereinigten Gumniarbeiter Amerikas (CIO), Eimer Cope,
der Europavertreter des CIO, George P. Delaney, der internationale
Repraesentant der AFL, J. L. Elliot, Vizepresident der Gewerkschaft der
Telegraphenarbeiter der Eisenbahnen, Michael Fox, Hauptkassierer der
Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten (AFL), Leo E. George, der Vorsitzende des Nationalen Verbandes der Bueroangestellten der Post (AFL),
Allan S. Haywood, Vizepresident des CIO, liartin Kyne, geschaeftsfuehrender Vorsitzender der Gewerkschaft der Angestellten des Klein- und
Grosshandels und der Warenhaeuser, A. E. Lyon, geschaeftsfuehrender Sekretaer der Eisenbahnergewerkschaft, Y/alter Mason, Repraesentant im
legislativen Ausschuss der AFL, David McDonald, Hauptkassierer der Vereinigten Stahlarbeiter von Amerika (CIO), H. L. Mitchell, Vorsitzender
der Gewerkschaft der Landarbeiter (AFL), John J. Murphy, Sekretaer der
Internationalen Gewerkschaft der Maurer und Yteissbinder (AFL), Stanley
VI. Oliver, Vorsitzender der Internationalen Gewerkschaft der technischen
Ingenieure, Architekten und Zeichner (AFL), Eric Peterson, Hauptkassierer
des Internationalen Maschinistenverbandes, Michael Quill, Vorsitzender
der TranSportarbeitergewerkschaft Amerikas (CIO), Victor Reuther, der
Leiter des Erziehungsreferats der Vereinigten Automobilarbeiter von
Amerika (CIO) und William Schoenberg, der Vorsitzende der Internationalen
Gewerkschaft der Zement-, Leim- und Gipsarbeiter.
Von der ECA waren zugegen: Paul G. Hoffman, der damalige Administrator, Richard M. Bisseil jun., der damalige stellvertretende Administrator des Programms und die Berater fuer Arbeitsfragen Bert M. Jewell
und Clinton S. Golden.
Hoffman brachte in seiner Begruessungsansprache seine Anerkennung
fuer die Mitarbeit der Gewerkschaftsbewegung am Marshall-Plan zum Ausdruck.
Ohne diese Unterstuetzung, sagte er, waeren die im YJiederaufbauprogramm
erzielten Fortschritte niemals moeglich gewesen. Fragen wie die wirtschaftliche Vereinigung Europas, sowie die Lieferung gewerkschaftlichen
Materials fuer Europa und Besuche amerikanischer Gewerkschafter in Suropa
standen zur Debatte.
Eine Gruppe amerikanischer Gewerkschafter wurde fuer eine zweitaegige Konferenz in das Amt der Arbeitsberater der ECA gerufen, um ein
Programm zur Verbesserung der Lebensverhaeltnisse in Frankreich auszuarbeiten. Zu dieser Gruppe gehoerten Stanley Ruttenberg (CXO), William
Gomberg von der «Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft,
Victor Reuther und Harold Gibbons.
Zuvor waren im Mai 1950 die fuehrenden Herausgeber der Gev.erkschaftszeitungen aus ganz Amerika zusaiimengerufen worden, um das InformationsProgramm und Mittel zu seiner Verbesserung zu eroertern. Es waren anwesend: Theodore Brown, Herausgeber des "The Black T'orker" von der Gewerkschaft der Schlafwagenbediensteten, Leo Clussmann, Herausgeber des
"The National Musician" von der Gewerkschaft der Musiker Amerikas, Kenneth
Fiester, Herausgeber der Zeitung "Textile Labor" von der Textilarbeitergewerkschaft des CIO, J. B. S. Hardman, Herausgeber von "Labor and Nation",

- 15 -

�Ben Haskel, der Herausgeber von "The Textile Challenger", von der
Textilarbeitergewerkschaft von Amerika (AFL), John Herling, der
"John Herling's Labor Letter" herausgibt, A. B. Herrington, der Leiter des Referats fuer oeffentliche Beziehungen in der Gewerkschaft
der Telefon- und Telegrafenarbeiter (CIO), Charles Herrold, der
Herausgeber der "AFL Weekly News", Oscar Jager, der Herausgeber der
n
Comaunication Workers News", Joseph Keenan, der "League Reporter"
redigiert, Irvin S. Lippe, Herausgeber der "Trainmen News", Arch A.
Mercey, Sonderberichterstatter der Ransdell Inc., William J. Pachler,
Herausgeber der Zeitung "Light", Organ der Gewerkschaft der Arbeiter
oeffentlicher Versofgungsbetriebe (CIO), Hugh Reichard, vom Komitee
der Freundeshilfe, Ray Scott, der Herausgeber des Magazins der Gewerkafc
schaft der Lokomotivfuehrer und Heizer, Allan L. Swim, der Leiter des
CIO-Referats fuer oeffentliche Beziehungen und Herausgeber der "CIO
News", Bernard Tassler, Herausgeber des AFL-Magazines "The Federationist",
Philip E. Ziegler, Herausgeber der Zeitung der Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten, des Verbandes der Bueroangestellten der Eisenbahnen
und Dampfschiffahrt, der Gepaecktraeger und der Bahnhofsangestellten.
In einer ganztaegigen Sitzung wurden die Aufgaben der Gewerkschaftsbewegung im Ma.rshall-plan, das ECA-Programm in den Ueberseegebieten und
Informationsmethoden besprochen.
Im Sommer vorigen Jahres hat die ECA William Goraberg, den Leiter
des Referats fuer Betriebswirtschaft in der Damenoberbekleidungsgewerkschaft nach Grossbritannien, Holland und Westdeutschland geschickt,
um mit Gewerkschaftsfunktionaeren Besprechungen zu fuehren. Seine
Aufgabe war, jene Aspekte der amerikanischen Gewerkschaftserfahrung
auf dem Gebiet der Produktionstechnik zu besprechen, die den europaeischen
Gewerkschaftern in ihren Bestrebungen zur Steigerung der Produktivitaet
von Nutzen sein konnten.
Drei Herausgeber von Gewerkschaftszeitungen hielten sich unter
dem Protektorat der &amp;CA Z U Anfang des Jahres 1949 mehrere Wochen in
Europa auf, um die europaeischen Verhaeltnisse zu studieren und entsprechende Vorschlaege zu machen. Es waren dies Allan L. Swim, der
Herausgeber der CIO News, William Gausmann vom Gewerkschaftspresseverband und Cornelius Miller vom AFL Weekly News Service (Woefhentlicher
Nachrichtendienst der AFL.)
Drei fuehrende Gewerkschaftsfunktionaere wurden im Sommer vorigen
Jahres nach Frankreich geschickt, um mitzuhelfen, die freie Gewerkschaftsbewegung zu staerken und die Kampagne durch Steigerung der Produktionsleistung zu unters^uetzen. Es waren J. William Belanger, der Vorsitzende des CIO-Industriegewerkschaftsrates von Massachusett, Harold
Gibbons, der Hauptkassierer der AFL-Ortsgewerkschaft Nr. 688, der Internationalen Gewerkschaft der Fahrer, und Carmen Luoia, die stellvertretende
Vorsitzende der Internationalen Gewerkschaft der Vereinigten Hutmacher.
Ihre Vorschlaege und ihre Forderung nach Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter haben bei den fuehrenden Beamten der ECA und
auch dem Administrator Foster groesste Beachtung gefunden.
ECA Labor Information
1/30/51

- 16 -

D M » 15 F»b 51 0549 5 » li C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 8

Frankfurt/Main, den 23. Februar 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Der gegenwaertige Stand der amerikanischen Arbeitsgesetzgebung

1

Gewerkschaften der Mittelmeerlaender ruesten sich
zum Kampf gegen die kommunistischen Saboteure

6

Ostberliner Arbeiter erhalten doch ihre Weihnachtsgratifikation

7

Uie die iranischen Gewerkschaften unterstuetzt werden .. 8
Erfolge der amerikanischen Autoraobilarbeitergewerkschaft

9

LohnentwicKlungen in den Vereinigten Staaten

11

Die Invalidenunterstuetzung in der US-Bekleidungsindustrie

13

Marshallplanadministrator William G. Foster zur
europaeischen Wirtschaftslage

14

Regierungsangestellte in Chile erhalten Gehaltsaufbesserung

15

Die gewerkschaftliche Entwicklung in Burma

16

D^R GriOSM.'AKftTIOE STAND V£R AMalilKAKIÖCHEN ARBEITSGESETZGEBUNG
Die 17. Nationalkonferenz fuer Arbeitsgesetzgebung galt in erster
Linie der Mobilisierung der menschlichen Hilfsquellen Amerikas fuer den
Frieden und gegen die Aggression. Arbeitsminister Maurice J. Tobin bezeichnete die Konferenz als ein "Forum, in dem staatliche Beamte und GeVierkschaftsfuehrer zusammenkommen, um Erfahrungen auszutauschen, Probleme
der Arbeitsgesetzgebung zu diskutieren und eine gemeinsame Grundlage fuer
die Verbesserung der Arbeitsnormen zu schaffen."
Praesident Truman versicherte in seiner Botschaft an die Konferenz,
dass ihre Kenntnisse und ihre Erfahrungen mithelfen koennten, die Nation
"in jenen Massnahmen und Methoden anzuleiten, die unseren Produktions-

- 1 -

�apparat zu hoechster Leistungsfaehigkeit befaehigen werden."
Angesichts der kritischen Lage, in der Amerika sich zurzeit befindet, wurde besonders betont, dass eine Vergeudung wertvoller Arbeitskraefte durch Arbeit sunfae H e vermieden v/erden muss. Die durch Unfaelle
verursachten Verluste an Arbeitszeit beliefen sich im Jahre 1949 auf
insgesamt 39 Millionen Arbeitstage, was einer Untaetigkeit von 139.000
Arbeitern fuer die Dauer eines ganzen Jahres entspricht. Die 15.000
Todesfaelle und 1.600 Unfaelle, die eine staendige Arbeitsunfaehigkeit
zur Folge hatten, bedeuten eine dauernde Reduzierung des Arbeitskraeftereservoirs des Landes. Die nahezu 80.000 Faelle dauernder beschraenkter
Erwerbsfaehigkeit wirken sich durch die verminderte Leistungsfaehigkeit
der Opfer - meistens Amputierte - in aehnlicher \.'eise aus.
Da fast alle Arbeitsunfaelle vermieden werden koennten, sah die
Konferenz ihre dringlichste Aufgabe darin, die diesbezueglichen Erfahrungen und die Methoden der Unfallverhuetung den vielen Betriebsleitern zur
Kenntnis zu bringen, die noch nicht in wirksamer '.'eise in dieser Hinsicht
taetig sind. Die Konferenz des Praesidenten ueber industrielle Sicherheit hat festgestellt, dass Unternehmen, die in unzureichendem Masse
fuer die Sicherheit sorgen, im allgemeinen zu klein sind, um Unfallverhuetungsachverstaendige selbst beschaeftigen zu koennen, wie es in grossen
Betrieben der Fall ist, die infolgedessen auch verhaeltnismaessig niedrige
Unfallziffern aufzuweisen haben, Es wurde vorgeschlagen, dass die üinzelstaaten die Vielzahl kleiner Unternehmen durch direkte Hilfsraassnahmen
unterstuetzen, die der Arbeit hauptamtlich beschaeftigter Unfallverhuetungsexperten in grossen Betrieben entsprechen auessen.
Hierzu sei erforderlich, stellte die Konferenz fest, dass grundlegende
Gesetze erlassen werden, in denen angemessenere und einheitlichere Bestimmungen und Normen garantiert werden, dass Unfallstatistiken zur Verfuegung
gestellt werden, dass die Einzelstaaten Sicherheitsprogramme ausarbeiten
und Regierungsbearate die Betriebe in ihren Massnahmen zur Unfallverhuetung
unterstuetzen.
Die Konferenz empfahl, die bestehenden Sicherheitsvorschriften angesichts des nationalen Notstandes auf ihre Zulaenglichkeit zu pruefen. Hierbei sollen Sachverstaendige des Bueros fuer Arbeitsnormen behilflich sein.
Statistische Unfallziffern nuessen planvoll zusammengestellt und ausgewertet werden und Angaben ueber die Groesse der Betriebe, Art der Arbeit
und dergleichen enthalten. Es wurde weiter empfohlen, sich bei der
Berichterstattung ueber Unfaelle an die fuer Amerika gueltige ilethode zu
halten.
*

*

*

In Anbetracht der zu erwartenden Entwicklungen auf dem Gebiet der
Beschaeftigung verheirateter Frauen hat die Konferenz gefordert dass die
Staaten, die Normen in ihrer Gesetzgebung fuer berufstaetige Frauen aufgestellt haben, diese Normen beibehalten und verbessern. Jene Staaten, die
solche Normen nicht haben, sollen sie ebenfalls einfuehren.
Mindestnormen fuer erwerbstaetige Frauen sollen einen Ruhetag in der
Yfoche, die 40-Stunden-Uoche mit einer maximalen Arbeitszeit von 48 Stunden,
eine elfstuendige Zeitspanne fuer Nachtruhe, die die Zeit von Mitternacht
bis vormittags sieben Uhr einschliesst und ausreichende Pausen fuer Mahlzeiten vorsehen. Die Unternehmer sollen zur Erhaltung der Gesundheit und
Leistungsfaehigkeit der Arbeiter fuer saubere Speiseraeume, Aufenthaltsraeume, Toiletteneinrichtungen, gute Ventilation und gute Beleuchtung
sorgen.
Die Konferenz forderte ausserdem, eine Benachteiligung der Frauen den
Maennern gegenueber zu vermeiden. Sie befürwortete die bestehenden

- 2 -

�staatlichen Gesetze, die den gleichen Lohn bei gleicher iiTueit vorsehen,
weiter zu vervollkommnen und darauf hinzuwirken, dass entsprechende
staatliche und bundesstaatliche Gesetze erlassen werden. Es vmrde ferner
vorgeschlagen, in die Gev.erkschaftsvertraege Bestimmungen ueber gleichen
Lohn bei gleicher «rbeit aufzunehmen.
Di« Konferenz sprach sich sodann dafuer aus, in dem bundesstaatlichen
Ges«tz fuer gerechte Arbeitsnormen Bestimmungen ueber einen iünaeststundenlohn von einem Dollar zu verankern. Weiterhin sollen Mindestlnennn fuer
solche Arbeiter festgesetzt werden, fuer die noch keine tarifvertragliche
Regelung besteht.
Die Konferenz stellte fest, dass berufstaetige Frauen gegen Lohnausfaelle bei:n Fernbleiben vom Arbeitsplatz gesichert werden muessen. Die
Ausdehnung der Verteidigungsbetriebe auf neue Gebiete wird 'Johnungs- und
Ernaehi-ungsproblerae fuer die beschaeftigten Arbeitnehmer aufwerfen. Die
Konferenz forderte, den Koranunalprojekten fuer angemessenen Wohnungsbau,
fuer Transport, Kinderbetreuung waehrend der Arbeitszeit, ambulante Fuersorge und anderen Massnahmen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Sie
machte den Vorschlag, dass sich das Buero fuer Frauenangelegenheiten mit
der Abwesenheit berufstaetiger Frauen vom Arbeitsplatz unter besonderer
Berücksichtigung ihrer haeuslichen Verpflichtungen und der Gesundheitsfaktoren beschaeftigt.
Es sei eine kostspielige Selbsttaeuschung, fuhr die Konferenz fort,
Jungen und Maedchen - die zukuenftigen Arbeiter und Buerger Amerikas sofort an Arbeitsplaetzen unterbringen zu wollen, wo das, was sie produzierten, nur einen geringen Teil dessen ausmachen wuerde, was sie einige
Zeit spaeter fuer die Nation leisten koennten. Eine Altersmindestgrenze
von 16 Jahren fuer jegliche Beschaeftigung waehrend der Schulstunden und
fuer die Beschaeftigung in herstellenden und mechanischen Betrieben zu
jeder Zeit sei wichtiger denn je. Derartige BeStimmungen seien erforderlich,
um allen Jugendlichen die Moeglichkeit zu geben, sich eine Grundschulausbildung und berufliche Faehigkeiten zu sichern und sich zu guten Bucrgern
he ranzubilden.
In den Staaten, die nicht in der Lage sind, den vorzeitigen Zustrom
der Jugendlichen zum Arbeitsmarkt aufzuhalten, muessen die staatlichen
Arbeitsbeauftragten und die Gewerkschaftsorganisationen sich dafuer einsetzen, dass entsprechende Gesetze erlassen werden.
Um ein Maximum an Leistungsfaehigkeit auf lange Sicht erzielen zu
koennen, muessen gesunde Arbeitsnormen und gute Arbeitsbedingungen geschaffen
werden. Die Konferenz ist der Auffassung, dass die staatlichen Aemter fuer
Arbeitsfragen und das US-Arbeitsministerium in einem Programm zusammenarbeiten muessen, das der Entwicklung und Foerderung der Normen fuer die
Arbeitsbedingungen und der Verhuetung von Arbeitsunfaellen gewidmet sein
rau3s. In diesem Zusammenhang wurden folgende Normen vorgeschlagen:
a) Ein 8-Stunden-Tag und eine 40-Stunden-Vfoche, wobei Ueberstunden mit 150^ des normalen Lohnes und Sonn- und Feiertagsarbeit mit Sonderpraemien zu vergueten sind.
b)

Von sieben Tagen muss zumindest einer als Ruhetag festgesetzt sein.

c)

Die Essenspause in der Mitte der Arbeitszeit darf nicht
weniger als 30 Minuten dauern. Es sind ausserdem weitere
entsprechende Ruhepausen einzulegen.

d) Der Mindestlohn muss auf 1 Dollar erhocht werden. Arbeitnehmer, die noch nicht unter die Bestimmungen des Mindestlohngesetzes fallen, muessen einbezogen werden. Alle Staaten

- 3-

�rauessen fuer alle Arbeitnehmer ohne Ausnahme Gesetze ueber
Mindestloehne erlassen, Ein MindestStundenlohntarif von
v/enigstens 75 Cents muss in der Verfassung festgelegt werden,
und die Lohnausscimesserauessenemaechtigt sein, hoehere
Mindestloehne anzuordnen und unter bestimmten Garantien die
Tarife fuer Anlernlinge, Lehrlinge und koerperbehinderte
Arbeiter abzuaendern. Mehr als acht Arbeitsstunden pro Tag
und 40 Stunden pro Woche muessen mit eineinhalbfacher Bezahlung verguetet werden. Staatliche Gesetse, die sich nur
auf Frauen und Minderjaehrige erstrecken, muessen auch auf
die maennlichen Arbeitnehmer ausgedehnt werden.
e)

In jedem Staat muss gesetzlich festgelegt werden, dass der
volle Lohnbetrag in bar, in Scheck oder in der Form der Buergschaft zumindest zweiwoechentlich auszuzahlen ist; ein
Arbeiter, der von der Lohnliste gestrichen wird, muss sofort
ausbezahlt werden; die Aemter fuer Arbeitsfragen in den
Einzelstaaten muessen, wenn notwendig, mithelfen, die faelligen
Lohnbetraege einzutreiben; fuer Unternehmer, die gegen das
Mindestlohngesetz Verstössen, sind Strafen vorzusehen.

f) Durch gemeinsame Bemuehungen der bundesstaatlichen und einzelstaatlichen A«mter fuer Arbeitsangelegenheit, der gewerkschaftlichen Gruppen, der Betriebsleiter und anderer oeffentlicher
und privater Organisationen muessen die Unfallziffern herabgesenkt und dadurch wertvolle Arbeitskraefte erhalten werden. Die
gemeinsamen Ausschuesse fuer industrielle Sicherheit, in denen
Gewerkschaften und Unternehmen vertreten sind,rauessenin
Taetigkeit treten. Die staatlichen Gesetze muessen verbessert
oder angepasst werden, damit Sicherheitsvorschriften von den
Aemtern erlassen werden koennen. In der Durchführung der
Sicherheitsbestimmungen, die in dem Gesetz fuer Hafenarbeiter
enthalten sind, muss eine bessere Zusammenarbeit zwischen den
bundesstaatliehen und einzelstaatlichen Aemtern fuer Arbeitsangelegenheiten gewaehrleistet werden.
g) Um unsere Jugend zu schuetzen, muessen wir gegen Bestrebungen
auf der Hut sein, die einer Abschaffung der bestehenden Schutzbestimmungen das Hort reden. Die Konferenz ist der Auffassung,
dass der groesste Beitrag der Jugend zum Verteidigungsprogramm
darin besteht, dass sie ihre Schulausbildung zumindest bis zum
Abschluss der hoeheren Schule fortsetzt.
Die gegenwaertige Erwerbslosigkeit wurde von der Konferenz mit den
Zustaenden des zweiten Weltkrieges verglichen, als die Zahl der Erwerbslosen 10 Millionen betrug. Schaetzungsweise sind weniger als 2 Millionen
arbeitsfaehige Personen zurzeit erwerbslos. In dieser Zahl sind diejenigen enthalten, die ihren Arbeitsplatz staendig wechseln oder die
voruebergehend ohne Beschaeftigung sind.
Die Konferenz brachte zum Ausdruck, dass Schulungsplaene auf lü- oder
15-jaehriger Basis durchgefuehrt werden rauessen.
Nur ein Viertel der zur Aufrechterhaltung des normalen Facharbeitermarktes erforderlichen Lehrlinge sind augenblicklich berufstaetig.
Die Konferenz hat deshalb empfohlen, dass das bundesstaatliche Buero
fuer Lehrlingsw«sen, die einzelstaatlichen Lehrlingsaemter, die internationalen Gewerkschaften und die Unternehmerorganisationen aufgefordert werden,
den Angehoerigen von Minderheitsgruppen Moeglichkeiten zur Lehrlingsausbildung und zu beruflichem Fortkommen zu bieten. Es wurde ausserdem befuerwortet, dass die Öffentlichkeit ueber den Mehrbedarf an Lehrlingen

-4-

�unterrichtet wird, und der Personalstab des Amtes fuer Lehrlingswesen
und der staatlichen Lehrlingsaerater vergroessert wird, um den bevorstehenden Aufschwung in diesem Programm bewerkstelligen zu koennen.
Die Konferenz empfahl die Zusammenarbeit zwischen bundesstaatlichen
und staatlichen Regierungen, um zu gewaehrleisten, dass Arbeiter und
Unternehmer von den oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemtern groesstmoeglichen Gebrauch machen. Sie sprach sich ferner dafuer aus, dass der
Kongress ausreichende Mittel zur Erreichung und Unterhaltung von Einrichtungen und Personal zur Verfuegung stellt, das mit der Durchführung
der Programme zum Einsatz der Arbeitskraefte beauftragt wird. Staatliche
und bundesstaatliche Gesetze ueber die Zulassung privater Arbeitsvermittlungsbehoerden und Vertragsfirmen sollen noch geschaffen werden. Die
Taetigkeiten zur Einstellung und Plazierung von Arbeitskraeften anderer
Gruppen, die im Arbeitsvermittlungsdienst stehen, muessen coordiniert
werden. Die Verwaltung der oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemter muss
wieder in einem bundesstaatlichen System zusammengefasst werden. Uird
diese Zusammenfassung verwirklicht, dann ist die Verwaltung dieser Behoerden dem Arbeitsministerium zurueckzugeben.
Um unnoetige und nicht wuenschenswerte Versetzungen von Arbeitskraeften zu vermindern, hat die Konferenz vorgeschlagen, dass die Unternehmer davon ablassen, Arbeiter anderer Unternehmen fuer sich zu werben
und dass die Zeitungen nicht mehr jene Art der Reklame betreiben, die
eine schaedliche Umschichtung und Verlagerung der Arbeitskraefte zur
Folge hat.
Die Unternehmer sollen ihre Betriebsstruktur so gestalten, dass die
einzelnen Arbeiter schnell ausgebildet und in den Produktionsprozess eingeschaltet werden koennen und dass die Faehigkeiten der bereits beschaeftigten Arbeiter besser ausgenutzt werden. Fuer die Einstellung
von Frauen wurde empfohlen, zuerst jene Frauen in ein Beschaeftigungsverhaeltnis zu bringen, die keine wichtigen haeuslichen Verpflichtungen
haben, also vor allem der jungen alleinstehenden Frauen, der aelteren
Altersgruppen und der Kurzarbeiter. Jugendliche sollen nicht eingestellt
werden, wenn ihre Beschaeftigung nicht mit den bundesstaatlichen oder
staatlichen Gesetzen zu vereinbaren ist.
Das Arbeitsministerium, die staatlichen Regierungen und andere
oeffentlichen und privaten Behoerden und an dieser Frage interessierten
Organisationen sollen sofort ihre Bemuehungen vereinigen, um genuegend
Beamte fuer den Einsatz der Arbeitskraefte zu schulen, die besonders
befaehigt sind, koerperbehinderten Personen eine passende Beschaeftigung
zu schaffen. Die wertvollen Faehigkeiten aelterer Leute, die gegenwaertig nicht beschaeftigt sind, bilden eine Kraftquelle und um diese
Arbeiter wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfuegung zu stellen, soll die
Oeffentlichkeit darueber in Kenntnis gesetzt werden, dass wir diese
Faehigkeiten brauchen. Arbeiter, die bereits auf den Pensionslisten
stehen, verfuegen ueber berufliche Kenntnisse, die zur Ausbildung anderer
ausgenutzt werden muessen. Besondere Massnahmen muessen eingeleitet
werden, um diesen Arbeitern bei einer Neuaufnahme der Beschaeftigung ihre
Pensionsrechte zu sichern.
Da eine groesstmoegliche Beweglichkeit der Erwerbsbevoelkerung von
groesster Wichtigkeit ist, schlug die Konferenz eine Abaenderung der
privaten Pensionsprogramne vor, damit die Arbeiter bei einem V'echsel
dieser Beschaeftigung keinerlei Rechte verlieren.
Sie empfahl ausserdem, entsprechende Arbeitgeber-Arbeitnehmerausschuesse zu bilden, die auf bundesstaatlicher, staatlicher und oertlicher
Basis den Behoerden bei der Mobilisierung der Arbeitskraefte behilflich
sind.

- 5-

�18 Resolutionen wurden von der Konferenz gebilligt. Zu den darin
enthaltenen Zielen gehoeren gesetzliche Sicherheitsmassnahmen fuer
Eisenbahnarbeiter, die Bildung zusaetzlicher Behoerden und Dienststellen fuer Koerperbehinderte, die Beseitigung von Schranken, die der
Beschaeftigung aelterer Arbeiter im Wege stehen und die Fortsetzung
der Ansprueche auf die soziale Versicherung solcher Arbeiter, die zu
den Uaffen gerufen werden.
In einer Resolution wurden neue Gesetze in Vorschlag gebracht, die
den Arbeitern dieses Landes und ihren Angehoerigen in Falle von Verletzungen oder Tod, die durch Atombombenangriffe auf Industriezentren
verursacht sind, Schutz, aerztliche Betreuung und Entschaedigung geben
sollen. Derartige Angriffe koennten von so grosser Wirkung sein, dass
die Mittel der bestehenden Versicherungssysteme erschoepft werden und
sie ihre finanziellen Verpflichtungen nicht erfuellen koennten.
lionthly Labor Review
1/51

(gflERBSCHAFTEN DER MITTELLJEERLAENPAR RUSSTfcM SICH ZUM KAUFT Gi.GEN PIK
KOMMUNISTISCHEN SABOTEURE
In den Haefen des Mittelneers von üran bis Haifa, von Piraeus bis
Marseilles ruesten sich die Gewerkschaften der Seeleute und Hafenarbeiter
zum Kampf gegen die kommunistischen Saboteure.
Waehrend die Diplomaten ueber die hoehere Strategie zur Verhinderung
der kommunistischen Aggression debattieren, gehen diese Seeleute und
Hafenarbeiter in realistischer Weise in ihrem eigenen Wirkungsbereich
energisch an dieses Problem heran und stehen mit Faeusten und Schultern
und geistigen Waffen bereit, die sie in ihrem Kampf verwenden koennen.
Die Schiffe und Waffenlieferungen fuer die westeuropaeische Verteidigung werden mit allen Mitteln gegen die kommunistische Sabotage verteidigt werden - diese Warnung hat das Mittelmeerkomitee der Internationalen
Transportarbeiter-Foederation ausgesprochen.
Dieses Aktivistenkomitee der Gewerkschafter wird von Pierre FerriPisani, einem langjaehrigen Gewerkschaftsführer im Hafen Marseilles,
gefuehrt. Es wird ferner von einem amerikanischen Gewerkschafter dabei
massgeblich unterstuetzt, naemlich von Irving Brown, dem europaeischen
Vertreter der AFL.
In einigen europaeischen Haefen hat die Ankunft von Schiffen, die
mit Marshall-Plan-Guetern oder mit Waffen fuer die Verteidigung der
Staaten des Nordatlantik-Paktes beladen waren, feindselige kommunistische
Demonstrationen und die Weigerung ausgeloest, diese Schiffe zu entladen.
Das Mitteloeerkomitee sieht ueber diese Vorfaelle hinaus in die kuenftige
Entwicklung und bereitet sich auf die Moeglichkeit vor, dass konmunistische Widersacher versuchen, Schiffe oder Ladungen in Besitz zu nehmen,
zu versenken oder zu zerstoeren.
Dadurch, dass komuunistische "Aktivisten" in Schiffsmannschaft«!,
Hafenarbeiterkolonnen, Seeleute- und Haf snarbeitergev-erkschaften eingesickert sind,rauessendie Verteidiger der westeuropaeiachwi Kultur in
den freien Gewerkschaften staendig auf der Hut sein. Fuenf ?Jaenner sollen
bekanntlich in der Lage sein, ein ganzes Schiff in Besitz zu nehmen. Deshalb ist es notwendig, dass sich an Bord jedes Schiffes mindestens fuenf
tatkraeftige anti-kommunistische Verteidiger in Alarmbereitschaft befinden, die in der Lage sein muessen, die fuenf Saboteure abzuwehren.

- 6-

�Innerhalb der Haefen gestaltet sich diese Aufgabe schwieriger.
Die Funktionaere, die das Mittelmeer-Komitee gebildet haben, sind
erfahrene Gewerkschafter, die allen organisatorischen Aufgaben gewachsen sind. Die meisten von ihnen haben ihren physischen und
moralischen Mut bereits unter Beweis gestellt.
Seit der Gruendung des Komitees im Sommer vorigen Jahres in Neapel
und auf einer kuerzlichen Tagung in Marseilles waren Brown und FerriPisani staendig den Anfeindungen der kommunistischen Presse ausgesetzt,
die sich dagegen wandte, dass Lieferungen fuer die europaeische Verteidigung entladen und fuer Korea und Indochina bestimmte Schiffe beladen werden.
Diese beiden Fuehrer und ihre Verbuendeten im Komitee brachten
jedoch in der kaempferischen Sprache ihrer EntSchliessungen und anderer
Verlautbarungen, die sie anlaesslich der Sitzung in Marseilles herausgaben, ihre iintschlossenheit zum Ausdruck, jedem Sabotageversuch der
Komrauriisten die Stirn zu bieten. Das Komitee arbeitet groesstenteils
auf vertraulicher 3asis und beschaeftigt sich mit den besonderen Problemen
der Haefen Frankreichs, Griechenlands, Italiens, Israels, Maltas,
Algeriens, Tunis1 und Marokkos. Der Inhalt dieser vertraulichen Besprechungen kommt jedoch in den irklaerungen deutlich zum Ausdruck, die
sich gegen die Agenten Moskaus richten, und in denen der Kreml beschuldigt wird, sich in illegaler "eise in den Haefen vieler Nationen
in deren Schiffahrt einzumischen.
Ferri-Pisani erklaerte, warum es notwendig sei, vertrauliche
Sitzungen abzuhalten. "Unsere Organisation ist weder eine Geheimorganisation noch ist sie illegal," sagte der franzoesiche Gewerkschafter. "Aber
wir muessen alle moeglichen Sicherheitsmassnahmen treffen, um zu vermeiden, dass unsere Feinde, die darauf geschult sind, sich Informationen
zu verschaffen, unsere Plaene erfahren."
Brown versprach vor der Konferenz in Marseilles, dass den freien
Arbeitern Europas in ihrem Kampf gegen den sowjetischen Imperialismus
weiterhin die Unterstuetzung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
zuteil wuerde.
"VJir kaempfen fuer die gleiche Sache, l.'ir sind der festen Ueberzeugung, dass Hafenarbeiter und Seeleute eine wesentliche Holle in der
Verteidigung der demokratischen ..'elt spielen."
SCA Labor Information

n/i/51
OSTBKRLINER ARBKITSR aiiHALTüN DOCH IHRL \.TEIHNACHTSGRATIFIKATION

Berichten des amerikanischen Arbeitsministeriums zufolge haben die
Arbeiter in Ostberlin nun doch ihre traditionelle Weihnachtsgratifikation
erhalten.
Kurz vor '..'einnachten hatte sich der kommunistisch beherrschte Freie
Deutsche Gewerkschaftsbund in Ostberlin gegen die Ausbezahlung der
Gratifikation in verstaatlichten Betrieben ausgesprochen, weil sie mit
dem Grundsatz "unvereinbar" sei, dass sich die Loehne nach dem Ausstoss
richten muessen. Die Auszahlung der Gratifikationen war in privaten
Unternehmen noch gestattet, aber nur unter der Bedingung, dass der Unternehmer alle Steuern, Sozialversicherungsbeitraege usw. abgefuehrt hat
und die Gratifikationen aus den Gewinnen bezahlt werden.

-7 -

�Die Reaktion der Arbeiter auf dieses Verbot hin war jedoch
so unguenstig, dass das Politbuero der kommunistischen Partei Ostberlins das Verbot mit der Begruendung rueckgaengig machte, das
Prinzip der Angleichung der Loehne an den Ausstoss habe sich noch
nicht genuegend durchgesetzt, um ein derartiges Verbot zu rechtfertigen.
Labor Press Service
1/29/51

W K DIU IRANISCHEN GrT.SRK SCHÄFTEN UNTERSTUETZT \&amp;IiDKN
Experten in Arbeitsfragen aus dem Iran studieren gegenwaertig
die gewerkschaftliehe Organisation und die Handhabung der Arbeitsgesetze durch die Regierung der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig ist
ein Sachverstaendiger fuer das Lehrlingswesen aus dem US-Arbeitsministerium in Iran taetig. Sie alle naben das Ziel vor Augen, die
Arbeitsbedingungen der iranischen Arbeiter zu verbessern.
Cyrus Majd, ein Hauptberater im iranischen Arbeitsiainisterium,
besuchte im Januar unter dem Protektorat des Bueros fuer internationale
Arbeitsangelegenheiten im US-Arbeitsministerium amerikanische Gewerkschaften und Betriebe. Majd ist Mitglied des iranischen Gewurkschaftsbundes ESKI. ESKI ist dem nichtkornmunistischen Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften angeschlossen, dem auch alle groesseren US-Gewerkschaften angehoeren.
Das Frauenbuero im US-Arbeitsministerium hat ein Darlehen gewaehrt,
aufgrund dessen ein sechsmonatiger Studienaufenthalt in den Vereinigten
Staaten ermoeglicht wird. Von dieser Lioeglichkeit macht zurzeit Dr.
Kechnineh Kazimi Gebrauch. Das Darlehen wurde im Rahmen des Programms
der amerikanischen Regierung fuer die Zusammenarbeit mit anderen Laendern
zur Verfuegung gestellt. Dr. Kazimi, der Leiter des Bueros fuer Frauen
und jugendliche Arbeiter sowie fuer industrielle Hygiene im iranischen
Arbeitsministeriura ist, besucht Schulen und Betriebe in den Vereinigten
Staaten.
Auch Habib Naficy weilte kuerzlich in den Vereinigten Staaten und
ist nach einer Studienreise durch Amerika, die vom Buero fuer internationale Arbeitsangelegenheiten im US-Arbeitsministerium unterstuetzt
wurde, in sein Land zurueckgekehrt. Naficy, der ein Fuehrer der Bewegung fuer soziale Gesetzgebung, ein einflussreiches Arbeitsministerium
und demokratische Gewerkschaften ist, war in der Zeit von 1946 bis 1950
mit einigen Unterbrechungen stellvertretender Arbeitsminister.
Leon C. Shingledecker, ein Experte fuer industrielle Ausbildung im
Buero fuer Lehrlingswesen des US-Arbeitsministeriums, ist jetzt fuer
zwei Jahre nach dem Ir^n geschickt worden, um dieses Land bei der Ausarbeitung eines wirksamen Programms zur Ausbildung von Industriearbeitern
zu unterstuetzen. Zu seiner Aufgabe gehoert auch, dass er in bestimmten
Betrieben Projekte zur praktischen Veranschaulichung ausarbeitet und der
iranischen Regierung bei der Loesung ihrer umfassenden Ausbildungsprobleme hilft.
Vor 1945 bestand im Iran keine Behoerde in der Regierung, die sich
mit Arbeitsproblemen befasst haette. Im Jahre 1945 wurde als Teil des
Ministeriums fuer Handel und Industrie ein "vorlaeufiges Amt fuer
Arbeitsangelegenheiten" gegruendet. Das gegenwärtige Arbeitsministerium entstand im Mai 1946 gemaess den Bestimmungen eines Arbeitsgesetzes, das von Naficy unterstuetzt worden war, der damals Leiter des

- 8 -

�vorlaeufigen Amtes fuer Arbeitsangelegenheiten war.
Das erste und grundlegende Arbeitsgesetz von 1946 wurde durch
eine Gesetzesvorlage abgeaendert, die im Juni 1949 bewilligt wurde.
Es enthaelt allgemeine Bestimmungen ueber Loehne, Arbeitszeit,
Urlaub, Entlassungsbedingungen und dergleichen. Ferner findet in
diesem Gesetz die Frage der industriellen Gesundheit und Sicherheit
sowie der Versicherung, der Rechte der Gewerkschaften, der Schiedsgerichtsbarkeit zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten usw. Beruecksichtigung.
Labor Press Service
1/29/50

ERFOLGE DER AMERIKANISCHEN AUTOMOBILARBEITERGE'.'ERKSCHAFT
Die Automobilarbeitergewerkschaft des CIO nimmt fuer sich den Ruf
in Anspruch, mit 1.250.000 Mitgliedern die groesste Gewerkschaft in
Amerika zu sein. In einem Bericht an die Mitglieder der Gewerkschaft
prophezeit ihr Vorsitzender VJalter P. Reuther, dass sie bis zur Eroeffnung des naechsten Jahreskongresses am 1. April 1951 in Cleveland
eine Mitgliederzahl von 1.300.000 erreicht haben duerfte.
In dem jetzt veroeffentlichten Bericht wird festgestellt, dass die
Gewerkschaft seit ihrem letzten Kongress im Juli 1949 250.000 neue
Mitglieder geworben hat. Der Bericht gibt sodann einen Ueberblick
ueber die Lohnpolitik der Gewerkschaft und rechtfertigt ihre Haltung
in der Frage der Lohnangleichung an die Lebenshaltungskosten. Die
Stufen-Klausel hat den Arbeitern, die den Bestimmungen der Tarifvertraege unterliegen, im September 1950 eine Lohnerhoehung von fuenf Cents
und im Dezember eine von drei Cents eingebracht. Nach den letzten
Informationen wird eine weitere Lohnaufbesserung im Maerz vorgenommen
werden.
Reuther erklaerte^ dass diese Erhoehungen nicht inflationistischer
Natur seien, da sie gegenueber den Bewegungen im Verbraucherpreisindex
um 90 Tage zurueckbleiben. Sie verursachten auch keine Preissteigerung.
Ihr Zweck sei lediglich, den Arbeitern einen Ausgleich zu bieten, nachdem derartige Preissteigerungen bereits eingetreten seien.
Er sagte voraus, dass der Lohnstabilisierungsausschuss die Automobilarbeite rgewerkschaft in ihren Bemuehungen zur Angleichung der Loehne an
die Lebenshaltungskosten und in der Verwirklichung automatischer Anpassungstarife unterstuetzen und die Fuenf-Jahresvertraege schuetzen
wird, die sich auf den groessten Teil der Automobil-Industrie erstrecken.
Im Jahre 1949 habe die Gewerkschaft ihr Hauptaugenmerk auf die
Sozialversicherung gerichtet. Dadurch, dass sie kurz nach dem Kongress
in Milwaukee den Vertrag mit den Ford-l.'erken als Musterbeispiel erklaert
habe, haette sie klar zu erkennen gegeben, dass 1949 das Jahr war, in
dem die Automobilarbeitergewerkschaft die Absicht hatte, mit den bestehenden bisherigen Wirtschaftlichen und moralischen Masstaeben der
Automobil-Industrie aufzuraeumen.
'".Vir waren der Auffassung", erklaerte Reuther woertlich, "dass eine
Industrie, die es sich erlauben kann, Betriebsleitern hohe Pensionen zu
zahlen, obwohl diese nicht darauf angewiesen sind, auch den Arbeitern
Pensionen zahlen muss, die sie wirklich brauchen."
Der mit den Ford-..'erken abgeschlossene Pensionsvertrag war der erste,

- 9-

�in dem drei grundlegende Prinzipien verankert waren, die fuer einen
gesunden Pensionsplan notwendig sind, - naemlich ein Pensionsplan,
fuer den die Arbeiter keinerlei Abgaben zu entrichten haben und der
allein von den Unternehmern finanziert wird, ferner Pensionszahlungen,
die durch einen wirklich gesunden Pensionsfonds gesichert sind, zu
dem die Unternehmer beisteuern muessen, damit die Kosten fuer fruehere
und zukuenftige Unterstützungen an die Arbeiter gedeckt werden
koennen, und ein gemeinsamer Verwaltungsausschuss, der die Durchführung des Planes ueberwacht und von den Vertretern der Gewerkschaft
und der Gesellschaft paritaetisch besetzt ist.
Diese neu aufgestellten Prinzipien haben die Sozialversicherungsunterstuetzungsmassnahmen fuer das gesamte amerikanische Volk verbessert.
"Unsere Ziele", erklaerte der Vorsitzende der Automobilarbeitergewerkschaft, "gehen dahin, unseren Arbeitern eine iündestpension von
200 Dollar zu sichern und darueber hinaus durchzusetzen, dass sie beim
Wechsel ihres Arbeitsplatzes von einem Unternehmen zu einem anderen
ihren Pensionsanspruch nicht verlieren."
In Detroit und Toledo sei bereits ein Anfang gemacht worden. Hier
kann ein Arbeiter seinen Arbeitsplatz innerhalb einer bestimmten Gruppe
von Unternehmen wechseln, ohne den Anspruch auf Pensionen zu verlieren,
weil ein gemeinsamer Pensionsfonds besteht.
tfM Gesundheits- und aerztliche Betreuungsprogramme sowie Krankenund Invalidenversicherung betrifft, seien in den kleineren Unternehmen
groessere Fortschritte als in den grossen erzielt worden. Die Automobilarbeitergewerkschaft habe Vertraege abgeschlossen, die sich auf nahezu
1.250.000 Arbeiter erstreckte und in denen woechentliche Kranken- und
Invalidenunterstuetzungen von 28 und 45 Dollar vorgesehen seien.
Im Rahmen dieser Pensionsprogramme gelang es, die Unternehmer zu
bewegen, die Kosten fuer Lebensversicherungen fuer pensionierte Arbeiter
zu tragen. Der Verkauf von ArbeitsVersicherungen sei jedoch noch immer
ein eintraegliches Geschaeft. Die Gewerkschaftsmitglieder zahlen noch
immer durch ihren Beitrag zur Versicherung Millionen von Dollar, die
durch allerlei Vereinbarungen der Unternehmer mit den Versicherungsgesellschaften der Industrie wieder zufHessen.
Auf dem naechsten Jahreskongress wird Reuther die Delegierten auffordern, die Gruendung einer Versicherungsgesellschaft der Automobilarbeitergewerkschaft zu billigen, die ohne Gewinn arbeiten soll. "Die
Gewerkschaft sei gross genug," sagte Reuther, "um ihre Mitglieder auf
gegenseitiger Basis selbst zu versichern und betraechtliche Betraege
fuer die Arbeiter zuruecklegen zu koennen.
Es ist mit Sicherheit damit zu rechnen, dass auf dem AutomobilArbeiter-Kongress im April eine Erhoehung der Gewerkschaftsbeitraege und
d»r Kopfsteuer beschlossen wird. Die Beitraege sind seit 1946 nicht erhoeht worden. Sie sind die niedrigsten aller groesseren Gewerkschaften
Amerikas (monatlich 1,50 Dollar) und, nach Aussage Reuthers, reichen sie
nicht aus, um die Unkosten der Gewerkschaft im Jahre 1951 zu decken.
Der naechste groessere Schritt der Gewerkschaft auf dem Gebiet der
Tarifverhandlungen ist der Kampf um einen garantierten Jahreslohn.
Reuths»' erklaerte, die Zeit der langfristigen Vertraege wuerde ausgenützt werden, um Unterlagen zu sammeln und vorzubereiten, um die Forderung
nach einem festgesetzten Jahreslohn rechtfertigen zu koennen.
Er versprach ferner, dass die Gewerkschaft in Uashington ihren Kampf
um eine gerechte Verteilung der Lasten und ein Mobilisierungsprogramm

- 10 -

�fortsetzen werden.
Labor News fron the United States
February 16, 1951

LOHNENTUICKLUNGEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Die fortgesetzten und weitverbreiteten Bestrebungen nach einer
allgemeinen Erhoehung der Loehne hat im Lohnabkommen zwischen der U.S.
Steel Corporation und der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO im November
vorigen Jahres ihren Hoehepunkt gefunden» Fast unmittelbar danach
folgten aehnliche Abkommen mit anderen bedeutenden Stahlerzeugern.
Die Stahlarbeitergewerkschaft Amerikas (CIO) hat mit den zwei
groessten Stahlerzeugern, der U.S. Steel Corporation und der Bethlehem
Steel Corporation Vertraege abgeschlossen und in neun Stahlfabriken sind
im Laufe des Monats November "Union-Shop"-.'ahlen zu den Gunsten der
Gewerkschaften entschieden worden.
Der Vertrag mit der U.S. Steel Corporation, der am 30. November nach
sechs-woechigen Verhandlungen abgeschlossen wurd^, sah, mit Wirkung vom
1. Dezember Lohnerhoehungen von durchschnittlich 16 Cents pro Stunde vor.
Diese Erhoehun;;en variieren von mindestens 12|- Cents pro Stunde fuer die
niedrigsten Lohngruppen bis zu 28 Cents fuer die hoechsten. Die Arbeiter
in den Fabriken der Tennessee Kohle -Eisen-und Eisenbahn-','erken erhalten
zusaetzlich 4«? Cents pro Stunde, wodurch die Ortsklassenunterschiede in
den noerdlichen und suedlichen Zweigbetrieben der U.S. Steel Corporation
um 10 Cents reduziert werden. An der Ablauffrist des bestehenden Vertrages, naemlich dem 31. Dezember 1951, aendert sich nichts.
Nur wenige Stunden nach der Unterzeichnung des Vertrags mit der U.S.
Stsel Corporation wurde ein Abkommen mit der Bethlehem Steel Corporation
erzielt, in dem aehnliche Lohnerhoehungen vorgesehen sind. Unmittelbar
hierauf folgten Vertraege mit der Jones und Laughlin Stahl Corporation,
Republic Stahl Corporation, Youngstown Blech-und Roehren-Corporation
und Allegheny Ludlun Stahl Corporation, in denen aehnliche Bestimmungen,
wie in dem Vertrag mit den U.S. Steel ',,'erken enthalten sind.
V/aehrend im November Lohnverhandlungen gefuehrt wurden, fuehrte der
Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen gemaess dem Gesetz ueber ArbeitgeberArbeitnehmer Beziehungen aus dem Jahre 1947 in neun stahlerzeugenden
Unternehmen "Union-Shop"-'.'ahlen durch.
In allen Betrieben sprach sich die Mehrzahl der Arbeitnehmer fuer den
"Union-Shop" aus und ermoeglichte es damit der Gewerkschaft, in den Tarifverhandlungen mit UnternehmernMUnion-Shop^BestimcBungen zu vereinbaren.
Im groessten Zweigunternehmen der U.S. Steel Corporation, der CarnegieIllinois Steel Corporation, stimmten nahezu 63.000 von 82.000 stimmberechtigten Arbeitnehmern mit etwa 3:1 Stimmen fuer den "Union-Shop". "UnionShog"-Uahlen wurden ferner in folgenden Unternehmen durchgefuehrt: National
Roehren Company, Ailegheny-Ludlum Stahl Corporation, American Stahl und
Draht Company, American Bridge Company und Laughlin Steel Corporation,
Crucible Steel Company und Sharon Steel Corporation.
Ende Oktober fuehrte der Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen Vertreterwahlen fuer die Arbeitnehmer der ','eirton Steel Corporation in Ueirton
('.'est-Virginia) durch. Die unabhaengige Stahlarbeitergewerkschaft setzte
sich dabei mit 7.291 gegen 3.454 Stimmen gegen die Stahlarbeitergewerkschaft des CIO durch. Nur 267 Stimmberechtigte beteiligten sich nicht an

- 11 -

�der Abstimmung.
Etwa 17.000 Arbeitnehmer der Yfestern Electric Company aus 43 verschiedenen Staaten und 16.000 Arbeiter, die bei der Michigan Bell
Telephone Company beschaeftigt sind, traten am 9. November in den Streik,
weil man sich nicht mit den Unternehmern ueber Loehne und die Dauer der
Tarifvertraege einigen konnte. Der Streik hielt an, und die Arbeiter
stellten vor den Telephonfabriken und Bueros bis zum 19. November Streikposten. Zu diesem Zeitpunkt kamen neue Vertraege zwischen den Unternehmern und der Gewerkschaft der Telephon-und Telegraphenarbeiter (CIO)
zustande.
In den Tarifvertraegen der Vestern Electric Company sind Lohnaufbesserungen fuer Installationsarbeiter von durchschnittlich 11,3 Cents
pro Stunde, von 10,3 Cents fuer Lagerarbeiter und 10,1 Cents fuer
Produktionsarbeiter in der Fabrik in Haverhill vorgesehen, die der
Company gehoert. Alle diese Vertraege haben eine Gültigkeitsdauer von
15 Monaten und laufen am 15. Februar 1952 ab. In dem Tarifvertrag der
Michigan Bell Company werden die Lohnerhoehungen der Arbeiter von Detroit
von 3 Dollar auf 5 Dollar woechentlich heraufgesetzt. Ortsklassenunterschiede zwischen Detroit und kleineren Staedten wurden durch eine Neuklassifizierung 63 verschiedener Staedte reduziert. Dadurch wurden die
Wochenloehne stellenweise um 9 Dollar erhoeht.
Am 19. November wurde von den vier groessten Fernsehsendern und der
sogenannten "Television Authority" ein vorlaeufiger Zwei-Jahresvertrag
unterzeichnet. Diese Organisation repraesentiert etwa 25.000 Angestellte
des Rundfunk- und Fernsehwesens, die fuenf Zweigorganisationen der Gewerkschaft der Schauspieler und Kuenstler Amerikas (AFL) angehoeren,
naemlich der amerikanischen Schauspieler-Vereinigung, dem amerikanischen
Verband der Rundfunkkuenstler, der amerikanischen Gilde der Musiker, der
Gilde der Variete -Kuenstler und der Vereinigung der Chorsaenger.
In dem Vertrag wurden folgende Mindestloehne festgesetzt:
1. Fuer Schauspieler 50 bis 170 Dollar pro Vorfuehrung je nach
der Zahl der Zeilen, die zu sprechen sind, der Dauer der Vorfuehrung und der Zahl der erforderlichen Probenstunden.
2. Fuer volkstuemliche Darbietungen 200 Dollar fuer einen einzigen
Auftritt bis zu 475 Dollar fuer vier Auftritte.
3. Fuer Sportberichterstatter 200 Dollar fuer jeden Bericht einer
groesseren Veranstaltung oder 550 Dollar woechentlich fuer
sieben Veranstaltungen der gleichen Sportart.
Auf provisorischer Basis wurde auch ein Abkommen zwischen den bedeutendsten Rundfunksendern und der amerikanischen Gewerkschaft des Rundfunkpersonals abgeschlossen. In ihm ist eine Erhoehung der Mindestlohntarife von 15 bis 20# vorgesehen, was sich auf etwa 5.000 Schauspieler
und Sprecher des Rundfunks auswirken wird.
Nahezu 60.000 Mitgliedern der Internationalen Gewerkschaft der Damenoberbekleidung sarbeiter (AFL) in New York, New Jersey und Connecticut
wurde von Sol A. Rosenblatt, dem unparteiischen Vorsitzenden der Industrie
fuer Damenmaentel und -Kostueme in New York, mit 'Tirkung vom 20. November
eine Lohnerhoehung von fuenf Dollar in der 'Joche gewaehrt. Die Gewerkschaft
und die Unternehmer hatten sich an Rosenblatt gewandt, nachdem sie auf dem
Verhandlungsweg keine Einigung erzielen konnten. Die Stundenloehne der
Arbeiter wurden um 142 Cents erhoeht. Die Lohnerhoehungen fuer Akkordarbeiter werden auf prozentualer Basis errechnet.
David Dubinsky, der Vorsitzende der Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft, erklaerte, dass diese Lohnerhoehung bahnbrechend sein wuerde,

-12-

�um fuer 370.000 weitere Mitglieder der Gewerkschaft in den Berufen und
Industriezweigen der Bekleidungsherstellung im Zustaendigkeitsbereich
der Gewerkschaft Lohnerhoehungen aufgrund der Steigerung der Lebenshaltungskosten durchzusetzen.
Nachdem das Buero fuer Arbeitsstatistik im November mitgeteilt
hatte, dass der Verbraucherpreisindex in der Zeit vom 15. Juli bis
15 Oktober von 172,5 auf die zuvor nie erreichte Zahl 174,8 gestiegen
sei, wurde etwa einer Million Arbeiter aufgrund dieser Erhoehung eine
Lohnaufbesserung gewaehrt. Vor allem kamen hierfuer mehr als 600.000
Arbeiter der Automobilindustrie in Frage, in deren Tarifvertraegen
Stufen-Klauseln enthalten sind. Diese Automobilarbeiter erhielten mit
V.'irkung vom 1. Dezember Stundenlohnerhoehungen von drei Cents.
Am 12. November kam zwischen den Kugellagerwerken Timken und der
Stahlarbeitergewerkschaft des CIO ein Abkommen zustande, in dem 16.000
Arbeitern in sechs Betrieben in Ohio eine Lohnerhoehung von 10$ zugesprochen wurde. Der Vertrag, der bis Juli 1952 gueltig ist, enthaelt
keine Bestimmungen ueber eine Neuaufnahme von Lohnverhandlungen.
Eine Reduzierung der Grundarbeitszeit von 225 auf 210 Arbeitsstunden im lionat ohne einen finanziellen Verlust wurde von einem Krisenausschuss des Praesidenten zu Anfang November fuer 1.800 Pullman
Lokomotivfuehrer vorgeschlagen. V.'enn das Pullman-Unternehmen und die
Gewerkschaft der Lokomotivfuehrer im Staate Indiana mit diesem Vorschlag
einverstanden waere, wuerde sich eine Lohnerhoehung von etwa 10 Cents
pro Stunde ergeben.
Die Elektrogesellschaft Mestinghouse und die Gewerkschaft der Vereinigten "lektro-, Radio- und Ilaschinenarbeiter schlössen einen neuen
Vertrag ab, durch den 19.000 Arbeiter in 21 Betrieben rueckvirkend zum
18. Dezember Stundenlohnerhoehun en von 10 Cents erhalten. Der Vertrag,
der mit ','irkung von 1. November ein Jahr Gueltigkeit hat, sieht vor, dass
fuenf Monate nach Inkrafttreten des Vertrags neue Lohnverhandlungen aufgenommen werden koennen.
Monthly Labor Review
1/51

DIE INVALI^NUNT^tSxUJTZUNG IN DER US-BEKLEIDUMGSINDUSTRia
Von den Gewerkschafts- und Unterneiimervertretern im Vereinigten
Versicherungsfonds ist fuer die gesamte Industrie vor kurzem ein Abkommen
getroffen worden, nach den die Arbeiter der Herren- und Kiwbenbekleidungsindustrie, die total und dauernd erwerbsunfaehig sind, Pensionen auch dann
erhalten, wenn sie das Pensionsalter von 65 Jahren noch nicht erreicht
haben.
Funktionaere der Gewerkschaft der Bekleidungsarbeiter Amerikas und
der Arbeitgebervereinigung erklaerten, dass damit zum erstenmal auf
industrieweiter Basis dauernd und total Erwerbsunfaehigen Pensionen gesichert seien.
Von den 150.000 Bekleidungsarbeitern, fuer die die Gewerkschaft
Tarifvertraege abgeschlossen hat, v/erden diejenigen Anspruch auf Invalidenunterstuetzung haben, die 20 Jahre in der Industrie beschaeftigt waren und
deren Arbeitgeber ,/iindestens zwei Jahre vor Beginn ihrer Unterstuetzungsberechtigung regelmaessig 3% ihres Y.'ochenlohnes in den Versicherungsfonds
gezahlt haben. Die Arbeitsunfaehigkeit muss nach dem 1. Juli 1947 einge-

- 13 -

�treten sein.
Ln Rahmen eines Pensionsplanes der Bekleidungsarbeitergewerkschaft,
der seit Januar 1947 Gueltigkeit hat, erhalten mehr als 6000 pensionierte
Bekleidungsarbeiter zusaetzlich zu ihren Pensionen aus der bundesstaatlichen Sozialversicherung monatlich 50 Dollar, wodurch ihr Gesamteinkommen auf durchschnittlich 116 Dollar pro Monat erhoeht wird, wenn
sie das 65. Lebensjahr erreicht haben. Diejenigen Bekleidungsarbeiter,
die vor Erreichen des 65. Lebensjahres Anspruch auf Invalidenunterstuetzung haben, erhalten monatlich 50 Dollar aus den Industriefonds.
Mit 65 Jahren steht ihnen eine zusaetzliche Unterstuetzung aus der bundesstaatlichen Sozialversicherung zu.
Labor News frora the United States
2/16/51

MAaSHALLPLAMADmtilS'lViATOa WILLIAM G. POSTER ZUR EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTSLAGE
Kurz vor seiner Abreise gab William G. Foster, der Administrator fuer
den Marshallplan, vor franzoesischen Journalisten ein Interview, das
folgenden Wortlaut hatte:
Kein Buerger der freien V.'elt braucht daran erinnert zu werden, dass
wir in einer Zeit grosser Gefahren leben. Wir werden mit kriegerischen
Massnahmen von jenen bedroht, die gern die Freiheiten zerstoeren moechten,
aber auch die Kulturen und die verschiedenen Lebensformen, die in Jahrhunderten hervorgebracht wurden.
Aber auch in dieser Zeit der Krise ist es selbstverstaendlich, dass
Schiessereien nieiiials in sich selbst eine Loesung der Probleme menschlicher
Beziehungen darstellen. Die Geschichte zeigt, dass es moeglich ist, einen
Krieg zu gewinnen und doch dabei versagen kann, eine bessere Loesung der
Hauptprobleme zu finden. Es ist deshalb eine dringende Notwendigkeit, dass
wir als freie Menschen auf friedlichem Wege wirkliche Loesungen suchen
muessen. Uir muessen, wie mein Freund Paul Hoffman es ausdrueckte, "den
Frieden weiterfuehren".
Wir muessen auch dann so handeln, wenn wir kluge und jetzt notwendig
werdende Schritte wie den der Wiederaufrüstung gehen. Das ist das Mittel,
das der freie Mensch jetzt ergreifen muss. Es lehnt die These des
Schiessens, des Bombenwerfens und aller den Krieg begleitenden Schrecken
ab.
Wir sind uns darueber im klaren, dass unsere Ruestung, die in Verbindung mit militaerischer Bereitschaft steht, Bestandteile moralischer,
politischer und wirtschaftlicher Natur enthalten muss.
Mein Hauptinteresse liegt natuerlich beim Marshallplan. Der moralische
und politische Glaube, den die alte Welt mit der neuen teilt, findet jetzt
seinen wirtschaftlichen Ausdruck in den vereinten Anstrengungen, die
materiellen Lebensbedingungen der Maenner, Frauen und Kinder Westeuropas
zu erhoehen.
Die Marshallplanverwaltung hat wiederholt ihr Interesse zum Ausdruck
gebracht, die europäische Produktion zu steigern, und zwar nicht allein
durch den Export, obgleich dieser ein Schluessel zum besseren europaeischen
Lebensstandard ist. Aber wir begruessen jede hoehere Produktion, da es

- 14 -

�dann mehr industriell hergestellte Gueter gibt, die unter den
europaeischen Voelkern zur Verteilung kommen koennen.
Die freien Gewerkschaften bestehen darauf, dass die Arbeiterschaft einen gerechten Anteil an den Erfolgen ihrer Arbeitsleistungen
hat.
Dies ist gerecht und selostverstaendlich, aber die Marshallplanlaenderrauesseneinen weit groesseren Produktionsurafang erreichen,
damit die Anteile fuer jeden einzelnen groesser werden koennen. Ich
habe der Verwaltung fuer europaeische wirtschaftliche Zusammenarbeit
vorgeschlagen, dass Kuropa seinen jaehrlichen Ausstoss von dem Stande
des letzten Jahres mit 160 Milliarden Dollar auf 260 Milliarden in
diesem Jahre steigert. Das kann durchaus erreicht werden. Die Vereinigten Staaten mit nur 150 Millionen Einwohnern haben im Gegenaat»
zur westeuropäischen Bevoelkerung mit 270 Millionen fuer fast 300
Milliarden Dollar Gueter produziert.
Ich glaube, dass dieses Ziel sogar erreicht werden kann und die
notwendigen Anstrengungen mit ganzem Herzen durchgeführt werden, wann
am 30. Juni 1952 der Marshallplan zu Ende geht. Bei der Groesse der
Verteidigungsaufgaben, die uns von der kommunistischen Ruestung aufgezwungen werden, und die immer klarer werden, rueckt die Notwendigkeit fuer gesteigerte europaeische Produ-ctionsanstrengungen immer
schaerfer in den Blickpunkt.
Es ist der einzige V.'eg, den Lebensstandard auf einer vernuenftigen
Ebene zu behaupten, waehrend gleichzeitig eine staerkere 'Wirtschaft und
ein staerkerer militaerischer Schutz aufgebaut wird. Ich kann nicht
versprechen, dass dies leicht sein wird. Alle Formen wirtschaftlicher
Belastung werden jetzt der amerikanischen Wirtschaft auferlegt. Es ist
unvermeidlich, dass einige dieser Lasten sich in der Hilfe zurueckspiegeln, die wir Westeuropa geben koennen. Da wir jedoch das gleiche
Ziel haben, werden wir in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit die Wege
und Mittel finden, uns zu verteidigen, waehrend wir zu gleicher Zeit
gemeinsam daran wirken, den Frieden an allen Fronten zu erhalten.
General Marshall sagte, als er ueber die Wirtschaftliehe Erholung
Westeuropas sprach, dass beinahe ein Wunder vollbracht worden sei. Es
liegt heute an uns, um ein gleiches Wunder fuer die moralische,
politische, wirtschaftliche undrailitaerischeStaerke unseres Gebaeudes
zu erbitten und zu erarbeiten. Das ist das Licht der Zukunft, fuer das
wir geraeinsam voranschreiten muessen.

REGIERUNGSANGESTELLTE IN CHILE ERHALTEN GEHALTSAUFBESSERUNGEN
In Chile wurde eine 35prozentige Gehaltserhoehung fuer die etwa
100.000 Angestellten der chilenischen Regierung gesetzlich angeordnet.
Ausserdem sollen die Angestellten zwoelf verschiedener Beschaeftigungsgruppen der Regierung in hoehere Gehaltsgruppen eingestuft werden. Alle
Angestellten, die nicht hoeher eingestuft werden, erhalten eine Lohnerhoehung, die einer hoeheren Einstufung um eine volle Gehaltsgruppe entspricht. Fuer die Angestellten der juristischen Faecher ist zusaetzlich
zu der 22.6 prozentigen Gehaltsaufbesserung eine Erhoehung um 20$ vorgesehen. Familienzulagen werden um 66$ erhoeht. In dem gleichen Gesetz•
wird eine Erhoehung der Steuern vorgenommen, um die Gehaltsaufbesserungen
finanzieren zu koennen. Erhoehungen sind weiter vorgesehen fuer die
Einkommensteuern bestimmter Gruppen und fuer Steuern auf bestimmte Verbraucherartikel. Die Bestimmungen fuer Einkommensteuern sind rueckwirkend
zum 1. Januar 1950 geltend und beziehen sich demnach auch auf das Einkommen des Jahres 1949»
Notes on Labor Abroad
m/50

- 15 -

�\

DIE GEIJERKSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN BURMA
Am 21. September 1950 hat der Lxekutionsausschuss der Friedensliga
antifaschistischer Voelker (AFPFL), eine Koalition von Parteien,
Organisationen und Einzelpersonen, den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden
des burmesischen Gewerkschaftsbundes (TUC) und diesen Gewerkschaftsbund
selbst solange aus seinen Reihen ausgeschlossen, bis diese beiden
Funktionaere durch andere ersetzt sind. Es handelt sich um Thakin Lwin
und Thakin Hla Kywe, die sowohl auf politischem als auch auf gewerkschaftlichem Gebiet fuehrende Persoenlichkeiten sind. Die einzige legale
burmesische Gewerkschaftsfoederation ist zurzeit der obengenannte Gewerkschaftsbund, der unter der Schirmherrschaft der sozialistischen Partei im
Jahre 1945 gegruendet wurde, und den wichtigsten Bestandteil der AFPFL
bildet. Der TUC Burmas zaehlte gegen Ende des Jahres 1949 etwa 100.000
Mitglieder. Unterrichtete Beobachter bezeichneten diese Massnahmen der
AFPFL als einen der bedeutendsten politischen Schritte, die die Regierung
in Burma seit der Festnahme der komnunistisehen Fuehrer nach dem offenen
Aufruhr im Jahre 1948 unternojamen hat. Nach ihrer Auffassung bringt sie
die Entschlossenheit der Regierung und der sozialistischen Fuehrer zum
Ausdruck, den kommunistischen Einfluss auf die Gewerkschaftsoewegung endgueltig zu beseitigen.
Der Exekutivausschuss der AFPFL hat die beiden Funktionaere ausserdem aufgefordert, ihre Mandate im Parlament niederzulegen, die sie aufgrund ihrer Zugehoerigkeit zur AFPFL erlangt hatten. Diese Beschluesse
wurden von Premierminister Thakin Nu in seiner ?Ugenschaft als Vorsitzender
der AFPFL bekanntgegeben. Als Begruendung wurde angegeben, dass die beiden
Gewerkschaftsführer die Programme und Taetigkeiten der AFPFL staendig
bekaerapft und ins Laecherliche gezogen haetten und durch die Zersetzung
der AFPFL eine Konkurrenzorganisation ins Leben rufen wollten. Der
Premierminister erklaerte ferner, dass sie Reden gehalten haetten, deren
Inhalt mit den Grundsaetzen der AFPFL nicht zu vereinbaren sei.
Thakin Lwin hatte am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, den burmesischen
Gewerkschaftsbund TUC aufgefordert, sich dem kommunistischen Ueltgewerkschaftsbund anzuschliessen. Thakin Hla Kywe hatte am 5. September 1950
in einer Rede die militaerischen Operationen der Nordkoreaner in SuedKorea unterstuetzt.
Im Monat Oktober hatten Thakin Lwin, Thakin Hla Kywe und sieben andere
Mitglieder des burmesischen Gewerkschaftsbundes ihre Aemter in Ausschuessen
und Komitees der Regierung niedergelegt, mit denen sie als Mitglieder der
AFPFL betraut worden waren. Nach 12taegigen Verhandlungen reichten die
beiden Funktionaere ihre Ruecktrittsgesuche beim TUC ein und der Exekutivausschuss dieser Organisation beschloss sie anzunehmen.
Zum Praesidenten des TUC wurde der frühere Hauptkassierer dieser
Organisation Thakin Lu Aye ernannt. Vizevorsitzender wurde Thakin Tin
Nyunt, der parlamentarische Sekretaer des Arbeitsministeriuias, der lange
von seinem Amt als Generalsekretaer des TUC beurlaubt war. Thakin Khin
Zaw wurde vom geschaeftsfuehrenden zum staendigen Generalsekretaer der
Organisation befoerdert. Der Exekutivausschuss bewarb sich sodann um den
VJiederanschluss des TUC an die AFPFL, und am 29. Oktober kuendigte der
Exekutivausschuss der AFPFL an, dass er diesem Ersuchen stattgegeben habe.
Vor wenigen Tagen erst setzten sich Thakin Lwin und Thakin Hla Kywe"
an die Spitze einer Gruppe linksorientierter Kreise, die aus der
sozialistischen Partei austraten und die Absicht hatten, eine neue
burmesische Arbeiter- und Bauernpartei zu gruenden. Die sozialistische
Partei hat dazu entsprechende Liassnaiimen unternommen, um eine Zersetzung
der Arbeiter- und Bauernorganisation zu vermeiden.
Notes on Laoor Abroad
XI1/50

- 16 HTnv. n m* M ..iLii •• &gt;• n -

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 9

Frankfurt, 2. Maerz 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

CIO schlaegt Steuerprogramm zur Finanzierung der
Verteidigungsausgaben vor
Die Tagesordnung fuer die 12. Sitzung des M r t schafts- und Sozialrates der Vereinten
Nationen

1

3

US-Gewerkschaftsfunktionaere in Regierungsstellungen berufen

4

Der amerikanische Gewerkschaftssender WFDR

5

US-Gewerkschaftsfuehrer antwortet den Isolationisten

6

Hohe Geldstrafe fuer illegalen Streik einer
amerikanischen Gewerkschaft

13

Soziale Fortschritte in den Renault-Werken

14

Bezahlung nach Leistung fuehrt zu hoeherer
Produktion

16

CIO SCHLAEGT STEÜBRPR03RAMM ZUR FINANZIERUNG DER VERTEIDIGUNGSAUS3A3EN VOR
Der Wirtschaftsberater des CIO, Stanley Ruttenberg, hat am
21. Februar vor dem zustaendigen Ausschuss des Weissen Hauses
zum Ausdruck gebracht, dass die 16 Milliarden Dollar Steuern,
die zur Finanzierung der Verteidigungsausgaben gebraucht werden,
nicht die niedrigen Einkorumensgruppen treffen duerften.
"•Venn man die Moeglichkeiten uebersieht, die sich zur
Erhebung dieses Betrages bieten, wird man feststellen, dass der
einfache Weg nicht unbedingt der richtige sein muss," sagte er.
- 1

�Er wies auf die Gefahren hin, die entstuenden, wenn man die
Steuerlast den Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen
aufbuerden wolle, weil man der Meinung sei, dass diese Steuern
am leichtesten einzutreiben seien.
"Die Ungerechtigkeit dieser Steuertheorie duerfte fuer alle
offensichtlich sein. Millionen von Familien haben keine Mittel
im Ueberfluss, durch die die Nachfrage nach knappen Waren gesteigert werden koennte. Millionen smerikanischer Familien
haben kaum genuegend Einkommen, um sich die Mindestausgaben, dl«
fuer ein angemessenes Familienleben notwendig sind, leisten zu
koennen. Eine weitere Erhoehung der Steuern dieser Familien
wuerde ihnen die Moeglichkeit nehmen, die Waren zu kaufen, die
fuer die Erhaltung der Gesundheit und ein anstaendiges Dasein
wesentlich sind."
Das Steueraufkommen koennte nach Auffassung Ruttenbergs
dadurch vermehrt werden, dass man bestehende Luecken im Steuergesetz schliesst, was eine Erhoehung um 4,5 bis 5 Milliarden
zur Folge haette, dass ferner neue Steuern fuer Gesellschaftsunternehmen festgesetzt wuerden, was eine Steigerung um 8 oder
9 Milliarden Dollar ergeben wuerde, und dass man schliesslich
die Einkommensteuer fuer Privatpersonen erhoeht und das Steueraufkommen dadurch um 3,5 bis 4 Milliarden Dollar vermehrt.
Zu dieser Einkommensteuer schlug Ruttenberg vor, dass
Familien mit einem Einkommen von weniger als 4000 Dollar
jaehrlich keine hoeheren Steuern als gegenwaertig zahlen sollen,
und dass solchen mit einem Einkommen zwischen 4000 und 5000 Dollar nicht so hohe Steuererhoehungen auferlegt werden sollen
wie den Familien mit hoeheren Einkommen«
Er forderte, dass die uebermaessigen Gewinne der grossen
Unternehmen mit 85 % besteuert werden, und dass andere Unternehmersteuern strenger gehandhabt werden muessten, "um grosse
Gewinne als Folge des Mobilisierungsprogramms zu vermeiden."
Es schlug folgende Massnahmen zur Schliessung der Luecken
in den Steuergesetzen vor, "die die Reichen auf Kosten der
Masse der Amerikaner noch reicher machen":
1. Die Bestimmung des Einkommensteuergesetzes ueber
Gemeinschaftseigentum muss abgeschafft werden, da sie den
Familien mit Einkommen von ueber 4900 Dollar jaehrlich ermoeglicht, 2,5 Milliarden Dollar an Steuern einzusparen.
2. Die Grundstuecks- und Geschenksteuer muss erweitert
werden, wodurch das Steueraufkommen um eine Milliarde Dollar
erhoeht werden kann.
3. Die Steuern fuer Kapitalgewinne muessen von den gegenwaertlgen 25 % auf mindestens 50 % erhoeht werden.
4. Steuerverguenstigungen fuer Zinsen aus staatliehen und
lokalen Wertpapieren muessen abgeschafft werden.
5. Von Dividenden- und Zinsenzahlungen muessen wie bei
Loehnen und Gehaeltern Steuern einbehalten werden.
6. Die gegenwaertigen Steuerverguenstigungen fuer Gewinnanteile fuer die Ausbeutung von Naturachaetzen muessen abgeschafft werden.
2 -

�7. Steuern muessen nach den regulaeren Steuersaetzen auf
solche Gewinne erhoben werden, die den obersten Betriebsleitern
grosser Unternehmen durch ihr Uebernahmerecht fuer Aktien entstehen, die sie zu Preisen kaufen koennen, die weit niedriger
als die regulaeren Marktpreise sind.
8. Die gegenwaertige "Ausgleichsteuer" fuer Lebensversicherungsgesellschaften muss ausgedehnt werden, um eine "ungerechtfertigte bevorzugte Behandlung" dieser Gesellschaften zu vermeiden.
Daily News Service
11/21/51
D I g TAGESORDNUNG FUER DIE 1 2 . SITZUNG DES WIRTSCHAFTE- UND
SÖZTALRATES DAR ygREiyiiar NATIÖNBE

Aus der vorlaeufigen Tagesordnung, die von den Vereinten
Nationen veroeffentlicht wurde, geht hervor, dass auf der Konferenz des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen,
die am 20. Februar in Santiago begonnen hat, mehrere Fragen zur
Debatte standen, die fuer die Gewerkschaftsbewegung von besonderer Bedeutung sind. Hierzu gehoertea:
1. Die Weltwirtschaftslage - in der Debatte zu dieser Frage
wurde der Vorschlag des IBFG fuer internationale Abmachungen ueber
Verbrauchsgueter zur Debatte gestellt, durch den die Preise der
lebenswichtigsten Verbrauchsgueter stabilisiert werden sollen.
2. Der Entwurf einer Vereinbarung ueber Menschenrechte und
Massnahmen zu ihrer Verwirklichung.
3. Zwangsarbeit und Massnahmen zu ihrer Beseitigung - Besprechung und Entscheidung ueber eine Entschliessung der Vereinigten Staaten und Englands zur Bildung einer gemeinsamen
Untersuchungskomission der Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeitsorganisation, die bereits in der 11. Sitzung
eingebracht, aber bis zur 12* Sitzung vertagt worden war.
4. Gewerkschaftliche Rechte - Entscheidung ueber die
Behandlung der Beschwerden, die von acht Gewerkschaftsorganisationen wegen Verletzung gewerkschaftlicher Rechte gefuehrt wurden.
Diese Beschwerden wurden eingereicht von:
a) dem IBFG, der Sowjetrussland beschuldigt, die Interessen der Gewerkschaftsbewegung denen der kommunistischen Partei
untergeordnet zu haben und wirkliche Gewerkschaften voellig zu
unterdruecken;
b) dem Weltgewerkschaftsbund, der die Japanische Regierung
und die amerikanische Besatzungsmacht beschuldigt, die Japanischen
Arbeiter zu unterdruecken und sich zu weigern, der Japanischen
kommunistischen Partei die politische und soziale Betaetigung zu
erlauben;
c) der allgemeinen Union der spanischen Exilgewerkschaften,
(in Toulouse, Frankreich) die den Vorwurf erhebt, dass seit
Maerz 1939, "dem Zeltpunkt, als die falanglstlsche Diktatur die
politische Herrschaft ueber Spanien mit Gewalt an sich riss",
dem spanischen Arbeiter alle gewerkschaftlichen Rechte versagt
wurden. In der Beschwerde heisst es, dass die Bestimmungen der
sogenannten "vertikalen" Gewerkschaften, die In Spanien zur Zeit
gueltig sind, von der Regierung vorgeschrieben und den Arbeitern
aufgezwungen wurden. (Die klagefuehrende Gewerkschaft ist Mitglied des IBFG).
- 3 -

�d) der Gewerkschaft "De Metaal" (Amsterdam), die sich
darueber beschwert, dass verschiedene Unternehmer in der Metallindustrie den gewaehlten Delegierten hei der Ausfuehrung ihrer
Arbelt fuer die Gewerkschaft, der sie angehoeren, Schwierigkeiten machen, und sie sogar mit Entlassung bestraften. Die
Gewerkschaft fordert die Regierung auf, Massnahmen zum Schutze
der gewerkschaftlichen Rechte der hollaendischen Arbeiter zu
ergreifen. (Diese Gewerkschaft ist dem EVC angeschlossen, der
seinerseits Mitglied des IBFG ist.)
e) dem allgemeinen franzoesischen Gewerkschaftsbund CGT,
der kommunistisch orientiert ist und der der amerikanischen
Regierung und Mac Arthur vorwirft, die in der Charta der Vereinten Nationen enthaltenen Grundsaetze missachtet zu haben,
indem sie die japanische Regierung veranlasst haetten, die
Aufloesung des Zen-Ro-Ren, des Verbindungskomitees japanischer
Gewerkschaften (dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossen) anzuordnen. Der Grund fuer diese Anordnung war dem CGT zufolge die
Verletzung des Besatzungsstatuts. (Der CGT gehoert dem Weltgewerkschaftsbund an.)
Von "Eeheidsvak Centrale" (Hollaendischer Gewerkschaftsbund Amsterdam) wurde die gleiche Beschwerde gefuehrt. Die Gewerkschaft ist ebenfalls Mitglied des Weltgewerkschaftsbundes.
f) der Union der Vereinigten Gewerkschaften Kameruns
(Duala, Franzoesisch-Kamerun), die den franzoesischen Behoerden
Unterdrückung der Gewerkschaften, Festnahme und Inhaftierung
bestimmter Gewerkschaftsfuehrer und das Unterlassen vorwirft,
ein demokratisches Arbeltsgesetz einzufuehren. (Diese Gewerkschaft ist kommunistisch.)
g) der allzyprischen Gewerkschaftsfoederation (Nicosia,
Zypern), die die Regierung Israels beschuldigt, den 5. Jahreskongress Arabischer Gewerkschaften verboten zu haben. (Diese
Foederation ist Mitglied des Weltgewerkschaftsbundes).
5. Regierungsunabhaengige Organisationen - dieser Punkt
ist fuer die Gewerkschaften von wesentlicher Bedeutung, weil
der Wirtschafts- und Sozialrat ueber die Gesuche des Internationalen Metallarbeiterverbandes und des Internationalen Verbandes Freier Journalisten um einen mitberatenden Status innerhalb des Rates entscheiden wird. Ueber die Bewerbungen zum
mitberatenden Status, die vom Internationalen Verband der
Handels-, Buero- und technischen Angestellten, Internationalen
Bergarbeiterverband und dem Internationalen Bekleidungsarbeiterverband eingereicht wurden, wird jedoch erst auf einer spaeteren
Konferenz des Wirtschafts- und Sozialrates entschieden werden.
US-GEWERKSCHAFTSFUNKTIONAERE IN REGIERUNGSSTELLUNGEN BERUFEN
Zwei fuehrende Gewerkschaftsfunktionaere wurden in hohe
Regierungsstellungen berufen. George M. Harrison, stellvertretender Vorsitzender der American Föderation of Labor und der
Vorsitzende der Bruederschaft der Angestellten der Eisenbahnund Schiffahrtsbetriebe, hat eine Stellung als Sonderbeauftragter
des Leiters des Amtes fuer wirtschaftliche Stabilisierung,
Eric Johnston, uebernommen, der er jedoch nur einen Teil seiner
Arbeitskraft widmen wird. Harrison erklaerte, dass er diesen
Posten uebernehmen werde, weil dieser eine wirkliche Moeglichkeit
in sich traegt, an der Formung politischer Entscheidungen teilzuhaben, soweit diese Angelegenheiten der wirtschaftlichen Stabilisierung und ihre Verwaltung betreffen.
- 4 -

�Der Vorsitzende der internationalen Vereinigung der
Maschinisten,A. J. Hayes, ist als Sonderbeauftragter in das
Verteidigungsministerium berufen worden, weil er sich mit den
Problemen der militaerlschen Arbeitskraefte beschaeftigen wird.
Hayes, der ein Vertreter fuer Frau Anna M. Rosenberg sein wird,
der stellvertretenden Sekretaerin im Verteidigungsministerium
fuer Arbeitskraft- und Personalfragen, erklaerte sich bereit,
auf der Grundlage von etwa zwei vollen Arbeitstagen in der Woche
ausschliesslich fuer dieses Amt zu arbeiten und je nach Bedarf
auch zu anderen Zeiten. Daneben wird er selbstverstaendlich
sein Amt als Vorsitzender der Maschinistengewerkschaft weiterfuehren.
DER.AMERIKANISCHE OEWERKSCHAFTSSENDER WFDR
Moechten Sie Fragen und Antworten ueber das neue Sozialversicherungsgesetz hoeren? Oder die letzten Nachrichten ueber die
Gewerkschaften in England? Moechten Sie wissen, womit die
Gewerkschaftsbewegung in New York beschaeftigt ist? Wuenschen
Sie Musik - klassische Konzerte, Jazz oder Opern?
Diese Fragen umschliessen die grosse Zahl der Themen, die
in einer Woche von dem ersten gewerkschaftseigenen und von der
Gewerkschaft betriebenen Rundfunksender WFDR behandelt werden
koennen. Der Sender ist Eigentum der Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft der AFL.
Der Sender, der nach Praesident Roosevelt benannt Ist und
zu den drei Stationen gehoert, die sich im Besitz der Damenoberbekleldungsarbeitergewerkschaft befinden, steht seit fast zwei
Jahren im Dienste der amerikanischen Metropole und der Gewerkschaftsbewegung. (Die beiden anderen Rundfunkstationen dieser
Gewerkschaft stehen (KFMV)in Los Angeles und (WVUN) in Chattanooga,
Tennessee). Ausserdem gibt es noch andere Sender der Gewerkschafte
Die Rundfunkstation WFDR ist in ihrem Programm bestrebt,
den vielseitigen Anspruechen ihrer Hoerer gerecht zu werden.
Die Hoererzahl dieses Senders hat sich seit einem Jahr verfuenffacht und belaeuft sich heute in New York auf ueber 50.000.
Der WFDR,'der in den neu ausgestatteten Studios im Gebaeude
der Internationalen Damenoeberbekleidungsarbeitergewerkschaft
untergebracht ist, ist unter der Leitung des Generalintendanten
Lou Frankel zu einem wichtigen Werkzeug der Gewerkschaft bei der
Verbreitung ihrer Nachrichten und Mitteilungen geworden.
Das Nachrichtenprogramm dieses Senders enthaelt Informationen
aus der Gewerkschaftsbewegung, die sich auf direkte Berichte
stuetzen und nicht nur eine Weitergabe uebermittelter Nachrichten
sind» Als zum Beispiel David Sulliman, der Vorsitzende der
Ortsgewerkschaft 32 B der Gewerkschaft Buerohausbedienstete
den Abschluss der TarifVerhandlungen ankuendigen sollte, fand
sich der WFDR mit seinem tragbaren Mikrofon ein und nahm die
Erklaerung Sullivans auf, in der er die Beendigung des Streiks
anordnete. 15 Minuten spaeter wurde der Bericht von dem Sender
durch den Aether verbreitet.
Als der Hauptkassierer der AFL Meany nach der Jruendun^ des
Internationalen Bundes Freier jewerkschaften aus London zurueckkehrte, war ein Reporter des WFDR mit seinem Mikrofon am Kai.
Wenige Stunden spaeter wurde der Bericht Meanys uebertra&lt;?en.
Der WFDR brachte im vergangenen Jahr zahlreiche Sfdungen

�ueber Samuel Gompers und sein Leben, in denen das Andenken dieses
grossen Arbeiterführers geehrt wurde.
Frank Edwards gibt allabendlich ueber den WFDR Nachrichten
der AFL. Dieser Sender ist ein Forum fuer die Gewerkschafter
aus aller Welt, die die Vereinigten Staaten besuchen. Im Mittelpunkt einer der besten Sendungen dieser Station stand vor kurzem
Irving Brown, der europaeische Vertreter der AFL.
Aber man glaube nicht etwa, dass das Programm des WFDR mit
unnuetzen Reden ueber Krisen und Bedingungen und dergleichen
ueberladen ist. Mit an erster Stelle steht im Programm ein
elementarer Musikunterricht, der nicht in der ueblichen Form
gegeben wird, sondern fuer die Erwachsenen zugeschnitten ist und
musikalische Debatten zwischen Anhaengern klassischer Musik und
den Jazzbegeisterten enthaelt. "Variety", die Wochenfibel der
Vergnuegungsindustrie, lobt diese Sendung in ihrer Kritikspalte
in den hoechsten Toenen.
WFDR ist eine Rundfunkstation fuer Erwachsene und ist ausserdem der Sender der Stadt. Bei der Ausarbeitung der Programme
sind immer zwei Fragen ausschlaggebend: Dienen sie der Gemeinschaft? Sind sie interessant? Wenn beide Antworten positiv
sind oder nur eine Moeglichkeit der Bejahung besteht, sagt sich
der WFDR, der jung, vorwaertsstrebend und optimistisch ist:
"Versuchen wir es!
US-GEffBRKSCHAFTSFUEHRER ANTWORTET DEN ISOLATIONISTEN
(Nachstehend werden Auszuege aus einer interessanten Rede
ueber aussenpolitlsche Fragen wiedergegeben, die
James B. Carey, der Hauptkassierer des CIO und Vorsitzende
der Gewerkschaft der Elektro-, Radio- und Maschinenarbeiter
(CIO) vor dem Industriellen Gewerkschaftsrat des CIO fuer
den Staat Ohio in Columbus gehalten hat. Carey, der Mitglied des oeffentlichen Beratungsausschusses der ECA ist,
wendet sich zugleich gegen Isolationistische Tendenzen.)
Die Welt von 1951 ist eine Welt der Unsicherheit, der
Furcht, der schrecklichen Gefahr, des Verrats, aber auch des
Mutes. Es ist ein Jahr, in dem niemand weiss, was der naechste
Monat bringen wird, ob Hoffnung oder Erfolg, Verzweiflung oder
Vertrauen, Leben oder Tod. Bis jetzt koennen wir noch nicht
wissen, wie weit Russland in seiner Sucht nach der Beherrschung
menschlicher Seelen und der Menschen selbst gehen wird. Wir
wissen heute noch nicht, ob die sowjetischen Heuschrecken am
31. Dezember 1951 den groessten Teil Asiens und ganz Europa,
mithin drei Viertel der Weltbevoelkerung, verschlungen haben
werden, oder ob dieser alte Plan Moskaus durch irgendwelche
militaerischen oder moralischen Mittel durchkreuzt werden wird,
oder ob der Kreml selbst in aufgibt.
Die Welt wird sich In diesem Jahr entscheiden muessen. Es
bleibt keine Zeit mehr zum Abwaegen, es bleibt auch nur sehr
wenig Zeit zum Experimentieren. Es bleibt praktisch nur noch
Zeit zum Handeln. Wenn wir dem russischen Volk beweisen koennen,
dass wirklicher Friede sich bezahlt macht, dann wird Russland
vielleicht auf diesem Wege die Tatsache einer Lebensauffassung
zur Erkenntnis gebracht werden. Wenn dies schnell gelingt, koennen wir ein Weltbollwerk des Friedens errichten, das niemand
zerstoerer. koennte.
Heute moechte ich von den Gefahren sprechen, die uns umgeben
6 -

�und meine Gedanken kreisen um die Frage, -wie wir uns verhalten
muessen, wenn wir einen Zusammenbruch der freien Welt, die wir
erhalten muessen, vermeiden wollen. Ich moechte Ihre Aufmerksamkeit auf die Rolle und die Verantwortlichkeiten lenken, die
der Regierung, den Unternehmern und den Gewerkschaften in diesem
Kampf zufallen.
Es scheint klar zu sein, dass wir alle in diesem Ringen
zusammenstehen muessen. Wenn wir diesen Kampf gegen den
Kommunismus verlieren, gibt es keinen Privatbesitz mehr, keine
freien Unternehmen und keine freien Bauern; die kleinen Unternehmen werden zum Bestandteil des Sowjetapparates werden, und
statt der freien Arbeiterschaft werden wir jene Art Sklavenarbeiter finden, wie wir sie jetzt in Osteuropa und China sehen.
In den kommunistischen Konzentrationslagern wird es keinen
Unterschied zwischen Demokraten und Republikanern geben, und
Hoover und Acheson wuerden unter den gleichen Kugeln der Exekutionskommandos fallen.
In der Frage, wie es sich seine Freiheit erhalten kann,
naehert sich Amerika einem Scheideweg. Es gibt zwei Wege, die
uns offenstehen, und wir muessen uns fuer einen entscheiden.
Es sind jedoch voellig entgegengesetzte Wege. Wenn wir den
einen einschlagen, koennen wir die kommunistische Aggression
abschlagen, die freie Welt erhalten und erweitern und nicht nur
die Ideale der Freiheit, sondern auch einen hoeheren Lebensstandard fuer uns selbst und fuer Hunderte von Millionen anderer
Menschen verwirklichen.
Auf dem zweiten Weg jedoch wuerden wir bestenfalls aus
Amerika eine nach aussen geschlossene Festung machen, die
nach und nach zu einem faschistischen Staat degenerieren wird,
der mehr und mehr Jenen Diktaturen aehneln wuerde, die wir heute
bekaempfen wollen.
Welches sind die beiden Wege also, die uns offenstehen?
Es ist einmal die zuletzt genannte Methode, die uns vorgeschlagen wird. Man schlaegt praktisch letzten Endes vor,
dass wir unsere demokratischen Freunde auf der ganzen Welt im
Stich lassen, weil sie "unzuverlaessig" seien, dass wir uns in
unserem Kampf gegen den Kommunismus allein auf jene "zuverlaeasigen" Streiter wie Franco, Tschiang-Kei-schek, den Kaiser von
Indochina und andere Ihrer Sorte verlassen, und dass wir uns
auf unsere Kuesten zurueckziehen und uns in unsere Luftschutzkeller verkriechen.
Ob man diesen Vorschlag nun "Neuorientierung " oder
"Isolationismus" nennt, die Theorie ist die gleiche. Diese
Leute meinen, es sei hoffnungslos, auch nur den Versuch zu
wap;en, das demokratische England und Frankreich, das sozialdemokratische Korwegen oder die Schweiz oder Italien zu verteidigen.
Sie meinen, wir sollten nur kaempfen, wenn Amerika selbst angegriffen wird. Die uebrige .Veit kann nach der Auffassung dieser
Theorien zum Teufel gehen.
Diese Theorie ist keinesfalls neu. Die gleichen Leute, die
jetzt in dem Kampf gegen den Kommunismus ihre Verfechter sind,

�predigten sie bereits im Jahre 1940, als es galt, den NaziFaschismus zu bekaempfen. Sie werden sich an jene Theorie
erinnern, die das Motto "Zuerst Amerika" (America First) predigte und deren politische Fuehrer die gleichen Leute wie heute
waren,denen von ihren Goennern aus der Grossindustrie Millionen
von Dollars fuer Propagandazwecke zur Verfuegung gestellt wurden.
Als England allein fuer die Demokratie kaempfte, wollten diese
"tapferen" Maenner der Gruppe "Zuerst Amerika" dieses Land und
ganz Europa im Stich lassen. Sie hatten nicht den Mut, sich fuer
die Demokratie einzusetzen. Das war zu kostspielig. Hoeren Sie,
was ein Senator im Jahre 1940 sagte, als Frankreich ueberrannt
und England vom Blitzkrieg bedroht war:
"Ich weiss nicht, was die Deutschen zu tun gedenken, und
niemand weiss es, solange der gegenwaertige Krieg nicht beendet
ist und sich den Deutschen keine Moeglichkeit bietet, ihre
Absichten zu zeigen. Wenn wir ihre Methoden kennen, koennen wir
sie mit den gleichen Methoden bekaempfen. Wir koennen die gleichen
Massnahmen treffen, die notwendig sind, um der besonderen Art
des deutschen Blitzkriegs zu begegnen, wenn es ueberhaupt einen
solchen Blitzkrieg gibt, und wenn wir herausgefunden haben, worin dieser Blitzkrieg eigentlich besteht."
Diese bedeutsame Erklaerung hatte keinen anderen Sinn als:
"Lasst die Nazis den Krieg gewinnen, und wenn wir dann angegriffen werden, wollen wir ueberlegen, was zu tun ist."
Ist das praktisch nicht genau das Gleiche, was heute in dem
Kampf gegen den Kommunismus gesagt wird?
Als in den Jahren 1940 und 1941 Roosevelt zur gleichen
Zeit versuchte, sein Land wieder aufzuruesten, erklaerten
einige Grossindustrielle, es sei nicht noetig, dass wir mehr
Stahl, mehr Kupfer und mehr Aluminium haetten. Sie wollten die
uebliche Geschaeftstaetlgkeit und ueblichen Gewinne. Die organisierte amerikanische Gewerkschaftsbewegung war es, die die
Forderung stellte, das Land zu mobilisieren, um die Herausforderung der Nazis zurueckweisen zu koennen.
Die Politik dieser Vertreter der Isolationstheorie, die
staendig nach "freier Wirtschaft" und "Demokratie" rufen, war,
als sie sich zu entscheiden hatte, nichts anderes als eine
Politik der Abwehr. Sie hatten kein Vertrauen zur Demokratie oder
zur Freiheit. Sie waren bereit, beides aufzugeben.
Heute verfolgen sie die gleiche Politik. Waehrend die
Vertreter der Isolationstheorie grosse Reden gegen den Kommunismus
schwingen und eine Saeuberung von kommunistischen Elementen
fordern, werfen sie die Flinte ins Korn, wenn es wirklich gilt,
den Kommunismus zu bekaempfen.
Isolationismus und Kommunismus sind heute ungewollt ebenso
gute Verbuendete, wie es Faschismus und Isolationismus vor genau
zehn Jahren, in den Jahren 1941 und 1942, waren. Nur wenigen
naiven Menschen kann es heute noch als unwahrscheinlich erscheinen, wenn jene Theoretiker, in denen man rueckhaltlose Gegner
des Kommunismus vermutet, mit den Welteroberungsplaenen des Kreml
in Zusammenhang gebracht werden.
8 -

�Bewusst oder unbewusst stehen diese Theoretiker der "Neuorientierung" heute mit Joseph Stalin ebenso im Bunde wie vor
zehn Jahren mit Hitler und Mussolini.
Ist dies denn moeglich? Um zu beginnen: Heute kann nicht
einmal ein Spezialist angeben, welcher Unterschied in der Politik bestimmter Zeitungen, die die Neuorientierung oder den
Isolationismus vertreten und dem "Communist Daily Worker" besteht.
Seit der Invasion der suedkoreanischen Republik im Juni vorigen
Jahres haben beide Zeitungstypen unaufhoerlich den Abzugder
amerikanischen Truppen aus Korea verlangt. Beide haben gefordert,
dass die amerikanischen Truppen aus Asion und Europa zurueckgezogen werden. Beide Zeitungstypen haben letzten Endes erklaert,
dass die beiden Kontinente dem russischen Imperialismus auf Gnade
oder Ungnade ausgeliefert werden sollen. Beide Zeitungstypen
haben unaufhoerlich alle wichtigen Entscheidungen und Massnahmen
der Vereinten Nationen angegriffen und zu unterminieren versucht.
Die "Neuorientierung" dient aber noch auf andere Weise dem
Kreml. Diese amerikanischen Isolationisten verlangen heute genau
das, was sie in den Jahren 1940 und 1941 forderten, naemlich, dass
sich Amerika hinter seine beiden Ozeane zurueckzieht und sich in
einer Art gigantischem "Gibraltar" verschanzt, das von einer
feindlichen Welt vollkommen eingezingelt ist.
Stalin selbst koennte sich nicht mehr wuenschenl Er koennte
sich keine erfreulichere Kapitulation der Vereinigten Staaten
denken, als dass sie die demokratischen Nationen Europas und
Asiens im Stich lassen, die gerade zum erstenmal damit begannen,
der Demokratie den Weg zu ebnen. Wir wuerden der Sklavenwirtschaft Stalins unzaehlige Millionen von Maennern und Frauen ausliefern und ihm die unschaetzbar wertvollen Naturschaetze zweier
Kontinente zur Staerkung seines Kriegspotentials ueberlassen.
Ist
stehende
Wahnsinn
nennt es

es deshalb verwunderlich, dass selbst betont gegen Truman
Zeitungen, wie die "New York Herald Tribüne", diesen
nicht einmal als "Isolationismus" bezeichnen will? Sie
einfach "Zurueckzleherei".

Ich spreche so ernst zu Ihnen, wie Ich nur kann. Es gibt in
der heutigen Welt, der Walt der Atom- und Wasserstoffbombe, keine
Stelle, wo man sich vor dem Totalitarismus verbergen koennte.
Weder der Atlantische Ozean, noch der Stille Ozean oder der Nordpol bieten Schrankenl
Wir koennen uns nicht mehr in schoenen Worten ergehen oder
auf einer schoenen Etikette bestehen, wenn die Zukunft unserer
Nation auf dem Spiel steht und die Demokratie der ganzen Welt in
groesster Gefahr Ist. Wir muessen erkennen und auch offen zu
erkennen geben, dass jene Maenner, die befuerworten, dass wir
unsere Verbuendeten in diesem Kampf auf Leben und Tod aufgeben,
Verraeter sind. Isolationismus Ist heute die Fuenfte Kolonne des
Kommunismus. Isolationismus Ist ebenso unser Feind wie der Kommunismus, dem er dient. Unsere eigene Sicherheit als Nation und die
Errichtung einer demokratischen und friedlichen Welt haengen davon
ab, dass wir alles zurueckweisen, wofuer die "Neuorientierer"und
"Isolationisten" einstehen. Wir muessen uns zu unserer eigenen
Rettung und zur Rettung der Welt von jener gefaehrlichen Illusion
freimachen, dass wir ohne unsere Freunde weiterbestehen und dass
in einer Welt, die zu einem Fuenftel frei und zu vier Fuenfteln
versklavt ist, Friede herrschen koennte.
- 9

�Was wuerde sich in Amerika ereignen, wenn der Isolationismus
erfolgreich waere?
Ich denke, wir sehen bereits die ersten Anzeichen hierfuer.
Koennen wir nicht schon feststellen, dass der Isolationismus
jener Clicque, die auf Abwehr eingestellt ist, mit einer unamerikanischen Politik in unserem eigenen Lande verbunden ist?
Um es offen zu sagen, jene Leute haben dabei folgende Ziele Tor
Augen:
1. Sie werden versuchen, Amerika fuer unbestimmte Zelt in
eine geschlossene Festung umzuwandeln, waehrend die Kommunisten
die westliche Hemisphaere Stueck fuer Stueck an sich reissen sei es in Kanada, Suedamerika oder Westindien.
2. Sie werden diese Lage, die sie selbst heraufbeschworen
haben, dazu benutzen, das amerikanische Volk einzuschuechtern,
damit es ihnen im Jahre 1952 die politische Macht uebergibt.
3. Wenn sie erst einmal die Macht in Haenden haben, werden
sie das Gesetz zur Kontrolle subversiver Taetigkeiten und aehnliche Gesetze praktizieren, um jeden oder jede Gruppe auszurotten,
die nicht ihrer Meinung sind. Die freie Gewerkschaftsbewegung,
die freien Bauernvereinigungen, die freien buergerlichen Organisationen werden einer eisernen Kontrolle unterstellt werden. Die
Gefaengnisse werden sich mit politischen Haeftllngen fuellen.
4. Je groesser die kommunistische Bedrohung von aussen
wuerde, umso strenger wuerden die den Amerikanern auferlegten
Kontrollen, bis wir schliesslich die gleiche Diktatur haetten, die
wir bekaempfen wollen.
Dies ist kein verrueckter Traum. Es ist eine grimmige,
drohende Wahrscheinlichkeit. So waere es gekommen, wenn die
Isolationisten die Wahlen von 1940 gewonnen und die Regierung
damals kontrolliert haetten. Nur dann, glaube Ich, haetten sie
ihren Frieden mit den Nazis geschlossen.
Ich sage, dass dies ein moegllcher Weg ist. Sie moegen
erwidern, dass einige derer, die wuenschen, dass wir diesen
isolationistischen Weg einschlagen, keine Anhaenger der Diktatur
sind. Das mag zutreffen. Aber wenn wir alle in einem kommunistischen Konzentrationslager oder vor einem Exekutionskommando
enden, duerfte es da nicht voelllg gleichgueltig sein, ob diese
Theoretiker nur unwissende Narren und keine bewussten Faschisten
waren?
Welches ist der zweite Weg, den wir in diesem Jahr 1951
einschlagen koennen? Es Ist der Weg der Kameradschaft mit der
demokratischen Welt in der Erkenntnis, dass wir alle von Gefahren
umlauert sind, und dass es die Sache aller fuer Einen und Eines
fuer Alle Ist. Als freie Menschen ueberleben wir entweder zusammen, oder wir gehen gemeinsam unter.
Wir sind uns bewusst, dass Europa, das zwei verheerende
Kriege durchgemacht hat, nur mit groesstem Widerwillen an einen
dritten denkt. Wir wollen deshalb nicht ungeduldig und diktatorisch sein, sondern mit den freien Voelkern Europas in wahrer
Kameradschaft und wirklichem Verstaendnis zusammenarbeiten. Wir
lassen die Voelker Europas und das freie Asien wissen, dass wir
nicht nur die milltaerische Verteidigung,sondern auch die Moeglichkelten eines anstaendigen Lebensstandards mit ihnen teilen
werden. Wir haben klar herausgestellt, dass dieser Kampf nicht
10

�ein Kampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus, sondern zwischen
Demokratie und Diktatur ist.
Sie sollen wissen, dass wir uns bis zur Erschoepfung aller
Koeglichkeiten an ihre Seite stellen werden, um eine kommunistische Aggression zu verhindern, und dass wir sie niemals im
Stich lassen werden.
Sie sollen wissen, dass Amerika nicht wuenscht, sie zu befehlen, sondern in Gemeinschaft und Kameradschaft eins mit ihnen zu
sein.
Das bedeutet, dass wir in Amerika .unsere Freiheit nicht nur
erhalten, sondern auch ausdehnen werden. Wir werden Opfer bringen,
soweit es uns moeglich ist. Wir werden unsere industrielle
Kapazitaet erweitern, weil wir gewiss sind, dass jetzt und nach
dieser kritischen Zeit eine unbegrenzte Nachfrage nach den Waren
bestehen wird, die das Leben bequem und annehmlich gestalten
koennen.
Wir werden Amerika zum Schauplatz der Demokratie und der
buergerlichen Rechte machen, weil wir nicht an der Liebe der
Amerikaner zur Freiheit zweifeln.
In diesem Kampf, der uns bevorsteht, werden es nicht die
Isolationisten sein, die in vorderster Front gegen den Kommunismus kaerpfen. Es wird wie immer die Arbeiterschaft sein. Denn
wir haben seit 30 Jahren auf der ganzen Welt gegen den Kommunismus gekaempft, und der Internationale Bund Freier Gewerkschaften
steht ganz vorn in der Verteidigungslinie der Demokratie. Es ist
seltsam und Ironisch, dass die Presse bereit ist, jene Isolationisten
zu unterstuetzen, wo es doch die Arbeiterschaft ist, die Tag fuer
Tag an vorderster Front steht und den kommunistischen Angriff
abschlaegt.
Es ist eine ironische und vielleicht tragische Tatsache,
dass gewisse Zeitungen alles aufbieten, um Isolationisten zu
unterstuetzen, obwohl diese zehn Jahre lang, zuerst vor der
nazistischen Bedrohung und jetzt vor der kommunistischen Gefahr,
mit Elindheit geschlagen waren. In Ihrem blinden Antagonismus
gegen Liberalismus und Arbeiterschaft war diese Presse bereit,
ein Unglueck fuer unsere Nation heraufzubeschwoeren, Indem sie
Isolationisten zu fuehrenden Stellungen verhalf.
Es ist seltsam und ironisch, dass grosse Geschaeftsunternehmen, die sich mit Laerm und Geschrei gegen vermeintliche
kommunistische Elemente in Washington wenden, sich weigern, an
dem Kampf gegen den Kommunismus sich zu beteiligen, solange ihnen
nicht ihre enormen Gewinne garantiert sind. Vor kurzem berichteten die Zeitungen, dass ein Stahlwerk Im Werte von 400 Millionen
Dollar aufgebaut wird, um die Produktion zu erweitern. Dieses
Unternehmen gab jedoch erst dann den Auftrag zu dieser Erweiterung, nachdem ihm die Regierung zugesichert hatte, dass es die
Kosten fuer das neue Werk in fuenf Jahren von dem zu versteuernden
Betrag abschreiben duerfe. Das helsst, dass die Regierung 300
Millionen Dollar der Gesamtkosten in Form von Steuereinsparungen
zurueckerstatten wird, die die Firma nicht zu zahlen braucht.
Die Gesellschaft wird also nur ein Viertel der Aufbaukosten bezahlen und trotzdem alleiniger Eigentuemer des neuen Werkes sein.
Das gleiche gilt fuer andere Unternehmen, die Aluminium herstellen,
und fuer die monopolistischen Kupferhersteller. Sie konnten vor
kurzem in einem Bericht des Kongresses lesen, wie unsere Verteidigung durch die Weigerung der monopolistisch denkenden Unternehmer,
- 11 -.

�die Nickelproduktion zu erweitern, aufgehalten wird.
Es Ist zugleich seltsam und ironisch, dass grosse Geschaeftsunternehmen nicht nur fortfahren koennen, mit kommunistischen
Gewerkschaften Geschaefte zu machen, sondern sogar versuchen,
kommunistische und antikommunistische Gewerkschaften gegeneinander
auszuspielen. Und dabei sprechen jene grossen Unternehmen
gewichtig von den Gefahren, die die freie Wirtschaft und die
amerikanische Lebensweise bedrohen.
Und wenn ich zur Ruestungsbehoerde gehe und ihr vorschlage,
denjenigen Unternehmen keine Ruestungauftraege zu geben, in denen
es kommunistische Gewerkschaften gibt, dann huellen sich diese
grossen patriotischen amerikanischen Gesellschaften und die
amerikanische Presse in Schweigen.
Was waere der Unterschied, wenn man eines der groessten Werke
der Elektroindustrie, in dem noch eine kommunistische Gewerkschaft an der Macht ist, nach Stalingrad verlegte, wo die Kommunisten
alles unter ihrer Kontrolle haben?
Wir Gewerkschafter haben im Jahre 1951 eine Riesenaufgabe
vor uns. Wir muossen dem amerikanischen Volk die beiden Wege
zeigen, die es einschlagen kann, und die Gefahren, die ihm
drohen, wenn es den 'Weg des Isolationismus und der Neuorientierung waehlt. Wir muessen das amerikanische Volk lehren, den
Kommunismus mit Waffen, Ideen und wirtschaftlicher Unterstuetzung
zu bekaempfen. Wir muessen ihm vor Augen fuehren, dass es ein '
Unglueck waere, die Diktatur in Europa und Asien beschwichtigen
zu wollen, denn je mehr Zugestaendnisse wir ihr machen, umso
staerker wird sie und umso schwaecher werden wir.
Wir muessen ebenfalls zeigen, dass es ein Unglueck waere, die
isolationistischen Tendenzen in unserem eigenen Land mit Konzessionen fuettern zu wollen, denn je mehr Konzessionen wir
machen, umso staerker werden sie und umso schwaecher werden die
Kraefte des Liberalismus und der Freiheit.
Wir muessen vor allem demonstrieren, dass der Kampf, den
unsere Regierung gegen den Kommunismus fuehrt, nicht von Erfolg
gekroent sein kann, wenn er nur von den Vertretern der Unternehmer
gefuehrt wird. An der Spitze muessen, ihnen gleichberechtigt,
Fuehrer der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung stehen, die die
Strategie, die Politik und die Massnahmen dieser umfassenden
"Operation Freiheit" dirigieren.
Unserer Sache ist im Ausland bereits grosser Schaden dadurch
zugefuegt worden, dass keine Leute aus der Gewerkschaftsbewegung
in den hoechsten und vollzugsberechtigten Behoerden unseres
Verteidigungsapparates sasser.
Wir muessen uns darueber im Klaren sein, dass der Kampf um
die buergerlichen Freiheiten, die Rechte der Arbeiterschaft,
einen anstaendigen Lebensstandard und um gleiche Opfer in der
Heimat notwendigerweise mit zu dem Kampf gegen die Diktatur und
die Aggression im Ausland gehoert. Wir koennen In der Welt nur
frei bleiben, wenn wir auch zuhause frei sind. Die gesamte
freie .jewerkschaftsbewegung Amerikas hat ueber den Vereinigten
Arbeitsausschuss ihr Programm Praesldent Truman unterbreitet.
Mit diesem Programm koennen wir vor dem amerikanischen Volk und
den Voelkern der ganzen Welt bestehen.
12 -

�vi/ir muessen den. amerikanischen Volk zeigen, dass trotz der
Verleumdung der Gewerkschaftsbewegung waehrend der letzten Wahlen
wir keine Interessen haben, die mit der vVohlfanrt unseres Landes
und Volkes nicht zu vereinbaren waeren. Wir muessen durch unsere
Handlungen und unsere erzieherische Arbeit beweisen, dass es im
Verlauf der gesamten rrescuichte unseres Landes immer wieder die
Gewerkschaftsbewegung gewesen ist, die fuehrend im Kampf um eine
bessere Demokratie stand. Und auch heute sind wir wieder dazu
bereit. Wir wuenschen, uns mit allen Kaennern und Frauen, die
guten Willens sind, zu vereinigen, ganz gleich, ob sie Republikaner
oder Demokraten, Geschaeftsleute oder Bauern, Rechtsanwaelte oder
Aerzte sind.
ECA Labor Information
1/17/51
HOHE GELDSTRAFE FUER ILLEGALEN STREIK EINER AFRIKANISCHEN
GEWERKSCHAFT
Die amerikanische Gewerkschaft des Eisenbahn-Zugpersonals
hat sich am 19. Februar in Washington fuer schuldig erklaert,
eine"n sittenwidrigen "Krankheitsstreik" gefuehrt zu haben und
wurde zu einer Geldstrafe von 75.000 Dollar verurteilt.
Dieses ueberraschende Eingestaendnis wurde von Rechtsanwalt
Edward B. Henslee vor dem Bundesrichter Edward A. Tamm abgegeben.
Der Verteidiger hatte eine genaessigte Strafe als zweckdienlicher
als eine schwere bezeichnet, da sie eher als Abschreckmittel anstatt als Bestrafung wirken muesse.
Der Bundesrichter Tamm "erachtete" die Strafe jedoch als
"berechtigt" und erklaerte, es sei seine Pflicht, sie aufzuerlegen, obwohl nur eine geringe Zahl der Gewerkschaftsmitglleder an
dem Streik teilgenommen haette.
"Wenn die Gewerkschaften wachsen und gedeihen wollen, muessen
sie sich an ihre Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten ebenso wie
an Ihre Rechte halten," sagte Tamm. Er bezeichnete das Eingestaendnis als "einzig In seiner Art", und sagte, es sei ein
Beweis fuer den "ununterbrochenen Fortschritt" der Gewerkschaften
in der Erfuellung ihrer Verpflichtungen.
Als der Richter Henslee fragte, warum sich die Gewerkschaft
zu ihrer Schuld bekannt habe, gab dieser zur Antwort, dass dieses
Gestaendnis nicht aus Berechnung gemacht worden sei, sondern weil
die Gewerkschaftsmitglieder durch die gerechte Haltung des
Richters Michael Igoe in Ghikago beeindruckt worden seien, der
unter der gleichen Anklage im Prozess gegen die Gewerkschaft diese zu
einer Geldstrafe von 25.000 Dollar verurteilte.
Henslee erklaerte, nach seiner Meinung waere der gleiche
Betrag wieder angemessen. Er wies darauf hin, dass die Gewerkschaft voll Vertrauen "in das amerikanische Rechtswesen" vor
Ger'cnt getreten sei, und bat nur darum, dass die Regierung alle
Umstaende beruecksichtig'en moege.
Auf dieses Eingestaendnis hin kuendigte der Staatsanwalt
George Morris Fay an, dass die Regierung der Vereinigten Staaten
die Kla.^e gegen fuenf Personen und fuenf Ortsgewerkschaften In
Washington fallen Hesse, und auch die in Chikago und Cleveland
- 13 -

�schwebenden Prozesse nicht weiterfuahre.
Inzwischen konnten .die vier grossen Gewerkschaften des
Verbandes von keinem Fortschritt in ihren langwierigen Verhandlungen mit den Unternehmern berichten. Sie warfen den von der
Regierung eingesetzten Vermittlern vor, es nicht fertiggebracht
zu haben, beide Partner genuegend oft zusammenzubringen, um eine
Einigung zu erzielen.
Unbekuemmert um ihre Weigerung, sich auf Verhandlungen einzulassen, legten die Eisenbahngesellschaften eine erstaunliche
Bereitwilligkeit an den Tag, als es sich darum handelte, etwas
fuer sich selbst zu verlangen. Sie ersuchten am 19. Februar
die Handelskomission um eine voruebergehende 6 %ige Zinserhoehung mit der Begruendung, dass die zusaetzlichen 470 Millionen
Dollar im Jahr eine Dividende aus ihren Investierungen von nur
4.17 % einbringen wuerden.
Jess Larsen, der Administrator der "General Services", erklaerte, seine Behoerde lehne eine solche Erhoehung ab. Er
ersuchte die Handelskomission, der Forderung der Eisenbahngesellschaften nicht stattzugeben, bis der Tatbestand in einer oeffentlichen Sitzung des zustaendigen Ausschusses zur Sprache gebracht
werden koennte.
Daily News Service
11/19/51
SOZIALE FORTSCHRITTE IN DEN RENAULT-WERKEN
Die Renault Werke in Billancourt, die sich ueber ein grosses
Gebiet erstrecken und seit vier Jahren verstaatlicht sind,
beschaefti^en zur Zeit ueber 37.000 Arbeitnehmer. Zahlreiche
Werkstaetten, die die alliierten Bomber waehrend der Eesatzungszeit hatten zerstoeren muessen, damit die Nazis sie nicht fuer
sich ausnuetzen konnten, mussten wieder aufgebaut werden. Dieser
Wiederaufbau ist jetzt abgeschlossen.
Dann musste der Produktionsapparat dieses ungeheuren Ameisenhaufens wieder angekurbelt werden. Dies war eine Gelegenheit,
um viele Einrichtungen zu ersetzen und auszubessern, die zum
Teil unbrauchbar geworden Waren. Besonders bemerkenswert ist
in diesem Zusammenhang die Einfuehrung neuer Werkzeuge und neuer
Werkzeugmaschinen, die voll automatisch sind, umd zum Teil bis
zu 20 Arbeitsgaengen selbstaendig verrichten koennen. Zu bemerken
ist ausserdem die NeueInfuehrung von Uebertragungsmaschinen, die
bis zu 150 Arbeitsgaenge erledigen koennen. Dies sei nur am
Rande bemerkt, um zu zeigen, dass die Direktion der Nationalregie
Renault in dem Eestreben, die Fabriken von Billancourt wieder
zum Leben zu erwecken, sich zuerst die Aufgabe gestellt hat,
dem Arbeiter die schwersten koerperllchen Anstrengungen zu ersparen, die bisher mit weniger vervollkommneten Werkzeugen unvermeidlich waren.
Im Durchschnitt stellen die Renault-Werke taeglich 520
Fahrzeuge her, wovon 400 Personenkraftwagen sind. Im Dezember
1950 liefen 12.777 bahrzeu^e vom Band. Hiervon waren 7.613
Personenkraftwagen. Eine grosse Zahl dieser Fahrzeuge ist fuer
den Export bestimmt und werden ins Ausland verkauft.
- 14

�Die Karshallplan Hilfe, die in Form von Gegenwertfondsmitteln fuer die Wiedererrichtung der zerstoarten Werkstaetten,
die Neuausrüstung und die Modernisierung der Werkzeuge zur
Verfuegung gestellt wurde, hat in grossem Umfang zu der Entwicklung der Renault Werke beigetragen. Die in diesen Werken
hergestellten 4-PS-Wagen sind in der ganzen Welt bekannt.
Neben den technischen Fragen interessieren sich die neuen
Leiter der grossen Fabrik mib ihren vielseitigen und so
verschiedenen Herstellungsarten vor allem fuer die Probleme
der menschlichen beZiehungen. Man kann behaupten, dass die
soziale Arbeit, die dort jetzt geleistet wird, ihr Dasein und
ihre Entwicklung vor allem der neuen Betriebsleitung der Renault Werke verdankt.
Worin besteht diese soziale Arbeit?
-Ein Betriebsrat, der seit 1945 unter den gleichen Bedingungen,
mit den gleichen Funktionen und den gleichen Machtbefugnissen
wie in Jedem anderen Privatunternehmen in Frankreich gewaehlt
wurde, hat sich seine Aufgabe zu Herzen genommen, und die seit
der Befreiung erzielten sozialen Erfolge sind betraechtlich.
Eine Fuersorgekomlssion hat in vier Jahren in zahlreichen
Faellen wertvolle Hilfe geleistet.
In den Kantinen wird den Arbeitern zu einem bescheidenem
Preis reichliche und gesunde Verpflegung geboten. Unter anderem
sind Konsumgenossenschaften fuer die Familien der Arbeitnehmer
•ingerichtet worden, wo sie zu guenstigen Preisen Nahrungsmittel
und Bekleidungsartikel kaufen koennen.
Die Kindergaerten koennen bis zu 200 Kinder aufnehmen.
Ein Pflegeheim, ein Erholungs- und ein Kinderheim haben es
ermoeglicht, vielen kraenklichen Menschen Leben und Gesundheit
zu erhalten.
Alljaehrlich verbringen Tausende von Kindern der Arbeitnehmer
ihre Ferien in Lagern und sonstigen Erholungsstaetten, die
eigens zu diesem Zweck gekauft wurden. In jeder Hinsicht ist
fuer Bequemlichkeit und die geistige und moralische Entwicklung
der Kinder gesorgt.
Der Betriebsrat beschaeftigt sich auch mit s portlichen
Verantstaltungen und der Freizeitgestaltung. In dem bewaldeten
Huegelgelaende von Meudon ist ein sehr schoenes Stadium gebaut
worden.
Die Betriebsleitung war bemueht, die Loehne der Arbeiter
auf verschiedene Weise zu verbessern, indem sie zum Beispiel den
Leistungslohn einfuehrte, der den geschickteren Arbeitern die
Moeglichkeit bietet, ihren Verdienst wesentlich zu erhoehen.
Eine Praemie auf die rroduktion, die monatlich unter die
Arbeiter verteilt wird, macht zur Zelt etwa 10 % des Grundlohnes
aus.
Schliesslich wird den Arbeitern einmal im Jahr zur Ferienzeit eine Sonderpraemie gewaehrt, die nach den erzielten Gewinnen
des Unternehmens errechnet wird.
Eulletin Syndical
11/24/51
- 15

�BEZAHLUNG NACH LEISTUNG FUEHRT ZU HOEHERER PRODUKTION
Zu Anfang des Jahres 1948 war eile Produktionsleistung pro
Mann und pro Arbeitsstunde In den britischen Stahldrahtwerken
"Reinforced Concreto Engineering Co., Ltd.", in Stafford niedriger
als Im Jahre 1938. Den Arbeitern wurde erklaert, dass solange
mit keiner Lohnerhoehung zu rechnen sei, bis die Produktion gesteigert sei.
Dieses Unternehmen beschaeftigt rund 350 Arbeiter In der
direkten Produktion. Hergestellt werden in diesem Werk zusammengeschweisste Stahldrahtgeflechte, die beim Bau von Strassen,
Bruecken und Gebaeuden aus Beton Verwendung finden, ferner Landungsmaschendraht fuer Flugplaetze und kleinere Stahlprodukte,
wie z.B. Stahlkisten fuer die Toepferei und andere Industriezweige.
Wie sollte die Produktion gesteigert werden? Das Betriebskomitee hatte sich mit diesem Problem zu befassen. Gewaehlte
Arbeitervertreter, zwei Direktoren und der Betriebsleiter eroerterten diese Frage und schlugen ein Leistungssystem vor.
Eine Gruppe von Sachverstaendigen uebernahm die Aufgabe,
ein Leistungssystem fuer die Arbeiter in der groessten Abteilung
des Werkes versuchsweise einzufuehren. Es wurde vereinbart, den
Plan aufzugeben, wenn er zu keiner Steigerung der Produktionsleistung In dieser Abteilung fuehren wuerde.
Die Arbeiter Hessen sich darauf ein, und - die Produktion
stieg an. Es wurde daraufhin ebenfalls in anderen Abteilungen
eingefuehrt.
Ende Oktober 1949 lag die Produktionsleistung um 65.5 %
hoeher als im Jahre 1947, obwohl die Beschaffung von Rohstoffen
noch Schwierigkeiten bereitete. Eine weitere Steigerung um79 %
gegenueber dem Stand von 1947 trat ein, als die Stahlbewirtschaftung aufgehoben wurde.
In der Zeit von 1947 bis 1950 erhoehten sich die Loehne von
30 auf 46 Pfund Sterling in der Woche.
Diese Eezahlung nach Leistung wird im Gruppensystem durchgeführt. Die Gruppen bestehen aus vier bis zu zehn Arbeitern. Das
Lohnbuero errechnet die Groesse einer Arbeitsgruppe und die fuer
die Arbeitsgaenge zur Verfuegung stehende Zelt.
Nach Beendigung der Arbeit wird die benoetigte Zelt von der
errechneten Zeit abgenogen und die Differenz durch eine Leistungspraemie verguetet.
Fuer eine Gruppe von vier Arbeitern wird zum Beispiel errechnei
dass sie in zehn Stunden eine Tonne Stahldrahtgeflecht herstellen
muss. Wenn sie in 176 Arbeitsstunden 25 Tonnen fertigstellt, erhaelt sie eine Bonuszahlung fuer 74 Stunden. (250 Stunden minus
176 Stunden)
Dieses Bonussystem kommt nur fuer Arbeiter in Frage, die
direkt in der Produktion beschaeftigt sind. Die indirekt
Beteiligten, wie z.E. Kranfuehrer. Leute, die das Material an die
Maschinen bringen und fertige Stahldrahtrollen transportleren,
erhalten ungefaehr vier Fuenffcel der Durchschnittsloehne der in
der Produktion taetigen Arbeiter. Es liegt deshalb In ihrem eigenen Interesse, dass die Arbeiter an den Maschinen laufend mit
Material versorgt werden.

Target
- 16 H/51
BICOC 2 k t 51 OUt 5 » H &lt;

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 11

Frankfurt/Uain, den 16 Maerx 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die Invalidenunterstuetzung in den Pensionaplaenen der
Amerikanischen Industrie

1

Gewerkschaftskongress fuer Zentral- und Westafrika ...... 4
CIO fordert Marshallplan fuer Suedostasien
lellaeadische Kohlenbergwerke

• 5

••••••••

6

Gegensaetze kennzeichnen die franzoesische Kohlenindustrie 7
Der belgische Textilarbeiter und sein Lebensstandard .... 9
TTiedereroeffnung der griechisch-Jugoslawischen Grenze ... 12
Afrikanische Lehrerin fordert Abschaffung der Polygamie . 13
Vereinigung der Nichtkommunistischen Gewerkschaften in
Pakistan

14

Sowjets leisten finnischen Kommunisten finanzielle Hilfe

14

Landreform in Italien

15

Das Hauptproblem der Produktionssteigerung liegt auf
psychologischem Gebiet
••••••••

15

DIE INVALIDENUNTERSTUETZUNG IN DEN PENSICNSPLAENEN DER AMERIKANISCHEN
INDUSTRIE
Als gegen Ende des Jahres 1949 in einer Reihe groesserer Industrien
der Vereinigten Staaten Tarifvertraege abgeschlossen wurden, wurde das
Interesse und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Bestimmungen
ueber die Unterstuetzung von Invaliden- und Altersrentnern in den Pensionsplaenen der Industrie gelenkt. Der erste dieser Vertraege wurde am 28,
September 1949 von der Ford Motor-Company und der Gewerkschaft der Arbeiter
in den Zubringerindustrien der Automobil-, Flugzeug- und landwirtschaftlichen
Geraeteindustrie (CIO) abgeschlossen. Die Bestimmungen ueber Invalidenunter stuetzung waren in diesem Vertrag in ihrem Umfang begrenzt. Derartige

1 -

�Invalidenrenten werden nur bei dauernder und totaler Erwerbsunfaehigkeit
an Arbeiter gezahlt, die das 55. Lebensjahr erreicht und 30 DienstJahre
•ollendet haben. Ein Vertrag, der einen Ilonat apaeter zwischen der
Bethlehem Steel Corporation und der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO
abgeschlossen wurde, sieht Invalidenunterstuetzungen fuer Arbeitnehmer
mit mindestens 15 ununterbrochenen DienstJahren vor, wenn dauernde Erwerbsunlaehigke.it vorliegt. Diesen Vertraegen folgten in mehr oder weniger
schneller Reihenfolge andere Abmachungen in mehreren Industrien der Massenproduktion, vor allem der Stahl-, Automobil-, Gummi- und Glasindustrie.
Allein in diesen vier Industrien sind in den von September 1949 bis Ende
Juni 1950 abgeschlossenen Tarifvertraegen mindestens 80 Pensionsplaene mit
Bestimmungen ueber die Auszahlung von Invalidenunterstuetzungen enthalten.
Wenn die Gewerkschaften auf die Einbeziehung von Unterstuetzungsbestimmungen bei dauernder und totaler Arbeitsunfaehigkelt Y/ert legen, so
ist dies eine neuere Entwicklung. Derartige Bestimmungen bestehen jedoch
bereits in Pensionsplaenen, die seit vielen Jahren gueltig sind. Auch
gibt es einige Sonderplaene, die lediglich den Zweck haben, dem Risiko
dauernder und totaler Arbeitsunfaehigkelt zu begegnen.
Die meisten Pensionsplaene enthalten irgendeine Bestimmung ueber die
Pensionierung von Arbeitern vor Erreichen des normalen Pensionsalters,
aber allgemein nicht vor Erreichung des 55. Lebensjahres. Fuer Arbeitnehmer, die sich nach Erreichen des $5* Lebensjahres zur Ruhe setzen, sehen
die meisten Pensionsplaene jaehrliche Unterstuetzungsgelder vor, fuer die
die zu zahlenden Praemien jedoch geringer sind. Nach einigen Plaenen kann
fuer Arbeitnehmer, die vor Erreichen des 55* Lebensjahres die Arbeit niederlegen, unter besonderen Bedingungen bei Erreichung des 65* Lebensjahres
eine Unterstuetzung nachgezahlt werden, deren Hoehe sich nach den vom
Arbeitnehmer gezahlten Praemien sowie den von seinem Arbeitgeber fuer ihn
geleisteten Zuschuessen richtet. Nach den Bestimmungen einiger Plaene wird
den Arbeitnehmern sofort nach Einstellung ihrer Erwerbstaetigkeit, selbst
wenn sie noch nicht 55 Jahre alt sind, eine jaehrliche Beihilfe gezahlt,
wenn sie sich den Anspruch hierauf nach Hassgabe der Pensionsplanbestimmungen
erworben haben. Obwohl derartige Plaene einigen Arbeitnehmern ermoeglichen,
Unter st uetzungen zu beziehen, die im allgemeinen sehr niedrig sind, wenn sie
wegen Arbeitsunfaehigkeit die Arbeit niederlegen muessen, werden derartige
Plaene in der vorliegenden Studie nicht berücksichtigt.
Plaene, die Unterstuetzungen fuer dauernd und total Arbeitsunfaehige vorsehen, sind gewoehnlich in grossen Betrieben anzutreffen. 70 dieser Plaene
erstrecken sich auf Arbeitnehmer privater Unternehmen in allen moeglichen
Industrien. Der Wohlfahrts- und Pensiohsfonds der Bergarbeitergewerkschaft
dagegen besteht fuer die gesamte Industrie und erstreckt sich auf 400.000
Arbeitnehmer. Die 70 Plaene bestehen in Betrieben verschiedener Groessen von kleinen Unternehmen mit weniger als 100 Arbeitnehmern bis zu der riesigen
American Telephone und Telegraph Company rit ueber 600.000 Arbeitnehmern.
Annaehernd 5556 der Plaene sind jedoch fuer Betriebe gueltig, die 2.500 oder
mehr Arbeitnehmer beschaeftigen.
Ein erwerbsunfaehiger Arbeiter, der gegen Erwerbsunfaehigkeit versichert war, muss eine oder mehrere der folgenden Bedingungen erfuellen, um
untarstuetzungsberechtigt zu sein. Die Arbeitsunfaehigkelt muss von einer
Art sein, die in dem Plan vorgesehen ist. In den meisten Betrieben ist
eine bestimmte Dienstzeit erforderlich, und der Arbeitnehmer muss ein bestimmtes Alter erreicht haben oder bei Eintritt der Erwerbsunfaehigkeit ein
gewisses Alter besitzen.
Die Art und Weise, in der ueber das Vorhandensein einer Arbeitsunfaehigkelt entschieden wird, ist in einigen Plaenen gaenzlich dem Unternehmer oder dem Verwalter des Pensionsplans ueberlassen; in anderen wird
sie mehr oder weniger detailliert festgelegt. In den Plaenen, die in dieser Erhebung beruecksichtigt sind, variiert die Auslegung des Begriffs der

- 2 -

/

�"Arbeitsunfaehigkeit" - wenn ueberhaupt dazu eine besondere Moeglichkeit
besteht - von der Unfaehigkeit, jede normale Taetigkeit zu verrichten,
bis zur dauernden und voelügen Arbeitsunfaehigkeit fuer jede Art von
Arbeit. Die Bedingungen in bezug auf das aerztliche Gutachten sind ebenfalls sehr verschieden. Manchmal werden nur sehr vage Bedingungen und
manchmal ganz spezifische Bestimmungen sowohl fuer einmalige als auch
fuer dauernde aerztliche Untersuchungen und Gutachten gestellt.
Fast in zwei Dritteln der Plaene wird gefordert, dass der Arbeitnehmer ein bestimmtes Alter erreicht und eine bestimmte Zahl von Dienstjahren geleistet hat. Manchmal werden auch beide Bedingungen gestellt,
wenn der Arbeitnehmer als unterstuetzungsberechtigt erklaert werden soll.
Nur in 15% der Plaene werden jedoch beide Bedingungen gestellt,
Bedingungen in bezug auf das Dienstalter werden zweimal so haeufig
gestellt als Bedingungen in bezug auf das Lebensalter. Die erforderliche
Dienstzeit variiert zwischen fuenf und 25 Jahren, am haeufigsten werden
15 Dienstjähre zur Voraussetzung gemacht. In mehr als 36% der Plaene
werden 15 oder mehr Dienstjähre gefordert. Derartige Bestimmungen sind
haeufiger in solchen Plaenen zu finden, bei denen die Arbeitnehmer keine
Praemien zahlen als in solchen, bei denen die Arbeiter selbst Beitraege
zu entrichten haben.
In achtzehn Betrieben muss der Arbeitnehmer ein bestimmtes Alter erreicht, haben, wenn er Anspruch auf Invalidenunterstuetzung haben will.
In 10 Betrieben werden keine Unterstützungen gezahlt, wenn der Arbeitnehmer nicht 55 Jahre alt ist, mit der Ausnahme jedoch, dass das Mindestalter fuer Frauen in drei Betrieben auf 50 Jahre festgelegt ist. In
sechs Betrieben sind nur solche Arbeitnehmer unterstuetzungsberechtigt,
die noch nicht 56, 60 oder 65 (fuer Frauen 55) Jahre alt sind. In diesen
Betrieben muessen die aelteren Arbeitnehmer Pensionsunterstuetzungen aufgrund ihres Alters beantragen. Altersbedingungen sind in beitragspflichtigen
Plaenen verhaeltnismaessig haeufiger anzutreffen als in nicht-beitragspflichtigen.
Bezueglich der Alterspensionierung ist die Hoehe der wegen &amp;rwerbsunfaehigkeit zu zahlenden Pensionsunterstuetzung im allgemeinen von dem
Verdienst und den Dienstjahren abhaengig. Da die Dienstzeit eines Arbeitsnehmers infolge seiner Arbeitsunfaehigkeit gekuerzt wird, ist der Betrag,
der sich aus der Anwendung der Unterstuetzungsbestimmungen ergibt, nicht
nur aufgrund des niedrigeren Pensionsalters niedriger, sondern vermindert
sich ebenso durch die verhaeltnismaessig kurze Dienstzeit.
Einige der verhandelten Pensionsplaene sind neue Plaene, die durch
Tarifvertraege entstanden sind, wie zum Beispiel der Pensionsplan, der in
dem Vertrag zwischen der Ford Motor Company und der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO enthalten ist. Andere Plaene sind aelteren Datums, sie
wurden urspruenglich von dem Unternehmer aufgestellt und gefoerdert, sie
sind durch Vertraege revidiert und der Jetztzeit angepasst. Der Plan der
Bethlehem Steel Corporation, der durch den Tarifvertrag mit der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO revidiert wurde, gehoert zu dieser zweiten
Kategorie.
Alle diese Plaene mit Ausnahme von einem einzigen sind fuer die Arbeitnehmer nicht beitragspflichtig. Die einzige Ausnahme ist der Plan der
Inland Steel Company. Der Vertrag zwischen dieser Firma und der Stahlarbeitergewerkschaft sieht einen "ergaenzenden" und einen "freiwilligen"
Pensionsplan vor, und der Arbeitnehmer kann waehlen, in welchen er einbezogen sein will. Fuer den "ergaenzenden" Plan, der neu ist, sind keine
Beitraege zu entrichten. Der "freiwillige" plan sieht Beitragszahlung
durch die Arbeitnehmer vor, er wurde von der Gesellschaft ins Leben gerufen
und bestand bereits zurzeit des Vertragsabschlusses. Durch den Tarifvertrag wurde er abgeaendert. Nach den Bestimmungen dieses Planes zahlt

- 3-

�der Arbeitnehmer etwa zwei Prozent seines monatlichen Verdienstes, wenn
er zwischen 50 und 250 Dollar liegt. Fuer Betraege ueber 250 Dollar
werden zusaetzlich vier Prozent erhoben. Der Arbeitgeber zahlt den Restbetrag, der notwendig ist, um die vorgesehenen Unterstuetzungen zu
finanzieren. Diese Zuschuesse sind in allen Bestimmungen fuer Pensionsunterstuetzungen und nicht nur in denen der Invalidenunterstuetzungen
enthalten«
Die Invalidenunterstuetzungen werden in fast allen Faellen von den
Unternehmern getragen. Haehrend nach den Tarifvertraegen die Unternehmer
in den meisten Faellen fuer die Unterstuetzungen verantwortlich zeichnen,
sind nur wenige Pensionsplaene bekannt, fuer die kommerzielle Versicherungstraeger verantwortlich zeichnen.
Obwohl die von den Gewerkschaften vor kurzem verhandelten Pensionsplaene in den Industrien der Massenproduktion die Aufmerksamkeit auf das
Problem des gesicherten Einkommens fuer solche Arbeiter gelenkt haben, die
wegen Arbeitsunfaehigkeit ihre Erwerbstaetigkeit beenden mussten, sind
weniger bekannte Bestimmungen fuer die Auszahlung von Unterstützungen an
dauernd erwerbsunfaehige Arbeiter ebenfalls in vielen Arbeiter-Unterstuetzungsplaenen vorzufinden, die seit einer Reihe von Jahren bestehen«
Die meisten Plaene, die Unterstützungen fuer dauernd und total
Erwerbsunfaehige vorsehen, sind in grossen Unternehmen anzutreffen. Da
die Unterstuetzungszeit von grosser Dauer sein kann, ist in den Plaenen,
die sich auf Privatfirmen oder Privatunternehmen erstrecken, die Unterstuetzung von dauernd und total Erwerbsunfaehigen auf solche Arbeitnehmer
beschraenkt, die verhaeltnismaessig lange Zeit fuer den einzelnen Unternehmer gearbeitet haben. In den meisten Plaenen, die dieser Erhebung
zugrunde liegen, sind die Unterstuetzungsbetraege ziemlich niedrig, besonders,
wenn es sich um Plaene handelt, in denen nur eine Uindestdienstzeit zur
Bedingung gemacht wird. Nichtsdestoweniger ist das Vorhandensein von
Pensions- und anderen Plaenen, in denen ein bestimmter Schutz gegen das
Risiko der totalen und dauernden Arbeitsunfaehigkeit vorgesehen ist, ein
Beweis dafuer, dass in zunehmendem Masse die Notwendigkeit und die Moeglichkeit anerkannt wird, vorbeugende Massnahmen zum Schutz vor diesem Risiko
• zu treffen.
Social Security Bulletin
1/51

Gü*ffiRKSCHAFT3K0NG3ESS FUER ZENTRAL- UND HESTAFRIKA
35 Gewerkschaftsdelegierte aus verschiedenen Teilen Zentralafrikas
und Vertreter europaeischer und amerikanischer Gewerkschaftsgruppen kamen
in diesen Tagen in Duala (Franzoesisch-Kamerun) zu einer historisch bedeutsamen Konferenz der freien Gewerkschaften Afrikas zusammen.
Es ist der erste Kongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, der die Gewerkschaftsfuehrer aus zehn zentral- und westafrikanischen Territorien, einschliesslich Senegal, Gambia, die Goldkueste, Sierra
Leone, Dahomey, Nigeria und Kamerun, und Gewerkschaftsdelegierte aus Frankreich, Belgien und Grossbritannien zusammenfuehrte.
Einige Kommunisten hatten versucht, eine vorbereitende Konferenz, auf
der die Delegierten der Gewerkschaften des IBFG die Themen fuer den Kongress
in Duala besprachen, zu stoeren. Dieser Versuch war jedoch schnell vereitelt.
Die Delegierten erklaerten, sie seien ueberzeugt, dass die Arbeiter
Zentral- und V.'estafrikas sehr wohl zwischen kommunistischen Agitatoren und
Gewerkschaftsführern unterscheiden koennten, die ehrlich bestrebt sind, den

-4-

�Interessen der Arbeiter zu dienen.
Der IBFG ergreift die Initiative in der Unterstuetzung der sozialen
und wirtschaftlichen Massnahmen, die die Arbeitsbedingungen der einheimischen Bevoelkerung verbessern sollen. In Anbetracht des gegenwaertigen Weltmangels an gewissen Rohstoffen, die in Zentral- und Westafrika vorhanden sind, kommt dieser Konferenz eine besondere Bedeutung
zu. Obwohl die strategisch wichtigen Reichtuemer dieser Gebiete als betraechtlich angesehen werden, haben die Gewerkschaftsdelegierten, die die
Konferenz vorbereiten, nicht die Absicht gehabt, dieses Thema auf die
Tagesordnung zu setzen.
Dem Gewerkschaftskongress wird ein Bericht ueber die Inspektionsreisen vorgelegt werden, die zwei IBFG-Gruppen unternommen hatten, um
sich ueber die Arbeitsbedingungen in Zentral- und Westafrika zu informieren .
Die IBFG-Delegation wird gefuehrt von Frederic W. Dalley von der
einflussreichen britischen Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten, ferner
von Lawrence Wight, der vom Internationalen Transportarbeiterverband
delegiert ist, Andre Lafond, dem Generalsekretaer der franzoesischen Gewerkschaft CGT-Force Ouvriere, Marcus Grant, dem Generalsekretaer der
Gewerkschaft der Handwerks- und aehnlicher Berufe in Sierra Leone, Harold
D. Snell, einem Funktlonaer der Transportarbeitergewerkschaft des CIO,
und Arthur Sercu, dem zweiten Vorsitzenden der belgischen Textilarbeitergewerkschaft. Ausserdem sind zwei Sekretaere anwesend, Walter Hood aus
Australien und Pierre Liniger aus der Schweiz.
IBFG Paris 3/7/51

CIO FORDERT MAftdHALLPLAN FUER SUEDOSTASIEH
Die dringende Forderung nach der "sofortigen Schaffung eine's Marshallplanes fuer die Nationen Suedostasiensn ist von dem Hauptkassierer des CIO,
James 'B. Carey, in einer Rede gestellt worden, die er vor dem dreizehnten
Jahreskongress das Nationalen Farminstituts in Des Moines (Iowa) hielt.
"Die westlichen Demokratien riskieren ihren moralischen, militaerischen und wirtschaftlichen Bestand, wenn sie die 560 Millionen Menschen
Suedostasiens mit den natuerlichen Reichtuemern dieser Gebiete verlieren",
betonte hier warnend Carsy.
"Ich bin fest davon ueberzeugt, dass wir heute wesentlich weiter waeren,
wenn wir einen Marshallplan fuer Suedostasien entworfen und ein 20 Milliarden-Dollar-Programm eingeleitet haetten."
Im Vergleich zu den diesjaehrigen Ausgaben fuer Verteidigungszwecke,
die sich auf 70 Milliarden Dollar belaufen, "haetten wir unbedingt Geld gespart, wenn wir uns haetten entschliessen koennen, vier Jahre jaehrlich
fuenf Milliarden Dollar fuer ein ECA-Programm im Fernen Osten aufzuwenden."
Carey brachte zum Ausdruck, dass er das Punkt-Vier-Programm der amerikanischen Regierung zur Unterstuetzung wirtschaftlich rueckstaendiger Gebiete befuerwortet, fuagte jedoch hinzu, dass die fuer Investitionazwecke
bewilligten 25 Millionen Dollar fuer jeden der 560 Millionen Menschen Suedostasiens nicht ganz i-^J Ce^ts bedeuteten.
Der CIO-Funktiona*r erklaerte in seinen Ausführungen vor der Konferenz u.a.:
"Die Alarmschlaegör und Habgierigen werden uns natuerlich vorwerfen,

-5

�dass wir einen unserer groessten Absatzmärkte zerstoeren, wenn wir
diesen Laendern Suedostasiens helfen, ihre eigene Wirtschaft aufzubauen und den Lebensstandard ihrer Bewohner au verbessern."
«Eine derartige Propaganda ist unrichtig, weil sie unsinnig ist.
Ihr liegt die Vermutung zugrunde, dass die Beduerfnisse dieser Menschen
trotz wirtschaftlichen Fortschritts gering bleiben wuerden."
"Der konkrete Beweis fuer die Unrichtigkeit dieser Propaganda ist
die einfache Tatsache, dass unser Aussenhandel mit solchen Laendern besonders rege ist, in denen die Produktionskapazitaet am hoechsten ist.
Wenn also jemand den Wunsch hat, diesen Vorschlag unter dem engstirnigen
Blickwinkel des Selbstinteresses zu betrachten, dann moege er sich vor
Augen halten, dass eine Steigerung des Lebensstandards der ganzen Welt
und eins Steigerung der Produktionsleistung aller Nationen su einer immer
groesseren Nachfrage nach allen erdenklichen Erzeugnissen Amerikas fuehren
wird."
Labour News from the US
3/2/51

HOLLAENDISCHE KOHLäNBEaCR.'ERKE
Auch in Holland gibt es Kohlenbergwerke, aber die kohlefuehrenden
Adern sind fast so schmal und duenn wie die Wurzeln eines Baumes. Dennoch
ist es durch eine systematische Anwendung der Grundsaetze wissenschaftlicher
Betriebsfuehrung gelungen, die Ausbeute beträchtlich zu steigern, zugleich
jedoch die manuelle Arbeitsleistung des einzelnen Bergmanns herabzusetzen.
In erster Linie ist dies dem Transportband zu verdanken, das das gefoerderte
Gut nach oben befoerdert und damit die harte Arbeit des Schaufeins ueberfluessig macht. Diese Baender gab es auch bereits frueher, aber sie mussten
sozusagen "beschaufelt" werden, waehrend heute das Band in sehr geringer
Hoehe laeuft, sodass die Kohle nur auf das Band "geschoben" zu werden braucht.
Eine weitere Erhoehung der Leistung ist durch die Einfuehrung der Leuchtroehren in den Stollen erreicht worden, die eine wesentlich bessere Beleuchtung als bisher ergeben.
Von den 12 Kohlenbergwerken befinden sich vier in der Hand des Staates,
acht gehoeren privaten Unternehmungen. In diesen 12 Schaechten sind Aß.000
Bergleute beschaeftigt, wobei eine Reihe Massnahmen getroffen wurde, um
den Nachwuchs heranzubilden. Der Lehrling kommt zuerst in einen Vortrupp,
der von einem Jugendlichen gefuehrt wird. Sobald 2k Jugendliche dem Vortrupp
angehoeren, beginnt die Berufsausbildung. Gelehrt werden vor allem Sicherheit smassnahmen, der richtige Gebrauch der mechanischen Ausruestung und eine
Reihe technischer Aufgaben. Aber auch fuer die sportliche Betaetigung wird
Sorge getragen, im ersten Jahr nimmt jeder Jungbergmann an einem achttaegigen
Zeltlager teil.
Im zweiten Lehrjahr beginnt die praktische Arbeit in einem Modellschacht,
der mit allen in Frage kommenden Ausrüstungen ausgestattet ist. Anfangs
wird taeglich fuenf Stunden in den Oberflaechenbetrieben des Bergwerks gearbeitet. Hier handelt es sich nur um einfache Arbeiten wie das Ausladen und
das Aufstapeln der Kohle, das Reinigen der Hoefe und sehnliches, die eigentliche bergmaenni8che Taetigkeit beginnt erst im dritten Lehrjahr, anfangs
einen Tag in der Woche und spaeter drei Tage im Schacht. Jugendliche unter
16 Jahren duerfen in Holland nicht staendig unter Tage beschaeftigt werden,
aber wenn die Bergwerklehrlinge ihre Lehrzeit beendet haben, sind sie dennoch
zu perfekten Hauern geworden.
Die eingeschaltete Berufsberatung sorgt dafuer, dass der einzelne Jugend-

-6-

�liehe den richtigen Berufszweig erlernt, sei es als Mechaniker, als
Steiger oder als Elektriker. Diese Testpruefungen werden jedoch auch mit
Bergleuten durchgefuehrt, die schon jahrelang in den Schaechten arbeiten.
An Hand der Testergebnisse zeigte es sich wiederholt, dass einzelne Bergleute nicht an der richtigen Stelle taetig waren. Durch entsprechende
Auswechslungen konnte sowohl den einzelnen Arbeiter als auch dem Bergwerk
selbst gedient werden.
Durch Leistungskontrollen wird die Betriebsleitung im uebrigen auch
auf anderem Wege auf solche Fehlbesetzungen aufmerksam, sodass auch von
dieser Seite her der Testversuch in Anwendung kommen kann.
Die hollaendischen Bergwerke blicken auf keine lange Tradition zurueck. Noch vor fuenfzig Jahren erstreckten sich im Limburger Gebiet,
der suedoestlichsten Ecke Hollands zwischen Belgien und Deutschland, ueberall bestellte Aecker. Dann wurden die ersten Bergwerke eroeffnet, und die
Bauern verdienten als Bergleute besser als bisher. Aus diesem Grunde stammen 9056 aller hollaendischen Bergleute aus dem Limburger Gebiet, und die
Jungen der Bergleute gehen selbstverstaendlich wieder in die Bergwerke.
Die kleinen Aecker wurden beibehalten, hier in Limburg kennt man nicht die
ueberall in der Welt fuer die Bergwerke so typischen Siedlungen. Die
hollaendischen Bergarbeiterwohnungen unterscheiden sich betraechtlich von
denen in anderen Laendern. Hier draengt sich auch nicht Wohnhaus an Wohnhaus, sie stehen vielmehr einzeln "im Gruenen", in einer freundlichen Landschaft, die kaum zu einem Kohlenrevier zu gehoeren scheint.
Die hollaendische Bergarbeitergewerkschaften zaehlen etwa 24.000 Mitglieder, die jedoch in verschiedene Verbaende aufgeteilt sind. Der monatliche Ausstoss betraegt ueber eine Million Tonnen, er liegt jedoch erst bei
85£ der Vorkriegsfoerderung.
Die Gewerkschaften ueben in Holland einen starken parlamentarischen
Einfluss aus. Die Sozialversicherungen sind daher ausgezeichnet. Unternehmer und Arbeiter zahlen 2,l£ der Monatsbezuege fuer Krankenversicherung
und 7,556 fuer den Pensionsfonds. Fuer die Zahlung von Krankengeldern muss
der Arbeiter weitere 2% und der Unternehmer 6% aufbringen. In Krankheitsfaellen oder bei Unfaellen erhaelt der Arbeiter jedoch 60/C seines Lohnes
fuer sechs Monate.
Die Altersversicherung kann bis zu 70/f des Lohnes betragen, sie richtet
sich danach, welche Einzahlungen in den Pensionsfonds geleitet worden sind.
Die Witwe erhaelt 50% dieser Betraege. Die staatseigenen Bergwerke haben
einen sozialen Haushaltshilfsdienst eingerichtet, der die erkrankten Bergleute betreut.
ECA - Sondermitteilungen

GEGENSAETZE KENNZEICHNEN DIE FRANZCESISCHE KOHLENINDUSTRIE
Von Grubenpferden und aermlichen Arbeiterwohnungen bis zum amerikanischen Foerderkarren mit Flachbaggervorrichtung und modernen Siedlungen,
von kommunistischen bis zu christlichen Gewerkschaften bietet die franzoesische Kohlenindustrie ein Mosaik der Gegensaetze und Probleme.
Von allen Nachkriegsproblemen der franzoesisehen Wirtschaft bildet
das der Kohle das schwierigste, denn 75£ der in der Industrie und den
Haushalten Frankreichs benoetigten Energie wird aus der Kohle gewonnen.
Und ausser den schweren Kriegsschaeden litten Frankreichs Bergwerke seit
mindestens zehn Jahren vor dem Krieg an Vernachlaessigung und einem Mangel
an Kapitalinvestitionen.

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�Was die Lage noch schwieriger gestaltet, ist die Tatsache, dass
Prankreich immer viel Kohle importiert hat, - in der ersten Haelfte des
20. Jahrhunderts mehr als alle anderen Laender der Welt. Am Ende des
Krieges waren Frankreichs groesste Kohlelieferanten, naemlich Deutschland, Belgien, Polen und England, nicht mehr lieferfaehig.
Zu dieser Zeit verstaatlichte Frankreich 97% seiner Bergwerke und
leitete ein gigantisches Programm zur Erweiterung und Modernisierung
seines Bsrgwerksystems ein. Man kann sich von dem Umfang dieses Programms
eine Vorstellung machen, wenn man ueberlegt, dass Ende 1952 die Haelfte
aller franzoesischen Bsrgwerkseinrichtungen seit dem Krieg erneuert sein
werden.
Ein anderer Beweis fuer die Groesse dieses Programms sind die Kosten.
Von 1946 bis 1950 sind dafuer 65 Milliarden Francs oder rund 200 Millionen
Dollar aufgewendet worden. Mehr als die Haelfte dieses Betrags wurde aus
Marshallplan-Gegenwertmitteln aufgebracht, das heisst Geldern in franzoesischer Waehrung. die franzoesische Buerger fuer gelieferte MarshallplanWaren an ihre Regierung gezahlt haben, und die von der Regierung in einen
Sonderfonds deponiert wurden. nCharbonnages de France", die Organisation,
die die verstaatlichten Bergwerke verwaltet, steht als Empfaenger von Gegenwertgeldern an zweiter Stelle hinter den verstaatlichten Elektrizitaetswerken.
Da das Modernisierungsprogramm weit vorangetrieben, aber nicht vollendet
ist, bietet der franzoesische Kohlenbergbau ein Bild der Gegensaetze. Neues
und Altes, Leistungsfaehiges und Rucckstaendiges stehen haeufig Seite an
Seite.
Nehmen wir zum Beispiel die Bergarbeiterwohnungen. Im "Bassin du Nord"
waren die alten Wohnungen ohne jede Kanalisierung gebaut worden. Die Bergarbeiter haben sich selbst ausserhalb ihrer Haeuser Huetten errichtet, die
irgendwie einen primitiven Eindruck machen. In einigen Gemeinden wird das
Wasser noch in Eimern an den oeffentlichen Pumpen geholt, und die elektrische
Beleuchtung ist oft noch sehr mangelhaft.
Auf der anderen Seite wurde ein Drittel des gesamten fuer das Erweiterungsprogramm aufgewendeten Geldes fuer den nohnungsbau verwendet. Die Gelder
fuer den Wohnungsbau wurden in zunehmendem Masse aur Marshallplan-Gegenwertfonds zur Verfuegung gestellt. Allein in der Zeit von 1946 bis 1948 wurde
mit dem Bau von 21.000 Wohnungseinheiten begonnen. Viele franzoesische Bergarbeiter sind nun in der gluecklichen Lage, in Gartensiedlungen mit üinfamilienhaeusern leben zu koennen. Diese modernen Haeuschen sind oft von
Gaerten umgeben, in denen Kaninchenstaelle und Huehnerlaeufe angelegt sind.
Garagen gibt es nicht, denn ein franzoesischer Arbeiter kann sich keinen
Wagen leisten.
Der Bergarbeiter selbst, das Bergwerk, in dem er arbeitet und die Tferkzeuge, die er benutzt, sind ebenfalls sehr verschieden. Unter den Bergarbeitern gibt es Marokkaner, Tunesier und Algerier, die alle arabisch
sprechen; ferner Italiener, Polen und Tschechoslowaken« Ausserdem trifft
man, wenn auch in geringerer Zahl, dort Spanier, Belgier, Deutsche, ein paar
Portugiesen und wenige Russen. Mehr als ein Viertel aller Bergleute sind
Auslaender, weil die Franzosen eine Abneigung gegen die Arbeit in den Kohlengruben haben.
Der Arbeiter, der in den modernen Bergwerken in Lothringen beschaeftigt
ist, kennt die modernen Einrichtungen, die im Rahmen des Marshallplanes geliefert wurden, wie z.B. dreiarmige Bohrer, Foerderkarren mit Ladebagger,
automatische Ladevorrichtungen, Diesel-Zugmaschinen und Presslufthaemmer«
In einigen Bergwerken im "Bassin du Nord" dagegen kommt es vor, dass er 300
Meter weit durch enge, sich windende Stollen kriechen muss, um an eine Abbruchsteile zu gelangen, die nur Raum fuer einen Mann und eine Picke bietet.
In diesen Gruben werden die Foerderkarren von Ponys gezogen*

•*• Q ••

�Die franzoesische Kohle ist vorwiegend bituminoes. Viele Vorkommen
liegen in einer Tiefe von 1300 Metern, und die Adern sind oft unterbrochen
und duenn. Steinkohle wird zum groessten Teil im Stollenabbau gewonnen;
die franzoesischen Reserven an Anthrazit, Koks und Giessereikoks sind jedoch zu gering, und rrankreich ist in dieser Beziehur^ auf den Import angewiesen. 1949 wurden von diesem Land 53 Millionen Tonnen produziert und
1 Million Tonnen exportiert. Aber trotzdem mussten noch 21 Millionen Tonnen importiert werden. In den vier Jahren von 1946 - 19A9 importierte
Frankreich ueber 30 Millionen Tonnen Kohle aus den Vereinigten Staaten.
Bis Ende des Jahres 1950 hatte es aus Marshallplan-Mitteln ueber 156 Millionen Dollar fuer Kohlenimporte aus den Vereinigten Staaten erhalten.
Der Aufsichtsrat der "Charbonnages de France" setzt sich aus sechs Mitgliedern der drei Gewerkschaften, die die Bergleute vertreten, sechs Mitgliedern, die von der Regierung ernannt werden, und sechs Vertretern der
Verbraucher zusammen, wobei letztere politische Delegierte sind und im
allgemeinen die Industrie vertreten.
Prozentual gesehen bilden die Bergleute die groesste gewerkschaftlich
organisierte Arbeitergruppe Frankreichs. Trotzdem sind nur 50$ von ihnen
in Gewerkschafter: organisiert. Von diesen 50$ gehoert ein wesentlicher
Teil dem kommunistisch beherrschten Allgemeinen Gewerkschaftsbund CGT an.
Die uebrigen sind mehr oder weniger auf die antikommunistische Gewerkschaft
"Force Ouvi'iere", die sich vor drei Jahren vom CGT loslceste, und auf den
Gewerkschaftsbund Christlicher Arbeiter (CFTC), eine vorwiegend katholische
Gruppe, verteilt,
Obwokl der komnunistisch gefuehrte CGT betraechtliche Verluste seit
dem grossen Streik im Jahre 1948 erlitten hat, ist er immer noch die
staerk8te Organisation dieser drei.
Die anderen Gewerkschaften weigern sich haeufig, mit Vertretern des
CGT am TarifVerhandlungstisch zusammenzusitzen. Da es in Frankreich nicht,
wie in den Vereinigten Staaten, den festen Zustaendigkeitsbereich einer Gewerkschaft gibt, verhandelt der Koiilenausschuss mit jeder Gewerkschaft
einzeln. Deshalb besitzt auch keine Gewerkschaft das, was man in den Vereinigten Staaten eine starke Verhandlungsposition nennt.
United Mine Workers Journal
3/1/51

DER BELGISCHE TEXTILARBEITER UND SEIN LEBENSSTANDARD
Die belgischen Textilarbeiter erfreuen sich, wie ueberhaupt die belgischen Arbeiter im allgemeinen, eines hoeheren Lebensstandards als alle
anderen Arbeiter des europaeischen Kontinents mit Ausnahme der schwedischen.
Fuer den amerikanischen Beobachter bestehen gewisse augenscheinliche
Unterschiede zwischen dem Lebensstandard des belgischen und amerikanischen
Arbeiters. Des Morgens, nachmittags und wiederum nach Feierabend sind die
engen, kopfsteingepflasterten Strassen mit Radfahrern jeden Alters dicht
bevoelkert.
Ausserdem sind nach amerikanischen Begriffen Kanalisierung und Wasserversorgung vernachlaessigt, oft ist die naechste V/asserquelle eine rostige
Pumpe im Hinterhof. Es gibt nur wenige Badeeinrichtungen. Die Toilette
besteht oft aus einer Holzhuette, wie sie frueher in Amerika auf dem Lande
ueblich war.
Der Belgier legt zwar weniger ',,'ert auf moderne Transportmittel und
sanitaere Anlagen, aber dafuer ist ihm seine Ernaehrung wichtig. Ernaehrung
ist fuer ihn Erholung. Jeden Abend begibt er sich in sein kleines Back-

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�Steinhaus, schliesst die Fen3terlaeden und bringt Stunden bei der Mahlzeit zu.
Bier ist sein Getraenk. Und die alltaeglichen Speisen, bei denen
zwar soviel Kartoffeln verzehrt werden, dass ein amerikanischer Rohkoestler Angst davor bekaeme, liegen weit ueber dem europaeischen Durchschnitt. Dies ist jedoch nicht ohne grosse Bemuehungen moeglich. Da
es keine Kuehlschraenke gibt, muessen die Hausfrauen jeden Tag Frischgemuese einkaufen und viel Zeit fuer ihre Zubereitung aufwenden. Das
Ergebnis ist dementsprechend ein koestliches. Es ist fast ausgeschlossen,
dass man in Belgien ein kaergliches Mahl vorgesetzt bekommt, da die
Kueche vorwiegend franzoesisch ist.
Der verhaeltnismaessig hohe Lebensstandard in Belgien ist zum Teil
der Y/achsamkeit und Tatkraft der belgischen Gewerkschaften zu verdanken.
Es gibt zwei grosse Gewerkschaften, die saemtliche Industriezweige
organisiert haben: die "sozialistische" Gewerkschaft, die mehr oder
weniger mit der politischen Partei gleichen Namens uebereinstimmt, und der
Katholische Gewerkschaftsbund.
Die sozialistische Gewerkschaft (FGTB) vereinigt in ihren Reihen die
Mehrheit der Textilarbeiter (etwa 60£). Die Zentralstellen der FGTB sind
fuer alle Industrien mit Ausnahme der Textilindustrie in der belgischen
Hauptstadt untergebracht. Der Sitz der Textilarbeitergewerkschaft ist in
Gent, einer Stadt der Kanaele mit alten, aus Stein gebauten Kirchen und
einer faszinierenden Geschichte.
Diese Stadt wurde im Jahre 629 gegruendet, sie ist ein Zentrum der
europaeischen Tuchweber, und seine Einwohnerzahl war einst groesser als
die von Paris. Gent ist noch immer das Zentrum der belgischen Textilindustrie.
Es gibt natuerlich auch Ortsgewerkschaften der Textilarbeiter der
FGTB in den vielen Staedten der Textilfabrikation. St. Nikiaas zum Beispiel, eine Stadt mit 36.000 Einwohnern im Norden in der Naehe von Antwerpen, ist die Heimat der Teppichindustrie. Die aelteste Teppichfabrik
Belgiens, Petws Van Boys, hat hier ihre Spinnereien, Yfebereien und Samtwerkstaetten.
Das FGTB-Buero in St. Nikiaas wird von einem jungen, aeusserst
ruehrigen Sekretaer namens Lucien Rotthier gefuehrt. Er selbst ist in
schwerer Arbeit in der Textilindustrie grossgeworden und begann mit 1A
Jahren als Webereilehrling. Das war vor 19 Jahren, und man sieht es noch
heute seinen Fingern an.
Vor vier Jahren bewarb er sich erfolgreich zusammen mit 14 anderen
um die Stellung, die er jetzt bekleidet. Seine Erscheinung entspricht
auch seinem Jesen - ein schlankes Gesicht mit dunklen, durchringenden Augen.
Seine Arbeit laesst ihn trotz der belgischen Ernaehrung kaum schwerer als
120 Pfund werden.
Die engen Strassen von St. Nikiaas sind von kleinen, zweistoeckigen
Haeusern umsaeumt, die eng aneinander und dicht am Buergersteig stehen. Es
gibt Tausende davon, und sie sind alle gleich.
Auch die Rotthiers wohnen in einem solchen Haeuschen. Meistens gibt
es im Erdgeschoss ein Empfangszimmer, das nur selten benutzt wird und
etwas muffig riecht, ein Speisezimmer (wo die Familien sich meistens aufhalten), eine Kueche und ein Hof hinter dem Haus. Im Obergeschoss befinden
sich zwei Schlafzimmer. Zu den meisten Haeusern gehoert ein kleiner Blumenund Genuesegarten hinter dem Haus. Haeufig werden Huehner und Tauben gehalten.

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�Frau Rotthier, eine ansehnliche Blondine, haelt ihr Heim in
peinlicher Ordnung. V.ia in den meisten flaemischen Haeusern 3ind alle
Gegenstaende an ihrem Platz, nichts "steht herum". Die Raeume selbst
sehen nicht so aus, als ob sie bewohnt waeren. Die Moebel und der
aeussere Anblick dieser 'Johnungen haben eine ueberraschende Aehnlichkeit mit Millionen von Arbeiterwohnungen in den Vereinigten Staaten.
In Belgien wird weniger auf Kredit gekauft als in den Vereinigten
Staaten. Die Rotthiers haben zum Beispiel monatelang gespart, um sich
einen Tisch fuer das EmpfangszL'amer zu kaufen. Es ist geradezu paradox,
dass in dieser Stadt der Teppiche die meisten Vlohnungen nicht mit Teppichen, sondern mit Linoleum ausgelegt sind.
Ein Kohleofen verbreitet in der '..'ohnung eine angenehme VJaerme. In
der Kueche steht ein Kohleherd. Die Fenster sind wie in allen belgischen
Y/ohnungen mit freundlichen weissen Spitzenvorhaengen behangen. In jedem
Haus findet sich ein Lautsprecher, der an ein benachbartes Empfangsgeraet angeschlossen ist. Aehnlich wie in vielen amerikanischen Hotels
und Krankenhaeusern stehen fuenf Programme zur V.'ahl.
Die Lohnzahlungen fuer den belgischen Arbeiter erfolgen fast ausschliesslich nach dem Akkordsystem. Die Nettoloehne der Textilarbeiter
sind hoeher als die der uebrigen Arbeiter, aber niedriger als die der
Bergleute, Stahlarbeiter und Hafenarbeiter. Die Loehne der Textilindustrie
und des Baugewerbes haben ungefaehr den gleichen Stand.
lieber verdienen woechentlich im Durchschnitt 109.20 DM, Hilfarbeiter
in Webereien verdienen ungefaehr 75.60 DM.
Die Mieten sind jedoch niedrig
und die Arbeiter koennen ihr Einkommen noch durch die Bewirtschaftung
ihrer Gaerten verbessern. Stoffe sind jedoch, wie fast ueberall in Europa,
verhaeltnismaessig teuer. Vfeil die Preise fuer Lederschuhe sehr hoch sind,,
tragen viele Arbeiter Holzschuhe bei der Arbeit.
Der Lebenshaltung skosten-Index Belgiens ist vor kurzem innerhalb von
zwei Monaten um 23% angestiegen, was auf die geringe Kauftaetigkeit und den
zu erwartenden Warenmangel zurueckzufuehren ist, der durch den Krieg in
Korea verursacht ist. Die Gewerkschaften fordern verbesserte Gesetze fuer
Pensionen und Unfallunterstuetzung.
Vfie immer sind die Verbesserungen der Loehne und Arbeitsbedingungen die
wichtigsten Aufgaben der'Gewerkschaften des Landes. Sie werden jedoch durch
Verhandlungen bestimmt, die im Rahmen der bestehenden Gesetzgebung gefuehrt
werden.
Obwohl viele Aufgaben auf der Landesebene geloest werden, hat der
Sekretaer Rotthier seine eigenen Schwierigkeiten in seiner Qrtsgewerkschaft.
Eine dieser Schwierigkeiten ist durch eine neue moderne Maschine hervorgerufen worden, die im Rahmen des Marshall-Planes importiert wurde.
Die Teppichfabrik Peters van Roy erhielt vor kurzem einen vier Meter
breiten Lansco-Teppichwebstuhl, der von der Lansdown Corporation in Morton,
Pennsylvania geliefert wurde. Man hatte versucht, eine eurcpaeische Maschine
dieser Groesse zu verwenden,rausstejedoch feststellen, dass sie zu leicht
war. Grosse Erschuetterun en verursachten zahlreiche Fadenbrueche, und der
Verlust an Zeit war betraechtlich.
Die Umstellung auf breite Teppichsorten war notwendig, um dem amerikanischen Geschmack Rechnung zu tragen und die Teppiche in den Vereinigten
Staaten verkaufen zu koennen. Zur Zeit, als dieser Webstuhl von der Firma
erworben wurde, waren nur amerikanische Maschinen zu verwenden.
V/ie den meisten anderen europaeischen Nationen fehlte es Belgien seit

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�dem Kriege jedoch an den notwendigen Dollars, um derartige lebenswichtigen Einkaeufe taetigen zu koennen. Hier sprang der Uarshallpl&amp;n
ein. Im Rahmen dieses Programms sind Belgien Dollarbetraege unter der
Bedingung zur Verfuegung gestellt worden, dass dieses Land seinerseits
anderen westeuropaeischen Nationen entsprechende Kredite einraeumt, die
belgische Erzeugnisse benoetigen, aber nicht bezahlen koennen.
Auf diese Weise erhielt die Firma Peters van Roy ihren neuen Webstuhl im Werte von 25.000 Dollar. Eine Konkurrenzfirma, die Louis
Depoorter-Gesellschaft in Courtrai, besitzt bereits 10 Webstuehle dieser Art, und beide Unternehmen rechnen mit einem groesseren Absatz in
den Vereinigten Staaten.
Nun hat 3ich auch fuer Rotthier eine neue Aufgabe ergeben. Die
neuen Marshallplan-Webstuehle werden die Teppiche viel schneller herstellen und dai_.it ergeben sich fuer die Y.'eber, die sie bedienen, aussergewoehnlich hohe Loehne. Es kann deshalb damit gerechnet werden, dass
die Gesellschaft ihre Akkordsaetze revidieren muss.
Dieser Revision werden eingehende Verhandlungen vorausgehen muessen.
Sie werden von einem Ausschuss gefuehrt, der sich aus Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter zusammensetzt. Nach belgischem Gesetz muessen alle
Betriebe mit mehr als 200 Arbeitnehmern einen solchen Ausschuss haben.
Es liegt an Rotthier, die Sache der Arbeiter in die Hand zu nehmen.
Die Verhandlungen sind haeufig schwierig und koennen, wenn die Arbeiter sich
damit einverstanden erklaeren, zu oertlichen Streiks fuehren.
Produktionsleistung und Gewinne sind in 3elgien und darüberhinaus in
ganz Europa angestiegen. Neue Arbeitsmethoden und neue Maschinen, die beide teilweise erst durch die Hilfsmassnahmen des Marshallplans ermoeglicht
wurden, haben die einzelnen Laender in die Lage versetzt, ihr wirtschaftliches Niveau der Zeit vor dem Kriege wieder zu erreichen und zu uebertreffen.
Die belgischen Arbeiter, einschliesslich der Textilarbeiter, wuen3chen
jedoch von sich aus an diesen Gewinnen beteiligt zu werden. Der Streik im
Juni 1950, der 23 Tage dauerte, ist als ein Schritt in dieser Richt\uig anzusehen.
Entschlossenem Handeln und der Zielstrebigkeit seiner Gewerkschaften
verdankt der belgische Arbeiter seinen Lebensstandard, sein behagliches
kleines Haus, seine ueberdurchschnittliche Ernaehrung, seine Kleidung, und
die Erhaltung seiner Lebensgewohnheiten.
Noch hat er nicht den Lebensstandard seiner amerikanischen Arbeitskollegen erreicht, aber er ist einer der wohlhabendsten Arbeiter in der vom
Krieg zerruetteten alten europaeischen Welt.
ECA Labor Inforniation

3/51

YflEüERK.tOEFFNUNG DER GRIECHISCH-JUGOSLAWISCHEN GRENZE
Als der erste Zug aus Griechenland ueber die jugoslawische Grenze rollte,
die Ende Feoruar erneut geoeffnet wurde, gehoerten zu den Fahrgaesten Funktic—
naere der Eisenbahner-Gewerkschaften Nord-Griechenlands. Als ein Symbol der
Solidaritaet, die nun die Arbeiter dieser beiden Laender verbindet, brachten
sie Fruechte, Gebaeck und Zigaretten als Geschenk fuer die jugoslawischen Eisenbahnarbeiter mit, die sie an der Grenze empfingen. Begeisterte Menschenmengen umjubelten den Zug bei seiner Ankunft in Jugoslawien, und die Eisenbahnarbeiter der beiden Laender feierten gemeinsam die Wiedereroeffnung der

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�Grenze. Die Uiederaufnähme der Eisenbahnverbindungen zwischen Griechenland und Jugoslawien, die seit Kriegsende unterbrochen war, ermoeglicht
einen staendigen Zustrom amerikanischer Hilfsgueter fuer Jugoslawien, die
in dem griechischen Hafen Saloniki entladen werden. Beide Laender werden
hieraus Nutzen ziehen. Jugoslawien wird auf dem billigsten und naechsten
Weg versorgt. Der griechischen Wirtschaft wird durch die Benutzung des
Hafens von Saloniki neuer Auftrieb gegeben. Touristen werden bald Griechenland vom Yfesten her mit dem bekannten Orient-Express erreichen koennen.
Darüberhinaus ist mit einem Aufleben des Binnenhandels zwischen diesen
beiden Laendern zu rechnen.
Die letzte Luecke in der unterbrochenen Bahnlinie zwischen den beiden
Laendern wurde im Dezember vorigen Jahres geschlossen. Politische
Schwierigkeiten, die ausserdem die YJie de raufnähme des Verkehrs hinauszoegerten, sind beseitigt worden, und die Eisenbahn-, Post-, Telegrafenund Telefonverbindungen zwischen beiden Laendern werden schnell wiederhergestellt.
ECA Labor Information

2/20/51

AFRIKANISCHE LEHRERIN FORDERT ABSCHAFFUNG DER POLYGAMIE
Eine 23-jaehrige Eingeborene aus Franzoesisch Kamerun verursachte
einige Aufregung, als sie auf dem ersten pan-afrikanischen Kongress des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften die Forderung erhob, die Vielweiberei zu verdammen.
Aufgrund de» heftigen Protestes liess sie das Yfort "Polygamie" fallen,
konnte Jedoch erreichen, dass eine Resolution angenommen wurde, in der die
allgemeine Gleichstellung der afrikanischen Frauen gefordert wird.
Diese junge Pionierin ist Marie Issola, eine Lehrerin an der Eingeborenenschule in Duala und die einzige weibliche Delegierte bei der
historischen dreitaegigen Konferenz des IBFG, die am 8. Maerz beendet war.
Der von Frau Issola eingebrachte Antrag kam fuer einige afrikanische
Delegierte wie ein Blitz aus heiterem Himmel, die selbst noch immer der
Polygamie huldigen, und zwar entweder aufgrund ihres islamitischen Glaubens
oder einfach deshalb, weil sie mit dieser jahrhundertealten Einrichtung
sehr zufrieden sind.
Frau Issolas Antrag wurde sofort von dem einzigen amerikanischen
Delegierten Harold D. Snell befuerwortet, der erklaerte, die freien Gewerkschaften muessten alle Massnahmen foerdern, die dazu beitragen koennten,
eine moeglichst grosse Zahl von Maennern und Frauen zu emanzipieren. Snell,
der stellvertretende Vorsitzende der Transportarbeitergewerkschaft des CIO,
hatte auf diesem Kongress ausserdem die AFL und die Bergarbeitergewerkschaft
zu vertreten.
Frau Issola ist Mutter von zwei Kindern. Sie wurde in der afrikanischen
Steppe geboren und ist dort grossgeworden. Nachdem sie Schulen in Duala,
Dakkar und Aix-en-Provence (Frankreich) besucht hatte, stellte sie sich in
den Dienst der Gewerkschaften.
Die junge Lehrerin schilderte der Konferenz, unter welchen Bedingungen
viele afrikanische Frauen noch leben; eine Eingeborenenheirat sei haeufig
das Ergebnis eines Kuhhandels zwischen dem Vater, der Braut und seinem zukünftigen Schwiegersohn. Dieser muss seine zukuenftige Frau buchstaeblich
mit Objekten wie Ziegen, Salz, V.'ein, Kuechengeraeten und auch Papiergeld
einhandeln.

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�Frau Issola fuegte hinzu, dass mehr als die Haelfte der Bevoelkerung
Kameruns noch immer polygamisch leben, obwohl viele Christen seien und
kirchlich getraut wuerden. In den meisten Faellen hielten sich die Eingeborenen viele Frauen, weil diese Frauen fuer den Mann arbeiten koennten.
Frau Issola erklaerte sich einverstanden, das Wort "Polygamie" zu
streichen, um die Einwaende der islamitischen Delegierten aus dem Senegal
und Nigeria zu beruecksichtigen, die erklaerten, das Problem sei zu umfassend, um an Ort und Stelle geloest werden zu koennen.
Die Bemuehungen zu ihrer Abschaffung sind jedoch insofern von
historischer Bedeutung, als es gelang, die Gewerkschaftskonferenz zu bewegen, eine Entschliessung zur Gleichstellung der afrikanischen Frau anzunehmen. Marie Issola ist in ihre Schule in Duala zurueckgekehrt, wo
ihre jungen Schueler vielleicht niemals etwas von dein Kampf ihrer Lehrerin
um die Besserstellung ihres Volkes erfahren.
Mitteilung des IBFG 3/9/51

VEREINIGUNG DER NICHTKOMVUNISTISCHEN GEWERKSCHAFTEN IN PAKISTAN
Drei&amp;sig Gewerkschaftsorganisationen, in denen 160 Gewerkschaften
und 320.000 Gewerkschaftsmitglieder vertreten sind, haben sich zum AllPakistanischen Gewerkschaftsbund zusammengeschlossen. Die neue Organisation vereinigt in sich die liewerkschaftsverbaende Ost- und West-Pakistan
und urafasst alle nichtkonmunistischen GewerkschaftsOrganisationen des
Landes. Die staerksten Gruppen des Gewerkschaftsbundes werden von den
Dockarbeitern in Keradschi und Chittagong, dem Zugpersonal der Eisenbahnen und den Arbeitern der Binnenschiffahrt in Ost-Pakistan gebildet.
Auf der Gruendungskonferenz des Gewerkschafsbundes wurde beschlossen, dem
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften beizutreten, die Regierung,
die englischen und andere Reeder zu ersuchen, mehr pakistanische Seeleute
zu beschaeftigen und sich weiterhin mit der Frage der Landreform zu beschaeftigen.
Die Pakistanische Gewerkschaftsfoederation, die dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossen ist und im allgemeinen als Werkzeug der kommunistischen Partei in Pakistan angesehen wird, ist der neuen Organisation
nicht angegliedert. Diese Foederation setzt sich aus einzelnen Gewerkschaften zusammen, die insgesamt 80.000 Mitglieder fuer sich beanspruchen.
Ihr Zentralbuero und die groesste Konzentration ihrer Macht liegen in
Lahore im Pandschab. Der groesste Teil ihrer Mitglieder kommt aus den
verschiedenen Werkstaetten der Eisenbahngesellschaft des Nordwestens, die
sich in Regierungsbesitz befindet.
In der letzten Zeit entsandte die Regierung nur solche Gewerkschaftsvertreter und -berater zu internationalen Konferenzen, die von Organisationen
aufgestellt waren, die dem neuen Gewerkschaftsbund angehoeren.
Notes on Labor Abroad

12/50

SOWJETS LEISTEN FINNISCHEN KUKMUNISTEN FINANZIELLE HILFE
In verzweifelten Anstrengungen, um die Kontrolle ueber den finnischen
Gewerkschaftsbund in die Hand zu bekommen, sollen die Kommunisten Hunderte
Millionen von Finnmark aufwenden. Sie bekommen dieses Geld von sowjeteigenen Konzernen in Finnland geschenkt,, Eines dieser Unternehmen, Sexiino
Osakeyhtide, hat zum Beispiel von seinen Gewinnen im Jahre 1950 den

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�finnischen Kommunisten offiziell 46 Millionen Finnmark (etwa 870.000 DM)
geschenkt.
Program Services Section 3/7/51

LANDREFüHM IN ITALIEN
Der italienische Landwirtschaftsminister hat mitgeteilt, dass 1«
Rahmen der Landreforra in diesem Jahr mit der Aufteilung von 1.750.000
Morgen begonnen werden wird.
Die ersten Grundstuecke in einer Groesse von 20 bis zu 50 Morgen
werden in diesem Sommer italienischen Bauern zugeteilt werden. Die
Regierung wird die gegenwaertigen Eigentümer mit 170 bis 250 DM Je
Morgen entschaedigen. Sie beabsichtigt, spaeterhin fuer die Verbesserung des Ackerlands 550 bis 840 DM je iiorgen aufzuwenden.
Die Bauern werden den Kaufpreis fuer das Land in 30 Jahresraten
an die Regierung zurueckbezahlen, die ihrerseits technische und finanzielle Hilfe leistet. 1.800 Traktoren sind bereits in Auftrag gegeben
worden.
Man hofft, dass dieser Abschnitt der Landreform im Jahre 1952 beendet sein wird. Es sollen dann weitere zwei Millionen Morgen aufgeteilt werden.
Program Services Section 2/13/51
/

DAS HAUPTPROBLEM DER PRODUKTIONSSTEIGERUNG LIEGT AUF PSYCHOLOGISCHEM
GEBIET
"Andere Industrien haben dank des Marshallplans ihre Geschaeftstaetigkeit steigern koennen. Sie benoetigen mehr Materialien von uns.
Das heisst, dass auch wir unser Geschaeft belebt haben."
Diese einfache Feststellung wurde von KaJ Arn, dem Produktionsleiter der Nordiske Kabel- und Ürahtfabrik A/S in Kopenhagen getroffen, der
hierin die Erklaerung fuer die durch die Marshallplan-Aufwendungen verursachte Belebung der Wirtschaft sieht, die dazu beitraegt, die Wirtschaft
dieses Landes wieder aufzubauen.
In seinem eigenen Betrieb konnte sich Arn von der Gueltigkeit dieser
Behauptung ueberzeugwn, seitdem mit Marshallplan-Mitteln neue Maschinen
gekauft und aufgestellt wurden. Die neuen Arbeitsnethoden, die im Rahmen
der Modernisierung der Produktion und der Steigerung der Produktionsleistung in diesem Betrieb angewendet wurden, haben dazu gefuehrt, dass
die Arbeit leichter und angenehmer ist. Das war gerade in diesem Unternehmen von Bedeutung, weil es schwierig wurde, die Arbeiter hier an ihrem
Arbeitsplatz zu halten.
Im Jahre 1946, unmittelbar nach dem Krieg, blieben bei Nordiske nur
zwei Prozent der Arbeiter laenger als ein Jahr in dieser Firma. Die Zahl
der Arbeitsplatzwechsel ist immer noch verhaeltnismaessig hoch (im vorigen
Jahr blieben Jedoch bereits 41% der Arbeiter in diesem Betrieb;. Arn
schreibt diese wesentliche Verbesserung den verbesserten Arbeitsbedingunge
zu.
Der durchschnittliche Stundenlohn, der dem von der Gewerkschaft ver-

�traglich festgelegten Tarif entspricht, wurde seit 1946 von 2,76 Kronen
auf 3,60 Kronen oder um etwa 2556 erhoeht.
In der gleichen Zeit hat sich die Gesamtproduktion von 6.000 Tonnen
jaehrlich im Jahre 1946 auf 12.000 Tonnen in diesem Jahr erhoeht. Im
gleichen Zeitraum ist die Zahl der Arbeitnehmer von 476 im Jahre 1946 auf
680 in die Hoehe gegangen, was eine wesentliche Steigerung der Produktionsleistung pro Mann und Arbeitsstunde darstellt.
Di« Arbeiter Nordiskes, die in der starken Daenischen Metallarbeitergewerkschaft* der drittgroessten in Daenemark, organisiert sind, brauchen
trotz der neuen Maschinen, der modernen Produktionsmethoden oder der gesteigerten Produktionsleistung nicht zu befuerchten, dass sie arbeitslos
werden. Dies ist teilweise der Tatsache zuzuschreiben, dass in Daenemark
seit dem Krieg ein akuter Mangel an gelernten Arbeitskraeften herrscht,
und die Gewerkschaft ist der Ueberzeugung, dass sie viele ihrer 250.000
Mitglieder in angelernten und gelernten Berufen unterbringen kann.
Nordiske hat die Feststellung gemacht, dass die Zahl der Arbeitnehmer
tatsaechlich vergroessert werden musste, um in gewissen Abteilungen mit
der gesteigerten Produktion Schritt halten zu koennen.
Das Ergebnis dieser Tatsachen ist, dass die Arbeitnehmer des Betriebs
nichts gegen die Umstellung auf neue Maschinen und modernere Arbeitsmethoden einwenden. Die Arbeiter in der Messing- und Kupferdrahtproduktion erwarten mit Ungeduld die Umstellung von einem veralteten und
komplizierten Ziehverfahren auf eine schnellere, einfachere und modernere
Methode, die durch die Inbetriebnahme einer neuen Ziehpresse moeglich ist,
welche mit Marshallplan-Mitteln in den Vereinigten Staaten gekauft wurde.
Sie wissen zwar, dass die Bedienung der neuen Maschine weniger Arbeitskraefte erfordert, aber sie sind der festen Ueberzeugung, dass die Steigerung der Produktion mit der neuen Maschine so hoch sein wird, dass nicht
weniger, sondern mehr Arbeiter als bisher gebraucht werden, um die erforderlichen Materialien heranzuschaffen und auch die naechsten Arbeitsgaenge
zu beschleunigen, um eine Stockung zu vermeiden. Warum sollten sie also
gegen die Einfuehrung der neuen Maschine sein? Auf diese Weise konnte
Nordiske seine Produktion seit dem Jahr 1946 staendig steigern.
Viele Rohstoffe, die in diesem Betrieb verarbeitet werden, werden mit
Marshellplan-Geldern finanziert. Und weil Nordiske einer der groessten
daenischen Erzeuger fuer Bleche und Draht ist und wichtige Metalle wie
Messing, Kupfer, Bronze und Aluminium verarbeitet, die wiederum fuer die
Herstellung dringend benoetigter Elektorartikel und fuer Versorgungsbetriebe gebraucht werden, spiegelt sich die gesteigerte Produktion der
Firma Nordiske in groesseren Beschaeftlgungsmoeglichkeiten in Hunderten
von kleinen Geschaeften und Werkstaetten in ganz Daenemark wider.
Ingenieur Arn hat in seinem Wiederaufbauprogra/iun eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass der Wiederaufbau nicht durch materielle Werte allein
bewirkt werden kann. Weder neue Maschinen, Uarshallplan-Dollar noch
Dutzende von Tonnen an Rohstoffen werden von ihm als die wesentlichste
Triebkraft fuer Nordiskes erfolgreichen Wiederaufbau angesehen.
Er hat festgestellt, dass das wesentlichste Problem das menschlichpsychologische ist. Der Arbeiter war es und nicht die Maschine, der sich
am staerksten umsteller &gt; musste. Zu diesem Zweck griff Arn zu einer
Produktivitaetsmethode, die die Ausbildung am Arbeitsplatz durchfuehrt.
Die Arbeiter sind heute bei Nordiske zufriedener und bestaendiger als
Je zuvor seit dem Kriege. Und Kaj Arn bekennt sich begeistert zu der Tatsache, dass die Arbeiter als menschliche Organismen der Schluessel zur
Produktivitaetssteigerung sind.
ECA Labor Information

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher R e d a k t e u r e , der Gewerkschaften, G e w e r k s c h a f t s s c h u l e n und deren Mitglieder.
Von d i e s e m Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der a m e r i k a n i s c h e n
Hohen K o m m i s s i o n für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 12

Frankfurt/Main, den 23. Maerz 1951

I N H A L T S V S R Z a l

'JUNIS

Der Molotow-Plan wird Warschau befohlen - Das polnische
Volk nuss sich selbst kasteien

1

Die erste Produktivitaetsausstellung in Birmingham

8

SCA - Chef fordert Friedensproduktion

9

Kritik an der Arbeitsbewusstseintheorie Professor
Perlmans
Der Lohn-Preis-Plan eines amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaers

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Daeniache Gev/erkschaft behebt Facharbeitermangel

1A

Die Situation der Lehrlingsausbildung in den
Vereinigten Staaten

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DÜR UULüTUW-PLAN '..'IKP WARSCHAU BEFÜHLEN - DAG PiLNISCHh VOLK MU.33 J1CH
SKL55T KASTal^N
Wann man sich mit der gegenwaertigen Lage des polnischen Volkes
befasst, wird man feststellen, dasa in allen laeniern hinter dem eisernen Verhäng bestimmte Phrasen und bestimmte Motive immer wieder auftauchen. So zum Beispiel: "Dia Methode, die den '..'ie de rauf »au er•oeglicht hat, ist der geniale dialektische Katerialisaus Lenins und
Stalins", "die Arbeiter arbeiten begeistert am Aufbau des Sozialismus",
"die ko.iiiiunistische Partei, der Vorposten der fortschrittlichen Menschheit", "die tapfere Rote Armee wacht ueber
"

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�Aber wie sieht die Wirklichkeit hinter diesen Phrasen aus,
welches Niveau des Wohlstands hat die polnische Bevoelkerung erreicht? Welche Atnesphaere herrscht in diesem Land?
Die polnische Geschichte der letzten zehn Jahre ist unverstaendlich, wenn man ihr nicht die ataendige, nicht immer sichtbare
Opposition derer gegenüberstellt, die die "Gruppe des Auslands"
oder auch die sogenannte "Gruppe Moskau" bilden«
Gehen wir ins Jahr 1926 zurueck, um etwas klarer zu sehen»
In dieser Zeit hat die von der sozialistischen Partei Polens ^P.S.)
und vom Allgemeinen Geweikschaftsbund (C.GT.-ebenfalls sozialistisch)
gefuehrte Arbeiterschaft Polens ihren Kampf gegen den Totalitarismus
begonnen. Nach der Invasion des Landes mussten die Arbeiter im
Verborgenen den Eindringling bekaempfen.
Von 1939 bis 1944 stellte die Arbeiterbewegung "Wolmosc, Rownosc,
Niepodleglosc" (Freiheit, Gleichheit, Bruederljchkeit) den demokratischen Gegenspieler Deutschlands dar. Man rechnete damit, dass
die nationale Befreiung gleichzeitig eine soziale Befreiung sein
wuerde.
Was die Kommunisten betrifft, so konnten sie in jenen Jahren
verhaeltnismaessig spaet damit beginnen, sich zu organisieren. Erst
im Jahre 1942 bildeten sie eine unabhaengige Wiederstandsbewegung.
Die Arbeiterpartei Polens (PPR), die zu jener Zeit gegruendet wurde,
gab vor, mit der ehemaligen kommunistischen Partei in keinerlei Zusammenhang zu stehen, die v©n der Komintern im Jahre 1938 aufgeloest
worden war.
Die PPR entstand nicht allein. Gleichzeitig wurde in Moskau ein
anderes kommunistisches Zentrum unter dem Namen "Vereinigung der
polnischen Patrioten" gegruendet. Zu gleicher Zeit wurde jedoch aus
der Entfernung die Taetigkeit der PPR dirigiert.
Als im Jahre 1944 die Rote Armee in das russische Territorium
eindrang, schuf die kommunistische Bewegung einen riesigen Apparat
fuer Verwaltung und Regierung, der nach und nach die Macht und die
Leitung der Wirtschaft durch die fortlaufende Beseitigung jeglicher
Opposition und aller polnischen gewerkschaftlichen Elemente, die dem
Kreml nicht hoerig waren, in die Hand nahm.
Dass dieser Umschwung in der Orientierung dank der aktiven Zusammenarbeit des russischen Militaers und der russischen Polizei
moeglich war, wird ganz offiziell zugegeben.
"Es ist offensichtlich", schrieben die Delegierten der polnischen
Arbeiterpartei (PPR) im Jahre 1948, "dass wir den Weg der Volksdemokratie nicht haetten einschlagen koennen, wenn uns nicht die Hilfe
und die Staerke der sowjetischen Armee zur Verfuegung gestanden haette."
Fast alles uebrige ist mit diesem uingestaendnis gesagt .......
Der Kreml ist darauf bedacht gewesen, in Polen vor allem jene
Elenente der Arbeiterschaft zu beseitigen, die im Verlauf des Widerstandskampfes gegen Deutschland gereift waren und die sowjetische
Orthodoxie ablehnen mussten.
Noch vor Beendigung der Feindseligkeiten war in Russland eine
"Polnische Sozialistische Partei" ins Leben gerufen worden, eine neue
Organisation unter einem alten Namen, die von Sowjetrussland ermaechtigt,
unterstuetzt und ermutigt wurde. Diese Partei diente als Kern fuer

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�ein« groessere Bewegung, die von den Kommunisten und ihren Anhaengern
dirigiert wurde, um zu verhindern, dass die 7J.R.N. (Freiheit, Gleichheit, Bruederlichkeit) aus ihrer Verborgenheit auftaucht und sich des
gewerkschaftlichen Apparates bemaechtigt.
Vfie konnte sich nun die Machtergreifung vollziehen, wie wurde sie
unvermeidlich? Vor allem dadurch, weil die Opposition verschwand, weil
die Fuehrer der sozialistischen Partei der Regierung nachlaessig un4
blind gegenüberstanden und Opportunisten waren, die der Meinung waren,
abwarten zu koennen, und weil vor allem der Apparat des kommunistischen
Terrors vollkommen war. Er wurde zum wichtigsten Werkzeug, das der
kommunistischen Partei, oder besser gesagt, dem "Demokratischen Block"
zum Sieg verhalf.
Bevor man jedoch zu der gegenwaertigen Lage des polnischen Arbeiters
Stellung nimmt, muss etwas ueber die Angelegenheit Gomulka gesagt werden.
Der Monat Oktober des Jahres 1947 war durch die Bildung des Kominform
und die Wiedererstehung der im Jahre 1938 verschwundenen Komintern gekennzeichnet.
Bis dahin waren zwei Theorien von den Kreisen der Linken bevorzugt
worden: "Der polnische Weg zum Sozialismua unterscheidet sich von dem,
den die Sowjetunion gewaehlt hat," hiess die eine, waehrend die andere
voller Zuversicht beteuerte: "Der Aufbau des Sozialismus kann sich auf
friedlichem Wege vollziehen." Diese beiden Theorien hatten bis dahin
vorgeherrscht. Die grosse V.'ende wurde nicht sofort und nicht voellig
von vielen polnischen Kommunisten verstanden. Diese Nachzuegler, die in
erster Linie polnische Kommunisten waren, hatten nicht die Geistesgegenwart, im richtigen Moment zu handeln, sie mussten ihren Irrtum teuer
bezahlen.
Was der fruehere Chef der polnischen koiumunistischen Partei W. Gomulka
sich damals dabei dachte, ist unbekannt. Man weiss aber, dass auf einer
Konferenz des Politbueros am 3. Juni 1948 die "Revolte" zum Ausbruch kam,
die die Partei erschuettern sollte. Aufgrund dieses Umsturzes und der
Saeuberung, die darauf folgte, errang sich die "Gruppe Moskau" im Zentralkomitee die Vorherrschaft ueber die "Nationale Gruppe", das heisst ueber
diejenigen Mitglieder, die waehrend des Krieges im Lande geblieben waren.
Diese Spaltung kann trotz allem als Ausdruck einer sozialistisch-demokratischen Tendenz in der Polnischen Arbeiterpartei (PPR) angesehen werden.
Moskau wollte, dass die letzten Spuren dieser Tendenz verwischt werden.
Deshalb musste Gomulka verschwinden und die auslaendische Gruppe sich das
Monopol der Theorie und der politischen Macht aneignen. Diese offizielle
Verkuendung des "Einblocksystems" wurde von der authentischen oeffentlichen
Meinung in Polen wie eine nationale Katastrophe aufgenommen. Seit dem
Verschwinden der Bauernpartei war die PPS trotz ihres Opportunismus die
einzige Hoffnung geblieben. Von nun an gab es ueberhaupt keine Opposition
mehr.
Und nun sei einiges ueber die Lage der Gewerkschaften gesagt. Diese
Organisationen vertreten ebensowenig den Willen der Arbeiter wie die
Sozialistische Partei Polens (PPS), die von Stalin geschaffen wurde, den
wahren Geist des Sozialismus verkoerpert.
Die Kommunisten waren bemueht, ihrer wirklichen Macht den Anschein
der "revolutionaeren Legalitaet" zu geben. Hieraus erklaert sich die Zusammenkunft des Kongresses, mit Ausnahme der Delegierten des Bezirks
Lublin, die am 20. November stattfand, und in deren Verlauf die gewerkschaftliche Organisation der "Befreiung" gegruendet wurde.
Diese Gruppe, die kaum als Interessenvertretung der polnischen Ar-

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�beiter anzusehen sein duerfte, erweiterte ihren Aktionsbereich mit
dem Vordringen der sowjetischen Truppen. Mit Unterstuetzung der politischen Polizei stellte die neue gewerkschaftliche Formation eine
Arbeiterbewegung auf die Beine, die ausschliesslich stalinistisch und
orthodox war.
Vfas wurde in dieser Zeit der Y/iedererstehung des Nachkriegspolens
aus den sozialistischen und demokratischen Arbeiterbewegungen und den
Gewerkschaften, die nicht moskauhoerig waren?
Diese Bev;egungen waren im geheimen organisiert worden. Aber sie
sahen, dass ihre Beuuehungen durch die polnische Sicherheitspolizei
und die russische N.K.Y.'.D« mattgesetzt wurden.
Die Gfcheimorganisationen hatten zuerst geplant, aus dem Untergrund
aufzutauchen und am "Tag der Befreiung" offiziell eine polnische Verfassung zu verkuenden. Es kam jedoch anders.
Die Massnahmen der russischen Militaer- und Zivilbehoerden machten
eine voellige Aenderung der Taktik und eine Rueckkehr zu den Methoden
notwendig, die unter der deutschen Besatzung angewendet wurden.
Es muss gerechterweise darauf hingewiesen werden, dass in dieser
ersten Phase der "Befreiung" die Arbeiter trotz ihrer feindseligen
Haltung gegenueber ihrer Besatzungsmacht und denen gegenueber, die sich
in ihren Dienst stellten, einen guenstigen Eindruck von den Reformen
bekamen, die jetzt durchgefuehrt wurden: Verstaatlichung der Schluesselindustrien, Verstaatlichung der Banken, Aufteilung des Grundbesitzes,
Landreform usw. Es blieb noch eine Hoffnung, so meinten sie, und zwar
die Moeglichkeit, das System von unten her zu demokratisieren.
Aber die Kom unisten wussten, was 6ie wollten.
Die Satzungen der CGT, die einstimmig angenommen wurden,- verstaerkten noch die ko.-rununistische Macht. Die Gewerkschaftszentrale
wurde als unabhaengig von den politischen Parteien erklaert, was ihr
ermoeglichie, die "Parteilinie" zu verfolgen und etwaige Gegner zu beschuldigen, "die Einheit der Arbeiterklasse zu zerstoeren."
Theoretisch war in diesen Satzungen vorgesehen, dass der Anschluss
an die CGT freiwillig sein soll. In V.'irklichkeit war die Angliederung
seit 1944 obligatorisch. Die Betriebsleitungen schlugen den Personalchefs vor, alle Lohnempfaenger auf die Gewerkschaftsliste zu setzen und
die Beitraege zu diesem Zweck von Amts wegen bei der Lehnauszahlung einzubehalten.
Gleichzeitig aenderten sich Bedeutung und Bestimmung dieses neuen
Gewerkschaftswesens, Man zentralisierte und raeumte jenen neuen Gewerkschaftsfunklionaeren den ersten Platz ein, die als "Unterweiser" bezeichnet wurden, und deren Aufgabe es war, die Verbaende und Gewerkschaften zu "kontrollieren", das heiast letzten Undes, die Partei in
jeder Hinsicht zu verti-eten.
Auf der anderen Seite trat ein neues Prinzip in Erscheinung: das
der "Erraenzung durch verdienstvolle Liaenner", die nicht der gewerkschaftlichen Sphaere angehoerten. Diese "Ere;aen^ung" hatte eine beachtliche Bewegungsfreiheit der leitenden Organe der Organisationen zur
Folge. Von nun an durften sich diese Organe nur noch aus "zuverlaessi^.en
Leuten" zusammensetzen, durch das System der "Ergänzung" konnten zugleich missliebige Persocnlichkeiten abgeschoben werden.
Das Ringet/] zwischen den leiden Gesinnungsrichtungen, der freien

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�und der moskauhoerigen Gewerkschaften, sollte von 1945 bis 1947 andauern.
Die ersten Betriebsratswahlen sahen eine betraechtliche Zahl van
Waehlern. Sie zeigten eindeutig die wirkliche Schwaeche des kommunistischen Einflusses auf. Die kommunistische Liste erhielt 2l£,
die Sozialistische Partei dagegen 60^ und die "Gewerkschaftsliste" 12%
der Stimmen. Dieser Fehlschlag der "Gruppe Moskau" wurde der Oeffentlichkeit jedoch vorenthalten.
Der Gegenschlag liess jedoch nicht lange auf sich warten. Man
entfernte die "buerokratisierten und korrupten Elemente" aus den leitenden Stellungen der Gewerkschaften. In der Zeit von 1946 bis 1948
wurden von 68 Mitgliedern des Zentralausschusses 21 durch 23 "Ergaenzungsmaenner" ersetzt, die ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung
standen und vorher niemals irgendeine gewerkschaftliche Funktion inne
hatten. Das Zentralkomitee der Gewerkschaften, das sich selbst weitgehende Vorrechte angeeignet hatte, nachte es sich zur Gewohnheit, sich
in die internen Angelegenheiten der einzelnen Gewerkschaften einzumischen und die Vorstandsmitglieder zu beseitigen, die "politisch nicht
zuverlaessig" waren. Dazu war das Mittel der "Ergaenzung" ausserordentlich praktisch. Darueber hinaus wurden ganze Organisationen von
einem Tag auf den anderen von den Kontrollorganen einfach mit solchen
"Ergaenzungsleuten" durchsetzt.
Die Arbeiter brachten ihre Forderungen zu jener Zeit vor allem
durch Streiks zum Ausdruck. Die Streikenden in der "Volksdemokratie"
forderten Erhoehung der Loehne, Einhaltung der Tarifvertraege und Verbesserung der Lebensmittelversorgung. Zu dieser alten Form des Streiks
hat sich dann die neue des "stummen Streiks" gesellt, bei dem die Arbeiter aus Furcht vor Repressalien durch die Regierung weder Beschwerden
noch Forderungen laut werden Hessen. Sie zu verstehen, blieb den
Betriebsleitern ueberlassen.
Im Jahre 1946 nahmen die Arbeitsniederlegungen den Charakter einer
Massenbewegung an. Zu Anfang des Jahres waren Streiks in den Bergwerken,
Eisenhuetten und Metallfabriken des Dombrowa-Bezirks und in Oberschlesien zum Ausbruch gekommen. Sie erstreckten sich bald ueber das
ganze Land: von üzenstochau und Posen bis Gdingen, Danzig und Stettin.
L,S kam zu blutigen Zusaramenstoessen mit der Polizei.
In Lodz brachen im September 1947 Streiks in der Textilindustrie aus,
die noch groessere Nachwirkungen zur Folge hatten. In dem Unternehmen
"Gayer" waren die Arbeiter, die eine Lohnerhoehung gefordert und gegen
die zu grossen Anforderungen unter dem System des "Arbeitswettbewerbs"
protestiert hatten, von der Polizei angegriffen worden. Daraufhin wurde
in der gesamten Textilindustrie die Arbeit niedergelegt.
Die offizielle Reaktion auf diese Streiks war ein allgemeiner Schweigebefehl. Den Zeitungen wurde verboten, darueber auch nur eine Zeile zu
veroeffentlichen. Als es jedoch nicht mehr moeglich war, die Sache zu
verheimlichen, weil sie all zu bekannt geworden war, beschraenkte man sich
darauf, die Streikenden zu beschimpfen, denn ein Streik muss nach der
Doktrin des Kreml unter einem "fortschrittlichen" Regime notgedrungen
"reaktionaer" sein.
Im uebrigen wurde bald der Befehl erlassen, die Streiks zu
"licuidieren". An der Durchführung dieses Befehl3 beteiligten sich die
Sicherheitspolizei, die Miliz und die "aktiven" Mitglieder der Partei
und der Gewerkschaften.
Die ideologische Erklaerung fuer dieses Streikverbot ist in dem

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�nachstehenden Auszug aus der EntSchliessung des Praesidi'ums der
polnischen CGT zusainmengefasst, die vt&gt;ra Juni 1947 datiert:
"In der verstaatlichten Industrie, in der die Arbeiterklasse
direkt an der VJiederaufrichtung der nationalen Wirtschaft beteiligt
ist, und deren gesteigerte Produktion zum Wohlergehen des Arbeiters
beitraegt, wirkt sich jeder Streik fuer das Land und infolgedessen auch fuer die Arbeiterklasse nachteilig aus. Die Gewerkschaftskomraission spricht sich damit gegen Streiks in der verstaatlichten
Industrie aus."
Wenn man jedoch behaupten wollte, die neuen Gewerkschaften wuerden
saemtliche Freiheiten unterdrücken, eo wuerde das nicht der Wahrheit
entsprechen.
Jedesmal, wenn die Regierung die Initiative ergreift, um die
"Massen fuer eine «kollektive Aufgabe' zu mobilisieren", muss eine
"freudige" freiwillige Aktivitaet entfaltet werden.
Im Jahre 1947 wurde das System des sogenannten "Arbeitswettbewerbs" unter seinem sowjetischen Anstrich eingefuehrt; es war seit
1945 bereits von der Jugend unter dem Namen "Arbeitswettkampf"
praktiziert worden.
Das System, das nach und nach in der gesaraten Industrie und in
seinen verschiedenen Fonren angewendet wird, hat ebenfalls die Einsparung von Rohstoffen und die groesstraoegliche Ausnutzung der
Maschinen und der Energie zum Ziel.
Die "Stachanows" werden gehegt und gepflegt, offiziell betreut,
befoerdert und ausgezeichnet, man gewaehrt ihnen Sonderpraemien und
eine 30£ige Steuerermaessigung. Ihre Zahl belaeuft sich ungefaehr auf
20.000. Die Leistungen dieser Produktionskaempfer ziehen automatisch
eine Revision der Produktionsnormen und die Einfuehrung eines
moerderischen Arbeitstempos nach sich.
Anlaesslich verschiedener Festlichkeiten ergreifen diese "Stachanows" die Initiative und geben "Produktionsverpflichtungen" ab, das
heisst, sie verpflichten sich, die Produktion ihres Betriebs wesentlich
zu steigern. Der Masse .bleibt nichts anderes uebrig, als diesen "Verpflichtungen" zu folgen, und voller Begeisterung" die ihnen vorgelegten Entschliessungen zu akzeptieren.
Der Gewerkschaftliche Zentralrat hat ia August 1950 folgende Befehle erteilt:
"Die Gewerkschaften muessen unablaessig daran arbeiten, den Arbeit swettbewerb zu einer Massenbewegung zu gestalten.
"Die Erfolge der leistungsfaehigsten Arbeiter und Arbeitsgruppen
muessen auf alle Arbeiter des gleichen Unternehmens ausgedehnt werden."
"Die Loehne sind einzig und allein von der Erfuellung und Ueberschreitung der Produktionsnormen abhaengig."
"Die Gewerkschaften muessen ueberall und entschlossen fuer die
Wahrung der sozialistischen Arbeitsdisziplin sorgen."
Wenn man den Gewerkschaftsfuehrern in Warschau Glauben schenken
will, verdienen die polnischen Arbeiter heute mehr als vor dem Krieg.
In Wirklichkeit entsprechen die Realloehne des Jahres 1950, mit Ausnahme der Loehne der "Produktionshelden" kaum der Haelfte der Loehne

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�aus der Zeit vor 1939.
TIenn der Stundenlohn des polnischen Arbeiters heute mit den Koeffizienten 100 beziffert wird, haben die preise fuer lebenswichtige Nahrungsmittel den Koeffizienten 200 und die fuer Lederartikel und Textilien mindestens 300.
Hinzu kommt, dass die Arbeiter keinerlei Einfluss mehr auf die Entwicklung der Loehne ausueben koennen, weil es zum Prinzip gemacht wurde,
dass "die Lohnfrage von nun an nicht mehr im Zeichen des Klassenkampfes,
sondern durch Bestimmungen, die in engstem Einvernehmen mit der Gewerkschaftsbewegung gefasst werden, geloest wird."
Koerperliche Ermuedung, moralische Gleichgültigkeit und die sichueberall bemerkbar machende Hoffnungslosigkeit sind Faktoren, die einen Geisteszustand geschaffen haben, der in der Nachlaessigkeit bei der Arbeit, im
Fernbleiben vom Arbeitsplatz und in den Schwankungen der Arbeitsleistung
seinen Niederschlag findet.
Hieraus erklaeren sich die beiden Gesetze vom 7. Maera und vom 5. Mai
1950. In dem ersten wird bestimmt, dass der Arbeiter, der seinen Arbeitsplatz wechseln moechte, hierzu die Erlaubnis der Betriebsleitung einholen
muss. Das zweite, sogenannte "Gesetz der sozialistischen Arbeitsdisziplin"
sieht gerichtliche Bestrafung beim Fernbleiben vom Arbeitsplatz vor, wenn
die Dauer des Fernbleibens in einem Jahre vier Tage ueberschreitet. Auch
Arbeitgeber setzen sich Bestrafungen aus, wenn sie derartiges Fehlen dulden.
Die Gewerkschaften sind angewiesen, die Durchfuehrung dieser beiden Gesetze zu ueberwachen.
Seit dem 17. Mai, dem Tage an dem das Gesetz der "sozialistischen
Arbeitsdisziplin" in Kraft trat, wurden mehrere hundert Arbeiter nach
diesem Gesetz mit Geld- und Gefaengnisstrafen bis zu drei Monaten bestraft.
Diese Vorkommnisse werfen ein grausames Licht auf die ungeheure Last,
die dem polnischen Volk durch den Sechsjahresplan, der als Molotow-Plan
bezeichnet wird, aufgebuerdet wurde.
Man weiss, dass der plan fuer die Zeit von 1950 bis 1955 eine Produktivitaetssteigerung fuer die Schwer- und Leichtmetall-Industrie von 66%*, fuer
die Bauindustrie von 86%, fuer die Eisenbahnen von 52$, fuer den Kleinhandel von 45%" und fuer die Staatsgueter von 90$ vorsieht.
Im ganzen gesehen kommt es jedoch nicht auf diese hochgesteckten Ziele
an. Bemerkenswerter ist, dass der Apparat der kommunistischen Partei und
der Gewerkschaften vor keiner Massnahme zurueckschreckt, sei sie auch noch
so ruecksichtslos, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Solidaritaet
der Arbeiterschaft ist unter diesem System voellig verschwunden, und ihr
Fehlen laesst den Arbeiter in grausamer Weise spueren, wie schutzlos er allem
ausgeliefert ist.
Um sich von der hartnaeckigen Opposition ein Bild machen zu koennen,
die vor keinem offiziellen Befehl Halt macht, muss man aufmerksam die Artikel der kommunistischen Presse Polens lesen.
Dem System des Arbeitswettbewerbs gegenueber sind die Arbeiter im allgemeinen feindlich eingestellt. Sobald die obligatorische "Begeisterung"
etwas nachgelassen hat, nimmt die Zahl der "Produktionshelden" rapid ab.
In bestimmten Industrien werden die monatlichen Produktionsziele durch
Ueberstunden an Sonn- und Feiertagen erreicht. Die Arbeiter nehmen dies
als das geringere Uebel in Kauf im Vergleich zu dem, was ein beschleunigter
Hueckgang in der Produktion bedeuten wuerde.

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�Auch die Abwesenheit vom Arbeitsplatz laesst sich nicht abschaffen,
obwohl die Aerzte, die Arbeitsunfaehlgkeitsbescheinigungen ausstellen,
strengstens ueberwacht werden.
Der unparteiische Beobachter kann aus all dem schliessen, dass eine
wirkliche Opposition besteht, die nicht wie anderswo offen und legal,
sondern organisch und in sich konkret vorhanden ist und den stummen V.'iderstand verkoerpert, den die Arbeiterschaft, die das totalitaere Joch des
neuen Staates verabscheut, der Gewerkschafts-"elite" entgegensetzt.
Rapport8 France - Etats Unis
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PIK BKSTri PR0DUKTIVITAET3AUSSTELLUNG IN BLiMINGHAM

Kine neue und hoechst wirkungsvolle Form einer Produktivitaetsausstellung ist vor kurzem vom englischen Finanzminister eroeffnet worden.
In der Ausstellung wurden erprobte Arbeitsmethoden gezeigt, die die
Produktion pro Mann und pro Arbeitsstunde um 30 bis 900 Prozent gesteigert und haeufig gleichzeitig zu einer Einsparung von Material gefuehrt
hatten.
Die Ausstellung ist von 8250 Arbeitern aus allen Zweigen der Industrie
Mittelenglands besucht worden. Sie sahen lk Ausstellungsmodelle, die alle
eine besondere Bedeutung hatten und zeigten, wie die Produktionsleistung
gesteigert wurde und noch gesteigert "werden kann. Jeder Arbeitsmethode,
jeder V'andkarte oder Fotografie lag das gleiche Motiv zugrunde: hoehere
Produktionsleistung durch bessere Arbeitsmethoden.
116 organisierte Gruppen aus Betrieben besuchten die Ausstellung,
von denen viele ihren gemeinsamen Produktionsausschuessen Bericht erstatten
nussten, um ihnen die Annahme neuer Ideen zu empfehlen, zu denen die Ausstellung angeregt hatte.
Die Ausstellungsmodelle waren von zustaendigen beruflichen oder
technischen Vereinigungen und nicht von den Firmen, die sie verwenden, ausgesucht worden. Diese Vereinigungen hatten ihren Mitgliedern nahegelegt,
nur solche Gegenstände zu'waehlen, die folgenden Bedingungen entsprachen:
Sie duerften weder bekannt noch in der Industrie allgemein gebraeuchlich
sein; sie mussten ueberall und ohne grosse finanzielle Aufwendungen anwendbar sein, damit sie nicht nur von den grossen Unternehmern, sondern
auch von den kleinen ausgewertet werden koennen.
In seiner Rede zur Eroeffnung der Ausstellung erklaerte der Finanzminister: "Viele von ihnen werden sich daran erinnern, dass im ersten
gemeinsamen Bericht des Anglo-amerikanischen produktivitaetsrates die
Vertreter der Industrien beider Laender zum Ausdruck gebracht hatten,
dass die englische Industrie an ihren eigenen guten Methoden ebenso viel
lernen kann wie von der Industrie der Vereinigten Staaten. Diese allgemeine Ansicht ist durch verschiedene Berichte einzelner Reisegruppen bestaetigt worden, die feststellten, das3 sie in Amerika wenig entdeckt
haetten, was nicht in irgendeiner Fabrik in England bereits anzutreffen
ist, oder, mit anderen "..'orten, dass der Hauptunterschied zwischen den »
Industrien der beiden Laender nicht im Unterschied zwischen den hoechsten
Normen begruendet ist, sondern durch den Durchschnitt. In Amerika ist die
Zahl der Betriebe, in denen die besten Arbeitsnethoden angewendet werden,
prozentual viel groesser.

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�"Dies scheint mir hoechst bedeutsam zu sein. Diese Erkenntnis stellt
der britischen Industrie eine besondere Aufgabe. Wir wollen unter allen
Umstaenden die beachtlichen Errungenschaften der amerikanischen Industrie
erkennen und daran lernen, aber laege es nicht naeher, an Hand der besten
Methoden in unserem eigenen Lande zu lernen?"
"Die Aufgabe dieser Ausstellung hier in Birmingham besteht darin, die
britische Produktionsleistung mit Hilfe guter praktischer und erprobter Arbeitsmethoden der arbeitenden Industrie vor Augen zu fuehren. Die Ausstellung
ist aeusserst vielseitig. Sie beschraenkt sich nicht auf irgendwelche technischen Besonderheiten oder auf die Interessen bestimmter Industriezweige, sondern lediglich auf jene Dinge, die zur Steigerung der Produktionsleistung
beitragen koennen."
"Ich bin ueberzeugt, dass es fuer Sie viel leichter ist als fuer mich,
die Geheimnisse neuer technischer Verfahren zu verstehen, die in dieser Ausstellung gezeigt werden. Aber selbst ein Laie wie ich kann nicht umhin,
sich fuer die Aussicht einer staendigen Verbesserung unserer nationalen Produktionsleistung zu interessieren und zu begeistern - mit all ihrer Bedeutung, die diese Produktivitaetsverbesserungen fuer unsere nationale Sicherheit und wirtschaftliche Macht haben."
"Ich finde es weiter sehr wichtig, daran zu denken, dass britische Firmen ihre Produktionsgeheimnisse und Patente der Oeffentlichkeit zeigen, ihre
Toren und Fenster oeffnen, um ihren Nachbarn zu helfen. Das ist der wirkliche Grundsatz gegenseitiger Hilfe des Menschen."
Alle Anwesenden stimmten darin ueberein, dass ihre BemueUungen der Muehe
wert waren und stimmten William Batt, dem Beauftragen ECA-Minister zu, der
erklaerte, diese Ausstellung muesste in jedem Industriezentrum Englands gezeigt werden.
Obwohl dies nicht moeglich sein duerfte, hofft man, dass diese Ausstellung
fuer andere, die noch folgen werden, ein gutes Beispiel sein wird. Sie wurde
auf dem Bezirksberatungsausschuss in Birmingham, der dem Regionalausschuss
der Industrie Mittelenglands angehoert, organisiert und von der Informationsabteilung des Finanzministeriums und dem zentralen Informationsbuero vorbereitet .
Target
2/51
ECA - CHEF F'OrtDKHT FüIEDKNSPaODUKTION
"Ich bringe erneut meine Ueberzeugung zum Ausdruck, dass es fuer Europa
einen '.'eg gibt, jedem einzelnen ein besseres Leben zu gestalten und gleichzeitig die notwendige militaerische Sicherheit zu schaffen," erklaerte unlaengst der Leiter des Marshallplans, '„'illiam C. Foster, in Paris.
"S3 dreht sich darum, die gesamte Produktion zu steigern. Wenn Europa
die gegenwaertige Gelegenheit wahrnimmt und seine Maerkte zusammenfasst,
seine Produktionsleistung steigert und so handelt, wie es seiner Klugheit
entspricht, dann bin ich ueberzeugt, dass es seine Bruttoproduktion um
100 Millionen Dollar jaehrlich erhoben kann."
Der Marshallplan-Verwalter brachte zum Ausdruck, dass der Marshallplan
nun vor allem die '..'iederaufruestung zum Ziele habe, die der Sicherheit der
freien ','elt diene. Er hielt sich in Paris auf, um mit den Leitern der
Marshallplan-Missionen aller westeuropaeischen Laender zu konferieren.
Foster fuegte hinzu: "V.'aehrend wir ^lle 'nieder aufruesten muessen,
rauss unser groesstes Ziel der Friede sein. Wir sind uns alle dessen bewusot,

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�dass wir entschlossen und ohne Ruecksicht auf die taeglichen Schicksalsschwankungen alle notwendigen Schritte zur Erhaltung des Friedens unternehmen muessen."
Die wirtschaftliche Hilfe Amerikas fuer nichtlebenswichtige Zwecke
wuerde weitgehend reduziert werden muessen, da die Kraefte der freien
Welt fuer die Verteidigung mobilisiert werden muessten. MarshallplanGelder koennten jedoch noch immer fuer den Wohnungsbau verwendet werden,
wo der Wohnraumoangel ein ernsthaftes Problem darstelle.
Diejenigen Laender, die entschlossene Massnahmen zur Kontrolle der
nichtlebenswichtigen Produktion und zur Verwendung von Austauschstoffen
ergriffen haetten, wuerden bei der Zuteilung von Mangelwaren behandelt.
ECA Labor Information
2/21/51
KRITIK AN DER ARBLITSBEWUSSTSEINTHEÜRIE PRuFSSSOR PLRLMAN3
Die Grundzuege der Perlmanschen Theorie besagen, dass die Philosophie
der Arbeiterschaft praktisch niemals auf der Basis der Klassenkampftheorie
begruendet war. Vor allem trifft das auf die amerikanische Gewerkschaftsbewegung zu, auch wenn diese in ihren Anfaengen durch Entwicklungen, die
in Westeuropa vor sich gingen, beeinflusst worden ist. Nach der Perlmanschen Theorie rueckt die Frage des Arbeitsbewusstseins immer staerker in
den zentralen Blickpunkt der amerikanischen Gewerkschaftsarbeit, was sich
vor allem darin ausdrueckt, dass in einzelnen Faellen die Gewerkschaften
Massnahmen trafen, um in bestimmten Situationen sich fuer die Erhaltung
bisheriger Arbeitsplaetze auszusprechen. Das tritt insbesondere zutage bei
dem Seniorenproblem und bei der Vergebung freier Arbeitspiaetze.
Es haben sich jedoch gewichtige Stimmen zu './ort gemeldet, die die Gueltigkeit dieser Theorie des Arbeitsbewusstseins nicht in vollem Umfang oder
nur zu einem beschraenkten Teil gelten lassen wollen. Die nachstehenden
Kritiken sind deshalb von besonderer Bedeutung, weil hierbei von verschiedenen Blickwinkeln an das Gesamtproblem herangegangen wird.
Everett M. Kassalow, stellvertretender Leiter des amerikanischen
Amtes fuc-r soziale Sicherheit, unterscheidet scharf zwischen den heutigen
Gewerkschaften und jenen, die die Perlmansche Theorie darstellt.
Kassalow ist der Meinung, dass die Massengewerkschaftsbewegung von
heute, die zu« grossen Teil aus der v.irtschaftlichen Depression der Dreiseiger Jahre geboren wurde und grosse, neuaufgekommene Industrien umfasst,
natuerlich den Staat und die Regierung unter einem anderen Blickwinkel
sehenraussals die Bewegung aus dem Jahre 1928. Im Gegensatz zu den Gewerkschaften der Zwanziger Jahre, die gewissermassen eine defensive Stellung
einnahmen, sind die Tarifverhandlungstaetigkeiten vieler sogenannter neuer
Gewerkschaften zu einer bedeutsamen gestaltenden Macht im gesamten nationalen
Wirtschaftsbild geworden.
Man versuche einmal, so fuhr Kassalow fort, sich an den im wesentlichen
defensiven und stark begrenzten Charakter der Bewegung und ihre Philosophie
in den Zwanziger Jahren zu erinnern. Man vergleiche ihn mit der Lage der
Gewerkschaften von heute. Die Gewerkschaftsbewegung umfasst 15 Millionen
Mitglieder und erstreckt sich tatsaechlich auf jede bedeutende Industrie.
Auf Grund dieser zahlreichen Tatsachen allein ist sie in viele neue Verantwortlichkeitsgebiete und neue Positionen eingefuehrt worden. Als die
groesste Interessengruppe in der Wirtschaft ist sie zum Beispiel zum
Machtzentrum der fortschrittlichen Sozial- und Wirtschaftsreform Amerikas
geworden.

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�"enn man sich, um nur einige soziale Probleme der heutigen Zeit zu
nennen, eingehend mit dem oeffentlichen und genossenschaftlichen ,'ohnungsbau, der Sozialversicherung, der Krankenversicherung, den Mindestloehnen
oder gerechten Beschaeftigungsmethoden befasst, ..ird man feststellen,
dass die organisierte Gewerkschaftsbewegung der einzige, aber zugleich
bedeutsamste Fuersprecher und politische Foerderer dieser Programme gewesen ist.
V.'enn jemand denkt, dass diese Massnahmen lediglich ein erneuter
Ausdruck und eine Erweiterung der arbeitsueberwachenden Geweikschaftsbev.e^ung sind, dann soll er einmal als eindeutiges Beispiel die veraenderte
Haltung der Gewerkschaftsbewegung gegenueber der Sozialversicherung studieren. Kassalow stellte anschliessend fest, dass dieser Punkt eingehend
behandelt und darauf hingewiesen werden muss, wie logisch es fuer arbeitsbewusste und arbeitskontrollierende Gewerkschaften ist, sich fuer Arbeitslosenunterstuetzung und aehnliches einzusetzen. Dies mag sehr logisch
sein, aber was dadurch nicht zum Ausdruck gebracht wird, ist die Tatsache,
dass zur Bluetezeit der arbeitsbewussten Gewerkschaftsbewegung, als Dr. Perlman seine Theorie proklamierte, die Gewerkschaftsbewegung oder zumindest
ihre oberste Fuehrung, in der Praxis und im allgemeinen prinzipiell derartige Formen der Einmischung der Regierung in das wirtschaftliche Leben
ablehnte.
Es fehlt heute an '.Wissenschaftlern, die die Arbeit Dr. Perlmans
wieder aufnehmen, die vor nahezu einem ViertelJahrhundert so glaenzend
begonnen wurde, und die die neuen Grenzen erweitern. In diesen Zusammenhang gibt es eine Reihe von Punkten in der Perlman-Theorie, die einer
Neuerforschung beduerfen. Hiervon seien fuenf genannt:
1. Die Veraenderungen im traditionellen amerikanischen Kapitaiismus
seit 19*19 und die "neue und bei \.eitern skeptischere Einstellung" der
Gewerkschaftsbewegung dieser Form des Kapitaiismus gegenueber.
2. Die Bande, die die Mitglieder der grossen Industriegewerkschaften
verbinden, und keineswegs Klassencharakter tragen, sind eher industrieller
Art als durch die Arbeit bedingt. Der Begriff "Arbeitsbe..usstsein" muss
deshalb eine neue Bedeutung annehmen.
3. Das Tarifverhandlungsverfahren, das sich heute auf den grossen
Maerkten der Industrie abspielt, nimmt das Merkmal eines wirtschaftlichen
Machtkampfes an, der sich, ausser auf Loehne wie in den Zwanziger Jahren,
auch auf Preise, Beschaeftigungsmoegiichkeiten und ProduktionsfaKtoren
erstreckt.
A. Das gesteigerte Interesse der Gewerkschaften an Problemen auf
nichtpolitischem und nichtwirtschaftlichem Gebiet, wie zum Beispiel ihre
gesteigerte Beteiligung an kommunalen Sozialeinrichtungen.
5. Die gesteigerte direkte Beteiligung der Gewerkschaftsbewegung
an vielen Einrichtungen und Massnahmen der Regierung.
Es ist ueber zwtnzig Jahre her, dass Dr. Perlman seine, die
erhellenden Schlussfolgerungen praesentierte. Jeder .ird sicher
grossen Verdienste anerkennen, aber zwischen Himmel und ^irde der
schaftlichen Theorie haben sich inzwischen Dinge abgespielt, von
selbst in der Perlman-Philosophie nicht einmal getraeurat wurde.

Probleme
seine
gewerkdenen

Der stellvertretende Arbeitüminister Philip M. Kaiser eroerterte
die ijwendung der Perlman-Theorie auf internationale /.rbeitsangelegenheiten. Nachdem Kaiser auf die drei dominierenden Faktoren hingewiesen
hatte, die einen entscheidenen Einfluss auf das ,,'esen der Gewerksch.-.fts- 11 -

�bewegung ausueben, naemlich ein dynamischer Kapitalismus, eine Gruppe
einflussreicher Intellektueller und die Gewerkschaften selbst, fuehrte
er aus:
"Obwohl diese drei Faktoren seit der Veroeffentlichung der Perlraanschen
Theorie gewisse Veraenderungen erfahren haben, bin ich der Meinung, dass
es heute unraoeglich ist, Fragen internationaler Arbeitsangelegenheiten zu
verstehen, v.enn man nicht die Kampfkraft des Kapitalismus, die Rolle des
doktrinaeren Intellektuellen und die Aussichten der Gewerkschaftsbewegungen
in Erwaegung zieht. Und selbst da, v-o besondere, fuer einzelne Laender
bezeichnende Faktoren in Erscheinung getreten sind, bietet Perlmans
historische Analyse durch ihre auf Erfahrung »egruendete Sensitivitaet
gegenueber spezifischen Sinfluessen wie zum Beispiel den Agrarbewegungen,
den Grad der Entwicklung demokratischer Institutionen, in politischer und
anderer Hinsicht, dann dem Ausmass der Markterschliessung und fuer eine
ganze Zahl aehnlicher Dinge eine fruchtbare Ausgangsbasis."
Die Faktoren, die bei der Gruendung des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften eine Rolle spielten, wurden wie folgt von Kaiser dargelegt,
womit zugleich die Perlman-These unterstuetzt wurde:
"Der IBFG hat grundsaetzlich die Philosophie der Gewerkschaftsbewegung akzeptiert. Ich sage dies, weil die 'sozialistischen' Ziele weder
in der Satzung noch in dem Manifest erwaehnt sind, das Ziel und Zweck
der neuen Organisation umreisst. Fuer diejenigen, die die Geschichte
der internationalen Gewerkschaftsbewegung und ihren jahrhundertalten
Zusammenhang mit dem Sozialismus verfolgt haben, ist es unbedingt bemerkenswert, dass eine weltweite internationale Gewerkschaftsbewegung
unter der Fuehrung ihrer wichtigsten Mitgliedsorganisationen mit dem
Gefuehl, sich bekennen und ihre Ziele in einer Y'elt der ideologischen
Konflikte darlegen zu muessen, ausdruecklich das Prinzip der freien
Gewerkschaftsbewegung als das grundlegende und einigende Ziel fuer
die Arbeiter der ganzen .Jelt uebernimmt. Dies ist, um ein 7,'ort Perlmans
zu gebrauchen, "Organisierung der Arbeit auf weltweiter Basis."
Professor Philip Taft, ein Schueler Professor Perlmans, wertete sein«
Theorie folgender/nassen aus;
"Aehnlich wie andere Theorien auf anderen Gebieten muss die der
Professoren John R. Commons und Selig perlman von der Universitaet
'Wisconsin nach ihrer Faehigkeit beurteilt werden, die Haltung und Einstellung der Gewerkschaftsbewegung sinnvoll zu erklaeren.
"Als Professor Commons begann, sich mit dem Gebiet der Arbeit zu
beschaeftigen, war die amerikanische Bevoelkerung der Idee der organisierten Arbeiterschaft weit weniger aufgeschlossen als heutzutage. Man
hegte allgemein die Vermutung, dass der Preismechanismus eine ausreichende
Methode zur Verteilung der Reichtuemer und Gewinne sei, und dass jede
Einmischung der Gewerkschaftsbewegung in die Jirtschoft eine Verminderung
des '/Wohlstandes zur Folge haette. Es herrschte auch die Ansicht, dass
Gewerkschaften revolutionaere Gruppen darstellen, die die Absicht haetten,
die bestehende Gesellschaftsordnung mit Gewalt umzustuerzen. Professor
Commons machte es sich zur Aufgabe, diese Auffassungen zu widerlegen.
Die Erfahrung lehrte ihn, dass die 'Wirtschaft weit weaiger vollkommen
war, als die traditionelle Theorie es vermutete, und er hatte die Beobachtung gemacht, dass selbst in den Betrieben, deren Eigentueraer sich unter
den '/Wettbewerbsbedingungen des '.Warenmarktes beteiligten, Begünstigungen
und Benachteiligungen vorhanden waren. Der einzige Schutz war dem Einzelnen nur dadurch geboten, dass er sich mit anderen zusammenschioss, um
sich gemeinsam fuer eine gerechte Behandlung und eine entsprechende Bezahlung einzusetzen.
'Die Demokratie und die Regierung d s Vertreter des Volkes muesoten
nach Commons Meinung von der Gesetzgebung auch auf die Industrie ausgedehnt
- 12 -

�werden; ein solcher Schritt - die Anerkennung der Gewerkschaftsbewegung
durch die Unternehmer - ..uerde den Kapitalismus eher staerken als schwaechen. Die moderne Industrie musste erst organisiert werden, und Commons
glaubte, dass es bestimmten Gruppen moeglich sei, lebensfaehige Beziehungen
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herzustellen, die fuer die ,,'irtschaft
eint Kraftquelle werden koennten, wenn diese Gruppen Toleranz und Verstaendnis fuer die gegenseitigen Probiere zeigen '..uerde.
"Professor Perlman erweiterte und staerkte die Ansichten Commons. Er
unterscheidet zwischen den Ansichten der Arbeiter selbst, ihrer gewaehiten
Funktionaere und denen, die kein Mandat der Arbeiter in Haenden haben, aber
in ihrem Namen sprechen. Letztere jind genoehnlich diejenigen, die der
Meinung sind, die Arbeiter mues;;ten ein bestimmtes soziales und politisches
Programm billigen, und wenn sie auch im Namen der Arbeiterschaft sprechen,
so vertreten sie aoeh Keineswegs die grosse Masse der Arbeiter, jarueoerhinaus pflegen diese Gruppen auf Grund ihrer sozialen Auffassung, den
Faehigkeiten der Gewerkschaften allein wenig Bedeutung beizumessen, die
Arbeiter in ihrem Kampf um einen gerechteren Anteil am Sozialprodukt und
um eine gesteigerte Sicherheit des Arbeitsplatzes zu unterstuetzen.
Professor Perlman weist diesen Standpunkt zurueck uni stellt fest,
dass die Arbeiter deshalb Gewerkschaften -ufgeb -ut haben, um ihr Interesse
an der Arbeitsraoeglichkeit wahrzunehmen. Die Arbeiter v.issen, dass ein
Mangel an Arbeitsgelegenheiten besteht, und sie haben deshalb Einrichtungen
geschaffen, um diese Moeglichkeiten sicherzustellen und den Mitgliedern
diese Arbeitsmoeglichkeiten zur Verfuegung zu steilen. Dies ist am besten
aus den Richtlinien der Berufsgewerkschaften zu ersehen, dies zeigt sich
jedoch auch in den Richtlinien der Industriegewerkschaften, iie den
Schutz der Arbeitsmoeglichkeit und die Senioritaet besondere betonen.
Veraenderungen in der Arbeitsweise und der StruKtur der Gewerkschaften
haben zu keiner Veraenderung dieser grundsätzlichen Einstellung gefuehrt.
Monthly Labor Review
11/51
DE.t LOHN-PilEIJ-PLAN EINES AMERIKANISCHEN 3b::SrtKJCHAFTSFUHKTlCNASR3
Die "Denver Post" s t e l l t i n einem L e i t a r t i k e l , der die U e b e r s c h r i f t
"Ein Ge«erKschaftsfu^hrer beweist s e i n s t a a t s i a a e n n i s c h e s Koennen" t r a t g t ,
f e s t , dass (j. A. Knight, der Vorsitzende der E r d o e l a r b e i t e r - G e w e r k s c h a f t
durch s e i n e n " L o h n - P r e i s - S t a b i l i s i e r u n g s p l a n ' 1 zur h o - c h s t e n itufe des*
g e w e r k s c h a f t l i c h e n Denkers emporgestiegen i s t . ' Das Kernziel d i e s e s
Planes i s t die S t a b i l i s i e r u n g der , ' i r t s c h a f t dtes Landes.
Knight, der Vorsitzende der I n t e r n a t i o n a l e n Er l o e l a r b e i t e r g e w e r k sch.^ft uni Vizevorsitzende; - des CIO, schlug vor, a l l e P r e i s e und a l l e
Loehne, und zwar d i e der g e w e r k s c h a f t l i c h o r g a n i s i e r t e n un-J n i c h t o r g a n i s i e r t e n Arbeitnehmer, zu einem bestimmten Datum zu " b l o c k i e r e n .
Von da
an s o l l e n die Loehne an etwaige Erhoehungen der Lebenshaltungskosten
automatisch angepasst »erden. Dann wu«rd«n iie Loehne fuer die Dauer des
n a t i o n a l e n Metstandes s t a b i l i s i e r t und nur r e g e l m ä s s i g a l l e d r e i Monate
e r n e u t ueberpi-ueft, um g e g e b e n e n f a l l s an die Lebenshaltungskosten wiederum
angeglichen zu werden«
Im Grunde s c h l u e g t Knight, einen n a t i o n a l e n LebenshaltungoKcstenG l e i t e a t z fuer . l l e Lohnempfaenger in ,jncrika, uni zwar .owohl O r g a n i s i e r t e
a l s auch N i c h t o r g a n i s i e r t e , v o r .
Zuerst w o l l t e er a l l t !.oehn&lt;. uni ._le : Y e i s e mit irkung vom 1 5 . Februar 1951 "oder zu einer, anderen annehmbaren Z e i t p u n k t " " b i o c / . i e r e n . "

- 13 -

�Danach sollte jeder Arbeitgeber aufgefordert werden, Lohnerhoehungen in
genau dem gleichen Prozentsatz zu gewaehren, in dem sich der Verbraucherpreisindex des Bueros fuer Arbeitsstatistik seit dem 15. Juni 1950 erhoeht
hat. Neue Angleichungen - nach oben oder unten - wuerden danach in dreimonatigen Abstaenden vorgenommen werden, aber die Loehne duerfen nicht
unter den Stand, in dexa sie "blockiert" wurden, gesenkt werden.
Inzwischen wuerden "nicht-inflationistische Unterstuetzungen an
Arbeitgeber", wie zum Beispiel Pensionen, Versicherungsrenten, L'ohlfahrtsunterstuetzungen, Urlaubsverguetungen und Produktivitaetsbonuszahlungen im
normalen Tarifverhandlungsverfahren festgelegt werden und muessten von dem
Lohnstabilisierungsausschuss bewilligt werden. Die vorher abgeschlossenen
Tarifvertraege wuerden nicht abgeaendert, es sei denn, dass dies notwendig
wuerde, damit sie mit den automatischen Mindestaufbesserungen zur Angleichung an die Lebenshaltungskosten uebereinstimraten." Der Lohnstabilisierungsausschuss wuerde weiterhin ein "dreiteiliges" Gremium sein, das sich
aus Vertretern der Gewerkschaften, der Industrie und der Oeffentlichkeit
zusammensetzt. Knight schlaegt vor, gleichzeitig einen Preiskontrollausschuss in der gleichen '.'eise zusammenzustellen. Der Preisausschuss wuerde
befugt sein, Preissteigerungen in nachweislich dringlichen Faellen zuzulassen und Preissenkungen anzuordnen, wo dies ohne grosse Haerten moeglich
waere. Preissubventionen sollen jedoch nur dann gewaehrt werden, wenn einwandfrei erwiesen sei, d^ss die automatischen Lohnangleichungen an die
Lebenshaltungskosten unbillige Haerten mit sich gebracht haetten.
Labor News frora the US
3/16/51

DAENISCHE GEWERKSCHAFT BaffiiBT FACHARBEITERMANGEL
Eine Metallarbeitergewerkschaft in einem iand, in dem ein chronischer
Mangel an 3.000 gelernten Kacharbeitern dieser derufssparten herrscht,
duerfte, wenn auch nur kurzfristig, ueber Vorteile verfuegen.
So ist die Lage in Daenemark; man sollte annehmen, dass eine weniger
verantwortungsbewus3te Gewerkschaftsfuehrung alles moegliche tun wuerde, um
die Ausbildung von Facharbeitern einzuschraenken, um aus diesem Mangel Vorteile zu schlagen, hoehere Loehne fuer ihre Mitglieder zu erzielen und die
Industrie* in der Memme zu halten. Dies ist jedoch nicht bei der daenischen
Metallarbeitergewerkschaft der Fall, die in einem bemerkenswerten Geist der
Zusammenarbeit mit den Unternehmern daran gegangen ist, dieser Situation zu
begegnen und ein vernuenftiges Gleichgewicht zwischen gelernten Arbeitskraeften und den vorhandenen üeschaeftigungsraoeglichkeiten herzustellen.
Die hierzu gewaehlte Methode ist die Ausbildung angelernter Metallarbeiter am Arbeitsplatz im Rahmen eines vielseitigen Erziehungsprogramris,
das eine beschleunigte Lehrlingsausbildung, eine Ausbildung zur Auffrischung
der Kenntnisse am Arbeitsplatz, Abendkurse und ein Sonderausbildungsprogramm
fuer Vorarbeiter und Meister umfasst. Das Programm, das vor drei Jahren begonnen wurde, ist in weiten Kreisen begeistert aufgenommen worden und bildet
einen der wichtigsten Zweige der gewerkschaftlichen Arbeit.
Ein Grund fuer dieses Verantwortungsbewusstsein der VJohlfahrt des gesamten Volkes gegenueber ist fuer die Gewerkschaftsfunktionaere die Tatsache,
dass sie in Daenemark mit der von den Gewerkschaften stark beeinflussten
Sozialdemokratischen Partei eng zusammenarbeiten, die in der rcegierung die
dominierende Partei darstellt, jer Vorsitzende der ..etallarbeitergewerkschaft
Hans Rasmussen ist «dtglied des Parlaments. Die Gewerkschaftsfunktionaere
fuehlen sich jedoch nicht nur fuer die Arbeiter, sondern darueber hinaus fuer
das gesamte \iolk verantwortlich, und sie wissen, dass eine Situation, die die

- 14 -

�Herstellung des Gleichgewichts in der daenischen Wirtschaft hinauszoegern
wuerde, - wie zum Beispiel ein staendiger kritischer Mangel an Facharbeitern - nicht nur den nationalen .Wiederaufbau aufs schwerste gefaehrden,
sondern auch ein schlechtes Licht auf die von den Gewerkschaften beeinflusste Regierung werfen muesste.
Als in Daenemark der [.lange 1 an Facharbeitern akut wurde, entwickelten
Unternehmer und Gewerkschaften gemeinsam ein Program zur schnelleren Ausbildung angelernter Arbeiter zu Fachkraeften. Jies war nicht ohne eine
gewisse anfaengliche Opposition der aelteren Gesellen, die noch aus dem
Handwerk hervorgegangen waren, moeglich, die sich nicht mit dem Gedanken
abfinden wollten, dass sich die Jungen sozusagen ueber Nacht Fachkenntnisse
arteignen koennen, fuer die sie selbst viele harte Jahre als Lehrlinge schwer
taetig sein und ohne Verdienst arbeiten mussten. Es gibt noch einige, die
erbittert an dieser Meinung festhalten, die meisten von ihnen sind jedoch
von den Gewerkschaften ueberzeugt worden, dass dieses Programm das beste
fuer die daenische Wirtschaft und infolgedessen auch, auf lange Sicht gesehen, das beste fuer sie selbst ist.
So sagte Hans Rasmussen unlaengst: "Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben ein gemeinsames Interesse an der Loesung dieser Probleme".
Die Verantwortung fuer die Auswahl geeigneter angelernter Arbeitskraefte fuer das Ausbildungsprogramra liegt bei den Arbeitgebern, aber auch
die Gewerkschaften schalten sich bisweilen ein, wenn sie glauben, gute Vorschlaege machen zu koennen, oder wenn die Unternehmer nicht geneigt sind,
an einen bestimmten Programm mitzuarbeiten. Wenn der Arbeiter ausgev/aehlt
ist, wird er je nach den Moeglichkeiten, die der Gewerkschaft in einem
Betrieb oder einem Bezirk zur Verfuegung stehen, kostenlos ausgebildet.
In einigen Faellen stellen Unternehmer den angelernten Arbeitern zur
Ausbildung waehrend der normalen Arbeitszeit Maschinen zur Verfuegung.
Diese Ausbildung wird von einem Meister ueberwackt, der zumeist auch Mitglied der Metallarbeitergewerkschaft gewesen ist, bevor er Meister wurde
und in die fuer ihn zustaendige Gewerkschaft der Vorarbeiter und Meister
eintrat.
In anderen Faellen nimmt der angelernte Arbeiter an Abendkursen teil,
die woechentlich zweimal stattfinden. Die Gewerkschaft ist nicht so sehr
fuer dieses System, weil sie der Auffassung ist, dass der Arbeiter nach
einem vollen Arbeitstag in der Fabrik zu muede ist, um abends noch soviel
aufnehmen zu koennen, wie er eigentlich sollte. Aber wenn dieses System
das einzig moegliche bleibt, haben sie nichts dagegen einzuwenden.
Dann gibt es ein beschleunigtes Lehrlingsprogramm, bei dem mit Hilfe
der Gesellen die uebliche Lehrlingszeit von vier bis fuenf Jahren auf ein
Programm von drei oder noch weniger Jahren gekuerzt wird. Den Lehrlingen
werden in vielen Faellen regulaere Loehne fuer angelernte Arbeiter gezahlt,
sie unterstuetzen in allen praktischen Arbeiten die Gesellen. V'enn der
Geselle der Gewerkschaft mitteilt, dass sein Helfer geprueft werden kann,
ruft die Gewerkschaft einen Pruefungsausschuss zusammen, der den Lehrling
prueft und entscheidet, ob er als Facharbeiter anerkannt werden kann.
Die Gewerkschaft setzt sich dafuer ein, dass die Meister und Vorarbeiter an dem sogenannten "TOI-Programm" (Trainingswerk in der Industrie)
teilnehmen. Sie haelt die jungen Leute zum Besuch der technischen Ausbildurigskurse an und beteiligt sich an den Bemuehungen zur Steigerung der
Produktionsleistung, durch die der Arbeitsaufwand reduziert, die Produktion
gesteigert und die Wirtschaft des Landes gestaerkt werden soll.
An dem Ausbildungsprogramm sind jaehrlich nahezu 5.000 Arbeiter beteiligt. "Die Metallarbeitergewerkschaft", so erklaerte Rasmussen, "ist

- 15 -

�der Frage der hoeheren Produktionsleistung gegenueber positiv eingestellt.
Wir stehen in enger Zusammenarbeit mit dem Regierungsausschuss fuer
Produktivitaetsfragen, dem ich selbst als Mitglied angehoere. Unsere
Mitglieder sind der Ueberieugung, dass hoehere Produktionsleistung die
daenische Wirtschaft staerkt und es ihr ermoeglicht, sich auszudehnen.
Hieraus werden sich wiederum groessere soziale Sicherheiten und ein hoeherer
Lebensstandard fuer diese Arbeiter ergeben und damit die Moeglichkeit, sich
selbst besser zu schuetzen."
Rasmussen wies darauf hin, dass seine Gewerkschaft 51.000 Mitglieder
zaehlt, somit praktisch saentliche gelernten Metallarbeiter Daenemarks umfasst, ueber ein Vermoegen von 80 Millionen daenische Kronen verfuegt und
einen starken Einfluss auf die sozialdemokratische Partei ausuebt, die die
fuehrende Partei in der Regierung ist und auf eine 62-jaehrige Tradition
erfolgreicher Zusammenarbeit mit den Unternehmern innerhalb der daenischen
Wirtschaft zurueckblickt, in der es Lohn- und Preiskontrollen gibt und
fuer ganze Industriezweige Tarifvertraege abgeschlossen wurden.
Wenn die Steigerung der Produktionsleistung Fruechte traegt, meint
Rasmussen, dann sind die Mitglieder der Metallarbeitergewerkschaft politisch
und wirtschaftlich stark genug, um fuer eine gerechte Verteilung dieser
Gewinne Sorge zu tragen.
ECA Labor Information

3/2/51

DIE SITUATION DER LclltLINGSAUSBILDUMG IN 13LK VT.RKIMGTaN STAATEN
Der Leiter des Bundesstaatlichen Amtes fuer Lehrlingswesen, W. F.
Patterson, brachte in einer 3otschaft an die Bauindustrie warnend zum Ausdruck, dass groessere Anstrengungen seitens der Angehoerigen dieser
Industrie notwendig waeren, wenn das hohe Niveau ihres handwerklichen
Koennens beibehalten werden sollte.
"Das Personal des Lehriingsbueros wird sich in Zukunft nicht mehr
vornehmlich mit der Frage der Ausbildung, gelernter Bauhandwerker beschaeftigen koennen. Dies sei aufgrund des Wohrraummangels der Nachkriegszeit der
Fall gewesen; dieser Mangel sei jedoch weitgehend behoben, und heute besteht ein wirksames Lehrlingsprograram fuer die Bauberufe. Das Personal des
Lehriingsbueros sei jedoch nicht in der Lage, zusaetzliche Ausbildungsmassnahraen zur Verteidigung zu ergreifen, ohne irgendeine andere Taetigkeit einzuschraenken.
Mit dem Bemerken, dass viele Angehoerige der Bauberufe moeglicherweise mit ilirer Einberufung rechnen muessten, und dass in Zukunft nicht soviel Jungen die Bauberufe erlernen koennten, weil sie ebenfalls zum Militaerdienst herangezogen wuerden, richtete Patterson an 3.239 oertliche Ausschuesse fuer i.ehrlingsfragen der Bauindustrie, die sich aus 20.000 freiwilligen Vertretern der Gewerkschaften und Unternehmer zusammensetzen, die
Aufforderung, ihre Taetigkeiten zu aktivieren und sich auf die Erweiterung
der Ausbildung3/;u:&gt;eglichkt'iten zu Konzentrieren.
Absei.liessend betonte Patterson, dass diese Ausschuesse die Bauberufe
durch die Zurverfuegungstellung neuer Aroeitskraeftt! ernaehren wuerder..
Auf den Schultern die»er Ausschuesse ruht die Aufgabe, die Bauberufe am
Leben zu ernalten und den Grundstein zu legen, auf dem die zukuenftige Berufsausbildung fuer normale Zeiten wieder aufgerichtet werden kann."
Apprenticeship Digest

- 16 -

3/5C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUHGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

Frankfurt, ZO. I'eerz 1951

IV - 13

I K H A L T S V E R

Z E I C H F IS

Englische Gewerkschaften fordern Gesundheitsdienst innerhalb der Betriebe - - - - - - - -

1

Gewerkschaftliche Schulung fuer Funktionaere in
England - - - - - - - - - - - - - - - - - - Gewerkschaften in Nigeria

?

- - - - - - - - - - -

4

Kanadische Gewerkschaften bilden gemeinsames
Komitee - - - - - - - - - - - - - - - - - - 5
Japaner studieren industrielle Wechselbeziehungen 6
Die Lehrzeit ist die beste Schule fuer Vorgesetzte - - - - - - - - - - - - - - - - - - 7
Eine der groessten Gewerkschaften der Welt - - -

8

Die Rolle der internationalen Berufssekretariate 12
"Gomoers-Platz" in New York vorgeschalgen

5N0i.ir.CHS

- - - 16

GEY^RKSCKAFTE^ FORDEN GESÜITDK^ITSDIEKST INNERHAIB DER

BETRIEBE

"

'

~

~

Sin Gesundheitsdienst der Industrie, der in enerer Zusammenarbeit mit dem allgemeinen Gesundheits-System steht; eine Kenaue
Ueborpruefunsr der Bedingungen, die Berufskrankheiten verursachen;
mehr Aerzte in den Betrieben - das sind die Vorschlafe des bri- '
tischen Gewerkschaftskongresses TUC fuer einen nationalen, obligatorischen, betriebsaerztlichen Betreuungsdienst. Dieser Dienst
soll sich unter der Verwaltung einer zentralen Koerperschaft der
Regierung nicht nur auf Betriebe, sondern auch auf andere Arbeit.-olaetze wie Geschaefte und Bueros erstrecken.
- 1-

�Nachdem sich ein Regierungsausschuss mit diesen Vorschlaegen
und anderen Empfehlungen industrieller und medizinischer Organisationen beschaeftigt hat, hat er nun einen Bericht ausgearbeitet,
der den besten Weg zeigen soll, wie der britischen Industrie ihr
eigener Gesundheitsdienst gegeben werden kann. In diesem Bericht
wird besonders hervorgehoben, dass es sich die Nation nicht leisten kann, schlechte Arbeitsbedingungen zuzulassen, die die Gesundheit der Arbeiter gefaehrden koennen.
Besondere /ufmerksamkeit- wird dabei den drei folgenden Hauptproblemen geschenkt: Ein etwaiges Ueberschneiden der Funktionen
des industriellen und des allgemeinen Gesundheitsdienstes; die
Erweiterung der bestehenden Gesundheitseinrichtungen in der Industrie und die Herstellung einer Verbindung zwischen dem oeffentlichen und industriellen Gesundheitsdienst.
Jede bestehende Ueberschneidung der Funktionen kann, wenn
sie nicht betraechtlich ist, gerechtfertigt sein, heisst es in
dem Bericht des Ausschusses. Ein Gesundheitsdienst in der Industrie kann eine Garantie dafuer sein, dass der gesundheitliche
Zustand eines Arbeiters auf Grund seiner Beschaeftigung wenigstens nicht schlechter werden kann, und er wird darueberhinaus
sogar die Gewaehr dafuer bieten, dass sein Gesundheitszustand
sich bessert. Als ein fuer gute Arbeitsmoral wesentliches Element
kann dieser Dienst zur Steigerung des Vertrauens, der Zufriedenheit und der Leistung der Arbeiter beitragen. Aus diesen Gruenden
muss der Gesundheitsdienst in der Industrie erweitert werden.
Zwar muessen freiwillige Bemuehungen in dieser Richtung gefoerdert werden, aber sie reichen natuerlich nicht aus, um die gesamte
Industrie und insbesondere die kleineren Betriebe zu erfassen.
Bsnoetigt werden umfassende Massnahmen, hinter denen die Regierung
steht.
Augenblicklich sind etwa 230 Werksaerzte in Betrieben vollzeitlich beschaeftigt, weitere 1500 arbeiten teilweise fuer die
Industrie, und 1200 sind in irgendwelcher Art in die betriebsaerztliche Betreuung eingeschaltet. Der Industrie stehen rund
3000 Krankenpfleger zur Verfuegung, von denen 2.600 staatlich zugelassen sind.
Um mehr Aerzten die Moeglichkeit zu geben, in der Industrie
zu arbeiten, werden kurze, intensive Ausbildungskurse ueber betriebsaerztliche Betreuung abgehalten.
Der Ausschuss der Regierung weist jedoch darauf hin, dass
eine wesentliche Vorbedingung fuer alle Aerzte, die die industrielle Medizin praktizieren wollen, eine gute und umfassende Erfahrung
in der klinischen Behandlung ist. Welche Erweiterung des Systems
auch vorgenommen wird, die Regierung muss sich immer der entsprechenden Machfrage nach Aerzten und Krankenpflegern bewusst
sein.
Wie Attlee im Unterhaus erklaerte, muesste es moeglich sein,
einen industriellen Gesundheitsdienst sofort zu entwickeln und
nicht damit noch leengere Zeit zu warten.
Diesem Ausschuss, dessen Vorsitzender der Richter Dale ist,
gehoeren Frau Anne Loughlin vom TUC und J. T. Byrne von der Elektroarbeitergew^rkschaft an. Sie empfehlen vor allem, eine Verbindung zwischen den drei bestehenden Gesundheitssystemen herzustellen, einen neuen staendigen Beratungsausschuss von Aerzten, Krankenpflegern und VerUretern der Gewerkschaften, Unternehmer und
- 2 -

�der Ministerien fuer Gesundheit, Arbeit, Brennstoff und Energie
zu bilden.
Labour

3/51

GEWERKSCHAFTLICHE SCHULUNG FUER FUNKTIONALES IN ENGLAND
In der ersten Woche dieses Monats nahmen 17 Studenten an dem
ersten Schulungskurs ueber Fragen der Produktion und Betriebsleitung teil, der vom britischen Gewerksohaftskongress TUC in seiner
Gewerkschaftsschule in Clapham fuer Betriebsfunktionaere abgehalten wurde.
"Ich gehe nicht mit dem Gedanken nach Hause, dass ich alles
ueber Zeit- und Bewegungsstudien weiss," sagte ganz offen einer
der Gewerkschaftsfunktionaere, die an dem Kursus teilgenommen
hatten. Kr fuegte jedoch hinzu, dass ihm ein guter Ueberblick
ueber das Arbeitsstudium, die Lohnsysteme, die Arbeitsbewertung,
Produktionskosten und dergleichen gegeben worden sei. Durch weiteres Selbststudium und eigene Beobachtungen koenne er die noch
vorhandenen Kenntnisluecken schliessen. Diese Ausfuehrungen wurden bestaetigt, als die Studenten nach Beendigung ihres einwoechigen Lehrgangs in einer Schlusssitzung die wichtigsten Punkte dessen,
was ^ie gelernt hatten zusammenfas3ten.
Alle erklaerten uebereinstimmend, dass es fuer sie besonders
wertvoll gewesen waere, Sachverstaendige aus der Betriebsleitung
und der Gewerkschaftsbewegung ueber Methoden sprechen zu hoeren,
die mehr und mehr allgemeine Anwendung in der Industrie finden.
Einige Studenten erwaehnten insbesondere den Besuch grosser
Betriebe, in denen sie die praktische Anwendung der Schultheorien
sehen konnten. Andere betonten ihr Interesse fuer die Filmvorfuehruneen, in denen ein illustrierter Bericht eines wohlbekannten
Experten ueber die Bewegungsstudien ergeben wurde.
7,'as den Studenten zweifellos am besten gefiel, war die Unterrichtsstunde, in der sie mit der c'.topDUhr in der Hand ihre eigenen Zeitstudien durchfuehrten. rJiner von ihnen bemerkte, dass er
damit zum ersten Mal in die arbeit und Methoden des ZeitstudienExperten einen praktischen Einblick gewonnen haette.
Nun wuesste er, welche Aufgabe der Mann mit der StoDpuhr in
seinem Botrieb hat und, was noch wichtiger ist, wie seine Berechnungen ausgewertet werden koennen.
Von Anfang an stellten die Lehrer de3 TUC die Sachlage klar.
Die Studenten sollten ueber die Methoden der Produktion und Betriebsleitung, die heute in der Industrie angewendet werden, beraten und
brauchten sie nicht unbedingt als geeignet anzuerkennen. Um bei
den Verhandlungen und den gemeinsamen Berctungsausschuessen wirksame arbeit leisten zu koennen, muessten die Vertreter der Arbeiter
ueber die gleichen Kenntnisse verfuegen wie die Repraesentanten
der Unternehmer. Dieser Ausbildungskursus sei fuer sie eine Gelegenheit, sich di^se Kenntnisse zu erwerben.
Ueberall wurde diese Erkenntnis dar Gewerkschaften hervorgehobon. Jedesmal, wenn ein Vertreter der Unternehmer einen Vortrag
hielt, folgten eigene Experten des TUC und Frank Chapnell, eia
- S-

�frueherer Funktionaer der Elektroarbeiter-Gewerkschaft und jetzt
als Berater in der Industrie taetig, der Vorlesung und schlössen
eine Diskussion daran an.
Neue Ideen, neue Arbeitsverfahren oder neue Produktionsmethoden, die bereits in einem Betrieb erprobt waren, wurden eingehend besprochen. Den Gewerkschaftsfunktionären nur einen vorbereitetsn Lehrplan, selbst wenn disser gut waere, bieten zu
wollen, wuerde bedeuten, dass weder das Verstaendnis und die
Zusammenarbeit gefoerdert werden, noch von den Talenten der Arbeiter Gebrauch gemacht wird.
Im Anril und "ai werden weitere Lehrsaenge diesem ersten Experiment folgen. Nachdem nun alle Lehrstuehle besetzt sind und
der erste Kursus erfolgreich verlaufen ist, hofft der Britische
Gewerkschaftskongress, dass die neechsten Kurse mit noch groesserem Erfolg dem Verlangen nach weiteren Kenntnissen ueber Produktionsmethoden entsprechen werden.
Nach den ersten Eindruecken zu schliessen, koennts man annehmen, dass es dem TUC gelungen ist, seinen angeschlossenen Gewerkschaften mit diesen Kursen wertvolle Dienste zu erv.eisen. Tech
den jetzigen Ergebnissen zu urteilen, hat die Aufnahme, die die^e
neue Einrichtung gefunden hat, bewiesen, dass dieses Experiment
sehr wertvoll ist und eine seit langem bestehende Luecke ausgefuellt hat, deren sich besonders die hauptamtlichen Gewerkschafter
und Betriebsfunktionaere bewusst waren. Die zukuenftigen Erfahrungen und die Beduerfnisse der Gewerkschaften selbst werden ma^srebend fuer die Planung und Erweiterung weiterer Kurse sein.
Der genaue Lehrplan und Angaben ueber Einzelheiten des Lehrgangs werden vom TUC auf Wunsch zur Verfuegung gestellt.
Labor 3/51
GEWERKSCHAFTEN IN NIGERIA
Das Gewerkschaftszent.rum Nigerias, der Arbeitskongress, hat
seit einiger Zeit unter kommunistischem Einfluss gestanden. Aber
nun verlieren die Kommunisten auch in diesem Lande nach und nach
an Einfluss. Der Generalsekretaer des Gewerkscri&amp;ftsbundes Nigerias
ist vor kurzem aus der Nationalistischen Partei Nigerias ausgeschlossen worden. Der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes ist
daraufhin zu der Uebarzeugung gekommen, dass es das beste fuer ihn
und fuer die Interessen der Arbeiterschaft des Landes ist, wenn
er die kommunistische Sache aufgibt. Diese beiden Ereignisse, die
sich im Verlauf der beiden letzten Wochen absoielten, sind hoechst
kennzeichnend fuer die im Lande herrschende Tendenz. Der durchschnittliche afrikanische Arbeiter weiss sehr wenig vom Kommunismus, aber ungluecklicherweise hat dieser Kommunismus eine grosse
Luecke in seinem Leben ausgefuellt. Der Afrikaner sehnt sich
nach Informationen und nach irgendwelchen gedruckten Dingen. Die
kommunistische Partei hat ihm unaufhoerlich diese Informationen
und gedrucktes Material geliefert. Die demokratischen Gewerkschaften haben es einfach versaeumt, diesen Wunsch der afrikanischen Arbeiter zu erfuellen. Aber dank der Bemuehungen des IBFG werden die
demokratischen Gewerkschaften bald in der Lage sein, diese Aufgabe
zu uebernehmen.
Vom strategischen Standpunkt aus ist Afrika heute von groesster
Bedeutung fuer die westliche Welt. Wenn die westliche Welt diesem
- 4 -

�Erdteil den Ruecken zukehrt und sich ihren Verpflichtungen den
Voelkern und Arbeitern Afrikas gegenueber entzieht, waere dies
fuer sie ein greiser Kachteil in dem gegenwaertigen kalten Krieg,
der zu einem heissen Krieg werden kann. In diesem Falle koennte
sich der kommunistische Einfluss in Afrika ausbreiten, und die
westliche Ilemisnhaere wuerde nicht mehr mit den so wichtigen Rohstoffen Afrikas rechnen koennen, zu denen auch die Grundstoffe
cshoeren, die fuer die Atomforschung gebraucht werden.
Die Entwicklung, die in einigen Teilen Afrikas vor sich ging,
ist ueberraschend. Und in anderen Teilen ist der ungeheuer niedrige Lebensstandard der Menschen geradezu entmutigend. Im Ganzen
gesahen sind die Aussichten jedoch gut, und der IBFG kann mit
Recht erwarten, den Arbeitern dieser Gebiete Afrikas helfen zu
koennen.
Das wichtigste Problem ist die gewerkschaftliche Organisierung.
In Mittel- und Westafrika ist die Gewerkschaftsbewegung noch neu
und schwach. Aber abgesehen hiervon wird der Besucher von dem
grossen Drang der dortigen Menschen nach Aufklaerung stark beeindruckt sein. Meiner Auffassung nach ist irgendeine Art der gewerkschaftlichen Erziehung eines der wichtigsten Dinge, die der IBFG
den Arbeitern Afrikas bringen kann, damit dieser Erdteil aufgeklaerte Gewerkschaftsfunktionaere und aufgeklaerte Mitglieder haette, die Garanten fuer eine wirksame Taetigkeit der Gewerkschaften
waeren.
Kein besseres Ergebnis haette auf der Konferenz des IBFG in
Duale erzielt werden koennen als die Errichtung eines regionalen
Zentrums des IBFG fuer Mittel- und Westafrika. Dies ist die
groesste Unterstuetzung, die der IBFG den Arbeitern Westafrikas
zutail werden lassen kann.
Program Service Section
3/14/51
KANADISCHE GEWERKSCHAFTEN BILDEN GEMEINSAMEM KOMITEE
Die vier grossen Gewerkschaftscrganisationsn Kanadas haben
ein gemeinsames staendiges Komitee gebildet, das sich mit Problemen von allgemeinem Interesse wie Arbeitsmarkt, Produktion, Preiskontrolle und Verteidigungsmobilisierung befasst.
Ueber eine Million Arbeiter sind in den vier GewerkschaftsOrganisationen organisiert - dem Berufs- und Arbeiterkongress Kanadas
(TLC), dem Kanadischen Arbeiterkongress, dem Kanadischen Katholischen Gewerkschaftsbund (CCL) und dem Gemeinsamen Legislativen Ausschuss der Eisenbahntransportarbeiter-Gewerkschaft. Dem TLC und
der CCL gehoeren Gewerkschaften an, die ebenfalls der AFL bzw. dem
CIO angeschlossen sind.
Der Bildung dieses Komitees ging vor einigen Monaten die Eroeffnung der ersten gemeinsamen Kampagne zur gewerkschaftlichen Vereinigung in der kanadischen Geschichte voraus. Gegen Ende des
Jahres 1950 hatte die organisierte Arbeiterschaft Kanadas eine
gemeinsame Erklaerung abgegeben, in der sie den Beginn einer ueber
das ganze Land verbreiteten Kampagne ankuendigte, in deren Rahmen
die Auferlegung von Preiskontrollen und die Beibehaltung der Mietkontrollen gefordert wurden.
In Kanada ist einer von je drei Arbeitern gewerkschaftlich organisiert.
Labor Press Service
3/19/51
- 5 -

�JAPANER STUDIERE INDUSTRIELLE WECHSELBEZIEHUNGEN
Die Eindruecke und Erfahrungen einer vierzehnkoeofigen Japanischen Besuchergruppe, die sich in den Vereinigten Staaten aufhielt und aus Vertretern der Gewerkschaften und Unternehmer zusammengesetzt war, sind von Professor Arthur K. Ross von der Universitaet Kalifornien in einem Bericht ausgewertet worden. Diese
japanische Mission hielt sich zum intensiven Studium derWeohselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern zwei Monate
lang in den Vereinigten Staaten auf.
Die Gewerkschaftsmitglieder der Besuchergruppe waren von
der Staerke der amerikanischen Gewerkschaften beeindruckt, die es
ihnen ermoeglicht, den Unternehmern auf Gleichstarker Basis gegenueberzutreten. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten wird nach ihrer Meinung als ein lebenswichtiger und zugehoeriger Bestandteil der industriellen Ordnung und nicht nur als eine
blosse Einrichtung angesehen. Beeindruckt hat sie ausserdem die
Tatseche, dass die Intervention der Regierung in die Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf ein Minimum
beschraenkt bleibt. •
Im Gegensatz zu ihrem eigenen Land vermissten die japanischen
Arbeiter in der amerikanischen Gesellschaftsordnung die Ueberreste
des Feudalismus. Der hohe Lebensstandard, der unerschöpfliche
Reichtum und die Freiheit in den Vereinigten Staaten sind nach
Auffassung der Japaner eine Erklaerung dafuer, dass die Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten die freie Wirtschaftsordnung oder den Kapitalismus unterstuetzt, und dass sie sich in
der Verfolgung ihrer Ziele hauptsaechlich auf ihre wirtschaftliche
Macht und nicht auf eine Arbeiterpartei verlassen haben. Die
Japaner waren darueber ueberrascht, was ihnen ein Mangel an irgendeiner Ideologie in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
zu sein scheint, sie stehen deshalb dieser Sachlage etwas kritisch
gegenueber.
Die Delegierten erklaerten, dass sie "von den systematischen
Verfahren" ungeheuer beeindruckt gewesen waeren, mit denen Streitigkeiten und Beschwerden in der amerikanischen Industrie beigelegt wuerden. "Wir glauben," sagten sie, "dass ein aehnliches
System des Schiedssnrechens, der Tarifverhandlung und des Beschwerdeverfahrens weitgehend zur Verbesserung der Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern in unserem Lande beitragen wuerde."

Waehrend die Japaner die meisten Asnekte der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung lobten, missbilligten sie die in einigen Gewerkschaften herrschende Tendenz, sich auf die Fuehrung zu verlassen. In Japan, so erklaerten sie Professor Ross, beteiligten
sich die Mitglieder aeusserst aktiv an der Arbeit der Ortsgewerkschaften. Dadurch wuerde eine demokratische Denkart geschaffen,
die die Gewerkschaft als ein Bollwerk gegen den Kommunismus staerke.
Sowohl die Vertreter der japanischen Gewerkschaften als auch
der Unternehmer sprachen sich anerkennend ueber die fortgesetzten
vertraglichen Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und den
Unternehmern in den Vereinigten Staaten aus und waren der Auffassung, dass eine weitverbreitete Anwendung dieses Systems in
Japan mithelfen wuerde, die Industrie zu stabilisieren und Streitigkeiten zu vermeiden. Die Gruppe erklaerte ferner, dass die
Loehne in ihrem Land ebenso wie in Amerika nur durch die Zusammenarbeit beider Partner zur Steigerung der Produktion aufgebessert
werden koennten.
- 6-

�Fuar die Zukunft sind weitere Missionen zum Studium der
Wechselbeziehungen zwischen Arbeiteebern und Arbeitnehmern aus
Japan, Westeuropa und anderen Gebieten geplant. Es ist interessant
festzustellen, das? die Eindruecke und Meinungen der Delegierten
aus dem Orient und den Okzident die gleichen sind. Auch herrscht
die uebereinstimmende Auffassung, dass diese Missionen zum Studium der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften und die Besuche zum Studium der Produktivitaet nicht nur
wertvoll sind, weil sie mithelfen, die Produktion zu steigern und
die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu verbessern, sondern auch weil sie das internationale gegenseitige
Verstaendnis foerdern.
Program Services Section
3/12/51
DIE LEHRZEIT IST DIE BIMSTE SCHULE FUER VORGESETZTE
In dem Allis-Chalmers-Unternehmen besteht wie auch bei anderen Firmen seit langem ein Befoerderungssystem, nach dem es Betriebsengehoerigen mit besonders guten Leistungen moeglich ist,
in Stellungen der Betriebsleitung berufen zu werden.
"Welche andere Ausbildung bietet dem Arbeitsvorgesetzten ein
so gut geplantes und alle Einzelheiten umfassendes Studium, das
zur Kenntnis der Betriebsvorgaenge notwendig ist, wie die Lehrlingsausbildung? Der Lehrling wird nicht nur in den ^roduktionsvorgaengen geschult, sondern wird auch mit den Verfahren, Methoden,
Grundsaetzen, Materialien usw. vertraut. Wenn der ehemalige Lehrling deshalb mit anderen Betriebsangehörigen bei Befoerderungsnoeglichkeiten konkurriert, so ist er auf Grund seiner gelenkten
und vollstaendigeren Ausbildung in gewissem Sinne im Vorteil."
Diese Erklaerung ist die Einfuehrung zu einem Artikel von
W. C. van Cleaf, dem Direktor fuer Wechselbeziehungen in der In-,
dustrie in der "Allis-Chalmers Manufacturing Company" in Milwaukee
(Wisconsin).
"Eine seit 1935 laufende Analyse ueber die beruflichen Erfolge
jener Arbeiter, die eine Lehre durchgemacht haben," fuehrt van
Cleaf hier aus, "liefert einen klaren Beweis fuor die Tendenz und
die Ratsamkeit, das Lehrlingswesen beizubehalten. In dem Betrieb
wurden in der Zeit von 1935 bis 1947 421 Lehrlinge ausgebildet;
281, die mit Erfolg ihre Lehrzeit beendet haben, sind heute noch
in dem Betrieb taetig. Von diesen*haben heute 108 oder 39$ uebergeordnete Stellunren inne. Es kann natuerlich nicht erwartet werden, dass die Arbeiter, die in den letzten beiden Jahren ihre
Lehrlingszeit beendet haben, prozentual gesehen in Vorgesetztenpositionen ebenso stark vertreten sind wie die aelteren Arbeiter.
Aber es ist sicher, dass einer von je drei Lehrlineen, die seit
1935 bei der Firma beschaeftigt sind, in verantwortungsvolle Stellungen aufgerueckt ist.
"Alle Befoerderungen wurden streng nach den nersoenlichen Verdiensten und der allgemeinen Tuechtigkeit der Arbeiter vorgenommen.
Die Tatsache, dass ein Arbeiter eine Lehrlingszeit hinter sich
hat, bedeutet nicht, dass er bei Befoerderungen automatisch bevorzugt wird. Er muss die Bef oerderun/s: auf Grund seiner eigenen Verdienste und in Konkurrenz mit jedem anderen Arbeiter im Betrieb
verdienen. Trotzflem sind es meistens Lehrlinge, die in die letzte
Auswahl kommen, und dies ist sicher kein Zufall."
- 7-

�"Der heutige Komplex der industriellen und produktiven Organisation mit seinem Drang nach Arbeitsvereinfachung, Normung und
nach soezifischen Methoden der Massenproduktion scheint den Gegnern des Lehrlingswesens.beachtliche und vorteilhafte Argumente
in die Haende zu spielen. Selbst in der Industrie der Massenproduktion, die bis aufs aeusserste genormt ist, bleibt der Bedarf an Facharbeitern wie zum Beispiel Betriebselektrikern, Mustermachern, Werkzeugmachern, Maschinisten, Maschinenschlossern und
vielen anderen bestehen. Obwohl der Prozentsatz der Facharbeiter
zurueckgecangen ist, ist die Abhaengigkeit von einem kleineren
Kern an Fachleuten, die die gleichen beruflichen Kenntnisse haben,
groesser geworden."
"So sind zum Beispiel in der Traktoren-Werkstaette der
"Allis-Chalmers"-Werke die Arbeitsmethoden der Messenproduktion
vorherrschend. .Die Zahl der Lehrstellen ist verhaeltnismaessig
gering. Gerade das Gegenteil trifft fuer die allgemeine Maschinenabteilung zu, in der der groesste Teil der Erzeugnisse nicht
nach den ueblichen Massenproduktionsmethoden hergestellt wird.
Der Bedarf an einer grossen Vielfalt guter Facharbeiter ist konstant. Die Produktion koennte ohne Arbeiter mit gruendlichen
und ausfuehrlichen Fachkenntnissen nicht leistungsfaehig und
rentabel gehalten werden."
"Dieser gesamte Komplex an Faktoren - Fachkenntnisse, Traditionen, Bewusstsein der Äufstiegsmoeglichkeiten, Beurteilung der
Beziehungen zu den Arbeitnehmern und der Erzeugnisse nach qualitativen Gesichtspunkten, das Vertrautsein mit den Grundsaetzen
und Arbeltsverfahren - hilft mit, Vertrauen und Moral der Arbeitnehmer zu staerken, was sich direkt in der Produktion widerspiegelt. Weil die Arbeiter in der Produktion Gelegenheit haben,
mit diesen verschiedenen ^hasen des Her3tellungsprozesses direkt
und indirekt in Beruehrung zu korken, fuehlen sie sich sicherer,
weil sie einen unmittelbaren Beitrat zur Herstellung der Erzeugnisse leisten koennen. Man braucht ihn3n nicht das Gefuehl zu"
geben, dass sie ein Raedchen in einer grossen "aschine sind. Sie
sind besser in der Lage, sich an eine Vielfalt von Beschaeftigungen innerhalb der betrieblichen Organisation anzupassen. Arbeiter mit erfolgreicher Lehrzeit sind selten Opfer von Minderwertigkeitskomplexen oder, industriell gesnrochen, von Misserfolgen. Dank ihrer gut abgerundeten fachlichen Kenntnisse haben
nie mehr Moeglichkeiten als der ungelernte Arbeiter, eine Beschaeftigung zu bekommen."
Apprenticeship Digest
Vol. S/50
EINE DER GROESST^M GEWERKSCHAFTEN DER WELT
Der nachstehend? Artikel erschien in der "Arbeiter Zeitung",
dem Organ der Sozialdemokratischen Partei in Oesterreich und
zugleich der ^roessten Wiener Tageszeitung. Der Verfasser
ist Karl Ausch, ein Mitglied der oesterreichischen ,rournalistengruppe, die vor kurzem unter dem Protektorat der ECA und
der oesterreichischen Regierung die Vereinisten Staaten
besuchte.
Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass dar1 Lebensstandard der Arbeiter in den Vereinigten Staaten wesentlich hoeher ist
als in irgendeinem anderen Lande. Obwohl nicht jeder /«rb-iiter
- 3-

�einen Y/agen in der Garage, einen elektrischen Kuehlschrank in
der Kueche und ein Fernsehgeraet in seinem Wohnzimmer hat, sind
viele von ihnen im Besitz jener Vsrbrauchsgueter, die nach oesterreichischen Begriffen unerreichbare Luxusgegenstaende sind. Dieser Lebensstandard in Amerika ist teilweise der wesentlich hoeheren Produktionsleistung der amerikanischen Industrie und Landwirtschaft zu verdanken. Die Arbeiter jedoch mussten schwer um
ihren Anteil an der gesteigerten Froduktivitaet kaempfen, und
dieser Kampf um einen gerechten Anteil am amerikanischen Sozialprodukt wird niemals aufhoeren und muss taeglich und stuendlich
fortgesetzt werden, wenn der amerikanische Arbeiter nicht um
Jahre zurueckgeworfen werden will.
Das beste Beispiel fuer diesen Kampf und seine staendig
sich aendernden Methoden und Ziele bietet die amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft, die dem CIO angeschlossen ist und mit
ihren 1.125.000 Mitgliedern eine der groessten Gewerkschaften
der 7/elt darstellt.
In wenigen Monaten wird diese Gewerkschaft erst ihren 15.
Geburtstag feiern, was in gewisser Beziehung ueberraschend ist.
Als sie im April 1936 gogruendet wurde, hatte sie nur 7.000
Mitglieder. Es war die Zeit nach der grossen wirtschaftlichen
Krise der Dreissiger Jahre. £00.000 Automobilarbeiter waren
arbeitslos, und die anderen 245.000 arbeiteten woechentlich nur
33 Stunden und verdienten etwa 20 Dollar.
Die Arbeit am Montageband war aufreibend und eintoenig, und
die Arbeiter wurden zu immer srroesserem Arbeitstempo angetrieben. Bis zu jener Zeit hatten es die Betriebsleiter der grossen
Automobilfabriken verstanden, die Arbeiter daran zu hindern, sich
in Gewerkschaften zu organisieren. In den Betrieben gab es
zahlreiche' Spitzel. Jeder, der eine Arbeiterorganisation beguenstigte, setzte sich einer Disziolinarstrafe aus, und die
Vertreter der Arbeiter wurden auf der Strasse von Leuten ver^ruegelt, die im Dienst der Unternehmer standen. Und dies alles ereignete sich zu einer Zeit, in der bereits seit langem eine maechtige und einflussreiche Gewerkschaftsbewegung bestand.
Die Industriellen weigerten sich auch weiterhin, die Gewerkschaft anzuerkennen. Dann traten die Arbeiter im Sommer 1936 zum
ersten Mal in einem Betrieb in den Streik. Dabei wurde der Sitzstreik in der amerikanischen Automobilindustrie eingefuehrt.
Andere Betriebe folgten diesem Beispiel, und eine V/eile von
Sitzstreiks breitete sich ueber die Automobilindustrie aus.
Die Industriellen riefen die ^olizei zu Hilfe. Die Uiliz
versuchte, die Streikenden mit Maschinengewehren aus den Betrieben zu vertreiben. Es war zwecklos. Drei Monate snaeter war
der Streik gewonnen. Zum erstenmal verhandelten die Industriellen mit der neugegruendeten Automobilarbeitergewerkschaft. Im
September 1937 hatte die Automobilarbeitergewerkschaft bereits
mit ueber 400 Betrieben Tarifvertraege abgeschlossen.
Im Rahmen eines Zeitungsartikels ist.es nicht moeglich, die
gesamte Geschichte dieser Gewerkschaft bis zum heutigen Tage zu
erzaehlen,. die jetzt auch die Arbeiter der Flugzeugfabriken und
jener Betriebe, die landwirtschaftliche Maschinen herstellen, umfasst.
Wir moechten ein Ereignis besonders hervorheben: Im v b i
1941 blieb die Gewerkschaft selbst ueber Ford erfolgreich. Damit
- 9-

�hatte die letzte der grossen Automobilfabriken die Automobilarbeitergewerkschaft anerkannt.
Augenblicklich sind etwa £.700 Tarifverträge zwischen der
Automobilarbeitergewerkschaft und ebenso vielen Einzelfirmen in_
Gueltigkeit. Im Gegensatz zu den oestarreichischen Gepflogenheiten werden in den Vereinigten Staaten keine Tarifvertraege fuer
ganze Industriezweige abgeschlossen. Kopien dieser 2.7G0 Vertraege
befinden sich in den gewerkschaftseigenen Bueros und im Ministerium fuer wirtschaftliche Forschung und Wirtschaftstaetigkeit in
sicherer Obhut. In diesem Amt arbeiten Wirtschaftswissenschaftar,
Statistiker, Finanzexperten, Volkswirtschafter, Eechtsanwaelte
und Techniker, die die Unterlagen fuer die Tarifverhandlungen vorbereiten, angefangen von der /malyse der Geschaeftsbilanzen der
Industriellen bis zur Kontrolle der Zeitnahme.
Die Tarifvertraege, die von der üutomobilarbeitergawerksohaft
abgeschlossen sind, 3ind alles andere als wissenschaftliche Abhandlungen. Der Vertrag mit den General Motors-Werken, dem
groassten Unternehmen dieses Industriezweiges, ist in einem Buch
von 114 Seiten und 154 Paragraphen niedergelegt. Das Inhaltsverzeichnis enthaelt nahezu £00 Punkte. Hieraus ergibt sich, dass
die Rechte und Pflichten der Arbeiter, ihre Arbeitsbedingungen, die
Beziehungen zwischen der Gewerkschaft und der Werkleitung und auch
die verschiedenen Verfahren zur Beilegung von ^rbeitsstreitigkeiten mit der groessti.ioeglichen Genauigkeit ausgearbeitet und festgesetzt sind.
Sine Gegenueberstellung der in den letzten 15 -Jahren abgeschlo-*
nen Tarifvartraege wuerde aufzeigen, welche erfolge die Automobilarbeiter bei der Erkaempfung ihrer Rechte errangen, ob es sich
nun um Mindest!oehne , Ueberstundenbezahlung, bezahlten Urlaub oder
Betriebsfunktionaere handelt, alles Rechte, die nicht gesetzlich
verankert sind. Eine andere bedeutende Errungenschaft, die in
Oesterreich unbekannt ist, ist das sogenannte Senioritaetsrecht,
nach dem beiEinschraenkungen Arbeiter,die noch nicht laangere Zeit
in dem 3etrieb arbeiten, entlassen und bei der Wiedereinstellung
jene bevorzugt werden, die am laengsten in dem Betrieb taetig vind.
Dieses Recht, das strengstens eingehalten werden mu^s, schuetzt
in erster Linie den aslteren Arbeiter und stellt eine wirksame
Massnahme gegen willkuerliche Entlassungen der Industriellen dar.
Unter der Fuehrung ihres jungen und energischen Vorsitzenden,
Waltsr Reuther ist die Automobilarbeitergewerkschaft ueber den
Rahmen einer Gewerkschaft, die sich darauf beschraenkt, hoehere
Loehne und bessere Arbeitsbedingungen fuer ihre Mitglieder zu erkaempfen, hinausgewachsen.
Reuther und seine Mitarbeiter sind zu den Traegern der gewerkschaftlichen "olitik geworden, die darauf gerichtet ist, einen
Mechanismus zwischen der sich staendig steigernden Produktion und
der Kaufkraft der breiten Masse herzustellen. Die Realloehne sollen mit anderen Worten staendig und automatisch erhoeht werden und
damit die grundlegende Bedingung fuer eine Wirtschaftspolitik der
Vollbeschäftigung schaffen.
Unmittelbar lach Kriegsende fordorte die ^utomobilarbeitargewerk^chaft von den General Motors-Werken eine Lohnernoehun°- und
gleichzeitig das Versprechen, da = ? der Betrieb die Preise fuer
seine Automobile, nicht erhoeht. Diese Forderung, die an die groa^ta
Aktiengesellschaft der Vereinigten Staatenfeestelltwurde, sollte
beispielgebend fuer alle anderen Industrien werden: hoehere To«hne
bei unveränderten Preisen. Die Genoral Motors weigerten sioh und
- 10 -

�400.OCO Arbeiter streikten. Der Streik dauerte 11? Tege und verursachte den Unternehmen einen finanziellen Verlust von 300 MilliqQsn Dollar. Auch die Arbeiter hatten schwere Verluste. Der
Streik wurde durch ein Kompromiss b3endet, der hoehere Loehne und
bessere Arbeitsbedingungen fuer die Arbeiter bedeutete, ohne jedoch das gewuenschte Gleichgewicht zwischen Loehnen und "reisen
herzustellen.
.
Diese Idee wurde drei Jahre spaeter verwirklicht. Im Tahre
1943 schloss die Automobilarbeitergewerkschaft mit den General Motor* den ersten Tarifvertrag ab, in dem die Loehne an den Lebenshaltungskostenindex gekoppelt sind und alle drei Monate, wenn
immer die "reise in die Hoehe gehen, automatisch verbessert werden.
So bedeutsam die Anerkennung dieses Prinzips der Indexloehne
durch die amerikanische Automobilindustrie auch ist, so ist es
keineswegs neu. Zwei Jahre spaeter wurde jedoch eine andere wirklich revolutionaere Idee in die amerikanische Lohnberechnung aufgenommen, der sogenannte jaehrliche Aufbesserungsfaktor, dem folgende
Ueberlegungen zugrunde liegen: Als eine Folge des technologischen
Fortschritts und besserer Maschinen und Werkzeuge geht die Produktionsleistung der Arbeiter in die Iloehe und damit auch die Menge
der Gueter, die den Verbrauchern zur Verfuegung stehen.
Um es den Arbeitern zu ermoeglichen, einen entsprechend groesseren Anteil an der staendig groesser werdenden Menge an Waren zu
erhalten, muss seine Realkaufkraft erhoeht werden. Der Aufbesserung^fcktor sieht deshalb sine automatische Verbesserung des Stundenlohnes um 4 Cents fuer die Gueltigkeitsdeuer des Tarifvertrags vor.
Dies sind etwa 2 1/2$ des durchschnittlichen Stundenlohnes.
Der Kemnf geht jedoch weiter. Er wurde in juengster Zeit
hauntsaechlich auf die Verbesserung.der Alterspensionen und die verschiedenen Arten der Krenkenversicherungen fuer den Arbeiter und
seine Familie konzentriert. Das amerikanische Gesetz fuer Altersnensionen setzt fuer monatliche Pensionen eine Hoechstgrenze von
etwa 45 Dollar. Bisher war es der Gewerkschaft maß gl ich, fuer
75% ihrer Mitglieder die Zusicherung zu erhalten, dass den Arbeitern eine zusaetzliche Pension von 75 Dollar von den Unternehmern
gezahlt wird.
Das naechste Ziel der autoraobilarbeitergewerkschaft ist ein
Mindest.iahreslohn. Damit soll der ruecksichtslosen Methode der
amerikanischen Industrie, die Arbeiter einfach fuer ein naer Tage,
'.Vochen oder Monate zu entlassen,' ein Ende bereitet werden.
Der Industrielle kann damit nicht mehr das Risiko der Schwenkungen in der Wirtschaft auf die Arbeiter abwaelzen. Der Mindestiahreslohn wird die Industriellen ausserdem zwingen, ihre Produktion besser zu planen, wa3 ein weiterer Beitrag zur Erhaltung der
Vollbeschäftigung ist. Zur heutigen Zeit, in der die amerikanische Industrie auf vollen Touren laeuft, mag dies kein akutes
Problem sein. Aber die Automobilarbeitergewerkschaft will mit
dieser Politik alle Moeglichkeiten der Zukunft ins Aug3 fassen.
Sie kaempft Tag um Tag und plant unableessig fuer die Zukunft.
ECA LABOR INF CR" ATI 0N
3/16/51

- 11 -

�Ctoer Bscu, Generalsekretaer des Internationalen Transportarbeiterverbandes:
DIE ROLLE DER INTERNATIONALE BSPUFSSEKRLTARIATE
Das Problem der Beziehungen, die zwischen den internationalen
Berufssekretariaten und der Gewerkschaftsinternationale bestehen
sollten, ist keineswegs neu. Seit der Viedergruendun* des Internationalen Gewerkschaftsbundes im Jahre 1919 bildete dieses Problem einen Gegenstand unablaessiger und zuweilen hitziger Diskussionen, bis das gesamte Thema bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges voruebersehend beiseitegelegt werden musste.
Sofort nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wurde des
"Thema" jedoch wieder aufgenommen, als auf der Weltgewerkschaftskonferenz in London im Februar 1945 Vorschlaego eingebracht wurden,
die auf eine Eingliederung der Berufssekretariate in den dem Tarnen
nach noch bestehenden Internationalen Gewerkscheftsbund abzielten.
Bis .letzt waren die Berufssekretariate voellig autonome Koernerschaftsn, wenn sie auch freundschaftliche Beziehungen zum Internationalen Gewerkschaftsbund unterhielten und mehr oder weniger eng
mit ihm zusammenarbeiteten.
Diesen Vorschlaegen wurde ausserhalb des Komitees auf der
Weltgewerkschaftskonferenz nur wenig Beachtung geschenkt. Das Verwaltungskomitee zog sie .jedoch in Erwaegung und die Konferenz wurde beauftragt, eine weitere Konferenz vorzubereiten, die die Einleitung zu einem neuen Weltgewerkschaftskongress bilden sollte,
auf den eine neue Gewerkschaftsinternationale ins Leben gerufen
werden sollte. Dieser Ausschuss, in dem die Berufssekretariate
einen Vertreter hatten und zwar J. H. Oldenbroek, den damaligen
Generalsekretaer des Internationalen Transportarbeiterverbendes
und Jetzigen Generalsekretaers des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, hatte als erste Aufgabe, eine Satzung fuer die neue
Internationale auszuarbeiten.
Trotz der Opposition Oldenbroeics arbeitete der Vsrwaltungsausschuss einen Satzungsentwurf aus, in dem die Errichtung von "Berufsabteilungen" innerhalb der neuen Internetionale vorgesehen war, die
letzten Endes Rivalen der Internationalen berufssekretariate gewesen waeren, wenn die letzteren nicht unter Aufgabe ihrer Selbstaendigkeit in die neue Koerperschaft haetten aufgenommen vverden koennen
Diese Bestimmun? zur Errichtung von "Berufsabteilungen" wurde
tatsaechlich in die Satzung aufgenommen, die vom Kon^re^s gebilligt
wurde, und die die Gruendung des 'Weltgewerkschaftsbundes im Tahre
1945 bedeutete. Die Delegierten schienen sich demals nicht darueber im klaren zu sein, dass der Versuch gemacht wurde, durch
statuarische Beschluesse die Existenz einer Reihe voellig unabhaengiger internationaler Organisationen einfach zu beenden, von
denen einige jahrzehntelang der Gewerkschaftsbewegung wertvolle
Dienste geleistet hatten. Die Berufssekretariate^wurden mit dem
Versprechen abgespeist, dass der Kongress Verhandlungen mit ihnen
arrangieren wuerde.
In den hierauf folgenden Verhandlungen wurde der Versuch unternommen, die Berufssekretariate in eine voellige ünterwuerfigkeit
zu zwingen, was sich jedoch als nicht einfach herausstellte, weil
diese darauf bestanden, ein bestimmtes Mass an Selbstaendigkeit sich
zu bewahren. Und als es mit der Zeit offensichtlich wurde, dass
der Weltgewerkschaftsbund das Werkzeug einer bestimmten politischen
Partei werden sollte, bestanden die Berufssekretariate mit noch
groesserer Hartnaeckigkeit auf dieser Forderung. Schliesslich kamen
- 12 -

�sie im September 1948 zu der Erkenntnis, dass es keinen Zweck
heetta, die Verhandlungen fortzusetzen. Vier Monate spaeter,
am 17. Januar 1949, folgten der Britische Gewerkschaftskongress
TUC, der amerikanische Kongress der Ir.dustrieverbaende CIO und
der hollaendiscl.e Gewerkschaf tsbund ihrem Beispiel, und sagten
sich wie noch viele andere Organisationen vom Weltgewerkschaftsbund los, der infolgedessen zu einer rein kommunistischen Organisation wurde.
Seit der Erricntung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften sind die internationalen Berufssekretariate wesentlich
besser daran gewesen. Der erste Kongress des Internationalen
3undes Freier Gewerkschaften nahm im Dezember 1949 klugerweise
eine grosszue^igere und anpassungofaehigere Haltung ein und billigte eine Entschliessung, in der der Exekutivausschuss ermaechtigt
wurde, baldigst "Verhandlungen mit den Internationalen Berufssekretariaten aufzunehmen und dabei bemueht zu sein, Abmachungen zu
treffen, die eine hoechst intensive Zusammenarbeit, die gegenseitige Vertretung auf mitberatender Grundlage und die beiderseitige
Unterstuetzung auf dem Gebiet
der gewerkschaftlichen Organisierung
gewaehrlaisten koennten.n
Die Antwort der Berufssekretariata auf diese Bereitwilligkeit
blieb nicht aus, zumal sie alle immer auf engste Zusammenarbeit
zwischen diesen beiden Sektionen, die schliesslich doch derselben
Bewegung ansehoerten, bedacht gewesen waren.
Die internationalen Berufssekretariate sind dem IBFG seit
seiner Gruendung angeschlossen. Drei ihrer Vertreter nahmen im
•Tuni 1949 an der internationalen Gewerkscnaftskonferonz in Genf
teil, auf der die Gruendung der neuen Internationale beschlossen
wurde, und sie waren durch J. H. Oldenbroek im vorbereitenden
Ausschuss vertreten, der die aufgäbe hatte, eine Satzung und ein
Programm fuer eine neue internationale Gewerkschaftsorganisation
auszuarbeiten, "die alle freien und demokratischen Gewerkschaftsorganisationen umfassen und zum Ziel haben sollte, in moeclichst
enger Beratung und Zusammenarbeit mit den internationalen Berufssekretariaten zu stehen."
Die internationalen Berufssekretariate, die am 8. und 9. Tovember 194y zu einer Konferenz in Paris zusammenkamen, begruessten
ihrerseits den Vorschlag, eine neue Gewerkschaftsinternationale zu
errichten und brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, diese neue Organisation zu unterstuetzen und "in enge und freundschaftliche Beziehungen zu ihr zu treten."
Fuenfzehn Berufssekretariate waren auf der Konferenz der
internationalen freien Gewerkschaften vertreten, die am 28. November 1949 in London begann, und auf der am 7. Dezember dar Internationale Bund Freier Gewerkschaften gegruendet wurde.
Da auf beiden Seiten der gute Wille vorhanden war, dauerte
es nicht lange, um sich ueber die Art der Zusammenarbeit einig
zu werden. Unmittelbar nach der Gruendung des IBFG trat der Koordinationsausschuss der internationalen Berufssekretariate am
8. Dezember in London zusammen und stellte eine fuenfkoepfige Delegation zusammen, die bei der ersten besten Gelegenheit die VerDindung zum IBFG aufnehmen
sollte. Dieser Koordinationsausschuss
L-t ein Gremium von neun rersonen, das im Ivlaarz 1949 zum Zwecke
"regelmaessi^ar Besprechungen ueber Angelegenheiten, die fuer die
Berufssokretariate von allgemeinem Interesse sind, cebildet wurde.
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�Diese Delegation traf an 17. Maerz 1950 mit dem Krisenaussohus3
des IBFG in Druessel zusammen, und spaeter wohnten zwei seiner
Mitglieder einer Konferenz des Exekutivausschusses des IBFG bei,
die am 26. und 27. Mai stattfand.
Als Ergebnis dieser Konferenzen und Besprechungen traten einige Prinzipien in Erscheinung; die allgemeine Grundlage fuer die
Zusammenarbeit wurde damit geschaffen. Der IBFG und die Internationalen Berufs Sekretariate sind sich stets dessen bewusst geworden, dass sie lediglich zwei Teile ein und derselben internationalen Gewerkschaftsbewegung sind. Hieraus ergibt sich, dass die Internationalen Berufssekretariate die allgemeine Politik des IBFG
zu akzeptieren" haben, dass aber euf der andern Seite dar IBFG die
Selbstaendigkeit der- Sekretariate und ihr Recht anerkennt, ungestoert ihre eigenen Sondemrobleme zu bearbeiten. Beide Teile
muessen naturpemaess in allen Angelegenheiten von allgemeinem Interesse zusammenarbeiten.
Zum Zwecke der gemeinsamen Vertretung mit den 3eruf3sekreteriaten wird der IBFG den Koordinationsausschuss anerkennen, war ,'edoch
nicht eussonliesst, da^s der IBFG direkte Verbindungen zu federn
oder allen Berufssekretariaten unterhaelt. Der" Koordinationsausschuss der Internationalen Berufssekretoriate soll in beratender
Eigenschaft in den exekutiven Koerpersch&amp;ften des IBFG vertreten
sein, und zwar durch einen Repraesentanten bei den Konferenzen des
Krisenausschusses und durch zwei Vertreter bei den Tagungen des
Exekutivausschusses, wenn es sich um Besprechungen von Angelegenheiten handelt, die fuer die Internationalen Berufssekretariate direkt oder indirekt von Belang sind. In den Konferenzen des Generalrates soll der Ausschuss durch fuenf Repraesentanten vertreten sein.
Der IBFG wird zu den Konferenzen des Generalretes jedes Berufssekretariat einzeln einladen. Auf den Kongressen des IBFG werden die
internationalen 3erufssekretariate mit einer Mitgliederzahl bis
zu einer Million durch einen Delegierten, die mit zwei bis drei'
Millionen Mitglieder durch zwei Delegierte und die mit ueber drei
Millionen Mitgliedern durch drei Delegierte einzeln vertreten sein.
Auf der anderen Seite wird der IBFG zu allen Kongressen und Konferenzen der Internationalen Berufssekretariate und zu den Tagungen
des Koordinationsausschusses, aber nicht zu den Konferenzen der
exekutiven Koerperschaften der Berufssekretariate, stets eingeladen.
'.Venn Fragen von besonderer Bedeutung, aber auch schwerwiegende
Meinungsverschiedenheiten ueber Fragen von gemeinsamem Interesse
zur Debatte stehen, werden Vorkehrungen zur Bildung gemeinsamer
Ausschuesse getroffen, die sich aus Mitgliedern des Koordinations-ausschusses und Vertretern des IBFG zusammensetzen. Der IBFG hat
ausserdem angekuendigt, dass er die Absicht hat, einen Funktionaer
zu ernennen, dessen besondere Aufgabe die Aufrechterhaltung engster
Beziehungen zu den internationalen Berufssekretariaten sein *oll.
Hiermit wird ein neues Kapital in den Beziehungen der Berufssekretariate zu der Gewerkschaftsinternationale eroeffnet. K*c ist
jetzt notwendig, die versaeumte Zeit wieder aufzuholen, denn e
ist zweifellos eine Menge Zeit vergeudet worden. Die Zusammenarbeit konnte vor dem Krieg niemals als sehr &lt;?ut bezeichnet werden,
weil sie niemals riohtig organisiert war. '.Ve ehrend des Krieges
blieben die internationalen GewerkschaftsOrganisationen aus varstaendlichen Gruenden ^roesstsntsils untaatig. ^ine bemerkenswerte
Ausnahme bildete der Internationale Transnortarbeiterverband der
durch den Krieg ein besonders fruchtbares Taetigkeitsfeld befunden
- 14 -

�hatte, und der deshalb in der Lage war, die Nachkriegsnrobleme
sofort nach Kriegsende in angriff zu nehmen. Aber die meisten
Sekretariate und der IBFG selbst konnten nur wenig oder per nichts
tun, und was sie unternahmen, war groesstenteils nur vorlaeufiger
Katur.
Nach dem Kriege trat in der Einschaltung der Gewerkschaftsbewegung in ihre frueheren Funktionen eine neue Verzoegerung ein.
Die Bildung des Weltgewerkschaftsbundes und seine Versuche, die
internationalen Berufssekretariate voellig in seine Hand zu bekommen, erwiesen sich als hinderlich und nicht foerderlich fuer die
internationale Gewerkschaftsarbeit, weil damit ein Element der Unsicherheit geschaffen wurde. Die internationalen Berufssekretariate
hatten im allgemeinen die Hoffnung, gute und erspriessliche Verbindungen aufnehmen zu koennen. Einige von ihnen nahmen in der
Erwartung, dass der Weltgewerkschaftsbund nach und nach so gestaltet wuerde, wie es ursprueneilicir; geplant war, eine abwartende Haltung ein.
Einige Sekretariate jedoch, wie zum Beispiel der Internationale Transnortarbeiterverband, zweifelten ernstlich daran, da-s eine
so schwerfaellige Organisation, wie sie vom Weltgewerkschaftsbund
vorgeschlagen wurde und die groesstenteils von Leuten p-eleitet
werden sollte, die wenig oder ueberhaunt keine Erfahrung in der
internationalen Gewerkschaftsarbeit hatten, reibungslos funktionieren koannte. Bevor sie ihre Organisationen, die sie so muehsam
aufgebaut hatten, der: Weltgewerkschaftsbund einverleibten, glaubten sie, sich mindestens vergewissern zu muessen, dass dar Aufbau
dieser Organisation auch eine Gewaehr fuer die Erreichung der
proklamierten Ziele bot. Und von Anfang an hatte man das Gefuehl das sich auch mit der Entwicklung der laeti^keit des Weltgewerkschaftsbundes mehr und mehr bestaetigte - dass diese Organisation
nicht ganz so unpolitisch wer, wie sie es zu sein vorgab.
Und damit warBn vier kostbare "ahre verlorengegangen. Vielleicht nicht ganz verloren, weil die Zwanpsmethoden des Weltgewerkschaftsbundes die internationalen üerufssekretariate einander
naehergebracht und sie vera.nla^st hatten, eine Apparatur fuer die
gegenseitige Zusammenarbeit und Beratung aufzubauen und zwar zuerst in Form eines Verbindungsausschusses und dann in der jetzigen
des Koordinationsausscxiusses.
Es bestände-, zaalrsiche L'isaverstaendnisse ueber das Wesen und
die Zwecke dieses Koordinationsausschusses, und ich moechte als
einer, der diesem iiusschuss von i.nfang an angehoert, die Gelepenheit
ergreifen, um zu sagen, dass im Laufe der Verhandlungen, die die
internationalen Berufssekretariate in den letzten fuenf .'ahren gefuehrt haben, in keiner V.eise die Errichtung einer Organisation in
Erwaegung gezogen wuerde, die auch nur in geringstem 'lasse einen
Uebero-riff auf den Zustaendigkeitsbereich und die Vorrechte der
Gewerkschaftsinternationale bedeutet haette. ^m Anfang war der
Zweck der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Berufssekretariaten teilweise defensiver Uatur; 3paeter wurde sia jedoch i'ortgesetzt, well sie sich auch auf anderen Gebieten als nutzbringend
erwiesen hatte.
Nachdem nun der Internationale Bund Freier Gewerkschaften ins
Leben berufen ist, klaube ich, dass man mit einer raschen Entwicklung der internationalen Gewerkschaftsbewegung rechnen kann, denn
wie im Abkommen zwischen dem IBFG und den internationalen Berufs-ekrekretariaten festgelegt ist, bilden beide zusammen eine einzige
internationale Bewegung. Die 20 Millionen Mitglieder der internationalen Berufssekretariate gehoeren groesstenteils zu den 50 Killionen
- 15 -

�des IBFG. Dia meisten staatlichen Gewerksciiaf tszentren, die dem
I3FG anrehoersn, verfliegen ueber Mitgliederorganisetionen in den
BerufsSekretariaten.
Es ist wahr, dass Luecken bestehen, aber sie auszufuellen ist
der Zweck der.Zusammenarbeit, mit der nun begonnen wurde.
Dieser Zusammenarbeit sind grosse Aufgaben gestellt. Es gibt
noch viele Millionen von Arbeitern auf der Welt - und selbst diesseits des Eisernen Vorhangs - die nicht gewerkschaftlich organisiert
sind, oder die nur in unzureichendem Masse organisiert sind, und
die der Unterstuetzung und der Anregung der internationalen Gewerkschaftsbewegung beduerfen.

Es bestehen Plaene, wonach der Internationale Bund Freier Geweri
Schäften und die Internationalen Berufssekretariate gemeinsam Regionalbueros in verschiedenen Teilen der Welt errichten sollen, un die~e
Arbeit zu erleichtern. Einige der internationalen Berufsorganisationen haben bereits Verbindungen zu Laendern, mit denen andere noch
nicht in Beruehrung gekommen sind; sie koennen dienen andern somit
helfen, dort ebenfalls Fuss zu fassen. Die internationale Gewerkschaftsbewegung war in der Lage, ihren Einfluss in vielen der verschiedenen offiziellen internationalen Koerperschaften geltend zu
machen, die der Krieg und seine Folgen ins Leben gerufen hatte.
Auch in dieser Richtung bieten sich Moeglichkeiten der Zusammenarbeit und der Koordinierung.
Arbeit gibt es genues-end zu tun. Es kann mit Recht erwartet
werden, dass die freundschaftlichen Beziehungen, die .letzt hergestellt wurden, die Moeglichkeit bieten, diese Arbeit besonders erfolgreich durchzufuehren.
The American Federationist
3/51
"GOMPERS-PLATZ" IN NEW YORK VORGESCHLAGEN
Auf einem unbenannten dreieckigen Platz in New York, der durch
das Zusammentreffen der Massachusetts-Avenue und der Zehnten Strasse
gebildet wird, befinden sich eine Reihe von Bronzestatuen, die die
sitzende Figur Samuel Gompers' umgeben, der der erste Vorsitzende
der AFL war und dieses Amt 38 Jahre lang innehatte. Das Zentralbuero der AFL befindet sich eine Strasse weiter.
•Tonn Herling, der Herausgeber der "John Lerling's Labor
Letter", hat vorgeschlagen, diese Stelle "Gomners-Platz" zu nennen.
In einem Schreiben an die "Gewerkschaf tspresse-Vereinip-ung" erklaerte Herling: "Waere es nicht in Anerkennung der Verdienste
Samuel Gompers um die Arbeiter der ganzen Welt und der Beziehungen,
in denen Washington als Stadt zu der uebrigen Welt steht, angebracht, das unbenannte Dreieck, auf dem die Gompers-Statue steht,
nach dem Mann zu benennen, der diesem Platz sein besonderes Gepraege gegeben hat?"
"Indem wir so einen grossen Amerikaner ehren," fuhr Herling
fort, "koennten wir feststellen, dass die meisten Amerikaner, unsere Freunde in Uebersee und im Sueden, den Wunsch haben, sich an
dieser Ehrung zu beteiligen." Ausser gewerkschaftlichen, buergerlichen, oertlichen und Landes-Gruopen waeren der Senat, die Bezirksausschüsse des Repraesentantenhauses und die Bezirksbeauftragten selbst an einer schnellen Verwirklichung dieser Idee, der Schaffung eines "Gompers-Platz", interessiert.
Daily News Service
3/19/51
- 16 EICOO 5 »pr 51 «92 5 « 1t C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 15

Frankfurt, 13. April 1951

I N H A L T £ V

E R Z E I C H N I S

Ein Neger berichtet ueber die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung - - - - - - - - - -

l

Freie Gewerkschaften setzen sich in Afrika
durch - - - - - - - - - - - - - - - - - -

4

Ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Marshallplan-Verwaltung und hollaendischen
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - -

7

FuenfJaehriger Vertrag fuer die Kraftfahrer
New Yorks abgeschlossen - - - - - - - - - 1 0
AFL unterstuetzt italienische Gewerkschaften im Kampf gegen die Kommunisten - - - 11
Gewerkschaften der Philippinen fordern
Mindestlohntarife

- - - - - - - - - - - - 1 3

Warum kommunistische Streiks in Amerika? - - 14
Kommunistischer Arbeiter auf Ersuchen der
Gewerkschaft entlassen - - - - - - - - -

iß

EIN NEGER BERICHTET UEBER DIE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Morris Hood, der in Detroit (Michigan) wohnt, ist 42 Jahre
alt. Seit seinem 27. Lebensjahr ist Hood Mitglied der Gewerkschaft
der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft, deren diesjaehrige
Tagung gerade in der im mittleren Westen gelegenen Stadt Cleveland durchgefuehrt wurde. Morris Hood begann als Arbeiter in
einer der vielen Autofabriken in Detroit. Heute ist Morris Hood,
ein Neger, ein Funktionaer dieser Gewerkschaft, die einen tiefen
Einfluss auf sein Leben, seine Familie, seine finanzielle Situation und sein Glueck ausuebt. Dieser Gewerkschaftsfunktionaer
Hood nahm zu einigen der Problemen Stellung, mit denen die Autoraobilarbeitergewerk3Chaft sich zu befassen hat.
- 1 -

�"Einige Jahre zuvor hatte unsere Gewerkschaft sich mit den
Fragen der kommunistischen Infiltration auseinanderzusetzen. Dieienigen von uns, die der Meinung waren, dass das Heil der Automobilarbeiter in der Demokratie und nicht im Kommunismus liegt,
bewiesen selbst unseren Mitgliedern, dass die kommunistische Bewegung den Arbeitern der ganzen Welt keinen Fortschritt bringen
kann. Ohne an die Verwirklichung irgendwelcher Ziele zu denken,
helfen die Kommunisten selbst dabei , unseren Standpunkt unter
Beweis zu stellen, indem sie den Arbeitern wunderschoene Versprechungen gaben, die jedoch nicht im geringsten mit ihren Handlungen im Einklang stehen."
Morris Eood, der der Tagung der &gt;vutomobilarbeitergewerk3chaf t
in Cleveland beiwohnte, nahm sich trotz seiner vielen Pflichten
die Zeit, in einer Sendung der Stimme Amerikas zu erklaeren, wie
die Funktionaere der Automobilarbeitergewerkschaft es moeglich
gemacht haben, die Kommunisten von der Leitung der Gewerkschaft
auszuschliessen, wobei hier der Wille der Majoritaet zum Ausdruck
kam. Diese Sendungen der Stimme Amerikas waren fuer den Fernen
Osten, den Mittleren Osten und Europa bestimmt. In den Sendungen
selbst sagte Hood:
"Durch diese Massnahmen, die in demokratischen und einwandfreien 7/ahlen bestanden, entfernten wir die Kommunisten aus den
Geschaeftsstellen der Gewerkschaften, weil bei diesen Wahlen die
Kommunisten staendig ueberstimmt wurden. Jene Kommunisten, denen
es gelungen war, frueher einmal in die Geschaeftsstelle zu gelangen, mussten zusehen, wie sich ihre Anhaencer von ihnen abwandten
und sie ueber keinerlei Einfluss mehr verfuegten. Ich moechte
hinzufuegen, dass die Mitglieder beider Rassen, die den Kommunisten und ihren Versprechungen anfangs nicht unsympathisch gegenueberstanden, sich sehr bald mit ihnen entzweiten. Die Neger
haben genau wie andere Leute die Faehigkeit, die Forderung einer
Grunpe und deren Aufrichtigkeit zu beurteilen. Die Wirkunsr war,
dass die meisten unserer Leute anfingen, durch die leeren Worte
falscher kommunistischer Behauptungen hindurchzusehen. Heute
sind diese Neger, die als Mitglieder in den Reihen der iiUtomobilarbeitergewerkschaft stehen, ebenso starke Anti-Kommuni3ten wie
die Fuehrerschaft dieser Gewerkschaft selbst und 3ie erkennen die
Ueberlegenheit demokratischer Grundsaetze restlos an."
Hood ging dann dazu ueber, die rassischen Beziehungen in der
Automobilarbeitergewerkschaft zu schildern:
"Allgemein gesprochen bieten in unserer Organisation die
rassischen Beziehungen keinerlei Probleme. Neger und Nicht-Neger
sind Mitglieder der Gewerkschaft, sie arbeiten voller Sympathie
und Harmonie Seite an Seite zusammen. Wir haben in den Anschauungen unserer Mitglieder die Idee menschlicher Kameradschaft und
der gewerkschaftlichen Solidaritaet mit vollem Erfolg erreichen
koennen. Darueber hinaus glaube ich, dass die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft wirkliche Fortschritte erreicht hat, die
der Negerbevoelkerun^ ebenso wie allen anderen Leuten zugute gekommen ist."
Morris Hood ist verheiratet und hat zwei Soehne. Der eine
ist 17 Jahre und der andere 15 Jahre alt. Die beiden Junten besuchen in Detroit die Hochschule. Ihr Vater ist sehr stolzauf sie
und hegt grosse Hoffnungen auf ihre Zukunft:
"Meine Frau und ich haben nicht die Absicht, sie wieder Automobilarbeiter werden zu lassen. Wissen sie, wir wuerden es lieber
- 2 -

�haben, sie auf die Hochschule zu schicken. Die Jungen werden
dann einen Beruf ergreifen koennen, der es ihnen ermoeglicht,
dem Volk unseres grossen Landes besonders nustzlich zu werden."
"Es pibt so vieles, fuer das wir dankbar sein muessen und
wir hoffen, dass die Jungen'Amerika all das zurueckerstatten
werden, was es fuer uns getan hat."
Jetzt erzaehlt der Gewerkschaftsfunktionaer Hood einiges
ueber die Hintergruende seiner Bemerkungen:
"Ich komme aus dem Suedstaat Georgia. Al3 ich acht Jahre
alt war, fing ich in den Sommerschulferien an, in einem Baumwollbetrieb zu arbeiten. Nachdem ich die hoehere Schule absolviert
hatte, ging ich zum Morhouse-College in Atlantik (Georgia), wo
ich einen vormsdizinischen Kursus belegte."
"Meine Absicht war es, Doktor zu werden. Ich mussts aber
die Hochschule nach zwei Jahren verlassen, weil mir das Geld
fehlte. Es war eine unglueckliche Angelegenheit. Aber was konnte
ich damals tun?"
Morris Hood konnte damals in dieser Sache garnichts tun.
Nur, dass er solche Stellen nahm, die fuer ihn offen waren. So
zog er eine Reihe von Jahren durch den susdlichen Teil der Vereinigten Staaten. Schliesslich erhielt er eine Stellung in einer
Eisenschmelzerei in Cincinnati (Ohio), einer Stadt des Mittleren
Westens. Hier wurde er in der Giesserei beschaeftigt. Aber bald
setzte die Depression der fruehen
dreissiger Jahre an und Morris
Hood war ebenso ploetzlich wie 1000 andere Arbeiter arbeitslos.
Voellig entmutigt ging er 1931 nordwaerts und kam nach Detroit,
wo er Verwandte hatte.
"Ich uebernahm jede Arbeitsmoeglichkeit, die ich kriegen
konnte. Ich wusch Automobile, sDielte Parkwaechter oder irgendeinen Gehilfen fuer irgend etwas und wurde actfiiesslich Bote in
einem Hotel. In meinem Kopf schwand vollkommen jede Erinnerung
an die Tage auf der Hochschule und damit jede Hoffnung auf eine
medizinische Karriere. Ich war nichts anderes als ein einfacher
Arbeiter. Ich hatte eine Frau und auch ein Baby, aber wir hatten
unseren Lebensunterhalt. Aber erst im Jahre 1936 konnte ich eine
Stellung in der KUtomobilindustrie erhalten. Ich wurde Lagerarbeiter, das bedeutete, dass ich Zubehoerteile auf ein Foerderband zu legen hatte, sodass sie weiter verwandt werden konnten,
sresaeubert und schliesslich zu einem ganzen Wagen zusammengesetzt
wurden. Im .Jahre 1936 organisierten die Automobilarbeiter eine
Gewerkschaft, die sich Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft
Amerikas nannte. Ich wurde aktives Mitglied und half bei der
Gruendung einer Ortsgewerkschaft sowie einer Sektion der Gewerkschaft in meiner Fabrik."
Ueber jene Tage berichtet Hood weiter:
"Ich bin eines der ersten Mitglieder der Automobilarbeitergewerkschaft. Einige Jahre spaeter wurde ich in meiner Ortsge-.erkschaft als Funktionaer gewaehit. Dann kam der zweite Weltkrieg
und meine Fabrik wurde ebenso wie zahlreiche andere ^utofabriken
von der Autoproduktion auf die Flugzeugproduktion umbestellt.
Die Leute nannten bald unsere Flugzeugfabrik "Arsenal der Demokratie." In jenen aufgeregten Tagen arbeiteten wir Tag und Macht."
- 3

�Al3 der Krieg im Jahre 1945 vorueber ging, wurden die Fabriken wieder in Automobilproduktionsstaetten verwandelt. Ein Jahr
spaeter wurde Morris Hood befoerdert. Er war nicht mehr Funktionier seiner Ortsgewerkschaft, sondern bereits fuer die Gesamtgewerkschaft als Beauftragter taetig. In seiner Eigenschaft als
zustaendiger Vertreter verhandelte der Gewerkschafter Hood ueber
Tarifvertraege zwischen der Gewerkschaft und den verschiedenen
Autounternehmen. Diese Arbeit uebernahm er bis 1949, als er
Leiter der Versandabteilung der Gewerkschaft v»urde, diesen Posten
hat er auch heute noch inne. Zu den Erfolgen seiner Gewerkschaft
sagte Morris Hood:
*

"Unsere Gewerkschaft hat vieles fuer unsere Mitglieder erreicht. Wir haben heute Altersrenten. V/enn jetzt ein Mann oder
eine Frau das pensionsfaehige Alter von 6ö Jahren erreicht, so
koennen sie sich einer Pension erfreuen, die von dem Unternehmen
g'ewaehrt wird, fuer das die einzelnen Arbeitskraefte taetig
waren. Dann setzten wir den Wohlfahrtsfond durch, die dem Arbeiter und ihren Familien in Krankheits- oder Todesfaellen die notwendige Unterstuetzung gewaehrt. Durch unsere politische! Aktionsgruppen in den verschiedenen Staaten war es uns moeglich, hohe
Arbsitslosenunterstustzung zu erreichen. Daneben konnten wir jedoch andere wertvolle Errungenschaften fuer die Arbeiter durchsetzen - bessere Arbeitsbedingungen, kuerzere Arbeitszeiten,
hoehere Nettoloehne und eine sicherere Stellung. Als Teil dieser
Arbeitsplatzsicherung fuehrten wir das System der Senioritaet
ein, d.h., dass ein Mann, der in einem Unternehmen viele Jahre
taetig war, nicht durch irgendeinen Neueingestellten ersetzt werden kann, ebenso koennen sich neu eintretende Kraefte nicht ueber
die Vorrechte aelterer Arbeiter und Angestellten hinwegsetzen.
Morris Hood sagte ebenso herzlich wie aufrichtig, dass die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft einen tiefen und guten Einfluss auf sein gesamtes Leben ausuebt. Abschliessend sagte er:
"Die Gewerkschaft hat auch auf die anderen Mitglieder einen
sehr guten Einfluss, in allen unseren Arbeitsstaetten kommen die
Leute vorwaerts und machen Fortschritte, ohne jeden Unterschied
in Rasse und Herkunft. Es gibt keine Diskriminierung zwischen
Negern und anderen Arbeitern. Alle Tarifvertraege unserer Gewerkschaft mit den verschiedenen Autounternehmern muessen durch den
gewerkschaftlichen Bezirksleiter der Gewerkschaft genehmigt werden.
Und dieser Leiter wuerde es niemals zulassen, dass irgendeine
Ortsgewerkschaft einen Tarifvertrag unterzeichnet, der irgendwelche diskriminierenden Klauseln enthalten wuerde, der das Vorwaertskommen irgendeiner Beschaeftigtengruppe behindert.
Dieser Bericht, den ein Funktionaer der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft gegeben hat, zeigt einen Querschnitt durch
den Einfluss und die Bedeutung der Gewerkschaft und Morris Kood,
der heute hier seine Meinung ausgesprochen hat, ist ein Mitglied
der Gewerkschaft und Neger, dem es gelungen ist, von einem einfachen Arbeiter zu einem Kauptfunktionaer der Automobilarbeitergewerkschaft empor zu steigen.
Labor Special
Program Service Section
4.3.51
FREIE GEWBRKSCHA'" T5N SETZEN SICH IN AFRIKA DURCH
Im suedlichen Teil Westafrikas hat sich eins Gruppe Arbeiter
daran gemacht, ueberall soziale, wirtschaftliche und oolitische
- 4-

�Kraefte zu mobilisieren

und zugleich Gewerkschaften zu errichten.

Kit der Selbstlosigkeit, wie sie nur Kreuzfahrern eigen
ist, und der Weitsicht eines Columbus, sind 28 Meenner und eine
einzige Frau in einer mit Stroh bedeckten Huette unter der sengenden Sonne Afrikas zusammengekommen und haben Plaene entworfen,
um durch freie demokratische Gewerkscnaften der Wirtschaft und
der Idee der sozialen Gerechtigkeit in ihrem Lande eine neue
Bedeutung zu geben.
Das Gebiet, dem ihre Arbeit gilt, umfasst 1.919.246 'iuadratmeilen und liegt zwischen dem Atlantischen Ozean und der Sahara. Es
ist ein Land unberuehrter industrieller und militeerlscher Reichtuemer. In ihm leben unter der Herrschaft weisser Europaeer fast
45 Millionen Menschen, deren wachsender Nationalgeist mit dem
kolonialen Denken ihrer Beherrscher in Konflikt geraet.
Diese 28 Maenner und die eine Frau waren Delegierte zur regionalen Gewerkschaftskonferenz fuer Mittel- und Westafrika, die
unter dem Protektorat des Internationalen Bundes fuer Gewerkschaften stand und im vorigen Monat in der Hafenstadt Duala in
Franzoesisch-Kamerun abgehalten wurde.
Die Delegierten kamen aus 10 Kolonien Gross-Britanniens und
Frankreichs: dem Senegal, der Sierra Leone, aus Dahomey, Nigeria,
der Goldkueste, der Elefanten-Elfenbeinkueste, aus FranzoesischAequatoriel-Afrika und Franzoesisch- und Britisch-Kamerun.
Mit aller Kuehnheit eroberten sie sich einen dauernden Platz
an der Seite anderer Gewerkschaftspioniere, die koerrerliche
Anstrengungen auf sich nahmen, die zur Gruendung der Gewerkschaftsbewegung in jedem Land der Welt fuehren.
Sie sprachen ein buntes Durcheinander von Sprachen und Dialekten. Einige waren Europaeer und einige Afrikaner waren in Europa
erzogen worden. Sie renraesentierten eine Vielzahl von Kulturen
und Tradition mit ihrer Kleidung. Diese variiert von den Roecken,
wie sie Adio Moses, der Sekretaer des Gewerkschaftskongresses von
Nigeria, trug, bis zu den europaeischen Shorts Markus Grants,
des Sekretaers des Gewerkschaftsbundes der Sierra Leone und Vertreter von West- und Mittelafrika des Exekutivausschusses des
IBFG.
Drei Delegierte, die von armen Gewerkschaften geschickt waren,
musstsn ueber 60 teilen schwierigen Geltendes zu Fuss zuruecklegen,
um an der Konferenz teilzunehmen. Andere kamen mit Zuegen, die
zum Transport von Bananen bestimmt sind, andere wiederum wurden
in Autobussen befoerdert, die aus dem Mittelalter zu stammen schienen.
Fuer einige musste der IBFG ein Flugzeug mieten, weil sie
keine andere Moeglichkeit hatten, nach Duala zu kommen. Unter
der Fuehrung und Anleitung einer Gruppe von acht Delegierten des
IBFG arbeiteten sie 'Irei Tage lang und legten damit den Kern zu
einer ellafrikani3Chen Regionalorganisation des IBFG. Zu den
Delegierten des IBFG gehoerten Harold D. Snell von der CIO-Gewerkschaft der Arbeitnehmer im Befoerderungsdienst, der zugleich Repraesentant der AFI, der Werkarbeitergewerkschaft und der Eisenbahnergewerkschaft war.
Im Verlauf der Diskussionen zeigten sich die Probleme' auf,
die der gewerkschaftlichen Organisierung in einem Lande im Wege
- 5 -

�stehen, dbs fast unbegrenzte Reichtuemer an Rohstoffen von ungeheurer Bedeutung und starke militaerische und flugtechnische
Basen besitzt, die ebenfalls von grosser strategischer Bedeutung
sind.
Der groesste Teil der Arbeitgeber in jenen zehn Staaten und
viele Regierungsbeamte halten nicht viel von den Gewerkschaften,
was Jedoch nicht ausschliesslich fuer Afrika zutrifft, obwohl
diese Einstellung dort staerker betont ist.
Sie sniegelt den unglueckseligen allgemeinen V/unsch der Unternehmer wider, ueber einen uebervollen Arbeitsmarkt zu verfuegen, auf dem es sich seine Arbeiter aussuchen und sie so bezahlen 'kann, wie er es wuenscht. Darueber hinaus gibt es jedoch
ganz bestimmte Tendenzen anderer Artf die sich aus dem klassischen
Kolonialismus ergeben haben.
Das Niveau des Alphabeten ist im allgemeinen sehr niedrig.
Ebenso verhaelt es sich mit seiner Produktionsleistung. Nur ein
geringer Prozentsatz der Eingeborenen verfuegt ueber irgendwelche
mechanischen Fachkenntnisse. Das Recht der Frau, ausserhalb der
Familie zu arbeiten, i3t beschraenkt. Die Loehne sind so niedrig,
dass visle Arbeiter keine Gewerkschaftsbeitraege zahlen koennen
und in einigen Gebieten haben die Gewohnheiten und Sitten der
Eingeborenen, wie z.B. die Polygamie,wirtschaftliche Schwierigkeiten heraufbeschworen.
Diese Frage der Polygamie hat auf dieser Konferenz mehr Aufregung hervorgerufen als irgendetwas anderes, jedenfalls mehr
als die Zwischenrufe der Kommunisten und ihrer Helfershelfer die e3 sogar in Afrika gibt - die den Sitzungen beiwohnten, da
diese der Oeffentlichkeit zugaenglich waren.
Die einzige weibliche Delegierte, Frau Marie Issoula, eine
23.iaehrige Mutter von zwei Kindern und die Delegierte einer Lehrergewerkschaft in Duala, brachte eine Resolution ein, in der sie
forderte, dass die afrikanische Frau von der ^olygamie befreit
wird.
Frau Issoula war in Duala und in Frankreich aufgezogen worden, sie ist die einzige .brau eines afrikanischen Beamten.
Was fuer die Konferenz mit am bedeutsamsten war, blieb die
Tatsache, dass sich die Delegierten, obwohl sie Funktionaers der
Gewerkschaftsbewegung sind, die eine Befreiung von der europaeischen Herrschaft erstreben, sich streng an die Vereinbarung "hielten, sich nur mit den wirtschaftlichen Problemen der Arbeiter zu
befassen. Sie forderten voellige Freiheit bei der Abfassung der
Entschliessungen, sie benutzen die Konferenz jedoch nicht dazu,
ihren besonderen nationalen Forderungen Ausdruck zu verleihen.
Sie wuenschten sine gesunde Basis zu errichten, von der aus
die Rechte der Arbeiter in der industriellen Revolution gewahrt
werden koennen,die sich, wie sie hoffen, in allernaechster Zukunft
auf ihrem heute noch primitiven Kontinent abspielen wird.

Die Arbeiter, die an der Konferenz teilnahmen, waren zum
sroessten Teil Beamte, Bergleute, Eisenbahnar, Eafen- und Industriearbeiter.
Moses, der Gewerkschaftsfuehrer aus Nigeria, spielte hier
eine ungewoehnliche Rolle. Die Kommunisten haben einen grossen
- 6-

�Teil ihrer organisatorischen und propagandistischen Anstrengungen
auf diese ihrer Lage nach strt-tegisch wichtigen englischen Kolonie konzentriert, der Gewerkschaftsbund von Nigeria ist dem
kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund angeschlossen.
Aber Moses, ihr Sekretaer, nimmt eine fuehrende Stelle in
dem Kampf zur Beseitigung der Kommunisten und zur Angliederung
der Gewerkschaftsbewegung Nigerias an den IBFG ein. Er erklaerte
der Konferenz, dass der Antikommunismus in seiner Organisation
stark sei und sagte voraus, es sei damit zu rechnen, dass diese
Kraefte im -Juni fuer den Austritt aus dem Weltgewerkschaftsbund
stimmen werden.
Zwei starke Gewerkschaften, naemlich die der Lehrer und
der Eisenbahner, gehoerten der Zentralorganisation an, als sie
noch den Namen "Gewerk3Chaftskongress von Nigeria" fuehrte, sie
loesten sich jedoch von der neuen Gruppe los, da sie sich weigerten, dem Weltgewerkschaftsbund beizutreten.
Die Delegation des IBFG war mit den Fortschritten, die auf
dieser Konferenz erzielt wurden, zufrieden. Frederic W. Dalley,
ihr Vorsitzender und Mitglied der britischen Gewerkschaft der
Sisenbahnangesteilten, erklaerte:
"Auf dieser Konferenz wurden Fehler gemacht, aber im Hinblick
auf die Schwierigkeiten der verschiedenen Sprachen, Rassen und Bekenntnisse war es ein Anfang und meiner Meinung nach ein guter
Anfang' - und das ist das, was in Afrika gebraucht wird." Andre
Lafond, der Sekretaer der franzoesischen Gewerkschaft CGT-Force
Ouvriere erklaerte: "Wir haben hier in Afrika zur Beseitigung
wirtschaftlicher Schwankungen, fuer eine groessere wirtschaftliche
Zusammenarbeit und einen besseren Lebensstandard gearbeitet. Ich
bin ueberzeugt, dass die Errichtung einer starken internationalen
Bewegung freier Gewerkschaften die Verteidigung unserer Freiheit
ohne Krieg garantieren kann."
"Die Freiheit ist in der ganzen Welt bedroht und muss in
Afrika ebenso hartnaeckig verteidigt werden, wie sie in anderen
Teilen der Welt angegriffen wird."
The CIO News

IV/2/51

AUSGEZEICHNETE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN MARSHAILPLAN-VERWALTUNG UND
H OLLAENDISCHEN GE'YERKSCHAFTEN
Die einflussreiche antikommunistische hollaendische Gewerkschaftsbewegung setzt sich in ihrem Land fuer ein ausgedehntes Verteidigungsnrogramm ein, wobei ein hervorragend funktionierendes
Verbindungssystem besteht, das bereits Fruechte getragen hat, die
sowohl der hollaendischen Arbeiterschaft als auch den Maennern
zugute gekommen ist, die die amerikanische wirtschaftliche Hilfe
fuer die Niederlande lenken.
Waehrend der letzten 19 Monate haben sich die Gewerkschaftsfuehrer und die Beauftragten der Sondermission der Verwaltung fuer
wirtschaftliche Zusammenarbeit in den Niederlanden jeden Monat
regelmaessig getroffen, damit auf der einen Seite das Arbeitsberatungskomltee der ECA-Mission seine Vorschlaege unterbreiten und
diese auf die besonderen Probleme abstimmen kann, die sich durch
die gegenwaertige Situation der einheimischen und internationalen
wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen ergeben.
- 7-

�\

Die Apparatur fuer diese Besprechungen wurde im August 1949
auf Vorschlag von Bert Jewell festgelegt, dem Arbeitsberater
fuer ECA-Fraren in Washington. Dadurch ergab sich eine gute Zusammenarbeit mit Holland, vor allem durch die Initiative von
Lee R. Smith, dem Arbeitsbeauftragten der Mission, sowie durch
die begeisterte Zusammenarbeit der Gewerkschaftsfuehrer, die
mehr als 900.000 hollaendische Arbeiter in allen industriellen
und Dienstleistungsbetrieben vertreten.
Das Interesse der Gewerkschaften an dieser Zusammenarbeit
mit dem Beratungskomitee wird am besten beleuchtet durch die Anwesenheit jeder einzelnen Gewerkschaft auf den 20 Sitzungen, sodass immer wenigstens zwei der Spitzenfunktionaere der N W (Konfessionell nicht gebunden und ueberwiegend sozialistisch), der
KAB (katholisch) und des CNV (protestantisch) zugegen waren, auf
der Seite der ECA fanden sich als Teilnehmer der Chef der Mission,
Clarencs E. Hunter, und fast alle Missionsbeauftragte, deren Aufgabengebiet das Finanzwesen, Handel und Gewerbe, Industrie, Troduktivitaet, Planung und Information ist. Auch die Vertreter der
amerikanischen Gesandtschaft nahmen regelmaessig an den Sitzungen
teil, wobei Smith den Vorsitz fuehrte.
Mit der zunehmenden Bedeutung des Marshall-Planes fuer die
wirtschaftliche Erholung und spaster fuer die Verteidigung nahm
das Beratungskomitee auf der letzten Sitzung zu den grundsaetzliohen Fragen Stellung, wobei die hollaendischen wie auch die amerikanischen Mitglieder sich zu den folgenden Beschluessen bekannten:
1. Auf hollaendischer Seite hat der Austausch der Vorschlaege
der Gewericschaftsfuehrung die Moeglichkeit gegeben, ihre eigenen
Probleme im Licht der Weltprobleme ganz allgemein zu betrachten.
Dadurch wurde ein klares Bild ueber die Gedankenwelt gewonnen, von
der die wirtschaftliche Aussenoolltik der Amerikaner ausgeht. Dies
wiederum hat wertvolle Informationen ermoeglicht, die fuer die
Planungen der sozialen und wirtschaftlichen Programme von groesstem
Nutzen fuer die hollaendische Arbeiterschaft sind.

2. Auf amerikanischer Seite liegen die hauptsaechlichen Vorteile darin, dass ein breiteres Verstaendnis und eine Einsichtnahme
in die besonderen Probleme der hollaendischen Arbeiterschaft gewonnen wurde, in einer Versicherung der weitreichenden Unterstuetzung
durch die hollaendischen Arbeiter fuer die grundsaetzlichen Ziele
de3 Marshall-Planes und ein staendigsr Fluss von Informationen uebej
die Entwicklung und die Auswirkung der EOA-Arbeit auf die hollaendische Gewerkschaftsbewegung.

Eine wichtige Foerderung der Aufgaben beider Partner ist durch
die Entwicklung einer engeren Zusammenarbeit im Rahmen des Komitees
unter den Fuehrern der drei freien Gewerkschaften geschaffen worden,
deren Interessen und Politik in der Vergangenheit recht unterschiedlich waren. Sowohl die hollaendischen als auch die amerikanischen
Teilnehmer der regelmaessigen Konferenzen stimmen darin ueberein,
dass diese Entwicklung von wachsender Bedeutung fuer die Loesung
der grundlegenden Frobleme geworden sind, die sich heute fuer alle
Gewerkschaften ergeben, zumal die hollaendische Regierung ein neue«
Vier-Jahres-Verteidigungsprogramm ausgearbeitet hat, fuer das sechs
Milliarden Gulden, das sind fast sieben Milliarden D-Mark vorgesehen sind.
°
Die Konferenzen des Beratungskonitees haben eins allgemein
ueblich gewordene Arbeitsweise seit ihrer Einfuehrung befolgt.
Auf
Grund der dringenden Arbeiten an den Werktagen sind diese Monats8 -

�konferenzen immer auf die fruehen Abendstunden gelegt worden. Sie
beginnen mit einem Abendessen und gehen ueber in eine zweistuendige Diskussion, wobei das Gespraechsthema von den Gewerkschaftsfuehrern auf der vorausgehenden Konferenz festgelegt worden ist.
Die drei freien Gewerkschaften und die ^CÄ-Verwaltung wechseln sich in der Rolle der Gastgeber ab. Das Abendessen selbst
hat sich als eine wertvolle Gelegenheit erwiesen, informierende
Aussprachen zwischen Hollaendern und Amerikanern ueber "unkte zu
f uehren, die von allgemeinen! Interesse sind und die nicht in die
vorgesehenen Aussprachen ueber das Ilauptthema passen wuerden.
Line Uebersicüt ueber die von dem Beratungskomitee diskutierten Punkte «eit der ersten Konferenz gibt oraktisch ein ?ut
abgerundetes Bild aller wichtigen hollaendisch-europaeischen Pachkriefrsprobleme und das Funktionieren der amerikanischen Hilfe.
Als Beis".il kann das hollaendische 7/ohnbauproblem genannt werden
oder das Sachsen des deutschen "Wettbewerbs in Westeuropa, die
Feststellungen hollaendischer Gewerkschaftsr, die unter dem Protektorat der SCA die Vereinigten Staaten bereisen, den SchumanPlan oder das Budget der hollaendischen Regierung, die liberalisierung des Aussenhandels in Europa, die industrielle Schulungsarbeit oder das Punkt-Vier-Programm Praesident Trumans und in
letzter Zeit vor allem die Knappheit bestimmter Rohmaterialien.
Die Diskussionen hatten gewohnlich zum Mittelpunkt die Rolle
der Gewerkschaften als Gespra3Ch3thema, wobei das Verstasndnis
der Mitgliedschaft fuer diese Fragen gewahrt wurde und eine Politik vorgeschlagen wurde, mit der die Mitgliedschaft allgemein
einverstanden war.
Die Erfolge waren so ins einzelne gehend, dass die Cewerkschaftsfuehrer selbst die Empfehlung gaben, dass diese Konferenzen
auf der ^egenwaertigen Basis weiter fortgefuehrt werden sollten,
wobei besonders Sitzungen des Komitees vorgesehen sein sollten,
um ueber irgendein wichtiges Problem sich auszusprechen, das auf
Grund des Verteidir.ungsProgramms sich ploetzlich ergeben kann.
'.Venn man die Reaktionen einiger einflussreicher Gewerkschaftsfunktionaere zu der Arbeitsweise des Beratungskomitees feststellen will, so ergibt sich folgendes Bild:
Evart Kupers, der der fruehere Vorsitzende der JTW und ein
international bekannter Gewerkschafter ist: "Ich betrachte diese
Konferenzen als hoecast wertvoll ... waehrend der Diskussion ueber
diese "robleme ist es wiederholt augenscheinlich geworden, wie
hoechst wichtig die Marshallnlan-Hilfe ist."
M. Ruppert, der Vorsitzende der CNV: "Diese Konferenzen sind
ein ausgezeichnetes Mittel fuer den gegenseitigen Kontakt. Die
Arbeits^bteilung der ECA kann dadurch die Meinuns-en und Gedanken
der verschiedenen Gewerkschaften erkennen, die Gewerkschaften
koennen ihrerseits sehr viel von den Meinungen und Gedanken der
Maenner der Arbeit3ebteilunpren lernen."
Ad Vermeulen, 'jekretaer der JJW: "Der Kontakt de&lt;* Arbeitsbsratungskomitees mit den hollaendischen Gewerkschaften hat durch
unsere monatlichen Konferenzen unsere Ansichten ueber diese Fragen erweitert. Die Bedeutung und die Technik des Varshall-^lanes
ist ebenso eine intärnationale soziale und wirtschaftliche Frage
wie eine allgemeine. Insbesondere die Informationen, die wir von
- 9 -

�der 2CA erhalten haben, zeigten sich oft bei der Aufstellung der
sozialen und wirtschaftlichen Programme als aeusser3t nuetzlich."
P.C.W.M. Bogaers, der Beauftragte fuer Wirtschaf tsf ragen_ der
KA3: "Diese Diskussionen haben mir einen aktuellen Einblickin
die'dringendsten Fragen gegeben und diese wiederum hat mich in
die Lage versetzt, eine wesentlich breitere Plattform zu gewinnen,
vor allem hinsichtlich unserer eigenen gewerkschaftlichen Probleme.
Labor Information IV/z/51
FUENFJAEHRIG2R VERTRAG FUER DIE KRAFTFAHRER NSV: YORKS ABGESCHLOSSEN
Ein fuenf jaehriger Arbeitgeber-Arbeitnehmervertrag wurde im
Buero des amerikanischen Arbeitsministers Maurice «T. Tobin in
Washington von den New Yorker Kraftfahrern und ihren Arbeitgebern
untsrzeichnet.
Der Vertrat, der ab sofort in Kraft tritt und zwischen den
Ortsgewerkschaften 307 und 707 der Fahrergewerkschaft, in der
11.000 Lastwagenfahrer aus New York vertreten sind, und der betreffenden Arbeitgeberorganisation (1500 Unternehmer) von New
York abgeschlossen wurde, sieht eine schiedsrichterliche Schlichtung aller Streitigkeiten vor, die sich um Loehne, Arbeitszeit
und Arbeitsbedingungen drehen. Ausserdem haben sich die Arbeitgeber einverstanden erkleert, eine Klage auf 10 Millionen Dollar
Schadenersatz zurueckzuziehen, die sie beim Bundesgericht gegen
die Lokalgewerkschaften und ihre Funktionaere auf Grund der Streiks
im Jahre 1946 gefuehrt hatten.
Was in der Geschichte der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einmalig ist, i3t die Tatsache, dass in
dem Vertrag zwei hohen Regierungsbeamten der Vereinigten Staaten,
naemlich Arbeitsminister Tobin und dem' stellvertretenden Verteidigungsminister Anna V.. Rosenberg, die Befugnis uebertragen wurde,
Schiedsrichter zu ernennen, die ueber umstrittene Probleme end^ueltig entscheiden duerfen, wenn die beiden Partner keine direkte
Einigung erzielen.
Nach diesem Vertrag vereinbaren beide Partner, einen Arbeitgebsr-Arbeitnehmerausschuss unter dem Namen "New York City
Trucking Authority" (Lastwagenverkehr-Schiedsstelle fuer die Stadt
New York) zu bilden, der die Aufgabe hat, Streitigkeiten durch
Schiedsspruch beizulegen, Vertraege abzufassen und ein Programm
fuer die Beziehungen zur Oeffentlichkeit und wirtschaftliche Analysen fuer die Industrie aufzustellen.
An der Spitze dieses Ausschusses, der sich aus sechs Vertretarn der Industrie und sechs Vertretern der Gewerkschaften zusammensetzt, -wird ein unparteiischer Vorsitzender stehen, der von Arbeitsminister i'obin ernannt wird. Der Fuenf Jahresvertrag bezeichnet seine Entscheidungen ueber alle Beschwerden und Streitigkeiten
als "endguelti? und bindend fuer alle Partner".
Der unparteiische Vorsitzende ist jedoch nicht befugt, ueber
ungeloeste Streitfragen in Bezug auf Loehne, Arbeitszeit oder
Bestimmungen zu sozialen Wohlfahrts- und Versicherungs^iaenen der
Industrie zu entscheiden. Im Bezirk New York, wo jeehrlich 40
Millionen Doller an Loehnen ausgezahlt werden, hat der stellvertretende Verteidigungsminister Rosenberg die vertraglich festgelegte Befugnis, aus einem Gremium, das von beiden ~artnern zusammengestellt wird, einen Lohnangleicher zu ernennen. Dem Gremium
- 10 -

�gehoeren en: Armee-General Dwight D. üisenhower, William J".
Kelley, Murray Gurfein, Fred G. Vorritt, Professor Paul R. Hays,
der Richter Nathan E. Zellet und Charles Preusse.
In dem "Vertrag ist vorgesehen, dass nach dem 1. LCal 1952
neue Bestimmungen ueber Loehne, Arbeitsstunden, Pensionen und
sonstige soziale Einrichtungen erlassen werden koennen. Zu dieser Zeit kann der Schiedsrichter die Sachlage ueberpruefen und
sich ueber umstrittene Probleme Gutachten einholen; er ist weiter
berechtigt, sine fuer beide Partner bindende Entscheidung zu
treffen, die fuer die Zeit vom 1. September 1952 bis zum 31. August 1954 Gueltigkeit hat.
Der Schiedsrichter fuer Lohnfragen kann sich jedoch mit den
von der Industrie finanzierten sozialen 7,'ohlfahrts- und VersicherungsbeStimmungen befassen, die z. Zt. fuer Gewerkschaftsmitglieder eine Lebensversicherungssumme von 2.000 Dollar, im Falle
toedlichen Unfalls oder schwerer dauernder Verletzungen eine Versicherungssumme von 2.000 Dollar, ferner woechentliehe Unfallund Krankenuntorstuetzungen von 35 Dollar, die Rueckerstattung
von Arztkosten und die Erstattung von Krankenhausgeldern fuer die
Arbeitnehmer und ihre Familien vorsehen.
AFL Weekly News Service IV/3/51
AFL UNTER0TU2TZT ITALIENISCHE GEWERKSCHAFTEN W KAI'^F GEGEN DIL
KCI.";UNISTSN

Die Gewerkschafter, die vor kurzem gegen die kommunistische
^artei Italiens rebelliert haben, die nichts weiter als ein ruecksichtsloses und brutales Werkzeug des imperialistischen Aussenoolitischen Amtes der Sowjetunion ist, stehen mit Vertretern der
AFL im Ausland und in Italien selbst in Verbindung.
Dies wurde unlaengst vom Houptkassierer der AFL George I.'caay
berichtet.
Meany, der vor der Katholischen Gewerkschaftsallianz in
Chikago eine Rede hielt, nahm ausfuehrlich zu den Taetigkeiten
der AFL in Europa und Asien Stellung:
"'Vir haben uns bestaendig zur-Aussenpolitik unseres Landes
bekannt und ihr immer haeufiger unsere Unterstuetzung zuteil werden
lassen. '.Vir sind fest davon ueberzeugt, dass unsere Regierung eine
wirksame demokratische Aussenpolitik in einer Form entwickeln und
verfolgen kann, die eine massgebliche Einflussnahme des Volkes
selbst ermoeglicht.
"In diesem Zusammenhang moechte ich darauf hinweisen, dass
es die Idee der AFL war, die Arbeiterschaft der V.'elt um den Narshallnlan zu scharen und sie zur Abwehr der kommunistischen Sabotageversuche in Europa zu mobilisieren.. Es waren unsere Funktionaere,
die ^ie Kraefte der freien Gewerkschaftsbewegung zur Unterstuetzung
des Nershallplans organisierten, jene Kraefte, die den entscheidenden
fchlap gegen die kommunistischen Versuche fuehrten, den euronaeischen Wiederaufbau zu verhindern.
"Auch unsere hilfe fuer den Atlantik-Pakt wer nicht theoretischer Art. Wir mussten in die wichtigsten liaefen Euronas gehen, um
mitzuhelfen, die demokratischen Arbeiter zu vereinigen, um die
- 11 -

�Kommunisten daran zu hindern, den Transport der Waffenlieferungen
Amerikas im Rahmen des Nordatlantikpaktes zu sabotieren. Wenn
die demokratischen Gewerkschaften Europas mit der vollen Unterstuetzung der AFL nicht gesiegt haetten, waere der Nordatlantikpakt heute ein Vorschlag, der nur auf dem "anier steht, und unseren Verbuendeten haetten keine amerikanischen Waffen geliefert
werden koennen.
''Erst vor wenigen Wochen brachten die Arbeiter Europas dem
franzoesischen und damit dem Weltkommunismus eine schwere Niederlage bei. Hierbei spielte die AFL eine hoechst dramatische Rolle.
In enger Zusammenarbeit mit Ferri Pisani, jenem unermuedlichen
Kaempfer fuer die freie Gewerkschaftsbewegung, beteiligte sich
der europaeische Repraesentant der AFL Irving Brown an den Aktionen zur Beseitigung der kommunistischen Kontrolle ueber den Hafen
Marseilles. Heute gehoeren 35 der 50 Mitglieder des Hafenrates
demokratischen Gewerkschaftsorganisationen an, und amerikanische
Atlantikpakt-Waffen koennen in Marseille ohne Furcht vor kommunistischer Sabotage entladen werden.
"Hier hat die europaeische freie Gewerkschaftsbewegung einen
ihrer bedeutsamsten und ent3Cheidensten Siege ueber ihren kommunistischen Gegner errungen. Er kam gerade zur rechten Zeit und
bildete einen grossen Ansporn zur Bekeempfung der Demonstrationen,
die die Kommunisten unter Aufwendung aller Mittel, aber ohne Erfolg, gegen General Eisenhower organisieren wollten.

"In Frankreich bilden die Kommunisten noch immer den dominierenden Faktor in den Gewerkschaften. Hieraus erklaert sich in
gewissem Grade die schwierige wirtschaftliche und politische Lage
Frankreichs. Es konnte jedoch in diesem Lande, vor allem auf
Grund der Bemuehungen der AFL, ein starkes demokratisches Gewerkschaftszentrum gebildet werden, das den Namen "Force Ouvriöre"
traegt"und das, obwohl es nur eine Minderheit darstellt, zusammen
mit den verschiedenen unabhaengigen und christlichen Gewerk^chaf tsorganisationen die Kommunisten daran hindern konnte, das Wirtschaf 1
gefuege Frankreichs zu zerstoeren und damit dem Chaos und der
kommunistischen Revolution in diesem strategisch wichtigen Land
die Tore zu oeffnen.
"Auch in Italien haben die Kommunisten in den Gewerkschaften
die Oberhand, was ebenfalls eine Erklaerung fuer die heutige kritische Lage Italiens gibt. Aber in Italien gibt es nun, wie"auch in
Frankreich, sine lebendige demokratische Gewerkschaft, die unter
dem Namen Confederazione Italiana Sindicati Lavoratori (CISL) bekannt ist.
Obwohl auch diese Gruope nur eine Minderheit darstellt, ist
sie stark genug, um es den Kommunisten in Italien unmoeglich zu
machen, Generalstreiks vom Zaume zu brechen, die die italienische
Wirtschaft paralysieren koennten.
"Obwohl Finnland hinter dem Eisernen Vorhang liegt, arbeitet
die AFL eng mit dem finnischen Gewerkschaftsbund zusammen.

"In Israel steht die AFL mit der demokratischen Gewerkschaftsgruppe in Verbindung, die in erster Linie den israelitischen Gewerk
schaftsbund liistadrut veranlasst hat, aus dem kommunistisch beherrs
ten Weltgewerkschaftsbund auszutreten.
tung.

"Auch in Indien verfuegt die A F L ueber eine sehr aktive Vertra
Ihr ßuero dient nicht nur als InformütionsZentrum ueber die
- 12 \

�rorgaenge in Amerika und nicht nur als Gegenspieler der gegen
onser Land und unsere Einrichtungen gerichteten luegnerischen
Propaganda der Kommunisten, sondern steht auch als Wegbereiter
da fuer die Entwicklung praktischer Kenntnisse innerhalb der iniischen Gewerkschaftsbewegung, ueber die Methoden der Tarifverlandlungen, die friedliche Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten
and die Errichtung starker Gewerkschaften.
"In Deutschland und Berlin hat sich die AFL besondere Verdienste bei der Verteidigung von Lebensmitteln und der Verbreitung
amerikanischer Ideen und Ideale erworben. Die AFL hat betraechtliche Mengen von Literatur veroeffentlicht und in grosszuegiger
iVeise die Errichtung einer maechtigen freien Gewerkschaftsbewegung
in Deutschland unterstuetzt. Es ist diese Bewegung, die heute
las Bollwerk zum Schutze der Demokratie in Deutschland darstellt
und die der staerkste Gegenspieler der russischen und kommunistischen Machenschaften in Berlin ist, das hinter dem Eisernen Vorhang liegt." Dar von den deutschen Gewerkschaften unablaessig
gefuehrte Kampf um das sogenannte Mitbestimmungsrecht hat viel
Staub aufgewirbelt. Ich moechte auf zwei Faktoren hinweisen,
die von Wirtschaft3-"Experten", die der Arbeiterschaft feindlich
gesinnt sind, absichtlich oder aus irgendwelchen anderen Gruenden
uebersehen wurden. "Die deutschen Gewerkschaften haben mit der
(Gewinnung dieses Rechtes der Arbeiter in der Stahl- und Kohlenindustrie Deutschlands die Vormachtstellung der R'ihrmagnaten und
Kartelle im wirtschaftlichen Leben Deutschlands gepchwaecht. Es
waren dieselben Herren des Ruhrgebietes, die Hitler zur Macht verholfen und seine aggressive Kriegsmaschinerie aufgebaut hatten.
"Mit der Erringung dieses Rechtes hat sich die deutsche Gewerkschaftsbewegung von dem Gedanken der Verstaatlichung distanziert, von jener verderblichen Auffassung, dass die Verstaatlichung
des wirtschaftlichen Lebens einer Nation ihren Menschen Freiheit
und Demokratie braechte.
"In Japan ist es der AFL trotz zahlreicher Schwierigkeiten
gelungen, der aufstrebenden freien japanischen Gewerkschaftsbewe- •
?ung grosse Dienste zu erweisen. Die von der AFL gelieferte Literatur und ihre Zusammenarbeit haben sich fuer die jungen und un3rfahrenen japaniseilen Gewerkschafter in ihren unermuedliehen und
tapferen Versuchen, ihre Reihen von allen kommunistischen Elementen und Agenten zu saeubern, die von Russland finanziell stark
mterstuetzt wurden, als ungeheuer wertvoll erwiesen."
AFL Weekly Mews Service
111/20/51
GEWERKSCHAFTEN DER PHILIPPINEN FORDERN MINDfCc_TLOHNTARIFE
Die freien Gewerkschaften der Philippinen sind in einen schv.ecen Kampf gegen die maechtigen Finanzherren dieses Landes verwickelt, die versuchen, die Gesetzgebung fuer Mindestloehne zu
3abotieren, mit der sich der Kongress der "hillnninen zur Zeit
•&gt;eschaeftigt.
Obwohl die versprochene Hilfe der Vereinigten Staaten fuer
liese kaemnfende junge Republik von dem iirlas3 eines zufriedenstellenden Mindestlohngesetzes abhaengig gemacht wurde, haben die wohllabenden Plantagenbesitzer und die Unternehmer der Zuckerindustrie
linter den Kulissen gegen die Verwirklichung eines solchen Gesetzes
gearbeitet. Sie wollen auf keinen Fall die Loehne der sehr schlecht
13 -

�bezahlten Arbeiter verbessern, obwohl sie grosse Gewinne erzielen
und das Preisniveau sehr hoch ist.
Bis jet:,'t ist es den Finanzmagnaten gelungen, zu verhindern,
dass ein Gesetz ueber Mindestloehne vom Komitee fuer Arbeitsfraren im Repraesentantenhaus erlassen wurde.
Im vorigen Jahr hatten die Vereinigten Staaten auf jir^uchen
des philippinischen iraesidenten eine £ondermis3ion ("Beil-Mission"
genannt) nach den Fhiliopinen geschickt, die die wirtschaftlichen
Schwierigkeiten dieses Landes untersuchen und Massnahmen zu ihrer
Beseitigung vorschlagen sollte. Nach eingehenden Studien schlug
diese Mission weitgehende Veraenderungen vor, um die finanzielle
Krise der "hilippinen ueberwinden zu koennen, und forderte, dass
die Vereinigten Staaten diese .junge Republik finanziell unterstuetzen solle.
Die Regierung der Vereinigten Staaten erklaerte sich einverstanden, Anleihen und Kredite in Hoehe von 260 Millionen Dollar
unter der Bedingung zur Verfuegung zu stellen, dass die ohilinpinische Regierung vorher einige Forderungen erfuellt. i.ine dieser
Forderungen ist die Verwirklichung eines angemessenen Mindestlohngesetzes.
Inzwischen hat der Senat einen zufriedenstellenden Gesetzentwurf gebilligt, der
1. einen Mindestlohn fuer die nichtlandwirtschaftlichen Arbeiter von 4 Pesos taeglich und 2. fuer landwirtschaftliche Arbeiter einen Tageslohn von mindestens 2 Pesos 50 Centavos vorsieht,
wobei nach Abzug der Unkostensaetze fuer Mahlzeiten und Wohnung
nicht weniger als 2 Pesos in bar ausgezahlt werden duerfen. Die
Gesetzesvorlape des Senats wuerde
nach dem gegenwaertigen amtlichen Umwechslungskurs von zwei resos fuer einen Dollar fuer nichtlandwirtschaftliche Arbeiter einen Mindestlohn von zwei Dollar und
fuer landwirtschaftliche Arbeiter einen solchen von 1.25 Dollar
bedeuten.
Die Vorlage des Senatr entspricht im allgemeinen^ den Bedingungen, die in Bericht der Beil-Mission gestellt wurden/ obwohl der
festgesetzte Mindestlohn neuen Untersuchungen zufolge fuer die
Familie eines Industriearbeiters in der Stadt nicht einmal die
Mindestkosten fuer den Haushalt decken würde. Die Lebenshaltungskosten auf den Philippinen gehoeren zu den hoechsten der Welt.
Die Gesetzesvorlage des Repräsentantenhauses dagegen wuerde
den vom Senat gebilligten Mindestlohn fuer die Arbeiter"in Manila
und Umgebung auf 4 resos, fuer nichtlandwirtschaftliche Arbeiter
ausserhalb Manilas auf 3 Fesos und fuer landwirtschaftliche Arbeiter auf 2 Pesos festsetzen.
•

AFL 7,'eekly News Service
111/16/51
WARUM KOMMUNLVi'ISCLL STR5IKS IN AMERIKA?
Ein Fluechtling aus Ungarn, der sich zur Zeit in Paris .aufhaelt, schreibt uns, dass die Leute in seinem Land nicht verstehen,
warum es in demokratischen Laendern einschliesslich der Vereinigten
Staaten, mitunter zu politischen Streiks kommt, die von den Kommunisten angezettelt sind. V.'arum unterbindet die Regierung nicht
- 14 -

�derartige politische Streiks, fragt uns dar Schreibar, und warum
werden die*Kommunisten nicht bestraft" Ist es nicht ein Beweis
dafuer, dess die Kommunisten in Amerika und anderen demokratischen
Laendern staerker Und als man es zugeben will? Und der President einer grossen Herstellerfirma in New-England fuegt hinzu:
Ist es wahr" dass Russland auf ein Signal die amerikanische Industrie durch die Kommunisten in den Gewerkschaften lahmlegen
koennte?"
Wie verhaelt es sich in Wirklichkeit0
Der kommunistische Einfluss in den amerikanischen Gewerkschaften hat in den letzten Jahren seinen tiefsten Funkt erreicht.
Die Kommunisten sind in den Gewerkschaften zu schwach, um irgendwelche bedeutenden Unruhen stiften zu koennen. Die Kommunisten
behaupten, dass von etwa 16 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern in
Amerika rund 600.000 kommunistisch beherrschtenGewerkschaften angehosren. Diese Zahl duerfte bei. weitem zu hoch gegriffen sein,
und es i~t zweifelhaft, ob die kommunistischen Gewerkschaften mehr
als 300.000 Mitglieder haben. Selbst wenn die°e Zahl jedoch
richtig waere, so steht fest, dass die ueberwaeltigende Mehrheit
der Gewerkschaftsmitglieder, einschliesslich der Mitglieder kommunistisch kontrollierter Gewerkschaften selbst, keine Kommunisten
sind.
Harry Bridges zum Beispiel, der bestraft worden war, weil er
faelschlicherweise geschworen hatte, niemals ein Kommunist geweseri zu sein, versuchte, die Internationale Hafen- und LegerarbeiterGewerkschaft, deren Fraesident er ist, gegen die amerikanische
Folitik des Widerstandes wider die kommunistische Aggression in
Korea aufzuputschen. Die Mitglieder der Gewerkschaften durchkreuzten jedoch diese Plaene und zwangen Bridges, sie aufzugeben.
Und als er sich dem Sicherheitsprogramm der Regierung widersetzte,
das unter anderem darin bestand, kommunistischen Hefenarbeitern den
Zutritt zu den Haefen zu verweigern, sprach sich die ueberwaeltigende Mehrheit der Delegierten der Ortsgewerkschaften in einer Abstimmung fuar eine Verwirklichung dieses Frogramms aus. Sie erklaerten:
"Diese Konferenz erkennt an, dass ein angemessenes Sicherheitsprogramm notwendig ist, um die Interessen unseres Landes zu
wahren."
Waehrend das amerikanische Volk sorgsam darauf bedacht ist,
die Nation vor kommunistischer Sabotage zu schuetzen und verraeterische Handlungen zu verhindern, wollen wir doch Einscbraenkungen der gewerkschaftlichen Rechte vermeiden. Aber nicht deshalb, weil wir etwa die Staerke der Kommunisten fuerchteten, sondern um zu beweisen, dass Amerika der Demokratie huldigt. Deshalb
moegen die Kommunisten gelegentlich in der Lage sein, politische
Streiks heraufzubeschwoeren, waehrend sie behaupten, dass die^e
Streiks wirtschaftliche Ziele verfolgten, aber sie muessen die
politischen Untertoene vor den Gewerkschaftsmitgliedern sorgsam
verbergen. Die Nation verlaesst sich jedoch darauf, dass die
Vernunft der amerikanischen Arbeiterschaft die kommunistischen
Hoffnungen vereitelt. Und die Kette von Misserfolgen, die die
Kommunisten in den beiden vergangenen Jahren in den Gewerkschaften
hinnehmen mussten, ist ein Beweis dafuer, daes man sich auf die
Vernunft der Arbeiterschaft verlassen kann.
Program Services Section 111/28/51
- 15 -

�KOMMUNIST IS CKSP ARBEITER AUF ERSUCHEN D2R GEWERKSCHAFT ENTLASSEN
Die kommunistische Taetlgkeit, sei sie effektiv oder nur vermutet, wird nicht durch das Taft-Hartley-Gesetz "geschuetzt".
Dementsprechend ist es keine unfaire Arbeitsmethode, wenn ein
Unternehmen einen Mann entlaesst, der unter dem Verdacht steht,
auf Befehl oder Anregung einer Organisation eine derartige Taetigkeit auszuueben.
Diese Ueberlegun«r lag einer Entscheidung zugrunde, die George
Bott in seiner Eigenschaft als Generalanwalt des Bundessteatlichen
Ausschusses fuer Arbeitsfragen gefaellt hat. Damit weigerte er
sich, fuer einen Mann Beschwerde zu fuehren, der von einer Strumnffabrik in Wisconsin entlassen wurde. Bott bestaetigte eine Entscheidung eines Bazirksdirektors des Bundessteatlichen Ausschusses
fuer Arbeitsfragen. Nach dem Taft-Hartley-Gesetz i3t es nicht
gestattet, Berufung einzulegen, wenn sich der Generalanwalt weigert, eine Beschwerde zu fuehren. .
Gegen das Unternehmen war urspruenglioh Klage gefuehrt worden.
Der entlassene Arbeiter hatte erklaert, die Firma habe ihn entlassen, weil er au3 seiner Gewerkschaft, und zwar nicht wegen
Nichtbezahlung der Beitraege, ausgestossen worden war. Normalerweise ist Nichtbezahlung der Gewerkschaftsbeitraege nach dem
Taft-IIartley-Gesetz der einzige Grund, aus dem eine Gewerkschaft
die Entlassung eines Arbeiters verlangen kann, vorausgesetzt,
dass ein gueltiger "Union-Shop"-Vertrag zwischen der Gewerkschaft
und dem Arbeitgeber besteht. Ein derartiger Vertrag war in dem
vorliegenden Falle abgeschlossen. Und der Arbeitgeber gab zu,
dass der Arbeiter auf Ersuchen der Gewerkschaft entlassen wurde.
Der Bezirksdirektor und der Generalanwalt stellten spaeter
fest, dass etwa drei Wochen vor der Entlassung des Arbeiters sein
Name in einer Zeitung erschienen wer, weil er eine Petition zugunsten des Stockholmer Friedensappells unterzeichnet hatte, die
allgemein als kommunistisches Propagandamanoever erkannt worden
war. Auch seine Gewerkschaft war in einer Form erwaehnt, dass
man haette annehmen koennen, er spreeche fuer diese Gewerkschaft.
Doch die Arbeitskollegen dieses Mannes Hessen schnell erkennen, das3 sie«ine Handlungsweise ablehnten. Einige drohten mit
Gewaltanwendung, andere weigerten sich, mit ihm zusammenzuarbeiten. Der Betriebsausschuss der Gewerkschaft warnte jedoch vor
Gewalttaetigkeiten und Arbeitsniederlegungen, die den Gewerkschaftsvertrag gefaehrd3t haetten. Schliesslich verlangte man von dem
Arbeitgeber, den Arbeiter zu entlassen.
Der Generalanwalt stellte abschliessend fest, dass der entscheidende Grund fuer die Entlassung des Arbeiters der Verdacht
war, dass er fuer die kommunistische Partei taetig ist, was fuer
einen Arbeitgeber ein Grund zu grosser Beunruhigung sei, sei es
auch nur deshalb, weil dadurch Unruhen unter den uebrigen Arbeitern entstehen koennten. Der Anwalt stellte ausserdem"fest, das3
das Taft-Hartley-Gesetz diesem Arbeiter keinen Schutz biete.
Es handelt sich hier um die erste gerichtliche Entscheidung
in diesem Bereich des Gesetzes.
Daily News Service
111/29/51
- 16 -

�International*

ARBEITSMTTEIMINGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Iahalt der „Arbeitamitteilungea" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
IV

- 16

F r a n k f u r t , 2 0. A p r i l 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Der CIO zur internationalen Wirtschaftlichen
Entwicklung - - - - - - - - - - - - - - - - - -

l

Pranzoesiche Arbeiter sind zu hoeherer Produktionsleistung bereit, wenn sie an den Gewinnen
beteiligt werden - - - - - - - - - - - - - - - - 3
Belgische Schiffswerft baut fuer die europaeische
Handelsflotte - - - - - - - - - - - - - - - - -

4

Vorlaeufige Schaetzungen ueber Unfallziffern in
der amerikanischen Industrie - - - - -----6
Arbeiterbildung in der U. S. Gewerkschaft der
Schlafwagenschaffner - - - - - - - - - - - - - - 8
Gewerkschaftliches GesundheitsZentrum in New York
eroeffnet - - - - - - - - - -

- - - - - - - - -

io

Neue Richtlinien fuer Leistungsloehne - - - - - -

11

Tarifvertraege in Rumaenien - - - - - - - - - - -

13

Das Schicksal der Baltischen Gewerkschafter - - -

14

Fruchtbare Arbeit amerikanischer Gewerkschaften
in Europa - - - - - - - - - - - - - - ----16
DER CIO ZUR INTERNATIONALEN WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG
(Dies ist der ungekuerzte Text einer EntSchliessung, die vom
Exekutivausschuss des CIO auf seiner Konferenz in Washington
angenommen wurde•)
Der Exekutivausschuss des CIO haelt es in der gegenwaertigen Weltkrise fuer die groesste Gefahr, die unser Land
bedrohen koennte, wenn man die Bedeutung umfassender Programme zur Verbesserung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gesundheit der freien Welt verkennen wollte. Die
dringende Notwendigkeit, die militaerische Staerke der freien

�Welt aufzubauen, braucht und darf nicht verhindern, dass die
Staerkung der demokratischen Einrichtungen als fundamentale
Notwendigkeit anerkannt wird. Die Verteidigung der Vereinigten Staaten erfordert die gleichzeitige Entwicklung milltaeriacher und sozialer Programme.
Es darf nicht zugegeben werden, dass die notwendige
Entwicklung eines Programms zur Herstellung der milltaerischen Bereitschaft in Europa die Bemuehungen zur Schaffung
einer stabilen europaeischen Friedenswirtschaft durchkreuzt.
In einigen Kreisen herrscht die Tendenz, das weltweite PunktVier-Programm nach der Zahl bewaffneter Divisionen zu beurteilen, die wir durch dieses Programm auf unsere Seite bringen.
Man ist sich allgemein noch nicht der Notwendigkeit bewusst,
dass der sowjetisch-kommunistische Totalitarismus, der sich
den minderprivilegierten Menschen der Welt faelschlicherwelse
als soziale und wirtschaftliche Bewegung praesentiert, dadurch
bekaempft werden muss, dass man die produktiven Reichtuemer
der freien Welt organisiert, um die wirtschaftliche Verbesserung in einer freien Gesellschaftsordnung zu demonstrieren.
Aus diesen Gruenden begruesst der CIO die Veroeffentllchung des Berichtes "Partner des Fortschritts", der vom
Beratungsausschuss fuer Internationale Entwicklung unter dem
Vorsitz von Nelson A. Rockefeiler dem Praesidenten der Vereinigten Staaten ueberreicht wurde. Dieser Ausschuss, der
sich aus Vertretern aller Schichten der Bevoelkerung zusammensetzt, und dem auch Jacob S. Potofsky vom CIO angehoert, wurde
zu dem Zweck gebildet, die Politik und die Ziele zu ueberpruefen, die vom Praesidenten in seiner Eroeffnungsansprache zum
Punkt-Vier-Programm im Januar 1949 dargelegt wurde. Der Ausschuss soll ausserdem den "Gray-Bericht" ueber die wirtschaftliche Unterstuetzung anderer Laender untersuchen.
Der CIO glaubt, dass konstruktive Ergebnisse erzielt
werden koennen, wenn alle Teile unserer nationalen Gemeinschaft aufgerufen werden, sich an der Gestaltung der Wirtschaftspolitik unseres Landes zu beteiligen.
Der Exekutivausschuss des CIO spricht dem Kollegen
Potofsky und seinen Mitarbeitern seine Anerkennung fuer ihre
Beteiligung an der Arbeit des Ausschusses aus und ist der Auffassung, dass sie wesentlich zu dem allgemein zufriedenstellenden Charakter dieses Berichtes beigetragen haben.
In "Partner des Fortschritts" wird eindeutig festgestellt,
dass "die Staerkung der Wirtschaft unterentwickelter Gebiete
und eine Verbesserung ihres Lebensstandards als ein wesentlicher Bestandteil unserer eigenen Verteidigungsmoblllsierung
angesehen werden muss."
Der CIO hat wiederholt versichert, dass Friede, freie
demokratische Institutionen und die Wohlfahrt der Menschen
nur Im Rahmen einer sich erweiternden Weltwirtschaft gesichert sind. Wir stimmen diesem Bericht in seiner Festjl Stellung zu, dass "wir in einer wirtschaftlichen Offensive
zur Ausrottung von Eunger, Armut, Analphabetentum und Krankheit alle Kraefte vereinigen muessen, wenn wir auf der Welt
dauernden Frieden, Sicherheit und Wohlstand haben wollen."
Der CIO bringt seine Genugtuung darueber zum Ausdruck,
dass der Bericht des Ausschusses einen Beitrag zur Arbeit
der freien Gewerkschaften in ihrem Kampf gegen die kommunistische und faschistische Infiltration darstellt, die das
- 2 -

�t

Ziel haben, das Los ihrer Mitglieder zu verbessern. Wir
schliessen uns der Auffassung an, dass "die Verbesserung des
Lebensstandards der Bewohner unterentwickelter Gebiete ein
feststehendes strategisches Ziel der Aussenpolitik der Vereinigten Staaten ist , und unterstreichen die Empfehlung des
Ausschusses, die freien, Gewerkschaften unablaessig zu unterstuetzen.
Der CIO ist ferner der Meinung, dass unsere wirtschaftlichen Programme weitgehend erweitert werden muessen. Puer
die langfristige wirtschaftliche Entwicklung muessen Milliarden von Dollar sowohl aus oeffentlichen als auch aus privaten
Mitteln fuer Investitionszwecke im Ausland bereitgestellt
werden. Eine neue wirtschaftliche Verwaltung fuer Ueberseegebiete muss gebildet werden, die die Arbeit der bestehenden
9ehoerden, einschliesslich der Export-Import-Bank mit der
Arbeit der Weltbank und den Vereinten Nationen koordiniert.
Der Exekutivausschuss des CIO fordert, dass der Kongress
schnellstens Gesetze erlaesst, durch die die Vorschlaege verwirklicht werden koennen, die im Bericht des Beratungsausschusses fuer Internationale Entwicklung enthalten sind.
Der Exekutivausschuss fordert die Mitgliedsorganisationen
des CIO auf, diesen Gesetzen ihre Unterstuetzung zuteil werden
zu lassen und dafuer zu sorgen, dass mit ihnen eine Verwirklichung der konstruktiven Vorschlaege des Berichtes gewaehrleistet ist.
Der Exekutivausschuss empfiehlt ferner, dass die Grundsaetze und Richtlinien, die dem Programm fuer internationale
wirtschaftliche Entwicklung zugrundeliegen, unter den Mitgliedern des CIO publiziert werden, um das Verstaendnls und
die Unterstuetzung fuer solche Massnahmen zu foerdern, die auf
•Veitfrieden und Wohlstand In einer freien Welt abzielen.
ECA Labor Information
IV/4/51
FRAHZOESICHE ARBEITER SIND ZU HOERERER PRODUKTIONSLEISTUNG
BEftTO. WBMN SIE AN DEN G E W I N T O BETOTLIGT WSK5W
Jean Prottin, ein Arbeiter in den Stahlwerken Acieries
de Longwy, Mount-Saint-Martin, erklaerte, der franzoesische
Arbeiter muesse die Gewissheit haben, dass er einen gerechten
Anteil an den gesteigerten Gewinnen erhaelt, bevor er rueckhaltlos das Prinzip der hoeheren Produktionsleistung unterstuetzen koenne.
Prottin gehoerte einer franzoesischen Produktivitaetsstudiengruppe der Stahlindustrie an, die vor kurzem aus den
Vereinigten Staaten zurueckgekehrt ist. Die Reise erfolgte
im Rahmön des Programms fuer technische Unterstuetzung innerhalb des Marshall Planes.
Prottin begruendete seine Forderung wie folgt: "Um neue
Maschinen zu kaufen, muessen die Unternehmer Geld verdienen.
Um Geld zu verdienen, muessen sie ihre Erzeugnisse mit Gewinn
verkaufen. Um die Gewinnspanne zu vergroessern, muss die Produktionsleistung gesteigert werden. Aber eine hoehere Produktionsleistung kann nur erreicht werden, wenn die Arbeiter
Vertrauen haben. Deshalb ist die wachsende Produktionsleistung
etwas, das sich, wie in den USA, aus sich selbst heraus vergroessert."
- 3 -

�Adrien Auberson, d e r Ingenieur In den Stahl- und Huettenwerken von Firminy ist, bekennt sich zu der gleichen Meinung
und erklaerte, das Problem der Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern sei In bezug auf die Produktionsleistung von besonderer Bedeutung. Es koenne ohne grosse
Ausgaben fuer neue Maschinen geloest werden. Notwendig ist
Ja doch eine G-eisteshaltung, die In den Vereinigten Staaten
sorgfaeltig genaehrt wuerde. Ohne diese koennten die amerikanischen Stahlarbeiter Ihre technischen Einrichtungen nicht
waehrend jeder Arbeitsstunde voll ausnutzen.
Nach der Auffassung Aubersons koennen in der franzoesischen Stahlindustrie folgende Verbesserungen sofort vorgenommen werden:
1. die gegenwaertige Organisation der Betriebsleitung
kann durch das amerikanische System der sorgfaeltigen Dezentralisierung und der Bestimmung der Verantwortlichkeiten in
allen Stufen ersetzt werden;
2. den Arbeitern muessen zusaetzllche Leistungspraemien
geboten werden?
3. der normale Wettbewerb innerhalb der Industrie muas
wieder aufleben, um hierdurch die Anwendung besserer Methoden
in allen betrieben anzuregen;
4. es muessen bessere betriebstechnische Methoden angewandt werden, um eine volle Ausnutzung der Einrichtungen zu
gewaehrleisten.
Die Studiengruppe beschaeftigt sich jetzt damit, einen
Bericht auszuarbeiten, in dem weitere bestimmte Vorschlaege
zur Steigerung der Produktionsleistung innerhalb der Industrie
enthalten sind.
ECA Labor Information
111/20/51
BELGISCHE SCHIFFSWERFT BAUT FUER DIE EUROPAEISCHE HANDELSFLOTTE
Die flaemische Stadt Hoboken liegt an der Scheide, einige
Meilen unterhalb von Antwerpen. Vor vielen Jahren gruendeten
Emigranten aus diesem Ort in New Jersey in Nordamerika eine
Stadt gleichen Namens. Sie behielten ihr Handwerk auch drueben
bei, und heute werden in den beiden Staedten Hoboken vornehmlich Schiffe gebaut.
Pierre Katz, der 35 Jahr alt ist, koennte als Rohrleger
in beiden Staedten angesehen werden. Seiner aeusseren Erscheinung nach zu urteilen, koennte er Amerikaner sein. Er
arbeitet zur Zeit in der groessten Schiffswerft Belgiens, der
tockerill-Werft". Er iat ein Mann mit Selbstbewusstsein; er
traegt eine amerikanische Soldatenmuetze auf seinem Hinterkopf,
Ist schlagfertig und ein Laecheln erhellt seine rauhen, offenen
Gesichtaeuege. Er ist, wie viele Werftarbeiter, untersetzt und
muskuloes.
4 -

�Katz liebt Amerika. Und zwar aus zwei Sruenden: Erstens,
weil sein Vater jetzt in New York lebt, und zweitens, weil er
ahnt, dass seine Werft und wahrscheinlich auch er selbst viel
weniger zu tun haette, wenn es den Marshall-Plan nicht gaebe.
Der Cockerill-Werft" sind zum Beispiel Auftraege fuer
Schiffe erteilt worden, die niemals haetten gebaut werden koennen, wenn die Werft nicht amerikanische Rohstoffe im Rahmen
des Iv'arEhall-Planes erhalten haette. Mit dieser Hilfe jedoch ist
die Werft unverzueglich daran gegangen, Schiffe fuer die westeuropaeische Handelsmarine zu bauen und dabei mitzuhelfen,
eine Reserve fuer das Seetransportwesen zu schaffen, das im
Kriegsfalle eine Staerkung der westeuropaeischen Verteidigung
bedeutet.
Pierre Katz, seine Frau Alice und seine beiden Kinder wohnen in einer kleinen Wohnung in Hoboken. Zwischen den beiden
Kindern, einem siebenjaehrigen Jungen und einem fuenfzehnJaehrigen Maedchen, liegen acht Jahre und ein Krieg. Als die
deutschen Armeen Eelgien ueberrannten und besetzten, zwangen sie
die Arbeiter, wie bisher weiter Schiffe zu bauen - aber fuer
Hitler. Wie der groesste Teil der belgischen Industrie entzogen sich auch die Werften unter unendlich viel Vorwaenden
den Lieferungsverpflichtungen. Fuer Katz war es jedoch nicht
so einfach. Man stellte ihn vor die Wahl, entweder fuer Hitler
auf den Schiffen zu arbeiten oder zur Zwangsarbeit in Deutschland verpflichtet zu werden.
Er behielt seine Arbeit und konnte wa«hrend des ganzen
Krieges zuhause bleiben. Als Rohrleger verdient er in der
Stunde ungefaehr 50 Cents. Er ist in der gluecklichen Lage,
mit seinem Lohn seine Miete und den Lebensunterhalt seiner
Familie bestreiten zu koennen. Fuer Kleidung reicht es jecoch
nicht. Sie ist zu teuer. Wie fuer die meisten belgischen
Arbeiter sind auch fuer die Familie Katz die Mahlzeiten von
groesster Wichtigkeit. Deshalb sind sie auch ausgezeichnet.
Eines der Schiffe, die gegenwaertig in der Werft, in der
Katz beschaeftigt ist, gebaut werden, ist der 22.000 Tonnen Passagierdampfer "Vera Cruz", der fuer Portugal bestimmt ist.
Nicht nur diesen Auftrag, sondern auch die wichtigsten Teile,
die fuer den Bau dieses Schiffes geliefert wurden, kann die
Werft dem Marshall-Plan verdanken.
Portugal brauchte das Schiff, hatte aber keine belgische
Waehrung, um es zu bezahlen. Weil die belgische Wirtschaft
verhaeltnismaessig guenstig dasteht und ueber dringend benoetigte Rohstoffe verfuegt, ist die Nachfrage nach belgischen
Franken gross, die deshalb - wie der Dollar - als "harte"
Waehrung angesehen werden.
Bis jetzt war die Marshall-Plan-Hilfe fuer Belgien von
verschiedenen Bedingungen abhaengig. Wesentliche Waren wurden
unter der Bedingung finanziert, dass Belgien seinerseits anderen Marahall-Plan-Laendern Kredite in entsprechender Hoehe
einraeumt. Nach diesem System hat Belgien Portugal genuegend
Franken auf Kredit gegeben, mit denen es die "Vera Cruz" bezahlen kann. Die portugiesischenElnkaeufer vergaben den Auftrag an die "Cockerill-Werft". Es handelt sich hier um ein
System einer weltweiten wirtschaftlichen Zusammenarbeit, das
dazu bestimmt ist, die westeuropaeischen Laender nach einem
verheerenden Krieg wieder auf ihre eigenen Fuesse zu stellen,
5

�um ihnen die industrielle Kraft zukommen zu lassen, die sie benoetigen, um ihrerseits zur Verteidigung gegen die Bedrohung
einer kommunistischen Aggression beitragen zu koennen.
Auf dieser Werft arbeiten rund 3.000 Arbeiter, die alle
ebenso wie Katz vom Marshall Plan abhaengig sind. Viele von
ihnen arbeiten unmittelbar an den Teilen, die aus den Vereinigten Staaten importiert werden.
Kessel zum Beispiel waren Mangelware. Die auf der Werft
benoetigten Kessel wurden vor dem Kriege von den Stahlwerken
der Werft in der Naehe von Luettich hergestellt. Waehrend der
deutschen Besatzung waren diese Fabriken jedoch von britischen
Moskito-Eombern und nach der Befreiung von deutschen V-l Geschossen zerstoert worden. Der Wiederaufbau der Kesselfabriken
nahm lange Zelt In Anspruch, und die Lieferauftraege konnten
nicht erfuellt werden. In der Zwischenzelt sind aus Amerika
Kessel im Werte von 16.000 Dollar importiert worden, die von
Murray &amp; Co. in Elizabeth (New Jersey) hergestellt und mit
Marshall-Plan-Geldern finanziert wurden.
Schiffsschrauben waren frueher aus England gekommen.
Durch die Wirren des Krieges und die Zurueckstellung von Auftraegen konnten Jedoch auch die Englaender die Lieferungsauftraege nicht erfuellen. Die Bethlehem Steel Company und
Ferguson &amp; Co. in Hoboken (New Jersey) verkauften der Werft
solche riesigen Schiffsschrauben aus Messing im Werte von
106.000 bzw. 72.000 Dollar. Katz selbst verwendet bei seiner
Arbeit an den Rohranlagen Erweiterungsdichtungen, die von der
U. S. Rubber Co. und der Arbit Trading Co. in New York geliefert
wurden. Die Cockerill-Werft hat ausserdem viele andere Einzelteile betriebswichtiger Werkzeugmaschinen fuer Ihre Werkstaetten
importiert»
Die Folge hiervon ist, dass Laender wie Portugal, Belgien
und Norwegen ihre Handelsmarine fuer Friedens- oder Kriegszwecke vergroessern koennen, der gesamten belgischen Wirtschaft
Auftrieb geben und Arbeiter wie Katz und viele tausend andere
einen Arbeitsplatz haben, der sonst ueberhaupt nicht bestehen
wuerde.
Die Bewohner der beiden gleichnamigen Staedte Hoboken in Belgien und New Jersey - sind erneut zusammen Alt den Buergern der uebrlgen freien Welt zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen.
ECA Labor Information
VORLAEUFIGE SCHAETZÜNGBN UEBER UNFALLZIFFERN IN DER AMERIKANISCHEN INDUSTRIE
Wie vorlaeufigen Schaetzungen zu entnehmen ist, ging in
den Vereinigten Staaten die Zahl der Arbeitsunfaelle des
Jahres 1950 gegenueber dem Jahre 1949 um 4;* In die Hoehe. Diese
Erhoehung ist zum groessten Teil auf die groessere 3eschaeftigtenziffer zurueckzufuehren» Aber abgesehen hiervon machen
sich In einigen Industrien Anzeichen fuer hoehere Unfallziffern bemerkbar.
Die Gesamtzahl der Arbeitsunfaelle, die Arbeitsunfaehigkeit zur Folge hatten, wurde fuer das Jahr 1950 auf etwa
1,952.000 geschaetzt gegenueber 82.000 im Jahre 1942. Die
- 6 -

�Gesamtzahl des Jahres 1950 lag Jedoch unter der gesohaetzten
Zahl von 2.019.900 des Jahres 1948 und war damit die zweitniedrigste seit 1949.
Im Verlauf des Jahres 1950 verliefen annaehernd 15.000
Arbeitsunfaelle toedllch. Weitere 84.900 Arbeiter wurden
durch Unfall dauernd erwerbsunfaehlg, weil sie z.B. entweder
irgendein Koerperglled verloren hatten oder irgendeine
Funktion des Koerpers geschaedigt war. Diese Zahl schliesst
etwa 1.600 Unfaelle ein, bei denen die Arbeitsunfaenigkeit
so schwerwiegend ist, dass die Betroffenen nicht mehr in der
Lage sind, fuer den Rest ihres Lebens irgendeine Erwerbstaetlgleit auszuueben.
Der groesste Teil der Unfaelle (75$) hatte jedoch nur
voruebergehende Arbeitsunfaehigkelt zur Folge, infolge derer
die Arbeiter einen Tag oder laengere Zeit nicht arbeiten
konnten. Von den Unfaellen selbst erholten sie sich Jedoch
ohne irgendwelche dauernden Nachwirkungen auf ihre Gesundheit.
Im Jahre 1950 gingen auf Grund von Unfaellen, die sich in
diesem Zeitraum ereigneten, etwa 40 Millionen Arbeltstage verloren. Dieser Betrag entspricht einer jaehrlichen, vollzeitlichen Beschaeftigung fuer rund 134.000 Arbeiter. Wenn man
die Unterstuetzungen beruecksichtigt, die fuer die spaeteren
Auswirkungen von toedlichen Unfaellen und dauernden Koerperschaeden gezahlt werden, wuerde sich der Gesamtverlust an
Arbeitszeit auf etwa 212 Millionen Arbeitstage belaufen, d.h.
eine jaehrliche vollzeitliche Beschaeftigung fuer ungefaehr
706.000 Arbeiter.
Die erhoehte Beschaeftigtenziffer und die gesteigerte
Taetigkeit im Baugewerbe und In der Herstellungsindustrie
fuehrten zu einer Erhoehung der Unfallziffern von nahezu
12/&amp; in Jedem dieser beiden Industriezweige.
In der Herstellungsindustrie war sowohl die Beschaeftigtenziffer als auch die durchschnittliche woechentllche
Arbeltszeit im Jahre 1950 gegenueber dem Jahre 1949 angestiegen.
Das Risiko industrieller Unfaelle ist damit In der
Herstellungsindustrie um 9% groesser gewesen. Vorlaeuflge
Berichte aus einer Reihe von Herstellungsbetrieben weisen auf
eine allgemeine Aufwaertstendenz Im Verlaufe dieses Jahres
hin. Obwohl diese Zahl Im Jahre 1950 niedriger als Im Jahre
1949 war, lagen die der spaeteren Monate ueber denen der
entsprechenden Zeitraeurae des Vorjahres. Es ist wahrscheinlich, dass die endgueltige Unfallziffer fuer 1950 etwas
Woher als die des Jahres 1949 sein wird.
In der Bauindustrie ist die Lage aehnlich. Die Taetigkeit dieses Industriezweiges hatte waehrend des Jahres 1950
ein nie erreichtes Ausmass angenommen. Die hoehere Beschaeftigtenziffer hatte zur Folge, dass durch die vermehrte Arbeltszelt das Risiko industrieller Unfaelle groesser war, das
gesteigerte Arbeitstempo trug ebenfalls zu einer Erhoehung
der Unfallziffern bei.
Lediglich in der oeffentlichen Versorgungsindustrie ging
die Zahl der Unfaelle wesentlich zurueck. Die Beschaeftigtenziffer in der Telefonindustrie ging wenig, und die der uebrigen
Vermittlungslndustrien staerker zurueck. Der Rueckgang der
Unfallziffern ist jedoch in den meisten Betrieben der oeffentliehen Versorgungsindustrie auf eine verbesserte Aufklaerung
ueber Unfaelle zurueckzufuehren.
- 7 -

�Andere Gruppen der Industrie zeigen nur geringe Veraenderungen oder unwesentliche Erhoehungen der Unfallziffern.
Der Transportindustrie konnten die Eisenbahnen jedoch von
einer bescheidenen Abnahme der Unfallziffern berichten. Sie
ging dagegen in anderen Zweigen des Transportgewerbes soweit
In die Hoehe, dass dieser Rueekgang bei den meisten Bahnen
aufgehoben wird und die Industrie im gesamten mehr Unfaelle
als frueher aufzuweisen hat.
Obwohl die Beschaeftigtenzahl im Kohlenbergbau geringer
wurde, ist die Zahl der Unfaelle um Z% gestiegen. Im bituminoes e n Kohlenbergbau, dem bedeutendsten Zweig der Zechenindustrie,
wurde die Zahl der Unfaelle ein wenig kleiner, aber nicht so
wesentlich, dass damit der Rueekgang der Beschaeftigtenzifferausgegllchen waere. Trotz der geringeren Beschaeftlgtenziffer
jedoch war die Gesamttonnage der abgebauten Kohle groesser
mit dem Ergebnis, dass die Unfallziffer, nach Millionen Tonnen
abgebauter Kohle berechnet, Im Jahre 1950 geringer war als
im Jahre 1940. Anthrazit, Metall und N^chtmetallgruben berichteten von hoeheren Unfallziffern.
Die Unfallziffern im Handel, dem Finanzwesen, den Behoerden und verschiedenen anderen Industrien weisen geringe
Erhoehungen auf und folgten in den meisten Faellen den Veraenderungen der Beschaeftigtenzlffer.
Obwohl die Beschaeftigtenzlffer In der Landwirtschaft
zurueckglng, war die Unfallgefahr auf Grund der gesteigerten
Mechanisierung der Landarbeit in solchen Farmen groesser, wo
frueher keine Maschinen verwandt wurden, da diejenigen, die
zum ersten Mal die Maschinen bedienen, verhaeltnismaessig unerfahren sind. Man nimmt deshalb an, dass die Zahl der Arbeitsunfaelle In der Landwirtschaft Im Jahre 1950 die gleiche war
wie im Jahre 1940.
Monthly Labor Review
II1/51
Theodore E. Brown:
ARBEITERBILDUNG IN DER U.S. GEWERKSCHAFT DER SCHLAFWAGENSCHAFFNER"
Die Gewerkschaft der Schlafwagenschaffner ist eine Landesorganisation mit 117 Ortsgewerkschaften in den Vereinigten
Staaten und Kanada. In dieser Gewerkschaft sind Schaffner
saemtlicher Typen von Schlaf- und Personenwagen und Kellner
und Kellnerinnen auf den Eisenbahnen der Vereinigten Staaten
und Kanadas organisiert.
Das Arbeiterbildungsprogramm dieser Gewerkschaft kann von
der Landes-, Bezirks- und Ortsebene aus beobachtet werden.
Zu dem Zentralbuero gehoert ein Referat fuer Forschung
und Erziehung, das sich aus 6 Personen zusammensetzt und fuer
die Ausarbeitung und Durchfuehrung von Projekten auf Landesebene
verantwortlich Ist« Ueber einen Kongressausschuss fuer Erziehungs- und Organisationsfragen unterbreitet dieses Referat
dem Kongress seine Vorschlaege. Saemtliche Kongressbeschluesse,
- 8 -

�die die grundlegenden Richtlinien in Erziehungsfragen regeln,
werden auf Veranlassung dieses Ausschusses gefasst.
Die neue Abfassung des Arbeitsgesetzes fuer die ^senbahnen,
in der die Betriebsform des "Union-Shop" und die Einbehaltung
der Gewerkschaftsbeitraege vom Lohn genehmigt werden, macht
gewisse Veraenderungen-, im Erziehungsprogramm der Organisation
notwendig. Die Atmosphaere des "Open-Shop", die die Industrie
bisher beherrschte, scheint ihrem Ende entgegenzugehen. Da die
Organisation bereits mit 43 Eisenbahngesellschaften Vertraege
abgeschlossen hat, deren Arbeiter zu 99°o organisiert sind, wird
die Einfuehrung des "Union-Shop" zu einer Erhoehung der Mitgliederzahl um etwa 5% fuehren. Diese zusaetzlichen fuenf
Prozent koennen gewisse Probleme akut werden lassen und die
Notwendigkeit eines aktiveren Erziehungsprogramms steigern.
Filme, die dem aehnlich sind, der vor kurzem von der Organisation unter dem Namen "Eure Gewerkschaft" produziert wurde,
Lehrschriften ueber Themen, die fuer die Arbeiter von Interesse
sind, wie z.B. parlamentarische Verfahrensregeln oder solche
ueber aktuelle Begebenheiten, die politische Taetigkeit, dramatische Darstellungen und Gesangschoere sind einige der
gegenwaertigen Projekte, fuer die die Mitglieder der Gewerkschaft ein lebhaftes Interesse zeigen, und die von dem Arbeitsbildungsreferat gefoerdert werden.
Die Landesgewerkschaft ist aus verwaltungstechnischen
Gruenden in fuenf Bezirke aufgeteilt, an deren Spitze jeweils
ein Bezirksbeauftragter steht, die mit einer Ausnahme Vizevorsitzende der Landesgewerkschaft sind. Es gibt ausserdem
in jedem Bezirk einen Propagandisten. Diese beiden Punktionaere
sind fuer die Ueberwachung der erzieherischen Taetigkeiten
der Ortsgewerkschaften innerhalb ihres unmittelbaren Verwaltungsbereiches verantwortlich. Unter dem Vorsitz der Bezirksbeauftragten werden an passenden Stellen des Bezirks in den
Jahren, in denen kein Kongress stattfindet, regelmaessig
Bezirkskonferenzen abgehalten, die mehrere Tage dauern. Auf
diesen Konferenzen bringen die Delegierten der Ortsgewerkschaften ihren Standpunkt zum Ausdruck und weisen auf die
Notwendigkeit bestimmter Erziehungsprojekte hin. Diese
Projekte koennen kurz- oder langfristig sein. Auf diesen
Konferenzen werden ausserdem von den Bezirksbeauftragten
auf Veranlassung des Referats fuer Forschung Vorschlaege ueber
Tendenzen, Hilfs- und Informationsquellen, Fragebogenauswertung und Versorgung mit allgemeinen Informationen ueber
erfolgreiche Arbeitsmethoden anderer Organisationen unterbreitet. Jede Ortsgewerkschaft im Bezirk entsendet Vertreter,
die sich an der A rDe it der Konferenzen beteiligen und ihren
Ortsgewerkschaften Bericht erstatten muessen.
Es sind vor allem die Ortsgewerkschaften, in denen sich eine
wirksame Arbeiterbildung abspielt. Auf oertlicher Basis muss
jedes Projekt erfolgreich sein, um die gewerkschaftliche
Moral zu foerdern und eine abgerundete gewerkschaftliche
Philosophie zu gestalten. Jede Ortsgewerkschaft hat einen
staendigen Bildungsausschuss, dessen Mitglieder von dem
Vorsitzenden der Ortsgewerkschaft ernannt werden. Es ist
Vorschrift, dass jede Ortsgewerkschaft mindestens eine Kon,
ferenz im Monat allein erzieherischen Fragen widmen muss.
In jeder Ortsgewerkschaft gibt es ein staendiges Arbeiterbllriungsprogramm, dem Themen zugrundeliegen, die oben bereits
erwaehnt sind. Viel Zeit wird fuer die Verbesserung der
Methoden einer wirksamen Bearbeitung von Beschwerden und Forderungen verwendet.
- 9 -

�Zum Erziehungsprogramm jeder Ortsgewerkschaft gehoert
die Besprechung von Problemen wie sie das bundesStaatliehe
Gesetz fuer gerechte Eeschaeftigungsmethoden mit seinen
Durchführungsbestimmungen mit sich bringen, oder die Abschaffung' der Trennung von Weissen und Negern im Mllitaerdienst und die Beseitigung dieser Trennung und Diskriminierung in allen oeffentlichen Einrichtungen. Das Referat fuer
Forschung und Erziehung sowie das offizielle Organ der Gewerkschaft "The Black Worker" liefern Quellen und aktuelles
Material, mit denen die Ortsgewerkschaften in diesen Fragen
unterstuetzt werden.
Die Ortsgewerkschaft versucht, jedes Gewerkschaftsmitglied zur aktiven Teilnahme an einigen Zweigen des Gewerkschaftsprogramms heranzuziehen, angefangen mit der Unterrichtung ueber parlamentarische Verfahren« Die Mitglieder
sollen ausserdem dazu erzogen werden, in mindestens einem
Ausschuss der Ortsgewerkschaft taetig zu sein. Die politische Betaetigung ist fuer die gesamte Gewerkschaft von groesster Bedeutung, und die Erziehungsausschuesse sind dafuer
verantwortlich, dass fortlaufend an dem Programm der Gewerkschaftlichen Liga fuer Politische Erziehung gearbeitet wird,
das die politische Äaffe der AFL darstellt und von der Landesgewerkschaft und ihren Ortsausschüssen rueckhaltlos unterstuetzt und gebilligt wird.
Die Arbeiterbildung nimmt in der Arbeit der Gewerkschaft
der Schlafwagenschaffner einen aeusserst breiten Raum ein«
Wir sind fast davon ueberzeugt, dass durch ein demokratisches
Klima in der Industrie die groessten Erfolge eines demokratischen Staates verwirklicht werden koennen. Dies ist Jedoch
nur moeglich, wenn jeder Arbeiter Mitglied einer demokratischen
Gewerkschaft wird, sich selbst schult und sich die Kentnisse
aneignet, die er als Einzelner zum Aufbau einer staerkeren
Gewerkschaft und einer schlagkraeftigern Bewegung verwerten
kann«
Nows Letter, Workers* Education
Bureau AFL
IV/51
GEWERKSCHAFTLICHES GESUNDHKITSZKNTRUM IN NEW YORK EROEFFNET

Das Sidney-Hillman-Gesundheitszentrum in New York, dessen
Erstellung eine Million Dollar kostete, wurde am 16. April
fuer 40.000 Mitglieder der Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft
des CIO im Bezirk New York eroeffnet.
Dieses Zentrum ist nach dem Gruender und ersten Vorsitzenden dieser Gewerkschaft benannt. Sein Aufbau wurde mit Geldern
der Gewerkschaft und der Unternehmervereinigung der Bekleidungsindustrie des Bezirks New York finanziert. Die laufenden
Unkosten des ersten Jahres werden durch zusaetzliche Beltraege
in Hoehe von 10 Dollar je Gewerkschaftsmitglled gedeckt.
Bei einem Diner im Anschluss an die Eroeffnungsfeierlichkeiten wurde Hillman und der Gewerkschaft fuer ihre unemuedliche Arbeit zu Gunsten der Gesundheit und der Wohlfahrt ihrer
Mitglieder allgemeine Anerkennung gezollt.
- 10 -

�Zu den Sprechern gehoerten Jacob S. Potofsky, Hillmans
Nachfolger als Vorsitzender der Gewerkschaft, Oscar R. Ewing,
der Administrator fuer bundesstaatliche Sicherheit, der
New Yorker Oberbuergermeister Vincent Impelliteri und
Louis Hollander, der stellvertretende Vorsitzende des Gemeinsamen New Yorker Ausschusses der Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft,
"Wenn wir dieses neue Zentrum, das der Erholung unserer
Mitglieder dient, heute bewundern, erklaerte Potofsky, "wird
uns bewusst, wie weit wir von den Tagen der "Schwitzwerkstatt"
in den Jahren 1910 und 1912 entfernt sind. Es ist eine
lebende Erinnerung an den grossen Sidney Hillman, der sich
aus einer harten Vergangenheit emporgerungen hat und bis zu
seinem Tode um derartige Einrichtungen kaempfte. Dieses
Zentrum ist die Verwirklichung seines alten Traumes. Er
hatte den Wunsch, den Mitgliedern zu dienen und sie gegen
Unbill zu schuetzen. Sein Leben war dieser Aufgabe gewidmet."
Ewing, der vor dem Kongress die Billigung einer Gesetzesvorlage gefordert hatte, in der die bundesstaatliche Unterstuetzung oertlicher oeffentlicher Gesundheitseinrichtungen
vorgesehen ist, sprach der Gewerkschaft seine Anerkennung
dafuer aus, dass "sie ein Beispiel gegeben hat, wie die Mindestvorteile aus sozialen Programmen der Regierung durch die
Initiative, den ^infallsreichtum, die Weitsicht und den Realismus einer gut gefuehrten und sich selbst achtenden Mitgliedschaft einer Gewerkschaft ergaenzt werden koennen."
"Sie zeigen heute," fuehrte Ewing aus, "in diesem Gebaeude
dem ganzen Land und darueber hinaus der ganzen Welt, wie die
amerikanische Gewerkschaftebewegung in Zusammenarbeit mit der
amerikanischen Industrie und vor allem mit der amerikanischen
Regierung, die fuer das Volk da ist, zum groesseren Wohl des
einzelnen Buergers tatkraeftig beitragen kann."
Hollander teilte mit, dass das Gesundheitszentrum 250.000
Dollar fuer die wissenschaftliche Erforschung von Blutgefaesserkrankungen und Gicht zur Verfuegung gestellt hat.
Diese Erkrankungen treten besonders haeufig bei Arbeitern der
Bekleidungsindustrie auf.
Das sechsstoeckige Gesundheitszentrum ist zur Behandlung
von 750 Patienten in der Woche eingerichtet, die auf vorherige
Vereinbarung zur Behandlung kommen. Das Personal besteht aus
75 Aerzten, 25 Technikern, Krankenschwestern, Apothekern,
Sozialarbeitern und anderen. Dr. Morris A. Brandt, der stellvertretende medizinische Leiter des Gesundheitsversicherungssystems von Gross-New York, ist der verantwortliche aerztliche
Leiter des Institutes.
Daily News Service
IV/16/51
NEUE RICHTLINIEN FUER LEISTÜNGSLOEHNE
Das Interesse der Gewerkschaften an der Lohnfrage ist in
den vergangenen Jahren mehr und mehr den Methoden zur Bezahlung
der Arbeitnehmer nach ihrer Leistung zugewendet worden. In
einer Reihe von Industriezweigen, wie z.B. Kohle und Baumwolle,
wird Jetzt traditionsgemaess ein groesserer Prozentsatz von
11 -

�Arbeitern nach Produktionsergebnissen bezahlt als je zuvor.
Entweder als Alternativloesung oder als Zusatz zu der
Bezahlung fuer geleistete Arbeitszeit muessen Akkordsysteme
so gut ausgearbeitet und auf die besonderen Verhaeltnisse
derjenigen Industriezweige abgestimmt sein, fuer die sie
bestimmt sind. Kein System ist fueralle Industriezweige anwendbar.
Um allen jenen zu helfen, die die Methoden des Leistungslohnsyatems ausarbeiten und zur Anwendung bringen, und hierzu
muessen sowohl Gewerkschaften als auch Unternehmer gehoeren hat das Arbeitsministerium eine Abhandlung ueber Leistungslohnsysteme veroeffentlicht.
Sie ist von einem Ausschuss von Vertretern des britischen
Gewerkschaftsbundes TUC und Vertretern der Unternehmer aus
oeffentlichen und privaten Betrieben verfasst worden und gibt
Beschreibungen und Beispiele von Leistungssystemen, wie z.E.
unterschiedliche Stuecklohntarife, Zeitzuschlagsysteme und
kollektive BonusZahlungen.
In einer allgemeinen Zusammenfassung ueber die Bezahlung
nach dem Leistungsprinzip wird in dieser Veroeffentlichung
darauf hingewiesen, dass die Industrie ueber mehrere solcher
Systeme verfuegt und dass einige der bereits bestehenden
vorbessert werden muessten. So lange diese Systeme nicht zu
einem Ersatz fuer das bewaehrte Prinzip eines angemoasenen
Tageslohnes fuer eine entsprechende Tagesarbeit werden, und
so lange sie ein Ergebnis besonderer Bemuehungen seitens der
Arbeitnehmer sind, werden sie der Nation als Gesamtheit zugute
kommen und sowohl den Unternehmern als auch den in Frage
kommenden Arbeitern Vorteile und Genugtuung bieten.
Die Einfuehrung solcher Systeme muss sorgfaeltigst ueberwacht werden. Leistungssysteme duerfen erst nach sorgfaeltiger
Ueberpruefung jeder Taetigkeit festgelegt werden. Hoechst bedeutsam ist dabei, dass von dem Augenblick an, in dem ein
System zum ersten Mal in Vorschlag gebracht wird, bis zu dem
Zeitpunkt, In dem jeder Arbeiter genau versteht, wie sich
dieses System auf ihn auswirken wird, es in geraeinsamer Beratung besprochen wird. Wenn Leistungssysteme einmal eingefuehrt
sind, muessen sie sorgfaeltig ueberwacht werden. So sollen z.B.
Akkordtarife, die nach einer gewissen Zeit nicht mehr dem Wert
der Anstrengungen entsprechen, die fuer die betreffende Arbeit
aufgewendet werden muessen, nur auf Grund gegenseitiger Uebereinstimmung neu angeglichen werden.
Um eine Garantie gegen das zu schaffen, was die Gewerkschaften frueher befuerchteten, wird in der Veroeffentlichung
"Leistungslohnsysteme" darauf hingewiesen, dass der Ausstoss
nicht auf Kosten der Qualitaet oder auf Kosten uebermaesslger
Ermuedung oder Anstrengung der Arbeiter gesteigert werden darf.
In einer Uebersicht ueber die verschiedenen Lohnsysteme
nach dem Leistungsprinzip fuer die einzelnen Arbeiter wird
ausserdem insbesondere auf kollektive Leistungslohnsysteme
hingewiesen, die fuer eine Arbeitsgemeinschaft oder eine ganze
Abteilung eines Betriebes angewendet werden. Um sicherzustellen,
dass die Belohnungen denen zugutekommen, die sie tatsaechllch
verdienen, sollten so oft wie moeglich BonnsZahlungen ausgearbeitet werden.
- 12 -

�Eine Erhebung ueber Leistungslohnsy steine, die vom Arbeitsminlsterium durchgefuehrt wurde, hat ergeben, dass drei von je
zehn Arbeitern, die in der britischen Industrie nach ihrer
Leistung bezahlt werden, meistens in groesseren Betrieben beschaeftigt sind. Dieser Prozentsatz enthaelt jedoch nicht
diejenigen Arbeiter, die nach Lohnsystemen bezahlt werden,
denen teilweise Zeittarife und zum Teil Produktionsergebnisse
zugrundeliegen.
Labour
IV/51
TARIFVERTRAEGE IN RÜMAENIEH
In der westlichen Welt enthalten Tarifvertraege zwischen
Gewerkschaften und Unternehmern Bestimmungen ueber Loehne,
Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen, und ueber diese Bedingungen
wird in Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern entschieden. In der "Volksdemokratie" des vom Kreml
beherrschten Rumaeniens ist es jedoch nicht so. Dort werden
die Texte fuer sogenannte Tarifvertraege in den Staatsministerien ausgearbeitet, ohne dass die Arbeiter zu Rate gezogen
werden.
Die Vertraege enthalten jedoch eine Bestimmung, die besagt,
dass die Arbeiter an die Unternehmer Forderungen stellen koennen.
Damit aber nicht irgendein Arbeiter dummerweise von dieser
Bestimmung Gebrauch macht, haben die kommunistische Partei
und ihre Unternehmergewerkschaften eine Mitteilung veroeffentlicht, in der sie vorschlagen, dass die Arbeiter keine "materiellen Forderungen" stellen und z.B. nicht hoehere Loehne, kuerzero Arbeltszeit und bessere Arbeitsbedingungen verlangen«
Als »Varnung an die Arbeiter heisst es in dieser Mitteilung;
"Alle, die unverantwortliche Forderungen stellen und die
Interessen ihres Unternehmens und der nationalen Wirtschaft
ausser Acht lassen, werden als Volksfeinde entlarvt und
isoliert."
Inzwischen hat sich die Sowjetunion auf Grund der Aufruestung fuer neue militaerische Wagnisse gezwungen gesehen,
das Risiko einzugehen, ihre Zwangsarbeitslager in groessere
Staedte zu verlegen. In der letzten Ausgabe des "New Leader",
einer fuehrenden gewerkschaftlichen und liberalen amerikanischen Wochenzeitschrift, stellt Vasily Yershoff, ein frueherer
Oberst in der sowjetischen Militaerverwaltung Ostdeutschlands
fest, dass die Zwangsarbeitslager, die vor dem 2. Weltkrieg
in abgelegenen Gebieten der Sowjetunion vor den Augen der
Oeffentlichkeit verborgen gehalten wurden, nun in grossen
Staedten vorzufinden sind.
Oberst Yershoff, der sowjetischer Beamter war und vor dem
Krieg vor allem Probleme der Lebensmittelindustrie bearbeitete,
kam gegen Ende des Krieges mit seinem Regiment nach Berlin.
Im August 1947 wurde er von der Besatzungsarmee beurlaubt
und kehrte in seine Heimatstadt, eine der groessten Staedte
Russlands zurueck. Er besuchte einen Freund - dem er das
Pseudonym Alexander Kikolaevltsch gibt - der Direktor einer
grossen Fabrik war. In diesem Betrieb sah er mit eigenen
Augen, dass 1200 der 5.000 Arbeiter weibliche Zwangsarbeiter
Im Alter von 20 bis 45 Jahren waren, die "zu viel gesehen
hatten". Sie waren von den Deutschen dienstverpflichtet und
13 -

�nach Deutschland gebracht worden. Nach ihrer Befreiung durch
die Rote Armee Im Jahre 1945 wurden sie als "Volksfeinde"
zu drei bis fuenf Jahren Zwangsarbeit verurteilt, weil sie
ausserhalb Russlands gewesen waren und Stalin deshalb befuerchtete, sie koennten zu der Ueberzeugung gekommen sein, dass
die Zwangsarbeit selbst im nazistischen Deutschland dem untragbaren russischen Leben vorzuziehen sei. Die meisten
dieser Frauen waren ungepflegt, schmutzig, abgezehrt und
barfuessig. rtaechter, die mit Gewehren bewaffnet waren,
beaufsichtigten sie bei der Arbelt. ^arum wurden diese
Zwangsarbeiter eingesetzt? Vor dem Krieg hatte dieser Betrieb 5.000 Arbeiter beschaeftigt. Mehr als 40£ hatten
laenger als 10 Jahre dort gearbeitet und verfuegten ueber
die entsprechenden Erfahrungen. Aber infolge der Kriegswirren starben die aelteren Arbeiter und von den 2.100
juengeren kehrten nur 900 aus der Armee zurueck. 3.000 ungelernte Arbeiter wurden aus verschiedenen Teilen aus der
Sowjetunion zusammengeholt. Doch Stalin brauchte schnellere
Massnahmen, um sein Industriepotential fuer den Krieg aufbauen zu koennen.
Oberst Yershoff berichtet, dass die Sklaveroi in den
russischen Staedten eine zweischneidige Waffe ist. Sie gibt
auf der einen Seite Stalin die Moeglichkeit, seine industrielle
Kriegsmaschinerie unter geringem Kostenaufwand aufzubauen
und gleichzeitig die politisch "Unzuverlaessigen" zu ueberwachen, die, wenn sie frei waeren, eine Gefahr fuer die
Diktatur des Kreml bedeuteten. Indem Stalin jedoch auf der
anderen Seite die bittersten Gegner seines Regimes als
Straeflinge vor die Augen ihrer Freunde in den Staedten
fuehrt, sagt Yershoff, duerfte er sich den Weg zu seinem
eigenen Untergang ebnen.
Yershoffs Informationen zufolge gibt es Zwangsarbeitslager in Moskau, Leningrad, Kiew, Odessa, Charkow, Swerdlowsk
und hunderten anderer russischer Staedte.
Program Services Section
IV/ll/51
DAS SCHICKSAL DER BALTISCHEN GEWERKSCHAFTER
Fast alle bekannten Gewerkschafter sind seit der Uebernahme der baltischen Staaten durch die Kommunisten deportiert
worden. In Estland hat sich Maxim ünt in seiner Eigenschaft
als Koramissar der Arbelt gewissen russischen Richtlinien widersetzt, um zu versuchen, in eine desorganisierte Situation
etwas Ordnung zu bringen.

Obwohl Unt linksgerichteter Soziallst und Gewerkschafter
war und als erster Polizeiminister in der sogenannten "Roten
Nationalregierung" fungierte, verschwand er 1m Buero
Schkurins, dem Chef der oertlichen NKWD, wohin er beordert worden wa
Das gleiche Schicksal traf Paul Baumann, den stellvertretenden
Kommissar fuer Arbeit, der wegen seiner revolutionaeren Taetigkeiten 12 Jahre in estnischen Gefaengnlssen verbracht hatte.
Diesen Maennern folgten viele andere, die zu Beginn der Besatzung zu den Kommunisten hinueber geschwenkt waren, weil sie
glaubten, dadurch in der Lage zu sein, die Rechte der Arbeiter
zu verteidigen und gegen die russische Korruption zu protestieren.
- 14 -

�Die frueheren linksgerichteten Sozialisten hegten natuerlich zuerst die Hoffnung, dass sich das Los der estnischen
Arbeiter unter dem Sowjet-Regime verbessern wuerde. Sie
waren hoechst enttaeuscht, als sie sahen, dass das Gegenteil
der Fall war. Aber sie konnten nichts dagegen tun, ja, sie
durften nicht einmal ihre Stellungen kuendigen.
Die allgemeine Welle des furchtbaren Erwachens griff auf
viele ueberzeugte und hartgesottene Kommunisten ueber, sodass
eine Reihe Kommunisten, die aus Russland zurueckgekehrt waren,
vom bolschewistischen Glauben abfielen.
Unter der sowjetischen Besatzung wurden zahlreiche
Sozialdemokraten verhaftet und wenn sie nicht an Ort und
Stelle beseitigt wurden, deportierte man sie in die Zwangsarbeitalager in Russland.
Zu den Opfern der estnischen Gewerkschaftsbewegung
gehoeren Jaan Piiskar, der fruehere Vorsitzende des Allgemeinen Bundes Estnischer Gewerkschaften, August Gustavson, der
stellvertretende Vorsitzende dieses Gewerkschaftsbundes und
Repraesentant des Internationalen Arbeitsamtes fuer Estland,
Joosep Rukki, der Vorsitzende der Estnischen Eisenbahnergewerkschaft und Delegierter fuer den Ausschuss des Internationalen Transportarbeiter Verbandes, Viktor Rutnik, der
Sekretaer der Estnischen Eisenbanarbeitergewerkschaft, Juhan
Kurvits, der Vorsitzende der Estnischen Arbeiterkammer und
Mitglied des Exekutivausschusses der Estnischen Druckergewerkschaft, Mlhkel Mihkelson, Parlamentsmitglied und Vizevorsitzender der Estnischen Landarbeitergewerkschaft und Leopold
Johanson, ebenfalls Mitglied im Parlament und Sekretaer der
Liga Estnischer Krankenkassen und frueherer Aussenminister.
All diese Maenner sind verschwunden, ohne eine Spur zu
hinterlassen und es gibt keinerlei Informationen ueber ihr
Schicksal. Neben den Gewerkschaftsfuehrern hat das gleiche
Schicksal eine grosse Zahl unabhaengig gesinnter estnischer
Arbeiter ereilt.
Am 14. Juni 1941 wurden 1.000 Personen verhaftet und anschliessend deportiert, annaehernd 1.S00 Estlaender wurden
von der NKWD beseitigt, ohne dass ihnen der Prozess gemacht
wurde. Etwa 64.000 Estlaender wurden waehrend der ersten
russischen Besatzung liquidiert.
Mit kleinen oertlichen Veraenderungen trifft die gleiche
Geschichte fuer Lettland und Litauen zu. Am 14. Juni 1941
deportierten die sowjetischen Behoerden 14.000 Menschen aus
Lettland, in 39 Kategorien eingeteilt, nach Sibirien. Zu
den Deportierten gehoerten beide Vorsitzende des lettischen
Exekutivausschusses der Gewerkschaften, J. Visnia und
A. Veckalns. Visnia spielte In der Revolution von 1917 eine
aktive Rolle, waehrend Veckalns unter der Diktatur Ulmanis
lange Zeit im Konzentrationslager untergebracht war.
Die zahlreichen fortschrittlichen Gesetze und Einrichtungen der frueheren demokratischen Nation Lettland sind
ausgemerzt worden und der Lebensstandard der Arbeiter wurde
auf etwa l/3 seines frueheren Standes reduziert.
Die unaufhoerlichen Verhaftungen, das Verschwinden von
Menschen, die Deportierungen und Mobilisierungen, verbunden
mit dem staendigen Prozess der Russifizierung, fuehren zu
einer systematischen Zerstoerung der nationalen Eigenart der
baltischen Voelker«
International Labor
- 15 Relations Committee APL

�FRUCHTBARE ARBEIT AMERIKANISCHER GEWERKSCHAFTEN IN EUROPA
Die "Hemdsaermeldiplomaten", die aus amerikanischen
Gewerkschaften kommen, haben,wie von der Verwaltung fuer
europaeische wirtschaftliche Zusammenarbeit erklaert wird,
in Europa wesentlich zum Aufbau eines Bollwerks gegen die
sowjetische Aggression beigetragen.
In einer Anerkennung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung aus Anlass des dritten Geburtstages des Marshallplans bezeichnet die ECA das Nachlassen des kommunistischen
Einflusses innerhalb der europaeischen Gewerkschaften als
ein Ergebnis der Arbeit dieser Leute. Vor drei Jahren, heisst
es in der Erklaerung der ECA, beherrschten die Kommunisten
die europaeischen Gewerkschaften mit insgesamt 12 Millionen
Mitglieder. In diesem Jahr zaehlen die kommunistisch beherrschten Gewerkschaften nur noch 6 Millionen Mitglieder,
die aber nicht alle Kommunisten sind.
Auch die Zahl der wirklichen Kommunisten in Europa ist
in einem aehnlichen Verhaeltnis geringer geworden. Zuverlaessigen Schaetzungen zufolge ging die Zahl der Kommunisten
in West-Europa von 3.188.000 im Jahre 1947 auf 2.560.000 in
diesem Jahre zurueck.
Von Anfang an standen dem europaeischen Wiederaufbauprogramn
Berater fuer Arbeitsfragen und Mitarbeiter fuer diese Fragen
zur Seite. Der fruenere Leiter der ECA Paul Hoffmann und
sein Nachfolger William Foster wurden und werden von Vertretern der AFL und des CIO laufend unterstuetzt, wenn sie
3eschluesse von grosser politischer Bedeutung zu fassen haben.
Als ein Zentralbuero fuer Uebersee in Paris errichtet wurde,
war eine seiner wichtigsten Unterabteilungen die Abteilung
fuer Arbeitsfragen, in der amerikanischen Gewerkschafter taetig
sind.
Auch den ECA-Missionen in den einzelnen Marshallplanlaendern wurden Berater fuer Arbeitsfragen zugewiesen. Die
Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit hat durch die
gewerkschaftlichen Beratungsausschuesse in den am europaeischen Wiederaufbauprogramm beteiligten Laendern versucht, bei
den europaeischen Arbeitern Verstaendnis fuer dieses Programm
zu erwecken. Darüberhinaus sind Gruppen amerikanischer Arbeitsspezialisten nach Europa gekommen, um mit europaeischen
Organisationen Beratungen zu pflegen und eine Reihe amerikanischer Gewerkschaften haben mit eigenen Mitteln Funktionaere
ins Ausland geschickt, um die freie Gewerkschaftsbewegung in
ihren Bemuehungen beim wirtschaftlichen Wiederaufbau zu unterstuetzen.
In den Vereinigten Staaten haben Gewerkschaftsmitglieder
ihre Wohnungen und Konferenzraeume Tausenden europaeischer
Besucher geoeffnet, die im Rahmen des ECA-Programm fuer technische Unterstuetzung nach den Vereinigten Staaten kommen, um
den Aufbau und die Methoden der amerikanischen Gewerkschaften
und auch die Methoden der amerikanischen Industrie zu studieren.
Labor News from the ü. S.
IV/13/51
- 16 -

HICOO 27 i p r 51 0920 5 • 2 C

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - iv

Frankfurt, 27. April 1951

I y li A L T S V E R Z £ I 0 E TT I S
7/as bedeutet der Schuman-Plan? - - - - - - - - - -

1

Die Notwendigkeit der Vereinigung Europas

4

- - - -

Kommunistische Taktik in amerikanischen Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

7

Italien wird nicht wie Frankreich unter Streiks
zu leiden haben - - - - - - - - - - - - - - - -

9

Amerikanische Tarifverträge sehen Stipendium vor

11

Daenische Gewerkschaft im Dienst dar erwerbstaetigen Frau
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 2
Der eurooaeische V/iederaufbau

- - - - - - - - - - 1 3

Internationales Sekretariat der Lehrer geplant - - 16

'•VAS BEZWECKT DER SCHUKAN-PLAN?
Der Schuman-Plan hat die Errichtung eines freien und einzigen Absatzmarktes fuer zwei grosse Grundstoffindustrien der sechs
Mitgliedstaaten zum Ziel: Kohle und Stahl. Fuor diese beiden "Zaren
wird es in Zukunft keine ,-Zollgebuehren, keine einschraenkenden
Zollbestimmungen, keine Importquoten, keine Zuschuesse der Regierungen, keine "donnelten" unterschiedlichen Frachtgebuehren fuer
auslaendische und inlaendische Verbraucher mehr geben. Der Vertrag erklaert ausserdem alle Methoden fuer ungesetzlich, die in
der Vergangenheit zur Schaffung von Monopolen, zur Kontrolle der
- 1-

�Produktion oder zur Einschraenkung der Absatzmaerkte angewendet
wurden. Der einzige Absatzmarkt wird in Zukunft frei und der
Konkurrenz unterworfen sein. Alle Hersteller werden freien und
gleichberechtigten Zutritt zu den Maarkten haben, und alle Verbraucher haben gleichen Anspruch auf die verfuegbaren Waren.
Alle Formen einer Diskriminierung sind abgeschafft. Dies sind
in einfachen Worten die wesentlichen Merkmale des Schuman-Planes.

Der einzige Absatzmarkt untersteht einer Reihe von Institutionen, die in dem Vertragsentwurf festgelegt sind. Die exekutive
Institution ist die Hohe Behoerde, die sich aus neun Mitgliedern
zusammensetzen wird. Acht dieser Mitglieder werden von den Teilnehmerstaaten ernannt, wobei einem Land nicht mehr als zwei Mitglieder zustehen. Diese acht Mitglieder werden daraufhin das
neunte Mitglied der Hohen Behoerde waehlen. Diese Behoerde wird
nicht irgendeinem Lande, sondern dem Pool bzw. allen Mitgliedstaaten gegenueber verantwortlich sein. Die wichtigste Aufgabe der
Hohen Behoerde
esteht darin,
dafuer zu sorgen,
dass der allgemeine
,€ufopaixke SememßkaftßrJ(phku.Stahl'\ nicht Absatzmarkt
in irgendeiner V/eise be&amp;ieJ(ohle-u.StQklprodktti(»l eintraechtigt
12,1
wird. Die Behoer10,5
der 6 Sikumanplan lancier
de selbst soll
1950 in MtU
sich nur insoweit
in die Arbeit des
Absatzmarktes einJUI
mischen, als dies
Fi 10.*"«
zur Erreichung und
DEUTÄHUNO
REICI
• T | | BURG
| ITALIEN
Sicherung der Ziele des Schumanflufbau der „turopäifthenGemeinfdioffm
Planes notwendig
ist. Gleichzeitig
und (Funktion ihrer Organe ••••••••
hat sie weitgehende Befugnisse, in
Zeiten wirtschaftlicher Krisen oder
Verknappungen einzugreifen, und ist
berechtigt, bei
der Modernisierung
der Industrie mitzuhelfen, das Lohnniveau und die
Arbeitsbedingungen
zu schuetzen und
die wirtschaftliche
Forschung anzuregen. Die Kontrollorgane werden ausser
der Hohen Behoerde
aus einem Beratungsausschuss, einem
Ministerrat, einer
Gemeinsamen Versammlung und einem
Gerichtshof
bestehen,
SSPahl
Der Beratungsausschuss soll die

DER SCHUMAN-PLAN

7Vc

lUitglwdftaateA

�Hohe Behoerde unterstuetzen und kann zu jeder Zeit zu Rate gezogen
werden, wenn die Hohe Behoerde dies fuer angebracht haelt. Unter
gewissen Umstaenden ist die Hohe Behoerde gezwungen, sich den Rat
dieses Ausschusses einzuholen. Der Ministerrat wird sich aus Ministern der Teilnehmerstaaten zusammensetzen und fuer die Koordinierung und Verbindung zwischen der Hohen Behoerde und den Regierungen der Mitgliedstaaten sorgen. Die Gemeinsame Versammlung
besteht aus Mitgliedern, die von den Parlamenten der sechs Teilnehmerstaaten ernannt werden, und sie wird als legislative Koerperschaft taetig sein, an die die Hohe Behoerde in regelmässigen
Zeitabstaenden Bericht erstatten muss. Der Gerichtshof schliesslich hat die Aufgabe, darueber zu wachen, dass die Hohe Behoerde
nicht willkuerlich oder in Verletzung der Bestimmungen des Vertrags von ihren Befugnissen Gebrauch macht.
Vom Standpunkt des deutschen Arbeiters aus sind die Vorteile
dieses Planes offensichtlich. Der Plan sieht die progressive
Schliessung unrentabler Bergwerke in Belgien und Frankreich vor.
Dies wird zu einer Ausdehnung des Absatzmarktes fuer die Ruhr
fuehren und damit eine breitere und stabilere Besfchaeftigung fuer
die Arbeiter bedeuten. Mit dem Zusammenbruch der kuenstlichen
Zollschranken wird die deutsche Stahlindustrie in der Lage sein,
die Fruechte aus ihrer produktiven Leistungsfaehigkeit zu ernten,
die wiederum den Arbeitern in Form einer hoeheren Stabilitaet
der Beschaeftigung zugutekommen. Eines der grundlegenden Ziele
des Planes ist die "Entwicklung der Beschaeftigungsmoeglichkeiten
und die Verbesserung des Lebensstandards" in den Teilnehmerstaaten.
Den Arbeitern wird ein Schutz gegen jene Unternehmer geboten, die
durch niedrigere Loehne und damit geringere Produktionskosten ihre
Erzeugnisse zu niedrigeren Preisen verkaufen wollen. Sie koennen
ausserdem bei Arbeitslosigkeit, die auf technologische Ursachen
zurueckzufuehren ist, von der Hohen Behoerde unterstuetzt werden.
In den meisten Faellen jedoch bleibt das Recht der Arbeiter, hoehere Loehne zu fordern, eine Privatangelegenheit, die in Verhandlungen zwischen dem betreffenden Unternehmen und seinen Arbeitnehmern
geklaert wird.
Fuer den Durchschnittsbuerger in jedem der sechs Teilnehmerstaaten hat der Schuman-Plan eine ganz besondere Bedeutung. Durch
die Beseitigung der Zoelle fuer Rohstoffe, die zwischen den einzelnen Laendern ausgetauscht werden, ist mit Sicherheit mit geringeren Produktionskosten zu rechnen. Auch die Abschaffung verschwenderischer Arbeitsmethoden wird zu einer Senkung der Gestehungskosten beitragen und die uneingeschraenkte und gesunde Konkurrenz,
die sich hieraus ergeben wird, ist eine Garantie dafuer, dass die
Einsparungen dem Verbraucher in Form niedrigerer Preise fuer Tausende von Waren, die aus Stahl hergestellt werden, zugutekommen.
Ein Zimmermann zum Beispiel, auf dessen Arbeit sich der Plan nicht
direkt auswirken kann, wird indirekt insofern profitieren, als er
billigere Naegel fuer seine Arbeit und billigere Kohle fuer seine
Wohnung kaufen kann.
Als der Schuman"Plan zum erstenmal von der franzoesischen Regierung in Vorschlag gebracht wurde, fand er als ein Schritt auf
dem Wege zu einem vereinigten Europa und zur Erhaltung des Friedens
allgemeine Zustimmung. Die moderne Kriegfuehrung ist von der
Stahlerzeugung abhaengig, und es ist offensichtlich, dass, wenn
der Schuman-Plan endgueltig akzeptiert und durchgefuehrt wird, es
einer europaeischen Nation unmoeglich sein wird, ohne das Wissen
anderer Nationen aufzuruesten. Und wenn jede Nation gleichen Zutritt zu den Produktionsquellen hat, ist es unwahrscheinlich, dass
eine von ihnen in der Lage sein wird, sich einen Vorrat an Waffen
zu schaffen, der groesser ist als der anderer Nationen. Bei der
- 3 -

�Verkuendung seines Planes hat der franzoesische Aussenminister
Schuman festgestellt, dass sich Europa durch Kriege selbst aufgerieben hat, weil es niemals vereinigt war. Er bot diesen Plan
als eine konkrete Massnahme zur Schaffung einer europaeischen Solidaritaet'und zur endgueltigen Beendigung des uralten Kampfes zwischen Frankreich und Deutschland an. Der Plan ist von den politischen Fuehrern der Welt als ein Schritt zum Frieden und zur europaeischen Vereinigung begruesst worden.
Der Schuman-Plan berechtigt zu grossen Hoffnungen fuer die
Zukunft. Es ist das erste Mal, dass sich Vertreter von sechs
europaeischen Laendern einverstanden erklaert haben, ihre souveraenen Rechte in bezug auf die Kontrolle und Entwicklung zweier grundlegender Industriezweige aufzugeben. Es hat einen Voelkerbund, die
Vereinten Nationen und einen Europarat gegeben, aber der SchumanPlan ist das erste Forum, mit dessen.Hilfe die nationalen Schranken,
die Europa jahrhundertelang in verhaeltnissmaessig kleine wirtschaftliche Einheiten aufgespalten haben, zerbrochen sind und eine
wahre uebernationale Organisation geschaffen werden kann. Die
Beseitigung der Handelsbeschraenkungen, Zollschranken und Zoelle
fuer Kohle und Stahl wird zweifellos zu aehnlichen Massnahmen in
anderen Grundstoffindustrien Anlass geben. Die franzoesische Regierung hat bereits die Zusammenfassung der westeuropaeischen
Landwirtschaft unter einer uebernationalen Behoerde vorgeschlagen,
die der des Schuman-Planes aehnlich ist. Wenn sich der Plan fuer
Kohle und Stahl als erfolgreich erweist - warum sollte er dann
nicht auf alle anderen Grundstoffindustrien uebertragen werden?
Der Schuman-Plan fuehrt letzten Endes zur europaeischen Wirtschaftseinheit und die sichere Folge dieser Wirtschaftseinheit ist die
politische Einheit.
Background Information
IV/80/51
DIE NOTWENDIGKEIT DER VEREINIGUNG EUROPAS
Wie den nachstehenden Ausfuehrungen zu entnehmen ist, ist die
Idee einer europaeischen Einheit keineswegs neu. Sie hat Philosophen, Soziologen, Staatsmaenner und Eroberer in ihren Bann gezogen, wobei die letzteren ein Alibi fuer ihre Eroberungen suchten.
Das Zeitalter der Traeumereien und der intellektuellen Erwaegungen
schien mit dem ersten Weltkrieg zu Ende zu gehen.
Der Voelkerbund war bestrebt, mit einem Schlag weltumfassend
zu werden, ein Vorhaben, das an sich schon ueberspannt ist und
noch durch die Tatsache ueberspannter wurde, dass es zu Anfang an
einem ausschlaggebenden Partner und spaeter an Anhaengern fehlte.
Ungefaehr um das Jahr 1930 ging Aristide Briand naeher an dieses
Ziel heran, indem er eine europaeische Wirtschaftseinheit vorschlug: Sie wurde unter Blumen begraben, scheiterte jedoch in
Wirklichkeit schon an dem Misstrauen Gross-Britanniens und die
sich naehernde Weltkrise bereitete in vielen Laendern das fuer eine
autarke Struktur guenstige Klima durch eine Reaktion vor, die ebenso unueberlegt wie traditionsgebunden war.
Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, der weit "revolutionaerer" war als der erste, wurde das Problem einer europaeischen
Vereinigung in zunehmendem Masse akut.
Politisch gesprochen, haben die Ereignisse dieser letzten Monate selbst den Unaufmerksamsten zu erkennen gegeben, dass unter den
- 4 -

�Voelkern des Abendlandes tatsäechlich eine Solidaritaet bestand.
Es ist offensichtlich, dass keines dieser Voelker in der Läse ist,
selbst die Organisation seiner bedeutenden Sicherheit bewaeltigen
zu koennen.
Verantwortlich hierfuer sind die Verwuestungen und Verluste
des Krieges, die weit bedeutender sind als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in der Weltgeschichte und die man am Tage nach
dem Waffenstillstand noch gar nicht uebersehen konnte. Aus diesem Grunde bleibt uns nichts anderes uebrig, als uns zu dem nationalen Wahlspruch unserer belgischen Freunde zu bekennen: "Einheit macht stark" und ihn auf den europaeischen Plan zu uebertragen.
Die Idee einer europaeischen "Wirtschaftseinheit ist durefc
das Inkrafttreten der Marshallhilfe wesentlich gestaerkt worden.
Die Leiter dieses Planes haben nicht aufgehoert, darauf hinzuweisen, dass es ihr Ziel ist, Europa sobald wie moeglich auf
seine eigenen Fuesse zu stellen. Mit anderen Worten, wenn Europa auf seinen eigenen Fuessen stehen will, darf es nicht mehr
wie bisher in kleine Stuecke aufgeteilt werden oder, um es mit
noch anderen Worten zu sagen, das Bild eines zerstueckelten
Koeroers bieten.
Es ist notwendig, dass ein vereinigter Organismus die freie
Zirkulation der Produkte, des Kapitals und der Menschen selbst
ermoeglicht. Man wird vielleicht einwenden, dass dieses Ziel
ohne eine besondere Organisation erreicht werden kann: Zur Zeit
des triumphierenden Liberalismus ist natuerlich die europaeische Arbeitsteilung geschaffen worden. Man darf nicht mehr an
die Rueckkehr und besonders an eine rasche Rueckkehr einer solchen "Organisation" glauben. Der fruehere Mechanismus ist seit
1914 durch die Ereignisse und die Politik dermassen geaendert worden, dass er heute ausser Gebrauch ist und durch andere Auffassung
ersetzt werden muss, denen eine neue Ideologie zu Grunde liegt.
Was schliesslich das wesentliche ist, die Welt im allgemeinen und
die Wirtschaft im besonderen, ist betraechtlichen Aenderungen
unterworfen worden.
Wir befinden uns im Zeitalter der Wirtschaft der Massen und
der Wirtschaft des grossen Raumes. Die Stunde ist gekommen, den
europaeischen Wirtschaftsraum wirtschaftlich einzuteilen.
Geschieht das nicht, so wird das Abendland vor der physischen
Unmoeglichkeit stehen, im wirtschaftlichen Leben von Morgen eine
Rolle zu spielen. üuf der anderen Seite jedoch bestehen die
Moeglichkeiten einer solchen wirtschaftlichen Keuformung.
Was soeben gesagt wurde, ist eine erschoepfende Erklaerung
fuer die Schwierigkeiten Gross-Britanniens, seinerseits den europaeischen Gedanken zu pflegen und es ist eine Erklaerung fuer
die reservierte Haltung diesem Gedanken gegenueber, wie sie David
Scott an den Tag legt. Das Commonwealth bedeutete fuer England
diesen grossen Raum der modernen Wirtschaft und diese Auffassung
besteht seit lancer Zeit in einem Masse, dass es diesem Lande
vielleicht eher schaedlich als nuetzlich erscheinen koennte, sich
einer anderen Einheit anzuschliessen.
Wie koennte deshalb uebersehen werden, was fuer die britische Sicherheit im engsten Sinne dieses Wortes und selbst in wirtschaftlicher Hinsicht auf dem Spiel steht, weil der Sterling-Block
- 5-

�von chaotischen Zustaenden in Europa nioht in Mitleidenschaft gezogen wuerde.
Es wird bestimmt Grund zur Ueberraschung sein, dass derartige
entscheidenden Motive fuer die Vereinigung nur langsame Verwirklichungen folgen. Es handelt sich nicht im europaeischen Falle
darum, mit neuem Material aufzubauen, wie es fuer die Vereinigten
Staaten der Fall war, als sie ihren Bundesstaat schufen. Hier
muss darum aus Altem Neues gebildet werden, d.h. tiefgehende Veraenderungen des Aufbaues und des wirtschaftlichen Gleichgewichts
von frueher vorzunehmen und, was noch wesentlich schwieriger ist,
in Traditionen hängengebliebene politische Formen, Standpunkte oder
Sentiments ueber den Haufen zu werfen, die seit Jahren, ja seit
Jahrhunderten und selbst seit Jahrtausenden verankert sind. Um
das aktuellste Beispiel zu geben: kein vernuenftiger Mensch wird
behaunten, dass man Europa sowohl wirtschaftlich als auch politisch
ohne Deutschland gestalten kann. Dass diese Notwendigkeit verstanden wurde, ist in ausreichendem Masse durch den Schumanplan bewiesen. Es ist jedoch fuer den einfachen Franzosen nicht moeglich,
dass das, was ihm seine Vernunft sagt, nicht der Erinnerung an
drei deutsche Invasionen in weniger als 3/4Jahrhundert entgegentritt.
Er kann sich hiervon nicht sofort und spontan freimachen.
Wenn man Remon Millet glauben will, muss man in Europa im entstehenden Europarat zwischen Foederalisten und Funktionellen unterscheiden. Die Foederalisten wollen Europa in einem genau festgelegten und sofort vorgeschriebenen Rahmen einordnen. Die Funktionellen dagegen wuenschen eine allmaehliche Vereinigung der europaeischen Staaten durch Vereinbarungen ueber bestimmte und aufeinander
folgende Punkte verwirklichen zu koennen. Der grundlegende Unterschied besteht darin, dass die foederalistische Auffassung den
Vorschlag einer uebernationalen Behoerde enthaelt, waehrend die
Funktionellen hiervon nichts wissen wollen.
Die Franzosen sind groesstenteils Foederalisten: Sie sind es
aus persoenlicher Ueberzeugung. Wenn es ihnen erlaubt ist, einmal
an ihre eigenen Erlebnisse zu denken, muessen sie feststellen, dass
es fuer sie schwierig ist, sich mit dem Gedanken einer uebernationalen Behoerde vertraut zu machen. Aber man muss wissen, was man
erstrebt. Die einfachste Beobachtung besagt, dass bei dem Plan
dieser Behoerde, die die Initiative ausloeschen oder zusammenfassen
kann, jede Verzoegerung der Verwirklichung dieses Gedankens entgegentritt, wenn dieser nicht sogar selbst aufs Spiel gesetzt wird.
Das bedeutet nicht, dass der europaeische Aufbau ein anderer ist
als ein ueblicher Aufbau, d.h., dass man alle Arbeiten gleichzeitig
erledigen und erst dann das Fundament errichten kann. Es bedeutet
auch nicht, dass man sich unbedingt sofort auf die Schwierigkeiten
stuerzen muss und dass man sie, wenn sich Vereinbarungen ueber eine
endgueltige Handlung als moeglich erweisen, diese bis zum Abschluss
einer doktrinaeren Debatte ueber die Nationalsouveraenitaet hinauszoegern muss. Angesichts der alle bedrohenden Gefahr kommst es vor
allem darauf an, dass Frankreich sich diesem Gedanken gegenueber
nicht voellig ablenken laesst.
Es gibt in den franzoesischen Grenzprovinzen ein Haus, das als
Symbol gewertet werden kann. Es war in den Jahren 1814, 1870, 1914
und 1940 zerstoert und jedesmal wieder aufgebaut worden. Die Fassade dieses Hauses traegt eine Inschrift, die hiervon berichtet. Wenn
die europaeische Einheit nicht verwirklicht werden kann, besteht
die Gefahr, dass diese Inschrift morgen oder uebermorgen mit einem
neuen Datum einer nochmaligen Zerstoerung versehen wird, der jedoch
kaum ein Wiederaufbau folgen wuerde.
Rapports France-Etats Unis ll/E
- 6 -

�KOMMUNISTISCHE TAKTIK IN AFRIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Es gibt keinen besseren Masssteb fuer die kommunistische Gewerkschaft als ihr Verhaeltnis zum Streik, wie ihr Verhalten vor
und nach der russischen Invasion in Korea beweist. - Vor der Invasion hatte Jack Johnstone im Organ der Kommunisten "Daily
Worker" erklaert: "Der Anti-Streik Plan, den die Funktionaere der
AFL und die Anhaenger Hillmans innerhalb des CIO den Arbeitern
der Schiffsbauindustrie einzutrichtern versuchen, ist als ein
Teil des Bestrebens zu werten, die Gewerkschaften in die Ruestungsmaschinerie einzuspannen."
Nach der russischen Invasion sagte Earl Browder auf einer
oeffentlichen Massenkundgebung in St. Louis: "Jede konditionelle
Form der Anti-Streikpolitik bedeutet, dass man die Gewerkschaftsbewegung von ihrer eigentlichen Aufgabe abbringen und den Klassenkampfgedanken in Amerika ausloesen moechte, der die Kriegsanstrengungen untergraben wuerde und fuer' Amerika und die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung unheilvolle Folgen haette."
Obwohl der groesste Teil der Gewerkschaftsfunktionaere sich
gegen die in Kriegszeiten gefuehrten Streiks John L. Lewis' aussprach, haette niemand totalitaere Massnahmen zur Unterdrueckung
des Bergarbeiterstreiks gefordert.
Nach der Beendigung des Krieges entwickelten sich in Europa
Spannungen zwischen der Sowjetunion und ihren westlichen Alliierten.
Dies war das Zeichen fuer die amerikanische kommunistische Partei,
einen Angriff gegen die amerikanische Regierung zu starten. Alf
das Programm Praesident Trumans verkuendet wurde und der MarshallDlan sowie der Atlantik Pakt sich verwirklichten, wurde die Kluft
zwischen den Kommunisten und den amerikanischenv Gewerkschaften immer groesser. Dies bedeutete natuerlich, dass die amerikanischen
Gewerkschaftsfunktionaere, die die Aussenpolitik der Vereinigten
Staaten unterstuetzten, immer heftigeren Angriffen ausgesetzt waren.
Diese grundsaetzliche Feindschaft gegenueber den westlichen Demokratien kam auch in gewerkschaftlicher Form zum Ausdruck. Extravagante
Lohnforderungen waren der erste Schritt, es folgten unaufhoerliche
Streikaufrufe und eine gegen die Regierungspolitik gerichtete Agitation innerhalb der Gewerkschaften.
Indem sich die Kommunisten die Opposition der Gewerkschaften
gegen einschraenkende Arbeitsgesetze, wie z.B. die "Case Bill" und
das "Taft-Hartley-Gesetz" zunutze machten, versuchten sie, den TOlitischen Streik in Amerika auf der Bildflaeche erscheinen zu lassen.
Dies wurde eindeutig in "March of Labor", einer gewerkschaftlichen
Publikation im Dienste der Kommunisten und ihrer Anhaenger, mit
folgenden Worten zum Ausdruck gebracht:
"Die Zeit ist jetzt fuer die Gewerkschaftsmitglieder gekommen,
die Angelegenheiten in bezug auf das Taft-Hartley-Gesetz selbst in
die Hand zu nehmen. An dem Kampf um den Widerruf dieses Gesetzes
muessen sich die Millionen Arbeiter in den Gewerkschaften beteiligen.
Sie duerfen, wenn es notwendig ist, auch nicht davor zurueckschrecken,
die Arbeit niederzulegen."
Derartige Vorschlaege wurden von den Gewerkschaftsfunktionaeren
verworfen, die darauf bestanden, ein Mittel zur Regelung dieser Situation durch gesetzgeberische und verfassungsmaessige Methoden zu
suchen.
Das kommunistische Bestreben, aus dem Taft-Hartley-Gesetz politisches Kapital zu schlagen, hat den Mitgliedern einiger noch
- 7-

�kommunistisch beherrschter Gewerkschaften schwere Haerten auferlegt.
Sie weigerten sich, ihre Stellungen niederzulegen odei* eine Erklaerung zu unterschreiben, dass sie keine Kommunisten sind. Diese
Srklaerung ist im verabschiedeten Gesetz vorgesehen und ihre Abgabe ist Pflicht, wenn die Verfahren des bundesstaatlichen Ausschusses fuer Arbeitsfragen angewendet werden. Dennoch wurde
diese Politik von allen kommunistisch orientierten Gewerkschaften
verfolgt, ohne Ruecksicht auf die daraus entstehenden Folgen fuer
die Mitglieder oder die Organisation zu beruecksichtigen.
Die kommunistische Taetigkeit innerhalb der Gewerkschaften
ist sehr vielfaeltig und erweckt oft den Eindruck, als ob sie mitunter im Widerspruch mit sich selbst stuende . Man kann das Verhalten der Kommunisten jedoch verstehen, wenn man an den Rat Lenins
denkt: "Waere es nicht vollendeter Unsinn, den Krieg zum Sturz
des internationalen Buergertums zu riskieren und gleichzeitig von
vornherein die Anwendung der hierzu erforderlichen Methoden abzulehnen? Es waere das gleiche, wenn man ein gefaehrliches und bisher unerforschtes Gebirge ersteigen und sich von Anfang an weigern
wollte, den Aufstieg unter Benutzung der Serpentinen durchzufuehren.
Man wird also zeitweilig umkehren, ja sogar scheinbar die gewaehlte
Richtung aufgeben, um eine andere zu benutzen, die sich als gangbarer erwiesen hat."
Die Kommunisten sahen sich im Winter 1947/1948 hinsichtlich
der Situation, in der sich der Stadtverkehr in New York befand,
einem Dilemma gegenueber. Zuerst glaubten sie, die Transportarbeitergewerkschaft bei der Stange halten zu koennen und gleichzeitig
ihre politische Kampagne, die sich um den fuenf Cents-Fahrpreis
drehte, durchzufuehren. Bald jedoch stellte sich heraus, dass
ihnen nur die Wahl blieb, entweder die Transportarbeitergewerkschaft
zu verlieren oder ihre attraktiven politischen Schlagworte abzulegen. Da die Politik fuer die Kommunisten wichtiger ist als
Tarifverhandlungen, riskierten sie das Abspringen der Gewerkschaft.
"Lohnaufbesserungen ohne Preiserhoehungen" war fuer die Kommunisten gewiss keine Prinzipienfrage. Waehrend die Situation des
New Yorker Transportwesens einen guenstigen Kampfplatz fuer eine
kommunistische politische Kampagne bot, betrachteten sie das Zimmerpreisoroblem der Hotels von einem anderen Standpunkt aus. In
diesem Falle unterstuetzte der kommunistisch beherrschte Rat fuer
das Hotelgewerbe die Hotelbesitzervereinigung in ihrer Forderung
nach hoeheren Entgelten. Die kommunistischen Fuehrer wandten sich
gegen die Verwaltung O'Dwyers, die die Genehmigung fuer die Erhoehungen von Hotelzimmerpreisen aufgehoben und die Rueckerstattung von
Ueberbetraegen angeordnet hatte, die bereits bezahlt worden waren.
In einem Versuch, die Funktionaere der Gewerkschaften in Schwierigkeiten zu verwickeln, versuchten sich die Kommunisten in allen
moeglichen Arten von Systemen mit der Hoffnung, propagandistische
Erfolge erringen zu koennen, gleichgueltig, ob ihre Vorschlaege akzeptiert wurden oder nicht. Eines dieser Probleme war die in den
letzten Jahren gestellte Forderung nach Landeskonferenzen ueber
Lohnfragen fuer alle CIO-Gewerkschaften, "damit der Kampf um eine
Srhoehung der Loehne und gegen die Gefahr der Arbeitslosigkeit organisiert, ausgeweitet und koordiniert werden koennte." Dies entspricht der kommunistischen Auffassung, dass die Gewerkschaft ein
Werkzeug ist, mit dem die Massen in Bewegung gesetzt werden koennen.
Es waere jedoch falsch,anzunehmem, dass die Kommunisten tatsächlich das verfolgen, was sie in ihrer eigenen Propaganda als
ihre Ziele erklaeren. Mitten in den Streiks des Jahres 1946. die sicJ
- 8 -

�zum erstenmal um Lohnerhoehungen drehten, waren die Funktioniere
der kommunistisch gefuehrten Elektroarbeitergewerkschaft (UE) die
ersten, die sich im Namen ihrer eigenen Mitglieder durch die Annahme eines Kompromisses, das ihnen wenig mehr als die Haelfte
der urspruenglichen Forderung einbrachte, mit den General Motors
einigten. Sie entschlossen sich hierzu, ohne die Automobilarbeitergewerkschaft zu Rate gezogen zu haben, deren General MotorsAbteilung sich zur gleichen Zeit im Streik befand.
In der Lohnkampagne des Jahres 1949 erklaerten die Anhaenger
der Kommunisten: "Die Stahl-, Automobil- und Elektroindustrie
wuerde eine unschlagbare Einheit bilden, die in der Lage waere,
ihre Loehne selbst zu bestimmen." Diese Forderung nach Einheit
war jedoch von einer kommunistischen Gewerkschaftspolitik begleitet, die ein gemeinsames Handeln unmoeglich machte. Ausserdem
sind Gewerkschafter realistisch genug, um zu wissen, dass sie angesichts der wirtschaftlichen Tatsachen ihre Loehne nicht selbst
bestimmen koennen.
Auf Grund dieser realistischen Einstellung billigen und unterstuetzen die Gewerkschafter die Auffassung, dass der Lebensstandard
des Volkes, auf lange Sicht gesehen, nur durch Reduzierung der
Gestehungskosten und durch die Versorgung mit mehr Waren zu niedrigeren Preisen verbessert werden kann. Sie sind der Auffassung,
dass reduzierte Gestehungskosten durch verbesserte Technologie
und bessere Produktionsverfahren, durch leistungsfaehipe Techniker
und Unternehmer ermoeglicht werden muessen. Gewerkschafter lehnen
es jedoch ab, den Arbeitern ungerechte Arbeitslasten aufzuerlegen.
Spaeter hielten es die Kommunisten fuer vorteilhaft, ueberspannte Lohnforderungen zu stellen. Was Lohn- und Vertragserfolge
betrifft, sind die kommunistisch beherrschten Gewerkschaften immer
nur dem Beispiel der allgemeinen Gewerkschaftsbewegung hinterhergeschickt. Nachdem sie jedoch nun mit eigenem Dampf fahren muessen,
koennen sie nicht mehr so viel erreichen. Ihre eigenen Vertraege
weisen keine sichtbaren Gewinne auf. Von den 86 Lohnabkommen der
kommunistischen Elektroarbeitergewerkschaft, die in der Zeit von
April bis August abgeschlossen wurden und vom Buero fuer Arbeitsstatistik zusammengestellt sind, finden sich in 5£ Abkommen kein.e
allgemeinen Lohnaufbesserungen; acht Vereinbarungen enthalten nur
Erhoehungen von einem bis drei Cents, in 17 Vertraegen werden die
Loehne um vier bis fuenf Cents erhoeht, und nur neun Abkommen sehen
Erhoehungen von sechs bis zehn Cents vor. Diese Lohnerfolge sind
weit von den 500-Dollar-Loehnen entfernt, mit denen sich die Fianktionaere der Elektroarbeitergewerkschaft vorzeitig ruehmten.
Nach den "Monatsberichten ueber Lohnentwicklungen" des Bueros
fuer Arbeitsstatistik zu urteilen, erging es den anderen kommunistischen Gewerkschaften nicht besser. In der Praxis ist es tatsaechlich
so, dass die Presse von einer Reihe Lohnkuerzungen berichten musste,
mit denen sich kommunistische Gewerkschaften einverstanden erklaerten. Dies hat sie jedoch keineswegs davon abgeschreckt, die AFL
und den CIO anzugreifen, weil sie angeblich "mit ihren Lohnforderungen zu langsam traeten."
Research Staff, Int. Ass. of Machinists
11/27/51

ITAT IEN -VIRD NICHT ".TS FRANKREICH UNTER STREIKS ZU LEIDEN HABEN
"Es ist den Lohnerhoehungen auf Grund der "Gleitenden Skala"
fuer Lebenshaltungskosten, die vor kurzem fuer drei Millionen Indu- 9-

�striearbeiter Italiens erzielt werden konnten, zu verdanken, dass
sich die Welle der Streiks und Arbeitsunruhen, die das wirtschaftliche Leben in Frankreich im Maerz voellig lahmlegte, in Italien
nicht wiederholen wird.
Diese zuversichtliche Prophezeiung wurde von Giulio Fastore,
dem langjaehrigen Gewerkschaftsfuehrer und Generelsekretaer des
maechtigen italienischen Gewerkschaftsbundes CISL, in einem inoffiziellen Interview ausgesprochen.
"Die wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Beziehungen zwischen den Arbeitern und den Unternehmern in Frankreich haben durch
das Fehlen einer Vereinbarung, wie sie die "Gleitende Lohnskala"
darstellt, die Lohnverhaeltnisse in kritischen Zeiten aeusserst
schwierig gestaltet. Die Streiks der letzten Wochen sind zweifellos durch die unguenstige Lage verursacht worden, in der sich die
franzoesische Arbeiterklasse angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten befand."
"Wenn in Frankreich eine Einrichtung zur automatischen Loesung dieses Problems bestanden haette, wie zum Beispiel eine
"Gleitende Lohnskala", waere es nicht zu einer so kritischen Lage
gekommen und die Kommunisten haetten nicht die Moeglichkeit gehabt, zur Erreichung ihrer eigenen umstuerzlerischen Ziele aus
den berechtigten Forderungen der Lonnempfaenger Kapital zu schlagen.
Als einflussreichster Gewerkschaftsfuehrer Italiens wird
Pastore auch als einer der bedeutendsten Kapazitaeten in der europaeischen Gewerkschaftsbewegung anerkannt. Im Jahre 19£0 organisierte er im Alter von 18 Jahren seine erste Gewerkschaft, und
seitdem kaempft er unablaessig fuer die europaeische Arbeiterschaft.
Von den Schwarzhemden Mussolinis unmittelbar nach dessen
Machtergreifung verfolgt, fuehrte er in den zwanziger Jahren der
Diktatur einen gefaehrlichen Krieg gegen den Faschismus. Als
Gruender und Herausgeber der geheimen Gewerkschaftszeitung
"Conquiste Sindicale" (Gewerkschaftliche Erfolge) wurde er im
April 1944 in Rom von den Nazis verhaftet und sollte in ein deutsches Konzentrationslager gebracht werden. GluecklicherWeise wurde er am 5. Juni 1944 von alliierten Truppen, die der 5. Armee
General Mark W. Clarks angehoerten, befreit.
Angesichts der Bemuehungen.Italiens zur Wiederingangsetzung
und Mobilisierung seiner Wirtschaft zur Sicherung der Verteidigung
gegen irgendwelche Aggressionsgelueste einer fremden Macht stellte
man Pastore die Frage, ob er glaube, dass die italienischen Kommunisten versuchen wuerden, sich agitatorisch zu betaetigen, um die
Verteidigungsmassnahmen zu sabotieren."
Nach kurzer üeberlegung gab Pastore vorsichtig zur Antwort,
indem er seine Worte genauestens ueberlegte: "Unser Gewerkscheftsbund fuehrt wichtige Verhandlungen mit der italienischen Regierung.
Wenn die Regierung unseren gerechten Forderungen nach einer aktiven Beteiligung der Arbeiterschaft an der politischen Wirtschaftspolitik in diesen verworrenen Zeiten stattgibt, werden sich zweifellos die Ereignisse in Frankreich hier nicht wiederholen koennen.
Wenn uns die Regierung dagegen kein Gehoer schenkt, zoegere ich,
irgendwelche Voraussagen zu machen."
"Glauben Sie, dass diese Streikwelle in Frankreich irgendwelche Nachwirkungen auf die Situation der Arbeiterschaft in Ita- 10 -

�lien haben wird?" wurde der italienische Gewerkschaftsfuehrer
sodann gefragt.
"Es besteht kein Zweifel," antwortete er, "dass die italienischen Kommunisten, wenn sich eine guenstige Gelegenheit hierzu
bietet, ebenso wie ihre franzoesische Kollegen handeln werden.
äs darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Moeglichkeiten
kommunistischer Machenschaften auf gewerkschaftlichem Gebiet in
Italien weit beschraenkter sind als in Frankreich.
AFL Weekly News Service
17/17/51
AMERIKANISCHE TARIFVERTRÄGE SEHEN STIPENDIUM VOR
Der althergebrachte Brauch, wonach der Sohn in die Fusstanfen
seines Vaters tritt und den gleichen Beruf waehlt, ist in den
Vereinigten Staaten niemals allzu ausgepraegt gewesen. Dieser
Brauch ist nun durch eine amerikanische Gewerkschaft der Elektroindustrie erneut durchbrochen worden.
Nach den Bestimmungen eines neuen Tarifvertrages, der zwischen der Ortsgewerkschaft Nr. 3 der Internationalen Elektroarbeitergewerkschaft (AFL) und der Elektroindustrie im Bezirk New York
abgeschlossen wurde, koennen die Soehne in ihrem Beruf viel weiter kommen als ihre Vaeter.
In dem Vertrag wird festgelegt, dass die Fabriken der Elektroindustrie, deren jaehrlicher Umsatz eine Million Dollar uebersteigt, ein Stipendium fuer den Besuch der Columbia-Universitaet
zur Verfuegung stellen. Diese Stipendien koennen nur Soehnen von
Mitgliedern der Ortsgewerkschaft zuerkannt werden, die an dem
Pensionsplan der Gewerkschaft beteiligt sind.
Diese Stipendien ermoeglichen ein sechsjaehriges Studium an
der Universitaet Columbia. Die ersten drei Studienjahre sind
den allgemeinbildenden Wissenschaften gewidmet, waehrend die uebrige Zeit dem Studium der Elektrotechnik vorbehalten ist. Jedes
Stipendium hat einen Wert von 4.260 Dollar.
Die Firmen, die Traeger dieses Planes sind, gehoeren dem
Gemeinsamen Industriellen Ausschuss der Elektroindustrie an. Zur
Zeit hat der Ausschuss zwei Jahresstipendien an der Universitaet
von Columbia vergeben. Man schaetzt, dass es mindestens 11 Firmen mit einem Jahresumsatz von 1.000.000 Dollar gibt^ Diese Stipendien geben somit zusammen mit den beiden bereits bestehenden
13 Soehnen von Gewerkschaftsmitgliedern die Moeglichkeit, im
Herbst ihr Studium an der Universitaet zu beginnen.
Der Dekan Lawrence Chamberlain von der Universitaet Columbia,
der mitgeholfen hat, die Einzelheiten fuer den StipendienDlan auszuarbeiten, teilte mit, dass sich bei einem Stipendienfonds von
1.500.000 Dollar und den gegenwaertigen Zinssaetzen die Gesamtjahreseinnahmen auf 55.000 Dollar belaufen.
Die jungen Maenner, die sich um ein Stipendium bewerben, werden auf ihre Kenntnisse und Feehigkeiten geprueft. Das Stipendium
deckt saemtliche Unkosten fuer Unterrichtsgelder, Buecher und Gebuehren. Aus der Liste der Bewerber werden 50 bis 60 fuer die
erste Pruefung ausgewaehlt. Die Besten muessen dann eine Universitaetsaufnahmepruefung ablegen, wonach den 13 Befaehigsten ein
Stipendium zugesprochen wird.
ECA Labor Information
111/20/51
- 11 -

�DA5KISCHE GEWERKSCHAFT IM DIENST DER ERWERBSTAETIGLN FRAU
Die daenische Gewerkschaft fuer weibliche Arbeiter ist die
einzige Gewerkschaft der Welt, der ausschliesslich weibliche
ungelernte Arbeitskraefte angehoeren. Sie feierte jetzt ihr
50-jaehriges Bestehen.
Diese Gewerkschaft konnte im Jahre 1903 ihren ersten Vertrag
abschliessen. Heute zaehlt sie 30.000 Mitglieder und ist die
viertgroesste der dem Daenischen Gewerkschaftsbund angeschlossenen Gewerkschaften.
Die Gewerkschaft fuer weibliche Arbeiter hat in der Geschichte de'r daenischen Gewerkschaftsbewegung eine bedeutende Rolle gespielt. Durch feste Solidaritaet und intelligente Fuehrung hat
die Gewerkschaft es erreicht, dass der Beitrag, den die weiblichen Arbeiter zur daenischen Produktion leisten, von der Oeffentlichkeit anerkannt wird.
Die Gewerkschaft setzt sich aus 90 angeschlossenen Ortsgewerkschaftea zusammen. Ihre Mitglieder sind in der Eisen- und Metallindustrie, in Rundfunkfabriken, der Gummierzeugung, in Streichholzfabriken, der Konservenindustrie und Reinigungsberufen beschaeftigt.
Die Gewerkschaft begann ihre Arbeit mit einer Anleihe von
100 Kronen. Heute stehen gut organisierte Srwerbslosenversicherungen im Dienste ihrer Mitglieder, in Vertraegen sind annehmbare
Loshne und Arbeitszeit festgelegt und die Bueros sind in modernen,
gut eingerichteten Raeumen untergebracht.
Ueber die Bedeutung der daenischen Produktivitaetsausschuesse
befragt, erwiderte Frau Edith Olsen, die Vorsitzende dieser Gewerkschaft:
"Die Produktivitaetsausschuesse bedeuten den Anfang eines
neuen Zeitalters. Die Epoche der menschlichen Erscheinung, die
wie eine Maschine arbeitet, naehert sich schnell ihrem Ende. Die
Arbeiter in der Industrie sollen wieder Mensch sein und nicht blosse
Bestandteile der Maschinen."
In der 157 Jahre bestehenden Seilerei Jacob Holm &amp; Soehne in de
malerischen Hafenstadt Christianshavn, sind von 660 Arbeitnehmern
260 Frauen. Sie sind Mitglieder der oben genannten Gewerkschaft.
Frau Gerda Christiansen arbeitet in dieser Fabrik seit 43 Jahren.
"Ich begann hier im Jahre 1906," erzaehlt sie, "und damals
verdiente ich mit Muehe und Kot 10 Kronen in der Woche. Heute verdiene ich bei kuerzerer Arbeitszeit zwoelfmal soviel.
"Unsere Gewerkschaft war fuer uns von unschaetzbarem Wert.
Die Sicherheit, die sie uns bietet, ist ein unschaetzbarer Vorteil."
"Ich hoffe nur, dass die jungen Leute, die heute in die Industrie kommen, Verstaendnis fuer die vielen Opfer aufbringen, die
die ersten Gewerkschafter bringen mussten, um unsere Gewerkschaft
stark zu machen."
"Durch die Einfuehrung von Maschinen ist die schwere Arbeit
erleichtert und die Produktion gesteigert worden," sagt Frau
Christiansen, "sodass mehr Leute kaufen und die Arbeiter auch die
Zaren erwerben koennen, die sie erzeugen."
- 12 -

�Der groesste Wunsch der arbeitenden Frau Daenemarks ist es,
fuer gleiche Arbeit gleichen Lohn zu bekommen. Gegenwaertig liegen die Loehne der Frauen im Durchschnitt um ein Drittel niedriger als die der Maenner. In einigen Industriezweigen, wie z.B.
der Textil- und Tabakindustrie, ist die Idee der gleichen Loehne
jedoch verwirklicht worden.
Sine andere bedeutende Aufgabe ist e3, die arbeitenden Frauen zur groesseren Aktivitaet auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiet zu erziehen. Dies geschieht durch die Bildungsabteilung der Gewerkschaftsbewegung, die gewerkschaftlichen Hochschulen
und das Frauensekretariat. Dieses setzt sich aus Vertretern aller
Gewerkschaften zusammen, zu deren Mitgliedern weibliche Arbeitnehmer gehoeren, ferner aus Delegierten des Frauenausschusses der
Arbeiterpartei (Sozialdemokratische Partei) und der Abteilung fuer
die Ausbildung weiblicher Betriebsraete.
Die Frauen unterstuetzen neben vielen anderen Dingen vor
allem die Idee einer staerkeren Vertretung ihres Geschlechts im
Parlament, damit die Probleme der Frauen des Landes besser anerkannt und verstanden werden koennen.
Erwerbstaetige Kuetter mit kleinen Kindern sind besonders an
der Arbeit fuer die Erweiterung der Sozialleistung fuer die Muetter neugeborener Kinder interessiert, die es ihnen ernoeglichen
soll, fuer die erforderliche Zeit zu Hause zu bleiben, um nicht
ihre eigene Gesundheit und die ihrer Kinder schaedigen zu muessen.
Kurzarbeit ist ein weiteres Problem von grosser Bedeutung,
das von den Funktionaeren der Gewerkschaft als ein zweischneidiges
Schwert angesehen wird, da daraus geschlossen werden koennte,
dass in einer Zeit der Erwerbslosigkeit die weiblichen Arbeiter
zuerst entlassen werden sollten.
Und dabei arbeiten die Frauen in der Industrie nur deshalb,
weil sie den Verdienst einer vollen Arbeitswoche brauchen, um ihren
Kindern einen anstaendigen Lebensstandard und eine bessere Zukunft
bieten zu koennen. Bei den heutigen hohen Preisen kann mit einem
einzigen Wochenlohn kaum der Lebensunterhalt fuer eine Familie
bestritten werden, zu der Vater, Mutter und zwei oder mehr Kinder
gehoeren.
Allgemein gesagt, hat die erwerbstaetige Frau den Wunsch,
finanziell auf die gleiche Stufe mit ihren maennlichen Kollegen
gestellt zu werden.
ECA Labor Information
IV/13/51
U.S. Sonderbotschafter Milton Katz:
DER EUROPAEISCHE WIEDERAUFBAU
Die ebenso ruecksichtslose wie vielseitige Aggressionskampagne
der Sowjetunion und ihrer kommunistischen Nachlaeufer hat die freien Nationen Europas und Amerikas zur Wiederaufruestung gezwungen.
Die Wirtschaft Europas und Amerikas muss die Einwohner nicht nur
mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Wohnungen versorgen, sie muss
nicht nur das im Krieg zerstoerte wieder aufbauen und einen Teil
unserer Produktivitaet fuer neue Investierungen einsparen, um die
erzeugungstechnischen Moeglichkeiten unserer Zukunft zu sichern
und auszudehen, sondern sie muss sich auch der fundamentalen Verant- 13 -

�wortlichkeit unterziehen, unsere Verteidigungsstaerke zur Abwehr
der Aggression und zur Sicherung des Friedens aufzubauen.
Wir in Amerika sind ueberzeugt, dass diese Ziele erreicht
werden koennen, wenn wir alle unsere Hilfsquellen kraftvoll und
wirklichkeitsnah organisieren. Die wirksame Organisation unserer
Hilfsquellen fuer diese Zwecke stellt uns vor eine Reihe unendlich
vielseitiger und komplizierter Probleme. Nach amerikanischer Auffassung sind die beiden Grundelemente in dieser Organisation die
wirtschaftliche Vereinigung Europas und eine Steigerung der Produktionsleistung. Angesichts der Lage, in der sich Europa zur Zeit
befindet, stehen diese Grundelemente in enger Verbindung miteinander.
Wirtschaftliche Vereinigung und gesteigerte Produktionsleistung sind Worte, die wir oft gebraucht haben. Wir haben dabei
nicht immer verstaendlich gemacht, was wir eigentlich letzten Endes
damit meinen. Ich moechte erneut versuchen, ihre Bedeutung fuer
uns klarzulegen. Wenn wir von wirtschaftlicher Vereinigung sprechen, meinen wir die progressive Entwicklung eines einzigen grossen
Absatzmarktes fuer Europa. Dies wuerde bedeuten, dass es einer
europaeischen Hausfrau oder einem Arbeiter, Bauern oder Geschaeftsmann frei stuende, die besten Gueter zu kaufen, die irgendwo in
Europa hergestellt werden und zwar zum niedrigsten Preis, zu dem
sie in Europa erhaeltlich sind. Es wuerde fuer die Hersteller
oder Bauern ausserdem bedeuten, dass sie ihre Erzeugnisse irgendwo
in Europa verkaufen koennen.
Angesichts der Moeglichkeiten, die ein derartiger grosser
Absatzmarkt bietet, waere der europaeische Erzeuger oder Bauer
in der Lage, seine Produktion auf weite Sicht zu planen und zu organisieren. Auf diese Waise koennte er seine Produktionsleistung
steigern und es damit ermoeglichen, mehr 'vVaren zu niedrigen Preisen
zu verkaufen und gleichzeitig bessere Loehne zu zahlen.
Wenn wir von der Notwendigkeit einer Steigerung der Produktionsleistung sprechen, meinen wir damit, dass Arbeitskraefte, Kapital, Maschinen, Rohstoffe und der Faktor Zeit besser verwertet
werden muessen, um mit dem gleichen Aufwand an Anstrengungen mehr
7/aren herstellen und verteilen zu koennen. Hierzu ein Beispiel:
Europas Jahresproduktion belauft sich gegenwaertig auf rund 135
Milliarden Dollar. Wenn in Europa die Leistung pro Arbeitsstunde
und pro Arbeiter die gleiche waere wie in Amerika, so wuerde der
Wert der europaeischen Jahresproduktion 405 Milliarden Dollar ueberschreiten. Wenn sich die europaeische Produktionsleistung nur um
1/3 der Differenz zum amerikanischen Stand steigern wuerde, wuerde
dies bereits eine jaehrliche Erhoehung der Produktion um einen Wert
von 100 Milliarden Dollar bedeuten.
Wenn diese jaehrliche Steigerung der Produktion verwirklicht
werden koennte, waere es moeglich, dass das freie Europa fuer Wiederaufruestungszwecke 40 bis 50 Milliarden Dollar jaehrlich verwenden und gleichzeitig seinen Lebensstandard verbessern kann.
Ich moechte nun nicht behaupten, dass dies ueber Nacht zu erreichen
ist. Zu Anfang und auf kurze Sicht gesehen, duerften die Verteidigungsbemuehungen der Vereinigten Staaten und der freien Nationen
Europas in gewissen Sektoren zu Engpaessen fuehren. Aber auf lange
Sicht gesehen, sehen wir keinen Grund, warum die freien Nationen
Europas und Amerikas nicht in der Lage sein sollten, die Mittel
zur Verteidigung bereitzustellen, mit der eine Aggression verhindert und eine friedliche Zukunft gesichert werden kann, und gleichzeitig den Lebensstandard ihrer Bewohner zu verbessern.
14 -

�Ist eine solche Zielsetzung ungerechtfertigt? Im Jahre 1900
ar die Produktionsleistung pro Arbeiter und pro Arbeitsstunde
n Europa im wesentlichen die gleiche wie in den Vereinigten Staaen. Heute liegt diese Produktionsleistung ungefaehr zwischen
inem Drittel und einem Viertel der der Vereinigten Staaten,
enn damit begonnen wuerde, diesen Abstand zu verringern, duerfte
ierueber niemand gluecklicher sein als der Arbeiter. Gesteigere Produktionsleistung wird nicht nur bedeuten, dass mehr Waren
rzeugt und verkauft werden, sondern dass auch mehr Einkommen fuer
.en Verbrauch zur Verfuegung steht. Sie werden zu wissen wuenschen,
de dieses gesteigerte Einkommen verteilt wird. In allen demokra.ischen Laendern wird heute die Aufgabe der freien Gewerkschaften
verkannt,
einen gerechten Anteil aus den gesteigerten Einkomlen fuer die Arbeiter zu erkaempfen. Ich bin ueberzeugt, dask es
inerkannt wird, dass es ebenfalls Aufgabe der freien Gewerkschaften
.st, mitzuhelfen, dieses erhoehte Einkommen durchzusetzen.
Niemand anders als der Arbeiter hat durch gesteigerte Produkiionsleistung
mehr zu gewinnen, aber auch niemand hat mehr zu
r
erlieren, wenn die Bemuehungen fehlschlagen. Aus allem, was ich
gesagt habe, werden Sie ersehen, dass nach unserer Auffassung die
loehere Produktionsleistung mit einer hohen und stabilen Beschaefiigung und einer sich ausdehnenden Wirtschaft verbunden ist. Und
:war deshalb, weil wir an die ureigene soziale Bedeutung der allgemeinen Entwicklung gesteigerter Produktionsleistung denken. In
lieser Hinsicht schafft sie mehr Arbeitsplaetze, groessere sozia.e Sicherheit, mehr Aufstiegsmoeglichkeiten und ein reicheres und
rielseitigeres Leben.
Manchmal besteht jedoch noch immer die Befuerchtung, dass
loehere Produktionsleistung die Beschaeftigungsmoeglichkeiten verlindern koennte. Es gibt eine Situation, in der sich diese Be'uerchtung bewahrheiten koennte. Diese Situation waere gegeben,
Kenn die Äbsatzmaerkte trotz hoeherer Produktionsleistung beschraenkt
vaeren. Wenn eine derartige Situation eine groessere Arbeitslosigkeit
tach sich zieht, ist es von hoechster Wichtigkeit, dass man den
rehler und die Quelle allen Uebel's sofort erkennt. Der Fehler liegt
In der Einengung der Äbsatzmaerkte und nicht in der Steigerung der
'roduktionsleistung. Wenn Ihre Schuhe zu eng sind, werden Sie
)eim Gehen Schmerzen verspueren. Abhilfe schafft man, indem man
»eitere Schuhe verwendet, aber nicht, indem man stillsteht.
Ich habe hervorgehoben, wie ein hoeherer Lebensstandard und
lie Erweiterung der Äbsatzmaerkte fuer Europa von der hoeheren
Produktionsleistung abhaengig sind. Folglich muss ein Programm
sur Steigerung der Produktionsleistung auf die Erweiterung der Abäatzmaerkte im In- und Ausland abgestimmt sein.
Durch die OEEC und die Europaeische Zahlungsunion, die diese
Organisation schuf, werden wesentliche Fortschritte zur Beseitigung der Zollschranken und zur Erweiterung der Äbsatzmaerkte ersielt. Dieser Mechanismus wurde, wie Sie wissen, von den Regierun;en der Marshallolan-Laender in Zusammenarbeit mit der OEEC und
ait Unterstuetzun* der ECA ins Leben gerufen.
Durch die Europaeische Zahlungsunion koennen die Waehrungen
ier Marshallplan-Laender ausgetauscht werden. In den betreffenden
Jebisten ist bereits die groesste Schwierigkeit der blockierten
Gehrungen, die ursnruenglich durch Hitler und Mussolini populaer
vurden, verschwunden. Ebenso verhaelt es sich mit den Handelsquo;en, einem wirtschaftlichen Aspirin, das die Gunst der Autarkisten
;enoss. Im allgemeinen haben sich die Mitgliedstaaten der Europae- 15 -

�ischen Zahlungsunion mit der Bestimmung einverstanden erklaert,
dass 75% ihrer Importe, die frueher den einschraenkenden Bestimmungen der Handelsquoten unterlagen, in Zukunft nicht mehr diesen Beschraenkungen unterworfen sein sollen.
Ausser der Europaeischen Zahlungsunion und den Massnahmen
zur Beseitigung der Handelsquoten koennen wir als einen weiteren^
hoechst konstruktiven Schritt zur wirtschaftlichen Vereinigung
Europas den Schuman-Plan nennen, mit dem die Kohle- und Stahlquellen von sechs Maechten zusammengelegt werden sollen und der
vor kurzem in Paris paraphiert wurde.
In Amerika ist der Schuman-Plan als ein wichtiger konkreter
Schritt zum Aufbau eines starken und geeinten Europas weitgehend begruesst worden, eines Europas, das in der Lage ist, sich
selbst zu verteidigen, und seinen Menschen wirtschaftlichen Fortschritt zu bieten.
Die Staatsmaenner Frankreichs, Deutschlands, Italiens, Belgiens, Hollands und Luxemburgs sind dazu zu beglueckwuenschen,
dass sie einsichtsvoll und stark genug waren, gegenseitig die
Opfer zu bringen, die notwendig1 sind, um diese wirtschaftliche
Vereinigung zum Wohle Europas zustandezubringen.
ECA Labor Information (OßR 256
INTERNATiaJALES SEKRETARIAT DER LEHRER GEPLANT
Massnahmen zur Errichtung eines internationalen Berufssekretariates fuer Lehrer wurden am 22. April von Delegierten der Gewerkschaftsorganisationen fuer Lehrer getroffen, die am Weltkongress fuer Geistesarbeiter teilgenommen hatten. Die Sitzung begann in Bruessel am 21. April.
Die Lehrer bildeten einen Ausschuss, der die Aufgabe hat,
Informationen ueber gewerkschaftliche Organisationen der Lehrer
zusammenzutragen und sich die Zusammenarbeit bei der Errichtung eines Berufssekretariats zu sichern. Mitglieder des Ausschusses
sind Van der Moertel, Belgien, Irvin R. Kuenzli, Ü.S.A., und Gilbert Walusinski, Frankreich, der die Gewerkschaft Force Ouvri*re
vertritt, die beauftragt ist, die naechste Konferenz der interessierten Organisationen im August dieses Jahres zu organisieren.
Die Lehrer der Welt bilden damit die erste Gruppe Gewerkschafter, die positive Schritte unternommen haben, um das Programm
fuer die Weltorganisation der Geistesarbeiter durchzufuehren, das
auf dem Weltkongress in Bruessel festgelegt wurde. Der Weltkongress hatte den Anschlug an bereits bestehende Berufssekretariate
oder die Organisation neuer Sekretariate dort gefordert, wo bis
jetzt- noch keine bestanden.
Zwei internationale Lehrerorganisationen waren auf der Konferenz in Bruessel vertreten: Die Internationale Foederation der
Lehrergewerkschaften und der Internationale Verband der- Hochschullehrer. Die amerikanische Lehrergewerkschaft ist diesen beiden
Organisationen angeschlossen.
Eine dritte internationale Organisation, die nicht-gewerkschaftliche organisierte Weltorganisation der Lehrer, duerfte ebenfalls aufgefordert werden, sich dem geplanten Berufssekretariat anzuschliessen, damit alle Lehrer der Welt von einem Sprecher bei
der Unesco und anderen Weltorganisationen vertreten werden koennen.
ECA Labor Information LI 613
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mittflieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
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IV - 18

Frankfurt, 4... Mai 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Amerikanische Studie ueber Arbeitnehmer-ArbeitgeberBeziehungen im Ausland - - - - - - - - - - - - - -

1

Wahre Worte einer aegyptischen Zeitung

- - - - - - -

2

- - - - - - - -

3

Amerikanische Stimmen zur Mitbestimmung - - - - - - -

6

Die Arbeitspolitik in Sowjetrussland

Der amerikanische Eisenbahnerstreik von der gewerk- f
schaftlichen Seite gesehen - - - - - - - - - - - 8
Die 1. Mai-Idee stammt aus dem "kapitalistischen"
Amerika
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 0
Das Wohnbauproblem in Frankreich

- - - - - - - - - -

n.

Amerikanische Gewerkschaften protestieren gegen die
Einwanderung mexikanischer Arbeiter

-------13

New Yorker Gewerkschaftsrat plant Bildungslehrgang
Das Los der Arbeiter hinter dem Eisernen Vorhang

- 15
- - 16

AMERIKANISCHE STUDIE ULBSR ARBEITNEHMER-ARBEITGl^SR-BEZIEKUNGEN
IM AUSLAND"
Die Bedingungen, unter denen sich die Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in Gross-Britannien, Frankreich und Schweden entwickelt haben, bilden Gegenstand einer Abhandlung, die vor kurzem vom Forschungsausschuss fuer Wirtschaftliche Sicherheit in Chikago veroeffentlicht wurde.
Die Geschichte dieser Laender, heisst es in dem Bericht, spiegelt die drei Moeglichkeiten der gewerkschaftlichen Entwicklung
- 1-

�wider. Das englische Beispiel zeigt die Entwicklung einer LabourPart9i, mit deren Hilfe die Gewerkschaften in der Lage sind, ihren
politischen, sozialen und wirtschaftlichen Forderungen Nachdruck
zu verleihen.
In Frankreich sehen wir die Entwicklung einer "Volksfront",
die sich nicht nur auf den Industriearbeiter, sondern auch auf den
Bauern, den Geistesarbeiter und den Geschaeftsmann erstreckt.
In Schweden dagegen haben sich stark zentralisierte Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen entwickelt.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, so berichtet der
Ausschuss, koenne innerhalb der Regierung niemals die gleiche Bedeutung erlangen wie die Gewerkschaften in Frankreich und GrossBritannieh.
Auch das Unternehmertum sei als zentrale TarifVerhandlungspartei weniger organisiert als die Arbeitgeber in den drei obengenannten Laendern.
Die Abhandlung ueber 'Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehnern gehoert zu einer Reihe von "Studien ueber Soziale Sicherheit im Ausland", die von dem Forschungsausschuss fuer
Wirtschaftliche Sicherheit veroeffentlicht wurden. Der Vorsitzende
des Ausschusses, Gerhard Hirschfeld, erklaert in diesem Zusammenhang: "Welche Form der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern sich in unserem eigenen Lande auch entwickeln
wird, sie wird ausgesprochen amerikanisch mit eigenen charakteristi
sehen Merkmalen, Abaenderungen und Angleichungen sein. Aber ungeachtet dieser amerikanischen Form wird der Einfluss der Regierung
immer vorherrschend sein, wenn sich eine Labour-Partei oder eine
Volksfront entwickelt. Wenn dagegen die Entwicklung dem schwedischen Beispiel folgt, wird die Rolle der Regierung von geringerer
Bedeutung sein."
Der Forschungsausschuss ist eine aus privaten Mit.teln finanzierte Forschungs- und Bildungsorganisation, die ausschliesslich
Studien ueber Probleme sozialer .und wirtschaftlicher Art gewidmet
ist. Sie hat in den letzten fuenf Jahren ueber 80 Abhandlungen
ueber verschiedene Aspekte der sozialen Sicherheit veroeffentlicht,
die von der Industrie, den Gewerkschaften, den Universitaeten und
Gemeinschaftsgru?pen des ganzen Landes verwendet werden.
Labor Information Bulletin

17/51
WAHRE WORTE EINER ÄGYPTISCHEN ZEITUNG
Ein Ereignis in Aegypten ist von fast allen amerikanischen
Zeitungen uebsrsehen worden und wurde selbst in der "New York
Times" nur beilaeufig erwaehnt, die sich ruehmt, alle Nachrichten
aus dem Ausland zu bringen. Und doch ist diese Mitteilung fuer
jeden von grosser Bedeutung, der den Wunsch hat, die Welt fuer
die Demokratie zu retten.
Die mutige aegyptische Zeitung "Akhbar El Yom" setzte sich
ueber die Zensur hinweg und veroeffentlichte einen Leitartikel,
in dem sie erklaert, dass die "verschwenderische Lebensweise" der
Grossagrarier Ägyptens hauptsaechlich fuer das Anwachsen des Kommu
nismus in diesem Lende verantwortlich sei.
- 2-

�Aegypten war einst eine grosse Nation und hat eine "reiche
Geschichte", heisst es in dem Artikel weiter. Was die ganze
Welt jedoch jetzt von Aegypten hoert, sind lediglich Berichte
ueber die grossen Ausgaben wohlhabender Aegypter auf ihren Reisen
ins Ausland. Inzwischen "bildet die weite Kluft zwischen dem
Reichen und dem Armen den Ansatzpunkt fuer den Kommunismus in
Aegypten. Die Reichen besitzen den groessten Teil des Bodens.
Die Fellachen bearbeiten ihn fuer unglaublich niedrige Loehne.
Das durchschnittliche Jahrsseinkommen in Aegynten betraegt weniger als 45 Dollar."
"Der scharfe soziale und wirtschaftliche Klassenkontrast
und die ungeheure Armut der Massen ist eine offene Einladung an
den Kommunismus, hier seine Zersetzungsarbeit zu starten."
Es ist eine Genugtuung im fernen Aegypten eine Zeitung zu
sehen, die etwas sagt, was in der amerikanischen Gewerkschaftszeitung "Labor" haeufig betont wurde: dass Armut und wirtschaftliche Ungerechtigkeit und insbesondere das feudale Grossagrariertum den Naehrboden bilden, auf dem dir- Kreml seine Saat des Kommunismus pflanzen und zuechten kann.
Kein Land, das seinen Menschen einen anstaendigen Lebensstandard und irgendeine Hoffnung auf eine bessere Zukunft bietet,
braucht die Kommunisten zu fuerchten. Sie haben nur dort Chancen,
wo heute Armut ist und fuer morgen keine Hoffnung besteht. Mit
anderen Worten nur dort, wo, wie in Aegypten, eine Welle der
Niedergeschlagenheit ueber das Volk hereingebrochen ist. Und
AegyDten ist nicht das einzige Land, wo dies der Fall ist.
Selbst das grosse und reiche Amerika kann es sich niemals
leisten, diesen Lehrsatz zu vergessen.
Labor IV/21/51
DIE ARBEITSPOLITIK IN SOW JETRUSS LAND
Die Arbeitspolitik, die die Sowjetregierung im Jahre 1929
singefuehrt und bis heute fortgesetzt hat, ist durch "Peitschen
.ind Zuckerbrot" gekennzeichnet. Zugesteendnisse, Belohnungen
and Vorrechte sind den besten Facharbeitern vorbehalten, waehrend
lie Mehrheit durch die Peitsche des Hungers und der Bestrafung
ingetrieben wird.
Mit diesen Worten beschreibt Wladimir Gsowski die sowjetische
^rbeitsoolitik, der auf diesem Gebiet ein Experte ist und als
..eiter der Abteilung fuer Rechtswesen im Ausland in der Kongress&gt;uecherei in Washington taetig ist. Im "Monthly Labor Review"
lat er in zwei Artikeln die sowjetische Arbeitsgesetzgebung ana.ysiert. Dr. Gsowski beginnt seinen Artikel, indem er eine sowjetische Behoerde zitiert, die im Jahre 1920 folgendes schrieb:
'Sow'etrussland
weiss nichts von irgendeinem Arbeitsvertrag oder
r
on irgendwelchen gesetzlichen Beziohungen, die im allgemeinen
;it dem Begriff des Arbeitsvertrages verbunden sind. Pflicht
.st in Sowjetrur-sland die Grundlage der Arbeitsbeziehungen."
Der russische Arbeiter hat mit anderen Worten keine Rechte,
ondern nur Pflichten. Diese Auffassung hat zum Erlass einiger
rbeitsgesetze gefuehrt, die, Dr. Gsowski zufolge, "bestrafenden
nd keinen schuetzenden Charakter" haben.
- 3 ^

�Er faehrt mit der Feststellung fort, dass die Beziehungen
zwischen dem einzigen Arbeitgeber, naemlich dem Staat, und den
Arbeitern in Russland genau festgelegt und statisch \md nicht wie
in demokratischen Laendern fluessig sind.
"Behoerden der Regierung, die sich geschaeftlich betaetigen,
arbeiten auf "kommerzieller'' Basis und erfreuen sich einer formellen Unabhaengigkeit. Sie gehen miteinander Vertraege ein. Aber
vorgesetzte Dienststellen legen ihrer Unabhaengigkeit endgueltige
Beschraenkungen auf, ohne die fortgesetzte Kontrolle durch die
Geheimpolizei und die kommunistische Partei zu erwaehnen."
Dr. Gsowski erklaert ferner, dass es unter dem sowjetischen
System keinen garantierten Mindestlohn gibt. Es bestehen grosse
Unterschiede in Bezug euf Loehne und Praemien, die den Zweck haben,
den Wettbewerb und die Leistungsfaehigkeit anzuregen. Der Arbeiter muss eine'bestimmte Leistungsnorm erreichen. Wenn ihm dies
nicht gelingt, wird sein Lohn gekuerzt, und er wird nach der Menge
und Qualitaet seines Ausstosses bezahlt. Praemien sind fuer diejenigen bestimmt, die die normalen Leistungsnormen ueberschreiten.
Dr. Gsowski erklaert in diesem Zusammenhang: "Unter solchen
Verhaeltnissen ist es offensichtlich, dass es ebenso leicht zu
Konflikten kommen kann wie in einem kapitalistischen Staat. Unter dem sowjetischen Regime besitzt die Arbeiterschaft jedoch
nicht jene wirksame Waffen, mit denen sie sich, wie in der kapitalistischen Welt, zu schuetzen vermag."
Stalin erklaerte im Jahre 1934: "Die gleiche Berechtigung
in bezug auf Forderungen und persoenliches Leben ist reaktionaer
und kleinbuergerlicher Unsinn."
Die grossen Unterschiede in den Loehnen, die an die zahlreichen Kategoiien der Arbeiter gezahlt werden, haben sich jedoch zusammen mit den grossen materiallen Belohnungen fuer Tuechtigkeit
und Schnelligkeit als ungenuegenden Anreiz zu guter Arbeit erwiesen
Deshalb hat das Regime schwere Strafen fuer Abwesenheit vom Arbeits
platz und zu geringe Arbeitsleistung angedroht. Dr. Gsowski nennt
einige dieser Strafen: "Die Unternehmer koennen die Arbeiter bestrafen, wenn sie am Arbeitsplatz "herumlungern". Bei Abwesenheit
und Verlassen des Arbeitsplatzes ohne Genehmigung werden sie gerech
lieh verfolgt. 10 bis 25 Jahre Zwangsarbeitslager mit oder ohne
Konfiszierung des Eigentums koennen fuer Diebstahl von Regierungseigentum oder des ihrer Behoerden verhaengt werden. Beschaedigungen von Werkzeugen, Rohstoffen, Brennstoff und selbst an der Arbeitskleidung werden, wenn sie durch die Nachlaessigkeit des Ar-)
beitnehmers verursacht sind, mit Abzuegen von Lohn bestraft, die
unter Umstaenden das zehnfache des Wertes des beschaedigten Gegenstandes ausmachen koennen."
"Mit zwoelf Jahren koennen Kinder in Betriebs-*- und Berufsschulen eingewiesen werden, in denen militaerische Disziplin herrscht.
Ein Arbeiter, der mehr als 20 Minuten zu spaet zur Arbeit kommt,
,kann entlassen werden. Der Arbeiter darf seine Beschaeftigung nict
ohne Erlaubnis aufgeben, und wenn er es trotzdem tut, kann er mit
Gefaengnis bis zu vier Monaten und in Ruestungsindustrien bis zu
acht Jahren bestraft werden. In einigen Irdustriezweig'en kann der
Unternehmer,ohne das Gericht zu verstaendigen, Gefeengnisstrafen bj
zu £0 Tagen verhaengen. Maennliche und weibliche Arbeitskraefte
koennen zur Ausbildung in Berufsschulen herangezogen werden und
muessen danach in Fabriken arbeiten, die vom Ministerium fuer Arbeitskraftreserven bestimmt werden. Akademiker haben nach Verlasse
der Universitaet nicht das Recht, ihren Arbeitsplatz selbst auszusi
- 4-

�Dr. Gsowski zitiert sowjetische Behoerden, um zu zeigen,
dass, wie Dogadow im Jahre 1949 schrieb, "in einem sozialistischen
Staat kein Unterschied in Prinzip und Qualitaet zwischen verpflichteten und freiwilligen Arbeitskraeften besteht."
Betriebsleiter in staatseigenen Betrieben sind aehnlichen
schweren Strafen unterworfen, wenn sie keinen Gewinn aufweisen
und die Quoten des Fuenf jj&amp;hresplanes nicht erfuellen koennen.
Deshalb treiben sie ihre Arbeiter bis zur Grenze menschlicher Ausdauer an. Den Arbeitern steht keine Zuflucht offen, sagt Dr.
Gsowski, weil "alle Einrichtungen, mit denen die Arbeiter in einer
demokratischen Welt ihre Ziele verteidigen koennen, wie z.B. Gesetzgebung, Gerichte, Verwaltungsbehoerden, Presse und Gewerkschaften, in Sowjetrussland immer Behoerden des Arbeitgebers, d.
h. des Staates sind. Gewerkschaften werden als eine Waffe der
Regierung betrachtet, und sie dienen ausschliesslich deren Interessen. "
Das Zentralkomitee der sowjetischen Gewerkschaften wurde im
Jahre 1933 offiziell zur Regierungsorganisation erklaert. Damit
war die Beseitigung der letzten'Spur gewerkschaftlicher Unabhaengipkeit und des repraesentativen Charakters der Gewerkschaften, selbst
nach der Auffassung der sogenannten "sowjetischen Demokratie",
besiegelt. Das Gesetz schreibt vor, dass dieses Komitee vom Kongress der Gewerkschaften gewaehlt werden muss, aber nach 1932
wurden 17 Jahre lang keine derartigen Kongresse mehr abgehalten.
Als ein Kongress im Jahre 1949 zusammengerufen wurde, gab es keinerlei Erklaerung fuer diese Verzoegerung; der Kongress war eine
erneute Bestaetigung der Tatsache, dass die gesamte Kontrolle
ueber die Regierung und die Gewerkschaften in den Haenden der
kommunistischen Partei liegt, und dass es die Aufgabe der Gewerk3Chaften ist, die Produktion zu steigern. Der Passus "die Pflicht,
iie Interessen des arbeitenden Volkes wahrzunehmen," der im Jahre
L922 akzeptiert worden war, wurde nicht in die Satzungen aufgenommen, die vom Gewerkschaftskongress im Jahre 1949 gebilligt wurden.
"TarifVerhandlungen, die im Arbeitsgesetz von 1922 vorgesehen
varen, wurden im Jahre 1933 fuer ueberholt erklaert. Im Rahmen
ler ruecksichtslosen Unterwerfung verwischten die sowjetischen
?uehrer die letzten Spuren von Vertraegen in den Beziehungen zwischen den kommunistisch beherrschten Gewerkschaften und den dem
Staat unterstellten Unternehmern. Im Jahre 1947 wurde jedoch befohlen, neue Tarifvertraege abzuschliessen. Diese neue Politik
var jedoch weit davon entfernt, neue freie Tarifverhandlungen einsufuehren. Die neuen Bestimmungen besagen, dass Loehne, Stueck.ohntarife und Praemien, wie sie von der Regierung festgelegt sind,
Ln die Tarifvertraege aufgenommen werden muessen. Lohnfragen sind
&gt;ei
den Tarifverhandlungen ausgeschlossen. Die Bestimmungen der
r
ertraege sind als Verordnungen anzusehen."
Dr. Gsowski weist sodann darauf hin, dass das Arbeitsgesetz
on 1922 niemals offiziell widerrufen wurde. Nach der totalitaeren
Ulffassung von den Befugnissen einer Regierung kann ein Gesetz und
leibst eine Bestimmung der Verfassung durch einen Erlass der Verwaltungsbehoerden ausser Kraft gesetzt werden.
r

In der sogenannten "Stalin"-Verfassung aus dem Jahre 1936 war
;.B. der siebenstuendige Arbeitstag vorgesehen. Im Jahre 1940
rurde jedoch vom Obersten Sowjet der Acht-Stundentag durch Erlass
ngeordnet. Die Verfassung wurde jedoch erst sieben Jahre spaeter
n diesem Sinne abgeaendert. In Wirklichkeit arbeiten die russi- 5-

�sehen Arbeiter natuerlich laenger als acht Stunden am Tage, aber
Ueberstunden werden angeblich auf "freiwilliger" Basis geleistet.
Unter einem Regime, in dem die Gesetze und selbst die Verfassung von irgendeiner Zentralbehoerde der Regierung abgeaendert
werden koennen, haben die Gesetze keine wirkliche Gewalt und
keinen Wert, sie bieten den Buergern keinen Schutz.
Ebenso ist ein System, das dem Betriebsleiter gestattet,
einen Arbeiter auf 20 Tage ins Gefaengnis zu schicken, weil er sich
weigert, eine andere Arbeit anzunehmen, ein System der Sklaverei.
Die Artikel Dr. Gsowskis in "Monthly Labor Review" stuetzen
sich auf offizielle sowjetische Dokumente, die meistens zitiert
werden. So ist die Geschichte dessen, was sich bei den sowjetischen Arbeitern ereignet hat, nicht nur von Tausenden von Fluechtlingen aus Laendern hinter dem Eisernen Vorhang, nicht nur von
Feinden des Kommunismus allein, sondern auch in der unverbluemten
Sprache der kommunistischen Fuehrer wiedergegeben.
Dr. Gsowski behandelt in seinen Artikeln nicht das Thema
Zwangsarbeitslager. Er erzaehlt nur von der sogenannten "freien"
Arbeiterschaft in Sowjetrussland. Er beweist in ueberzeugender
Weise, dass selbst die russischen Arbeiter ausserhalb der Zwangsarbeitslager von der Freiheit, wie wir sie in demokratischen Laendern kennen, weit entfernt sind.

In diesem Sinne haben die sowjetischen Gewerkschaften am 1.
Mai die Siege feiern muessen, als die Arbeiter zum Roten Platz
gefuehrt wurden, wo sie das Lob fuer ihre Fuehrer und fuer alles,
was sie fuer sie getan haben, hinausschreien muessen. Diese sklavischen Arbeitsbedingungen moechten die Kommunisten nur allzu gern
auch der uebrigen Welt auferlegen.
Program Services Section IV/18/5
AMERIKANISCHE STIMMEN ZUR MITBESTIMMUNG
Die Debatten im westdeutschen Parlament und die Massnahmen
des Bundestages zur Mitbestimmung in der Stahl- und Kohleindustrie
haben in den Vereinigten Staaten lebheftes Interesse erweckt.
Im allgemeinen sehen interessierte Amerikaner in der Mitbestimmung eine neue zur Stellungnahme herausfordernde Idee, die
Meinungen selbst sind jedoch verschieden. Die Gewerkschaften nehmen in dieser Frage im allgemeinen eine fuer den deutschen Arbeiter
guenstige Haltung ein, auf die Geschaeftswelt dagegen hat die Nachricht von der Einfuehrung des Mitbestimmungsrechtes alarmierend
gewirkt, und politische Wissenschafter sind der Ansicht, dass sehr
vieles zu den Argumenten beider Seiten zu sagen weere.
Offiziell haben die Vereinigten Staaten in Uebereinstimmung
mit ihrer traditionellen Methode, jede Einmischung in die inneren
Angelegenheiten anderer Laender zu vermeiden, eine objektive und
unparteiische Haltung gezeigt. Die amerikanischen Besatzungsbehoer
den genehmigten, dass das in seinen Konsequenzen aehnliche Betriebs
raetegesetz versuchsweise in Hessen und Wuerttenberg-Baden eingefuehrt wurde, als vor einem Jah in diesen Laendern hierauf gedrungen wurde. Der Hochkommissar John J. McCloy ist der Auffassung,
dass die Mitbestimmung ein Problem ist, ueber das die westdeutsche
Demokratie selbst entscheiden muss.
- 6-

�Die amerikanischen Wirtschafts- und Handels-Veroeffentlichungen haben sich in Leitartikeln gegen die westdeutschen gewerkschaftlichen Forderungen zur Verwirklichung des Mitbestimmungsrechtes mit der Begruendung gewendet, dass eine ununterbrochen
leistungsfaehige Betriebsleitung auf dieser Basis unmosglich waere,
und sie haben versichert, dass die Gewerkschaften zwar die erforderliche Autoritaet, aber nicht die im Vergleich hierzu ebenso
wichtige finanzielle Verantwortung besaessen. Die Nationale Unternehmervereinigung (KAM)) eine private Organisation von Geschaeftsleuten, hat kuerzlich die Warnung ausgesprochen, dass
s^ch die amerikanischen Investoren wahrscheinlich weigern würden,
Geld in der deutschen Industrie zu investieren, wenn das Mitbestimmungsrecht auf breiter BasLs verwirklicht wuerde.
Die Gewerkschaften dagegen befuerworten im allgemeinen die
neue Idee, wobei die katholischen Gewerkschaftszeitungen, die
darin einen Mittelweg zwischen Sozialisierung und freier Wirtschaft sehen, die staerksten Anhaenger der Mitbestimmung sind.
Die Frage der Mitbestimmung war jedoch fuer die amerikanischen Gewerkschaften insofern kein brennendes Problem, als sie
niemals besonders bedacht darauf waren, Funktionen der Unternehmer
zu uebernehmen, soweit es sich nicht um Loehne, Arbeitszeit und
Arbeitsbedingungen handelt. Auf diesen Gebieten hatten die amerikanischen Gewerkschaften bekanntlich besonders grosse Erfolge,
indem sie die Unternehmer zwangen, ihren Forderungen stattzugeben.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben sich dagegen fuer die
Schaffung sogenannter nIndustrieraeten eingesetzt, die den in
Deutschland im Rahmen des Mitbestimmungsrechtes vorgeschlagenen
Aufsichtsraeten aehnlich sind. Auch sie bestehen aus elf Mitgliedern, von denen fuenf von den Gewerkschaften und fuenf von den
Aktionaeren ernannt werden, waehrend das elfte Mitglied von den
zahn anderen zum Vorsitzenden gewaehlt wird.
Die Forderung der deutschen Gewerkschaftsbewegung auf Mitbestimmung wurde von dem Europavertreter des CIO, Victor C. Reuther,
nachdruecklich unterstuetzt, der vor kurzem sein Buero in Paris,
Boulevard Haussmann Nr. 32, eroeffnete.
"Nach den bitteren Erfahrungen der Nazizeit," so erklaerte
Reuther in einer offiziellen Verlautbarung, "sind wir der Ueberzeugung, dass die deutschen Arbeiter berechtigt sind, eine genuegende demokratische Kontrolle ueber die Leitung ihres eigenen innerdeutschen Wirtschaftslebens zu verlangen, um sich gegen die
Machtgier einer selbstsüchtigen Minderheit deutscher Grosskapitalisten zu schuetzen, deren Einstellung zur Demokratie, um es
milde auszudruecken, zum mindesten aeusserst verdaechtig ist."
Gleichzeitig beschuldigte Reuther die Nationale Unternehmervereinigung Amerikas ihrer "reaktionaeren Launen" in ihrer Kampagne
gegen das Mitbestimmungsrecht. "Diese Vereiniggung", erklaerte er,
"spricht weder in dieser Angelegenheit noch in anderen fuer das
amerikanische Volk. Und sie spricht gewiss nicht fuer die 16 Millionen Arbeiter, die ia CIO und der AFL organisiert sind und die fuer
die freie Gewerkschaftsbewegung Europas den Wunsch haben, dass sie
ihre eigenen Wege zur Verwirklichung einer wirtschaftlichen Demokratie geht."
"Das amerikanische Volk," fuhr Reuther dann fort, "hat den
verantwortungsbewußten Standpunkt eingenommen, dass es die Ver- 7-

�pflichtung hat, den durch den Krieg verwuesteten und wirtschaftlich
unterentwickelten Gebieten der Welt zu helfen. Wir sehen in dieser
Verpflichtung eine natuerliche Folge unserer bevorzugten wirtschaftlichen und geographischen Lage. Wir glauben nicht, dass
wir das Recht haben, von der uebrigen Welt zu verlangen, dass sie
als Gegenleistung fuer die wirtschaftliche Hilfe das amerikanische
Beispiel der wirtschaftlichen Neuorganisation
als Vorbild ansieht.
Wir betrachten diese Hilfe nicht als eine T«Vohltaetigkeit, sondern
als eine kluge Investierung fuer den V/eltfrieden."
"Wir muessen auf die
N Abschliessend sagte Victor Reuther:
verstaendnisvolle Einsicht der europaeischen Arbeiter rechnen,
zwischen den reaktionaeren Launen der Minderheit einer Unternehmervereinigung und der Entschlossenheit des amerikanischen Volkes zu
unterscheiden, den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Welt zu unterstuetzen, ohne den freien Voelkern vorschreiben zu wollen, wie sie
ihr Leben im einzelnen innerhalb des Rahmens dieser erforderlichen
Freiheit gestalten sollen."
Wirtschaftspolitiker der Vereinigten Staaten haben im allgemeinen eine unparteiische und beobachtende Haltung eingenommen.
Einige von ihnen haben jedoch auf einige etwaige Gefahren des Mitbestimmungsrechtes hingewiesen. Sie meinen, dass es sowohl von
Unternehmern als auch von Arbeitern bewusst missbraucht werden
koennte, wenn sie sich zu ihrem eigenen Vorteil auf Kosten der Verbraucherschaft zusammenschliessen. Sie erklaeren ausserdem, die
Mitbestimmung koenne den Weg zum Staendestaat ebnen und ihn damit
totalitaeren Maechten von rechts oder links in die Kaende spielen.
Labor News from the US
17/27/51
DER A?FERIKANISSHE EISENBAHNIRSTRBIK VCN DER GEWERKSCHAFTLICHEN
SEITE GESEHEN
Der erste einer Serie Artikel, die in Gewerkschaftszeitungen
unter der Ueberschrift "Warum Eisenbahnarbeiter krank werden", erscheint, wird in der Mai-Ausgabe des "Liberty Magazine" veroeffentlicht.
Diese Zeitschrift hat sich neuerdings vorgenommen, auch
den Gewerkschaften die Moeglichkeit zu geben, ihren Standpunkt vor
der Oeffentlichkeit zu vertreten.
Dieser Artikel ueber die Eisenbahnarbeiter, der von einem
langjaehrigen Reporter fuer Gewerkschaftszeitungen, Rüben Levin,
verfasst ist, stellt einen genauen Bericht ueber die letzten Ereignisse dar, die bereits zu einer Kontroverse der Vergangenheit geworden sind. Levin schreibt in erster Linie fuer "Labor", die
nationale Wochenzeitschrift von 15 Eisenbahnergewerkschaften. Er
ist Vorsitzender der Ge-werkschaftspressevereinigung, eines Nachrichtendienstes auf genossenschaftlicher Grundlage im Dienst der gewerkschaftlichen Presse der Vereinigten Staaten.
Sine eingehende Diskussion ueber die Probleme, die zu dem beröchtigten "Krankwerden" der Eisenbahner fuehrten sowie die Vorschlaege fuer eine etwaige Loesung der chronischen Probleme der
Eisenbahnarbeiter ergaenzen diesen Artikel in der letzten Ausgabe
von "Labor", mit dem zum ersten Mal' eine oeffentliche Kontroverse
in einer allgemeinen Veroeffentlichunar von den Gewerkschaften besprochen wird.
- 8-

�"V/a ehrend die "Krankheit" der Eisenbahner ein Leiden ist,
das in keinem medizinischen Lexikon zu finden ist," weist Levin
darauf hin, dass es "ausser Frage stuende, dass die Eisenbahnarbeiter wegen der langen und endlosen Verzoegerung in" ihren Lohn- .
forderungen krank, veraergert und enttaeuscht waren."
Trotz einer hysterischen Propaganda, trotz Geldstrafen und
Drohungen mit den Verlust des Arbeitsplatzes fuehrten die Eisenbahner einen Kampf, der, wenn ihre Lebensbedingungen nicht wesentlich verbessert werden, sich wahrscheinlich nur als eiro von
vielen Streitigkeiten erweisen wird.
Die Kontroverse mit den Eisenbahnarbeitern enthaelt zahlreiche ,/idersprueche, zu denen nicht zuletzt die Tatsache gehoert,
dass die Tarifverhandlungen in Uebereinstimmung mit dem Arbeitsc,esetz fuer Eisenbahnen gefuehrt wurden, das fuer lange Zeit als
ein Musterbeisoiel dieser Art Gesetzgebung galt.
Den Gewerkschaften zufolge liegt der Fehler nicht am Gesetz.
Der Vorsitzende David B. Robertson, .der heissbluetige Fuehrer der
Lokonotivfuehrer- und Heizergewerkschaft, wies auf einen der wesentlichsten Punkte hin, der nicht nur fuer die Schwierigkeiten
des Zugpersonals bezeichnend ist. "Es gibt zu viele Anwaelte,
die die Eisenbahngesellschaften bei Tarifverhandlungen vertreten,"
sasrte Robertson. "Was wir brauchen, sind weniger Anwaelte und mehr
Leute am Konferenztisch, die praktisch arbeiten, Leute, die sich
von unten emporgearbeitet haben,und die Probleme der Eisenbahner
genau kennen. Wir muessen zu der sogenannten "Rengiernethode"
zurueckkehren, d.h. zu einer Sprache und zu einer Verbandlungsmethode, die die Arbeiter verstehen und die weniger Zweideutigkeiten
enthaelt."
Viele hatten gehofft, dass die Uebernahme der Eisenbahnen
durch die Regierung ein Schritt zur baldigen Loesung dieses Problemes sei. Warum dies nicht der Fall war, ist, Levin zufolge, am
besten von Senator Wayne Morse erklaert worden, der den Sitzungen
des Senatsausschusses fuer Arbeitsfragen beigewohnt hatte, als
diese Frage zur Debatte stand.
"Diese Uebernahme durch die Regierung ist eine Farce," sagte
Morse, "die das Weisse Haus auf die Seite der.Eisenbahngesellschaften stellt."
"Bei einer wirklichen Uebernahme," fuegte er hinzu, wobei ihm
die Eisenbahngewerkschaften zustimmten, "wuerden die Eisenbahngesellschaften doch eine gerechte Abfindung fuer die Benutzung ihres
Eigentums erhalten, und den Arbeitern waere eine gerechte Beilegung dieses Streitfalles sicher. Dies wuerde fuer beide Partner
9in Ansporn sein, sich gegenseitig zu einigen."
Aber selbst eine andere Art der Uebernahme wuerde nicht garantieren, dass die Eisenbahner ihre Arbeit nicht niederlegen. Es
?aebe andere Faktoren, die sich im Laufe der Jahre angehaeuft
laetten und wesentlich zum "Krankwerden" der Eisenbahner beigetragen haetten. "Es ist einmal die nachlassende Tuechtigkeit jener
Leute, die das Eisenbahnarbeitergesetz verwalten. Zu oft sind
Experten in Arbeitsfragen durch politische Nichtskoenner ersetzt
vorden. So sind z.B. die Untersuchungsausschuesse von der Regierung wiederholt mit Leuten besetzt worden, die wenig oder ueberlaupt nichts von ArbeitsProblemen und noch weniger von den komplizierten .Arbeitsbestimmungen der Eisenbahnen verstehen."
- 9 -

�"Auch der Faktor Brot und Butter ist wesentlich," sagt Levin.
"Vor noch nicht allzu langer Zeit waren hiisenbahnarbeiter und vor
allem solche im Zug- und Maschinendienst "Aristrokaten" der Arbeit.
Ihre Loehne waren fast die besten aller Loehne in den wichtigsten
Industrien. Aber hieran hat sich im letzten Jahrzehnt vieles geaendert. Die Flut der gewerkschaftlichen Organisation in den Industrien der Massenproduktion, die haeufig von Streiks begleitet war,
hat zu krassen Lohnerhoehungen gefuehrt. Die Eisenbahner sind
jedoch weit zurueckgeblieben und in der Lohntabelle immer tiefer
herabgesunken."
Liberty Magazine
IV/26/51
DIE 1. MAl-IDEä STAMMT AUS DEM "KAPITALISTISCHEN" AMERIKA
Die Kommunisten der Welt mussten am 1. Mai in einer Rundfunksendung der "Stimme Amerikas" erfahren, dass die Idee der modernen
Maifeier aus dem "kapitalistischen/' Amerika kommt.
"Der 1. Mai," hiess es in der Sendung, "hat seinen Ursprung
in den Vereinigten Staaten als ein Tag, an dem die Erfolge gefeiert werden, die die Arbeiter erringen konnten, und an dem ihre
Kraefte fuer die weiteren. Bemuehungen um sozialen Fortschritt mobilisiert werden. Seine Idee bedeutet Freiheit vor Furcht vor dem
Arbeitgeber, Freiheit vor der Furcht vor Arbeitslosigkeit und Hunger, Freiheit vor Furcht vor dem Staat und der Polizei." In der
"Stimme Amerikas" wurden Sonderbotschaften des Arbeitsministers
Tobin,.des Vizepresidenten der AFL Matthew Woll und des Sozialistenfuehrers Norr;an Thomas uebertragen.
"Der 1. Mai als Feiertag der Arbeit," erklaerte Woll, "fuehrte
sich im Jahre 1886 in Amerika in Verbindung mit den Kaemnfen um den
Achtstunden-Tag ein." In einer Botschaft an die versklavten Arbeiter hinter dem Eisernen Vorhang versicherte Woll, dass "sie unserer
Freundschaft, unserer Sympathie und Solidaritaet gewiss sein koennen,
Wir ersehnen, dass wir den Tag Eurer Befreiung erleben."
Woll und Thomas brachten die.Hoffnung zum Ausdruck, dass die
Arbeiter in Laendern, die jetzt unter kommunistischer Kontrolle
stehen, eines Tages ebenso frei den 1. Mai feiern koennen wie die
Arbeiter in Amerika.
Tobin forderte die Sowjetunion auf, "eine Tat des guten Willens zu vollbringen" und dem russiscnen Volk das "Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung, das ihnen Gott verliehen hat, zurueckzugeben." Er erinnerte an den "historischen guten Willen der Zusammenarbeit" zwischen Amerikanern und den Voelkern Russlands, an dem
auch die russischen Machthaber nichts aendern koennten. Tobin erklaerte, dass die Kommunisten den Sinn des 1. Mai entstellt und
damit ungewollt der freien Welt warnend gezeigt haetten, "wie eine
grosse Nation zum Spielball einer eigensinnigen Gruope Aggressoren
geworden ist, die Freiheit und Anstaendigkeit euf der ganzen Welt
zerstoeren moechte."
In Moskau fand eine riesige Parade der sowjetischen Heeresund Luftstreitkraefte statt. In einer Rede an die versammelten
Trunpen auf dem Roten Platz erklaerte der Kriegsminister Alexander
iassilewski, dass die Vereinigten Staaten einen dritten Weltkrieg
vorbereiteten, alle Friedensangebote der Sowjets zurueckgewiesen
hatten, und dass die sowjetische Politik darauf gerichtet sei, den
- 10

�Krieg zu verhindern und den Frieden zu wahren. Er sagte, die Vereinigten Staaten haetten den Krieg in Korea provoziert.
In Berlin wurden kaum zwei Kilometer voneinander entfernt,
zwei Massenkundgebungen voellig verschiedener Art abgehalten. In
Ost-Berlin wohnten etwa 500.000 Menschen der Kundgebung der Sowjetzone im Lustgarten bei, der jetzt den Namen "Marx-Engels-Platz"
traegt. Herbert Warnke, der kommunistische Gewerkschaftsfuehrer,
erklaerte, dass die "Remilitarisierung Deutschlands Krieg bedeute,"
und dass die "Gefahr eines Krieges niemals so gross gewesen sei
wie jetzt." Mehr als 600.000 antikommunistische West-Berliner
versammelten sich vor dem zerstoerten Reichstagsgebaeude, um ihrer
Entschlossenheit dem sowjetischen Imperialismus zu widerstehen,
Ausdruck zu geben. Zu den Sprechern gehoerten auch Buergermeister
Ernst Reuter, Victor Reuther von der Automobilarbeitergewerkschaft
des CIO und Henry Rutz von der AFL.
Zwei Raketen, die antikommunistische Flugblaetter enthielten,
wurden von der '/Vestzone auf die oestliche Seite des Potsdamer
Platzes abgefeuert, wo der amerikanische, der britische und der
russische Sektor aneinandergrenzen.
In Tokio nahmen etwa 50.000 Arbeiter an verschiedenen Kundgebungen zur Feier des 1. Mai teil. Sowohl das Kabinett als auch
der neue Besatzungskoianandeur, General Matthew Ridgeway, hatten
die traditionelle Kundgebung auf dem Platz vor dem Kaiserpalast
verboten. Ridgeway erklaerte, dass dieser Platz nur fuer "Versammlungen nationalen Cherakters" verwendet werden duerfe. Das
Kabinett ist der Ansicht, dass es ein Platz der "Ruhe und VVuerde"
sein soll. In Wirklichkeit ist es ein Tummelplatz fuer die .Tugend
Tokios.
Der Generalrat der japanischen Gewerkschaften hat fuer den
3. Mai, dem Tag der japanischen Verfassung, organisierte Demonstrationen geplant, um gegen die vorgeschlagenen, fuer "die Kapitalisten vorteilhaften" Abaenderungen der Verfassung zu protestieren.
Daily News Service
V/1/51
DAS WOHFRAUMPROBLEM IN FRANKREICH
Der Mangel an Wohnungen mit niedrigen Mieten fuer die Arbeiter
war auch noch zu Anfang des Jahres 1951 eines der groessten sozialen Probleme Frankreichs. Die franzoesische Regierung hatte im
Verlauf des Jahres 1950 einige Massnahmen zur Foerderung des Wohnungsbaus ergriffen, und im Juli erklaerte Premierminister Pleven,
dass der Wohnungsbau der letzte wirtschaftliche Sektor sei, der
unter etwaigen Einschraenkungen leiden mue3se, die durch das Wiederaufruestungsprogramm bedingt seien. Die Gewerkschaften protestierten jedoch gegen iinde des Jahres 1950 dagegen, dass der fuer 1951
vorgeschlagene Haushaltsplan fuer den Wohnungsbau eine Kuerzung
dieses Programms darstellt, das schon nicht ausreichte, um den
Mindestbedarf decken zu koennen.
Die Beschaedi£un(T und Zerstoerung von ueber zwei Millionen
Wohnungen waehrend des zweiten Weltkrieges Hessen den Wohnraummangel, der bereits vor dem Krieg bestand, immer akuter werden.
Schaetzungen der Regierung zufolge belief sich der Bedarf an Wohnungen fuer die naechsten 20 Jahre oder noch laenger auf jaehrlich
240.000 neue Wohneinheiten. Die anfaenglichen Bemuehune-en waren
- 11 -

�jedoch nur auf die Instandsetzung fast einer Million zerstoerter
Wohnungen iE den ersten sechs Jahren nach dem Kriege konzentriert.
Bis 1948 waren nur 56.300 dauernde Wohnungen neu oder wiederaufgebaut worden. Dieser langsame Rhythmus der Bautaetigkeit war
hauptsaechlich auf den Mietstopp zurueckzufuehren, durch den die
Mieten so niedrig gehalten wurden, dass fuer das Kapital, das
fuer den Wohnungsbau investiert wurde, nur wenig oder gar keine
Einnahmen uebrig blieben. Infolgedessen wurde in einem Gesetz vom
September 1948 bestimmt, dass die meisten Mieten neu eingeschaetzt
und fuenf Jahre lang halb jaehrlich erhoeht werden sollten, bis die
Mietsaetze von Januar 1949 verdreifacht waeren. Um einen Ausgleich fuer die hoeheren Mieten zu schaffen, wurde ein System
fuer Wohnungsgeldzuschuesse fuer Familien der niedrigen Einkommensgruppen errichtet. Die Arbeiter erhielten diese Zuschuesse, gleichgueltig, ob sie ihre Wohnung gemietet oder eine Hypothek abzuzahlen hatten.
Die Mieterhoshungen gaben zusammen mit Steuern und anderen
-Konzessionen, die im gleichen Gesetz enthalten waren, dem Wohnungsbau im Jahre 1949 maechtigen Auftrieb. In diesem Jahre "wurden
51.436 staendige Wohnungseinheiten gebaut und in der ersten Hälfte
1950 weitere 30.685. Am 30. Juni befanden sich 129.040 weitere
Einheiten im Bau.
Die Regierung hat darueberhinaus die Kleinwohnungsbaugenossenschaften weitgehend unterstuetzt. Einige dieser Organisationen
sind oeffentliche Aemter unter lokaler Verwaltung, die zum Aufbau
billiger Wohnungen von der Regierung fuer 65 Jahre Kredite erhalten, die mit 2% verzinst werden. Andere stellen private Unternehmen dar oder Organisationen, die von industriellen Unternehmen
gemeinsam gebildet werden und Anspruch auf Subventionen, niedrigere Zinssaetze, bevorzugte Steuerbehandlung und Kredite der Regierung haben, die denen aehnlich sind, die den oeffentlichen Wohnbauaemtern gewaehrt werden. Die Regierung uebernimmt die Buergschaft fuer Hypothekenkredite, die den Arbeitern von den Wohnungsbauorganisationen gewaehrt werden.
Die Behoerden der Wohnungsbauorganisationen erhalten dadurch
Anspruch auf Kredite aus dem Familienzuschussfond des sozialen
Versicherungssystems. Sie vermieten nicht nur Wohnungen an Arbeiter, sondern koennen diese Wohnungen auch auf Grund von Amortisationsvertraeeen verkaufen.
Viele franzoesische Industrieunternehmen haben ihre Arbeiter
bei dem Versuch unterstuetzt, ihre Wohnraumprobleme zu loesen, indem sie selbst Wohnungen bauten und sie an die Arbeiter des Unternehmens unter Beruecksichtigung ihres Familienstandes und ihrer
Senioritaetsrechte vergaben. Der Zeitraum, fuer den der Arbeiter
die Wohnung beanspruchen kann, entspricht der Gueltigkeitsdauer
seines Arbeitsvertrages. Normalerweise bezahlt ein Arbeiter monatlich fuer eins Wohnung mit vier Raeumen 600 bis 1.000 Franken.
Industrieunternehmen haben ausserdem den Wohnungsbauorganisationen durch Subventionen geholfen, Haeuser zu bauen und sie an
die Arbeiter zu vermieten, wobei Arbeiter solcher Unternehmen bevorzugt werden, die einen finanziellen Beitrag geleistet haben.
Sie haben ferner den Arbeitern Geldmittel geliehen, damit sie
eigene Wohnungen bauen koennen, und zuweilen einen Teil der Baukosten selbst uebernommen. Bestimmte ^rbeitergruppen sind beim
Wohnungsbau besonders unterstuetzt worden. In Anerkennung der
Tatsache, dass der Mangel an Wohnraum die Beweglichkeit der Ar- 12 -

�beitskraefte wesentlich reduziert, hat die Regierung im Jahre
1945 eine Anordnung herausgegeben', in der Wohnungsbauten fuer Arbeitnehmer der verstaatlichten Eisenbahnen vorgesehen sind, und
sie hat es spaeter als notwendig erachtet, Haeuser zu bauen, um
Arbeiter fuer die verstaatlichten Kohlenbergwerke zu gewinnen.
Sin Beisniel fuer WohnungsbauDrojekte besonderer Gruppen in der
"Privatindustrie ist der "ueberberufliche Wohnungsbauausschuss",
der im Jahre 1948 im noerdlichen Frankreich zu dem Zwecke gebildet
wurde, Wohnungen fuer Metall- und Textilarbeiter zu bauen. Gewerkschaften, Unternehmer und Baufirmeh sind in diesem üusschuss vertreten, und die Geldmittel werden teilweise durch Kredite der Regierung
und'teilweise durch einen Beitrag der Unternehmer, der Z$ des Lohnlistenbetrages ausmacht, zur Verfuegung gestellt. In mehreren Erlassen des Jahres 1950 wird gefordert, dass diejenigen, die billige
Wohnungen bauen und kaufen, unterstuetzt werden. In einem dieser
Erlasse ist vorgesehen, dass den Erbauern billiger Wohnungen
jaehrliche Baupraeaiien bis zu 500 Franken pro qm Wohnbauflaeche 20
Jahre lang gezahlt werden. In einem anderen Erlass wird die Genehmigung erteilt, dass die Regierung direkte Anleihen solchen Leuten
zur Verfuegung stellt, die Bauplaetze haben oder die Mitglieder
von Wohnungsbaugesellschaften sind. Die Haelfte des Betrages, den
ein Unternehmen fuer den Wohnungsbau aufwendet, .ist steuerfrei.
Staatliche Kredite und Buergschaften fuer Wohnungsbauorganisationen wurden in zunehmendem Masse gewaehrt. Sie beliefen sich auf
insgesamt 41 Milliarden Franken, mit denen das Wohnungsbauprogramm
des Jahres 1950 finanziert werden sollte.
Die wichtigsten nicht-kommunistischen Gewerkschaften bildeten
ein gemeinsames "Kartell fuer Massnahmen zugunsten von Wohnungsbaukrediten im Jahre 1951." Gefuehrt wurde diese Gruppe von der
Force Ouvriöre, dem Bund christlicher Arbeiter (CFTC), der nationalen Gewerkschaft der Familienvereinigungen (UNAF) und zwoelf anderen Gewerkschaften und sozialen Organisationen. Es wurde darauf
hingewiesen, dass die 41 Milliarden Franken, die den Organisationen
fuer billigen Wohnungsbau im Jahre 1950 zur Verfuegung gestellt
wurden, nicht ausreichten und dass fuer eine normale Entwicklung
im Jahre 1951 100 Milliarden Franken benoetigt wuerden.
Der Ausschuss stellte im Jahre 1951 fest, dass der Haushaltsplan fuer 1951 nur 30 Milliarden Franken fuer das Wohnungsbauprogramm enthielt einschliesslich der zwoelf Milliarden Franken aus
Gegenwertmitteln der ECA. Ausserdem waren die Gewerkschaftsfuehrer
der Auffassung, dass diese Geldmittel besser verwendet werden koennten, wenn die Kosten fuer Baumaterialien von den franzoesischen
Trusts nicht kuenstlich auf einem ueberhoehten Niveau gehalten worden waeren.
Notes on -Labor abroad
11/51
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN PROTESTIEREN GEGEN DIE EINWANDERUNG
MEXIKANISCHER ARLEITER
'
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat gegen eine Gesetzesvorlage des Senats schaerfstens protestiert, in der die Anwerbung
und Einwanderung mexikanischer Arbeiter fuer die amerikanische Landwirtschaft vorgesehen ist. In einem Fernschreiben an den Majoritaetsfuehrer des Senats,'Ernest W. McFarland (Arizona) hat der Vorsitzende der AFL William Green den Senat aufgefordert, diese Gesetzesvorlage erneut zu ueberpruefen, weil "sie nicht die Interessen der
amerikanischen Landarbeiter schuetzt und mit den am 26. Maerz 1951
- 13

�veroeffentlichten Feststellungen uni Empfehlungen des zustaendiren
Untersuchungsausschusses des Praesidenten unvereinbar ist." Green
erklaerte,in dem Bericht dieser Komaiission sei klar zum Ausdruck
gebracht, dass die Einwanderung ausl&amp;endischer Arbeitskraefte die
Lohn- und Arbeitsbedingungen der amerikanischen Landarbeiter noch
weiter verschlechtere. Die wirtschaftliche Lage dieser Gruppe sei
schon .jetzt schlechter als die jeder anderen Schicht der Bevoelkerung."
Er erklaerte ferner, die AFL sei der Auffassung, dass der
Bedarf an auslaendischen Arbeitskraeften zu sehr betont wuerde.
Indem er auf die ?ro?se Zahl landwirtschaftlicher Arbeiter aus
Puerto-Rico hinwies, die entweder arbeitslos sind oder nur zeitweise beschaeftigt werden koennen, forderte er, dass die amerikanischen arbeitskraefte und die aus Puerto-Rico zuerst voll ausgenutzt werden, bevor man andere auslaendische Arbeitskraefte voruebergehend einwandern laesst.
McFarland erhielt ausserdem Telegramme von der Vereinigung
der Eisenbahnergewerkschaften, in der 18 Gewerkschaften mit ueber
einer !*i11ion Mitglieder vertreten sind, und von der Nationalen
Farmergewerkschaft.
Im Namen dieser Vereinigung erklaerte ihr Vorsitzender George
E. Leighty, dass diese Massnahme unueberlegt sei und eine Gefahr
fu^r die amerikanischen Land- und Industriearbeiter darstelle.
Leighty erinnerte den Senat an die in der "New York Times" vor
kurzem erschienene Artikelserie, in der von den "skandaloesen Bedingungen berichtet wird, unter denen Millionen mexikanischer legaler und illegaler Wanderarbeiter in unserem Lande leben."
Es sei klar bewiesen, dass genug amerikanische Arbeitskraefte
vorhanden sind, die bei den Srntearbeiten beschaeftigt werden
koennten, wenn einigermassen angemessene Arbeitsbedingungen geboten
wuerden.
.Tames G. Patton, der Vorsitzende der Farmergewerkschaf t, erklaerte, dass die Einwanderung billiger Arbeitskraefte aus dem
Ausland, ohne zuerst zu versuchen, die zahllosen amerikanischen
Landarbeiter einzustellen, die unterbeschaeftigt sind, einen Vertrauensbruch an dem amerikanischen Volk und seinen Idealen darstelle
Diese Versorgung mit billigen Arbeitskraeften aus dem Ausland bedrohe sowohl die Landarbeiterfamilien, die die Grundlage der amerikanischen Landwirtschaft bildeten, als auch die schwer erkaempften
Erfolge der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. "Wir fordern
vom Senat, dass er diese Gesetzesvorlage ablehnt und sich zuerst
mit der wirksamen Verwendung amerikanischer Arbeitskraefte beschaeftigt."
Einige Tage zuvor hatte auch der CIO gegen diese Vorlage orotestiert. Inzwischen hatte die "New York Times" in Fortsetzung
ihrer .Artikelserie ueber die Arbeits- und Lebensbedingungen eingewanderter Arbeitskraefte berichtet, dass sich Tausende erwartungsvoller Mexikaner in drei Staedten des noerdlichen Mexikos angesammelt haetten, als das Geruecht umging, dass demnaechst Landarbeiter
von amerikanischen Farmern eingestellt wuerden.
•

Die Behoerden in Monterey, Chihuahua und Hermosilles haben
sich an die mexikanische Regierung mit der Bitte gewandt, bei der
Betreuung der 30.0C0 von Armut betroffenen Menschen mitzuhelfen,
die diese Staedte ueberschwemmt haben, in der Hoffnung, in den Vereinigten Staaten arbeit zu bekommen. Es sind jedoch nur wenige
- 14 -

�eingestellt worden und haeufig kommt es unter diesen Leuten, die
keinen festen Wohnsitz haben und von Hunger und Krankheiten geplagt sind, zu Gewalttaetigkeiten.
Die Wohnmoeglichkeiten sind in diesen drei Staedten unzureichend, und viele Arbeiter kampieren in oeffentlichen Parkanlagen.
Es wird berichtet, dass die bisher abgeschlossenen Arbeitsvertrae«e Stundenloehne von 85 Cents, abzueglich 1.75 Dollar pro Tag
fuer Verpflegung vorsehen. Dieser Lohn ist etwa doppelt so hoch
wie der gesetzliche Mindestlohn in Mexiko.
Daily News Service
IV/27/51
NEW YORKER GEWERKSCKAFTSRAT PLANT BILDUNGSLEHRGANG
Donald J*. O'Connor, der Leiter des Bildungsreferats der Internationalen Mechanikergewerkschaft, teilte mit, dass auf Veranlassung
des Gewerkschaftsrates der Mechanikergewerkschaft fuer den Staat
New York an der Cornell Universitaet ein dreitaegiger Bildungslehrgang durchgefuehrt wird, an dem Delegierte der Ortsgewerkschaft
teilnehmen.
•
"Der erste Lehrgang wird voraussichtlich voiA 13. bis 15. Juli
in der Universitaet. Cornell stattfinden. Die Plaene fuer diese
Lehrgaenge wurden vor kurzem auf der Konferenz des staatlichen
Gewerkschaftsrates in Buffalo ausgearbeitet", berichtete O'Connor.
Die Delegierten hoerten einen ausfuehrlichen Bericht ueber die
Fortschritte, die in dem staatlichen Bildungsprogramm unter der
Schirmherrschaft des Gewerkschaftsrates und in Zusammenarbeit
nit der Volkshochschule der Universitaet erzielt wurden.
"Das Ortsprogramm, an dem wir nun arbeiten, ist von dem
Lehrkoerper der Universitaet und Vertretern der Internationalen
Vechanikergewerkschaft gemeinsam ausgearbeitet worden. Die Lehrgaenge werden ueberall im Staat durchgefuehrt und haben den Zweck,
lie Mitglieder und Funktionaere der Ortsgewerkschaft
in ihren alltseglichen Problemen zu unterstuetzen.n
Die Delegierten waehlten erneut in die hoechsten Stellungen
les Gewerkschaftsrates: Robert Hanson aus Jamestown zum Vorsitzenien, Harold Fitzgibbon aus Buffalo zum Finanzsekretaer, Thomas
3arey aus New York zum Leiter des Referats fuer Arbeitsgesetzgebung
ind O'Connor aus Ithaka.
Die prominentesten Sprecher dieser Konferenz waren die Vize'orsitzenden der Internationalen Mechanikergewerkschaft Fred Coonley
ind Ernie White, sowie die Ortsgewerkschaftsvertreter Rudy Faupl
md William H. Brodt.
An der Konferenz nahmen als Besucher teil: Pater Boland,
ler
Vorsitzende
des Vermittlungsausschusses fuer den Staat New
r
ork, Professor John Thurber von der Cornell Universitaet, Charles
:alloran, der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes von Buffalo und
ie Ortsgewerkschaftsvertreter H. F. Huff, Victor Kalaski und Dan
)mer.
Die Delegierten der Konferenz forderten die Fortsetzung der
olitischen Betaetigung der Gewerkschaftsmitglieder, sie verlangten
om Kongress bundesstaatliche Mietköntrollen und gaben den Bestreungen ihre Zustimmung, das staatliche Kindestlohngesetz abzuaen- 15 -

�d e m und den Mindestlohn von 75 Cents auf einen Dollar zu erhoehen.
Schliesslich forderten sie die Mitglieder des Repraesentantenhauses
und die Senatoren Herbert H. Lehman und Irving M. Ives auf, sich
weiterhin fuer eine Finanzierung der medizinischen Ausbildung auf
bundesstaatlicher Basis einzusetzen.
The Machinist
IV/26/51
DAS LOS DER ARBEITER hINTER DEM EISERNEN VORHANG
Waehrend die polnischen Gewerkschaften eifrig darauf bedacht
sind, die Arbeiter anzuhalten, laenger zu arbeiten und ihre Produktionsleistung, aus Anlass des 1. Mai zu steigern, haeufen sich in
der Gewerkschaftzeitung "Glos Pracy" die bitteren Beschwerden ueber
das mangelnde Interesse der Gewerkschaften an dem Wohlergehen der
Arbeiter und der Wahrung ihrer Rechte."
Ein Korrespondent dieser Zeitung schrieb am 3. April, nachdem
er die Papierfabriken in Mirkow besucht hatte, dass die Arbeiter
zwar auf vollen Touren laufe und die Produktion der Fabrik vollkommen zufriedenstellend sei-, dass jedoch die rechtliche und soziale Stellung der Arbeiter viel zu wuenschen uebrig liesse.
Dem Bericht dieses Korrespondenten zufolge erhielten viele
Arbeiter bis jetzt nicht die Schutzkleidung, die ihnen schon fuer
1950 zugesagt war, obwohl hierdurch ihre Gesundheit auf Grund chemischer Reaktionen und schaedlicher Gasen, die dem Papiermaschöe
entstroemen, ernstlich gefaehrdet wird.
"Die Hallen sind niedrig und Ventilationsvorrichtungen gibt
es ueberhaupt nicht. Der Dampf sammelt sich unter der Decke an
und senkt sich auf den Zementfussboden. Es gibt keine Abflussanlagen und die Arbeiter stehen bis zu den Knoecheln in schmutzigem
Wasser. Sie muessten Gummistiefel haben. Aber nur wenige besitzen
sie."
Der Korrespondent traf mit verschiedenen Arbeitern zusammen
und unterhielt sich mit ihnen. Einer von ihnen erklaerte: "Es
ist moeglich, dass die Arbeitsbedingungen in unserem Betrieb besser
sind,wenn Ventilatoren angebracht werden koennten, die man uns
schon lange versprochen hat. Auch koennten wir laengst unsere
Schutzkleidung erhalten haben - wenn es nicht unseren Betriebsrat
gaebe. Jedesmal, wenn jemand in den Betrieb kommt, der uns helfen
koennte, versucht der Betriebsrat, ihn darin zu hindern, mit den
Arbeitern zu sprechen."
Ein anderer Arbeiter fuegte hinzu: "Selbst wenn sich jemand
die Muehe gibt, mit den Arbeitern zu sprechen, ist es zwecklos.
Vor kurzem besuchte Genosse Pawlak vom Zentralkomitee der Chemiearbeitergewerkschaft unseren Betrieb. Wir erzaehlten ihm alles.
Er hoerte uns an, reiste ab, und nicht das geringste ereignete sich
danach.
Der Korrespondent schliesst mit der Feststellung, dass er kein
Gelegenheit hatte, ueber diese Angelegenheit mit dem Vorsitzenden
des Betriebsrates zu. sprechen, weil dieser waehrend seines mehrstuendigen Aufenthaltes in der Fabrik "angeblich dienstlich im
Betriebsgelaende zu tun hatte." "Aber", erklaert der Korrespondent
"wir konnten ihn auch dort nicht antreffen, obwohl wir uns laengere
Zeit im Betrieb3gelaende bewegten."
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
^
_^____^______^___

IV - 19

Frankfurt,

1 1 . Mai 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

D. Bowers: Westeuropa in der Weltwirtschaft - -

1

Allgemeine Lohnerhoehungen in Schweden - - - - -

10

Referate fuer Produktionstechnik in amerikanischen Gewerkschaften - - - - - - - - - - - -

H

Tuerkische Gewerkschaften werden staerker

- - - 13

Amerikanische Gewerkschaft ernennt internttionalen Repraesentanten - - - - - - - - - - - - - 1 4
Steigende Aktivitaet der Frauen in amerikanischen
Gewerkschaften
- - - - - - - - - - - - - - - 1 5
Warum amerikanische Arbeiter Gewerkschafter sind 16

D. BOWERS: WESTEUROPA IN DER WELTWIRTSCHAFT
Westeuropa ist ein Gebiet mit etwa 270 Millionen Einwohnern, die unter normalen Umstaenden den hoechsten
Lebensstandard der Welt besaessen mit Ausnahme der Vereinigten Staaten. Dies wurde ermoeglicht dank der Faehigkeiten
der eu'ropaeischen Industrie, die sich vornehmlich mit der
Erzeugung von Fabrikaten befasst hat, die in der uebrigen '
Welt gegen Rohstoffe und Nahrungsmittel eingetauscht wurden,
die die Bevoelkerung zu ihrem Lebensunterhalt brauchte.
Auf diese Weise konnten die Voelker Westeuropas ihren verhaeltnlsmaessig hohen Lebensstandard aufrechterhalten.
Vor dein letzten Kriege blieb Westeuropa trotz der schnellen
- 1 -

�Portschritte der Vereinigten Staaten die bedeutendste
"Werkstatt der Welt". Es hatte beinahe die Haelfte des
internationalen Welthandels inne, beinahe zwei Drittel
der Weltschiffahrt, waehrend sein Einkommen, das aus jahrzehntelang angesammelten ausländischen Investierungen,
seinen Banken und anderen Dienstleistungen floss, genuegte,
um beinahe ein Viertel seiner Einfuhren aus der uebrigen
Welt zu finanzieren.
Obschon ein Grosstell des Aussenhandels der westeuropaelschen Staaten einen Binnenhandel im Rahmen Westeuropas darstellte, sind die Wirtschaften dieser Laender zu
einem hohen Ausmass nach den üeberseemaerkten gerichtet*
Vor dem Kriege stammte beinahe die Haelfte der europaeischen Einfuhren aus Ueberseelaendem, und mehr als ein
Drittel der westeuropaeischen Ausfuhren gingen nach Uebersee; seit dem Kriege ist der TTeberseehandel aus besonderen
Gruenden bedeutend groesser als der westeuropaeische Innenhandel. Weit davon entfernt, sich zu ergaenzen, machen
sich daher die westeuropaeischen Wirtschaften in einem
hohen Grade Konkurrenz.
Der westeuropaeische TJeberseehandel wurde natuerlich
oft mit unabhaengigen Laendern getaetigt, jedoch spielte
sich ein sehr grosser Teil mit den europaeischen Besitzungen und den angegliederten Gebieten ab. Dies war insbesondere der Fall bei Grossbritannien, das gegenwaertig
ungefaehr die Haelfte seines Aussenhandels mit den Laendern
des britischen Commonwealth taetigt. Es waren vor allem
diese Besitzungen, die den Mutterlaendern billige Rohstoffe
und geschuetzte Maerkte verschafften* Diese Lage war das
Ergebnis der Periode der imperialistischen Ausdehnungspolitik des 19. Jahrhunderts, sie nahm oft die Form einer beschraenkten wirtschaftlichen Entwicklung der abhaengigen
Gebiete an, die jedoch nicht im Interesse der einheimischen
Voelker liegt. Wir muessen daher zugeben, dass der Lebensstandard Westeuropas, einschliesslich derjenige seiner
Arbeiter, zu einem gewissen Ausmass der Ausbeutung der
Kolonialvoelker zu verdanken war. Diese Tatsache hat, wie
wir sehen werden, Westeuropa grosse Unannehmlichkeiten
bereitet*
Es steht fest, dass die westeuropaeische Wirtschaft
seit langer Zeit krank war, im grossen und ganzen seit
Anfang dieses Jahrhunderts* Die Kennzeichen dieser Krankheit waren ausgedehnte Perioden chronischer Arbeitslosigkeit und die Tatsache, dass es misslang, die Moeglichkelten
der modernen Wissenschaft und Technik voll zu entwickeln*
Insbesondere machte sich die Tendenz bemerkbar, hinter den
Vereinigten Staaten auf dem Gebiete der industriellen
Lei8tungsfaehlgkeit zurueckzublelben. Wie alle Gewerkschafter jedoch wissen, war diese Krankheit teilweise durch
die falsch gerichtete innere Wirtschaftspolitik verschuldet, die von den westeuropaeischen Regierungen und Arbeitgebern getrieben wurde. Das heisst, dass die ungleiche
Verteilung der Reichtuemer auf den inneren Maerkten die
Kaufkraft geschwaecht und Perioden schwerer Arbeitslosigkeit sowie wirtschaftliche Stockungen hervorgerufen hat.
Die gleichen Faktoren haben jedoch auch auf internationalem
Gebiet ihre Wirkung ausgeuebt und das Ergebnis gehabt, dass
das Verbrauchspotential der unter- und weniger entwickelten
- 2 -

�Laender nicht ausgedehnt werden konnte. Dagegen wurde von
den Mutterlaendern versucht, sich selbst und die von ihnen
abhaengigen Gebiete mit Immer hoeheren Zoll- und anderen
Handelsschranken zu umgeben.
Meiner Ansicht nach war diese falsch gerichtete Wirtschaftspolitik sowohl im Inneren als auch nach aussen nur
der Hauptgrund des ersten Weltkrieges, der vor allem dem
Umstand zuzuschreiben war, dass es der gewaltigen deutschen
Wirtschaft misslang, geeignete Absatzmaerkte zu finden«
Doch wir alle wissen, dass dieser Krieg dieses Problem nicht
geloest hat. In Wirklichkeit erschwerte er nur die langfristigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Europas auf dem
Gebiete des Welthandels. Dies war vor allen Dingen dadurch
begruendet, dass der Rueckschlag, den die westeuropaeische
Industrie durch die Kriegszerstoerungen und die intensive
Kriegsproduktion erlitt und der dementsprechende Antrieb,
der der industriellen Entwicklung in den Vereinigten Staaten
zuteil wurde, den Niedergang Westeuropas als wichtigstes
Industriegebiet der Welt beschleunigte und es den Vereinigten Staaten ermoeglichte, sich einige wichtige westeuropaeische Ueberseemaerkte anzueignen* Zweitens begannen einige
der weniger entwickelten Ueberseelaender, die durch den
Krieg von ihren ehemaligen Versorgungsquellen in Europa abgeschnitten wurden, schnell ihre eigenen Nebenindustrien zu
entwickeln und selbst als Konkurrenten im Welthandel aufzutreten. Das klassische Beispiel dafuer ist natuerllch Japan.
Vor dem ersten Weltkrieg, waren seine Ausfuhren an Fabrikaten
ueberhaupt nicht beachtenswert; 1938 jedoch lieferte Japan
ein Puenftel des Weltexportes an Baumwolle- und Kunstseideerzeugnissen.
Zwischen den beiden Weltkriegen hatten diese Entwicklungen das Ergebnis, dass der Anteil Westeuropas am Welthandel schnell abnahm. Die zunehmende Industrialisierung
der weniger entwickelten Laender und der Umstand, dass die
Verbrauchskraft nicht in gleichem Masse in der ganzen Welt
ausgedehnt werden konnte, hatten zur Folge, dass der gesamte
internationale Handel zu einem Stillstand kam und sogar eingeschraenkt werden musste. Waehrend zwischen 1875 und 1915
der Umfang des Welthandels in Fertigerzeugnissen verdreifacht werden konnte, war im Jahre 1930 der Umfang dieses
Handels nur noch, drei Viertel so gross wie 1913, trotz der
Tatsache, dass sich zwischen 1913 und 1939 die Weltproduktion
an Fertigerzeugnissen verdoppelte. Dies trug stark zu der
rossen Depression bei, die in den Jahren vor dem zweiten
eltkrieg in fast allen europaeischen Staaten vorherrschte.

«

Allerdings war die wachsende Schwaeche Westeuropas
waehrend dieser Zelt teilweise ueberdeckt - wenn auch auf
Kosten der Ueberseelaender, die Nahrungsmittel und Rohstoffe
erzeugten. Dies war dem Umstand zuzuschreiben, dass erstens
die ausgedehnten Ueberseelnvestierungen, die von Westeuropa
am Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gemacht wurden, in der Zeit zwischen den beiden Kriegen
die wichtigsten Bedarfsartikel in Huelle und Fuelle und zu
geringen Preisen auf den Markt brachten, waehrend anderseits
die Depression der dreissiger Jahre die Nachfrage nach diesen
Artikeln bedeutend herabdrueckte. Da sie nicht schnell genug Absatz finden konnten, wurden sie sogar noch billiger»
Dank der vorteilhaften Handelsbedingungen machte sich die
- 3 -

�Wirkung dieses Abfallens des Westeuropaeischen Aussenhandels
nicht vollauf bemerkbar.
Doch diese guenstigen Einfluesse waren nicht von langer
Dauer; denn erstens brachte die grosse Depression die Ueberseeinvestierungen in den minder- und unterentwickelten Laendern fast zu einem vollstaendigen Stillstand, und zweitens
brachte die unzulaengliche Nachfrage nach Hauptbedarfsartikeln eine Anzahl unterentwickelter Laender nach und nach
dazu, die Produktion dieser Artikel einzuschraenken und sich
schneller dem Ausbau ihrer eigenen Nebenindustrien zuzuwenden. Die jetzige ernste Knappheit an Nahrungsmitteln und
Rohstoffen, die auf der ganzen Welt fuehlbar ist, steht in
engstem Zusammenhang mit diesen Folgen der grossen Depression,
die ebenfalls eine weitere Einsehraenkung der westeuropaelschen Maerkte in den weniger entwickelten Laendern mit sich
brachte. Eine Untersuchung, die kuerzlich von der Wirtschaft skomission der Vereinten Nationen fuer Europa unternommen wurde, hat bewiesen, dass dies insbesondere in Südamerika der Fall war, wie wir in England es uebrigens in den letzten
Jahren im Laufe der Verhandlungen mit Argentinien bezuegllch
der Versorgung mit Fleisch sehr zu unserem Leidwesen und auf
unsere Kosten bemerkten.
Nichtsdestoweniger waren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Westeuropa zwischen den beiden Kriegen gross genug,
Insbesondere wieder im Falle Deutschlands, um die tieferen
Ursachen des zweiten Weltkrieges klarzustellen. Diesmal war
es wirklich ein Weltkrieg, und seine Folgen in bezug auf die
heikle und bereits sehr geschwaechte Struktur des westeuropaeischen Aussenhandels waren verheerend. Zahlreiche Produktionszentren wurden zerstoert, das Transportsystem zerrissen,
Mengen an Schiffsraum gingen verloren, eine grosse Anzahl aus~laendischer Investierungen musste verkauft werden und neue
Schulden gemacht, die gesamte landwirtschaftliche und industrielle Produktion Westeuropas wurde im -Interesse der Kriegszwecke
umgestellt und viele Arbeiter aus ihren normalen Arbeitsplaetzen
erissen, waehrend Rohstoffgebiete und Haerkte auf der ganzen
elt in Verlust gerieten oder zerstoert wurden.

S

Im Jahre 1945 war die industrielle Produktion in Frankreich, Belgien und Holland 40$ unter das Niveau von 1938 gefallen. In Italien war sie auf ein Fuenftel gesunken, waehrend sie in Deutschland praktisch zum Stillstand gebracht
worden war. Ausserdem machten sich die gleichen Wirkungen
auf die langfristige Stellung Westeuropas im Welthandel bemerkbar: genau wie im ersten Weltkrieg, jedoch zu einem noch
hoeheheren Hasse als zu jener Zeit. Die Vereinigten Staaten
waren in der Lage, ihre industrielle Produktion ununterbrochen
fortzusetzen und aufzubauen« so dass sie im Jahre 1945 mit
mehr als der Haelfte der gesamten Weltproduktion und des gesamten Welthandels hervortraten. Mit diesen Moeglichkeiten
hatten sie waehrend des Krieges eine weitere Anzahl frueherer
Ueberseemaerkte Westeuropas unter ihre Kontrolle gebracht.
Dies war umso ernster, als der zweite Weltkrieg die politische Folge hatte, dass Westeuropa von seinen frueheren wichtigen Maerkten im Osten mehr oder weniger vollkommen abgeschnitten war.
A H dies machte das Europaeische Wiederaufbauprogramm
und die weitgehende Hilfe der Vereinigten Staaten, die diese«
- 4

�Programm erst ermoegllchte, zu einer Notwendigkeit. Es ist
nicht meine Absicht, auf die Einzelheiten der Ergebnisse des
Europaeischen Wiederaufbauprogramms einzugehen, da hier schon
genuegend geschrieben und gesprochen wurde. Ich moechte nur
nebenbei bemerken, dass dieses Programm ein durchschlagender
Erfolg.war, und dass im vierten Quartal 1950 die industrielle
Produktion Westeuropas 40% ueber ihrem Vorkriegsstand lag und
um 42% hoeher war als 2&amp; Jahre zuvor, als das .Europaeische
Wiederaufbauprogramm begann» Das internationale Handelsdefizit
Westeuropas, das sich im Jahre 1947 auf 7j Milliarden Dollar
belief, hatte sich im Jahre 1950 schaetzungsweise auf weniger
als 2 Milliarden Dollar vermindert.
Die Frage, die sich hier stellt, ist die folgende:
Bis zu welchem Grad hat dieses Programm dazu beigetragen, die
langwierige Krankheit der westeuropaeischen Wirtschaft zu
heilen? Sie werden sich vielleicht erinnern, dass ich sagte,
diese Krankheit waere im Grunde genommen dadurch verursacht,
dass die Reichtuemer ungleich verteilt wurden und die Ueberseemaerkte im Verhaeltnis zu den Produktionsmoeglichkeiten
keine genuegende Ausdehnung erfuhren, und dass die Merkmale
dieser Krankheit neben der chronischen Arbeitslosigkeit vor
allem der Mangel an industrieller Leistungsfaehigkeit waren.
Die wirtschaftliche Genesung Westeuropas, wenigstens bis
zum Jahre 1949, fusste vor allen Dingen auf der ungewoehnlichen
Nachfrage nach Ersatzguetern und Ersatzmaterialien, die gewoehnlich die Folgeerscheinung eines langen und verheerenden Krieges
ist. Bereits 1949 erlitt der europaeische Wiederaufbau einen
ernsten Schlag, der zum groessten Teil durch den leichten wirtschaftlichen Rueckgang in den Vereinigten Staaten im gleichen
Jahr erklaerlich ist. Ausserdem dürfen wir nicht vergessen, dass
bis zum Jahre 1949 Deutschland und Japan - zwei der Laender,
die vor dem Krieg am staerksten zum internationalen Handel beisteuerten - noch nicht wieder auf den Maerkten zugelassen waren.
Es ist zum Beispiel sehr interessant, festzustellen, dass der
Aufschwung der britischen Ausfuhr zwischen 1938 und 1948 ungefaehr gleichbedeutend war mit dem deutschen Exportrueckgang
zur gleichen Zeit. Es schien daher, dass eine Rueckkehr zu den
Verhaeltnissen der Zwischenkriegszeit beginnen sollte, und dass
ein ruecksichtsloser Wettbewerb zur Eroberung der Maerkte einsetzen sollte.
Wenn das diesmal nicht der Fall war und der Wiederaufbau
seit 1949 ununterbrochen fortgeschritten ist, so ist dies meiner
Meinung nach in hohem Masse dem wachsenden wirtschaftlichen
Ansporn der Aufruestung zu verdanken. Ich weiss, dass auch
andere Ursachen daran beteiligt sind, wie zum Beispiel die Entwertung einer Anzahl westeuropaeischer Waehrungen zu Ende des
Jahres 1949. Ich glaube jedoch, dass fuer die Wirtschaft der
Vereinigten Staaten, die heutzutage durch ihre Macht den Stand
der wirtschaftlichen Taetigkeit Im ganzen Westen bestimmt und
in der ein Viertel der nationalen Produktion den Zwecken der
Verteidigung gewidmet ist, der Ansporn der Aufruestung die Haupt»ursaohe fuer den hohen Stand der Industrieproduktion seit 1949 ist.
Wie wir alle wissen, ruehrt die unmittelbare Bedrohung der
westeuropaeischen Wirtschaft heutzutage nicht von einer mangelnden Nachfrage her, sondern vielmehr von der Knappheit an Rohstoffen, die zum Grossteil durch das Anlegen von Vorraeten fuer
Verteidigungszwecke verschuldet ist. Es scheint demnach, dass
Westeuropa wenigstens in absehbarer Zukunft keine Sorge darueber
zu haben braucht, ob fuer seine ganze Erzeugung genuegend Absatzmoeglichkeiten vorhanden sein werden. Ich bin jedoch der
Ansicht, dass wir weder auf wirtschaftlichem Gebiet noch In moralischer Hinsicht uns mit einem wirtschaftlichen Wohlstand
zufrieden geben sollten, der In so hohem Masse von Verteidigungsausgaben abhaengig ist.
Wenn durch
5

�irgendein Wunder» das wir alle erhoffen mueaaen, der gegenwaertige Aufrueatungastürm ploetzlich aufhoeren koennte, so
wuerde aich die Frage stellen, was aus den weateuropaeiachen
und anderen westlichen Wirtschaften werden soll* Um es
gerade heraus zu sagen: es ist ganz klar, daaa den Haerkten
der Grund und Boden entzogen wuerde.
Wie aollen wir uns also zur unterirdischen Schwaeche
Westeuropas stellen, die heute durch den kuenatlichen Ansporn der Aufruestung ueberdeckt wird? Im Laufe des vergangenen Jahres war von vielen Verhandlungen und Plaenen
die Rede, die alle das Ziel hatten» die wirtschaftliche
und politische Vereinigung Westeuropas herbeizufuehren.
Auf wirtschaftlichem Gebiet ist das Hauptziel aolch einer
Vereinigung» die industrielle Leiatungafaehigkeit durch
die Schaffung einea besonderen westeuropaeiachen Marktgebietes zu verbessern. Ich bezweifle nicht, daaa aolche
Vorschlaege einen grossen Wert haben, glaube jedoch, daaa es
auaaerordentlich 8chwer aein wird, aie in die Wirklichkeit
umzusetzen und ich fuerchte, dass aie keine sehr schnellen
Ergebnisse zeitigen werden. Doch bin ich der Meinung» daaa
diese Vorschlaege fuer Westeuropa als Ganzes die erwuenachte
Loeaung nicht erbringen koennen, weil, wie ich achon frueher
gesagt habe, die westeuropaeischen Wirtschaften immer die
Tendenz haben, nach aussen, also auf die Ueberseemaerkte zu
blicken und einander zum Grossteil nicht ergaenzen. So
wichtig es auch sein mag, die industrielle Leistungsfaehigkelt zu erhoehen, insbesondere seit Westeuropa nicht mehr,
wie vor dem Krieg, ein Puenftel aeiner Auafunren mit einem
Einkommen bezahlen kann, das ihm aus auslaendisehen Investierungen zufliesst, ao beateht doch daa wichtigate Beduerfnia
Westeuropaa auf lange Sicht in der Erschliessung und Erweiterung von Ueberseemaerkten; und da die Vereinigten Staaten,
die den weitesten Einzelmarkt der Welt darstellen, sich in
hohem Masse selbst versorgen, muessen diese Maerkte vor allem
in den unterentwickelten oder nur teilweise entwickelten
Laendern Asiens, Afrikas und Suedamerlkaa geschaffen werden.
In Wirklichkeit leben die Voelker in vielen dieser
Laender heutzutage in erdrueckender und abscheulicher Not»
Ea genuegt, die Einkommensziffern pro Kopf zu betrachten,
um dies zu beurteilen. Das Durchschnittseinkommen in den
Vereinigten Staaten belaeuft 8ich auf etwa 1200 Dollar im
Jahr, in England auf $600, in 13 anderen Induatrielaendern
auf $450 oder mehr, in der uebrlgen Welt Jedoch, daa helast
in einem Gebiet, in dem zwei Drittel der Bevoelkerung der
Erde leben, ist das Durchschnittseinkommen nur 60 bis 90
Dollar Im Jahre - oder etwa 1 1/2 Dollar In der Woche.
Was die Sache noch aerger macht, ist, daaa in vielen
der aermeren Laender die Unterschiede zwischen Armut und
Reichtum besonders auffallend sind, waehrend in den reicheren
Laendern eine starke Tendenz nach einer zunehmenden Verwischung der Einkommensunterschiede besteht. Mehr noch, die
Kluft zwischen den fortschrittlichen und den zurueckblelbenden Laendern wird immer tiefer. Dir fortschrittlichen
Laender haben durch ihren blossen Portschritt einen starken
Vorteil gegenueber den anderen. Ihr groesseres Produktionspotential macht es ihnen leichter, fuer die weitere Entwicklung Kapital anzuhaeufen, waehrend die rueckstaendigen Gebiete,
die faat ihre gesamten Mittel benuetzen mueaaen, um allein
- 6 -

�ihre Bewohner am Leben zu erhalten, immer weiter zurueckfallen. Wie ich es bereits hervorgehoben habe, geschah
dies selbst dort, wo die Mutterlaender in ihren Ueberseebesitzungen bis zu einem gewissen Ausmass Kapital entwickelt
haben, oft in der Form einer Produktionsfoerderung, die sich
einzig und allein auf die wichtigsten Gebrauchsgueter
erstreckte und nicht genuegend ausgeglichen war, um eine
nennenswerte Erhoehung des Lebensstandards der Arbeiterklasse
dieser Gebiete zu erreichen*
All dies zeigt sehr klar die Notwendigkeit eines internationalen Planes auf, der dafuer sorgen muss, dass die
industriellen Leender in grossem Masstabe dafuer die rueckstaendigen Laender Kapital bereitstellen.
Worauf wir es
hier wirklich abgesehen haben, ist die Aufrechterhaltung eines
hohen und festen Standardes einer produktiven Beschaeftigung
in der ganzen Welt, und es ist interessant, die Schlussfolgerungen hervorragender Wirtschaftssachverstaendiger zu
lesen, die im vorigen Jahr ersucht wurden, den Vereinten
Nationen ueber dieses Thema einen Bericht abzugeben. Wahrscheinlich der ausschlaggebendste Satz im Bericht dieser
Sachverstaendigen war der folgende:
"Wir sind der Meinung, dass das Problem der Vollbeschaeftigung nur im Rahmen einer ausgedehnten Weltwirtschaft geloest werden kann, in welcher die wirtschaftliche
Entwicklung der unterentwickelten Laender das wichtigste
Einzelelement darstellen wuerde."
Denn wenn die Arbeitsproduktivitaet in den unterentwickelten Laendern so weit erhoeht werden koennte, dass sie
den westeuropaeischen Verhältnissen etwas naeher kommt, so
wuerde dies schliesslich im Leben von mehr als 1.000 Millionen Menschen geradezu eine Umwaelzung darstellen. Ihre
Produktion koennte auf ein Vielfaches gesteigert und ihre
Kaufkraft entsprechend erhoeht werden. Puer Westeuropa
wuerde dies die Eroeffnung unausdenkllcher neuer Exportmaerkte und die Schaffung .riesiger Mengen von Rohstoffen
und Nahrungsmitteln bedeuten. Und was die Exportmaerkte betrlefft, wuerde es sich nicht bloss um eine zeitweilige
Nachfrage nach Kapitalausruestung handeln, die die westeuropaelsche Wirtschaft ohne weiteres bereitstellen koennte,
es wuerde sich darueber hinaus eine dauernde Nachfrage nach
allen mqeglichen Fabrikaten einstellen, deren Verbrauch
den betreffenden Voelkern durch die Erhoehung ihres Lebensstandards zum ersten Mal gestattet sein wuerde.
Es ist natuerlich klar, dass der Groateil der fuer
einen solchen internationalen Plan benoetigten Finanzmittel
von den Vereinigten Staaten bereitgestellt werden muesste,
da sie in der heutigen Welt bei weitem das reichste Wirtschaftspotential besitzen. Es ist Jedoch ebenso klar, dass
die westeuropaeischen Laender sich an diesem Plan entsprechend ihrer Moegllchkeiten beteiligen muessten. Und es
muss hervorgehoben werden, dass es sich um einen internationalen Plan handeln muss. Viele der rueckstaendigen
Laender haben mit den politischen und wirtschaftlichen
Ergebnissen des Imperialismus unglueckliche Erfahrungen
gemacht und sind daher geneigt, allen aeusseren finanziellen
Unterstuetzungsplaenen zu misstrauen. Ausserdem hat es
keinen Zweck, zu glauben, dass ein Grossteil der zur Finanzierung dieses Planes benoetigten Gelder aus privaten Quellen
- 7

�fHessen koennte. Zuerst wuerde es sich darum handeln, die
wichtigsten Dienstleistungen sicherzustellen, wie zum Beispiel
Strassen, Eisenhahnen, Kanalisationen, Schulen, Krankenhaeuser und so weiter, und es wuerde viele Jahre dauern» ehe die
Kapitalinvestierungen in diesen Laendern Ertraege in dem Hassstab bringen wuerden, wie private Kapitalisten sie erwarten.
Der Grossteil der Finanzen muesste daher von den Regierungen
aufgebracht werden.
Es besteht heute zwischen den Wirtschaftssachverstaendigen aller Richtungen Einvernehmen darueber, dass ein solcher
gegenseitiger Unterstuetzungsplan auf internationaler Grundlage notwendig ist, und in der Tat wird auch bereits Verschiedenes im Sinne dieser Richtlinien unternommen. Zunaechst
gibt es das von Praesident Truman eingeleitete Punkt-VierProgramm. Leider wurden jedoch bis jetzt nur 30 Millionen
Dollar vom Kongress fuer dieses Programm bereitgestellt.
Dann gibt es den Colombo-Plan, der von den Regierungen des
britischen Commonwealth ins Leben gerufen wurde und der sich
die Bereitstellung einer Finanzhilfe von 3 Milliarden Dollar
im Laufe von sechs Jahren an bestimmte suedostasiatische
Laender zur Aufgabe stellt. Bis jetzt jedoch wurde kein Vorschlag darueber gemacht, woher ein Grosstell dieser finanzlallen
Unterstuetzung kommen soll. Allerdings stehen bei der amerikanischen Regierung weitere Plaene in Vorbereitung, die aus Mitteln
der Vereinigten Staaten im ersten Jahr einen Betrag von etwa
500 Millionen Dollar an rueckstaendige Laender vorsehen. Es
bleibt jedoch dahingestellt, welche Betraege vom Kongress wirklich bereitgestellt werden. Daneben starten die einzelnen westeuropaeischen Laender In den von ihnen abhaengigen Gebieten
ihre eigenen Entwicklungssysteme. Grossbritannien zum Beispiel steht im Begriff, auf diese Weise 1,5 Milliarden auszugeben, waehrend Belgien beabsichtigt. Im Laufe von 10 Jahren
fuer aehnliche Zwecke 900 Millionen Dollar bereizustellen.
Doch alle Betraege, die bis jetzt von den Regierungen
angenommen oder eroertert wurden, koennen In Wirklichkeit kaum
die Peripherie des Problems beruehren, da die rueckstaendigen
Gebiete so ausgedehnt und ihre Einwohner so ungeheuer zahlreich sind. Ausserdem darf man nicht vergessen, dass aus Gruenden, auf die ich hier nicht eingehen kann, ihre Bevoelkerung
sich sehr schnell vermehrt. Man schaetzt, dass innerhalb
von 20 Jahren die Bevoelkerung Suedostasiens um 120 Millionen
steigen wird, das heisst um eine Zahl, die beinahe so gross
ist, wie die gesamte Einwohnerzahl der Vereinigten Staaten.
Es ist daher anzunehmen, dass die Gelder, die jetzt in dienen
Gebiete angewendet werden, kaum genuegen werden, um eine
weitere Verschlechterung des Lebensstandards zu verhueten, wobei von einer Verbesserung dieses Standards ueberhaupt nicht
gesprochen werden kann. Wie James Carey von der C.I.O. hervorgehoben hat, stellt das Geld, welches bislang von den Vereinigten Staaten im Rahmen des Punkt-Vier-Programm aufgebracht
wurde, weniger als ein Viertel-Dollar fuer jeden der 560 Million ea Menschen in Suedostasien dar.
Wenn irgendetwas Wirksames getan werden soll, um dieses
Problem zu loesen, so muessen diese Vorschlaege die Kuehnheit
und Grosszuegigkeit der Anregungen besitzen, die von einem
anderen C.I.O.-Fuehrer, Walter Reuther, gemacht wurden. Was
er vorschlug, war, dass sich das Volk der Vereinigten Staaten
dazu verpflichte, hundert Jahre lang durch die Vereinten
Nationen einen jaehrlichen Betrag von 13 Milliarden Dollar
fuer die wirtschaftliche Entwicklung der tJeberseelaender bereitzustellen, und dass die anderen Nationen je nach ihren
- 8

�Moeglichkeiten aehnliche Verpflichtungen eingehen*
Die Frage, die sich angesichts dieser astronomischen
Zahlen sofort stellt« ist, ob Westeuropa und die anderen
Westmaechte solche Betraege aufbringen koennen, insbesondere
Jetzt, da so viel fuer die Aufruestung ausgegeben wird. In
diesem Jahre stellt der Kongress einen Betrag von 70 Milliarden Dollar fuer die Aufruestung bereit, gegenueber 25 Milliarden Dollar, die bis jetzt fuer das Punkt-Vier-Programm gebilligt wurden. Auch in den westeuropaeischen Laendern steigen
die Aufruestungskosten; in England werden sie zum Beispiel
verdoppelt.
Die Antwort, die ich auf diese Frage geben moechte, ist,
dass die Westmaechte einen internationalen Hilfsplan zugunsten
der rueckstaendlgen Laender in einem aehnlichen Masstab wie
der, den ich erwaehnt habe, unbedingt annehmen muessen. Wir
muessen uns ein fuer allemal darueber Rechenschaft ablegen,
dass diese rueckstaendigen Laender, insbesondere in Asien
und Afrika, das groesste politische und soziale Problem, das
die Welt heutzutage kennt, darstellen. Wenn wir dieses
Problem nicht loesen, so ist es hoechstwahrscheinlich, dass
alle unsere Verteldigungsplaene letzten Endes scheitern werden.
In diesem Zusammenhang moechte ich wieder eine Feststellung anfuehren, die von James Carey gemacht wurde. Es
helsst, dass er gesagt haette, die westlichen Demokratien
wuerden sowohl auf moralischem als auch auf militaerlschem
und wirtschaftlichem Gebiet ihre eigene Zukunft in Frage
stellen, wenn sie die 560 Millionen Einwohner Suedostaslens
samt den natuerllchen Reichtuemern dieses Gebietes an den
Kommunismus verlieren wuerden. Im Vergleich zu den diesjaehrlgen 70 Milliarden Dollar, die die Vereinigten Staaten fuer
ihre Verteidigung ausgegeben haben, sagte Carey, "haetten wir
offenkundig Geld erspart, wenn wir uns entschlossen haetten,
vier Jahre lang Jaehrlich 5 Milliarden Dollar fuer MarshallPlan-Programme im Fernen Osten auszugeben".
Uns allen Ist bekannt, dass in Suedostasien gegenwaertig
eine politische und soziale Gaerung vor sich geht. Die Einwohner dieses und anderer Gebiete werden unter dem Druck eines
erwachenden Nationalismus immer staerker den empoerenden Abgrund gewahr, der zwischen ihren eigenen Lebensbedingungen und
denjenigen der Voelker in den fortschrittlichen Laendern besteht. Sie kommen schnell zu dem Schluss, dass es angesichts
der gegenwaertigen Mittel der Wissenschaft und Technik keinen
triftigen Grund dafuer gibt, dass sie in ihrer entsetzlichen
Armut verbleiben sollten. Wenn wir nicht etwas Grosszuegiges
tun, um Ihre Lebensbedingungen zu verbessern, und wenn wir
es nicht schnell tun, so werden diese Voelker unvermeidlich
dem Kommunismus verfallen und sich uns nicht nur als Maerkte,
sondern auch als Quellen lebenswichtiger Nahrungsmittel und
Rohstoffe verschliessen. Die kuerzllchen Ereignisse in Persien
beweisen, dass die Laender nicht erst dem Kommunismus verfallen
muessen, um diesen Weg zu beschreiten. Und was das fuer Westeuropa bedeutet, ist, dass, wenn noch mehr Maerkte und Versorgungsquellen auf diese Weise geschlossen werden, dies am
Ende mit Sicherheit den wirtschaftlichen Untergang zur Folge
haben wird, und zwar mit allen politischen und sozialen Konsequenzen, die sich daraus ergeben.
- 9 -

�Die Eroerterung clor Probleme Westeuropas Hess uns zu einer
Stelle kommen, -die von Europa selbst weit entfernt ist. So ist
es auch in der Tat, denn in Wirklichkeit ist es in mancher Hinsicht
und insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet bloss eine besondere
Form der Vorstellung, wenn man Westeuropa als ein separates Ganzes
betrachtet. Es ist viel eher der Teil eines Weltwirtschaftskomplexes, und seine Probleme koennen nur im Rahmen einer umfassenden
Planung eine Loesung finden. Wie ich die Dinge sehe, bleiben diese
Weltwirtschaftsprobleme nach wie vor das, was sie unter dem Kapitalismus immer waren - trotz des bemerkenswerten Fortschritts,
der im Sinne einer Milderung der besonders harten Seiten dieses
Systems erzielt wurde. Die Probleme bleiben im Grunde genommen
die grossen Ungerechtigkeiten der Gueterverteilung zwischen den
verschiedenen Klassen und Nationen und die sich dareus ergebende
Unmoeglichkeit, ein hohes und festes Beschaeftigungsniveau aufrecht zu erhalten sowie die Produktionstechnik zur vollen Entwich
lung zu bringen, weil die Kaufkraft der Volksmassen nicht genuegend hoch ist.

ALLGEMEINE LOHNERHOEHUNGEN IN SCHWEDEN
Zum erstenmal seit drei Jahren sind gegen Ende des Jahres
1950 und anfangs 1951 fuer 1 1/2 Millionen schwedische Arbeiter
oder 60% der 2 1/2 Millionen Lohn- und Gehaltsempfaenger Schwedens
Verhandlungen ueber neue Lohn- und Gehaltsabkommen gefuehrt worden.
Der schwedische Gewerkschaftsbund (LO) verfolgte seit 1947 die
Politik, die bestehenden Lohntarife beizubehalten, machte jedoch
im Jahre 1950 die Fortsetzung dieser Politik von der Stabilisierung
der Preise abhaengig. Seit dem Beginn der Feindseligkeiten in
Korea im Jahre 1950 hatte der schwedische Gewerkschaftsbund jedoch
mit grossen Preiserhoehungen gerechnet und den ihm angeschlossenen
Gewerkschaften empfohlen, die bestehenden Tarifvertraege zu kuendigen und wieder freie TarifVerhandlungen aufzunehmen.
Obwohl die Verhandlungen waehrend der ersten Haelfte des Jahres 1951 fortgesetzt werden sollten, koennten bereits Ende Februar 1951 fuer etwa die Haelfte der Arbeiter Vertraege auf friedlichem Weg abgeschlossen werden. Die drei folgenden wesentlichen
Merkmale kennzeichnen im allgemeinen die neuen Vertraege:
(1) Die Lohnerhoehungen sind im Vergleich zu den geschaetzten
Steigsrungen der Lebenshaltungskosten maessig. Der Lebenshaltungskostenindex hatte im Dezember 1950 den Durchschnitt des Jahres
1947 um 10% ueberschritten. Als im Dezember 1950 die Subventionen
fuer alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse aufgehoben wurden, begannen die Preise schnell anzusteigen und schwedische Behoerden
schaetzten, dass die Erhoehung des Lebenshaltungskostenindex im
ersten Quartal des Jahres 1951 insgesamt acht Prozent betrug.
(2) Die Lohnerhoehungen waren fuer niedrig bezahlte Industriezweige und fuer die Gruppen mit niedrigen Einkommen, vor allem
Frauen, am hoechsten.
(3) Die Vertraege sind auf ein Jahr Gueltigkeitsdauer begrenz
und nicht mit den periodischen Steigerungen der Lebenshaltungskosten gekoppelt. Die Funktionaere des schwedischen Gewerkschaftsbundes haben den Gewerkschaften nahegelegt, von dieser letzteren
Massnahme zum Schutze der Realloehne abzusehen, um eine Lohn-PreisSpirale zu verhindern.
- 10 -

�In den Vertraegan, die in der Zeit von November 1950 bis
Februar 1951 abgeschlossen wurden, sind, folgende durchschnittliche Lohnerhoehunren vorgesehen:
prozentuale
Gruppe
Lohnerhoehung
170.000 Wald- und Forstarbeiter

12.0$ - 17.0%

100.000 landwirtschaftliche Arbeiter .
(etwa die Haelfte nicht gewerkschaftlich
organisiert)
maennlich

13.5%

weiblich

19.0%

12.000 Arbeiter in Herstellungsbetrieben

8.0% - 13.0%

150.000 Maschinen- und Giessereiarbeiter

9.5%

5.000 Bergleute in Erzbergwerken
(mit Lohnunterschieden gemaess den Senioritaetsanspruechen, um uebermaessig
haeufige Arbeitsplatzwechsel zu vermeiden)

8.0%

35.000 Arbeitnehmer im Hotel- und Gaststaettengewarbe

13.0% - 14.0%

35.000 Bekleidungsarbeiter

13.0% - 14.0%

9.000 Angestellte der Handelsbanken
(hier erfolgte eine prozentuale Erhoehung
der Gesamteinkommen. Frauen erhielten
hoehere Gehaltsaufbesserungen)

10.0% - 25.0%

200.000 Beamte und andere Arbeitnehmer der
18.8%
Regierung
(ebenfalls prozentuale Erhoehung der
Gesamteinkommen)
Etwa 50.-000 Empfaenger von Alterspensionen, die von der Regierung gewaehrt werden, haben mit der gleichen prozentualen Erhoehung ihres Einkommens wie die Arbeitnehmer der Regierung gerechnet. . Dieses Abkommen gilt ausserdem indirekt fuer ueber 200.000
Kommunal- und Provinzialbedienstete, deren Loehne und Gehaeiter
im allgemeinen (Jenen der Arbeiter und Beamten der Regierung angeglichen werden.
Notes on Labor Abroad
11/51
REFERATS FUER PR QDUKTIOfrSTSCHNIK IN AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Eine Anzahl amerikanischer Gewerkschaften haben Referate
fuer Produktionstechnik oder -Forschung. Vielleicht ist diese
Tatsache ein Beweis fuer das Ausmass, in dem die Betriebswissenschaft in der amerikanischen Industrie angewendet wird. Man darf
natuerlich nicht vergessen, dass die Betriebsleitung in den Vereinigten Staaten, allgemein gesprochen, "mehr auf eigenen Fuessen
steht" als in Grossbritannien. Die Konkurrenz spielt eine wesentliche,stets akute Rolle. Lohnverhandlungen werden zwischen oertlichen Gewerkschaften und einzelnen Unternehmen und weniger auf
gesamtindustrieller Basis gefuehrt..
- 11 -

�Wenn gewerkschaftliche Referate fuer Produkt!onstechnik bestehen, so bedeutet das nicht, dass die amerikanischen Gewerkschaften die Absicht haben oder auch nur inErwaegung ziehen, die Funktionen der Betriebsleitung in der Industrie zu uebernehmen. 2s
ist in der Tat in den meisten Vertraegen zwischen den Unternehmen
und Gewerkschaften eindeutig festgelegt, dass sich die Gewerkschaft
in keiner V/eise in die Funktionen der Betriebsleitung einmischen
oder ihnen entgegen handeln darf. Die Einstellung und Entlassung
von Arbeitnehmern wird im allgemeinen nicht zufaellig als eine
Funktion der Betriebsleitung angesehen. Die Unternehmer haben
bei zahlreichen Gelegenheiten die Gewerkschaften um ihren Hat
ersucht, wenn es sich um Probleme des Betriebes handelte.
Wenn die- amerikanischen Gewerkschaften Referate fuer Produktionstechnik errichtet haben, so ist hierin sine rein defensive
Massnahme zu sehen, eine Massnahme, die den Zweck hat, die Interessen der Gewerkschaftsmitglieder gegenueber der allzu haeufigen
Anwendung "wissenschaftlicher Betriebsleitungsmethoden" zu
schustzen, die «jeder menschlichen Ueberlegung entbehren. Techniker im Dienst der Gewerkschaften haben die Aufgabe, die statistischen Unterlagen- bereitzustellen, die fuer TarifVerhandlungen notwendig sind, um beweisen zu koennen, was die Arbeiter leisten
koennen, und um sich nicht auf Grund wissenschaftlicher Methoden
vorschreiben zu lassen, was sie leisten sollten.
Die Gewerkschaften und natuerlich auch viele amerikanische
Unternehmen hegen keinen Zweifel ueber die wissenschaftlichen Grenzen des Zeitstudiums und der Arbeitsbewertung. Sie sind rieh bswusst, dass die persoenliche und individuelle Beurteilung - d.h.
das menschliche Element, das bei der Festsetzung vorgeschlagener
Arbeitsnormen mitspielt, nicht so ist, dass die gewaehrte Arbeitszeit, die in Zeitstudien errechnet wird, als "Tatsache" angesehen
werden kann.
Dieser Umstand hat zweifellos dazu beigetragen, dass viele
Gewerkschaften davon Abstand genommen hab3n, eine Haltung einzunehmen, die von vornherein gegen das Zeitstudium gerichtet ist.
Denn wenn bei Fragen, die sich auf Ermuedung, Tariffestsetzung usw.
beziehen, persoenliches Urteil und persoenliche Meinung eine so
grosse -Rolle soielen, dann bestehen auch genuegend Moeglichkeiten
zur ^Diskussion. Mit anderen 7/orten, Zeitstudien bieten eine
Moeglichkeit, in die TarifVerhandlungen einen realistischen Gei3t
zu bringen.
Aufgabe der Produktionsreferate der Zentralstelle der Gewerkschaften ist es, hauptsaechlich die Grtsgewerkschaften mit Dienstleistungen und Informationen zu unterstuetzen. Der Personalstab
dieser Referate ist nur klein und umfasst hoechstens drei oder
vier Mitglieder, die jedoch hochqualifizierte Experten auf dem
Gebiet der Technik und der Betriebsleitung sein muessen. Einige
Gewerkschaften beschaeftigen auch in ihren Bezirksbueros technische Sachverstaendige. Die Arbeit die-er Techniker in den Gewerkschaften besteht nicht darin, Zeitstudien durchzufuehren oder
Arbeitsnormen festzusetzen, obwohl sie hierzu in der Lage waeren
und es auch mitunter fuer notwendig erachten, sondern die Zeitstudien oder Arbeitsplatzbewertung der Arbeitgeber zu ueberwachen
und dementsprechende Verhandlungen zu fuehren. Wenn neue Maschinen oder neue Produktionsmethoden in einem Betrieb eingefuehrt
werden, wenn'ein Montageband abgeaendert oder ein neuer Arbeitsvertrag entworfen wird, wird die Ortsgewerkschaft haeufig Rat und
Unterstuetzung beim Produkt!onsreferat ihres Gewerkschaftsvorstandes einholen, dem genuegend Informationen und statistische Unterlagen zur Verfuegung stehen und das hoechstwahrscheinlich ueber
die finanzielle Lage des Unternehmens gut unterrichtet ist.
- 12 -

�Es besteht wohl kein Zweifel darueber, dass die erfolgreiche
Arbeit dieser produkt,ionstechnischen Referate der amerikanischen
Gewerkschaften in dem Bestreben, die Interessen ihrer Kitglieder
zu wahren und sie zu foerdern, viel dazu beigetragen hat, das zu
beseitigen, was unter anderen Umstaenden ein Hindernis fuer
die technologische Entwicklung in den betreffenden Industrien
ha.ette -ein koennen. Die Gewerkschaften sind der Auffassung,
dass die Sicherheit des Arbeitsplatzes am besten durch eine
groesstmoegliciie Leistungsfaehigkeit der Industrie garantiert
ist, und dass die Verbesserung des Lebensstandards vornehmlich
von der Steigerung der Produktionsleistung abhaengig ist.
Besonders interessant auf diesem Gebiet der Produktiontechnik ist die Arbeit des produktionstechnischen Referats der Internationalen Dt.menob3rbekleidungsarbeitergewerkschaft. Diese Organisation, in der Arbeiter der groessten und am staerksten konkurrierenden Industrie organisiert sind, ist in der Entwicklung der
Methoden des Zeitstudiums weiter gegangen als die meisten Gewerkschaften mit dem Ergebnis, dass die Lohntarife in dieser Industrie im Laufe der letzten Jahre wesentlich verbessert und, was
noch wichtiger ist, stabilisiert wurden. Eine andere gewerkschaftliche Errungenschaft ist die Teilnahme der Vereinigten
Stahlarbeitergewerkschaft an dem Arbeitsbewertungsprogramm, das
in der Stahlindustrie auf Anordnung des nationalen Arbeitsausschusses fuer den Einsatz der Arbeitskraefte in Kriegszeiten im
Jahre 1945 durchgefuehrt werden musste. Diese Anordnung war auf
die Forderung der Gewerkschaft nach Lohnaufbesserungen und Beseitigung vieler Ungleichheiten bei der Lohnzahlung in der Stahlindustrie zurueckzufuehren. Das Programm hat insofern einen
Riesenaufwand an Arbeit bedeutet, als fuer alle Arbeitsplaetze
in der Industrie Arbeit3beschreibungen verfasst werden mussten,
die Arbeitsplaetze entsprechend der Anzahl der Punkte, die fuer
berufliche Fähigkeiten, Verantwortung,. Ausbildung und Unfallgefahr zuerkannt werden, klassifiziert wurden und ein Grundtarif
mit einer entsprechenden Tabelle fuer Arbeiter mit mehr Punkten
festgesetzt werden musste.
Das Referat fuer Lohnunterschiede der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft befasst sich zusammen mit technischen Vertretern der Unternehmer mit dieser Arbeit. Diese Arbeitsbewertung
hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass Unternehmer und Gewerkschaften vereinbart haben, keine Beschwerden ueber Unterschiedlichkeiten der Lohntarife zu fuehren, sondern derartige Fragen in
direkten Verhandlungen zu klaeren.
Organizing for Output, BIM
TUERKISCHE GE~.VERKS GRÄFTEN WERDEN STAERKER
Irving Brown, der internationale Repräsentant der AFL, hat
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften einen vorlaeufigen
Bericht uebar seinen Besuch in der Tuerkei unterbreitet, in dem
festgestellt wird, dass in diesem strategisch wichtigen aufstrebenden Land des Orients, das nur durch einen Wasserstreifen von
wenigen Meilen von Sow letrussland getrennt ist, eine freie Gewerkschaftsbewegung im Entstehen ist.
In seinem Bericht an J. H. Oldenbroek, den Generalsekretaer
de3 IBFG, erklaert Brown, die Zahl der tuerkischen Gewerkschaften
sei von 83 im Mai 1950 auf 103 im Maerz 1951 angestiegen. Die
Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter habe sich von
74.000 auf 99.000 erhoeht.
—

j.o

—

�Zwar wuerden die tuerkischen Gewerkschaften jetzt noch von
der Regierung genauestens kontrolliert, "und selbst die internen
Angelegenheiten der Gewerkschaften unterstuenden polizeilicher
Kontrolle, doch seien diese Massnahmen mit der Entfaltung der
neuen Gewerkschaftsbewegung im Abklingen."
Im Verlauf dieser Feststellungen teilte der Sprecher der
AFL mit, dass auf dem Kongress des Gewerkschaftsbundes in Istanbul,
an dem 500 Delegierte teilnahmen, "offen und uneingeschraenkt
an dem Arbeitsministerium Kritik geuebt" worden sei, und dass
alle wesentlichen Gewerkschaftsprobleme eingehend besprochen
worden seien.
Brown berichtete ferner, dass grosses Interesse fuer den
IBFG gezeigt worden sei und die Gewerkschafter die Hoffnung zum
Ausdruck gebracht haetten, nach der Bildung der LandesOrganisation
der Tuerkei dem IBFG beitreten zu koennen. Die Gruendung einer
solchen LandesOrganisation ist fuer das Ende dieses Jahres oder
fuer den Anfang des Jahres 1952 vorgesehen.
AFL Weekly News Service
17/24/51
AFRIKANISCHE GEWERKSCHAFT ERNEUEST INTERNATIONALEN RE'PRAES ENTANTEN
Eine der groessten Gewerkschaften Amerikas hat ihr wachsendes Interesse an internationalen Angelegenheiten dadurch unter
Beweis gestellt, indem sie einen internationalen Sondervertreter
ernannt hat.
Es handelt sich um die Internationale Gewerkschaft der Mechaniker (IAM), die unlaengst ihre Mitgliedschaft in der AFL wieder aufgenommen hat. Die Gewerkschaft hat Rudy Faupl, der sich
seit langem mit nationalen und internationalen- Gewerkschaftsfragen beschaeftigt hat, zu ihrem ersten internationalen Repräsentanten ernannt.
Faupl3 Ernennung bedeutet einen weiteren Schritt zur Einschaltung der Gewerkschaften in internationale Arbeitsbereiche.
Seit Jahren ist die Internationale Gewerkschaft der MeOhaniker
dem Internationalen Metallarbeiterverband und dem Internationalen
Transportarbeiterverband angeschlossen. Als eine seiner ersten
Amtshandlungen wird Faupl die 600.000 Mitglieder der IAM auf den
Konferenzen des Metallarbeiterverbandes in der Schweiz im Juli
dieses Jahres vertreten.
Als der Vorsitzende der IAM AI Eayes die Ernennung Faunls
bekanntgab, erklaerte er, dass die Gewerkschaft sich jetzt nicht
mehr allein durch den lediglich zeitweiligen Einsatz taetiger
Funktionaere in wirksamer V/eise in die Weltangelegenheiten einschalten wollen.
"Die Ereignisse haben bewiesen," fuhr, er fort, "dass es uns
ohne die Zusammenarbeit und die Solidaritaet aller freiheitsliebenden Menschen der Welt unmoeglich ist, Frieden, Freiheit und
Wohlstand in einer Welt zu erhalten, die aufgrund der technologischen Entwicklungen mit jedem Tape kleiner"wird."
Als internationaler Repraesentant der IAM wird Faunl gemeinsam mit den freien Gewerkschaften der ganzen Welt an der ünterstuetzung der Arbeiterschaft in ihrem Kampf um Frieden, Freiheit
und Wohlstand arbeiten.

- 14 -

�Der neue internationale Repraesentant war mehr als zehn
Jahre lang mit Fragen der Mechaniker beruf e beschaeftigt. V/aehrend des zweiten 7/eltkrieges half er der amerikanischen Regierung bei der Bearbeitung von Lohnfregen. Seit Januar 1951 war
er gemeinsam mit Exekutivstellen der IAM an Lohnstabilisierungsproblemen taetig. Im vergangenen Jahr gehoerte Faupl zu der
dreiköpfigen Delegation, die von amerikanischen Gewerkschaften
zur Berliner Industrieausstellung entsandt worden war.
Labor Air Bulletin
V/9/51
STEIGENDE AKTIVITAET DER FRAUEN IN AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Frauen spielen nicht nur rein zahlenmaessig in der Mitgliedschaft, sondern auch in der gewerkschaftlichen Organisation und
Fuehrung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung eine Rolle von
zunehmender Bedeutung.
Der zahlenmaessige Anteil der Frauen in den Gewerkschaften
nimmt staendig zu, was im wesentlichen auf die nachdruecklicheren
Bemuehungen der Organisationen in den letzten Jahren zurueckzufuehren ist, die Bueroangestellten und anderen Angestelltengrup^en
als Mitglieder zu gewinnen, in denen Frauen in grosser Zahl vertreten sind.
Von den 19 Millionen Frauen, die heute in den Vereinigten
Staaten erwerbstaetig sind, sind mehr als drei Millionen gewerkschaftlich organisiert. In einigen Gewerkschaften, wie z.B. der
Textilarbeitergewerkschaft, der Telephon- und Telegraphenarbeitergewerkschaft, der Internationalen Gewerkschaft der Elektro-,
Radio- und Maschinenarbeiten der Vereinigten Bekleidungsarbeiterund der Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft
betraegt der Anteil der Frauen an der Gesamtmitgliederzahl 40
bis 75%.
Die amerikanischen Gewerkschaften waren stets darauf bedacht,
allen Arbeitern ohne Ruecksicht auf Rassenzugehoerip:keit, Konfession, Farbe oder Geschlecht den gleichen Schutz zu gewaehren.
Sie haben das Prinzip des gleichen Lohnes fuer gleiche Arbeit
unterstuetzt und unablaessig danach gestrebt, die fuer weibliche
Arbiiter notwendigen Gesundheits- und Sicherheitsmassnahmen zu
vervollkommnen.
Ein bezeichnendes Beispiel fuer die Arbeit, die in dieser
Hinsicht geleistet wird, ist die amerikanische Gewerkschaft der
Arbeiter in Automobil- und Flugzeugfabriken und in Fabriken zur
Herstellung landwirtschaftlicher Geraete (UAV.7). Sie ist eine der
groessten Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten.
Obwohl die 100.000 Frauen in dieser Gewerkschaft weniger
als 10% der gesamten Mitgliedschaft darstellen, hat 3ich die UAW
besondere Verdienste um die Abschaffung diskriminierender Methoden gegen Frauen und die Foerderung der Rechte der Frauen in der
Industrie erworber.
Sie hat zwei Sonderrefarata geschaffen, die sich speziell
mit Probismen der berufstaetigen Frau befassen. Der Beratungsausschuss fuer Frauen arbeitet auf Betriebsebene und beichaeftirt
sich vornehmlich mit Loehnen, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen.
Die andere Einrichtung, das sogenannte Frauenbuero, arbeitet auf
Landesebene, um die V/ohlfahrt der Frauen durch erzieherische, gesetzgeberische und staatliche Massnahmen zu foerdern.
- 15 -

�Das Frauenbuero dor UAW arrangiert ausserdem Studienreisen
fuer Gewerkschaftsgruppen aus dem Ausland, die die Vereinigten
Staaten besuchen. Es stellt anderen Gruppen, die am Fortschritt
der Frauen interessiert sind, Literatur und Snrecher zur Verfuegung und wirkt bei der Werbung fuer neue Ortsgewerkschaften mit.
Die weiblichen Mitglieder der UAW beteiligen sich aktiv an
zahlreichen Phasen der-gewerkschaftlichen Arbeit. Etwa 600 von
ihnen bekleiden entweder Funktionaerstellungen, sind Mitglieder
in Ausschuessen, die mit Automobilfabriken ueber Terifvertraege
verhandeln, oder.betaetigen sich in Bildungs- und politischen
Ausschuessen verschiedener Ortsgewerkschaften. Andere arbeiten
in den Wohlfahrts- und Gesundheitsausschuessen der UAW.
Die Beteiligung der Frauen an der gewerkschaftlichen Arbeit
hat bei der Erzielung besserer Arbeitsbedingungen - richtige Beleuchtung, Heizung, Ventilation, sanitaere Waschraeume, Sicherheitsmassnahmen, Ruhepausen und Genesungsurlaub - eine wesentliche
Rolle gespielt. Sie hat ausserdem mitgeholfen, die Aufmerksamkeit der Gewerkschaften auf die besonderen Probleme der arbeitenden Mutter zu konzentrieren: die Notwendigkeit eines angemessenen
Mutter3chaftsurlaubs und kommunale Programme fuer Tageskindergaerten und Kinderbetreuung.
Immer groessar wird die Zahl amerikanischer Gewerkschaften,
die jetzt Klauseln ueber Mutterschaftsurlaub in ihre Tarifvertraege aufnehmen, in einigen wird eine maximale Abwesenheitsdauer von
einem Jahr festgelegt, ohne dass die Frauen den Anspruch auf ihren
Arbeitsplatz verlieren.
Labor Air Bulletin
V/9/51
WARUM AMERIKANISCHE ARBEITER GEWERKSCHAFTER SIND
Eine neue Erhebung, die innerhalb einer groesseren amerikanischen Gewerkschaft vor kurzem durchgefuehrt wurde, hat gezeigt,
dass der groessere Teil ihrer Mitglieder - etwa 70% - der Gewerkschaft beigetreten sind. Viele andere, die diesen festen Glauben
zu Anfang nicht hatten, sind nun begeisterte Mitglieder und einige
sind sogar in fuehrende Stellungen aufgerueckt.
Diese Feststellungen sind in einem Bericht enthalten, der,von
drei Sozialwissenschaftern des Instituts fuer Industrielle Wechselbeziehungen an der Universitaet Chikago in der Zeitschrift "The
Annals" der Amerikanischen Akademie fuer Politik und Sozialwissenschaft veroeffentlicht wurde.
Die drei Wissenschafter haben in einer Ortsgewerkschaft der
Vereinigten Stahlarbeiter von Amerika, die etwa 14.000 Mitglieder
hat, eine 14-monatige Studie durchgefuehrt. Die Gewerkschaft ist
dem CIO angeschlossen.
In dem Bericht wird hervorgehoben, dass die Familientradition
in der Arbeiterschaft eine der wichtigsten Ursachen dafuer ist,
dass die Arbeiter von ihrer gewerkschaftlichen Mission voellig uebei
zeugt sind. Viele, die dies als Grund angaben, erklaerten, dass ihi
Vaeter und andere nahe Verwandte Gewerkschaftsmitglieder waren und
auch sie fest an die gewerkschaftliche Sache glaubten.
Der Umfang der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung laesst vef-

- 16 -

Labor Air Bulletin
V/9/51

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 20

Frankfurt, 18. Fei 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Eine Analyse des Schuman-Plans - - - - - -

l

Gewerkschaften im Dienst der oeffentlichen
Wohlfahrt - - - - - - - - - - - - - - Was "Freie Arbeit" in Russland ist - - - -

7
6

Textilarbeiterstreik in Danville (U.S.A.)- 10
Die grosse Aufgabe der Berufsberatung - - 11
Die Gewerkschaftsbewegung in Asien breitet
sich aus
- - - - - - - - - - - - - - - 1 5

EINE ANALYSE DES SCHUMAN-PLANS
Am 9. Mai 1950 hat der franzoesische Aussenminister Robert
Schuman den Vorschlag seiner Regierung bekanntgegeben, die
Kohle- und Stahlindustrien Frankreichs und Deutschlands zusammen mit denen anderer europaeischer Laender in einem einzigen
Absatzmarkt zu vereinigen. Dieses Vorhaben stellt eine Entwicklung von groesster Bedeutung im politischen und wirtschaftlichen
Leben Westeuropas dar.
Schumans Vorschlag, einen Vertrag auszuarbeiten, erging
an alle suropaeischen Nationen. Fuenf Laender nahmen seine Einladung an: Belgien, Holland, Italien, Luxemburg und Westdeutschland. Diese fuenf Nationen haben nun zusammen mit Frankreich
einen detaillierten Vertrag in Ausfuehrung der urspruenglichen
Vorscblasga ausgearbeitet. Darin wird vorgeschlagen, dass alle
- 1-

�notwendigen Befugnisse zur Leitung dieser Industrien neuen
Institutionen uebertragen werden, die denen einer Bundesregierung aehnlich sein sollen. Der Angelpunkt in der Fuehrung dieser Industrien war die Beseitigung der nationalen Handelsbeschränkungen und der einschränkenden privaten Vereinbarungen.
Die diskriminierenden Methoden, die bisher haeufig beim Verkauf
•von Kohle und Stahl angewendet wurden, muessen fortfallen.
Kohle- und Stahlerzeugnisse und Arbeiter der Kohle- und Stahlindustrie duerfen innerhalb der Mitgliedstaaten frei ausgetauscht
werden. Bei einer kritischen Knappheit oder sonstigen Krisen,
die ein Eingreifen der Regierung erfordern, muessen sich die
neuen uebernationalen Institutionen einschalten.
Der einheitliche Absatzmarkt, der durch diese Bestimmungen
geschaffen wuerde, waere von der uebrigen Welt nicht isoliert.
Hersteller aus Staaten, die Niohtmitglied sind, -haetten ebenfalls freien Zutritt zu dem Markt, ohne dass der Einfuhr ihrer
Erzeugnisse bedeutendere Handelsbeschränkungen auferlegt wuerden. Aus-serdem wuerde denjenigen Laendern, die von den Herstellern des einzigen Absatzmarktes auf dem Importwege beliefert
werden, gleiche Behandlung und angemessene Preise zugesichert.
Diese revolutionaeren Vereinbarungen und Einrichtungen verdienen, dass man sich eingehend mit ihnen beschaeftigt. Im Folgenden sind die wesentlichen Bestimmungen des Plans zusammengefa3st und dargelegt, wie man sich 3eine Arbeitsweise vorstellt.
Die Satzungen des Sohumanplans zeigen, dass die Souveraenitaet
der einzelnen Laender duroh eine Reihe wesentlicher Bestimmungen
gewahrt bleibt. Nach dem Abkommen wird eine exekutive Koerperschaft gebildöt werden, die befugt ist, den groessten Teil der
wesentlichen Bestimmungen zur Ausfuehrung zu bringen. Die Mitglieder dieser exekutiven Koerperschaft, die die Bezeichnung
"Hohe Behoerde" tragen wird, werden gemeinsam von den Regierungen
der Mitgliedstaaten fuer eine Amtszeit von sechs Jahren gewaehlt.
Kein Mitglied dieser Behoerde darf sich an eine nationale Regierung irgendeines Teilnehmerstaates wenden oder Instruktionen von
ihr annehmen.
. Die Befugnisse, die fuer die Hohe Behoerde vorgeschlagen
sind, reichen sehr weit. Hierzu gehoert das Recht, die Produktion der Unternehmen, die ihr unterstehen, zu besteuern, Richtlinien in bezug auf Kohle und Stahl herauszugeben, die fuer die
einzelnen Unternehmen und Staaten, an die "sie gerichtet sind,
bindend sind, solchen Unternehmen, die ihre Anordnungen nicht
befolgen, Geldstrafen aufzuerlegen, die Gewinne, die aus irgendwelchen illegalen Handlungen der Mitgliedstaaten entstehen, durch
Sonder3teuern auf die Produktion in den Betrieben dieser Laender
praktisch zu beschlagnahmen, zu borgen und zu verleihen, Erhebungen durenzufuehren und den Betrieben und Staaten innerhalb
ihres Wirkungsbereichs Vorschlaege zu unterbreiten. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, wenn erforderlich, die Ausfuehrung
der Anordnungen der Hohen Behoerde durch den Einsatz ihrer ""olizeikraft zu erzv;ingen.
Die Hohe Behoerde wird regelmaessig einer Gemeinsamen Versammlung 'Bericht erstatten, die sich aus Delegierten zusammansatzt,
die in vereinbarter Zahl von den ntgllodstfcfcten entsendet werden« Die Versammlung wird die Arbeit der Hohen Behoerde all,1aehrlich ueberpruefen. Mit einer Stiiiimennehrheit von zwei Dritteln kann die Versammlung der Behoerde das Vertrauen absprechen
und ihre Mitglieder zum Ruecktritt zwingen. Sie wird ausserdem
befugt sein, einen Jahreshaushalt, der von der hohen Behoerde vorgeschlagen ist, zu pruefen und im Gesamten zu bewilligen.

�Eine dritte wesentliche Einrichtung des "°lans ist der besondere Ministerausschuss. Die Schaffung eines solchen Ausschusses
entstammt der Notwendigkeit, irgendwelche Mittel zu finden, mit
denen die Arbeit der Hohen Behoerde in den Kohle- und Stahlsektoren des Wirtschaftsgefueges der Mitgliedstaaten mit den Massnahmen
koordiniert werden kann, die von diesen Regierungen fuer den
uebrigen Teil ihrer Wirtscheft ergriffen werden. In frueheren
Verhandlungen wurden die Auswirkungen von Massnahmen der Hohen
Behoerde in Kohle und Stahl auf nationale Probleme, wie z. B.
die Kontrolle der Inflation, die Bilanz auswaertiger Konten und
die Sicherung der Verteidigung besprochen.
•

Der Mlnisterausschuss, dem Minister aus den Regierungen der
Signatarstaaten angehoeren, wird dementsprechend mit den notwendigen Befugnissen ausgestattet, um diese Koordinierung bewerkstelligen zu koennen. Der Ministerausschuss wird z. B. das Recht
haben, Vorschlaege zu formulieren, und er wird immer bei den Entscheidungen der Hohen Behoerde mitzureden haben, wenn es sich um
Fragen der Kontrolle des Absatzmarktes handelt, wie z.B. die
Moeglichkeit, Hoeohstpreise und Zuteilungsquoten festzusetzen,
wenn Warenknappheit besteht. Der Ministerausschuss wird ausserdem an den Verfahren direkt beteiligt, mit denen die Zolltarife
der sechs Laender fuer Kohle und Stahl festgesetzt werden.
Ein anderes Element in der durch den Schuman-Plan geschaffenen Struktur ist der Gertchtähof. In den meisten, typisch uebernationalen Vereinbarungen werden Meinungsverschiedenheiten ueber
die Auslegung im allgemeinen durch Abmachungen unter den Signatarstaaten geklaert, wobei zuweilen bestimmt wird, dass die Regierungen das Recht haben, beim Internationalen Gerichtshof Berufung
einzulegen. Der Schuman-Plan soll seinen eigenen Gerichtshof
haben, der sich mit Rechtsfragen beschaeftigt, die sich aus den
Beziehungen der einzelnen Organe miteinander und aus Beschwerden
einzelner Regierungen, Unternehmen oder Einzelpersoenen ergeben.
Die Mitglieder des Gerichtshofes werden groesstenteils durch das
gleiche Verfahren gewaehlt «ie die der Hohen Behoerde. Die wichtigste Befugnis des Gerichtshofes ist das Recht, die Bestimmungen
der Hohen Behoerde fuer ungueltig zu erklaeren und zwar auf dieselbe V/eise und auf der gleichen Grundlage wie die Gerichtshoefe
der Vereinigten Staaten die Gesetze des Kongresses fuer verfassungswidrig und die Entscheidungen der Verwaltungsbehoerden der Regierung fuer ungueltig arklaeren koennen. Kurz gesagt, wenn die
Hohe Behoerde ihre Befugnisse ueberschreitet oder willkuerlich
handelt, hat der Gerichtshof das Recht, einzugreifen. Er kann
ausserdem Handlungen des Ministerausschusses oder der Gemeinsamen
Versammlung fuer null und nichtig erklaeren, wenn diese Koerperschaften die Grenzen ihres Machtbereiches ueberschreiten.
Das. System der Einrichtungen wird durch ein weiteres Organ,
naemlich den Beratungsausschuss, vervollstaendigt. Dieser • IJBschuss hat die Aufgabe, eine direkte Verbindung zwischen der Höhen
Behoerde auf der einen Seite und dem Hersteller, dem Arbeiter und
den Verbrauchern auf der anderen Seite herzustellen. Er wird
sich aus Vertretarn zusammensetzen, die von den drei Gruppen in
gleicher Zahl ernannt vverden und wird beratende Funktionen allgemeinen Charakters haben.
Der dominierende Grundsatz des Schuman-Plans ist, dass die
Kohle- und Stahlindustrien der Mitgliedstaaten so behandelt werden
sollen, als ob keine nationalen Grenzen zwischen ihnen bestuenden.
Die Laender Westeuropas muessen ihre Bemuehune-en aufgeben, selhstgsnueg3am in bezur auf Kohle und Stahl zu sein, sie muessen vielmehr diesen Industrien gestatten, sich zu einem gemeinsamen Ab- 3-

�satzmarkt zusammenzuschliessen, der alle Mitgliedstaaten umfasst.
Die wesentlichen Bestimmungen ueber die Arbeitsweise des
Planes gelten dementsprechend der Beseitigung nationaler Handelsschranken. In ihnen wird die sofortige Beseitigung praktisch
aller Zoelle gefordert, die von irgendeinem Mitgliedstaat den
Kohle- und Stahlerzeugnissen aus irgendeinem anderen Mitgliedstaat auferlegt werden.
Diese Bestimmungen sehen ausserdem die Aufhebung der Mengenbeschraenkungen fuer Importe und Exporte von Kohle- und Stahlerzeugnissen innerhalb der Mitgliedstaaten und die Beseitigung
zahlreicher anderer einschraenkender oder diskriminierender Methoden vor. Diese Vorschlaege, die in gewissen Bestimmungen den
Satzungen einer Zolleinheit sehnlich sind, werden durch einschneidendere Massnahmen in bezug auf einschraenkende Vereinbarungen
zwischen den Produzenten von Kohle und Stahl erp-aenzt. Alle Abmachungen der Produzenten, die entweder durch Festsetzung der
""reise, durch Zuteilung von Verbrauchern, durch Beschraenkung
der Einfuehrung neuer technischer Methoden oder durch andere
Mittel den Wettbewerb einschraenken, sind fuer ungesetzlich erklaert. Gemeinsame Betriebsvereinbarungen der Unternehmer zur
Foerderung der Normung in der Herstellung bestimmter Erzeugnisse
koennen unter gewissen ümstaenden genehmigt werden. Derartige
Abmachungen musssen jedoch zuvor von der Hohen Behoerde gebilligt
werden, was nur cieschieht, wenn die Behoerde der Usberzeugung
ist, dass diese Abmachungen einen positiven Beitrag zur Leistungsfaehigkeit der in Frage kommenden Betriebe darstellen und den
Grad des Wettbewerbs auf den betreffenden Absatzmaerkten nicht
wesentlich in Mitleidenschaft ziehen.
Auf Grund der allgemeinen Befugnisse der Hohen Behoerde, mit
denen sie Massnahmen einzelner Regierungen verhindern oder rueckgaengig machen kann, die eine diskriminierende Auswirkung auf
Kohle- und Stahlunternehmen in ihrem Geschaeftsbereich haben,
kann die Hohe Behoerde eine Abaenderung der diskriminierenden
Struktur der Frachtsaetze bewirken, die von oeffentlichen Transportorganisationen auferlegt werden, die in dem Gebiet zustaendig
sind. Die Verhandlungsteilnehmer haben den Wunsch, dass die
Hohe Behoerde sobald wie moeglich von diesem Recht Gebrauch macht
und damit eine 3eit langem bestehende Ursache gegenseitiger Missverstaendnisse beseitigt.&lt; Man rechnet damit, dass die Erzeuger
auf dem gemeinsamen Absatzmarkt in betraechtlichem Umfang dem
Preiswettbewerb unterworfen sind. Durch die langfristigen Auswirkungen dieser Aufhebung konkurrierender Kraefte duerften di3 Produktionsleistung gesteigert und die Preise fuer Kohle und Stahl
auf dem einzigen Absatzmarkt niedriger werden. Wenn nicht einige
Sicherheitsgarantien vorgesehen waeren, wuerde jedoch die Gefahr
bestehen, dass die Produzenten Methoden zur Preisbestimmung entwickeln, die allgemein als 'unfairer Wettbewerb" anzusehen sind.
Sie koennten z.B. versuchen, die Konkurrenz aus einem lokalen Absatzmarkt dadurch zu vertreiben, indem sie allein auf diesem Markt
zeitweilig zu wesentlich reduzierten Preisen verkaufen. Eine
andere Moeglichkeit waere, dass die Produzenten Methoden zur Beguenstigung der Unternehmer irgendeiner Nation vor denen einer
anderen anwenden. Um derartige Eventualitaeten auszuscnliessen,
will man die Hohe Behoerde mit der Befugnis ausstatten, Anordnungen zu treffen, die die Methoden zur Preisfestsetzung (nicht der
Preise allein) der Produzenten in dem betreffenden Gebiet regeln.
Das allgemeine Ziel der Hohen Behoerde v.uerde eine Methode
- 4 -

�der Preisfestsetzung auf der Basis der Gleichberechtigung sein,
ohne unnoetigerweise den vorgesehenen Preiswettbewerb und die
Flexionsfaehigkeit der Preise zu beeintraechtigen.
Gegenwaertig ist jeder der vorgesehenen Mitgliedsteaten
der Union vielen Laendern ausserhalb der Union gegenueber verpflichtet, ihnen in Angelegenheiten des Aussenhandels Meistbeguenstigung zu gewaehren; d.h. jeder der in Aussicht stehenden
Teilnehmer ist zur Zeit durch Vertraege z.B. verpflichtet, fuer
Kohle und Stahl aus Gross-Britannien oder den Vereinigten Staaten
gleiche Zolltarife anzuwenden wie fuer die gleichen Waren aus
Schuman-Plan-Laendern. Die Teilnehmerstaaten werden ueber die
Abaenderungen dieser Verpflichtungen verhandeln muessen, um die
Kohle- und Stahlzoelle unter sich selbst aufzuheben und sie
gleichzeitig auf die Importe aus Nichtteilnehmerstaaten zu uebertragen. Bis zur Beendigung der Verhandlungen ueber diesen Verzicht und bis zur Bekanntgabe der naeheren Bedingungen duerfen
alle Besprechungen ueber Handelsbeziehungen der Schuman-PlanLaonder mit anderen Staaten nur vorlaeufigen Charakter haben.
Die Hohe Behoerde ist in der Zwiscnenzeit nicht befugt, irgendwelche Massnahmen zu ergreifen, die mit den internationalen Verpflichtungen der Teilnehmerstaaten unvereinbar sind.
Die Hohe Behoerde behaelt sich jedoch ein wesentliches Recht
vor, kraft dessen unter Umstaenden der Wareniimort aus anderen
Laendern reduziert werden kann. Fuer den Fall, dass sich eine
akute Krise entwickelt, die die Auferlegung von Produktionsquoten
fuer Kohle und Stahl im Gebiet der Union rechtfertigen wuerde,
und dass die Imoorte mengenmaessig und unter den erwaahnten Bedingungen in Mitleidenschaft gezogen wuerden, wodurch die Produzenten konkurrierender Kohle- und Stahlerzeugnisse auf dem einzigen Absatzmarkt schwergeschaedigt werden koennten, wuerde die
Hohe Behoerde befugt sein, Importquoten aufzuerlegen. Diese Befugnis ist dem Rechtstitel nach der sogenannten Ausweichklausel
gleichzusetzen, die sich Teilnehmerstaaten im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens vorbehalten haben.
Im allgemeinen erwartet man von den konkurrierenden Kraeften,
dass sie die oertliche Lage der Kohle- und Stahlunternehmen des
einzigen Absatzmarktes bestimmen und die Erweiterung und Modernisierung dieser Anlagen fordern. Die Hohe Behoerde wird nicht
unmittelbar befugt sein, kostspielige Bergwerke oder Stahlwerke
zu schliessen. Sie kann ausserdem nicht zu Investitionen in
zusaetzlichen Kohle- oder Stahlbetrieben zwingen. In dieser Hinsicht wird es die Hohe Behoerde den Organen des Absatzmarktes
ueberlassen muessen, das, was sie wuenschen, auszufuehren.
Auf der anderen Seite koennte die Behoerde die Art der Investierung auf verschiedene Weise beeinflussen. Sie koennte z.
B. gepien eine vorgeschlagene Investierung in Kohle- oder Stahlbetrieben, die eine Gesellschaft auf diese Weise mit nichteigenen Geldmitteln finanzieren will, Einspruch erheben, wenn sie
der Ueberzeugung ist, dass die vorgeschlagenen Betriebe voraussichtlich nicht ohne Subventionen oder andere kuenstlichen Hilfsmittel bestehen koennen. Die Hohe Behoerde kann ausserdem Kredite
an Unternehmen vergeben, um ihnen bei der Erweiterung ihrer Betriebsanlagen zu helfen. Sie ist schliesslich verpflichtet, laufend die Kohle- und Stahlunternehmen zu uebernruefen und auf den
Bedarf und die üoeglichkeiten zusaetzlichar Investierungen in dem
betreffenden Gebiet hinzuweisen.
Im Verlauf der Verhandlungen ueber die Bestimmungen des
Schuman-Planes wurde es in zunehmendem Masse offensichtlich, dass
- 5-

�das Projekt der Bildung eines einzigen Absatzmarktes Umsohichtungen in der Kohle- und Stahlindustrie der Teilnehmerstaaten nach
sich zieh/efl) muss. Diese Umschichtungen wiederum wuerden die Abwanderung oder die Umsiedlung einiger Arbeiter erforderlich machen, die in diesen Industrien beschaeftigt sind. Die Hohe Behoerde wurde dementsprechend beauftragt, diesen Arbeitern zu helfen, sich den neuen Verhaeltnissen anzupassen. Diese Unterstützung
kann verschiedener Art sein. Sie kann sich auf Abkehrgelder,
Umschulungskurse oder die Erstattung von Umsiedlungskosten und
sonstiger Unkosten erstrecken. Sie kann ausserdem darin bestehen,
dass in den betroffenen Gebieten neue Industrien finanziert werden, die den freigestellten Arbeitern Arbeitsmoegliohkeiten bieten koennen.
r

Die Verpflichtungen der Hohen Behoerde der Arbeiterschaft
gegenueber enthalten bestimmte positive Ziele.
Es-ist eine der Hauptaufgaben der Hohen Behoerde, der willkuerlichen Anwendung der Lohnkuerzung als ein Mittel der Konkurrenzmethode ein Ende zu setzen. Eine Bestimmung des Vertrags
verbietet - ausser unter bestimmten, genau definierten Verhaeltnissen, wie z.B. bei einer Senkung der Lebenshaltungskosten irgendwelche Lohnkuerzungen. Die Hohe Behoerde kann ferner den
Regierungen ueber die Korrektur bereits bestehender, anomal niedrig
ger Lohnverhaeltnisse verhandeln.
Der Vertrag enthaelt darueberhinaus weitere Verpflichtungen,
fuer die es nur wenige Beispiele in der internationalen Geschichte der Arbeiterbewegung gibt. Die Teilnehmerstaaten beteiligen
sich an der Ausarbeitung einer ausfuehrlichen Abmachung zur
Beseitigung tatsaechlich aller Restriktionen in der Anwerbung von
Kohle- (und Stahlarbeitern, die Angehoerige der Nation irgeneines
anderen der Teilnehmerlaender sind. Besondere Bemuehungen sollen
unternommen werden, um die Schranken zu. beseitigen, die der Wiedereinstellung von Arbeitern gesetzt sind, die in anderenLaendern
freigestellt sind. Jegliche Diskriminierungen, die gegen die
Kohle- oder Stahlarbeiter eines anderen Teilnehmerstaates angewendet werden, sollen ebenfalls durch den Vertrag beseitigt werden, gleichgueltig, ob es sich um eingearbeitete Arbeitskraefte
handelt oder nicht. Von Anfang an waren sich die Erschaffer des
Planes darueber einig, dass bei Anlauf des Planes waehrend einer
verhaeltnismaassig kurzen Zeit Sondermassnahmen getroffen werden
muessen, um den Unterschieden in den Gestehungskosten Rechnung zu
tragen, die in den Kohle- und Stahlindustrien der verschiedenen
Laender bestehen. Es war zu ueberlegen, dass der freie Handel
zwischen den Kohle- und Stahlindustrien der sechs Laender in dem
vereinigten Gebiet Produktionsumschiohtungen in einem so grossen
Ausmass erforderlich machen koennte, dass dies fuer einige der
betreffenden Laender zu untragbaren Haarten fuehren koennte. Die
schwierigsten Probleme dieser Art sind durch die mit verhaeltnismaassig hohen Kosten arbeitende belgische Kohleindustrie und die
italienische Stahlindustrie verursaoht.
In Bezug auf das belgische Kohleproblem sind Bestimmungen
zur Einrichtung eines sogenannten Ausgleichsfonds getroffen worden,
der fuenf Jahre lang voruebergehend bestehen soll. Der Fonds
wuerde durch Sondersteuern auf die Kohle- und Stahlproduktion der
belgischen Hersteller mit niedrigen Gestehungskosten gespeist und
fuer die belgischen Produzenten mit hoh3n Gestehungskosten als
Ausgleich verwendet werden. Diese Subventionen wuerden so schnell
wie moeglioh verringert werden, wobei der Rhythmus der Verringerung
von der Schnelligkeit abhaengig waere, mit der sich die belgische

6

�Industrie der Lage anzupassen vermag.
Die Loesung fuer das ^roblem der italienischen Stahlindustrie
ist anderer Art^ Die Verhandlungspartner waren sich darueber
einig, dass ein Ausgleichfonds fuer die italienische Stahlindustrie aus technischen Gruenden nicht moeglich ist. VJenn die
Hohe Behoerde es fuer erforderlich haelt, kann die italienische
Industrie deshalb in der Uebergangszeit durch Zoelle geschuetzt
werden. Diese Zoelle koennten jedoch in keinem Falle hoeher
sein als zu Beginn des Planes und wuerden in einem bestimmten
Prozentsatz in jedem der Folgejarrre bis zu ihrer endgueltigen
Aufhebung vermindert werden.
The Department of State Bulletin
IV/E/51
GFXEHKT CHAFTEV El DIENST DER OEFFD^TLICHEN WOIILFAKRT
• In einem Leitartikel der "New York Times" kommt zum Ausdruck, mit velcher Energie Amerikas freie Gewerkschaften ihre
Machtmittel" in den Dienst der allgemeinen '.Vohlfahrt stellen.
Die "Times" berichtet, wie zwei grosse Gewerkschaften, naemlich die Internationale Damenoberbekleidunp-sarbeiter-Gewerkschaf t
(ILGw*U) und die Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika
(ACWA) zur Reform der allgemeinen Wohlfahrt beigetragen haben.
- Die ILGWU, die der AFL angeschlossen ist/ hat angekuendigt,
dass sie waehrend des Jahres 1951 fuer vVohltaetigkeits-, liberale und gewerkschaftliche Zwecke in den Vereinigten Staaten und
in anderen Lasndern der »Veit eine Million Dollar zur Verfuegung
stellen wird. Seit 1935 hat diese Gewerkschaft fuer philanthropische Zwecke mehr als £0 Tüllionen Dollar gespendet.
"Dies ist eine erstaunliche Summe fuer eine Organisation,
deren Mitglieder einst am meisten unter der Unterdiueckung und
Ausbeutung zu leiden hatten, der die amerikanischen Arbeiter damals ausgesetzt waren," heisst es in der "Times". "In dem gleichen Masse, in dem Mitgliederzahl und Macht der ILGV.TJ zunahmen,
gelangte diese Gewerkschaft zu der Erkenntnis, dass auch ihre
Verantwortung gegenueber der Industrie und der Allgemeinheit
groesser wurde. Die Geldmittel, die sie fuer philanthropische
Zwecke zur Verfuegung gestellt hat, bedeuten nur einen Beweis
fuer ihren Erfolg in dieser Richtung."
Als zweites Beispiel fuer das Interesse einer Gewerkschaft
an der allgemeinen 'Vohlfahrt nennt die "New York Times" das
neue Gesundheitszentrui, Sidney Hillman, das einen 'Vert von einer
Million Dollar -hat und zu Ehren des Gruenders und ersten ^aesidenten der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika erbaut
wurde. Diese Gewerkschaft ist dem CIO angeschlossen.
Die Zeitung bezeichnet diese Einrichtung als einen "bedeutsamen Beitrag zur Wohlfahrt der Bevoelkerungder Stadt." Ausser
medizinischer Dienstleistung und diagnostischer Untersuchung fuer
40.000 Mitglieder der Gewerkschaft- im Bezirk Kew York wird das
Zentrum sein eigenes ^rogramm zur Erforschung von Krankheiten
haben, die gerade bei Bekleidungsarbeitern weitverbreitet sind.
Die Bekleidüngsarbeitergewerk3Chaft hat vor Kurzem ein aehnliches Gesundheitszentrum in TV.iladelohia (Pennsylvanien) seiner
Bestimmung uebergeben.
- 7-

�Die "Tiine=;" meint, dass durch -las New Yorker Zentrum nicht
nur der "allgemeine Gesundheitszustand der Bevoelkerung verbessert
wird sondern dass damit auch den Steuerzahlern eine ins Gewicht
fallende finanzielle Belastung abgenommen ist. Die zusaetzlichen
Geldmittel, die von der Gewerkschaft speziell fuer die Forschung
auf dem Gebiet der Herzerkrankungen und der Gicht gespendet wurden, bedeuten fuer die Allgemeinheit einen nochjv.ertvolleren
Dienst."
"Diese Forschungsarbeit wird nicht nur und im besonderen den
Mitgliedern der Gewerkschaft., sondern dem ganzen Volk zugutekommen.w
"Sowohl die Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft als auch die
der Damenoberbekleidungsarbeiter haben sich erneut den Anspruch
auf eine Vorrangstellung unter den Organisationen erworben, deren Arbeit der Wohlfahrt der Allgemeinheit gewidmet ist.
Labor Air Bulletin
V/9/51
WAS "FREIE ARB3IT" IN RUSSLAND IST
Seit 1940 darf in Russland kein Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz ohne Erlaubnis aufgeben. Zahlreiche Kategorien von Arbeitern koennen jedoch ohne Berücksichtigung ihrer eigenen beruflichen Wuerische in andere Arbeitsplaetze eingewiesen werden.
Sowjetische Rechtsgelehrte weisen darauf hin, dass in vielen Faellen Arbeiter nach dem russischen Gesetz auf Anordnung
der Verwaltungsbehoerden zu bestimmten Arbeiten gezwungen werden
koennen. .Ein Beispiel hierfuer ist die Aushebung von Jugendlichen fuer Arbeitsplaetze in der Industrie.
Der Erla-s vom 2. Oktober 1940 uebertrug dem Rat der Volkskommissare (seit 1945 Ministerrat genannt) die Befugnis, jaehrlich
zwischen 800.000 und 1.000.000 Jugendliche im Alter von 14 bis
17 Jahren zur Ausbildung in Berufsschulen und Lisenbahnwerkstaetten oder fuer eine besondere Ausbildung am Arbeitsplatz zu verpflichten, um sie zu Facharbeitern oder, wie das Gesetz es ausdrueckt, zu "Massen"-arbeitern im Bergbau, der Metall- und Bauindustrie heranzubilden. Die Ausbildungszeit betraegt von sechs
Monaten bis zu zwei Jahren, was ein eindeutiger Beweis dafuer
ist, dass diese Schulen keine Erziehungsinstitute, sondern lediglich Anlernprojekte sind. Der Lehrplan entheelt nicht nur berufliche Ausbildung, sondern sieht auch eins politische Erziehung
und militaerische Schulung der Arbeiterschaft vor. Fuer das Studium allgemeinbildender Themen sind keine besonderen Unterrichtsstunden vorgesehen. Dagegen sollen zwei Stunden in der Woche fuer
politische Belehrung verwendet werden. Die Schueler tragen eine
besondere Uniform und leben unter Regeln, die denen einer £111taerschuls aehnlich sind. Sie muessen die Vorschriften militaerischer Eoeflichkeit beachten. Die am 15. Maerz 1947 erlassenen
Richtlinien schrieben z.B. folgende Umgangsformen vor: "Wenn
sich der Lehrer neehert, muss sich der Schueler erheben, er darf sie
nicht setzen, bevor der Lehrer an ihm vorueber ist oder ihm die
Erlaubnis gibt,sich zu setzen. Wenn er ihn anspricht, muss er
Haltung annehmen. Wenn der Schueler an dem Lehrer vorbeigehen
will, muss er ihn um Erlaubnis fragen."
Durch Erlass des Praesidiums vom 19. Juli 1947 wurde das
dienstpflichtig« Alter abgeaendert, und es wurde bei dieser Gelegenheit klargestellt, dass Jugendliche beiderlei Geschlechts ver- 8-

�nflichtst werden koennen. Fuer die Ausbildung in Berufsschulen
und Eisenbahn^erkstaettan koennen Jungen in» Alter von- 14 bis
17 Tahren und I'aedchen zwischen 15 und 16 Jahren ausgehoben werden. Fuer die Berufsschulen der Industrie betraegt das dienstpflichtige Alter fuer Jungen und Maedchen 16 bis 18 Jahre. Fuer
die Untertagearbeit in der Kohlen- und 3ergbauindustrie, die
Arbeit an Schmelzoefen, in Giessereien, Schweissereien und an
Bohrmaschinen in der detail- und Oelindustrie koennen junge
Maenner bis zu 19 Jahren ausgehoben werden. Nach der Ausbildung
sind diese Arbeiter verpflichtet, in'Betrieben und Bergwerken
der Regierung, die vom Ministerium fuer Arbeitsreserven bestimmt
werden, vier Jahre lang zu arbeiten. Es werden ihnen regulaere
Loehne gezahlt, die denen der anderen Arbeiter voellig gleich
sind. Bis zum Ablauf ihrer Pflichtzeit sind diese Jugendlichen
vom Militaerdienst befreit.
Bei einem Verlassen der Schule ohne Erlaubnis und anderen
Verletzungen der Schuldisziplin koennen die jungen Leute mit
einer Einweisung in eine Besserungsanstalt bi3 zu einem Jahr
bestraft werden. Die Zahl der jungen Leute, die in den Staedten
ausgehoben werden sollen, wird durch jaehrlich festgesetzte Quoten bestimmt. Auf den Kollektivfarmen - das sind die Kolchosen werden von je 100 Personen zwischen 14 und 55 Jahren zwei junge
Leute in die Ausbildungsschulen eingewiesen. Im November 19^0
und im Juni 1941 wurden auf diese Weise 600.000 Personen dienstverpflichtet. In den Jahren 1946 und 1947 wurden 1.700.000
Jungen und Maedel geschult. Einem Bericht des Ministeriums fuer
Arbeitsreserven zufolge waren im Jahre 1950 mehr al^ die Haelfte
aller Arbeiter in den grossen Fabriken der Sowjetunion junge
Leute, die im Rahmen dieses Programms geschult worden waren.
Abgesehen hiervon koennen Waisenkinder im Alter von 12 bis
15 Jahren fuer Sonderschulen zu einer drei- oder vierjaehrigen
Ausbildung ausgehoben werden. Sie haben die gleichen Pflichten
wie die obengenannten zwangsverpflichteten Schueler, ihre Zahl
ist in den obengenannten Ziffern enthalten. Den verfuegbaren
Richtlinien ist nicht zu entnehmen, dass die Einwilligung der
Waisen oder ihres Vormunds erforderlich ist.
Hochschulabsolventen und solche, die technische Hochschulen
besucht haben, muessen drei oder fuenf Jahre lang Stellungen
bekleiden, die ihnen von dem fuer die betreffende Schule zustaendigen Ministerium zugewiesen werden. Wenn sie dieser Vorschrift nicht Folge leisten, setzen sie sich Bestrafungen aus,
die durch Gerichtsurteile fuer ihre Abwesenheit oder ihr unerlaubtes
Verlassen des Arbeitsplatzes verhaengt werden. Schliesslich wurden in der Kriegszeit mehrere Gesetze erlassen, nach denen Arbeitskraefte fuer die Arbeit in den verschiedenen Zweigen der
Industrie ohne Ruecksicht auf ihre oertliche Lage herangezogen
werden koennen.
Ausser diesen Grundsaetzen der Pflicht- und erzwungenen
"freien Arbeit" gibt es in Russland noch die ausgesprochene
Zwangsarbeit in Arbeitslagern, die dem Innenministerium unterstellt
sind. In diesem Artikel soll ueber diese jedoch nicht diskutiert
werden, weil er sich ausschliesslich auf diejenige soziale Grunpe Russlands beschraenkt, fuer die das aehnlichste Gegenstueck
unserer freien Arbeit in Frage kommt.
In Erosrteruneen der allgemeinen Situation der frei Beschaeftigten nach dem Kriege gaben sowjetische Tutoren selbst ganz
offen zu, dass unter russischen Verhaeltnissen "freiwillige Besehe eftigung" von Zwangsarbeit nicht sehr verschieden ist. In
- 9 -

�einer Abhandlung von Dogadoff ueber die Entwicklung der sowjetischen Arbeitsgesetzgebung, die im Jahre 1949 erschien, heisst es:
w

In einer sozialistischen Gesellschaftsordnung besteht kein
Unterschied im Grundsatz und in der Qualitaet zwischen der
zwangsverpflichteten Arbeit und der auf freiwilliger Basis verrichteten Arbeit. Wenn wir sagen, dass das Prinzip der freiwilligen Arbeit in der sozialistischen Gesellschaftsordnung anerkannt wird, sprechen wir nicht von der Anerkennung irgendeiner
Form eines abstrakten Grundsatzes der freien Arbeit und der freien Berufswahl in liberalem und buargerlichem Sinne. .
Unter den Bedingungen einer sozialistischen Gesellschaftsordnung ist es unmoeglich, nach dem Grundsatz "jeder nach seinen
Faehigkeiten" zu handeln, ohne dass der Staat und da3 Gesetz in
Bezug auf die universale Arbeitspflicht einen gewissen Druck ausueben.
Es ist offensichtlich, dass die freiwillige Arbeit, die noch
in einigen wenigen Zweigen der Industrie Sowjetrusslands/vorzufinden ist, von unserem Begriff der freien Arbeit weit entfernt
ist. Der Arbeiter ist an seinen Arbeitsplatz gebunden. Fuer
Arbeiter und Unternehmer gibt es gleiche schwere Strafen und
zwar sowohl nach dem Strafgesetz als auch nach dem buergerlichen
Gesetz. Millionen zukuenftiger sowjetischer Buerger, die erst
im Alter von 12 bis 14 Jahren stehen, werden fuer die Ausbildung
an Arbeitsplaetzen bestimmt, die fuer sie vpn den Behoerden ausgesucht werden, ohne dass dabei ihre persoenllchen Wuensche
oder die ihrer Eltern oder ihres Vormunds beruecksichtigt wuerden.
Auch Akademiker haben lange Zeit nach dem Verlassen der Hochschule nicht,das Recht, sich selbst einen Arbeitsplatz zu suchen.
Dies ist" das allgemeine Bild von der "freien Arbeit" in dem sowjetischen Staat, wie es sich einem neutralen und objektiven Beob-'
achter darbietet.
Monthly Labor Review

J7/51
TEXTILARB^ITERSTR^IK IN DANVILLE (U.S.A.)
Die Unternehmer haben bei Streiks unendlich viel Zeit und
verlassen sich, wie in Danville in Virginia, auf die Not, die
Verschuldung und die Ungewissheit der Arbeiter als ihre unmittel- '
baren Vorbuendeten, mit denen sie den Streik der Textilarbeiter zu
brechen hoffen.
Jeder Grundstuecksbesitzer, jeder Versorgungsbetrieb und
jedes Bank- und Kreditunternehmen kann unter Ümstaenden eine
streikbrechende Kraft sein. Die streikenden Textilarbeiter in
Danville hoeren in hundert verschiedenen Variationen das Wort
"Geht zurueck zur Arbeit". Wenn ein Arbeiter, der mit seiner
Vlete in Rueckstand ist, um eine Stundung bittet, sagt ihm der
Grundstuecksbesitzer: "Warum nehmen Sie nicht wie Ihr Nachher Ihre
Arbeit wieder auf?" Wenn sich ein Arbeiter einen Wagen, eine Waschmaschine oder einen Kuehlschrank kaufen will, ist die Antwort die
gleiche. Auch die Versorgungsbetriebe und Kreditgesellschaften
geben ihm den gleichen Rat.
Man kennt in Danville nicht jene Nachsichtigkeit, die in
den vergangenen Jahren bei den Streiks im Norden zur Schau getragen wurde, denn Danville ist das Zentrum grosser Auseinandersetzungen.. Man hat das Ziel, die Gewerkschaft zu zerstoeren. Waehrend
- 10 -

�der grossen Stahlarbeiterstreiks des Jahres 1949, des ChryslerStreiks im Jahre 1950 und selbst bei den Textilarbeiterstreiks,
die vor kurzem im Norden der Vereinigten Staaten stattfanden, war
es der Gewerkschaft ein leichtes, mit den Versicherungsgesellschaften und den Kredit- und Finanzunternehmen Vereinbarungen
ueber spaetere Zahlungen zu treffen. Aber in Danville gibt es auf
derartige Anliegen nur eine Antwort: "Warum nehmt Ihr die Arbeit
nicht wieder auf?"
Der populaerste und maechtigste Streikbrecher, naemllch
der Hunger, fehlt jedoch. James Kelley versorfet die 40.000 Streikenden aus sieben verschiedenen Staaten mit Lebensmitteln. In
einer Woche werden allein fuer die Stadt Danville 140.000 Pfund
Lebensmittel herbeigeschafft. Der Speiseplan ist in jeder Woche
verschieden. Der von der Regierung vorgeschlagene Mindestsatz
fuer Verpflegung bildet die Basis fuer die Verteilung, aber die
Gewerkschaft hat selbstverstaendlich mehr fuer ihre Mitglieder
getan. Es gibt zum Beispiel wesentlich mehr Zucker. Und was die
Leute in den verschiedenen Gegenden am liebsten essen, ist ebenfalls beruecksichtigt worden: Zichorie fuer die Kaffeeliebhaber
in New Orleans und Reis anstelle von Mehl; Gries anstatt Hafergruetze oder Karottengemuese anstelle von Kohl.
Das Warenhaus der Erzeugergenossenschaft, das ein gutes
Stueck ausserhalb von
Danville lie^t, dienst den Streikenden als
Verkaufszentrale. cie st?llen sich in fuenf Reihen hintereinander auf, die sich alphabetisch ordnen. Die Lebensmittelpakete,
die von Streikenden im voraus gepackt werden, sind entsprechend
der Groesse der Familien in drei Gruppen A, B und C aufgeteilt.
Nachdem die Streikenden ihre Ausweise vorgezeigt haben, die ihnen
im Gewerkschaftsbuero ausgehaendigt werden, nehmen sie ihre Lebensmittel in Empfang, die ihnen im Voruebergehen an den Verkaufsstasnden von freiwilligen Helfern in die offengehaltenen Taschen
und Koerbe gelegt werden. Dann suchen sie nach einer Transportmoeglichkeit, um nach Htiuse zu kommen. Der Lautsprecher ist fortwaehrend in Betrieb, um Bekanntmachungen etwa folgenden Inhalts
durchzugeben: "Ein Fahrer bietet zwei Sitzplaetze nach Campbell
Hill, kommen Sie mit Gepaeck zum Mikrophon," oder "Wer nimmt drei
Personen nach Eued Danville mit?"
Die Verkaufszentrale wird von der Landesgewerkschaft finanziert. Die Gewerkschaft finanziert auch den besamten uebrigen
Bedarf: Miete, V/asser und Etrom, Kohle und Brennstoff. Es gibt
in Danville keine sozialen Einrichtungen, keinen Bezirks- oder
staedtischen Woblfahrtsdienst. Und in den Dan River-A'erken weiss
man dies genau. Es gehoert mit zur Politik der Unternehmer, dem
Textilarbeiter Angst einzujagen, sie zu beunruhigen und ihnen
ihren wirklich bescheidenen Anteil an den schoenen Dingen disssr
Welt zu entziehen, die er erst seit kurzer Zeit zum erstenmal in
sainem Leben besitzt.
Daily News Cervice
IV/30/51
DIE GROSSE AUFGABE DER BERUFSBERATUNG
Unter den Jugendlichen der Vereinigten Staaten ist ein
groesserer Prozentsatz erwerbslos als in jeder anderen Altersgruppe der Erwerbslosenbevoelkerung. Und wenn es jungen Leuten gelingt, eine Arbeit zu finden, so sind es hfiufig Beschaeftigungen,
die nur wenig oder ueberhaupt nicht ihren Interessen und Faehig- 11 -

�Reiten entsprachen, und in denen die Zoeglichkeiton, vorwaertszukommen,T beschrasnkt sind. Diese- Problem der Berufslenkung
fusr die ugend Ist in den Vereinigten Staaten nicht neu, und es
ist um so dringlicher geworden, als die Arbeitskraefte fu3r die
nationale Verteidigung mobilisiert werden muessen. Um eine
Verschwendung von Arbeitakraeftea zu vermeiden, wie es waehrend
des zweiten Weltkrieges der Fall war, ist es wichtig, dass der
hoechstnoeglichste Wirksamkeitsgrad im Einsatz fuer diese Reservan dieser iugendliehan Arbeitskraefte erreicnt wird.
Wenn jaehrlich die Schulabsolventen und diejenigen, die die
Schule vor einer abschlussprusfung verlassen haben, zu den
oeffentliehen Arbeitsvermittlungsbueros kommen, so haben sie
in viel zu vielen Faellen keine realistischen Ziele in Bezug
auf ihren zukuenftigen Beruf. Es fehlt ihnen an entsprechenden
Kenntnissen ueber Liangelberufe. Sie haben nur eine vage Idee
von ihrer Eignung fuer irgendeine Beschaeftigung. Eaeufig
wissen sie nichts ueber ihre besonderen Faehigkeiten. Selbst
ihre Interessen sind oft oberflaechlicher und voruebergehender
Art. Die Berufsberater muessen diesen jungen Leuten helfen,
sich das Wissen anzueignen, dass sie in Bezug auf die verschiedenen Arbeitsgebiete benoetigen. Sie muessen ihre Interessen und
Faehigkeiten abwaegsn, bevor passende Arbeitsplaetze fuer sie
gefunden werden koennen.
Die Schulbehoerden sind sich sehr wohl der Notwendigkeit
einer angemessenen Berufslenkung bewusst, durch die die jungen
Leute bei dem Uebergang von der Schule zum Beruf unterstuetzt
werden sollen. Obwohl in den groesseren Staedten bereits innerhalb der Schulsysteme wirksame Einrichtungen der Berufslenkung
bestehen, werden die arbeitsvermittlungsbueros haeufig ersucht,
Informationen ueber die verschiedenen Berufe und die Lage auf
dem Arbeitsmarkt zur Verfuegung zu stellen und ihrerseits Absolventen der hoeheren Schulen beruflich zu beraten. Im allgemeinen verfuegen Schulen in kleineren staedten nur ueber bes.chreenkte Einrichtungen dieser Art und sind, gewoehnlich in Bezug auf
die akademische Berufsberatung weitgehend auf die Unterstuetzung
ihrer oertlichen oeffentlichen Arbeitsvermittlungsbueros angewiesen.
In den hoeheren Schulen auf dem Land, die keine eigenen
Berufsberatungsbueros und keine Arbeitsvemittlungsaemter hoben,
die nahe genug gelegen sind, um sie mit mehr als gelegentlichen
Dienstleistungen betreuen zu koennen, ist dieser Bedarf an
Berufsberatung noch dringender, ^uch der Bedarf an Berufsinformationen ist fuer die Studenten dieser Gebiete im allgemeinen groesser als fuer die, die in grossen Staedten wohnen, und
in Anbetracht der beschraenkten Beschaeftigungsmoeglichkeiten
auf dem Lande wird das Problem noch akuter. Wenn diese jungen
Leute ihren Blickwinkel in dieser Richtung erweitern wollen,
muessen sie in die Grossstaedte gehen, wo sie eine bessere Auswahl haben. Unlaengst hat man in Erwaegung gezogen, ob man
nicht zusaetzliche Industrien in die laendlichen Bezirke verlegen sollte, um fuer die dortigen Reserven an Arbeitskraeften
Verwendungsmoegliciikeiten zu schaffen. Nicht nur des oertliche
Arbeitslosenoroblem wuerde durch die Schaffung von mehr Arbeitsplaetzen geloest, sondern es wuerden auch Wohnraum-, Transnortund Unterrichtsschwierigkeiten ueberwunden, die dann entstehen,
wenn die Arbeiter in Industriezentren uebersiedeln mue-sen.
Zu den gebraeuchlichsten Methoden, die- die hoeheren Schulai
anwenden, um ihre Schueler zu veranlassen, sich mit berufsfragen
- 12 -

�zu beschaeftigen, gehoert der sogenannten "Berufsberatungstag"
oder das "Arbeitsplatzforum". In diesen Programmen wurden frueher akademische Berufe besonders hervorgehoben und den Fach- und
Anlernberufen nur wenig Beachtung geschenkt. In vielen Faellen
war der Berufsberatungstag nicht viel mehr als eine Methode zur
Anwerbung der Schueler der hoeheren Schulen. Seit kurzer Zeit sind
Bestrebungen im Gange, den Beduerfnissen der gesamten zu akademisch an Zielen strebenden Jugend gerecht zu werden, indem man Beamten
der oeffentlichen Arbeitsvermittlungsbueros die Moeglichkeit
gibt, einleitende Worte an die Studenten zu richten, um einen
allgemeinen Ueberblick ueber die Arbeitsmarktlage zu geben.
In den vergangenen Monaten war es mehr als sonst notwendig,
die Schueler zu einer systematischen Berufsplanung zu veranlassen,
weil sie einer Krankheit zum Opfer fielen, die man als "Einberufungskomolex" bezeichnete. Diese Krankheit befiel hauptsaechlich
die aeltaren Schueler der hoeheren Schulen, aber auch Schueler
aUer anderen Klassen. Ihr wesentlichstes Symptom scheint der
Mangel an Interesse fuer die Unterrichtsfaecher der Schule zu
sein. Das Ergebnis ist ein Rueckgang in der Leistung und sine
unverstaendliche Gleichgueltigkeit in Bezug auf die Planung der
beruflicnen Laufbahn. Es besteht die Tendenz, "die Tage bis zur
Einberufung zum Militaerdienst zu zaehlen." Aus diesem Grunde
waere es vielleicht angebracht, wenn Schulbehoerden. und Berufsberater sich ein Motiv zu eigen machen und es auch propagieren, wie
es bereits in einigen Gebieten der Fall ist. Dort heisst dieses
Motto: "Erwartet nicht untaetig *ure Einberufung zum MilitaerdienstJ"
Junge Leute nuessen daran erinnert werden, dass der Dienst
beim Militaer in vielen Faellen einer Taetigkeit im Zivilberuf
irgendwie aehnlich sein kann, und dass es oft moeglich ist, die
beruflichen Ziele waehrend der Militaerdienstzeit weiter zu verfolgen. Die Schueler muessen deshalb die Zeit vor ihrer Einberufung zum Militaerdienst fuer die Auswahl und Vorbereitung ihres
Berufes so gut wie moeglich verwenden. Ausserdem werden einige
Tugendliche im dienstpflichtigen Alter niemals zum Militaerdienst
herangezogen werden, wenn die Einstellungsbedingungen nicht gelockert werden. Viele duerften deshalb in der Lage sein, ihre
berufliche Laufbahn ohne Unterbrechung fortzusetzen, wenn sie
nicht in Anbetracht der Erfordernisse der Verteidigungsproduktion
in strategisch wichtigen Berufen voruebergehend arbeiten und
ihrj langfristigen Berufsziele weiter hinausschieben muessen.
Die Notwendigkeit einer Berufsplanung fuer Maedchen wird
in der gegenwärtigen Krisenzeit mehr als sonst hervorgehoben.
Maedchen, die unter normalen Verhaeltnis3en heiraten und nicht
einen Beruf ausueben wollen, erkennen jetzt, dass sie ihre Heiratsplaene hinausschieben muessen, bis ihre zukuenftigen Ehegatten vom Militaerdienst zurueckkommen. Auch moechten sie sich
die Moeglichkeiten nicht entgehen lassen, waehrend der Ehe weiter
zu arbeiten und Geld zu verdienen. In Anbetracht der Verteidigungsproduktion werden zweifellos mehr Frauen beschaeftigt werden muessen und der Arbeitskittel wird wieder zum nopulaeren Kleidung^stueck fuer Maedchen werden. Es ist deshalb wichtig, das?
sie sich sowohl auf die Heirat als auch auf eine berufliche Laufbahn vorbereiten.
Der Staatliche Arbeitsvermittlungsdienst in Wisconsin stellt
seine Berufsberatungs- und Pruefungsorg^ne den hoeheren Fchulen
zur Verfuegung, die um Unterstustzung gebeten haben. Das Ausmass,
in dem derartige Dienste geleistet werden, hing verstaendlicher— lu —

�weise von der dem Personal zur Verfuegung stehenden Zeit ab. In
einigen Faellen stellen die Dienstleistungen der Arbeitsvermittlungsaemter lediglich eine Ergaenzung zur Berufsberatung der
Schulen dar, waehrend sie in anderen Faellen eine wesentliche
Rolle in der Beratung ^ener Schueler spielen, die im Begriff
sind, in den Arbeitsprozess einzutreten. Viele dieser kooperativen Schulprogramme beginnen mit einer Aussprache ueber berufliche
Aussichten an die vor der Entlassung, stehende Klasse. Anschliessend
werden die Studenten,' die eine Unter3tuetzung durch das Amt bei
der Aufnahme einer Beschaeftigung wuenschen, aufgefordert, eine
Bewerbungskarte des Arbeitsvermittlungsamtes auszufuellen. Sie
beantworten ausserdem ein besonderes Formular, au«! dem ersehen
werden kann, wer beruflich beraten werden moechte. Den Bewerbern
wird dietfoeglichkeiteiner persoenlichen Aussprache mit dem
Berufsberater geboten. Befaehigungspruefungen werden dürchgefuehrt, wenn man sie fuer erforderlich haelt. Der Berufsberater
der Schule wird daraufhin ueber die Ergebnisse informiert. Der
Schueler wird von dem Arbeitsvermittlungsamt und der Schule in
jeder Weise unterstuetzt, um ihm zu helfen, seinen Berufsplan
zu verwirklichen. Wenn nach Beendigung der Schule keine weitere
Ausbildung erforderlich ist, laesst es sich haeufig ermoeglichen,
vor Abschluss der Schulzeit schon einen Arbeitsplatz festzumachen,
damit bis zur Aufnahme der Beschaeftigung moeglichst wenig Zeit
verloren geht. .

Die Sohulen sind sich der Notwendigkeit eines Berufsberatungsdienstes auch fuer juengere. Studenten bewusst, der bereits
vor Abschluss der Schulzeit in Taetigkeit treten muss. In solchen Faellen sind die Arbeitsvermittlung3aemter der Meinung,
dass ihre Dienste nur jenen Schuelern zur Verfuegung gestellt
werden sollen, die die Absicht haben, in Kuerze in den Arbeitsorozess sich einzuschalten. Die berufliche Beratung jener Studenten, die die Schule vor ihrer Abschlusspruefung verlassen, muss,
obwohl sie absolut wichtig ist, als eine Taetigkeit angesehen werden,
die nicht in den eigentlichen Arbeitsbereich der Arbeitsvermittlungsaemter gehoert.
Im vergangenen Schuljahr haben die Arbeitsvermittlungsaemter
im Staat Wisconsin annaehernd 3.500 aeltere Schueler in 2Ö0 der
500 hoeheren Schulen des Staates individuell beraten und geprueft.
Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Schulen, deren Schueler auf diese Weise unterstuetzt werden, in diesem Jahre wesentlich hoeher sein wird. Da die Schulen selbst mehr und mehr eigene Einrichtungen zur Berufsberatung entwickeln, werden die Arbeitsvermittlungsaemter des Staates Wisconsin in der Lage sein, einen
groesseren Teil ihrer Zeit dazu zu verwenden, die notwendigen Informationen ueber berufliche Aussichten und Arbeitsmarktlags zu liefern und die Schueler der hoeheren Schulen beim Antritt ihrer beruflichen Laufbahn zu unterstuetzen. Die Notwendigkeit einer
engen Zusammenarbeit zwischen den Schulen und den oertlichen Bueros der verschiedenen staatlichen Arbeitsvermittlungsdienste ist
weitgehend anerkannt worden, um auf diese Weise dafuer zu garantieren, dass die jungen Leute in angemessener Weise in den Arbeitsprozess aufgenommen werden. Das Erziehungsbuero und der Arbeitsvermittlungsdienst der Vereinigten Staaten haben vor kurzem ein
Handbuch veroeffentlicht, -das bei der Entwicklung einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Schulen und Arbeitsvermittlungsaemtern ein wertvoller Helfer sein wird und dazu anregen soll, von
den Moeglichkeiten dieser beiden Einrichtungen soweit wie moeglich Gebrauch zu machen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten wird den Anforderungen,
die die jungen Amerikaner in bezug auf ihre beruflichen Absichten
- 14 -

�stallen, noch besser gerecht werden koennen, wenn sich auch
1» oertlichen Behoerden der Tatsache bewusst sind, dass Berufs\ enkung sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Schule ein stetiger Prozess ist, und dass das gesamte Volk stets dafuer verantwortlich ist, dass den jungen Leuten die Moeglichkeit geboten
wird, einen Beruf zu ergreifen, der sie auch wirklich befriedigt.
Employment Security Review
17/51
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IM ALIEN BREITET SICH AUS
Der Gaerungsprozess, der sich im Fernen Osten vollzieht, bedeute l weit mehr als ein Abschuetteln der Ketten der Kolonialsysjteme und die ungestuene Nachwirkung [der ersten Atemzuege der
Freiheit.
Der Ursnrun^ dieses Gaerungsorozesses liegt tiefer als in der
politischen Befreiung: Er ist ebenso stark wirtschaftlicher
Natur und findet in der Entschlossenheit der grossen Masse der
Arbeiter seinen Niederschlag, starke Gewerkschaften zu errichten,
die ihnen zu ihrem rechtmasssigen Anteil an den ungeheuren Reichtuemern verhelfen sollen, die sie produzieren.
Diese Feststellung wurden von Paul Schuler getroffen, der
der Repraesentant der Textilarbeitergewerkschaft des CIO in New
Orleans ist und vor kurzem nach einem fast dreimonatigen Aufenthalt auf den Philippinen und in Indonesien in seiner Eigenschaft
als Sondervertreter des CIO nach Amerika zurueckkehrte.
*Die Armut in diesen beiden Laendern ist ungeheuer gross,"
berichtete Schuler. "Auf den Philinninen und besonder in Manila
sind die Preise hoeher als in den Vereinigten Statten und die
Loehne unwahrscheinlich niedrig. In Indonesien sind die Preise
niedriger eis hiar oder auf den Philippinen, aber die Loehne
sind noch niedriger.
"Die Bewohner der Philippinen sind den Vereinigten Staaten
freundlich gesinnt. Aber in Indonesien und dem proe^sten Teil
de3 uebrigen Asiens sind sie ueber die angebliche Rassendiskriminierung in unserem Lande empoert.
"Man gab mir dies usberall zu verstehen. Die Menschen in
Indonesien vvollteh wissen, warum die Vereinigten Statten sagten,
sie hastten den Wunsch, hier den farbigen Voelkern zu helfen,
waehrend in den Vereinigten Staaten in Amerika geborene Neger,
die zugleich amerikanisches £ taatsbuerger sind, nicht mit den Weissen
in den gleichen Eisenbahnwagen reisen oder in den gleichen Hotels
essen und wohnen duerften.
m

"Das Beste, was ich hiergegen tun konnte, war, ihnen zu erklaeren, dass die Diskriminierung in Amerika mit den niedrigen
Loehnen in Indonesien zu vergleichen sei. Denn der groesste Teil
der Bevoelkerun" beider Laender wuenschten weder das eine noch
das andere und kaemnfen dagegan. Eines Tages werden wir diese
beiden rueckstaendigen Auffassungen ueberwunden haben."
Von den Philippinen berichtete Cchuler:
• "Am schlechtesten ist die Lage an der Kueste von Manila.
8.00U Kuestenarbeiter suchen dort nach Arbeit« Es gibt jedoch
hoechstsns 1.800 /.rbeitsplaetze. Jahrelang haben sie unter dem so- 15 -

�genannten 'Cabo'-Systom gearbeitet, das am bebten mit dem Patronatssystem zu vergleichen ist, das in den Vereinigten Staaten fuer
bestimmte Gruppen von Arbeitern, besonders eingewanderte Landarbeiter, angewandt wurde.
"Der Unternehmer stellt einen 'Gabo' ein und bezahlt ihn
fuer die Arbeitskolonne, die er anwirbt. Der Cabo wiederum bezahlt
die Leute, die die eigentliche Arbeit leisten. Es bestehen zahlreiche Moeglichkeiten, mit einem solchen System Missbrauch zu treiben, und die •Cabos' haben hiervon haeufig Gebrauch rremacht."
"Das 'Cabo'-System fuehrte zur Bildung unabhaengiger Arbeiterorganisationen, deren erste von Walter J. Hogan, einem Teauiten-Priester aus Philadelphia, gegruendet wurde, der unter den
Kuestenarbeitern lebt und wirkt. Diese Gewerkschaft ist der Organisation "Freier Arbeiter" angeschlossen, und ihre Mitglieder
haben sich rundweg geweigert, unter dem "Cabo"-System zu arbeiten.
"Die Gewerkschaftsbewegung der Philippinen ist nicht stark,"
erklaerte Schüler. "Schaetzungsweise sind 150.000 Arbeiter in allen
Gewerkschaften auf den Philippinen organisiert. Die hohen Preise,
die niedrigen Loehne und der phantastische Kontrast zwischen dem
Los des Wohlhabenden und dem des Arbeiters haben ihnen eine Entschlossenheit gegeben, die jedoch noch nicht in dar gegenwaertigen
Mitgliederzahl zum Ausdruck kommt. Die Zustaende in den Elendsvierteln sind unvorstellbar. Sie sind weit furchtbarer als in
den schlimmsten Hegervierteln in New Orleans. Ganze Familien leben in einraeumigen Bretterbuden mit duennen Waenden, Strohdaechern
und schmutzigen Boeden. Fenster gibt es nicnt. Sie schiefen auf
Strohmatten und heben keine Moebol.
"Die Lebenshaltungskosten sind um etwa 12% hoeher als in den
Vereinigten Staaten und die Loehne um mehr als die riaelfte niedriger. Der einfache Kuestenarbeiter verdient taeglich, wenn er arbeitet, acht Rupien ode"r rund vier Dollar. Die Loehne in einer
Textilfabrik, die Schuler besuchte, lagen zwischen einem Minimum
von zwei Rupien und einem Maximum von etwa sechs Rupien.
Schüler nahm an einem Diner teil, das von Arbeitsminister
Jose Figueras gegeben wurde. Das Kongressmitglied Tizon, der
Vorsitzende des Ausschusses fuer philippinische Angelegenheiten,
war ebenfalls zugegen und berichtete von der weitreichenden Gesetzgebung, die von seinam Ausschuss zur Bekaempfung der Kommunisten vorbereitet wurde.
Als man Schüler bat, zu sprechen, sagte er ganz offen zu
Tizon, dass es viel besser fuer ihn waere, etwas zur Linderung
der Arbeiterarmut und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der
Arbeiter zu tun, anstatt die haelfte seiner Zeit fuer anti-kommunistische Gesetze zu verwenden.
Der normale Mindestlohn, der uebrigens empfohlen und nicht resetzlich vorgeschrieben ist, betraegt zwei Rupien pro Tag oder
26,2 Cents. Cewerkschaftsorganisierte Erdoelarbeiter verdienen
taeglich 11,55 Rupien, erhalten ihren Reis sowie lebenshaltungsko~ten-und Mietzuschlaege. Das Einkommen der Arbeitnehmer der General
Motors-Filiale in Takarta (unter dem holla endischen System als Bata-'ia bekannt) ist im grossen und ganzen das gleiche. Schuler war
in einer Textilfabrik, in der Webersiarbeiter taeglich 10-15 Rupien
verdienen, d.h. 1,30 und 1,96 Dollar. Das ist ausserordentlich'weni
im Vergleich zu jinem Stundenlohn von 1,50 Dollar fuer die gleiche
Arbeit in den Vereinigten Staaten.
The CI0 News
V/14/51
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
•

IV - 21

Frankfurt, 25. Mai 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Berufslenkung und Einsatz der Arbeitskraefte - -

1

US-Kongress soll Arbeiterbildungsaustausch
erweitern - - - - - - - - - - - - - - - - - -

7

Gewerkschaften bewahrten die U.S.A. vor Revolution - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

8

Entschliessung der amerikanischen Zeitungsarbeiter-Gewerkschaft - - - - - - - - - - - - -

9

Militaerische Sicherheit durch wirtschaftliche
Einheit - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

10

Morelische Prinzioien der Wechselbeziehungen in
der amerikanischen Industrie
- - - - - - - - 1 5
IAA fuer gleichen Lohn bei gleichwertiger Arbeit 16
BERUFSLENKUNG UND EINSATZ DER ARBEITSKRAEFTE
Die IAM veroeffentlichen hier die Feststellungen der amerikanischen Arbeitsgruppe fuer Berufslenkung und Einsatz
der Arbeitskraefte vor der Konferenz des Weissen Hauses
ueber Kinder- und .Tugendfragen, die vor einiger Zeit in
Washington stattfand.
Ein demokratisches Staatssystem ist verpflichtet, jedem
Einzelnen das Recht zu garantieren, in Bezug auf seine Berufswahl seine eigene Entscheidung zu treffen. In Anerkennung der
individuellen Verschiedenheit der Menschen und der Vielseitigkeit
der modernen Wirtschaft ist der Staat ausserdem dafuer verantwortlich, dass die Jugend in der erforderlichen Weise unterstuetzt und unterrichtet wird, um es ihr zu ermoeglichen, die
- 1 -

�bestmoeglichen Entscheidungen zu treffen. Und der Stt-at hat
ferner die Aufgabe, die entsprechenden sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen'zu schaffen, durch die eine gesunde Berufswahl gefoerdert und eine falsche Wahl verhindert wird. Indem
der Staat auf diese Weise zu einem befriedigenderen Leben der
jungen Menschen beisteuert, ermoeglicht er es der Jugend, ihrerseits in Anerkennung dieser Unterstuetzung ihre Verantwortung
dem Staat gegenueber auf sich zu nehmen.
Die Einrichtungen der Berufslenkung und der Arbeitsvermittlung tragen wesentlich zur Entwicklung einer brauchbaren Persoenlichkeit bei. Die Hilfe geschulter Kraefte bei der Wahl eines
Berufes, der dem jungen Menschen auch eine wirkliche Befriedigung bedeutet, ist sin wesentlicher I'aktor in der Verhuetung
von Fehlgriffen, sie kann bei der Korrektur von Missgriffen in
der Berufswahl von entscheidender Bedeutung sein. Andererseits
haengt die Faehigkeit der Jugendlichen, konstruktiv zu olanen
und von den ^erufsberatungseinrichtungen wirksamsten Gebrauch
zu machen, unmittelbar mit dem Grad der von Geburt an erworbenen
Entwicklung der Persoenlichkeit zusammen.
Fuer den groessten Teil der Jugend dar Vereinigten Staaten
stehen keine angemessenen Einrichtungen der Berufslenkung zur
Verfuegung. Einige der vorhandenen Einrichtungen neigen dazu,
unzureichend zu bleiben und in weitgehendem Masse nicht aufeinander abgestirjnt zu sein. Fast in allen Faellen suchen die Jugendlichen nach Verstaendnis bei erwachsenen, mitten im Berufsleben stehenden Personen, mit denen sie sich offen ueber ihre
beruflichen, bildungsmaessigen, sozialen und persoenlichen Probleme unterhalten koennen. Nur in wenigen Teilen des Landes
sind genuegend Mittel zur Verfuegung gestellt worden, um der Jugend auf ihrem schweren Weg von der Schule zur Arbeit zu helfen.
In der gegenwaertigen Weltlage kann die Berufslenkung im
Einsatz der Ärbeitskraefte fuer die benoetigte Produktion und den
Militaerdienst eine besonders wichtige Rolle spielen. Experten
der Berufslenkung und der Arbeitsvermittlung koennen die Unternehmer unterstuetzen und ihnen zeigen, wie man alle Reserven an
Ärbeitskraeften, auch die Körperbehinderten und Angehoerigen
der Minderheitsgruppen im Programm der Produktion fuer den zivilen Bedarf so wirksam wie moeglich einsetzt. Fuer den jungen
Mann im wehrdienstpflichtigen Alter, der mit einer Unterbrechung
seiner beruflichen Planung rechnen muss, wird eine Planung auf
lange Sicht, die eine Verbindung zwischen der Ausbildung zum
Militaerdienst und dem Zivilberuf herstellen kann, dem Jugendlichen helfen, sich trotz der herrschenden Krise in konstruktiver Weise mit seiner Zukunft zu beschaefti^ren. Der Berater kann
ihn darauf vorbereiten, sich die Moeglichkeitsn der Berufslenkung
und -ausbildung, die ihm im Wehrdienst geboten werden, zunutze
zu machen. Und er kann den Militaerbehoerden helfen, im Rahmen
ihres ursoruenglichen Zweckes, eine Streitmacht zu entwickeln,
auch Moeglichkeitsn fuer eine ausgedehntere Berufsvorbereitung
zu schaffen.
Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe fuer Berufslenkung und
Einsatz der Ärbeitskraefte lauten im einzelnen:
1. Der Jugend in und ausserhalb der Schule muss ein umfassenderer Berufslenkungs- und Arbeitsvermittlungsdienst zur
Verfuegung gestellt werden, damit alle Jugendlichen, in Staedten
und auf dem Land, Koerperbehinderte sowie Angehoerige von Minder- 2-

�heitsgruppen derartige Dienste in allen Teilen unseres Landes in
Anspruch nehmen koennen.
2. Diese Dienststellen der Berufsberatung muessen mit
sorgfaeltig ausgesuchten Personen besetzt sein, die gereifte
Persoenlichkeiten sind, sympathisch wirken und besonders geschult
sind.
3. In Schulen, in denen bis jetzt noch kein Berufsberatungsprogramm besteht, muessen Mitglieder des Lehrkoerpers ausgewaehlt werden, die so weit wie moeglich die persoenlichen und
anderen Befaehigungen eines tuechtigen Berufsberaters besitzen
und allen Studenten beratend zur Seite stehen, die mit ihnen
berufliche und aehnliche Probleme besprechen moechten. Diese Berater muessen veranlasst werden, sich in Fragen der Berufsberatung weiter auszubilden.
4. Um den verschiedenen Interessen der einzelnen Schueler
staerker Rechnung zu tragen, muessen die Schulen die Lehrnlaene
der hoeheren Cchulen erweitern, revidieren und anpa3sen, um auf
diese Weise ein wirksameres Programm der Berufslenkung zu ermoeglichen.
5. Die Jugend muss sich selbst an der Planung der Berufslenkungseinrichtungen beteiligen, damit diese Einrichtungen den
wirklichen Bedürfnissen der Jugend in bezug auf ihre berufliche
Vorbereitung naeherkommen.
6. Die Ämter muessen zu der Erkenntnis kommen, dass die
Grundprinzipien und Methoden der Berufslenkung und der Einzelberatung einen wesentlichen Beitrag zur Bereitstellung, Unterbringung und zum Einsatz der Arbeitskraefte in einer Wirtschaft
der Verteidigung in Verbindung mit dem Militaerdienst zu leisten
haben, und dass die Militaerbehoerden und die der zivilen Arbeitskraefte die Wichtigkeit folgender Faktoren anerkennen muessen:
a) Selbsterkenntnis und Freiheit der Berufswahl in durchfuehrbaren Grenzen bei der Personalbenennung.
b) Die Moeglichkeit, innerhalb der Grenzen der jeweils
herrschenden Situation die Berufsplanung und Ausbildung des Einzelnen bei seinem Uetergang vom Zivilberuf auf eine militaerische Taetigkeit oder eine beschaeftigung im Rahmen der Verteidigungsproduktion und umgekehrt so weit wie moeglich zu berücksichtigen.
c) Vorkehrungen zur Auswertung aller einschlaegigen Informationen zu treffen, die von Berufsber^tem und anderen Behoerden ueber den Betreffenden eingeholt wurden und systematisch
von kompetenten Organen den zustaendigen Aemtern zugeleitet werden.
d) Versorgung der Oeffentlichkeit und insbesondere der
Volksschulen, hoeheren Schulen und anderer Schulen, die auf dem
Gebiet der Berufsberatung und Berufsvorbereitung taetig sind,
mit allen Informationen und Erlaeuterungen, die genaue Angaben
ueber die Richtlinien zum Einsatz der Arbeitskraefte in Kriegszeiten, \ieber Bedarf und Moeglichkeiten , Personalpolitik und
deren Methoden enthalten muessen.
e) Fortgesetzte Berufsberatung und eine gleiche Personalbetreuung waehrend des Militaerdienstes und waehrend des zivilen
Arbeitseinsatzes in den Behoerden und in der Industrie.
- 3-

�f) Vorkehrungen, die gewaehrleisten, dass st&amp;endig Berufsberatungs- und Personalexperten in nichtmilitaerischen Aemtern
und Personen fuer die Ausbildung solcher Experten in ausreichender Zahl zur Verfuegung stehen.
7. Psychologische 'Pruefungen koennen, wenn sie fachmaennisch
gehandhabt und sorgfaeltig ausgewertet werden, ein wertvolles
Hilfsmittel im Studium des* Einzelnen sein; sie duerfen jedoch
nicht als ein Ersatz fuer die Beratung,sondern nur als ein Teil
des gesamten Beratungsverfahrens angesehen werden. Eingehende
Kenntnisse ueber den Einzelnen sollen durch Eignungs- und Persoenlichkeitspruefungen eingeholt werden, die mithelfen koennen. die
Bruecke zwischen Pruefungen und Berufen (oder Berufsgruppen) zu
schlagen.
8. Berufsberater muessen sich zur Einholung aufschlussreicher Informationen ueber die Berufsprobleme des Einzelnen an
Eltern, Schule, Kirche und andere Einrichtungen seiner naeheren
Umgebung wenden.
9. Behoerden, die ueber die Zulassung hoeherer Schulen zu
entscheiden haben, muessen, bevor sie eine Entscheidung treffen,
die Zulaenglichkeit der Berufslenkungsprogramme dieser hoeheren
Schulen in Betracht ziehen.
10. Mittel und Wege muessen ausfindig gemacht werden, um
die Jugend besser mit Stipendien und sonstigen finanziellen Mitteln zu unterstuetzen. Ausserdem muss den Methoden staarkere Beachtung geschenkt werden, mit denen man die Schueler der obersten
Klassen ueber derartige Moeglichkeiten unterrichtet.
11. Das Verstaendnis fuer die Berufsberatung und die Verwendung der vorhandenen Mittel sollen durch Lehrgaenge fuer solche
Leute gefoerdert werden, die sich auf die Berufsberatung vorbereiten, um sie auf diese Weise mit der Art und der Bedeutung der
Berufsprobleme junger Menschen und den zur Loesung dieser Probleme
zur Verfuegung stehenden Mitteln vertraut zu machen.
12. Hochschulen und Lehrerseminare muessen bessere Methoden
zur Auswahl und Ausbildung des Berufsberatungspersonals entwickeln
und zwar sowohl fuer reine Berufsberater als auch fuer Lehrer,
die auf diesem Gebiet taetig sind. Sie muessen im praktischen
Aussendienst und im internen Buerodienst geschult werden. Es
muessen besondere kurzfristige und eigene BetriebsProgramme ausgearbeitet werden, um die Schulrektoren auf ihre verantwortungsvollen Positionen vorzubereiten, die sie in der Organisation und der
Verwaltung wirksamer Berufslenkungsprogramme in ihren Schulen uebernehmen muessen.
13. Diejenigen, die bereits als Berufsberater taetig sind,
und vor allem Leute, die eine derartige Taetigkeit ohne die entsprochende Vorbildung ausueben, muessen fortlaufend weiter ausgebildet werden.
14. Es muessen ununterbrochen Erhebungen ueber Neueintritte
ins Berufsleben, Beschaeftigungsmoeglichkeiten und Entwicklungswandlungen durchgefuehrt werden, die fuer die Jugend sowohl auf
oertlicher als auch auf Landesebene von Bedeutung sind.
15. Fuer zuverlaessige Informationen ueber Berufsaussichten,
die fuer alle Jugendliche der verschiedenen Bildungsgrade verstaendlich sind, muss gesorgt werden.
- 4-

�16. Arbeitgeber und Gewerkschaften muessen veranlasst werden, fuer eine immer groessor werdende Zahl junger Arbeiter
ohne Diskriminierung hinsichtlich ihrer Rassen- oder Religionszup.ehoerigkeit gut beaufsichtigte Lehrstellen und Anlernstellen
zur Verfuegung zu stellen.
17. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen muessen
dazu ermutigt werden, mit den Lchulen zusammenzuarbeiten, um
die jungen Leute ihrer Bezirke oder die dort taetigen Organisationen so zu beraten, wie es erforderlich ist.
18. Eltern, Buerger, Arbeitgeber, Gewerkschaften und sonstige Grupoen muessen mit den Schulen und den Arbeitsvermittlungsaemtern zusammenarbeiten, um ein Berufsberatungssystem aufzubauen und zu unterstuetzen, das den Erfordernissen der Jugend
gerecht werden kann, und um die Organe fuer ein koordiniertes
lokales Gemeinschaftsorogramm zu schaffen. In Anerkennung der
Tatsache, dass Schulen und oeffentliche Arbeitsvermittlungsaemter die reichsten und zugaenglichsten Quellen der Berufsberatung
und Arbeitsvermittlung darstellen, muessten alle Schichten der
Bevoelkerung bestrebt sein mitzuhelfen, dass diese beiden oeffentlichen Einrichtungen bei der Erweiterung und Verbesserung des
Berufslenkungssystems fuer die Jugend enger zusammenarbeiten und
sich gegenseitig unterstuetzen. Zu diesem Zweck waere folgendes
notwendig:
a) Die Verantwortungsbereiche beider Institutionen muessen
genau festgelegt und ihre Funktionen in der Unterhaltung, Formulierung und Verbesserung der Berufsberatungs- und Arbeitsvermittlun^sdienste koordiniert werden.
b) Die Schulen und oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemter
muessen mit befaehigtem Personal besetzt werden, damit die jungen
Leute in angemessenar V/eise beruflich beraten und in das Erwerbsleben eingefuehrt werden koennen.
c) Informationen ueber Hilfsmittel und Grundprinzipien der
Berufsberatung muessen ausgetauscht werden, um zu gewaehrleisten,
dass (1) den jungen Leuten und dem ganzen Volk geholfen wird,
die V/u erde und Verantvvortung jeder Art von Arbeit anzuerkennen,
(2) den jungen Menschen eine groessere praktische Hilfe und
weitgehende Informationen ueber Moeglichkeiten und Methoden der
Arbeitsplatzsuche und Bewerbung zuteil werden, (3) den jungen
Leuten geholfen wird, die Bedeutung ihres ersten Arbeitsplatzes
als Sprungbrett zu ihrer zukuenftigen beruflichen Laufbahn zu
sehen, (*) ihnen eine Moeglichkeit gegeben wird, ihr relatives
Verdienst auszuwerten, das sie sich erworben haben, indem sie
noch in der Schule blieben, anstatt fruehzeitig erwerbstaetig zu
werden, und (5) der Berufsberater den jungen Leuten auch noch
nach Beginn ihrer beruflichen Laufbahn beratend zur Seite steht.
19. Die Oeffentlichkeit muss ueber den Wert der Berufsberatung- und Arbeitsvermittlungsdienste fuer die jungen Leute und
uebor den bestehenden Bedarf und die Methoden in den einzelnen
Bezirken unterrichtet werden.
20.
a)

Von den einzelnen Bezirken muessen gefoerdert werden:
die Vollbeschaeftigung;

b) Organisierte und beaufsichtigte Vermittlung? von Arbeitsnlaetzen unter fairen Bedingungen fuer die junpen Menschen, die
in das Berufsleben eintreten, und
- 5 -

�c) Möglichkeiten fuer die Jugend der hoeharen Schulen,
sich waehrend der Schulferien und in zeitlich begrenzter Beschaeftigung unter beaufsichtigten Arbeitsbedingungen Berufserfahrungen anzueignen.
21. Schulen, Kommunalbehoerden und Arbeitsvermittlungsaemter muessen in ihrer Arbeit und durch ihr Personal bestrebt
sein, diskriminierende Methoden abzuschaffen, die zur Zeit noch
gegen Angehoerige von Minderheits- und sonstiger Sondergrunpen
angewendet werden. Den Berufsberatern und den Beamten der Arbeitsvermittlungsaemter muss eine besondere Rolle zufallen, weil sie
sowohl denen, die sie beraten, als auch den Arbeitgebern in dieser Hinsicht dienen muessen.
22. Die statistische Forschung muss gefoerdert werden, um
die Auswertung und Verbesserung der Berufslenkungs- und Arbeitsvermittlungsmethoden zu unterstuetzen, um ein besseres Verstaendnis fuer die grundsaetzliche Einstellung der Arbeiter, die Anforderungen der verschiedenen Berufe und die persoenlichen Erwartungen zu erwecken, und um auf die erforderlichen Entwicklungen in der Berufsberatung und Arbeitsvermittlung hinzuweisen.
23. Auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und lokaler
Ebene muessen hoehere Geldmittel zur Verfuegung gestellt werden,
um zulaengliche Berufsberetungs- und Arbeitsvermittlungsdienste
zu ermoeglichen, die den Anforderungen der gesamten -Tugend gerecht werden koennsn.
In der Plenarsitzung der obengenannten Grunpe wurden folgende Empfehlungen gebilligt, die sich in irgendeiner Weise auf
die Berufslenkung und Arbeitseinfuehrung beziehen:
Berufslenkungs- und Beratungsbehoerden in Schulen, Arbeitsvermittlungsasmtern und Jugendbehoerden muessen gefoerdert und
erweitert werden, sie muessen die persoenlichen Faktoren bei
der Berufswahl und die besondere Eignung fuer einen bestimmten
Beruf berücksichtigen.
Den Kindern von nicht ses3haften und Saisonarbeitern muss
ebenso wie anderen Kindern gleicher Schutz und gleiche Betreuung gewaehrt werden, wobei Transport-, Wohnraum-, Gesundheitsund Erziehungsprobleme sowie Sozialunterstuetzungen und ein
ausreichender Schutz im Rahmen der Arbeitsgesetze besonders zu
beruecksichtigen sind.
In den Erziehung^Programmen muss den Faktoren besondere Beachtung geschenkt werden, die mit der Entwicklung geistiger Werte
durch die Berufslenkung verknuepft sind, in der das Motiv des
Dienstes an der Gemeinschaft vor das des Geldverdienens gestellt
werden muss.
Gewerkschaften, Industrie, Erziehungsinstitutionen, sonstige kommunale Einrichtungen sowie die Militaerbehoerden muessen
ihre Personal-, Auswertungs-, Vermittlungs-, Berufslenkungsund Berufsberatungsarbeit verbessern und erweitern, um den Inter- •
essen der jungen Menschen zu dienen und die allgemeine Entwicklung
und wirksame Verwendung der gesamten Reserven an menschlichen
Arbeitskraeften zu foerdern.
Staatliche und andere zustaendige oeffentliehe Koerperschaften muessen wirksame Berufslenkungs- und Arbeitsvermittlungseinrichtunpen schaffen und die allgemeine Beachtung von Grundsaetzen
- 6-

�in Bezug auf die Beschaeftigung der Jugendlichen in allen Berufen durchsetzen; diese Grundsaetze muessen sich auf Mindestalter und Mindestloehne, Arbeitszeit, Nachtarbeit, Schutz bei
der Ausuebung unfallgefaehrdeter Beschaeftigungen und auf eine
angemessene Unfallversicherung erstrecken. Unter Beachtung dieser Vorschriften muessen die Unternehmer Jugendlichen die Mtoeglichkeit bieten, sich in zeitweiliger Beschaeftigung die erforderlichen Berufserfahrungen anzueignen.
Alle diejenigen, die auf dem Gebiet der Jugenderziehung
taetig sind, muessen. sich im Rahmen ihrer Vorbereitung eine
Grundlage allgemeiner Kenntnisse und Erfahrungen ueber die Grundbegriffe des menschlichen Wesens aneignen, und sich der Notwendigkeit bewusst sein, sowohl die Gesamtperson als ihre persoenlichen Besonderheiten in Betracht zu ziehen, das neisst, da3
Gegenspiel physischer, geistiger, sozialer, kultureller und
wirtschaftlicher Kraefte, die Bedeutung der gegenseitigen persoenlichen Beziehungen, die Bedeutung der Selbsterkenntnis, die
Betonung einer nositiven Anerkennung und Foerderung einer gesunden Persoenlichkeit und die individuelle Behandlung besonderer
Charaktere; Laien auf diesem Gebiet nuessen durch formelle und
nichtformelLe Ausbildung dahingehend orientiert werden, dass sie
fuer die Bedeutung der obengenannten Begriffe Verständnis aufbringen.
Alle diese Dienste muessen fortlaufend mit kritischen Augen
ueberprueft werden, und es muessen von allen Ebenen aus fortlaufend wissenschaftliche Studien ueber Bedarf, Ziele, Alternativmethoden und Wirksamkeit der aufgestellten Programme durchgafuehrt werden.
Emnloyment Security Review
IV/51
US-KONGRESS SOLL ARBEITLRBILDUNGSAÜSTAUSCE ERWEITERN
Wehr Stipendienmoeglichkeiten fuer ArbeiterbildungsInstitute, mehr Studienreisen fuer Gewerkschafter und besondere Sommerscnulen zum Studium der sozialen Probleme in anderen Laendern
wurden zur Erreichung der Ziele emofohlen, die sich das amerikanische Aussenmiftisterium mit seinem weltweiten "Feldzug der Wahrheit" gesteckt hat.
Diese Empfehlungen bilden einen Teil eines Berichtes, der
vor kürzen vom amerikanischen Beratungsausschuss fuer den Austausch im Rahmen der Arbeiterbildung dem amerikanischen Kongress
unterbreitet wurde. Mark Starr, der Leiter des Bildungsreferats
der Internationalen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbaiter,
ist Mitglied dieses Ausschusses.
In einem Aufruf zur gesteigerten Taetigkeit auf dem Gebiet
des internationalen Austausches fuehrendsr Gewerkschaftsfunktionaere wird in dem Bericht erklaert:
"Es muss unsere Aufgabe sein, die wirklichen Verhaeltnisse,
unter denen die Arbeiter in der Sowjetunion und den sowjetischen
Satellitenstaaten leben, denen gegenueberzustellen, unter denen
die amerikanischenArbeiter ihre wirtschaftliche Sicherheit, die
Anerkennung ihrer l^enschenwuerde, Selbstachtung und nersoenliche
Anerkennung geniessen, ohne einen Klassenkampf fuehren und auf
- 7-

�eine Diktatur zurueckgreifen zu muessen, die nach der kommunistischen Lehre erforderlich sind, um den Arbeitern zu ihren
Rechten zu verhelfen."
In dem Bericht wird ferner festgestellt, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bereits mitgeholfen hat, durch den
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften ein technisches Unterst uetzungsprogramm auszuarbeiten. Zu den vielen Projekten, die vom
IBFG in die Wege geleitet worden sind, gehoert die Errichtung von
Ausbildungsinstituten in Asien, in denen die kuenftlgen Fuehrer
der dortigen freien Gewerkschaftsbewegung geschult werden.
ECA Labor Information
V/9/51
GEWERKSCHAFTEN BEWAHRTEN DIE U.S.A. VOR REVOLUTION
n

Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat unser Land vor
einer grausamen und blutigen Revolution" bewahrt, erklaerte
Bischof Bernhard J. Sheil vor dem John A. Ryan-Forum am 15. Mai.
Dieses Forum wurde von der Katholischen Arbeitsallianz einberufen. Es fand anlaesslich des 60. Jahrestages der paepstlichen
Enzyklika
"Ueber die soziale Lage der Arbeiterschaft" statt,
die von Papst Leo XIII. verfasst war, und des 20. Jahrestages der
Enzyklika Papst Pius XI. ueber die "Wiederherstellung der Sozialen
Ordnung."
Bischof Sheil erklaerte: "Die Geschaeftsleute dieses Landes
koennen der Gewerkschaftsbewegung dankbar dafuer sein, dass sie
den Kapitalismus gerettet hat. Die Arbeiterschaft hat ihn davor
bewahrt,gestuerzt und aus sich selbst heraus zerstoert zu werden,
indem sie einen Mittelweg zwischen einem extremen Individualismus und einem extremen Kollektivismus gesucht und gefunden hat.
Bischof Sheil war einer der drei Sprecher ueber "Ein christliches Programm fuer Gewerkschaften und Unternehmer." Die anderen
beiden Sprecher waren Milton Murray, Hauptkassierer des Organisationskomitees der Regierungs- und Zivilangestellten (CIO)
und John Quincy Adams-, der Praesident der Kuehlschrankfabrik
Manhattan in New York.
Vor 1.000 Anwesenden wurde ein Telegramm des CIO-Vorsitzenden Philip Murray vorgelesen, der eigentlich hatte sorechsn sollen, aber infolge einer schweren Erkrtnkung verhindert war. Er
verglich die grosse naepstliche Enzyklika "Rerum Novarum" mit
einem Leuchtfeuer in der Zeit ihrer Veroeffentlichung vor 60
Jahren. Diese Botschaft zeigte den damaligen Fuehrern der Gewerkschaftsbewegung dieses Landes und Europas den Weg. Sie ist mit
Recht die "Magna Charta" der Arbeiterrechte genannt worden."
Mit der Veroeffentlichung der paepstlichen Botschaft "Quadragesimo
Anno" hatten "viele falsche Prooheten nach seltsamen und schlechten
Loesungen geschrieen. Viele andere hatten die falsche Behauptung
aufgestellt, dass eine soziale Loesung ueberhaupt nicht erforderlich sei." Murray fuegte hinzu, das3 alle "arbeitenden Menschen
Amerikas und daruefcarhinaus der ganzen Welt den grossen Paepsten
Leo XIII. und Pius XI. viel zu verdanken haetten."
Adams erklaerte, dass es z.Zt. am wichtigsten sei, Ausschue^se
zu bilden, die sich aus Gewerkschafts- und Unternehmervertretern
zusammensetzen, um auf diese Weise industriellen Frieden und Fortschritt sicherzustellen. Diese Ausschuasse wuerden auf Betriebs-,
8 -

�Verwaloungs-, Industrie- und nationaler Ebene benoetigt und
muessen aus einer gleichen Zahl von Vertretern der Gewerkschaften und Unternehmer zusammengesetzt sein.
Ein Betriebsausschuss, so sagte er, mue -.ste sich mit folgenden Fragen befassen: Produktionsleistung, Sicherheitsmassnahmen,
planmaessisüer Abbau jeder Verschwendung und der Ueberstunden, Mechanisierung und technischer Fortschritt, wirtschaftliche Tendenzen und Wettbewerb. Er wies darauf hin, dass diese Ausschuesse
in keiner 7/eise mit den Funktionen der Gewerkschaften in Konflikt
kommen duerftan.
Als der erste Schritt zur Beilegung der gegenwaertigen Konflikte ist es erforderlich, so fuhr Adams fort, dass alle Buerger
die Gewerkschaften in ihren organisatorischen Bemuehungen auf
,1ede nur moegliche Art unterstuetzen. Arbeitskollegen in einem
Unternehmen oder einer Industrie haben das selbstverstaendliche
Recht, fuer die Gewerkschaft zu werben, lind es sollte alles getan
werden, dass sie dieses Recht ausueben.
Adams erklaerte, dass "in seinem Betrieb die Produktionsleistung durcn die Arbeit dieser Ausschuesse weitgehend erweitert
und der gute Wille aller Arbeitnehmer gefoerdert worden sei, obwohl sie sich in keiner Weise in die Arbeit der Gewerkschaften
eingemischt haetter, mit denen sieben Sondervertraege abgeschlossen
seien. Alle unsere Bueros, Fabriken und ".Varenhaeuser sind nicht
zufaelligerweise ohne Ausnahme gewerkschaftlich organisiert."
Milton Murray bezeichnete das gegenwaertige Programm des
CIO als einen Beweis dafuer, dass die Gewerkschaftsbewegung nicht
jene "selbstsuechtige willkuerliche Gruppe ist," als die sie
gewisse Kritiker hinstellen moechten. "Wenn wir gerechte Preiskontrollen, Mietkontrollen und andere Massnahmen fordern, setzen
wir uns nicht allein fuer die Rechte der Gewerkschaftsmitglieder
ein. Wir wollen, dass alle Amerikaner, ob sie gewerkschaftlich
organisiert sind oder nicht, gerecht behandelt und ihre Interessen in der gegenwaertigen Verteidigungsgesetzgebung gewahrt
bleiben. Gewiss, wir sind bereit, Opfer zu bringen, und die
Arbeiterschaft ist auch bereit, den ihr zukommenden Anteil an
Opfern 'zu tragen. Aber die heute gueltigen Gesetze sind jedoch
nicht gerecht, denn sie legen den Arbeitern einen zu grossen Teil
der Lasten auf.
Daily News Service
V/16/51
ENTSCHLIESSUNG DER AMERIKANISCHEN ZEITUNGSARBEITER-GEWERKSCHAFT
Der Internationale Exekutivausschuss der Amerikanischen Zeitungsarbeiter-Gewerkschaft nimmt mit besonderem Interesse von zwei
historischen Entwicklungen Kenntnis, die sich innerhalb der letzten
Monate in jenem Abschnitt des internationalen gewerkschaftlichen
Arbeitsgebietes abgespielt haben, an dem diese Gewerkschaft besonders interessiert ist.
Mit besonderer Genugtuung hat diese Gewerkschaft den Erfolg
des Internationalan Bundes Freier Gewerkschaften mit der Einberufung des ersten Weltkongresses der Geistesarbeiter verfolgt, zu
denen Lehrer, Journalisten, Musiker, Kuenstler, Schauspieler, Angestellte in Handel und Industrie sowie Arbeitsvorgesetzte gehoeren.
Die Gewerkschaft der amerikanischen Zeitungsarbeiter begruesst
- 9-

�mit Begeisterung das Programm, das von diesem Kongress zur Foerderung der gegenseitigen Interessen dieser Arbeiter, zur Aktivierung der organisatorischen Bestrebungen in fortgeschrittenen
und unterentwickelten Gebieten der Erde, zur Verbesserung ihres
Lebensstandards und ihrer Arbeitsbedingungen, zur Festigung
der Beziehungen, die bereits zwischen den Arbeitern der Faust
und der Stirn bestehen, zur Foerderung des gegenseitigen Verstaendnisses aller Voelker der Welt und zur Vereinigung der
Kraefte der freien Laender in Verfolgung des Kampfes fuer "Brot,
Freiheit und Frieden" vorgeschlagen haben, die das Leitmotiv
der Arbeit des IBFG bilden.
Die amerikanische Zeitungsarbeiter-Gewerkschaft ist stolz
darauf, durch den Vorsitzenden des Internationalen Beratungsausschusses des IBFG fuer Geistesarbeiter, der ihr Mitglied ist,
mitgewirkt zu haben, diesen Kongress und seine ermutigenden Ergebnisse zustandezubringen. Sie befuerwortet allgemein die Empfehlungen dieses Kongresses und insbesondere die Forderung, das« der
IBFG den Internationalen Beratungsausschuss zu einer dauernden
Einrichtung erklaeren soll, die diese Arbeit fortsetzen und erweitern kann.
Die Gewerkschaft stellt mit Befriedigung fest, dass als
eines der zahlreichen wertvollen Nebenergebnisse dieses ^Programms
bereits ein internationales Berufssekretariat fuer die Lehrer
der Welt gebildet wurde. Ein anderer konstruktiver Erfolg, der
fuer die Mitglieder dieser Gewerkschaft von unmittelbarem Interesse ist, ist die Schnelligkeit und die Entschlossenheit, mit
der sich der Kongress gegen die Unterdrueckung einer freien
Presse ausgesprochen und als verabscheuungswuerdigstes Beispiel
der letzten Zeit die Enteignung der "La Prensa" durch das diktatorische Peron-Regime und die Ausweisung eines prominenten amerikanischen Pressekorrespondenten als neueste Unterdrueckungsmassnahme des totalitaeren Franco-Regimes angefuehrt hat.
Die Gewerkschaft hat erfreut zur Kenntnis genommen, dass die
Bemuehungen zur Errichtung eines neuen freien und demokratischen
internationalen Berufssekretariats fuer die Journalisten der
Welt in diesem Jahr in mancher Hinsicht erfolgreich waren. Die
Mitglieder dieser Gewerkschaft hoffen, dass innerhalb der naechsten Monate eine vorbereitende Konferenz stattfinden kann, auf
der ein Weltkongress der Journalisten geplant werden koennte,
wenn eine Internationale fuer die Angehoerigen dieser Berufs sparte gegruendet werden kann. Die Journalisten werden weiterhin
trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse diesem Ziel zustreben, bis die freien Zeitungsleute der Erde ein organisatorisches
Werkzeug zur Verfuegung haben, mit dem sie gemeinsam an der Foerderung der freien Presse und der Loesung von Problemen arbeiten
koennen, die ihnen allen gemeinsam sind.
ECA Labor Information
V/21/51
Dr. Isador Lubin, Repraesentant der Vereinigten Staaten im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen:
MILITAERISCHE SICHERHEIT DURCH WIRTSCHAFTLICHE EINHEIT
Der Krieg in Korea hat die Wirtschaftsplaene der friedensliebenden Nationen ernstlich gestoert. Inlaendische Verbesserungsprogramme in industrialisierten Laendern und Programme zur wirt- 10 -

�schaftlichen Entwicklung in den unterentwickelten Gebieten der
Welt muessen nun unter einem neuen Gesichtswinkel betrachtet
werden.
Um die freie Welt so zu staerken, dass sie jede eventuelle
militaerische Gefahr fuer ihre Sicherheit und Freiheit erfolgreich abwenden kann, waren die Vereinigten Staaten gezwungen,
einen grossen Teil ihrer Produktionskapazitaet fuer die Ruestung
zu verwenden. Andere Nationen, die sich an den gemeinsamen
Verteidigungsbemuehungen beteiligen, folgten diesem Schritt.
Bis zum Ende des Jahres 1951 werden die Aufwendungen der
US-Regierung fuer die Verteidigung und aehnliche Zwecke im
eigenen Land und im Ausland fuer Waren und Dienstleistungen
voraussichtlich den Betrag von 45 Milliarden Dollar jaehrlich
ueberschritten haben. Dieser Betrag entspricht ungefaehr 15%
des Gesamtwertes der Produktion der Vereinigten Staaten. Obwohl dieses Verhaeltnis wesentlich kleiner ist als die 45% der
Gesamtproduktion, die auf dem Hoehepunkt des zweiten Weltkrieges
fuer militaerische Zwecke verwendet wurden, wird er die Verteidigungsstaerke der freien Welt wesentlich erhoehen und fuer den
Fall, dass ein totaler Krieg gefuehrt werden muss, den Grundstein fuer eine riesige Erweiterung der Waffenproduktion legen.
Den Wirtschaftsplaenen der Vereinigten Staaten liegt jedoch
nicht die Ueberlegung zugrunde, dass ein dritter grosser Krieg
unvermeidlich sei. Es besteht die Absicht, Industrie, Landwirtschaft und Handel in diesem Lande und in den anderen freien
Laendern so zu staerken, dass der freien Welt damit ein Maximum
an Verteidigungsstaerke verliehen wird, die auch in kritischer
Zeit beibehalten werden kann, die unter Umstaenden viele .Tahre
dauern kann. Di'e Politik in den Vereinigten Sta&amp;ten gruendet
sich auf die Ueberzeugung, dass eine dauernde nicht nachlassende
Staerke eine Aggression abwehren und vereiteln kann, bis der
eventuelle Angreifer bereit ist, seine verwerflichen Ziele aufzugeben.
Die Politik der USA anerkennt die Tatsache, dass die Wiedererrichtung der Verteidigungsstaerke der freien Welt sowohl fuer
das amerikanische Volk als auch fuer die Voelker anderer freier
Nationen ein Opfer bedeuten wird. Fuer das amerikanische Volk
wird sie bedeutende Einschraenkungen in der Versorgung mit bestimmten Zivilguetern mit sich bringen, ausserdem werden hoehere
Steuern eine ihrer unmittelbaren Folgen sein. Das gleiche wird
fuer andere Nationen zutreffen, die sich an den Verteidigungsbemuehungen beteiligen.
Die Vereinigten Staaten wissen, dass sie nicht in der La&lt;?e
sein werden, einige der Projekte fuer die wirtschaftliche Unterstuetzung unterentwickelter Laender in dem Umfang durchzufuehren,
den man fuer angemessen gehalten hatte, obwohl die entsprechenden Programme noch erweitert werden sollen.
Die industrialisierten Laender der Welt, besonders die
Vereinigten Staaten und andere Laender des Nordatlantikpaktes,
sind in Bezug auf Rohstoffe, die fuer die Wiederherstellung der
Verteidigungsstaerke unentbehrlich sind, von vielen dieser unterentwickelten Gebiete abhaengig.
Aber diese Gebiete sind umgekehrt auch von diesen Laendern
in der gleichen Weise abhaengig. Die Verbraucher und Hersteller
dieser Gebiete brauchen naemlich viele Fertigwaren aus den indu- 11 -

�strialisierten Laendern. Diesen unbefriedigten Bedarf so weit
wie moeglich zu erfuellen, ist ein integraler Bestandteil der
Verteidigungsbemuehungen der freien Welt.
Es gibt fuer die freien Natione nur einen Weg, um die Buerden eines neuen Krieges zu vermeiden: indem sie sich die Lasten der
Wiederaufruestung auferlegen. Wenn es Leute gibt, die hoffen,
auch diese Lasten vermeiden zu koennen und gleichzeitig gegen
eine Aggression gesichert zu sein, so geben sie sich damit frommen Wuenschen hin. Die Politik der Vereinigten Staaten gruendet
sich auf die Erwartung, dass die freien Nationen fuer die Notwendigkeit dieses Opfers Verstaendnis haben, es bewusst aur sich
nehmen und im Geiste der Vereinten Nationen arbeiten werden; ihre
Bestrebungen muessten jedenfalls darauf ausgerichtet sein, dass
dieses Opfer nicht umsonst sein soll.
Selbst unter groessten Anstrengungen zur Ausdehnung der inund auslaendischen Produktion werden in bestimmten Faellen ernsthafte Verknappungen, scharfe Preissteigerungen und Fehlverteidigungen von Vorraeten unvermeidlich sein. Die Notwendigkeit, diesen Problemen zu begegnen, ist der erste Beweis fuer die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Einigkeit und einer internationalen Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet.
Um eine gleichmaessige Verteilung der Rohstoffe sicherzustellen, haben sich die Vereinigten Staaten mit England, Frankreich und anderen Laendern zur Gruendung der sogenannten Internationalen Materialkonferenz zusammengeschlossen. Zu dieser
Koerperschaft gehoeren Vertreter der Hersteller- und Verbrauchslaender, die an den besonderen, in Frage stehenden Waren das
groesste Interesse haben.
Zu Anfang des Monats Mai waren 25 Laender in sieben internationalen Rohstoffausschuessen vertreten, die zu dem Zweck gebildet worden waren, den Regierungen die besonderen Massnahmen zu
empfehlen, die hinsichtlich jedes einzelnen dieser Rohstoffe zur
Ausdehnung der Produktion, zur Sicherung der Bestaende und einer
hoechstwirksamen Verteilung und Verwendung ergriffen werden
sollen.
Die einzelnen Ausschuesse beschaeftigen sich mit: 1.)
Kupfer, Zink und Blei, 2.) Schwefel, 3.) Baumwolle und Baumwollfasern, 4.) Wolfram und Molybdaen, 5.) Magnesium, Nickel
und Kobalt, 6.) Wolle und 7.) Zellulose und Papier. Die Bildung weiterer Ausschuesse fuer andere knappe Rohstoffe ist in
Erwaegung gezogen.
Die Ausschuesse haben bereits viel geleistet, indem sie
Feststellungen zu der gegenwaertigen Lage in Angebot und Nachfrage dieser knappen Rohstoffe trafen und Schaetzungen ueber
den zukuenftigen Bedarf ausarbeiteten. Sie werden demnaechst
Empfehlungen zur Erhoehung des Angebots und zur Verteilung unterbreiten.
Der amerikanische Standpunkt in Bezug auf die Zuteilung von
knappen Rohstoffen wurde von dem Direktor fuer die Verteidigungsmobilisierung, Charles E. Wilson, mit folgenden Worten klar zum
Ausdruck gebracht:
"Wir in den Vereinigten Staaten sind uns der unumgaenglichen
Notwendigkeit bewusst, alle knappen Rohstoffe hauptsaechlich
fuer die Kriegsproduktion und die lebenswichtige Zivilproduktion
- 12 -

�zu reservieren. Gleichzeitig sind wir entschlossen, diese Rohstoffe fuer diese wesentlichen Zwecke gleichmaessig an unser
eigenes Land und an unsere Freunde zu verteilen."
"Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Vereinigten Staaten den Plan gefasst, Kontrollen einzufuehren, wie zum Beispiel
angemessene Exportquoten zusammen mit Bevorzugungen und Anweisun
gen an Erzeuger, wenn dies erforderlich ist."
Die Preisfrage ist zusammen mit den sie begleitenden inflationistischen Gefahren ein Problem, dem durch internationale
Zusammenarbeit begegnet werden muss. Die auffallende Erhoehung
der Preise fuer bestimmte, strategisch wichtige Materialien
hat sich bereits nicht nur auf die Lebenshaltungskosten in den
industrialisierten Laendern, sondern auch auf die Preise fuer
Fertigwaren ausgewirkt, die in unterentwickelte Gebiete wiedereingefuehrt werden. Sie hat ausserdem die Kosten fuer die Wiederauf ruestung betraechtlich erhoeht."
"In Uebereinstimmung mit ihrer allgemeinen Politik der
Foerderung wirtschaftlich gesunder Verhaeltnisse und einer wirtschaftlichen Einigkeit der freien Welt sind die Vereinigten
Staaten bereit, mit anderen rohstofferzeugenden und -verarbeitenden Laendern Verhandlungen aufzunehmen, um festzustellen,
ob internationale Vereinbarungen ueber Rohstoffe getroffen werden koennen, die angemessene Preise fuer wichtige knappe Rohstoffe garantiaren wuerden."
"Wir in den Vereinigten Staaten haben die Zuversicht, dass
diese Probleme in demokratischer Weise und im Geist voller Harmonie geloest werden koennen."
Economic Air Bulletin
V/18/51
Maurice J. Tobin, U.S. Arbeitsminister:
MORALISCHE PRINZIPIEN DER WECHSELBEZIEHUNGEN IN DER AMERIKANISCHEN
INDUSTRIE
~ —
"
Die Menschen in den Vereinigten Staaten und anderen Nationen der freien Welx, feierten im Mai dieses Jahres den 60. Jahrestag der von Papst Leo XIII. am 15. Mai veroeffentlichten Enzyklika "Rerum Novarum" ueber die soziale Lage der Arbeiterschaft.
Sie feierten ausserdem den £0. Jahrestag der von Papst Pius XI.
verfassten Enzyklika "Quadragesimo Anno" ueber die Wiederherstellung der sozialen Ordnung.
In der Welt herrschen viele Missverstaendnisse ueber die
Funktion der katholischen Kirche als eines Fuehrers der Arbeiter
und ihrer Kinder. Das allgemeine Missverstaendnis besteht darin,
dass man annimmt, die Kriche versuchte, den Menschen vorzuschreiben, was sie von Angelegenheiten halten sollen, die mit Religion
ueberhaupt nichts zu tun haben.
Dies ist nicht der Fall, und ich moechte beweisen, warum
es nicht so ist, indem ich den Ursprung der Enzyklika "Rerum
Novarum" ueber die soziale La&lt;?e der Arbeiterschaft als Beweis
anfuehre.
- 13 -

�Jahrelang hat man sich in Europa und in den Vereinigten
Staaten in katholischen Kreisen mit der Frage beschaeftigt, welche Haltung die Arbeiter den Gewerkschaftsorganisationen gegenueber einnehmen sollen. Diese Diskussionen bezogen sich auf
der einen Seite auf politische und wirtschaftliche Fragen und
auf der anderen auf Fragen des Glaubens und der Moral. Die
Fragen des Glaubens und der Moral wurden in Verbindung mit den
sozialen Problemen der Arbeiterschaft von den Katholiken der ganzen Welt aufgeworfen.
In den Vereinigten Staaten drehte sich eine der aktivsten
Diskussionen um die Frage, welche Haltung der GewerkschaftsOrganisation "Ritter der Arbeit" (Knights of Labor) gegenueber eingenommen werden sollte, die als Vorgaenger des amerikanischen
Gewerkschaftsbundes AFL anzusehen ist. Die "Ritter der Arbeit"
versuchten den amerikanischen Arbeitern in einer Zeit zu helfen,
in der die Arbeitsbedingungen in der Industrie haeufig unmoralisch hart waren.
Die Arbeit zum Wohl des Volkes, die diese "Ritter der Arbeit" leisteten, wurde sowohl von der Laienwelt als auch von der
Hierarchie des katholischen Glaubens unterstuetzt. Kardinal
Gibbons aus Baltimore war einer der aktivsten Fuersprecher fuer
die Unterstuetzung der Organisation "Knights of Labor." Als
Widersacher, die zum Teil ebenfalls mit der Kirche zusammenhingen,
die Organisation angriffen, machte es sich der Kardinal zur Aufgabe, deren Bemuehungen zur Unterstuetzung der Armen in aller
Oeffentlichkeit zu loben.
Als andere Katholiken wuenschten, dass diese Organisation
verdammt wuerde, ging Kardinal Gibbons selbst so weit, ihre Sache
vor dem Heiligen Vater in Rom zu vertreten. Hierbei hatte er
mit zwei Ausnahmen alle amerikanischen Erzbischoefe hinter sich.
Diese Bitten des Kardinals Gibbons und anderergleichgesinnter
Mitglieder des Kardinalkollegiums waren an Papst Leo XIII. gerichtet, der sich vor vielen Jahren mit diesen Problemen beschaeftigte.
Inzwischen fuehrten viele arbeiterfreundliche Priester der
Vereinigten Staaten ihre Arbeit zum Wohle des arbeitenden Volkes
fort. Erzbischof Ireland von St. Paul im Staate Minnesota erklaerte im Jahre 1889 vor einer Konferenz des ersten Amerikanischen Katholischen Kongresses in Baltimore, dass in der amerikanischen Kirche ein neues Zeitalter anbrechen werde, und dass
die Katholiken von, den Bischoefen bald zur aktiven sozialen Betaetigung angeleitet wuerden.
Waehrend diese Fragen vor dem Heiligen Stuhl schwebten,
veroeffentlichte Papst Leo XIII. die Enzyklika, die seitdem
Richtschnur fuer die Haltung der katholischen Arbeiterschaft geworden ist.
In diesem Schreiben wird tatsaechlich festgestellt, dass
trotz der Unterschiede in der politischen Interpretation der Ziele
der Gewerkschaftsbewegung die Frage der sozialen Lage der Arbeiterschaft seit vielen Jahren im Vatikan besprochen wird. Der
Papst definierte bestimmte Prinzipien des Glaubens und der Moral,
die fuer alle Katholiken bei Entscheidungen in Arbeitsfragen massgebend sein muessten.
In der Enzyklika werden Massnahmen zum Schutz der Gesundheit
der Arbeiter, zur Erzielung hoeherer Loehne, kuerzerer Arbeits- 14 -

�zeit und der Moeglichkeit gefordert, sich dem Familienleben und
seiner Erholung zu widmen. Eine uebermaessige Bescheeftigung
von Kindern und Frauen wird darin abgelehnt. Das Recht der Arbeiter, sich zu organisieren und fuer gerechte Zwecke selbst
zu streiken, wird in ihr bestaetigt.
Es steht fest, dass weder diese noch eine andere Enzyklika
einen Einbruch in private wirtschaftliche oder politische Rechte
bedeutet.
Sie schreibt nicht einem Unternehmer vor, wieviel er seinen
Arbeitnehmern bezahlen muss, und sie schreibt auch nicht dem
Arbeitnehmer vor, welche Loehne er von seinem Arbeitgeber fordern
soll. Dies sind politische und wirtschaftliche Fragen, ueber die ,
von anderen Gremien entschieden werden muss.
Obwohl Papst Leo XIII. erklaert, dass "der Niedrigste dem
Hoechsten nicht gleichgestellt werden kann," stellt er klar heraus, dass es"zu den vornehmsten Pflichten des Unternehmers gehoert, jedem Arbeiter das zu geben, was er sich verdient hat.
Ausserdem muessten sich Reiche und Unternehmer daran erinnern,
dass weder menschliche noch goettliche Gesetze es ihnen auf Grund
ihres Reichtums erlauben, den Armen zu unterdruecken oder zu versuchen, aus der Not Vorteile zu schlagen." In der zweiten beruehmten Enzyklika ueber die Wiederherstellung der sozialen Ordnung werden viele der neuen Probleme aufgegriffen, die in den
40 Jahren seit der Veroeffentlichung der 1. Enzyklika entstanden
sind.
In diesem zweiten Schreiben, dass von Papst Pius XI. veroeffentlicht wurde, wird der Grundsatz der ersten Enzyklika wiederholt, dass das Recht, Eigentum zu besitzen, von dem Recht,
es frei zu verwenden, unterschieden werden muesse. Das Recht
des Eigentumbesitzes wuerde auch grosse Pflichten auferlegen.
Eine der wesentlichsten Pflichten sei es, den Besitz fuer gute
soziale Zwecke und nicht fuer die Ausbeutung zu verwenden. Es
wird betont, dass "Reichtum, der durch sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt staendig vergroessert wird, so verteilt werden muss
muss, dass «r zur Förderung des Allgemeinwohls beiträgt."
Das soeben Genannte liegt im Sinne eines der wichtigsten
Ziele der Kirche: des Friedens im Hause; aber wir koennen den
Frieden im Hause nur vollsteendig geniessen, wenn wir auch als
Nation in Frieden leben. Aus diesem Grunde hat es sich die Kirche zur Aufgabe gemacht, den Frieden sowohl unter den Voelkern als
auch unter den Menschen zu foerden.
Die Kirche befuerwortet den Frieden als ein Prinzip der Moral, aber es ist notwendig, klar festzulegen, welche der verschiedenen vorgeschlagenen politischen Wege zum Frieden fuehren.
Unter den Katholiken koennen viele Meinungsverschiedenheiten in
der Frage bestehen, welche politischen und wirtschaftlichen Handlungen dem Frieden am dienlichsten sind. Es handelt sich hier um
eines der Probleme, das die Fuehrer Amerikas seit Jahren bes-chaeftigt hat.
Nach dem letzten Krieg war der Friede in Griechenland und in
der Tuerkei bedroht. Die Vereinigten Sta&amp;ten kamen zu der Ansicht,
dass sie ihre Friedensziele am besten durch die Unterstuetzung
der Tuerkei und Griechenlands und zwar selbst in Form militaerischer Hilfe erreichen konnten. Heute sind die Tuerkei und Griechenland vor dem Kommunismus sicher. Jugoslawien, das einst eines
der fuehrenden Mitglieder der kommunistischen Internationale war,
- 15 -

�ist zumindest kein Verbuendeter Russlands mehr und sicherlich
auch keine Gefahr mehr fuer den Frieden in Europa.
Dieser Entschluss, die sogenannte Truman-Doktrin, war
aeusserst klug. Sie ist mit jener Entscheidung zu vergleichen,
die die Vereinigten Staaten in Korea treffen mussten. Sie gingen nach Korea, um den Frieden zu erhalten und um ein freies
Volk vor der internationalen kommunistischenAggression zu
schuetzen.
Die Buerger der Vereinigten Staaten haben den moralischen
Vorteil, zu wissen, dass sie sich nicht eines aggressiven Angriffs in Korea schuldig gemacht haben. Diese moralische Stuetze
muss erhalten bleiben, denn diejenigen, die sie nicht haben,
sind gottlos.
Einen aggressiven Krieg zu befuerworten, waere ein Verbrechen gegen Gott und die Menschheit. Es ist ein Verbrechen gegen
Gott, weil damit versucht wird, die Entscheidung ueber Menschenleben von ihm zu uebernehmen. Es ist ein Verbrechen gegen die
Menschheit, weil es deren Moral zerstoert.
Labor Air Bulletin
V/23/51
IAA FUER GLEICHEN LOHN BEI GLEICHWERTIGER ARBEIT
Der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes, einer
der Fachbehoerden der Vereinten Nationen, hat die offizielle
Stellungnahme 34 verschiedener Nationen zur Frage der gleichen
Bezahlung von Maennern und Frauen fuer gleichwertige Arbeit veroeffentlicht.
Mit Ausnahme von Polen haben alle Laender die Entwurftexte
gebilligt, die dem Internationalen Arbeitsamt auf seiner Konferenz am 6. Juni in Genf als Ausgangspunkt fuer die Diskussion unterbreitet werden sollen, wenn auch einige Gruppen Abaenderungen
vorschlugen. Die Delegierten der Vereinigten Staaten wiesen darauf hin, dass ueber die Frage der gleichen Bezahlung von Maennern
und Frauen im Rahmen der Bundesverfassung aller Wahrscheinlichkeit
nach von den verschiedenen Staaten aufgrund ihrer getrennten Zustaendigkeit getrennt entschieden wuerde. Die Vereinigten Stauten
haetten jedoch in Betracht gezogen, eine durch Empfehlung ergaenzte
Konvention zu unterstuetzen, wenn sich eine Mehrheit der im Internationalen Arbeitsamt vertretenen Laender fuer eine Konvention entscheiden sollte.
Der revidierte Konventionsentwurf, der fuer die Diskussion
auf der Konferenz vorbereitet wurde, fordert die ratifizierenden
Laender auf, alle durchfuehrbaren Massnahmen zu ergreifen, um
durch Gesetze oder Bestimmungen, gesetzlich errichtete oder anerkannte Institutionen zur Lohnbestimmung, durch Tarifvertraege oder
eine Kombinierung dieser drei Methoden die Verwirklichung dieses
Prinzios "gleichen Lohn fuer gleiche Arbeit" zu gewaehrleisten.
Labor News from the U.S.
V/25/51

- 16 -

HIOOG 5 Jim 51 1211 B£ K

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
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TT - 22

F r a n k f u r t , 1 . J u n i 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
L a n d a r b e i t e r l o e h n e und b e z a h l t e F e i e r t a g e auf d e r
Tagesordnung d e r IAO - - - - - - - - - - - - - -

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Punkt-Vier-Programm g e h o e r t zum V e r t e i d i g u n g s prograiam - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

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Fuenfzig Jahre amerikanische Gewerkschaftsbewegung

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Lohnangleichung an Lebenshaltungskosten in amerikanischen Tarifvertraegen - - - - - - - - - - - -

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Asien und Europa sind lebenswichtige Verbuendete im
Kampf gegen die kommunistische Aggression - - - 11
Deutsche Bergbaufachleute in den Vereinigten Staatenl4
Ekuador olant Modernisierung der Bergbauindostrie - 16

LANDARBEITERLOEHNE UND BEZAHLTE FEIERTAGE AUF DER TAGESORDNUNG
DER IAO
'
~~
Die 62 Mitgliedstaaten der Internationalen Arbeits-Organisation sind eingeladen worden, Regierungs-, Unternehmer- und
Arbeitnehmervertreter zur 34. Jahre3konferenz der IAO zu entsenden, die am 6. Juni in Genf zusammentreten wird.
Die Delegierten werden im Verlauf der dreiwoechigen Verhandlungen eine neun Punkte umfassende Tagesordnung bearbeiten, die
das Ziel hat, internationale Mindestnormen auf verschiedenen
wichtigen Arbeits- und Sozialgebieten festzusetzen, die' im uebrigen als Konventionen und Empfehlungen bekannt sind.
- 1-

�zwei Lohnnrobleme fuer die Landwirtschaft - naemlich Massnahmen zur Festsetzung von Mindestloehnen und bezahlte Feiertage - werden zur Sprache gebracht werden. Es ist beabsichtigt,
eine endgueltige Entscheidung mit der Annahme einer Konvention
oder Empfehlung zur Frage der Lohnbestimmungen zu treffen, weil
dieser Punkt bereits auf der 33. Sitzung der Konferenz im Jahre
1950 zur Debatte stand. Die Frage der bezahlten Feiertage in
der Landwirtschaft, die von der Tagesordnung der 33. Konferenz
uebernommen wird, ist in Durchfuehrung einer Resolution aufgegriffen worden, die vom staendigen Landwirtschaftsausschuss der IAO
gebilligt worden war. Die Konferenz wird sich mit zwei Berichten zu dieser Frage beschaeftigen, die 3inen Einblick in die
Gesetze und Methoden der verschiedenen Mitgliedstaaten und ihre
Antworten auf eine diesbezuegliche Umfrage geben.
Ein anderer wichtiger ""unkt der Tagesordnung fuer diese
Konferenz ist die gruendliehe üeberpruefung der Ziele und Mindestnormen der Sozialversicherung mit dem Ziel, ein Rahmenwerk
zu entwickeln, in dem die Fortschritte der letzten -Jahre auf diesem Gebiet beruecksichtigt werden sollen und dessen Aufgabe es
waere, die auf den verschiedenen Gebieten der Sozialversicherung
bestehenden Konventionen der IAO zu revidieren. Es ist ausserdem in Erwaegung gezogen, bei der Eroerterung dieser Fragen das
Ausmass zu besprechen, in. dem in verschiedenen Laendern heute
und in der naechsten Zukunft Massnahmen ergriffen werden koennen, in denen sich die Gesetzgebung ueber die Sozialversicherung
noch in ihrem Anfangsstudium befindet. Diese Diskussion soll
sich .jedoch auch auf solche Laender erstrecken, in denen diese
Gesetzgebung weitgehend bereits entwickelt ist.
Zur Frage der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern werden die Delegierten der Konferenz aufgefordart
werden, internationale Bestimmungen in Form von Lmpfehlun£*en zu
billigen, die sich auf Tarifvertraege und freiwillige Schlichtung und Schiedssprechung beziehen. Sie werden ferner zum
erstenmal die Frage der Zusammenarbeit zwischen oeffentlichen
Behoerden und Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen diskutieren.
Man rechnet ausserdem mit einer endgueltigen Entscheidung
in der Annahme von internationalen formen in Bezug auf gleiche
Bezahlung fuer Maenner und Frauen bei gleicher Arbeitsleistung.
Die uebrigen Punkte der Tagesordnung enthalten einen Bericht
des General-Direktors des IAA*f einen Bericht ueber finanzielle
und Haushaltsfragen, Informationen und Berichte ueber die Verwirklichung von Konventionen und Empfehlungen.
Alle endgueltigen Entscheidungen, die von der Konferenz in
Form von Konventionen oder Empfehlungen gebilligt werden, werden
den Mitgliedstaatan der IAO auf dem ueblichen Wege zugeleitet
werden. Diese Laender haben hierzu Stellung zu nehmen und die
entsprechenden Massnahmen zu ergreifen.
Die Delegation der Vereinigten Staaten wird aU3 je einem
Abgeordneten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und zwei Abgeordneten der Regierung bestehen. In ihrer Begleitung befinden sich
eine Anzahl Berater, die vom Handelsministerium der Vereinigten
"Staaten, von der nationalen Arbeitgebervereinigung, von der AFL,
dem CIO und anderen zustaendigen Behoerden der Regierung nominiert werden.
Labor Information Bulletin
V/51
- 2-

�PUNKT-VISft-PROGRAMM GEHOERT ZUM VERT5.IDIGUNGSPP.OGRAKM
Praesident Truman nannte das Punkt-Vi er-Programm, in dem
die technische Unterstuetzung entwicklunpsbeduerftiger Gebiete
durch die Vereinigten Staaten vorgesehen ist, einen Teil der
Verteidigungsbemuehungen der freien Welt und die beste Antwort
auf die falschen VersDrechungen des Kommunismus.
Diese Erklaerung stellt eine offizielle Annahme des Berichts
Henry G. Bennetts dar, der in seiner Eigenschaft als Administrator der Verwaltung fuer technische Zusammenarbeit des U.S.
Aussenministerium-3 vor kurzem von einer Reise durch Latein-Amerika zurueckkahrte.
Bennett berichtete von den Fortschritten des technischen
Unterstuetzungsprogramms und sagte, dass 15 formelle Abmachung
gen nun vor der endgueltigen Annahme stuenden, waehrend 22 bereits gebilligt seien.
In der Erklaerung des Praesidenten heisst es weiterhin,,
das Punkt-Vier-Programm ist heute notwendiger als je zuvor.
Die Gefahr einer kommunistischen Aggression zwingt die freie
Welt, eine starke militaerische Verteidigung aufzubauen. Aber
der Kommunismus kann nicht allein durch Waffen aufgehalten werden. Eines seiner gafaehrlichsten Kampfmittel ist die falsche
Propaganda in Laendern, in denen die Menschen unter Hunger, Krankheit, Armut und Unwissenheit leiden.
Das Punkt-Vier-Frogramm ist somit ein Bestandteil des Verteidigungssystems der freien Welt. Es ist die beste Antwort auf
die falschen Versprechungen des Kommunismus. Es bietet den
Menschen der Welt eine Moeglichkeit, das zu tun, was ihnen am
meisten am Herzen liegt, naenlich ihre Lebensbedingungen durch
eigene Bemuehungen zu verbessern.
In diesem Geist wird das Punkt-Vier-Programm von den freien
Laendern Asiens, Afrikas, des mittleren Ostens und Latein-Amerikas beerrueist. Das Punkt-Vier-Abkommen ist bereits von 22
Regierungen unterstuetzt worden. Rund 360 amerikanische Techniker arbeiten in 28 Laendern an ^unkt-Vier-Projekten. Mehr als
240 Techniker aus 34 Laendern werden in den Vereinigten Staaten
fuer diese Aufgaben geschult.
Dies ist jedoch nur ein Anfang. Wie Dr. Bennett berichtete, kann das Punkt-Vier-Programm mit varhaeltnismaessig geringen
Geldaufwendungen etwa 50 Laender mit fast einer Milliarde Menschen helfen, ihre Nahrungsmittelproduktion in fuenf bis zehn
Jahren zu verdoppeln. Aehnliche Fortschritte koennen von diesen
Laendern auf dem Gebiet des oeffentlichen Gesundheits- und Erziehungswesens und auf verschiedenen Sektoren der Wirtschaft erzielt werden.
Dr. Bennett berichtete dem Praesidenten, dass das Programm
von Gewerkschafts- und Wirtschaftsgruppen sowie von kirchlichen
und sozialen Organisationen in den^Vereinigten ^uaaten befuerwortet wird. Er referierte ausserdem von seiner Reise durch
14 lateinamerikanische Laender, von den guten Beziehungen zu den
USA und den Vereinbarungen, die mit ihnen getroffen werden konnten. Der Fortschritt, der im Punkt-Vier-Programm mit den lateinamerikanischen Nationen erzielt worden sei, ist sehr gross.
Auf eine besondere Anfrage der Pressevertreter stellte Dr.
Bennett fest, dass den Vereinigten Staaten aus 42 verschiedenen
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�Laendern 533 Gesuche um Unterstuetzung im Rahmen des Punkt-VierProgramms zugegangen sei. 254 dieser Gesuche seien genehmigt
und befinden sich bereits in Bearbeitung.
Auf die riesigen natuerlichen und menschlichen Reserven
der Gebiete Lateinamerikas hinweisend, berichtete Bennett, dass
dort die Arbeitsbedingungen im allgemeinen nicht gut seien.
OILA-Memorandum
5/51 Vol. II Nr. 6
William C. Gausmann:
50 JAHRE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Im Jahre 1900 lebten 60% der amerikanischen Bevoelkerung
auf Farmen oder in kleinen Landgemeinden und nur 40% in "Staedten.
Heute ist dieses Verhaeltnis genau umgekehrt. 1900 waren fast
14 von je 100 Amerikanern in Europa geboren. Heute sind nur
8% unserer Bevoelkerung der Bevoelkerung auslaendischer Herkunft.
Die Gesamtbevoelkerung hat sich inzwischen verdoppelt, die Einwohnerzahl ist von 76 Millionen auf ueber 150 Millionen angestiegen.
Diese Zunahme der Bevoelkerung hat sich zumeist in den groesseren Staedten vollzogen. Alte Staedte wie New York, Chikago und
Pittsburg sind um mehr als das Doppelte angewachsen. Aber noch
bedeutsamer war der Aufstieg der neuen Industriezentren. Detroit
zum Beispiel, die Heimat der Automobil-Industrie, hatte 1900
wenig mehr als 250.000 Einwohner. Heute leben in dieser Stadt
und ihrer naeheren Umgebung fast drei Millionen Menschen.
Inzwischen hat die technische Revolution in der Industrie,
d.h. die Entwicklung der Methoden der Massenproduktion, einen ungeheuren Aufstieg des nationalen Wohlstandes ermoeglicht. Waehrend sich die Zahl der Erwerbstaetigen verdoppelt hat, ist das
nationale Einkommen um das vierfache angestiegen. Die Produktionsleistung in den Hers'tellungsindustrien ging sogar in noch
schnellerem Tempo in die Hoehe. Die durchschnittliche woechentliche Arbeitszeit sank von 60 auf 40 Stunden, die zuverlaessigsten statistischen Schaetzungen besagen, dass die amerikanischen
Arbeiter, waehrend sie im Jahre 1900 nur 17% ihres Einkommens
fuer andere Zwecke als fuer Nahrung, Bekleidung und Wohnung ausgeben konnten, im Jahre 1950 etwa 40% ihres Lohnes fuer nichtlebenswichtige Gueter zur Verfuegung hatten. Diese technologische
Entwicklung vollzog sich jedoch nicht unaufhoerlich im gleichen
Rhythmus. Sie wurde durch verschiedene wirtschaftliche Krisen
verzoegert, deren schwerste die grosse Depression von 1929 bis
1934 war, waehrend sie auf der anderen Seite durch zwei Weltkriege beschleunigt wurde.
In diesen 50 Jahren spielten die Gewerkschaften in der amerikanischen Wirtschaft meist nur eine Rolle untergeordneter Bedeutung. Der Grund hierfuer ist sehr einfach: die meisten
Schluesselindustrien, d.h. diejenigen Industrien, die sich am
schnellsten ausdehnten, waren nicht gewerkschaftlich organisiert.
Der amerikanische Gewerkschaftsbund AFL, der in den 80er Jahren
gegruendet wurde, hat verschiedene heroische Versuche unternommen, dia Stahlindustrie zu organisieren. Im Jahre 1901 musste
er jedoch nach einem erbitterten dreimonatigen Streik gegen den
neuen grossen Trust der Stahlgssellschaften ei*- schwere"Niederlage
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�einstecken. Damit hatten die Arbeiter in der Stahlindustrie ebenso
wie die in der Automobil-, Elektro-, Gummi-, Erdoel- und chemischen Industrie kein wirksames Mittel in der Hand, um ihren Stendounkt zu vertreten, waehrend es ihren Arbeitgebern immer besser
ging.
Die AFL blieb deshalb vornehmlich ein Verband von Handwerkern, die in den aelteren Handwerksberufen und Industrien beschaeftict waren, die fuer die oertlichen und bezirk-lichen i\bsatzmaerkte arbeiteten. Es gab natuerlich Ausnahmen. Der Bergarbeitercrewerkschaft, einer ausgestochenen Industriegewerkschaft,
arelang es in den Kohlenbergwerken in der Zeit vor dem ersten
"Veitkrieg Fuss zu fassen. Die sozialistisch gefuehrten Gewerkschaften der Bekleidungsarbeiter berannen in der zweiten Dekade
dieses Jahrhunderts ihre Arbeit eis Pioniere der Gewerkschaftsbewegung. Eisenbahner schlössen sich trotz der Spaltung der
Berufsverbaende In eine ^nzahl Berufsgewerkschaften zusammen und
konnten auf organisatorischem Gebiet grosse Erfolge erzielen.
Dass es der API nicht gelang, in die neueren Industriezweige
vorzudringen, wurde natürlich haeufig kritisiert. Es muss
jedoch bemerkt werden, dass auch die radikalen syndikalistischen
Organisationen der Industriearbeiter der ,.elt hier keinen Erfolg
hatten.
Der wirkliche Grund hierfuer war, dass der Arbeitsmarkt
zu grossen Schwankungen unterlag, um eine Organisierung so vieler Gruopen der Arbeiterklasse zu ermoeglichen. In der Zeit
von 1900 bis 1914 kamen fast 13.500.000 Einwanderer nach Amerika, ein sehr hoher Prozentsatz von ihnen wurde sofort in den Arbeitsprozess der Industrie eingeschaltet. Sie kamen aus allen
Laendern Euronas, aus hoch industrialisierten Gebieten und aus
rueckstaendigen Landbezirken Polens und Sued-Italiens. Sie hatten miteinander oder auch mit der alten amerikanischen Bevoelkerung nur wenig gemeinsam. Zu Hunderttausenden wurden sie Opfer
einer unverzeihlichen Ausbeutung,und ihr Los war keineswegs
besser als in der "Alten Welt".
Es war in Europa uetlich, die politische Einstellung der
AFL als hoffnungslos rueckstaendig abzutun. Aenn man sich jedoch die objektive Einstellung der amerikanischen Gewerkschaften in der Zeit vor 1914 vor Augen haelt, kann man feststellen,
dass das aeusserst bescheidene politische Programm dieser Organisation und ihm Konzentrierung auf den Schutz der Arbeitsnormen ihrer Mitglieder die einzig durchfuehrbare Methode war. Es
gelanr ihr in der Tat, viele staatliche Gesetze zu Gunsten der
Arbeiter abzuaendern.
Waehrend des ersten Weltkrieges ging die I.Ütgliedszahl der
Gewerkschaften stark in die Hoehe, Vertreter der Arbeiterschaft
wurden zum erstenmal in Fragen nationalpolitischer Bedeutung von
der Regierung zu Pate gezogen. Als der Kriefr vorueber war, begann eine Zeit der politischen Reaktion, der groesste Teil der
gewerkschaftlichen Erfolge ging wieder verloren. Somit waren
die "guten zwanziger Jahre" eine flaue Zeit fuer die Gewerkschaften, die Arbeiter in den Industrien der Massenproduktion wurden
noch immer nicht organisiert. Der Strom der Einwanderung war
jedoch, wie die AFL es gefordert hatte, abgedaemmt worden. Die
Auswirkungen machten sich jedoch nicht unmittelbar bemerkbar.
Schwere Zeiten im landwirtschaftlichen Sueden vor der Depression
in der Industrie im Jahre 1919 fuehrten den Ttaedten viele Landarbeiter zu, und zwar Weisse und Neger, die zu Anfang fuer die
- 5-

�Mitgliedschaft in der Gewerkschaftsbewegung ebenso wenig zu erwaegen waren wie die sued- und osteuropaeischen Einwanderer der
Zeit vor 1914.
Es ist unmoeglich, ausfuehrlioh den Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung seit der Grossen Depression zu
beschreiben. Sobald der Handel wieder aufbluehte, forderten die
Arbeiter, die bisher den Organisatoren der Gewerkschaften keinerlei Gehoer geschenkt hatten, eine energische gewerkschaftliche
Vertretung.
Die AFL begann, ihre Verluste waehrend der Deoression in
den alten Handwerksberufen wieder auszugleichen; sie versuchte
auch, den Arbeitern in den nichtorgani3ierten Industrien zu helfen. Ihre Bemuehungen waren erfolglos und zwar vor allem wecran
des Vetorechtes, das in ihren Spitzenausschuessen vor einer Handvoll alter Funktionaere ausgeuebt wurde, die nicht in der Lage
waren, mit der neuen Entwicklung und den neuen Erfordernissen
Schritt zu halten. Daraufhin wurde der Eongress der Industrieorganisationen (CIO) gegruendet und hatte seeen Ende des Jahres
1937 bereits die Stahl-, Automobil-, Elektro-, Fertigwaren-,
Textil-, Gummi- und Erdoelindustrien erobert.
Eine neue Einstellung gegenueter sozialistischen und wirtschaftlichen Problemen begann jetzt die Amerikaner zu charakterisieren, vor allem waehrend der Zeit der Depression und in den
Jahren des New Deal. Der normale uuerger war nicht mehr bereit,
auf gut Glueck und voellig blind der Macht des Arbeitsmarktes
zu trauen. Obwohl das Vertrauen in das Wettbewerbssy^tem als
Grundlage der wirtschaftlichen Organisation stark blieb, war
man sich darueber einig, dass die Regierung das Volk gegen bestimmte Konsequenzen dieser Politik schuetzen muss, und der
Umfang der oeffentlichen sozialen Leistungen, fuer das Volk wurde weitgehend ausgedehnt. Aus dieser neuen Haltung heraus entwickelten sich die Cozialversicherungsgesetze, ferner eine Vielzahl bindender Vorschriften, durch die fuer die Arbeiter unguenstige Methoden der Betriebstuehrung eingeschraenkt wurden, als
weiteres grosse oeffentliche Projekte wie z.B. die Tennessee
Talbehoerde (TVA). Die Bundesregierung setzte sich mit allen
Mitteln fuer das Werbungsrecht der Gewerkschaften ein. Mindestlohngesetze wurden erlassen, eine Reihe von Massnahmen wurden
gebilligt, die tatsaechlich die Farmer von ihrer Abheengigkeit
von den MarktDreisen befreiten.
Mit Ausnahme einiger Gebiete im Sueden sah man zum erstenmal in der amerikanischen Geschichte im Lohnempfaenger ganz allgemein einen Gewerkschafter. Nach Tausenden harter Konflikte
wurde die Gewerkschaftsbewegung als dauernde Einrichtung anerkannt. Man fing an, Orts- und Landasgewerkschaftsfuehrer bei
der Auswahl politischer Kandidaten und bei der Formulierung von
Parteinrogrammen zu Rate zu ziehen.
Die AFL erholte sich schnell von ihren Misserfolgen und im
Laufe der Jahre kamen sich AFL und CIO in ihrer Haltung und
ihrem Programm immer naeher.
Im Verlauf des zweiten Weltkrieges stiegen die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften staendig, weil diese zeigten, dass
sie faehi/2: waren, die Loehne auf dem Stand der Lebenshaltungskosten zu halten. Nach Kriegsende waren sie bemueht, ihre Erfolge
zu konsolidieren und verhinderten dadurch ein Absinken der Eauf- 6-

�kraft und der Beschaeftigungsziffer, was der groesste Teil der
Volkswirtachafter fuer unvermeidlich gehalten hatte. Nachdem
die Verknappungen der Kriegszeit ausgeglichen und die Lebenshaltungskosten stabilisiert waren, konnte die Gewerkschaftsbewegung in den Jahren 1948 und 1949 und in der ersten Haelfte von
1950 eine bedeutende Erhoehung der Realloehne herbeifuehren. Sie
begann ausserdem mit grossem Erfolg ihre Kampagne zur Erzielung
von Tarifvertraegen, die den Arbeitern soziale Sicherheit garantierten.
Politisch gesehen hatte die Bewegung jedoch einen Rueckschlag erlitten. Die gutgehenden Geschaefte waehrend des Krieges hatten den Unternehmern ihr Selbstvertrauen zurueckgegeben.
Ein Propagandakrieg, weit heftiger als der gegen Roosevelts New
Deal gefuehrte, wurde gegen Trumans Fair Deal eingeleitet. Viele
der fortschrittlichen Vors'chlaege, die von der Gewerkschaftsbewegung stammten, wurden vom Kongress abgelehnt. Das Taft-HartleyOesotz wurde erlassen, das die Gewerkschaften der Vorteile der
Arbeitsgesetze in Rahmen des New Deal berauben sollte. Obwohl
die Gewerkschaften auch weiterhin betraechtliche Lohnerfolge erzielen konnten, bedeutete dieses Gesetz fraglos ein Hindernis
in der Werbetaetlgkeit der Gewerkschaften. Der groesste Teil
der Arbeiter in Verkaufalaeden und fast alle Angestellten stehen
noch ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung.
Die Antworten der Gewerkschaften hierauf war die Bildung
ihrer politischen Aktionskomitees. Alle Gewerkschaften und die
beiden grossen Gewerkschaftsverbaende fuehren nun ein intensives
politisches Bildungsprogramm durch. Es dreht sich hierbei, nicht
nur darum, die Mitglieder fuer die politischen Plaene der aktiven
Mitgliedschaft der Bewegung zu gewinnen. Die Arbeiter muessen
vor allem von der Notwendigkeit ueberzeugt werden, sich staendig
fuer die Politik zu interessieren.
Waehrend die amerikanische Gewerkschaftsbewegung um die Wende
der Jahrhundertmitte ueber die Vermittlung errichteter politischer
Parteien arbeitet, wie sie es auch im Jahre 1900 tat, ist die
Grundlage ihrer politischen Arbeit sehr veraendert. Ihre Hauptaufgabe liegt jetzt nicht mehr wie frueher bei den einzelstaatlichen und oertlicnen Behoerden, sondern bei der Bundesregierung.
Waehrend im Jahre 1900 "Arbeitsfragen" fuer die Gewerkschaften
eng begrenzt waren, sind sie heute an jeder Phase der gesamten
Politik hoechst interessiert.
"Warum bildet die amerikanische Gewerkschaftsbewegung mit
diesem neuen Interesse ihrer Mitglieder fuer die Politik keine
eigene Partei?" fragt man haeufig. ^ine erschoepfende Antwort
auf diese Frage wuerde viel mehr Raum erfordern, als hier zur Verfuegung steht. Ein oder zwei springende Punkte sollen jedoch hier
festgehaltin werden. Selbst heute leben nur rund 6O70 der Gesamtbevoelkerung in den Staedten. In den kleineren Gemeinden ist es
unmoeglich, die Gewerkschaftsbewegung zum Zentrum der oertlicnen
politischen Organisation Z L machen. Ausserdem gibt es auch ein
bundesstaatliches Regierungssystem; das heisst unter anderem,
dass die geringer bevoelkerten landwirtschaftlichen Staaten einen
Einfluss im Senat haben, der nicht im Verhaeltnis zu ihrer Bevoelkerungsziffer steht. Und die Farmer, die man einst als in
Frage kommende Verbuendete der organisierten Arbeiter innerhalb
einer neuen Bewe^unp- ansah, sind viel zu gut durch die Landwirtschaftsgesetze im Rahmen des New Deal geschuetzt, um einer neuen
Partei gegenueber aufgeschlossen zu sein.
- 7-

�Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung muss also, um
einen entscheidenden politischen Einfluss ausueben zu koennen,
mit anderen sozialen Gruppen zusammenarbeiten, von denen man
nicht zu erwarten hat, dass sie mit der Bildung einer ArbeiterPartei einverstanden sind. Nachdem die Gewerkschaften nun in
der Industrie festen ?uss gefasst haben und ihrer politischen
Arbeit mehr Aufmerksamkeit zuwenden koennen, v/ird ihr Einfluss
zweifellos groesser werden. ~uch die Angestellten in den
Staedten muessen zugeben, dass die Gewerkschaftsbewegung am
tatkraeftigsten fuer die Interessen der Verbraucher eintritt.
Seit 1953 ist die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder von wenig ueber 2.500.000 auf 16.500.000 angestiegen. Trotz der anfaenglichen hartnaeckigen Opposition der groessten Unternehmen
der Welt konnte sich die Gewerkschaftsbewegung in diesen Industrien durchsetzen. Die Bewegung ist nocn jung und ungestuem,
sie hat sowohl die Staerke als auch die Schwaechen der Tugend.
Sie wird fortfahren, ihren Einfluss im amerikanischen Leben und
besonders in der Politik zu steigern. Sie kann dies .jedoch nur
tun, wenn sie sich der Kompliziertheiten und Gegenstroeme in
einem Lande von kontinentalen Ausmassen bewusst ist, in dem der
Kapitalismus fuer den Durchschnittsbuerger weit mehr getan hat
als irgendwo sonst auf der Welt.
Während die amerikanische Gewerkschaftsbewegung dem aeu^seren Anschein nach von der britischen Labour Bewegung sehr verschieden ist, sind ihre Ziele, naemlich hoehere Realloehne, Sicherheit im Falle einer Erkrankung und im Kiter, Vollbeschaeftigung, Erhaltung der Demokratie und Erreichung des Weltfriedens
im Grunde sehr aehnlich.
Labor News from tue US
V/2o/51
LOHNANGLEICHUNG AN LEBENSHALTUNGSKOSTEN IN AMERIKANISCHEN TARIFVERTRAEGEN
Die Lebenshaltungskosten stellen seit langer Zeit einen der
wichtigsten Faktoren bei den TarifVerhandlungen der Vereinigten
Staaten dar. Allgemein werden Veraenderungen in den Preisen fuer
Waren und Dienstleistungen, die von einem Arbeiter benoetigt
werden, nach den vorherrschenden Loehnen in der Industrie oder
der gesteigerten Produktionsleistung und anderen wichtigen Faktoren bemessen, die in Lohnverhandlungen eine Rolle spielen.
Normalerweise werden die hieraus sich ergebenden Abmachungen
zwischen Arbeitern und Unternehmern fuer eine bestimmte Zeitspanne - ein, zwei, drei Jahre oder laenger - unterzeichnet.
Lohntarife werden solange nicht geaendert, wie die Abmachung in
Gueltigkeit bleibt. Die Abkommen, die im allgemeinen laenger als
ein Jahr in Kraft bleiben, sehen eine jaehrliche Wiederaufnahme
der Vertragsverhandlungen zur Ueberpruefun.? der Loehne vor.
Die Methode, Lohnangleichungen oefter als einmal im Jahr
vorzunehmen und diese Lohnveraenderungen von den Vereenderungen
in den Lebenshaltungskosten abhaengig zu machen, hat seit dem
Kriegsausbruch in Korea immer mehr um sich gegriffen.
Der rapide Anstieg der -reise spielte zu Ende des Jahres
1950 eine bedeutsame Rolle in dieser allgemein verbreiteten Entwicklung. Derartige, haeufig vorkommende Abmachungen ueber Lebenshaltungskosten, durch die die Loehne an die Preise gekon- 8-

�pelt werden, nennt man oft "Stufen-Klauseln". Nach diesen
Plaenen steigen und sinken Löhne und Preise gemeinsam.
"StufenDVereinbarungen sind weder neu noch ungebraeuchlich.
Die Methode, Lohnveraenderungen auf Grund von Preisveraenderungen vorzunehmen, war in gewissem ausmass waehrend und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg und dann wieder vor dem Zweiten
Weltkrieg vorherrschend, als die Preise rapid anzusteigen begannen.
In juengerer Zeit wurde das Interesse an Lebemhaltungskosten-Plaenen durch die Aufnahme einer Stufen-Klausel in dem
Zweijahresvertrag erweckt, der im Mai 1945 zwischen der General
Motors Gornoration und der Automobilarbeitergewerkschaft abgeschlossen und im Mai 1950 auf fuenf Jahre verlaengert wurde, .alle
drei Monate werden die Loehne unter Zugrundelegung des offiziellen Verbraucherpreisindex' der Regierung angeglicnen.
Nach dieser Vereinbarung sind die Loehne der Arbeitnehmer der
General Motors Vferke in die Hoehe gegangen oder gesunken und
zwar auf der Grundlage von einen Cent pro Stunde fuer eine Veraenderung im Verbraucherpreisindex um 1.14 Punkte. Hierbei hat
sich das folgende Bild fuer die Entwicklung der Loehne ergeben:
Monat, in dem die Angleichung
vorgenommen wurde
Mai
SeDtember
Maerz
Juni
Maerz
September
Dezember
Maerz

Hoehe der Lohnangleichung
(in Prozent pro Stunde)

1948
1948
1949
1949
1950
1950
1950
1951

/
/
/
/

4

5
3
2
1
2
5
3
5

Es ist ersichtlich, dass seit September 1950 diese Automobilarbeiter zum Ausgleich fuer die Preissteigerungen 13 Cents
in der Stunde mehr erhalten haben. Sie bekommen ausserdem im
Rahmen ihres Gewerkschaftsvertrags eine jaehrliche Lohnaufbesserung von vier Cents pro Stunde. Diese Erhoehung, die "jaehrlicher Aufbesserungsfaktor" genannt wird, soll den Arbeitern helfen, ihre Realloehne gleichzeitig mit den Steigerungen der Produktionsleistung des ganzen Landes zu verbessern. Die jaehrliche Produktivitaets-Lohnerhoehung ist jedoch nicht ein notwendiger Bestandteil der Lebenshaltungskosten-Stufenklausel, obwohl
in vielen Vertraegen diese beiden Arten der Lohnangleichung vorgesehen sind.
Diese Lohn-Stufen-Methode der General Motors Werke und der
Automobilarbeitergewerkschaft wurde in den Jahren 1948 und 19*9
nicht von vielen Gewerkschaften nachgeahmt. Dies war zum Teil
auf die traditionelle Politik der Gewerkschaften zurueckzufuehren,
Lohnangleichungen mit der Begruendung zu vermeiden, dass die
Lohntarife auf diese Weise erhoeht, aber auch gesenkt werden koennen, wenn sie von den Lebenshaltungskosten abhaengig sind; sie
zogen es vor, nur ueber Lohnerhoehungen zu verhandeln.
Auf Grund der Preissteigerungen und der Befuerchtungen in
bezug auf einen Mangel an Facharbeitern, der durch den Kriep in
Korea verursacht werden koennte, zeigten sich Gewerkschaften und
Unternehmer im allgemeinen jedoch jetzt eher bereit, des oefteren Angleichungen der Loehne an die Lebenshaltungskosten vorzunehmen.
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�In den neun Moneten von Ende Juni 1950 bis Ende Maerz 1951
hat sich die Zahl der Arbeiter, von denen bekannt war, dass fuer
sie Tarifvertraege mit derartigen "Stufenklauseln" abgeschlossen
waren, von etwa 500.000 auf rund 2.Ö50.000 erhoeht.
Ausserdem erhalten schaetzungsweise eine Viertel I'illion
Buero- und sonstige Angestellte, die in Firmen beschaeftigt sind,
welche fuer ihre Produktionsarbeiter mit einer Gewerkschaft Ve rtraege abgeschlossen haben, ebenfalls vergleichbare lebenshaltungskostenzuschuesse oder Bonuszahlungen. Deshalb sind gegenwaertig
ungefaehr 2.9o0.000 Arbeitnehmer in die verschiedenen Arten der
Stufen-Vertraege einbezogen.
Ueber eine Million der in solchen Vertraegen erfassten Arbeiter sind in der metallverarbeitenden Industrie beschaeftigt.
Fuer den groessten Teil der Arbeiter hat die Gewerkschaft der
Vereinigten .tiutomobilarbeiter (CIO) mit grossen Automobil- und
Landwirtschaftsgeraetefabriken diese Vertraege abgeschlossen.
15 Gewerkschaften, in denen Eisenbahnschlosser, Gleisarbeiter und
Bueroangestellte der Eisenbahn organisiert sind, haben fuer eine
weitere Million Arbeiter einen Tarifvertrag zustandegebracht.
Bekleidung und Bau sind weitere Industriezweige, in denen die
Loehne einer betraechtlichen Zahl von Arbeitern mit den Lebenshaltungskosten gekoppelt sind.
Von mindestens 80 Landes- und allamerikanischen Gewerkschaften weiss man, dass sie Vertraege mit Stufen-Klauseln abgeschlossen
haben. Mit Ausnahme der Automobilarbeiter- und Eisenbahnergewerkschaften des CIO haben die Textilarbeitergewerkschaft (CIO), die
Internetionale Gewerkschaft der Elektroarbeiter (CIO) und die
Internationale Gewerkschaft der Mechaniker (AFL) am weitgehendsten von der Moeglichkeit der Koppelung der Loehne mit den.Lebenshaltungskosten Gebrauch gemacht.
Ein typisches Merkmal der Vertraege ist die Bestimmung, dass
die Loehne vierteljaehrlich in Anpassung an den vom US-Arbeitsministerium veroeffentlichten Verbraucherpreisindex revidiert
werden. Dieser Index zeigt Veraenderungen in den Preisen fuer
Lebensmittel, Bekleidung, Wohnung und andere Waren und Dienstleistungen auf, die von Arbeiterfamilien und Arbeitern in Grossstaedten mit maessigem Einkommen benoeti;?t werden. Der Index
wird monatlich ermittelt.
Die Hoehe der Lohnangleichung haengt natuerlich von dem Betrag ab, um den die Preise gestiegen oder gesunken sind. Sie
haengt ausserdem von der Methode zur Festsetzung der Lohnveraenderungen ab, ueber die sich Gewerkschaften und Unternehmer
geeinigt haben. In den meisten Fallen erhalten die Arbeiter
.iaehrlich zusaetzlich 1 Cent fuer jede Erhoehung des Lebenshaltungkostenindex um einen Punkt. Im Oktober 1950 stand der Leben«haltungskostenindex zum Beispiel auf 175.6 (1935-1939: 100) und "
im Januar 1951 auf 181.5;Arbeiter, deren Tarifvertrag fuer jede
Indexerhoehung um einen Punkt eine Stundenlohnerhoehunff um 1
Cent vorsieht, erhielten dementsprechend eine vierteljaehrliche
Lohnerhoehung von sechs Cents" pro Stunde, weil der Index in den
drei Monaten um sechs Punkte gestiegen war.
In vielen "Stufen"-Vertraegen wird der Betrag der Lohnsenkungen, die bei einem Lohnrueckgang vorgenommen werden koennen,
nach unten hin begrenzt, nuf der andern Seite ist in verhaeltnismaessig wenigen Vertraegen eine Hoechstgrenze fuer Lohnerboehungen festgesetzt. Mit anderen Worten, die Loehne koennen
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�mit den Preisen steigen, v.erden jedoch nicht unter einem vereinbarten Betreg gesenkt, selbst wenn die Preise staerker fallen.
Ein zur Zeit gueltiger Erlass der Regierung besagt, dass
Stufen-Klauseln in Tarifvertraegen der Gewerkschaften, die vor
dem 25. Januar 1951 (an diesem Tag trat das Lohnstabilisierungsnrogramm in Kraft) abgeschlossen wurden, trotz des Lohnstabilisierungsprograiizas bis zum 31. Juni 1951, ungeachtet der Hoehe
solcher Lohnaufbesserungen,in Kraft bleiben duerfen. Handelt
es sich dagegen u.i Vertraege, die nach dem 25. Januar 1951 unterzeichnet wurden, so duerfen nach den gueltigen Bestimmungen
des Erlasses Lohnerhoehungen nicht um mehr als 10 Prozent ueber
die im Januar 1950 gueltigen Tarife hinausgehen.
Labor News from the U.S.
V/11/51
William Green: ASIEN UND EUROPA SIND LEBENSWICHTIGE VERBUENDETE
IM KAMPF GEGEN DIE KOMMUNISTISCHE AGGRESSION
Heute stellt die Bedrohung des kommunistischen Imperialismus die gestirnte freie Welt vor eine klar erkennbare und unmittelbare Gefahr. Wenn es eine Zeit gab, in der man sich ohne Gefahr angeblichen Hoffnungen und sehnsuechtigen Gedankengaengen
hingeben konnte, so ist diese Zeit vorbei. Wenn wir uns jetzt
auf das schlimmste vorbereiten, koennen wir wahrscheinlich nicht
enttaeuscht werden.
Der erste Dolchstoss, der der freien Republik Korea versetzt wurde, duerfte genuegt haben, um aucn den zurueckgezogensten und selbstzufriedensten Nationen die drohende Gefahr vor
Augen zu fuehren - wenn es ueberhaupt in diesem Stadium noch
eines neuen Alarms bedurfte. Dieser verwerfliche Angriff war
nicht nur gegen eine kleine Republik, sondern gegen den Bestand
der menschlichen Freiheit selbst gerichtet.
Ungeachtet der Dinge, die da kommen werden, wird es immer
ein Verdienst fuer die amerikanische Nation sein, dass sie sich
angesichts dieser kritischen Situation mit unerhoertem Mut zu
ihrer Aufgabe als Verfechter der Freiheit und internationalen
Moral bekannt und dementsprechend gehandelt hat. Indem sie die
moralische und materielle Hilfe der Vereinten Nationen zur
Verteidigung von Korea gemeinsam beschlossen, haben sie ein einzigartiges Bravourstueck der Diplomatie vollbracht. Sie hat allen, die gegen gefaehrliche Widersacher in der Welt fuer Freiheit
und Anstaendigkeit einstehen, neue Zuversicht begeben.
Wenn dieses brutale Verbrechen gegen die Menschlichkeit
durch unser eigenes Verschulden seinen Urhebern Belohnung statt
Vergeltung eingebracht haette, waeren wir heute der Verzweiflung naeher als der Hoffnung. In die moralische und physische
Abwehrmauer der freien Welt waere eine nicht wieder gutzumachende Bresche geschlagen worden. Der Wille, der kommunistischen
Aggression in Indien, im Iran, in Westeuropa und allen anderen
Laendern an der Peripherie des Kommunismus zu widerstehen, waere
untergraben worden.
Hieran muss gedacht werden, wenn diese Probleme im klaren
Licht der Vergangenheit betrachtet und ueberprueft werden. Auch
wenn verspaetete Stimmen sich erheben, um die Beschluesse zu
kritisieren, die uns in die Verteidigung Koreas verwickelt haben,
- 11 -

�muessen wir dtiran denken, dess unsere eigene Freiheit schon
lange verloren waere, wenn sie der Verantwortung der "Sommersoldaten" und "Sonnenscheinpatrioten" ueberlassen worden waere.
Die lebenswichtigen Fragen drehen sich heute um die Zukunft und nicht um die Vergangenheit. Die naechsten Schritte
werden von grosser Tragweite sein.
Aufrichtige Menschen koennen hinsichtlich der zu ergreifenden Massnahmen geteilter Meinung sein. Aber alle verantwortungsbewussten Busrger muessen sich darueber im Klaren sein, dass wir
uns zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unserer Verpflichtung in dem
Kampf gegen die kommunistische Aggression entziehen koennen.
Die grundlegende, alles beherrschende Frage, in der keine
Meinungsverschiedenheit herrschen kann, heisst heute klar und
unmissverstaendlich: Bestehen oder Untergang.
Es wuerde bedeuten, den Untergang heraufzubeschwoeren, wenn
wir jetzt in unseren Bemuehungen nachlassen und uns der bequemen
Illusion hingeben wollten, das schlimmste sei ueberstanden und
unsere Streitkraefte auf unkluge Weise zu konzentrieren oder in der
grossen Isolation Zuflucht zu suchen. Derartige Massnahmen wuerden diesen Untergang mit Sicherheit herbeifuehren.
Die Gefahren, denen wir gegenueberstehen, betreffen alle
Parteien, Demokraten und Republikaner, Liberale und Konservative,
Arbeiter, Bauern und Industrielle - alle sind ihnen in gleicher
Weise ausgesetzt. Die Ketten, die in Moskau geschmiedet werden,
passen fuer alle Gruopen und Einzelpersoenen ohne jede Bevorzugung oder Vorrechte. Wir werden alle zusammen unterjocht werden,
wenn wir uns nicht eines vereinten Widerstandes faehig und verantwortungsbewusst zeigen.
Um uns aus den Spaltungen und den Streitigkeiten zu retten,
die z. Zt. unter uns herrschen, muss eine Grundlage fuer eine
neue populaere Front gefunden werden - eine populaere Front
gegen den sowjetischen Imperialismus.
Wenn dereinst der Bestand der Freiheit endgueltig gesichert
sein wird, dann wird auch Zeit genug vorhanden sein, um die eigenen Ziele und Ambitionen zu verfolgen. Augenblicklich haben
wir zu wenig Zeit und muessen uns auf die Verteidigung der Freiheit konzentrieren, damit wir spaeter unsere normale Lebensweise
wieder aufnehmen und unseren eigenen Zielen wieder nachgehen
koennen.
Die Kampflinie in diesem Ringen um den Frontabschnitt ist
von niemandem weit entfernt. Obowhl Korea eine halbe Welt von
uns getrennt ist, ist es eine fortlaufende Linie, die sich von
der Front in Korea ueber die Nachrichten und Versorgungswege
nach Washington in die Betriebe, Bauernhoefe, Laeden und Wohnungen in Amerika erstreckt.
Unsere
bildet eine
ist nur ein
Umzingelung

Verteidigungslinie beginnt an der Front in Korea und
geschlossene Kette um den gesainten Erdball. Korea
kleines Segment in dem Kreis der kommunistischen
und des kommunistischer- Drucks.

Die militaerische Aggression in Korea ist nur eine der
vielen Kraefte, die die kommunistische Vorsohwoerung in Bewegung
gesetzt hat, um den Frieden und die Sicherheit der freien Welt
- 1£ -

�in Gefahr zu bringen. Unsere militaeTischen Bemuehungen sind
nicht mehr als nur eine Phase in dem allgemeinen Kampf, der
durchfochten werden muss, damit jene Kraefte unschaedlich gemacht werden. Korea ist ein kleiner Bestandteil des Gesamtbildes der kommunistischen Aggression, die die systematische Zersetzung innerhalb der Vereinten Kationen, die sporadische Gewaltausuebung in Indien, die heuchlerische Kampagne des Stockholmer Friedensannells in den Vereinigten Staaten, Sabotage in
England und Westdeutschland, die bedrohung des Iran, die Ausbeutung der Menschen Asiens und Afrikas und vielfaeltige andere
Methoden zum Ziele hat, fuer die Verleumdung, Umsturz, Sabotage
und Buergerkrieg geeignet sind.
Nutze jede Schwaeche aus, teile und herrsche - das ist ein
altes Sprichwort, das besonders in Haenden von Experten Gueltigkeit erlangt.
Alle muessten sich ueber die staendige Gefahr eines Angriffs durch die Kraefte des Kommunismus im klaren sein. Nicht
so "offensichtlich dagegen ist, wo und in welcher i'orm der naechste Schlag gefuehrt werden wird. '.Vir koennen nur mit Gewissheit sa
gen, dass er wahrscheinlich dort gefuehrt werden wird, wo in
den Augen des Kreml unser schwaechster Punkt ist, wo und zu welcher Zeit dies auch sein mag. Unsere ganze Staerke und Aufnerksamkeit auf ein bestimmtes Gebiet zu konzentrieren, wuerde bedeuten, das3 wir einen Angriff auf andere lebenswichtige Gebiete lenken, die weniger geschuetzt erscheinen.
Dieses Problem wird nicht durch irgendwelche einfachen iEasanahmen und auch nicht durch irgendein einziges grosses militaefisches ilanoever, so glaenzend es auch ausgefuehrt wird, geloest
werden. Die Verteidigung der freien Welt ist heute die schwierigste Aufgabe, die der Menschheit je gestellt wurde. Sie erfordert alle moeglichen politischen, sozialen, wirtschaftlichen
und militaerischen Anstrengungen.
Die internationale Taetigkeit der freien Gewerkschaften,
der Marshallplan, das Punkt-Vier-Programm, die "Stimme Amerikas"
und Lebensmittel fuer die hungerleidenden Menschenmassen in Indien
bilden ebenso einen Bestandteil des Verteidigungssystems wie der
Nordatlantikpakt und der Kampf der Vereinten Nationen in Korea.
Erfolge auf einem dieser Gebiete koennen durch Versagen oder
Vernachlaessigung auf einem anderen Gebiet mehr als zunichte gemacht werden. Sie alle bedeuten einen staendigen Kontakt mit
den Kamnfmitteln und wegen der kommunistischen Expansion und
Aggression.
Die relative Bedeutung Asiens und Europas in der Strategie
des Widerstandes gegen den Kommunismus braucht nicht diskutiert
zu werden. Wir koennen uns nicht den Luxus leisten, uns nur
fuer einen dieser beiden Erdteile zu entschliessen. Wir koennen
uns auch nichL in diesen Kamnf auf irgendeines der militaerischen, wirtschaftlichen, politischen oder moralischen I'amofmittel konzentrieren. Beide Gebiete sind lebenswichtig und alle
Waffen, die wir hervorbringen koennen, werden benoetigt.
Wir muessen auf unserer gesamten Verteidigungslinie die ailitaerische Ueberlegenheit erringen. Wir muessen ein System
der gemeinsamen Zusammenarbeit mit allen freien Nationen der
Welt, in Asien sowohl als auch in Europa, entwickeln.
1^iL/

�Wir muessen unsere Programme der wirtsohaftlichen Unterst uetzung und Entwicklung erweitern, um die Massen der Welt an
der Verteidigung der Freiheit zu interessieren, um die lieber leaenheit der Demokratie dem kommunistischen Despotentum gegenueber zu demonstrieren.
Diese Crossen Aufgaben reichen aus, um all unsere Energie
und unsere Machtmittel fuer lange Zeit in Anspruch zu nehmen.
Sie erfordern Voraussicht, Opferbe.reitschaft und grossen Mut.
Der Preis ist hoch, aber kein Preis ist zu hoch, um fuer
die Erhaltung menschlicher Anstaendigkeit, der Freiheit und
des Weltfriedens zu wirken. Unser einziges Streben muss darauf
gerichtet sein, dafuer zu sorgen, dass wir fuer den Preis, den
wir zahlen, den vollen Wert zurueckerhaiten, indem wir ueber
unsere Machtmittel und Kraefte so verfuegen, dass sie uns soweit
wie moeglich den angestrebten Zielen naeherbringen.
The American Federationist
V/51
DEUTSCHS BERGBAUFAOBLEUTE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Einer der Hoehenunkte der Studienreise durch die Vereinigten Staaten, auf der sich zur Zeit eine Gruppe aus der deutschen
Bergbauindustrie befindet, war das Wochenende, das diese Gruope
vor kurzem in Willkes-Barre (Pennsylvanien) verbrachte.
Dort, im Kerzen des bedeutendsten Anthrazitgebietes des
Landes, wo viele Duerger deutscher Abstammung sind, wurden die
Gewerkschaftsfuehrer besonders herzlich empfanden und konnten
einen kleinen Einblick in das amerikanische Leben gewinnen, der
eine wertvolle Ercaenzung zu ihren uebrigen Studien darstellt,
in deren Verlauf sie sich vor allem mit den Kohlenbergbaumethoden in Amerika befass.ten.
Den Hoehe^unkt dieses Wochenendes bildete ein Empfang fuer
die deutschen Gaeste In dem dortigen Klubhaus der Deutsch-Amerikanischen Vereinigung. Kongressmitglied Daniel Flcod, der demokratische Repraesentant des Wilkes-Barre-Bezirks im amerikanischen Kongresa, hielt eine Begruessungsansorache und erzaehlte
der Gruppe von seinen Erlebnissen auf einer Reis e durch das
Ruhrgebiet, die er vor kurzem unternommen hatte. Er zog Parallelen zu den Verhaeltnissen in der Berrbauindustrie der Vereinigten Staaten und Europas.
Dr. Wilhelm Keidemann, der Direktor des Kohlenbergwerks
"Konstantin der Grosse" in Bochum, einer der sieben deutschen Bergfachleute, die an der Reise teilnahmen, dankte fuer die Begruessungsansprache im Namen der deutschen Besuchergruppe, deren Studienreise
unter dem Protektorat der ECA im Rahmen des technischen Unterstuetzuncspro^ramms steht. Die drei anderen Mitglieder der Gruppe sind Gewerkschaftsfuehrer.
"Durch bessere Beziehungen zwischen den Maennern der amerikanischen und der deutschen Industrie," sagte Dr. Iieidemann,
"werden wir den Grundstein fuer bessere internationale Beziehungen
legen. Wir betrachten diese Reise durch. Ihr Land als den ersten
Schritt fuer den Aufbau einer Bruecke, die von Ihrem Land in das
unsrige- geschlagen werden muss."
- 14 -

�Er stallte weiter fest, dass Deutschland euch in Zukunft
die Hilfe Amerika? benoetige, und zwar in der Form "jenes 7erstehens, das fuer Sie als Amerikaner notwendig ist, um uns
helfen zu koennen, unsere "Tobleme zu loesen, jedoch nicht immer in Form von Dollars."
Dr. Keidemann erklaerte ferner, dass er erstaunt sei, in
amerikanischen Zeitungen so »venig ueber Europa zu lesen, und
die wenigen Nachrichten aus Europa, die er vorgefunden hatte,
seien baeufig in sensationaller Aufmachung erschienen.
Auch Paul Bruehl, der Vorsitzende der Deutsch-Amerikanischen Vereinigung, begruesste die deutschen Gaeste und erklaerte, seine Vereinigung freue sich darueber, dass Gewerkschaftsfuehrer aus dem "Alten Lande" kaemen, um "unsere Lebensweise und
unsere Industrie zu studieren."
Dr. Heidemann dankte der Vereinigung und berichtete, dass
die Gruppe ueberall in den Vereinigten Staaten mit grosser
Freundlichkeit und Gastfreundschaft empfangen worden sei.
Deutschland hoffe, in der nahen Zukunft viele amerikanische Besucher begruessen zu koennen, um "auf diese '"eise die Bande
des gegenseitigen Verstaendnisses auf beiden Seiten des Atlantiks noch enger zu knuepfen."
"Die Welt sieht einer ungeheuren Gefahr aus dem Osten ins
Auge," fuhr er fort. "Nur in vollster Einigkeit koennen wir
fuer unsere Ideale einstehen." Er wies in diesem Zusammenhang
auf die grosse Bedeutung der Kohle fuer das Verteidigungsprofframm Westeuropas hin.
An den offiziellen Teil des Empfangs schloss sich eine
allgemeine Diskussion an, die im gleichen Geiste der Freundschaft
verlief.
Es war somit ein «rosser Tag fuer die Besuchergruone. Dabei nahm sie die Gelegenheit wahr, die Wohnung eines ortsansaessigen Bergmannes namens Edward Zawatski zu besuchen, um die
Lebensweise eines einfachen amerikanischen Bergmannes zu beurteilen.
Die Mitglieder der deutschen Gruppe zeigten grosses Interesse fuer die gute Ausstattung einer amerikanischen Wohnung.
Sie stellten Fragen hinsichtlich des Einkommens der Familie,
und Frau Zawatzki gab ihnen alle Einzelheiten ueber die Kosten
fuer die Unterhaltung der Wohnung, die Ausbildung ihrer sechs
Kinder und ueber andere wissenswerte Angelegenheiten.
Am Sonnabend Nachmittag wohnte die Grunpe einer Versammlung
der Ortsgewerkschaft Fr. 1616 bei, die der Gewerkschaft der Vereinigten Bergarbeiter Amerikas angeschlossen ist. Dort diskutierten die deutschen Gewerkschafter mit den Ortsgewerkschaftsfunktionaeren die Sicherxieitsprogramme fuer die Bergwerke, die
von Unternehmern und Gewerkschaften gemeinsam mit Unterstuetzung
des Staat3S und dem Bundesstaatlichen Bergbaubuero durchgefuehrt
werden. Mit diesem Programm ist man bestrebt, festzustellen,
welche Arbeitsbedingungen ünlass zu Unfaellen geben koennten,
um sie sofort zu korrigieren, bevor Unfaelle sich ueberheupt ereignen.
Auch der Vohlfahrtsfonds der Bergarbeiter, die Unfallversicherung, und andere Programme der Kohlenbergbauindustrie und der
- 15 -

�Amerikanischen Bergarbeitergewerkschaft wurden besprochen. Man
zog Vergleiche zu den Arbeitsbedingungen in Deutschland.
Am Sonntag Korgen wohnten die Besucher Gottesdiensten bei,
und jeder Deutsche war von einem od:;r mehreren ihrer neugewonnenen amerikanischen Freunde begleitet.
Das letzte Wochenende fand am Sonntagnachmittag mit einem
Ausflug in die Umgebung der Stadt ihren Abschluss. Mitglieder
der verschiedenen Gewerkschaften der Stadt nahmen die deutschen
Besucher in ihren eigenen Wagen mit und betaetigten .sich dabei
als Heisefuehrer.
Im Anschluss an ihren Wochenendbesuch in Wilkes-Barre,
einer Stadt von 76.000 Einwohnern, setzten die Kohlenbergbauspezialistan ihre Heise zum Studium der amerikanischen Bergbaumethoden in diesem Gebiet fort, wo die Arbeitsmethoden denen des
Ruhrgebietes aehnlich sind, weil die Schraege oder des Gefaelle
der Kohlenadern aehnlich sind wie jene im Ruhrgebiet.
Informationsbuero der ECA
V/£2/51
EKUADOR PLANT MODERNISIERUNG DER BERGBAUINDUSTRIE;
In der Provinz Canar in Ekuador wird seit einiger Zeit in
sehr kleinem Umfang Kohle abgebaut. Zur Zeit werden in primitiven Arbeitsverfahren monatlich etwa 50 Tonnen Kohle zu Tage gefordert. Die Kohle wird von den Bergleuten auf dem Ruecken
nach oben getragen. Bei Verwirklichung der gemachten Vorschlaega koennte die Produktion auf 4.000 Tonnen monatlich gesteigert
werden, eine Tat38Che, die auf die kooperativen Bemuehungen ausländischer und einheimischer Fachleute im Rahmen des technisehen Unterstuetzungsprogramms der Vereinigten Staaten ein ausgezeichnetes Licht wirft.
1950 wurde von einem Ingenieur aus Ekuador ein vorlaeufiger
Bericht ueber diese Kohlevorkomruen verfasst. Die Regierung von
Ekuador ersuchte die Vereinten Nationen, ihr einen Experten zur
Verfuegung zu stellen, der bei weitern Studien behilflich sein
koennte. Thoma3 Fräser, ein Ingenieur fuer Kohleaufbereitung
im Bergbaubuero der Vereinigten Staaten, wurde auserwaehlt, dieses Problem in Zusaiamenarbeit mit Ingenieuren aus Ekuador zu
studieren.
Fräser berichtete, dass die dortige Kohle zwar nicht von
hoher Qualitaet und, ohne brikettiert zu werden, wohl kaum als
Hausbrand zu verwenden sei, dass sie sich jedoch wahrscheinlich
fuer die Reizung von Dampfkesseln, fuer die Zement-, Ziegelsteinund Ziegelherstellung und als Treibstoff fuer Lokomotiven verwenden iiesse. Die Ingenieurgruppe stellte genuesrend Kohlereserven fest, die den "voraussichtlichen Bedarf der ekuadorianischen Industrie decken koennten.
Freier arbaitetj daraufhin zusammen mit ekuadoriaJ ischen
Ingenieuren einen Plan zur Modernisierung von zwei Bergwerken
aus, die eins maximale Produktionskapazitast von je 8.0C0 Tonnen
im Monat haben koennten. Die Gruben sollen mit einfachen Vorrichtungen zum Transport der Kohle in Handwagen, zur Ventilierung
der Schlechte und zur Steigerung der Produktionsleistung jedes
einzelnen Bergmannes ausgestattet werden.
- 16 -

an» u J«D a

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierang der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

17-23

Frankfurt,

8. J u n i 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Paul Styles:
Die Bedeutung des TarifVerhandlungswesens -

1

Leon «Touhaux, Vorsitzender der Force
Ouvrie^re:
Freie Gewerkschaften in Frankreich - - - -

3

Amerikanische Gewerkschaftsbewegung und
internationale Angelegenheiten - - - - -

11

Die asiatische Regionalorganisation des
IBFG gegruendet
- - - - - - - - - - - - 1 4

Paul Styles:
DIE BEDEUTUNG DES TARIFVhRHANDLUNSWESENS
Es gibt im ganzen vier Methoden, um Arbeitsbedingungen festzulegen:
1) Sie koennen von dem Unternehmer bestimmt werden;
2) Sie koennen von der Gewerkschaft vorgeschrieben werden;
3) Sie koennen durch Erlass der Regierung angeordnet
werden und koennen
4) auf dem Tarifverhandlungsweg geregelt werden.
Die Geschichte hat gezeigt, dass die beiden ersten Methoden,
die eine absolut einseitige llandlungsvolliecht seitens der Unter- 1-

�nehmer oder der Gewerkschaften voraussetzen, mit dem System der
freien Wirtschaft unvereinbar sind.
Die dritte Moeglichkeit, bei der die Regierung die Arbeitsbedingungen in allen Einzelheiten vorschreibt, unter denen Unternehmer und freie Arbeiter arbeiten sollen, bildet gerade jetzt
Gegenstand lebhafter Diskussionen. Sollen wir in unserem eigenen Lande gerade diejenigen Massnahmen gutheissen, die wir in
anderen Laendern verabscheuen, und damit jenen Kraeften einer
zentralisierten Regierungskontrolle Vorschub leisten, denen
wir ueberell auf der Welt feindlich gegenuebergestellt sind?
Auch die vierte Moeglichkeit, naemlich das Tarif verhandlungsverfahren zwischen den gewaehlten Vertretern der Unternehmer
und der freien Gewerkschaften, mag wohl ein System sein, das
nicht vollkommen ist, aber es ist jedenfalls das beste System,
das von Leuten ausgearbeitet wurde, die auf die Erhaltung ihrer
Freiheiten bedacht sind.
Das TarifVerhandlungswesen entstand nicht erst vor 25 Jahren. Historiker stellten fest, dass die ersten Urs'pruenge dieser Methode in Amerika aus dem Jahre 1636 stammen. Die Leute,
die hierbei .eine Rolle spielten, waren sogenannte "verpflichtete"
Arbeiter und Fischer.
Sie kamen mit einem Agenten ihres Unternehmers Zusammen Und- versuchten, ihn zu bewegen, ihnen einen
Jahreslohn zu zahlen, den er nicht zahlen wollte. Schliesslich
verliessen die Leute in Massen ihre Arbeitsplaetze, was der
Agent des Unternehmers als "Meuterei" bezeichnete. Fuenf Jahre
spaeter beschwerte sich der gleiche Agent des Unternehmers darueber, dass seine Arbeiter die Arbeit an einem Nachmittag niedergelegt hatten, um gegen die unzureichende Verpflegung zu
protestieren. Dies waren wahrscheinlich die ersten Versuche,
mit dem Unternehmer "TarifVerhandlungen" durchzufuehren, die
Arbeiter in Amerika unternahmen. Erst 150 Jahre spaeter jedoch
entstand die erste Gewerkschaft, die mit den heutigen Organisationen eine wirkliche Aehnlichkeit aufweist.
Das Auftreten von ArbeitnehmerOrganisationen, die das
Ziel hatten, auf kollektiver Basis ihre. Tarifvertraege zu verhandeln und zwar zu einer Zeit, in der sich die Demokratie gerade im Aufstieg befand, ist keineswegs als einer jener Zufaelle
der Geschichte anzusehen. TarifVerhandlungen sind lediglich
eine der Begleiterscheinungen der demokratischen Idee. Eigentlich sind sie ein Mittel, um die Demokratie in die Fabriken und
Werkstaetten zu bringen.
In dem Arbeitsgesetz von 1935, das unter dem Namen WagnerGesetz besser bekannt ist, hat der Kongress die Bedeutung der
TarifVerhandlung in einer demokratischen Staatsordnung in klarer Form zum Ausdruck gebracht. In dem Gesetz heisst es:
"Die ungleiche Verteilung der Machtbefugnisse zwischen
Arbeitnehmern, die nicht volle Vereinigungs- und Vertragsfreiheit
besitzen, und Arbeitgebern, die in einer Gesellschaft oder in
einer anderen Form der Besitzvereinigung zusammengeschlossen
sind, belastet und behindert die Wirtschaft und traegt dazu
bei, Wirtschaftsdepressionen noch zu erschweren, indem sie die
Lohntarife und die Kaufkraft der Lohnempfaenger in der Industrie
beeintraechtigt und eine Stabilisierung konkurrierender Lohntarife und Arbeitsbedingungen innerhalb der Industrie erschwert.
"Die Erfahrung hat gelehrt, dass der gesetzliche Schutz
des Vereinigungs- und Vertragsrechtes- der Arbeitnehmer den Wirtschaf tsprozess vor Schaeden oder Unterbrechungen bewahrt und
2 -

�die Handelstaetigkeit durch die Beseitigung gewisser anerkannter Ursachen industrieller Streitigkeiten und Unruhen foerdert
und zwar dadurch, dass Methoden gefunden werden, durch die
eine Beilegung industrieller Streitigkeiten, die sich aus den
Verschiedenheiten in Loehnen, Arbeitszeit oder anderen Arbeitsbedingungen ergeben, auf friedlichem Wege verwirklicht werden
kann; damit sind die Machtbefugnisse bei Tarifverhandlungen
gleichermassen auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber verteilt."
Auf dieses Gesetz gruendet sich noch immer die Arbeitspolitik der Vereinigten Staaten. Als der Kongress im Jahre 1947
das Gesetz fuer Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen revidierte,
sahen die Gesetzgeber keinen Grund, irgendein Wort in diesem
Text abzuaendern. Ueber jeden Zweifel hinaus haben die Ereignisse die Richtigkeit und Gueltigkeit desselben unter Beweis
gestellt.
Die Verpflichtung fuer Arbeitgeber und Gewerkschaften,
TarifVerhandlungen nach bestem Wissen und Gewissen zu fuehren,
und der Wortlaut des eben genannten Gesetzes bilden die Grundlage fuer das Leitmotiv der Regierung und des Tarifverhandlungswesens.
Das Wesen und die Ursachen eines.Notstandes weisen erst
recht auf die Notwendigkeit hin, die Grundsaetze des Tarifverhandlungswesens zu staerken.
Tarifverhandlungen sind die beste Loesung fuer das Problem
der Arbeitsbedingungen. Bevor Arbeitgeber oder Gewerkschaften
zu ihrem eigenen unmittelbaren Vorteil sich entscheiden, irgendeinen anderen Weg zu gehen, der .die TarifVerhandlungen ersetzen
soll, moegen sie daran denken, dass Industrie und Gewerkschaften nicht nur mehr Freiheit geniessen, sondern auch produktiver
wirken koennen, wenn sie unter gemeinsam vereinbarten Bedingungen anstatt unter Bedingungen, die von der Regierung vorgeschrieben sind, zusammenarbeiten.
Es ist wahr, dass sich Notstands- und Stabilisierungsmassnahmen auf das TarifVerhandlungswesen auswirken. Doch gerade
hierin liegt der Kern de'r Aufgabe. Arbeitgeber und Gewerkschaften muessen sich, um ihre gemeinsame Staerke zu erhalten und zu
vergroessern, auf dem Verhandlungsweg ueber die vorzunehmenden
Aenderungen einig werden. Kurz gesagt, die TarifVerhandlung
muss auf die Dauer das Werkzeug zur dauerhaften Formulierung
und Verbesserung der Tarifverhandlungsmethoden sein. Anders
zu handeln wuerde bedeuten, die Erfahrungen der Geschichte ausser
acht zu lassen und eines Tages in dem grossen Ringen zu unterliegen.
The Machinist
V/17/51
Leon Jouhaux, Vorsitzender der "Force Ouvriere":
FREIE GEWERKSCHAFTEN IN FRANKREICH
Fuenf Funktionaere^des Allgemeinen Franzoesischen Gewerkschaftsbundes CGT (Confederation Generale du Travail) ueberreichten am Nachmittag des 19. Dezember 1947 dem Zweiten Generalsekretaer^des CGT, Benoit Frechon, ihre Austrittserklaerung. Es
waren Leon Jouhaux, der Verfasser dieses Artikels, der seit 1909
- 3-

�Generalsekretaer des CGT war, ferner die drei Sekretaere Robert
Botherau, Georges Delamarre und Albert Bouzanquet und der
Kauptkassierer Pierre Neumeyer.
Dieser Schritt war kurz zuvor auf einer Landeskonferenz
beschlossen worden, zu der sich aktive franzoesische Gewerkschafter unter der Schirmherrschaft der Gewerkschaftszeitung
"Force üuvriäre" zusammengefunden hatten. Diese Zeitung war
aus der Untergrund-Veroeffentlichung "Resistance Ouvriere"
entstanden, die die Verteidigung der Freiheit und der gewerkschaftlichen Unabhaengigkeit auf ihre Fahne geschrieben hatte.
Diese Lossagung vom CGT, die die zweite dieser Art seit
dessen Wiedervereinigung im Jahre 1935 war, kam keineswegs unerwartet. Sie war seit sechs Monaten unvermeidlich geworden,
nachdem die kommunistische Partei aufgehoert hatte, eine der
Mehrheitsparteien der Regierung zu sein. Das bedeutet jedoch
nicht, dass die tiefverwurzelten Ursachen zu dieser Handlung
nicht schon vorher bestanden haetten. Ausgeloest wurde sie
dadurch, dass die Mehrheitsmitglieder des CGT zu diesem ZeitDunkt von der Verpflichtung befreit wurden, wie bisher zumindest nach aussen hin die Rechte der Minderheit zu respektieren.
Es muss gesagt werden, dass die angebliche gewerkschaftliche Einheit, die im Jahre 1935 in Toulouse auf Grund der Charta
von Amiens hergestellt wurde, in der die Unabhaengigkeit der
Gewerkschaftsbewegung von allen philosophischen Lehren, allen
religioesen Ueberzeugungen und politischen Parteien proklamiert
wird, nichts weiter als eine leere Phrase war, und die Mehrheit
des CGT, die zum grossen Teil der kommunistischen Partei angehoerte, war nicht aufrichtig, als sie sich zum Prinzip der gewerkschaftlichen Unabhaengigkeit bekannte. Vier Jahre spaeter
bedeutete der Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes fuer die Organisation eine schwere Belastung. ß ie kommunistischen Gewerkschafter erklaerten sich nach einigem Zoegern mit der Politik
des Kreml einverstanden. Die darauf folgende Beteiligung der
Sowjetunion an dem Kampf gegen Nazismus und Faschismus sowie
die Notwendigkeit, sich den Eindringlingen zu widersetzen, fuehrten natuerlich zur Wiedergeburt eines CGT, die sich erneut nach
dem Grundsatz der gewerkschaftlichen Unabhaengigkeit zusammenschloss i
Nach dem Krieg erkannten wachsame franzoesische Gewerkschafter, die sich nicht von dem Licht, das aus Moskau kam, hatten blenden lassen, dass ebenso wie im Jahre 1935 die Ware
nicht Voellig ihrer Bezeichnung entsprach, und dass fuer Kommunisten praktisch die Unabhaengigkeit mehr dem Schein nach als
in 7/irklichkeit bestand. Die nichtkommunistischen Arbeiter hatten nicht das Verlangen, Strohpuppen zu sein, die von Kraeften
dirigiert werden, die ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung
stehen. Diese freiheitsliebenden Arbeiter scharten sich um
eine kleine, von Gewerkschaftern veroeffentlichte Zeitung, die
sich nie durch jene falsche "Einheit" hatte irrefuehren lassen.
Monatelang hatte diese Gruppe alles Moegliche versucht, um die
Situation zu klaeren. Dann berief sie eine nationale Konferenz
der "Force Ouvriere" ein, die kurz als FO bezeichnet wird. Diese erste nationale Konferenz der FO fand nur sechs Wochen vor
dem Bruch mit dem CGT statt.
Auf dieser ersten Konferenz, die am 7. und 8. November
1947 zusammentrat, zog man noch nicht eine Trennung vom CGT in
Erwaegung. Man beschloss lediglich, sich innerhalb des CGT
_ 4-

�energisch dafuer einzusetzen, eine Beherrschung der Organisation
durch eine oolitische Partei zu vermeiden. Auf der Konferenz
der FO wurde eine geheime Abstimmung innerhalb der CGT und eine
verhaeltnisgleiche Vertretung der in dieser Abstimmung gezeigten Tendenzen gefordert.
Dieser Standpunkt wurde auch auf der Konferenz des Nationalkomitees des CGT vertreten, das wenige Tage spaeter, naemlich am 12. und 13. November, zusammentrat. Wie ich in der
Ausgabe der "Force Ouvridre" vom 1. Januar 1948 erklaerte, wurden "diese Gedanken von der Mehrheit der Delegierten des Nationalkomitees des CGT nicht gebilligt."
"War man wirklich der Ansicht," so fuhr ich fort, "dass
in einer so schwierigen Lage, in der sich unser Land heute befindet und in der die Entscheidungen einer zentralen Gewerkschaftsorganisation einer gruendlichen und fachgemaessen Ueberpruefung
der Situation beduerfen, um die Interessen der Arbeiter zu wahren, wir uns damit einverstanden erklaeren koennten, bei allen
unseren Handlungen eine vorgeschriebene Linie zu befolgen, die
uns zum Teil von unverantwortlichen, nichtorganisierten Elementen und selbst solchen Leuten aufgezwungen worden waere, die mit
der Nuetzlichkeit der gewerkschaftlichen Organisation entweder
nicht vertraut sind oder sie sogar anzweifeln?"
"Offen gesagt, wir warnten den Nationalausschuss vor einer
solchen Entscheidung. Trotzdem wurde sie jedoch von der Mehrheit
der kommunistischen Delegierten getroffen."
Durch Streikbefehle ueberstuerzten sich die Ereignisse.
Obwohl beschlossen war, Streikvorschlaege auf der Konferenz des
Nationalkomitees des CGT zu eroertern, die fuer den 19. Dezember anberaumt war, kam es fast augenblicklich zu Streikausbrueohen. Seltsamerweise fielen sie zeitlich mit der Aussenministerkonferenz d®r Grossen Vier in London und der Tagung des amerikanischen Kongresses zusammen, auf der ueber die Erweiterung
der wirtschaftlichen Hilfe fuer Europa entschieden werden sollte. Wie wir damals schrieben, wurden die Streiks im Interesse
einer politischen Partei und zwar der kommunistischen Partei
gefuehrt, die damit die Konferenz in London beeinflussen wollte.
Dies wurde umso offensichtlicher, nachdem der CGT am 26.
November um eine Unterredung mit dem Arbeitsminister nachgesucht hatte, in deren Verlauf ihm die Forderungen der Gewerkschaft unterbreitet werden sollten. Die Regierung erklaerte
sich am folgenden Tage mit einer Lohnerhoehung um monatlich
1.500 Francs einverstanden, die allen Lohnempfaengern in der Privatindustrie und im oeffentlichen Dienst gewaehrt werden sollte.
Ausserdem war eine Erhoehung der Familienbeihilfen und eine
UeberDruefung der allgemeinen Arbeitslage in Bezug auf Loehne,
Preise und Waehrungskurse genehmigt worden.
Diese Konzessionen konnten natuerlich nicht den Beduerfnissen der Arbeiterklasse in vollem Umfang gerecht werden, und
wir brachten die^ in aller Oeffentlichkeit der% Regierung zum
Ausdruck. Gleichzeitig lehnten wir jedoch ungerechtfertigte
Einschraenkungsmassnahmen ab. Wir waren aber der Ansicht^ dass
die Verhandlungen fortgefuehrt werden muessten, und dass "eine
Verallgemeinerung der Streikmethode den Weg zu einem Abenteuer
ebnen wuerde, fuer das kein aufrichtiger Gewerkschafter die Verantworung uebernehmen koennte."
- 5-

�Jedesmal, wenn Gewerkschafter nach demokratischen Verfahrensregeln zu Rate gezogen wurden, lehnte die Mehrheit von ihnen
eine extreme Handlungsweise ab. Das Streikkomitee dagegen, das
weit eher darauf bedacht war dem Kominform statt den Interessen
der franzoesischsn Arbeiter zu dienen, forderte unter Missachtung aller demokratischen Regeln die Streikenden auf, nicht
nachzugeben. Der Befehl zum Generalstreik wurde erteilt. Er
wurde nur in sehr begrenztem Umfang ausgefuehrt, aber es kam zu
Sabotageakten und Ausschreitungen. Die Oeffentlichkeit sah der
Angelegenheit mit gemischten Gefuehlen entgegen. Unter der Arbeiterklasse waren bereits klare Anzeichen der Verwirrung und Uneinigkeit zu erkennen.
Wir bemuehten uns um eine Fortsetzung der Verhandlungen mit
der Regierung, brachten aber gleichzeitig unsere unerschuetterliche Einstellung den Ausnahmegesetzen gegenueber zum Ausdruck.
Es wurden uns Verbesserungen gewaehrt, die gegenueber den Vorschlaegen der Regierung nicht unwesentlich waren. Trotz der
Aufschneidereien und Luegen des Nationalen Streikkomitees wurde
es am 9. Dezember notwendig, den Befehl zu einem ^taktischen
Rueckzug" zu geben. Die Arbeiter, die gestreikt hatten, nahmen
die Arbeit unter den gleichen Bedingungen wieder auf, die ihnen
bereits am 30. November angeboten, von ihren Vertretern jedoch
abgelehnt worden waren.
Die Probe hatte .ein Ende, aber der Schaden war angerichtet.
Die Gewerkschaftsbewegung kam aus diesem Abenteuer geschlagen
heraus. Die Arbeiter desertierten zu Tausenden aus den Reihen
des CGT. Damit bekundeten sie, dass sie Methoden ablehnten,
die mit ihren Interessen und ihrer Wuerde unvereinbar waren".
Denjenigen, die wir aufforderten, unserer Organisation beizutreten, haben wir immer erklaert, dass sie selbst ueber die
Massnahmen entscheiden wuerden, die ihre Gewerkschaften zur
Unterstuetzung ihrer gerechten Forderungen ergreifen wuerden.
Und wir haben immer wieder betont, dass kein Arbeiter blindlings Entscheidungen akzeptieren kann, ueber die er- und seine
eigene Gewerkschaft keine Kontrolle haben. Es war fuef die Arbeiterschaft notwendig, sich ihrer Ziele bewusst zu werden.
Aus diesem Grunde hielt die Force Ouvriere am 18. und 19. Dezember 1947 eine Konferenz ab.
Demokratische Gewerkschafter kamen zusammen, um in ueberzeuge-nder Form den Missbrauch, der mit ihnen und ihren Gesinnungsgenossen getrieben wurde, am"zudecken, zugleich aber auch
.die Verfolgungen zu zeigen, denen sie ausgesetzt waren. Sie
forderten, dass eine Politik abgelehnt wird, die es der politischen Partei einer fremden Macht erlaubt, die Entscheidungen
der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung selbstaendig zu treffen.
Die Delegierten beschlossen daraufhin, eine von demokratischem Geis-t beseelte Gewerkschaftsorganisation neu zu errichten,
den der CGT in der franzoesischen Arbeiterklasse so viele
Jahre lang geoflegt hatte, indem sie auf das herrliche Gebaeude in der Rue Lafayette, das mit den Beitraegen der Arbeiter gebaut worden war, und 'auch auf die Tageszeitung "Le Peunle" verzichteten, die von ihnen gegruendet und dank ihrer Bemuehungen
zu einem Organ groesster Bedeutung geworden wa^.
Im Bewusstsein ihrer Pflicht und ihrer Loyalitaet zum Freiheitsgedanken gruendeten sie die »»Force Ouvriären.
6 -

�Zwei wichtige Grundsaetze schwebten den Gewerkschaftern
vor, die beschlossen hatten, eine neue franzoesische zentrale
Gewerkschafts Organisation in3 Leben zu rufen: Die Respektierung der Demokratie' innerhalb der Organisation und die absolute Unabhaengigkeit der Gewerkschaft von allen politischen oder
klerikalen Kraeften sollte der Grundsatz dieser Organisation
sein. Durch diese beiden Grundsaetze wurde die Force Ouvriere
zur einzigen Gewerkschaftsorganisation, deren Haltung mit der
traditionellen Einstellung der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung voellig identisch war.
Der CGT dagegen hielt weiterhin an seiner Politik fest,
s;Lch bedingungslos den Argumenten und der Haltung des Kominform
"anzupassen. Die Franzoesische Foederation Christlicher Arbeiter
(Confederation Francaise des Travailleurs Chretiens) - (CFTC)
bestaetigte erneut/ganz im Sinne ihres Namens (was jedoch in
keiner Weise an ihrer demokratischen Grundeinstellung etwas
aendert), dass ihre Bestrebungen im Sinne der christlichen Lehre, d.h. um es genauer zu sagen, im Sinne des Programms des sozialen Katholizismus liegen.
Es eruebrigt sich, festzustellen, dass die Gruendung der
Force Ouvriere ueberall in der Arbeiterklasse groesstes Interesse erweckte. In allen Departements Frankreichs wurden ausnahmalos neue Gewerkschaften der FO sofort ins Leben gerufen.
Landesorganisationen, wie z.B. die Landesorganisation der Lehrer, beschlossen, ihre Selbstaendigkeit zu bewahren, aber sie
brachten durch ihren Austritt aus dem CGT eindeutig zum Ausdruck, dass sie den Entschluss der Force Ouvriere billigten und
die Argumente dieser Organisation auch die ihren waren.
Die formelle Errichtung der Force Ouvriere war ein nicht
wieder gutzumachender Schlag fuer die Diktatur, die die kommunistische Partei der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung durch
Gewerkschafter aufzuerlegen versuchte, die den kommunistischen
Anordnungen Folge leisteten.
Zweifellos wird der CGT auch weiterhin in der Lage sein,
behaupten zu koennen, dass er die zentrale Gewerkschaftsorganisation mit der groessten Mitgliederzahl ist. Ueber seine Werbemethoden und seine Beitragserhebung koennte sehr viel gesagt
werden.
Auf jeden Fall ist es in den vergangenen drei Jahren klar
geworden, dass der CGT nur einen Bruchteil der franzoesischen
Arbeiterklasse repraesentiert. Ein Journalist einer Gewerkschaftszeitung konnte im April 1951 auf Grund eigener Beobachtungen und unwiderlegbarer Tatsachen folgendes schreiben:
"Wenn ein Streikbefehl gegeben werden soll, muss er von
der Force Ouvriere erlassen und gebilligt werden. In einem Unternehmen, in dem der CGTK - eine heut weit verbreitete Bezeichnung fuer den CGT, die dessen Gefolgstreue zum Kominform zum
Ausdruck bringen soll - zehnmal staerker ist als die Force
Ouvriere, wird ein Streikbefehl der CGT niemals von mehr als
einem Drittel der Belegschaftsmitglieder, die dem CGT angehoeren, befolgt werden. Dagegen wird ein Streikbefehl der Forde
Ouvriere von der Mehrheit der Belegschaft befolgt."
Die Gruendung der Force Ouvriere entsprach auf gewerkschaftlichem Gebiet einer wirklich historischen Notwendigkeit. Sie
stellt eine Verbindung her zwischen der Gewerkschaftsbewegung von
heute und der aus dem Ende des 19. Jahrhunderte und ueberhaupt mit
der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung aller Zeiten.
- 7-

�»

Wenn jedoch allgemeine Prinzipien fuer irgendeine soziale
Organisation notwendig sind, die in irgendeiner Weise deren
Daseinsberechtigung unterstreichen~tind ihre wesentlichen charakteristischen Merkmale bilden, muss ihnen auch in Form eines
entsprechenden Programms konkrete Gestalt verliehen werden.
Eine Gewerkschaftsbewegung kann sich nicht darauf beschraenken,
individuelle und beschraenkte Forderungen zu vertreten. Wir
sind der Auffassung, dass sie, um ihrer historischen Rolle wuerdig zu sein, es auf sich nehmen mus3, Veraenderungen in der Gesellschaftsstruktur zu bewirken.
Der franzoesische CGT hat, als ihm noch unsere Ideale vorschwebten, bewiesen, dass er sich seiner Verpflichtung eingedenk war, indem er im Jahre 1920 bereits den Gedanken einer Verstaatlichung der Industrie entwickelte. Dies wurde von den
sogenannten Revolutionaeren mit viel Laerm ins Laecherliche gesogen. Als der Wille der Arbeiter sie spaeter zwang, diese
Idee zu akzeptieren, taten sie es zwar, waren aber entschlossen,
sich die Verstaatlichung zur Verfolgung ihrer selbstsuechtigen
politischen Ziele zunutze zu machen, und nicht damit dem Wohle
der Nation zu dienen.
Dagegen erklaerten diejenigen, die die Force Ouvriere
gruendeten, bereits im Januar 1948, sie haetten die Absicht,
nach sorgfaeltiger Ueberpruefung der Wirtschaftslage alle berechtigten Forderungen zu unterstuetzen.
In der Ausgabe des offiziellen Organs der Force Ouvriere
vom 22. Januar 1948 wurde das Grfindungsmanifest der FO veroeffentlicht.
Dieses Manifest enthielt als Hauptpunkte die
folgenden vier: Stabilisierung, Marshall-Plan,° Produktionssteigerung durch Modernisierung und gerechte Einkommensverteilung. n
In einem Kommentar schrieb ich hierzu: "Wenn wir zuerst
die Stabilisierung erwaehnen, denken wir an die Kaufkraft der
Loehne, die um jeden Preis gehalten werden muss, indem wir uns
der schrecklichen Gefahr einer Inflation, die unser Land bedroht, widersetzen.
"Zu diesem Zwecke muss der arbeitende Teil unserer Bevoelkerung die Verantwortung fuer die ganze Nation, insbesondere
fuer die wirtschaftlich schwaecheren Elemente, Leute, die von
kleinen Renten leben muessen, usw. uebernehmen. Durch Stabilisierung der Wirtschaft und der Waehrung muss die tragische Spirale aufgehalten werden, die uns zum Bankrott und die Republik
in die Arme der brutalsten Reaktion fuehren koenr.te.
"Aber die Wirksamkeit einer derartigen Politik der oeffentlichen Y.'ohlfahrt koennte durch gesteigerte Produktionsbamuehungen gesichert werden. Gesteigerte Produktion haengt von der Verwirklichung der Ilodernisierungs- und Ausruestungsolaene ab.
Wenn wir das Ausruestungsmaterial unserer Industrie und Landwirtschaft nicht ueberholen und modernisieren,koennen wir unmoeglich auf einen Fortschritt hoffen.
n

Es kann jedoch keinen Monnet-Plan geben, ohne dass es
einen Plan fuer die amerikanische Hilfe fuer Europa gibt, denn
Modernisierung und Neuausruestung erfordern wirtschaftliche Hilfe und die Importierung all dessen, was in unserer Wirtschaft
fehlt - Rohstoffe, Maschinen, Fertigwaren und Erzeugnisse aller
Art, die uns nur jene amerikanische Hilfe bringen kann."
- 8-

�"Y.'enn wir eine gerechtere Verteilung des Nationaleinkommens fordern, so bleiben wir damit der alten grundlegenden Forderung der Gewerkschaftsbewegung treu. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit rechtfertigt das Bestehen der Gewerkschaftsbewegung .
"Wenn ein grosser Teil der Fruechte der Arbeit an nutzlosen "Punkten einer irrationellen Verteilung zwischen Hersteller
und Verbraucher festgehalten wird, so sind wir berechtigt,
eine gerechtere Verteilung des Gesamteinkommens durch die Beseitigung parasitenaehnlicher Taetigkeiten, und besonders die
der ueberflue3sigen Mittelsleute, zu fordern. Im Jahre 1948
jedoch ist es in einem Staat, der durch zwei Weltkriege verarmt und au^gesogjn ist, nicht moeglich, allein durch die Reform jener Gesetze,, die die Verteilung des durch die Arbeit
des Volkes geschaffenen Wohlstandes regeln, diese sozialen
Probleme zu loesen. Das Einkommen, das zur Verteilung bereitsteht, muss vergroessert werden.
"Das Nationaleinkommen muss deshalb nicht nur auf die
bestmoegliche Art und V/eise verteilt werden, sondern es muss
auch bedeutend vermehrt werden, um den ungeheuren Anforderungen unserer Tage und unseres Zeitalters gerecht werden zu
koennen. Deshalb muss die Modernisierung und Ausruestung der
Betriebe von einer rationell eingestellten GewerkschaftsOrganisation unterstuetzt werden, die nach immer groesserer Produktivitaet strebt.
Wir haben niemals daran gedacht, den Glauben an jenes Programm aufzugeben. Bei all unseren Handlungen hatten wir den
Leitsatz vor Augen: Kampf gegen eine katastrophale Inflation
durch eine Senkung oder zumindest eine Stabilisierung der Preise, Steigerung und Rationalisierung der Produktion und gleichmaessigere Verteilung der Produkte der nationalen Arbeit. Vor
allem die beiden letzten Faktoren waren es, die uns veranlasst
haben, dieses Programm zu unterstuetzen.
Wenn wir uns zum Beispiel1 fuer ein Programm der sozialen
Sicherheit einsetzen, wenn wir nicht nur dessen Fortsetzung
fordern, sondern auch seine Verallgemeinerung vorschlagen, dann
handeln wir im Sinne einer gerechteren Verteilung des nationalen Einkommens. Wenn wir dem Schuman-Plan unsere Unterstuetzung
zusagen, dann tun wir damit weiter nichts, als dass wir in
Europa die Verwirklichung unseres Grundsatzes der Steigerung
der Produktion durch wohlueberlegte und koordinierte Verwendung
der Rohstoffe und hierbei der zwei grundlegenden Erzeugnisse,
naemlich Kohle und Stahl, foerdern.
Wir haben uns ebenfalls zugunsten einer internationalen
Organisation der Verteilung ausgesprochen, die den Zweck hat,
etwaigen durch einen Weltmangel an bestimmten Rohstoffen verursachten Schwierigkeiten in der Produktion zu begegnen.
In den letzten 3 1/2 Jahren war die Force Ouvriere die
einzige Gewerkschaft, deren Handlungen ausschliesslich von dem
Wunsche bestimmt waren, das Los der franzoesischen Arbeiter zu
bessern und eine gerechtere und freiere Gesellschaftsordnung
aufzubauen.
Das Jahr 1948 sah die Force Ouvriere im Kampf um die Erhaltung des Preisniveaus. Sie uebte zu diesem Zweck einen schweren Druck auf die Regierung aus. Es ist nun Zeit genug verflossen, um die Ergebnisse unserer Bemuehungen uebersehen zu
- 9-

�koennen. (Der Lebenshaltungskostenindex stand zu Anfang des
Monats Februar 1948 auf 1.520 gegen 100 Im Jahr 1938) . Er
erreichte im Juli 1948 die Zahl 1530. Das war natuerlich kein
Rueckgang, aber es bedeutete praktisch die Stabilisierung.
Im Monat Aoril 1948 fand der erste Kongress der Force
^
Ouvriere statt. Er trat in Paris in der "Salle de.la Mutualite"
zusammen. 1.435 Delegierte waren anwesend. Sie legten das
Programm der FO fest und waehlten ihre fuehrenden Organe.
Ich wurde zum Vorsitzenden und Robert Bothereau zum Generalsekretaer gewaehlt.
In der Rede, die ich auf dem Kongress hielt, und die bei den
Delegierten einstimmigen Beifall fand, erklaerte ich mich eindeutig zugunsten einer Vereinigung Europas, und seitdem hat
die Force Ouvriere unaufhoerlich den Kampf um den Frieden durch
die Vereinigung Europas und der Welt und durch eine wirksame
Solidaritaet der Voelker in Anerkennung der Grundsaetze der
Freiheit und der Achtung der Menschenwuerde gefuehrt.
1949 kaempften wir um die Wiedereinfuehrung der freien
Lohnverhandlungen in Form der Tarifabkommen. Seit dem Sommer
vergangenen Jahres hat sich die Regierung als unfaehig erwier
sen, die Preisstabilisierung zu erzwingen. Zu ihrer Verteidigung muss jedoch gesagt werden, dass das Parlament, ohne es zu
wagen, eine klare Haltung zugunsten des wirtschaftlichen Liberalismus einzunehmen, die Politik der Wirtschaftslenkung und
selbst die Politik einfacher Wirtschaftskontrollen abgelehnt
hat. Preise fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse, mit Ausnahme
des Preises fuer V/eizen, und Preise fuer Industrieerzeugnisse
waTen praktisch nicht kontrolliert, waehrend die Loehne auf
der anderen Seite durch ministeriellen Erlass gebunden blieben.
Die Arbeiterschaft hatte schwerwiegenden Konsequenzen dieser unterschiedlichen Behandlung zu tragen. Ein bezeichnendes
Sprichwort, das in dieser Zeit entstanden ist, heisst: "Preise
duerfen den Fahrstuhl benutzen, aber die Loehne werden von der
Regierung gezwungen, die Treppenstufen zu gehen."
Der Kampf um Gerechtigkeit dauerte lange. Dem Ziel, zur
Tarifverhandlung zurueckzukehren, das am ersten Jahrestag der
Gruendung der Force Ouvriere in einem Manifest niedergelegt wurde, war man am 27. Januar 1949 naehergekommen, und zwoelf Monate
spaeter, am 11. Februar 1950, wurde das Gesetz zur Aufhebung
des Lohnstops erlassen. Auch in den folgenden sechs Monaten
musste energisch gehandelt werden, um zu erreichen, dass am
23. August 1950 das Gesetz zur Festsetzung garantierter Mindestloehne erlassen wurde.
Das Hauptziel, das sich die Force Ouvriere fuer das Jahr
1950 gesteckt hatte, wuerde an 3ich schon ein eingehendes Studium erfordern, weil damit die Frage um die Erhaltung unseres
Sozialversicherungssystems verbunden ist. Unsere Organisation
setzte alle ihre Macht in diesem Kampfe ein. Wir beschaeftigten uns mit der Frage der Sozialversicherung bereits im CGT zu
einer Zeit, als dessen jetzige Fuehrer deren Grundsaetze und ihre
Verwirklichung ablehnten, und als die Verfechter des Kapitalismus
Angriffe gegen sie richteten, die sie immer wiederholt haben. Wir
wissen, dass dieser Kampf ein schwerer sein wird, aber wir sind
ueberzeugt, dass soziale Sicherheit und Verstaatlichung jene
Moeglichkeiten sind, die die franzoesische Arbeiterschaft zu ihrer
Befreiung fuehrte. Soziale Sicherheit gibt der Arbeiterklasse die
Moeglichkeit, Schwierigkeiten zu verringern, die Krankheit und
- 10 -

�hohes Alter mit sich bringen. Wir sind aus dem CGT ausgetreten,
um gegen die Vormundschaft einer politischen Partei zu protestieren j die sich einer fremden Nation verpflichtet hat, und um
die Unabhaengigkeit der Gewerkschaftsbewegung zu sichern. Wir
haben allen Grund, mit den bis jetzt erzielten Erfolgen zufrieden zu sein. Unsere Gewerkschaften in den Departements und
unsere Industrieverbaende sind voller Initiative. Sie umfassen
mehr als eine Million Lohnempfaenger und bilden die moralische
Basis des Kampfes, den die franzoesische Arbeiterklasse um
die Besserung ihrer materiellen Lage fuehrt.
Die Force Ouvriäre hat die Herrschaft der kommunistischen
Partei gebrochen. Seit der Gruendung unserer Organisation
schwand der Einfluss der Kommunisten unaufhoerlich. Diese Tatsache bildet eines der charakteristischen Merkmale der Jahre
1949, 1950 und 1951.
Wir werden unser Ziel jedoch nicht erreichen, wenn die
franzoesische Arbeiterklasse sich nicht erneut der beiden Wahrheiten eingedenk wird, dass es "keinen ueberirdischen Helfer
fuer sie gibt, und dass sich die Arbeiter selbst helfen muessen."
Mit unserer Beteiligung an der historischen Gruendung des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften haben wir uns
einen Anspruch auf einen Platz in dem weltweiten Ringen um Freiheit und Frieden erworben. Unsere bruederliche Zusammenarbeit
mit den anderen freien Gewerkschaftsbewegungen wird von Dauer
sein.
Wir von der Force Ouvriere werden der Auffassung unseres
grossen Jean Jauräs treu bleiben, der einmal erklaerte: "Mut
bedeutet, die Wahrheit zu suchen, und die Wahrheit zu sagen bedeutet, nicht der Herrschaft der Luege zu unterliegen."
The American Federationist
V/51
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG UND INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
"Warum soll sich meine Gewerkschaft um Probleme in Peru,
Indien oder Oesterreich kuemmern? Was geht es mich an, ob die
Lebenshaltungskosten in Paris steigen oder ob die Arbeitslosigkeit in Pakistan zurueckgeht?"
Dies sind die Einleitungsworte einer neuen Flugschrift
mit dem Titel "Der CIO und internationale Angelegenheiten", die
von dem sechs Millionen Mitglieder zaehlenden Kongress der Industrieverbaende veroeffentlicht wurde. Der Vorsitzende des
CIO, Philip Murray, gibt hierauf die Antwort:
"Ein Absinken der Loehne in Paris kann Arbeitslosigkeit in
Pittsburgh oder Detroit bedeuten. Antigewerkschaftliche Aktionen in Buenos Aires koennen in der gesamten Hemisphaere Reaktionen auslossen, die sich auch auf das amerikanische Volk auswirken koennten. Und jede kommunistische Infiltration oderAggression,
die sich immer zuerst gegen die Gewerkschaften richtet, kann zu
jeder Zeit zu einer Weltkrise fuehren.
Aber beschaeftigt sich der CIO mit internationalen Problemen lediglich aus Selbstinteresse? Lediglich, um seinen eigenen
- 11 -

�Mitgliedern ihr Brot und ihre Butter zu sichern? Bestimmt
nicht. Murray sagt hierzu: "Jede amerikanische Gewerkschaft
ist zugleich ein Symbol der Freundschaft und der Zusammenarbeit. Wenn Gewerkschaftsmitglieder nichtorganisierten Arbeitern in einem anderen Betrieb helfen, ihre eigene Ortsgswerkschaft zu errichten, so demonstrieren sie damit ihren Geist
der Kollegialitaet und der Freundschaft. Dieser Geist hat
unsere Gewerkschaften stark und lebensfaehig gemacht. Als demokratische Amerikaner koennen wir vieles tun, um unseren Arbeitskollegen in anderen Nationen zu helfen. Wir erfreuen uns
im aligemeinen eines hoeheren Lebensstandards als die Arbeiter
irgendeiner anderen Nation. Als Gewerkschafter, als Maenner
und Frauen, die um ein besseres Los der Menschheit ringen,
wuenschen wir zu helfen - wir wollen den weniger Beguenstigten
dabei helfen, in den Besitz jener Gueter zu kommet, mit denen
Gott unsere Erde gesegnet hat."
Der CIO ist nicht die einzige Gewerkschaft, die diesen
Wunsch zum Ausdruck gebracht hat. Er steht in enger Zusammenarbeit mit den acht Millionen Mitgliedern der AFL, mit denen
er gemeinsam fuer eine bessere Welt kaempft. Die Hilfe der
amerikanischen Gewerkschaften ist aber auch kein.Wohltaetigkeitsdienst. Philip Murray erklaert in diesem Zusammenhang:
"Durch den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
schaffen wir freundschaftliche und kooperative Arbeitsbeziehungen mit unseren Gewerkschaftskollegen in anderen Laendern.
Diese Beziehungen sind absolut produktiv. Gewerkschafter aus Uebersee
haben uns frueher einmal geholfen; ich vermute sogar, dass auch
wir ihnen helfen koennten. Wir haben ein grosses Selbstinteresse an diesen Angelegenheiten von weltweiter Bedeutung, denn
wir wissen, dass Kommunismus und Diktatur nur in dem Morast
wirtschaftlicher Not gedeihen koennen. Indem wir mit daran
taetig sind, die Gewerkschaftsbewegungen anderer Laender aufzubauen und ihren Mitgliedern zu einem besseren Leben verhelfen,
zeigen wir, dass die echte Demokratie wirklich lebensfaehig
ist. Und wir beweisen damit, dass die Propaganda des Kreml,
in der Amerika als ein Land des Wall-Street-Imperialismus und
ausgebeuteter Sklaven hingestellt wird, nichts anderes als die
Fabrikation kommunistischer Luegen und Verleumdung ist."
Um seine Taetigkeit auf internationalem Gebiet wirksamer
zu gestalten, hat der CIO ein Internationales Komitee gebildet,, an dessen Spitze der Vorsitzende der Bekleidungsarblitergewerkschaft, Jacob S. Potofsky, steht. Dieses Komitee hilft,
auf der ganzen '.Veit Zweigstellen des IBFG aufzubauen, es sendet aber auch noch eigene Vertreter in die verschiedenen Gebiete. Victor Reuther, der Leiter des Bildungsreferats der Automobilarbeitergewerkschaft, ist z.B. der Leiter einer dreikoepfi^en Delegation in Europa.
Welche politischen Ziele verfolgt und unterstuetzt der CIO
in Angelegenheiten von weltweiter Bedeutung? Auf dem Kongress
des CIO im November vorigen Jahres wurde erklaert:
"Die Erringung eines dauernden Friedens ist das erste Ziel
aller Voelker der Welt. Der CIO unterstuetzt mit allen Mitteln
die Staerkung der demokratischen Kraefte in Amerika und auf der
ganzen Welt. Damit bemueht er sich, die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Grundlagen zu schaffen, auf denen der Friede aufgebaut werden kann."
Als die nordkoreanischen Marionetten Stalins im Juni 1950
in die Republik Korea eindrangen, verurteilte der CIO sofort
- 12 -

�diese Handlungsweise. Auf dem Kongress des CIO im November vorigen Jahres wurde erneut bestaetigt, dass der CIO die Vereinten
Nationen in ihrem Kampf gegen die kommunistische Aggression in
Korea mit allen Mitteln unterstuetzt. Der CIO bemerkte, dass
die neue Aggression der chinesischen Kommunisten die Gefahr fuer
den Frieden der Welt vergroes^ere. Nach dem Kongress begruesste
der CIO den vom Beratungsausschuss fuer Internationale Entwicklung verfassten 3ericht"an Praesident Truman. Hierbei unterstuetzt er die Tatsache, dass sich Hunderte von Millionen Menschen gegen Armut und Ungerechtigkeit, gegen Imoerialismus und
Kolonialismus auflehnen. In diesem Bericht heisst es:
"Um dauernden Frieden, Sicherheit und Wohlergehen auf der
Welt zu erreichen, muessen wir gemeinsam eine wirtschaftliche
Offensive gegen Hunger, Armut, Analphabetentum und Krankheit
starten."
Als das Europaeische Wiederaufbauprogramm begonnen wurde,
haben CIO und alle anderen freien Gewerkschaftsgruppen diese
Arbeit unterstuetzt. Gleichzeitig wurde auf dem CIO-Kongress
eine bessere Verteilung der nationalen Einkommen in den MarshallPlan-Laendern gefordert. Seitens des CIO wurde erklaert:
"Wir fordern, dass in zunehmendem Masse solchen Massnahmen
Beachtung geschenkt wird, die direkt oder indirekt zu einer
Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter in solchen Laendern fuehren, die Marshall-Plan-Hilfsgelder erhalten, namentlich Italien, Frankreich und Westdeutschland, wo legislative
und wirtschaftliche Reformen kategorische Notwendigkeiten sind.
Sie sollen es dem arbeitenden Volk ermoeglichen, einen gerechteren Anteil an den aus den Wiederaufbaubemuehungen entstehenden
Gewinnen zu erhalten.
In der Flugschrift des CIO wird darauf hingewiesen, dass
viele amerikanische Gewerkschaftsdelegationen, die sich im Jahre
1950 in Europa aufhielten, scharfe Kritik daran uebten, dass
man es versaeumt hat, die durch die ECA entstandenen Gewinne
den einfachen Arbeitern zuzuleiten. Die amerikanischen Gewerkschafter haben unablaessig behauptet, dass der Lebensstandard
der Arbeiter seit Kriegsende nieht genuegend gesteigert wurde,
waehrend die Unternehmergewinne in einer Anzahl europaeischer
Laender ohne Unterbrechung in die Hoehe gingen.
'Der CIO hat Praesident Trumans Programm fuer wirtschaftliche und technische Unterstuetzung der unterentwickelten Gebiete
der Welt - als Punkt-Vier-Programm bekannt - staendig unterstuetzt und dabei folgende Forderungen gestellt:
"Im Rahmen des Punkt-Vier-Programms muessen auch die Arbeiter unterstuetzt werden, damit die technische Modernisierung der
Industrie mit der Modernisierung der Rechte der Arbeiterschaft
Hand in Hand geht. Der Mindestlohn, die Tarifverhandlung und
die gemeinsame Beilegung von Streitigkeiten muessen in der Liste
der Methoden, die unser Land nach diesen unterentwickelten Gebieten "exportiert", an erster Stelle stehen."
Indem er sich gegen jegliche Form der Diktatur wendet, sei
sie stalinistischer oder faschistischer Art, ist der CIO der
Auffassung, dass diese Unterstuetzung nur solchen Nationen zuteil werden soll, die "in dem Kampf um die Erhaltung und Verbreitung der Demokratie und der Freiheit wirkliche Hilfe leisten
koennen." Er lehnt Kredite fuer Franco-Soanien deshalb ab, weil
-

l

n

-

�dies einer Schwaechung der demokratischen Kraefte in Europa
und Asien gleichkommt. Der CIO billigt das militaerische Hilfsprogramm fuer die Freunde der Demokratie in Europa, um eine erfolgreiche Verteidigung der Demokratie gegen jegliche Aggression
Sowjetrusslands zu ermoeglichen.
Der CIO hat ausserdem gefordert, dass die Arbeiterschaft
noch mehr als bisher am aussenpolitischen Programm der Vereinigten Staaten beteiligt wird,, wozu auch die Vertretung der Gewerkschaften im Aussenministerium und anderen Regierungsbehoerden
gehoert, die sich mit der Aussenpolitik beschaeftigea. In diesem Zusammenhang hat der CIO erklaert:
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung verfuegt ueber
Nachrichtenwege und Beziehungen mit dem Ausland, die fuer die
erfolgreiche Durchfuehrung einer demokratischen amerikanischen
Aussenpolitik von grossem Wert sein koennen."
Sozialreferenten und Beamte fuer Arbeitsinformationen sind
in amerikanischen Botschaften auf der ganzen Welt beschaeftigt.
Auch zu den Personalstaeben der ECA in Europa gehoeren Experten
auf dem Gebiet der Arbeitsinformationen.
Durch seine Mitgliedschaft im 60 Millionen Mitglieder
starken Internationalen Bund Freier Gewerkschaften kaempft der
CIO auf weltweiter Basis um Brot, Frieden und Freiheit. Es
ist keine leichte Aufgabe. Die Freiheit muss stets schwer erkauft werden. Aber die Gewerkschaftsbewegung weiss, dass sie
das Salz des Lebens ist, das dem Brot und dem Frieden die
Wuerze gibt.
Program Services Section
V/18/51
DIE ASIATISCHE REGIONALORGANISATION'DES IBFG GEGRUENDET
Der IBFG hat vor kurzem eine neue Regionalorganisation fuer
Asien gegruendet. Auf einer historischen Konferenz in Karachi,
Pakistan, riefen Delegierte aus zwoelf asiatischen Laendern,
die nahezu zehn Millionen Arbeiter vertreten, diese neue Organisation ins Leben, um damit die freie Gewerkschaftsbewegung
zu foerdern.
Die Gewerkschaf ten #in Asien waren niemals so stark wie in
Westeuropa und Amerika. ' Man erwartet,- dass diese Konferenz
einen Wendepunkt in der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung dieses Kontinents darstellen wird. Ihre Gruender prophezeien, dass
die Regionalorganisation eine Rolle von zunehmender Bedeutung
nicht nur im Kampf gegen den stalinistischen Imperialismus, sondern auch in den Bestrebungen zur Erhoehung des Lebensstandards
der asiatischen Bevoelkerung spielen wird.
Faiz Ahmed, der Delegierte aus Pakistan, nominierte den
72jaehrigen N. M. loshi zum Vorsitzenden der Konferenz. Joshi,
"der Vater der indischen und asiatischen Gewerkschaftsbewegung"
wurde einstimmig gewaehlt. Der Veteran der Arbeit dankte fuer
diese Ehre und erklaerte, dass die asiatischen Gewerkschaften
die Hilfe des IBFG brauchen und begruessen. Mit dessen Unterstuetzung koennten starke Gewerkschaften organisiert werden, die
sich erfolgreich fuer eine Verbesserung des Lebensstandards der
Arbeitermassen Asiens einsetzen koennten. Er sagte: "Wir brau- 14 -

�chen vor allem das Kapital und die technischen Erfahrungen, die
uns in Form des Colombo-Plans und des Punkt-Vier-Programms zur
Verfuegung gestellt werden. Die Aufgaben, die auf uns warten,
sind nicht nur sehr bedeutsam, sondern auch weitreichend und
aeusserst schwierig. Wir muessen unsere Bevoelkerung von dem
Joch der Arbeitslosigkeit befreien, und indem wir diesem grossen
Gebiet zu industriellem Fortschritt verhelfen, muessen wir ein
Gleichgewicht unserer Taetigkeit auf landwirtschaftlichem und
industriellem Gebiet herstellen."
De Mungat, der Repraesentant des I3FG fuer Asien, verlas
einen Bericht des Generalsekretaers J. H. Oldenbroek. Mungat
erklaerte, dass der IBFG Regionalorganisationen organisiert habe,
um die verschiedenen Probleme der einzelnen Gebiete auf regionaler Basis loesen zu koennen. Die Selbstaendigkeit jeder einzelnen Regionalorganisation muesse mit der Notwendigkeit in Einklang gebracht werden, die zentralen Richtlinien und die weltweiten Bestimmungen zur Koordinierung der Taetigkeit- der neuen
demokratischen Gewerkschaftsinternationale zu beachten.
Er forderte vor allem die Einigkeit der Gewerkschaften
der freien Welt, die durch "Kraefte bedroht sind, die sich
durch krassen antidemokratischen Geist auszeichnen."
G. G. Metha von der sozialistischen Gewerkschafts-Foederation Hind Mazdoor Sabha in Indien bemerkte, dass zu viele Gewerkschaften in Asien gezwungen seien, die Anordnungen ihrer
Regierungen zu befolgen. Die Gewerkschaften muessten von den
Regierungen vollkommen unabhaengig sein. Er warnte den IBFG
davor, sich durch irrendeine Machtgruppe beeinflussen zu lassen.
Die Delegation der Gewerkschaftsorganisationen der Republik Korea forderte die asiatischen Gewerkschaften auf, die'
Tatsache anzuerkennen, dass die Kommunisten die Aggressoren in
ihrem Lande sind. Die Mitgliederorganisationen des IBFG muessten
sich weigern, irgendetwas zu unternehmen, was fuer die chinesischen Kommunisten von Vorteil sein koennte.
Irving 3rown, der Reoraesentant der AFL in Europa und Mitglied des Exekutivausschusses des IBFG, war ebenfalls zur Teilnahme an der Konferenz in Karachi eingeladen. Er versicherte
den Delegierten, dass der IBFG sich der ungeheuren Bedeutung
starker Gewerkschaften in ganz Asien bewusst sex und versprach
jede nur moegliche Unterstuetzung. Den Regionalorganisationen
wuerde ein groesstmoegliches Mass an Selbstaendigkeit gewaehrt
werden.
"Der IBFG will," so fuhr er fort, "die Gewerkschaftsbewegung von der Bevormundung durch totalitaere Politik und Diktatur
befreien. Wir befolgen den Grundsatz, dass kein Mensch
gezwungen werden kann, einen Weg zu verfolgen, der ihm von anderen vorgeschrieben ist. Der IBFG wird nicht versuchen,andere
zu zwingen, die Ideologie irgendeiner Partei oder Grunpe zu
uebernenmen."
Damit braohte Irving Brown klar zum Ausdruck, dass der
IBFG nicht von irgendeiner Ideologie, ausser der demokratischen,
beherrscht ist. Ihm gehoeren Gewerkschaften an, die sowohl sozialistisch sind als auch andere, die fuer die freie Wirtschaft
eintreten, ^r umfasst Katholiken, Protestanten, Moslems, Hindus und Angehoerige anderer Glaubensbekenntnisse.
- 15 -

�Am letzton Tag der Konferenz, dem 31. Mai, billigten die
Delegierten eine intSchliessung, in der den Vereinten Nationen
und dem Volk in Korea in dem Kampf gegen die kommunistische
Aggression jede nur^moegliche Unterstuetzung zugesagt wird.
Alle Delegierten, mit Ausnahme derjenigen der Indischen Gewerkschaftsorganisation Hind Mazdoor Sabha, stimmten fuer die Resolution, u.a. auch die Delegierten des indischen Gewerkschaftskongresses. In der Entschliessung wird festgestellt, dass das
freie Gewerkschaftstum die Grundlage der Demokratie ist, und
dass Kommunismus gleichbedeutend mit der Missachtung aller Rechte der Arbeiter ist.
Wenn das Volk in Korea seine Unabhaengigkeit an die totalitaeren Stalinisten verlieren wuerde, so waere hierin eine
schwere Niederlage fuer die Arbeiter und die Demokratie zu sehen.
Die Delegierten forderten alle Gewerkschaftsorganisationen auf,
entsprechende Massnahmen zu ergreifen, um die Resolution zu verwirklichen und den Vereinten Nationen zu helfen. Hierzu gehoere
auch der Boykott von Kriegsmateriallieferungen fuer die Angreifer. Die Hilfe, die die Gewerkschaften den suedkoreanischen
Streitkraeften und denen der Vereinten Nationen leisten koennten, muesse erweitert werden, heisst es abschliessend in der
Resolution.
Zuvor hatte die Konferenz eine Entschliessung gebilligt,
die sich gegen die koloniale 'Wirtschaft Asiens wendet. Die Welt
wird darin aufgefordert, mitzuhelfen, den Lebensstandard Asiens
auf ein anstaendiges Niveau zu bringen. Die Notwendigkeit einer
Landreform wird besonders hervorgehoben; auf diese Weise koenne
am besten der kommunistischen Gefahr begegnet werden.
Der Delegierte der freien chinesischen Gewerkschaften, die
sich nun auf Formosa befinden, war Liang Yung Chang. Er berichtet, dass die Arbeitsbedingungen auf dem chinesischen Festland
furchtbar schlecht seien; allein in Schanghai seien 150,000
Arbeiter erwerbslos und 50.000 waeren al3 Zwangsarbeiter nach
Sowjet-Russland und dessen SatellitensU aten geschickt worden.
Lian Yung Ghang fuehrte weiter aus, dass das Los der Arbeiter auf Formosa, obwohl diese Insel von Krieg bedroht sei, laufend verbessert wuerde. Ein Programm sei in die Wege geleitet
worden, das Unfall-, Alters-, Kranken- und Invalidenunterstuetzungen fuer die Arbeiter vorsehe.
Der chinesische Gewerkschaftsfuehrer beschuldigte die stalinistischen Eindringlinge, bei der Eroberung seines Landes die
Unabhaengigkeit
dar Gewerkschaften z.^rstoert zu haben. Demokratische Gewer;-schaftsfuehrer wurden ermordet, andere terrorisiert.
Er berichtete ferner, dass die Opposition gegen die Roten in
China staendig groesser wird und forderte jede nur moegliche Unterstuetzung fuer die dortige Untergrundbewegung.
Delegierte und Beobachter aus Ceylon, Indien, Korea, China,
Malaya, Pakistan, Thailand, Hongkong, Burma, Indonesien, Singapur und von den Philippinen waren zugegen. Es war die dritte
Regionalorganisation, die vom IBFG gesrruendet wurde. Die erste
war fuer Westeuropa und die zweite fuer die westliche Hemisphaere
in Mexiko ins Leben gerufen worden.. Die Errichtung aehnlichor
Organisationen fuer Afrika und den mittleren Osten ist geplant.
Program Services Section
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- 16 -

HICOC 15 Jun 51 11977 5i K

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 24

Frankfurt, 22, Juni 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Europaeische Konferenz ueber "Produktivitaet und
Lebensstandard"
- - - - - - - - - - - - - -

1 .

Beziehungen zur Oeffentlicukeit

4

- - - - - - - -

Die Arbeiterschaft muss am wirtschaftlichen Aufstieg teilhaben
- - - - - - - - - - - - - Westeuropa nach drei Marshallplan-Jahren

- - -

9
10

Amerikanischer Experte Äussert sich zu Produktivitaetsproblemen - - - - - - - - - - - - - -

14

Jahreskonferenz der IAO ohne Russland - - - - -

15

EUROPAEISCHE KONFERENZ UEBER "PRODUKTIVITAET UND LEBENSSTANDARD"
Mehr als 175 Persoenlichkeiten aus dem industriellen und
gewerkschaftlichen Leben Westeuropas kamen im Juni in der historischen Abtei Royaumont in der Naehe von Paris zusammen, um
ueber die Beziehungen zwischen gesteigerter Produktionsleistung
und dem Lebensstandard der europaeischen Arbeiter zu diskutieren.
Auf einer dreitaegigen Konferenz aeusserten sich Unternehmer, Betriebsleiter, Arbeitsvorgesetzte und Gewerkschafter zu
diesem Thema. Technische Experten aus allen Sparten des industriellen Lebern brachten eindeutig zum Ausdruck, dass die Lebensbedingungen der meisten europaeischen Arbeiter und besonders derjenigen in Frankreich unter der durchschnittlichen Norm
liegen. Sie beschlossen, Methoden auszuarbeiten, um dieser Si- 1-

�tuation zu begegnen, die allgemein als gefaehrlicr. und ungerecht
bezeichnet wurde. Im Verlauf dieser Diskussionen wurden die
bereite gemachten Erfahrungen in Bezug auf Produktivitaets- und
Betriebsmethoden ausgetauscht.
Der Anlass zu dieser Konferenz war die 5. Internationale
Konferenz fuer Gozielprobleme der Arbeitsorganisationen, die
von dem franzoesischen Nationalen Ausschuss fuer Arbeitsorganisation in Zusammenarbeit mit der franzoesischen Vereinigung
zur Foerderung einer gesteigerten Produktionsleistung und dem
Internationalen Ausschuss fuer Betriebswissenschaftliche Organisation einberufen worden war. Den Vorsitz des franzoesischen
Ausschusses leitete Rolf Nordling.
Einen Hoehepunkt der Konferenz bildeten die Ansprachen amerikanischer Fachleute ueber Produktivitaetsfragen, die aus den
Reihen des amerikanischen Unternehmertums, der Gewerkschaften
und der Regierung kamen. Diese Sachverstaendigen tauschten mit
den europaeischen Konferenzteilnehmern ihre Erfahrungen aus, die
sie sich bei der Entwicklung des fortschrittlichen Wirtschaftssystems in den Vereinigten Staaten, eines hohen Produktivitaetsstandes, eines verbesserten Lebensstandards und einer starken
Gewerkschaftsbewegung angeeignet hatten.
Die Sprecher waren:
Robert Oliver, Berater fuer Arbeitsfragen der ECA in
Washington,
R. R. Zimmerman, Sonderberater des Leiters der_ Abteilung fuer technische Unterstuetzung in der ECA,
William Gomberg, der Leiter des technischen Referats
der Internationalen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarb ^iter,
James M. Silberman, Sachbearbeiter im Arbeitsministerium
der Vereinigten Staaten und
Henry Nunn von der "Nunn-Bush"-Schuhfabrik.
M. Christa, Generalsekretaer der franzoesischen Gewerkschaft
"Fondeurs de France," berichtete von einem Programm zur Steigerung der Produktionsleistung in der franzoesischen Eisen- und
Stahlindustrie. * Er erklaerte, dass man auf Geratewohl zehn Betriabe ausgewaehlt habe, in denen mit diesem Programm begonnen
werden sollte, und die fuer die andern dann als Musterbeispiel
dienen sollten. Fuer die Unternehuer wuerden achttaegire Lehrgaenge.fuer Techniker sechswoechige und fuer Vorarbeiter vierwoechige Ausbildungskurse durchgefuehrt. In dem Betrieb wuerden je vier
oder fuenf Arbeiter zu Schulungsgrupp.en zusammengefasst und angeregt, selbst zu ueberlegen, wie man die Produktionsleistung steigern koenne. Die Loehne gingen im gleichen Verhaeltnis wie die
Produktionsleistung in die Hoehe.
Christa stellte klar heraus, dass nach seiner Auffassung die
wesentlichste Vorbedingung fuer ein durchfuehrbares Produktivitaetsprogramm die Aufgeschlossenheit der Arbeiter im Betrieb ist.
Die Produktionsleistung in den Vereinigten Staaten sei weniger
besseren Moeglichkeiten als vielmehr intensiver Arbeit, gutem
Willen und wissenschaftlichem Studium zu verdanken.
Rene Richards, der Generalsekretaer der franzoesischen Gewerkschaft CGT - Force Ouvriere, erklaerte vor der Konferenz,
dass gemeinsame Bemuehungen der Unternehmer, Gewerkschaften und
Arbeiter zu einem besseren Lebensstandard fuehren koennten, und
- 2 -

�dass er in der Art, in der seine Gewerkschaft begonnen habe, am
Produktivitaetsprogramm mitzuarbeiten, einen guten Anfang konstruktiver Zusammenarbeit sehe.
Der Konferenz wohnten 140 Delegierte aus Frankreich bei.
Andere kamen aus Deutschland, Belgien, Spanien, Finnland,
Grossbritannien, Italien, Holland, Schweden und den Vereinigten
Staaten. Die meisten Delegationen setzten sich aus Vertretern
der Gewerkschaften und der Unternehmer zusammen.
V/aehrend das Hauptthema der Konferenz "Produktivitaet und
Lebensstandard" hiess , aeusserten- sich die Delegierten zu einer
Vielzahl von Problemen, die mit dem nationalen wirtschaftlichen
Wohlergehen in Zusammenhang stehen, wie z.B. Steuerwesen, Stabilitaet der Waehrung, Beschaeftigungslage, Betriebsrationalisierung, soziale Dienstleistungen, Produktionsnormung und Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Besonders interessant war fuer die meisten Delegierten ein
Bericht aus Schweden ueber soziale Probleme des Arbeitsmarktes.
Dieser Bericht, der von Lennard Cronquist, Gunnar Lindstrom
und Otto Nordenskiold verfasst war, zeip-te auf, dass 10% des
Nationaleinkommens Schwedens fuer soziale Dienstleistungen zum
Nutzen der Arbeiter verwendet werden. Die Arbeitsweise der
schwedischen V/irtschaft sei so organisiert, dass die Arbeiter
an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktionsleistung einen
entsprechenden Anteil haben.. Zu diesem Zweck, heisst es in
dem Bericht weiter, wuerden keine Vereinbarungen ueber Gewinnbeteiligung getroffen, sondern Tarifvertraege zwischen der Industrie und den Arbeitgebern abgeschlossen. Der Bericht weist
darauf hin, dass sich die Arbeiter in Schweden seit den dreissiger Jahren darueber im Klaren sind, dass eine Steigerung der
Produktion eine Vorbedingung fuer die fortlaufende Verbesserung
des Lebensstandards der Arbeiter ist, und- dass die Gewerkschaften Massnahmen zur Foerderung der Rationalisierung der Industrie
ergriffen haben.
Georges Villiers, der Vorsitzende des franzoesischen Arbeitgeberverbandes, erklaerte als Vorsitzender der Sonntagssitzung, er sei ueberzeugt, Frankreich haette viel von jenen
Laendern zu lernen, die sich eines hoeheren Lebensstandards
und eines hoeheren Produktivitaetsst^ndes erfreuten. "Der Lebensstandard der franzoesischen Arbeiter ist ungenuegend,"
sagte er, "und wir duerfen ihnen keine Luegen erzaehlen."
In einer Zusammenfassung der Themen, die auf der Konferenz
zur Debatte standen, fuehrte Nordling auf der Schlusssitzung am
Sonntag aus': "Eine allgemeine und laufende Verbesserung des
Lebensstandards ist nur aufgrund einer Erhoehung der Produktionsleistung moeglich. Leider ist die Mehrheit des franzoesischen Volkes noch nicht zu dieser Erkenntnis gekommen. Trotz
alledem muss die Produktionsleistung in Frankreich gesteigert
werden, und Unternehmer und Gewerkschaften muessen zur Zusammenarbeit aufgerufen werden, um dieses Ziel erreichen zu koennen."
Er schloss mit den Worten: "Die in verschiedenen Betrieben gebammelten Erfahrungen haben gelehrt, dass eine T,roduktionssteigerung ohne eine Beschleunigung der menschlichen Arbeit
moeglich ist, und dass sie durch eine gerechte Verteilung der
aus ihr resultierenden zusaetzlichen Gewinne an Verbraucher, Arbeiter und den Betrieb selbst gesichert werden kann.
ECA Labor Information
VI/8/51
- 3-

�Eine grosse Aufgabe fuer U.S. Gewerkschaften:
BEZIEHUNGEN ZUR OSFFENTLICKKEIT
Das heutige Zeitalter kann das Zeitalter der Pflege der&gt;
Beziehungen zur Oeffentlichkeit genannt werden. Mehrmals je
zuvor konkurrieren alle Arten von Organisationen, Einzelpersonen und Industrien um die Gunst der Oeffentlichkeit. Durch alle
moeglichen Mittel versuchen sie, .bei der Oeffentlichkeit ihre
Ideen, ihre Ziele oder auch ihre Erzeugnisse anzubringen.
Alle bemuehen sich in dem grossen Ringen, die Oeffentlichkeit auf ihre Seite zu bringen. Welche Ziele sie auch verfolgen
moegen, seien sie gute oder schlechte, sie wissen alle, das3 ~ie
keinen Erfolg haben koennen, wenn sie nicht so viel Leute wie
nur irgend moeglich fuer ihre Sache gewinnen koennen.
Natuerlich kann es sich auch die Gewerkschaftsbewegung
nicht leisten, auf diesem lebenswichtigen Gebiet hinter den an- ,
deren zurueckzustehen. Sie muss ihre Botschaft allen Buergern
uebermitteln, wenn sie Fortschritte erzielen und ihre Ziele erreichen will.
Die Lebensfaehigkeit der Gewerkschaftsbewegung, ihr Wachstum und ihre Zukunft haengen davon ab, ob sie sich das Wohlwollen und das Verstaendnis der Oeffentlichkeit sichern kann. Das
bedeutet fuer sie, unablaessig und kompromisslos auf erzieherischem Gebiet taetig zu sein.
Nur zu oft geben Zeitungen, Rundfunk, Redakteure und Kommentatoren der Oeffentlichkeit ein falsches Bild von der Gewerkschaftsbewegung. In grosser Aufmachung berichten sie von
Streiks und Ausschreitungen. Wenn irgendein einzelnes Mitglied
einer Gewerkschaft eine falsche Handlung begeht, berichten sie
hiervon in grossen Schlagzeilen. Jeder Missstand innerhalb der
Gewerkschaftsbewegung, sei er auch noch so unbedeutend, wird erbarmungslos ans Licht der Oeffentlichkeit gezerrt.
Die guten Taten der Gewerkschaften werden dagegen zum
groessten Teil ignoriert. Wenn in ueber 90% aller Faelle die
Gewerkschaften auf friedlichem Wege Tarifvertraege mit ihren Arbeitgebern abschliessen, ohne dass auch nur eine einzige Arbeitsstunde verlorengeht, dann sieht die" Presse zumindest hierin
nichts besonderes.
Es ergibt sich hieraus fuer die Gewerkschaftsbewegung die
Notwendigkeit, diese Situation durch eine ununterbrochene Kampagne der Aufklaerung zu korrigieren, in der sie der Oeffentlichkeit zeigt, dass die Ziele der Gewerkschaften, ihr Kampf und
ihre Erfolge der Wohlfahrt des gesamten Volkes dienen.
Der Gewerkschaftsbewegung erwachsen somit auf dem Gebiet
der oeffentlichen Beziehungen grosse Aufgaben. Sie ist fuehrend
im Kampf zur Errichtung eines' freien oeffentlichen Schulwesens.
Sie bemueht sich an fuehrender Stelle um die Verbesserung des
Lebensstandards des Volkes. Sie leistet Pionierarbeit im Kamnf
gegen die sogenannten "Schwitzwerkstaetten"; sie kaempft in
erster Front um gleiche Moeglichkeiten des Aufstiegs fuer Alle,
ohne Rueck3icht auf Rasse, Religion oder Farbe.
Ihr ist es zum grossen Teil zuzuschreiben, dass Schutzgesetze verwirklicht wurden, die alle Arbeiter vor Ausbeutung
schuetzen, dass das Uebel der Kinderbeschaeftigung eingeschränkt
worden ist, dass die uebermaessig lange Arbeitszeit gekuerzt
- 4-

�und dass soziale Sicherheit fuer Millionen Amerikaner geschaffen werden konnte.
Diese Errungenschaften bilden den Grundstein der amerikanischen Lebensform, der von freien Arbeitern
in einem freien Wirtschaftssystem in Zusammenarbeit mit einsichtigen Arbeitgebern gelegt worden ist. Wir muessen unsere
Geschichte wieder und wieder erzaehlen. Es gibt viele Moeglichkeiten, sie vor die Oeffentlichkeit zu bringen, aber eine der
besten ist die Gewerkschaftsnadel, der gewerkschaftliche Betriebsausweis und das gewerkschaftliche Warenzeichen. Dies
sind Symbole des .gewerkschaftlichen Fortschritts, Wegweiser
und Leuchtfeuer auf der grossen Strasse der Gewerkschaftsbewegung. Es sind die Kittel, um der Oeffentlichkeit die Gewissheit zu geben, dass sie ^ualitaetswaren und -dienstleistungen
erhaelt, die von tuechtigen Fachleuten nach hohen amerikanischen Normen produziert werden.
Jeder Gewerkschafter muss alles in seiner Tracht Stehende
tun, um das Evangelium der Gewerkschaftsnadel, des gewerkschaftlichen Warenzeichens und des gewerkschaftlichen Betriebsausweises zu verbreiten. Wenn alle Mitglieder der Gewerkschaften,
ihre Familien und ihre Angehoerige bei ihren Einkaeufen nach
diesen drei Kennzeichen fragen, erweisen sie der gewerkschaftlichen Sache damit einen ungeheuren Dienst. Sie helfen dadurch,
ein grosses! neues Bollwerk zum Schutz des Tarifverhandlunp,swesens und bessere wirtschaftliche Bedingungen fuer alle zu schaffen. Das gewerkschaftliche Warenzeichen blickt auf eine ehrenvolle und denkwuerdige Geschichte zurueck. Es ist in Europa
bereits in den Gilden des Mittelalters zu finden, ja, vielleicht
sogar noch frueher. Die Gilden haben damals ihre Erzeugnisse
gestempelt, um vor der Oeffentlichkeit die ^ualitaet und den
Ruf ihrer Erzeugnisse zu garantieren. Diese Stempel sind die
ersten gewerkschaftlichen Warenzeichen der Vergangenheit.
Das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen im amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL hat es sich zur Aufgabe gemacht,
den Beweis anzutreten, daas Millionen Gewerkschaftsmitglieder,
die sich der Bedeutung dieses Warenzeichens bewusst sind, wissen,
dass sie ihr Ziel erst zur Haelfte erreicht haben, wenn sie
hoehere Loehne durchgesetzt haben. Sie wissen, dass Milliarden
Dollars, die sie gemeinsam dank ihrer Gewerkschaft verdienen,
alljaehrlich fuer Waren und Dienstleistungen ausgegeben werden
muessen, die gewerkschaftlicher Herkunft sind.
Wenn wir beim Einkauf von Waren verlangen, dass diese
das gewerkschaftliche Warenzeichen tragen, duerfen wir nicht
vergessen, dass es ebenso wichtig ist, auf den gewerkschaftlichen Betriebsausweis oder die Gewerkschaftsnadel zu achten.
Diese drei Kennzeichen sind symbolisch fuer den hoechsten Grad
handwerklicher Tuechtigkeit und Solidaritaet; dies gilt sowohl
fuer Waren als auch fuer Dienstleistungen. Es sind die offiziellen Warenzeichen, die Waren und Dienstleistungen von hoher
Qualitaet auszeichnen, es sind zugleich die Warenzeichen der AFI,.
Heute machen die Kosten fuer die Verteilung von Erzeugnissen in vielen Faellen mehr als die Haelfte des Verbraucherpreises aus. Aus diesem Grunde hat diese Sparte der Wirtschaft
eine so grosse Bedeutung erlangt. Zu ihr gehoeren zahlreiche
Arbeitsgebiete, wie z.B. Tankstellen oder Weiterverarbeitung,
Herstellung und Verpackung, Transport und Gross- und Kleinhandel. Wenn wir auf gewerkschaftlichenDienstleistungen bestehen,
sichern wir die vorhandenen Arbeitsplaetze der organisierten Arbeiter und schaffen ausserdem eine staerkere Beschaeftigungs- 5 -

�moeglichkeit fuer Gewerkschaftsmitglieder. Auch in Bezug auf
hygienische Bedingungen in der Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln und Bekleidung ist das gewerkschaftliche Warenzeichen
fuer uns die beste Sicherheit.
Wenn Gewerkschaftsmitglieder den Wunsch haben, 3ich unserer «rossen Organisation anzuschliessen, koennen sie sich bei
den gewerkschaftlichen Verbrauchergenossenschaften einschreiben
lassen. Diese Genossenschaften sind direkt dem Referat fuer
gewerkschaftliche Warenzeichen der AFL angeschlossen.
Wir koennen den Bestand der amerikanischen Arbeitsnormen
nicht sichern, wenn wir nicht jene Waren- und Dienstleistungen
kaufen, die von gewerkschaftlich organisierten Maennern und
Frauen hergestellt bzw. geleistet werden. Als Verbraucher
koennen die Gewerkschaftsmitglieder irgendeiner Ortschaft ihre
Taetigkeit zur Foerderung des gewerkschaftlichen Warenzeichens
dadurch vorantreiben, dass sie eine gewerkschaftliche Verbrauchergenossenschaft bilden, oder sich einer solchen anschliessen,
die das Zentrum aller gewerkschaftlichen Taetigkeit und Aufgaben
in jeder Stadt und ihrer naeheren Umgebung bildet.
Die. Woche des gewerkschaftlichen Warenzeichens ist ein
grosses alljaehrliches Ereignis. Sie findet in diesem Jahr vom
2. bis 8. September statt. Die von der AFL offiziell genehmigte und vom Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen organisierte Woche wird am Sonntag der Arbeit, dem 2. September,
beginnen und am ß. September beendet sein. Der allgemeine
Zweck dieser Woche besteht darin, bessere Beziehungen zur
Oeffentlichkeit zu schaffen und das Verstaendnis fuer alle Organisationen in der AFL zu foerdern.
Die Woche des gewerkschaftlichen Warenzeichens bietet
eine ausgezeichnete Gelegenheit, fuer Waren- und Dienstleistungen mit dem gewerkschaftlichen Warenzeichen zu werben. Geschaeftsleute zeigen in ihren Schaufenstern gewerkschaftlich hergestellte Waren, sie werben fuer diese in den oeffentlichen Tageszeitungen und ueber Rundfunk- und Fernsehstationen. Auch
die Erzeuger steigern ihren Absatz, indem sie die hohe Qualitaet der mit gewerkschaftlichen Warenzeichen versehenen Waren
vor der Oeffentlichkeit preisen. Andere Geschaeftsunternehmen,
die sich mit dem gewerkschaftlichen Betriebsausweis undder Gewerkschaftsnadel ausweisen, wollen hiermit die hohe ^ualitaet
ihrer Waren oder Dienstleistungen demonstrieren. Im allgemeinen
erlassen die Buergermeister und die Gouverneure der Staaten zur
Woche des gewerkschaftlichen Warenzeichens besondere Proklamationen.
1

Das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen gibt alljaehrlich ein offizielles Verzeichnis ueber Waren heraus, die
das gewerkrchaftliche Warenzeichen tragen. Dieses hat vor allem
den Zweck, unter den Mitgliedern der Gewerkschaften, der Frauenvereinigungen und der gewerkschaftlichen Verbrauchergenossenschaften fuer den Kauf dieser Waren mit gewerkschaftlichem Warenzeichen und die Benutzung der Dienstleistungen gewerkschaftlich
organisierter Unternehmen zu werben.
Dieses Verzeichnis des Referats fuer gewerkschaftliche Warenzeichen ist ein praktisches Nachschlagwerk fuer Verbraucher,
die auf das gewerkschaftliche Warenzeichen achten. Darueber hinaus gibt es den^Kaufleute-n Auskunft darueber, wo sie Waren mit
gewerkschaftlichen Warenzeichen einkaufen koennen. Wenn ein
- 6-

�Kaufmann sagt, dass er nicht in der Lage sei, Waren mit gewerkschaftlichen Warenzeichen zu beschaffen, wird ihm eine solche
Liste ausgehaendigt, in der alle Hersteller dieser Waren genannt
sind. Die Gewerkschaftsmitglieder werden staendig aufgefordert, den Loyalitaetswahlspruch der Gewerkschaftsbewegung zu
beherzigen: "Kauft nur bei solchen Firmen, deren Waren das
gewerkschaftliche Warenzeichen tragen, und kauft nur bei soldhen
Leuten, die den gewerkschaftlichen Betriebsausweis und die Gewerkschaftsnadel besitzen. "
Eine Neuheit in der aktivierten Werbekampagne des Referats
fuer gewerkschaftliche Warenzeichen ist ein Plakat, das Karikaturen traegt und in fuenf Farben illustriert ist. Die Plakate
sind eingerahmt und werden den Gewerkschaftsvorstaenden und
den Zweigorganisationen der AFL fuer die Verwendung in Versammlungsraeumen kostenlos zur Verfuegung gestellt. Ein Schlagwort
auf"einem der Plakate heisst: "Sei Gewerkschafter und kaufe
nur Waren mit gewerkschaftlichem Warenzeichen."
Die Industrieausstellungen der Gewerkschaften der AFL sind
ein ausgezeichnetes Beispiel fuer die guten Beziehungen zur
Oeffentlichkeit. Sie sind anschaulich und dynamisch. Es gibt
in diesen Ausstellungen keine gekuenstelte Pracht, sie sind
ebenso realistisch wie erzieherisch, weil sie nur von gewerkschaftlich organisierten Arbeitern und gerechten Unternehmern
organisiert sind. Die Ausstellungen hinterlassen bei den "Besuchern einen nachhaltigen Eindruck, weil sie eindringlich zeigen, wie gelernte Handwerker der AFL zahlreiche bekannte amerikanische Erzeugnisse herstellen oder bestimmte Dienstleistungen
verrichten.
Funktionaere des Referats fuer gewerkschaftliche Warenzeichen sind ueberzeugt, dass die "Gewerkschaftliche Industrieausstellung", die jetzt stattfindet, die groesste ihrer Art
sein wird. Mit ueber 50,000 qm Ausstellungsgelaende wird sie
jede Ausstellung dieser Art uebertreffen, die je in Amerika
gezeigt wurde.
Im vorigen &lt;Tahr sind die Menschenmassen, die sich in Philadelphia in die riesige Kongresshalle begeben haben, von der
Vielseitigkeit und der Menge der ausgestellten Waren stark beeindruckt gewesen.
Mit den gewerkschaftlichen Industrieausstellungen wurde
vor dem 2. V/eltkrieg begonnen. Die erste fand im Jahre 1938
statt. 1946 wurde die zweite Ausstellung in Sant Louis gezeigt. Es folgten Ausstellungen in Milwaukee und Cleveland.
Jede einzelne bedeutete einen sensationellen Erfolg. Die Zahl
der Besucher war fuer die verschiedenen Ausstellungsraeume,
in denen die gewerkschaftlich hergestellten Waren zur Schau
gestellt wurden, rekordbrechend.
Die gewerkschaftliche Industrieausstellung ist keine Methode der Geldmacherei. Sie kostet im Gegenteil die AFL und
ihre angeschlossenen Gewerkschaften Hunderttausende von Dollar.
Die Gewerkschaften geben dieses Geld.jedoch gern aus, weil
sie wissen, dass dies eine gute Investierung ist. Sie helfen
sich damit, indem sie den gerechten Unternehmer unterstuetzen,
der nur Gewerkschaftsmitglieder beschaeftigt, im Vergleich zu
dem, der ungerecht ist. Wenn die AFL einem gerechten Unternehmer hilft, hilft sie damit auch ihren Mitgliedern.
7 -

�Auf der jetzigen Ausstellung wird es zahllose Ausstellunrsstaende geben, in denen die beruflichen Faehigkeiten und Erzeugnisse der amerikanischen Arbeiterschaft der Oeffentlichkeit
gezeigt werden - vom Reisszwecken bis zum kostbarsten Porzellan,
aber auch Zigarren, Tabak, Bekleidung, Moebel, Rundfunkgeraete
und aehnliches.
Der Gewerkschaftsrat des Baugewerbes von Chicago hat die
gesamte Ostseite der Ausstellungshalle fuer Ausstellungsgegenstaende der Berufe der Maurer, Klempner, Zimmerleute, Elektriker und Maler reserviert. Ein anderer grosser Teil des Ausstellungsgelaendes steht den Waeschereiarbeitern zur Verfuegung.
Die Baecker werden mit allen Arten von Torten und Gebaeck der
Oeffsntlichkeit von ihrer Arbeit berichten. Auch die Gewerkschaften der Dienstleistungsgevorbe, wie die der Fahrer, der
Hausbediensteten und aehnli.cher Berufe werden vertreten sein.
Das Verteidigungsministerium wird in Zusammenarbeit mit
der Armee, der Marine und der Luftwaffe den Besuchern der Ausstellung eine Moeglichkeit geben, die neuesten und besten militaerischen Ausruestungsgegenstaende Amerikas zu besichtigen.
Die Ausstellungen der Armee, der Marine und der Luftwaffe, die
im Jahre 1951 gezeigt werden, zeigen im Gegensatz zu frueheren
militaerischen Ausstellungen die umfassende: Taetigkeit der Gewerkschaften und Unternehmer im Rahmen der nationalen Verteidirunsbemuehungen und die Anwendung der modernen Wissenschaft auf
militaerische.ni Gebiet.
Um eine vollendete Arbeit zu leisten, muessen sowohl Maenner als auch Frauen sich der Bedeutung des gewerkschaftlichen
Warenzeichens bewusst werden und fuer die Sache der Gewerkschaften gewonnen werden. Das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen der AFL ist stolz darauf, jene Idee vorbereitet und gefoerdert zu haben, die sich heute als eine der lebenswichtigen
wirtschaftlichen Kraefte in Amerika erweist. Auf einem Kongress
der AFL hatte das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen
die Resolution eingebracht, die die Gruendung der amerikanischen
Frauenvereinigung bedeutete. In ihr wurde der Zusammenschluss
aller loyalen und aktiven Frauen in die Familie der Gewerkschaften gefoerdert, die eine aggressive Armee von Verbrauchern darstellen sollen und das Geld der Lohn- und Gehalt3empfaenger nur
fuer "aren und Dienstleistungen ausgeben, die von gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern hergestellt bezw. geleistet
werden.
-Jetzt scaliessen sich neue Frauenorganisationen dieser Frauenvereiniging der A F L an. Die Frauen erfuellen damit eine ihrer
vornehmsten Pflichten, indem sie als K&amp;euferinnen der meisten
Lebensr.otwendigkeiten' fuer den Durchschnittshaushalt nicht versaeumen, nach dem gewerkschaftlichan Warenzeichen, dem gewerkschaftlichen Betriebsausweis und der Gewerkschaftsnadel zu fragen.
Das Referat fuer gewerkschaftliche "arenzeichen erkennt mit
Dankbarkeit die grosszuegige Unterstuetzung und die freundschaftliche Zusammenarbeit an, die ihm von Seiten des Vorsitzenden
der A F L , William Green, des Hauntkassierer3 George I'eany und
allen Funktionaeren der anderen Referate der AFL, der nationalen
und allamerikanischen Gewerkschaften, der bundesstaatlichen Gewerkichaftsvorstaende, der zentralen Gewerkschaftsorganisationen
und der Ortsgewerkschaften zuteil wird.
Das Referat ist darueber hinaus den Herausgebern der offiziellen Gewerkschaft?organe, der woechentlichen Gewerkset.aftszei- 8-

�tungen und anderen Gewerkschfaftaveroeffentlichungen dankbar,
die in grosszueaiper Weise zu jeder Zeit R&amp;um fuer Werbezwecke
zur Verfuerunp- gestellt haben.
Das umfassende Programm des Referats fuer gewerkschaftliche Warenzeichen ist dazu bestimmt, die
Oeffentlichkeit ueber
die Bedeutung des gewerkschaftlichen :'.'arenzeichens, des gewerkschaftlichen Betriebs und der Gewerkschaftsnadel zu unterrichten, sie ueber die "rohleme der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufzuklaeren und die Faufkraft der amerikanischen Arbeiter zu steigern, was fuer diese eine proess^re
wirtschaftliche Sicherheit bedeutet. Mit diesem Prorramm soll
au-serdem die Nachfrage nach V.aren, die von Gewerkschaftern
hergestellt sind, gesteigert und allen amerikanischen Arbeitern
ihr Arbeitsplatz bei anstaendigen Loehnen gesichert werden.
Das Plauptziel dieses Referates liegt damit darin, alle
Erfolge, die sich die AFL im Verlaufe der letzten 70 Jahre in
Zusammenarbeit mit der Oeffentlichkeit gesichert hat, mit allen
Buergern zu teilen.
Um dieses Programm wirksam werden zu lassen, ist es notwendig, dass alle Gewerkschaftsmitglieder, ihre Familienangehoerigen und ihre Freunde staendig nur Waren und Dienstleistungen verlangen, die das gewerkschaftliche Warenzeichen tragen.
Das Referat ist fuer die wertvolle Mitarbeit der Funktionaere aller LÜtglied'sorganisationen der AFL dankbar, es weiss
,1'edoch, dass die Mitglieder selbst noch viel mehr fuer die
gemeinsame Sache tun koennten. Alle menschen, die gewerkscnaftlich organisiert sind, muessen eine umfassende universelle
Kampagne zur Foerderung dieser grossen Sache starten, die fuer
die Gewerkschaften und alle Amerikaner so viel bedeutet.
Das Referat bittet deshalb jedes Mitglied der Gewerkschaften, mitzuhelfen, die Botschaft der Bewegung der Oeffentlichkeit zu uebermitteln, um auf diese Weise ihr Verstaendnis und
ihr Wohlwollen zu gewinnen.
The American Federationist

5/51

US-Staotssekretaer fuei1 Arbeit Philio M. Kaiser:
Dri ARBEITERSCHAFT MtftS AU WIRTSCHAFTLICHEN AUFSTIEG TEILHABE
Alle Programme, die mithelfen, die industrielle Produktion
in den freien Gebieten &amp;er Welt zu steigern, koennen ohne die
aktive Unter«uuatzung durch die Arbeiter nicht erfolgreich verlaufen, erklaerte der stellvertretende .nrbeitsmirii-ter der Vereinigten. Staaten, Philip I". Kaiser, dieserTaga in Pbrl?.
Diese Programme, so sagte er, koennen keinen Lrfolr htben,
wenn die Gewinne aus der gesteigerten Arbeitsleistung der betriebe nicht in Form von hoeheren Mnko.rimen fuer die Arbeiter ^elb-t
in die 'Virtschaft wieder zurueckceleitet werden.
In einer Rede vor dem Anerikani ~chen Club in Paria wie-, der
stellvertretende Arb^itsmini-ter darauf hin, dass die Vereinigten Staaten das Bestreben haben, den freien Nationen zu helfen,
Jenen Zustand wirtschaftlicher, politischer und sozialer Stabilitaet zu erreicnen, der eine Gewaehr dafuer bietet, dass sie
nicht dem kommunistischen Kerrschaftsansnruch zum Oofer fallen.
Um .jedoch eine ausgeglichene Entwicklung gewährleisten zu koen- 9-

�nen, die den Grundstein fuer den dauernden Fortschritt in diesen Laendern bildet, muss die Arbeiterschaft an den Gewinnen,
die durch ihre Arbeit erzielt werden, voll beteiligt werden.
Kaiser, der fuer internationale Arbeitsangelegenheiten im
amerikanischen Arbeitsministerium zustaendig ist, brachte seine
Anerkennung fuer die Arbeit der freien Gewerkschaften auf der
ganzen 7/elt zum Ausdruck. Er fuehrte einen Bericht an, der vor
kurzem von Vorsitzenden des Beratungskomitees fuer Fragen der
internationalen Entwicklung veroeffentlicht wurde, und in dem
es heisst:
"Die fraien Gewerkschaften in den unterentwickelten Gebieten haben in ihrem Kampf gegen kommunistische und faschistische
Infiltration lobenswerte Leistungen vollbracht und gleichzeitig danach gestrebt, das wirtschaftliche Los ihrer Mitglieder
zu verbessern. Hierbei sind sie von den amerikanischen Gewerkschaften mit Ratschlaegen und Geldmitteln unterstuetzt worden."
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung," fuhr Kaiser
fort, Tiat eine grossartige Leistung vollbracht, indem sie den
freien Gewerkschaftsbewegungen anderer Laender eine helfende
Hand geboten hat. Sie hat dies freiwillig und aus eigener Initiative ge.tan - unabhaengig von der Regierung der Vereinigten
Staaten."
"Die Bestrebungen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung,
die auf eine aufrichtige Unt,erstuetzung und eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitern in den demokratischen Laendern der Welt
gerichtet sind, gehoeren zu der neuen Auffassung der amerikanischen Regierung uebe.r eine wirkliche Diplomatie. Unter diesen
Begriff fallen .heute die Beziehungen zwischen der eigenen Bevoelkerung und den Menschen anderer Laender zwischen den eigenen
Organisationen und Einrichtungen mit aehnlichen im Ausland.
Diese Auffassung ist von der Diplomatie der Vergangenheit so verschieden wie die Atombombe von der wirksamsten Waffe, die man
im Jahre 1941 gekannt hat."
"Die Aussenpolitik der Vereinigten Staaten," bemerkte abschliessend Kaiser, "ist eine Politik der gegenseitigen Unterstuetzung, die sich auf gemeinsame Interessen gruendet. Es ist
der einzige Weg zur Sicherung der gemeinsamen Freiheit und zur
Errichtung eines dauerhaften Friedens in Freiheit."
Labor Press Service
VI/11/51
WESTEUROPA NACH DREI MARSHALLPLAN-JAHREN
Fuer das gestaerkte Westeuropa beginnt das vierte Jahr des
Marshall-Plans. Durch die Erweiterung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion und die Wiederbelebung des Handels
sind Erfolge erzielt worden, die eine starke Grundlage fuer den
Aufbau eines widerstandsfaehigen westlichen Verteidierungssystens
bilden.
Berichte an den Sonderbotschafter der Vereinigten Staaten
in Europa, Milton Katz, von den Missionen der verschiedenen europaeischen Laender zeigen nach dem dreijaehrigen Bestehen des
Marshall-Plans eine allgemeine Wiederherstellung der wirtschaftlichen Staerke, eine Ausdehnung der Grundstoff- und strategischen
Industrie und eine Abnahme des kommunistischen Einflusses. Diese
- 10 -

�Faktoren haben .33 den am europaeischun .Viederaufbauprorramm
beteiligten Leond*rn sraoerlicht, mit Zuversicht an den Aufbau
eines vereinten Verteidigungssystems zu gehen, dar zugleich
fr.^on jegliche Bedrohung von aussen einen wirksamen Sshutz
sribt.
Einer der groessten Fortschritte im Marshall-Plan-Brogratara
ist das üb kämmen,, wonach die direkte I.tershall-Plari-Unterstu.itzung
fu;r Gross-Britannien ab 1. Januar 19öl eingestellt wird, weil
in» diesem Land die gestockten ERP-Ziele erreicht worden sind.
Englands wirtschaftliche Staerke, die mit der i'arshall-PlanHilfe wieder hergestellt wurde, wird es diesem Land ermoeglichan,
ein umfassendes Verteidigungs Programm zu starten. Die Rohstoffe,
die im Rahmen dieses Programms nach England exportiert werden,
bilden die Grundpfeiler seiner Industrie.
Auch die wirtschaftliche Staerke Norwegens hat in den
letzten drei Jahren staendig zugenommen. Diese t'ation befindet
sich jetzt in einem ausgezeichneten Zustand politischer Gesundheit und demokratischer Einheit. Die Norweger sind fest entschlossen, ihr Land gegen eine kommunistische Aggression zu
verteidigen. Obwohl Korwegen eine Bevoelkerungsziffer von nur
wenig mehr als drei Millionen hat, ist eine Handelsflotte aufgebaut worden, die die drittgroesste der '.Veit ist; die Zahl der
Schiffe ni mt staendig. zu. Das Land hat seine Aufwendungen
fuer Verteidigungszwecke verdoppelt, seine Streitkraefte um
etwa 30 Prozent erhoeht und rund 33 Prozent der Erwerbsbevoelkerung fuer die Ruestungsindustrie freigemacht. Die Staerke der
kommunistischen Partei ist im Verlauf des Jahres 1949 dermassen
zurueckgegangen, dass die Kommunisten auch noch die elf Mandate
verloren, die sie im norwegischen Parlament, das 150 Mitglieder
zaehlt, innehatten.
Frankreichs beachtliche wirtschaftliche Rehabilitierung,
die durch den r.'arshall-Plan gefoerdert wurde, hat ein Industriepotential geschaffen, das es dem Land ermoeglicht, seinen vollen Beitrag zur Verteidipung Westeuropas zu leisten. I.'it seinen
Grundstoffindustrien, die alle Zeichen der Lelensfaehigkeit tragen, ist Frankreich fest entschlossen, seine Verpflichtungen,
die ihm der Nor.datlantikpakt auferlegt, zu erfuellen. T'an rechnet mit Bestimmtheit auf eine Erweiterung der Produktion, die
von Massnahmen zur Kontrolle der Inflation und zur gerechten
Verteilung knapner Rohstoffe begleitet ist, um sowohl die nationale Verteidigung als auch eine Verbesserung des Lebensstandards
des franzoesischen Volkes garantieren zu koennen.
In Italien war das vergangene Jahr das beste der drei
J'arshall-Plan-Jahre, in dem sowohl an der wirtschaftlichen als
auch an der sozialen Front sichtbare Fortschritte erzielt werden konnten, ^ine der wichtigsten Ursachen fuer die zunehmende
wirtschaftliche und politische Staerke Italiens war die immer
groesser werdende Unsicherheit in der Laltung des Kreml gegenueber seinen kommunistischen Marionetten in Italien und die
entschlossene Haltung, mit der die italiniesche Regierung Vortraege und Verpflichtungen mit dem Westen eigegangen ist. Sie ist
am V/iederaufi'uestungsprogramm und den Bestrebungen zur europaeischen Vereinigung beteiligt. Auf internationalem Gebiet war
Italien eines der Laender, das am tatkraeftigsten zur Zusammenarbeit beitrug.. Es war die erste Kation, die offiziell den
Schumanolan gebilligt hat. Als General Sisenhöwer nach Kaennern
fuer die Verteidigung Westeuropas fragte, antwortete Italien als
eines der ersten Laender mit dem Versprechen, drei Divisionen
zu stellen.
- 11 -

�Weil sich die Sowjetunion einem Friedensvertrag mit
Oesterreich widersetzt, war dieses L^nd nicht in der Lape, im
gemeinsamen Sicherheitsprogramm'Westeuropas bisher eine Rolle
zu spielen. Es hat sich jedoch glaenzend bewaehrt, indem es
den sowjetischen Satelliten gezeigt hat, wie eine kleine Nation von 6 1/2 Millionen Menschen der kommunistischen Gefahr
mit Zuversicht widerstehen kann, eine Zuversicht,- die ihm durch
die dreijaehrige amerikanische Hilfe zur Erhaltung der Demokratie und einer lebensfaehigen Wirtschaft gegeben wurde. Obwohl es von drei Seiten von kommunistischen Nationen umgeben
ist, sind weniger als fuenf Prozent aller wahlberechtigten
Oesterreicher Kommunisten.
Trotz der Schwierigkeiten, der eine Stadt gegenuebersteht, die durch den Eisernen Vorhang von ihrem Hinterland
abgeschnitten ist, hat Triest in den drei Marshall-Plan-Jahren
grosse Fortschritte auf dem Weg zum Wiederaufbau erzielt. Durch
den Bau von Handelsschiffen und als wichtigster Hafen fuer die
oesterreichischen Importe, die sich zum grossen Teil aus Marshall-Plan- V/aren zusammensetzen, traegt sie zur wirtschaftlichen Staerkung 'Westeuropas bei.
Daenemark, das keine anderen Reichtuemer als seinen eigenen Grund und Boden und die Tuechtigkeit seiner 4 1/4 Millionen Menschen besitzt, hat in der Nachkriegszeit einen Hoechststand an nationalem Wohlstand erreicht. Am Zugang zur Ostsee gelegen ist Daenemark eines der strategisch wichtigsten
Laender Europas. Trotz seiner.langen traditionellen Keutralitaet hat es sich der Gemeinschaft der ^tlantikpakt-Staaten
angeschlossen. Seine Ausgaben fuer militaerische Zwecke werden
im Haushaltsjahr 1951/52 ein Viertel des Gesamtbudgets Daenemarks ausmachen. Die militaerischen Streitkraefte sollen wesentlich ver^roessert werden. Das ECA-Programm hat mitgeholfen, durch die Unterstuetzung beim wirtschaftlichen Wiederaufbau den Grundstein fuer Daenemarks Verteidigungssystem und
eine stabile Wirtschaft zu legen. Ein kommunistischer Einfluss
besteht praktisch ueberhaupt nicht. Die fuer die Kommunisten
abgegebenen Stimmen sind von 141.094 im Jahre 1947 auf 94.523
im Jahre 1950 zurueckgegangen, die Mitgliedsstaerke der kommunistischen Partei wird z.Zt. auf 22.500 geschaetzt, was eine
Abnahme um 63 Prozent seit 1946 bedeutet.
Schweden hat angesichts des Ost-West-Kampfes seine traditionelle Neutralitaet gewahrt. Seine Staerke traegt jedoch
zur Staerke der westlichen Welt bei. Schwedische Kredite und
schwedische Erzeugnisse sind im Rahmen der gemeinsamen Selbsthilfebemuehungen Westeuropas anderen N.arshall-Plan-La endern
zugeflossen. Seine ausgedehnten Reserven an Bauholz tragen
dazu bei, einen der kritischsten Maengel in Westeuropa zu beheben.
Das kleine Island hilft mit, die lebenswichtigen Zugaenge
zum Nordatlantik zu bewachen. In drei Jahren der I.IarshallPlan-Hilfe konnte Island seine Fischereiindustrie modernisieren, die die Grundlage der islaendisc/ien Wirtschaft bildet;
ebenso konnte es sein Wirtschaftssystem durch den Bau von
Wasserkraftwerken vervollstaendigen, die es ihm ermoeglichen,
seine wichtige Aufgabe in der westlichen Verteidigung zu erfuellen.
Auch Westdeutschland, das von den Vereinigten Staaten weitgehend unterstuetzt wird, ist bereit, die Bemuehungen der westlichen Welt zur Erhaltung des Friedens und der Freiheit zu unter- 12 -

�stuetzen. Die industrielle Produktion im April 1948 betrug nur
die Haelfte der Produktion von 1936. In den drei darauffolgenden Jahren ist die Industrieproduktion Westdeutschlands jedoch
auf ueber 125 Prozent des Wertes von 1936 gestiegen. Das Beispiel des Sklavenstaates Ostdeutschland macht es den Westdeutschen klar, was in diesem heutigen Kampf fuer sie auf dem
Spiel steht.
Mit der Verbesserung der Wirtschaftslage in Belgien konnte dieses Land durch die Erweiterung seiner Kredite fuer seine
westeuropaeischen ^achbarn zur staendigeri Staerkung Europas
beitragen. Dies geschieht auf dem Weg ueber die Europaeische
Zahlungsunion, die eine Errungenschaft des europaeischen Wiederaufbauprogramms darstellt. Die Marshall-Plan-Eilfe hat es
Belgien ausserdem ermoeglicht, sein Investierungsprogramm fuer
die Ruestung zu beschleunigen, seine Produktion zu steigern
und der Arbeitslosigkeit wirksam zu begegnen. Belgien hat
sein Ruestungsbudget um 75 Prozent erweitert. Die erhoehte
Produktion strategisch wichtiger Rohstoffe in Belgisch-Kongo
ist ein weiterer Beitrag Belgiens zu den Verteidigungsbemuehun?en.
Auch in Holland ist der wirtschaftliche Wiederaufbau weit
vorangetrieben worden. Aber wie fuer viele andere europaeische
Laender, in denen Mangel an Materialien herrscht, haben sich
auch fuer Kolland auf Grund der Preissteigerungen Schwierigkeiten ergeben. Trotzdem verdoppeln die Hollaender ihr Budget
fuer die Verteidigung, um ihren Verpflichtungen im Rahmen des
Atlantikpaktss nachzukommen. In Holland werden Waffen fuer
die Verteidigung der freien Welt, wie z.B. Jagdflugzeuge und.
Glyzerin fuer Sprengstoffe hergestellt. Der Kommunismus stellt
in Holland nur ein unbedeutendes Problem dar, weil die Zuversicht des hollaendischen Volkes durch die Gewissheit gestaerkt
wird, dass eine Aggression aufgehalten werden kann»
Portugal berichtet, dass seine wirtschaftliche Lage weit
guenstiger als zu jener Zelt ist, in der der Marshall-Plan
noch nicht bestand. Geine neuen Verpflichtungen, die ihn der
Mordatlantikpakt auferlegt, koennen ein^enalten werden. Portugals strategische Bedeutung fuer die Verteidigung des Westens
besteht in den Azoren, seinem grossen Hafen Lissabon und den
Kaefen in seinen Kolonien an den Ost- und Westkuesten Afrikas.
Was strategisch wichtige Rohstoffe betrifft, so macht sich
Portugal durch die Lieferung kleiner Mengen von Beryllium
nuetzlich. uin Produktionskredit ist von der 3CA fuer den
Abbau von Wolfranerzen zur Verfuegung gestellt worden. Er
wird durch Wolframlieferungen zurueckgezahlt, das das Ausgangsprodukt fuer das strategisch wichtige Tungsten ist.
Griechenland, dessen Unabhaengigkeit durch kommunistische
Kinfluesse von aussen und durch den Guerillakrieg der Kommunisten bedroht war, konnte in den letzten Jahren grosse wirtschaftliche £,rfolfi erzielen. Industrie, Vermittluncswesen,
Transport, Handel und Landwirtschaft sind nach neun Priegund Besatzungsjähren wiederaufgerichtet worden. Griechenland
traer-t nun durch strategisch wichtige Materialien zur Verteidigung Westeuropas bei. Grosss Vorraete an Braunkohle und Eisenerzen - zweitausend Jahre alte Blei- und Zinkbergwerke werden neu erschlossen - helfen mit, den Vorrat -ier westeuropaeischen Nationen an strategisch wichtigen Metallen zu vergroessern.
An der oestlichsten Grenze des Wirkungsbereichs des Europaeischen Wieäeraufbaupropramms war es das Hauptziel des Mar- 13 -

�shall-Plans, es der Tuerkei, die dem russischen Imperialismus
lange Zeit sehr nahe stand, zu ernoeglichen, ihr umfassendes
Verteidigungsprogramm durchzufuehren, ohne dabei die zivile
'/Wirtschaft zu schaedigen. Fast 40% des Budgets der Tuerkei
sind fuer Verteidirungszwecke bestimmt. Der Beitrag dieses
Landes ist damit im Vergleich zu seiner Groesse einer der
groessten. Hier ist keine Werbekampagne erforderlich, um die
Morel des tuerkischen Volkes zu staerken. Die Tuerkei ist
bereit und entschlossen, den Kommunismus zu bekaempfen. Der
Kampfgeist tuerkischer Soldaten hat auf den Schlachtfeldern
in Korea seine Probe bestanden. In den letzten Monaten sind
Karshall-Plan-Mittel zur Verbesserung des Strassensystems, zur
Finanzierung der Modernisierung und Erweiterung der Kohlenbergwerke, fuer Kredite an die Landwirtschaft und zur Foerderung
eines umfassenden Prograiims der industriellen Entwicklung verwendet worden.
ECA Labor Information
17/51
AFRIKANISCHER EXPERTE AEUS5ERT SICH ZU PRODUKT IV ITAETSPROBLEM-aK
Einer der bedeutsamsten Faktoren bei der Steigerung der
amerikanischen Produktionsleistung ist die kooperative Haltung
der organisierten Gewerkschaftsbewegung.
Diese Auffassung brachte James LI. Silberman, ein Produktivitaetsexperte im amerikanischen Arbeitsministerium, vor.der
5. Internationalen Konferenz fuer soziale Probleme der Arbeiter
zum Ausdruck, die im Juni in der Abtei Royaumont in der Taehe
von Paris abgehalten wurde.
Zu dieser Konferenz finden sich alljaehrlich Gewerkschaftsfunktionaere, Volkswirtschafter, Industrielle, Professoren, Regierungsvertreter und technische Experten aus den Vereinigten
Staaten und Europa ein. Koeglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Gewerkschaften, die zu einer
Steigerung der Produktionsleistung und einer schnellstmoeglichen Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter fuehren koennen, werden hier ausfuehrlich in Erw&amp;egung gezogen.
Silberman erklaerte ganz offen, dass die amerikanischen
Gewerkschaften eine hoehere Produktionsleistung nicht nur um
ihrer selbst willen, sondern auch als eines Mittels" befuerworten, das die Srhoehung des Lebensstandards des Volkes ermoeglicht. Der amerikanische Gewerkschaftsbund AFL hat nachweislich seit 1896 eine hoehere Produktionsleistung in der Industrie bef uerwortet.
Die Sprecher des amerikanischen Arbeitsministeriums nannten sechs Faktoren, die in der historischen Entwicklung des
Produktivitaetsproblems in Amerika eine wesentliche Rolle gespielt haben:
1.

Die bedeutende Rolle des Einzelmenschen in der amerikanischen Gesellschaftsordnung seit der Zeit der kolonialen Periode;

2.

Die Foerderung der industriellen Forschung;

3.

Die Notwendigkeit eines Massenabsatzmarktes von der
fruehesten Zeit an;
- 14 -

�4.

Das Vorhandensein von Kapital;

5.

Die fruehe Erkenntnis von der Bedeutung einer guten
Geschaeftsfuehrung und guter Fachkenntnisse;

6.

Die Bedeutung der Gruppenforschung.

Silberman ist der Auffassung, da3S alle diese Faktoren
auf dem Prinzip der Freiheit des Einzelmenschen beruhen. Aus
dieser Freiheit ergibt sich die Anerkennung der Menschenwuerde,
der persoenlichen Sicherheit und der persoenlichen Verantwortung. In einer Gemeinschaft freier Menschen wuerden andere
Entwicklungen eine natuerliche Folgeerscheinung darstellen,
wenn sie nicht durch aussenstehende Kraefte behindert wuerden.
"Ich meine damit, dass freie Menschen versuchen werden,
ihre Lebensbedingungen zu verbessern und dass sie damit Erfolg
haben werden, wenn man sie nicht mit Gewalt daran hindert.
Eines „dieser Mittel, die zum Erfolg fuehren, ist die Verbesserung der Produktionsleistung. Die iVahrheit dieser Behauptung
ist im Verlauf der letzten 150 Jahre durch die Entwicklung in
den Vereinigten Staaten praktisch bewiesen worden."
Der Sprecher hob besonders hervor, dass dieser Erfolg in
den Vereinigten Staaten fast ausschliesslich von Maennern und
Frauen europaeischer Herkunft, mit anderen Worten von Emigranten erzielt worden sei.
Silberman nahm zu jedem dieser sechs Punkte Stellung und
zeigte auf, in welcher Weise sie'die Steigerung der amerikanischen Produktivitaet beeinflusst haben.
Er betonte besonders den Gedanken des Massenabsatzmarktes, d.h. das Bestreben amerikanischer Geschaeftsleute, zu
niedrigen Preisen an alle und nicht zu hohen Preisen an nur
wenige zu verkaufen. Diese Richtlinie ist in der Entwicklung
der genormten, auf weite Sicnt geplanten Produktion hoechst
bedeutsam gewesen.
"Dieses System,"so schloss Silberman, "hat fuer die amerikanischen Arbeiter einen hohen Lebensstandard zur Folge gehabt, weil es ihnen durch ihre Beteiligung an den aus der
hoeheren Produktionsleistung entstehenden Gewinnen moeglich
ist, jene Waren zu kaufen, die sie selbst herstellen."
Abschliessend wies der Sprecher darauf hin, dass-wir
bei der Arbeit zur Verbesserung der Produktionsleistung unsere
ureigenste Aufgabe, naemlich die Verwirklichung des menschlichen Fortschritts, in hohem Masse erfuellen»
EGA Labor Information
VI/8/51
JAHRESKONFERENZ DER IAO OHNE RUSSLAND
Die Sowjetunion weigert sich,
organisation beizutreten, die ihre
in Genf eroeffnet hat. Sowohl 6er
andere Mite-liedsorganisationen- des
chungen teil.

der Internationalen ArbeitsJahreskonferenz am 6. Juni
HFL und die CIO als auch
IBFG nehmen an den Bespre-

- 15 -

�George Meany, der Bauptkassierer der AFL, wies darauf hin,
dass die Internationale Arbeitsorganisation bestehen blieb,
waehrend ihre Elternorganisation, der Voelkerbund, nicht mehr
bestuende. Als Gruende hierfuer nannte er folgende:
"Die Internationale Arbeitsorganisation verfolgt ein gu•tes Ziel, ein menschliches Ziel und kuemmerte sich nicht um
Gebietswerbungen, um die !'achtkaempfe zwischen einzelnen Laendern oder imperialistische Ambitionen. Die Internationale Arbeitsorganisation blieb bestehen, weil sie sich mit der einfachen Philosophie der Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter der Welt beschaefti-gte, der Verkuerzung ihrer Arbeitszeit,
der Vergroesserung ihres Einkommens und der Reform ihrer Arbeitsbedingungen. Beute ist die Internationale Arbeitsorganisation einflussreicher als je zuvor."
Inzwischen hat die IAO, gerade als ob sie diese Worte
Meanys bestaetigen wollte, eine Veroeffentlichung herausgegeben, in der gezeigt wird, dass die Mitarbeit der Arbeitnehmer
bei der Einfuehrung von Leistungs- und Praemienloehnen zur
Steigerung der Produktion von entscheidender Bedeutung ist.
Der Bericht, der von einem Expertengremium ausgearbeitet ist,
bringt zum Ausdruck, dass ein allgemeiner Wohlstand nur dann
erreicht werden kann, wenn Leistungslohnsysteme in einer Atmosphaere guter Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern angewendet werden. Die Gruppe schlaegt vor, derartige Systeme soweit wie moeglich zum Gegenstand von Tarifverhandlungen zu machen.
In dem Bericht der IAO wird darauf hingewiesen, dass es
oft zu Streitigkeiten und Unzufriedenheiten unter den Arbeitern
gekommen ist, wenn Leistungslohnsysteme allein zu dem Zweck
eingefuehrt wurden, die Gestehungskosten .zu reduzieren, und
wenn diese Lohnsysteme ohne Zustimmung der /Arbeiter abgeschlossen
wurden. Derartige Systeme sind in allen von Stalin kontrollierten Gebieten gesetzlich angeordnet. Die IAO kommt zu der
Schlussfolgerung, dass jedes Leisturgslohnsystem eine endgueltiece Srhoehunp des Durchschnittseinkommens der betreffenden Arbeiter zur Folge haben muss, andernfalls waere es auch fuer die
Arbeitgeber unbefriedigend und wuerde von den Arbeitern abgelohnt.
Der Vertreter der AFL auf der Konferenz in Genf Ist der
Regional Organisator William Gollins, waehrend Jacob Po'tofsky,
der Vorsitzende der Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft, den CIO
vertritt.
Protfrara Services Section
71/6/51

- IG -

BICOC 2B Jun 51 18)28 5 M 5i C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dien- n
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
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^^^^^

IV - . 2 6

Frankfurt,

I K H A L T S V O

K a r l I.'arx und umerika

n i

2 9 . J u n i 1951

CHK I Ü

- - - - - - - - - - - -

1

Verschiebungen der liinkommenverteilung i n den
U.3.A.

9

Schiedssprechung und Schlichtung in Sowjetrussland - - - - - - - - - - - - - - - - -

9

Das betriebstechnische iiufgabengebiet der USGewerkschaften - - - - - - - - - - - - - -

li

Unzufriedene tschechische Arbeiter muessen fuer
Russlands Kriegsmaschinerie arbeiten - - - 15
IBFG erhaelt Hilfsmittel fuer unterentwickelte
Laender - - - - - - - - - - - - - - - - - -

KÜRL

16

VARX UTD AFRIKA

V/as den auslaendischen Beobachter in ^merika am meisten
in Erstaunen versetzt, ist die staendige irhoehung des Lebensstandards der lassen. In den Vereinigten Staaten leben jedoch
nicht alle Menschen gleicheren* ssen gut. Nicht alle sind vor
Arbeitslosigkeit, Absatzschwierigkeiten und den anderen Folgeerscheinungen wirtschaftlicher Depressionen geschuetzt. Trotzdem ist im Gegensatz zu den Prophezeiungen Karl !.:arx* die ununterbrochene ^rhoehung des Lebensstandards ein allgemeiner
und ist seit 50 Jahren immer staerker von wirtschaftlicher und
sozialer Sicherheit fuer jeden begleitet.
Georges-Henri !.'artin, der Korrespondent der franzoesischeh
Zeitung "Franoe-Soir" in Neu York ist wie viele andere von dieser Tatsache hoechst beeindruckt, ^r hat sich darueber mit
ndolf Serie unterhalten, einem Amerikaner, der in diesen Fragen
- 1-

�sehr genau Bescheid weiss. Adolf Berle hat seine akademische
Laufbahn aufgegeben, um einer der vertrauten Berater Roosevelts zu werden. Mehrere Jahre hindurch hat er jener kleinen
Gruppe von Maennerh angehoert, die man den "Gehirntrust" des
Nev/Deal nennt. Nachdem er die Finanzen der Stadt New York
einige Zeit verwaltet hat, ist er Unterstaatssekretaer fuer
auswaertige Angelegenheiten und spaeterhin Gesandter fuer Brasilien geworden. Augenblicklich fuehrt er eine bedeutende
Rechtsanwaltpraxis, zu deren Kunden sowohl kapitalistische Unternehmer als auch Gewerkschaften gehoeren. ".Vir geben nachstehend den Standpunkt Adolf Berles wieder, wie er ihn vor dem
franzoesischen «Journalisten dargelegt hat:
Georges-Henri Martin: Amerika ist das Land der Statistik.
Seitdem ich hier hin, studiere ich fortwaehrend die unzaehligen Diagramme und Skalenschwankungen, mit denen man in jedem
Augenblick den Zustand dieses jungen Riesen, der sich in staendigem Wachstum befindet, uebersehen kann.
Diese Statistiken stroemen ein Klima des Optimismus aus,
das ausserordentlich beachtlich ist. Wenn man den Fachleuten
Glauben schenken kann, leben die Menschen hier von Jahr zu
Jahr besser und bequemer und arbeiten dabei weniger.
_ Wenn aber diese Statistiken richtig sind, so haette Karl
Marx unrecht und mit ihm alle Marxisten.
Haben sich Karl Marx und die Marxisten nun in ihren Voraussagen getaeuscht? Und wenn ja, warum? Doch um eine Frage
vorwegzunehmen, wie ist Karl Marx und seine Lehre mit Amerika
in Zusammenhang zu bringen?
Adolf Berle: Waehrend eines Teils des 19. Jahrhunderts sind
die Vereinigten Staaten mehr als jedes andere Land von Karl
Marx und seiner Lehre beeinflusst gewesen. Marx ist in London
Korrespondent jener Zeitung geworden, die als "New York Kerald
Tribüne" in der ganzen Welt bekannt ist. Er hat sich durch
diese Berichterstattung seinen Lebensunterhalt verdient, und
damit ist ihm auch eine Tuer nach Amerika geoeffnet worden,
durch die er die Ideenwelt dieses Landes beeinflusst hat. Die
Zeit hierfuer ist umso guenstiger gewesen, als Marx in einer
Epoche gelebt hat, in der sich zahllose Maenner nach Amerika
begaben, weil sie wegen ihrer linksgerichteten politischen Einstellung von den damaligen konservativen Regierungen Europas
vertrieben sind.
Martin: Hat man damals diese Ideen Karl Marx' fuer Amerika
anwendbar gehalten?
Berle: Denken Sie daran, dass Marx seine Lehre auf Beobachtungen in England gestuetzt hat. Sein Lehrsatz besagt letzten
Endes, dass es nicht genug Waren gibt, um die Beduerfnisse
aller Menschen befriedigen zu koennen, und dass es in einem
kapitalistischen Regime niemals moeglich sein wird, alle
Klassen der Bevoelkerung zufriedenzustellen, weil die kapitalistischen Unternehmen ein Interesse daran haben, die Produktion zu beschraenken - ich betone zu beschraenken - um sich
groessere Gewinne zu sichern.
Martin: Sie wollen damit doch nicht etwa sagen, dass Amerika
kein Land der grossen Gewinne ist?
- 2 -

�Berle: Natuerliofa nicht. '.Vir sind hier noch immer ein Land
der hohen Gewinne, aber das ist nicht der Punkt, der uns im
wesentlichen von den Marxisten trennt. Der Schluessel des Problems liegt ganz wo anders.
In Erkenntnis der Moeglichkeiten, die die wirtschaftliche
Ausdehnung de^ Landes geboten hat, hat sich in amerika eine
oeffentliche Meinung gefomt, die auf dem Cxrundsatz fusst:
7/enn wir mehr 7/aren benoetigen, um den'Bedarf aller Menschen^
zu decken, warum sollen wir nicht soviel produzieren, dass wir
alle Menschen zufriedenstellen koennen?
Martin: Ganz offen gesagt, ist dies der Lehrsatz eines Volkswirtschafters oder eine konkrete '.Wirklichkeit?
Berle: Verstehen Sie mich recht, wir haben nicht versucht,
die L'illionaere zu beseitigen. Diese sind füer niemand ein
Hindernis, solange man den anderen Menschen das sichern kann,
was sie brauchen, und darueber hinaus die Begueterten zur allgemeinen Wohlfahrt beitragen.
Martin: All dies erklaert uns jedoch nicht, weshalb die Voraussagen Karl Marx' in Amerika sich nicht realisiert haben.
Berle:
zwe i.
Martin:

Es gibt hierauf nicht eine Antwort, sondern mindestens
BQginnen wir mit der ersteren.
•

Berle: Marx konnte nicht den erbitterten Kampf voraussehen,
der sich in unserem Land zwischen jenen abspielte, die die Produktion ins Unendliche steigern und jenen, die diese Produktion
beschraenken wollen, um die Vorteile ihrer Situation nicht zu
verlieren, in deren Genuss sie bereits gekommen sind. Was Marx
vor allem jedoch nicht wissen konnte, ist die Tatsache, dass
die Befuerworter der unbegrenten Steigerung der Produktion
letzten ^ndes einen entscheidenden Sieg davongetragen haben.
Martin:

V/ie ist dies moeglich gewesen?

Berle: Durch den Triumph jener Tendenzen, die durch fortschrittliche Gruppen,in Suropa linksgerichtete genannt,
vertreten 'worden sind. Zuerst ist ein heftig-r Kampf gegen die
'.'onopole und Kartelle entbrannt. Sie haben ein Interesse daran
gehabt, die Produktion zu beschraenken und nach eigenem Gutduenken die Absatzmaerkte aufzuteilen, um die hohen Preise stabil
zu halten. Heute fordern die bundesstaatlichen Gesetze Amerikas
und die volkstuemlichen politischen Kraefte, dass der Staat
jeden Industriellen bestraft, der versucht, durch ein .abkommen
mit anderen Industriellen kuenstlich hohe Preise aufrecht zu
halten, indem die Produktion beschraenkt wird. Es handelt sich
hierbei um unsere sogenannten anti-Trust-Gesetze.
Martin: Sie haben vorhin nicht nur von einer Tendenz, sondern
von mehreren Tendenzen fortschrittlicher Gruppen gesprochen.
Berle: Es hat sich tatsaechlich noch ein ander-.r Kampf abgespielt und zwar der der hoeheren Produktionsleistung. Ein
fuerchterlicher Druck, der von der Oeffentlichkeit ausgeuebt
und durch die Verhaeltnisse noch verstaerkt worden ist, hat
die Verbesserung der Produktionsleistung die man bei uns Produktivitaet nennt, vorwaertsgetrieben. Produktivitaet bedeutet

�den Einsatz aller nur moeglichen Energiequellen auf breitester
Basis. Heute produziert der amerikanische Arbeiter in Durchschnitt viermal so viel wie sein euronaeischer Kollege. Ein
amerikanischer Arbeiter, der frueher eine Webmaschine bediente,
bedient heute allein 36. Es ist Aufgabe des Industriellen, zu
oroduzieren. Wenn er versucht, die Produktion zu beschraenken,
kann man ihn, wie ich schon sagte, sogar mit Gefaengnis bestrafen. Die Furcht ist oft ein Beginn zur einsieht, und es ist
verhaeltnissmaessig selten, dass man zu solchen Massnahmen zurueckgreifen muss. Dies ist jedoch sicher eine Tatsache, die
Marx weder vorausgesehen noch selbst in Erwaegüng gezogen hat,
als er uns prophezeit hat, dass der kapitalistische Unternehmer
immer eine Ausdehung der Produktion verhindern wird, um auf
kuenstliche Weise einen Mangel an bestimmten Waren zu schaffen.
Unser System sichert den Bestand des Privatunternehmens, wobei
der Privatunternehmer jedoch eine Rolle spielt, die genau festgelegt ist und die ihn praktisch zum Techniker der Produktionserweiterung werden laesst.
Martin: Dies ist also die Erklaerung fuer den ersten Irrtum
Karl Marx'. Wuerden Sie jetzt Ihre Meinung dazu aeussern, was
Sie soeben den zweiten Irrtum nannten, dem Karl Marx zum Opfer
fiel?
Berle: 7/enn der Kampf um ein Maximum der Produktion und zwar
ein staendis steigendes Maximum gewonnen ist, muss noch der
Kampf um die Verteilung ausgetragen werden. Er hat 50 Jahre
gedauert, und, wenn ich so sagen darf, hat er sich an zwei
Fronten abgespielt. Er ist von fuehrenden forts.chrittlichen
Leuten gegen ihre konservativen Kollegen gefuehrt worden.
Eines schoenen Tages hat Henry Ford erklaert, er koenne so
viele Automobile verkaufen, wie er wolle, wenn er nur pro Wagen einen Dollar verdient. Es ist eine grosse Sensation geworden. Seine Konkurrenten haben versucht, uebrigens ohne Erfolg,
ihn daran zu hindern. Sein Beisoiel ist damals nach und nach
von allen grossen Industrien nachgeahmt worden. Die einzige,
die sich bis zum Schluss widersetzt hat, ist die der elektrischen Energie. Ihr Widerstand ist endgueltig durch Roosevelt
gebrochen worden, .iaehrend also die einen nach einer Steigerung
der Produktion gedraengt haben, haben andere nach niedrigeren
Preisen gestrebt, .aber all dies waere vielleicht wirkungslos geblieben, wenn den ersten Reformen nicht die Roos.evelt'sehe
Revolution gefolgt waere.
Martin:
beitet.

Sie haben eng mit Praesident Roosevelt zusammengearWas verstehen Sie unter seiner Revolution?

Berle; Es handelt sich hierbei um grundlegende Revolutionen
im Kreditsystem, und wir beruehren damit die wesentlichste Ursache des marxistischen Irrtums. Zu der Zeit, als Karl Marx
sein Buch "Das Kapital" geschreiben hat, ist das Kreditwesen
fast voellig unbekannt gewesen. Es hat keine zentralen Banken
sregeben, oder, wenn solche bereits bestanden haben, sind sie
noch im allerersten Anfangsstadium gewesen. Da es Marx nicht
moeglich gewesen ist, die Form des staatlichen Kredits vorauszusehen, hat er a.uch nicht die Sozialisierung des Kredits ahnen
koennen, wie wir sie heute in den Vereinigten Staaten kennen.
Martin: Was verstehen Sie eigentlich unter der Sozialisierung
des Kredits? Und gibt es hierfuer spezielle Formen in Amerika?
Berle: Sie sind erstaunt hierueber, und es ist trotzdem richtig. Marx hat letzten Endes die Sozialisierung der Produktions- 4 -

�mittel vorgeschlagen. V.rir haben die Sache von einer anderen
Seite angepackt. Was Roosevelt zustandegebracht hat, ist zum
groessten Teil gleichbedeutend mit einer Sozialisierung des
Kredits. Der amerikanische Staat schaltet sich in das wirtschaftliche Leben ein, indem die Regierung dem Einzelverbraucher genuegende Kredite zur Verfuegung stellt.
Martin;

In welcher Form ist dies jedoch geschehen?

Berle: Es gibt dafuer zahlreiche Beispiele. Nehmen wir einmal die Nachfrage nach Wohnungen zu niedrigen Preisen. Sie
werden sich erinnern, dass im Jahre 1946 zehn Millionen Soldaten entlassen worden sind. Das Problem der Stunde hat gelautet, ihnen arbeit und ein Dach ueber dem Kopf zu geben - fuer
sie und ihre Familien. Die Regierung hat ihnen fast unbeschraenkte Kredite eroeffnet, damit sie sich eigene Haeuser
kaufen koennen. Was man dem amerikanischen Verbraucher sagen
will, ist im wesentlichen folgendes: "Kauf Dir ein Haus,
das Dir gefaellt, und der Staat wird Dir das Geld vorschiessen.
damit Du es bezahlen kannst."
Martin: Aber es gibt doch genuegend Wohnhaeuser, die zum Ver*kauf angeboten sind und billige Wohnungen? Wenn das der Fall
ist, wozu dienen dann die grosszuegigen Kredite, die vom Staat
angeboten werden?
Berle: Man hat das Notwendige getan. Der Staat hat den Unternehmern ohne Umschweife erklaert: "Es muss gebaut werden."1
Diese haben zur Antwort gegeben, dass sie nicht die hierfuer
erforderlichen Finanzen zur Verfuegung haben. "Gleichgueltig,"
hat die Regierung erwidert. "Borgt Geld bei den Banken, und
der Staat wird die Buergschaft fuer alle Kredite uebernehmen.
Wesentlich ist, dass jeder seine Wohnung hat." Karl Marx hat
in seiner Theorie Haeuser direkt vom Staat bauen lassen und
zum Arbeiter gesagt: "Hier hast Du kostenlos ein Haus." Das
amerikanische System sagt zum Arbeiter: "Hier hast Du Geld,
kauf Dir ein Haus, das Dir gefaellt. Arbeite dann, um es in
aeusserst kleinen Raten - im Laufe von 30 Jahren etwa - abzuzahlen. Sicher steht auf jeden Fall fest, dass man Dich niemals aus dem Haus heraussetzen kann." Die Regierung stellt
dem-amerikanischen Arbeiter ihren Kredit zur Verfuegung, indem
sie ihm erklaert: "Wir vertrauen Dir." Die europaeischen Marxisten versuchen, diesen oder jenen besonderen Zweig der Produktion zu sozialisieren. Wir werden zweifellos viel weiter
kommen, wenn wir ganz allgemein den Kredit sozialisieren. Der
Vorteil unseres Systems, das weit elastischer als das marxistische Prinzip ist, besteht darin, dass der einzelne sich selbst
das Haus aussuchen kann, das ihm gefaellt, waehrend nach marxistischer Auffassung der Arbeiter gern oder ungern das Haus
uebernehmen muss, das der Staat fuer ihn gebaut und ihm mehr
oder minder zwangsweise zugeteilt hat.
Martin: Gibt es eine sehnliche Krediteinrichtung fuer die
Stahlproduktion?
Stahl gehoert doch zu jenen Rohstoffen, aus
denen Verbrauchsgueter gefertigt werden.
Berle: Aber natuerlich. Die Regierung ist der Auffassung,
dass die Stahlproduktion mit jedem Jahr erhoeht werden muss,
um erstens den Lebensstandard zu erhoehen, ganz besonders heute
jedoch aus Gruenden der nationalen Verteidigung, A U S diesem
Grunde wendet sich der Staat auch an die Unternehmer und verlangt von ihnen eine Erweiterung der Stahlindustrie. Die Ant- 5

�wort der Industriellen heisst im allgemeinen: Wir haben hierzu
keine finanziellen Mittel. Die Regierung uebernimmt wiederum
die Verantwortung und stellt Beglaubigungsschreiben aus, in
denen bescheinigt wird, da-as die Produktionserweiterung des
Unternehmerns von oeffentlichem Nutzen ist. Mit diesem Beglaubigungsschreiben ist es dem Unternehmer einer Fabrik moeglich,
hei den Banken Kredite aufzunehmen und sich alle finanzieller
Mittel zu beschaffen, die er braucht, um z.B. neue Hochoefen
bauen zu koennen. Auf diese V/eise hat die Regierung im Verlaufe der letzten fuenf Jahre die Unternehmer der Aluminiumindustrie veranlasst, zwei neue, sehr bedeutsame Unternehmen zu
gruenden. Man ist in Washington der Meinung- gewesen, dass es
im Interesse der Oeffentlichkeit notwendig sei, die Produktionskapazitaet fuer Aluminium zu steigern, um sowohl die Preise zu senken und die Nachfrage der Verbraucher decken zu koennen. -Wie ich bereits erwaehnt habe, ist es die Aufgabe des
Industriellen, zu produzieren. Die Regierung kuemmert sich
um die Steigerung der Verteilung, indem sie oeffentliche Kredite gibt. Die Kredite koennen im gleichen Verhältnis mit
der Steigerung der Produktion erweitert werden, um die Verbrauchsgueter auf die verschiedenen Bevoelkerungsschichten in
ausreichender Weise verteilen zu koennen. Diese Idee blieb
Marx verschlossen, weil er sich ueber Geld- und Kreditprobleme noch vollkommen im Unklaren war. Er war zu jener Zeit noch
der Auffassung, dass Geld gleichbedeutend ist mit Gold. Die
Entdeckung jedoch, dass Geld etwas voellig anderes als Gold
ist, hat es dem amerikanischen System ermoeglicht, anders zu
handeln, als es in den marxistischen Prophezeihungen vorgesehen
war. Geld ist heute nicht mehr durch Gold, sondern durch die
sich staendig steigernde Produktion gedeckt.
Martin: In diesem Zusammenhang moechte ich eine Reihe Prognosen stellen, die uns einen voellig unerwarteten Blick in die
Zukunft oeffnen. In zehn Jahren wird der amerikanische Arbeiter, der heute vier Stunden weniger in der Woche arbeitet als
im Jahre 1940, noch vier Stunden weniger arbeiten koennen.
"'«Vaehrend die Arbeitswoche in Amerika vor zehn Jahren 45 Stunden gehabt hat, zaehlt sie jetzt weniger als 41 Stunden. Im
Jahre 19 60 wird der amerikanische Arbeiter in der Woche nicht
mehr als 37 Stunden arbeiten. Und trotzdem wird in diesem gleichen Zeitraum die Gesamtproduktion der Vereinigten Staaten um
mindestens 20$ und hoechstwahrscheinlich sogar um 40$ erhoeht
sein. Diesen Zahlen liegen hoechst zuverlaessige wirtschaftliche Studien zugrunde. Sie sind von einem sehr bekannten Forschungsinstitut ausgearbeitet, das "The SOth Century Fund" genannt wird, und dessen Vorsitz Sie zur Zeit fuehren. Meines
Wissens handelt es sich hierbei um eine Einrichtung, die ohne
Gewinn arbeitet und die im Interesse der Allgemeinheit heeufig
bestimmte Vorgaenge in der amerikanischen Wirtschaft eingehenden
Studien unterzieht, um sich ein besseres Bild ueber die wirtschaftliche Entwicklung machen zu koennen. Wie sehen Sie im
Licht der Prophezeihungen dieser Einrichtung die Zukunft dieses
amerikanischen Arbeiters, der immer weniger arbeitet, um viel
mehr zu produzieren?
Berle: Dieses Phaenomen ist in Amerika nicht so erstaunlich,
wie Sie anscheinend glauben. Im Verlauf der letzten zehn Jahre
ist der Lebensstandard des amerikanischen Volkes, im Ganzen
gesehen, um 50% verbessert worden. Dies trifft vor allem fuer
die laendliche Bevoelkerung zu. Wenn man sich mit diesen ermutigenden Ziffern beschaeftigt, muss man sich haeufig fragen,
ob die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften nicht einen anderen Lauf genommen haette, wenn Karl Marx, anstatt in London
- 6-

�zu bleiben, nach den Vereinigten Staaten gekommen waere, um dort
die Produktion zu studieren.
Die Verbesserung des Lebensstandards ist moeglich gewesen,
obwohl Amerika in diesem gleichen Zeitraum die Produktion fuer
die nationale Verteidigung zweimal der fuer den Zivilbedarf
voranstellten musste.
Wirtschaftlich gesehen, ist die Produktion von Kriegsgeraeten immer ein glatter Verlust, aber die Regierung in Washington war stets der Meinung, dass, wenn man
fuer die nationale Verteidigung produzieren kann, erst recht
auch Waren fuer den Zivilbedarf herstellen kann. Auf diese Weise ist durch den zweiten Weltkrieg die steigende Kurve der Erhoehung des Lebensstandards nicht unterbrochen worden.

Martin;

Wie ist dies aber moeglich?

Berle: Die amerikanische Produktion steigert sich alljaehrlich
regelmaessig um drei bis fueiif Prozent. Damit verdoppelt sich
unsere Produktion in 15 bis £0 Jahren automatisch.
Martin;

Ist dies jedoch keine Uebertreibung?

Berle: Auf keinen Fall. In den beiden letzten Jahren ist die
Produktion des Landes in noch staerkerem Tempo angestiegen als
man voraussehen konnte. Sie sehen also, dass wir in unseren
Berechnungen durchaus vorsichtig sind. Nach unsaren Schaetzungen muss sich die Gesamtproduktion der Vereinigten Staaten bis
zum Jahre 1960 um mindestens 20% erhoehen. Es ist wahrscheinlich, dass sie sogar 40% hoeher sein wird und zwar ohne uebermaessige Anstrengungen. Wenn die Umstaende es jedoch erforderlich machen, koennte unsere Produktion noch wesentlich hoeher
gesteigert werden.
Martin: Welchem Umstand schreiben Sie dieses Phaenomen der
staendigen Erweiterung zu?
Berle; Vor allem der Verbesserung der Produktionsleistung. Indem man dem Arbeiter fortwaehrend bessere Werkzeuge und bessere
Maschinen gibt, vergroessert man automatisch seine Produktionskapazitaet. Diese Erhoehung der menschlichen Arbeitsleistung
wird auf jaehrlich 2% geschaetzt. Fuer Marx war der Unternehmer
ein Mensch, den man beseitigen musste, weil er Parasit und Ausbeuter war. Unser amerikanisches System hat aus ihm einen Techniker gemacht, von dem man besondere Leistungen erwartet. Er
wuerde sich seiner Pflicht entziehen, wenn er nicht die besten
Mittel faende, um fortschrittliche technische Methoden und Kapitalinvestierungen zu kombinieren, die fuer die Gesamtheit eine
Verbesserung des Lebensstandards bedeuten.
Martin; Was hat diese Steigerung der Produktionsleistung fuer
eine Zeitspanne von zehn Jahren praktiscn zu bedeuten?
Berle: Heute produziert der amerikanische Arbeiter mit Hilfe
seiner Maschinen 25% mehr in einer Arbeitsstunde als 1940.
Martin:

7/em kommt diese gesteigerte Leistung jedoch zugute?

Berle: Die statistischen Angaben der letzten zehn Jahre zeigen
uns, dass die Gewinne aus der Steigerung der Produktivitaet, wie
wir die Arbeitsleistung nennen, ungefaehr gleichmaessig durch
eine Reduzierung der Zahl der Arbeitsstunden und eine Erhoehung
- 7-

�der ^rbeiterloehne absorbiert wurden. Wie Sie bereits ersehnten-, ist die durchscnittliche Arbeitswoche von 45 Stunden im
Jahre 1940 auf weniger als 41 Stunden zurueckgegangen. In einigen Jahren wird man nur noch 37 Stunden in der Woche arbeiten.
Martin: Welche Gewaehr haben Sie dafuer, dass die Vorteile dieser besseren Arbeitsleistung nicht in die Taschen der Unternehmer fliessen?
Berle: Diese Aufgabe der Kontrolle faellt in unserem amerikanischen Wirtschaftssystem den grossen freien Arbeitergewerkschaften zu.
Martin: Wie stellt man sich die Erweiterung der industriellen
Einrichtungen der Vereinigten Staaten vor?
Berle: Wie Sie wissen, sind die Steuergesetz-e seit der Einwirkung des Praesidenten Roosevelt so gefasst, dass die Grossunterneiimer gezwungen sind, einen betraechtlichen Prozentsatz ihrer
Gewinne fuer die Erweiterung der Produktion durch Investierungen zu verwenden. Die Ausdehnung der industriellen amerikanischen Einrichtungen kann fuer die 20 Jahre von 1940 bis 1960
auf 40% geschaetzt werden. Diese Zahl betrifft lediglich den
Aufbau voellig neuer Fabriken. Es handelt sich hierbei natuerlich um Nettowerte,' wobei die Erneuerung abgenutzten Materials
und die Amortisierung nicht einbegriffen sind. Diese Erweiterung um 40% der Gesamtheit der industriellen Einrichtung stellt
eine Investierung des groessten Teils der neu gewonnenen Kapitalien dar.
Martin: Die wichtigste Frage, mit def man sich am haeufigsten beschaeftigt, ist meiner Meinung nach die des Nationaleinkommens. Was besagen Ihre Zahlen in Bezug auf dieses Nationaleinkommen Amerikas?
'
Berle: Hierauf will ich Ihnen gern eine genaue Antwort geben.
Aber um der Verstaendlichkeit halber moechte ich von vornherein
feststellen, dass den Zahlen, die ich angebe, der tatsaeehliche Dollarwert zugrunde liegt, d.h., dass in ihnen bereits
den Wertverlust beruecksichtigt ist, damit Vergleiche ueberhaupt moeglich sind. Das amerikanische Nationaleinkommen, das
im Jahre 1940 135 Milliarden Dollar jaehrlich betrug, hat heute
den Betrag von 250- Milliarden Dollar erreicht. Es wird sich
im Jahre 1960 auf 350 Milliarden Dollar und sehr wahrscheinlich
sogar auf 375 Milliarden Dollar belaufen. Das ist nicht aussergewöhnlich, wenn man diese Zahlen mit dem vergleicht, was sich
in den letzten zehn Jahren abgespielt hat, in denen unser Nationaleinkommen verdoppelt wurde trotz, wie ich bereits erwaehnte,
eines Krieges, der vom wirtschaftlichen Standpunkt aus ein reines Verlustgeschaeft war.
Martin: Bedeutet aber all dies fuer den kleinen Mann' in den
Vereinigten Staaten eine wirkliche Verbesserung seines Lebensstandards?
Berle: Welch1 seltsame Frage. Natuerlich ist es eine Verbesserung, da sich die Bevoelkerungsziffer des Landes im Vergleich
zur Steigerung des Nationaleinkommens relativ nur \.enig erhoeht
hat. Es ist offensichtlich, dass die Erhoehung des Lebensstandards in diesen zehn Jahren eine gewaltige war. Nehmen wir als
Beispiel den Durchschnittswert des kleinen Kapitals, das eine
amerikanische Familie in jeder Form von Besitztum ihr eigen nennt.
- 8 -

�2s besteht in Fora von Ersparnissen, liaeusern, Grundstueeken
und besonders Lebensversicherungspolicen. Nach den Schaetzungen
des "Twentieth Century Fund" besitzt die amerikanische Familie
im Durchschnitt ein Kapital von 5,000 Dollar. Vierzig Prozent
der Familien haben mehr als 5,000 Dollar und 20$ mehr als
2,500 Dollar.
Martin: Was Sie uns gesagt haben, beweist nicht nur, dass sich
der amerikanische Kapitalismus nicht auf dem Wege des Selbstmordes befindet, wie Karl l'arzin seiner Akkumulationslehre glaubte, sondern es zeigt uns,- dass der Amerikaner, was auch im Interesse der Allgemeinheit nur nuetzlich ist, zu einem praktischen Sozialisten geworden ist, auch wenn er sich dieser Tatsache- garnicht bewusst wird.
Rapports France-Etats-Unis
VI/51
VERSCHIEBUNGEN DER EETKauL:ENV ERTEILUNG IN DEN U.S.A.
In seinem Jahresbericht stellt Dr. Burns, der Forschungsleiter des amerikanischen nationalen Bueros fuer wirtschaftliche
Forschung, fest, dass Amerika seit 1929 in seinem Streben nach
einer besseren Verteilung der Einkommen grosse Erfolge erzielt
hat. In der Zeit von 1929 bis 1946 hat sich das durchschnittliche Jahreseinkommen fuer jeden Mann und jede Frau in den Vereinigten Staaten von 690 auf 1.166 Dollar erhoeht. Gleichzeitig
ist das Durchschnittseinkommen jenes einen Prozents der Bevoelkerung mit den hoechsten Einkommen von 15,168 auf 8,994 Dollar
zurueckgegangen. Diese Verschiebung, so sagt der bekannte
Volkswirtschafter, haette sich friedlich und allmaehlich vollzogen, sie koenne jedoch als eine der groessten sozialen Revolutionen der Geschichte s-ewertet vverden.
Dr. Burns berichtet weiter, dass der Anteil der fue lf Prozent der 3evoelkerung mit den hoechsten Einkommen am gesamten
Nationaleinkommen im Jahre 1929
34# saemtlicher persoenlicher
Einkommen betragen habe, aber 1im Jahr 1946 auf 18% zurueckgegangen sei. Durch diese Differenz ist der Anteil der Lohn- und
Öehaltsempfaenger Amerikas in den beiden Dekaden zwischen 1950
und 1950 auf 70'/ö des Nationaleinkommens angestiegen. Nicht nur
der Gesamtbetrag aller Arbeitereinkommen ist groesser geworden,
sondern auch der Prozentsatz am Gesamteinkommen, der dem Arbeiter
zufaellt, ist um 17-jb gestiegen.
Mit dem Hinweis, .dass kein Vergleich mit den Laendern hinter ' dem Eisernen Vorhang moefrlich ist, weil in kommunistischen
Laendern die Veroeffentlichung von statistischen Informationen
mit der Begruendung verboten ist, dass es sich um Staatsgeheimnisse handelt, stellt Dr. Burns trotzdem die Frage, ob irgendeine der sogenannten "Volksdemokratien" Stalins eine so umfassende Demokratisierung im Verteilungsprozess der Einkommen in irgendeinem ihrer eigenen Laender aufweisen koenne.
Program Services Section
. VI/6/51
SC KI EPS STRECKUNG UND { CKLICKTUNG IN SOv/ JET RUSS LA NT
Hit.der Abschaffung des Tarifverhandlungswesens im Jahre
1953 erfuhr auch das Beschwerdeverfahren, das urspruenglich dazu
- 9-

�bestimmt war, Arbeitsstreitigkeiten beizulegen, eine grundlegende i^enderum:. Nach der .Viedereinf uehrung der Tarifverhandlungen im Jahre 1947 zogen die sowjetischen Juristen einen
klaren Trennungsstrich zwischen Streitigkeiten, die sich um
die Festsetzung oder Veraenderungen der Arbeitsbedingungen
drehen und solchen, die sich aus der Anwendung bereits bestehender Arbeitsbedingungen ergeben. Praktisch, so sagen sie, gehoert lediglich diese zweite Gruppe in das besondere Schiedsspruchverfahren, das urspruenglich jedoch fuer beide bestimmt
war. Die Festsetzung der Arbeitsbedingungen und ihre Veraenderungen gehoeren augenblicklich in den Zustaendigkeitsbereich
der Verwaltung.
Die Vermittlungs- und Scniedsrichterausschuesse, die zur
Beilegung von Streitigkeiten ueber Arbeitsbedingungen gebildet waren, wurden mit dem Arbeitsgesetz vom 29. August 1928
aufgeloest. Spaeter ist das Volkskommissariat fuer Arbeit
durch den Zentralrat der Gewerkschaften im Jahre 1923 ersetzt
worden.
Die Schiedsausschuesse, die zu jener Zeit in jedem Betrieb
gebildet wurden, bestehen zwar noch immer, aber seit dem 2.
Januar 1923 ist der wichtigste Teil ihrer Funktionen und zwar
die Festsetzung von Akkordsaetzen und von Produktionsnormen
weggefallen, wie im offiziellen Handbach ueber Arbeitsgesetzgebung von 1946 erklaert wurde. Es sind in V.'irklichkeit Aus-r
schuesse, die die Aufgabe haben, Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Unternehmern ueber die Anwendung der bestehenden
Arbeitsgesetze beizulegen, d.h. es sind reine Beschwerdeausschuesse. In bestimmten Faellen muss die beschwerdefuehrende
Partei ihre Beschwerde dem Ausschuss vortragen, bevor sie sich
an das Gericht wendet. Repraesentanten der Unternehmer- und
der Arbeitnehmerausschuesse sind in gleicher Zahl vertreten,
und wenn kein Uebereinkommen erzielt wird, kann sich der Beschwerdef uehrende an das Gericht wenden. Die Strafen sind unwiderruflich, koennen jedoch von hoeheren Behoerden "von Amts
wegen" abgeaendert werden. Wenn diese die Strafe aufheben,
kann ebenfalls beim Gericht Beschwerde eingereicht werden.
In einigen anderen Faellen steht es frei, sich an das Gericht oder an den Ausschuss zu wenden. Folglich bietet das
sowjetische Gesetz fuer Arbeit-sstreitigkeiten dem Arbeitnehmer
bestenfalls einen Schutz gegen den persoenlichen Lissbrauch der
Ifecht des Unternehmers.
Es gibt jedoch auch Faelle, in denen weder beim Gericht
noch beim Ausschuss Beschwerde eingelegt werden kann. In diesen Faellen müessen hoehere Verwaltungsbehoerden in Anspruch
genommen werden. Dies trifft insbesondere fuer jene Beschaeftigungszweige zu, in denen die Unternehmer kraft des sogenannten Disziplinargesetzbuches ueber weitgehende Disziplinarbefugnisse verfuegen. Sin Arbeitnehmer in solchen Industriezweigen kann, wenn er von der Verwaltung bestraft wird,weder beim
Gericht noch beim Verwaltungsausschuss Berufung einlegen. Er
hat nur die "oeglichkeit, hoehere Vorgesetzte in seinem Unternehmen zu Rate zu ziehen.
The Monthly Labor Review
(Elements of Soviet Labor Law)

17/51
- 10 -

�DAS BETRIEBSTECHNISCHE AUFGABENGEBIET DER US-GEWERKSCHAFTEN
Der Mann im
Bleistift in der
stungsfaehigsten
tatsaechlich ein

weissen Hemd und Krawatte, mit Notizbuch und^
Hand, dem man in vielen der groessten und leiIndustrieunternehmen Amerikas begegnet, ist
Angestellter der Gewerkschaft.

Vielleicht entwirft er Tlaene fuer eine Neuordnung des Betriebs, analysiert die Produktionsziele, oder aber er fuehrt
Zeit- und Bewegungsstudien durch - wenn ihn nicht die traditionelle Antipathie der Gewerkschaften gegen diesen Ausdruck veranlasst hat, dieses Verfahren mit irgendeinem anderen technischen Ausdruck zu bezeichnen. Im allgemeinen beschaeftigt er
sich jedoch mit der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung", die
man gern mit seinem Widerpart, dem Unternehmer, identifiziert.
Wie und warum kamen die amerikanischen Gewerkschaften dazu,
sich mit der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung" zu befassen?
Offen gesagt, die Gewerkschaften drangen in dieses Gebiet
aus Gruenden des Selbstschutzes ein.
Die Arbeitgeber haben die "wissenschaftliche Betriebsleitung" zu einem permanenten und festen Bestandteil der modernen
amerikanischen Industrie gemacht. So wie die Arbeitgeber es fuer
erforderlich hielten, mit den Gewerkschaften zusammenzuarbeiten,
hielten es die Gewerkschaften fuer notwendig, mit der "wissenschaftlichen Betriebsf uehrung" ins Einvernehmen zu komn.en. Sie
gelangten vor einigen Jahren zu der Erkenntnis, dass die einzige
Möeglichkeit, mit ihr zurechtzukommen und sich gleichzeitig
vor der Ausbeutung durch wissenschaftliche Methoden zu schuetzen,
darin bestand, mindestens ebensoviel, wenn nicht sogar mehr als
die Unternehmer, ueber die wirksame Rationalisierung der Industrie zu wissen.
Aus diesem Grunde gibt es gewerkschaftliche Referate fuer
Betriebstechnik, in denen gut geschulte junp;e Maenner beschaeftigt sind, die von der Gewerkschaft bezahlt werden. Wenn irgendein Betriebsplan Hintertueren hat, die sich nachteilig auf
die Arbeiter auswirken koennten, so finden diese Techniker es
sehr bald heraus. Gestuetzt auf eine starke, gut organisierte
Gewerkschaft koennen sie, mit Tatsachen und Informationen bewaffnet, mit dem Bestreben in die Verhandlungen gehen, fuer die organisierten Arbeiter und die Gewerkschaft das beste herauszuschlagen.
Die Bedeutung, die man der "wissenschaftlichen BetriebsfBhrung" mit ihren besonderen Arbeitsmethoden wie Zeitstudien, formelle Leistungslohnsysteme, Arbeitsplatzbewertung, Einstufung
nach Verdienst usw. beimisst, hat sich auf die Industriearbeiter
in den Vereinigten Staaten in grundlegender Weise ausgewirkt.
Die Arbeitgeber haben manchmal versucht, diese Methoden anzuwenden, um zu bestimmen, wie schwer ein Arbeiter arbeiten und was
er verdienen muesste. So koennte die Betriebsleitung zum Beispiel sagen, das Fliessband wuerde nicht so schnell laufen, wie
es eigentlich der Fall sein muesste. Eine Menge statistischer
Unterlagen, die von den Zeitstudienfachleuten der Unternehmer
zusammengetragen wurden, werden als Beweismaterial vorgelegt.
Diese Unterlagen - graphische Darstellungen, Diagramme,' mathematische Tabellen - koennen in einer technisch so komplizierten Ausdrucksweise gehalten sein, dass sie im allgemeinen fuer die Arbeiter unverstaendlich sind. Muessen derartige Statistiken nun
als mathematische Tatsachen akzeptiert werden? Die Gewerkschaf- 11 -

�ten sagen "Kein". Viele der Grundbegriffe, die in der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung" verwendet werden, sind weniger
von einer objektiven als vielmehr der persoenlichen Beurteilung
abhaengig. Die Gewerkschaften vertreten den Standpunkt, dass
der Arbeiter keine Maschine ist und auch nicht als solche gewertet werden kann. Sie sind der Auffassung, dass viele Aspekte der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung" auf fragwuerdigen Vermutungen beruhen, die weder zuverlaessig noch allgemein
gueltig sind.
Dies jedoch nur zu glauben, genuegt aber keineswegs, weil
das Unternehmertum entschieden hat, sich dieser Methoden zur
Foerderung seiner Ziele zu bedienen. Infolgedessen beschlossen
die Gewerkschaften, sich die notwendigen Kenntnisse anzueignen,
um den Unternehmern zeigen zu koennen, wo, wie und warum ihre
Behauptungen falsch und ihre Forderungen unberechtigt sind.
Sie wollten in der Lage sein, sich innerhalb des Tarifverhandlungsprozesses gegen die "wissenschaftliche Betriebsfuehrung"
zu schuetzen.
Viele Gewerkschaften verlegten sich daraufhin auf die
Methode der technischen Dienstleistungen durch die Gewerkschaft.
Die Taetigkeit der Gewerkschaften auf betriebstechnischem Gebiet ist in den Vereinigten Staaten verhaeltnismaessig jung
und trat zum erstenmal zu Ende der Dreissiger Jahre auf.
Fuer die Gewerkschaftsbewegung war die "wissenschaftliche
Betriebsfuehrung" im Grunde eine antigewerkschaftliche Angelegenheit. Um die Jahrhundertwende, als die moderne Betriebstechnik ins Leben trat, befanden sich die Gewerkschaften in der
Defensive. Gewerkschaftsfunktionaere sahen in dem neuen Begriff
eine neue Waffe zur Zerstoerung der Gewerkschaftsbewegung. Diese Auffassung wurde durch die Tatsache bestaerkt, dass die Unternehmer, die die "wissenschaftliche Betriebsfuehrung" befürworteten, an antigewerkschaftlichen Taetigkeiten beteiligt waren.
Der Begriff "wissenschaftliche' Betriebsfuehrung" wurde in Gewerkschaftskreisen als ein Ungeheuer angesehen, das die Gewerkschaften den Unternehmern gefuegig machen und den gesamten Tarif verhandlungsprozess unterminieren soll.
Wie Solonon Barkin von der Textilarbeitergewerkschai't
schrieb, standen die Gewerkschaften auf dem Standpunkt, dass
"Leistungslohnsysteme die Arbeiter in unmenschlicher und selbstmoerderischer Welse gegeneinander aufwiegeln", und dass "Zeitund Bewegungsstudien keine wissenschaftliche Methode zur Bestimmung der Leistung und der Festsetzung der Loehne sind, sondern
lediglich Massnahmen, um- die Wuensche und Meinungen der Unternehmer in mathematischer Form zum üusdruck bringen."
Weil die Gewerkschaften nicht stark genug waren, um die
Einfuehrung der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung", besonders in ihrer Auswirkurg auf die Lohnbedingungen der Arbeiterschaft, verhindern zu koennen, begannen sie eine 'Verbekampagne,
um die Oeffentlichkeit fuer ihre skeptische Einstellung zu gewinnen.
Diese Kampagne fand im Jahre 1915 ihren hoehepunkt, als
das Gesetz zur Kriegsfinanzierung vom Kongress dahingehend abgeaendert wurde, dass man die Bezahlung von Experten, die sich
mit Zeitstudien beschaeftigten, aus Geldmitteln der Regierung
ablehnte.
Nach dem ersten V/eltkrieg stellten die Arbeitgeber eine
Verbindung zwischen "wissenschaftlicher Betriebsfuehrung" und
- 12 -

�den "Unternehmer-"gewerkschaften her. Die Antipathie der Gewerkschaften wurde dadurch nur vergroessert. 7/oimmer es moeglich war, versuchten die Gewerkschaften, Zeitstudien, Leistungslohnsysterae, psychologische Pruefungen und Einstufungssysteme
nach der Leistung abzuschaffen. Zu jener Zeit befand sich die
Industrie der Vereinigten Staaten jedoch im Aufschwung. Die
Unternehmer hatten ihre Aufgabengebiete neu organisiert und
machten sich die neuen Begriffe der Forschung, Normung, Planung und deren Ausfuehruhg zu eigen. Die "wissenschaftliche Betriebsfuehrung" blieb bestehen und mit ihr ihre Methoden. Ilaeufig wurde jedoch mit diesen Methoden Missbrauch getrieben. Die
amerikanischen Gewerkschaften gewannen nach und nach groesseren
Sinfluss und widersetzten sich konsequent den neuen Methoden.
Victor Reuther von der Automobilarbeitergewerkschaft des
CIO, der heute Repraesentant des CIO fuer Europa ist, nahm zur
Gruendung der Automobilarbeitergewerkschaft im Jahre 1956/37
in folgenden 7»orten Stellung:
"Antreibemethoden und ungerechte Leistungsnormen waren
fuer uns ebenfalls ein Grund, uns gegen die Tyrannei in den
Betrieben aufzulehnen, wie all die anderen Ungerechtigkeiten,
die uns veranlasst hatten, uns zu organisieren. In den darauffolgenden Jahren, in denen unsere Gewerkschaft groesser wurde
und dadurch Macht und Einfluss gewann, schuf sie besondere Einrichtungen wie z.B. unser Referat fuer Zeitstudium und Produktionstechnik. Damit haben wir unsere urspruengliche, instinktiv
ablehnende Haltung den Methoden des Zeitstudiums gegenueber •
ueberprueft. Die technischen Erfahrungen, die wir uns in der
Zwischenzeit angeeignet haben, ermoeglichen es uns, an Hand der
Unterstuetzung durch feststehende Tatsachen den Kampf weiterzufuehren.
"Heute sind die technischen Dienste der Gewerkschaft den
Verhandlungsfuehrenden in der gleichen V/eise dienlich, wie
die Techniker den Unternehmern. Wenn eine Arbeits Streitigkeit nicht allzu kompliziert ist, kann die Ortsgewerkschaft
das Lehrmaterial ueber "wissenschaftliche Betriebsfuehrung"
verwenden, das von dem betriebstechnischen Personal der Landesgewerkschaft ausgearbeitet ist. Sie koennen damit die Angaben
der Unternehmer ueberpruefe-n, um z.B. festzustellen, ob die
Schnelligkeit des Fliessbandes erhoeht worden ist. Die Ortsgewerkschaft kann darueber hinaus von sich aus um die direkte
Unterstuetzung durch technische Experten der Gewerkschaft bitten.
"Die wichtigste Tatsache hierbei ist, dass alle gewerkschaftlichen Aspekte, wenn eine Gewerkschaft stark und der Betriebstechniker der Gewerkschaft tuechtig ist, bei den Verhandlungen beruecksichtigt werden koennen. Eine englische Gruppe
von Gewerkschaftern, die vor einiger Zeit unter der Schirmherrschaft des Marshall-Pla-s dieVereinigten Staaten besuchte,
erklaerte im Anschluss an ihre Reise: "Die Gewerkschaftsmitglieder muessen sich darueber im klaren sein, dass die Anwendunr
von Methoden der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung», auch
wenn sie nicht wissenschaftlich sind, in der heutigen Industrie
unvermeidlich und notwendig ist, und dass die Entschlossenheit,
Missbraeuche zu verhindern und diese "wissenschaftliche Betriebsfuehrung soweit wie moeglich zu kontrollieren, eine notwendige Funktion der modernen Gewerkschaftsbewegung ist."
Einige amerikanische Gewerkschaften, wie z.B. die der
Damenoberbekleidungsarbeiter, der Textil- und Automobilarbeiter
haben regulaere gewerkschaftliche Referate fuer Hetriebst&lt;?chnik.
- 12 -

�Anders Gewerkschaften haben weniger formell arbeitende technische Einrichtungen, aber auch sie sind sich mehr#und mehr der
wachsenden Bedeutung der gewerkschaftlichen Ttetigkeit auf
dem Gebiet der Produktionstechnik bewusst.
Auch auf andere V/eise hat die Gswerkschaftsbewegung von
der gewerkschaftlich erarbeiteten Betriebstechnik Gebrauch
gemacht. Ein Beisoiel hierfuer sind die technischen Einrichtungen der allamerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Hierzu ein Beispiel, das wir dem monatlich erscheinenden Organ dieser Gewerkschaft "Justice" entnehmen:
"Die gesteigerte Konkurrenz der Nachkriegszeit auf den Absatzmaerkten der Bekleidungsindustrie hat in diesen Betrieben ein
besonderes Problem geschaffen. Noch vor 30 Jahren wurde in
allen Betrieben nach dem System der Zeitarbeit gearbeitet.
.Mit der erhoehten Konkurrenz sahen sich die Firmen gezwungen,
an ihre Arbeitnehmer groessere Anforderungen zu stellen." In
dem Bericht heisst es weiter, dass die Konkurrenzfaehigkeit
der Firmendurch die Zeitlohnbasis geringer wurde. Auf Veranlassung der Gewerkschaftsfunktionaers wurde, ein abgeaendertes.
Produktionssystem auf Stuecklohnbasis eingefuehrt. Nachdem
die verschiedenen Probleme ueberwunden waren, die sich mit
der Neuerung ergeben hatten, stiegen die Loehne der Arbeiter
um mehr als 50?o. Die Gestehungskosten wurden geringer, sodass jeder Betrieb besser in der Lage war, mit anderen zu konkurrieren.
Ein Beispiel fuer die Gruendung eines betriebstechnischen
Referats einer Gewerkschaft bietet die iiUtomobilarbeitergewerkschaft. Sie hat fuer die Gehaeiter und Auslagen ihres technischen Personals, zu dem drei Gewerkschaftstechniker und eine
technische Gehilfin gehoeren, 40.000 Dollar bereitgestellt.
Dieses technische Personal wird vom Landesvorstand der Gewerk- .'
schaft ueber den wirksamsten .,Einsatz seiner Arbeit beraten.
Es ist bemerkenswert, dass diese Techniker selbst langzeitige .Mitglieder einer Gewerkschaft sind. Die Gewerkschaften glauben nicht, dass unabhaengige, akademisch geschulte
technische Berater der Gewerkschaft eine ungeteilte Loyalitaet
bewahren. Die verschiedenen Formen der wissenschaftlichen Betriebsfuehrung sind im wesentlichen Methoden, die von den Unternehmern gefoerdert werden. Nur wenige technische Berater
in der Industrie hatten die notwendigen Kenntnisse, um den
Arbeitern helfen zu koennen, sich vor der Jillkuer des Unternehmertums zu schuetzen. Die Gewerkschaften, die auf diesem
Gebiet am weitesten vorgeschritten sind, sind der Auffassung,
dass Techniker im Dienste der Gewerkschaften enge und dauernde
Beziehungen zu der Gewerkschaft pflegen muessen, und dass ihnen
von der Gewerkschaft selbst gut ueberlegte Anweisungen gegeben
werden muessen. Solei e Beziehungen wuerden nach ihrer üUffassung
fuer die erfolgreichste Anwendung der beruflichen Faehigkeiten
und Erfahrungen der 3etriebstechniker im Dienste einer Gewerkschaft buergen.
Das technische Personal der Gewerkschaften leistet eine
Vielzahl aeusserst wichtiger Dienste fuer die Gewerkschaftsbewegung. Einige ihrer Funktionen muessen anderen vorangestellt
werden,-dies ist jedoch jeweils von der betreffenden Gewerkschaft oder Iniustrie abhaengig. Diese technischen Dienstleistungen der Gewerkschaften bilden die Grundlage fuer Tarifverhandlunge'n. Sie foerdern die Entwicklung der industriellen
Technik im Interesse der Gewerkschaften, der Unternehmer und
der Oeffentlichkeit. Sie dienen als Informationsquelle fuer
die Gewerkschafter, die sich mit technischen Problemen befassen,
und darueberhinaus als Richtlinien fuer diejenigen, die die
- 14 -

�gewerksohtftliohe Politik gestalten.
Ss ist darauf hingewiesen worden, dass die betriebstechnische nrbeit der Gewerkschaften in Amerika einer defensiven
Handlung seitens der Gewerkschaftsbewegung entsorungen ist,
die durch die Gegebenheiten einer bestimmten Situation bedingt war. Die betriebstechnische arbeit der Gewerkschaften
in Suropa mag von weit groesserer Bedeutung seih, weil die
'Wirtschaftssysteme der europaeischen Laender in die Phase
der Verteidigungsproduktion eintreten. Indem die Betriebstechniker- der Gewerkschaften es der Gewerkschaftsbewegung ermoeglichen, sich mit groesserer Zuversicht auf dem Gebiet
der Leistungsfaöhigkeit der Industrie zu bewegen, koennen
sie zu den Bestrebungen der europaeischen Gewerkschaftsbewegung beitragen, die selbst bei einer Steigerung der Verteidigungsproduktion auf die Erhaltung des bestehenden Lebensstandards gerichtet sind.
Labor News from the US
71/8/51
Syd Stogel, Korrespondent des "AFL V.'eekly News Service" in Rom:
UNZUFRIEDENE TSCHECHISCHE ARBEITER MJESSEK FUER RUSSLANDFKRIEGS•"ASCKINERIE ARBEITEN
Ihres fundamentalen Streikrechtes beraubt, blieb den
ehemals freien tschechoslowakischen Gewerkschaftern kein anderes Nittel als "krank" zu sein, um sich gegen die erbarmungslosen Antreibmethoden aufzulehnen, denen die Industriearbeiter
in Rahmen des FuenfJahres-Planes ausgesetzt sind.
Ueberi.ll bleiben die Arbeiter "wegen Krankheit" ihrer
Arbeitsstaette fern. Diese Gewohnheit hat unter den Bergleuten solche Ausmasse angenommen, dass das kommunistische Regime
gezwungen war, Soldaten zum Abbau der Kohle einzusetzen.
Dies ist ein Teil des Gesamtbildes, das ein in Prag
stationierter Diplomat, der si%ch in Rom aufhielt, in einem
Interview ueber die Lage der Arbeiterschaft in der kommunistischen Tschechoslowakei gegeben hat.
Nach der .'..'einung dieses Beamten flea Ausfertigen Dienstes,
der sich seit der "Befreiung" Prags in dieser Stadt befindet,
ist die kommunistische Diktatur in der Tschechoslowakei sowohl
fuer die politischen als auch fuer die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich zu machen.
Die Saeuberungsaktion dementia war lediglich ein Anfang,
und niemand fuehlt sich heute noch sicher, selbst nicht der
Praesident Clementis Gottwald. Bei immer gesteigerteren russischen Forderungen nach Kriegsmaterialien und schweren Austestungen kann selbst eine so hoch entwickelte industrielle Basis
wie die der Tschechoslowakei unter der Last solcher Anforderungen zusammenbrechen, erklaerte der auslaendische Beobachter.
Der Diplomat stellt fest, dass die tschechische Industrie
bereits vor dem Ueberfall der Roten Armee auf Korea fuer den
Krier- mobilisiert war, und dass die Ruestungsfabriken in drei
Schichten ununterbrochen Tag und Nacht arbeiteten.
"Die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft,"faehrt er fort,
"haette ernsthafte Folgen fuer die Beziehungen des Landes mit
- 15 -

�Russland . ".'eil die Tschechen nicht in der Lage »üren,. all
die wichtigen Varen und Ausrufstunzart zu liefern, die Russland in dem Handelsabkommen zwischen diesen beiden laendern
beansprucht hatt-s, haben die Ru3=?en die Lieferun? von 460.000
Tonnen '.Veizen unterbunden, die der Tschechoslowakei versprochen worden waren. Dadurch wurde die wirtschaftliche Lage der
Arbeiter noch schlechter, zumal seit Deginn des Jahres der
Preis fuer Brot^ das wichtiste Nahrungsmittel in der Tschechoslowakei, um 60,o in die Hoehe gegangen ist. Der Preis fuer ein
Kilogramm Mehl stieg von 7 1/2 auf 21 Kronen. Zum erstenmal
seit Jahren hat erneut eine allgemeine Hortung -von Lebensmitteln
eingesetzt."
Der Diplomat berichtet ferner, dass die Tschechoslowakei
in den Kriegsplaenen der Sowjetunion eine bedeutende Rolle
spielt. Um die Produktion wesentlicher Erzeugnisse zu beschleunigen, haben die Russen befohlen, dass die Tschechen so weit
wie moeglich die FTiessbandmethode anwenden. Maschinen und
Rohstoffe, die von der Sowjetunion nicht beschlagnahmt wurden,
bleiben fuer Russlands Satellitenstaaten reserviert.
""Lieferungen fuer China zum 3eisoiel sind laufend durch
den polnischen Hafen Gdingen geschleust worden. Russland hat
versorochen, die Tschechoslowakei mit Kupfer zu versorgen, das
frueher aus Jugoslawien und anderen Laendern des V.'estens eingefuehrt wurde.
"Am bezeichnendsten," so schliesst der Korrespondent,
"ist die Tatsache, dass der groes.ste Teil der strategisch wichtigen Industrie in den westlichen Teilen der Tschechoslowakei
nach der Slowakei im Osten verlagert wird. Zu den grossen Industrieunternehmen, die zur Zeit weiter nach Russland verligert
werden, gehoeren die Kolbek-Danek-'.Verke in Prag, Skoda in Pilsen. Man hat dabei natuerlich im /iUge, sie vor amerikanischen
Bombern besser schuetzen zu koennen."
AFL Y.'eekly News Service
VI/5/51
IB7G aRKAi.LT HILFSMITTEL J'U^R UI'T^R^HT».T0K^LT^ LAHIID^R
Der Generalrat des Britischen Gewerkschaftskongresses (TUC)
hat mitgeteilt, dass er 60 000 Pfund .Sterling beisteuern werde,
um dem internationalen Bund Freier Gewerkschaften die Hoeglichkeit zu geben, weltweite Regionalorganisationen aufzubauen. Züsaetzlich zu dieser Summe, die der TUC selbst gibt, sind die angeschlossenen Gewerkschaften aufgefordert worden, einen gleichhohen Betrag fuer die drei naechsten Jahre ebenfalls vorzusehen.
Zu diesem Schritt bemerkt der Generalsekretaer des TUC, Sir
Vincent Tewson in der TUC-'.Vochenschrift "Industrienachrichten":
"Der IBFG ist nicht allein begruendet worden, um den Kommunismus
zu bekaempfen oder etwa sich der Diktatpolitik des V/eltgewerk-.
schaftsbundes zu widersetzen, der dem Kominform untersteht, sondern um in erster Linie eine starke und freie Gewerkschaftsbewegung in jenen Laendern aufzubauen, in denen diese noch nicht genuegend entwickelt ist. as ist deshalb fuer die Gewerkschaften
eine selbstverstaendliche Verpflichtung, dass in allen Laendern,
wo diese einen Hoechststand erreicht haben, sie ihren Kollegen
in anderen Laendern in jeder „reise helfend zur Seite steht.
Labor Information LI 642
- 16 -

�Intcrnafionale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Aaszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch .irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 27

Frankfurt, 6. Juli 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Unternehmertun und wirtschaftliche Zusammenarbeit -

1

Britische Gewerkschaften entwickeln Hilfsprogramm
fuer unterentwickelte Laender - - - - - - - - -

9

Bessere Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen erforderlich - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1
Siegfried Aufhaeuser kommt nach Deutschland zurueck 12
Die Schiedssprechung der amerikanischen Gewerkschaften in Taetigkeit - - - - - - - - - - - - - 1 3
Lebensstandard und Produktivitaet von Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
abhaengig - - - - - - - - - - - _ _ _ - - _ _ _

16

UNTERNEHMERTUM UND WIRTSCHAFTLICHE ZUSAUVILNARBLIT
Auszuege aus einer Ansprache ueber menschliche Beziehungen
und Produktivitaet, die vor kurzem von R. R. Zimmermann,
einem technischen Sachbearbeiter der ECA-Abteilung fuer
technische Unterstuetzung, in Washington gehalten wurde.
Die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit ist,
soweit sie den Vereinigten Staaten entstammt, vielleicht ein
Gegenbesuch der neuen ..'elt in der alten Welt, der Quelle ihrer
Staerke. Ich bin eher ein praktischer Llensch als ein Philosoph, aber es scheint mir, dass die alte Welt nicht nur ihre
Soehne und Toechter und das Kapital, mit denen das Land aufgebaut wurde, nach der neuen »Veit exportiert hat, sondern noch
einen weit bedeutsameren Faktor: Sie hat zwei getrennte Ge- 1-

�dankengaenge in die neue .Veit gebracht, die sich in Amerika
vereinigt und ein neues Produkt europaeischer Zivilisation hervorgebracht haben.
Die beiden Gedankengaenge oder Auffassungen, die ich meine, sind einmal die Wissenschaften, zum anderen der Begriff
der Menschenwuerde. Beide Begriffe waren europaeiscnen Geistes
und europaeischer Auffassung, sie waren.revolutionaer. Beide
sind in gleichem Kasse bestimmte charakteristische Merkmale
westlicher Kultur. Sie haben beide in Europa eine grosse Verbreitung erfahren. In Amerika haben sie vielleicht eine Variante erzeugt. Diese beiden Begriffe muessen jedoch analysiert
werden.
Die Wissenschaft ist ein geistiges Verfahren, in dessen
Verlauf Beobachtungen angestellt, Hypothesen ausgearbeitet,
Experimente geplant und Schlussfolgerungen ausgewertet werden.
Diese Methode hat in ihrer Anwendung durch Louis Pasteur zu
jenen bekannten neuen Entdeckungen auf medizinischem Gebiet
gefuehrt. Ihre Anwendung in der amerikanischen Industrie hat
zahlreiche technologische Entwicklungen in einem ebenso grossen
Massstab wie in Europa ausgeloest.
Der andere Begriff, die Menschenwuerde, bildet die Grundlage der franzoesischen Revolution, die ganz Europa mit sich
riss. Das Schlagwort: Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit fand in den Herzen der Amerikaner staerksten Widerhall umsomehr, als der junge Marquis de Lafayette der ringenden amerikanischen Revolution tapfere Hilfe brachte. Auch die Amerikaner hatten damals aehnliche Traeume, die fast den gleichen
Quellen der europaeischen Kultur entsprangen.
Ich moechte ihre Aufmerksamkeit heute auf die Anwendung
jener beiden Ideen in der amerikanischen Kultur lenken und dabei
nicht nur in das Gebiet unserer materiellen Lebenshaltung, sondern auch in das der menschlichen Befriedigung, also eines
nicht materiellen Charakteristikums;, vordringen. Diese menschliche Befriedigung, glaube ich, ist eng mit der in Amerika zu
findenden Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und ebenso unserer Produktivitaet verknuepft. Um diese
Verknuepfung zu illustrieren, moechte ich gern auf zwei Beispiele der Forschung auf dem Gebiete der menschlichen Beziehungen hinweisen. Sie sind in der Tat ueberaus akut, obwohl ein
grosser Teil der Arbeit noch nicht vollendet ist. Ich zeige
sie ihnen deshalb weniger vom Standpunkt eines vollkommen ausgewerteten Ergebnisses wissenschaftlicher Forschung, sondern
vielmehr als Beweise..
Die beiden in Frage kommenden Studien wurden von Sozialwissenschaftlern an Universitaeten durchgefuehrt, die dem Buero
fuer Marineforschung vertraglich verpflichtet sind. Diese Behoerde der Regierung wurde vom Marineministerium nach Beendigung des zweiten /Veitkrieges zu dem Zweck errichtet, .iegliche
Forschungsarbeit, die von der Marine auf allen Gebieten - angefangen bei den Waffen bis zu den medizinischen Entdeckungen geleistet wird, auszuwerten.
Mit Geldmitteln, die von dieser Behoerde bereitgestellt
wurden, hat die Universitaet Michigan in Zusammenarbeit mit
einigen fuehrenden Unternehmen der Vereinigten Staaten eine Studie ueber Organisation, Produktivitaet und Moral begonnen.
Eines der ausgewaehlten Unternehmen war eine grosse Lebensver- 2 -

�Sicherungsgesellschaft, die ueber die Produktionsleistung in
verschiedenen Bueros, in denen die gleiche Arbeit verrichtet
wurde, genau Buch fuehrte. Diese parallelen Einheiten waren
vor einigen Jahren eingerichtet worden, weil das Unternehmen
der Meinung war, da3S bei einem sehr grossen Arbeitsanfall
die Arbeiten schneller erledigt wuerden, wenn die Gesamtzahl
der Konten ihrer Versicherten in Einzelabteilungen unterteilt
wuerde, in denen der Gesamtarbeitsvorgang der Berechnung und
Buchhaltung fuer sich geleistet wird. Die Arbeitnehmer dieser
Unterabteilungen wurden nach den gleichen Gesichtspunkten ausgewaehlt und arbeiteten unter den gleichen Bedingungen. Und doch
war die Produktionsleistung in einigen Abteilungen besser als
in anderen.
Die genaue Feststellung der Produktionsleistung lieferte
ausgezeichnete Unterlagen, mit deren Hilfe die Abweichungen auf
den einzelnen Gebieten festgestellt werden konnten. Der Faktor,
den man analysieren wollte, war die Art der Arbeitsleistung.
Die Forscher der Universitaet fanden heraus, dass die arbeitsvorgeseuzten der Gruppen mit hoeherer Produktionsleistung folgende charakteristische Merkmale aufzuweisen haben:
1. Sie spielen als Arbeitsvorgesetzte eine ganz bestimmte Rolle. Sie verwenden fuer die gleichen Funktionen weniger
Zeit als die Arbeitenden und mehr Zeit fuer die Beratung und
Unterstuetzung ihrer Beschaeftigten.
2. Die Arbeitenden werden von ihren Vorgesetzten weniger
streng ueberwacht, ebenso wie sie auch die Arbeit ihrer Untergebenen weniger ueberpruefen. Sie lassen den Arbeitnehmern •
mehr Handlungsfreiheit und erlauben ihre persoenliche Mitwirkung, wenn Entscheidungen getroffen werden. Katuerlich heben
die Beschaef tigten ein groesseres Interesse, wenn die Struktur
des Betriebes sowohl den Vorgesetzten als auch den Arbeitenden
eine groessere Handlungsfreiheit gibt und sie bei wichtigen
Entscheidungen zu Rate gezogen werden. Es bestehen infolgedessen bessere Moeglichkeiten, sich ueber die Dinge« auszusprechen.
3. Die Vorge-setzten unterrichten die Arbeitnehmer laufend
und lassen sie wissen, was man von ihnen erwartet und was sie
wirklich leisten. Die Vorschlaege der Beschaeftigten zur Befoerderung ?uter Mitarbeiter begruenden sich auf Tatsachen und
sollen von ihren Vorgesetzten wiederum verwirklicht werden.
In einem Ueberblick ueber diese Feststellung werden wir
daran erinnert, dass die Prbduktivitaetsfrage nur ein einziges
Kriterium der Gruppenleistungsfaehigkeit bildet. Die Genugtuung, die den einzelnen aus ihrer Arbeit erwaechst, ist
selbstverstaendlich ebenso bedeutsam, weil die menschliche Befriedigung in einer Demokratie eines der Endprodukte des industriellen Prozesses sein muss.
Die Befriedigung, die eine Arbeit in sich birgt, scheint
eine Funktion der Art der Arbeit zu sein, d.h. der Beachteftigung, des Faehigkeitsniveaus und des Interesses an der Arbeit
selbst. Abgesehen davon gibt es ebenfalls ein Befriedigtsein oder Nichtbefriedigtsein mit der Arbeitsgemeinschaft, in
die man gestellt ist. In den Gruppen mit einer besseren Produktionsleistung sind die Arbeiter'auf ihre Arbeit sehr stolz.
Sie haben das Empfinden, dass ihre Vorgesetzten in ihren Erwartungen vernuenftig sind. Mit guten Vorgesetzten produzieren
die Arbeiter nicht nur mehr, sondern sie sind auch gluecklichor.

•-J

�In dieser Darstellung hüben wir einige besondere Aspekte
der Arbeitsueberwachung in bezug auf Produktivitaet und Moral
festgestellt. Die beauftragten Forscher beeilen sich, uns
davor zu warnen, dass diese Feststellungen nicht unbedingt
auch fuer andere Organisationen gueltig sein muessen. Es wird
z. Zt. eine umfassende Forschungsarbeit geleistet, um diese
Feststellung auf ihre Gueltigkeit unter anderen Arbeitsbedingungen zu ueberpruefen.
Auf grund der bis jetzt getroffenen Schlussfolgerungen
haben Unternehmen und Universitaet beschlossen, eine andere
Schlussfolgerung auf die Probe zu stellen. Sie beabsichtigen,
in einer Gruppe von Arbeitsgemeinschaften noch staerker die
Uebertragung der Verantwortung von der hoeheren Betriebsleitungsebene auf die Arbeitsvorgesetzten auszupraegen und die
Arbeitsvorgesetzten in ihrem Umgang mit ihren Arbeitnehmern
besonders zu schulen, um sie an wichtigen Entscheidungen zu
beteiligen, und um es ihnen zu ermoeglichen, Vorschlaege auszuprobieren und aehnliches mehr. In einer anderen Arbeitsgruppe
versuchten sie dies mit weniger Diskretion und Hessen das technische Personal des Unternehmens arbeitsparende Methoden ausarbeiten und pruefen. Dieses Experiment ist noch nicht beendet. In beiden Faellen ging die Produktion in die Hoehe. Sie
werden sich an die beruehmten Hawthorne-Experimente erinnern,
in denen die Produktion gesteigert, wurde, als die Beleuchtung
verbessert und die Produktion wiederum in die Hoehe ging, als
man die Beleuchtung verringerte. Dies ist ein Beweis dafuer,
dass die wirkliche Ursache dieser Steigerung nicht die Beleuchtung selbst, sondern die Aufmerksamkeit ist, die man den Arbeitnehmern widmet. In dem jetzigen Experiment besteht jedoch
ein wichtiger Unterschied. Die Zahl der Arbeitsplatzwechsel
ist in jenen Einheiten groesser geworden, in denen die Aenderung
der Produktionsmethoden besonders hervorgehoben werden, waehrend sie in solchen niedrig blieb, in denen man groesseren .Vert
auf gute Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
legte. Die Zeit wird hierueber naeheres berichten koennen.
Yv'enden wir uns nun einer zweiten Studie zu, die wir Identifizierung und Akzeptierung der Fuehruni* nennen wollen, einer
Studie, die fuer das Amt fuer Marineforschung vom Institut
fuer menschliche Beziehungen in Philadelphia unter der Leitung
von Dr. Fillmore K. Sanford durchgefuehrt wird. Die bis heute
erzielten Ergebnisse sind bereits in einem Buch zusammengestellt.
Dr. Sanford wollte feststellen, was einfache Arbeiter von ihren
Vorgesetzten denken. Er bediente sich dabei einer Gruppe von
40 Bewohnern Philadelphias, die aus jedem der 24 Stadtgebiete
aufs Geratewohl herausgesucht wurden. Um zu sehen, wie die
Fuehrung vom Standpunkt des Untergebenen aus aussieht, stellte
man ihnen viele Fragen - welche Fuehrer sie' bewundern, welche
sie um Rat fragen,und was sie insbesondere von den Fuehrern
denken. Man pruefte auch gewisse oersoenliche Aspekte der Befragten. Die Pruefung bestand aus acht Punkten, die, wie
fruehere Studien bewiesen haben, einen Persoenlichkeitsgradmesser vom autoritaeren Charakter bis zu dem der Gleichheit
liefern. Ein autoritaerer Charakter, so stellt Sanford und
andere fest, wird als ein umfassender Komplex von Haltungen beschrieben, die in der Persoenlichkeit tief verwurzelt sind.
Der autoritaere Mensch ist jemand, der auf grund seiner ihm erzogenen Gewohnheit sich der Autoritaet der Eltern und anderer
Menschen anzupassen sucht und durch folgende Kennzeichen charakterisiert ist:

4 -

�Grosse Anpassungsfaehigkeit, Verachtung fuer diejenigen,
die ausserhalb seiner Gruppe stehen oder die sich mit den Werten und Eigenschaften des Menschenbildes jener Gruppen zufriedengeben, eine offene Feindseligkeit ihnen gegenueber,verbunden mit einer bereitwilligen Unterwerfung gegenueber dem Staerkeren, jedoch eine berechnende Haltung in den Beziehungen zu
diesen Menschen, Opposition gegenueber dem Gutherzigen, dem
Idealisten, ueberhaupt allem Menschlichen und eine unverkennbare intellektuelle Ruecksichtslosigkeit, gepaart mit einer opportunistischen Intelligenz in ihrem Streben nach persoenlicher
Macht. Diese Kombination zeigt eine Unsicherheit, die tief
in -der Persoenlichkeit steckt und die zu ueberdecken der Einzelne zahlreiche Versuche unternimmt.
Dagegen wird derjenige, dem die Gleichheit der Menschen
ein echtes Prinzip ist, vernuenftig in seinem Verhaeltnis zu
seinen Vorgesetzten sein, die menschliche Gruppenverantwortlichkeit akzeptieren und die soziale Funktion des Fuehrers hervorheben.
Diese Pruefung, ob eine Person autoritaer oder gleichberechtigt gesinnt ist, besteht, so wie sie in Philadelphia angewendet wurde, aus acht einzelnen Fragen:
1. Muss es bei den menschlichen Wesen immer Krieg und
Konflikte geben?
2. Ist das Wichtigste, was ein Kind lernen soll, der
Gehorsam gegenueber seinen Eltern?
3. Koennten einige wenige tuechtige Fuehrer dieses Land
besser vorwaertsbringen als alle Gesetze und Reden?
4. Haben die meisten Menschen, die nicht vorwaertskommen,
nicht genug Willenskraft?
5.

Muessen die Maenner ihren Frauen helfen?

6.

Sollen sich die Frauen aus der Politik heraushalten?

7. Die Leute behaupten manchmal, dass eine Beleidigung
nicht vergessen werden darf, weil sie die Ehre verletzt. Sind
sie damit einverstanden oder nicht?
8.

Kann man allen Menschen Vertrauen schenken?

Selbstverstaendlicti liegen diesen fragen die Verhaeltnisse
in Amerika zugrunde. Die Antworten der meisten, die ihre Mitmenschen fuer gleichberechtigt halten, sind stark verneinend
auf die Fragen 1, 2, 3, 4, 6 und 7, dagegen beja^n. sie die
Fragen 5 und 6. Die Antworten der autoritaeren Charaktere dagegen sind natuerlich gegensaetzllcher Auffassung.
Der Autoritaere bevorzugt in seiner Wahl von Fuehrern
kraftvolle Persoenlichkeiten mit grossem Einfluss. Wenn er sich
an jemand wendet, um dessen Rat einzuholen, wuenscht er einen
Menschen mit Prestige zu fragen, der die Situation klaeren kann.
Der Autoritaere wird sich mit einer starken Fuehrung stets einverstanden erklaeren. Wenn ein Fuehrer Zeichen der Schwaeche
oder einer abweichenden Gesinnung zeigt, wird der Autoritaere
feindselig. "Der Fuehrer, der sich seiner nicht sicher ist,
ist abzulehnen."
- 5-

�Derjenige dagegen, dem die Gleichberechtigung der Menschen
Grundsatz ist, kann sich mit der Machtausuebung eines anderen
einverstanden erklaeren, kann sie aber auch entbehren. Er kann
einen autoritaeren Fuehrer akzeptieren, wenn.die Situation es
erfordert. Und er kann sich seiner Macht auch entziehen, wenn
eine Veraenderung der Situation eintritt.
Das Verhalten des Autoritaeren richtet sich danach, was er
fuer sich gewinnen kann, d.h. es wird beherrscht von einer Art
Haendlergeist. Er kann z.B. dirigieren oder den einflussreichen Fuehrer als einen Menschen ansehen, der ihm Schutz und andere Dinge bieten kann, und als Gegenleistung hierfuer bietet
er ihm seine Loyalitaet.
Der, dem jedoch die Gleichheit der Menschen am Herzen
liegt, wuenscht sich dagegen einen Fuehrer, der persoenlich und
verantwortungsbewusst ist, der seine Mitmenschen achtet und
ihre Ideen- kennenlernen will.
Der Autoritaere sieht in einem Fuehrer weniger den Treeger
einer sozialen Funktion, sondern vielmehr eine Machtperson.
Der andere dagegen denkt funktionell, d.h. er wuenscht,
dass der Fuehrer eine besondere Leistung vollbringt. Wenn die
Fra^e gestellt wird, ob ein Mann ein guter Sprecher ist, 30 wird
er sich mit den Gedankengaengen, der Zahl und der Art seiner
Zuhoerer befassen» bevor er eine Meinung zum Ausdruck bringt.
Der üutoritaere aber wird, wenn er eine hohe Meinung von einem
Menschen hat, ihn als gleichmaessig gut fuer eine Vielzahl von
Taetigkeiten ansehen.
Die Beziehungen des Autoritaeren zum Fuehrer sind persoenlicher Art. Er hat wenig Gemeinschaftsbewusstsein. Er
schliesst sich nicht willig einer Gruppe an, und wenn er es
tut, hat er dabei die Absicht, selbst dabei zu profitieren.
Der andere kuemmert sich um seine Kollegen ebensosehr wie
um seine Vorgesetzten. Er wuenscht, dass die Ziele seiner Gemeinschaft immer hoeher gesteckt werden. Er wird eine Verantwortung uebernehmen, um seiner Gruppe zu helfen und wird freiwillig Aufgaben fuer seine Gruppe uebernehmen, selbst wenn sie
ihm keinen Ruhm oder keinen Dank einbringen. Er wird sich
eher Menschen anschliessen als sie zu beherrschen suchen. Er
passt sich den Situationen, aber nur bedingt dem Fuehrer an.
Schliesslich hat der autoritaere weniger Aussichten, von
seiner Gruppe gewaehlt zu werden. Er wird aller Wahrscheinlichkeit nach von oben her ernannt werden und sich deshalb
seinen Vorgesetzten gegenueber verantwortlich fuehlen, nicht
aber seinen Untergebenen und Mitarbeitern.
Derjenige, fuer den alle Menschen gleich sind, wird das
Bestreben haben, den freundlichen oder populaeren Menschen zu
seinem Fuehrer zu waehlen, vor allem dann, wenn es sich um
eine Stellung handelt, die nicht allzu wichtig ist. Wo jedoch
viel auf dem Spiel steht, wird er sehr waehlerisch sein. Im
Dschungelkrieg wird er den zum Fuehrer waehlen, der ueber die
Faehigkeit verfuegt, seine Kampfeinheit lebend wieder herauszubringen. '
Damit sieht Sanford, objektiv betrachtet, ein dreiteiliges
Verhaeltnis: Die Situation, den Fuehrer und den Gefolgsmann.
Eine bestimmte Art einer Situation wird eine bestimmte Art der
- 6-

�Beziehungen zum Fuehrer und Gefolgsmann erfordern. Wenn weitere
Forschungsergebnisse zur Verfuegung stehen, wird uns diese Denkeinstellung helfen koennen, die Menschen in jene Gruppen zu
gruppieren, in denen sie sich gluecklicher fuehlen und mehr
leisten koennen.
Stellen wir nun einen Vergleich zwischen diesen beiden
Studien an. In der Versicherungsgesellschaft gibt es in den
Gruppen mit hoeherer Produktivitaetsleistung Arbeiter,, die
auf ihre Arbeit stolz sind und Vorgesetzte, die ihre Untergebenen laufend unterrichten und alles mit ihnen besprechen. Mit
anderen V/orten, die Vorgesetzten sind gereifte Persoenlichkeiten, die in anderen Menschen Sicherheit und Vertrauen schaffen.
Sie fuehlen sich selbst verhaeltnismaessig sicher und brauchen
nicht anderen Menschen in einer Form Befehle zu erteilen, dass
sie damit ihre eigenen egoistischen Ziele foerdern. Sie koennen es sich leisten, sachlich zu sein, Tatsachen zu berücksichtigen und sich um andere zu kuemmern.
Diese Feststellungen, so moechte ich fast glauben, sind
in gewisser Hinsicht typisch fuer einen Gruppierungsvorgang,
der in Amerika nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in vielen anderen Organisationen stattgefunden hat. Dieser Vorgang
steht in schreiendem Widerspruch z*u der alten Auffassung vom
Meister und seinem Diener, der in der Vergangenheit das Wirtschaftsleben sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in
anderen Laendern zu beherrschen versuchte. Gewiss gab es fuer
die "Kapitaene der Industrie", die vor einigen Generationen
die grossen Unternehmungen errichteten, keinerlei Zweifel usber
die Frage, wer ein wirklicher Fuehrer ist. Als jedoch um 1890
in Amerika kein freies Land mehr zur Besiedlung verfuegbar
war und die Emigration aus anderen Laendern schnell abnahm,
begann die schnelle Entwicklung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung mit ihrer Forderung, die Arbeiterschaft als
gleichberechtigt am Verhandlungstisch anzuerkennen. Diese Gewerkschaftsbewegung ist ein dritter wesentlicher Faktor, der
zur Entstehung unserer gegenwaertigen industriellen Einrichtungen beigetragen hat, ebenso wie die Wissenschaft und die
demokratische Auffassung von der Wuerde des Einzelmenschen und
seiner Faehigkeit, mit seinem Wissen und seiner koerperlichen
Kraft sich nuetzlich zu machen. Eine andere Macht, die fuer
unsere Einrichtungen von Bedeutung war, ist der fliessende Charakter der amerikanischen Lebensweise, d.h. die Möglichkeit,
die fast jeder hat, sich unentgeltlich ausbilden zu lassen
und vorwaerts zu kommen.
Im Licht dieser Faktoren, die den Grundstein fuer unsere
soziale Struktur bilden, moechte ich heute feststellen, dass
die Art der Fuehrung, ueber die wir in unseren amerikanischen
industriellen Einrichtungen heute verfuegen, sehr viel mit
unserer Produktivitaet zu tun hat-.
Die meisten Menschen, die vieles ueoer technische Unterstuetzung und gegenseitigen Austausch wissen, beschaeftigen
sich hauptsaechlich mit technologischen und technischen Gesichtspunkten. Ich glaube jedoch, dass die menschlichen und sozialen
Gesichtspunkte im Rahmen der amerikanischen Industrie und des
amerikanischen Lebens fuer unsere Produktivitaet zumindest ebenso
wichtig und wahrscheinlich noch bedeutsamer sind.
Der Wert der vorliegenden Studien liert hauptsaechlich in
der Feststellung, was Menschen gefuehlt und versucht haben. Im
grossen und ganzen streben viele Amerikaner danach, Persoenlich- 7-

�keiten zu sein, die die Gleichberechtigung ihrer Mitmenschen
anerkennen. Mit dieser Grundeinstellung halten es viele von
uns fuer verhaeltnismaessig leicht, den gefuehlsmaessigen und
sozialen Beduerfnissen der Arbeiter und auch ihren Lebensbeduerfnissen Rechnung zu tragen. Wir sind der Ansicht, dass,
wenn Menschen tatsaechlich als Menschen anerkannt werden, wenn
sie das Gefuehl haben, einer echten Gemeinschaft anzugehoeren
und frei ihre Meinung zum Ausdruck bringen und ihre Ideen nach
eigenem Ermessen ansetzen koennen - ebenso wie ihrer Haende
Arbeit - sie auch das Bewusstsein haben, fuer etwas mehr als
nur fuer einen unentbehrlichen Lohn zu arbeiten. Durch diese
Einstellung entwickeln sie sich vom Lohnempfaenger zur Persoenlichkeit.
Ich moechte auf keinen Fall den Vorschlag unterbreiten,
dass wir diese Ideen absolut und vollkommen verwirklichen,
denn sowohl im Wirtschaftsleben als auch in der Regierung gibt
es Menschen in fuehrenden Positionen, die sowohl in gefuehlsmaessiger Hinsicht unreif als auch geistig zu beeinflussen
sind. Es sind vor allem jene, die gern ueber andere triumphieren. Wir haben schon unsere kleinen Diktatoren und manche von ihnen sind garnicht einmal unbedeutend.
Uebrigens sind wir zu einem Stadium verhaeltnismaessig
guter Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmer
durch Kaempfe und Streiks gelangt. Frueher'waren sowohl
Unternehmer als auch Arbeiter absolut egoistisch und kaempften
lediglich fuer ihre eigenen Ziele. Jeder der beiden Partner
widersetzte sich irgendwelchen Veraenderungen in der Form der
Zusammenarbeit, da jeder befuerchtete, dass die Konzessionen
auf Kosten ihres Status oder ihres Prestiges gingen und sie
dadurch in den Augen des anderen herabgesetzt wuerden. Unternehmer und Gewerkschaften haben sich in der Vergangenheit in einen
kostspieligen Kampf um die Frage eingelassen, wer die Fuehrung
der Arbeiterschaft uebernehmen soll. In vielen Faellen haben
die Gewerkschaften deshalb den Kampf gewonnen, weil die Arbeiter der Auffassung waren, dass die Gewerkschaften mit ihnen
identisch sind, dass das Unternehmertum an ihren Problemen nicht
interessiert sei.
'Es hat niemals eine Zeit gegeben, in der es derart wichtig fuer Unternehmer und Gewerkschaftsfuehrer gewesen ist, die
Wuensche und Erwartungen der Arbeiterschaft verwirklichen zu*
helfen, wie es heute der Fall ist. Es hat auch niemals eine
Zeit gegeben, in der eine feindselige Haltung der Arbeiterschaft
gegenueber dem Unternehmertum fuer die gesamte Zivilisation gefaehrlich geworden ist. Die Stimme des Kommunismus ruft laut
nach allen jenen, die unzufrieden sind und die sich nicht als
Teil ihrer industriellen Gruppe fuehlen. Die Stimme der Kommunisten schreien sehr laute, aber verdaechtige Verpsrechungen,
die die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang schon laengst als
hohl und falsch erkannt haben, fuer die die bisherige Freiheit
durch Unterdrueckung ersetzt und ihr Lebensstandard heruntergedrueckt wurde.
Es mag sein, dass die Vereinigten Staaten, die Frucht der
Freiheit und der Wissenschaft, jene Traeume in ein etwas schaerferes Licht gebracht haben, die sich hinter dem grossen Glauben unserer westlichen Zivilisation erstrecken. Es ist Tatsache, dass
in der westlichen Welt, in Europa und Amerika
und wo immer sonst sich unsere Gedenken ausgebreitet haben,
diese nicht nur einen Weg fanden, um den physischen Moeten der
Menschen zu begegnen, sondern auch um dem kleinen Mann auf der
- 8-

�Strasse alle Moeglichkeiten zu geben, seine Kraefte zu entwickeln
und ein aktiver Teilhaber der Gesellschaft zu werden, nicht nur
mit seinem Hirn, sondern ebenso mit seinen Haenden. Wir haben
daher das volle Vertrauen, dass im Gegensatz zur Tyrannei der
Sowjets, die unter utopischen Versprechungen die Freiheit der
Menschen ausgeloescht haben, die freie Welt in Wirklichkeit
nach dem strebt, was fuer die meisten Menschen in ihren Traeumen zum Ausdruck kommt. Ich habe den Glauben, dass die freie
Welt, die erst kuerzlich Hitler-Moussolini beseitigen konnte,
nicht nur dem sowjetischen Imperialismus widerstehen wird, sondern zu gleicher Zeit auch andere Hoffnungen der Menschheit in
Erfuellung bringen kann.
Wir sind bereits sehr weit auf diesem Wege gegangen, um
jedem Menschen dabei zu helfen, sich selbst als wertvolle und
wuerdige Persoenlichkeit zu fuehlen, als wirklicher Buerger in
der Familie und in zunehmendem Masse auch an seiner Arbeitsstaette. Wir kennen das Geheimnis, den Lebensstandard zu
heben - auch heute, wo wir in eine Aera der Wiederbewaffnung
eintreten muessen. Wir haben aber auch die einzige Gelegenheit,
den ganzen Willen freier Menschen aufzurufen, indem wir ihr
Los auf dem Wege zur Freiheit besser gestalten.
Transatlantic Vi/51
Vincent Tewson:
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN ENTWICKELN HILFSPROGRAMM FUER UNTERENTWICKELTE LAENDER
Der nachstehende Artikel von Vincent Tewson, dem Generalsekretaer des britischen Gewerkschaftskongresses, kuendigt an, dass der TUC dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften 60,000 Pfund Sterling zur Unterstuetzung
der gewerkschaftlichen Organisation in unterentwickelten
Gebieten zur Verf uegung -stellt. Tewson gibt zugleich
einen aeusserst zeitgemaessen Ueberblick ueber die Ziele
des TUC, die natuerlich auch denen der freien Gewerkschaftsbewegungen der uebrigen Welt entsprechen.
Innerhalt sehr kurzer Zeit - in weniger als 18 Monaten ist 3s dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften nicht
nur gelungen seinen Verwaltungsapparat fuer eine intensive
konstruktive Arbeit zu organisieren, sondern diese Arbeit
auch ununterbrochen weiterzufuehren.
Die Anweisungen, die dem IBFG auf der Gruendungskonferenz
in London im Dezember 1949 gegeben wurden, waren gewiss
aeusserst klar und eindeutig. Es war nicht seine Aufgabe, sich
in unfruchtbare Kontroversen mit dem kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund einzulassen, von dem sich die grosse
Masse der Gewerkschaften der freien '.Veit zurueckgezogen hatte.
Unsere Organisation hatte den Auftrag, eine positive Politik
zu verfolgen, und bereits im Maerz 195Ö beschaeftigte sich der .
Notstandsausschuss des IBFG, dessen Funktion darin besteht,
alle wichtigen und dringenden Fragen zu bearbeiten, die sich
zwischen den regulaeren Konferenzen des Exekutivausschusses ergeben koenner, mit der gewerkschaftlichen Situation in allen
Teilen der Welt und besonders im Fernen Osten, in Suedost-Asien,
dem Mittleren und Nahen Osten und Afrika.
9 -

�Diese Pruefung der gewerkschaftlichen Situation erfolgte
in Uebereinstimmung mit einem der wichtigsten Beschluesse, die
auf der 1. Konferenz in London gefasst wurden. Man war sich
der Notwendigkeit bewusst, die Beziehungen zwischen den freien
Gewerkschaften der Welt zu erneuern, um Missverstaendnisse
und falsche Zielsetzungen zu beseitigen, die im Zusammenhang
mit der Ursache des Bruches zwischen den freien demokratischen
Gewerkschaften und dem Weltgewerkschaftsbund entstanden waren
und gleichzeitig starke und freie Gewerkschaftsorganisationen
zur Foerderung einer fortschrittlichen Arbeiterpolitik in solchen Laendern aufzubauen, in denen die Gewerkschaftsbewegung
nicht genuegend entwickelt war. In einigen Faellen war vielleicht sogar eine falsche Politik festzustellen, weil einzelne
Gewerkschaften unter widerstrebenden politischen und sozialen
Bedingungen operieren mussten. Dies war klarer und eindeutiger als die Direktive, die die Londoner Konferenz dem Exekutivausschuss zur Festlegung seiner unmittelbaren Aufgabe gegeben
hatte.
In dieser Direktive wurde der Ausschuss aufgefordert,
so schnell wie moeglich jene nationalen Gewerkschaftszentren
zu unterstuetzen, die die Hilfe am dringendsten benoetigten.
Zugleich sollte er Verbindungen mit den bestehenden regionalen Gewerkschaftsgruppen aufnehmen, um die moeglichen Grundlagen der Zusammenarbeit bei der Entwicklung regionaler Organisationen ausfindig zu machen. Eine weitere Aufgabe bestand
darin, festzustellen, welche Meinung alle angeschlossenen
nationalen Gewerkschaftszentren bei dem Aufbau eines regionalen Gewerkschaftsapparates haben und die vorlaeufig notwendigen Schritte zu unternehmen, um ein weltweites System regionaler Organisationen als eines integralen Bestandteils des IBFG
zu schaffen.
Diese erste Aufgabe ist mit so viel Energie und Erfolg
angepackt worden, dass der IBFG damit einen klaren Beweis fuer
seine konstruktiven Absichten und positiven Ziele geliefert
hat. Der Fortschritt, der in so kurzer Zeit erzielt wurde,
hat den britischen Gewerkschaftskongress so stark beeindruckt,
dass er beschloss, aus eigenen Geldmitteln eine Summe von
60,000 Pfund Sterling zur Verfuegung zu stellen. Er wendet
sich gleichzeitig an seine ihm angeschlossenen Organisationen
mit der Bitte, mindestens ebenso viel Mittel freizumachen, die
in den naechsten drei Jahren fuer die Entwicklung der regionalen Organisationen und der regionalen Taetigkeit des IBFG bereitgestellt werden sollen.
Da dieser Betrag zusaetz lieh zu den jaehrlichen Mitgliedsbeitraegen geleistet wird, die die britischen Gewerkschaften an den IBFG zahlen, kann er als Beweis fuer das aktive
Interesse gewertet werden, das die britische Gewerkschaftsbewegung am Aufbau der ganzen Welt zeigt. Der TUC fuehlt sich vor
allem fuer die junge Gewerkschaftsbewegung im Commonwealth verantwortlich und hat vor kurzem positive Massnahmen zur Foerderung ihrer Entwicklung eingeleitet, in dem er Bueromaterialien,
Transporteinrichtungen und andere Mittel zur Verfuegung gestellt hat, die fuer die Gewerkschaftszentren in einigen der
Kolonien wichtig sind, aber zurzeit nicht ueber die Mittel
verfuegen, um sich selbst zu unterhalten.
Der TUC hat ausserdem fuer junge Gewerkschafter in den
Kolonien Stipendien und andere Moeglichkeiten der Ausbildung
zur Verfuegung gestellt. Erfahrene Gewerkschafter haben unter
der Schirmherrschaft des britischen Gewerkschaftsbundes TUC
10 -

�die Kolonien besucht, um die Organisatoren der Kolonialgewerkscheften bei ihren praktischen Problemen zu beraten und zu
unterstuetzen.
Es ist damit eine neue Richtlinie in der Politik des TUC
festgestellt. Der TUC setzt sich nachdruecklich dafuer ein,
dass seine Mitgliedsorganisationen ein starkes Interesse an
der Foerderung der Gewerkschaftsbewegung in unterentwickelten
und wirtschaftlich rueckstaendigen Gebieten zeigen* Jus ist
eine Verpflichtung der Solidaritaet, dass Gewerkschafter in
solchen Laendern, in denen die Bewegung herangereift ist,
ihre Kollegen in anderen Laendern tatkraeftig unterstuetzen
und alles foerdern, was auf diesem Gebiet getan werden kann.
Und hier kann viel geleistet werden. Der richtige Weg ist
nach Auffassung des TUC die Zusammenarbeit aller nationalen
Gewerkschaftszentren mit dem IBFG am Aufbau seiner regionalen
Organisationen. Dabei darf keine Zeit verloren und keine
Gelegenheit versaeumt werden, um den Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften zu der weltweiten GewerkschaftsOrganisation zu machen die er sein soll.
Die Zukunft der freien Gewerkschaften haengt von der
gemeinsamen Arbeit der im' IBFG zur Verfolgung der gleichen
Ziele zusammengeschlossenen Gewerkschaften ab. Die Organisation wurde keineswegs allein zu dem Zweck ins Leben gerufen,
den Kommunismus zu bekaempfen, oder der Beschwichtigungspolitik der internationalen Gewerkschaftspolitik des Kominform
entgegenzutreten. Der IBFG und seine ihm angeschlossenen nationalen Gewerkschaften haben wichtigeres zu tun, als lediglich der gefaehrlichen umstuerzlerischen Taetigkeit des Weltgewerkschaftsbundes entgegenzutreten. Zweifellos jedoch ist
es auch eine unserer Aufgaben, die Gewerkschaftsbewegung auf
nationaler und internationaler Ebene von diesen schaedlichen
Einfluessen zu saeubern.
ECA Labor Information
VI/20/51
BESSERE ARBEITGEBER - ARBEITNEHMER BEZIEHUNGEN ERFORDERLICH
Die Beseitigung politischer Gesichtspunkte aus" den Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und die
Festsetzung von Arbeitsbedingungen wurde von zwei italienischen Gewerkschaftern, die eine Studienreise durch die Vereinigten Staaten beendet haben, als Mittel zur Verbesserung der
Beziehungen zwischen Arbeiter und Unternehmer in ihrem eigenen
Lande bezeichnet.
Die beiden Arbeiter Giovanni Caligari aus Mailand und '
Anthony Cocci aus Rom waren Mitglieder einer Besuchergruppe,
die sich aus Vertretern der Buntmetallindustrie zusammensetzte
und ihre einmonatige Studienreise durch die Vereinigten Staaten
im Rahmen des technischen Unterstuetzungsprogramms des Marshallplans soeben beendet nat.
Wir moechten gern, dass sich unsere Gewerkschaften in
ihren Verhandlungen auf Wirtsehaftsfragen beschraenken, so wie
es in den Vereinigten Staaten der Fall ist, sagte Cocci. Wenn
es den Kommunisten gelingt, politische Elemente in diese Verhandlungen hereinzutragen, sind diese Beziehungen in ihrer Gesamtheit gestoort.

�Sein Kollege Caligari wies darauf hin, dass die italienischen Arbeiter eine Modernisierung nicht fuerchten, durch die
ihre Arbeit erleichtert und die Produktionsleistung gesteigert
werden koennte. Die Kommunisten versuchten jedoch die Arbeiterschaft angesichts dieser neuen Idee mit derart viel Bedenken
zu umgeben, dass sie Schiffbruch erleiden muss.
Waehrend ihres Besuches in den Vereinigten Staaten hatten
die Mitglieder der Besuchergruppe ein ungewoehnliches Erlebnis, in dem sie als Uebermittler technischer Informationen zwischen zwei amerikanischen Betrieben taetig waren. In einem
Betrieb sahen sie, wie die durch Azetylen erzeugte Hitze dazu
verwendet wurde, die Q,ualitaet der Zinkbleche zu verbessern.
Die Italiener ueberlegten nicht nur, wie dieses Verfahren in
Italien angewendet werden koennte, sondern erwaehnten es auch
zufaellig in dem naechsten Betrieb, den sie besichtigten* In
diesem Betrieb war dieses Verfahren unbekannt und die Werkleitung beschloss, sich sofort mit dem System zu beschaeftigen
und, wenn es irgend moeglich ist, es anzuwenden.
Waehrend ihrer Reise durch die Vereinigten Staaten besuchte die Gruppe Betriebe in New Jersey, Connecticut, Massachusetts,
Rhode Island, Indiana und Illinois.
SCA Labor Information
VI/20/51
SIEGFRIED AUFKAEUSER KOMMT NACH DEUTSCHLAND ZURUECK
Der nachstehende Bericht, 5er dem Organ der New Yorker
Journalistengewerkschaf.t "Front Page" entnommen ist, gibt die
Geschichte eines New Yorker Journalisten wieder, der vor 1933
Gewerkschaftsfuehrer in Deutschland war und jetzt in dieses
Land zurueckkehrt, um dort die gewerkschaftlichen Organisationen der Angestellten zu unterstuetzen.
Bis zu seiner Rueckkehr nach Deutschland war der ruhige
bescheidene Siegfried Aufhaeuser fuer seine Arbeitskollegen
nichts weiter als ein aelterer deutschsprachiger Journalist.
Nicht viele wussten, dass er vor 1933 in Deutschland ein
bekannter Gewerkschaftsfuehrer und Vorsitzender der maechtigen
Gewerkschaft der Angestellten, des AfA-Bundes, und Mitglied
des Reichstags war. Vor dem Krieg bekleidete er eine fuehreivde Stellung in der deutschen Gewerkschaftsbewegung; er kehrt
nach Deutschland zurueck, um erneut in dem Kampf der freien
Gewerkschaften mitzuarbeiten.
Aufhaeusers gewerkschaftliche und parlamentarische Laufbahn fand mit der Machtuebernalime Hitlers ein jaehes Ende. Zu
Anfang des« Jahres 1933 ereilte ihn das gleiche Schicksal wie
die meisten prominenten Persoenlichkeiten in Deutschland, die
sich mit Hitler nicht einverstanden erklaeren konnten und es
wagten, ihre Stimme gegen ihn zu erheben.
Er wurde verhaftet und als Mitglied des deutschen Parlaments sogar beschuldigt, an jenem berechtigten Reichstagsbrand beteiligt gewesen zu sein. Jahre danach stellte man
fest, dass der Reichstag von Hitlers eigenen Schergen zu propagandistischen Zwecken in Brand gesteckt worden war.
Nach seiner Flucht aus Deutschland begab sich Aufhaeuser
nach Paris und spaeter in die Tuerkei. In Prag wurde er fueh- 12 -

�render Funktionaer der Gewerkschaftsbewegung der Angestellten
des mittleren Europas und der Balkanstaaten, und es gelang
ihm, eine Organisation mit einer Mitgliederzahl von mehreren
100,000 aufzubauen.
In Prag, war er bis zum Jahre 1938 taetig, als Hitlers
Schergen ihn erneut waehrend der nichtprovozierten Invasion
der Tschechoslowakei aufstoeberten. Mit Hilfe von Anhaengern
der Untergrundbewegung konnte er erneut entkommen und ging
diesmal nach London. Aber schon im naechsten Jahr verliess
er England und ging in New York an Land. Mit 53 Jahren begann
fuer ihn ein neues Leben in einem fremden Lande. Hier kannte
ihn das Aussenministerium als wertvollen Berater fuer den Aufbau einer neuen Gewerkschaftsbewegung in Deutschland nach dem
Kriege.
Zweifellos wird Aufhaeuser in der Rehabilitierung des demokratischen Deutschlands und der freien Gewerkschaftsbewegung
eine bedeutende Rolle spielen. Von seiner zehnjaehrigen Erfahrung als taetiges Mitglied der amerikanischen Presse berichtet
er: Wenn ich die Vereinigten Staaten verlasse, so bedauere ich
vor allem, dass ich unsere Gewerkschaft nicht mit mir nehmen
kann. Ich »var sowohl in Deutschland als auch in Amerika Journalist und zugleich waehrend meines ganzen Lebens Gewerkschafter.
Seibsc in Deutschland hatten wir vor 1933 niemals eine
Organisation, die man mit der hiesigen Gewerkschaft haette vergleichen koennen. Es ist eine meiner aufrichtigsten Hoffnungen,
mithelfen zu koennen, die Journalistenverbaende und Gewerkschaften in Deutschland zu vereinigen, wie wir es auch in Amerika
unter dem Banner der Journalistengewerkschaft getan haben.
In Deutschland wird Aufhaeuser seine langjaehrigen gewerkschaftlichen Erfahrungen dazu verwenden, um die gespaltene Organisation der Angesteliten wieder zu einer einzigen maechtigen
Kraft zu vereinigen, wie sie es in der Zeit vor Hitler war.
Aufhaeuser erklaerte, dass
nale Repraesentant das CIO beim
weilt, wahrscheinlich einer der
ist, die mithelfen werden, eine
gewerkschaft aufzubauen.

Victor Reuther, der internatioIBFG, der oft in Deutschland
zahlreichen Gewerkschaftsfuehrer
vereinigte deutsche AngestelltenThe CIO News
VI/25/51

DIE SCHIEDSSFRECHUNG DER AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN IN TÄTIGKEIT
Der beste Weg zum Verstaendnis des Beschwerdemechanismus
und der Schiedssprechung ist die Verfolgung eines gegebenen Falles. Hier handelt es sich um einen Fall, der in einem grossen
Stahlwerk in Pittsburg auftauchte, und als "der Fall der ungewaaohenen Waende"bekannt wurde. Mr. X. ist der Ammoniakdestillateur des Nebenproduktwerkes. Als er am Sonntag, den 27. Juni
1948 zur 4-8 Uhr Schicht zur Arbeit kam, forderte ihn sein Vormann auf, an diesem Tage die Waende des Destillationsraumes innerhalb seiner normalen Arbeit zu waschen. Mr. X. beschwerte sich
und sagte, dass das Waschen -der Waende nie zuvor von ihm verlangt
worden sei, und dass die Waende tatsaechlich erst einmal, und
zwar von einem Pfoertner, gewaschen worden waeren. Der Vormann
sagte: "Nichtsdestoweniger muessen Sie heute die Waende waschen.
j-o

—

�Da3 ist ein Auftrag meines Betriebsfuehrers." X. bat um Erlaubnis, mit einem Mitglied seines Beschwerdekomitees sprechen zu
koennen, bevor er sich entschloesse, was zu tun sei. Nach einigem Zoegern wurde diese Erlaubnis abgelehnt, und X. vor die
Alternative gestellt, entweder die Waende sofort zu waschen
oder nach Hause zu gehen. Er zog es vor, nach Hause zu gehen
(er blieb jedoch auf dem Posten, bis ein Ersatzmann beigeschafft
werden konnte). Am anderen Tage kehrte er zur Arbeit zurueck,
und ihm wurde das Ultimatum gestellt, entweder die Waende zu
waschen oder nach Hause zu gehen. So ging er nochmals nach
Hause. Am dritten Tage wurde ihm der Eintritt ins Werk verweigert. Seine Karte war vom Haken genommen worden, und als er
dagegen protestierte, erklserte die Gesellschaft, dass er seinen
Posten freiwillig aufgegeben haette, und dass damit die Sache
abgeschlossen sei. Natuerlich war sie nicht abgeschlossen.
Mr. X. setzte sich mit seinem Beschwerdekomitee in Verbindung,
und der Fall begann seinen Lauf durch die fuenf Schritte des
Beschwerdemechanismus. Waehrend des vierten Schrittes bot die
Gesellschaft eine Beilegung auf der Basis der Wiedereinsetzung
ohne Bezahlung der rueckstaendigen Loehne an. Die Gewerkschaft
lehnte dieses Angebot ab und wies darauf hin, dass der Vertrag
verletzt worden sei, und dass daher Mr. X. einen Anspruch auf
die verlorenen Loehne haette. Der Fall kam am 29. September
1948 vor ein Schiedsgericht, nachdem ueber drei Monate seit
Beginn der Beschwerdefuehrung vergangen waren. Die Gewerkschaft
brachte als Zeugen Mr. X., drei seiner Mitarbeiter des Nebenproduktwerkes und ein Mitglied des Beschwerdekomitees bei.
Die Untersuchung wurde von einem Mitglied der Untersuchungsabteilung der Gewerkschaft gefuehrt. Die Gesellschaft wurde
durch ihren Rechtsanwalt und ihren stellvertretenden Personalchef vertreten. Drei Zeugen waren vorhanden; und zwar der
Vormann, der Abteilungsleiter und der Direktor der Arbeiterabteilung des Werkes.
Um diesen Fall verfolgen zu koennen ist das Verständnis
der Tatsache, dass der Vertrag ein besonderes Suspendierungsund Entlassungsverfahren vorsieht, notwendig. Diese Klausel
besagt, dass Arbeitnehmer nicht diktatorisch entlassen werden
koennen, und dass in allen Faellen, in denen die Betriebsfuehrung zum Entschluss kommt, dass das Verhalten des Arbeitnehmers
eine Suspendierung oder Entlassung fordere, dieser zunaechst
einmal fuer nicht mehr als fuenf Tage zu suspendieren ist. Vertritt der Arbeitnehmer den Standpunkt, dass die Suspendierung
oder die beabsichtigte Entlassung unberechtigt ist, kann er
eine Beschwerde einreichen, die automatisch nach dem dritten
Schritt der Beschwerdeordnung behandelt wird.
In diesem Falle fuehrte die Gewerkschaft aus, dass die
Gesellschaft den Bestimmungen des Vertrages nicht nachgekommen
sei. Sie hatte Mr. X. ohne Suspendierung und Zulassung einer
Verhandlung entlassen. Es stimmte zwar, dass X. sich einer
Suspendierung aussetzte, indem er sich weigerte, den Auftrag
seines Vormannes auszufuehren. Die in dem Uebereinkommen vorgesehene Verhandlung haette entschieden, ob seine Weigerung
berechtigt war oder nicht, aber es konnte kein Zweifel in Bezug
auf den Anspruch des Herrn X. auf zunaechst einmal eine Suspendierung und eine Verhandlung innerhalb von fuenf Tasren bestehen.
Der Vertrag bestaetigt ausdruecklich, dass diktatorische Entlassungen nicht zulaessig sind. Die Gewerkschaft diskutierte
die Berechtigung der Verweigerung der Waende Reinigung nicht,
obwohl sie zum Ausdruck brachte, dass, wenn Herr X. den normalen Gang der Auftragserteilung gegangen waere und zu einem
spaeteren Zeitpunkt eine Beschwerde eingereicht haette, es fuer
- 14 -

�ihn keine Bereinigung des Vorfalles geben konnte, selbst wenn
festgestellt worden waere, dass die Gesellschaft nicht berechtigt war, das Waendewaschen von ihm zu verlangen, Es waere
mit seinem normalen Stundenlohn bezahlt worden, und die einzige Befriedigung, die er haette haben koennen, waere das Wieder beschmutzen der Waende gewesen.
Die Gesellschaft fuehrte aus, dass sie Herrn X. nicht entlassen haette, sondern dass er freiwillig aus dem Arbeitsverhaeltnis ausschied und daher kein Recht zur Beschwerdefuehrung
bestuende.
Der Schiedsrichter ueberpruefte die Sachlage, ob Herr X.
freiwillig ausgetreten sei oder nicht auf das Genaueste und
kam zu dem Ergebnis, dass Herr X. nicht gekuendigt hatte, und
dass er das Recht der. Beschaeftigung in seiner Position habe,
solange diese bestuende. Da man die vertraglichen Bestimmungen fuer die Entlassung nicht befolgt hatte, war X. Angestellter geblieben, und man hatte ihm einfach nicht gestattet, seiner Arbeit nachzugehen. Das wa? natuerlich nicht zulaessig,
und daher ordnete der Schiedsrichter an, dass X. unter voller
Bezahlung; seiner rueckstaendigen Loehne wieder in seinen Posten einzusetzen sei. Dieser Beschluss wurde am 27. Oktober
gefasst. Einige weitere Tage vergingen, bis X. in der Lage war,
a*n seinen Posten zurueckzukehren. Er erhielt also eine Bezahlung fuer vier I-'onate, und zwar in der gleichen Eoehe, als wenn
er waehrend dieser Zeit gearbeitet haette. In diesem Falle
hatte X. anderweitige Beschaeftigung gefunden, waehrend er auf
die Verhandlung seines Falles wartete. Diese Zwischenverdienste wurden nicht von seinen rueckstaendigen Loehnen abgezogen,
da die Bezahlung von rueckstaendigen Loehnen nicht nur eine
'.Viedergutmachung fuer unberechtigte Zuruecksetzung ist, sondern
auch als Strafe fuer eine Vertragsverletzung gilt.
Haette die Gesellschaft Herrn X. bei seiner Rueckkehr aufgefordert, die Waende zu waschen, haette er sich einem ganz
anderen Problem gegenueber gesehen, da die Gesellschaft dieses
Mal die Beschwerdeordnung des Eollektivverhandlunrsvertrages
auf das Genaueste befolgt haette. Wenn sich X. auch dann noch
geweigert haette, haette man den unparteiischen Schiedsrichter
zur Entscheidung der Frage, ob diese Taetigkeit innerhalb der
Pflichten der Position liege oder nicht, anrufen muessen. Die
Gesellschaft stellte sich jedoch nicht auf diesen Standpunkt,
und Herr X. arbeitet, ohne sich mit dem Gedanken an "Waende"
zu belasten.
Dieser Fall war von ausschlaggebender Wichtigkeit, und
zwar nicht wegen der Frage der Waende, sondern in Bezug auf
die iintlassungsvorschriften und das Recht des Arbeitnehmers,
seinen Posten zu halten, solange dieser besteht. Hierdurch wird
das Gefuehl der Sicherheit vertieft und die lYoeglicukeit der
Ausnutzung verringert, ohne irgendwelche Einschraenkung der
legitimen Rechte der Betriebsfuehrung, da dies auf Grund der
vertraglich festgelegten Ordnung Abhilfe schaffen kann. Es mag
von Interesse sein, dass dieses Problem, nachdem es einmal durch
einen Schiedsspruch geloest war, zu keinem Zeitnunkt und bei
keiner Dienststelle wieder auftauchte.
Der ganze Fall verursachte beachtliche Kosten, allein die
aktenmae^sige Festlegung der Verhandlung kostete einen nicht unbedeutenden Betrag, Loehne der Zeugen rauasten bezahlt werden,
und auch die Zeit des Mitgliedes des Beschwerdekomitees und
der anderen Gewerkschaftsfuehrer kostete Geld. Nichtsdestowe- 15 -

�niger zahlte Herr X. nicht mehr als seine regulaeren Beitraege,
wie sie jedss andere Mitglied der Gesellschaft zahlt, mit anderen Worten also $ 2.00 im Monat. In diesem Falle war der Wiedergutnachungsbetrag hoeher als die Kosten der aller Verhandlungen. Die Gewerkschaft betrachtet jedoch eine Beschwerde
selten, wenn ueberhaupt, vom finanziellen Gesichtspunkt aus.
Sie ist vielmehr daran interessiert Prinzipien und Leitfaeden
festzulegen. Wichtig ist, dass der Vertrag in allen seinen
Einzelheiten respektiert wird. Sehr oft waren die Kosten fuer
ein Schiedsspruchverfahren bei weitem hoeher als die moegliche
Rueckzahlung an die Mitgliedschaft. Nichtsdestoweniger liess
die Gewerkschaft den Fall verhandeln, mit dem Ergebnis, dass
die Rechte der Arbeitnehmer zu feststehenden Begriffen geworden sind.
Auszug aus: Die Geschichte der StahlarbeiterGewerkschaften
LEBENSSTANDARD UND PRODUKTIVITAET VON ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN
GEWERKSCHAFTEN UND UNTERNEHMERN ABHAENGIG
Ein Funktionaer des amerikanischen Bergarbeiterverbandes
ist der Meinung, dass der Anstieg der Produktivitaet und des
Lebensstandards auf die Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmern zurueckgefuehrt werden kann.
Diesen Bericht erstattete Thomas Kennedy, der stellvertretende Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes. Er sprach zu
den Delegierten der Internationalen Arbeitsorganisation und
stellte hierbei fest, dass die 600,000 Mitglieder seiner Gewerkschaft alles zu tun wuenschen, um den Bergleuten in der
ganzen Welt behilflich sein zu koennen.
Kennedy's Meinung geht dahin, dass die Bergarbeiter in
anderen Laendern ebensoviel wie die amerikanischen Arbeiter
foerdern koennen, wenn ihnen die geeigneten Geraete und vernuenftige Arbeitsbedingungen gegeben werden. Er forderte dazu
auf, dass durch die IAO eine Konferenz einberufen werden soll,
an der sich Gewerkschaften, Unternehmer und Regierungen eller
kohleerzeugenden Laender beteiligen sollen, um hier gemeinsame
Probleme der Loesung naeherzubringen.
Noch vor 50 Jahren verdiente der amerikanische Bergarbeiter praktisch bessere Trinkgelder, lebte in werkeigenen"Wohnungen und arbeitete unter fuerchterlichon Bedingungen. Heute
besitzen 65% aller amerikanischen Bergarbeiter eigene Haeuser.
Sie zaehlen zu den bestbezahltesten Arbeitern uncf die Sicherheitsmassnahmen werden in gemeinsamer Arbeit mit den Bergwerksgesellschaften durcheefuehrt.
Labor Air Bulletin
VI/20/51

HIOOO 11 Jul 51 17528 6 M

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITYEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse and anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gehrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 28

Frankfurt, 12. Juli 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Finanzen der amerikanischen Gewerkschaften - -

1

Eine neue Waffe der Y.'eltgewerkschaf tsbewegung

5

- -

Niedrige Arbeitsmoral behindert Produktion der
Satellitenstaaten immer staerker - - - - - - Die Gewerkschaftsbewegung im Fernen Osten
Blut aus Oesterreichs Boden

8

- - - - 11

- - - - - - - - - - -

14

In welchen Berufen arbeiten amerikanische Freuen?

16

lack Barbash:
DIE FINANZEN DER AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
"Die moderne Gewerkschaft ist in vieler Hinsicht ein grosses
Geschaeftsunternehmen geworden," sagen Philip Murray und !". L.
Cooks.
Dieser Bemerkung fuegte ein Delegierter zum Koneress der
Zimmerer folgende Bemerkung an: "Ich glaube, wir sind alle der
Meinung, dass unser Verband ein grosses Unternehmen ist. Der
Betrieb unseres Zimmermannsheims ist ein grosses Unternehmen.
Die Leitung unserer Druckerei in Indianapolis ist ein grosses
Unternehmen. Die Statistische Abteilung unserer Vereinigten
- 1-

�Bruderschaft kann sich mit den groessten statistischen Bueros
irgend einer Handels- oder Industrie-Organisation vergleichen."
Die "Verwaltung der Gewerkschaftsfinanzen umfasst die Eintreibung der Beitraege, der Eintrittsgebuehren und der Extrabeiträege und die Buchfuehrung darueber. Sie bedeutet auch
die Auszahlung der Arbeitslosen-, Streik-, Krankenunterstuetzungsund der Sterbegelder, die Pruefung der Buecher untergeordneter
Einheiten, Zahlung von Beihilfen an angegliederte Organisationen, Investierung der Verbandsgelder in V/ertpapieren und Grundbesitz und das finanzielle Operieren, wie es ein Unternehmen
mit vielleicht tausend Arbeitern tun wuerde. Diese Funktionen
haben in den inneren Betrieb der Gewerkschaften viele geschaeftsmaessige Praktiken gebracht, die garnicht mit dem Gleichheitsideal harmonieren, fuer das die Gewerkschaften ein Ausdruck
sind.
Diese geschaeftsmaessige Regelung des inneren Geschaeftsbetriebes hat dazu gefuehrt, dass manchen einfachen Mitgliedern
die Gewerkschaft wie ein unpersoenlicher Mechanismus vorkommt.
Die meisten Dinge, die das Mitglied mit der Gewerkschaft zu erledigen hat - Beitraege zahlen und Unterstuetzung erhalten spielen sich in der Atmosphaere einer Bank und nicht so sehr
in der einer bruederlichen Organisation ab. Die Tendenz zu
finanzieller Nuechternheit und Haerte ist einer der Faktoren,
die eine Kluft zwischen der Gewerkschaftsverwaltung und den
Mitgliedern geschaffen haben. Fuer das Mitglied ist die Gewerkschaft "das Buero". Daran muss der Kassierer der CIO Shipyard
Worker (Werftarbeiter) gedacht haben, als er meinte, "es sollten
viel weniger Betraege fuer 'Zeitverlust' aus der Gewerkschaftskasse gezogen werden," und die Hoffnung aussprach, "dass wir
wieder zu den Tagen der kaempferischen Gewerkschaftsbewegung
zurueckkehren, wo es einreichen der Ehre fuer einen Verbandsbruder war, unserer Sache zu dienen ohne Entschaedigung fuer
'Zeitverlust', wenn dadurch nicht gerade sein Unterhalt gefaehrdet wurde." Und bei einer viel aelteren Gewerkschaft finden wir
dieselbe Reaktion, wenn der Grosslogen-Auditor der Maschinisten
klagt, es zeuge von einer Verkuemmerung der gewerkschaftlichen
Moral, wenn Gewerkschaftsmittel fuer verschwenderische und nichtige Zwecke verwandt werden, weil die neuen Mitglieder nicht in
gesunden Gewerkschaftsprinzipien erzogen sind."
Der Konflikt zwischen dem Idealismus und der Leistungsfaehigkeit der Gewerkschaft hat sich nirgends schaerfer manifestiert,
als im Finanzaufbau der Gewerkschaften. Hohe Gehaeiter der Gewerkschaftsangestellten werden als unvereinbar mit den guten
Gewerkschaftsprinzipien angesehen. Der Streit ueber die Gewerkschaf tsgeheelter geht zwischen denen, die glauben, dass kein
Angestellter mehr erhalten sollte als der bestbezahlte Arbeiter
in der Fabrik, und jenen, die versichern, dass Tuechtigkeit und
wirkungsvolle Vertretung der Gewerkschaftsinteressen die Zahlung von Gehaeltern rechtfertigen, die denen von Direktoren
naeher kommen als den Arbeiterloehnen.
Das Gleichheitsgefuehl unter den Arbeitern ist noch stark.
Der Buchdruckerverband machte diese Erfahrung, als ein Antrag
auf Erhoehung der Gehaeiter fuer Vizevorsitzende in einem Referendum abgelehnt wurde. Der Vizevorsitzende Eimer Brown
klagte:
"Dass die Mitglieder nicht willens waren, sie fuer die
Mehrkosten zu entschaedigen, die mit dem Eintritt in das Amt
durch die hohen Lebenskosten und die hoeheren Steuern erwucfc- 2 -

�sen, wird sich in keiner Weise auf die Dienste auswirken, die
diese Funktionaere den Mitgliedern des Buchdiuckerverbendes
leisten. Jeder, der sich um ein Amt im Verband mit der Erwartung auf materielle Entschaedigung fuer seine Muehen bewirbt,
hat schwere- Enttaeuschungen zu gewaertigen. Wie die Minister
muessen auch die Verbandsangestellten mit der Genugtuung zufrieden sein, die der Erkenntnis entspringt, dass sie etwas fuer die
tun, deren Wohl sie dienen."
Als auf dem Kongress des Zimmererverbandes die Gehaeiter
der hoeheren Angestellten diskutiert wurden, drueckte ein Delegierter die moderne Geschaeftsauffassung aus: "Die Arbeiterorganisation nimmt eine Position in der Welt ein, die ein
Teil des Geschaeftslebens ist. Sie hat jetzt den Punkt erreicht, wo wir unsere Angestellten bezahlen muessen im Verhaeltnis zu der geschaeftlichen Leistung, die sie vollbringen."
Philip Tafts Untersuchungen ueber die Gehaeiter der Gewerkschaftsangestellten ergaben, dass die Gehaeiter der oertlichen Funktionaere in einem gewissen Verhaeltnis zu den Arbeiterloehnen in ihrem Beruf stehen. Das durchschnittliche
Wochengehalt eines solchen Angestellten betraegt etwafr75,-.
Die Gehaeiter der Angestellten in der Leitung der allamerikanichen Gewerkschaften lassen keine Beziehung zu den Arbeiterloehnen erkennen. Das Durchschnittsgehalt ist hier - wenn
man von den hoechsten Funktionaeren absieht - etwa fr 5 500,pro Jahr; fr 6 500,- bei den AFL-Gewerkschaften, etwas unter
fr 4 000,- bei den CIO-Gewerkschaften. Die Gehaeiter der Hauptexekutivbeamten stellen sich auf durchschnittlich fr 6 500,-;
bei der AFL auf fr 7 000,-. bei der CIO auf fr 6 000,-.
Der Vorsitzende der UAW-CIO (Automobilarbeiter), einer
Gewerkschaft mit einer Million Mitglieder, erhaelt fr 9 000,-.
Eine heftige Debatte war notwendig, um das Gehalt von fr 5 000,euf diesen Betrag zu erhoehen. Der Vorsitzende der Gummiarbeiter erhaelt fr 4 000,- und der der United Electrical Workers
ungefaehr fr 3 500,-. Der Vorsitzende der Newspaper Guild bezieht kein Gehalt, er arbeitet als Journalist. Der Praesident
der Pulp and Sulphite Workers (Papiermacher) bezieht fr 6 500,-,
t 12 000,- erhaelt der leitende Mann der Ladies' Garment
'.Yorkers. Das hoechste Gehalt scheint das aes Vorsitzenden der
Lastwagenfahrer mit fr 30 000,- zu sein. Die Vorsitzenden der
Bergarbeiter und der Bueroangestellten bei den Eisenbahnen haben je fr 25 000,-, die der Stahlarbeiter, der Musiker und der
AFL je fr 20 000,-. Vergleicht man diese Gehaeiter mit denen
von Angestellten der Privatindustrie, die eine gleiche Verantwortung haben, so erscheinen sie niedrig.
Der demokratische Geist, der in den gewerkschaftlichen
Organisationen lebt, zeigt sich in der Offenheit, mit der ueber
die finanziellen Transaktionen in der Oeffentlichkeit berichtet wird. In den Berichten des Exekutivausschusses an den
Kongress und in den Verbandsblaettern werden gewoehnlich sehr
ausfuehrliche Abrechnungen veroeffentlicht. In der Tat gehoeren zu den Dingen, die die Gewerkschaftszeitungen so schwer
lesbar machen, die vielen Spalten langen und ins Einzelne gehenden Finanzberichte. Die Kalktraeger machen eine Ausnahme.
Einer ihrer letzten Finanzberichte umfasst die ganze Periode
von 1911 bis 1941.
Einer der aufschlussreichsten Finanzberichte ist der der
Buchdrucker. In einer der neuesten Fummern des "Journal" erscheint eine graphische Darstellung, die zeigt, wie die fr 5,80
- 3-

�Monatsbeitrag, die ein Buchdrucker mit 4 250,- Monatseinkommen
zahlt, verwandt werden: $ 4,15 fuer Alterspensionen, 85 Cents
fuer Sterbegelder, 50 Cents fuer des Buchdruckerheim, 30 Cents
fuer wirtschaftliche Einrichtungen, davon 5 Cents fuer das
"Journal".
Die Abrechnung des Newspaper Guild liefert das Material
fuer eine gruendliche Pruefung der Finanzgebarung der Gewerkschaft durch die Mitglieder und die Oeffentlichkeit. Man
kann z.B. daraus erfahren, dass der Redakteur des Verbandsblattes im Vierteljahr $ 845,-, der Leiter der Forschungsabteilung § 885,- erhielt; $ 13 523,- wurden fuer Propagandazwecke
ausgegeben, und die Verwaltungskosten beliefen sich auf
$ 10 770,- in diesem Vierteljahr (September 1945).
Man kann getrost sagen, dass die Finanzberichte der Gewerkschaften mit viel mehr Einzelheiten und viel haeufiger veroeffentlicht werden als die der Trustunternehmungen. Das ist umso
bezeichnender, als bis zum Taft-Hartley-Gesetz kein Zwang fuer
die Gewerkschaften bestand, ueber ihre Finanzgebarung oeffentlich Rechnung zu legen.
Eine allgemeine Tendenz ist das Zurueckgehen der Beitraege
fuer »Vohlfahrtszwecke, die fuer die aelteren Gewerkschaften so
charakteristisch waren. Gewerkschaften neigen immer mehr dazu,
Beitraege nur fuer das zu erheben, was der Buchdruckerverband
als "wirtschaftliche Aktivitaet" bezeichnet. Diese Entwicklung
ist begruendet durch die wachsende Bedeutung der staatlichen
Sozialversicherung; durch den staer*eren Anschluss von ungelernten Arbeitern an die Gewerkschaften, die Wohlfahrtsunterstuetzungen durch die TarifVerhandlungen zu erreichen hoffen; ausserdem
wirkt sich aus, dass die Wohlfahrtseinrichtungen der Gewerkschaften in immer geringerem Masse leistungsfaehig bleiben.
"Wohlfahrtseinrichtungen," sagt Matthew Wöll, "sind, wo sie
noch bestehen, eine staendige Sorgenquelle. Die Beitraege fuer
sie muassen immer wieder erhoeht werden, um mit dem steigenden
Lebensalter Schritt zu halten, und Beitragserhoehungen sind
immer schwer durchzusetzen. Allerhand Scnwierigkeiten ergeben
sich daraus. Nichts bringt soviel Sorgen und Unsicherheit fuer
die Gewerkschaften mit sich als die Wohlfahrtseinrichtungen, wo
sie noch bestehen."
Aber auch andere Zwecke verfolgt die Finanzgebarung der
Gewerkschaften neben der Erhebung der Beiträge zur Deckung der
laufenden Ausgaben der Verbaende. Hohe Eintrittsgelder werden
manchmal erhoben, um die Mitgliederzahl zu beschraenken, namentlich in den Industrien mit "geschlossenen Betrieben". Zu diesem
Zwecke erhoben oertliche Organisationen des Verbandes der Filmoperateure zeitweilig Beitrittsgelder von 4 300,- bis fy 1 000,-.
Andere Gewerkschaften, deren Beitrittsgelder ungefaehr dieselbe
Hoehe erreichten, waren die Zementmaurer, die Plakatankleber
und die Linoleumleger. Die Zentralkasse der Lastwagenfahrer
beansprucht vom niedrigsten Monatsbeitrag von $ 2,- nur 30 Cents,
um die Ortsorganisationen zu einer starken Organisierungstaetigkeit anzuspornen.
Die Bestimmung der Finanzpolitik der Gewerkschaften geht
immer mehr in die Haende der allamerikanischen Verbaende ueber.
Millis und Montgomery stellen fest: "Zuerst lag die Festsetzung
der Beitrittsgelder und der Beitraege in den Haenden der oertlichen, nicht der allamerikanischen Verbaende. Das hat sich aber
4 -

�sehr entschieden geaendert, seitdem die allamerikanischen Ver
beende neue Aufgaben uebernommen und groessere Macht erworben
haben."
Vorabdruck aus dem vom Bund-Verlag Koeln
herausgegebenen Werk Jack Barbash:
Struktur und Taktik der amerikanischen
Gewerkschaften.
David Dubinsky:
EINE NEUE V/AFFE DER WELTGEV/EI&amp;SCHAFTSBEIVEGUNG
Die neue Internationale ist in erster Linie das Ergebnis
des riesigen .'/achstums des Gewerkschaftswesens. Die amerikanische Gewerkschaftstewegung hat seit 1933 einen gewaltigen_
Aufschwung genommen, so dass sie zurzeit 16 Millionen Mitglieder zaehlt. Die auf dem Londoner Kongress in Erscheinung getretene dynamische Einheit der American Federation of Labor (AFL)
und des CIO hob ihr Ansehen und trug zur Staerkung der amerikanischen Gewerkschaften bei. Auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans haben die britischen Gewerkschaften nach einem
furchtbaren totalen Krieg erhoehten Einfluss erlangt. Die freien Gewerkschaften des demokratischen Europa sind trotz der grausamen Unterdrueckung durch die Nazis zu neuen Leben erwacht;
allein in '/{Ostdeutschland zaehlen die wiedererstandenen Gewerkschaften, der Deutsche Gowerkschaftsbund, mehr als fuenf Millionen Mitglieder. In Lateinamerika haben die Gewerkschaften trotz
grosser Schwierigkeiten an Umfang und Reife gewonnen. In Japan
gibt es zurzeit etwa sechs Millionen organisierte Gewerkschaftsmitglieder. Auch in Indien und in den noch unentwickelten Kolonialgebieten hat die Gewerkschaftsbewegung bemerkenswerte
Fortschritte gemacht.
Noch in zweiter Hinsicht weicht die neue Internationale
von dem Vorbild aller ihrer Vorlaeuferinnen ab. So bedeutend
die Ziele und Aktionen der europäischen Gewerkschaften auch
sein moegen, sind sie doch nicht c'e Haupoursache ihrer Entstehung. Die aktuelle und potentielle Staerke der neuen Organisationen ruehrt grossenteils von der aufsteigenden Gewerkschaftsbewegung in Asien und Afrika her. Auf dem Londoner Kongress
traten die jungen Gewerkschaftsbewegungen Asiens und der kolonialen Laender kraftvoll und unabhsengig auf. Sie spielten
nicht die Rolle farbiger Statisten, wie dies - unter heuchlerischer Berufung auf die Gleichberechtigung der Rassen - auf kommunistisch kontrollierten Konferenzen der Fall ist. Dass es sich
hier um eine wirkliche Zusammenarbeit auf der Grundlage der
Gleichberechtigung handelt, zeigte sich darin, dass von den 19
Mitgliedern des Exekutivkomitees, die gewaehlt wurden, 8 aus
Verbaenden stammen, die ausserhalb Europas und Nordamerikas
ihren Sitz haben, wo das Gros der gegenwaertigen Mitgliedschaft
zu finden ist - naemlich 3 aus Asien und dem Mittleren Osten,
2 aus Latein-Amerika und je einer aus Afrika, den Gebieten
Australien-Neuseeland und Westindien, iines der ermutigendsten
Merkmale des Londoner Kongresses war, dass von einem Uebergewicht der Grossmaechte nicht die Rede sein konnte. Der Praesident Paul Finet, ein Belgier, und der Generalsekretaer, J. K.
Oldenbroek, ein Hollaender, sind Vertreter kleiner Staaten, und
um den Anschein zu vermeiden, als werde der Internationale
Freie Gewerkschaftsbund von einer der "Grossmaechte" kontrolliert, waehlte man Bruessel zum Sitz der Organisation.
- 5 -

�Der Grundsatz der Autonomie zieht sich wie ein roter Faden
durch Statut und Struktur der neuen Organisation. Die Aussicht
auf volle Zusammenarbeit mit den Internationalen Gewerkschaftssekretariaten - Organen angeschlossener Verbaende in besonderen Branchen oder Industrien zum Zwecke"der Zusammenarbeit in
der ganzen Welt - wird durch die Annahme des Grundgesetzes der
Autonomie betraechtlich erhoeht. Der Internationale Gewerkschaftsbund und noch mehr der Weltgewerkschaftsbund konnten
sich nie damit abfinden, dass die Internationalen Berufssekretariate auf ihrer Autonomie bestanden. Vor dem ersten "Weltkrieg verfuegten die deutschen Gewerkschaften mit ihrem hochgradigen Zentralismus im Internationalen Gewerkschaftsbund ueber
beherrschenden Einfluss. Dadurch wurde das volle Einvernehmen
mit den Berufssekretariaten sehr erschwert. Nach dem zweiten
Y/eltkrieg beherrschten die ueberzentralisierten sowjetischen
Gewerkschaften den Weltgewerkschaftsbund und suchten die Berufssekretariate auf die Rolle blosser Verwaltungsstellen der internationalen Organisation zu beschraenken. Als die AFL zu entschiedenem Gegenangriff ueberging, stuetzte sie sich weitgehend
auf die Berufssekretariate und setzte sich nachdruecklich fuer
deren Autonomie ein.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind immer mehr zu der
Einsicht gekommen, dass der groesste Gegensatz, der die Menschen
heute in jedem einzelnen Lande und die Nationen voneinander
trennt, nicht darin besteht, dass die einen verstaatlichte Industrie wuenschen, waehrend andere das '/Veiterbestehen von Industrien in Privateigentum vorziehen, sondern darin, dass auf
der einen Seite das Menschenleben missachtet wird, waehrend
auf der anderen Seito menschliche Werte, Rechte und Freiheiten
mehr, als alles geschaetzt werden. Als die britische LabourRec;ierung im vergangenen Jahre in den Vereinigten Staaten und
in Grossbritannien als Verfechterin des "Wohlfahrtsstaates"
scharfen angriffen ausgesetzt war, kamen ihr die amerikanischen
Gewerkschaften zu Kilfe. Das war ein neuartiger Vorgang, in
dem ein bisher unbekanntes Hoechstmass von Uebereinstimmung von
Gewerkschaftern aus Europa, Asien, Afrika und den beiden Amerika erreicht wurde. Die freien Gewerkschaften sind ueberall
zu der Erkenntnis gekommen, dass Nazitum, Faschismus, Falangismus und Kommunismus ihrem .Vesen nach gleich sind, und dass freie
Gewerkschaften mit regierungskontrollierten "Arbeitsfronten"
so unvereinbar sind wie Demokratie und Diktatur. Getreu
diesem Grundsatz erkannte der Londoner Kongress die siamesische und dominikanische Delegation nicht an, weil sie keine
echten Gewerkschaften vertraten.
Die Verteidigung der Demokratie gegen die kommunistischen
Ansprueche auf ./eltherrschaft muss militaerische Massnahmen
nach sich ziehen. Militaerische Sicherheit allein genuegt aber
nicht. Der Internationale Freie Gewerkschaftsbund fordert» politische Freiheit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Sicherheit muessen fuer das Leben der freien Nationen bestimmend
sein, wirtschaftliche Hilfe fuer die unterentwickelten Laender
und moeglichst baldige volle nationale Freiheit fuer die abhaengigen Voelker sind von wesentlicher Bedeutung fuer die Bekaem^fung
des Totalitarismus. Die erste Voraussetzung fuer die Verteidigung der Weltdemokratie gegen den Kommunismus und jede andere
Art Totalitarismus ist nicht ein Flickwerk von Massnahmen, die
nur eine voruebergehende Erholung ermoeglichen, sondern die Einbeziehung der Wirtschaft der freien Laender in" eine gesunde, ausgeglichene Weltwirtschaft. Die neue Internationale betrachtet
düs Europaeische Hilfsprogramm (ERP) und Praesident Trumans
Punkt-Vier-Programm als eine gesunde, wirksame Politik, die zur
- 6-

�Entstehung einer gemeinschaftlichen Wirtschaft &amp;uf kontinentaler
und universeller Grundlage fuehrt.
Die Vereinigten Staaten sind aus einem revolutionaeren
Kampf um die nationale Unabhaengigkeit hervorgegangen, und das
amerikanische Volk und die organisierte Arbeiterbewegung
blicken auf eine altehrwuerdige Ueberlieferung der Opposition
gegen jede Form des Kolenialregimes zurueck. Die heranwachsende Gewerkschaftsbewegung der zurueckgebliebenen Laender erwartet in ihrem nationalen Unabhaengigkeitskampf von der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung weitgehende Unterstuetzung.
Die amerikanischen Gewerkschaften tragen eine doppelte^
Verantworung; sie muessen nicht nur den Internationalen Freien
Gewerkschaftsbund bei seiner Arbeit unterstuetzen, sondern auch
entschlossen sein, die Aussenpolitik der Regierung der Vereinigten Staaten konsequent in entschieden demokratischem Sinne zu
beeinflussen. Eine schwankende Haltung, wie sie unlaengst
das Staatsdepartement gegenueber Franco-Spanien einnahm, kann
zu grossen Missverstaendnissen bei den Mitgliedern der europaeischen und asiatischen Gewerkschaften fuehren.
Ueberdies wird der Konflikt zwischen dexa Freien und dem
kommunistischen Weltgewerkschaftsbund zwangslaeufig immer heftiger und erbitterter werden. Beide kaempfen den groessten Wettkampf in der 7/elt aus, den Kampf um Herz, Seele und Geist vieler Millionen Arbeiter in zahlreichen Laendern. Die Organisation kann sich da nicht abseits stellen oder leisetreten. Moskau kann der uebrigen Welt den Kommunismus nicht aufzwingen,
ohne zuvor die noch freien Gewerkschaftsorganisationen abzuwuergen, d.h. den Internationalen Freien Gewerkschaftsbund zu zerschlagen, der heute Kopf und Herz der international demokratischen Gewerkschaftsbewegung ist. Die neue Internationale ist
sich des Ernstes der Gefahr voll bewusst. Der Kampf gestaltet
sich umso schwieriger, als der kommunistische Weltgewerkschaftsbund fuer sein Vorgehen gegen die freien Gewerkschaften in den
demokratischen Laendern volle Handlungsfreiheit geniesst, waehrend den freien Gewerkschaften der Zutritt zu allen Laendern
hinter dem Eisernen Vorhang versperrt ist.
Noch schlimmer ist, dass der kommunistische Weltgewerkschafts
bund in Frankreich, Italien und Teilen üfrikas und Asiens noch
in der Uebermacht ist, die sich die Kommunisten in den vier Jahren, waehrend deren die Zusammenarbeit mit den freien Gewerkschaften noch ihrem Ansehen zugute kam, zu verschaffen wusste.
Eine dringende Aufgabe des Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes ist es, die durch den kommunistischen Weltgewerkschaftsbund beherrschten Organisationen zu entlarven und die Arbeiter
von ihrem ^influss zu befreien.
Die Bedrohung der Gewerkschaften durch den totalitaeren
Kommunismus gilt fuer alle Laender der Welt. Man kann ihr nur
durch den Kampf der freien Gewerkschaften in der ganzen Welt
entgegentreten. Keine Gewerkschaftsbewegung, die den Totalitarismus in irgendeinem Lande bekaempft, sollte in ihrem Kampfe
gegen eine internationale, von einer riesigen totalitaeren Weltmacht hervorgerufene und gefoerderte Gefahr allein gelassen werden. Die demokratische Gewerkschaftsinternationale ist jetzt zu
einer Lebensnotwendigkeit fuer den gedeihlichen Fortbestand der
menschlichen Freiheit und des sozialen Fortschritts geworden.
Dass diese neue Internationale eine Realitaet ist, wurde durch
den Londoner Kongress, wo sich alle zu gemeinsamer Abwehr der
Bedrohung durch Totalitarismus und Reaktion zusammenschlössen
deutlich vor Augen gefuehrt. Unter den fuehrenden Maennern des
- 7-

�Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes befinden sich auch
gleichberechtigte Vertreter des deutschen und japanischen Gewerkschaftsbundes.
Die neue Internationale beruht nicht auf dem Buendnis verschiedener Maechte und wird, anders als beim kommunistischen
Weltgewerkschaftsbund, nicht das Werkzeug eines Staates oder
einer Maechtegruppierung werden. Obwohl voellig unabhaengig
von den Regierungen der Leender, in denen die ihm angeschlossenen
Verbaende Ihren Sitz haben, kann und wird sie in dem sich anbahnenden historischen Kampf zwischen den demokratischen und totalitaeren Laendern nicht neutral bleiben. Keine Organisation,
die fuer Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit eintritt, kann
sich dem Kampf fernhalten, wenn Freiheit und Frieden derart bedroht sind.
Gerade weil die Freien Gewerkschaften so energisch vorgehen,
richten die Kommunisten wurentbrannt Angriffe gegen den Internationalen Freien Gewerkschaftsbund. Seine Gründung ist eine kategorische Absage an den Mythos, dass der sowjetische Totalitarismus eine fortschrittliche Idee sei, oder dass das kommunistische
System irgendetwas bieten koenne, was im Interesse der internationalen Arbeiterklasse liegt. Die Vertreter'von Millionen
Arbeitern aus mehr als 50 Laendern haben nun den Bolschewismus
als Erzfeind der Gewerkschaften gebrandmarkt. Das kann sich
als entscheidender Schlag gegen die Anmassung erweisen, der der
Bolschewismus, der sich als Freund der Arbeiter in der ganzen
Welt aufspielt, seit mehreren Jahrzehnten die meisten Erfolge
verdankt.
Die internationale freie Gewerkschaftsbewegung ist eine
maechtige Waffe im Kampf fuer eine Gesellschaft, in der alle
Menschen und menschlichen Einrichtungen danach streben, ihre
Ideale in zivilisierter Weise und im Geiste der Freiheit zu
verwirklichen.
Aus:

"Foreign Affairs", New York, IV/50

NIEDRIGE ARBEITSMORAL BEHINDERT PRODUKTION DER SATELLITENSTAATEN
I'^R STAERKER
"Mit der Peitsche kann man zwar Maultiere antreiben, aber
Menschen sind eben keine Maultiere," muessen die Helfershelfer
Stalins jetzt immer wieder feststellen. Antreibemethoden sind
hinter dem Eisernen Vorhang an der Tagesordnung. Und das Ergebnis? Widerstand, Auflehnung und niedrige Moral herrschen
unter den Arbeitenden; die Produktion ist dadurch schwer in
Mitleidenschaft gezogen.
Josef Frank, ein hoher stalinistischer Fuehrer, hat unlaengst erklaert, dass sich "die Wirtschaft der Tschechoslowakei in einer verzweifelten Lage befindet und diese Lasre immer
schlechter wird." Der stellvertretende Parteisekretaer sagte
ferner voraus, es sei damit zu rechnen, dass diese f.'ation die
Ziele des Fuenf-Jahresplans nicht erreichen kann. Er gab zu,
dass die Produktion von Erdoel und Kohle nur 84,5% der Produktionsziele erreichen wuerde. Auch die Produktion von Baustoffen
sei wesentlich beeintraechtigt worden. Die Arbeiter verlassen
ihre Arbeitsplaetze in den Bergwerken schneller, als andere
wieder eingestellt werden konnten. In der Landwirtschaft sei
die Lage aehnlich.
8 -

�Der tschechoslowakisch stalinistische Gewerkschaftsfuehrer
Zapotocky fuehrt diese Situation auf den i:angel#an sozialistischer Disziplin" zuruffck. Dieser Mangel wiederum sei vermutlich durch das fehlen einer angemessenen politischen üufklaerung bedingt, reibst Parteimitglieder neigen dazu, so meinte
er, die Bedeutung l^r politischen Schulungslehrgaenge zu unterschaetzen. Voller Verachtung sprach er jedoch vor allem
von den Parteimitgliedern unter den Bergarbeitern in'Kladno.
Diese kouaunistischen Veteranen, fuehrte Zapotocky aus, glauben, dass sie den Kursen fernbleiben koennen, "weil sie die
kommunistische Lebensschule absolviert haben." Er bedeutete
ihnen jedoch, dass diese ihren Lebensschulen voellig kapitalistischer Natur und dass die neue stalinistische Schule etwas
absolut verschiedenes sei. Die "buergerlichen humanitaeren
Auffassungen" von der sozialen Sicherheit sind laengst ueberholt. Der fruehere revolutionaere Kampf um hoehere Loehne
und kuerzere Arbeitszeit wird in einer "Volksdemokratie" zur
konter-revolutionaeren Sabotage, erklaerte Namend, der stalinistische Gewerkschaftsfuehrer.
Der Mangel an Arzneimitteln in der Tschechoslowakei ist
auf den uebermaessigen Verbrauch von Tabletten zurueckzufuehren, wie die Zeitung "Livoda Democracia" ihren Lesern berichtet. Sie geisselt jene Methoden des Tabl3ttenschluckers und
behauptet, dass der menschliche Organismus sich an derartige
Arzneien gewoehnt und diese deshalb ohne Wirkung sind, wenn
man ernstlich krank wird. Ein tschechoslowakischer Fluechtling in Paris gibt hierzu die ironische Bemerkung, dass er damit an die deutsche Besatzungszeit erinnert wuerde, waehrend
der die Menschen vor Gesundheitsschaedigungen durch uebermaessigen Verbrauch von Nahrungsmitteln gewarnt wurden.
'.Vaehrend dies.es Monats sind verschiedenen ungarischen Industrien neue Tarifvertraege aufgezwungen worden. Der Sekretaer Istvan Kossa nannte die Aufgaben und Pflichten der Gewerkschaften, wie sie in diesen neuen Vertraegen bezeichnet sind.
Er berichtet, dass in ihnen strengere Disziplin und Opfer gefordert werden, die zur Steigerung der Produktion notwendig
sind.
Man braucht mehr und mehr Stachanow-Arbeiter, sagte
er. In den neuen Vertraegen seien denen, die das stalinistische Arbeitsgesetz uebertreten, strengste Bestrafungen angedroht.
"Szabad Nep", eine Budapester Zeitung, nimmt zu der Tatsache Stellung, dass es nicht gelungen ist, den Plan fuer die
P'ohlefof.rderung fuer die ersten drei Monate dieses Jahres zu
erfuellen. Dies ist durch steigendes Fernbleiben der Arbeiter
vom Arbeitsplatz, nachlassende Disziplin und unzureichende Arbeitswettbewerbe im Sinne Stachanows verursacht worden. Die
Fierrtarbsiter werden deshalb des Betrugs beschuldigt.
In Bulgarien haben die Stalinisten versucht, die Beziehungen zur Masse des Volkes zu verbessern und einen Aufruf erlassen,
in dem sie freiwillige Kaeinnfer aus der breiten Masse der
Mitgliedschaft
suchen. Das Gewerkschaftsorgan "Trud", das
in Sofia erscheint, hat zu diesen Fragen Stellung genommen. Es
wandte sich' in scharfen V/orten gegen diese freiwilligen Kflmnfer
und beschuldigte sie ihres Mangels an beruflicher Erfahrung,
ihrer ideologischen Ziellosigkeit und der Unfaehigkeit-, das
Vertrauen der Arbeiterschaft zu gewinnen.
"Trud" scheint ausserdem in bezu/~ auf den sogenannten Arbeit sv» et tbewerb , um im s&amp;alinistischen Jargon zu sprechen, pessi- 9-

�mistisch zu sein. Gemeint ist hiermit der Wettbewerb der stachanowistischen "Arbeitshelden." Offiziellen Angeben zufolge
hat sich im Jahre 1949 von 850,545 Gewerkschaftsmitgliedern
nur die Haelfte an dem Arbeitswettbewerb anlaesslich des 1.
Mai beteiligt. Ihre Zahl stieg bis Ende des Jahres 1949 auf
500,000 an. Die Zahlen fuer 1950 werden nicht angegeben, und
zwar hoechstwahrscheinlich deshalb, weil die Zahl der Beteiligten wiederum zurueckgegangen ist. "Trud" berichtet, dass
zwei Gewinner.des Dimitrow-Preises, der ihnen fuer hohe Arbeitsleistungen zuerkannt wurde, naemlich Helena Gerassimowa
und Liliana Dimitrowa, an die weiblichen Textilarbeiter einen
Aufruf gerichtet haben, der jedoch nur wenig Anklang gefunden
hat. Aehnliche Aufrufe an die Arbeiter der Metallindustrie
und anderer Industriezweige trafen ebenfalls auf taube Ohren
und
blinde Augen. "Trud" berichtet, dass eine Art von
w
Luegen-Stachanowismus"sich ausbreitet. Durch Angabe falscher
Produktionszahlen wuessten sich die falschen Stachanows besondere Vorteile zu verschaffen, die sie nicht verdient haetten.
Die schlimmsten Beispiele sind hierfuer die Fabriken "Wasil
Kolarow", "Elprome" und"Metal". Zu einem frueheren Zeitpunkt
hatte sich "Trud" bereits gegen verschiedene Unternehmen gewendet, "in denen wegen Mangels an Disziplin der Produktionsplan
nicht erfuellt werden konnte." Es ist offensichtlich, dass
diese Situation nicht geklaert worden ist, sondern vielmehr
noch schlimmer wurde.
In allen Laendern, die dem sowjetischen Satellitenregime
unterstehen, werden buergerliche Gewohnheiten und buergerliche
Denkweisen, die noch nicht ausgemerzt werden konnten, als Ursache fuer die offensichtlichen Schwaechen bezeichnet. Die
Sozialisten und alten Gewerkschaftsfuehrer sind dabei willkommene Suendenboecke.
Die polnische Zeitung "Trybuna Ludu" veroeffentlichte in
ihrer Ausgabe Nr. 113 einen Bericht aus der Fabrik "Unja" in
Graudenz, in dem sie sich ueber den Fortbestand derartiger
Ideen beschwert. Selbst Parteimitglieder werden fuer schuldig
befunden. Eines dieser Mitglieder ging so weit, den Stachanowisten den Rat zu geben, ihre Produktionsleistung zu reduzieren,
um zu vermeiden, dass die Leistungsnormen noch mehr gesteigert
werden. "Dieser Genosse war einst ein Arbeitsheld, der an
einem Tag 20 Werkstuecke maschinell herstellte. Seine Leistungen gingen spaeter auf 8 - IE Stuecke pro Tag zurueck."
Am 17. Mai 1950 wurde in Polen ein neues Arbeitsp:esetz
erlassen. In ihm wurden schwere Strafen fuer jedes Fernbleiben vom Arbeitsplatz angekuendigt. Dieses Fernbleiben bildet
jedoch noch immer das Ziel haeufiger Angriffe durch die offizielle Presse, die viele Betriebe, und vor allem Bergwerke anprangern. Polnische Fluechtlinge weisen darauf hin, dass das
Fehlen am Arbeitsplatz nicht durch buergerliche oder sozialdemokratische Ideen verursacht wird., sondern dass der Hauptgrund hierfuer in den schlechten Arbeitsbedingungen, dem niedrigen Lebensstandard und der ebenso ungerechten wie strengen Disziplin zu suchen ist, gegen die die Arbeiter nur die einzige
Protestform anwenden koennen, die ihnen zur Verfuegung steht,
naemlich die Krankmeldung.
"Trybuna Ludu" nennt einige Bergwerke, in denen das Fehlen der Arbeiter fuer die Produktion besonders nachteilig gewesen ist. Die schlimmsten dieser Erfahrungen wurden in den
Bergwerken Sosnica, Wirek und Mikulczye gemacht. Dass die
Arbeitsbedingungen in diesen Bergwerken schlechter waren, ist
- 10 -

�durch die Tatsache bewiesen, dass die Arbeiter in Missachtung
der Gesetze sogar in den Streik traten.
Das Bluehen des Buerokratismus ist eine staendige Begleiterscheinung des Stalinismus. In Rumaenien ist die Zahl der
Gehaltsempfaenger im Verlauf des vergangenen Jahres um 21,5%
angestiegen. Von den neuen Arbeitnehmern, die weniger von
Loehnen als vielmehr von Gehaeltern leben, sind die meisten
keine Handarbeiter - das bedeutet also eine zahlenmaessige Zunahme der nichtproduktiven Buerokraten.
Die Stalinisten behaupten, dass derartige Maengel, wie
sie hier auftreten, nur Kinderkrankheiten der Volksdemokratie
seien oder Schwaechen, die ein Erbstueck der buergerlichen Vergangenheit darstellten. Sie wuerden beizeiten beseitigt werden.
In diesem Argument wird jedoch die Tatsache ausser Acht gelassen,
dass selbst in Sowjetrussland die gleichen Maengel immer noch
auftreten. Derartige Schwaechen sind damit Folgeerscheinungen
des stalinistischen Systems. Dies kommt in einem Leitartikel
der "Erawda" zum Ausdruck, in der in scharfen Worten gegen die
schlechte Leistung und die buerokratischen Methoden Beschwerde
gefuehrt wird. Es heisst darin, dass sich die Partei von den
Buerokraten freimachen und Gruppen leistungsfaehiger Arbeiter
bilden muesse. Diese. Kritik, die 24 Jahre nach der Revolution
laut wird, scheint zu besagen, dass der Stalinismus Buerokraten schneller ins Leben ruft als er sie wieder beseitigen kann»
Program Services Section
VI/6/51
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IM FERNEN OSTEN
Ein Interview mit Sol Sanders.
Viele Nationen in Suedostasien haben sich bereits von
ihrer kolonialen Bevormundung unabhaengig gemacht, sei es
auf friedlichem Wege, sei es durch Kampf. Der Schatten
des Hungers haengt jedoch immer noch ueber diesen Laendern und machthungrige Hyaenen Stalins durchstreifen das
Gebiet, um sich auf alle wehrlosen oder unvorsichtigen
Menschen zu stuerzen. Was geht in Wirklichkeit in diesen Laendern vor? Hierueber aeussert sich Sol Sanders,
ein Auslandskorrespondent, der soeben von einem langen
Aufenthalt in Suedostasien zurueckgekehrt ist. Sanders
hat fuer verschiedene Veroeffentlichungen Artikel geschrieben, unter anderem fuer den "Christian Science Monitor"
den "New Leader" und den "Socialist Call", weiter stand
er im Dienste der "Bangkok Post in Thailand", des "Hindu
of Madres in Indien" und der "Mainichi Papers von Tokio".
Frage: Herr Sanders, wie lange haben Sie sich in Suedostasien
aufgehalten?
Sanders: Ich war zwei Jahre in Thailand, Indonesien, Malaya
und Indochina.
Fra.^e: Im Westen ist eine der wichtigsten Waffen ge^en wirtschaftliche Unsicherheit und Armut die freie Gewerkschaftsbewegung. Gibt es auch in Suedostasien Gewerkschaften*?
Sanders: Ja, in allen Laendern Suedostasiens bestehen Gewerkschaften, wenn auch einige von ihnsn erst nach dem Ostasienkrieg im Jahre 1945 entstanden sind.
- 11 -

�Die Kommunisten haben lange genug gezeigt, dass die Beherrschung der Arbeiter ihr erstes und wichtigstes Ziel in ihrem
Streben nach Macht bilden. Sobald sie die Gewerkschaften unter
Kontrolle haben, benutzen sie diese rueqksichtslos - wie in
der Tschechoslowakex - um mit Gewalt die Regierung an sich zu
reissen.
Frage: Sind die Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung Suedostasiens als stark zu bezeichnen?
Sanders: Die Kommunisten in Suedostasien bedienen sich dort
selbstverstaendlich der gleichen Methode. Weil die Gewerkschaftsbewegung in jenem Teil der Welt noch sehr jung ist, hatten die
Kommunisten hierbei leider groessere Erfolge. Es ist jedoch
bemerkenswert, zu erwaehnen, dass die Stalinisten in Suedostasien in den dortigen Gewerkschaften im allgemeinen nicht als
kommunistische Nationalisten auftreten. Eine Frage, die uns
in Suedostasien immer wieder beschaeftigt, ist die, ob diese
Gewerkschaftsfunktionaere, die absolute Gefolgsch&amp;ftsleute des
Kremls sind, die wirklichen kommunistischen Fuehrer sind. Es
hat naemlich den Anschein, dass sie eher ihre Befehle erhalten
als die offiziellen Parteifuehrer, die tatsaechlich Mitglieder
der kommunistischen Partei dieser Laender sind. Ich habe z.B.
in Indonesien festgestellt, dass der kommunistisch beherrschte
Gewerkschaftsbund Sobsi seine kommunistischen Propagandaaktionen
beginnt, bevor Alimin, der Leiter der kommunistischen Partei
Indonesiens, die dortige Nachrichtenagentur Antara davon in
Kenntnis setzt.
Frage: Demnach gibt es also auch dort freie demokretisch Gewerkschaften?
Sanders: Ich glaube, dass Sie ganz allgemein die freien Gewerkschaften in Indonesien mit solchen identifizieren koennen, die
wirkliche Gewerkschaften sind. Mit den echten Gewerkschaften
meine ich jene Gewerkschaftsorganisationen,.die in erster Linie
um hoehere Loehne und bessere Arbeitsbedingungen kaempfen und
die fuer ihre Mitglieder TarifVerhandlungen fuehren. Die kommunistischen Gewerkschaften dagegen sind im allgemeinen lediglich
Propagandaagenturen und keine Organisationen, die sich mit Lohnund Arbeitszeitfragen beschaeftigen. Lassen Sie mich ein Beispiel in Indonesien anfuehren. Die Sobsi, die kommunistische
Gewerkschaft, behauptet manchmal, eine halbe Million Mitglieder
zu haben. Eine nichtkommunistische Gewerkschaft jedoch, die
sogenannte Pob, sagt ganz offen, nur rund 30,000 Mitglieder zu
zaehlen. Sie ist jedoch bereit, ihre Geschaeftsbuecher offen
zu legen, um an Hand der Zahlen ueber beitragszahlende Mitglieder zu beweisen, wie stark sie in Wirklichkeit ist.
Frage:

Welche Staerke haben die freien Gewerkschaften?

Sanders: Aufgrund ihrer verhaeltnismaessig spaeten Gruendung sie entstanden erst nach den kommunistischen Gewerkschaften sind die freien Gewerkschaften noch nicht so stark wie ihre moskauhoerigen Gegenspieler. Sie bauen jedoch sehr schnell auf,
und zwar auf einer gesunden gewerkschaftlichen Basis. Vor wenigen Wochen kamen in Karatschi Vertreter freier Gewerkschaften
aus zwoelf asiatischen Laendern als Repraesentanten von zehn
Millionen Arbeitern zusammen, um eine regionale Mitgliedsorganisation des IBFG fuer Asien zu gruenden. Es handelt sich hierbei um den internationalen Bund freier, antikommunistischer Gewerkschaften. Sie hoffen, untereinander und mit den besser or- 12 -

�ganisierten and finanzierten freien Gewerkschaften Europas und
Amerikas im Kampf fuer die Arbeiterbewegung in Asien ihre
Ideen austauschen zu koennen. Ich denke, es ist ein gutes
Vorzeichen, wenn diese Gewerkschaften das positive Ziel anstreben, den Lebensstandard in Asien zu verbessern und sich
nicht nur darauf beschraenken, ihre Energie im Kampf gegen
den kommunistischen Weltgewerkschaftsbund und dessen Filiale
in Peiping zu verschwenden. Auf der Konferenz in Karatschi
wurde einstimmig eine Resolution gebilligt, in der den Vereinten Nationen und dem koreanischen Volk jede Unterstuetzung in
ihrem Kampf gegen die kommunistische Aggression zugesagt wird.
Frage:

Wie arbeiten dort die freien Gewerkschaften?

Sanders: Die freien Gewerkschaften in Suedasien arbeiten
nach den gleichen Grundsaetzen wie die Gewerkschaften im Westen. Es gibt natuerlich zahlreiche Unterschiede, die sich
aus der dortigen Situation ergeben. Einige Gewerkschaften
stellen Organisationen dar, die zugleich fuer die Unabhaengigkeit ihres Landes kaempfen und gleichzeitig Körperschaften
sind, die die Interessen der Arbeiter vertreten. Natuerlich
ergeben sich auch durch die unterentwickelte Industrie in
Asien und vornehmlich in Suedostasien Schwierigkeiten in der
Organisierung der Arbeiter.
Frage: Werden Landarbeiter ebenso wie Industriearbeiter organisiert?
Sanders: Man hat zuweilen versucht, die Landarbeiter zu organisieren. Mit Erfolg geschieht dies in mindestens zwei
suedostasiatischen Laendern, naemlich Malaya und Indonesien.
Indien, wo ich mich ebenfalls vor einigen Wochen einige Zeit
aufhielt, verfuegt ueber eine maechtige Landarbeitergewerkschaft. In Malaya vollzieht sich die gewerkschaftliche Organisierung unter der Fuehrung Jack Braziers, eines Organisators,
den der britische Gewerkschaftskongress (TUC) zur Unterstuetzung
der nichtkommunistischen Gewerkschaften nach Malaya entsandt
hat. Wie ich hoerte, wurden bei dieser Organisierungskampagne
groessere Fortschritte erzielt.
Frage: Sind auch der Marshallplan, die ECA, das Punkt-VierProgramm Praesident Trumans und der britische Colombo-Plan
eine Hilfe beim Aufbau der Wirtschaft und der Hebung des Lebensstandards der Voelker Suedostasiens?
Sanders: Asiens Probleme sind leider so umfassend und entsprechen so wenig unseren eigenen Erfahrungen in Amerika und Westeuropa, dass die ECA mit ihrer Aufbauarbeit in Suedostasien
nur langsam vorwaerts kommt. In Indochina jedoch'hat Robert
Blum, der Administrator der ECA, ein Hilfsaufbauprogramm gestartet, das diesem Land wirksame Unterstuetzung gebracht hat.
Das trifft besonders fuer das noerdliche Vietnam - oder Tongking, wie man es hier nennt - zu. Die ECA arbeitet unablaessig
daran, oei'fentliche anlagen wieder aufzubauen, die waehrend
der Kriegsmassnahmen der Kommunisten in den Jahren 1946 und
1947 zerstoert wurden, weil das Prinzip der "verbrannten Erde"
ruecksichtslos von den Schergen Moskaus angewandt wurde. Das
Punkt-Vier-Programm und der britische Colombo-Plan befinden
sich jedoch noch in ihrem Anfengsstadium^ aber ich glaube, dass
der Punkt-Vier-Plan in Thailand bereits in die Tat umgesetzt
wird.
- 13 -

�Frage: Was koennen die amerikanischen und europaeischen Gewerkschaften tun, um das Misstrauen zu beseitigen, das ein Erbe der
Zeit der kolonisatorischen Vergangenheit ist?
Wie koennen
wir das Verstaendnis und den guten Willen foerdern?
Sanders: Das ist keine leichte Angelegenheit. Ich denke zuerst daran, da3S die Amerikaner verstehen muessen, dass nach
Jahrhunderten eines konsequenten europaeischen Imperialismus der heute zwar tot und verbannt ist - Asien natuerlich argwoehnisch auf uns blickt. Die Buerde des Beweises dieser neuen Politik - einer Politik der uneigennuetzigen Hilfe und der
Zusammenarbeit zwischen Asien und Westeuropa - bleibt auf uns
liegen. Aber dann wird Asien zu vergeben und zu vergessen habend Diese Entwicklung geht bereits in Indonesien vor sich,
wo viele der frueheren hollaendischen Beamten heute in Regierungsstellungen in Indonesien taetig sind. Heute sieht man
in den malaiischen Staaten, dass Briten, Chinesen, Malayen
und andere eintraechtig zusammenarbeiten fuer die Zukunft eines
freien und sich selbst genuegsamen "Schmelztiegels". Die Franzosen in Indonesien arbeiten eine Loesung aus, die, wie jeder
hofft, zu einem freien Vietnam fuehrt. Die Asiaten entdecken
gerade, dass die Unabhaengigkeit allein nicht alle ihre Probleme loesen kann. Viele von ihnen erkennen an, dass Europa und
Amerika nuetzlich sein koennen, vor allem bei der Foerderung
das Aufbaus der industriellen Entwicklung Asiens, dessen Hilfsquellen niemals voellig entwickelt worden sind.
Frage: Wie aber koennen die Kommunisten die Unabhaengigkeit
und den Lebensstandard der Voelker Asiens tatsaechlich bedrohen?
Sanders: Ich bin zwar von einem langzeitigen Aufenthalt in
Asien zurueckgekehrt, aber hier kann ich keine praezise Antwort .
geben. Ich weiss auch nicht, wie irgend ein Land sich fuer
eine gewisse Zeitdauer von dieser Bedrohung abschliessen könnte.
Aber ich glaube mehr und mehr an die Verwirklichung eines
nichtkommunistischen Asiens und an eine Zusammenarbeit zwischen allen Antiimperialisten in Asien und der westlichen Welt.
Und mehr und mehr Menschen Asiens beginnen zu verstehen, dass
es weder logisch ist noch eine Loesung bedeutet, wenn auf der
einen Seite die Ketten des vergangenen 19. Jahrhunderts abgeworfen werden, dagegen der neue sowjetische Kolonialismus, neue
und staerkere Fesseln in Peiping und Moskau schmiedet. Es
scheint mir, das3 hier ein Problem der Einsicht vorliegt. Der
Mensch in Asien hat erkannt, dass seine wirklichen auswaertigen Freunde jene sind, die gegen den Stalinismus kaempfen, auch
dann, wenn er Buerger eines frueheren Kolonialgebiets ist. Und
wir muessen uns darum bemuehen, dass die asiatischen Nationalisten - und sogar die kampfesfreudigen - sich mit uns fuer eine
antikommunistische Welt einsetzen. Wenn die Wuerfel jedoch gefallen sind, dann wuerden auch fuer diese keine Moeglichkeiten mehr
bestehen.
Program Services Section
VI/5/51
BLUT AUS OESTERR^ICHG BODEN
Die nachfolgenden Zeilen entstammen einem Artikel des
"Solidaritaet", dem Zentralorgan des oesterreichischen
Gewerkschaftsbunde3, in dem die 1300 000 organisierten
oesterreichischen Gewerkschafter daran erinnert werden,
- 14 -

�was mit ihrem Erdoel, dem Blut aus Oesterreichs Boden,
geschieht. Die eine Haelfte des Erdoels verschwindet
in Richtung Osten, die andere wird an die OROP geliefert, einer sowjetischen Handelsorganisation, die das
Oel der Oesterreicher an sie "verkauft".
Vor zwanzig Jahren gingen die ersten Waggonladungen des
Oesterreichischen Mineraloels von der Eisenbahnstation Zistersdorf/Goestling zu den Verbrauchern. Der Leiter der Ingenieurarbeiten hielt die uebliohe Rede, ein Orchester spielte einen_
zackigen Marsch und jeder war zufrieden, denn die oesterreichische Wirtschaft begann Nutzen aus den kostbaren natuerlichen
Reichtuemern Oesterreichs zu ziehen.
Das Zistersdorfer Mineraloelgebiet ist mit Bohrtuermen
und Bohrwinden uebersaet, mit Roehrenanlagen und Oelsammlern.
Die Pumpanlagen sind wie Pilze unrep;elmaessig in dem Gebiet
verstreut, sie sammeln das kostbare Mineraloel, das Blut des
oesterreichischen Bodens.
Am Ende des zweiten Weltkrieges wurden die oesterreichischen Mineraloelgewinnungsanlagen zum groessten Teil von der
russischen Besatzungsmacht uebernommen. Heute arbeiten etwa
8000 Arbeiter und Angestellte fuer die sowjetische Mineraloelverwaltung in Oesterreich. Die Arbeiter an den Pumpanlagen werden verhaeltnismaessig gut bezahlt, dennoch ist aber ihr Los
alles andere als beneidenswert. Das Mineraloelgebiet ist naemlich ein ruecksichtslos abgeschlossenes Gebiet, das volle
exterritoriale Privilegien besitzt. Hunderte bewaffneter
Werkschutzpatrouillen kontrollieren das gesamte Oelfeldgebiet
und die Anlagen. Eines derreichsteneuropaeischen Oelfelder
wird heute so behandelt, als ob es ausserhalb Europas laege,
zumindest jedoch ausserhalb Oesterreichs.
Dieses Gebiet ist heute fuer Oesterreich Niemandsland.
Der Reichtum des Landes, das kostbare Mineraloel, das aus den
Tiefen des oesterreichischen Bodens gefoerdert wird, ist nicht
unser Eigentum. Im vergangenen Jahre sdnd etwa l£ Millionen
Tonnen Oel aus diesem Gebiet gebohrt worden, in diesem Jahr
glaubt man diese Ziffer auf 1,8 Millionen erhoehen zu koennen.
Gegenwaertig sind etwa 50% dieses Oels fuer Oesterreich erhaeltlich. Der Vertrieb des Oels wird durch die OROP geleitet, eine von den Russen betriebene Handelsorganisation. Das
Bohren des Oels und der Export des oesterreichischen Oels geschieht ohne jede Einspruchsmoeglichkeit oder irgendeine Kontrolle durch die oesterreichischen Behoarden.
Tankwagen transportieren unser Oel in fremde Laender.
Heute gibt es keine Reden mehr, wenn ein Tankzug abfaehrt,
noch spielt ein Orchester bei solchen Anlaessen. Das oesterreichische Volk wuenscht mit anderen Voelkern einen wirtschaftlichen Austausch auf Gegenseitigkeit zu betreiben, ganz gleich,
wo diese Laender auch liegen moegen. Heute aber erhaelt
Oesterreich ueberhaupt nichts als Ausgleich fuer diese Oellieferungen. Tag und Nacht flieset unaufhoerlich Blut aus Oesterreichs Boden aus dem Lande heraus.
ECA Information
LI 649 6/26/51

- 15 -

�IN .VELCHEN 3ERUFEN ARBEITEN AMERIKANISCHE FRAUEN?
Innerhalb eines Jahres hat die Zahl der berufstaetigen
Amerikanerinnen um 750,000 zugenommen, sodass heute rund 30%
aller Beschaeftigten in den Vereinigten Staaten Frauen sind.
Den groessten Anteil stellen mit 97„4% aller Beschaeftigten
in der Gruppe der Haushaltsangestellten die Frauen. An zweiter Stelle folgen mit 65,1% aller in kaufmaennisehen Berufen Beschaeftigten Stenotypistinnen und aehnliche weibliche Bueroangestellte. Der geringste Prozentsatz, naemlich 2,5%, wird in
der Berufsgruppe Werkmeister erreicht.
Aber auch in den Beschaeftigungsgruppen selbst haben sich
im Laufe des vergangenen Jahres sehr grosse Verschiebungen gezeigt. Es wurde bereits erweehnt, dass innerhalb eines Jahres
750,000 Amerikanerinnen in das Berufsleben neu eingetreten sind,
sodass heute 18 Millionen Frauen berufstaetig sind. Bemerkenswert ist hierbei, dass die Zahl der Verkaeuferinnen im Laufe
eines Jahres um ueber 250,000 abgenommen haben. Dagegen hat
die Zahl der Fabrikarbeiterinnen um 525,000 zugenommen, die der
weiblichen Bueroangestellten um fast 400,000, die der Hausangestellten um ueber 100,000 und die der kleinen selbstaendigen
Geschaeftsleute und Verkaufsstellenleiterinnen um fast 100,000.
Die Zunahme der Haushaltsangestellten hat sich entgegen den
Erwartungen vollzogen, da hier allgemein mit einer weiteren
Abnahme gerechnet wurde. Vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus
ist in bezug auf die Abnahme der Zahl der Verkaeuferinnen hierzu
zu sagen, dass die gewerkschaftliche Organisierung des Verkaufspersonals auch in den Vereinigten Staaten eine sehr schwierige
ist. Die Folge davon ist nicht nur eine verhaeltnismaessig geringe Entlohnung, sondern auch eine sehr hohe Fluktuation, da
jede Frau bestrebt ist, einen besser bezahlten Arbeitsplatz zu
erbalten.
Insgesamt gibt es fast 57.000.000 Frauen in den Vereinigten Staaten, die aelter als 14 Jahre sind. Von diesen sind rund
18.000.000 Berufstaetige - das heisst also, dass jede dritte
Amerikanerin, die aelter als 14 Jahre ist, in den Arbeitsprozess
eingereiht ist.
Die Haelfte der berufstaetigen Frauen ist verheiratet,
ein Drittel wird als alleinstehend in der Statistik bezeichnet,
waehrend das restliche Sechstel verwitwet ist, getrennt lebt
oder geschieden ist.
Im Jahre 1900 betrug der Anteil der erwerbstaetigen Frauen
10%, waehrend des zweiten Weltkrieges stieg er bis auf 36% an,
um jetzt wieder auf 32% abzusinken.
Vor zehn Jahren waren 49% der berufstaetigen Frauen alleinstehend, heute sind es nur noch 32%. Damals waren 30% aller
berufstaetigen Frauen verheiratet, heute sind es dagegen 48%.
Mehr als 25% aller berufstaetigen Frauen, das sind 4,5 Millionen, haben Kinder unter 18 Jahren. Von diesen 4,5 Millionen
Kindern sind l£ Millionen in noch nicht schulpflichtigem Alter,
sie sind also juenger als sechs Jahre.
Wenn das Alter der berufstaetigen Frauen zugrundegelegt
wird, so ergibt sich, dass 31% Alter als 45 Jahre sind.
,

Facts on Women Workers
V/31/51

/
HICOO U

hl

9 1 11877 5 II

5 0

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

17-29

Frankfurt,

2 0 . J u l i 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Produktivitaetsfragen

und Lebensstandard - -

Gewerkschaften im Roten China
D. Abkhazi:

- - - - - - -

Der Schumanplan und Europa

- -

1
4
6

S i r Vincent Tewson:
Die Voraussetzungen f u e r d i e H e r s t e l l u n g und
E r h a l t u n g des W e l t f r i e d e n s
- - - - - - - 1 3

PRODUKTIVITAETSFRAGEN UND LEBENSSTANDARD
Mehr a l s 175 P e r s o e n l i c h k e i t e n des w e s t e u r o p a e i s c h e n i n d u s t r i e l l e n und g e w e r k s c h a f t l i c h e n Lebens versammelten s i c h i n
der h i s t o r i s c h e n A b t e i Royaumont b e i P a r i s , um h i e r d i e Zusammenhaenge zwischen e i n e r g e s t e i g e r t e n P r o d u k t i v i t a e t und dem
L e b e n s s t a n d a r d d e r e u r o p a e i s c h e n A r b e i t e r zu e r o e r t e r n .
I n e i n e r d r e i t a e g i g e n Konferenz ueber d i e s e Frage e r h i e l t e n Unternehmer und U n t e r n e h m e r v e r t r e t e r , A b t e i l u n g s l e i t e r und
Gewerkschafter e i n e U e b e r s i c h t ueber a l l e Fragen des i n d u s t r i e l l e n Lebens, wie s i e von t e c h n i s c h e n Experten gesehen werden.
Diese gaben zu, und zwar z i e m l i c h e i n h e i t l i c h , d a s s d i e Lebensbedingungen der m e i s t e n e u r o p a e i s c h e n A r b e i t e r , i n s b e s o n d e r e
j e n e r in F r a n k r e i c h , u n t e r dem D u r c h s c h n i t t l i e g e n und deshalb
die Folgerung n a h e l e g e n , g e e i g n e t e Methoden a u s z u a r b e i t e n , um
- 1 -

�diese ebenso gefaehrliche wie ungerechte Situation zu aendern.
Der fruehere Geschaeftsfuehrer des CIO fuer Texar, Oliver, berichtete, dass der heutige Lebensstandard des amerikanischen
Volkes in erster Linie durch die Streikpostenkette erkaempft
wurde. Sa war zwar ein bitterer und langwieriger Kampf, aber
er fuehrte zum Erfolg. Nachdem die Versammlung davon ueberzeugt wurde, dass de,r amerikanische Arbeiter tatsaechlich seinen hohen Lebensstandard durch harte Streiks und regelrechte
Schlachten an der Streikpostenkette erzielt hat, berichtete
der T/!arshall-Plan-Vertreter, dass die Erfahrungen, die in den
Vereinigten Staaten gemacht wurden, es durchaus wert sind,
genauer studiert zu werden. Er zeigte auf, dass hiermit nicht
gemeint sei, dass in Europa unbedingt die amerikanischen Beispiele zugrunde gelegt werden muessten; aber wenn man die
frueheren Ergebnisse und die Irrtuener sowie die Erfahrungen
auf diesem Gebiet studiert, so koennte der Europaeer manches
finden* was ein naeheres Studium dieser Entwicklung rechtfertigen wuerde.
Oliver gab dann einige Einzelheiten, an denen er beispielhaft erklaerte, dass er ueberzeugt sei, ein steigender Lebensstandard und eine Beteiligung der Arbeiter an den Gewinnen
aus der Produktionssteigerung sind absolut erforderlich, xim
eine moderne industrielle Wirtschaft aufzubauen. R. R. Zimmermann, der Sonderbeauftragte der Abteilung fuer technische
Unterstuetzung im europaeischen Eilfsprogramm, betonte nachdruecklich, dass in solchen Zeiten, wie wir sie heute durchleben, es besonders wichtig sei, dass die Wuensche der Arbeiter
befriedigt werden. Es hat niemals eine Zeit gegeben, in der
die Gegnerschaft und selbst eine unfreundliche Haltung der
Arbeiter gegen das Unternehmertum so gefaehrlich fuer unsere
gesamte Zivilisation sein koennte wie heute. Zimmermann erinnerte hierbei daran, dass die Stimme der sowjetischen Lockrufe
alle jene aufrufe, die unzufrieden sind, und die sich nicht als
zugehoeriger Teil zu einer Industriegruppe fuehlen. Es genuegt
nicht, darauf hinzuweisen, dass die Tyrannei der Sowjets unter
dem heuchlerischen Versprechen einer utopischen Zukunft die
Freiheiten ganzer Voelker ausgeloescht hat. Unsere Aufgabe ist
es, die .Veit noch freier zu machen, das heisst aber, den Lebensstandard zu heben.
Das bedeutet wiederum, dass die europaeische Zivilisation
heute der Welt zwei neue Begriffe geben muss, und zwar die
der Y/issenschaft und die der Menschenwuerde. Er erwaehnte, dass
diese beiden Erbschaften der alten Welt den groessten Einfluss
auf die amerikanische Kultur gehabt haben. Zu diesen beiden
tritt noch die kaempferische amerikanische Arbeiterbewegung
als dritter Hauptfaktor. Alle drei Faktoren zusammsn haben
das heutige amerikanische Wirtschaftsleben und seine industriellen Organisationen geschaffen. Ein weiterer Faktor ist der
Fluss des amerikanischen Lebens, d.h. die Moeglichkeit, jedem
Einzelnen eine Erziehung und eine Schulung zu geben, die ihm
die Voraussetzung dafuer gibt, bis zu den hoechsten Raengen aufzusteigen. Alle diese Faktoren haben dazu beigetragen, die
Grundvoraussetzungen fuer die amerikanische Produktivitaet zu
schaffen. Er fuegts hinzu, dass die humanitaere und soziale
Seite der amerikanischen Industrie zumindestens so. wichtig fuer
die Produktivitaet ist wie technische und ingenieurmaessige
Faktoren. Im uebrigen bemerkte er, dass er keineswegs jemand
davon ueberzeugen wollte, dass es nur Zartheit und Licht in
den Beziehungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften gaebe.
- 2 -

�.Villiam Gomberg, der Geschaeftsfuehrer der Ingenieurabteilung dar Gewerkschaft der Damenoberbekleidun^sindustrie &lt;?ab
eine Uebersicht ueber die Aktivitaet seiner Gewerkschaft in
der Zusammenarbeit mit der Bekleidungsindustrie, die das Ziel
hatten, die Produktivitaet zu steigern. Gomberg stellte fest,
dass diese «ktivitaet keineswegs einzigartig sei, und am besten
verstanden werden koenne, wenn man den Hintergrund in Betracht
ziehe, d.h. die positive Einstellung der amerikanischen Gewerkschaften zur Fra?,e der Produktivitaet. In den Vereinigten
Staaten wird das Unternehmertum durch eine aggressive Fuehrerschaft beherrscht, die staendif neue Produkte fuer alte Maerkte
sucht und neue Ikerkte fuer alte Produkte. "Aber lassen Sie
mich beruhigt hinzufuegen, dass auch wir unsere Zauselbaerte
haben, die durchaus zufrieden sind mit dem, was eine staatliche
Wirtschaft ihnen bietet - vorausgesetzt, dass die Gewerkschaften
damit einverstanden sind." Er wies dann darauf hin, dass Arbeiter nur dann an Produktions fragen interessiert werden koennen, wenn das wirtschaftliche Aequivalent ihnen binnen kurzem zur
Verfues;unp; stehe, d.h. eine hoehere Entlohnung. Ueberlegungen
auf l^nge Sicht sind ein Luxus, den sich vielleicht Akademiker
leisten koennen, Arbeiter bevorzugen stets die sofortige Entscheidung. Sie schaetzen deshalb sofortige Praemienzahlungen.
Sie koennen natuerlich auch ihren Kindern etwas bieten; sie
haben jedoch nicht die Absicht, bis zu ihrem Tode darauf zu
warten, ob aus ihrer Anteilnahme an einer Steigerung der Produktivitaet auch wirklich etwas fuer sie selbst dabei herauskommt.
|

Es ist Aufgabe der Ingenieurabteilung der amerikanischen
Gewerkschaften, bei einer Beteiligung der Arbeiter bei der
Schaffung und Durchfuehrung einer gesteigerten Produktion die
Gewerkschaft mit allen notwendigen Unterlagen zu versehen,
damit die Arbeiter auch zu ihrem gerechten Anteil kommen.
Hierbei ist es wichtig, all das herauszustellen, was sie tun
koennen und was sie nicht tun koennen. Sie stutzen keineswegs ihr Programm so zurecht, damit auch der ungenuegendste
Arbeitsfaktor auf Kosten niedriger Loehne sich weiterhin behaupten kann. Die gewerkschaftliche Ingenieurabteilung hat
die aufgäbe, ihre eigenen ingenieurmaessigen Kriterien festzulegen und festzustellen, was eine "faire** Produktionsrate ist.
Diese Voraussetzung ist ebenso grundlegend fuer die schuetzende Funktion wie auch fuer die Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit den Unte-i.ehiüern. V.'enn die Ingenieurabteilung gerufen
wird, um einen Unternehmer zu unterstuetzen, so ist die grundlegende Frage die nach der Methode, die sich anwenden laesst,
um die Produktion zu steigern unter Beruecksichtigung der Grenzen, die sich durch die maschinelle .nusruestung ergeben.
Gomberg entwickelte dann, wie in den letzten zehn Jahren
eine vollkommene Gewerkschaftsphilosonhie sich in den Vereinigten Staaten entwickelt hat und wie durch die Pionierarbeit, die
auf dem Felde der Unterstuetzung der Unternehmer bei diesen
Massnahmen und in der Zusammenarbeit mit den Unternehmern die
Gewerkschaft der Arbeiter der Damenoberbekleidungsindustrie
als Modell fuer viele andere amerikanische Gewerkschaften diente. Durch die Produktivitaetsingenieure der Gewerkschaften
ist eine annaeherung der Arbeiterschaft an die Anforderungen
einer gesteigerten'Produktivitaet erfolgt. Die Produktivitaetsinpenieure haben aber zugleich die Versuche des Unternehmertums
zurueckpewiesen, ihre einseitigen Massnahmen und ihre einseitige Technik den Arbeitern aufzuoktroyieren.
- 3 -

�Die Produktivitaetsaktivitaet der amerikanischen Gewerkschaften wird von einer nachdrücklichen Forderung auf hoehere Loehne
begleitet. Diese Aktivitaet begann meist als eine schuetzende
Funktion und endete oft mit einer Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Unternehmern auf diesem Gebiet. Diese Zusammenarbeit
besteht aber fuer die Gewerkschaften in erster Linie darin, dass
der Arbeiter einen hoeheren Lohn erhaelt und dass die amerikanische Produktivitaet sich weiter entwickelt.
Alle diese Aktivitaeten, so schloss Gomberg, haben dazu
gefuehrt, dass eine Gruppe amerikanischer Produktivitaetsspezialisten sich mit der Gewerkschaftsbewegung ins Einvernehmen
setzte und dann zum Sprecher der Arbeiterschaft wurde mit dem
Ziel, neue wirksamere industrielle Techniken auszuarbeiten, die
zugleich dazu beitragen, die gegenwaertigen Arbeitsbedingungen
euch fuer den Arbeiter zu verbessern. Die amerikanischen Gewerkschaften foerdern die Produktivitaetsbestrebungen jedoch keineswegs nur aus dem Gedanken einer hoeheren Produktion heraus,
sondern sie sehen hier eine Moeglichkeit, den Lebensstandard
des Arbeiters zu erhoehen.
Labor News from the US
7/6/51

11/25

GEW5RKSGRÄFTEN IM ROTEN CHINA
Als die kommunistischen Armeen China besetzten, gab die
Militaerkontroll-Kommission eine Verlautbarung heraus, dass
die Gewerkschaften fuer die einzelnen Industrien ihre Arbeit
im gewohnten Stile fortsetzen sollten, als ob nichts geschehen
sei. Dadurch existierten die Gewerkschaften noch einige Monate, aber-in der Praxis wurde die gesamte Aktivitaet der Gewerkschaften lahmgelegt. Kommunistische Agenten drangen in die
verschiedenen industriellen Betriebe und sorgten dafuer, dass
bei jeder Wahl fuer die Gewerkschaften die gewuenschten Wahlresultate zustande kamen. Die Folge hiervon war, dass nach und
nach jede Gewerkschaft unter die direkte Kontrolle der kommunistischen Agenten kam, wobei man obendrein behaupten konnte,
dass die Arbeiterschaft hier selbst gesprochen habe. Die heutige Taetigkeit der sich inimer noch Gewerkschaft nennenden Organisationen ist naturgemaess sehr beschraenkt. Die Kauptaufgäbe
besteht darin, alle antikommunistischen Personen in den Betrieben herauszufinden und sie zu registrieren. Das Ergebnis ist
damit praktisch eine schwarze Liste. Auf der anderen Seite
weiss jedoch niemand, ausser einigen kommunistischen Spitzenfunktionaere, welche Namen sich tatsaechlich auf diesen Listen
befinden. Durch diese Ungewissheit .werden praktisch alle Arbeiter in einer staendigen Unruhe- und Ungewissheit gehalten.
Sine andere Aufgabe der "Gewerkschaften" ist heute die
Abhaltung von Massenversammlungen, sobald sich irgendwelche
Zeichen der Unzufriedenheit zeigen. Das ist nach den kommunistischen Richtlinien auch dann erforderlich, wenn die schwarzen
Listen allzu lang werden. Diese Massenversammlungen bieten zugleich eine Moeglichkeit, auf diesen Listen eine Reihe von
Namen wieder auszustreichen. 2s gibt sogar Faelle, in denen
auf diesen iuassenversammlungen die Todesstrafe fuer solche Leute
gefordert wird, die offensichtlich nicht mit allen Vorgaengen
einverstanden sind. Aber das kann ebenso auch mit Arbeitern
geschehen, die voellig unschuldig sind und aus denen lediglich
- 4 -

�eine gewisse Veraergerung spricht. Wenn es jedoch zu viel
verdaechtige Elemente gibt, so uebergeben die kommunistischen
Spitzel die Kamen dieser Personen der Geheimpolizei, die denn
diese Leute verhaftet und unter Umstaenden auch erschiesst.
Diese Verhaftungen geschehen stets bei Nacht. Es wird an
den Tueren geklopft und noch vor der Morgendaemmerung sind
saemtliche Verhaftungen durchgefuehrt. Praktisch sind die
Gewerkschaften im Roten China somit Agenturen der Geheimpolizei, die ueber China ein Terrorregime errichtet hat.
üiine weitere Aufgabe der Gewerkschaften in China besteht
heute darin, die Produktionsleistungen des Arbeiters hochzuschrauben. Hierbei ist bemerkenswert, dass der chinesische
Stachanowist von den Kommunisten geradezu als lebender Buddha
gefeiert wird. Aber sonderbarerweise ist dieser chinesische
"Kämpfer" an der Erschoepfung zugrundegegangen, die sich durch
die Ueberarbeit ergab. Jeder Arbeiter wird gefragt, ob er
bereit ist, den bestehenden Produktionsrekord zu uebertreffen.
Das ist umso leichter fuer die "Gewerkschaften", als ja vorher
jene Arbeiter entfernt wurden, denen man nicht trauen konnte,
sodass die Kommunisten umso leichter alle jene ausbeuten
koennen, -denen sie noch Vertrauen schenken. Man sagt heute
in China, dass die Arbeiter Zitronen geworden sind. ..enn sie
so ausgequetscht sind, dass kein Tropfen mehr aus ihnen herauskommt, wirft man sie auf den Abfallhaufen.
Nach den Mitteilungen des Ministerpraesidenten der Puppenregierung in Peking, Chow An-Lai, sind seit Anfang Mai Irr
Millionen antikommunistischer Personen erschossen worden.
Tatsaechlich wird jedoch die Zahl der von den Kommunisten erschossenen Menschen v/eit groesser sein. Damit sie ihre Kontrolle ueber das Land verstaerken und ihre Fleene ueber die
Eroberung der «Veit beschleunigen koennen, wird jeder, der
schuldig befunden wird - und sei es auch nur in geringem
Grade - einfach verhaftet und bei naechster Gelegenheit erschossen, wenn man es nicht vorzieht, ihn in ein Zwangsarbeitslager zu bringen, da heute bereits in China nicht genuegend
Arbeitskraefte mehr zur Verfuegun&lt;* stehen, um die auferlegten
Produktionsverpflichtungen zu erfuellen.
Die Arbeitszeit betrug vor der kommunistischen Invasion
acht bis neun Stunden am Tag, heute betraegt sie zehn bis
zwoelf Stunden. Gleichzeitig ist jedoch jeder Arbeiter gezwungen, schneller zu arbeiten, um seine ^uote erfuellen zu koennen. Das fuehrt praktisch dazu, dass die taegliche Arbeitszeit zumeist 13 und in vielen Faellen sogar 16 Stunden am
Tag betraegt. Nicntkriegswichtige Industrien sind zum grossen
Teil voellig eingestellt, umso groesser ist der Aufschwung in
der Ruestungsindustrie. Man kann sich vorstellen, mit welchen.
Gefuehlen die Arbeiter zu den vorgeschriebenen Massenversammlungen gehen, wenn sie bereits 16 Stunden an ihrem Arbeitsplatz
standen. Rechnet man noch den Weg von der Arbeitsstaette zur
Fabrik und zurueck dazu, so ist es keinesfalls eine Uebertreibung, wenn heute der chinesische Arbeiter wochenlang keine
Gelegenheit hat, einmal mit seinen Familienmitgliedern sich
zu unterhalten. Der chinesische Arbeiter steht meist vor sechs
Uhr morgens auf, um puenktlich am Arbeitsplatz zu sein. Zu
dieser Zeit schlaeft die Familie noch. Die Arbeit, ist um neun
Uhr abends zu Ende und wenn hier noch zwei oder drei Stunden
durch Sitzungen im Betrieb oder durch gewerkschaftliche Massenversammlungen verlorengehen, so kommt der Arbeiter so snaet
nach Hause, dass er seine Familie schon schlafend vorfindet.
5 -

�I.fen muesste annehmen, dass bei einer derartigen langen
Arbeitszeit auch die Loehne wesentlich gestiegen sind. In
Sowjet-China ist dies jedoch nicht der Fall. Um die Loehne
in ein richtiges Verhaeltnis zu setzen, ist es am besten,
wenn als Basis fuer den «Yert des chinesischen Geldes das_
Grundnahrungsmittel Reis verwendet wird. Als der chinesische
Arbeiter im"Jahre 1947 taeglich neun Stunden arbeitete, konnte
er sich dafuer im Monat 600 Pfund Reis kaufen. Im Jahre 1951
wurde bis zu 16 Stunden am Tage gearbeitet, aber fuer den Gesamtlohn reichte es nur fuer 200 Pfund Reis. Hier muss jedoch
einschraenkend bemerkt werden, dass bei diesem Vergleich der
Nominallohn zugrunde gelegt wird. Der wirkliche Lohn, der
mit nach Mause genommen werden kann, schwankt zwischen 100
bis 150 Pfund Reis im Monat, da 50 Pfund immer fuer die verschiedenen Steuern und Abgaben abgezogen werden muessen, waehrend weitere 50 Pfund Reis - manchmal weniger, icanclimal mehr fuer die mannigfaltigen Formen der freiwilligen Opferabgaben,
fuer die eigenartigsten-Sammlungen und auch fuer solche Zwecke,
wie sie von den machtausuebenden Funktionaeren festgelegt werden,
in Abzug kommen. Selbstverstaendlich bedeuten diese freiwilligen Opfer in der Praxis zwangsweise Abzue^e. 100 Pfund Reis
sind gerade so viel, um taeglich zwei ochuesseln einer sehr
duennen Reismahlzeit oder eines Reisbreis fuer die Mahlzeit
jedes der fuenf Mitglieder 'einer Familie fuer einen Monat zuzubereiten,wenn man einen Durchmesser von drei Mahlzeiten je
Tag zugrundelegt. T'atuerlich sind in den Tausenden von Zwangsarbeitslagern, die ueber das ganze Land verstreut sind, die
Verhaeltnisse noch schlechter, ilin Zwangsarbeiter muss Tag
fuer Tag 16 Stunden lang hart arbeiten und erhaelt nur zwei
Schuesseln Reis bei jeder Mahlzeit. Fuer die Unterstuetzung
seiner Familienmitglieder erhaelt er keinerlei Moeglichkeiten.
Unter diesen Umstaenden ist es nicht erstaunlich, dass Unterernaehrung und lange Arbeitszeit in der Industrie zu Zrmuedungserscheinungen fuehrt und ein starkes Anwachsen der Berufsunfälle zu verzeichnen ist. So war der Durchschnitt der Unfallziffern in der Zeit vor der kommunistischen Herrschaft 3,6 im
Monat, waehrend heute fast Tag fuer Tae; ein Unfall passiert.
wang-Chu vor dem IBFG-Kongress
in Mailand
D. Abkhazi:
D2R SCHITAUPLAN UND ZUR OPA
Z'in Jahr ist bereits seit dem Augenblick verflossen, wo
Robert Schuman seine Idee bekanntgegeben hat, dass die Kohleund Zisenvorkommen Zuropas fuer eine gemeinsame ..irtschaft zur
Verfuegung stehen sollen. Die Unterschriften unter diesem
Plan haben heute dieser Idee Vi/irklichkeit gegeben.
In der Zwischenzeit haben sich in der ganzen V.'elo dramatische Ereignisse vollzogen, i.ber diese konnten der Idee Schumanns nur eine umso groessere v;ichti~keit &lt;reben. heute wird
eine vernuenftige Loesun? der letzten Differenzen zwischen
Deutschland und Frankreich gesucht. Man hatte ursnruenglich
diesen Plan als Kohle-Plan bezeichnet, oder als eine KohleZisen-Gemeinschaft. Tatsaechlich ist dieser Plan jedoch weder
das eine noch das andere, wie man sehen wird, ^llen freien
Laendern steht es offen sich an diesem Plan zu beteiligen,'
der sich gegen niemand wendet, noch ist er ein Kartell, das
von egoistischen Interessenten ins Leben gerufen worden ist.
- 6-

�Die Idee zu diesem Plan erscheint durchaus einfach unS
ueberzeugend. Sie besteht darin, die gesamte deutsoh-frenzo«»sische Produktion an Sfcahl und ^isen in die Ha ende einer Hoher.
Konmission zu legen, deren Verwaltung in gemeinsamen Haenden
liegt und an der sich auch andere europaeische Laender beteiligen koennen.
Diese Voraussetzung ist praktisch genug, um sie auf einen
wirtschaftlichen Plan zu uebertragen. In der Praxis handelt
es sich darum, dass man fuer die Produktion einer Tonne Stahl
1 , 5 - 3 Tonnen Eisenerz benoetigt, je nach dem Eisengehalt
der von 33$ bis 65$ variiert. Ebenso benoetigt man 0,8 bis
1,2 Tonnen Koks oder 1 bis 1,6 Tonnen Kohle, die in Koks umgewandelt wird, wobei die Destillation einer Tonne Kohle etwa
750 kg Hochofenkoks ergibt.
In Frankreich befinden sich als wichtige Bodenschaetze
Europas umfangreiche Eisenerzlager. Diese werden auf etwa 7
Milliarden Tonnen geschaetzt. Sie liegen damit an zweiter
Stelle hinter denen der Vereinigten Staaten. Kurz vor dem
zweiten Weltkrieg betrug die franzoesische Produktion etwa 33
Millionen Tonnen Eisenerz mit einem mittleren iisengehalt von
33$, d.h. also 11 Millionen Tonnen eines 100$igen Eisenerzes.
9/10 der Eisenerze befinden sich in Lothringen. Damit uebertraf
Frankreich bei weitem die britische Produktion, die 4,5 Millionen Tonnen Eisenerz betrug, wenn es auf 100$ umgerechnet wird,
sowie die Produktion Deutschlands mit 3 Millionen Tonnen und
die Luxemburgs mit 2 Millionen Tonnen. Frankreich exportierte
rund 45$ seiner Produktion, 2/3 davon an die belgisch-luxemburgische Zoll-Union und ein weiteres Drittel an Deutschland. Das
damalige Deutschland verarbeitete rund 14 Millionen Tonnen reinen Eisenerzes. Da die deutschen Vorkommen weder in Q,ualitaet
noch in ^uantitaet ausreichend waren, konnten die eigenen Förderungen nicht mehr als 20 bis 25$ seines Bedarfs decken, denn
die mageren Eisenerze enthielten im Durchschnitt nur 25$ Eisen.
Der Rest musste somit von Schweden, Frankreich, Spanien und
von Uebersee importiert werden.
In der Frage der Kohle, diesem ebenso wichtigen Faktor bei
der Aufbereitung des Eisenerzes, ergibt sich jedoch eine ganz
andere Situation. Dank dem Ruhrgebiet verfuegt V.'estdeutschland
ueber den groesseren Teil der europaeischen Kohle, die sich in
Koks ueberfuehren laozst. 1938 betrug seine Produktion 137
Millionen Tonnen Kotue und 36 Millionen Tonnen Koks. Her Export
fester Kohle jeder Art erreichte die Ziffer von 38 Millionen
Tonnen. Im Gegensatz hierzu verfuegt Frankreich nur ueber 47
Millionen Tonnen Kohle und steht dabei an dritter Stelle noch
hinter Grossbritannien, das 232 Millionen Tonnen zur Verfügung
hat. Darueberhinaus ist die franzoesische Foerderung sehr arm
an Kohle, die sich verkoken laesst. Die Koksproduktion konnte
nur auf 7,5 Millionen Tonnen gesteigert werden, waehrend der
Bedarf auf etwa 10 Millionen Tonnen geschaetzt wird.
Bei einem Gesamtverbrauch von jaehrlich etwa 68 Millionen
Tonnen fester Kohle musste Frankreich 21 Millionen Tonnen einfuehren, davon allein'2,5 Millionen Tonnen Koks. Deutschland
und Grossbritannien lieferten Frankreich je etwa 1/3 der fehlenden Menge, der Rest kam aus Belgien, Holland, Polen und anderen
Laendern. Alles in allem ergibt sich, dass Frankreich reich an
Eisenerzen ist und in der Lage ist, fast die Keelfte seiner Froduktion zu exportieren. Frankreich ist jedoch weniger guenstig
gestellt in bezug auf Kohle. Es muss 1/3 seines Verbrauchs ir.i.7 -

�portieren und vor allen die Haelfte des benoetigten Kochofenkoks, der fuer die Erzaufbereitung unbedingt notwendig ist.
Deutschland produziert nur geringe Kengen an Eisenerz,
das obendrein nur einen sehr geringen Eisengehalt hat. Es muss
daher 3/4 seines Verbrauchs importieren. Dagegen ist Deutschland ausserordentlich gut gestellt, was die Kohlenproduktion
anbelangt und kain hier ohne weiteres 1/4 seiner Produktion exportieren.
Wenn man diese Tatsachen zusammenfasst, so ergibt sich
eine geradezu natuerliche Schlussfolgerung:
1.

Die beiden Wirtschaftsgebiete ergaenzen sich.

2.

Bei dem gegenwaertigen Stand der Technik kann eine Erzverhuettung in Frankreich nicht ohne die deutsche Kohle
existieren, aber ebenso wenig kann das Kuettenwesen in
Deutschland gedeihen, wenn keine franzoesischen Erze
zur Verfuegung stehen.

Im Laufe eines Jahrhunderts hat man dreimal versucht, eine
Loesung zu finden, bei der man mit Gewalt die Lage der Grenzen
veraendert hat. Der -Begriff"Kohle und Eisen" hat sich in den
Koenfen der Uenschen so festgebohrt, dass er zur Idee des Krieges und der Zerstoerung wurde.
Auf dieser Grundlage muss man heute die Initiative Schumanns betrachten, d.h. die Vereinigung der deutschen und franzoesichen Kohle- und Eisenquellen, um darueber hinaus durch eine
uebernationale Kontrolle praktisch jeden Krieg zwischen Deutschland und Frankreich nicht allein undenkbar, sondern, materiell
gesehen, auch unmoeglich zu machen.
Es handelt sich hierbei keineswegs, wie zuweilen behauptet
worden ist, um die Schaffun«? eines sich gegenseitig verpflichteten Industriekartells, sondern um eine wirkliche Abstimmung der
beiden sich ergaenzenden Wirtschaftsgebiete, die sich dabei
einer uebernationalen europaeischen Kontrolle unterwerfen muessen.
Die aufnähme, die dieser Plan in der oeffentlichen Meinung der
7/elt gefunden hat, ist noch frisch im Gedaechtnis. Trotz gewisser Bedenken, die der Durchfuehrung dieses Planes entgegengebracht werden, hat die Mehrzahl der interessierten Regierungen
diesem Plan sozusagen sofort zugestimmt. Deutschland war eines
der ersten Laender, das sich zu diesem Plan bekannte. Nur Grossbritannien, das auch hier seinem alten Prinzip des "Abwarten-undSehen" treugeblieben ist, hat sich bis jetzt noch nicht zu einer
Zusammenarbeit bereiterklaert.
Diese Haltung Englands bedarf einiger Erklaerungen:
23 ist unbestreitbar, dass der psychologische Schock, mit
dem die Initiatoren des Schumanplans rechneten, dazu beigetragen
hat, dass die oeffentliche Meinung in England sich abwartend verhaelt. Seit mei^r als einem Jahrhundert hat die britische Kohle
und der britische Stahl die V/eltmaerkte beherrscht. England
sieht sich daher sehr betroffen, weil ohne jede vorhergehende
Aussprache und ohne zuvorige Beratung dieser Plan sozusagen brutal
der Oeffentlichkeit vorgelegt wurde, ohne auf die Punkte Ruecksioht zu nehmen, die Grossbritannien weitgehend betreffen. Es
genuegt, in dieser Hinsicht an den bitteren Ton der englischen
Presse zu erinnern, der im Mai 1950 zu finden war.
8 -

�Vergessen wir hierbei .auch nicht, dass der so oft diskutierte Tunnel zwischen England und Frankreich auch heute noch
nicht seiner Verwirklichung naehergebracht worden ist. Der
Snglaender bevorzugt es aufgrund seiner geistigen Haltung,
insular zu bleiben. Er ist neuen Ideen gegenueber nur recht
wenig aufgeschlossen - ganz im Gegensatz zu den Voelkern, die
sich auf- dem alten Kontinent diesen Ideen anschliessen und diese
begeistert aufnehmen. Es ist sehr schwer fuer den Englaender,
sich bereitzuerklaeren, seine Ideenwelt zu aendern. Es kommt
ihn vor, als ob er dabei einen Teil seiner Souveraenitaet aufgeben muesse. Und hat er nicht im gewissen Sinne auf die Idee
des Schumanplans reagiert, als er sagte, dass ein Land, das
die Kontrolle ueber seine Kohle und seine Erze verliert, nicht
mehr seine nationale Freiheit besitzt?
Tan muss dabei auch verstehen, dass die heutige besondere
Situation ohne jedes Ge,?enstueck in der englischen Geschichte
ist, die aus dem Vereinigten Koenigreich ein Commonwealth machte
und vielleicht nocn staerKer als alle anderen Gruende dazu beitragen, sich gegen die uebrige '.Veit abzuschliessen. Indessen
bleibt trotz allem die Hoffnung, dass Grossbritannien sich dem
Schumanplan zuwenden wird, nachdem dieser Plan durch die Parlamente der beteilis'ten Laender ratifiziert worden ist. Aber
auch dann, wenn keine wirkliche Beteiligung in diesem engeren
Sinne zustande komr.it, wird Grossbritannien sich doch zu einer
Zusammenarbeit bereiterklaeren. Die fortschreitende Vereinigung Europas ist ohne Grossbritannien nicht denkbar und nicht
durchfuehrbar.
Sine der ersten Aufgaben der kuenftigen Hohen Kommission
wird es sein, eine Uebereinstimmung zwischen den Laendern, die
h an diesem Plan beteiligt sind und den abseitsstehenden westeuropaeischen Laendern herbeifuehren, zu denen in erster Linie
Grossbritannien gehoert.
Trotz aller Kritiken und gewisser zoegernder Momente haben
sich die Vertreter der sechs interessierten Laender. naemlich
Westdeutschland, Belgien, Frankreich (die Saar wird zur Zeit
durch Frankreich vertreten), Luxemburg,und Holland am 20. Juni
1950 in Paris getroffen, um hier die Modalitaeten festzulegen,
um ein gemeinsames Arbeiten ihrer Schwerindustrie zu ermoeglichen.
Die nachstehende Tabelle gibt die Produktionsziffern fuer
Kohle, Eisenerz, Eisen und Stahl der Teilnehmerlaender im Jahre
1950 wieder. Danach werden die britischen Zahlen und die der
europaeischen Gesamtproduktion gegeben.
"an muss jedoch hierbei bemerken, dass die Produktion
dieser sechs Laender seit dem letzten Jahr einen nicht unerheblichen Aufschwung genommen hat. Nach den Erfahrungen, die die
ersten drei Monate des Jahres 1951 betreffen, ist die Kohleproduktion in Westdeutschland auf 120 Millionen Tonnen gestiegen,
in Frankreich auf 54 Millionen Tonnen, im Saargebiet auf 17
Millionen Tonnen und in Belgien 29 Millionen Tonnen. V.ras die
Stahlproduktion anbelangt, hat die westdeutsche Produktion 12
"illionen Tonnen erreicht, die Frankreichs 9,6 Millionen Tonnen, die der Saar 2,5 Millionen Tonnen, die Belgiens 4,7 Millionen Tonnen und die Luxemburgs 3 Millionen Tonnen. Fuer die
Teilnehmerlaender am Schumanplan betraegt somit die Produktionssteigerung zu Anfang des Jahres 1951 fuer Kohle dfo, d.h. also
16 Millionen Tonnen mehr und 10% fuer Stahl, d.h. 3 Millionen
Tonnen.
- 9 -

�Die europaeische Produktion im Jahre 1950
(In Millionen Tonnen)

Westdeutschland
Frankreich .
Saar . . . .
Belgien . .
Luxemburg
Niederlande
Italien . .
Total . . .
Grossbritannien
Andere europaeische Laender

110,8
50,8
15,1
27,3
12,3
1.0

Stahl:

Eisenerze: Eisen:

Kohle

22%
20% 2,7 - 9% 9,5
18%
9% 10,3 -34% 7,8
3%
1,7
5% 0,2 - 0,5 3,7 - 9%
1,2 - 4% 2,5 - 6%
2%
- 0,5 - Ifo
0,2 - 0.5 0,6 - 1%

20%
14%
3%
6%
4%

12,1
8,7
1,9
3,8
2,5
0,5
2,5

217,3

39% 14,6 -48% 26,3 - 61% 31,8 - 52%

219,8

40%

3,9 -13% 9,7 - 22% 16,4 - 27%

21% 11,8 -59% 7,1 - 17% 12,8 - 21%
119,9
Total . . ., 557,0 -100% 30,3 -100% 43,1-100% 61,0 -100%

* Der Erzgehalt ist umberechnet auf 100% Eisengehalt.
Man hat uebrigens festgestellt, dass in den Teilnehmerstaaten des Schumanplans im europaeischen Gesamtgebiet, mit
Ausnahme der UDSSR, sich die Kohlenfoerderung 1950 um 39% steigerte; fuer Eisenerz um 48%; fuer Eisen um 61% und fuer Stahl
um 52%.
Die zweite Tabelle zeigt Importe und Exporte der teilnehmenden Laender, wobei lediglich feste Brennstoffe, Eisenerze,
Eisen und Stahl beruecksichtigt ist.
Import- und Exportzahlen fuer 1950
(In Millionen Tonnen)
.feste
Brennstoffe
Imp. Exp,
Westdeutschland
Frankreich .
Saar . . . .
Belgien . .
Luxemburg
Niederlande
Italien . .
Total .
Cx-ossbritannien

19,6

Eisenerze
Imp. Exp.
4,8

11,5

Eisen

Stahl

Imp. Exp. Imp. Exp.
-

0,46

-

1,17

-

2,81
3,13

11,1

0,3

3,8
8,3

- 0,33
0,06

3,8
8,8

0,6

- 0,25
0,21
-

8,5

3,7

6,6

-

15,1

8,5

0,16

0,67

0,82 0,48 -

5,81

-

1,39

Wenn das gestellte Problem in seinen Prinzipien sich auf
den ersten Blick fuer die in Paris versammelten Delegierten
als ein verhaeltnismaessig einfaches darstellte, so ist doch
auf der anderen Seite der Mechanismus, den der Schumanplan vor- 10 -

�gesehen hat, nicht so einfach, um ohne weiteres verwirklicht
zu werden. Die Arbeiten der Vertreter der sechs Laender, die
Jean Monnet leitete, waren ebenso langwierig wie anstrengend.
Die Umwandlung der Prinzipien in die Wirklichkeit des Tages
mussten notwendigerweise gewisse politische, wirtschaftliche,
finanzielle und soziale Schwierigkeiten in das Licht ruecken,
ebenso begegneten sich hier die verschiedenen Interessen, die
oft entgegengesetzter Natur waren. Man nuss hierbei beruecksichtigen, dass die Wirtschaftsstruktur der sechs Teilnehmerlaender eine verschiedene ist, und dass sie nur schwer zu
einer Harmonie gebracht werden koennen. Die Produktion, die
Ertraege, die Technik, die soziale Gesetzgebung, die inneren
Marktbedingungen und bestimmte Schwierigkeiten in den aeusseren Bereichen wie beispielsweise bei dem Sonderstatut der
Saar, den Vollmachten der internationalen Ruhrbehoerde und
sehnliches hat naturgemaess den Ablauf der Verhandlungen gehemmt. Weiter ergab sich, dass, wenigstens fuer die Zwischenperiode, eine Reine von Vorbehalten und Sonderklauseln eingefuehrt werden mussten. Diese Umstellungsperiode war jedoch
von Anfang an vorgesehen, sie sollte sich auf jene Zeit erstrecken, die notwendig war, um die Hohe Behoerde dieser Wirtschaftsgemeinschaft in Funktion treten zu lassen, sie wurde
auf sechs Monate befristet. Gleichzeitig s.ollten in dieser
Zeit die einzelnen Institutionen ihre Arbeit aufnehmen und den
gemeinsamen Markt festlegen.
Eine weitere Uebergangsperiode von fuenf Jahren wurde
vorgesehen, um gelegentliche Stoerungen zu vermeiden, die
sich durch die neuen Organisationen ergeben koennten. Waeh•' rend dieser Periode spielen verschiedene Sicherheitsmassregeln
eine Rolle, deren Aufgabe es ist, die bej diesem Plan am wenigsten beguenstigten Industrien bestimmter Laender zu unterstuetzen. So soll eine Ausgleichskasse errichtet werden, um
den unter besonders schwierigen Verhaeltnissen arbeitenden
belgischen Kohlenbergwerken und italienischen Stahlwerken zu
helfen.
Durch die Ereignisse in Korea ist naturgemaess der gesamte Plan beeinflusst worden. Als im Mai 1950 die Idee dieses
Plans der Oeffentlichkeit unterbreitet wurde, schien die europaeische Produktion eine gewisse gesunde Basis erreicht zu
haben. Wenige Wochen spaeter jedoch hatte sich die wirtschaftliche Situation voellig veraendert, von dem Zustand einer in
voller Bluete stehenden Wirtschaft gelangte man zu einer
Mangelwirtschaft. Dadurch wurde jedoch die Gefahr vermieden,
bestimmte Bergwerke und Fabriken stillzulegen, weil sie unrentabel waren. Auf der anderen Seite hat netuerlich diese
neue Konjunktur die Probleme stark vereinfacht und den Kurs
wieder auf die Hauptprobleme zurueckgebracht. Die Preishausse
schuf darueberhinaus noch andere und fuehrte zu gewissen Sonderwuenschen, die mit dem Ziel des Plans unvereinbar waren. Trotz
allem konnte jedoch der Vertragsentwurf und die Vereinbarungen
am 19. Maerz paraphiert und am 18. April durch die sech3
Aussenminister feierlich unterzeichnet werden. Der Vertrag
ist jetzt noch durch die Parlamente der einzelnen Teilnehmerstaaten zu ratifizieren.
Mit dem Schumanplan ist die erste uebernationale Organisation geschaffen, um die Voraussetzung fuer ein wirtschaftlich
vereinigtes Europa zu schaffen, wobei die Teilnahme an diesem
Plan allen Staaten Europas offen steht. Dieser Satz der gemeinsamen Erklaerung der Aussenminister der sechs Laender charakte11 -

�risiert die tiefgehenden Umwandlungen, die sich in der wirtschaftlichen Struktur der Teilnehmerlaender vollziehen wird.
Zum erstenmal in der Weltgeschichte sind sechs Staaten uebereingekommen, einen Teil ihrer Souveraenitaet einer gemeinsamen Organisation zu ueberantworten. Es handelt sich hierbei
um eine fundamentale Aenderung in den Beziehungen souveraener
Staaten. Die Form des Nationalstaates, die bisher trennend
wirkte, macht heute einer uebernationalen Form Platz, die dazu
beitraegt, diese Staaten zusammenzuschliessen.
Das Ingangsetzen einer gemeinsamen Kohle- und Stahlproduktion umfasst einen Markt von 150 Millionen Verbrauchern,
das ist die Bevoelkerungszahl der sechs Teilnenmerlaender.
Im Innern dieses Marktgebietes, das ebenso rross ist wie das
der Vereinigten Staaten, werden alle Produzenten freien und
gleichen Zugang zu den liilfsmoeglichkeiten haben, aber ebenso
haben alle Verbraucher die Moeglichkeit, sich ebenfalls die
Vorteile dieses Plans zunutze zu machen. Es gibt keine Zoelle
mehr und keine Kontignentierungssysteme, es gibt auch keine
Vorzugstarife noch irgendeine andere Form der Benachteiligung
oder Diskriminierung, die sich dem freien Umlauf der Kohle entgegenstellt, aber nicht nur der Kohle, sondern auch dem Eisenerz, dem Eisen und dem Stahl in einem Gebiet, das von den
sechs Teilnehmerstaaten gebildet wird. Die gesamten Vorraete
an Kohle und Stahl werden ohne Ruecksicht auf ihren Ursprung
je nach dem Bedarf der teilnehmenden Laender diesen uneingeschraenkt zur Verfuegung stehen.
Die Freiheit und die schoepferische Initiative sind die
Basis fuer die gemeinsame Organisation. Die"Unternehmen werden weiterhin die volle Verantwortlichkeit fuer ihre Transaktionen haben, ja, sogar in verstaerktem Masse als bisher, denn
die freie schoepferische Initiative wird wieder hergestellt
durch die Abschaffung der Restriktionspraktiken der Kartelle.
Die Verbraucher werden dadurch gegen die Auswuechse der
Konzentration einer .Virtschaf tsmacht geschuetzt. Daneben werden selbstverstaendlich Vorkehrungen getroffen, um den technischen Fortschritt zu foerden und selbstverstaendlich auch die
Hebung der Lebensbedingungen fuer alle Beteiligten.
Dieser kurze Abriss kann selbstverstaendlich nicht erschoepfend sein, um all das aufzuzeigen, was am Schumanplan
wichtig ist. Er gibt jedoch einen Umriss, bei dem die wichtigsten Aufgaben herausgestellt sind. Hieraus ergibt sich auch
die Notwendigkeit, die Instrumente der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu schmieden.
Es ist noch nicht allzu lange her, dass ein Redakteur
der "New York Herald Tribüne" schrieb, dass Jean Monnet, Frankreichs Wirtschaftsexperte Nr. 1, nicht nur der glueckliche Vater zweier Toechter Anna und Marianne ist, sondern auch Vater
zweier Plaene, des Monnet- und des Schumenplans. Man kann sich
nicht vorstellen, welche Summe an Arbeit, an Hartnaeckigkeit,
an Geduld und an Takt im Laufe der letzten zehn Monate Monnet
beweisen musste, um nicht in den letzten zehn Monaten ueber
irgendwelche Zwirnsfaeden zu stolpern, die seinen Plan zu Fall
gebracht haetten. Die Geschichte wird eines Tages den Namen
Robert Schumans als des Menschen herausstellen, der in einem
der schwersten Augenblicke der Weltgeschichte es verstanden hat,
sich ueber nationale Sonderbestrebungen hinwegzusetzen und die
echten Interessen der Laender und Voelker herauszustellen, um
zu einem Werk beizutragen, das ein entscheidender Beitrag bildet
- 12

�fuer die Integration des von allen moeglichen Kraeften gestossenen Europas und fuer eine staendig anwachsende Zusammenarbeit
zwischen'den Voelkern. Man sollte es nicht verheimlichen:
Eine grosse Hoffnung ist geboren. E3 liegt an uns, diese
Hoffnung zu einem echten Leben zu erwecken.
RAPPORTS France-Etats Unis
Nr. 52 Juli 1951
Sir Vincent Tewson:
DIE VORAUSSETZUNGEN FUER DIE HERSTELLUNG UND ERHALTUNG DES
WELTFRIEDENS
Mit seiner Erklaerung ueber wirtschaftliche und soziale
Forderungen umriss der Gruendungskongress des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften seine Ziele und Aufgaben. Diese
Erklaerung verweist nachdruecklich auf die PrBa.mbel zur IBFGSatzung, in der der Internationale Bund bekraeftigt, "dass
die auf freier Arbeit und wirtschaftlicher Demokratie gegruendete allgemeine .Johlfahrt, die soziale Gerechtigkeit und Sicherheit die Grundlagen bilden, auf denen ein dauernder Friede
aufgebaut werden kann."
Der Internationale Bund hat auf seinem zweiten Weltkongress die Verantwortung, dieser Erklaerung von allgemeinen
Grundsaetzen praktische Wirkung zu verleihen. Der Internationale Bund ist gewiss nicht in der Absicht gegruendet worden,
um lediglich einander mehr oder weniger gleichende Manifeste
und Erklaerungen allgemeinen Inhalts herauszugeben. Als wir
eine internationale Organisation freier Gewerkschaften gruendeten, entledigten wir uns aller kommunistischen Einfluesse,
die uns vom konstruktiven Wiederaufbau einer durch den Krieg
verbrauchten »Veit und von der Errichtung wirtschaftlicher Stabilitaet ablenken wuerden, durch die allein aber Vollbeschaeftigung und ein staendig sich hebender Lebensstandard und sozialer 7/ohlstand fuer alle Voelker gesichert werden koennen.
(Dem Internationalen Bund faellt die bedeutende Aufgabe
zu, bei der Schaffung der fuer die Herstellung und Erhaltung
eines dauerhaften Friedens von uns fuer notwendig angesehenen
Voraussetzungen mitzuwirken. Seit unserem ersten Kongress
sind energische Massnahmen fuer den Aufbau der zur Foerderung
dieser Arbeit benoetigten internationalen und regionalen Einrichtungen getroffen worden. Diese noch unvollstaendigen aber
bereits gut entväckelten Einrichtungen wurden fuer konstruktive
Zwecke geschaffen, mit deren Erfuellung der dauerhafte Weltfriede hergestellt werden wird.

Es ist daher die oberste Pflicht des Internationalen Bundes, diese Einrichtungen von nun an" zur Erleichterung der Zusammenarbeit zwischen industriell entwickelten Laendern auszubauen und praktisch zu verwerten.. Durch sie muss er das Wirtschaftsleben der Voelker in unterentwickelten Laendern organisieren helfen und die Selbstregierungsbestrebungen kolonialer
Gebiete unter der Voraussetzung politischer Freiheit und mit
demokratischen Garantien gegen jede Ausbeutung und Unterdrueckung
foerdern.
Dies alles gehoert zu den wesentlichsten Voraussetzungen
fuer einen dauerhaften Frieden. V/ie sich bereits in der Vergangenheit gezeigt hat, ist die freie Gewerkschaftsbewegung
- 13 -

�eines der HauptInstrumente fuer den Aufbau von Einrichtungen
freier Staatsbuerger und fuer den Fortschritt der Demokratie.
Dieser Kongress muss daher die Notwendigkeit der Erweiterung
und des Ausbaus der internationalen Gewerkschaftsorganisation
anerkennen. Besonders wichtig ist dabei, dass Mittel fuer
die Entwicklung der regionalen Organisationen gefunden werden,
die vom Internationalen Bund in Europa, Asien und fuer die beiden Amerikas geschaffen wurden. Ebenso wichtig ist die Foerderung regionaler Gruppierungen in anderen Gebieten, darunter
in Afrika, wo bereits vorbereitende Schritte unternommen wurden.
Bei tatkraeftiger und planvoller Verwendung dieser Einrichtungen kann der Internationale Bund die Plaene und Massnahmen von Regierungen und Voelkern in allen Teilen der Welt
wirksam beeinflussen. Internationale Beziehungen sollten
nicht eine Angelegenheit geheimer Verhandlungen oder Beratungen zwischen Regierungen sein. Der freie Austausch von Nachrichten zwischen den Voelkern der verschiedenen Laender der
Welt darf nicht behindert werden. Wir muessen ganz allgemein
die gegenseitige Beachtung der Menschenrechte und der Pressefreiheit fordern. Der Friede ist nicht allein eine Angelegenheit der Regierungen. Die Voelker, die ihre Regierungen frei
waehlen, koennen dadurch auch die Politik ihrer Laender bestimmen. Ihre Staerke wird am groessten, wenn sie sich freiwillig
zu Gewerkschaftsorganisationen vereinigen, die die politischen
Massnahmen ihrer Regierungen weitgehend beeinflussen koennen.
Dieses alles trifft fuer Laender zu, in denen die Demokratie
herrscht; in Diktaturlaendern aber ist die Situation umgekehrt.
Deshalb ist mit den Diktaturlaendern eine derartige Kriegsgefahr verbunden, weil das Volk von der Freiheit des Zusammenschlusses, oder von sonstigen demokratischen Mitteln zur Ausuebung der Regierungsgewalt durch das Volk keinen Gebrauch machen kann.
Insbesondere muessen die von den Regierungen der freien
Welt getroffenen Massnahmen zur Entwicklung der Prinzipien der
kollektiven Sicherheit und der gemeinsamen Aktion zur Sicherung
eines dauerhaften Friedens voll unterstuetzt werden. Die grundlegenden Voraussetzungen fuer die Herstellung und Erhaltung des
Friedens sind mit dem von den Vereinten Nationen geschaffenen
Sicherheitssystem gegeben. Dieses System gruendet sich auf den
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, gestuetzt und verstaerkt
durch die Nordatlantikpakt-Organisation, die Westliche Union
und den Europarat, die Organisation fuer Europaeische Wirtschaftliche Zusammenarbeit und anderen, wie.den Benelux-Zollvertrag,
die t^-uesseler und Duenkirchener Vertraege, den FranzoesischItalienischen Zollvertrag und das Amerikanische Gesetz fuer Auslandshilfe, die alle mit den Zielen und Aufgaben der Vereinten
Nationen in Zusammenhang stehen.
Der Internationale Bund sagt diesen Massnahmen seine uneingeschraenkte Unterstuetzung zu. Neben ihrer Aufgabe, die Verteidigung der freien Welt zu staerken, dienen sie alle konstruktiven Zwecken, und zwar der Erhaltung des Friedens. Der Internationale Bund weist ohne Zoegern und aufs energischste jede
Propaganda zurueck, durch die versucht wird, diese gegen die
Aggression gerichteten Verteidigungsmassnahmen als kriegsaehnliche oder imperialistische Bestrebungen irgendeiner der Westmaechte hinzustellen.
Eine notwendige Voraussetzung fuer die Gewinnung eines •
dauerhaften Friedens besteht darin, dass von der oeffentlichen
14 -

�Meinung der ganzen Welt anerkannt wird, dass die errichtete Verteidigungs-Organisation eindeutig friedlichen Absichten dient_
und dass die freien demokratischen Laender das Recht haben, sich
selbst gegen die Aggression zu bewaffnen. Es ist daher eine
wesentliche Aufgabe des Internationalen Bundes, der Propaganda
entgegenzutreten, durch die dieses Verteidigungssystem als
Aufbau einer gegen irgendein Land gerichteten politischen und
militaerischen Organisation entstellt werden soll. '-Vir muessen
mit allen uns zur Verfuegung stehenden Mitteln den Nachweis ueber
die friedlichen Absichten des Verteidigungsprogramms verkuenden
und verbreiten und keine Luege der Kommunisten unwiderlegt
lassen.
Eine gewerkschaftliche Kampagne auf dieser positiven Linie
ist es, die richtige Antwort auf das kommunistische Betrugsmanoever ihrer "Friedens"-Propaganda zu geben. Diese Propaganda
schreckt auch nicht vor noch so skrupelloser und verlogener Kritik an den Motiven der Vereinten Nationen zurueck. Sie versucht
systematisch, das Verteidigungsprogramm zu unterminieren. Der
organisierten Sabotage, der staendigen Einmischung in Streiks
und der Ausnutzung von Arbeitsstreitigkeiten, insbesondere bei
Transport- und Hafenarbeitern, muss begegnet werden. Wir muessen
ueber jeden Zweifel klar herausstellen, dass die Gewerkschafter
der freien Welt entschlossen sind, ihre Lebensart, ihre demokratischen Einrichtungen und ihre Freiheit zu verteidigen, indem
sie sich unerschuetterlich fuer die Verteidigungsprogramme der
daran beteiligten Nationen einsetzen.
Der Internationale Bund hat ein Recht darauf, an die gewerkschaftliche Tradition internationaler Solidaritaet zu
appellieren, um deren Gewicht zur Unterstuetzung dieser Politik
zu erhalten. Durch die Ereignisse in Korea wird die Staerke
und Einmuetigkeit unserer Unterstuetzung auf eine entscheidende
Probe gestellt. '.Vir bekraeftigen den Beschluss der Vereinten
Nationen, von der Waffe Gebrauch zu machen, um der Aggression
an der von ihnen zwischen Nord- und Suedkorea festgelegten Demarkationslinie Einhalt zu gebieten. In der Frage der mit dem
Koreakrieg aufgeworfenen grundsaetzlichen Probleme kann es bei
uns keine Kapitulation geben. Wir koennen uns keiner Taeuschung
ueber die schicksalhaften Folgen hingeben, die sich fuer die
ganze freie Welt ergeben wuerden, wenn die Streitkraefte der
Vereinten Nationen bei ihrer Mission der Befreiung Suedkoreas
versagen sollten. vVenn den Aggressoren gelehrt werden soll,
dass Aggressionen keine Dividenden tragen, so ist es Seche der
Vereinten Nationen, mit dem Koreakrieg ein Beispiel dafuer zu
geben, und somit einen Sieg zu erringen, der auf dem Wege zum
dauerhaften Frieden liegt.
Nunmehr muessen aber weitere positive Massnahmen getroffen
werden, um die konstruktiven Elemente des Sicherheitssystems zu
entwickeln, die zur Herstellung des Weltfriedens beitragen. In
den Vertraegen und in anderen Dokumenten, auf die das SicherheitS'
system aufgebaut worden ist, wurde immer wieder betont, dass die
Vertragspartner die Notwendigkeit fuer die Zusammenfassung ihrer
Bemuehungen anerkennen, um den wirtschaftlichen Wiederaufbau zu
foerdern, ihre wirtschaftlichen Aktionen zu organisieren und koordinieren, Konflikte innerhalb ihrer Wirtschaftspolitik auszuschalten, die Produktivitaet zu erhoehen und die Leistungsfaehigkeit ihrer Industrien zu verbessern, den internationalen Handel
zu entwickeln und den unterentwickelten Laendern die Moeglichkeit zu geben, sowie allen ihren Voelkern einen hoeheren Lebensstandard und bessere soziale Bedingungen bereitzustellen.
- 15 -

�Ein weiterer konstruktiver Weg in Richtung buf den Weltfrieden liegt in der Arbeit von Koerperschaften wie dem Beratenden Ausschuss des Commonwealth, dem die Regierungen von Australien, Kanada, Ceylon, Indien, Neuseeland, Pakistan und Grossbritannien angehoeren. Die Colombo-Konferenz wurde auf Initiative der britischen Regierung in der Hoffnung einberufen, dass
auch nicht zum britischen Commonwealth gehoerende Regierungen,
die ein Interesse an Sued- und Suedostasien haben, teilnehmen
und zur Wirtschaftsentwicklung eigene Sechsjahresplaene aufstellen wuerden. Die insgesamt 570 Millionen Menschen umfassenden
Laender dieses weitraeumigen Gebiets stellen eine bedeutende
Nahrungsmittel- und Rohstoffquelle fuer die ganze industrialisierte Welt dar. Trotzdem haben diese Voelker seit vielen Generationen nur Armut und Hunger erlitten, Es gehoert daher mit
zur Verantwortlichkeit nicht nur der zum Commonwealth gehoerenden Regierungen, sondern aller an den Problemen dieses und aehnlicher Gebiete Interessierten, im Sinne des konstruktiven Colombo-Plans zu wirken, sowie zu der Arbeit der von der britischen
Regierung errichteten Koerperschaft fuer Koloniale Entwicklung
beizutragen. Dieses sind Beispiele fuer Aufgaben, die ueberall
in der Welt unternommen werden muessen, wo industriell entwickelte Laender die Pflicht haben, zum Fortschritt der Menschen beizutragen.
Alle diese konstruktiven Massnahmen auf v/irtschaftlichen
Gebiet stellen die schöpferische und positive Seite des kollektiven Sicherheitssystems dar. Wir duerfen nicht zulassen, dass
die volle Bedeutung der Politik der Vereinten Nationen durch rein
politische und militaerische Aspekte dieses Systems geschmaelert
wird. Die Verwirklichung der in den Vertraegen und Buendnissen
festgelegten Ziele, durch die eine zusammengefasste und gemeinschaftliche Aktion nicht nur fuer die Interessen der Verteidigung,
sondern auch fuer die wirtschaftlichen, sozialen und humanitaeren
Interessen aller Voelker bereitgestellt wird, erfordert derartige bestimmte Programme. Der Internationale Bund hat Einrichtungen aufgebaut, mittels derer die freien Gewerkschaften an der
Aufstellung dieser Programme mitarbeiten koennen. Sie bedeuten
Vollbeschaeftigung fuer die Menschen in unterentwickelten Laendern sowie in den industriell entwickelten Gemeinschaften, und
damit einen ansteigenden Lebensstandard fuer alle. Ferner wird
durch die exportfaehigen Ueberschuesse an Lebensmitteln und
Rohstoffen, die in einem Lande produziert werden koennen, das
internationale Handelsvolumen zum Segen aller Laender anschwellen.
Auf der Grundlage dieser Plaene wird das -Programm der vom
Internationalen Bund aufgestellten wirtschaftlichen und sozialen Forderungen erfuellt werden. An der Entwicklung der im Rahmen dieser Plaene erforderlichen Zusammenarbeit wird die unverschaemte und verlogene Kritik der kommunistischen Propaganda abprallen, und die Ursachen der sozialen Unzufriedenheit, die sich
der Kommunismus zunutze macht, werden beseitigt werden. Der Internationale Bund hat jetzt die Aufgabe, die GewerkschaftsOrganisation in allen Teilen der Welt zu entwickeln. Dann werden wir
in der Lage sein, an den konstruktiven Arbeiten fuer die Herstellung und Erhaltung des Weltfriedens voll und ganz teilzunehmen.
Auszug eines Referats von Sir
Vincent Tewson, Zweiter Weltkongress des IBFG in Mailand,
4. - 12. Juli 1951
- 16 -

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 31

F r a n k f u r t , 3 . August 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die s t a a t l i c h e Organisation fuer Arbeitsvermittlung
in I r l a n d
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - _ i
Es geschah i n Karachi

- - - - - - - - - - - - - - - 4

I n t e r n a t i o n a l e Sommerschule des I.B.F.G. fuer Westeuropa
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 0
Praemien fuer Sonderleistungen

- - - - - - - - - - 1 3

Amerikanische S t a h l a r b e i t e r besuchen b r i t i s c h e
Betriebe - • - - ™ - - - - - - . - . . . . . . .

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DTE STAATLICHE ORGANISATION FUER ARBEITSVERMITTLUNG IN IRLAND
Vom Ministerium fuer soziale Wohlfahrt, Dublin, Irland.
Die staatliche Organisation fuer Arbeitsvermittlung in
Irland wurde auf Grund des im Jahre 194-9 erlassenen Gesetzes
ueber Arbeitsvermittlung errichtet. Es ist eine bis ins einzelne durchorganisierte und sich ueber das ganze Land erstreckende Organisation. Im ganzen gibt es 123 oertliche
Arbeitsaemter in den verschiedenen Teilen des Landes; im
Durchschnitt hat jede Grafschaft fuenf solcher Aemter.
Allgemein gesprochen arbeiten zweiunddreissig dieser
Arbeitsaemter fuer die groesseren Staedte und deren Umgebung;
das Personal setzt sich aus Beamten des Ministeriums fuer
soziale Wohlfahrt zusammen. Die uebrigen 91 Arbeitsaemter
- 1-

�befinden sich in Kleinstaedten und sind fuer diese und die sie
umgebenden Gebiete zustaendig. Die Arbeitsaemter in den Kleinstaedten werden in der Regel von Personal geleitet, das nur auf
eine bestimmte Zeit angestellt ist und die Arbeit als Nebenarbeit
verrichtet. Die entsprechende Zentralstelle beim Ministerium
fuer soziale Wohlfahrt erteilt allen 123 Arbeitsaemtern die fuer
ihre Arbeit erforderlichen Weisungen und beaufsichtigt ihre
Taetigkeit.
Die Registrierung
Alle, die ueber das schulpflichtige Alter hinaus sind,
koennen sich, gleichviel ob sie Arbeit haben oder nicht, bei
einem Arbeitsamt registrieren lassen; dies kann entweder durch
persoenliche Vorsprache geschehen oder brieflich. Das Amt vermerkt das Alter des Bewerbers, seine Kenntnisse und Fertigkeiten,
sowie die Art der gewuenschten Arbeit.
Im Hinblick darauf, dass es, namentlich in letzter Zeit,,
fuer die Wirtschaft des Landes sehr wesentlich ist, dass Arbeitskraefte sofort dort eingesetzt werden, wo in der Landwirtschaft
oder bei der Rasenarbeit Luecken bestehen, ist die Eintragung
betreffend fruehere Arbeitserfahrung ausfuehrlicher gehalten,
als es allgemein ueblich ist. Gleichfalls wird angegeben, ob
der Betreffende gewillt ist, Arbeit in anderen Teilen des Landes
anzunehmen. Zweckmaessigkeitshalber werden die Meldungen nach
Berufszweigen geordnet; zu diesem Zwecke sind ungefaehr 38O verschiedene Berufsgruppen aufgestellt worden.
Wo es sich durchfuehren laesst, werden Frauen und jugendliche Bewerber (d.h. Bewerber unter 18) in gesonderten Raeumen
oder in einer besonderen Abteilung des Arbeitsamtes registriert.
Wo weder das eine noch das andere moeglich ist, werden in der
Regel besondere Empfangszeiten fuer sie vom betreffenden Arbeitsamt festgesetzt. Des weiteren werden, soweit es moeglich ist,
Frauen und Jugendliche von Beamtinnen registriert.
Die Bewerber halten ihre Bewerbung dadurch aufrecht, das5
sie sich in regelmaessigen Abstaenden - in der Regel mehrmals
in der Woche, mindestens aber einmal alle zwei Wochen - persoenlich oder brieflich beim Arbeitsamt melden. Antraege auf Arbeitslobenuntex'stuetzung koennen nur beruecksichtigt werden, wenn eine
solche Meldung erfolgt ist.
Wie der Apparat funktioniert
Ein Unternehmer, der die Dienste eines Arbeitsamtes in
Anspruch nehmen will, meldet seinen Bedarf bei einem solchen an.
Das Arbeitsamt bemaeht sich, ihm am Ort wohnende Arbeitskraefte
zur Verfuegung zu stellen. Unter den registrierten Arbeitssuchenden werden solche ausgewaehlt, und dem Arbeitgeber vorgeschlagen, die fuer den betreffenden Arbeitsplatz geeignet erscheinen. Wenn der Beamte des betreffenden Arbeitsamtes nicht in der
Lage ist, fuer die betreffende Arbeit geeignete Personen vorzuschlagen, weil keine entsprechenden Bewerbungen bei ihm vorliegen,
schlaegt er ein bestimmtes Verfahren ein, nach dem die Einzelheiten
betreffend den offenen Arbeitsplatz noetigenfalls innerhalb von
ein oder zwei Tagen den bei saemtlichen anderen Arbeitsaemtern
in Irland registrierten Arbeitssuchenden zur Kenntnis gebracht
werden koennen. Dieses Verfahren besteht darin, dass Einzelheiten mit Bezug auf den offenen Arbeitsplatz der Zentralstelle gemeldet werden, welches sie ihrerseits den verschiedenen lokalen

2

�Arbeitsaemtem meldet. Diese teilen sodann den entsprechenden
Eewerbern alle Einzelheiten mit; des weiteren werden die Einzelheiten auch "oeffentlich durch Aushang" bekanntgegeben.
Die Arbeitsvermittlung ist kostenlos und erfasst das ganze
Land. Der Leiter eines Arbeitsamtes kann dem Arbeitssuchenden
einen Schein fuer Freifahrt ausstellen, vorausgesetzt dass sich
der Arbeitgeber oder der registrierte Arbeitsuchende verpflichtet, die Fahrtkosten zurückzuzahlen; das Arbeitsamt kann ihm
auch das noetige Fahrgeld vorstrecken, damit der Arbeitsuchende
zur Vorstellung fahren kann. In Faellen, in denen registrierte
Arbeitsuchende auf Arbeitslosenunterstuetzung Anrecht haben,
kann ein Teil des Vorschusses aus dem Fonds fuer Arbeitslosenunterstuetzung genommen werden.
Fuehlungnahme mit den Arbeitgebern.
Der Leiter eines Arbeitsamtes hat die Pflicht, die Arbeitgeber des betreffenden Gebietes von Zeit zu Zeit aufzusuchen,
um sie zu veranlassen, das Arbeitsamt von gegebenenfalls frei
werdenden Arbeitsplaetzen zu unterrichten. Wenn die Arbeitgeber die bei ihnen frei werdenden Arbeitsplaetze dem zustaendigen Arbeitsamt unverzueglich melden, so kann dieses alle notwendigen Massnahmen ergreifen; auf diese Weise wuerde der
Bedarf in der Regel schnell und gut befriedigt, das unerfreuliche Feilbieten von Arbeitskraeften vermieden werden. Des
weiteren wuerde es auf diese Weise den Arbeitsaemtem leichter
gemacht, entsprechende Stellen an Personen zu vermitteln, die
sich anderenfalls um Arbeitslosenunterstuetzung beratenen wuerden.
Es gibt keine Statistik ueber den Prozentsatz der Zahl der
Arbeitsvermittlungen, die du^ch die Arbeitsaemter erfolgt sind,
im Vergleich zu den gesamten Einstellungen im ganzen Land;
jedoch laesst sich feststellen, dass die einzelnen Arbeitsaemter
seit Kriegsende im Jahr ungefaehr 50,000 Arbeitsplaetze vermittelt haben.
Besondere Aufgaben des Arbeitsamtes
Es ist von Interesse "festzustellen, dass die Arbeitsaemter
gelegentlich besondere Aufgaben durchfuehren. So fuehren zum
Beispiel die Arbeitsaemter Listen von ehemaligen Angehoerigen
der irischen Wehrmacht, um auf diese Weise den Veteranen alle
nur moegliche Hilfe bei der Wiedereingliederung ins bürgerliche Leben zu gewaehren; auf Grund dieser Listen werden denjenigen Arbeitgebern Vorschlaege gemacht, die sich bereit erklaert haben. Veteranen bevorzugt einzustellen.
Sodann befassten sich die Arbeitsaemter in den Jahren 1944
bis 1947 mit dem von der Regierung durchgefuehrten Projekt der
Beschaffung von Erntearbeitern. So wurden den Bauern in den
betreffenden Gebieten Arbeitskraefte aus den ueberfuellten Gebieten der Westkueste als Erntehilfskraefte zur Verfuegung gestellt. Der Staat trug die Reisekosten fuer jeden Arbeiter
und beteiligte sich an der Deckung seiner Nebenausgaben und
Unterhaltskosten. Dazu wurden in den Jahren 1943 bis 1947 noch
besondere Listen von Landarbeitern und Rasenarbeitern gefuehrt.
Ein weiteres Beispiel fuer die Mitarbeit der Arbeitsaemter
bei der Durchfuehrung verschiedener Projekte bilden die Projekte
fuer Torf- und Rasengewinnung, die von der Regierungsstelle fuer
Rasenzuechtung durchgefuehrt wurden. In diesem Zusammenhang wurden
Arbeitsuchende in den verschiedenen Teilen des Landes von den
freien Arbeitsplaetzen durch die Arbeitsaemter in Kenntnis

- 3-

�gesetzt; die Arbeitsaemter sorgten auch dafuer, dass sie zu
den Arbeitsplaetzen fahren konnten. Im Jahre 1948 uebernahm
die Regierungsstelle fuer Rasenzuechtung von den Grafschaften
einige Bodenreklamations- und Rasenzuechtungsprojekte. Bei
der Durchfuehrung dieser Projekte wurden nur einheimische
Arbeitskraefte verwandt, die, soweit das erforderlich war,
von den oertlichen Arbeitsaemtern vermittelt wurden.
Ausschuesse zur Beratung Jugendlicher
Den Arbeitsaemtern in Dublin, Cork, Limerick und Waterford
sind Ausschuesse zur Beratung Jugendlicher angegliedert. Diese
Ausschuesse setzten sich aus Vertretern der Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kirchen, Erziehungsbehoerden und oertlichen Verwaltungsbehoerden, sowie aus anderen, an Jugendfragen interessierten
Personen zusammen. Der Zweck dieser Ausschuesse ist, den
Minister fuer soziale Wohlfahrt mit Bezug auf die den Arbeitsaemtern zu erteilenden Weisungen zu beraten, soweit es sich um
die Behandlung von jugendlichen Arbeitsuchenden handelt; die
Ausschuesse haben ferner die Aufgabe, die Jugendlichen und ihre
Eltern bei der Berufswahl und in anderen Fragen zu beraten.
Die Ausschuesse bemuehen sich, eine Zusammenarbeit zwischen
Lehrern, Eltern und Arbeitgebern herbeizufuehren und den Schulentlassenen passende Arbeitsplaetze zu vermitteln. Sie bemuehen
sich ferner, mit den jugendlichen Arbeitnehmern in den ersten
Jahren ihrer Taetigkeit in Fuehlung zu bleiben und sie zu
beraten.
Die Erweiterung des Arbeitsgebietes der irischen Organisation fuer Arbeitsvermittlung hat natuerlich an dem urspruenglichen Zweck dieser Behoerde nichts geaendert. Die verschiedenen irischen Regierungen haben ausnahmslos den Standpunkt
vertreten, dass der Staat die Freiheit des Individuums, sich
eine Arbeit nach seinem Ermessen zu suchen, nicht beschraenken
duerfe. Die oben beschriebene Taetigkeit soll lediglich dazu
dienen, dem Einzelnen dabei behilflich zu sein, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden; der Staat uebt jedoch in dieser
Beziehung keinerlei Druck aus.
Employmert Security Review
VI, 1951
Richard Deverall (Vertreter des Asien-Gewerkschaftsbundes,
Asien (A.F.L.)):
ES GESCHAH IN KARACHI
Unter der brennenden Sonne in WestHPakistan zog an einem
Sonnabend Nachmittag eine Parade der Gewerkschaften am Rathaus
vorbei, die Hauptstrasse von Karachi entlang. Welch buntes
Bild bot dieser endlose Zugl 1000 von Kamelen, 900 von Pferden
und 1000 von Eseln gezogene Fahrzeuge begleiteten Tausende
freier Gewerkschafter von Pakistan.
Waehrend die Pakistan-Gewerkschafter ihre Fahnen schwangen
und Gewerkschaftsschlagworte und Grussse den asiatischen Gewerkschaftsfunktionaeren zuriefen, schritten die stattlichen
Kamele, den Kopf hoch in die Luft der Freiheit und Unabhaengigkeit erhoben, majestaetisch die Strasse entlang. Koreanische
Gewerkschaftsfuehrer gingen von Wagen zu Wagen und riefen ihren
Pakistan-Bruedern zu:
- 4 -

�"Pakistan Zindabadl" (Es lebe Pakistan*)
Diese praechtige Demonstration in Karachi bedeutete eine
Voranzeige fuer die Stadt, dass am folgenden Montag der ehrwuerdige Gewerkschaftsfuehrer von Indien, Mr. N. M. Joshi,
die erste regionale Konferenz des Internationalen Bundes der
freien Gewerkschaften zusammenrufen wuerde. Als Joshi die
Tagung mit Hamraerschlag eroeffnete, waren ungefaehr 31 Gewerkschaftsabgeordnete von elf Laendern des Freien Asien im grossen
Saal des Rathauses anwesend, um den Eroeffnungsansprachen und
den Begruessungen der Eruder-Delegierten beizuwohnen.
Neben dem Vorsitzenden Joshi aus Indien sassen zwei Vizepresidenten, Chun Chin-han vom Koreanischen Arbeiterbund und
R. E. Jayatilaka vom Gewerkschaftskongress Ceylon. Pakistan*s
M. A. Khatib begruesste die auslaendischen Abgeordneten und
Beobachter im Namen des gesamten Pakistan-Arbeiterbundes und
Irving Brown, A.F.L., war als Vertreter des Internationalen
Bundes der Freien Gewerkschaften (I.B.F.G.) erschienen.
In seiner Rede betonte Kollege Brown die Notwendigkeit,
dass die unorganisierten Arbeiter im Freien Asien sich organisieren und zusammenschliessen, damit die Voraussetzung zur
Erlangung groesserer wirtschaftlicher Vorteile fuer die Arbeiter Asiens geschaffen wird. Er unterstrich die Tatsache, dass
waehrend der letzten zwei Jahre, als die I.B.F.G. in Asien
die Fuehrung erlangte, hat der Weltgewerkschaftsbund (W.G.B.),
eine Spitzelorganisation, sich in vielen Teilen Asiens praktisch
aufgeloest.
Das Erwaehnen des W.G.B. brachte die beruechtigte W.G.E.Konferenz, die Ende lovember 19*9 in Peking stattfand, ins
Gedaechtnis zurueck, zu der die kommunistischen "Gewerkschaftsfuehrer" zum Schein zusammengetreten waren, um mit den SowjetEeratern den militaerischen Umsturz Suedost-Asiens vorzubereiten. Die veroeffentlichten Vorgaenge jener W.G.B.-Versammlung
klingen wie diejenigen eines Armeegeneralstabes - Angriff,
Waffen, Partisanen, Kriegfuehrung und aehnliches mehr.
Im krassen Kontrast hierzu war der Verlauf der I.F.F.G.Konferenz in Karachi ein einziger Schrei nach Frieden, eine
Forderung, dass Stalins Kriegstreiber sich von Asien fernhalten
sollten, eine sachliche Diskussion der lebensnahen Probleme der
Aroeiter des freien Asiens. Waehrend W.G.B. sich als eine der
militaerischen Einheiten der kommunistischen Weltarmee entpuppt
hat, marschiert der I.B.F.G. mit Worten und Taten an der Spitze
derer, die Freiheit, Unabhaengigkeit und wahre Menschenwuerde
auf ihr Banner gesetzt haben.
Auf der Viertage-Kcnferenz der I.E.F.G. wurden viele
aktuelle Themen behandelt, viele Entschluesse gefasst, Abstimmungen fuer die Schaffung einer permanenten regionalen parteipolitischen Organisation fuer die I.B.F.G. in Asien durchgefuehrt, und Indiens weitgereister Dhyan Mungat zum Sekretaer
gewaehlt. Die Glanzpunkte der Konferenz bildeten die Diskussion
ueber Plantagenarbeit und Arbeiterschutzgesetzgebung, Korea und
der durch das kommunistische Banditenregime des Mao auf die
Arbeiterschaft Chinas ausgeuebte Druck.
Die Plantagen sind tief in der Volkskunde und im Gedaechtnis der Amerikaner, die nicht vergessen koennen, dass durch
Sklavenarbeit einst der Tabak, die Baumwolle und andere auf
Geldverdienen eingestellte Plantagen des kolonialen und

- 5-

�nach-revolutionaeren Amerika angelegt wurden, verankert.
Diese Dinge gehoeren der Vergangenheit Amerikas an, doch
in vielen Teilen Asiens ist Onkel Tom immer noch lebendig und wenn auch der die Peitsche schwingende Simon Legree schon
lange nicht mehr unter den Lebenden weilt, so leben doch noch
zehntausende asiatischer Arbeiter unter den gleichen Verhaeltnissen, die vor 100 Jahren im suedlichen Teil der Vereinigten
Staaten bestanden.
Kollege Sibnath Eanerjee, der Vertreter von Indiens Hind
Mazdoor Sabha, erklaerte bei der Konferenz:
"Eine der Hauptgrundlagen fuer die Kolonial- und HalbKolonialwirtschaft weiter Gebiete Asiens bilden die jetzt
Jahrhunderte alten, ausgedehnten Plantagen. Weite Flaechen,
die frueher der Nahrungsversorgung der oertlichen Bevoelkerung
dienten, wurden waehrend des letzten Jahrhunderts fuer Gummi-,
Tee-, Zucker-, Kaffee-, Kokosnuss- und Gewuerzplantagen benutzt,
die das sogenannte "Cash-Crop" System (auf Geldverdienen eingestelltes Erntesystem) verkoerperten. Durch das PlantagenSystem wurden die Arbeiter vieler ihrer wirtschaftlichen und
bürgerlichen Grundrechte beraubt und leben auf dem Niveau
der Halbversklavten.
"Die Plantagenwirtschaft ist ueber ganz Asien .verbreitet
und wird durch private Gruppen der Grosserzeuger kontrolliert.
Wie bekannt, wurde durch diese privaten, ausbeutenden Gruppen
ein enormer Profit aus dem Eoden Asiens gezogen. In dem Masse
wie die asiatischen Arbeiter verarmten, gelangten die Plantagenbesitzer zu Wohlstand."
Diese Betrachtungen bildeten einen Teil der bei der Konferenz durch das Subkommittee abgegebenen Erklaerungen.
Eanerjee betonte die Schwierigkeiten des Organlsierens der
Plantagen-Arbeiter in Indien:
"Die Schwierigkeiten sind in Traditionen zu suchen - bei
den feudalen Lords in Gestalt von Managern, die keine Annaeherung an die Arbeiter oder eine Ansprache an sie zulassen."
Kollege Deven Sen° von dem Indischen Gewerkschaftsbund
I.N.T.U.C. hob hervor, dass es in Asien (das chinesische Festland ausgenommen) 3*000.000 Plantagenarbeiter gibt und dass
die Loehne nicht hoeher als 33 cents pro Tag sind. Sen erklaerte, dass trotzdem Tee, Gummi und andere Plantagenprodukte
Asiens zu den internationalen Guetern gehoeren und seit dem
Ausbruch des Koreakrieges die Gummi- und sonstigen Preise gestiegen sind, die Gehaeiter auf einer beklagenswert tiefen
Stufe stehen geblieben sind.
Sen erklaerte:
"Die Hauptschwierigkeit bei der Organisation der Plantagenarbeiter besteht darin, dass die Plantagen weit ausserhalb der
Staedte liegen. Es besteht keine Verbindung und so hat natuerlicb jeder Plantagen-Manager seine eigenen Gesetze. Fr besitzt
ausgedehnte Flaechen Landes - mehrerer tausend Morgen - und es
ist sehr schwierig alle Gebiete zu erreichen.
"Die trotz dieser Hindernisse gemachten Fortschritte sind
wirklich sehr ermutigend, und ich bin ueberzeugt, dass im Laufe

- 6-

�der Zeit es moeglich sein wird, eine starke, eng verbundene
Plantagenart-eiterorganisation zur Verteidigung der Arbeiterrechte zu bilden."
Kollege Faiz Ahmed aus Ost-Pakistan erklaerte:
"Menschen koennen doch nicht auf dem Niveau der Tiere leben.
Man sollte Menfchen nicht zumuten,in solchen Hauesern, wie sie
den Plantagenarbeitern zur Verfuegung stehen, zu leben. Ich
moechte auch hervorheben, dass unsere Regierungen in Asien, wenn
sie auch Anspruch erheben, die Vertreter des Volkes genannt zu
werden, bis jetzt nicht genug zur Verbesserung der Lage der
Plantagenarbeiter beigetragen haben. Die Plantagen-Manager
halten sich fuer weitraaechtigerals die Premierminister."
Die Sprecher von Ceylong und Malaya schlössen sich den
Forderungen der freien Arbeiterschaft hinsichtlich einer schnellen Abhilfe der Missbraeuche auf den Plantagen Asiens an.
Mr. Jayatilaka aus Ceylon forderte, dass diese Zustaende
so verbessert werden muessten, "dass an die Stelle der durch
Generationen herangezogenen armen, abgemagerten, halb-nackten
Arbeiter eine Generation tritt, deren Kinder und Nachkommenschaft die Aussicht auf eine bessere Zukunft haben."
Mit einem machtvollen Aufruf nach hilfe und Unterstuetzung
wandte sich Kollege Liang Yung-chang aus dem Freien China an
die Abgeordneten und sprach ueber den chinesischen Arbeiterbund,
der sich jetzt auf Taiwan stuetzt:
"Allein in Shanghai sind bekanntlich ueber 150.000 Arbeiter
arbeitslos geworden, nachdem sie der sogenannten "Befreiung" durch
die Kommunisten gefolgt waren. Von diesen Arbeitslosen wurden
mindestens 50.000 Arbeiter nach Sowjet-Russland und andere
russische Satellitenstaaten fuer Zwangsarbeiten verschickt.
"Schaetzungsweise sind ueber 1.500.000 chinesische Arbeiter
fuer die kommunistische Aggression ir_ Korea zwangsweise eingezogen worden oder haben ihr Leben auf dem Schlachtfeld der koreanischen Front lassen muessen.
"Die Wirtschaft des Festlandes ist durch die Methode der
Kommunisten, die Industrieanlagen der Staedte wie Shanghai,
Canton, Hankow und Tientsin unbarmherzig abzubauen und sie in
die Grenzgebiete der Sowjet-Union, wie die Mandschurei und
Sinkiang, zu verlegen, rui»lert worden."
Kollege Liang Yung-chang und sein Mitabgeordneter, Kollege
Teng Wan-hsi, gaben eine Peschlussfassung hinsichtlich des kommunistischen Imperialismus, die dem Mailaender Kongress des
I.B.F.G. vorgelegt worden war, bekannt.
In der Peschlussfassung gegen die Untergrabun* der Arbeiterrechte durch die chinesische Besatzung auf dem Festland, die gewaltsame Einfuehrung der obligatorischen Schiedsgerichte, des Vierzebn-Stunden-Tages und der Zwangsarbeitslager nach sowjetischem
Muster in China vorzugehen, die der Mailaender I.B. F. Gj-Ver Sammlung
unterbreitet wurde, wurde die Bitte ausgesprochen, "einen intensiven Kampf gegen Kriegshetzer wie Stalin und Mao zu fuehren,
die Zwangsarbeit zu bekaempfen und das Hinmetzeln von Asiaten
durch die kommunistischen Imperialisten zu brandmarken." Ferntr
wurde der I.B.F.G. gebeten, "alle freien Gewerkschaftszentren

- 7-

�aufzurufen, ihre moralische und politische Macht zur Anfeuerung
ihrer Regierungen, das kommunistisch besetzte China zu blockieren,
einzusetzen."
Die chinesische Beschlussfassung enthielt eine weitere
Bitte an den I.B.F.G., naemlich "zu veranlassen, dass alle
freien Gewerkschaften in det ganzen Welt sich weigern sollten,
Schiffsladungen fuer das besetzte China und alle anderen
Kominform-Laender zu verschiffen oder zm loe'schen." Ferner
wurde der I.B.F.G. durch diese Beschlussfassung dringend dazu
aufgefordert, seine Mitglieder zu veranlassen, ihre moralische
und politische Macht zu verwenden, die jeweiligen Regierungen
dahingehend zu beeinflussen, dass sie entweder die Anerkennung
der kommunistischen Junta im besetzten China verweigern oder,
sollte eine solche Anerkennung der kommunistischen Junta gegenueber bereits ausgesprochen worden sein, jene sofort zurueckzuziehen. Damit soll die Solidaritaet der freien Arbeiter der
Welt und deren Entschluss dokumentiert werden, kein Land unter
die Herrschaft der Militaristen kommen zu lassen, die versuchen,
den kommunistischen Imperialismus ueber ganz China, Korea,
Japan, Indo-China und andere Laender eines nach Freiheit und
Gerechtigkeit als angeborenes Recht schreienden Asiens auszudehnen."
Kollege Chun Chin Han vom Koreanischen Gewerkschaftsbund
erklaerte:
"Seit der kommunistischen Invasion im vergangenen Jahr hat
unsere koreanische Federation iure ganzen Kraefte dazu eingesetzt, sich mit den alliierten Truppen im Kampf um die Verteidigung unseres Vaterlandes und die Erhaltung der Freiheit zusammenzuschliessen. Millionen Koreaner sind den kommunistischen
Waffen zum Opfer gefallen.
•

"Die meisten Fuehrer und Mitglieder des Koreanischen
Arbeiterbundes, dies es versaeumt hatten,bei der ersten kommunistischen Invasion im letzten Sommer in den Sueden zu fliehen,
wurden von den Roten als "Reaktionaere" bezeichnet und ermordet
oder nach Nord-Korea verschleppt. Ihre Zahl erreichte 30,000.
"Fast alle Industrieunternehmen wurden durch die Zerstoerungen der nord-koreanischen Kommunisten im vergangenen Sommer
in Asche gelegt."
Und weiter erklaerte der Fu«hrer der koreanischen Arbeiterschaft:
"Der gegenwaertige Koreanische Krieg ist nicht ein Krieg
lokaler Art, er verkoerpert den ersten Konflikt zwischen der
auf Prinzipien der Freiheit basierenden Demokratie und de« auf
Diktatur aufgebauten Kommunismus.
"Einige Menschen, die nur oberflaechlich den Lauf der Weltgeschichte kennen, sprechen immer noch - in der Vorstellung
eines noch vorhandenen offenen Weges - von einer friedlichen
Loesung oder einer Koalition mit den Kommunisten. Friedliche
Loesungen oder Koalition mit ihnen suchen, waere wie die Hand
denjenigen zu reiche», die uns das Haus in Brand gesetzt haben.
Schweine sollten als Schweine behandelt werden."
Als diese Erklaerungen bei der Konferenz zur Sprache kamen,
ergriff Faiz Ahmed aus Pakistan das Wort:

- 8-

�"Wir sollen unsere Ansieht ueber die Geschehnisse in K«rea
wiedergeben. Was heute in Korea geschieht, kann morgen in Pakistan, uebermorgen in Indien u.s.w. geschehen. Ich schliesse
mich der obigen Erklaerung voll und ganz an."
Nach dem Fuehrer der Gewerkschaften Pakistans wandte sich
Indiens Harihar Nath Shastri von der I.N.T.U.C. mit wohlerwogenen und eindrucksvollen Worten an die Versammelten:
"Die Situation in Korea, wie sie sich bis heute entwickelt
hat, ist eine solche, dass eine bloss in Worten ausgedrueckte
Sympathie faer das Ringen Chinas und Koreas empfinden, dann ist
das Wenigste, was Sie tun koennen, dass Sie eine aufrichtige,
moralische Unterstützung denjenigen gewaehren, die in ihrem
Lande den Kampf gegen die totalitaere Aggression fuehren.
Dieser Kampf ist'ein Kampf, der in der Endanalyse die
ganzen asiatischen Vo«lker betrifft, und ich zweifle nicht
daran, dass, wenn Korea und China verloren sind, keine Macht
der Welt - selbst der Himmel nicht - Asien schuetzen koennte.
Das Wenigste, das wir tun koennen, ist, dieser Resolution
unsere aufrichtige Unterstuetzung zuteil werden zu lassen."
Der bei der Konferenz gefasste Beschluss, die "totalitaeren, aggressiven Maechte" zu brandmarken ut^d den Voelkern
in Korea zum Siege ueber die aggressiven Maechte zu verhelfen,
brachte den Willen der Konferenz zum Ausdruck, "alle Arbeiterorganisationen anzuspornen, geeignete Schritte zur Durchfuehrung
der Resolutionen der Vereinten Nationen zu unternehmen, naemlich
die Lieferung von Kriegsmaterial an den Angreifer einzustellen
und jeden nur moeglichen, im Machtbereich der Gewerkschaften
liegenden positiven Eeistand zu leis.ten."
Der Eeschluss wurde von der Majoritaet der Abgeordneten
gutgeheissen.
Darauf begab sich Mr. Cbun Chin Han zu Mr. Shastri aus
Indien, um ihm fuer seine tatkraeftige Unterstuetzung zu
danken, und waehrend er vor ihm stand, legte sich ein Scbweigen
ueber die Reihen der Abgeordneten, alt die beiden Arbeiterfuehrer Asiens sich die Haende drueckten. Mr. Chun war so
ergriffen, dass Traenen der Freude die Wangen des Koreanischen
Arbeiterfuehrers herunterrollten - Freude darueber, dass er
nach seiner Rueckkehr in das kaempfende Korea seinen Gewerkschaftern sagen koennte, dass die regionale Konferear des
I.B.F.G. geschlossen hinter ihnen stuende.
Durch weitere Eeschluesse bei der Karachi Konferenz wurde
empfohlen, eine enge Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft hinsichtlich der Durchfuehrung internationaler und nationaler
Wirtschaftsentwicklungsprorramme in den asiatischen Laendern
anzustreben. Ferner sollen in Asien Gesetze fuer die Arbeiter
eingefuehrt werden, die ihnen das Recht geben, als Gesamtheit
Verhandlungen zu fuehren und innerbetriebliche Gewerkschaften
und willkuerliche Entlassungen fuer ungueltig zu erklaeren.
Und schliesslich soll an den I.P.F.G. mit der Bitte herangetreten werden, bei der Vorbereitung von "Proschueren und Flugschriften behilflich zu sein, die den Arbeitern Asiens verstaendliche Informationen hinsichtlich der geltenden Prinzipien,
der Taetigkeit der freien Gewerkschaft, der Kollektivverfahren
u.s.w. in ihrer eigenen Sprache vermitteln sollen."

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�Vor allem vereinte die regionale Konferenz des I.B.F.G.
in Asien Gewerkschafter aus Japan und Pakistan, aus Ceylon
und Indonesien, aus Indien und Eurma, aus Malaya, den
Philippinen und Hongkong, aus Formosa und Thailand - Fuehrer
aus Laendern mit verschiedenen Problemen, die aber in gleicher
Weise sich verpflichtet haben, mit dem I.E.F.G. fuer die Befreiung der arbeitenden Voelker Asiens und fuer die Festigung der Demokratie der unabhaengigen und uebrigen bei der
Konferenz vertretenen Laendern Asiens zu marschieren.
Wenn sich auch einige bei der Konferenz vertretenen
Laender im Guerillakrieg mit den Kommunisten befinden, so
marschieren die Fuehrer der freien Gewerkschaftsbewegung
Asiens doch in dem Kreuzzug der I.E.F.G. Hand in Hand mit
den Arbeitern der uebrigen Welt, im Bestreben, eine bessere
Zukunft fuer alle Arbeiter der Welt zu schaffen - nicht fuer
die im Osten oder Westen, sondern fuer die Arbeiter der ganzen
Welt.
The American Federationist
VIT, 1951
INTERNATIONALE SOMMFRFCHULE DES I.BTF.G._ EUER WESTEUROPA
Unter der Leitung von Gust de Muynck und Hans Gottfurcht
fuehrte der I.B.F.G. vom 29. Juli bis 11. August 1951 in
Wörgl/Tirol eine Sommerschule durch, zu der mehr als 40 Teilnehmer westeuropaeischer Gewerkschaften sich versammelten.
Durch die Einteilung der Teilnehmer in vier Sprachengruppen
wurdendie sprachlichen Hemmnise ueberwunden, wobei der I.B.F.G.
die Dolmetscher stellte. Diese Aufteilung in Sprachgruppen
hatte den weitei-e-n Vorteil, dass im Anschluss an die Uebersetzungen die einzelnen Sprachgruppen das Thema ausgiebig
diskutieren und dann bestimmte Fragen zum Thema stellen
konnten. Die getrennten Diskussionen fuehrten dadurch zu
einer erschoepfenden Behandlung der Vortrage der einzelnen
Referenten, wobei sich naturgeraaess einzelne Fragen ueber-schnitten und ergaenzten.
Diese Sommerschule war somit ein Experiment, wobei man
sich bei Beginn nicht darüber im klaren war, ob es gelingen
wuerde. Es zeigte sich aber schnell, dass diese Form der
Aufteilung in Sprachengruppen die sprachlichen Schwierigkeiten
restlos ueberbrueckt, auch wenn hierbei nicht jede europaeische
Sprache beruecksichtigt werden konnte.
Seihst in einem Kursus, der sich auf zwei Woche erstreckte, koennen nicht alle Probleme erschoepfend behandelt werden.
Die Vortraege wurden eroeffnet durch Gust de Muynck, der ueber
die Verantwortlichkeiten der Gewerkschaftsbewegung in einer
sich aendernden Gesellschaftsordnung berichtete. Alfred
Eraunthal gab dann eine ausgezeichnete Analyse der Wirtschaftssysteme, Fritz Fricke vom DGB und Rose Etienne von der franzoesichen CGT-Force Ouvriere referierten ueber die Stellung
des Arbeiters in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, wobei
Rose Etienne den typisch aus der franzoesischen Sicht gesehenen Standpunkt entwickelte, wodurch die Problematik der
ganzen Fragen zu Tage trat.

- 10

�Es folgten Kurzreferate ueber die Gewerkschaftsbewegung
der einzelnen europaeischen Laender, wobei die Karsteilnehmer
selbst als Sprecher auftraten, Leon Dale berichtete ueber die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung, Hans Gottfurcht ueber die
internationale Bewegung unter besonderer Eeruecksichtigung der
Theorie, der Geschichte und der Organisation.
Neben diesen Referaten gab es Terschiedene Ausfluege in
den Bereich der Praxis, Innsbruck wurde besichtigt, wobei die
Einrichtungen der Konsumgenossenschaften im Vordergrunde standen, ein zweiter Ausflug fuehrte nach Salzburg, waehrend der
dritte als Ziel Kaprun hatte, jenen Ort, wo mit Hilfe von
ERP-Mitteln ein gewaltiges Stauwerk gebaut wird, das die Stromversorgung Oesterreichs wesentlich verbessern wird. Diese Besichtigung fuehrte automatisch zur Diskussion wichtigster
Probleme, sei es die ERP-Hilfe oder die Steigerung der Produktiv! taet, die ohne eine Erhoehung der elektrischen Kapazitaet
sich kaum ohne weiteres verwirklichen Hesse.
Den Hoehepunkt der Sommerschule brachte der Besuch des
Generalsekretaers des I.B.F.G., J. H. Oldenbroek. Er berichtete ueber den Weg des I.B.F.G. von London bis Mailand, ueber
die Erfolge, die in der kurzen Zeit errungen werden konnten,
aber auch ueber die Schwierigkeiten, die zu bewaeltigen waren.
Oldenbroek bekannte ganz offen, dass manches haette mehr getan
werden koennen, aber hierbei muesse auch die Situation beruecksichtigt werden, die zu jener Zeit bestanden hat.
In der kurzen Zeit des Bestehens hat der I.B.F.G. eine
Reihe regionaler Organisationen geschaffen, die ihre eigenen
Probleme zu bearbeiten, aber stets den I.B.F.G. als hoechste
beschlussfassende Koerperschaft anzuerkennen haben. In der
UNO, dem Internationalen Arbeitsamt und der UNESCO ist der
I.E.F.G. erfolgreich taetig, wobei er in Bezug auf Aktivitaet
weitaus an erster Stelle liegt. Naturgemaess ist eine Erweiterung der Aktivitaet denkbar, aber der I.E.F.G. ist keine
Organisation mit unermessliehen finanziellen Kraeften. Schon
in Europa laesst sich feststellen, dass die lateinischen Laender keine guten Eeitragszahler sind, waehrend die skandinavischen Staaten als Musterbeispiele gelten koennen. Ebenso koennen die Beitraege der nordamerikanischen Gewerkschaften nicht
die geringen Eingaenge wettmachen, die aus den uebrigen Teilen
der Welt nach Bruessel fliessen.
Die Verschiedenheit der Sprachen ist ein weiterer Punkt,
der zu einer gewissen Verschwendut p in der Arbeit fuehren muss.
Obwohl nur vier Sprachen als offizielle anerkannt sind, werden
doch etwa 30$ der gesamten Arbeitszeit des I.E.F.G.-Personals
fuer Uebersetzungsarbeiten benoetigt, die wiederum ueberprueft
und geglaetted werden muessen, um eine hochwertige Pressearbeit sicherzustellen. Aus diesem Grunde muessen auch Wuensche abgelehnt werden, die weitere Sprachen als offizielle
einfuehren wollen, damit der Leerlauf nicht noch proesser wird.
Nach dem Londoner Kongress musste praktisch alles zunaechst
improvisiert werden, es genuegte nicht, einen Mitarbeiterstab
zu engagieren, sondern dieser musste auch so aufeinander abgestimmt sein, dass ein positives und vertrauensvolles Zusammenarbeiten selbstverstaendlich wurde.- Dies ist heute der Fall,
- 11 -

�ebenso ist die Pressearbeit laengst ueber die Kinderkrankheiten
hinaus. Vielleicht waere es damals besser gewesen, etwas behutsamer vorzugeben, aber auf der anderen Seite war keine Zeit zum
Abwarten vorhanden, esraussteeinfach gebandelt werden, auch
wenn sich auf Grund dieser File spaeter hier und da Beanstandungen ergaben.
Es war zu erwarten, dass nach der Uebersetzung der Ausführungen des Generalsekretaers in den einzelnen Sprachengruppen sich eine Fuelle von Fragen ergaben, wobei trotz der
Aufforderung Oldenbroeks zur Kritik sich eine eigentlich kritischen Femprkungen zeigten - offensichtlich hatte Oldenbroek
mit seiner offenen Sprache diese Kritik selbst vorweggenommen.
Aus der Fuelle der Fragen seien nur zwei herausgenommen,
die der skandinavischen Delegation, aus welchen Gruenden man
nur beilaeufig von dem Angebot der Zusammenarbeit seitens des
Weltgewerkschaftsbundes Kenntnis genommen hat und die Frage
der deutschen Delegation, ob der I.P.F.G. nicht dafuer Sorge
tragen koenne, dass bei der Verteilung der Marshallplangelder
etwas staerker die Interessen der Arbeitenden beruecksichtigt
werden koennten.
Auch hierzu aeusserte sich Oldenbroek sehr offen. Das
Angebot des Weltgewerkschaftsbundes kam kurz vor dem Mailaender
Kongress zur Kenntnis des I.B.F.G. Nun wissen Gewerkschafter
aus der kommunistischen Praxis, dass immer dann die Generallirie eine Aenderung erfaehrt, wenn mit der bisherigen Methode
keine Erfolge erzielt werden konnten. Und bis zu diesem Zusammenarbeitsangebot waren die Repraesentahten des I.P.F.G.
Lakaien des amerikanischen Imperialismus und der Wallstreet,
um im Jargon des Weltgewerkschaftsbundes zu reden.
Wenn jetzt ploetzlich die Aufforderung zur Zusammenarbeit
laut wird, dann koennen die bisherigen Vorwuerfe doch nicht
vollkommen richtig sein, zumal der WGB sein Programm nicht
verleugnen kann. Das mindeste, was bei einem solchen Angebot,
wenn es auch nur einigermassen ehrlich gemeint sein soll, zu
erwarten ist, das ist die Ruecknahme der Verleumdungen, bevor
man sich zusammensetzt, falls man einigermassen Anspruch auf
Achtung erheben will. Aber daran denkt der WGB ueberhaupt
nicht - und aus diesem Grunde ist das Angebot zur Zusammenarbeit auch nicht sonderlich ernst genommen worden. Im uebrigen
laesst sich immer dann ein solches Anerbieten finden, wenn die
Linie des WGP sich festgerannt hat und eine Kette von Misserfolgen an der Tagesordnung ist. Unter diesen Umstaenden war es
vollkommen zwecklos, sich naeher mit dem Anerbieten der Zusammenarbeit zu befassen, es gab fuer den I.B.F.G. wichtigere Dinge.
Die Frage der deutschen Vertreter nach einer besseren
Unterstuetzung durch den I.B.F.G. bei der Verteilung der
Marshallplangelder und einer staerkeren Beruecksichtigung der
Arbeitenden fand ebenfalls eine klare Antwort durch Oldenbroek.
Er fuehrte aus, dass diese Verhandlungen zwischen de« amtlichen
Vertretern der USA fuer Fragen des Marshallplans und den Vertretern der einzelnen Regierungen gefuehrt werden. Der I.P.F.G.
kann auf die an diesen Vereinbarungen beteiligten Regierungen
keinerlei direkten Druck ausueben, dies ist vielmehr Aufgabe der
Gewerkschaften in den einzelnen Laendern Westeuropas. Es liegt
hier an den Gewerkschaften, dafuer Sorge zu tragen, dass ihr Einfluss auf die Regierungen ein staerkerer wird ohne ih,re aktive

- 12 -

�und entscheidende Mitarbeit ueber die Vergebung der Marshallplanmittel nichts entschieden wird. Hier hat der I.B.F.G.
keine Moeglichkeit des Eingreifens, er kann zwar Empfehlungen
ausarbeiten, aber nicht mehr. Die eigentliche und tatsaechlich wirksame Form der Beeinflussung liegt jedoch bei den
Gewerkschaftszentralen der-einzelnen Laender. In diesem Zusammenhang bedauerte es Oldenbroek, dass ein so erheblicher
Teil der Marshallplanmittel fuer Nahrungsmittel verwendet
werden musste, anstatt die westeuropaeische Wirtschaft bereits
frueher wieder auf eigene Fuesse zu stellen. Aber in jenen
Jahren nach 19*5 war eben die Frage der Versorgung der Bevoelkerung mit Lebensmitteln der zentrale Punkt in allen Besprechungen und Verhandlungen. Dadurch verzoegerte sich der
wirtschaftliche Wiederaufbau, der heute mit aller Energie
beschritten werden muss. Es ist offensichtlich, dass hier
die Gewerkschaften sich einen staerkeren Einfluss auf die Verteilung der Marshallplanmittel sichern muessen, aber man darf
dabei nicht uebersehen, dass fuer die europaeischen Gewerkschaften noch ein weites Feld beackert werden muss. Ein knappes
Drittel aller Arbeitenden in Westeuropa ist gewerkschaftlich
organisiert, wobei auch die britischen Gewerkschaften trotz
ihres starken Einflusses nicht sehr stark ueber dieses Drittel
hinausgekommen sind, waehrend die skandinavischen Gewerkschaften in weit staerkerem Masse Erfolge errungen haben. Auch in
solchen speziellen Fragen wie die der Verteilung der Marshallplanmittel zeige sich deutlich, wie wichtig eine geschlossene
gewerkschaftliche Organisation ist und immer dort die besten
Erfolge erzielt werden, wo die Organisation stark und einheitlich ist. Und dies sei auch die eigentliche Aufgabe der Sommerschule des I.B.F.G., die Notwendigkeit einer staerkeren
Organisierung herauszustellen, damit die Gewerkschaften auch
auf politischem Gebiet den Einfluss erringen, dessen sie zur
Verwirklichung ihrer Ziele beduerfen.
Eigener Bericht von
Herrn Hans Ettkorn
Stuart T. B. Morrison, Amt fuer Sicherung der Arbeitsplaetze:
PRAF.MIEN FUER SONDERLEISTÜNGEN
Eine gute Idee macht sich oft bezahlt. Dieses stellte
Alexander Fall fest, der Leiter der Abteilung fuer Leistungen
an Anspruchsberechtigte im Amt fuer Sicherung des Arbeitsplatzes. Fall ist der erste Angestellte des betreffenden
Amtes, der eine Praemie fuer Sonderleistungen im Rahmen des
vom Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten durchgefuehrten
Programms der Praemierung von Sonderleistungen erhielt.
Die Praemien fuer Sonderleistungen wurden eingefuehrt, um
die Leistungen des Ministeriums und der ihm angegliederten
Aemter zu steigern und Leerlauf zu vermeiden; das Praemiensystem soll den Angestellten einen Anreiz geben, Neuerungen
und Verbesserungen vorschlagen.
Fall erhielt eine solche Praemie in Gestalt einer Befoerderung in eine hoehere Gehaltsstufe; seine Leistung bestand darin, dass er eine neue Form des Ablegens von Material einfuehrte,
das den Dienststellen des Ministeriums zu informatorischen
Zwecken zugaenglich gemacht wird; es handelt sich dabei um Entscheidungen betreffend die Anerkennung oder Zurueckweisung von
Anspruechen auf Arteitslosenunterstuetzung. Fall fuehrte die
- 13 -

�Ablage des Materials in Form von losen Blaettern ein. Die betreffenden Entscheidungen werden in einer monatlich erscheinenden Reihe veroeffentlicht; jeder Jahrgang erhaelt ein Inhaltsverzeichnis, d.h. es erscheinen im Jahre 13 solcher Hefte.
Somit wuerden also in wenigen Jahren zu den bereits vorhandenen,
hunderte von neuen Heften hinzukommen, die man alle durchsuchen
muesste, wenn man auf fruehere Entscheidungen zurueckgreifen
wollte. Es handelte sich also darum, das Material so zu ordnen,
dass es den Dienststellen ohne weiteres zugaenglich gemacht werden
konnte. Fall widmete sich diesem Problem und das Ergebnis war
die neue Methode der Ablage in losen Blaettern.
Die von Fall eingefuehrte Methode sieht folgendermassen
aus: Die anfallenden Entscheidungen werden in einem Ordner in
losen Blaettern abgelegt, und zwar nach Inhalt geordnet; das
betr. Stichwort wird auf einem Zwischenblatt vermerkt; Hinwelse
wo weiteres Material zu finden ist, werden hinzugefuegt. Das
anfallende Material wird so hergerichtet, dass es ohne weiteres
in den Ordner passt.. Entscheidungen in aehnlich gelagerten
Faellen werden zusammen abgelegt. Der Benutzer sucht sich also
unter dem Stichwort die entsprechenden
Entscheidungen heraus.
Da sie alle zusammen abgelegt sine1, braucht er nicht, wie bisher,
zahllose Inhaltsverzeichnisse zu durchstoebern. Unter dem betreffenden Stichwort wird auch im weiteren Sinne einschlaegiges
Material abgelegt, so dass der Benutzer sofort eingehend informiert wird. Diese Neuerung und Verbesserung ist von einigen
staatlichen Dienststellen uebernommen worden; sie benutzen die
gleichen Zwischenblaetter, das gleiche Format und die gleichen
Stichworte fuer ihr eigenes Material. Auf diese Art koennen
die Hefte ausgewertet werden, ohne dass dadurch weitere Unkosten entstehen.
Die Methode, Angestellte fuer besondere Leistungen zu belohnen, ist bereits in der Industrie, in der Ge»ck«eft»welt und
in staatlichen Dienststellen eingefuehrt worden und gehoert mit
zu einer erfolgreichen Personalpolitik. Es hat sich gezeigt,
dass, wo diese Methode geschickt gehandhabt wird, die Angestellten eine Reihe von nuetzlichen Vorschlaegen mit Bezug auf Neuerungen, verbesserte Verfahren usw. gemacht haben; ohne die
Praemie fuer besondere Leistungen waeren diese Vorschlaege wahrscheinlich nicht gemacht worden. Das System der Praemien fuer
Sonderleistungen ist sowohl fuer den Arbeitnehmer wie fuer den
Arbeitgeber von Vorteil. Der Arbeitnehmer wird angeregt, darueber nachzudenken, wie er den Arbeitsvorgang verbessern ko«ennte.
Da der Arbeitnehmer mit den Einzelheiten des Arbeitsvorganges
eingehender vertraut ist, als es sein Vorgesetzter jemals sein
kann, fallen irgendwelche Maengel des Verfahrens dem Arbeitnehmer in der Regel zuerst auf; er ist also in der Lage, sie
abzustellen und Leerlauf zu vermeiden. So ist also er es, der
entsprechende Verbesserungsvorschlaege machen kann. Die ihm
winkende Praemie bietet ihm einen Anreiz, dies auch wirklich
zu tun.
Das Amt fuer Sicherung des Arbeltsplatzes hat staendig
darauf hingewirkt, seine Angestellten Vorschlaege einreichen
zu lassen. Es hat die Abteilungsleiter angewiesen, in dieser
Beziehung zu ermutigen. Die Angestellten sind sich darueber
klar, dass ihre Vorschlaege nicht nur zu einer Steigerung der
Leistungen ihrer Dienststelle beitragen, sondern ihnen vielleicht
auch noch sogar Geld einbringen. Praemiert werden koennen Vorschlaege, die geeignet sind, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, besseren Dienst am Publikum, Leistungssteigerung oder
14 -

�sonstige Verbesserungen herbeizufuehren. Die betreffenden Vorschlaege koennen sich sowohl auf die vom Angestellten selbst
verrichtete Arbeit, als auch auf irgend einen anderen Taetigkeitszweig des Amts beziehen. Die Anregungen muessen jedoch
ausserhalb des Rahmens der normalen Anforderungen liegen, wie
sie an einen Angestellten in der entsprechenden Position gestellt werden koennen.
Antraege auf Gewaehrung einer Leistungspraemie muessen
eine genaue Beschreibung des betreffenden Vorschlages enthalten, sowie der Vorteile, die sich aus seiner Annahme ergeben würden. Der Antrag wird auf gewohnlichem Papier mit
der Maschine geschrieben und in doppelter Ausfertigung samt
den dazu gehoerigen Anlagen auf dem gewoehnlichen Dienstwege
an den Leistungspraeraien-Ausschuss des Amts fuer Sicherung des
Arbeitsplatzes geleitet.
Der Leistungspraemien-Ausschuss entscheidet nicht darueber,
ob ein' Verbesserungsvorschlag angenommen oder abgelehnt werden
soll. Diese Entscheidung wird vom Vorgesetzten des betreffenden Angestellten selbst oder nach Ruecksprache mit den ihm
uebergeordneten Instanzen getroffen. Der Vorgesetzte des betreffenden Angestellten stellt einen Antrag auf Gewaehrung
einer Leistungspraemie nur dann, wenn der Vorschlag angenommen
worden ist. Der Ausschuss untersucht lediglich die einem solchen Antrag zugrundeliegenden Tatsachen und teilt das Ergebnis
seiner Untersuchungen zusammen mit seinen Empfehlungen dem dem
Arbeitsministerium angegliederten Ausschuss fuer Leistungspraemien mit. Dieser Ausschuss des Ministeriums untersucht
die ihm vom Ausschuss des Amts mitgeteilten Ergebnisse und
Empfehlungen und teilt seine Entscheidung dem Arbeitnehmer,
der den Vorschlag gemacht hat, mit.
Nicht alle Vorschlaege werden praemiert; wenn aber eine
Praemierung erfolgt, so kann sie in Gestalt einer Barzahlung,
einer besseren Einstufung um ein, zwei oder drei Stufen oder
auf andere Art erfolgen. Es werden im Rahmen dieses Programs
auch Ehrenpraemien, Medaillen und Urkunden verliehen; der uns
zur Ve-fuegung stehende Raum laesst eine weitere ins Einzelne
gehende Schilderung jedoch nicht zu.
Der Vorschlag des Herrn Fall, der das System der Ablage
in losen Blaettern einfuehrte, ist typisch dafuer, wie man
"etwas besser macht". Es gibt zweifellos auch andere Angestellte, die mehr oder weniger konkrete Vorstellungen davon
haben, wie man gewisse Arbeitsvorgaenge verbessern koennte.
Das Amt fuer Sicherung des Arbeitsplatzesraoechtedie Betreffenden ermuntern, ihren Vorschlaegen konkrete Gestalt zu verleihen.
Das Ziel des Praemiensysteras ist nicht die Praemie als
solche. Wesentlicher ist, dass es dazu fuehrt, dass die Angestellten des Amts gemeinsam an einer Verbesserung der Arbeitsmethoden arbeiten.
Employment Security Review
VI,1951

- 15 -

�Harry L. Turtledove:
AMERIKANISCHE STAHLARBEITER BES7CHFN PRTTTSCHE BETRIEBE

Fuenf amerikanische Gewerkschafter s t e l l t e n auf i h r e r
5-woechigen Besuchsreise durch Gross-Britannien f e s t , dass
die Betriebe der b r i t i s c h e n S t a h l i n d u s t r i e ueber Erwarten
gut mit modernen Maschinen e i n g e r i c h t e t sind.
"Der b r i t i s c h e Arbeiter muss, weil die Mechanisierung
i n der b r i t i s c h e n I n d u s t r i e noch nicht so weit f o r t g e s c h r i t ten i s t , schwerer a r b e i t e n a l s sein Kollege i n den Vereinigten S t a a t e n , " sagte Joseph Molony, L e i t e r des D i s t r i k t s 4
der Gewerkschaft der Vereinigten S t a h l a r b e i t e r von Amerika
(CIO). "Die Anzahl der neuen Maschinen und die allgemeine
Sauberkeit i n den Eetrieben hat einen sehr grossen Eindruck
auf uns gemacht."
Molony i s t e i n e r der fuenf Gewerkschafter des 15-koepfigen
amerikanischen Produktivitaets-Teams - das zweite, das a l s
Gast des Anglo-Amerikanischen P r o d u k t ! v i t a e t s r a t s zum Studium der b r i t i s c h e n Industrien nach England g e r e i s t i s t .
Als ein T e i l des Produktiv!taetsprogramms des Marshallplans sind s e i t 1948 b r i t i s c h e Gruppen in die Vereinigten
Staaten g e r e i s t , um die i n d u s t r i e l l e n Methoden der U. S. zu
s t u d i e r e n . Die e r s t e Gruppe aus den Vereinigten Staaten, die
nun Gross-Britannien b e r e i s t e , bestand aus T e x t i l a r b e i t e r n .
Beide Gruppen, die T e x t i l - wie auch die Stahlgruppe sind ein
Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Team. Ausser Molony bestand d i e
Vertretung der Arbeiterschaft aus weiteren v i e r S t a h l a r b e i t e r n .
Diese Gruppe besuchte 14 Werke im ganzen Lande.
"In manchen modernen Betrieben konnte man sich beinahe
v o r s t e l l e n , dass man in D e t r o i t s e i , " sagte ein Mitglied der
Gruppe a u s . "Die Hauptschwierigkeit bei e i n e r Produktionssteigerung l i e g t wohl d a r i n , dass das Produktionsvolumen
Gross-Eritanniens geringer i s t a l s das der Vereinigten S t a a t e n .
Ausserdem hat der amerikanische Fabrikant mehr Sinn fuer die
mechanischen H i l f s m i t t e l a l s der b r i t i s c h e .
"In den i n d u s t r i e l l e n Beziehungen," sagte Michael Kerwin,
Mitglied der Vereinigten Automobilarbeiter-Gewerkschaft (CIO),
"hat Gross-Eritannien einen Vorsprung vor den Staaten.
Uebera l l wo wir hinkamen wurden die Arbeltgeber-ArbeitnehmerEeziehungen auf e i n e r hoeflichen, freundlichen Easis gepflogen.
Auf jeden F a l l h a t t e es den Anschein, dass sie besser seien
a l s bei uns zu Hause."
Die M e t a l l i n d u s t r i e Gross-Britanniens beschaeftigt p r o p o r t i o n a l zu den Maennern ebensoviel Frauen wie i n den Vere i n i g t e n S t a a t e n , obwohl die Frauen in Gross-Eritannien eine
groessere Anzahl von Arbeiten v e r r i c h t e n . Die amerikanischen
Gewerkschafter waren a l l e r d i n g s ueber die Tatsache e r s t a u n t ,
dass bei gleicher Arbeit verschiedene Loehne fuer Maenner
und Frauen bezahlt werden.
Die Kantinen, sportlichen und k u l t u r e l l e n Einrichtungen
h i n t e r l i e s s e n einen grossen Eindruck bei der amerikanischen
Gruppe - und der Ausschank von Bier in den Fabriken b e g e i s t e r te die Arbeiter.
ECA Labor Information
August 7, 1951
- 16 HICOG 16 4ug 5 1 119SE S U

5 C

�Internationale

ARBEITSMTTEIMINGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 32

Frankfurt,
I N H A L T S V E R Z

FI

10. August 1951

CHNIS

Die Bedeutung des "Tages d e r A r b e i t " 1951 - - - -

1

Die G e s c h i c h t e des "Labor Day" i n den U.S.A.

4

- -

"Labor Day"-'Botschaften a m e r i k a n i s c h e r Gewerkschaftsführer - - - - - - - - - - - - - - - -

5

"Menschenwuerde und p e r s o e n l i c h e F r e i h e i t " Gruesse
an d i e amerikanischen A r b e i t e r zu dem Tage
Arbeit - 8
Wie l e b t d e r a m e r i k a n i s c h e A r b e i t e r ? - - - - - -

9

Eine Erhebung ueber d i e A r b e i t s f a e h i g k e i t von
Rentnern i n den U.S.A.
- - - - - - - - - - - - 1 1
Die O r g a n i s a t i o n s b e s t r e b u n g e n der AFL im Sueden
d e r U.S.A.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 4

DTF BFDFUTUNG DES "TAGFS DER ARBFIT" l?5l
Der Tag der Arbeit im Jahre 1951 hatte fuer die europaeisehen Arbeiter eine ungewoehnliche Bedeutung. Man vermisste
die Picknicks, Wiener Braten und Mussestunden am Strand. In
Neapel stiessen stattdessen die freien Arbeiter mit kommunistischen Aktivisten zusammen, die mit Stoecken bewaffnet waren.
In Athen nahmen Hunderte von Gewerkschaftern an Versammlungen
teil, um Reden ueber ernsthafte Probleme anzuhoeren. In WestBerlin, auf das die Kommunisten ein gieriges Auge werfen, wurde
den freien deutschen Arbeiter in riesigen Massenkundgebungen
von amerikanischen Gewerkschaftsfuehrern versichert, dass man
sie nicht vergessen wird.
In Moskau marschierte das Militaer.

- 1 -

�All dies ereignete sich am 1. Mai. Waehrend der 1. Mai
im wesentlichen ein europaeischer Feiertag der Arbeit ist,
stammt der Gedanke von Amerikanern. Amerikanische Delegierte
brachten im Jahre 1889 auf dem Pariser Kongress der zweiten
Sozialistischen Internationale eine Resolution ein, in der gefordert wurde, den 1. Mai zu einem internationalen Feiertag
der Arbeit zu erklaeren. Ein Grund hierfuer war, dass am
1. Mai 1886 ein Generalstreik in Chicago, mit dem man den
8-Stundentag erzwingen wollte, mit dem beruechtigten "Blutbad
von McCormack" endete.
Die amerikanischen, in "Knights of Labor" organisierten
Gewerkschafter lehnten den Gedanken des Maifeiertages der Sozialisten ab. Sie hatten sich seit 1884 darum bemueht, den
ersten Montag im September zum amerikanischen Feiertag der
Arbeit zu machen, und ihre Plaene wurden von Erfolg gekroent,
als der Kongress ihn im Jahre 1894 zum nationalen Feiertag
erklaerte.
In den Jahren seit dem 1. Weltkrieg hat die europaeische
Arbeiterschaft den 1. Mai nicht in Einigkeit gefeiert. Die
Stimme des stalinistischen Kommunismus hat diesen Feiertag
sowohl in Russland als auch anderswo ins Laecherliche gezogen, so wie er auch die internationalen Bestrebungen der
europaeischen Gewerkschaftsbewegungen fuer lächerlich erklaert hat.
Zuweilen hat es dem russisch-imperialistischen Kommunismus gefallen, sich in nicht-kommunistische Gewerkschaften und
Arbeiterparteien einzudraengen, so wie es kurz nach dem 1.
Weltkrieg der Fall war, als viele Sozialdemokraten und andere
gewillt waren, die sichtbaren Fehler des Sowjetregimes in der
Hoffnung zu uebersehen, dass politische Demokratie und Freiheit
des Einzelnen zu einer Aenderung der Wirtschaftsverhaeltnisse
fuehren und der Arbeiter den ihm gebuehrenden Status erlangen
wuerde.
Zuweilen hielt es die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken auch fuer vorteilhaft, die Arbeiterklasse zu entzweien und die Sozialdemokratie und jene Einrichtungen zu
bekaempfen, die die Gewerkschaftsbewegungen in Laendern wie
Deutschland und Oesterreich geschaffen hatten. Damit ebneten
sie faschistischen Diktatoren den Weg, die die Macht ueber
eine zahlenmaessig starke, aber uneinige Gewerkschaftsbewegung
erringen konnten. Wir denken hier an Mussolini in Italien,
Hitler in Deutschland und Dolfuss in Oesterreich.
In diesem Jahr Hessen sich die freien, europaeischen
Gewerkschaften, die durch die amerikanische Wirtschaftshilfe
im Rahmen des Marshallplanes weitgehend gestaerkt und ermutigt
wurden, durch das heuchlerische kommunistische Ersuchen um Zusammenarbeit nicht taeuschen. Sie waren dagegen entschlossen,
vor aller Welt die wahren Ziele und Absichten der Kommunisten
zu demonstrieren.
In Oslo konnten die freien Arbeiter die Plaene der Kommunisten im Keim ersticken, indem sie eine groessere wirkungsvollere Kundgebung organisierten. Sie forderten unter anderem,
dass ein Opfer der kommunistischen Saeuberungsmethoden freigelassen wuerde, naemlich Anna Kethly, eine ungarische Gewerkschaftsfuehrerin und Mitglied im Parlament, die nun in einem
- 2 -

�Konzentrationslager hinter dem Eisernen Vorhang gefangen gehalten wird. Transparente mit Kethlys Namen belebten den
skandinavischen anti-kommunistischen Schlachtruf "Friede
in Freiheit".
In ganz Griechenland fanden zum 1. Mai Kundgebungen
statt. Der Berater fuer Arbeitsfragen in der ECA, D. Alan
Strachan, der Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft des
CIO ist, sprach zu den Arbeitern von Athen und Pyraeus. Die
Kommunisten hatten wenig zu sagen.
In Stockholm nahm Viktor J. Sjaholm, der Leiter der
Arbeitsabteilung in der F.CA-Mission und Mitglied der Lokomotivfuehrergewerkschaft, zum vierten Mal mit seinen Eisenbahnerkollegen an der Kundgebung zum Tag der Arbeit teil.
Der vielleicht schwerste Schlag gegen die Kommunisten war
die riesige Gewerkschaftskundgebung der freien deutschen Arbeiter auf dem Platz der Republik in West-Eerlin. Tausende von
Mitgliedern des starken deutschen Gewerkschaftsbundes DGB
lieferten,ohne sich an der Naehe der Russen zu stoeren, einen
ueberzeugenden Beweis ihrer Solidaritaet. Sie hoerten ergreifende Reden amerikanischer Gewerkschaftsführer.
Viktor Reuther, der internationale Repraesentant der CIO
begeisterte seine Zuhoerer, als er sagte:
"Seitdem der Tag der Arbeit am 1. Mai gefeiert wird, hat
die freie Gewerkschaftsbewegung der Welt noch nie einen besseren Grund zum Feiern gehabt als heute an dieser Stelle, wo die
heroischen Berliner Arbeiter, die an der Grenze zweier Welten
stehen, der neuen Tyrannei so schwere Schlaege versetzt haben.
"Ihr habt der ganzen Welt den so dringend benoetigten Beweis geliefert, dass die wirksamste Antwort auf die stalinistische Aggression nicht der negative und isolierte AntiKommunismus der Reaktionaeren, sondern die Entschlossenheit der
freien Maenner ist, die Demokratie durch die Verwirklichung des
demokratischen Idealismus in einem praktischen, positiven Programm sozialer und wirtschaftlicher Tat zu foerdern."
Henry Rutz, der Vertreter der AFL in Westdeutschland, richtete eine Botschaft an die Arbeiter"Deutschlands, der Tschechoslowakei, Polens und an alle Voelker hinter dem Eisernen Vorhang, die sich nach Frieden sehnen, und vor allem an jene Millionen, die fuer ihren Kampf um Freiheit mit Versklavung in russischen Arbeitslagern belohnt wurden."
"Ich sage jenen Millionen, Ihr seid nicht vergessen. Die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung arbeitet zusammen mit dem
Internationalen Bund freier Gewerkschaften Plaene zu Eurer Befreiung aus."
"Der Weltfriede, wie ihn jeder sich wuenscht, wird nur
garantiert sein, wenn in den Laendern unter kommunistischer
oder, wie in Spanien, unter faschistischer Tyrannei die Menschen, die noch zum Schweigen verurteilt sind, wieder in der
Lage sein werden, ihr Schicksal in Ihre eigenen Haende zu
nehmen.

- 3\

�"Wir arbeiten fuer den Tag, an dem alle Nationen im Osten
und Westen den ersten Mai als den grossen Weltfeiertag, den
grossen Feiertag der Freiheit feiern koennen."
ECA Labor Information
VII/31/1951
DIE GESCHICHTE DES "LABOR DAY" IN DEN U.S.A.
Der "Labor Day", der im Jahre 1882 als Feiertag fuer die
amerikanischen Arbeiter eingefuehrt wurde, wird nun am 1. Montag
des Monats September von jedem Buerger der Vereinigten Staaten,
vom Schuljungen bis zum Praesidenten gefeiert.
Der Gedanke, in jedem Jahr einen Tag zu Ehren der Arbeit .
zu feiern, wurde zum ersten Mal am 8. Mai 1882 von Peter J.
McGuire in Vorschlag gebracht. Er war damals Vorsitzender
der Gewerkschaft der Zimmerleute und Tischler Amerikas und
fuehrender Funktionaer in der ersten grossen amerikanischen
Gewerkschaftsorganisation, genannt "Knights of Labor", ("Ritter
der Arbeit").
Er unterbreitete der Zentralgewerkschaft in New York einen
Vorschlag, in dem er die Gewerkschaftsbewegung aufforderte, "sich
einen Tag auszuwaehlen, an dem in einem Aufmarsch die Staerke und
der Geist der Arbeiterorganisationen aller Welt gezeigt werden
sollte". Dem Aufmarsch sollte ein "Picknick" oder eine Festveranstaltung folgen.
McGuires Vorschlag wurde angenommen. Mehr als 10.000 organisierte Arbeiter marschierten auf dem beruehmten Broadway in
New York, hoerten Reden und Konzerte und nahmen dann an einem
riesigen Picknick im Elm Park teil. Es war ein grosser Erfolg,
wenn auch die grosse Menge der Arbeiter sich erst am Abend versammeln konnte, weil sich viele Unternehmer weigerten, den Arbeitern einen freien Tag zu geben.
Die Generalversammlung der Organisation "Knights of Labor"
stimmte bald nach dem ersten Aufmarsch dafuer, den "Labor Day"
alljaehrlich zu feiern. Am 9. Oktober 1884 beschlossen die
Foederationen der Berufs- und Arbeitergewerkschaften Amerikas
und Kanadas (spaeter AFL), den Labor Day zu einem nationalen
Feiertag zu erklaeren.
Oregon war 1887 der erste Staat, in dem er erste Montag
im September zu einem gesetzlichen Feiertag zu Ehren der Arbeit
erklaert wurde. Innerhalb weniger Monate folgten die Staaten
Colorado, Massachusetts, New York und New Jersey diesem Beispiel, und 1894 erklaerte der amerikanische Kongress den "Labor
Day" zum nationalen gesetzlichen Feiertag. Heute wird er in
allen Staaten gefeiert.
Den traditionellen Aufmarsch und das grosse Picknick am
"Labor Day" gibt es noch heute in vielen Teilen Amerikas; mehr
und mehr g°hen die Menschen in den Vereinigten Staaten Jedoch
dazu ueber, die Gelegenheit eines dreitaegigen Wochenendes
wahrzunehmen. Sie begeben sich mit ihren Familien per Auto in
die Gebirge oder an den Strand, um mit neuem Interesse und neuer
Arbeitskraft am Dienstag die Arbeit in den Schulen und Fabriken
wieder aufzunehmen.
Labor Air Bulletin
VIII/16/1951
- 4 -

�^LABOR^AY'^BOTECHAFTEN AMERIKANISCHER GEWERKSCHAFTSFÜHRER
Maurice Tobin, U. S. Arbeitsminister:
Freiheit, die Verbesserung der Lebensverhaeltnisse fuer die
Menschen und Weltfriede sind die hoechsten Ziele der amerikanischen Politik. Es sind die Ziele aller Menschen guten Willens
in jedem Land und der "Labor Day" im Jahre 1951» einem Jahr der
Krisen und Kaempfe, der Unruhen und Entmutigungen, ist ein guenstiger Zeitpunkt, um festzustellen, welche Fortschritte wir inzwischen erzielt haben. Vor 100 Jahren erklaerte Louis Kossuth,
der grosse ungarische Kaempfer fuer die Freiheit, in New York:
"Die Sache der Freiheit ist ausschlaggebend fuer das Schicksal
der Menschheit, und in jedem Teil der Welt, in dem sie an Boden
gewinnt, wird sie nach und nach fuer alle diejenigen, die sich'
nach ihr* sehnen, ein gemeinsames Ziel sein."
Das ist der Grundsatz, zu dem sich die Vereinigten Staaten
von ganzem Herzen bekannt haben. Wir haben gelernt, dass der
Begriff Freiheit eindeutig und unveraenderlich ist. Es ist die
Pflicht aller friedensliebenden Menschen, darauf zu achten, dass
die Flamme der menschlichen Freiheit nicht erlischt .
Es ist
die Pflicht aller Nationen, die die Grundregeln der Moral achten,
um die Freiheit ihrer Nachbarn genau so besorgt zu sein wie um
ihre eigene. In dieser kleinen Welt gibt es fuer uns nur zwei
Moeglichkeiten: entweder wir alle sind gemeinsam frei oder wir
sind getrennt und ohne Freiheit.
Freiheit ist mehr als Selbstregierung, mehr als Gedanken-,
Rede-, Religions- und Versammlungsfreiheit. Heutzutage sind
menschliche Freiheit und Verbesserung des menschlichen Loses so
eng miteinander verbunden, dass ihre Unterschiede nur schwer
festzustellen sind. In der heutigen Zeit ist politische Demokratie nicht aasreichend. Sie muss durch wirtschaftliche und
soziale Demokratie ergaenzt werden, wenn Freiheit die Bedeutung
haben soll, die ihr zukommt.
Wenden vir uns nun dem kuehnen Plan .Praesident Trumans zu,
den er mit seinem Punkt-vier-Programm entworfen hat und der der
Weltfreiheit und gleichen wirtschaftlichen Moeglichkeiten fuer
alle gewidmet ist. Jahrhunderte lang haben eine Milliarde
Maenner und Frauen in Asien, Afrika und Suedamerika ein Hungerdasein gefuehrt.
Von dem, was dafuer getan wird, diese unterentwickelten
Gebiete aus dem Sumpf der Krankheiten, des Hungers, der Unwissenheit und der landwirtschaftlichen und industriellen Rueckständigkeit zu befreien, und von der Unterstuetzung einer grossen
Armee menschlicher Wesen, die zur wirtschaftlichen Hilfslosigktit
verurteilt sind, haengt nicht nur ihre Befreiung aus den Ketten
der Armut und Verzweiflung, sondern auch der Friede der Welt ab.
Solange in einem solchen Ausmass Mangel herrscht, haben wir eine
Welt, die wirtschaftlich zur Haelfte frei ist und die zur Haelfte
versklavt ist; diese Welt kann nicht bestehen, denn sie wankt
unter politischen Unruhen und internationaler Verwirrung. Indien
braucht Trinkwasser ebenso dringend wie Weizen, im Mittleren
Osten koennten durch Landbewaesserung grosse Ackerbaugebiete
erschlossen werden, und in Afrika muss die Schlafkrankheit
mit medizinischen Mitteln bekaempft werden, um grosse Gebiete
fruchtbar machen zu koennen. Auf der ganzen Welt muss die
Landwirtschaft modernisiert und Daenune und Wasserkraftwerke

- 5-

�muessen errichtet werden.
All dies und noch mehr muss
auf weltweiter Basis getan werden, wenn die Verbesserung des
menschlichen Loses mehr als nur eine leere Versprechung sein soll.
Lassen Sie sich nicht durch die aeusseren Erscheinungen des
amerikanischen Lebens irrefuehren. Ich versichere Ihnen, dass
das Gefuehl der Solidaritaet mit anderen Voelkern, die in Freiheit leben und diese Freiheit zu schaetzen wissen, jetzt ein Bestandteil des amerikanischen Glaubens ist.
Wir haben durch den Marshallplan und den Nord-Atlantik-Pakt
bewiesen, dass die Hilfsquellen Amerikas der freien Welt zur
Verfuegung stehen. Ich kann Ihnen versprechen, dass wir durch
nichts veranlasst werden koennen, in unserer Hilfe fuer jene
Sache nachzulassen, fuer die wir bereits so viel gegeben haben.
Amerika bekennt sich nach wie vor zu den demokratischen Grundsaetzen der gleiche Rechte und Moeglichkeiten fuer alle, der
Glaubens- und Gedankenfreiheit und der Freiheit der Menschen,
sich ihr eigenes Schicksal selbst zu gestalten.
William Green, Vorsitzender der AFL:
Im Namen der acht Millionen Mitglieder der AFL uebermittele
ich hiermit den freien Arbeitern der Welt aufrichtige Gruesse
zum "Labor Day".
Fuer uns in Amerika ist die Freiheit der Arbeit das kostbarste Gut. Wir haben aus der Erfahrung die Lehre gezogen, dass
die freien Gewerkschaften in Respektierung der Wuensche und Bedürfnisse ihrer Mitglieder und frei von einer Bevormundung oder
Kontrolle ihrer Regierung grosse wirtschaftliche, soziale und
politische Fortschritte erzielen koennen.
Unsere Beobachtungen, die wir ueber die Gewerkschaftsbewegungen unter totalitaerer Herrschaft angestellt haben, haben uns
ebenfalls gelehrt, dass die Arbeiter, wenn ihre Gewerkschaften
unter der Kontrolle eines Staates stehen, zu Sklaven der Diktatur werden und keine Moeglichkeit mehr haben, durch gemeinsame
Bemuehungen ihre Lebensbedingungen zu verbessern.
Was wir heute in dieser Welt am dringendsten benoetigen,
ist Friede - Friede, um in der Zukunft groessere Fortschritte
zu erzielen, und Friede, um die Wunder der Wissenschaft zur
Erleichterung der Buerde der Arbeiterschaft und der Menschheit
ueberhaupt weiterentwickeln und nutzbar machen zu koennen.
An diesem Tag der Arbeit verpflichten sich die amerikanischen
Arbeiter, sich ihrer Verantwortlichkeit zu unterziehen, indem sie
die Verteidigung der freien Welt so staerken, dass ein weiterer
Weltkrieg verhindert werden kann. Wir sind im Namen des Friedens
zur Erfuellung dieser Aufgabe verpflichtet.
Auf lange Sicht gesehen ist militaerische Bereitschaft
allein jedoch keine Loesung. Wir muessen zusammen mit Sowjetrussland eine Entscheidung treffen, in der jegliche Aggression
verboten und es der freien Welt ermoeglicht wird, in Frieden zu
leben.
Die freien Nationen koennen, indem sie gemeinsam jeder
Aggression gegenuebertreten und, wie in Korea, den Aggressoren
vernichtende Niederlagen beibringen, den Prozess beschleunigen,
Russland zur Vernunft zu bringen.

- 6-

�Die Arbeiterschaft Amerikas begruesst die geschlossene
Front der freien Welt gegen den sowjetischen Imperialismus.
Wir wuenschen, dass.die Arbeiter Europas, Asiens und anderer
Laender jenseits der Ozeane wissen, dass wir ihnen zur Verteidigung der Freiheit entschlossen zur Seite stehen, und dass
wir niemals nachgeben werden, solange der Sieg der Freiheit
der Menschen nicht gesichert ist.
Philip Murray, Vorsitzender des CIO:
Der "Labor Day" ist der besondere Feiertag der amerikanischen Arbeiter. Es ist ein Tag der Entspannung- aber auch
ein Tag, an den man sich ueber die Zukunft der Arbeiterschaft
in Amerika und auf der ganzen Welt Gedanken macht.
Am "Labor Day 1951" senden die amerikanischen Arbeiter
den Arbeitern der demokratischen Welt ihre kollegialen Gruesse.
Wir sind stolz darauf, in den vergangenen Jahren die Bande
der Freundschaft mit den Arbeitern und ihren Gewerkschaften
in vielen Laendern der Welt gestaerkt zu haben.
Die Gewerkschaftemitglieder Amerikas wissen, dass es
keinen Frieden, keinen dauernden Wohlstand und keine Hoffnung
auf Frieden geben kann, solange die kommunistische Diktatur
und Reaktion die Demokratie und ihre Einrichtungen bedroht.
Wir sind entschlossen, alles zu tun, was in unserer Macht
steht, um diesen demokratischen Einrichtungen Staerke und
Lebensfaehigkeit zu verleihen. Wir wissen so gut wie Ihr,
dass die Gewerkschaftsbewegung in jedem Land das Eollwerk
der Demokratie ist.
Wenn Diktatoren an die Macht kommen, ist ihre erste
Handlung die Zerstoerung oder Uebernahme der freien Gewerkschaften. So ereignete es sich im nazistischen Deutschland
und in den sowjetischen Satellitenstaaten. Das Gleiche sahen
wir in Spanien und Argentinien.
Am "Labor Day 1951" erneuern die Gewerkschaften Amerikas
ihr Geloebnis, fuer die Freiheit der Gewerkschaftsbewegung in
allen Laendern zu kaempfen. Die amerikanischen Arbeiter sind
gegen den reaktionaeren Faschismus und gegen das reaktionaere
Sowjetsystem, das die Freiheit zerstoert und die Gewerkschaften
unterdrueckt.
Aber die amerikanischen Gewerkschaften wissen auch, dass
sich verbessernder Wohlstand fuer die demokratische Welt, fuer
ihre Menschen und ihre Gewerkschaften von ausschlaggebender Bedeutung ist.
Aus diesem Grunde hat der CIO, in dessen Namen ich spreche,
den Marshallplan und das Punkt-Vier-Programm unterstuetzt, mit
denen den unterentwickelten Gebieten Hilfe gebracht wurde; und
aus dem gleichen Grunde wird der CIO jeden wertvollen Plan unterstuetzen, der mithilft, den Lebensstandard des "kleinen
Mannes" auf der Welt zu verbessern.
So uebersende ich an diesem "Labor Day" im Namen der sechs
Millionen Mitglieder des CIO den Gewerkschaftern der ganzen
Welt unsere Gruesse. Ich verspreche Euch, dass der CIO im
Kampf der Demokratie um ein besseres Leben fuer alle Menschen
stets eine fuehrende Rolle spielen wird.

- 7-

�Thomas Kennedy, Vize-Vorsltzender der Amerikanischen Ber&amp;arbeltergewerkschaft:
Im Namen des Vorsitzenden der amerikanischen Bergarbeitergewerkschaft, John L. Lewis, und aller Mitglieder dieser Organisation moechte ich der freien Gewerkschaftsbewegung der Welt
unsere bruederlichen Gruesse uebermitteln. Wir von der Bergarbeitergewerkschaft wuenschen ihnen eine Verbesserung ihres
Lebensstandards, ihrer Loehne und sonstigen Arbeitsbedingungen.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, und vor allem
^iie Bergarbeitergewerkschaft, hat seit dem Labor Day im vorigen Jahr wichtige Frfolge errungen. Wir moechten unseren
Gewerkschaftskollegen auf der ganzen Welt den Rat geben, so
zu handeln, dass ihre wirtschaftliche Organisation im Gefuege
der Demokratie in einer Weise Eeruecksichtigung findet, dass
sie ihre Ziele durch Kollektivverhandlungen verwirklichen
koennen.
Viel Glüeck und Erfolg in Euren Bemuehungen 1
Labor Air Bulletin
VIII/16/1951
Christian Fette, Vorsitzender des DGB:
"MENSCHF.NWÜERDE UND PERSOENLICHE FREIHEIT", GRUESSE AN DIE
AMERIKANISCHEN ARFEITER ZU DEM TAG DER ARBEIT.
Auch in diesem Jahre begeht die amerikanische Arbeitnehmerschaft wieder den "Tag der Arbeit" - den Tag, an dem
sich das ganze Volk der Vereinigten Staaten in Freude und
Stolz zum Wert der Arbeit und zur Ehrung der arbeitenden
Menschen bekennt.
Aber die Gedanken der amerikanischen arbeitenden Menschen
gehen ueber den Rahmen ihres Landes und ihres Kontinents hinaus.
Mehr denn je spielen sie heute in der Politik und Wirtschaft
ihres Landes und der gesamten freien Welt eine bedeutende Rolle.
Ihre maechtigen Gewerkschaftsorganisationen haben besonders
nach 1945 eine entscheidende Rolle in der Foerderung einer po •
sitiven demokratischen Weltpolitik gespielt. Sie haben von
Anbeginn alle jene Kraefte gestuetzt, die totalitaere Maechte
dadurch bekaenpfen, dass sie die Voraussetzunfen fuer Faschismus und Bolschewismus - naemlich wirtschaftliches Chaos und
soziale Not - praktisch zu beseitigen suchen.
Die grossen amerikanischen Gewerkschaften sind damit zu
wesentlichen Traegern des Freiheitskampfes in der Welt geworden, eines Kampfes, in dem es um den sozialen Inhalt der modernen Demokratie und damit um ihren Bestand ueberhaupt geht.
Sie sind ein wichtiger Teil des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, jenes Bundes freier Arbeiter in der freien
Welt, die nicht gewillt sind, Menschenwuerde und persoenliche
Freiheit an Reaktlonaere von rechts und links zu verkaufen.
Wir deutschen Gewerkschafter, die wir uns nach dem Terror
des Hitlersystems in sechs Jahren einen Deutschen Gewerkschaftsbund mit 5,7 Millionen freiwilligen Mitgliedern geschaffen haben,
wissen, was dieser Kampf fuer die Freiheit bedeutet. Wir wissen
auch, was es bedeutet, dass die amerikanischen Gewerkschaften

-8-

�entschlossen sind, wie bisher mit ihren Kollegen in allen
freien Laendern aktiv an der Neugestaltung der freien Welt
in solidarischer Gemeinschaft mit den freien Gewerkschaften
ueberall mitzuwirken.
Im Namen des deutschen Gewerkschaftsbundes entbiete ich
unseren Bruedern und Schwestern in Amerika unseren Gruss und
wuensche ihnen und ihren stolzen Organisationen Erfolg und
Staerke fuer das gemeinsame Ziel: fuer Freiheit, soziale
Gerechtigkeit und wahren Frieden unter den Voelkern einer
freien Welt i
Christian Fette
Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaft!bundes
WIE LEBT DER AMERIKANISCHE ARBEITER ?
Viele unserer Leser haben uns in Zuschriften gefragt, wie
der durchschnittliche amerikanische Arbeiter lebt, was er verdient, wieviel Stu iden er arbeitet und wie er seine Freizeit
verbringt. Offen gesagt, es gibt nicht so etwas wie einen
Herrn Durchschnittsarbeiter. Es ist unvermeidlich, dass die
Verhaeltnisse in den verschiedenen Industrien und in den verschiedenen Teilen des Landes verschieden sind.
Anstatt Ihnen von dem Durchschnittstrbeiter zu erzaehlen,
wollen wir einige Arbeiter aus verschiedenen Industrien'herausgreifen. Heute steht uns Walter Peterson, ein junger lediger
Mechaniker gegenueber. Er ist in der New Jersey-Maschinenfabrik in Hoboken (New Jersey) beschaeftigt. Die Belegschaft
dieses Betriebes zaehlt etwa 250 Arbeitnehmer. Peterson ist
Maschinendreher und stellt verschiedene Maschinenteile her.
Er ist von dem Unternehmer als angelernter Arbeiter eingestuft, ist mit dieser Einstufung jedoch .nicht einverstanden.
Nach seiner Ansicht leistet er Facharbeit. Er wird jedoch
entsprechend der Einstufung bezahlt. Er verdient in der
Stunde 1,68 Dollar. Der Grundlohn.betraegt 1,58 Dollar, in
der Nachtschicht verdient er jedoch 10 Cents mehr pro Stunde.
Zufaellig ist der Zuschlag fuer Nachtarbeit in vielen anderen
Betrieben weitaus hoeher. Da viele Auftraege zu erledigen sind,
arbeitet Peterson woechentlich 48 Stunden und alle ueber 40
Stunden geleisteten Arbeitsstunden werden mit zusaetzlichen
50% verguetet. Der Betrieb arbeitet an einigen Auftraegen der
Regierung, stellt jedoch im wesentlichen Waren fuer den Zivilbedarf her. In der Woche verdient Peterson bei einer Arbeitszeit von 48 Stunden 87,36 Dollar. Diesen Betrag erhaelt er
jedoch nicht in bar, weil von Steuern und Praemien fuer die
Arbeitslosen-, Unfall-, Sozial- und Invalidenversicherung abgezogen werden. Da er nicht verheiratet ist, sind seine Abgaben ziemlich hoch, und er bringt in der Woche 72 Dollar
nach Hause. Wenn er eine Frau haette und ein oder zwei Kinder,
waeren seine Steuern wesentlich niedriger. Die Nachtschicht
dauert von 20:30 Uhr bis 07:00 Uhr morgens mit einer halben
Stunde Essenspause um 02:30 Uhr. Peterson gewoehnt sich allmaehlich an diese Arbeitszeit. Er fruehstueckt, wenn er nach
Hause kommt, und nimmt eine Mahlzelt ein, bevor er zur Arbeit
geht. Fuer seine Verpflegung braucht er woechentlich 10 oder
13 Dollar. Er bereitet seine Speisen zu Hause selbst zu. Seine
Spezialitaeten sind Roastbeaf oder Hammelbraten, Haschee und
Schweinekottelett. Seine Hauptmahlzeit ist z.Z"t. das Fruehstueck. Es besteht aus Fruchtsaft, einem Viertel Liter Milch,

- 9-

�Fruechte, Speck, Eier und Gebaeck. Er nimmt jedoch keinen
Kaffee zu sich, da Kaffee ihn nervoes macht. Fuer seine Miete
zahlt er 15 Dollar im Monat. Das ist sehr billig. Er wohnt
in Manhattan in einer Wohnung ohne Heizung mit 3 Raeumen. Er
hat heisses Wasser und seine eigene Toilette, und weil er ledig
ist, meint er, dass die Wohnung gut genug fuer ihn ist. Ausserdem will er keine teure Wohnung bezahlen.
Fuer Bekleidung gibt er jaehrlich etwa 150 Dollar aus.
Ein neuer Anzug kostet 45 oder 50 Dollar. Fuer ein halbes
Dutzend weisser und ein halbes Dutzend Sporthemden braucht er
etwa 36 Dollar, 24 Paar Struempfe kosten 12 Dollar. Unterwaesche und Krawatten kosten 15 Dollar und ein paar Arbeitsschuhe 8 Dollar. Ausserdem kauft er sich in jedem Jahr einen
Ueberzieher fuer etwa 35 oder 40 Dollar. Das ergibt einen
Betrag von 155 bis 165 Dollar im Jahr.
Gibt es in seiner Wohnung viel mechanische Einrichtungen?
Einen mit Gas betriebenen Kuehlschrank, ein elektrisches Bueg«leisen, einen elektrischen Brotroester und ein Radio mit Plattenspieler. Er hat keinen Fernsehapparat, weil er seine Freizeit
am liebsten mit Lesen verbringt.
Natuerlich ist er gewerkschaftlich organisiert. Er gehoert
der Internationalen Mechanikergewerkschaft der AFL an, die ueber
600.000 Mitglieder zaehlt, und er ist in seiner Gewerkschaft
aeusserst aktiv. Seine Ortsgewerkschaft hat 1200 Mitglieder,
und er nimmt stets an den regelmaessigen monatlichen Versammlungen teil. Es finden ausserdem in der Zwischenzeit ausserordentliche Betriebsversammlungen statt. Er ist jetzt Kandidat
fuer den ünterhaltungsausschuss, der unter anderem Programme
fuer Abendgesellschaften, Bierabende und Ausfluege fuer die
Mitglieder ausarbeitet. Man bildet ausserdem Kegel- und
Korbballmannschaften.
Die Ausgaben dieses Arbeiters sind im Vergleich zu seinem
Einkommen ziemlich niedrig. Was macht er mit seinem uebrigen
Geld? Er hat eine Freundin, und sie gehen haeufig zusammen
aus; zum Kino, zum Konzert, zu Vortraegen, Tanzveranstaltungen,
zum Ballett und Picknick. Im Sommer verbringen sie viel Zeit
am Strand. Peterson spart ausserdem. Denn wer kann es wissen?Eines Tages koennte er vielleicht sogar heiraten1.
Der Tarifvertrag seiner Gewerkschaft enthaelt viele Klauseln,
die nach der Meinung aller Arbeiter sehr gut sind. Fuer Arbeit
am Sonnabend werden 150$ gezahlt, selbst wenn der Arbeiter waehrend der Woche an einem Tag nicht zur Arbeit erschien.Dieser Bericht ist ein Beispiel fuer das Leten vieler
junger, lediger Arbeiter in den Vereinigten Staaten. Das Bild
mag sich wesentlich veraendern, wenn der Arbeiter heiratet und
einige Kinder hat.
Program Services Section
V/28/1951

- 10 -

�EINE ERHEBUNG UEBER DIE ARBF.ITSFAEHIGKEIT, VON RENTNERN IN
DEN* P.S.4?
Schaetzungsweise zwei Drittel bzw. drei Viertel der
Maenner und Frauen, die augenblicklich Alterspensionen beziehen, sind arbeitsunfaehig. Die meisten von ihnen haben
fuer immer aufgehoert zu arbeiten. Einige von ihnen koennen
jedoch arbeiten und arbeiten nach'ihrer Pensionierung auch in
Berufen, die nicht so grosse Ansprueche wie ihre ursprünglichen Berufe an sie stellten. Zweifellos koennten noch mehr
arbeiten, wenn Arbeitsplaetze vorhanden waeren, die ihrer begrenzten Arbeitsfaehigkeit entspraechen.
Dieses geschaetzte Ausmass der Arbeitsunfaehigkeit unter
allen aelteren Pensionsempfaengern in den Vereinigten Staaten
bezieht sich auf die gegenwaertige, im Verhaeltnis als Vollbeschaeftigungsperiode anzusprechende Situation. Bei einem
Arbeitsmarkt, der fuer die Beschaeftigung aelterer Leute weniger guenstig waere, waere der Prozentsatz der Arbeitsunfaehigkeit niedriger als diese Schaetzung, weil mehr koerperlich arbeitsfaehige Personen von 65 Jahren und darueber untaetig waeren
und Altersrenten beziehen wuerden.
Der Begriff der Arbeitsunfaehigkeit ist natuerlich relativ,
und der geschaetzte Prozentsatz der arbeitsunfaehigen Rentenempfaenger haengt davon ab,wie man diesen Begriff definiert.
Bei der zugrundeliegenden Schaetzung wurde ein Rentenerapfaenger
als arbeitsunfaehig betrachtet, wenn er nicht in der Lage war,
den Beruf, den er vor seiner Pensionierung susuebte, vollzeitlich weiter zu betreiben.
Die vorliegende Schaetzung stuetzt
sich auf die Aussagen einzelner Altersrentenempfaenger in 20
verschiedenen Staedten. Insgesamt wurden in der Zeit von 1941
bis 194-9 3362 Maenner und 622 Frauen befragt, die in den acl t
Jahren von 1940 bis 1947 die ersten Unterstuetzungen bezöge»;
man wollte feststellen, wie es ihnen nach ihrer Pensionierung
erging. Unter anderem fragte man sie, was sie von ihrem Gesundheitszustand und ihrer Arbeitsfaehigkeit hielten. Die Gebrechen, ueber die sie klagten, und jegliche Beschaeftigung,
die sie in dem der Befragung vorausgehenden Jahr ausgeuebt
haetten, wurden notiert.
In der Auswertung der gesammelten statistischen Unterlagen wurden Rentenempfaenger zuerst gemaess ihrer Meinung
bezueglich ihrer Arbeitsfaehigkeit zur Zeit der Eefragung in
drei Klassen gruppiert. Sodann studierte man die Statistiken
ueber die Beschaeftigung der Rentenempfaenger nach ihrer Pensionierung in jeder einzelnen Klasse und ihren gegenwaertigen Gesundheitszustand*
Bei der Eingruppierung der Rentenempfaenger nach ihrer
Meinung bezueglich ihrer Arbeitsfaehigkeit, bediente man sich
der folgenden Einstufungsraethode:
1. Diejenigen, die sagten, sie koennten vollzeitlich,
d. h. 35 oder mehr Stunden pro Woche, einen Beruf ausueben,
fuer den sie auf Grund ihrer Erfahrungen qualifiziert sind.
2. Diejenigen, die sich fuer vollkommen arbeitsunfaehig
hielten und
3. diejenigen, die erklaerten, sie seien arbeitsfaehig,
jedoch mit der Einschraenkung, dass die Arbeit "leicht" oder nur
"kurzzeitlich sein duerfe.
- 11

�In allen drei Klassen waren auch einige Unterstuetzungsempfaenger, deren Unterstuetzungen fuer einen Monat oder laenger
in dem der Erhebung zugrundeliegenden Jahre wegen ihrer Einkuenfte aus irgendeiner Beschaeftigung gesperrt waren.
Die meisten der Rentenempfaenger, die sich fuer vollzeitlich arheitsfaehig in ihren urspruenglichen Berufen erklaerten,
wenn sie hierzu die Moeglichkeit hatten, waren wahrscheinlich
auch wirklich hierzu in der Lage. So waren zum Beispiel im
Kriegsjahr 1944 89% aller maennlichen, in Ohio wohnhaften uni
in der Erhebung erfassten Rentenempfaenger irgendwie beschaeftigt. Zwei Drittel der Maenner, die sagten, sie koennten vollzeitlich arbeiten, waren das ganze Jahr hindurch auch vollzeitlich erwerbstaetig. Als die Nachfrage nach Arbeitskraeften
jedoch nachliess, war der Prozentsatz der Rentenempfaenger mit
nicht-vollzeitlicher Beschaeftigung. geringer und variierte
zwischen 44 und 72$. in den verschiedenen, in der Erhebung beruecksichtigten Gebieten, weil es fuer aeltere Maenner und
Frauen im allgemeinen schwieriger ist, eine Beschaeftigung in
der Industrie oder im Handel zu finden.
Die meisten Rentenempfaenger, die sich fuer vollkommen
arbeitsunfaehig erklaerten, waren wahrscheinlich krank. Sie
sagten, sie litten an Herzkrankheiten, hohem Blutdruck, Laehmungserscheinungen, Gicht, Blutarmut, Nachlassen der Sehkraft,
Krebs, Nierenerkrankheiten und anderen degenerierenden Alterserscheinunf:en. Einige Maenner, und zwar waren es 1944 bis zu
29 % und in den uebrigen Jahren von 4 - 19 #, hatten irgendeine Beschaeftigung, meist eine Gelegenheitsarbeit. Die Mehrzahl jedoch hatte zur Zeit der Befragung ihren Arbeitsplatz
aufgegeben, und andere waren trotz schwerer gesundheitlicher
Schaeden noch erwerbstaetig.
Aus der Studie ueber ihre Beschaeftigungsziffer waehrend
des Jahres der Erhebung und ueber ihre eigenen Anschauungen in
Bezug- auf ihre Gesundheit kann man die Schlussfolgerung ziehen,
dass alle Rentenempfaenger, die sagten, sie seien arbeitsunfaehig, auch als arbeitsunfaehig anzusehen sind.
Die Rentenempfaenger, die sagten, sie koennten nur kurzzeitlich arbeiten oder eine leichte Arbeit verrichten, setzten
sich aus Maennern und Frauen in einer Vielzahl verschiedener
Situationen zusammen. Mit Ausnahme des Erhebungsjahres 1944
in Ohio, wo der Prozentsatz 70 betrug, hatten weniger als die
Haelfte (32 - 46 %) der Maenner, die erklaerten, nur kurzzeitlich oder leicht arbeiten zu koennen, irgendeine Beschaeftigung. Einige der Rentenempfaenger, die keine Arbeit hatten,
hatten die Hoffnung verloren, einen Arbeitsplatz zu finden und
hielten sich in ihren urspruenglichen Berufen fuer arbeitsunfaehig. Andere dagegen haetten keine vollzeitliche Beschaeftigung uebernehmen koennen, die grosse Kraftanstrengung erfordert haette; einige haetten wahrscheinlich ueberhaupt nicht
arbeiten koennen. aber weil sie erklaerten, "bestimmte Arten
von Arbeit" verrichten zu koennen, wurden sie zu denen gezaehlt,
die Kurzarbeit oder leichte Arbeit uebernehmen koennten.
Die groesste Gruppe unter den Rentenempfaengern in dieser
Kategorie, die irgendeine Arbeit hatten, waren Maenner, - meist
Handarbeiter - die waehrend eines Teils des Jahres der Erhebung
oder auch ununterbrochen in diesem Jahr Beschaeftigungen ausge_
uebt haben, die weniger koerperliche Anstrengungen erforderten
als ihr herkoemmlicher Beruf. Wenige arbeiteten waehrend des
ganzen Jahres in kleinen eigenen Geschaeftsunternehmen. Ein
- 12 -

�alter Mann z. F., der Spritzlackierer in einer Klavierfabrik
gewesen war, zuechtete Hunde waehrend des Jahres der Erhebung.
Einige arbeiteten vollzeitlich in der Industrie, verrichteten
jedoch verhaeltnismaessig leichte Arbeiten. Typisch war ein
frueherer Maler, der als Wachmann beschaeftigt war. Die
meisten dieser Kategorie waren jedoch im Jahre der Erhebung
nur als Gelegenheitsarbeiter taetig; ein frueherer Zimmermann arbeitete gelegentlich privat fuer Familien, und ein
frueherer Arbeiter einer Stahlfabrik leistete Gartenarbeit
fuer seine Nachbarn.
Eine kleine Zahl von Maennern war waehrend eines Teils
des Jahres oder im ranzen Jahr in den herkoemmlichen Beschaeftirunpsarten taetig. Einige von ihnen mussten nach ihrer Wiedereinstellung feststellen, dass die Arbeit fuer sie zu schwer
war. urd sie hoerten wieder auf zu arbeiten. Ein Arbeiter aus
der ftahlindustrie war zum Beispiel acht Monate lang als Arbeiter der gleichen Branche taetig, musste jedoch dann aufhoeren,
weil er die schweren Arbeiten, die man von ihm verlangte, nicht
mehr leisten konnte. Er sagte, er habe Schmerzen in den Beinen,
koenne jedoch leichtere Arbeit verrichten. Andere hatten waehrend des ganzen Jahres gearbeitet, erklaerten aber den mit der
Erhebung Beauftragten, sie koennten nicht mehr laenger durchhalten. Wenige machten den Eindruck, auch weiterhin vollzeitlich in ihren urspruenglichen Berufen taetig sein zu koennen.
Ein bestimmter Prozentsatz derjenigen Rentenempfaenger,
die unter bestimmten Einschraenkungen hinsichtlich ihrer Arbeitsfaehigkeit erklaert hatten, eine Beschaeftigung ausueben zu koennen, duerften zu denen gezaehlt werden, die in dem Sinne arbeitsunfaehig waren, dass sie nicht ihre urspruenglichen Berufe ausueben konnten. Vorsichtig geschaetzt wuerde es sich dabei um
die Haelfte dieser Kategorie handeln.
Wenn man der Zahl der total arbeitsunfaehigen Rentner die
Haelfte derer hinzuzaehlt, die sich, fuer bedingt arbeitsfaehig
halten, wuerde man zu einer vorsichtigen Schaetzung der Gesamtzahl derer kommen, die wahrscheinlich fuer eine vollzeitliche
Beschaeftigung in ihren herkoemmlichen Ferufen untauglich sind.
In Boston (Erhebungsjahr 1946) und in PhiladelphiaFaltimore (194-9) gab es mehr arbeit sunfaehige Rentenempfaenger
als In den uebrigen in der Erhebung beruecksichtigten Gebieten,
was vor allem darauf zurueckzufuehren-ist, dass die in diesen
beiden Gebieten Befragten schon laenger Renten bezogen (1 bis
6 bzw. 1 bis 9 Jahre) als die bei frueheren Erhebungen Befragten, fuer die die Dauer der Unterstuetzungsberechtigung nur
1 bis 3 Jahre betrug. Da diese Erhebungen in Boston und
Bfeltinore juengeren Datums sind und sich auf Rentner erstrecken,
die schon laengere Zeit Renten beziehen, sind die Feststellungen
betreffs der Arbeitsunfaehigkeit in diesen beiden Beispielen
fuer die Gesamtlage in den Vereinigten Staaten vor Inkrafttreten
der Gesetzesaenderungen im Jahre 1950 zweifellos zutreffender
als die d&lt;r frueheren Studien.
Die Beispiele, die den obengenannten Prozentzahlen zugrunde liegen, erstreckten sich auch auf wenige Einzelfaelle,
in denen die Betreffenden waehrend des ganzen Jahres den
Pensionsbestimmungen unterliegende Beschaeftigungen vollzeitlich ausuebten und keine Renten bezogen. Wenn sich die Prozentsaetze auf Faelle beziehen wuerden, in denen nur Rentenempfaenger
beruecksichtigt sind, die waehrend eines Teils des Jahres oder
ununterbrochen Renten bezogen, waeren sie ein wenig hoeher.
Ausserdem konnten annaehernd zwei Prozent der Rentenempfaenger,

- 13 -

�die urspruenglich als Beispiele herausgegriffen waren, wegen
Krankheit nicht befragt werden. Ihre Einbeziehung wuerde
ebenfalls den Prozentsatz der Arbeitsunfaehigen erhoehen.
Bei der Abschaetzung der Arbeitsunfaehigkeitsziffer aller
Altersrentenempfaenger des Landes haben diese Umstaende Berücksichtigung gefunden.
Die in der Gesetzesaenderung von 1950 enthaltenen Bestimmungen, die besagen, dass nach sechs Vierteljahren des
Versichertseins Anspruch auf Rente besteht, haben wahrscheinlich zu einer Erhoehung der Arbeitsunfaehigkeitsquote gefuehrt,
weil unter denen, die frueher keinen Anspruch auf Renten hatten,
jetzt aber unterstuetzungsberechtigt sind, einige kranke Personen sind. Diese Auswirkung auf die Arbeitsunfaehigkeitsquote wird wahrscheinlich nicht durch eine Steigerung der
Pensionsquote koerperlich arbeitsfaehiger Personen aufgehoben,
die durch die Erhoehung der Renten, wie sie auch in der Gesetzesaenderung von 1950 vorgesehen ist, ausgeloest wurde,
weil die Erhoehung der Renten in erster Linie den Zweck hatte,
einen Ausgleich fuer die Steigerung der Lebenshaltungskosten
nach 1939 zu schaffen und nicht die Kaufkraft der Renten zu
erhoehen. Die Altersrenten sind, verglichen mit den Loehnen
noch zu niedrig, um denjenigen, die weiterarbeiten koennen,
Veranlassung zu geben, sich pensionieren zu lassen.
Wenn man alle diese Faktoren in Eetracht zieht, erscheint
es wahrscheinlich, dass zwei Drittel bis drei Viertel der zur
Zeit Altersrenten beziehenden Rentner - Maenner und Frauen
gemeinsam veranlagt - in dem Sinne arbeitsunfaehig sind, dass
sie nicht ihre urspruenglichen Berufe vollzeitlich ausueben
koennen.
Der Prozentsatz der arbeitsunfaehigen Rentenempfaenger
wird mit den Jahren zweifellos groesser werden, weil sich die
durchschnittliche Zeitspanne seit ihrer Pensionierung und damit auch ihr Durchschnittsalter erhoehen. Die Arbeitsunfaehigkeitsquote wird ebenfalls groesser werden, auch wenn die Unternehmer ihre Einstellung in der Frage der Pensionierung
aendern und ihre Arbeitnehmer so lange wie moeglich arbeiten
lassen, weil weniger arbeitsfaehige Personen ihre Beschaeftigung aufgeben werden. Sollte es jedoch zu einer schwierigen
wirtschaftlichen Depression kommen, durch die arbeitsfaehige
Maenner und Frauen von 65 Jahren und darueber von dem Arbeitsmarkt gedraengt und in die Pensionierung gezwungen wuerden,
wuerde die Tendenz einer steigenden Arbeitsunfaehigkeitsquote
der Altersrentenempfaenger ins Gegenteil umschlagen, weil die
Zahl der Rentenempfaenger durch das Hinzukommen arbeitsloser,
noch arbeitsfaehiger Rentner erhoeht wuerde.
Social Security Bulletin
VI/1951
J. L. Rhodes, Bezirksleiter fuer Werbung der AFL:
DIE ORGANISATIONSBESTREBUNGEN DER AFL IM SUEDEN DER U.S.A,
Im Laufe des vergangenen Jahres richteten die Gewerkschaften der Suedstaaten der U.S.A. ihr Hauptaugenmerk auf eine Erhoehung der Loehne. Die Veranlassung hierzu war ein dauerndes
Ansteigen der Lebenshaltungskosten. Die meisten Organisationen
waren hierbei recht erfolgreich, wenn auch in vielen Faellen
die von der Arbeiterschaft erreichte Lohnerhoehung durch ein
weiteres Ansteigen der Lebenshaltungskosten prompt wieder aufgehoben wurde.
14 -

�Die Arbeiter in den Suedstaaten fahren fort, sich Gewerkschaften anzuschliessen and neue Organisationen zu bilden. Das
Zunehmen der Mitgliederzahl der AFL im Sueden ist erstaunlich.
Durch die neuerdings im Sueden gegruendeten neuen Industrien
wurden viele neue Verdienstmoegiichkeiten geschaffen. Wenn auch
keine ernstliche Knappheit an Arbeitskraeften besteht, so machte
sich doch eine Verdichtung des Arbeitsmarktes bemerkbar.
Ein neues Interesse fuer die Gewerkschaftso^ganisation erwachte durch ueberhoehte Preise, zu hohe Mieten und die Unzulaenglichkeit der Loehne fuer nichtorganisierte Arbeiter. Dies
sind die Faktoren, die das Ansteigen der Gesamtmitgliederzahlen
der Gewerkschaften im Sueden trotz Widerstand der Arbeitgeber
und der antigewerkschaftlichen Gesetzgebung beschleunigen.
Der Sueden ist der Bauplatz neuer Atorakraftanlagen geworden, die einen Kostenpunkt von Hunderten von Millionen Dollars
darstellen und nach deren Abschluss Tausende von Arbeitern Beschaeftigung finden werden. Die AFL hat es verstanden, das
Vertrauen der meisten Arbeiter in Oak Ridge zu gewinnen. Zur
Zeit vertritt die AFL drei der Hauptgruppen und mehrere kleinere Gruppen der Atomkraftbetriebe und der damit verbundenen
Eeschaeftigungszweige.
Die Organisation der Farmarbeiter macht in den Zitronenplantagen Floridas und in dem Rio Grande-Tal von Texas gute
Fortschritte. Die Milchfarmarbeiter in Louisiana, Kentucky
und Georgia werden von der Nationalen Gewerkschaft der Fsrraarbeiter organisiert.
Eine hervorragende Organisationskampagne wurde neulich
von der Internationalen Gewerkschaft der Angestellten bei der
"Consolidated Aircraft Corporation" du^chgefuehrt. Aehnllche
Organisationsbestrebungen sind in allen Staaten des Suedens
im Gange.
Die Textilindustrie im Sueden weist die hoechste Zahl an
beschaeftigten Industriearbeitern auf. In diesem Gebiet uebermittelt die Textilarbeitergewerkschaft den Arbeitern laufend
die Werbebotschaften der AFL. Meistens befinden sich die
Textilfabriken in Staaten mit einer drastischen Antigewerkschaftlichen Gesetzgebung. Die Loehne der Textilarbeiter muessten erhoeht und nur durch eine tatkraeftige Arbeiterorganisation koennte
eine Verbesserung der unzulaenglichen Lohntarife erreicht werden.
Die Internationale Chemiearbeiter-Gewerkschaft hat ihr
Betaetigungsfeld im ganzen Sueden. In Oak Ridge hatte sie zu
den AFL Erfolgen beigetragen. Weitere Programme dieser Gewerkschaft werden in Florida, Louisiana und anderen suedlichen
Staaten verfolgt. In allen suedlichen Gegenden konnten viele
Gruppen cer verschiedenen chemischen Industriezweige der
Chemiearbeiter-Gewerkschaft einverleibt werden.
Die Gewerkschaftsbewegung bemu«ht sich dauernd, die Importierung mexikanischer Arbeitskraefte einzuschraenken und zu
kontrollieren. Erschütternde Tatsachen wurden von der von
Praesident Truman eingesetzten Untersuchungsgruppe berichtet.
Hunderttausende von "Grenzgaengern" sind auf Veranlassung gewinnsuechtiger amerikanischer Arbeitgeber diesseits des Rio
Grande in die Vereinigten Staaten gekommen. Durch diesen

- 15 -

�Zustrom mexikanischer Staatsangehoeriger und ihre Bereitwilligkeit, frier erbaermliche Loehne zu arbeiten, wurde die amerikanische Arbeiterschaft gescraedigt. Die Nationale FarmarbeiterGewerkschaft und andere AFL-Gewerkschaften haben gegen die
Untergrabung des amerikanischen Lohnstandards - eine Folge der
Verschwoerung gewisser Arbeitgeber, die Schaffung angemessener
Arbeitsbedingungen zu vereiteln - gekaempft.
Laut den bei den suedlichen Dienststellen der AFL eingelaufenen Berichten soll ein Teil der Unternehmer gewillt sein,
sich mit der Föderation zum Zwecke der Regulierung des Zustroms
mexikanischer Staatsangehoeriger und zur Unterstuetzung der sich
auf illegale Grenzgaenger beziehenden Einwanderungsgesetze zusammenzuschliessen. Es wurde vorgeschlagen, dass diejenigen
Arbeitgeber, die illegal eingewanderte Arbeitnehmer einstellen,
strafrechtlich verfolgt werden sollen.
An alle neuaufgenommen Gewerkschafter werden jetzt Sozialversicherungskarten ausgegeben. Es ist mit allem Nachdruck
darauf hingewiesen worden, dass diese Karten an illegal Eingewanderte nicht ausgegeben werden sollen.
Mexikanern, die illegal in diesem Lande leben, wird es
gestattet, bei den vom Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen durchgefuehrten Repraesentationswahlen ihre Stimme auf derselben
Basis wie amerikanische Buerger abzugeben. Dieser Ausschuss
sollte die Grenzgaenger an der Teilnahme an solchen Wahlen
hindern.
Dies stellt ein aeusserst ernstes Problem dar. Die
Nationale Farmarbeiter-Gew°rkschaft hat durch das Verbreiten
von Berichten ueber diese Zustaende eine grosse erzieherische
Arbeit auf diesem Gebiet geleistet. Die AFL versucht durch
die gesetzgebenden Organe in Washington eine Gesetzgebung zu
erwirken, welche der auf den Zustrom von Grenzgaengern zurueckzilfuehrenden Lohnsenkung Einhalt gebieten soll.
Die AFL-Bewegung im Sueden wird in den kommenden Monaten
auf viel Widerstand stossen. Sie beabsichtigt,ihm mutig zu
begegnen.
The American Federationist
VII/1951

- 16 -

KICCIO £3 i l l g 51 11855 6 II

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 33

Frankfurt, 17. Aurust 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Wie lebt man in Moskau?

1

Neue Richtlinien der ECA zur Foerderung der
Produktivitaet

4

Beschaeftigungslage im amerikanischen
Bergbau

5

Amerikanische Gewerkschafter in Frankreich

7

Bodenreform - Ein Schluessel zur wirtschaftlichen Entwicklung

9

Vereinte Kationen beschaeftigen sich mit dem
V/ohn raumprob lern in Asien

13

'.Veitgesundheitsorganisation bekaempft Malaria
in Indien

14

WIE LEBT MAN IN MOSKAU?
George C. Se:.imens, der Autor des folgenden Artikels, hat kuerzlich mit einer englischen Delegation
Russland besucht. In der Londoner sozialistischen
Zeitschrift "Tribüne" berichtet er darueber:
Wie sieht das Leben in Russland im Vergleich zum Leben bei
uns aus? Der staerkste Unterschied ergibt sich wohl im Leben

- 1 -

�der Frauen. In Russland ist fast jede verheiratete Frau gezwungen, arbeiten zu gehen, um mitzuhelfen, das Haushaltsgeld
auszugleichen - ausser natuerlich, wenn ihr Mann in der giuecklichen
Lage ist, ein betraechtlich hoeheras Einkommen zu haben als der
Durchschnitt. Darin, so erklaerten uns unsere russischen Fuehrer,
bestehe die Emanzipation der Frauen; sie haetten es gern, arbeiten zu gehen und wirtschaftlich unabh&amp;engig zu sein. Um Muetter
in den Stand zu setzen, arbeiten zu gehen, werden die Kinder, sobald sie nur einige Wochen alt sind, in Krippen und Kindergaerten
geschickt.
Wenige Frauen leisten qualifizierte Arbeit. Die meisten sind
mit verhaeltnismaessig unqualifizierter Arbeit beschaeftigt, wie
zum Beispiel Strassenkehren, Auf- und Abladen von Lastautos, Erdarbeiten - "alles", so sagte man uns, "ausser der allerschwersten
Arbeit". Tatsaechlich scheint fast die ganze unqualifizierte Arbeit von Frauen geleistet zu werden. Sie erhalten bei gleicher
Beschaeftigung die gleiche Bezahlung w"le Maenner, aber da sie gewoehnlich die minderqualifizierten Arbeiten verrichten, sind ihre
Durchschnittsloehne niedriger als die der Maenner.
' Wir versucnten wiederholt, die Koehe der Loehne festzustellen, aber es war unmoeglich, genaue Statistiken oder auch nur eine
verlaessliche Schaetzung der durchschnittlichen Lohnhoehe zu erhalten. Wir-konnten jedoch feststellen, dass die Unterschiede
zwischen den einzelnen Loehnen und Einkommen phantastisch hoch
sind fuer ein Land, das behauptet, sozialistisch zu sein. Die
meisten Leute, die wir fragten, sagten, der Durchschnittslohn
mache ungefaehr 900 Rubel aus, waehrend das Familieneinkommen, wegen des niedrigeren Verdienstes der Frau, ungefaehr 1600 Rubel betraep-t. Dies-e Schaetzung ist wahrscheinlich ein wenig zu optimistisch, da sie auf die sehr grosse Zahl der unqualifizierten
Arbeiter nicht Bedacht nimmt.
Eine Krankenschwester verdient ungefaehr 400 Rubel im Monat
bei einer Arbeitswoche von sechs Tagen zu sechs Stunden. Wenn
sie die Zahl der Arbeitsstunden verdoppelt, erhaelt sie auch den
doppelten Lohn. Ein Arzt erhaelt waenrend der ersten fuenf Jahre
nur 600 Rubel und selbst nach 20 Jahren nur 1200, ausser er spezialisiert sich und erwirbt zusaetzliche Qualifikationen. Nach
30 Dienstjahren bekommt er jedoch eine Pension von 40 Prozent
seines Gehaltes und zusaetzlich auch noch das Gehalt, wenn er
weiterarbeiten will.
Die Bezahlung eines Lehrers haengt von der Art der Schule
ab. Er erzielt ein Hoechsteinkommen von 1500 Rubel pro Monat in
den hoechsten Schultypen und moeglicherweise weniger als 1000
Rubel in einer Volksschule. Nach 25 Jahren erhaelt auch er eine
Pension von 40 Prozent. Auch er kann sein Einkommen verdoppeln,
wenn er doppelte Schichten arbeitet. In Moskau zum Beispiel
werden die meisten Schulen infolge des Mangels an Schulgebaeuden
nach einem Zweischichtensystem betrieben. Ein Bergarbeiter
erhaelt einen Grundlohn von 1000 Rubel im Monat. Ist er ein
Stachanow-Arbeiter, kann er bis zu 6000 Rubel verdienen. Das
hoechste Gehalt, das wir feststellten, bezog ein Spezialist,
Professor der Medizin, der 12.000 Rubel im Monat erhielt - dreissie
mal soviel wie eine Krankenschwester.
Es war nicht leicht fuer uns, ausfindig zu machen, wieviel
und wie gut die gawoehnlichen Leute essen, da wir immer in den
besten Hotels und Restaurants verpflegt wurden. Nur einmal nahmen
wir eine Mahlzeit ein, die auch die Studenten der Anstalt, die wir
besuchten, erhielten. Von den Preisen, die wir in den Geschaeften
sahen, aufgrund der Tatsache, dass es keine Rationierung gibt,
und auch von dem, was uns die Leute ueber ihre Essgewohnheiten

- 2 -

�erzaehlten, empfingen wir den Eindruck, dass die meisten Russen wahrscheinlich etwas mehr essen als wir, aber dass sie ein
gutes Stueck mehr als die Haelfte des gesamten Familieneinkommens fuer Lebensmittel ausgeben muessen.
Die Kleidung, die man in den Strassen sieht, ist im allgemeinen dunkler und schaebiger als bei uns. Alle Maenner tragen
Anzuege, gewoehnlich dunkle. Kleidungsstuecke wie Sportsakkos
oder rauhe Stoffe wie Tweed sind unbekannt. Ja zwei von uns,
die Harris-Tweed-Sakkos trugen, wurden wiederholt gefragt, wie
sie denn solche schlechte Kleider tragen koennten.' Harris
Tweed ist bekanntlich ein besonders ruter, dicker englischer
Stoff. Auch die Kleidung der Frauen ist etwas farblos, die Roekke sind gewoehnlich kurz und wenige Frauen schminken sich. Stoffe guter 4ualitaet und gutgeschnittsne Kleider sind vorhanden,
aber teuer. Anderseits koennen Stoffe schlechter ^ualitaet und
Kleider, die schlechter sind als jene, die man normalerweise in
England sieht, ziemlich billig gekauft werden.
Viele Konsumgueter, wie zum Beispiel Hausnaitungss-egenstaende, Schreibmaterialien, Buecher und so weiter, sind leicht zu
haben. Andere notwendige Artikel sind jedoch sehr kna^p. So
sahen wir zum Beispiel eine lange Schlange von Frauen, die sich
nach Zwirn anstellten, und hoerten auch eine lebhafte Auseinandersetzung, als Frauen, die sich um Leinentaschentuecher angestellt hatten, nichts mehr erhielten, weil der Vorrat ausverkauft war.
Kinderwagen, Fahrraeder und I.!otorraeder sind in den Strassen
kaum zu sehen. Zwar gibt es genug Autos in L.'oskau und in anderen Staedten, die wir besuchten, aber die meisten gehoeren
oeffentlichen Organisationen. In ganz Moskau gibt es nicht mehr
als zehntausend Autos in Privatbesitz. Auf einer Kollektivfarn
bei Suchumi an der Kueste des Schwarzen Meeres fanden wir jedoch,
dass 35 der insgesamt 415 Familien im letzten Jahr ein Auto gekauft hatten.
Offiziell gibt es keine Arbeitslosigkeit und jeder Buerger
hat Anspruch auf einen Posten. Aber trotzdem Rahen wir eine Anzahl von Bettlern, meist Kruepnel, und auch ein Kind, die neben
der Kasse eines Geschaeftes im Zentrum Moskaus um Kleingeld bettelten. Krueppel gibt es, wie man verstehen wird, sehr viele,
waehrend man kaum jemals Prothesen sieht.
Wir waren besonders bepierig, .etwas von den Wohnverhaeltnissen zu sehen zu bekommen. Aber obwohl wir im europeeischen Russland an die 6000 Kilometer herumfuhren, war unser Aufenthalt
ueberall so kurz, dass wir kaum eine Moeglichkeit hatten, Wohnunge
zu besichtigen. Die einzige Ausnahme war Moskau, wo ich zwoelf
Tare verbrachte. Dort sind die Y.'ohnverhaeltnisse entsetzlich.
Und doch erklaerten uns unsere Fuehrer, als wir durch die aer^sten
Elendsviertel gingen, die wir jemals gesehen hatten, dass Koskau
die einzige Hauptstadt der 'Veit sei, in der es keine 31 ums gebe.'
Im Zentrum Moskaus lebt man normalerweise in grossen Wohnbauten. Die meisten dieser Wohnblocks sind arg vernachlaessirt,
viele von ihnen feucht und gewoehnlich schlecht eingerichtet. Die
Waende sehen aus, als ob sie seit Jahren keine Farbe mehr gesehen
haetten; der L'oertel faellt ab. Auch kleinere Cebaeudo, die es
gibt, befinden sich in einem unmoeg-lichen Zustand. Alte Kirchen,
die nicht mehr fuer ihren ursoruenflichen Zweck verwendet werden,
werden fuer Wohnzwecke benutzt.
In den Vororten Moskaus, und im geringeren Ausmass auch im

�Zentrum, gibt es Blockhaeuser aus Holz, die mit Lloertel beworfen sind. Biese Blockhaeuser bestehen gewoehnlich aus
zwei Raeumen und besitzen fast nie eine entsprechende Fundierung, so dass sie 3ich meistens senken. Ihre Tueren und
Fensterrahmen sind kaum jemals rechteckig und passen daher
auch nicht.
Diese Wohnstaetten sind nicht nur schlecht, sie sind auch
ueberfuellt in einem Ausmass, das wir uns nicht vorstellen
koennen. Kaeuser und Wohnungen haben fuer den Brieftraerrer
eine Liste der Bewohner an den Tueren angebracht. Viele der
kleinen Blockhaeuser, die wir sahen, zeigten lange Listen mit
Namen, und zumindest einige dieser Namen muessen fuer ganze
Familien gestanden sein. 3s ist natuerlich keineswegs ueberraschend, dass die Verhaeltnisse so schlecht sind, denn das
Wohnungsproblem war bereits vor dem Krieg sehr ernst, und seither hat sich die Zahl der Bevoelkerung Moskaus zumindest verdoppelt. Die Zahl der Neubauten in Moskau ist, selbst nach den
optimistischesten angaben, die wir erhielten, betraechtlich
weniger als die Kaelfte der Neubauten Londons, umgerechnet auf
den Kopf der Bevoelkerung.
.Ich war als Kind vor 23 Jahren in Moskau und kann mich an
einiges erinnern. Zweifellos ist seither ein grosser Fortschritt gemacht worden. Alle Hauptstrassen sind nun breit angelegt und asphaltiert. Der Verkehr ist dicht. Die oeffentlichen
Verkehrseinrichtungen, die hoffnungslos unzureichend waren,
scheinen nun recht gut zu funktionieren. Ueberall sieht man
grosse, neue oeffentliche Gebaeude. Die Untergrundbahn ist
hoechst eindrucksvoll.
Der Gegensatz zwischen .diesen imposanten neuen Gebaeuden
und den entsetzlichen allgemeinen Wohnverhaeltnissen ist jedoch
enorm. Als wir darueber Fragen stellten, erklaerte man uns,
dass die Untergrundbahn von jedermann benuetzt wuerde und daher
eben grossartig sein muesse, waehrend Wohnungen ja nur einzelnen
Familien dienen. Wir konnten uns aber nicht des Gefuehls erwehren, dass etwas grundlegend falsch sein muss, wenn man mehr
Gewicht auf protzenhafte Aeusserlichkeit legt als auf die Befriedigung normaler menschlicher Befuerfnisse.
LOA Labor Information
VIII/8/51
NEUE RICHTLINIEN DER ECA ZUR FOLRDKRUNG D1£R PRODUKT IV IT ALT.
Die 3GA hat eine Reihe neuer Richtlinien fuer eine "Produktionshilfskamnagne" in Westeuropa ausgearbeitet, die im wesentlichen dazu bestimmt sind, nicht nur die Produktivitaet zu
steigern, sondern auch die daraus entstehenden Gewinne auf die
Arbeiter, Verbraucher und Unternehmer gerecht zu verteilen. Um
ihre Bemuehungen auf einzelne Industriezweige und Betriebe zu
konzentrieren, beabsichtigt die ECA, ihren allgemeinen Kurs zu
aendern und nicht nur wie bisher mit den Regierungen zusammenzuarbeiten, sondern auch einen Verwaltungsapparat zu gruenden,
der die direkte Verbindung mit Gewerkschaften,einzelnen Unternehmen, einzelnen Betriebsleitern, Industrieverbaendenund Gewerkschaf tsfuehrern herstellt.
Zu den besonderen Problemen, mit denen man sich befassen
will, gehoeren die Gedankenlosigkeit auf sozialem und industriellem Gebiet, der mangelnde Ansporn fuer Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Steigerung der Produktionsleistung, gewisse nach- 4 -

�teilige Massnahmen seitens der Kartelle, Berufsvereinigungen,
Geschaeftskollegen und haeufig auch seitens der Regierungen,
nachteilige Massnahmen und Kannfxaethöden der Gewerkschaften,
die sich unter Unistaenden gegen einzelne Arbeiter richten, die
ihre Arbeitsleistung erhoehen wollen, die Befuerchtungen der
Gewerkschaften vor einer Ankurbelung der Produktion und vor
einer dadurch hervorgerufenen Arbeitslosigkeit, der Mangel an
Kapital oder unerschwingliche Zinssaetze, der Mangel an Dollar
zur Anschaffung bestimmter Maschinen und der Mangel an Rohstoffen und Maschinen. Geldmittel der Regierung und der oertlichen
Behoerden sollen unter der Bedingung bewilligt werden, dass
1. damit ein befuerwortetes Programm zur Steigerung der
Produktivitaet in einem Unternehmen verwirklicht werden kann,
damit wichtige militaerische oder Zivilgueter hergestellt werden
koennen oder die Verteilung verbessert werden kann.
£. die Gewinne, die aus der Verbesserung der Produktivitaet entstehen, an die Arbeiter der Betriebe in Form hoeherer
Loehne und in Form niedriger Preise an die Verbraucher gerecht
verteilt werden.
3. die Arbeiter der Betriebe oder Firmen an der Planung
und der Ausfuehrung der Programme zur Steigerung ihrer Produktivitaet freien Anteil nehmen koennen, und dass
4. Kredite nach ihrer Rueckzahlung wieder zur Ankurbelung
der /Wirtschaft verwendet werden.
Diese neuen Richtlinien der EGA werden als Beispiel fuer
die allgemeine Tendenz angesehen, die sowohl in amerikanischen
privaten Finanzkreisen als auch in halboeffentlichen Einrichtungen wie zum Beispiel der "World Bank" herrschen.
Wenn also amerikanisches Kapital ins Ausland geht, soll man
nicht nur pruefen, ob eine Nation Hilfe braucht, sondern auch,
ob sie bereit ist, sich selbst zu helfen, indem sie versucht,
finanzielle und andere Methoden, die in den Vereinigten Staaten
bereits erfolgreich erprobt wurden und sich als vorteilhaft erwiesen haben, anzuwenden.
V/eekly Labor News Digest
VIIT/1/51
BESCHAEFTIGUNGSLAGE IM AMERIKANISCHEN BERGBAU.
Ein Sorgenkind aller Nationen ist die Foerderung ihrer Bergwerke. Selbst wenn sie nicht weitgehend industrialisiert sind,
besteht trotzdem ein bestimmter Bedarf an Energie und Schwermetallen. Sie muessen entweder Mittel und Wege finden, um diesen Bedarf zu decken, oder sie muessen dafuer sorgen, dass sie
genuegend ürbeitskraefte haben, die ihre natuerlichen Hilfsquellen in ausreichender Menge ausbeuten koennen, um den Bedarf des
Landes selbst zu decken und in besonderen Faellen auch den lüxportvernflichtungen nachkommen zu koennen.
Die Vereinigten Staaten gehoeren zu den Laendern, in denen
groessere Mengen an Kohle, Kupfer, Eisenerz, Petroleum, Blei,
Zink, Bauxit und anderen Metallerzen gefoerdert werden. Darueber
hinaus haengt das gesamte Aufruestungsprogramm vom Bergbau ab,
ganz abgesehen von dem normalerweise hohen Verbrauch, der durch
die intensive Industrialisierung und den Export bedingt ist.
Trotz der Notwendigkeit, seit Beginn der Feindseligkeiten in Korea
- 5 -

�die Foerderung wesentlich zu steigern, ist die Beschaeftigtenziffer des Bergbaus tatsaechlich unvereendert geblieben. Die
Zahl der woechentlichen Arbeitsstunden ist dagegen wesentlich
erhoeht worden, wodurch auch das vorhandene Reservoir an Arbeitskraeften ver°;roessert wurde, ohne dass zusaetzliche Arbeiter eingestellt wurden. Der Mangel an Facharbeitern im Erzbergbau hat- sich erneut bemerkbar gemacht, eine Erscheinung, die
auch waehrend des 2. Weltkrieges zu beobachten war.
Wenn zu anderen Zeitpunkten -die Nachfrage nach den Produkten der Bergwerke in ungewoehnlicher Weise anstieg, war es
letzten Endes der Mangel an Arbeitskraeften, der in vielen
Sektionen des amerikanischen Bergbaus ausschlaggebend war. Die
im allgemeinen abgelegene Lage der Bergwerke und die besondere
Art der Arbeit vergroesserten dieses Problem. Bergwerksleiter
koennen in kritischen Zeiten nicht auf bedeutende Reserven an
Arbeitskraeften zurueckgreifen, wie zum Beispiel Frauen, Jugendliche und koerperbehinderte Arbeiter, weil diese füer die schwere
und unangenehme Arbeit in den Bergwerken untauglich sind. Schutzgesetze verbieten die Beschaeftigung von Frauen und Jugendlichen
im Untertagebergbau. Die isolierte Lage der Bergwerke bringt es
auch mit sich, dass die Arbeit in den Bergwerken auf die Stadtbevoelkerung Weniger anziehend wirkt, obwohl die Stundenloehne
fuer Bergarbeiter hoeher sind als fuer Fabrikarbeiter. Eine andere Schwierigkeit besteht darin, dass im Bergbau fachlich geschulte Arbeitskraefte gebraucht werden.
Die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bergleute in der Nachkriegszeit hindert viele Bergarbeiter daran,
dieser Industrie den Ruecken zu kehren, wenn sich andere Beschaeftigungsmoeglichkeiten bieten. Ausserdem sind besondere Wohlfahrtsprogramme eingefuehrt und die aerztliche Betreuung ist verbessert worden. Die betriebseigenen Siedlungen verschwinden immer mehr. Viele Bergarbeiter koennen jetzt in Staedten leben,
weil die Strassen besser sind und viele Arbeiter ihren eigenen
Wagen haben.
Die Mechanisierung hat in der amerikanischen Bergbauindustrie
einen zweifachen Zweck erfuellt. Sie hat die Verdienstmoeglichkeiten der Arbeiter und auch ihre Produktionsleistung gesteigert.
Die Beschaeftigtenziffer im Bergbau betrug 1950 rund 904.000, d.h.
mit anderen Worten, auf 50 Arbeiter in nichtlandwirtschaftlichen
Betrieben kam etwa ein Bergarbeiter. 30 Jahre frueher waren rund
1.£30.000 Personen in den Bergwerken beschaeftigt, d.h. auf 22
Arbeitnehmer in der Industrie und dem Handel kam ein Bergarbeiter.
Unter den jetzigen Verhaeltnissen ist die Wahrscheinlichkeit einer
Spannung auf dem Arbeitsmarkt fuer Bergarbeiter geringer als im
Vergleich zu frueheren Zeiten, wenn ein gesteigerter Bedarf an
Bergwerksprodukten bestand.
Eine Ausnahme in der allgemeinen Aufwaertstendenz des Bergbaus bildet der Kohlenbergbau. Selbst waehrend des 2. Weltkrieges
wurde die Produktion durch den Mangel an Arbeitskraeften nicht wie
in Grossbritannien und anderen Laendern ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen. Eine beachtliche Verlaengerung der Arbeitswoche
im Erz- und Mineralbergbau und in der Steingewinnung verbunden mit
einer geringen Erhoehung der Beschaeftigtenziffer im April. 1951
waren von einer Verlaengerung der Arbeitswoche im Kohlenbergbau
von 43,9 auf 46 Stunden begleitet. Im Gegensatz hierzu wurden betraechtliche Ueberschuesse'an Arbeitskraeften in diesem Fruehjahr
aus zwei Kohlenbergbaugebieten und eine verkuerzte Arbeitswoche in
den Anthrazit- und Braunkohlenbergwerken gemeldet. Verbesserte
Bergwerksmaschinen und die Konkurrenz anderer Brennstoffe waren
fuer diesen Rueckschlag mitverantwortlich. So wurde zum Beispiel

- 6 -

�auf vielen Eisenbahnstrecken die Dampflokomotive durch Dieselmotoren ersetzt, ebenso wurden Taüsende von Yvohnungen mit Oel
oder Erdgas geheizt, die man vor einem ViertelJahrhundert noch
mit Kohle heizte.
In allen Staaten der USA gibt es Beschaeftigungsmoeglichkeiten in Bergwerken, die Haelfte aller Bergarbeiter ist jedoch
auf die Staaten Pennsylvanien,tfest-Virginia,Texas und Kentucky
konzentriert. Die groessten Konzentrationen nach der Art der
Foerderung sind in Pennsylvanien und Y/e st-Virginia vorzufinden,
wo 28 °/o der bituminoesen Kohle abgebaut werden. 35 % der Gesamt foerderung an Rohoel und Erdgas werden in Texas gewonnen.
Durch das Verteidigungsprogramm ist ein Anreiz dazu gegeben,
minderwertige Kupfer- und Eisenerzbergwerke in verschiedenen Gebieten von Michigan, Montana, Minnesota und New York auszubeuten.
Die geeigneten Arbeitskraefte fuer diese Bergwerke ausfindig zu
machen wird fuer Gewerkschaften und Unternehmer ein Problem erstrangiger Bedeutung sein.
Weekly Labor News Digest
VIII/1/51
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTER IN FRANKREICH.
"Der franzoesische Arbeiter braucht mehr Lebensmittel und
mehr Kleider, und die amerikanische Gewerkschaftsbewegung wuerde
es begruessen, wenn er diese bekommen koennte", erklaerte der
Gewerkschaftsfunktionaer Joe Glazer nach seinem kuerzlichen Besuch in Frankreich. Glazer, der Leiter der Bildungsabteilung
der dem CIO angeschlossenen Gewerkschaft der Gummi-, Kork-, Aluminium- und Plastikarbeiter von Amerika, verbrachte auf Ersuchen
der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) einen
Monat in Frankreich, um mit franzoesisehen Gewerkschaften zusammenzuarbeiten.
Er zieht einen Vergleich zwischen den wirtschaftlichen Verhaeltnissen der Arbeiter in Frankreich und denen in Amerika und
stellt dabei fest, dass die franzoesischen Arbeiter der Gummiindustrie bei einer laengeren Arbeitswoche wesentlich weniger
verdienen als ihre Kollegen in den Vereinigten Staaten, dass sie
jedoch die gleichen oder sogar noch hoehere Preise zahlen. Die
einzige Ausnahme ist die Miete, die in Frankreich sehr niedrig
ist. Mach den Worten eines Gewerkschaftsfunktionaers aus
Marseille "lebt der franzoesische Arbeiter von der Hand in den
Mund. Die Familienunterstuetzungen bewahren den verheirateten .
Arbeiter und seine Familie vor dem Kungerdasein. Der Arbeiter
gibt 70 % seines Einkommens fuer Nahrungsmittel aus. Er hat
keine Ersparnisse und keinen finanziellen Rueckhalt."
Nach der Auffassung Glazers ist die Schwaeche der Gewerkschaftsbewegung in Frankreich sowohl Ursache als auch Auswirkung
der unzulaenglichen Lebensverhaeltnisse der Arbeiter. Die
Organisierten sind in drei Gruppen aufgespalten - den kommunistisch beherrschten Gewerkschaftsbund (CGT), den katholischen
Gewerkschaftsbund und die nichtkommunistischen, sozialistisch
orientierten Gewerkschaftsgruppen (CGT - Force Ouvriöre).
Die zahlenmaessige und organisatorische Schwaeche. der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung und die beschraenkten finanziellen Mittel der Arbeiter spiegeln sich in der aeusserst schwachen
finanziellen Lage der Gewerkschaften wider und werden durch sie
noch erschwert. "Bei zahlreichen Gewerkschaftsversammlungen sah
- 7 -

�ich die Arbeiter stundenlang auf Baenken ohne Rueckenlehne
sitzen, weil die Gewerkschaft nicht genuegend Geld hat, um
Stuehle zu kaufen," berichtet Glazer. "Ich unterhielt mich
mit Gewerkschaftsfunktionaeren, die Stunden damit verbrachten,
Briefe selbst zu tippen, anstatt draussen in den Ortsgewerkschaften taetig zu sein. Sie hatten jedoch kein Geld, um eine
Sekretaerin einzustellen. Ein Gewerkschaftsfuehrer in dem bedeutendsten Zentrum der Gummiindustrie Clermont-Ferrand erzaehlte mir, dass er seinen kleinen Wagen aufgeben und sich
des Fahrrads bedienen muesse, weil die Gewerkschaft. das notwendige Benzin nicht bezahlen koenne. Und dabei war er fuer
ein grosses Gebiet verantwortlich, und er wurde in seiner Arbeit durch diesen Umstand natuerlich stark behindert. Glazer
ging naeher auf die einzelnen Faktoren ein, die fuer diese Verhaeltnisse verantwortlich sind. Er berichtete, dass die Gewerkschaften sehr wenig Tarifvertraege haetten und die Moeglichkeit der Einziehung des Gewerkschaftsbeitrages durch den Unternehmer ebenso unbekannt sei wie irgendeine vertragsmaessig
festgelegte Bestimmung, nach der die Arbeitnehmer des Betriebs
Gewerkschaftsmitglieder sein muessen. "Es gibt kein organisiertes Beitragszahlungs3ystem und viele, die an die Gewerkschaft
glauben und sich als Gewerkschaftsmitglied fuehlen, haben monatelang keinen Beitrag gezahlt. Ich hatte zahlreiche laengere
Besprechungen mit verschiedenen Gewerkschaftsfuehrern ueber
unser Beitragssystem und seine Arbeitsweise, stellte jedoch fest",
das dieser Gedanke fuer sie voellig neu ist."

s

Die franzoesischen Gewerkschaften sind also, um die Worte
des Gewerkschaftsfuehrers aus Marseille zu gebrauchen - " zu
sehr gespalten und zu schwach, um fuer Dinge zu kaempfen, die
ihnen zustehen." Die Regierung ist entweder nicht bereit oder
schreckt davor zurueck, strenge Preiskontroll- und Steuergesetze zu erlassen, die den Arbeitern helfen koennten. Obwohl
der Marshallplan eine grosse Hilfe bedeutet, ist die wirtschaftliche Lage des franzoesischen Arbeiters schlechter als 1939.
Es ist ein fruchtbarer Naehrboden fuer die Demagogen der Linken naemlich die Kommunisten - und die der Rechten, die Gaullisten.
Beide versprechen eine starke Regierung, und viele ueberdruessige und enttaeuschte Arbeiter folgen ihnen.
Joe Glazer sieht fuer diese kritischen Probleme nur zwei
Loesungen: "Die Anwendung moderner Produktionsmethoden und die
Schaffung einer starken Gewerkschaftsbewegung, damit die Arbeiter den ihnen zustehenden Anteil an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktion erhalten." Der Marshallplan, so betont er,
sei in beiden Richtungen eine grosse Kilfe. Die EGA arbeite
nicht nur an einem umfassenden Programm zur Unterstuetzung der
Steigerung der franzoesischen Praduktivitaet, sondern sie ist
auch staendig bemueht, den franzoesischen Gewerkschaften die
Erfahrungen und Methoden der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bei der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage .der Arbeiter zu uebermitteln.
Joe Glazer ist nicht der erste amerikanische Gewerkschaftsfuehrer, der nach Frankreich geht, um Betriebe zu besuchen und
mit Gewerkschaftsfuehrern, Betriebsraeten sowie einfachen Gewerkschaftsmitgliedern zusammenzutreffen, Gewerkschaftsfilme zu
zeigen und Gewerkschaftslieder zu singen. Er und die anderen,
die vor ihm in Frankreich waren, unternahmen nach seinen Worten
diese Reise, "um den freien franzoesischen Gewerkschaften durch
Informationen, neue Gedanken und Methoden zu helfen, tatkraeftigere Organisationen aufzubauen." Sie waren aber auch dort, um
mitzuhelfen, bei den franzoesischen Arbeitern ein besseres und
realistischeres Verstaendnis fuer die amerikanische Gewerkschafts- 8-

�bewegung und Amerika selbst zu erwecken. Und da Joe Glazer
seine Beobachtungen, die er ueber die Lage der Gewerkschaften
in Frankreich gemacht hat, seiner Gewerkschaft mitteilt und sich
mit seinen Kollegen hierueber unterhaelt, dient er noch einem
dritten Zweck: er erweckt naemlich bei amerikanischen Gewerkschaftern ein besseres Verstaendnis und Mitgefuehl fuer die Probleme ihrer Arbeitskollegen in der ganzen Welt.
Weekly Labor News Digest
711/25/51
BODENREFORM - EIN SCHLUESSEL ZUR WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG.
Die Vereinten Nationen haben in Zusammenarbeit mit der
Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft ihre erste weltweite Erhebung ueber Misstaende in der Struktur der Landwirtschaft als eines Hindernisses fuer die wirtschaftliche Entwicklung
beendet. Die Ergebnisse dieser Erhebung werden vom Wirtschaftsund Sozialrat der Vereinten Nationen im August und von der Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft auf deren Konferenz
im November behandelt werden. Man erwartet, dass durch den Bericht,
der auf Ersuchen der Generalversammlung ausgearbeitet wurde,
grosses Interesse fuer die Probleme und die Notwendigkeit der
Landreform in vielen Laendern erweckt wird.
In dem Bericht wird zu Anfang auf die bedeutende Rolle hingewiesen, die landwirtschaftliche Einrichtungen im grossen Rahmen
der landwirtschaftlichen Taetigkeiten spielen. Viele dieser Einrichtungen stellen in ihrer jetzigen Form ein Hindernis fuer die
wirtschaftliche Entwicklung und die Erzeugung von Nahrungsmitteln
dar. Zu den Grunduebeln in der Landwirtschaft gehoeren die Zerstueckelung des Grundbesitzes, die Unsicherheit des Pachtsystems,
die unzureichenden Kreditmoeglichkeiten sowie die Starrheit und
die Ungerechtigkeit des Besteuerungssystems.
Das auf der ganzen Welt am haeufigsten auftretende Problem
in der landwirtschaftlichen Struktur ist die unrentable Groesse
des Grundbesitzes. Nur in verhaeltnismaessig sehr wenig Faellen
entspricht die Groesse des Bauernhofes dem Aufwand an Arbeit, den
Erfordernissen der Bauernfamilien und dem Bedarf eines Landes an
Nahrungsmittelerzeugung. Nach diesen Punkten beurteilt sind die
Bauernhoefe entweder zu klein oder zu gross, hierbei dreht es sich
jedoch nicht nur um die Bodenflaeche. V.'ichtig ist vielmehr, dass
von den Produktionsreserven des Landes groesstmoeglicher Gebrauch
gemacht wird. Ein Bauernhof von einer bestimmten Groesse kann in
einem Land und unter gewissen Verhaeltnissen zu gross und in einem
andern Land unter anderen Verhaeltnissen zu klein sein. In vielen
Laendern, in denen die Bevoelkerungsziffer sehr hoch ist, sind zahlreiche Koefe zu klein, um selbst dem Bauern und seiner Familie ein
Unterhaltsminimum zu sichern.
Die Konzentration des Landbesitzes in grossen Guetern, wie
zum Beispiel in den meisten Teilen Asiens und des Mittleren Ostens,
fuehrt oft dazu, dass Teile grosser Gueter an kleine unabhaenrige
Paechter verpachtet werden. In anderen Gebieten, wie zum Beispiel
in Lateinamerika, sind grosse Hoefe als geschlossene Einheit im
Besitz Einzelner und werden auch als solche bewirtschaftet. Wenn
grosse Gueter in Einzelteilen von kleinen Paechtern bewirtschaftet
werden, stellen uebertrieben hohe und unveraenderliche Pachten die
groessten Schwierigkeiten dar, die der Entwicklung im Wege stehen.
Weitere Hindernisse sind die Unsicherheit der Pacht ohne jedlichen
gesetzlichen Schutz, geringe Bareinnahmen des Paechters, mit denen
er keine Investierungen vornehmen kann, und im allgemeinen der geringe Anreiz, den Ertrag zu steigern und die Einrichtungen zu ver- 9 -

�bessern. Unter diesen Umstaenden werden durch den Grossgrundbesitz nicht jene Vorteile geboten, die bei einer Bewirtschaftung im grossen und durch die entsprechenden Investierungen
moeglich-'sind. Der Landeigentuemer uebernimmt nur einen geringen Teil der Gestehungskosten, waehrend dem Paechter nur ein
geringer Teil jener Gewinne zufliesst, die man sich aufgrund
verbesserter Arbeitsmethoden verspricht.
Bei den grossen Guetern, die al3 geschlossene Einheit bewirtschaftet werden, unterscheidet man Gueter, die in wenig besiedelten Gebieten mit viel Brachland nur oberflaechlich bewirtschaftet werden, und intensiv bearbeite Grundstuecke, die
man in uebersiedelten Gebieten vorfindet, in denen ein Mangel
an geeignetem Ackerboden herrscht. In beiden Faellen werden
der Landbevoelkerung nur. unzufriedenstellende Beschaeftigungsmoeglichkeiten geboten; hierzu kommt ein geringes Verantwortungsbewusstsein und wenig Initiative seitens der Arbeitgeber,
wobei ein sehr niedriges Einkommen die Folge ist. In Lateinamerika ist eine ganze Haelfte des Ackerbodens in Pachtgrundstuecke in einer Groesse von ueber 6.000 Hektar aufgeteilt, die
Eigentumsrechte dieser Grundstuecke sind jedoch auf nur lf %
der Bauern konzentriert. Die grosse l'asse der Landbevoelkerung
setzt sich somit aus kleinen Paechtern und besitzlosen Landarbeitern zusammen. In den meisten Laendern, in denen es schlecht
bewirtschafteten Grossgrundbesitz gibt, entspricht die landwirtschaftliche Erzeugung nicht der notwendigen Erzeugung von Nahrungsmitteln. Nahrungsmittel mit hohem Naehrwert und fuer die Gesundheit wichtige Funktionen sind besonders kanpp. Derartige Wirtschaftssysteme des Grossgrundbesitzes ermoeglichen vielleicht
Wenigen einen grossen Reichtum, aber sie sind im Grossen und Ganzen nicht in der Lage, eine allgemein ausreichende Kaufkraft jenen Leuten zu bieten, die auf dem Lande leben und arbeiten. Die
Konzentration von Grundstuecken auf bestem Ackerboden zwingt
haeufig die Besitzer kleinerer Grundstuecke dazu, aermlichen
Boden an steilen Abhaengen zu bebauen, wo die Gefahr einer Bodenauswaschung sehr gross ist.
Das Plantagensystem ist in Gebieten vorzufinden, die stark
tiberbesiedelt sind. In Westindien zum Beispiel, wo auf einen
Quadratkilometer bebauten Ackerlandes 75 bis 125 Menschen kommen, trifft man meist grosse, nur schlecht ausgenutzte Plantagen
an. Was die Versorgung der schlecht ernaehrten eingeborenen Bevoelkerung betrifft, so wirft ein solches System in allen Faellen
schwierige Probleme auf. Die in den meisten Laendern bestehende
Notwendigkeit, eine gerechtere Verteilung des Gesamteinkommens
und groessere Moeglichkeiten des sozialen Fortkommens zu sichern,
ist mit diesem Plantagensystem unvereinbar. Fast ueberall, wo
das Plantagensystem in der Landwirtscnaft vorherrscht, haben Einfrucht- oder Fruchtwechselsysteme, die auf den Export ausgerichtet
sind, nachteilige Folgen fuer die wirtschaftliche Stabilitaet und
die inlaendische wirtschaftliche Entwicklung.
In engem Zusammenhang mit diesen fundamentalen Misstaenden
in der agrarwirtschaftlichen Struktur der unterentwickelten Gebiete steht die grundlegende Notwendigkeit einer Klaerung der
Besitz- und Wasserrechte. Eine Gesetzes Ordnung, die diese Rechte
nicht eindeutig und gerecht bestimmt, ist leistungsfaehigen landwirtschaftlichen Methoden wenig dienlich. Sie fuehrt zu fortgesetzten Streitigkeiten ueber die Besitzrechte, erhaelt die Unsicherheit und foerdert die Vergeudung von Land, Wasser und Arbeitskraeften.
Von den zahlreichen Hilfsmitteln, die die Bauern benoetigen,
um erzeugen zu koennen, ist keines wichtiger als angemessene
- 10 -

�Kreditmoeglichkeiten. Kleine Grundstuecksbesitzer leiden im
allgemeinen unter dem Mangel an Krediten oder unguenstigen
Kreditbedingungen staerker als Grossgrundbesitzer. Eine Ueberpruefung des Kreditsystems der Landwirtschaft in einigen unterentwickelten Gebieten hat gezeigt, dass die Zinssaetze vielerorts unvernuenftig hoch sind. In Indien zahlen Grossgrundbesitzer 12 - 15 jo Zinsen, waehrend die grosse Masse der Schuldner
zwischen 12 und 50 % und manchmal sogar bei Anleihen ohne Sicherheiten bis zu 300 L/o zahlen muss. In vielen anderen Laendern ist
durch uebertriebene Zinssaetze und Mangel an langfristigen Kreditmoeglichkeiten eine weitgehende Verschuldung der Landbevoelkerung hervorgerufen. In vielen Faellen deuten die grossen Schulden der Bauern nicht etwa auf grosse Kapitalanlagen hin, sondern
sie sind dadurch entstanden, dass mit geliehenem Geld der taegliche Verbrauch finanziert werden musste. In Ceylon sind 73 %
der Bauern verschuldet, sodass 90 % der Kredite fuer nichtproduktive Zwecke aufgenommen werden mussten.
Unkluge steuerpolitische Massnahmen hatten verheerende Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Erzeugung. In vielen unterentwickelten Gebieten der Welt besteht ein starres Steuersystem,
das auf einer unzweckmässig ausgewaehlten und nur selten verbesserten
Besteuerungsgrundlage beruht. Eine solche Besteuerung steht in
keinem Verhaeltnis zu dem Stand der Einkommen, vor allem dann,
wenn die Preise sich aendern. Waehrend wirtschaftlicher Depressionen sind die Steuern zu hoch und bei guter Wirtschaftslage zu
niedrig. Unvernuenftig hohe Steuern fuer Kleinbauern, ob sie
direkt oder indirekt erhoben werden, tragen zu einer chronischen
Verschuldung der Landbevoelkerung bei und foerdern die Tendenz,
Hypotheken aufzunehmen und die Grundstuecke an Grossgrundbesitzer
zu verkaufen.
Waehrend es verhaeltnismaessig leicht ist, ueberall die den
agrarwirtschaftlichen Einrichtungen anhaftenden Fehler festzustellen, ist es nicht so einfach, ganz bestimmte Verbesserungen
vorzuschlagen. Die meisten der erwaehnten Probleme sind gegenseitig voneinander abhaengig. Die Wirksamkeit von Reformen
haengt haeufig von gemeinsamen Massnahmer. auf vielen wechselseitig sich ergaenzenden Taetigkeitsgebieten ab. Bestimmte durchfuehrbare Reformen sind verhaeltnismaessig einfache Massnahmen,
die in den meisten Faellen ohne eine grundlegende Veraenderung
de-r wirtschaftlichen und sozialen Struktur der Landwirtschaft angewendet werden koennen. Hierzu gehoeren die Vereinheitlichung
zerstueckelter Grundstuecke einzelner Bauernhoefe, um eine groessere Leistungsfaehigkeit zu gewaehrleisten, die genaue Bestimmung und Registrierung von Besitz- und Wasserrechten, eine Reform
des Steuersystems, um ihm eine gerechtere und geschmeidigere
Grundlage zu geben, die Bereitstellung von langfristigen Krediten
bei angemessenen Zinssaetzen und die Verbesserung des Schulungsund Beratungswesens auf dem Lande. Wenn auch die Durchfuehrung
der Programme dieser Art keineswegs einfach ist, so stehen doch
hier genuegend Erfahrungen zur Verfuegung, die eine gute Gewaehr
dafuer bieten, dass man solche Reformen, wenn sie richtig angepackt werden, mit Erfolg durchfuehren kann.
An vielen Stellen, wo wirtschaftliche und soziale Probleme
am dringendsten sind, werden einschneidendere und schwierigere
Reformen notwendig. Die meisten dieser Reformen erfordern eine
Uebertragung der Besitzrechte von Grundbesitzern auf Bauern. In
den vergangenen Jahrzehnten haben mehrere Laender umfassende Reformen dieser Art verwirklicht. Das Ausmass dieser Umwaelzungen
geht aus der Tatsache hervor, dass zum Beispiel in Indien bis zum
Januar 1950 1.800.000 Hektar (mehr als ein Drittel der gesamten
Anbauflaeche) in den Besitz von Bauern ueberfuehrt wurden, und
- 11 -

�dass drei Millionen Bauern nach.den neuen Gesetzen Land gekauft
hatten. In Mexiko, wo das Pachtsystem in der Zeit von 1922 bis
1945 einer grundlegenden Aenderung unterzogen worden war, ist
nahezu die Haelfte der gesamten Anbauflaeche (sieben Millionen
Hektar) in Kleinbauernbesitz uebercegangen.
Zu diesen Massnahmen, die in verschiedenen Laendern ergriffen
wurden, gehoeren auch die Einfuehrung und UnterstuetzUng der
bäuerlichen Erzeugungs- und Absatzgenossenschaften. In ihnen
ist ein hoeehst bedeutsames Mittel zur Verbesserung des bestehenden Agrarsystems zu sehen. Bestimmte Arten der Bewirtschaftung
auf genossenschaftlicher Basis haben ebenfalls gute Ergebnisse
durch die Foerderung der Schaffung neuer Einrichtungen im Anschluss
an die Bodenreform gezeitigt. Bauerngenossenschaften arbeiten
ueberall dort mit guten Erfolgen, wo die Bodenreform bereits durchgefuehrt ist. Durch Grosseinkauf und zentralisierten Absatz koennen die Genossenschaften ihren Mitgliedern wesentliche finanzielle
Vorteile bieten. Die baeuerlichen Genossenschaften foerdern zugleich die Spezialisierung sowie die Normung und erhoehen damit
die Leistungsfaehigkeit.
Die grundlegendsten Massnahmen, die zur Beseitigung gewisser
Maengel in den Landwirtschaftssystemen angewendet werden, haben
wesentliche Veraenderungen im Umfang und der Art der Erzeugung
zur Folge. In vielen Gebieten, in denen unguenstige Naturbedingungen herrschen, vor allem in solchen mit trockenem oder tropischem Klima, ist es schwer, ohne besondere Unterstuetzung der
Regierung eine Umgestaltung der landwirtschaftlichen Struktur
durchzufuehren, die sich auf kleine unabhaengige Grundstuecke
erstreckt. In solchen Gebieten muessen Bodenreformmassnahmen
Teil eines umfassenden Entwicklungsplanes sein, der in Gestalt
geschlossener regionaler Entwicklungsprogramme, einer grosszuegigen Investierung-, gemeinsamer Bemuehungen zur Ausnutzung von
Land und Wasser, der Bekaempfung der Bodenerosion, grossangelegter Bewaesserungsprojekte sowie der Erweiterung des Transportwesens verwirklicht wird.
In den ueberbevoelkerten Gebieten der Welt koennte das Landwirtschaftssystem auf engraeumige, intensive Bewirtschaftung umgestellt werden, wie zum Beispiel die Baumwollerzeugung. Solche
Massnahmen sind zusammen mit der Bodenreform wichtig, weil die
^volle wirtschaftliche Entwicklung auf breiter Front durchgefuehr-t
'werden muss. Wenn Agrarreformen allein durchgefuehrt werden, ohne
dass auch anderen Sektoren des Wirtschaftssystems Beachtung geschenkt wird, ist es moeglich, dass diese Reformen erfolglos bleiben. Genau so kann man auch nicht erwarten, dass die industrielle
Entwicklung, der in den meisten unterentwickelten Gebieten jetzt
hoechste Aufmerksamkeit geschenkt wird, erfolgreich verlaeuft,
wenn der Lebensstandard der baeuerlichen Bevoelkerung nicht verbessert wird, und wenn' das durch die Industrialisierung zusaetzlich
geschaffene Einkommen auf der anderen Seite durch landwirtschaftliche Pachten und Zinsen absorbiert und nicht zur Steigerung des
Lebensstandards der Landbevoelkerung verwendet wird. Es darf
weiterhin nicht uebersehen werden, dass durch Agrarreformen, die
die Einkommensverteilung aendern und die landwirtschaftliche Erzeugung steigern, eine Ausdehnung der Industrie ermoeglicht wird,
die dann eine zusaetzliche industrielle Kaufkraft erzeugen und
neue eigene Absatzmaerkte schaffen kann. Auf diesem Wege ist die
Reform eines mangelhaften Agrarsystems ein Schluessel zum wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt.
Der Bericht enthaelt am Schluss bestimmte Empfehlungen an Regierungen in solchen Laendern, in denen die agrarpolitischen.Verhaeltnisse "ein Hindernis fuer die wirtschaftliche Entwicklung dar- 12 -

�stellen." Diese Regierungen werden aufgefordert, agrarpolitische Probleme im Lichte ihrer eigenen wirtschaftlichen und
sozialen Ziele zu studieren und sich bei wichtigen Entscheidungen auf gruendliche wissenschaftliche Untersuchungen zu
stuetzen. Es wird ausserdem empföhle», die einschlaegigen
Erfahrungen anderer Laender zu studieren. Den Regierungen
wird die Moeglichkeit vor Augen gefuehrt, sich der Einrichtung
der Vereinten Kationen und ihrer Fachbehoerden zu bedienen,
jedoch nur unter der Bedingung, dass sie bereits selbst Massnahmen in dieser Richtung ergriffen haben und die zur Verfue^ung
stehenden Mittel fuer weitgehendere Plaene der wirtschaftlichen
Entwicklung verwenden.
Economic and Social Problems
in the United Nations
VIII/51
VEREINTE NATIONEN BESCHAEFTIGEN SICH MIT DEM WOHNRAUMPROBLEM IN
ASIEN.
Wie eine Mission von Sachverstaendigen, die vom Sozialrat
der Vereinten Nationen zusammengestellt wurde, vor kurzem berichtete, stellen die "in Asien vorliegenden Verhaelthisse die
schwierigsten Wohnraumprobleme der Walt dar". Die Mission besuchte Indien, Pakistan, Malaya, Singapur und Thailand. Ihr
Bericht enthaelt auch ein Kapital ueber die Philippinen, das von
einem philippinischen Experten ausgearbeitet wurde.
Nach den Schaetzungen der Mission leben 100 bis 150 Millionen asiatischer Familien in ueberbelegten, ungesunden und
schlechten Unterkuenften. Ein grosser Prozentsatz dieser Menschen ist in Wohnungen zusammengepfercht, deren Einzelzimmer
zwei oder noch mehr Familien beherbergen.
Hauptsaechlich in Indien, Pakistan und Malaya ist dieses
Problem zum Teil durch die Millionen von Fluechtlingsfamilien
bedingt, die unter menschenunwuerdisren Bedingungen in behelfsmaessigen Lehmhuetten wohnen. Die Einwohnerzahl von Delhi zum
Beispiel ist in der Zeit von 1947, als die Teilung des Landes
stattfand, bis heute von 800.000 auf 1.600.000 angewachsen, von
denen rund 500.000 Fluechtlinge sind. Aehnlich liegen die Verhaeltnisse in Kalkutta, das 1945 2.500.Q00 Einwohner zaehlte und
heute an die fuenf Millionen hat, von denen rund zwei Millionen
Fluechtlinge sind, die nach 1947 in die Stadt kamen. Auch in
Malaya sind die Verhaeltnisse aehnlich, wo die Zusammenballung
von Menschen in den Staedten waehrend des Krieges noch beschleunigt
wurde, als die Landbevoelkerung vor den auf der malaiischen Halbinsel vordringenden Japanern in die Staedte wie zum Beispiel
Singapur fluechtete.
Aehnlich sind die Probleme auf den"Philippinen. Etwa 80 c/o aller Gebaeude in Manila, von denen ueber die
Haelfte Wohnhaeuser waren, wurden waehrend des Krieges zerstoert
oder beschaedigt.
Die Experten berichten ferner, dass die Verhaeltnisse in den
Doerfern und Landbezirken ebenso schlecht und ungesund sind. 85 %
der Bewohner der besuchten Laender leben auf dem Lande. Die bedeutendste Folgeerscheinung dieser Verhaeltnisse ist die Tatsache,
dass Krankheiten wie Tuberkulose, Cholera und Lungenentzuendung
nicht bekaempft werden koennen.
Die Mission stellte fest, dass ein grosser Teil der Wohnbauund Gemeindeentwicklungsprojekte, die waehrend der letzten zwanzig
Jahre von den staatlichen und lokalen Behoerden versuchsweise durch- 13 -

�gefuehrt wurden, sich als falsch erwiesen und viel Vergeudung,
Verwirrung und Entmutigung verursacht haben. Es gab ein paar
gut ausgearbeitete Projekte zur Verbesserung der Wohnverhaeltnisse in diesen Gebieten, jedoch konnten diese Laender nicht
die Kosten fuer diese Programme bestreiten, deren Verwirklichung
fuer alle schlecht untergebrachten Familien auf dem Lande und
in der Stadt eine wesentliche Verbesserung der Wohnverhaeltnisse bedeutet haette.
Die Mission empfahl unter anderem, dass die Vereinten
Nationen ein Programm internationaler Zusammenarbeit auf dem
Gebiet des Wohnbaus und der Staedte- und Landplanung entwickeln.
Sie brachte hierbei die Auffassung zum Ausdruck, dass sich
internationalen Organisationen eine grossartige Gelegenheit
boete, wirksam fuer die Verbesserung der Wohnverhaeltnisse zu
arbeiten, indem sie ihre Taetigkeit auf Projekte und Programme
konzentrieren, die sich auf das Erziehungswesen, die Volksgesundheit und Hygiene, die Foerderung der Landwirtschaft und der
sozialen Verhaeltnisse auf dem Lande, die Entwicklung von Bewaesserungs- und Stromerzeugungsanlagen und auf die industrielle
Entwicklung erstrecken. Angesichts des grossen Interesses fuer
eine technische Untarstuetzung des Wohnhaus und der Gerne inaeentwicklung, das man in den besuchten Laendern an den Tag gelegt
hat, forderte die Mission die Vereinten Nationen auf, im Zuge
ihres technischen Unterstuetzungsprogramms wirksame Arbeit auf
diesem Gebiet zu leisten.
Aufgrund der Empfehlungen der Mission schlug der Sozialrat
vor, im Rahmen des technischen Unterstuetzungsprogramms der
Vereinten Nationen Ausbildungsinstitute zur Schulung von Bautechnikern und Bauingenieuren in Sued- und Soedostasien zu
errichten und Schulungskurse ueber einfache Baumethoden in die
Srziehungs- und Gemeindeentwicklungsprogramme der Vereinten
Nationen zu uebernehmen, die in den Lehrplaenen bereits vorgesehen sind. Der Sozialrat empfahl ausserdem, dass man sich vor
allem der Vorbereitung besonderer Studien ueber die Wohnbaufinanzierung, den Entwurf von Wohnbauprogrammen und die Staedteplänung widmen solle. Diese Arbeit wuerde in Zusammenarbeit mit
den regionalen Wirtschaftskommissionen der Vereinten Nationen
durchgefuehrt werden - der Wirtschaftskommission fuer Asien und
den Fernen Osten, fuer Lateinamerika und fuer Europa.
Economic and Social Problems
in the United States
VIII/51
WELTGESUNDHEITS ORGANISATI PN 3EKAEMPFT MALARIA IN INDIEN.
Die Malaria, der Weltfeind Nummer Eins der Volksgesundheit,
befaellt alljaehrlich in Indien eine von je vier Personen. Zu
Beginn des Jahres 1949, kurz nachdem die Weltgesundheitsorganisation ihre weltumspannende Attacke gegen diese Krankheit begonnen hatte, bat die indische Regierung die Weltgesundheitsorganisation und den Internationalen Kinderhilfsfonds, vier Arbeitsgruppen zur Verfuegung zu stellen, die in vier verschiedenen Gebieten
Anleitungen zur Bekaempfung dieser Krankheit geben sollten. Die
erste Gruppe begann mit einem Ueberwachungsprogramm in der Provinz Mysore an der Suedwestkueste Indiens. Die kleine Gruppe
setzte sich aus Paul Bierstein, einem amerikanischen Volksgesundheit sexperten, seiner Frau und einigen indischen Fachleuten zusammen. Bierstein- war schon vorher als Mitglied einiger Malariastudiengruppen in Griechenland, Aethiopien und Jugoslawien taetig.
Ein Bericht ueber seine zweijaehrige Arbeit in Mysore beleuchtet

- 14 -

�einige dieser Probleme, die bei der Durchfuehrung seines Gesundheitsprogramms ueberwunden werden mussten und die Dienste,
die den Menschen in Indien damit erwiesen wurden.
Die wichtigste Aufgabe bestand darin, den einheimischen,
auf dem Gebiet der Volksgesundheit Beschaeftigten die modernen
Methoden zur Bekaempfung der Malaria zu zeigen, fuer die Ueberwachung der Krankheit unter moeglichst niedrigem Kostenaufwand
zu sorgen und eine staendige Organisation zu errichten, die
diese Methoden nach Beendigung der Anleitungsperiode selbstaendig anwenden kann.
Die Gruppe arbeitete in einem Gebiet von 70 Quadratkilometern Umfang mit einem grossen landwirtschaftlichen Potential
und einer Bevoelkerung von rund 140.000 Menschen. Die Gemeinden waren in ihrer Groesse sehr verschieden - von kleinsten
Doerfern mit einigen Dutzend Bewohnern bis zu Staedten mit 5.000
bis 25.000 Bewohnern. Oftmals gab es fuer Gemeinden mit 10.000
und mehr Einwohnern keine ortsansaessigen Aerzte, Krankenschwestern oder Krankenhaeuser. In einigen Faellen war der
naechste Ort, an dem aerztliche Hilfe geleistet werden konnte,
40 bis 50 Kilometer entfernt. Die Benachrichtigungsmoeglichkeiten waren sehr duerftig. Sechsmonatige jaehrliche Regenperioden mit einer Niederschlagsmenge von 750 Zentimetern erschwerten nicht nur den Transport, sondern vermehrten auch die
Brutstaetten der malariauebertragenden Moskitos. Viele Doerfer
waren waehrend der Regenperiode ueberhaupt nicht zu erreichen.
Da man den rueckstaendigsten Teil des Staates Mysore zur Durchführung der Aufklaerungskampagne ausgesucht hatte, hatte man
es hauptsaechlich mit aberglaeubischen Menschen ohne jede Schulausbildung zu tun, die noch immer unter dem Kastensystem lebtenUeberbleibsel einer Ordnung, die in den groesseren Staedten
schnell verschwindet.
Eines der Hauptprobleme der Gruppe bestand darin, das Vertrauen der Dorfbewohner zu gewinnen. Diese Aufgabe fiel vor
allem Frau Bierstein und den daenischen Krankenschwestern zu,
die sich der Gruppe spaeter anschlössen und die Vorhut der
daenischen Gesundheitsinspektoren und Arbeitsgruppen bildeten,
die durch Spruehungen den gefaehrlichen Insekten zu Leibe gingen.
Sie belehrten die Landbevoelkerung darueber, wie sie ihre
Wohnungen zum Bespruehen vorbereiten muessen, und wie man Lebensmittel ,und Kleidung behandeln muss. Zuvor hatte die Gruppe
die Grundbegriffe der dortigen Sprache erlernen muessen, um den
Leuten erklaeren zu koennen, dass die Malaria durch eine gewisse
Art Moskitos uebertragen wird. Sie zeigten ihnen, wie malariauebertragende Moskitos aussehen, und wo sich ihre typischen
Brutstaetten befinden. Nach Erledigung dieser Aufgabe gingen
an Ort und Stelle ausgebildete Bekaempfungstruppen daran, die
Innenwaende der Wohnungen und die Verstecke der Moskitos rund um
die Wohnungen zu bespruehen.
Weil gerade Kinder fuer Malaria besonders anfaellig sind,
was durch Unterernaehrung und Lungenerkrankungen noch beguenstigt
wird, widmete man sich ganz besonders Gesundheitsproblemen von
Mutter und Kind. Die Schwestern und Hebammen beschaeftigten sich
besonders mit Schulkindern. Viele Kinder hatten Laeuse, Kraetze
und Hautinfektionen. Man lehrte die Muetter Sauberkeit, baute
Latrinen und zeigte den Kindern, wie man sie in hygienischer
Weise benutzt. Schulbaeder wurden gebaut, wo die Kinder mit Hilfe der Lehrer und Schwestern taeglich badeten. Freiwillige Gruppen lieferten jede Woche saubere und sterile Handtuecher fuer
die Kinder. Bald verschwanden Kraetze und Laeuse. Mit Mangezweigen improvisierte man Zahnbuersten und erklaerte den Kindern,
- 15 -

�wie sie ihre Zaehne outzen muessen. Die Dorfbev;ohner lehrte
man, Seife aus einer fetthaltigen Nuss herzustellen, die in
diesen Gebieten im Ueberfluss gedeiht.
Waehrend des Aufenthaltes der Gruppe in Indien kam es in
diesem Gebiet zu einem epidenieartigen Ausbruch der Pest. Die
Gruppe "stellte sich sofort auf die Bekaempfung der Pest um.
Sineftoche,nachdem sie ihre Flohbekaempfungsaktion mit Spruehmitteln beendet hatte, die genau so ausgefuehrt wird wie die
Bekaempfung der malariauebertragenden Moskitos, wurden keine
weiteren Erkrankungen mehr gemeldet. Die Leute hatten vor der
Pest weit mehr Ang3t als vor der Malaria, sodass sie von dieser
Bekaempfungsaktion der Gruppe noch staerker beeindruckt wurden
als von ihrer Arböit zur Unterdrueckung der Malaria. Die Pestbekaempfungsaktion wurde mit einem Kostenaufwand von 3£ Gents
pro Kopf der Bevoelkerung durchgeführt. Im Staate Mysore
wendet man seitdem die von der Gruppe vorgefuehrten Methoden
zur Pestbekaempfung planmaessig an.
Um die Menschen in diesem Gebiet vor der Malaria zu schuetzen und diese Krankheit tatsaechlich vollkommen auszumerzen,
benoetigt man jaehrlich schaetzungsweise 12 Gents pro Person.
Als die Gruppe in diesem gefaehrlichen Gebiet ankam, stellte
sie fest, dass viele Bauern mitten in der Erntezeit nicht auf
dem Felde waren, sondern malariakrank zu Hause lagen. Als sie
die Gegend verliessen, waren alle Bauern auf dem Felde und
konnten ihre schwere Tagesarbeit verrichten. Die Malaria war
derart zurueckgegangen, dass sie kein Volksgesundheitsproblem
mehr darstellte, und die oertlichen Arbeitsgruppen, die von der
internationalen Studiengruppe ausgebildet wurden, blieben
aeusserst wachsam, um ein V.'iederauf treten der Krankheit zu verhindern. Die Dorfbewohner, fuer die einst die Malaria eine
Begleiterscheinung des taeglichen Lebens war, die generatiunenlang immer sozusagen heimisch war und immer wieder auftrat,
haben heute fast vergessen, dass sie einmal von dieser Krankheit schwer heimgesucht waren. Einer der sichtbaren Beweise
fuer die Veraenderung im Landleben ist die Tatsache, da-~ss die
Arbeiter ihre Tagesarbeit frueher und schneller beenden und nicht
mehr so sehr auf die liilfe ihrer Kinder auf den Feldern angewiesen sind. Dadurch besuchen mehr Kinder die Schule, wo die
Gesundheitserziehungsprogramme von einheimischen, gruendlich
ausgebildeten Schwestern durchgefuehrt werden.
7/enn einmal ein Malariabekaempfungsprorramm angelaufen und
ortsansaessiges Personal zur Fortfuehrung der Arbeit ausgebildet
ist, setzen sich die oertlichen Regierungsstellen mit allen
Mitteln fuer eine Fortsetzung der Malariabekaempfungsprogramme
ein.
Es ist eines der vielen Programme, die von der Veitgesundheitsorganisation und dem Kinderhilfsfonds durchgefuehrt werden
und zur Verwirklichung, eines der Grundziele dieser Organisationen
beitragen: die Volksgesundheitseinrichtungen zu verbessern,
indem man die Menschen zu der Sehnsucht erzieht, in einer gesunden Umgebung zu leben.
Economic and Social Problems
in the United Nations
VIII/51

- 16 HICOO 28 tut 51 18351 « II

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der F mexikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 34

Frankfurt,

24 August 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Zuschlagiahlungssysteme in den Vereinigten
Staaten

1

"Dreiseitige Partnerschaft" - Eine neue
Moeglichkeit zur Loesung von Lohnkonflikten .*

3

Technische Zusammenarbeit mit Lateinamerika

6

Amerikanische Hilfe fuer Europas Arbeiter

8

Amerikanische Wohltaetigkeitsorganisationen
beschaeftigen sich mit der Lage minderbemittelter Familien

10

Bologna - Ein Beispiel fuer den Wiederaufbau
Italiens.

11

AFL fordert Massnahmen zur Kontrolle der
Inflation
'.

12

AFL-Funktionaere fordern intensivere politische
Anteilnalune

13

ZUSCHLAGZAHL1N3SSYSTEME IN DEN VEREINIGTEN STAATEN.

Die 40-stuendige Arbeitswoche und der achtstuendige Arbeitstag sind Beschaeftigungsnormen, die fuer die Mehrzahl der amerikanischen Arbeiter sichergestellt sind. Aufgrund der kurzen Arbeitszeit und des hohen Lebensstandards steht dem amerikanischen
Arbeiter viel Freizelt fuer seine Fortbildung und seine Erholung
zur Verfuegung.
Eingeengte Arbeitsmaerkte und die Erweiterung der Produktion erfordern jedoch eine Beschaeftigung ueber die regulaere

- 1 -

�Arbeitswoche und den Arbeitstag hinaus. Besondere Zuschlagszahlungen werden deshalb an alle laenger arbeitenden Arbeitnehmer geleistet, um sie fuer die Beschwerlichkeiten und Unannehmlichkeiten der Ueberstundenarbeit zu entschaedigen.
Die Entwicklung der Zuschlagszahlungsmethoden und ihre verschiedenartige Anwendung werden in einem Artikel analysiert, der
unter der Ueberschrift "Premium Pay: Analysis of Industrial
Practices" (Zuschlagszahlung: Analyse der industriellen Praxis)
in der Septemberausgabe des vom statistischen Buero des US-Arbeitsministeriums veroeffentlichten "Monthly Labor Review"
erscheint.
Vor dem Zweiten Weltkrieg war es dank des Fortschritts der
gewerkschaftlichen Organisation und der Lohn- und Arbeitsstundengesetzgebung moeglich, das Ausmass der Zuschlagszahlungen zu
erweitern. Das Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen aus dem Jahre
1938 ging in dieser Richtung sehr weit. Die "eineinhalbfache"
Verguetung fuer die Arbeitszeit, die ueber die 40-Stundenwoche
hinaus geleistet wird, wurde fuer die meisten Arbeitnehmer gefordert, die unter die Bestimmungen des Gesetzes fielen. Nach
dem Walsh-Healy Gesetz fuer sogenannte Vertragsfirmen, das im
Jahre 1936 erlassen wurde, erhalten alle Arbeitnehmer, deren
Firmen an bundesstaatlichen Auftraegen arbeiten, Ueberstundenzuschlaege fuer jede Arbeit, die ueber den* achtstuendigen Arbeitstag oder die 40-stuendige Arbeitswoche hinaus geleistet wird.
1941 waren die Bestimmungen ueber Zuschlagszahlungen in der
Mehrzahl der Industrien der Massenproduktion rechtsgueltig.
Ueberstundenzuschlaege fuer jegliche Arbeit ueber 40 Stunden in
der Woche oder ueber acht Stunden am Arbeitstag waren allgemein
ueblich. In Tarifvertraegen wurden ausserdem besondere Zuschlagszahlungen fuer Feiertagsarbeit vorgesehen. Fuer Arbeit an bezahlten Feiertagen wurde der doppelte Lohn gezahlt, waehrend die
Arbeit an nichtbezahlten Feiertagen mit doppeltem oder eineinhalbfachem Lohn verguetet wurde. 1942 waren in der Mehrzahl der
Tarifvertraege Bestimmungen ueber Sonnabend- und Sonntagszuschlaege
in eineinhalbfacher bzw. doppelter Hoehe der normalen Loehne vorzufinden. Eine Ausnahme bildeten lediglich die Industrien, in
denen durchgehend gearbeitet wird.
Waehrend der Jahre 1948 und 1949 war es allgemein ueblich,
Ueberstundenarbeit auf Tagesbasis zu berechnen. Diese Methode
ist auch heute noch im allgemeinen ueblich. Das Prinzip der
woechentlich berechneten Ueberstundenarbeit hat, wenn es in bestimmten Industrien auch heute noch in der Lohnkalkulation angewendet wird, an Bedeutung verloren. Bei beiden Methoden ist die
eineinhalbfache Verguetung der Ueberstundenarbeit gebraeuchlich.
Nur wenige Industrien zahlen Zuschlaege bei weniger als aoht Arbeitsstunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche. In der Bekleidungs-,
Druckerei-, Telefon-, Telegrafen- und Bauholzindustrie beginnt
die Verguetung von Ueberstundenarbeit bereits bei 30 bis 37^stuendiger Arbeitswoche und einem unter acht Stunden liegenden
Arbeitstag.
Auch Bueroangesteilte erhalten bestimmte Zuschlaege fuer
Ueberstundenarbeit. Auch hier ist das Grundgehalt nach der festgesetzten 40-stuendigen Arbeitswoche berechnet, und jede zusaetzliche Arbeitsstunde pro Woche wird mit einem Zuschlag von 50 %
verguetet. Eine Ausnahme bilden die Herstellerindustrien, in
denen die Ueberstundenarbeit auf Tagesbasis berechnet wird.
Die Zuschlagszahlung fuer Arbeit an Sonnabenden, Sonntagen
- 2 -

�und Feiertagen ist verschiedenartig und entspricht den
charakteristischen Unterscheidungsmerkmalen der einzelnen
Industrien. Im allgemeinen ist fuer die Arbeit an Sonnabenden
eine eineinhalbfache Bezahlung vorgesehen. In einigen Tarifvertraegen wird dabei die Bedingung gestellt, dass die Arbeiter
zuvor eine vollstaendige 40-stuendige Arbeitswoche mit fuenf
Arbeitstagen hinter sich gebracht haben. In den meisten Abmachungen ist fuer Sonntagsarbeit eine doppelte Bezahlung vorgesehen. Was andere Feiertage betrifft, so enthalten fast alle
Vertraege Bestimmungen, nach denen sie eingehalten werden, aber
nur 58 &lt;jb der Vertraege sehen eine regulaere Bezahlung der Feiertage vor, an denen nicht gearbeitet wird. Die Arbeit an Feiertagen wird gewoehnlich mit doppeltem Lohn verguetet, in einigen
Faellen wird sogar der zweieinhalbfache und dreifache Lohn
gezahlt.
In Industrien, die durchgehend arbeiten, sind fuer die
zweite und dritte Schicht Stundenlohnzuschlaege von vier bzw.
sechs Cents vorgesehen.
Durch den Zweiten Weltkrieg wurde es notwendig, die durchgehende Schichtarbeit einzufuehren, das Fehlen am Arbeitsplatz
moegli-chst einzuschraenken und die Leistungsfaehigkeit zu steigern.
Um diese Ziele erreichen zu koennen, wurde in einer im Jahre 1942
erlassenen Anordnung, die waehrend des ganzen Krieges gueltig war,
bestimmt, dass jede Ueberstundenarbeit bei mehr als acht Stunden
pro Tag und mehr als 40 Stunden pro Woche und jede Arbeit am
sechsten Tag einer festgesetzten Arbeitswoche mit eineinhalbfachem Lohn verguetet wird. Fuer die Arbeit an sechs Feiertagen
ist der gleiche Zuschlag vorgesehen, fuer die Arbeit am siebten
Tag einer festgesetzten Arbeitswoche wird die doppelte Bezahlung
gewaehrt. Diese Anordnung bedeutet eine Abkehr von der vor dem
Krieg ueblichen Methode, den Zuschlag fuer jegliche Ueberstundenarbeit mit Ausnahme des siebten Arbeitstages in einer Woche auf
50 # des Normallohnes zu beschraenken.
Das gegenwaertige Verteidigungsprogramm in den Vereinigten
Staaten hat sich auf die Frage der Ueberstunden-, Schicht-,
Wochenend- und Feiertagsbezahlung entscheidend ausgewirkt. Von
verschiedenen interessierten Seiten wurde vorgeschlagen, fuer die
Dauer der kritischen Zeit die Ueberstundenbezahlung abzuschaffen.
Charles E. Wilson, der Leiter der Verteidigungsmobilisierung, hat
diesen Standpunkt abgelehnt und sich fuer die Beibehaltung der
Zuschlagszahlungen fuer eine laengere als eine 40-stuendige Arbeitszeit in der Woche mit der Begruendung eingesetzt, dass die
Abschaffung der Ueberstundenzuschlaege ndas Lohnstabilisierungsprogramm und die Wechselbeziehungen in der Industrie im allgemeinen erschuettern wuerde".
Weekly Labor News Digest
VIII/8/51
"DREISEITIGE PARTNERSCHAFT"
L05SUNG VCN LOHNKONFLIKTEN7

-

EINE NEUE MPEGLICHKEIT ZUR

Der amerikanische Kongress beschaeftigt sich zurzeit erneut
mit der dreiseitigen Zusammensetzung des amerikanischen Lohnstabilisierungsausschusses, dem Vertreter der Gewerkschaften,
der Unternehmer und der Regierung angehoeren, die die Aufgabe
haben, in kritischen Zeiten eine Lohnstabilisierung herbeizufuehren und vorhandene Streitigkeiten beizulegen. Aus der Zusammensetzung dieses Gremiums hat sich der speziell amerikanische
Ausdruck "Dreiseitige Partnerschaft1* gebildet, der bereits zu

- 3-

�einem feststehenden Begriff auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen zwischen diesen drei Partnern geworden ist.
Wingate H. Lucas" (Demokrat, Texas) hat als Mitglied des
Repraesentantenhauses nach mehrwoechigen Untersuchungen eines
Unterausschusses eine Abaenderung des Gesetzes fuer die Verteidigungsproduktion vorgeschlagen, die, wenn sie gebilligt
wuerde, eine einschneidende Veraenderung der Zusammensetzung
des Lohnstabilisierungsausschusses bedeuten wuerde.
Der Ausschuss setzt sich in seiner jetzigen Form aus 18
Mitgliedern zusammen, die das Unternehmertum, die Gewerkschaften
(je drei des CIO und der AFL) und die Regierung paritaetisch vertreten. Die Mitglieder, die nicht die Regierung vertreten
werden von Praesident Truman ernannt, nachdem sie von den Gruppen,
die sie repraesentieren, nominiert wurden. Die Regierungsmitglieder werden von den uebrigen Mitgliedern als "unparteiisch*?
akzeptiert; auch alle uebrigen wichtigen Berufungen in den Lohnstabilisierungsausschuss werden von den Vertretern der beteiligten
Gruppen auf ihre Unparteilichkeit hin geprueft.
Der Lohnstabilisierungsausschuss, der der Verwaltung fuer
wirtschaftliche Stabilisierung untersteht, hat die Aufgabe, Richtlinien zur Lohnstabilisierung auszuarbeiten, diese Richtlinien
zu verwirklichen und die Einhaltung ihrer Bestimmungen durchzusetzen. Er hat ausserdem die Befugnis, Streitigkeiten beizulegen.
Nach der Gesetzesvorlage von Lucas wuerde sich der neue Ausschuss in seiner Mehrheit aus Vertretern der Regierung zusammensetzen. Er haette nicht mehr das Recht, Lohnbestimmungen zu erlassen, sondern seine Taetigkeit bliebe darauf beschraenkt, Richtlinien hierfuer auszuarbeiten und diese dem Administrator fuer die
wirtschaftliche Stabilisierung zu unterbreiten. Eine dritte
wesentliche Veraenderung waere die Beseitigung zumindest eines
grossen Teiles der Schlichtungsbefugnisse des Ausschusses.
Der Vorschlag, im Lohnstabilisierungsausschuss eine klare
Mehrheit der Regierungsmitglieder zu bilden, ist von dem gegenwaertigen Lohnstabilisierungsausschuss mit der Begruendung angegriffen worden, dass damit die dreiseitige Funktion des Ausschüsse" zerstoert wuerde. Die "Dreiseitige Partnerschaft" sei
bestrebt, die demokratischen Werte des freien Tarifverhandlungswesens zu erhalten, soweit dies waehrend einer Krisenperiode
ueberhaupt moe&lt;?:lich sei. Der Lohnstabilisierungsausschuss argumentiert weiter, dass eine der groessten Staerken der amerikanischen Lebensweise die bewiesene Faehigkeit der Gewerkschaften
und Unternehmer ist, ihre Probleme in Zusammenarbeit mit der
Regierung, aber nicht unter der Bevormundung der Regierung zu
loesen.
Wenn es in :ritischer Zeit im Interesse der Oeffentlichkeit
notwendig wird, den Partnern die Befugnis, endgueltige Entscheidungen zu treffen, zu entziehen, so muss die Regierung unter allen
Umstaenden bestrebt sein, jene grundlegenden Werte der Selbstbestimmung, wozu auch das Tarifverhandlungswesen gehoert, in die
Zukunft hinueberzuretten. In einer Krise muss die Regierung ein
echter Treuhaender fuer die Freiheiten der Partner sein. Es ist
deshalb fuer die Regierung erforderlich, so zu handeln, dass nach
Beendigung der Krise diese Freiheiten mit einem Minimum an Schaden
von den Partnern wieder uebernommen werden koennen.
George W. Taylor, der Vorsitzende des LohnstabilisierungsaussGhusses erklaerte, die Gesetzesvorlage von Lucas wuerde der
erfolgreichen dreiseitigen Zusammenarbeit im Ausschuss ein Ende

�bereiten und ihn zu einer "ftegierungsmaschinerie" stempeln.
Eine paritaetische dreiseitige Vertretung der Interessengruppen
im Ausschuss ist jedoch fuer die gute Zusammenarbeit im Stabilisierung sprogramm absolut notwendig.
Das Prinzip der dreiseitigen Partnerschaft ist in kritischen
Zeiten in den Vereinigten Staaten wiederholt angewendet worden.
Es wurde zum erstenmal verwirklicht, als der amerikanische Arbeitsminister waehrend des Ersten Weltkrieges einen dreiseitigen Beratungsausschuss ernannte. Dieses Gremium hatte den Vorschlag
gemacht, die Vereinigten Staaten sollen waehrend ihrer Teilnahme
am Kriege einen dreiseitigen Ausschuss zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und zur Vermeidung von Aussperrungen und Streiks ernennen. Hierauf wurde
die Nationale Arbeitsbehoerde fuer die Kriegszeit gebildet, die
sich aus fuenf Vertretern der Gewerkschaften, fuenf Vertretern
der Unternehmer und zwei Beisitzern als Vertreter der Regierung zusammensetzte.
Auch Praesident Wilsons Nationale Konferenz ueber industrielle
Fragen, die im Jahre 1919 abgehalten wurde, wurde ebenso wie die
nach dem Zweiten Weltkrieg von Praesident Truman einberufene Konferenz aus Vertretern der drei Interessengruppen zusammengestellt.
Es ist Samuel Gompers, dem ersten Vorsitzenden der APL, zuzuschreiben, eine dreiseitige Zusammensetzung der Internationalen Arbeitsorganisation vorgeschlagen zu haben, die mit seiner Unterstuetzung
auf der Friedenskonferenz in Versailles gegruendet wurde.
Der Arbeitsausschuss der Elsenbahnen (1920-1926) war ebenfalls
dreiseitig zusammengesetzt. Nach dem Nationalen Gesetz fuer die
industrielle Wiederaufrichtung war der Nationale Arbeitsausschuss,
der waehrend der ersten Amtsperiode Praesident Roosevelts zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten gegruendet wurde, ebenso wie
mehrere der besonderen Industrieausschuesse dreiseitig ausgerichtet,
die nach dem gleichen Gesetz Ins Leben gerufen wurden.
Waehrend des Zweiten Weltkrieges wurde die Zusammenarbeit der
drei Partner auch in dem Nationalen Schlichtungsausschuss, dem
Nationalen Arbeitsausschuss in der Kriegszelt und dem Nationalen
Lohnstabi11sierungsausschuss verwirklicht. Seit 1945 haben verschiedene Staedte, vor allem Toledo (Ohio), oertliche dreiseitige
Ausschuesse gebildet, um Arbeitsstreitigkelten beizulegen und, was
ihnen auch tatsaechlich gelungen ist, durch Kompromisse zu verhindern. Im ganzen Lande hat sich die dreiseitige Partnerschaft
in den Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern und
vornehmlich auf dem Gebiet der Schiedssprechung in Arbeitsstreitigkeiten eingebuergert und wird sowohl von den Gewerkschaften als
auch von der Industrie befuerwortet.
4

Eine der Befuerchtungen, die in der letzten Zeit In bezug auf
die gegenwaertige Form des Lohnstabilisierungsausschusses laut
wurden, ist von dem Senator Robert A. Taft zum Ausdruck gebracht
worden, der hierbei eine Moeglichkeit sieht, dass die Vertreter
der Gewerkschaften und der Unternehmer eine Koalition bilden und
dadurch die Vertreter der Regierung ueberstimmen koennen. In einer
eingehenden Studie ueber die "dreiseitige Partnerschaft", die Beilegung von Streitigkeiten und die Lohnpolitik waehrend des Zweiten
Weltkrieges stellt dagegen Professor William H. McPherson fest,
dass es bei den Tausenden von Faellen, die waehrend des Zweiten
Weltkrieges von den drei dreiseitigen Ausschuessen zur Beilegung
von Arbeltsstreitigkeiten und Lohnstabilisierung behandelt wurden,
es nur ganz selten zu einer derartigen Koalition gekommen Ist.
In einer Zusammenfassung seiner Feststellung ueber die
— 5—

�"dreiseitige Partnerschaft" waehrend des Zweiten Weltkrieges
kommt McPherson zu der Schlussfolgerung, dass die Beilegung von
Streitigkeiten oder ein Lohnstabllisierungsprogramm von Gewerkschaften und Unternehmern gemeinsam freiwillig akzeptiert oder
gebilligt werden muss, wenn sie Erfolg haben soll. Die dreiseitige Zusammensetzung der Ausschuesse gibt den Gewerkschaften
und den Unternehmern durch die Moeglichkeit, sich der Stimme zu
enthalten, ein echtes Vetorecht, dessen man sich jedoch nur
unter grossen Opfern bedienen kann. Es kann also nur selten angewendet werden. Diese Form der Zusammensetzung der Ausschuesse
traegt ausserdem dazu bei, dass die Vertreter der Regierung fuer
die einzelnen Paelle volles Verstaendnis haben und dadurch als
Vermittler zwischen den beiden Partnern taetig sein koennen und
fuer alle drei Partner annehmbare Beschluesse auszuarbeiten imstande sind.
Obwohl die dreiseitige Form der Ausschuesse durchaus Gefahren
in sich birgt, deren groesste darin besteht, dass die Vertreter
der Regierung durch eine Koalition der beiden anderen Partner
ueberstimmt werden koennten, werden nach der Auffassung McPhersons
die Nachteile und Gefahren dieses Systems durch seine Vorteile bei
weitem aufgewogen.
Weekly Labor News Digest
VII/18/51

TECHNISCHE ZUSAMMEN ARBEIT MIT LATEIN AM ERIKA.

(Auszuege aus einem Bericht, der von Serafino
Romualdi im Namen der AFL der dritten Standford-Konferenz ueber lateinamerikanische Fragen vorgelegt wurde.) .
Lateinamerika als Gesamtheit gehoert zu jenen Gebieten der
Welt, die technische Unterstuetzung brauchen. Diese Unterstuetzung
ist notwendig, um eine Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung und der industriellen Produktion zu ermoeglichen, ohne
die nur geringe oder ueberhaupt keine Aussicht besteht, den Lebensstandard der Bevoelkerung zu verbessern. Lateinamerika verfuegt ueber grosse Reserven an Mineralien und anderen Rohstoffen,
die fuer die freie Welt in ihren Berruehungen, eine wirkungsvolle
Verteidigungsfront gegen jegliche kommunistische Aggression aufzubauen, wesentlich sind. Die Bedeutung Lateinamerikas liegt so
klar auf der Hand und ist dementsprechend anerkannt, dass man sie
nicht weiter zu betonen braucht.
Lateinamerika bietet jedoch bestimmte eigene Probleme, die
durch die politische Unstetigkeit bedingt sind, die man wiederum
Umstaenden zuschreiben muss, die man als chronische Krisen der
Demokratie bezeichnen koennte. Mit wenigen Ausnahmen scheinen die
verfassungsmaessigen Regierungen nicht in der Lage zu sein, sich
der regelmaessig wiederkehrenden Anschlaege militaristischer Gruppen zu erwehren, die in den meisten Faellen gewaltsam die Macht an
sich reissen und, um an der Macht zu bleiben, totalitaere Methoden
einfuehren. Damit werden die produktiven Kraefte der Nation (Arbeitskraefte und Kapital) Zwangsmassnahmen unterworfen, die eine
regelmaessige Entfaltung jedes wirtschaftlichen und sozialen
Fortschritts behindern. Bevor man deshalb mit einem Programm der
technischen Zusammenarbeit in Lateinamerika beginnt, das sowohl
technische Unterstuetzung als auch die notwendige Finanzierung
vorsieht, muesste eine Festigung des demokratischen Regimes ge-

- 6 -

�waehrleistet sein, was nach unserer Auffassung eine unerlaessliche Vorbedingung ist.
Der Beratungsausschuss fuer Internationale Entwicklung
schliesst sich dieser Auffassung an, wenn er feststellt, dass
"Fortschritte am besten in einer wirklich demokratischen Staatsordnung gedeihen", und dass fuer eine "wirtschaftliche Entwicklung nach unseren Begriffen Redefreiheit, wirtschaftliche
Sicherheit, das Recht, vor einem Gericht gehoert zu werden, das
Recht zu arbeiten, das Recht, sich zu organisieren, das Streikrecht und das Wahlrecht selbstverstaendliche Voraussetzungen
sind" - mit anderen Worten, dass ein echtes Klima der politischen
Demokratie herrschen muss, das es Jedem ermoeglicht, an den Angelegenheiten des Staates aktiv Anteil zu nehmen.
Ausser der technischen Unterstuetzung, die in der Lieferung
von Maschinen fuer die Landwirtschaft und die Industrie besteht,
braucht Lateinamerika Kapital. Zwar sind wir der Ansicht, dass
allgemeine Bemuehungen zur besseren Verwendung des Eigenkapitals
der Laender, das zurzeit entweder untaetig oder hauptsaechlich In
spekulativen Unternehmungen investiert Ist, wesentlich zur Behebung des Kapitalmangels beitragen koennten. Aber wir geben auch
zu, dass zur erfolgreichen Durchfuehrung grossangelegter Programme
der technischen Zusammenarbeit die Investierung auslaendischen
Kapitals notwendig ist. Diese Investierung auslaendischen Kapitals,
vor allem von Privatkapital, wirft jedoch eine Reihe von Problemen
auf, die in der In Lateinamerika weitverbreiteten Tendenz wurzeln,
sich, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen, von der "finanziellen Abhaengigkeit vom Ausland" freizumachen. Dies ist ein Begriff,
der sich fuer politische Spekulationen und totalitaere Demagogie
besonders eignet, und den Kommunisten und fanatische Nationalisten
senr willkommen heissen und ihn gern fuer propagandistische Zwecke
gegen die Vereinigten Staaten verwenden. Man muss dem jedoch zugutehalten, dass die Methoden und Missbraeuche der Vergangenheit
eine Erklaerung fuer die relativ grosse Popularitaet solcher Sedanken sind. Eine Reihe lateinamerikanischer Regierungen haben
tatsaechlich Gesetze erlassen, die eher gegen als fuer eine
Investierung auslaendischen Privatkapitals in diesen Laendern
sprechen. Natuerlich kann mit der Finanzierung irgendwelcher grossangelegter Programme der technischen Zusammenarbeit in Lateinamerika nicht darauf gewartet werden, dass die gegenwaertigen
Schwierigkeiten zwischen Regierungen und privaten Geldgebern ueberwunden sind. Eine Teilloesung waere, wenn man fuer produktive
Investierungen in Lateinamerika grosse Betraege oeffentlicher Geldmittel In Form von Anleihen bereitstellen koennte, die von den
ueberstaatlichen Finanzeinrichtungen bereitgestellt wuerden. Inzwischen koennte durch Aufklaerung der Oeffentlichkeit und auch
durch neue Verhaltungsverfahren der voraussichtlichen Geldgeber
selbst aller Wahrscheinlichkeit nach der Weg zur Wiederaufnahme
der Privatinvestierung in grossem Masstab und unter Bedingungen
geebnet werden, die fuer beide Teile zufriedenstellend waeren.
Die Regierungen und die Voelker Lateinamerikas muessen sich
darueber im klaren sein, dass auslaendlsche Investoren ein Anrecht
auf positive Garantien in bezug auf angemessene Verzinsung und
Sicherheiten haben muessen. Auslaendlsche Investoren muessen sich
dagegen vergegenwaertigen, dass die Zeiten des willkuerlichen
Unternelimertums, das sich nur von dem Gewinnmotiv leiten und
motivieren Hess, der Vergangenheit angehoeren. Das Kapital muss
sich jetzt den in Aussicht stehenden Gebieten zur Investierung
mit einer neuen Einstellung naehern, die ausser der Erwartung,
rechtmaessige Gewinne zu erzielen, den ueberzeugenden Wunsch enthalten muss, den Menschen zu helfen, einen hoeheren Lebensstandard

7

�zu erreichen. Diese neue fortschrittliche Auffassung muesste
ausserdem den Plan enthalten, den Wirtschaften der kreditaufnehmenden Laender zu helfen, und, wenn moeglich, selbsterhaltend
zu werden und sie von auslaendischer Vormundscnaft voellig freizumachen. Vor allem muessten sie jedoch ihre eigenen Hilfsquellen
dazu verwenden, die Wohlfahrt der Kassen zu verbessern und nicht
die Gewinne Einzelner zu vermehren, damit die demokratische Lebensweise, fuer die das Kapital einen wesentlichen Bestandteil bildet,
in den Augen der notleidenden Menschen unterentwickelter Gebiete
als ihre groesste Hoffnung auf eine bessere Zukunft gerechtfertigt
werden kann.
Inter-American Labor Bulletin
VIII/51

AMBRIKAIIISCHB HILFE FUER EUROPAS ARBEITER.

Im Sommer dieses Jahres haben eine Reihe amerikanischer
Persoenlichkeiten, darunter zwei Kongressausschuesse der Vereinigten Staaten, Europa besucht und sich mit den wirtschaftlichen
Verhaeltnissen dieses Erdteils beschaeftigt. Sie faellten einstimmig das Urteil, dass die ERP-Hilfe nicht bis zu den Arbeitern
vorgedrungen ist. Diese Auffassung kam besonders deutlich in einer
Erklaerung des damaligen stellvertretenden ECA-Administrators zum
Ausdruck, der in Portland (Oregon) sagte: "Es ist eine grausame
Tatsache, dass sowohl franzoesische als auch italienische Unternehmer noch immer dazu neigen, die Arbeiterschaft als eine kompakte
Masse minderwertiger Menschen anzusehen, deren Hoffnung auf ein
besseres Leben in wirtschaftlicher und geistiger Hinsicht ungestraft ignoriert werden kann." Diese bittere Erkenntnis ist verschiedentlich von AFL- und ClO-Sachverstaendigen in Arbeitsfragen
bestaetigt worden, die antikommunistische europaelsche Gewerkschaften
mit Geldmittel und Ratschlaegenunterstuetzt hatten, und die mit der
unveraenderten Einstellung der europaelschen Unternehmer hoechst
unzufrieden sind. Kaiser, der stellvertretende amerikanische Arbeitsminister, erklaerte vor dem amerikanischen Klub in Paris:
"Die Verbesserung des Lebensstandards der Menschen in unterentwickelten Gebieten ist ein wichtiges strategisches Ziel der amerikanischen Aussenpolitik."
Die europaelschen Regierungen haben fuer die sozialen Aspekte
der amerikanischen Aussenpolitik volles Verstaendnis. Sie sind
jedoch noch nicht In die Koepfe der Industriellen eingedrungen, die
immer noch dazu neigen, die Marshallplanhilfe als ein Verfahren der
materiellen Neuinvestierung In Europa zerstoerterGrundstoffindustrien anzusehen. Fuer Frankreich zumindest ist diese Meinung in
gewissem Sinne nicht ueberraschend, weil der groesste Teil der Hilfe seit 1948 ueber Herrn Monnet in die grossen Grundstoffindustrien
geflossen ist, die zum groessten Teil entweder verstaatlicht sind
oder staatlicher Kontrolle unterstehen. (Die wichtigste Ausnahme
bildet die Stahlindustrie). Die zahllosen kleinen Fabriken, in
denen 50 bis 200 Arbeiter beschaeftigt sind, sind vom Monnet-Plan
in seiner bisherigen Form nicht erfasst worden. Da in den Herstellerindustrien die allgemeine Aufmerksamkeit jetzt weniger auf
Investierungen als auf die Produktivitaet gelenkt wird (die zweite
Moeglichkeit zur Steigerung des Sozialproduktes), wird der menschlichen Seite der Produktion, den Wechselbeziehungen in den einzelnen Unternehmen, dem Verantwortungsgefuehl des einzelnen Arbeiter
und den Leistungsloehnen mehr Beachtung geschenkt.
Die wachsende amerikanische Unzufriedenheit mit dem wirtschaft- 8 -

�liehen Fortschritt und den sozialen Verhaeltnissen in den freien
europaeischen Laendern resultiert daher in der Forderung, die
gesteigerte Produktivitaet oder die bessere Verwendung der zur
Verfuegung stehenden Arbeitskraefte und Materialien durch das
Schlagwort "Mehr Waren, billigere Waren, hoehere Loehne" zu
inspirieren. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Verwaltung
fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit beschlossen, in Ueberelnkunft
mit den verschiedenen Regierungen den einzelnen Unternehmen in
den Marshallplan-Laendern eine direkte finanzielle und technische
Hilfe zu leisten. William H. Joyce ist zum stellvertretenden
Administrator fuer Produktionsfragen ernannt worden mit der Aufgabe, die neue Kampagne zu organisieren. Aus Gegenwertfonds des
ERP werden rund 250 Millionen Dollar zur Durchfuehrung dieser
Kampagne bereitgestellt werden. In diesem Programm ist das
romanische Frankreich, ein zur Haelfte agrarisches Land und zur
Haelfte Industriestaat, dabei jedoch zweifellos das Schluesselland.
Das franzoesische Produktivitaetszentruat, das von Lemaresquier
und Griminelli unter der Ueberwachung von Robert Buron, des Wirtschaftsrnlnisters der zurueckgetretenen Regierung, geleitet wird,
hat in der Verbreitung der Produktivitaetspropaganda beachtliches
geleistet. Und nachdem viele franzoesische Vertretergruppen aus
der Industrie die Vereinigten Staaten besucht haben, werden bereits
neue Produktionsmethoden in den Fabriken angewendet. Mit den neuen
Massnahmen, die gegenwaertig von der ECA und franzoesischen Behoerden besprochen werden, will man erstens die Modernisierung der
Betriebe und der Produktionsmethoden beschleunigen und zweitens
die Arbeiter an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktion und
der hoeheren Produktivitaet in den betreffenden Unternehmen direkt
beteiligen. Zu Ende des Monats Juli bildeten die drei nichtkommunistischen Gewerkschaften Force Ouvriere, CFTC und CGC ein
eigenes Produktiv!taetszentrum, das das nationale Produktivitaetszentrum unterstuetzen soll. Es ist daher zu erwarten, dass diese
Gewerkschaften die Vorschlaege zur Neuorganisation franzoesischer
Betriebe, die von amerikanischen Experten auf der Ebene der Betriebsleitung ausgearbeitet werden sollen, mit allen Mitteln unterstuetzen werden.
Diese Spezialisten, die von den Unterabteilungen der amerikanischen Regierung und den grossen Unternelimen in den Vereinigten
Staaten regulaer beschaeftigt werden, gehen wie ein rtirbelsturm
durch eine Industriegruppe. Probleme, wie Kontrolle der Gestehungskosten, Ausgaben, des Vertriebs, der Produktion und anderer betriebswirtschaftlicher Vorgaenge, der Planung und Festsetzung von
Produktionszielen, Verkaufsanteile und Leistungslohnsysteme,
Plaene fuer die Einstufung nach Verdienst, Analyse und Auswertung
der Statistik, Kontrolle der Geschaeftstaetigkeit und alle anderen
finanziellen und sozialen Fragen werden von einem Stab von Personalverwaltern, Inspektoren der Betriebsleitung, Buchhaltern und
Sozialarbeitern geloest. Einzelheiten ueber das neue System sind
noch nicht bekannt. Man rechnet damit, dass amerikanische Betriebsleiter in einige franzoesische Fabriken geschickt werden, um die
letzten N'aencel zu beseitigen, nachdem die Betriebstechniker Ihre
Arbeit beendet haben.
Der springende Punkt der franzoesischen Produktivitaetsfrage
wird die Eelohnung von Unternehmern, die Modernisierungen vornehmen, durch Steuerverguenstigun^en sein. Interne franzoesische
Probleme machen es notwendig, die einzelnen Unternehmen in Irgendeiner Weise vertraglich an die franzoesischen Produktlvitaetsbehoerden zu binden. Der Unternehmer wuerde sich als Ausgleich
fuer die bevorzugte Steuerbehandlung damit einverstnaden erklaeren,
gewisse Verpflichtungen zu uebernehmen. Gleichzeitig wuerde er
- 9 -

�sich aufgrund seines Vertrages wahrscheinlich Anrechte auf
Kredite der ECA erwerben. Es ist offensichtlich, dass derartige Methoden viel zur Beilegung des Klassenkampfes in den
Betrieben selbst unö zur Verbesserung der veralteten Methoden
des Tarifverhandlungswesens beitragen wuerden. Eine solche
Entwicklung waere vor allem im Hinblick auf die neue Gesetzgegung zu begruessen, die, wenn man nach den ersten Eindruecken
urteilen will, nur wenig neue oder positive Merkmale versprechen.
Labor Information
ECA - FYI - 239

AMERIKANISCHE WOHLTAETIGKEITSORGAKISATIONEN BESCKAEFTIC-EN SICH
MIT DER LAGE MINDERBEMITTELTER FAKILIEN.

Ein Bericht der amerikanischen Regierung beschaeftigt sich
mit den Familien, die jaehrlich weniger als 2.000 Dollar verdienen. Der Bericht sieht hinter den rein statistischen Tatsachen die menschlichen Wirklichkeiten und schildert die Verhaeltnisse, unter denen die Menschen leben und ihre Umwelt.
Das Buch enthaelt Tatsachenberichte ueber 100 Familien in
27 verschiedenen Staaten und beschreibt, wie sich einzelne Menschen durchschlagen muessen, um mit 2000 Dollar jaehrlich leben
zu koennen, waehrend die Regierung erklaert, fuer einen Mindestlebensunterhalt braucht man jaehrlich 3.600 Dollar. Es gibt mehr
als 10 Millionen Familien, deren jaehrliches Einkommen unter
2000 Dollar liegt.
Der Eericht ist das Ergebnis einer Studie, die von neun Organisationen auf Ersuchen des Gemeinsamen Komitees fuer die Vorbereitung des Wirtschaftsbericht es durchgefuehrt wurde. Das
Komitee will dieses Tatsachenmaterial als Argumente zur Unterstuetzung seiner Forderungen vor dem Repraesentantenhaus zur
Sprache bringen. Senator John Sparkman (Demokrat, Alabama) hat
um Anschauungsmaterial zur Ergänzung dieser Studien nachgesucht.
Die Feststellungen umfassen 22 Seiten, die Tatsachenberichte 121
Seiten«
Etwa zwei Drittel der befragten Familien waren verschuldet.
Ein Drittel hiervon hatte Arztrechnungen zu bezahlen. Einige
Familien versuchten, das Krankheitsproblem durch den Beitritt zu
irgendwelchen Krankenversicherungen zu loesen, aber die meisten
konnten sich nicht einmal diesen Schutz leisten.
Nur wenige Arbeiter der niedrigen Einkommensgruppe sind
gegen Arbeitslosigkeit versichert. Die Folge davon Ist, dass,
wenn der Ernaehrer krank wird oder sich einen Unfall zuzieht, die
Familie nicht nur seinrn Lohn verliert, sondern gleichzeitig vor
das Problem der Bezahlung der Arztrechnungen gestellt ist. Eine
Reihe Ernaehrer waren Facharbeiter, die woechentlich bis zu 60
Dollar verdienten, deren gesamtes Jahreseinkommen jedoch infolge
Krankheit, unregelmaessiger Beschaeftigung und schlechten Wetters niedriger als 2.000 Dollar war.
Der sroesste Teil der Einkommen wurde fuer Lebensmittel ausgegeben, ob die Familie nun ein oder zehn Kinder h&amp;tte« Selbst
in den kleineren Familien war der Betrag, der fuer Lebensmittel
ausgegeben werden konnte, von der Hoehe der Miete abhaengig.
.Nicht selten traf man Familien mit sieben Personen an, die fuer
zwei Raeurae und ausserhalb des Hauses gelegene Toiletten woechentlich 12 Dollar zahlten. Nur wenige hatten das Glueck, in oeffent- 10 -

�liehen Wohnbauten zu wohnen, in denen die Mieten einigermassen
erschwinglich waren.
In dem Bericht helsst es woertlich: "Wir streiten uns noch
immer in kleinen Staedten und grossen Staedten ueber das Wohnungsproblem, waehrend zahllose Kinder im Schmutz aufwachsen."
Die von den Familien am haeufigsten angewendete Methode zur
Senkung der Kosten fuer die Ernaehrung bestand darin, Fleisch und
Milch, - ausgenommen fuer Saeuglinge - vom Speisezettel zu streichen
und sie durch Kartoffeln und billige Gemuesesorten zu ersetzen.
Neue Kleider waren eine Seltenheit. Die meisten groesseren Kleidungsstuecke wurden gebraucht gekauft.
All diese Dinge - duerftige Ernaehrung, schlechte Wohnungen
und der Mangel an warmen Kleidern - wirkten sich auf den Gesundheitszustand aus. Nur 13 der 100 Familien verfuegten ueber Ersparnisse, und zwar handelte es sich dabei meistens um Gelder,
die aus einer Versicherung oder einer Erbschaft stammen. Diese
Familien hatten das grosse Glueck, dass sie durch keine ernstliche
Krankheit oder einen sonstigen wirtschaftlichen Rueckschlag ihre
Ersparnisse hatten in Anspruch nehmen muessen. Bei einem Viertel
aller befragten Familien lebte der Vater nicht mehr oder hatte seine
Familie verlassen. Ueber die Haelfte der Ernaehrer hatte die Grundschule weniger als acht Jahre besucht, aber fast alle hatten beschlossen, dass ihre Kinder eine bessere Schulausbildung haben
sollten, gleichgueltig, wie stark der Geldbeutel der Familie damit
belastet wuerde.
Die Organisationen, die sich an der Erhebung beteiligten,
waren der Amerikanische Verband der Sozialangestellten, der Vorstand
Juedischer Verbaende und der Wohlfahrtsfonds, die Amerikanische
Vereinigung fuer Familienunterstuetzung, die Siedlungsvereinigung,
die Vereinigung zur Unterstuetzung von Reisenden, die Liga zur
ünterstuetzung der Stadtbevoelkerung, das Komitee fuer Kinderarbeit
sowie die Konferenz Katholischer Wohltaetigkeitsorganisationen und
die Heilsarmee.
Daily News Service
VIII/17/51

BOLOGNA

-

EIN BEISPIEL FUER DEN WIEDERAUFBAU ITALIENS.

Ein Brennpunkt des Transportwesens Italiens ist die norditalienische Stadt Bologna. Am Fusse der Apenninen und am Rande
der grossen norditalienischen Tiefebene gelegen, ist Bologna ein
Schluesselpunkt im Eisenbahnnetz zwischen Nord- und Sueditalien.
Wegen seiner strategischen Lage wurde Bologna waehrend des
2. Weltkrieges schwer bombardiert, und seine Bahnhoefe, die sechs
Hauptlinien aus verschiedenen Richtungen aufnehmen, wurden schwer
beschaedigt.
Heute befindet sich diese Stadt - und mit ihr ganz Italien mit Hilfe des Marshallplanes auf dem Wege zum Wiederaufbau. Der
Hauptbahnhof von Bologna ist mit 2 Kontrollstationen ausgeruestet
worden, die zu den modernsten in Europa zaehlen.
Von diesen Stationen aus wird der Verkehr auf 23 Gleisen
ueberwacht, die sich ueber ein Gebiet von annaehernd 600.000 qm
erstrecken. Die Stationen wurden von den staatlichen italienischen
Elsenbahnen unter Zuhilfenahme von Gegenwert-Fonds der ECA einge-

ll

�richtet, die fuer den Wiederaufbau der Eisenbahnen bereitgestellt
worden waren.
Der Kontrollraum, der 3 Maennern Platz bietet, liegt in der
oberen Etage der Kontrollstation. Seine Einrichtung besteht aus
einer Uhr, einem schwarzen Kontrollbrett aus Kristall und einer
grossen Skala, die mit zahllosen kleinen Knoepfen bedeckt ist.
Mit der Betaetigung eines Knopfes wird ein umfassender
Mechanismus von Kontrolleinrichtungen und Signalen in Bewegung
gesetzt, mit denen die Zuege sicher in den Bahnhof geleitet werden.
Nach dem Bruchteil einer Sekunde bewegt sich in einer Entfernung
von einem Kilometer ein Haltesignal, eine Weiche aendert automatisch
ihre Stellung, und der Zug rollt sicher auf einem der 23 Gleise in
die Stadt Bologna.
700 km elektrischen Drahtes waren zur Verbindung der in den
Kontrollstationen befindlichen Installationen notwendig, die ausgereicht haetten, um eine Verbindung zwischen Turin und Rom herzustellen. Weitere 185 km Draht durchlaufen spinnennetzartig die
unterirdischen Verbindungsrohre zu den Bahnhofsweichen und den
Signalstationen.
Bologna hat den einzigen Bahnhof in Italien, der mit derartigen. Kontrollstationen ausgeruestet Ist. Sie haben wesentlich
zu der zweokmaessigen Arbeitsweise dieses wicntigen italienischen
Eisenbahnknotenpunktes beigetragen.
ECA Labor Information
VII1/8/51

AFL FORDERT MASSNAHMEN ZUR KONTROLLE DER INFLATION. •
Die Kaufkraft des Dollars ist heute nur noch etwas mehr als
halb so hoch wie vor zwoelf Jahren, der amerikanische Lebensstandard ist niedriger als vor-sieben Jahren. Diese Entwicklung
wird sich noch schlimmer auswirken, wenn nicht konkrete Massnahmen zur Kontrolle und zur Verhinderung der Inflation ergriffen
werden.
Dies wird Im monatlichen Wirtschaftsueberblick der AFL zum
Ausdruck gebracht, in dem weiterhin bemerkt wird, dass durch das
neue Gesetz fuer die Verteidigungsproduktion die Preise noch weiter
ansteigen werden. Da von dem jetzigen Kongress kein besseres
Gesetz zu erwarten sei, muesse die Regierung auf schnellstem Wege
andere, gegen die Inflation gerichtete Massnahmen ergreifen.
Um eine weitere Inflation zu verhindern, werden in dem AFLBericht folgende Massnahmen vorgeschlagen:
1. hoehere Steuern, soweit dies durchfuehrbar ist;
2. der verstaerkte Verkauf von Schatzanweisungen der
Regierung an Privatpersonen und weniger an Banken, und
3. strenge Kontrollen der Bankkredite.
Die Verbraucher muessen ausserdem ihre Ersparnisse soweit
wie moeglich erhoehen, und alle Sektoren der Wirtschaft muessen
zusammenarbeiten, um die Produktion von Verkaufsguetern auf dem
hoechstmoeglichen Niveau zu halten.
Die Hauptursache der Inflation Ist ein Mangel^ an Verkaufsguetern zu einer Zeit, in der die Kaufkraft sich erhoeht. Durch
- 12

�Preiskontrollen allein kann die Inflation nicht verhindert werden,
und wenn ihre wahren Ursachen nicht bekaempft werden, koennen
Preiskontrollen niemals wirksam sein, sondern werden einfach zum
Schwarzmarkt fuehren.
Wenn die Preise auch zeitweise unveraendert gehlieben sind,
so ist es doch unvermeidlich, dass sie mit der Steigerung der
Verteidigungsproduktion in die Hoehe gehen, dass die Produktion
ziviler Gueter zurueckgeht und die Verbraucher um die verfuegbaren Verbrauchsgueter regelrecht bitten muessen. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, werden die Verbraucher in dem Bericht aufgefordert, die Preisentwicklungen genau zu verfolgen, keine Waren
zu ueberhoehten Preisen zu kaufen und nur das zu kaufen, was sie
tatsaechlich und unbedingt benoetigen.
"Waehrend die Inflation unser gefaehrlichster Feind im
eigenen Lande ist", faehrt der Bericht fort, "ist der Weltkommunismus unser schlimmster Feind draussen. Wir muessen die
kommunistische Taktik und die Taeuschungsmanoever durchschauen,
furchtlos verhandeln und uns weigern, ueber Grundsaetzlichkeiten
zu feilschen oder ein weiteres kommunistisches Vordringen an
irgendeiner Stelle der Welt zuzulassen. Wir muessen jene ermutigen, die hinter dem Eisernen Vorhang leben und bestrebt sind, sich
von ihren Unterdrueckern freizumachen."
Die militaerische und wirtschaftliche Hilfe fuer Europa muss
nach der Auffassung der AFL fortgesetzt werden, die Westmaechte
muessen an den Kuesten und auf den Inseln des Mittelmeeres Luftund Seestuetzpunkte errichten. Die militaerische Schlagkraft
Japans muss wiederhergestellt und dieses Land nach Unterzeichnung
des Friedensvertrages in den Pazifik-Verteidigungspakt aufgenommen
werden» Die Streitkraefte der Vereinten Nationen muessen in Korea
bleiben, bis dieses Land wieder frei und geeinigt ist»
In dem iranischen Oelkonflikt stellt sich die AFL auf die
Seite Grossbritanniens mit der Begruendung, dass die Perser, die
England beschuldigen, den "Reichtum ihres Landes zu pluendern",
vergessen, dass die technischen Erfahrungen und das Kapital Grossbritanniens erst die Entwicklung der Oelindustrie durch einen
langfristigen Vertrag mit dem Iran ermoeglicht haben, dass Persien
zu einem gewissen Wohlstand gekommen ist.
Die neue Regierung des Irans hat diesen Vertrag gebrochen und
die Anglo-Iranische Oelgesellschaft verstaatlicht. Die AFL ist
der Meinung, dass der Iran seinen Vertrag mit England einhalten
muesse, weil die Respektierung von Vertraegen den Schluessel zu
Vertrauen und zu Sicherheit bildet und das Gesetz und die Ordnung
einer verfassungsmaessigen Regierung auf grundlegenden Vereinbarungen und Vertraegen beruhen, die von der Mehrheit der Buerger
durch ihre gewaehlten Abgeordneten gebilligt sind.
Daily News Service
VI11/17/51

IFL-FUNKTIONAfiRE FORDERN INTENSIVERE POLITISCHE ANTEILNAHME.

Hohe Funktionaere der AFL haben in ihren Botschaften zum
imerikanischen Tag der Arbeit die Notwendigkeit einer intensiveren
&gt;olitischen Betaetigung hervorgehoben.
Der Vorsitzende William Green bemerkte, dass der amerikanische
:ongress beeinflusst wird, "hoeheren Preisen und noch hoeheren Ge-

13

�winnen auf Geheiss der Geschaeftsinteressenten die Tore zu
oeffnen". Die gleiche Koalition Im Kongress, die fuer den Erlasa
des verwerflichen Taft-Hartley-Gesetzes verantwortlich war, hat
sich erneut gegen Gewerkschaften und Verbraucher zusammengeschlossen.
"'Wenn wir unsere politische Betaetigung nicht erweitern und
vervollstaendigen, koennte die Gewerkschaftsbewegung durch eine
nachteilige Gesetzgebung viel von den Erfolgen verlieren, die sie
sich in langen Jahren durch Organisierung, Kampf und TarifVerhandlungen erobern musste."
"Unsere grosse Aufgabe ist es, den Wuergegrlff zu lockern, mit
dem eine reaktionaere Koalition den Kongress zu beherrschen sucht.
Wir muessen 1952 einen wirklich liberalen Kongress waehlen, um die
Interessen der Arbeiter und der Verbraucher unserer Nation zu
wahren. Wir muessen eine Regierung und einen Kongress haben, die
die Beduerfnisse der Menschen respektieren und die Gefahren erkennen, die die freie Welt bedrohen. Wir koennen eine solche Regierung und einen solchen Kongress haben, wenn Jeder wahlberechtigte
Buerger von seinem Wahlrecht Gebrauch macht."
Hauptkassierer George Meany erklaerte, die "Organisierung der
Nichtorganisierten stelle noch immer ein wesentliches Problem fuer
die APL dar." Aber jetzt muessen wir einer neuen Gefahr begegnen.
Wenn auch der "Amerikanische Plan" fehlgeschlagen, der Plan der
Unternehmer misslungen ist, der die Arbeiterschaft in Not und Armut
gestuerzt haette, und wenn es auch nicht zur Verwirklichung der
antigewerkschaftlichen Gesetzgebung gekommen Ist, mit der man die
Gewerkschaften zurueckwerfen und In die Defensive zwingen wollte,
so ist es doch zu dem Erlass des Taft-Hartley Gesetzes gekommen.
Dieses Gesetz hat vieles von dem fertiggebracht, was den Unternehmern zu unserer Zeit niemals vorher gelungen waere.
"Vergesst folgendes nicht: Als die Stimmen ausgezaehlt wurden,
mit denen das Taft-Hartley-Gesetz Im Jahre 1947 angenommen wurde,
waren wir eindeutig unterlegen. Als Praesident Trumans Veto gegen
dieses Gesetz ueberstlmmt wurde, waren wir ebenfalls ohne Zweifel
unterlegen. Das Grosskapital, das durch die Nationale Fabrikantenvereinigung und ihre Puersprecher Im Kongress vertreten ist, erhiell
die erforderlichen Stimmen, nicht wir hatten sie. Wenn wir diese
Situation aendern wollen, gibt es fuer uns meines Wissens nur einen
Weg: Wir muessen die notwendigen Stimmen erhalten."
"In allen Bezirken und in allen Ortsgewerkschaften muessen wir
fuer dieses Ziel arbeiten. Nicht in Washington wird gewaehlt, die
Kongressleute werden draussen im ganzen Lande gewaehlt. Wir muesse:
deshalb auf oertlicher Basis die notwendige Arbeit verrichten."
Charles J. McGowan von der Gewerkschaft der Kessel- und Grobschmiede sagte: "Die Entwicklungen im Kongress und in vielen
Einzelstaaten haben die arbeitende Bevoelkerung gezwungen, sich
auf freiwilliger Basis zusammenzuschliessen, um sich gegen die
Angriffe zu wehren, die auf politischem Gebiet gegen unsere Gewerkschaftsbewegung gefuehrt werden. Wir muessen nicht nur alles
in unserer Macht stehende vollbringen, um unsere wirtschaftliche
Organisation, unsere Gewerkschaft weiter aufzubauen und zu
staerken, sondern wir muessen auch als einzelne Buerger auf freiwilliger Basis mit anderen Gleichgesinnten zusammenarbeiten, damit jene Leute In oeffentliche Aemter gewaehlt werden, die in
Ihrem Herzen an den Wahlspruch "Gott segne Amerika" wirklich glauben und nach ihm auch stets handeln.
AI Hayes von der allamerikanischen Gewerkschaft der Mechanikei
- 14 -

�erklaerte: "Die Feinde des Fortschritts, die durch ihre reichen
und maechtigen "Drahtzieher" Im Kongress arbeiten, wollen, dass
sich unsere Regierung gegen die grosse Masse des Volkes wendet.
Sie versuchen, sie zu einem Hindernis auf dem Wege des Fortschritts umzugestalten. Wenn wir unseren Verpflichtungen uns
selbst und unseren Kindern gegenueber gerecht werden wollen,
muessen wir einen Weg finden, um unserer organisierten Staerke
mehr Binfluss auf die Politik zu geben - der Politik in unserem
Stadtbezirk, in unseren Staedten und Gemeinden und schliesslich
auf die staatliche und nationale Politik. Wenn wir es zulassen,
dass unsere politische Staerke durch Zustaendlgkeitsstreitigkeiten und geringfuegige Meinungsverschiedenheiten aufgespalten
wird, so unterstuetzen wir damit nur unsere Feinde."
Alexander McKeown von der Strumpfarbeitergewerkschaft
erklaerte: "Wir muessen endlich einsehen, dass es verlorene Liebesmuehe ist, einen schlechten Kongress ueberreden zu wollen,
gute Arbeit zu leisten. Wir muessen alle unsere gesamte Energie
dafuer einsetzen, den gegenwaertigen Kongress durch einen besseren
Kongress im Jahre 1952 zu ersetzen."
H.L. Mitchell von der Nationalen Landarbeitergewerkschäft
bemerkte: "Die Gewerkschaftsbewegung muss Ihre gesamten Bemuehungen auf die Vorbereitung der Wahlen im kommenden Jahre
konzentrieren. Das bedeutet, dass sie nicht nur die Gewerkschaftsmitglieder schulen und aufklaeren muss, sondern auch die natuerlichen Verbuendeten der Gewerkschaftsbewegung - die kleinen Bauern,
die kleinen Geschaeftsleute, die Angestellten und die Intellektuellen. Die Koalition der jetzigen gegen die Gewerkschaften eingestellten Kongressabgeordneten hat das fortschrittliche Programm
der Regierung scheitern lassen."
Woodruff Randolph von der allamerikanischen Buchdruckergewerkschaft sagte: "Die Gewerkschaftsbewegung muss den Leuten
nicht nur zeigen, welche Art der Gesetzgebung fuer das Land vorteilhaft ist, sondern muss endlich auch die gegen sie gerichtete
Kritik ueberwinden und als der bessere Berater der gemeinsamen
Interessen der Oeffentlichkeit auftreten."
T. C. Caroll von der Gewerkschaft der Strassenarbeiter vertritt
folgenden Standpunkt: "Die Gewerkschaften muessen bei Ihrer Arbeit
ein wachsames Auge auf die Kongressbeschluesse richten. Dieser
Kongress hat es unterlassen, das Wohl der Lohnverdiener ebenso zu
hueten wie das des Kapitals. Im Kriegsfalle hat sich die Gewerkschaftsbewegung niemals Ihren Verpflichtungen entzogen, dagegen
blueht jetzt bereits das Geschaeft der Kriegsgewinnler. Hiergegen
protestiert die Gewerkschaftsbewegung energisch, waehrend anscheinend gewisse Leute In offiziellen Positionen einfach die Vorhaenge zuziehen, ut die Schuldigen zu verbergen."
W. L. Allen von der Gewerkschaft der Telegrafenarbeiter ist
folgender Meinung: "Unter den 57 % der Wahlberechtigten, die im
vorigen Jahre nicht abgestimmt haben, befanden sich viele Millionen
Lohnempfaenger. Sie haben mit ihren Stimmen die Macht, solche
Leute zu waehlen, die ihre politischen Interessen beruecksichtigen
und darauf achten werden, dass sie ihren gerechten Anteil an den
Fruechten des Fortschritts erhalten. Offensichtlich machen sie
sich keine Gedanken darueber, wer sie vertritt, und legen deshalb
keinen Wert darauf, zu waehlen. Aus diesem Grunde konnten viele
gewerkschaftsfreundliche Senatoren und Abgeordneten fuer das
Repraesentantenhaus 1950 nicht gewaehlt werden. So hat die Arbeiterschaft heute weniger Freunde im Kongress als vor zwei Jahren.
Hieraus erklaert es sich auch, dass das verwerfliche Taft-HartleyGesetz noch Immer in Kraft ist."

- 15 -

�Richard P. Walsh von der Gewerkschaft der Buehnenarbeiter
nahm mit folgenden Worten zu der Frage der politischen Betaetigung
Stellung: "Bei den Wahlen 1948 und 1950 brachte das Grosskapital
eine genuegende Zahl seiner Repraesentanten in Amt und Wuerden,
um uns die Fluegel zu beschneiden. Nun stehen wir vor einem schwerwiegendem Problem, das die Richtigkeit unserer Einstellung beweisen
duerfte. Die hohen Lebenshaltungskosten haben eine allgemeine
Unruhe hervorgerufen. Dieses Mal sollten die Waehler unseren
Argumenten besser Gehoer schenken. Wenn diese Argumente in richtiger und ueberzeugender Weise vorgebracht werden, dann werden die
Leute endlich wach werden und gesetzgebende Koerperschaften waehlen,
die liberal genug sind, um das Problem der Inflation in' der richtigen Weise anzupacken und gute soziale Gesetze zu erlassen. Zugleich
werden sie die schlechten Gesetze, mit denen man die Gewerkschaftsbewegung untergraben wollte, endlich hinwegraeumen."
Lee W. Minton von der Gewerkschaft der Glasflaschenblaeser
sagte: "Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung ist in den vergangenen fuenf Jahren durch eine voreingenommene Gesetzgebung
erschuettert worden. Und doch scheint die grosse Masse der amerikanischen Arbeiterschaft in einem apathischen Zustand zu leben.
Die amerikanische Arbeiterschaft muas schnellstens aktiver werden
und dafuer sorgen, dass Ihre Vertreter Im Kongress und ihre Senatoren ueber ihre Wuensche genau unterrichtet werden. Ich moechte
jeden, der an der Wohlfahrt der gesamten Nation und auch an einer
geordneten Wirtschaft Interessiert ist, auffordern, sich staerker
um die Arbeit der Regierung zu kuemmern, damit der Kurs geaendert
wird."
D. W. Tracy von der Internationalen Gewerkschaft der Elektroarbeiter erklaertei "Wir erwarten am liebsten einen direkten Widerruf des Taft-Hartley Gesetzes, in jedem Falle aber eine fuer die
Gewerkschaften guenstige Abaenderung. Die Gewerkschaftsbewegung
wird sich mit diesem ungerechten Gesetz niemals abfinden und nicht
eher ruhen, als bis es aus unseren Gesetzbuechern verschwunden ist.
Die gesamte Gewerkschaftsbewegung muss sich der Notwendigkeit einer
unaufhoerllchen politischen Betaetigung In ihrem eigenen Interesse
und zum Schutz der Rechte des Arbeiters bewusst sein."
J. H. Lyons von der Gewerkschaft der Ei»«nkonstrukteure aeusser
seine Meinung folgendermassen: "Wir haben einen langen Weg zurueckgelegt und wollen auf die errungenen Erfolge nicht Verzicht leisten,
sondern wir wollen fortfahren, fuer weiteren Fortschritt in unserer
nationalen Wirtschaft zu kaempfen. Das ist das Ziel der Gewerkschaftsbewegung, und es kann nur durch stete gemeinsame Bemuehungen
erreicht werden."
William F. Schnitzler von der Gewerkschaft der Baeckerei- und
Konditoreiarbeiter warnte die Gewerkschaftsbewegung vor einer
"kuenstlich geschaffenen Krise, die man dazu ausnutzen koennte, die
gerechten Forderungen der Gewerkschaftsbewegung abzulehnen."
Lester Washburn von der Automobilarbeitergewerkschaft stellte
fest: "Es gibt keinen besseren Weg, alle amerikanischen Arbeiter
zu schuetzen, als sie alle durch starke, demokratische und finanzkraeftige Gewerkschaften zu vertreten. Der nlchtorganisierte Arbeiter befindet sich heute In einer nicht beneidenswerten und gefaehrlichen Lage. Er braucht eine Gewerkschaft zumindest ebenso
noetig wie die Gewerkschaft Ihn braucht."
Daily News Service
VIII/17/51

16 H1C0O 4 9*pt 51 18338 8 V

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

• IV - 35

Frankfurt, 31. August 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Bereits vor 3100 Jahren wurde gestreikt

1

Die Arbeiter der Tschechoslowakei verweigern
"freiwillige Zusammenarbeit"

3

Die erwerbstaetige Japanerin

5

Britische Gewerkschaften und Kommunismus

7

Wie amerikanische Gewerkschaften finanzschwache
Betriebe unterstuetzen

9

Italien erzeugt Strom mit vulkanischen
Daempfen
t

13

Kommunismus in Burma verliert an Boden

15

US-Baeckergewerkschaft schafft eigenen Unfallverhuetungsfilm

16

BEREITS VOR 5100 JAHREN WURDE GESTREIKT.
Ein Gelehrter der Universitaet Chikago hat einen Streik
buchstaeblich "ausgegraben", der vor etwa 3100 Jahren stattfand.
Es war zurzeit der Eroberung Trojas, als aegyptische Arbeiter, die an der Fertigstellung und Ausschmueckung des Grabmals
des aegyptischen Pharaonen Ramses III. in Thebens "Tal der Koenige"
beschaeftigt waren, die Arbeit einstellten, weil sie ihre Loehne
zu dem festgesetzten Zeitpunkt nicht erhielten.
Von diesem Streik wird in einer aegyptischen amtlichen Denk- 1 -

�•

schrift aus jener Zelt berichtet, deren Uebersetzung in der
neuesten Ausgabe des von William F. Edgerton herausgegebenen
"Journal of Near Eastern Studies" (Zeitschrift nahoest 1*1 eher
Studien) veroeffentlicht ist. Edgerton ist Aegyptologe und Vorsitzender der Fakultaet fuer orientalische Sprachen am orientalischen Institut der Universitaet Chicago.
Die Arbeiter traten buchstaeblich in den Streik, indem sie
ihre Arbeitsplaetze am Grabmal des Pharaonen verliessen und sich
an anderen Plaetzen der Umgebung versammelten.
Als Beamte der Regierung eiligst hinzugezogen wurden, weigerten
sich die Arbeiter, ihre Arbeit wiederaufzunehmen, mit folgender Begruendung: "Es sind Hunger und Durst, die uns hierher treiben.
Wir haben keine Kleidung, keine Arzneien, keine Fische und kein Genuese."
Obwohl der Bericht unvollstaendig ist, geht aus ihm hervor,
dass die Arbeiter im Verlauf eines Jahres fuenfmal streikten, weil
ihre Lebensmittelrationen nicht rechtzeitig geliefert wurden oder
unzureichend waren. Sie verweigerten jedesmal die Arbeit, wenn sie
keine Lebensmittel erhielten. Ihr Streik war natuerlich immer
erfolgreich.
Obwohl zu jener Zeit In Aegypten eine Inflation herrschte, durch
die der Preis fuer Weizen um 500 % in die Hoehe ging, mag es fuer
Ramses III, haeufig schwierig gewesen sein, genuegend Lebensmittel
fuer die Arbeiter zusammenzubekommen. Edgerton vermutet jedoch,
dass die Streikenden eine Art primitiver Erpressungsmethoden angewendet haben.
Ein Verwandter des Pharao namens To war zum Wesir des Regenten
ernannt worden und wurde dadurch zum zweitmaechtigsten Mann in
Aegypten. Offensichtlich gehoerte es zur Taktik Tos, diese Streiks
In Szene zu setzen. Anstatt dem Hungertode nahe zu sein, werden
Ile Arbeiter in dem koenigllchen Grabmal lediglich im Auftrage Tos
einen Druck auf seine Verwandte ausgeuebt haben.
Die offensichtliche Milde, mit der fuer damalige Zeiten die
Arbeiter behandelt wurden, indem man restlos ihren Forderungen stattgab, laesst sich entweder durch den Einfluss Tos oder die grosse Bedeutung ihrer Arbeit erklaeren.
Der Pharao konnte keine Unterbrechung der Arbeiten im Grabmal
hinnehmen, weil es eine seiner wichtigsten Lebensaufgaben war, noch
zu Lebzeiten das gewaltiee Bauwerk zu errichten, das nach seinem
Tode sein Leben als das eines "grossen Gotts" verherrlichen wuerde.
Zum erstenmal erhielt man Kenntnis von diesem Streik durch ein
primitives Bruchstueck, einer Scherbe aus Ton, die sich in einem
Eerliner Museum befand. Die gesamten Vorkommnisse wurden von einem
damaligen Schriftgelehrten auf einem inzwischen beschaedigten
Papyrusstreifen schriftlich niedergelegt, der sich jetzt in einem
Museum in Turin befindet.
Mitglieder des Lehrkoerpers des orientalischen Instituts der
Unlversltaet in Chikago hatten zum erstenmal 1925 mit Nachforschungen
am Grabmal Ramses III. in Theben begonnen, um diesem ersten ueberlleferten Streik auf den Grund zu gehen.
The CIO News
VIII/13/51

- 2 -

�DIE ARBEITER DER TSCHECHOSLOWAKEI VERWEIGERN "FR ET'.VILLI GS ZUSAMMENARBEIT" .

Weder durch Ueberredungen, noch durch Versprechungen und
Saeuberun~saktionen ist es den Kommunisten gelungen, das Rueckgrat des Widerstandes der Arbeiter gegen das stachanowistische
Antreibungssystem und andere Methoden der sogenannten "sozialistischen Arbeitsdisziplin" in den Laendern hinter dem Eisernen
Vorhang zu brechen. Die verschiedenen stalinistischen Diktaturen
sahen sich deshalb bezwungen, mehr und mehr zur nackten Gewalt zu
greifen, um die Durchfuehrung der Anordnungen zur Planerfuellung
zu erzwingen. Dies geht aus einer Reihe Berichte hervor, die
nach dem Westen durchsickerten.
Ein weiterer Beweis hierfuer Ist sogar die offizielle kommunistische Presse und der kommunistische Runkfunk. So massregelte zum Beispiel der tschechoslowakische KInisterpraesident
Zapotocky am 8. August Betriebsraete, Gewerkschaften und Betriebsleiter aufs schaerfste, weil es Ihnen nicht gelungen war, die Anordnung vom 29. Juli auszufuehren, In der die Uebernahme von
77.500 Verwaltungsangestellten in den Produktionsprozess der
Industrie angeordnet worden war. Der KInisterpraesident erklaerte:
"Eines ist gewiss - und wir muessen dies als unabaenderliche Tatsache anerkennen - wir werden der Anordnung Folge leisten und die
Uebernahme der Verwaltungsangestellten in die Industrie durchfuehren muessen."
Natuerlich war diese intensive Propagandakampagne, mit der
man die Verwaltungsangestellten ueberreden wollte, ihre Familien,
ihre Wohnungen und ihre Bueros freiwillig zu verlassen, um In die
Bergwerke oder Fabriken zu gehen, ein Fehlschlag. Ein Beweis
hierfuer sind die Angestellten der Stadt Prag. In den letzten
Monaten wollten nur 1.191 Angestellte ihren Arbeltsplatz wechseln,
obwohl man denen, die sich freiwillig zur Arbeit In den Bergwerken
melden, besondere Vorteile bietet. Nur 35 dieser Angestellten
wollten in den Kohlenbergwerken von Maehrisch-Ostrau arbeiten,
obwohl in der kommunistischen Propaganda auf den Mangel an Arbeitskraeften p-erade in diesem Dezirk besonders hingewiesen worden war.
I»'an bot den Freiwilligen verschiedene Bevorzugungen beim Ruecktransport nach Prag nach Ihrer zweijaehrigen freiwilligen Arbeit
im Bergwerk.
Ein weiteres bezeichnendes Beispiel sind die Angestellten der
Pramen-Verteilungsstellen In der Lebensmittelbranche. Von 2.000,
die zur Arbeit in den Bergwerken bestimmt waren, weigerten sich
300 ohne jede Umschweife. Auch die Betriebsleiter wurden von der
Regierung zurechtgewiesen, weil sie diejenigen Arbeiter zurueckgestellt hatten, die fuer eine Verwaltungsarbelt untauglich waren,
oder nur eine geringe Arbeitsleistung aufzuweisen hatten. Die
Fabrikbetriebe, die die ueberwiesenen Arbeiter aufnehmen sollten,
lehnten dies haeufig mit der Entschuldigung ab, sie haetten noch
nicht die notwendigen Maschinen und seien auch noch nicht genuegend
vorbereitet, um sie beschaeftigen zu koennen. Der "Sabotage an
der Verordnung", wie es die Regierung nennt, machen sich also nicht
nur die Arbeiter, sondern auch die Unternehmer schuldig.
Bevor man mit dieser Kampagne der Ueberfuehrung von Verwaltungsangestellten in den Produktionsprozess begann, hatte man
bereits auf die Absolventen der hoeheren Schulen, die aelter als
15 Jahre sind, einen Druck ausgeuebt,. um sie zu veranlassen, eine
Beschaeftigung in der Fabrik oder Im Bergwerk anzunehmen. Das
Ergebnis dieser Massnahme und der uebrigen, die noch folgten, ist
die Zerstoerung des Familienlebens und die Trennung von Vaetern,
Iüiettern und Kindern. In einer neueren Verordnung sieht man vor,

- 3 -

�schriftliche Vertraege abzuschliessen, nach denen es Lehrlingen
verboten ist, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, wenn dies nicht
aufgrund ausserordentlicher Verhaeltnisse - aber auch dann nur
mit behoerdlicher Genehmigung - geschieht. Alle diese Massnahmen weisen darauf hin, dass es den Stalinisten seit ihrer
Machtuebernahme im Februar 1948 nicht gelungen ist, sich die
freiwillige Mitarbeit der Arbeiterschaft zu sichern.
Diese Verordnungen sind ausserdem durch die grossen Verpflichtungen notwendig geworden, die die Tschechoslowakei im
Rahmen des fuenfjaehrigen Handelsabkommens, das am 5. November
1950 unterzeichnet wurde, der Sowjetunion gegenueber eingegangen
ist. Schwerwiegende und weitverbreitete Leistungsunfaehigkeit
der Industrie, gegen die die offizielle Presse fortwährend
Sturm laeuft, macht die Erfuellung dieser Verpflichtungen fast
unmoeglich.
Die Folge hiervon ist ein allgemeiner Mangel an Waren, ein
finanzielles Defizit und Inflationsspiralen als Begleiterscheinungen. Bei dem Versuch, sich aus diesen wirtschaftlichen
Schwierigkelten herauszuwinden, hat die tschechische Regierung
zu immer drastischeren Massnahmen gegen die Arbeiterschaft
Zuflucht genommen. Hierzu gehoeren natuerlich auch Ihre neuesten
Bemuehungen um eine weitere Steigerung der Produktionsnormen.
Dass es den tschechischen Arbeitern gelungen ist, sich den
immer wiederkehrenden stachanowistischen Antreibungskampagnen zu
widersetzen, wird durch konkrete Zahlen bewiesen, die vom
Nationalen Planungsbuero am 29. Juli 1951 bekanntgegeben wurden.
Diesem Bericht zufolge Ist die Arbeitsleistung des Einzelnen In
der ersten Haelfte dieses Jahres um 3,9 % angestiegen. In dem
Plan war fuer das Jahr 1951 eine Steigerung um 11 % gefordert
worden. Der Steigerung von 3,9 % in der ersten Haelfte von 1951
steht eine Erhoehung von 7 % in dem gleichen Zeitraum des Jahres
1950 gegenueber. Ueber den Prager Rundfunk wurde dem Nationalen
Zentralkomitee der tschechoslowakischen Hauptstadt, das mit der
Stadtverwaltung beauftragt ist, am 13. August vorgeworfen, bei
der Zusammenstellung von freiwilligen Arbeitskolonnen fuer die
Hopfenernte aeusserst nachlaessig gewesen zu sein. Das Komitee
hatte sich verpflichtet, 10.000 Freiwillige zusammenzustellen,
aber nur 1.600 standen bei der Ernte zur Verfuegung, wie im Rundfunk mitgeteilt wurde. Auch in anderen Gegenden war die Antwort
der Arbeiter auf diesen Aufruf enttaeuschend. Von schaetzungswelse 50.000 Helfern, die zum Einbringen der Ernte benoetigt wurden,
konnte nur die Haelfte ausgehoben werden, und die dadurch geschaffene Lage wurde vom Prager Rundfunk als "kritisch" bezeichnet«
Eine der Ursachen, die die Unzufriedenheit unter den Arbeitern
in der Tschechoslowakei naehren, ist das wachsende Ansteigen der
Unfallziffern in der Industrie. Man zaehlt jetzt dreimal so viel
schwere Unfaelle am Arbeitsplatz wis vor dem Kriege.. In einem
Kommentar hierzu bemerkte der Vorsitzende der tschechoslowakischen
Gewerkschaften, Frantisek Zipka, in zynischer Weise vor dem
Parlament: "Ein Arbeiter, der einen Unfall hat, verliert seine
Arbeitsfaehigkeit. Nach Beendigung seiner Behandlung kann er noch
immer arbeitsunfaehig sein. Auf diese Weise entstehen fuer den
Staat Unkosten, zugleich gehen Arbeltsstunden verloren. Wenn der
Unfall durch eine Explosion, durch einen Brand oder eine andere
Katastrophe verursacht ist, muss mit erheblichen Schaeden an
Maschinen und anderen Ausruestungsgegenstaenden der Industrie und
Verlusten an Rohstoffen und Fertigwaren gerechnet werden." So Ist
es woertlich in der "Prace" vom 13. Juli 1951 zu lesenl
In dem Bestreben, derartige Verluste zu vermeiden, hat die
- 4 -

�Regierung den Gewerkschaften die Verantwortung fuer die Sicherheit smassnahmen uebertragen. Dies ist seit 1945 die zweite
Aenderung in ihrem Programm. Zipka erklaerte in der stalinistischen Zeitung "Prace" am 7. Juli hierzu: "Arbeitsunfaelle
sind meistens auf die Unvorsichtigkeit und Nachlaessigkeit der
Arbeiter zurueckzufuehren." Fluechtlinge aus der Tschechoslowakei dementieren diese Behauptung und beschuldigen Zipka, wie ein
Arbeitgeber und nicht wie ein Gewerkschaftsfuehrer zu sprechen.
Sie sind der Ansicht, dass die gesteigerten Unfallziffern in den
Fabriken und in den Bergwerken durch den Mangel an Sicherheitsmethoden oder durch veraltete Einrichtungen und ueberbeanspruchte
Maschinen bedingt sind, die regelrecht zusammenbrechen und zahlreiche Unfaelle verursachen. Eine weitere Ursache der Unfaelle
ist die staendige Beschleunigung des Arbeitstempos. In den
Fabriken und besonders in den Bergwerken werden Menschen und
Maschinen durch das stachanowistische Antreibesystem gezwungen,
schneller als bisher zu arbeiten: ein anormaler Verschleiss an
Menschen und Maschinen ist die unausbleibliche Folge. Es kommt
zu unnoetigen Unfaellen, und die Arbeitsmoral sinkt zwangslaeufIg.
Propagandaschlagworte ueber den "Aufbau des Sozialismus" sind
fuer derartige Arbeitsbedingungen kein Ausgleich. Die stalinistischen Machthaber der Tschechoslowakei muessen in immer staerkerem
Masse Terror und brutale Gewalt anwenden, um einmal den passiven
Widerstand zu ueberwinden, und zum anderen aus ihren Opfern immer
mehr herauszuholen.
Program Services Section
VIII/14/51

DIE ERWERESTAETIGE JAPANERIN.

Die erwerbstaetige Frau lebt auch in Japan immer noch unter
dem Joch alter Gebraeuche und Traditionen; aber heute sind schon
mehr als eine Million Japanerinnen eifrige Gewerkschaftsmitglieder.
Trotz der vielen Hindernisse, die zu ueberwinden waren, haben sie
betraechtliche Fortschritte erzielt.
Gladys Dickason, die als erste .Gewerkschafterin aus Amerika
in offizieller Mission nach Japan geschickt wurde, hatte nach
einem viermonaticren Besuch in Japan diesen allgemeinen Eindruck
von dem Fortschritt gewonnen, den die arbeitenden Frauen Japans
erzielt hatten.
Fraeulein Dickason ist Vizevorsitzende und Leiterin der
Forschungsabteilung der Bekleidungsarbeitergewerkschaft des CIO.
In ihrem Buero in der Zentrale der Bekleidungsarbeitergewerkschaft des CIO in New York sprach Fraeulein Dickason zu Vertretern der "CIO News" ueber ihre Beobachtungen in Japan.
Sie unternahm diese Reise als Sachverstaendige fuer Frauentagen in den Gewerkschaften. Um sich Informationen ueber Loehne,
Arbeits- und Lebensbedingungen und die Taetigkeit der Gewerkschaften an Ort und Stelle einzuholen, hat sie etwa 50 Betriebe
besucht, In denen rund 120.000 Arbeiter, meist Frauen, beschaeftip;t
sind. Sie wohnte Versammlungen bei und hatte Unterredungen mit
Vertretergruppen oertlicher Gewerkschaften, die sich aus Maennern
und Frauen zusammensetzten. Sie unterhielt sich mit Beamten der
Regierung, die sich mit Arbeits- und Frauenfragen beschaeftigen.
Im Beisein von Gewerkschaftsfunktionaeren fuehrte sie Besprechungen
mit Arbeitgebervertretern, sie sprach aber auch anlaesslich ver-

5 -

�schiedener Massenkundgebungen der Gewerkschaften.
"Das Interesse der Frauen fuer die Gewerkschaften und fuer
Angelegenheiten oeffentlicher Bedeutung ist wirklich erstaunlich,"
berichtete Gladys Dickason. "So ist zum Beispiel der Prozentsatz
der Wahlbeteiligung; der Frauen groesser als der der Ma-enner."
"Die Amerikaner moegen es mit Erroeten zur Kenntnis nehmen,
wenn sie an die eigene Wahlbeteiligung denken, dass mehr als 80 %
der Wahlberechtigten an den Wahlen' teilnehmen."
Wir neigen zu der Annahme, dass das Gesicht des japanischen
Menschen ausdruckslos ist. Was jedoch mit zu den lebendigsten
Erinnerungen Gladys Dickasons gehoert, ist der aufgeweckte und
anteilnehmende Gesichtsausdruck der japanischen Frauen, mit denen
sie sich unterhielt.
Sie stuermten regelrecht in die Versammlunersraeuine, um sie
sprechen zu hoeren. Bei ihren Besuchen in den betriebseigenen
Schlafsaelen, in denen noch viele Frauen leben, war sie immer von
einer grossen Schar wissensdurstiger Frauen umgeben, die mit Hilfe
eines Dolmetschers ihr Hunderte von Fragen stellten.
Ein grosser Prozentsatz der erwerbstaeti^en Frauen, in Japan
ist sehr jung. Das Mindestarbeitsalter ist 15 Jahre. Gladys
Dickasons jedoch berichtete, dass einige von ihnen nicht aelter
als 10 oder 12 Jahre ausgesehen haetten, sie jedoch gut und gern
15 Jahre und aelter gewesen sein koennen, weil man dem Japaner Im
allgemeinen sein Alter nicht ansieht. Nur etwa 15 % der erwerbstaetigen Frauen sind vorheiratet.
Der Status der in der Industrie beschaeftigten Frauen Ist
durch die umwaelzenden Veraenderungen in der Gesetzgebung und Verfassung In der Nachkriegszeit wesentlich verbessert worden. Diese
Veraenderungen haben eine Revolution der gesellschaftlichen Stellung der Frau in Japan bewirkt.
Zu den wichtigsten Veraenderungen gehoert das Wahlrecht der
Frau, das sie zum erstenmal im April 1946 ausuebte. Jede Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Beziehung ist fuer ungesetzlich erklaert und
den Frauen sind heute die gleichen Bildungsmoeglichkelten gewaehrt
worden.
Das Gesetz fuer Arbeltsnormen, das sich sowohl auf erwerbstaetige Maenner als auch Frauen erstreckt, beschraenkt die taegliche
Arbeitszeit auf acht Stunden und die woechentliche Arbeitszeit In
den Hersteller- und verarbeitenden Industrien auf 48 Stunden. Es
legt gewisse Beschraenkungen fuer die Ueberstundenarbeit der Frau
auf und verbietet darueber hinaus gefaehrliche und gesundheitsschaedliche Arbelt fuer Frauen.
Das Gesetz ueber gewerkschaftliche Organisation, das im Dezember 1945 erlassen wurde und sich sowohl auf Maenner als auch auf
Frauen erstreckt, garantiert das Recht, sich gewerkschaftlich zu
organisieren sowie das Streikrecht.
"Die traditionellen Schwierigkeiten, denen die Frauen ausgesetzt waren,lassen diese beiden Gesetze als Urkunden der Freiheit
fuer die Frau erscheinen."
Nach der neuesten verfuegbaren Statistik zurzeit des Aufenthalts Gladys Dickasons in Japan waren von einer gesamten 33 Millionen Menschen zaehlenden Erwerbsbevoelkerung mehr als 12 Millionen Frauen. Nahezu die Haelfte hiervon war in der Landwirtschaft

- 6 -

�schaft beschaeftist.
Nur rund 2,5 Millionen Frauen oder 38 % der 6,5 Killionen
in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben Besthaeftigten arbeiten
in der Hersteller- und verarbeitenden Industrie. Ueber zwei
Killionen sind im Handel und Gewerbe beschaeftigt. Sine Killion
Frauen verdient sich in den Dienstleistungsindustrien ihr Brot,
und 210.000 sind bei der Regierung beschaeftigt.
Eine der ueberraschendsten Tatsachen ist es, betont Gladys
Dickason, dass es in Japan eine grosse Anzahl unbezahlter Arbeiter
gibt, die man sogar in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben antrifft.
Kehr als sieben Killionen Maenner und Frauen, das heisst etwa
ein Drittel aller in dieser Kategorie, erhalten keinen Lohn. Sie
arbeiten in der grossen Zahl der Familienbetriebe , die fuer die
Gewerkschaften in Japan eines der schwierigsten Probleme darstellen.
Nahezu drei Killionen oder 43 % aller erwerbstaetigen Frauen
in Fabriken und Ladengeschaeften werden nicht entlohnt. Nur
wenirr mehr als 1,5 Millionen der 2,5 Millionen Frauen, die in der
Herstellerindustrie beschaeftigt sind, erhalten einen Lohn. Die
üarloehne der Frauen sind Im Durchschnitt um mehr als die Haelfte
niedriger als die der Kaenner.
In Anbetracut der grossen Schwierigkeiten, mit denen die erwerbstaetige Frau gerade in Japan zu kaempfen hat, duerfte die
Tatsache ein Beweis fuer ihre bejahende Haltung den Gewerkschaften
gegenueber sein, dass von je vier Mitgliedern in der Gesamtmitgliederzahl ein Kitglied eine Frau Ist.
Insgesamt gibt es 1.304.332 weibliche Gewerkschaftsmitglieder.
Etwa 38 % aller Frauen, die eine bezahlte Beschaeftigung ausueben,
gehoeren einer Gewerkschaft an.
Nach der Industriezugehoerigkeit ist die groesste Gruppe gewerkschaftlich organisierter, erwerbstaetiger Frauen in der Textilindustrie vorzufinden, in der 284.000 Frauen Gewerkschaftsmitglieder sind und damit 71 % der gesamten Kitgliederzahl dieser
Gewerkschaft ausmachen.
The CIO News
VIH/13/51
C K . Hartwell, Herausgeber des TUC-Organs:
BRI TISCHE GEWERKSCHAFTEN UND KOKMTNISKUS .

Da sich die Sorrmersaison der gewerkschaftlichen Konferenzen
in England ihrem Hoehepunkt, naemlich der Jahresversammlung des
Britischen Gewerkschaftskongresses (TUC) im September genaehert
hat, werden bereits Vermutungen ueber etwaige Aenderunn;en in der
Politik gegenueber wichtigen gewerkschaftlichen Problemen laut.
Am wenigsten Hoffnung, eine Chance zu haben, besteht dabei
fuer die Kommunisten. Sie blicken auf ein nicht besonders erfolgreiches Jahr zurueck. Seit Ostern haben ihnen die uebrigen
Delegierten in allen Konferenzen eine ablehnende Haltung gezeigt,
und eine Abstimmung nach der anderen hat erwiesen, dass Ihr Bemuehen, dem Kommunismus In den Gewerkschaften eine fuehrende Stellung zu sichern und ihn zu staerken, voellig fehlgeschlagen ist.
In der Metallarbeitergewerkschaft, deren 80u.OOO Kitglieder
- 7 -

�wesentliche Arbeiten an Verteidigungsprojekten verrichten, hat
Jack Tanner vor kurzem einen Sieg ueber seinen kommunistischen
Rivalen errungen, als er von den Mitgliedern der Gewerkschaft
zum Vorsitzenden gewaehlt wurde. Zuvor hatte die gleiche Gewerkschaft unter Anwendung der gleichen demokratischen Methoden die
Kommunisten aus den hohen Aemtern innerhalb der Gewerkschaft
vertrieben. Hierunter faellt auch der Ruecktritt zweier Organisatoren auf Landesebene.
Diese Rueckschlaege der Kommunisten fallen zeitlich mit einem
Tiefstand des politischen Einflusses des Kommunismus zusammen,
denn kein einziger Anhaenger der kommunistischen Partei ist als
Abgeordneter im Parlament, und nur wenige konnten ihre Mandate in
den Ortsverwaltuneen beibehalten, die sie sich errunt en hatten,
als sie ein wenig Ansehen aus den Kriegserfolgen der Roten Armee
zu ihren Gunsten in die Waagschale werden konnten.
Enttaeuscht darueber, dass es ihnen nicht gelungen ist, die
schweren Verluste, die sie in der Politik erlitten hatten, auf
industriellem Gebiet wiedergutzumachen, haben sich die Kitglieder
der kommunistischen Partei daran erinnert, dass es ihre wichtigste
Aufgabe ist, in den Betrieben kommunistische Parteigruppen zu
bilden. Sie haben zu erkennen gegeben, dass es ihr Ziel ist, nicht
Hunderte solcher Gruppen, sondern vielmehr Tausende zu bilden, von
denen viele, wenn die uebliche kommunistische "Normaltaktik" angewendet wird, ihre Existenz vollkommen verbergen oder ihre politische Zugehoerigkeit unter dem Namen wie "Arbeiterschutzkomitees"
tarnen wuerdo^ waehrend sie bestrebt sind, Stimmen fuer solche
Kandidaten zu sammeln, die von den Parteifuehrern fuer die Aemter
in Orts- und Landesgewerkschaften vorgesehen sind.
Dass von selten des TUC bereits vor drei
und andere Methoden aufmerksam gemacht wurde,
gangen, und es fand in diesem Jahr wohl keine
3tatt, auf der das schwierige Problem, um das
handelt, nicht erwaehnt worden waere.

Jahren auf diese
ist niemandem enteinzige Konferenz
es sich hierbei

In mehreren Faellen haben jedoch die Delegierten aufgrund
ihrer traditionellen Toleranz Minderheitsgruppen gegenueber gezoegert, drastische Massnahmen gegen die Taetigkeit einer organisierten Gruppe in ihren Reihen zu ergreifen, die zwar wenig Respekt
fuer demokratische Grundsaetze zeigt, aber nichtsdestoweniger die
demokratischen Einrichtungen zu ihrem Vorteil ausnutzt.
Auf der anderen Seite sehen sich aber verschiedene Gewerkschaften aufgrund bitterer Erfahrungen veranlasst, dieser Gefahr
prompt zu begegnen. So bestand zum Beispiel die Gewerkschaft der
Bueroangestellten vor zwei Jahren darauf, dass sich die Kandidaten
fuer alle Aemter in der Gewerkschaft auch zu ihrer politischen
Ueberzeugung bekennen. Damit war den Hoffnungen vieler kommunistischer Bewerber ein Ende gesetzt, zu denen auch jener Mann gehoerte, der in diesem Jahr bei den Wahlen um den Vorsitz der Gewerkschaft mit sechs gegen eine Stimme geschlagen wurde.
Inzwischen haben etwa acht Kommunisten ihre Positionen als
oertliche Gewerkschaftsfuehrer dazu ausgenutzt, Betriebsraeten
und anderen gewerkschaftlichen Koerperschaften Meinungen aufzuzwingen, die mit der Politik der Gewerkschaft nicht in Einklang zu
bringen sind. Sie wurden daraufhin aus der Gewerkschaft ausgestossen.
Die Gewerkschaft der Transport- und Fabrikarbeiter, die 1,3
Millionen Mitglieder zaehlt, hat es vor zwei Jahren fuer notwendig
erachtet, aehnliche Regelungen zu treffen.
- 8 -

�Von den gewaehlten Vertretern der 350.000 Arbeiter im Verteilergewerbe hatte die Mehrheit auf der Jahresversammlung der
Gewerkschaft verlangt, dass der englische Botschafter in Madrid
abberufen wird. Aber nur wenige Kaende wurden gehoben, um'die
Forderung nach dem Rueckzug aller auslaendischen Truppen aus
Korea und andere Resolutionen zu unterstuetzen, die den Zweck
hatten,' die sowjetische Aussenpolitik zu rechtfertigen oder die
Politik der westlichen Laender zu diffamieren.
Ausserdem entschieden sich die Delegierten bei der Wahl des
Vorsitzenden mit grosser Mehrheit fuer ein Parlamentsmitglied,
der der Gewerkschaftsbewegung angehoert, und nicht fuer seinen
kommunistischen Rivalen. Gleichzeitig ging die Zahl der Kommunisten unter den 113 Punktionaeren der Landes- und Bezirksvorstaende auf sechs zurueck.
All diese Tatsachen zeigen, dass sich die englischen Gewerkschaften in voller Ausuebung ihres Rechtes, zu kritisieren
und eine Aenderung in der Politik ihrer Regierung herbeizufuehren,
mehr und mehr der grossen Gefahren bewusst sind, die durch eine
allzu tolerante Haltung den kommunistischen Infiltrationsmethoden
gegenueber nicht nur ihre Gewerkschaften, sondern auch die wirtschaftliche Staerke und demokratische Struktur ihres Landes bedrohen.
The CIO News
VIII/20/51
»VIS AFER1KANI3CEE GEWERKSCHAFTEN FINANZSCHWACHE BETRIEBE UNTERSTUETZEN.
Wenn auch die amerikanische Gewerkschaftsbewegung ein Kampfmittel darstellt, so hat sie sich doch nach Richtungen entwickelt,
die auf einen Europaeer zuweilen ueberraschend wirken. So pflegt
zum Beispiel seit langer Zeit schon eine bedeutende amerikanische
Gewerkschaft, naemlich die der Damenoberbekleidungsarbeiter (ILGWU),
mit den Unternehmern eine Form der Zusammenarbeit, die auf dem
folgenden Grundsatz beruht: Es ist besser, ein gesundes Unternehmen wieder auf die Beine zu bringen, als es untergehen und die
Arbeiter erwerbslos werden zu lassen.
Das Beispiel der ILGWU ist zweifellos fuer die gesamte Gewerkschaftsbewegung Amerikas nicht allgemeingueltig. Aufgrund
Ihrer Eigentuemlichkeit, der Bedeutung und Lebendigkeit der Gewerkschaftsorganisation, die diesen Standpunkt vertritt, ist es
jedoch der Muehe wert, sich naeher damit zu befassen.
Diese Art der gewerkschaftlichen Arbeit erfordert natuerlich
geschultes Personal, das in der Lage ist, ein Unternehmen auf
seine Maengel genauestens zu untersuchen und Abhilfe zu schaffen.
Sie erfordert ebenfalls seitens der Gewerkschaften wie auch der
Unternehmer eine Geisteshaltung, der jegliches Gefuehl des Misstrauens fernliegen muss. Der Arbeitgeber muss wissen, dass man
ihm nicht auf sein gutes Gesicht hin hilft, und der Arbeiter muss
sein Bestes tun, nicht nur, um seinen Lohn zu erhalten, sondern
auch um seinem Betrieb die Moeglichkeit zu geben, sich gegen die
Konkurrenz durchzusetzen.
Mit dem geschulten Personal meinen wir die technischen
Experten der Gewerkschaft: Techniker, die aufgeschlossen sind und
genau die Aufgaben ihrer Gewerkschaft kennen. Er wird von der Gewerkschaft bezahlt. Er ist es, der Methoden ausarbeitet, deren
- 9 -

�Beachtung bei der Pestsetzung der Loehne anerlaesslich sind,
der die Organisation der Betriebe mit dem Ziel studiert, die
Produktivitaet zu verbessern und die Crewinne aus dieser Verbesserung in Form hoeherer Loehne den Arbeitern zuzuleiten. Es
ist der "Mann der Produktivitaet".
Zu Anfang Juni fand in der Abtei Royaumont in der Naehe von
Paris eine Arbeitskonferenz statt, die sich mit den sozialen und
organisatorischen Problemen der Arbeiter beschaeftigte. Die
Frage der Produktivitaet stand ebenfalls auf der Tagesordnung,
und verschiedene Sprecher aeusserten ihre Ansichten zu dieser
Frage. Einer von ihnen war ein technischer Experte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung: William Gomberg von der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Als Einleitung nahm er
mit folgenden Worten zum amerikanischen Unternehmertum Stellung:
"Man darf nicht vergessen, dass wir uns in einem Lande, das
so gross und so dynamisch wie die Vereinigten Staaten ist, gluecklich preisen koennen, dass die Leitung der Industrie in den Haenden kuehner Fuehrer liegt, die staendlg nach neuen Produkten fuer
alte Absahzmaerkte und nach neuen Maerkten fuer alte Produkte
suchen. Damit Sie nicht der Ansicht sind, dass ich Ihnen ein allzu optimistisches 3ild vor Augen halten moechte, beeile ich mich,
hinzuzufuegen, dass auch wir noch einen bestimmten Prozentsatz an
Unternehmern alter Praerrung haben, die, wenn wir Gewerkschafter
es zuliessen, sich sehr wohl damit begnuegen koennten, die Vorteile einer statischen Wirtschaft fuer sich allein zu beanspruchen.
Sie sind stets bereit, Ihnen zu erklaeren, dass die vorhandenen
Absatzmaerkte uebersaettigt sind, dass durch niedrige Preise nur
ein Chaos herbeigefuehrt und keine neue Moeglichkeit erschlossen
wird, und dass durch hoehere Loehne die Gestehungskosten in untragbarer Weise gesteigert werden. Sie werden uns anschliessend
erklaeren, dass wir mit unseren Forderungen nach hoeheren Loehnen
erst die wirkliche Steigerung der Produktivitaet abwarten muessen.
Gleichzeitig wird diese selbe Gruppe behaupten, dass die Wirtschaft
unseres Landes ihr groesstmoegliches Potential an Investierungen
absorbiert habe, und wird sich weigern, ihre Fabriken zu vergroessern und ihre Einrichtungen zu erneuern. Sie werden Ihnen
sagen, dass die Loehne der Produktivitaet angepasst werden muessen,
aber sie werden nichts tun, um mitzuhelfen, diese Produktivitaet
zu steigern. Gluecklicherweise ist in unserem Lande diese kleine
Gruppe Unternehmer durch dynamische Elemente aus der Unternehmergemeinschaft zum Schweigen gebracht worden. Wir Gewerkschafter
haben diese pe-ssimist Ische Einstellung von Anfang an grundsaetzllch
abgelehnt."
Es ist also das Ziel der technischen Experten der amerikanischen Gewerkschaften, jene Apparaturen und Voraussetzungen auszuarbeiten, durch die die Arbeiter an dem Verkauf und an den Gewinnen
aus einer Steigerung der Produktion beteiligt werden koennen.
Diese Beteiligung muss sich jedoch in der Form eines sofortigen
Gewinnes zeigen, denn "Belohnungen auf lange Sicht sind ein Luxus,
den sich nur Akademiker leisten koennen. Arbeiter muessen heute
leben und Ihre Kinder heute erziehen; auf lange Sicht sehen und
abwarten wollen,bedeutet fuer sie Tod."
Es ist einfacher, die Arbeitswelse dieser technischen Einrichtungen zu verstehen, wenn man sie im Lichte der grundliegenden
Politik betrachtet, die die amerikanischen Gewerkschaften mit
ihren Kollektivverhandlungen verfolgen. Diese Politik besteht
darin, mit Energie und Ausdauer hoehere Loehne zu fordern.
Dieser dauernden Forderung liegt die Ueberzeugung zugrunde,

- 10

�dass nur gutgefuehrte Unternehmen die Moeglichkeit haben, hohe
Loehne zu zahlen. "Grenzunternehmen", das heisst solche, deren
Gestehungskosten so hoch sind, dass sie ihnen kaum Gewinne ermoeglichen, halten sich mit Muehe und Not an der Grenze vor dem
Zusammenbruch. Es ist offensichtlich, dass diese Unternehmen
stark bedroht sind, wenn die Gewerkschaften zu -hohe Loehne fordern und wenn ihre Direktoren keine Reform der ueberholungsbeduerfti^en Arbeitsmethoden durchfuehren.
In diesem Moment beginnt die Taeti?;keit der technischen
Experten der 3ewerkschaft: Sie sind staendig bereit, ein Rettun-'smanoevor durchzufuenren, wenn dies ueberhaupt moeglich ist,
um einen "Grenzbetrieb" vor dem Ruin zu bewahren und es ihm zu
ermoeclichen, die von der Gewerkschaft geforderten Loehne zu
zahlen. Sie werden mithelfen, die Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu verbessern. Sich mit Loehnen zu begnuegen, die unter
dem Niveau der Konkurrenzbetriebe liegen, wird nicht als rechtmaessiges Mittel zur Unterstuetzung der Leitung eines Unternehmens betrachtet. Dies wuerde nur eine Belohnung fuer Unfaehigkeit darstellen.
Und nun ein schematisches Beispiel zu einer solchen Hilfsaktion:
Nehmen wir an, in einem Gebiet, das der Zustaendigkeit einer
Gewerkschaft untersteht, bestehen die beiden Betriebe "A" und
"B". In dem Tarifvertrag ist vorgesehen, dass die Stuecklohntarife so festgesetzt sind, dass ein durchschnittlicher Stundenlohn von X Dollar garantiert ist. Die Tarife werden dementsprechend festgesetzt,und die Gewerkschaft uebt in den Betrieben
eine Kontrolle aus, um festzustellen, wie es sich damit verhaelt.
Sie stellt fest, dass in dem Betrieb "A" alles nach dem Rechten
geht und der durchschnittliche Stundenlohn tatsaechlich X Dollar
betraegt. In dem Betrieb "B" dagegen ist dieser Stundenlohn geringer. Der Leitung dieses Betriebes "B" wird also mitgeteilt,
dass sie nicht die Bestimmungen des Vertrages einhaelt, und die
Gewerkschaft fordert eine Revidierung der Stuecklohntarife, damit
der vorgesehene Mindestlohn gesichert ist. Der Unternehmer
antwortet, dass er die Tarife nicht erhoehen kann, ohne sein
Unternehmen zu ruinieren. Die Gewerkschaft steht nun vor der
Frage, ob sie auf der Einhaltung der Bestimmungen bestehen und
damit die Gefahr einer Betriebsschliessung heraufbeschwoeren soll.
Die Gewerkschaft entschliesst sich also zu einem Kompromiss
und schlaegt der Betriebsleitung des Unternehmens "B" vor, bei
der Neuorganisierung der Arbeitsmethoden mitzuhelfen. In diesem
Augenblick bestehen drei Moeglichkeiten:
1. Der Unternehmer kann der Auffassung sein, dass die
Einzelheiten der Betriebsfuehrung, wie zum Beispiel Arbeitseinteilung und Arbeitsmethoden innerhalb des Betriebs die Gewerkschaft nichts angehen. Er haelt es fuer Dinge, die der Betriebsleitung vorbehalten sind. "Einverstanden" wird die Gewerkschaft
erwidern, "aber Sie respektieren nicht den Tarifvertrag, denn
die Loehne, die sie zahlen, sind niedriger als der vereinbarte
Durchschnitt. Wir werden uns deshalb an einen Schiedsrichter
wenden." Der Schiedsrichter wird wahrscheinlich den Unternehmer
zwingen, die Tarife zu erhoehen, und das Unternehmen wird sich
in einer verhaengnisvollen Lage befinden.
2. Die Gewerkschaft kann zu dem Entschluss kommen, dass
nichts zu aendern ist, und sie ueberlaesst es dem ^nternelimer
selbst, sich aus der Affaere zu ziehen, haelt jedoch ihre For-

- 11 -

�derunjen ohne Ruecksicht auf den Betrieb, der daran zugrunde
gehen wird, aufrecht. Es ist uebrigens eine ausgezeichnete
Wirtschaftstheorie, dass ein unrentables Unternehmen seine
Tueren schliessen muss und sein Absatz und seine Arbeiter von
der Konkurrenz absorbiert werden. Die amerikanischen Gewerkschaften sind sich jedoch darueber klar geworden, dass sich das
freie Spiel der industriellen Konkurrenz weitaus besser in den
Handbuechern der Wirtschaftspolitik als in der Wirklichkeit abspielt. Es wuerde nicht lange dauern, bis die Industrie eher
einem Dschungel als einer zivilisierten Gemeinschaft gliche.
3. Das Unternehmen ist gesund, und die Betriebsleitung
setzt sich aus verstaendigen Leuten zusammen. Es ist dem Interesse der Arbeiter und Verbraucher dienlicher, wenn man diese
Produktionseinheit ermutigt, mit einem Maximum an Ertrag zu
arbeiten. Hieraus entwickelt sich die Zusammenarbeit zvischen
der Betriebsleitung und den technischen Experten der Gewerkschaft.
Die Angelegenheit wird In allen Einzelheiten studiert, und der
technische Experte der Gewerkschaft laesst ihr die In anderen
aehnlichen Unternehmen gesammelten Erfahrungen zugutekommen.
Es muss natuerllch bemerkt werden, dass diese Hilfe auf
keinen Fall so gehandhabt werden darf, dass das am schlechtesten
bewirtschaftete Unternehmen auf Kosten der darin beschaeftigten
Arbeiter existieren kann. Wenn der von der Gewerkschaft unterstuetzte Arbeitgeber bestehen will, muss er sich in bezug auf
Loehne an die Vorschriften der Gewerkschaften halten und befaehigt
sein, das Problem der Konkurrenz zu loesen. "Wir sind der Ansicht,
dass die Unternehmer aufgrund ihrer Verstaendigkeit und ihres
Einfallsreichtums in der Fabrikation, aber nicht aufgrund ihrer
mehr oder weniger grossen Faehigkeit, Vereinbarungen ueber
moeglichst niedrige Loehne zu-treffen, vor der Konkurrenz bestehen koennen."
Ausserdem stellt die Arbeit der technischen Experten der
Gewerkschaften einen Schutz fuer die Interessen der Arbeiter dar,
wenn aussenstehende Experten, die zu Rate gezogen werden, die
Neuorganisation der bestehenden Betriebe durchfuehren. Jede
Neuorganisation bringt neue Arbeitsplaetze mit sich, fuer die
Stuecklohntarife neu festgesetzt werden muessen.
Nehmen wir an, ein Arbeiter hat bewiesen, dass er an seinem
frueheren Arbeitsplatz 1.60 Dollar verdienen kann. Man gibt ihm
nun einen anderen Platz. Der technische Experte der Betriebsleitung fuehrt ein Zeltstudium durch und setzt den Tarif so fest,
dass der Arbeiter gezwungen ist, mehr zu arbeiten als vorher,
wenn er 1.60 Dollar verdienen will. Der Protest des Arbeiters
koennte erfolglos sein, denn der Experte wird erklaeren, seine
wissenschaftlichen Metboden haetten bewiesen, dass der Arbeiter
zu langsam arbeite. Es ist sehr leicht moeglich, dass die neue
technische Organisation des Betriebs den verborgenen Zweck hat,
das Arbeitstempo der Arbeiter zu steigern. Es liegt also an den
Experten der Gewerkschaft, durch Zeitstudien festzustellen, ob
eine Beschleunigung vorliegt oder nicht.
Man erwaehnte als Beispiel eine Kleiderfabrik In Virginia,
wo die technischen Experten der Gewerkschaft versuchten, die
Verbesserung auszuwerten, die den Experten der Unte 'nehmer zufolge dank einer neuen technischen Arbeitseinteilung ermoeglicht
wurde. Diese Behauptung hatte als Vorwand gedient, um die
Loehne um 25 - 30 % verringern zu koennen, was, so behauptete
die Betriebsleitung, durch die Veraenderungen der Arbeitsmethoden ausgeglichen waere, mit denen eine entsprechende Reduzierung der Arbeitszeit ermoeglicht worden waere. Nach ein-12-

�gehenden Studien bezifferten die technischen Experten der Gewerkschaft die wirkliche, aufgrund neuer Methoden herbeigefuehrte Verbesserung auf 7 % und weigerten sich, die von dem Unternehmen
festgesetzten Lohntarife anzuerkennen.
Niemand wird es leugnen, dass die Frage der Produktivitaet in
den amerikanischen Gewerkschaften hoechst akut ist. Eine Steigerung der Produktivitaet ist in ihren Augen die einzige Moeglichkeit, den Lebensstandard nicht nur der Arbeiter, sondern der gesamten Bevoelkerung zu verbessern. In diesem Kampf spielt der
technische Experte der Gewerkschaft eine sehr bedeutsame Rolle.
Seine Aufgabe ist jedoch nicht leicht, denn selbst in Amerika gibt
es unfortschrittliche Unternehmer. Aus diesem Grunde muss der
technische Exporte vor allem auch ein erfahrener Psychologe sein.
Er kann in der Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern Grosses leisten.
Wo ist in Wirklichkeit der Unternehmer, der nicht jammert,
wenn man von ihm eine Lohnerhoehung verlangt? Seine Einstellung
ist jedoch vosllig anders, wenn mit dieser Forderung genaue Vorschlaege unterbreitet werden, die es der Betriebsfuehrung ermoeglichen, den Gewinn einer besseren Betriebsorganisation mit den Arbeitern zu teilen. In der Arbeit der technischen Experten der Gewerkschaften ist also ein Getriebe zu sehen, das fuer die Riesenmaschine der amerikanischen Wirtschaft aeusserst nuetzlich ist:
Diese Einrichtung stellt zweifellos einen ausgezeichneten Exportartikel dar, den sich auch Europa zu eigen machen sollte.
Rapports France-Etats Unis
VIII/51

ITALIEN ERZEUGT STRCW MIT VULKANISCHEN DAEMPFEN.

Die Kohle, die auch als "schwarze Kraft" bezeichnet wird,
muss verbrannt werden, um Wasser in Dampf zu verwandeln; es war
die erste Kraftquelle, mit der man Elektrizitaet erzeugte. Spaeter
nutzte man Wasserkraefte, die sogenannte "weisse Kraft" dazu aus,
Turbinen zu drehen, mit denen Strom fuer die Betriebe und Wohnungen
in allen Laendern erzeugt wird. Heutzutage hat man in Italien
jedoch eine neue Kraftquelle gefunden und nutzbar gemacht: vulkanische Daempfe. Eine solche Kraftquelle im Larderello-Tal, einer
abgelegenen Gegend der Provinz Toscana, etwa 60 Kilometer suedlich
von Florenz gelegen, erzeugt jaehrlich fuer das energiearme Italien
fast zwei Milliarden Kilowattstunden Strom. Man nennt das Produkt
dieses grossen Naturgiganten "vulkanische Energie".
Jahrhundertelang war das Tal von Larderello Schauplatz des
ungezuegelten Spiels wilder Naturkraefte. Die Erdoberflaeche des
Tals wird von hochschiessenden helssen Dampfsprudeln und Quellen
siedenden Schlammsund kochenden Wasseis durchbrochen, denn das Tal
befindet sich ueber einem Vulkan, der weit unter der Erdkruste
glueht und sich unterirdisch ueber ein Gebiet von annaehernd 210
Quadratkilometern erstreckt. Regenwasser, das durch den poroesen
Fels In grosse Ablagerungen heisser Lava dringt, wird fortlaufend
in Dampf umgewandelt. Jahrelang brodelte diese maechtige Kraft im
Innern der Erde, bis eines Tages Maenner der Technik den Entschluss
fassten, sie nutzbar zu machen und Strom fuer Italiens energiebeduerftige Eisenbahnen, Fabriken und den Zivilbedarf zu erzeugen.
Die Italienischen Arbeiter machten diese Riesenreserven an
Dampfkraft nutzbar, indem sie Bohrloecher in das Erdinnere trieben,
- 13 -

�aehnlich wie der amerikanische Arbeiter in Texas oder Louisiana,
der nach Erdgas bohrt.
Es ist ein schauriger Anblick, wenn mit einem Bohrer die
Felsschicht durchbrochen wird und damit die Pforte zu den unterIrdischen Dampfbehaeltern freigegeben wird. Der siedende Dampf &lt;
dringt zischend durch das Bohrloch nach oben. Der Druck macht
sich mit einer solchen Gewalt frei, dass der Erdboden wie bei
einem Erdbeben schwankt und zittert. Einige statistische Angaben
ueber das Werk moegen fuer unsere Leser von Interesse sein. Wir
verdanken sie Signore Bartelli, einem italienischen Korrespondenten.
"Durch einige Bohrloecher stroemen stuendlich 35 Tonnen Dampf mit
einem Druck von 170 kg auf einen Quadratzentimeter bei einer Geschwindigkeit von 390 m in der Sekunde und einer Temoeratur von
215 Grad^Celsius." .
Es Ist keine leichte Aufgabe, einen .so maechtigen Geiser zu
baendigen. Die Maenner, die die Aufgabe haben, im Innern des
Bohrschachtes die erforderlichen Einrichtungen anzubringen, die
Beton- und Stahlanlagen bauen, muessen mit gebeugten Knien arbeiten, um die heftigen Erdstoesse aus dem Erdinnern zu ueberstehen. Sie stopfen ihre Ohren mit Watte aus, um ihre Trommelfelle vor dem Laerm zu schuetzen, und trotz dieser Vorsichtsmassregel haben viele ihr Gehoer verloren.
Manchmal laesst die Natur ihre Kraefte nicht ohne einen erbitterten Kampf nutzbar machen. Bartelli berichtete als Beispiel von
dem Eohrschacht Nr. 50 im Tal von Larderello. Die Bohrarbeiten
waren gerade im Gange, als ein grosser Dampfstrahl zu fruehzeitig
ausbrach. Das Droehnen dieses furchtbaren Ausbruches, das in den
Bergen rings um das Tal widerhallte, war furchtbar. Um den Dampf
niederzuhalten, war vorher Wasser In den Bohrschacht gepumpt worden.
Dieses Wasser wurde in einen gluehenden Sprudel verwandelt und
Plünderte von Metern in die Luft geschleudert. Rot gluehende Felsstuecke und siedender Schlamm wirbelten umher. Die Hitze war so
stark, dass sich die Eisentraeger eines staehlernen Eohrturms,
der in der Naehe stand, kruemmten. Die Arbeiter gewannen jedoch
den Kampf gegen die Naturkraefte, und In kurzer Zeit konnte der
Dampf abgeschirmt und durch Rohrleitungen zu den Generatoren geleitet werden.
Die Kraftwerke in Larderello sind die einzigen in der Welt,
die mit vulkanischer Energie betrieben werden. Es sind dort
staendig 1.500 Arbeiter beschaeftigt, von denen 300 Elektroarbeiter
sind, die den Dampf in elektrischen Strom umwandeln. Diese
Elektroarbeiter verdienen monatlich etwa 35.000 Lire, was in
deutscher Waehrung etwa 235 D-I»'ark entspricht.
Die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern sind
in Larderello aussergewoehnlich gut. Die Elektroarbeiter gehoeren der italienischen Gewerkschaft Freier Elektroarbeiter an,
die dem nichtkommunistischen italienischen Gewerkschaftsbund angeschlossen ist. Sie arbeiten In der Woche 48 Stunden, und Ihre
Gewerkschaft hat fuer sie Sozialversicherungs- und Krankenunterstuetzungen, bezahlten Urlaub, 13 bezahlte Feiertage im Jahr und
eine Weihnachtsgratifikation durchgesetzt.
Die Kraftwerke in Larderello sind gross und ausgedehnt.
Weilenweit, schlaengeln sich Rohrleitungen durch das Tal, und
zahlreiche Verbindungsleitungen koppeln die gischtenden Dampfschaechte mit. Kraftstationen, Transformatoren, Kondensationstuermen und chemischen Fabriken. In Larderello wird ein wertvolles Nebenprodukt gewonnen. Die vulkanischen Daernpfe dieses

- 14 -

�Gebietes enthalten Borax, Amriioniumkarbonat und Spuren anderer
Chemikalien. Vor etwa 200 Jahren haben die Italiener eine
Industrie errichtet, durch die diese Produkte aus den Daempfen
gewonnen werden. Als einzige Quelle natuerlicher Borsaeure der
.Veit hat diese chemische Fabrik im vorigen Jahr ueber 4.500 Tonnen chemischer Produkte erzeugt.
Durch aetzende Oxydbildung wurden die kupfernen elektrischen
Anlagen und Leitungen in Larderello meistens zerstoert. Man hat
dieser Schwierigkeit durch die Verwendung von Aluminiumdraehten
im ganzen Betrieb abgeholfen.
Im Zentrum der italienischen Halbinsel freieren, kann Larderello
seinen Kraftstrom nach allen Richtungen schicken und Italiens Vorraete an elektrischer Energie ergaenzen. Etwa 65 % des erzeugten
Stromes werden von d'en staatlichen Eisenbahnen abgenommen. Weitere
25 )\ werden in den Fabriken verbraucht, waehrend die restlichen
10 % Bueros und Wohnungen mit Licht ström versorgen.
Zu Anfang des Jahres 1944 wurden in Larderello die Turbinen,
Generatoren, chemischen Fabriken und Arbeiterwohnungen von deutschen
Truppen auf dem Rueckmarsch zerstoert. Amerikanische Heeresingenieure und amerikanische Techniker halfen den Italienern, die
Anlagen mit einem Kostenaufwand von acht Milliarden Lire wiederaufzubauen. Im August des vergangenen Jahres drehte sich wieder
die erste Turbine.
"Im Jahre 1950 lieferte Larderello 7-| % der gesamten Stromerzeugung Italiens. Mit den neuen Anlagen kann dieser Anteil nun
um weitere 5 % gesteigert werden. Es ist wohl der billigste Strom
der Welt, der hier erzeugt wird. Denn der Bau von Wasserkraftwerken ist kostspielig, und mit Kohle betriebene Elektrizitaetswerke sind im Verbrauch sehr teuer.
Da Italien nur ueber minderwertige Kohle verfuegt und die
Moeglichkeiten einer Nutzbarmachung der Wasserkraft begrenzt sind,
kann die Bedeutung Larderellos nicht hoch s;enug einweschaetzt werden.
Die Reserven an vulkanischen Daempfen sind in Larderello anscheinend unerschoepflich, waehrend Wasserkraftwerke saisonbedingten
Schwankungen in der Versorgung unterworfen s^nd.
Es handelt sich hier tatsaechlich um ein einzigartiges Unternehmen - "Vulkane drehen Turbinen" - mit denen in Italien Strom
erzeugt wird, um einem Land zu helfen, das bestrebt ist, aus eigener
Kraft heraus wieder wirtschaftlich selbstgenuersam zu werden. Die
Allamerikanische Gewerkschaft der Elektroarbeiter ist stolz auf
die Hilfe, die die USA den italienischen Arbeitern und besonders
den Elektroarbeitern zukommen laesst, die soviel dazu beitragen
koennen, dass auch die uebrin;e Bevoelkerung wieder zu produktiven
Buergern wird. Die amerikanischen Elektroarbeiter ^ruessen die
ECA und wuenschen ihr in allen ihren Unternehmungen den gleichen
Erfolg wie in Larderello.
The Electrical Workers Journal
VII/51
Organ der Allamerikanischen Gewerkschaft der Elektroarbeiter (AFL)

KOMMUNISMUS IN BURMA VERLIERT AN BODEN.

Der Kommunismus kann in Suedostasien durchaus besiegt werden.
Aber hierfuer braucht man wirtschaftliche und soziale Hilfe und
- 15 -

�auch eine gewichtige militaerische Staerke. Dies ist die
Meinung des sozialistischen Ministerpraesidenten in Burma,
Thakin Nu. In einem Interview mit Henry R. LIeberman von der
"New York Times" fuegte der 44-jaehrige burmesische Ministerpraesident hinzu, eine friedliche Beilegung des Korea-Konfliktes
muesse nicht unbedingt eine Erhoehung der kommunistischen Gefahr in diesem Gebiet zur Folge haben. Die Marshallplan-Hilfe
sei ein wirksames Gegengewicht gegen den kommunistischen Druck.
Im vergangenen Jahr erhielt Burma von der Verwaltung fuer
Technische Zusammenarbeit mehr als zehn Millionen Dollar fuer
die Entwicklung des Gesundheitswesens, die Poerderung der Landwirtschaft und des Transportwesens, sowie fuer die Einfuhr
wichtiger Verbrauchsguetern.
Thakin Nu erklaerte: "Wir brauchen Techniker, Ausruestungen,
Berater und finanzielle Unterstuetzung. Wir wuerden diese Unterstuetzung von jedem Lande annehmen, das sie gewaehren will, ohne
uns politische Fesseln anzulegen. Das amerikanische Programm
bringt uns die Art der Hilfe, wie ich mir sie vorstelle."
Als der Ministerpraesident gefragt wurde, ob ein Friede in
Korea den chinesischen Kommunisten nicht die Moeglichkeit geben
wuerde, ihre Hilfe fuer die kommunistischen Rebellen gegen die
burmesische Regierung zu aktivleren, antwortete er: "Wenn wir
uns den Frieden in Korea zunutzemachen und selbst unsere Vorbereitungen zur Abwehr einer Aggression treffen, glaube ich nicht,
dass dieser Friede eine Gefahr bedeutet."
Thakin unterstrich, dass er den Kommunismus und jegliche
Form der Diktatur ablehne, und fuhr dann fort:
"Ich moechte auf demokratischem Wege ein sozialistisches
System einfuehren. Ich werde das Volk selbst ueber dieses System
entscheiden lassen. Wenn es ihm gefaellt, werden wir gewaehlt.
Wenn nicht, sollen sie uns eben fortjagen."
Der burmesische Ministerpraesident war der festen Ueberzeusung, dass die kommunistische Revolte gegen seine Regierung
im Absterben ist und die burmesischen Kommunisten eine immer geringer werdende Gefahr darstellen, denn, so sagte er, "wir haben
die Massen auf unserer Seite."
Program Services Section
VIII/15/51
US-BAECKERGEWERKSCHAFT SCHAFFT EIGENEM UNFALLVERHUETUNGSFILM.

Die wachsende Zahl der gewerkschaftlichen Filme wird um
einen weiteren vermehrt werden, sobald die Gewerkschaft der Backund Suesswarenarbeiter auf Ihrem Kongress am 17. September ihren
Delegierten den neuen Film "Es haengt von Dir ab" zeigen wird,
der von einer Filmgesellschaft In Hollywood hergestellt wurde.
Der Film beschreibt jene Unfaelle, die erfahrungsgemaess in der
Back- und Suesswarenindustrie auftreten und hat die Aufgabe,
drastisch die Unfaelle am Arbeitsplatz darzustellen und zu bekaempfen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, William F. Schnitzler,
teilte mit, dass dieser Film nach seinem Start, allen Ortsgruppen
der Gewerkschaft zur Verfuegung steht.
Daily News Service

- 16 M C 00 IE Sept 51 18338 6 K

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office oi Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 36

Frankfurt, 7. September 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Grundlegende Probleme der Gewerkschaftsbewegung .. 1
Das einzige Mittel zur Steigerung der Reallöhne .. 5
Sozialistischer '.Vettbewerb in der Sowjetunion
zum Scheitern verurteilt
Kommunale Entwicklungsprogramme in Ekuador

8
10

Europaeische Produktionstechniker sammeln wertvolle Erfahrungen in den U.S.A
11
Amerikanische Kommunisten besuchen Russland

14

Hoehere Loehne und mehr Arbeit durch neue Produktionsmethoden

16

Fannia K. Cohn, Sekretaerin im Arbeiterbildungsreferat der
Allamerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter:
GRUNDLEGENDE PROBLEME DER OEyraRKSCiJ^FTSBEV.'EGUNG
Die Gewerkschaftsbewegung ist sich immer dessen bewusst
gewesen, wie wichtig es ist, ihre Mitglieder in ihren Anschauungen, ihren Grundsaetzen und ihrer Politik zu schulen
und sie darauf vorzubereiten, aktiv an der Loesung ihrer
Probleme mitzuarbeiten. Natuerlich sind die Gewerkschaften
selbst, ihre Versammlungen und ihre taeglichen Aufgaben
die beste Schule fuer die Arbeit in der Praxis. Um jedoch
dem Einzelnen ein eingehenderes Studium ueber die Hintergruende der Gewerkschaftspolitik zu ermoeglichen und ihn
dabei zu unterstuetzen,seine Rolle als Buerge einer echten
1

�Demokratie zu spielen, haben die Gewerkschaften die Notwendigkeit erkannt, ihre Arbeit auf dem Gebiete der Arbeiterbildung zu erweitern. In dieser Hinsicht hat das Buero fuer
Arbeiterbildung, die erzieherische Waffe der AFL, eine fuehrende und anerkannte Rolle gespielt.
Die Aufgaben dieses Bueros sind heute von groesserer
Bedeutung als je zuvor. Die Gewerkschaftsbewegung hat in den
Vereinigten Staaten eine bestimmte Reife erreicht. Sie steht
nicht mehr tagtaeglich vor der Notwendigkeit, um ihr blosses
Existenzrecht zu kaempfen. Durch ihre eigene Staerke hat
sie sich einen anerkannten Platz in der Gesellschaft gesichert, dessen Berechtigung nicht mehr anzuzweifeln ist. Auf
politischem und wirtschaftlichem Gebiet hat sich die Bewegung als eine konstruktive Macht entwickelt, mit der gerechnet werden muss.
Aber diese grossen Erfolge der Gewerkschaftsbewegung
haben ihr auch neue Probleme und neue Pflichten auferlegt.
Sie steht heute vor der Aufgabe, nicht nur fuer sich selbst,
sondern auch fuer die gesamte Lebensgemeinschaft des Staates
Fuehrer zu stellen. Sie hat sich viele Freunde gewonnen,
sie musste jedoch dabei feststellen, dass sie maechtige Gegenspieler hat.
Obwohl diese es nicht mehr wagen, wie einst einen frontalen Angriff gegen die Gewerkschaften zu fuehren oder zu
versuchen, sie vollkommen zu zerstoeren, sind sie doch immer noch bestrebt, die Macht der Gewerkschaften zu schwaechen und sie zumindest eines Teils ihrer Handlungsfreiheit
zu berauben. Unablaessige Wachsamkeit ist deshalb auch fuer
eine starke Gewerkschaftsbewegung geboten. Wenn die Gewerkschaften ihre Positionen beibehalten und verbessern wollen,
muessen sie von den Faehigkeiten, die in ihren eigenen Reihen zu finden sind, weitgehenden Gebrauch machen. Die jungen Maenner und Frauen, die den Gewerkschaften zustroemen,
muessen dafuer geschult werden, der Gewerkschaftsbewegung zu
dienen, die wiederum ihnen dienen muss, wenn alle ihre Faehigkeiten zu voller Entfaltung kommen sollen.
In der Vergangenheit sind zahlreiche bekannte Fuehrer
aus der Gewerkschaftsbewegung hervorgegangen, Maenner und Frauen, die sich die Achtung aller Sektoren der staatlichen Lebensgemeinschaft erworben haben. Sie wurden in der Schule
der Erfahrung in den einzelnen Ortsgewerkschaften,als Streikposten, in den Streikbueros und in dem Kampf um den Aufbau
der Organisation angesichts ueberwaeltigender Schwierigkeiten
herangebildet.
Die ersten Kaempfe, unter denen die Gewerkschaftsfuehrer
heranwuchsen, und in denen sie die Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung kennenlernten, sind nun vorueber. Heute gibt es nur
wenige Gewerkschaftsmitglieder, die vor der Notwendigkeit stehen, jene Kaempfe zu durchstehen, und jene Opfer zu bringen,
die von den Pionieren der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
verlangt wurden. Es ist vorteilhaft, dass sich die Gewerkschaften eine Position erobert haben, in der diese Kaempfe
nicht mehr notwendig sind, und die es ihnen ermoeglicht, weitere Erfolge fuer ihre Mitglieder herauszuschlagen, von denen
sie noch vor einer Generation nicht zu traeumen wagte. Dies
bedeutet jedoch auch gleichzeitig, dass die neuen Mitglieder
nicht jene Kampferfahrung haben, die, wenn sie auch oft
grosse Opfer verlangte, grosse Fuehrer hervorbrachte.
2 -

�Wenn die Gewerkschaftsbewegung auch in der Zukunft Fuehrer von der gleichen ^ualitaet wie jene der frueheren Zeit
haben will, uiuss sie irgendeinen Weg finden, um ihren Mitgliedern jene bitteren Lehren der Vergangenheit vor Augen
zu fuehren, die ihnen heute erspart bleiben.
Muessen die jungen Mitglieder alle üaenipfe und Haarten
durchstehen, wie sie die Pioniere der Gewerkschaftsbewegung
kannten, um sich in dieser Bewegung bewaehren zu koennen?
Nein. Der junge amerikanische Buerger braucht nicht mehr
die Kaempfe der Gruendungsvaeter der Republik durchzumachen,
um ein wertvoller Buerger in der Lebensgemeinschaft der
Nation zu sein. Der junge Buerger lernt sein Amerika auch
nur in der Schule, der Hochschule, in seinen Schulbuechern
und dem Geschichtsunterricht kennen. So kann auch der junge
Gewerkschafter mit Hilfe eines wirksamen Schulungsprogramms
viel von seiner Gewerkschaft und der ersten Kampfzeit der
Gewerkschaftsbewegung lernen. Hieraus entwickelt sich eine
Loyalitaet fuer die Bewegung, die sich auf Verstaendnis und
Ueberzeugung gruendet.
Auch heute werden die Probleme, denen die Gewerkschaftsbewegung gegenuebersteht, immer umfassender. Es sind nicht
mehr allein Streiks, Streikpostenketten und Kollektiv-Verhandlungen, durch die die- Lebensverhaeltnisse der Arbeiter
verbessert werden. Die Gewerkschaften beschaeftigen sich
auch nicht mehr nur mit den Arbeitsbedingungen der Arbeiter.
Sie versuchen vielmehr, ihn zu schuetzen und seine Lebensbedingungen als Verbraucher und als Buerger zu verbessern. Sie
sind bestrebt, ihren Mitgliedern volle und sichere Beschaeftigung und einen ausreichenden Schutz in Zeiten der Arbeitslosigkeit, in Krankheitsfaellen und im Alter zukommen zu lassen.
Bei allen diesen Problemen, wie auch bei den Lohn- und
Arbeitszeitproblemen selbst, spielt die Regierung eine Rolle
von staendig zunehmender Bedeutung. Um ihre Mitglieder zu
schuetzen und deren Interesse zu wahren, behandelt die Gewerkschaftsbewegung in Washington und anderen Hauptstaedten
der einzelnen Staaten tagtaeglich neue Probleme. Die Gewerkschaften muessen in der Lage sein, Gesetzgebungsprobleme auf
vielerlei Gebieten zu bearbeiten, weil die Aufgaben der Regierung sich mehr und mehr auf die Gewerkschaften und ihre Mitglieder direkt auswirken. Darueberhinaus suchen auch andere Sektoren der staatlichen Lebensgemeinschaft in der Entwicklung
eines Programms fuer eine bessere Zukunft Amerikas und der Welt
nach geeigneter Fuehrung.
Zusammen mit anderen produktiven und schoepferischen Gruppen, einschliesslich Bauern, Akademikern und allen vorwaerts
strebenden Elementen der Gesellschaft, hat die Gewerkschaftsbewegung eine historische Funktion zu erfuellen. Vereint mit
diesen neuen Freunden kann sie einen gesunden Elnfluss auf
die Entwicklung einer Politik ausueben, die dazu beitraegt,
Sicherheit und Freiheit nicht nur fuer das eigene Land, sondern fuer alle Voelker der Welt zu garantieren.
Dass sich die Arbeiterschaft dieser neuen Moeglichkeit
bewus3t ist, hat sie bereits bewiesen. Der Sieg der Alliierten im vergangenen Krieg und die Bewahrung der freien Nationen vor der nazistischen und faschistischen Tyrannei sind zum
grossen Teil der'historischen Rolle zu verdanken, die die ame3 -

�rikanische Gewerkschaftsbewegung bei der Mobilisierung der
Arbeitskraefte und der natuerlichen Hilfsreserven des Landes
gespielt hat.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat mitgeholfen, die Gewerkschaften und andere demokratische Kraefte
in den uebrigen Laendern zu staerken; und zwar sowohl in
Laendern, die mit Amerika verbuendet waren, als auch in solchen, in denen amerikanische Truppen die Diktatoren beseitigt haben, die die Arbeiterschaft unterdrueckten. Sie hat
vor allem Verantwortungsbewusstsein und Verstaendnis fuer
jene Weltprobleme an den Tag gelegt, die sie in die vorderste Front der Weltdemokratie gestallt haben. In der Verwaltungsorganisation des Marshall-Planes hat die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung heute eine wichtige konstruktive Aufgabe zu erfuellen, wie sie es auch bereits bei der Entwicklung dieses Planes getan hat.
Die neuen Funktionen, die zu erfuellen die Gewerkschaftsbewegung heute berufen ist, sind so zahlreich und so umfassend, dass diese Bewegung neue Arbeitsmethoden anwenden
musste. Auf vielen Gebieten musste sie auf Experten zurueckgreifen, die wirklich wertvolle Arbeit geleistet haben. Wenn
jedoch diese Experten auch heute noch noetig sind, um die
komplizierten Probleme der Gewerkschaften zu loesen, so koennen sie doch niemals eine aufgeklaerte und aufgeschlossene
Mitgliedschaft ersetzen. Denn wenn die Mitglieder die grundlegenden Probleme nicht verstehen, werden sie auch nicht
die Voraussetzungen fuer ihre Loesung kennen, Experten aber
koennen sie nur verwirklichen, wenn der Boden vorbereitet ist.
Die Festlegung einer Politik ist eine Funktion, die
die Gewerkschaften keinem Aussenstehenden uebertragen kann,
denn sie bildet den Hauptinhalt der Demokratie.
Die »Veit erwartet von der Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten ein konstruktives Programm, das den Interessen der notleidenden Menschheit auf der ganzen Welt Rechnung tragen muss.
Niemand kann sich der Tatsache entziehen, dass grosse
wesentliche Reformen nicht ohne Gesetzgebung zustandegebracht
werden koennen. Die besten Elemente in der Gesellschaft
werden bereit sein, sich der Gewerkschaftsbewegung in ihren
Bestrebungen anzuschliessen, einen positiven Einfluss auf
die Regierung auszuueben.
Die Gewerkschaftsbewegung kann sich mit ihrer realistischen Auffassung und ihrer ueberlegten und vorsichtigen Politik an einer solchen Fuehrun« beteiligen. Um sich das Vertrauen aller fortschrittlich denkenden Mitbuerger zu sichern,
muss sie ihre Achtung vor dem Wissen, dem Verstaendnis und
der Aufklaerung vor der Fuehrung und auch vor den Millionen
Gewerkschaftsmitgliedern unter Beweis stellen, denen der
Segen der Demokratie zugedacht ist. Dies ist zugleich die
aktuellste Aufgabe und eine neue Moeglichkeit fuer weitere
Fortschritte der Gewerkschaftsbewegung.
The Federationist
XI/49
- 4-

�DAS EINZIGE rflTTEL ZUR STEIGERUNG DiJt REALLQ&amp;HNE
Der nachstehende Artikel, der in der Londoner "Sunday
Times" am 26.3.1951 veroeffentlicht wurde, wird von
den Fuehrern des Europeeisehen Produktivitaetsprogramms
als eine bedeutende Abhandlung zu diesem Thema betrachtet. Der .Verfasser ist der Generalsekretaer
der britischen Chemiearbeitergewerkschaft Bob Edwards.
Im Jahre 1950 produzierte Amerika mit. einer Bevölkerungsziffer von 150 Millionen Waren im Werte von 260 Milliarden
Dollar. Eine halbe Killion amerikanischer Bergleute foerderten mehr Kohle zutage als die zwei Millionen Bergarbeiter in
Europa. Eine Arbeitsstunde in Amerika entspricht heute 15
Arbeitsstunden auf der uebrigen Welt.
Der Impuls der amerikanischen Produktion ist so gewaltig,
dass sich das amerikanische Volk heute des hoechsten Lebensstandards der ganzen weit erfreuen kann. Es steigerte sich
1950 das Durchschnittseinkommen jedes einzelnen Llannes, jeder
Frau und jedes Kindes um 9&gt;. Es trifft zu, dass der amerikanische Wohlstand durch viele rein natuerliche Faktoren erleichtert wird. Aber selbst wenn man diese Faktoren beruecksichtigt, bleibt die wesentlichste Ursache dieser hohen Produktivitaet die viel hoehere Leistungsfaehigkeit der amerikanischen Industrie im Vergleich zu der in England und im uebrigen Europa. Dies ist wiederum durch die Tatsache bedingt,
dass sich die amerikanischen Arbeiter durch ihre Gewerkschaften den Grundsatz zu eigen gemacht haben, dass ihr Lebensstandard
von einer staendig ansteigenden Produktionsleistung
abhaen*rig ist, und sie haben nicht gezoegert, neue Ideen der
industriellen Betriebsfuehrung und Arbeitsmethoden zu akzeptieren.
In den letzten zehn Jahren haben der britische Gewerkschaftskongress TUC und die britische Regierung immer wieder
auf die Notwendigkeit einer gesteigerten Produktion hingewiesen. Diese Aufforderung hat in gewissem -lasse zu Erfolgen
gefuehrt. 1950 war die Produktion um 9&gt;b hoeher als 1949,
und trotz Rohstoffmangel konnte dieser Vorsprung auch in den
ersten sechs Monaten des Jahres 1951 beibehalten werden.
Er kann jedoch noch wesentlich erweitert werden, wenn beide
Partner der Industrie bereit sind, die noch bestehenden hinderlichen veralteten 2iethoden zu beseitigen.
Die 50 verschiedenen Berichte der Besuchergruppen, die
nach Amerika gereist sind, um dort Fragen der Produktivitaet
zu studieren, beweisen ohne jeglichen Zweifel, dass moderne
Produktionsmethoden und wissenschaftliche Betriebsleitung
bei allgemeiner Anwendung von Anreizlahnsystemen eine staendis;e Erhoehunsr der Realloehne ermoeglichen und den Einfluss
und die Staerke der amerikanischen Gewerkschaften eher erweitert als beschraenkt haben. An Hand des Berichtes einer
Besuchergruppe, die sich aus britischen Gewerkschaftsfunk tionaereb zusammensetzte und 1949 in den Vereinigten Staaten
weilte, um die Arbeitsweise der amerikanischen Gewerkschaften
und ihre Auswirkung auf die industrielle Produktion kennenzulernen, hat der Verwaltungsausschuss des TUC den Gewerkschaften folgende Vorscnlaege unterbreitet:
a) Sie muessen sich aktiv fuer moderne Methoden der
Produktion und Betriebsleistung einsetzen, um die
Leistungsfaehigkeit der Industrie zu verbessern.
- 5 -

�b)

Sie muessen Leute beschaeftigen, die in der Lage sind,
bei der Loesung von Produktionsproblemen Ratschläge
zu erteilen, und sie muessen mithelfen, ihre eigenen Referate fuer Produktionsfragen zu errichten,
wo es angebracht ist.

cj Sie muessen fuer grosszuegige Ausbildungs- und Schulungseinrichtungen fuer ihre Mitglieder sorgen und
d)

ueberpruefen, ob ihre Organe Produktionsprobleme
so wirksam wie moeglich behandeln und Beschreibungen geeigneter technischer Apparaturen und Methoden
an ihre Mitglieder verteilen.

Dies stellt eine Revolution in der Denkweise der Gewerkschaften dar und, wenn auch die britischen Gewerkschaften
nicht den Wunsch haben, amerikanische Produktionsmethoden unveraendert auf die britischen Industrien zu uebertragen, so
unterstreichen sie doch die Notwendigkeit gesteigerter Produktion durch Modernisierung und Neuausruestung.
Diese Notwendigkeit erfordert die Beibehaltung eines
hohen Niveaus der Kapitalinvestierung, und da wahrscheinlich
80% der britischen Wirtschaft in Privathand bleiben, kann
diese Kapitalinvestierung nur aus den Gewinnen oder Ueberschuessen kommen. Wenn die neuerdings gestellten Forderungen
nach Lohnerhoehungen durch Beanspruchung eines groesseren
Teils der Gewinne befriedigt werden sollen, werden entweder
die Kapitalinvestierungen reduziert oder die Preise gesteigert werden muessen. Folglich werden die Realloehne der
Arbeiter - zum Unterschied von der groesseren Lohntuete nicht erhoeht werden.
Die gesteigerte Produktion pro Arbeiter und pro Arbeitsstunde ist der einzige Ausweg aus diesem Dilemma. Es ist
der Weg, die Realloehne zu erhoehen und gleichzeitig die
Preise zu senken, vorausgesetzt, dass die Gewinne aus der
gesteigerten Produktion an alle gleichmaessig verteilt werden.
Die chemische Industrie, mit der ich mich unmittelbar
beschaeftige, ist ein bezeichnendes Beispiel. Die gesteigerte Produktion in diesem Industriezweig ist ein wichtiger
Schluessel zur Zukunft Grossbritanniens als Industriemacht.
Diese Industrie liefert nicht nur die Zubringerrohstoffe
fuer alle Grundstoffindustrien, sondern ihre Erzeugnisse gehoeren auch zu den wichtigsten Exportartikeln. Wenn wir
diesen Export vor allem nach den Dollargebieten steigern
koennen, vergroessern wir unsere Moeglichkeit, mehr Lebensmittel und lebenswichtige Rohstoffe zu importieren.
Die grosse Ausdehnung der chemischen Produktion in den
vergangenen Jahren ist vor allem auf die Modernisierung und
Neuausruestung zurueckzufuehren, woraus sich ergibt, dass
die Arbeiter dieser Industrie Traeger sehr hoher Kapitalanlagen sind. Auf jeden Arbeiter dieser Industrie kommen im
Durchschnitt Betriebsanlagen und Ausruestungen im Werte von
1600 Pfund Sterling, mit denen er chemische Erzeugnisse im
Werte von etwa 2400 Pfund Sterling im Jahre produziert. Wenn
die jetzigen Plaene zu weiteren Kapitalinvestierungen verwirklicht sind, werden auf jeden Chemiearbeiter rund 2500
Pfund Sterling in Form von Betriebsanlagen kommen, die eine
6 -

�Produktionskapazitaet fuer chemische Erzeugnisse im Werte von
3500 Pfund üterling jaehrlich darstellen.
Die volle Auswertung dieses wertvollen Besitzes muss jedoch durch eine aufgeschlossenere Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Arbeitern und deren Bereitwilligkeit ermoeglicht werden, sich den neuen Verhaeltnissen anzupassen. Viele
Betriebe leben weiter in dem alten Trott und begnuegen sich
damit, unter Anwendung alter Produktionsmethoden geringe Gewinne zu erzielen. Wir haben noch Zeit, aber die Zeit ist
bemessen. Selbstzufriedenheit wird bald durch die gesteigerte Konkurrenz erschuettert werden, die vor allem aus Amerika,
Kanada und den wiederbelebten chemischen Industrien Deutschlands kommt.
Neue Ausruestungen und neue Betriebe allein reichen
nicht aus. Sie sind nur Mittel und Werkzeuge. Die chemische
Industrie und natuerlich auch alle anderen Industrien muessen
die Durchschnittsproduktion zu einem Hoechststand bringen.
Hierzu ist es erforderlich, dass Anreizlohnsysteme allgemein
angewendet werden. Wir haben selbst die Erfahrung gemacht,
dass in jede:,i Betrieb, in dem diese Systeme in gemeinsamer
Zusammenarbeit und nicht durch willkuerlichen Entscheid der
Betriebsleitung eingefuehrt wurden, hoehere Produktivitaet
und hoehere Ertrae&amp;e bei niedrigeren Gestehungskosten moeglich wurden und die Einkommen der Arbeiter um 30 bis 60%
ueber den nationalen Mindestlohn gesteigert werden konnten.
Die Anreizlohnsysteme sind je nach den oertlichen Verhaeltnissen und Erzeugnissen verschieden. Sie sind aus der Bezahlung aufgrund von Zeit- und Bewegungsstudien, aus Stueckloehnen und Akkordloehnen oder einer Kombination dieser drei Verguetungsmethoden entwickelt.
Unsere Mitglieder haben, wie uebrigens auch in anderen
Industrien, die Einfuehruns derartiger Systeme gefuerchtet in Anbetracht der zwischen den beiden Weltkriegen gesammelten
schlechten Erfahrungen nicht ohne guten Grund.
In der Nachkriegszeit jedoch hat man sich ein ganz neues
Bild von ihrem Zweck und ihren Auswirkungen gemacht und sie
zu schaetzen gelernt. ^&gt;ie Arbeiter im allgemeinen und besonders unsere Betriebsraete haben sich dieser neuen Verantwortlichkeit unterzogen, und sie haben nun Verstaendnis fuer die
Grundsaetze und Methoden der Anreizlohnsysteme. Die Forderung
nach solchen neuen Methoden der industriellen Betriebsfuehrung
ist deshalb von dem einfachen Arbeiter selbst gekommen.
Anreizlohnsysteme als Schluessel zur gesteigerten Produktivitaet werden niemals bereitwillig und rueckhaltlos akzeptiert, wenn die Gewerkschaften keine Vereinbarungen mit den
Unternehmern getroffen haben, die den Gewerkschaftsfunktionaeren und Betriebsraeten das Recht geben, sich an der Ausarbeitung der Methoden und Zeitnormen zu beteiligen und sie zu
kontrollieren. Wenn wir aus einer sichtbaren wirtschaftlichen
Niederlage eine Lehre ziehen und die Grundlagen fuer eine
Wirtschaft des Ueberflusses legen wollen, muessen diese neuen
Methoden zu einer Selbstverstaendlichkeit in der gesamten britischen Industrie werden.
ECA Labor Information
- 7

�SOEIALISTISCI&amp;R lYSTTBhVasRB IK DLR SOWJSTUNKK ZUM SCHEITERN
VERURTEILT
Diese Feststellung ist einem Artikel zu entnehmen, der
vor kurzem in der sowjetischen Gewerkschaftszeitung "Trud"
veroeffentlieht wurde. Ihr Verfasser ist V. V. Kuznetsoff,
der Fuehrer der sowjetischen Gewerkschaften. Kuznetsoff
kuendigt an, dass einschneidende Veraenderungen in dem sogenannten sozialistischen Arbeitsdisziplinsystem angeordnet
wurden. Diese Zassnshme schliesst sich einer langen Reihe
von Bemuehungen an, Kaengel zu beseitigen und lüssbraeuche
unmoeglich zu machen, Bemuehungen, die sich bereits ueber drei
Jahrzehnte erstrecken.
Die kommunistische Theorie, die besagt, der sozialistische '.Vettbewerb sporne die Arbeiter zu noch groesseren Anstrengungen bei der Steigerung der Produktivitaet an, hat sich
in der ?raxi3 als irrtuemlich erwiesen. Dies wird durch eine
vor kurzem beendete Untersuchung mehrerer sowjetischer Gewerkschaf tsfuehrer bestaetigt, die natuerlich hohe stalinistische
Beamte sind, vom Politbuero ernannt wurden und ihre Untergebenen selbst auswaehlen.
Die Untersuchungen haben, wie Kuznetsoff erklaerte, bewiesen, dass viele Direktoren und Betriebsleiter, aber auch
Gewerkschaftsbuerokraten die endlosen sozialistischen Wettbewerbe mechanisch und ohne Begeisterung durchfuehren. Produktionsziele und Formen werden festgesetzt, ohne dabei die Arbeiter zu Rate zu ziehen. Die ablehnende Haltung der Arbeiter ist nicht ueberwunden, und ihre aktive Kitarbeit ist
keineswegs gesichert.
In vielen Faellen, so gibt Kuznetsoff zu, hat der Versuch, die Arbeiter zu Aktivisten zu erziehen und damit finanzielle Vorteile, ansehen und Vorrechte zu gewinnen, zu schweren Missbraeuchen gefuehrt. Fuer die Betriebsleitung gilt
iuantitaet oft mehr als ^ualitaet, um gute Berichte einreichen und die Produktionsziele als"uebertroffen" melden zu
koennen." 7/aren, die leicht herzustellen sind, werden in zu
grosser ifenge produziert, waehrend andere Artikel, die in
anderen Fabriken gebraucht werden, nicht in genuegender Anzahl vorhanden sind. Damit wird das wirtschaftliche Gleichgewicht nichv erreicht, das die mit der Produktionsplanung Beauftragten anstreben.
Fabrikdirektoren behalten ausserdem ihre alten Produktionsmethoden bei, gegen die sich hohe Buerokraten schon jahrelang gewehrt haben, und geben einfach falsche Produktionsziffern an. Sie bedienen sich dieser Faelschungen, um obendrein gelobt zu werden und die ausgesetzten Praemien zu erhalten. Der schlimmsten Vergehen auf diesem Gebiet hat sich
Kuznetsoff zufolge die Transportmaschinenindustrie schuldig
gemacht. In frueheren Veroeffentlichun"-en anderer sowjetischer Zeitungen wurden noch andere Industrien genannt. Seit
laengsrer Zeit ist jedoch praktisch jede Industrie der sowjetischen Wirtschaft diesem Prozess der sogenannten "Selbstkritik" unterworfen gewesen.
Kuznetsoff beschwert sich darueber, dass auch bei der
Verteilung von Praemienzahlungen im sozialistischen Vettbewerb nach den Methoden Stachanows Korruption getrieben wird.
8 -

�Oft werden Praemien Arbeitern zuerkannt, die nichts oder nur
wenig getan haben, um sie zu verdienen. Bei der Verteilung
der Preise scheinen Tolitik und Guenstlingswesen eine hervorragende Rolle zu spielen, oder aber die Praemien, die durch
gefleischte Berichte zuerkannt wurden, werden g.eichmeessig
unter die Arbeitnehmer des Betriebs verteilt, sodass niemand
soviel erhfllt, um darin einen Ansporn zu sehen.
Kuznetsoff wirft ausserdem den Betriebsleitern vor, ihre
Bemi;ehungen in erster Linie auf die Steirerung der Produktion
und weniger auf die Befriedigung der Beduerfnisse der Arbeiter
zu richten, wie zum Beispiel den Wohnungsbau. Sie vergaessen,
dass angemessene Lebensbedingungen eine Vorbedingung f'uer die
Steigerung der Produktion sind.
Man hat in Russland eine neue Reihe von Massnahmen gebilligt, um solche Uissbraeuche und Maengel im sowjetischen
System der Arbeitsdisziplin und des sozialistischen Vettbewerbs zu beseitigen. Die neuen Richtlinien enthalten verschiedene Bestimmungen und Bedingungen fuer die verschiedenen
Industrien. Zur Senkung der Produktionskosten werden konkrete
Vorschriften erlassen. Die Fabriken muessen sich bei der Herstellung ihrer Erzeugnisse genau an die Vorschriften der Regierung halten. Es werden ausserdem Sparsamkeit in der Verwendung von Rohstoffen und eine Verbesserung der ^ualitaet gefordert.
Angesichts der Tatsache, dass man sich schon seit drei
Jahrzehnten oder zumindest seit dem ersten Fuenf-Jshresolan,
der 1928 begann, in dieser Richtung bemueht, haben sich viele
Experten fuer sowjetische Fragen und auch Fluechtlinge aus
dem "Arbeiterparadies" skeptisch zu diesem Versuch geaeussert.
Leistungsfähigkeit und Begeisterung, so erklaeren sie, koennen nicht befohlen werden, Erst recht kann die Buerokratie
nicht auf Befehl abgeschafft werden.
Sie sind der ansieht, dass eine grundlegende Ursache fuer
diese immer wiederkehrenden Fehler und Uissbraeuche die Ueberzeugung der sowjetischen Arbeiter ist, dass sie nicht die
kollektiven Besitzer der Produktionsmittel sind, und dass
die Gewinne aus der gesteigerten Produktion nicht gerecht verteilt werden. Die Arbeiter sehen die wachsende Kluft zwischen
der buerokratischen Elite und den einfachen Arbeitern.
Das sowjetische System des imitierten Wettbewerbs ist
ein klaeglicher Ersatz fuer den wirklichen 'Wettbewerb, der
bei einer echten Zusammenarbeit in der freien .Veit floriert.
Ebenso ist das sowjetische System der "Selbstkritik" nicht
einmal ein schlechter Ersatz fuer v/irkliche Kritik, üie
kann nicht Rede- und Pressefreiheit oder die Rivalitaet politischer Parteien ersetzen, die sich um die Unter^tuetzung
ihrer Politik durch die breite Masse des Volkes bemuehen
muessen. üuf wirtschaftlichem Gebiet ist Selbstkritik nichts
anderes als Zurechtweisung kleinerer Beamten durch solche in
hoeheren Stellungen. Die Beamten im zweiten Rang, die ihre
Irrtuemer zwar einsehen, waelzen die Schuld auf den dritten
Rang eb. So geht dies weiter, bis die unterste ochicht der
riesigen buerokratischen Pyramide, also schliesslich die Arbeiter, verantwortlich gemacht werden, über die Fehler und
Vergehen scheinen immer wieder aufzutauchen. A'enn ein I an^el
an einer Stelle beseitigt ist, tritt er an einer anderen auf.
9 -

�Zusammen mit der Sklavenarbeit und anderen Einrichtungen
des Stalinismus ist die bolschewistische Methode der "Selbstkritik" in alle Satellitenstaaten der Sowjetunion exportiert
worden. Deshalb ist auch die offizielle Presse jeder dieser
Marionettenregierungen augenblicklich mit Beschwerden angefuellt, die denen Kuznetsoffs gleich sind.
In Sowjetrussland, dem Mutterland des Stalinismus, konnte
man durch endlose Saeuberungsaktionen, die in den obersten und
untersten Reihen der herrschenden Partei und in dem buerokratischen Gebilde durchgefuehrt wurden und bei denen es schwerste
Strafen hagelte, diese Probleme nicht loesen. wenn die Bolschewisten, die seit 34 Jahren die diktatorische Gewalt ausueben, ihr eigenes Land von der buerokratischen Leistungsfaehigkeit nicht befreien koennen, ist es kein 'Wunder, dass ihre
Koerigen, die aehnliche Methoden anwenden, in ihrer kurzen
Karriere als Diktatoren ebenfalls versagt haben.
Keinem dieser Tyrannen ist es je eingefallen, dass es
hiergegen nur ein einziges wirksames Mittel gibt: naeralich
demokratische Methoden!
Program Services Section
VIII/SS/51
KOM::UNALE SKTV.-IGKLUT^GSPROGRA:,^^ I N EKUADOR

.am 14. Mai 1951 haben der Fraesident von Ekuador und die
Minister fuer Finanzen,Regierungsauftraege, oeffentliche Arbeiten und soziale Wohlfahrt ein "Programm der kommunalen Entwicklung durch die Initiative der Zivilbevoelkerung" angekuendigt. Nachdem Glenn Leet, ein Berater der Vereinten Nationen fuer Kommunale Entwicklungsprogramme eine Inspektionsreise nach Ekuador unternommen hatte, wurde das Programm von
den Vereinten Nationen gebilligt, .auf Ersuchen der Regierung
von Ekuador stellt diese Organisation einen amerikanischen
Soziologen zur Verfuegung, der sich seit langem auf soziologische Probleme in Lateinamerika spezialisiert hat und bei
der Durchfuehrung des Programms Ratschlaege erteilen soll.
Der Sinn dieses Programms in Ekuador ist, ein neues Verhaeltnis der Zusammenarbeit zwischen den zentralen und oertlichen Behoerden und der ortsansaessigen Bevoelkerung herzustellen. Dadurch sollen die Menschen ermutigt werden, ihre
Freizeit fuer kommunale Reformen zur Verfuegung zu stellen,
deren Wahl ihnen selbst ueberlassen bleibt.
In dem Programm ist vorgesehen, dass die nationalen, provinzialen, kantonalen und oertlichen Behoerden den Bewohnern
ihrer verschiedenen Zustaendigkeitsgebiete den Begriff "Kommunalentwicklung" auf folgende Weise auseinanderlegen:
"Wenn in einer Gemeinde durch die freiwillige und unbezahlte Arbeit ihrer Bewohner Arbeit von oeffentlichem Nutzen
geleistet wird, wird die Regierung des Landes jedem einzelnen
Arbeiter als Ansporn eine kleine Praemie fuer seine taegliche
Arbeit gewaehren.
"Diese Praemie, die pro Tag einen Sucre betraegt und unter dem Namen 'Sucre des Patriotismus' bekannt ist, soll kein
10 -

�Lohn oder Gehalt sein, sondern vielmehr eine Anerkennung
der Regierung fuer den wertvollen patriotischen Beitrag,
den jeder Einzelne durch seine Arbeit in seiner Freizeit
zur Foerderung gemeindlicher Reformen geleistet hat."
Der 'Sucre des Patriotismus' kann je nach Wunsch der Betreffenden an Einzelpersonen oder auch kollektiv verteilt
werden. Jede Art der Arbeit, die von oeffentlichem Nutzen
ist, passt in dieses Programm, so zum Beispiel die Verbesserung von Strassen, der Bau neuer Strassen, Entwaesserung,
Bewässerung, Flussregulierung, Bau von Schulen, 'Wasserversorgung oder Schaffung von hygienischen Einrichtungen.
In der Verordnung ist ausserdem die Bildung nationaler,
Drovinzialer und 'lokaler Ausschuesse fuer Komiuunalentwicklung und die Ernennung technischer Sachbearbeiter vorgesehen, die die Vorschlaege zur Kommunalentwicklung auf ihre
Brauchbarkeit ueberpruefen sollen. Das Programm wird aus dem
re^ulaeren Haushalt des Landes finanziert, und zu seiner
Durchfuehrung ist kein zusaetzliches Verwaltungspersonal erforderlich.
Dieses Programm in Ekuador bedeutet fuer Lateinaraerika
zum erstenmal die Verwirklichung der Grundsaetze der "Beschaeftigunp durch Kommunalentwicklung", die zum erstenmal
von den Vereinten Nationen in Griechenland angewandt worden
waren. Leet und andere Sachverstaendige haben zahlreiche
Doerfer und Landbezirke in Ekuador besucht, um festzustellen,
wie dieses Programm am besten den dortigen Verhaeltnissen angepasst werden kann. Das Programm in seiner endgueltigen
Form, in der es gebilligt wurde, gruendet sich zum Teil auf
die Ergebnisse der an Ort und Stelle durchgefuehrten Studien.
Economic and Social Programs
in the United Nations
VIII/51
EUROPÄISCHE PRODUKT IONS TECHNIKER SALiMSLN WERTVOLLE ERFAHRUNGEN IN DEN U.S.A.
Die erste Besuchergruppe, die sich aus Produktionstechnikern verschiedener europaeischer Gewerkschaften zusammensetzte und im Rahmen des technischen Unterstuetzungsprogramms
der ECA die Vereinigten Staaten besuchte, hat vor kurzem ihre
Orientierungskurse in New York beendet und ist in Untergruppen aufgeteilt worden, die ihre Studien in den fuer sie in
Frage kommenden Industrien fortsetzen.
Die Gruppe selbst ist in ihrer Zusammensetzung der Nation,
die die Produktionstechniker besuchen, sehr sehnlich. Die
Vereinigten Staaten, deren Menschen aus allen Teilen der Welt
kommen, sind oft als "Schmelztiegel" bezeichnet worden. Die
Besuchergruppe setzt sich aus drei Schweden, einem Norweger,
zwei Daenen, einem Deutschen und einem Englaender zusammen.
Die einzelnen Mitglieder der Gruppe werden jetzt vorgestellt:
Folke Eberhard Svensson aus Huddinge (Schweden) ist ein
Vertreter der Schwedischen Textilarbeiter-Gewerkschaft, der
gemeinsam mit Olav Bruvik aus Haus (Norwegen) amerikanische
Betriebe aufsucht. Bruvik ist Vorsitzender der Norwegischen
- 11 -

�Textilarbeiter-Gewerkschaft. Beide betreiben ihre Studien
unter der Anleitung Solomon Barkins, des Leiters der Forschungsabte ilunp der Amerikanischen Textilarbeiter-Gewerkschaft, die dem CIO angeschlossen ist.
Henry Ernest Matthews aus Surrey (England), ein Sachbearbeiter fuer industrielle Fragen in der Gewerkschaft der
Fabrik- und Kommunalarbeiter, der zusammen mit Arnold R.
Johannesson, dem Vorsitzenden der Klempner-Gewerkschaft
Daenemarks umherreist. Diese beiden Experten arbeiten unter
der Leitung Dr. William Gombergs, des Leiters des Referats
fuer Technische Betriebsleitung in der Allamerikanischen
Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter (AFL).
Harry Jensen aus Kopenhagen, ein Treuhaender und Bezirkskassierer der Ortspewerksch&amp;ft Fr. 12 der Daenischen
.'/iechaniker-Gewerkschaft, der gemeinsam mit Hans Hagnell aus
Stockholm, dem Leiter des Wirtschaftlichen Forschungsreferats der ochwedischen Metallarbeiter-Gewerkschaft die Studienarbeiten durchfuehrt. Robert Kanter, der stellvertretende Leiter des Referats fuer Forschung und Technik in
der Vereinigten KUtoncbilarbeiter-Gewerkschaft von Amerika
(CIO), beobachtet und foerdert die nrbeit Jensens und
Hagnells.
Zwei weitere Mitglieder der uruppe fuehren ihre Studien
allein durch. Es sind dies ülfred Beyer aus Duesseldorf,
ein Chemiestudent und nebenamtlicher Referent in der DGBHauptabteilung II, parlamentarische Verbindungen und ERP,
der sich eingehend mit Produktivitaetsfragen der Gummi-Industrie in ükron [ Ohio) beschaeftigt.
Per Adolph Geijer aus Falun iSchweden), ein Zeitstudienexperte und Vorsitzender der Ortsgewerkschaft in Falun, die
der Gewerkschaft der technischen und Bueroangestellten angeschlossen ist, muss seine Studien beschleunigt durchfuehren,
weil er aufgrund gewerkschaftlicher Verpflichtungen fruehzeitig nach Schweden zurueckkehren muss.
Die Gruppe kam am 13. Juli in den Vereinigten Staaten
an und verbrachte die ersten vier Wochen in New York, wo
sie an Vorlesungen bekannter amerikanischer Universitaetsprofessoren teilnahm.
In diesen Vorlesungen wurden alle Phasen der amerikanischen Industrie unter besonderer ßeruecksichtigung der Probleme der tsetriebsleitung, der Gewerkschaften und der sozialen .Yohlfahrt behandelt, unmittelbar nach der letzten Vorlesung wurde die GruDpe in kleinere Einheiten aufgeteilt.
Matthews begab sich allein nach Peoria in Illinois, wo er
die Traktorenfabrik besichtigte, in der 28 000 Arbeiter beschaef tigt sind, deren tarifverhandlungsberechtigte Gewerkschaft die Automobilarbeiter-Gewerkschaft des CIO ist. Er
ging sodann nach Lima in Ohio, um die v.echselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern in dem Unternehmen
Baldwin-Hamilton zu studieren. In dieser Fabrik, in der Aus3Chachtungsmaschinen hergestellt werden, stellte Matthews
fest, dass der Tarifvertrag, den die Automobilarbeiter-Gewerkschaft abgeschlossen hatte, eine Aufbesserungsklausel
enthaelt. Nach dieser Bestimmung werden die Loehne zu Beginn
eines jeden der fuenf Jahre, ueber die sich der Vertrag er- 12 -

�streckt, automatisch um vier Cents pro Stunde erhoeht. Diese
automatische Lohnerhoehung gruendet sich auf die Tatsache,
dass sich die amerikanische Wirtschaft jaehrlich aufgrund
technologischer Fortschritte um 2&amp;# erweitert. Die Lohnaufbesserung wirkt sich somit weder auf Kosten noch auf Preise
aus und somit auch nicht auf die Verhandlungen um andere Erhoehungen der Grundloehne des Unternehmens.
Johannesson hatte inzwischen Washington besucht, wo er
Unterredungen mit Martin Durkin, dem Vorsitzenden der allamerikanischen Klempner-Gewerkschaft fuehrte. In Washington arbeitete Johannesson mehrere Tage praktisch als Klempner und
erwarb sich viele neue Kenntnisse bei der Anwendung mechanischer Hilfsmittel in diesem Handwerk.
Matthews und Johannesson trafen sich in Toledo wieder
und setzten ihre Reise gemeinsam fort. Auf ihrem Rueckweg
nach New York bereiteten sie sich auf ihre Konferenzen mit
Dr. Gomberg vor und besuchten Steinbrueche, Zementfabriken
und aehnliche Betriebe. Beide waren von den kameradschaftlichen Beziehungen zwischen Weissen und Negern stark beeindruckt
und waren erstaunt, den "schwarzen" Mann als voellie: Gleichberechtigten in Gewerkschaftsversammlungen zu sehen.
Bruvik und Svensson verliessen zusammen mit Franklin
Bishop, dem Stellvertreter von Barkin, New York, um die Verhandlungen zwischen der Textilarbeiter-Gewerkschaft und dem
Betriebsleiter mehrerer Fabriken in Pennsylvemien zu beobachten. Ihre Arbeit beschraenkte sich bis. jetzt auf reine
Beobachtung der Vorgaenge am Konferenztisch. Sie werden
voraussichtlich eingehende Produktionsstudien in den riesigen Textilfabriken Neu Englands durchfuehren.
Hagneil und Jensen gingen nach Detroit, wo sie unter
der Leitung Robert Kantors mit Funktionaeren der Automobilarbeiter-Gewerkschaft zusammenarbeiteten. Jensen machte
einen Abstecher nach einer der Ortsgewerkschaften dieser Organisation in Toronto (Kanada), dann besichtigten sie gemeinsam den Zweigbetrieb "Dodge" der Chrysler Corporation Dodge.
Sie beobachteten einen Tag lang die Herstellung der DodgeAutomobile, angefangen vom geschmolzenen Metall bis zum fertigen Erzeugnis.
Salt Lake City in Utah war das erste Reiseziel Geijers.
Er besichtigte die Stahlfabrik Geneva bei Provo und hatte
mehrere Besprechungen mit Vertretern der Stahlarbeiter-Gewerkschaft des CIO. Er begab sich hierauf nach Pittsburgh,
wo er mehrere Konferenzen mit William Jacko von der Amerikanischen Stahlarbeiter-Gewerkschaft (CIO) fuehrte. Von dort
wird er nach Washington reisen und vor seiner Abreise nach
Schweden Unterredungen mit den Beratern fuer Arbeitsfragen
in der ECA fuehren.
Beyer hat seine gesamte Zeit damit verbracht, die Gummiindustria in Akron (Ohio) zu studieren.
Waehrend des naechsten Abschnitte ihrer Studienreise
wird die Gruppe in verschiedene Betriebe geschickt werden,
wo sie die Produktionsmethoden studieren soll. Sie wird
sich erst Mitte September wieder vereinigen und gemeinsam nach
Knoxville in Tennessee reisen, um sich dort ueber die Arbeit
- 13 -

�der Verwaltungsbehörde des Tennessee-Tales zu informieren.
Etwa am 15. Oktober wird die Gruppe die Rueckreise
nach Europa antreten.
ESA Labor Information
VIII/27/51
AMERIKANISCHE KOMMUNISTEN BESUCHTEN RUSSLAND
Als Katharina die Grosse russische Zarin war, wollte sie
eines Tages eine Besichtigungsreise nach der Krim unternehmen.
Ihr Guenstling, Feldmarschall Potemkin, wollte sich unter
allen Umstaenden ihre Gunst erhalten. Er liess deshalb entlang der Strasse, die Katharina durchfahren musste, Musterdoerfer bauen und stellte wohlgenaehrte, eigens zu diesem
Zweck angeheuerte Bauern an dieser Strasse auf, waehrend
er eifrig darauf bedacht war, die verarmten, hungerleidenden Sklavenarbeiter vor den Blicken der Zarin zu verbergen.
Katharina war hocherfreut, und damit war die Stellung Potemkins staerker als zuvor.
Heute braucht man nicht mehr derartige Taeuschungsmanoever durchzufuehren, wenn kommunistische "Gewerkschaften"
aus Amerika oder anderen Laendern Stalins Paradies besichtigen. Diese Kommunisten sehen bereits vor ihrer Ankunft
Potemkin'sehe Doerfer vor ihrem geistigen Auge. Das neueste
Beispiel hierfuer ist die Reise der sogenannten araerikanischen"Gewerkschafts"delegation nach Suropa, an deren Spitze
Leon Straus stand, der Vizevorsitzende der "Gewerkschaft"
der Pelz- und Lederarbeiter, die wegen ihrer kommunistischen
Einstellung aus dem CIO ausgeschlossen worden war. Von
den elf kommunistisch gesinnten "Gewerkschaftern", die diese
Reise durch Russland, Polen und kommunistische Gebiete in
Italien und Frankreich unternahmen, gehoeren sechs Gewerkschaften an, die aus dem CIO ausgestossen wurden. Fast alle
anderen waren einfache Gewerkschaftsmitglieder, die nur
ihre eigenen Vertreter und die der kommunistischen Farteifraktion ihrer Betriebe waren. Nach ihrer Rueckkehr in die
Vereinigten Staaten veranstalteten die Delegierten eine
Pressekonferenz, in der sie von den Schoenheiten des Sowjetparadieses berichteten. Jedesmal, wenn die Reporter jedoch
Fragen stellten, Hessen sieh die falschen Fassaden der
Potemkin'sehen Doerfer erkennen.
"Warum ist es sowjetischen Arbeitern nicht erlaubt, einen
Rei3epass zu besitzen?" fragte man zum Beispiel. Ein unverstaendliches Murmeln war die Antwort.
In dem gemeinsamen Bericht wird behauptet,
mals die Geheimpolizei der Gruppe gefolgt sei."
tungsleute jefbeh fragten, woher man dies wisse,
Leon Straus zoegernd: "Soviel uns bekannt ist,
nicht gefolgt."

dass "nieAls Zeierkleerte
ist man uns

Keiner der Delegierten konnte russisch sprechen, und
alle waren somit auf die vier Dolmetscher angewiesen, die
die sowjetische Arbeitsfront zur Verfuegung gestellt hatte.
Diese Dolmetscher waren natuerlich ohne Ausnahme Agenten der
NKWD.
- 14 -

�Straus behauotete, die friedlichen Absichten Stalins
seien offensichtlich, weil die Sow.jet-Union keinerlei Kriegsvorbereitungen treffe. Nach mehreren Fragen stellte es sich
jedoch heraus, dass er und seine Genossen nicht verlangt hatten, irgendetwas, was mit einer Kriegsproduktion zu tun haben
koennte, zu besichtigen. Kurz gesagt, die Kommunisten organisierten eine Vergnuegungsreise nach der Sowjet-Union, die
im voraus festgelegt war, und ueber die man schon vor der
Reise haette entsprechende Berichte schreiben koennen. Vielleicht war dies auch tatsaechlich der Fall.
Eine andere"Gewerkschafts"delegation, diesmal aus England, besuchte vor kurzem das kommunistische Polen. Obwohl
die meisten Delegierten Kommunisten oder Gleichgesinnte waren,
konnten sich einige Nichtkommunisten in die Gruppe einschleichen. Einer von ihnen namens Louis Wright, der Vorsitzende
der Baurawollweber-Gewerkschaft und ein aussichtsreicher Kandidat der Labour-Partei fuer das Parlament, berichtete in
der "Manchester Evening News" folgendes ueber seine Reiseerlebnisse: "Die Taube Picassos flattert in papierener Form
in allen Schaufenstern. Es ist die Taube des Friedens, und
damit der Friede innerhalb Polens erhalten wird, sind in
den Betrieben, auf den Bauplaetzen und in allen Fabriken Uniformierte anwesend, die mit automatischen Waffen ausgeruestet
sind. Bei all diesen Friedensbeteuerungen war es natuerlich
schwierig, eine Erklaerung fuer die anti-britische und antiamerikanische Propaganda zu finden, die ueberall betrieben
wird."
Wrie-ht und eine Grunpe anderer Gewerkschafter besuchten
Nova Huta, eine neugebaute Stadt mit einer Einwohnerzahl von
etwa 120,000. Die dortigen Textilfabriken waren nach dem
Bericht Wrights mit den schlechtesten in Lancashire zu vergleichen. In einer Diskussion ueber den Lebensstandard polnischer und britischer Baumwollarbeiter erklaerte V.'right:
"Es ist schwierig, den Lebensstandard des polnischen Baumwollarbeiters mit dem des britischen zu vergleichen, aber an
Kand der Preise und Loehne kann man sich ungefaehr folgendes
Bild machen, wenn man den Durchschnittslohn in Lancashire
mit sechs Pfund Sterling beziffert.
Um ein Popelinhemd zu kaufen, muss ein Pole eine Woche
und ein Englaender 15 Stunden arbeiten. Der Erloes aus
fuenf Wochen Arbeit eines polnischen Arbeiters und l£ Wochenseines englischen Kollegen entspricht dem Preis eines Herrenanzugs. Fuer'ein Pfund Kartoffeln arbeitet der polnische
Baumwollarbeiter 29 Minuten und sein britischer Kollege 10
Minuten. Ein Pfund Kaese kostet einen Polen 154 Minuten Arbeit und einen englischen Arbeiter 26 Minuten. Waehrend der
polnische Arbeiter fuer 20 Zigaretten jedoch nur 48 Minuten
arbeitet, braucht der britische Arbeiter 70 Minuten, um sie
zu verdienen - aber hisr ist die englische Steuer sehr hoch.
Wright berichtet, dass die Gewerkschaftsdelegetion und
ihre einzelnen Mitglieder waehrend ihres Aufenthaltes in
Polen staendig bewacht wurden. Im Fluesterton fragte er
den Leiter einer Textilfabrik, warum er bewaffnete Wachposten
brauche. Fuer den Leiter dieses sowjetischen Unternehmens
waren bewaffnete .Yaechter eine Selbstverstaendlichkeit, und
er hatte fuer die Frage Wrights kaum Verstaendnis. '..right
beschloss seinen Bericht mit der Bemerkung: "Als ich Polen
verliess, konnte ich micht nicht des Gedankens erwehren - 15 -

�was nuetzt es einem Mann, wenn er die .Veit gewinnt und seine
Seele dabei verliert?"
Program Services Section
VIII/15/51
hOSHSRS LOSKNS UND MEHR ARBKIT DURCH 1-IÜ.US PRODUKTI OTSMETHODKN
Die Kuehlschraenke, die in der Hauptstadt der westlichsten Provinz Oesterreichs hergestellt werden, sind ueberall
auf der Welt, in Suedafrika wie in Schweden, in der Tuerkei
wie in Siam, stark gefragt.
Die Bregenzer Elektra-Gesellschaft, die vor fuenf Monaten eroeffnet wurde, hat ihre MonatsProduktion bereits von
100 auf 500 Kuehlschraenke erhoeht. Man plant, bis zum November monatlich sogar 1000 Kuehlschraenke herzustellen.
Sin wesentlicher Faktor fuer die rapide Steigerung der
Produktion sind die unablaessigen Bemuehungen, die Troduktivitaet der 20 Arbeiter des Betriebs fortwaehrend zu verbessern.
"Es ist ein kleiner Betrieb, in dem kleine Kuehlschraenke hergestellt werden," erklaerte Eduard Sommer, der technische Leiter. "Wir legen besonderen Wert auf praktischen Sinn
bei der Ausarbeitung neuer Arbeitsmethoden; unsere Aufmerksamkeit gilt weniger einer Unzahl kostspieliger Ausruestungsgegenstaende. Wir haben in der Tat die meisten Betriebseinrichtungen selbst entwickelt."
Eine Einrichtung, die eine Zeitersparnis von 25'^ ermoeglichte, ist eine rotierende Schweissanlage. Anstatt die
Kuehleinrichtung Stueck fuer Stueck zusammenzuschweissen,
werden die verschiedenen Einzelteile auf diese Anlage aufmontiert, und die Stellen, die geschweisst werden muessen,
werden dem Arbeiter durch Drehen der Anlage zugefuehrt.
Wenn die Kuehleinrichtung von dieser Anlage abgenommen wird,
ist sie fertig zum Isolieren und kann dann, in den Kuehlschrank eingebaut werden.
"Die Loehne konnten bereits erhoeht werden, was durch
die hohe Produktion moeglich war," erklaerte Sommer weiter.
Eine andere Verbesserung der Produktion war die Installation des sogenannten "runden Tisches". Es ist eine Werkbank, die sich durch Beruehren mit dem Fuss drehen laesst.
Der Arbeiter kann, ohne seinen Stand zu veraendern, das Isolierungsmaterial an den verschiedenen Kuehleinrichtunren anbringen. Die hierdurch gesparte Zeit betraegt schaetzungsweise 4:0p.
Sin wenig Sinn fuers Praktische bei der Einrichtung des
Betriebes konnte ebenfalls zur Verbesserung der Produktivitaet beitragen, ^ie Rollwagen z.B., auf denen die Kuehlschraenke transportiert werden, sind genau so hoch wie die
Pruefstaende. Die Apparate koennen ohne ueberfluessipe Anstrengung von dentfagenauf die Pruefstaende geschoben werden.
Sommer beabsichtigt, die Zahl der ^rbeiter zu erhoehen.
Der Betrieb hat naemlich viele ^uftraege aus dem Ausland erhalten. Auch Italien und der Nahe Osten interessieren sich
jetzt fuer diese Kuehlschraenke. Das grosse Problem jedoch,
so sagt Sommer, ist es, den Wuenschen der Verbraucher hechnung zu tragen.
aCA Labor Information
IX/10/51
- 16 HICOO 19 S«pt M 18J43 58 0

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 37

Frankfurt, 14. September 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
U.S.-Gewerkschaften bejahen neue Lohnpolitik

1

U.S. Kabinett spricht amerikanischer Arbeiterbewegung Anerkennung aus

3

Der wirtschaftliche "Wiederaufstieg Norwegens seit
1945

4

Vereinte Nationen unterstuetzen Afghanistan bei
der Erschliessung von Erdoelquellen

6

Ein Marshallplan-Projekt in der Sowjetzone
Oesterreichs

7

Die Entwicklung der griechischen Gewerkschaftsbewegung

9

Britische Gewerkschaften und Weltfrieden

14

Neue Stromerzeugungsanlagen in Griechenland

16

U.S. GEV/ERKSCKAFTEN BEJAHEN NEUE LOHNPOLITIK
Vor kurzem wurde berichtet, dass sich der amerikanische
Lohnstabilisierungsausschuss einstimmig entschlossen hatte,
die Loehne direkt an die Lebenshaltungskosten zu koppeln.
"The Machinist", das woechentliche Organ der 600,000 Mitglieder zaehlenden allamerikanischen Mechaniker-Gewerkschaft
(AFL), begruesst die festen Zusicherungen der Regierung,
die erklaerte, man werde es nicht zulassen, dass die Loehne
den Preisen nachhinken und die Tarife fuer Ueberstundenarbeit reduziert werden.
Die Zeitung erinnert uns sodann daran, dass sich die
Gewerkschaften aus den Behoerden fuer Fragen der Verteidigung solange zurueckgezogen hatten, bis die Struktur des
Lohnstabilisierungsausschusses geaendert und den Gewerkschaf- 1-

�ten eine angemessene Vertretung zugebilligt war. Sie zitiert
^raesident Truman, der bei der Unterzeichnung des revidierten
Gesetzes zur Verteidigungsproduktion erklaerte:. "In dem
gleichen Masse, in dem mit diesem Gesetz Preis- und Lebenshaltungskostenerhoehungen gestattet werden, wird es notwendig sein, entsprechende Lohnangleichungen zu gewaehren. Wir
koennen von unseren Arbeitern nicht verlangen, dass sie ihren
Lebensstandard reduzieren, nur um einen Ausgleich fuer die
hoeheren Gewinne zu schaffen, die in diesem Gesetz fuer das
Unternehmertum vorgesehen sind."
Und wie stellen sich die Unternehmer zu der neuen, in
Vorbereitung befindlichen Lohnpolitik? In dem Magazin
"Business Week" heisst es: "Die neue Politik ist eine wichtige Garantie dafuer, dass das Verteidigungsprogramm nicht
durch langwierige Streiks gestoert wird."
Mit der Feststellung, dass die Loehne die Grundursache
von Arbeitsstreitigkeiten in einex Zeit wirtschaftlicher Umstellungen und wirtschaftlicher Ungewissheit sind, behauptet
"Business Week", andere Streikprobleme waeren weniger gefaehrlich, wenn diese Streitfrage in harmonischer Weise geloest
werden koennte. Damit geben die GrossUnternehmer ihr Einverstaendnis zu Vereinbarungen ueber die Gewerkschaftszugehoerigkeit der Betriebsmitglieder, nach denen alle Arbeiter eines
Betriebes einer Gewerkschaft beitreten muessen, die um die
Mitgliedschaft der Arbeitnehmer erfolgreich wirbt, wie im
Falle der United States Rubber Company und der Gummiarbeitergewerkschaft des CIO.
Gleichzeitig haeufen sich Berichte, in denen die Vermutung ausgesprochen wird, dass das vereinigte Komitee fuer
Arbeitspolitik aufgeloest wuerde. Diese Koerperschaft bedeutet in den Verhandlungen mit der Regierung ueber Mobilisierungs- und 'Stabilisierungsprobleme eine Zusammenfassung
der Staerke der AFL, des CIO und der Mechaniker- und Eisenbahner-Gewerkschaft. Louia Stark berichtet in der "New York
Times", dass sich eine grosse Mehrheit des Exekutiv-üusschusses der AFL dafuer ausgesprochen hat, die Zusammenarbeit
mit dem CIO abzubrechen. Dieser Entschluss hatte die Form
einer Empfehlung, die dem Jahreskongress der AFL, der am
17. September in San Franzisko begonnen hat, vorgelegt worden
ist. Die AFL hat damit einen direkten Zusammenschluss in
bestimmten Fragen vorgezogen. Der CIO sprach sich dagegen
fuer eine funktionelle Einheit, d.h. ein tagtaegliches enges
Zusammenarbeiten bei der Behandlung bestimmter Probleme;
dies sollte zugleich die Stufe der Vorbereitung eines voelligen organischen Zusammenschlusses sein. Stark zitiert
einen fuehrenden Funktionaer der AFL, der hierzu erklaerte:
"Der CIO hat in den vergangenen Monaten unsere Zusammenarbeit
zu seinen Gunsten dahingehend ausgenutzt, sich selbst in verschiedener Weise und in bestimmten Organisationen der Regierung zu staerken. Wir bestehen auf unserem Wunsch nach einer
wirklichen organischen Einheit der beiden Organisationen,
wir lehnen daher die funktionelle Einheit ab.n
Dieser Beschluss der AFL wirkt sich jedoch in keiner
Weise auf die Mitgliedschaft der beiden Organisationen AFL
und CIO im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften aus.
Sie werden erneut, jede von sich aus, versichern, dass sie
nach wie vor den Marshall-Plan, den Kampf gegen den kommuni- 2-

�stischen Imperialismus und die Verteidigung des sozialen und
wirtschaftlichen Fortschritts auf der ganzen Welt unterstuetzen.
Program Services Section
VIIl/lö/51
U.S. KABINETT SPRICHT AMERIKANISCHER ARBEITERBEWEGUNG ANERKENNUNG AUS
In Botschaften zum amerikanischen "Tag der Arbeit" an
die Vereinigung der Gewerkschaftspresse haben Mitglieder des
Kabinetts Praesident Trumans der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung fuer ihre energische antikommunistische Haltung und
ihre Unters tuetzung des Verteidigungsprogramms ihre Anerkennung ausgesprochen.
Arbeitsminister Maurice J. Tobin erklaerte, "die Gewerkschaftsbewegung hat in dem Kampf um Freiheit, Besserstellung
der Menschheit und Frieden eine fuehrende Rolle gespielt."
Sie habe es in Zusammenarbeit mit den Unternehmern ermoeglicht, dass Amerika in der Produktion fuer die Verteidigung
und im erneuten Aufbau der wirtschaftlichen und abwehrbereiten
Staerke der freien Welt grosse Erfolge erzielt hat.
Der Minister fuer Landwirtschaft, Charles F. Brannan,
sprach der immer besser werdenden Zusammenarbeit zwischen
Gewerkschaften und Bauern seine Anerkennung aus und wies-in
scharfen Worten alle jene zurecht, die faelschlich behaupteten, dass diese beiden Gruppen fuer die hohen Preise verantwortlich seien.
"Es ist fuer die Nation wichtig, dass Arbeiter und Bauern
wissen, dass diese gegen sie gerichteten, selbstsuechtigen
Vorwuerfe voellig falsch sind. Der Arbeiter muss wissen, dass
die Bauern nicht selbst die Preise der meisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse festsetzen, und der Bauer muss wissen,
dass die Preise fuer die Erzeugnisse der Industrie nicht vom
Arbeiter bestimmt werden."
Der Finanzminister John W. Snyder erklaerte, die Gewerkschaftsbewegung habe im Dienste der Nation viele wertvolle
Beitraege geleistet, von denen einer der bedeutsamsten ihre
unablaessige Aktivitaet zugunsten des amerikanischen Sparprogramms mittels Schatzanweisungen sei. Snyder forderte
die Gewerkschaften auf, weiterhin dieses Programm zu unterstuetzen und - wenn moeglich - zu erweitern und damit die
Wirtschaft staerken und die Inflation bekaempfen zu helfen.
Der Handelsminister Charles Sawyer beglueckwuenschte die
Gewerkschaftsbewegung zu ihrer realistischen Einstellung den
Lohn- und Preiskontrollen gegenueber. Die Inflation muesse
mit allen Mitteln bekaempft werden, und diese Kontrollen sind
unerlaesslich, wenn die wirtschaftliche Stabilitaet beibehalten werden soll.
Frank Pace, der Heeresminister, bemerkte, dass sich das
Militaer, um seine Beduerfnisse befriedigt zu sehen, auf das
Verstaendnis und die Unterstuetzung des arbeitenden Volkes
verlasse.
- 3-

�"Wir leben heute in einer Zeit des militaerischen Aufbaus zur Abwehr gewisser Aggressionen. Die normalen Wechselbeziehungen in der Industrie sind heute gewissen Stoerungen
unterworfen. Trotz dieser voruebergehenden Schwierigkeiten
wissen wir jedoch, dass die Aufgabe, die wir zu erfuellen
haben, wichtig genug ist, um fuer sie Opfer zu bringen. Wir
koennen sie nicht hinauszoegern, solange der Weltkommunismus
bereit ist, seine Ziele durch bewaffnete Aggressionen zu verfolgen."
Der Luftwaffenminister Thomas K. Finletter und der stellvertretende Verteidigungsminister, Frau Anna M. Rosenberg,
schlössen sich den Worten des Heeresministers an. Finletter
sagte noch, Gewerkschaften und Militaer arbeiteten in Amerika
fuer das gleiche Ziel, naemlich die Sicherung des Friedens.
Er lobte die Gewerkschaften fuer ihre Bemuehungen zur Durchfuehrung des Verteidigungsprogramms und erklaerte, das Militaer sei gewiss, dass, wenn es zum Krieg kaeme, die Gewerkschaftsbewegung die bewaffneten Streitkraefte beim Aufbau
einer starken Verteidigung mit allen Mitteln unterstuetzen
und damit erneut den Sieg garantieren wuerde.
Frau Rosenberg bezeichnete die freien Gewerkschaften als
eine wichtige Waffe gegen die kommunistische Aggression und
fuegte hinzu, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung
die Verantwortung in der gegenwaertigen Krise uebernehmen
wuerde, indem sie sich aktiv an jedem einzelnen Abschnitt
des Verteidigungsprogramms beteilige. Die Gewerkschaften
haetten die Gefahr der inneren Zersplitterung und der Sabotage
dadurch verringert, dass sie die Kommunisten aus einflussreichen Stellungen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung vertrieben haetten.
Daily News Service
VIII/17/51
DER WIRTSCHAFTLICHE WIEDERAUFSTIEG NORWEGENS SEIT 1945
Norwegen ist ein kleines Land mit einer Einwohnerzahl,
die nicht.halb so hoch wie die Londons ist. Der Beitrag,
den das norwegische Volk waehrend des zweiten Weltkrieges
zum Sieg der Alliierten leistete, war erstaunlich und stand
in keinem Verhaeltnis zu den begrenzten Reserven und Kraeften einer so kleinen Nation.
Als das Land im Jahre 1945 nach fuenf Jahren ruecksichtsloser wirtschaftlicher Ausbeutung durch Hitlers Beauftragte
befreit wurde, waren seine natuerlichen und wirtschaftlichen
Moeglichkeiten weitgehend zerstoert oder schwer mitgenommen.
Dies gilt sowohl fuer Norwegens Fischerei als auch fuer die
walfischverarbeitende Konservenindustrie und die Bauholzwirtschaft. Es trifft ebenso fuer einige der wertvollsten
Kapitalanlagen des Landes zu, wie zum Beispiel die norwegischen Kraftwerke und die Handelsflotte.
Seit Ende des Krieges und der endgueltigen Befreiung
sind nun sechs Jahre vergangen. Zusammen mit allen anderen
freien Nationen Europas und der westlichen Welt steht Norwegen heute vor der doppelten Aufgabe, seinen Wiederaufbau zu
vollenden - d.h. die in den wenigen Nachkriegs jähren erziel- 4 -

�ten Erfolge zu sichern - wie auch als Mitglied des Nordatlantikpaktes zur kollektiven Verteidigung Europas gegen die
neue Bedrohung aus dem Osten beizutragen. Norwegen wird dieser
doppelten Aufgabe vor allem durch Anwendung moderner industrieller Froduktivitaetsmethoden gerech^.
"Sechs Jahre sind vergangen, seitdem Norwegen wieder
frei wurde. In dieser Zeit hat dieses Land in Frieden und
Freiheit gelebt. 2a stellt sich die Frage: Wie ist diese
Zeit ausgenutzt worden?"
Mit dieser Frage beginnt eine kleine Broschuere, die unlaengst von der norwegischen Arbeiter-Partei in Oslo herausgegeben wurde. In ihr sind die wichtigsten, in den letzten
sechs Jahren erzielten Erfolge aufgezaehlt. Am Anfang der
Liste wird zu der Frage der Erziehung und Beibehaltung der
Vollbeschaeftigung Stellung genommen.
Waehrend die Arbeitslosigkeit in nur einem einzigen
Jahr der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen (1920 - 39)
geringer als 10% war und Mitte der dreis-siger Jahre auf mehr
als ein Drittel anstieg, konnte seit der Befreiung die Vollbeschaeftigung ununterbrochen aufrechterhalten werden.
"Seit 1945 ist die Beschaeftigtenziffer um 120,000
(d.h. 9% aller Arbeitskraefte der Nation) angestiegen,"
heisst es in der Broschuere. "Es gibt heute mehr offenstehende Arbeitsplaetze als Arbeitsuchende. Die Menschen haben
sich an diese Situation so gewoehnt, dass fuer sie die Vollbeschaeftigung eine Selbstverstaendlichkeit geworden ist."
Der Schluessel zu diesem Erfolg ist der eindrucksvolle
Fortschritt in Norwegens Industrieproduktion und der Leistungsfaehigkeit seiner Industrien seit der Befreiung. Heute ist
die Gesamtproduktion der norwegischen Industrie mindestens
um 70% hoeher als im Jahre 1945 und liegt um 35 bis 40%
ueber dem Vorkriegsniveau.
Eine der entscheidendsten und fortschrittlichsten Wendungen in der Produktivitaet der norwegischen Industrie zum Unterschied von dem Gesamtvolumen der Produktion - ist
in der Entwicklung der norwegischen Landwirtschaft seit 1945
zu sehen. Mit Stolz wird in der Broschuere darauf hingewiesen, dass eine Steigerung des landwirtschaftlichen Ertrages
um 25% erzielt wurde, obwohl in diesem Wirtschaftszweig,
50,000 Personen weniger als zuvor beschaeftigt sind.
Die fuenf entscheidenden Mittel, durch die diese Erfolge
erzielt wurden, werden.in der folgenden Rangordnung angefuehrt:
1.)
2.)
3.)
4.)
5.)

Vollbeschaeftigung.
Wiederherstellung und Erweiterung der wichtigsten
industriellen Einrichtungen, die zum Teil mit Hilfe
des Marshall-Plans beschafft werden konnten.
Neue und bessere Produktionsmethoden (d.h. Produktivitaet) .
Der allgemeine Arbeitseifer.
Bessere Ausbildung und Schulung.

Ein aöderes bezeichnendes Beispiel fuer Norwegens Fortschritt in der industriellen Produktivitaet ist die Tatsache,
- 5

�dass dank wissenschaftlicher Forschung und modernisierter
Arbeitsgeraete die durchschnittliche Fangbeute des norwegischen Fischers heute um 40 bis 50% hoeher ist als in den
dreissiger Jahren.
Was die Erweiterung wichtiger industrieller Einrichtungen betrifft, so sind in den letzten fuenf Jahren 20 Millionen Kronen zu diesem Zweck investiert worden. Mehr als 10%
dieser Investitionsmittel kamen aus Marshall-Plan-Mitteln
und -Krediten.
Den groessten Fortschritt erzielten die stromerzeugende
Industrie"und die Schiffahrt Norwegens. Unter Ausnutzung
der riesigen natuerlichen Reserven an Wasserkraft konnte die
Erzeugung elektrischen Stromes gegenueber der Vorkriegszeit
um fast das Doppelte gesteigert werden.
Einen aehnlichen Erfolg erzielte die norwegische Schifffahrt. Obwohl waehrend des Krieges fast die Haelfte der
Schiffstonnage der norwegischen Handelsflotte verlorenging,
ist die Flotte jetzt weit groesser als vor dem Kriege.
Die Broschuere beendet ihren Bericht ueber den errungenen Fortschritt mit einer Warnung fuer die Gegenwart und
die Zukunft: "Der Krieg geht weiter auf der Welt. Wir hoffen, dass er sich nicht ausdehnt. Der Schutz unseres Friedens und unserer Freiheit ist deshalb eine Aufgabe, der wir
uns vor-allen anderen widmen muessen, und die militeerische
Bereitschaft ist eine Frage ueber Leben oder Tod fuer alle
Voelker, die den Wunsch haben, ihre Freiheit zu erhalten."
ECA Labor Information
VIII/9/51
VEREINTE NATIONEN UNTERE,TUETZEN AFGHANISTAN BEI DER ERSCHLIESSUNG V CK • ERP OELQUELLEN
Die Regierung von Afghanistan hat die Vereinten Nationen um ihre technische Unterstuetzung bei der weiteren Erforschung der Erdoelvorkommen gebeten, die man zur Befriedigung der inlaendischen Beduerfnisse zu erschliessen hofft.
Eine Erdoelversorgung aus eigenen Quellen und die entsprechenden Anlagen zur Raffinierung wuerden Afghanistan die
Versorgung mit Treibstoff zum Antrieb der Motoren und zur
Aufrechterhaltung des Kraftwagentransports sichern. Der
Kraftstoff wird aber auch zur Ergaenzung der schwindenden
Holzreserven als Heizmaterial fuer Wohnungen und fuer die
Entwicklung der Industrie gebraucht. Afghanistan benoetigt
ausserdem Asphalt fuer seine Strassen und als Baumaterial.
Das Vorhandensein von Erdoelablagerungen in Afghanistan
ist seit langem bekannt oder zumindest vermutet. In einem
Bezirk z.B. pflegte die Bevoelkerung an die Erdoberflaeche
durchgesickertes Erdoel in einfachen Gefaessen aufzufangen
und in Oellampen oder als Medizin zu verwenden. In der Vergangenheit sind verschiedentlich vorlaeufige Untersuchungen
angestellt worden. Aber nun hat Afghanistan um die technische Unterstuetzung der Vereinten Nationen nachgesucht, um
sich genaue Angaben ueber die geologische Beschaffenheit und
die Struktur des Erdbodens zu beschaffen, die den frueheren
6 -

�Untersuchungen nicht entnommen werden konnteji. In Beantwortung dieses Gesuches haben die Vereinten Kationen einen niederlaendischen Erdoelgeologen nach Afghanistan geschickt, der
mit Hilfe eines einheimischen Experten wieder groessere ardoelablagerungen festgestellt hat. Der Sachverstaendige der
Vereinten Nationen hat ausserdem Vorschlaege zur Bildung einer
afghaniscnen iirdoelgewinnungsOrganisation, zur Ausbildung einheimischen Personals fuer die Bohrarbeiten und zu weiteren
notwendigen Massnahmen zur Durchfuehrung von Bohrarbeiten im
Lande den zustaendigen Stellen unterbreitet.
Die Regierung von Afghanistan ist zur Zeit damit beschäftigt, einige dieser Empfehlungen zu verwirklichen, aber sie
hat auch die Vereinten Nationen fuer die folgenden Arbeitsabschnitte um weitere Unterstuetzung durch Sachverstaendige
gebeten. Mit dieser Bitte zugleich hat sich die Regierung
damit einverstanden erklaert, die mit der Erdoelgewinnung verbundenen Risiken zu uebernehmen und die volle Verantwortlichkeit fuer einen Erfolg oder einen Fehlschlag des Unternehmens
zu uebernehmen. Der zweite Sachverstaendige, der von den
Vereinten Nationen zur Verfuegung gestellt wird, ist ein
Bergbauingenieur, der ebenfalls aus den Niederlanden kommt
und ueber umfassende Erfahrungen in der Erdoelbohrung und
-gewinnung verfuegt.
Bei der Durchfuehrung dieses Programms der Erdoelgewinnung werden, besonders was den Transport dar Geraete betrifft,
zahlreiche Schwierigkeiten zu ueberwinden sein, weil Afghanistan keine Eisenbahnen hat. Der Strassentransport ist nicht
nur wegen des gebirgigen Gelaendes unzulaenglich, sondern
auch weil die Strassen zu bestimmten Jahreszeiten gesperrt
und fuer den Transport der erforderlichen schweren Austestungen nicht geeignet sind. Man hat fuer bestimmte Teile
des Projekts den Transport auf dem Luftwege in Erwaegung gezogen.
Die Mission zur Entwicklung der Erdoelgewinnung stellt
einen Abschnitt in einem koordinierten Plan zur technischen
Unterstuetzung Afghanistans dar. Man rechnet damit, dass
die Vereinten Nationen und ihre Fachbehoerden in den kommenden Monaten eine Anzahl weiterer Experten in bestimmten Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung auf Ersuchen der afghanischen Regierung in dieses Land schicken werden.
Economic and Social Problems
in the United Nations VIIl/51
EIN MARSEALLPLAK-PROJEKT IN DER SOWJETZONE OESTERREICHS
Etwa 30 Kilometer hinter dem Eisernen Vorhang ist eine
mit Marshallplan-Geldern erbaute Baumwollspinnerei zu einem
Musterbeispiel amerikanischer Produktionsmethoden geworden.
Die Spinnerei Walek &amp; Co. in Wiener Neustadt, das in
der russischen Zone Oesterreichs liegt, ist heute die modernste in Europa. Ihre weiss leuchtenden, einstoeckigen Gebaeude
und ihre zweckmaessige angelegten Grundstuecke stechen aus
der duesteren und zerbombten Umgebung wie ein Zukunftstraum
hervor.
Die Fabrik wurde im November vorigen Jahres fertiggestellt. Seitdem sind unzaehlige Betriebsleiter, Ingenieure
- 7 -

�und Techniker aus allen Teilen Europas und sogar aus Indien
gekommen, um die neuen Einrichtungen zu besichtigen. Ein
Journalist eines fuehrenden oesterreichischen Wirtschaftsblattes schrieb nach einem Besuch in der Fabrik, "er habe das
Gefuehl gehabt, eine andere Welt zu betreten."
Da- die Fabrik doch mit amerikanischer Hilfe gebaut wurde
und innerhalb der Sowjetzone liegt, ist es seltsam genug,
dass sie nur von wenig Amerikanern und Russen besucht wird.
Amerikaner sind meistens daran gehindert, weil ihnen das
Betreten der Sowjetzone verboten ist. Die Russen sihd der
Fabrik wohl aus Verlegenheit ferngeblieben, denn sie stellt
einen glaenzenden Beweis fuer die industrielle Ueberlegenheit des Westens dar.
Mit dem neuen Unternehmen wird eine Fabrik der Firma
Y/alek und Co. ersetzt, die waehrend des Krieges gaenzlich
zerstoert wurde. Am 13. August 1943 wurde die alte Fabrik
von drei Bomben getroffen. Die erste explodierte in den
Hoefen, ohne Schaden anzurichten, die zweite legte die Stromund Wasserversorgung still, und die dritte zerstoerte die
Haupthalle der Spinnerei.
Die Arbeiter konnten einige der Gebaeude wieder notduerftig zusammenflicken, einige Maschinen aus den Truemmern
retten und sie wieder zusammensetzen; zum groessten Teil
war das Unternehmen jedoch ruiniert, und fast alle Arbeiter
wurden entlassen.
Otto Walek, der zusammen mit seinem Bruder Franz das
Unternehmen leitet, erklaerte, man haette die alte Fabrik
natuerlich wieder ausbessern koennen, hielt es jedoch fuer
wirtschaftlicher, einen vollkommen neuen Betrieb errichten
zu lassen.
"Die alte Fabrik war nach ihrör Fertigstellung im Jahre
1936 eine der besten in Europa," berichtete Walek. "Waehrend
im Weltkrieg in der Entwicklung der europaeischen Textilindustrie jedoch ein Stillstand eingetreten war, wurden in
den Vereinigten Staaten grosse Fortschritte gemacht, und
heute sind uns die Amerikaner um Jahre voraus."
Die neuesten amerikanischen Ideen sind in der neuen
Fabrik verwirklicht worden. Zuerst waren die Arbeiter ueberrascht, als sie feststellten, dass der groesste Teil der
Fabrik, naemlich die Spinnerei, ohne ein einziges Fenster
oder ein Glasdach gebaut wurde. Inzwischen haben sie erfahren, dass man die Absicht hatte, die Halle von den atmosphaerischen Bedingungen der Aussenwelt hermetisch abzuschliessen,
weil geringfuegige Veraenderungen im Licht, der Temperatur
oder der Luftfeuchtigkeit ausreichen, um ein Reissen feiner
Fasern zu verursachen.
Fluoreszierende Lampen sorgen fuer gleichmaessiges
Licht, das vom Wetter draussen unabhaengig ist. Mit Luftregulatoren lassen sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit ganz
nach Wunsch regulieren, und die Luft wird staubfrei gehalten,
indem sie alle fuenf Minuten vollkommen erneuert wird. Unter
diesen Bedingungen und mit neuen amerikanischen Maschinen
kann eine so feine Faser hergestellt werden, dass ein Strang
von ueber 250 km Laenge nur knapp ein Kilogramm wiegt.
- 8 -

�Die meisten amerikanischen Maschinen wurden von den
Saco-Lowell"-Werkstaetten in Boston geliefert. Sie wurden
mit 980.000 Dollar aus Marshallplangeldern und 235.000 Dollar der Export-Import Bank finanziert. Zur Deckung der
Bau- und Installationskosten wurden ausserdem aus Marshallplan-Gegenwertmitteln 56 Millionen Schillinge freigegeben,
was einem Betrag von mehr als zehn Millionen D-Mark entspricht. Insgesamt wurde mehr als die Haelfte der gesamten
Aufbaukosten mit amerikanischen Mitteln gedeckt.
M

Die Fabrik produziert heute alljaehrlich 990.000 Kilo
feiner Fasern und Garne und die gleiche Menge an Kord fuer
Reifen, elektrische Isolierungen und andere Gummierzeugnisse.
40% der Produktion werden in Oesterreich selbst abgesetzt,
waehrend 60% auf westeuropaeischen Absatzmaerkten gegen Devisen verkauft werden.
In der Fabrik sind 1100 Arbeiter beschaeftigt, das sind
400 mehr als in dem alten Betrieb 'in seinen besten Tagen.
Etwa zwei Drittel der Arbeitnehmer sind Frauen, und viele sind
Facharbeiter, die seit der Zerstoerung der Automobil- und
Flugzeugfabriken der Stadt waehrend des Krieges erwerbslos
wurden.
Die Fabrik ist wegen der guten Arbeitsbedingungen ein
beliebtes Ziel fuer Arbeitssuchende. Durch die Luftregulatoren ist die Gefahr der Lungenerkrankungen gebannt, die in
Textilfabriken besonders haeufig anzutreffen ist. Geraeuschabsorbierende Deckon und Waende reduzieren den Laerm der
Maschinen, iin modernes Verbandszimmer mit allen neuzeitlichen Einrichtungen, wie Roentgenanlage und Ultraviolette
Bestrahlung, steht den Arbeitern jederzeit zur Verfuegung.
Im Omnibuspendelverkehr werden die Arbeiter kostenlos morgens
zur Fabrik und abends nach Hause gebracht. In der Werkkantine koennen sie fuer etwa 35 Pfennig ein warmes Mittagessen
bekommen.
Die Arbeiter zeigten deutlich, was sie von ihrem Betrieb
halten als oesterreichische Kommunisten auf geheimen Befehl
der Sowjets im Herbst vorigen Jahres versuchten, in ganz
Oesterreich durch einen Generalstreik Unruhen zu erzwingen.
Die Arbeiter der Firma Walek weigerten sich "rundweg, in den
Ausstand zu treten, und als schwerbewaffnete Mannschaften benachbarter russischer Fabriken geschickt wurden, um die Tore
abzusperren, baten sie um Unterstuetzung durch die Wiener
^olizei, die ihnen Zugang zur Fabrik und ihren Arbeitsplaetzen
verschaffte. Der sowjetische Hohe Kommissar fuer Oesterreich
hatte inzwischen eingesehen, dass die Beteuerungen der oesterreichischen Kommunistenfuehrer ueber ihren Einfluss auf die
Arbeiterschaft ein leeres Geschwaetz war, sodass er daraufhin
sich von dem Putschversuch distanzierte.
VII/20/51
DIE ENTWICKLUNG DER GRIECHISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Die Urspruenge der griechischen Gewerkschaftsbewegung gehen bis zum Anfang dieses Jahrhunderts zurueck. Damals gab
es jedoch noch keine sonderlich bemerkenswerte gewerkschaftliche Taetigkeit in Griechenland.
- 9-

�Die Gewerkschaften traten erst im Jahre 1914 in Erscheinung, nachdem die Balkankriege vorueber waren und das griechische Parlament das Gesetz Nr. 28.1 ueber die Betaetigung
der Gewerkschaften verabschiedet hatte. Aber selbst zu dieser Zeit blieben die Gewerkschaften als solche noch isoliert,
es fehlte auf nationaler und mehr noch auf internationaler
Ebene an Zusammenarbeit und Koordinierung. Es gab nur uerufsraete, die sich getrennt und unabhaengig voneinander betaetigten. Auch gab es keine Landesgewerkschaften. Sie wurden
erst spaeter gagruendet.
Das Beispiel europaeischer Laender mit einer gut entwickelten Gewerkschaftsbewegung begann jedoch die Aufmerksamkeit der griechischen Gewerkschafts?uehrer auf sich zu ziehen
und liess den Gedanken aufkommen, eine Gewerkschaftszentrale
fuer ganz Griechenland aufzubauen.
1918 wurde der erste griechische Gewerkschaftskongress
abgehalten, auf dem die Gruendung des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes beschlossen wurde. Der damals noch
junge Allgemeine Griechische Gewerkschaftsbund wurde jedoch
zu einem Schauplatz politischer und ideologischer Differenzen,
sodass es in den ersten fuenf Jahren seines Bestehens zu
einer Spaltung in der griechischen Gewerkschaftsbewegung kam,
die von Anfang an grosse Schwierigkeiten verursachte. Die
Tatsache, dass Griechenland zu jener Zeit nur eine kleine
Industrie und folglich eine zahlenmaessig begrenzte industrielle Erwerbsbevoelkerung hatte, liess das Problem der gewerkschaftlichen Organisierung nicht, wie es in industriell hochentwickelten Laendern der Fall ist, zu einer dringenden Kotwendigkeit werden. Auf der anderen Seite erleichterte der
Mangel an Erfahrung und Tradition in den griechischen Gewerkschaften eine Beeinflussung von aussen her. Trotz alledem
war man zu jener Zeit allgemein bemueht,'GewerkschaftsOrganisationen auf Landesebene aufzubauen, die zum groessten Teil
bald nach der Gruendung des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes ins Leben gerufen wurden. Man kann sagen, dass
der Gewerkschaftsbund zeitlich gesehen diesen Organisationen
vorausging und aus Berufsraeten entstand, ein Merkmal, das
sich bis jetzt in der Struktur und dem Status der griechischen
Gewerkschaftsbewegung erhalten hat.
Die griechische Gewerkschaftsbewegung blieb bis zum
Jahre 1926 aufgespalten. Ein Teil bestand aus dem Gewerkschaftsbund, der in Athen seinen Sitz hatte und von den Kommunisten
beherrscht wurde, waehrend der andere Teil sein Zentralbuero
in Piraeus hatte und von Nichtkommunisten und einer anderen
unabhaengigen Gruppe beeinflusst war.
Im Jahre 1926 fand ein nationaler "Einheits"-Kongress
der Gewerkschaften statt, auf dem die gesarate Organisation
in die Haende der Reformisten ueberging. Seitdem hat sich
ein schwerer und ruecksichtsloser Kampf zwischen den Reformisten auf der einen Seite und den Kommunisten auf der anderen
Seite abgespielt. Die Kommunisten, die ueber die organisatorischen Mittel der kommunistischen Partei ihre Propaganda
und Presse und ueber ausreichende materiaile Mittel verfuegten, haben die Aufgabe einer Vereinigung der Gewerkschaftsbewegung immer wieder erschwert.
Trotzdem konnten im Jahre 1928, als der dritte griechische Gewerkschaftskongress zusammentrat, die Reformisten im
- 10 -

�Exekutivausschuss des Gewerkschaftsbundes wiederum die Oberhand behalten. Der Kampf wurde haerter und haerter. Ein
Jahr spaeter, im Jahre 19£9, hielten die Kommunisten,auf
einen Befehl aus dem Ausland hin, einen eigenen Kongress ab
und gruendeten den "Vereinigten" Allgemeinen Griechischen
•Gewerkschaftsbund, der, wie sie selbst zugaben, ein Werkzeug
der kommunistischen Partei war. Die Gruendung dieses kommunistisch gesonnenen Gewerkschaftsbundes fuehrte jedoch zur
voelligen Isolierung der Kommunisten von der Arbeiterschaft,
und aus diesem Grunde unterbreiteten sie in Ausfuehrung ihrer
neuen Instruktionen aus Moskau neue Vorsohlaege zu einer tatsaechlichen Vereinigung der beiden griechischen Gewerkschaftsbuende.
Es wurde eine Vereinbarung getroffen, aber mit der Machtuebernahme durch den Diktator General Metaxas am 4. August
1936 wurde jede weitere Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung
in Griechenland unterbrochen.
Waehrend der Besatzung Griechenlands durch die Achsenmaechte, die dieser Episode folgte, konnten die freien Gewerkschaften ebenfalls keinerlei Taetigkeit entfalten, die Arbeiter verliessen die Gewerkschaften, waehrend es den Kommunisten durch ihre nationale Widerstandsbewegung und auch mit
Hilfe der freien Gewerkschaften gelang, die Arbeiterschaft
unter ihre Kontrolle zu bekommen und sich damit auf die voellige Beherrschung der Gewerkschaften vorbereiten konnten.
Kurz nach der Befreiung des Landes sahen sich die griechischen Gewerkschaften in den Haenden der Kommunisten, die
in der Zwischenzeit die verschiedenen Gewerkschaften durch
Gewalt in ihre Macht gebracht und ihre Agenten in ihnen festgesetzt hatten. Der Kreml hatte das Ziel gesetzt, bei den
Versuchen, Griechenland auf die andere Seite des Eisernen
Vorhangs zu bringen, die Gewerkschaften als Brueckenkoepfe
zu verwenden.
Ein schwerer und ungleicher Kampf wuetete daraufhin innerhalb der Gewerkschaftsbewegung, in dem die freien Gewerkschafter danach strebten, sich zu behaupten, waehrend sich
die Kommunisten aller nur erdenklichen Mittel bedienten. Sie
verfuegten ueber den riesigen organisatorischen Apparat der
kommunistischen Partei und ueber ausreichende finanzielle
und propagandistische Mittel und zoegerten nicht, ruecksichtslos Drohungen, Gewalt und Terror anzuwenden; dadurch gelang
es ihnen auch, fuer eine gewisse Zeit die Funktionaere der
freien Gewerkschaften dem Gewerkschaftsbund und den beiden
Gewerkschaftszentren in Athen und Piraeus zu entfremden und
erneut die Kontrolle der gesamten Gewerkschaftsbewegung des
Landes zu uebernehmen.
Die freien Gewerkschafter Hessen sich jedoch nicht entmutigen und gaben den Kampf nicht auf. Zu Anfang waren sie
dem Verzagen nahe, als die Kommunisten waehrend ihres Staatsstreiches 150 fuehrende Funktionaere der freien Gewerkschaften hinrichten Hessen, aber sie hielten unerschuetterlich
an den Grundsaetzen der demokratischen Gewerkschaften fest
und setzten ihren Kampf fort, der langsam aber sicher Erfolge
zeitigte.
Die freie Gewerkschaftsbewegung ging aus dem Blutbad,
das der kommunistische Terror angerichtet hatte, mit dem ge- 11 -

�staerkten Willen hervor, weiter aktiv zu sein und die' Gewerkschaften von dem eisernen Griff der kommunistischen Hydra zu
befreien. Die griechischen Gewerkschaften standen zu jener
Zeit allein, sie fuehlten sich von den freien Gewerkschaften
der westlichen Laender verlassen, die damals noch freundschaftliche Beziehungen zu dem kommunistischen Weltgewerkschaftsbund unterhielten und die internationale kommunistische Propaganda noch um ihre eigenen abfaeiligen Bemerkungen
ueber die griechischen Gewerkschaften bereicherten. Dies
ist eine unangenehme Erinnerung, die jedoch durch die Tatsache gemildert wird, dass «ich der unablaessige Kampf der
freien griechischen Gewerkschaft en,, wenn auch spaet, in nationaler und internationaler Hinsicht als voellig gerechtfertigt und notwendig erwiesen hat» Hierbei war es jedoch
noetig, dass die wirklichen Absichten des stalinistischen
Weltgewerkschaftsbundes erkannt wurden, und dass auch andere
Laender die blutigen Schrecken und die zynischen Methoden des
Kommunismus am eigenen Leibe erfahren mussten, bevor das Gewissen der Gewerkschaften im Ausland wach wurde und bevor sie
anfingen, fuer den Kampf der freien griechischen Gewerkschaften Gefuehl und Verstaendnis zu haben.
Unter unaufhoerlichen Anstrengungen/und im Kampf gegen
einen weit staerkeren Feind, der nicht vor Mord, Betrug, Faelschung, Luege und Gewalt zurueckschreckte, konnten die freien
Gewerkschafter in Griechenland nach und nach ihre Stellung
innerhalb der Gewerkschaftsbewegung zurueckerobern. Hand in
Hand mit diesem Kampf ging zu jener Zeit das Ringen der griechischen Nation als Gesamtheit, die ihre Kraefte zu einem
schweren Kampf auf Leben und Tod mobilisierte.
Im Maerz 1948, als dieser Kampf seinen Hoehepunkt erreicht hatte, wurde der neunte griechische Gewerkschaftskongress abgehalten, auf dem die Grundlagen zum Wiederaufbau der
Bewegung auf freier demokratischer Basis gelegt wurden. Es
war der erste freie Konpress nach der Befreiung Griechenlands
von den Achsenmaechten. In der Geschichte der griechischen
Gewerkschaftsbewegung war dieser Kongress trotz zahlreicher
Maengel ein Ereignis von hervorragender Bedeutung.
Obwohl die eigentlichen Probleme der Arbeiterschaft
noch nicht eroertert wurden und die vom Gewerkschaftsbund zu
unternehmenden Schritte noch nicht definiert werden konnten,
wurde doch eine hoechst bedeutsame Aufgabe erfuellt: Man
waehlte den ersten Exekutivausschuss des unabhaengigen Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes, der dem freien
Willen griechischer Arbeiter entsprang.
Der neunte Kongress der griechischen Gewerkschaften fiel
zeitlich mit der ersten Spaltung innerhalb des Weltgewerkschaftsbundes zusammen, der vom sowjetischen Imperialismus
ganz offen zur S_toerung der Verteidigung der freien Welt missbraucht wurde. Im Gewissen internationaler Gewerkschaftsfuehrer regten sich Zweifel ueber die Richtigkeit der Vorwuerfe,
die der unabhaengigen griechischen Gewerkschaftsbewegung gemacht wurden, und sie entdeckten sehr schnell die Falle, in
die sie der Kommunismus gelockt hatte.
Dann folgte die endgueltige Spaltung des Weltgewerkschaftsbundes und im Dezember 1949 die Gruendung des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, in dem auch der Griechische All12 -

�gemeine Gewerkschaftsbund mitbestimmendes Mitglied war, und
dessen Gruendung eine glaenzende Rechtfertigung der von der
griechischen Gewerkschaftsbewegung gefuehrten Kaemnfe war.
Der unerbittliche ideologische Konflikt zwischen den
freien Gewerkschaften auf der einen Seite und dem Kommunismus auf der anderen liess es zur vornehmsten Pflicht des
IBFG werden, sich mutig und entschlossen fuur die Verteidigung der demokratischen und freiheitlichen Ideale einzusetzen, weil der Kommunismus die Freiheit mit Terror und
Gewalt unterdrueckt und zugleich durch eine fortwaehrende
Agitation den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Laender unterminiert mit der Absicht, aus dem Elend der Arbeiterschaft
Vorteile zu schlagen.
Der Allgemeine Griechische Gewerkschaftsbund hat sich
in Anerkennung der Grundsaetze der freien demokratischen
Gewerkschaftsbewegung an die Seite der uebrigen freien Gewerkschaften der Welt gestellt, in dem er sich als mitbestimmendes Mitglied an der Gruendung des IBFG aktiv beteiligte.
Die griechische kommunistische Partei hatte zwar nach
der Niederlage in dem Buergerkrieg, in den sie Griechenland
gestuerzt hatte, ihre Taetigkeit einschraenken muessen. Aber
auf der sechsten Plenarsitzung ihres Zentralkomitees legte
sie die Form und den Umfang ihrer weiteren Taetigkeit in
Griechenland fest. Auf Anordnung des Kominform hat sie wiederum die Eroberung der Gewerkschaften zu ihrem obersten
Ziel erklaert und den Kampf um die Herrschaft ueber diese
Bewegung erneut begonnen. Finanzielle Mittel standen dabei
in Huelle und Fuelle zur Verfuegung.
Seitdem ist, wie es die taeglichen Ereignisse beweisen,
die kommunistische Agitation auf diesem Gebiet in vollem
Gange. Es herrscht in Wirklichkeit ein Krieg des internationalen Kommunismus gegen Griechenland, der in einer noch intensiveren Form als bisher, wenn auch mit anderen Mitteln,
weitergefuehrt wird.
Angesichts dieser Situation hat der Exekutivausschuss
des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes, der unerschuetterlich an seiner ideologischen Ausrichtung festheelt,
es sich zur Aufgabe gemacht, den Unterschied zwischen den
Grundsaetzen und der Politik klar herauszustellen, die die
freien Gewerkschaften von der kommunistischen Arbeitsfront
distanzieren. Er appelliert an das Gewissen der freien Arbeiter und ruft alle mutigen Kaempfer zur Verteidigung der
freien Gewerkschaften gegen jegliche kommunistische Aggression
auf.
Unter Beachtung dieser Grundsaetze und in dem Bestreben,
die freie griechische Gewerkschaftsbewegung, wieder aufzubauen, bereitete der Exekutivausschuss des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes, diesmal vom IBFG unterstuetzt,
den zehnten griechischen Gewerkschaftskongress vor, der
aeusserst erfolgreich war. Dies geht auch aus dem Geschaeftsbericht hervor, der vom IBFG dem zweiten internationalen
Gewerkschaftskongress in Mailand vorgelegt wurde.
Die griechischen Gewerkschaften haben heute nach all den
Kaempfen und Schwierigkeiten, die sie zu ueberwinden hatten,
ihren Weg gefunden.
- 13 -

�Trotz aller internen Schwierigkeiten konnten sie sich
jetzt in verstaerktem Masse auch mit den wirtschaftlichen,
sozialen und beruflichen Problemen des arbeitenden Volkes bescheeftigen. Sie organisierten eine Reihe von Streitgespraechen, in deren Verlauf nicht nur bewiesen wurde, dass der
Mythos der kommunistischen Propaganda falsch und verlogen
ist, nach dem es in Griechenland angeblich keine gewerkschaftlichen Freiheiten gaebe und dass "Gewerkschafts"fuehrer, nur
weil die Streiks befehligten, zum Tode verurteilt wurden,
sondern sie haben auch wesentlich zur Loesung der sozialen
unö wirtschaftlichen Probleme beigetragen.
Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang auch die Leistungen der griechis.chen Gewerkschaften bei dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes.
News Letter of the General Confederation of Greek Workers Nr. 25
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN UND WELTFRIEDEN
Der maechtige britische Gewerkschaftsbund TUC mit seinen
acht Millionen Mitgliedern hat sich vor kurzem mit ueberwaeltigender Mehrheit fuer das Verteidigungsprogramm der LabourRegierung ausgesprochen. Ein Parlamentsmitglied der LabourPartei, Kapitaen Harry Purcey, gibt in diesem Artikel einige
Erklaerungen hierzu. Purcey hatte erst vor kurzer Zeit die
Vereinigten Staaten besucht.
Purcey diente 30 Jahre lang bei der Marine und kam niemals weiter westlich als bis Trinidad. Er hatte immer den
Wunsch,Amerika zu sehen, um sich ein Bild ueber das Leben auf
diesem westlichen Kontinent machen zu koennen.
Auf die Frage, ob es nicht fuer einen Menschen von seinem
Rang ungewoehnlich sei, als Abgeordneter der Labour-Partei
Parlamentsmitglied zu sein, erwiderte Purcey, dass es bis
1912 keinem einfachen Marinesoldaten moeglich gewesen sei,
Offizier zu werden. Natuerlich stuende die Mehrheit der Marineoffiziere auf der anderen Seite, d.h. in der Partei der
Konservativen. Trotzdem haette beim Militaer immer eine
gute liberale Tendenz geherrscht, und es sei moeglich, dass
im Laufe der Zeit und mit der Verbesserung der politischen
Kenutnisse und Schulung mehr und mehr Marineoffiziere sich
nach ihrer Entlassung um Mandate fuer das Parlament bewerben
wuerden, so wie auch er es vor 30 Jahren getan habe. Purcey
vertritt im Parlament ^ast Hüll, einen der vier Stadtteile
der drittgroessten englischen Hafenstadt. Er ist vor allem
Vertreter der Seeleute- und Hafenarbeiterbezirke. Es ist
interessant^estzustellen, dass es in Hüll praktisch keine
Arbeitsstreitigkeiten gibt; die Erklaerung hierfuer ist einfach: es geht den Hafenarbeitern in England unter der LabourRegierung heute besser denn je zuvor, weil sie alle Beschaeftigung haben, und weil sie im Schutz des umfassenden Sozialversicherungs-Systems stehen, das heute in England besser
ist als in allen anderen Laendern der Welt.
Der Marshall-Plan, so berichtet Purcey, hat die englischen Betriebe mit Rohstoffen versorgt und bei der Wiederaufrichtung der kriegszerstoerten englischen Wirtschaft mitge- 14

�holfen. Drei von je vier Haeusern wurden in England waehrend
des Krieges zerstoert oder beschaedigt. Die llershallplan-Hilfe
fuer England wurde praktisch durch Verpflichtungen Englands
anderen Laendern gegenueber und durch die Gewaehrung von Krediten und Anleihen aufgehoben.
Was das Verteidigungsprogramm betrifft, so ist England
heute das am hoechsten besteuerte Land der Welt, es hat pro
Kopf der Bevoelkerung zur Verteidigung wohl mehr beigetragen
als jede andere Nation. Die Zahl der unter Waffen Stehenden
ist heute in England dreimal so hoch wie 1914 kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges und zweimal so hoch wie 1939.
Bei einer Bevölkerungsziffer von 50 Millionen zaehlt England
eine Million Soldaten. Das Aequivalent fuer Amerika mit seinen 150 Milli
nschen waere also drei Millionen Soldaten.
England beteiligt sich mit gleicher Aktivitaet an den Verteidigungsanstrengungen. Die britische Marine trat fast gleichzeitig mit der amerikanischen Marine in Korea in Aktion.
Niemand unterschaetzt die Luftwaffe oder die Armee Russlands. Die russische "Achillesferse" ist jedoch die Marine.
Im letzten halben Jahrhundert war Russland in drei Kriege
verwickelt. Der russisch-japanische Krieg von 1905 brachte
eine schwere Niederlage. In den Kriegen 1914 und 1939 wurden
an die russische Marine keine grossen Anforderungen gestellt.
Die Russen sind niemals Seeleute gewesen, und sie haben heute
im Vergleich zu den amerikanischen und englischen Seestreitkraeften, die die groessten der Welt sind, praktisch keine
Ueberwasserflotte.
Obwohl Russland das raeumlich groesste Land der Welt
ist, hat es unter zahlreichen natuerlichen Nachteilen zu
leiden, wie z.B. die riesigen Entfernungen. Es muss deshalb
seine Streitkraefte aufteilen und kann sie nicht an einer
einzigen Stelle konzentrieren. Das Transportwesen Russlands
ist keineswegs gut. Vom marinetechnischen Standpunkt aus
gesehen hat Russland vier offene Meereskuesten: das Eismeer,
in dem natuerlich kein Krieg gefuehrt wflrde, die Ostsee,
das Schwarze Meer und der Stille Ozean im Fernen Osten. Die
Ostsee und das Schwarze Meer sind praktisch Binnenseen, in
denen einige Marinestreitkraefte unterhalten werden muessen,
die der Hauptflotte verlorengehen. Das bedeutet, dass die
strategisch wichtigste Kueste Russlands sich im Fernen Osten
befindet. In diesem Gebiet kann Amerika aber immer auf die
Hilfe Englands und besonders die der englischen Flotte bauen.
Im Falle eines Krieges mit Russland muessen deshalb die Energie und Aufmerksamkeit Grossbritanniens dem Kampf zur See
gewidmet werden. Truppen und Material muessen zur See befoerdert werden, die Schlagkraft der Marine wird einer der
ausschlaggebenden Faktoren sein.
Wenn man von der Moeglichkeit einer Krieges mit Russland spricht, muss man sich vergegenwaertigen, dass nicht die
Atombombe das wirksamste Abschreckmittel gegen Russland ist,
sondern vielmehr die Tatsache, dass sich zum erstenmal in
der Geschichte Amerika und England, bevor es noch zu einem
Schuss gekommen ist, verpflichtet haben, gemeinsam den europaeis chen Kontinent zu verteidigen. Wenn dies von Anfang an
auch 1914 und 1939 der Fall gewesen waere, waeren diese beiden Kriege wohl voellig anders verlaufen. Diese Argumente
sollen zu keinem Missverstaendnis fuehren und nicht den Ein- 15 -

�druck erwecken, Russlands Staerke wuerde unterstuetzt. Die
Verteidigungsbemuehungen muessen in der jetzigen Zeit unter
allen Umstaenden gefoerdert werden, weil die einzige Sprache,
die die Russen verstehen, die der Staerke'und nicht die der
Schwaeche ist.
Befragt, was nach seiner Meinung das beste Mittel zur
Durchfuehrung einer politischen Offensive waere, die die
Russen von ihren kriegsvorbereitenden Tendenzen abhalten
koennte, antwortete Purcey: "Eine der besten Methoden, deren
man sich bedienen koennte, waere eine gemeinsame Kampagne
der Vereinten Kationen, in der man Russland eine allgemeine
Abruestung untei' allgemeiner Ueberwachung vorschlagen wuerde.
Mit der Abruestung waeren alle Voelker der schweren Verpflichtung enthoben, grosse unwirtschaftliche Ausgaben fuer die
Verteidigung machen zu muessen. Alle Laender haetten die
Moeglichkeit, ihre Wirtschaft auf die Friedensproduktion
einzustellen und jedem einen besseren Lebensstandard, groessere soziale Sicherheit und alle sonstigen Vorteile zukommen
zu lassen, die das Wohlergehen der Kationen und der Welt
insgesamt verbessern wuerden.
Ob Russland einen solchen Vorschlag akzeptieren kann?
Dieser Vorschlag ist in verschiedener Form Russland natuerlich schon unterbreitet worden. Die Russen erklaerten immer
wieder, dass sie ihn grundsaetzlich billigten. Sie erklaerten sich bereit, alles moegliche zu tun. Wenn man jedoch zu
Einzelheiten ueberging und die Frage einer ausreichenden
Ueberwachung angeschnitten wurde, dann wollte- Russland, wie
allgemein bekannt ist, keinerlei annehmbare Uebe"rwachungsmethoden akzeptieren, die anderen Laendern eine Gewaehr dafuer
bieten koennten, dass Russland nicht doch im geheimen aufruestet.
Program Services Section
IX/6/51
NEUE STROMERZEUGUNGSANLAGEN IN GRIECHENLAKD
Mit Hilfe des Marshallplans werden jetzt die laendlichen
Bezirke Griechenlands der elektrischen Stromversorgung angeschlossen woei die in den Staedten befindlichen Krafterzeugungs
anlagen erweitert werden. Dieses Programm, das im Jahre 1955
beendet^sein soll, wird drei hydroelektrische und eine Dampfkrafterzeugungßanlage umfassen, zu denen dann die Verteilungsanlagen treten. Die Wasserkraftanlagen werden am Wodas, am
Ladhon und am Loures-Fluss errichtet. Die Anlage, die auf
Dampfkraft basiert, ist bereits im Bau. Sie liegt in der
Naehe von Aliveri,. einer Insel in Euboea, auf der sich grosse
Lignit-Ablagerungen befinden. Lignit ist eine minderwertige
Kohle, die hier jedoch mit einfachen Mitteln aufbereitet wird
und gleichzeitig als Brennstoff fuer dieses neue Kraftwerk
diänt. Ein amerikanisches Ingenieurunternehmen, die Ebasco
Dienst G.m.b.H., ueberwacht den Bau und die Arbeit dieser Anlage. Der aus Griechen bestehende Stab der oeffentlichen
Stromverwaltung wird das Werk uebernehmen, sobald es spaetestens im Jahre 1955 fertiggestellt ist. Die Gesamtkosten
dieses Projektes werden etwa 80 Millionen Dollar betragen. In
diesem Betrag ist ein Posten von 54 Millionen Dollar enthalten,
der fuer Lieferungen aus dem Ausland entstanden ist, waehrend
10 Millionen Dollar auf direkte Unterstuetzung entfallen, die
durch den Marshallplan gewaehrt werden.
EGA Special Report
VIII/7/51
- 16 IICOG

25 Mp&lt; 51 U542 6 II

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse «ad anderen Quellen dar «ad dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werde«.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht-als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 38

Frankfurt,

£ 1 . September 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Das Europaeische Hilfsprogramm und s e i n e Gegner . .

1

P r o d u k t i o n s p l a n der SCA f i n d e t i n Europa B e i f a l l

4

N i e d e r l a g e der Kommunisten b e i den f i n n i s c h e n
Gewerkschaftswahlen
Die neue b r i t i s c h e Verordnung ueber die Regelung
von A r b e i t s s t r e i t i g k e i t e n
Z e i t s t u d i e n von d e r anderen S e i t e gesehen

.

6
7
9

Foerderung d e r P r o d u k t i v i t a e t durch Normung

13

U . S . f o r d e r n Bodenreform auf der ganzen Welt

14

DAS EUROPAEISCHE HILFSPROGRAMM UND SEINE GEGNER
Die B e r i c h t e der ECA-Verwaltung z e i g e n auf, d a s y zur
g l e i c h e n Z e i t , i n d e r s o w j e t i s c h e Agenten Hunderte von M i l l i o n e n D o l l a r ausgeben d u e r r e n , um d i e f r e i e Welt i n e i n
Chaos zu s t u e r z e n und z u g l e i c h d i e Bemuehungen d e r a m e r i kanischen w i r t s c h a f t l i c h e n U n t e r s t u e t z u n g z u n i c h t e zu machen, Amerika auf d i e kommunistischen Luegen ueber d i e
" i m p e r i a l i s t i s c h e K r i e g s p o l i t i k der USA" a n t w o r t e n muss.
Die b e s t e Antwort, d i e durch die ECA gegeben werden kann,
l i e g t wohl i n den Einladungen an Hunderte von S t u d i e n g r u p p e n , d i e im Rahmen des t e c h n i s c h e n Unterstuetzungsprogramms
- 1 -

�der EGA die Vereinigten Staaten besuchen, wobei die Mitglieder
der Studiengruppen sich aus Gewerkschaftsfunktionaeren, Landwirten, Technikern und Industriellen zusammensetzen, die aus
westeuropaeischen Laendern Amerika besuchen, um hier im Rahmen
des technischen Hilfsprogramms moderne Produktionsmethoden
zu studieren. Die Erfahrungen, die diese Fachleute zurueck
nach Europa bringen, sind zugleich der beste Beweis, dass
Amerika keinen Krieg will, aber in jedem Fall durch entsprechende Verteidigungsmassnahmen den Aggressionen des Kreml
ein Halt entgegenzusetzen wuenscht.
Die Mitglieder dieser Studiengruppen lernen bei ihren
Reisen in den Vereinigten Staaten auch den kleinen Mann kennen, mit dem sie staendig in Beruehrung kommen. Dadurch hoeren sie aus berufenem Munde ueber die Lebensweise des amerikanischen Arbeiters, des Bauern und des Angestellten. Es
kommt natuerlich vor, dass ein voreingenommener Besucher sich
Scheuklappen anlegt und nur das sehen will, was ihm in seine
Richtung'passt. Aber im allgemeinen kommen mit den Besuchergruppen objektiv eingestellte Yvesteuropaeer nach ümerika, die
vor allem den ungeheuren Einfluss der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung auf die Lebenshaltung der breiten Masse erkennen. Eine ganze Anzahl dieser Besucher ist zu der Schlussfolgerung gekommen, dass hier eine gigantische wirtschaftliche
Revolution stattgefunden hat und dass hier der Arbeiter und
der kleine Mann der Strasse alle jene Errungenschaften erreicht haben, von denen er vor zwei Jahrzehnten nur traeumen
konnte und die im allgemeinen den Forderungen entsprechen, die
die marxistische Lehre als Endziel fuer den einzelnen aufgestellt hat. Das betrifft allerdings nicht das Eigentum an
den Produktionsmitteln selbst, sondern nur einen optimalen
Anteil an den durch diese erzielten Gewinnen. Eine solche
wirtschaftliche Revolution hat in dieser Form in Sowjetrussland nicht stattgefunden, hier ist zwar das Privateigentum
gemaess der marxistischen Lehre beseitigt, aber der einzelne
russische Arbeiter hat dadurch keineswegs seinen Lebensstandard erhoehen koennen. Wenn heute immer noch der Eiserne Vorhang heruntergelassen bleibt, so ist zweifellos der Hauptgrund
hierfuer, dass die russischen Machthaber keineswegs daran
interessiert sind, dass der russische Arbeiter uebe*rhaupt etwas ueber den Lebensstandard des amerikanischen Arbeiters erfaehrt.
Einige Studiengruppen bestanden ausschliesslich aus Gewerkschaftern, fuenf von ihnen haben in den letzten vier Monaten ausgedehnte Studien durchgefuehrt, wobei sie in erster
Linie an Hochschulen solche Seminare und Vorlesungen hoerten,
die vor allem die Arbeit der Gewerkschaftsbewegung betrafen.
So wurden die Roosevelt-Hochschule in Chicago, die WisconsinUniversitaet in Madison, die Cornell-Universitaet in Ithaka
bei New York, das Technologische Institut fuer Massachusetts
und die Harvard-Handelshochschule in Cambridge besucht. Fach
diesen theoretischen Vorbereitungen gingen die Studiengruppen
an die praktische Arbeit, sie besuchten Fabriken und Werkanlagen, aber auch Bergwerke, um ueberall die Produktionsmethoden
in der Praxis naeher kennen zu lernen und sich gleichfalls
ueber die Tarifvertragsverhandlungen zu orientieren. Dabei
hatten sie selbstverstaendlich jegliche Freiheit, um jene Seiten des amerikanischen Lebens kennen zu lernen, die nach der
Meinung amerikanischer Gewerkschafter noch durchaus reformbeduerftig sind. Die Studiengruppen haben sich daher ein Bild
- 2

�der Wirklichkeit machen koennen, sei es in sozialer oder in
wirtschaftlicher Hinsicht, aber sie erfuhren hierbei auch,
wie die amerikanischen Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit
politischen Kraeften sich darum bemuehen, jene Schattenseiten des amerikanischen Lebens auszumerzen, moegen diese nun
in der Gemeinde, in der Provinz oder im Staat bestehen, moegen hierfuer kommunale, einzelstaatliche oder bundesstaatliche Aktionen erforderlich sein.
Die Mitglieder der Studiengruppen haben selbstverstaendlich auch mit den ürbsitsberatern der ECA ueber die wirtschaftlichen Probleme Europas gesprochen, wobei vor allem die Frage
im Vordergrund stand, ob durch eine Erhoehung der Produktivitaet eine Erhoehung des Lebensstandards erreicht werden kann.
Diese Frage ist deshalb von entscheidender Bedeutung, weil
durch die immer notwendiger werdende Verteidigungsbereitschaft gegen kommunistische Aggressionen auch in Westeuropa
ein Verteidigungsprogramm unumgaenglich wird, wobei aber
die bisherige Gueterproduktion fuer den zivilen Sektor nicht
beeintraechtigt werden soll. Auch die Gefahr einer Inflation
laesst sich vermeiden, wenn durch eine Beibehaltung des
jetzigen Produktionsniveaus der bestehenden Nachfrage entsprochen werden kann. Fuer Deutschland wuerde dies bedeuten,
dass das Arbeitslosenheer wieder in den Erwerbsprozess eingereiht wird, dass aber darueber hinaus durch eine Steigerung
der Produktivitaet fuer den zivilen Sektor genuegend Bedarfsgueter produziert werden, um Engpaesse zu vermeiden. Da jedoch zu diesem Produktiv itaetsprogramia auch die Frage gehoert,
dass mehr Nahrungsmittel zu niedrigeren Kosten erhaeltlich
sein muessen, so sind gegenwaertig zahlreiche Experten aus
der Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten mit dem Studium
der dortigen Agrarmethoden beschaeftigt. Dabei wird gleichzeitig geprueft, welche dieser Methoden sich auch fuer die
westeuropaeische Landwirtschaft eignet. Die Notwendigkeit
der Verbilligung der Massennahrungsmittel ist heute schon
von elementarer Bedeutung fuer den Lebensstandard der breiten
Masse, erst recht jedoch angesichts der Drohungen, die der
Kreml immer wieder vom Stapel laesst.
Gegenwaertig weilen zwoelf junge weibliche Landwirtschef tsexperten in den Vereinigten Staaten, die aus fuenf
Laendern Westeuropas kommen, um hier an dem Agrarschulungsprogramm fuer weibliche Agronomen teilzunehmen, das von der ECA
protegiert und mit Hilfe des Landwirtschaftsministeriums der
USA durchgefuehrt wird.
Elf Techniker aus Daenemark, Belgien und Norwegen studieren insbesondere die Anordnung und den Aufbau landwirtschaftlicher Gebaeude. In allen drei Laendern gibt es traditionelle Methoden, vor allem in bezug auf die Bauweise und
die Abmessungen, aber diese sind voellig veraltet und erfordern dringend eine Revision, um Arbeitskraft, Materialien
und investierte Kapitalien einzusparen und mit diesen ersparten Mitteln mehr und besseres aufzubauen.
Dreizehn andere Studiengruppen beschaeftieen sich mit
der Bekaempfung von Vorratsschaedlingen, mit der wirtschaftlicheren Verwendung von Holz und Bauholz, der Aufzucht des
Viehs, der Lagerung und Verpackung von Obst und Gemuese,
mit ihrer industriellen Konservierung, mit der Bewaesserung
und Erschliessung neuen Ackerbodens und der Mechanisierung
- 3-

�der Landwirtschaft, mit den Ancaumoeglichkeiten von Soyabohnen
und der Durchfuehrung von Bodenanalysen, mit der Gartenkultur und der ^rnte von Alfalfagras-Samen, der Seuchenbekaempfung
durch ^uarantaenemassnahmen und schliesslich mit der Foerderung des Zuckerruebenanbaus und seinen Voraussetzungen.
Fuenfzehn weitere Studiengrupnen widmen sich industriellen Problemen, sie informieren sich ueber Haefen und Dockanlagen, ueber industrielle Organisation und Betriebstuehrung,
ueber Gebaeudekonstruktionen und"Ausnutzung von Naturgasquellen, die Erhoehung der Produktiviüaet in der Baumwollindustrie
und der Bekleidungsfabrikation, die Verwaltung der Telefonaemter, die verlustfreie Lagerung von Korn, die Herstellung
von Keks und Biskuit, fuer Europa wichtige chemische Forschungsarbeiten, Stahlzieh- und -Valzanlagen, die Verlegung
von Draehten und Kabeln, die Anwendung von Leimverbindungen
und Zement, Verwendungsmoeglichkeiten fuer plastische fassen
und schliesslich neue Destilliermethoden durch Aufspaltung
und Trennung unter besonderen Verhaeltnissen.
Sieben amerikanische .Experten, die vor allem auf dem
Gebiet der Begründung und Durchfuehrung spezieller Forschungsaufgaben geschult sind, werden ihre Erfahrungen gegenseitig
austauschen und ergaenzen, um eine otudienreihe vorzubereiten, die in ,7esteuropa durchgefuehrt werden soll und sich
mit der Frage beschaeftigen wird, ob aehnliche Institutionen
direkt in Westeuropa begruendet, werden sollen und welche .
Forschungsgebiete am notwendigsten fuer die einzelnen Laender sind. Der Beitrag, der auf Westdeutschland entfallen
soll, ergibt sich aus einem Besuch des deutschen Mitglieds
des OSEC-Komitees fuer wissenschaftliche und technische Angelegenheiten, Dr. Joachim Pretsch, der vor einiger Zeit
die USA unter diesem Gesichtspunkt bereiste.
EGA Labor Information
VI 11/31/51
PRODUKTIONSPLAN DER ECA FINDET IN EUROPA BEIFALL
Die neue Kampagne der ECA zur Foerderung der Produktivitaet hat in den nichtkommunistischen Gewerkschaftszeitungen
Europas allgemein ein guenstiges Echo gefunden.
Das "Programm der ECA soll den Europaeern helfen, ihre
Industrien zu modernisieren, ihre Produktionsmethoden zu
verbessern und ihren Ausstoss zu steigern, wobei den Arbeitern gleichzeitig ein gerechter Anteil an den Gewinnen gesichert werden soll.
Weil diese klaren Forderungen einem der Hauptdiskussionspunkte der Kommunisten der. Boden entzogen hat, hat
die kommunistische Presse in Europa, wie nicht anders zu erwarten war, "einmuetig" gegen das gesamte Programm Stellung
genommen.
Eines der freien Gewerkschaftsorgane Frankreichs, naemlich das des Christlichen Gewerkschaftsbundes ICFTC), billigt
das Programm unter der Bedingung, dass "es sorgfaeltig ueberwacht wird."
- 4

�Grundsaetzlich stimmtdem Programm auch Andre Malterre,
der Generalsekretaer des Gewerkschaftsbundes der Arbeitsvorgesetzten (Confederation Generale des Cadres)zu, der in
einem Leitartikel des offiziellen Organs seiner Gewerkschaft
"Le Greuset des Cadres" schreibt:
"Das Ziel, die Fruechte der Produktivitaet unter Unternehmern, Lohnempfaengern und Verbrauchern gerecht zu verteilen, ist ausgezeichnet."
Gewerkschaftlich orientierte Tageszeitungen, wie z.B.
"Combat", "Le Populaire" und "Franc-Tireur" brachten Artikel,
in denen die Notwendigkeit des Programms bejaht und gegen
jene Unternehmer der Industrie in scharfen Worten Stellung
genommen wird, die sich immer noch zu den Prinzipien der
"Mentalitaet der niedrigen Loehne und hohen Gewinne" bekennen.
Gewerkschaftsfuehrer in Deutschland billigten das Vorhaben in aehnlicher Weise und brachten nicht nur ihr Interesse daran zum Ausdruck, sondern sagten auch ihre Unterstuetzun« zu. Ludwig Rosenberg, Leiter der Hauptabteilung
II des Deutschen Gewerkschaftsbundes, berichtete, dass er
mit der Vorbereitung eines Wirtschafts- und Fropagandaprogramms beschaeftigt ist, das mithelfen soll, die Ziele des
ECA-Programms zu verwirklichen.
In einer Produktivitaetsbroschuere, die vom Deutschen
Gewerkschafts-Bund herausgegeben wurde, begruesst Georg
Reuter, der stellvertretende Vorsitzende des DGB und Leiter
der Hauptabteilung Film, Presse und Rundfunk diese Kampagne
und erklaert: "Der Hauptinhalt der Gewerkschaftsziele ist
es, das Sozialprodukt so gerecht wie moeglich unter die
Bevoelkerung zu verteilen und es staendig zu vermehren,
um auf diese Weise den Lebensstandard zu heben."
"Die Produktivitaet einer Volkswirtschaft ist deshalb
nicht nur fuer die Arbeitgeber, sondern und moeglicherweise
sogar in erster Linie fuer die Arbeitnehmer von Bedeutung."
In Holland sind in offiziellen Gewerkschaftsorganen
bisher noch keine Kommentare gegeben worden, dagegen aeusserten sich bereits zwei gewerkschaftlich orientierte Tageszeitungen zu dem Thema. "Vrije Volk", eine sozialistische
Arbeiterzeitung, erklaerte in vorsichtigem Ton:
"Es besteht die Gefahr, dass die ECA Aufgaben uebernimmt, zu deren Erfuellung sie nicht die noetigen Mittel
besitzt und auch nicht gerade die passendste Institution
ist. Es besteht weiter die Gefahr, dass die ^arshall-hilfe
zu einer Hilfe fuer Industrien und nicht fuer Laender wird."
Die katholische Gewerkschaftszeitung "Volksgrant" bezeichnete die neuen Bemuehungen als "Hoffman-Plan" und hob
besonders die Unternehmen der Regierung hervor.
Das daenische, gewerkschaftlich orientierte Blatt
"Social Demokraten" berichtete in grossen Schlagzeilen von
dem neuen Programm. Diese grosse, in ganz Daenemark gelesene Tageszeitung wies auf die Bedeutung des Programms hin,
die ihm als mittel zur Steigerung der Loehne und^ zur Senkung
der Verbraucherpreise zukommt.
- 5

�Die schweizerische sozialistische Zeitung "Volksrecht",
die in Zuerich erscheint, gab zu den Auswirkungen des Planes auf die franzoesischen Gewerkschaften folgende Erklaerung:
"Wir koennen behaupten, dass dieser Plan den freien
franzoesischen Gewerkschafts Organisationen neue weite Perspektiven eroeffnet. Der Grundsatz einer wirksamen technischen Unterstuetzung duerfte fuer die Entwicklung der Produktivitaet Frankreichs aeusserst fruchtbringend sein, die
nach unserer Auffassung von hervorragender Bedeutung ist.
The CIO News
IX/10/51
NIEDERLAGE DER KOMMUNISTEN BEI DEN FINNISCHEN GE'.vaP.KSOHAFTSWAHLEN
Auf dem diesjaehrigen Kongress des finnischen-Gewerkschaftsbundes (S.A.K.) waren die Kommunisten in der Minderheit, da bei der Wahl der Kongressdelegierten die Sozialdemokraten einen klaren Sieg errangen.
Ihr Erfolg ist zweifellos ihren energischen und unermuedlichen Anstrengungen bei der Bekaempfung der kommunistischen Machenschaften und ihrer Schlagwortdrescherei zu
verdanken. Die Sozialdemokraten stellten der kommunistischen Taktik ein ganz bestimmtes Programm entgegen und verfochten ihre Meinung in offenen Aussprachen bei allen Gewerkschafts- und Betriebsversammlungen. Angesichts dieser unzweideutigen Haltung ihrer Gegner waren die Kommunisten gezwungen, offene Aussprachen mit ihnen zu vermeiden, s
In dem Bestreben, ihre Kandidaten und ihre Mitglieder
ueber ihre Meinung zu informieren, verteilten die sozialdemokratischen Gewerkschaftsfunktionaere eine woechentlich erscheinende kleine Broschuere mit dem Titel "Zur Sache".
Je naeher der Tag der Wahl rueckte, umso groesser wurde die
Nachfrage nach dieser Veroeffentlichung, und schliesslich
wurde sie vielen Arbeitern an ihrem Arbeitsplatz ueberreicht.
Alle anderen modernen politischen Kampfmethöden, einschliesslich der Erforschung der oeffentlichen Meinung, wurden in
den Kampf geworfen.
Das Ergebnis dieser aktiven Wahlkampagne war, dass 60%
aller Gewerkschafter zu den Wahlurnen gingen, ein Prozentsatz,
wie man ihn seit dem Kriege nicht gekannt hatte.
Durch diese starke Opposition wurden die Kommunisten
aus dem Gleichgewicht gebracht, sie versuchten daraufhin,
die angewendeten Wahlmethoden zu bemaengeln. Bereits vor
vier Jahren waren die Wahlmethoden im Gewerkschaftsbund SAK
abgeaendert worden. Waehrend es vorher jeder Gewerkschaft
freigestanden hatte, nach welcher Wahlmetnode sie ihre Delogierten ernennen wollte, hatte der Kongress im Jahre 1947
beschlossen, dass die Gewerksciiaften das gerechtere System
der Verhaeltniswahl anwenden muessen, wenn es unter der Mitgliedschaft konkurrierende Gruppen gibt, und dass allen Mitgliedern Gelegenheit gegeben werden muss, sich an der Wahl zu
beteiligen.
- 6 -

�In diesem Jahre versuchten die Kommunisten zu beweisen,
dass das Recht, die Delegierten nach den Grundsaetzen der
Verhaeltniswahl festzustellen, mit den Satzungen des Gewerkschaftsbundes SAK unvereinbar sei. Die Kommunisten bezweckten damit natuerlich, dass Gewerkschaften mit sozial-demokratischer Mehrheit Verhaeltniswahlen abhalten sollten, waehrend
kommunistisch beherrschte Gewerkschaften in letzter Minute
einfach direkte Mehrheitswahlen haetten durchfuehren koennen.
Sie fuegten diesen Argumenten die laecherliche Behauptung
hinzu, die Mehrheit der Gewerkschaft stuende ja sowieso auf
ihrer Seite.
Die beste Antwort an die Kommunisten waren die Wahlergebnisse - sozialistische Kandidaten erhielten mehr als 107.000
Stimmen und die Kommunisten 88.000. Dies bedeutete, dass 152
Sozialisten und nur 65 Kommunisten fuer den Kongress als
Delegierte gewaehlt wurden.
Finnische Gewerkschafter, die an die Demokratie glauben,
sind der Ueberzeugung, dass ihre Bemuehungen eine konkrete
Lehre fuer die freie Welt darstellen. Sie wissen, dass sie
die Kommunisten in gerechten Wahlen schlagen koennen. Und
der Kongress der finnischen Gewerkschaften hat beschlossen,
aus dem vom Kominform beherrschten Weltgewerkschaftsbund
endgueltig auszutreten.
Labour VIII/51
DIE NEUE BRITISCHE VERORDNUNG USBER DIE REGELUNG VON ARBEITSSTREITIGKSITEK
Die britische Verordnung Nr. 1305 besteht nicht mehr,
und an ihre Stelle tritt eine neue Verordnung, die Gewerkschaf tsvertraege und ueberhaupt das Tarifverhandlungswesen
foerdert.
Nach der neuen Verordnung ueber Arbeitsstreitigkeiten
in der Industrie sind Streiks und Aussperrungen nicht illegal. Aber jede Gewerkschaft oder jede Arbeitgeberorganisation, die sich ueblicherweise an der freiwilligen Regelung
der Loehne und Arbeitsbedingungen innerhalb einer Industrie
beteiligen, kann den Arbeitsminister davon unterrichten, dass
in der betreffenden Industrie eine Streitigkeit vorliegt.
Der Arbeitsminister kann den Streitfall sodann dem Gericht fuer industrielle Streitigkeiten uebergeben, das auf
der gleichen Basis gebildet wird wie das fruehere Nationale
Schiedsgericht.
Jeder Entschluss dieses Gerichtes wird automatisch zu
einer Bestimmung des Tarifvertrags zwischen den Arbeitern
und Unternehmern. Bei Nichtbeachtung dieser Bestimmung haben
die entsprechenden Vertragspartner das Recht, bei den Zivilgerichten eine Klage wegen Vertragsbruchs anhaengig zu machen.
Bevor jedoch ein Streitfall dem Gericht uebergeben wird,
muss sich der Arbeitsminister davon ueberzeugen, dass man alle
Moeglichkeiten zur Beilegung des Streits durch Beanspruchung
der bestehenden Vermittlungseinrichtungen in der Industrie
erschoepft hat.
- 7-

�Einige Industrien - ihre Zahl wird immer groesser - haben
ein Abkommen getroffen, nach dem Streitigkeiten, die nicht
in dem normalen Verhandlungsverfahren beigelegt werden koennen, an ein Industriescericht oder eine im Vertrag festgelegte
Schiedssprechungsinstitution ueberwiesen werden. V.'ird der
Streitfall durch Entscheid einer dieser Institutionen beigelegt, eruebrigt sich eine Inanspruchnahme des Gerichts durch
den Arbeitsminister.
Bedeutsamer noch ist die Tatsache, dass der Arbeitsminister nicht verpflichtet ist, einen Streitfall einem Gericht
zu uebergeben, solange ein Streik oder eine Aussperrung oder
eine andere Massnahme, die einen schwerwiegenden Bruch des
Vertrags darstellt, in Durchfuehrung begriffen ist.
Das Problem der Schlichtung von Streitigkeiten in solchen
Industrien, in denen der Prozentsatz der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter verhaeltnismaessig niedrig ist und in
denen daher entsprechende Verhandlungsinstitutionen fehlen,
ist durch eine Klausel in der Verordnung geloest, die dem
Arbeitsminister die Befugnis gibt, einen Bericht ueber eine
Streitigkeit von einer Gewerkschaft oder einer ArbeitgeberOrganisation anzunehmen, die seines Erachtens fuer die Arbeitgeber oder Arbeitnehmer der betreffenden Industrie zustaendig
ist.

Diese neue Verordnung ist das Ergebnis monatelanger Verhandlungen zwischen dem TUC, den Arbeitgeberorganisationen
bzw. Vertretern der verstaatlichten Industrien und Alfred
Robens und seinem Vorgaenger im Arbeitsministerium.
Nach Aussagen von Gewaehrsleuten des TUC duerften die
Verhandlungen im Januar dieses Jahres begonnen haben, als
der Verwaltungsrat des TUC im Hinblick auf das Versprechen,
das man den Delegierten auf dem vorjaehrigen Kongress gegeben
hatte, die uebliche Ueberpruefung der Arbeitsweise der Verordnung Nr. 1305 vornahm.
Ende Februar waren bereits konkrete Vorschleege Gegenstand der Verhandlungen, die unter dem Titel "What the TUC
is Doing" (Vtes der TUC bearbeitet) veroeffentlicht wurden.
Bei der Eroerterung der Einzelheiten der vielen Entwuerfe,
die notwendig waren, bevor man sich ueber den endgueltigen
rechtsverbindlichen Wortlaut einigen konnte, wurden die Erfahrungen der angeschlossenen Gewerkschaften und ihre schriftlichen und muendlichen Kommentare vor dem Kongress beruecksichtigt, mit der Absicht, jene Bestandteile der Verordnung Nr.
1305, die die Gewerkschaften fuer wertvoll hielten, zu erhalten.
Bemerkenswert unter diesen war die Bestimmung in Absatz
III, nach der die Gewerkschaften die Eoeglichkeit hetten,
eine widerspenstige Firma - ob sie einer Arbeitgeberorganisation angehoart oder nicht - zu zwingen, die Loehne zu zahlen
und die Arbeitsbedingungen einzuhalten, die die Gewerkschaften
in Verhandlungen mit einer groesseren Zahl von Firmen der
betreffenden Industrie vereinbart hatten. Diese ^oeglichkeit
besteht auch nach der neuen Verordnung.
. Labour
- 8-

VIIl/51

�ZEITSTUDIEN VON DER ANDEREN SEITE GESEHEN
Es gibt eine genze Reihe von Moeglichkeiten, sich unerlaubte Vorteile zu verschaffen, sei es auf legalem oder illegalem Wege. Es gibt Leute, die einen Zigarettenladen pluendern, aber es gibt auch Geschaefte, die sich Tausende von
Mark dadurch verschaffen, dass sie sehr knapp wiegen. Es
gibt auch Unternehmer, die pro Arbeitsstunde sich 5 Pfennig
verschaffen, indem sie den Beschaeftigten einen Lohn zahlen,
der 5 Pfennig unter dem vereinbarten Satz liegt. Man kann
aber auch mit der Stoppuhr aehnliche unehrliche Rechenkunststuecke fertigbringen.
Ein Beispiel hierzu: Nehmen wir einmal an, dass im Verlaufe einer Zeitstudie festgelegt wird, dass 5% der Arbeitszeit Dingen gewidmet werden kann, die.nicht unmittelbar mit
der Arbeit in Verbindung stehen. Eine solche Vereinbarung
kann bei einer pharisaeerhaften Auslegung dazu fuehren, dass
sich dadurch eine Unternehmerpraemie von mehr als einer Million Mark ergibt.
Die amerikanische Gewerkschaft der AUtomobilarbeiter
gibt hierzu ein Beispiel. Eine der groessten amerikanischen
Gesellschaften, die mehr als 100.000 Arbeiter beschaeftigt,
hat eine Vertragsformel etwas unrichtig und einseitig ausgelegt und war dadurch in der Lage, an ihren Arbeitern im
Jahre rund neun Millionen Doller zu profitieren. Dieser Betrag ist doppelt so hoch wie jene Summe, die bei einem gewissen Kettenhandelsunternehmen Jahr fuer Jahr dadurch gewonnen wird, dass bei einer schnellen Bedienung die Waren knapp
gewogen werden und Uebergewichte ebenso schnell uebersteigert berechnet werden.
Heute steht dieses Kettenhandelsunternehmen, nicht allein
da mit seinen Methoden. 7/ahrscheinlich wird mancher Leser,
wenn er diesen Artikel studiert, feststellen, dass auch in
seinem Betrieb aehnliche sonderbare Praktiken gang und gaebe
sind.
Gehen wir zurueck zu der Vereinbarung, dass 5% der teeglichen Arbeitszeit fuer persoenliche Zwecke zur Verfuegung
stehen. Ein achtstuendiger Arbeitstag bedeutet 8 x 60 Minuten, also 480 Minuten. Fuenf Prozent von 480 Minuten sind
24 Minuten. Das bedeutet, dass nicht 480 Minuten pro Tag
gearbeitet wird, sondern tatsaechlich 456 Minuten. Die erwaehnten 24 Minuten stehen fuer nichtbetriebliche Zwecke dem
einzelnen Arbeiter zur Verfuegung. .Venn man diese Summe durch
8 teilt, so ergibt sich, dass die produktive Zeit 57 Minuten
fuer jede Arbeitsstunde betragen muss. Dies entspricht auch
genau dem Vertrag: 57 Minuten m 95% Arbeitszeit und 5% oder
3 Minuten sind dem Arbeiter fuer eigene Zwecke freigegeben.
Diese Rechnung ist vollkommen klar. Sie wird auch in Grossbetrieben wie General Motors und Ford durchgefuehrt.
Was geschieht nun tatsaechlich in den /.erken? .Vas geschieht zum Beispiel in einer der groessten Gesellschaften,
einem der gesottensten amerikanischen Monopolbetriebe mit
seinen rund 100.000 Arbeitern?
Schoen, die Zeitstudienabteilung berechnet dieses Zugestaendnis der 5%igen Privatzeit etwas anders und kommt zu
dem Schluss, dass fuer jede Stunde 3 Minuten fuer Dersoenliche
9

�Zwecke des Arbeiters zur Verfuegung stehen. Das heisst also,
wie gesagt, 3 Minuten je Stunde. Nun gut, sagt das Unternehmen, das heisst also, dass der Arbeiter 60 Minuten an seiner
Maschine zu stehen hat und dann 3 Minuten sich privaten
Dingen widmen kann, also nicht drei Minuten in jeder Stunde,
sondern 3 Minuten auf 63 Minuten gerechnet. Vjenn man dies
umrechnet, so bedeutet dies keine 5%, wie es im Vertrag steht,
sondern nur 4,76%.
Anstatt 57 Minuten Arbeitszeit und 3 Minuten Ruhe hat
dieses Unternehmen also 60 Minuten Arbeit und 3 Minuten Ruhe
festgelegt. Wenn man das pro Arbeitskraft einmal nachrechnet, so ergibt sich, dass 1/7 Minute an Arbeitszeit pro Stunde
verlangt wird, wofuer keine Berechtigung besteht. Diese
1/7 Minute fuer jede Stunde wird bereits pro Tag zu 1 1/7
Minuten. Auf das Jahr berechnet ergeben sich somit 285 Minuten fuer den einzelnen Arbeiter. Fuer die 100.000 Lohnarbeiter waechst sich diese Massnahme der Firma zu rund 4.750.000
Arbeitsstunden an, die durch eine einfache einseitige Korrektur eines Vertrages gewonnen sind. Wenn man den Durchschnittslohn pro Stunde auf 2 Dollar berechnet, so ergibt sich durch
eine einfache Berechnung, dass die Gesellschaft aus dieser
anscheinend geringfuegigen Aenderung des Abkommens einen Nutzen
von 9 Millionen Dollar an unbezahlter Arbeitszeit innerhalb
eines Jahres auf Kosten der Belegschaft gewinnt!
Natuerlich kann man sich auf den Standpunkt stellen,
dass 1/7 Minute pro Arbeitsstunde gar nichts bedeutet. Die
l/7 Minute ist wesentlich kuerzer als die Zeit, die man
braucht, um sich die Sache ueberhaupt zu ueberlegen. Tatsaechlich ist diese Angelegenheit jedoch eine Sache, die die
Gewerkschaften nicht durchgehen lassen koennen. Natuerlich
scheint es sich nur um eine Kleinigkeit zu handeln, aber
wenn man, wie es hier geschehen ist, der Sache einmal nachgeht, so ergibt sich, dass das Unternehmen einen Sondergewinn
von 9 Millionen Dollar hat, da es fuer die 1/7 Minute nichts
zahlt. Vom Standpunkt der 9 Millionen handelt es sich aber
keineswegs um eine Kleinigkeit.
Dieses eine Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass
bei allen Zeitstudien nicht nur die Arbeiter bloss die Zeitnehmer kontrollieren, sondern aucb erfahrene Experten zur
Stelle sind, um jeden Versuch, den Vertrag mit Klauseln so
auszustatten, dass das Unternehmen doch noch Sondervorteile
herauszieht, abzuwehren. Dass die Kalkulation die Vernachlaessigung kleinster arithmetischer Groessen stets zu ihren
Gunsten vornimmt, scheint im Einzelfall und auf die einzelne
Arbeitsstunde bezogen, nicht allzuviel auszumachen, umsomehr
bedeuten diese Groessen jedoch etwas, wenn man sie auf das
Jahr und auf die Gesamtbelegschaft umrechnet. Der Anteil
an der Arbeitszeit, der abgesetzt werden muss fuer' die Befriedigung persoenlicher Beduerfnisse oder umgekehrt der Betrag,
der effektiv fuer die tatsaechlich geleistete Arbeitszeit
gezahlt wird, wird in den Zeitstudienberechnungen mit dem
Begriff Zykluszeit benannt. Diese Zykluszeit ist der Gesamtbetrag der Minuten fuer die Arbeitsvorbereitung, der von der
Gesamt-Arbeitszeit abgezogen wird, die Zykluszeit ist die
Zeit, in der ein Arbeitsvorgang vorbereitet wird, bis er'tatsaechlich beginnen kann. Die Zykluszeit schliesst auch die
Gesamtzeit ein, die fuer persoenliche Faktoren etewaehrt wird,
fuer Arbeitsunterbrechungen und fuer alle anderen notwendigen
- 10 -

�Zeiten bis zur tatsaechlichen Durchfuehrung der Arbeit selbst.
Wir bringen hier die Unterlagen der Bulova-Uhren-Gesellschaft,
die von dem Industrieingenieur David Anderson und dem Leiter
der Standard-Abteilung Arthur Hansen herausgegeben wurde.
"Waehrend des durchschnittlichen neunstuendigen Arbeitstages
wurden die folgenden Zugestaendnisse fuer eine besondere Form
der Arbeit gemacht:
Form des Zugestaendnisses

Persoenliche Zwecke
Ermuedung
Unterbrechungen, Neueinrichtungen
We r kz e ug v or be r e i t ung,
Reinigen usw.
Gesamtsumme der Zugestaendnisse

Minuten pro Tag

In Prozenten der gesamten 9-stuendigen
Arbeitszeit

27
54

5%
10%

27

5%

54

10$

162 Minuten

30% der Arbeitszeit des
9-stuendigen
Arbeitstages

Die normale Zeit, die jeder einzelne Arbeitsvorgang pro
Stueck bei dieser Studie benoetigte, belief sich auf 0,15
Minuten. Die allgemein angewandte Methode der Festlegung
der Zeitzugestaendnisse, also die tatsaechliche Zeit fuer
den Arbeitsvorgang betraegt
0,150 Minuten.
w
Summe der Zugestaendnisse 30%
0,045
Standardzeit
0,195 Minuten.
Die stuendliche Produktion wird daraufhin wie folgt
festgelegt: 60 Minuten werden geteilt durch 0,195 Minuten.
Es ergibt sich somit pro Stunde eine Stueckzahl von 307,2.
Diese Zahl wird jetzt als Basis fuer den betreffenden Arbeitsvorgang zugrunde gelegt. Die taegliche neunstuendige Produktion auf dieser Basis wuerde daher 307,2 x 9 betragen, das
heisst also, 2.764,0 Stueck p r o Tag.
Wenn man jedoch richtig rechnet - und die Zeitstudieningenieure der Gewerkschaft haben diese Rechnung sorgfaeltig
geprueft - so ergeben sich nur 2.520 Stueck p r o Tag.
Zieht man naemlich von den 540 Minuten des gesamten
Neunstundentages 162 Minuten,
die dem 30%igen Zugestaendnis
entsprechen, ab, so kommt - man zu einer tatsaechlichen Arbeitszeit von 378 Minuten fuer den Neunstundentag.
Wenn man die tatsaechliche Arbeitszeit von 378 Minuten
durch die fuer den Arbeitsvorgang notwendige Zeit (0.15 Minuten) dividiert, erhaelt man eine Produktionsziffer von 2.520
Stueck fuer den Neunstundentag.
Die Differenz zwischen 2.520 und 2.764,8 Stueck ist also
244,8 Stueck. Dies ist die Produktion, um deren Bezahlung
der Arbeiter betrogen wird. 244, 8 Stueck sollen nach der
Rechnung des Unternehmens produziert und nicht bezahlt werden.
Der Irrtum liegt natuerlich darin begruendet, dass die
Zeitzugestaendnisse an den Arbeiter nach dem gesamten Arbeits- 11 -

�tag berechnet werden, entweder nach acht Stunden oder nach
neun Stunden.
Der gesamte Arbeitstag besteht aus der dem Arbeiter zugestandenen Zeit fuer persoenliche Faktoren und der tatsaechlichen Arbeitszeit. Wenn das Zeitzugestaendnis 30^ betraegt,
dann beziehen sich diese 30% auf den gesamten Arbeitstag.
Man zieht also diese dreissig Prozent ab, und was uebrigbleibt, ist die tatsaechliche effektive Arbeitszeit. Man
teilt diese Arbeitszeit durch die fuer den Arbeitsvorgang
notwendige Zeit und erhaelt die Zahl der Arbeitsgaenge, die
verlangt werden koennen.
Dies waere eine ehrliche und korrekte Rechnung.
Wenn man jedoch Sondervorteile herausschlagen will, bedient man sich der Rechenkunststueckmethode, die viele Unternehmer anwenden. Man stellt zuerst den Prozentsatz der fuer
verschiedene nichtproduktive Faktoren zugestandenen Zeit
fest, nehmen wir an 30% insgesamt.
Diese 30% bezieht man lediglich auf die tatsaechliche
Arbeitszeit. Und hier haben wir den Trick. Man bezieht den
gleichen Prozentsatz auf einen kleineren Betrag, naemlich
die tatsaechliche Arbeitszeit, anstatt auf den gesamten Arbeitstag.
Hieraus ergibt sich, dass die Zeit in Minuten oder Sekunden, die fuer Ermuedüng und die verschiedenen anderen,
nichtproduktiven zeitverbrauchenden Faktoren zugestanden wird,
kuerzer ist. Es bedeutet, dass von dem Arbeiter ein hoeheres
Arbeitstempo verlangt wird. Es bedeutet, dass von dem Arbeiter eine Produktion verlangt wird, die nicht bezahlt wird.
Das heisst also: 30% von 378 Minuten (die tatsaechliche
Arbeitszeit des Neunstundentages nach dem Beispiel der BulovaGesellschaft) und nicht 30% von 540 Minuten.
Wenn die gesamte Zykluszeit eines Arbeitsvorgangs (d.h.
die Arbeitszeit plus vereinbartem Zugestaendnis von 18 Sekunden) 60 Sekunden betraegt, laesflt sich Zeit unterschlagen,
indem man 42 Sekunden mit 30&gt; multipliziert. Hieraus ergeben
sich naemlich 12,6 Sekunden an Zeitzugestaendnis. Die ehrliche Methode ist die, dass man 60 Sekunden mit 30% multipliziert. Dan erhaelt man naemlich 18 Sekunden an Zeitzugestaendnis fuer persoenliche Faktoren.
Ganz einfach gesagt: man muss, um ehrlich zu verfahren,
den Prozentsatz des Zeitzugestaendnisses mit der Zahl der Minuten des gesamten Arbeitstages multiplisieren, dann zieht man
das Ergebnis von den Minuten des gesamten Arbeitstages ab und
erhaelt die tatsaechliche Arbeitszeit. Dividiert man die
tatsaechliche Arbeitszeit durch die fuer einen Arbeitsvorgang
erforderliche Zeit, so erhaelt man die Zahl der erforderlichen
herzustellenden Stuecke.
Es hat auf den ersten Blick den Anschein, dass hier nur
ein sehr geringfuegiger Irrtum vorliegt. Multipliziert man
jedoch mit zweitausend Stunden pro Jahr und mit einhundert
oder eintausend Arbeitern oder sogareinhunderttausend Arbei- 12 -

�tern, dann wird dieser "geringfuegige Irrtum" zu einem grossen
Betrag und damit zu einem Betrug auf Kosten der Arbeitenden.
UAW-CIO Ammunition
VIII/51
FOERDERUKG DER PRODUKTIVITÄT DURCH NORMUNG
Viele Unternehmer in Europa sind sich dessen bewusst,
dass die Normung ihrer Erzeugnisse im Hinblick auf die Gestehungskosten wuenschenswert ist. Aber nur wenige Unternehmen
halten es fuer moeglich, sich von den alten Traditionen freizumachen, die darin bestehen, dass man den individuellen
v/uenschen der Verbraucher Rechnung traegt. Und doch ist
die belgische Baumwoll- und Flachsweberei "Camille de Stoop"
in Courtrai dazu uebergegangen, anstatt 20 verschiedener Farben und Q,ualitaeten nur noch sechs oder sieben herzustellen,
eingerechnet Hemdenstoffe, Kattun und Matratzendrelle. Diese
Massnahme trug wesentlich zur Steigerung der Produktivitaet um
22% in einem Zeitraum von weniger als einem Jahr bei. In einigen Faellen war man auf Grund der Normung gezwungen, neue
Kaeufer zu suchen, die sich jedoch in Holland, den Vereinigten
Staaten, Grossbritannien, Norwegen und Schweden fanden. Im
ganzen werden etwa 50% der Produktion dieser Firma exportiert.
Zu den neuesten Abnehmern gehoeren das englische und das belgische Heer.
Im Jahre 1950 waren in diesem Betrieb 100 Menschen beschaeftigt. 1951 waren es 130, und die Produktion pro Arbeiter hatte sich um 22% gesteigert. Diese Verbesserung war unter anderem auch einem neuen kleinen Zusatzgeraet zu verdanken, das die Knoten und Verunreinigungen aus den Faeden entfernt. Sachverstaendige hatten diese Vorrichtung in amerikanischen Betrieben im Jahre 1946 gesehen. Sie wird in der
Schweiz hergestellt, kostet etwa 6.50 D-Mark, und mit ihr
lassen sich 10 bis 20% der Arbeitszeit einsparen.
Eine andere grundlegende Aenderung bestand darin, dass
man dazu ueberging, ein qualitativ besseres Garn einzukaufen.
Das bedeutet, dass den V.ebern die Arbeit erleichtert wird.
Da ihr Entlohnungssystem nicht geaendert wurde, verdienen
sie jetzt etwa 20% mehr (d.h. 20 - 25 Francs pro Stunde) als
frueher, als noch Garne von schlechterer 5,ualitaet verarbeitet
wurden. Die Loehne anderer Arbeiter wurden auf Grund verschiedener Neuerungen des Betriebes um 10 bis 15% verbessert.
Zu den Neuanschaffungen an Maschinen gehoert auch eine
schweizer "Pirn"-Spulmaschine, an der ein Arbeiter jetzt 60
Spindeln gleichzeitig ueberwachen kann, wogegen er an der alten Maschine nur 20 betreuen konnte. Eine weitere Neuerung
ist eine moderne amerikanische Maschine, die die Spulen automatisch reinigt. Zu ihrer Bedienung genuegt ein Arbeiter.
Mit dieser Arbeit waren frueher drei oder vier Arbeitskraefte
beschaeftigt. Die Betriebsleitung wartet zur Zeit auf die
Lieferung 24 neuer automatischer Webstuehle aus der Schweiz
und weiterer 24 aus Belgien. Dieser Kauf wird ein entscheidender Schritt in der Modernisierung der 78 Jahre bestehenden
Fabrik sein. Ein '//eber wird in Zukunft 12 //ebstuehle bedienen koennen, wozu jetzt noch vier bis sechs Arbeiter erforderlich sind. Man beabsichtigt jedoch nicht, Belegschaftsmit- 13 -

�glieder zu entlassen, weil nur 16 Webstuehle durch neue ersetzt
werden und die Produktion zugleich erweitert wird. Die 16
alten Webstuehle sollen an eine Weberei in Australien verkauft werden.
Ausser diesen Neuerungen, die auf eigene Initiative der
Firma vorgenommen wurden, hat man noch eine Reihe anderer Veraenderungen durchgefuehrt, die von einer Besuchergruppe dreier amerikanischer technischer Betriebsleiter vorgeschlagen .
wurden. Diese Gruppe hatte unter der Schirmherrschaft der
ECA im Rahmen des Programms fuer technische ünterstuetzung
19 Betriebe der Textilindustrie in Europa besichtigt und anschliessend einen zusammenfassenden Bericht geschrieben. Eine
Anzahl nichtformeller Empfehlungen der Gruppe sind von der
Firma Stoop bereits verwirklicht worden. Hierzu gehoeren:
1. Eine Umstellung der Tische, an denen die Stoffe
ueberprueft werden, um zu gewaehrleisten, dass das natuerliche Licht von links kommt anstatt von rechts, damit der Pruefer die ^ualitaet des Stoffes besser pruefen kann und seine
Augen weniger angestrengt werden.
2. Beim Weben das Verknoten mit der Hand durch einen
mechanischen Verknoter zu ersetzen.
3. Eine neue Methode anzuwenden, nach der man groessere
Mengen von Garn auf die Spulen bringen kann, damit weniger
Zeit zum Neuauffuellen der Spulen verlorengeht.
Andere allgemeine Empfehlungen der amerikanischen BesuchergruDpe, wie z.B. die Verwendung von Arbeitskarten, auf
denen die Funktionen des Arbeiters und seine ueblichen Arbeiten aufgefuehrt sind, werden zur Zeit in einzelnen belgischen
Baumwollfabriken und von dem Verband belgischer Baumwollweber
erwogen. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass hierdurch
der Status der belgischen Baumwollspinn- und Baumwollwebindustrie, die hinsichtlich ihrer Bedeutung an dritter Stelle
in Belgien steht, verbessert werden kann, d.h. dass die Zahl
der Arbeitnehmer erhoeht werden kann. Bisher sind die Zu
hohen Produktionskosten, die auf den Mangel an Normung und auf
unzulaengliche Vertriebs- und Verteilungskosten zurueckzufuehren sind, als das schwierigste Problem dieser Industrie
angesehen worden. Man hat ihnen deshalb auch in der Durchfuehrung des Programms fuer technische ünterstuetzung besondere
Beachtung geschenkt.
Die Arbeitnehmer der Firma Stoop sind in den sozialistischen und katholischen belgischen Gewerkschaften organisiert.
Ihre Vertreter treten regelmaessig mit den Unternehmern in
Betriebsberatungen zusammen, um Veraenderungen und Neuerungen
innerhalb des Betriebs zu besprechen und dann erst durchzufuehren.
ECA, Research and Analysis
VIII/7/51
U.S. FORDERN BODENREFORM AUF DER GANZEN WELT
Die Vereinigten Staaten haben in einer grundsaetzlichen
Erklaerung ueber den Landbesitz ein grundlegendes, sich ueber
- 14 -

�laengere Zeit erstreckendes Programm der Bodenreform auf weltweiter Basis gefordert.^
Als der amerikanische Delegierte Isador Lubin auf der
Genfer Konferenz des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen eine EntSchliessung zu diesem Zweck einbrachte,
berichtete er von den ausgezeichneten Ergebnissen der Landreform in Japan, die unter amerikanischer Fuehrung durchgefuehrt worden war, und bezeichnete sie als ein Beispiel dafuer, was auf diesem Gebiet geleistet werden kann.
Lubin teilte dem Rat der Vereinten Nationen mit, dass
in weniger als zwei Jahren drei Millionen japanischer Bauern
Land erworben haetten. Unter der amerikanischen Politik der
Bodenreform seien die japanischen Bauern von einem erdrueckenden System der Bauernhoerigkeit befreit worden, und die landwirtschaftliche Erzeugung habe eine beachtliche Steigerung
erfahren.
Die Richtigkeit seiner EntSchliessung, die, wie er sagte,
die oeffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten widerspiegelt, wurde durch die Worte Praesident Trumans bestaetigt,
die er bei der Eroeffnung der Verhandlungen ueber den Friedensvertrag mit Japan an die Konferenz in San Franzisko
richtete:
"Ueber achthunderttausend Hektar Ackerland sind den alten
Grossgrundbesitzern abgekauft und an Landarbeiter weiterverkauft worden," erklaerte der Praesident, als er von den demokratischen Fortschritten in Japan in den letzten sechs Jahren sprach. "Heute gehoeren etwa 90$ der gesamten Anbauflaeche des Landes jenen, die sie bearbeiten. 1945 verfuegten
sie nur ueber 50$."
Der sowjetische Delegierte G. P. Arkadieff stellte in
einer langen Rede die Aufrichtigkeit der Vorschlaege Lubins
in Frage. Der britische Delegierte G. T. Corley-Smith gab
ihm hierauf eine zurechtweisende Antwort und fragte den sowjetischen Delegierten, ob die Kollektivierung der russischen
Bauernhoefe die Millionen an Menschenopfern wert gewesen sei,
die diese Massnahmen in Russland gefordert haetten.
Lubin betonte in seiner Rede, dass ein weltweites Programm
der Bodenreform zur Steigerung des Lebensstandards und zur
Foerderung des Friedens und der wirtschaftlichen Stabilitaet
erforderlich sei.
"Die lebenswichtige Notwendigkeit, das Los von Millionen
Landarbeitern zu verbessern, ist heute eine der groessten Aufgaben der freien Welt. Es ist an der Zeit, die Aufmerksamkeit der Welt auf landwirtschaftliche Arbeitsmethoden zu lenken, die fuer Millionen Bauern und Landarbeiter wirtschaftliches und soziales Elend bedeuten."
Lubin machte auf die Tatsache aufmerksam, dass drei Viertel der gesamten Weltbevoelkerung ihr Einkommen aus der Bebauung des Ackerbodens ziehen muessten. Ausser dem Problem des
besitzlosen Bauern gaebe es noch das des Bauern, der zwar
einen gewissen Landbesitz sein eigen nennt, der aber haeufig
durch seine staendige Verschuldung an Krediteinrichtungen
in seiner Arbeit gehemmt ist. Andere Probleme, die geloest
- 15 -

�werden muessen, sind die endlosen Streitigkeiten ueber Besitztumsrechte und die schwere Steuerbelastung, die in keinem
Verhaeltnis zur Zahlungsfaehigkeit der Bauern stuende.
"Aus diesen Gruenden muss die Bodenreform eines der
grundlegenden Probleme der Vereinten Nationen sein. Es ist
klar, dass sie im Gedankengut des amerikanischen Volkes
einen breiten Raum einnimmt."
Lubin versicherte, man sei in den Vereinigten Staaten
immer der Auffassung gewesen, dass ein guter Ackerboden nicht
nur grossen Grundstuecksbesitzern vorbehalten sein darf.
"Wir sind um die Bodenreform besorgt, weil wir um die Wahrung
der Menschenwuerde, der sozialen Gerechtigkeit und die Beseitigung unnoetiger sozialer und politischer Spannungen besorgt
sind."
Lubin forderte in seiner Resolution die Regierungen auf,
die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um folgende Ziele
zu erreichen:
1. Sicherheit des Landbesitzes fuer denjenigen, der
den Boden bearbeitet, und eine Moeglichkeit fuer ihn, einen
gerechten Anteil an seinem Ertrag zu erhalten.
2. Die Moeglichkeit fuer den Besitzlosen, der den Boden bearbeitet, Land zu erwerben.
3. Die Unterteilung der Anbauflaeche in Bauernhoefe,
deren Groesse eine Gewaehr fuer ihre Rentabilitaet bietet.
4. Kredite fuer die Landwirtschaft zu vernuenftigen
Zinssaetzen.
5. Annehmbare Pachtsaetze fu'er gepachtetes Land und
gerechte Besteuerung.
6. Genossenschaftliche Organisationen fuer die wesentlichsten Dienstleistungen.
7. Verpflanzung solcher Industrien auf das Land, die
eine Ergaenzung der landwirtschaftlichen Einkommen darstellen
koennen.
8. Bessere Schulausbildung und Foerderung allgemeiner
Erziehungsmassnahmen in Landbezirken.
9. Einrichtungen fuer die Ausbildung von Bauern in der
landwirtschaftlichen Forschung und Technik sowie die Verrbesserung der sozialen Stellung des Landarbeiters.
Ein direktes Ergebnis der Bodenreform, so heisst es in
der Resolution, waere die Erweiterung der Nahrungsmittelerzeugung, die bisher mit der Steigerung der Bevoelkerungsziffer nicht Schritt halten konnte. Die Vorteile hieraus wuerden sich fuer den groessten Teil der Weltbevoelkerung sehr
bald bemerkbar machen.
ECA Labor Information
IX/10/51
- 16 -

KICOO 28 Sapt 51 1 6 3 4 4 « U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

17-39

Frankfurt, 28. September 1951

I URAL

TS

V E R Z E I C H N I S

Gewerkschaften und £CA-Programm

1

Die Stellung Sowjetrusslands zu Karl Marx und
seinen Werken

10

U.S. Bergarbeitergewerkschaft hilft Arbeitsunfaehigen wieder ins Erwerbsleben

16

Nelson H. Cruikshank, Leiter der Arbeitsabteilung der ECA
fuer Europa:
GEWERKSCHAFTEN UND ECA-FROGBAKM
Es ist noch nicht ein Jahr her, .als der Vorsitzende
der Amerikanischen Gewerkschafts-Foederation, William Green,
mich bat, meiner Ernennung als Leiter der Arbeitsabteilung
der ECA-Verwaltung fuer Europa zuzustimmen. Kurz vor
Weihnachten begab ich mich im vergangenen Jahr nach Europa.
In dieser kurzen Zeit ist es selbstverstaendlich unmoeglich,
eine Autoritaet fuer die wirtschaftlichen Probleme Europas
zu werden. Im uebrigen war ich mir sehr wohl dessen bewusst, dass ich mit meinem Amt eine grosse Verantwortung
uebernehme, aber ich war mir nicht ganz im klaren, was angesichts der ungeheuren Bedeutung und der Kompliziertheit
- 1 -

�der Probleme am besten getan werden koenne, um hier einige
Schritte weiterzukommen. So hatte ich mich auf die Versicherungen der ECA-Sachbearbeiter zu verlassen, dass sie mich in
meinem Vorhaben unterstuetzen wuerden, fuer das mich die
Amerikanische Gewerkschaftsfoederation vorgeschlagen hatte
und das ich auch nach bestem Wissen und Gewissen erfuellen
will, üeute ist bereits etwa die Haelfte der 18 Monate vorueber, in denen ich meine Arbeit durchfuehren konnte, umso
erfreulicher ist es fuer mich, jetzt auf dem 70. Kongress
der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation ueber meine bisherige Arbeit zu berichten.
Der Kongress der AFL, der jetzt in San Franzisko abgehalten wird, ist zugleich ein gutes Forum fuer diesen Rechenschaftsbericht. Es war vor etwa vier Jahren, als die Amerikanische Gewerkschaftsfoederation gleichfalls in San Franzisko in einem kritischen Augenblick ihre energi che Stimme fuer
den Marshallplan erhob, viele Monate frueher, als die amerikanische Gesetzgebung diesen Plan Wirklichkeit werden liess.
In jener Resolution, die den Marshallplan unterstuetzt, heisst
9s nach den Protokollen des 66. Kongresses der AFL:
"Der Tag ist zu ernst fuer eine Politik der improvisierten und bruchstueckweisen Annaeherung unserer Beziehungen zu
denen anderer Laender. Freiheit, Sicherheit und Wohlstand
aller Voelker bedingen, dass unsere Regierung keine Anstrengungen scheuen darf, allen Voelkern behilflich zu sein, die
den Willen haben, untereinander und mit uns zusammen zu arbeiten, um den Wiederaufbau der Welt voranzutreiben. Das betrifft sowohl die besiegten als auch die siegreichen Nationen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, Elend und Hunger sind
die besten Antriebskraefte fuer jeden Totalitarismus, moege
er von rechts oder links kommen. Die Erhaltung des Friedens
in der Welt und die Aufrechterhaltung der freien demokratischen Regierungen in Westeuropa sind unmittelbar abhaengig
von der sofortigen wirtschaftlichen Unterstuetzung Amerikas,
wie dies im Vorschlag des Staatsministers Marshall zum Ausdruck kommt."
Der Exekutivausschuss der AFL, der im vergangenen Monat
in Montreal zusammentrat, ueberpruefte die Beziehungen der
AFL zur Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA)
und stellte fest, dass die AFL unaufhoerlich den'Harshallnlan seit seiner Ingangsetzung im Jahre 1947 unterstuetzt
hat. Der Exekutivausschuss ist ueberzeugt, dass der Fortschritt, der in der wirtschaftlichen Wiedergesundung erzielt
worden ist, seine damaligen üntschluesse absolut rechtfertigt.
Ich moechte jetzt einige der Tatsachen mitteilen, die
den Standpunkt des Exekutivausschusses vollauf rechtfertigen.
Wenn man das Jahr 1947 mit dem Jahr 1950 vergleicht, so
stellen wir fest, dass die gesamte industrielle Produktion
in den Marshallplanlaendern sich um 46^o erhoeht hat. D*e
Stahlproduktion ist um 65^ gestiegen, die Zahl der erzeugten
Kilowattstunden um 37&gt;, die Eisenbahntransporte um 18&gt;,
die Agrarproduktion um £S£ und die Oelraffinierung um das
dreifache. Der einzige wichtige Sektor der Produktion, der
mit den Fortschritten nicht Schritt haelt, sind die Bergwerke, die heute nur 93% jener Kohlenmenge foerdem, die 1938
die Schaechte verliess. ^ber auch hier ist gegenueber 1947
eine Steigerung von ZO'/i, festzustellen.
- 2 -

�Der Umfang der Handelsbeziehungen zwischen den Teilnehmerlaendern des Marshallplanes ist heute um 25% hoeher als
der Vorkriegsstand, waehrend er im Jahre 1947 um 33% darunter lag.
über es gibt noch weitere Anzeichen fuer einen bemerkenswerten Fortschritt der wirtschaftlichen Wiedergesundung.
Ohne die wirtschaftlichen Grundvoraussetzungen, die durch den
Marshallplan erzielt wurden, wuerde Westeuropa ueberhaupt
nicht in der Lage sein, seine Verteidigungsmassnahmen gegen
kommunistische Aggressionen auch nur auf dem Papier durchzufahren. Obgleich auch heute noch wirtschaftliche und militaerischs Hilfsmassnahmen erforderlich sind, wo die Situation
es erfordert, macht sich doch in zunehmendem Masse ein Vertrauen in die Staerke und die Feehigkeit der westeuropaeischen Demokratien bemerkbar, sich selbst verteidigen zu koennen. Das ist eine Tatsache, obwohl man sich durchaus darueber im klaren ist, dass die Notwendigkeit der unvermeidlichen Verteidigungsruestungen in starkem Masse jene Bemuehungen beeintraechtigt, die die Erhoehung des Lebensstandards
Westeuropas als Ziel gesetzt haben.
In diesem Zusammenhang muss jedoch darauf hingewiesen
werden, dass es einige Folgeerscheinungen des Marshallplanes
gibt, die vielleicht ebenso wichtig sind wie die messbaren
wirtschaftlichen Fortschritte. Eine der wichtigsten Umwaelzungen ist die voellige Neuorientierung auf solchen Gebieten,
wo es geradezu eine durch Generationen hindurchgehende Engstirnigkeit in bestimmten Fragen gab: Heute sind die Grenzen in Westeuropa bis zu einem gewissen Grade bereits geoeffnet worden, die einer vernuenftigen wirtschaftlichen Abstimmung des Gueteraustausches im Wege standen. Um einem Amerikaner klar zu machen, wie sich die Situation in Westeuropa
dem unvoreingenommenen Betrachter praesentierte, muss man
sich vorstellen, dass jeder einzelne der 49 Staaten der Vereinigten Staaten von Nordamerika sich darum bemuehte, alle
jene Bedarfsgueter selbst zu erzeugen, die dem amerikanischen
Lebensstandard entsprechen. Die einzelstaatlichen Behoerden
wuerden diese Produktion innerhalb ihres Bereichs mit allen
Mitteln foerdern, wobei auch kostspielige und unwirtschaftliche Produktionsstaetten durch hohe Zoelle an jeder Grenze
geschuetzt wuerden - es ergaeben sich solche Extreme, dass
durch enorme Schutzzoelle die ueberhoehten Produktionskosten
fuer Orangen und Pampelmusen in Michiganer Gewaechshaeusern
noch "lukrativ" abgesetzt werden koennen, waehrend auf der
anderen Seite durch aehnliche Schutzzoelle protektionierte
Autofabriken im schoenen Florida noch mit Ueberschuessen arbeiten koennten. Dieses Bild wird noch weiter dadurch vervollstaendigt, dass die Einwohner der verschiedenen Laender
eine verschiedene Sprache sprechen, was nicht nur effektiv,
sondern auch bildlich gemeint ist. Die ganze staatsmaennische Kunst ihrer Regierungsform scheint darin zu bestehen,
dass jeder einzelne Staat von sich aus die Zollbarrieren der
anderen zu beseitigen oder zu umgehen wuenscht, aber durchaus
nicht daran denkt, von sich aus die eigenen Zollbarrieren zu
beseitigen oder wenigstens die Zollsaetze herabzusetzen.
Aber trotz aller dieser Hindernisse, die es in Westeuropa
gibt, konnte ein nicht unwesentlicher Fortschritt in der Richtung einer besseren wirtschaftlichen gegenseitigen Abstimmung
der Beduerfnisse der einzelnen Laender erzielt werden, ^ine"
- 3-

�der weitreichendsten Massnahmen in dieser Hinsicht war die
Gruend.ung der Europa eischen Zahlungs-Union, Es handelt sich
hierbei um ein Clearingsystem, das den wirtschaftlichen Gueteraustausch zwischen den Laendern ermoeglicht, die Mitglied
dieser Union sind, wobei es gleichgueltig ist, ob die getaetigten Kaeufe in der V.'aehrung des betreffenden Landes entrichtet werden koennen oder nicht. Es besteht somit die Moeglichkeit, dass die EZU die Grundlage fuer ein einheitliches Banksystem fuer ganz Westeuropa werden kann, genau so wie es die
Nationalbank fuer ganz Nordamerika ist.
Aber noch weitere Europaplaene fuer eine zunehmende wirtschaftliche Abstimmung sind bereits im Werden. So gibt es
heute schon den Begriff Benelux - dies ist eine Zollunion zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. Dies ist der
erste Schritt zur Beseitigung ueberfluessiger westeuropaeischer
Grenzschranken gewesen, die den wirtschaftlichen Gueteraustausch behindert haben. Vor kurzem ist ein neuer Plan angelaufen, der weit nachhaltigere positive Einwirkungen haben
wird als jeder andere. Es handelt sich hierbei um den Schumanplan, der die Eisenerz- und Kohleversorgung der sechs
mitteleuropaeischen Kationen sichern soll und hindernde gegenseitige Massnahmen abschafft. Weiterhin ist durch die Gruendung der Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit
Europas (OEEC), die im Laufe einer direkten Einladung der
Marshallplanverwaltung an die westeuropaeischen Regierungen
vollzogen wurde, ebenfalls ein betraechtlicher Schritt nach
vorn in der wirtschaftlichen und politischen gegenseitigen
Abstimmung der einzelnen Laender getan worden. Der Europarat hat die Aufgabe, engere politische Bindungen zu schaffen.
Der Nordatlantikpakt bindet ebenfalls die einzelnen Nationen
enger aneinaader, wobei zugleich die Vereinigten Staaten und
Kanada einen wesentlichen Beitrag zur Verteidigung lebenswichtiger Gebiete bieten.
Diese sich gegenseitig unterstuetzenden Organisationen
und Abkommen setzen sich.von Tag zu Tag staerker durch. Sie
berechtigen uns zu der Hoffnung, dass Europa jetzt in ein
Stadium gelangt, dass mit unserer eigenen Situation vor dem
Unabhaengigkeitskrieg grosse Aehnlichkeit hat - damals verschwand ein Abkommen nach dem andern - sei es sofort, sei es
nach einiger Zeit - das einzelne Staaten getroffen hatten,
um sich gegenseitig abzuschliessen und eigensuechtige Ziele
zu vertreten. Aber diese Abkommen verschwanden restlos und
es folgte eine langzeitige Periode des Aufstiegs der amerikanischen Wirtschaft, die ohne die Abschaffung der einzelstaatlichen Verbote, Beschraenkungen und Abwehrmassnahmen
niemals erreicht worden waere.
Natuerlich sind die politischen Erfolge, die neben den
wirtschaftlichen erzielt worden sind, ebenso wichtig, da diese
Fortschritte den Grad der Entwicklung aufzeigen, den der
echte Glaube an Demokratie und Freiheit erreicht hat.
In Frankreich fuehlen wir durchaus, dass die heutige
Situation alles andere als zufriedenstellend ist. Aber ich
erinnere mich sehr deutlich der Situation im Jahre 1946, als
ich dort zwei Monate zubrachte. Ich weiss noch sehr genau,
dass damals eine Anzahl einflussreicher Ministerposten von
Mitgliedern der kommunistischen Partei besetzt waren, und
dass die Kommunisten ein Regiment fuehrten, wobei der Terror
- 4-

&lt;.

�dieser Partei sich bis in die Haushaltungen von Millionen
Franzosen bemerkbar machte. Seit jenem Jahr, in dem der
Marshallplan zum ersten Male in Frankreich verankert wurde,
hat sich die franzoesische Regierung zugleich von allen kommunistischen Kontrollen im Ministerrat und in den einzelnen
Ministerausschuessen frei machen koennen. Natuerlich blieb
der Druck und die Drohungen der untergrunderfahrenen kommunistischen Partei, aber die Zahl der kommunistischen Abgeordneten ist seitdem von 181 auf 101 zurueckgegangen.
In Belgien ist die Zahl der kommunistischen Abgeordneten
von 23 auf 7 herabgesunken, in Holland von 10 auf 8, in Norwegen ist kein einziger der 11 Abgeordneten im Parlament geblieben und in Grossbritannien ist die kommunistische Partei
ebenfalls ueberhaupt nicht mehr im Unterhaus vertreten. In
Westdeutschland gibt es bei 402 Abgeordneten nur 15 Kommunisten und kein einziger von ihnen ist in seinem Wahlkreis
aufgrund einer dort bestehenden.Mehrheit gewaehlt worden.
Auch in Griechenland, das durch Krieg und Besatzungsfolgen
verwuestet wurde, haben die Kommunisten weder mit Stimmzetteln noch mit Gewalt ihre Niederlage verhindern koennen.
Die Kommunisten haben jedoch auch in den Gewerkschaften
staendig an Einfluss verloren. In Frankreich, wo die Kommunisten den CGT kontrollieren, bleibt dieser noch die staerkste Organisation mit seinen - so wird behauptet - immer noch
drei bis dreieinhalb Millionen Mitgliedern, A U S dieser Zahl
geht jedoch hervor, dass der CGT seit 1947 etwa zwei Millionen Mitglieder verloren haben muss. Die freie Gewerkschaftsbewegung in Frankreich zaehlt heute bereits einundeinehalbe
Million Mitglieder.
Vor fuenf Jahren kontrollierten die italienischen Kommunisten die Gewerkschaftsbewegung, ohne dass es eine wirksame Opposition gab. Heute steht der ferngesteuerte CGIL
staendig im Kampf mit der energischen und wachsamen CISL,
die heute bereits mehr als 1 200 000 Mitglieder zaehlt und
in ihren Messnahmen durch 300 000 Mitglieder anderer nichtkommunistischer Gewerkschaften unterstuetzt wird.
Das wachsende Gefuehl der Staerke und das zunehmende
Vertrauen dieser westeuropaeischen Gewerkschaftsfuehrungen
wird in betraechtlichem Masse durch des Vorhandensein einer
echten Solidaritaet unterstuetzt, die sich durch die weltweite internationale Gewerkschaftsbewegung ergibt, die seit
1949 im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften organisiert ist und ihren Sitz in Bruessel hat. Dieser Bund, der
3eit seiner Gruendung in London erst zwei Jahre besteht, hat
bereits drei Millionen neue Mitglieder gewinnen koennen, sodass
heute 52 Millionen Mitglieder aus 80 dem IBFG angeschlossenen
Gewerkschaften in 60 Laendern demokratische Prinzipien anerkennen. Im Gegensatz hierzu hat der kommunistisch beherrschte 'Weltgewerkschaftsbund staendig Mitgliedsorganisationen
und damit Anhaenger verloren. Wichtiger jedoch als diese
Verluste an Mitgliedern duerfte jedoch die Tatsache sein,
dass der Weltgewerkschaftsbund ueberall in der Welt als Werkzeug des kommunistischen Imperialismus gebrandmarkt wird.
Jeder Arbeiter in der freien Welt weiss heute, was der WGB
tatsaechlich ist. Den .anstoss zu dieser iiitlarvung gab der
Kongress der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation im Jahre
1944 in New Orleans, wo diese angebliche "Gewerkschaft" namens
- 5-

�WGB bereit3 als der verlaengerte Arm der Moskauer Diktatoren
erkennt wurde. Viele Arbeiter in Westeuropa - wenn auch
laengst nicht alle - die noch vor kurzem gezwungen waren, ihre
nominelle Mitgliedschaft in den von den Sowjets kontrollierten Arbeitsfronten beizubehalten (die sich zwar immer noch
Gewerkschaften nennen, aber es nicht einmal dem Namen nach
sind) haben laengst den wahren Charakter dieser Organisationen erkannt und sich echten Gewerkschaften angeschlossen.
Wenn auch manches erreicht werden konnte, wie es auch
aus den Feststellungen des Exekutivausschusses hervorgeht,
was mit den vVuenschen der AFL in bezug auf den Marshallplan
uebereinstimmt oder sich in deren Richtung bewegt, so muss^
doch zugegeben werden, dass wir noch weit davon entfernt sind,
alle jene Ziele erreicht zu haben, die wir uns gestellt hatten.
Hierbei moechte ich mich wiederum auf die Sitzung des Exekutivausschusses in Montreal beziehen, die mit einer Resolution
beendet wurde, in der es heisst:- Die Bemuehungen des Marshallplans, den Lebensstandard der Voelker Westeuropas zu
verbessern und dem Verbraucher alle Ertraege der Foerderung
der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit zukommen
zu lassen, koennen von allen jenen unterstuetzt werden, die
demokratische Grundrechte verteidigen wollen. Aber die Voraussetzungen muessen geaendert werden, denn es ist nicht
die Absicnt dieses Planes, niedrige Loehne und hohe Preise
zu konservieren, zumal diese zu einem besonders geringen Lebensstandard fuehren, wie es in Schluessellaendern wie Frankreich und Italien der Fall ist, obwohl es nicht der Fall zu
sein brauchte. Und es kann nicht der Zweck des Marshallplanes sein, auf der einen Seite alles zur Bekaempfung des Kommunismus und zur Wiedergesundung Europas zu unternehmen, auf
der anderen Seite durch eine Unterbezahlung der Arbeiterschaft
der kommunistischen Agitation Tuer und Tor zu oeffnen.
Was besagt nun eigentlich die erwaehnte Resolution des
Exekutivausschusses der Amerikanischen Gewerkschafts-Foederation?
Zuerst nimmt diese zu verschiedenen Beobachtungen Stellung,
die von Mitgliedern des Ausschusses gemacht wurden, als sie
als Delegierte zum Kongress des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften im Juli Mailand und anschliessend Europa, besuchten. Viele dieser Delegierten haben als aktive Gewerkschafter Europa bereist und mit dem Arbeiter selbst gesprochen. Sie fragten ihn, was er von den Gewerkschaften erwarte
und sie entdeckten dabei einige bedenkliche Beispiele niedriger Loehne und ueberlegten sich dabei die Wirkungen uebertioehter Preise. Diese Ausschussmitglieder kamenzu dem
Sohlüss, dass die beste Basis fuer alle Fortschritte in Eurooa
die loyale Haltung des einfachen Arbeiters ist. Sie stellten
weiter fest, dass der Durchschnittsarbeiter in Italien und
Frankreich in erster Linie sich durch Brot ernoehrt, weil der
Preis dieses Nahrungsmittels billig ist, weil dieser streng
kontrolliert wird. Sie beobachteten weiter, dass er in 'Wohnungen lebt, die weit unter dem Durchschnitt liegen, die er
aber deshalb bewohnt, weil hier die Mietsaetze behoerdlich
festgelegt sind. i&gt;ie Wohnungen worden jedoch nur selten geheizt, weil die Preise fuer Kohle oder andere Brennstoffe
viel zu hoch sind. Weiter stellten die Delegierten fest,
d iSS die Garderobe des Arbeiters meistens aus einem Ueberzieher und einem Anzug besteht, wobei er sich zwar einen weiteren
- 6-

�Anzug kaufen kann, dann aber nur die allernotwendigsten Lebensmittel fuer laengere Zeit erstehen kann, da der Lohn nicht
ausreicht, um sich beides zugleich leisten zu koennen. Und
wenn der Arbeiter eine groessere Familie zu ernaehren hat,
wird er erst recht nicht an Neuanschaffungen denken koennen.
Diese Erfahrungen veranlassten diese amerikanischen Gewerkschafter, sich das Bild Westeuropas etwas genauer anzusehen. Waehrend sie die ausserordentlichen Erfolge des Marshallplans anerkannten, sahen sie ebenso auf die statisti-^
sehen Ergebnisse, Sie entdeckten dabei, dass ein franzoesischer Arbeiter, der eine vierkoepfige Familie zu ernaehren
hat, in den Jahren zwischen 1938 und 1948 einen Rueckgang
seines Lebensstandards um 31% zu verzeichnen hatte und dass
er bis zum Ende des Jahres 1950 nur etwa ein Drittel von dem
witder erringen konnte, was er in der Zwischenzeit verloren
hatte. Sie entdeckten weiter, dass bei steigenden Preisen
und hinterherhinkenden Löhnen der franzoesische Arbeiter kaum
imstande gewesen ist, sich seinen bisherigen Lebensstandard
zu erhalten, wenn man die letzten neun oder zehn Monate hierbei zugrunde legt.
Was aber muss getan werden, damit wir diese Dinge wieder
in Ordnung bringen, damit die Gewinne gehalten werden koennen,
die erzielt worden sind und die zur Sicherung Westeuropas
ausserordentlich beitragen koennen? Wenn wir von der Sicherheit Westeuropas sprechen, dreht es sich um die Sicherheit
und die Freiheit der ganzen Welt - aber was kann hier getan
werden? Die Antwort ist keineswegs einfach. Sie liegt niemals in einem einfachen demagogischen Appell. Euer alle
jene jedoch, die diese Probleme sozusagen aus erster Hand
kennen lernen, ragen einige Punkte heraus, die unter denen,
die unbedingt getan werden muessen, an erster Stelle stehen:
1.) Muessen jene Anstrengungen verstaerkt werden, die
restriktiven Handelspraktiken zu vermindern, die das Ausweiten des euronaeischen Gueteraustausches verhindern;
2.) muessen die Bemuehungen intensiviert und erweitert
werden, die die Vereinigung des zivilen und militaerischen
europaeischen Wirtschaftspotentials zum Ziele haben;
3.) energische Massnahmen muessen sofort einsetzen, um
jede Inflation zu verhindern und zugleich die Lebenshaltungskosten zu senken, um auf diese Weise die Kaufkraft des Arbeiters zu erhoehen. Ein solches Programm muss dadurch in
seiner Wirkung erhoeht werden, dass endlich ein gerechteres
Steuersystem durchgesetzt wird, das vor allem jene Kreise
staerker Heranzieht, dia auch in der Lage sind, diese Steuern zu entrichten und die zum groessten Teile heute ihre
eigentlich auf sie entfallenden Steuern nicht zahlen - das
sind in erstei Linie die Unternehmer in Frankreich, Italien
und Deutschland;
4.) muessen Massnahmen getroffen werden, um die Produktivitaet zu erhoehen. Es kann keinerlei Reichtum zur Verteilung kommen, der nicht produziert worden ist. Um dies verstaatlich zu machen, sei darauf hingewiesen, dass vor 50
Jahren der Ausstoss je Arbeitskraft und Arbeitsstunde in Europa
der gleiche gewesen ist wie in den Vereinigten Staaten. Heute
betraegt der Ausstoss je Arbeitsstunde und Arbeiter nur ± des
- 7

�in den Vereinigten Staaten erreichten Produktionsstandes.
Wenn der Ausstoss je Stunde und Arbeiter heute in Europa
ebenso hoch waere wie in Amerika, dann wuerde die gesamte
Produktion Europas sich auf 405 Milliarden Dollar im Jahr
belaufen - ein ungeheurer Abstand zu der tatsaechlichen jetzigen Jahresproduktion Europas im Werte von etwa 135 bis 150
Milliarden Dollar. Wenn die Produktivitaetsquote Europa
nur um die Haelfte des Ausstossunterschiedes gesteigert werden koennte, so koennten damit die gesamten Kosten fuer die
Verteidigungsanstrengungen gedeckt werden und zu gleicher
Zeit der Lebensstandard der europaeischen Bevoelkerung sehr
erheblich erhoeht werden.
Heute wird sich Europa Tag fuer Tag staerker der Notwendigkeit einer gesteigerten Produktion bewusst. Die Gewerkschaften haben bereits erkannt, dass das Lebensniveau ihrer
Mitglieder in erster Linie von der Steigerung der Produktiv itaet abhaengig ist - aber gleichzeitig verschiebt sich der
Nachdruck, der auf der Frage der Sicherheit ruht. Die gemeinsamen Sicherheitsbemuehungen basieren, immer staerker in Richtung einer Sicherheit, die die Entwicklung einer dynamischen
und sich erweiternden Wirtschaft zur Voraussetzung hat, aus
der sich allein eine wirkliche Sicherheit ergibt. Es ist
kein unerfreuliches Anzeichen, dass auch eine stetig groesser
werdende Zahl Industriefuehrer sich ebenfalls dieser Tatsachen
bewusst wird.
Eines der ermutigendsten Ereignisse der letzten Jahre
ist eine Erklaerung, die ausgangs des vergangenen Jahres von
18 Regierungen abgegeben worden ist, die Mitglieder der Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas
(OEEC) sind und in der gesagt wird, dass alle Anstrengungen
gemacht werden wuerden, um die Produktion in den naechsten
fuenf Jahren alljaehrlich um 5% zu erhoehen.
In Beantwortung dieser Tatsachen und angesichts der
dringlichsten Noete der westeuropaeischen Staaten legt die
Verwaltung des Marshallplans in den letzten Monaten den
staerksten Nachdruck auf eine Unterstuetzung der Marshallplanlaender in ihren Bemuehungen zur Steigerung der Produktivitaet.
Bei dieser Aufgabe wird die Arbeitsabteilung der ECA eine
besondere Verantwortung uebernehmen muessen.
Da viele Mitglieder meines Bueros direkt aus den Reihen
der amerikanischen Gewerkschaften kommen, erkennen wir vielleicht besser als alle anderen, dass es hier ebenso Gefahren
wie auch besondere Hoffnungen in den Bemuehungen gibt, die
Produktivitaet zu steigern. So erkennen wir zum Beispiel,
dass ohne besondere Sicherheitsvorkshrungen alle diese Anstrengungen nichts weiter sein wuerden als eine blosse Beschleunigung der Arbeitsvorgaenge, die dem Arbeiter keinerlei Vorteile
bringen wuerde. Die Mitarbeiter der Arbeitsabteilung haben
ihre eigenen Erfahrungen mit jenen angeblichen Experten gemacht, deren Hauptweisheit die Stoppuhr und der Rechenschieber
ist, und sie sind obendrein stolz darauf, Beschleunigungen
der Arbeitsvorgaenge durchgefuehrt zu haben, wobei auch Arbeitskraefte abgebaut werden konnten. Das ist in vielen amerikanischen Werken geschehen, in denen meine Mitarbeiter vor geraumer
Zeit beschaeftigt waren. Wir sind jedoch heute entschlossen,
unter allen Umstaenden dafuer Sorge zu tragen, dass das technische Unterstuetzungsprogramm der ECA fuer die Foerderung der
- 8-

�Produktivitaet nicht in einer derartigen Form missbraucht
wird, ebenso werden keinerlei Entartungserscheinungen hingenommen werden, sondern in diesen Faellen wird sofort Widerspruch erhoben.
Das wirkliche Produktivitaetsprogramm sieht vor, dass
Standardbestimmungen fuer die Ausweitung der Unterstuetzung
der Unternehmer bei der technischen Beratung zugleich den
Arbeiter in diesen Unternehmen schuetzen muessen. Ueberall
dort, wo ein Produktivitaetsprogramm anlaeuft, muss der Arbeiter einen gerechten Anteil an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktivitaet erhalten, das heisst, er muss eine vollere
Lohntuete nach Hause bringen koennen. /Vir sind uns im klaren
darueber, dass es nicht leicht sein wird, wirksame und gerechte
Voraussetzungen hierfuer zu schaffen, vor allem in Laendern
wie Italien und Frankreich. Aber die Fuehrer der freien Gewerkschaftsbewegung haben uns bereits ihre uneingeschraenkte
Mitarbeit bei der Loesung dieser Probleme zugesagt. Trotz
der Schwierigkeiten dieser Aufgaben gehen wir an diese Arbeit
heran, weil wir von der Arbeitsabteilung uns dessen bewusst
sind, dass wir nicht deshalb nach Suropa entsandt worden sind,
um einfach das Ja und Amen der Gewerkschaften zu einer vergroesserten Produktivitaetskampagne uns geben zu lassen. Ich
versichere jedem auf mein Wort, dass, solange ich der Leiter
der Arbeitsabteilung der ECA fuer Europa bin, es keine Kampagne fuer eine gesteigerte Produktivitaet geben wird, wenn
nicht alle Vorkehrungen getroffen worden sind, um den Lohnerapfaengern und den Verbrauchern unter allen Umstaenden einen
gerechten Anteil aus den Ertraegen der gesteigerten Produktivitaet zu sichern. Und ich weiss, dass auch saemtliche Mitarbeiter meines Bueros die gleiche Meinung vertreten und die
gleiche Forderung stellen werden - aber auch alle Mitglieder
der Arbeitsabteilungen der ECA-Verwaltungen in den einzelnen
Mitgliedsstaaten vertreten uneingeschraenkt dieses Prinzip.
Da der Charakter des ECA-Programms kein statisches ist,
weil die Erfordernisse des Verteidigungsprogramms sich den
veraenderten Verhaeltnissen anpassen muessen, so aendern sich
auch manche Verantwortlichkeitsbereiche der Arbeitsabteilungen. Die Sachbearbeiter der einzelnen Arbeitsabteilungen in
den verschiedenen Laendern der I'arshallplanstaaten werden
neue Aufgaben uebernehmen muessen, sie werden aber darauf
achten muessen, dass die Auftraege fuer bestimmte Versorgungsgueter, die an westeuropaeische Unternehmen erteilt werden,
vor allem dort gegeben werden, wo der damit verbundene hoehere Beschaeftigungsstand eine Staerkung der Position der freien Gewerkschaften zur Folge hat. Die Leiter der Arbeitsabteilungen wie die Sachbearbeiter im Buero des Pariser Sonderbeauftragten wissen durch ihren staendigen Kontakt mit den
Gewerkschaftsfuehrern sehr genau Bescheid, wo die geeigneten
Fabriken und Werke vorhanden sind, in denen Verteidigungsmittel hergestellt werden koennen, ohne dass irgendwelche
Gefahren der Sabotage oder einer Untergrundbewegung bestehen,
oder wo die Lieferung durch Streiks verzoegert werden koennte,
weil von den Kommunisten inszenierte politische Streiks ausbrechen.
Diese und viele andere Verantwortlichkeiten werden wir
in den kommenden Lonaten uebernehmen muessen; Ich weiss, dass
ich diesen Appell an amerikanische Gewerkschaftsfuehrer zu
einer Zeit richte, wo diese bis zum. aeussersten beansprucht
sind, um den Kampf gegen die drohende Inflation mit aller
- 9 -

�Energie durchzufuehren, die Amerika bedroht, ich weiss, dass
mit aller Kraft p-epen das Teft-Hartley-Gesetz opponiert werden muss, das die Organisationsfreiheiten des amerikanischen
Arbeiters bedroht, ich weiss, dass energische Schritte fuer
ein besseres Y/ohnbauprogramm erforderlich sind, dass die
soziale Sicherheit verbessert werden muss, dass endlich das
Gesetz ueber die Arbeitslosenversicherung Wirklichkeit werden muss - all das sind Kaempfe, die ich keineswegs uebersehe, obwohl ich seit vielen Monaten nicht mehr in Amerika
sein konnte. Ich weiss auch, dass die Hilfsquellen der
Gewerkschaften bis zu jener Gren2,e beansprucht sind, die
sich durch das Verteidigungsprogramm ergeben, ich weiss auch,
welche Bedeutung das Programm zur Stabilisierung der Wirtschaft hat. Obwohl ich mir all dieser Dinge bewusst bin,
apoelliere ich dennoch an die Fuehrer und Funktionaere der
amerikanischen Gewerkschaften auf diesem Kongress der amerikanischen Gewerkschaftsfoederation, uns in all unseren Bemuehungen den Ruecken zu staerken, die wir als verantwortliche Repraesentanten der Gewerkschaften in Europa unternehmen.
Ohne diese Rueckendeckung werden unsere Erfolge keinerlei
dauernde Bedeutung haben. Aber man uebersehe dabei nicht,
dass diese Anstrengungen nur ein Teil des gemeinsamen Kampfes
sind, den die Gewerkschaften durchzufechten haben und der
heute eine weltweite Bedeutung gewonnen hat. Dieser Kampf
soll dazu beitragen, uns den Frieden zu erhalten, unseren
eigenen freien Vv'eg der Lebensgestaltung zu waehlen und unsere
Freiheit und die .Vuerde des arbeitenden Menschen in der
gesamten freien Welt zu erhalten.
ECA Labor Information
FYI-255
DHC STELLUNG S 0;,rJETRUSSL/^vTDS ZU K^RL MARX UND SEINEN WERKEN
Ueber dem Werk Karl Marx' scheint ein tragisches Schicksal zu schweben: nahezu 70 Jahre nach seinem Tod und mehr
als 50 Jahre nach dem Tode seines engsten Mitarbeiters Friedrich Engels gibt es noch immer keine Gesamtausgabe seiner
Schriften, die von Millionen Menschen sehnlichst erwartet
wird.
Als wirtschaftlicher Schriftsteller, der zu Anfang voellig unbekannt und gegen Ende seiner Karriere verhasst und
zugleich gefuerchtet war, hatte 63 Marx nicht leicht, einen
Herausgeber zu finden, der mutig und verstaendnisvoll genug
gewesen waere, sein Gesamtwerk zu veroeffentlichen. Engels,
der seinen Freund um zwoelf Jahre ueberlebte, verbrachte den
groessten Teil seiner Zeit damit, die zahlreichen Manuskripte
Marx' zu entziffern und zu ordnen, vor allem um die Baende
II und III des "Kapitals" zusammenzustellen. E3 war ihm
jedoch nicht vergoennt, seinen groessten Wunsch verwirklicht
zu 3ehen und die gesamten V.erke Marx' mit seiner Biographie
zu veroeffentlichen. Nach dem Tode Engels schien diese Aufgabe der juengsten Toclter Marx', Eleanor Marx-Aveling, zuzufallen. Sie hatte bereits mehrere Schriften ihres Vaters,
die in Englisch abgefasst waren, veroeffentlieht, als sie'
auf Grund einer Nervenzarraettung den Freitod waehlte. Die
begonnene Aufgabe wurde dadurch wiederum unterbrochen. Die
Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die dann das Erbe
der Schriften Marx' und Engels' antrat, konnte ebenfalls
- 10 -

�nicht den 'Wunsch verwirklichen, den der sterbende Engels
noch geaeussert hatte. Die theoretischen Streitigkeiten im
Zeitalter des Revisionismus liessen Karl hautsky und Eduard
Hernstein, die beide lange Zeit in der naechsten Umgebung
Engels gelebt hatten, zu politischen Widersachern werden und
hinderte sie daran, gemeinsam dieses grosse Werk zu vollenden.
In der Zeit nach dem Tode ü-ngels (1895) bis zum Beginn des
Ersten '.Veitkrieges tauchten durch die Initiative Einzelner
nur eine Reihe Fragmente der zahlreichen und bedeutsamen
Manuskripte Marx' aus der Vergessenheit wieder auf.
Sollte die russische Revolution des Jahres 1917 mit ihrer
anfaenglichen Geisteshaltung die Moeglichkeit geben, endlich
das ersehnte Licht in die von den beiden Gruendern des wissenschaftlichen Sozialismus hinterlassenen Werke zu brin-yan? Sollte die Idee einer grossartigen und vollständigen Ausgabe, die
so lange und so sehnlich von den Arbeiterfuehrern der ganzen
Welt erwartet wurde, endlich Wirklichkeit werden?
j-»er Mann, der diese Aufgabe uebernehmen sollte und auf
Grund seiner bisherigen Taetigkeit als Forscher und durch seim e
frueheren Arbeiten fuer diese grosse Aufgabe glaenzend befaehigt war, war D. Rjasanoff. Was die Arbeiterbewegung des
Abendlandes bisher versaeumt hatte, obwohl sie ueber die erforderlichen Mittel verfuegte, betrachtete von nun an der
Kommunismus als seine erste Pflicht, zumal er sich berufen
sah, dieses Werk zu uebernehmen.
In einer biographischen Notiz ueber Rjasanoff, die man
im Namensverzeichnis im Band VII der Werke Lenins (erschienen Moskau ]928j finden kann, liest man folgendes:
Rjasanoff, D.B. (geboren 1870). i^iner der aeltesten
russischen Sozialdemokraten. Beteiligte sich kurz nach
1890 an der Organisation der ersten Arbeiterzentren in Odessa.
Fuenf Jahre Gefaengnis, drei Jahre unter strengster Ueberwachung, dann Emigration. Bemuehte sich, die Tendenzen der
ersten Iskra und des Oekonomismus zu vereinigen; war einer
der Gruender der Gruppe "Borba" (Der Kampf). Widmete sich
waehrend der Revolution im Jahre 1905 der Gruendung von Gewerkschaften in Odessa und Petersburg. Musste erneut auswandern und betaetigte sich innerhalb der sozialistischen Bewegung des Westens. Wurde von der deutschen Sozialdemokratie
beauftragt, den literarischen Nachlass Marx* und Engels'
und die Geschichte der Ersten Internationale an Hand der Originaldokumente zu studieren. Internationalist waehrend des
Krieges. Rueckkehr nach Russland 1917, Eintritt in die bolschewistische Partei, beteiligte sich an der Vorbereitung der
Oktoberrevolution. R. ist einer der Gruender der kommunistischen Akademie in Moskau und des Marx-^ngels-Instituts, dessen Leiter er zur Zeit ist. Mitglied des Exekutivausschusses
der Sowjets der U.R.S.S.
Aber leider! Drei Jahre nach Erscheinen dieser Notiz
war Rjasanoff aus seinem Amt als Leiter des Marx-Engels-Instituts entfernt worden, das er im Jahre 1922 gegruendet hatte.
Ohne d9ss etwe.s ueber die Gruende dieser Ungnade bekannt wurde, ohne Prozess und ohne oeffentliches Urteil war Rjasanoff
festgenommen und deportiert worden. Ueber das ande seines
Lebens gibt es nur sehr ungenaue Angaben, Er scheint eine
risse Zeit in Saratow an der Wolga gelebt zu haben und kurz
vor Ausbruch -des zweiten Weltkrieges gestorben zu sein.
- 11

�1930, ein Jahr vor seiner Entfernung aus dem Amt, war
Rjasanoff anlaesslich
seines 60. Geburtstages offiziell gefeiert und zumngroessten Marxologen der Epoche" proklamiert
worden. Die sozialistische Akademie hatte dieses Ereignis
grossartig gefeiert, indem sie eine Schrift von 650 Seiten
veroeffentlichte, die dem hervorragenden marxistischen Gelehrten gewidmet war. Die deutsch-russische Zeitschrift
"Unter dem Banner des Marxismus" hatte ihm ebenfalls einen
begeisterten Artikel gewidmet, in dem es einleitend hiess:
Initiator einer grossen Zahl Studien ueber Entstehung,
Entwicklung und Propagierung des Marxismus, Verfasser der
weitverbreiteten biographischen Aufzeichnungen ueber lirx
und Engels, Entdecker und Herausgeber mehrerer Hundert ihi er
Manuskripte, Redakteur der grossen russischen Ausgabe und
der vollstaendigen internationalen Ausgabe ihrer Werke, Leiter des Marx-Engels-Instituts, Redakteur der drei wissenschaftlichen, der marxistischen Forschung gewidmeten Zeitschriften und schliesslich Inspirator einer immer groesser
werdenden Zahl von Forschern. Auf diesen Gebieten hat Rjasanoff die Ziele, Wege und Methoden der Marxologie vorgezeichnet und gleichzeitig die Bedingungen einer systematischen
und methodischen Organisation der Marxologie und ihrer Entwicklung geschaffen.
Um die ganze Groesse der von Rjasanoff waehrend seiner
achtjaenrigen Taetigkeit am Marx-Engels-Institut geleisteten Arbeit ermessen zu koennen, muss man sich vergegenwaertigen, dass dank der Bemuehungen und des Koennens dieses
Gelehrten Russland heute ganz allein ueber die Gesamtheit
der Dokumente, Unterlagen und Manuskripte verfuegt, die zur
Zusammenstellung einer historischen Ausgabe der Werke Marx'
und Engels* unerlaesslich sind. Der Plan fuer eine solche
Ausgabe wurde im Jahre 1922 der sowjetischen Regierung, durch
Rjasanoff unterbreitet. Diese billigte das Projekt und bewilligte die zu seiner Durchfuehrung erforderlichen Geldmittel. Von 1923 - 1925 arbeitete Rjasanoff gemeinsam mit
einer Grupoe sorgfaeltig ausgesuchter Forscher mit ausserordentlichem Eifer an der Suche nach ^uellenmaterial, das der
Verwirklichung der Idee einer Gesamtausgabe haette dienlich
sein koennen. Auf zahlreichen Reisen in die Laender Westeuropas erwarb er mehrere Privatbibliotheken, die aeusserst
seltene Buecher und dokumentarische Sammlungen ueber die Geschichte der Arbeiterbewegung, des Sozialismus und insbesondere die Erstausgaben von verken Marx* und Engels' enthielten.
Er gruendete damals an dem Moskauer Institut, dessen Leiter
er war, das in seiner Art einzige "Marx-Engels-Kabinett".
Es sind vor allem aber die Archive des Instituts, die den1
groessten Reichtum des literarischen Verhaeltnisses Marx und
Engels' enthalten. Sie bilden die Grundlage der monumentalen
Ausgabe, die Rjasanoff geplant hatte.
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die bis
1933 den literarischen Nachlass Marx' und Engels' verwaltete,
wurde zum Hauptlieferanten Rjasanoffs. Sie oeffnete dem
russischen Marxologen ihre Archive und gab ihm die Erlaubnis, alle gewuenschten Schriften und Dokumente zu fotokopieren. Auf diese Weise konnte das Institut in Moskau in den
Besitz des gesamten Nachlasses von Marx und Engels gelangen.
Die gleichen Moeglichkeiten wurden Rjasanoff aber auch von
verschiedenen anderen privaten und oeffentlichen Instituten
- 12 -

�und Bibliotheken gewaehrt. Er konnte ixa Britischen Museum
in der Oeffentlichen Buecherei von New York, an der Preussischen Staatsbibliothek, in den historischen Archiven von
Koeln und an anderen Stellen die Briefe und Manuskripte
Marx' und Engels' und die sich auf ihre Arbeiten, beziehenden Dokumente ebenfalls fotokopieren. Bei Eduard Bernstein,
der noch im Besitz wichtiger Manuskripte Marx' war, fand
das Vorhaben Rjasanoffs den besten Anklang. Bernstein gab
sogar seine eigenen Plaene fuer eine Herausgabe der MarxEngelsachen 'werke daraufhin auf.
1925 traf Rjasanoff im Namen des Moskauer Instituts
ein Abkommen mit dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei
Deutschlands und mit der Soziologischen Gesellschaft, die
in Frankfurt von Professor Carl Gruenberg geleitet wurde.
Dadurch kam es zur Gruendung einer Herausgeber-Gesellschaft, die unmittelbar danach die erste Lieferung des MarxEn "els-Archivs veroeffentlichte: es war ein Buch von mehr
als 5C0 Seiten, das bedeutende philosophische und historische Beitrage russischer Gelehrter wie Deborine und Wolguine
sowie den Anfang einer "Geschichte der Ersten Internationale"
enthielt, die der Feder Rjasanoffs entsprungen war. Zu den
nichtveroeffentlichten Dokumenten gehoerte der erste Teil
des Manuskripts ueber die "Deutsche Ideologie" und Briefe, die
zwischen Marx und Vera Zassulitsch ausgetauscht worden waren.
Hier findet man auch bereits den detaillierten Plan ueber
die Gesamtausgabe der Werke Marx' und Engels*, die beruehmte
"MEGA" (Marx-Engels-Gesamt-Ausgabe).
Sie sollte 42 Baende in Oktavformat umfassen, die in
vier Abschnitten unterteilt waren.
Der erste abschnitt umfasste: philosophische, wirtschaftliche, historische und politische Schriften mit Ausnahme
der Schrift "Das Kapital"(17 Baende)}
Im zweiten Abschnitt sollte veroeffentlicht werden:
"Das Kapital", und zwar nach einem gaenzlich neuen Plan unter
Verarbeitung der zahlreichen und umfangreichen Manuskripte
Marx', die bislang unveroeffentlicht geblieben sind (13
Baende);
Der dritte Abschnitt war vorgesehen fuer die gesamte
Korrespondenz zwischen Marx und Engels, die ungekuerzt wiedergegeben werden sollte (10 Baende);
Im vierten Abschnitt sollte der allgemeine Index untergebracht werden (ß Baende).
Jeder der vier Abschnitte wurde einem auf dem betreffenden Gebiet erfahrenen Experten uebergeben, der von mehreren
Fachkraeften unterstuetzt wurde, die ueber langjaehrige Erfahrungen in der Entzifferung der Handschriften Marx' und Engels
verfuegten, eine Vorbedingung, die zur Bearbeitung der Konzente und Briefe unerlaesslich war.
Von diesen 42 geplanten Baenden konnte Rjasanoff in der
Zeit von 1926 - 1930 nur fuenf herausgeben, von denen drei
den Briefwechsel zwischen Marx und Engels behandeln. Aber
schon die Vorworte, die kritischen und historischen Anmerkungen, die diese Baende bereichern, zeugen von dem Umfang seines
- 13

�Wissens und der Fuelle seiner Erfahrungen, die er sich in
seiner dreissigjaehrigen Taetigkeit im Dienste der Marxologie erworben hatte.
Von dem Nachfolger Rjasanoffs, V. Adoratski, dem jetzigen Leiter des Staatsarchivs, kann nicht das gleiche gesagt
werden. Er war durch keinerlei besondere Sachkenntnis zur
Vollendung der begonnenen Arbeit wirklich berufen. Und doch
wurden von 1931 -1935 unter seiner Leitung weitere sechs
Baende der MEGA veroeffentlicht, deren Texte bereits von
Rjasanoff und seinen Mitarbeitern abgefasst und vorbereitet
worden waren. Ebenso uebernahm Adoratski die Leitung des
von Rjasanoffs gegruendeten Instituts, das von nun an den
Namen "Marx-Engels-Lenin-Institut" fuehrte.
Wir haben bereits von dem Verschwinden Rjasanoffs berichtet. Was das Schicksal seiner Manuskripte betrifft, so koennen wir hier leider keinerlei Illusionen naehren, die man
sich ueber sie macht, weil wir die Vernichtungsmethoden der
unter dem Befehl Stalins stehenden Inquisitoren kennen.
Was das Schicksal der Baende betrifft, die waehrend der
kurzen Amtszeit Adoratskis veroeffentlicht wurden, so koennen
wir auch hier wieder nur Vermutungen aussprechen. Nach dem
Verschwinden Rjasanoffs im Jahre 1931 wurden die Anzeichen
immer haeufiger, dass das "marxistische" Russland den Gedanken einer Gesamtausgabe der Y/erke von Marx und Engels voellig
aufgegeben hatte.
Die Ausloeschung der Vergangenheit hat sich in mehreren
Etappen vollzogen, woran man wiederum die Tradition der stalinistischen Methoden erkennt: Die Ausschaltung Rjasanoffs
und seiner besten Mitarbeiter, die staendig zunehmende Austilgung saemtlicher Spuren ihrer Namen und ihrer Arbeiten in
spaeteren Veroeffentlichungen, die voellige Aufgabe des Gedankens einer Veroeffentlichung der MEGA - was auch zur Folge
hatte, dass die bereits gedruckten Werke eingestampft wurden das Verschwinden dieser Baende aus russischen und aus auslaendischen Bibliotheken durch Agenten und schliesslich die sogenannte "Saeuberung" der Werke Marx' und Engels1 unter Zuhilfenahme sogenannter "populaerer" Ausgaben, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrten. 'Wie wir spaeter sehen werden, kann man die Spuren dieser Saeuberungsaktion sowohl an
Ausgaben, die in der ui*spruenglicnen Sprache erschienen waren,
als auch an den russischen Ausgaben verfolgen. Damit ersetzte
man nach und nach die MEGA, ein wissenschaftliches und vollstaendiges Werk, durch eine Serie unabhaengiger Veroeffentlichungen, die man hier und da anscheinend planlos in Zeitschriften veroeffentlichte. Auf der anderen Seite "russifizierte"
man die Werke Marx* und Engels' und veröffentlichte die noch
nicht herausgegebenen Manuskripte ausschliesslich in russischer
Sprache. Die Art und Weise, in der man die verschiedenen Veroeff entlichungen dem Laser praesentierte, legt Zeugnis ab von
der Verwirrung und Angst jener Leute, die mit dieser Aufgebe
betraut waren. Kommentare fehlen fast paenzlich oder sie sind
von einer fast laecherlichen Kuerze. So enthaelt an einzelnen
Stellen jede Seite eines Textes von Marx oder Engels ein vernichtendes Urteil ueber den Polizeistaat und das"Sklavensystem,
die auf der anderen Seite von Stalin im Namen des Marxismus
eingefuehrt wurden. Aenderungen wurden somit fuer die Sowjets
zu einer zwingenden Notwendigkeit.
- 14 -

�Das war also das tragische Schicksal der von Rja3anoff
unter der Schirmherrschaft des "marxistischen Staates" so
glorreich begonnenen Aroeit, die von Stalin selbst, dem
"genialen Schueler" Marx1, abgebrochen werden musste. Rjasanoff, der so streng in seinem Urteil ueber die Art und Weise
war, in der der Vorsitzende der deutschen Sozialdemokratischen
Partei den literarischen Kachlass Marx' und Engels' verwaltet
hatte, konnte nicht ahnen, dass sein Traum einer Gesamtausgabe
dieser Werke in dem "Lande des Sozialismus" noch weniger Chancen hatte, verwirklicht zu werden als in irgendeinem kapitalistischen Lande.
Leider hatte der Fehl3Chlag dieses Unternehmens eine
noch viel sc hl Liiere Konsequenz angesichts der nicht abschaetzbaren Folgen fuer jeglichen weiteren Versuch der endgueltigen
Herausgabe dieser Werke. Waehreud der ßluetezeit des Nazismus in Deutschland konnten die Archive der Sozialdemokratischen Partei nur teilweise gerettet und in oicharheit gebracht
werden. Der wichtigste Teil hiervon befindet sich heute im
Internationalen Institut fuer Sozialgeschichte in iimste'rdam.
Man wartet jedoch noch darauf, dass ein Verzeichnis der Schriften und Dokumente veroeffentlicht wird, die sich in 6er Obhut
dieses Instituts befinden, um ihre Bedeutung ermessen zu
koennen. üs ist heute schon mit groesster 'Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass das Institut nicht saemtliche Dokumente besitzt, die von Rjasanoff fuer das Moskauer Institut photokopiert oder erworben wurden. Dieses Institut ist damit zur
Zeit das einzige, das ueber die hinterlassenen 'Werke Marx'
und Engels' verfuegt, und damit haelt Stalin den Schluessel
zu jedem weiteren Unternehmen in der Hand, mit dem man die
Arbeit Rjasanoffs wieder aufnehmen und fortsetzen wollte.
Man koennte natuerlich jetzt schon anfangen, die Unterlagen
und Dokumente zusammenzutragen, die noch in den groesseren
kulturellen Zentren Yvesteuropas und der Vereinigten Staaten
vorhanden sind. Es ist jedoch zu befuerchten, dass eine Gesamtausgabe der Werke Marx' und Engels' niemals verwirklicht werden kann, solange der Zutritt zu den Archiven des Moskauer
Instituts nicht gestattet ist.
Mehr als jedes andere Ereignis in ^ussland seit der
Machtuebernahme Stalins zeigt die Zerstoerung der Arbeiten
Rjasanoffs den entgueltigen Bruch zwischen den von dem "marxistischen" Diktator eingefuehrteri Regime und den authentischen marxistischen Gedankengängen, die noch zu Lebzeiten
Lenins Geltung hatten.
V'enn es gestattet ist, einen bestimmten Zusammenhang zwischen den verschiedenen Typen der Geheimpolizei herzustellen,
die man seit 1918 in ^u:sland von der Tscheka bis zur M.'.D gekannt hat, wenn die Unterdrueckung jeglicher politischer Opposition von vornherein fuer den Bolschewismus traditionell gewesen ist, dann laesst sich sagen, dass ein Umschwung von der
Ziviliation zum Barbarentum stattgefunden hat. Die Behandlung,
die die stalinistische Autokratie den Werken Marx' und ^ngels'
zuteil werden liess, und ihre "Umwandlung" und ihre Verfaelschung zeigt in beispielhafter '..eise, bis zu welchem Grad der
Stalinismus die absolute Verneinung jeglicher Kultur bedeutet.
Preuves
IX/1951
- 15 -

�U.S. BERGARBSITERGEWERKSCKAFT HILFT ARBEITSUNFÄHIGEN WIEDER
INS ERWERBSLEBEN
John L. Lewis, der Vorsitzende der amerikanischen Bergarbeitergewerkschaft, ist einer der schaerfsten Kritiker
Praesident Trumans. Bei den letzten drei Praesidentschaftswahlen hat er ohne Erfolg republikanische Kandidaten unterstuetzt. Trotzdem ist dem Wohlfahrts- und Pensionsfonds der
Bergarbeitergewerkschaft durch Praesident Trumans Komitee
fuer die Beschaeftigung Koerperbehinderter die Anerkennung
ausgesprochen, worden.
Vizeadmiral Ross Mclntire, der Vorsitzende des Komitees,
bezeichnete diesen Fonds als eine ausgezeichnete Errungenschaft auf einem aeusserst schwierigen Gebiet, ja sogar als
die beste gewerkschaftliche Einrichtung dieser Art. Er erklaefte wörtlich: "Der Wohlfahrts- und Pensionsfonds der
Bergarbeitergewerkschaft hat den koerperbehinderten Arbeitern
hervorragende Dienste geleistet, indem er bewiesen hat,.dass
Menschen mit schwerer koerperlicher Behinderung wieder zu
wirtschaftlich und sozial wertvollen Buergern werden koennen.
Sie koennen aus der Verzweiflung, der Abhaengigkeit, der Not
und der Hilflosigkeit gerettet werden, wenn ihnen die geeigneten Mittel zu ihrer koerperlichen Gewandtheit und beruflichen Eingliederung zur Verfuegung gestellt werden."
Der Fonds wurde im Oktober 1947 gegruendet. Was hat
er seit dieser Zeit erreicht? Mclntire berichtet hierzu:
"Der erste Patient, ein hilfloser, bettlaegeriger
Krueppel, ist nach dreieinhalbjaehriger Behandlung durch
Aerzte, Therapeutiker und Berufsberater wieder zu einem Buerger geworden, der fuer sich selbst sorgen kann. Bis zum 1.
Januar 1951 sind fuer 658 weitere koerperbehiriderte Bergarbeiter Umschulungskurse begonnen worden, mit denen man sie
wieder zu brauchbaren Mitbuergern machen will."
Was dies bedeutet, zeigt uns am besten das Beispiel
Rüssel Browns, eines gelaehmten Bergarbeiter in Seth, West
Virginia. Brown hatte 1939 einen Unfall und war durch dessen
Folgen zehn Jahre lang bettlaegerig. Die Aerzte seiner Heimatstadt waren der Meinung, dass nichts mehr zu machen sei.
Die Gewerkschaft bezweifelte dies und bewirkte, dass Brown
im Rühmen des Wohlfahrtsfonds der Gewerkschaft in das New
YorKer Institut fuer Krankenoflege und koerperliche Genesung
aufgenommen wurde. Ein Jahr spaeter konnte Brown wieder mit
Hilfe von Kruecken laufen. Dann kamen fuer ihn sechs Monate
Berufsausbildung.
Ein kleines Haeuschen in der Naehe seiner Wohnung wurde
in eine Schuhreparaturwerkstatt umgebaut. Die staatliche fiehoerde fuer Berufseingliederung stellte die notwendigen Maschinen zur Verfuegung. Seine Gewerkschaft gab ihm einen
Kredit in Hoehe von 480 Dollar, um die notwendigen v.erkzeuge
und Materialien zu kaufen. Brown erklaerte vor kurzem:
"Dank meiner Ortsgewerkschaft und hilfsbereiter Menschen meiner Umgebung habe ich keine Schulden mehr. Die Arbeit als
Schuhmacher ist nicht halb so schwer wie meine ersten Gehversuche an Kruecken."
Program Services Section
IX/5/51
- 16 -

H1C0U 5 Oot 51 18346 (&gt; U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessentea direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 40

Frankfurt, 5. Oktober 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die gewerkschaftliche Organisation der
Angestellten

1

Daenemark zeigt eine Moeglichkeit zur Steigerung der Produktivitaet

6

Aus der Arbeit der OEEC

8

Die Taetigkeit der Gewerkschaften in
Venezuela

• 12

Aktiver Humanismus in der Gewerkschaftsbewegung

• 14

Einfuhrzoelle beeintraechtigen Steigerung
der Produktivitaet

16

DIE GEWERKSCHAFTLICHE ORGANISATION DER ANGESTELLTEN.
Maurice J. Tobin:
Maurice J. Tobin Ist in Kabinett Truman als Staatssekretaer fuer Arbeitsangelegenheiten taetig, eine
Stellung, die in der Praxis der eines Ministers
entspricht, auch wenn es in den Vereinigten Staaten
die Bezeichnung Minister offiziell nicht gibt.
Durch die Tatsache, dass ein Kabinettsmitglied diese
- 1

�Ausfuehrungen gemacht hat, gewinnen sie besonderen
Wert.
Heute zaehlt Amerika etwa 15 Millionen Angestellte. Von
diesen 15 Millionen sind aber weniger als zwei Millionen Mitglieder gewerkschaftlicher Organisationen. Schon diese beiden
Zahlen beweisen, dass auf dem Gebiet der Zusammenschliessung der
Angestellten in Gewerkschaften noch ausserordentlich viel -Arbeit,
geleistet werden muss, denn diese Angestellten benoetigen Gewerkschaften, wenn sie mit ihren Gehaeltern nicht meilenweit hinterherhinken wollen, die Gewerkschaften brauchen die Angestellten,
damit die organisatorische Staerke eine noch groessere als bisher
wird.
Natuerlich kann man die Verhaeltnisse der Angestellten in
Amerika mit denen anderer Laender vergleichen, was vor allem dann
moeglich ist, wenn auf Studienreiser gerade diese Frage aufgerollt
wird. In diesem Licht sind natuerlich die Gehaeiter der amerikanischen Angestellten durchaus ertraegliche.
Im Grosshandel sind in den Vereinigten Staaten etwa vier Millionen Angestellte beschaeftigt. Vor etwa 30 Jahren sagte ein Gewerkschaf tsfunktionaer: "Wenn Gott in seiner Allmacht heute auf
die Erde herniederstiege, wuerde er doch kaum genuegend Staerke
haben, um eine kampfkraeftige Gewerkschaftsorganisation im Grosshandel auf die Beine zu stellen". Dieser Punktionaer hat aber
zweifellos nicht nur die Allmacht Gottes unterschaetzt, sondern
auch die Angestellten im Grosshandel. In beiden Richtungen hatte
er unrecht, und heute hat die Gewerkschaft laengst bewiesen, dass
er falsch urteilte. James Suffridge und Vernon Kousewright haben
niemals ihre Aufgabe mit einer solchen Einstellung begonnen, sie
waren Maenner der Praxis, die wussten, dass die Angestellten des
Grosshandels organisiert werden muessen - sie begannen mit ihrer
Propaganda und organisierten die Angestellten. Heute ist diese Gewerkschaft In der APL staerkemaessig an neunter Stelle stehend dabei waechst diese Gewerkschaft auch heute noch weiter.
Trotz aller Fortschritte muss jedoch gesagt werden, dass die
gewerkschaftliche Organisation der Angestellten gerade begonnen hat.
Der Exekutivausschuss der AFL bestaetigte dies in seiner letzten
Sitzung, als er die Feststellung traf, dass auf diesem Gebiet gewerkschaftlicher Organisation sozusagen eben die Oberflaeche angekratzt Ist.
Das ist ein sehr ernstes Problem. Es ist deshalb so ernst,
weil die Zahl der Anges-tellten von Jahr zu Jahr zunimmt. Vor zehn
Jahren gab es nur 11 Millionen, damals waren es etwa 24 % aller
Lohn- und Gehaltsempfaenger der USA.* Heute sind es mehr als 15
Millionen, ihr Anteil belaeuft sich auf 28 % aller Lohn- und Gehaltsempfaenger. Die Zahl der Angestellten nimmt immer weiter zu,
Aufgabe der Gewerkschaften muss es sein, mit dieser Entwicklung
Schritt zu halten und ihre entsprechenden gewerkschaftlichen Organisationen mit dieser Entwicklung im Schritt zu halten.
Diese Angestellten brauchen die gewerkschaftliche Organisation.
Sie brauchen sie, weil sie sonst In der wirtschaftlichen Entwicklung
zurueckblelben. Der Durchschnittswochenlohn eines Industriearbeiters ist seit 1939 um etwa 170$ gestiegen. Die Gehaeiter der
3ueroangestellten sind In der gleichen Zeit nur um 92 % gestiegen.
Der Fabrikarbeiter hat im Maerz dieses Jahres durchschnittlich
64,33 Dollar in der Woche oder 1,57 Dollar in der Stunde verdient.
Der Durchschnittsangestellte im Grosshandel verdiente jedoch, entsprechend umgerechnet, in der Woche nur 48,95 Dollar oder in der
Stunde 1,24 Dollar. Ein wesentlicher Anteil der hoeheren Lohnbasis
des Fabrikarbeiters ist darauf zurueckzufuehren, dass es auf diesen
- 2 -

�Gebieten starke und einflussreiche Gewerkschaften gibt.
Die gewerkschaftliche Organisation der Angestellten ist
jedoch nicht allein deswegen erforderlich, weil dadurch hoehere
Loehne und bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Sie
ist ebenso wichtig, weil durch die Gewerkschaft die Angestellten
eine Moeglichkeit haben, sich selbst in die Verhandlungen ueber
Lohnfragen und Arbeitsbedingungen in einer Form einzuschalten,
die den Wuenschen der Angestellten entspricht. Erst durch die
Gewerkschaft haben die Angestellten jedes Unternehmens und jeder
Dienststelle das demokratische Recht der Mitsprache, er ist dadurch etwas mehr als ein Angestellter mit einem vom Unternehmen
ausgefertigten Anstellungsvertrag. Besteht aber in dem Unternehmen eine gewerkschaftliche Organisation, so kann der Angestellte all das aussprechen, was ihn bewegt, und das wird von den
Gewerkschaftsvertretern wiederum den Unternehmern vorgelegt, um
auf dieser Basis zu entsprechenden Vereinbarungen zu kommen.
Wenn der Angestellte organisiert ist, so hat er eine Stimme,
die mitspricht, er fuehlt sich in einem tieferen Sinne mit dem
Unternehmen verbunden, denn jetzt hat er ein groesseres Interesse
an dem Fortschritt des Unternehmens. Dadurch geht der Angestellte
zugleich mit einer besseren Aufgeschlossenheit und einer groesseren
Zufriedenheit an seine Arbeit.
Damit bleibt aber der Angestellte nicht mehr der veraergerte
Gegenspieler des Unternehmers, w3e die marxistische Lehre ihn
glauben machen will. Der Angestellte und der Unternehmer werden
Partner in den fremeinsamen Bemuehungen, das Unternehmen zu Erfolgen zu fuehren. Der Angestellte weiss, dass er durch groessere
Anstrengungen auch eine Moeglichkeit hat, bei Abschluss entsprechender Tarifvertraege sich seinen Anteil an den Auswirkungen
seiner besseren Arbeit zu sichern, die mit seinem groesseren Einsatz geleistet werden konnte.
Aber heute gibt es immer noch Angestellte, die ihre Nase
ziemlich vernehmlich ruempfen, wenn die Sprache auf die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Arbeit gelenkt wird. Dabei ist diese
Srhabenheit nichts anderes als eine besondere Form eines Snobismus,
sie glauben, dass Gewerkschaften nur fuer Arbeiter und nicht fuer
Angestellte zustaendlg sind, dass jedoch diese Arbeiter weit unter
der Kategorie der Angestellten stehen. Deshalb halten sie es fuer
eine Entwuerdigung des Angestellten, wenn er zu der gleichen Gewerkschaft gehoeren sollte, der auch Arbeiter angehoeren, Menschen,
die in einem Overall dahergehen.
Dabei verdienen die Fabrikarbeiter mehr Geld als die Angestellten. Sie koennen fuer ihre Familien bessere Lebensmittel,
bessere Bekleidung und bessere Wohnungen erwerben. Sie koennen
ihre Kinder in hoehere Schulen schicken. Aber trotzdem glauben
viele Angestellte immer noch, dass es eine Entwuerdigung waere,
wenn Angestellte gemeinsam mit Arbeltern In den gleichen Gewerkschaften organisiert waeren. Fuer jeden, der heute noch so denkt,
muss der Angestellte ein Opfer seiner Vorurteile sein. Aber es
ist mehr als das: Es ist ein dummer Streich.
Man sollte glauben, dass mit dem Verschwinden der Postkutsche
auch diese Form des Denkens vorbei sein sollte. Man sollte meinen,
dass diese Denkweise fuer solche Leute reserviert sein sollte, die
tatsaechlich snobistisch sind oder den Snobismus gepachtet haben.
Und die unorganisierten Angestellten haben und kennen ihn nicht.
Ganz und garnicht.
Es muss ausgesprochen werden, dass die Gewerkschaftsbewegung
- 3 -

�eine der konstruktivsten Kraefte der Geschichte der Vereinigten
Staaten gewesen sind. Und wenn irgendjemand glaubt, dass er zu
gut waere, um sich ihnen anzuschliessen, so moechte ich diesen
Menschen doch einmal naeher kennenlernen.
Heute ist es ein Vorrecht geworden, einer amerikanischen Gewerkschaft anzugehoeren. Es ist eine Ehre fuer jeden, einer Gewerkschaft als Mitglied zu dienen. Und jeder Arbeiter, ganz
gleich, welche Farbe sein Kragen* hat, wird mit Stolz seiner Gewerkschaft angehoeren. Warum ist dies bei den Leuten, die einen
weissen Kragen zu tragen als besonderes Vorrecht ansehen, so
wesentlich anders?
Die Gewerkschaften sind eine der vornehmsten Organisationen
der Demokratie, wie sie je in ihr hervorgebracht wurden. Sie
sind die logische Erweiterung der Prinzipien der Demokratie in das
geschaeftliche und das industrielle Leben Amerikas.
Demokratie bedeutet, eine Stimme zu haben. Sie bedeutet, an
Entscheidungen teilzunehmen, die die eigene Wohlfahrt betreffen.
Und das ist es ja gerade, was die Gewerkschaftsbewegung will:
Eine Stimme in der Fabrik, eine Stimme Im Warenhaus, eine Stimme
ueberall da, wo Menschen beschaeftigt sind. Sie bedeutet das
Recht, an der Verwaltung des industriellen und geschaeftlichen
Lebens teilzuhaben.
Und wer ist der wirkliche Mitbuerger in der geschaeftlichen
und industriellen Gemeinschaft? Der Arbeiter, denn er hat eine
Stimme und wendet sie auch an. Wer ist ein guter Amerikaner?
Der Fabrikarbeiter, der seine Stimme anwendet und auswertet, oder
etwa der Angestellte, der im Hintergrund still dasitzt und sich
Anordnungen unterwerfen muss, bei deren Festlegung er kein Jota
mitzureden hatte?
Dieses System der Mitwirkung, der Mitspräche in allen Angelegenheiten, die die eigene Wohlfahrt betreffen, ist der Felsgrund,
auf dem die gesamten amerikanischen Verteidigungsanstrengungen
beruhen. Die Vertreter der Arbeiter und der Unternehmer in den
verschiedenen Verteidigungszentren helfen einmuetig, das gesamte
Verteidigungsprogramm zu foerdern und zu unterstuetzen. Sie
wurden von der Regierung gebeten, mitzuwirken, weil die Regierung
der Meinung ist, dass auf diesem Wege die wirkungsvollste Moeglichkeit gefunden wird, die Staerke der gesamten Nation gegen den
Kommunismus zu wappnen.
. Diese Zusammenarbeit traegt heute zur Staerkung und zur Erhoehung des Wirkungsgrades der Wirtschaft und der Industrie bei,
ebenso wie sie dazu beitraegt, die Regierung stark und tatkraeftig
zu unterstuetzen. Ebenso wie die Buerger einer Nation wertvolle
Beitraege zu dem Fortschritt der Nation leisten koennen, wenn ein
demokratisches System ihnen eine Moeglichkeit dafuer gibt, genau
so koennen die Mitbuerger in einer industriellen Gemeinschaft an
dem Fortschritt der Industrie teilhaben, wenn man ihnen die Moeglichkeit gibt, durch freie und demokratische Organisationen an
dieser Arbeit teilzunehmen.
Es gibt eine Reihe guter, sauberer, verantwortungsbewusster
Gewerkschaften fuer Angestellte, wie diese fuer den Grosshandel,
wo jeder Beschaeftigte seine industrielle Mitbuergerschaft ausueben kann. Daneben gibt es aber auch Gewerkschaften, die nur
diesen Namen tragen, aber weder gut noch sauber sind und im uebrigen
sich demokratischen Spielregeln nicht unterwerfen.
*

Der amerikanische Angestellte heisst Weisser-Kragen-Arbeiter.
4

�Aber diese Gewerkschaften, wenn man sie ueberhaupt so nennen
darf, verlieren staendig an Einfluss, waehrend echte Gewerkschaften ihren Einfluss staendig erweitern.
Angestellte werden sich jedoch auch niemals in Gewerkschaften
organisieren, die in ihrem Vorstand noch Kommunisten haben. Darueber gibt es keinerlei Zweifel. Sie brauchen jedoch gute und
loyale Gewerkschaften mit wirklichen Fuehrern, genau so wie es in
anderen Gewerkschaften der Fall ist. Die Kommunisten sind seit
langem aus der offiziellen Familie der amerikanischen Gewerkschaften ausgeschlossen worden. Und ich vertraue darauf, dass
der geringe Einfluss, den sie auf einigen Gebieten der Angestelltenbewegung noch immer haben, sehr bald verschwinden wird.
Es gibt ausgezeichnete Gewerkschaften, die den Kampf auf
dieser wichtigen Front der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung vorantreiben - der Front der Angestellten. Diese Gewerkschaften muessen mit groesserer Energie an ihre historische Aufgabe herangehen,
die noch immer vorhandenen Unorganisierten fuer die Gewerkschaften
zu gewinnen. Heute, in der fuenften Dekade des 20. Jahrhunderts,
bedeutet dies, die Angestellten zu organisieren. Ich habe bereits
betont, dass die Gewerkschaften die Angestellten brauchen, ebenso
wie die Angestellten Gewerkschaften benoetigen. Viele dieser Angestellten, vor allem in den technischen und aus handwerklichen
Berufen hervorgegangenen Gruppen, haben Erfahrung und Uebung auf
diesem Gebiet, sie kennen die Hintergruende, sodass sie sich fuer
die Gewerkschaften von besonderem Wert erweisen koennen. Ihre
schulische Vorbildung und ihr Intellekt koennen ausserordentlich
wirkungsvoll die Erfahrungen und das praktische Wissen der Gewerkschaftsfunktionaere unterstuetzen. Ich bin der Ueberzeugung,
dass gerade durch eine breitere Mitwirkung der Angestellten in
den Gewerkschaften deren Verantwortungsbewusstsein noch weiter
gesteigert werden wird.
Bei dieser Gelegenheit moechte ich ueber ein Aufgabengebiet
im Grosshandel sprechen. Hiermit meine ich das Problem des Stellenwechsels. Sie alle wissen, wie wichtig dieses Problem ist.
Kaum hat die Gewerkschaft eine Anzahl Bueroangestellter organisiert, so hat ein grosser Teil bereits wieder die Stellung gewechselt und die Gewerkschaft hat mit den neueingetretenen Angestellten wieder die gleiche Arbeit. Die Gewerkschaften haben Tag
und Nacht zu tun, um mit diesen neuen Mitgliedern, die sehr
haeufig ihren Arbeitsplatz wechseln, in Kontakt zu bleiben. Aber
die Arbeit ist eine Sisyphusarbeit, man kann ebenso gut Wasser in
einem Sieb transportieren wollen.
Unter diesen Voraussetzungen kann eine Gewerkschaft niemals
auf die Dauer ihre Organisationsarbeit durchfuehren. Und es ist
auf der anderen Seite verstaendlich, wenn kein Grosshandelsunternehmen eine staendige Arena fuer eine immerwaehrende Organisationskampagne sein will. Aus diesem Grunde haben die Unternehmer und
die Gewerkschaften eine Antwort auf diese Verhaeltnisse und zwar
im Rahmen der TarifVertragsverhandlungen ausgearbeitet. Diese
Loesung heis-st kurz und schlicht der Gewerkschaftsbetrieb, der
"Union-shop".
Das soll nun nicht etwa heissen, dass der Grosshandel ohne
weiteres den Gewerkschaftsbetrieben zugestimmt haette, so ganz
ohne jeden Kampf - aber allgemein laesst sich doch sagen, dass
der Grosshandel sich weit geringer dem Gewerkschaftsbetrieb widersetzt hat als etwa Herstellerunternehmen. Der Grosshandel hat
der Einfuehrung des cewerkscnaftlichen Betriebs, des "Union-shop"
im gesamten Grosshandel in den Vereinigten Staaten prinzipiell
zugestimmt. Die Vorschriften des "Union-shops" besagen, dass in
5 -

�diesen Betrieben jeder Neueintretende entweder der Gewerkschaft
beitreten oder aus dem Unternehmen wieder ausscheiden muss. Solange jemand in dem Unternehmen beschaeftigt ist, muss er also
der Gewerkschaft angehoeren.
Der "Union-shop" wirft im Grosshandel neue Probleme auf,
nach meiner Meinung gehoert diese Klausel in die einzelnen Tarifvertraege. Die Unternehmer sind deshalb damit einverstanden, weil
dadurch die staendigen Werbefeldzuege der Gewerkschaften ueberfluessig werden, und jetzt die Werbung neuer Mitglieder durch andere Massnahmen erreicht wird. Gleichzeitig verschwinden auch die
Streitigkeiten zwischen den Organisierten und den sogenannten
"Trittbrettfahrern", die den Gewerkschaften nicht beitreten, aber
ihre Erfolge auch fuer sich in Anspruch nehmen. Und schliesslich
wird durch den "Union-shop" die Gewerkschaft staerker werden. Eine
wirklich starke Gewerkschaft braucht nicht alle zehn Minuten Gehaltszulagen zu fordern, um ihre Mitglieder halten zu koennen. Es kann
mit dem Unternehmer in aller Offenheit ueber diese Fragen gesprochen werden, ohne dass es dabei zu einem voelligen Bruch zu
kommen braucht. Eine starke Gewerkschaft wird bei Verhandlungen
mit dem Unternehmer immer eine groessere Verantwortungsbereitschaft
zeigen als eine schwache.
vVenn ich sagte, dass die Klausel ueber Gewerkschaftsbetriebe
in gewerkschaftliche Tarifvertrae^e genoert, so ziehe ich mir damit
im gesamten Grosshandel die Kritik aller jener Angestellten zu, die
imner noch glauben, sehr klug zu sein, wenn sie auf das Recht pochen,
einer Gewerkschaft nicht beitreten zu brauchen.
Heute erlaubt sogar das Taft-Hartley-Gesetz den Gewerkschaftsbetrieb ueberall dort, wo die Belegschaft in einer Abstimmung zum
Ausdruck bringt, dass sie einen solchen wuenscht. Und wenn die
Arbeiter und Angestellten im Grosshandel inn wuenschen, so muessen
sie derartige Abstimmungen in ganz Amerika fuer den Grosshandel
fordern, damit der Gewerkschaftsbetrieb auch dort zu etwas selbstverstaendlichem wird.
Der Gewerkschaftsbetrieb oder "Union-shop" wird einen konstruktiven Einfluss auf den gesamten Grosshandel haben. Der Unternehmer,
der das erkannt hat und daraus die entsprechenden Folgerungen
zieht, verdient hoechste Anerkennung.
Ich habe wiederum einen Appell an die Angestellten berichtet,
sich in den Gewerkschaften zu organisieren, nicht nur, weil es
fuer sie guenstig ist, sondern weil ich glaube, dass es fuer ganz
Amerika von Vorteil sein wird. Das Wachsen der Gewerkschaften
staerkt die Demokratie. In dieser Zeit der grossen Krisis und
der die ganze Welt ueberschattenden Gefahren muessen wir die Demokratie so stark wie moeglich machen. Und ich weiss, dass die Gewerkschaften einen hervorragenden Anteil an diesen Bemuehungen
uebernehmen werden.
Labor Press Service
VIII/51
DÄNEMARK ZEIGT EINE iJOSGLICHKSIT ZUR STEIGERUNG DER PRODVKTIVITAST.

Die Sondermission der ECA fuer Daenemark hat ein wirksames
Mittel gefunden, um die Aufmerksamkeit der daenischen Unternehmer
auf ihre neue Produktivitaetshilfskampagne zu lenken.
Die Frage, wie das Produktivitaetsproerramm mithilft, die
6 -

�dringenden wirtschaftlichen Probleme der Nation zu loesen, wird
das Hauptthema der ECA-Ausstellung sein, die im Rahmen der
daenlschen Arbeltsmesse vom 11. - 21. Oktober gezeigt wird.
Charles A. Marshall, der Leiter der daenlschen ECA-Mission,
hat als Beitrag einen Artikel geschrieben, in dem die allgemeinen
Ziele der Produktivitaetskampagne und ihre Vorteile fuer
Daenemark zum Ausdruck gebracht werden. Der Artikel wird in
dem amtlichen Messekatalog erscheinen.
Von welcher Tragweite diese Ausstellung der ECA und der
Artikel in dem Messekatalog sind, zeigt die Tatsache, dass auf
dieser Messe eine grosse Zahl daenischer Unternehmer vertreten
sein wird.
Dadurch hat die Informationsabteilung der ECA eine Moeglichkeit, Einzelpunkte zu dem neuen Programm, das im allgemeinen noch
nicht genuegend populaer ist, unmittelbar an solche Persoenlichkeiten zu bringen, die fuer die Foerderung der Produktivitaet
entscheidend sind.
In seiner in dem Katalog enthaltenen Botschaft erklaert
Marshall, dass Daenemark in seinem Eedarf an Devisen nicht mehr
wie in der Vergangenheit lediglich von dem Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse abhaengig sein darf.
"Was jetzt notwendig ist, ist eine Erweiterung der daenlschen Exporte an Industrieerzeugnissen, und zu diesem Zweck muss
die Produktivitaet der daenlschen Industrie gesteigert werden."
"Hoehere, Produktivitaet erfordert die bestmoegliche Verwendung von Arbeitskraeften, Maschinen und Material. Sie bedeutet
einen hoeheren Produktionsausstoss pro Arbeiter und pro Stunde."
"Hoehere Produktivitaet bedeutet nicht groessere Anforderungen
an den Arbeiter", fuehrte Marshall weiter aus und griff damit der
Beschuldigung vor, das Programm sei eine altbekannte "Antreibemethode". Die meisten Arbeiter in Europa arbeiten schwer genug,
nach modernen Begriffen manchmal sogar zu schwer, aber sie arbeiten
nicht immer mit der grösstmoeglichen Wirksamkeit. Produktivitaet
bedeutet, wirksamere Arbeit zu leisten."
Die technische Unterstuetzung im Rahmen der Produktivitaetskampagne ist keine unbekannte Sache fuer die Daenen, denn das
Land hat bereits im Rahmen des Technischen Unterstuetzungsprogramms
350 Experten nach den Vereinigten Staaten geschickt, um amerikanische Produktivitaetsmethoden zu studieren. Die Ergebnisse sind
hervorragend gewesen.
Im Rahmen des neuen Programms wird ein Gremium von Experten
der Industrie in Paris gebildet werden, zu dem auch Industrietechniker gehoerten, um deren Unterstuetzung die daenlschen Unternehmer nachsuchen koennen. Sie sollen bei Untersuchungen ueber
3etriebsanordnung und Betriebsausruestung, neue und bessere Erzeugnisse, Verbesserung der Produktionsmethoden und bei der Ausarbeitung besserer Vertriebs- und Buchfuehrungsmethoden behilflich
sein.
"Gesteigerte Produktivitaet erfordert nicht unbedingt hoehere
finanzielle Aufwendungen und groessere physische Anstrengung. Sie
kann genau so gut erreicht werden, indem man zum Beispiel das
Material naeher an den Arbeitsplatz heranbringt und dem Arbeiter
damit Zelt, koerperliche Anstrengung und Energie erspart. Anstatt
grosse und teure Maschinen zu kaufen, koennte ein Betriebsleiter
- 7 -

�zum Beispiel die Anordnung der Maschinen in den Werkstaetten
verbessern, um damit die Leistungsfaehigkeit seines Betriebs zu
steigern."
Der Missionsleiter fuehrte Beispiele an, wo die gesteigerte
Produktivitaet sich bereits bezahlt gemacht hat. Durch besondere
industrielle Schulung konnte in einem Betrieb die Produktion um
18 % gesteigert werden. In einer Kopenhagener Schuhfabrik sei die
Produktion um 42 % und die Beschaeftigtenziffer um 23 % erhoeht
worden; die Loehne der Arbeiter wurden verbessert und dAe Verbraucherpreise gesenkt. Nachdem in einem anderen Unternehmen 100
Vorarbeiter und Arbeiter geschult worden waren, wurde die
Produktion in der Zeit von 1946 bis 1950 verdoppelt.
Die besondere Aufmerksamkeit seiner Leser lenkte Marshall
auf die neue Moeglichkeit, innerhalb der westeuropaeischen Voelkerfamilie den Handel auszuweiten, nachdem die Europaeische
Zahlungsunion errichtet und fruehere Zollhindernisse verringert
worden sind.
"Wenn Daenemark diese Moeglichkeit, mehr Maren nach Europa
und nach den Dollargebieten zu exportieren, voll ausnutzen will,
muss es ihm aufgrund der Leistungsfaehigkeit seiner Industrie
moeglich sein, zu konkurrenzfaehigen Preisen zu verkaufen,"
erklaert Marshall abschliessend. "Ich bin gewiss, dass die
Daenen die Paehigkeit und den Willen haben, diese Probleme erfolgreich In Angriff zu nehmen. Sie haben es in der Vergangenheit getan und koennen es auch heute wieder tun."
ECA Labor Information
IX/6/51

AUS DER ARBEIT DER OEEC.

Die Vertreter der Mitgliedstaaten der Organisation fuer
Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEO) haben auf ihrer
letzten Konferenz folgende Erklaerung abgegeben:
Wir haben die Anforderungen ueberprueft, die an die europaeische Wirtschaft gestellt werden, und die sich aus den Bedürfnissen ergeben, die fuer unsere Voelker zurzeit am wichtigsten
sind. Es handelt sich um die Garantie der individuellen und
kollektiven Sicherheit unserer Laender und um die Entwicklung
ihrer wirtschaftlichen Staerke und Wohlfahrt. Wir sind ueberzeugt, dass wir diesen Beduerfnissen durch einzelne und gemeinsame Handlungen gerecht werden koennen, vorausgesetzt, dass die
Regierungen und Voelker die erforderlichen Anstrengungen in bezug
auf eine Steigerung der Produktivitaet machen, sodass alle ernstkiften Schwierigkeiten, die sich aus den Wirtschaftsbeziehungen
mit dem Ausland ergeben, durch die Zusammenarbeit mit anderen
Laendern ueberwunden werden koennen. Wir sind der Auffassung,
dass diese beiden Bedingungen sich erfuellen lassen.
Die Regierungen sind sich darueber einig, dass das grosse
Ziel ihrer Politik darin bestehen muss, in den naechsten fuenf
Jahren die Gesamtproduktion um 25 % zu steigern. Durch diese
Erhoehungen der Produktion kann in diesem Zeitraum eine Verbesserung des Lebensstandards und ein weiterer sozialer Fortschritt
erzielt werden. Gleichzeitig koennen die Bedingungen erfuellt
werden, die die Verteidigung an uns stellt. Die Regierungen werden im Sinne der Konvention ueber die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas zusammenarbeiten, um gemeinsam jene Schritte zu
8

�unternehmen, die notwendig sind, um dieses Ziel verwirklichen
zu koennen.
Die Bedingungen in den einzelnen Laendern noe-en verschieden
sein, aber trotzdem ist die europaeische »Virtschaft als .iesarntheit durch einen konzentrierten Einsatz ihrer Hilfsquellen in der
Lage, ihre Produktivitaet um den Betrar; von alljaehrlich 5 ^ zu
steigern. Die Aufgaben, die den Mitgliedstaaten in der Vergangenheit gestellt waren, waren nicht weniger schwierig. Durch die
schwere Arbeit ihrer Menschen, und dank der grosszuerigen Hilfe
der Vereinigten Staaten konnten sie allein in den letzten drei
Jahren eine Steigerung der Produktion um 25 % verwirklichen.
Europa verfuögt ueber umfangreiche natuerliche Hilfsquellen,
ein riesiges industrielles Potential, eine grosse und tuechtige
Erwerbsbevoelkerung, und es hat die Moeglichkeit, schnelle Fortschritte zu machen. Die restlose Mobilisierung dieser Hilfsquellen erfordert Voraussicht, Entschlossenheit, den V/unsch guter
Zusammenarbeit und eine Politik, die sich auf soziale Gerechtigkeit stuetzt. Die Regierungen sind ueberzeugt, dass eine solche
Politik die Voraussetzung dafuer ist, die Erfolge sichern zu
koennen, die bereits erzielt wurden. Die soziale -Gerechtigkeit
erfordert die gerechte Verteilung der Lasten Und Abgaben, um auch
auf diese Weise das Wohlergehen der weniger beguenstigten Schichten
der 3evoelkerung zu foerdern. In vielen Laendern wird die Steigerung der Produktion zuerst zur Staerkung der Verteidigung und
zur Erweiterung des Exports verwendet werden muessen, damit die
hoeheren Kosten fuer Importe bestritten werden koennen. Aber ein
immer niroesser werdender Ueberschuss muss verfuegbar sein, um die
Versorgung mit Verbrauchsguetern zu verbessern, mehr Haeuser zu
bauen und den Beitrag europaeischer Industriestaaten zur Foerderung
unterentwickelter Laender und Gebiete zu erhoehen.
Herrn das Problem der Erweiterung der Produktion auf diese
Weise gemeinsam In Angriff genommen wird, koennen wir der Zukunft
ohne die Befuerchtung entgegen sehen, dass die wirtschaftliche
Besserstellung auf unbestimmte Zeit hinausgezoegert werden muss,
oder dass den Verteidigungsbemuehungen eine wirtschaftliche
Depression folgt. Man kann hoffen, dass die jetzigen Verhaeltnisse, die eine Einschraenkung erforderlich machen, voruebergehender
Natur sind. Die Industrie kann gewiss sein, dass, nachdem die
Zeit grosser Aufwendungen fuer die Verteidigung vorueber ist, der
Bedarf so hoch sein wird, dass kein Teil der verschiedenen nutzbaren Produkticnskapazitaeten untaetig zu bleiben braucht. Die
Arbeiter in der Industrie und der Landwirtschaft koennen in der
Gewissheit, staendig beschaeftlgt zu sein, zur Steigerung der
Produktion beitragen.
Um eine allgemeine wirtschaftliche Erweiterung mit der gewuenschten Schnelligkeit zu verwirklichen, muessen Massnahmen
ergriffen und Bedingungen erfuellt werden, die nachstehend aufgefuehrt sind:
Die Regierungen werden so schnell wie moeglich Schritte
unternehmen zu dem Zweck, gemeinsam die Ziele der Produktionssteigerung auf dem Gebiet der Kohlegewinnung, Stahlerzeugung,
Stromerzeugung und der Ernte landwirtschaftlicher Produkte zu erreichen. Sie werden sich ausserdem damit beschaefti^en, die Ziele
auf dem Gebiet des Wohnungsbaues und der Umsiedlung von Arbeltskraeften festzulegen.
Mangel an Kohle, Elektrlzitaet und Stahl bedeutet eine Gefahr
fuer die allgemeine industrielle Erweiterung. Die Kohleproduktion
ist nicht In genuegendem Masse gesteigert worden, um den immer
- 9 -

�groesser werdenden Bedarf der Industrie und des Zivilverbrauchs
im eigenen Land und im Ausland zu decken. Europa muss Mittel
und Wege finden, um nicht mehr von den teuren Importen amerikanischer Kohle abhaengig zu sein, es muss die Industrie vor
Unterbrechungen in der Produktion schuetzen und die fuer den
Haushaltsgebrauch erforderliche Kohle beschaffen. Auch die Nachfrage nach elektrischer Energie wird staendig groesser. Die gesteigerte Erzeugung von Kohle und Strom muss durch eine wirksamere und bessere Verwendung ergaenzt werden.
Um ihre Verteidigung zu staerken, mehr Haeuser zu bauen und
ihre Industrien und Landwirtschaft mit modernen Ausruestungen und
Maschinen auszuruesten, brauchen die Mitgliedsstaaten mehr Stahl.
Hierdurch wird eine erhoehte Produktion von Koks und Eisenerzen
erforderlich.
Auch die Erzeugung anderer knapper Rohstoffe,' wie zum Beispiel
nichteisenhaltige Erze, muessen erhoeht und die verfuegbaren
Vorraete gerecht unter die einzelnen Laender verteilt werden. Zu
diesem Zweck wird es erforderlich sein, dass auch andere Regierungen durch die Vermittlung bestehender internationaler Organisationen bei diesen Aufgaben mitarbeiten. Es muessen mehr
Nahrungsmittel erzeugt werden, was vor allem durch die Verwendung
wirksamerer Arbeitsmethoden erreicht werden kann. Insbesondere
muss die Erzeugung von Viehfutter vermehrt werden, um die Versorgung mit Fleisch und Milchprodukten zu verbessern.
Der Mangel an Wohnraum Ist ein akutes Problem, das in einigen
Gebieten sogar beunruhigend ist. Besonders dort, wo Arbeitsmoeglichkeiten fuer anderwaerts Beschaeftigungslose vorhanden sind,
werden mehr Haeuser gebraucht.
In einigen europaeischen Laendern konnte die Arbeitslosigkeit
noch nicht ueberwunden werden. Energische Massnahmen sind notwendig, um diese Situation abzustellen. In Westdeutschland gibt
es noch etwa 1.000.000 Erwerbslose, In Italien sind es 2.000.000,
ganz zu schweigen von den Kurzarbeitern. Dies bedeutet sowohl
grosse Haerten fuer den Einzelnen und betraechtliche Verluste fuer
die Allgemeinheit. Das Arbeitslosenproblem ist wahrscheinlich
durch eine wirtschaftliche Ausweitung im Lande selbst zu loesen,
In Italien dagegen gibt es nur einen Ausweg, naemlich den der
Auswanderung. Auch die vielen Fluechtlinge in Deutschland, der
Tuerkei und Griechenland stellen ein ernstes Problem dar. Zur
Ueberwindung dieser Schwierigkeiten ist es notwendig, dass die
Mitgliedsstaaten laufend zusammenarbeiten, zur voelligen Beseitigung der Arbeitslosigkeit ist jedoch die Zusammenarbeit aller
Regierungen unbedingt erforderlich.
Die Steigerung der Produktivitaet ist in der Erweiterung der
Produktion der wichtigste Faktor. Durch die Erhaltung einer
hohen Leistungsfaehigkeit der Arbeiter und Unternehmer und durch
einen wirklichen Beitrag aller Schichten der Bevoelkerung sind
grosse Fortschritte moeglich. Die fortlaufende Ergaenzung und
Modernisierung der Ausruestungen traegt zu diesem Fortschritt bei.
Die Produktivitaet kann jedoch auch, abgesehen von zusaetzlichen
Investierungen, durch geeignete neue Produktionsmethoden gesteigert werden.
Inflatorische Preissteigungen muessen verhindert werden,
weil eine Inflation eine Produktionserweiterung gefaehrden und
die Verteidigungsbemuehungen der verschiedenen Laender behindern
und zu grossen sozialen Ungerechtigkeiten Veranlassung geben
wuerde. Jede Regierung Ist dafuer verantwortlich, ein Gleichgewicht zwischen den im Land verfuegbaren Waren und Dienstleistungen
- 10 -

�und der vorhandenen Nachfrage auf dem betreffenden Markt herzustellen. Zu diesem Zweck muss eine entsprechende und richtige
Steuer und Finanzpolitik verfolgt werden. Diese Politik muss
sich auf den Grundsatz stuetzen, dass Lasten glelchmaessig zu
verteilen sind. Die Stabilitaet der Preise kann jedoch nicht
durch Massnahmen einzelner Laender allein gesichert werden.
Preise auf dem Inlandsmarkt sind auch durch auslaendische Faktoren beeinflusst. Zusammenarbeit unter den Mitgliedsstaateu
und den anderen Regierungen ist deshalb unerlaesslich, um ein
groesseres Mass an Stabilitaet fuer Rohstoffpreise zu erreichen
und eine Kontrolle der Inflation zu ermoeglichen.
Fuer die meisten Mitgliedsstaaten bilden die finanziellen
Beziehungen mit anderen Laendern noch immer eine Frage der Abhaengigkeit. Die Stabilitaet der Zahlungsbilanz rtewisser Laender
ist durch neuere rapide Preissteigerungen fuer Importe Im Gegensatz zu den Exporten schwer bedroht worden. Es ist deshalb
lebenswichtig, dass die Bemuehungen, die auf Internationaler
Basis aur Erreichung einer groesseren Stabilitaet der Preise
fuer Rohstoffe gemacht wurden, von Erfolg gekroent sind. Gesteigerte Produktion durch die restlose Verwendung der menschlichen und materiellen Reserven und die Kontrolle der Inflation
werden uns dem Zeltpunkt naeher bringen, zu dem alle europaeischen Laender in der Lage sein werden, ihre Rechnungen ohne
Unterstuetzung vom Ausland zu zahlen. Es ist deshalb wichtig,
dass sie ihre Exportbemuehungen fortsetzen, und dass gleichgesonnene Laender Bedingungen fordern, die wirkliche Erfolge gewaehrleisten. Um die Erweiterung der Produktion zu unterstuetzen
und die wirtschaftlichen Hilfsquellen Suropas so wirksam wie
moeglich zum Einsatz zu bringen, werden die Mitgliedsstaaten in
ihren Bemuehungen fortfahren, alle jene Hindernisse abzubauen,
die dem Handel im Wege stehen und die Zusammenarbeit der Regierungen innerhalb der europaeischen Zahlungsunion foerdern.
Die Industriestaaten Westeuropas haben in der Vergangenheit
mit den Voelkern unterentwickelter Laender gemeinsam gearbeitet,
die grosse Kapitalinvestierung benoetigen, um ihre Produktionskapazitaet erweitern zu koennen. Sie haben auch in der Nachkriegszeit trotz eigener Sorgen um ihren Wiederaufbau ihre Bemuehungen auf diesem Gebiet fortgesetzt. Es Ist vorgesehen, dass
die zukuenftige wirtschaftliche Ausdehnung in Europa zu einer
weiteren Entwicklung der wirtschaftlich rueckstaendigen Gebiete
beitraegt.
Die Regierungen der Mitgliedsstaaten sind entschlossen, die
in dieser Deklaration genannten Ziele durch gemeinsame und individuelle Bemuehungen zu foerdern. Innerhalb anderer internationaler Organisationen, denen sie angehoeren moegen, werden die
Grundsaetze dieser Deklaration fuer sie ausschlaggebend sein.
Angesichts der neuen Aufgaben auf dem Gebiet der europaeischen
Zusammenarbeit sind sich die Regierungen der Mitgliedsstaaten der
gegenseitigen Abhaengigkeit solcher Laender bewusst, deren Bestrebungen und Ziele gleich sind. Gemeinsames Ziel und ein echter
3elst der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Laendern werden
fuer sie auch weiterhin eine Richtschnur ihrer Politik und die
Vorbedingung zu ihrem Erfolg sein.
Im Vertrauen auf die Zukunft Europas und die Paehi^keit
seiner Menschen, mit den Aufgaben der heutigen Zeit fertig zu
werden, verpflichten sich die Regierungen bei der Ausfuehrun^ der
Irundsaetze, die in dieser Deklaration enthalten sind, tatkraeftig
zusammenzuarbeiten und alle Schichten der Bevoelkerung aufzufordern, ihren wichtigen Beitrag dazu zu leisten.
0E2C Information
51/8
- 11 -

�DIE TAETIGKBIT DER GEWERKSCHAFTEN IN VENEZUELA.
Die allgemeine wirtschaftliche Prosperitaet Venezuelas, die
zum groessten Teil durch den Export von Petroleum ermoeglicht wird,
ist von einer allgemeinen Erhoehung des Lebensstandards der Arbeiter bis zu einem Niveau begleitet, das man noch nie in der Geschichte Venezuelas gekannt hat. Wenn auch statistische Angaben
ueber die Zahl der Beschaeftigten und ueber die Arbeitslosigkeit
nicht verfuegbar sind, bevor die Ergebnisse der Zaehlungen des
Jahres 1950 bekannt sind, so laesst sich die Zeit schon sas;en, dass
von 1949 bis 1950 durch fast totale Vollbeschaeftigung gekennzeichnet ist. Arbeitslosigkeit stellt auf keinen Fall ein wichtiges
nationales Problem Venezuelas dar. Im Verlaufe des Jahres 1950
haben sich die Realeinkommen der Arbeiter erheblich verbessert.
Die Preise fuer die meisten Verbrauchsgueter sind stabil geblieben
oder sind gesenkt, waehrend die Kehrzahl der Lohntarife beibehalten oder erhoeht worden ist.
Die Gewerkschaftsbewegung hat jedoch durch die Militaerregierung der Junta unter schweren Beschraenkungen zu leiden. So
sind zum Beispiel zahlreiche Gewerkschaftsorganisationen als
illegal erklaert worden. Auf Einladung der Regierung Venezuelas
hat Mitte des Jahres 1949 eine Mission des Internationalen Arbeitsamtes das Land besucht, um die venezolanische Gewerkschaftsbewegung, die Sozialversicherung und aehnliche Einrichtungen zu
studieren. Der Bericht dieser Mission des IAA enthielt genauere
Informationen ueber die organisatorischen Misstaende innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung des Landes und die sich hieraus ergebenden Gefahren fuer die Arbeiterschutzgesetzgebung Venezuelas,
die zwar fortschrittlich ist, aber deren Verwirklichung zum
groessten Teil von den Gewerkschaften abhaengt. Die Massnahmen,
die die venezolanische Regierung nach der Abreise der Mission
ergriffen hat, sind in dem Bericht als ein bedeutsamer Schritt
zur Wiedererrichtung der verfassungsmaessigen Garantieen bezeichnet,
ohne die eine Gewerkschaftsbewegung nicht frei und ihren Aufgaben
gemaess arbeiten kann.
Nach dem Staatsstreich im November 1948, durch den die demokratische Verwaltung durch die gegenwaertige Militaerregierung
der Junta ersetzt worden ist, sind die demokratischen Parteien
offiziell aufgeloest worden. Die Arbeitspolitik der Junta-Regierung besteht in einem fortschrittlichen sozialen nVohlfahrtsprogramm und der Trennung der Gewerkschaften von der Politik, insbesondere ihre Losloesung von der fuer illegal erklaerten "Partei
fuer Demokratische Aktion."
Im Februar 1949 ist die von der demokratischen Partei unterstuetzte Gewerkschaftsfoederation CTV, die bedeutendste Gewerkschaftsorganisation in Venezuela, und die ihr angeschlossenen Gewerkschaften, zu denen auch der wichtige Verband der Petroleumarbeiter gehoert, offiziell aufgeloest worden.. Die 705 Ortseewerkschaften der CTV, die annaehernd vier Fuenftel aller Gewerkschaften in Venezuela einschliesst, sind durch diese Bestimmung
als Einzelorganisation nicht in Mitleidenschaft gezogen, sie koennen jedoch nicht mehr auf legalem Wege zusammenarbeiten. Es ist
ihnen befohlen worden, neue Funktionaere unter Bedingungen zu
waehlen, die vom Arbeitsministerium vorgeschrieben sind. Es ist
schwierig, sich an die Wahlvorschriften des Arbeitsministeriums zu
halten, eine staendige Abnahme der Zahl der Orts^ewerkschaften ist
die unausbleibliche Folge.
Die Tarifvertraege, die fuer eine Dauer von drei Jahren von
der Gewerkschaft der Petroleumarbeiter im Februar und Maerz 1948
12 -

�abgeschlossen sind, hat ein Erlass der Regierung fuer rechtsgueltig erklaert, obwohl die Gewerkschaft fuer ungesetzlich
erklaert worden ist. Nach den Bestimmungen des Vertrages koennen
nach zwei Jahren neue Verhandlungen ueber Lohntarife aufgenommen werden. Als die Funktionaere der PetroLeumarbeiter zu Anfang
1950 jedoch versucht haben, sich auf diese Bestimmungen zu berufen, ist ihnen dies unmoeglich gemacht worden, weil die Gewerkschaften kein legales Existenzrecht mehr haben und das Tarifkomitee der Gewerkschaften gesetzlich nicht anerkannt worden ist.
Die sich durch diese Massnahme ergebenden Streiks im Mai 1950
sind durch drastische Massnahmen der Regierung gebrochen worden.
Die 47 streikenden Ortsgewerkschaften, in denen der groesste
Teil der Arbeiter der Erdoelindustrie und nahezu die Haelfte der
fast 50.000 Petroleumarbeiter organisiert sind, hat ein Befehl
der Regierung einfach voellig aufgeloest. Die meisten dieser Gewerkschaften gehoeren der nichtkommunistischen Partei fuer demokratische Aktion an, aber einige sind auch dem kommunistischen
Gewerkschaftsbund der Erdoelarbeiter "Cosutrapet" angeschlossen.
Dieser Organisation ist zusammen mit der Kommunistischen Partei
Venezuelas wegen ihrer Teilnahme an den Streiks verboten, die von
der Regierung als rein politisch und umstuerzlerisch bezeichnet
worden sind. Die Mitgliederzahl der Gewerkschaften der Erdoelarbeiter, die sich vor dem Verbot der Gewerkschaft auf ueber 60 %
aller Erdoelarbeiter belaufen hat, ist im Dezember 1950 auf nur
noch rund 10 % der frueheren Mitgliedszahl zurückgegangen.
Im Anschluss an die Oelstreiks im Mai 1950 hat die Regierung
einen Untersuchunsrsausschuss ernannt, der die bestehenden Kollektivvertrae&lt;^e untersuchen soll. Der Ausschuss, der sich urspruenglich
aus Vertretern der drei Interessengruppen zusammengesetzt hat,
ist trotz des Ruecktritts der Gewerkschaftsdelegierten bestehen
geblieben und hat dem Arbeitsminister Im November einen Teilbericht'
ueberrelcht, der nicht veroeffentlicht worden ist. Als der dreijaehrige Tarifvertrag Anfang 1951 kurz vor seinem Ablauf bestanden
hat, ist ein Arbeitskomitee der Petroleumindustrie gebildet worden,
in dem alle bestehenden gesetzlichen Gewerkschaften der Erdoelarbeiter vertreten sind. Unter der Fuehrung des Arbeitsministeriums ist dieser Ausschuss mit Unternehmervertretern zusammengetreten. Bis zum 9. April 1951 hat man kein Abkommen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern treffen koennen, die Regierung hat
daraufhin durch einen offiziellen Erlass die' Gueltigkeit des
erloschenen Vertrags um weitere 2\ Jahre verlaengert. Der neue
Vertrag enthaelt nur wenige Abaenderungen, die vornehmlich wirtschaftlicher Art sind. Der Erlass bezieht sich auf Arbeitnehmer
im Tagelohn und Monatsgehalt. Ausgenommen sind ungefaehr 1.000
Arbeiter der Handelsmarine, die zur See fahren, (ihr Tarifvertrag
ist im Mal 1951 abgelaufen) sowie Arbeltsvorgesetzte, die mit
entsprechenden Aufbesserungen durch freiwillige Betriebsvereinbarungen rechnen koennen. Unter Einbeziehung des Abkommens fuer
die Arbeiter der Handelsmarine rechnet man damit, dass sich die
verlaengerten Vertraege auf insgesamt etwa 45.000 Arbeiter erstrecken werden.
Der Erlass der Regierung wird eine durchschnittliche Erhoehung der Jaehrlichen Realloehne der Erdoelarbeiter um
schaetzungsweise 16 % zur Folge haben. Zu den grundsaetzlichen
Veraenderungen gehoeren Bestimmungen ueber Lohnerhoehungen in
Iioehe von 2 - 5 Bolivar taeglich, eine Erhoehung des Mindestlohntarifs von 14 auf 16 Bolivar pro Tag, hoehere.Mietzuschuesse,
hoehere Mutterschaftsunterstuetzungen und erhoehte Urlaubszuschuesse. Die Gueltigkeit der Bestimmungen, nach der Gewerkschaftsdelegierte fuer Gewerkschaftskongresse Anspruch auf eine
15-taegige bezahlte Beurlaubung haben, ist auch auf internationale
Konferenzen ausgedehnt worden. Viele Arbeiterunterstuetzunsen,
die zuvor von den Unternehmern freiwillig gezahlt worden sind,
- 13

�erklaert jetzt das Gesetz als obligatorisch. Die Unkosten,
die der Industrie aus den Lohnerhoehungen und den hoeheren
Unterstuetzungen erwachsen, werden sich schaetzungsweise auf
jaehrlich ueber 100 Millionen Bolivar (etwa 120 Millionen DM)
belaufen, wie Vertreter der Krdoelgesellschaften erklaerten.
In der aufbluehenden Elsenerzindustrie Venezuelas wurde
im Mai 1951 ein dreijaehriger Tarifvertrag zwischen einem
Zweigbetrieb der riesigen U S Stahlgesellschaft "Bethlehem
Steel Corporation" und einer Ortsgewerkschaft der Arbeiter im
Elsenerzbergbau unterzeichnet. In Gewerkschaftskreisen gilt
dieser Vertrag als fortschrittlich. Die Verhandlungen, die in
Gegenwart von Arbeitsinspektoren der Regierung durchgefuehrt
wurden, verliefen friedlich. 53 der 56 Forderungen der Gewerkschaften wurden in den Vertrag aufgenommen und unter anderem
auch eine allgemeine Erhoehung der Tagesloehne um 3,4 Bolivar
gebilligt. Der Vertrag kann nach 18 Monaten gekuendigt und
neue Verhandlungen ueber Loehne und Mietzuschuesse koennen wieder
aufgenommen werden.
Notes on Labor Abroad
51/5

Mark Starr:
AKTIVER HUMANISMUS IN DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG.
Mark Starr, der heute der Leiter der Schulungsabteilung
der all-amerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter ist, begann seine Laufbahn als Bergarbeiter in England.
Heute leitet er in der genannten Gewerkschaft die gesamte
Schulungsarbeit, sowie die Abendkurse und die Erholungsaktionen
seit dem Jahre 1935. Er ist in erster Linie bestrebt, der
Oeffentlichkeit zu zeigen, wie eine Gewerkschaft arbeitet, und
dass ihr Platz in einer industrialisierten demokratischen Gesellschaft von lebenswichtiger Bedeutung ist. Waehrend der
vergangenen Jahre hat Mark Starr zahlreiche Veroeffentlichungen
durch seine Beitraege bereichert, u.a. "Labor and Nation",
"The Educational Forum", "The Survey" und "Teachers College
Record".
Weil die Gewerkschaften in ihre Arbeit alle Maenner und
Frauen einschliessen, die ihre Arbeitskraft fuer einen Lohn oder
ein Gehalt einem Unternehmer zur Verfuegung stellen, koennen sie
Anspruch darauf erheben, eine so weite Basis zu haben wie der
aktive Humanismus selbst. Eine kleine Minderzahl der Gewerkschaften ist mitunter nicht ganz mit diesem Ideal der proletarischen Solidaritaet einverstanden, aber die Praxis der Gewerkschaftsbewegung vereinigt zu ihrem eigenen Fortschritt Maenner
und Frauen ohne jeden Unterschied In bezug auf Geschlecht, Rasse
oder Glauben.
Eine andere haeufig nicht bemerkte Verbindung zwischen der
Humanitaetsbewegung und den organisierten Gewerkschaften ist der
bedeutende Beitrag, den die organisierte Arbeiterschaft im
letzten Jahrhundert erbracht hat, um zur, Wohlfahrt der Allgemeinheit beizutragen. Sicher sind die Gewerkschaften ebenso ureigene amerikanische Errungenschaften wie heisse Wuerstchen oder
Kuerbispasteten. Eine der ersten Versammlungen der Grünaungsvaeter der Gewerkschaften wurde in der Halle der Zimmerleute in
Philadelphia abgehalten, lange bevor die Handelskammer und die
Nationale Vereinigung der Fabrikanten existierten und ueberhaupt
14

�jene Gebaeude geschaffen wurden, die fuer diese Vorhaben geeignet waren. Es ist allgemein bekannt, dass Horace Mann in
seinem Kampf fuer eine durch Steuermittel unterstuetzte
oeffentliche Erziehung keinen staerkeren und bestaendigeren
Verbuendeten als die organisierte Gewerkschaftsbewegung hatte.
Was die Gewerkschaftsbewegung in ihrem Kreuzzug fuer die
Humanitaet und gegen die "Schwitzbuden" getan hat, wie sie
den traditionellen vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang
waehrenden Arbeitstag beseitigt hat, kann nur durch ein
wirkliches soziales Verantwortungsbewusstsein erfasst werden.
Heute leben die Menschen laenger, es gibt viel weniger Elendshoehlen als damals, heute geht fast jedes Kind zur Schule,
unsere Bevoelkerung befindet sich in einem guten Gesundheitszustand - all dies ist in erster Linie erreicht worden, well
die Gewerkschaften die Basis fuer die Organisation jener Menschen waren, die fuer ein wirkliches Leben arbeiteten und fuer
ein anstaendiges Wohnen kaempften, die sich fuer soziale Sicherheit, hoehere Loehne und kuerzere Arbeitszeit einsetzten, im
Gegensatz zu jenen Hochgeborenen und geschaeftstuechtigen Superklugen, die diese Forderungen mit allen Mitteln bekaempfen ebenso wie heute die Amerikanische Medizinische Gesellschaft die
obligatorische Gesundheitsversicherung bekaempft.
Heute wird mit groesstem Nachdruck danach gestrebt, neue
und bessere Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
einzufuehren. Natuerlich ist bei einer Beruecksichtigung
humanistischer Ideale festzustellen, dass ein patriarchalischer
Zustand in den augenblicklichen Wechselbeziehungen unmoeglich
ist, weil die moderne Industrie auf einer weiten Basis aufgebaut Ist, in der die Beziehungen zwischen den Eigentuemern einer
Gesellschaft und den Arbeitern und Angestellten voellig unpersoenlich geworden sind. Aus dem gleichen Grund kann der Arbeiter
nicht staendig wie ein Kind behandelt werden. Die ganze Geschichte
der alten diktatorischen Methoden in den industriellen Beziehungen
zeigt auch, wie unsinnig und wirkungslos diese Haltung gewesen
Ist. Wenn der Oberste Gerichtshof der USA die Gesetzmaessigkeit
der Wapnerakte bestaetigt hat, so stellt er damit ein Einverstaendnis der Oeffentllchkeit mit den Tarifvereinbarungsgrundsaetzen als den wirksamsten Weg fest, um die industriellen Beziehungen weiter zu tragen.
Gewiss bereichern die Gewerkschaften die Ideale der Demokratie,
indem sie ueberall dort taetig sind, wo das Leben ihrer Mitglieder
beeinflusst wird. Sie fordern deshalb ein staerkeres Wort in
den industriellen Beziehungen. Die Gewerkschaften legen daher
nicht den groessten Nachdruck auf das Wort Eigentum, sondern auf
das Wort Volk. Die Gewerkschaften druecken damit die Meinung
ihrer Mitgliedschaft aus, zu denen Maenner und Frauen gehoeren,
die fuer ihren Lebensinhalt zu arbeiten haben. Sie geben damit
auf der anderen Seite dem alleinstehenden einzelnen Arbeiter ein
Gefuehl der Staerke und der Zusammengehoerigkeit.
In Grossbritannien, wo einige Grundstoffindustrien der Allgemeinheit gehoeren und von ihr geleitet werden, haben die Gewerkschaften neue Funktionen erhalten. Sie bemuehen sich heute
vor allem in der gemeinsamen Beratung der Probleme in den
Betriebskoerperschaften, sie muehen sich jetzt um eine Loesung
jener Probleme, die durch das System der Anrelzloehne und eine
erhoehte Produktivitaet geschaffen werden, zumal sie glauben,
dass dadurch der Lebensstandard in der heutigen Gemeinschaft verbessert werden kann. In der westdeutschen Bundesrepublik hat
-^ie Gewerkschaft jetzt das Recht der Mitbestimmung erhalten, sie
kontrolliert damit bis zu einem gewissen Grade die Industrie und
- 15 -

�sieht sich zugleich dem Problem gegenueber, ihre Funktionaere
und Mitglieder so zu schulen, dass sie in dem Bereich der
komplizierten technischen Fragen dazu instande sind, ihr Wissen
ueber Loehne, Arbeitszeit, Gewerkschaften und Arbeitsbedingungen
so zu vervollstaendlgen, dass sie wirklich mitsprechen und mit
entscheiden koennen.
Der Kampf, den die freien Gewerkschaften in der gesamten
Welt fuehren, und in dem die AFL und der CIO eine hervorragende
Rolle gespielt haben, darf neben allem anderen nicht vergessen
werden. Zu oft haben die Voelker auf dem Schlachtfeld Siege
errungen und diese auf den Reisfeldern verloren. Weit wirksamer
als die Stimme Amerikas und alle Informationen und Propagandadienste der staatlichen Stellen sind die Bemuehungen des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, der die Arbeiter Im
Morgen- und Abendland unterstuetzt, sich selbst zu helfen, indem
freie Gewerkschaften gegruendet werden. Aus diesem wie auch aus
anderen* Gruenden sollte es ein groesseres Verstaendnls und eine
bessere Wuerdigung dieser Leistungen geben, damit sich die Anhaenger der aktiven humanistischen Bewegung und der Gewerkschaften
gegenseitig unterstuetzen, um weitere Fortschritte zu erzielen.
The Humanist
1951

EINFUHRZOELLE BEBINTRABCHTTOEN STEIGERUNG DER PRODUKT! VIT ABT.

In einem Schreiben, das am 26. September in der franzoesischen Zeitung "Le Monde" veroeffentlicht wurde, beschwert sich
Andre Manuel darueber, dass von der franzoesischen Regierung eingefuehrte Zoelle auf importierte Maschinen aus den Vereinigten
Staaten die Entwicklung wirksamer Produktionsmethoden In der
franzoesischen Textilindustrie stark beeintraechtigen. In dem
Schreiben helsst es:
"In den ersten beiden Jahren des Marshallplans hatte die
franzoesische Textilindustrie die Moeglichkeit, amerikanische
Maschinen einzukaufen, die sie mit den 10 % bezahlte, die das
Waehrungsamt aus ihren Exporten nach Laendern mit harter Waehrung
fuer sie reserviert hatte. Die franzoesische Regierung gab dem
Druck des Finanzministeriums und des Praesidenten des Verbandes
kleiner und mittlerer Maschinenhersteller nach und fuehrte einen
Zoll ein, durch den die Importe von Textilmaschinen aus den
Vereinigten Staaten unter Berechnung der bereits bestehenden
Steuern mit rund 40 % belastet wurden. Durch diese Massnahme
sind die 700.000 Textilarbeiter des Landes gezwungen, unter
schlechten Bedingungen zu produzieren, weil sie, wenn sie ihre
Produktivitaet erhoehen wollen, moderne Maschinen brauchen.
Daily Productivity Bulletin
IX/27/51

16 -

KICOC 5 Oct 31 1.634' i M

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* (olgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 41

F r a n k f u r t , 12. Oktober 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Gewerkschaftsbewegung in Kenia

1

Die Sprache der Gewerkschaftsbewegung

5

Die kleinen Nationen auf der Friedenskonferenz in San Franzisko

7

Das Weltfriedensprogramm des CIO

11

Die Geschichte eines hollaendischen Arbeitersl3

DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IN KENIA
Die Entwicklung einer starken Gewerkschaftsbewegung wurde
in Kenia durch den niedrigen Kulturstand und durch die schwierigen Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes
erschwert. Die Lage ist weit schwieriger als in den englischen Kolonien Westafrikas, weil es in Kenia asiatische und
weisse Ansiedler gibt. Das Hochland von Kenia ist eine der
wenigen Gebiete Afrikas, dessen Klima fuer europaeische Ansiedler ertraeglioh ist. Die Politik der ortsansaessigen Behoerden war darauf ausgerichtet, weisse Ansiedler anzuwerben
und im Lande zu halten, weil dieses Land Kapital, Facharbeiter und tuechtige Unternehmer braucht. Durch den Fortschritt
auf dem Wege zur politischen Selbstbestimmung und zur Befreiung von den Kontrollen, die von Whitehall ausgeuebt wurden,

1

�ist es jedoch zwischen dem Wunsch der Europaeer nach ihrer
Vorherrschaft auf der einen Seite und den politischen Ambitionen der Afrikaner und Asiaten auf der anderen zu Konflikten gekommen.
Kurz nach dem zweiten V/eltkrieg wurde das Arbeitsministerium Kenias umorganisiert und erweitert. Die hoechsten
Stellungen im Ministerium wurden von Persoenlichkeiten aus
dem britischen Kolonialamt und dem britischen Arbeitsministerium besetzt, die seitdem versucht haben, eine verantwortungsbewusste Gewerkschaftsbewegung aehnlich der in Grossbritannien zu entwickeln. Die Gesetze ueber gewerkschaftliche
Funktionen wurden im November 1949 revidiert, um dieses
Programm zu erleichtern. Auch andere Arbeitsgesetze wurden
einer Revision unterzogen.
Die Knappheit an Ackerland Ist das Hauptproblem in
Kenia. Grosse Gebiete wurden fuer die Ansiedlung von Weissen
und andere gesondert fuer Eingeborene bereitgestellt. Die
Entwicklung des Landes nach europaeischen Masstaeben war
kostspielig und langwierig. Das Land genuegte nicht, um
durch Anwendung der uebllchen landwirtschaftlichen Arbeitsmethoden den Lebensunterhalt fuer die sich staendig vergroessernde Eingeborenenbevoelkerung zu sichern. Die Eingeborenen Hessen sich nur unwillig in die fuer sie bestimmten
Gebiete umsiedeln. Ein grosser Teil der Eingeborenenbevoelkerung blieb in dem Siedlungsgebiet der Weissen, wo sie als
Landarbeiter ihr Brot verdienten, aber durch den Versuch der
weissen Farmer, die Zahl dieser "Fremden" zu reduzieren, kam
es laufend zu Unstimmigkeiten.
Die Zunahme der Bevoelkerungsziffer und der Wunsch,
Viehbesitz zu erwerben, hat viele Afrikaner gezwungen, sich
nach einem Erwerb umzusehen. Ein paar Monate Arbeit waehrend
des Jahres reichen fuer den Eingeborenen jedoch aus, um
seine Kopfsteuern zu zahlen, und um die wenigen Waren zu
kaufen, die er unbedingt fuer seinen Lebensunterhalt braucht.
Auf Grund des //ohnraummangels und des Zugehoerigkeitsgefuehls
des Kenia-Volkes zu Land und Stamm kehrt der üfrikaner, der
in den Staedten eine Beschaeftigung in der Industrie gesucht
hat, bald wieder heim. Die Arbeitslosigkeit ist deshalb gering, die Nachfrage nach Arbeitskraeften uebertrifft das Angebot. Facharbeiter, meistens Asiaten, sind aeusserst knapp.
Die afrikanische Bevoelkerung, die zum grossen Teil nicht
lesen und nicht schreiben kann, deren Gesundheitszustand haeufig zu wuenschen uebrig laesst, kann als Arbeitskraeftereservoir weder die Industrie noch die Landwirtschaft befriedigen.
Die Unternehmer verpflegen und beherbergen meistens ihre
afrikanischen Arbeiter, die Loehrie in bar sind daher sehr
niedrig. Durch stark ansteigende Preise nach dem Kriege
wurden auch die Loehne erhoeht, eiber solange es nicht zu
einer Erhoehung der Barloehne kommt, bleibt diese Aenderung
fuer den Afrikaner unbefriedigend.
Alle diese Schwierigkeiten sind durch die Bemuehungen
um die Foerderung des wirtschaftlichen Niveaus noch vermehrt
worden. Durch die Einfuehrung hoher Schutzzoelle, durch
die die minder wichtigen Industrien des Landes gefoerdert
werden sollen, hat Kenia die Einfuhr benoetigter Verbrauchsgueter, die die eigene Industrie noch nicht in genuegender Menge
herstellen kann, erschwert. Die Steuereinkuenfte des Landes
- 2

�reichen nicht aus, um selbst fuer die wenigen Europaeer moderne Programme der Erziehung und der Sozialfragen finanzieren zu koennen. Fuer die Eingeborenen ist aber in dieser
Richtung nur wenig getan worden.
Die Gesetzgebung Kenias sieht, wie in anderen britischen Kolonien, die Registrierung der Gewerkschaften und
die Beilegung industrieller Streitigkeiten vor. Weil sich
der Afrikaner jedoch eher als Angehoeriger eines Stammes
denn als regulaerer Lohnverdiener fuehlt, ist es in Industriebetrieben nur in wenigen Faellen zurspontanen gemeinsamen Aktion gekommen.
1949 waren, wie die nachstehende Tabelle zeigt, acht
Gewerkschaften eingetragen. Nur vier von ihnen werden vom
Arbeitsministerium als aktiv oder "leistungsfaehig" angesehen.
Datum der Eintragung

Name der Gewerkschaft

30. Sept. 1937

Gewerkschaftsbund
Ostafrikas
Ostafrikanische Gewerkschaft fuer asiatische Arbeiter
Druckergewerkschaft von
Kenia
Gewerkschaft asiatischer
Beamte in Kenia
Gewerkschaft asiatischer
Eisenbahner in Kenia
und Uganda
Transportarbeitergewerkschaft
Schneider- u. Bekleidungsarbeitergewerkschaft
Schuhmachergewerkschaft

5. April 1941
5. Sept. 1946
21. April 1947
21. April 1947
30. Juli

1946

10. Juli

1948

10. Dezember 1948

Angegebene
Mitgliederzahl
2,426
64
44 Afrikaner
204 Asiaten
1,350
1,608
2,564
569
351

Die Organisatoren der Gewerkschaften waren im allgemeinen Europaeer oder Asiaten. Der erste afrikanische Gewerkschaf tsfuehrer, der zum Studium nach Grossbritannien
geschickt wurde, war Meschack Okelo Ndisi, der Generalsekretaer der Transportarb3itergewerkschaft.
Die Gewerkschaftsbeauftragten der drei britischen Territorien in Ostafrika (Kenia, Tanganjika und Uganda) haben versucht, durch Anordnungen und Anleitungen der Regierung die
stabilen und verantwortungsbewussten Gewerkschaften zu foerdern, die beitragzahlende Mitglieder haben und aufrichtige
Funktionaere, die sich der Mitgliedschaft gegenueber verantwortlich fuehlen. Viele Organisationen, die aktiv waren und
sich Anhaenger unter den Afrikanern erworben haben, erfuellen
jedoch nicht diese Bedingungen. Beamte des Arbeitsministeriums Kenias und die Arbeitsberater im britischen Kolonialamt, die Ostafrika besucht haben, sind der Auffassung, dass
die kommunistischen Fuehrer die Eingeborenen durch einen
vergeblichen und kostspieligen politischen Streik irregefuehrt,
die Arbeit anerkannter Gewerkschaften behindert, die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gestoert und die
- 3-

�Gewerkschaften vor der Oeffentlichkeit in Misskredit gebracht haben, Ein Ostindier namens Makhan Singh, von dem
bekannt ist, dass er mit dem kommunistischen Weltgewerkschaftsbund in Verbindung steht, war in Kenia aeusserst
aktiv und hatte bei der Organisation von Streiks und Demonstrationen afrikanischer Arbeiter in der Industrie, Regierungsbetrieben und den Plantagen in den Jahren von 1948 bis1
1950 ziemliche Erfolge.
Auf ihrer Konferenz im November 1949 wurden sich die
drei Arbeitsbeauftragten darueber einig, dass eine Gesetzgebung erforderlich ist, die Arbeitsunterbrechungen in wichtigen Industriezweigen regelt. Ferner muss eine gewerkschaftliche Organisation von ihren Mitgliedern regelmaessig
Beitraege einziehen, wenn sie als legale Gewerkschaft registriert werden soll. Ss muessen einfachere Organisationsformen angestrebt werden, als man sie bisher in den eingetragenen Gewerkschaften kennt. Diese Organisationen muessen
gesetzliche Bedingungen erfuellen und auf Ersuchen ihre
Konten und Geschaeftsbuecher ueberpruefen lassen. Es muss
moeglich sein, Gewerkschaften zu verbieten, die sich eines
Vergehens schuldig gemacht haben. Schliesslich muessen
Gewerkschaftsfunktionaere in ihrem Beruf oder in der Industrie als Arbeitnehmer beschaeftigt sein, also an Plaetzen,
fuer die die betreffende Gewerkschaft zustaendig ist. Die
Verordnungen ueber Gewerkschaften, die 1937 erlassen und
1943 erneut fuer gueltig erklaert wurden, sind gemaess diesen Beschluessen im November 1949 revidiert worden.
Die ürbeitsbeauftragten beguenstigen ausserdem die
Durchfuehrung von Tarifverhandlungen durch dreiseitige Mindestlohnausschuesse, die fuer bestimmte Industrien und
Berufe nach dem Vorbild der englischen Lohnausschuesse gebildet wurden. Seit einigen Jahren ist in Kenia eine Verordnung ueber I^indestloehne in Kraft, und verschiedene Ausschuesse haben Empfehlungen eingereicht, die fuer die Verordnungen ueber Mindestloehne als Grundlage dienten. Man
erwaegt zur Zeit eine Revision dieser Vorschriften, um den
Ausschuessen weitgehendere Befugnisse zu verleihen, wie zum
Beisoiel jene, die im englischen Gesetz fuer Lohnausschuesse
aus dem Jahre 1945 enthalten sind.
Radikale Elemente in Kenia haben die Bemuehungen der
Regierung, die Gewerkschaften zu unterstuetzen, so ausgelegt,
als wollte man sie zu Dienern der Europaeer, der Unternehmer und der Regierung erniedrigen. Sie kritisieren die Bemuehungen der Behoerden, gewerkschaftliche Organisationen
zu registrieren, hierbei handelt es sich vor allem um den
ostafrikanischen Gewerkschaftskongress, der unter der Fuehrung seines Sekretaers Makhan Singh und des Vorsitzenden
Frederick Kubai im Mai 1949 gegruendet worden war.
Das Arbeitsministerium ist bestrebt, in seinen Berichten zu zeigen, dass Arbeitergruppen, die die Gewerkschaftsbeauftragten des L'inisteriums zu Rate gezogen und mit seiner
Hilfe Beschwerdeverfahren gefuehrt haben, Verbesserungen erzielen konnten, und dass auf der anderen Seite Arbeiter,
die planlos gestreikt haben, ihren Streik und darueber hinaus ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Notes on Labor Abroad
V/51
4 -

�DIE SPRACHE DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung benimmt sich
so, als waere sie noch eine schwache Minderheit. Man
koennte meinen, sie fuehle sich einer zuernenden Unternehmerklasse gegenueber politisch hilflos, als waere ihr
eigener Lebensstandard staendig neuen Angriffen ausgesetzt, und als waere ihre unmassgebliche Stimme die
Einzige, die das Interesse der Nation gegen die Profitgier von Sonderinteressen verteidigt."
Diese Worte stammen von Daniel Bell, dem füer Gewerksohaftsfragen verantwortlichen Redakteur des "Fortune Magazins". Bell
fuegt jedoch sofort hinzu, dass in dieser Darstellung offensichtlich etwas falsoh ist, denn auch zu anderer Zeit sind
sich Gewerkschaftsfuehrer darueber im klaren, dass sie in den
Vereinigten Staaten 15 Millionen Mitglieder haben. Die
"Union-shop"-Vereinbarungen sind in zahlreichen Industrien
zur Selbstverstaendlichkeit geworden. Fast jede groessere
Industrie ist 'gewerkschaftlich organisiert, die Lohn- und
Arbeitsbedingungen sind wesentlich verbessert worden. Tausende von Gewerkschaftern sind in den Aufsichtsraeten kommunaler Betreuungsorganisationen und aehnlicher Einrichtungen
taetig. Verglichen mit den dreissiger Jahren haben die
Streiks an Bedeutung verloren, die Kampfmethoden sind weniger hart geworden. Zahlreiche Gewerkschaftsfunktionaere sind
in Marshallplan-Missionen und als Sozialattaches in amerikanischen Botschaften im Ausland fuer Amerika taetig. Die Gewerkschaftsbewegung ist zu wirklicher Macht gekommen». Und
sie ist sich dieser Tatsache voll bewusst.
Bell bemerkt hierzu: "Die amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaere bedienen sich nur selten oder ueberhaupt nicht
einer gegen das Kapital gerichteten Propaganda, wenn sie
europaeischen und asiatischen Arbeitern von Amerika erzaehlen.
Eine Aufgabe uebrigens, der sie sich mit grosser Energie und
grossem Geschick widmen. Mit grossem Stolz hat die Gewerkschaftsbewegung auf ihre eigene maechtige Stellung im amerikanischen Leben als einen Beweis fuer die Vitalitaet des demokratischen Systems hingewiesen. Durch die ECA und ihr technisches Uhterstuetzungsprogramm hat die amerikanische Arbeiterschaft den europaeischen Gewerkschaften gezeigt, wie durch
gesteigerte Produktiv!taet der Lebensstandard der Arbeiter
verbessert werden kann."
Bell zitierte Marx Lewis, einen Sekretaer der Hutmachergewerksohaft der AFL und einen frueheren Fuehrer der Sozialistischen Partei, der auf seinem Weg nach Europa zu einem
Gewerkschaftsdelegierten sagte:
"Amerika ist nicht mehr das kapitalistische Ungeheuer,
und Sie koennen mit gutem Gewissen vor Europaeern von uns
als der besten Hoffnung auf eine wirkliche industrielle Demokratie sprechen."
Radio Moskau hat versucht, aus einem offensichtlichen
Paradoxon Kapital zu schlagen. Er hat in haemischer Schadenfreude auf die Kritik hingewiesen, die von der Geschaeftswelt
oder der Regierung an der Gewerkschaftsbewegung geuebt wird,
waehrend zu gleicher Zeit die amerikanische Gewerkschaftsbewegung als Werkzeug der "Wall Street" bezeichnet wurde. Was
- 5 -

�die Kommunisten absichtlich uebersehen, ist das Wesen des
demokratischen Staatssystems. Sie sind so daran gewoehnt,
die Befehle ihres Diktators auszufuehren, dass sie es sich
nicht vorstellen koennen, dass die Arbeiterschaft voellig
frei Kritik ueben kann. Das Geben und Nehmen des Tarifverhandlungswesens und demokratischer Kompromisse sind ihrer
Gedankenwelt voellig fremd. Amerikanische Arbeiter betaetigen sich im Rahmen einer demokratischen Staatsordnung aktiv und unabhaengig - einer Staatsordnung, die nicht nur
die Rechte der Mehrheit garantiert, sondern auch der Minderheit die Freiheit laesst, danach zu streben, eine Mehrheit
zu werden.
Trotzdem ist es eine Tatsache, dass amerikanische Gewerkschafter weit mehr Kritik ueben, wenn sie in ihrem eigenen
Lande sprechen, als wenn sie zu Auslaendern im Ausland sprechen. Und warum dieser Unterschied? Bell zitiert einen
Gewerkschaftsfunktionaer, der die folgende treffende Beobachtung machte:
"Zu seiner Frau spricht man in einer bestimmten Weise,
aber von ihr spricht man in einer anderen."
Dies ist natuerlich nicht die einzige Erklaerung fuer
dieses Paradoxon. Bell nennt noch eine Reihe anderer Gruende. Er erinnerte uns daran, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung eine langjaehrige Tradition hat. Fuer Samuel Gompers, den Gruender der AFL, waren die Ziele der Gewerkschaften auf hoehere Loehne, kuerzere Arbeitszeit und bessere
Arbeitsbedingungen beschraenkt und umfassten weniger das sozialistische Ziel, eine gerneinnuetzige Organisation zu sein.
Gompers' Ziel ist mit dem einen V/ort "Mehr" zusammenzufassen.
"Aber," sagt Bell, "wenn man Macht teilen will, dann muss
man notgedrungen auch die Art und Weise aendern, in der sie
ausgeuebt wird. Diese Dynamik, die noch immer innerhalb der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegungen blueht, bedeutet fuer
die Unternehmer eine ununterbrochene Herausforderung und ist
zum grossen Teil fuer den Verdacht verantwortlich, Gewerkschaften seien eine radikale Macht. Die einfache GompersPhilosophie des "Mehr", das von den Unternehmern gefordert
wird, hat bei der Schaffung des amerikanischen Lebensstandards eine wesentliche Rolle gespielt."
Bell stellt ausserdem fest, dass die Satzungen der AFL
und vieler alter Gewerkschaften marxistische Forderungen enthalten, die bereits 1886 aufgenommen und inzwischen niemals
abgeaendert wurden.
In den Tagen, in denen die Gewerkschaften durch Werbeaktionen staendig groesser wurden, kam es zu schweren Kaempfen
zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmern. Bell bemerkt dazu: "Gewalt hinterlaesst im Gedaechtnis der Menschen
Spuren, die durch die Zeit niemals ganz ausgeloescht werden.
Viele Frauen der Gewerkschaftsfuehrer, wie zum Beisniel May
Reuther, erinnern sich noch sehr gut daran, wie ihre Maenner
blutueberstroemt und geschlagen von der Streikpostenkette zurueckkamen." Oder "Die Sprache des V.erbestreiks ist agitatorisch. Die Gemueter der Menschen muessen erregt, Beschwerden und Unzufriedenheit uebertrieben und die Betriebsleiter
und Unternehmer als leibhaftige Teufel hinbestellt werden."
Ein anderer Aspekt dieses Problems ist Bell zufolge der
Wunsch nach Schlagzeilen in der Presse. So berichtete zum
- 6 -

�Beispiel ein Redakteur des CIO: "Als der Rechtsberater des
CIO Arthur Goldberg eine Pressekonferenz gab und eine berechtigte Erklaerung abgab, in der er ein breitgetretenes
Geruecht ueber die Stellungnahme der Gewerkschaft zu Lohnstreitigkeitsproblemen dementierte, wurde seine Erklaerung
von der Presse ignoriert. Als Jim Carey in der folgenden
Woche ein Gutachten ueber das Gesetz fuer Verteidigungsproduktion abgab, wurde die Sache im ganzen Lande populaer,
und das Lohn- und Preisproblem wurde dramatisiert.
Noch eine andere ungeloeste Frage in diesem politischen
Bilderraetsel ist die Tendenz der Gewerkschaften, irgendeine Erklaerung der Nationalen Arbeitgebervereinigung als
den Standpunkt des gesamten Kapitals auszulegen. Gleichzeitig bezeichnen die Sprecher der Unternehmerschaft die Gewerkschaftsbewegung als eine Einheit und erwaehnen dabei nicht
die verschiedenen Meinungsrichtungen der Gewerkschaften. AI
Heyes, der Vorsitzende der Mechanikergewerkschaft bemerkte
hierzu:
"In Verhandlungen und in Ausschuessen der Regierung kommen wir mit den Unternehmern gut ueberein. Der Bestand des
TarifVerhandlungswesens ist gesichert, und man ist sich ueber
die Notwendigkeit einig, einen hohen Lebensstandard beizubehalten. Wenn jedoch manchmal Gewerkschaften und Unternehmer
als Einzelorganisationen aufeinanderstossen, 'wie zum Beispiel
die Mechanikergewerkschaft und die Handelskammer, oder der
CIO und die AFL, dann aendert sich das Bild voellig."
Wenn der Ton auch verschieden ist, in dem die Verhandlungen gefuehrt werden, so sind sich doch Gewerkschaften und
Unternehmer dessen bewusst, dass sie voneinander abhaengig
sind. Und wenn sie sich gegenseitig kritisieren, dann heisst
das nicht, dass sie unversoehnliche Feinde sind. Sie sind
Verhandlungspartner in dem staendigen Geben und Nehmen von
Ideen und Einfluessen, die Wesensmerkmale der demokratischen
Lebensweise sind. Waehrend Gewerkschaften und Unternehmer
energisch das verteidigen, was sie als ihre legitimen Rechte
ansehen, dann sind sie sich doch in der Erkenntnis einig, dass
alles getan werden muss, um die Freiheit in der Welt zu erhalten.
Program Services Section
IX/21/51
DIE KLEINEN NATIONEN AUF DER FRIEDENSKONFERENZ IN SAN FRANZISKO
Ein bemerkenswertes Merkmal der Verhandlungen ueber den
japanischen Friedensvertrag war die entschlossene und einheitliche Haltung der kleinen Nationen gegenueber den Versuchen des Sowjetblocks, den Friedensvertrag zu torpedieren.
Ein Ueberblick ueber die Verhandlungen in San Franzisko
zeigt, dass unter den kleinen Maechten nicht nur bei der Abstimmung ueber den Vertrag, sondern auch in ihren Reden voellige
Einigkeit herrschte. Sie gaben klar zu erkennen, dass Russlands Maoht, mit der es die kleinen Nationen unter Druck
setzen wollte, endgueltig geringer geworden ist. Die kleinen
Nationen erklaerten sich fuer die Ziele des Friedensvertrags,
billigten den darin enthaltenen Geist der Versoehnyng, der
Grosszuegigkeit und des Realismus und brachten ihr Vertrauen
- 7

�den Vereinigten Stauten gegenueber zum Ausdruck, die an dem
Abschluss des Friedensvertrages fuehrend beteiligt waren.
Der Vorwurf des Sowjetblocks, der Friedensvertrag sei ein
Ergebnis amerikanischer "Diktatur", wurde von Carl Berendsen
aus Neu-Seeland prompt zurueckgewiesen. Er erklaerte:
"Wir bekennen uns zu dem wohlwollenden Vertrag, den wir unterzeichnet haben, und lassen uns durch die Vorwuerfe der
sowjetischen GrupDe nicht irremachen. Anspielungen auf die
sogenannte "Diktatur" der Vereinigten Staaten lassen uns
unberuehrt. Wir im suedlichen Pazifik sind der Gefahr einer
Diktatur gegenueber besonders empfindlich. Wir kennen Jedoch
die Vereinigten Staaten und haben in diesem Zusammenhang keinerlei Befuerchtungen. Aber wir kennen auch andere, und
es ist die Gefahr der Diktatur dieser anderen, die uns beunruhigt.
Er liess keine Zweifel darueber, dass er damit den kommunistischen Expansionismus im Pazifik meinte. Die sowjetische Delegation unter der Fuehrung Andrej A. Gromykos und
die Delegationen der beiden Satellitenstaaten sind naoh der
Auffassung Berendsens zu dieser Konferenz erschienen, nicht
um Japan zu unterstuetzen oder sich fuer den Frieden einzusetzen, sondern um Unruhe zu stiften.
Der Neu-Seelaender wies darauf hin, dass die Sowjetunion
bereits frueher Gelegenheit hatte, ihre Einwaende geltend zu
machen, dass sie von dieser Koeglichkeit jedoch keinen Gebrauch gemacht hat. Er forderte Russland ausserdem auf, Aufklaerung ueber das Schicksal Hunderttausender japanischer
Kriegsgefangener in Sibirien zu geben. Er schloss seine Rede
mit dem ueberzeugenden Argument: "üinem Land, des durch den
Raub der Mandschurei und die Besetzung der Kurilen soviel
profitiert hat, steht es schlecht an, wenn es die ehrlichen,
aufrichtigen und bescheidenen Versuche der Vereinigten Staaten und anderer Kationen kritisiert, die die schwierigen Probleme loesen moechten, vor die uns ein Friedensvertrag mit
Japan stellt."
Mit geschickter Ironie nahm Percy C. Spender, der Delegierte Australiens, zu einer von der Gruppe Gromykos vorgeschlagenen Abaenderung des Vertragstextes Stellung. Diese
Gruppe hatte gefordert, Japan die Presse-, Religions-, Meinungs- und oeffentliche Versammlungsfreiheit zu gewaehren,
"jedoch nicht jene Freiheit," so sagte Spender, "die Russland
seinem eigenen Volk oder den Voelkern jener Kationen einraeumt,
die seiner unerbittlichen Macht unterworfen sind."
Diese Freiheiten seien in der Praeambel zum Friedensvertrag verankert, doch die kommunistischen Delegierten kuemraerten sich wenig hierum, "weil es ja nicht ihre Aufgabe sei,
an diesem Ort die Wahrheit zu sprechen oder festzustellen, sondern lediglich irrezufuehren."
Im Gegensatz zu den verhaeltnismaessig grosszuegigen Bestimmungen des Vertrages schlug die sowjetische Delegation
strenge Restriktionen gegen Japan vor, was ihr eine scharfe
Antwort des Delegierten aus Ceylon J. H. Jayewardene einbrachte. Er sagte ganz offen, dass derartige Restriktionen,
besonders auf dem Gebiet der Verteidigung, den Friedensvertrag
nicht nur fuer die auf der Konferenz vertretenen Staaten, sondern auch fuer andere, besonders fuer Indien, unakzeptierbar
machen wuerden.
- 8 -

�"Der Grundgedanke, von dem die Voelker Asiens beseelt sind,
ist, dass Japan frei sein muss," fuhr er fort. "Ich fordere,
dass dieser Gedanke ohne Einschraenkung. im Friedensvertrag
verankert wird."
Der Delegierte aus Ceylon erklaerte sein Einverstaendnis
damit, dass kleinen Nationen das Recht gegeben wird, an der
Ausarbeitung des Friedensvertrages mitzuwirken, was unmoeglich
gewesen waere, wenn man den Vorschlag der Sowjetunion befolgt
und den Entwurf des Vertrags den vier Grossmaechten China,
Grossbritannien, Russland und den Vereinigten Staaten ueberlassen haette. Auch Dr. Charles Malik, der Delegierte des Libanon, unterstrich die Bedeutung der Tatsache, dass kleine
Nationen an der Ausarbeitung des Friedensvertrages teilnehmen
durften. "Mein Land ist eines der kleinsten, die hier vertreten sind, und unsere Verteidigungsbemuehunge/i- sind im Vergleich zu denen der Grossmaechte und selbst der Laender mitt**
lerer Groesse praktisch unbedeutend. Wenn wir der Einladung
der Vereinigten Staaten gefolgt und heute hier vertreten sind,
so wollen wir damit lediglich die moralische Solidaritaet der
Menschheit bekunden, die in diesem Zeitalter der Vereinten
Nationen international anerkannt wird. Solange der Kleine
die Gewissheit hat und in dieser Gewissheit bestaerkt wird,
dass er trotz seiner materiellen Unbedeutenheit mit dazu gehoert, besteht eine Hoffnung auf Frieden in der Welt. Denn
nichts ist mehr dazu angetan, jenes Gefuehl der Ungerechtigkeit zu naehren, das frueher oder spaeter zu Krieg und Empoerung fuehren wird, als das Gefuehl, willkuerlich aus einer
Gemeinschaft ausgestossen zu sein. Gleichgueltig, was auch
die Materialisten denken moegen: Nichts ist willkuerlicher
und ruecksichtsloser, als Menschen und Nationen nach dem Umfang ihrer Macht und ihrer materiellen Liittel zu beurteilen."
Die Tapferkeit, mit der die kleinen Nationen hier ihren
Standpunkt vertreten haben, gewinnt besonders angesichts der
Tatsache an Bedeutung, dass der drohende Schatten des Kommunismus ueber einigen dieser Laender schwebt.
Kronprinz Savang aus dem Koenigreich Laos lenkte die Aufmerksamkeit der Zuhoerer auf die Lage seines Landes, das an
das kommunistische China grenzt. "Trotz Krieg und Leiden ist
dieses Land frei und demokratisch geblieben, und aufgrund seiner geographischen Lage steht Laos noch immer im Schatten der
Kriegsgefaehr. Aus diesem Grund wuenscht es, dass der Kriegszustand mit Japan beendet werden moege. Die Delegation aus
Laos ist gewiss, dass der Abschluss eines Friedensvertrages
in San Franzisko sehr viel Gutes bewirken wird, indem er in
die Kerzen der Menschen wieder freundschaftliche Gefuehle säet."
Die Erklaerungen und Stimmen der kleinen Nationen waren
keine automatischen von vornherein feststehende Billigungen
des Friedensvertrages, denn die meisten von ihnen brachten
zahlreiche ernsthafte Bedenken zum Ausdruck. Trotzdem waren
sie bereit, diese Unstimmigkeiten zu ueberwinden, die im Grunde
genommen nicht ernstlicher Natur waren und die Hauptziele der
Konferenzen nicht bedrohten.
Der Delegierte aus Pakistan M. Zafrulh Khan sagte,dass sein
Land es gern gesehen haette, dass China an der Konferenz teilnehmen wuerde, er bedaure auch die Abwesenheit Indiens und
Burmas. Es sei jedoch eine Genugtuung festzustellen, dass
die asiatischen Laender auf dieser Konferenz vertreten sind
una mehr als ein Viertel aller in San Franzisko versammelten
Nationen ausmachten.
- 9 -

�Viele von ihnen haetten durch Japan grosse Verluste an
Menschenleben und Eigentum erlitten. Sie begruessten jedoch
die Freizuegigkeit des Vertrages, der einen gerechten Frieden ermoegliche. Uebermaessige Restriktionen gegen Japan
wuerden auch ihren eigenen Zwecken nicht dienlich sein. Waehrend der Sowjetblock behauptete, der Friedensvertrag sei ein
Schritt zu einem neuen Krieg im Pazifik, erklaerte der Delegierte aus Pakistan: "Wir sind uns darueber einig, dass es
ein guter Friedensvertrag ist, obwohl er einige Maengel hat.
Er birgt nach unserer Auffassung nicht die Saat eines neuen
Krieges in sich. Er hat wirklich den Zweck, den Frieden wieder herzustellen. Es ist der Beginn eines neuen Abschnitts
in den Beziehungen zwischen Ost und West, wie sie in den
letzten Jahrhunderten bestanden haben, und wir begruessen
ihn als den Vorboten einer gluecklichen Zukunft."
Paul Van Zeeland aus Belgien als Delegierter einer anderen kleinen Nation sprach sich anerkennend ueber den aufrichtigen Friedensgeist aus, der in dem Vertrag enthalten ist.
"Wir beglueckwuenschen die grossen Gedanken, die ihn inspirierten. Wir sehen in ihm die Sprache des Friedens, und wir
bringen die Hoffnung zum Ausdruck, dass andere internationale
Massnahmen in dem gleichen Geist der Grosszuegigkeit vollzogen werden, der zugleich Zeugnis ablegt des Realismus und des
Mutes, und der der gesamten Welt einen dauerhaften und gerechten Frieden sichert."
Premierminister Shigeru Yoshida versprach im Namen Japans, dass sein Land mit allen Kraeften dazu beitragen werde,
"die folgenden Generationen vor der Geissei des Krieges zu
bewahren. Wir haben hier Delegierten zugehoert, die uns an
die schrecklichen Leiden und die grossen materiellen Zerstoerungen des letzten Krieges im Pazifik erinnert haben. Mit
dem Gefuehl des Bedauerns erinnern wir uns an die Rolle, die
das alte Japan in diesem katastrophalen menschlichen Ereignis gespielt hat. Ich spreche bewusst von dem alten Japan,
weil aus der Asche des alten Japan ein neues Land entstanden
ist."
"Durch die Leiden und die Zerstoerungen, die der Krieg
ueber Japan selbst gebracht hat, ist unser Volk von jeglichem
Wunsch oder dem Streben nach militaerischen Eroberungen befreit worden."
"Mein Volk hat nun den heissen Wunsch, mit seinen Nachbarn im Fernen Osten und mit der ganzen Welt in Frieden zu
leben und seinen Staat so aufzubauen, dass er allen Buergern
ein besseres Leben ermoeglichen kann." Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich Japan bald den Vereinten Nationen
anschliessen duerfte und schloss mit folgenden Worten: "Wir
wollen unseren Platz unter den Nationen wieder einnehmen, die
sich dem Frieden, der Freiheit, dem Fortschritt und der Gerechtigkeit verschrieben haben, und wir versprechen, dass Jaoan
im Streben nach diesen Zielen seinen vollen Beitrag leisten
wird."
ECA Labor Information
IX/13/51

- 10 -

�DAS WELTFRISDENSPROGRAI"- DES CIO
Manchmal veroeffentlichen Gewerkschaften Beitraege in
der Presse, um waehrend einer Arbeitsstreitigkeit ihren
Standpunkt der Oeffentliohkeit mitzuteilen. Kuerzlich jedoch erschien in der "New York Times" eine volle Seite unter dem Titel "Fuer den Weltfrieden", der von dem CIO-Kongress des Staates New York abgefasst war. Es handelte sich
um eine Resolution, die einstimmig von den Delegierten angenommen war, die eine Million Gewerkschaftsmitglieder in diesem Staate vertreten. Man fragt sich, warum der CIO einen so
ungewoehnlichen Schritt unternommen hat und diesen Beitrag
veroeffentlichte.
Hier ist die Antwort: Der CIO-Kongress des Staates New
xork hat sich dieser Methode bedient, um vor allen Diplomaten, die zur Ratifizierung des japanischen Friedensvertrages
in San FranZisko versammelt sind, zu demonstrieren, dass die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung rueckhaltlos fuer die
Grundsaetze einsteht, die die amerikanische Regierung zum
Ausdruck gebracht hat und deren Grundgedanke ist, dass unsere
'.Veit von der Angst vor einem neuen Krieg befreit werden muss.
Diese Grundsaetze heissen die Unterstuetzung und Verteidigung
der Demokratie auf der ganzen Welt und die Herstellung des
Friedens und des guten Willens zwischen allen Nationen gut.
Nur autokratische Regierungen, die niemals vor den Rachegefuehlen und etwaigen Erhebungen ihrer Voelker sicher sind,
suchen nach Krieg und Aggression, um damit ihre Machtstellung zu sichern. Amerikas Liebe zur Demokratie und zum Frieden stuetzt sich auf ein gesundes Nationalgefuehl und auf
seine Erfahrungen in der Geschichte.
Zur Verwirklichung dieser Grundsaetze muss so schnell
wie meeglich der Demokratie auf der ganzen Welt Kampfstaerke verliehen werden; fest und unnachgiebig muss jeder Aggression und jedem Uebergriff des kommunistischen Imperialismus
entgegengetreten werden. Ein umfassendes Unterstuetzungsprogramm ist einzuleiten., um allen befreundeten Nationen bei
ihren Bemuehungen zu helfen, ihre wirtschaftliche Stellung
zu staerken und den Lebensstandard ihrer Buerger zu verbessern. Der CIO weist daraufhin, dass die kommunistische
Diktatur in Russland allein fuer die heutigen Kriegsgefahren
verantwortlich ist, und wirft Stalin vor, die Ziele und Methoden Hitlers uebernommen zu haben.
Zu diesen Methoden gehoeren internationale Intrigen,
fuenfte Kolonnen, wirtschaftlicher Zwang, Furcht, heimtueckische Aggression, und wenn alle diese Methoden nichts helfen,
offener Krieg, der entweder direkt gefuehrt, oder den Satellitenstaaten befohlen wird. Massnahmen des Kreml, die sich
gegen Frieden und Demokratie richten, druecken sich in der
Verhinderung jedes wirksamen internationalen Planes zur Atomkontrolle aus, in der Blockade Berlins, in der getarnten
Einmischung im Iran, im Guerillakrieg in Griechenland, in
der Unterjochung der Tschechoslowakei und anderer Nachbarstaaten unter die kommunistische Tyrannei, in dem Kampf auf
den Philippinen und in dem verbrecherischen und blutigen
Angriff gegen die Republik Korea, der von der Regierung Stalins inszeniert und unterstuetzt wird, und den nordkoreanische und chinesische Armeen durchfuehren.
- 11 -

�Der CIO spricht den Vereinten Nationen fuer ihren Widerstand gegen die kommunistische Aggression seine Anerkennung
aus und erklaert, die Sowjetunion wiederhole die gleichen
zersetzenden Methoden heute in San Franzisko, wo sie mit allen Mitteln versuchte, eine konstruktive Loesung des japanischen Problems zu verhindern.
Der heutige Konflikt ist nach der Auffassung des CIO
ein Kampf zwischen der freien Arbeiterschaft und dem Zwangsarbeitersystem. Die freie Arbeiterschaft ist der Auffassung,
dass die Angriffsplaene der sowjetischen Diktatur den Untergang der freien Gewerkschaftsbewegung auf der ganzen Welt
bedeuten wuerden, wenn man ihnen nicht Einhalt gebieten koennte. Es wird auf die grosse Kluft zwischen den sowjetischen
Machthabern und dem sowjetischen Volk mit den folgenden
Worten hingewiesen: Die russischen Menschen sind ebenso
die Opfer der kommunistisch imperialistischen Ambitionen
wie die Voelker der anderen Welt. Deshalb duerfen keine
Bemuehungen gescheut werden, um das russische Volk zu ermutigen, Massnahmen zu ergreifen, die dieses Land fuer immer
auf die Seite des Friedens, der gegenseitigen Achtung und
der internationalen Zusammenarbeit bringen koennten.
Der CIO laesst sich auch nicht durch das Friedensgeschrei oder die Vorschlaege des"friedlichen Nebeneinander
von Kommunismus und Demokratie" irrefuehren, das zur Zeit
das Schlagwort der Stalinisten ist. Er ist davon ueberzeugt,
dass die Machthaber im Kreml nur Eines fuerchten: das aber
ist nicht die Unzufriedenheit des Volkes, nicht das Elend,
das sie verursachen, nicht die Menschenleben, die sie zerstoeren, sondern sie fuerchten einzig und allein bewaffnete
Staerke, und deshalb sind die freien Nationen der Welt endgueltig gezwungen worden, Russland zu zeigen, dass sie entschlossen sind, einem jeglichen weiteren Angriff mit aller
Macht entgegenzutreten. Auch eine ploetzliche Aenderung der
Politik des Kreml darf die freie Welt nicht veranlassen, die
Kampflinie zu verlassen, die sie gegen die Aggression bezogen hat. Es wird Russlands Strategie bleiben, von Frieden
zu sprechen und dadurch zu versuchen, die Demokratien davon
abzubringen, bewaffnet und fuer den Ernstfall bereit zu bleiben. Die russischen Machthaber, die ueber genuegend Zwangsarbeitslager verfuegen, die fuer jene aus dem eigenen Volk
bestimmt sind, die ihre Unzufriedenheit und ihren Unwillen
offen zur Schau tragen, koennen ruhig dieses Spiel des "friedlichen Nebeneinander von Kommunismus und Demokratie" solange
weiterspielen, wie sie es wuenschen; sie koennen aber auch
ploetzlich und unvorhergesehen ihr Gesicht veraendern. Bewaffnete Staerke genuegt jedoch nicht, sagt der CIO; dadurch
wird die sowjetische Aggression nur aufgehalten aber nicht
im Keime erstickt. Die kommunistische Waffe der gewaltsamen
Erpressung»der Aggression und schliesslich der offenen Kriegsfuehrung kann aus dem kommunistisch imperialistischen Arsenal
nur dann entfernt werden, wenn die Sowjetunion mit ihren unterjochten Staaten und Voelkern von einer Welt umringt ist, die
wirtschaftlich gesichert und fortschrittlich ist und unter
demokratischen Regierungen lebt. Dies ist die einzige Moeglichkeit, Russland aufzuhalten. Es ist die Aufgabe der Vereinten Nationen, des Marshall-Flans und des Punkt-Vier-Programms, die Verteidigungsbemuehungen durch ein umfassendes
Programm der sozialen und politischen Aufrichtung zu ergaenzen.
Die Verteidigung muss mit wirtschaftlicher Sicherheit und po- 12 -

�litischer Freiheit gekoppelt sein. Die Gewerkschaftsbewegung
stellt sich mit aller Energie und Entschlossenheit dieser
Aufgabe zur Verfuegung.
Program Services Section
IX/7/51
DIE GESCHICHTE EINES HOLLAENDISCHEN ARBEITERS
Noch vor sechs Jahren, im letzten "Hungerwinter" Kollands unter deutscher Besatzung, lebte Gerard van Leeuwen,
ein hollaendischer Schlosser, von Kartoffelschalen und Tulpenknollen.
Die Fabrik, in der van Leeuwen jetzt arbeitet, ist waehrend des Fliegerangriffs der deutschen Luftwaffe auf Rotterdam im Jahre 1940 durch Brandbomben voellig niedergebrannt
worden. Inzwischen ist von den alten Unternehmern eine neue
Fabrik gebaut worden, die den Namen "de Hoop" fuehrt und
elektrische Geraete fuer die Marine herstellt. Die Lebensbedingungen sind dank der grossen Anstrengungen, die fuer
die wirtschaftliche Wiederaufrüstung Hollands beispielhaft
sinü, fuer van Leeuwen heute weit besser. Obwohl uober die
Haelfte aller hollaendischen Schiffe waehrend des 2. Weltkrieges verlorenging, ist die Kandelstonnage dieses Landes heute
wieder proesser als vor dem Krieg. Dieser Umstand ist den
Bemuehungen der hollaendischen Industrie und der hollaendischen Arbeiter zu verdanken, fuer die wir in der Firma de
Hoop und dem Schlosser Gerard van Leeuwen ein bezeichnendes
Beispiel sehen. Sie haben mitgeholfen, der hollaendischen
Schiffahrt wieder einen bedeutenden Platz unter den Nationen
der Welt zu sichern.
Die Firma de Hoop besteht seit 1892. Sie stellt heute
zahlreiche komplizierte elektrische Anlagen fuer moderne
Schiffe her. Die neue Fabrik steht nahe an der Kueste im
wiederaufgebauten Rotterdam, an der Kuendung des Rheins, die
das Ausfahrtstor des noerdlichen und mittleren Europas und
den groessten Hafen der Welt bildet.
Kurz vor dem Krieg hatte die Firma de Hoop genuegend
Geldmittel gespart, um ihre Fabrik neu einzurichten. Zum erstenmal seit vielen Jahren sollte sie die Koeglichkeit haben,
einen Betrieb nach Masstaeben der modernen Technik und der
Eeistungsfaehigkeit aufzubauen. Bevor jedoch der Umzug in
das neue Gebaeude stattfinden konnte, wurde das Zentrum von
Rotterdam und mit ihm das moderne Fabrikgebaeude waehrend
des grossen Luftangriffs am 14. Kai 1940 zerstoert, der eine
Vergeltungsmassnahme der deutschen Luftwaffe fuer diehartnaeckige Verteidigung der Hollaender war.
Gerard van Leeuwen, der 1940 Geschaeftsreisender war,
tauchte waehrend des Krieges unter und konnte mit vielen
seiner Landsleute nur mit Muehe und Not die Hungerwinter in
Holland ueberleben. Nach der Befreiung, seiner Heimat musste
er zwei Jahre lang in der hollaendischen Armee dienen. Kach
seiner Entlassung fasste er den Entschluss, seine Arbeit zukuenftig in den Dienst seines Landes zu stellen. Holland,
dessen Wirtschaft schwer erschuettert, dessen strebsame Bevoelkerung jedoch guten Mutes war, begann ein Industrialisie- 13 -

�rungsprogramm fuer das ganze Land. In der Industrie sah Holland die einzige Moeglichkeit, sich wieder aufzurichten, und
hierzu brauchte es Tausende von Arbeitern. Van Leeuwen besuchte kostenlos eine Schule der Regierung, um sich als
Schlosser ausbilden zu lassen. Nach erfolgreicher Beendigung
der Ausbildung arbeitete er kurze Zeit fuer ein anderes Unternehmen und kan dann vor drei Jahren zur Firma de Hoop. In
diesen Werken sind von 1050 Arbeitnehmern etwa 800 Arbeiter
direkt in den Produktionsprozess eingeschaltet. Gerard arbeitet an einer mit Marshallplanmitteln gekauften Drehbank und
an einer Presse, er stellt hier Schalter, elektrische Motorenanlasser, Sicherungen, PruefLampen und andere elektrotechnische
Geraete her. Seine r.'erkbank steht in einer geraeumigen, gut
eingerichteten Werkstatt, wo sich die einzelnen Produktionsverfahren nebeneinander vollziehen. Es gibt kein Fliessband,
weil zu viel verschiedene Arten von Erzeugnissen meist in kleineren Mengen oder nach Auftraegen hergestellt werden - eine
Tatsache, die, um die V/orte der Betriebsleitung zu gebrauchen,
die "Staerke und die Schwaeche" des Unternehmens ist. Durch
guenstige Geschaeftsabschluesse ist die Firma jedoch in der
Lage, mit dem Bau einer neuen Fabrik zu beginnen, wo bestimmte genormte Erzeugnisse im Fllessbandverfahren hergestellt
werden sollen.
Gerard arbeitet woechontlich 48 Stunden. Er hat 15 Minuten Fruehstueckspause und eine halbe Stunde Mittagszeit.
Nach Gerards Auffassung sind die Arbeitsbedingungen gut, und
auch nach amerikanischen Begriffen koennen sie als gut bezeichnet werden, obwohl es in den grossen Maschinenhallen an
strengen Wintertagen ziemlich kalt ist. Auch die Unfallverhuetung steht auf ziemlich hohem Niveau. Es gab hier noch
keinen Streik.
Fuer seine 48-stuendige Arbeitswoche erhaelt Gerard nach
deutschem Geld DM 61.-. Sein Nettolohn betraegt etwa DM
58.-. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen einen gleichen Beitrag fuer den Pensionsfonds, auf dessen Unterstuetzungen Gerard mit 65 Jahren Anspruch hat. Die hoechste Pension betraegt
60% des letzten Lohnes. Von dem Lohn werden ausserdem Beitraege fuer die Krankenversicherung abgezogen. Auch hier bezahlt der Arbeitgeber den gleichen Anteil. Wenn ein Arbeiter
krank wird, erhaelt er 52 .Vochen lang 90% seines Lohnes. Er
hat Anspruch auf kostenlose aerztliche, fachaerztliche und
Krankenhausbehandlung. Die Unternehmer zahlen an die Regierung, ausserdem 15fr aller Arbeitsloehne, die verschiedenen
Fonds zufHessen, aus denen zusaetzliche Altersrenten, Unfallunterstuetzungen und Kinderbeihilfen gezahlt werden. Gerard
erhaelt mit drei Kindern vierteljaehrlich eine Kinderbeihilfe
von etwa DM 150.-.
Als Gerard in den Betrieb dettoopeintrat, schloss er
sich der Gewerkschaft an. Es gibt in Holland nicht das System
des "Union Shop" wie in Amerika, wo jeder Beschaeftigte Mitglied der Gewerkschaft sein muss. Aber Gerard wusste, dass
die Arbeiter Vertreter haben muessen, die fuer sie eintreten.
Er hatte die iVahl zwischen der sozialistischen, katholischen
und protestantischen inetallarbeitergewerkschaft. Er entsc; loss
sich fuer die sozialistische ANMB, die dem hollaendischen Gewerkschaftsbund N W , der groessten und fortschrittlichsten
uewerkschaftsOrganisation, angeschlossen ist.
- 14 -

�Die ANMB ist mit 71.000 Hitgliedern die groesste Einzelgewerkschaft des Landes. 10.000 hiervon sind Metallarbeiter
in Rotterdam. Diese Gewerkschaft ist in dem Unternehmen de
Hoop seit 1900 vertreten, und 75#&gt; der gewerkschaftlich organisierten Belegschaftsmitglieder linsgesamt 325) gehoeren dieser
Organisation an. Durch Funktionaere erhaelt sie die Verbindung zu ihren Mitgliedern aufrecht. Auf 25 organisierte Arbeiter in jedem Betrieb kommt ein Gewerkschaftsvertreter. Es
gibt keine regelmaessigen Versammlungen der. Gewerkschaftsmitglieder. Die AMNB verteilt alle 14 Tage ein Mitteilungsblatt
an ihre Mitglieder. Im Winter finden vier bis sechs Filmabende statt, zu diesem Zweck werden von der Gewerkschaft Vorfuehrungsraeume gemietet. Bei besonderen Anlaessen, wie z.B. den
Massenkundgebungen des N W zur Unterstuetzung des Beschlusses
des Sicherheitsrates in Bezu? auf Korea, werden die Arbeiter
durch Rundschreiben von ihrer Gewerkschaft informiert.
Wie bei fast allen Gewerkschaften steht die Lohnfrage
im Vordergrund. Die Loehne unterliegen in Kolland jedoch
der Lohnkontrolle. Vor allem auf den Druck der Gewerkschaften
hin hat die Regierung innerhalb von 15 Monaten dreimal eine
Lohnerhoehung von fuenf Prozent angeordnet. Die hollaendischen Gewerkschaften haben sich damit einverstanden erklaert,
diese Hoechstgrenze von 5% anzuerkennen, obwohl die Lebenshaltungskosten vor der letzten Lohnerhoehung um 10% gestiegen
waren. Dieses Einverstaendnis mit einer Kuerzung des Lebensstandards war ein Beitrag der Gewerkschaftsbewegung in dem
Kampf gegen die Inflation.
Das zweitwichtigste Problem der Gewerkschaften ist augenblicklich der Mangel an Grundstoffen, der, wenn die Verhaeltnisse noch kritischer werden, fuer viele Leute der Verlust ihrer Beschaeftigung zu werden droht. ~Rohstoffe, die
Holland nur in begrenztem Umfang zur Verfuegung stehen und
dann sehr teuer sind, sind fuer dieses Land nicht nur wertvoll, sondern geradezu lebenswichtig. Holland muss 91$ aller
Rohstoffe, die in der hollaendischen Industrie verarbeitet
werden, importieren. Der zu geringe Unterschied zwischen den
Loehnen der Facharbeiter und der ungelernten Arbeiter ist
ein weiteres grosses Problem fuer die hollaendische Industrie.
Die hollaendischen Gewerkschaften koennen auf wesentliche
Erfolge fuer ihre Mitglieder hinweisen, die sie in jahrelanger
Taetigkeit erringen konnten. Bevor sich die Gewerkschaften
mit der Urlaubsfrage beschaeftigten, erhielten die Arbeiter
jaehrlich sechs Tage Urlaub. Nach und nach wurde das Minimum
auf 12 Tage hochgeschraubt. In der Firma de Hoop koennen
sechs Tage Urlaub hintereinander genommen werden. Die uebrigen sechs Tage werden nur einzeln gewaehrt. Die Ortsgewerkschaft der ANMB in Rotterdam, der auch Gerard angehoert, versucht nun, die Arbeiter fuer die Forderung zu gewinnen, den
14-taegigen Urlaub ununterbrochen nehmen zu koennen. Das
Jahr 1946 war hinsichtlich der gewerkschaftlichen Erfolge in
der Firma de Hoop von besonderer Bedeutung. Es konnte vereinbart werden, dass alle Arbeiter fuer eine Woche nicht beanspruchten Urlaubs zwei Wochenloehne ausbezahlt bekommen. A'enn
die Frau eines Arbeiters stirbt, erhaelt er vier Tage bezahlten Urlaubs. Frueher dagegen standen ihm in einem solchen
Fall nur zwei Tage zu. Wenn ein Arbeiter heiratet, bekommt
er zwei Tage Urlaub, wogegen er frueher keinen Heiratsurlaub
erhielt. Jedes Mitglied der ANMB, das 25 Jahre lang in einem
Betrieb beschaeftigt ist, erhaelt jaehrlich zwei zusaetzliche
- 15 -

�Urlaubatage und bei 40 Jahren Dienstzeit sechs zusaetzliche Urlaubs tage. Ausserdem wurde ein System der Gewinnbeteiligung
eingefuehrt, was man in Holland nur selten vorfindet. Wenn
das Unternehmen einen Gewinn erzielt, erhaelt jeder Arbeiter
jaehrlich eine Praemie, die 2% seines gesamten Lohnes ausmacht.
Seit 1946 konnten zum Jahresende den Arbeitern des Betriebes
regelmaessig Praemien ausbezahlt werden. Gerard van Leeuwen
ist 35 Jahre alt und seit 12fc Jahren verheiratet. Sein aeltestes Kind ist 12 Jahre alt und die beiden anderen Kinder sind
vier und drei Jahre. Sie wohnen In einer Vierzimmerwohnung,
fuer die sie woechentlich, nach deutschem Geld gerechnet, etwa
DM 7.- Miete zahlen. Diese Miete ist von der Regierung festgesetzt. Gerard besitzt ein kleines Rundfunkgeraet. Er hat
natuerlich kein Auto und auch kein Fahrrad - das uebliche
Transportmittel in Holland. Gerard geht zu Fuss zur Arbeit,
etwa 20 Minuten und nimmt, wie alle hollaendischen Arbeiter,
sein Mittagessen mit in die Fabrik. Er verzehrt es in einer
der drei Kantinen.
Er liest eine konservative Zeitung, kann sich aber kein
Magazin leisten. Nur selten geht er ins Kino. Er ist Mitglied
des sozialen Klubs, er zahlt hier monatlich 15 hollaendische
Cents. Dort kann er unentgeltlich Ping Pong, Billard und
Karten spielen. Es gibt ausserdem Tennis-, Gesangs- und Fussballgruppen, die von den Unternehmern unterstuetzt werden.
Die Gewerkschaft haelt die Einrichtung des sozialen Klubs der
Firma de Hoop fuer gut.
Ein Arzt ist dem Betrieb zugeteilt, der jedoch nicht regelmaessig anwesend ist. Die Arbeiter werden in unregelmaessigen
Zeitabstaenden kostenlos geroentgt. Vor kurzem wurde in dem
Betrieb eine Fortbildungsschule eingerichtet, wo die Lehrlinge
zwei Jahre lang praktisch und theoretisch unterrichtet werden.
Trotz dieser Einrichtungen und der guten Arbeitsbedingungen
wechseln im Monat durchschnittlich 25 Arbeiter ihren Arbeitsplatz. Die Betriebsleiter erklaeren, dass dies durch Entlassungen wegen mangelnder Faehigkeit, durch freiwillige Kuendigung
der Arbeiter, well sie die Art der Arbeit nicht lieben, oder
durch den Wunsch bedingt sei, in einem anderen Betrieb mehr
Geld zu verdienen.
Die neueste Errungenschaft auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in diesem
Betrieb ist der 19 Mitglieder zaehlende Betriebsrat. Ein Mitglied vertritt die Arbeitgeber und 14 Betriebsraete vertreten
die Arbeiter, die uebrigen die Angestellten. Die Mitglieder
werden alle zwei Jahre neugewaehlt, der Betriebsrat waehlt
seinen Vorsitzenden und seinen Sekretaer selbst. Der Betriebsrat ist im wesentlichen eine beratende Koerperschaft. Er hat
keine direkten Befugnisse, sondern wird als der erforderlicher
Mittelsmann zwischen Gewerkschaften und Unternehmern von beiden Partnern respektiert. Die Gewerkschaft, die sowohl im
Betriebsrat als auch im gesamten Betrieb am staerksten vertreten ist, naemlich die ANMB, ist der Auffassung, dass dieser
Betriebsrat im Vergleich zu anderen Betrieben in Holland ueberdurchschnittlich gut ist; auf der anderen Seite waere es aber
zu wuenschen, dass er in Fragen, die sich direkt auf den Betrieb
beziehen, mehr zu sagen hat. Die Gewerkschaftsfunktionaere haben sich fuer die Durchsetzung ihrer Forderung einen Zeitraum
von drei Jahren als Ziel gesetzt und hoffen, dass dieser Wunsch
in dieser Zeit verwirklicht werden kann.
ECA Labor Information VI11/23/51
- 16 HI00C IE Oet 51 1834» C U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission fUr Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 42

F r a n k f u r t , den 1 9 . Oktober 1951

I N H A L T S V E R Z
Gewerkschaften begruessen

£ ICH N I 3

"Produktivitaetsfeldzug"

der ECA

1

V/er verfliegt in Amerika ueber das Haushaltsgeld? .. 3
Gleiche Verteilung der Produktionsertraege bekämpft
gleichzeitig Kommunismus
Neue Probleme der japanischen Gewerkschaftsbewegung

4
7

Eine Erklaerung der OEEC
9
Was hat die freie Wirtschaft in den U.S.A. vollbracht?
11
Der Kongress des kanadischen Gewerkschaftsbundes .. 14

GEWERKSCHAFTEN BEGRUESSEN "PRODUKTIVITAiTSFELDZUG" DER ECA
"Der neue Produktivitaetsfeldzug der ECA ist von der
freien Gewerkschaftsbewegung mit grosser Begeisterung aufgenommen worden. Was den Gewerkschaften hierbei besonders zusagt, ist die Tatsache, dass die Forderung einer gerechten
Beteiligung der Arbeiter an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktivitaet besonders hervorgehoben wird. Wenn dieser
neue Feldzug bei den Unternehmern den gleichen Anklang finden wuerde, dann waere bereits viel zur Verbesserung des
Lebensstandards in allen Laendern getan."
Dies ist die Meinung des Leiters des Politischen Aktionskomitees des CIO, Jack Kroll. Nach seiner Rueckkehr von
einer Studienreise durch Grossbritannien, Frankreich, Italien,
Griechenland, Israel, Westdeutschland und Schweden erklaerte
Kroll, die amerikanische Gewerkschaftsbewegung haette sohr
- 1-

�zum Wohl und zur Stabilitaet der europaeisehen Gewerkschaftsbewegung beigetragen.
Die groesste Staerke besitzen die Gewerkschaften in
Schweden, Israel und Grossbritannien, diese Laender erfreuten sich auch der groessten Stabilitaet. Ohne Erwerbslosigkeit und mit ausgeglichenem Staatshaushalt sind ste allen anderen auf dem vVeg zum Aufbau weit voraus. Diese Leistungen
sind ein sichtbarer Beweis fuer die konkreten Auswirkungen,
die die Bemuehungen der Gewerkschaften fuer ein Land haben
koennen. Kroll berichtete woertlich: "1950 produzierte Amerika mit 150 Millionen Einwohnern Waren im Werte von 260.000
Millionen Dollar. Eine halbe Million amerikanischer Bergleute foerderten mehr Kohle zutage als die zwei Millionen
Bergleute Europas gemeinsam; eine Arbeitsstunde in Amerika
entspricht in ihrem Ertrag 15 Arbeitsstunden in der uebrigen
Welt.
Der Hauptgrund fuer diese hohe Produktivitaet ist die
weit hoehere Leistungsfaehigkeit der amerikanischen Industrie;
und diese ist wiederum vornehmlich auf die Tatsache zurueckzufuehren, dass der amerikanische Arbeiter durch seine Gewerkschaft das Grundprinzip anerkannt hat, dass der wachsende Lebensstandard von einer staendigen Erhoehung der Produktion abhaengig ist. Er hat sich deshalb nicht davor gescheut, neue Methoden der Betriebsfuehrung und neue Arbeitsmethoden zu akzeptieren."
Durch Modernisierung und Neuausruestung hat sich auch
die chemische Industrie in Grossbritannien wesentlich erweitert. "In allen Betrieben, in denen diese Neuerungen
eingefuehrt werden konnten, ist es zu einer Steigerung der
Produktivitaet und gleichzeitig zu einer Senkung der Produktionskosten gekommen. Die Arbeitsloehne sind um 30 - 60%
ueber die im Land gueltigen Grundlohntarife erhoeht worden.
Es war nicht leicht, den Entschluss derartige Methoden einzufuehren, zu verwirklichen."
Die Mitglieder des Britischen Gewerkschaftskongresses
(TUC) befuerchteten, wie auch die Arbeiter in anderen Industrien, am Anfang nicht ohne guten Grund die Einfuehrung dieser Systeme. Sie hatten in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen mit diesen zu 'schlechte Erfahrungen gemacht. In den
Nachkriegs jähren hat man den Zweck und die Auswirkungen dieser Methoden jedoch mit ganz anderen Augen angesehen. Der
Arbeiter selbst hat nach ihnen verlangt. Leistungslohnsysteme
als Schluessel zur gesteigerten Produktivitaet werden niemals
bereitwillig und rueckhaltlos akzeptiert, wenn die Gewerkschaften kein Abkommen mit den Unternehmern getroffen hatten,
das den Gewerkschaftsfunktionaeren und Betriebsraeten das
Kecht garantierte, an der Entwicklung und Anwendung dieser
Methoden mitzuarbeiten und ihre Durchfuehrurig zu kontrollieren.
Wenn wir die Grundlage zu einer Wirtschaft des Ueberflusses legen wollen, muessen diese neuen Methoden in der
gesamten britischen Industrie zur allgemeinen Selbstverstaendlichkeit werden.
Program Services Section
IX/26/51
- 2 -

�WER VERFLIEGT IN AMERIKA UEBER DAS HAUSHALTSGELD?
Diese Frage und die verschiedenen Antworten darauf
bilden einen viel behandelten Gegenstand des zeitgenoessischen amerikanischen Humors. Die Tatsache, dass amerikanische Frauen 80% der Kaufkraft aller Familien verausgaben,
hat.Anlass zu zahlreichen Reklamekampagnen gegeben. In
der Annahme, dass die Kaufkraft der Frauen groesser ist
als die der toenner, sind die Reklamefachleute bestrebt,
den Geldbeuteln der Frauen so viel Dollar wie moeglich zu
entziehen.
Es ist sehr schwierig, zu beweisen, dass die Frauen
ueber 80% der Kaufkraft der Familien verfuegen, und es ist
auch schwierig, das Gegenteil zu beweisen. Es ist sogar
schwierig, festzustellen, wie man zu dieser Zahl kommt. Jemand hat es sich zur Aufgabe gemacht&gt; die Quelle dieser Angabe ausfindig zu machen. Nachdem er in allen moeglichen
Schriften Machforschungen angestellt hatte, entdeckte er die
erste Spur schliesslich in einem Buch, das im Jahr 1934 veroeffentlicht wurde, und dessen Verfasser diese Information
auf einer Konferenz in Erfahrung gebracht hatte, die 19£7
an der Universitaet Chikago stattfand. Er fand nur wenig
Beweise fuer die Gueltigkeit dieser ßehauptung. Doch diese
Zahl ist zu einem so weit verbreiteten Begriff geworden,
dass sie selbst von Frauen als richtig akzeptiert wird.
Zahlreiche Erhebungen ueber die Sinkaufsgewohnheiten
der Familien sind inzwischen angestellt worden, und die Zahl
der verschiedenen Antworten auf die Frage "Wer verfuegt
ueber die Kaufkraft der Familie?" ist im grossen und ganzen
der Zahl der verschiedenen Erhebungen gleich, die ueber diese Frage angestellt wurden. Die Unzulaenglichkeit der statistischen Angaben der Marktforschung ist zum «rossen Teil
hieran schuld. In dem Bestreben, sich fuer ihre Zwecke wertvolle Angaben zu beschaffen, haben Reklamefachleute und
Reklamefirmen auf Grund nicht allgemeingueltiger Beispiele
und Suggestivfragen Untersuchungen durchgefuehrt, deren Ergebnisse jedoch nicht als gueltig anzusehen sind.
Eine neuere Untersuchung, die zuverlaessige Informationen liefert, wurde im Jahr 1949 durchgefuehrt. Sie besagt,
dass Frauen 55% der Wareneinkaeufe der Familien taetigen.
Darueberhinaus sind sie zusammen mit den "aennern an weiteren 11% der Einkaeufe beteiligt. Die Maenner kaufen unabhaengig von den Frauen fuer 30# ein und Kinder kaufen selbstaendig 4% der von amerikanischen Familien benoetigten Waren.
Der Durchschnitt von 55% ist jedoch grossen Unterschiedlichkeiten unterworfen, wenn man die einzelnen Verbrauchsgueter betrachtet. So werden zum Beispiel nur 4% aller Herrenanzuege und -A-aentel von Frauen gekauft, obwohl sie bei dem
Einkauf weiterer 21% mitreden. Die Beteiligung der Maenner
am Einkauf von Frauenbekleidung ist noch geringer. Allein
taetigen sie nur 5% und mit den Frauen gemeinsam weitere 6%
dieser Einkaeufe. Nahezu 90% aller Frauenbekleidung wird von
Frauen gekauft und etwa 3/4 der Herrenbekleidung von iJaennern.
Ein bezeichnendes Beispiel fuer gemeinsamen Einkauf sind
Moebel und Teppiche, von denen 56% bzw. 33% von "aennern und
Frauen gemeinsam gekauft werden. Damentoilettenartikel, Stoffe

�und Vorhaenge werden zu 90% nur von ürauen gekauft. Von allen
Elnkaeufen an Maedchenkleidung und Kuechengeraeten entfallen
80£ auf Frauen und etwa 2/3 aller Lebensmitteleinkaeufe. Teppiche und Decken werden zu 60$ von Frauen gekauft, und aehnlich ist ihr Anteil an den Elnkaeufen von Schmuckwaren, Knabenbekleidung und Arzneien.
Was elektrische Geraetel41%). Moebel(ein Drittel) Toilettenartikel fuer Herren und Eisenwaren (ein Drittel) betrifft,
so sind Frauen allein weit geringer an diesen Elnkaeufen beteiligt. Sie kaufen weniger als ein Fuenftel des Brennmaterials'fuer den Haushalt, etwa ein Zehntel des Treibstoffes
und Motorenoels, die fuer den Wagen der Familie gebraucht werden, und nur in sechs von 100 Faellen kaufen Frauen selbstaendig Automobile.
An dem Gesamtbetrag der verfuegbaren Dollar gemessen, sind
die jaehrlichen Dollareinkaeufe der verheirateten amerikanischen Frauen im Durchschnitt verhaeltnismaessig gering, weil
der fuer Einkaeufe verwendete Teil der Einkommen begrenzt ist.
"'enn man jedoch die geschaetzte Zahl von 55% fuer Ausgaben fuer
den persoenlichen Verbrauch,ausschliesslich der Dienstleistungen, zugrundelegt, stellt man fest, dass im.Jahr 1950 Frauen
in amerikanischen Familien mehr als 72 Milliarden Dollar ausgegeben und bei der Ausgabe von weiteren 14,5 Milliarden Dollar mitzureden-hatten, die bei gemeinsamen Elnkaeufen mit den
l'aennern ausgegeben wurden. In diesen Zahlen ist nicht der
Anteil der Frauen an den 62.1 Milliarden Dollar enthalten, die
sie 1950 fuer Dienstleistungen ausgaben, und auch nicht die
10.7 Milliarden Dollar an persoenlichen Ersparnissen. Insgesamt gesehen hatte also die amerikanische Frau bei der Verwendung des im Jahre 1950 verfuegbaren Gesamteinkommens in
Hoehe von 204,3 Milliarden Dollar ein sehr grosses Wort mitzureden.
Y/enn man sich diese Zahlen vor Augen haelt, wird man
feststellen, dass die amerikanische Frau ihrem Lande vielleicht
einen der groessten Dienste erwei3en kann. Denn eine kluge
und ueberlegte Verwendung dieser ungeheuren Kaufkraft ist wesentlich als ein Mittel zur Kontrolle der gegenwaertigen inflatorischen Tendenzen.
Die.Bedeutung des Mannes als Einkaeufer duerfte durch
diese Zahlen in gewissem i,:asse unterschaetzt werden, weil
sich die Erhebung nur auf verhaeltnismaessig wenig Bauernfamilien erstreckte. Es ist anzunehmen, dass die Maenner auf
dem Lande einen groesseren Prozentsatz der Verbrauchsgueter
ihrer Familien einkaufen als der Mann in der Stadt. Ausserdem
ist der Einfluss der Maenner auf das, was gekauft werden soll,
weit groesser als ihre tatsaechliche Beteiligung an den Einkaeufen 135% gegenueber 30%).
Weekly Labor News Digest
IX/12/51
Harry Martin:
GLEICHE VJP.TEILUTIC- DER

PRODUKTICKSERTRASGJ:

BEKAEMFFT GLEICH-

Harry Martin ist Vorsitzender der amerikanischen Journalistengewerkschaft und gegenwaertig Chef fuer Arbeits- 4 -

�informationell in der ECA-Verwaltung Paris.
Unglücklicherweise ist heute ein Verteidigungsprogramm
notwendig geworden, um die Existenz der freien Welt auch fuer
die Zukunft sicherzustellen. Die Verteidigungsstaerke muss
so gross werden, dass sie den militaerischen Kraeften auf der
Gegenseite einigermassen ebenbuertig ist. Hierbei erhebt
sich jedoch ein anderes Problem. Es darf nicht wieder die
Parole "Kanonen oder Butter" alles andere ueberschatten, sondern in der freien Welt muessen trotz der Notwendigkeit,
fuer die Verteidigungsproduktion Kanonen zu schaffen, fuer
die Arbeiter genuegend Butter und andere Lebensmittel zur Verfuegung stehen, in wirtschaftlicher Hinsicht ist die Verteidigungsproduktion ein glatter finanzieller Verlust, aber die
Freiheit laesst sich heute ohne Opfer nicht mehr schuetzen.
Mit anderen Worten: Ein Teil der zur Verfuegung stehenden
Rohstoffe und finanziellen Mittel muss fuer militaerische
Zwecke bereitgestellt werden.
Es gibt jedoch Moeglichkeiten, trotz dieser Abzweigung
finanzieller Quellen, wichtigerRohstoffe und wertvoller Arbeitsstunden das bisherige Produktionsniveau ziviler Gueter
aufrechtzuerhalten, wenn die Produktivitaet gesteigert wird.
Gerade in Europa laesst sich hier noch sehr viel erreichen,
denn die europaeische Wirtschaft ist noch weit von dem Optimum ihrer Leistungsfaehigkeit entfernt.
Im Jahre 1900 war die Zahl der in der Industrie benutzten
"Pferdestaerken" je Arbeitskraft in Europa und Amerika die
gleiche. Heute entfallen auf jeden amerikanischen Arbeiter
8 PS, auf den westeuropaeischen Arbeiter jedoch nur 2 3/4 PS.
Westeuropa kann durch eine vernuenftige Reorganisierung, bessere Werkzeuge und durch eine BerQcksichtigung der Grundsaetze
der Produktivitaetssteigerung seine industrielle Erzeugung
ohne weiteres um 100 Milliarden Dollar im Jahr steigern.
Schon die ernsthafte Beschaeftigung mit diesem Problem wuerde
bedeuten, dass der Lebenshaltungsstandärd in Westeuropa sich
stetig verbessern koennte und damit zugleich die gesamte wirtschaftliche Lage - auch wenn gleichzeitig fuer die Zwecke der
Verteidigung militaerische Gueter produziert werden muessen.
Die Verwaltung fuer europaeische Zusammenarbeit IECA)
setzt sich nachdruecklich fuer eine Steigerung der Produktivitaet ein. Staendig sind Studiengruppen der verschiedensten
Industriezweige auf dem Wege nach Amerika, denen Werkmeister,
Facharbeiter, Direktoren und Ingenieure angehoeren, die die
amerikanische Industrietechnik kennenlernen wollen, um sie auch
in Westeuropa einzufuehren. Bisher haben 543 Studiengruppen
die Vereinigten Staaten besucht, denen 4034 Fachleute angehoerten. Diese Studienreisen haben bereits viele wertvolle
Anregungen nach Europa gebracht, diedie europaeische Produktion vorangetrieben haben. Das auffallendste Moment in allen
Studienberichten ist im uebrigen die Tatsache, dass das Geheimnis der amerikanischen Produktivitaet darin besteht, dass
die amerikanische Industrie keine Produktivitaetsgeh.eimnisse
hat.
Die gleichmaessige und gerechte Verteilung der Fruechte
einer gesteigerten Produktivitaet unter Arbeitern und Unternehmern ist deshalb so wichtig, weil nur dadurch die kommunistischen Verlockungen unterbunden werden koennen. Die europaei- 5-

�sollen Arbeiter werden aber nur dann einen hoeheren Anteil
an einer erweiterten Produktion erringen koennen, wenn es
starke und freie Gewerkschaften in den westeuropaeischen Staaten gibt. Unter der Herrschaft des Kommunismus sind Gewerkschaften nichts anderes als sta&amp;tlich kontrollierte Arbeitsfront-Apparaturen.
Der IBFG, der erst vor kurzem in Mailand seine Tagung
abhielt, vereinigte etwa 350 Delegierte aus 61 verschiedenen
Laendern. Der IBFG hat in der kurzen Zeit seines Bestehens
im Kampf gegen den Kommunismus hervorragende Erfolge erzielt.
Wenn heute der Kalte Krieg in Europa gewonnen werden konnte,
so ist dies in erster Linie dem Wirken der freien Gewerkschaftsbewegung zuzuschreiben.
Die ungeheure Wichtigkeit einer starken freiheitlichen
Gewerkschaftsbewegung hat sich in Oesterreich gezeigt. Nachdem
die Kommunisten bei den Wahlen fuer das Parlament und die Betriebsraete eine*' eklatante Niederlage erlitten, versuchten sie
aehnlioh wie in der Tschechoslowakei mit Gewalt die Macht zu
uebernehmen. Trotz aller Einschuechterungsversuche der Sowjets setzte sich die Arbeiterschaft zur Wehr - der sowjetische
Hohe Kommissar fuer Oesterreich erklaerte daraufhin ziemlich
naiv, dass die Russen sich nicht in interne Streitigkeiten
einmischten. Die geplante Revolution war damit zusammengebrochen.
Aber auch in der Schlacht um die Haefen Westeuropas hatten
die Kommunisten keinerlei Erfolge.. Hier versuchte der Kreml
alles, um die Transportarbeiter Westeuropas zur Sabotage der
Versorgung mit Verteidigungswaffen zu gewinnen. Aber die freien Gewerkschaften erklaerten, dass sie fuer die ordnungsgemaesse
Entladung der Transportschiffe Sorge tragen und die kommunistische Herausforderung zurueckweisen wuerden. Hierbei ist zu
beachten, dass die Kommunisten in einigen Haefen ueber Hochburgen verfuegen, sodass sie waschechte Kommunisten auf die Transportschiffe dirigieren konnten. Aber die gewerkschaftstreuen
Transportarbeiter organisierten rechtzeitig freiwillige Entladegruppen, sodass keinerlei Stoerungen geschahen und ausserdem
die Kommunisten das Nachsehen hatten. So brachen die bereits
in der kremlhoerigen Presse besprochenen "Friedensmassnahmen"
in Cherbourg und in Neapel wie in allen anderen Haefen sohmaehlich zusammen.
Wie stark der kommunistische cinfluss in den bisherigen
Hochburgen zurueckgegangen ist, zeigt am besten das Beispiel
der Dockarbeitergewerkschaft in Marseille. Hier hatten die
Kommunisten noch zu Ende des Jahres 1950 von 55 Sitzen 54 inne.
Nach den vergeblichen Sabotageaktionen verloren die Kommunisten 44 Sitze, waehrend die CGT-Force Ouvriere anstatt ueber
einen Sitz heute ueber 45 verfuegt. Und so wie in Marseille
wurde ueberall die Schlacht um die Haefen Westeuropas gewonnen.
Heute hat die Arbeiterschaft wieder neue Hoffnung und neuen Glauben gewonnen. Ueber&amp;ll hat sich die Ueberzeugung durchgesetzt, dass das Dogma des Kommunismus in 'Wirklichkeit schwärzeste Reaktion bedeutet, die auf alnem internationalen Imperialismus und einer Lnterdrueckung des Individuums beruht. Immer
staerker setzt sich die Idee durch, dass echte Demokratie ein
starker Fels ist, auf dem fuer die Zukunft gebeut werden kann.
Amerika wird Europa helfen, sich gegsn jede Unterdrueckun? zu
- 6-

�verteidigen und zu schuetzen bis Europa stark genug ist, um
seinen eigenen Schutz uebernehmen zu koennen.
Wenn die weltpolitische Situation unter diesem Aspekt
gesehen wird, so ergibt sich nicht nur die Wichtigkeit und
Notwendigkeit einer Steigerung der Produktivitaet, sondern
auch die unumgaengliche staerkere Beteiligung der Arbeiterschaft an den Fruechten einer hoeheren Produktion. Wenn der
Arbeiter nichts anderes zu verlieren haette als seine Ketten,
dann kaempft er auch niemals fuer eine Staatsform, die unter
solchen Verhaeltnissen eben keine Demokratie sein kann. Wenn
der Arbeiter jedoch einen gesicherten Lebensstandard hat,
dann wird er ohne Zoegern fuer seine Freiheit kaempfen - erst
recht, wenn durch eine steigende Produktivitaet auch sein
eigener Anteil an ihren Fruechten stetig waechst.
Die westeuropaeischen Unternehmer sollten recht bald die
"Wichtigkeit dieses Problems erkennen - sehen sie es nicht,
dann schaufeln sie sich selbst und Europa das Grab, wenn sie
aus Egoismus zu den besten Helfershelfern des Kommunismus
werden.
Labor Information
9/51
I
NEUE PROBLEME DER JAPANISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
(Auszuege aus einem Artikel der Zeitschrift "The Reporter".
Der Verfasser war Korrespondent der Londoner "Daily Herald", des oeffentlichen Organs der britischen LabourPartei).
Die frueheren und kommenden Ereignisse in der japanischen
Gewerkschaftsbewegung sind nicht ein rein internes Problem
Japans. Sie sind vielmehr fuer Russland, das staendig ein
Auge auf Japan wirft, die chinesischen Kommunisten und auch
fuer die Vereinigten Staaten und den gesamten Westen von hoechstem Interesse.
Die Beziehungen zwischen der japanischen Gewerkschaftsbewegung und den freien.Gewerkschaften im Westen werden immer
enger.
t

Japanische Delegierte haben als voellig Gleichberechtigte
an der Gruendung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teilgenommen. Die japanische Gewerkschaftsbewegung ist vom internationalen Arbeitsamt anerkannt worden. j-.ine
Anzahl amerikanischer und britischer Gewerkscheftssachverstaendige haben innerhalb der Arbeitsabteilung der Besatzungsbehoerden in Tokio Hilfsdienste geleistet, indem sie der rasch aufbluehenden japanischen Bewegung beratend zur Seite standen und
uebrigens nicht linder lOO^ig mit der Arbeitspolitik McArthurs
einverstanden waren.
Der japanische Gewerkschafter ist im allgemeinen kein
Anti-Amerikaner, auch wenn er nicht immer mit"der amerikanischen Politik in Japan voellig einverstanden ist. Es besteht
jedoch die Gefahr, dass die Vereinigten Staaten, weil dies
vielleicht angemessen erschien, das Risiko eingegangen sind,
sich einer Netion zu entfremden, die nachtueessig und ideologisch gesehen auf unsere Seite gehoert.
- 7-

�Wie sich deshalb die japanische Gewerkschaftsbewegung
entwickelt, ist fuer die ganze Welt von brennendem Interesse.
Denn nur wenn die japanischen Gewerkschaften die Arbeitsgesetze
und andere Errungenschaften beibehalten und sichern koennen,
und wenn sie den. niedrigen Lebensstandardlzur Zeit nur 70# des
Lebensstandards vor dem Kriege) den Lebensbedingungen im Westen besser anpassen koennen, kann vermieden werden, dass erneut der Vorwurf des wDumpingsn oder "Kuliarbeiters" erhoben
wird.
Gewerkschaftsvertreter der Besatzungsbehoerde geben zwar
zu, dass eine gewisse Gefahr besteht, aber sie sind doch,
wenn auch mit Vorsicht, optimistisch. Sie sind der Ansicht,
dass die japanische Gewerkschaftsbewegung potentiell die
maechtigste und bedeutendste demokratische Macht darstellt,
die es im NachkriegsJapan gibt, eine Behauptung,- die besonders in Bezug auf das V/ort potentiell zutreffen duerfte.
Die Hoffnungen der japanischen Gewerkschaften wurden groesser, als der IßFG im April vorigen Jahres ankuendigte, dass
er die Forderungen der japanischen Lehrergewerkschaft unterstuetze, die mit 400.000 Mitgliedern die groesste Lehrergewerschaft der Welt ist. Diese Organisation hatte sich fuer eine
Aufhebung der den japanischen Gewerkschaften auferlegten Beschraenkungan eingesetzt, u.a. auch das Verbot der normalen
politischen Betaetigung der Angestellten der japanischen Regierung.
Eine weitere Ermutigung fuer die Gewerkschaften in Japan
war die Tatsache, dass der Verband der Bergarbeitergewerkschaften einen 26-taegigen Streik siegreich beenden konnte, an
dem 70% der 433.000 Kohlenbergleute Japans teilgenommen hatten.
Dieser Streik war die groesste rein wirtschaftliche Auseinandersetzung seit Kriegsende. Fuer di^e Gewerkschaftsbeamten
der Besatzungsbehoerden war es eine Genugtuung, dass das Abkommen, das den Streik beendete, durch Schiedsspruch zustandegebracht wurde.
Die groessten Probleme der Bewegung sind in den Augen
der Sachverstaendigen der Besatzungsbehoerden die uebermaessig
hohe Zahl der Gewerkschaftsfunktionaere, die Notwendigkeit einer besseren Schulung der Mitglieder, die Gefahr kommunistischer Infiltration und die Notwendigkeit einer Neugruppierung
der zahlreichen Ortsgewerkschaften auf Landesbasis.
Nach der Auffassung der japanischen Gewerkschaftsfuehrer
besteht das Hauptproblem darin, den durchschnittlichen japanischen Arbeiter zu jener Geisteshaltung zu erziehen, in der er
freudig fuer die V.'ohlfahrt seines Landes arbeitet.
Das Mittel zur Verwirklichung dieses ..unsches und zur
Abwehr des Kommunismus ist nach Auffassung dieser Funktionaere
die Steigerung des Lebensstandards des arbeitenden Volkes.
Ein hoher Gewerkschaftsfunktionaer erklaerte: "Was die japanischen Gewerkschaften fuerchten, ist weniger die .Machtzunähme
des Kommunismus als vielmehr das Grosswerden des Faschismus
in Japan, «enn diese Gefahr Gestalt annimmt, und wenn Gesetze
erlassen v/erden, die die Rechte der japanischen Gewerkschaften
beeinträchtigen, dann werden wir uns nicht nur auf das langsame Wahlverfshrcn verlassen, um eine Regierung an die I'acht zu
bringen, die uns angenehm ist."
- 8 -

�"Wir werden in einem solchen Falle mit allen traditionellen Mitteln der Gewerkschaften kaecipfen, und wir werden
ausserdem im Hinblick auf die Tatsache, dass Japan lebenswichtige Rohstoffe importieren muss, die Gewerkschaften ande
rer Laender auffordern, die Rohstofflieferungen nach Japan
zu unterbinden."
The CIO News
1/1/51
ElMfl EKKLAEROftü DER ÜÜ.EC
Am 30. August 1951 gab der Vorsitzende des Rates der
OEEC Dr. Stlkkers die nachstehende Erklaerung ab:
Die Vertreter der europaeischen Voelker treten jetzt zu
einer Konferenz zusammen. Der Wille der Voelker, der sich
auf den Wunsch nach Freiheit stuetzt, hat Jahrhunderte lang
bei der Gestaltung der Weltgeschichte mitgewirkt. Wir glauben, dass dieser Wille auch heute stark ist. Er hat in den
drei Jahren der Zusammenarbeit einen Aufschwung erfahren, in
denen gemeinsam nach einer Loesung unserer Probleme gesucht
wurde. Diese Zusammenarbeit ist trotz aller Gefahren, die
unsere Lebensweise heute bedrohen, die Grundlage unseres Vertrauens.
Wir muessen den Tatsachen ins Auge sehen. Wir leben in
einer sehr gefahrvollen Zeit. Unsere blosse Existenz steht
auf dem Spiel. Nur wenn sich jeder Einzelne von uns mit
allen Kraeften einsetzt, koennen wir jene Sicherheit erringen,
die wir brauchen, um an der staendigen Verbesserung des sozialen und wirtschaftlichen Wohlergehens unserer Voelker weiterzuarbeiten.
Die Voelker des Freien Europa, die' im Rat der OEEC vertreten sind, stellen sich heute die Frage: "Koennen wir jemals von der Angst vor einem kommenden Krieg befreit werden?
Koennen wir hoffen, dass die Welt je von materieller Not frei
sein wird? Wird die echte soziale Gerechtigkeit ein staendiger Begleiter unseres Lebens sein?
Wir sind der festen Ueberzeugung, dass alle diese Fragen
bejaht werden koennen. Es wird jedoch hierzu erforderlich
sein, dass der Einzelne und die Gemeinschaft mit ganzer Kraft
produktive Arbeit leisten.
Die Probleme und Bedingungen sind in den einzelnen Laendern sehr unterschiedlich. Diese Bemuehungen werden hoechste
Anforderungen an die Energie und den Einfallsreichtum unserer
Voelker stellen. Unter diesen limstsenden werden unsere Laender auf ihre eigene ./eise und zugleich in Uebereinstimmung mit
ihren Partnern die notwendigen Bedingungen schaffen, die Freiheit und Frieden fuer Europa als Gesamtheit und allen seinen
Ii.enschen ein besseres Leben sichern werden.
In den drei Jahren seit der Unterzeichnung der Konvention fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas haben
wir weit mehr erreicht, als wir jemals fuer moeglich gehalten
hatten, üuf jedem Gebiet der Produktion sind grosse Steigerungen zu verzeichnen. Die industrielle. Produktion ist 45^0
hoehar als im Jahrs 1945. Die landwirtschaftliche Erzeugung,
bei der eine Steigerung weit schwieriger ist, kann eine Er- 9

�hoehung von 25% aufweisen, .auch in bezug auf Handel und
Zahlungsverkehr sind bemerkenswerte Verbesserungen erzielt
worden. Die Wiederherstellung der Produktionskapazitaet
hat eine Exportsteigerung von 91% ermoeglicht. Das Dollardefizit Westeuropas ging von 8 Milliarden Dollar im Jahre
1947 auf 1 Milliarde Dollar im Jahre 1950 zurueck. Durch
dieses verminderte Defizit ist eine. Rueckkehr zu finanzieller Stabilitaet im In- und Ausland ermoeglicht worden.
Durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhaeltnisse
ist es zu einer Belebung des Aussenhandels innerhalb Europas
gekommen, was eines der Hauptziele unserer Organisation ist.
Es besteht darueber wohl kein Zweifel, dass die Massnahmen,
die wir zur Liberalisierung des Handels ergreifen sollten, ferner das Abkommen ueber eine gemeinsame listenmaessige Zusammenstellung von Erzeugnissen, die ohne mengenmaessige Beschraenkung unter den europaeischen Laendern im freien Handel ausgetauscht werden sollen, und schliesslich die Errichtung der
Europaeischen Zahlungsunion nicht moeglich gewesen waeren,
wenn nicht die europaeischen Regierungen gemeinsam nach Grundsaetzen gehandelt haetten, die von unserer Organisation hier
in Paris festgelegt wurden.
Es ist noch ein anderer Umstand./ den man heute nicht
ausser Acht lassen kann. Ich meine damit die Hilfe, die uns
von jenseits des Atlantiks zuteil wurde. Der Grosszuegigkeit
des amerikanischen Volkes und seiner Regierung ist der Marshallplan zu verdanken, ohne den der Wiederaufbau in Europa
unmoeglich gewesen waere. Wir sind stolz, dass wir unsere
Dankbarkeit auf konkrete Weise bezeugen koennen. Es ist den
Bemuehungen Europas gelungen, in drei Jahren nahezu all das zu
vollbringen, was wir gehofft haben, in vier Jahren zu erreichen.
Der Marshallplan ist ein Erfolg geworden.
Die 18 Minister, die Europa vertreten, stehen vor neuen
Problemen und Aufgaben; sie werden von dem, was in der Vergangenheit erreicht wurde, inspiriert und sind gegenwaertig mit
neuen Aufgaben beschaeftigt. In den naechsten fuenf Jahren
werden wir zusammenarbeiten, wie wir das in der Vergangenheit
getan haben, um eine weitere Ausdehnung der europaeischen
Wirtschaft zu erreichen, die allein uns die Kraft geben kann,
den Forderungen der Zeit gerecht zu werden.
Das Schriftstueck, das Sie vor sich haben, ist eine Darlegung dessen, was die achtzehn europaeischen Regierungsmitglieder der OEEC durch einzelne und gemeinsame Aktionen in den
kommenden fuenf Jahren erreichen wollen.
«Vir wollen die ungeheuren Anstrengungen, die erforderlich
sind, nicht unterschaetzen, aber wir sind sicher, dass Europa
die noetigen materiellen und geistigen Kraefte besitzt, um
sie zu bewaeltigen.
Es ist unsere Aufgabe, das Vertrauen unserer Voelker wiederherzustellen, indem wir ueber die gegenwaertig schwere
Zeit hinaus einer Zukunft entgegensehen, in der Europas Reichtum voll genutzt werden kann, um einen besseren Lebensstandard
zu erzielen.
10 -

�Wir stimmen alle darin ueberein, dass es jetzt nicht an
der Zeit ist, apathisch zu sein. Wir muessen mit unseren
Voelkern daran arbeiten, die Kraftquellen unseren Laendern
nutzbar zu machen und die menschliche Y.'uerde zu wahren, sodass
Furcht und Not gebannt sind.
Das ist die aufgäbe, die wir uns selbst in Europa gestellt
haben.
ÖEEC Information Division
WAS HAT DIE FREIE WIRTSCHAFT IN DEN Ü.S.A. VOLLBRACHT?
Was hat das System der freien Wirtschaft in Amerika fuer
die Arbeiter vollbracht? - Dies ist eine entscheidende Frage,
denn die Sozialisten behaupten, ihr System sei besser, waehrend die Kommunisten sagen, die amerikanischen Arbeiter wuerden
ausgebeutet.
Zuerst ein //ort zum Grundsaetzlichen. Kein Wirtschaftssystem kann erfolgreich sein, wenn es nicht den noetigen Ansporn bietet. In Amerika ist der wirtschaftliche Ansporn durch
den natuerlichen Wunsch der Menschen, vorwaertszukommen, gegeben. Bestimmte wirtschaftliche Rechte sind gewahrt, damit
jeder in voller Freiheit diesen Wunsch verwirklichen kann:
das Recht, Eigentum zu besitzen, sich seinen Arbeitsplatz
selbst auszuwaehlen, irgendein Geschaeftsunternehmen zu gruenden und einen angemessenen Gewinn zu erzielen, eine Gewerkschaft zu organisieren und Verhandlungen um Loehne und Unterstuetzungen zu fuehren, eine Arbeitgebervereinigung zu organisieren, einen Vertrag abzuschliessen und zwar entweder zwischen Geschaeftsunternehnen oder Gewerkschaften und Arbeitgebern, und schliesslich das Recht, wirtschaftliche Konzerne
ins Leben zu rufen, die frei mit anderen konkurrieren. Und
ueber allem steht das Recht jedes Einzelnen, sich sein eigenes
Urteil zu bilden und danach zu handeln und seine eigenen wirtschaftlichen Entscheidungen zu treffen. Diese Rechte bilden
die Grundlage der Initiative und des Verantwortungsbewußtseins des Einzelnen, die unerlaessliche Vorbedingungen des wirtschaftlichen Fortschritts sind.
Ein weiterer Faktor war in der wirtschaftlichen Entwicklung Amerikas von grosser Bedeutung: der freie Markt, der sich
ueber ein Gebiet von drei Millionen Quadratmeilen erstreckt,
in dem es keine Zollgrenzen und keine Unterschiede in der Waehrung gibt, ein Markt, der 150 Millionen Menschen zu versorgen
hat. Dadurch wurde es der Industrie moeglich, durch Massenproduktion die Gestehungskosten zu senken und damit Erzeugnisse
von guter Q,ualitaet zu Preisen zu verkaufen, die auch fuer die
Arbeiter erschwinglich sind. Durch hohe Loehne wurde die zur
Durchfuehrung der Massenproduktion erforderliche Kaufkraft geschaffen.
Zu diesem freien Markt, der sich ueber das ganze Land ausbreitet, waren immer jedem Menschen die Tore geoeffnet. Ohne
Rue*cksicht auf seine soziale Stellung hat er die Moeglichkeit,
seine Talente und Faehigkeiten zu entwickeln. Das freie 'Wirtschaftssystem appelliert an die Energie und das geistige Koennen von Millionen der tuechtigsten Buerger, um jene Werkzeuge
und Maschinen zu schaffen und jene industriellen Organisationen
- 11 -

�zu bilden, die dem Arbeiter einen hohen Lebensstandard ermoeelichen. Die Konkurrenz unter den verschiedenen Firmen
war füer die Geschaeftsleute im allgemeinen ein Ansporn, her-•
vorragende Erzeugnisse zu moeglichst niedrigen Preisen zu
verkaufen, ihre »Varen staendig zu verbessern und neue zu erfinden, um den Wuenschen der Verbraucher gerecht zu werden.
Millionen von Verbrauchern haben durch ihre Wahl unter den
miteinander konkurrierenden Produkten auf einem freien Markt
entschieden, was hergestellt werden soll, und welche Unternehmen bestehen bleiben sollen. Leistungsunfaehige Betriebe
sind dadurch ausgeschaltet worden. Die Industrie ist auf
einem hohen Niveau der Leistungsfaehigkeit gehalten worden,
was fuer einen hohen Lebensstandard wesentlich ist. Der
Wettbewerb wurde zuweilen durch monopolistische Verbindungen
der Industrie behindert. Aber durch besondere ünti-TrustGesetze ist viel dagegen getan worden. Im ganzen gesehen,
ist es im Verlauf des letzten halben Jt-hrhunderts durch den
Wettbewerb ermoeglicht worden, immer grosse Mengen an Waren
von -guter ."iualitaet auf den Harkt zu bringen, deren Preise
fuer den groessten Teil der Bevoelkerung erschwinglich waren.
Vor hundert Jahren konnte der amerikanische Arbeiter im
Durchschnitt in einer Arbeitsstunde tfaren im Werte von 31
Cents herstellen, wenn die heutige Kaufkraft des Dollars zugrundegelegt wird. Infolgedessen war seine Arbeitszeit eine
lange, sein Lohn war sehr niedrig, weil er eben nicht genug
produzieren konnte, um genuegend zu verdienen; aber der Anreiz, die Produktion zu steigern, war sowohl fuer den Arbeitgeber als auch fuer den Arbeiter ein. grosser. Neue Maschinen und neue Arbeitsmethoden erhoehten die Produktion fortlaufend pro Arbeitskraft und pro Stunde. Die besten Erzeuger
wurden durch den Wettbewerb belohnt. 1890 belief sich die
stuendliche Produktionsleistung eines Arbeiters im Durchschnitt auf 53 Cents, der Durchschnittslohn war 48 Cents,
wiederum nach der heutigen Kaufkraft des Dollars gerechnet.
In jener Zeit war die junge Gewerkschaftsbewegung nicht stark
genug, um den Arbeitern ihren rechtmaessigen Anteil an dem
hoeheren Reichtum zu sichern, den sie produzierten. In den
folgenden 20 Jahren erhoehte sich die Produktivitaet um 19
Cents pro Arbeitsstunde, die Loehne jedoch nur um zwei Cents.
Als die Gewerkschaften dann waehrend des ersten Weltkrieges
maechtiger wurden, konnten die Arbeiter ihre Verluste aufholen. Von 1900 bis 1920 gingen die Loehne um 16 Cents pro
Stunde in die Höhe und die Produktivitaet nur um 6 Cents.
Von dieser Zeit an und besonders nach dem Anschwellen der
TÜtgliederstaerke der Gewerkschaften in den dreissiger Jahren
wurden die Unternehmer durch die Forderungen der Gewerkschaften noch hoeheren Loehnen gezwungen, die Produktivitaet
schneller als je zuvor zu steigern. Die Loehne hielten Schritt,
und in der Seit von 1920 bis 1940 wurden die Produktion und
auch die Loehne verdoppelt. Waehrend der Nachkriegsdepression
war diesem Fortschritt vorlaeufig ein ünde gesetzt. Die Arbeitgeber, die zum Ausgleich fuer die Lohaerhoehungen Preissteigerungen durchsetzen konnten, hatten jetzt kein Interesse
daran, die Gestehungskosten zu senken und die Produktivitaet
zu steigern. Die Arbeiter mussten feststellen, dass ihre
Lohngewinne durch Preissteigerungen zunichte gemacht wurden.
Als jedoch den Preissteigerungen im Jahra 1948 Einhalt geboten wurde, begannen Produktivitaet und Loehne erneut zu steigen, iioehere Produktivitaet ist somit immer die Grundlage
fuer hoehere Loehne gewesen. '
12

�Die Kaufkraft des Lohnes fuer eine Arbeitsstunde des
Industriearbeiters wurde in der Zeit von 1890 bis 1950 verdreifacht: sie stieg von 48 Cents auf 1.76 Dollar. Ausserdem wurde seine Arbeitszeit verkuerzt. Wenn wir 1900 mit
1950 vergleichen, stellen wir fest, dass der Wochenlohn des
Arbeiters verdoppelt wurde, waehrend seine Arbeitszeit in
der Woche von 55 oder 60 Stunden auf 40 Stunden zurueckging.
Seine woechentliche Freizeit wurde um 15 bis 20 Stunden verlaengert. Das amerikanische Arbeitsministerium erklaert diese Erfolge und die Gewinne der amerikanischen Arbeiter in dem
halben Jahrhundert von 1900 bis 1950 mit folgenden Worten:
1901 blieben einer Arbeiterfamilie, nachdem sie ihre Lebensmittel, ihre Kleider und ihre Miete bezahlt hatte, nur 17%
ihres Einkommens fuer andere Zwecke, wie zum Beispiel aerztliche behandlung, Ersparnisse, Erholung und Ausbildung. Irgendein Luxus war ihnen damit nicht moeglich, sie waren nicht
einmal gegen ein unvorhergesehenes Unglueck geschuetzt, sie
hatten auch nicht die Mittel fuer eine angemessene Ausbildung
ihrer Kinder. Heute gibt eine Arbeiterfamilie im Durchschnitt
36 - 41% ihres weit hoeheren Einkommens fuer solche Nebenausgaben aus - der Jahresbetrag, der uebrig ist, nachdem sie sich
mit den Lebensnotwendigkeiten versorgt hat, ist, nach den heutigen Preisen gemessen, von 230 auf 1100 Dollar gestiegen.
Das bedeutet, dass der Arbeiter heute mehr Geld fuer Moebel,
fuer Haushaltgeraete, fuer ein Auto, fuer bessere aerztliche
Betreuung, fuer Reise und Erholung und ein besseres soziales
Leben zur Verfuegung hat. Er hat noch mehr Zeit, sich in seiner Gewerkschaft und innerhalb seiner Lebensgemeinschaft zu
betaetigen, er hat ausserdem die Moeglichkeit, seinen Kindern
eine bessere Ausbildung angedeihen zu lassen. Der Durchschnitts-Amerikaner besucht heute die Hochschule. Die Dauer
seiner Schulausbildung ist heute um vier Jahre laenger. als
1900 - naemlich zwoelf Jahre gegen acht.
Der Arbeiter lebt heutzutage in einer weit besseren Wohnung. Nur in -wenigen Arbeiterwohnungen gab es 1900 elektrisches Licht, fliessendes Wasser, ein Bad oder auch nur eine
Brause. Das Telefon war dem Arbeiter unbekannt. Heute sind
all diese Dinge in fast allen Arbeiterwohnungen Selbstverstaendlichkeiten, in vielen gibt es ein Telefon. Vor 50 Jahren waren die Arbeiterwohnungen klein und ueberfuellt und
lagen haeufig in den Elendsvierteln der Staedte. Heute sind
viele dieser Elendsviertel beseitigt worden, obwohl auch heute
noch manche bestehen. Die Arbeiter wohnen im allgemeinen in
groesseren, schoener gelegenen Wohnungen, der eigene Wagen
ermoeglicht es vielen, in den Vorstaedten zu wohnen. 1901 hatten nur 20% der Arbeiter ein eigenes Haus, heute sind es rund
50%.
Eine Arbeiterfamilie kann sich heute eine bessere Ernaehrunp leisten und mehr Eier, mehr Milch und mehr vitaminhaltige Lebensmittel kaufen, üuch ihre Bekleidung ist besser. Sie
gehoert automatisch der Sozialversicherung an, die ihnen eine
Altersrente und Arbeitslosenunterstuetzung bietet, in vielen
Turifvertraegen der Gewerkschaften sind Altersrenten sowie
Kranken- und Euersorgeunterstuetzungen vorgesehen. Die betriebseigene Arbeitersiedlung, in der die Arbeiter der Gnade
des Unternehmers ausgeliefert waren, ist kaum mehr anzutreffen.
Die Arbeiter sind heute unabhaengiger. Das Recht, sich in
Gewerkschaften zu organisieren, ist gesetzlich verankert. Vertraege mit unternehmerhoerigen Gewerkschaften, schwarze Listen
«*

- 13

�und die Anwendung von Gewaltmassnahmen gegen Streikende sind
als ungesetzlich erklaert worden.
In Bezug auf die Verteilung des Einkommens hat sich in
den USA im letzten ViertelJahrhundert eine friedliche Revolution abgespielt. Die hoechsten Einkommensgruppen erhalten
heute einen weit geringeren, die Arbeiter und andere Gruppen
mit niedrigem Einkommen einen weit hoeheren Anteil des gesamten Nationaleinkommens. 1929 waren 34% des Gesamteinkommens
der Nation den 5% zaehlenden Angehoerigen der hoechsten Einkommensgruppe vorbehalten. 1946 war ihr Anteil auf fast die
Haelfte, naemlich 16&gt;, zusammengeschrumpft, d.h. die Angehoerigen der niedrigeren Einkommensgruppen, also häuptsaechlich
Arbeiter, erhielten 1946 25 Milliarden Dollar des gesamten
Einkommens, die, wenn es 1929 verteilt worden waere, den obersten 5% ebenfalls fast zur Haelfte zugeflossen waeren.
Im gesamten gesehen,
Gewinne fuer die Arbeiter
Gesamteinkommens, die die
stets versprochen hatten,

zeigen diese 50 Jahre genau jene
und j.ene Art der Verteilung des
Sozialisten und die Kommunisten
aber niemals erreichen konnten.

Ein Vergleich zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa zeigt, warum in Amerika ein hoeherer Lebensstandard
moeglich ist. Vor dem zweiten Weltkrieg war der Wert der
Produktion pro Kopf der Bevoelkerung in den Vereinigten Staaten 2 1/3 mal so hoch wie in Eurooa - 1360 Dollar in den USA
und 550 Dollar in Europa. Die ungeheure industrielle Proriuktivitaet der USA, die dem freien Wirtschaftssystem zu verdanken ist, ihre Maschinen und ihre Arbeitsmethoden, ihre Massenproduktion und ihre J'assenabsatzmaerkte haben es den Arbeitern
ermoeglicht, sich einen hohen Lebensstandard zu erarbeiten.
Seit dem zweiten Weltkrieg ist die Produktion pro Kopf der
Bevoelkerung in den USA wieder um mehr als 50% gestiegen, in
Europa dagegen nur um 5%, was auf die Kriegszerstoerungen zurueckzufuehren ist, die zuerst wieder ausgeglichen werden mussten.
Die Produktion oro Kopf der Bevoelkerung ist in den USA heute
3 1/2 mal so hoch wie in Europa - 2100 Dollar in den USA, 600
Dollar in Europa. Hoffentlich kann die J^roduktivitaet auch in
Europa wesentlich gesteigert werden, damit auch dort der Lebensstandard hoeher werden kann.
Labor's Ivionthly Survey
AFL 9/51
DER KONGRESS DES KANADISCHEN GEWERKSCBAFTSBUNDES
Paul Finet, der fruehere Vorsitzende des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, hielt vor dem Kongress des Kanadischen Gewerkschaftsbundes (CCL) in Vancouver eine bedeutsame Rede. Im Anschluss an seine Rede wurde eine Resolution
angenommen, in der die Absicht des IBFG gebilligt wurde, Geldmittel fuer seine ^ufklaerungs- und Werbearbeit in Suedostasien bereitzustellen. Der Kanadische Gewerkschaftsbund will
sich mit 50.000 Dollar beteiligen, von denen bereits 10.000
Dollar aufgebracht sind.
Ausserdem wurde eine Reihe politischer Erklaerungen gebilligt, denen zufolge die Werbetätigkeit verstaerkt, bessere
Tarifvertraege mit hoeheren Lohntarifen abgeschlossen, Refor- 14 -

�tuen in den. Provinz- und Staatsbehoerden und ihrer Dienstleistungen fuer das Volk gefordert und eine aktivere politische
Betaetigung angeregt werden soll.
Der Kongress brachte seine feste Entschlossenheit zum
Ausdruck, eine Vereinigung der Gewerkschaftsbewegung zu unterstuetzen, indem er allen Eunktionaeren und allen Gewerkschaftsvorstaenden nahelegt, ihre Bemuehungen fuer eine voellige
Zusa:rjaenarbeit, die Herstellung der organischen Einheit aller
gleichgesonnenen Gewerkschaftsorganisationen und ihre Zusammenfassung in einer einzigen Organisation fuer ganz Kanada
fortzusetzen.
In einer Entschliessung ueber Loehne wird darauf hingewiesen, dass durch die unvorhergesehenen und willkuerlichen
Steigerungen der Lebenshaltungskosten in den vergangenen Monaten Lohnerhoehungen zur unbedingten Notwendigkeit geworden
sind, wenn der jetzige Lebensstandard beibehalten werden soll.
Der Kongress forderte ferner, dass die angeschlossenen
Gewerkschaften unter Berücksichtigung ihrer eigenen Beduerfnisse und Verantwortlichkeiten sofort Massnahmen ergreifen,
um diese dringend erforderlichen wesentlichen Lohnerhoehunren
durchzusetzen.
In der Entschliessung wurde ausserdem der Lohnkoordinierungsausschuss des Kanadischen Gewerkschaftsbundes aufgefordert, die angeschlossenen Gewerkschaften in ihren Lohnforderungen noch mehr als bisher zu unterstuetzen. Es wird ferner
empfohlen, regionale Lohnkoordinierungsausschuesse zu bilden,
die mit dem Landesausschuss und den Ortsgewerkschaften in
allen Bezirken zusammenarbeiten.
Dieser Vorschlag wurde von der Versammlung weitgehend
unterstuetzt. Sprecher wiesen besonders darauf hin, dass damit im Grunde alle Ortsgewerkschaften aufgefordert werden, sich
bei der Forderung von hoeheren Loehnen gegenseitig zu unterstuetzen, besonders dann, wenn es noetig ist, zu streiken.
"Es bedeutet," so sagte ein Delegierter kurz und buendig,
"dass wir die Haerten und Lasten gemeinsam tragen muessen."
Der Kongress stellte ausserdem fest, dass die Arbeitslosigkeit in Kanada um sich greift, und wendete sich in scharfen Worten gegen die Dojainiumsregierung, weil sie nicht die
Vorschlaege des Kanadischen T-ewerkschaftsbundes in Erwaegung
gezogen hat, die darauf ausgingen, den bevorstehenden Entlassungen in der Automobilindustrie Einhalt zu gebieten. Er
beschloss durch Abstimmung, eine Organisation erwerbsloser Arbeiter ins Leben zu rufen.
Er forderte sodann, dass die kanadische Regierung in den
betroffenen Gebieten Projekte zur Arbeitsbeschaffung aufstellt
und die Unterstuetzungen aus der Arbeitslosenversicherung
erhoeht.
In anderen EntSchliessungen wird die Regierung ersucht,
sofort Preiskontrollen einzufuehren, die Preise auf einen
moeglichst niedrigen Stand zurueokzubringen, wenn es erforderlich ist, Subventionen zu zahlen, und die strengen Kreditbe3chraenkungen zu lockern, damit der Arbeitslosigkeit durch eine
Erweiterung des Verbrauchermarktes begegnet werden kann.
- 15 -

�Die Forderung nach einer Altersrente von 65 Dollar im
Monat, die bei einem Alter von 65 Jahren faeilig ist, ohne
dass ueberprueft werden muss, ob der Betreffende unterstuetzungsbeduerftig ist, wurde von dem Kongress einstimmig
gebilligt. Gegenwaertig wird eine Pension von 40 Dollar bei
einem Alter von 70 Jahren gezahlt, ohne dess die Unterstuetzungsberechtigung nachgewiesen werden muss.
Der Kongress billigte das Erziehungsprogramm des Kanadischen Gewerkschaftsbundes und begiueckwuenschte die Funktionaere zu ihrer Arbeit im letzten Jahr, die der Bekaempfung
der Diskriminierung und der Intoleranz gewidmet war. Emmett
Holmes aus Tancouver, ein Neger, der als Delegierter der
Holzarbeiter-Ortsgewerksohaft Kr. 1-217 anwesend war, beruehrte in seinem Kommentar zu diesem Bericht ein heikles Thema.
"Es ist wie mit der Hitze," sagte er, als er von der
Diskriminierung sprach'. "Man kann sie nicht sehen, aber man
fuehlt sie."
Mosher kritisierte in seiner Rede in scharfen Worten
die Unternehmer,die den kommunistischen Gewerkschaften dadurch
helfen, indem sie "billige" Vertraege unterschreiben.
"Ohne die Hilfe dieser Unternehmer waere es den kommunistischen Gewerkschaften viel schwerer, sich ueber Wasser zu halten; aber dessenungeachtet kann in Bezug auf das Endergebnis
kein Zweifel bestehen."
"Der Kommunismus wird ganz bestimmt besiegt werden, soweit dies die Gewerkschaftsbewegung in Kanada betrifft. Es
ist den kommunistischen Gruppen immer schwerer geworden, Anhaenger zu gewinnen, weil der Kommunismus eindeutig als eine
Verschwoerung staatsuntreuer Buerger demarkiert wurde, die
im Interesse einer fremden Macht handelt."
In Bezug auf innerkanadische Angelegenheiten wurde erklaert: "Im Verlauf des letzten Sommers haben die Lebenshaltungskosten eine nie zuvor gekannte Hoehe in Kanada erreicht.
Dadurch wurden die Lohnerhoehungen wirkungslos, die nur unter
.ungeheuren Bemuehungen und in vielen Faellen durch kostsnieligs Streiks errungen werden konnten.
Wenn die Arbeiter das, was sie von den Unternehmern erkaempfen konnten, wieder verlieren, weil ihre Regierung
nicht bereit ist, ihre Interessen genuegend zu wahren, so
duerfte es ueberfluessig sein, darauf hinzuweisen, dass ihnen
keine andere Moeglichkeit bleibt, als ihre eigenen Vertreter
ins Parlament und die gesetzgebenden Organe der Regierung zu
waehlen, um auf diese Weise ihre Interessen gewahrt zu sehen.
Man sagt nicht zuviel, wenn man behauptet, dass die wirtschaftliche Lage eine wesentlich andere geworden waere, wenn eine
politische Partei die Macht gehabt haette, den Wuenschen der
Arbeiterschaft Rechnung zu tragen. Damit wtere dem kanadischen Volk ungeheuer viel erspart geblieben.
The CIO News
X/l/51

- 16 -

Etooo ra o « si lejs« 6 ••

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel •tollen Auszuge aus dar amerikanischen Presse nnd anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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angefordert worden. Auf Wonach worden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
D«r Inhalt dar „Arbeitsmitteilungen" tot nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommisaion für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
___

IV - 43

F r a n k f u r t , 26. Oktober 1951

I N H ALT

S V E R Z E I C H N I S

Die Aufgabe der Gewerkschaftsbewegung Im
J a h r 1952

1

Die wirtschaftllohe Situation Europas

3

Aus der Arbeit der finnischen Gewerkschaftsbewegung
12
Amerikanische Hilfsorganisation feiert
zehnjaehriges Bestehen

16

George Meany, Hauptkassierer der AFL:
DIE AUFGABE DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IM JAHR 1952
Unsere Sicherheit als Nation, unsere Lebensweise und
die der freien Welt sind heutzutage von der seit Menschengedenken furohtbarsten Versohwoerung gegen den Fortschritt
der Menschheit bedroht - von der kommunistischen Forderung
nach der Weltherrschaft. Und doch ist angesichts dieser
aufsteigenden Gefahr das amerikanische Volk geneigt, Entscheidungen hinauszuzögern. Es soheint zu glauben, wir
koennten niemals besiegt werden, weil wir noch nie geschlagen worden sind. Der Hauptgrund, dass wir noch niemals einen
Krieg verloren haben, ist die Tatsache, dass die Amerikaner
in Zeiten nationaler Gefahr sich immer auf den Pioniergeist
ihrer Vorfahren und nioht auf Teilnahmslosigkeit und Apathie
besonnen haben.
1 -

�Jeder Einzelne von uns ist fuer die gegenwaertige verwirrte Situation, in der sich unsere Nation befindet, verantwortlich. Wenn wir mit unserem Kongress nicht zufrieden
sind, und wenn wir ueber den Gang der Weltentwicklung enttaeuscht sind, so haben wir niemandem anderem als uns selbst
die Schuld hierfuer zuzuschreiben. Die Menschen koennen
nur das erreichen, wofuer sie zu arbeiten und zu kaempfen
bereit sind. Wenn unsere Freiheit heute bedroht ist, dann
deshalb, weil wir nicht immer genuegend wachsam gewesen
sind und zu dem entscheidenden Zeitpunkt geschlafen haben.
Wir koennen es uns nicht leisten, uns auf den Standpunkt zu stellen, dass wir kein Interesse an der Politik haetten. Wir koennen es uns auch nicht leisten, den Freunden
der Gewerkschaftsbewegung zu sagen: "Haltet Euch gefaelligst
aus meiner Politik heraus, ich waehle, wen ich will." Wir
als Gewerkschaftsfunktionaere und als integraler Bestandteil
unserer gewerkschaftlichen Aktivitaet muessen das politische
Feld betreten.
Zwar sind der "Amerikanische Plan" und der Hungerplan
der Unternehmer nicht geglueckt, und es kam auch nicht zu
der antigewerkschaftlichen Gesetzgebung, mit der man die
Gewerkschaftsbewegung unterdruecken und sie in die Defensive
draengen wollte. Aber es ist den Gewerkschaftsfeinden immerhin gelungen, das Taft-Hartley-Gesetz durchzusetzen.
Was war eigentlich der "Amerikanische Plan"?

Es war

nichts anderes als die obligatorische Einfuehrung des "openshop" in der gesamten Industrie. IBeim "open-shop" steht es
jedem Arbeiter frei, der Gewerkschaft beizutreten oder nicht).
Der Plan wurde von der Nationalen Arbeitgebervereinigung im
Jahre 1921 finanziert, und durch ihn wurde die gesamte Nation
18 Monate lang von einer Seite auf die andere geworfen.
Die Gewerkschaftsbewegung wurde in einigen unserer
groessten Staedte zeitweilig voellig aus der Industrie verdraengt. Es war der Zweck dieses Plans, gewerkschaftlich
organisierte Arbeiter zu zwingen, mit nichtorganisierten in
den Betrieben zusammenzuarbeiten, wobei man die Theorie
im Auge hatte, dass, wenn Gewerkschafter mit nichtorganisierten Arbeitern in den Betrieben zusammen sein muessen, die
Gewerkschaften nicht laenger bestehen koennen.
Am 4. Juni 1951 fasste das Oberste Bundesgericht der
Vereinigten Staaten im Rahmen des Taft-Hartley-Gesetzes
drei Beschluesse, die sich alle auf das Baugewerbe auswirkten und den folgenden Grundsatz hinsichtlich der Auslegung
der Absichten des Kongresses im Rahmen des Taft-Hartley-Gesetzes enthielten: die Gewerkschaften haben nicht das
Recht, gewerkschaftlich organisierte Arbeiter bei ihrer Weigerung zu unterstuetzen, mit nichtorganisierten zusammenzuarbeiten.
Dies war ein offizieller Beschluss des Obersten Bundesgerichtes der Vereinigten Staaten. Das Gericht sagt nicht,
ob das Gesetz gut oder schlecht ist. Es sagt lediglich,
dass es verfassungsgemaess ist, dass es im Sinne der Absichten des Kongresses liegt, und dass es eben einfach ein Gesetz ist.
- 2 -

�Wir duerfen eines nicht vergessen: Als man bei der Abstimmung ueber das Taft-Hartley-Gesetz im Jahre 1947 die
Stimmen zaehlte, wurde gerecht verfahren, Es ging auch mit
rechten Dingen zu, als das Veto Praesident Trumans gegen dieses Gesetz ueberstimmt wurde. Es war das Kapital, vertreten
von dem Nationalen Arbeitgeberverband und von seinen Freunden im Kongress, wie Taft und Hartley, das die Stimmen erhielt.
Nicht wir hatten die Stimmenmehrheit. Wenn wir deshalb dieser
Situation ein Ende bereiten wollen, gibt es meines Erachtens
nur einen Weg: Wir muessen die Stimmen fuer uns bekommen.
Wir werden es niemals erreichen, dass das Taft-HartleyGesetz widerrufen wird, wenn im Kongress nicht Maenner und
Frauen sitzen, die Freunde der Ideen und Grundsaetze unserer
grossen Gewerkschaftsbewegung sind.
Die politische Arbeit unserer Gewerkschaften durch die
Gewerkschaftsliga fuer politische Erziehung (Labor League
for Political Education) anzukurbeln, ist eine schwere Arbeit.
Es dreht sich nicht darum,einfach darueber zu sprechen und
sie dann zu vergessen. So nachteilig 3as Taft-Hartley-Gesetz
auch ist, so fordert es doch jede Ortsgewerkschaft in unserem
Lande geradezu dazu heraus, die Anfangsschritte dieser Arbeit
zu leisten.
Es steht nichts in den Buechern unserer Verfassung, was
eine Ortsgewerkschaft daran hindern wuerde, die Initiative
zu ergreifen und eine Aufklaerungskampagne durchzufuehren
oder ihre Geldmittel dazu zu verwenden, diese Kampagne zu finanzieren, mit der sie ihre eigenen Mitglieder dazu bewegen
will, am Wahltag zu den Urnen zu gehen. Das kann jede Ortsgewerkschaft tun, und damit waeren tatsaechlich die ersten
Schritte der schwierigen Aufgabe getan, unsere Mitglieder,
unsere Familien und unsere Freunde zum Waehlen zu veranlassen.
Wenn uns dies gelingt, braucht es uns um die Wahlergebnisse nicht bange zu sein. Wir wissen, wie sie stimmen werden. Wir wissen, dass sie jene Leute waehlen, die die Wohlfahrt und die Interessen der grossen Masse des arbeitenden
Volkes im Auge haben, die in Wirklichkeit der echte Reichtum
dieses grossen Landes ist.
Fangen wir sofort damit an und widmen wir uns mit allen
Kraeften dieser Aufgabe bei den naechsten Wahlen im Jahre
1952J
Justice
IX/1/51
Paul G. Hoff man:
Dia WIRTSCHAFTLICH*. SITUATION EUROPAS
Im August 1945 nahm ich an einer Versammlung des Rates
der Internationalen Handelskammer in London teil. Waehrend
der Besprechung erreichte uns die Nachricht, dass der Krieg
in Japan beendet war. Soweit ich mich erinnere, veranlasste
uns diese Nachricht, vieles von dem zu uebergehen, was auf
unserer festgelegten Tagesordnung noch uebrig war. Viele
von denen, die an diesem Tage anwesend waren, werden sich
- 3-

�daran erinnern, wie schnell
der Frage zuwandten, welche
friedlichen Handel zwischen
schen Welt getroffen werden

- und hoffnungsvoll! - wir uns
neuen Vorkehrungen fuer einen
der freien und der kommunistikoennten.

Viele von Ihnen werden sich auch daran erinnern koennen,
dass der Kreml aufgefordert, wurde, Vertreter zu dieser Versammlung zu entsenden. Als diese Einladung abgesagt wurde,
drueckten wir unser Bedauern darueber aus. Ueber die Abwesenheit der Sowjets dachten wir aber wirklich nicht allzuviel
nach. Schliesslich waren sie ja unsere Verbuendeten.
In der freundlichen Atmosphaere, die die Nachricht des
Sieges ueber Japan schuf, begannen wir ernsthafte Plaene fuer
den wirtschaftlichen Wiederaufbau auszuarbeiten. Der ueberzeugte Optimismus, den der Friede im Pazifik ausgeloest hatte,
veranlasste uns alle, die bedeutendste Tatsache zu uebersehen.
Wir vergessen, dass der Kreml mit der Ablehnung, sich uns
in London auszusohliessen, lediglich an seiner Parteilinie
festhielt. In jenen gluecklichen Tagen strichen wir einfach
alles aus unseren Gedanken, was wir alle wussten, dass der
Kreml nur einem einzigen Zweck diente -damals, vorher, und
seitdem - die freie Welt zu zersetzen. Waehrend wir uns enthusiastisch in die Diskussion der Moeglichkeiten stuerzten, Wirtschaftsverbindungen mit dem Kreml zu schaffen, stuerzte sich
der Kreml noch energischer auf seine Plaene, uns auszubooten.
Kurz, wir uebersahen, dass Marx, Lenin und Stalin gerade das meinten, was sie sagten, als sie erklaerten, dass der
Kapitalismus abtreten muss und der internationale Kommunismus seine Stelle einnehmen muss.
Wenn wir auf den Verlauf dieser fuenf oder sechs Jahre
zurueckblicken, dann glaube ich zugeben zu muessen, dass
der Kreml im Ganzen gesehen viele Erfolge in diesem totalen
Krieg gegen den Kapitalismus hatte. Im Jahre 1945 folgten
etwa 200 Millionen Menschen den Befehlen des Kremls. Heute
hat sich diese Zahl vielleicht vervierfacht. Auf jeden Fall
wird geschaetzt, dass etwa 800 Millionen Menschen der Stimme
Moskaus gehorchen muessen. Unzweifelhaft gehorchen viele
von ihnen nur mit Furcht und Zittern. Ich glaube aber, dass
man mit Sicherheit sagen kann, dass bei den meisten dieser
800 Millionen der Geschaeftsmann - so wesentlich er fuer die
kapitalistische Welt ist - keinerlei Ansehen besitzt.
Es ist tatsaechlich fraglich, ob die meisten dieser 800
Millionen Menschen ueberhaupt eine Vorstellung davon haben,
was ein Geschaeftsmann ist. Uebrigens gibt es im Russischen
kein Wort fuer "Geschaeftsmann". Die Russen benutzen nur
Schlagworte, wenn sie auf diese Funktion in der westlichen
Gesellschaftsordnung Bezug nehmen.
Die meisten Eroberungen des Kremls in den vergangenen
halbdutzend Jahren erfolgten durch innere Aggression - durch
Umsturz und Sabotage innerhalb der Laender - aber nicht durch
Eroberungskriege gegen Laender. Das bewaehrte Rezept des
Kremls war immer die Ausbeutung innerer Schwaechen anderer
Laender, und dieses Rezept ist bisher wahrhaftig mit Volldampf
angewandt worden. Die Ergebnisse sind verblueffend, wie
zum Beispiel in China.

4

�Einige Leute vermuteten, dass der Kreml seine .Vorherrschaft jetzt so weit ausgedehnt hat, wie er es beabsichtigte,
und dass sein Programm von nun ab lediglich in der Konsolidierung und dem Schutz der Gewinne besteht, die seit dem
Kriege gemacht wurden. Dies ist ein Standpunkt, den Moskau
selbst sehr gern unterstuetzt. Dieser aber ist, nach meiner
Ansicht, ein Irrtum ungeheuersten Ausmasses. Die Maenner
des Kremls glauben und hoffen, dass die bisherigen Massnahmen erst der Anfang sind. Nichts wird sie zufriedenstellen,
solange es noch keine kollektivierte Welt gibt. Ich habe
genug eigene Erfahrungen mit Moskauer Taktiken, um die Wahrheit dieser Erklaerung versichern zu koennen. Sie brauchen
sich aber nicht auf mein Wort zu verlassen - ich verweise Sie
auf die drei vorgenannten Persoenlichkeiten - Marx, Lenin
und Stalin. Sie haben zu diesem Thema viel zu sagenl
Die Geschichte wird uns noch eines geradezu kriminellen
Wohlbehagens fuer schuldig befinden, wenn wir nicht erkennen,
dass dieser kommunistische Vorstoss zur Weltherrschaft den
Kapitalismus ueberall vor Gericht gestellt hat. Das Kernproblem ist die Erhaltung des Kapitalismus gegen die Verheissungen des Kommunismus.
Wenn wir Wirtschafter - gleichgueltig welchen Landes ein Urteil zu unseren Gunsten wollen, dann tun wir gut daran,
die Voelker der ganzen 'Welt davon zu ueberzeugen, dass das
Wirtschaftssystem, von dem wir ein Bestandteil sind, mehr
fuer sie tun wird als irgendein anderes System, und weiterhin, dass es das einzige System ist, das den Menschen die
Hoffnung bietet, in einem Klima der Freiheit, der Sicherheit
und der freien Entfaltung zu leben.
In diesen schnell wechselnden Zeiten mecht sich ein konstanter Faktor bemerkbar, der uns Wirtschafter herausfordert.
Dieser ist der Faktor der Unruhe - der Unruhe, verursacht
durch den Entschluss der Menschen, selbst ihr Los zu bessern.
Wir sehen es bei den lange schlummernden Voelkern der Erde,
die sich heute selbst waychruetteln. Ein besseres Leben ist
fuer sie kein leerer Traum, an dem sich nichts aendern laesst.
Wir wissen, die Sowjets versprechen ihnen taeglich ein besseres Leben. Es ist mir klar, dass unsere freie Gesellschaft
diesen Versprechen der Sowjets durch Taten und nicht durch
Worte entgegentreten muss. Dieses ist die Herausforderung,
der wir erfolgreich entgegentreten muessen, wenn wir die Gesellschaftsform beibehalten wollen, in der wir als Wirtschafter eine wuerdige Stellung einnehmen.
Ich glaube, dass jede objektive Bewertung der Welt zu
dem Schluss fuehren wird, dass der Kapitalismus in keinem Lande gesicherter ist als in den Vereinigten Staaten. Es ist
ganz sicher wahr, dass der Wohlstand in Amerika in einem
schnelleren Verhaeltnis wäschst als in anderen Teilen der
Welt, dass es in den Vereinigten Staaten eine groessere Kapitalansammlung gibt, und dass es in meinem Lande einer groesseren Anzahl Menschen besser geht als sonst irgendwo in der Welt.
Daher glaube ich, dass es sich lohnt, nach den Gruenden
fuer die verhaeltnismaessig solide Position der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu suchen, d.h. der Vereinigten
Staaten. Gewiss, das Vorhandensein von Tausenden von Meilen
rfasseroberflaeohe an beiden Kanten unseres Landes ist ein
Teil dieser ehrlichen, aufrichtigen Antwort. Ich moechte
- 5 -

�aber einwerfen, dass die ganze Antwort tatsaechlich weit ueber
den Zufall'der weiten Grenzen hinausreicht. Eine Antwort,
die der Sache wesentlich naeherkommt, lautet meiner Ansicht
nach etwa so:
t

1. Der Kapitalismus, wie er in den Vereinigten Staaten
vorhanden ist, hat eine fortlaufende und zunehmende Leistungsfaehigkeit zur Schaffung von Wohlstand bewiesen.
2. Dieser staendig wachsende Wohlstand wird mit vernuenftiger Gerechtigkeit auf die Bevoelkerung verteilt.
3. Der amerikanische Kapitalismus hat einen neuen Kurs
angenommen, der in meinem Lande immer haeufiger als das "soziale Bewusstsein der Wirtschaft" bezeichnet wird.
Jeden dieser Faktoren, die unseren Kapitalismus staerken, moechte ich gern kurz mit Ihnen besprechen. Wenn es
erforderlich ist, die Leistungsfaehigkeit des Kapitalismus
der Vereinigten Staaten bei der Schaffung von »Vohlstand nachzuweisen, so fuehre ich die Tatsache an, dass ungefaehr ein
Drittel aller Waren der Welt in den Vereinigten Staaten hergestellt werden und fast die Haelfte aller Fabrikerzeugnisse
der Erde; wir besitzen aber nicht einmal ein Drittel der Rohstoffquellen. Tatsaechlich besitzen wir schaetzungsweiee
1/15 der Weltbevoelkerung, 1/15 des Landgebietes der Erde
und 1/15 seiner Rohstoffquellen. Was wir haben, ist eine
viel hoehere Produktivitaet, d.h. eine groessere Leistung
pro Arbeitsstunde. Wir Amerikaner glauben ziemlich leidenschaftlich an die .Produktivitaet. Wir glauben, dass unser
materieller Wohlstand weitgehend von einem staendig ansteigenden Produktionsausstoss pro Arbeitskraft abhaengt. Andererseits wissen wir, dass dieser fast ausschliesslich davon abhaengt, in welchem Ausmass wir den grossen Hebel der Maschine
benutzen koennen und die Energie der Treibstoffes und des
Wassers zum Betreiben dieser Maschine einspannen koennen.
Nur Maenner, die mit Maschinen ausgeruestet sind, koennen
Wohlstand im Uebermass schaffen, und wenn das, was wir wollen,
Wohlstand im Uebermass fuer viele Menschen ist, so besteht
die Aufgabe darin, die Produktion ueberall dadurch hochzutreiben, indem mechanische Muskeln fuer die menschlichen Muskeln
eingesetzt werden.
Lassen Sie mich nun andererseits zu dem zweiten Punkt
kommen, den ich fuer die verhaeltnismaessig sichere Position
des Kapitalismus in den Vereinigten Staaten voranstelle: die
gleichmaessige Verteilung des Wohlstandes. Die Produktivitaet
hat uns die Gelegenheit geboten, aus Millionen unserer Buerger
"KaDitalisten" zu machen. Peter Drucker hat eine treffende
Feststellung zu diesem Punkt gemacht:
"Wir haben in diesen 50 Jahren gelernt, dass die Produktivitaet ein sozialer Prinzip und nicht einfach ein wirtschaftliches Prinzip ist. Anders ausgedrueckt, die gesteigerte Produktivitaet muss zu einem groesseren Einkommen fuer Viele beitragen sowie zur groesseren Arbeitsplatzsicherheit der Arbeiter und zur groesseren Zufriedenheit des Verbrauchers, um
ueberhaupt p:ut zu sein. Es genuegt nicht, dass sie lediglich
zu Profiten beitraegt."
Ein Blick auf das veraenderte Schema der Wohlstandsverteilung in den Vereinigten Staaten wird diese Aeusserung aus- 6 -

�gezeichnet beleuchten.
Die Statistik zeigt, dass fuer die amerikanische Bevoelkerung von 153 Millionen beinahe 40 Millionen Automobile
vorhanden sind. Hier aber einige Zahlen, die mir noch bedeutungsvoller erscheinen. Im Jahre 1949 erhielten 26$ aller nordamerikanisehen Lohnempfaenger 3000 Dollar oder mehr an Loehnen und Gehaeltern. Zehn Jahre vorher jedoch, im Jahre
1939, bezogen nur 15# der US-Lohnempfaenger ein Einkommen
von gleicher Kaufkraft - ein Zuwachs von beinahe 70$ innerhalb eines Jahrzehnts. Fuer den Umschwung, der zwischen
1900 und 1950 stattgefunden hat, sind keine zuverlaessigen
Ziffern vorhanden. In jeder Dekade ist aber ein zunehmender
Prozentsatz des Insgesamt erzielten Wohlstandes zu der niedrigeren Einkommensgruppe gewandert.
Diese Medaille hat natuerlich auch eine Kehrseite. Die
hoechste Einkommensgruppe in Amerika hat in den fuenf Jahrzehnten zwischen 1900 und 1950 einen stark abfallenden Prozentsatz des insgesamt erzielten Wohlstandes erhalten. Die
meisten Mitglieder der US-Delegation koennen persoenlich bezeugen, dass ihre Einkommen, brutto und netto, waehrend der
zwei vergangenen Jahrzehnte betraechtlich gesunken sind.
Der Abstand zwischen dem Einkommen des Praesidenten einer
Gesellschaft und dem am niedrigsten bezahlten Arbeiter hat
sich betraechtlioh verringert.
Wir sind im Endergebnis eine Nation geworden, in der,
vom materiellen Standpunkt gesehen, Klassenunterschiede nicht
mehr von besonderer Bedeutung sind. So wurde erst kuerzlich
in einer Umfrage der Zeitschrift "Fortune" die Frage gestellt
"Zu welcher Klasse gehoeren Sie?" Das Ergebnis war eine
Bestaetigung von fast 90$ aller Befragten, dass sie sich zum
Mittelstand rechnen.
Wir gehoeren einfach alle zum Mittelstand und sind stolz
darauf. Darum wuerden auch, wenn irgendeiner eine Neuverteilung des Reichtums vorschlagen wuerde, fast alle von uns mit
der Frage antworten: "Wessen Reichtum?" Denn fast alle von
den 40 Millionen Familien haben privates Eigentum in der einen
oder anderen Form. Diese 40 Millionen Familien sind sich
ferner der Tatsache bewusst, dass sie an jeder Steigerung des
Gesamtwohlstandes teilnehmen werden.
Vielleicht besteht daher allgemeines Einverstaendnis
unter uns allen darueber, dass unsere Energien in erster Linie auf die Vergroesserung des zu teilenden Bratens gerichtet sein sollten, als diese Energien in Streitigkeiten darueber zu- zersplittern, wieviel jeder von dem augenblicklich
zur Verfuegüng stehenden Braten zu erhalten hat.
Die beste Art, Ihnen jene Form, die ich als sozialbewussten"Kapitalismus" bezeichnete, zu erlaeutern, ist die,
Ihnen von einem Forum zu berichten, an dem ich kuerzlich in
der Stadt New York teilnahm.
An diesem Forum nahm eine Anzahl Wirtschafter teil, aber der
groesste Teilder Versammlungsteilnehmer waren Intellektuelle
Maenner wie Erwin Canhan, Russell Davenport, Peter Drucker,
Lewis Galentiers, Harry Gideonse und Frank Tannenbaum. Unser
Thema lautete: "Was hat der amerikanische Kapitalismus fuer
und gegen die einzelnen Menschen waehrend der vergangenen 50
- 7 -

�Jahre unternommen?n Dies war eine Frage, mit der man sich
nach unserer Ansicht, ehrlioh auseinanderaetzen muss. Schliesslich liegt die grundsaetzliche Rechtfertigung der freien Gesellschaft in der Gelegenheit, die sie allen Mensohen als
Einzelpersonen gibt, ihre natuerlichen Faehigkeiten zu verwirklichen. In der Ideologie des Kremls lebt der Mensch, um
dem Staat zu dienen; in unserer Ideologie lebt der Staat, um
dem Menschen zu dienen. Wie weit hat, so fragen wir uns,
Amerika seinen Buergern gedient?
Waehrend des ersten Teils der Versammlung versuchten wir
abzuschaetzen, was seit 1900 in den Vereinigten Staaten, hinsichtlich der Moeglichkeit vorwaertszukommen und sich zu entwickeln, geschehen ist,* und ob. die Amerikaner waehrend des
letzten Jahrhunderts in materieller, bildungsmaessiger und
geistiger Hinsicht tatsaechllch fortgeschritten oder zurueokgefallen sind.
Es bestand einstimmiges Einvernehmen darueber, dass, soweit es. sich um den materiellen Fortschritt des Einzelnen handelte, ein V'unäer geschehen ist. Quantitativ und qualitativ
haben sich seine Moeglichkeiten ungeheuer vervielfacht. Im
Jahre 1900 verfuegte Amerika ueber 27 Millionen Arbeitsplaetze nur mittelmaessige Arbeitsplaetze - fuer eine Nation von 75
Millionen Menschen. Im Jahre 1915 waren 62 Millionen Arbeitsplaetze verfuegbar fuer 150 Millionen Mensohen - und diese
Arbeitsplaetze waren auch weitaus besser. Die Realloehne der
Fabrikarbeiter hatten sich mehr als verdoppelt, Versicherungs-,
Pensions- und Gesundheitsplaene fuer die Arbeiter hatten allgemeine Annahme göf undenf und die Arbeitsstunde ist von 60
auf 40 Stunden pro Woche gesenkt worden.
Im Jahre 1900 waren die materiellen Vorteile unseres
Wirtschaftssystems weitgehend auf eine kleine Gruppe an der
aeussersten Spitze der Wirtschaft besohraenkt. Im Jahre 1945
ist, wie wir gesehen haben, unser weitaus groesserer Wohlstand viel gleichmaessiger auf die ganze Bevoelkerung verteilt.
Bei der Frage der bildungsmaessigen Gelegenheiten des
Einzelnen bestand abermals Einvernehmen - ein Wunder hat auch
hier stattgefunden. Am Ende des letzten Jahrhunderts waren
nur 7% aller Kinder der Vereinigten Staaten, die sich im Alter der hoeheren Schueler befanden, noch in der Schule. Im
Jahre 1945 war diese Gesamtzahl auf 80% gestiegen. Im Jahre
1900 hatten wir 7200 Hochschul- und Universitaetsprofessoren.
Heute haben wir mehr als die zehnfache Zahl davon - mehr als
72,000. Seit der Jahrhundertwende ist die Zahl unserer Abiturienten (College Graduates) sechsmal so schnell gestiegen
wie die Zahl der Bevoelkerung.
Bei der Frage nach den Moeglichkeiten des geistigen Fortschritts kamen wir bei der Erwaegung des Fuer und Wider zu
dem Schluss, dass wir vorwaertsgeschritten sind. Wir stellten fest, dass im amerikanischen Leben ein Nachlassen der Heuchelei und eine Abnahme des Vorurteils und der Intoleranz
stattgefunden hat. Wir stellten das Aufkommen neuer und besserer Beziehungen zwischen grossen Gruppen der .Bevoelkerung
fest sowie die Entwicklung von neuen Masstaeben des persoenlichen Verhaltens und neuer Einsichten in die gegenseitige Abhaengigkeit aller Amerikaner.

- 8-

�Die Moeglichkeiten in allen dieser drei Gruppen sind Angelegenheiten des "sozialbewussten Kapitalismus". Wir sind jedoch
darueber erfreut ueber die Erklaerung unserer Intellektuellen,
dass Fortschritte erzielt worden sind. Bitte erhalten Sie
aber nicht den Eindruck, dass irgendeiner von uns auch nur
den Gedanken hatte, dass wir ueber eine erledigte Seche sprachen. Was am klarsten herausgestellt wurde, war der Weg, den
wir noch zurueckzulegen haben, bevor wir alle die Zuversicht
haben koennen, die es nur gibt, dass der Kapitalismus, sogar
der sozialbewusste Kapitalismus, als gesichert angesehen werden kann. Jedesmal, wenn wir glauben, dass die „Aufgabe in
materieller, bildungsmaessiger und geistiger Hinsicht mehr
fuer mehr Menschen zu tun, beendet ist, sind wir selbst am
Ende.
loh moechte nun noch etwas ueber Europa sagen.
Ich nehme an, dass ich genuegend Empfehlungsschreiben
von Ihnen fuer diese Aufgabe besitze. Waehrend meiner Taetigkeit bei der ECA hatte ich zwei Jahre den Vorzug, die Wirtschaft Europas zu betrachten; Jahre, die meinen eigenen Standpunkt unermesslich erweitert haben und mir neuen und tiefen
Respekt fuer alles abgenoetigt haben, was Europa ist und darstellt. Ich glaube das Recht des Freundes zu haben, Dinge
zu erlaeutern, die von groesster Bedeutung fuer uns alle sind.
Ich moechte zuerst ueber die Moeglichkeiten zur Steigerung der euronaeisohen Produktivitaet sprechen. Wir alle
wissen natuerlich, dass das Wort Produktivitaet eine Vielzahl
von Gedanken und Taetigkeiten, Planungsfaehigkeit, Arbeitnehmerkoennen, Maschinenausruestung und Anordnung von Maschinen,
Methoden, Entwuerfen und moralische Fragen umfasst, - nur um
einige zu nennen. Der grundsaetzliche Faktor aber, der Faktor, von dem alle Anstrengungen, die Produktivitaet zu heben,
abhaengen, ist die elektrische Kraft. Wir koennen ein scharfes Bild von ihrem Wirkungsvermoegen fuer die Produktivitaet
in Europa erhalten, indem wir anerkennen, dass die Erzeugungsmoeglichkeiten sehr fest mit dem vorhandenen Strom verknuepft
sind.
Die US-Erzeugung pro Kopf ist aber 2^ mal so gross wie
die europaeische Erzeugung pro Kopf. Diese Tatsache /wirft
jedoch keinerlei Schatten auf die europaeisohen Arbeiter.
Der wesentliche Punkt dieser Angelegenheit ist, dass hinter
jedem amerikanischen Arbeiter 2t mal so viele Pferdestaerken
stehen, 2&amp; mal so viel maschinelle Muskeln, die ihm helfen,
als bei seinem europaeisohen Gegenueber.
Hier sollte man sich an das Folgende erinnern: Der Vorteil, dessen sich der amerikanische Arbeiter hinsichtlich
der vorhandenen Pferdestaerken erfreut, entstand allein waehrend der letzten 50 Jahre. Im Jahre 1900, soweit es sich
noch bestimmen laesst, standen Europa und die Vereinigten
Staaten hinsichtlich der Pferdestaerken auf gleicher Höhe.
Tatsaechlioh entfielen bei Beginn des Jahrhunderts auf beiden Seiten des Atlantik nur etwa 3/4 Pferdestaerken auf den
einzelnen Arbeiter*. In Amerika aber schnellte sie auf mehr
als 8 Pferdestaerken pro Arbeiter empor, waehrend die Ziffer
fuer Europa im Jahre 1950 etwa 2 3/4 Pferdestaerken pro Arbeiter betrug.
- 9-

�Wenn die westeuropaeische Erzeugung pro Kopf im Jahre 1950
der der Vereinigten Staaten entsprochen haette, so haette hier
das Brutto-Volkseinkommen 500 Milliarden Dollar anstelle von
170 Milliarden Dollar betragen.
Damit Sie nioht denken, das3 ich einen gefuehllosen oder
pessimistischen Standpunkt einnehme, lassen Sie mich schnell
hinzufuegen, dass ich bei der ECA sehr erfreut war, festzustellen, dass die europaeische Wirtschaft den Problemen der
Kraftsteigerung einen grossen Vorzug einraeumten. Ich moechte erwaehnen, dass wir in der ECA diesen Anstrengungen jede
Unterstuetzung gaben und andererseits ermutigt wurden, die Ergebnisse in kurzer Frist in Erscheinung treten zu sehen.
In den wenigen Tagen meiner neuerlichen Anwesenheit in
Europa habe ich erneut die Entschlossenheit bemerkt, die tausend Dinge zu tun, die erforderlioh sind, um die Produktivitaet zu steigern. Und wenn ich feststelle, dass dieses nur
ein guter Anfang der Aufgabe ist,, so meine ich lediglich, dass
wir einen erweiterten Austausch von Personen haben sollten,
mehr technische Berater, die den Ozean in beiden Richtungen
kreuzen, mehr Lehrgaenge fuer fortschrittliche Produktionsmethoden, fuer leitende Angestellte vom Vorarbeiter aufwaerts.
Erst vor ein paar Tagen erfuhr ich von zwei Vorfaellen
aus der Praxis dieses Programms. Der Leiter der Eisengiesserei in einer franzoesischen Fabrik fuhr nach den Vereinigten
Staaten im Rahmen eines technischen Unterstuetzungsprogramms
der ECA. Bei seiner Rueckkehr stellte er seinen Maschinenpark
um, vereinfachte die Arbeitsgaenge und schulte sein Personal
fuer die neuen Aufgaben.
Das Ergebnis: Die Arbeitsstunden pro erzeugte Tonne
fielen von 222 auf 83, die Preise wurden um 25% gesenkt, die
Loehne stiegen um 20% - und sein gesamter Arbeitsvorgang wandelte sich voellig um! Dieses ist natuerlich ein Ausnahmefall,
es ist aber ein Fall, der die Moeglichkeiten, die in der gesteigerten Produktivitaet ruhen, beispielhaft veranschaulicht.
Ein weiteres Beispiel: Eine franzoesische Schuhfabrik
schickte, ebenfalls im Rahmen des ECA "Technical Asslstanoe
Programm", einen Stab von Technikern naoh den Vereinigten
Staaten. Aenderungen in den Arbeitsmethoden nach ihrer Rueokkehr erbrachten eine Erzeugungssteigerung von 20%. Die neue
Leistungsfaehigkeit in der Fertigung ermoeglichte es dieser
Gesellschaft, trotz scharfer Steigerung der Materialkosten
ihre Preise beizubehalten. Weiterhin berichtete mir ein Textilfabrikant von der Steigerung seiner Produktion von 72 auf
92% der theoretischen Produktionskapazitaet, ohne eine einzige
neue Maschine aufzustellen.
Ich erinnere mich sehr gut des Misstrauens, dem das erste
technische unterstuetzungsprogramm der ECA begegnete. So war
es fuer mich bei meiner Rueckkehr sehr erfreulich, zu entdecken,
dass das neue Wort "Produktivitaet" ein wirksames und pofiulaeres Thema in der Unterhaltung, in Zeitungen und Zeitschriften
ist.
Da die Produktivitaet in Europa weiterhin ansteigt, glaube
ich mit Sicherheit voraussagen zu koennen, dass sie hier einige
ueberrasehende Veraenderungen in der Verteilung des Wohlstandes,
d".h. in weitestem Masse der Verteilung des neu geschaffenen
- 10

�Wohlstandes, erleben werden. Waehrend der ganzen Zelt, die
ich bei der ECA war, hoffte loh, dass irgendein europaeisoher
Fabrikant den gleichen, kuehnen und schöpferischen Schritt
unternehmen wuerde, den Henry Ford damals im Jahre 1914 unternahm - einer Handlung, die meines Erachtens wie keine andere
dazu beigetragen hat, das wirtsohaftliohe Denken unserer Generation zu varaendern.
Eines sohoenen Tages erklaerte Ford, dass er von nun ab
jedem Angestellten seiner Fabrik mindestens fuenf Dollar pro
Tag zahlen wuerde. Diese Ankuendigung liess die Welt aufhorchen. Ganz bestimmt liess es die Vereinigten Staaten aufhorchen, denn schon zu dieser Zeit, als Henry Ford diese Ankuendigung machte, gehoerten die Arbeitnehmer seiner Fabrik zu
den hoeQhstbezahlten des Landes und verdienten durchschnittlich etwa zwei Dollar pro Tag.
Fords Schritt basierte auf einem sehr einfachen Gedanken:
Er konnte nicht alle Wagen verkaufen, die er zu verkaufen hoffte, wenn nicht viele Leute genug Geld verdienten, um sie zu
kaufen. Er hatte kein Interesse fuer einen Klassenmarkt; er
wollte einen Massenmarkt, und wenn er einen Massenmarkt wuenaohte, so war es das Beste, diesen selbst zu schaffen.
In der Frage des Massenmarktes und der Kaufkraft hat vielleicht niemals jemand ergreifendere Erfahrungen gemacht als
ich. Nach dem ersten Weltkrieg gab es kaum einen Arbeiter
in der Studebaker-Fabrik, der genug verdiente, um einen unserer
Wagen zu kaufen. Im Jahre 1920 erhielten die Studebaker-Arbelter durchschnittlich 1200 Dollar im Jahr und unter den Kaeufern unserer Erzeugnisse waren die Studebaker-Arbeiter auffallenderweise unter den Fehlenden.
Nach dem zweiten Weltkrieg war die Lage gaenzlich anders.
Eins der schwersten Probleme, dem ich als Praesident der Studebaker-Gesellschaft gegenueberstand, war das, die 10 oder 13,000
Arbeitnehmer zu ueberzeugen, dass sie mit einer grossen Zahl
anderer kaufhun^riger Amerikaner anzustehen hatten und zu warten, bis sie fuer ein neues Autq^an die Reihe kommen - eine derartige Anzahl von Auftraegen fuer Studebaker-Automobile hatten
wir damals von den Studebaker-Arbeitnehmern.
Der Grund hierfuer? In Dollars von 1920 ausgedrückt betrug das Durchschnittseinkommen unserer Arbeitnehmer gut ueber
3,000 Dollar im Jahr, d.h. die Realloehne dieser Maenner hatten
sich um mehr als das 2£fache erhoeht.
Ich habe gesagt, dass wir unsere Aufgaben jenseits des Atlantik mit dem Gefuehl einer nie ganz abzuschliessenden Tätigkeit betrachten. Dieses gilt ebenso ueberall dort, wohin wir
in der freien Welt blicken - es bleibt viel nichtabgeschlossene
Arbeit zu tun. Diesen Problemen nachzugehen, das moechte ich
eindruecklich betonen, bedeutet die Bereitschaft, sich von
Tradition und Gewohnheiten zu trennen. Es bedeutet das Niederreissen der Barrieren zwischen den Menschen, gleichgueltig,
ob es wirtschaftliche, politische oder soziale Schranken sind.
Es bedeutet das Vermeiden jeder Fallstricke, Wie die Einrichtungen der Kartelle, Monopole und Schutzzoelle. Es bedeutet
das staendige Handeln mit der Ueberzeugung, dass, um mehr zu
haben, jedermann mehr produzieren muss. Es bedeutet die Entwicklung und Ausdehnung der Massen-Energie, der Massenproduktion, des Massenverkaufs und der Massenmaerkte, da jedes voö
dem anderen abhaengig ist.
- 11 -

�Ich kenne die Menschen Europas und seine Industriefuehrer
gut genug, um tiefen Resjekt fuer ihre Faehigkeiten zu besitzen, diese Aufgabe zu erfuellen.
Als ich im vorigen Jahr meine Taetigkeit bei -der ECA abschloss, war ich zu einigen Schluessen gelangt, die sich kurz
umreissen lassen: Die wirtschaftlichen Moeglichkeiten Westeuropas sind gewaltig. Dieses Gebiet der Erde ist, im ganzen
gesehen, mit Rohstoffquellen gesegnet. Mann fuer Mann sind
diese Menschen in der Produktivitaet allen anderen Menschen
auf der Welt kraeftemaessig gewachsen. Wenn Westeuropa nur
aus dem Nutzen ziehen wird, was es besitzt, so kann es einen
sensationellen Sprung vorwaerts machen.
Ich moechte klar herausstellen, dass ich hier nicht die
Verhaengung eines amerikanischen Planes fuer europaeische Einrichtungen und Methoden vorschlage. Gleichzeitig jedoch bin
ich voellig ueberzeugt, dass, wenn dieser dynamische Vorwaertssprung erreicht werden soll, Europa den drei Faktoren
volle Beachtung schenken sollte, die grundsaetzlich zu dem
Fortschritt der Vereinigten Staaten im letzten halben Jahrhundert beigetragen haben: Gesteigerte Produktivitaet,
gleichmaessigere Verteilung des Wohlstandes und ein sozialbewussteres Herangehen an die Aufgaben der Industrie.
Ich habe ueber die Vereinigten Staaten gesprochen und
ich habe ueber Europa gesprochen. Ich habe versuoht, meine
tiefe üeberzeugung auszudruecken, dass es feststehende und bewaehrte Mittel gibt, die emporschnellende Forderung der Menschen fuer ein besseres Leben ueberall zu erfuellen und dass
wir durch Ausnutzung dieser Methoden und ihre Durohfuehrung
alle gluehenden Versprechen des Kreml in den Schatten stellen
koennen.
Ich moechte mit dem Ausdruck einer noch gluehenderen
üeberzeugung schliessen: Die freien Voelker Europas und die
Vereinigten Staaten muessen zusammenhalten, zusammenarbeiten und, wenn noetig, ihre Freiheit gemeinsam verteidigen.
Wenn die freie Welt ihre Quellen ausnutzt, wenn sie die
grosse dynamisohe Macht der Freiheit selbst voll einsetzt, so
kann sie in dieser Dekade der 50er Jahre einen derartigen
Fortschritt erzielen, dass es keine Macht jemals wagen wird,
sie anzugreifen. Ich versichere, dass die Moeglichkeit fuer
gemeinsame Werke so gross ist, dass die enttaeuschten und
einsamen Menschen, die auf uns durch die eisernen und die Bambusvorhaenge blicken, von sich aus entscheiden werden, dass
sie Anspruch auf den besseren Lebensstil haben, den sie bei
uns sehen. Sie werden sich selbst gegen das Regime entscheiden, dass sie gefangen haelt.
Tatsaechlich, wenn die freien Voelker der Welt das leisten, was sie, wie ich weiss, leisten koennen, so werden sie
in der Lage sein, das klassische Schlagwort der Marxisten gegen sie zu kehren und den enttaeuschten und versklavten Arbeitern hinter den eisernen Vorhaengen sagen koennen: "Erhebt
Euch, Ihr habt nichts zu verlieren als Eure Ketten."
AUS DER ARBEIT DER FINNISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Die finnische Gewerkschaftsbewegung sah sich unter dem
Druck inflationistischer Tendenzen und kommunistischer Propa- 12 -

�ganda in den beiden letzten Jahren gezwungen, eine Reihe von
Lohnforderungen zu stellen. Drei allgemeine Lohnerhoehungen
wurden im Jahre 1950 gewaehrt. In den vergangenen Monaten
hat sich die sozialdemokratische Mehrheit in dem Finnischen
Gewerkschaftsbund (SAK) jedoch damit einverstanden erklaert,
mit der Regierung einen "wirtschaftlichen Waffenstillstand"
zu schliessen, um die Stabilisierung zu foerdern. Zwei Faktoren, die die wirtschaftliche Lage in Finnland schwierig gestalten, sind die Nachbarschaft der Sowjetunion und die grosse
Zahl der Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung.
Bei den Gewerkschafts- und Parlamentswahlen im Ffuehjahr und
Sommer 1951 konnten sich die Sozialdemokraten jedoch eine
groessere Mehrheit sichern, als sie in den vergangenen Jahren
je hatten, und damit eine Atmosphaere schaffen, in der es
leichter war, ein Wirtschaftsprogramm zur Stabilisierung der
nationalen '.Virtschaft durchzufuehren.
Auf seinem Kongress im Juni 1951 beschloss der Finnische
Gewerkschaftsbund auf Abstimmung, endgueltig aus dem kommunistischen /Weltgewerkschaftsbund auszutreten. Dieser Entschluss war die letzte Phase eines Programms, das sich die
sozialdemokratische Mehrheit innerhalb der Gewerkschaftsbewegung Finnlands zu Ende des Jahres 1949 zum Ziel gesetzt
hatte.
In mancherlei Hinsicht ist das Gesetz ueber Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in Finnland
den entsprechenden Gesetzen seiner skandinavischen Nachbarlaendern sehr sehnlich. In Finnland konnten jedoch in den 20er
und 40er Jahren keine sehr friedlichen Beziehungen innerhalb
der Industrie Zustandekommen. Weniger als die Gesetzgebung
waren es die Kriegsverhaeltnisse waehrend der sowjetischen Besatzung, die eine Festigung der Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und Unternehmern herbeifuehrten.
Gemeinsam mit anderen, demokratisch gesonnenen Gewerkschaften in Finnland schloss sich der Finnische Gewerkschaftsbund dem Weltgewerkschaftsbund nach seiner Gruendung im Herbst
1945 an. Die guten Gewerkschafter glaubten damals, dass Gewerkschaftsbewegungen mit verschiedener politischer Orientierung auf nichtpolitischer Basis zusammenarbeiten koennten, um
gemeinsam die Arbeitsbedingungen in allen Teilen der Welt zu
verbessern. Zu jener Zeit hatten die Sozialdemokraten die
Mehrheit im Exekutivausschuss des Finnischen Gewerkschaftsbundes, obwohl einige der groessten Mitgliedsgewerkschaften, vor
allem die der Transport-, Forst-, Floss-, Textil-, Holz- und
Moebeiarbeiter kommunistischer Kontrolle unterstanden. Auch
nach dem Kongress im Jahre 1947 konnten die Sozialdemokraten
ihre Mehrheit aufrechterhalten, wenn auch sechs von den 14
Mitgliedern des Exekutivausschusses, der damals fuer vier
Jahre gewaehlt wurde, Kommunisten waren.
In der Zeit von Juni bis September 1949 fanden mehrere
kommunistisch inspirierte Streiks ohne Zustimmung des Exekutivausschusses des Gewerkschaftsbundes statt. Dadurch wurde der
Bruch mit dem .'/eltgewerkschaftsbund herbeigefuehrt. Rene
Arachard, der damalige .Generalsekretaer der franzoesischen Bauarbeitergewerkschaft und Ausschussmitglied in der Berufsabteilung des Weltgewerkschaftsbundes fuer Baustoffe aus Holz und
Bauhandwarke, kam kurz nach Ausbruch dieses Streiks nach Finnland. Vermutlich hatte er die Absicht, die-Spaltung innerhalb
- 13 -

�der finnischen Gewerkschaftsbewegung in kommunistisch gefuehrte und sozialdemokratische Gewerkschaften zu ueberpruefen.
Die sozialdemokratische Mehrheit zweifelte an dem Recht der
Weltgewerkschaftsbewegung, sich in ein rein internes Problem
einzumischen. Dieser Gruppe missfiel besonders die Tätigkeit
Arachards, der einen starken Hang nach den kommunistischen
Gewerkschaften hin hatte und die Meinung des finnischen Gewerkschaftsbundes nicht teilte, dass diese Streiks illegal
waeren. Kurz danach stellte der Finnische Gewerkschaftsbund
seine Beitragszahlungen an den Weltgewerkschaftsbund ein, besohloss jedoch, die endgueltige Entscheidung ueber den Austritt aus dem Weltgewerkschaftsbund dem Kongress im Jahre
1951 zu ueberlassen.
Als Sofortmassnähme gegen die wilden Streiks im Jahre
1949 stiess der Eiekutivausschuss sieben kommunistische Gewerkschaften wegen illegaler Streiktaetigkeiten voruebergehend
aus dem Gewerkschaftsbund aus. Zu Ende September 1949 waren
fuenf dieser Gewerkschaften unter der Bedingung wieder aufgenommen worden, dass sie in Zukunft die Satzungen und Beschluesse
des Gewerkschaftsbundes respektieren. Zwei grosse kommunistische Gewerkschaften, die Finnische Transportarbeiter- und die
Forst- und Flossarbeitergewerkschaft waren im Juli 1951 noch
nicht wieder aufgenommen worden.
Nach den Ereignissen der Jahre 1949 und 1950 steigerten
kommunistische Organisationen in Finnland und in der Sowjetunion ihre Bemuehungen, um innerhalb der finnischen Gewerkschaftsbewegung Fuss zu fassen. Aber sie hatten dabei nur
wenig Erfolg. In den Reihen des Finnischen Gewerkschaftsbundes selbst versuchten Kommunisten erfolglos, diese Organisationen dazu zu bringen, sich der kommunistischen Bewegung der
"Friedenspartisanen" anzuschliessen. Eine Delegation des Weltgewerkschaftsbundes, die im Juni 1950 Finnland besuchte, unternahm den Versuch, wieder gute Beziehungen zwischen den beiden Organisationen herzustellen, waehrend die "Sowjetische
Gesellschaft fuer kulturelle Beziehungen mit dem Ausland"
(VOKSJ bemueht war, die Zahl finnischer Gewerkschaftsdelegationen zu vergroessern, die 1950 die Sowjet-Union besuchten.
Zwar besuchten einige Gewerkschaftsdelegationen die SowjetUnion, aber im allgemeinen hatte der Weltgewerkschaftsbund
in seinen Bemuehungen nur wenig Erfolg.
Inzwischen waren auch die Sozialdemokraten nicht untaetig geblieben. Vom Beginn der Streiks an hatten sozialdemokratische Gewerkschafter versucht, Nichtkommunisten in kommunistisch gefuehrten Gewerkschaften fuer sozialdemokratische
Gewerkschaften zu gewinnen. Die Gewerkschaft der Lastwagenfahrer fuehrte eine Warbekampagne durch, um die Mitglieder
der kommunistischen Transportarbeitergewerkschaft "herueberzuholen". Die Gewerkschaft der Landarbeiter versuchte, die
Forst- und Flossarbeitergewerkschaft durch Uebernahme ihrer
Mitglieder zu schwaechen. Der Erfolg war, dass man gegen
Ende des Jahres 1950 die Mitgliedszahl der beiden ausgeschlossenen Gewerkschaften nur noch auf 60% der Zahl des Jahres 1948
sohaetzte. Die Mitgliederzahl der beiden antikommunistischen
Gewerkschaften war jedoch nicht entsprechend angestiegen.
Die Mitgliedsstaerke der meisten finnischen Gewerkschaften
war tatsaechlich im 2. Quartal des Jahres 1950 niedriger als
1948. Dieser Rueckgang ist zum Teil auf den Austritt einiger
Antikommunisten aus kommunistischen Gewerkschaften zurueckzufuehren, die jedoch nicht in andere Gewerkschaften eintraten,
- 14 -

�und zum Teil auf die Abnahme der Mitgliedszahl in Gewerkschaften mit sozialdemokratischer Fuehrung, was vermutlich mit der
Unzufriedenheit der Mitglieder ueber den geringen Erfolg in
der Durchfuehrung des Wirtschaftsprogramms des Finnischen
Gewerkschaftsbundes zu erklaeren ist. Im April 1950 zaehlte
der Finnische Gewerksohaftsbund etwa 265 000 Mitglieder in
37 Landesgewerkschaften, verglichen mit rund 304 000 und
342.000 Mitgliedern in den Jahren 1948 bzw. 1947, als die Mitgliedstaerke am groessten war.
Im April 1951 waehlten die Mitgliedsgewerkschaften des
Finnischen Gewerkschaftsbundes Delegierte zu ihrem Vierjahreskongress. Bei diesen Wahlen konnten die Sozialdemokraten
152 Mandate gewinnen, waehrend den Kommunisten nur 65 und
der nichtpolitischen Seeleutegewerkschaft nur fuenf Mandate
zufielen. Verglichen mit dem Kongress im Jahre 1947, bedeutete dies, in Zahlen ausgedrueckt, eine Steigerung der nichtkommunistischen Staerke von 57 auf 68j# und eine Abnahme
der kommunistischen Staerke von 43 auf 29$.
Soziale Wechselbeziehungen
Die politischen und wirtschaftlichen Umstaende in Finnland haben dazu gefuehrt, dass durch Arbeitsstreitigkeiten
eine grosse Zahl von Arbeitsstunden verlorenging. In den
20er Jahren war die Zahl sehr hoch und erreichte im Jahr
1927 ihren Hoehepunkt in der finnischen Wirtschaftsgeschichte,
naemlioh 1,529.182 Arbeitsstunden, die durch Streiks verlorengingen. Der Hauptgrund zu diesen Streiks war die Lohnfrage.
Bevor der Acht-Stundentag im Jahre 1917 gesetzlich festgelegt
wurde, drehte es sich bei Arbeitsstreitigkeiten hauptsaechlich
um die Arbeitszeit. Seit 1920 aber wurde praktisch kein
Streik wegen der Arbeitszeit gefuehrt.
Das Tarifverhafldlungswesen und die Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten in der finnischen Industrie wurden nach dem
ersten Weltkrieg und erneut im Jahre 1946 gesetzlich geregelt.
In diesen Gesetzen sind die Bestimmungen festgelegt, die
Tarifvertraege enthalten muessen. Sie regeln ausserdem die
Ausserkraftsetzung eines Tarifvertrages und bestimmen, wie
Verletzungen von Vertra9gen zu bestrafen sind. Fuer die meisten Industriezweige sind Tarifvertraege abgeschlossen, die
sich im allgemeinen auf Loehne, Arbeitszeit, Rahepausen, Arbeitsverteilung, Vsrtragsende und andere Bestimmungen erstrecken.
Das Tarifvertragsrecht fuer Personen, die vom Staat beschaeftigt sind, wurde gesetzlich zum ersten Male im Jahre
1942 garantiert, obwohl die Angestellten der Regierung bereits
seit 1922 in dem "Verband der Intellektuellen Arbeiter" gewerkschaftlich organisiert waren.
Die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
wurden in den ersten Arbeitsgesetzen kaum erwaehnt (Gesetz
ueber Tarifvertraege aus dem Jahre 1924). Guenstige Bedingungen zur Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die in dieser Gesetzgebung leider nicht geschaffen
worden waren, entwickelten sich erst nach dem Winterkrieg
mit der Sowjetunion von 1939 auf 1940. Am 24. Januar 1940
wurde ein allgemeines endgueltiges Abkommen von den Dachorganisationen der Gewerkschaften und der Unternehmer unterzeichnet, nachdem ueber gemeinsame Probleme in gegenseitigen Ver- 15 -

�trauen verhandelt werden sollte. Dieses Abkommen erwies sich
jedoch als zu allgemein gehalten, um die Beziehungen zwischen
den beiden Partnern foerdern zu koennen.
Ein anderes allgemeines Abkommen, das 1944 vom Finnischen
Gewerkschaftsbund und der Zentralfoederation Finnischer Arbeitgeber getroffen worden war, wurde 1946 erneuert. Es bildet
die Grundlage fuer Verhandlungen zwischen den Organisationen,
fuer Verfahren zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten, Iwaehrend der Gueltigkeit des Abkommens sind Streiks nicht erlaubt)
fuer die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
und die Vertretung der Arbeiter auf betrieblicher Ebene.
Monthly Labor Review
VI11/51
AMERIKANISCHE HJftFS ORGANISATI CT FEIERT

ZSHNJAEHRIGES

BESTEHEN

Philip Murray, der Vorsitzende des CIO, teilte vor kurzem
mit, dass der Ausschuss des CIO fuer Gerneinschaftshilfe zur
Unterstuetzung der Opfer des zweiten Weltkrieges und des Krieges in Korea bisher 30 Millionen Dollar fuer andere Laender
aufgewendet hat.
Murray sprach am £. Oktober bei einem Bankett in Detroit,
das anlaesslich des 10. Jahrestages der Gruendung dieses Ausschusses gegeben wurde. Der Koehepunkt dieser Zusammenkunft
war die Ueberreichung des von diesem Ausschuss gestifteten
"Philip Murray Preises" an den Senator James Murray aus Montana "fuer hervorragende Verdienste um die Wohlfahrt der
Menschheit." Murray berichtete, dass grosse Geldsummen noch
waehrend des zweiten Weltkrieges als direkte Hilfe nach Europa
und Asien geschickt wurden. Als Beispiel nannte er die amerikanische Hilfe beim Abtransport von Kindern aus London, die
man in sichereren Landbezirken unterbrachte.
Nach dem Krieg sind Geldmittel zum Wiederaufbau zur Verfuegung gestellt worden', u.a. auch zur Durchfuehrung besonderer gewerkschaftlicher Projekte in 17 Laendern Europas und
Asiens. Er wies darauf hin, dass nicht nur Westeuropa sondern
auch Osteuropa unterstuetzt wurde, bevor der Eiserne Vorhang
eine Scheidewand zwischen Westen und Osten legte und jegliche
weitere Hilfe unmoeglich machte.
lieber das amerikanische Rote Kreuz unterstuetzt der Ausschuss im Augenblick vor allem die Opfer des Krieges in Korea.
Nach dem Krieg wurde der Ausschuss, der bis dahin den Namen
"Kriegshilfsausschuss" trug, umbenannt und seine Taetigkeit
innerhalb Amerikas und auch in Uebersee erweitert. Mehr als
10 000 Mitarbeiter sind in den Vereinigten Staaten und im Ausland fuer den Ausschuss taetig, der insgesamt fuer Hilfsaktionen in Amerika und im Ausland 300 Millionen Dollar verausgabt
hat, wovon der groesste Teil in Amerika blieb.
An der Konferenz nahmen u.a. teil: Walter Reuter, der
Vorsitzende der Automobilgewerkschaft; C. A» Knight, der Vorsitzende der All-Amerikanischen Oelarbeitergewerkschaft; Emil
Rieve, der Vorsitzende der Textilarbeitergewerkschaft,und
James B. Carey, der Vorsitzende der All-Amerikanischen Gewerkschaft der Elektro-, Rundfunk- und Maschinenarbeiter und Hauptkassierer des CIO.
ECA Labor Information
X/10/51
- 16 HIC0O 51 Oet Bl 11989 » V

�V

Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
DU folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 44

Frankfurt,

2. November 1951

IKHALTSVSRZfilCHN
Die groesseren Aufgaben der ECA

IS
«...

1

Bulgarische F l ü c h t l i n g e besiedeln mit Hilfe
des ü a r s h a l l p l a n s unbebaute Gebiete der
Tuerkei

8

Die Gewerkschaft der Filmkomparsen in Amerika 11
Die Bauindustrie hat noch v i e l zu lernen . . .

15

Milton Katz:
DIS GROESSEREN AUFGABEN DER ECA
Wir haben manchmal gedacht, dass wir einen Schluessel zu
dem historischen Prozess der Westwaertsbewegung in den Vereinigten Staaten, dem Prozess de9 "Westzuges", finden koennen.
Da wir uns nach Westen in den Vereinigten Staaten bewegten ich spreche ueber die gesamte, weitlaeufige Volksbewegung auf
dem Kontinent - mussten wir zu jeder Zeit bereit sein, mit den
Indianern zu kaempfen. Man stand unter dem staendlgen Risiko
eines Angriffs von selten der Indianer, und so blieb es, bis
man die Wasser des Pazifik erreichte. Wir hatten diese Lage
hinzunehmen und damit fertig zu werden. Wenn die Leute in
den Vereinigten Staaten nicht darauf vorbereitet gewesen waeren die Indianer zu bekaempfen und dies als einen Teil ihrer
taeglichen Aufgabe ansahen, dann haetten sie sich nicht nach
Westen vorwaerts bewegt.
1

�Wenn es andererseits der alleinige Zweck der Westbewegung
gewesen waere, Indianer zu bekaempfen, waeren wir ebenfalls
nicht nach '.Vesten vorgerueckt. Es war die Aufgabe, eine neue
'.Veit aufzubauen und den grossen amerikanischen Traum zu verwirklichen, der die Leute in Bewegung hielt. £.s war die Verwirklichung der latenten amerikanischen Kraft, als wir westwaert3 zogen. Ein Teil des Prozesses war die Aufgabe, diejenigen, die im Wege standen, beiseite zu stossen. Aber im Grunde genommen war es eine schoepferische Bewegung mit einer stark
empfundenen Zweckhaftigkeit.
Koennen wir fuer die atlantische Gemeinschaft heute irgendetwas entwickeln, das dem gleichkommt, was dies fuer die Amerikaner damals bedeutet hat? Wir haben das amerikanische Glaubensbekenntnis, die amerikanische Doktrin in den Knochen, im
Gefuehl, in den Fingerspitzen und im Blute. Sehr wenige sind
befaehigt, das klar zum Ausdruck zu bringen, jedoch wir alle
reagieren darauf, Es erklaert die Einheit des amerikanischen
Lebens, trotz allen Geschreis, das sie verdunkelt. Wird ein
atlantisches, Glaubensbekenntnis auftauchen, das die fehlenden
bejahenden Komponenten liefert?
Worin bestehen diese bejahenden Komponenten? Sie koennten im Wesentlichen die gleichen sein, naemlich ein Wille,
eine Welt zu schaffen, in der jedes menschliche Wesen seine
latenten Wachstumsfaehigkeiten verwirklichen koennte. Waehrend
wir die notwendige Aufgabe durchfuehren, den Kreml in diesen
Zonen aus der Macht zu verdraengen, mue3sen wir gleichzeitig
dafuer Sorge tragen, eine sich ausdehnende Wirtschaft zu foerdern, um die wirtschaftlichen Vorbedingungen zu schaffen, unter
denen ein volles Gedeihen des Geistigen stattfinden kann.
Lassen Sie uns versuchen, diese Denkweise auf die unmittelbare Aufgabe, unsere Verteidigung und die der freien Welt
aufzubauen, in Anwendung zu bringen. Ich halte es fuer wahrscheinlich und wesentlich, dass diese Aufgabe, wenn wir erfolgreich sein sollen, im Zusammenhang mit einer sich ausdehnenden
Wirtschaft angepackt, durchdacht und ausgearbeitet wird. Ich
denke beispielsweise, dass wir unsere Aufgabe nicht als eine
Aufgabe lediglich fuer das Jahr 1&amp;51 oder das Jahr 1952 zu betrachten haben; wir haben sie als eine Aufgabe anzusehen, die
wir, sagen wir, im Jahre 1947 begonnen haben und die wir etwa
in einer 10-Jahresperiode - also von 1947 bis 1957 - zu bewaeltigen haben.
Gestatten Sie mir, diesen Faden fuer einen Augenblick fallen zu lassen. Ich werde wieder auf ihn zurueckgreifen. Was
ist Europa heutzutage? In vieler Hinsicht ist Europa ein
Schlachtfeld. Auf vielerlei Art und Weise leidet es seit 1945
unter den Attacken der Sowjet Union. Im Jahre 1947 fingen wir
an, uns in diesen Kampfe zu wagen, und zwar mit der Ankuendigung
der Truman-Doktrin und ihrer Anwendung auf Griechenland. Dann
kam der Marshall Plan, aber dieser Kampf hat seitdem weiter gewuetet, jedoch mit einem beachtlichen Mass von Erfolg auf Seiten der freien Laender.
Wenn wir auf den Zeitraum von 19^7 - 1950 zurueckblicken,
koennen wir feststellen, dass wir waehrend di'eser Zeit unsere
eigene Verteidigung vernachlaessigt haben. nV'ir wissen das
jetzt, und wir wissen auch, dass die Welt in einer viel besseren Verfassung gewesen waere, wenn die Vereinigten Staaten einen
11 -

�viel groesseren ausbau ihrer Ruestungan beibehalten haette,
als dies wirklich der Fall war. .Vir wissen ebenfalls, dass
das gleiche fuer Europa gilt, 'fliegen dieser Vernachlaessigung
von 1947 - 1950 muessen wir durch einen besonders intensiven
Nachdruck auf der Ruestungsseite waehrend der naech3ten paar
Jahre einen Ausgleich schaffen, Es wuerde jedoch ein schwerer Fehler sein, wenn wir es zuliessen, dass dies als eine
Preisgabe der Aufgabe, das Los des Menschen zu verbessern,
missverstanden wuerde.
Fuer mich ist es klar, dass wir Kanonen und Brot zuwege
bringen muessen - dass wir es sollten - und dass wir es koennen. &lt;Yir koennen die Ruestungsstaerke Europas und der Kordatlantischen Gene inschaft ausbauen und gleichzeitig den Lebensstandard in Europa erhoehen, sowie die Aussichten auf eine
weitere Verbesserung des Lebensstandards auf lange dicht in
starkem Kasse vergroessern.
Ich moechte jetzt gern diese allgemeinen Ziele und Normen in eine Serie spezifischer Ziele umsetzen. Hier moechte
ich von Dingen sprechen, mit denen sie alle vertraut sind.
Zunaechst handelt es sich einmal um den Aufbau der Verteidigung in Europa.
Zweitens gibt es die nufgabe, Europas Erzeugung und Produktivitaet zu erhoehen;
Drittens besteht die Notwendigkeit, eine viel gerechtere
Verteilung der europaeischen Erzeugung, als sie heutzutage in
weiten Gebieten dieses Kontinents besteht, zu bewirken.
Ich moechte Ihnen nahebringen, dass diese drei Dinge zusammengehoeren. Keines von ihnen ist auf lange Sicht ohne die
beiden anderen zu verwirklichen. Sie sind miteinander verbunden, so wie es etwa das Ziel war, «merika aufzubauen und die
Indianer bei diesem Prozess beiseite zu draengen.
Sie koennen keine erhoehte europaeische Produktivitaet
und einen wirklich hohen Lebensstandard in Europa auf lange
Sicht erreichen, ohne die militaerische Staerke Europas auszubauen. Diese Feststellung mag auf Sie wie ein Schock wirken.
Es ist heute in Europa die weitverbreitete Tendenz vornanden,
an das Jiederaufruestungsprogramm zu denken, als ob man an
Rizinu3oel daechte. Es ist etwas, was Sie schlucken muessen,
aber Sie betrachten es in aeusserst negativer '..'eise. Es wird
als eine schmerzliche, wenn auch notwendige Ablenkung der
Hilfsquellen von der Hauptbeschaeftigung der menschlichen Rasse
angesehen. Man denkt daran als an etwas, das die Genesung,
die europaeische Stabilitaet, unterbindet und die wir alle zuwege zu bringen hoffen, das andere aber nichtsdestoweniger
tun muessen.
Die Ruestung ist nicht nur eine Notwendigkeit fuer die
Erhaltung unserer Freiheit, sondern man kann auch das materielle
Potential Europas ohne diese nicht verwirklichen. Warum? Wenn
Sie auf die Entwicklung Europas zurueckblicken, werden Sie
feststellen, dass die Furcht einer der groessten Einzelfaktoren i3t, die den wirtschaftlichen Fortschritt verhindern. Die
Sowjet-Union ist sich darueber klar, und sie hat die Furcnt
vor dem Kriege und vor der Invasion als wesentlichstes und systematischstes Instrument bei ihrem Angriff auf Europa benutzt.
- 3 -

�Furcht verschaerft und verschlimmert soziale Spannungen
und unterbindet eine gemeinschaftliche Aktion innerhalb der
einzelnen Nationen und untereinander. Sie vertieft den Restriktionismus und den Protektionismus; sie verhindert ein
staerkeres Ansteigen der Investierungen und Flanungen auf
lange Sicht.
Lassen Sie mich dies an dem Falle Frankreich illustrieren. Unsere Leute von der Landwirtschaft haben uns gesagt,
dass es moeglich sein wuerde, die landwirtschaftliche Erzeu-?
gung Frankreichs in vier oder fuenf Jahren zu verdoppeln.
Um das zu erreichen, muessen sie Schritt A, B, C, D, und E
tun. Sie werden diese Schritte auch vornehmen, in der Hoffnung, dass sie zu irgend etwas fuehren werden. In einer Atmosphaere, bei der Sie staendig glauben, dass die Welt um Sie
herum in die Luft gehen wird, unternehmen Sie nicht etwas, was
vier oder fuenf Jahre lang keine Ergebnisse zeitigen wird.
Das Gleiche gilt fuer Investierungsprogramme, Arbeiterschulungsprogramme und aehnliches.
Wir wissen, was die Kapitalflucht fuer Europa bei dem
Versuch, eine stabile Genesung zu erreichen, bedeutet hat,
und wir wissen, dass nichts besser dazu angelegt ist, die
Kapitalflucht zu verringern, als die Verringerung der Furcht
vor dem Kriege. Bevor sich die Voelker './Osteuropas nicht
einigermassen sicher gegen Invasion und Krieg fuehlen, werden
sie nicht die Bedingungen schaffen koennen, die es den Voelkern
//Osteuropas ermoeglichen, die latenten wirtschaftliohen Moeglichkeiten dieses reich gesegneten Kontinentes zu verwirklichen.
Behalten Sie das im Auge. Erinnern Sie sich deren, dass es
gerade so wahr ist, dass Sie eine wirkliche Verteidigung
Europas nicht ohne wirtschaftliche Staerke erreichen koennen,
wie es ebenso zutrifft, dass Sie wirtschaftliche Stabilitaet
und wirtschaftliches Gedeihen in Europa nicht ohne militaerische
Sicherheit erzielen koennen.
Sie muessen diese Schutzwehr errichten, und hinter dieser
Schutzwehr koennen Sie die Aufgabe, fuer die Zukunft zu bauen,
durchfuehren.
/ie steht es mit der Produktivitaet? Es ist klar, dass
die europaeische Erzeugungskapazii;aet wesentlich ist fuer die
Verteidigung Europas. Velches sind die Moeglichkeiten fuer
eine erhöhte Produktivitaet? Ich habe mir Muehe gegebenv
Statistiken zu vermeiden, ich moechte jedoch eine erwaehnen,
von welcher Sie schon zuvor gehoert haben, ich denke, sie het
Gueltigkeit und ist bedeutsam. Sie hat mit der Auffassung von
einem nationalen Bruttoerzeugnis zu tun, womit in Kurzschriftform beschrieben wird, was ein Volk waehrend eines bestimmten
Jahres erzeugen kann.
Das Bruttosozialprodukt Europas hat einen Wert von 135
Milliarden Dollar an Guetern und Dienstleistungen. Wenn die
Produktivitaet Europas pro Kopf die bleiche waere wie diejenige
der Vereinigten Staaten, wuerde Europa jedes Jahr nicht 135
Milliarden Dollar, sondern 450 Milliarden oder 5ü0 Milliarden
an Guetern und Dienstleistungen produzieren.

- 4-

�Lassen Sie uns die Tatsache als gegeben hinnehmen, dass
die europaeische Produktivitaet in absehbarer Zeit nicht derjenigen Amerikas angeglichen werden kann. Es ist jedoch einwandfrei moeglich, dass die europaeische Produktivitaet ein
Drittel dieser Luecke innerhalb eines absehbaren Zeitraumes
schliessen kann. Wenn die Produktivitaet soweit gesteigert
werden koennte, um ein Drittel dieser Luecke zu decken, so
wuerde das bedeuten, dass Europa jedes Jahr 100 Milliarden oder
mehr seiner Leistung an Guetern und Dienstleistungen hinzufuegen
wuerde. Das wuerde bedeuten, dass genug Gueter und Dienstleistungen vorhanden waeren„ um eine gewaltige, bewaffnete
Streitmacht fuer Europa aufzubauen und um gleichzeitig einen
erhoehten Lebensstandard zu erreichen. Das sind tatsaechlich die
Moeglichkeiten der Leistungsfaehigkeit in Europa. Sie sind zu
verwirklicheni, wenn wir die politische Geschicklichkeit, die
Zaehigkeit und Vorstellungskraft besitzen, sie in die Tat
umzusetzen.
Eine der Voraussetzungen, die erforderlich ist, um dies
zustande zu bringen, ist eine gerechtere Verteilung der Erzeugung. Bei einer letzten Analyse bedeutet erhoehte Erzeugung
- Erzeugung durch lebendige Menschen, durch die Bauern, die
Arbeiter und die verantwortlichen Leiter des europaeischen
Wirtschaftslebens. Man kann Methoden entwickeln, und man kann
Geraete entwicklen, aber wenn man nicht die Beweggruende kennt
und den Ansporn besitzt, um sie zur Ausfuehrung zu bringen,
wird man die menschliche Energie nicht entfachen. Wenn die
grosse Hasse der Bauern, verantwortlichen Geschaeftsleiter,
Bueroangestellten, Arbeiter, und so fort, die im produktiven
Arbeitseinsatz in Europa stehen, keinen Vorteil fuer sich selbst
bei einer Steigerung der Produktivitaet herausspringen sehen,
dann wird man diese nicht erreichen. Man wird sie nicht erreichen, ungeachtet aller technischen Unterstuetzun^sgruppen,
die die Vereinigten Staaten stellen moegen. Man wird sie nicht
erreichen, selbst wenn man saemtliche Gewerbeschranken zerschlaegt. Diese Dinge sind zwar notwendig, aber sie werden nicht
ausreichend sein. Man braucht den zuendenden Funken und die
Beweggruende, um die menschliche Energie zu entfachen.
Ich moechte einige Statistiken fuer unser eigenes Land
erwaehnen. Ich tue dies, um meinen Standpunkt zu illustrieren.
Jederman hat Kenntnis von der steigenden Leistungsfaehigkeit
Amerikas von 1900 bis 1950. Jederman wei3S, dass im Jahre 1900
die Leistungsfaehigkeit Europas und der Vereinigten Staaten
ungefaehr gleich gross war. heute ist die Produktion pro Kopf
in den Vereinigten Staaten 3, 4 oder 5 mal so gross wie diejenige Europas, ./eniger allgemein bekannt ist eine andere tiefe
Stroemung, welche diese Ausweitung begleitete.
Neulich sah ich einige Einkommensteuer-Statistiken, die
durchaus aufschlussreich waren. Im Jahre 1950 waren es 33 oder
34 Prozent - - ich entsinne mich nicht mehr der genauen Zahl - der Bevoelkerung der Vereinigten Staaten, die ein Einkommen
von mehr als 3000 Dollar pro Jahr hatten. Im Jahre 1939, also
gerade 11 Jahre frueher, hatten nur 23 Prozent unserer Bevoelkerung
ein Einkommen, das nach ihrer tatsaechlichen Kaufkraft den 3000
Dollar des Jahres 1950 gleichwertig war. V.'enn wir 3000 Dollar
als einen Ausdruck fuer Kaufkraft und nicht als eine Zahl benutzen, so stieg der Anteil der Leute mit diesem Einkommensbetrag
von 23 Prozent auf 33 Prozent zwischen 1939 und 1950.
- 5 -

�Ich kann Ihnen dieselbe Sache in einigen einfachen
menschlichen Beispielen erzaehlen. Ich weiss nicht, wieviele von Ihnen die Ergebnisse der 1950er Volkszaehlung in den
Vereinigten Staaten durchgesehen haben. .Vir alle wissen
natuerlich, dass waehrend der vergangenen 50 Jahre die Entwicklung der grossen Staedte mit ihren Mietwohnhaeusern
stattgefunden hat. '.Vir alle haben das Emofinden, als ob wir
uns in eine Art des verstaedterten Lebens hineinbegeben haben,
das dahin geht, das Eigenheim zu verdraengen. Fuer mich war
daher keine Zahl in der 1950er Volkszaehlung auffallender als
die Zahl der Eigentuemer eigener Heime. Diese Zahl war naemlich die hoechste, seit man damit begonnen hat, diese Frage
zu stellen. Im Jahre 1890 hat man zum ersten Male damit angefangen, die Frage zu stellen, wieviele Le^te Eigentuemer
eines eigenen Heimes seien. Der Verhaeltnissatz der Bevoelkerung, der ein eigenes Keim hatte, war im Jahre 1950 groesser,
als er es je zuvor gewesen ist, trotz der Verstaedterung in
den Vereinigten Staaten.
Sie koennen die gleiche Feststellung auf dem Gebiet der
Erziehung machen. Im Jahre 1900 gingen 7 - IC Prozent der
Kinder in den Vereinigten Staaten, die sich im vorgerückteren hoeheren Schulalter befanden, noch in die hoehere
Schule. Im Jahre 1950 besuchten annaehernd 80 Prozent der
Kinder, die sich in dem vorgerueckteren hoeheren Schulalter
befanden, noch die hoehere Schule.
Ich koennte auch die wohlbekannte Steigerung bei den
Loehnen erwaehnen, die sich seit 1900 mehr als verdoppelt
haben. Ob Sie es nun von der Seite der Erziehung, der Eigenheime oder des Einkommens aus betrachten - - Sie koennen
immer feststellen, dass die Ausweitung Amerikas von einer Ausstreuung der Fruechte der amerikanischen Erzeugung begleitet
worden ist.
Einer der auffallendsten Unterschiede zwischen den amerikanischen und den europeeischen Gewerkschaften besteht in ihrer Haltung gegenueber der Erzeugung. Die amerikanischen Gewerkschaften halten es fuer erwiesen, dass es im Interesse des
Volkes liegt, die Erzeugung zu steigern. Es ist eins der
Hauptthemen der AFI und des CIO. Der durchschnittliche europaeische Gewerkschafter neigt dazu, systematische Plaene zur
Steigerung der Produktivitaet als Machenschaften anzusehen, um
aus ihm mehr herauszupressen, ohne dass er selbst irgendetwas
davon haette. Es war ein unerlaessliches Element bei der Produktivitaetssteigerung in den Vereinigten Staaten, dass sich
die amerikanische Arbeiterschaft der Tatsache bewusst war,
dass eine Steigerung in der arzewung zu ihrem eigenen Nutzen
ging.
Lassen Sie mich jetzt zu meinem naech3ten Punkt uebergehen. Ich habe versucht aufzuzeigen, dass man kein wirtschaftliches Gedeihen ohne militaerische Sicherheit haben und dass
man keinen wirksamen üusbau der Verteidigung in Europa ohne
wirtschaftliche Staerke erreichen kann. Ich habe ausserdem
versacht aufzuzeigen, dass man keine gesteigerte Produktivitaet erreichen kann, ohne dass man eine Verteilung der Fruechte
der Erzeugung auf einer breiteren Basis vorsieht, yunmehr
moechte ich zu meinem letzten Punkt kommen.
Sie koennen das Los der grossen Mehrheit der europaeischen Bevoelkerung, es sei denn innerhalb sehr enger Grenzen,
6 -

�nicht wesentlich verbessern ohne eine Steigerung der europaeischen Leistungsfähigkeit. Die Gesamterzeugung Europas
ist unzureichend, um einen weitverbreiteten angemessenen Lebensstandard auf einer breiten Basis zu gewaehrleisten. Es
ist nicht genug vorhanden, um gerade auszukommen. Jeder Prozess, der die Energien Europas auf eine erbitterte Balgerei
um die vorhandenen Vorraete konzentrieren wuerde, koennte nur
zu sozialen Umwaelzungen, zu allgemeiner Verwirrung oder einer
anders verteilten ^rmut fuehren. Er wuerde darauf hinausgehen, Europa zu seinem eigenen Feinde zu machen. Andererseits
ist es sozial, politisch und nraktisch durchfuehrbar, die Erzeugung zu steigern und sich die Gewissheit zu verschaffen,
dass ein geteilter Zuwachs besser ist. Es gibt viele .Vege,
um solch eine gerechte Verteilung durchzufuehren. Es kann
auf dem 7/ege der Lohnpolitik, der Steuerpolitik, der Preispolitik und durch andere Formen der Regisrungseinwirkung erreicht werden. Es kann auch durch den Lebensprozess einer
Gesellschaft, abseits von jeglicher Regierungseinwirkung, geschehen, so wie es sich in weitem Kasse in den Vereinigten
Staaten als wahr erwiesen hat.
Hat irgend jemand von Ihnen einen Blick in den Vertrag
der General Motors Corporation mit der Vereinigten Autoarbeitergewerkschaft geworfen, der vor ein oder zwei Jahren unterzeichnet wurde? Es ist ein bemerkenswertes Schriftstueck
wegen des Lichts, das es auf den Stand der Erziehung bei der
amerikanischen Arbeiterschaft und auch der Arbeitgeberseite
wirft. Es war ein Vertrag, in welchem die General Motors
automatische Lohnerhoehungen ueber einen Zeitraum von fuenf
Jahren hinweg bewilligten. Diese Erhoehungen beruhten, soweit
ich mich erinnere, auf einem Voranschlag der jaehrlichen Produktivitaetssteigerungen. Die Gewerkschaften und die Arbeitgeberseite waren sich in ihrem Urteil einig, dass es moeglich sei, eine solche jaehrliche Steigerung der Produktivitaet zu erzielen.
Von seiten der Arbeiterschaft bedeute es die Erkenntnis,
dass eine Steigerung der Produktivitaet der richtige »Veg sei,
um ihre Loehne zu erhoehen und einen betraechtlichen Anteil an
dieser Steigerung zu erhalten. Von seiten der Arbeitgeber
bedeutete es die Uebernahme der Verantworung dafuer, dass
eine gesteigerte Produktivitaet tatsaechlich erzielt wuerde,
und das Zugestaendnls, dass es ihre Funktion sei, die Produktivitaet zu steigern, und dass ihre Fruechte in gerechter
Weise zu teilen sein wuerde.
Dieser Vertrag ist ein hoechst bemerkenswertes Schriftstueck, sowohl vom Standpunkt der Beziehungen zwischen der
Arbeitgeberseite der Automobilindustrie und den Arbeitern,
als auch von den Erziehungsmoeglichkeiten her. &lt;.'ir erinnern uns noch der bitteren Streiks des Jahres 1936, und wir
stellen fest, was fuer bemerkenswerte Fortschritte zwischen
den Jahren 1936 und 1950 gemacht worden sind, als dieser
Vertrag unterzeichnet wurde.
ich habe mich bei Ihnen hier ins Plaudern verloren. Ich
habe versucht, laut vor Ihnen zu denken. So wie ich die
Dinge sehe, kommen ,v&gt;ir von zwei Gedankengängen her zu aehnlichen Schlussfolgerungen. Der eine setzt bei einer vViederorwaegunp' unserer fundamentalen Ziele ein. Der andere setzte
bei einer Betrachtung unserer dringendsten unmittelbaren Beduerfnisse ein.
- 7-

i

�Was brauchen wir wirklich im Leben?
auf Gerechtigkeit und Freiheit beruht.

Sinen Frieden, der

Was bedeutet das in der Sprache der Welt, wie sie uns
gegeben ist? Ein gleichmaessig durchgefuehrtes Programm zu
beginnen, durch das der Kreml in der freien und der von ihm
ueberschatteten weit wie auch in der Welt seiner Satellitenstaaten, aus der Macht gedraengt wird, und gleichzeitig ein
Programm der Entwicklung und des Gedeihens zu beginnen, bei
welchem alle Voelker den festen Glauben haben, dass sie eine
Welt aufbauen, die auf positiven Werten beruht, und dass sie
diejenigen zurueckdraengen muessen, die diese Welt zerstoeren
wollen.
Das dringendste, unmittelbare ßeduerfnis in Europa ist
heute die Wiederaufruestung. Bei der Untersuchung dieses
Beduerfnisses sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, dass
die /iederaufrttstung Hand in Hand mit einem stetig durchgefuehrten Programm einer gesteigerten Produktivitaet und einem
Programm fuer eine gerechtere Verteilung der gesteigerten Erzeugung, als dies bisher geschehen ist, vor sich gehen muss.
Kanonen und Brot sind nicht nur miteinander vereinbar,*
sie sind zuweilen miteinander notwendig. Nur, wenn Sie Ihre
Perspektive auf ein paar wenige Monate begrenzen, werden Sie
unter der Einbildung leiden, dass sie miteinander in Widerspruch staenden. einige wichtige Elemente im DOlitischen Leben Europas von heute trachten danach, eine politische Streitfrage um diesen angeblichen Konflikt zwischen wirtschaftlichem
Aufschwung und militaerischer Sicherheit aufzurichten. Wenn
diese jedoch aus der richtigen Perspektive, auf weite Sicht
und im Lichte der wirklichen Tatsachen betrachtet werden,
stuetzen sie sich gegenseitig.
ECA-Inf orma t i on
BULGARISCHE FLÜSCHTLINGE BESIEDELN MIT nILFE HES MARSKALLPLANS
UNBEBAUTE GEBIETE DER TUERKEf
~"
Dreissig neue Doerfer werden zur Zeit in der Tuerkei
aufgebaut und sollen zu Anfang des Jahres 1952 fertiggestellt
sein, um einen Teil des ungeheuren Zustroms bulgarischer
Fluechtlinge aufnehmen zu koennen. Heimatlos und verlassen
ueberqueren taegllch Hunderte von Moslems tuerkischer Abstammung, von Bulgarien kommend, die tuerkische Grenze, weil sie
der staendigen Verfolgung muede sind. Unbebautes, fruchtbares
Ackerland in den westlichen, mittleren und oestlichen Teilen
der Tuerkei ist fuer diese Fluechtlingsfamilien bereitgestellt
worden.
Ueber 200 000 Menschen, die in Bulgarien geboren und
gross geworden sind, kamen in den ersten neun Monaten des Jahres 1950 an den offiziellen Grenzuebergangsstellen in die
Tuerkei. Man rechnet bis zum Ablauf des Jahres 1951 mit weiteren 50 000. Es sind noch keine Anzeichen dafuer vorhanden,
dass dieser Zustrom abnehmen wird, oder dass im naechsten oder
usbernaechsten Jahr diese unertraegliche Diskriminierung ein
Ende haben wird, die diese Menschen aus ihrer Heimat vertreibt.
Bereits seit mehr als 30 Jahre kommen Emigranten aus Bulgarien in die Tuerkei. Es waren jaehrlich jedoch nur rund
8 -

�150 000. Diese Zuwanderung hatte unmittelbar nach der Aufloesung des Osmanischen Reiches im Jahre 191© begonnen. Die
tuerkischen Moslems kamen nicht nur aus Bulgarien, sondern
auch aus anderen noerdllchen Teilen des Reiches, um sich
innerhalb der Grenzen der heutigen Tuerkei einen Wohnsitz
zu suchen. Diese Umwanderung war jedoch freiwillig, verursacht durch den ,7unsch der Moslems, sich in der Heimat ihrer
Rasse niederzulassen und unter Angehoerigen ihrer Religion
und ihrer Sprache zu leben. Dieser langsame Zustrom wurde
1950 zur Flut. Die kommunistische Regierung Bulgariens unterdrueckte die Moslems, die so viele Jahre in Bulgarien gelebt hatten, durch ein Regime der rücksichtslosen politischen, religioesen und wirtschaftlichen Verfolgung. Diskriminierende und ungerechte Steuern wurden ihnen auferlegt,
ihre Ernten beschlagnahmt, man verweigerte ihnen die Lebensraittelrationen, und die Freiheit der Religion wurde ihnen
nicht gewaehrt. Sie wurden in ihren Staedten und Doerfern
verdaechtigt, und ihre normalen Beziehungen zu ihren Mitbuergern und alten Freunden wurden unterbrochen. Diejenigen,
die ihnen freundlich gesinnt waren oder mit ihnen in Geschaeftsverbindung standen, wurden bedroht.
Diese Verfolgung, mit der man offensichtlich bezweckte,
die Minderheit der Moslems aus Bulgarien zu vertreiben, hatte
nooh eine andere Folge, die von erfahrenen politischen Beobachtern ebenfalls, ßls beabsichtigt bezeichnet wird. Es war
die Tatsache, dass Hunderttausende hilfloser Menschen, die
meist im hohen Alter standen und arbeitsunfaehlg waren, zur
Belastung der tuerkischen Wirtschaft in dieses Land getrieben wurden, um damit das oestlichst gelegene Mitgliedsland
der demokratischen Voelkergemeinschaft des Westens zu schwaechen und zu schaedigen. Im Jahre 1951 erreichte diese Verfolgungskampagne in Bulgarien einen neuen Hoehepunkt, und
der Strom der Fluechtlinge, die die Grenze ueberquerten,
wuchs zu einem Tagesdurchschnitt von 800 und einem Jahresdurchschnitt von 292 000 Menschen an.
Die tuerkischen Bauern und die tuerkische Regierung gaben
sioh alle erdenkliche Muehe, diese hilflosen Menschen so gut
wie moeglich aufzunehmen. Das Problem nahm jedoch in kurzer
Zeit solche Auamasse an, dass es als internationales Problem
gewertet werden musste. Ein Ansiedlungsprojekt mit einem Kostenaufwand von 25 Millionen Dollar wurde vorbereitet, und
die Internationale Fluechtlingsorganisation {IR0) und der
Marshallplan stellten Geldmittel und Sachverstaendige zur Beratung zur Verfuegung.
Von diesen 25 Millionen Dollar wurden 10,7 Millionen
durch den Marshallplan aufgebracht,
die ausnahmslos fuer die
Sinrichtung der Doerfer, fuer ;«rohnhaeuser,- Scheunen, Saat,
Viehbestand, Bekleidung und aerztliche Betreuung verwendet wurden. Diese Unterstuetzung durch den Marshallplan hat nicht
nur humenitaere sondern auch wirtschaftliche Bedeutung. Die
Haelfte der Fluechtlinge sind bis jetzt in bisher nicht bebauten Gebieten angesiedelt worden. Alle, die man noch in Zukunft
ansiedeln wird, werden Neuland erschliessen. Neues Ackerland
bedeutet neue Ernten, und wie die '.Virtschaftsberater des Programms erklaerten, neue Ernten bedeuten mehr Lebensmittel fuer
die Tuerkei und fuer den Export nach anderen Landern, die
selbst nicht genuegend Nahrungsmittel erzeugen.
9 -

�I
Der tuerkisc:;e Bauer, der groesstenteils in ^rmut und
Abgeschlossenheit von der Aussenwelt in Lehmhuetten wohnt,
hat dem allgemeinen Aufruf zur Unterstuetzung der Fluechtlinge gegenueber eine erstaunliche Grosszuegigkeit an den Tag
gelegt. Nur alte und sehr junge Leute kommen aus Bulgarien.
Diejenigen, die im militaerdienstpflichtigen Alter stehen,
werden hinter dem Eisernen Vorhang zurueckgehelten. Wenn
auch die am meisten begehrten, im arbeitsfaehigen Alter Stehenden nicht in diesem Fluechtlingsstrom zu finden sind, so
haben die Tuerken doch ihren Glaubensgenossen ohne Vorbehvlt
eine herzliche Aufnahme bereitet, und sie teilen bereitwillig
ihr schweres Los.
In einem Bezirk der Tuerkei, in dem jedes Dorf eine ümigrantenfamilie aufgenommen hatte, stellte man den Fluechtlingen eine V/ohnung zur Verfuegung, und materielle Spenden sollten ihnen ueber die ersten 3echs Monate hinweghelfen. In einem
anderen Ort war der Fluechtling, der sich dort niederliess,zufaellig ein Priester. Die Dorfbewohner ernannten ihn zu ihrem
Dorfpriester, und jeder spendete fuer seine Familie ein Schaf,
um ihr den Anfang zu erleichtern.
Diese Grosszuegigkeit in den Doerfern war eine grosse
Hilfe, reichte jedoch nicht aus, um mit den staendig wachsenden Anforderungen Schritt zu halten. Denn fast alle Fluechtlinge kommen mit nur ganz wenig Habseligkeiten ueber die
Grenze; sie besitzen bestenfalls eine Wolldecke und ein paar
Gegenstaende, die sie in ihren Schal gewickelt haben. Alles
uebrige wurde ihnen von kommunistischen Grenzbeamten abgenommen. Die meisten Familien bringen ihren Ofen mit an die Grenze. Fuer sie ist er mehr als ein Gegenstand, auf dem man
kocht; ar bedeutet ihnen Waerme, Haeuslichkeit und Heimat.
Die Grenzwachen erheben auf einen Ofen, der vielleicht 200
Lira gekostet hat, einen Zoll von 2 000 Lira, und der Fluechtling muss ihn schweren Herzens jenseits der'Grenze lassen.
Sie sitzen bedrueckt in den tuerkischen Aufnahmelagern, ihre
wenigen Habseligkeiten aengstlich bewachend. Die Sorge um
das Schicksal, das sie erwartet, steht jedem ins Gesicht geschrieben.
90% der Fluechtlinge sind Bauern, die fuer die Landwirtschaft der Tuerkei wertvolle Arbeitskraefte sind. Die restlichen 10% sind Handwerker, die fuer den Aufbau der 30 neuen
Doerfer sehr wertvoll sind. Etwa die Haelfte der ankommenden
Familien wird von amtlicher Seite als "hilflos" eingestuft,
d.h., dass sie keine Verwandte in der Tuerkei haben7 die ihnen helfen koennen, und dass sie ueber keinerlei Mittel verfuegen.
Diesen Mittellosen stellt man 12 Hektar staatseigenen
Landes,, ein Hau», Ochsen, Arbeitsgeraete, Säet, Viehfutter,
Lebensmittel und Geld zur Verfuegung, das ihnen bis zum Verkauf der ersten ISrnte ausreicht.
In vielen Faellen schliessen sich die Dorfbewohner zusammen, um gemeinsam dem Fluechtling ein Haus zu bauen. Die
Fluechtlinge selbst arbeiten am schwersten und am laengsten.
Bis jetzt sind die Fluechtlinge in den westlichen und mittleren Teilen der Tuerkei angesiedelt worden. Doch diese Gebiete sind bald nicht mehr aufnahmefaehig. Die Doerfer sind besetzt, und das gute Ackerland ist bereits vergeben. Neu an- 10«
*

�kommende Fluechtlinge werden jetzt nach den oestlichen Teilen
der Tuerkei geleitet, ein abgelegeneres und nicht kultiviertes Gebiet, in dem jedoch gutes, unbebautes Ackerland im
Ueberfluss vorhanden ist. Die Ansiedlungsmoeglichkeiten in
diesen Gebiet werden zurzeit geprueft. In dem gesamten Gebiet muessen neue Strassen gebaut, die WasServersorgung muss
sichergestellt und Bauernhoefe muessen gebaut werden. Die
Anbauflaeche der Tuerkei ist fast um 20^. groesser als 1947.
Die Ertragfaehigkeit eines Morgens ist um 13$ gesteigert.
In dem gleichen Zeitraum haben sich die Einkuenfte aus dem
Verkauf von Weizen verdoppelt. Dies ist zum grossen Teil
dem Arbeitseifer der handfesten tuerkischen Landbevoelkerung
zu verdanken.
Auch das landwirtschaftliche Erweiterungsprogramm der
tuerkischen Regierung ist eine Ursache hierfuer und nicht zuletzt die landwirtschaftlichen Maschinen und die Ratschlaege
und Instruktionen von Sachverstaendigen, die der Marshallplan
zur Verfuegung gestellt hat. Ein Teil des Erfolges ist zweifellos auch den bulgarischen Fluechtlingen zuzuschreiben, deren Bemuehungen nun anfangen, sich bemerkbar zu machen. Man
sieht sie bei schwerer Arbeit auf den Feldern Anatoliens.
Reisende treffen sie auf den Feldwegen und Dorfstrassen in
ihrer neuen, von Schweiss und muehseliger Arbeit beschmutzten
khakifarbenen Kleidung an. Sie unterhalten sich in einer
Sprache, die man sonst in der Tuerkei nicht hoert. Sie haben
noch sehr wenig, aber sie haben eine neue Heimat gefunden, sie
leben in Freiheit und haben die Moeglichkeit, in den riesigen,
unerschlossenen Gebieten der Tuerkei zu arbeiten.
ECA Information
1/3/51
Richard H. Gordon, Vorsitzender der AFL Gewerkschaft der
Filmkomparsen:
DIE GEWERKSCHAFT DER FILMKCUPARSEN IN AMERIKA
-Vor vielen Jahren, als die in der Filmindustrie Hollywoods Beschaeftigten noch nicht gewerkschaftlich organisiert
waren, charakterisierte ein Arbeitgebervertreter die Arbeit
der Filmkomparsen "als den undankbarsten und unbefriedigsten
Beruf in der Liste aller menschlichen Besohaeftigungen".
Diese Erklaerung beruhte zu jener Zeit zweifellos in
mancherlei Hinsicht auf Wahrheit. Aber inzwischen konnten
die Komparsen dank ihrer Zugehoerigkeit zu einer starken Gewerkschaft der AFL ihr Los wesentlich verbessern. Es bleibt
natuerlich noch manches zu tun, aber wir sind dabei, unsere
Ziele zu verwirklichen.
Im Grunde war das Hauptproblem der KoiüDarsen die Tatsache, dass die Filmindustrie zwar zu jeder Zeit auf eine bestimmte Reserve an Talenten zurueckgreifen koennen muss, dass sie
diesen wichtigen Arbeitskraeften jedoch keine dauernde Beschaeftigung bieten kann.
Im Jahre 1936 wurde zum Beispiel die anfallende Konparsenarbeit in Hollywood unter 22.937 Personen verteilt, mit
dem Ergebnis, dass die durchschnittliche Zahl der pro Arbeit- 11 -

�nehmer gearbeiteten Tage in dem ganzen Jahr nur 11,72 und
das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Einzelperson nur
105,63 Dollar betrugen.
1940 hatten die Filmkomparsen in der Filmschauspielergewerkschaft der AFL eine wirksame Vertretung, und die Zahl
der Personen, die sich fuer die Arbeit als Komparsen bereithielten, war auf 7007 zurueckgegangen. Das durchschnittliche
Jahreseinkommen pro Arbeitnehmer in der Komparserie war auf
361 Dollar angestiegen.
Nach 1945 entstand die Gewerkschaft- der Filmkomparsen
als selbstaendige Organisation, und die Zahl der registrierten Komparsen wurde bis zum Ende des Jahres 1950 noch weiter
reduziert. Sie erreichte damals den bisher niedrigsten Stand
von 3.467 Personen, die in diesem Jahr insgesamt 3.941.954
Dollar verdienten. Damit erreichte das durchschnittliche
Jahreseinkommen den bisher hoechsten Betrag von 1.137 Dollar.
Dies ist zwar noch immer eine sehr bescheidene Zahl, aber
man darf nicht vergessen, dass es ein Durchscnitt fuer eine
gesamte Berufsgruppe ist, in der einige Rassentypen und sonstige Sondertypen vertreten sind, die nicht mit regelmaessiger
Beschaeftigung waehrend des ganzen Jahres als Komparsen rechnen koennen, weil es nicht genuegend Filme gibt, in denen
sie gebraucht werden. Viele Komparsen verdienen heutzutage
jaehrlich zwischen zwei- und viertausend Dollar. Einige haben nooh ein weit hoeheres Einkommen.
Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Berufskomparsen ist durch die verstaendnisvolle Zusammenarbeit zwischen der AFL Gewerkschaft der Filmkomparsen und den Arbeltgebern ermoeglicht worden.
Seit jenen Tagen, als Komparsen taeglich fuer drei Dollar und ein Eintopfessen arbeiteten, sind ihre LIindestloehne
um mehrere hundert Prozent erhoeht worden. Und Tausende ungelernter Amateurkomparsen sind ausgeschaltet worden und konkurrieren nicht mehr mit den erfahrenen Berufskomparsen um
die Rollen, die zum groessten Teil von "Central Casting",
der Arbeitsvermittlungsbehoerde fuer Komparsen vergeben werden.
Die Gewerkschaft der Filmkomparsen ist auf die Fortschritte stolz, die sie in der kurzen Zeit von sechs Jahren erzielt
hat. Sie ist ausserdem darauf stolz, dass sie von.anderen
Gewerkschaften in Hollywood und von den Arbeitgebern anerkannt
wird.
Was ist eigentlich die Arbeit der Filmkomparsen? Sie bilden den menschlichen Hintergrund, vor dem die Filmstars ihre
Rolle spielen, allgemein gesprochen unterscheidet sich die
Arbeit der Komparsen und die der Filmschauspieler dadurch,
dass Komparsen waehrend ihres Auftretens nicht im Diaioc SDrechen.
Sie koennen zum Beispiel als Konnarse in Gala am Tisch
eines Nacht-Clubs sitzen, waehrend die Filnstars tanzen oder
singen. Solange ein Darsteller nicht spricht, ist er Komparse.
Aber wenn er einen Satz oder auch nur ein Wort im Einzeldialog spricht, dann ist er Filmschauspieler und wird dementsprechend besser bezahlt.
- 12 -

�Eine Anzahl von Filmstars waren frueher Komparsen und
andererseits koennen fruehere Darsteller in Stummfilmen
heute Komparsen sein.
Die Gewerkschaft der Filmkomparsen wurde 1945 von einer
Gruppe von Komparsen gegruendet. Zu jener Zeit spielte sich
in den Filmstudios ein erbitterter Streit um die Zustaendigkeitsfrage ab, und die eine Partei der Streitenden wurde
von der kommunistischen Partei unterstuetzt. Eine kleine
Gruppe Stoerenfriede hatte die Komparsen veranlasst, aus
der Filmschauspielergewerkschaft auszutreten, und versuchte
nun, sie in die von den Kommunisten unterstuetzte Organisation aufzunehmen. In diesem Augenblick wachte der uebrige
Teil der Komparsen, der die Mehrheit bildete, endlich auf.
Komparsen sind, ebenso wie Filmschauspieler, grundsaetzlich
konservativ. Sie wollten von ihren kommunistischen Kollegen
• nichts wissen, die den Versuch machten, zur Erreichung ihrer
eigenen subversiven Ziele die Filmstudios zu schliessen.
Wir gruendeten die Gewerkschaft der Filmkonparsen und
vereinigten uns mit der Filmschauspielergewerkschaft und anderen nicht-kommunistischen Organisationen, um die Kommunisten
aus den Studios zu vertreiben. In diesem Kampf bewiesen die
Komparsen Hollywoods, dass sie das Recht haben, Seite an Seite mit anderen Gewerkschaften,um die Verbesserung der Lebensbedingungen des arbeitenden Volkes zu kaempfen.
1946 gewann die Gewerkschaft der Filmkomparsen mit ueberwaeltigender Mehrheit ueber ihre Gegenspieler eine vom Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen durchgefuehrte Zustaendigkeitswahl, und seitdem ist sie die Vertreterin der Filmkomparsen. Unmittelbar nach ihrer offiziellen Anerkennung schloss
die Gewerkschaft ihren ersten Tarifvertrag mit den Filmproduzenten ab, durch den die Komparsen mehr als eine Million Dollar an rueckwirkenden Lohnernoehungem erhielten. Seitdem war
die Gewerkschaft unaufhoerlich bemueht, die Lohn- und Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder zu verbessern.
Unsere wichtigsten Lohntarife fuer den Stundentag sind
folgende: Allgemeine Komparsen 15,56 Dollar, Komparsen in
besonderer Kleidung, T&amp;enzer, Schlittschuhlaeufer oder Schwimmer 22,23 Dollar. Wir haben viele besondere Lohnstufen, so
z.B. fuer Komparsen, die ein Kamel oder einen .Siefanten reiten. Sie verdienen 50 Dollar am Tag. Wenn sie ein Kamel
oder einen Elefanten fuehren, verdienen sie 35 Dollar taeglloh. Fuer Nachtarbeit erhalten sie zusaetzlich 10% und doppelten Lohn fuer Sonntags- und Feiertagsarbeit.
Wenig mehr als ein Jahr, nachdem die Gewerkschaft der
Filmkomparsen unter dem Wagner-Gesetz zur einzig zulaessigen
Vertreterin von Filmkomparsen in Tarifverhandlungen erklaert
worden war, erliess der Kongress ge.-ren das Veto des Praesidenten das Taft-Hartley-Gesetz. Dieses Gesetz bedeutet fuer
uns in unseren Tarifverhandlungen alt den Produzenten ein
furchtbares Handikap, weil mit ihm allen Fersonen, die Arbeit im Film suchen, gleichgueltig ob sie eine Faehigkeit
oder Erfahrungen haben oder nicht, die Tore zu den Studios
geoeffnet werden.
In den Verhandlungen mit den Produzenten, in denen wir
uns darum bemuehten, dieser grossen Gefahr zu begegnen, nahm
- 13 -

�unsere Gewerkschaft eine fuehrende Stellung ein. Schliesslich
konnten wir es durchsetzen, dass erfahrene und registrierte
Komparsen bei der Einstellung bevorzugt werden. Dadurch wurde es verhindert, dass Tausende von unerfahrenen Neuankoemmlingen die Reihen der Filmkomparsen ueberschwemmten, und die
Handlungsweise unserer Gewerkschaft war auch fuer andere Gewerkschaften in der Filmindustrie vorbildlich.
Nach den Bestimmungen unseres Tarifvertrages mit den
Studios i3t ein Ausschuss von Vertretern der Filmhersteller
und der Komparsen gebildet worden, der sich mit besonderen
Problemen befasst, die nicht in dem Vertrag beruecksichtigt
werden koennen. V/ir hatten mehrere Konferenzen ueber Probleme von Minderheitsgruppen besonderer rassischer Herkunft,
und gerade in dieser Hinsicht ist viel Gutes getan worden.
Wenn auch einige dieser Probleme seit vielen Jahren in der
Filmindustrie bestehen und ueber Nacht nicht geloest werden
koennen, so glauben wir jedoch, dass ein besseres Einvernehmen zwischen Unternehmern und Komparsen durch diese Konferenzen gefoerdert wird.
Die Gewerkschaft der Filmkomparsen spielt im Zentralen
Gewerkschaftsausschuss in Los Angeles, im AFL Vorstand des
Staates Kalifornien, im Filmkomitee der AFL von Hollywood
und dem Theaterverband des Staates Kalifornien eine hoechst
aktive Rolle. ;7ir sind ausserdem auf jedem bundesstaatlichen
Kongress der AFL vertreten.
Die Gewerkschaft sieht ihre Aufgabe darin, allen Maennern und Frauen zu helfen, die sich ihren Lebensunterhalt
durch Lohnarbeit verdienen. Auch haben andere Gewerkschaften
Ortsausschuesse und Verbaende von Einzelstaaten unsere Gewerkschaft hundertprozentig unterstuetzt, wenn sie schwierige
Probleme, wie z.B. Vertragsverhan31ungen oder die V/ahrung der
Rechte ihrer Mitglieder nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz, zu loesen hatte. Vor kurzem wurde der Gewerkschaft der
Filmkomparsen von den Delegierten des Zentralen Gewerkschaftsausschusses von Los Angeles, die mehr als 350.000 Mitglieder
der AFL vertreten,hoechste Anerkennung zuteil, als sie den
Exekutivsekretaer dieser Gewerkschaft H. O'Neil Shanks in
den Exekutivaus3chuss dieses Gremiums waehlten, das eine der
bedeutendsten zentralen Koerpersohaften in den Vereinigten
Staaten ist.
Die regierende Koerperschaft der Gewerkschaft der Filmkomparsen ist der Direktorenausschuss, der sich aus 33 im
Arbeitsverhaeltnis stehenden Mitgliedern der Gewerkschaft
zusammensetzt, die von den uebrigen Mitgliedern gewaehlt werden. Alljaehrlich werden £2 .nussohussmitglieder fuer drei
Jahre, und die Funktionaere werden jaehrlich gewaehlt. Alle
Mitglieder des Ausschusses und alle Funktionaere mit Ausnahme
des Exekutivsekretaers sind ehrenamtlich fuer die Gewerkschaft
ta'etig. Wir fuehlen uns geehrt durch die Anwesenheit eines
Philippinen, eines Negers, eines Mexikaners, Chinesen, Hawaianers und eines amerikanischen Indianers in diesem ausschuss.
Es gab eine Zeit, da die meisten Komparsen in Plollywood
am Rande des Elends standen. Die Lage war fuer sie zu einem
gewissen Zeitpunkt, der allerdings viele Jahre zurueckliegt,
so schlecht, dass der Tageslohn von drei Dollar und Mittagessen
- 14 -

�zu 1.25 Dollar und ohne Essen reduziert wurde. Diese Zeit
ist jedoch vorueber und wird solange nicht wiederkehren, wie
die Komparsen in ihrer AFL Organisation vereinigt bleiben.
Hierbei muss ich an die Tatsache denken, dass wir trotz
der niedrigen Beitraege, die an unsere Gewerkschaft gezahlt
werden (monatlich 2 Dollar), in den sechs Jahren seit der
Gruendung unserer Organisation eine finanzielle Grundlage gebildet haben. '.Vir vsrfuepen haute zum Teil in bar, zum Teil
in Schatzanweisungen der Regierung ueber ein Netto-Vermoegen
von 237.295 Dollar, was eine Gewaehr dafuer ist, dass niemand
mehr mit den Komparsen umspringen kann, wie er will.
The American Federationist
VIII/51
DIE BAUINDUSTRIE HAT KOCH VIEL ZU LERNEN
Sir Ben Lockspeiser ist Sekretaer des Referats fuer wissenschaftliche- und Industrie-Forschung der amerikanischen
Bauarbeitergewerkschaft. Kachstehend folgt eine Zusammenfassung der Kommentare, die er ueber die Leistungsfaehigkeit der Bauindustrie gegeben hat, als er vor wenigen Tagen
vor dem Forschungsausschuss der Bauindustrie sprach.
Die Verbesserung der Baumaterialien und der fertigen Baustoffe sowie bessere Kenntnisse ihrer richtigen Verarbeitung
haben sich in den letzten 30 Jahren auf die Planung, die Konstruktion und die Gebaeudeerhaltung ausgewirkt. Das technische .'/issen um Aufbau, Fundamentierung und Baumethoden ist
wesentlich erweitert worden.
Dies sind zweifellos Fortschritte, aber es besteht noch
immer das unanrenehme Gefuehl, dass das Baugewerbe nur sehr
schwer in der Lage ist, Keues zu lernen.
Das allgemeine Bild, das von ihr gegeben werden muss,
spiegelt einen relativen Stillstand wider. Y/aehrend andere Industriezweige wesentliche Fortschritte erzielt haben, hat sich
das Beugewerbe damit abgefunden, rueckstaendig zu bleiben.
Es spricht nicht fuer Eurona, wenn heute dort die Gewohnheit
vorherrscht, nach den Vereinigten otaaten zu sehen, um ueber
bedeutsame technologische Fortschritte Informationen zu erhalten.
Fortschritte in der Technik koennen mit einer Steigerung
der vorfuegbaren mechanischen Energie Hand in Hand gehen. Es
ist die L'aschine, durch die die Menschen von der Knappheit zum
Ueberfluss kamen, u d deshalb sollte einmal die Frage gestellt
werden, inwieweit die Bauindustrie von der L'aschine Gebrauch
macht und dabei wird man feststellen, dass die Verwendung von
^?asohinen dort sehr beschrtenkt ist.
Der Arbeiter der Bauindustrie hatte im Jahre 1935 im
Durchschnitt nicht mehr als die Htelfte einer Pferdestaerke zur
Verfuegung im Vergleich zu 2&amp; Pferdestaerken mechanischer Energie fuer die Arbeiter der uebrigen Kerstellerindustrien. Vermutlich hat sich in der Zwischenzeit dieser Unterschied zuungunsten der Bauindustrie noch erhoeht.
- 15 -

�Beim Aufbau eines Doppelwohnhauses muss ein grosser Teil
der Baumaterialien mehr als einmal transportiert werden, und
es werden tetsaechlich 1200 Tonnen Material hauptsaechlich
mit der Hand befoerdert. Wie jeder moderne Betriebswirt weiss,
ist nichts so teuer wie die angeblich billige ungelernte Arbeit. Die Unkosten fuer Maschinen beim Bau eines Hauses im
Werte von 1300 Pfund Sterling letwa DM 15,500) sind geringer
als 30 Pfund Sterling 1DM 360) im Vergleich zu dem Betrag von
400 Pfund Sterling {DM 4,800), der fuer Arbeitskraefte aufgewendet werden muss.
Es ist Tatsache, dass es sich um eine Industrie handelt,
in der der kleine Unternehmer vorherrscht. 1950 gab es tatsaechlich mehr eingetragene Firmen als Maurer. Etwa 87% der
Baufirmen beschaeftigten weniger als 20 Arbeiter, waehrend
nur 4% mehr als je 1000 Arbeiter hatten.
Etwa ein Drittel aller Bauarbeiter ist in Firmen beschaeftigt, die weniger als 20 Arbeitnehmer haben. Zwei Drittel arbeiten in Betrieben, deren Belegschaft weniger als 100 Mitglieder zaehlt, und nur 12% arbeiten in Unternehmen, in denen 1000
oder mehr Arbeiter beschaeftigt sind.

\

Viele dieser unzaehligen Firmen sind sehr unrentabel. Hierfuer gibt es jedoch keinen triftigen Grund, denn die Groesse
eines Unternehmens ist im allgemeinen kein Gradmesser fuer seine Leistungsfaehigkeit. Ausschlaggebend ist vielmehr, was sich
ein Unternehmer zutraut und wie er seine Arbeit anpackt. V/enn
er versucht, in kleinem Umfang die gleiche Arbeit so wie ein
grosser Betrieb zu tun, ist es fast gewiss, dass er bei der Verwendung seiner Arbeitskraefte verschwenderisch ist.
Auch die kleinen Firmen koennten wirtschaftlich arbeiten,
wenn sie sich auf besondere Arbeiten spezialisieren wuerden,
so z.B. als Vertragsfirmen, die in einem bestimmten Bezirk um
groessere Unternehmen gruppiert werden. Die Verwendung von
Maschinen am Bauplatz koennte dann wirtschaftlicher werden.
Selbst an kleinen Bauplaetzen koennten Maschinen eingesetzt
werden, z.B. fuer Ausschachtungsarbeiten. Dieses System liesse
sich mit dem der Kleinbauern vergleichen, die Traktoren, Maehmaschinen oder Maehdrescher groesserer landwirtschaftlicher Betriebe in Anspruch nehmen, weil sie sich keine eigenen Maschinen leisten koennen.
Jene Bedingungen zu schaffen, die es ermoeglichen, dass
der Bauarbeiter durch einen hoeheren Einsatz der mechanischen
Energie unterstuetzt wird, waere nicht nur im jetzigen Rahmen
der Bautaetigkeit wuenschenswert, sondern, was vielleicht noch
wichtiger ist, es wuerde damit auch die Moeglichkeit geschaffen,
in weiterem Masse Fertigteile entweder im Betrieb oder an der
Baustelle selbst herzustellen.
Ein technischer Fortschritt dieser Art wuerde zu einer
wirksamen Arbeiteinteilung an der Baustelle beitragen und den
reibungslosen Verlauf der einzelnen Arbeitsgaenge garantieren,
wie es in jeder modernen Herstellerindustrie der Fall ist.
Labour X/51

- 16 -

HI000 ? BOT 81 1835« 1 1

10

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar nnd dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 46

Frankfurt, den 16. November 1951

I L H ü L T S V E R Z E I C K N I S
IAO-Konferenz ueber Umsiedlungsfragen

1

Die Kommunisten in Westdeutschland

5

Gewerkschaftliche Entwicklung in Syrien .... 7
Lohnpolitik und Inflationseinfluesse

9

Wann wird endlich mehr produziert?

13

Produktion i3t der Schluessel zum hohen
Lebensstandard

15

IAO-KONFERENZ U^BER UMSIEDLUNGSFRAGEN
Delegierte aus 27 Laendern, lie vom 2. bis 16. Oktober
zu der Konferenz ueber Umsiedlungsfragen in Neapel zusammengekommen waren, sprachen sich fuer die Bildung eines Beratungsausschusses fuer europaeische Umsiedlungsfragen aus.
Diese Konferenz war von der Internationalen Arbeitsorganisation einberufen worden.
Die Konferenz hatte den Zweck, die Probleme der Umsiedlung ueberzaehliger Menschen aus europaeischen Laendern in
Gebiete, die fuer ihre volle Entwicklung zusaetzliche Arbeitskraefte brauchen, zur Sprache zu bringen. Zuvor war
vom Internationalen Arbeitsamt ein ausfuehrliches Programm
aufgestellt worden, in dem die Bildung einer Verwaltung fuer
Umsiedlung und eines Umsiedlungshilfsfonds vorgeschlagen
- 1 -

�wurde. In dem Programm ist vorgesehen, im ersten Jahre
200.000, im zweiten Jahr 300.000 und in den folgenden drei
Jahren jaehrlich 400.000 Personen umzusiedeln. Fuer das
erste Jahr wuerde ein Umsiedlungshilfsfonds zur Verfuegung
gestellt, aus dem zinsfreie Kredite an beduerftige Umsiedler
gewaehrt werden, die sie voraussichtlich in 30 Raten innerhalb von 2fc Jahren zurueckzahlen sollen.
Der Plan des Internationalen Arbeitsamtes sieht ausserdem vor, dass innerhalb dieser Organisation eine Verwaltung
fuer Umsiedlungsfragen gebildet wird, deren Arbeit zu ueberpruefen und nach fuenf Jahren entweder einzuschraenken oder
zu beenden ist. Diese Verwaltung fuer Umsiedlungsfragen
wuerde einem Umsiedlungsausschuss unterstehen, der sich aus
Delegierten solcher Laender zusammensetzt, die Umsiedler
abgeben oder aufnehmen, und die Zahlungen in den eigenen
Sonderfonds dieser Verwaltung vorgenommen haben, der von dem
ordentlichen Budget der Internationalen Arbeitsorganisation
getrennt waere. Ausser den Teilnehmerstaaten, die bei Abstimmungen je eine Stimme haben, wuerden Vertreter der Vereinten Nationen und anderer Faohbehoerden, der Organisation
amerikanischer Staaten, des Europarates und der Organisation
fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas ohne Stimmberechtigung an den Beratungen des Ausschusses teilnehmen.
Bei der Anwendung der vom Ausschuss fuer Umsiedlungsfragen
aufgestellten Richtlinien wuerde ein Umsiedlungsrat behilflich sein, der sich aus Vertretern von 12 Kationen zusammensetzt und fuer zwei Jahre gewaehlt wird. Ferner wuerde
ein Beratungsausschuss mitwirken, der sich aus Vertretern
ueberstaatlicher Organisationen zusammensetzt, die sich direkt mit Umsiedlungsfragen beschaeftigen.
Dieser in Vorschlag gebrachte Beratungsausschuss waere
als Ersatz fuer die von der Internationalen Arbeltsorganisation vorgeschlagene Behoerde anzusehen. Der Vorsohlag wurde
von der Konferenz gebilligt. Die Vereinigten Staaten, Australien und Kanada, d.h. die drei fuehrenden Aufnahmelaender,
enthielten sich der Stimme.
An dieser Konferenz von Delegierten der Regierungen
nahmen folgende Laender teil: Argentinien, Australien, Oesterreich, Belgien, Bolivien, Brasilien, Kanada, Chile, Daenemark,
Ekuador, Finnland, Frankreich, die deutsche Bundesrepublik,
Griechenland, Italien, Luxemburg, Holland, Norwegen, Paraguay,
Peru, Portugal, Schweden, die Schweiz, Gross-Britannien, USA,
Uruguay und Venezuela, Beobachter des Vatikans und der Tuerkei waren anwesend.
An internationalen Organisationen waren vertreten: die
Vereinten Nationen, die Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft, die Organisation fuer Erziehung, Wissenschaft
und Kultur, die Weltbank, die Weltgesundheitsorganisation,
die Internationale Fluechtlingsorganisation, das Buero der
Hochkommissare der Vereinten Nationen fuer Fluechtlingsfragen,
die Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas und der Europa-Rat, Ausserdem entsandten zahlreiche
ueberstaatliohe Organisationen Beobachter.
Vorsitzender der Konferenz war Sir Guildhaume MyrddinEvans aus Gross-Britannien, ein Mitglied des Verwaltungsrates
der Internationalen Arbeltsorganisation. Jeff Rens, stellvertretender Generaldirektor des IAA, war Generalsekretaer der
Konferenz.
- 2 -

�Der Vorschlag, einen Beratungsausschuss zu bilden, der
von der Konferenz in Neapel gebilligt wurde, wird dem Verwaltungsrat des IAA Mitte November vorgelegt werden. Wenn
er gebilligt wird, wird sich dieser Ausschuss aus Vertretern
derjenigen Laender zusammensetzen, die in Neapel vertreten
waren, und die sich fuer die Umsiedlung in Uebersee interessieren. Er wuerde auch diesen Regierungen gegenueber verantwortlich sein.
In der Resolution, die auf dieser Konferenz angenommen
wurde, wurde festgestellt, dass die Vertreter in diesem Ausschuss ausreichende Befugnisse haben muessen, die es ihnen
erlauben, ihre Aufgaben zu erfuellen. Sie haben folgende
Aufgaben: grundlegende Fragen zu behandeln, insbesondere
die Foerderung, Anregung und Unterstuetzung internationaler
Massnahmen, und Moeglichkeiten internationaler Finanzierung
in Erwaegung zu ziehen; sich naeher mit den Notwendigkeiten
und Moeglichkeiten der Umsiedlung und jener Art internationaler Massnahmen zu befassen, die zur Durchfuehrung solcher
Massnahmen auf individueller oder gegenseitiger Basis wuenschenswert sind; den Regierungen und den ueberstaatlichen
Organisationen auf dem ueblichen Dienstweg Vorschlaege zu
unterbreiten; darauf hinzuwirken, dass in allen Programmen
der wirtschaftlichen Entwicklung der Umsiedlungsfaktor voll
beruecksichoigt wird, und regelmaessig den Regierungen der
angeschlossenen Laender ueber den Fortschritt seiner eigenen Taetigkeiten Bericht zu erstatten.
Die Konferenz billigte ausserdem Entsohliessungen, in
denen bestimmte Richtlinien fuer die aerztliche Untersuchung
und die Auswahl von Umsiedlern enthalten sind, und sie forderte die Regierungen auf, sofort Vorkehrungen fuer den
Transport von Umsiedlern zu treffen. Der Bericht des Ausschusses ueber die Auswahl der Umsiedler auf Grund der aerEtlichen Untersuchung, der von der Konferenz gebilligt wurde,
enthaelt eine Liste von Vorschriften, die bei der Auswahl
von Umsiedlern, die sich um gewoehnliche oder Schwerarbeit
bewerben, auf nationaler Basis zu beachten sind; ferner ein
Handbuch fuer den Arzt, das erklaert, wie Personalkarteien
anzulegen sind, in denen die Ergebnisse der aerztlichen Untersuchungen angefuehrt sind, und ein Muster eines vorschriftsmaessigen Berichtes ueber die Ergebnisse der aerztlichen Untersuchung; ausserdem wird angegeben, bei welchen Krankheiten
die betreffenden Bewerber entweder nach wirksamer Behandlung
wieder vorstellig werden koennen, endgueltig abgelehnt werden
muessen oder fuer Schwerarbeit unfaehig sind.
Die Arbeitsgruppe fuer Transportfragen empfahl einstimmig, dass der Verwaltungsrat des IAA einen Sachverstaenfligenausschuss ernennen moege, der sich mit der Frage beschaeftigen soll, ob es notwendig ist, internationale Normen fuer
die Unterbringung und die Wohlfahrt der Umsiedler an Bord
der Schiffe aufzustellen. Sie ermaechtigte ausserdem den
Generaldirektor des IAA, mit der Internationalen Organisation
fuer Zivile Luftfahrt und anderen zustaendigen internationalen Koerperschaften zu beraten, welche Methode am besten ist,
um die Sicherheit und Wohlfahrt der auf dem Luftwege befoerderten Umsiedler zu gewaehrleisten.
Die Arbeitsgruppe fuer Beratungsdienste unterbreitete
einen Vorschlag, nach dem das IAA entsprechend der verfuegbaren finanziellen Mittel technische Unterstuetzung leisten
- 3 -

�soll, weil die Unkosten die Mittel uebersteigen, die von
den Teilnehmerstaaten aufgebracht werden koennen. Die Arbeitsgruppe fuer die technische Durchfuehrung der Umsiedlung erklaerte, dass das wirksame Funktionieren der Organe,
die mit der Auswahl, der Rekrutierung, der Ausbildung und
der Aufnahme der Umsiedler beauftragt sind, wesentlich fuer
die kuenftige Entwicklung der Umsiedlung ist. Wenn auoh
zur Zeit einige Regierungen keine internationale Unterstuetzung fuer diese Arbeit benoetigen, so duerfte sie doch fuer
andere Regierungen hoechst wertvoll sein. Die Arbeitsgruppe
war jedoch der Auffassung, dass das IAA in entsprechendem
Umfang fortfahren moege, in allen diesen Fragen und besonders auf dem Gebiet der Berufsausbildung technische Unterstuetzung zu geben.
Paul Ramadier, der fruehere Premierminister Frankreichs
und jetzige Vorsitzende des Verwaltungsrates des IAA, erklaerte in seiner Ansprache auf der letzten Sitzung der
Konferenz, dass die "internationale Arbeitsorganisation in
vielerlei Hinsicht ein amerikanisches Produkt ist. Ich
moechte noch weiter gehen und Ihre Aufmerksamkeit auf einen
sehr seltsamen Aspekt der gegenwaertigen Situation lenken.
Zu Anfang hatte der Hauptteil, der praktisch auch der einzige Bestandteil des IAA war, die Aufgabe, internationale Gesetze zum Schutz der Arbeiter zu entwerfen. Diese Idee war
im Friedensvertrag von Versailles niedergelegt worden, und
in der Zeit zwischen den beiden Kriegen war es praktisch die
einzige Taetigkeit dieser Organisation. Im Jahre 1944 jedoch
wurde auf der Konferenz in Philadelphia darauf hingewiesen oder soll ich sagen, dass die«Vereinigten Staaten darauf
hingewiesen haben? - dass das Internationale Arbeitsamt
nicht unbegrenzt fortfahren koenne, Konventionen zu entwerfen und abzuaendern, die'immer den gleichen Gegenstand behandeln. Wenn das internationale Arbeitsgesetzbuch einmal vollstaendig ist, dreht es sich nur noch darum, die Einzelheiten
der Bestimmungen abzuaendern und zu verbessern. Deshalb war
es notwendig, diese an Bedeutung staendig verlierende Arbeit
fallen zu lassen und eine aktivere Rolle zu uebernehmen.Dieser Gedanke wurde in unserer Satzung verankert. Ein zweifellos bescheidener Anfang war damit geschaffen,,dass wir damit
begannen, die Errichtung internationaler Koerperschaften und
internationaler Behoerden technisch zu unterstuetzen und zu
foerdern. Heute unterbreitet der Generaldirektor den wohlueberlegten Vorschlag, unsere Taetigkeiten nach neuen Gesichtspunkten wesentlich zu erweitern. Warum sollte damit
sofort ein Grund zu einer solchen Beunruhigung gegeben sein?
Und fuer welche Leute? Offensichtlich fuer diejenigen, die
uns unseren Weg wiesen und erklaerten: "Dies ist die Strasse
die Ihr in Eurer kuenftigen Arbeit einhalten muesst."
Jeff Rens, der Generalsekretaer der Konferenz und der
stellvertretende Generaldirektor des IAA gab eine Zusammenfassung der in der Vergangenheit von dem IAA auf dem Gebiet
der Umsiedlung geleisteten Arbeit und der Gruende, die dazu
Anlass gaben, diese Konferenz einzuberufen. Er wies darauf
hin, dass keine internationalen Massnahmen notwendig waeren,
wenn alle Regierungen ueber die Verwaltungsapparate und die
finanziellen Mittel verfuegten, die hierzu unerlaesslich sind.'
Dies sei jedoch nicht in allen Laendern der Fall. '.Vir waren
uns nie im Zweifel darueber, dass diese internationale Hilfe
nicht mehr als eine Ergaenzung sein soll. Wir waren der An4 -

�sieht, dass internationale Massnahmen die Entwicklung eigener Einrichtungen in den einzelnen Staaten foerdern wuerden.
Welche Massnahmen die Regierungen auch beschliessen werden,
wir werden fortfahren, sie so gut wie moeglich zu unterstuetzen.
Robert West, der Delegierte der Regierung der Vereinigten Staaten, erklaerte, warum sich die Delegation seiner Regierung nicht fuer die EntSchliessung ausgesprochen hatte,
nach der ein Beratungsausschuss fuer europaeische Umsiedlungsfragen errichtet werden soll. Er sagte: "Diese Enthaltung kann nicht als Mangel an Interesse der Regierung der
Vereinigten Staaten ausgelegt werden, praktische Loesungen
zu den Problemen zu finden, die sich mit der Erweiterung der
europaeischen Umsiedlungstaetigkeit ergeben. Unsere Auffassung
ist es, dass wir Schritt fuer Schritt an die Loesung des Problems herangehen muessen, d.h. dass wir zuerst solche Dinge
tun muessen, die eindeutig als praktische Massnahmen zu werten sind. Wir muessen in Erwaegung ziehen, dass diese Konferenz nur ein Stadium in dem schwierigen Prozess ist, in
dem eine Loesung dieses Gesamtproblems gefunden werden soll.
Die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten den Plan des IAA
nicht akzeptieren konnten, darfnicht falsch ausgelegt werden.
Hierdurch wird in keiner Weise etwas an der Tatsache geaendert, dass die Regierung der Vereinigten Staaten das IAA und
seine Arbeit sehr hoch einschaetzt.
Papst Pius XII. erklaerte vor 100 Delegierten dieser
Konferenz waehrend einer Sitzung in Castelgandolfo: "Wir
stellen mit Genugtuung fest, dass diese Konferenz dazu beigetragen hat, die Welt die Wichtigkeit dieser Aufgabe und den
Ernst dieses Problems erkennen zu lassen. Vor allem freut
uns die Tatsache,. dass die geistigen und moralischen Werte,
die sowohl bei der Auswanderung als auch bei der Einwanderung
gesichert, geschuetzt und entwickelt werden muessen, auf
Ihrem Kongress entsprechend gewuerdigt worden sind.
ILO News Service
X/26/51
DIE KOMMUNISTEN IM WESTDEUTSCHLAND
Auszug aus der Rede von Irving Brown, dem Vertreter der
American Federation of Labor in Europa, auf dem Kongress
der AFofL in San Francisco am 18. September 1951.
"Waehrend die kommunistische Partei noch immer
die Mehrheit der organisierten Arbeiterschaft in Frankreich
und Italien darstellt, sind in Westdeutschland die Sozialdemokraten die herrschende Kraft in der geeinten Gewerkschaftsbewegung. Auf der anderen Seite befindet sich Ostdeutschland
unter Sowjetherrschaft und dort wird aufgeruestet. Aber
selbst in dieser von den Sowjets kontrollierten Zone haben
die wirklich demokratischen Kraefte die von den Sowjets beherrschten Gewerkschaften und politischen Parteien derart
durchsetzt, dass die Sowjets sich nicht auf Ostdeutschland
verlassen koennen. Ostdeutschland ist das einzige Gebiet
jenseits des Eisernen Vorhangs, in dem ein offener und von
den Massen getragener Widerstand gegen die Sowjetunion lebendig ist. Die Kraft der demokratischen Gewerkschaftsbewegung
in Westdeutschland ist in den vergangenen Monaten dadurch
- 5 -

�verstaerkt worden, dass den deutschen Gewerkschaften das Mitbestimmungsrecht in der maechtigen Eisen-, Stahl- und Kohleindustrie des Ruhrgebiets gewaehrt wurde. Die ünterstuetzung
durch die amerikanischen Gewerkschaften und den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) hat wesentlich zu diesem Sieg der deutschen Gewerkschaften beigetragen.
Aber daneben gibt es andere Schwaechen und Gefahren in
Westdeutschland. Die kommunistische Partei hat immer noch
eine gewisse Bedeutung innerhalb der Gewerkschaften, was vor
allem der Tatsache zuzuschreiben ist, dass sie nahezu 400
bezahlte Funktionaere im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)
hat und in zahlreichen Betriebsraeten in der deutschen Industrie einen gefaehrlichen Einfluss ausueben kann. Das alles
gibt der KPD eine Staerke, die in keinem Verhaeltnis mit der
wirklichen Lage in 'Westdeutschland steht.
Ich habe gerade einen Bericht von einer der fuehrenden
Persoenlichkeiten der nichtkommunistisohen Gewerkschaftsbewegung erhalten, in dem es u.a. heisst:
"Der folgende Bericht umfasst 211 Grossbetriebe (mit
mehr als 500 Arbeitnehmern) aus der Gegend von Hamburg und
anderen mittelgrossen und Kleinstaedten in Rheinland-Westfalen (unter Ausschluss der Bergwerke).
"Von diesen 211 Betrieben hatten 74 KP-Mitglieder in
ihrem Betriebsrat. Mit anderen Worten: ein Drittel dieser
Grossbetriebe haben Kommunisten in ihrem Betriebsrat.
"Verglichen mit der Gesamtzahl der gewaehlten Betriebsratsmitglieder in diesen 211 Betrieben, haben die Kommunisten (unter Ausschluss wiederum der Bergwerke) 10$ aller
Sitze.
"In diesen 211 Grossbetrieben sind insgesamt 1844 Betriebsratsmitglieder gewaehlt worden. Die politische Aufteilung
ist folgende:
SPD
937

KPD
150

CDU
135

Andere Partelen
17

Neutral (.') .
605

"Es ist dabei bemerkenswert, dass die Kommunisten mehr
Leute haben als die CDU. Ein anderer bemerkenswerter Faktor
ist das staendige Anwachsen der sogenannten "Neutralen".
Eine grosse Anzahl von Sympathisierenden und wirklichen Kommunisten tauchen jetzt als "Neutrale" auf.
"In den Bergwerken haben die Kommunisten ca. 27-28% aller Betriebsratsmitglieder. Dies beweist wiederum, dass sofort etwas geschehen muss."
Noch weit gefaehrlicher ist die Tatsache, dass die Kominformpolitik in Westdeutschland mit Neo-Nazibewegungen spielt
und sie selber schafft Bewegungen, die wie Kommunisten von
"Frieden" und einem "geeinten Deutschland", gegen Wiederaufruestung und eine europaeische Armee reden. Aus einem vertraulichen Bericht, der mir zugegangen i3t, geht hervor, dass
die offiziellen KPD-Fuehrer ihren Vertrauensmaennern in den
Betrieben Anweisung gegeben haben, Einheitsfront-Aktionen mit
Nazigruppen wie z.B. der SRP zu unterstuetzen. Ein solches
- 6 -

�Kommunazi-Buendnis passt ausgezeichnet in die Sowjetparole
vom Kampf gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und
Westeuropas herein. Waehrend auf der einen Seite in Deutschland ein solches Zusammengehen gefoerdert wird, hetzen die
Kommunisten auf der anderen Seite in der ganzen Welt alle
demokratischen und liberalen Elemente mit ihren Greuelberichten ueber das Wiederaufleben des Neo-Nazismus auf. Selbst
die offiziellen alliierten Stellen in Deutschland machen
sich zum Sprachrohr dieses Unsinns. So hat.zum Beispiel der
amerikanische Hohe Kommissar in Westdeutschland LlcCloy neulich zwar das Versagen der Kommunisten festgestellt, im selben Atemzug aber vor der Gefahr des Nazismus gewarnt. Das
ist eine gefaehrliche Erklaerung. Die Wahrheit in dieser
Sache ist, dass der Nazismus in Deutschland nur eine Gefahr
wegen seiner Verbindung mit dem Totalitarismus der Sowjets
ist.
Die Gefahr eines Wiederauflebens einer kommunistischnazistischen Bewegung in Deutschland wird weiterhin dadurch
gesteigert, da3s die Alliierten nur sehr langsam der deutschen Republik die Rechtsgleichheit gewaehren und die rasche
Integrierung Deutschlands in ein westeuropaeisches Wirtschafts- und Verteidigungssystem immer wieder hinauszoegern.
Das kuerzlich getroffene Abkommen zwischen den Aussenministern
Frankreichs, Englands und der Vereinigten Staaten, das der
Deutschen Bundesrepublik "virtuelle Unabhaengigkeit" gewaehrleistet, ist unzureichend und wird weiteres Oel in das nationalistische Feuer der Kommunazi-Propaganda giessen. Dieses
Versagen der Besatzungsbehoerden, groesseres Vertrauen in
den demokratischen Arbeiterkreisen und zwar sowohl innerhalb
der Gewerkschaften wie auch innerhalb der politischen Parteien zu gewinnen, hilft nur denjenigen. Kraeften, die das Wiederaufleben des deutschen Nationalismus als einen Rauchvorhang benutzen fuer das Hauptbestreben der Sowjets - naemlich
die Kontrolle der Ruhr und Westdeutschlands in die Hand zu
bekommen und dadurch Europa tatsaechlich zu beherrschen.
Denn das ist das System der doppelten Buchfuehrung in der
Sowjetdiplomatie - in Deutschland Zusammenarbeit und Foerderung des Neo-Nazismus, ausserhalb Deutschlands aber Propaganda ueber das Wiederaufleben des sogenannten Neo-Nazismus in
Deutschland."
GEWERKSCHAFTLICHE SWi'V.'ICKLUNGIilN IN SYRIüN
Dank der Baumwoll- und Weizenrekordernten, hoher Exportpreise und Syriens unabhaengiger Stellung als Handelsstaat
nach der Aufloesung der Zollunion mit dem Libanon im Kaerz
1950 haben sich die Arbeitsbedingungen in Syrien im Verlauf
des Jahres 1950 verbessert. Waehrend der wirtschaftlichen
Depression des Jahres 1949 nahm die Arbeitslosenziffer in
den handwerklichen Berufen und in der Textilindustrie beunruhigende Formen an. In dieser Industrie ist etwa ein Viertel
der Erwerbsbevoelkerung der syrischen Industrie beschaeftigt.
Nach der Aufloesung der gemeinsamen Zollunion verfolgte die
Regierung Syriens eine Politik des Protektionismus, und die
Beschaeftigtenziffer in der Industrie nahm erheblich zu.
In Verbindung mit der Baumwollrekordernte ging auch die Beschaeftigtenziffer in der Landwirtschaft in die Hoehe. Die
Arbeitslosigkeit in den Staedten ging von etwa 40$ der gesam- 7 -

�ten erwerbstaetigen Bevoelkerung der Industrie (etwa 90 000)
zu Beginn des Jahres 1950 bis zurr, Ende des Jahres um 25% zurueck, wie von Arbeitsbeamten Syriens schaetzungsweise angegeben wurde. Ende 1950 wurden- ueber die Haelfte der 87 000
Fluechtlinge Palaestinas, die in Syrien geblieben waren, als
"beschaeftigungsfaehig" eingestuft. Hiervon waren nahezu
60% arbeitslos und von der Unterstuetzung der UKRWA (Hilfsorganisation der UN) voellig abhaengig. 30% hatten selbst Arbeit gefunden, und die uebrigen wurden von dieser Organisation
beschaeftigt.
Bei Ausbruch der Feindseligkeiten in Korea forderten
die Gewerkschaften hoehere Loehne.
Im 3. Quartal des Jahres 1950, in dem sich die Geschaeftslage verbesserte und die Preise in die Hoehe gingen, gab die
Regierung den Forderungen der Gewerkschaften statt, und die
Loehne wurden erhoeht.
Am 28. Februar 1950 wurde ein Gesetz ueber gewerkschaftliche Vereinigung erlassen, und am 5. September trat eine
neue Verfassung in Kraft.
Das Genossenschaftsgesetz, das von dem Syrischen Gewerkschaftsbund befuerwortet wurde, sieht sowohl landwirtschaftliche als auch industrielle Genossenschaften vor. Der
Gewerkschaftsbund entwarf eine Reihe mustergueltiger Verordnungen ueber Genossenschaften und legte der Bevoelkerung die
Bildung von Verbrauchergenossenschaften in allen groesseren
Staedten nahe. Drei Verbrauchergenossenschaften waren zu
Ende des Jahres gebildet worden. Der Landwirtschaftsminister
gruendete mit Hilfe von zwei Sachverstaendigen aus Palaestina,
die unter der britischen L&amp;ndatsregierung Erfahrungen auf
diesem. Gebiet gesammelt hatten, landwirtschaftliche Genossenschaften, deren besondere Aufgabe es ist, Kredite und landwirtschaftliche Maschinen zur Verfuegung zu stellen.
In der neuen Verfassung sind Grundsaetze fuer die kuenftige Gesetzgebung niedergelegt, die innerhalb von zwei Jahren
vervollstaendigt sein muss. Die Bestimmungen ueber Arbeitsbedingungen legen folgendes fest: das Recht der Buerger auf
Arbeit, die Begrenzung der Arbeitszeit und bezahlte Wochenfeiertage und Jahresurlaub. Sie sehen die Bildung eines Sozialversicherungssystems vor und erklaeren die Pflichtarbeit
fuer ungesetzmaessig, wenn es nicht in Zeiten nationalen Notstandes ist.
Vor Ablauf des Jahres 1950 hatte die syrische Regierung
die Organisation fuer Erziehung, Wissenschaft und Kultur der
Vereinten Kationen um Unterstuetzung bei der Ausarbeitung des
Sozialversicherungssystems gebeten. Die Zahl der registrierten Gewerkschaften wurde in Syrien im Jahre 1950 von 127 auf
149 erhoeht. Die Schätzungen ueber die I'itgliederzahlen
sind verschieden und werden von Beamten des Arbeitsministeriums
mit 26 800 fuer 1949 angegeben, waehrend Gewerkschaf tsfunktionaere von 80 000 Mitgliedern im Jahre 1950 sprechen. Zu Ende
des Jahres 1950 waren 110 der registrierten Gewerkschaften dem
von der Regierung finanziell unterstuetzten syrischen Gewerkschaftsbund, dem einzigen nationalen Gewerkschaftsbund des
Landes, angeschlossen. Der bedeutende Gewerkschaftsbund der
Hafenstadt Latakia, der sich zuvor geweigert hatte, dem Syrischen Gewerkschaftsbund beizutreten, vereinigte sich mit dieser
Organisation Anfang 1951.

8

�1950 setzte sich der Syrische Gewerkschaftsbund fuer
den Erlass von iirbeitsgesetzen ein und veroeffentlichte unter
dem Titel "al limmal" (Die Arbeiter) ein woechentliches Organ
mit einer Auflageziffer von 5 000. Der Gewerkschaftsbund
setzte seine Politik der Nichteinmischung in lokale Angelegenheiten fort und behielt seine Keutralitaet gegenueber dem
Weltgewerkschaftsbund unddem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften bei.
Kotes on Labor Abroad
VII-VIII/51
George Philip Delaney:
LOHNPOLITIK UND iNFLA'i'IlKSSINFLu'ESStt
Angesichts der Bedrohung durch die kommunistische
Aggression sind die freien Nationen dazu gezwungen worden,
zur Verteidigung ihrer Interessen eine 7/iederbewaffnung durchzufuehren. lüit der 7/iederaufruestung ist eine neue Gefahr,
die Gefahr der Inflation aufgetaucht. Sine Inflation hat,
sobald sie entstanden ist, die Tendenz, sich auszudehnen,
ohne sich dabei durch Landesgrenzen aufhalten zu lassen, bis
sie schliesslich auf alle Nationen ue.bergegriffen hat.
Es bleibt natuerlich jedem einzelnen Land selbst ueberlassen, unabhaengig von den anderen Nationen Loesungen fuer
die zahlreich auftauchenden Probleme auszuarbeiten, die
ihnen als zweckmaessig erscheinen. Trotzdem betreffen diese
Probleme alle unsere Nationen gemeinsam, und es ist daher
zeitgemaess und angebracht, sie zur Diskussion zu stellen.
3s sind dies Probleme komplizierter und tiefgreifender Natur, die jedocn durchaus praktische Folgen haben, eine Tatsache, die sich in den letzten Jahrzehnten hinreichend fuer
alle Arbeiter von vitalstem Interesse erwiesen hat, eine lebenswichtige Angelegenheit fuer die Gewerkschaften aller Nationen.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind der festen Ueberzeugung, dass, wenn die offizielle Lohnpolitik waehrend der
augenblicklich herrschenden Inflations-Periode ihren Zielen
zum Erfolg verhelfen will, diese Lohnpolitik auf der Erkenntnis dreier grundlegender Prinzipien fussen muss. Zunaechst
ist es wichtig und notwendig, dass die TarifVerhandlungen
auch weiternin eine grundlegende Rolle in der Wirtschaft spielen. Massnahmen, die im Zusammenhang mit Belangen der oeffentlichen Lohnpolitik getroffen werden, koennen moeglicherweise
zur Ergaenzung der TarifVerhandlungen dienen, sie duerfen
jedoch niemals mit der Absicht ergriffen werden, diese Verhandlungen zu verdraengen. Zweitens kann eine einschraenkende
Politik in Bezug auf Lohnfragen nicht zum Erfolg fuehren, es
sei denn, dass dieser ein allgemeines anti-inflationistisches
Kontrollsystem voreusgeht, welches auf einer gerechten Grundlage beruht und von dem Motiv geleitet wird, die Lasten gleichmaessig zu verteilen. Drittens und letztens bleibt festzustellen, dass eine einschraenkende Lohnpolitik als solche
keine Loesung darstellt. Das beste Mittel gegen die Inflation
ist die iroduktion. Eine Lohnpolitik, die industrielle Unruhen ausloest, die sich stoerend auf den best-moeglichen
Einsatz der Arbeitskraft und der Arbeitsmittel auswirken,
oder die die Arbeiter eines jeglichen wirklichen Gewinnanteils
-9 -

�am wirtschaftlichen Fortachritt beraubt, wird letzten Endes
ihren eigenen grossen Zielen das Grab schaufeln.
Wenn eine Lohnpolitik erfolgreich sein will, so muss
sie verstehen, sich den industriellen Gegebenheiten sowie
den wechselnden timstaenden und n.rfordernissen anzupassen.
Sie muss bemueht sein, die Anwendung willkuerlicher Lethoden, die ihre Daseinsberechtigung einzig und allein "verwaltungstechnischen Bequemlichkeitsgruenden" verdanken, zu
vermeiden, anstatt sie zu staerkeru Sie muss den Arbeitern
Gewaehr dafuer bieten, dass Gerechtigkeitserwaegungen nicht
Gesichtspunkten der Zweckmaessigkeit zum Opfer fallen, dass
ihre Belange in fairer Weise gehoert werden und» sofortige
Beruecksichtigung finden, und dass Haerten, soweit wie irgend moeglich, gemildert werden. Eine Lohnpolitik muss bemueht sein, eine Besserung im Lohngefuege herbeizufuehren,
nicht aber eine Fortdauer der bestehenden Ungerechtigkeiten
und Unterschiede anzustreben.
Eine Stabilisierung ist nicht mit einer Schematisierung
gleichzusetzen. Scharfe und starre Lohnkontrollen wuerden
sich nur schaedlich auf ein fortschrittliches Stabilitaetsbestreben auswirken, ganz besonders aber im Zusammenhang mit
einer Verteidigungsanstrengung auf weite Sicht, wie sie heute
gegeben ist. Solche Lohnkontrollen wuerden nur eine gegenteilige V.irkung auf die Arbeitsintensitaet, Arbeitsmoral und
Arbeitsleistung ausueben. Jedes Lohngefuege muss grundsaetzlich beweglich sein; das ist - im Gegensatz zu einer scheinbaren Stabilitaet - eine wesentliche Voraussetzung fuer eine
echte Stabilitaet.
Das bedeutet, dass man den Methoden und Verfahren, die
sich aus dem System der Kollefctivverhandlungen entwickelt
haben, ein hohes I.:ass an Vertrauen und gutem Willen entgegenbringen muss. Eine brauchbare Lohn-Stabilisierungspolitik muss erkennen, dass die Lohnverhandlungen als solche
ein System der unparteiischen Stabilisierung darstellen.
Im Gegensatz zu den Preisen, die von Tag zu Tag steigen,
schalten Lohnabkommen unkontrollierbare Schwankungen aus,
und bieten in Bezug auf Stabilitaet eine dauerhafte Garantie
fuer ihren Bestand. Sie verringern Ungewissheit und spekulative Einfluesse, die in der Hauptsache fuer das Entstehen
von Inflationen verantwortlich sind.'
Weiterhin haben sich durch die Tarif-Verhandlungen realistische und praktische Methoden fuer die verwaltungstechnische Handhabung der Tarifloehne ergeben, die auf den gemachten Erfahrungen aus erster Hand jene Personen, die mit den
Tatsachen der gegebenen Situation am vertrautesten sind, eufbausn. Angesichts der sterilisierenden Auswirkung der Tarifverhandlungen muessen diese auch weiterhin das hauptsächlichste Hilfsmittel zur Festsetzung und Handhabung dieser
Tarife bleiben. Die oeffentliche Lohnpolitik sollte kein
Ersatz, sondern vielmehr eine Ergaenzung des Tarifverhandlungsverfahrens sein.
Ein Ansteigen des allgemeinen Lohn-Niveaus mit der Tendenz, die erhoehten Lebenshaltungskosten auszugleichen, kann
eher als eine Folge, aber nicht als Ursache der Preis-Inflation angesehen werden. Die seit Ausbruch des Korea Konfliktes
auf diesem Gebiete gesammelten Erfahrungen beweisen das zur
Genuege.
- 10 -

�Am 3Chaerfsten zogen die Preise bei den Waren an, bei
deren Produktionskosten die Loehne eine relativ unbedeutende
Rolle spielen, und bei denen das Einkommen des Arbeiters bei
der direkten Marktnachfrage nicht ins Gewicht faellt. Spekulationen am .Warenmarkt, Zurueckhaltung von Guetern und die
Profitgier der Kaendler und Produzenten naehren den Herd
der Inflation.
Wolts man sich bemuehen, eine Inflation zu bekaempfen,
indem man eine zurueckhaltende Lohnpolitik unter Nichteinfuehrung durchgreifender Preiskontrollen betreibt, oder indem
man der Arbeiterschaft, Lohnerhoehungen zur Anpassung an die
erhoehton Preise verweigert, so wuerde das gleichbedeutend
sein mit dem Versuch, dieses Uebel dadurch zu bekaempfen,
dass man eines seiher Symptome zu heilen sucht.
'.Venn man dem Problem, der Inflation Einhalt zu gebieten,
im Zuge einer einschraenkenden Lohnpolitik begegnen will und zwar nur au3 dem einfachen Grunde, weil sich Loehne leichter kontrollieren lassen als Preise - so wuerde man damit
eine empoerende Ungerechtigkeit an denen begehen, die fuer
Loehne und Gehaeiter arbeiten, und wuerde denjenigen einen
ungebuehrlichen grossen Teil der Lasten auferlegen, denen es
am schwersten faellt, sie zu tragen.
Die Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten ist bereit,
ihren Anteil an den Aufgaben zu uebernenmen und ihren gerechten Anteil an allen notwendigen Opfern, die aus dem Verteidigungsbeitrag erwachsen, zu tragen. Sie besteht jedoch darauf,
dass nicht von ihnen verlangt wird, dass sie die wirtschaftlichen Folgen einer legislativen oder administrativen Wachsicht gegenueber anderen Kreisen, - die tatsaechlich viel
eher imstande sind, diese Lasten zu tragen - auf sich nehmen
muss. Lfan darf nicht von ihr erwarten, dass sie einem System
guten V.'illen entgegenbringt, das sie auffordert - auf Kosten
ihres Lebensstandards und mit ihrem Geld - besondere Vorrechte
und Freiheiten zu unterstuetzen, die ihren Arbeitgebern, Hausherren, den Kaufleuten und Haendlern, mit denen sie geschaeftlich zu tun haben oder Spekulanten und Gewinnlern im allgemeinen ohne weiteres gewaehrt werden.
Solch eine Politik wuerde nicht nur alle Grundsaetze der
Gerechtigkeit verletzen, sondern sie wuerde sich auch letzten
Endes selber zugrunderichten. .Vuerde man versuchen, inflationistische Tendenzen durch Verfolgung einer strikten Lohneinschraenkungspolitik auszugleichen, so wuerde diese nur dazu
dienen, die Grundmaengel und Fehler in anderen lebenswichtigen Kontrollbereichen fuer eine gewisse Zeit zu verschleiern,
was wiederum dazu fuehren wuerde, die Zielsetzung einer weitsichtigen, wirtschaftlichen Stabilisierung zu gefaehrden.
Den inflationistischen Erscheinungen muss entgegengewirkt
werden, indem man auf ihre ursaechlichen Entstehungsgruende
zurueckgreift, und indem man an den Punkten zu Gegenmassnahmen
in Form von Kontrollen ansetzt, an denen man die damit verbundenen augenblicklichen Haerten auf ein Mindestmass beschraenken kann. Da eine Lohnstabilisierungspolitik sich
in den hoeheren Sinkommensstufen nur unbedeutend auswirkt,
sollte man eben dort den Hebel ansetzen und die betreechtlichen Verdienstspannen beschneiden, was mit Leichtigkeit getan
werden kann, ohne die Gesundheit und den Wohlstand des produk11 -

�tiven Leistungsvermoegens zu gefaehrd9n. Im Gegensatz dazu
muss man sich vor Augen halten, dass der groesste Teil des
Verdienstes der Lohnempfaenger fuer Ernaehrung, i.'iete und
sonstige lebensnotwendigen Dinge verwandt wird.
Eine fortschrittliche anti-inflationistische Lohnpolitik mu3S ebenfalls ein gerechtes Steuerprogramm enthalten, das
auf dem Grundsatz der jeweiligen Zahlungsfähigkeit basiert.
Das bedeutet, dass Personen hoher Einkommensstufen und Gesell- •
schaften mit grossem Gewinn am hoechsten besteuert werden
sollten. Der Lebensstandard der Familien der niedrigen und
mittleren Einkommensstufen sollte durch die steuerliche Belastung keinesfalls noch weiter gedrueckt werden, da das zu
einer Schaedigung der Gesundheit und des allgemeinen Wohlstandes der davon Betroffenen fuehren wuerde.
Eine solche Politik muss weiterhin ein wirkungsvolles
und aktiv betriebenes Kontrollprogramm zur Verhuetung von
.'/arenanhaeufungen und Spekulationsmanoevern und auch Preiskontrollen durchfuehren. Sie muss gleichfalls ein Produktions-Kontroll-System aufrechterhalten, das eine planvolle
Lenkung der benoetigten Materialien und sonstigen Mittel in
die Gebiete, in denen der Bedarf an diesen lebenswichtigen
Guetern fuer die Friedens- und Verteidigungsproduktion am
groessten ist, sichert. Erst, nachdem derartige Massnahmen
tatsaechlich ergriffen worden sind, mag es angebrecht sein,
die Gewerkschaftsvertreter anzuhalten, Zurueckhaltung bei
ihren Lohnforderungen zu ueben. Die Meinung der amerikanischen Gewerkschaften in Bezug auf die hauptsaechlichsten Punkte einer zweckmaessigen Lohnpolitik unter dem Gesichtspunkt
eines allgemeinen anti-inflationistischen Kontroll-Systems
koennen vielleicht am besten abschliessend zusammengefasst
werden in einem Auszug einer Erklaerung, die dem Praesidenten
der Vereinigten Staaten von dem Vereinigten Komitee fuer Gewerkschaftspolitik (United Labor Policy Committee) ueberreicht
wurde, das sich aus dem Kongress der Industrie-Verbaende (C.I.O.)
und dem amerikanischen Gewerkschaftsbund (A.F.L.) zusammensetzt.
"Die Lohnstabilisierungspolitik muss sich fuer entsprechende Erhoehungen der Lohnsaetze einsetzen, die als Ausgleich
fuer die gesteigerten Lebensheltungskostsn unerlaesslich sind.
Die Lohnstabilisierung darf nicht zu einem Einfrieren der
Loehne fuehren. Ferner muss diese Politik eine Aufbesserung
der unter dem Durchschnitt liegenden Loehne anstreben, und fuer
einen Ausgleich von Ungerechtigkeiten in den augenblicklich bestehenden Lohnsaetzen innerhalb der Industrie oder zwischen
einzelnen Industriezweigen sorgen. Dem heute in weitesten Kreisen anerkannten Grundsatz, dass die Lohnempfaenger in gleicher
.'/eise an den Vorteilen des wirtschaftlichen Fortschritts und
Produktionsanstiegs - den der Staat von seinen Industriearbeitern fordern muss und wird - beteiligt werden sollten, sollte
die Lohnstabilisierungspolitik in ganz besonderem Masse verfolgen.
Eine jede Lohnstabilisierungspolitik muss bestehende allgemeingueltige Tarifabkommen respektieren, da diese als solche
eine Sicherheitsgarantie bieten.
Die jetzigen Regelungen bezueglich der Ueberstunden-Bezahlung fuer Praemienlohnarbeit, die augenblicklich unter dem
Schutz tariflicher Abkommen oder unter gesetzlichem Schutz
- 12 -

�steht, muessen auch weiterhin als unantastbar gelten. Diese
Bestimmungen setzen keineswegs die Durchfuehrung einer Arbeitswoche, die laenger waere als die im «ugenblick als normal zu betrachtende, voraus, sondern bieten lediglich einen
-Anreiz fuer produktive Ueberstunden- und Feiertagsarbeit."
Das Komitee erklaerte ferner: "Unsere Arbeitskraft ist
die groesste individuelle Kraftquelle der Kation. Es waere
angebracht, L'assnahmen zur Staerkung und Vergroesserung der
Arbeitsreserven zu treffen. Wenn man diesbezuegliche Schritte
unternimmt, so sollte das in dem Bewusstsein der Tatsache geschehen, dass man mit freier Arbeit das Produktionspotential
der versklavten Arbeiterschaft anderer Kationen schlagen kann.
Die freie Arbeit muss bei der Erreichung des Zieles einer
groesstmoeglichsten Produktionsnorm eine entscheidende Rolle
spielen."
Sol D. Ozer, Leiter der Wirtschaftsabteilun.? im Buero fuer
Arbeitsangelegenheiten der EGA:
V;AI:N WIRD ENDLICH I&gt;:H.KH FKCDUZIEKT?

William Foster, der Verwalter der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Europa (ECA) kuendigte vor einiger Zeit ein
neues Produktivitaetsprogramm an. Dieses neue Programm fand
in Europa eine sehr starke Resonanz, wobei es Zustimmungen
und Kritik gab. Die Haerte dieser Reaktion war durchaus gerechtfertigt, denn diese neuen Ziele, die erreicht werden sollten und fuer die nur eine verhaeltnismaessig geringe Dollarhilfe der ECA zur Verfuegung gestellt wurde, heben die westeuropaeischen Laender zwangslaeuf ig, herausgefordert, endlich
ihre restriktive Mentalitaet abzustreifen, die bislang ihre
Wirtschaftsraeume abdrosselten und durch die ihren Voelkern
das volle Ausmass eines anstaendigen Lebensstandards vorenthalten wurde, zu dem eine moderne technische Auffassung der
Produktivitaet sie ohne weiteres fuehren wuerde.
Die ECA schlug vor, dass die teilnehmenden Regierungen
in jedem Lande eine bestimmte Anzahl Werke ausfindig machen,
die den Wunsch haben, gemeinsam sich fuer lodernisierungsbemuehungen einzusetzen. Die ECA ihrerseits hatte vorgesehen,
dass in diesen Faellen eine sehr wesentliche Unterstuetzung
in technischer und finanzieller Hinsicht erfolgen sollte, um
diesen Werken dabei behilflich zu sein, aller Welt ueberzeugend
klarzulegen, dass es moeglich ist, in kurzer Frist die Produktivitaet wesentlich zu erhoehen, die vermehrte Produktion auch
zu verkaufen und dabei gleichzeitig die wesentlichen "ehrertraege der Verbesserungsmassnahmen in gerechter Weise zu verteilen: an den Unternehmer in Form eines hoeheren Gewinns,
an den Arbeiter in Form eines hoeheren Lohnes und an den Verbraucher in Form eines niedrigeren Preises. Die ECA-Verwaltung unterstrich mit allem Nachdruck diese sozialen Bedingungen des Produktivitaetsprogramm3. Durch die ueberzeugende
Demonstration der Erfolge dieser Bemuehungen hofft die ECA
mehr und mehr Unternehmer dazu zu bewegen, ihre Produktionsbedingungen zu modernisieren und zu ueberholen und die Ertraege
daraus in gemeinsamen Bemuehungen mit ihrer Belegschaft so aufzuteilen, wie es die Richtlinien vorsehen. Das erstrebte Ziel
ist eine aioh stetig ausweitende Wirtschaft, die die Garantie
fuer einen sich unablaessig erhoehenden Lebensstandard der
- 13 -

�Buerger '.Vesteuropas geben kann, ohne dass dabei irgendeine
der demokratischen Freiheit gefaehrdet wird.
Damit gruendet sich das neue EiGA-PTOßraam auf die Ueberzeugung, das.3 die Schwierigkeiten, die einer wachsenden Produktivitaet 3ich gegenueberstellen, zutiefst mit den sozialen Verhaeltnissen in den westeuropaeischen Laendern zusammenhaengen. Sie sind also nicht in erster Linie oder gar einzig
und allein auf die Unwissenheit ueber die besten Produktionsverhaeltnisse zurueckzufuehren - diese sind durchaus bekannt sondern auf die Tatsache, dass kein grundsaetzlicher Wechsel
in der Einstallung gegenueber Fragen der Produktivitaet erreicht werden kann, solange die Grundlage der ilentalitaet der
Restriktionen, also der die Wirtschaft einengenden Faktoren,
sich nicht als voellig falsch erwiesen hat. In dieser Richtung hat die ECA-Verwaltung gehofft, durch die Unterstuetzung
fortschrittlicher Industrieller und erfahrener Gewerkschafter
Proben moderner Technologie demonstrieren zu koeunen. Aber
die Ueberbleibsel traditioneller Vorstellungen, die liebe
Gewohnheit bedrohen dieses ECA-Programm - und hier haben sich
mehr Scheingegengruende gefunden, als die meisten Buerger
Westeuropas auch nur im entferntesten ahnen. Aber die ECA
wuenscht dennoch einige Proben auf das Exempel zu machen,
zumal die LToeglichkeiten hierfuer gegeben sind. Die ECA-Verwaltung hat absolut Recht, wenn sie alles daran setzen will,
die Idee der wirtschaftlichen Einsehraeakungspolitik mit all
ihren Schutzzoellen und diskriminierenden Methoden zu Grabe
zu tragen, die in Westeuropa ueberaus stark verbreitet sind
und zu gleicher Zeit zur allgemeinen Zufriedenheit der Voelker selbst zu demonstrieren, dass noch immer in den westlichen
Demokratien eine starke wirtschaftliche Vitalitaet sich kraftvoll durchzusetzen vermag.
Das Programm der ECA fuer die Produktivitaet erstreckt
sich ueber groessere Zeitraeume. Bereits im Sommer 1948 wurden die Vertreter des Bueros fuer Arbeitsstatistik nach Europa eingeladen, um hier Studien ueber die in Grossbritannien
und Frankreich gebraeuchlichsten Produktionsmethoden durchzufuehren. Die Ergebnisse waren sehr entmutigende, denn sie
zeigten auf, dass die Produktion je Arbeiter und Arbeitsstunde
in diesen Laendern nur einen Bruchteil jener Ziffer erreichte,
die in aehnlichen Werken der Vereinigten Staaten anzutreffen
waren. Besprechungen ueber diese Ergebnisse auf beiden Seiten
des Ozeans fuehrten zu der Gruendung des Anglo-Amerikanischen
Produktivitaetsrates und des Technischen Unterstuetzungsprogramms der ECA. Studiengruppen mit Vertretern der Industrie
und der Arbeiterschaft, die oft von Regierungsvertretern begleitet wurden, reisten in die Vereinigten Staaten, um hier
Einblick in amerikanische Produktionamethoden zu erhalten.
Ihre Berichte unterstuetzteh staendig die Schlussfolgerung,
dass die Produktivitaet je Arbeitsstunde in den amerikanischen
Werken betraeohtlich hoeher lag und dass diese hoehere Produktivitaet einen viel hoeheren Lebensstandard fuer die breite
Masse des Volkes zur Folge hatte. Diese Berichte hatten einen
betraechtlichen Einfluss auf die Intellektuellen der Heimatlaender und Sinn und Begriff des Wortes "Produktivitaet" wurden haeufiger kommentiert und angewendet als in den Vereinigten
Staaten selbst. Die ECA unterstuetzte diese Aktivitaet und
finanzierte die Forschungsarbeit zur Ermittlung der besten amerikanischen Produktivitaetsmethode, die gewonnenen Erfahrungen
wurden interessierten europaeischen Unternehmen ohne weiteres
und ohne jede Kosten zur Verfuegung gestellt.
14 -

�Die Bedeutung dieser frueheren Bemuehungen der SC* sollten nicht unterschaetzt werden, denn sie trugen dazu bei, dass
eine Atmosphaere der Einfuehrbarkeit produktionssteigernder
Methoden geschaffen werden konnte, vor allen in jenen wichtigen Bereichen, wo ein solches Verstaendnis zuvor nicht vorhanden war. Auf der anderen Seite hatten diese Bemuehungen jedoch nicht die gewuenschten Erfolge, um die gewohnten Produktionsmethoden abzuaendern, aber auch die Preise und die Loehne
blieben unveraendert. Der Unterschied zwischen dem Verstaendnis fuer eine Idee und deren Durchführung war zu gross,
schon die vielen Risiken, die sich fuer den einzelnen ergaben,
wenn er sich fuer die Produktivitaet in der Praxis einsetzte,
waren viel zu unangenehm, um den Kampf mit den alten Gewohnheiten durchzufechten - ganz abgesehen davon, dass eben Theorie und Praxis etwas durchaus verschiedenes sind. 2s gab zwar
einige wichtige Beispiele, wo die Lehren, die Teilnehmer der
Studiengruppe aus den USA mit in ihre Heimat genommen hatten,
wirklich angewendet wurden. Diese Musterbeispiele lagen jedoch nur am Rande und ungluecklicherweise wurden die Berichte
hierueber nicht in der richtigen Form publiziert.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Arbeit der ECA die .
Produktivitaet in Suropa nicht zu steigern vermochte. Die
Statistiken beweisen dies im uebrigen sehr ueberzeu^end.
Wichtiger jedoch war die Unterstuetzung, die die EC* jenen
zahlreichen Werken gab, deren Produktion ins Hintertreffen
kam, weil hier gewisse Ersatzteile nicht zu beschaffen waren
oder in viel zu geringen Mengen bereitgestellt werden konnte.
Das gleiche gilt fuer den notwendigen Strom oder fuer andere
Rohstoffe. Diese Aktivitaet, die sich natuerlich ebenfalls
in einem Produktionsanstieg auswirkte, erfuellte jedoch nicht
den eigentlichen Zweck der Bemuehungen der ECA, durch Aenderungen in den Methoden der Produktion eine hoehere Produktivitaet zu erzielen. Einen wesentlich staerker in dieser Richtung gehenden Einfluss hatten die Bestrebungen der ECA, bestimmte neue Maschinen und Ausruestungen den westeuropaeischen
Unternehmen zur Verfuegung zu stellen, wobei die Finanzierung
direkt oder indirekt erfolgte. Diese neuangeschafften neuen
Geraete und Maschinen waren im allgemeinen vom letzten Typ,
ihre Einfuehrung trug somit selbstverstaendlich zu einer hoeheren Produktivitaet in diesen Werken bei. Ungluecklicherweise
aber brachte die Einfuehrung neuer Maschinen keine sozialen
Verbesserungen mit sich, die in dem Programm der ECA das
Hauptthema waren. Die Preise wurden in diesen Faellen nicht
heruntergesetzt, noch wurden die Loehne erhoeht. In vielen
Faellen wer der einzige Erfolg der ECA-Bemuehungen die Srhoehung der Gewinne fuer den Unternehmer, obwohl diese bereits
hoch genug waren.
Labor and Nation
PRODUKTION IST DER SCHLUESSEL ZUM HOHEN LEBENSSTANDARD
Statistiken, die von der AFL aufgestellt und in ihrer offiziellen Zeitschrift veroeffentlicht wurden, zeigen, dass sich
die Loehne der amerikanischen Arbeiter in einem fast direkten
Vörhaeltnis zur Produktion in den U.S.A. erhoeht haben.
Vor hundert Jahren lag die Stundenleistung des amerikanischen Durchschnittsarbeiters bei einem Produktionswert von
15 -

�31 Cents, an der Kaufkraft des heutigen Dollars gemessen. Die
Arbeitszeit war lang und die Loehne niedrig, weil die Arbeiter
nicht genug produzierten, um einen besseren Lohn zu realisieren.
Die Produktion wurde durch neue Maschinen und Methoden
erhoeht. Gegen 1890 entsprach die stuendliche Arbeitsleistung
des Arbeiters einem v/ert von 53 Cents, sie erhielten einen
Lohn von 48 Cents, wiederum an dem heutigen effektiven Wert
des Dollars gemessen.
Die Produktivitaet stieg waehrend der naechsten 20 Jahre
i um 19 Cents, die Loehne jedoch nur um 2 Cents. Als aber waehrend des ersten Weltkrieges die Gewerkschaften einflussreicher
wurden, gewannen die Arbeiter ihre Verluste zurueck, die Loehne
stiegen zwischen 1910 und 1920 um 16 Cents per Stunde, die Produktivitaet jedoch nur um 6 Cents.
Ale die Zahl der Gewerkschaftsmitgliedschaft sich von
3,000,000 im Jahre 1930 auf 9,000,000 im Jahre 1940 erhoehte,
zwangen jetzt neue Lohnforderungen die Arbeitgeber zu einer
beschleunigten Produktionssteigerung. Die Loehne hielten
Schritt - und zwischen 1920 und 1944 verdoppelten sich Produktion und Loehne. Waehrend der Inflation, als die Arbeitgeber
die Preise den Lohngewinnen gemaess erhoehen konnten, stand
ploetzlich jeglicher Fortschritt still. Bei einer Untersuchung
der Preiserhoehungen des Jahres 1948 suchten die Arbeitgeber
erneut nach iiitteln und Wegen die Produktion zu steigern.
Die gesteigerte Produktion war schon immer die Basis
einer Lohnerhoehung. Die Kaufkraft der Stundenleistung eines
Fabrikarbeiters, also sein wirklicher Lohn, hat sich zwischen
1890 und 1950 von 4ö Cents auf 1,76 Dollar mehr als verdreifacht, waehrend seine Arbeitswoche von ungefaehr 60 Stunden
auf 40 Stunden zurueckgegangen ist.
Waehrend der letzten 25 Jahre vollzog sich in den Vereinigten Staaten eine friedliche Revolution in der Verteilung
der Einkommen. 1929 konzentrierte sich 34% des Gesamteinkommens auf die Gruppe der oeberen 5% der Einkommenempfaenger;
gegen 1946 hatte sich dieser Prozentsatz des Gesamteinkommens
dieser Gruppe fast um die haelfte bis auf 18% verringert. Das
bedeutet, dass die niedrigen Einkommensstufen, hauptäaechlich
Angestellte.und Arbeiter, 25,Oüu,000,pOO Dollar des gesamten
Einkommens des Jahres 1946 erhielten. iNacb den Verteilungsschema von 1929 waeren diese 25 Milliarden an die reichsten 5%
gegangen.
Labor News from the US
11/5/51

- 16 -

H1CXS 30 NOT Ol 18362 « I!

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and diene*
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 737, Frankfurt
angefordert werden. Aal Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
^_^^^^_^_^^^____^__^^_____^—^^^^_

IV - 47

Prankfurt, 23. November 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Produktion - der Weg zur Freiheit

1

Harvard erweitert sein SchulungsProgramm fuer
Gewerkschafter

6

Schach und Gewerkschaften

6

Produktivitaetspolitik erfordert gerechte Grundlagen

9

Arbeiterschulung in Puerto Rico

15

Marion H. Hedges:
PRODUKTION - DER WEG ZUR FREIHEIT
Ein franzoesischer Unternehmer kam eines Tages nach den
Vereinigten Staaten. Hier sah er sich viele Werkanlagen und
Fabriken an. Er lausohte in New York und Washington wichtigen Vortraegen und kehrte dann in sein Heimatland zurueck.
Ploetzlich entschloss er sich jedoch, nioht darauf zu warten,
bis ein in psychologischer Hinsicht geeigneter Moment eintritt, um seine Beobachtungen auszuwerten, sondern sofort damit zu beginnen. Und so beschloss er, das Gesehene sofort
in seiner eigenen Fabrik in Frankreich zu verwirklichen. Und
er faengt tatsaechlich damit an. Das Ziel seiner Produktion
wird von ihm um ZOjL hoeher als bisher festgelegt. Die Loehne
werden im Durohschnitt um IO56 im Wege einer freiwilligen Vereinbarung erhoeht. In der Fabrik wird ein Kasten aufgestellt,
in den die Arbeiter Vorschlaege zur Verbesserung der Produk- 1

�tionsmoeglicbkeiton legen sollen. Er bekennt sich zu dem
Prinzip, "dass die Arbeiter an den Fruecüten einer gesteigerten Produktivitaet sofort beteiligt werden sollen. Eine ebenso einfache wie ueberzeugende Massnahme des franzoesischen
Unternehmers bestand darin, dass jeder Arbeiter nach Hause
gehen konnte, sobald er sein Arbeitspensum erledigt hatte.
Und auf Grund dieser Massnahmen stellt er fest, dass diese •
Pruefmethoden ausserordentlich erfolgreich sind. Sein Unternehmen hat ein ausserordentliches Mass an Publizitaet gewonnen, alle Veit beschaeftigt sich mit dem, was hier geschieht.
Und so erhaelt er in wenigen Wochen ueber .4 000 Bewerbungen
von Arbeitern, die noch in anderen Fabriken taetig sind, aber
gern zu ihm kommen wollen. Diese Geschichte ist gegenwaertig
in allen westeuropaeischen Laendern zu hoeren, sie ist weder
erfunden noch ist sie besonders ausgewaehlt. Sie erzaehlt
lediglich, was in Frankreich und anderen Laendern Europas heute vor sich geht.
Natuerlich gingen diesen Experimenten eine ganze Reihe
eingehender Versuche in Amerika voraus, wobei alle Einzelheiten genau analysiert wurden. Das Experiment war ein erfolgreiches, die Analyse besierte dabei auf den Erfahrungen dieser
typisch franzoesischen Geisteshaltung - jeder Unternehmer erkannte die Gueltigkeit dieser Behauptungen, dass sehr viele
der Misstaende in der Industrie und im sozialen System durch
eine steigende Produktion sich abstellen lassen.
Die Gewerkschaften haben ihren Anteil an diesem Programm.
Die Gewerkschaften haben immer wieder erklaert, dass es voellig nutzlos ist, irgendeinem Land der Marshallplangruppe zu
helfen, wenn diese Hilfe nicht allen Schichten dieser Voelker
zugute kommt.
Die Gewerkschaften haben immer wieder auf die
Rolle hingewiesen - und zwar Jahre hindurch - dass die Dynamik
der amerikanischen Wirtschaft in einer staendig zunehmenden
Kaufkraft besteht - ohne eine gleichmaessige Verteilung der
Fruechte der Produktivitaet wuerde die amerikanische Wirtschaft
sehr schnell steril werden und stagnieren.
Die Wirtschaftsfuehrer der europaeisohen Laender haben,
als sie mit den besonderen Nachkriegsbedingungen sich auseinandersetzen mussten, sich auf einen neuen Prozess der sozialen
Diagnose gestuerzt. Diese soziale Diagnose wird zwar keine neuen Elemente fuer die heutige Situation feststellen, aber sie
wird ergeben, dass neue Elemente und neue Fragenstellungen fuer
diese neuen Elemente in der gegenwaertigen Situation notwendig
sind.
Die Resultate einer solchen Diagnose lassen sich leicht
auf die folgenden Feststellungen konzentrieren: 1.) Der Kapitalismus hat ueberall die Produktion vorwaertsgetrieben.
Der
Sozialismus auf der anderen Seite hat fuer eine bessere Verteilung des Ertrags Sorge getragen. Das Pendel der oeffentlichen
Meinung schwankt zwischen diesen beiden Grundtendenzen hin und
her.
2.) Die wirtschaftliche Erfahrung ist zu dem Schluss gekommen, dass es zwecklos ist, ueber die Verteilung zu sprechen,
wenn die Produktion nicht hoch genug ist und genug produziert
werden kann, um «inen hohen Lebensstandard zu erzielen. Die
Studien, die die rorschungsabteilung der Vereinten Nationen
durchfuehrte, sind kennzeichnend fuer die Staerke und die
Schwaeche der Nationen. Auf der untersten Stufe steht Indone2 -

�sien, es bringt nur so viel an Volkseinkommen hervor, um fuer
jeden Einwohner 25 Dollar im Jahr an Verdienstmoeglichkeiten
zu bieten. In Italien wird ein Maximum von 225 Dollar im Jahr
erreicht, in Russland von 308 Dollar, in den Niederlanden von
etwa 450, in England etwa 650, in Kanada etwa 870 und in den
Vereinigten Staaten etwa 1500 Dollar pro Kopf und Jahr. Natuerlich sind dies keine grossen Reichtuemer, aber die Produktionsleistung der Vereinigten Staaten hat ein Nationaleinkommen zur Folge gehabt, das einmalig ist und ohne jede Vergleichsmoeglichkeit oder Parallelfall in der Geschichte dasteht. Man
braucht auch tatsaechlich nur diese Ziffern herauszustellen, um
dabei festzustellen, dass andere Laender entweder aus Neid die
Vereinigten Staaten hassen oder aber dadurch ermuntert werden,
aehnliche Erfolge auch in Ihrer Industrie zu erzielen und das
Vorbild der USA anzuerkennen. Aus diesen Erwaegungen ist
ueberall heute das Interesse fuer die Produktion und die Mittel zu ihrer Steigerung festzustellen. Die soziale Analyse
muss hierbei jedoch feststellen, dass jede Philosophie, die
entweder ausschliesslich auf der steigenden Produktion oder
ausschliesslich auf dem Prinzip der Verteilung der Ertraege
der gesteigerten Produktion beruht, ein Irrtum ist. Die Pforte zu einer neuen Freiheit, durch die die Menschen zu neuen
Hoehen kommen koennen, muss verbunden sein mit eilen wirtschaftlichen Notwendigkeiten, nur so sind gute Aussichten fuer alle
zu erzielen.
Die geistigen Fuehrer der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind sich darueber im klaren, dass hier ein Prozess der
Revision vor sich geht, der alle Ideologien erfasst hat - auch
den Sozialismus. Haakon Lie, der bekannte norwegische Sozialdemokrat, hat in den "Sozialistischen Kommentaren", dem Organ
der britischen Sozialisten, ueberzeugende Argumente hierfuer
gebracht. Lie uebersohreibt seinen Artikel "Demokratischer
Sozialismus in unserer Zeit" und sagt hier unter anderem: "Die
kommunistische Bewegung klebt an den marxistischen Dogmen und
findet ihre Staerke in vorbereiteten theoretischen Formulierungen, die aus der marxistischen Erbschaft abgeleitet werden,
die auf alle Fragen eine Antwort bereit zu haben scheint. Wir
wuerden uns selbst zum Narren halten, wenn wir die Anziehungskraft dieses wohlgeknuepften Systems auf viele Menschen unterschaetzten, unter denen sich sonderbarerweise auch viele Intellektuelle befinden. Dieses System zieht aber auch viele
aus der aelteren Generation der Sozialdemokraten an, weil hier
der Nachdruck auf den Klassenkampf gelegt wird, der ihnen immer wieder als der entscheidende Faktor fuer soziale Aenderungen hingestellt wurde. Es wird Zeit, dass unsere Bewegung endlioh einen neuen der Jetztzeit angepassten sozialen Ausblick
gestaltet - eine neue Ideologie. Das ist heute wichtiger denn
Je, weil die fortgeschritteneren Laender mit einer besonderen
Verantwortung belastet sind", wenn sozialdemokratische Fuehrer
die Verantwortung in der Regierung gegenueber der Allgemeinheit
uebernehmen. Dies geschieht nicht mit Gewalt, sondern durch
Ideen und üeberzeugungen. Dies erfordert aber mehr als die
Uebernahme der primitiven Theorie ueber den Klassenkampf. Es
ist erforderlich, dass die Interessen aller Buerger einer Nation,
das heisst nicht nur die der organisierten Arbeiterschaft, in
Batracht gezogen werden muessen. Diese doppelte Aufgabe - die
Fuehrung der Regierungsgeschaefte zu nutze und zu fromm aller
und zu gleicher Zeit diese Aufgaben mit einer ueberzeugenden
Kraft durchzufuehren - scheint ein geeigneter Ausgangspunkt
fuer eine neue sozialistische Theorie zu sein, die auf einer
realistischen Grundlage beruht.

3

�Aber es gibt noch andere Gruende, weshalb die Entwicklung einer neuen sözialbetonten Idee so wichtig ist. Nach
der Zahl ihrer Mitglieder und auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist die amerikanische Gewerkschaftsbewegung heute die
staerkste in der freien Welt und die Herstellung enger Arbeitsbeziehungen ist fuer die internationale Arbeiterbewegung ausserordentlich wichtig. Das gilt nicht allein fuer
die kommenden Monate, in denen der Kampf fuer den Frieden
alle Kraefte in Anspruch nehmen wird, sondern auch fuer die
aufkommenden Probleme der naechsten Jahre, wenn der Westen
eine ueberzeugende militaerische Ueberlegenheit erreicht hat.
Diese maechtige Militaermacht kann in den Haenden reaktionaerer Amerikaner ebenso gefaehrlich sein wie Dynamitpatronen
in den Haenden spielender Kinder. Wir muessen daher mit unseren Freunden jenseits des Atlantiks viel enger als bisher
arbeiten."
Soweit Haakon Lie. Die amerikanischen Gewerkschafter
sind auf Grund ihrer amerikanischen Geisteshaltung Pragmatiker. Sie sind nicht mit Irgendwelchen Theorien verheiratet.
Dies ist auch der Grund, weshalb die marxistische Philosophie
mit ihren spitzfindigen Festlegungen niemals Eingang bei der
Mehrzahl der amerikanischen Gewerkschaften gefunden hat.
Dies mag auf der anderen Seite dazu beigetragen haben, dass
wirtschaftliche Grundsaetze einen Platz in der bodenstaendigen Philosophie der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sioh
sichern konnten. Die grosse Tatsache, dass die Vereinigten
Staaten gegenwaertig ein Produktionssystem entwickelt haben,
das die Armut abschaffen kann und tatsaechlich dies auch
fertigbringt, ist als Theorie ebenso wichtig wie die der Evolution oder die Einsteinsche Relativitaetstheorie. Diese
bedeutsame Tatsache der sich durchsetzenden Ideologie gegenueber anderen erzeugt natuerlich Feindschaften, auch von anderen Seiten her als der kommunistischen. Irgend jemand hat
einmal sehr klar herausgestellt, dass jeder, der ueberkommene Meinungen oder üeberzeugungen durch andere ersetzen will,
sich viel staerker der Gefahr des Lynchens aussetzt als Jemand, der sich etwa an fremdem Eigentum vergreift. Wenn heute
jemand sich erhebt und erklaert, dass "alle gegenwaertigen
Ideologien von einer Wirtschaft des Mangels herrühren und wir
eine Wirtschaft des Ueberflusses beginnen muessen", so wird
er in die Gefahr kommen, wegen seinerwVergewaltigung"ueberkommener Meinungen hemmungslos niedergeschrien ^u werden und zwar
von allen moeglichen Seiten her.
Es gibt jedoch eine Anzahl von Prinzipien und Methoden,
die sich ohne weiteres von den grossen Tatsachen ableiten lassen. Es handelt sich hierbei um die folgenden vier Punkte:
1.) Die Maschine allein genuegt nicht. Die Maschine
ist nur ein Werkzeug, aber nicht mehr. Die blosse Ueberpflanzung von Maschinen in andere Laender garantiert keineswegs,
dass dieses Land sich einen dauernden Wohlstand erwerben kann.
Die Technologie, eine Wissenschaft, die sich mit Maschinen beschaeftigt, hat als ihren Mittelpunkt den Menschen selbst und
ihr Ziel ist einzig und allein die Verbesserung der menschlichen Lebensverhaeltnisse. Die Amerikaner haben hier sehr viel
von den unruhigen letzten dreissig Jahren gelernt. Sie haben
gelernt, dass die Technik in einer sich ausdehnenden Wirtschaft
die Technik einer sich immer staerker ausbreitenden Kaufkraft
der breiten Masse ist. Dieses Prinzip ist ein unveraenderliches und kann nur in der gleichen Form wie andere unabaender-

4 -

�liehe Grundsaetze verletzt werden mit allen sich daraus ergebenden Folgerungen. Sobald naemlich die Kaufkraft nachlaesst,
verliert die Wirtschaft ihr Gleichgewicht, auch wenn es hierbei oertliche Verschiedenheiten gibt.
2.) Massenproduktion bezieht sich auf das Ziel der Produktion, das heisst, sie bezieht sich auf die gesamte Bevoelkerung. Die Massenproduktion bezieht sich weiter auf grosse
Einheiten an Arbeitern, aber auch auf Maschinen, die in der
Lage sind, grosse Mengen an Guetern herzustellen. Die Technik der Massenproduktion kann von kleineren Industrien auf
kleinerer Basis durchgefuehrt 'werden - dies ist ein sehr wichtiges Prinzip. Diese Tatsache darf auch nicht im Punkt-VlerProgramm, das der Unterstuetzung wirtschaftlich zurueckgebliebener Laender dient, oder anderen internationalen Programmen
der wirtschaftlichen Hilfe uebersehen werden.
3.) Der Klassenmarkt ist eine unvermeidbare Folge der
noch dem Handwerklichen verhafteten Industrie. Die Handwerker, die taeglich nur einige wenige Erzeugnisse herstellen,
muessen diese natuerlicn zu hohen Preisen an einige wenige
Personen verkaufen, die diese Preise zahlen koennen. Das
Ziel des Massenmarktes ist die Erfassung der gesamten Bevoelkerung.
4.) Analysen, die die gegenwaertige amerikanische Gesellschaft betreffen, sind zuweilen etwas sehr vereinfachend
mit ihren Schluessen, wie dieses Prinzip der Massenproduktion
in den Vereinigten Stebten ueberhaupt entstanden ist. Aber
die Motive hierfuer sind sehr leicht aufzudecken. Die Amerikaner sind durch und durch von dem Gedanken der Demokratie erfuellt. Die Leidenschaft der Amerikaner, Fortschritte zu erzielen, an die Spitze zu kommen, es ebensoweit zu bringen wie
der Nachbar, ebenso viel leisten zu koennen wie der andere
sind Urbestandteile der amerikanischen Demokratie. Und dieses
grosse Teilhaben an den Guetern des Arbeitsprozesses mit dem
ausgepraegten Bewusstsein, hieiauf ein Recht zu haben, hat
im letzten Grunde die Massenproduktion zu einer unvermeidbaren
Konsequenz der demokratischen Form der amerikanischen Gesellschaft gemacht.
*

*

*

Natuerlich sind durch den Marshallplan neue Formen der
internationalen Beziehungen geschaffen worden. Diese neuen
Formen der Beziehungen haben sich gegenueber der bisherigen
traditionellen Geheimniskraemerei der Diplomatie durchgesetzt. Die Beziehungen der Marshallplanlaender sind nicht
mehr darauf abgestellt, was die Diplomaten oder die Vertreter
der Regierungen sagen und tun. Die Vertreter der Voelker treffen sich Tag fuer Tag und besprechen gemeinsame Probleme. Sie
tauschen dabei auch Erfahrungen aus, die Schranken der Sprachen und der Traditionen werden dabei zerbrochen. Sie haben
dabei entdeckt, dass gleiche Bedingungen in den Industrien zu
gleichen Wirkungen fuehren. Diese neue Diplomatie, die Diplomatie der Vertreter des Volkes und nicht allein der Reprae3entanten der Regierung ist eines der markantesten Charakteristiken der heutigen Generation. Gerade fuer die Gewerkschaftsbewegung ist diese Einstellung nichts sonderbares. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat sich immer stark mit den Gewerkschaften anderer Laender verbunden gefuehlt. Und auf diesen Verbindungen kann und wird eine neue bessere Welt aufgebaut
werden.
- 5 -

�HARVARD ERWEITERT SEIN SCHULUNGSPROGRAMM FIBR GEWERKSCHAFTER
Das Harvard-Gewerkschaftsprogramm, ein hervorragendes
Seminar der Harvard-Universitaet fuer die Schulung von Gewerkschaftern, hat sich zu internationaler Bedeutung entwickelt.
Sechs Vertreter auslaendischer Gewerkschaften trafen sich anlaesslich der zehnten Jahressitzung des Seminars, die Ende
Oktober begann und 13 Wochen dauert, mit acht Gewerkschaftsmitgliedern in den Vereinigten Staaten. Es ist in diesem Jahr
das erste Mal, das den internationalen Arbeitsproblemen besonderes Interesse entgegengebracht wird.
Die Gewerkschaftsvertreter von üebersee kamen aus Oesterreich, England, Deutschland, Irland, Holland und Norwegen. In
den Seminardiskussionen haben sie durch die Darstellung ihrer
Erfahrungen in den Arbeitsproblemen in ihren Laendern zu einem
besseren Verstaendnis wirtschaftlicher Fragen beigetragen.
Clinton Golden, der ehemalige Berater fuer Arbeitsfragen in
der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) sprach
ueber Aufgaben der internationalen Arbeiterbewegung. Die grundlegende Aufgabe des Seminars erstreckt sich auf die Schulung
verantwortlicher Gewerkschafter. Gewerkschaftsvertreter werden
woeohentlich 24 Stunden in den Klassenraeumen des Harvard-Instituts fuer Wirtschaftsangelegenheiten zubringen.
In einem der Seminare, das von Professor James Healy
ueber Arbeitsbeziehungen gehalten wird, werden Gewerkschafter
mit Unternehmern zusammenkommen. Unternehmer, die an diesen
Seminaren teilnehmen, besuchen die Kurse fuer Fortgeschrittene
des Harvard-Instituts fuer Wirtschaftsangelegenheiten. Sechs
dieser Unternehmer sind auslaendische Studenten, die im Rahmen
des Studienprogramms der ECA %n die USA entsandt wurden. Das
Harvard-Gewerkschaftsprogramm, das einzige Universitaetsprogramm in den Vereinigten Staaten fuer die Schulung von Gewerkschaftern, wird von Professor Healy geleitet. Die ECA unterstuetzt in diesem Jahr die Teilnahme auslaendischer Gewerkschaftsvertreter, denn sie glaubt, dass ein gegenseitiges Verstehen der Probleme der Arbeiterbewegung der freien Welt nachhaltig zum Wiederaufbau der einzelnen Nationalwirtschaft beitraegt.
Labor News in the US
11/9/51
SCHACH UND GEWERKSCHAFTEN
Das uralte Schachspiel ist seit einiger Zeit von den Sowjets als ideologisches Kampfmittel eingesetzt worden. Im ersten Augenblick erscheint dies voellig'unverstaendlich. Wer
sich aber ueber die theoretische Doktrin aller totalitaeren Bewegungen im klaren ist, wird sehr schnell begreifen, dass auch
das Schachspiel zu einem Element dieser Systeme werden kann.
In Deutschland hat die NSDAP eine Fuelle von Veranstaltungen
durchgefuehrt, zu denen jeder mehr oder minder gezwungen kommen musste - die Menschen muessen staendig in Bewegung gehalten
werden, sie muessen sich mit bestimmten Themen befassen: mit
dieser Methode lenkt jede Diktatur die oeffentliche Meinung in
die gewuenschte Richtung.
Und so ist in Russland das Schachspiel zu einem Element der
Bewegung geworden. Die Schachfiguren sind in der ganzen Welt
- 6 -

�weisse und sohwarze, in Sowjetrussland sind sie weiss und rot.
Die weissen Figuren repraesentieren den Kapitalismus, sie weisen pflichtgemaess ausgesprochen dekadente Zuege auf, sie symbolisieren Luxus und Militarismus - kurz all das, was in
Russland dem kapitalistischen System vorgeworfen wird. Die
roten Figuren sind dagegen positiv gehalten, der rote Koenig
ist durch einen froehlichen Stachanowarbeiter dargestellt,
dessen Muskeln voller Energie und dessen Antlitz voller Leben
ist - ein Arbeiter, der Wunderleistungen in produktionstechnischer Hinsicht vollbringen kann. Und so geht es von Figur
zu Figur, auf der einen Seite nur positive, auf der andern nur
negative Zuege.
Stalin geht mit seiner Foerderung des Schachspiels auf
russische historische Vorkommnisse zurueck. Den russischen
Studenten war vor der Jahrhundertwende das Schachspielen verboten, da das Studium darunter litt. Als jedoch die russischen Studenten sich gegen die zaristische Unterdrueckung auflehnten, ordnete der russische Kultusminister K a s s o die
Aufhebung des Verbots an, wobei er offen erklaerte, dass das
Sohachspielen den meisten Studenten keine Zeit mehr fuer
revolutionaere Betaetigung uebrig lassen werde.
Heute gibt der sowjetische Staat Millionen an Rubeln
fuer die Propaganda des Schachspielens aus, ueberall gibt es
Sohachklubs mit besonderen Bueros, die alle der gleichen
Aufgabe dienen, die Kultur des Schachspiels in die breiten
Massen zu bringen.
Tatsaechlich kann ein ausgezeichneter Schachspieler es
in Sowjetrussland zu etwas bringen. Der russische Schachmeister Michael B o t w i n n l k
wird offiziell als Ingenieur
vorgestellt, ebenso sein Trainer Wjacheslaff R a g o s i n.
Beide sind aber 'Berufsschachspieler, Botwinnik gehoert zu
dem Kreis der 400 Auserwaehlten, die ein luxurioeses Leben
fuehren koennen, jederzeit die schoensten Sanatorien der
Krim und andere feudalen Erholungsstaetten besuchen duerfen,
einen Wagen staendig zur Verluegung haben - Botwinnik hat
darueber hinaus noch zwei hohe sowjetische Orden verliehen
bekommen.
Ragosin lebt im Schatten Botwinniks, er ist der Chefredakteur der Zeitschrift "Schach in Sowjetrussland". Seine
Hauptarbeit ist jedoch die Ausarbeitung neuer Kombinationen
fuer den russischen Schachmeister, diese werden mit den hervorragendsten Schachspielern durchgearbeitet und nach ihrer
theoretischen Festlegung Botwinnik unterbreitet und zur Auswertung zur Verfuegung gestellt. Eine Veroeffentlichung dieser Versuchspartieen kommt aber erst dann in Frage, wenn Botwinnik diese Kombinationen in Meisterschaftskaempfen angewandt hat.
Das ganze System des Schachkultur-Wettbewerbs wird aber
erst dadurch zu einer Massenbewegung, als sich hier jeder auszeichnen kann und durch gute Turnierleistungen auch vorwaerts•kommt. So kann ein junger Schachmeistsr, der einige oertliche Siege errungen hat, aber keine besondere Ausbildung durchmachte, sich Mindesteinnahmen von 2000 Rubeln in der Woche
erwerben - das ist das Doppelte, was er im Buero oder in der
Fabrik herausholen koennte. Und so traeumen Millionen junrrer
Russen von dieser Moeglichkeit eines leichten unl besseren
Lebens - die Sowjets aber wissen, dass durch die Schuchklubs

7

�Millionen solcher Menschen erfasst werden, die sich sonst
nicht fuer Politik interessieren - ein Ventil ist geschaffen,
das niemals zu gefaehrlichen Ueberdruecken fuehren kann.
Wo ein junger Schachspieler Ueberdurchschnittliches
leistet, wird er meist ueber den oertlichen Schachklub zu
einem Propagandisten des Schachs., er besucht laufend die
Schachklubs der Umgebung, nachdem er genuegend fuer die sowjetischen Belange der Schachkultur gedrillt wurde. Die Parteilinie wird hier voellig klar: Auf der einen Seite
braucht man Millionen Schachenthusiasten in den Klubs, auf
der andern Seite aber routinierte Schaohpropagandisten, die
gut bezahlt werden und die neben ihrem Spiel auch die Propagandataktik beherrschen muessen -• wer von der Bevoelkerung
noch in keiner anderen Organisation erfasst ist, muss wenigstens Schachklubmitglied sein. Bei den aelteren Leuten gibt
man sich jedoon keine besondere Muehe, aber jeder Jugendliche
landet zumindest im Schachklub, wenn er sich bei anderen Organisationen druecken konnte.
Und genau so ist es in den Betrieben. Wer eifrig beim
Schachklub mitmacht, kann sich aridere Dinge erparen, Prinzip
ist eben auch hier, die "Leute" immer etwas bestimmtes tun,
ihnen nicht zu eigenen Gedankengaengen Zeit zu lassen. Das
mu3?te auch Fjodor B o g a r t i t s c h u k erfahren, ein
Roentgenologe, der aus Zeitvertreib Schach spielte, aber mit
Leib und Seele Roentgenforscher war. Bogartitschuk spielte
einmal, ohne sich die Konsequenzen zu ueberlegen, gegen Botwinnik und gewann von fuenf Spielen drei. Damit glaubte
Bogartitschuk die Sache fuer erledigt, weil er das Schach
nur als Spiel ansah - als er jedoch wieder zu seiner Arbeit
zurueckkehrte und seine Beteiligung an Schachwettbewerben zwischen den Kolcnosen, den Industrie-"gewerkschaften", den
Staedten, den Bundstaaten der Sowjetunion und 'anderen Tournieren ablehnte, weil er als Roentgenologe weiter taetig sein
wollte, erhielt er eine Anklage wegen "Sabotage der Schachkultur unter der Jugend". Als Bogartitschuk eines Tages in
Kiew weilte, gelang ihm von hier aus ueber Polen die Flucht
nach dem ,/esten. Heute arbeitet er in Kanada wieder als
Roentgenologe, und wenn er Zeit und Lu3t hat, spielt er auch
einmal Schach. Trotz seiner Flucht aus der Sowjetunion hat
er aber dennoch Verstaendnis und Sympathie fuer die grossen
russischen Schachmeister, aus deren geliebtem Spiel Stalin
ein intellektuelles Narkotikum entwickelte, das restlos in
seinem Dienst steht.
Die "Gewerkschaften" der Sowjetunion haben nichts mehr
mit ihren frueheren Aufgaben zu tun - nur der Name ist geblieben, es ist tatsaechlich eine Arbeitsfront. All das, was
Robert Ley einmal als KdF ausprobiert hat, ist auch in Russlund zu finden. Aber Ley hat das billigste Mittel des Narkotisierens vergessen: das Schachspielen. Da es im uebrigen
ein Mittel ist, den ührgeiz kuenstlioh aufzustacheln, so kann
man mit dieser Schachspielerei auch andere Zwecke erreichen der Ehrgeiz ist an sich verstaendlich, aber die Chance, bequem zu leben und das Doppelte zu verdienen, fuehrt in der
Praxis schon zu manchen Ergebnissen fuer den sowjetischen Apparat.
Jetzt duerfte es auch klar werden, warum Schach und Gewerkschaften in dor IdSSR zusammengehoeren: Beide 3ind nicht nur
- 6 -

�voellig ungefaehrlich, sondern sind im Gegenteil ideologische
Waffen, die reffiniert eingesetzt werden. Man mag darueber
laecheln, aber der voellig unpolitische üoentgenologe Bogartitschuk kann etwas anderes berichten ....
Labor and Nation
V/51
Maurice Bouladoux:
PRODUKTIVITAETSPQLITIK ERFORDERT GERECHTE GRUNDLAGEN
1.

Die schlechten Nebenbedeutungen des Wortes Produktivitaet.

Es gehoert zu-den schwersten Fehlern des Kapitalismus,
dass er die Arbeiterschaft gezwungen hat, den instinktiven
Arbeitsimpuls abzubremsen, der ganz von selbst zu einer
staendig zunehmenden Wirksamkeit fuehrt. Die Arbeiter wissen aus langen und bitteren Erfahrungen, dass persoenliche
oder gemeinsame Anstrengungen nicht belohnt werden, sondern
dass dadurch in Gegenteil fraglos Risiken hervorgerufen werden.
Sehr viele franzoesische Arbeiter sind der Meinung, dass
die Idee der Produktivitaet geradezu verkettet ist mit der
relativen Abwaertsbewegung der Lohnskala, wie sie sich bisher
im Zuge der erhoehten Produktion ergeben hat. Dieser Vorgang
ist allgemein bekannt: Hierbei wird der Faktor Zeit so
genau wie moeglich kalkuliert. In dem Augenblick jedoch, wo
die durchschnittliche Leistung des Arbeiter zunimmt, vermindert der Unternehmer den Betrag der gewaehrten Zeit. Dadurch
kann nur der Arbeiter mit einer ungewoehnlichen physischen
Kraft oder mit einer aussergewoehnlichen Geschicklichkeit hohe
Loehne erreichen, ohne sich dabei gesundheitlich zu gefaehrden.
Dies erkleert z. T., warum der franzoesische Arbeiter
mit einer argwoehnisehen Zurueckhaltung die Vorschlaege fuer
eine zunehmende Produktivitaet zur Kenntnis nimmt. Der Franzose ist dabei ebenso hitzig wie die Arbeiter in andern Laendern und seine Geschicklichkeit liegt unzweifelhalft ueber
dem Durchschnitt.
Kann man ihm diese Haltung verargen? Es erscheint zweckmaessiger, die grosse Zahl der Unternehmer zu tadeln, die weder ihre sozialen Pflichten verstanden haben noch ihre wirklichen Interessen wahrnehmen.
Wenn eine Politik des hohen Produktivitaetsniveaus Erfolg
haben soll, so ist es notwendig, dass die Arbeiter in gleichem Masse an den Ertraegen teilhaben, die durch ihre Anstrengungen geschaffen werden und dass ihre Loehne nicht nur mit
einigen wenigen Prozenten erhoeht, sondern verdoppelt oder
verdreifacht werden, je nach den erzielten Erfolgen, ohne dass
sie jedoch gezwungen werden, mit ausserordentlicher Schnelligkeit oder unter unannehmbaren Bedingungen zu arbeiten.
Viele Unternehmer sind irrtuemlich der Meinung, dass die
Produktivitaet in erster Linie von der Anstrengung des Arbeiters abhaengt und dass die Praemie, die ihm gewaehrt wird,
stets durch einen Teil des Produktionsueberschusses begrenzt
- 9 -

�werden sollte, der durch die Erhoehung seiner Arbeitsgeschwindigkeit erreicht wurde. Andere Unternehmer gehen noch weiter
und reden von einer Erhoehung der gesetzlich zulaessigen Zahl
der Arbeitsstunden. Obwohl aber die Leistung des Arbeiters
als Standard fuer die Messung der Produktivitaet dient, haengt
die Produktivitaet nicht nur von der Arbeitsleisung ab, die
von einem menschlichen Wesen erreicht wird, sondern sie ist
ebenso stark durch die wissenschaftliche Organisation der
Arbeit beeinflusst, durch den Grad der Mechanisierung, die
Qualitaet der Rohmaterialien usw. Ein grosser Teil der
franzoesischen Unternehmer vernachlaessigt jedoch diese elementaren Voraussetzunren.
Angesichts dieser Tatsachen stehen die freien franzoesischen Gewerkschaften einer doppelten Verantwortlichkeit gegenueber: Einmal durch ihre Unterstuetzung zu allen Anstrengungen beizutragen, die zum Nutzen der wirtschaftlichen Entwicklung durchgefuehrt werden und die dem ganzen Land zum
Vorteil dienen - auf der andern Seite jedoch durch eine Erhoehung der Loehne und Gehaeiter diese in eine vernuenftige
Beziehung zu den erreichten wirtschaftlichen Fortschritten zu
bringen. Die Grundsaetze, nach denen sich die Gewerkschaften
in allen Produktivitaetsfragen richten muessen, sind somit
wirtschaftlicher und sozialer Natur. Diese muessen aber
gleichzeitig nebeneinander verfolgt werden, damit nicht in
einem Bereich das verloren geht, was auf dem anderen gewonnen
werden konnte.
Der Lebensstandard eines Volkes steht in engem Zusammenhang mit der Produktion. Ein hoher Produktivitaetsstandard
ist unerlaesslich, wenn ein Volk solche sozialen Fortschritte
erreichen will wie die Verminderung der Arbeitszeit, die
Erhoehung der Loehne, die laengere Schulpflicht Junger Menschen, um dadurch ihre Erziehung und ihre Ausbildung besser
zu vervollstaendigen, bevor sie in den Arbeitsprozess eintreten, oder die Vermeidung der uebermaessigen Beschaeftigungszeitverlaengerung aelterer Arbeiter, indem man ihnen eine ausreichende Pension gibt. Jede Arbeitsstunde muss einen staendig
wachsenden Wohlstand schaffen. Aber das vorbehaltlose Festhalten an diesem Zweck sollte in der Praxis vorsichtig betrieben werden. Die Denkgewohnheiten der Unternehmer und der Arbeiter ueber diese Dinge sollten sorgfaeltig analysiert werden,
um hier gewisse Fallstricke zu vermeiden.
Die Versuche, eine verstaerkte Produktion zu erreichen,
muessen mit dem Gedanken durchgefuehrt werden, die koerperlichen, geistigen und moralischen Energien des Arbeiters einzusparen und fuer die unentbehrliche Entwicklung der Persoenlichkeit volle Freiheit zu gewaehren. Dies schliesst ein
Problem ein, das mit der Unterstuetzung des Betriebsvertrauensmannes, des Betriebsrates oder ganz allgemein gesprochen
mit Hilfe der gewerkschaftlichen Organisationen geloest werden muss. Die Fortschritte auf den Gebiet der Produktivitaet
muessen durch die Zusammenarbeit des Arbeiters fuer seinen
Arbeitsplatz und nicht zu seinem Nachteil, wie es leider nur
zu oft der Fall ist, erzielt werden. Die franz'oesischen Arbeiter haben bis heute in dieser Hinsicht noch keine genuegenden
Garantien erhalten und dies erklaert auch zum Teil ihr gegenwaertiges Misstrauen gegen jede Propaganda fuer eine Steigerung der Produktivitaet.
Ein anderer Grund fuer das Unbehagen gegenueber einer zunehmenden Produktivitaet ist die Aussicht einer durch techni- 10 -

�sehe Gruende bedingten Arbeitslosigkeit. Die Erinnerung an
die vergangenen Depressionen ist noch nicht verschwunden,
und obgleich die gegenwaertige wirtschaftliche Lage keine
Besorgtheit innerhalb der Arbeiterschaft erzeugt, so befuerchtet sie doch, dass eine nachdrueckliche Mechanisierung'
zu einer neuen Arbeitslosenwelle fuehren koennte. Die gewerkschaftliche Organisation sollte sich um diese Dinge kuemmern, was jedoch nicht bedeuten soll, dass sie eine engstirnige Garantiepolitik durchfuehren soll, um jedem Arbeiter
die Beibehaltung seines jetzigen Arbeitsplatzes zu sichern.
Umgruppierungen muessen zur gegebenen Zeit geprueft werden,
wobei ein Ausgleich durch Arbeitslosenversicherung vorausgesetzt werden soll und zugleich der Wohnungsbau anzukurbeln
ist.
Es ist jedoch Tatsache, dass selbst der groesste Einfluss
auf die Begeisterung, eine besser* Arbeit zu leisten und damit die Produktivitaet zu steigern, nicht ausreicht, um dem
Arbeiter einen Lohnausgleich zu geben. Diese Vernachlaessigung jedes Gerechtlgkeitsgefuehls haelt Bitterkeit und Misstrauen im Arbeiter wach, die allein durch Taten und nicht mehr
durch einfaeltige gluehende Appelle vertrieben werden koennen.
2.

Der Arbeiter hat bisher keinerlei Vorteile durch
die wirtschaftliche Erholung Westeuropas gehabt.

Als Frankreich 1945 befreit wurde, war jedermann der
Meinung, dass von allen aufrichtige Anstrengungen gemacht
werden sollten, um eine schnelle Wiedererholung der franzoe8isohon Wirtschaft zu erreichen. In diesem Geiste der Freundschaft versprach Amerika wesentliche Lieferungen an Rohmaterialien
und Ausruestungen. Der Arbeitseifer des franzoesischen Arbeiters war der bedeutendste Faktor,der bei der Wiedererholung
zutage trat, jöie gleiche Tatkraft war jedoch weder vonseiten
der Behoerden noch vonselten der Unternehmer erkennbar, als
es sich um die Erhoehung der Kaufkraft der Arbeiterschaft
handelte.
Die Schnelligkeit, mit der das franzoesische Eisenbahnnetz, die Bergwerke und die Bruecken wiederhergestellt wurden, hat tatsaechlioh allgemeine Bewunderung gefunden. Diese
Leistung erweckte in den franzoesischen Arbeitern einen berechtigten Stolz. Die statistischen Berichte zeigen jedoch nur
allzu klar, dass die Arbeiterschaft zwar ihre Pflicht tat,
aber keineswegs entsprechend bezahlt wurde.
Index *)
1956 (Basis -100)
Industrieproduktion
Ha ushaltsverbrauc h
Produktivitaet
Lebenskosten
Loehne
)

1946

1950

84
83
73
645
347

123
103
100

* von Steigerung

46 %

1813

24 £
37 $
180 #

977

181 jo

Diese Zahlen sind amtlich. Sie stammen entweder vom Nationalen Institut fuer Statistik und Wirtschaftsberichte
oder - soweit es sich um Produktivltaetszahlen handelt vom Buero des Chefberaters fuer den Monnet-Plan. Die
Lebenshaltungskosten wurden dem offiziellen Index des
Jahres 1946 entnommen, in dem Verbraucherpreise angefuehrt
werden (bekannt als Index der 34 Artikel). Der Lohnindex
basiert auf den Hauptloehnen der Metallindustrie des
Pariser Gebietes.
- 11 -

�Waehrend zwischen den Jahren 1946-50 die industrielle Produktion sich um 46% steigerte und einen Punkt erreichte, in
dem sie ihren hoechsten Stand zwischen den beiden Weltkriegen
wieder errang und waehrend die Produktivitaet selbst um 37$
anstieg, blieb die Kaufkraft des Arbeiters unveraendert.
Fuer den ungeschulten Beobachter mag es so aussehen, als
ob sich der Lebensstandard verbesserte, aber diese Verbesserung
ist nur im Hinblick auf die Unterdrueckung des schwarzen Marktes vorhanden, die es der Bevoelkerung heute erlaubt, das Geld
zur Erneuerung ihrer Garderobe auszugeben, das 1946 durch den
Unterschied zwischen "amtliohen" und wirklichen Preisen verschluckt wurde. Trotzdem bleibt dieser Lebensstandard betraechtlich unter dem Stand des Jahres 1938.
Wir duerfen hierbei nicht vergessen, dass die Wirtschaft
durch die grossen Verluste an beweglichem und unbeweglichem
Eigentum belastet war, die durch den Krieg verursacht wurden.
Der haeusliche Verbrauch hat jedoch den Vorkriegsumfang erreicht, im Jahre 1950 sogar ueberschritten, aber hiervon hat
die Arbeiterschaft keinerlei Vorteil gehabt. Offensichtlich
haben andere Gesellschaftskreise den Umfang des nationalen
"Kuchens" und seine Vergroesserung seit 1946 verschlungen, und
das Problem, das wir hier behandeln muessen, ist eine Folge
dieser wirtschaftlichen Tatsache.
Wie kann eine solche Situation geheilt werden? Wenn es
in Frankreich eine starke und einige Gewerkschaftsbewegung
gaebe, koennten zweifellos geeignete Loesungen gefunden werden. Diese Voraussetzung liegt jedoch ungluecklicherweise
nicht in der gewerkschaftlichen Macht. Sie kann nur nach
einer gewissen Zeit erreicht werden, sodass Schritt fuer
Schritt gekaempft und alle zur Verfuegung stehenden Mittel
angewendet werden muessen.
Das kommunistische Ablenkungsrezept.
Das Problem wird im uebrigen dadurch erschwert, dass die
unter kommunistischem Einfluss stehende CGT (Allgemeiner Gewerkschaftsbund) ganz freimuetig erklaert, dass sie eine Katastrophenpolitik fuer das Richtige haelt. In dem Bestreben,
eine "Volksdemokratie" an die Macht zu bringen, vergroessert
sie die Irrtuemer des gegenwaertigen Wirtschaftsregimesj
selbst auf die Gefahr hin, das Vertrauen der Arbeiterschaft
zu der Gewerkschaftsbewegung zu zerstoeren, hetzt sie zu unpopulaeren Streiks auf, die haeufig zum Scheitern verurteilt
sind. Sie fuehrt weiterhin eine staendige Propaganda gegen
den echten Begriff der Produktivitaet und natuerlich auch
gegen den Marshallplan. Sie sabotiert systematisch die verhaeltnismaessig wenigen Errungenschaften eines demokratischen
Wirtschaftssystems, die die vierte Republik gebracht hat. Zu
allererst hat die Einfuehrung der Betriebsraete uns nicht die
Erfolge gegeben, die erhofft wurden. Dies ist ebenso auf ihr
eigenes Schuldkonto zu buchen als auf das der streitbaren
Unternehmer.
Eine derartige Lage verstaerkt natuerlich die Position
der Unternehmer und erschwert die Durchfuehrung einer zufriedenstellenden Loesung. Es gibt jedoch unter den franzoesischen Unternehmern viele, die ihre Bereitwilligkeit gezeigt
haben, mit der Arbeiterschaft zusammenzuarbeiten und die dankenswerte Aktionen durchfuehrten, um das praktische Interesse
- 12 -

�t

der Arbeiterschaft in Fragen der Produktivitaet zu foerdern.
Derartige Aktionen blieben jedoch, da die ünterstuetzung der
Regierung ausblieb und sie stets bekaempft wurde, wenn sie
sich regte, in ihrer Natur sporadisch und in ihrer Reichweite
begrenzt.
Eine Politik des sozialen Fortschritts erfordert in
Wirklichkeit - wie es in dem Bericht des Leiters des Internationalen Arbeitsamtes vorgeschlagen wurde - eine Kombination
wesentlicher und untrennbarer Elemente: Die Stabilisierung
der Preise in naher Zukunft, eine allgemeine Erhoehung der
Loehne unter Beruecksichtigung der Produktivitaetssteigerung
sowie Massnahmen, um den Arbeitern einen gerechten Anteil
an den Ertraegen der industriellen Produktion zu sichern.
3.

Was getan werden muss.

Die wachsende Produktivitaet ist ein wesentliches Element fuer jede gesunde Politik, die darauf abzielt, den allgemeinen Lebensstandard der arbeitenden Schichten zu erhoehen; dieses Mittel allein ist jedoch ungenuegend. Das Streben nach einer Loesung dieses Problems kann nur verwirklicht
werden innerhalb des Rahmens einer breiteren Politik, einer
zweckmaessigeren Verteilung der Kaufkraft, die in liberalerer V.'eise der Arbeiterklasse zugute kommt. Zu gleicher Zeit
muss jedoch eine geschlossene Politik in nationalem Masstab
eine gleichmaessigere und wirtschaftlich fuehlbare Neuverteilung des Nationaleinkommens garantieren.
Im EinDlick auf die Loehne ist es notv»iendig, dass die
Arbeiter eine gleichwertige Verguetung fuer den Anstieg der
Produktivitaet erhalten. Diese Verguetung sollte ihnen nicht
allein in der Form jener traditionellen Fraenie gegeben werden, die nur jenenMohrrueben allzu aehnlich sind, die einem
Affen hingehelten werden, um ihn unter einer schweren Buerde
anzutreiben, sondern in Uebereinstimmung mit bestimmten Regeln, die eine groessere Beachtung der Anstrengungen ergeben,
die von allen betroffenen Kreisen erfuellt werden, seien es
Arbeiter, Eigentuemr oder Manager, und die dafuer buergen,
dass alle einen gerechten Anteil an den Erfolgen erhalten,
die gemeinsam erzielt worden sind.
Die Probleme sind zahlreich, und sie erfordern ein
staendiges und gruendliches Studium. Dies ist auch der Grund,
weshalb die einzelnen franzoesichen Gewerkschaften eine gemeinsame intergewerkschaftliche Zentrale fuer das Studium
und die Erforschung der Produktivitaetsfragen gegruendet haben. Mitglieder dieser Zentrale sind die Confederation
Francaise des Travailleurs Chretiens (Franzoesische Vereinigung christlicher Arbeiter), die Confederation Generale des
Cadres (Allgemeine Meistervereini^ung) und die Confederation
Generale du Travail - Force Ouvriere (Allgemeine Arbeitervereinigung - Dritte Kraft). Diese Zentrale, die gemeinsam mit
der franzoesischen Vereinigung fuer Produkt!onserhoehung arbeitet und die unter der Kontrolle der drei Gewerkscheftsverbaende steht, ist in der Lage, als beratende Koerperschaft bei
allen Streitfragen mitzuwirken, bei denen es sich um Kampfe
mit besonderen Problemen handelt.
Diese beratende Koerperschaft, die von den Gewerkschaftsverbaenden gegruendet wurde
und die einzig und allein ihren Belangen zu dienen hat, wird
somit deren weitgehendes Vertrauen haben. Es ist ueberdies
13 -

�V

beabsichtigt, dass bestimmte Studien durchgefuehrt werden, um
vom technischen Standpunkt aus die besten Bedingungen der Arbeitsorganisation zu bestimmen, die zur gleichen Zeit mit den
grundlegenden ArbeitsvorausSetzungan der freien gewerkschaftlichen Organisationen vereinbar sind.
Seit mehr als einem Jahr haben wir als eines der wirksamsten Mittel der Produktionssteigerung in Frankreich die
Umwandlung und - wenn es moeglich ist - die Errichtung von
Muster-Werkanlagen in bestimmten Gebieten vorgeschlagen unter den gleichen technischen und wirtschaftlichen Bedingungen wie aehnliche Anlagen in den Vereinigten Staaten durchgefuehrt wurden. Gegebenenfalls wuerde eine solche Politik
der Einrichtung solcher Uusterwerke, die in Schluesselgebieten erstellt werden und die in erster Linie mit Artikeln
fuer den laufenden Verbrauch hervortreten sollen, die franzoesischen Unternehmer unter den Zwang stellen, die Methoden, die in diesen •Verken ueblich sind, nachzuahmen. Um
hier vom sozialen Standpunkt aus Folgerungen zu ziehen,
muessen natuerlich solche Werke mit derartigen Experimenten
den groesstmoeglichsten Dienst einer fortschrittlichen Politik erweisen, d.h. dem Lohnempfaenger die Moeglichkeit geben,
an diesen Betriebsarbeiten und an den Ertraegen beteiligt
^u sein. Das erste dieser Erfordernisse muss darin bestehen,
den Arbeitern Loehne zu geben, die mit jenen in Einklang stehen,
die amerikanische Arbeiter in sehnlichen 'Werken erhalten.
Aber offensichtlich machen es die in Frankreich vorherrschenden Bedingungen unmoeglich, dieses Experiment in der bevorstehenden Zukunft voll durchzufuehren. Die wesentliche Aufgabe wird somit darin liegen, sich diesen Bedingungen soweit
wie moeglich zu naehern, in jedem Fall aber diese Bedingungen
in betracht zu ziehen und darueber hinaus einen psychologischen "Schock" hervorzurufen, von dem vieles erwartet werden
kann.
Die intergewerkschaftliche Studienzentrale (CIERP) wird
in ihrer beratenden Eigenschaft und auch in ihrer die Initiative
ergreifenden Taetigkeit eine bedeutende Rolle zu spielen haben.
Die Regierung koennte jedoch sehr stark eine solche Politik
unterstuetzen, selbst wenn sie fuer sich das Recht beanspruchte,
eigene Unternehmen zu betreiben. Man kann jedoch erwarten,
dass die Regierung das Recht fuer sich selbst in Ansrruch
nehmen wird, wenigstens soweit es die Prioritaet betrifft,
Marshallplanmittel sowohl als eigene Kredite an Unternehmen
auszuschuetten, die mit den Gewerkschaften einen Vertrag abgeschlossen haben, der Bestimmungen darueber enthaelt, dass
die Verguetung des Arbeiters im Masstab der Produktionssteigerung erhoeht wird. Vielleicht wird die Regierung wiederum
vorgeben, wie es auch frueher der Fall gewesen ist, hiervon
nichts wissen zu wollen, fuer die Zukunft jedoch koennen wir
lediglich uns darueber freuen, dass der Gedanke an diese Voraussetzungen in einer geraden Linie mit den, wirklichen Absichten der ECA liegt.
Die Unterstuetzung der Oeffentlichkeit ist seit dem erfolgreichen Publlkwerden unentbehrlich,, die von dem gemeinsamen
Gebrauch aller dieser Massnahmen erwartet werden kann. Diese
Unterstuetzung haengt von einer gleichgerichteten Wirtschaftspolitik ab, die insbesondere folgende Punkte umfassen muss:
1. Die Kontrolle der industriellen Vereinbarungen mit der
Absicht, ihre Malthusianismen Aktionen zu unterdruecken;
- 14 -

�2. Die Reorganisierung der Verteilung durch die Ausschaltung der Mittelsleute, deren ünzahl sich in einem
ausserordentlichen Mass erhoeht hat, wozu ein gesetzlicher
und ein steuerreio^tlicher Protektionismus beitrug;
3. und endlich, dass die Frage, mit der wir uns am
meisten befassen muessen, eine Reform der Steuergesetzgebung
ist, durch die die Steuerlast gleichmaessig auf alle Schichten der Buergerschaft verteilt wird. Damit wird, auch zugleich eine breitere Verteilung der Kaufkraft erzielt, sie
wuerde dadurch nicht mehr in den Kaenden einiger weniger
konzentriert bleiben.
Als Beispiel sei wiederum auf Frankreich hingewiesen,
wo die Lohnempfaenger 60ft der gesamten arbeitenden Bevoelkerung ausmachen, aber nur 45% des Nationaleinkommens erhalten» trotzdem aber an direkten Steuern 67% zahlen.
Alle diese L'isstaende muessen berichtigt werden, und die
Franzoesische Gewerkschaft Christlicher Arbeiter hat es fuer
ihren Teil nicht daran fehlen lassen, der Oeffentlichkeit jene
heilenden Massnahmen, zu empfehlen, die sie studiert hat und
die sie heute fordert.
Niemand verkennt die Reichweite dieser Aufgaben, aber
die franzoesischen Gewerkschaften haben alles vorbereitet, um
in loyaler und aktiver Zusammenarbeit, deren Bedeutung niemand unterschaetzen wird, einer nationalen Politik der wirtschaftlichen Ausdehnung und der erhoehten Produktivltaet zur
Verfuegung zu stehen, die auf jenen Prinzipien der Gerechtigkeit basieren, die hier skizziert worden sind.
Frances L. Kauf man, Spezialist fuer Arbeitsschulung, Institut
fuer Arbeitsbeziehungen, Universitaet Puerto Rico:
AHBSITBRSCEÜLÜNG IN PUERTO RICO
Das Institut fuer Arbeitsbeziehungen an der Universitaet
Puerto Rico ist gerade etwas ueber ein Jahr alt. Nach seiner Einrichtung durch die Universitaet Puerto Rico innerhalb
ihrer Abteilung fuer Sozialwissenschaft begann das Institut
im August 1950 unter der Leitung von Dr. Simon Rottenberg
seine Arbeit.
Das Institut dient hauptsaechlich einer doppelten Aufgabe,
naemlich, sich mit der Schulung der Arbeiter und ihrer Ausbildung zu Betrieb30bleiternzu befassen. Wie es in der Darlegung der Aufgaben des Instituts heisst, hat sich das Arbeiterschulungsprogramm des Instituts folgende Ziele gesetzt:
1) Auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Arbeitsfragen
und der Arbeitsbeziehungen Forschungen durchzufuehren und
Veroeffentlichungen herauszugeben.
2) Gewerkschafter zu tuechtigen Sachbearbeitern för
Gewerkschaftsangelegenheiten zu schulen und sie und die Gewerkschaftsmitglieder mit den Grundzuegen und Konsequenzen
der Gewerkschaftspolitik und ihrer Rolle in der Gesamtstruktur
der Wirtschaft vertraut zu machen.
Das Institut arbeitet mit einem hauptamtlich angestellten zentralen Stab, der aus einem Direktor, einem Arbeiter-

15

�Schulungsspezialisten, Frances Kaufman, einem Forschungsassistenten, Alfredo Nazario und zwei Sekreteeren besteht. Hierzu kommt ein Ausschuss von ungefaehr 20 Lehrern der Arbeiterklassen, die von Zeit zu Zeit zu nebenamtlichen Lehrdiensten
herangezogen werden.
Die Arbeiterschulungstaetigkeit des Instituts verteilt
sich folgendermassen:
1) Klassen fuer Arbeiter; Waehrend des ersten Jahres wurden ungefaehr 40 Arbeiterbildungsklassen eingerichtet. Zu
den Lehrfaechern gehoerten: Tarifvertraege, Arbeitsgesetzgebung, Parlamentsregeln, die Wirtschaft von Puerto Rico, Grundzuege der Uekonomie, die Regierung von Puerto Rico, Englisch
fuer Arbeiter und Gewerkschaftsbüchhaltung. Die Klassen werden entweder fuer Mitglieder besonderer Gewerkschaften oder
fuer eine Anzahl von Mitgliedern verschiedener Gewerkschaften
in einem bestimmten Gebiet eingerichtet. Sie sind auf der
Unlversitaet von Rio Piedras wie auch in anderen Teilen der
Insel abgehalten worden. Einige Kurse trafen sich nur achtmal, wohingegen andere viel haeufiger, bis zu einem Maximum
von 32 Malen, zusammenkamen. Die meisten Studenten waren
bis jetzt Gewerkschaftsfunktionaere.
2) Unterricht durch Rundfunk: Sin neunwoechiger Rundfunkkursus fuer Arbeiter ueber die Wirtschaft in Puerto Rico
wurde begonnen, um auch die Landbewohner zu erreichen. Der
Kurs wurde zweimal woechentlich ueber eine Reihe von Rundfunkstationen der Insel uebertragen.
3) Filme: Zwei Filme werden vorbereitet, die bei Gewerkschaftstreffen gezeigt werden sollen, der eine behandelt die
Wirtschaft von Puerto Rico, der andere die Geschichte der
Arbeiterbewegung.
4) Eintaegige Seminare: Verschiedene eintaegige Seminare
wurden in mehreren Staedten der Insel abgehalten. Diese
Seminare finden gewoehnlich am Sonnabend oder Sonntag statt
und bringen Ausfuehrungen ueber die Insel- und Bundesarbeitsgesetzgebung auf Puerto Rioo.
5) Südamerikanisches SchulungsProgramm: Man plant einen
sechs Monate dauernden Schulungskurs fuer eine ausgewaehlte
Gruppe suedamerikanischer Gewerkschafter, der zusammen mit
der Inter-Amerikanisehen Regionalorganisation des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften durchgefuehrt werden soll.
Der Kurs soll Ende 1951 beginnen und enthaelt Vorlesungen,
die durch Aussenbesichtigungen unterstuetzt werden.
6) Lehrerbildungsinstitut: Ende September wurde ein dreitaegiges Lehrerbildungsseminar abgehalten. Fuer die Arbeiterschulungsklassen wurden Lehrkraefte von der Universitaetsfakultaet, den Regierungsabteilungen und anderer geeigneter
Stellen herqngezogen. Man nimmt jedoch an, dass ein Sonderseminar mit speziellen Lehrmethoden fuer Arbeiter sehr zum
Nutzen dieses nur zeitweilig besohaeftigten Lehrstabes waere.
7
) Veroeffentlichungen: Brochueren, die Themen behandeln,
die fuer Gewerkschaftsfunktionaere und -mitglieder von Interesse sind, werden ueberall auf der Insel verteilt. Einige
hiervon sind Nachdrucke staatlicher Veröffentlichungen, doch
der groesste Teil ist hauptsaechlich fuer die Arbeiter von
Puerto Rico geschrieben.

AFL-News Letter
Nov. 51 IIII/ll
16 HICO0 5 DM 31 1 S M 3 6 I

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IY - 48

F r a n k f u r t , den 30. November 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Harvard-Universitaet bildet Gewerkschaftsfunktionaere aus
Arbeiterschutz und industrielle Unfallverhütung
Lohnpolitik und Vollbeschaeftigung

1
4
5

Fortschritt trotz ueberkommener Reminiszenzen .. 11

DIE HARVARD-UNIVERSITAET BILDET GEWERKSCHAFTSFUNTICNAERE AUS
Die Harvard Universitaet, die bislang die feudalste Universitaet der Vereinigten Staaten gewesen ist, .hat jetzt in
ihr Vorlesungsprogramm Fragen der gewerkschaftlichen Schulungsarbeit aufgenommen. Der Leiter dieser Kurse, Professor
James J. Healy, verfolgt hiermit die Absicht, die Gewerkschaf tsfunktionaere zu einer groesseren Verantwortlichkeit
in-ihrer praktischen Arbeit heranzubilden. Die Hoerer, die
diese Kurse besuchen, sind bereits Funktionaere, sodass es
Aufgabe der Kurse ist, diesen Persoenlichkeiten zusaetzliche
Hilfsmittel und technische Moeglichkeiten zu bieten, um ihre
Arbeit in den Gewerkschaften noch besser ausfuehren zu koennen und zugleich einen neuen Typ des Funktionaers heranzubilden, der auch die Verantwortung gegenueber der Allgemeinheit
in seiner Arbeit uebernimmt.
- 1-

�Das Arbeitsprogramm selbst begann bereits vor zehn Jahren,
als Robert Watt, der Vertreter der AFL fuer Schulungsfragen,
die Universitaet besuchte und hi3r die Frage stellte, ob die
Universitaet bereit waere, neben ihren Vorlesungen ueber die
Ausbildung in der Betriebswirtschaft und der oeffentlichen Verwaltung auch solche ueber die Schulung gewerkschaftlicher
ehrenamtlicher Mitarbeiter uebernehmen wuerde und ob die Universitaet ihre Lehrmoeglichkeiten in den Dienst einer solohen
Erziehungsarbeit stellen wuerde.
Die Harvard-Universitaet erklaerte sich einverstanden. Und
so laeuft diese Arbeit bereits zehn Jahre, acht Gewerkschaften
haben diese Beniuehungen der Universitaet nachdruecklich unterstuetzt, die alle der AFL angehoeren, waehrend sioh der CIO
von diesen Kursen zurueckgezogen hat. Aber auch auslaendische Gewerkschaften schalten sich in diese Schulungsarbeit
der Harvard-Universitaet ein, es sind dies die Gewerkschaften in
Westdeutschland, Oesterreich, Holland, Norwegen, Irland und
Grossbritannien, so dass neben den acht amerikanischen Vertretern der Gewerkschaftsbewegung noch seohs niohtamerikanische
hinzutreten. Jetzt ist jedoch zum ersten Male die Studentenschaft der Kurse nach Kationen aufgeteilt worden, aber man
glaubt, daae gerade durch diese Internationalitaet die Erfolge
der Schulungsarbeit umso bessere sein werden, da durch diese
Vielfaeltigkeit der Erfahrungen sioh eine ganz andere Wirkungsmoeglichkeit ergibt als wenn nur amerikanische Hoerer die
Kurse besuchten.
Es laufen insgesamt 12 Vorlesungen fuer die Dauer der
Studienzeit, die 13 Wochen betraegt, wobei aber nicht jede Vorlesung sich ueber die Geaamtzeit erstreckt. Die Vorlesungen
umfassen Wirtschaftsanalyse, Bearbeitung von Beschwerden und
das Schlichtungsverfahren, Probleme der Arbeitsbeziehungen,
Arbeitsgesetzgebung, die wirtschaftlichen Voraussetzungen des
Tarifvertragswesens und anderes. Die formelle Seminararbeit
umfasst Jedoch nur einen kleinen Teil des Gesamtprogramms,
obwohl hier bereits 25 Vorlesungsstunden verankert sind, sodass ueber den groesseren Teil der Wochenstunden hier bereits
verfuegt ist.
Nun darf man jedoch nicht annehmen, dass die Seminare
in der sonst an Universitaeten ueblichen Form durchgefuehrt
werden. Es gibt hier keinen Professor, der am Katheder steht
und seine Meinung fix und fertig aufgegliedert zum besten
gibt. An der Harvard-Universitaet geht man bei diesen Kursen von einem Fall, wie er in der Praxis vorkommt, aus und
entwickelt an diesem Fall die gesamte Problematik. Dann werden den Studierenden Parallelfaelle mitgeteilt, aus denen sie
selbst ihre Folgerungen zu ziehen haben - diese Faelle haben
sie dann in den Seminaren zu vertreten. Eier entwickelt sioh
somit eine Situation, wie sie wirklioh in der alltaeglichen
Praxis staendig vorkommt, hier im Seminar wie bei der praktischen Arbeit muss der Funktionaer mit diesen Dingen fertig
werden - und hier in Harvard wird es ihm keineswegs leicht
gemacht, denn in der Diskussion des Falles erhebt sich ein
Einwand nach dem anderen, werden abweichende Gesetzesstellen
zitiert, die sofort widerlegt werden muessen, dem Funktionaer
wird also nicht d&amp;q geringste geschenkt. Und wenn er wirklich nicht mehr ein noch aus wissen sollte - das kommt nicht
allzu oft vor - dann wird in einer gemeinsamen Diskussion des
Falles die richtige Loesung mit samt dem Untergrund aufgezeigt.
- 2-

�Eine weitere Stufe dieser gewerkschaftlichen Vorlesungsarbeit bildet die Behandlung der Probleme der Arbeitsbeziehungen. Hier ist die Kitarbeit insofern schwieriger, als neben
den Funktionaeren der Gewerkschaften auch Vertreter der Unternehmer an diesen Seminaren teilnehmen. Hier ist also die
Diskussion wesentlich schaerfer und pointierter, hier zeigt
es sich aber bereits, wer ein geschickter Unterhaendler ist
und wer mit seinen Argumenten sich durchzusetzen versteht.
Diese Seminare sind somit eine aeusserst glueckliche Loesung,
vor allem deshalb, weil man hier mehr die i'iefenarbeit, also
die wirklich erschoepfende Behandlung eines Themas pflegt
als eine ausgesprochene Breitenarbeit, wie sie in den Grundkursen oft unumgaenglich ist.
Die Karvard-Universitaet ist jedoch noch einen Schritt
weitergegangen. Es hat 3ich herausgestellt, dass es wenig
sinnvoll ist, die Diskussionsleitung solcher Seminare nur
Mitgliedern des Lehrkoerpers anzuvertrauen, weil hier die
Kenntnis der Praxis und der Erfahrung fehlt. So ist man dazu
uebergegangen, anerkannte Fachleute als Lehrbeauftragte heranzuziehen. So behandelt jetzt das Gebiet Arbeitsgesetze ein
bekannter Arbeitsrichter, ueber internationale Gewerkschaftsfragen sprioht Clinton S. Golden, der fruehere stellvertretende Vorsitzende der amerikanischen Stahlarbeiter und heute
Sonderberater fuer Arbeitsfragen in der ECA-Verwaltung.
In der Zwischenzeit haben natuerlich die Gewerkschaften
selbst aehnliche Anstrengungen gemacht, um fuer ihre Mitgliedschaft eine aehnliche Schulungsarbeit durchzufahren. Aber
diese auf oerfclicher Basis durchgefuehrten Arbeiten wenden
sich an den Betriebsvertrauensmann und das einzelne Mitglied,
waehrend bei der Harvard-Universitaet der Funktionaernachwochs
und seine Ausbildung im Vordergrund stehen. Hier sollen vor
allexn die Nachwuchskraefte fuer die hoeheren Verwaltungsposten
in den Gewerkschaften ausgebildet werden, wozu ganz andere
Voraussetzungen gehoeren als bei der Schulung jener Funkticnaere, die Tag fuer Tag anfallende Arbeit zu bewaeltigen haben.
Es wurde bereits erweehnt, dass durch die Teilnahme europaeischer Studenten an den Gewerkschaftsseminaren der HarvardUniversitaet sich eine wirkliche Bereicherung der Studienarbeit ergibt. Die teilnehmenden Funktionaere erfahren die Verschiedenheiten der Auffassungen und die Unterschiedlichkeiten
der Kampfmethoden, sodass sich fuer die Praxis ausserordentlich
wertvolle Anregungen ergeben. Das gleiche gilt auch zun Beisoiel fuer den Marshallplan, der fuer die amerikanischen Funktionaere nichts wesentliches bedeutete, sondern oft als ueb$rfluessige Steuerschroepfung angesehen wurde. Durch die Unterhaltung mit europaeischen Funktionaeren sehen sie jetzt diese
Probleme in einem ganz anderen Licht, sie werden aber das, was
sie hier erfahren haben, wieder weiter tragen und damit zum
gegenseitigen internationalen gewerkschaftlichen Verstehen
entscheidend beitragen.
Auf der anderen Seite haben amerikanische Funktionaere
erfahren muessen, dass sie mit ihren Sozialversicherungen noch
weit hinter den in Europa erreichten Stufen zuruockgeblieben
sind, wie etwa in Fragen der Arbeitslosenversicherung oder
der automatischen Pensionierungsmoeglichkeit, sobald ein bestimmtes Alter erreicht ist. Und die amerikanischen Gewerkt
schafter lernen jetzt die Rolle der europaeischen Gewerkschaftsbewegung kennen, die weitgehend die amerikanische Entwicklung
3

�beeinflusste, auch wenn diese aus der anderen wirtschaftlichen
Situation des Landes heraus voellig andere Schritte .gegangen
ist und diese allein ging.
Heute jedoch ist durch die
internationale Bindung der Gewerkschaften die Moeglichkeit
viel groesser geworden, die Errungenschaften in einem Lande,
wenn sie ihre Feuerprobe bestanden htben, auch auf andere
Laender zu uebertragen, wie es jetzt bei den Sozialversicherungsmas snahmen der Vereinigten Staaten geschehen ist.
Diese Ergebnisse fallen sozusagen am Rande der Harvardkurse ab, sie sind jedoch entscheidend fuer den Geist der
Kurse.
Die Seminare fuer Gewerkschaftsfragen haben somit durch
ihre internationale Besetzung noch das Ergebnis gehabt, dass
die amerikanischen Gewerkschaften fuer internationale Probtome
aufgeschlossener werden und zugleich den grossen Beitrag anerkennen, den die europaeisohen Gewerkschaften der gemeinsamen Sacte beigesteuert haben.
Program Service Section
Labor Special # 87
ARBEITERSCHUTZ UND INDUSTRIELLE UNFALLVERHUETUNG
."Der Unfall eines einzelnen bedeutet fuer alle ein
Unfall." Diese Redewendung charakterisiert seit langem die
Solidaritaet der freien Arbeiterbewegung bei der Abwehr von
Schlaegen jeglicher Richtung. .Diese Redewendung ist jedoch
jetzt noch weiter umschrieben worden, Praesident Truman wendet sie wie folgt an: wDer Unfall eines einzelnen betrifft
alle." Er meinte es wörtlich und bezog sich dabei auf die
vielen Betriebsunfaelle und die Notwendigkeit eines laufenden Unfallverhuetungsprogramms, das sich auf alle Staaten
der U.S.A. erstrecken und die Zahl der Unfaelle verringern
soll. "In einer demokratischen Lebensform beschuetzen wir
die Werte des menschlichen Lebens und des menschlichen
Gluecks gegen die Ausbeutung durch einzelne Leute oder den
Staat." In den Vereinigten Staaten sind Gewerkschaften, Arbeitgeber und Regierung an der Gesundheit und Sicherheit
der Arbeiter interessiert. Staendig werden Unfallverhuetungsfeldzuege durchgefuehrt, um Sicherheitsmassnahmen in der
Industrie zu foerdern. Natuerlich werden auch dabei wirtschaftliche Betrachtungen angestellt, aber die Hauptbetonung
liegt auf dem hohen Wert des Individuums.
Massnahmen zum Krankheitsschutz und zur Unfallverhuetung
wurden bereits vor 50 Jahren in Angriff genommen. Waehrend
der ersten Jahre versuchte man in Amerika vor allem Feuerverhuetungsmassnahmen in den Betrieben zu treffen. Fabrikbraende nahmen damals oft dramatische Umfaenge an und brachten ganze Gemeinden in Aufruhr und fuehrten zu schaerfstem
Protest. Amerika wurde geradezu von einer Gesetzeswelle zur
Feuerverhuetung ueberflutet. Aber die Unfallverhuetungsingenieure merkten bald, dass Betriebsbraende nur eines der
kleineren Probleme waren. Die meisten Betriebsunfaelle
wurden durch Stuerzo verursacht, durch Ausgleiten auf •schmierigem Boden, durch Stolpern ueber Draehte, Seile, Werkzeuge
und andere Materialien. Man setzte daraufhin durch, dass
die Boeden in den Fabrikshallen eben, trocken, sauber und
uebersichtlich sein muessen. Heutzutage ist ein unebener,
nasser oder beschmutzter Boden in einem Betrieb ein Verstoss
gegen das Gesetz.
- 4 -

�Freilaufende Reeder oder bewegliche Teile wurden verkleidet, denn man sagte sich, dass bewegliche Teile, die
einen nicht beruehren, auch keine Verletzung hervorrufen
koennen. Eine andere Ursache von Krankheiten und Verletzungen ist der Fabrikstaub, haeufig fuehrt er zu langsamem Tod
durch Tuberkulose. Ausserdem entzuendet sich Staub leicht
durch Funken von Hammerschlaegen oder Motoren, er kann Explosionen hervorrufen, die Betriebe lahmlegen und viele Arbeiter verletzen. Jetzt werden funkensichere Werkzeuge und
Motore hergestellt, um Staubexplosionen zu verhindern. Entlueftungsanlagen und besondere Gesichtsmasken sorgen dafuer,
bestimmte Berufskrankheiten zu vermeiden.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber setzten sich mit Unfallverhuetungsingenieuren zusammen, um noch ein anderes ernstes
Problem, das der Augenverletzungen, zu loesen. Unter den
Ursachen der Augenverletzungen finden sich aetzende Saeuren
und Daempfe, Splitter, spritzende Farben, fluessige Metallspritzer und ausserordentlich grelles Licht. Verschiedene
Arten Schutzbrillen beheben diese Unfallquellen. Ausserdem
wurde eine nicht blendende Beleuchtung erfunden, die den
Arbeitsplatz genuegend erhellt, ohne jedoch dabei auf die
Augen besonders anstrengend zu wirken.
Sohwere und leichte Metallhelme sowie sehr starke Metallkappen, die in die Arbeitsschuhe eingebaut werden, sind andere Methoden, mit denen man die Arbeiter von Kopf bis Fuss zu
schuetzen sich bemueht. Heute wendet man diese Schutzmassnahmen nicht nur im Bergbau an, sondern auch im Bauwesen,
beim Schiffsbau und einer Reihe anderer Industrien.
Mit dem Ansteigen der Produktion von Verteidigungsmaterialien und Konsumwaren sind in letzter Zeit Millionen neuer und unerfahrener Arbeiter in amerikanischen Fabriken eingestellt worden. Viele Arbeiter mussten auch Arbeitsgaenge
uebernehmen, mit denen sie verhaeltnismaessig wenig vertraut
waren. Dies vergroesserte natuerlich die Haeufigkeit der
Betriebsunfaelle.
Den noch verbleibenden Problemen wird nunmehr groesstes
Interesse gewidmet, und zwar gilt es in erster Linie die Arbeiter dazu zu erziehen, selbst an ihre Sicherheit zu denken.
Sie muessen verstehen, dass ihre Sicherheit und die ihrer
Arbeitskameraden wichtiger als irgendein Produktionsplan i3t.
In tausenden Fabriken im ganzen Lande suchen Unfallverhuetungs- •
aussohuesse, denen Gewerkschaften wie Arbeitgeber angehoeren,
neue Wege, gerade diesen Punkt klarzumachen, denn sie stimmen
mit Praesident Truman ueberein:
"Der Unfall eines einzelnen betrifft alle."
Program Services Seotion
Labor Special 103
51/11/16
Alfred Roberts, Vertreter des britischen Gewerkschaftsbundea:
LOHNPOLITIK. VOLLBESCHAEFTIGUNQ UND AUFGABEN DER I.A.O.
Die Diagnose ueber die Wirtsohaftskrankheit der Welt und
die vorgeschlagenen Heilmittel scheinen entsprechend den wirt- 5-

�schaftlichen und politischen Richtungen der Sprecher zu
schwanken. I.:an wird zu der Auffassung gedraengt, dass entweder durch Uebersehen oder mit Absicht der Begriff "objektive Betrachtung" in den meisten Faellen verlorengegangen ist. Es kann
sein, dass ich mich des gleichen Fehlers schuldig mache, ich
will aber mindestens versuchen, bei der Behandlung dieses
Problems realistisch zu bleiben.
Das erste Erfordernis in dem Bemuehen, die Lohnpolitik
zu bestimmen, gleichgueltig wie der Stand der Wirtschaft oder
sozialen Entwicklung ist, besteht darin, sich nicht mit statischen Kraeften, sondern mit Kraeften zu befassen, die staendig schwanken. Die Industrie ist dynamisch. Sie ist dem
tagtaeglichen Druck nationaler und internationaler Ereignisse
ausgesetzt, die Ausgleiche innerhalb der Industrie erfordern:
Sie kann nicht aus sich selbst leben. Die Rohmaterialien
schwanken in ihrer Qualitaet, in der Quantitaet und in der
Verfuegbarkeit fuer eine bestimmte Industrie; die Arbeitsbedingungen wechseln dauernd mit der Verbesserung der Verfahren
und einem entsprechenden Wechsel des Risikos; die Wirtschaftlichkeit schwankt - dies sind Fakturen, die ihre unmittelbaren
Rueckwirkungen auf das Wohlergehen der Industriebevoelkerung
und damit auf die gesamte Volkswirtschaft haben.
Aus diesem Grunde ist eine Betrachtung der Lohnpolitik
an sich unwirklich; sie muss mit anderen Faktoren, wie Produktivitaet, Preisen und Ertraegert verknuepft werden. Es muss
auch erkannt werden, dass die Behandlung und Entscheidung
dieser Politik nicht Regierungen, Arbeitgebern oder Gewerkschaften als getrennten Einheiten obliegt, sondern dass sie
das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen allen drei Elementen
sein muss.
Unter Anerkennung dieser Tatseche hat sich die britische
Gewerkschaftsbewegung im Maerz 1948 als ihren Beitrag zur Erhaltung der Vollbeschaeftigung und des wirtschaftlichen Wiederaufbaus der Nation die Politik der Lohnbeschraenkung zu
eigen gemacht. Diese Politik wurde als Teil einer gemeinsamen
Anstrengung angenommen, die alle Teile der Bevoelkerung beruehrt; zur gleichen Zeit wurde die freiwillige Begrenzung
der Dividende eingefuehrt. Industrie und Handel wurden aufgefordert, die Preise, wo es ueberhaupt moeglich ist, freiwillig
herabzusetzen und die Regierung verschaerfte die Preiskontrolle.
Die Teilnahme der Gewerkschaften an diesen Kontrollen wurde
seitens der Regierung, deren Politik nicht nur auf die Stabilisierung, sondern auch auf die Herabsetzung der Gewinne und
Preise abzielte, zur Bedingung gemacht.
Auf diese Weise wurden die Loehne bis zum Sommer 1950
im wesentlichen stabilisiert. Die Einzelhandelspreise jedoch
stiegen weiter an, was teilweise ala Ergebnis der Abwertung
des Pfund-Sterling im September 1949 gefolgert werden kann.
Die Politik der Beschraenkung war niemals als staendige
Einrichtung gedacht und die internen Spannungen, die sie waehrend des Zeitraumes ihrer Durchfuehrung ausgeloest hat,
Hessen offenbar werden, dass sie nicht fuer unbestimmte Zeit
fortgesetzt werden konnte, besonders seitdem sie eine strengere Form nach der Abwertung angenommen hatte. Die Politik
hatte ihre positiven Seiten - z.B. wurde die Notwendigkeit
gesteigerter Produktivitaet dauernd betont - aber ihr Objekt
war vorwiegend die negative Seite, naemlich die Beschraenkung
- 6-

�der Lohnerhoehungen zu einer Seit, als die Preise zum Steigen
neigten.
Trotz vieler Schwierigkeiten erwies sich diese Politik
als recht erfolgreich in der Erhaltung eines grossen Masses
an Stabilitaet in der '»Virtschaft des Landes - ein Faktor,
der zu einer erheblichen Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen gefuehrt haette, wenn nicht ausserhalb des Einflusses der britischen Gewerkschaften, dar Regierung und der Unternehmer liegende Faktoren sich zum Nachteil
der eigenen und anderer Volkswirtschaften dazwischengedraengt
haetten. Die den freien Voelkern durch die aggressive Politik
des Kommunismus aufgezwungenen Aufruestungs- und Verteidigungsprogramrae fuehrten zu Materialverknappungen, die die
Rohstoffpreise hinaufgetrieben haben. Bei steigenden Rohstoffpreisen, die ihrerseits die Inlandpreise hochtrieben,
waren unter diesen Umstaenden einige Lohnangleichungen unvermeidlich und der britische Gewerkschaftskongress nahm im
September 1950 eine Resolution an, die die fruehere Lohnpolitik aufhob. Dieses bedeutete jedoch nicht ein Versagen
der Politik, sondern war eher ein Beweis fuer die Elastizitaet eines gesunden Koerpers gegenueber aeusseren Erschuetterungen. Es gibt Leute, die an den Begriff einer fein ausbalancierten Wirtschaft glauben, die aber voellig von dem
abhaengig sein soll, was die Gewerkschaftsbewegung bezueglich
der Loehne unternimmt. Die Tatsachen der letzten Monate Weltmarkteinengung und Preissteigerungen bei Rohstoffen haben das Truegerische dieser Auffassung bewiesen. Die Lohnsaetze 3ind nur ein Faktor einer verwickelten Gleichung mit
vielen Variablen und die Gegenmassnahmen der Gewerkschaft
muessen immer davon abhaengig sein, was mit den anderen Variablen vor sich geht.
Dia Erfahrungen der britischen Gewerkschaften in der
Lohnpolitik sind mit diesen Ausfuehrungen kurz dargestellt.
Auf Grund dieser Erfahrung und dem Studium des Problems im
allgemeinen haben sie sich ueberzeugt, dass gewisse grundsaetzliche Notwendigkeiten bestehen, denen jedes Land bei
der Behandlung der Lohnpolitik Beachtung schenken muss, besonders in Bezug auf ein Programm der Vollbeschaeftigung.
Es besteht zweifellos eine zunehmende Bereitschaft zur
Unterstuetzung der Ueberzeugung, dass, wenn die Vollbeschaeftigung gewaehrleistet werden soll, irgendeine Form einer
langfristig abgesprochnenen Lohnpolitik erforderlich ist.
Wahrscheinlich besteht aber weniger Einigkeit darueber, welches die Objekte einer derartigen Politik sein sollten und
unter welchen Bedingungen diese fuer die Gewerkschaft annehmbar waere.
Jede derartige Politik sollte das positive Ziel haben,
dass die Vollbeschaeftigung nicht durch unverantwortliche Aktionen irgendeines Teiles der Bevoelkerung gefaehrdet werden
kann und die Erhaltung und Verbesserung der Loehne und Lebensbedingungen der arbeitenden Bevoelkerung gewaehrleistet bleibt^
Diese Ziele werden nicht durch eine Politik gesichert, die
kuenstliche Schaerfen in der Wirtschaft einfuehrt und nur
daran interessiert ist, die jetzige Verteilung des Volkseinkommens beizubehalten. Diese Ziele muessen eindeutig dargelegt werden, die Politik selbst muss regelmaessig ueberprueft
werden, um zu gewaehrleisten, dass ihre Ziele erreicht werden.
- 7 -

�Mit diesen grundsaetzlichen Zielen waere jede Form der
Lohnpolitik auf vier grundsaetzlichen Prinzipien- aufzubauen - erstens, dass die Freiheit der Gewerkschaften, Kollektiv-Verhandlungen zu fuehren, beibehalten werden muss; zweitens, dass die arbeitende Bevoelkerung in der Lage sein sollte, ihren relativen Anteil am Volkseinkommen zu steigern;
drittens, dass andere Teile der Bevoelkerung zu Massnahmen
schreiten, die die der Gewerkschaftsbewegung ergaenzen; und
viertens, dass die Regierung ihren notwendigen Beitrag fuer
diese Prinzipien leisten sollte.
In erster Linie ist es aus Gruenden, die weit ueber den
gewoehnlichen Vorgang der freiwilligen Lohnverhandlung hinausgehen, besonders wichtig, dass die Freiheit und die Unabhaengigkeit der Gewerkschaften erhalten bleiben. Um jedoch
ihre Geltung als vertretende Organisation zu erhalten, kann
eine Gewerkschaft nicht damit zufrieden sein, sich lediglich
mit Loehnen, Arbeitsstunden, Sicherheitsvorkehrungen und
der Vielzahl anderer Angelegenheiten zu befassen, die tagtaeglich die Gewerkschaft beschaeftigen, sondern sie muss
staendig danach streben, dies in einer Form zu tun, dass sie
wenigstens die Mehrzahl der Arbeiter befriedigt, die sie
vertritt, damit deren allgemeine Interessen in dieser dauernd wechselnden Wirtschaftssituation ausreichend geschuetzt
und gefördert werden. Dies ist eine Verantwortung, die
nicht anderen uebertragen werden kann. Es gibt keinen Ersatz
fuer die Gewerkschaft und dieses Problem kann auch nicht
durch gesetzgeberische Beschraenkungen geloest werden, die
darauf abzielen, die Verhandlungsstaerke der Gewerkschaften
zu verringern.
Zweitens ist es sehr wichtig, dass die Lohnpolitik
nicht negativ aufgefasst wird im Stile eines Einfrierens
der Loehne oder sogar eines Beibehaltens der bestehenden Verteilung des Volkseinkommens des betreffenden Landes. Das
"Einfrieren" wflrde zu einer besonderen Belastung der Wirtschaft mit einer besonderen Lohnstruktur fuehren, die beinahe
mit Sicherheit immer unanwendbarer werden wird. Ich stimme
jedoch nicht mit dem Vorschlag ueberein, dass der allgemeine
Stand der Loehne nur im Verhaeltnis zum Zuwachs des allgemeinen Standes der Produktivitaet steigen sollte. Die Lohnempfaenger sollten allgemein oder in bestimmten Industrien
nicht daran gehindert werden, ihren relativen Anteil an der
Industrie-Erzeugung zu steigern, der in vielen Laendern der
Welt immer noch viel zu klein ist. Damit soll aber nicht die
Notwendigkeit der Steigerung der Produktivitaet geleugnet
werden. Die Notwendigkeit, das System der Leistungsloehne
ueberall zu erweitern, wo es irgend moeglich ist, erkenne ich
an und lasse sie auch gelten, vorausgesetzt, dass dies unter
Fuehlungnahme und mit dem Einverstaendnis der Gewerkscnaften
durchgefuehrt wird.
Drittens stimme ich vollstaendig damit ueberein, dass
die volle Zusammenarbeit aller Teile der Bevoelkerung ein
wesentliches Element jeder Politik ist, die eine Selbst-Beschraenkung und ein groesseres Verantwortungsbewusstsein hinsichtlich der Forderung nach hoeheren Einkommen verlangt.
Viertens sollte die Regierung ihr Ziel der Vollbeschaeftigung und die Massnahmen, die zur Sicherung dieses Zieles vorgesehen sind, weitestgehend bekanntmachen, einschliesslich
aller anti-inflationistischer Massnahmen, Preiskontrollen und,

8

�soweit angebracht, Preissubventionen. Die Regierung sollte
auch fuer die Schaffung ausreichender sozialer Einrichtungen
verantwortlich sein, besonders zum Schutz der Leute mit kleinen Festeinkommen. In allen diesen Angelegenheiten sollte die
Regierung staendig mit beiden Seiten der Industrie die Fuehlung aufrecht erhalten.
Ich betone, dass dies die Prinzipien sind, auf die jede
Lohnpolitik aufzubauen ist, wenn sie fuer die organisierte
Arbeiterschaft annehmbar sein soll. Selbst dann bleibt die
Frage offen, welche genaue Form die Lohnpolitik annehmen soll.
Andere Laender werden andere Methoden als wuenschenswert betrachten. Weiter ist es wichtig, dass jede Industrie ihre
eigene Lohnstruktur ueberprueft, um zu gewaehrleisten, dass
sie mit den besonderen laufenden Umstaenden Schritt haelt
und beweglich genug ist, um Aenderungen in den Organisationsund Produktionsmethoden in Betracht zu ziehen.
Ich will mich nun einem anderen Gesichtspunkt, dem Problem
der Vollbeschaeftigung, zuwenden. Die heutige Weltlage erfordert, dass eine zunehmende Betonung auf die internationale
Auswanderung zur Hebung der Beschaeftigungssituation gelegt
wird. Eins der Ziele des Arbeitskraefte-Programms der Internationalen Arbeiterorganisation, das auf Grund der Entscheidungen der
leitenden Koerperschaft in Angriff genommen wurde, besteht
darin, eine bessere internationale Verteilung der Arbeitskräfte herbeizufuehren, um dadurch den Lebensstandard der Voelker
ueberall zu heben. Eine einmalige Verknuepfung von Umstaenden Massenverschleppungen waehrend des Krieges, kriegsbedingte
Unterbrechung der normalen Wanderbewegung, steigende Geburtsziffern der Laender - hat dazu beigetragen, in einigen Laendern einen grossen Arbeitskraefteueberschuss zu schaffen, den
die Volkswirtschaft nicht aufnehmen kann, waehrend zur gleichen Zeit in anderen Laendern ein akuter Arbeitskraeftemangel
besteht. Es ist selbstverstaendlich, dass es hier zu einem
Ausgleich kommen kann, wenn die Voraussetzungen dafuer geschaffen werden.
Die Internationale Arbeitskonferenz hat durch die Annahme
der Philadelphia-Erklaerung von 1944 hinsichtlich der Ziele
und Zwecke der Internationalen Arbeits-Organisation, der I.A.O.
bereits den Auftrag gegeben, unter den Nationen der Welt Programme zu foerden, die die Schaffung von Einrichtungen fuer
die Ausbildung und Versetzung von Arbeitskraeften ermoeglichen,
einschliesslich der Foerderung von Auswanderungsmoeglichkeiten
zwecks neuer Beschaeftigung und Ansiedlung, wobei ausreichende
Garantien fuer alle Betroffenen gegeben sein muessen.
Dies ist ein Problem, das die Arbeiter ueberall direkt
angeht und das nur von einer Organisation wirkungsvoll behandelt werden kann, in der die Arbeiter selbst direkt vertreten
sind und die ihnen die Sicherheit gewaehrt, dass die Programme
mit ausreichenden Garantien durchgefuehrt werden, die fuer die
Arbeiter der Auswanderungs- und der Einwanderungslaender gewaehrt werden muessen. Einige Schritte sind in dieser Richtung
schon durch den revidierten '•Vertrag fuer Arbeitskräfte-Auswanderung" unternommen worden; die Gewaehrung technischer Hilfe
fuer Regierungen bei der Errichtung oder Verbesserung nationaler Arbeitsvermittlungen, die ein wichtiger Faktor fuer die
Bestimmung der Arbeitskraftanforderungen sind, sowie die Vereinfachung verwaltungsmaessiger Formalitaeten hinsichtlich der
Z uv/anderer.

�Begrenzte finanzielle Mittel haben bisher die Taetigkeit
der I.A.O. auf diese Massnahmen besohraenkt, aber das Ausmass
des Wanderungsproblems und die dringende Notwendigkeit einer
Loesung im Interesse der Arbeiter erfordert eine betraechtliohe
Ausdehnung der Taetigkeit der Organisation. Sie sollte einerseits das Ziel der technischen Unterstuetzung auf diesem Gebiet erweitern und andererseits eine weitgehende praktische
Tae€igkeit auf dem Gebiet der Internationalen Wanderbewegung
durohfuehren. Viele Arbeiter, die keine Beschaeftigung in
ihren gegenwaertigen Laendern finden koennen, sind beispielsweise nioht in der Lage, auszuwandern, da sie nicht die Mittel
fuer ihre Ueberfahrt aufbringen koennen. Sofern erforderlioh,
sollte die I.A.O. Plaene fuer die internationale Finanzierung
der Auswanderer-Transportkosten und der Senkung dieser Kosten
entwerfen, und zwar durch eine Kontrolle auf internationaler
Ebene hinsichtlich der See- und Lufttransportmittel, die fuer
die Wanderung benoetigt werden. Die Organisation sollte in
allen Phasen der Rekrutierungs- und Auswahlarbeiten beraten
und unterstuetzen, damit kein Arbeiter bei seiner Ankunft im
Aufnahmeland die Feststellung machen muss, dass er, ohne eigenes Verschulden, fuer einen Beruf ausgewaehlt worden ist, der
seinen Faehigkeiten nicht entspricht. Es gibt in den Aufnahmelaendern viele Arbeitsplaetze, die auf Grund der mangelnden
Befaehlgung der Einwanderer nicht besetzt werden koennen. Andererseits gibt es viele, die nicht auswandern koennen, da sie
fuer die vorhandene Arbeit nioht ausreichend ausgebildet sind.
Die I.A.O. sollte Berufsausbildungs- und Umschulungsprogramme
entwickeln, un die Faehigkeiten vorhandener Arbeiter den Einwanderungsbeduerfnissen anzupassen. Sie sollte den Regierungen
hinsichtlich der Vorkehrungen fuer die Aufnahme und Unterbringung der zuwandernden Arbeiter Rat und Unterstuetzung gewaehren und sollte ihre Anstrengungen fuer den Schutz der zuwandernden und der ansaessigen Arbeiter fortsetzen und zwar durch
Unterstuetzung und Beratung der Regierungen beim Abschluss
zweiseitiger Vereinbarungen fuer die Einwanderung.
Die Planung und Durchführung der Wanderbewegungen groesseren Ausmasses ist dringend erforderlich und ich habe bereits
einige der Richtungen angedeutet, in denen meiner Ansicht
naoh allgemeines Einvernehmen darueber- besteht, dass Massnahmen erforderlich sind: Massnahmen, die, wie ich nochmals betonen muss, die I.A.O. ausfuehren kann, da sie den Auftrag
und die notwendige Erfahrung besitzt. Ihre gegenwaertigen Mittel sind jedoch voellig unzureichend und.zusaetzliche finanzielle Mittel sind erforderlich. Sierauessengefunden werden.
Damit komme ich nun zu dem letzten Punkt. Bei verschiedenen regionalen Konferenzen und innerhalb der leitenden Koerperschaft haben die Vertreter der Regierungen von dieser Rednertribuene der Gewerkschaftsorganisation nicht nur ihr volles
Lob ausgesprochen, sondern auch neue Plaene und eine noch
groessere Ausweitung ihrer Arbeit gefordert. Bei den Versammlungen des Finanzausschusses haben wir die Forderungen der
Vertreter der gleichen Regierungen - obgleich nicht notwendigerweise dieselben Vertreter - gehoert, dass die Zeit gekommen
ist, den steigenden Aufwendungen ein Halt zuzurufen und das
Budget auf der Grundlage eines Prioritaetssystems zu stabilisieren. Ich habe es erwaehnt, dass die Arbeit einer dynamischen Organisation wie der I.A.O. nicht ausschliesslich von
finanziellen Erwaegungen bestimmt werden kann. Der entscheidende Faktor muss immer die Arbeit sein, die geleistet werden
muss. Die I.A.O. muss ihre organisatorischen Faehigkeiten
10 -

�vervollkommnen und sie in den Dienst aller stellen. Sie
muss die Fuehrung auf dem Gebiet der Sozialpolitik uebernehmen. Sie muss den lebendigen Glauben an die Ziele erwecken,
die sie verkoerpert und staendig danach trachten, diesem
Ausdruok zu geben in allem, was sie unternimmt. Die I.A.O.
muss bei ihrer Arbeit der Zusammenfuehrung der verschiedenen
Voelker der gesamten Welt zu einem gemeinsamen Zweck danach
trachten, ihren universellen Charakter zu erhalten und zu
erweitern. Wir koennen ueberzeugt sein, dass wir, wenn wir
taeglich unseren Beitrag zur Erfuellung dieser Verantworung
leisten, unaufhaltsam der Erreichung unseres Zieles entgegenschreiten - einer besseren Welt des Friedens.
Das ist genau das, was die Arbeiter jahrelang bereits
gesagt haben. Seit ihrer Einfuehrung haben die Arbeiter der
Welt der I.A.O. ihre innigste ünterstuetzung gegeben. Sie
sind stolz auf ihre Erfolge und auf die Geltung, die sie
sich selbst in Weltangelegenheiten erworben hat. Ich moechte
aber die Regierungen und Arbeitgeber bitten, sich immer daran
zu erinnern, dass in dieser Welt der Sorgen, der Spannungen
und Befuerohtungen die Arbeiter diese Organisation schliesslich nach ihrer Bereitschaft beurteilen werden, sich mit
ihren Aufgaben ehrlich auseinanderzusetzen, um die sozialen
und wirtschaftlichen Probleme zu loesen, die die Hauptursaohen der Weltunsicherheit sind. Eine Beschneidung dieser
Taetigkeit durch eine armselige und missguenstige Finanzpolitik seitens der Mitgliedsstaaten wuerden die Arbeiter weder
verstehen noch jemals verzeihen.
Stenoprotokoll der Rede
Nelson Cruikshank:
FORTSCHRITT TROTZ UEBERK OMMENER REMINISZENZEN
In Frankreich, einem der Schluessellaender, das sich am
Marshallplan beteiligt und wie in Italien eines der beiden
Laender, in denen die Kommunisten noch immer die Ergebenheit
eines nioht unbetraechtlichen Bevoelkerungsteils besitzen»
hat sich der Begriff der Produktivitaet in einem einzigartigen Masse durchgesetzt. Mehr als in allen anderen Laendern
der Welt haben hier Presse, politische Parteien, fuehrende
Persoenlichkeiten aller moeglichen Organisationen den Gelegenheiten staendigen Ausdruck gegeben, die sich durch eine verbesserte industrielle V/irksamkeit erreichen lassen und mit
denen die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme, die auf Frankreich lasten, geloest werden koennen.
Troductivite" ist ein verhaeltnismaessig sonderbares Wort,
wenn man an die Zeit vor einigen Jahren zurueckdenkt, aber
heute erscheint es in erstaunlicher Kaeufigkeit in Zeitungen
und in Gewerkschaftsversammlungen, in industriellen und technischen Veroeffentlichungen, in Reden und in Debatten der
Nationalversammlung, in den Aufrufen der politischen Parteien, aber auch in den Programmen der Gewerkschaften und der
Unternehmerverbaende.
Aber jene Resolutionen und die Diskussionen in den Zeitungen bedeuten keineswegs wirkliche Aktionen und sie erzeugen
auch nicht mehr Gueter als bisher. Aber diese Aufmerksamkeit
fuer die Idee offenbart ein Interesse, das bereits konkretere
Formen angenommen hat und in der Zukunft erst recht sich
durohsetzen wird. Ohne Zweifel ist es ein Zeichen der Entschlossenheit wichtiger Kreise des franzoesisohen Volkes,
neue Methoden versuchsweise anzuwenden.
- n -

�Frankreich sah sich nach dem Kriege einem schwierigen
Wiederaufbauproblem gegenübergestellt. Mit Hilfe der
Marshallplanverwaltung und mit viel schwerer Arbeit des
franzoesischen Volkes konnte die Gesamtproduktion soweit
gesteigert werden, dass Sie fast 40 &lt;f&gt; ueber dem Stand von
1938 lag. Die bestehenden Werke Frankreichs sind nicht nur
wiederhergestellt, sondern auch stark verbessert worden.
Moderne Stahlwerke, gewaltige Wasser- und Dampfkraftanlagen,
neue Erdoelaufbereitungsanlagen und Roehrensysteme sind
bereits oder sind in Kuerze fertiggestellt. Die Bergwerke
und die Eisenbahnen wurden modernisiert und weiter entwickelt.
Aber irgendwelche positiven Aus Wirkungen haben sich jedoch
zugunsten des Lebensstandards der Masse des Volkes durch diese
langfristigen Modernisierungen noch nicht ergeben. Betraechtliche Mittel jedoch, die fuer Investitionsnoete vorgesehen
waren, mussten anstatt fuer ihren eigentlichen Zweck denen
des laufenden Bedarfs dienen. So besteht ein staendiger Abzug an Menschen, Materialien und Geldmitteln fuer die Beduerfnisse der Verteidlgungsbemuehungen in Indochina. Dieser Faktor und andere haben dem eirifaohen franzoesischen Arbeiter ein geruhsames Leben vorenthalten.
Vielleicht sind die sozialen und politischen üebel noch
entscheidender, die heute die franzoesische Gesellschaftsordnung daran hindern, so zu funktionieren, wie es am zweokmaessigsten waere. Franzoesische Geschaeftsleute erkennen
jene Grundregeln nicht an, wie zun Beispiel den freien Wettbewerb oder die Verantwortlichkeit des Staatsbuergers gegenueber dem Ganzen, die es erst ermoeglichen, dass auch das
kapitalistische System sich den gemeinsamen Bestrebungen
der Demokratien anpassen kann. Die politischen Ueberzeugungen des Franzosen, die eng, fest und genau sind, bringen es
mit sich, dass es viele Parteien gibt, die jedooh zu wenig
gemeinsame Grundgedanken aufweisen. Viel zu viel Franzosen
wollen sich die Wertschaetzung als Staatsbuerger der Mittelklasse dadurch erwerben, indem sie ein Einzelhandelsunternehmen
aufmaohen oder ein Cafe eroeffnen - hier produzieren sie praktisch ueberhaupt oder fast ueberhaupt nichts fuer die Gesamtwirtschaft, beziehen aber doch von ihr ein Einkommen.- Aus
all diesen Gruenden sieht sich der franzoesische Durchschnittsarbeiter einem bestaendigen Kampf mit dem Nahrungsmittel- und
Kleidungsbedarf seiner Familie gegenübergestellt. Er sieht
aber auch zugleich viele Beispiele eines luxurioesen Lebens,
das in scharfem Gegensatz zu seinem eigenen Schicksal steht.
Er weiss auchwaiterhin, dass dieser Luxus in erster Linie jenen Gruppen zugute kommt, die sich waehrend der franzoesischen
Niederlage zu Anfang des zweiten Weltkriegs ueberall als Raffkes demaskierten und spaeter mit der Vichy-Regierung und den
deutschen Besatzungsbehoerden zusammenarbeiteten und auch hier
lediglich fuer ihren Profit sorgten, heute jedoch trotz aller
Massnahmen laengst wieder ihre alten wirtschaftlichen und politischen Vorrechte und Stellungen wiedergewonnen haben.
Diese Verhaeltnisse schaffen eine Welle der Unzufriedenheit, die die franzoesischen Kommunisten sehr geschickt fuer
ihre eigenen Absichten auszunutzen verstehen. Zu ihrer ausgezeichneten Kaderorganisation und ihrer vom Kreml her finanzierten Propaganda tritt noch der Ruf hinzu, den sich die
kommunistischen Fuehrer der Widerstandsbewegung waehrend des
zweiten Weltkriegs erwerben konnten, ebenso die energischen
Anstrengungen, die von ihnen unternommen wurden, um die Leitung
aller Arten Arbeiter- und Intellektuellenorganisationen zu
- 12 -

�uebernehmen. Es kommt hinzu, dass der Franzose seit jeher
radikal und revolutionaer ist, sodass auch hier die Kommunisten es verhaeltnismaessig leicht hatten, den franzoesischen
Arbeiter daraufhin anzusprechen und zu umwerben. Alle diese
Tatsachen bilden den Schluessel dafuer, dass fuenf Millionen
Franzosen die kommunistischen Listen waehlen, um zu protestieren und dass die Mehrheit der organisierten Arbeiterschaft
im kommunistisch beherrschten CGT (Congr&amp;s Generale du Trauail Allgemeiner Arbeiterkongress) zu finden ist. Dadurch kompliziert sich das soziale, wirtschaftliche und politische Leben
noch staerker und erschwert alle Bemuehungen, die Bedingungen,
die fuer die Verzoegerung der wirtschaftlichen und sozialen
Wiedergesundung verantwortlich sind, auf einen besseren Stand
zu bringen. Das Endergebnis ist ein staendiger Krisenzustand,
bei dem der Lebensstandard immer in der Gefahr schwebt, nooh
weiter herunterzugehen und Frankreich entweder in die Haende
der Stalinisten oder in die der totalitaeren Maechte auf der
rechten Seite zu schleudern. Steigerungen der Produktivitaet
jedoch, einmal in dem weiteren Sinne einer weitreichenderen
Wirksamkeit der Wirtschaft als auch in dem Sinn der hoeheren
arbeitsstuendlichen Leistung des Industriearbeiter, bieten
augenfaellige und verwirklichbare Wege, das Volkseinkommen
zu erhoehen und einen Lebensstandard zu erreichen, der ein
Minimum an politischer Stabilitaet zu schaffen vermag und
zugleich die Gelegenheit, die Energien aller Franzosen fuer
die grundlegenden Loesungen ihrer Probleme zu sammeln.
Eine Betonung der Produktivitaet sollte unter solchen
ümstaenden als eine natuerliohe Entwicklung angesehen werden,
aber man darf die Tatsache nicht uebersehen, dass die wichtigsten Kraefte des Landes eher eine stabilisierte als eine sich
ausdehnende Wirtschaft erwarten. Eine Unmasse an Energie
ist aufgewendet worden, um den bestehenden Reichtum aufzuteilen und so blieb infolgedessen kaum der Gedanke an eine Verbreiterung der wirtschaftlichen Basis. Die Investitionen wurden zumeist mit oeffentlichen Mitteln in den verstaatlichten
Industrien durchgefuehrt, waehrend Privatsparmittel meist
ins Ausland gelenkt wurden, weil man kein Vertrauen in die
Zukunft der franzoesischen Wirtschaft hatte. Die industrielle
Wirtschaft wer und ist in Kartellen und Verkaufsvereinigungen
hervorragend durchorganisiert, wodurch der Wettbewerb vermindert wird und restriktive Tendenzen zu Tage treten, bei denen
der Profit auf Grund der durchgefuehrten Geschaefte in bester
Weise zur Verteilung kommt, er aber nicht vermehrt wird. Die
Vorstellung, hoehere Loehne zu zahlen, um Massenmaerkte schaffen zu koennen, wurde ueberhaupt nicht in Erwaegung gezogen.
Die Mehrzahl der Arbeiter folgte andererseits marxistisch
denkenden Fuehrern und glaubte damit eher an eine revolutionaere Neuorganisierung der Gesellschaft als an die Hoffnung, soziale Gerechtigkeit zu finden oder ein annehmbares Leben im
Rahmen einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung fuehren zu
koennen. Unter diesen ümstaenden muss eine hoehere Produktion
lediglioh zu noch hoeheren Profiten der Unternehmer und der
Manager fuehren. Die Minderheit der katholischen Gewerkschaften hat aehnliohe Plaene fuer eine grundsaetzliche Reform ausgearbeitet, weil sie gegen einen echten Wettbewerb ein tiefes
Misstrauen hat. Die Gewerkschaften konzentrierten sioh bei
ihrer Arbeit auf politische Ziele und entwickelten niemals
eine genuegende Staerke, um hoehere Loehne zu erkaempfen und
die menschliohe Arbeit zu einer kostspieligen Angelegenheit zu
maohen. Politische Parteien und aufeinanderfolgende Regierungen
- 13

\

�spiegeln diesen Standpunkt wider und ueben keinen Druck auf
die Steigerung des industriellen Wirkungsgrades aus. Die
Kraefte, die fuer die wachsende Produktion der bereinigten
Staaten verantwortlich sind, waren dadurch, dass sie sozusagen nicht vorhanden waren, geradezu auffallend.
Ein derartiger Druck existiert noch immer nicht. Aber
es mehren sich die Zeichen, dass er zu Tage tritt, auch wenn
die geschilderten Bedingungen noch weithin wirksam sind. Die
nicht zu leugnende Notwendigkeit, einen Weg zu finden, der
aus dem Labyrinth des Dilemmas herausfuehrt, hat einen fruchtbaren Boden fuer die Notwendigkeit der Produktivitaet geschaffen. Eine derartige Situation wuerde bestimmt spontan die
franzoesischen Interessen in den Jahren nach dem Krieg angespornt haben. Die Hilfsquellen der ECA-Programme fuer Produktivitaet und technische Unterstuetzung haben die natuerliche
Entwicklung vervielfacht, sie sind heute auf einem Punkt angelangt, dass sie allgemeines Interesse finden und eine Diskussion entfachen, wie sie eben geschildert wurde. Einige
der Hindernisse der industriellen Wirksamkeit haben bereits
vieles von ihrer Staerke verloren, andere werden schon heftig
angegriffen. Der Kampf wird keineswegs leicht sein fuer jene,
die neue Wege beschreiten wollen. Die Fuehrer der kommunistischen Gewerkschaften, an Kartellsysteme gewohnte Unternehmer neben anderen reaktionaeren Gruppen verfuegen noch immer
ueber Machtpositionen, sie werden jeden Veraenderungen 'Widerstand entgegenbringen, die eine Situation betreffen, in der
die eine Seite leicht neue Anhaenger gewinnen und die andere
leioht Gewinne scheffeln kann. Jeder, der hier den Mut aufbringt, neue iVege fuer den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zu entwerfen, muss Hilfe und Unterstuetzung finden,
wenn Frankreich der Demokratie erhalten bleiben soll. Es
sind bereits genuegend Schritte unternommen worden, damit
den Freunden des Fortschritts Ermunterungen gegeben werden
und ihnen die helfende Hand entgegengestreckt wird.
Die nachdrueckliche Beteiligung am ECA-Produktivltaetsprogramra war ein weiterer Schritt vorwaerts. Es folgte die
Erkenntnis eines Problems, das fuer Unternehmer, Gewerkschaften und Regierung von wechselseitigem Interesse war. Hunderte frenzoesischer Industrieller, Techniker und Arbeiter haben
gemeinsam die Vereinigten Staaten besucht, um hier die Faktoren zu studieren, die fuer die hohe Produktivitaet ihrer eigenen Industrien verantwortlich sind. Gewerkschaften, Unternehmerverbaende und die Ministerien arbeiten in der Produktivitaetskommission gemeinsam zusammen, um eine gestiegene Produktivitaet durchzusetzen. Das gleiche trifft fuer die Zusammenarbeit in der Verwaltung der Froduktivitaetszentrale zu, der
franzoesischen Vereinigung fuer erhoehte Produktivitaet. Die
Wichtigkeit dieser aktiven Arbeit wird durch die Reaktion der
Kommunisten augenscheinlich. Bencit Frachon, der Vorsitzende
der CGT, der von den Kommunisten beherrschten Allgemeinen Arbetervereinigung, fuehrte einen.scharfen Angriff"auf den Gesamtbegriff der Produktivitaet durch, als er seine wichtige
Rede auf dem Kongress dieser Gewerkschaft hielt. Die kommunistische Gewerksohaftspresse kritisiert unaufhoerlich die freien Gewerkschaften wegen ihrer Zusammenarbeit mit diesem Programm und mit den amerikanischen Gewerkscnaftern in der ECA,
die in ihrer Verwaltung taetig sind, als "servile Lakaien der
Wall-Street".
- 14 -

�Die Erfolge, die die Stalinisten fuerchten, werden durch
die Ergebnisse in einer Schuhfabrik beleuchtet, nachdem der
Unternehmer von einer Studienreise aus den Vereinigten Staaten
zurueckkehrte, die Fragen der Produktivitaet zum Thema hatte.
Naohdem die Arbeitsmethoden geaendert wurden, konnte eine
50#ige Steigerung der Leistung seiner Fabrik festgestellt werden, die es ihm erlaubte, die Loehne um £0% zu steigern und
die bisherigen Verkaufspreise zu halten, obwohl die Rohmaterial
kosten um 1556 bis 20% gestiegen waren. Von noch groesserer Bedeutung war vielleicht die Unterstuetzung, die er durch die
Regierung erhielt, als seine neue Arbeitsmethode eine ploetzliche Knappheit an umlaufendem Kapital mit sich brachte. Besondere Mittel zu niedrigem Zinsfuss wurden durch die Produktivitaetszentrale bereitgestellt, um. sehnliche fortschrittliche
Massnahmen anderer Unternehmer gleichfalls zu unterstuetz9n
und vor allem das Risiko des Zusammenbruchs zu vermeiden, weil
der Erfolg zu sohnell und zu ploetzlich kam.
Eine Vielzahl einzelner Unternehman wenden heute neue
Methoden an, um fortschrittliche Ergebnisse zu erzielen. Ein
anderer Schritt zu dem gleichen Ziel wird von der gesamten
Giessereiindustrie unternommen, die durch ihre Arbeitgebervereinigung eine intensive industrielle Leistungssteigerungsbemuehung begonnen hat. Hier werden Schulungskurse fuer Betriebsleiter, fuer die Meister und fuer die Arbeiter eingerichtet, wobei franzoesische und amerikanische Fachingenieure
beratend zur Seite stehen. Zehn Firmen haben an der ersten
Serie dieser Massnahmen sich beteiligt, viele andere werden
folgen. Die freien Gewerkschaften setzen sich nachdruecklich
fuer diese Massnahmen ein, dies hatte zur Folge, dass die
beteiligten Unternehmen zu der Ueberzeugung kamen, dass es
absolut notwendig ist, dem Arbeiter und dem Verbraucher einen
gleichwertigen Anteil an den Ertraegen der hoeheren Produktivitaet zu gewaehren. Die organisierten Unternehmer scheinen
zu fuehlen, dass sie hinter dem Interesse der Oeffentlichkeit
an der Produktivitaet zurueckgeblieben sind, es hat noch vor
kurzem eine ganze Anzahl Bestaetigungen dafuer gegeben, die
auf fruehere Vorteile hinwiesen und die bisherige Aufmerksamkeit verstaerkten, die diesem Frobleiu zuueil »vurde.
Waehrend die Mehrzahl der organisierten Arbeiter noch
immer den Funktionaeren der kommunistischen Gewerkschaften Gehoer schenkt, die alle Produktivitaetsmassnahmen als eine von
den Amerikanern inspirierte "Beschleunigung" verdammen, haben
die entschlossen kaemDfenden freien Gewerkschaften (die katholische CFTC, die CGT-FO und die CGG, der Verband der I'eister,
Ingenieure und Techniker) ihre Teilnahme zugesagt, sie arbeiten mit den verschiedenen Produktivitaetsausschuessen zusammen
und erklaeren sich mit Aenderungen einverstanden, wenn sie
ueberzeugt sind, dass die Arbeiterschaft an dem Ertrag der
gesteigerten Produktion beteiligt wird. Diese Organisationen
wurden zu den soaerksten Stuetzen der ECA in ihrem Feldzug
fuer die Weckung des Interesses fuer neue Methoden der industriellen Leistungssteigerung. Sie haben gesehen, dass ihre
Lohnsteigerungen seit dem Kriege durch die Treissteigerungen
mehr als wiederausgeglichen wurden und realisieren jetzt die
'"oeglichkeit, dies dadurch zu vermeiden, dass kuenftig hoehere
Loehne sich durch eine hoehere Produktion ergeben. Die drei
Gewerkschaften arbeiten bei diesen Bemuehungen eng zusammen,
sie haben ein gsmeinsames Forschungsbuero gegruendet, das den
Verbesserungen der Produktivitaet und ihren Methoden besondere
- 15

�Aufmerksamkeit widmet und vor allem das Wissen um die ingenieurmaessigen Zusammenhaenge fuer die Gewerkschaften zur
Verfuegung stellt, damit fuer die Arbeiterschaft ein gleichwertiger Anteil an den erzielten Mehrertraegen gesichert
werden kann»
Die ECA ist jetzt*dabei, ein neues Produktlonshilfsprogramm zu entwickeln, dessen Bestimmung es ist, den Lebensstandard und hierbei besonders den des Arbeiters zu erhoehen, indem Produktivitaetssteigerungsmassnahmen in bestimmten Werken
durchgefuehrt werden, wo eine gerechte Verteilung der Gewinne
aus der erhoehten Produktion sichergestellt ist. Die nichtkommunistischen Gewerkschaften haben diesem Programm ihre
volle Unterstuetzung zugesagt, sie haben die ersten Ankündigungen in breiten Zuegen kommentiert. Die franzoesische Presse
hat'sich im grossen ganzen gleichfalls fuer den Plan ausgesprochen, die einzigen bedeutsameren Kritiken kommen von der nationalistischen Rechten und der stalinistischen Linken. Viele
Unternehmer schrieben an die ECA-Mission in Paris, um hier
Einzelheiten ueber die Vorschlaege zu hoeren, als diese in
den Tageszeitungen und der Gewerkschaftspresse angekuendigt
wurden.
Das neue ECA Programm kann damit auf eine betraeohtliche
Unterstuetzung durch die breite Oeffentlichkeit rechnen. Dafuer sprechen bereits sehr viele Anzeichen. Vier Punkte erscheinen hierbei besonders ermutigend:
1.) Mehrere politische Parteien setzten sich fuer gesteigerte Produktivitaetsbemuehungen ein und erklaerten diese
Anstrengungen als Teil ihres eigenen Programms, was bereits
bei den letzten Wahlen zum Ausdruck kam. Eine der staerksten
Bestaetigungen erfuhr das Programm durch die MRP, die in
der neuen Koalitionsregierung vertreten ist;
2.) ein radikal-sozialistischer Deputierter, Ren€ Mayer,
hat besonderen Nachdruck auf die Loesungen einiger franzoesischer Probleme, die mit der erhoehten Produktivitaet zusammenhaengen, bei seinem erfolglosen Versuch gelegt, von der Kammer
als Ministerpraesident bestaetigt zu werden. Mayer bekleidet
jetzt einen Schluesselposten als Finanz- und Wirtschaftsminister in der neuen Regierung;
3.) die MRP hat der Kammer einen Gesetzesvorschlag unterbreitet, durch den fuer solche Unternehmen eine niedrigere
Sondersteuer und Verkaufssteuerzugestaendnisse festgelegt werden, die mit den Gewerkschaften Tarifvertraege abgeschlossen
haben, die eine Beteiligung der Arbeiter an den Ertraegen der
durch technische Umstellungen erzielten Produktivitaet vorsehen;
4.) ein betraechtliches Hindernis fuer bessere wirtschaftliche Moeglichkeiten kann beseitigt werden, wenn es dem
neuen Ministerpraesidenten Rene" Pleven gelingt, seine bekannte
Absicht zu verwirklichen und eine Gesetzgebung durchfuehrt, die
sich gegen die restriktive Praxis der Wirtschaftsorganisationen
wendet und zugleich andere Widerstaende gegen einen freien
Wettbewerb beseitigt.
Es ist moeglich, dass jeder dieser Vorschlaege nur eine
Idee bleibt und nicht verwirklicht wird. Aber von Frankreich
her gesehen bedeuten diese Prinzipien ermutigende Zeichen fuer
einen Willen, der mit neuen Mitteln eine Loesung fuer alte
Probleme sucht.
Labor and Nation 51/6
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�International«

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
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Hohes Kommission für Deutochland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
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IV - 49

Frankfurt, 7. Dezember 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Seeleute gegen Stalin wegen der Verteidigungslasten

1

Taft-Hartley-Qesetz foerdert nicht industriellen Frieden. 3
Probleme der landwirtschaftlichen Produktivitaet
Frankreichs

4

Tagung des Exekutivaussohusses des IBFG
Gleicher Lohn fuer gleiche Arbelt
Heath zum neuen Leiter der ECA-Abteilung fuer Arbeitsfragen ernannt

* .IE
13
15

SEELEUTE! GEGEN STALIN WEGEN DER VERTEIDIGUNGSLASTEN
Christoph Columbus brauchte zwei Monate, um den Atlantik
zu durchqueren, als er auf seiner Reise war, die zur Entdekkung Amerikas fuehrte. Heute benoetigt ein Flugzeug weniger
als 15 Stunden, um die gleiohe Reise zu machen. Raum und
Zeit sind unter der Wirkung der modernen Wissenschaften zusammengeschrumpft. Heute sind Europa und Asien die Pforten
Amerikas.
Als Philipp Murray, der Vorsitzende des CIO, auf dem
8. Kongress der Gewerkschaft der Binnenschiffahrt sprach, bemerkte er, dass Raum und Zeit heute ihren Begriff voellig veraendert haben. Heute liegt tatsaechlich durch die Verbesserung der Verbindungswege und der Transportmittel Europa und
Asien vor der Pforte Amerikas. Die Welt ist heute durch ein
Netz von Verbindungswegen miteinander verknuepft, wie es zuvor nie der Fall gewesen ist. Es ist also nioht erstaunlich,
- 1 -

�dass die Delegierten dieser Seeleutegewerkschaft sehr viel
Zeit den Problemen der Aussenpolitik widmen.
Aus diesem Grunde ist eine Resolution ueber die Aussenpolit"lk von dieser Gewerkschaft in New York angenommen worden,
die ein bedeutsames Dokument ist.
2s deckt die Hintergruende der gegenwaertigen Weltkrisis
auf, ist aber keineswegs irgendeine beliebige Erklaerung, die
in der ueblichen wortreichen Form der diplomatischen Sprache
gehalten ist. Sie spricht von dem, Kreuzweg der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung und sie spricht aus dem Herzen.
Die Resolution der Binnenschiffahrtsgewerkschaft macht
die Politik des internationalen Stalinismus fuer die gegenwaertigen Spannungen verantwortlich und erklaert:
"Sechs Jahre 3ind vergangen, seitdem die bewaffneten
Streitkraefte und die Kriegsmaschinerie des vereinigten nazifaschistischen und japanischen Imperialismus vernichtet wurden. Aber trotzdem gibt es heute noch keinen Frieden. An
seine Stelle sind staendige Konflikte getreten, ebenso die
Drohung bewaffneter Konflikte. In Korea gibt es sogar einen
richtiggehenden Krieg, der sich jetzt bereits, auf das zweite
Jahr erstreckt. In zahlreichen und weiten Gebieten der Welt
wird der Friede systematisch untergraben. Die Sicherheit der
Voelker ist durch offene Aggressionen oder durch Machenschaften der 5. Kolonne bedroht. In einem Land nach dem anderen
ist die Demokratie entweder zerstoert worden oder sie ist
gezwungen, ihr Leben zu verteidigen. Einzig und allein die
kommunistische Diktatur in Sowjetrussland traegt fuer diesen
tragischen und verhaengnisvollen Stand der Verhaeltnisse in
der ganzen Welt die Schuld, nur sie ist dafuer verantwortlich
zu machen.
Die Gewerkschaft fuer Binnenschiffahrt klagt dann in
ihrer Resolution Stalin an, die Ziele und Methoden Hitlers
uebernommen zu haben. Die Resolution erklaert, dass der Kreml
jeden Vorschlag, der die Abruestung oder eine wirksame internationale Kontrolle der Atomwaffen vorsieht, blockiert hat.
Sie zitiert die Grausamkeiten, die von der UdSSR und ihrer
5. Kolonne begangen wurden. Die SeeleUtegewerkschaft zollt
dann dem Heldentum der Streitkraefte der Vereinten Nationen
ihren Beifall, die die Kommunisten in Korea zurueckgedraengt
haben. Sie erklaert, dass die Opfer, die die tapferen Soldaten gebracht haben, nicht umsonst gewesen sein duerfen. Es
heisst dann wörtlich weiter:
"Das europaeische Wiederaüfbauprogramm, das im Rahmen
des LIarshall-Plans entwickelt wurde - es hat die fruehere Truman-Doktrin erweitert, dem Kommunismus dadurch Einhalt zu gebieten, indem die Demokratie und die Sicherheit ueberall unterstuetzt werden - ist verfeinert und stark ausgedehnt worden
und hat bereits ausserordentlich viel zur Staerkung der freien
Voelker Europas beigetragen.
"Das europaeische Wiederaufbauprogramm erweist sich heute
als ein einzigartig _, Beispiel fuer eine wohlgesinnte und
ohne jede Voraussetzung gegebene grosszuegige Hilfsaktion
einer Nation, die der Welt in einem Zustand dringender Not
hilft. Der CIO und die uebrige freie amerikanische Gewerkschaftsbewegung haben allen Grund, auf ihre schoepferische
- 2 -

�Rolle in der Entwicklung und der Verwirklichung dieses Programms stolz zu sein.
"Es gibt nichts geheimnisvolles oder zersetzendes bei
den umfangreichen Wiederaufbaumassnahmen, die durch die Aktion
des Marshall-Plans moeglich wurden. Wir blicken auf die Gewerkschaftsbewegung und andere wirklich demokratische Kraefte
der Nationen, die diese Unterstuetzungen erhielten, wobei wir
Wert darauf legen, dass diese Hilfsmassnahmen sich zu Gunsten
einer stabileren wirtschaftlichen Lage und eines verbesserten
Lebensstandards fuer die Buerger dieser Laender auswirken dadurch erst erfuellen wir die Ziele unserer eigenen Kation,
die Freiheit und Demokratie ueberall zu fcerdern wuenscht.
"Die Binnenschiffahrtsgewerkschaft erklaert, dass die
Drohung des Kremls gegenueber der demokratischen Zivilisation
nur durch bewaffnete Staerke aufgehalten werden kann. Infolgedessen ist die Verteidigungsruestung den uebriggebliebenen
freien Nationen regelrecht aufgezwungen worden. Die CIO-Gewerksohaften setzen sich fuer den Nordatlantik-Pakt ein und
begruessen ihn. Sie werden dafuer sorgen, dass die amerikanische Arbeiterschaft ihren vollen Anteil an der gemeinsamen
Verantwortlichkeit uebernimmt. Sie warnt zugleich davor, dass
durch einen Kurswechsel der Taktik des Kremls die freie Welt
vor gewissen Schritten zurueckgeschreckt wird, die durch den
bisherigen Lauf der Din&amp;e gewaehlt werden mussten. Sie verdammt die kommunistische Propaganda, einen Hass des Krieges
dadurch erreiohen zu wollen, indem man von einem einseitigen
scheinbaren Friedensmanoever oder von einem zweitrangigen
"friedlichen Nebeneinander" spricht. Dies beweist lediglich,
dass das russisohe Volk ebensosehr das Opfer der kommunistischen Aggression geworden ist wie die uebrige Welt."
Die Resolution, die auf dem Kongress der Binnenschiffahrtsgewerkschaft einmuetig angenommen wurde, beendet ihre Feststellungen mit den Worten:
"Wir unterstuetzen die Anstrengungen unserer Regierung
und der Vereinten Nationen, um das Punkt-Viar-Programm wirksam durchzufuehren, die Fortsetzung der Verteidigungsruestungen gegen die sowjetischen Aggressionen und die Verankerung
eines Programmes auf breiter Basis zur Verbesserung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhaeltnisse. Wir fordern dies in dem Bewusstsein, dass jede Verteidigung ohnewirtschaftliche Sicherheit und politische Freiheit unzureichend
ist. Wir fordern die Regierung auf, sich dafuer einzusetzen,dasa
diese sehr schwierigen Aufgaben geloest werden, wobei die
Versicherung abgegeben wird, dass die Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten die Entschlossenheit, die Kuehnheit, den Mut
und den Glauben an demokratische Ideale haben, durch die
eines Tages der Erfolg erreicht wird."
Program Services Section
Labor Special Nr. 186
TAFT-HARTLEY-GESETZ FOERDERT NICHT INDUSTRIELLEN FRIEDEN
Ein fuehrender Experte der amerikanischen Regierung erklaerte, "duroh das Taft-Hartley-Gesetz sind die Spannungen
in den industriellen Wechselbeziehungen nicht vermindert,

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�sondern tatsaeonlioh haeufigere Ursachen zu Kontroversen gegeben."
Gustav Peck, ein Experte fuer Arbeitsfragen mit langjaehriger Erfahrung, der in der Kongresgbibllothek taetig ist,
sagte vor dem Unteraussohuss des Senats fuer Arbeitsfragen,
die Zahl der Streiks sei seit 1947 zurueokgegangen, "was auf
eine Vielzahl von Paktoren, aber am wenisten auf das TaftHartley-Gesetz zurueckzufuehren sei."
"Wenn das Taft-Hartley-Gesetz auch viele Praktiken des
Tarifverhandlungswesens festgelegt und zahlreiche Probleme
in Verbindung mit TarifVertragsbestimmungen geloest hat, so
hat es doch anscheinend nicht die Spannungen in den industriellen Wechselbeziehungen vermindert oder eine glattere Beilegung der Probleme erwirkt, die Gegenstand der Verhandlungen zwisohen Gewerkschaften und Unternehmern bilden." Peck
brachte diese Auffassung in einem schriftlichen Sonderbericht
an den Unteraussohuss des Sonata zum Ausdruck.
"In Wirklichkeit kann man behaupten, dass die Abgeneigtheit einiger Gewerkschaften und Unternehmer, gewisse Bestimmungen des Taft-Hartley-Gesetzes zu akzeptieren, und die
Streitigkeiten, die sich in Zusammenhang mit der Bedeutung
und dem Zweok anderer Bestimmungen ergeben haben, die Ursachen zu Kontroversen vermehrt haben."
Peck berichtete, selbst gewerksohaftsfeindliche Volkswirtsohafter seien sich darueber einig, dass den Gewerkschaften die Erhoehung der Leistungsfaehigkeit der Industrie zu
verdanken ist, und dass "man sich praktisch allgemein darueber im Klaren sei, dass die Tarifverhandlungsform bestehen
bleiben muss." Streiks und Streikdrohungen wuerde es solange
geben wie es TarifVerhandlungen gibt, und gelegentliche oder
vereinzelte Arbeitsunterbrechungen seien einer Erhaltung
des "Friedens unter allen Umstaenden" vorzuziehen.
Pecks Bericht an den Unteraussohuss des Senats trug
den Titel "Faktoren des erfolgreichen Tari&amp;erhandlungswesens".
Der Vorsitzende des Ausschusses,Hubert H. Humphrey (Demokrat,
Minnesota), unterbreitete diesen Bericht dem Kongress mit
dem Bemerken, es handele sich um eine "den Tatsachen entsprechende Studie, deren Feststellungen natuerlich weder fuer
den Unteraussohuss noch fuer irgendeinen Senator verpflichtend
sein sollen."
Daily News Service
. XI/28/51
Henri Brousse:
PROBLEME DER LANDWIRTSCHAFTLICHEN PRODUKTIVITAET FRANKREICHS
Man hat bereits sehr viel ueber die Vorteile eines Ansteigens der Produktivitaet in der landwirtschaftlichen Produktion berichtet. Wenn man die gleiche Zahl an Produktion
mit weniger Arbeits:, «unden einbringen kann, so lassen sich
dadurch die Kosten der Produktion herabsetzen, d.h. also,
die Entlohnungsmoeglichkeit der menschlichen Arbeit waechst
und' demzufolge auch der Wohlstand in der Landwirtschaft.
Aber dies setzt voraus, dass die Preise, die beim Verkauf
erzielt werden, nicht von sich aus fuehlbar absinken,
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�d.h., dass man nicht vor einem Markt mit Baisse-Tendenzen
stehen darf. Es waere unnuetz, die Landwirte zu ueberzeugen,
dass es notwendig ist, sich mit besseren Geraeten auszumästen, um sich auf eine bessere Rendite vorzubereiten, wenn
das Missverhaeltnis der Preise das Resultat ihrer Modernisierungsbestrebungen zunichte macht und die von ihnen getragenen Opfer, um sich mit besseren Maschinen zu versorgen, unnuetz blieben.
Das hier gestellte Problem laesst zwei Loesungen zu:
Entweder eine Erhoehung der Produktivitaet ohne eine Erhoehung
der Produktion, oder aber eine Erhoehung, die Produktivitaet
und Produktion gemeinsam umfasst, was jedoch voraussetzt, dass
neue Kanaele gefunden werden, um den Produktionsueberschuss
aufzusaugen, sei es durch erhoehten Verbrauch, sei es durch
Export.
Vor dem Jahr 1938 hatte Frankreich sich fuer die erste
Loesung entschieden. Vom Standpunkt des Produzenten landwirtschaftlicher Gueter aus gesehen kann man sagen, dass
Prankreich sozusagen unter einer Glasglocke lebte. Um die
Binnenpreise aufrecht zu erhalten, leitete man einen Teil
der Ernte ab, indem man sie destillierte oder fuer den menschlichen Gebrauch unverwendbar machte. Man konnte damals nicht
exportieren, weil die Produktionskosten wesentlich ueber den
Weltmarktpreisen lagen.
Um aus dieser Situation herauszukommen, mussten die Kosten der Produktion herabgesetzt werden, d.h. man musste
sioh besser ausruesten. Aber die Gewinnspanne war so gering wenn sie ueberhaupt vorhanden war - dass irgendwelche Neuanschaffungen, die eine Erhoehung der Produktivitaet gestattet
haetten, einfach nicht in Betracht gezogen werden konnten.
Man befand sich somit in einer Zwickmuehle, aus der
einfach kein Aufweg gefunden wurde. In dem Masse, wie die
Ertraege sich vergroesserten, verminderte sich die Ackerbauflaeohe. Waehrend es im Jahre.1892 noch 25 Millionen Hektar
Ackerland gab, waren es 1939 nur noch 20 Millionen, 1950 dagegen gerade noch 18,5 Millionen Hektar. Die ungenutzte
Flaeohe vergroesserte sich dementsprechend. Alles in allem
hat die Intensivierung der Kulturarbeiten auf gutem Boden
zur Folge gehabt, dass eine Abnahme mittelmaessigen Bodens
sioh durchsetzte, so dass dadurch ein ungefaehres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erzielt wurde.
Diese Situation eines theoretischen Gleichgewichtszustandes ist jedoch tatsaechlich aeusserst unbequem. Die
Veraenderlichkeit des Verbrauchs ist so gross, dass der geringste Ueberschuss sich in katastrophalen Baissen fuer den
Landwirt auswirkt, auf der anderen Seite aber die geringste
Mindererzeugung zu Preishaussen fuehrt, die jedoch wiederum
von Inflationen begleitet werden, die selbstverstaendlich
fuer die Gesamtwirtschaft schaedlich sind.
Eine Situation, die auf der einen Seite staendig die
Merkmale eines Defizits und einer Importnotwendigkeit und auf
der anderen Seite eine staendige Exportneigung aufweist,
soheint alles in allem ein geringeres Risiko mit sich zu
bringen, als ein unsicheres Gleichgewicht.
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�Technisch gesehen ist es leicht, die franzoesiscne landwirtschaftliche Erzeugung um 50%, vielleicht sogar um 100$
zu erhoehen. Die Mittel dazu sind vorhanden. Erinnern wir
uns nur des franzoesischen Verbrauchs an Stickstoffduengemitteln, die, in Stickstoffeinheiten gerechnet, etwa 8,4 kg
pro Jahr und Hektar betragen, waehrend es in Belgien 40 kg
und in Holland 50 kg sind.
Das wirkliche Problem ist somit kein rein technisches.
Es handelt sich in erster Linie um ein Problem der Methodik.
Diese Methodik existiert selbstverstaendlich. . Die westeuropaeischen Laender, die unmittelbare Nachbarn Frankreichs
sind, haben - von Skandinavien abgesehen - eine sehr dichte
Bevoelkerung und ein unzureichendes Ackerland. Sie sind fast
durchweg Dßtizitlaender, wenn man den Masstab der Versorgung
mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen an sie legt. Sie koennen heute nicht mehr wie vor dem Kriege Lebensmittel aus
Ungarn, Rumaenien, Ostdeutschland und Polen importieren.
Sie muessen heute auf Importe aus ferner liegenden Laendern
zurueckgreifen und diese in harterttaehrungbezahlen, was
sie uebrigens ohne die Marshallplanh4,lfe nicht tun koennten.
Die franzoesischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse wuerden
uebrigens bei einem Import den Vorteil bieten, dass zumindest die Transportkosten weit geringer sind.
Die Verteidigung des Friedens bringt eine wachsende Nachfrage nach ügrarerzeugnissen mit sich. Nicht allein, dass
das Ivlilitaer einen hoeheren Verbrauch hat als Zivilpersonen vor allem an Fleisch - es muessen darueber hinaus fuer die
Armee Reservelagor angelegt werden. Die Verteidigungsbemuehungen sind bereits auf den Nahrungsmittelfcedarf der Vereinigten Staaten angewachsen und habea dadurch die Exportmoeglichkeiten der typischen Ueberschusslaender vermindert. Die verfuegbaren agrarischen Exportgueter in Argentinien und Australien sind heute begrenzt durch die ^.rhoehung des inlaendischen
Verbrauchs. Der wachsende Importbedarf Indiens konkurriert
ebenfalls mit den Laendern Westeuropas.
Frankreich ist aber durchaus in der Lage, eine Hauptrolle
als Ausgleichsfaktor fuer die Nahrungsm ittelversorgunp; Europas
zu spielen. Man muss aber die jetzige Methodik der Angebote
der franzoesischen Landwirtschaft in eino wirkliche Methodik
ueberfuehren, um die Landwirte von der Notwendigkeit der Mehrproduktion zu ueberzeugen und ihnen zugleich die Zuversicht zu
geben, dass sie bessere Erloese erzielen: nur des haelt sie
von der Zoegerung zurueck, notwendige Investitionen durchzufuehren. Besser waere es natuerlich, den glatt.en Absatz ihrer
Erzeugung zu garantieren.
Die Laender Westeuropas sind mehr oder minder durch den
Krieg zugrundegerichtet, wobei es sich in erster Linie vor
allem um Westdeutschland und Italien handelt.. Aber sie koennen ihre Lebensmittelimporte bezahlen, sie muessen es sogar,
sei es, dass sie einen Teil ihrer 1/Iarshallplanhilfe dabei
opfern, die eigentlich dem Wiederaufbau der deutschen Industrie zugute kommen sollte und die sie deshalb nicht im vorgesehenen Kasse durchfuehren koennen, sei es, dass sie ihre
Nahrungsmittelimporte dadurch bezahlen, indem sie Industriegüter exportieren. Die franzoesische Industrie kann dieser
Konkurrenz auf dem franzoesischen Binnenmarkt begegnen, wobei
sie im Gegensatz zur allgemeinen Meinung an einem Tiefstand der
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�Preise fuer Agrarerzeugnisse deshalb interessiert ist, weil
eine Erhoehung der Kaufkraft des Arbeiters dadurch ermoeglicht wird, dass also Lohnerhoehungen zu einem erheblichen
Teil verhindert werden.
Die franzoesischen Landwirte haben damit die Wahl zwischen einer Politik der Steigerung ihrer Produktion und
einer Politik, die auf das Risiko der NichtUnterbringung
eines Teils der Ernte Ruecksicht nimmt.
Vom Standpunkt der Industrie laesst sich hierauf manches antworten. Hierzu gehoert vor allem die Feststellung,
dass die franzoesische Landwirtschaft durchaus exportfaehig
sein koennte. Dadurch gaebe es gesteigerte Moeglichkeiten,
franzoesische Industriepordukte zu kaufen. Unter Beruecksichtigung der Verteidigungsruestungen, die jetzt in Europa
durchgefuehrt werden muessen, scheint es der Industrie jedoch
nicht an Auftraegen zu mangeln. Wenn die Agrarproduktion
gesteigert werden kann, so wuerde Frankreich in der Lage
sein, die Lieferung solcher Produkte sich zu sichern, die
heute seiner Industrie fehlen, und dadurch eine Reihe wesentlicher Engpaesse beseitigen, wie sie z.B. beim Huettenkoks bestehen. Schliesslich muss darauf hingewiesen werden,
dass der Devisenausgleich nicht notwendigerweise immer nur
zwischen zwei Laendern zu erfolgen hat, sondern dass dieser
Austausch sich auf drei oder vier Laender erstrecken koennte,
die gleichfalls an Frankreich liefern oder von Frankreich
beziehen. Durch diesen multilateralen Ausgleich waere es
moeglich, solche Gueter zu importieren, an denen Frankreich
heute Mangel hat, wie z.B. Leinen, Holzschliff, Zellulose,
anstatt Fertigprodukte einzufuehren.
Um jedoch sich eine staendige Auslandskundschaft zu
schaffen und um diese sich zu erhalten, muss man selbstverstaendlich immer auf dem Markt Angebote angeben. Man kann
sich keine Kunden sohhffen, wenn man lediglich einen sich
vielleicht ergebenden Ernteueberschuss erhofft; wobei der
Binnenmarkt jedoch stets in gleicher Hoehe beliefert werden
soll. Darueberhinaus ist jedoch das Problem der Qualitaetskontrolle von besonderer Wichtigkeit. Wenn man diesen
Iv'oeglichkeiter: sich nicht verschliessen will, so muss man
selbstverstaendlich erstklassige Gueter exportieren.
In den freien Laendern, d.h. in jenen, die nicht einer
totalen Lenkung unterworfen sind, kann man nicht verlangen,,
dass die Landwirtschaft sich in Dichtung einer Erhoehung der
Produktion bewegt, damit der Ueberschuss exportiert werden
kann, wenn hierbei keine Gewinne moeglich sind. Man sollte
hierbei jedoch auch daran denken, dass England z.B. fuer
zwei Jahre im voraus zu festen Preisen abgeschlossen hat.
Es konnte dies tun, denn es verfuegt ueber eine verhaeltnismaessig stabile Waehrung, und der Absatz auf dem Binnenmarkt
ist immer ein absolut sicherer. In Frankreich ist das Proolem
nicht das gleiche. Die Regierung kann in dieser Richtung
nichts unternehmen. Es gibt keine Preisgarantie, die wirksam
genug ist, wenn sie nicht von einer Abnanmegerantie begleitet
ist, und es kann keine solche Abnahmegarantie geben, solange
man nicht mit anderen europaeischen Maerkten in Verbindung
steht. Um dies zu erreichen, muessen die Produktionskosten
heruntergeschraubt werden, d.h. also, die Produktivitaet muss
erhoeht werden.
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�Seit einiger Zeit sind die Preise faer Industrieerzeugnisse sehr viel schneller angestiegen, als die Preise fuer
landwirtschaftliche Produkte. Wenn man fuer 1949 als Preisbasis 100 setzt, so zeigt der-Index fuer Indüstriegueter bereits fuer Mai 1951 einen Stand von 164, waehrend der Index
fuer Agrarerzeugnisse erst auf 123 gestiegen ist. Die Landwirte muessen daher einen sehr viel groesseren Anteil an
Agrarerzeugnissen liefern, um die unentbehrlichsten Indüstriegueter zu kaufen, seien es Kunstduenger, Masohinen, Geraete
oder Wagen. Hieraus geht bereits hervor, wie ausserordentlich
schwer Investierungen zu Gunsten einer Steigerung der Agrarproduktion heute sind.
Prankreich kommt bei seiner landwirtschaftlichen Exportpolitik in Bezug auf Grundnahrungsmittel, wie Getreide, Fleisch
und Molkereiprodukte in Wettbewerb mit den grossen Farmen
Nord- und den Haziendas Suedamerikas, die zwar auf extensiver
Basis arbeiten, aber trotzdem in preislicher Hinsicht mit
der Intensiven Agrarwirtsohaft Nordamerikas konkurrieren koennen. Zu gleicher Zeit gibt es dort ein verhaeltnismaessig
hohes Niveau des Lebensstandards, d.h. die dortigen Verhaeltnisse stehen in starkem Gegensatz zu den Bedingungen der
franzoesischen Landwirtschaft. Es gibt jedoch fuer Frankreich
keine andere Loesung als ein Heraufschrauben der Produktivitaet.
Man muss endllfh aus dem Stadium der Selbstgenuegsamkeit herauskommen und zu einem halb-industriellen Wirtschaftssystem gelangen, wobei - selbst wenn man die bisherige Arbeitweise
der franzoesischen Agrarwirtsohaft beibehalten will - man
doch zu einer grundlegenden Aenderung der Strukturverhaeltnisse gezwungen ist.
Bei einer Betrachtung der Situation wird man zuerst die
Zahl der landwirtschaftlichen Gueter herabsetzen muessen.
Hierbei sollen jedoch die besonderen Kulturen wij.Weine,
Fruechte, Baumschulen und Blumen ausser Betracht bleiben.
R. Dumont, ein agrarpolitischer Experte, ist der Meinung, dass
die Mannigfaltigkeit der klassischen Agrarkulturen abgeschafft
werden mues-fdie darauf beruht, saemtliche Nahrungs- und Futtermittel selbst zu produzieren. Es reicht vom Ertrag aus gesehen durchaus, wenn eine Familie ein Gebiet bearbeitet, das bis
zu 30 Hektar heruntergeht. Dieses Minimum ist in den Gebieten
des Gemueseanbaus restlos erreicht worden, wie z.B. in der
Champagne, die ausserordentlich geeignet ist fuer den Gemueseanbau. Dieses Minimum ist jedoch noch sehr weit entfernt von
dem zweckmaessigsten Durchschnittsmasse das erforderlich ist,
um hier moderne Geraete einzusetzen, wie sie beim Gemueseanbau
erforderlich sind, wenn dieser sich auf mehrere 100 Hektar erstreckt.
Frankreich kultiviert heute 134 Millionen Hektar, die jedoch alles in allem nicht mehr als eine Million Landwirtschaftsbetriebe bilden sollten. Heute zaehlt man jedoch noch immer
zwei Millionen. Die Abschaffung von einer Million landwirtschaftlicher Betriebe ist unter allen Umstaenden erforderlich.
Sie ist ebenso notwendig wie eine Verminderung der Handarbeit
in der Landwirtschaft. Nicht notwendig ist jedoch eine weitgehende Entvoelkerung der landwirtschaftlichen Betriebe, denn
ein Teil der Handarbeit kann in den kleineren Betrieben eingesetzt werden, um hier bestimmte Produkte zu gewinnen und um
gleichzeitig die Voraussetzungen zu schaffen, eine Qualitaetssteigerung zu erzielen, die fuer den Export unerlaesslich ist.
Hierzu gehoert die Einrichtung moderner Molkereien, von Kuehl- 8 -

�anlagen, Einrichtungen von Sohnellgefrierbetrieben und schliesslich von Konservenfabriken.
Weiter fordert die Umgestaltung der franzoesischen Landwirtschaft - schon um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden eine Wirtschaft der Expansion. Natuerlloh haengt diese Wirtschaft, wenn sie sich weiter ausdehnen soll, damit zusammen,
dass die Kaufkraft erhoeht werden muss, d.h. also eine Steigerung der Produktivitaet auf allen Gebieten, also sowohl in
der Industrie als auch im Gewerbe wie erst recht in der Landwirtschaft.
Das Anwachsen der Produktivitaet macht eine Aenderung
der landwirtschaftlichen Struktur erforderlich. Die Abschaffung der alten innergebietliohen Zollschranken und vor allem
die Entwicklung der Transportmittel haben die Landkarten der
Kulturen stark veraendert. Wenn man jedoch in internationalem
Rahmen produzieren will, dann muss die franzoesische Landwirtschaft die Produktion so entwickeln, dass es aus seiner klimatischen Lage groessere Vorteile zieht und alle jene Anbauerzeugnisse fallen laesst, die die Voraussetzungen nicht erfuellen. Eine gesteigerte Produktivitaet erfordert somit eine
Spezialisierung.
Die landwirtschaftliche Produktion hat sich bisher im
grossen und ganzen - wenn auch nicht Immer - nach den erzielbaren Preisen ausgerichtet. Diese Politik des Protektionismus
neigte zu sehr dazu, die jetzige landwirtschaftliehe Struktur
in die Zukunft zu retten und die so notwendige Reform zu
verzoegern. R. Dumont erklaert in diesem Zusammenhang: "Die
Methoden dieses Protektionismus trugen haeufiger zu einer kuenstliohen Beibehaltung der kleinen Bauernhoefe und damit zu einer
Steigerung des Verbrauchs bei und weniger zu einer Modernisierung der Ausruestung. Man konzentrierte sich vor allem auf
fruohtbare Gebiete, die durch ihren hoeheren Ertrag beguenstigt waren, waehrend die Investierung von Kapital vor allem
in aermeren Gegenden notwendig gewesen waere."
Durch andere protektionistische Massnahmen werden die
Kulturen reioher Anbaugebiete geschuetzt (Rueben, Wein, Most),
naemlich durch die Umwandlung unverkaeuflieher Ueberschuesse
in Alkohol, fuer die der Staat einen hohen Preis bezahlen
muss, die er jedooh nicht unter 60 # des Einkaufspreises absetzen kann. Die Milliarden, die auf diese Welse verausgabt
werden, sind in Wirklichkeit getarnte Subventionen zugunsten
solcher Kulturen, die kaum zwei Millionen Hektar von insgesamt
34 Millionen Hektar Anbauflaeche umfassen. Die sozialen und
politischen Ursachen, die diese Massnahmen erforderlich gemacht haben, behindern einen Fortschritt der Produktivitaet
und zwar nicht nur, weil die Vergeudung von Reichtuemern durch
Destillierung vom wirtschaftlichen Standpunkt aus unvernuenftig ist, sondern weil sie auch dazu beitragen, die Produktion
von alkoholliefernden landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu
erhalten.
Die Bodenflaeche, die fuer den Ruebenanbau geeignet ist,
ist sehr begrenzt, was fuer die betreffenden Landwirte ein
wirkliches Privileg bedeutet. Das wichtigste Argument, das
zugunsten der Erweiterung des Zuckerruebenanbaus angefuehrt
wird, ist, dass die intensive Bearbeitung des Bodens, die erforderlich ist, und die dank des Zucker- und Alkoholpreises
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�gebuehrend belohn wird, eine wesentliche Steigerung des Ertrags bei solchen Kulturen zur Folge hat, die den Zuckerrueben in der Frucht folgen. Die Saeuberung des Bodens von Unkraut ist heute oh'ne wiederholtes Jaeten und Kacken durch
einfache Bestreuung mit chemischen Pulvern moeglich. Versuche haben gezeigt, dass Ytoizen, der unter gleichen Bedingungen
auf umgepfluegten Luzernfeldern angebaut wird, dieselbe Ertragsfaehigkeit hat wie auf Boeden, die vorher Zuckerrueben
trugen.
Die Unterstuetzung der Landwirtschaft muss sich hauptsaechlich auf 3oeden mittlerer Guete und auf gute Boeden,
die schlecht ausgenutzt sind, erstrecken.
Bei zu armen 3oeden sollte nur dann Geld investiert werden, wenn sie infolge eines Fehlers ertragsarm sind, der ohne
uebermaessige Ausgaben beseitigt werden kann. Auf diese Weise
ist das Gebiet der Limousin durch die Anwendung von Kalk in
ein verhaeltnismaessig wohlhabendes Landwirtschaftsgebiet umgewandelt worden. Auf jeden Fall muessen mittelmaessige Bodensorten so gut wie moeglich ausgenutzt werden.
Das Gleiche gilt fuer zu abschuessige Anbeuflaechen,
die hier und da noch gepflegt werden. R. Duxriont nennt an dieser Stelle die Landschaft der Br'iangonnais, wo zur Bearbeitung
eines Hektars noch tausend Arbeitsstunden notwendig sind.
Stark abschuessige Bodenflaechen muessen bewaldet oder als
Weideland benutzt werden.
Ausser den grossen Guetern im Soissonnais, die 200 bis
800 Hektar umfassen, weitgehend motorisiert und mit modernen
Maschinen gut ausgeruestet sind, und den Gebieten des Vivarais
oder den halbverlassenen weiten Flaechen der Causses, gibt
es in Frankreich viele Gegenden, wo der Ackerboden von mittlerer ^ualitaet und zuweilen sogar reich aber schlecht bearbeitet ist, wie z. B. das Tal der Garonne .
Im Bezirk Cavaillon hat sich seit 1880 eine rapide Vorwaertsentwicklung vollzogen, und an die Stelle des Spatens
ist der Traktor getreten. Man hat die alten Kulturen aufgegeben und sicn dem Anbau von Gemuese, Tomaten und Melonen
gewidmet. Die Mentalitaet des Bauern ist dort die eines Pioniers, der unaufhoerlich neue Moeglichkeiten ins Auge fässt;
im Gegensatz hierzu faellt der Suedwesten Frankreichs, der sich
nicht entwickelt hat, staendig mehr ab. Indem man die notwendigen Entwicklungen in rueckstaendigen Gebieten, die gute
natuerliche Bedingungen bieten (Boden und Klima), vorantreibt,
kann man die Produktivitaet in ungeheurem Masse steigern.
Moderne landwirtschaftliche Maschinen sind sehr teuer.
Eaeufig erfordern sie den Bau von Hallen zu ihrer Unterbringung. Aber abgesehen von diesen kostspieligen Investierungen
gibt es eine ganze Anzahl billigere Moeglichkeiten, von denen
man erwarten kann, dass sie entweder eine wesentliche Steigerung des Ertrags zustandebringen oder den Arbeitsaufwand verringern, d.h. also in beiden Faellen die Produktivitaet steigern.
Die Verwendung von gutem Saatgut erfordert keinerlei zusaetzliche Arbeit. In dieser Beziehung bleibt noch viel zu
tun uebrig. Der Anbau von Mais zur Gewinnung des Maiskorns
bringt in Frankreich einen durchschnittlichen Ertrag von 15
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�Doppelzentnern. Dank der Verwendung von veredeltem HybridenSäatmais betraegt der Durchschnittsertrag im amerikanischen
Staate Jowa heute 40 Doppelzentner. Die erzielte Steigerung
des Ertrags betraegt mehr als 33 %.
In Frankreich werden natuerliche Weideflaechen häufig
sich selbst ueberlassen, nur selten und in ungenuegender Menge
wird Kunstduenger verwendet. Man koennte den Ertrag der Boeden durchschnittlicher Guete zumindest verdoppeln, wenn man
die englische Methode der "zeitweiligen Wiesen" anwenden wuerde.
Durch Kalkgaben koennte man den Prozentsatz solcher Graaser
erhoehen, die fleisch- und milchbildend sind. Diese "zeitweiligen Wiesen" werden etwa alle acht Jahre neu eingesaet, wobei
die Saatmischung fruehe Grassorten fuer den Fruehling und spaete
fuar den Herbst enthaelt, um auf diese Weise die V/achstuiusPeriode des Grases und damit die Zeit der Verwendungsfaehigkeit als
Weideflaeche zu verlaengern.
Man sieht noch heute in dem meisten franzoesischen landwirtschaftlichen Gebieten Kinder, die den ganzen Tag Vieh hueten, anstatt zur Schule zu gehen. DÜese Zeitverschwendung
koennte durch Anlegung von Weidezaeunen vermieden werden.
Diese Zaeune, durch die die Wiesen in kleinere Weideplaetze
eingeteilt werden, die sich staendig verschieben lassen, ermoeglichen es, dem Vieh Immer frisches und vitaminhaltiges
Gruenfutter zu bieten.
Die Konservierung des Heus geschieht unter Anwendung der
bekannten Methode des "Heumachens", die viele Arbeitskraefte
erfordert, und bei der das Gras nicht in zu gruenem Zustand
geschnitten werden darf. Das Heu, das zum Teil schon vertrocknet ist, ist schwerer zu verdauen und bildet bei der Verdauung
vor allem Zucker. Es eignet sich fuer Arbeitstiere, aber
nicht fuer Vieh, das Fleisch und Milch liefern coli. Es
braucht junges Gras, das reich ist an Eiweisstoffen. Es gibt
Heusilos, die fuer mittlere und selbst kleinere Bauernhoefe
gedacht sind, waehrend die Turmsilos, wie man sie in Amerika
kennt, den sehr grossen Guetern vorbehalten bleiben. Trotz
ihrer ungeheuren Vorteile (Produktivitaetserhoehung um mindestens ein Drittel) ist die Methode der Heukonservierung in
Silos, die allgemein angewendet werden sollte, abgesehen von
sehr fortschrittlichen Landwirtschaftsgebieten, noch nicht
sehr weit verbreitet.
Man kann es sich in Frankreich nicht leisten, die wichtigste Humusquelle, die zur Erhaltung" der Ertragsfaehigkeit des
Bodesn unentbehrlich ist, naemlich den natuerlichen Dung, verlorengehen zu lassen. Und doch wird dieser natuerliche Doflg
nur schlecht ausgenutzt infolge der Verluste in den Stallungen
und auf dem Dunghaufen, die durch das Entweichen von Ammoniak
im Sommer und durch die Auswaschung der Haufen durch Regen
entstehen. Der Bau von betonierten Dung- und Jauchegru/ben
stellt eine einmalige Geldauslage dar, die sich durch eine Steigerung des Ertrags um 20 bis 30 % bezahlt macht.
Das Verfahren der kuenstlichen Befruchtung findet immer
groessere Verbreitung und wird sich sehr bald durch einen gesteigerten Ertrag an Fleisch und Milch bemerkbar machen, weil
sie progressiv das Gros des Viehbestands auf das TÜveau der
ausgesuchten Zuchttiere bringt» Aber die rationelle Ernaehrung
des Viehbestandes bleibt noch dem groes^ten Teil der Viehzuechter unbekannt. Die Verschwendung wichtiger Futterstoffe,
11 -

�die- sich hieraus ergibt, ist unuebersehbar.
Kommen wir schliesslich zu dem Begriff der zeitlichen
und raeumlichen Einteilung der landwirtschaftlichen Arbeit,
durch die es moeglich ist, die infolge unguenstiger Witterung bisher nutzlose Zeit wirksam auszunutzen und Transportschwierigkeiten soweit wie moeglich zu beseitigen. Manchmal
kann ein einfacher Wanddurchbruch eine Ersparnis von Hunderten von Arbeitsstunden jaehrlich bedeuten. Die Befoerderung,
das Gehen und Kommen nehmen ueberall viel mehr Zeit in Anspruch
als die produktive Arbeit selbst. Diesen Zeitverlust zu reduzieren, hat sich das franzoesische"Institut fuer Wissenschaftliche Organisation der Landwirtschaftlichen Arbeit" (I.O.S.T.A.)
zur Aufgabe gemacht.
Dieser kurze Deberblick genuegt., um die Vielseitigkeit der
Gebiete zu zeigen, in denen die systematische Forschung nach
der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivitaet zur
Anwendung kommt, in denen aber die mit finanziellen Schwierigkeiten verbundenen Neuerungen nicht einmal beruecksichtigt
sind, wie sie etwa die Mechanisierung der Landwirtschaft darstellt. Man wird sich besser ein Bild von der Bedeutung einer
Reduzierung der Produktionskosten und der besseren Verteilung
der Lebensmittel machen koennen, wenn man ueberlegt, dass die
grosse Masse der Lohnempfaenger 50% ihres Einkommens fuer
den Kauf von Lebensmitteln verwendet., Wenn man diesen Prozentsatz auf 30% reduzieren koennte, wuerden die freigewordenen
20% der Bau- und Nahrungsmittelindustrie riesige Moeglichkeiten erschliessen, durch die wiederum neue Tueren geöffnet würden.
Der Modernisierung der Landwirtschaft und der fuer sie
arbeitenden Industrien haette in dem Monnet-Plan mehr Beachtung geschenkt werden muessen, denn hiervon ist zum grossen
Teil der Aufschwung der gesamten Wirtschaft Frankreichs abhaeng ig.
Die Moeglichkeiten zur Steigerung des Ertrags der landwirtschaftlichen Arbeit sind zahlreich und nicht immer kostspielig. Es handelt sich lediglich darum, sie der Oeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen. Die franzoesischen Bauern
und zumindest die juengeren sind in geringerem Masse Gewohnheitsmenschen, als man es sich vorstellt. Noetig ist jedoch,
dass man sich mit ihnen beschaeftigt und ihr Vertrauen gewinnt.
Die Behoerden, deren Aufgabe es ist, an die Allgemeinheit heranzutreten, sind in Frankreich jedoch unglaublich arm an Personal, die ihnen gewaehrten Kredite sind unbedeutend. Was vermoegen jedoch Studien und Forschungen auf dem Gebiete der
landwirtschaftlichen Produktivitaet, wenn ihre Verallgemeinerung nicht die Bruecke zum Praktischen schlaegt?
RAPPORTS
France-Etats Unis Xl/51
TAGUNG-DES EXEKUTIVAUSSCHUSSES DES IBFG
Auf dieser Tagung wurden mehr als eine Million neuer Mitglieder aus vier Kontinenten in den,IBFG aufgenommen, wodurch
sich die Gesamtmitgliederzahl auf annaehernd 55 Millionen erhoeht. Die groesste der neuen Mitgliedsorganisationen ist der
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�Australische Gewerkschaftsbund mit 800.000 Beitragszahlern.
Als Vertreter des Gebietes Australien-Neuseeland im Exekutivausschuss des IBFG fungiert Albert Monk, der Vorsitzende des
Australischen Gewerkschaftsbundes. Zu den anderen, neuaufgenommenen Gewerkschaften gehoeTen: die Italienische Arbeiterunion UIL, der Gewerkschaftskongress von Singapur, der Gewerkschaftsbund von Britisch-Guyana, der Gewerkschaftsbund von
Ekuador und sechs kleinere Gewerkschaftsgruppen aus Trinidad.
Der IBFG-Vorsitzende Sir Vincent Tewson vom britischen
Gewerkschaftsbund TUC und der Generalsekretaer J". H. Oldenbroek
teilten mit, dass fuer regionale Organisationsarbeiten in notleidenden Gebieten ein Fonds in Hoehe von 700.000 Dollar fast
vollstaendig aufgebracht sei. Der kanadische Gewerkschaftsbund CCL sei hieran mit 6.000 Pfund beteiligt, der britische
TUC mit fast 100.000 Pfund, der amerikanische CIO mit 100.000
Dollar, der Anteil des oesterreichischen Gewerkschaftsbundes
betraegt 10.739 Pfund Sterling.
Aufwendungen fuer Organisations- und Erziehungsprojekte
in einer Gesamthoehe von 100.000 Pfund wurden ebenfalls genehmigt. In Asien wird ein Regionalbuero eroeffnet und Organisatoren werden fuer verschiedene Zeitspannen nach Japan, Korea
und Indochina entsandt werden. Auch ein in Accra fuer Westafrika zu eroeffnendes Buero und Projekte in Nord- und Ostafrika, Lateinamerika und auf den Inseln des Karibischen Meeres
sollen aus diesem Fonds finanziert werden.
Ferner wurde ein Plan genehmigt,nach dem in der Naehe des
Zentralbueros des IBFG ein internationales Gewerkschaftszentrum
errichtet werden soll. Dort sollen Gewerkschafter in Fragen
der internationalen gewerkschaftlichen Taetigkeit geschult
werden.
Grosse Beachtung schenkte man auch der Schaffung von
gewerkschaftlichen Sohulungseinrichtungen in Frankreich und
Italien. Die schwedischen Gewerkschaften haben ihr Haus
"La Breviere" in der Naehe von Paris- fuer diesen Zweok Zur
Verfuegung gestellt.
Der Exekutivausschuss beschloss durch Abstimmung, fuer
die Unterstuetzung der Opfer der Ueberschwemmungen in Norditalien eine Million Lire zu spenden. Er forderte die Gewerkschaften aller Nationen auf, selbstaendig ihren Beitrag zur
Linderung der Not in Norditalien zu leisten. Die AFL und der
CIO haben CARE-Pakete im Werte von 1.000 bzw. 500 Dollar in
das Katastrophengebiet gescnickt. Die Hilfsmittel werden von
Giulio Pastore verteilt werden, der Mitglied im Exekutivausschuss und Generalsekretaer des italienischen Gewerkschaftsbundes CISL ist.
Die naechste Konferenz des Generalrates ist fuer Juli
1952 in Berlin vorgesehen.
Labor Information
Bruessel
GLEICHER LOHN FUER GLEICHE ARBEIT
Eines der bekannten Ziele der freien Arbeitergewerkschaften
kann sehr einfach mit dem Schlagwort "Gleicher Lohn fuer
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�gleiche Arbeit" ausgedrueckt werden. Arbeiterinnen in Fabriken
und Bueros fuehren einen staendigen Feldzug, um diesea Ziel zu
aichern, einea Zielea, daa der Internationale Bund Freier
Gewerkachaften ala daa aoziale Fundamentalrecht bezeichnet.
Die Frage des gleichen Lohnes fuer Maenner und Frauen,
die die gleiche Arbeit leisten, ist als eine der wichtigsten
Angelegenheiten in den Vordergrund getreten. Es war das seit
mehr als 20 Jahren gesteckte Ziel der Gewerkschaften: aber bis
vor kurzem war der Fortaohritt zu diesem Ziel recht langsam.
Der IBFG drueokt gegenwaertig mit erneuter Kraft und Nachdruck
auf diese Forderungen.
Delegierte des IBFG verlangten auf dem zweiten internationalen Kongress in Mailand, dass diese Forderung als soziales
Fundamentalrecht in allen Mitgliedslaendern zu betrachten sei.
Unabhaengig von der Sitzung des IAA in Genf wurde ein neuer
Beschluss getroffen, der die Regierungen fuer die Foerderung
des Prinzips der gleichen Loehnung verantwortlich macht.
Man erwartet somit von den Regierungen, die in Uebereinstlmmung mit den IAA-Beschluessen handeln, die Einfuehrung der
gleichen Loehnung durch eine entsprechende Gesetzgebung in ihren
Laendern. Dadurch muessen sie mit Arbeitgebern, Behoerden-Organisationen und Gewerkschaften zusammenarbeiten.
Gerade jetzt ist die Aufmerksamkeit der Arbeiterschaft
auf England gerichtet, wo der Kongress der Arbeitergewerkschaft
mit dem Schatzkanzler ueber die Anerkennung des Rechtes der
Frauen,den gleiohen Lohn fuer gleiche Arbeit zu erhalten,
verhandelt. Einer der umstrittensten Punkte ist die Tatsache,
dass die konservative Regierung versicherte, dieses Prinzip
aufrecht zu erhalten. Der TUC beabsichtigt, die Konservativen
an ihre Versprechen zu erinnern.
Die daenisohen Frauen, die in dem viertstaerksten Verband
des Landes vereinigt sind, draengen ebenso stark auf die Erfuellung ihrer Forderungen. Die daenische Vereinigung der weiblichen Arbeiter, die 96.000 Mitglieder zaehlt, legte ihre Strategie auf einen kuerzlich in Kopenhagen abgehaltenen Jubilaeumskongress fest. Die Vereinigung versucht, Frauen in den Verwaltungsausschuessen der Schluesselindustrie unterzubringen, um
hier durch konsequente, aber vernuenftige Forderungen die Löhne
der weiblichen Arbeiter an die der Maenner anzugleichen. Grosse
Fortschritte sind hierdurch bereits in Daenenark erzielt worden.
Vor 30 Jahren betrug der Lohn weiblicher Arbeiter durchschnittlich nur 50 % von dem der Maenner. Diese Ziffer ist laengst
in die Koehe gestiegen und liegt heute bei ungefaehr 70 $&gt;.
Nach den letzten Berichten aus Daenemark haben die Frauen, die
in der Eisen- und Stahlindustrie beschaeftigt sind, einen Sitz
in dem Verwaltungsausschuss der Eisenarbeiter gewonnen - ein
Vorteil von wichtigster Bedeutung - durch den sie sich spaetere
Konzessionen sichern koennen. In Frankreich verstaerken die
.. Frauen-Organisationen ihre Aktivitaet und fordern die Anerkennung als aktive politische und wirtschaftliche Kraft. Von 21
Millionen franzoesischer Frauen sind beinahe 8 Millionen Lohnempfaengerinnen. Sehr" oft sind diese Frauen die alleinigen
Verdiener in der Familie, sie haben also die gleichen Verantwortungen wie ein maennlicher Arbeiter.
Jahre hindurch behaupteten versc/iiedöne Regierungen, dass
hoehere Loehne fuer Frauen Forderungen fuer hoehere Familion14 -

�zulegen nach sich ziehen wuerden und somit hoehere Preise
und hoehere Steuern verursachten. Organisierte Arbeiter
glaubten ebenfalls, dass diese Behauptung wahr sei und dass
erhoehte Loehne fuer Frauen die Verpflichtung £uer eine Herabsetzung der Familienzulagen bedeutete.
Angestellte werden oft bei allgemeinen Gehaltserhoehungen vergessen. Die IAA schlaegt den Regierungen als ersten
Schritt zur iLoesung des Problems vor, die gleichen Loehne
fuer Maenner und Frauen im gleichen Rang zu gewaehren. Selbst
in asiatischen Laendern, wo die Gewerkschaften gerade im
Beginn sind, ihre Kraefte spuerbar zu machen, heben die Arbeiter die gerechte Forderung der Frauen, gleiche Loehnung
fuer gleiche Arbeit zu erhalten, anerkannt.
IBFG-Delegationen, die den Wachstum der Arbeiterbewegungen in wenig entwickelten Gebieten foerdern, unterstuetzen
die Forderung der Arbeiter, dass die Frauenrechte in allen
Gewerkschaftsprogrammen beruecksichtigt werden.
In den U.S.A. besteht immer noch eine Ungleichheit zwischen den Loehnen der Arbeiter und Arbeiterinnen, jedoch
gleicht man die Loehne jetzt beschleunigt an.
Die Lohnstufen fuer Journalisten, die durch die amerikanische Zeitungs-Innung festgelegt sind, erlauben keinen Unterschied gegenueber weiblichen Angestellten. Es zeigt sich
mehr und mehr in der Industrie und im Handel, dass die Gewerkschaftsfuehrer sich dafuer einsetzen, das Prinzip der gleichen
Loehnung durchzufuehren.
Heute foerdern 17 von 26 Regierungen das Prinzip der
gleichen Loehnung. Die Gewerkschaften werden also nach und
nach die allgemeine Empfehlung des IAA durchsetzen koennen.
Die Kommission der U.S.A. fuer die Regelung des Statuts der
Frauen denkt stets an diese Forderung. Man hat aber allen
Grund, zu hoffen, dass dieses Ziel der Gewerkschaften bald
erreicht ist, Loehne und Gehaltsstufen bei zufriedenstellender Arbeit ohne Unterschied des Geschlechts festzulegen.
World Labor News
Script XI/26
HEATH ZUM NEUEN LEITER DER ECA-ABTEILUNG FUER ARBEITSFRAGEN
ERNANNT
Joseph F. Heath, ein amerikanischer Gewerkschaftsfunktionaer und Sachverstaendiger fuer europaeische Gewerl&lt;schaftsfragen,
ist zum Leiter der Abteilung fuer Arbeit im Hauptbuero der
ECA in Paris ernannt worden.
Heath ist von Paul R. Forter, dem ECA-Beauftragten fuer
Europa, in diese Stellung berufen worden und ist damit der
Nachfolger fuer Nelson Cruikshank, der jetzt Berater fuer Arbeitsfragen im Amt fuer Arbeit in der ECA in Washington ist.
Heath, der einstmals Vorsitzender einer Ortsgewerkschaft der
All-Amerikanisohen Gewerkschaft der Elektroarbeiter (AFL) war,
wird dieses Amt auch weiterhin beibehalten, wenn die Funktionen der ECA am 29. Dezember der neuen Verwaltung fuer Gemeinsame Sicherheit (Mutual Security Agency - MSA) uebertragen
werden.
- 15 -

�Als Leiter des Amtes fuer Arbeitsfragen wird Heath seine
Taetigkeit fortsetzen, die er 1949 begonnen hat, als er zum
stellvertretenden Leiter der Arboitsabteilung in der ECA fuer
Griechenland ernannt wurde und die freien europaeisohen Gewerkschaften in ihrem Kampf gegen den Kommunismus unterstuetzte.
Allgemein betrachtet, hat er eine doppelte Aufgabe. Er
wird die Interessen der europaeisohen Gewerkschaften immer dann
vertreten, wenn ECA-Programme damit in Zusammenhang stehen
und er wird, um seine eigenen Worte zu gebrauchen, ein "Freund
vor Gericht1* sein. Es wird sein Bestreben sein, Gewerkschaftskreise ueber die wahren Ausmasse solcher Programme aufzuklaeren.
"Wir wuenschen nicht, dass dem europaeisohen Arbeiter
ein verzerrtes Bild von unseren Zielen und unserer Planung vorsohwebt. Wenn sie falsch dargestellt werden, so werden sie
von den Kommunisten fuer ihre Propaganda ausgenutzt."
Als unbeirrbarer Exponent der freien Gewerkschaftsbewegung
Europas hat Heath zahlreiche Unterredungen mit den Funktionären nationaler und internationaler Gewerksohaftsorganisationen
gehabt. Er arbeitet fuer einen Austausoh der Ideen und Methoden, dank derer die amerikanische Gewerkschaftsbewegung einen
Teil ihrer grossen Ziele erreichen konnte. Er unterstuetzt
ausserdem den Kampf der europaeisohen Gewerkschaftsbewegung um
bessere Arbeitsbedingungen, hoehere Loehne und eine groeesere
Vertretung in den Aussohuessen der Betriebsleitung.
Es ist eine seiner besonderen Pfliohten, im Zuge der
neuen Produktivitaetskampagne der ECA die Interessen der Arbeiterschaft zu wahren, indem er den Sonderbeauftragten der
ECA ueber die Stellungnahme der Gewerkschaften zu dieser Kampagne unterrichtet und dadurch gewaehrleistet, dass ein gerechter Anteil an den gesteigerten Gewinnen an die Arbeiter verteilt
wird.
"Wir koennen es uns nicht leisten, die Freundschaft der
europaeisohen Arbeiter zu verlieren, denn wenn wir sie verlieren, koennen wir sie nie wieder zurueckgewinnen."
Heath, der aus Philadelphia stammt, war 24 Jahre lang in
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung aktiv taetig. Verschiedentlich war er Funktionaer in Orts-, Bezirks und Landesgewerkschaften der AFI, Vorsitzender der Ortsgewerksohaft 98b
der All-Amerikanischen Gewerkschaft der Elektroarbeiter, Vorsitzender der Ortsgewerksohaft 26 der Amerikanischen Gewerkschaft
der Regierungsangestellten, Sekretaer des Gewerksohaftsvorstandes der Metallberufe in Philadelphia, Finanzsekretaar der Metallberufe an der Ostkueste und schliesslich Landesvizevorsitzender
und Vertreter der Gewerkschaft der Regierungsangestellten.
Seine Berufung in die ECA-Mission fuer Griechenland kam
zu einer Zeit, als das Land um sein Bestehen gegen das organisierte Bandentum kommunistischer Guerillas kaempfen musste.
Er nutzte seine gewerkschaftliche Erfahrung sofort aus, um dem
griechischen Gewerkschaftsbund zu helfen, sioh von der kommunistischen Infiltration freizumachen und den Weg des freien demokratischen Gewerkschaftswesens zu beschreiten.
Heath war massgeblich daran beteiligt, den Zehnten PanHellenischen Gewerkschaftskongress im Jahre 1950 zustandezubringen in dessen Verlauf die Verfassung auf eine weit groessere Mitgliederzahl abgestimmt und die Bildung besonderer Verbaende innerhalb der griechischen Gewerkschaftsbewegung vorgesehen wurde.
• 16 HXCOO U M S

Uta« e H s c

EGA

-Lahor Information
XH/6/51

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dia folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Preise und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mittflieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

iv - 50

Prankfurt, den 14. Dezember 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Gewerkschaften und Produktivitaet ...

1

Der europaeische Arbeiter und der
Marshallplan

9

CIO fordert Verbesserung des Sozialvers icherungsprogramms

13

Gewerkschaftliche Entwicklung im Irak

15

Edwin Fletcher:
GEWERKSCHAFTEN UND PRODUKTIVITAET
1.
Solange die Gewerkschaften an dem Verhaeltnis zwischen
Loehnen, Gewinnen und Preisen interessiert sind, muessen sie
ihre Verhandlungen unter dem Leitstern der Produktionskapazitaet derjenigen Industrie fuehren, mit der sie es zu tun haben. Zu gewissen Zeiten werden sich die Gewerkschaften vornehmlich mit Verhandlungen ueber den Anteil der Produktion besohaeftigen, der den Arbeitern zugutekommt. Aber auf lange
Sicht gesehen stellt die Wirksamkeit, mit der sie ihre Arbeitszeit ausnuetzen, den grundlegenden Faktor dar, der fuer den
Lebensstandard bestimmend ist. Das soll nioht heissen, dass
die Gewerkschaften alle ihre wirtschaftlichen Probleme loesen
koennten, wenn sie sich auf Produktionsprobleme konzentrieren;
dies ist leider zu weit von den Gesamtproblemen entfernt, um
wahr zu sein.
2.
An dieser Stelle moechte ich einige Faktoren zur Sprache
bringen, die mit der Produktion und der Produktivitaet in Zu- 1

�sammenhang 3tehen, und mit denen sich die Gewerkschaften be• schaeftigen muessen; die ihnen von Natur aus am Herzen liegen
muessen und nicht etwa, weil irgendeine dringende Notwendigkeit dazu vorliegt, wie Dollarknappheit oder Wiederaufruestung.
Ich moechte so gut wie moeglich Allgemeinheiten vermeiden
und mich mit Problemen befassen, die besonders fuer die Gewerkschaften von Belang sind. Aus verstaendlichen Gruenden werde
ich mich hierbei hauptsaechlich mit England beschaeftigen
muessen.
Gewerkschaftliche Ziele
3.
Ich moechte mich nicht in den Bereich der politischen
Fragen begeben, ob das Privatunternehmen dem Untergang geweiht
ist, und ob die Gewerkschaften einer solchen Entwicklung etwas nachhelfen sollten. Nach meiner Meinung sind Gewerkschaften dafuer da, die Interessen ihrer Mitglieder zu schuetzen
und zu foerdern, wie Loehne, Arbeitsbedingungen, Zustand und
Kontrolle des Arbeitsplatzes; und sie haben die Aufgabe, diese
Bedingungen zu verbessern. Allgemein gesagt: je mehr Moeglichkeiten der Lohn-, Gewinn- und Preiskomplex enthaelt, umso
eher haben die Gewerkschaften eine Chance, fuer ihre Mitglieder etwas Besonderes herauszuholen.
In Grossbritannien, wo es eine Vollbeschaeftigung gibt,
sind diese Moeglichkeiten wesentlich groesser, weil die uebersohuessige Produktion eines jeden Jahres der Wirtschaft genuegend Spielraum laesst, um es uns zu ermoeglichen, das
System der freien TarifVerhandlung, das uns doch am Herzen
liegt, beizubehalten.
Was sind unsere Aufgaben?
4.
Im Gegensatz zu den Eroerterungen ueber die Frage, welcher
Anteil des tatsaechlich Produzierten den Arbeitern zufliessen
kann (wenn die Anteile Aller auch wirklich 100 # der Produktion ausmachen), eine Frage, die im allgemeinen durch genuegend
statistische Unterlagen geklaert werden kann, ist es doch schwierig, mit einiger Genauigkeit zu bestimmen, inwieweit man mit
einer Produktivitaetssteigerung einer Firma oder einer Industrie rechnen kann.
5.
Auf der anderen Seite bestuende die Moeglichkeit, eine
Fuelle an Informationen ueber den sehr unterschiedlichen Leistungsstand in verschiedenen Betrieben innerhalb zahlreicher
Industrien zusammenzutragen. Grossbritannien hat zum Beispiel
einige der leistungsfaehigsten Betriebe der Welt: die Gesenkachmiedewerke Garrington, die Tonwarenfabrik Wedgwood, usw.,
aber es gibt auch, oft in den gleichen Industriezweigen, viele
Firmen mit altmodischen Maschinen und Gebaeuden. Es ist das
alte Problem: die technische Leistungsfaehigkeit innerhalb
eines Industriezweiges ist nicht gleichzusetzen mit dessen
wirtschaftlicher Leistungsfaehigkeit.
6.
Aus vielerlei Gruenden konnten sich derartig leistungsunfaehige Unternehmen weit laenger behaupten, als es auf Grund
schwankender Nachfrage nach ihren Erzeugnissen gerechtfertigt
gewesen waere. ür*3r den inflationistischen Verhaeltnissen
der Kriegszeit, waehrend des Wiederaufbaus in der Nachkriegszelt und bei der Vollbeschaeftlgungspolitik der Labour-Partei
Konnten mehr als zehn Jahre lang Gewinne nur allzu leicht erzielt werden. Man erinnere sich daran, dass ein wirtschaftlicher
Erdrutsch mit all seinen sozialen Nachteilen ein - vielleicht
- 2 -

�grausames - Versohwinden der am wenigsten leistungs- und konkurrenzfaehigen Unternehmen zur Folge gehabt haette. In
einer Vollboschaeftigung haben wir unser Wirtschaftssystem
nicht so gruendlich gesaeubert, wie es bei einer wirtschaftlichen Depression der Fall gewesen waere.' Zahlreiche Faktoren,
die hierbei eine Rolle spielen, muessen untersucht werden.
Fuer den Gewerkschafter ist Produktivitaet nicht ein einzelnes, in sich abgeschlossenes Problem, sondern eine weitverzweigte Kombination von Problemen.
Internationaler Vergleich
7.
Eine Untersuchung dieser Faktoren kann in jedem Lande
getrennt angestellt werde'n. Ein Vergleich mit anderen Laendern waere aber immerhin interessant und koennte uns helfen,
uns ein besseres Urteil zu bilden, wenn wir auch mit den wohlbekannten Schwierigkeiten rechnen muessen, die sich ergeben,
wenn auf internationaler Basis genaue Vergleiche der industriellen Leistungsfaehigkeit angestellt werden sollen. Es handelt sich hier um eine in der Entwicklung stehende Methode,
an der die Gewerkschaftsbewegung stark interessiert ist. In
einem solchen Falle bedarf es keiner Entschuldigung, wenn man
seinen Blick nach der Industrie der Vereinigten Staaten wendet, ueber die Informationen, verglichen mit anderen, im Ueberfluss vorhanden sind.
8.
Ob wir die statistische Arbeit Rostas nehmen, die im
»Virtschaftsblatt "Economic Journal" und vom Internationalen
Arbeitsamt veroeffentlicht wird, oder tatsaechlicheUntersuchungen in den Vereinigten Staaten, wie sie von den Studiengruppen angestellt werden, die von dem Anglo-Amerikanischen
Produktivitaetsausschuss gefoerdert werden - wir kommen immer
wieder zu der gleichen Feststellung, naemlich, dass die Industrie der Vereinigten Staaten zwei- bis dreimal so produktiv
wie die Grossbritanniens ist. Die Schwierigkeit ist die, dass
sich in dieser Situation so viele Menschen sehnsuechtigem Denken hingeben und fuer diese Situation das verantwortlich machen, was ihnen gerade passt. Ich fuer meinen Teil bin jener
Leute geradezu ueberdruessig, die mir etwas von der Produktivitaet in den Vereinigten Staaten erzaehlen wollen und daran
ihre eigene, ihnen gefaellige Theorie anknuepfen, wie zum
Beispiel jene, die zur Zeit viele englische Unternehmer vertreten, die sich ausschliesslich auf die "Haltung der Arbeit
gegenueber" konzentrieren moechten.
9.
Eine solche Einstellung, nach der man annehmen koennte,
dass ein gleicher Produktivitaetsstand schnell erreicht werden
koennte, ist besonders fuer die Gewerkschaften aeusserst gefaehrlich. Unterstrichen werden muss vielmehr die Tatsache,
dass seit der Jahrhundertwende die Vereinigten Staaten staendig produktiver geworden sind als Grossbritannien. Es ist ein
viel groesseres Unterfangen, der Entwicklung eines halben
Jahrhunderts entgegenzuarbeiten als eine "Geisteshaltung der
Arbeit gegenueber" abzuaendern, besonders wenn es sioh um eine
so missverstandene Haltung handelt. Die britischen Gewerkschafter arbeiten im allgemeinen zumindest genau so schwer wie
ihre Kollegen in den Vereinigten Staaten.
10. Es gelang Grossbritannien, im Verlauf des Jahres 1949 die
industrielle Produktion um &amp;i jo zu steigern, wobei die Zahl
der Beschaeftigen in der Industrie nur um ein Prozent in die
Hoehe ging. Fuer den groessten Teil des Jahres 1950 war die
3

�Steigerungsquote der Produktivitaet noch höher; wir befanden
uns also, in Vergleich zur Vorkriegszeit, im Aufstieg. Durch
die Umstellungsschwierigkeiten und den Materialmangel auf
Grund der Verteidigungsruestung erlitten wir in dieser Entwicklung jedoch vor kurzem einen Rueckschlag, die Produktlvitaetssteigerung kann deshalb im Jahre 1951 nicht so gross
sein wie im Jahre 1950.
KapitalInvestierung
11. Obwohl genaue Informationen nicht vorhanden sind, zeigen doch eine Reihe Schaetzungen, dass Steigerungen der Produktivitaet und Kapitalinvestierungen stark voneinander abhaengig sind. Dies ist im allgemeinen sehr einleuchtend. Die
Industrie der Vereinigten Staaten verbraucht pro Arbeiter
etwa dreimal soviel elektrischen Strom wie die englische Industrie.
12. Es besteht kein Zweifel darueber, dass die Kapitalinvestierung bei einem Vergleich auf internationaler Basis den
Hauptfaktor bildet, und dass auch die Entwicklungen auf diesem Gebiet von ausschlaggebender Bedeutung sind. Man kann
feststellen, dass diese Entwicklung noch groesseren Unterschie
den in den beiden Laendern zustrebt. Neuere Berichte aus
den Vereinigten Staaten besagen, dass die Ausdehnung der Industrien fortgesetzt wird, und dass das Buero fuer die Verteidigungsmobilisierung eine wesentliche Steigerung der ProduktionsJcapazitaet der Grundstoffindustrien fordert.
13. In England hat sich die Tendenz entwickelt, die Notwendigkeit von Kapitalinvestierungen zur Steigerung der nationalen Produktivitaet zu verneinen. Dies scheint vornehmlich
politisch begruendet zu sein, denn wir leben in einer Situation, in der man sich im allgemeinen darueber einig ist,
dass sich die Verteidigungsruestung nachteilig fuer die Kapitalinvestierung auswirken muss. Diese Investierung betrug
im Jahre 1949 in England etwa 18 % der englischen Produktion,
wovon die Haelfte Investierungen der Industrie waren. Die
obengenannte Tendenz ist jedoch insofern teilweise gerechtfertigt, als wir durch verbesserte Faehigkeiten der Betriebsleiter betraechtlicbs Steigerungen der Produktivitaet mit den
vorhandenen Betrieben und ohne groessere Ermuedung der Arbeiter zustandebringen koennen. (Die Gefahren und Verwicklungen
einer Ueberspannung der Produktionskapazitaet der europaeischen Grundstoffindustrien sind an anderer Stelle zu eroertern
Zwei Moeglichkeiten
14. Es gibt zwei verschiedene Moeglichkeiten, das Problem
der Steigerung der Produktivitaet in Angriff zu nehmen.
15. An erster Stelle muessen wir einen betraechtlichen Teil
unserer Hilfsquellen dazu verwenden, eine groessere Zahl jener ausgezeichneten Maschinen zu beschaffen, die von Menschen
erfunden wurden, ohne die ein grosser Teil der Menschheit
jedoch arbeiten muss. Dies ist kein neues Problem. Wir Gewerkschafter protestieren seit Jahren dagegen, dass man sowohl
im englischen Mutterland als auch in den Kolonialgebieten der
Industrie zuviel in Form von Gewinnen entzieht. Aus diesem
Grunde hatte sich auch die britische Gewerkschaftsbewegung im
Jahre 1948 dazu entschlossen, eine Politik der beschraenkten
Lohnforderungen zu betreiben.
- 4 -

�16. Zweitens gilt es, die Frage zu stellen, wie wir die vorhandenen Ausrüstungen der Industrie besser ausnutzen koennen.
Obwohl die exekutive Verantwortlichkeit in den Beenden der
Unternehmer liegt, waere es selbstverstaendlich unzureichend,
wenn man sich allein auf sie verlassen wollte. Koennen wir
uns als Gewerkschafter an die Aufgabe heranwegen, uns mit unrentablen Unternehmen zu beschaeftigen und sie entweder zu
zwingen, rentabler zu werden oder mitzuhelfen, ihnen einen Fortbestand unmoeglich zu machen? Es wird in zunehmendem Masse
bedeutsam, dass unsere sehr begrenzten Vorraete an Rohstoffen,
Kohle, Elektrizitaet und an fachlich geschulten Arbeitskräften ihre Wirksamkeit nicht dadurch verlieren duerfen, dass sie
zu weit und ohne Unterschied verteilt wuerden. Einige Sektoren der britischen Industrie haben seit dem Kriege diesem
Punkt grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Auch die Gewerkschaften
waren hieran beteiligt. So hat zum Beispiel die ^ufslchtsbehoerde der Baumwollindustrie zu einer Neuentwicklung der gesaraten Industrie ermutigt. In den meisten Faellen waren es
jedoch die einzelnen Betriebe, die selbst Massnahmen ergriffen
haben.
17. Es ist bezeichnend, dass vor allem solche Unternehmen
diesen Weg beschritten haben, die bereits aeusserst erfolgreich sind. Es hat den Anschein, dass die Kluft zwischen den
leistungsfaehigen und unwirtschaftlichen Untsrnehmen immer
groesser wird.
Monopole
18. Es koennte behauptet werden, der dauernde Bestand einer
verhaeltnismaessig unrentablen Firma unter solchen Umstaenden
sei auf den ersten Blick ein Beweis fuer monopolistische Verhaeltnisse. Die britischen Gewerkschaften haben ihren Einfluss
dahingehend geltend gemacht, die Ernennung einer Aufsichtsbehoerde fuer Monopole zu erwirken. Sie setzen sich nun mit
Nachdruck fuer eine Erweiterung dieser Behoerde ein, weil sie
etwaige Auswirkungen des Monopols auf die Leistungsfaehigkeit
der Industrie ebensosehr befuerchten wie die Gefahren, die
unnoetig hohe Preise und Gewinnspannen mit sich bringen. Die
genaue Wahl des Mittels zur Abhilfe, das dann angewendet werden muss, wenn der Grad der monopolistischen Entwicklung nicht
mehr mit dem Interesse der Oeffentlichkeit zu vereinbaren ist,
muss von den Verhaeltnissen abhaengen, die jeweils in einer
Industrie vorherrschen.
Industrielle Struktur
19. In einigen Industrien waren die Gewerkschaften der Auffassung,
dass eine zufriedenstellende Entwicklung in der Form der Kapi- .
talinvestierungen oder eine Entwicklung der Produktions- und
Betriebsleitungsmethoden unmoeglich ist, wenn diese Industrien
nicht verstaatlicht wuerden.
20. In anderen Industrien duerfte eine Organisation in bestimmter Form notwendig sein, um jene Bedingungen zu schaffen, unter
denen die Privatunternehmer selbst fuer sich oder gemeinsam genuegend Schritte unternehmen, um die Produktivitaet zu steigern. Ein Versuch wurde hierzu in Grossbritannien unternommen, als man in Jahre 1947 das Gesetz fuer Industrielle Organisation und Entwicklung erliess, dem ein einziges Ziel zugrundelag: Die Leistungsfaehigkeit des Privatunternehmens durch die
- 5 -

�t
Bildung von Beratungsausschuessen fuer industrielle Entwicklung zu steigern. Der Au.sschuss setzt sich aus Vertretern
der Arbeiter und Unternehmer und aus einigen Unabhaengigen
zusammen. Dieses Gesetz gab der Regierung die Moeglichkeit,
Ausschuesse fuer industrielle Entwicklung zu ernennen, wenn
diese von einer groesseren Zahl Psraonen in einem Industriezweig gewuenscht wurden. Diese Bemuehungen waren nicht von
Erfolg gekroent, es gibt nur vier solcher Ausschuesse. Ein
intensiver Widerstand wurde von den Unternehmern organisiert.
Dies geschah aus vielerlei Gruenden, und, wie bereits oben
erwaehnt, auch deshalb, weil die vergangenen Jahre im allgemeinen ziemlich leichte Gewinne eingebracht hatten. Warum
sollte deshalb etwas geaendert werden?
21. Der Vorteil der Ausschuesse fuer industrielle Entwicklung besteht darin, dass sie einen recht unabhaengigen Zentralpunkt fuer eine Industrie darstellen, dem ein technischer
Personalstab angegliedert werden kann. Ein solches Zentrum
ist von grossem Wert, wenn man Bedingungen schaffen will,
unter denen sich die Gewerkschaften aktiv an der Steigerung
der Leistungsfaehigkeit der Privatindustrie beteiligen koennen. Die Produktivitaet ist ein Bestandteil der Wechselbeziehungen in der Industrie. Man muss sich jedoch unter Zuhilfenahme einer Organisation, die von der Lohnverhandlungamaschinerie getrennt ist, auf bequemste Art eingehender mit
ihr befassen.
Industrielle Forschung
££. Der wissenschaftliche Fortschritt schreitet in einem solchen Masse voran, dass es innerhalb eines Landes - und natuerlich noch mehr auf internationaler Basis - schwierig ist, mit
den Entwicklungen Schritt zu halten. Die Kapitalinvestieruag
koennte sehr schnell zu einer ueberalterten Methode werden.
Jede Entwicklung kann die Fortdauer der Beschaeftigung beeintraechtigen und interessiert die Gewerkschaften deshalb nicht
als vollendete Tatsache, sondern bereits in ihrer Entstehung.
Normalerweise ist es fuer eine Gewerkschaft besser, auf die
Methode einen Einfluss auszuueben, mit der neue Maschinen
eingefuehrt werden und sich mit dem Sohutz der betroffenen
Arbeiter zu beschaeftigen, anstatt sich der Einfuehrung verbesserter Maschinen zu widersetzen. Eine solche Haltung ist
jedoch nur moeglich, wenn die Gewerkschaft im voraus ueber
etwaige Veraenderungen unterrichtet und beraten wird. In England ist die Lage nicht voellig zufriedenstellend, aber mehr
und mehr koennen sich die Gewerkschaften eine Beteiligung an
der Arbeit der Ausschuesse der genossenschaftlichen Forschungsorganisationen sichern, von denen es ueber 40 fuer die bedeutenderen Industrien gibt. Das Interesse der Gewerkschaften
an dieser Arbeit wird mehr und nehr als gerechtfertigt angesehen, weil die Forschungsorganisationen gezwungen waren, sich
nicht nur mit der Forschung allein, sondern sich auch mit dem
Ausmass zu beschaeftigen, in dem die Ergebnisse dieser Forschung tatsaechlich in der Industrie verwendet werden, ebenso
mit der Anordnung der Maschinen und den Arbeitsmethoden. Wenn
auch eine Ueberscheidung der Forschungsarbeit in gewissem
Masse gerechtfertigt ist, so bestehen doch Moeglichkeiten einer
engeren europaeischen Zusammenarbeit, was vor allem jene Forschungsprojekte betrifft, die auf internationaler Basis mit
gemeinsamem Personal besetzt und finanziert werden.
- 6 -

�Betriebleitung
23. Die Unterschiede zwischen leistungsfaehigen und leistungsunfaehigen Unternehmen und die Tatsache, dass viele Betriebe
ohne neue Maschinen ihre Produktivitaet verhaeltnismaessig
leicht steigern konnten, geben Anlass zu der Schlussfolgerung,
dass die Betriebsleistungsmethoden in England wesentlich verbessert werden koennen. Da wir nicht mit irgendeiner Veraenderung der grundlegenden Struktur der Industrie rechnen koennen, muessen unsere Gewerkschaften bestrebt sein, das zu unternehmen, was zur Verbesserung dieser Verhaeltnisse getan
werden kann. Nicht dass unsere Buerde groesser waere, aber
unsere Zeit wird durch eine unfaehige Betriebsleitung doch
letzten Endes verschwendet. In besseren Betrieben mit groesserem Ertrag und besserer Bezahlung haetten wir nicht unter
groesserer Ermuedung zu leiden. Aus diesem Grunde hielt es
der britische Gewerkschaftskongress fuer angebracht, die
Gruendung des britischen Instituts fuer Betriebsleiter zu
unterstuetzen, das vornehmlich eine Einrichtung der Arbeitgeber ist. Mehr als 20 Gewerkschaften unterstuetzen dieses Institut in nuetzlicher Weise. Hieraus erwachsen diesen Gewerkschaften einige direkte Vorteile, aber das Hauptziel ist,
einem sehr bedeutsamen Mangel innerhalb der Unternehmerschaft
abzuhelfen, naemlich der Unkenntnis ueber die Gewerkschaften
und die gewerkschaftlichen Ziele. In einem grossen Teil der
Industrie scheint ein enger Zusammenhang zwischen modernen
Betrieben und Ausruestung auf der einen Seite und einer guten
Betriebsleitung auf der anderen zu bestehen. Der Grund hierfuer mag vielleicht sein, dass unter solchen Bedingungen vermeidbare Streitigkeiten und Gegensaetzlichkeiten fuer die betreffenden Firmen aussergewoehnlich kostspielig sind; sie
koennen es sich nicht leisten, eine gute Betriebsleitung zu
vernachlaessigen.
Arbeitszelt
24. Die zunehmende Mechanisierung wirkt sich auch auf den
seit langem waehrenden Kampf der Gewerkschaften um eine kuerzere Arbeitszeit aus, weil es fuer die Unternehmer mehr und
mehr bedeutsam wird, der Dauer der Arbeitsvorgaenge an den
Maschinen mehr Beachtung zu schenken als der Arbeitszeit des
einzelnen Arbeiters an diesen Maschinen. Schichtarbeit wird
fuer sie somit rentabler und sollte es auch fuer die Arbeiter
werden. Gleichzeitig wuerde eine gleichmaessigere Verteilung
der Arbeitszeit eine Entlastung der Stromversorgung in den
Hauptabnahmestunden bedeuten. Die Gewerkschaft laesst jedoch
dabei nicht soziale und wirtschaftliche Erwaegungen im Zusammenhang mit der Schichtarbeit ausser acht.
25. Die normalen Arbeitsstunden wie auch die Ueberstunden
muessen natuerlich entsprechend den charakteristischen Merkmalen und Bedingungen
jeder Industrie festgelegt werden. Das
alte Schlagwort n0b man nach Stueck oder Zeit bezahlt wird,
kuerzere Arbeitszeit bedeutet auf jeden Fall hoehere Bezahlung" duerfte vielleicht im Augenblick nicht als unbedingt zutreffend bezeichnet werden. Andererseits duerfte in dem Vorschlag, im Interesse eines bestmoeglichen Ertrags laenger zu
arbeiten, nicht die Ueberlegung beruecksichtigt sein, welche
Arbeitszeit hinsichtlich der Leistung die beste ist. Es ist
unbedingt notwendig, dass man dieses Problem eingehender studiert. In den Vereinigten Staaten wurde die Auffassung laut,
dass der Forderung nach laengerer Arbeitszeit haeufig ueber- 7 -

�spitzte Hoffnungen auf moegliche Produktionssteigerungen zugrundeliegen koennten. Diese Steigerung waere demnach umsomehr zu erhoffen, als man die Verlaengerung der Arbeitszoit
fuer laengere Zeit beibehalten wuerde. Der ausschlaggebende
Faktor ist aber mehr und mehr die Arbeitszeit der Maschine.
26. Besonders in weitgehend mechanisierten Betrieben, wie z.
B. in modernen Stahlwerken, die weniger Ausweichmoeglichkeiten
haben als aeltere Typen, koennen Zweifel an einer ununterbrochenen Versorgung mit Rohstoffen grosse Schaeden verursachen.
iDas Problem der internationalen Warenabkommen ist fuer die
Gewerkschaften von grossem Interesse, gehoert jedoch nicht in
den Rahmen dieser Diskussion). Dass kostspielige Maschinen
dauernd in Betrieb sein muessen, um wirtschaftlich zu sein,
leuchtet jedem ein. Als Verhandlungsfaktor muss diese Frage
jedoch von den Gewerkschaften eingehender geprueft werden.
Die Methode der Darstellung der Produktionskosten und Gewinne
in einer beweglichen graphischen Kurve ist fuer Verhandlungen
deshalb besonders geeignet, weil dadurch vermieden wird, dass
man die Produktionskosten als einen statischen Begriff betrachtet, waehrend er doch von anderen Faktoren, wie z.B. der Beschaffenheit der Produktionsmittel, weitgehend .abhaengig ist.
Seitens der Unternehmer ist man jedoch noch zu sehr abgeneigt,
genaue Einzelheiten und Statistiken ueber die Betriebe zu enthuellen. Trotz der Verbesserungen, die in England dank der
neuen Gesetzgebung moeglich waren, laesst die gegenwaertige
Situation noch viel zu wuenschen uebrig.
Gewerkschaftliche Erfahrung und Sohulung
27. Wenn die gewerkschaftliche Forderung, angehoert zu werden
und mitreden zu duerfen, berechtigt sein soll, und wenn der gesamte Verhandlungsprozess den Gewerkschaften Vorteile bringen
soll, ist es klar, dass sie sich an vielen eingehenden Diskussionen beteiligen muessen. Die Grundlage dieser Diskussionen muessen die in der Industrie gesammelten Erfahrungen sein,
es ist deshalb fuer Gewerkschaftsvertreter in zunehmendem Masse
erforderlich, dass sie sich umfassende Kenntnisse ueber moderne
Produktions- und Betriebsleitungsmethoden aneignen. Die Gewerkschaften selbst muessen sich dafuer verantwortlich fuehlen,
dass die entsprechenden Moeglichkeiten geboten werden.
28. Die gegenseitigen Besuche der Arbeiter in ihren Betrieben
im Lande selbst wie auch im Ausland muessen gefoerdert werden.
Die europaeische Zusammenarbeit auf technischem Gebiet, an
der sich auch die Gewerkschaften beteiligen, erlangt immer
groessere Bedeutung.
29. Doch dies allein genuegt nicht. Es ist unsere dringende
Aufgabe, eigene Gewerkschaftskurse ueber Themen der Produktion
und Betriebsleitung durchzufuehren, um den Gewerkschaftsfunktionaeren und Betriebsvertretern eine Moeglichkeit zu geben, nicht
nur moderne Methoden, sondern auch die Einstellung der Gewerkschaften zu diesen Methoden in allen Einzelheiten zu besprechen.
Solche Lehrgaenge sind wegen des erzielten Erfahrungsaustausches
von hohem Wert. Als es sich in England zeigte, dass die Wortfuehrer der Gewerkschaften bei Verhandlungen ueber technische
Probleme ueber die neuesten Entwicklungen in der Industrie nicht
ausreichend orientiert waren, hat der britische Gewerkschaftskongress eine Reihe einwoechiger Kurse ueber Produktions- und
Betriebsleitungsfragen arrangiert. Der grosse Anklang, den diese
Kurse gefunden haben, zeigt, wie noetig es war, in dieser Hinsicht
8 -

�etwas zu unternehmen. Es sind Vorkehrungen getroffen worden,
um einem bestimmten Prozentsatz der Teilnehmer an diesen Kursen eine anderweitige Fortgeschrittenenausbildung zu ermoeglichen. Es ist nur allzu richtig, wenn man hinzufuegt, dass
unsere Bemuehungen in dieser Richtum um ein Mehrfaches gesteigert werden muessen.
30. Das technische Personal der Gewerkschaften wird am besten dadurch unterstuetzt, dass man Gewerkschafter ausbildet
und in die entsprechenden Stellungen beruft; es ist retsam,
sich in dieser Beziehung nicht auf Aussenstehende zu verlassen. Es ist einfacher, aus einem Gewerkschafter einen
Produktionstechniker als aus einem ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung stehenden Techniker einen Gewerkschafter zu
machen, mit dem wir auch tatsaechlich zufrieden sind.
Gewerkschaftliche Zusammenarbeit
31. Die Produktion wird nicht hervorgezaubert, sondern ist
genauestens organisiert, viele Aspekte dieser Organisation
muessen von den Gewerkschaften in Verhandlungen bearbeitet
werden. Gelegentlich koennen mittelbare Interessen der Gewerkschaftsmitglieder eine Haltung erfordern, die Einzelnen
oder Gruppen von Gewerkschaftern - was unter Beruecksichtigung
ihrer eigenen Interessen richtig oder falsch sein kann - nur
wenig genehm sind. So kann es auch unter fast inflatorischen
Umstaenden gute Gewerkschaftspolitik sein, zu einer gewissen
Beschraenkung in den Lohnforderungen zu raten, was von der
Mehrheit oder auch einer Minderheit der Mitglieder befuerwortet werden kann. In unserem gegenwaertigen Entwicklungsstadium ist dies unvermeidlich. Es waere ein schlechter Dienst
fuer die Gewerkschaftsbewegung, wenn wir Produktions- und Pror
duktivitaetsangelegenheiten in einer Weise behandeln wuerden,
in der die Integritaet der Gewerkschaften als freie Industrieverbaende der Arbeiter zu deren eigenem Schutz und ihrem Fortschritt nicht mehr eindeutig garantiert waere. Erforderlich
ist, dass die Gewerkschaften ein wirklich kaempferlsches Interesse an der Produktivitaet ihrer eigenen Arbeit nehmen und
nicht stillschweigend die Einstellung der Arbeitgeber zu diesen Fragen gutheissen. Ausserdem trifft es noch immer zu,
dass die Gewerkschaften in dem Streben nach hoeherer Leistung
ihren staerksten Druck auf die Unternehmer ausueben, indem
sie darauf bestehen, dass die Industrie fuer die Verbesserung
des Lebensstandards der Arbeiterschaft sorgen muss. Wenn die
Gewerkschaften in der heutigen Zeit besonders an Produktionsfragen interessiert sind, so ist hierin eine Tendenz zu sehen,
die auf wirtschaftliche und industrielle Entwicklungen zurueckzufuehren ist, die aber auf keinen Fall den Kampfgeist der
Gewerkschaften schwaechen darf. Diese Bewegung muss vielmehr
in der Lage sein, ihren Einfluss auf bestimmte und auch allgemeine Dinge staendig geltend zu machen.
- Protokollauszug DER EUROPAEISCHE ARBEITER UND DER MARSHALLPLAN
Es ist noch nicht allzu lange her - es war das Jahr
1948 - als Europa von Armut und Zerstoerung heimgesucht wurde.
Zum zweiten Male innerhalb einer Generation war die Wirtschaftsstruktur des Kontinents schwer erschuettert worden.
Der Kommunismus, der unter solchen Verhaeltnissen immer leichtes Spiel hat, reckte sein Haupt hoeher. Zeitweilig hatte
- 9-

�*

es tatsaechlich den Anschein, als ob er ganz Europa unter
seinen Fdlessen zerstampfen wuerde.
Das bedauernswerteste Opfer in diesem wirtschaftlichen
Elend war der europaeische Arbeiter. Es war kein Zufall,
wenn die Kommunisten in ihrer politischen Taetigkeit ihr
Hauptaugenmerk auf die Arbeiterschaft Europas riohteten vor allem also auf die Gewerkschaftsbewegung.
Die Kommunisten streckten ihre Haende schon nach einer
Frucht aus, die fast ausgereift war. Darüberhinaus war die
Sicherheit der gesamten freien Welt bedroht, wenn Europa nicht
erneut ein starkes und gesundes Mitglied der demokratischen
Gemeinschaft werden konnte.
Aber 1948 war auch das Jahr, in dem der Marshallplan mit
einem Programm nach Europa kam, das zum Ziel hatte, die europaeische Wirtschaft wieder auf eigene Fuesse zu stellen.
Von diesem Zeitpunkt an ist die kommunistische Expansion
in Europa steckengeblieben, der Kommunismus ist laengst in
die Defensive gedraengt.
Die Beauftragten des Marshallplans waren sich immer darueber im klaren, dass die europaeische Arbeiterschaft unter
anstaendigen Lebensverhaeltnissen leben muss, die es wert
sind, verteidigt zu werden, wenn Europa stark genug sein
soll, sich zu behaupten. Zwar ist der Lebensstandard noch
nicht annaehernd so hooh wie er sein sollte, aber die wirtschaftliche Lage der europaeischen Arbeiter waere heute unendlich schlechter, wenn es den Marshallplan nicht gaebe.
Das erfolgreiche Gelingen des Wiederaufbauprogramms
haengt von dem europaeischen Arbeiter ab, weil erstens vier
Fuenftel der europaeischen Exportgueter, die zum Ausgleich
des europaeischen Dollarkontos gebraucht werden, Erzeugnisse
der Industrie sein muessen, und weil zweitens die positive
Mitarbeit der Industrie-Arbeiterschaft fuer die gesteigerte
Produktion notwendig ist, die fuer die Verteidigungsbemuehungen der westlichen Welt erforderlich ist. Schliesslich ist
dieser Teil der europaeischen Bevoelkerung ein kritischer Faktor in dem ideologischen Krieg, der zur Zeit gegen den imperialistischen Kommunismus gefuehrt wird.
Trotz aller Fröpagandamittel, die die Kommunisten in die
Waagschale werfen, steht die Mehrheit der europaeischen Arbeiter heute hinter dem Marshallplan. Die freien Gewerkschaftsorganisationen bilden die staerkste Einzelmacht in Europa, die
sich fuer wirtschaftlichen Wiederaufbau einsetzt und die Rettung der Demokratie vor allen totalitaeren Uebergriffen sicherstellt.
Seit Beginn des Marshallplans hat sich in sieben von zehn
bedeutenderen Laendern, die von Amerika wirtschaftlich unterstuetzt werden, die Beschaeftigungslage gebessert. Es sind
dies Daenemark, Frankreich, Deutschland, Holland, Norwegen,
Schweden und England. Von dem Jahr 1948 als Basis ausgehend
liegt die Zunahme der Beschaeftigungsziffer in diesen Laendern
zwischen 3 % (Schweden) und 20 % (Deutschland). In Frankreich
stieg sie um 6 #, in England um 8 % und in Holland um 7 %. Norwegen und Daenemark meldeten eine Steigerung un 11 #. Selbst
das schwer mitgenommene Oesterreich und Italien hatten aehnliche

10

�Erfolge zu verzeichnen. Nur in Belgien ist die Beschaeftigungsziffer zurueckgegangen.
In Europa, als Gesamtheit betrachtet, arbeiten heute vier
Millionen Menschen mehr als im Jahre 1946. Dies stellt eine
Zunahme der Beschaeftigungsziffer seit Beginn des Wiederaufbauprogramms um etwa 3,2 % dar.
Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg waren die Realloehne der meisten europaeischen Arbeiter unglaublich niedrig.
Mit Eintreten der Marshallhilfe trat jedoch eine Wendung ein,
die Realloehne der Arbeiter stiegen wieder langsam an. Die
Grundbedingungen waren in den einzelnen Laendern natuerlich
sehr verschieden.
Seit Beginn des Marshallplans im Jahre 1948 sind die
Realloehne in Daenemark um 6,7 # in die Hoehe gegangen. Belgien, Holland und Schweden hatten die gleiche Erhoehung zu
verzeichnen; waehrend sich die Realloehne der norwegischen
Arbeiter um 3,8 % steigerten, konnten die oesterreichischen
Arbeiter eine Verbesserung um 13,8 # gegenueber dem Stand von
1948 durchsetzen. In Frankreich sind die Realloehne der Arbeiter ebenfalls angestiegen, und zwar um 3,7 % fuer verheiratete Arbeiter und um 3,9 % fuer Alleinstehende. In Italien betraegt die Gesamterhoehung 6,4 %. Am auffaelligsten war die
Verbesserung der Realloehne in Westdeutschland - sie verbesserten sich um nicht weniger als 41,4 %. Die 36 #ige Steigerung
in England ist trotz der schweren Belastungen der englischen
Wirtschaft infolge der Verteidigungsbemuehungen kaufkraftmaessig
stabil geblieben. Nur in Holland war, bedingt durch oertliche
Umstaende, ein Rueckgang der Kaufkraft der Loehne zu verzeichnen.
Trotz dieses ueberwaeltigenden Wiederaufbaus ist die Arbeit noch nicht vollendet. Die Wunden, die der zweite Weltkrieg geschlagen hatte, waren so tiefe, dass trotz all dieser
Erfolge der Lebensstandard der Arbeiter besonders in Oesterreich, Frankreich, Italien und Westdeutschland immer noch unter dem Niveau des VorkriegsJahres 1938 liegt.
Dies ist darauf zurueckzufuehren, da3S die Verhaeltnisse
in vielen Gebieten Europas bei Beginn des Marshallplans nicht
schlimmer haetten sein koennen. Seit dem Beginn der wirtschaftlichen Hilfe Amerikas ist die Abwaertsentwicklung der
realen Kaufkraft zu einer Aufwaertsbewegung geworden. Aber
gemessen an der Kaufkraft der amerikanischen Arbeiter hat sich
die Kaufkraft der Arbeiter in Oesterreich, dem Jahre 1938 gegenueber, um 10 % verringert. Unter den gleichen Umstaenden
ist sie in Deutschland um 13 #, in Italien um 2 % und in Frankreich sogar um 37 % niedriger.
Was Lebensmittel betrifft, so verfuegt der Arbeiter in
einem Land wie Frankreich demnach nur ueber ein Drittel der
Kaufkraft des amerikanischen Arbeiters. Und der Lohn des italienischen Arbeiters besitzt nur 25 % der Kaufkraft fuer Lebensmittel seiner amerikanischen Kollegen.
Das Schreckgespenst des Hungers ist heute jedoch gebannt,
und die Lebensmittelrationierung gehoert auf dem groessten
Teil des Kontinents heute der Vergangenheit an. Europas Arbeiter brauchen sich nicht mehr vor der Kaelte unendlich lang
erscheinender Winter zu fuerchten, und man kennt nicht mehr
- 11 -

�die strenge, fast verzweifelte Rationierung von Elektrizitaet,
Gas und sonstigen Notwendigkeiten des taeglichen Lebens. Ein
grosser Teil der Gegenwertfondmittel aus dem Marshallplan insgesamt 442 Millionen Dollar - ist fuer den Bau billiger
Mietwohnungen verwendet worden, um den europaeischen Arbeitein
bessere Wohnmoeglichkeiten zu bieten.
Trotz dieses Wiederaufbaus konnten die waehrend des
Krieges zerstoerten Gebaeude nicht wiederhergestellt werden,
ebenso war es nicht moeglich, zur Linderung der Wohnungsnot
in Frankreich, Italien, Griechenland und Westdeutschland allzuviel zu tun.
Die Vorteile, die der Marshallplan den europaeischen Arbeitern brachte, liegen auf der Hand. Vor Einsetzen des Marshallplanes hatte der Einfluss der Kommunisten auf die europaeische Gewerkschaftsbewegung seinen Hoehepunkt erreicht.
Heute, nach drei Jahren, ist dieser Einfluss geringer als er
Je in der Nachkriegszeit war.
Es war zum Beispiel Europas Arbeiterschaft, die als erste
die Handlungsweise der Vereinten Nationen gegenueber der kommunistischen Aggression in Korea guthiess. Waehrend andere
Sektoren der europaeischen Gesellschaft noch lange Debatten
ueber die Frage fuehrten, ob sie d9m Beispiel der Vereinigten
Staaten folgen sollten, stellte sich die Arbeiterschaft ohne
Zoegern auf ihre Seite. Unter Verwendung aller zur Verfuegung stehenden Informationsmittel wurde die Handlungsweise der
Vereinten Nationen als lebensnotwendig fuer die Verteidigung
der Demokratie dargelegt. Die europaeischen Arbeiter, deren
pazifistische Gesinnung man seit langem kennt, waren nicht
mehr gewillt, eines scheinbaren Friedens willen um jeden Preis
nachzugeben.
Und damit Europa stark genug ist, seine Existenz selbst
zu verteidigen, setzen sich die europaeischen Arbeiter dafuer
ein, dass Waffenlieferungen im Rahmen des Atlantik-Paktes sicher entladen werden. Dies trifft selbst fuer Frankreich zu,
wo noch so viel zu tun uebrigbleibt. Zu Beginn des Marshallplans war Marseille einer der grossen Haefen, die voellig von
den Kommunisten beherrscht waren. Sie hatten 54 von 55 Sitzen
in den Betriebsraeten der Dockarbeiter'inne. Hiervon sind
ihnen jedoch nur zehn Sitze geblieben, die Waffen fuer die
Verteidigung der freien Welt werden ohne jeden Zwischenfall
entladen. Aehnlich sieht es auch in anderen grossen europaeischen Haefen wie Cherbourg und Neapel aus.
Wie die europaeischen Arbeiter heute eingestellt sind,
ist aus einem Vorfall zu ersehen, der sich vor weniger als
einem Jahr in Oesterreich ereignete. Die Kommunisten planten
mittels eines Generalstreiks einen rücksichtslosen Staatsstreich. Die in freien Gewerkschaften organisierten Arbeiter Oesterreichs, die die ueberwaeltigende Mehrheit der Erwerbsbevoelkerung des Landes bilden, versagten jedoch ihre
Mithilfe. Und der kommunistische Griff nach der Macht wurde
zu einem klaeglichen Fehlschlag.
Dies sind einige der immer zahlreicher werdenden Beispiele, die zeigen, dass es den Kommunisten nicht gelingt, die europaeischen Arbeiter zur Erreichung ihrer eigenen Ziele zu
missbrauchen.
- 12 -

�Dies sind einige wenige Beispiele, die zeigen, wie durch
die Vorteile, die den Arbeitern aus dem Marshallplan erwuchsen, neues Vertrauen in die Demokratie und neue Hoffnungen
auf ein besseres Morgen geschaffen wurden.
Es muss jedoch gesagt werden, dass es noch zwei Laender
in Europa gibt, wo der Kommunismus in zaeher Selbstverteidigung noch immer eine Macht bleibt, mit der gerechnet werden
muss. Es sind dies Frankreich und Italien, deren Arbeiter
einen anstaendigen Lebensstandard und einen gerechten Anteil
an den Fruechten aus dem Wiederaufbau erhalten muessen, bevor
der Einfluss der Kommunisten beseitigt werden kann. Die Unternehmer in diesen Laendern muessen sich darueber im klaren sein,
dass die Arbeiter Anteil an den Fruechten einer gesteigerten
Produktivitaet - die bereits hoeher ist als vor dem Kriege haben muessen.
Es war das Hauptziel des Marshallplans, die wichtigsten
Industrien wieder dahin zu bringen, dass sie funktionieren und
produzieren koennen. Dieses Ziel ist im grossen und ganzen
erreicht worden.
Vor uns liegt jedoch noch die Aufgabe, diese Produktivitaet noch weiter zu steigern und dafuer zu sorgen, dass die
Arbeiter in Form hoeherer Loehne und niedrigerer Preise auoh
Vorteile von ihr haben.
Die
rung der
richtet.
kann und

neue Kampagne der Marshallplan-Verwaltung zur SteigeProduktivitaet ist besonders auf diese Ziele ausgeDie europaeische Industrie produziert bereits. Sie
muss aber noch leistungsfaehiger werden.

Wenn die europaeischen Industrien erst einmal neu organisiert, mit neuen Produktionsmitteln ausgeruestet und nach neuen Gesichtspunkten orientiert sind, wird Europa, einer neueren
Schaetzung des ECA-Administrators zufolge, in der Lage sein,
seine wirtschaftliche Leistungsfaehigkeit um 100 Milliarden
Dollar jaehrlich zu steigern. Dies wuerde bedeuten, dass der
Lebensstandard der europaeischen Arbeiterschaft, besonders in
Gebieten, in denen jetzt noch Unsicherheit herrscht, weiterhin
steigen wuerde, waehrend diese Nationen zur gleichen Zeit fuer
die Verteidigung des Westens ihre Abwehrschritte vorbereiten.
Es wird ausserdem bedeuten, dass den bereits geschwaechten
Kommunisten in Europa endgueltig der Todesstoss versetzt wird.
Dieser letzte Schritt muss noch getan werden, um den Wiederaufbau Europas zu vollenden, es muss dafuer gesorgt werden,
dass die Arbeiterschaft des Kontinents den Lebensstandard erringt und sich der Lebensweise erfreut, die es wert sind, verteidigt zu werden.
ECA Labor Information
CIO FORDERT VERBESSERUNG DES SOZIALVERSICHERUNGSPROGRAMMS
In der Erwaegung, dass schaetzungsweise 5&amp; Millionen Amerikaner Unterstuetzungsgelder beziehen und ein Viertel der
Nation "am Rande der Not lebt," hat der CIO ein erweitertes
bundesstaatliches Sozialversicherungsprogramm gefordert, das
eine Lebens-,Kranken- und Unfallversicherung enthaelt und dem
ein hoeherer Mindestlohn zugrundegelegt werden soll.
- 13

�"Jeder Amerikaner muesste im Schutze dieser Versicherung
stehen, die Unterstuetzungen muessten so erhoeht werden,
dass alte Leute und Hinterbliebene einen besseren sozialen
Schutz haben," hiess es in der Dezember-Ausgabe der ClO-Veroeffentlichung "Economic Outlook". "Auoh der Invalide muss
in diese Versicherung einbezogen werden, die KrankheitsVersicherung muss zusammen mit anderen Bestandteilen eines bundesstaatlichen Gesundheitsprogramms fest verankert werden, zu
dem z.B. die Ausbildung fuer den Sanitaetsdienst und der Bau
von Krankenhaeusern gehoeren.
"Die amerikanischen Unternehmer muessen aufgefordert werden, angemessenere Mindestloehne zu. zahlen und bessere Sicherheiten gegen Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfall und Todesfall zu
bieten, die hierdurch entstehenden Mehrausgaben sind als Produktionskosten zu betrachten."
In dem "Outlook" heisst es weiter, dass alle einzelstaatlichen Programme der Sozialversicherung in einem bundesstaatlichen Versicherungssystem vereinigt werden muessen, das
gleiche und angemessene Unterstuetzungen und die Erfassung aller Buerger garantiert.
Im "Outlook" wird ferner die "Jenner"-Abaenderung zu dem
neuen Steuergesetz verurteilt, die es einem Staate erlaubt,
die Oeffentlichkeit Einblick in die Listen der Unterstuetzungsempfaenger nehmen zu lassen. Dadurch waeren jene, die unterstuetzt werden muessen, um leben zu koennen, mit einem "grausamen und nicht zu rechtfertigenden Stigma gekennzeichnet."
"Die richtige Antwort auf das Problem der unwuerdigen
offenen Listen der Unterstuetzungsempfaenger sei eine kluge
Handhabung der Wohlfahrtsbehoerden durch ein entsprechendes
Personal geschulter und kompetenter Leute, die Sinn fuer
menschliche Wohlfahrt haben, und die wissen muessen, unter
welchen Umstaenden Hilfe wirklich erforderlich ist. Es ist
unmenschlich, alle Unterstustzungempfaenger als "Schmarotzer"
oder "Parasiten" zu brandmarken."
Rund dreieinviertel Millionen Amerikaner im Alter von
ueber 65 Jahren beziehen Altersrenten, die im Durchschnitt
fuer eine einzelstehende Person 43 Dollar und fuer ein Ehepaar 67 Dollar betragen. Mehr als eine Million Muetter und
Kinder beziehen gemaess den Bestimmungen des Hinterbliebenengesetzes "jammervoll niedrige Unterstuetzungen". Die durchschnittliche Unterstuetzung fuer eine Witwe mit zwei Kindern
betraegt zur Zeit 104 Dollar im Monat oder weniger als 25
Dollar in der Woche. Sechzehn Millionen Arbeiter fallen nicht
unter die bundesstaatlichen Mindestlohngesetze, der bundesstaatliohe Mindestlohn von 75 Gents reicht fuer eine durchschnittliche Familie von vier Personen gerade dazu aus, ihr
Dasein zu fristen.
"Die Verteidigung Amerikas ist nicht eine Angelegenheit
von Maschinengewehren und Atombomben allein; Jede Sicherheit
haengt, auf lange Sicht gesehen, auch von den Menschen ab gesunden, hoffnungsvollen und produktiven Menschen, die bereit
sind, sich fuer die Erhaltung ihrer Lebensweise restlos einzusetzen."
Daily News Service
II1/10/51
14 i

�GEWERKSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGEN IM IRAK
Im Anschluss an die wirtschaftliche Depression im Irak
ist die Beschaeftigtenziffer seit Mitte 1950 in die Höhe gegangen, waehrend Lohn- und Arbeitsbedingungen praktisch unveraendert blieben. Im Arbeitsministerium gab es nur wenig
Beamte, die sich mit dem Erlass der notwendigen Arbeitsschutzgesetze beschaeftigten, und weder die Industriearbeiterorganisationen noch die anderen Gewerkschaften waren in der Lage,
solche Gesetze durchzusetzen.
1949 und zu Anfang 1950 erreichte die Arbeitslosigkeit den
Hoeohststand der Nachkriegsjähre, was z.T. auf die Entlassung
der Soldaten aus Armee und Polizei zurueckzufuehren ist. Wie
Arbeitsbeauftragte der Regierung erklaerten, war dieses Problem vor allem fuer Angestellte, Bauarbeiter und diejenigen
Fellachen besonders gross, die in die Staedte kamen, um dort
Beschaeftigung zu suchen. Mit der Verbesserung der allgemeinen
wirtschaftlichen Verhaeltnisse und der -Inangriffnahme der Bauprojekte der Regierung ging die Arbeitslosigkeit in der letzten
Haelfte des Jahres 1950 und zu Anfang des Jahres 1951 zurueck.
Nach der Auswanderung von 85,000 Juden nach Israel gab es sogar
offenstehende Arbeitsplaetze.
Nachdem die Konvention 68 des Internationalen Arbeitsamtes
vom Parlament des Iraks ratifiziert war, die sich auf die Organisation des Arbeitsvermittlungsdienstes bezieht, unterrichtete der Generaldirektor fuer Arbeit und soziale Sicherheit
die Leiter der vier Arbeitsaemter in Bagdad, Mosul, Basra und
Kirkuk ueber neu zu treffende Massnahmen. Die Arbeitsinspektoren (sechs in Bagdad und je einer in den drei uebrigen StaedtenJ
wurden angewiesen, die Unternehmer zu veranlassen, der Regierung Vorschlaege ueber Beschaeftigungsbedingungen, Loehne, Arbeitszeit und andere Arbeitsbedingungen zu unterbreiten.
Frueher hatten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer damit
gezoegert, derartige Vorschlaege der Regierung zu uebermitteln,
weil sie befuerchteten, dass ihnen hieraus ein Nachteil entstehen koennte.
Im Mai 1951 gab es nur 12 schwache Gewerkschaften mit insgesamt 7265 Mitgliedern. Zwei Gewerkschaften der Zimmerleute
waren gegen Ende des Jahres 1950 mit der Begruendung verboten
worden,dass sie sioh durch kommunistische Infiltration und
subversive Ideen beeinflusst, nicht den Massnahmen der Regierung unterordnen wollten.
Seit Dezember 1949 waren fast alle Streiks von nichtorganisierten Arbeitnehmern einzelner Firmen ausgerufen worden. Zu
diesem Zeitpunkt waren das Notstandsgesetz und das Streikverbot
aufgehoben worden. Es hat demnach den Anschein, dass diese Arbeiter in ihren Forderungen mehr Erfolg hatten als die von der
Regierung erlaubten Gewerkschaften.
Im Verlauf des Jahres 1950 wurden drei Streiks gefuehrt,
jedoch nur einer von einer Gewerkschaft. In jedem Falle konnten die Arbeiter ihre wichtigsten Forderungen durchsetzen, die
sich entweder auf hoehere Loehne oder bessere Lohnzahlungsmethoden bezogen. In der ersten Haelfte des Jahres 1951 kam es zu
zwei Streikaktionen. Vom 22. Februar bis zum 7. Maerz streikten 1,300 Arbeiter der Basra Petroleum Company. Sie forderten,
dass man ihnen die zwei Stunden bezahlt, die sie taeglich auf
- 15 -

�den Autobussen der Gesellschaft auf dem Weg zur Arbeitsstaette
und wieder nach Hause zubringen. Nach der endgueltigen Beilegung des Streiks erklaerte sich die Firma lediglich bereit, zu
versuchen, die Fahrtzeit der Arbeiter zu verkuerzen, fuer Unfaelle, die sich waehrend dieser Fahrt ereignen, Unterstützungen zu zahlen, und gewisse andere, geringfuegige Zugestaendnisse
zu machen. Der zweite Streik war durch eine Aussperrung der
Arbeiter in den Textilbetrieben der Firma Fattah Pasha und Ahli
in Bagdad ausgeloest worden. Nach Beendigung der Aussperrung
wurde auch dieser Streik beigelegt.
Die Regierung traf vor kurzem Massnahmen, um den Mangel an
etwa 60.000 preiswerten Wohnungen zu beheben und der Arbeitslosigkeit unter den Bauarbeitern abzuhelfen. Dem Ministerium
fuer Soziale Angelegenheiten wurden in der Zeit von 1950 bis
1951 fuer den Bau von 225 kleinen Haeusern, die hauptsaechlioh
fuer juengere Regierungsbeamte bestimmt waren, Geldmittel in
Hoehe von 75.000 Dinar ( DM 862 000) zur Verfuegung gestellt.
Der groesste Teil dieser Haeuser sollte in Tel-Mohammed, einer
Vorstadt von Bagdad, gebaut werden. Dort ist bereits ein Bauprojekt von 208 Wohnhaeusern fertiggestellt worden.
Ein Grundstueck, das fuer den Bau von Wohnungen fuer
30,000 Fellachen aus Bagdad bereitgestellt worden war, deren
Sohilfhuetten staendig der Gefahr ausgesetzt sind, ueberflutet
zu werden, wurde 1951 fuer den Bau eines Krankenhauses vorgesehen, weil die Fellachen sich weigerten, umzuziehen. Ein
Wohnungsbauprojekt von 700 Haeusern soll Ende des Jahres 1951
fertiggestellt sein. Die Unkosten hierfuer werden sich auf
3.430.000 DM belaufen.
Der Bau wird von der Stadtverwaltung von Basra geleitet,
die ausserdem die Herstellung von 1000 aus Lehmziegeln gebauten Haeuser geplant hat, die von Fellachen durch jaehrliche
Ratenzahlungen von 5 oder 6 Dinar (58,80 - 70,50 DM) kaeuflioh
erworben werden koennen. Im April forderte der Minister fuer
soziale Angelegenheiten die sofortige Abaenderung eines im
Jahre 1947 erlassenen uesetzes, nach dem Arbeitgeber, die mehr
als 200 Personen beschaeftigen, verpflichtet sind, ihren Arbeitern Wohnungen zur Verfuegung zu stellen. Die Irak Petroleum Co., eines der 12 groessten Unternehmen, die unter dieses
Gesetz fallen, hat bereits im Gebiet von Kirkuk 250 Wohnhaeuser
fuer Arbeiter gebaut.
Es ist damit zu rechnen, dass aufgrund der juengsten Entwicklung in der Petroleumindustrie des Iraks - die Unternehmen
haben einen neuen, bis 1961 laufenden Vertrag abgeschlossen,
der eine 50 #ige Beteiligung der Irak-Regierung an den Exporterloesen des Petroleums vorsieht - sowohl der Wohnungsbau als
auch die Gewerkschaften einen starken Aufschwung nehmen werden.
Notes on Labor Abroad
51/7-8

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Äffairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post angeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
SjSjfsnfallen,

IV - 51

F r a n k f u r t , den 2 1 . Dezember 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
"Pilot-Betriebe" als Pruef- und Beweismoeglichkeit fuer Produktivltaetssteigerungen

1

Die erwerbstaetige Japanerin im Schutz neuer
Arbeitsgesetze

9

Die Stellungnahme der norwegischen Gewerkschaften zu den Problemen der Loehne, der
Preise und der Produktion

11

Neuer Fischschwarmdetektor bedeutet mehr
Nahrungsmittel fuer Europa

14

William Gomberg:
"PILOT-BETRIEBE" ALS PRÜEF- UND BE'tfEISMOEGLICEKEIT FUER
PRÖDÜMTvmsiTSSTSIGiiRÜTJGEB
Als am 17. Juni vier und eine halbe Million Franzosen
von insgesamt 17 Millionen Waehlern ihre Stimmzettel in die
Urnen legtenund sich fuer den kommunistischen Kurs und gegen
die Demokratie entschieden, weitere 3,6 Millionen dem Appell
der Gaullisten folgten und sich damit gleichfalls fuer die
Abschaffung der Demokratie aussprachen und die Verwirklichung
einer rechtsradikalen Diktatur forderten, da zeigte es sich
sehr deutlioh, dass die Kommunisten sich nooh immer ihre Hauptkraft in der Arbeiterklasse erhalten haben.
Dieses Echo der kommunistischen Propaganda ist in wirtschaftlicher Hinsicht verstaendlich. Es ist Tatsache, dass
die Industrieproduktion Frankreichs immer neue Rekorde erreicht. Aber die Arbeiter haben an diesem Aufschwune nioht
den geringsten Anteil. Nach einer Statistik in "Business
Week" liegt jetzt die industrielle Produktion 40 % •: ,ber
dem Vorkriegsstand und man rechnet damit, dass sie noch um
- 1 -

�weitere 6 bis 10 % ansteigen wird. Der Grosshendelsindex der
Industrieproduktion ist auf 63 §&amp; geklettert, der Grosshandelsindex fuer Nahrungsmittel auf 16 %, fuer Rohmaterialien auf
102 #, fuer den Pariser Bezirk ist jedoch der Index fuer Nahrungsmittel auf 30 % angestiegen. Aber waehrend der Einzelhandelspreisindex 30 mal so hoch wie vor dem Kriege ist, ist
der Lohnindex nur um etwa das 13fache gestiegen. Das bedeutet, dass die durch die Froduktivitaetssteigerung erzielten
Gewinne zwar sehr betraechtliche geworden sind -sie koennen
auch in erster Linie auf den Marshallplan zurueckgefuehrt
werden - dass diese Gewinne aber nur die Industrie selbst erzielt hat, waehrend die Kaufkraft der Arbeiterschaft sich noch
nicht wieder auf den Vorkriegsstand geschraubt hat. Es ist
daher weder neu noch ueberraschend, dass der Marshallplan sich
bei der franzoesischen Arbeiterschaft keiner besonderen Beliebtheit erfreut.
Natuerlich koennen die Amerikaner behaupten, dass ohne
die Marshallplanmittel die franzoesische Industrie ihren Wiederaufbau nur sehr langsam haette durchfuehren koennen oder
dazu angesichts der besonderen Weltwirtschaftsverhaeltnisse
ueberhaupt nicht_ in der Lage gewesen waere. Unter
diesen Umstaenden gaebe es fuer die franzoesischen Arbeiter
nur noch groessere Haerten und Erwerbslosigkeit. In jedem Falle ist hier jedoch eine betraechtliche Veraergerung ueber den
"reichen Onkel" festzustellen, weil diese Mittel dazu beigetragen haben, eine Ungleichheit zu schaffen, wie die eben angegebenen Zahlen beweisen und aus diesem Grunde sich ueber die
Marshallplanhilfe eher eine Veraergerung als eine Dankbarkeit
ergeben musste.
Aber wie koennen die Amerikaner diese Situation loesen?
Dieses franzoesische Probier;., gibt es in Grossbritannien
dagegen nicht. Die britische Arbeiterregierung war ebenso
stark wie einsichtig genug, um die Interessen der Arbeiterschaft zu schuetzen, weil sie von jedem kommunistischen Einfluss frei war und ihre Ziele niemals verwaessern liess. Der
Regierung gelang es, die britischen Arbeiter davon zu ueberzeugen, dass sie an den Segnungen des Marshallplans beteiligt
sind, weil die Ertraege gerecht aufgeteilt wurden. Dadurch
wirkten sich die Verhaeltnisse nicht in einer Form wie in Frankreich aus. Man muss gerade diesen Punkt herausstellen, weil
es eine weitverbreitete Meinung gibt, dass die Erfolgslosigkeit
des Marshallplans in Frankreich auf propagandistische Maengel
zurueckzufuehren ist. Aber selbst eine weit groessere und bessere Anzeigenkampagne haette hier nicht helfen koennen. Nicht
der Mangel an Publizitaet hat diesen Fehler herbeigefuehrt, sondern eine gewisse und bedeutsame Phase der franzoesischen Politik. Hierueber muss man sich vor allem anderem im klaren sein.
Ob es nun so geplant war oder ob es nur zufaellig so geschah, der Marshallplan hat sich jedenfalls selbst auf die
Theorie der"Sickerungs"-Theorie abgestellt: "Kuenmert Euch um
die fuehrenden Schichten, die Ertraege werden nach und nach
auch bis zu den niedrigsten Gruppen durchsickern." Diese Form
der Politik war in den ersten Jahren der schweren Depression
anzuraten, aber sie erwies sich sehr bald als voellig unwirksam.
Das amerikanisoud Volk verwarf diese Politik mit der Wahl im
Jahre 1932. Kein noch so grosser Aufwand an Anzeigen und Propaganda, mag er auch noch so geschickt sein, kann diese "Siokerungs"-Theorie dem europaeischen Arbeiter im Jahre 1951
- 2

�als die wirkliche.Loesung aller Probleme empfehlen.
Die Amerikaner muessen darauf bestehen, dass ihre wirtschaftliche Hilfe in einer Weise angewandt wird, um ein guenstiges Klima zu schaffen - vor allem fuer jene "franzoesischen Unternehmer, die sich bereit erklaeren, endlich einmal mit jenen
ueberkommenen Methoden der Ausbeutung der Arbeiterschaft zu
brechen. Diese Forderung ist ebenso wichtig wie die finanzielle
Stabilitaet, denn hier ergibt sich ein Appell an eine zahlenmaessig weit staerkere und wichtigere soziale Klasse.
Die Formulierung des franzoesischen Problems mit diesen
Begriffen ist keineswegs neu. Im fruehen Februar des.Jahres
1950 haben die damaligen Leiter des Bueros fuer Arbeitsangelegenheiten Boris Shiskin, der bei der ECA taetig war,und Jim
Stern, der Leiter der Produktivitaetsabteilung im Buero fuer
Arbeitsangelegenheiten, Besprechungen auf einer realistischen
Basis begonnen, die eine zweckmaessigere Verteilung und Vergebung der Marshallplanmittel sicherstellen sollten. Im September
1950 gab eine Studiengruppe amerikanischer Gewerkschafter Lucia, Berenger und Gibbons - ihren Bericht ueber die Ergebnisse
ihrer Studienreise durch Frankreich heraus. Sie wiesen darauf
hin, dass die negative Raktion der franzoesischen Arbeiter in
bezug auf die Marshallplanhilfe zwischen einer offenen Feindschaft und einer voelligen Uninteressiertheit schwankte. Gemaess
den in diesem Bericht geaeusserten Bemerkungen rief der neu ernannte, aus dem CIO hervorgegangene Arbeitsbereter der ECA
Rober Olivler eine Gruppe Gewerkschafter zusammen, um ein neues
Programm fuer Frankreich festzulegen. Dieser Gruppe gehoerten
Victor Reuther, William Gomberg und Harold Gibbons an. Ken Douty,
der leitende Beauftragte fuer Arbeitsfragen in der franzoesisohen Mission, wurde nach Paris gebeten, um an der Konferenz teilzunehmen. Und bei dieser Konferenz entstand zum ersten Mal die
Idee, Pilot-Betriebe in Frankreich zu errichten. Aber es war
nicht die Zeit vorhanden, dieses Vorhaben in allen Einzelheiten
festzulegen. Uebrigens war die Wahl des Begriffs "Pilot-Anlage"
bereits eine etwas unangenehme Angelegenheit. Eine "Pilot-Anlage"
bedeutet in der Sprache des Ingenieurs ein kleines Laboratorium,
das seine Arbeiten in der Hoffnung durchfuehrt, die Grundlage
fuer eine groessere, kostspieligere Anlage ermitteln zu koennen.
Die Beziehung zwischen einer Pilot-Anlage und einer regulaeren
besteht darin, dass erstere den Zweck hat, lediglich als Versuchsabteilung zu dienen und alle Irrtuemer ausschalten soll,
die sioh zu Ungunsten eines Betriebs der Massenproduktion ergeben koennten. Die gesamte Theorie der Pilot-Anlage besteht darin, durch Beispiel und praktische Erfahrung die Materie kennen
zu lernen.
Die Idee,durch Beispiele Erfahrungen zu sammeln, wurde kuehn
auf die franzoesische Situation uebertragen. Das Denken einiger Mitglieder des ECA-Stabes wurde mit einigen wohlmeinenden
Franzosen geteilt, die daran interessiert waren, die Situation
in der franzoesischen Industrie grundlegend zu aendern. Die
Ueberlegungen lagen jedoch ziemlich in der gleichen Richtung.
Der franzoesische Industrielle blieb davon ueberzeugt, dass geringe Gewinnspannen und hohe Umsaetze in den Vereinigten Staaten
sioh ohne weiteres ermoeglichen lassen, jedoch nicht in Frankreich. Wenn jedoch an Hand von Beispielen bewiesen wird, wie
sioh diese Geschaeftsmethoden auch auf Frankreich erfolgreich
uebertragen lassen und das Unternehmen entsprechend gefuehrt
wird, dann sind auch die franzoesischen Geschaeftsleute ohne
weiteres bereit, sofort ihr altmodisches Denkprinzip aufzugeben
und sie erwaermen sich fuer ein System des hohen Lohnes und der
3 -

�niedrigen Verkaufspreise. Unterredungen mit franzoesischen
Geschaeftsleuten, die sich ueber eine Zeit von sechs Wochen
erstreckten, sind durchaus nicht beweiskraeftig, sie sind aber
sehr aufschlussreich. Wiederholt musste man entdecken, dass
der franzoesische Geschaeftsmann kaum noch der Vetter aus der
Kolonialzeit ist, der keine Ahnung von den grossen amerikanische]! Wirtschaftsgrundsaetzen hat, aus der der grosse Katechismus der Rotarier besteht, und die heute wiederum eine von oben
her kommende Anregung fuer eine grundsaetzliche Theorie erwarten. Seine Kenntnis der amerikanischen Praxis war durchaus
zufriedenstellend, sein Wissen um die wirtschaftliche Philosophie uebersteigt. die seines amerikanischen Ebenbildes in
sehr vielen Faellen. Ein Strickwarenhersteller stellte fest,
dass er den Verkaufspreis eines Pullovers von 25 DM auf 8.50
DM herabsetzen und dabei noch immer einen kleinen Gewinn erzielen koennte. Und wenn er es jedoch tun wollte, warum soll
er es eigentlich? Praktisch wuerde dies nur bedeuten, dass er
bei einem ebenso hohen Gewinn oder sogar bei einem geringeren
noch mehr Aktivitaet als bisher aufzuwenden haette. Und weiter ist er der Meinung, dass der Einzelhaendler einfach die
bisherige Spanne fuer sich in Anspruch nehmen wird, das heisst
den Verkaufspreis nicht herabsetzt, sondern die groessere
Differenz fuer sich behalten wird.
Natuerlich gelangt nichts von diesem graswurzelhaften
Denken in den offiziellen Feststellungen oder in den vielen
Reden zum Vorschein. Alle offiziellen Reden preisen die Vorteile des vielfachen Umschlags, des geringen Gewinns und erst
recht die Notwendigkeit einer erhoeüten Produktivitaet. Aber
die Syndici der Unternehmer haben nur halboffizielle Positionen inne, und sie verfolgen selbstverstaendlich die Politik,
wie sie von den Mitgliedern der Verbaende gewuenscht wird.
Und sie fuehren diese umso wirksamer durch, weil sie viele
Jahre hindurch es verstanden haben, sich nach aussen hin eine
gute oeffentliche Meinung zu schaffen. Die notwendigen Konferenzen gehen mit allen Zeremonien vor sich* allen geeigneten
Plattheiten wird in der Oeffentlichkeit ein starkes Echo verschafft. Als ich einmal ziemlich privat mit einem der hervorragendsten Organisatoren solcher Konferenzen mich etwas ausfuehrlicher unterhielt, gestand er mir ganz offen ein, dass
er immer noch einen sehr anstaendigen Profit machen koennte,
wenn er die Preise fuer die Haushaltsartikel reduzierte, die
er herstellte. Er meinte jedoch: "Warum soll ich es aber tun?
Der Markt fuer m9ine Erzeugnisse ist voellig unelastisch."
Jeder Syndikus einer Industriegruppe bringt es fertig, fast
alle Handelsgewohnheiten ihren Mitgliedern aufzuzwingen, weil
sie die Faehigkeit haben, die Zahl der neu in eine bestimmte
Industrie Eindringenden einzuschraenken. Diese Macht ist vor
allem auf die von ihnen ausgeuebte Kontrolle ueber knappe Rohmaterialzuteilungen zurueckzufuehren. Vor der Eroeffnung eines Unternehmens muss der Inhaber sich eine Handelserlaubnis
durch das Wirtschaftsministerium verschaffen. Neue Antraege,
die eine Geschaeftseroeffnung betreffen, werden vom Wirtschaftsministerium an die Geschaeftsfuehrung des betreffenden Industriellenverbandes weitergeleitet, die nun festzustellen hat,
ob in diesem Industriezweig noch Moeglichkeiten fuer die Eroeffnung eines neuen Unternehmens bestehen. Das bedeutet in
der Praxis, dass die Konkurrenten des Unternehmers von morgen
darueber zu Gericht sitzen, ob dieser die Genehmigung oder
das Verbot erhaelt, sich auf diesem Marktgebiet zu betaetigen.
Wenn der Antrag eines Tages endgueltig durch das Wirtschaftsministerium zurueckgewiesen wird, so kann es nicht dazu ver-

- 4 -

�pflichtet werden, die Gruende fuer diese Ablehnung aufzudekken. Es gibt gegen diesen Entscheid auch keinerlei Berufungsmooglichkeit. Und daneben gibt es eine Unzahl aehnlicher Punkte, wo durch das franzoesische sehr komplizierte Gesetzgebungssystem die Gemeinschaft der franzoesischen Unternehmer
einen starken Druck ausueben kann, um etwaige Konkurrenten,
die Aussenseiter sind, in die allgemeinen Schranken zurueck
zu weisen.
Was ich hier berichte, bestaetigt nur die Beobachtungen,
die Kritiker des franzoesischen Wirtschaftssystems wie Lanes
gemacht haben:
"In einem solchen System ist der selbstverstaendliche
Drang nach einer Ausdehnung des Unternehmers im Interesse
des Unternehmens entweder ziemlich unentwickelt oder voellig
abwesend. Tatsaechlich ist der Unternehmer geneigt, wenn
er schon zu etwas entschlossen ist, alle Moeglichkeiten fuer
eine Weiterentwicklung zunaechst zu vertagen," weil der Hauptnachdruck auf die Staerkung und die Erhaltung des Unternehmens gelegt wird und weiterhin eine allzu schnelle Entwicklung
des Unternehmens dieses frueher oder spaeter dazu zwingen
koennte, von Aussenstehenden Kapitalien aufnehmen zu muessen
und dadurch die Alleinbeherrschung des Unternehmens in eine
sohwere Gefahr geraet, die unter Umstaenden diese zu unter- .
hoehlen vermag. Weil jedoch die Unabhaengigkeit ein so kostbares Gut ist, besteht sehr haeufig eine uebermaessige Vollstaendigkeit des Fabrikationsprogramms, die einer wirksamen
rationellen Produktion aeusserst nachteilig ist. Das System
der Untervertraege zwecks Lieferung bestimmter Teile oder
die Geschaeftsverbindung mit Teillieferanten, die in Amerika
fuer die Industrie eine Form der Zusammenarbeit auf der fabrikatorischen Ebene geschaffen hat durch eine entsprechende
Verteilung der Einzelauftraege, ist in Frankreich noch immer
nur in ganz geringem Umfang durchgefuehrt."
"Man kann sogar eine starke Tendenz feststellen, Moeglichkeiten eines staerkeren Wachstums abzubremsen, weil die Theorie
besagt, dass das Unternehmen genug verdient und dass ein zusatzlicher Profit die zusaetzlichen Muehen nicht wert ist.
Diese besondere Abweichung, die im uebrigen keineswegs ungewöhnlich ist, bleibt dem Denken der meisten Amerikaner voellig
fremd, wie sie sich auch durch die immer wiederkehrende Frage
der Touristen zu erkennen gibt "Aber wollen sie denn nicht verdienen?" Die Antwort ist selbstverstaendlich, dass sie es
moechten, dass sie in jedem Falle soviel verdienen wollen, wie
sie zum Leben benoetigen. Die Franzosen neigen dazu, ebenso
in Verlegenheit zu kommen, wie wenn sie mit dem Eigensinn der
franzoesischen Eingeborenen in Verbindung gebracht werden, die
den ueblichen Lohnanreizen unzugaenglich sind. Das ist im
Lichte der Tatsachen genau das gleiche."
Es gibt zwei Wege fuer die Vorbereitung einer Pilot-Anlage.
Die eine besteht darin, dass amerikanische Industriellsten und
Gewerkschafter es eirem franzoesischen Unternehmer ermoeglichen,
die besten zur Verfuegung stehenden amerikanischen technischen
Methoden anzuwenden. Diese Formen der Technik beruhen darauf,
dass die grundsaetzliche Wirtschaftspolitik des Unternehmens
auf einem schnellen Umschlag der Gueter besteht, sodass sich
geringe Gewinnsaetze je Einheit, eine hohe Produktivitaet und
hohe Loehne in geradezu automatischer Konsequenz ergeben. Der
- 5 -

�Grundappell sollte sioh an die patriotischen Gefuehle der
franzoesischen Unternehmerschaft wenden. Andre Coret, ein
franzoesischer Industrialist, der Mitglied der Studiengruppe
gewesen ist, hatte sioh zweifellos an diese Gedankengeenge
erinnert, als er folgendes schrieb:
"Um dieses Ziel zu erreichen, ist es unerlaesslioh, eine
solche Haltung von Grund auf zu schaffen, da in Frankreich
sowohl die fuehrenden Maenner der Industriellen-Vereinigungen als auch die Gewerkschaftsführer sehr oft (dies kann
uebrigens durchaus guten Willens in gutem Glauben geschehen)
sich in einen verhaengnisvollen Kreislauf einspannen lassen die beruehmte Schlange beisst sich dabei in den Schwanz der auf der Meinung basiert, dass es nioht moeglioh ist, diesen ueberkommenen Grundsatz des Denkens jener Maenner zu beseitigen, die sie auf ihre Posten berufen haben. Und diese Grundeinstellung macht jede Tat vergeblich, die das Bestreben hat,
den gegenwaertigen Stand der Dinge endlich einmal zu aendern.
"Es ist deshalb erforderlich, einmal ein konkretes Beispiel zu geben und dabei den Endzweck sich vor Augen halten,
das heisst also, auf einer kleineren Plattform ein Musterbeispiel durchzufuehren, das nur ein Experiment in geringerem
Umfang bedeutet. Aus diesem Grunde kann eine Pilot-Anlage
aeusserst nuetzlich wirken."
Die zweite Moeglichkeit, den Begriff der Pilot-Anlage
staerker in den Vordergrund zu ruecken, besteht darin, einen
nicht in orthodoxen Gedankengaengen steckenden Unternehmer,
der sich nicht echten oder unechten Eartellgrundsaetzen verschrieben hat und der zugleich darauf bedacht ist, sein Unternehmen durch die Schaffung neuer Maerkte und die Eroberung
bestehender Maerkte auszuweiten, ausfindig zu machen. In dieser Situation befanden sich 1911 Henry Ford und 1930 Henry
Kaiser, heute muss man aber gleichdenkende franzoesische Unternehmer mit der Laterne suchen. Aber ihr Einfluss wuerde
in Frankreich deutlich spuerbar werden, weil ihre unorthodoxen
Geschaeftsmethoden die bisherige wirtschaftliche Sicherheit
jener Unternehmen bedrohen wuerden, die diese Methoden nicht
anwenden. Es kann jedoch nicht erwartet werden, dass sogenannte prominente Unternehmer, die mit dem Syndici der Unternehmerorganisationen durch dick und /duenn gehen, ein derartiges Temperament entwickeln wuerden. Tatsaechlieh wuerde es
keineswegs ueberraschen, wenn die Feststellung getroffen werden muss, dass die gefundenen Unternehmer fuer die Pilot-Anlage stirnrunzelnd von den Syndici angesehen werden und gleichzeitig als Aussenseiter der sozialen Ordnung hingestellt wuerden. Diese Unternehmer werden viel leichter ausserhalb der
Unternehmerorganisationen zu finden sein, als wenn man sie auf
dem ueblichen Wege entdecken wollte.
Es erhebt sich die Frage, was wir als Amerikaner diesen
Unternehmern bieten koennen. Ich habe sehr schnell festgestellt, dass die von uns angebotene technische Unterstuetzung
nicht ausreicht, un den Unternehmer zu veranlassen, wirkliche
Risiken auf sich zu nehmen. Die nackte Wahrheit laeuft darauf
hinaus, dass in den meisten Faellen diese technische Unterstuetzung von der Abteilung fuer technische Kilfe geleistet,
wird, ohne dass von unserer Seite aus entsprechende Forderungen gestellt werden, die dafuer Sorge tragen, dass die Fruechte
der gesteigerten Produktivitaet auch den Arbeitern zugute kommen.
- 6 -

�Ein vielleicht noch staerkerer Anreiz der üeberredung, das Risiko einer solchen Pilot-Anlage zu uebernehmen, liegt in der
Moeglichkeit der Erhaltung eines Kredits aus dem fuer die
Zwecke der Produktivitaetssteigerung bereitgestellten Fond.
Von jedem Unternehmer wird verlangt, dass er mehr als 10 %
Zinsen fuer alle Darlehen zahlt, die ihm von der Bank von
Prankreich oder ihrenZweiginstituten gewaehrt werden. Darueberhinaus wird verlangt, dass er diese Darlehen mit seinem eigenen persoenlichen Giro unterzeichnet. Alle Vorteile der kooperativen Organisationsform werden unter diesen ümstaenden bedeutungslos, ganz abgesehen davon, dass ihre Gueltigkeit nur eine
beschraenkte ist. Die Nachfrage nach Krediten ohne die Bereitstellung eines entsprechenden Fonds an Gegenwertmitteln, die
ausreichend ist, um in Frankreich jede Hebelwirkung zu vermeiden, ist stark genug, um die soziale und wirtschaftliche Lage
jener Unternehmen zu beeinflussen, die um diese Kredite nachsuchen.
Die Entwicklung eines Meohanismus fuer die Durchfuehrung dieser
Pilot-Anlagen wird jedoch auroh die Schwaeche der freien franzoesischen Gewerkschaften beeintraechtigt, die auf einigen Gebieten vorhanden ist. Ein Beispiel hierfuer bietet die PilotAnlage in der Giessereiindustrie. Der Vorsitzende des Produktivitaetskomitteder Foroe Ouvriere unterrichtete mich voll
Stolz, dass es in der Giessereiindustrie bereits eine PilotAnlage gaebe. Tatsaechlich versperrte er sich zwar nicht gegen eine Pilot-Anlage, aber er nannte das ganze eine PilotAnlage - naemlich die gesamte Giessereiindustrie.
Auf der Grundlage einer Reihe Empfehlungen, die der Berater der ECA Laws machte, wurde ein weitmaschiges industrielles Schulungsprogramm in die 'Wege geleitet. Darüberhinaus
wurden Produktions- und Schulungsleiter fuer zehn Anlagen eingestellt. Der Vorsitzende der Force Ouvriere war bei der Beschaffung eines Kredits von 18 Millionen Franken behilflich,
die vom franzoesischen Produktivitaetsbuero gewaehrt wurden,
wobei er jedoch nicht klaeren konnte, ob es sich um ein Darlehen oder eine Zuwendung handelte, die der Finanzierung dieses
Projektes dienen sollte. Das franzoesische Produktivitaetsbuero
wird durch Gegenwertmittel finanziert. Ihm wurde als Gegenleistung nichts anderes auferlegt als die Durchfuehrung bestimmter Kurse ueber die Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und
Gewerkschaftern, die Unternehmern die Moeglichkeit geben sollte,
sich ueber diese Frage naeher zu orientieren. Wenn die Produktivitaet ansteigt, so hat er das Recht, die Frage zu stellen,
in welchem Masse die Arbeiter hieran beteiligt werden. Auf
Grund der franzoesischen Praxis der Gewinn- und Verlustrechnung und der technischen Begrenzungen der Berechenbarkeit des
Produktivitaetsanstiegs kann man sich sehr leicht sagen, dass
dies nur eine Wiederholung der alten ECA-Praxis unter einem neuen Namen ist - die Finanzierung des Pilot-Projekts durch Amerika
und die Ausbeutung so ziemlich des gesamten Ertrages durch die
franzoesische Mittelklasse.
Das Muster einer Pilotanlage ist in Frankreich bereits in
Betrieb, das im uebrigen ueber eine weitreichende Publizitaet
verfuegt. Es handelt sich hierbei um die Firma Telemechanique,
die elektrische Kontrollgeraete herstellt. Vier andere Unternehmer stellen die gleichen Erzeugnisse her, zahlen aber nur
Löhne, die die Haelfte der bei Telemechanique gezahlten erreichen. Die Bonuszahlungen der Telemechanique, die diese doppelt
so hohen Loehne ermoeglichen, sind jedoch genau kalkuliert.
Selbst wenn man die Grundloehne miteinander vergleicht, so ergibt sich, dass diese bei der Telemechanique um zehn Prozent
- 7 -

�hoeher liegen als bei den Konkurrenjen. Ich fragte nuji die
Mitglieder des Produktivit'aetskomites der Foroe Ouvriere, weshalb sie keine Forderungen auf vergleichbare Loehne bei den
anderen unternehmen stellen. Die Antwort war, dass sie mit den
Unternehmern verhandelten, dass diese die gleichen Produktionsmassnahmen wie Telemechanique einfuehren sollten. Sie schienen jedoch nicht daran zu denken, dass es wesentlich klueger
waere, den Konkurrenten der Telemechanique dadurch dienlich zu
sein, indem sie Lohnerhoehungen forderten ohne jede Ruecksicht
auf den gegenwaertigen Stand der Produktion und lediglich dabei
die Tatsache beruecksiohtigen sollten, dass Telemechanique den
Lohnstandard fuer die gesamte Industrie festlegt. Tatsaechlioh
waren jedoch aufgrund dieser Vorschlaege einige der Mitglieder
des Produktivitaetski^nites betroffen, da eine solche Lohnforderung, die gegebenenfalls nur durch einen Streik durchzusetzen
gewesen waere, lediglioh dem Kommunisten Wasser auf die Muehlen
leiten wuerde. Dieses Beispiel soll nur deshalb gegeben werden,
um aufzuzeigen, bis zu welchem Grade man eine wirkliche Unterstuetzung durch die Verwaltungsorgane einiger franzoesischer
Gewerkschaften erwarten kann, wenn man ihre gegenwaertige Einstellung und ihren Machtbereich fuer die Durchführung irgendwelcher Plaene in Reohnung stellt.
In dieser Hinsicht koennen jedoch einige interessante Entwicklungen berichtet werden. Die CGT ist bekanntlich die von
den Kommunisten beherrschte Gewerkschaft, die vor der Eroberung
die franzoesische Zentralgewerkschaft gewesen Ist. Es ist jedoch keineswegs gesagt, dass die CGT ihre Anhaenger auch kuenftig bei der Stange halten kann, selbst wenn die Struktur dieser
Organisation die gleiche bleibt und selbst wenn es ihr gelingt,
guenstige Arbeits- und Lohnbedingungen fuer ihre Mitglieder
durchzusetzen. Zwei Beispiele sind dafuer bezeichnend, wo die
oertlichen Fuehrer der Gewerkschaft aioh mit der Zentrale ueberwarfen, weil ein klug beratenes Unternehmen nicht unbetraechtliche Lohnzugestaendnisse diesen Mitgliedern gemacht hat.
Ein guter Teil der Hoffnungen auf einen Erfolg der Pilotanlagenprojekte liegt in den Haenden der Fuehrer der Ortsgewerkschaften. Unterrichtete Beobachter haben bereits festgestellt, dass ein gesundes und energisches Funktionaerkorps,
das sich mit oertlichen TarifVerhandlungsproblemen intensiv
beschaeftigt, auoh imstande ist, sich in anderen Fragen durchzusetzen. Die Pilotanlagenprojekte muessen deshalb auf der
Basis solcher Voraussetzungen durchgefuehrt werden, das heisst
in derartigen Ortsbetrieben und auf einer geeigneten kommunalen
Basis.
Amerika kann dabei alle Voraussetzungen schaffen, die diese
oertlichen Funktionaere mit der entsprechenden geistigen Nahrung
versorgen kann und zugleich den Gesichtskreis dieser Funktionaere
insofern erweitern, indem eine Umgebung geschaffen wird, in der
ein auf lokaler Ebene wirklichkeitsgetreues und wirtschaftlich
durchfuehrbares Tarif Verhandlungsweg geschaffen warden kann.
Eine solche Entwicklung wuerde eine erfrischende Verabschiedung von der bisherigen Praxis der wertlosen Unsinn-Form sein,
die als Karikatur amerikanischer gewerkschaftlicher und unternehmerischer Zusammenarbeit herumgeistert und die im europaeischen Denken so weit verbreitet ist. Dies wuerde zugleich eine
Moeglichkeit sein, um die Arbeiterschaft von dem politischen
Spekulantentum des franzoesischen CGT loszuloesen, indem ihnen

8

�konkrete wirtschaftliche Vorteile geboten werden, die die Arbeiter vor diesen Abenteuern schuetzen werden.
Labor, and Nation
71/51
DIE ERWERBSTAETIGE JAPANERIN IM SCHÜTZ NEUER ARBEITSGESETZE
Wie aus Berichten des neuen japanischen Arbeitsministeriums
hervorgeht, sind in japanischen Seidenspinnereien wesentliche
Verbesserungen der Arbeitsbedingungen beschaeftigter Frauen
erzielt worden.
Das Kontraktsystem besteht nicht mehr. Das Amt fuer erwerbstaetige Frauen und Jugendliche, das im Jahre 1947 errichtet wurde, berichtet, dass das Kontraktsystem nicht mehr besteht.
Eltern haben keinerlei Recht, Vertraege ueber die Arbeit ihrer
Kinder abzuschliessen oder ihre Loehne an sich zu nehmen. Und
die Unternehmer koennen die weiblichen Arbeiter nicht mehr
zwingen, sich lediglich innerhalb des Werksgelaendes aufzuhalten. Das System der Unterbringung weiblicher Arbeiter in
betriebseigenen Sohlafsaelen ist einer Reform unterzogen worden.
Das Mindestalter fuer die Einstellung ist von 11 auf 15 Jahre
erhoeht worden. Weibliche Arbeiter werden naoh demselben
Tarif bezahlt wie Maenner, wenn die gleiche Arbeit verrichtet
wird. Die Gewerkschaften werden gefoerdert. Frauen duerfen
nicht in Nachtschicht arbeiten, die Arbeitszeit ist auf die
Sechstagewoche und den Neunstundentag reduziert worden^ hierbei
ist eine Stunde fuer Mittagessen und Ruhepausen vorgesehen.
Von diesen und anderen Reformen berichtete das Referat
fuer erwerbstaetige Frauen in der Industrie im japanischen Amt
fuer erwerbstaetige Frauen und Jugendliche, nachdem in dem
Gebiet von Tokio und Yokohama im Jahre 1949 in 20 Seidenspinnereien Erhebungen durchgefuehrt worden waren. Von 6.827 Arbeitern waren 5.661 (-85.9%) Frauen.
Unter den alten Kontraktsystem lieferten verschuldete Eltern (meist Bauern) durch den Abschluss eines Vertrags mit
einem Agenten einer Seidenspinnerei ihre jungen Toechter dieser Industrie in die Haende. Die Maedchen wurden in eine entfernt gelegene Provinz gebracht und wie Gefangene im Werkgelaende der Fabrik untergebracht. Durch das neue Arbeitsgesetz
wurde das Kontraktsystem fuer ungesetzlich erklaert, ebenso
konnten Gewerkschaften errichtet werden. Jetzt ist, wie das
Buerö fuer Frauen und Jugendliche feststellt, die Arbeiterschaft
der Seidenspinnereien gewerkschaftlich gut organisiert, sie
verhandelt in Tariffragen bereits haeufig mit den Unternehmern.
In einigen Betrieben sind 98% der weiblichen Arbeiter der Gewerkschaft beigetreten.
Die meisten weiblichen Arbeiter sind sehr jung. Das Durchschnittsalter der gesamten Gruipe, mit d^r sich das Amt befasst
hatte, betrug 19,2 Jahre. Von je 100 weiblichen Arbeitern waren
26 Maedchen juenger als 17 Jahre; 42 waren juenger als 18 Jahre,
63 juenger als 20 und 91% waren unter 25 Jahren.
Obwohl der Lohn, der bei Eintritt in die Seidenspinnereien
gezahlt wird, der gleiche ist wie in anderen Herstellerindustrien, wird der Lohn fuer routinierte, aber ungelernte Arbeiter
niemals wesentlich ueber den Mindestlohn hinaus erhoeht. Nur
- 9 -

�wenige weibliche Arbeitnehmer haben jemals die Moeglichkeit,
besser bezahlte Positionen uebernehmen zu koennen.
Selbst Frauen, die schon zehn bis 15 Jahre in dem gleichen
3etrieb beschaeftigt sind, verdienen nur das eineinhalbfache
ihres Anfangslohnes. Nur 2,6 % der in dieser Erhebung beruecksiohtigten Frauen waren als Vorgesetzte, hoehere Angestellte
oder hochqualifizierte Facharbeiter taetig, waehrend fast die
Haelfte der Maenner 146,656) solche Berufe ausueben.
Der groesste Teil der Maedchen lebt noch immer in sehr
einfachen Schlafsaelen, die in Bezug auf Ruhe und Privatleben,
Heizung, Beleuchtung und sanitaere Anlagen viel zu wuenschen
uebrig lassen. In einem Saal sind zehn Maedchen untergebracht.
Das Essen ist duerftig und ohne genuegend Abwechslung. Das
Leben in den Schlafsaelen mag dem Amerikaner oder dem Jiuropaeer
als eintoenig und gezwungen erscheinen; man muss es jedoch unter Berueoksichtigung der Gepflogenheiten und der frueheren
Zeiten, wie sie fuer das erwerbstaetige japanische Maedchen
ueblich waren, betrachten. Nahezu 70% der in dieser Erhebung
erfassten Personen waren Maedchen vom Land, die wahrscheinlich
zum groessten Teil von einem noch eintoenigeren Landleben direkt
in die Fabrik gekommen waren.
Nach den neuen Vorschriften koennen die Maedchen, die in
betriebseigenen Schlafsaelen untergebracht sind, kommen und gehen,
wie es ihnen beliebt, üusschuesse der Arbeiterinnen fuer die
Selbstverwaltung werden gefördert. Zu jedem Schlafsaal gehoert
ein Speiseraum, eine Buecherei und ein Klubzimmer, in dem auch
Gaeste empfangen werden koennen.
Wie es den Forderungen des neuen Arbeitsgesetzes entspricht,
haben alle Betriebe Abmachungen ueber - meist unbezahlten - Mutterschaftsurlaub getroffen. Nur wenige Frauen ersuchen, wie das
oben genannte Amt feststellte, um eine Varlaengerung ihrer Beurlaubung nach dar Entbindung, und nur an zwei der in den Betrieben befragten Frauen wurden Familienzulagen gezahlt. Mehr als
die Haelfte der beschaeftigten Frauen arbeiteten, um ihre Familie zu unterstuetzen. In dieser Beziehung liegen die Verhaeltnisse fuer die erwerbstaetige Frau in Japan sehr sehnlich wie
in den Vereinigten Staaten. Die Untersuchungen des Frauenbueros
des amerikanischen Arbeitsministeriums haben gezeigt, dass, im
ganzen gesehen, die weiblichen Arbeitnehmer - ob sie nun verheiratet oder ledig sind - einen grossen Teil der Verantwortung
fuer den Unterhalt der Familie zu tragen haben.
Die neuen japanischen Arbeitsgesetze, unter denen die genannten Fortschritte erzielt wurden, sind fuer alle Herstellerindustrien verbindlich. Das ausfuehrliche Gesetz ueber gerechte Arbeitsbedingunen enthaelt eine Bestimmung, nach der Frauen
und Maennamgleiche Loehne zu zahlen sind. Es verbietet fuer
Frauen und Kinder jegliohe Nachtarbeit und setzt eine Grenze
fuer Ueberstunden. Es verbietet dem Unternehmer, eine Frau zu
entlassen, weil sie schwanger ist, oder weil sie bereits ein
Kind zur Welt gebracht hat.
Andere Arbeitsgesetze erstrecken sich auf die Sicherheit
der Beschaeftigung, Erwerbslosenunterstuetzung, Krankenversicherung und schliesslich auf die Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie auf die gewerkschaftliche
Organisation.
Labor Information Bulletin
10/51
10 -

�DIE STELLUNGNAHME DER NORWEGISCHEN GEWERKSCHAFTEN ZU DEN PROBLEMEN DER LOEHNE. DER PREISE UND DER PRODUKTTÖN
Konrad Nordahl, der Vorsitzende der Norwegischen Gewerkschaf tsfoederation, hielt kuerzlich zwei Ansprachen, die eine
gute Zusammenfassung der Einstellung der organisierten Arbeiterschaften in Norwegen zu den Problemer. der Loehne, der Preise
und der Produktion waehrend der Zeit der Verteidigungsvorbereitungen darstellen. Die Hauptpunkte der beiden von Nordahl gehaltenen Reden werden hier zusammengefasst.
Auf der in Oslo stattgefundenen Versammlung des Nationalrats der Norwegischen Gewerkschaftsfoederation sprach Nordahl
ueber die wirtschaftliche Lage des Landes im Hinblick auf die
Lohnpolitik und die Gewerkschaftsarbeit. Er befasste sich
hauptsaechlich mit den letzten Entwicklungen auf dem Gebiete
der Loehne und Preise und unterbreitete seitens des ExekutivRats einen Antrag auf die dringende Wiedereinfuehrung der
von 1945 bis Fruehjahr 1950 angewandten Stabilisierungspolitik.
Hierbei sollen vier Hauptpunkte beruecksichtigt werden;
a)

Uebermaessigen, auf Preistreiberei zurueckzufuehrenden
Profiten soll durch Auferlegung von Zoellen oder
durch andere Massnahmen Einhalt geboten werden. Die
auf diese Weise gewonnenen Summen sollten fuer eine
Herabsetzung der Preise verwandt werden;

b)

Eine in erhoehtem Masse durchgreifende Preiskontrolle
soll Privatunternehmen davon abhalten, aus anziehenden Preisen uebermaessige Gewinne zu erzielen;

o)

Eine wirksame und gerechte Besteuerung soll auch bei
der Land- und Forstwirtschaft durohgefuehrt werden.
Jeder Stauerbetrug muss streng geahndet werden;

d)

Die Produktion muss auf allen Gebieten zur vollen
Leistungsfaehigkeit gebracht werden.

Nordahl sagte in seiner Ansprache unter anderem:
"Unser Bestreben nach dem zweiten Weltkrieg war es, eine
Inflationsentwicklung zu vermeiden, und viele Laender haben
in dieser Hinsicht Enormes geleistet. In diesem Zusammenhang
hat die Gewerkschaftsbewegung in der Erkenntnis, dass stabile
Preise von groesserem Wert fuer den Lohnempfaenger als Kompensationen fuer die sich unserer Kontrolle entziehenden Preissteigerungen sind, eine gedrosselte Lohnpolitik getrieben.
"Zur Erlaeuterung der treibenden Kraft hinter der heutigen Preisgestaltung moechte ich erwaehnen, dass die in meiner
Heimat gewaehrten Lohnerhoehungen sich auf den Lebenskostenindex im Verhaeltnis 1:5 ausgewirkt haben. Dabei bezieht sich
ein Teil auf die Lohnerhoehung, waehrend fuenf Teile fast ganz
einer Preiserhoehung fuer Rohmaterialien zuzuschreiben sind.
"Wenn dies ein nur meine Heimat betreffender Einzelfall
gewesen waere, dann haetten wir natuerlich einen guten Grund
anzunehmen, dass unsere Wirtschaftspolitik eine falsche war,
aber da wir wissen, dass die Situation in fast allen Laendern
dieselbe ist, muessen anscheinend die Gruenae ausserhalb der
Kontrollmoeglichkeiten eines jeden einzelnen Landes liegen.
- 11 -

�"Sollte es uns nicht moeglich sein, diese Gruende zu erforschen, dann muss ein grosser Teil der Diskussion, die wir
hier fuehren, als wertlos angesehen werden. Urlauben Sie
mir, hier einige von dem Wirtschaftsrat der Vereinten Nationen
fuer Europa (ECS) kuerzlich im Bericht veroeffentlichten
Schaetzungen anzufuehren. Die Zunahme der Leistungsfaehigkeit
pro Arbeiter wird fuer 1950-1951 fuer Skandinavien und Holland
auf 5#, fuer Gross-Britannien auf 6#, fuer Frankreich, Belgien
und Westdeutschland auf 8-10% gesohaetzt. Die durchschnittliche Zunahme fuer ganz Europa wird auf 9% geschaetzt.
"Aber diese Schaetzungen basieren auf der bedeutsamen
Annahme, dass die Laender imstande sein werden, ihre Rohmaterialprobleme sowohl hinsichtlich der Versorgung als auch
der Preise zu loesen. Es ist auch fuer die Gewerkschaftsbewegung von Wichtigkeit, die Gruende fuer die umfangreiche internationale Preissteigerung, di§ in den letzten Jahren zu empfindlichen Preissteigerungen verschiedener hoechst wichtiger Rohmaterialien gefuehrt hat, gegen diesen Hintergrund zu untersuchen.
Ich erwaehne hier Wolle, Baumwolle, Haeute, Blech, Zink, Sohrott,
Papier, Zellulose u.a.
"Eine solche umfassende und zum Teil auch unterschiedliche
Preissteigerung wird natuerlich durch viele Faktoren hervorgerufen. Ich glaube aber, dass die Kauptgruende wie folgt zusammengefasst werden koennen:
"1. Die Produktion verschiedener wichtiger Rohmaterialien
hat mit der zunehmenden Weltproduktion nicht Schritt gehalten.
In diesem Zusammenhang begegnen wir unmittelbar den besonderen
Problemen der in der wirtschaftlichen Entwicklung zurueckgebliebenen Laender. Die Laender dieser Kategorie sind wichtige Rohstoffquellen fuer die ganze Welt.
"2. Den zweiten Punkt bildet die von gewissen Laendern
foroierte Hortung fuer Verteidigungszweoke. Diese Taktik
scheint sich jetzt bei einer steigenden Anzahl von Laendern
breit zu machen.
"Hier finden wir zweifellos die Epklaerung fuer eine so
gewaltige Preissteigerung gegenueber den tatsaechlichen Produktionskosten. Die Ursache des Ansteigens der Preise ist eigentlich nur im Wunsch nach groesserem Profit bei den Verkaeufern
und in der grossen Kauflust bei den Kaeufern zu suchen. Das
sich darbietende Bild wird noch unangenehmer, wenn man weiss,
dass die Kaufer oft nicht Privatleute sind, sondern dass hinter den verstaendlichen Aufkaeufen die Staaten selbst stehen
und - um zum Zuge zu kommen - jeden nur verlangten.Preis zahlen.
So werden grosse Profite erzielt, die weder durch eine groessere
Produktion mit Hilfe der Arbeiter oder der Unternehmer gerechtfertigt sind. Dies steht in direktem Widerspruch zu den sonst
aufrechterhaltenen Prinzipien gegenueber den Lohnempfaengern,
naemlich dass eine Produktionssteigerung, also eine hoehere und
auch eine verbesserte Produktion, hoehere Loehne zur Folge hat.
Diese Entwicklung auf dem Preismarkt hat eine Inflationsgefahr
geschaffen. Die Parole "Freie internationale Wirtschaft ohne
Einschraenkung durch den Staat" hat ihre schlechten Erfolge,
die jetzt viele Laender der Welt mit einer ernsten Inflation
bedrohen, eindeutig gezeigt. Jedes einzelne Land kann eine
nationale Planwirtschaftspolitik in dem Bestreben, die niedrigsten Preise zu erzielen, verfolgen und im Zusammenhang damit
- 12 -

�strenge Massnahmen einfuehren, aber dieselben Laender wirtschaften vollkommen uneingeschraenkt bei ihrem internationalen
Gueteraustausch. Fuer Exportgueter werden dann Preise zugelassen, die in keinem Verhaeltnis zu den Produktionskosten und
einem angemessenen Verdienst stehen. Die anderen Laender sind
dadurch gezwungen, mit ihren Exportguetern in der gleichen Weise
zu verfahren, und so ergibt sich die jetzige fatale Preisentwicklung. Ich muss bemerken, dass die wirtschaftliche Moral
auch in meinem eigenen Lande nicht viel besser war. Auch dort
werden einige Exportgueter zu ueberhoehten Preisen verkauft.
"Sehr ernst ist natuerlich die Lage fuer diejenigen Laender, die keine auf dem Weltschwarzmarkt gefragten Gueter haben.
Die wirtschaftliche Lage dieser Laender ist bereits eine sehr
prekaere.
"Ich weiss, dass die gegenwaertige gespannte wirtschaftliche Lage durch die Verteidigungspolitik der westlichen Demokratien hervorgerufen wurde. Die Furcht vor dem ünvorbereitetsein
gegenueber einem erneuten Angriff seitens undemokratischer Staaten hat sie gezwungen, unsere Verteidigungskraft zu staerken.
Dieses Vorbereitetsein muss natuerlich von dem einzelnen Buerger bezahlt werden, aber es kann nicht geduldet werden, dass di9
Erzeuger, die die strategisch wichtigen Rohmaterialien in der
Welt kontrollierten, so enorme Profite daraus ziehen, dass das
ganze Waehrungssystem gefaehrdet und der Lebensstandard der
breiten Masse empfindlioh heruntergesetzt wird. Dies fuehrt
zu sozialen Unruhen in einem jeden Lande und, anstatt einer
groesseren Sicherheit - das Ziel der gegenwaertigen Politik
des Bereitseins - wird das Gegenteil eintreten.
"Ich weiss, dass diese Fragen internationale Fragen sind.
Die kuerzlich gebildeten Commodity-Committees (Warenkommissionen)
haben die Aufgabe, sowohl die gegenwaertige grosse Knappheit an
Rohmaterialien als auch die zukuenftigen Produktions- und Verbraucherprobleme, die in diesem Zusammenhang auftauchen, zu
untersuchen. Die Wirksamkeit dieser Kommissionen bleibt jedoch
abzuwarten.
"Seit kurzem wurden von einigen Laendern Massnahmen ergriffen, um die knappe Belieferung mit Rohmaterialien so nutzbringend wir nur irgend moeglich auszuwerten. Diese Politik sollte
sowohl von den Regierungen als auch von den Angestellten- und
Arbeiterorganisationen unterstuetzt werden.
"Das Beste waere natuerlich, eine internationale Loesung
dieser Probleme zu finden.
"Es wird in immer staerkerem Masse empfunden, dass wir
international anerkannte Regelungen brauchen, die Erzeugern
und Kaufleuten verbieten, Preise zu verlangen, die entschieden
in keinem Verhaeltnis zu den Produktionskosten der Gueter stehen. Es ist auch notwendig, internationale Abkommen dahingehend zu treffen, dass es den Regierungen in Zeiten der Knappheit nicht erlaubt werden sollte, groessere Guetermengen zum
Zwecke der Hortung zu kaufen, wodurch die Arbeitsmoeglichkeit
in anderen Laendern unterminiert wird.
"Diese Rohmaterialprobleme sind von so entscheidender
Wichtigkeit fuer einen vollen Arbeitseinsatz, dass ich den Vertretern der internationalen Arbeiterschaft raten moechte, jene
zum Gegenstand eines SpezialStudiums zu machen und, falls moeg- 13

�lioh, einen Plan zur Stabilisierung der Preise und zur Schaffung
eines"staendigen Flusses der internationalen Rohmaterialien
vorzuschlagen."
Auszug aus den Sitzungsprotokollen.
NEUER FISCHSCHWARMDETEKTOR BEDEUTET. MEHR NAHRUNGSMITTEL FUER
EUROPA
Eine Krabbe hat heute in Daenemark nur noch geringe Chancen, laengere Zeit am Leben zu bleiben. Aber auch Heringe
und Dorsche teilen das gleiche Schicksal, setdem die daenischen Fischer einen Ultraschall-Fischdetektor in Gebrauch haben, der ihnen von den USA im Rahmen des Karshallplanes zur
Verfuegung gestellt wurde.
Dieses Instument kann unter der Wasseroberflaeche einen
Raum von der Groesse zweier Wohnblocks einer Grosstadt absuchen. Es lassen sich damit Umfang und Tiefe eines Fischschwarms,
seine genaue Lage und selbst die Fischart feststellen. Krabben
koennen bis zu einer Tiefe von 300 Metern festgestellt werden.
Das Tierleben in den nordeuropaaischen Meeren ist noch
immer privaterer und ungestoerterer Natur als das Leben eines
Guppy im Aquarium eines Wohnzimmers. Und doch sind durch das
neue Geraet die Chancen einiger Fischgattungen, den daenischen
Netzen zu entgehen, um 50% verringert worden.
Das bedeutet natuerlich auch mehr Nahrungsmittel auf dem
Tisch des Arbeiters in den Laendei'n der Nordatlantik-Gemeinschaft. Es bedeutet Wohlstand fuer einen daenischen Industriezweig, der in jahrhundertealter, wenn auch oft abenteuerlicher
Geschichte wurzelt.
Der Fischdetektor ist offiziell unter dem Namen "Bendix
Ultraschall-Tiefenmesser" bekannt. Leute wie Kapitaen Robert
Jensen aus Skagen in Daenemark sehen in ihm in erster Linie
"ein wertvolles Hilfsmittel fuer die Fischerei."
Jensen spricht aus Erfahrung, denn die Verbundenheit seiner Familie mit diesem rieruf wird nach Hunderten von Jahren
bemessen. "Nehmen wir z.B. Heringe", so Deginnt er seine Erzaehlung. "Bevor wir den Tiefenmesser einsetzen konnten, brachte ein Heringsfang nur in seltenen Faellen einen wirklichen
Gewinn ein, weil wir zuviel Zeit benoetigten, um den Standort
der Heringe festzustellen. Ich schaetze, dass unsere Chancen
in dieser Beziehung jetzt um 50% groesser sind."
Kit dem "Wir" meint Jensen seinen Bootsmann Egon Koller,
den dritten Kaat Henning Karinussen und den 19 Jahre alten
Koch Verner Jensen, die die Mannschaft der 47 Tonnen grossen
"Helder" bilden.
Die "Helder" ist eines der 16.000 Fischerboote, ihre Besatzung gehoert zu den 14.000 vollbeschaeftigten und 6.000saisonbeschseftigten Daenen, die durch Fischfang ihr Brot verdienen.
In diesem Land mit einer Einwohnerzahl von weniger als
vier Killionen sind die Fischerboote klein; mehr als die Haelfte
haben eine Kapazitaet von weniger als fuenf Tonnen, und nur
1300 Schiffe sind groesser als 1500 Tonnen.
- 14 -

�Der Fischdetektor ist ein amerikanisches Erzeugnis, das
ziemlich auffaellig ist und aller Augen auf sich lenkt. Aber
Jensen erinnert sich auch noch an die Baumwolle, die im Rahmen des Marshallplanes geliefert wurde, und aus der seine
Netze geflochten sind; er erinnert sich an den Treibstoff
und das Oel, mit dem die durch Krieg und Besatzung lahmgelegte
Industrie wieder auf die Beine gebracht wurde.
Daenemark arbeitet nun wieder in seinem alten traditionellen Gewerbe und liefert Millionen von Europaeern Nahrungsmittel. Der englische Speisezettel konnte 1950 z.B. durch
37.500 Tonnen daenischer Fische bereichert werden. Damit hat
England von den 135.000 Tonnen Fisch, die von Daenemark in
diesem Jahr exportiert wurden, den groessten Anteil uebernommen. Die gesamte Fangbeute dieses Jahres belief sich auf
280.500 Tonnen.
Dies bedeutet eine Steigerung gegenueber dem Jahre
1949 um 16.000 Tonnen. Im gleichen Jahr verdoppelte Daenemark
seinen Export an Filet und Teichforellen nach Amerika und belieferte den amerikanischen Fischmarkt mit 1.320 Tonnen. Der
Fischverbrauch in Daenemark selbst stieg um 165.000 Tonnen.
Die daenischen Fischer werden auf der Basis der Gewinnbeteiligung entlohnt. Der Gewinn aus den ersten 50% einer
Beute wird zur Instandhaltung des Schiffes verwendet. Der
Rest wird wie folgt verteilt: 15% fuer den Kapitaen, 13%
fuer den ersten Bootsmaat, 12% fuer den zweiten Bootsmaat und
8% fuer den Koch.
Der Heimathafen der "Helder", Skagen, ist, was das Entladen von Fischen betrifft, der groesste und beschaeftigste
Hafen Daenemarks. Zuweilen koonnen an einem Tag bis zu 600
Boote in den Hafen einlaufen und ihre Ladung loeschen. 1950
wurden dort insgesamt 71.500 Tonnen Fisch fuer 15 Millionen
DM versteigert.
Die Bewohner Skagens sind von dem Fischereigewerbe abhaengig. Die aeltere Generation unter den 8.000 Einwohnern
dieser Stadt sieht es noch als einen Luxus an, an irgendeinem
Tag ausser sonntags Fleisch zu essen. Normalerweise besteht
viermal in der Woche die Hauptmahlzeit aus Fisch.
Mit einem Fischerboot neben dem anderen bildet die Kueste
von Skagen eine ununterbrochene Linie von Fischernetzen, die
an Masten und Radkaesten aufgehaengt sind. Gruene, luftgefuellte Glaskugeln, an denen die Netze auf See in der entsprechenden Tiefe ausgehaengt werden, glitzern an sonnenbeschienenen Decks. Zu solchen Zeiten durchwogt ein emsiges Treiben
den Hafen - die Fischer bessern ihre Netze aus oder sortieren
die Fische, fuer den Verkauf in der Auktionshalle.
Fisch, Fischerei und Fischer beherrschen die Docks, die
Kaffeehaeuser und den Marktplatz. Selbst Neuerfindungen, wie
der Ultraschall-Tiefenmesser, vermochten nicht den Charakter
dieser Fischereihaefen wesentlich zu veraendern. Und alles,
was dazu dient, die Zeit zu verkuerzen, die diese Maenner zur
Ausuebung ihres Berufes brauchen, ist nicht nur willkommen,
sondern wird geradezu zum Stadtgespraech.
Jetzt korrjnen die Fischer oefter zum Entladen in den
Hafen. "Ich habe mehr als' die Kaelfte eines Jahreseinkommens
- 15 -

�gebraucht, um mir einen Fischdetektor fuer mein Boot, den
"Picator" kaufen zu koennen," berichtete Kapitaen Kai Kirkedal.
"Jetzt moechte ich ihn nicht mehr missen, denn der Heringsfang
bringt mir 60% meines .Einkommens ,ein." Kapitaen Kirkedal
verdient im Monat etwa 750 DM.
Er erklaert ferner, dass "vom Dezember bis zum Maerz
im Nordatlantik die beste Zeit fuer den Heringsfang ist der Wind muss oestlich stehen und es muss kalt sein. Mit
dem Fischdetektor haben wir an einem oder zwei Wintertagen
soviel Heringe gefangen wie unser Boot fassen kann."
Man wird sich aber fragen, inwiefern Kirkedal einen
Vorteil durch den Marshallplan hatte, wenn er die Haelfte-eines Jahreseinkommens aufwenden musate, um den Fischdetektor
kaufen zu koennen.
Kurz gesagt die Marshallplan-Kredite und -Zuwendungen
dienen einer Nation als Gesamtheit. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte Daenemark zu wenig Gueter, die es zum Tausch gegen benoetigte Waren haette anbieten koennen, die fuer den
Wiederaufbau seiner Wirtschaft unerlaesslioh waren. Durch
den Marshallplan konnte Daenemark jedoch ueber Dollarmittel
verfuegen, mit denen es diese Waren kaufen konnte.
Eine Dollarzuwendung wird an die Vereinigten Staaten
nicht zurueokgezahlt. Der Verdienst eines halben Jahres
fuer Kapitaen Kirkedal entspricht den Dollarkosten eines
Fischdetektors. Sein von ihm bezahltes daenisches Geld floss
in den sogenannten daenischen "Gegenwertfonds". Die daenische
Regierung verfuegt ueber diesen Fonds und verwendet ihn zur
Finanzierung des Wiederaufbaus bestimmter staatlicher Projekte,
die waehrend des Krieges und der Besatzungszeit zerstoert oder
vernachlaessigt wurden.
Auf
Tausende
nen, die
arbeiten

diese &lt;Veise haben Kirkedal und Jensen und viele
anderer Daenen die Erzeugnisse sich beschaffen koensie benoetigen, um leistungsfaehiger und produktiver
zu koennen.

Ihre Arbeit hilft mit, den Lebensstandard der Daenen
und all der Voelker zu verbessern, die daenische Erzeugnisse
benoetigen.
ECA Labor Information

- 16 -

HICO0 3 Jan 51 183M I II

10

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 52

Frankfurt, den 28. Dezember 1951

I N H A

L T S V B R Z E I C H N I S

Der amerikanische und der europaeische Unternehmer ...

1

Mitgliederzahlen und Tarifvertraege kanadischer
Gewerkschaften

4

Die Loehne in der amerikanischen Stahlindustrie

5

Die Sozialversicherung der U.S. gewaehrt Muettern
erhoehten Schutz

7

"Mit diesen Beenden"

8

Die Internationale Arbeitsorganisation berichtet von
ihrer Arbeit
«

10

Die Gewerkschaftsbewegung in Mittel- und Suedamerika . 13
Zwei Jahre IBFG und die Erfolge

14

Hollaendische Gewerkschaften fuer E in Schaltung in
Produktivitaetsmassnahmen

16

DER AMERIKANISCHE UND DER EUROPAEISCHE UNTERNEHMER
Eine ernsthafte und wichtige Frage, die zugleich politischer, wirtschaftlicher und geistiger Natur ist, tauchte in den
letzten Monaten mehrmals in der oeffentlichen Diskussion auf.
Jedermann, dem das gute Funktionieren und die innere Gesundheit
dessen am Herzen liegt, was man gemeinhin die "westliche" Welt'
nennt, sollte sioh diese Frage vorlegen: ob naemlioh unsere
Unternehmer untereinander nooh die gleiche Sprache sprechen
und in den gleichen Linien denken. Oder, knapper ausgedrueckt:
die Frage ist entstanden, ob sich der amerikanische Kapitalismus
in der gleichen Richtung bewegt wie der europaeische oder ob da
nicht, innerhalb der Gedankenwelt des Unternehmertums, eine
ernstliche Spaltung oder Meinungsverschiedenheit zwischen Amerikanern und Europaeern entstanden ist.
1 -

�In der ersten Dezemberwoche fand in New York eine Tagung
der "Internationalen Konferenz der Industriellen" statt, ein
Neuankoemmling in der Welt der internationalen Organisationen;
die Tagung war einberufen und durchgefuehrt worden von Amerikas
maechtigem Industriellenverband, der "National Association of
Manufacturers". Auf dieser Tagung prasselten die Differenzen
zwischen den amerikanischen Veranstaltern und ihren europaeischen
Gaesten hart aufeinander-- genau so, wie man das in den letzten
Jahren schon mehrfach auf Kongressen der Internationalen Handelskammer und Industriellenkonferenzen im Rahmen der amerikanischen
Marshallplanorganisation und der Pariser Organisation fuer "wirtschaftliche Zusammenarbeit" erlebt hat. Auf dieser New-Yorker
Tagung gab es eine faszinierende Debatte, gefuehrt auf der einen
Seite von Charles Wilson, Generaldirektor des amerikanischen
Konzerns "General Motors", und auf der anderen Seite von Sir
Norman Kipping, dem Praesidenten des Nationalverbandes der Britischen Industrie; die eine Seite forderte die andere auf, den
"altmodischen Kapitalismus der Alten »Veit" durch das "fortschrittliche amerikanische System des freien "Wettbewerbs" zu ersetzen und die andere Seite erwiderte, dass die Amerikaner ihre Methode
nur darum anwenden koennen, weil sie "aus dem vollen wirtschaften koennen, d.h. weder Rohstoffsorgen noch Absatzsorgen noch
Fragen der Zahlungsbilanz und der Waehrung noch Kreditschwierigkeiten kennen; und im uebrigen haetten so viele amerikanische
Industrien ihren Frieden mit Staatskontrolle und den Organen
staatlicher Planung gemacht, dass man von "freier Wirtschaft"
wohl kaum noch reden koenne."
Dieser Gegensatz innerhalb der industriellen Elite hueben
und drueben zu beiden Seiten des Atlantik ist einer der ernstesten Faktoren in den amerikanisch-europaeischen Beziehungen. Bekanntlich werden die noch verbleibenden Zahlungen des Marshallplanes, ausdruecklich auf Wunsch der amerikanischen Geschaeftswelt, so verwendet, dass ein Druck auf die europaeische Industrie
ausgeuebt wird, ihre Produktionsmethoden zu modernisieren, ihre
Kalkulation zu veraendern und alle restriktiven Methoden (Kartelle,
Monopole, Marktaufteilungen, Preisabkommen usw.) zur Ausschaltung
der Konkurrenz fallen zu lassen. Die meisten europaeischen Industriellen akzeptieren heute das Prinzip der Modernisierung der
Produktion nach amerikanischem Muster - aber das von den Amerikanern gepredigte Prinzip der "Freude an der Konkurrenz" als Ansporn füer vermehrte Anstrengungen und Verbesserungen, hat - nach
maerikanischer Ansicht - sich in Europa nicht durchsetzen koennen.
Und die Sprecher der amerikanischen Wirtschaft, z.B. der erwaehnte
Generaldirektor der "General Motors" in seiner Ansprache in New
York, erklaerten, dass man den Rueckstand der europaeischen Industrie gegenueber der leistungsfaehigeren Produktion in den USA
nicht nur durch Betriebsrationalisierungen undfiinfuehrungdes
Taylor-Systems aufholen koenne; die ganze Konzeption der europaeischen Industriellen verlange eine gruendliche Modernisierung.
Nun muss man sich zwar darueber klar sein, da3S amerikanische
Industriolle gerne den Rock des Missionars anziehen und auf der
ganzen Welt in schulmeisterlichem Tön die Ueberlegenheit ihrer
Methoden, Ansichten und Taetigkeiten predigen - und man braucht
ihre Reden nicht auf die Goldwaage zu legen, denn in der Praxis
sieht auch in Amerika manches anders aus als in pathetischen
Reden im Bankettsaal. Aber ein Koernchen 'Wahrheit ist doch daran.
Die ameri. kanische Industrie war einmal unendlich viel ellenbogenhaerter, ruecksichtsloser, draufgaengerischer und sozialreaktionaerer als die europaeische; die ßuacher von Upton Sinclair und
Jack London, die vor einem halben Jahrhundert die damalige Realitaet
- 2

�aufzeichneten, waren kaum uebertrleben.
Inzwischen hat sich viel geaendert. Die Gesetzgebung der
Aera Roosevelt trug zu diesen Aenderungen viel bei; aber entscheidender war und ist, dass die geistige Einstellung des
Unternehmertums sich gewandelt hat. Und diese neue geistige
Haltung des amerikanischen Unternehmertums ist es, die von
den Sprechern der amerikanischen Wirtschaft heute immer wieder,
haeufig in ungeschickter Form und mit peinlich wirkendem Selbstlob, der «Veltoeffentlichkeit vorgefuehrt wird.
In Wirklichkeit ist es so, dass der geschilderte Riss quer
durch die Schicht der amerikanischen Industriellen, Betriebsdirektoren und "Managers" hindurch geht - es ist fast, wenn
auch nicht haargenau, ein Generationsgegensatz. Oberflaechlich
gesehen, ist das Kennzeichen der juengeren Generation,die
heute schon die Oberhand gewonnen und sich sehr erfolgreich
durchgesetzt hat, dass sie politisch verhaeltnismaessig weit
"links" steht. Sie akzeptiert freudigen Herzens, nicht nur
notgedrungen, die staatlichen Planungs-, Kontroll- und Sozialschutzinstanzen in der Wirtschaft, und sie hat ein System so
ueberraschend enger Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften geschaffen, dass der Auslaender stets erstaunt ist - wie etwa
ueber den gemeinsamen Besuch von Universitaetskursen ueber Betriebswissenschaften usw. von Industriellen, Direktoren und Prokuristen zusammen mit ihren eigenen Betriebsraeten und den Funktionaeren der zustaendigen Gewerkschaften. Ausserdem ist die
Zahl der paritaetisch zusammengesetzten Kommissionen fuer Betriebs- und Produktionsfragen und dgl. gewaltig angeschwollen wobei es sich,wohlgemerkt, zumeist nicht um gesetzlich vorgeschriebene oder behoerdllche Organe handelt, sondern um freiwillig gebildete Instanzen der wirtschaftlichen und betrieblichen Selbstverwaltung.
Aber die "linke" gewerkschaftsfreundliche und sozialreformatorische Einstellung der juengeren amerikanischen Industriellengeneration ist nur ein Teil des Bildes. Der andere und vielleicht wichtigere Teil ist ihre Experimentierfreudigkeit. Was
es in amerikanischen Fabriken an Experimenten gibt, 'zumeist sozialer Natur, und immer mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen
Betriebsleitung und Belegschaft zu verbessern, ist kaum noch zu
uebersehen. Betriebskrankenkassen, Betriebspensionskassen, Betriebsaltersheime usw. gibt es in grosser Zahl und nach vielen
verschiedenen Formeln und Prinzipien, und zwar bei Gross- wie
auch bei Mittelbetrieben; und ebenso gibt es unendliche Formeln
und Rezepte fuer Gewinnbeteiligung der Belegschaft, Praemienausschuettungen an die Belegschaften nach dem Muster und Schluessel
der Aktiendividenden, verschiedene Experimente fuer "JahresLohngarantie" (bei der „dem Arbeiter ein Jahresgesamteinkommen
fuer 2080 Arbeitsstunden garantiert wird, naemlich 40 Arbeitsstunden pro i/oche in den 52 Wochen des Jahres) und andere Formeln mehr; es gibt Experimente, wie man durch technische Methoden die Zahl der Betriebsunfaslle vermindern und wie man aelteren Arbeitern Leben und Arbeit erleichtarn kann usw.
Nun ist das Standard-Gegenargument von europaeischer Seite,
dass es das gleiche und sehnliches in Europa auch gebe, unbedingt richtig; aber Umfang, Ausdehnung, Tempo und Vorurteilslosigkeit dieser Experimentier- und Reformfreudigkeit sind in
Amerika groesser. Nimmt man zu diesen Dingen noch die bekannten
Faktoren dazu, wie die Massenproduktion mit geringem Profit, die
- 3 -

�Politik der hohen Loehne, die groessere Konsumkraft erzeugt,
und die staendigen Reformen und Verbesserungen in bezug auf
Produktionstechnik und Fabrikationsmethode, dann hat man in der
Tat einige frappante Unterschiede vor sich, die die heutigen
tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen amerikanischem
und europaeischem Unternehmertum sehr deutlich illustrieren.
"Der Bund"
Bern, XIl/16/51
MITGLIEDERZAHLEN UND TARIFVERTRAEGE KANADISCHER GEWERKSCHAFTEN
Die Zahl der Mitglieder aller Gewerkschaften in Kanada
betrug im Jahre 1951 insgesamt 1029,000, - das ist, dem Jahre
1950 gegenueber, eine Steigerung um 2% oder, in Zahlen eusgedrueckt, um mehr als 22,000. Dies geht aus der 14. Jahreszaehlung kanadisoher GewerksohaftsOrganisationen hervor, die
vom kanadischen Arbeitsministerium durchgefuehrt wurde. »Vie
die nachstehenden Zahlen zeigen» wird durch diese Erhoehung
die Aufwaertstendenz in den Mitgliederzahlen seit 1939 fortgesetzt:
Jahr:

Mitgliederzahl:

Jahr:

1939
1940
1941
1942
1943
1944

359,000
362,000
462,000
578,000
665,000
724,000

1945
1946
1947
1948
1949
1951

Mitgliederzahl:
711,000
832,000
912,000
9 78,000
1,006,000
1,029,000

Etwa 85$ der Gewerkschaftsmitglieder gehoeren Gewerkschaften an, die einem der drei kanadischen Gewerkschaftsbuende angeschlossen sind. Seit Dezember 1949 hat sich die Zahl der
Mitglieder des Gewerkschaftsbundes "Trades and Labor Congress"
(TLC) um annaehernd 2,5$, die des "Canadian Congress of Labor"
(CCL) um mehr als 3# und die der "Canadian and Catholic Confederation of Labor" (CCCL) um mehr als 7$ erhoeht. Die Mitgliederzahlen der einzelnen Gewerkschaftsbuende sind der nachstehenden Tabelle zu entnehmen:
Trades and Labor Congress of Ganada (TLC)
davon in Gewerkschaften, die AFL und TLC
angeschlossen sind 1/
TLC allein

470,926

Canadian Congress of Labor (CCL)
davon im CIO und CCL
im CCL allein

312,532
204,945
107,587

Gewerkschaften, die nicht dem CCL angeschlossen
sind
nur der AFL angeschlossen
nur dem CIO angeschlossen
All-Amerikanische Eisenbahnergewerkschaft

389,973
80,953

11,307
1,500
40,459

Andere unabhaengige All-ümerikanische Gewerkschaften 50,205
Kanadischer und Katholischer Gewerkschaftsbund
(CCCL)
- 4 -

86,184

�National Council of Canadian Labor
Canadian Föderation of Labor

2/

5,138

Z/

3,971

Landes-, Bezirks- oder Ortsgewerkschaften, die
nicht dem CCL angeschlossen sind
»
Insgesamt
1,028,521
1/ Fuenfundsechzig Ortsgewerkschaften mit 6,993 Mitgliedern sind direkt und ausschliesslich der AFL
und auch dem TLC angeschlossen.
2/

Diese Zahl bezieht sich auf die angeschlossenen Gewerkschaften, die ihre Mitgliedszahlen dem Arbeitsministerium mitteilten.

Von den 307 Tarifvertraegen, die von der kanadischen Arbeitsverwaltung im Jahre 1951 registriert wurden, enthalten
46 (15%) sehr verschiedenartige sogenannte "Stufengleitklauseln", nach denen die Loehne im gleichen Verhaeltnis wie der
offizielle Lebenshaltungskostenindex erhoeht werden. Die Abteilung fuer '.Virtschaft und Forschung im kanadischen Arbeitsministerium teilt mit, dass die bestehenden Vereinbarungen der
Stufengleit-Klauseln im allgemeinen bestimmen, dass der Stundenlohntarif im Anschluss an eine Erhoehung des Lebenshaltungskostenindex heraufgesetzt werden muss. Im Gegensatz hierzu
war es im Jahre 1950 allgemein ueblich, fuer jede Erhoehung
des Lebenshaltungskostenindex um einen Punkt eine woechentliche Praemie von 25 Cents zu gewaehren. In den Vertraegen von
1951 dagegen wird zumeist festgelegt, dass jede Erhoehung des
Lebenshaltungskostenindex um 1,3 Punkte eine Stundenlohntariferhoehung um einen Cent zur Folge haben muss. Fuer den Fall,
dass der Index jedoch zurueckgeht, sind keine entsprechenden
Vorkehrungen getroffen. Die Vertraege, die Stufengleit-Klauseln enthalten, sind ici Durchschnitt fuer weit mehr Arbeiter
gueltig als solche, in denen derartige Bestimmungen nicht verankert sind.
Notes on Labor Abroad
51/7 - 8
i

DIE LOEHNE IN DER

A I T E R B U N ISCHEN

STAHLINDUSTRIE

Die gegenwaortigen 3emuehungen der amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft (CIO) um einen neuen Tarifvertrag fuer
die stahierzeugende Industrie hat die Aufmerksamkeit der Oeffehtlichkeit in den Vereinigten Staaten auf die Lohnstruktur
in diesem Industriezweig konzentriert. Zur gleichen Zeit, in
der Verhandlungen gefuehrt werden, hat das Buero fuer itrbeitsstatistik im amerikanischen ürbeitsministerium einen Bericht
ueber die Lohnstruktur in der Eisen- und Stahlindustrie veroeffentlicht. Die Angaben gelten fuer den Monat Januar des
Jahres 1951. Der durchschnittliche Stundenlohn (ohne Zuschlaege fuer Ueberstunden) betrug fuer 600.000 Arbeiter in der
Eisen- und Stahlindustrie rund 1.79 Dollar. Die Loehne der
mittleren Lohngruppen, denen 50$ aller Stahlarbeiter angehoeren, bewegten sich zwischen 1.50 und zwei Dollar pro Stunde.
In der Eisen- und Stahlindustrie ist der Grad der Unahhaengigkeit der Betriebe von Zubringerbetrieben sehr verschieden. In einigen Unternehmungen spielen sich saemtliche Produk- 5 -

�tionsprozesse ab - von der Gewinnimg der Rohstoffe bis zur
Herstellung der fertigen StahlerZeugnisse. Andere Gesellschaf tsunternehmen, in einigen Faellen auch einzelne Fabriken,
haben sich auf bestimmte Erzeugnisse spezialisiert. Im allgemeinen ist die Mannigfaltigkeit der Arbeitsplaetze, die in
ihren Anforderungen an die Arbeiter wiederum sehr verschieden
sind, ein charakteristisches Merkmal dieser Industrie. Ein
Standard-Lohnsystem mit 32 verschiedenen Stufen ist aus diesen Gruenden aufgestellt worden, der Unterschied zwischen den
einzelnen Stufen kommt in der Bezahlung im allgemeinen durch
einen Stundenlohnunterschied von fuenf Cents zum Ausdruok.
Nach einem "Genossenschaftlichen Lohnstudien-System" werden
bestimmte Berufe nach einem Punktsystem bewertet, bei dem Erfahrung, Geschicklichkeit, Verantwortung, Kraftaufwand und
Arbeitsbedingungen eine Rolle spielen.
Die Industrie ist hauptsaechlich auf die Gebiete der mittleren Atlantikkueste und die der grossen Seen konzentriert.
Hier sind ueber fuenf Sechstel aller Stahlarbeiter taetig.
Sie sind fast 100^-ig gewerkschaftlich organisiert. Die fuehrende Gewerkschaft ist die Vereinigte Stahlarboiter-Gewerkschaft
von Amerika ICIO). Das Wesen dieser Industrie bringt es mit
sich, dass in ihr fast nur Maenner beschaeftigt sind.
In dem allgemeinen Durchschnittslohn des Stahlarbeiters
in Hoehe von 1.79 Dollar pro Stunde sind keine Zuschlaege fuer
Ueberstundenarbeit enthalten. Er war Mitte Januar 1951 einer
der hoechsten Durchschnittsloehne in den amerikanischen Herstellerindustrien. Gebietsmaessig variierte der Durchschnittslohn von 1.68 Dollar im Sueden bis 1.81 Dollar im Gebiet der
grossen Seen. Etwa 1% der Arbeiter erhielten in der Stunde
weniger als 1.30 Dollar, und 1,2% verdienten drei Dollar und
mehr in der Stunde.
In 168 Berufsgruppen bewegten sich die Loehne zwischen
einem Durchschnitt von 1.34 Dollar fuer Feger in Drahtfabriken
und 5 Dollar fuer Blechwalzer in Werken, in denen nur heiss
gewalzt wird. Fuer die Haelfte der Berufe lagen die Durchschnittsstundenloehne zwischen 1.70 und 2.10 Dollar.
Zur Zeit der Erhebung betrug der durchschnittliche Stundenlohn einschliesslich der Ueberstundenpraemien 1.88 Dollar. Aus
Angaben fuer den Monat September 1951 geht hervor, dass dieser
Betrag ungefaehr gleich geblieben ist.
Zu einigen der direkten Lohnverguenstigungen fuer Stahlarbeiter gehoeren Sonderzuschlaege fuer Spaetschicht- und Ueberstundenarbeit, bezahlte Feiertage und Urlaub. Die durchschnittlichen Mehraufwendungen der Unternehmer fuer diese Sonderzuschlaege beliefen sich auf etwa 11 ."5 Cents fuer jede geleistete
zusaetzliche Arbeitsstunde. Fuer indirekte Vergüenstigungen,
wie z.B. gesetzlich vorgeschriebene Versicherungen (Arbeitslosen-,
Alters-, Hinterbliebenen- und Unfallversicherung) und fuer
freiwillige Versicherungen betrugen die ausgaben der Unternehmer
fuer jede geleistete Arbeitsstunde im Durchschnitt 4,6 bzw.
2,5 Cents.
Die Aufwendungen fuer Pensionsplaenc, die von den Arbeitgebern allein finanziert werden, wurden nicht berechnet, weil
sie im Augenblick nicht als charakteristisch fuer die gesamte
Stahlindustrie angesehen werden. Im allgemeinen ist jedoch eine
Pension vorgesehen, die bei Erreichen des 65. Lebensjahres oder
- 6 -

�bei Eintritt totaler Erwerbsunfaehigkeit eines Arbeitnehmers
mit 15 Dienstjahren gezahlt wird.
In den TarifVerhandlungen, die gegenwaertig in der Stahlindustrie gefuehrt werden, stellt die Stahlarbeitergewerkschaft Amerikas 22 Vertragsforderungen, darunter eine "wesentliche" Lohnerhoehung auf Grund hoeherer Lebenshaltungskosten,
ein garantiertes Jahreseinkommen, Ueberstundenbezahlung fuer
Arbeit an Sonnabenden und Sonntagen, acht bezahlte Feiertage
im Jahr, grosszuegigere .Urlaubsbestimmungen, hoehere Praemien
fuer Nachtarbeit und einige andere Vergünstigungen. Man rechnet ausserdem damit, dass die Gewerkschaft eine Lohnerhoehung
auf Grund gestaigerter Produktivitaet fordern wird.
Die Stahlfirmen geben jedoch vor, ohne eine Erhoehung der
Stahlpreise keine- Lohnerhoehungen und sonstigen Vergünstigungen gewaehren zu koennen. Sprechern der Industrie zufolge koennen den Arbeitern nach dem jetzigen Stand nicht mehr als sechs
Cents an Stundenlohnerhoehungen gewaehrt werden, wenn die Bestimmungen des Lohnstabilisierungsausschuases ueber die Lebenshaltungskosten nicht verletzt werden sollen. Die Gewerkschaft
ist dagegen der Auffassung, dass die Arbeiter auf Grund erhoehter Lebenshaltungskosten Anspruch auf eine Lohnerhoehung von
mindestens zwoelf Cents in der Stunde haben, und dass sie ferner Produktivitaetszuschlaege und andere Verguenstigungen erhalten muessen, die insgesamt 25 Cents oder mehr ausmachen
muessen.
Fuer den Fall, dass keine Einigung erzielt ist, wenn die
jetzt gueltigen Vertraege abgelaufen sind, wird der Praesident
den Lohnstabilisierungsausschuss mit der Beilegung des Streitfalles beauftragen, um einen Streik zu vermeiden, der das Mobilisierungs- und Verteidigungsprogramm schwer in Mitleidenschaft ziehen koennte.
Weekly Labor News Digest
VI/49
DIE SOZIAL VERSICHERUNG DER U.S. GEWAEHRT MUETTERN ERHOKHTEN
SCHÜTZ
Naoh der im Jahre 1950 erlassenen Abaenderung zum bundesstaatlichen Sozialversicherungsgesetz fuer die Vereinigten Staaten haben Frauen im allgemeinen groessere Rechte und ebenso
Anspruch auf hoehere Unterstuetzungen. .Dies trifft sowohl
fuer verheiratete Frauen, Muetter und Witwen als auch fuer
solche berufstaetige Frauen zu, die ihre Familie unterhalten.
Das neue Gesetz beruecksichtigt z.B. in weit groesserem Unfang
als das alte die wirtschaftlichen Beduerfnisse der unterhaltsberechtigten Frau mit Kindern. Bisher hatte die Frau eines
pensionierten oder sozialversicherten Arbeiters in keinem
Fall vor Erreichen des 65. Lebensjahres Anspruch auf monatliche
Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung. Nach dem neuen
Gesetz dagegen ist eine Frau, die ein minderjaehriges Kind versorgt, das Anspruch auf Unterstuetzung aus der Sozialversicherung hat, ebenfalls unterstuetzungsbörechtigt, gleichgueltig,
welchen Alters sie ist. Diese Zahlungen werden bis zum 18.
Lebensjahr des Kindes fortgesetzt.
Nach dem alten Gesetz hatte eine Mutter, die das minderjaehrige Kind ihres verstorbenen oder geschiedenen Gatten
- 7 -

�unter ihren Namen versorgt, keinen Anspruch auf monatliche Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung, nenn sie jetzt jedoch fuer den Lebensunterhalt ihres eigenen Kindes oder eines
gesetzlich adoptierten Kindes aufkommt, das Anspruch auf Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung hat, und wenn sie nicht
wieder geheiratet hat, wird auch an sie eine monatliche Untecr
stuetzung gezahlt. Zur Zeit des Todes ihres versicherten oder
geschiedenen Gatten muss ihr Lebensunterhalt entweder auf Grund
einer Abmachung oder einer gerichtlichen Verfuegung mindestens
zur Haelfte von diesem bestritten worden sein. Durch diese Bestimmung findet in dem neuen Gesetz die Tatsache Beruecksichtigung, dass eine geschiedene Frau, deren Lebensunterhalt zum
groessteh Teil aus dem Einkommen ihres ehemaligen Gatten finanziert wurde, nach dessen Tod die Hinterbliebenenrenten mindestens ebenso dringend braucht wie eine Frau, deren Ehe nicht
aufgeloest wurde.
Die Be stimm uns in dem neuen Gesetz, nach der die Militaerzeit waehrend des zweiten Weltkrieges fuer die Sozialversicherung als Arbeitszeit voll angerechnet wird,, hat fuer viele
Frauen zusaetzliche Unterstuetzungen gebracht. Dieses Gesetz
sieht nicht nur die Anrechnung der Militaerzeit fuer Frauen vor,
die selbst beim Militaer dienten, sondern Spricht auch vielen
Witwen und Muettern gefallener Soldaten einen Anspruch auf
Hinterbliebenenrente zu. Hinterbliebene gefallener Soldaten,
die in der Sozialversicherung versichert waren und minderjaehrige Kinder hinterliessen, koennen jetzt selbst dann durch die
Sozialversicherung unterstuetzt werden, wenn sie nach den Bestimmungen des Gesetzes ueber die Versorgung von Soldaten eine
Pension beziehen wuerden. Wenn die Dienstzeit waehrend des
zweiten Weltkrieges zu der Arbeitszeit des gefallenen Gatten
oder Sohnes, waehrend der er der Sozialversicherung angehoerte,
hinzugezaehlt wird, werden viele Frauen sofort Anspruch auf
Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung erhalten.
Facts on Women Workers
9/30/51
"MIT DIESEN HAENDEN"
"Mit diesen Haenden" ist die Geschichte von 400.000 Arbeitern des Schneidereigewerbes in den Vereinigten Staaten und
Kanada - die Schilderung eines Kampfes, den eine Gruppe amerikanischer Arbeiter durch ihre organisierte Staerke und durch
den Aufbau einer maechtigen Gewerkschaft mit ihren eigenen
Haenden gegen unmenschliche Bedingungen fuehrte, um sich und
ihren Familien anstaendige Lebensbedingungen zu sichern.
Dieser Film wurde von der All-amerikanischen Gewerkschaft
der Damenoberbekleidungsarbeiter hergestellt, um ihr Goldenes
Jubilaeum aus Anlass ihres 50-jaehrigen Bestehens zu feiern.
Die Geschichte von den KaempTen, die gefuehrt werden mussten,
um die Gewerkschaft gruenden und erhalten zu koennen, ist in
die Herzen der Mitglieder eingeschrieben, und man war der Ansicht, dass diese Geschichte zum Leben erweckt und in ansprechender Form mit den besten Berufstalenten, die dem amerikanischen
Film zur Verfuegung stehen, vor die Oeffentlichkeit und die
uebrige Arbeiterschaft gebracht werden muesse.
Tatsache ist, dass ein solcher Film praktisch von jeder
einzelnen Gewerkschaft haette gedreht werden koennen, denen

8

�die 16 Lflillionen organisierter Arbeiter in den Vereinigten
Staaten und Kanada angehoeren. Bestimmte Vorfaelle, ortsgebundene Probleme, Namen und Daten wuerden verschieden sein aber das Wesentliche waere in allen Faeilen dtis gleiche.
Wenn sich der amerikanische Arbeiter heute eines hohen
Lebensstandards erfreut, so zeigt der Film, wie erbittert
er Schritt fuer Schritt darum kaempfen musste.
Gegen hartneeckige Unternehmer, die sich in keiner ".»'eise
von den Arbeitgebern in der uebrigen Welt unterschieden,
musste jeder Fortschritt schwer erkaempft werden. Wenn jauch
die Unternehmer in den Vereinigten Staaten inzwischen gelernt
haben, dass eine liberale Politik der Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Gewerkschaften sowohl den ersteren als auch
den letzteren zugutekommt, so muss doch hervorgehoben werden,
dass es die Dynamik der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
war, die diese Veraenderung zustandegebracht hat.
Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter haben nicht
vergessen, wieviel Lluehe es gekostet hat, ihre Gewerkschaften
aufzubauen und zu den jetzigen Lebensbedingungen zu kommen,
und sie wissen auch, was es kostet, diese Erfolge fuer clie
Dauer zu sichern. Sie wissen, dass es letzten Endes ihre
Wachsamkeit, ihre Solidaritaet, ihre organisierte Staerke und
die Erhaltung der demokratischen Freiheiten sind, die den Ausschlag geben. Sie sind entschlossen, von dieser soliden Grundlage der Errungenschaften der Vergangenheit aus ihren Weg zu
neuen Horizonten fortzusetzen.
Der groesste Teil der Mitglieder der Gewerkschaft der
Damenoberbekleidungsarbeiter, die die Gewerkschaft erfbaute,
waren Einwanderer, die ihre Heimat in Russland, Polen, Italien
und anderen Laendern verlassen hatten, weil sie sich von der
Neuen »Veit mehr versprachen. Viele hatten die Pogrome in
Europa kennengelernt; andere mussten der politischen Verfolgung entfliehen; wieder andere waren Vorkaempfer und Fuehrer
in der europaeischen Arbeiterbewegung gewesen.
Trotz der schlechten Verhaeltnisse, die ^sie vorfanden,
hatten sie ihren Traum von einer Neuen Welt nicht aufgegeben.
Sie wussten die Freiheit zu schaetzen, und sie schlössen sich
der Gewerkschaft an, um dem echten Begriff der Freiheit sowohl
im industriellen als auch im politischen Leben eine Bedeutung
zu geben.
Eine Ortsgewerkschaft der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter nennt sich Ortsgewerkschaft Nr. 48 zum Andenken an die Revolution von 1848; eine andere Ortsgewerkschaft
italienisch sprechender Arbeiter traegt im Gedenken an die
Franzoesische Revolution im Jahre 1789 die Nr. 89. Ihr Leitspruch heisst "Pane e Rose" (Brot und Rosen).
Dies ist im wesentlichen das Motto der gesamten Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Denn fuer diejenigen,
die die Gewerkschaft gruendeten, waren das Recht, sich seinen
Lebensunterhalt zu verdienen und das Recht auf Freiheit und
Glueck untrennbar miteinander verbunden.
Dadurch, dass die Gewerkschaft der DamenOberbekleidungsarbeiter fuer Sicherheit des Arbeitsplatzes, fuer eine Verkuerzung der woechentlichen Arbeitszeit von 70 und 80 Stunden auf
- 9 -

�35 Stunden und fuer bessere Loehne sorgte, hat sie ihren Mitgliedern mehr Freizeit ermoeglicht, in der sie die Annehmlichkeiten des Lebens geniessen koennen. Aber die Gewerkschaft ist nooh weiter gegangen und hat ihren Mitgliedern
nicht nur ein besseres Leben gesichert, sondern auch Einrichtungen geschaffen, die es ihnen ermoeglichen, diese groessere
Freizeit zu geniessen»
Mit ihren Heimen im ganzen Land hat die Gewerkschaft
der Damenoberbekleidungsarbeiter ein weitreichendes Schulungs-,
Kultur- und Erholungsprogramm in die Wege geleitet, das den
Wuenschen und Beduerfnissen ihrer Mitglieder angepasst ist.
Tausende von Arbeitern nehmen an sportlichen Veranstaltungen,
Musikabenden, Vortraegen uebor Kunst, Tanzveranstaltungen
und Theatervorfuehrungen der Gewerkschaft teil. Das Bildungsreferat unterhaelt eine Arbeiterhoohschule, an der Berufsdozenten oder Experten der Gewerkschaft Kurse ueber Gewerksohaftsgeschichte, Rhetorik, Psychologie, Gewerkschaftsprobleme, das Musikhoeren, aktuelle und Wirtschaftsfragen geben.
Das sogenannte "Unity House", das Sommerheim der Gewerkschaft, das einen Wert von einer Million Dollar hat, spielt
in diesem Programm eine wesentliche Rolle. Die Gewerkschaft
bietet ihren Mitgliedern und Gaesten nioht nur einen luxurioesen Ferienaufenthalt zu durchaus erschwinglichen Preisen,
sondern laedt auch in jedem Sommer bekannte Dozenten, Unterhaltungskuenstler und Musiker ein.
Weil die Staerke einer demokratisphen Gewerkschaft davon
abhaengig ist, ob ihre Mitglieder aufgeklaert und wachsam sind,
hat die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter ein
besonderes Schulungsprogramm aufgestellt, das Lehrgaenge fuer
neue Mitglieder, Sonderkurse fuer Betriebsratsvorsitzende,
fuer Mitglieder oertlicher Gewerkschaftsvorsteende und fuer
zukuenftige Funktionaere vorsieht. Weiter wird Unterricht
ueber die Struktur und Arbeitsweise der Gewerkschaft, ueber
die Organisationsmethoden, das Abhalten von Gewerkschaftsversammlungen, die Fuehrung der Geschaeftsbuecher der Gewerkschaft,
ueber Streik und das Unterbreiten von Forderungen der Arbeiter
erteilt.
"Mit diesen KaendenJ* erzaehlt die Geschichte der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter an Hand der Lebensgeschichte eines einzelnen Mitglieds der Gewerkschaft. Mit dieser Geschichte veranschaulicht der Film ausserdem, was sich
ereignet, wenn sich freie Arbeiter in einem freien Land zusammenschliessen, um sich ein glueckliches Leben und wirtschaftliche Gerechtigkeit zu verschaffen.
Auszug aus dem Prospekt zu
"Mit diesen Haenden" der ILGWU
DIE INTERNATIONALE ARBEITS ORGANISATI PN BERICHTET VON IHRER
ARBEIT
""""—
Vor wenigen Wochen sagte der Generaldirektor der Interna• tionalen Arbeitsorganisation, David A. Morse, vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen:
"Die Internationale Arbeitsorganisation ist universell.
Sie befasst sich mit allen einschlaegigen Fragen und sucht
- 10 -

�Loesungen unter dem Gesichtspunkt des Interesses aller Voelker.
Sie ist kein Werkzeug in der Hand eines Staates oder einer
Staatengruppe und wird es auch niemals sein. Sie wird jeden
Staat als Mitglied begruessen, der bereit ist, die Verpflichtungen auf sich zu nehmen, die sich aus der Charta der Internationalen Arbeitsorganisation ergeben."
Diese Botschaft wurde von den Vereinten Nationen mit Beifall aufgenommen. Die Internationale Arbeitsorganisation hat
in den Jahren ihres Bestandes laengst bewiesen, dass sie eine
unparteiische Einrichtung im Dienste der Gerechtigkeit und der
Freiheit ist. Ihr Ziel ist durch die Charta festgelegt: Die
Arbeits- und Lohnverhaeltnisse in der ganzen Welt zu verbessern
und so die Grundlagen fuer einen allgemeinen und dauernden Frieden zu legen.
Die Internationale Arbeitsorganisation wurde auf der Pariser Friedenskonferenz naoh dem ersten V/eltkrieg geschaffen.
Sie war von Anfang an eine selbstaendige Koerperschaft, die mit
dem Voelkerbund zwar verbunden war, aber nicht von ihm abhing.
Im Jahre 1946 wurde sie zu einer der technischen Spezialorganisationen, die der UNO angeschlossen sind. Ihr Arbeitsfeld
ist die Verbesserung der sozialen Verhaeltnisse und der Arbeitsbedingungen. Sie hat nicht nur eine Reihe von Unters uchunren
ueber Arbeitsfragen in den verschiedensten Teilen der Welt
durchgefuehrt, sondern auch bedeutende praktische Fortschritte
in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Bevoelkerung
zahlreicher Laender erzielt. Der Sitz der Organisation ist in
Genf, dem ehemaligen Sitze des Voelkerbundes.
Die dreiteilige Struktur der Organisation ist sehr klar
und uebersichtlich. Dia hoeohste Instanz ist die Jahreskonferenz, auf der die Vertreter aller Kitgliedsstaaten Beschluesse
fassen und alljaehrlich das Arbeitsprogramm der Organisation,
ihre Geschaeftsfuehrung und die Ernennung und Taetigkeit der
leitenden Funktionaere festlegen und ueberpruefen. Fuer die
Ausfuehrung der Beschluesse der Jahreskonferenz ist der Exekutivausschuss verantwortlich. Die Organisation verfuegt ueber
ein staendiges Sekretariat, das Internationale Arbeitsamt. Gegenwaertig sind 65 Staaten der Organisation angeschlossen. Das
juengste Mitglied ist Japan, das erst vor wenigen Wochen beigetreten ist.
Die Arbeit der Internationalen Arbeitsorganisation vollzieht sich unter Beachtung der staatlichen Souveraenitaet. Die
Organisation kann Vertraege ausarbeiten und den Staaten zur
Ratifizierung vorlegen, aber ihre Beschluesse sind nicht von vornherein fuer alle Mitglieder verbindlich. Eine weitere Besonderheit der Organisation ist die paritaetische Vertretung der drei
Elemente, die das Wirtschaftsleben in jedem Lande bestimmen:
naemlich Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Regierungsvertreter.
Zu den praktischen Erfolgen der Internationalen Arbeitsorganisation gehoert vor allem die Ausarbeitung einer Reihe von
Abkommen, die das internationale Arbeitsrecht bilden. Diese
Abkommen legen die Begrenzung der Arbeitszeit, eine Mindestlohngrenze und eine Anzahl sozialer Vorteile fuer die Arbeiter jener
Laender fest, die diese Abkommen unterzeichnet haben. Auch die
gewerkschaftliche Freiheit wird durch die Bestimmungen des internationalen Arbeitsrechtes gewaehrleistet. Insgesamt wurden
durch die Initiative der Organisation bis heute 98 internationale
11 -

�Abkommen unterzeichnet und 88 Empfehlungen an alle Staaten
herausgegeben. Viele der Mitgliedsstaaten haben die Empfehlungen der Organisation nicht nur befolgt, sondern durch
fortschrittliche soziale Gesetze noch ueberboten.
Urspruenglich war die Mitgliedschaft bei der Internationalen Arbeitsorganisation an die Zugehoerigkeit zum Voelkerbund
gebunden. In der Folgezeit wurden jedoch zahlreiche Staaten,
die bei ihrer Gruendung dem Voelkerbund nicht angehoerten, zur
Internationalen Arbeitsorganisation zugelassen.
Im vergangenen Sommer wurde Deutschland, das die Organisation vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs verlassen hatte,
wieder aufgenommen. Das deutsche Beitrittsgesuch wurde von
dem stellvertretenden Praesidenten der Organisation, Leon
Jouhaux, der vor kurzem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, mit grosser Energie befuerwortet. Jouhaux sagte
bei diesem Anlass: "Man kann nicht vom Haas leben, man kann
nicht auf Rachegefuehlen bauen."
Kuerzlich hat die Internationale Arbeitsorganisation eine
Erhebung ueber die Zwangsarbeit eingeleitet. Ueberall, wo
Zwangsarbeit besteht, sollen die Verhaeltnisse untersucht und
die Mittel zur Abschaffung dieser barbarischen Einrichtung gefunden werden. Die Vereinten Nationen und alle der Internationalen Arbeitsorganisation angeschlossenen Regierungen haben
ihre Mithilfe bei dieser Untersuchung zugesagt.
Eine andere Frage, mit der sich die Organisation befasst,
ist die planmaessige Lenkung der Auswanderung und die Unterbringung dieser Arbeitskraefte.
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Internationale Arbeitsorganisation allen Problemen, die die Taetigkeit der Gewerkschaften und das Wohlergehen der Arbeiterschaft betreffen. In
den letzten Jahren hat die Organisation nach der Aufforderung der
UNO den Text eines Abkommens zur Sicherung der Gewerkschaftsfreiheit ausgearbeitet. Zwoelf Staaten haben dieses Abkommen
bereits gesetzlich verankert, weitere Ratifizierungen werden
erwartet.
Die moralischen Grundsaetze, auf denen die arbeit der
Organisation beruht, wurden in einer Erklaerung niedergelegt,
die auf der Konferenz von Philadelphia im Jahre 1944 angenommen wurde. In dieser Erklaerung stehen u.a. folgende Saetze:
"Arbeit ist keine Ware. Die Armut, wo immer sie zu finden
ist, gefaehrdet den Wohlstand aller Laender. Freiehit der
Meinungsaeusserung, Koalitions- und Vereinigungsfreiheit sind
die Grundlagen bestaendigen Fortschritts. Alle Menschen, ohne
Unterschied der Rasse, des Glaubensbekenntnisses und des Geschlechtes haben das Recht, ihre materielle und geistige Entwicklung in Freiheit und Wuerde, in wirtschaftlicher Sicherheit
und mit gleichen Moeglichkeiten zu verfolgen."
Diase Erklaerung ist die Richtlinie fuer die gesamte Taetigkeit der Internationalen Arbeitsorganisation im Interesse
der freien 7/elt.
World Labor News
Script 10
12 -

�DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IN MITTEL- UND SUSP AMERIKA
Vor einem Jahr fand in M^xioo-City eine Zusammenkunft statt,
die fuer die organisierte Arbeiterschaft Lateinamerikas einen
Wendepunkt in ihrer Geschichte darstellt. Vertreter fast aller
Laender Sued- und Mittelamerikas waren auf diesem historischen*
Kongress der Arbeit vertreten. Das Ziel war einfach und genau
festgelegt: Die Staerkung der lateinamerikanischen Gewerkschaften durch ihren Zusammenschluss im Rahmen des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften.
Diese Tagung stellte den Gipfelpunkt einer Entwicklung
dar, deren erste Ansaetze im 19. Jahrhundert liegen, als die
Arbeiter in Sued- und Mittelamerika zum erstenmal ihren Willen
bekundeten, sich zu organisieren. V/elcher Weg von jenen bescheidenen Anfaengen bis zum machtvollen Zusammenschluss, der
heute in ganz Lateinamerika eine Front der Arbeit gegen jede
Form von Diktatur schafftl
Schon vor der Gruendung des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften hat die Arbeiterschaft Lateinamerika ihre Kraefte gefestigt und zusarmengefasst. Gewiss fiel das Ende des
Zweiten Weltkriegs mit dem Hoehepunkt des kommunistischen Einflusses in Lateinamerika und mit den Anf.aengen der peronistischen Bewegung in Argentinien zusammen, aber demnach erlebte
die demokratische Gewerkschaftsbewegung in allen Laendern
Sued- und Mittelamerikas zur gleichen Zeit einen machtvollen
Aufschwung. Es blieb dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften vorbehalten, alle demokratischen Gewerkschaften zum
gemeinsamen Kampf fuer Freiheit und sozialen Fortschritt in
diesem Teile der Welt zusammenzuschliessen.
Eine der ersten überstaatlichen Gewerkschaftsorganisationen der Neuen Welt war die 1920 gegruendete Allamerikanische
Arbeitervereinigung. Sie wurde durch die Initiative der American
Föderation of Labor - der groessten Gewerkschaftsorganisation
der Vereinigten Staaten - und des mexikanischen Gewerkschaftsbundes ins Leben gerufen. Der Allamerikanischen Arbeitervereinigung gehoerten die Gewerkschaften der verschiedenen Laender
Mittel- und Suedamerikas an.
Fast zwei Jahrzehnte vergingen, bis im Jahre 1938 eine
neue lateinamerikanische Gewerkschaftsorganisation geschaffen
wurde, die allgemeineren Charakter hatte und sich auf fast alle
Laender Zentral- und Suedamerikas erstreckte. Ihr gehoerten
neben den argentinischen Gewerkschaften, die damals unter sozialistischer Fuehrung standen, die liberalen Gewerkschaften Kolumbiens und verschiedene Gewerkschaften in Kuba, Chile und Uruguay
an, deren Tendenz jedoch damals oft eine kommunistische war.
Dieser Gewerkschaftsbund, der unter den Anfangsbuchstaben
CTAL bekannt war, geriet nach und nach voellig unter die Kontrolle der kommunistischen Elemente. Eine Anzahl Gewerkschaften,
die sich dem kommunistischen Einfluss entziehen wollten, traten
aus der CTAL aus. Andererseits entstanden in vielen Laendern
des amerikanischen Kontinents neue Gewerkschaftsorganisationen,
die von vornherein den ^nschluss an den CTAL ablehnten. In der
gleichen Zeit wurde schliesslich eine neue Form der Regierungsgewerkschaft, die peronistischen Arbeiterorganisationen gegruendet, die das diktatorische Regime Argentiniens unterstuetzten.
Das Ende des Krieges fuehrte in ganz Lateinamerika zu einer
Verstaerkung der Bewegung fuer die Schaffung sozialer Einrichtungen. Ueberaü bildeten sich neue Gewerkschaften, namentlich
- 13 -

�in Uruguay, Chile, Peru, Kuba und Mexiko. Voellig neue Gewerkschaftsorganisationen entstanden in Costa-Rica und Kolumbien. In Venezuela und Haiti bildeten sich ebenfalls Gewerkschaften, diese zwangen die Unternehmer, die bis dahin keine
organisierten Arbeiter geduldet hatten, die neuen Organisationen anzuerkennen und mit ihnen zu verhandeln. Ueberall standen die sozialen Fragen im Vordergrund. Neben den neuen Gewerkschaften brachen aber auch viele frueheren Mitgliedsgewerkschaften des CTAL mit diesem wegen seiner kommunistischen
Linie. So gab es in ganz Sued- und Mittelamerika zahlreiche
Gewerkschaften, die keinen internationalen Zusammenhalt besessen. Erst im Januar 1948 wurde auf einer Tagung in Lima
eine Dachorganisation fuer alle diese Verbaende geschaffen,
de\r CIT, der interamerikanische Arbeiterbund. Gemeinsam
war allen diesen Organisationen ihre soziale Orientierung und
ihre demokratische Haltung. Die peronistischen Gewerkschaften
wuenschten, zu dieser Internationale zugelassen zu werden,
aber dies wurde rundweg abgelehnt, denn der CIT wollte keine
antidemokratischen Verbaende als Mitglieder haben.
Drei Jahre lang stellte der CIT die einzige ueberstaatliohe Organisation demokratischer Gewerkschaften in Sued- und
Zentralamerika dar. In Zentralamerika waren ihr namentlich
die Gewerkschaften von Kuba, Haiti, Mexiko und Costa Rica angeschlossen.
Vor einem Jahr wurde eine besondere Konferenz fuer den
Ansohluss an den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
einberufen. Der CIT ergriff bereitwillig die Gelegenheit,
sich einem breiteren Rahmen einzugliedern. In der ersten Zeit
standen der Fusion gewisse juristische Hindernisse im Wege,
aber schliesslich wurden alle Schwierigkeiten, ueberwunden und
kurz nach der Konferenz von Mexico City im Januar 1951 kam die
Einigung zustande.
Damit ist die Schaffung einer kraeftigen Organisation der
demokratischen Arbeiterschaft Lateinamerikas abgeschlossen.
Im Rahmen des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften kaempfen die Arbeiter in Sued- und Zentralamerika nunmehr in geschlossener Front gegen Reaktion, Diktatur und Kommunismus, fuer Frieden, -Freiheit und sozialen Fortschritt.
World Labor News
Script 10
ZWEI JAHRE IBFG UND DIE ERFOLGE
Vor zwei Jahren, im Dezember 1949, wurde der Internationale Bund Freier Gewerkschaften gegruendet. Diese Organisation entsprach einem Beduerfnls fuer Millionen von Arbeitern
in der ganzen Welt. Daraus erklaert sich auch sein rasches
Wachstum. Heute, nach zweijaehrigem Bestand, sind 53 Millionen Arbeiter in allen Laendern und Erdteilen in diesem Bund
organisiert, um gemeinsam ihre Freiheiten, ihre "echte, ihre
Lebenshaltung und ihre Menschenwuerde zu verteidigen. Sozialer Fortschritt, Friede und Freiheit sind die Ziele des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Vor einigen «Vochen hielt der Exekutivausschuss dieser
Organisation seine sechste Tagung in Bruessel ab. Auf dieser
Zusammenkunft wurden weitreichende Beschluesse gefasst, die
fuer die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in vielen Laendern von groesster Bedeutung sind.
- 14 -

�In mehr als sechzig Laendern fuehren die Arbeiter den
Kampf fuer soziale Gerechtigkeit, Demokratie und eine friedliche Zusammenarbeit aller Voelker unter der gemeinsamen Flagge
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Wohl niemals zuvor ist eine Organisation so rasch zu solcher Macht und zu solcher Reife herangewachsen.
Vier Jahre lang, von 1945 bis 1949, arbeiteten die demokratischen Gewerkschaften der Welt mit den kommunistischen Arbeiterorganisationen im Rahmen des 'Weltgewerkschaftsbundes zusammen. Trotz allen guten Willens konnten sie jedoch diese
Zusammenarbeit auf die Dauer nicht aufrechterhalten, denn es
wurde von Tag zu Tag offenkundig»,dass die Kommunisten den
Weltgewerkschaftsbund lediglich als ein Instrument der russischen Ausdehnungspolitik betrachteten. Als sich alle Versuche,
diese Organisation dem kommunistischen Einfluss zu entziehen,
als aussichtslos erwiesen, zogen sich die demokratischen Gewerkschaften aus dem Weltgewerkschaftsbund zurueck und hielten
in London eine Tagung ab, auf der sie beschlossen, sich in
einer, neuen Internationalen Organisation zusammenzuschliessen.
So entstand der Internationale Bund Freier Gewerkschaften. Die
juengste Tagung in Bruessel fand unter der Leitung des Vorsitzenden der Organisation, Sir Vincent Tewson, statt. Das war
die erste Zusammenkunft des Exekutivausschusses seit seiner
Wahl auf dem Zweiten Kongress des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, der im vergangenen Sommer in Mailand stattfand.
Auf dieser Tagung wurden elf Beitrittsgasuche vorgelegt. Unter
den Gewerkschaften, die sich dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften anschliessen wollen, befinden sich der Australische Gewerksohaftsrat, die Unione Italiana del Lavoro, der
Gewerkschaftsrat von Singapur, ferner Organisationen aus Trinidad
und Britisch Guiana. Wenn alle diese Beitritte angenommen werden, so wird der Bund eine weitere Million neuer Mitglieder
zaehlen.
Ein Beschluss dieser Tagung betraf die Finanzierung der
Organisations- und Erziehungstaetigkeit in den wirtschaftlich
rueckstaendigen Ltendern. Der Fonds fuer Regionale Entwicklung, der diese Taetigkeit unterstuetzt, belaeuft sich auf
700.000 Dollar. Ein grosser Teil dieses Betrags wurde bereits
aufgebracht. Der Britische Gewerk^chaftsrat hat seine Anhaenger aufgefordert, 100.000 Ffund beizustellen, aber diese Summe
wurde ueberboten. Der amerikanische Gewerkschaftsbund CIO hat
100.000 Dollar beigesteuert.
Derzeit nehmen Vertreter des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften regen enteil an der Gewerkschafts- und Erziehungsarbeit in «sien, Suedamerika und Afrika. In naechster
Zeit sollen Organisatoren des Bundes nach Japan, Korea und
Indonesien geschickt werden. Eine Zentralstelle fuer Westafrika
wird in Accra errichtet werden, waehrend nach Nordafrika, nach
Ostafrika und nach Zentralamerika Sondermissionen entsandt
werden.
Auf der Bruesseler Tagung sprach sich der Exekutivausschuss
fuer die Selbstverwaltung und die Selbstbestimmung jener Gebiete
aus, die heute abhaengige Territorien oder Protektorate sind,
soweit ihr Entwicklungszustand das zulaesst. Fuer diejenigen
Gebiete, die zur Selbstverwaltung noch nicht reif sind, soll
eine Kontrolle durch die Vereinten Kationen eingefuehrt werden.
- 15

�Weiter erhob der Aussohuss Protest gegen die Einschraenkungen der Gewerkschaftsfreiheit in verschiedenen Laendern
und forderte die Internationale Arbeitsorganisation auf, darueber eine Erhebung durchzufuehren.
Schliesslich bekraeftigte der Ausschuss seine demokratische Haltung auch in weltpolitischen Fragen. Er analysierte
die Organisation des Atlantikpakts und verlangte die Anwesenheit von Gewerkschaftsvertretern in allen verantwortlichen
Instanzen der Organisation des Atlantikpakts, der NATO. Die
Internationalen Berufssekretariate werden aufgefordert, der
NATO ihre Mitarbeit zu gewaehren.
In einer der Resolutionen, die in Bruessel gefasst wurden,
heisst es:
"Wir treten dafuer ein, dass die freie Gewerkschaftsbewegung in ihrem Kampf fuer den Frieden und gegen den Kommunismus
im Wirkungsbereich der Gewerkschaften alle Kraefte einsetzen,
um die Verteidigungslinien gegen einen moeglichen kommunistischen Angriff in Europa zu verstaerken.
Labor Worls News
Script 11
H01LAENDISCHE GEWERKSCHAFTEN FUER EINSCHALTUNG IN PRODUKTIVITAETSMASSNAHMEN
Auf einer Konferenz des hollaendischen Gewerkschaftsbundes
N W in Utrecht sprach sich J. 0» Suurhoff, ein Funktior.aer des
N W , fuer eine gesteigerte Produktivitaet in der hollaendischen
Industrie aus, die sich jedoch auf die enge Zusammenarbeit
zwischen Gewerkschaften und Unternehmern stuetzen muesse.
Fuer die Arbeiter waere es jedoch geradezu eine "irrsinnige Lage", wenn sie es zugeben wuerden, dass ihre Loehne mit
der Produktivitaet gekoppelt werden, solange die Gewerkschaften
bei der Festlegung der Methoden zur Steigerung der Produktivitaet noch nichts mitzureden haetten.
Suurhoff brachte warnend zum Ausdruck, dass die Gewerkschaften "ohne das Recht, mitzureden, auch die gemeinsame Verantwortung ablehnen. Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass
man schoene Worte um eine unechte Zusammenarbeit macht oder
den Arbeitern hie und da freundschaftlich auf die Schulter
klopft, weil sie zur Zeit so wenig streiken."
"Wenn man wirklich industriellen Frieden, Zusammenarbeit
und die Beseitigung des Klassenkampfes auch fuer die Zukunft
erreichen will, muss man schon mehr tun als nur schoene Worte
reden. Wir haben uebrigens nichts gegen schoene Worte, wenn
wir klar sehen, dass hinter diesen Worten Taten stehen, die beweisen, dass man es wirklich ernst meint. "Ich gebe zu, dass
dies ein unangenehmes Argument ist. Aber es ist unweigerlich
richtig. Moegen alle Personen, die im politischen wie im industriellen Leben eine fuehronde Stellung innehaben und sich
nicht von 3elbstsuechtigen Gedanken leiten lassen, sich veranlasst sehen, den Arbeitern ihren Anteil an der gemeinsamen
Verantwortung zu uebertragen, bevor es zu spaetist."
Daily News Service

iii/ie/51
16 H1C0G e A n 52 1B367 « U

3 0

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                <text>Eine Erklärung des Vereinigten Komitees für Arbeitspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Truman lobt zwei große amerikanische Gewerkschaften&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zeit für Lohnkontrollen in Amerika noch nicht gekommen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schulung der Experten des Punkt-Vier Programms&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Französische Studiengruppe für Zusammenarbeit Gewerkschaften-Unternehmer&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wesen und Arbeitweise der britischen "Anordnung 1305"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Erfolge in Neuseeland&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zeit- und Bewegungsstudium kann westdeutsche Produktion erhöhen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftlicher Beratungsausschuss für internationale Angelegenheiten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Jahr IBFG</text>
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                    <text>Internationale

ARBEITSNITTEILUHGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757. Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 2

Frankfurt, 12. Januar 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Gewerkschaften Amerikas unterstuetzen Verteidigungsproduktion - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

1

Amerikanische Gewerkschaften helfen am Punkt-VierProgramm mit - - - - - - - - - - - - - - - - - -

3

Die Bedeutung der Lehrlings- und Berufsschulausbildung fuer die Verteidigung Amerikas - - - - -

5

Zahl der weiblichen Arbeitskräfte in Amerika stellt

e

In England entscheiden die Bergleute selbst ueber
ihre Zukunft - - - - - - - - - - - - - - - - - -

9

Gerechtes Akkordsyster. steigert Produktionsleistung

11

I'eany zur Rolle des Rundfunk- und Fernsehwesens - -

13

Amerikanische Gewerkschaftsfuehrer unterstreichen
die Bedeutung der Arbeiterbildung - - - - - - i*
Ausbildungsinstitut fuer die wirtschaftliche Planung
asiatischer Entwicklungsprojekte - - - - - - - 15
Indische Gewerkschaften erkennen die kommunistische
Gefahr —
- - - - - - - - - - - - - —
_.-_

16

GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS UNTERSTULIZEN VERTEIDIGÜNGSPRODUKTICN
Die Nachrichten von der bejahenden Haltung der Gewerkschaftsbewegung einer gesteigerten Verteidigungsproduktion gegenueber
und ihrer Bereitwilligkeit, notwendige Preis- und Lohnkontrollen
zu akzeptieren, nehmen in der amerikanischen Gewerkschaftspresse
einen breiten Paum ein.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bekennt sich zu
dem Motto des ersten Wirtschaftsberaters Praesident Trumans, Leon
Keyserling: "Produktion, mehr Produktion und noch mehr Produktion."
- 1-

�Die Gewerkschaften haben ihre uneingeschraenkte Zusammenarbeit bei der Steigerung der Produktion zugesichert, damit Amerika
und die ganze freie Welt gegen alle feindlichen Absichten gefeit
sind. Noch bevor die Kommunisten die Republik Korea angegriffen
hatten, war die Produktion in Amerika auf einen Hoechststand gestiegen, und das nationale Einkommen - einschliesslich der Lohnsumme - ging
wie nie zuvor in die Hoehe.
Heute haben die Ausgaben der Unternehmer zur Ausdehnung ihrer
Produktionskapazitaet eine Stufe erreicht, die ueber der des zweiten Weltkrieges und des Jahres 1948 liegt, als die Nachfrage nach
Waren aller Art eine ungeheure Ausdehnung der Industrie erforderlich machte. Und jetzt wird diese vermehrte Nachfrage nach Waren
fuer den Inlandbedarf noch durch die zwingende Notwendigkeit gesteigert, die freie Welt wirtschaftlich und militaerisch zu staerken, um den kommunistischen Imperialismus abwehren zu koennen.
Auch diese Absicht hat die begeisterte Zustimmung der amerikanischen Gewerkschaften gefunden.
Diese rekordbrechende Ausdehnung der amerikanischen Produktivitaet schafft neue Arbeitsplaetze und stellt die Gewerkschaften
auf Grund des sich hieraus ergebenden Mangels an Arbeitskraeften
in eine guenstige Position. Die Gewerkschaften nutzen diese
groessere Macht jedoch nicht dazu aus, um unberechtigte Forderungen
zu stellen.
Nachdem Praesident Truman den nationalen Notstand erklaert
hatte, kamen etwa 10.000 Eisenbahner im Interesse der nationalen
Verteidigung dem Ersuchen des Praesidenten nach, ihren Streik zu
beenden.
Im August wurden die Bahnen von der Regierung uebernomnen, um
einen nationalen Streik der Gewerkschaft des Zugpersonals und der
Zugfuehrer zu verhindern. Seit dieser Zeit arbeiten sie unter
der Kontrolle der Regierung.
Die Gewerkschaften wuenschen fuer die Lagerarbeiter der Eisenbahn eine volle Verguetung fuer 48 Arbeitsstunden bei einer
40-Stunden-Woche und eine 20$ige Tariferhoehung fuer die Streckenarbeiter. Augenblicklich verdienen die Zugbegleiter durchschnittlich 1,58 Dollar in der Stunde und woechentlich 75 Dollar. Der
durchschnittliche Wochenlohn aller Industriearbeiter belaeuft sich
gegenwaertig auf 62 Dollar. Nach Ausbruch des Streiks der Eisenbahner wurden Tag und Nacht im Weissen Haus Besprechungen zwischen
den Eisenbahngesellschaften und den Gewerkschaften gefuehrt, an
denen auch der Berater des Praesidenten, Dr. John R. Steelman,
teilnahm. Man rechnete damals bereits mit einer raschen Beilegung
des Streiks.
William Green, der Praesident der AFL, versprach, dass die
acht Millionen Mitglieder dieses Gewerkschaftsbundes waehrend
des Notstandes von Streiks absehen wuerden, wenn Praesident Truman
sie darum ersuchte. Er fuegte hinzu, dans die Arbeiterschaft
bereit sei, "mehr als die Haelfte des '"eges" zu einer Vereinigung
mit den Unternehmern und Farmern zurueckzulegen, um die Programme
zur Steigerung der Ruestungsproduktion zu foerdern.
Green bestand jedoch darauf, dass eine "Gleichheit" zwischen
Loehnen und Preisen hergestellt werden muesse, bevor irgendein
Lohns tabilisierungsprosramm durchgefuehrt werden koenne^
Philip Murray, der Vorsitzende des CIO, versprach ebenfalls
Hoechstproduktion zur Unterstuetzung Praesident Trumans und der
Vereinten Nationen in dem ges-enwaertigen Kampf zur Abwehr aller
Aggressionen.
- 2 -

�Der CIO-Vorsitzende fuehrte aus:
T o r fuenf Jahren erst haben wir den Kampf um die Freiheit
gegen die nazistischen und japanischen Imperialisten gewonnen.
In diesem Kampf spielte die Produktivkraft der amerikanischen Industrie und der amerikanischen Arbeiter eine wesentliche Rolle.
"Heute werden wir wieder dafuer arbeiten, die freien Voelker
und die freien Ttenschen vor dem Angriff des kommunistischen Imperialismus zu schuetzen. Die amerikanischen Arbeiter wissen,
dass Kommunismus Sklavenarbeit bedeutet, die freien Gewerkschaften zerstoert und den Arbeitern das Recht nimmt, zu streiken. 3o
wie Hitler schutzlose Voelker ueberfiel, sind es nun die Kommunisten, die nach Sued-Korea und Indo-China eindringen."
Der CIO-Vorsitzende brachte zum Ausdruck, dass die amerikanischen Arbeiter keineswegs ihre Handlungsfreiheit einbuessen,
wenn sie sie Regierung in dieser kritischen Zeit unterstuetzen.
Sie werden auch in Zukunft verlangen, dass Ungerechtigkeiten in
der Bezahlung korrigiert werden, und dass die Arbeiterschaft an der
Formulierung und Verwaltung der Richtlinien und Programme in allen
Behoerden der Regierung in groesserem Masse beteiligt wird. Sie
werden fordern, da3s die durch den Notstand auferlegten Lasten
unter alle sozialen Gruppen gerecht verteilt werden.
"'.Venn die amerikanischen Arbeiter ihre Unternehmer oder ihre
Regierung kritisieren, dann glauben Sie nicht, dass Amerika uneinig ist. Unsere Demokratie is*t stark, weil jeder Buerger das
Recht hat, ohne Furcht zu sprechen, ueber oeffentliche Probleme
zu diskutieren und abzustimmen. Die Freiheit schwaecht uns nicht.
Sie verleiht uns Staerke, weil wir wissen, wofuer wir arbeiten und
kaemofen. In diesen schweren Zeiten wird die hoehere Produktivkraft der amerikanischen Arbeiter zusammen mit dem Industriepotential der amerikanischen Industrie die notwendigen militaerischen
und wirtschaftlichen Mittel wieder einmal produzieren, mit denen
die freiheitsliebenden Voelker der ganzen v;elt unterstuetzt werden.
Um es erneut zu sagen:
Wir werden stark und siegreich sein, weil
wir fuer das Recht kaempfen."
Die Gewerkschaftsbewegung fordert nun energisch eine staendig groessere Beteiligung in allen Phasen der 'Mobilisierung der
Hilfsquellen und Machtmittel Amerikas. Das Vereinigte Komitee
fuer Arbeitsgesetzgebung, das sich aus Vertretern der AFL, der
CIO und der selbstaendigen Gewerkschaften zusammensetzt, wurde zu
dem Zweck gebildet, sich mit den Problemen der Mobilisierung zu befassen.
Program Service Section
Labor News Rounduo £ 75
12/20/50
AMERIKANISCHE G£.V5RKSCKi,rTEN HELFEN ,&gt;M PIT-TCT-VIER-PROCRA:?- MIT
Jacob 3. Potofsky, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika (CIO), und Lewis G. Hines, der Sondervertreter der AFL, gehoeren zu den 12 Mitgliedern des neuen Beratungsau-schusses fuer Internationale Entwicklungen, der von Praesident
Truman ernannt worden war, um sich mit dem Punkt-Vier-Programm zur
Entwicklung rueckstaendirer Gebiete als eines wichtigen Mittels
zur endgueltigen Sicherung von Frieden, Wohlstand und Sicherheit
in der '"elt zu befassen.
- 3-

�Auf einer Konferenz mit Potofsky, Hines, dem Vorsitzenden
Melson A. Rockefeiler und anderen Mitgliedern des Ausschusses erklaerte Praesident Truman:
"Die Anregung zu wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt
in den unterentwickelten Gebieten ist eines der wichtigsten Probleme, denen die freie Welt gegenuebersteht. Dies trifft besonders fuer jene asiatischen Laender zu, in denen die ko::imunistische
Gefahr so gross ist.
"Die Steerkung der unterentwickelten Gebiete und die Steerkung der freien Voelker der ganzen »Veit stehen in einem direkten
Abhaengigkeitsverhaeltnis zueinander. Zwei Drittel der Weltbevoelkerung leben in diesen Gebieten. Sie leiden an Funger, Krankheit, Unwissenheit und Armut. Diese Voelker haben bereits beschlossen, dass eine Wendung eintreten muss, komme, was da wolle."
Zu diesem Problem erklaerte der ^raesident ferner, dass seine
Dringlichkeit in Anbetracht der chinesisch-kommunistischen Aggression
in Korea verdopoelt sei.
"Es dreht sich jetzt um die Frage, aus welcher Richtung diese Wendung kommen soll -" fuehrte er aus, "ob sie sich ungeachtet
der vielen Werte vollziehen soll, die dem freien Menschen teuer
geworden sind, oder ob sie zu einer friedlicheren Welt ia Wohlstand
beitragen soll. Wir in den Vereinigten Staaten koennen ueber diese Frage nicht entscheiden: sie kann nur von den Bewohnern der
unterentwickelten Gebiete selbst entschieden werden. Aber ich
c.laube, dass wir ihnen unsere Hilfe anbieten koennen, wenn sie
darum kaempfen, dem Zlend zu entrinnen, und wir koennen ihnen auch
den Weg zeigen, den andere zur Srringung der Freiheit, Menschenwusrde und Wohlfahrt gegangen sind."
Die Bedeutung der Worte des Praesidenten wurde in dem Bericht
de3 Statistischen Bueros der Vereinten Kationen unterstrichen, in
dem festgestellt wurde, dass die Produktion der 25 eermsten Laender der Welt mit de\r Htelfte der Weltbevoelkerunr nur ein Zehntel
aller Nationaleinkommen betrae^t.
China hatte zum Beispiel ein Mationaleinkommen von nur 27
Dollar jaehrlich pro Kopf der Bevoelkerung; in Indien sind es 57
Dollar. Von allen industrialisierten und halbindustrialisierten
Kationen der .irde hat, abgesehen von Polen, Russland das gerinn"te
Fationaleinko-nmen pro Kopf der Bevoelkerung (SOS Dollar). Die
Vereinigten Staaten stehen dank ihrer Messen^roduktionsmaschinen
und dank des Draengens der Gewerkschaften und anderer Gru^nen nach
gerechter Verteilun-* dessen, wcs produziert wird, alt 1.453 Dollar
nro Kopf der Bevoelkerung an erster Stelle. Kit anderen '.','orten,
das Durchschnittseinkommen der Amerikaner ist fuenfmel so hoch
wie das der Durchschnittsrussen.
In einer Srklaerung des «Tahreskon^resses der CIO, auf dem
dem Praesidenten die uneinge-chraenkte Unterstuetzung dieser Organisation fuer das Punkt-Vier-Programm zugesprochen wurde, hiess
£&gt;
c* •
w -J •

"Unser Sxport industrieller Methoden im Rahmen des Punkt-VierPronramms bietet uns und unseren Freunden im Ausland groesste Vorteile, wenn Hand in Hand mit ihnen jene sozial- und arbeitsnolitischen Methoden eingefuehrt werden, durch die das amerikanische
Volk unser eigenes System der Lenkung und des Gleichgewichts unserer industriellen Zivilisation entwickelt hat."
- 4 -

�Ebenso erklaerte die AFL:
"Wir fordern, dass das Punkt-Vier-Programm so durchgefu- *•
wird, dass es die Erziehung, die nationale Kultur, die Volksgesundheit, die technische Ausbildung, Gerechtigkeit und Arbeitsnormen foerdern kann. In allen Gebieten Asiens und Afrikas, die noch
nicht ihre voellige Unabhaengigkeit erlangt haben, sollen Vertreter der eingeborenen Bevoelkerung das Recht haben mitzureden, und
sie sollen in wirksamer Weise an der Planung und Durchfuehrung
des Punkt-Vier-Programms beteiligt werden."
Program Services Section
Labor News Roundun # 73

m/6/50

DIS HEDEUTUNG DER LEHRLINGS- UND BERUFSSCHTLAUSBILDUNG FUER DIE
VERTEIDIGUNG AMERIKAS
(Auszuege aus einer Ansnrache des Leiters des Bueros fuer
Lehrlingswesen im U.S. Arbeitsministerium V« F. Patterson, die
er auf dem Kongress der Vereinigung der amerikanischen B/erufsschullehrer hielt.)
Die Gruppe fuer Berufsschulung sowie die bundesstaatlichen
und staatlichen Behoerden, die sich mit dem Lehrlingswesen befassen, haben in diesem Augenblick die schwerste Probe zu bestehen,
der sie sich je gegonueberge3tellt sahen. Im Zweiten Weltkrieg
hatte Amerika mehrere Jahre zur Verfuegung, um seine militaerischen Kraefte zu organisieren und seine Wirtschafts- und Produktionsquellen zu mobilisieren. In der gegenwaertigen ungeklaerten
Situation weiss niemand, ob ein Krieg in den naechsten Monaten
oder Tagen oder eine Zeit kritischer Ungewissheit bevorsteht, die
sich ueber 10 oder 15 Jahre erstrecken kann.
Jeder, der mit den Fragen der Ruestungsnroduktion vertraut
ist, weiss, dass die Schlagkraft einer militaerischen Streitmacht
an der Front von einer ununterbrochenen Versorgung mit Industrienroduktion abhaengig ist: Waffen, Maschinen, Munition, Lebensmittel, Bekleidung und anderem Kriegsmaterial. Um diesen Materialstrom in Fluss halten zu koennen, ist eine Riesenzahl an Arbeitskraeften notwendig, von der ein grosser Prozentsatz gekernte
Facharbeiter sein mue^sen. Der Schluessel zum wirksamen Einsatz
dieser Arbeitskraefte ist, wie allgemein bekannt, die Berufsschulung und Berufsausbildung. Wenn die Berufsausbildung in wirksamem Masse schnell und gruendlich durchrefuehrt werden soll, muessen
alle die, die mit diesen beiden Gruppen verbunden sind, in genauer
Kenntnis ihrer Funktionen, in enger Harmonie und Gleichschaltung
aller Bemuehungen zusammenarbeiten - andernfalls wird es nicht gelingen, die schwere und dringende Aufgabe, die gestellt ist, zu
loesen.
Es ist vielleicht angebracht, wenn kurz auf die Arbeit dieser
beiden Gruppen in den vergangenen Jahrzehnten eingegangen wird.
Das Aufkommen dez Fabriksystems und der Methoden der Massenproduktion hatten nicht unmittelbar eine Neuorientierung des Erziehungssystems zur Folge. Es dauerte in der Tat viele Jahrzehnte, bevor im Erziehungssystem Beweise fuer die Notwendigkeit erkennbar wurden, Maenner und Frauen durch eine entsprechende Ausbildung auf ihre Arbeit in der Industrie vorzubereiten,30 wie fuer
akademische Berufe eine Ausbildung an einer Hochschule ebenso notwendig wie selbstverstaendlich ist. Weitere Jahre vergingen, bevor
- 5-

�auf Grund dieser Erkenntnis Aenderungen in den Erziehungs- und
AusbildungsDrogramraen vorgenommen wurden. Folglich hatten die
Grundschulausbildung und die der hoeheren Schule fest ausschliesslich das Ziel, auf die Aufnahme in eine Hochschule vorzubereiten.
In gewissem Grade sind sich die Erzieher noch immer nicht der
Bedeutung der beruflichen Schulung innerhalb des allgemeinen Erziehungssystems bewusst. Die jetzige Auseinandersetzung mit
diesen Fragen ist ein Beweis fuer den Fortschritt auf dem Gebiet
der Berufsschulung, fuer das Ausmass, in dem diese durchgefuehrt
wird, und fuer die bedeutende Rolle, die sie auf erzieherischem
Gebiet spielt.
Wie wertvoll die Berufsschulen fuer das allgemeine Lehrlingswesen sind, wurde bereits in einer Veroeffentlichung des Bundesstaatlichen Amtes fuer BerufsSchulung mit dem Titel "Lehrlingsausbildung" vom Juni 1923 beschrieben. Man war sich im klaren
darueber, dass, wenn des Lehrlingswesen seinen ihm gebuehrenden
Platz einnehmen sollte, bestimmte Aspekte einer besonderen Betrachtung unterzogen werden mussten. Wenn mit genuegendem Nachdruck betont wird, dass der Lehrling ein im Arbeitsverhaeltnis
stehender Arbeitnehmer ist, muss irgendeine Behoerde mit der besonderen Aufgabe betreut werden, ein diesem Zweck entsprechendes Programm zu entwickeln und zu foerdern. Dieser Notwendigkeit war
man sich weitgehend bewusst, was zur Entstehung des heutigen Zimtes fuer Lehrlingswesen fuehrte. Allen jenen, die auf dem Gebiet
der Berufserziehung taetig sind und sich unablaessig fuer ein
besseres gegenseitiges Verstaendnis der beiden Grupnen eingesetzt
haben, muss eine besondere Anerkennung ausgesprochen werden:
Dr. Stratton, John McCarthy, Clarence Greiber, Howard Campion,
Walter Sahlin und viele andere, die nicht namentlich genannt werden koennen, die fortwaehrend mitgeholfen haben, das nationale
Lehrlingsprogramm und seine Ideen und Ziele zu foerdern.
In einer Zeitspanne von mehr als 16 Jahren sind die beiden
Gruppen zu der Erkenntnis gekommen, dass es nicht notwendig und
nicht ratsam ist, Schwierigkeiten und Missverstaendnisse einfach
zu ignorieren. Auch waere es unklug, nicht zugeben zu wollen, dass
diese Missverstaendnisse fortbestehen, nur weil keine Versuche
unternommen werden, sie in ehrlicher und offener Aussprache zu
beseitigen.
Die Oeffentlichkeit wird sich daran erinnern, dass in der
ersten Zeit des Bestehens der beiden Grupnen mit mehreren tuechtigen Fachleuten eine Vereinbarung ausgearbeitet wurde, in der die
Funktionen der beiden Gruppen gemaess der Auffassung ueber die
Stellung eines Lehrlings, ob Arbeitnehmer oder Schueler, festgelegt wurden. Dieses Dokument hat sich bei der Umgrenzung der
beiderseitigen Taetigkeitsbereiche als ungeheuer wertvoll erwiesen.
Auch die oertlichen und staatlichen Behoerden fuer Berufsschulung, die staatlichen Lehrlingsaemter und die Mitglieder des
^ersonalstabes, die mit der Aussenarbeit betraut sind, koennen
nicht Plenum Anerkennung fuer die aussergewoehnliche Umsicht erfahren, mit der sie an gemeinsame Probleme herangingen, ihre Ansichten austauschten, wo es noetrig war, konstruktive Kritik uebten,
und in vielen Faellen Schwierigkeiten durch schriftliche Abmachungen beseitigten, in denen sie festlegten, in welcher Form zusammengearbeitet werden sollte. Noch in den letzten Jahren sind Beauftragte der Vereinigung der amerikanischen Eerufsschullehrer
in etwa sechs Faellen mit fuehrenden Mitgliedern des Amtes formoll
zusammengetreten, um die gegenseitigen Beziehungen zu eroertern
und freundschaftliche und praktische Abmachungen ueber die beiderseitige Politik und die gemeinsame Arbeit zu treffen. Das Buero
- 6-

�fuer Lehrlingswesen ist immer stolz auf diese guter. Beziehungen gewesen und bemueht sich, die getroffenen Abmachungen auch ff«wls?ex&gt;
haft einzuhalten.
Eines der Probleme, die beide Teile gemeinsam interessierten und bei zahlreichen Gelegenheiten besprochen wurden und fuer
das die Berufsschullehrer ausschliesslich verantwortlich sind,
ist die Berufsschulausbildung fuer Lehrlinge. Die Schwierigkeiten sind durchaus bekannt, die die staatlichen und oertlichen
Berufsschullehrer hatten, um genuegend Geldmittel fuer diesen
Zweck zu bekommen. Niemals ist die Tatsache verkannt worden,
dass die Berufsschulausbildung ein notwendiger und grundlegender
Bestandteil des Lehrlingswesens ist, und die Allgemeinheit ist
ueberzeugt, dass ihre Bedeutung weit groesser ist, als die Zeit
vermuten laesst, die man ihr im allgemeinen widmet. Wenn von
der Berufsschulausbildung gesprochen wird, muss darauf hingewiesen werden, dass ihr mehr Zeit gewidmet werden muesste. Es ist
das Bestreben des Amtes, jedem Lehrling in den Vereinigten Staaten eine Berufsschulausbildung zuteil werden zu lassen, die an
Q,ualitaet und ^uantitaet nichts zu wuenschen uebriglaesst. Dies
war jedoch immer und muss auch immer eine Funktion der Berufsschulen sein. Der wertvolle Beitrag der Berufsschullehrer zum
Lehrlingswesen wird in dieser Richtung trotz verwirrender und
oft unueberwindlich erscheinender Schwierigkeiten stets geschaetzt.
Es ist ein Glueck fuer die Vereinigten Staaten, dass sie
heute ueber die Erfahrungen einer 16-jaehrigen Zusammenarbeit
verfuegen, denn in dieser gefaehrlichen Situation von heute kommt
es darauf an, noch enger als bisher zusammenzuarbeiten.. Man muss
alle Gefahren ins Auge fassen, die sich ergebenden Konsequenzen
daraus ziehen und versuchen, entsprechend ausgerichtete wirksame
Programme vorzubereiten. Wenn die USA in eine entscheidende
Krise verwickelt werden, werden alle Kraefte bis zum Aeussersten
angespannt werden muessen, um der Industrie zu helfen, dass sie
die Arbeitskraefte zur Produktion der riesigen Mengen an V/aren,
die gebraucht werden, richtig einsetzt. In diesem Fall muss die
gemeinsame Arbeitsgruppe, die bereits erwaehnt wurde, aeusserst
aktiv sein und sehr oft zusammentreten.
Wenn die USA in Kuerze einer umfassenden Krise gegenueberstehen sollten, werden die Probleme, die geloest werden muessen,
sehr verschieden von denen sein, die vor 10 oder 15 Jahren bewaeltigt werden mussten.
Unmittelbar vor dem 2. V/eltkrieg verfuegten die Vereinigten
Staaten ueber ein grosses Reservoir an Arbeitskraeften, die der
Industrie zugefuehrt werden konnten. Es gab z.B. eine betraechtliche Zahl Arbeitsloser. Mehrere Millionen Frauen waren zuvor
nie erwerbstaetig gewesen. Es gab ausserdem viele Personen,
die auf Grund ihres Alters oder koerperlicher Maengel zwar nicht
arbeiteten, aber doch bis zu einem gewisaen Grade arbeitsfaehig
waren. 100.000 dieser Leute wurden in Berufsschulen ausgebildet
und daraufhin in Ruestungsfabriken beschaeftigt. Ohne diese Reserve waeren die Bemuehungen zur Steigerung der Ruestungsproduktion niemals so erfolgreich gewesen.
Heute verfuegen die USA nicht ueber diese umfangreichen Reserven. Eine Arbeitslosigkeit besteht praktisch nicht. Viele
Frauen und Koeroerbehinderte sind bereits laengst berufstaetig.
Im uebrigen werden mehrere Millionen junger Leute dem Arbeitsmarkt
entzogen, um bei den militaerischen Streitkraeften Maschinengewehre zu bedienen, Schiffe zu bemannen und Flugzeuge zu steuern.
- 7 -

�Wenn die Produktionsleistung unter solchen Bedingungen gesteigert-worden soll, gibt es keine andere Moeglichkeit, als die
Faehigkeiten der bereits Beschaeftigten zu erhoehen.
Dieses Problem der Berufsausbildung im Dienst der amerikanischen Industrie kann bearbeitet werden, ohne dass zu diesem
Zwecke neue Behoerden gebildet werden. Seit dem 2. Weltkrieg
haben sich die beiden Gruppen ausdruecklich und unbedingt an
diesen Grundsatz gehalten. Es ist lediglich erforderlich, die
Richtlinien so auszuarbeiten und die Taetigkeiten so zu lenken,
dass ein derartiger Schritt nicht notwendig wird.
Die Maenner und Frauen, die "auf diesen Gebieten taetig sind,
sind sich bewusst, dass sie nicht nur einen Arbeitsolatz ausfuellen, sondern dass sie gemeinsam ein Ziel erstreben. Sie wollen
weiter arbeiten, wie sie es auch in der Vergangenheit getan haben, wobei folgende Ziele ihnen vorschweben moegen: Den nationalen Wohlstand zu foerdern, das wirtschaftliche Wohlergehen des
amerikanischen Volkes zu verbessern und dem Lande eine unueberwindliche Verteidigung zur Verfuegung zu stellen.
U.S. Arbeitsministerium
12/1/50
ZAHL DER WEIBLICHEN AR3EITSKRAEFTE IN AMERIKA STEIGT
Prozentualer Anteil der weib
liehen Arbeitskraefte an der
Erwerbsbevoelkerung der Vereinigten Staaten in den Jahren 1870-1949

1870-1949

Dem statistischen Buero der
Vereinigten Statten zufolge hat
sich die Zahl der weiblichen Bevoelkerunr im Alter von ueber 14
Jahren in der Zeit von Oktober
1949 bis Oktober 1950 um 680.000
erhoeht.
vIm gleichen Zeitraum ist die
Zahl der erwerbstaetigen Frauen
um 1.093.000 angestiegen, deren
Zahl sich damit im Oktober 1950
auf insgesamt 18.668.000 belief.
Die ^roesste Besehteftigunfszunähme in diesen 12 Moneten ist bei
jenen Freuen zu verzeichnen, die
in nichtlandwirtschaftlichen Industriezweigen beschaeftigt sind.
Ihre Zahl steigerte sich um 599.000
insgesamt, damit heben die Frauen
im Oktober 1950 die 16 1/2 Millionen Orenze ueberschritten. Die
weiblichen Arbeitnehmer in der
Landwirtschaft, deren Zahl sich
im Oktober 1950 auf insgesamt
1.902.000 belief, hetten seit dem
gleichen Monat des Vorjahres eine
Zunahme von 494.0C0 zu"verzeichnen.

Die__Zahl der berufstaetigen
Frauen in den bereinigten Statten
uebertrifft somit die Gesamtzahl
der deutschen Berufstaetigen einschliesslich aller 'rbe'tslosen.
Labor Information Bulletin
XII/50

�IN ENGLAND ENTSCHEIDEN DIE BERGLEUTE SELBST ÜKBER IHRE ZUKUNFT
Die Besprechungen ueber den englischen Fuenfzehnjahresplan
werden von den Mitgliedern der Beratungsausschuesse der Kohlenbergwerke gefuehrt, die alle ein Exemplar dieses groessten Programms auf weite Sicht erhalten haben, das die britische Industrie
je gekannt hat.
Die ersten Erkl&amp;erungen zu dem Programm wurden im November
den Mitgliedern des Landes-Beratungskomitees von dem Vorsitzenden
der obersten Kohlenbehoerde gegeben. Die gemeinsame Beratung
wird fortgesetzt, und die Betriebsleiter und Arbeiter .1eder Abteilung studieren die Einzelheiten, die von unmittelbarer Bedeutung fuer sie sind.
Die Bergarbeitergewerkschaft hat bereits offiziell dieses
ausgeglichene Programm der Kapitalentwicklung gebilligt, das den
Zweck hat, Arbeitskraefte, Geld und Maschinen so zu verwenden,
dass die besten Ergebnisse erzielt werden koennen.
YJie ein Sprecher erklaerte, waren sich die Bergarbeiter immer
der Bedeutung der Herausstellung der Leistungsfaehigkeit bewusst,
und sehen nun eine Gelegenheit, ihre Hoffnungen zu verwirklichen.
Der ""lan kann jedoch nur gelingen, wenn er von der Industrie
wohlmeinend mit allen Mitteln unterstuetzt wird.
Die Vorschlaege zu diesem Fuenfzehn Jahresprogramm, das an
sich nicht an feste Quoten gebunden ist, sehen eine Steigerung
der jaehrlichen Kohlenfoerderung Englands um 36 Millionen Tonnen
bei einer Senkung der Zahl der Bergarbeiter um 80.000 vor.
Es wird weniger Gruben geben, aber mehr Destillierwerke. Es
werden sich groessere Stollen in den Gruben finden, zum Zerkleinern und Abtransport der Kohle wird weitgehend von elektrischer
Energie Gebrauch gemacht werden. Den Bergarbeitern werden in
groesserem Masse Badeeinrichtungen an den Ausgaengen der Gruben
zur Verfuegung stehen, sie werden mit groesserer Sicherheit arbeiten, und man wird sich eingehender als bisher mit Wohlfahrtseinrichtungen fuer sie befassen.
Diese Aenderungen koennen nicht sofort vorgenommen werden;
es kann bis zu zehn Jahren dauern, bis ein rrosses, modernes Kohlenbergwerk in vollem Ausmass produzieren kann.
Weil eine groessere Mechanisierung hoeheren Ausstoss mit
sich bringt, werden die Gestehungskosten fuer jede Tonne Kohle
um deben Schillinge fallen.
Nicht alle Gewinne werden in Form niedriger Teise der Oeffentlichkeit zufliessen. Die Maenner, die im Bergbau arbeiten, werden
besonders beruecksichtift werden, da die oberste Kohlenbehoerde
den Grundsatz akzeptiert hat, dass die Loehne im gleichen Masse
erhoeht werden, in dem die Produktionsleistung steigt.
Den Hauotanteil der Gestehungskosten fuer Kohle bilden die
Loehne (nahezu zwei Drittel). Obwohl das Komitee sich nicht verpflichten wuerde, eine bestimmte Lolinoolitik zu betreiben, hat es
beschlossen, bei der Errechnung der Gestehungskosten an Hand der
Loehne drei Voraussetzungen zugrundezulegen:
Die Unterschiede in den Lohnt&amp;rifen der einzelnen Gebiete
werden ausgeglichen, die verschiedenen Lohnstufen werden jetzt
bleiben, und die Loehne als Ganzes werden nur erhoeht, wenn auch
- 9 -

�die Produktionsleistung steigt, wobei jedes Gebiet mit Kohlevorkommen getrennt behandelt wird.
Die groesste Aufgabe wird es sein - dessen ist sich auch die
Behoerde bewusst - die Belegschaftsstaerke der Bergwerke beizubehalten.
In vielen Faellen wird es schwierig sein, neue Arbeiter einzustellen. Die Behoerde rechnet damit, dass nur in wenigen Bezirken ueberzaehlige Bergarbeiter Schwierigkeiten haben werden,
einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Als ein Hauptproblem sieht
man die Tatsache an, dass man im allgemeinen bestrebt ist, ueberzaehlige Arbeiter zu halten, anstatt sie zu veranlassen, in anderen Industrien Arbeit zu finden.
Die Gefahr einer weitverbreiteten Arbeitslosigkeit ist sehr
gering. Allgemein gesprochen, wird Neuorganisierung nichts weiter
bedeuten als eine Reihe von Arbeitsplatzwechseln in andere Gruben.
Fuer solche Wechsel ist den Arbeitern versprochen, dass ihnen alle
interessierten Stellen der naechsten Umgebung beratend zur Seite
stehen werden.
Die Kohlenbehoerde hat in ihren Richtlinien jede Rueckkehr
zu jenen Tagen von vornherein ausgeschlossen, als die Bergwerke
ueberbelegt waren und die Bergleute bei geringerer Nachfrage nach
Kohle arbeitslos wurden. Dadurch, dass man die Arbeiter je nach
den Schwankungen im Absatz zu Produktions- oder Ausbauarbeiten
heranzieht, will man die Fuenftage-Yvoche beibehalten und eine
stabile Beschaeftigtenziffer sichern.
Der Plan ist nicht unabaenderlich festgelegt, sondern er unterliegt fortwaehrenden Veraenderungen, da die Richtigkeit der Erwartungen staendig nach^eprueft wird.
Dadurch, dass man den Preis fuer jede Hauptkohlensorte in jedem Absatzgebiet so weit wie moeglich in Uebereinstimmung mit den
Produktions- und Transportkosten festlegt, will die Behoerde dafuer sorgen, dass jede Verbrauchergrupoe fuer die Kohle, die sie
braucht, einen angemessenen Preis zahlt. Die Preise fuer die einzelnen Absatzgebiete werden jedoch nicht endgueltig festgelegt
werden, sie werden aber mit den Veraenderungen in der Versorgung
mit verschiedenen Kohlensorten und der Nachfrage schwanken. Andere Faktoren, die berücksichtigt wurden, waren das erforderliche
Kapital und natuerliche Hilfsquellen. Die Behoerde hofft, die noetigen Ausruestungen und Finanzmittel fuer ihre Projekte zu bekommen, zumal Untersuchungen ergeben haben, dass ein Mangel an Kohlevorkommen fuer viele Generationen unwahrscheinlich ist.
Eine Besorgnis erregende Tatsache ist jedoch, da3s die be^te
und billigste Kohle bereits abgebaut ist, insbesondere jene Sorten, die sich zu Hartkoks fuer die Stahlindustrie verarbeiten
lassen. Auf der anderen Seite hofft die Kohlenbehoerde, die
Schwierigkeiten, die zur Zeit durch die Nachfrage der Verbraucher
nach besonderen Kohlensorten entstanden sind, ueberwinden zu koennen. Unter anderem beabsichtigt man, durch eine Form der Preisrsgelung, eine bessere Verteilung der einzelnen Sorten und verbesserte Methoden beim Mischen der Kohle der gesamten Nachfrage gerecht
werden zu koennen.
Das Programm der Neuorganisation enthaelt keine Angaben ueber
die Gruben, die geschlossen oder wiederaufgebaut werden sollen.
Diese Entscheidungen bleiben den oertlichen Betriebsleitungen
ueberlassen, die fuer die Durchführung der Einzelphasen des ^lanes
verantwortlich sind.
- 10 -

�Die oberste Kohlenbehoerde ist der Auffassung, dass sie bei
der Ausarbeitung dieses Programms auf lange Sicht sich konservativ verhalten hat. Man erwartet von den Arbeitern in der Zukunft
keine groesseren Anstrengungen als sie zur Zeit fuer ihre Arbeit
aufwenden. ?.fen hat sich auch nicht auf technische Erfindungen
gestuetzt, die gerade im richtigen Augenblick zu Hilfe gekommen
waeren.
Um noch weiterzugehen, erklaert die Behoerde, 3ie habe in
"einem Gemisch vernuenftiger Erwartung und hoffnungsvollen Denkens" gehandelt. Nachdon sich nun die Produktionsmoeglichkeiten
und die Tendenzen in der Nachfrage klar abgezeichnet haben, kann
der Plan abgeaendart werden. Er wird in jedem Falle staendigen
Revisionen unterliegen.
'7ie vorsichtig die Schaetzungen auch sein moegen, so hat
die Kohlenbehoerde doch ein Problem in Angriff genommen, das unbedingt einer Loesung bedarf.
«Tedes kleinare und einzelne Projekt zur Neuorganisierung und
Vodernisierung haette die Produktion nur auf den niedrigen Stand
von 1945 herabgedrueckt. Und der Preis fuer Kohle, der in den
letzten Jahren gesunken ist, wuerde erneut ansteigen, wie es 70
•Jahre lang der Fall war. Innerhalb von fuenf Jahren haette er
ohne einen derartigen Plan fuenfmal so hoch sein koennen.
Da3 Programm muss nun einer gröndlichen Untersuchung unterzogen wuerden, und zwar nicht nur von Persoenlichkeiten der Industrie, sondern auch von den Vertretern der Oeffentlichkeit in
den Ausschuessen fuer Kohleverbraucher und dem Ministerium fuer
Brennstoff und elektrische Energie. "Wir werden auch in Zukunft,"
erklaerte der Vorsitzende der obersten Kohlenbehoerde, "uns nach
neuen Ideen umsehen und solche Ideen begrusssen, soweit es sich
um gesunde und vernuenftige Vorschlaege handelt."
Labour
XII/50
GERECKTES AKKORDS TOTEM STEIGERT PRODUKTIONSLEISTUNG
Die Produktionsziffern der englischen Industrie gehen staendig in die Hoehe. Wie ist dies ohne zusaetzliche Arbeitskraefte
und ohne schwerere Arbeit moeglich? Das Staatliche Buero fuer
Virtschaftsinformationen hat sich mit 107 Firmen in Verbindung
gesetzt und hat drei eindeutige, aber keineswegs nagelneue Antworten auf diese Frage erhalten:
Gemeinsame Beratung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern,
gerechte Akkord-Systeme und Betriebsinformationen.
Die Untersuchungen haben dieses Buero zu einer grossen Zahl
groesserer und kleinerer Betriebe gefuehrt. Ein Fuenftel der
Betriebe zaehlen mehr als 1000 Arbeiter, ein Viertel weniger als
250. Auch die Art der Waren, die sie produzieren, ist sehr verschieden.
Unter Zuhilfenahme der Geschaeftsbuecher der einzelnen Firmen
ist eine Liste zusammengestellt worden, aus der zu ersehen ist,
wie die Produktion gesteigert, die Gestehungskosten und Preise
gesenkt und die Loehne der Arbeiter erhoeht worden sind.
- 11

�Diese Zusammenstellung ist sehr aufschlussreich. In 75 Firmen fuehren Vertreter der Unternehmer und Arbeiter gemeinsame Besprechungen. Gerechte Akkordsysteme spielen in 72 Faellen eine
bedeutende Rolle, waehrend 45 Firmen ihre Produktionsziffern dadurch steigern, dass sie ihre Arbeiter uebar die Erzeugnisse des
Betriebes, den Absatz, die ^roduktionsquoten, die Gestehungskosten und die bereits erzielten Erfolge eingehen unterrichten.
Viele Firmen bedienten sich dieser drei Methoden mit grossem
Erfolg. Zwei Beispiele zeigen, wie fortschrittliche Unternehmer
mit einsichtigen Arbeitern eintraechtig zusammenarbeiten, um die
Produktionsleistung zum Nutzen der Firma, ihrer Arbeitnehmer und
ihrer Kunden zu steigern.
Die Technischen Werke in Leeds z.B. koennen von einer ^roduktivitaetssteigerung um 44% seit 1947 berichten. Der Mangel an
Treibstoff, der in jenem .Tahre geherrscht hat, ist fuer dieses Unternehmen zur Veranlassung geworden, seine 55 Kilowatt-Dieselgeneratoren zu normen. Das Erzeugnis der Firma ist ab heute geaendert, um eine guenstigere Verwendung des Rohmaterials zu gewaehrleisten, und um die Produktion des genormten Produktes zu beschleunigen, ist eine umwaelzende Neuordnung der Betriebsanlügen
durchgefuehrt worden.
Frueher sind spezialisierte Werkzeugmaschinen nur im beschraenkten Kasse verwendet worden, um Einzelteile fuer eine Vielzahl von Maschinen herzustellen. Nach der Neuorganisation sind
die Werkzeugmaschinen, in Gruppen geordnet aufgestellt, in voraus
sorgfaeltig eingerichtet, damit die maschinelle Arbeit im ununterbrochenen Fliessbandsysten ausgefuehrt werden kann. Die Arbeiter
sind waehrend dieser Neuorganisation genauestens ueber die einzelnen Vorgaenge unterrichtet worden, ebenso sind die Plaene dem
gemeinsamen Produktionsausschuss laufend vorgelegt worden. Auf
diese "'eise ist es moeglich gewesen, sich die Mitarbeit der Belegschaft bei dieser Neuorganisation zu sichern.
Und die Ergebnisse? Fuer die Verbraucher eine 25%ige Preissenkung, fuer den Unternehmer eine 10%ige Verminderung der Produktionskosten und fuer 1800 Arbeitnehmer eine Steigerung ihrer Loehne um durchschnittlich sechs Schillinge bis zu einem ^fund Sterling,
wobei die Lohnverbes3erungen im Rahmen des nationalen Lohngesetzes
nicht beruecksichtigt sind.
Im Suedwe3ten Englands sehen wir das zweite Beispiel: In
Avonmouth (Bristol) werden den Arbeitern fuer die Erzeugung von
Zink, Schwefelsaeure und Industrie-Chemikalien Leistungspraemien
gezahlt. Die Zinkproduktion hat sich seit dem Kriege um 20% und
die der Schwefelsaeure um 25% gesteigert. Die Wochenloehne der
Arbeiter sind dadurch an einen Betrag von dreissig Schillingen bis
zu zwei Pfund Sterling in die Hoehe gegangen.
Die Leistungspraemien werden in den verschiedenen Industriezweigen nicht eher eingefuehrt, als bis in Sondersitzungen mit
Unternehmer- und Gewerkschaftsvertretern alle Einzelheiten des
Systems ausgearbeitet sind und eine Abmachung zustande gekommen
ist, zu der sich 90% der 1500 Arbeiter dieses Betriebes bekennt
haben. Leistungs-raemien koennen auch in den Warenlagern gezahlt
vyerden und sind selbst fuer die jungen Leute vorgesehen, die mit
dem Fahrrad Botengaenge ausserhalb der Fabrik verrichten.
Praktisch ist jede Arbeit in diesen Betrieben vom Hofreinirer
bi3 zum Reparieren der Pumoen und V.'iederaufbauen der Retorten georueft und zeitlich bemessen worden. In allen Faellen ist es den
- 12 -

�Arbeitern moeglich, sich an die Zeitnehmer zu wenden und eine Anpleichurig der Zeit zu erwirken, wenn dies erforderlich ist.
Fuer die Maschinentechniker, Klempner, Maurer und andere
Handwerker sind Akkordsysteme eingefuehrt worden, denen eine Untersuchung ausschlaggebender Leistungseinheiten zu Grunde liegt.
In jedem dieser Systeme ist der Vorarbeiter der wichtigste
Mann. Er prueft die Zeiten, die fuer die Arbeitsgaenge gebraucht
werden. Wenn die Ausfuehrung der Arbeit schlecht ist, kann er
darauf bestehen, dass sie noch einmal verrichtet wird oder die
Praemie nur fuer den Teil gezahltvwird, der zufriedenstellend ausfaellt. Der Vorarbeiter selbst arbeitet nach einem Leistungspraemien-System, das sich auf die Arbeitsleistung seiner Arbeiter
gruendet.
Diese 105 Faelle, die man untersucht hat, sind ein klarer
Beweis dafuer, dass die englische Industrie ueber ein grosses Mass
an Erfahrung und Wissen verfuegt, das ausgewertet werden kann wenn es die Unternehmer nicht fuer erniedrigend halten, mit den
Vertretern ihrer Arbeiter neue Methoden zu besprechen, bevor
die Fabriken in Betrieb gesetzt werden, und wenn die Arbeiter
nicht zu misstrauisch oder zu konservativ sind, sich damit einverstanden zu erklaeren, eine neue Idee auszuprobieren, nachdem
sie sie sorgfaeltig geprueft haben.
Labour
6/50
MEANY ZUR ROLLE DES RUNDFUNK- UND FERNSSKWESENS
"Dieses neue und maechtige Beeinflussungsmittel darf nicht
voellif der Industrie als Propagandawerkzeug zur Steigerung ihres
Absatzes ueberlassen werden."
Dies sagte George Meany, der Hauptkassierer der AFL, vor
der bundesstaatlichen Kommission fuer Rundfunk- und Fernsehwesen.
Er schloss sich der Bitte einer Grupoe Erzieher an, dass ein gewisser Prozentsatz der Fernsehsendungen ausschliesslich fuer erzieherische Zwecke verwendet werden soll. "Wir wollen, dass
unsere Kinder durch die Fernseheinrichtungen mehr lernen koennen
als nur die Kenntnis einer ausgezeichneten Geschaeftsreklame."
"Die Regierung ist dem amerikanischen Volke sehr vieles
schuldig. Sie sollte die Kinder der Nation und die Erwachsenen
vor dem uebertriebenen Haendlergeist bewahren, dem sie zur Zeit
ausgesetzt sind."
Meany stellte fest, dass die bestehenden Fernsehstationen
es versaeumt hastten, sich zu einem Forum fuer die verrchiedenen
Meinungen zu den nationalen und internationalen Problemen zu
entwickeln, und erklaerte: "Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, finden in dem IIei..leben zahlloser amerikanischer Familien und den I^rziehunpsmoeglichkeiten der kommenden Genorationen ihren Niederschlag."
ir wies ferner darauf hin, dass die amerikanische Arbeiterschaft das Erziehunrswesen immer unterstuetzt hat, weil sie zu
der Erkenntnis gekommen ist, deas "ein intelligentes Volk aufgeklärt sein nuss." lir betonte, dass es "die arbeitenden ?'aenner und Frauen Amerikas waren, die den Kampf fuer die irrichturg
eines freien und oeffentlichen Schulsystems gefueh/rt haben.*'
—

Xo

�Die Gewerkschaften haben sich fuer der üeffentlichkeit zugaengliche Hochschulen eingesetzt und sind heute an den üniversitaeten
und Volkshochschulen ausserordentlich interessiert.
Durch die Entwicklung des Rundfunks und des Fernsehwesens
sind die Erziehungs- und Informationsmoeglichkeiten sehr stark
ausgedehnt worden, man habe jedoch zur Foerderung der allgemeinen
Erziehung und zur Propagierung sozialpolitischer Programme nur
in beschraenktem Masse von den Rundfunk- und Fernseheinrichtuncen
Gebrauch gemacht, und "die Geschichte der letzten £5 Jahre hat gezeigt, dass der Rundfunk nicht die grosse erzieherische Rolle gespielt hat, die man von ihm erwartete."
"Die fortschrittliche amerikanische Arbeiterschaft ist der
Auffassung, dass hoehere Loehne und bessere Arbeitsbedingungen, so
lebenswichtig sie sind, weder das einzige Interesse der Arbeiter
darstellen, noch die einzige Verantwortlichkeit sind, die die Unternehmer ihren Arbeitern gegenueber zu tragen haben. Die Gewerkschaften wie auch die Unternehmer vertreten die Auffassung, dass
die Erziehung fuer den Arbeiter von vordringlicher 7/ichtigkeit ist.
Ein aufgeklaerterer Arbeiter ist leistungsfaehiger. Er lernt in
kuerzerer Zeit mehr, verrichtet seine Arbeit besser und steht innerhalb der Gemeinschaft auch nachdruecklicher seinen Mann."
Daily News Service
XIl/6/50
AMKR1&amp;AW13CHK GE":ERKSCH;,FTSFU2ERER UNTERSTREICHEN DIE BEDEUTUNG
DER ARBEITERSTLDUNÖ""^
Bei der feierlichen Uebergabe des Samuel-Gompers-Oedaechtnisfonds an das Roosevelt-College in Chikago, der sich auf 100.000
Dollar belaeuft, erklaerten fuehrende Funktionaere der Gewerkschaften, der Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
haenge groesstenteils von der Ausbildung ab, die den Gewerkschaftsmitgliedern zuteil werde.
William Green, der Vorsitzende der AFL, fuehrte in diesem
Zusammenhang aus: "»ir waren bisher vielleicht zu sehr geneigt,
unseren Fortschritt nach den Mitgliederzahlsn allein zu bemessen d.h. eher nach quantitativen als nach qualitativen Normen
Nur in dem Masse, in dem wir erziehen und auch werbend wirken,
koennen wir die Gewissheit haben, dass die Struktur der organisierten Gewerkschaftsbewegung in Amerika erhalten bleibt und sich fortwaehrend verbessert."
Der Vorsitzende des CIO, Philip Murray, wies darauf hin, da-?s
"unsere hoeheren Lehrinstitute bis vor kurzem noch der Gewerkschaftsbewegung gegenueber entweder unfreundlich oder irgendwie gleichzeitig eingestellt waren oder ihr sogar den Ruecken kehrten."
Im Roosevelt-College wird die Arbeiterbildung auf der gleichen
Basis wie die Ausbildung in Kuensten und '..'issenschaf ten betrieben.
Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften sind im Treuhaenderausschuss vertreten. 'Valter Reuther, der Vorsitzende der ^utomobilarbeitergewerkschaft de3 CIO, und Morris Bialis von den Damenoberbekleidungsarbeitern der AFL sind Mitglieder dieses Ausschusses.
V.'eekly Labor News Digest
Vol. V - Nr. 51
XII/20/50

- 14 -

�AUS3ILDUNGS INSTITUT FUL'R DIE WIRTSCHAFTLICHE PL^ÜPG ASIATISCHER
3NT ','IC KLUNG 5 PR 0J5KTE
In Lahors (Pakistan) ist das erste regionale Schulungsprogramm fuer Volkswirtschafter, Techniker und Verwaltungsbeamte angelaufen, die sich mit der Planung und Finanzierung landwirtschaftlicher Entwicklungsprogramme hefassen. An dem Lehrgang nehmen mehr als 50 Regierungsbeamte aus vorderasiatischen Laendern
und dem Fernen Osten teil. Es handelt sich um eines der ersten
groe^seren Schulungsprogramme, die durch das erweiterte technische
Unterstuetzungsprogramm unter der Schirmherrschaft der Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen
und der Internationalen Bank fuer wirtschaftlichen Wiederaufbau
und Entwicklung ermoeglicht wurden. Zweck dieses Lehrganges ist,
die Beamten asiatischer Laender in der Vorbereitung wirtschaftlicher Entwicklungsprojekte zu unterrichten und ihre Fähigkeiten
auf diesem Gebiet zu vervollkommnen, da:.;it derartige "Projekte
von den staatlichen Verwaltungsbehoerden und den internationalen
Finanz-Instituten bosser bearbeitet werden koennen. Es ist oftmals von verschiedenen Finanzinstituten - wie z.B. der Internationalen Bank - darauf hingewiesen worden, dass schlecht ausgearbeitete Skizzen ueber wirtschaftliche Entwicklungsprojekte eins erhebliche Schwierigkeit fuer den wirtschaftlichen Fortschritt
unterentwickelter Laender darstellen.
Dsr Lshrplan des Instituts umfasst folgende Gebiete:
a) Die Auswirkung besonderer Projekte auf die wirtschaftlichen Verhaeltnisse eines Landes und die ~laene fuer die
zukuenftige Entwicklung bestimmter Industriezweige und Projekte, bestehender und geplanter Absatzmöglichkeiten,
Transportwesen, Kredit-Institute fuer die Landwirtschaft
sowie Schulen und andere staatliche Einrichtungen.
b) Voraussichtliche Kosten und Gewinne aus wirtschaftlichen
Entwicklungsprojekten. Kostenvoranschlaege fuer technische
Plaene, Bau- und Arbeitsprojekte und technische Produktionseinrichtungen, das Studium landwirtschaftlicher Projekte
unter Berücksichtigung der daraus entstehenden Einnahmen;
zusammenfassende Finanzberichte ueber Ausgaben und Einnahmen.
c) Besondere Probleme und die verschiedenen Arten der Entwicklungsprojekte. Kuenstliche Be- und Sntwaesserung, Flussregulierung, Bodenkultivierung, Vertriebs- und weiterverarbeitende Unternehmen, die kombinierte Ausbeute der natuerlichen Hilfsquellen, Transport- und Informationswesen, Gesundheitsprobleme, agronomische Fragen in- und auslaendischer
Maerkte zum Absatz der Erzeugnisse und die indirekte Auswirkung aller dieser Probleme auf die Staatseinnahmen.
d) Organisation und Verwaltung der Projekte. Gerichtsbarkeit, Organisationsform, Machtbereich und Aufgaben, PersonalPolitik, Ueberwachung und Rechnungsfuehrung, Beziehungen zur
Landwirtschaft und anderen Industrie-Zweigen, Auswahl und
Ausbildung der Siedler, Vorarbeiter, Mechaniker, die Bearbeitung von Kolonisierungs- sowie Ein- und Auswanderungsoroblemen.
e) Finanzfragen. Direkte Rueckerstattungen an die Farmer,
Siedler und andere Personen, die Erzeugnisse oder Dienstleistungen in Anspruch genommen haben, direkte Projekteinnahmen
in weichen und harten Waehrungen. Bedarf an inlaendischen
und auslaendischen Dienstleistungen und Materialien sowie
Kapitalien fuer nationale und internationale Finanzierungen,
- 15 -

�Finanzierungsmethoden eines Projektes und die Verwendung des
zur Verfuegung stehenden Kapitals.
f) Zusammenfassung aller Gesichtspunkte eines wirtschaftlichen Entwicklungsprojektes in einer Abhandlung, in der technische, verwaltungsmaessige und finanzielle Einzelheiten
festgelegt sind.
Den Teilnehmern an diesen Lehrgaengen wird die Moeglichkeit
geboten, besprochene Grundsaetze und Methoden bei der Bearbeitung
praktischer Entwicklungsprobleme und Projekte anzuwenden. Zusaetzlich zu den Informationen, die ueber ausnev.aehlte Projekte
anzuwenden. Zusa9tz_*ich zu den Informationen, die ueber ausgewaohlte Projekte in Pakistan der Schule zur Verfuegung stehen
werden, erwartet man von den Lehrgangsteilnehmern aus ,anderen
Ltendern, dass sie moeglichst ausfuehrliche Informationen ueber
eine oder mehrere Entwicklungsprojekte in ihrem eigenen Lande
zu diesem Zwecke vorlegen.
Economic and Social Problems
in the United States
Ho. 10 Vol. 2
10/50
INDISCHE GEWERKSCHAFTEN ERKENNEN DIE KOMMUNISTISCHE GEFAHR
Hariharnath Shastri, der Generalsekretaer des Indischen Nationalen Gewerkschaftskongresses lINTUC) gab vor kurzem eine Erklaerung ab, in d^r er ausfuehrte:
"Die Kommunisten greifen unsere Unabhaengi?keit unmittelbar
an; und das gleiche tun sie auf der ganzen Welt. Sie sind eine
Gefahr fuer die ganze Welt.
"Amerika und England repraesentieren die demokratischen
Kraefte. Einige sind der Auffassung, dass sie die kapitalistischen Kraefte repraesentieren. Das mag vor Jahren so gewesen sein;
die Verhältnisse haben sich jedoch geaendert. Sie habon ihre
imperialistischen Ansprueche laengst aufgegeben. Nun versuchen
sie ihr Bestes, um dio demokratischen Kraefte in der Welt zu staerken.
Amerika wuenscht, seine Stellung in der gesamten 'Veit auf demokratischer Basis beizubehalten. In der Rede Praosident Trumans sind
unlaeng^t die falschen Vorstellungen von
angeblichen Machtanspruechen Amerikas zurueckgewiesen worden.n
Generalsekretaer Shastri, der kuerzlich auf dem Kongress des
INTUC von 2.000 Delegierten wiedercewaehlt worden war, fuhr fort:
"Fuer England, Amerika und Indien besteht eine gemeinsame Gefahr,
der wir ins Auge sehen muessen. Eine einzige Nation bedroht den
Frieden der Welt. Diese Macht i3t fuer England und Amerika weniger gefaehrlich als fuer Asien. Starke Nationen koennen sich
selbst verteidigen, wir koennen es jedoch nicht."
Khandubhai Desai, der zum Vorsitzenden des INTUC wiedergev/aehlt wurde, brachte die gleichen Ansichten zum Ausdruck.
In den vergangenen 18 Monaten sind 15 Gewerkschaften mit rund
100.000 Mitgliedern von insgesamt 1.434.000 aus dem INTUC ausgeschlossen worden, weil sie der von Moskeu diktierten kommunistischen Linie folgten.
Program Services Section
Labour News Roundup # 73

XXX/6/50
- 16 -

H1J0O (li-l-Jl) CCT* S k l C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge «na der amerikanischen Presse und anderen Quellen der und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, njeh irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen,

I I - k5

Frankfurt, 13. Januar I950

INHALTSVERZEIC

HNIS

Truman fuer weiteren sozialen F o r t s c h r i t t —
Jugendschutz i n U.S.A. - - - - - - - - - Walter Reuther zur Deutschlandfrage

—

- - - - -

1

. . - -

4

- - - - - - - - -

5

Englische Schneider berichten ueber amerikanische
Produktionsleistung
Ifarahallplan Barometer

8
- - - - - - - - - - - - - - - -

Gewerkschaft3funk eines New-Yorker Senders

- - - - - -

Moderner Stoerungssucher - - - - - - - - - - - - - - -

9
10
11

TRUMAN FUER WEITEREN SOZIATjffrJ FfffiTSflURTT 1 .
(WASHINGTON, 9« Januar) - In seiner heutigen Budgetbotschaft an den Zbngress
stellte Praesident Harry S. Truman fest, dass "wir mit Zuversicht der Zukunft
entgegensehen koennen". Diese Botschaft enthaelt das finanzielle Programm febr
Durchfuehrung der Plaene und Massnahmen, die der Praesident in seiner Botschaft
ueber "die Lage in der Union" (State of the Union Message) vorige Woche vorgeschlagen hatte*
Fuer internationale Programme forderte der Praesident 4#7 Billionen Dollar.
Er sagte, dass das Europa Hilfsprogramm I95I mit einer Billion Dollar weniger
finanziert werden koennte als im Jahre I950, weil durch unsere Unterstuetzung
der wirtschaftliche Wiederaufbau angekurbelt und gefoerdert worden sei. Dies
haeite eine Hebung des Lebensstandards und groessere politische Stabilitaet in
Westeuropa zur Folge gehabt«
- 1-

�Der Praesident erinnerte den Kbngress jedoch daran, dass noch grosse Hindernisse zu ueberwinden seien und die Gefahr einer Aggression noch immer, bestehe.
Die Laender Kuropas benoetigten nach diesem Kriege Rohstoffe und Waren, die zum
groessten T e i l nur von den Vereinigten Staaten g e l i e f e r t werden koennten.
Diese Laender seien jedoch nicht dazu i n der Lage, die exportierten Gueter mit
Waren oder Dienstleistungen zu bezahlen. "Wenn wir diesen Voelkern nur soviel
l i e f e r t e n , wie sie bezahlen koennen, dann wuerde i h r Lebensstandard rapide
sinken und Unsicherheit und destruktivem wirtschaftlichem Hationalismus der
Weg geebnet."
Der Praesident u n t e r s t r i c h von neuem die Notwendigkeit, den Welthandel auszudehnen, und e r ersuchte den Kbngress, die Charta der Internationalen Handelsorganisation zu akzeptieren und die dazu noetigen Gesetze zu e r l a s s e n . Er e r k l a e r t e , "dass sowohl die laender Buropas a l s auch die uebrigen Nationen und das
amerikanische Volk s e l b s t weitsichtige und durchgreifende Massnahmen treffen
muessten, um einen gesteigerten internationalen Waren- und Investitionsaustausch
zu ermoeglichenj a l l e i n auf dieser Basis koennten gesunde, i n t e r n a t i o n a l e Wirtschaftsbeziehungen e r r i c h t e t werden." Er fuegte hinzu, dass die im Budget geforderten Geldmittel, die zur Fortsetzung des europaeischen Hilf sprogramms noetig
waeren, fuer den weiteren F o r t s c h r i t t von ausschlaggebender Bedeutung seien.
Durch die Binschraenkung der Taetigkeiten der Internationalen Fluechtlingsorganisation (IRO) koennten die Zuwendungen der Vereinigten S t a a t e n um 6555 gekuerzt werden. Mr. Tnunan wiederholte jedoch seine Forderung, dass der Kbngress
das Gesetz fuer Fluechtlinge abaendern und die entsprechenden Geldmittel bewilligen moege.
Die Erfolge der technischen Unterstuetzung i n den Republiken Amerikas und
i n Europa beweisen, dass das Punkt-Vier-Programm wertvoll und durchfuehrbar i s t ,
sagte der P r a e s i d e n t . In seinem Haushaltsplan sind 25 Millionen Dollar vorgesehen, da sich die Vereinigten Staaten an dem Programm zur technischen Unterstuetzung b e t e i l i g e n , das nun von den Vereinten Nationen b e w i l l i g t wurde. Er
u n t e r s t r i c h die Notwendigkeit, Kapital i n rueckstaendigen Gebieten zu investieren
und einen Plan zu entwerfen, nach dem zur Foerderung von Investierungen die
Export-Import Bank die Garantie fuer diese Kapitalanlagen uebernehmen s o l l . Bei
Mangel an P r i v a t k a p i t a l schlug e r die Verwendung oeffentlicher Geldmittel vor.
Obwohl der Praesident die Notwendigkeit wirtschaftlicher S t a b i l i t a e t i n
•anderen Laendern hervorhob, betonte e r , dass e s damit nicht genug s e i . ^Die
wirtschaftliche Wiedergesundung i s t Grundbedingung fuer die Erhaltung der F r e i h e i t und S t a b i l i t a e t i n Westeuropa und anderen Laendern, die fuer uns von l e benswichtiger Bedeutung sind; aber die wirtschaftliche Lebensfaehigkeit a l l e i n
genuegt n i c h t , um sich vor Aggressionen schuetzen zu koennen. Eine starke m i l i taerische Verteidigung i s t notwendig. Ohne fremde Hilfe koennen diese Laender
jedoch nicht eine a l l e n Angriffen gewachsene Verteidigung aufbauen, ohne ihren
Wiederaufbau dadurch betraechtlich zu verzoegern,•
Fuer das gegenseitige Verteidigungsprogramm forderte Praesident Truman 1,1
Billionen D o l l a r Ü u e r das Haushaltsjahr 1951. Br e r k l a e r t e , dass diese Forderung die frueheren Schaetzungen weit u e b e r t r e f f e , weil das neue Programm zur
nationalen Verteidigung, wie es im Gesetz zur nationalen Sicherheit (National
S e c u r i t y Act) niedergelegt i s t , e r s t spaet gesetzlich genehmigt wurde. Mr,
Truman empfahl Ausgaben in einer Hoehe von 13 Billionen D o l l a r , was den groessten Betrag i n seinem Budget d a r s t e l l t .
Fuer Soziale Sicherheit^
Der Praesident verlangte vom Kbngress die Finanzierung des Programms der
sozialen Sicherheit und e r k l a e r t e , dass etwa B% a l l e r beschaeftigen Personen
von diesem Plan e r f a s s t wuerden. Damit wuerde die Notwendigkeit einer Unterstuetzung aulsToeffentlichen Mitteln laufend r e d u z i e r t . Vor allem muessen a l l e

- 2 -

�Bauern, Lohnempfaenger und selbstaendigen Arbeiter erfasst werden. Die Unterstuetzungen muessen bedeutend hoeher und a l l e Personen auch gegen Arbeitsunfaehigkeit v e r s i c h e r t s e i n . Er forderte aufs neue eine Gesetzgebung, die die
bundesstaatliche Hilfe fuer o e r t l i c h e Gesundheitsdienste steigern und fuer d i e
medizinisehen und verwandten Schulen f i n a n z i e l l e Unterstuetzung vorsehen s o l l ,
um die Ausbildung zusaetzlichen, medizinischen Personals zu foerdern. "Um eine
Hauptluecke i n unserem System der sozialen Sicherheit zu s c h l i e s s e n , " sagte der
Praesident, "empfehle ich nochmals dringend, ein vernuenftiges System fuer im
voraus bezahlte Krank enversicherungsgelder .gesetzlich festzulegen. Es muss in
unser soziales Versicherungsprogramm miteinbezogen und in e r s t e r Linie von Arbeitgebern und Arbeitnehmers f i n a n z i e r t werden» •
Mr. Truman e r k l a e r t e , dass sich seine Forderungen fuer Zwecke der Sozialversicherung im Jahre I95I auf schaetzungsweise 271 Millionen Dollar belaufen,
die i n Form von Zuschuessen den einzelnen Staaten zuzuleiten waeren.
Wohnungsbau«
Er b e t o n t e , dass es notwendig s e i , mehr Wohnungen zu schaffen. Er forderte
die bundesstaatliehe Genehmigung von Unterstuetzungen fuer Genossenschaften und
anderen Gesellschaften, die ohne Gewinn an Bau- und Wohnungsbauprojekten a r b e i t e n .
Er v e r l a n g t e , dass die Bundesregierung fuer die technische Beratung der entstehenden Baugenossenschaften sorge und die entsprechenden Massnahmen zu i h r e r Finanzierung t r e f f e . Mit dem vom Kbngress im l e t z t e n Jahre verfolgten Grundsatz,
•ein anstaendiges Heim und eine passende Umgebung fuer jede amerikanische Familie
zu schaffen,« sei e i n guter Anfang gemacht worden. Wir muessten jedoch schnellstens daran gehen, diese Plaene zu verwirklichen. Er forderte fuer das gesamte
Wohnungsbauprogramm, . e i n s c h l i e s s l i c h Gemeinde- und Reinigungsarbeiten, insgesamt
1,3 Billionen D o l l a r .
Bessere Schulausbildung.
Fuer erzieherische Zwecke i n den verschiedenen Staaten belief sich die Forderung des Praesidenten fuer I951 auf 434 Millionen Dollar gegenueber 125 M i l l i o nen fuer 1950« ^Die Nation kann es sich nicht l e i s t e n , menschliche Faehigkeiten
und Kraefte zu vergeuden, wie wir es augenblicklich tun,* sagte e r , "indem wir
versaeuman, Millionen von Kindern i n Grund- und hoeheren Schulen auszubilden
und Hunderttausenden von jungen Menschen zu helfen, die durch eine bessere Schulausbildung vorwaertskommen koennten.•
Hilfe fuer den A r b e i t e r .
Mit der Forderung von 243 Millionen Dollar fuer das Programm der Arbeit im
Jahre I95I fuehrte der Praesident ausi "Die Plaene der Bundesregierung auf dem
Gebiet der Arbeit sind dazu bestimmt, den wirksamen Gebrauch unserer wichtigsten
produktiven Kraft zu foerdern, der Leistung des' amerikanischen A r b e i t e r s , mit
dem Endziel, eine hoehere Produktion und damit einen hoeheren Lebensstandard zu
e r r e i c h e n . " Er sprach sich fuer die Beibehaltung eines freien Arbeitsvermittlungsdienstes "fuer Industrie und Landwirtschaft a u s , fuer eine Versicherung gegen
den Totalverlust des Einkommens infolge zeitweiliger A r b e i t s l o s i g k e i t , und fuer
gerechte Normen der Arbeitszeit und -bedingungen, durch die ein Schlichtungsdienst bei i n d u s t r i e l l e n S t r e i t i g k e i t e n und ein Mittel gegen ungerechte Arbeitsverfahren gewaehrleistet wuerde. Er fuegte dem Haushaltsplan eine Million Dollar
zur Finanzierung uer Kommission fuer gerechte Beschaeftigungsbedingungen b e i ,
deren Schaffung er schon s e i t langem dem Kongress nahegelegt h a t t e . Er wiederholte seinen diesbezueglichen Vorschlag i n der heutigen Botschaft. Ferner
empfahl e r , den Staaten Unterstuetzungen fuer Programme der i n d u s t r i e l l e n Sicherh e i t zu gewaehren und wies darauf h i n , dass die Bundesregierung und die Staaten
j a e h r l i c h Millionen von Dollar fuer v e r l e t z t e Arbeiter ausgaeben. "Allein unser
gesunder Menschenverstand," sagte e r , "muesste uns veranlassen, a l l e s zur Verhinderung von Unfaellen zu t u n . •

- 3 -

•

�Seine Forderung zur Erv/ei terung des Arbeitsministeriums durch den r.ogenannten "Labor Extension Service", durch den die gesunden Wechselbeziehungen Arbeitnehmer-Arbeitgeber gefoerdert werden s o l l e n , schaetzte er fue.r. das könnende
Haushaltsjahr auf 3 Millionen D o l l a r .
. . . . . . . . . . . . . und Bauern»
Der Praesident erklaerte, dass die Preisunterstuetzung fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse ein wichtiger Faktor zur Verhinderung einer Nachkriegskrise der
gesamten Wirtschaft gewesen sei, zu einer Zeit, als der Uebergang von der Kriegszur Friedensproduktion eine Preissenkung fuer landwirtschaftliehe Produkte hervorgerufen hatte. Er nimmt jedoch an, dass eine Preisunterstuetzung fuer diese Waren
im kommenden Jahre weniger notwendig sei und verminderte deshalb fuer 1951 die
Budgetforderungen des Jahres 195° u"1 4^5 Millionen Dollar. Es handelt sich hierbei jedoch nur um Schaetzungen, da auch nur geschaetzt werden kann, ob und wieweit
eine Preisunterstuetzung notwendig sein wird» Er schlug vor, der "Commodity Credit
Corporation" weitere Anleihen zu bewilligen, wenn sie diese fordern sollte. Die
Erweiterung des ElektrifizierungsSystems auf dem Lande wird nach seinen Schaetzungen im Jahre 1951 Anleihen im Werte von 427 Millionen Dollar gegenueber 3$0 Millionen im Jahre 1950 erfordern. Der Praesident ersuchte ferner um die Bewilligung von
50 Millionen Dollar fuer das Programm zur Errichtung eines Telephonnetzes auf dem
Lande und fuer die Bodenerhaltung und Flussregulierung schlug er eine Erhoehung
der 64 Millionen Dollar fuer 1950 auf 68 Millionen fuer I951 vor.

JUGENDSSHPTZ DJ U,S.A.
WASHINGTON, 1. Dezember 19!$ (US Information Service) - Auf der l6, Nationalkonferenz der Arbeitsgesetzgebung wurde beute beschlossen, das Gesetz ueber Kinderarbeit zu foerdern, das ohne Ausnahme fuer alle Minderjaehrige n, die Lohnempfaenger sind, Gueltigkeit hat. Bs besagt, dass kein Jugendlicher beschaeftigt
werden darf, der nicht aerztlich untersucht und fuer die betreffende Arbeit fuer
tauglich befunden worden ist.
Vertreter aus 2jD Staaten, dem Distrikt Columbia, aus Alaska, HaTjai und Portoriko nehmen an dieser Konferenz teil, die hier die letzte ihrer 3-taegigen Sitzungen abhaelt.
Mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen fuer Minderjaehrige zu verbessern, billigte die Konferenz einstimmig die Eilt Schliessung ihres Sonderausschusses fuer
Kinderarbeit, die fuer jegliche Beschaeftigung waehrend der Schulzeit ein Mindestalter von 10 Jahren und fuer Beschaeftigung ausserhalb der Schulzeit ein
Alter von mindestens 14 Jahren vorsieht. In Fertigungs-, mechanischen und solchen Betrieben, in denen am laufenden Band hergestellt wird, duerfen Jugendliche
erst ab 16 Jahren beschaeftigt werden.
Minderjaehrige unter 18 Jahren duerfen hoechstens 8 Stunden pro Tag und
2,0 Stunden pro Woche arbeiten, Sie auerfen nicht laenger als 5 Stunden ununterbrochen ohne Mahlzeit oder Ruhepause beschaeftigt werden.
Die EntSchliessung verbietet die Arbeit von Jugendlichen unter 16 Jahren
zwischen sieben Uhr abends und sieben Uhr morgens, ausserdem untersagt sie Beschaef tigungen, die eine Gefahr fuer die Gesundheit, Moral oder die Sicherheit
des Jugendlichen unter 18 Jahren darstellen. Die Konferenz nahm auch den Vorschlag ihres Ausschusses fuer Arbeiter ohne festen Wohnsitz an, der zum Zweck
hat, die Arbeitsbedingungen und den Lebensstandard der Arbeiter zu verbessern,
die saisonbedingte Beschaeftigungen, wie zum Beispiel in der Landwirtschaft,
der Nahrungsmittelindustrie oder als Holzfaeller ausueben«
In einer Empfehlung der Konferenz wird ferner zum Ausdruck gebracht, dass
diese Arbeiter durch staatliche Gesetze zur Regelung der Mindestloehne und Lohnzahlungen geschuetzt werden muessen, damit sie einen festen Lohn als Rueckhalt

- - 4
«

�haben« der auch nicht b i s zum Ende der Saison einbehalten werden darf. Fuer Arb e i t e r ohne festen l o h n s i t z s t r e b t man ausserdem weitere Sicherheiten wie Arbeitslose nunterstuetzung, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung und Gesundheitsund Wohlfahrtsdienste a n .
Sin anderer Ausschuss der Konferenz (Ausschuss fuer i n d u s t r i e l l e Sicherheit
und Gesundheit) hat die Vorschlaege der Praesidentenkonferenz ueber i n d u s t r i e l l e
S i c h e r h e i t , die h i e r im Maerz dieses Jahres s t a t t f a n d , wieder aufgegriffen, die
besagen, dass Anstrengungen gemacht werden s o l l e n , um die Zahl der Unfaelle i n
der Industrie der Vereinigten Staaten im Laufe der naechsten zwei oder drei Jahre
um 1 Million zu reduzieren. Dieser Ausschuss r i e f die s t a a t l i c h e n und bundess t a a t l i c h e n Behoerden zur Zusammenarbeit auf, um durch die erforderliche Gesetzgebung oder Massnahmen dieses Ziel zu erreichen.

WALTER RBOTHER ZOR DEDTSCHIANDFRAGB.
Der Vorsitzende des U.S. Automobil Arbeiter Verbandes Walter Reuther besuchte
Berlin« a l s er gelegentlich der Gruendungskonferenz der neuen Gewerkschaftsinternationale i n Europa w e i l t e . In einem Radio Interview u n t e r b r e i t e t e er seine
Auffassungen der Berliner Arbeiterschaft, Da wir die Stellungnahme dieses jungen
und bedeutenden amerikanischen Arbeiterfuehrers von allgemeinem I n t e r e s s e h a l t e n ,
drucken wir s i e nachstehend fuer unsere Leser a b .
Herz,
Ansagers

Mr. Reuther, wir hoerten, dass Sie gerade am Köngress der freien Gewerkschaften in London teilgenommen haben und j e t z t zu einem kurzen Besuch
nach Deutschland gekommen sind, und nun sind Sie s e i t gestern Nachmittag i n Berlin» Mr. Reuther, was i s t der Zweck Ihres Berlin-Besuches?

Reuthert

Ich wollte eine Gelegenheit haben, die Berliner UGO an der Arbeit zu
sehen und kennenzulernen. Bei dieser Gelegenheit bin ich auch sehr
e r f r e u t , die Moeglichkeit zu haben, zu den Arbeitern der Sowjet-Zone
zu sprechen. Leider i s t aber mein Deutsch nicht so g u t , dass ich a l l e
Fragen hundertprozentig beantworten kann. Sie muessen deshalb mit dem
Dolmetscher sprechen«

Herzt

Mr. Reuther, wir freuen uns, dass Sie waehrend Ihres kurzen Aufenthalt e s in Berlin Zeit gefunden haben, zu uns zu konmen, und dass Sie selbst
gewuenscht haben, gerade von h i e r aus auch zu der Bevoelkerung i n der
sowjetischen Besatzungszone zu sprechen. Warum, Mr. Reuther, haben
Sie gerade diesen Wunsch?

Reuther.

Ich moechte zu der Bevoelkerung der Sowjet-Zone sprechen, weil ich s i e
der lebhaften Anteilnahme der maechtigen amerikanischen Gewerkschaften
an ihrem Schicksal versichtern moechte« Sie sollen wissen, dass wir mit
ihnen und a l l e n f r e i e n Laendern der Welt kaempfen werden, um sie endg u e l t i g von der sowjetischen Diktatur zu befreien, damit sie der Dinge
t e i l h a f t i g werden koennen, die das Glueck der freien Voelker auemachen. Wir i n der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind uns darueber im k l a r e n , dass jedermann nur frei sein kann, wenn a l l e Voelker
der Erde f r e i sind« und deshalb i s t es mir ein Beduerfnis, mich an
die Arbeiter der Sowjet-Zone zu wenden und Sie wissen zu lassen, dass
wir mit ihnen kaempfen, und dass auch sie eines Tages ihre F r e i h e i t
wiedererlangen koennen«

Herzt

Mr, Reuther, das i s t eine sehr wichtige F e s t s t e l l u n g , die unsere
Hberer i n der Ostzone sehr begierig und sehr gerne hoeren werden. Sie
kommen j e t z t gerade aus England, von der Gruendungskonferenz des freien
Weltgewerkschaftsbundes. V i e l l e i c h t koennen Sie ganz kurz unseren
Hberern sagen, wie es zu dieser neuen Gruendung kommen musste«

-5-

�Reuthen

Der Londoner Gewerkschaftskongress s e t z t sich aus Vertretern von 83
Nationen der ganzen Welt zusammen. Diese freien Gewerkschafter sind
gekomaen, um einen neuen, f r e i e n , demokratischen Gewerkschaftsbund
zu b i l d e n , der a l l e f r e i e n Gewerkschaften der Welt miteinander i n
Verbindung b r i n g t . Wir wollen gemeinsam kaempfen und a r b e i t e n , um
eine Welt zu schaffen, in der die freien Arbeiter ein besseres leben
fuehren koennen. Wir werden gegen die Kommunisten kaempfen, weil
sie der Menschheit den Weg versperren, der zu frieden und F r e i h e i t
i n der Welt fuehrt. Angesichts der taeglichen Probleme der Arbeiter
der ganzen Welt wird unser Kampf nicht negativ sondern p o s i t i v s e i n ,

Herz.

Der neugegruendete f r e i e Weltgewerkschaftsbund i s t also gegenueber
dem bisherigen kommunistischen Weltgewerkschaftsbund i n einer aehnl i c h e n Situation wie die Berliner Unabhaengige Gewerkschaftsorganisation» die UGO, gegenueber dem FDGB i n der Ostzone und im Ostsektor
B e r l i n s . Es i s t doch nun s o , dass die UGO b e r e i t s i n London auch anwesend gewesen i s t , und dass ihre Arbeit aus diesem Grunde aus i h r e r
besonderen Erfahrung heraus v i e l l e i c h t besonders zu begruessen waere,

Reuthen

Die freien Gewerkschaften der ganzen Welt sahen sich i n ihrem Kampf
gegen die kommunistische Sabotage den gleichen Grundproblemen gegenueber wie die UGO i n B e r l i n , und wir Gewerkschafter Amerikas fuehren
denselben Kampf gegen die Kommunisten, die immer wieder versucht
haben, die Bemuehungen unserer Gewerkschaftsbewegung zur Unterstuetzung der Arbeiter zu sabotieren. Im Jahre 1946 haben die Arbeiter der
•General Motors", des groessten Unternehmens.Amerikas, i n einem v i e r monatigen Streik um ihre Rechte gekaempft. Und waehrend wir gegen
die "General Motors" kaempften, sabotierten die Kommunisten innerhalb
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung diesen S t r e i k . In den grossen S t a h l s t r e i k s setzten sich d i e Gewerkschaften der S t a h l a r b e i t e r
kuerzlich mit der "United S t e e l Corporation", der "Bethlehem S t e e l
Corporation" und anderen grossen Stahlunternehmen auseinander. Und
wieder sabotierte die kommunistische P a r t e i den Streik der Stahlarbeiter-Gewerkschaften gegen Wall S t r e e t und die Stahlkompanien,
Deshalb koennen wir auch genau die Art von Kampf, den die UGO i n
Berlin zu fuehren h a t . Und wir sind gluecklich, die drei Delegierten der UGO i n dem neuen f r e i e n , demokratischen Gewerkschaftsbund i n
London begruessen zu koennen* Sie sitzen dort mit Gewerkschaftsvert r e t e r n aus der ganzen Welt und arbeiten zusammen an gemeinsamen
Problemen und Rechten, die der f o r t s c h r i t t l i c h e n Entwicklung i n der
Welt dienen.

Herzt

Ich sehe a l s o , Mr. Reut her, dass i n Amerika die Kommunisten genau die
gleichen Methoden verfolgen, wie ueberall sonst auf der Welt, und i c h
sehe auch w e i t e r , dass Sie sehr gut wissen, wie es i n der Ostzone
h i e r zugeht. Wird die Entwicklung i n der sowjetischen Besatzungszone denn allgemein so aufmerksam verfolgt?

Reut her 1 Der Durchschnittsamerikaner weiss sehr v i e l von der Sowjet Zone und
es l i e g t den amerikanischen Arbeitern sehr v i e l daran, dass die Arb e i t e r der Ostzone auf a l l e moegliche Art u n t e r s t u e t z t werden, damit
sie ihre Probleme loesen und eines Tages ihre F r e i h e i t zurueckgewinnen koennen. Dann koennen s i e mit den uebrigen f r e i e n , demokratischen
Gewerkschaften am Frieden und der Sicherheit der Welt a r b e i t e n .
Herz.

Sie sagen a l s o , dass i n Amerika die sowjetische Besatzungszone keineswegs abgeschrieben i s t , Mr. Reuther. Leider besteht augenblicklich
gar keine M ö g l i c h k e i t einer wirklichen Hilfe fuer die Bevoelkerung i n

.6-

�der sowjetischen Besatzungszone, wie es in Westdeutschland j e t z t vor
allem durch den Marshall Plan moeglich i s t . Koennten Sie v i e l l e i c h t
i n diesem Zusammenhang noch sagen, wie die amerikanischen Gewerkschaften zu diesem grossen iiilf sprogramm fuer Europa stehen?
Reuther i

Die amerikaniscaen Gewerkschaften unterstuetzen den Marsuall Plan, und
es t u t uns l e i d , dass wir diese Kilfe nicht auf die Sowjet Zone ausdehnen koennen, wo die Bevoelkerung unter Hunger fcnd anderen Problemen zu
leiden h a t . Die Verantwortung hierfuer t r a e g t die russische Regierung,
die willkuerlich die Ostzone von der Hilfe abgeschnitten h a t , die die
amerikanischen Arbeiter und das amerikanische Volk der Sowjet Zone durch
den Marshall Plan zu l e i s t e n imstande waeren, und die ihre Not lindern
koennte. Ausserdem a r b e i t e n wir in London mit Vertretern f r e i e r E x i l gewerkschaftsgruppen der Sowjet Zone und der uebrigen Laender h i n t e r dem
Eisernen Vorhang zusammen, und wir werden a l l e s tun, was i n unserer
Macht s t e h t , um den Aufbau demokratischer und f r e i e r Gewerkschaftsgruppen
i n diesen Laendern zu foerdern und zu u n t e r s t u e t z e n , damit die Arbeiter
h i n t e r dem Eisernen Vorhang eines Tages b e f r e i t und in die Familie der
freien Gewerkscuaften der ganzen Welt aufgenommen werden koennen.

herzt

Nur noch eine Frage, Mr. Reuther: Die kommunistische Propaganda behaupt e t immer, die amerikanischen Gewerkschaften haben auf die Gestaltung
der wirtschaftlichen und politischen Verhaeltnisse Amerikas ueberhaupt
keinen E i n f l u s s . Sie kennen j a auch die Verhaeltnisse in der Sowjet
Union aus eigener Anschauung. Wie i s t es denn eigentlich mit der Einflussnahme und den Moeglichkeiten der sogenannten Gewerkscnaften im
Sowjetsystem, im Vergleich zu den Gewerkschaften i n Amerika?

Reutheri

Die Kommunisten propagieren i n grosser Aufmachung die Einflussnahme der
sowjetischen Gewerkschaften auf grundlegende Beschluesse der Regierung.
Tatsache i s t jedoch, dass sie ueberhaupt keine Moeglichkeit haben, ihren
Einfluss bei wichtigen Entscheidungen geltend zu machen. Ich besitze
mehr a l s nur theoretische Kenntnisse ueber die Sowjet Union und den
Einfluss der Gewerkschaften. Ich habe f a s t zwei Jahre in einer r u s s i schen Automobilfabrik i n Nischnij-Nowgorod g e a r b e i t e t , i n der das Ford
Modell A h e r g e s t e l l t wird. Und ich kenne genau den Einfluss und die
Macht der russischen Gewerkschaften, die n i c h t s mehr bedeuten a l s p o l i tische Betriebsorganisationen, mit deren Hilfe die Staatsbuerokratie,
die der Kontrolle des P o l i t Bueros u n t e r s t e h t , die Beschluesse des P o l i t
Bueros innerhalb der arbeitenden Klasse zur Ausfuehrung b r i n g t . Wenn
wir i n Amerika unsere Loehne fuer zu niedrig h a l t e n , schalten sich die
freien Gewerkschaften ein und wir koennen mit dem Unternehmer verhandeln. Wir koennen s t r e i k e n , um unseren Forderungen Nachdruck zu verl e i h e n . In der Sowjet Union sieht es ganz anders a u s , denn die Gewerkschaften sind machtlos. Wenn i n einer Fabrik, i n der ich i n Russland
beschaeftigt war, der P a r t e i s e k r e t a e r der Kommunistischen P a r t e i , den
Gewerkschaftssekretaer e r s u c h t e , die Forderungen der Arbeiter rueckgaengig zu machen, b e e i l t e sich der Gewerkscnaftssekretaer, diesem Ersuchen unverzueglich nachzukommen. Denn die Gewerkschaften Russlands
sind keine Gewerkschaften. Es sind s t a a t l i c h e Einrichtungen, denen die
Durchfuehrung der buerokratisehen EntSchliessungen des Staates unter den
Arbeitern o b l i e g t , und ich kann nur sagen, dass die Kommunisten bewusst
eine Propaganda t r e i b e n , die nur den Zweck bftt, die arbeitende Klasse an
der Nase herumzufuehren. Wenn Sie die russische Automobilfabrik kennenlernen koennten, i n der ich gearbeitet habe, und wenn es Ihnen moeglich
waere, die Satzungen und den Einfluss i h r e r Gewerkschaften mit denen
zu vergleichen, wie wir sie i n D e t r o i t , i n den "General Motors*, i n
den Chrysler Werken oder bei Ford vorfinden, dann koennten Sie diesen
Unterschied wie zwischen Tag und Nacht sehen, den Unterschied zwischen
den freien Arbeitern i n Amerika, die wirkliche p o l i t i s c h e und w i r t schaftliche Macht haben, und den Arbeitern der Sowjet Union, die sich
der s t a a t l i c h e n Buerokratie zu fuegen haben,in der die Gewerkschaften

- 7 -

�nichts mehr als Dekorationen sind, unfaehig, den Einfluss des Arbeiters bei irgendeiner wichtigen Entscheidung geltend zu machen.
Herzt

Herr Reuther, ich glaube angesichts des dichten PropagandaSchleiers,
den die kommunistische Propaganda dauernd ueber alle Gebiete legt,
auf die sie Einfluss hat, war es sehr noetig, dass Sie das einmal
gesagt haben, und ich bin sicher, dass Ihre Worte gerade die arbeitende Bevoelkerung in der Sowjet Zone sehr interessiert haben.

Beutheri

Ich hoffe, dass ich eines Tages Gelegenheit finden werde, einer Gewerkschaft skonferenz beiwohnen zu koennen, in der ich zu den nun in
der sowjetischen Zone lebenden Arbeitern sprechen kann. Im naechsten
Sommer werden die Automobilarbeiter eine Tagung veranstalten, und wir
hoffen, dort alle Automobilarbeiter der Welt vertreten zu sehen.
Nichts waere uns lieber, als Vertreter von jenseits des Eisernen Vorhangs anzutreffen und ihnen die Unterschiede zwischen den Verhaeltnissen der freien Arbeiter diesseits des Eisernen Vorhangs und ihren
eigenen vor Augen zu fuehren. Die Vertreter der Automobilarbeiter
hinter dem Eisernen Vorhang werden jedoch im naechsten Sommer nicht
zugegen sein, weil ihre Herren es ihnen nicht erlauben werden, und
weil sie nicht Mitglieder freier Gewerkschaften sind.

Herzt

Unsere Hoerer in der Ostzone werden sehr erfreut sein, Sie am Mikrophonkennengelernt zu haben. Mr. Reuther, haben Sie die Absicht, bald
wieder einmal nach Deutschland zu kommen und dann direkt in der Sowjet
Zone zu sprechen?

Reuther t Ich hoffe, im Fruehjahr 1950 wieder in Berlin zu sein, und wenn eine
Moeglichkeit besteht, im befreiten Mitteldeutschland zu sprechen, werde ich es tun. Im Namen aller Arbeiter in den Vereinigten Staaten
gruesse ich die Arbeiter in der Sowjetischen Zone.

ENGLISCHE SCHNEIDER BERICHTEN UEBER AISERIKANISCHB PRODUKTIONSLEISTUNG.
Die Produktionsleistung in vielen Herren-Bekleidungsfabriken der Vereinigten Staaten ist im allgemeinen hoeher als in der gleichen Industrie in England.
Diese Feststellung wird in einem vorlaeufigen Bericht getroffen, der von der 8.
englisohon Productivity Team in Washington veroeffentlicht wurde. Diese Gruppe
hatte die Vereinigten Staaten unter der Schirmherrschaft des Anglo-Amerikanischen Produktivitaetsrates, der Marshall Plan Verwaltung und der englischen
Regierung zum Studieren der Produkt!vitaet besucht.
In dem Bericht werden als Ursachen fuer die Erfolge in der amerikanischen
Produktionsleistung folgende Faktoren angefuehrtt hohe Akkordpraemien, die in
gegenseitiger Vereinbarung von Gewerkschaften und Unternehmern festgesetzt
werden, eine relativ grosse Anzahl erfahrener Arbeitskraefte, die Anwendung
zusaetzlicher und zu besonderen Zwecken geeigneter Maschinen, der hoehere Grad
der Standardisierung und die guten Beziehungen zwischen Arbeiterschaft und
Unternehmern.
Bei einer Pressekonferenz in New York gab spaeter ein Arbeitermitglied der
Gruppe, Francis G. Mulligan, von Beruf Schneidereibuegler, einen zusaetzlichen
Kommentar und erklaerte, dass die amerikanischen-Arbeiter mehr Minuten pro
Stunde an der Arbeit sind als die Arbeiter Englands, weil sie wissen, dass Produktionssteigerung mehr Lohn bedeutet. Er sagte t
•Wir wissen, dass Tausende von Arbeitern in der amerikanischen Bekleidungsindustrie von Uebersee in dieses Land kamen. Es lag ihnen daran, moeglichst
schnell das Buergerrecht zu erwerben. Damit machten sie sich die amerikanischen

- 8 -

�Ideen zu eigen und versuchten, als Ihre Mitbuerger zu denken und zu leben.
Heute finden wir 3ie in anstaendigen Wohnungen in guten Vierteln ihrer Staedte
und Gemeinden« Ihre Haeuser sind aussen und innen gut gepflegt. Sie besitzen
moderne Kuechen mit elektrischen Kuehlschraenken und anderen Einrichtungen* die
zu guten Lebensverhaeltnissen gehoeren. Sie haben eigene Wagen und genuegend
Treibstoff und Freizeit, um zu reisen, wohin es ihnen beliebt,
•Die Kosten all dieser Dinge koennen nach Arbeitsstunden und Sonderleistungen berechnet werden, durch die eine Mehrproduktion von Bekleidungsstuecken
und Einzelteilen fuer Herrenbekleidung ermoeglicht wird. Alles was sich ein
amerikanischer Arbeiter wuenscht, und was nach seinen Begriffen zum taeglichen
Leben gebeert, kann er zu einem bestimmten Preis kaufen; deshalb arbeitet er
lange und schwer genug, un in den Besitz dieser Ware gelangen zu koennen. Meiner Meinung nach ist dies eine bedeutende Ursache fuer die hohe Produktionsleistung hier in den Vereinigten Staaten, •
Mulligan erklaerte, dass er besonders von den ausgezeichneten Beziehungen
zwischen Arbeiterschaft und Unternehmern in den von der Gruppe besuchten Fabriken beeindruckt sei.
•Erst nach langem Kampf ist es den einzelnen Gruppen gelungen zu erkennen,
dass sie gegenseitige Interessen haben. Und wenn eine neue Maschine eingesetzt wird, die mehr Bekleidungsstuecke herstellt, dann teilen sich Arbeitgeber
und Arbeitnehmer in den zusaetzlichen Gewinn, der daraus entsteht.
•Es ist besonders bemerkenswert, dass festgesetzte Praemien fuer Stueckarbeit unbedingt eingehalten werden muessen. Auch wenn ein amerikanischer Arbeiter viel mehr produzieren kann, als man bei der Festsetzung der Tarife erwartet hatte, muss ihm dennoch der volle Betrag seines erworbenen Lohnes ausbezahlt werden. Praemien fuer Stueckarbeit koennen nicht ohne die Zustimmung
der Gewerkschaft gekuerzt werden.•
Mulligan erklaerte, dass weder er noch andere Mitglieder der Gruppe den
Eindruck haetten, man habe in der amerikanischen Herrenbekleidungsindustrie
die Qualitaet zugunsten der Quantitaet vernachlaessigt. "Wir waren angenehm
ueberrascht, feststellen zu koennen, dass trotz der Massenproduktion die Qualitaet ihrer Waren hinter der unsrigen nicht zuruecksteht," sagte er.
•Das handwerklicheEöannen ist bei Ihnen sehr gut. Die maschinelle Ausrüstung Ihrer Betriebe ist, im ganzen gesehen, weit moderner als bei uns.
Die Beaufsichtigung ist ausreichend. Das Ergebnis ist Bekleidung hoher Qualitaet, die wir, offen gesagt, hinter Ihrem System der Massenproduktion tragfertiger Kleidung nicht vermutet haetten.•

EGA Labor Information
7, Dezember l9i#

tlü^aiALLMAN'! BAROMETER.
Die Marshallplan Verwaltung gab bekannt, dass mehr a l s e i n Fuenftel der im
Monat Oktober fuer den europaeischen Wiederaufbau b e w i l l i g t e n Waren und Dienstl e i s t u n g e n Maschinen und Ausruestungen waren.
Der Gesamtwert der den l6 Marshall Plan Laendern Westeuropas im Monat Oktober zum Einkauf bewilligten Waren b e l i e f sich\auf 109.200.000 D o l l a r , sodass
die gesamten Bewilligungen b i s zum 3 1 . Oktober 7.O85.400.OOO Dollar ausmachten.
Die b i s zum 22. November genehmigten Waren haben einen Wert von 7 »380.500,000
Dollar,
Die gesamten, fuer Oktober bewilligten Dollarbetraege setzen sich wie folgt
zusammen! Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse 5 8 « 3 0 0 « 0 0 0 D o l l a r ,
- 9 -

�oder ungefaehr 53 %; gewerbliche Gueter 47«500»000 Dollar, oder nahezu 44 %;
und Schliff gerächten 3.300.000 D o l l a r , oder etwa 3 %,
Die zum Einkauf von Maschinen und Ausmästungen bewilligten Dollarbetraege
im Oktober betrugen 23,500,000 D o l l a r . Fast die Haelfte dieser Betraege,
11.400,000 D o l l a r , war fuer Frankreich bestimmt und folgendermassen v e r t e i l t 1
3.200,000 Dollar fuer Industrie-Maschinen, e i n s c h l i e s s l i c h Bueromaschinenj
2,200,000 Dollar fuer Bau- und Bergwerksausruestungenj 1,500,000 Dollar fuer
landwirtschaftliche Zugmaschinen; 1,400,000 Dollar fuer Wasserkraftmaschinen
und Turbinen; 1,200,000 Dollar fuer Werkzeugmaschinen; und der Rest fuer
Metallbearbeitungs-Maschinen, e l e k t r i s c h e Ausruestung, landwirtschaftliche
Mabihinen ausser Traktoren, Generatoren, Motore und Traktoren fuer nicht-landwirtschaftliche Zwecke.
Andere Laender, d i e im gleichen Monat Bewilligungen fuer Maschinen und Ausr ü s t u n g e n e r h i e l t e n , waren« Belgien-Luxemburg mit 6.900,000 D o l l a r , davon 3
Millionen fuer Industrie-Maschinen; Norwegen mit 3»900,000 D o l l a r , nauptsaechl i c h fuer Industriemaschinen, Bau- und Bergwerksausruestungen und I t a l i e n mit
2,9 Millionen fuer Metallbearbeitungs-Maschinen, mit Ausnahme von Werkzeugmaschinen .
Die zweitgroesste Warengruppe bei den Oktober-Bewilligungen war Baumwolle,
e i n s c h l i e s s l i c h Rohbaumwolle, Baumwollabfall und Linters im Werte von insgesamt
20,900,000 D o l l a r . Hiervon e r h i e l t England 3^,2 Millionen D o l l a r . Ferner e r h i e l t e n Einkaufsbewilligungen fuer Baumwollet Belgien-Luxemburg* 3 Millionen
Dollar, und Holland, 2,100,000 D o l l a r ,
Weitere Gesamtbetraege an Guetern, die im Oktober b e w i l l i g t wurden, warena
14,500»000 Dollar fuer F l e i s c h , von denen 12,2 Millionen auf England e n t f i e l e n ;
3,800,000 Dollar fuer F e t t e und Oele, davon 2,6 Millionen, fuer Sojaoel, das an
Westdeutschland g e l i e f e r t wurde; 3*4 Millionen Dollar fuer Brotgetreide, davon
2,8 Millionen fuer Weizen fuer Norwegen; 4t5 Millionen Dollar fuer Rohoel und
Petroleumerzeugnisse, davon 3 , 1 Millionen Dollar fuer Irland und 9,9 Millionen
fuer Tabak, wovon 8,1 Millionen fuer England bestimmt waren,
ECA Information

GEWERK3CHAFTSFÜNK EINES NSW-YORKER SENDERS.
Etwas Neuartiges auf dem Gebiete der gewerkschaftlichen Beziehungen zur
Oeffentlichkeit hat i n New-York seinen Anfang genommen. Jeden Abend um 6,15
Uhr wird der Oeffentlichkeit i n einer Sendung einer kleinen Gruppe von Gewerkschaften (darunter auch der Bezirk 15 des Internationalen Metallarbeiter
Verbandes) ueber die Rundfunkstation WFDR von 'gewerkschaftlichen Problemen
und Taetigkeiten b e r i c h t e t ,
Joe Michaels, Nachrichtenredakteur des WFDR, hat die Leitung dieser Gewerkschaft ssendung. Die Gewerkschaften greifen jede Woche e i n Aufgabengebiet
aus ihrem Taetigkeitsbereich heraus, wie zum Beispiel Beschwerdeverfahren,
bezahlter Urlaub, schiedsrichterliche Schlichtung, Mitbestimmung, usw. An
aufeinanderfolgenden Abenden berichten die einzelnen Gewerkschaften von i h r e r
Arbeit auf dem betreffenden Gebiet, In der e r s t e n Woche war Beschwerdeverfahren Gegenstand der Sendungen,
Die Sendung des Internationalen Metallarbeiter Verbandes findet Mittwochs
abends s t a t t , Sie wird von Michaels mit folgenden Warten eroeffnetj
"Hier
i s t Joe Michaels mit den Nachrichten, die Ihnen der Internationale Metallarbeit e r Verband im Dienste fuer d i e Oeffentlichkeit u e b e r m i t t e l t . Dieser Verband
i s t eine anerkannte amerikanische Gewerkschaftsvereinigung, die sich fuer ein
besseres Amerika e i n s e t z t , *
- 10 -

�Nach den einleitenden Worten und dem geschaeftlichen Teil erklaert der
Ansager von WFDR, warum ein Arbeiter 1 auf seine Gewerkschaft angewiesen i s t ,
wenn er eine Beschwerde durchbringen will«
•unsere Grossvaeter arbeiteten gewoehnlich in kleinen Werkstaetten, in
denen Jeder Jeden kannte. Wenn sie eine Beschwerde vorzubringen hatten, gaben
sie diese ihrem Chef persoenlich. Die Zeiten haben sich jedoch g e a e n d e r t . , . . .
Bs i s t heutzutage moeglich, dass der Mann oder die Frau i n einem Betrieb n i e mals oder nur einmal im Jahr ihren Arbeitgeber s e h e n . . . . . . . . . In solchen Faellen muessen sich die Gewerkschaften einschalten. Wie s i e das tun, davon berichten wir i n einem spaeteren Abschnitt unseres Programms."
Nach den Nachrichten erklaert der Ansager Schritt fuer S c h r i t t , wie der
Bezirk 15 des Metallarbeiter Verbandes bei Beschwerden seiner Mitglieder i n
Gross New-York verfaehrt, und wie die gerechte Behandlung von Beschwerden
nicht nur dem Gewerkschaftsmitglied, sondern auch dem Arbeitgeber und dem ganzen Volke dienlich i s t « ,
Auf dieselbe Art und Weise berichteten in dieser ersten Woche die Gewerkschaften der Bueroange s t e l l t e n des ünzelhandels, der Seefahrer u.a. ueber ihre
Taetigkeiten, und warum sie sich mit den Beschwerden ihrer Mitglieder befassen«
•Wir konzentrieren uns auf das einfache ABC der Gewerkschaft, um das
scheinbar nur sehr wenig Leute, die ausserhalb dieser Bewegung stehen, wissen,*
erklaerte Hartley Samuels von WFDR gegenueber einem Vertreter dieser Zeitung.
(•The !.'ACRTNIST"). »Wir glauben, dass die an diesen Sendungen beteiligten
Gewerkschaften mithelfen, nicht nur ihre eigenen Beziehungen zur Oeffentlichk e i t , sondern die der gesamten Gewerkschaftsbewegung zu verbessern.'
"The Machinist* (Woechentliches
Organ des Internationalen
Metallarbeiter Verbandes)
8. Dezember 1949

MODERNER SrOEKUNGSSÜCHER.
R u s s e l l Arthus Powles, Freileitungs-Obermonteur bei der Transformatorens t a t i o n Ipswich, hatte durch einen einstuendigen Flug zusammen mit einem Arbeiter der D e t r o i t Bdison Company i n D e t r o i t , Michigan, G e l e g e n h e i t , p e r s o e n l i c h
die Arbeitsweise e i n e s Stoerungssuchers kennenzulernen.
Mr. Powles h a t t e e r f a h r e n , dass d i e s e Company i n D e t r o i t e i n 2-Passagier
Flugzeug e i n s e t z t , um damit Freileitungsstoerungen oder -brueche zu suchen,
monatliche Pruefungen vorzunehmen, zerbrochene I s o l a t o r e n oder andere Fehler
f e s t z u s t e l l e n . Kr a e u s s e r t e daraufhin den Wunsch, das Flugzeug bei der Arbeit
sehen zu koennen. Die Company ermoeglichte e s Mr. Powles, den P i l o t e n auf

einem seiner Stoerungssuchfluege zu begleiten.
•Bevor ich den Flug antrat, bezweifelte ich die Wirksamkeit dieser Methode,
d i e , wenigstens fuer unsere Industrie, etwas ganz Neues d a r s t e l l t , * berichtete
Mr. Powles, a l s er mit der Besuchergruppe in New York ankam, um von dort am
10. Dezember die Heimreise nach England anzutreten. "Nachdem ich jedoch einen
Flug hinter mir habe, kann ich berichten, dass das Flugzeug tatsaechlich wirksam a r b e i t e t . Es hatte sehr gute Ergebnisse zu verzeichnen«"
Mr. Powles erklaerte ferner, dass "der Bericht der Produktivitaetsgruppe,
der zu Anfang naechsten Jahres erscheinen wird, Vorschlaege zur schnelleren

-11

.

�Behebung von Stoerungen an Freileitungen oder Ausruestung enthalten wird,*
Die Besuchergruppe besteht aus 32 Mitgliedern, die aus der englischen
Industrie der Stromerzeugung, Stromverteilung und Transmission kommen« . Es
ist das neunte Team, das auf Veranlassung der britischen Regierung, des AngloAmerikanisehen Produktivitaetsausschusses und der Marshall Plan Verwaltung
die Vereinigten Staaten besucht.

BGA Labor Information

-12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

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Frankfurt, 2 0 . Januar I950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Amerikanische Briefmarke zu Ehren Gompers1 - - - - - Hoehere Produktion durch hoehere Kaufkraft — - - - Macht und F o r t s c h r i t t der daenischen Gewerkschaften - V e r e i n h e i t l i c h t e s t a t i s t i s c h e Methoden i n Buropa? • - Leon Jouhaux - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - AFL warnt vor f a l s c h e n Erklaerungen - - - - - - - - - - 1

1
2
3
5
7
2

AMERIKANISCHE BRIEFMARKE 233 BHREN GOMPERS'.
(Washington) - Der Generalpostmeister Jesse M. Donaldson hat d i e Herausßabe einer
neuen 3 Cent-Briefmarke zur Erinnerung an den 1 0 0 . Geburtstag Samuel Gompers',
d e s Gruenders und e r s t e n Praesidenten des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL, genehmigt*
Die Briefmarke wird zum erstenmal i n Washington, D . C . , verkauft werden, und
zwar am 2 7 . Januar 1950, dem 100» Jahrestag der Geburt Mr. Gompers' i n London,
Ueber Groesse, Farbe und Aufdruck der Marke wird spaeter b e r i c h t e t werden.
Wahrscheinlich wird aie d i e Groesse der "beruehmten amerikanischen" Serien haben
und Mr. Gompers' P o r t r a i t t r a g e n .
Die Herausgabe d i e s e r Briefmarke wurde von dem Praesidenten der AFL William
Green und dem Finanzsekretaer George Meany im Auftrag e i n e s AFL Komitees veranl a s s t , das aus Anlass des 1 0 0 , Geburtstages Gompers1 g e b i l d e t wurde.
Praesident Truman u n t e r s t u e t z t e d i e s e Forderung, d i e e i n e von 400 Gesuchen
fuer Erinnerungsbriefmarken fuer I950 d a r s t e l l t . Der Praesident war der A n s i c h t ,
d a s s , wenn nur eine Erinnerungsmarke i n diesem Jahre herausgegeben wuerdei der
Mann geehrt werden s o l l t e , der die AFL gruendete, das d a u e r h a f t e s t e , a e l t e s t e
und g r o e s s t e nationale Gewerkschaftszentrum i n der amerikanischen Geschichte.
E i n z e l h e i t e n ueber den Verkauf am e r s t e n Tage und die entsprechende Stempelung werden noch bekanntgegeben werden.
AFL Weekly News S e r v i c e
- 1 -

�HQEHBHB SOIUKTION DJRCH HOEiilRE

Produktion
Jndex
1935-1939*100

KJJFKRAFT.

Löhne u.6ehälter
i

.240-1- 4

jahnejuhcie^läliej:

1

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(inBillion
Dollar)

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..Sept.iÖ49i)
(^In Dollar na^dejn St and von

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AS

1949

Diese Skizze veranschaulicht einen bedeutenden E r f o l g der Gewerkschaften.
Die Kaufkraft der Arbeiter Amerikas (obere L i n i e ) konnte t r o t z des a l l g e meinen Geschaeftsrueckganges beibehalten werden. Die Gewerkschaften haben nicht
nur Lohnkuerzungen verhindert, sondern s i e haben darueberhinaus Lohnerhoehungen
e r z i e l t * durch d i e das Gesamteinkommen der Arbeiter Amerikas um Hunderte von
M i l l i o n e n Dollars erhoeht wurde. Waehrend d i e Lebenshaltungskosten von September 19^8 b i s Februar 1949 niedriger wurden, s t i e g die Kaufkraft der Arbeiter
l e i c h t an*
Die Produktion (untere L i n i e ) ging von Oktober 1948 b i s J u l i 1949 stark
zurueck, da d i e Verkaufslaeden keine Auftraege mehr gaben, sondern z u e r s t d i e
a l t e n Bestaende verkauften.
Die Arbeiter hatten jedoch Geld und kauften w e i t e r , und durch diese starke
Nachfrage nach Waren waren d i e Laeden bald gezwungen, neue Waren von den Fabriken anzufordern. Die Produktion i s t s e i t J u l i stark a n g e s t i e g e n , und das Geschaeft hat s i c h wieder e r h o l t . Anfang Dezember waren f a s t a l l e unternehmen,
die g e s c h l o s s e n h a t t e n , wieder i n B e t r i e b .
I n den e r s t e n 10 Monaten von 1949 hat die AFL Lohn- und andere Forderungen
fuer etwa 5 M i l l i o n e n Arbeiter durchgesetzt und damit nicht nur zur Wohlfahrt
der A r b e i t e r , sondern auch zur Wiederbelebung der Wirtschaft b e i g e t r a g e n . Ihre
Arbeit i s t a l s o dem ganzen Lande zugute gekommen.
A r t i k e l aus Labor*s Monthly Survey,
erschienen i n AFL Weekly News Service
2 . Dezember 1949
- 2 -

�MACHT UND PORSCHRITT DER DAENISCHEN GEWERKSCHAFTEN.
E i l e r J e n s e n , d e r P r a e s i d e n t des Daenischen Gewerkschaftsbundes,
s p r a c h a l s Gast vor dem 6 8 . Gewerkschaftskongress d e r AFL. Wir
geben h i e r w i c h t i g e Auszuege aus s e i n e r Rede w i e d e r .
Gegen Ende d e s J a h r e s 1948 umfasste der Daenische Gewerkschaftsbund 72
Gewerkschaften m i t rund 625*000 M i t g l i e d e r n . Das h e i s s t , j e d e r s i e b e n t e Bewohner - vom S a e u g l i n g b i s zum G r e i s - oder j e d e r V i e r t e im A l t e r von 18 b i s zu
60 J a h r e n gehoeren dem Daenischen Gewerkschaftsbund a n .
Glued-clicherweise i s t u n s e r e Bewegung niemals a u s r e l i g i o e s e n oder n a t i o n a l e n Grueaden a u f g e s p a l t e n gewesen. Wir sind uns b e w u s s t , d a s s d i e s e i n e r
d e r Gruende war, weshalb d i e Deutschen waehrend der Besetzung Daenemarks von
1940 b i s 1945 n i c h t mit Gewalt gegen d i e d a e n i s c h e Gewerkschaftsbewegung v o r gegangen s i n d ; i h r e Waffen waren vielmehr L i s t und Durchdringung, d i e I h r e n
Zweck jedoch g a e n z l i c h v e r f e h l t e n .
I n Norwegen war e s a n d e r s , w e i l d i e Gewerkschaftsfuehrer wegen d e r offenen
F e i n d s e l i g k e i t e n i n diesem Lande f l i e h e n mussten; und d i e Nazis g r i f f e n die Gewerkschaftsbewegung h e f t i g a n . Schweden b l i e b e b e n f a l l s von d i e s e n Uebergriffen
verschont.
Haben Macht und E i n f l u s s der daenischen Gewerkschaftsbewegung zugenommen?
Hat d i e s e Bewegung e i n e Aenderung der w i r t s c h a f t l i c h e n Bedingungen d e r a r b e i t e n den Klasse b e w i r k t ? Waehrend wir f r u e h e r nur unser Z i e l d a r i n s a h e n , d i e Kett e n a b z u t u n , d i e uns a n g e l e g t waren, koennen wir uns heute f r a g e n , ob e s t a t s a e c h l i c h gelungen i s t , - oder schon 1939 gelungen war, - w e s e n t l i c h e Verbesserungen u n s e r e r L e b e n s v e r h a e l t n i s s e zu e r z i e l e n .
Auf dem daenischen Gewerkschaftskongress im Jahre 1937 f u e h r t e der darial i g e A r b e i t s m i n i s t e r , Th. S t a u n i n g , i n s e i n e r Rede u . a . a u s i
•Der Lebensstandard der o r g a n i s i e r t e n A r b e i t e r i n Daenemark, gemessen an
d e r Kaufkraft e i n e s S t u n d e n l o h n e s , d u e r f t e von allgemeinem I n t e r e s s e s e i n . So
muss zum B e i s p i e l e i n A r b e i t e r fuer e i n e n Anzug 70 Stunden a r b e i t e n , fuer d i e
Monatsmiete e i n e r Wohnung etwa 40 Stunden, f u e r e i n Pfund B u t t e r 1 S t u n d e , e i n
Pfund Zucker ungefaehr 4 Minuten und fuer e i n Paar Schuhe rund 10 Stunden.
•Was wir h e u t e mit dem E r l o e s e i n e r A r b e i t s s t u n d e an B u t t e r oder Brot
kaufen koennen, k o s t e t e im J a h r e 1872 v i e r Stunden A r b e i t . F e r n e r h i n z u z u f ü gen sind d i e k u e r z e r e A r b e i t s z e i t und d i e s o z i a l e Gesetzgebung fuer U n f a l l - ,
I n v a l i d e n « , S o z i a l - und A r b e i t s l o s e n v e r s i c h e r u n g , f u e r K i n d e r w o h l f a h r t , U n t e r s t ü t z u n g der Kinder von Witwen, d e r B l i n d e n , Taubstummen, usw.
Qawerkschaf t e n im D i e n s t d e s ganzen V o l k e s .
Eine Verbesserung der w i r t s c h a f t l i c h e n und k u l t u r e l l e n Lage der arbeitend«
Klasse k a m t d e r gesamten d a e n i s c h e n Nation z u g u t e .
Die d a e n i s c h e n Gewerkschaften haben t a t s a e c h l i c h g r o s s e s o z i a l e und n a t i o n a l e Aufgaben g e l o e s t . &gt;
Im Handwerk, der I n d u s t r i e und t e i l w e i s e auch im Handel und T r a n s p o r t wesen sind gemeinsame P r o d u k t i o n s a u s s c h u e s s e g e b i l d e t worden«
Unsere Zusammenarbeit mit Skandinavien h a t s i c h a l s sehr w e r t v o l l e r w i e s e n . Wir s t e h e n s t a e n d i g i n enger Verbindung m i t den Gewerkschaftszentren
Norwegens, Schwedens und F i n n l a n d s und u n t e r h a l t e n a e h n l i c h e Beziehungen zu
dem i s l a e n d i s c h e n N a t i o n a l z e n t r u m .

- 3 -

�Wir sind mit dem Internationalen Arbeitsamt und seinen i n d u s t r i e l l e n Auss c h ü s s e n eng verbunden und haben einen Vertreter in der daenischen Delegation,
die an der Jahresversammlung der Vereinten Nationen teilnimmt.
Hinsichtlich der i n t e r n a t i o n a l e n , gewerkschaftlichen Zusammenarbeit denken
und empfinden die skandinavischen Gewerkschaften - und auch die der anderen
demokratischen Laender Europas - genau wie ade. Es i s t uns deshalb eine grosse
Freude, in der im Entstehen begriffenen, neuen internationalen Gewerkschaftsorganisation mit a l l e n bedeutenden Gewerkschaften Amerikas vereinigt sein zu
koennen.
Die daenischen Gewerkschaften haben immer danach g e t r a c h t e t , die Loehne zu
verbessern, ohne sich jedoch auf ein bestimmtes Preisniveau festzulegen. Wir
waren immer der Ansicht, dass uns i n steigendem Masse unser Anteil an den angenehmen Dingen des taeglichen Lebens gesichert werden muss. Wenn durch technischen F o r t s c h r i t t m a t e r i e l l e oder k u l t u r e l l e Gewinne e r z i e l t werden, - ob es
sich um Fahrraeder, Strassenbahnen, Autos, Telephon, Radio, Gruenanlagen, oeffentliche Baeder, Schwimmbaeder, bessere Haeuser mit modernen Einrichtungen,
Schulen, Buecher, Zeitungen, usw. handelt - dann verlangen wir unseren Anteil
daran.
Stueckarbeit s e t z t sich durch.
Unternehmer und Arbeiter Daenemarks erkennen, dass Stueckarbeit b i s zu
einem gewissen Grade v o r t e i l h a f t i s t , und die Haelfte a l l e r Arbeiter i n Daenemark werden heute i h r e r Leistung entsprechend bezahlt. Der Arbeiter kann durch
persoenliche Anstrengung sein Einkommen erhoehen. Sie a l l e i n genuegt jedoch
n i c h t . Werkzeuge, Ausruestungen und die Organisation der Werkstaetten muessen
modernisiert werden. Die daenischen Gewerkschaften haben schon immer die
grosse Bedeutung dieser Forderung erkannt.
Wir waren s t e t s an dem Verhaeltnis von Loehnen zu Preisen i n t e r e s s i e r t .
Gegen Preissteigerungen sind wir deshalb besonders auf der Hut. Wir haetten
gerne einen feststehenden Preisindex - oder einen fallenden} wenn die Produkt i o n s l e i s t u n g sich s t e i g e r t , muessen auch die Löhne erhoeht werden. Wir haben
zwei Vertreter im Preis-Index^Ausschuss, der sich mit Fragen des Verbrauchs und
der Kalkulation des Preisindexes b e f a s s t .
Eines der Ziele der daenischen Gewerkschaftsbewegung i s t , dass die Gewinne
gerecht v e r t e i l t werden. Wir sind deshalb lebhaft daran i n t e r e s s i e r t , dass
unter unserem Einfluss s o z i a l p o l i t i s c h e Massnahmen getroffen werden, denen
a l l e Klassen unterworfen sind.
•
Die Gewerkschaftsbewegung kann •ihre Probleme nicht a l l e i n lasen. Sie muss
mit der Regierung zusammenarbeiten. Wir muessen uns die Notwendigkeit einer
f i n a n z i e l l e n ünterstuetzung gewisser hilfebeduerftiger Industrien vor Augen
halten.
Viele Gewerkschaftler sind Mitglieder des daenischen Parlaments und beeinflussen die Gesetzgebung zugunsten der Arbeiter.
Wir sind s t o l z darauf, dass Ihr Praesident Franklin Roosevelt Mind andere
Staatsmaenner in der Krisenzeit von 1930 die daenische Sozialgesetzgebung stud i e r t haben, und dass viele unserer sozialen Grundsaetze von Ihrem Lande uebernommen worden sind.
Die daenischen Arbeiter sind sich v o l l der Tatsache bewusst, dass hoehere
Produktionsleistung fuer einen hoeheren und besseren Lebensstandard von ausschlaggebender Bedeutung i s t . Wir haben schwer g e a r b e i t e t , um uns vom Krieg und
seinen Folgen zu erholen, und die Produktionsleistung pro Mann und Stunde hat
sich s e i t Kriegsende 19 A5 v^ 20JK erhoeht. Sie hat damit t r o t z zahlreicher
Schwierigkeiten den gleichen Stand wie vor dem Kriege e r r e i c h t .

-

4-

�Die Wieäergesundung unseres Landes i s t durch die grosszuegige H i l f e , die
uns die Vereinigten Staaten i n Form des Marshall Planes z u t e i l werden l a s s e n ,
aufs hoechste beschleunigt worden. In fuenf Jahren der Besetzung gingen unsere
Vorxaete zur Neige und die verbrauchten Maschinen könnten n i c h t durch neue e r setzt werden. Dank dem Marshall Plan war es uns moeglich, die Luecke i n
unseren Vorraeten wieder aufzufuellen und die maschinelle Ausruestung zu e r neuern.
Der Hauptgrund unseres Besuches i s t , von Ihnen zu lernen, wie Sie die
Produktion planen und a l l e technischen Moeglichkeiten ausnutzen. Auch moechten
wir herausfinden, welche Stellung der Mensch a l s Faktor i n der hohen Produktiv i t a e t i n Arierika einnimmt.
Gewerkschaften Daenemarks und Marshall Plan.
Die daenische Gewerkschaftsbewegung s e t z t sich ueberall fuer eine wirksame
Verwendung der Marshall Hilfe e i n . Wir sind durch unsere Mitglieder bei a l l e n
Aucschuessen und Raeten v e r t r e t e n , sei es i n Kopenhagen oder P a r i s , und wir
arbeiten aufs engste mit der daenischen Arbeiterregierung zusammen*
Die daenische Regierung wird weitgehendst von dem Mann auf der Strasse unt e r s t u e t z t , und ich moechte hinzufuegen, dass die Kommunisten heute kein Problem
mehr fuer uns in Daenemark bedeuten. Wenn wir die Vollbeschäftigung aufrechterhalten koennen, dann sind wir der Ansicht, dass dieses Problem auch i n Zukunft
nicht mehr auftauchen wird. Der Kommunismus koennte nur dann zur Gefahr werden,
wenn A r b e i t s l o s i g k e i t unser Land bedrohen sollte»
Die Gewissheit, dass* die Marshall Hilfe i n ausreichendem Masse noch einige
Jahre f o r t g e s e t z t wird, i s t fuer unsere Zukunft wichtig. Die Kuerzung, die wohl
das Ergebnis von Besprechungen im Kongress i s t , wird in unserem Lande und i n
den uebrigen Teilnehmerstaaten fuehlbar werden; noch wichtiger i s t jedoch
wahrscheinlich, wie die Entwicklung der Dinge i n der Zeit b i s 1952 verlaufen
wird. Wir waren sehr gluecklich, in Veroeffentlichungen verantwortlicher Gewerkschaf tsfuehrer dieses Landes lesen zu koennen, dass die amerikanischen
Arbeiter den Marshall Plan v o l l unterstuetzen und volles Verstaendnis fuer
unsere Prot lerne haben«
Unsere kleine Gruppe i s t h i e r , um zu lernen und Gedanken mit unseren amerikanischen Freunden auszutauschen, und wir sind dankbar, dass uns diese Gelegenheit dank I h r e r Hilfe und Gastfreundschaft geboten wurde«
• Das, was Sie fuer ganz Europa getan haben und tun, - besonders fuer unser
eigenes Land, - e r f u e l l t uns mit Dankbarkeit. Dies i s t ein sehr wichtiger
S c h r i t t auf dem Wege zur allgemeinen Verstäendigung zwischen a l l e n freien Voelkern. Der daenischen Gewerkschaftsbewegung war inner sehr v i e l an diesem gegens e i t i g e n Verstehen gelegen.
«International Free Trade Union News
Dezember 1949

VEREINHEITLICHTE STATISTISCHE METHODEN IN EUROPA?
Die Marshall Plan Verwaltung gab heute bekannt, dass auf dem Gebiet der
internationalen Zusammenarbeit ein neues Projekt in Angriff genommen worden
i s t , durch die die a r b e i t s s t a t i s t i s c h e n Methoden verbessert und ihre Vergleichbarkeit gefoerdert werden s o l l . Zu diesem Zwecke werden V e r t r e t e r von zehn
Marshall-Plan-Laendern im Rahmen des Programms zur Technischen Unterstuetzung
eine Studienreise nach den Vereinigten Staaten unternehmen. Das Projekt i s t
von der Marshall Plan Verwaltung genehmigt worden und s o l l von der Organisation

�fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Buropa (GEBC) u n t e r s t u e t z t werden. Dadurch wird europaeischen S t a t i s t i k e r n die Moeglichkeit geboten, die Arbeitsmethoden des S t a t i s t i s c h e n Bueros im TB Arbeitsministerium kennenzulernen. Sie werden
Vorteile der amerikanischen Methode der Sammlung und Auswertung s t a t i s t i s c h e r
Angaben studieren. Hauptzweck i h r e r Studie i s t , die s t a t i s t i s c h e Arbeit i n den
Marsha 13-Plan Laendern zu verbessern und das B e r i c h t e r s t a t t e n zvi Vergleichszwecken ueber Lebenshaltungskosten, Beschaeftigung, A r b e i t s l o s i g k e i t , Loehne,
A r b e i t s z e i t und Produktionsleistung zu e r l e i c h t e r n .
Laut OEEC wuerde durch dieses Projekt den MarshalL-Plan-Laendern geholfen,
ihre W i r t s c h a f t s s t a t i s t i k e n zu vergleichen und ihre s t a t i s t i s c h e n Untersuchungen
besser auszuwerten, um die Ursachen der Schwankungen im Produktivitaetsstand
der verschiedenen Nationen e r m i t t e l n zu koennen. Die S t a t i s t i k e r werden nach
i h r e r Rueckkehr nach Buropa der OEEC und ihren eigenen Regierungen Bericht e r statten.
Von zustaendigen S t e l l e n der BGA wird e r k l a e r t , dass in dem Antrag der
GEEC bezueglich d i e s e s Projektes der Wunsch zum Ausdruck gebracht wird, dass sich
die MarshalL-Plan-Laender zu gesunden inter-europaeisehen Wirtschaftsmethoden
bekennen und sich dabei nicht von individuellen, nationalen Ueberlegungen l e i ten lassen moegen, die ihren Wiederaufbau nur verzoegerten.
Voraussichtlich werden sich folgende Laender an dem Projekt b e t e i l i g e n !
Oe st erreich
Bundesrepublik Deutschland
Norwegen
Belgien
Schweden

Daenemark
Italien
Bngland
Frankreich
Holland

Die S t a t i s t i k e r , die die Vereinigten Staaten besuchen werden, werden i n
mindestens 3 Gruppen e i n g e t e i l t . Die e r s t e Abordnung s o l l Ende dieses Monats
und die beiden anderen Gruppen voraussichtlich im April und Juni in den Staaten
ankommen. Der Aufenthalt jeder Gruppe wird 3 Monate dauern.
Folgende 11 S t a t i s t i k e r aus 4 Laendern bilden die e r s t e Delegation!
Englara

(^

Dr. L, Rostas, Board of Trade, (Handelsministerium)
Dr. T. B. Easterfield, Department of Scientific and Industrial Research,
(Amt fuer Wissenschaftliche und Industrielle Forschung)
A. M. Cassie, Electrical Research Association,(Gesellschaft fuer Elektrische
Forschung)
A. D. Murray, Boot and Shoe Research Association, (Gesellschaft fuer Forschung in der Schuh- und Stiefelindustrie)
Mr. Norris, Ceramics Research Association, (Forschungsgesellschaft der
Keramischen Industrie)

Schweden (l)
Marianne Kristina Gustavsson, Assistant to Office Chief of Swedish Royal
Social Board, (Assistentin des Chefs des Koeniglichen Sozialrates Von
Schweden)
Erik Harald Ruist, Actuary in Swedish I n s t i t u t e for I n d u s t r i a l , Social and
Econordc Research, (Aktuar im Schwedi sehen I n s t i t u t fuer I n d u s t r i e l l e ,
Soziale und Wirtschaftliche Forschung)
, Arne Gustav Henrikson, Business Economist with Confederation of Swedish
Trade Unions, (Geschaeftsoekonome im Schwedischen Gewerkschaftsbur ,v

�Paenemark (2)
Flemming Otto Branth Claussen, Head Technical Department Federation of
Danish I n d u s t r i e s and Secretary Danish National Committee of S c i e n t i f i c
Management, (Chef der Technischen Abteilung des DaeniBchen Industrieverbandes und Sekretaer des Daenischen Nationalkomitees fuer Wissenschaftliche Betriebsleitung)
Hans Niels Skade, Head of Section i n Danish S t a t i s t i c a l Department,
(Leiter einer Unterabteilung des S t a t i s t i s c h e n Amtes i n Daenemark)
Norwegen (J,)
Sven Fredrik Brenna, Secretary Central Bureau of S t a t i s t i c s , (Sekretaer
im Zentralbuero fuer S t a t i s t i k )
Die Ausgaben der ECA fuer die e r s t e Gruppe, e i n s c h l i e s s l i c h Reise und
Lebensunterhalt ( belaufen sich schaetzungsweise auf 12j.»500 D o l l a r .
Telegramm des U.S. Aussenministeriums
10. Januar I950

LEON JOUHAUX,
Als Leon Jouhaux im Jahre 1945 v o n Buchenwald nach Frankreich zurueckkehrt e , fand er ein Land vor, das dem Ruin nahestand, dessen Arbeiter f a s t am Verhungern waren, und dessen Gewerkschaften unter kommunistischem Binfluss standen«
Die •schoenen Zeiten" der Kollaboration waren fcrueber, und die Kommunisten
hatten nach der Befreiung des Landes keine Zeit verloren, aus dem Untergrunde
aufzutauchen| ihre Funktionaere gingen schleunigst daran, sich i n den Reihen
des franzoesisehen Gewerkschaftsbundes (CGT) festzusetzen. Trotzdem uebernahm
Leon Jouhaux, der alternde franzoesische Arbeiterfuehrer, wieder seine Stellung
a l s Generalsekretaer der CGT, die er f a s t i;0 Jahre lang innegehabt h a t t e . Und
e r ging an die Arbeit«
Wie so viele andere Gewerkschaf tsfuehrer der demokratischen Icender h a t t e
er gehofft, zum allgemeinen Wohl der Arbeiter ein Zusammenarbeiten mit den
Kommunisten armoeglichen zu koennen. Er wusste, dass ihm ein schwerer Kampf
bevorstand. Die franzoesisehen A r b e i t e r , die Soldat gewesen waren, fanden
nicht die Vorrechte v o r , die den amerikanischen Soldaten bei seiner Heimkehr
erwarteten. Jenen waren Hunger und schwere Arbeit beschieden. Was die Kommun i s t e n versprachen, klang den verzweifelten und hungrigen Menschen wie Musik
in den Ohren. Die reaktionaeren Kraefte waren jedoch auf keinen F a l l t o t , Es
war wichtig, die Arbeiterschaft zuerst zu einigen«
Jouhaux versuchte es zwei Jahre lang. Aber so wie Russland bei den Vereinten Nationen einen Plan nach dem andern durch sein Veto zun Scheitern bracht e , so taten es auch seine franzoesi sehen Marionetten i n der CGT, Jouhaux's
Anhaenger hatten allmaehlich genug, und s i e drohten damit, aus der CGT auszut r e t e n . Er bat s i e , zu warten und immer wieder nach einer Verstaendigung zu
suchen.
Als der Aussenminister Marshall im Juni 1947 i n der weitentfernten Harvard
Universitaet in schlichten Worten von •einem Plan zur Unters tue tzung der Selbsth i l f e Europas" sprach, e r b l i c k t e Frankreich einen Hoffnungsstrahl h i e r i n .
Jouhaux und mit ihm viele andere Gewerkschaf tsfuehrer Europas dankten Gott
fuer diese Chance«

-7 -

�Er ging mit neuem Hut an die Arbeit, um die Arbeiterschaft auf einer Strasse
zu vereinigen, die sie aus dem Unglueck herausfuehren sollte, und die man ihnen
schon lange versprochen hatte. Die franzoesisehen Kommunisten zoegerten und
warteten auf die Weisungen Moskaus. Ihre Antwort auf dem Kongress der CGT im
November lautete» "Nieder mit dem Marshall Plan." "Bin WalL-Street Trick, um
die ueberschuessigen Waren Amerikas loszuschlagen! • "Komplott des Grosskapitals
zur Kolonisierung Frankreichs»•
Die franzoesi sehen Arbeiter waren verwirrt. "Was ist dast Marshall Plan?"
fragten sie sich gegenseitig. Die Kommunisten waren in allen lokalen Gewerkschaften mit Antworten schnell zur Handt "Es ist ein Plan, der Buch um Sure
Arbeit bringt. Sin Plan, der unser Land mit amerikanischen Waren ueberschwemnwi
wird und Euch zu Sklaven der auaerikanisehen Geldgier macht.»
Die Anhaenger Jouhaux's waren empoert. "Wir werden nur dann die Wahrheit
durchsetzen koennen, wenn wir unsere eigene Gewerkschaft bilden," beteuerten
sie. Wieder riet ihnen Jouhaux, sich zu gedulden«
•Wenn wir sie verlassen, gehen uns alle Vorteile einer Organisation verlöten, die wir selbst aufgebaut haben," sagte er, "und wir muessen ganz von vorne
anfangenj kein Buero, kein Finanzbuero, keine Zeitung, nichts. Es ist klueger,
von innen her fuer die Wahrheit zu kaempfen.•
Ende November kamen neue Befehle von Moskaui "Vollstaendiger nationaler
Streik, bevor es zu spaet ist," Die franzoesisehen Arbeiter wurden gezwungen,
die Bergwerke, Eisenbahnen und die Industriebetriebe zu verlassen. Jouhaux
fuegte sich in das ünabaenderliche. Als seine demokratischen Kollegen im Dezember beschlossen, "von ganz vorne wieder anzufangen" und einen franzoesisehen
Gewerkschaftsbund zu gruenden, der frei von kommunistischem Einfluss sein soll,
schloss auch er sich ihnen an und wurde ihr Praesident.
Heute steht Leon Jouhaux mit 70 Jahren an der Spitze der jungen, aber wachsenden "CGT-Force Ouvriöre". Um Jouhaux zu kennen, muss man die Geschichte der
alten CGT kennen, dejön die Geschicke beider sind in den Annalen der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung unentwirrbar miteinander verflochten.
Jugendjahre.
•Der General", wie er schon Jahre lang von den ihn verehrenden franzoesisehen
"Arbeitern genannt wird, wurde am 1. Juli 1&amp;79 i&amp; Paris geboren. Als Sohn einer
grossen-, armen Arbeiterfamilie wurde er schon in seiner Jugend mit den sozialen
Ungerechtigkeiten vertraut. Als er zwoelf Jahre alt war, traten die Arbeiter
der Zuendholzfabrik in dem Vorort Aubervilliers, zu denen auch sein Vater, seine
Schwester und sein Schwager gehoerten, in den Streik. Der kleine Leon war gezwungen, seine Studien aufzugeben und in einer anderen Fabrik zu arbeiten, um
seiner Familie helfen zu koennen.
Jouhaux studierte des Nachts, bestand die Aufnähmepruefung einer der
schwierigsten Ingenieurschulen und konnte schliesslich wieder zu seinen Bueehern
zurueckkehren. Seine Schullaufbahn verlief glaenzend. Seine Lehrer sahen fuer
ihn eine grosse Zukunft als Ingenieur. Aber noch einmal, nach Ablauf von zwei
Jahren, war er gezwungen, die Schule zu verlassen, um dieses Mal in der gleichen
Fabrik zu arbeiten, in der auch seine Angehoerigen beschaeftigt waren«
Der junge Student las begierig alles, was in seinen Bereich kam« Er schloss
sich Diskussionsgruppen an und befasste sich eingehend Jnit der Philosophie des
kleinen Mannes. Seine Gewerkschaft war es jedoch, die ihm zum erstenmal wirklich
Gelegenheit bot, seine Energie und sein schoepferisches Talent unter Beweis zu.
stellen. Asl ein Sekretaer fuer den Ortsverband gesucht wurde, schlug Papa Jouhaux, ein Gewerkschafter mit Leib und Seele, seinen Sohn vor, der "auf der Schule
gewesen war." Und so wurde Leon, - bereits Gewerkschaftsmitglied aber zum Funktionaer zu jung - mit 16 Jahren •halb-amtlicher" Ptotokollfuehrer bei Sitzungen.
- 8 -

�Gruendung der CGT.
Ipi gleichen J a h r e , 1095 t wurde auf einer bedeutenden Tagung i n Limoges,
Frankreich, die CGT i n s Leben gerufen. Franzoesische Gewerkschafter, die der
nutzlosen S t r e i k s muede geworden waren, beschlossen, sich i n e i n e r nationalen
Union zusammjinzuschliessen« Niemand konnte zu jenem Zeitpunkt ahnen, dass der
Knabe von A u b e r v i l l i e r s zum Fuehrer und Beschuetzer dieser jungen Organisation
im ganzen Verlaufe i h r e r beweiften Entwicklung werden wuerde. Aber Leon Jouhaux
trug b e r e i t s den Stempel eines Mannes, der dazu berufen i s t , Menschen zu fuehren«
Als er von seinem 1-jaehrigen M i l i t a e r p f l i c h t d i e n s t zurueckkehrte, wurde er
zum Sekretaer des Nationalen Verbandes der Zuendholzmacher gewaehlt und wurde damit Mitglied des Nationalen Komitees der CGT, So entstand eine Verbindung, die
i n seinem Leben zu einem beherrschenden Faktor werden s o l l t e *
Zu jener Zeit waren die Gewerkschaften auf der ganzen Welt im Anwachsen beg r i f f e n , und Regierungen und p o l i t i s c h e Parteien versuchten, diese wachsende Bedrohung i h r e r Machtstellung im Zaume zu halten oder zu b e s e i t i g e n . Im Jahre 1906
berief die franzoesische CGT eine denkwuerdige Sitzung i n Amiens e i n . Die Arbeit e r stimmten dort fuer die beruehmte ^Charta von Amiens 1 , in der proklamiert wurd e , dass die CGT sich auf k e i n e r l e i p o l i t i s c h e Beeinflussung oder Bevormundung
einlassen wuerde« Dieses Prinzip b i l d e t e den Grundpfeiler der P o l i t i k der CGT,
a l s Leon Jouaaux im Jahre I908 zum erstenmal zum nationalen Funktionaer gewaehlt
wurde. Zs s o l l t e den Kommunisten einen S t r i c h durch i h r e wiederholten Versuche
machen, die CGT zu einem Werkzeug des Politbueros zu erniedrigen.
Jouhaux an dar Spitze der CGT«
Nach einem Jahr a l s Finanzsekretaer wurde Jouhaux zum Generalsekretaer gewaehlt» Seine e r s t e Amtszeit hatte seinen Anhaengern bewiesen, dass s i e ihren
Mann gefunden h a t t e n . Fast v i e r Jahrzehnte lang wurde e r Jahr fuer Jahr wiedergewaehlt«
Von Anfang an war Jouhaux lebhaft an der internationalen Gewerkschaftsbewegun/
i n t e r e s s i e r t und wurde bald zu einem ihrer bedeutendsten Fuehrer« Im Verlauf des
Krieges war er immer mehr davon ueber'zeugt, dass e i n gerechter Friede auch die
endgueltigen Rechte der Gewerkschaften der ganzen Welt sichern musste« I9I9 bot
sich ihm die Moeglichkeit, seine Ueberzeugung i n die Tat umzusetzen« Als Frankr e i c h s Vertreter bei dem SoziaL-Ausschuss des Friedensvertrages t r a f er mit dem
l e t z t e n Samuel Gompers, dem Praesidenten des amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL zusammen« Diese beiden grossen Fuehrer, die einzigen Gewerkschaftsvertreter,
die anwesend waren, waren gemeinsam bemueht, den beruehmten •Artikel 1 1 " des
Friedensvertrages, der zur internationalen Charta der Gewerkschaften werden s o l l t e ,
zu inspirieren« Dieses grundlegende Dokument, das das Recht der arbeitenden Menschen e n t h a e l t , sich zum Zwecke der F r e i h e i t , des sozialen F o r t s c h r i t t e s und der
Gerechtigkeit zusammenzuschliessen, b i l d e t e den Schluesselsteln der Internationalen
Arbeitsorgarisation«
Als einer der Gruendungsvaeter der Internationalen Arbeitsorganisation begann
Jouhaux seinen unaufhoerlichen Kampf fuer i n t e r n a t i o n a l e Sozialgesetzgebung, um
der Ausbeutung der Arbeiter ein Ende zu b e r e i t e n . Im Voelkerbund s e t z t e er sich
von neuem a l s Mitglied des wirtschaftlichen Beratungsausschusses fuer d i e Arbeiter
e i n , indem e r sich bemuehte, i n t e r n a t i o n a l e Plaene fuer oeffentliche Arbeiten zu
entwerfen, um den Menschen in rueckstaendigen Gebieten Beschaeftigungsmoeglichkeiten zu verschaffen«
Im Kampf geilen Kommun? TMR 11 f T f 1111
Die Zeit von 1920 brachte an der nationalen Front S t r e i t und Unruhe mit
s i c h . Von der Geburtsstunde der bolschewistischen Revolution an hatten die Kommunisten wie ein summendes Nest von Moskitos versucht, ihre Fuehler i n den Gewerkschaftsreihen Frankreichs sowohl a l s auch i n den uebrigen Laendera auszustrecken«

9 -

�Mehrmals zerdrueckt und unfaehig, in ihrem Mutterlande Blut zu saugen, f l a t t e r ten die franzoesisehen Kommunisten 1922 aus der CGT heraus, um sich der Roten
Internationale Moskaus anzuschHessen»
Diese vielgepriesene Gewerkschaft geb bei der Loesung i h r e r Probleme jedoch
nur traurige Beweise ihrer Befaehigung. In ihren Tiraden v e r e i n i g t konnten die
Kommunisten hoechstens versuchen, sich gegenseitig auszuschreien. Wieder und wieder baten sie den EseJcutivrat der CGT# sie wieder i n ihren Reihen a l s eine selbstaendige Gruppe aufzunehmen. Doch Jouhaux e r k l a e r t e ihnen immer wieder, dass
die CGT nicht nach der "Befehl-vom-Bauptquartier-Moskau" Theorie handeln wuerde,
und dass nur die Lokalgewerkschaften EntSchliessungen treffen koennten. Und wieder und wieder beriefen sich d i e Arbeiter auf ihren Gewerkschaftskongressen auf
die "Charta von Amiens" und verweigerten den Kommunisten die Rueckkehr.
« « . . « « . » . » . » . • »und Faschismus»
Im Jahre 1934 tauchte jedoch eine neue Gefahr auf - eine Gefahr, die den
Bestand der franzoesi sehen Republik gefaehrdete. "Die Feuerkreuze* mit dem franzoesischen Faschisten, Colonel de la Roque, an der Spitze tauchten sozusagen
ueber Nacht auf, um, wie sie offen zugaben, das Parlament zu stuerzen. Die Einigk e i t der Arbeiterschaft wurde zur dringenden Notwendigkeit. In Frankreich und
vielen anderen demokratischen Staaten erkannten Liberale und Kommunisten die Notwendigkeit, gemeinsam gegen die wachsende Gefahr des Faschismus Front zu machen»
So nahm die CGT im September I935 die Kommunisten wieder in ihre Reihen auf
unter der Bedingung, dass sie sich den Anordnungen der CGT fuegten» Auf der Konvention von Toulouse im Maerz I936 e r h i e l t e n s i e zwei von den 8 S i t z e n im Exekut i v r a t dieser nationalen Koerperschaft» Einer ihrer beiden Mitglieder war
Benoit Frachon, der heutige Seknetaer der kommunistischen CGT»
Bluetezeit.
Das folgende Jahr brachte den franzoesisehen Arbeitern die Belohnung. Die
faschistischen Bestrebungen wurden unterdrueckt, und an ihre S t e l l e t r a t die
langerwartete Volksfront-Regierung unter der Fuehrung des Sozialisten Leon Blum.
Dieser Zeitabschnitt war der Himmel auf Erden fuer die Arbeiter Frankreichs»
Die s e i t langem e r s t r e b t e n Reformen - f r e i e Tarifverhandlungen, soziale S i c h e r h e i t , Krankheitsgelder - wurden endlich durchgefuehrt• Fast ueber Nacht wuchs
die Mitgliederzahl der CGT von eineinhalb auf sechs Millionen an. Die langersehnte Vereinigung der l i b e r a l e n Elemente im Interesse des kleinen Mannes schien
zu guter Letzt in dem Kampf gegen den Faschismus zur Wirklichkeit geworden zu s e i n .
Der zweite Weltkrieg.
Da kam der Pakt Russlands mit Hitler und fuehrte einen vernichtenden Schlag
gegen diese E i n h e i t . Die franzoesisehen Kommunisten, v o e l l i g unvorbereitet,
stutzten» Einige t r a t e n voll Ueberdruss aus der P a r t e i a u s . Die anderen schlössen jedoch die Augen und wandelten tastend auf dem a l t e n Wege w e i t e r .
Von dem Augenblick a n , a l s der Pakt im Jahre I939 unterzeichnet wurde, b i s
zu seiner Rueckkehr aus deutscher Gefangenschaft, ungefaehr 8 Jahre spaeter, sah
Jouhaux niemals Benoit Frachon, Die Kommunisten verschwanden i -&gt;n der Oberflaeche.
Ma^ d r o h t e , diejenigen, die s i c h offen zum Verrat Moskaus beto .mten, einzusperren,
und so begnuegten sich die Kommunisten damit, Gruppen von Kb"..aboratoren i n verborgenen Zusammenkuenften aufzuhetzen. Waehrend des schweren Janres 1940 beschwatzten sie die franzoesi sehen A r b e i t e r , um sie dem faschistischen Joch gefuegig zu
machen. Ihre Untergrundzeitung, "La Vie Ouvriere" war weitverbreitet und v i e l gelesen. Wie anders war die Melodie, die ein paar Monate spaeter gesungen werden
s o l l t e 1 Inzwischen h a t t e der Chef der Kollaboratoren, Marshall P o t a i n , die CGT
auf deutschen Befehl hin aufgeloest. Die f r e i e Gewerkschaftsbewegung ganz Frankr e i c h s war damit gezwungen, zur Untergrundbewegung zu werden»

-10-r

�Tag und Nacht bei der Arbeit, organisierten Jouhaux und diejenigen, die
ihm Beistand l e i s t e t e n , von Anfang an den Widerstand. I n Juni I94I brach H i t l e r
in Russland s i n , aber e r s t ein Jahr spaeter hoerten die im Kampfe stehenden Gewerkschafter wieder von den Kommuni s t e n . Aber natuerlich noch nicht von Frachon,
Er war sorgf a e l t i g verborgen, aber ein Bote ueberbrachte die Aufforderung zur
•Einheit gegen den Faschismus». Vorhaben, d i e dem Wohle der Allgemeinheit dienen
konnten, wurden durchgefuehrt, aber inzwischen hatte Jouhaux b e r e i t s den offenen
Widerstand gegen die Deportation franzoesischer Arbeiter nach deutschen Arbeitslagern o r g a n i s i e r t . Seinen Bemuehungen i s t es zu verdanken, dass Geld erhoben
wurde, um sie verstecken und fuer ihre Familien sorgen zu koennen. Das Ergebnis
war, dass Leon Jouhaux nach wiederholten Verhaftungen mit etwa 15«000 demokratischen Fuehrern der CGT im Jahre 1943 nach Deutschland d e p o r t i e r t v/urde. Die
Kommunisten blieben zum groessten T e i l im Land, um einen Untergundkrieg zu kaempfen - und um im r i c h t i g e n Moment b e r e i t zu sein, - zu uebernehmen , #
Leon Jouhaux kaempft weiter.
Die Nachkriegsversuche, die Einigkeit der Arbeiterschaft t r o t z der kommunistischen Machenschaften zustandezubringen, i s t ein Kapitel in der Gejachichte der
CGT. auf das Leon Jouhaux stolz i s t . Nachdem er jede Moeglichkeit erschoepf t
h a t t e , ojine vor der kommunistischen P a r t e i kapitulieren zu muessen, fing er im
Alter von 70 Jahren a l s Fuehrer der Force Ouvriere von vorne a n , e r , der ein
Leben Land gearbeitet h a t . Diese Organisation i s t noch k l e i n , aber sie waechst»
Und der Griff der kommunistischen Klauen um die o r g a n i s i e r t e franzoesische Arbeiterschaft beginnt sich zu loesen.
Dank i h r e r Staerke s p i e l t die Force Ouvriere b e r e i t s eine i n t e r n a t i o n a l e
R o l l e . Leon Jouhaux iot Mitglied des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses des
Marshall Planes. Dieses Komitee wurde I948 i n London gegruendet und i s t der Organisation fuer Europaeische Wirtschaftliche Zusammenarbeit angeschlossen, der
Kberperschaf t , die den Vermittler der Maraballl-Plan-Laender im Europaeisehen
Wiederaufbau Programm d a r s t e l l t . Ausserdem findet Jouhaux noch Z e i t , a l s P r a e s i dent des Nationalen Wirtschaftsrates zu fungieren, eine Organisation, die sich
aus V e r t r e t e r n von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammensetzt und nach dem
Kriege gegruendet wurde, um die franzoesische Regierung i n f a s t a l l e n Angelegenh e i t e n , die d i e nationale Wirtschaft b e t r e f f e n , zu beraten.
Heute i s t der Marshall Plan zur Wirklichkeit geworden, und, - was die Kommunisten befuerchteten, - Frankreich macht staendig F o r t s c h r i t t e im Wiederaufbau. Der fxanzoesische Arbeiter hat b i s j e t z t jedoch nur gsnig Nutzen aus dieser
Entwicklung gezogen. Ein Land kann nicht ueber Nacht aus wirtschaftlichem Ruin
wiederaufgerichtet werden.
Waehrend Frankreich klugerweise versucht, den Wert der Rohstoffe anzuerkennen, die ihm von dem Marshall Plan g e l i e f e r t werden, und die es b e n o e t i g t , um
seine Industrien ueber Winter in Gang halten zu koennen, weiss der franzoesische
Arbeiter nur', dass d i e Dinge zwar nicht ganz so schlecht wie im l e t z t e n Jahre
l i e g e n , e r aber trotzdem immer noch a r b e i t e n , und sogar noch schwerer a r b e i t e n
muss. V i e l l e i c h t wird er etwas Kohle fuer diesen Winter kaufen.koennen, seine
lj.0 Dollar pro Monat muessen jedoch stark gestreckt werden, um seine Familie e r naehren, bekleiden und sichern zu koennen. Was man auch a l l e s vom Marshall
Plan erzaeh2.en mag, der Arbeiter weiss nur, dass ihm niemand etwas gibt—dass
er fuer jeden Franc arbeiten muss. Die Tatsache, dass das Material, mit dem
er a r b e i t e t , nur mit Geldern des Marshall Plan3 in seine Haende gelangt, i s t
fuer ihn nicht l e i c h t zu verstehen. Und doch I s t die Versorgung mit diesen
Materialien,, die auf eine andere Art nicht beschafft werden koennen, heute die
Lebensader des.wirtschaftliehen Lebens Frankreichs.
«

Es i s t nicht l e i c h t , dem franzoesisehen Arbeiter seine S i t u a t i o n zu erklaer e n , besonders deshalb, weil die Kommunisten 3 Zeitungen haben und die Force
- 11 -

�Ouvriere nur einej ausserdem verfuegen sie ueber einen grossen Verwaltungsapparat
und genuegend Geldmittel, um eine grosse Zahl vollbeschaeftigter Organisatoren bezahlen zu koennen. Die Wahrheit wird sich jedoch zur Oberflaeche durchringen,
weil Jouhaux und die Force Ouvriere weiterkaempfen*
ECA Labor Information
H.I2.I949
AFL WARNT VOF W&amp;Mi

BPttTAERONGEN.

William Green, der Praesident der AFL, gab in. Washington folgende Erklaerung
abj "Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL unterstuetzt den Marshall Plan mit
a l l e n Mitteln und t u t a l l e s , was zum erfolgreichen Gelingen dieses Planes getan
werden kann und muss«
•Wenn eine Wiederbelebung des Handels innerhalb eines vereinigten Europas
zur Foerderung des Marshall Planes notwendig i s t , dann i s t d i e AFL b e r e i t , a l l e s
zu tun, was i n ihren Eraeften s t e h t , um diesem Vorhaben* zum Erfolg zu verhelfen.
Ein Aufleben des Handels i n einem vereinigten Europa haengt von vielen Dingen a b .
Mit Verstaendnis und Planung muss diese Aufgabe in Angriff genommen werden« Es
i s t nicht gesagt, dass sich ein Programm i n ungerechter Weise zum Nachteil irgendeiner Schicht der amerikanischen oder europaeischen Bevoelkerung auswirken muss.
"Und wenn eine Organisation das Recht h a t , die R i c h t l i n i e n , die die AFL befolgte auszuarbeiten und zu g e s t a l t e n , dann i s t es die AFL selbst und keine andere
Organisation« Ich hoffe, dass sich die Arbeiterschaft Europas nicht durch Verlautbarungen oder Entschliessungen verwirren l a e s s t , die von irgendeiner anderen
Organisation stammen koennten und Plaene, Richtlinien und Ziele der AFL betreffen.
••Der Amerikanische Gewerkschaftsbund i s t der festen Ueberzeugung, dass Handelsbeziehungen zwischen den U.S.A. und anderen Laendem auf einer gesunden,
freundschaftlichen und gut fundierten Grundlage basieren muessen. Dieses Ziel
kann dadurch e r r e i c h t werden, dass man sich eingehend mit den bereitstehenden
Handelsbeziehungen der verschiedenen Nationen der Welt b e f a s s t , die durch offene
Aussprache und sorgfaeltige Forschung und Untersuchungen zu stände gekommen s i n d .
Telegramm des US Aussenministeriums
vom 9 • Januar 195 0
- 12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757 •

OFFICIAL

U1CO0 0-OOTb i. J i &gt; SO

�Internationale

ARIBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel steilen Auszöge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteüungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

H-47

Frankfurt, 27. Januar I950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Deutsche Gewerkschaftlcr t r i e b e n Amerika - - - - 1
Europa im 2 . Marshallplanjahr - - - - - - - - 2
Kommunistisch« Rechenmanoever - - - - - - - - 3
Hollaendische Gewerkschafter besuchen die Vereinig- .
ten Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - - k
Die Verwendung des Reservefonds von 150 W i l l . D o l l a r 5
Das Frauenbutro ces Arbeitsministeriums der Vereini g t e n Staaten von Nordamerika
Proäuktionssteigerung i n Europa- - - —
- - 7
Der Generalsekretaer der QewerkBChaftsinternationa l e i J. H. Oldenbroek
8
Hoffman« "Fuer hoeheren Lebensstandard» - - - - 10
U.S. Gewerkschaft prophezeit dem neuen Weltgewerkschaftsbund eine grosse Zukunft - - - - - - - - 11

DEUTSCHE GEWERKSCHAFTLER ERLEBEN AMERIKA
New York — (Amerika D i e n s t ) — Eine Gruppe deutscher Gewerkschaftler
w e i l t e unlaengst zu Studienzwecken i n den U.S.A. und hatte Gelegenheit, den i n zwisch n abgeschlossenen S t r e i k i n der amerikanischen S t a h l i n d u s t r i e mitzuerleben.
Die Gewerkschaftler hatten die M ö g l i c h k e i t , i n einem der g r o e s s t e n S t a h l b e t r i e b e
bei Pittsbui'gh f e s t z u s t e l l e n , wie die amerikanischen Arbeiter zu dem S t r e i k standen.
Einige von ihnen wohnten bei Arbeiterfamilien und konnten s o die inneren Zusammenhaenge des S t r e i k s kennenlernen. S i e a l l e waren s i c h darin e i n i g , anzuerkennen,
dass der amerikanische Arbeiter g e w i l l t war, durchzuhalten, b i s die durch die
Gewerkschaften a u f g e s t e l l t e n Forderungen, die s i c h vornehmlich mit der Frage der
Pensionen b « f a s s t e n , aurchgekaempft raren.
Frau Margarete Kaempel aus Karlsruhr e r k l a e r t e , dass ihr besonders die S t e l l u n g
der Frauen imponiert habe, die den Kampf der Maenner u n t e r s t u e t z t e n , ja sogar b e r e i t
waren, s e l b s t e i n z u g r e i f e n , und wenn n o e t i g , S t r e i k p o s t e n zu s t e h e n .
Der Be-.sirkslf i t e r fuer Chemie, Papier, Keramik i n Wuerttemberg-Baoen, iirnst
Schwarz, b e r i c h t e t e , dass er vor v i e l e n Geschaeften 3 t r - i k p o s t e n mit S c h i l c e r n g e sehen habe, und u n t e r s t r i c h , riass gerade Frauen mit lauter Stimme die Parole des
S t r e i k s a u s ^ r u f e n haben.
- 1 -

�Der S t r e i k , der darum g i n g , die arbeitenden Menschen im A l t e r oder bei l n v a l i d i t a e t zu versorgen, wurde zu einer Zeit abgeschlossen, a l s die deutschen Gewerkschaft
l e r nooh im Lande w e i l t e n , und es e r f u e l l t e die Besucher mit grosser Freud«, dass die
S t a h l i n d u s t r i e die Forderungen der amerikanischen Gewerkschaften ohne Einschraenkun.3
e r f u e l l t e . Aus Unterredungen und aus den Mitteilungen der presse erfuhren d i e deutsch
Gaeste E i n z e l h e i t e n ueber d i e s e Forderungen der Gewerkschaften und e r h i e l t e n davon
Kenntnis, dass j e t z t d i e Mindestpension e i n e s S t a h l a r b e i t e r s insgesamt 100 Dollar
monatlich b e t r a e g t , die s i c h aus s t a a t l i c h e n und privaten Mitteln zusammensetzen.
Eine Gewerkschaftsfuehrerin sprach dann darueber, dass i n Amerika die Frau eine
ganz andere Anerkennung f i n d e t a l s i n Deutschland. »Die Frau i n Deutschland rauss
bedeutend mehr l e i s t e n a l s e i n Mann, ehe s i e die g l e i c h e S t e l l u n g bekleiden kann. In
Amerika l a e s s t der Mann die Frau v i e l eher mitkommen . . . » Die Sprecherin b e r i c h t e t e
von einem CIO-Kongress, auf dem verhaeltnlsmaessig v i e l e Frauen a l s D e l e g i e r t e zu
finden waren, obgleich ihrer Meinung nach amerikanische Frauen i n den Gewerkschaften
a l s Funktionaare prozentual nicht zahlreicher v e r t r e t e n s e i e n a l s i n Deutschland.
S i e glaubte den Hauptgrund darin zu finden, dass die Erziehung der Frauen von Kind
auf schon wesentlich anders i s t a l s i n Deutschland.

EUROPA IM 2 . MARSHALLPLANJAHR
Westdeutschland auf den 3 . P l a t z der ECA-Bewilliguna;sliste gerueckt
• Washington — (Amerika D i e n s t ) — Die von den westreuropaeischen Laendern waehrend
des Jahres 1949 i n Anspruch genommenen Marshallplangelder v e r t e i l e n s i c h , wie aus
einem von der Verwaltung fuer w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit (ECA) v e r ö f f e n t l i c h t e n
B e r i c h t , der mit dem 20* Dezember d i e s e s Jahres a b s c h l i e s s t , hervorgeht, f a s t g l e i c h maessig auf i n d u s t r i e l l e Gueter sowie auf Lebensmittel und l a n d w i r t s c h a f t l i c h e Erzeugnisse.
I n d u s t r i e l l e Gueter

1.1.49 b i s 20.12.1949
1 810 072 000 Dollar

3*4« b i s 31.12.1946
1 908 000 000 Dollar

Lebensmittel und landwirts c h a f t l i c h e Erzeugnisse

1 767 233 000 Dollar

1 799 000 000 Dollar

Schiffstransporte

278 962 000 Dollar
337 800 000 Dollar

Technisch« Hilf«

10 9ß2 000 Dollar
Summe 1

3 867 249 000 Dollar

4 044 800 000 Dollar

In der Hoehe der z u g e t e i l t e n Dollarbetraege war 1949 •*&amp; d e u t l i c h e r Rueckgang
gegenueber dem Jahre 1948 f e s t z u s t e l l e n , i n dem die Zuwendungen s i c h auf «inen Z e i t raum von nur 9 Monaten, vom Beginn des llilfsProgramms im April 1948 bis zum 3 1 . Dezember, v e r t e i l t e n . Diese Massnahme beleuchtet e i n grundlegendes P r i n z i p der
Marshallplanhilfe, d i e Zuteilung von Geldern an die europaeischen S t a a t e n mit der
fortschreitenden Erholung ihrer Wirtschaft immer mehr herabzusetzen.
Grossbritannien, Frankreich, die Trizon* und I t a l i e n e r h i e l t e n 1949 d i « groessten
Zuweisungen aus Marshallplanmitteln, waehrend die Trizone I94Ö i n der Reihenfolge an
4« S t e l l e hinter I t a l i e n r a n g i e r t e . In den erstem 11 Monaten d i e s e s Jahres standen
bei den Zuteilungen von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen an e r s t e r
Stellei
Baumwolle mit
490»9 Millionen Dollar und
Brotgetreide mit
398,7 Millionen D o l l a r , waehrend
Maschinen und Maschinenteile oft 397t7 Millionen Dollar und
Erdoel u.Erdoelkraftstoffe mit 382,8 Millionen Dollar
die L i s t e der i n d u s t r i e l l e n Gueter anfuehrten.
- 2 -

�Die groessten Zuteilungen zum Einkauf von Baumwolle erhielten Grossbritannien
mit 146,3 Millionen Dollar und Frankreich mit 117,4 Millionen Dollar, waehrend die
Hselfte des freigegebenen Brotgetreides im Werte von 196,4 Millionen Dollar von
Orossbritannien eingefuehrt wurde. Der Wert der Zuteilungen an Maschinen und Maschinenteilen betrug in Prankreich 117.3 Millionen Dollar, in Italien 57.4 Millionen
Dollar, in Holland 44*6 Millionen Dollar und in Belgien und Luxemburg 42,4 Millionen
Dollar. Orossbritannien erhielt Erdoel und Erdoelerzeugnisse im Werte von 122,7
Millionen Dollar und Frankreich im Werte von 102,5 Millionen Dollar.
Nachstehende Tabelle bringt eine Zusammenstellung der Zuweisungen, die die
einzelnen Staaten aus Mitteln des Mershallplanes erhielten.

Grossbritannien
Frankreich
Deutschland, Trizone
Italien
Holland
Belgien und Luxemburg
Oesterreich
Griechenland
Norwegen
Daenemark
Schweden
Tuerkei
Irland
Triest
Island

1.1.
1 112
733
402
352
330
294
152
119
87
77
64
61
' 59
13
5

1242

bis
182
556
094
463
061
588
218
450
915
883
539
976
420
111
463

20.12.1949
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar

3.4.
1 093
951
400
494
371
138
212
145
66
91
10
1
51
9
5

bis
400
000
200
200
700
900
500
700
000
100
000
700
600
500
400

1948
31.12.1948
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar

KOMMUNISTISCHE RECHENMANOEVER

Einer Nielsen, Tizepraesident des Daenischen Gewerkschaftsbundes, brandmarkte
in einem Artikel, der am 27« Dezember 1949 i m "Social-Demokraten" erschienen war,
die kommunistische Methode, falsche statistische Angaben ueber Arbeitslosigkeit
und andere wirtschaftliche Faktoren zu veröffentlichen, um das wirksame Zusammenarbeiten bei den Tagungen der Vereinten Nationen zu verzoegern und zu sabotieren.
Nielsen kehrt* kuerzlich von einer Sitzung der Vereinten Nationen in New York
zurueck. wo ex als daenischer Delegierter in Ausschuessen taetig war, die sich mit
sozialen und wirtschaftlichen Problemen befassen.
Nielsen berichtete, wie daenische Kommunisten statistische Angaben geliefert
hatten, die von sowjethoerigen Delegierten als Basis benutzt wurden, von der aus
sie ihre Angriffe gegen die demokratischen Entwicklungen des Westens richteten.
Die ukrainische Abordnung zum Beispiel versuchte, den Marshall Plan als
Ursache weitverbreiteter Arbeitslosigkeit hinzustellen und erklaerte, dass von
April 1948 bis Maerz 1949 die Erwerbslosenziffer um 90% angestiegen sei.
Nielsen nimmt hierzu folgendermessen Stellung! "Diese Behauptung ist ebenso
richtig, wie es richtig ist zu sagen, dass ein kleines Kind, das seinen zweiten Zahn
bekennen hat) die Zahl seiner Zaehne um 100% vermehrt hat. Is waere jedoch richtiger gewesen, wenn der Vertreter der Ukraine seinen Zuhoerern mitgeteilt haette,
dass der Hundertsatz der Arbeitslosen im April 1948 2,6 und im Maerz 1949 4*7 betrug.
Seine Darstellung haette besser der Wirklichkeit entsprochen, wenn er ausserdem zugegeben haette, dass im Monat April der Vorkriegs jähre von I930 bis 1940 der Prozentsatz an Erwerbslosen niemals unter 10. sondern vielmehr des oefteren nahe bei 20
gelegen hatte. Aber das waere natuerlich keine alarmierende Nachricht gewesen."
Nielsen hebt in seinen Berichten ueber den kommunistisch beherrschten Welt«
gewerkschaftebund und seine Versuche, die Arbeit der Vereinten Nationen zu beeinflussen, hervor, dass dieser von den Wortfuehrern der kommunistischen Partei in den
verschiedenen Laendern und nicht von den Gewerkschaftsbewegungen informiert wird.

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�In einem Falle in Daenemark, sagte er, haette es sich herausgestellt, dass die
Angaben einer kleinen kommunistischen Veroeffentlichung, "Ugens Ekko", vom
18. Februar 1949* entstamnten. Diese Veroeffentlichung, die als Organ der Konmunistisehen Partei fuer die daenische Insel Sjaelland diente, bestehe seit einiger
Zeit nicht mehr, fuegte Nielsen hinzu*
"Wenn sich die Sowjets mehr an die Tatsachen hielten und dementsprechend
handelten, koennten wir groessere Erfolge erzielen. Unter den jetzigen Verhaeltnissen muessen wir ataendig gegen Anschuldigungen auf der Hut sein. ... Es ist
natuerlich, dass unter solchen Umstaenden, in denen wir staendig TOT falsche Beschuldigungen gestellt werden, unsere Arbeit in den Vereinten Nationen mehr Zeit
in Anspruch nehmen nuss. Sitzungen dehnen sich oft unendlich lange aus, und es
gibt mehr solcher Versammlungen, als noetig waere. Xs ist aber ebenso wahr, dass
wir trotz alledem Erfolge in unserer Arbeit verzeichnen koennen."
EGA Labor Information
4« Januar 1&amp;0

H0LLAENDI3CHE GEWERKSCHAFTER BB3UCHEN DIE VEREINIGT™ • &lt; W ' W 7 '
Dreizehn hollaendische Gewerkschafter sprachen sich kuerzlich in New York
mit Begeisterung fuer eine europaeische Wirtschaftseinheit aus, nachdem sie einen
Monat lang amerikanische Produktivitaetsmethoden und Arbeitnehmer-Arbeitgeber
Beziehungen studiert hatten.
Mit der Erklaerung, dass diese Einheit "fuer die Wohlfahrt Westeuropas Ton
wesentlicher Bedeutung sei, fuegten die daenischen Gewerkschafter hinzu, dass ihr
eigener Erfolg in der Zusammenfassung der Wirtschaften der Beneluz«&lt;3taaten "ein
Beweis fuer den hohen Grad an Zusammenarbeit sei, den die europaeisohen Nationen
erreichen koennten."
Zahlreiche Laender luropaa "muessen Zoll- und andere Handelsschranken einschraenken oder beseitigen, um einen freieren Warenaustausch unter den einzelnen
Laendern zu ermoeglichen," sagte J.J. DeWit, Praesident der Katholischen Gewerkschaft der Bueroangestellten. Er betonte, dass die Marsha11-Plan-Laender ihre
Wirtschaften vereinigen mueasten, weil "unsere Inlandmaerkte, getrennt voneinander.
zu klein sind."
Roelf Hagoort Utrecht, Generalsekretaer der Christlichen Nationalgewerkschaft,
gab zu, dasa diese Aufgabe schwierig ist, dass aber "... unbedingt ein Weg gefunden
werden muss, durch Beseitigung dieser Hindernisse einen einzigen Absatzmarkt fuer
ganz Europa zu schaffen.•
Ein anderer Sprecher, Jan J.A. Berger, Sekretaer in der Nationalen Hollaendisohex
Gewerkschaft, brachte zum Ausdruck, dass eine Massenproduktion in amerikanischem
Sinne in Holland unmoeglich sei, "solange die Händelsbeschraenkungen unter den Laendern Europas nicht eingeachraenkt oder aufgehoben werden.* Auch Dirk W. Qrmel, von
der Christlichen Nationalen Gewerkschaft in Amsterdam, erklaerte, dass die europaeisohen Maerkte erweitert werden mueasten.

Die dreizehn holla endischen Gewerkschaftsfuehrer, die Vertreter der Transport-,
Teitil-, Nahrungsmittel- und Bauarbeiter sind, trafen bei ihrem Besuch der Hauptindustriegebiete der Vereinigten Staaten mit Gewerkschaftsführern dea CIO in Detroit
zusammen. Sie waren Mitglieder eines Team, die die Vereinigten Staaten im Rahmen des
ECA-Progranms zur Technischen Unterstuetzung bereiste. Ein Mitglied der Gruppe
fuehrte aus, dass der Lebensstandard Hollands "dank der Marshall Plan Hilfe gehalten
werden konnte,
und wir hoffen, im Jahre 1952 auf unseren eigenen Fuessen stehen
su koennen." "Aber," fuegte er hinzu, »oh»den Marshall Plan haetten wir unter grosse
wirtschaftlicher Unordnung zu leiden gehabt."
Infolge des wirtschaftlichen Fortachrittes in Holland haetten die Kommunisten
dort einen grossen Teil ihres Gefolges verloren, sagte ein Mitglied der Team. Ein

�anderer Gewerkschaftsführer erklaerte, dass die hollaendische Produktionsleistung
dank des Marshall Planes den Torkriegsstand um 3QC ueber troffen habe. "Die Konnnunist en koennen nur aus der Armut Nutzen ziehen. ... Deshalb bekaempfen sie den
Marshall Plan. ... Dessenungeachtet unterstuetzt weitaus der groesste Teil der
hollaendischen Arbeiter von ganzem Herzen das ECA Programm»"
Im Verlaufe ihrer Reise durch die amerikanischen Industriezentren kamen die
hollaendischen Gewerkschaftsfunktionaere auch nach dem grossen Stahlzentrum von
Pittsburgh, Pe., wo kurz zuvor Verhandlungen ueber neue Vertraege zwischen dem
Verband der Vereinigten Stahlarbeiter und den grossen Stahlfirmen stattgefunden
hatten, Sie 2* igten grosses Interesse fuer die Einzelheiten der Pensions- und
SozialTeraicherungsplaene, die den Arbeitern zugestanden wurden. Amerikanisch«
Gewerkschaftsfunktionaere berichteten, dass die gesamten Kosten fuer die Pensionen
ron den Firmen getragen werden und im SozialTersioherungs-Programm Krankenhausaufenthalt und Krankengelder fuer die halbe Million Stahlarbeiter und ihre Angehoerigen
Targesehen sind.
Das hollaendische Team verweilte lange bei den Arbeitern der AFL und des CIO
in den Tersohiedenen Werken, die sich nahe Pittsburgh ueber ein Gebiet Ton 100 Meilen
erstrecken, man unterhielt sich mit dem Praesidenten der Stahlarbeiter, Philipp
Murray, studierte Produktionsmethoden und besprach Organisation und Verhandlungsmethoden mit amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaeren, Bei einem Besuch der
"Tennessee Valley Authority" erfuhren die daenischen Gewerkschafter, dass starke
Gewerkschaften der AIL dort alle Arbeitsprobleme ohne Arbeitseinstellungen geloest
hatten, und dass die Betriebsleitung der TVA* obwohl sie in den Haendea der Regierung liegt, weder "TOH oben herab" noch wil neuerlich gehandhabt wird»
Die hollaendischen Gewerkschafter, die den Hollaendischen Oewerkschaftsbund und
zwei christliche O-ewerkschafteverbaende (alle nichtkommunistisch) vertreten, besuchten 35 Industrieunternehmen in den Vereinigten Staaten»
Jan Bergor erzaehlte TOT seiner Abreise in New York Berichterstattern, dass
sie hinsichtlich der Produktivitaet viel gelernt haetten, und dass "unsere Inspektionsreise sich gelohnt hat." H.C» Kaper, von der Bauarbeiter-Gewerkschaft, erklaerte
dass sich alle Mitglieder der hollaendlachen Gruppe nach ihrer Rueckkehr nach Holland
fuer die Wirtschaftliehe Vereinigung Europas einsetzen wuerden»

ECA Labor Information

DIE VERWENDUNI DBS RESERVEFONDS VON [150 MILLIONEN PfT.T|pT
Die Marshall Plan Verwaltung gab am 18» Oktober bekannt, dass sie in der
zweiten Haelfte des Haushalt Jahres 1949/1950 weitere Geldmittel zur Verfuegung
stellen werdej zugrundegelegt wird dieser Massnahme eine Studie ueber die gegen*
waertige Wirtschaftslage in den ERP-Laendern und ueber deren Erfolg in dem wirksamen
Gebrauch der Hilfe, um die Ziele des Wiederaufbau Programms erreichen zu koennen»
Zu gleicher Zeit wurde von der Marshall Plan Verwaltung angekuendjgt, dass ein Reservefonds von 150 Millionen Dollar bereitgestellt worden sei. Mit diesem Reservefonds
muessten drei Aufgaben geloest werdent
1» Die schnellstmoegliche Liberalisierung des intereuropaeisohen Handels
und Zahlungsverkehrs durch Garantien gegen unvorhergesehene, mit der Liberalisierung
verbundene Risiken zu foerdern.
2» Intereuropaeische Verbesserungsprojekte finanzieren zu helfen, die die
nationalen Grenzen unberueoksichtigt lassen und deshalb von den einzelnen Laendern
nicht uebernemnen werden«
3» Projekte zu finanzieren, durch die Gebiete in Uebersee, öle den Teilnehmerstaaten am Europaeischen Wiederaufbauprogramn gehoeren, entwickelt werden sollen«
Wie wir nun von der Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa
(OEEC) erfahren, werden 10 Millionen Dollar aus diesem Reservefonds fuer die Finanzierung eines dringenden, internationalen Elektrizitaetsprogranms aufgewendet werden,
in dem der Bau von Kraftwerken vorgesehen ist, die nicht in dem Lande liegen, das

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�ihr direkter Abnehmer ist. Es handelt sich hierbei um ein Notprogramm zur Errichtung von Waermekraftwerken, das in eineinhalb Jahren beendet sein soll«
Weitere 10 Millionen Dollar werden zur Foerderung der Entwicklung von Ueberseegebieten freigegeben.
Hinsichtlich der finanziellen Hilfe zur Liberalisierung des intereuropaeisohen
Handels beabsichtigt die Marshall Plan Verwaltung, die Bildung von Zollunionen anzuregen. In einer vor ein paar Tagen in Paris erschienenen Verlautbarung der ECA hiess
es, dass man regional Handeisgruppen wie Benelux und Fritalux zu unterstuetzen wuensche, aus denen sich unter Umstaenden Gebiete mit freiem Handelsverkehr entwickeln
koennten. Dies wird bestimmt auch fuer "Uniscan" zutreffen, deren Ziel der freie
Warenaustausch zwischen Grossbritannien und den skandinavischen Laendern ist. Die
ECA erklaerte sich dazu bereit, diese regionalen Handeisgruppen aus dem 150 Millionen
Dollar Fonds finanziell zu unterstuetzen. Sie wird jedoch nur dann den Gesuchen
um finanzielle Hilfe aus diesem Fonds stattgeben, wenn die betreffenden Nationen
positive Leistungen vollbringen, wie zum Beispiel niedrigere Zoelle oder beachtlichen
Fortschritt bei der Gestaltung eines freien Waren- und Zahlungsverkehrs.

DAS FRAUENBUERO DE3 ARBEITSMINIST ERIÜM5 DER VEREINIGTEN STAATEN VON NORDAMERIKA
Die ersten Anfaenge
Das Frauenbuero wurde 1920 durch ein Sondergesetz des Kongresses geschaffen
und seine Aufgaben wurden ebenfalls gesetzlich festgelegt. Es ist berechtigt,
Grundsaetze und Ausfuehrungsbestimmungen zu schaffen, die der Wohlfahrt der arbeitenden Frauen dienen, ihre Arbeitsbedingungen verbessern, ihre Arbeitsleistungen
steigern und entlohnte Arbeitsmoeglichkeiten erweitern* Das Buero untersucht alle
Probleme, die sich auf Frauenarbeit und auf Arbeitnehmerinnen beziehen und berichtet
darueber dem Arbeitsminister, Sein Programm ist jeweils den veraenderten oekonomischen Bedingungen angepasst* Seine Taetigkeit basiert auch auf der Tatsache, dass
die Situation der arbeitenden Frauen unloeslich mit der Wohlfahrt und mit der Weiterentwicklung der Nation verbunden ist, Das Buero arbeitet auf drei Hauptgebieten.
Statistische Erhebungen und Untersuchungen
Frauenarbeitsgesetzgebung und die Stellung der Frauen
im buergerliehen und politischen Leben
Besondere Aufgaben und Veröffentlichungen
Internationale Zusammenarbeit
(Die internationalen Aufgaben des Bueros sind ein Teil.des Programms der
Zusammenarbeit der Regierung der Vereinigten Staaten mit anderen Staaten).
Arbeitsbereich
Das Buero vertritt die Interessen aller arbeitenden und arbeitsuchenden Frauen
ungeachtet ihrer Rasse« ihres Glaubens oder ihres Ehestandes. Es beschaeftigt sich
mit Frauen in allen Arten von Arbeitszweigent Fabrikarbeit, Dienstleistungen, Hausarbeit« Landarbeit, Handel und Gewerbe und freie Berufe* Es beschaeftigt sich mit
den Maedchen, die von der Schulbank her gerade ihre erste Arbeit angenommen haben
und mit der aelteren Arbeiterin, sowie mit Frauen* die sowohl berufstaetig sind als
auch einen Haushalt zu besorgen haben«
TErhi hnnyn

Experten fuehren dauernd Nachforschungen und Erhebungen durch, um das Buero
in der Aufstellung von Qrundsaetzen und Programmen zu unterstuetzen* Einige Untersuchungen haben das besondere Ziel, Aufklaerungen ueber Angebot und Nachfrage von
Arbeiterinnen fuer bestimmte Berufe zu schaffen, andere betreffen Loehne und Arbeitsbedingungen in den einzelnen Industrien. Aufstellungen ueber Gesundheitsfragen im
Zusammenhang mit berufstaetigen Frauen, Berufsaenderungen, Methoden zur Festsetzung
von Loehnen, die finanzielle Verantwortung der Frauen fuer den Familienunterhalt und
ihre Teilnahme an der Gewerkschaftsarbeit werden ebenfalls züaaamengestellt. Die
Informationen auf denen sich Uebersichten und Berichte aufbauen, werden aus verschiedenen offiziellen Quellen zusammengetragen, von Arbeitsplaetzen wie Fabriken,

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�Bueros, Laeden,, Waeschereien usw. und durch Interviews mit berufstaetigen Frauen.
Eine andere wichtige Arbeit ist die Zusamraensteilung und Analyse statistischen
Materials ueber berufstaetige Frauen, das von Bundesbueros herausgegeben wird,
wie z.B. dem Buero fuer Arbeitsstatistik, dem Buero fuer Volkszaehlung, dem U.S.Arbeitsvermittlungsdienst und von den einzelnen staatlichen Arbeitsministerien»
Frauengesetzgebung und die Stellung der Frauen
im bürgerlichen und politischen Leben
Das Buero fuehrt nicht die Gesetze aus. Es nacht jedoch gruendliche Studien
'
bereits bestehander Gesetze und Ausfuehrungen und der Notwendigkeit, Gesetze zu
schaffen» die »owohl den Arbeitsstandard der Frauen als auch ihre zivile und politische Rechtsstellung haben sollen. Um bei der Verbreitung fortschrittlicher Arbeitsgesetze fuer Frauen mitzuhelfen und eine bessere Anwendung solcher Gesetze zu erreichen
verhandeln die Experten des Bueros mit verantwortlichen Vertretern der Arbeitsministerien« Gewerkschaften! Frauenorganisationen und Koerperschaften des Bundes. Das
Buero analysiert und empfiehlt bestehende und geplante Arbeitsgesetze und Verordnungen* die auf dLe erwerbstaetigen Frauen Bezug haben. Hauptfragen, ueber die das
Buero Material zusammenstellt und Anregungen gibt, sind Fragen der gleichen Bezahlung, der Mindftstloehne, der Arbeitszeit und der Gesetze, die sich auf die politische
und ziviIrecht11che Stellung der Frauen beziehen.
Besondere Aufgaben und Veröffentlichungen
Das Buero als die verantwortliche Regierungsstelle fuer das Studium, die
Gewaehrleistung und die Foerderung der Interessen der Frauen auf den verschiedensten
Gebieten der Beschaeftigung, schickt regelmaessig Informationen aller Art aus. Es
funktioniert als technischer Ratgeber fuer alle jene, die sich mit den Fragen der
wirtschaftlichen und rechtlichen Stellung der Frauen beschaeftigen, wie z.B. Behoerden, Gewerkschaften, Frauenorganisationen, Arbeitgeber und die Oeffentlichkeit im
allgemeinen. Internationale Organisationen wenden sich an das Buero um Rat in Angelegenheiten der Beschaeftigungstendenz und der rechtlichen Stellung der Frauen.
Das Buero sendet Material an die presse und an den Rundfunk. Seine veröffentlichten, Berichte ueber «eine Untersuchungen, Arbeitsgesetze fuer Frauen, Rechtsstellung
der Frauen usw. werden an die Interessentengruppen ausgeschickt.
Internationale Zusammenarbeit
Die internationale Abteilung des Frauenbueros arbeitet mit den Regierungsstellen der anderen Staaten, sowie mit allen Organisationen, die sich mit der
Besserung der Bedingungen fuer arbeitende Frauen beschaeftigen, zusammen. Diese
Arbeit wird durch einen Austausch von Informationen und Publikationen gefoerdert,
durch Schulungskurse fuer leitende weibliche Angestellte der Arbeitsministerien
und durch Hilfe und Unterstuetzung der Besucher, die von den verschiedenen Staaten
kommen.
(Ausgabe Juni 194&amp; mit einigen Aenderungen)
Fuer Auskuenfte ueber die Arbeit und die Veröffentlichungen des
Frauenbueros wenden Sie sich an das
Frauenbuero (Women's Bureau)
U. S. Department of Labor
Washington 25, D. C.

PRQDUKTIQNSSTEIGERUNG IN EUROPA
Die Marshall Plan Verwaltung gab heute in ihrer November Ausgabe der
•Recovery Guides" bekannt, dass, verglichen mit der entsprechenden Periode letzten
Jahres, die Marshall-Plan-Laende- im Sommer 1949 eine Steigerung der industriellen
Produktion um. IIA zu verzeichnen naetten.
•Westdeutschland und Griechenland zeigen besonders gute Ergebnisse im Vergleich
zu 19i|8 naemlich 40 bezw. 30*,« heisst es in dem Bericht. «In Daenemark erreichte
der monatliche Produktionsindex im September einen neuen Nachkriega-Hoechststand.
Der uebliche, saisonbedingte Abstieg trat, wie erwartet, in den Sommermonaten ein«

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�Die Wiederaufbautendenz hielt jecoh unvermindert an. Aus allen wichtigen Sektoren
des wirtschaftlichen Lebens wurden Erfolge gemeldet«•
Die Preise im Gross- und Einzelhandel haetten den ganzen September hindurch
nur geringe Schwankungen gezeigt« faehrt man in dem Bericht fort, und waehrend die
Exporte maessig zurückgingen, waere eine groessere Reduktion der Importe festzustellen, dem Ergebnis, dass die Teilnehmerstaaten ihre Handelsbilanz mit dem uebrigen
Teil der Welt haetten verbessern koennen.
Angesichts der Abwertung ihrer Waehrungen gegen Ende September ist den ERPLaendern nun die Moeglichkeit geboten, weitere Schritte zur Schaffung des Gleichgewichtes und des freien Warenaustausches im Welthandel zu unternehmen.
Dies« Massnahmen werden in ihrer Form erheblich untereinander -variieren, ihr
gleiches Siel nuss jedoch sein«
Erstens - Rohstoffquellen und Produktion nicht auf die inlaendischen Maerkte
zu beschraenken, sondern ihnen, die Maerkte im Ausland wieder zu erschliessen, sie
von den Gebieten mit unstabilen Waehrungen in diejenigen mit stabiler Waehrung zu
verlagern und
Zweitens - den Welthandel von Zollschranken, Beschraenkungen der Einfuhr, Kontrolle des Zahlungswechsels, der unterschiedlichen Behandlung bezueglich Preisfestsetzung und ungeeigneter Produktion zu befreien.
EGA Press Release
23. November 1949

DER GENHUISEKRETAER DER GEWERKSCHAFT INT IRNATIQNALBl J« H. OLDENBROEK.
Als der Internationale Bund Freier Gewerkschaften im Dezember seine Gruendungskonferenz in London beschloss, schienen alle Delegierten von einer Idee beseelt zu
sein« Sie hatten ein soziales und wirtschaftliches Programm vereinbartj ai« hatten
eine Verfassung entwarfen und viele interessante und bedeutsame Reden gehoert«
Aber, wie viele von ihnen sagten, "nicht schiene Worte, sondern vernuenftigea.
energisches Handeln werden dieser Organisation die Lebenskraft verleihen«*
Zur Durchfuehrung der EntSchliessungen dar Konferenz waehlten die Vertreter
von ueber 5° Millionen, in freien Gewerkschaften organisierten Arbeitern einen Exakut iv-Ausschuss, in dem alle Teile der Welt vertreten sind. Einstimmig fiel ihre
Wahl fuer einen Genaralsekretaer auf Jacobus H. Oldenbroek.
J. H. Oldenbroek wurde IÖ97 in Holland als Sohn eines Zigarrenmachera geboren.
Natuerlich war sein Vater ein guter Gewerkschafter. Mit 14 Jahren trat Oldenbroek
aus der Schule aus und hatte vier Jahre lang verschiedene Beschaeftigungen bei
Amsterdamer Handelsfirmen.

Oldenbroek schloss sich bald darauf der Niederlaendischen Gewerkschaft dar
Handels» und Buero-Angestellten an und stuerzte sich mit ganzem Herzen in die organisatorische Arbeit, durch die die Amsterdamer Zweigstelle zur groessten lokalen Gewerkschaft in jenen Tagen wurde. Er wurde ehrenamtlicher Organisationssekretaer
dieses Ortsverbandes und wirkte bei der Errichtung einer gewerkschaftseigenen HandelsAbendschule fuer Fortgeschrittene mit - eines der erfolgreichsten Unternehmen daa
Verbandes«

Inzwischen war Oldenbroek im Alter von lö Jahren Vorstandsmitglied des Niederlaendischen Gewerkschaftsbundes geworden. Der damalige Flnanzsekretaer war Edo Fimmes
Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges betraute-der Internationale Gewerkschaftsbuud
Fimmen mit der Stelle des Generalsekretaers und mit der schwierigen Aufgabe, das vom
Krieg zerstoerte Gebilde wiederaufzubauen. Er nahm Oldenbroek mit sich in sein neues

Amt«
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�Ton 1919 bis I923 war Flamen Sakrataar sowohl baim Internationalan Gewerkschaftsbund als auch dem Internationalen Transportarbeiter Verband (ITF). 1921 ernannte er
Oldenbroek zum Geschaeftsfuehrer des ITF, und Ton dieser Zeit an bis zu seiner Wahl
zum Generalsekretaer des neuen freien Weltgewerkschaftsbundes diente er dem Internationalen Transportarbeiter Verband.
In den 20er Jahren widmete sich Oldenbroek neben seiner Taetigkeit als Geschaeftsfuehrer auch eingehend den Problemen der Seeleute und wurde Sekretaer der SeeleuteAbteilung des ITF« 1938 wurde er zum stellvertretenden Generalsekretaer des ITF gewaehlt, und al£ Timmen 1942 starb, wurde er amtierender Generalsekretaer. auf dem
ersten Nachkriogskongress des ITF im Jahre 1946 brachten die Delegierten ihre Anerkennung gegenueber Oldenbroek und seiner Taetigkeit als ihr Fuehrer zum Ausdruck»
indem sie ihn »um Generalsekretaer mit eigener Exekutivgewalt waehlten.
In der gespannten Zeit zwischen Hitlers Machtergreifung und dem Ausbruch des
Krieges unternahm Oldenbroek haeufig heimliche Reisen nach Deutschland, um dan Kontakt
mit den dortigen Transportarbeitern aufrechtzuerhalten und ihre versteokten Organisationen zu unterstuetzen. Seine Freunde aus jenen gefaehrliehen Tagen, die den
Nazismus ueberlebten, sind haute prominente Fuehrer in den bedeutenden Transportarbeiter Gewerkschaften des Nachkriegsdeutschland.
Als die Nazis ihren Krieg begannen, verlegte der ITF sein Hauptquartier nach
London, und von dieser belagerten Stadt aus half er den Seeleuten der Gewerkschaft
bei ihrer Flucht vor den Deutschen, um sich der alliierten Kriegsmarine zur Verfuegung
stellen zu koe:inen. Oldenbroek selbst war Berater der alliierten Regierungen bei dar
Loesung ihrer iseemaennisehen Probleme, und man brachte ihm grosses Vertrauen entgegen.
In Anerkennung seiner Verdienste, wurde ihm die Koenigliche Freiheitsmedaille von
Koenig Georg dem Sechsten von England verliehen.
Waehrend der Kriegs Jahre wurde Oldenbroek ausserdem als Delegierter dar hollaendischen Arbeiterschaft zu den Internationalen Arbeitskonferenzen entsandt und in dan
Exekutivrat dar Internationalen Arbeitsorganisation gewaehlt. 1945 gehoerte er au
den Delegierten dar Internationalan Arbeitsorganisationen, als auf einer Tagung inSan
Franzisko die Vereinten Nationen gegruendet wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die meisten demokratischen Gewerkschafter gehofft, mit den Russen in einem Weltgewerkschaftsbund zusammenarbeiten zu koennen.
Ein schlagender Beweis fuer die Redlichkeit der Russen und ihrer Verbuendeten im
Weltgewerkschaftsbund wurde jedoch gegeben, als die Frage der Beziehungen des Weltgewerkschaftsbundes zu den internationalen Berufssekretariaten aufgeworfen wurde zum TTF und anderen Organisationen, in denen Arbeiter nach ihrer Industriezugehoerigkeit ueber die nationalen Grenzen hinaus zusammengeschlossen sind. Oldenbroek war
wie viele andere Fuehrer dieser Sekretariate bereit, mit dem Weltgewerkschaftsbund
zusammenzuarbeiten, bestand jedoch darauf, dass ihren Organisationen die erforderliche
Selbststaendigkeit innerhalb der internationalen Gewerkschaftsbewegung gewaehrt bleibegerade so, wie jade Gewerkschaft auf ihre Rechte innerhalb des nationalen Verbandes,
zu dem sie gehoert, besteht.
Bald wurde jedoch klar, dass die Kommunisten nicht die Absicht hatten« die
Rechte dar einzelnen Fachgruppen zu respektieren. Oldenbroek ging deshalb daran,
dan ITF zu staerken, seine Dienstleistungen fuer die Gewerkschaften der Seeleute,
Eisenbahn- und anderer Transportarbeiter zu verbessern, und den kommunistischen
Versuchen entgegenzuwirken, die darauf zielten, internationale, politische Streiks
der Transportarbeiter heraufzubeschwoeren.
Dar endgueltiga Bruch zwischen der demokratischen Gewerkschaftsbewegung und dan
von dan Russen beherrschten Gewerkschaften kam 1947 und 1948. Die Kommunisten gaben
ihre Absicht zu erkennen, den Weltgewerkschaftsbund als ein Mittel zur Sabotage das
fuer dan europaeischen Wiederaufbau bestimmten Marshall Planes zu benutzen. Dia
demokratische.!, europaeischen und amerikanischen Gewerkschaften im Weltgewerkschaftsbund schlössen sich mit ehrlich gesinnten Gewerkschaften zusammen, die niemals zum
Weltgewerkschaftsbund gehoert hatten, um das Gewerkschaftliche Beratungskomitee im
Europaeischen Wiederaufbau Programm zu bilden. Dann begannen sie, mit Gewerkschaften
aus anderen Teilen der Welt in Verbindng zu treten und legten damit den Grundstock
fuer den Internationalen Weltbund Freier Gewerkschaften,

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�In dieser schweren Zeit erfuellten die internationalen Berufssekretariate
unter der Fuehrung von Leuten wie Oldenbroek nicht nur ihre eigenen fachlichen
Funktionen, sondern sie setzten sich auch fuer den Fortbestand der gesamten demokratischen« internationalen Gewerkschaftsbewegung ein. Die Fuehrer der gewerkschaftlichen Zentren fanden eine staendig zunehmende, allgemeine Anerkennung fuer ihre
Leistungen«
Es war deshalb ganz natuerlich, dass bei der Qruendung des. neuen Internationalen
Weltbundes Freier Gewerkschaften im Dezember vorigen Jahres die Wortfuehrer der
Arbeiter aus mehr als 50 verschiedenen Laendern J. H. Oldenbroek, den befaehigten
und erfahrenen Fuehrer des Internationalen Transportarbeiter Verbandes baten, das
Steuer der neuen Organisation in die Hand zu nehmen« Nicht nur seine Erfahrung im
ITF und in der hollaendischen Gewerkschaftsbewegung sprachen fuer ihn, sondern auch
die Tatsache, dass er die europaeisohen Sprachen beherrscht und mit Gewerksehaftsfuehrern und Staatsmaennern aus der ganzen Welt persoenlich befreundet ist. Seine
entschieden ablehnende Haltung dem Totalitarismus gegenueber, ob in faschistischer
oder kommunistischer Form und die Hingabe, die er den demokratischen, gewerkschaftlichen Prinzipien entgegenbringt, geben die Gara-tie, dass der neue Weltgewerkschaftsbund nicht zum politischen Fussball wird. Seine Vergangenheit laesst keinen Zweifel
darueber, dass der neue Weltbund Freier Gewerkschaften das Banner der freien Arbeiterschaft in die entferntesten Ecken der Erdkugel tragen wird, um bei der Organisierung der Arbeiter in den rueckstaendigen Gebieten mitzuhelfen, den bestehenden
Gewerkschaften die engere Zusammenarbeit zu erleichtern, und um den Lebensstandard
der arbeitenden Menschen der ganzen Welt zu verbessern*
ECA Labor Information
16, Januar 1950

HOFFMINt

«EUER HQEHEREN LEBENSSTANDARD.»

•Eine schnelle Hebung des europaeischen Lebensstandards ist heute das dringendsti
Problem der Märshall Plan Verwaltung," erklaerte der Administrator der EGA» Paul G.
Hoffman, in einem Jahresabschlussbericht ueber Marshall Plan Taetigkeiten.
Mit der Mahnung, »dass der europaeische Lebensstandard zu niedrig sei - zu
niedrig fuer die Ansprueche der Europaeer und den Frieden der Welt," erklaerte
Mr. Hoffman weiten "Solange der Lebensstandard nicht gehoben ist, wird es keine
politische Stabil!taet in Europa geben."
MP. Hoffman sagte, dass zur Hebung des Lebensstandards drei Dinge erforderlich
seien« 1) groessere Produktionsleistung pro Mann und pro Stunde} 2) Vereinigung
der Wirtschaften Europas zur Schaffung eines einzigen Verbrauchermarktes der europaeischen Industrie und Landwirtschaft und 3) gesteigerten Verkauf in den Dollargebieten.
Der ECA Administrator erklaerte, dass der Marshall Plan nun "an erster Stelle
der Tagesordnung stuende. ... Die Ernaehrungslage der Menschen ist im allgemeinen
besser geworden. Die Menschen in Europa schaffen und schaffen sogar schwer. Sie
haben Arbeit. ... Die Produktion in Westeuropa liegt 5PjS hoeher als zu Beginn des
Marshall Planes und 2Q5S ueber dem Vorkriegsstand,"
Im Gegensatz hierzu beschrieb Mr. Hoffman die Zustaende in Europa vor dem
Inkrafttreten der Marshall Plan Hilfe. Er fuehrte aus« "Die Ernaehrungslage war
in viele» Laendern aeusserst unzureichend. Die Produktion blieb aus. ... Es
herrschte Inflation in hoechstem Grad. ..."
Mr. Hoffman beschloss seine Rede Bit der Feststellung, dass "ein bluehendes,
gesichertes Europa und ein klug kooperierendes Amtrika unerlaessliehe Faktoren im
Aufbau des Friedens seien."
ECA Labor Information
16. Januar 1950
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�U.S. GEWERKSCHAFT PROPHEZEIT DEL' IvTUEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND EINE GROSSE ZUKUNFT
Welche Bedeutung hat der neue Internationale Weltbund Freier Gewerkschaften
fuer die Arbeiter Amerikas und der Welt?
Eine besonders bezeichnende Antwort auf diese Frage gab in dieser Woche der
Praeaident der amerikanischen Gewerkschaft der Eisenbahn-Bueroangestellten,
George H. Harrison, der zusammen mit anderen amerikanischen Gewerkschaftsführern
von der 14-taogigen Gruendungskonferenz des neuen Weltgewerkschaftsbundes in London
zurueckkehrte,,
•Ich denke, wir haben mit der Gruendung der neuen Organisation einen entscheidenden Schlag fuer dir-freie und demokratische GewerkschaftsOrganisation gefuehrt,"
erklaerte Harrison bei seinem Aufenthalt in New York einem Vertreter von •LABOR"
gegenueber.
»Der neu» Bund muss eine dynamische Kraft im Dienste der arbeitenden Bevoelkerung der ganzen Welt und ein Bollwerk gegen die weitere Ausdehnung des Kommunismus
oder eines anderen Totalitarismus darstellen. Eine solche Organisation kann fuer
die Arbeiter Amerikas und der anderen Laender von grossem Vorteil sein."
Harmonische Zusammenarbeit
Harrison war einer der beiden Praesidenten der Eisenbahn-Gewerkschaften, die
an den Londoner Besprechungen teilnahmen. Der andere yraesident war Charles J»
MacGowan von der Gewerkschaft der Kesselschmiede; letzterer kehrte nach seiner
Landung in Gotham direkt nach Kansas City, Kan., dem Sitz seines GewerkschaftsVorstandes zuruesk. Die amerikanische Delegation setzte sich aus acht weiteren
Gewerkschaftsfuchrern der AFL und zehn Fuehrern des CIO zusammen.
"Ungeachtet dessen, dass die Verhältnisse in den Laendern der einzelnen Teilnehmer ganz verschieden sein moegen, arbeiteten wir in London in ausgezeichneter Harmonie zusammen,• sagte Harrison. "Wir wurden uns eigentlich ueber jede Frage einig."
Die Hoffnungen der Kommunisten, dass die Konferenz durch Streitigkeiten gestoert
wuerde, wurden schnell zerstreut, erklaerte Harrison»
"Es war wirklich ein erhebender Anblick zu sehen, wie bei 260 Delegierten aus
53 Laendern der ganzen Welt ueber alle Fragen mit ganz geringfuegigen Ausnahmen
voellige Uebereinstimmung bestand. Ich denke, dass dies eine Tatsache von vielversprechender Bedeutung fuer die neue Organisation ist*
Transportwesen stark vertreten
•LABOR" hat bereits frueher von den wichtigsten in den Verhandlungen erörterten Problemen berichtet, von der Wahl des Vorstandes, der Wahl Bruessels als dessen
Sitz und von der Formulierung der Aufgaben des neuen Weltgewerkschaftsbundes.
"Besonders bezeichnend," sagte Harrison, "ist die Tatsache, dass wir die in
der Weltgeschichte groesste Organisation freier Gewerkschaften gebildet haben. Sie
stellt die Stimme von 50 Millionen arbeitenden Menschen dar, und wir sind der festen
Ueberzeugung, dass sie laufend anwachsen wird."
Die Fuetxer der Eisenbahner- und anderer Transportarbeiter Gewerkschaften
haetten in der Konferenz eine fuehrende Rolle gespielt, fuehrte Harrison aus. Mindestens 35 Delegierte waeren Gewerkschafter aus dem Transportwesen gewesen»
Es sei eine- der groessten Aufgaben des neuen Weltgewerkschaftsbundes, fuegte
Harrison hinzu, die freien, unabhaengigen Gewerkschaften in den Laendern aufbauen
zu helfen, in denen die Arbeiterbewegung augenblicklich schwach sei - wie zum Beispiel in Latcin-Amirrika, dem Fernen Osten und Afrika. Erfolge in dieser Hinsicht
wuerden mithelfen, der kommunistischen Ausdehnung einen Riegel vorzuschieben.
Erfolge der Labour Regierung
Wie sehen die Bedingungen in England unter der Labour Regierung aus? "Wir
hatten zwischen den einzelnen Sitzungen nicht viel Gelegenheit, uns selbst ueber
11 -

�di* dortig*n Verha*ltniss* zu informieren," gab Harrison zui' Antwort. "Aber i c h
kann sagen, dass «in* beachtlich* Verbesserung s e i t zwei Jahren, a l s i c h England
zum letztenmal besucht*, e i n g e t r e t e n i s t *
"Jeder hat A r b e i t . Di* Wohnungsnot i s t durch Wohnungsbau g e l i n d e r t worden«
Di* B e k l e i d u n g - und Erna*hrungslag* hab*n s i c h *twas g e b e s s e r t , und *s g i b t j * t z t
weiter* s o z i a l * Einrichtungen, wi* zum B e i s p i e l kostenlos* a e r z t l i c h e Versorgung,
Die Truemmer i n d*n ausgebombt*n B*zirk*n sind b e s e i t i g t worden, und die durch den
Kri*g v*rursacht*n Verwurstungen sind weniger e r k e n n t l i c h .
•Natuerlich l i * g t d*r Lebensstandard d*r Engla*nd*r unter d*m d*r
Amrikaner»
Die Loehne sind v i e l n i e d r i g e r . Di* Lebensweise i s t e i n f a c h e r ; aus d*m einfachen
Grund, w e i l England nicht ueber s o v i e l M i t t * l v*rfu*gt wi* wir i n Amerika."
Harrison b e r i c h t e t * , dass d i * D e l e g i e r t e n d i e i n England uebliche einfach*
Kost h a t t * n , obwohl s i e i n *in*m d*r « r s t e n Londoner Hotels l e b t e n - Suppe zum
Fruehstueck und Fisch od&lt;r auch manchmal Huhn zu den anderen Mahlzeiten. F l e i s c h
gab es f a s t ueberhaupt n i c h t j auch wurden kein* f r i s c h e n Eier s e r v i e r t .
In einer Beziehung wenigstens s t e l l t e Harrison eine Ä h n l i c h k e i t zwischen
England und den "Staaten" f e s t -"und zwar s c h e i n t die f r e s s e i n beiden La*ndern
g l e i c h reaktionaer zu s e i n . »
"Die meisten Zeitungen", sagte e r , "behaemmerten und beschmierten di* Labour
Regierung Tag fuer Tag, gerade s o wie die Handelspresse i n unserem Land auf der
Truman Regierung h*rumdrischt. S i * vollfu*hr*n sogar dass*lb* unsinnig* (3*schr*i
ueber den "Wohlfahrtsstaat". Ich bezweifle jedoch, dass s i c h jemand von e i n e r
d e r a r t i g e n Propaganda b e e i n f l u s s e n l a * s s t - i n England sowohl wi* hi*r b*i uns."
LABOR
24. D*z*mber 1949

- 12 -

Offic* of Labor Affairs
HICOG, APO 757

OFFICIAL

hlCOO 0-0i?o i, « r J a &lt;0 U ^1

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplar« können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
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H-48

Frankfurt, 3 . Februar 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
B r i t i s c h e r , franzoesischer oder deutscher Motor fuer e i n
i n t e r n a t i o n a l e s Automodell e i n e r amerikanischen F '»•ma - - l
Äuropaeische Wirtschaftseinheit und Zcllverbaende - - - - - 2
Erwerbslosenyersicherung und ihre Probleme i n den U.S.A»- - 3
Europas Vorstellungen Tom amerikanischen Jirbeiter beginnen
s i c h zu aendern - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 4
I n t e r n a t i o n a l e r Austausch - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Kranken- und Altersversicherung der amerikanischen Metallarbeiter - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 5
Ernest Schwartztrauberi Ohne Gewerkschaften keine
Demokratie - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 8
A n t e i l der amerikanischen Frau am Wirtschaftsleben - - - - 9
Beitrag von E.R.F.-Gegenwertfonds fuer Wohnungsbau i n Westeuropa
- - - _
- - _ • • _ - - - - - 1 0
Daenische Gewerkschaften weisen Kommunisten zurecht - - - - 11
U.S. Automobilarbeiter fuer Erschliessung unentwickelter
Gebiete - - - - - - - - - - - - - - _ - _ - - - . .
-12

BRITISCHIIR. FRANZOESISCHER ODER DEUTSCHER MOTOR FUER EIN INTERNATIONALES
AI7T0M0DEJX EINER AMERIK»NISCHEN FIRMA
B r i t i s c h e Motore, Getriebekaesten und Hinterachsen der Standard Motor
Company La Coventry werden wahrscheinlich verwendet werden fuer e i n neues
i n t e r n a t i o n a l e s Kleinwagenmodell, welches die Nash Corporation i n D e t r o i t
h o f f t , zum Preise von 1000 Dollar auf den Markt bringen zu koennen. Die
G e s e l l s c h a f t muss d i e Garantie e i n e s Jahresverkaufs von 100.000 Wagen, und
mehr a l s d i e Haelfte davon i n den Vereinigten S t a a t e n , haben, um d i e s e
Produktion i n Angriff zu nehmen. Es g i b t keinen amerikanischen Motor
passender Groesse, aber er kann i n England, oder auch i n Frankreich, I t a l i e n
und v i e l l e i c h t Deutschland angekauft werden« Die Standard Motor Company
s i e h t d i e M ö g l i c h k e i t , dass s i e zur Lieferung von anfaenglich 1.000 Motoren
und Getriebekaesten pro Woche aufgefordert wird, welche im Bedarfsfalle auf
2.000 pro Woche erhoeht werden koennte. Befriedigende Abschluesse mit der
Nash Corporation wuerden der Standard-Gesellschaft im e r s t e n Jahr e i n e
Einnahme von ungefaehr 10 Millionen Dollar ermoeglichen«
Gewerkschaftliches Nachrichten-Bulletin
ueber den europaeischen H i l f s p l a n
1 . / 1 5 . Januar 1950
- 1 -

�EOBOPAEISCHE WIRTSCHAFTSEINHEIT UND ZOLLVERBAENDE
Ansicht des Norwegischen Qewerksohaftsbunds
ueber e i n e Nordische Zollunion
Die Versuche zur g r o e s s e r e n 'Vereinheitlichung der westeuropaeischen Wirtschaft
sind Ton Anf«ne a n a u f grosse Schwierigkeiten gestossen, da s i e eine gegenseitige
Anpassung der verschiedenen Volkswirtschaften erfordert» Sobald diese einmal
erreicht i s t . werden rationelle Produktion auf breiter Basis, Verringerung der
Gestehungskosten und ein weites westeuropaeisches Marktgebiet die Wirtschaft Westeuropas s t a b i l i s i e r e n und damit zur Prosperitaet und zur Bebung des Lebensstandards
der Bevoelkerung beitragen« Sie v i e l f a e l t i g e n Probleme, die mit der wirtschaftlichen Vereinheitlichung verbunden sind, werfen bereits einen Schatten auf die
ersten Versuche der O.E.E.C. auf dem Gebiet der westeuropaeischen WirtschaftsZusammenarbeit. Die Koordinierung der Investitionen i n einigen bestimmten Schluessel
Industrien, die freiere Gestaltung des Handels durch Verminderung der Handelsschranken, die s c h l i e s s l i c h auf ihre voellige Abschaffung h i n z i e l t , und die Umwechselbarkeit der westeuropaeischen Waehrungen begegnen ernsthaften Zinwaenden seitens e i n zelner Regierungen, die ihre nationalen Interessen verteidigen. Die I.C.A. verfolgt
mit grossem Interesse jede weitere Entwicklung auf dem Wege zu einer staerkeren
Vereinheitlichung der westeuropaeischen Wirtschaft und ermutigt die erneuten Schritte
einiger E.R.P.-Laender, regionale Zollverbaende zu bilden, wie zum Beispiel Benelux
und Fritalux (Finebel) oder die Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten, welche
l e t z t l i e h zu einer Zollunion fuehren s o l l .
Dieser Weg» durch die Bildung regionaler Handelsgruppen zur Wirtschaftseinheit
zu gelangen, scheint indessen nicht leichter zu s e i n . Es s t e l l e n sich dieselben
Probleme, wenn auch auf geographisch kleinerem Gebiet« Und von Seiten der Gewerkschaf taorganisationen wird hier dieselbe Wachsamkeit geboten s e i n wie in Bezug
auf die Wirtschaftspolitik fuer ganz Westeuropa« Die Gewerkschaften werden sieh
mit allen diesen Problemen, und im besonderen mit denen« die ihre eigenen Interessen
betreffen« befassen und s i e i n ihrer Bewegung diskutieren muessen«
Die Regierungen der skandinavischen Staaten hatten bereits Anfang 1%8 eine
engere Zusammenarbeit der nordischen Inender im Auge, als e i n Sachverstaendigenkondtee der drei beteiligten Laender gebildet wurde, um die ganze Frage eingehend
zu pruefen und einen Bericht darueber zu verfassen« Obgleich dieses Komitee bisher
noch nicht zu irgendeinem abschliessenden Ergebnis gekommen i s t , interessierte
sich die oeffentliehe Meinung von neuem fuer die Aussichten einer solchen Zusammenarbeit, nachdem Grossbritannien die I n i t i a t i v e ergriffen und die skandinavischen
Laender aufgefordert hatte, ueber die Bildung einer regionalen Handelsgruppe zu
verhandeln. Damit wurde auch das Interesse wieder wach, alle mit der nordischen
Zusammenarbeit verbundenen Probleme gruendlich zu pruefen«
Dies r i e f besonders in Norwegen eine lebhafte Diskussion hervor, aus der
geschlossen werden kann, dass Norwegen einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit
mit seinen Nachbarländern wohl zustimmt, der Bildung einer Zolunion jedoeh ziemlich
skeptisch gegenuebersteht. Waebrend es fuer wuenschenswert gehalten wird« das
Problem der Zusammenarbeit auf industriellem Gebiet in Angriff zu nehmen« wird die
Oeffnung der Grenzen fuer Freihandel und freien —beitsmarkt als Teil einer Wirtschaftspolitik auf weite Sicht angesehen, die noch lange und sorgfaeltige Ueberlegung erfordert. Gleichwohl findet die Zusammenarbeit auf Gebieten, wo neue Produktionszweige oder aber Erweiterungen der bestehenden Fabriken geplant sind, allgemeinere Zustimmung und stoesst nicht auf die Einwaende, welche gegen eine Zollunion
angefuehrt werden« weil bei dieser eine nachteilige Konkurrenz zwischen den e i n z e l nen Volkswirtschaften befuerchtet wird.
Der Norwegische Gewerkschaftsbund veroeffentlichte in der Dezembernummer
•einer Zeitung seine Ansicht ueber eine Nordische Zollunion, und zwar in einem
Artikel von 004 Goethe, dem Leiter der Wirtschaftsabteilung. Der Hauptvorteil
einer Zollunion i s t die Erweiterung des Absatzgebiets fuer die Industrien der bet e i l i g t e n Laender. Dies wieder fuehrt zu einer rationelleren Arbeitsteilung. Die
Frage i s t aber, ob die konkurrierenden Industrien wirklich konkurrieren oder ob
s i e Kartelle bilden und auf diese Weise in Wirklichkeit zu einer Teilung des Markts
beitragen werden.
- 2 -

�In Anbetracht ihrer Zweifel an freier Konkurrenz in einer Zollunion fragt sich
die norwegische Gewerkschaftszentrale, ob diejenigen Unternehmungen, welche jetzt
schon an fuehrender Stelle sind, bei freier Konkurrenz nicht den Vorzug geniessen
und die Existenz der Industriebetriebe in den anderen Laendern gefaehrden wuerden.
Vom norwegischen Gesichtspunkt ist dies eine Frage von grosser Bedeutung, da die
norwegischen Unternehmungen gegenueber den schwedischen und daenischen bereits jetzt
im Rueckstand sind. Dies ist darauf zurueckzufuehren, dass Norwegen waehrend des
Kriegs viel staerker zerstoert worden ist als Daenemark, waehrend Schweden ueberhaupt keine Kriegsschaeden erlitten hat« Hinzu kommt, dass die norwegische Wiederaufbaupolitik bezueglich der Investitionen den Exportindustrien den groessten Vorrang
einreeumte, auf Kosten derjenigen Industrien, welche Gueter fuer den Inlandsmarkt
herstellten und auf Grund der strengen Einfuhrkontrolle nur wenig Aussichten hatten,
mit neuen Maschinen und Werkzeugen ausgeruestet zu werden. Diese Industrien werden
deshalb noch einige Jahre lang nicht in der Lage sein, auf gleichem Fuss mit den
anderen skandinavischen Laendern in Konkurrenz zu treten«
Im weiteren wies der Norwegische Gewerkschaftsbund darauf hin, dass eine
unvermeidliche Folge der Zollunion ein gemeinsamer Arbeitsmarkt der skandinavischen
Laender sein wuerde« Verhandlungen ueber diese Frage sind zwischen den skandinavischen Regierungen bereits aufgenommen worden und haben zur Aufstellung eines
Abkommens ueber einen gemeinsamen Arbeitsmarkt gefuehrt. Dieses ist bis jetzt nur
von Schweden und Daenemark gutgeheissen worden« Fuer Norwegen aber ist die Lage
einigermassen schwierig. Im Jahre 1947 betrug die Zahl der in Schweden beschaeftigten norwegischen Arbeitskraefte 9.500, im Jahre 1949 waren es 13.751} 880 Norweger
waren in Daenenark angestellt. Auf der anderen Seite hat Norwegen 111 Schweden und
1«350 Daenen die Arbeitserlaubnis erteilt. Zweifellos wuerde bei freiem Arbeitsmarkt eine grosse Anzahl von norwegischen und daenischen Arbeitskraeften versuchen,
in Schweden Beachaeftigung zu finden. Dies wuerde aber ernste Rueckwirkungen auf
den Wiederaufbau Norwegens haben, wo es schon jetzt an Arbeitakraeften fehlt.
Darueber hinaus ist es klar, dass ein freier Arbeitsmarkt nicht ohne Einfluss
bleiben wuerde auf die Gewerkschaftspolitik der drei Laender, und somit auf ihre
Lohn- und Steuerpolitik. Es besteht zwar eine enge Zusammenarbeit zwischen den
skandinavische;! Gewerkschaftsorganisationen} jedoch ist die Erweiterung dieser Zusammenarbeit zu einer Koordinierung ihrer Politik noch eine offene Frage, welche in
den skandinavischen Gewerkschaftsbewegungen von der niedersten bis zur hoechsten
Stufe noch eingehend eroertert werden muss. Endgueltige Beschluesse muessen von
den Gewerkschaftskongressen der drei Laender getroffen werden«
Der Gesichtspunkt der daenischen Regierung, welcher dahingeht, zuerst eine
Zollunion zu gruenden und spaeter die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, wird
seitens der skandinavischen Gewerkschaftsbewegung kaum Unterstuetzung finden.
Gewerkschaftliches Nachrichten-Bulletin
ueber den Europaeischen Hilfsplan
1./15« Januar 1950

ERWERBSLOSENVERSICHERUNG UND IHRE PROBLEME IN DEN U.S.A.
(Washington, 15. Januar 1950) - Arbeitsminister Maurice J. Tobin erklaerte heute
in einer nationalen Rundfunksendung, dass vom Kongress in allen Staaten Mindestbetraege
fuer Erwerbslcaenunterstuetzungen festgesetzt und die jetzigen Unterstuetzungen erhoeht werden muessten.
In einem Programm des Amerikanischen Rundfunk Forums sagte der Arbeitsministert
•Die Erwerbslosenverischerung in den einzelnen Staaten, die ein gesundes Prinzip und
eine Hilfe fuer das Privatunternehmen darstellt, muss durch Festsetzung von Mindestunterstuetzungen durch den Kongress eine in allen 48 Staaten gleich wirksame, soziale
Einrichtung sein.
"Es wird somit unmoeglich sein, dass einzelne Staaten mit niedrigeren Unterstuetzungssaetzen ihre Gesetze unveraendert lassen, ohne die Erhoehung der Lebenshaltungskosten zu beruecksichtigen, die seit der Entstehung dieses Gesetzes im
Jahre 1935 eingetreten ist. Die Erhoehung der Lebens-

-3 -

�haltungskoeten ist zum groessten Teil dem Umstand zuzuschreiben, dass man nach
Beendigung des Krieges voreilig die Preiskontrolle aufgehoben hat,
•Mit dem neuen Gesetz wollte man im Jahre 1935 dem erwerbslosen Arbeiter
etwa 50£ seines Lohnes sichern. Zu demselben Zweck wird heute im Programm des
Praesidenten vorgeschlagen, dem Erwerbslosen etwa 5Q!C bis zu 30 Dollar pro Woche,
zu zahlen. Auch wenn ein Arbeiter mehr als 60 Dollar pro Woche verdient, erhaelt
er aus der Erwerbslosenversicherung nicht mehr als 30 Dollar woechentlich.
"Es gibt einen Staat, in dem man noch ein Unterstuetzungsmazimum von 15 Dollar
pro Woche hat. E3 stanant aus dem Jahre 193&amp;» als in diesem Staat das erste Erwerbslosenversicherungs-Gesetz erlassen wurde. Diese Hoechstgrenze ist 14 Jahre lang
unveraendert geblieben. Damit erhaelt der Durchachnittsarbeiter in jenem Staat
eine Unterstuetzung, die, gemessen an den Lebenshaltungskosten aus dem Jahre 1939,
einer Kaufkraft von 8,22 Dollar pro Woche entspricht.
•Nach vierzehn Jahren, in denen die einzelnen Staaten Erfahrungen sammeln
konnten und Gelegenheit hatten, ausreichende Unterstuetzungen einzufuehren, ist es
nun an der Zeit, dass die Bundesregierung zum Schutze der Wirtschaft und des Arbeiter
Minde3tbetraege der Erwerbslosenversicherung festsetzt,
EUROPAS VORSTELLUNGEN VOM AMERIKANISCHEN ARBEITER BEGINNEN SICH ZU AENDERN
Washington — (Amerika Dienst) — In einem Leitartikel befasst sich •Washington
Pgst" mit der Beobachtung, dass die auf Grund der kommunistischen Propaganda in
Europa herrschenden falschen Vorstellungen vom Lebensstandard des amerikanischen
Arbeiters langsam einem wahrheitsgetreuen Bild zu weichen scheinen. Das Blatt
schreibt u.a.»

"Es ist eine ausgesprochene Freude zu erfahren, dass die einflussreiche Zeitung
der franzoesischen Sozialisten •Le populaire*, die von dem ehemaligen Premierminister
Leon Blum herausgegeben wird, kuerzlich geradezu ein Loblied der Lebensbedingungen
des amerikanischen Arbeiters gesungen hat. Der amerikanische Durchschnitts 3 arbeit er
ist, 'Le populaire' zufolge, der bestgenaehrte, bestangezogene und mit den meisten
Annehmlichkeiten des taeglichen Lebens versorgte Arbeiter der Welt. Seine Kaufkraft
sei tatsaechlich vier- bis fuenfmal groesser als die seines franzoesischen Kollegen,
Die einzigen Schattenseiten seien die Wohnungsknappheit,., und seine staendigen
Zahlungsverpflichtungen auf Grund haeufiger Kreditkaeufe von Luxusartikeln wie Wagen,
Kuehlschraenke, Waschmaschinen usw.
•Washington Post" faehrt nach einem Hinweis auf die Berechtigung dieser gelinder
Kritik fort: "Die Franzosen wuerden vielleicht gern erfahren, imaa der Kongress
kuerzlich Wohnungsbaugesetze in Kraft gesetzt hat, die die Gestellung von Wohnraum
auch fuer die niedrigeren Einkommensklassen ermoeglichen... Zu der Gewohnheit, auf
Kredit zu kaufen, sollte man darauf hinweisen, dass auf diese Art die hohe Beschaeftigungsziffer beibehalten werden kann. Ohne Zweifel betrachtet der amerikanische
Arbeiter auf Grund seines Lebensstandards Dinge als einfach zum taeglichen Leben
gehoerig, die anderweitig als extravaganter Luxus angesehen werden."

INTERNATIONALER AUSTAUSCH
Schwedische Gewerkschaften treffen Vorbereitungen zum Besuch von 31 schwedischer
Arbeitern in den Vereinigten Staaten und umgekehrt von 35 amerikanischen Arbeitern
in Schweden, Zweck dieses gegenseitigen Besuches ist das Studium der Gewerkschaftsbewegungen und der allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen in den beiden Laendern.
Das Projekt wurde von der Tageszeitung des Schwedischen Gewerkschpftsbundes,
"Aftontidningen", angekuendigt. Dieser Austausch von Arbeitern, die aus den unteren
Reihen der Gewerkschaftsbewegung kosmen, wird von dem volkstuemlichen, woechentlicher
Magazin "Folket i Bild" und von 31 sozialdemokratischen Tageszeitungen der Gewerkschaften Schwedens befuerwortet.
Obwohl voellig unabhaengig, haben ciesr Plaene fuer einen gegenseitigen Besuch
doch grosse Aehnlichkeit mit den Austauschprojekten, die im Rahmen des ECA-Programms
zur Technischen Unterstuetzung laufen. Unter dieser Phase des Marshall Planes werder
Gewerkschafter, Techniker und Unternehmervertretungen nach den Vereinigten Staaten

- k-

�g e s c h i c k t , um i n d u s t r i e l l e Methoden und Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen u n t e r
d e r gemeinsame:! S c h i r m h e r r s c h a f t d e r ECA und d e r am e u r o p a e i s c h e n Wiederaufbauprogramm b e t e i l i g t e n Nationen zu s t u d i e r e n .
Waehrend an den meisten P r o j e k t e n nur e i n e e i n z e l n e Nation b e t e i l i g t war, s i n d
e i n i g e i n gemeinsamer Zusammenarbeit zwischen d e r O r g a n i s a t i o n fuer W i r t s c h a f t l i c h e
Zusammenarbeit i n Europa und der Marshall Plan Verwaltung durchgefuehrt worden. Von
besonderem I n t e r e s s e fuer d i e Arbeiterbewegung i s t das g e g e n w a e r t i g e , d i e Laender
Europas umfassende Programm z u r t e c h n i s c h e n ü h t e r s t u e t z u n g , u n t e r dem fuehrende
E x p e r t e n auf dem Gebiet der S t a t i s t i k aus 10 Marshall Plan Laendern d i e Arbeitsmethoden des S t a t i s t i s c h e n Bueros im U . S . - A r b e i t s m i n i s t e r i u m s t u d i e r e n werden.
ECA Labor Information
1 1 . Januar 1950
KRANKEN- UND ALTERS VERSICHERUNG DER AMERIKANISCHEN METALLARBEITER
Welche s o z i a l e n F o r t a c h r i t t e konnten d i e amerikanischen S t a h l a r b e i t e r und
andere CIO Gewerkschaften (Automobil, Gummi u . a . ) durch K o l l e k t i v v e r h a n d l u n g e n
e r z i e l e n ? Die V e r e i n i g t e n B e k l e i d u n g s a r b e i t e r (Amalgamated C l o t h i n g Workers)
uebernahmen d i e s o z i a l e Fuehrung vor ueber 20 J a h r e n , a l s e s ihnen g e l a n g , mit den
A r b e i t g e b e r n Vereinbarungen zu t r e f f e n , d i e d i e s e zur F i n a n z i e r u n g von U n t e r s t u e t zungsfonds v e r a n l a s s t e n , mit dem Zweck, d i e G e w e r k s c h a f t s m i t g l i e d e r vor w i r t s c h a f t l i c h e n U n s i c h e r h e i t e n zu bewahren. Auch d i e T e x t i l a r b e i t e r Gewerkschaft konnte fuer
d i e m e i s t e n i h r e r M i t g l i e d e r Vertraege a b s c h l i e s s e n , d i e Versicherungsbestimmungen
e n t h i e l t e n . I n i h r e n E i n z e l h e i t e n s i n d d i e Plaene d e r Gewerkschaften s e h r v e r s c h i e d e n . Die im (Setober 1949 zwischen den V e r e i n i g t e n S t a h l a r b e i t e r n von Amerika und
d e r Bethlehem S t e e l Company g e t r o f f e n e n Vereinbarungen koennen a l s t y p i s c h e s Beis p i e l fuer d i e gesamte S t a h l i n d u s t r i e g e l t e n .
Dieser V e r t r a g b e s t e h t aus zwei T e i l e r n im e r s t e n h a n d e l t e s s i c h um Pensionen
und Unterstuei;zungen b e i t o t a l e r A r b e i t s u n f a e h i g k e i t , im z w e i t e n um d i e S o z i a l v e r s i c h e r u n g im a l l g e m e i n e n .
Im folgenden s i n d e i n i g e bezeichnende Bestimmungen des Pensionsprograrams wiedergegeben.
Die Pensionen werden a u s s c h l i e s s l i c h vom Unternehmer b e z a h l t . Die A r b e i t e r
haben k e i n e r l e i B e i t r a e g e zu e n t r i c h t e n . Der A r b e i t e r i s t n i c h t v e r p f l i c h t e t , mit
65 J a h r e n d i e Arbeit e i n z u s t e l l e n , e r kann auch ueber d i e s e s A l t e r hinaus a r b e i t e n ,
wenn er e s w u r n s c h t . Jedem A r b e i t e r mit 25 D i e n s t J a h r e n wird e i n e Mindestpension
von 100 D o l l a r , e i n s c h l i e s s l i c h A l t e r s r e n t e , z u g e s i c h e r t . Wenn e r b e i E r r e i c h e n
des p e n s i o n s f a e h i g e n A l t e r s l a e n g e r a l s 25 Jahre b e s c h a e f t i g t i s t , kann s e i n e
Pension hoeher s e i n . Hat e r weniger a l s 2 5 , aber n i c h t weniger a l s 15 D i e n s t j a h r e ,
s o wird s e i n e Pension e n t s p r e c h e n d g e r i n g e r s e i n . So wird zum B e i s p i e l e i n A r b e i t nehmer, d e r s i c h mit 15 D i e n s t j ä h r e n im A l t e r von 65 J a h r e n p e n s i o n i e r e n l a e s s t , .
e i n e Mindestpension, e i n s c h l i e s s l i c h A l t e r s r e n t e , von 60 D o l l a r monatlich b e z i e h e n .
Fuer jedes z u s a e t z l i c h e D i e n s t j a h r e r h o e h t s i c h d i e Pension monatlich um 4 D o l l a r .
Mit anderen Worten, e r e r h a e l t mit 16 D i e n s t j a h r e n 64 D o l l a r , mit s i e b z e h n 68 D o l l a r
u s w . , b i s zu 100 D o l l a r Pension bei 25 D i e n s t j ä h r e n .
In dem V e r t r a g d e r Bethlehem S t e e l Company wird f e s t g e l e g t , d a s s d i e vor d e r
Unterzeichnung des V e r t r a g e s p e n s i o n i e r t e n A r b e i t e r e b e n f a l l s u n t e r d e s s e n Bestimmungen f a l l e t . . In den meisten der anderen V e r t r a e g e werden a l l e A r b e i t e r , d i e im
Verlauf d e r v e r f l o s s e n e n zwei Jahre p e n s i o n i e r t wurden, i n dem neuen Programm b e rücksichtigt .
Die i n der S t a h l i n d u s t r i e abgeschlossenen Vetrtraege - d e r Bethlehem Plan i s t
e i n t y p i s c h e s B e i s p i e l - sehen Pensionen von mehr a l s 100 D o l l a r , e i n s c h l i e s s l i c h
A l t c r s r w n t e , v o r . Folgende Berechnung l i e g t dabei zugrunde 1 Man e r m i t t e l t den
D u r c h s c h n i t t der Monatseinkommen des A r b e i t e r s w&amp;ehrend der l e t z t e n zehn J a h r e .
1% d i e s e s D u r c h s c h n i t t s v e r d i e n s t e s , mit der Gesamtzahl d e r Jahre ununterbrochenen
D i e n s t e s v e r v i e l f p . c l t i g t , e r g i b t d i e zu zahlende P e n s i o n . Ein B e i s p i e l « Angenommen,

-5 -

�das Durchschnitsseinkommen eines Arbeiters in den l e t z t e n zehn Jahren betrug
300 Dollar monatlich. 152 davon sind 3 Dollar. Wenn der Arbeiter 25 Dienstjahre
a b g e l e i s t e t h a t , hat er Anspruch auf eine Ptnsion von 75 Dollar pro Monat. Der
Vertrag g a r a n t i e r t jedoch ein Minimum von 100 Dollar, und der Arbeiter erhaelt
auch diesen Betrag. Nehmen wir nun an, ein Arbeiter mit demselben Durchschnittseinkconen i s t s e i t 35 Jahren ununterbrochen beschaeftigt. Ihm steht demnach eine
Pension von 1% von 300 Dollar - 3« m u l t i p l i z i e r t mit 35 - 105 Dollar, e i n s c h l i e s s l i c h Altersrente, zu.
Die Pensionen sind auf Lebensdauer zu zahlen, auch wenn der Tarifvertrag nicht
erneuert wird oder das Unternehmen zu bestehen aufhoert. Verschiedene Plaene sind
ausgearbeitet worden, um den Pensionsberechtigten nach i h r e r Pensionierung eine
laufende Zahlung aus Fonds zu sichern, d i e mit genuegend Geldmitteln ausgestattet
wurden. Der Vertrag s i e h t vor, dass ein Arbeiter, der durch irgendeinen Uhfall,
s e l b s t einen Autounfall, dauernd erwerbsunfaehig i s t , Anspruch auf eine Uhterstuetzung h a t , wenn er 15 oder mehr Jahre ununterbrochenbeschaeftigt gewesen i s t . Dabei
i s t g l e i c h g u e l t i g , in welchem Alter die Erwerbsunfaehigkeit e i n t r i t t . Seine monatliche Unterstuetzung betraegt mindestens 5 ° Dollar, solange er noch nicht 65 Jahre
a l t i s t . Mit Erreichen des 65. Lebensjahres g i l t der Erwerbsunfaehige a l s r e g e l rechter Pensionaer und f a e l l t unter di» Bestimmungen des entsprechenden Programm.
Solange ein Arbeiter auf der Seniorenliste eines Unternehmens b l e i b t , zaehlen die
Jahre fuer seinen Pensionsplan. Mit anderen Worten, seine Dienstjahre bei dem
Unternehmen zaehlen ununterbrochen weiter, solange er auf dieser Liste gefuehrt
wird« Das bedeutet» dass ein Arbeitnehmer unter gewissen Umstaenden in einem Jahr
nur sechs oder gar nur drei Monate a r b e i t e t , und seine Dienstzeit trotzdem nicht a l s
unterbrochen g i l t .
Bei der Ermittlung der durchschnittlichen monatlichen Unterstuetzung wird, wie
b e r e i t s erwaehnt, der Durchschnitt der Einkommen in den der Pensionierung vorangehenden zehn Jahren zugrundegelegt. Damit dieser Durchschnitt dem tatsaeChilenen Verdienst so weit wie moeglich e n t s p r i c h t , auch wenn der Arbeiter nicht immer ununterbrochen gearbeitet h a t , wird von vornherein ein Jahr der fehlenden Zeit nicht in
Anrechnung gebracht.
Ein medizinischer Schiedteusschuss wird gebildet werden, der bestimmt, ob ein
Arbeitnehmer dauernd erwerbsunfaehig i s t und er deshalb Anspruch auf die entsprechend*
laufende UntersStietzung h a t . Zuerst wird er von dem Betriebsarzt untersucht, dann
vom Gewerkschaftsarzt5 und wenn keine uebereinstimmende Entscheidung getroffen wurde,
zieht man einen d r i t t e n Arzt zu Rate, der von den beiden ersten ausgewaehlt wird.
Unter Anwendung der ueblichen Beschwerde- und Schiedsverfahren werden Fragen g e l o e s t ,
die die Begriffe "ununterbrochene Dienstzeit*, "durchschnittliches Monatseinkommen",
"Alter" und "unvermeidliche Ursache" der dauernden Erwerbsunfaehigkeit mit sich
bringen koennen. Probleme, die i n der Auslegung der Vertragsbestimmungen zur Durchfuehrung der Psnsionsvorschriften entstehen, - ausser wenn es sich um dauernde Erwerbi
unfaehigkeit handelt, - s o l l e n von dem ueblichen Beschwerdekomitee beerb i t e t werden
und unterliegen der s c h i e d r i c h t e r l i c h e n Entscheidung nach Massgabe des normalen Kollel
tirrerträges,
Sozialversicherungs-Programm
Fuer jeden Arbeitnehmer und jede gearbeitete Stunde werden insgesamt 5 Cents
i n einen Zentralfonds einbezahlt, um tinen groesstmoeglichen Anteil am Sozialversicherungs-Programm zu erwerben. Im allgemeinen sind die Unternehmer mit zweieinhalb Cents an diesem Betrag b e t e i l i g t und die Arbeitnehmer mit den r e s t l i c h e n
zweieinhalb Cents. Es i s t noch nicht genau bestimmt, welche Anrechte an der S o z i a l versicherung mit den 5 Cents pro Arbeitsstunde und pro Arbeitnehmer erworben werden
koennen, man i s t im allgemeinen jedoch uebereingekommen, sieben verschiedene Versicherungsarten i n ein oder der andern Form vorzusehen«
(1)
(2)
(3)
(4)
(5)
(6)
(7)

Lebensversicherung, solange der Arbeiter beschaeftigt i s t ,
eine "paid-up" Lebensversicherung nach der Pensionierung,
Kranken- und Unfallversicherung
Krankenversich r rung fuer die Familie,
Mutterschaftsversorgung
Anspruch auf Krankenhausbehandlung und
Unfallschutz.

-6-

�I\ton s c h ä t z t , das?, in dem neuen Plan ein Lebensversicherun&amp;sbetrag i n Hoehe von
mindestens 2000 Dollar und hoechstens 4500 Dollar vorgesehen i s t ; der Durchschnittsbetrag fuer den Durcnschnittsarbeiter beliefe sich demnach auf 3000 Dollar. Er kann
hoeher oder niedriger s e i n , da er von vielen Faktoren abhaengt. .Auch kann der durchs c h n i t t l i c h e Betrag in verschiedenen Unternehmen verschieden s e i n , je nach der Zusammensetzung der Arbeitskraef te - Alter, Geschlecht, Dienst jähre, usw. Diese Form
der Lebensversicherung i s t in Kraft, solange der Arbeiter tatsaechlich beschaeftigt
i s t . Mit anderen Worten, es handelt sich um eine Lebensversich rung im Rahmen des
Sozialver3icherungsprogramms, die den Arbeit r mit etwa 3000 Dollar v e r s i c h e r t .
Nachdem der Arbeiter pensioniert i s t , seir.e Mindestpension von 100 Dollar pro
Monat bezieht, und Iceina Praemien mehr in die Sozialversicherung z a h l t , erhaelt er
eine sogenannte •paid-up* Lebensversicherung in einer Hoehe von etwa 1250 - 1500
Dollar. Eine "paid-up" Lebensversicherung b i e t e t zusaetzliche S i c h e r h e i t , und einer •
ihrer Vorzuege i s t , dass die Sicherheit nach der Pensionierung des Arbeiters besteht.
Man hofft, dass ein Arbeiter 26 Dollar pro Woche fuer eine Dauer von 26 Wochen
ausbezahlt bekommt, wenn er krank oder v e r l e t z t wird. (Einige Staaten haben b e r e i t s
Kranken- und ürifallversicherungsprogramme, und in allen Staaten besteht irgendeine
Form von Versicherung der Arbeiter.) Diese Faelle werden bei der Einfuehrung des
neuen Programms beruecksichtigt werden, Unfall- und Krankengelder werden auch gezahlt,
wenn die Krankheit oder der Unfall nicht unmittelbar durch die Arbeit bedingt sind.
Der Schutz des Arbeiters gegen Unfall oder Krankheit, die i n der I n d u s t r i e entstanden
sind, i s t durch Gesetze gewaehrleistet. Nach den Bestimmungen des SozialversicherungsProgrammsueber Uhterstuetzungen bei Krankheit oder Unfall hat der Arbeiter 26 Wochen
lang auf 26 Dollar pro Woche Anspruch.
Ausserdem hofft man, dass ein die gesamte Nation umfassendes HospitalisierungsFrogramm des Blauen Kreuzes durchgefuehrt werddn kann, damit waere fuer den Arbeiter,
seine Frau und seine Angehoerigen, e i n s c h l i e s s l i c h unverheirateter Kinder bis zu
19 Jahre, im Krankheitsfalle fuer Behandlung in einem Krankenhaus gesorgt. Jede
Krankenhausbehandlung, die nicht laenger a l s 70 Tage dauert, wird von der Versicherung
finanziert.
Mutterschaftsversorgung i s t auf 10 Tage begrenzt. Das neugeborene Kind wird
solange betreut, wie sich die Mutter im Krankenhaus befindet. Anspruch auf diese
/ersergung hat sowohl die Frau eines Arbeiters als auch die v e r h e i r a t e t e , berufstaetige Frau.
Krankenhausgeld s c h l i e s s t B e t t - , Verpflegungs- und allgemeine Pflegekosten in
halb-privaten Anstalten e i n . Enthalten darin sind ferner Kosten fuer die Benutzung
äes Operations- und Entbindungsraumes, Narkose und Verbaende, Arzneien und Laboratoriumsuntersuchungen, die zur Behandlung des Patienten notwendig s i n d .
Im Falle siner Verletzung durch Unfall wird eine Notbehandlung in einem Krankenaaus innerhalb 2k Stunden nach dem Umfall g a r a n t i e r t .
Diese Sozialversicherungsprogramme t r e t e n am 1. Januar 1950 l&gt; Kraft und werden
lern Arbeiter und seiner Familie einen sicheren Schutz bieten. Man i s t eben dabei,
Jie genauen Einzelheiten auszuarbeiten.

Wir gaben eine Beschreibung einiger Bestimmungen, die in den Vertraegen der
Stahlarbeiter mit den groessten Stahlfirmen enthalten sind. Die Vereinbarungen, die
i i e Vereinigten Automobilarbeiter mit den Ford-Werken b e r e i t s frueher treffen konnten,
sind im Prinzip denen der S t a h l i n d u s t r i e sehnlich. Der Vertrag mit den Ford-Werken
sieht eine monatliche Pension von 100 Dollar, e i n s c h l i e s s l i c h A l t e r s r e n t e , vor, wenn
ler Arbeiter 65 Jahre a l t i s t und 30 Dienstjahre h a t , Arbeiter, die mit 5$ Jahren
lauernd arbeitsunfaehig sind, e r h a l t e n eine laufende Unterstuetzung von 50 Dollar
pro Monat, vorausges&lt; t z t , dass s i e 30 Jahre lang ununterbrochen beschaeftigt s i n d .
Der Vertrag enthaelt ferner eine von dem Unternehmer finanzierte Krankenversicherung,
i i e dem Arbeiter bei einer einzelnen Krankheit, die eine Aufnahme in ein Krankenhaus
erforderlich nacht, taeglich 4 Dollar bis zu einem Gesamtbetrag von 280 Dollar bezahlt.

�Diese Leistungen stellen einen Zusatz zu den Unterstuetzungen des Blauen Kreuzes,
Blauen Schildes und der Lebens-, Unfall- und Krankenversicherungen dar, die in dem
bestehenden Versicherungsplan bereits Aufnahme gefunden haben. Hat der Arbeiter
weniger als 30 Dienstjähre, dann wird seine Pension in entsprechendem Verhaeltnis
reduziert, wie es in den Vertraegen der Stahlindustrie der Fall ist. Die Pensionsund Sozialversicherungsvertraege sowohl in der Stahl- als auch in der Automobilindustrie laufen fuenf Jahre, Eine Wiederaufnahme der Lohnverhandlungen ist in den
Vertraegen der Stahlindustrie fuer den X« November 1950 vorgesehen, mit dem Recht,
am 31. Dezember 1950 zu streiken, wenn keine zufriedenstellenden Abmachungen getroffe
wurden. Nach Verlauf von zwei Jahren kann das Unternehmen sein Recht geltend machen,
Abeenderungen des Pensionsplanes vorzunehmen; zu gleicher Zeit kann die Gewerkschaft
von ihrem Streikrecht Gebrauch machen. Wird nach zwei Jahren der Pension3plan jedoch
nicht abgeeendert, verlaengert sich seine Gueltigkeit bis zum 31» Oktober l$5k»
Praesident Murray erklaerte bei Verhandlungen, die er mit dem LohnfestsetzungsKomitee ueber die Vertraege in der Stahlindustrie fuehrtei
•Der Vertrag mit der Stahlindustrie ist einer der wichtigsten und weitreichendst
Erfolge, die unsere Gewerkschaft im Dienste des amerikanischen Volkes je erzielen kor
»Er bedeutet natuerlich einen Riesenschritt vorwaerts auf dem Wege, die Aelterer
Kranken und Arbeitsunfaehigen zu beschuetzen, die von der Stahlindustrie abhaengig
sind. Aber es ist unmoeglich abzuschaetzen, was dieser Sieg fuer Millionen anderer
bedeuten wird, die vielleicht seine Auswirkungen spueren und die Fruechte unserer
Arbeit ernten werden,•
Economic Outlook (CIO)
Dezember 1949

ERNEST SCHWARTZTRAUBER i OHNE GEWERKSCHAFTEN KEINE DEMOKRATIE
Ernest Schwaitztrauber ist Direktor der beruehmten
Universitaet der Schule fuer Arbeiter in Wisconsin,
die kuerzlich ihr 25-jaehriges Bestehen feierte.
In den folgenden Auszuegen, die einer Broschuere
ueber die Arbeit der Schule entnoanen sind, bringt
Schwärtztrauber zum Ausdruck, dass sein Glaube
in die Gewerkschaftsbewegung unerschuetterlich ist.
Er spricht in Worten, die allen Gewerkschaftern zu
Herzen gehen muessen.
Demokratie und Totalitarismus der Rechten und Linken sind gegenwaertig in
einen Kampf um Sein oder Nichtsein verwickelt. Mit der Demokratie werden all
jene Elemente erhalten bleiben, die einen Teil ihrer Existenz bilden, und ohne
die sie nicht lebensfaehig waere.
Die Gewerkschaftsbewegung ist eines jener Elemente; ohne sie waere die Demokratie mit einem Mann zu vergleichen, der nur ein Bein hat und mit einem gewandten
und verschlagenen Riesen kaempfen muss, Die Gewerkschaftsbewegung, ebenso wie die
Demokratie, ist jedoch nicht nur ein Begriff oder eine Idee; si&lt;= wird von Millionen
von Menschen getragen, - von Arbeitern, die sich auB ihrem alten Stand, in dem sie
nichts anderes als einfache Steinhauer oder Wassertraeger waren, zu einem Status
emporgearbeitet haben, derihnendie ihnen zukommende Teilhaberschaft an der demokratischen Gesellschaft zusammen mit den anderen Klassen sichert.
Wenn dem Arbeiter woo der Industrie, in der er beschaeftigt ist, oder dem
Buerger von der Gemeinde, in der er wohnt, seine demokratischen Rechte streitig
gemacht werden, dann heisst das, dass die menschliche Persoenlichkeit dort ueberhaupt nicht zaehlt. Und im Kielwasser dieser Verweigerung fliessen all die anderen
Kraefte, die ein demokratisches Staatsgebilde unterminieren.
Die demokratische Gewerkschaftsbewegung ist damit von lebenswichtiger Bedeutung
fuer eine wahrhaft demokratische Gesellschaft. Ihr Vorhandensein und ihr staendiges
Anwachsen garantieren, dass in dem demokratischen, politischen Staat sich kein auto- 8 -

�kretisches, industrielles Gebilde entwickeln kann« Sie bieten mit aie Gewaehr
dafuer, dass jede Parsoenlichkeit die Gelegenheit hat, sich ihren Faehigkeiten
entsprechend v o l l zu entwickeln. Und das i s t letzten Endes die sicherste Grundlage fuer die Demokratie«
•The Machinist»
Woechentlich.es Nachrichtenblatt des
Internationalen Metallarbeiterverbandes Amerikas
19« Januar 1950
ANTEIL DER AFRIKANISCHEN FRAU IM WIRTSCHAFTSLEBEN
Washington — (Amerika Dienst) — 18 Millionen Frauen - 28 Prozent der gesamten Arbeitskraefte der U.S.A. - sind heute, wie Frida S. Miller, die Leiterin
des Bueros fuer Frauenarbeit im U.S.-Arbeitsministerium, vor kurzem berichtete,
erwerbstaetig. In vielen lebenswichtigen Industrien und Gewerbe zwei gen bilden
Frauen die Mehrheit der Arbeiterschaft.
Der Anteil der weiblichen Negerbevoelkerung am amerikanischen Wirtschaftsleben betrug im Jahre 1947 2i Millionen Negerinnen« Obwohl dafuer genaue Unterlagen
noch nicht vorhanden sind, lassen, wie Miss Miller erklaert, die bisher vorliegenden
Ziffern bereits erhebliche Veraenderungen seit dem Jahre 1940 erkennen. Dabei ist
vor allem der verhaeltnismaessig geringe Prozentsatz der in der Landwirtschaft
beschaeftigten Negerinnen - nur 7 Prozent im Jahre 1947 gegenueber 21 Prozent im
Jahre 1940 - bemerkenswert«
Eine weitere Verschiebung ergab sich auch bei den Negerinnen, die als Hausgehilfinnen taetig sind. Waehrend 1940 noch ungefaehr 70 Prozent der Hegerinnen,
die nicht in der Landwirtschaft beschaeftigt waren, als Haushalthilfen Verdienst
fanden, waren es 1947 nur etwa 50 Prozent.
Der Prozentsatz der Negerinnen, die als Bueroangesteilte oder als Verkäuferinnen taetig sind, hat sich in der gleichen Zeit mehr als verdreifacht| mehr als
verdoppelt hat sich die Zahl der Nagerinnen, die als Fabrikarbeiterinnen, und
nahezu verdoppelt jener, die als Schoenheitspflegrinnen und Koechinnen arbeiten«

FRANZOSEN STUDIEREN AMERIKANISCHE PRODUCTIONSMETHODEN
Gewerkschaftsvertreter aus Frankreich, die als Mitglieder einer Produktivitaets-Team ihren 5-woechigen Besuch in den Vereinigten Staaten gerade beendet haben,
berichteten, dass amerikanische Produktionsmethoden auch in Frankreich mit Erfolg
angewendet werden koennten.
Die franzoesiche Team setzte sich aus Vertretern der Werkzeugmaschinenindustrie
zusammen. Im Rahmen des unter der Schirmherrschaft der franzoesichen Regierung und
der Marshall Plan Verwaltung stehenden Programms zur Technischen Unterstuetzung
studierten sie Arbeitsmethoden des gleichen Industriezweiges in Amerika«
Die technische Leistungsfaehigkeit amerikanischer Unternehmen erregte die
Aufmerksamkeit des 28 Jahre alten Ingenieurs Jean Marie Groslambert, der Mitglied
des Verbandes der Technischen Leiter (Confederation Generale des Cadres) ist. Auf
die unterschiede eingehend, die zwischen den amerikanischen und franzoesisehen
Methoden bestehen, fuehrte er aust
•Massgebliche Faktoren der hohen Produktionsleistung in den Vereinigten
Staaten sine u.a. die Gruppierung der Betriebsanlagen und das ein-Etage System.
Dadurch wird ein reibungsloser Ablauf des Produktionsprozesses gewaehrleistet.
Fuer jeden Mann und jede Maschine steht mehr Raum zur Verfuegung, und breite
Passagen erleichtern den Transport von Material und Maschinen«
•Eine vorbildliche Gruppierung gleicher Maschinen vermeidet unnoetige Bewegungen im Produktionsprozess und erspart Zeit und Instandhaltungskosten, indem man die
Arbeit hochqualifizierter Facharbeiter, die zur Instandhaltung der Maschinen eingesetzt werden, lokalisiert. Fuer den Materialtransport bedient man sich in Amerika

9-

�weitgehendst mechanischer Hilfsmittel, wie Aufzuege, Kreene, gabelfoermige Heber
und kleine Zugmaschinen. In Frankreich ist es nicht leicht, solche Ausrüstungen zu beschaffen, und der fuer diese Einrichtungen erforderliche Raum ist
aeusserst begrenzt.
•Kleine, elektrisch oder mit Pressluft betriebene Handwerkzeuge sind in den
amerikanischen Fabriken weitverbreitet und befinden sich in greifbarer Naehe des
Arbeiters. Die Maschinen sind im allgemeinen ziemlich neu, und eine Maschine
wird nur fuer einen Arbeitsgang verwendet. In Frankreich sind die Einrichtungen
aelter, und man ist gezwungen, eine Maschine fuer mehrere Zwecke zu verwenden.
Man verliert daher Zeit durch Umbau und Auswechseln von Maschinenteilen.*
Georges Bonnet, ein 26 Jahre alter franzoesischer Fraeser, ist Mitglied der
•Force Ouvriere" und gehoerte ebenfalls zur Produktivitaets-Team. Er schenkte
dem in Amerika gebraeuchlichen Klassifizierungssystem besondere Beachtung und
nahm dazu fclgendermassen Stellung» *Es ist sehr interessant, sich mit den amerikanischen Systemen der Arbeitsbewertung und Klassifizierung nach Verdienst zu befassen. Sie kcennten zum Teil auch in Frankreich angewendet werden. Die laufende
Bewertung einzelner Arbeiter mit aehnlichen Beschaeftigungen in irgendeinem Betrieb
und ein sehr einfaches Punktsystem zur Lohnfestsetzung sind vorteilhafter als das
System, das man in Frankreich hat, wo sich die Hoehe .der Loehne nach der Produktionsleistung des gesamten Unternehmens, manchmal sogar auf nationaler oder Industriebasis, richtet.»
Louis Fahy, 37 Jahre alt, Vorarbeiter und Mitglied der Franzoesichen Foederation Christlicher Arbeiter (Confederation Francaise des Travailleurs Chretiens),
befasste sich in seinem Kommentar mit der Produktionsleistung. Er wiess darauf
hin, dass amerikanische Firmen mehrere Typen von Maschinen herstellen, waehrend
ein Unternehmen in Frankreich das Bestreben hat, nur einen Typ zu produzieren,
um die Nachfrage decken zu koennen, die auf dem inlaendischen Markt heute noch
groesser ist als die Produktion. Er unterstrich die Tatsache, dass die "Produktion der franzoesischen Werkzeugmaschinen- und metallverarbeitenden Industrie den
Vorkriegsstand bereits uebertroffen hat, obwohl dieser Industriezweig nur zu 75%
wiederhergestellt ist.» Er gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass diese erhoehte
Produktionsleistung in Frankreich der groesseren Normung der hergestellten Maschine ntypen zuzuschreiben sei.
ECA Labor Information
18. Januar 1950

BEITRAG VON E.R.P.-GEGENWERTFONDS FUER WOHNUNGSBAU IN WESTEUROPA
Im Rahmen des Marshallplans sind bis jetzt mehr als 100 Millionen Dollar
in Gegenwertfonds fuer den Wohnungsbau in Westeuropa freigegeben worden.
Unter dem E.CA.-Programm sind bereits Neubauten von kleinen Haeusereinheiten
in allen E.R.P.-Laendern begonnen worden. Diesen wurde ausserdem zusaetzliche
Hilfe in Form von Baumaterialien zuteil, fuer welche die E.C.A. seit Beginn des
Europaeischen Hilfsplans Ankaufsermaechtigungen erteilt hat. Die wichtigsten
Posten dieses Beitrags sind bis jetzt Bauholz im Werte von 93 Millionen Dollar
und nichteisenhaltige Metalle im Wert von 446 Millionen Dollar gewesen.
Die meisten der aur Zeit in Ausfuehrung begriffenen Wohnungsbauprojekte
stehen in Verbindung mit industriellen Entwicklungsprogrammen. In Frankreich
zum Beispiel hat die Freigabe von Gegenwertfonds in Hoehe von mehr als 14 Millionen Dollar dazu gedient, den Neubau von 3»000 Haeusereinheiten in den Kohlengebieten in Lothringen und den Departementen Nord und Pas-de-Calais zu finanzieren.
Ferner 30II der Frankengegenwert von etwa 6 Millionen Dollar verwendet werden
fuer ArbeiterWohnungen im Zusammenhang mit dem Sollac-Stahlprojekt in Lothringen.
Weitere betraechtliehe Sumruen werden dem Wohnungsbau fuer Bergleute der Pottaschegruben im Elsass dienen.

- 10 -

�Es koennten noch zahlreiche andere Beispiele in verschiedenen E,R.P.-Laend e m sngefuehrt werden, u.a. das umfassende Wiederaufbauprojekt Ton Arbeiterwohnungen in den vom Kriege zerstoerten Gebieten der Niederlande, der E.C.A.Beitrag fuer einen ausgedehnten Wohnungsbauplan fuer italienische Arbeiter
und grosse Wohnungsbauprojekte in ganz Westdeutschland.

Gewerkschaftliches NachrichtenBulletin ueber den Europaeischen
Hilfsplan
1./15. Januar 1950

D1ENISCHB GEW1SRIS CHAFTEN WEISEN KOMMUNISTEN ZURECHT
Hans Rasmussen, Praesident der Metallarbeiter Gewerkschaft, beschuldigte
kuerzlich die Kommunisten Daenemarks, die zur Zeit gefuehrten Vertragsverhandlungen absichtlich stoeren und sabotieren zu wollen.
Rasmussei schreibt in einem Artikel, der in dem Organ seiner Gewerkschaft,
•Der Metaller beiter^, veroeffentlicht wurde« "In den dreissig Jahren des Bestehens
der Komnunistischen Partei Daenemarks ist es ihr niemals gelungen, etwas fuer
die Arbeitersshaft zu tun."
Bezugnehmend auf die gegenwaertigen Versuche des Daenlschen Gewerte chaftsbundes, durch Verhandlungen eine Erneuerung aller Ar beitsvertraege zu erwirken,
unter deren B9Stimmungen praktisch saemtliche Mitglieder des Gewerkschaftsbuches
(600.000) fallen, fuehrte Rasmussen aust »Die organisierten Arbeiter muessen
sich darauf gefasst machen, dass die Wortfuehrer der Kommunistischen Partei
allen Vorschlaegen zu einem Debereinkommen ablehnend gegenueberstehen werden.1
Rasmussen, einer der bedeutendsten Fuehrer der Gewerkschaften und der
Sozialdemokratischen Partei Daenemarks, brachte seinen Gewerkschaftsmitgliedern
gegenueber genz offen zum Ausdruck, dass »die Forderungen der Arbeiter nach ausreichenden Lcehnen, kuerzerer Arbeitszeit und besseren Urlaubsbestimmungen nicht
von den Kommunisten erfunden seien, obwohl sie dies beteuerten. Es sind die
traditionellen Forderungen der Arbeiter, und die Gewerkschaften haben immer
wieder versucht, sie zu verwirklichen, soweit dies nach den gegebenen Verhaeltnissen moeglich war.*
Der Praesideni der Metallarbeiter beschwerte sich ueber die Gewohnheit der
Kommunisten, Arbeitsvertrage ausser acht zu lassen, wenn es ihren zersetzenden ,
Absichten dienlich sei. In dieser Beziehung bestehe ein grosser Unterschied
zwischen den daenlschen und sowjetischen Kommunisten, die bei Nichtbeachtung der
vertraglichen Verpflichtungen schwer bestraft wuerden. Er machte auf die Tatseche aufmerksam, dass der Sekretaer des sowjetischen Gewerkschafts-Zentralkomitees, Sjwernik, den russischen Arbeitern gesagt hätte,"ein Vertrag sei ein regelrechtes Versprechen, und die Arbeiter haetten dessen Bedingungen unbedingt zu
erfuellen.•
' Rasmussen legte ferner den Kommunisten zur Last, immer dann eine oppositionelle Haltung einzunehmen, wenn man bemueht sei, die Arbeiter zu einem Bleiben
an ihrem Arbeitsplatz oder zu der Einhaltung einer Kuendigungsfrist von einem
Monat anzuhalten. Er erklaertei »In der Sowjetunion ist es kein Verbrechen,
wenn die Gewerkschaft und die Regierung von dem Arbeiter verlangen, seine Besehaeftigung beizubehalten, denn, so sagen sie, nur dadurch kann die Produktion
ataendig verbessert werden,•
•Sobald man jedoch in Daenemark diese Forderung aufstelle', sagte er,
•verfolgen die Kommunisten nicht mehr diesen Grundsatz.*
Labor Information
11. Januar 1950
- 11 -

�U»S. AOTOMOBILüpBEITER FOT» ERSCHLIESSUNG UNENTWICKELTER GEBIETE
Die Vereinigten Automobilarbeiter, die groesste amerikanische Gewerkschaft
und Fuersprecherin der Marshall Plan Hilfe, kuendigte kuerzlich an, dass sie
mit allen Mitteln ein anderes internationales Wiederaufbau Projekt, naemlich
Praesident Trumans Punkt-Vier-Programm, unterstuetzen wird*
In einer Rede rar dem Aussenpolitischen Ausschuss in den ersten Tagen
der zweiten Sitzungsperiode des 81* Kongresses erklaerte Donald Montgomery,
Direktor der Zentrale Washington der Automobilarbeiter Gewerkschaft! •Das PunktVier-Programm ist ein Friedensbekenntnis. Es soll den Wert und die Staerke der
Demokratie zum ersten Male vor Hunderten von Millionen Menschen der ganzen Welt
unter Beweis stellen.•
Mr. Montgomerys Erklaerung, die er im Namen einer halben Million organisierter Gewerkschaftsmitglieder der Vereinigten Automobilarbeiter abgab, ist eine
neue Bereitschaftserklaerung der demokratischen Gewerkschaftsorganisationen Amerikas, internationale Wiederaufbau- und Erschliesaungs-Frojekte zu unterstuetzen.
Mit dem Punkt-Vier-Programm stellen die Vereinigten Staaten sich zur Aufgabe, die technische Hilfe und industrielle Erfahrung auf unentwickelte und in
der Industrie rueckstÄndige Gebiete der Welt auszudehnen, mit dem Bestreben, den
Lebensstandard der Bewohner jener Gebiete zu verbessern« Zu diesem Zweck muss
Kapital investiert werden, um die Rohstoffquellen dieser Laender erschliessen
zu koennen.
ECA Labor Information
19. Januar 1950
- 12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

OFFICIAL

HI00C-0Ü.9 L * B r«b 50 16 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

II - 49

Frankfurt, 10. Februar 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Veraenderung im Verhaaltnis der Ausgabeposten
des Knglaenders
- - ___

• - X

Entstehung und Entwicklung des internationalen
Gewerkschaf tswesens

-2

Robert Nathan: "Lebensstandard des amerikanischen
Arbeiters kann und muss erweitert werden- - -

4

Arbeiter Israels studieren Produkt!onsmethöden
im Ausland

-5

Lebenshaltungskosten i n Polen

- 5

-

- -

- -

'Vas i s t falsch am Taft-Hartley Gesetz?
Samuel Gompers' Lebensgeschichte - - -

6
_ _ _ -

9

Sin norwegisches Produktivitaets-Team besucht Amerika- 10
Hoher Warenverbrauch i n Amerika

11

VERASNDSPUNG IM VERHAKT.TNIS DER AUSGABEP0ST3N DES EHGLA3KDERS
Die nachstehenden Indexziffern zeigen eine grosse Veraenderung im Verhaeltnis der Ausgabeposten der b r i t i s c h e n Bevoelkerung. Die rosten, welche
durch den Index 1914 nicht gedeckt waren, s t e l l e n hauptsaechlich Ausgaben
fuer Kultur, Erziehung und Unterhaltung dar. Die geringere Verhaeltniszahl
fuer Nahrungsmittelausgaben i s t zurueckzufuehren auf das hoehere Einkommen
der britischen Bevoelkerung s e i t 1914.
Index 1914
Teber.smittel
Miete und Gemeindesteuern
Kleidung
licht und Heizung
Andere Posten im Index 1914
Im Index 1914 gedeckte Posten
insgesamt ....
Im Index 1914 nicht gedeckte Posten
Insgesamt

Neuer Index auf der Basis
der Preise vom Juni 1947

60
16
12

35
9
9

8
_4.

7
16

100
24

100
Gewerkschaftliches Nachrichten Bulletin
ueber den Suropaeisehen Hilfsplan - 1/15«Jan.
1950

�Mit den Augen eines Ensrlaenders gesehen t
ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG DES INTERNATIONALEN GEWERK5CHAFT3WESEN5
Als man vor 86 Jahren die erste Arbeiter-Internationale aus der Taufe hob,
war dies der Initiative der englischen Gewerkschaften zu verdanken, I863 kamen
zwei Delegierte von Frankreich nach London, um von den englischen Gewerkschaften
Hilfe fuer Polen zu erbitten. Nach einer erfolglosen Auflehnung gegen die Zarenherrschaft hatte die dortige Regierung drastische Unterdrueckungsmassnahmen ergriffen.
Auf einer Tagung in London am 28. September I864 wurde formell die Internationale Artflitervereinigung (International Association of Working Men) gegruendet.
In den folgenden 6 Jahren wurden Zweigstellen in fast allen europaeischen
Laendern und in Vereinigten Staaten von Amerika errichtet. Die Verwaltung des
I.A.W.M. lag in den Haenden eines Verwaltungsretes, der $$ Mitglieder zaehlte
und seinen Sitz in London hatte. Diese Koerperschaft hatte jedoch nur wenig Kontrolle ueber die verschiedenen nationalen Zentren.
Im Jahre I870 war Odger Praesident und Applegarth Vorsitzender dieses Verwaltungsrates. Dem Verband fehlte jedoch die allgemeine Unterstuetzung Seitens
der englischen Gewerkschaften, von denen viele fuer dessen politische Philosophie
kein Interesse zeigten, ihr feindlich gegenueberstanden oder unschluessig zwischen
dem Kommunismus von Marx und dem Anarchismus von Bakunin hin- und herschwankten*
Als auf dem Jahreskongress 1872 im Haag beschlossen wurde, den Sitz des
Verwaltungsretes nach New York zu verlegen, konnte man im Grunde nicht mehr von
einer Unterstuetzung der Organisation durch die englischen Gewerkschaften sprechen.
Im Jahre I876 wurde die Assoziation in Philadelphia formell aufgeloest.
Die im Jahre I889 gegruendete Zweite Internationale hatte offensichtlich
polititischen Charakter, obwohl sie teilweise von Gewerkschaften getragen wurde.
Sie verfolgte in erster Linie sozialistische Ziele und machte es sich zur Aufgabe,
anarchistische und andere Elemente auszuschliessen, die der parlamentarischen
Demokratie feindlich gesinnt waren.
Aus dieser Organisation heraus *urde schliesslich die Internationale der
Arbeiter und Sozialisten geboren (Labour and Socialist International), die von
1923 bis 1940 bestand.
Zuvor war jedoch auf Veranlassung des Britischen Gewerkschaftsbundes der
Versuch gemacht worden, eine internationale Zusammenarbeit auf rein gewerkschaftlicher Basis zu verwirklichen.

1888 wurde vom parlamentarischen Ausschuss des Britischen Gewerkschaftsbundes eine internationale Gewerkschaftskonferenz nach London einberufen, an der
123 Delegierte teilnahmen, (davon waren 79 Englaender). Sie repraesentierten etwa
l.loo.ooo Gewerkschafter, darunter 850.000 englische. Die Gewerkschaften Deutschlands, Oesterreichs und Russlands waren von dem Britischen Gewerkschaft3bund nicht
eingeladen worden, und in dieser Tatsache ist einer der Gruende fuer die Zwistigkeit zwischen den Delegationen des Kontinents und den meisten englischen Abordnungen zu suchen. Aus diesem Grunde kam auf dieser Konferenz auch keine Organisation zustande, und ein anderer von den franzoesischen Gewerkschaften zwoelf
Jahre spaeter unternommener Versuch, hatte ebensowenig Erfolg. Dann kam J. Jensen,
der- Praesident der Daenischen Gewerkschaften, im Jahre 1900 nach Glasgow, um an
dem Kongress des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes (General Federation of Trade
Unions) teizunehmen. Er besprach mit Isaac Mitchell, dem Sekretaer dieses Bundes,
die Notwendigkeit einer Gewerkschaftsintrrnationale. Das Ergebnis dieser Besprechungen war die internationale Gewerkschaftskonferenz in Kopenhagen im Jahre 19c

- 2 "

�Damit war e i n wirklicher .Anfang gemacht worden. Man beschloss in Kopenhagen, die naechste Konferenz zusammen mit dem Kongress des G.F.T.U. im
darauffolgenden Jahr in S t u t t g a r t abzuhalten. Es i s t interessant festzus t e l l e n , daas die Einladung des deutschen Gewerkschaftszentrum an die anderen
Organisationen die Bitte um Schweigen und Geheimhaltung vor der Konferenz e n t h i e l t , um nicht die •unwillkommene Aufmerksamkeit• der deutschen Polizeibehoerden zu erregen.
Bis zum Jahre 1913 fanden regelmaessig Kongresse der Internationale i n
den verschiedenen Laendern s t a t t . In diesem Jahre beschloss die in Zuerich
zusammentreffende Konferenz, die Bezeichnung "Internationaler Gewerkschaftsbund" ( I n t e r n a t i o n a l Federation of Trade Unions) zu tragen. Bevor die neue
Organisation wieder eine Konferenz abhalten konnte, war der Erste Weltkrieg
ausgebrochen. Die Haltung der deutschen Gewerkschaften, die einen Angriffskrieg ihres Landes ohne Vorbehalt befuerwarteten, wirkte umsoraehr demoralisierend, als es das deutsche Gewerkschaftszentrum war, das man zum S e k r e t a r i a t
des Internationalen Gewerkschaftsbundes erwaehlt h a t t e .
Im Jahre I917 beschloss der Britische Gewerkschaftsbund, sich nach dem
Kriege fuer die Wiedergruendung i n t e r n a t i o n a l e r Gewerkschaftsverbaende einzusetzen, und man t r a f mit dem G.F.T.U. eine Vereinbarung, wonach beide Organisationen in diesen Verbaenden gemeinsam vertreten sein s o l l t e n . Kurz vor
Beendigung des Krieges unternahm man schon dahingehende S c h r i t t e . In Anbetracht
der aussergewoehnlichen Lage konnte der e r s t e Msahkriegskongress der Internationalen Gewerkschaften jedoch e r s t am 28. Juli 1919 i a Amsterdam s t a t t f i n d e n .
Dort begruendeten Delegierte aus 14 Laendern erneut den Internationaler: Gewerkschaftsbund (IFTU).
Im Jahre 1922 gehoerten b e r e i t s 24 Laender dem IFTU an; mit Ausnahme von
vier waren es europaeische Nationen. Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL,
der bis 1914 dem IFTU angehoert h a t t e , war ausgetreten und schloss sich ihm
e r s t wieder 1937 an.
Durch den Faschismus in I t a l i e n und spaeter den Nationalsozialismus in
Deutschland gingen der Organisation Millionen von Mitgliedern verloren. Die
Ivütgliederzahl des Internationalen Gewerkschaftsbundes f i e l von 23 Millionen
im Jahre 1921 auf 8 Millionen im Jahre 1934« 1937 war s i e jedoch wieder auf
19i Millionen angestiegen.
Die i n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaftsbewegung wurde durch die Gruendung der
Roten Gewerkschaftsinternationale (Reo Intern tional cf Labor Unions), die
nichts weiter a l s eine F i l i a l e der Komintern d a r s t e l l t , stark in Mitleidenschaft
gezogen. Dessenungeachtet versuchte man, (hierbei s p i e l t der Britische sewerk3chaftsbund eine hervorragende Rolle), eine Ver3taendigung zustande zu bringen.
Die Delegation des Internationalen .Gewerkschaftsbundes, die 1937 Moskau besuchte,
hatte i n dieser Hinsicht jrdoch nur wenig Erfolg.
Nachkriegsentwicklunffen
Als Frankreich 1940 ueberrannt wurde, befand sich der S i t z de« I n t e r nationalen Qewerkschaftsbundes in P a r i s . Mitglieder des S e k r e t a r i a t s konnten
nach London entkommen, wo ihnen der Britische Gewerkscheftsbund Bueroraeume
zur Verfügung s t e l l t e . Waehrend dca Krieges versammelten s i e Gewerkschafter
um s i c h , die es vorgewogen hatten, das von den Nazis besetzte Europa zu verlassen. Die Propasandataetigkeit wurde f o r t g e s e t z t . Dann e r l e b t e der Weltgewerkschaftsbund (World Federation of Trade Unions) im Jahre 1945 seine Auferstehung.
. Warum die Gewerksvhaften Englands und der anderen Laender aus dem Weltgewerkschaftsbund austraten, um eine neue Gewerkschaftsinternationale zu bilden,
die frei von kommunistischer Beherrschung und Bevormundung war, wurde b e r e i t s
in Eerichten g e s c h i l d e r t , die dem Bridlington Kongress des Britischen Gewerkachaftsbundes im September 1949 vorgelegt wurden. Mit ueberwaeltigender
3timir.enmrhrheit wurde cort der Entschluss des Verrcaltun.^srates gutgeheissen.
"Labour"
Magazin des Britischen Gewerkschaftsbundes, Dezember 1949

�ROBERT NATHAN* »LEBETESTMg)ARD DES AMERIKANISCHEN ARBEITERS KANN UND MU53
ERWEITERT WERDEN."

Wir geben Auszuege aus einer Rundfunkansprache des Volkswirtschaftlers Robert R. Nathan wieder, der jede Woche im
Namen des CIO ueber die Rundfunkstation WCFM in Washington spricht.
In den vergangenen zwei Wochen haben Praesident Truman und seine Berater
Dokumente veroeffentlicht, die wohl die wichtigsten wirtschaftlichen Feststellungen enthalten, die die Regierung je herausgegeben hat. Dazu gehoeren
die Botschaften des Presidenten ueber den Haushalt, die Wirtschaft und die
allgemeine Lage in den Vereinigten Staaten, der Jahresbericht und der Rückblick des Wirtschaftlichen Beratungssusschusaes. In all dem «erden die
Vorgaenge der Vergangenheit beleuchtet, Schlussfolgerungen fuer die Gegenwert
gebogen und Vorschlaege fuer die Zukunft gemacht.
Ein gemeinsames Thema laeuft wie ein Faden durch all diese Dokumentet
Erweiterung und Fortschritt. Es wird darin wiederholt betont, dass wir die
jetzige Produktion und die Iebensstandarde erweitern koennen und muessen, und
dass diese Erweiterung allen Schichten unserer Gesellschaft zugute kommen amss.
Wenn man sich hoehere Produktionsziele fuer die Zukunft gesteckt hat, so
war es nicht noetig, dunkle Zauberkuenste hierfuer in Anspruch zu nehmen. Man
braucht nur die Vergangenheit zu studieren, um sich eine vernuenftige Basis
schaffen zu koennen, von der aus man die Moeglichkeiten der kommenden Jahre
ueberblicken kann. Da* Neuartige liegt in der Tatsache, dass der Praesident
dieser maechtigen Vereinigten Staaten die nationalen Ziele klar umrissen
und erklaert hat, wie sie erreicht werden koennen«
•

Das Vertrauen in das System der freien Wirtschaft wird erneut zum Ausoruck gebracht. Das Anwachsen und die Entwicklung der Geschaeftstaetigkeit
werden empfohlen. Man ruft zur Zusammenarbeit zwischen Geschaeft und Regierung
auf. Man spricht Geschaeftsleuten. Arbeitern und Bauern fuer ihre groessere
Einsicht und Zurueckhaltung in dem "sicheren Uebergang von der Inflation zur
groesseren Stabilitaet," Anerkennung aus. So sieht Praesident Truman die
Entwicklung im Jahre 1949»
Heiast das alles, dass die Regierung versucht, das Geschaeft mit freundlichen Worten und Schmeicheleien fuer politische Zwecke zu gewinnen? Ich denke
nicht.
Umsichtige Fuehrer der Geschaeftswelt wissen, welche Gefahren mit einem
rapiden Aufschwung oder Rueckgang verbunden sind. Sie sind sich darueber im
klaren, doss arbeitslose ?.fenschen arme Verbraucher sind. Die grosse Frage
heiast hier jedochi Was muss getan werden, um die Stabilitaet zu foerdern, und
wer mu3S es tun?
Ueber die Rolle, die der Regierung in dieser Aufgabe zufaellt, ist man
sich keineswegs einig. Der Wirtschaftliche Beratungsausschuss haelt an seinem
Standpunkt fest, dass die Regierung eine Umgebung schaffen muss, in der Geschaefts
leute, Arbeiter und Bauern an dem ununterbrochenen Fortschritt Anteil haben
koennen.
Das bedeutet einfach, dass die Regierung die seit 15 Jahren cestohende
Forderung der amerikanischen Oeffentlichkeit nicht uebergehen kann, - naemlich,
dass sie sich eine» wichtigen Verantwortung unterziehen muss und eine aktive
Rolle in wirtschaftlichen Angelegenheiten zu spielen hat.
Ausgedehnte Kapitalanlagen fuehren zur Erweiterung der Unternehmen und
ihrer Ausruestung an Maschinen. Diese erhoehte Kapazitaet wird jedoch nur
von Vorteil sein, wenn.auch der Verbrauch eine entsprechende Steigerung erfaehrt.

Das heisst mit anderen Worten, dass wir mit der Erhoehung unserer Produktions
kapazitaet mehr und mehr »erbrauchen muessen, wenn diese Kapazitaet voll und

-k-

�laufend v e r w e r t e t werden s o l l .
Der W i r t s c h a f t l i c h e Beratungsausschusa z i e h t h i e r a u s n a t u e r l i o h d i e S c h l u s s f o l g e r u n g , daaa es durch p r i v a t e und o e f f e n t l i e h e Bemuehungen g e l i n g e n muss,
den Verbrauch zu s t e i g e r n , d e r a u g e n b l i c k l i c h n i c h t hoch genug l i e g t , um d i e
V o l l b e s c h a e f t i g u n g g e w a e h r l e i s t e n zu koennen.
Wenn aber der Absatzmarkt n i c h t das a b s o r b i e r e n kann, was i n u n s e r e r
I n d u s t r i e p r o d u z i e r t werden kann, dann l i e g t das n i c h t an unserem Volk, weil
es etwa nich - 5 wuenscht, mehr zu v e r b r a u c h e n . Es l i e g t vielmehr an der Kaufk r a f t und der V e r t e i l u n g u n s e r e s Gesaitvermoegens. I c h bin g e w i s s , dass nur
wenige u n s e r e r Zuhoerer e s a l s Haerte empfinden wuerden, g r o e s s e r e und b e s s e r e
Wohnungen und mehr und b e s s e r e Kleidung und Nahrungsmittel zur Verfuegung zu
haben. Es d r e h t s i c h um d i e M i t t e l , um d a s , was wir benfttigen und wuenschen,
kaufen zu koennen.
Es s c h e i n t uns u n s i n n i g , d a s s wir uns mit dem Krebsging u n s e r e r W i r t s c h a f t ,
mit A r b e i t s l o s i g k e i t und g e s c h l o s s e n e n B e t r i e b e n abfinden s o l l e n , nur w e l l wir
k e i n e P o l i t i k t r e i b e n und Methoden a u s a r b e i t e n w o l l t e n , d i e eine ausreienende
Kaufkraft ge;3ichert h a e t t e n .
•The CIO News"
1 6 . Januar 1949
ARBEITER ISRAEL3 STUDIEREN PRODUKTIONSMETHODEN IM AUSLAND
Eine Gruppe von 5 0 - 55 A r b e i t e r n I s r a e l s wird i n s Ausland g e s c h i c k t werden,
um i n v e r s c h i e d e n e n I n d u s t r i e s t a a t e n Produkt!onsmethoden im Rahmen e i n e s Prograirms
zu s t u d i e r e n , das H i s t a d r u t , d e r Gewerkscbaftsbund J u e d i s c h e r A r b e i t e r In I s r a e l ,
angekuendigt h a t .
Die Arbeiterhochschule d i e s e s Gewerkschaftsbundes gab im Dezember e i n e n
1 0 - t a e g i g e n Lehrgang, an dem nahezu 100 g e l e r n t e F a b r i k a r b e i t e r aus 75 W e r k s t a e t t e n
und B e t r i e b e n d e r M e t a l l - , T e x t i l - , L e d e r - , D r u c k e r e i - , G l a s - und N a h r u n g s m i t t e l i n d u s t r i e t e i l n a h m e n . Dieser Lehrgang s t e l l t einen T e i l e i n e s Programms d a r ,
das v o r s i e h t , i n den B e t r i e b e n gemeinsame Produkt!onsausschuesse zu b i l d e n und
A r b e i t e r v e r t r e t u n g e n zum Studium von P r o d u k t i v i t a e t s m e t h o d e n i n s Ausland zu
schicken.
Die Teilnehmer d i e s e s Lehrgangs wurden von l o k a l e n Gewerkschaftsvorstaenden
und n a t i o n a l e n Gewerkschaften i n Beratung mit dem GewerkschHftsbund H i s t a d r u t
ausgewaehlt«, Nach Beendigung des Lehrgangs kehren a i e zu i h r e n A r b e i t s p l a e t z e n
z u r u e c k , wo s i e s i c h a k t i v an der g e p l a n t e n Bildung gemeinsamer P r o d u k t ! o n s a u s s c h u e s s e b e t e i l i g e n werden.
S p a c t e r h i n wird man 5 0 * 55 d i e s e r Lehrgangsteilnehmer aussuchen, d i e mit
fcrbeitervertretungen
v e r s c h i e d e n e Laender besuchen s o l l e n , um d o r t mehrere Monate
lang Erfahrungen sammeln und s i c h a u s b i l d e n zu koennen. In jedem Lande wird man
es ihnen ermoeglichen, e i n e Z e i t l a n g i n solchen B e t r i e b e n p r a k t i s c h a r b e i t e n zu
koennen, d i e i h r e n eigenen i n I s r a e l i n Groesse und Art a e h n l i c h s i n d .
•The CIO News»
6 . Januar 1950
LEbEJ)BHALTLT:-r^K03TEN IN POLEN
N e u e r l i c h e n Schaetzungen ueber d i e Kosten d e r w i c h t i g s t e n Nahrungsmittel i n
Polen zufolge muss man i n Polen d u r c h s c h n i t t l i c h d r e i - b i s viermal solange wie i n
Westeuropa a r b e i t e n , um d i e notwendigen L e b e n s m i t t e l kaufen zu koennen. Diese
Angaben s t a r n e n von A. S k r o d z i , einem ehemaligen p o l n i s c h e n GewirkschaftsfurJctionaer,
der 3 i c h nun im E x i l i n F r a n k r e i c h a u f h a e l t .
Unter Zugrundelegung e i n e r vom z e n t r a l p o l n i s e h e n s t a t i s t i s c h e n Buero veroeff e n t l i c h t e n P r e i s l i s t e und d e r o f f i z i e l l e n Durchschnittseinkommen i n Polen e r m i t t e l t e Mr. S k r o d z i achaetzungsweise d i e Kaufkraft d e r Arbeiter i n d i e s e r Nation
h i n t e r den E i s e r n e n Vorhang. S e i n B e r i c h t wurde i n e i n e r neueren Ausgabe des

-5 -

�»Exilgewerkschafter" v e r o e f f e n t l i c h t , e i n e Z e i t u n g , d i e von e i n e r Qrüppe von
Gewerkschaftern i n P a r i s herausgegeben wird, d i e aus den kninrmj.nl3tisch
b e h c r r a c h t e n Laendern geflohen sind*
Ein V e r g l e i c h der S t a t i s t i k e n Mr. S k r o d z i s ueber Polen und s o l c h e r aus
westeuropaeischen Laendern, d i e von z u v e r l a e s s i g e n s t a t i s t i s c h e n D i e n s t s t e l l e n
zusammengetragen wurden, w e i s t eine g r o s s e U n t e r s c h i e d l i c h k e i t i n d e r Kaufkraft
d e r A r b e i t e r d i e s - und j e n s e i t s des E i s e r n e n Vorhangs auf«
E i n e r k u e r z l i c h i n den f r e i e n Laendern durchgefuehrten Erhebung zufolge
ueber d i e Kaufkraft fuer L e b e n s m i t t e l , gemessen an dem Stundenlohn e i n e s
A r b e i t e r s , s t e h e n A u s t r a l i e n und d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n an e r s t e r , bezw,
zweiter S t e l l e . Frankreich hat die vierzehnte S t e l l e i n d i e s e r Liste inne..
Und t r o t z d e m l i e g e n d i e V e r h a e l t n i s s e fuer den f r a n z o e s i s c h e n Durchs c h n i t t s a r b e i t e r weit b e s s e r a l s fuer den p o l n i s c h e n , wie d i e folgenden
V e r g l e i c h e beweisen!
Um zwei Pfund Schweineschmalz kaufen zu koennen, muss d e r f r a n z o e s i s c h e
A r b e i t e r zwei Stunden a r b e i t e n gegenueber s i e b e n S t u n d e n , d i e der p o l n i s c h e
A r b e i t e r zum Kauf d i e s e r Ware b e n o e t i g t ; fuer Margarine (2 Pfund) - i n
F r a n k r e i c h 2\ Stunden, i n Polen 6 S t u n d e n ; Zucker (2 Pfund) - i n F r a n k r e i c h
1 S t u n d e , i n Polen 3 Stunden; Kaffee (2 Pfund) - i n F r a n k r e i c h 4» i n Polen
22 Stunden; F i s c h (2 Pfund) - i n F r a n k r e i c h l£ S t u n d e , i n Polen 6£ S t u n d e n ;
Milch ( 1 L i t e r ) - i n F r a n k r e i c h 22 Minuten, i n Polen 5 0 Minuten; E i e r
( 1 Dutzend) - i n F r a n k r e i c h 1 Stunde und 45 Minuten und i n Polen 4 Stunden
und 45 Minuten«
ECA Labor I n f o r m a t i o n
3 0 . Januar 1950
WAS IST FALSCH AM TAFT-HARTLEY GSSETZ7
(Von Maurice J . Tobin, U3 A r b e i t s m i n i s t e r )
Anmerkung des Herausgebers 1 Der folgende A r t i k e l s t e l l t
e i n e Zusammenfassung der E r k l a e r u n g des US A r b e i t s m i n i s t e r s
Tobin d a r , d i e e r mit Bezug auf das T a f t - H a r t l e y Gesetz vor
dem Kongress abgegeben h a t . Er s o l l e i n e Beantwortung d e r
z a h l r e i c h e n Anfragen s e i n , i n denen man den M i n i s t e r um s e i n e
gegenwaertige Stellungnahme zu diesem Gesetz und d i e Eegruendung s e i n e r Meinung g e b e t e n h a t t e . Das T a f t - H a r t l e y - G e s e t z
b e d e u t e t e i n e s o w e s e n t l i c h e V e r s c h l e c h t e r u n g der a m e r i k a n i schen A r b e i t s g e s e t z g e b u n g , d a s s es nicht, nur e i n e n E n t r u e s t u n g a sturm i n n e r h a l b der amerikanischen A r b e i t e r s c h a f t h e r v o r r i e f ,
sondern p r a k t i s c h zur p o l i t i s c h e n M o b i l i s i e r u n g der f r u e h e r
p o l i t i s c h n e u t r a l e n Gewerkschaften f u e h r t e . S e i t der Verabschiedung des T a f t - H a r t l e y Gesetzes s i n d , d i e beiden amerikan i s c h e n Gewerkschaf tsbuende p o l i t i s c h a u s s e r o r d e n t l i c h a k t i v .
Wie i c h b e r e i t s vor dem Kongress e r k l a e r t h a b e , h a t das T a f t - H a r t l e y
Gesetz e i n e Einschraenkung des Rechtes d e r A r b e i t e r zur Folge g e h a b t , s i c h
zu o r g a n i s i e r e n und Kollektiv-Verhandlungen zu f u e h r e n . Das Gesetz war das
Ergebnis e i n e r a r b e i t e r f e i n d l i c h e n E i n s t e l l u n g und H y s t e r i e . I c h e r i n n e r e
an S e n a t o r Aiken, d e r am 12. Mai 1?47 v ° r dem S e n a t e r k l a e r t e t
•Es i s t e r s t a u n l i c h , deas M i t g l i e d e r des S e n a t s i h r e n Gleichmut bewahren
koenren und nach b e s t e u Gewissen fuer d i e s e s Gesetz stimmen, nur w e i l s i e
d e r i n t e n s i v s t e n , umfassendsten und b o e s a r t i g s t e n Propaganda a u s g e s e t z t waren,
mit der man je e i n e n Kongress b e e i n f l u s s t hat»
•Ich spreche n i c h t von dem Pxcpagandafeldzug der Gewerkschaften, obwohl
i c h auch davon n i c h t v i e l h a l t ? . Wt« i c h meine, i s t e i n e Propaganda, d i e wohl
M i l l i o n e n D o l l a r g e k o s t e t h a t . I c h w^ere n i c h t u e b e r r a s c h t , wenn s i c h d i e
Gesaiiitkosten fuer d i e s e Kampagne auf IOC M i l l i o n e n D o l l a r b e l i e f e n . Im

- 6 -

�Fruehjahr vorigen Jahres berichtete ich dem Senat, dass a l l e i n der Werbefeldzug
im Maerz, den der Nationale Fabrikantenverband gegen die Arbeiterschaft gefuehrt
hat, 2 Millionen Dollar kostete; und diese Behauptung hat man bis heute noch
nicht widerlegen koennen, obwohl seitdem ein Jahr verstrichen i s t . »
Das Taft-Hartley Gesetz muss vom Kongress widerrufen werden. "The Christian
Science Monitor« s t e l l t e in einem Leitartikel am 17. Januar 1949 f e s t i
"Seit der grossen Streikwelle und dem Entstehen des Taft-Hartley Gesetzes in
den Jahren 1946 und 1947 i s t v i e l Wasser ins Meer geflossen. Etliche, allgemeine
Mutmassungen haben sich nicht e r f u e l l t . Es duerfte inzwischen eigentlich klar
geworden sein, dass die grosse Masse der Arbeiter Amerikas wuenscht, Gewerkschaften
anzugehoeren und zwar aus eigenem, freien Entschiusa heraus; dass die Arbeiterschaft im allgemeinen ihren Fuehrern verschreibt, was s i e tun s o l l e n , und sie
unterstuetzt; und dass ferner die amerikanische Arbeiterschaft, mit ganz wenig
Ausnahmen, politische Streiks oder kommunistische Machenschaften ebenso wenig
liebt wie die Amerikaner im allgemeinen«
Wie wahr diese Feststellungen sind, beweisen die Ergebnisse der Arbeiterabstimmungen ueber das •union-shop" Svstem (nach diesem System verpflichtet
sich der Arbeitnehmer bei seiner Einstellung, der Gewerkschaft innerhalb einer
bestimmten Frist beizutreten), die von dem Bundeseusschuss fuer Arbeitsfragen
(National Labor Relations Board) nach Inkrafttreten des Taft-Hartley Gesetzes
durchgefuehrt wurden.
Dieses Gesetz hat Verwirrungen auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen der
Arbeiter zu den Gewerkschaften mit sich gebracht, es hat die Möglichkeiten
des Eollektiwerhandelns begrenzt, die Regierung unnoetigerweise mit Arbeitss t r e i t i g k e i t e n in Verbindung gebracht und die Hechte der Arbeiter beschnitten«
Zu den grundlegenden Fehlern des Gesetzes zaehlen folgendet
1« Das Verbot der WohlfahrtsVereinbarungen der Gewerkschaften, die sieh
s e i t mehr als hundert Jahren nutzbringend - sowohl fuer den Arbeiter als auch
fuer den Unternehmer - erwiesen haben.
2. Die besondere Betonung, die in dem Gesetz auf die Anwendung von Verordnungen gelegt wird, um Arbeitsstreitigkeiten beizulegen.
3*

Die Abtrennung des Bueros fuer Schlichtungswesen vom Arbeitsministerium.

4* Die unbesehrsenkten Vollmachten, mit denen das Gesetz den Obersten
Anwalt des Hundesaussehr3ses fuer Arbeitsfragen ausgestattet hat, und die ihn,
man koennte sagen, zu einem "Zaren der Arbeiterschaft" machen.
5* Die Bestimmung des Gesetzes, zahlreiche Wahlen durchzufuehren, die eine
staendig ungeklaerte Situation in den Wechselbeziehungen Arbeitnehmer-Arbeitgeber schaffen.
6. Diu Bezeichnung der friedlichen Streikposten als gesetzmaessig unzulaessig.
7»

Dan Verbot, Beitraege fuer die Gewerkschaft vom Lohn abzuziehen.

8. Die Verweigerung des Wahlrechts
lichen Streiks befinden.

fuer Leute, die sich in wirtschaft-

9» Das Recht der Arbeitgeber, Abstimmungen ueber BetriebsVertretungen
zu beantragen.
10.

Die den Stanken- und Wohlfahrtskassen auferlegten Einschraenkungen.

11. Die Moeglichkeit, die bundesstaatliche Gerichtsbarkeit aufzugeben,
wenn die staatlichen Gesetze den Wohlfahrtsvereinbarungen der Gewerkschaften
groessere Eies ehr Senkungen auferlegen.
- 7

�12. Das allgemeine Verbot politischer Zuwendungen und Ausgaben der
Gewerkschaften»
13»

Das Recht, Schadenersatzansprueche an die Gewerkschaften zu stellen.

14. Die unterschiedslose Aechtung aller mittelbarer Boykotts, ob sie
berechtigt sind oder nicht.
15» Die mandatmaessigen Verordnungen, die im Falle gewisser unfairer
Methoden der Gewerkschaften erlassen werden koennen.
16. Die eingehenden, nicht zu umgehenden Untersuchungsverfahren, einschliesslich einer Wartezeit von 80 Tagen, die bei dringenden Streitfällen
durch Verordnung auferlegt werden; dazu das Verbot, Untersuchungsausschuesse
hinzuziehen» die den Parteien helfen koennten, solche Streitigkeiten beizulegen.
In einem Leitartikel der "Business Week" vom 18. Dezember hiess est
"•Der grosse Fehler des Taft-Hartley Gesetzes ist, dass es zu weit ging. Es
hat den Charakter eines Gesetzes verloren, das fuer sich beansprucht, nur zu ordne
und nicht zu zerstoeren.
-

"Bei einer Arbeitslosigkeit mehrerer Millionen und einer Regierung in
Washington, die nicht fuer die Gewerkschaften eingestellt war* kann man sich
vorstellen, dass dieses Gesetz die Gewerkschaftsbewegung haette zugrunde richten
koennen.
•Die folgenden Bestimmungen des Taft-Hartley Gesetzes waren dazu angetan,
diese Zerstoerung zu bewerkstelligen! (1) durch Verordnungen kann es verhindert
werden, Streikposten zu stellen; (2) die Arbeitnehmer koennen eine Abstimmung
fuer oder gegen Kollektiwerhandlungen verlangen; (3) Streikenden kann das Wahlrecht abgesprochen werden - damit zaehlen nur die Stimmen der NichtStreikenden;
und wenn (k) die Wahlen zuungunsten der Gewerkschaft ausfallen, muss die Regierung dieses Ergebnis fuer gueltig und gesetzlich erklaeren.
"Sobald ein Reservoir an ueberzaehligen Arbeitskraeften besteht, mit denen
ein Arbeitgeber die Streikenden zumindest symbolisch ersetzen kann, koennen diese
vier Bestimmungen, zusammen angewendet, vermutlich eine Gewerkschaft zugrunde
richten.
"Indem das Gesetz soweit geht, macht es sich selber wertlos."
Das Taft-Hartley Gesetz ist auch aus einem anderen Grunde unwirksam. Man
versuchte damit, Millionen von Arbeitern Verhaltungsmassregeln aufzuzwingen, mit
denen sie und Millionen ihrer amerikanischen MLtbuerger nicht einverstanden sind.
Man liess ausser acht, dass die Arbeiter die ueberwaeltigende Mehrheit unseres
Volkes ausmachen und das Rueckgrat der Nation darstellen. Die erdrueckende
Mehrheit von 15 Millionen organisierter Arbeiter der Vereinigten Staaten wendet
sich mit Entschiedenheit gegen das Taft-Hartley Gesetz. Ihre Auffassungen und
Beduerfnisse koennen nicht einfach uebergangen werden. Wie Abraham Lincoln
sagtet "Alles, was fuer die Arbeiterschaft von Nutzen ist, dient der gesamten
Nation» Alles, was der Arbeiterschaft zum Nachteil gedeiht, ist Verrat» Zwischen
diesen beiden ist kein Kompromiss moeglich,»
Das Taft-Hartley Gesetz stellt eine ungesunde und zersetzende Macht dar»
Die Aufhebung des Gesetzes wuerde die guten Beziehungen zwischen Arbeitern und
Unternehmern foerdern»
Labor Press Service
U.S» Department of Labor
Woche des 12. Dezember 1949

- 8 -

�SAMUEL GOMPIRS' LEBHCGlSCrllCIirE
Wie nur wonigen Maennern war es Samuel Gompers v e r g o e n n t , zu e i n e r
h i s t o r i s c h e n Z e i t e i n e r Armee von Menschen auf e i n e r bedeutsamen S t r a s s e
a l s leuchtendes B e i s p i e l v o r a n z u s c h r e i t e n . S e i n Banner wird nun von acht
M i l l i o n e n Arbeitern g e t r a g e n und z i e h t d i e Blicke der gesamten Welt auf s i c h .
So s i s h t , kurz zusammengefasst, s e i n e Lebensgeschichte aust
Samuel Gompers e r b l i c k t e an 27 # Januar I850 im Londoner Osten das Licht
der Welt. Er war der Sohn des Solomon und d e r Sarah (Rood) Gompers, d i e
beide aus Holland stammten. Seine E l t e r n und deren Vorfahren waren A r b e i t e r .
Nach e i n e r S c h u l a u s b i l d u n g von nur v i e r Jahren war Samuel im A l t e r von
10 Jahren b e r e i t s gezwungen, d i e Buerden s e i n e r Familie t r a g e n zu h e l f e n . Er
e r l e r n t e d a s Schuhmacherhandwerk, ohne jedoch G e f a l l e n an diesem Beruf zu
f i n d e n . So wandte e r s i c h dem Handwerk s e i n e s Vaters zu und wurde Z i g a r r e n raacher.
Üfl Gompers 13 Jahre a l t war, wanderte s e i n e Familie nach Amerika a u s .
Nachdem der junge Mann das Zigarrenmacherhandwerk u n t e r d e r Leitung s e i n e s
Vaters e r l e r n t h a t t e , wurde e r G e s e l l e und t r a t i n d i e e n g l i s h s p r e c h e n d e
ZigarrenmachTgewerkschaft d e r S t a d t New York, d i e ehemalige Lokalge werkschaft
Nr. 1 5 , e i n .
Z u e r s t s t a r k von d e r menschenfreundlichen Arbeit d e r W o h l f a h r t s v e r e i n i gungen angezogen, widmete s i c h d e r junge Gompers den guten Werken d e r Logeng e s e l l s c h a f t e n . Als e r jedoch d i e k o n s t r u k t i v e n Moeglichkeiten erkannt h a t t e ,
d i e ihm d i e Gewerkschaft boten* s t e l l t e e r a l l s e i n e n E i f e r und s e i n e F a e h i g k e i t e n i n den Dienst d e r Gewerkschaftsbewegung. Z u e r s t wurde e r Fuehrer e i n e r
Lokalgöwerkschaft und s p i e l t e dann i n a l l e n A r b e i t s a n g e l e g e n h e i t e n d e r S t a d t
New York e i n e massgebliche R o l l e .
Er a r b e i t e t e s i c h i n s e i n e r i n t e r n a t i o n a l e n B e r u f s o r g a n i s a t i o n , der
I n t e r n a t i o n a l e n Zigarrenmachergewerkschaft, empor und erwarb s i c h einen Ruf
und e i n Ansehen, d i e es ihm e r m o e g l i c h t e n , an den allgemeinen Bemuehungen
zur Gruendung e i n e s n a t i o n a l e n Gewerkschaftsbundes im Jahre 1881 m i t z u a r b e i t e n .
Er b e t a e t i g t e s i c h a k t i v i n d i e s e r O r g a n i s a t i o n , war 3 Jahre P r a e s i d e n t und
2 Jahre Mitglied des gesetzgebenden Ausschusses. Nach d e r Verschmelzung des
a l t e n Bundes mit neuen Gewerkschaften, d i e den Namen American F e d e r a t i o n of
Labor t r u g e n , war e r s t a e n d i g , mit Ausnahme des J a h r e s 1895• d e r e n P r a e s i d e n t ,
Samuel Gompers a r b e i t e t e b i s zum A l t e r von 37 J a h r e n . a l s Zigarrenmachor.
A l l s e i n e F r e i z e i t widmete e r d e r o r g a n i s a t o r i s c h e n Arbeit und o p f e r t e sogar
d i e wenigen Stunden s e i n e s F a m i l i e n l e b e n s , d i e den Arbeitern der damaligen
Z e i t zur Verfuegung s t a n d e n . Er s t a n d v i e l e Jahre an der S p i t z e s e i n e r
i n t e r n a t i o n a l e n Gewerkschaft. T r o t z z a h l r e i c h e r G e l e g e n h e i t e n , p o l i t i s c h e
P o s i t i o n e n zu b e k l e i d e n und s i c h an unternehmen zu b e t e i l i g e n , d i e ihn e i n e n
r e i c h e n Kann gemacht h a e t t e n , h i e l t Gompers an seinem I d e a l f e s t , das d a r i n
b e s t a n d , das Leben des A r b e i t e r s zu v e r b e s s e r n .
»
1886' wurde er zum e i n z i g e n , dauernd a n g e s t e l l t e n V e r t r e t e r des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL b e s t e l l t . Von d i e s e r Z e i t an war er unentwegt
damit b e s c h a e f t i g t , d i e Entwicklung e i n e r w i r t s c h a f t l i c h e n Arbeiterbewegung
zu f o e r d e r n . Unter s e i n e r z i e l b e w u s s t e n , k o n s t r u k t i v e n Fuehrung wurden wirkl i c h e Erfolge e r z i e l t .
Er e r k a n n t e , d a s s d i e w i r t s c h a f t l i c h e O r g a n i s a t i o n a l l e n E r f o r d e r n ! ä s e n
d e r Gewerkschaft g e r e c h t werden k o e n n t e , und b e f ü r w o r t e t e d e s h a l b d i e Mobil i s i e r u n g der w i r t s c h a f t l i c h e n Kraefte d e r a r b e i t e n d e n Klasse auf p o l i t i s c h
n e u t r a l e r B a s i s . Als Fuehrer e i n e r a g g r e s s i v e n , p o l i t i s c h n e u t r a l e n A r b e i t e r bewegung b r a c h t e e r im Jahre 1906 b e i den z u s t a e n d i g e n p o l i t i s c h e n Fuehrerns e i n e Beschwerden i n Form e i n e s Antrages v o r .
Diese P o l i t i k wurde mit zunehmendem E r f o l g w e i t e r g e f u e h r t , und d e r
Kongress e r l i e s s w e s e n t l i c h e A r b e i t s g e s e t z e .

- 9 -

�Samuel Campers ist es hauptsaechlich zu verdanken, wenn dieses grundlegende Prinzip gesetzlich verankert wurde, das besagt, dass die menschliche
Arbeit keine verkaeufliehe Ware ist.
Erfahrungsgemaess und aus Sympathie war Samuel Gompers Pazifist. Als im
Jahre 1916 jedoch die Moeglichkeit eines Krieges auftauchte, war er mit einer
der ersten, die ihrem Lande ihre volle Unterstuetzung versprachen, und zwar
tat er dies in seinem eigenen Namen und im Namen der Organisation, deren Fuc-hrer
er war.
Seinem Einfluss und seiner Entschlossenheit war es grösstenteils zu verdanken, dass die Arbeiterbewegung ungeschwaecht blieb trotz geschickter und
verlockender Propaganda, die den Alliierten haette verderblich werden koennen.
Die Arbeiterschaft stand hinter der Regierung, und unter der Fuehrung von
Samuel Gompers gab sie ihr Bestes zum Wohle der Demokratie. Unter Einsatz
«eines eigenen Lebens unternahm er waehrend des Kriege* mehrere Seereisen,
um in einer gefahrlichen Stunde die Arbeiter der alliierten Laender zusamnenschliessen zu helfen*
Er wurde von Praesident Wilson zum Mitglied der Kommission fuer Internationale Arbeitsgesetzgebung bei der Friedenskonferenz in Versailles ernannt«
Auf der ersten Tagung der Kommission wurde er einstimmig zum Praesidenten gewaehlt« Die Kommission entwarf die im Friedensvertrag festgelegte Charta fuer
Arbeitsangelegenheiten, die den Arbeitern aller Laender gleiche Möglichkeiten
fuer bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen garantierte.
Im ersten Nachkriegsjähr half Gompers tatkraeftig mit, die Zeit der Arbeitslosigkeit und Unruhen zu ueberwinden, die ohne seine Unterstuetzung von aufkeimenden revolutionaeren Ideen gefaehrdet worden waere, die zu jener Zeit die
ganze Welt bedrohten.
Es gelang ihm, die Moral innerhalb seiner Organisation aufrechtzuerhalten
und alle Anschlaege abzuwehren, die dazu bestimmt waren, die Gewerkschaftsbewegung im Verlaufe ihrer Neuordnung zu zerschlagen. Mit besonderem Interesse
setzte er sich fuer eine Stabilisierung der Produktion ein, um somit den Arbeitern der ganzen Welt einen hoeheren Lebensstandard ermoeglichen zu koennen.
Die internationalen Demonstrationen in El Paso, Juarez und Mexiko City,
die die ganze Welt aufhorchen Hessen, stellten eine Vollendung hoechsten Grades
der Plaene und Taetigkeiten Gompers dar, die sich ueber viele Jahre erstreckt
hatten. Er half, einen mexikanischen Gewerkschaftsbund zu bilden und wohnte
den Feierlichkeiten bei der ersten konstitutionellen Amtsuebernahme durch einen
Praesidenten beij und dieser Praesident war von den Arbeitern Mexikos gewaehlt
worden.
Als Gompers am 13. Dezember 1924 starb, wurde er mitten aus seiner Arbeit
herausgerissen. Er war gerade einstimmig zum Praesidenten des Amerikanischen
Gewerkschaftsbundes AFL .und des Panamerikanischen Gewerkschaftsbundes, dessen
Gruender ,er gewesen war, wiedergewaehlt worden. Seine letzten Worte galten
der Republik, die ihm so sehr ans Herz gewachsen wari
•

"Gott segne unseren amerikanischen S t a a t .
zu g r o e s s e r e r Vollkommenheit e n t w i c k e l n . »

Moege e r s i c h von Tag zu Tag

•American F e d e r a t i o n of Labor"
Weekly News S e r v i c e
3 . Januar 1950
EINE NORWEGISCHE PRODUKTIVST teTS-TEAM BESUCHT AMERIKA
Norwegen h o f f t , durch g r o e s s e r e i n d u s t r i e l l e L e : s t u n g s f a e h i g k e i t und g e s t e i g e r t e P r o d u k t i o n s l e i s t u n g den h e r r s c h e n d e n Mangel an A r b e i t s k r a e f t e n beheben
zu koennen. Zu diesem Zweck b e r e i t e t man s i c h nun darauf v o r , e i n aus 14 Techn i k e r n . A r b e i t e r v o r g e s e t z t e n und A r b e i t e r n bestehendes Team nach den V e r e i n i g t e n
S t a a t e n zu s c h i c k e n , um d o r t 6 Wochen l a n g Arbf itsmethoden i n Maschinenwerk-^a-,. t t e r
zu s t u d i e r e n «
- 10 -

�Dieaer vt.n der Marahall-Plan-Verwaltung im Rahmen dea Programms zur
Techniachen Unterstuetzung ermceglichte Beauch wird am 8. Februar beginnen.
Die Mitglieder der Abordnung gehoeren der Schiffabau- oder stahlerzeugenden
Induatrie Norwegena an.
Die Studien werden sich auf amerikanische Methoden zur Schaffung besserer
Arbeitsbedingungen und auf verbesserte Betriebsleitungsmethoden in Maschinenwerkataetten konzentrieren» Ala die Arbeiterregierung Norwegens um die Genehmigung dieaea Frojektea erauchte, wiea aie darauf hin, daaa ihre Bemuehungen
zur Steigerung der allgemeinen Produktionsleistung Hand in Hand gingen mit dem
Bestreben, die Leiatungafaebigkeit jedes einzelnen Arbeiters zu erhoehen, und
daaa man hoffe, mit dieaer grcesaeren Leistungsfaehigkeit den besorgniserregenden Mangel an Arbeitakraeften beseitigen zu koennen.
Bevor die Delegation Norwegen verlaesst, aehen aich die einzelnen Mitglieder
in zahlreichen norwegischen Betrieben um, um die in ihrem Lande angewendeten
Methoden mit denen Amerikas vergleichen zu koennen. Die Delegierten wurden
auaaerdem ueber die Verhaeltniaae in den entsprechenden Industriezweigen in
Kenntnis gesetzt und in Methoden unterrichtet, die ea ihnen in wirksemer
Weise ermceglichen aollen, den Arbeitern und Unternehmern nach Beendigung
ihrer Reise die Brgebniaae ihrer Studien mitzuteilen»
3CA Labor Information
27. Januar 1950

HOHER WARENVEKPRATUH IN AMERIKA.
"Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten funktioniert am besten, wenn
die Geschaeftaleute die Preise ihrer Produkte niedrig halten, um dadurch
den Verbrauch zu steigern," erklaerte der amerikanische Handelsminister
Charlea Sawyer in einer Ansprache, die er unlaengst vor einer Konvention von
GeschaeftBleuten in Atlantic City, N.J., gehalten hat.
Durch die Erhoehung der Lcehne und die Senkung der Preiae in den Vereinigten
Staaten im Jahre 1949 f &gt;r dieaea Jahr daa beate, das der Durchachnittaverbraucher
in der Wirtschaftsgeschichte Amerikas je erlebt hat, versicherte der Handelsminister. Bei niedrigen Preiaen und hoeherem Verbrauch waere ea den Verbrauchern
moeglich gewesen, mit weniger Arbeit mehr Waren und Dienatleistungen kaufen zu
koennen»
Mr. Sawyer berichtete, dasa das allgemeine Preisniveau de8 Jahrea 1949
gegenueber dem vorangehenden Jehr gesunken sei, was den Wert des Dollars
fuer die Millionen amerikanischer Kaeufer erhoeht haette. Er fuegte hinzu»
•Viel neue und verbesserte Erzeugnisse fanden zum ersten Mal den Weg zum
Merkt. Sa bestand eine weit groeaserc Auswahl an Typen und Q,ualitaeten ala
je zuvor.»
An Hand von Zahlen zeigte er, dass im Laufe der letzten zehn Jahre der
Durchschnittsverbrauch zahlreicher Waren gestiegen ist und schloss mit den
""orten 1 "Diese Art von Fortachritt ist fuer den Verbraucher von grosser
Bedeutung."
ECA Labor Information
1. Februar 1950

GRCESSERS SICHERHEIT DER ARBEITER IN ENGLAND QEFCRDERT.
"Sicherheit der Arbeit fuehrt zu groesserer Produktionsleistung," erklaerte
G.P. Barnett, der Chef der Inapektionsabteiiung, die in den Fabriken "nglanda
Untersuchungen anateilt, in eine« kuerzlich erschienenen Bericht ueber die
Sicherheitsverhaeltniaaa in den Betrieben Englands. Jer Bericht zeigt, dasa
die Zahl der Eetriabaunfaelle in dem Jahr, waehrend dessen die Untersuchungen
durohgefuehrt wurden, um 2CCC gesunken ist.

- 11 -

�T

r . B a r n e t t w i d e r l e g t e d i e Behauptungi dass " d i e Beachtung d e r S i c h e r h e i t s m a s s r e g e l n von d e r e i g e n t l i c h e n Produktion a b l e n k t . "
"Angesichts d e r
U n f a l l s t a t i s t i k i s t d i e s e Behauptung v o e l l i g unbegruendot," s a g t e e r .
"Abgesehen
von derr Verlust an A r b e i t s k r a e f t e n durch I L f a e l l e , hat man f e s t g e s t e l l t , dass
g r o e s s e r e Beachtung s i c h e r e r Arbeitsmetti öden zu w i r k s t r e r Produktion f u e h r t , "
B©r I n s p e k t o r b e r i c h t e t e ! dass nennenswerte F o r t s c h r i t t e gemacht werden
s e i e n , indem d i e Zahl d e r B e t r i e b s u n f a e l l e zurueckgegangen und b e s s e r e S i c i i e r heitsmaesnahmen f u s r d i e A r b e i t e r g e t r o f f e n worden s e i e n . Er wies jedoch
darauf h i n , dass noch v i e l g e t a n werden muesse, um i n den e n g l i s c h e n F a b r i k e n
einen hohen Grad an S i c h e r h e i t und S a u b e r k e i t zu e r r e i c h e n . .Maschinen v e r u r s a c h t e n noch z a h l r e i c h e U n f a e l l e .
Xm Baugewerbe e r e i g n e t e n s i c h noch zu v i e l U n f a e l l e , w e i l s i c h die A r b e i t e r
unnoetigen Gefahren a i s s e t z t e n , f u e h r t e Mr. Barnett w e i t e r a u s . Er s c h l u g v o r ,
die A r b e i t e n im Baugewerbe b e s s e r zu ueberwachen und die A r b e i t e r davon zu
ueberzeugen, dass die Sicherheitsbestimmungen ihnen p e r s o e n l i c h zugute kommen...
Deshalb s e i es unumgaenglieh, dass s i e n i t h e l f e n wuerden, s o l c h e Massnahmen
einzufuehren und s i e zu befolgen.
Der I n s p e k t o r b e r i c h t e t e , di.ss man z a h l r e i c h e Firmen ueberzeugt oder g e zwungen h a e t t e , ungeeignete oder g e f a e h r l i c h e Fabrikgebaeude zu raeumen, und
dass man i n den m e i s t e n F a e l l e n andere Unternehmer g e h i n d e r t h a e t t e , d i e s e
Gebaeude wieder zu b e z i e h e n . Ausserdem s e i e n v i e l e Fabriken neu a n g e s t r i c h e n
und i h r e B e l e u c h t u n g s e i n r i c h t u n g e n v e r b e s s e r t worden. Er b e z e i c h n e t e zu
g r e l l e s L i c h t oder mangelhafte Beleuchtung a l s d i e h a e u f i g s t e n Misstaende, d i e
r a n noch i n v i e l e n W e r k s t a e t t e n a n t r e f f e n koenne«
EGA Labor I n f o r m a t i o n ,
27. Januar 1%0.
- 12 -

Office of Labor
HIC0O, APO 757

Affair,

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Press« und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weiter* Exemplare können kostenlos bei
.
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission f&amp;r Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

11-50

Frankfurt, 17« Februar 1950
IWH A LT 3 V ERZ E I C HN I S

Marshall Plan Komitee fuer Berlin

. . . . . . . g

Praesldent Trumans neues Wohnungsbauprogramm

Schwedischer Aufruf zum Exportieren

- - - 2

- - - - - - - - 3

Zempel und Werts In fuehrenden Positionen des
Bueros fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten - 5
Ein Interessanter Briefwechsel . . . . . . . . .

.6

AFI fuer Solldarltaet der Arbeiterschaft der
ganzen Welt - - - -

— . - - . . - . . - - - - -

Unabhaengigkelt der Arbeltsrichter gefordert

- 1 -

-u

- - -18

�MARSHALL PLAN KOMITEE FUER BERLIN
(Berlin, 12. Januar 1950) - Howard P. Jones, Direktor der
Wirtschaftsabteilung Im Amt der Hohen Kommission In Berlin und
Generalvertreter der Marshall Plan Verwaltung In Berlin, gab
heute bekannt, dass ein Berliner Beratungsausschuss fuer den
Marshall Plan gebildet wurde, der sich aus 12 Mitgliedern zusammensetzt«
Die zwei wichtigsten Aufgaben dieses Komitees werden sein:
(1) Ein Programm fuer langfristige Kapitalinvestierungen
fuer Berlin zu entwerfen, das die Stadt in das gesamteuropaeische
Marshall Hilfsprogramm einbeziehen soll.
(2) Den amerikanischen Oberkommandierenden In Berlin, Generalmajor D. Taylor, und Mr. Jones beratend zur Seite zu stehen«
Das Komitee setzt sich aus Vertretungen der verschiedenen,
mit der Marshall Hilfe in Verbindung stehenden Gruppen Berlins
zusammen, das helsst, Vertretern der Gross- und Klein-Industrie,
des Handels, der Arbeiter und Unternehmer, der Banken und Finanzaemter und des Magistrats.
In Kuerze wird eine Konferenz stattfinden, bei der der Vorsitzende aus den Reihen des Komitees gewaehlt und die organisatorische Arbeit zur Durchfuehrung der gestellten Aufgaben erledigt
wird. Die Bildung eines solchen Komitees .war noetig, weil der
Stadt bereits insgesamt 150 Millionen D-Mark zur Verfuegung gestellt worden sind (95 Millionen aus ECA Gegenwertfonds und 55
Millionen fuer das Westberliner Elektrizitaetswerk, und well im
Fruehjahr weitere Geldmittel angefordert werden muessen«
Die Mitglieder des Komitees sind: Stadtrat Dr. Klingelhoefer,.Wirtschaftsabteilung des Berliner Magistrats; Dr. Paul
Hertz, Magistratsdirektor im Berliner Magistrat; Herr Otto Busack,
Wirtschaftsabteilung des Berliner Magistrats; Dr. Friedrich Ernst,
Vorsitzender des Vorstandes der Berliner Zentralbank; Dr. Franz
Seume, Vizepraesident der Berliner Zentralbank; Direktor Georg
Leipersberger, Siemens-Schuckertwerke A.G.; Direktor Friedrich
Spennrath, AEG; Herr Heinrich Walter, Typograph G.m.b.H.; Herr
Walter Cobler, Turhonwerke; Herr Henneberg, Elektromeister;
Herr Erwin Combe, Obermeister; Herr Heinrich Vockel; Herr Ernst
Scharnowski, UGO; Herr Hans Lips, UGO und Herr Heinrich Galle.
PRAESIDENT TRUMANS NEUES WOHNUNGSBAUPROGRAMM
Das neue, von Praesldent Truman zur Bewilligung eingereichte
Wohnungsbauprogramm scheint im Kongress grossen Anklang gefunden
zu haben.
Die Antraege wurden von Maybank, einem Konservativen aus
Sued-Karolina, und von Spence, einem fortschrittlichen Demokraten
aus Kentucky, dem Senat bzw. dem Repraesentantenhaus vorgelegt«
Man will damit Familien der mittleren Einkommensgruppen ermoeglichen, mit Unters tuet zung von Genossenschaften in den Besitz
anstaendiger Wohnungen zu erschwinglichen Preisen zu kommen«
Diese Familien befanden sich hinsichtlich ihrer Wohnungsmoegllchkeiten bisher in einer Art "Niemandsland"• Ihre Einkommen waren naemlich nicht niedrig genug, um in den Genuss aus
oeffentlichen Mitteln finanzierter Wohnungsmoeglichkeiten bisher
in einer Art "Niemandsland"• Ihre Einkommen waren naemlich nicht
niedrig genug, um in den Genuss aus oeffentlichen Mitteln finanzierter Wohnungen kommen zu koennen; andererseits war es ihnen
mfSfeSeJd2rnzS°k13f5n!i,tn • * * " 0 « « l l c h . *°d«ne Wohnungen zu
- 2 -

�Der Amerikanische Gewerkt haftsbund AFL bezeichnet das neue
Programm als Loesung der ungeklaerten Lage, In der sich diese
Familien befanden, und befuerwortet es unbedingt. Dieser bedeutende
Gewerte chaftsbund hat schon seit einiger Zelt auf die Notwendigkeit
hingewiesen, derartige Genossenschaften zu gruenden.
Praesldent William Green erklaerte hierzu: "Durch langfristige
Kredite mit niedrigen Zinssaetzen, wie sie in dieser Gesetzesvorlage vorgesehen sind, wird es Arbeitern, Veteranen und anderen
Familien mit mittleren Einkommen moeglich sein, sich bei monatlichen
Zinszahlungen oder Mieten von 50 bis 60 Dollar Wohnheime zu bauen
oder neue Wohnungen zu mieten."
Er hob besonders hervor, dass es zur Durchfuehrung des Programms
keinerlei finanzieller Unterstuetzung seitens der Regierung bedarf.
Der Senator John J. Sparkman, Alabama, und das Kongressmitglied Spence, die sich Im Kampf um das Recht auf anstaendige Wohnungen besonders hervorgetan haben, hatten urspruenglich staatliche
Darlehen fuer die Wohnungsbaugenossenschaften vorgeschlagen. Nach
dem neuen Programm sollen die Darlehen von einer buhdesstaatlichen
Gesellschaft ausgegeben werden, die gemeinsames Eigentum der Regierung und der Wohnungsbaugenossenschaften ist und von beiden
gemeinsam verwaltet wird.
Gewerkschaftsmitglieder und all anderen, die Wohnungen benoetigen, sollen sich zusammenschliessen und Genossenschaften bilden«
Die dazu notwendige technische Unterstuet zung sowie die Planung des
Wohnungsbaus werden von der Finanzverwaltung fuer Haus und Wohnungsbau uebernommen.
Natuerlich wird jedes Mitglied eine bestimmte Anfangssumme
in geringer Hoehe zu entrichten haben, um "die Sache ins Rollen zu
bringen." Dann wird die Genossenschaft bei der "Nationalen Hypothekenbank fuer Wohnungsbaugenossenschaften" (National Mortgage Corporation for Houslng Cooperatives) eine Anleihe beantragen. Nach
deren Bewilligung koennten Bauplaetze gekauft und mit dem Bau begonnen werden.
"Ich halte dies fuer eine Idealloesung", erklaerte Senator
Sparkman. "Menschen wuerden in den Besitz guter Wohnungen kommen,
die sie zur Zeit am dringendsten benoetigen.
"Die Bereinigung von Elendsvierteln und oeffentlicher Wohnungsbau fuer Familien der niedrigen Einkommensgrüppen sind bereits gesetzlich geregelt worden. Fuer die Wohlhabenden ist diese Frage
natuerlich auch geloest.
"Wenn dieses Programm verwirklicht wird, koennen wir zum erstenmal in der Geschichte Amerikas mit gutem Gewissen behaupten, dass
die Wohnungsfrage zur Zufriedenheit aller bei uns geloest ist."
•LABOR"
14. Januar 1950
SCHWEDISCHER AUFRUF ZUM EXPORTIEREN
Die schwedischen Gewerkschaften und ihre Presse setzten sich
zusammen mit der dortigen Arbeiterregirung in einer umfassenden
Kampagne fuer eine Steigerung des Exports nach den Dollargebieten
ein. Sie haben an der Planung und Veroeffentlichung dieses nationalen Programms groessten Anteil.
Die schwedischen Exporte im Jahre 1949 lagen bereits um 14g
hoeher als 1948. Die schwedische Regierung hat in dieser neuen
Kampagne nun alles daran gesetzt, die Exportziffern noch wesentlich
zu erhoehen.

�"Der Fortschritt, den wir erzielen konnten, Ist grösstenteils
dem Marshall Plan zu verdanken,• sagte Premierminister Tage Erlander
kuerzllch in einer Rede, in der er den Zweck dieser Propagandakampagne auseinanderlegte. Er wies darauf hin, dass der hohe Lebensstandard Schwedens zum grossen Teil auf den Aussenhandel und die
damit verbundenen Auftraege zurueckzufuehren sei, und erklaerte:
"Ein freierer Aussenhandel wuerde zu einer Verringerung der Produktionskosten und zu niedrigeren Preisen fuehren."
Schweden befuerwortete den Marshall Plan, da er als ein Mittel
zu werten sei, das den freieren Handel unter den Nationen erleichtert." Wir sahen in den Ziehungsrechten eine Moeglichkeit, den
Handel In natürlichere Bahnen zu lenken."
Alle Hoffnungen Schwedens seien Jedoch nicht erfuellt worden,
fuhr der Regierungssprecher fort. Er beanstandete folgendes: "Wenn
auch der Marshall Plan von grossem Wert fuer Europa ist, so darf
doch nicht vergessen werden, dass Handelsbeschraenkungen und das
System der gegenseitigen HandelsVereinbarungen seit Beginn des Marshall
Planes kaum vermindert wurden." Er drueckte seine Genugtuung darueber
aus, dass sich die Marshall Plan Beamten mit dieser Situation nicht
zufrieden gegeben haetten, sondern daran gegangen seien, den freieren Handel durch Anregung des Exports zu ermoegllchen.
Die wichtigsten Projekte der gegenwaertigen Exportkampagne
Schwedens sind folgende: (1) die Teilnahme an einer Exportausstellung, die die Marshall Plan Laender durch Vermittlung ihrer gemeinsamen Organisation fuer Europaelsche Wirtschaftliche Zusammenarbeit
(OEEC) im August in Chikago planen; (2) ein nationaler Propagandafeldzug, um die Oeffentlichkeit mit dem Exportproblem vertraut zu
machen und alle Schichten der Bevoelkerung davon zu ueberzeugen, dass
es, vom wirtschaftlichen Standpunkt gesehen, wesentlich ist, sich
im ganzen Land auf die Produktion von Exportwaren zu konzentrieren;
und (3) hat die schwedische Regierung zur Steigerung des Exports
besondere Belohnungen fuer die Geschaeftsleute vorgesehen, die zur
Exportsteigerung beitragen. Dazu gehoeren: Dollar-Importlizenzen,
die 25%. des Ertrages ihrer in den Vereinigten Staaten verkauften
Waren entsprechen; die Genehmigung von Vorrechten; und die Bewilligung von Bauvorhaben und Zuteilung von Material.
Die Gewerkschaften und die Gewerkschaftspresse unterstuetzen
diese Projekte ausnahmslos und beteiligen sich an deren Planung
und Durchfuehrung. Der Hauptzweck der Exportmesse besteht darin,
den Dollarabnehmern der Vereinigten Staaten Waren zu zeigen, die
die europaeischen Nationen anzubieten haben; sie hoffen damit, den
Exporthandel fuer Europa zu foerdern und den Mangel an Dollars reduzieren zu helfen.
Zwei prominente schwedische Gewerkschaftsfunktlonaere sind
Mitglieder eines von der Regierung gegruendeten Komitees, das
Schwedens Beteiligung an dieser Messe vorbereiten und organisieren
soll und Moeglichkelten, sich an weiteren amerikanischen Messen zu
beteiligen, in Erwaegung zieht. Knut Larsson, Praesldent der schwedischen Holzindustriearbeiter Gewerkschaft, und Helga Johansson,
Finanzsekretaerin der Gewerkschaft der Zivilangestellten, gehoeren
zu dem Komitee, das sich aus 22 Mitgliedern, der Regierung, Industrie
und des Handels zusammensetzt. Mr. Larsson gehoert ausserdem zu dem
sechs Mitglieder zaehlenden Arbeitsausschuss fuer die Ausstellung der
OEEC, und Larsson sowie Johansson sind bereits frueher in den Vereinigten Staaten gewesen. '

Inzwischen hat es sich ein anderes, wichtiges Komitee, in dem
die Gewerkschaften vertreten sind, naemlich das Wirtschafts-Informations-Komitee, zur Aufgabe gemacht, die inlaendische Propagandakampagne zur Steigerung des Exports einzuleiten. In diesem Komitee
arbeiten Vertreter der Regierung und des Unternehmerverbandes mit
zwei der groessten Gewerkschaftsorganisationen Schwedens, dem Schwedischen Gewerkschaftsbund und der Zentralgewerkschaft der AnÄe«t«»nt«n
zusammen.
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4 -

�Dieses Komitee widmet seine Arbeit der Verwirklichung der
Ziele des Marshall Planes und bedient sich in Verbindung mit der
Exportkampagne aller ihm zur Verfuegung stehender Mittel zur Informierung der Oeffentllchkeit. Vier Filme sind von diesem Gremium
produziert worden. Zwei davon, "Die Wahrheit ueber Johansson" und
"Warum ist es falsch, montags nicht zu arbeiten?" behandeln das
Thema Fernbleiben von der Arbeit. "Wo sind die Haende?" stellt in
erzaehlender Form dar, wie wichtig es ist, einen Beruf zu erlernen
und nicht fortwaehrend die Beschaeftigung zu wechseln. Diese drei
Filme werden in oeffentlichen Lichtspielhaeusern und bei Tagungen
von Gewerkschaften und genossenschaftlichen, politischen und Erziehungs-Organisationen vorgefuehrt.
Der vierte Film, mit dem Titel "Gruppenarbeit", zeigt, wie die
Arbeiter an der Verbesserung der Produktionsverfahren Anteil und
Nutzen haben koennen, und soll nur vor Arbeitergruppen vorgefuehrt
werden.
Das Informations-Komitee hat eine Broschuere ueber die wirtschaftliche Vereinigung veroeffentlicht. Sie traegt den Titel
"Wir ziehen alle am gleichen Strang" und ist reich illustriert.
Die Gewerkschaftspresse hat den gesamten Inhalt der Broschuere
gedruckt und als Zeitungsbeilage veroeffentlicht. Mit saemtlichen
Gewerkschaftszeitungen und den allgemeinen Arbeiterzeitungen, die
diese Beilage fuehrten, gelangte sie in den Besitz von 1.550,000
Gewerkschaftern Schwedens. 20.000 Unternehmer erhielten ebenfalls
Kopien.
Das Komitee hat vier eindrucksvolle Plakate entworfen, die
die Notwendigkeit der gesamtnationalen Zusammenarbeit zum Wiederaufbau dramatisieren. 35.000 Kopien eines Jeden Plakates sind zur
Verteilung gelangt. Mit Zeitungsreklamen, Illustrierten, Broschueren
und vielen anderen Mitteln hat man diese Propaganda aktiviert.
Zum Informations-Komitee gehoeren: als Vorsitzender Sven Anderson, Minister ohne Portefeuille, Folke Allard und Rudolph Meldner
vom Schwedischen Gewejrkschaftsbund und T. E. Bergstrom, Angestelltengewerkschaft.
EGA Labor Information
ZEMPEL UND WERTS IN FUEHRENDEN POSITIONEN DES BUEROS FUER
INTERNATIONALE ARBEITSANGELEGENHEITEN
Arbeltsminister Maurice J. Tobin gab heute bekannt, dass zwei
Schluesseisteilungen in der Abteilung fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten im U. S. Arbeitsministerium besetzt worden seien.
Arnold ^. Zempel wurde zum Direktor und Leo R. Werts zum stellvertretenden Direktor der Abteilung fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten ernannt.
Unter der Gesamtleitung Philip M. Kaisers, des mit internationalen Fragen beauftragten, stellvertretenden Arbeitsministers,
wird Zempel fuer die Leitung und Koordinierung der internationalen
Taetigkeiten aller Dienststellen und Bueros der Abteilung verantwortlich sein. Werts unterstuetzt Zempel und fungiert waehrend
seiner Abwesenheit als Direktor«
Das Buero fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten ist fuer
die Entwicklung der Politik und die technische Beratung in internationalen Arbeitsangelegenheiten verantwortlich. Es ist in fuenf
Referate unterteilt: Vereinte Nationen, Internationales Gewerkschaftswesen, Handelsvertraege, Technische Unterstuetzung und Auslandsdienst.
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�In allen Fragen der Aussenpolitik ist das Arbeitsministerium
an den Arbeiten der Vereinten Nationen und ihrer Pachabteilungen
unter der Gesamtleitung des Aussenministerlums beteiligt. Das
Arbeitsministerium ist in erster Linie fuer die Mitarbeit der
Vereinigten Staaten innerhalb der Internationalen Arbeitsorganisa- tion verantwortlich. Es verfolgt die Entwicklungen des internationalen Gewerkschaftswesens und spielt in der Organisation eine
Rolle, deren Aufgabe es ist, das Programm der gegenseitigen Handelsvertraege zu entwerfen und durchzufuehren. Andere Dienststellen
des Ministeriums beschaeftigen sich mit den Programmen anderer
Laender zur technischen Unterstuetzung auf dem Gebiet der Arbeit und
der Arbeltskraefte. Nach den Bestimmungen des Gesetaes von 1945
ueber den Auslandsdienst ist das Ministerium zusammen mit den
Ministerien fuer Landwirtschaft, Handel und dem Aussenministerium,
Mitglied des Rates fuer den Auslandsdienst. Innerhalb dieses
Gremiums ist das Arbeitsministerium hauptsaechlich fuer das Programm
"Arbeit im Ausland" verantwortlich.
Zempel stammt aus Wisconsin und promovierte 1927 an der Universitaet von Wisconsin. An der gleichen Universitaet machte er
spaeter seinen volkswirtschaftlichen Doktor. Von 1935 bis 1942
lehrte er Arbeitswissenschaft und -Statistik an der Washington
Universitaet in St. Louis, Missouri. 1943 gehoerte Zempel dem
nationalen Ausschuss fuer Arbeitsfragen im Kriege (National War
Labor Board) in Kansas City, Missouri, an. Waehrend des Krieges
war er Major bei der Militaerregierung und war als Beamter fuer
Arbeitsangelegenheiten in Italien und Deutschland eingesetzt. Seit
1946 war Zempel im Amt fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten
taetig. Vor seiner Ernennung zum Direktor war er stellvertretender
Direktor in diesem Amt und nahm als Mitglied der US Delegationen
an mehreren Tagungen der Internationalen Arbeitsorganisation teil.
Werts, gebuertig aus Ohio, promovierte 1929 am George Williams
College ih Chicago, Illinois, und spaeter wurde ihm von der Universitaet Chikago der Titel "Bachelor of Philosophy " (Ph 3) verliehen. Von 1941 bis 1945 war er ununterbrochen in der Abteilung fuer
Arbeit im Buero fuer Produktionsleitung taetig, ferner im Aufsichtsrat fuer Kriegsproduktion und in dem Ausschuss zur Ueberwachung der
Arbeltskraefte im Kriege. Von 1945 bis zu seiner jetzigen Ernennung
amtierte Werts als Direktor der Abteilung fuer Arbeit im Amt der
amerikanischen Militaerregierung und unterstand von 1946 bis zu
seinem Amtsantritt im Arbeitsministerium unmittelbar dem Militaergouverneur, General Lucius D. Clay.
Informationsdienst des
U.S. Arbeitsministeriums
19. Januar 1950
EIN INTERESSANTER BRIEFWECHSEL
Berlin - Es folgt der Text eines Briefes, den
die Kommandanten Westberlins an den sowjetischen
KOILMandanten Ostberlins, Generalmajor Kotikow,
gerichtet haben:
Generalmajor A. Kotikow
Garnisonskommandeur und
Milltaerkommandant des
sowjetischen Sektors Berlins
Betrifft:

13. Januar 1950

Verletzung des Abkommens zur Beilegung des Berliner
Eisenbahnerstreiks. "

Wir stellen mit Bedauern fest, dass sie sich in Ihrem Brief
vom 19. Dezember 1949 erneut weigern, dem feierlichen Versprechen

�der sowjetischen Behoerden nachzukommen, das die Basis zur Beendigung des Berliner Eisenbahnerstreiks bildete.
Sie versichern, dass die Aussenminister auf ihrer Konferenz
in Paris die Beilegung des Berliner Eisenbahnerstreiks nicht als
einen wesentlichen Faktor zur Normalisierung des Lebens in Berlin
betrachteten. Das entspricht nicht den Tatsachen. Am 15. Juni
wurde das Problem des Berliner Eisenbahnerstreiks in einer Sondersitzung der vier Aussenminister in Paris besprochen. Bei dieser'
Gelegenheit erklaerte der amerikanische Aussenminister, dass die
vier Aussenminister an einem Modus vivendi fuer Deutschland arbeiteten, der, wie es Mr. Wyschinsky bezeichnete, ein Abkommen
unter Gentlemen sei, das den guten Willen der Beteiligten erfordere.
Wenn die vier Maechte keine Einigung erzielen koennten, die diesen
Streik beenden kann, dann haette angesichts einer solchen Unfaehigkeit, sich ueber eine praktische Angelegenheit zu einigen, auch
Jede andere Vereinbarung, die sie treffen koennten, wenig Wert.
Diese klare Feststellung, der sich auch die Aussenminister Englands
und Frankreichs anschlössen, kann keinen Zweifel darueber gelassen
haben, dass das weitere Gelingen der Viermaechtezusammenarbeit in
Berlin von einem aufrichtigen Beweis seitens der sowjetischen Behoerden abhaengig ist, dass sie wirklich daran interessiert sind,
normale Bedingungen in Berlin zu schaffen, wobei die Beilegung des
Eisenbahnerstreiks eine wesentliche Rolle spielt.
Was die einzelnen Bestimmungen des Abkommens betrifft, nach
dem der Streik beendet werden sollte, so ist es angesichts der in
Ihrem Brief enthaltenen Ungenauigkeiten notwendig, diese noch
einmal zu wiederholen und auf die zahlreichen Versuche der Kommandanten Westberlins hinzuweisen, bei den sowjetischen Behoerden die
Erfuellung dieser Bestimmungen zu erwirken.
Sie geben in Ihrem Briefe an:
(a) dass sich dieses Eisenbahnabkommen nicht auf die Eisenbahner bezieht, die in den Westsektoren wohnen und im Ostsektor
und in der Ostzone arbeiten.
(b) dass die West marke innahaen der Verwaltung der staedtlschen
Bahnen Berlins nicht einmal ausreichten, um 60# der Loehne und Unterstuetzungen den Elsenbahnern zahlen zu koennen, die in den Westsektoren leben und arbeiten, und
(c) dass den Arbeitern, die an dem Streik teilgenommen haben,
kein Nachteil durch Entlassung oder Versetzung entstanden sei, und
dass es nur Versetzungen einzelner Arbeiter im Rahmen normaler
Verwaltungsvorgaenge gegeben habe*
Mit Bezug auf Punkt (a) schrieb General Howley an General
Kvashnln am 10. Juni 1949 folgendes:
''Ich nehme zur Kenntnis, dass die Reichsbahndirektion weiterhin
allen Elsenbahnern, die in den Westsektoren Berlins wohnen, folgendes
zusichert:
Die Reichs bahndirekt Ion zahlt mindestens 60£ der. Loehne in
Westmark fuer die in den Westsektoren Berlins wohnenden Arbeiter
vom Tage ihrer Wiederaufnahme der Arbeit an. Diese Zusicherung soll
allen Eisenbahnern, die in der Westzone wohnen, ohne Ruecksicht auf
Ihre Gewerkschaftszugehoerigkeit, gegeben werden."

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�General Kvashnln bestaetlgte diese Feststellung muendlich
General Howley gegenueber und gab spaeter In einem Brief vom
20. Juni 1949 erneut seine Zustimmung. In diesem Brief hiess es:
"Ich bestaetige, dass der Inhalt der Vorschlaege der Reichsbahndirektion in Ihrem Briefe richtig wiedergegeben wurde."
Diese Vereinbarung war kaum getroffen worden, als sie auch
schon durch die Anordnung der Reichsbahndirektion vom 30. Juni
verletzt wurde, in der befohlen wurde, dass "diejenigen Eisenbahner,
die in den Westsektoren wohnen, aber im Ostsektor arbeiten, ausschliesslich in Ostmark bezahlt werden." Die Westkommandanten
machten in ihrem Brief vom 19, Juli die sowjetischen Behoerden
auf diesen offenkundigen Bruch des Abkommens aufmerksam. Der
Generaldirektor VoevudskiJ versuchte in seinem Antwortschreiben
vom 2. August den eindeutigen Wortlaut des urspruenglichen Abkommens durch den Beweis zu entstellen, dass sich die Anordnung nur
auf Arbeiter und Angestellte der Eisenbahn beziehe, die In den
Westsektoren wohnten und arbeiteten*
In unseren Briefen vom 9« September, 21. September, 28. September und 21. November ersuchten wir die Sowjetbehoerden vergeblich, sich an ihre formellen Versprechen zu halten« Sie sind
leider nicht auf unsere eindringlichen und wiederholten Gesuche
zur Einberufung einer weiteren Beratungskonferenz der Vierermaechte
eingegangen* Deshalb ist es Ihnen zuzuschreiben, wie wir auch
schon in unserem Briefe vom 28* September zum Ausdruck brachten,
wenn wir heute annehmen muessen, dass die Sowjetbehoerden nicht an
einer Regelung dieser hoechst wichtigen Angelegenheit interessiert
sind, die einen Hauptfaktor in der Normalisierung des Lebens in
dieser Stadt darstellt* Und aus diesem Grunde teilten wir Ihnen
auf Anordnung unserer Hohen Kommissare mit, dass wir nicht gewillt
seien, die Besprechungen ueber die Normalisierung des Lebens in
Berlin fortzusetzen, solange wir uns nicht darauf verlassen koennten,
dass frei vereinbarte Abmachungen von den Sowjetbehoerden in Geist
und Tat respektiert werden.
Was die ungenuegenden Einnahmen in Westmark betrifft, (Punkt b),
stellen wir fest, dass Sie sich in Ihrem Brief nur auf die Einnahmen der "staedtischen Bahnen" beziehen. Wenn Sie damit die
Westmarkeinnahmen der S-Bahn meinen, ist es wohl moeglich, dass
diese tatsaechlich unzureichend sind* Wir moechten Sie jedoch auf
die urspruengliche Vereinbarung der Reichsbahndirektion aufmerksam
machen, auf die sich General Kvashnln in seinem Brief vom 20* Juni
bezieht, und die besagt, "dass sich die GeneraldirektIon der Reichsbahn von nun an verpflichtet, 60£ der Loehne und Gehaeiter der Angestellten und Arbeiter der Reichsbahn, die in Westberlin wohnen,
bis zu einer allgemeinen Regelung des Berliner Waehrungsproblems
in Westmark zu zahlen* Dieser Prozentsatz kann, je nach den Westmarkeinnahmen der Reichsbahn, erhoeht werden." Wir stellen mit
Genugtuung fest, dass die Westmarkeinnahmen der Reichsbahn mehr als
zureichend sind, um die Bedingungen dieser Abmachung erfuellen zu.
koennen*
Was die Frage der Vergeltungsmassregeln betrifft, (Punkt c),
so sind unseres Wissens mehrere hundert Eisenbahnarbeiter, die an
dem Streik teilnahmen, durch Entlassung oder Versetzung in schlechtere Stellungen bestraft worden. Wenn Sie diese grausame Massnahme
als "einen normalen, uebllchen Vorgang in der Verwaltung bezeichnen,"
so deutet dies in genuegendem Masse auf die Gleichgültigkeit hin,
mit der die sowjetischen Behörden der Wohlfahrt des Arbeiters gegenüberstehen. Ausserdem wissen wir, dass sich noch eine Anzahl
dieser Eisenbahnarbeiter im Ostsektor und in der Ostzone in Gefaengnlssen des Ostsektors und der Ostzone befinden, ohne dass ihre Lage
.durch ein gerichtliches Verfahren geklaert wird.

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�Was Ihre Stellungnahme zu unserer Anordnung betrifft, In
der wir die Uebergabe von Eisenbahnmaterial ohne unsere vorherige
Genehmigung verboten haben, so muessen Sie wissen, dass wir zu
dieser Handlung gezwungen waren, um die helmliche Beseitigung von
Reichsbahneigentum zu verhindern. Auch musste gegen Angestellte
der Reichsbahn gesetzlich vorgegangen werden, die solche Vergehen heimlich beguenstigten.
Angesichts der hiermit gemachten Betrachtungen muessen wir
erneut darauf bestehen, dass sich die sowjetischen Behoerden an
das geschriebene Wort in General Kvashnins Brief vom 20. Juni 1949
halten. Wir wiederholen, dass, wenn die Sowjetbehoerden einen
fuehlbaren Beweis ihrer Absicht geben, die Abmachungen vom letzten
Juni vorigen Jahres zur Beilegung des Eisenbahnerstreiks einzuhalten, wir bereit sein werden, Sachverstaendige zu bestimmen,
die mit General Kvashnin die Einzelheiten unserer Beschwerden
hinsichtlich der Behandlung der Eisenbahnarbeiter besprechen
sollen. Ohne diesen Beweis sind wir der Ansicht, dass von einer
Fortsetzung dieses Briefwechsels keine erspriesslichen Ergebnisse
zu erwarten sind.
England
Generalmajor
G.K. BOURNE

USA
Generalmajor
MAXWELL D. TAYLOR

Frankreich
Divisionsgeneral
GANEVAL

Und nun Generalmajor Kotlkows Schreiben vom 19. Dezember
an die drei Kommandanten Westberlins:
Generalmajor Maxwell »• Taylor
Chef der amerikanischen
Mllitaerverwaltung In Berlin

Berlin-Karlshörst, 19.Dez.1949

Sehr geehrter Herr General:
Ihr Schreiben vom 21. November 1949 kann nichts an meiner
Meinung aendern, die ich bereits frueher zum Ausdruck gebracht
habe, naemlich dass eine einseitige EntSchliessung der drei
Kommandanten Westberlins zur Abbrechung der Besprechungen ueber
Angelegenheiten, die sich auf die Normalisierung des Lebens in
Berlin beziehen, nicht gerecht ist; eine solche EntSchliessung
steht vielmehr im Widerspruch zu dem Beschluss des Aussenministerrates in Paris und stellt eine Verletzung ihrerseits der
Interessen der Berliner Bevoelkerung dar.
Die in Ihrem Brief enthaltene Bemerkung, dass der Rat der
Aussenminister in Paris sich in Anbetracht der damaligen Lage
der Eisenbahner in den WestSektoren Berlins entschlossen habe,
sich mit der Mormalisierung des Lebens In Berlin zu befassen,
entspricht weder dem Text der EntSchliessung, auf die Sie sich
beziehen, noch dem gegenwaertigen Stand der Verhandlungen ueber
die Berliner Frage auf der Aussenministerkonferenz, wie Sie aus
dem stenographischen Bericht der betreffenden Konferenz ersehen
koennen. Ihr Schreiben vom 21. November 1949 kann deshalb nur
als ein Versuch angesehen werden, sich fuer den von Ihnen verursachten Abbruch der Viermaechte Beratungskonferenzen ueber die Normalisierung des Lebens in Berlin nachtraeglich zu rechtfertigen.
Ich kann deshalb nur wiederholen, dass die Verantwortung fuer
den Abbruch der Besprechungen ausschliesslich den Kommandanten
der Westsektoren zufaellt, die sich nun ohne jegliche Berechtigung
als Vertreter der Eisenbahner aufspielen.
Ihre Behauptung, die Berliner Eisenbahnverwaltung verletze
ein Abkommen, das mit Bezug auf die Lohnzahlung in Westmark an die
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�Elsenbahner der Westsektoren getroffen worden sei, steht in Widerspruch zu den Tatsachen; die Eisenbahnverwaltung zahlt, wie vereinbart, regelmaessig 60# der Loehne an diejenigen Eisenbahner,
die in den Westsektoren wohnen und arbeiten» Der stellvertretende
Chef der Transportabteilung (SMAG) teilte Ihnen bereits in einem
Brief vom 2. August 1949 mit, dass die Abmachungen zwischen der
Hauptverwaltung der Deutschen Eisenbahnen in der Sowjetzone und
der Eisenbahnergewerkschaft sich nur auf Arbeiter und Angestellte
erstreckten, die in den Westsektoren wohnen und arbeiten, und dass
in diesem Abkommen nicht die Zahlung von 60# der Loehne und Unterstützungen fuer diejenigen Eisenbahnarbeiter vorgesehen sei, die
in den Westsektoren wohnen, aber im Ostsektor arbeiten.
Und es ist selbstverstaendlicn, dass dem so ist, denn die
Berliner Eisenbahnverwaltung konnte sich gar nicht damit einverstanden erklaeren, die obengenannte Vereinbarung auch auf diejenigen Eisenbahner auszudehnen, die in den Westsektoren wohnen
und im Ostsektor arbeiten, da die Westmarkeinnahmen der Verwaltung
der staedtischen Bahnen Berlins nicht einmal ausreichen, um 60tf
der Loehne und Unterstuetzungen selbst den Eisenbahnern zahlen zu
koennen, die in den Westsektoreh wohnen und arbeiten. So beliefen
sich z.B. die Einnahmen der Berliner Stadtbahnen im Monat November
1949 auf 1.843.000 in Westmark. Die durchschnittliche monatliche
Lohnrechnung fuer Eisenbahner, die in den Westsektoren
wohnen und
arbeiten, belaeuft sich jedoch auf 1.878.000 westmark.
Eine Annahme Ihrer Vorschlaege, die in dem Abkommen nicht angegeben sind, wuerde deshalb zu einer wirtschaftlichen Desorganisierung der Berliner Eisenbahnen fuehren.
Auch muss ich Ihre Behauptung zurueckweisen, die Berliner
Eisenbahnverwaltung haette angeblich Repressalien gegen die an dem
Streik Beteiligten ergriffen, indem man sie entlassen oder versetzt
, haette.
Solche Behauptungen entbehren jeder Grundlage, da Versetzungen
einzelner Eisenbahner einen normalen Vorgang in der Verwaltung und
ein Verfahren darstellen, das bereits vor den obenerwaehnten Ereignissen bestand.
Zu gleicher Zelt fuehle ich mich gezwungen, Ihr« Aufmerksamkeit
auf das von den Kommandanten der Westsektoren erlassene gesetzeswidrige Verbot zu lenken, Eisenbahnmaterial und Ersatzteile aus
Bahnhoefen der Westsektoren in solche des Ostsektors zu befoerdern.
Ich mache Sie ebenfalls auf die Anordnung der Westkommandanten auf*
merksam, Wohnungen und Mieten zu beschlagnahmen, die der Reichsbahnverwaltung durch Vermietung von Grundstuecken an Inhaber von Imbisstuben,
Restaurants, Zeitungsstaenden, etc. zufHessen. Solche Massnahmen
gehoeren nicht In den uebllchen Aufgabenbereich einer Eisenbahnverwaltung •
Wenn Sie jedoch ueber irgendeine Frage betreffs der Berliner
Elsenbahnen im Unklaren sind, wird General Kvashnin, wie mir mitgeteilt wurde, jederzeit bereit sein, einen Vertreter von Ihnen zu
empfangen, um mit ihm ueber die betreffenden Fragen zu beraten.
Briefe gleichen Inhalts habe ich an Generalmajor Bourne und
Divisionsgeneral Ganeval gesandt.
Hochachtungsvoll
gez. A. Kotikow
Generalmajor
Informationsabteilung der Amerikanischen
Hohen Kommission in Berlin
14. Januar 1950
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�AFL FUER SOLIDARITAET DER ARBEITERSCHAFT DBB GANZE» WELT
(Miami, Florida) — Der Verwaltungsrat des Amerikanischen
Gewericschaftsbundes A*L forderte, dass wir uns mit "verdoppelten
Kraeften" fuer die Solldarltaet der Gewerkschaftsbewegung der ganzen
Welt einsetzen* Er unternahm Schritte, die den AFL in seinem
Kampf um bessere Lebensbedingungen in Amerika unter st uetzen sollen«
Kurz vor Beendigung der WinterSitzungsperiode trafen die
Mitglieder des Verwaltungsrates folgende Bitschliessung:
1. In 60 Tagen soll der Internationale Metallarbeiter Verband
dazu eingeladen werden, sich mit seinen 600*000 Mitgliedern dem
AFL wieder anzuschliessen*
8* Indien soll unterstuetzt werden, damit es seine gegenwaertigen ErnaehrungsSchwierigkeiten ueberwinden, sein staatliches
Erziehungssystem ausbauen und die allgemeine Gesundheitslage verbessern kann*
3* Der Im Dezember letzten Jahres in London gegruendete
Internationale Weltbund Freier Gewerkschaften soll mit allen Mitteln
unterstuetzt werden*
4. Franco-Spanien und das kommunistische China sollen von
den Vereinigten Staaten nicht anerkannt werden*
5* Der US Senat soll die Konvention der Vereinten Nationen
ratifizieren, die Massenmord an nationalen, rassischen und religloesen Gruppen verbietet*
6* Der Kongress soll sofort die Steuern fuer Transport»
Theaterkarten und verschiedene Verbrauchsgueter abschaffen«
7« Das Gesuch soll befuerwortet werden, in dem der Administrator des nationalen Gesundheitswesens, Oscar Swing, fordert, dass
die Mitglieder des AFL ueber das von dieser Organisation unterstuetzte Krankenversicherungsprogramm konkrete Informationen enthalten«
8« Staatssekretaer Williard L. Thorpe berichtete von der
Tragweite und den Auswirkungen des Internationalen Handelsabkommens,
das im vorigen Jahre in Havanna in Kraft getreten ist*
Der Verwaltungsrat und die ihm angeschlossenen Referate bearbeiteten waehrend ihrer hiesigen Sitzungen eine Menge wichtiger
Angelegenheiten, die noch Im Rueckstand waren«
Die fuehrende Rolle hervorhebend, die der AFL in Internationalen
Angelegenheiten spielt, brachte der Verwaltungsrat zum Ausdruck, dass
die 8 Millionen Mitglieder des AFL von der Regierung der Vereinigten
Staaten erwarteten, dass sie sich dem Kommunismus und dem Faschismus
ueberall da, wo er in der Welt auftreten sollte, entschlossen entgegenstellt*
Schliesslich erklaerte sich der Verwaltungsrat erneut dazu
bereit, Praesldent Trumans Punkt-Vler-Programm zu billigen, mit dem
unentwickelten Wirtschaftsgebieten geholfen werden soll« Betont
wurde die Notwendigkeit, dass auch die Gewerkschaften bei der Ausarbeitung der Plaene zur technischen unterstuetzung dieser Gebiete
vertreten sein muessen*
Aus dem woechentliehen Nachrichtenblatt
des AFL,"American Federatlon of Labor"
7* Februar 1950

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�UWABHAENGIGKEIT DER ARBEITSRICHTER GEFORDERT

In seiner Sitzung vom 8. Februar 1950 befasste sich der
•beitsgerichtfcarkeit hauptberuflich t a e t i g e n Rictvtei
In einer IntSchliessung zu einem im Bundesjustizministerium
z.Zt. Torilegenden Entwurf eines Richtergesetzes fordert der
Ausschuss die Sicherung der v o l l e n persoenllchen Unabhängigk e i t auch fuer die In der Arbeitsgerichtsbarkeit hauptberuflich
taetigen Richter,

- 12 -

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Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

«uwe o- a*s i t i M w i T «

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission fflr Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

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Frankfurt, 84. Februar 1950

INHALTSVERZEICHNIS
"Waffenstillstand' 1 zwischen zwei grossen
U.S. Gewerkschaften - - -

g

AFL gegen Anerkennung Franco-Spaniens - - -

4

Zwei Gewerkschaftsführer treten aus den
Kommunistischen Elektriker-Verband Amerikas
aus - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

5

Gewerkschaften in Belgien - - - - - - - - -

8

Kommission des internationalen Arbeitsamtes
zur Wahrung der gewerkschaftlichen Rechte -

$en.:

- 1 -

11

�"WAFFENSTILLSTAND" ZWISCHEN ZWEI GROSSEN U.S. GEWERKSCHAFTEN
Die Frage der Zustaendigkeit bestimmter Gewerkschaften fuer
bestimmte Industrien spielt eine grosse Rolle in den innerorganisatorischen Beziehungen der amerikanischen Gewerkschaften. Schwere
Kaempfe und sogenannte "jurisdictional" (Zustaendigkeit) Streiks
haben die amerikanische Gewerkschaftsbewegung oft geschaedigt.
Jetzt haben zwei der groessten U.S. Gewerkschaften, die ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten auf diesem Gebiet hatten, einen "Waffenstillstand" geschlossen. Der nachstehende Bericht gibt die Einzelheiten des Abkommens wieder.
ET OIA ,OODIH

Der U.S. Arbeitsminister Maurice J. Tobin gab bekannt, dass
zwei der groessten amerikanischen Gewerkschaften, der Internationale
Metallarbeiterverband (IAM) und die Vereinigten Automobilarbeiter
(UAW-CIO), freiwillig durch ein Abkommen die Frage der Zustaendigkeit geklaert haetten. Der Arbeitsminister fuehrte im einzelnen aus:
"Dieser Pakt ist zwischen zwei bedeutenden Gewerkschaften zustande gekommen, ohne dass die Regierung in irgendeiner Form vermittelt oder einen Druck ausgeuebt haette. Ich glaube, dass dieses
Abkommen wesentlich zum industriellen Frieden beitragen kann, indem
es unnoetige Streitigkeiten wegen der Zustaendigkeit unmoeglich macht.
Jeder denkende Buerger unseres Landes wird es mit grosser Befriedigung begruessen. Es ist ein Beweis dafuer, dass die Gewerkschaften
Ihre eigenen innerorganisatorischen Angelegenheiten aus freiem Entschluss heraus und ohne Vermittlung der Regierung regeln koennen«
"Ich moechte hiermit den Beamten und Mitgliedern beider Organisationen meine Anerkennung aussprechen. Sie haben ilire Faehigkeiten
unter Beweis gestellt, indem sie ein solches Abkommen und damit
eine Loesung ihrer Zustaendigkeitsprobleme zustande brachten, die
die Bewegung so oft von ihren eigentlichen Aufgaben abgelenkt haben."
Gleichzeitig veroeffentlichte der Arbeitsminister folgende
gemeinsame Erklaerung der Praesidenten dieser beiden Gewerkschaften,
AI Hayes (IAM) und Walter P. Reuther (UAW-CIO):
"Unsere Organisationen haben freiwillig diesen Vertrag geschlossen, der dem gemeinsamen Wohle unserer Mitglieder und der
Foerderung des industriellen Friedens und der wirtschaftlichen
Stabilitaet dienen soll. Er stellt einen Beitrag zum wirtschaftlichen Wohlergehen unseres Volkes und unseres Landes dar. Wir waren
immer der Auffassung, dass die Arbeiterschaft ihre innergewerkschaftlichen Angelegenheiten ohne die Regierung loesen kann."
Es folgt der ungekuerzte Wortlaut des Vertrages:
In dem Bestreben, die Wohlfahrt der Arbeiter, die durch unsere
beiden Organisationen vertreten sind, zu foerdern und ihre Arbeitsbedingungen, Loehne und Arbeitszeit zu verbessern, und
Zur Foerderung der Solidaritaet der Arbeiterschaft durch Organisierung der noch nicht Organisierten und durch Vereinigung der
gesamten Gewerkschaftsbewegung
Wird folgendes gemeinsam beschlossen:
1. Wenn eine der beiden Organisationen mit einem Unternehmer
in den Vereinigten Staaten in vertraglich festgelegten Beziehungen
steht, oder ihr von dem Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen (national
Labor Relations Board) die Zustaendigkeit als Tarifpartner zuerkannt
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�/

wurde, darf sich die andere Organisation auf keinen Fall in diese
Beziehungen einmischen, indem ihre Beamte, Vertreter oder Mitglieder um die Mitgliedschaft der der anderen Organisation zustehenden
Arbeiter werben, Aufnahmeantraege annehmen oder Irgendwelche Taetigkeiten ausueben oder unterstuetzen, die dazu bestimmt sind, solche
Beziehungen zu stoeren.
2. In allen gewerkschaftlich nicht organisierten Betrieben
steht es beiden Organisationen frei, Werbetaetigkeit auszuueben,
um die Arbeiter dieser Betriebe in ihre Gewerkschaft aufzunehmen
und als Tarifpartner anerkannt zu werden. Es wird vereinbart, dass
beide Organisationen im Verlaufe solcher Werbekampagnen so handeln
muessen, dass es moeglich ist, ein loyales Verhaeltnls dieser Arbeiter zu den Gewerkschaften zu schaffen, und dass sie nicht versuchen duerfen, durch eine bestimmte Taktik und Methoden organisatorische Vorteile zu erlangen, die auf lange Sicht gesehen die
Interessen der Gewerkschaftsbewegung beeintraechtigen.
3. Weiterhin wird vereinbart, dass sich die beiden Organisationen fuer eine groesstmoegliche Zusammenarbeit einsetzen sollen,
um die Programme und die Politik foerdern zu koennen, die den Interessen unserer Mitglieder und unserer Nation dienen.
4. Dieser Vertrag ist fuer alle Betriebe in den Vereinigten
Staaten, mit Ausnahme der unten Genannten gueltig. Die Betriebe
unter "A" werden erfasst werden, sobald die Streitigkeiten ueber
die Betriebsvertretungen beendet sein werden. Ausgenommen von
diesem Vertrag sind ohne Einschraenkung folgende Unternehmen:
Duplex Division of the Goss Printing Press Company of Battle Creek,
Michigan, und International Harvester Company, Stockton Works,
Stockton, Kalifornien. Es bleibt vorbehalten, ueber das letztgenannte Unternehmen spaeterhin zu beraten und eine Ueberpruefung
durch beide Partner vorzunehmen.
"A"

Auto Lite Plant, Lockland, Ohio
Carter Carburetor Corp., St. Louis, Missouri
International Harvester Company, Melrose Park Branch,
Melrose Park, Illinois
Meuller Brass Company, Port Huron, Michigan

5. Beide Parteien verpflichten sich, dieses Abkommen nach bestem
Willen einzuhalten, und keine der beiden Organisationen darf durch
irgendwelche Manipulationen versuchen, sich einer dieser Bestimmungen
zu entziehen. Sollten sich irgendwelche Probleme oder Streitigkeiten aus diesem Vertrag ergeben, dann treten die fuehrenden Beamten
beider Organisationen zusammen, um im Geiste dieses Vertrages ueber
diese Probleme oder Streitigkeiten zu beraten.
6. Dieser Vertrag ist von unbegrenzter Dauer. Er kann bei
einer Kündigungsfrist von mindestens 60 Tagen abgeaaadert oder
ausser Kraft gesetzt werden. Die Organisation, die die Abaenderung
oder Aufhebung wuenscht, hat die Kuendigung bei der anderen Organisation nach vorausgegangener Konferenz zwischen den bevollmaechtigten Vertretern beider Organisationen einzureichen.
Woechentliches Organ des
Internationalen Metallarbeiter
Verbandes, "The Machinist"
9. Febiuar 1950

�AFL GEGEN ANERKENNUNG FRANCO-SPANIENS

Der Verwaltungsrat des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL ersuchte die US Regierung, an der Politik der Nichtanerkennung
Franco-Spaniens festzuhalten.
Im einzelnen wurde zu diesem Thema folgendermassen Stellung
genommen:
"Der Verwaltungsrat des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL hat sich erneut mit der Frage befasst, ob unsere Regierung
die faschistische Diktatur Spaniens unter dem Generalissimus
Franco diplomatisch voll anerkennen soll.
"Wir bringen erneut zum Ausdruck, dass wir eine Anerkennung
ablehnen und fordern das Aussenministerium auf, die Politik der
Nichtanerkennung unbedingt beizubehalten. Wir ersuchen den P r e sidenten der Vereinigten Staaten und die aussenpolitischen Ausschuesse des Senats und Repraesentantenhauses, alles zu tun, was
in ihrer Macht steht, um die Fortsetzung der bisher eingeschlagenen Politik der Nichtanerkennung des Falangistenregimes in Spanien
zu gewaehrleisten.
"Es ist unsere feste Ueberzeugung, dass unsere Regierung
einen Fehler nach dem anderen begehen wuerde, wenn sie sich erst
einmal zu einem solchen Schritt verleiten liesse und ihn auch
zu entschuldigen suchte. Wir koennen uns nicht vorstellen, dass
angesichts der gegenwaertigen, explosiven, internationalen Lage in der der kommunistische Totalitarismus die groesste Kriegsgefahr darstellt - eine Anerkennung Franco-Spaniens durch die füehrende Demokratie der Welt ueberhaupt keine moralischen Folgen
haben soll.
"Unsere Regierung koennte dann ebensogut die kommunistischen
Usurpatoren anerkennen, die mit Russlands Hilfe die verfassungsgemaesse Regierung Chinas gestuerzt haben. Und China war das
allererste Land, das sich der totalitaeren Agression widersetzt hat.
"Auch muessen wir die Behauptung zurueckweisen, ein amerikanischer Botschafter in Madrid koenne mithelfen, eine politische
und wirtschaftliche Reform, in Spanien zu beschleunigen.
"Ganz im Gegenteil, eine solche Anerkennung wuerde eine ausgedehnte finanzielle Unterstuetzung einer verabscheuungswuerdigen
Gewaltherrschaft bedeuten, die sich nun in einer Krise befindet
und ohne fremde Hilfe zugrunde gehen muss.
•Gerade in diesem Augenblick, in dem Russland versucht, mit
dem kommunistischen China als Kugelfang ganz Asien in erschreckendem Tempo unter das Joch des totalitaeren Kommunismus zu bringen,
wuerde eine Anerkennung Francos verheerende Reaktionen im Fernen
Osten hervorrufen.
"Die amerikanischen Gewerkschaftsdelegierten auf dem Londoner
Kongress des Internationalen Weltbundes Freier Gewerkschaften
sprachen sich einstimmig und nachhaltig gegen die Anerkennung der
Franco-Diktatur aus und taten damit den Willen der internationalen
freien Gewerkschaftsbewegung kund. Die demokratischen Gewerkschafter
koennen naemlich nicht vergessen, dass in Franco-Spanien keine Gewerkschaften bestehen duerfen, gewerkschaftliche Taetigkeiten verboten sind und die Anhaenger des Gewerkschaftswesens eingekerkert
und sogar hingerichtet werden.
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�"Wir koennen es nicht stark genug betonen, dass eine Anerkennung Francos durch die Vereinigten Staaten den Diktatoren
Latein-Amerikas nur mehr Macht in ihre brutalen Faeuste geben
wuerde. Diese Diktatoren sind gefaehrllche Feinde der Demokratie
in der westlichen Hemisphaere. Es ist kein Zufall, dass die ausgepraegtesten Diktaturen Latein-Amerikas - Argentinien, Dominikanische Republik und Peru - diejenigen sind, die diplomatische Ver- •
treter in Madrid haben. Franco stellt eine gefaehrllche, totalitaere Macht nicht nur in Europa und Afrika, sondern auch in LateinAmerika dar, wo er intime Freunde hat, die in ihm einen vorbildlichen Diktator sehen, waehrend sie unserer demokratischen Lebensweise feindlich gegenueberstehen. Jegliche Politik, die die demokratischen Kraefte der Neuen Welt schwaecht, wird auch unsere Regierung in ihrer Faehlgkeit stark beeintraechtigen, eine wirksame
Fuehrung Im Kampf um die Wahrung der persoenlichen Freiheit auf
der ganzen Welt auszuueben.

Jh.

JäG.

Gerade in dem Augenblick, in dem sich die Weltmaechte der
Demokratie und der freien Gewerkschaften fester zusammenschliessen,
darf unsere Regierung sie nicht entzweien. In dem Monat, in dem
noch weitere Millionen von Menschen mit Vertrauen und Hoffnung auf
unser Land als den wuerdigen Verteidiger der persoenlichen Freiheit
blicken, duerfen wir sie nicht enttaeuschen und entmutigen.
••Mit aller uns zu Gebote stehender Aufrichtigkeit und Eindringlichkeit wenden wir uns an den Praesidenten der Vereinigten Staaten,
an die aussenpolitIschen Ausschuesse des Senats und des Repraesentantenhauses und an das Aussenministerium mit der Bitte, treu und
unbeirrbar an der gegenwaertigen Politik der Vereinigten Staaten
gegenueber der faschistischen Diktatur Spaniens festzuhalten.
Woechentliches Nachrichtenblatt
des AFL,
"American Federation of Labor"
7. Februar 1950
ZWEI GEWERKSCHAFTSFUEHRER TRETEN AUS DEM KOMMUNISTISCHEN
ELEKTRIKER-VERBAND AMERIKAS AUS
Der Elektriker-Verband (ÜB) und sein kommunistisches Parteigefuege erlitten einen schweren Schlag, als am 5. und 7. Januar
zwei langjaehrige Fuehrer des UE ploetzlich ihren Ruecktritt erklaerten. Einer der beiden trat zu gleicher Zeit aus der Kommunistischen Partei aus.
Die Ruecktrittserklaerungen beider Funktionaere waren von
bitteren Vorwuerfen begleitet ueber die direkte kommunistische
Bevormundung der Chikagoer Geschaeftsstellen des UE, ueber die
totalitaere Diktatur und die Zugehoerigkeit zahlreicher UE Fuehrer
zur Kommunistischen Partei.
Die beiden Gewerkschaftsfuehrer sind:
Irving Krane, Rechtsvertreter und Geschaeftsfuehrer des UE
Ortskartells 1150 waehrend der letzten 7 Jahre; Delegierter bei den
UE Konventionen in den Jahren 1947 und 1948; Mitglied oder Teilnehmer zahlreicher getarnter kommunistischer Hilfsorganisationen,
darunter mehrere, die von dem amerikanischen Oberstaatsanwalt als
umstuerzlerisch bezeichnet wurden.
Lee Lundgren, Gewerkschaftssekretaer des UE Ortskartells 1150,
Organisator und Funktionaer dieser Organisation seit 1944; anerkanntes
Mitglied der Kommunistischen Partei und Mitglied verschiedener ge- 5 -

�tarnter kommunistischer Hilfsorganisationen,
Der wie eine Bombe einschlagende Ruecktritt Kranes und Lundgrens wirkte auf den gesamten Apparat der Kommunistischen Partei
im Bezirk Chlkago und auf die gesamte Fuehrerschaft des UE wie
eine Betaeubung; zuerst glaubten sie nicht daran, und dann befuerchteten sie, dass dieses Ereignis im ganzen Lande aehnliche
Auflehnungen der kommunistischen UE Fuehrer hervorrufen koennte.
Die unterschriebenen Austrittserklaerungen Kranes und Lundgrens lieferten einen ueberzeugenden Beweis fuer die Richtigkeit
der von UE Fuehrern der Rechten und IUE Fuehrern (IUE - Internationale Gewerkschaft der Elektroarbeiter, (nichtkommunistisch) )
gemachten Vorwuerfe, dass der UE jahrelang voelllg unter dem
Einfluss kommunistischer Parteikommissare gestanden habe.
Austrittserklaerung Irving Kranes;
An die Mitglieder der Gewerkschaft der Elekrtoarbeiter,
Orts kartell 1150:
Ab sofort lege ich mein Amt als Geschaeftsfuehrer des UE
Orstkartells 1150 nieder, das ich waehrend der letzten sieben
Jahre ununterbrochen innehatte.
Ich lehnte es ab, in diesem Jahre noch einmal fuer diese
Stellung zu kandidieren, obwohl mir von den Mitgliedern der Gewerkschaft versichert wurde, dass ich mit grosser Mehrheit wiedergewaehlt wuerde, wenn ich die von dem Betriebsvorsitzenden von
Sunbeam und mehreren Mitgliedern der groessten Betriebe mir angebotene Kanditatur annehmen wuerde.
Meinen Entschluss, die Kanditatur abzulehnen und mein Amt
niederzulegen, begruende ich folgendermassen:
Ich kann nicht laenger mitansehen, dass es den Mitgliedern
des UE einfach nicht gestattet ist, in ihren eigenen Gewerkschaftsangelegenheiten zu bestimmen und die Politik ihrer eigenen Gewerkschaft vorzuschreiben.
Der UE steht unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei,
und zwar dermassen, dass es seinen Mitgliedern unmoegllch ist, von
ihrem Grundrecht freien Gebrauch zu machen, innerhalb ihrer Gewerkschaft so zu handeln, wie es ihnen am geeignetsten erscheint.
Unsere Mitglieder sind erstaunt, dass fuer die jetzige Wahl
Innerhalb des Ortskartells nur diese eine Liste von Kandidaten
aufgestellt wurde.
Sie werden jedoch nicht mehr erstaunt sein, wenn ich ihnen
sage, dass diese Liste im voraus von der Kommunistischen Partei
und von Ernest DeMalo zusammengestellt worden ist, ohne dass man
dem Grundrecht der Gewerkschaftsmitglleder, ihre Kandidaten selbst
zu bestimmen, Rechnung getragen hat.
Am 16. ^ezember wurde im Verlaufe einer nichtoffiziellen Besprechung von Sa, Kushner, dem ehemaligen Geschaeftsfuehrer des
Ortskartells 1119 und gegenwaertlgen hauptberuflichen Organisator
der Kommunistischen Partei, berichtet, dass Gil Green und andere
Fuehrer der Kommunistischen Partei wegen politischer Meinungsverschiedenheiten gegen meine Kandidatur waeren.

- 6 -

�Daraufhin wurden in dieser Konferenz die Kandidaten fuer
die bevorstehende Wahl im Ortskartell 1150 bestimmt.
Dass DeMalo die Kommunistische Partei unterstuetzt, ist
durch die Taetigkeiten der UE Vorstandsmitglleder bewiesen, die
unter seiner Fuehrung arbeiten.
Im gesamten Verlauf meiner Amtszelt war die Wohlfahrt der
Arbeiter oberstes Gebot fuer mich. Dafuer habe ich schriftliche
Beweise.
Da ich der Ansicht bin, dass ich mich nicht 1 aenger dem
undemokratischen Treiben in dem UE anschliessen kann, fuehle ich
mich gezwungen, meinen Austritt zu erklaeren.
Mit herzlichem, kollegialem Gruss verbleibe ich
Euer
Irving Krane.
Au3trittserklaerung Lee Lundgrens:
Mit dem heutigen Tage erklaere ich meinen Ruecktrltt als
Gewerkschaftssekretaer des UE Ortskartells 1150 und meinen Austritt aus der Kommunistischen Partei.
Als Gewerkschafter bin ich der Meinung, dass man nicht zwei
Herren dienen kann. Meine Zugehoerlgkelt zur Kommunistischen
Partei machte es mir unmoegllch, den wahren Interessen der Arbeiter zu dienen und eine demokratische Gewerkschaft aufzubauen,
deren Leitung in den Haenden ihrer Mitglieder liegt, und die sich
ausschliesslich der Wohlfahrt der Arbeiterschaft widmet. Ich bin
nun voellig ueberzeugt, dass die Kommunisten die Arbeiter des UE
dem Abgrund entgegenfuehren.
Durch meine Erfahrungen, die ich seit 1944 sammeln konnte,
bin ich zu dieser Schlussfolgerung gekommen. Damals half ich mit,
den Betrieb, in dem ich beschaeftigt war, in dem UE zu organisieren* Ich war Betriebsratvorsitzender in der Firma Goodman, vier
Jahre lang Finanzsekretaer des Ortskartells 1150 und hauptberuflicher
Gewerkschaftssekretaer seit 1945.
Kurz nach meinem Amtsantritt als Gewerkschaftssekretaer Im UE,
nahm mich Pat Amato, Praesldent des Ortskartells 1150, in die
Kommunistische Partei auf.
Ich trat in die Partei ein, weil man mir sagte, dass sie
die Interessen der Arbeiter am besten vertreten wuerde und ich
auf diese Weise den Arbeitern bei der Loesung ihrer taegllchen
Probleme besser beistehen koennte.
Als Parteimitglied nahm ich an zahlreichen, nichtoffiziellen
Besprechungen der Kommunistischen Partei teil, in deren Verlauf
innere Angelegenheiten des UE offen besprochen und geplant wurden«
Diese Besprechungen zeigten deutlich, dass es hier hauptsaechllch
um die Interessen der Kommunistischen Partei ging und die Wohlfahrt
der Gewerkschaftsmitglieder nur von untergeordneter Bedeutung war.
Diesen Konferenzen der Kommunistischen Partei wohnten u.a. bei:
Praesldent Pat Amato; Alice Smith, der Sekretaer des Bezirksvorstandes Nr. 11 des UE; Fred Dutner, ein UE Organisator fuer internationale Angelegenheiten; und Sam Kushner, ein Organisator der
Kommunistischen Partei.
- 7 -

�Auf einer solchen Konferenz der Kommunistischen Partei wurde
kuerzlich erklaert, dass Irving Krane "politisch unzuverlaessig"
sei und Fred Dutner sein Nachfolger werden solle.
Wenn Pat Amato vor kurzem erklaerte, Irving Krane sei deshalb nicht zum Geschaeftsfuehrer vorgeschlagen worden, weil er
"unbefaehigt" sei, so ist dies eine typische kommunistische Luege.
Ich war Jahrelang Mitglied dieser Gewerkschaft und weiss aus eigener Erfahrung, dass Krane die besten Vertraege in diesem Ortskar*
teil abgeschlossen hat. Es ist nicht schwierig, an Hand der Akten
diese Tatsache zu beweisen.
Fred Dutner dagegen hat, soviel mir bekannt ist, in seinem
Leben keinen einzigen Gewerkschaftsvertrag zustande gebracht.
Die Absicht, Krane aus einer fuehrenden Position in unserem
Ortskartell zu verdraengen, ist nichts weiter als der letzte Punkt
in einer langen Liste, der mich endgueltig davon ueberzeugt hat,
dass der ELektriker«»verband voellig unfaehig ist, ehrlich und
aufrichtig zu handeln. Solange ich zu dieser Gewerkschaft gehoerte,
hat sich Ernest DeMaio, der Praesident des Distrikts 11, kein einziges Mal den Beschluessen der Kommunistischen Partei widersetzt,
die fuer die gewerkschaftlichen Angelegenheiten ausschlaggebend
sind.
Deshalb rate ich den Mitgliedern des UE dringend, sich der
kommunistischen Bevormundung zu entziehen und sich der CIO anzuschliesseh. Ichftinbereit, sie hierbei mit allen mir zur Verfuegung stehenden Mitteln zu unterstuetzen.
gez. Lee Lundgren
H

The IUE - CIO News"
Organ des Internationalen Verbandes
der Elektroarbeiter (CIO)
9. Januar 1950
GEWERKSCHAFTEN IN BELGIEN
Der folgende Artikel von Rene Colntre, dem
Sekretaer fuer Forschung im Allgemeinen Belgischen Gewerkschaftsbund, erschien in dem
Magazin "Soclallst Commentary". Er wird
hiermit zu Ihrer Informierung und evtl.
Verwendung veroeffentlicht. Die Wiederveroeffentlichung ist gestattet worden.
Vier Gewerkschaftsfoederationen vertreten die Interessen
der 1.100.000 organisierten Arbeiter Belgiens. Die groesste ist
der Allgemeine Belgische Gewerkschaftsbund (F.G.T.B.;, der 600.000
Mitglieder umf Jtsst; an zweiter Stelle stehen die Christlichen
Gewerkschaften; die uebrlgen beiden sind unbedeutend. Vor dem
Kriege war der F.G.T.B. der Sozialistischen Partei angeschlossen.
Aber als er 1945 wiedergegruendet wurde und neue Gruppen mit
kommunistischen Tendenzen hinzugekommen waren, wurde die Unabhängigkeit von saemtlichen Parteien und die Respektierung der politischen und religioesen Einstellung zu den Grundprinzipien des
F.G.T.B. erklaert. Politische Entwicklungen und besonders die
Frage ueber Koenig Leopolds Rueckkehr haben vor kurzem jedoch den
F.G.T.B. der Sozialistischen Partei wieder naeher gebracht, und
diese beiden Organisationen haben sich der sozialistischen Ein-

tote
— 8—

�heltsbewegung und den sozialistischen Wohlfahrtsgesellschaften
angeschlossen, um sogenannte "Aktionsausschuesse" zu bilden,
die sich der Rueckkehr des Koenigs widersetzen und fuer die
Rechte der Arbeiter eintreten.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf einige wirtschaftliche und soziale Probleme, mit denen sich die belgischen
Gewerkschaften seit Kriegsende befassen.
Lohnpolitik
^s ist allgemein bekannt, dass sich Belgien nach der Befreiung in einer weit guenstigeren Situation als seine Nachbarstaaten befand. Die Deutschen hatten keine Zeit gehabt, viele
Produktionsquellen Belgiens zu zerstoeren, und die Industrie
konnte deshalb nach dem Kriege sofort wieder auf volle Touren
gebracht werden, wenn auch Betriebe und Maschinen veraltert
waren. Ausserdem wurden die Auslagen fuer die in Belgien stationierten Truppenkontingente der Alliierten in harter Waehrung
zurueckerstattet, und damit hatte Belgien ausgedehnte Dollarland Goldreserven. Es konnten also Waren aus Uebersee eingefuehrt
und die vom Kriege herruehrenden Beschraenkungen schnell gelockert
und beseitigt werden.
Zu jener Zeit war die realistische Einstellung der Gewerkschaften zum Lohnproblem von grosser Bedeutung, die besonders in
der Verhuetung der gefaehrlichen Aufwaertsbewegung von Loehnen
und Preisen zum Ausdruck kam. Von 1944 bis 1947 waren die
Gewerkschaften mit einer Lohnregelung durch die Regierung einverstanden; Bedingung war Jedoch, dass durchgreifende Massnahmen
zur Senkung der Preise ergriffen wuerden. Auf diese Weise sollte
die Kaufkraft der breiten Masse stabilisiert und allmaehlich gesteigert werden. Die Gewerkschaften forderten zugleich einen
gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Sie erklaerten sich niemals
mit dem von der Regierung seit 1946 eingefuehrten totalen Lohnstop
einverstanden. Im Gegenteil, sie taten ihr Moeglichstes, um die
notwendig gewordenen Abeanderungen vorzunehmen, und die Regierung
bewilligte diese Forderungen teilweise. Die Verbesserungen der
sozialen Einrichtungen stellen einen weiteren, indirekten Fortschritt dar. Und als sich die Regierung nicht mehr auf weitere
Preissenkungen einliess, forderten die Gewerkschaften die Rueckkehr zum System der freien Lohnverhandlungen. Obwohl das Lohnstopgesetz noch besteht, sind bereits die ersten Vertraege zwischen
Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Kraft getreten, in denen bestimmt wird, dass sich die Loehne nach einem Warenpreisindex zu
richten haben.
Die "Nationale Konferenz der Arbeit".
Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
wurde durch die Schaffung der sogenannten "Nationalen Konferenz
der Arbeit" gefoerdert, eine Einrichtung, die am 16. September 1944
gegruendet wurde. Seitdem haben acht Versammlungen stattgefunden
und zahlreiche Konflikte konnten auf diese Weise vermieden werden.
Durch diese Institution, in der Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten sind, haben Gewerkschaftsdelegierte die Moeglichkeit, ihre Faelle vorzubringen und Beschluesse zugunsten der Arbeiter zu erwirken, wie z.B.: im Jahre 1944 eine allgemeine Lohnerhoehung von 60#, 1945 weitere 20g, (der Lohnstabilisierung und
bestimmte Abaenderungen folgten), ein gesetzlich festgelegter
Mindestlohn; eine Preissenkung von 10g im Jahre 1946, bezahlter
Urlaub, und zwar zuerst acht und dann 10 Tage jaehrlich, Erhoehung
der Familienunterstuetzungen und Pensionen.

- 9 -

�Vor dem Kriege haetten solche Forderungen langwierige Verhandlungen Innerhalb eines Bezirkes oder einer Fabrik nach sich
gezogen. • Durch die Nationale Konferenz der Arbelt dagegen Ist
es moeglich geworden, dieselben Forderungen auf nationaler Ebene
und fuer alle Arbeiter durchzusetzen. Damit koennen die Gewerkschaften in wirtschaftlichen Angelegenheiten weit mehr Einfluss
ausueben als je zuvor. Und wenn der Zentrale Wirtschaftsrat und
die einzelnen Fachausschuesse in Taetigkeit treten werden, werden
die Gewerkschaften noch eine weit einflussreichere Stellung einnehmen.
Der Zentrale Wirtschaftsrat, der am 21.September 1949 offiziell
gegruendet wurde, ist eine beratende Koerperschaft, die sieh aus
50 Mitgliedern zusammensetzt. 44 davon vertreten Unternehmer und
Arbeiter, waehrend die restlichen 6 Experten sind, die von den 44
Mitgliedern gewaehlt werden. Auf Antrag der Minister oder des
Parlaments oder aus eigener Initiative heraus soll dieses Gremium
Probleme studieren, die mit der nationalen Wirtschaft in Zusammenhang
stehen« Die Fachausschuesse ueben eine beratende Taetigkeit bei der
Behandlung von Fragen aus, die in das Spezialgebiet der Wirtschaft
fallen, fuer das sie vorgesehen sind.
Diese Institutionen sind zweifellos sehr wertvoll, aber sie
entsprechen nur In geringem Masse dem, was der FGTB erstrebt. Wir
sind der Ansicht, dass unsere Forderung nach wirksamer Beteiligung
der Arbeiter an der Betriebsleitung auf allen Gebieten nur verwirklicht werden kann, wenn die gesamte Produktion und die Verteilung
sozialisiert werden« Inzwischen setzen sich die Gewerkschaften
fuer alle Reformen ein, die unter den gegebenen Verhaelthlssen
durchzufahren sind.
Soziale Errungenschaften.
Nach harten Auseinandersetzungen konnten Betriebsraete, in
denen Arbeiter und Unternehmer vertreten sind, eingefnehrt werden,
und sie sind In allen Betrieben, die eine Belegschaft von mehr als
50 Mann haben, obligatorisch« Sie befassen sich mit Massnahmen,
die die Organisation des Betriebes und die Arbeltsbedingungen
betreffen, und sind berechtigt, von der Betriebsleitung Informationen
ueber die Produktionsleistung und andere wirtschaftliche und finanzielle Probleme zu fordern. Sie haben das Recht, die bei der Einstellung und Entlassung angewendeten Methoden zu ueberwachen und
alle sozialen Einrichtungen des Betriebes zu kontrollieren. Ausser
in dem letztgenannten Punkt haben sie nur beratende Vollmachten.
Die wichtigste Aufgabe besteht nun darin, die Arbeiter so zu erziehen, dass sie diese Rechte wirksam geltend machen koennen. Es
genuegt nicht, dass sie etwas ueber ihren eigenen Betrieb wissen;
sie muessen darueberhinaus mit den allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Problemen unserer Zeit vertraut sein« Deshalb hat der
FGTB einige Dutzend Schulen eroeffnet, in denen die zukuenftigen
Delegierten geschult werden«
Bezueglich der sozialen Sicherheit konnten die Gewerkschaften
beachtliche Erfolge erzielen« In dem Sozialversicherungssystem,
das 1944 eingefuehrt wurde, sind Arbeitslosen-, Kranken-, Invalidenund Altersversicherung, ausserdem bezahlter Urlaub, Kinderbeihilfen,
Krankenhaus- und Sterbegelder vorgesehen. Dieses System wird nicht
vom Staate finanziert, (die Katholiken lehnen dies ab) sondern von
den Arbeitern und Unternehmern, die Beitraege in Hoehe von S bis
8.5 fC bzw. 15 y0 der Arbeitsloehne entrichten. Die ersten 4000
Francs des Arbeiterlohnes werden bei der Errechnung der Beitraege
nicht in Anrechnung gebracht.

10 -

�Und schliesslich noch einiges ueber das Schlichtungswesen.
Seit 1919 bestanden Ausschuesse, In denen Arbeiter und Unternehmer parltaetlsch vertreten waren. Zuerst hatten sie die Aufgabe, sich mit der Reduktion der Arbeltszelt zu befassen, jedoch
erweiterte sich bald Ihr Aufgabenbereich. 1945 wurden diese
Kommissionen neu gebildet und erhielten Gesetzesstatut. Sie haben
sich - es sind vierzig - zu wesentlichen Organen des sozialen
Lebens entwickelt. Ihre Hauptaufgabe besteht nun darin, In solchen
Arbeltsproblemen schiedsrichterlich zu entscheiden, die der freien
Verhandlung unter den beteiligten Partnern ueberlassen bleiben;
damit sollen Konflikte in der Industrie verhuetet oder beigelegt
werden.
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Der FGTB ist lebhaft und aktiv an internationalen Angelegenheiten Interessiert, besonders an dem europaeise'ien Wiederaufbau,
wo es viele Probleme gibt, die in das Interessengebiet der Gewerkschaften fallen, wie z.B. die rationelle Verteilung der Arbeitskraefte, Verbesserung der sozialen Bedingungen, Produktionsleistung und Export. Der Initiative des FGTB und aehnlicher Organisationen in den anderen Beneluxstaaten war es zu verdanken,
dass eine europaelsche Gewerkschaftskonferenz im Maerz 1948 nach
London einberufen wurde, um den Plan des Europaeischen Wiederaufbauprogramms zu ueberpruefen. So hat der FGTB auch eine aktive
Rolle bei den Vorbereitungen zur neuen Gewerkschaft Sinter nationale
gespielt, und es ist Paul Finet, der Generalsekretaer des FGTB,
der den vorbereitenden Kongress in London am 28. November 1949
eroeffnet hat.
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ECA Labor Information
6. Februar 1950
KOMMISSION »ES INTERNATIONALEN ARBEITSAMTES ZUR WAHRUNG DER

al«IC«fltfTTJCflfl&gt; RECHTET
Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes wird in
Kuerze die erste internationale Kommission aufgestellt haben, die
zu der Frage des Versammlungsrechtes Ermittlungen anstellen und
Vermittlungsdienste leisten wird.
fi&amp;ßtei'Zü sGJteissn' nerioelaloq
leib floitfßsslt
Der Verwaltungsrat billigte im Januar in seiner 110. Sitzung
In Mysore, (Indien; die Richtlinien, nach denen bei der Bildung
einer 9-Mann Kommission vorgegangen werden soll, die sich mit
Verletzungen der gewerlschaftlichen Rechte befassen wird.
Die Tagesordnung der 111. Sitzung, die am 8. Maerz in Genf
eroeffnet werden wird, sieht die Wahl der Mitglieder dieser Kommission vor. Gewaehlt werden soll, wer die persoenliche Befaehlgung
besitzt, und von dem man erwarten kann, dass er seine Aufgaben in
vollkommener Unabhaengigkeit erledigt.
Der Wirtschafts- und Sozialausschuss der Vereinten Nationen
forderte im August vorigen Jahres das Internationale Arbeitsamt
auf, die Bildung der Kommission sowohl im Namen der Vereinten Rationen als auch des Internationalen Arbeitsamtes vorzunehmen.
In aer Sitzung von Mysore wurde die Kommission fuer das
Internationale Arbeltsamt zusammengestellt und zu gleicher Zeit die
Bildung einer aehnlichen Koerperschaft auch fuer die Vereinten
Nationen in Aussicht gestellt.
In den vom Verwaltungsrat entworfenen Satzungen der Kommission
wird sie als ein Gremium bezeichnet, das in erster Linie die Aufgabe hat, Ermittlungen anzustellen. Ausserdem wird es jedoch
auch ermaechtigt, mit der Regierung Angelegenheiten zu besprechen,
die den Zweck haben, auftretende Schwierigkeiten durch ein Abkommen
zu beheben.
- 11 -

�Beschwerden ueber eine angebliche Verletzung der gewerkschaftlichen Rechte koennen sowohl vom Verwaltungsrat als auch von der
Generalversammlung des Internationalen Arbeitsamtes an die Kommission ueberwiesen werden. $SB
Jede Regierung, gegen die eine Beschwerde gefuehrt wird, kann
ebenfalls die Kommission zu Rate ziehen.
Gewerkschaften und Arbeitgeberverbaende koennen vorschlagen,
bestimmte Faelle der Kommission zu uebergeben. Vorschlaege dieser
Art und solche der Regierung muessen zuerst, von den Beamten des
Verwaltungsrates geprueft werden. Sie entscheiden, ob sie dem
gesamten Verwaltungsrat vorgelegt werden oder nicht.
Wenn eine Eingabe in Umlauf gesetzt worden ist, kann jedes
Mitglied des Verwaltungsrates beantragen, dass sie der Kommission
zur Bearbeitung ueberwiesen wird.
Nach einer langen Diskussion wurde beschlossen, dass Beschwerden nur mit Zustimmung der betreffenden Regierungen zur Pruefung
und Bearbeitung an die Kommission weitergeleitet werden koennen«
^enn eine Regierung ihre Zustimmung verweigert, wird der Verwaltungsrat entsprechende Massnahmen in Erwaegung ziehen, um die
umstrittenen Rechte zu wahren. Hierzu gehoert auch, dass er den
Fall an die Oeffentlichkeit bringen kann.
Die Kommission wird dem Verwaltungsrat Bericht erstatten,
der erwaegen wird, welche weiteren Schritte in Jedem Falle unternommen werden sollen*
Der Verwaltungsrat billigte ferner Vorschlaege, nach denen
sich die Kommission den Vereinten Nationen zur Verfuegung stellen
soll, wenn es sich um Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen handelt,
die nicht Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisationen sind.
Diesen Vorschlaegen zufolge haetten die Generalversammlung und der
Wirtschafts- und Sozialausschuss die Moeglichkeit, ueber den Verwaltungsrat Beschwerden an die Kommission zu ueberweisen.
Die Delegation der polnischen Regierung erklaerte sich mit
den Beschluessen ueber die Satzungen der Kommission nicht einverstanden.
Nachrichtenblatt des Internationalen
Arbeitsamtes, Genf, Februar-Maerz 1950
- 12 OFFICIAL

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

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�Internationale

ARBEITSNITTEILUNCEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I - 52

Frankfurt,

3 . Maerz 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
C l O - P r a e s i d e n t zu den V e r f a h r e n gegen kommunistische
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1
S t a t i s t i s c h e Unterlagen e r l e i c h t e r n K o l l e k t i w e r handlungen - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 2
W i s s e n s c h a f t l i c h e H i l f s t r u p p e n fuer d i e Gewerks c h a f t e n i n U.S.A.
—
5
P a r l a m e n t a r i s c h e S p i e l r e g e l n i n U. S . A . - - - - - 7
G l e i c h e r Lohn fuer F r a u e n a r b e i t - - - - - - - - - 9
Wird d i e 40-Stundenwoche den E r r u n g e n s c h a f t e n der
modernen Technik g e r e c h t ? - - - - - - - - - - - - - 9
B i l a n z des M a r s h a l l p l a n s
- - - - - - - - - - - - - - 1 0
E i n z e l h e i t e n u e b e r das ECA-Programm f u e r t e c h n i s c h e
Hilfe
15

CI0-PRAE3IDENT ZU DEN VERFAHREN GEGEN KOMMUNISTISCHE GEWERKSCHAFTEN
Der C l O - P r a e s i d e n t P h i l i p Murray l i e s s v o r kurzem e i n e Erk l a e r u n g v e r ö f f e n t l i c h e n , d u r c h d i e a l l e U n k l a r h e i t e n ueber d i e
gegenwaertig gegen 10 kommunistisch o r i e n t i e r t e CIO-Gewerkschaften
a n g e s t r e n g t e n V e r f a h r e n b e s e i t i g t werden s o l l e n . Darin h e i s s t es
u.a.:
" I n Uebereinstimmung mit dem Willen d e r Mehrzahl s e i n e r M i t g l i e d e r t r a c h t e t d e r CIO g r u n d s a e t z l i c h danach, j e d e Verbindung
mit den von d e r TCP b e h e r r s c h t e n Gewerkschaften abzubrechen.
"Den Gewerkschaften, denen vorgeworfen w i r d , d a s s s i e von d e r
KP und i h r e n Agenten b e h e r r s c h t werden, s t e h e n . a l l e Wege o f f e n ,
um d i e gegen s i e erhobenen Anklagen durch T a t s a c h e n zu w i d e r l e g e n .
S t a t t d e s s e n bedienen s i e s i c h der Mittel der t r a d i t i o n e l l e n Feinde
d e r o r g a n i s i e r t e n A r b e i t e r s c h a f t , um Unruhe i n d i e Reihen d e r CIO
zu t r a g e n . S i e v e r s u c h e n , u n s e r e O r g a n i s a t i o n i n M i s s k r e d i t zu
b r i n g e n , s i c h i n d i e T a e t i g k e i t des CIO e i n z u m i s c h e n , d i e muehsam
erkaempften V o r t e i l e zu b a g a t e l l i s i e r e n und d i e e r l i t t e n e n Ruecks c h l a e g e aufzubauschen."
Amerika Dienst
7 . Februar 1950

�STATISTISCHE UNTERLAGEN ERLEICHTERN KOLLEKTIWERHANDLUNGEN.
Wir geben in grossen Zuegen den Inhalt einer Ansprache
wieder, die Ewan Clague, Beauftragter fuer Arbeitsstatistik im US Arbeitsministerium am 31. Januar 1950 vor dem
Ersten Nationalen Jahresforum gehalten hat, auf dem
Arbeitsfragen im Transportgewerbe zur Debatte standen,
"Kollektiwerhandeln bestand in frueheren Zeiten einzig und
allein aus dem gegenseitigen Ausspielen der wirtschaftlichen
Kraefte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Dieses Verhaeltnis
wurde spaeter nach und nach durch wirtschaftliches Denken ergaenzt.
Das will nicht heissen, dass wirtschaftliches Erwaegen das gegenseitige Ausspielen der Kraefte vollstaendig ersetzt hat. Die
freie Ausuebung der wirtschaftlichen Macht der verschiedenen
Interessengruppen unserer Wirtschaft muss auch weiterhin ein
charakteristisches Merkmal unserer demokratischen Lebensfuehrung
bleiben. Was Jedoch in den letzten Jahren hinzugetreten ist, ist
die Ergaenzung der wirtschaftlichen Macht durch die Beweisfuehrung
an Hand von statistischen Tatsachen. Dies ist besonders seit der
Verabschiedung des National Labor Relatlons Act (Gesetz zur Regelung
der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern) im Jahre
1935 in Erscheinung getreten. Dieses Gesetz verpflichtete die
Arbeitgeber, die Verhandlungen mit ihren Arbeitnehmern nach bestem
Willen zu fuehren. Das bedeutete, dass die Vereinbarungen, die
getroffen wurden, — ob sie mit anderweitig entstandenen Abkommen
uebereinstimmten oder nicht — durch irgendwelche Ueberlegungen
und Tatsachen begruendet sein mussten.
Wirtschaftliche Verhandlungen koennen auf der Grundlage von
Beweismaterial gefuehrt werden, das entweder von beiden in die
Streitigkeit verwickelten Partnern oder von dritter Seite geliefert
wird. Von der Regierung geliefertes statistisches Material ist
bei Kollektiwerhandlungen besonders wertvoll, weil es auf unparteiischer Basis und ohne Beeinflussung durch die herrschende Situation
auf dem Gebiet der Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen entstanden
ist. Das Statistische Buero im US Arbeitsministerium arbeitet
wirtschaftsstatistische Berichte aus, die in der amerikanischen
Industrie auf folgende drei Arten Anwendung finden:
1.

Allgemeine Wirtschaftsinformationen.

Diese Art von Informationen steht mit dem Kollektivverhandlungswesen nicht in unmittelbarem Zusammenhang. Das Statistische Buero
ist bestrebt, den oeffentlichen Bedarf an aktuellen Wirtschaftsstatistiken, die irgendwelchen ELnfluss auf Arbeitsfragen haben
koennen, so weit wie moeglich zu decken. Die Gross- und Kleinhandelspreise fuer die verschiedensten Waren werden veroeffentlicht.
Sie koennen als Unterlage dienen, wenn Entscheidungen zur Preisregelung getroffen werden, die ihrerseits wiederum Entscheidungen
in Kollektivverhandlungen beeinflussen koennen. Zur Informierung
des Baugewerbes zum Beispiel veroeffentlicht das Buero Statistiken
ueber Preise und Kosten bei Neubauunternehmen, einschliesslich
privater Wohnungsbau, oeffentliche Bauten und Industrieanlagen*
Hieraus ist z.B. ersichtlich, wie sich der Umfang der Bautaetigkeit
indirekt aber doch sehr nachhaltig auf das Transportwesen auswirken
kann. Es wird fuer Sie von Interesse sein zu wissen, dass im
Jahre 1949 ein neuer Rekord im Wohnungsbau aufgestellt wurde es wurden mehr als eine Million neuer Wohnungsbauten begonnen.
Die Aussichten fuer das Jahr 1950 sind ebenfalls gut.
2.

Allgemeine Informationen ueber Kollektiwerhandlungen.

Das Statistische Buero veroeffentlicht ausserdem eine Reihe
sogenannter "indicator" (anzeigende) Statistiken, die mit dem
- 2 -

�Kollektivverhandlungswesen in engerem Zusammenhang stehen. Obwohl
diese Art von statistischen Berichten Ihre eigenen Probleme kaum
beruehren, koennen sie doch wertvolle Hilfsmittel sein, indem sie
Ihnen zeigen, was Sie erreicht haben im Vergleich zu anderen, die
vielleicht den gleichen Problemen wie Sie gegenueberstehen.
a. Beschaeftigtenzahl und Lohnlisten» Die Statistiken
ueber die Beschaeftigtenzahl und die Lohnlisten stellen eine der
aeltesten Veroeffentlichungen dar, die ohne Unterbrechung vom
Statistischen Buero herausgegeben wurde. Es besteht kein Zweifel,
dass die Beschaeftigtenzahl einen der bedeutendsten wirtschaftlichen Faktoren unserer Zeit bildet. Die Geschaeftsleute muessen
wissen, wie der Stand der Beschaeftigtenzahl ist, wo er fluktuiert,
mit steigender oder fallender Tendenz, und wie er in den verschiedenen Teilen des Landes verschieden ist. Auch ist ,die Beschaeftigtenzahl ein wirtschaftlicher Faktor, der bei der Bestimmung der oeffentlichen Wirtschaftspolitik eine Rolle spielt.
Auf Grund von Berichten von Unternehmern veroeffentlicht das
Statistische Buero fuer den Gebrauch im ganzen Land monatliche
Schaetzungen der Beschaeftigtenzahl, Lohnlisten, Wochenverdienste
und Arbeitszeit in etwa 200 verschiedenen Industriezweigen.
Die zustaendigen Behoerden der einzelnen Staaten erhalten ebenfalls
Berichte von den Unternehmern, die sie zusammenstellen und in
aehnlicher Weise fuer die Industrien in ihrem Staat veroeffentlichen.
Um zu vermeiden, dass diese Berichte in doppelter Form von den
Unternehmern eingereicht werden muessen, hat das Statistische
Buero mit den Regierungsstellen der verschiedenen Staaten Vereinbarungen getroffen, nach denen die Berichte der Unternehmer zuerst
an den betreffenden Staat geschickt und dann von dort aus an das
Statistische Buero im Arbeitsministerium weitergeleitet werden, wo
sie bei statistischen Berechnungen auf nationaler Ebene verwendet
werden. Fuer Sie duerften die statistischen Angaben fuer das
Bau- und Transportgewerbe und fuer den Gross- und Kleinhandel von
besonderem Interesse sein«
b. Produktionsleistung. Die Produktionsleistung ist ein
Faktor, dem seit dem Kriege in zunehmendem Masse Aufmerksamkeit
geschenkt werden musste. Damit ist nicht nur der Anteil des
Arbeiters an der gesteigerten Produktionsleistung gemeint. Einbegriffen sind vielmehr alle Faktoren der technologischen Entwicklung: Betriebsleitung, Maschinen, Versorgung mit Rohstoffen
und die Leistung des Arbeiters. Dies alles zusammen gestaltet
das Gesamtbild der industriellen Produktionsleistung. Die
Entwicklungen der allgemeinen Produktionsleistung werden von dem
Statistischen Buero ueberwacht, um sich einen Gesamtueberblick
ueber die Kosten der Arbeitseinheit verschaffen zu koennen.
Darueberhinaus beschaeftigt sich das Statistische Buero mit den
direkten Arbeitskosten einer beschraenkten Anzahl von Produkten.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden in einer Form veroeff entlicht, die die fuer die Herstellung von Standardartikeln
erforderliche Arbeitsleistung pro Mann und pro Stunde erkennen
laesst.
c. Unfaelle in der Industrie. Sicherheitsprogramme sind fuer die
amerikanische Industrie von wesentlicher Bedeutung. Sowohl die
Gewerkschaften als auch die Unternehmer haben es sich viel Zeit und
Geld kosten lassen, um Programme durchzufuehren, die die Zahl der
Verletzungen bei der Arbeit und der industriellen Unfaelle reduzieren Sollen. Das Statistische Buero veroeffentlicht regelmaessig
statistische Angaben ueber Verletzungen und Unfaelle in der Industrie.
3.

Spezifische Statistiken fuer Kollektiwerhandlungen.

Fuer Kollektivverhandlungen werden bestimmte statistische Unterlagen benoetigt, die fuer die Besonderheit der Probleme geeigneter
- 3 -

�sind als die bis jetzt beschriebenen allgemeinen Informationen.
Bei den Verhandlungen, aus denen die Tarlfvertraege entstehen,
koennen die folgenden Arten von Statistiken wertvolle Dienste
leisten:
a. Preisindex fuer Verbrauchsgueter» Während des Krieges
bestand ein lebhaftes Interesse fuer die Lebenshaltungskosten,
und der vom Statistischen Buero regelmaesslg aufgestellte Preisindex fuer Verbrauchsgueter galt als Richtschnur bei der Festsetzung der Tarife. Als die staatliche Lohnkontrolle nach Beendigung des Krieges aufgehoben wurde, haette man erwarten koennen,
dass auch das Interesse hlerfuer nachlassen wuerde. Das war
jedoch nicht der Fall, well die Lebenshaltungskosten bei Kollektivier handlungen auch weiterhin in Betracht gezogen wurden.
Unternehmer und Gewerkschaften sahen in den Lebenshaltungskosten
einen Faktor, der bei der Festsetzung der Tarife berueckslchtigt
werden muss. Der 2-Jaehrige Vertrag, der Im Mal 1948 zwischen
der "General Motors Corporation" und der Gewerkschaft der Vereinigten Automobilarbeiter abgeschlossen wurde, sieht in ganz
praeziser Form die Berücksichtigung des Verhaeltnisses zwischen
Loehnen und Preisindex fuer Verbrauchsgueter vor. Kein anderes
Unternehmen und keine andere Gewerkschaft haben derartig genaue
Masstaebe angelegt; die Berücksichtigung der Preise fuer Verbrauchsgueter kommt jedoch bnchstaeblich in Tausenden von Vertraegen in einer Form oder der anderen zum Ausdruck, so haben
zum Beispiel verschiedene Unternehmen bei der Anglelchung der
Lohntarife nichtorganisierter Arbeiter diesen gleichen Preisindex
zu Hilfe genommen.
Der monatliche, nationale Index fuer Veraenderungen der
Lebenshaltungskosten von Familien der mittleren Einkommengruppen
stuetzt sich in erster Linie auf statistische Angaben, die In
34 groesseren Staedten von Beamten gesammelt werden. Der monatliche Bericht enthaelt eine sorgfaeltig zusammengestellte Aufstellung der Ausgaben einer Familie. Die Verbrauchsgueter werden
einzeln nach Art und Qualitaet beschrieben und der betreffende
Preis jeden Monat in Geschaeften festgestellt, deren sich
Familien der mittleren Einkommensgruppen bedienen«
b. Statistiken ueber Loehne und Lohntarife. Eines der
kritischsten Wirtschaftsprobleme der Nachkriegszeit ist das der
Loehne und Lohntarife. Sobald die Lohnkontrolle der Regierung
nach Beendigung des Krieges aufgehoben war, bestand auf Seiten •
der Gewerkschaften die Tendenz, allgemein hoehere Lohntarife
zu erzielen. Der Druck von dieser Seite wurde verstaerkt durch
die Reduzierung der Arbeitszelt, den Wegfall der Bezahlung fuer
Ueberstunden, was in vielen Industriezweigen ein Zusammenschrumpfen der Lohntueten der Arbeiter zur Folge hatte, und
ausserdem durch das Ansteigen der Lebenshaltungskosten. Die
gegenteiligen Meinungen ueber die Hoehe der Lohntarife fuehrten
dazu, dass man mehr und mehr vom Statistischen Buero Informationen,
ueber Tarife, nach Berufen und Industrien geordnet, verlangte.
Informationen ueber Loehne koennen die Aussenbeamten direkt
bei den Unternehmern durch Einsicht ihrer Lohnlisten einholen.
Sie sind hierzu nach den Bestimmungen eines Programms der Zusammenarbeit berechtigt, das schon viele Jahre besteht und dazu
bestimmt ist, aktuelle Angaben ueber die Lohnverhaeltnlsse in
den verschiedenen Industrien des Landes zu liefern. Die veroeffentlichten Ergebnisse gewaehren Einblick in die Lohntarife jedes
Industriezweiges. Sie sind nach den verschiedenen Berufen in
der Industrie geordnet. Ausserdem sind die Tarife fuer die verschiedenen Beschaeftigungsarten in ihrer genauen Hoehe angegeben.
Also sind nicht nur der allgemeine Durchschnitt und die hohen und
niedrigen Tarife, sondern auch die einzelnen Stufen im Tarifsystem
ersichtlich.
4 -

�c. Tarifvertraege. Die "Industrial Relations Division"
(Referat fuer Arbeitnehmer-Arbeitgeber Wechselbeziehungen) im Statistischen Buero des Arbeitsministeriums ist im Besitz von Abschriften vieler Tausender von Tarifvertraegen, die in den verschiedensten
Unternehmen abgeschlossen wurden und gueltig sind. Von dieser
Dienststelle werden typische Vertragsbestimmungen veroeffentlicht,
die Bezug haben auf Pensionen, Sicherheit der Gewerkschaft, Urlaub,
Feiertage, Akkordloehne, Zeitstudium, Ausbildung von Lehrlingen,
Befoerderung, Entlassungen, Abwesenheitsurlaub, Anpassung der Loehne,
Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Betriebsleitung, Leistungsfaehigkeit des Betriebes, Seniorenrechte, Streiks und Aussperrungen,
Sicherheit, Gesundheit und sanitaere Einrichtungen. Eine Sammlung
von Tarifvertraegen steht der Oeffentlichkeit zur Einsicht offen,
damit jeder, der sich unterrichten will, auch eine bestimmte Phase
des kollektiven Verhandlungswesen studieren kann, die in den veroeff entlichten Berichten noch nicht behandelt wurde.
US Arbeitsministerium
Statistisches Buero
WISSENSCHAFTLICHE HILFSTRUPPEN FUER DIE GEWERKSCHAFTEN IN U.S.A.
Die amerikanischen Gewerkschaften ziehen mehr
und mehr erstklassige Volkswirtschaftler,
Betriebswirtschaftler und Spezialisten fuer
besondere Gutachten heran, wenn sie Lohnforderungen erheben. Der Elektriker-Verband hat
kuerzlich einen der bekanntesten Wirtschaftskenner in einem solchen Falle zu Rate gezogen,
und wir geben den folgenden interessanten Bericht der "CIO News" darueber wieder:
Der bekannte Volkswirtschaftler Robert R. Nathan hat fuer
den Internationalen Elektriker-Verband (IUE-CIO) einen Bericht
ausgearbeitet, in dem er beweisst, dass das Unternehmen "General
Electric" auf Grund seiner enormen Gewinne es sich leisten kann,
seinen Arbeitnehmern hoehere Loehne zu zahlen und dabei noch gute
Einnahmen aus seinem investierten Kapital zu beziehen.
Es ist das erste Mal, dass ein Gutachten in dieser Form den
Arbeitern der "General Electric" zur Verfuegung gestellt wurde.
Die Gewerkschaft der Vereinigten Elektroarbeiter (UE), die wegen
ihrer kommünistischen Tendenzen aus den Reihen der uebrigen Gewerkschaften ausgestossen wurde, hat weder die Moeglichkeit noch
die Zeit, derartige Untersuchungen durchfuehren zu lassen. Ausserdem wuerde sich kein anstaendiger Volkswirtschaftler dieser Organisation zur Verfuegung stellen.
In dem Bericht Nathans an den Internationalen Elektriker Verband IUE-CIO heisst es:
Die durchschnittlichen, Jaehrlichen Realeinkommen der Arbeiter
der "General Electric" lagen 1948 nur um 2,2# hoeher als im Jahre
1939. (Das heisst, die Kaufkraft ihres Einkommens ist, gemessen
an der aus dem letzten Jahre vor dem Kriege, nur um 2,2 % gestiegen.)
Sie liegen damit weit hinter dem durchschnittlichen Einkommen in der
gesamten elektrischen Industrie zurueck, die um 14# gestiegen sind.
In anderen Industrien liegen die Loehne noch viel hoeher; in der
gesamten Fertigwarenindustrie z.B. haben sich die Einkommen um 29,8#
erhoeht.
Die Gewinne der "General Electric" haben sich in der Zeit
zwischen 1939 und 1948 mehr als verdreifacht. Steuerunterlagen
- 5 -

�haben bewiesen, dass die "General Electric* ihre gesamten Kapitalanlagen innerhalb von drei Jahren verdoppeln koennte.
Im Gegensatz zu der Erhoehung der jaehrlichen, durchschnittlichen Realeinkommen der Arbeiter um 2,2$, hatten sich die Gewinne
der Aktionaere dieser Gesellschaft im Jahre 1948 um 87$ seit dem
Jahre 1937 vermehrt - und dieser Zahl ist ebenfalls die Kaufkraft
des Dollars von 1939 zugrunde gelegt.
Die "General Electric" liegt bezueglich der Steigerung ihres
Verkaufs weit an der Spitze vor den anderen Unternehmen. Von 1939
bis 1948 haben sich die Verkaeufe um 377$ erhoeht - das bedeutet,
dass fuer jeden im Jahre 1939 eingegangenen Dollar fast 5 Dollar
im Jahre 1948 eingenommen wurden. Dabei ist der Verkauf, verglichen
mit der BeschaeftigungsZiffer, um mehr als das Doppelte angestiegen.
Die Aktiven der "General Electric" haben sich fast verdreifacht.
Nathan kam zu der Schlussfolgerung, dass die Arbeiter dieser
Gesellschaft auf eine wesentliche Erhoehung ihrer Realloehne Anspruch haetten und erklaertet, dass "die Aussichten fuer Geschaeftstaetigkeiten und Gewinne der "General Electric" im Jahre 1950 und
auch danach ausgezeichnet seien, und zwar nicht nur wegen der voraussichtlich allgemein guenstigen Geschaeftslage im Jahre 1950,
sondern auch wegen der vielversprechenden Aussichten fuer die
elektrische Industrie auf dem Gebiet der Licht - und Starkstromversorgung im besonderen."
James B. Carey, Vorsitzender des Verwaltungsrates des IUE-CIO,
und andere Vorstandsmitglieder dieser Organisation waren in enger
Zusammenarbeit mit Nathan an der Ausarbeitung des Berichtes ueber
die "General Electric" beteiligt.
Nachdem man sich eingehend mit den Realeinkommen der Arbeiter
der Gesellschaft befasst hatte, erklaerte Carey: "Es ist nicht
verwunderlich, dass die "General Electric" mit einer schwachen
Organisation zu verhandeln wuenscht, die sich nicht fuer die Arbeiter einsetzt, wie zum Beispiel mit dem UE."
Carey und Nathan erklaerten, dass es das Ziel in den vom
IUE-CIO gefuehrten Verhandlungen sei, den Arbeitern ihren gerechten
Anteil am Gewinn zu sichern. "Ein Arbeiter sollte die Ware, die
er herstellt, kaufen koennen,1* sagte Carey.
Nathans Bericht ist in drei Hauptabschnitte unterteilt:
Im ersten werden die Lebensbedingungen der Arbeiter der
"General Electric" mit denen der Arbeiter im allgemeinen verglichen.
Der zweite Abschnitt zeigt, dass das Unternehmen absolut in
der Lage ist, bessere Loehne, ausreichende Pensionen, eine Wohlfahrtskasse und andere soziale Verbesserungen zu finanzieren.
Und im dritten Abschnitt wird darauf hingewiesen, dass eine
Verbesserung der Bensbedingungen der Arbeiter des Unternehmens nicht
nur den Arbeitern selbst, sondern auch dem Unternehmen und dem ganzen Lande zugute kaeme, da damit die Kaufkraft erhoeht wuerde.
In einer Rundfunksendung des CIO erklaerte Nathan vor kurzem:
"Der wirtschaftliche Beratungsausschuss des Praesidenten befürwortet Massnahmen zur Anregung der GeschaeftsInvestierungen
und sieht ganz richtig im Gewinn einen Ansporn zur Kapitalanlage.
- 6

�Er weisst jedoch darauf hin, dass trotz der hohen Gewinne die
Geschaeftsleute mit einer Erweiterung ihres Unternehmens so
lange zurueckhalten, bis sich die Aussichten fuer den Absatz
besser gestalten. Einige Unternehmer geben sich mit der jetzigen
Groesse ihres Unternehmens und dem Umfang ihrer geschäftlichen
Taetigkeit zufrieden. Die meisten moechten sich vergroessern.
"Ein umsichtiger Geschaeftsmann wird seine Fabrik jedoch nicht
erweitern, wenn er nicht auch die Gewissheit hat, dass er seine
Produkte verkaufen kann. Derjenige, der Geld anlegen will, wird
kein Wohnhaus bauen, ohne einlgermassen sicher zu sein, dass er
Mieter finden wird, die die Miete bezahlen koennen. Die Kapitalanlage ist unbedingt vom Verbrauch abhaengig.
"Ich persoenlich bin der Ansicht, dass wir in Amerika waehrend
der letzten zwei bis drei Jahre unsere Produktionskapazitaet im
Vergleich zu den Absatzmöglichkeiten viel zu schnell erweitert
haben. Wir koennen zum Beispiel nicht unsere Produktionskapazitae*
fuer Radiogeraete um eine weitere Million Einheiten pro Jahr erhoehen, waehrend die VerbrauchsSteigerung fuer diesen Artikel nur eine
i Million pro Jahr betraegt. Ein solches Verhaeltnls ist unsinnig.
"Der Wirtschaftsausschuss stelle fest, - und ich bin der
gleichen Meinung, - dass sich der Verbrauch schneller vergroessern
muesse als Fabriken und deren Einrichtungen, dass beide Jedoch
unaufhoerlich wachsen muessten. Diese Erkenntnis ist von grundlegender Bedeutung.
Die Schlussfolgerung des Ausschusses hieraus heisst natuerlich,
dass es durch private und oeffentliche Massnahmen gelingen muss,
das Verbrauchsniveau zu heben, das augenblicklich nicht hoch genug
ist, um die Vollbeschaeftigung gewaehrleisten zu koennen.
"Wenn der Markt die Erzeugnisse der Industrie nicht absorbieren
kann, dann liegt dies nicht etwa daran, dass das Volk nicht mehr
verbrauchen moechte, als es zur Zeit verbraucht. Es liegt vielmehr an der Kaufkraft und der Verteilung unseres Gesamtvermoegens.
Ich bin ueberzeugt, dass nur wenige unserer Hoerer es als eine
Haerte empfinden wuerden, groessere und bessere Wohnungen und mehr,
und bessere Kleidung und Nahrungsmittel zur Verfuegung zu haben.
"Es fehlen uns vielmehr die Mittel, um das kaufen zu koennen,
was wir haben moechten. Es scheint uns unsinnig, dass wir uns
mit dem Krebsgang unserer Wirtschaft, mit Arbeitslosigkeit und
geschlossenen Betrieben abfinden sollen, nur weil wir keine Massnahmen treffen wollten, die eine ausreichende Kaufkraft gesichert
haetten.
"In dem Bericht des Ausschusses wird der Ausgeglichenheit
der wirtschaftlichen Faktoren besondere Bedeutung zugemessen und
die Frage, wohin unsere Einkommen gehen, und wie sie verwendet
werden, findet besondere Beruecksichtigung. Damit hat man unser
wirtschaftliches Problem mitten ins Herz getroffen."
Organ des Internationalen ElektrikerVerbandes, "The IUE-CIO News,"
23. Januar 1950
PARLAMENTARISCHE SPIELREGELN IN U.S.A.
Letzte Beleidigung im Senat fiel 1888.
Washington — (Amerika Dienst) —
Als Dr. Schumacher durch
seine scharfe Kritik an Bundeskanzler Adenauer die Aufmerksamkeit
der Welt auf sich zog, haben manche politischen Beobachter in
- 7 -

�I

Washington sich die Frage vorgelegt, was passieren wuerde, wenn
ein amerikanischer Senator sich von der Debatte hinreissen und die
traditionellen Hoeflichkeitsregeln ausser acht lassen wuerde.
Nach den vorliegenden Senatsprotokollen ereignete es sich 1888
zum letzten Mal, dass ein Senator wegen Beleidigung eines Kollegen
disziplinarisch bestraft wurde. Er hatte ein anderes Mitglied
des Hauses als "Luegner und dreckigen Hund" bezeichnet. Der Beleidiger wurde daraufhin prompt von der Sitzung ausgeschlossen. Nach
zwei Tagen entschuldigte er sich und nahm seine Arbeit wieder auf.
Die Verfahrensregeln des Senates bestimmen, dass: "...kein
Senator im Verlauf der Debatte direkt oder indirekt einem oder
mehreren anderen Senatoren in i/rgendeiner Form ein Verhalten oder
Motiv unterstellen soll, das eines Senators unwuerdig oder fuer
ihn ungehoerlg ist.
In der Praxis ist diese Regel natuerlich verletzt worden.
Durch Erfahrungen hat der Senat gelernt, dass im Rahmen gewisser
Grenzen heftige Debatten und temperamentvolle Ausbrueche oft dazu
beigetragen haben, die wirklichen Kernpunkte einer zur Diskussion
stehenden Frage ans Tageslicht zu bringen. Es ist daher nicht ueblich, dass der Senat mit einem Angehoerigen des Hauses, dem in der
Hitze des Gefechtes sein Temperament durchgeht, drastisch verfaehrt.
Man weiss, dass das demokratische Gesetzgebungsverfahren das Ergebnis von MeinungsVerschiedenheiten, Debatten und Kompromissen ist.
Keine Beamtenbeleidigung in U.S.A.
Der Bonner Vorschlag, ein Gesetz zu schaffen, das die Kritik
an deutschen Beamten strafbar machen soll, wurde hierzulande in
parlamentarischen Kreisen mit unglaeubigem Staunen entgegengenommen.
Kein Mitglied der Regierung der Vereinigten Staaten einschliesslich
des Praesidenten ist immun gegen Angriffe aus dem Kongress. Doch
haben Brauch und Tradition ein ungeschriebenes Gesetz entstehen
lassen, das den Praesidenten vor Verbalinjurien in den Kongresssaelen bewahrt. Kennern des parlamentarischen Verfahrens ist kein
Fall bekannt, in dem ein Kongressabgeordneter wegen Anwuerfen gegen
den Praesidenten haette zur Ordnung gerufen werden muessen.
Die Mitglieder des Kabinetts des Praesidenten geniessen keinerlei Immunitaet gegen Angriffe. Wenn auch Kabinettsmitgliedern nicht
gestattet ist, zur Abgabe von Erklaerungen als Redner im Kongress
aufzutreten, werden sie doch haeufig vor Kongressausschuessen *ur
Auskunfterteilung gerufen, wo sie sich eingehenden Fragen und oft
auch scharfer Kritik stellen muessen.
Seit dem Buergerkrieg von 1861 - 1365 ist noch nie wieder ein
Mitglied des amerikanischen Senates ausgestossen worden. Im Verlauf seiner ganzen Geschichte hat der Senat nur achtzehn seiner
Mitglieder ausgestossen - die meisten waren Senatoren, die in die
Armee der Suedstaaten eingetreten waren und somit des Hochverrates
gegen die anerkannte Staatsregierung beschuldigt wurden.
Nur fuenfmal seit 1789 haben die Bestimmungen, die die Redefreiheit im Kongress regeln, unbedeutende Aenderungen erfahren und
seither haben keine Aenderungen mehr stattgefunden. Doch behalten
sich beide Haeuser des Kongresses das* Recht vor, mit einer Zweidrittelmehrheit Parlamentsmitglieder auszuschliessen, die sich
eines unparlamentarischen Verhaltens schuldig gemacht haben. Gegen
eine solche Entscheidung gibt es keine Berufung.
"Amerika Dienst"
13. Januar 1950

�GLEICHE LOHN FUER FRAUENARBEIT
Zahlreiche Kollektiwertraege, die zwischen amerikanischen
Gewerkschaften und Unternehmern abgeschlossen wurden, beinhalten
Bestimmungen ueber die Gleichstellung von Frauen bei der Bezahlung.
Einzelne Bundesstaaten haben waehrend des Krieges diesbezügliche
Gesetze erlassen, und drei weitere Staaten sowie das Territorium
Alaska verabschiedeten derartige gesetzliche Bestimmungen im Jahre
1949. Auf diese Art und Weise besitzen 12 der Bundesstaaten Gesetze,
die eine gleiche Bezahlung von Frauen im privaten Arbeitsverhaeltnis vorsehen« Zwei Staaten beschlossen derartige Gesetze bereits
im Jahre 1919.
Viele der 48 Bundesstaaten dehnen nunmehr den Grundsatz der
gleichen Bezahlung fuer Frauen auch auf den Dienst In Behoerden
aus« Die Bundesregierung setzte bereits im Jahre 1923 ein Gehaltsschema fest, das fuer alle Dienstraenge entsprechende gleiche Bezahlung ohne Unterschied des Geschlechts vorsieht«
Zur Zeit steht Im amerikanischen Kongress ein Gesetzesvorschlag zur Beratung, der eine Erweiterung des Grundsatzes der
gleichen Bezahlung fuer den zwischenstaatlichen Handel (Betriebe,
die Waren herstellen, die von einem Bundesstaat geliefert werden)
beinhaltet. Der Vorschlag wird sowohl von der AFL als auch vom
CIO, den beiden groessten Gewerkschaftsverbaenden der U.S.A«,
unterstuetzt.
Amerika Dienst
7. Februar 1950
WIRD DIE 40-STUNDENWOCHE DEN ERRUNGENSCHAFTEN DER MODERNEN
TECHNIK GERECHT?
Washington — (Amerika Dienst) — In einer Denkschrift an
die Vereinten Nationen forderte der amerikanische Gewerkschaftsverband AFL eine Herabsetzung der Arbeitszeit in der ganzen Welt«
Die AFL, einer der beiden groessten amerikanischen Gewerkachaftsverbaende, verlangt die allgemeine Elnfuehrung der 40-Stunden-Woche,
die dann im Laufe der Zeit auf 30 Stunden herabgesetzt werden koennte.
Die Verkuerzung der Arbeitswoche in der ganzen Welt waere
eine Aufgabe, die vom UN-Wirt Schafts- und Sozialrat in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation in Angriff genommen werden muesste. Die Internationale Arbeitsorganisation
hatte bereits «im Jahre 1935 eine Konvention zur Billigung des
Grundsatzes der 40-Stunden-Woche gefordert. "Trotzdem steht die
vorgeschlagene Aenderung noch laengst nicht vor ihrer Verwirklichung", heisst es in dem Memorandum«
In Australien, Kanada und Amerika kommt man der 40-StundenWoche am naechsten; in anderen Laendem"muesste die Arbeitswoche
erheblich verkuerzt werden, um die Bedingungen der Konvention der
Internationalen Arbeitsorganisation aus dem Jahre 1935 zu erfuellen."
Wie AFL betont, wurde die Beschaeftlgtenzahl in Amerika von
der Kuerzung der Arbeitswoche auf durchschnittlich 40 Stunden
nicht beruehrt« In den U.S.A. ist gesetzlich festgelegt, dass
Arbeiter, die mit der Herstellung von Guetern fuer den zwischenstaatlichen oder Exporthandel beschaeftigt sind, das l£-fache
ihres regulaeren Stundenlohns bekommen, wenn sie ueber 40 Stunden
pro Woche arbeiten. In einigen Industriezweigen wurde auf Grund
von Kollektivverhandlungen eine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit erreicht. So arbeiten z.B. die Angestellten der Bekleidungs1
Industrie nur 35 Stunden in der Woche«
- 9 -

�In dem Memorandum wird ausserdem darauf hingewiesen, dass
die Kuerzung der Arbeltswoche In Amerika von einem staendlgen
Fortschritt der Lelstungsfaehlgkelt und der Produkt Ionskapazitaet begleitet war. In den NachkriegsJahren ist die Produktion
um 2,3g pro Jahr gestiegen.
Auch wird In dem Memorandum betont, dass das augenblickliche
Industrielle Zeltalter Immer produktlonsfaehlgere Einrichtungen
hervorbringt, die auf Grund Ihrer staendlg zunehmenden Mechanisierung weniger Betriebspersonal erforderlich machen.
Bezueglich der ausserordentlichen Wirkungen des technischen
Fortschrittes weist da* Memorandum auf die Juengsten Entwicklungen
in der Physik hin, "die fuer die Zukunft der Industrie und die
Befriedigung der menschlichen Beduerfnlsse von weittragender
Bedeutung sind." Diese Entwicklungen beziehen ein: die Atomspaltung, Ultraschall und eine grosse Anzahl von Erscheinungen,
die man unter dem Namen Hochfrequenztechnik zusammenfasst.
"Es setzt sich langsam die Anschauung durch, dass die zunehmende Verwendung von Hochfrequenzgeraeten nicht nur fuer Wissenschaft und Technik, sondern auch fuer Oeschaeft und Regierung von
grosser Bedeutung sein wird. Immer mehr gelangt man zu der Ueberzeugung, dass diese neuen Maschinen eine zweite industrielle Revolution einleiten."
Amerika Dienst
24. Februar 1950
BILANB DES MARSHALLPLANS
Im folgenden geben wir im Auszug eine Erklaerung
wieder, die der Leiter der ECA-Sondermisslon fuer
Westdeutschland, Robert M. Hanes am 24. Februar
in Washington abgab.
"Seitdem zum letzten Mal ein BDA-Miss Ions-Chef fuer Deutschland vor dem Kongress erschien, sind in diesem Land grundsaetzllche
Veraenderungen eingetreten. Westdeutschland hat eine eigene Regierung, und der voellige Zusammenschluss der amerikanischen, britischen und franzoeslschen Zone ist nahezu vollendet. Die Militaerregierung wurde durch eine zivile Institution, die Alliierte Hochkommission, ersetzt.
Die deutsche Bundesregierung nimmt nunmehr mit allen Rechten
und Verpflichtungen am Marshallplan und seinen Organisationen teil.
Im Oktober 1949 wurde die Bundesrepublik ein vollberechtigter Partner in der Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Europas (OEBC), wo sie nunmehr eine eigene Stimme hat und nicht
mehr durch die Alliierten vertreten wird. Im Dezember 1949 wurde
ein zweiseitiges Abkommen zwischen der Regierung der Vereinigten
Staaten und der deutschen Bundesrepublik geschlossen.
Der gewaltige Aufschwung in der Industrieproduktion, der
die Zeit vom Juni bis Dezember 1948 bestimmte, Hess waehrend der
ersten Haelfte des Jahres 1949 nach. Im Laufe der letzten sechs
Monate des gleichen Jahres war jedoch ein Wiederansteigen der
Produktion festzustellen. Die deutsche Produktion hat sich mehr als
verdoppelt, seitdem das Europaelsche Wiederaufbauprogramm gestartet
wurde.

- 10 -

�Im Mai 1948 erreichte der Produktionsindex eine Hoehe von
47 Prozent des Standes von 1936, im November 1949 hatte er einen
Hoechststand von 98 Prozent erreicht. Durch diesen Anstieg konnte
Deutschland einen Anfang damit machen, wieder die wichtige Rolle
zu spielen, die es frueher als Produzent und Verbraucher in der
europaeischen Wirtschaft innehatte, und wieder einer der Hauptpartner des europaeischen Handelsaustausches zu werden. Durch den
Produktionsanstieg konnte ein grosser Teil des angestauten Bedarfs,
besonders auf dem Sektor der Verbrauehsgueter, befriedigt werden.
Waehrend des letzten Jahres sind die Preise im allgemeinen stabil
geblieben, und in den letzten Monaten sind sogar Preisrueckgaenge
eingetreten. Fuer Verbrauc hsguet er wurden Rationierung und Preis«*
kontrollen abgeschafft. Heute bestehen derartige Kontrollen nur
noch fuer Treibstoffe und einige landwirtschaftliche und industrielle Gueter. Der gegenwaertige Stand des Nahrungsmittelverbrauchs
und der landwirtschaftlichen Produktion ist bedeutend hoeher als
noch vor einem Jahr. Die taeglich zur Verfuegung stehende Lebensmittelmenge betraegt etwa 2 500 Kalorien gegenueber 2 900 vor dem
Krieg. Obwohl qualitaetsmaessig der Stand der Vorkriegstage noch
nicht wieder erreicht wurde, bietet der heute zur Verfuegung stehende Speisezettel genau soviel Abwechslung wie damals. Allerdings ist diese Verbesserung der Lebensmittelsituation das Ergebnis
der Nahrungsmittelimporte und ungewoehnlich guter Wetterverhaeltnisse. Sie beruht nicht auf irgendwelchen grundlegenden Verbesserungen von Produktions-Methoden oder -Planung in der deutschen
Landwirt sc haft•
Auf monetaerem Gebiet war das hervorstehendste Merkmal des
letzten Jahres die Tendenz von der Inflation zur Deflation. Die
Waehrungsreform vom Juni 1948 hat einen Ansturm der Kaeufer ausgeloest, der gegen Ende des gleichen Jahres ueberaus ernste Formen
anzunehmen drohte. Die Einfuehrung einer strengen Kreditkontrollpolitik und das Nachlassen der abnormen Verbrauc hernachfrage vermochten die inflationistische Tendenz zu stoppen und die Situation
zu stabilisieren. Tatsaechlich machte sich in den folgenden Monaten ein deflationistischer Druck bemerkbar. Um nunmehr dieser
Deflationstendenz zu begegnen, wurden ECA-Gegenwertmittel fuer
Investitionszwecke freigegeben und die Kreditpolitik ü b e r a u s iert.
Im Zahlungsverkehr mit dem Ausland wurde die deutsche Waehrung im
Herbst 1949 abgewertet. Damit folgte Deutschland dem Beispiel
anderer europaeischer Laender und verbesserte die Konkurrenzfaehigkeit der deutschen Exporteure auf den Weltmaerkten.
Die Frage der Dollarknappheit stellt auch heute noch das
schwierigste Problem Deutschlands dar. Nur ein Zehntel der deutschen Dollar-Importe werden durch Exporte nach Laendern mit harter
Waehrung gedeckt. Der Fehlbetrag wird durch amerikanische Hilfe
aufgebracht, der das unmittelbare Verdienst fuer die bisher erzielte wirtschaftliche Erholung zukommt, doch es verbleiben noch
immer ernste Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet, die
ueberwunden werden muessen.
Ich moechte in diesem Zusammenhang kurz auf die Punkte eingehen, die wir gegenwaertig als die wichtigsten wirtschaftlichen
Probleme Westdeutschlands ansehen:
1.

Produktion:

Westdeutschland muss seine landwirtschaftliche und seine
industrielle Produktion steigern, wenn es ohne Hilfe von aussen
weiter leben soll. Es kann niemals mehr als rund 65 Prozent
- 11 -

�seines eigenen Nahrungsmittelbedarfes selbst erzeugen* Um die
NahrungsmittelImporte zu verringern und die heimische Produktion
zu steigern, werden gegenwaertig entschiedene Anstrengungen unternommen. Hemmende Faktoren auf dem landwirtschaftlichen Sektor
sind die Festpreise, besonders fuer Getreide, die weder einen
Anreiz fuer die deutsche Erzeugung derjenigen Nahrungsmittel bieten,
die andernfalls mit Dollarimporten beschafft werden muessten, noch
deren uebermaessigen Verbrauch verhindern helfen. Die deutschen
landwirtschaftlichen Methoden sind veraltet, die wissenschaftliche
Forschung auf dem Gebiete der Landwirtschaft und die Unterrichtung
der Lebensmittelerzeuger in den letzten 15 Jahren voellig ungenuegend. Durch technische HilfsProgramme werden gegenwaertig alle
Anstrengungen unternommen, um die Landbevoelkerung mit modernen
technischen Methoden vertraut zu machen.
Mangelhafte Technisierung fuehrte zu hohen Gestehungskosten
und ist daran schuld, dass die Programme zur Urbarmachung und
Bodenverbesserung nur langsame Fortschritte machen. Schaetzungsweise 200 000 Hektar Land koennten unter Verwendung moderner Methoden zusaetzllch urbar gemacht werden. Die Rueckstaendlgkelt Deutschlands auf diesem Sektor laesst sich an gewissen Gebieten, zum Beispiel an der hollaendisehen Grenze, aufzeigen. Auf hollaendischer
Seite wurden hohe Ertraege aus dem Land herausgeholt, waehrend der
deutsche Teil nur als Oedland anzusprechen ist. Geldmittel aus dem
ECA-Gegenwertfonds wurden fuer Bodenverbesserungsmassnahmen und zur
Beschaffung von landwirtschaftlichen Maschinen bereitgestellt.
Die Produktion der Industrie, die allerdings einen relativ
viel besseren Leistungsgrad als die Landwirtschaft aufweist, ist
nach amerikanischen Masstaeben noch Immer ungenuegend und unrentabel. Nach gegenwaertlgen deutschen Vorhersagen rechnet man
bei Abschluss des ERP damit, einen Stand von 107 Prozent der
Erzeugung von 1938 erreicht zu haben. Dies ist unserer Meinung
nach weit weniger, als erreicht werden kann. Die Industrielle
Produktion kann und muesste zumindest auf 120 Prozent des Standes
von 1936 gebracht werden. Hindernisse wie teure Handarbeit und
Mangel an InvestitIonskapital muessen ueberwunden werden. Das Problem Westdeutschlands ist es, geeignete Waren nach geeigneten Laendern zu exportieren und die Ausfuhrgueter zu Selbstkosten zu produzieren, die sie auf den Weltmaerkten konkurrenzfaehig machen«
Dazu ist eine Umgestaltung und Neuorientierung des Denkens der
deutschen Industrie noetlg, das sich bisher nur Innerhalb der Grenzen geschuetzter Maerkte, der Monopole und Kartelle bewegte und
nie in vollem Umfang der Wirklichkeit eines wahrhaft freien und
konkurrenzbestimmten Marktes ausgesetzt war.
Die Vertreter der deutschen Industrie halten noch immer am
Gedanken eines niedrigen Umsatzes bei hoher Gewinnspanne fest,
statt sich zu einer ausgedehnten Produktion bei niedriger Gewinnspanne zu entscheiden. Darueber hinaus wird der deutsche Export
noch immer durch das Fehlen geeigneter Handelsorganisationen gehemmt sowie durch das unzulaengliche Wissen um moderne Verkaufsmethoden und in einem gewissen Grade auch durch den Im Ausland
noch Immer allgemein verbreiteten, wenn auch abnehmenden Wiederstand gegen deutsche Waren.
2.

KapitalInvestierungen:

Der Mangel an InvestitIonskapital ist im Hinblick auf das
Problem einer Produktionssteigerung sehr bedenklich. Steht solches
Kapital zur Verfuegung, so sind die Zinssaetze sehr hoch, und in
allzu vielen Faellen wurde mit dem gefaehrlichen Mittel gearbeitet,
kurzfristige Kredite zu langfristigen Investitionen zu verwenden.
Ein Mangel an langfristigen Krediten verzoegert den Wiederaufbau
von Fabrikanlagen sowie die Wiederinstandsetzung und Modernisierung
der Produktionsausruestung. Um diesen Mangel einigermassen zu lindern, sind erhebliche Mittel aus dem ECA-Gegenwertfonds freige- 12 -

�geben worden. Aber die Mittel des Gegenwertfonds koennen das
Problem allein nicht loesen. Auf dem Kapitalmarkt koennen nur
kleine Betraege an Investitionskapital beschafft werden. Weder
die Privatbanken noch die oeffentliche Hand sind in der Lage,
grosse Kredite zu gewaehren. Die einzig greifbare Hoffnung auf
Abhilfe scheint auf der Bank Deutscher Laender zu beruhen, aber
auch diese Loesung ist weder von Dauer, noch kann sie als ausreichend bezeichnet werden.
Die Kapitalknappheit spiegelt sich auch in zwei der dringendsten Probleme Westdeutschlands wider, naemlich dem Wohnraummangel und der Arbeitslosigkeit. Wir stehen heute vor der paradoxen Situation, dass in einem Land, in dem 5 Millionen Wohnungen
fehlen, Bauarbeiter entlassen werden. Gegenwaertig werden Mittel
aus dem Gegenwertfonds verwendet, um das Wohnungsbauprogramm zu
foerdern, es muss aber noch weit mehr getan werden, wenn sehr gefaehrliche soziale und politische Folgen vermieden werden sollen.
Die Zahl der Arbeitslosen hat eine Hoehe von 2 Millionen
oder ungefaehr 10 Prozent der Gesamtzahl der Werktaetigen erreicht.
Der anhaltende Zustrom von Fluechtlingen aus der Sowjetzone und
den Laendern hinter dem Eisernen Vorhang - etwa 20 000 im Monat hat zu dieser Lage wesentlich beigetragen. Waehrend die Fluechtlinge etwa 18 Prozent der Gesamtbevoelkerung Westdeutschlands
ausmachen, stellen sie 35 Prozent der Erwerbslosen. Sie verstaerken den Druck auf den Wohnungs- und Arbeitsmarkt und werden von
der einheimischen Bevoelkerung als Aussenstehende und Eindringlinge angesehen. Die Fluechtlinge schaffen Ressentiments, und
diese Ressentiments werfen schwere soziale und wirtschaftliche
Probleme auf. Abgesehen von seinen rein menschlichen Aspekten
hat dieses Problem, das fuer Westdeutschland ueberaus brennend
ist und fuer andere ERP-Laender nicht zutrifft, weitreichende
politische Auswirkungen. Nur durch die gemeinsame Anstrengung,
diese Menschen in die Wirtschaft und den Volkskoerper einzugliedern, koennten Unruhe und ausgesprochen extremistische Tendenzen
im politischen Denken dieser Gruppe verhindert werden. Mit dieser
Frage muss zwar die deutsche Regierung aus eigener Kraft fertig
werden, ich bin aber dennoch der Ansicht, dass dieses Problem
bei der Zuteilung der ameriknaischen Hilfe besondere Beachtung
verdient. Das Fehlen langfristigen Kapitals fuer den Wohnungsbau
und die Erweiterung der industriellen Kapazitaet, das allmaehliche
Schwinden der ueberschuessigen Kaufkraft und ein noch nicht voeilig
entwickelter Export haben zur Verschlimmerung des Arbeitslosenproblems beigetragen. Zahlreiche Arbeitslose, in der Hauptsache
Fluechtlinge, leben in landwirtschaftlichen Gebieten, wo sie
unerwuenscht sind und keine Arbeitsplaetze zur Verfuegung stehen.
In vielen Faellen ist es auf Grund der schlechten Wohnverhaeltnisse
unmoeglich, sie in andere Gegenden umzusiedeln, wo bessere Arbeitsmoeglichkeiten bestehen und sogar Arbeitskraefte fehlen.
Sowohl fuer die ECA-Mission als auch fuer die deutsche Bundesregierung stellt die Arbeitslosenfrage ein ueberaus wichtiges Problem dar. Nach meiner Ansicht kann sich weder die wirtschaftliche
noch die soziale Situation Westdeutschlands stabilisieren, wenn
nicht mit aller Energie an dieses Problem herangegangen wird. Ein
umfassendes Wohnbauprogramm, das zum Teil aus dem ECA-Gegenwertfonds finanziert wird, ist eine der Massnahmen, die getroffen wurden,
um der dringendsten Not zu begegnen. Auf lange Sicht muss man jedoch die bestehenden Uebel und Misstaende an der Wurzel packen.
Dies erfordert grosse Geschicklichkeit und Umsicht von Seiten der
Bundesregierung. Alle Schritte muessen auf der einen Seite darauf
- 13 -

�abgestimmt sein, die vorhandenen Moeglichkelten bis aufs aeusserste
auszunuetzen, auf der anderen Seite muss jedoch mit der noetigen
Vorsicht zu Werke gegangen werden, um die Stabilitaet der Waehrung
nicht zu gefaehrden.
,
Vor allem muss die Produktion erhoeht und die Produktivitaet
verbessert werden. Meiner Ansicht nach wuerde die gegenwaertige
Finanzlage unter der Voraussetzung, dass ausreichende fiskalische
Sicherungen bestehen, eine wesentliche Kreditexpansion fuer langfristige Investierungen gestatten. Das Steuereinnahmesystem muss
gefestigt und die Steuerstruktur so gestaltet werden, dass der
Verbrauch von Luxusguetern gesenkt wird und mehr Mittel fuer Investierungen zur Verfuegung stehen.
Kreditmoeglichkeiten muessten fuer diejenigen Projekte geschaffen werden, die fuer die gesamte Wirtschaft von besonderem
Nutzen sind und durch die zusaetzliche arbeitsintensive und produktive Industrien geschaffen werden koennen.
Schliesslich muss ein energischer Feldzug eingeleitet werden,
um die Exporte, und im besonderen-die Exporte in das Dollargebiet,
zu steigern.
3.

Aussenhandel und Ausgleich der Zahlungsbilanz.

Falls Westdeutschland seine Ziele im Rahmen des Europaeischen
Wiederaufbauprogramms erreichen soll, muessen die Exporte, und
besonders die Dollarexporte, ausserordentlich gesteigert werden.
Das in diesem Zusammenhang bereits erwaehnte Zehn-zu-eins-Verhaeltnis
der Dollarimporte zu den Dollarexporten muss drastisch herabgesetzt
werden. Auf Grund der gegenwaertig von Westdeutschland verfolgten
Politik einer weitgehenden Liberalisierung des Handels ist seine
Zahlungsbilanz mit anderen europaeischen Laendern unausgeglichen.
Die ECA-Mission vertraut jedoch darauf, dass in naher Zukunft andere
europaeische Nationen mehr von Deutschland kaufen werden, wodurch
die gegenwaertige Entwicklung aufgehalten und tatsaechlich ein
deutscher Exportueberschuss im Handel mit Westeuropa geschaffen
werden koennte.
i

Deutschland muss sich jedoch enger dem Dollargebiet anschliessen und den groessten Teil seiner Anstrengungen hierauf verwenden.
Die westdeutsche Bevoelkerung muss jetzt diese 'Linie des geringsten Widerstandes1 verlassen und sich mit dem Problem der
Selbsterhaltung nach Beendigung der amerikanischen Hilfe befassen.
Um den westdeutschen Exporteuren zu helfen, entsendet die ECA Experter
verschiedenster Fachgebiete nach Deutschland, die im Rahmen des
technischen Hilfsprogrammes die deutschen Industriefachleute. Gewerkschaftsvertreter und Landwirte mit den modernsten Produktionsmethaden
vertraut machen. Darueber hinaus muss das deutsche Volk dazu bewegt werden, dass es unmittelbare eigene Vorteile auf Kosten der
Exportsteigerung zurueckstellt.
Um seine Handelsbilanz halbwegs ausgleichen zu koennen, muss
Deutschland nach neuen Importmoeglichkeiten suchen. Osteuropa,
Suedamerika und andere ERP-Laender stellen Hilfsquellen dar, die
dazu beitragen koennen, Deutschlands Dollarbestaende zu schonen.
Von groesster Wichtigkeit fuer den Fortbestand des Landes ist
der Uebergang zu einem freieren Wirtschaftssystem. Das uebervoelkerte Gebiet Vifestdeutschlands kann sich das zur Foerderung der

- 14 -

�Autarkie des Reiches in der Zeit vor dem Krieg geschaffene System
von Schutzzoellen nicht mehr laenger leisten. Diese in Verruf geratene Politik muss durch ein System ersetzt werden, das geeignet
ist, dem westdeutschen Export neue Maerkte zu erschliessen und
dabei gleichzeitig die zur Finanzierung gewichtiger Nahrungsmittelund Rohstoffimporte erforderlichen Devisen zu erbringen. Zu diesem
Zweck muessen die quantitativen Beschraenkungen des Imports- besonders
bei Nahrungsmitteln - langsam aufgehoben und Kartelle und Monopole
abgeschafft werden, um die Beschraenkungen von Industrie und Handel
zu beseitigen. Damit soll ausserdem der Fortbestand der Kleinbetriebe gesichert und ihre Wettbewerbsfaehigkeit erhalten werden.
Auch fuer Exporteure muss ein gewisser Anreiz geschaffen werden.
Deutschland nimmt einen ganz besonderen Platz innerhalb des
Marshallplans ein. Niemals vorher hat eine Siegernation ein positives Programm eingeleitet, um einen besiegten Gegner wieder aufzurichten. Wir haben uns auf dieses einmalige Abenteuer eingelassen,
weil die fuenfjaehrige Besatzungserfahrung uns den aussergewoehnlichen Einfluss vor Augen fuehrte, den die Verhaeltnisse in Deutschland auf Westeuropa als Ganzes ausueben. Deutschland steht im Mittelpunkt des europaeischen Problems. Um das deutsche und auch das
europaeische Problem zu loesen, muss Westdeutschland so eng wie nur
moeglich an Westeuropa angeschlossen werden. Es darf ihm nicht mur
gestattet, sondern es muss auch ermutigt werden, auf den Maerkten
der Welt zu kaufen und zu verkaufen.
Wir haben viele Milliarden Dollar ausgegeben, um den Nazismus
in der Welt zu vernichten. Es scheint daher durchaus angebracht,
einen Bruchteil jener Summe dafuer zu verwenden, um in Westdeutschland die Grundlage einer Wirtschaftsstruktur zu legen, die das
Wiederaufleben irgendeiner extremistischen, den Weltfrieden bedrohenden Ideologie verhindert."
Amerika Dienst
28. Februar 1950
EINZELHEITEN UEBER DAS ECA-PROGRAMM FUER TECHNISCHE HILFE
Frankfurt — (Amerika Dienst) —
Die ECA-Mission fuer Westdeutschland gab kuerzlich Anweisungen bekannt, die die Teilnahme
Deutschlands an dem ECA-.Programm fuer technische Hilfe betreffen.
In Form einer Direktive wurden diese Anweisungen vom Amt fuer
oeffentliche Angelegenheiten und dem Amt fuer Wirtschaftsangelegenheiten, HICOG, gemeinsam ausgearbeitet und von den Direktoren dieser
beiden Aemter, Mr. Ralph Nicholson, bezw. Mr. Robert M. Hanes, unterzeichnet«
Wie in der Direktive besonders unterstrichen wird, koennen
Antraege fuer Projekte von alliierter oder von deutscher Seite gleicherweise gestellt werden. Die vorgeschlagenen Projekte muessen jedoch "technischer oder beruflicher Natur sein und in absehbarer Zeit
zum Wiederaufbau beitragen." Ausserdem werden Projekte nur genehmigt,
wenn die erforderliche technische Hilfe und Beratung eine Reise nach
den Vereinigten Staaten notwendig machen.
Einzelpersonen oder Organisationen, die Antraege fuer technische
Hilfsprojekte einreichen wollen, muessen diese dem zustaendigen Ministerium der deutschen Bundesregierung vorlegen. Den Antraegen
muessen jeweils vollstaendige Beschreibungen ueber Art und Umfang
der erbetenen Hilfe, die Berechtigung hinsichtlich der Dringlichkeit fuer den Wiederaufbau und Angaben darueber, wie die erlangten
Erfahrungen weitervermittelt und ausgenutzt werden sollen, beiliegen.
Weiterhin sind die Zahl des erforderlichen Personals, das vorgeschlagene Datum fuer den Beginn und die Dauer des Projektes anzugeben.
- 15 -

�Die ECA-Sondermission prueft alle Antraege sorgfaeltig auf
die Zweckmaessigkeit des Projektes und seinen technischen Wert. Alle
vorgeschlagenen BCA-Projekte werden auch von den Austauschabteilungen im Amt fuer oeffentliche Angelegenheiten im Hinblick auf ihre
Beziehung zum allgemeinen Austauschprogramm ueberprueft.
Die endgueltige Entscheidung ueber Genehmigung oder Ablehnung
wird von der BCA-Abteilung fuer technische Hilfe in Washington gefaellt, die die Projekte auf Grund der allgemeinen BDA-Planung auswertet.
Die Teilnehmer an den Austauschprogrammen erhalten in den Vereinigten Staaten ein Tagesgeld von 12 r - Dollar. Ausserdem bezahlt
ECA saemtliche in den U.S.A. entstehenden Fahrtauslagen und sonstigen Kosten. Im allgemeinen jedoch haben die deutschen Stellen, auf
deren Vorschlag die Entsendung der Teilnehmer erfolgt, den Gegenwert dieser von ECA zur Verfuegung gestellten Dollarbetraege in
Deutscher Mark auf das Gegenwertkonto der Bank Deutscher Laender
einzuzahlen.
Nach ihrer Ankunft in den Vereinigten Staaten werden die
deutschen Sachverstaendigen von Beamten der Arrangements Branch,
ECA, die Ihre Dienststellen in.Washington und New York hat, empfangen.
Von diesen Beamten wird ihnen auch das Naehere ueber ihren AmerikaAufenthalt in Form von kurzen Unterweisungen mitgeteilt. Innerhalb
eines Monats nach Beendigung der Projekte muessen von den deutschen
Teilnehmern vorlaeuflge Berichte ausgearbeitet werden. Diese muessen
Einzelheiten ueber die bei der Durchfuehrung des Projektes gesammelten praktischen und theoretischen Kenntnisse und Informationen sowie
ausserdem Angaben enthalten, inwiefern die Verbreitung der erworbenen
Erfahrungen allgemein als Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau
gewertet werden kann.
Amerika Dienst
23. Februar 1950

- 16 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

klujo 0-OJ87 I I I «»reo •)&lt;&gt; IT C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
»

III - 1

Frankfurt, 10, Maerz 1950

INHALTSVERZEICHNIS
CIO fordert groessere soziale Sicherheit fuer
mehr amerikanische Buerger - - - - - - - - - - 1
Gewerkschaften i n Holland - - - - - - - - - - 4
David Dubinsky - - - - - - - - - - - - - 9
Der Verbraucherpreisindex wird modernisiert- - - 13
CIO fordert "energische, demokratische Massnahmen
zur Sicherung des Weltfriedens
- - - - - - - - - 1 4

CIO FORDERT GROESSERE SOZIALE SICHERHEIT FUER MEHR AMERIKANISCHE
BUERGER
Der Sozialausschuss des CIO forderte vorige Woche bedeutende
Erhoehungen der AltersPensionen. Diese Forderung wurde zusammen
mit anderen Vorschlaegen zur allgemeinen Verbesserung des S o z i a l versicherungsgesetzes eingebracht,
Fuehrende Komitees verlangten die Ausdehnung der A l t e r s - ,
Hinterbliebenen- und InvalidenversicherungsProgramme auf " a l l e
Amerikaner - so, dass eine g e s e t z l i c h e Berechtigung auf Pensionen
besteht,"
Neue Methoden zur Festsetzung von Pensionssaetzen wurden i n
Vorschlag gebracht, um den " a e l t e r e n Arbeitern eine ausreichende
Bezahlung zu s i c h e r n , d i e ihnen einen Lebensstandard nach amerikanischen Begriffen ermoeglichtf" Der e r s t e S c h r i t t in d i e s e r Richtung b e s t e h t d a r i n , dass man vorschlaegt, b e i der Festsetzung der
Pensionen den d u r c h s c h n i t t l i c h e n Monatslohn der besten fuenf aufeinanderfolgenden Jahre des Arbeiters zugrunde zu legen, und zwar
b i s zu einem Jahreseinkommen von hoechstens 4.800 Dollar.
- 1 -

�"Fuer die ersten 100 Dollar des durchschnittlichen Monatseinkommens sollen 50g und fuer den restlichen Betrag bis zu 400
Dollar pro Monat 20g bei einem zusaetzlichen Zuschlag von 1%
fuer jedes VersicherungsJahr gezahlt werden", erklaerte Vorsitzender Emil Rieve im Namen des Komitees. Rieve ist Praesident der
Textilarbeiter Gewerkschaft.
Ein aelteres Ehepaar, das waehrend seiner fuenf besten aufeinanderfolgenden Jahre ein Monatseinkommen von 300 Dollar bezogen
hat, wuerde dem CIO Programm zufolge nach 20 Jahren Zugehoerigkeit
zur Sozialversicherung eine monatliche Pension von 162 Dollar erhalten. Die Mindestpension, die in diesem Programm fuer einen in den
Ruhestand versetzten Arbeiter vorgesehen ist, beliefe sich auf
50 Dollar monatlich. Der Hoechstbetrag der zu zahlenden Pensionen
waeren 80g des durchschnittlichen Monatseinkommens.
Ausserdem schlug der Sozialausschuss vor:
1. Die Qualifizierungsbedingungen zu liberalisieren und die Reduktionen der Pensionen wegen zeitweiliger Nichtzugehoerigkeit zur
Sozialversicherung zu begrenzen.
2. Das pensionsfaehige Alter fuer Frauen von 65 auf 60 Jahre
herabzusetzen.
3. Solche Personen zu unterstuetzen, die von Invalidenrentnern
wirtschaftlich abhaengig sind.
4. Soziale Bestimmungen zur Unterstuetzung arbeitsunfaehiger
Personen zu erlassen, um ihnen durch aerztliche Hilfe und Berufsumschulung wieder die Moeglichkeit zu geben, Geld zu verdienen.
5. Ein Programm nach den von der Truman-Verwaltung vorgeschlagenen
Richtlinien aufzustellen, das eine zeitweilige Versicherung fuer
Arbeitsunfaehige vorsieht.
6. Ein System zur Unterstuetzung der Armen einzufuehren, das
"diesen Leuten nicht nur ermoeglicht, zu bestehen, sondern anstaendig zu leben." Den einzelnen Staaten sollen genuegend Mittel
von der Bundesregierung zur Verfuegung gestellt werden, damit sie
in allen Faellen ausreichende Unterstuetzungen auszahlen koeimen.
Ferner forderte der Sozialausschuss die Vereinheitlichung der
Sozialbestimmungen im gesamten Bundesgebiet, um die Hilfsbeduerftigen besser unterstuetzen und die unnoetlgen Aufenthaltsbedingungen
und EigentumsPfandrechte gegenueber Unterstuetzungsempfaengern beseitigen zu koennen.
Diese Vorschlaege wurden einen Tag vor Eroeffnung der Sitzung
gemacht, in der dem konservativen Finanzausschuss des Senats die
Erweiterung der Sozialversicherungsgesetzgebung vorgetragen werden
sollte. Die entsprechende Gesetzesvorlage war in der letzten
Sitzung des Repraesentantenhauses bereits gebilligt worden. Nun
hatte der Senat darueber zu entscheiden.
Arthur J. Altmeyer, Beauftragter fuer Sozialversicherung,
nahm als erster Referent vor dem Ausschuss'des Senats zu diesem
Thema Stellung. Er sprach sich unter anderem fuer ein ausgedehnteres Sozialversicherungsprogramm aus, das frueheren Vorschlaegen
des CIO sehr nahe kommt. Er schlug vor, 5£ Millionen Farmverwalter,
Landarbeiter und viele Hausangestellte in die Sozialversicherung
aufzunehmen, wie es der CIO bereits getan hat. Er erwaehnte dabei
nicht bestimmte Gruppen gelernter Arbeiter, die bis jetzt noch ausgeschlossen sind, aber vom CIO fuer versicherungsberechtigt erachtet werden.
- 2 -

�Altmeyer schlug ferner vor, die Bestimmungen zu liberalisieren, nach denen die Unterstuetzungsberechtigung fuer solche
Personen festgelegt ist, die die mittleren Altersgruppen ueberschritten haben; statt Armenunterstuetzungen sollten ihnen
Pensionen gezahlt werden. In der vom Repraesentantenhaus genehmigten Gesetzesvorlage ist zur Zeit ein fuer Sozialversicherung
zu versteuernder Hoechstbetrag von 3000 bzw. 3600 Dollar vorgesehen. Altmeyer setzte sich fuer eine Erhoehung des sozialversicherungspflichtigen Hoechstbetrages auf 4800 Dollar ein. Er
ist ferner fuer die Beibehaltung des Zuschlages zu den Monatspensionen von 1# fuer jedes VersicherungsJahr gegenueber dem i#igen Zuschlag, wie er in der Gesetzesvorlage des Repraesentantenhauses vorgesehen ist.
Altmeyer forderte hoehere Leistungen der Sozialversicherung
im allgemeinen, sodass z.B. ein Arbeiter, der seit 1937 ununterbrochen beschaeftigt war und ein durchschnittliches Monatseinkommen von 200 Dollar hatte, jetzt eine monatliche Pension von
111 Dollar erhalten soll, wenn seine Frau ebenfalls das pensionsfaehige Alter erreicht hat. Fuer Alleinstehende soll die Pension
74 Dollar betragen.
Altmeyer erklaerte, dass ein Teil der durch die Erhoehung
der Unterstuetzungen und die Ausdehnung der Unterstuetzungsberechtigung entstandenen Mehrkosten dadurch gedeckt wuerden, dass man
die Zuschuesse an die einzelnen Staaten fuer die Armenhilfe reduzieren koenne. Er schaetzt, dass sich die Gesamtkosten dieses
Programms auf 6£ der Gesamtsumme der Loehne belaufen wuerden«
wenn sich die Loehne in den naechsten 50 Jahren in demselben
Masse wie in den vergangenen 50 Jahren erhoehten« Die Kosten
wuerden 7,2# der Loehne ausmachen, wenn dieselben unveraendert
blieben. Die Kosten fuer die Gesetzesvorlage des Repräsentantenhauses wurden bei gleichbleibendem Lohnniveau auf 6,2# der Loehne
geschaetzt.
Nachfolgende Tabelle zeigt die vom Sozialausschuss des CIO
vorgeschlagenen Pensionssaetze der Sozialversicherung im Vergleich
zu den augenblicklich gueltigen und den in der Gesetzesvorlage
des Repräsentantenhauses vorgeschlagenen Leistungen. Die Angaben
beziehen sich auf eine alleinstehende Person mit 20 VersicherungsJahren:
Durchschnittl.

Monatseinkommen

$100
150
200
250
300
400

P e n s i o n e n
l t . Vorschlag nach dem gegenGesetzesvorlage
des CIO
waertigen S o z i a l des Repraesentanversicherungsgesetz tenhauses
$30
36
42
48
48
48

$60
72
84
96
108
132

"The CIO News"
2 3 . Januar 1950

- 3 -

$55
60.50
66
71.50
77
77

�GEWERKSCHAFTEN IN HOLLAND
Der folgende Artikel von D. Roemers, Direktor
der Abteilung fuer Forschung im Hollaendischen
Gewerkschaftsbund (N.V.V.), erschien in dem
Magazin "Socialist Commentary,,. Er wird hiermit zu Ihrer Informierung und evtl. Verwendung
veroeffentlicht. Die Wiederveroeffentlichung
ist gestattet.
Nach der deutschen Besetzung Hollands war wenig von der
hollaendlschen Gewerkschaftsbewegung uebriggeblieben. Die Deutschen
hatten die Gewerkschaften unterdrueckt und versucht, sie durch
die "Arbeitsfront" zu ersetzen. Ihr Erfolg war ueberraschend gering.
Von den 685.300 Gewerkschaftsmitgliedern wurden weniger als 100.000
in die Arbeitsfront aufgenommen. Das gesamte Eigentum der Gewerkschaften war jedoch beschlagnahmt und vergeudet worden, und so
musste im Jahre 1945 ganz von vorn angefangen werden.
In der hollaendlschen Gewerkschaftsbewegung bestanden schon
immer Spaltungen. Waehrend des Krieges wurden zwar Vorbereitungen
fuer eine Vereinigung der verschiedenen Richtungen getroffen, ihre
Verwirklichung scheiterte jedoch an dem Widerstand der christlichen
Gewerkschaften. Dagegen wurde ein gemeinsamer Ausschuss fuer gemeinsame Beratung gebildet. Es ist der sogenannte Rat der Gewerkschaftsverbaende.
Am 1. Januar 1949 hatten die drei grossen Gewerkschaftsverbaende folgende Mitgliederzahlen: Hollaendischer Gewerkschaftsbund (N.V.V.) 365.000, Katholische Arbeiterbewegung Hollands
263.000 und die Christlich Nationale Gewerkschaft etwa 150.000
Mitglieder. (Die gesamte erwerbstaetige Bevoelkerung Hollands
zaehlt 3,5 Millionen).
Vor dem Kriege stand der N.V.V. in engen Beziehungen mit der
Sozialdemokratischen Partei. Diese offizielle Verbindung wurde
jedoch nach dem Kriege in gegenseitigem Einvernehmen aufgehoben.
Das Verhaeltnis zwischen beiden Organisationen blieb jedoch auch
weiterhin herzlich. Obwohl der N.V.V. grundsaetzlich gegen konfessionelle Gewerkschaften ist, liegt ihm sehr daran, mit den
protestantischen und katholischen Gruppen unter den Arbeitern
zusammenzuarbeiten, die die konfessionelle Grundlage ihrer Bewegungen zu erhalten wuenschen. Es besteht noch ein vierter Gewerkschaftsverband, E.V.C., der etwa 100.000 Mitglieder zaehlt und
angeblich dazu dient, die Einheit in der Gewerkschaftsbewegung
herzustellen. In Wirklichkeit hat er alle Versuche, eine Einigung
zu erzielen, sabotiert. Dieser Verband ist praktisch voellig von
den Kommunisten beherrscht, und es besteht keine Veranlassung mehr,
eine Verstaendigung mit dieser Organisation zu suchen.
Waehrend die Meinungsverschiedenheiten ueber soziale Fragen
zwischen dem N.V.V. und den christlichen Gewerkschaften nicht
wesentlich sind, bestehen einige bedeutsame Differenzen in wirtschaftspolitischen Fragen. Der N.V.V. tritf'mehr oder weniger
auf derselben Linie wie die Labour Party", fuer die Planwirtschaft
ein. Die konfessionellen Gewerkschaften dagegen gehen nur mit
Vorsicht und Zoegern an diese Frage heran und neigen mehr zu den
rechtsgerichteteren Parteien hin. In dem "Stichting van de Arbeid",
einer auf freiwilliger Basis entstandenen Koerperschaft ohne jegliche Exekutivgewalt, beraten die drei Gewerkschaftsverbaende mit
den nationalen Unternehmerverbaenden ueber soziale Angelegenheiten.
Die Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern hatte-nach der Befreiung des Landes in der Bildung dieser
Organisation ihren Niederschlag gefunden. Sie wurde bald danach,
im Juli 1945, von der Regierung als eine oeffentlich-rechtliche,
beratende Koerperschaft anerkannt.
- 4 -

�In dem Kampf um ihr Neuerstehen - unter den verarmten und
chaotischen Verhaeltnissen der NachkriegsJahre wahrlich ein
schwerer Kampf - konzentrierten sich die hollaendischen Gewerkschaften auf drei Punkte: Regelung von Loehnen und Preisen,
soziale Verbesserungen und bessere Interessenvertretung der
Arbeiter. Was ist auf diesen drei Gebieten erreicht worden?
Loehne und Preise
Die Gewerkschaftsbewegung war sich bewusst, dass sie in
ihrer Politik eine wirtschaftliche Lage zu beruecksichtigen hatte,
die eine Nachwirkung der Besetzung und des Krieges darstellte:
ein niedrigerer Lebensstandard, minierte Produktionsbetriebe,
wenig Vorraete, die Ueberschwenmung von 10£ der landwirtschaftlichen Anbauflaeche, Erschoepfung des Ackerbodens infolge Mangels
an Kunstduengern, zerstoerte Haeuser, Liangel an Transportmitteln
und anderen Materialien. Ausserdem haben die Umwaelzungen in
der Weltwirtschaft das Land schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Besonders das Abflauen des Handels mit Deutschland und Indonesien,
den beiden Hauptstuetzen der hollaendischen Wirtschaft, konnte
nicht ohne Nachwirkungen bleiben. Es bestand nicht die Aussicht,
die Vorkriegsverhaeltnisse schnell wiederherstellen zu koennen.
Infolge der fortschreitenden Industrialisierung in vielen Ueberseestaaten wurden die Exportmoeglichkeiten geringer. Da es aus
all diesen Gruenden fuer Holland unmoeglich war, wirtschaftlich
auf seinen eigenen Fuessen zu stehen, beschlossen sowohl der
N.V.V. als auch die christlichen Gewerkschaften ohne Zoegern,
am Marshall Plan mitzuarbeiten.
Hohe Investitionen erforderlich
Zwar ist es wahr, dass der Wiederaufbau grosse Fortschritte
gemacht hat - die Industrieproduktion hat den Stand von 1935
um 20% ueberschritten, und die landwirtschaftliche Produktion
liegt ebenfalls ueber dem Vorkriegsstand - trotzdem steht zweifellos fest, dass Holland ohne fremde Hilfe seinen VorkriegsLebensstandard noch nicht erreichen kann. Bedeutende Einnahmequellen sind verlorengegangen, und die Einwohnerzahl hat sich
von 8.800.000 im Jahre 1940 auf 9.900.000 im Jahre 1949 erhoeht.
In den kommenden Jahren muss fuer 40.000 Menschen Arbeit gefunden werden, und nach 1955 wird die Zahl der zu Beschaeftigenden
auf 60.000 ansteigen. Da die Moeglichkeiten einer Ausdehnung
der Landwirtschaft sehr beschraenkt sind, muss die Erhoehung
der Beschaeftigtenzahl in der Industrie stattfinden und zwar
in erster Linie in der' Exportindustrie. Das bedeutet, dass ein
bedeutender Teil des nationalen Einkommens fuer die Industrialisierung verwendet werden muss.
Zur Frage, wie das zu diesem Zweck benoetigte Kapital beschafft werden soll, ist man geteilter Meinung. Die kapitalistische Presse spricht sich gegen staatliche Investierungen aus
und wuenscht, die privaten Ersparnisse zu vermehren. Sie fordert zum Beispiel die Aufhebung der Dividendensperre und die
Beendigung der Finanzpolitik der billigen Kredite. Diese Vorschlaege wuerden die Ungleichheit der Einkommen noch vergroessern.
Der N.V.V. ist der Ansicht, dass man nicht erwarten kann, dass
das Volk im Interesse der industriellen Entwidmung mit einer
Beschraenkung des Verbrauchs sich einverstanden erklaert, aber nur
unter der Bedingung, dass die aus dieser Entwicklung entstehenden Gewinne der gesamten Nation zugutekommen und die wohlhabenderen Gruppen auch einen Teil der Lasten tragen muessen. Das
erforderliche Kapital muesste deshalb hauptsaechlich aus oeffentlichen Mitteln zur Verfuegung gestellt werden.

�Wir moechten nun einen Blick auf die Lohn- und Preispolitik
werfen, die die Regierung seit Kriegsende eingeschlagen hat. Eine
bedeutende Rolle bei der Festsetzung der Loehne spielt das "College van Rijksbemiddelaaps" (Staatlicher Vermittlungsausschuss) ein nicht ganz zutreffender Name, da dieser Ausschuss keine vermittelnde Taetigkeit ausuebt; diese Bezeichnung wurde von Vorgaengern uebernommen, die in Arbeitsstreitigkeiten vermittelten.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer eines Industriezweiges uebersenden
ihre Vorschlaege fuer neue Tarifvertraege dieser oeffentlichrechtlichen Koerperschaft der Regierung. Bevor der Ausschuss eine
Entscheidung faellt, wird der Stichting zu Rate gezogen, der ein
Fachkomitee hat, in dem Vertreter nationaler Arbeitgeberverbaende
und Gewerkschaften sind, die sich mit solchen Fragen befassen.
Die Entscheidungen de» Stichtings unterliegen allgemeinen Massregeln, die in praktischer Zusammenarbeit zwischen dem Stichting
und dem Vermittlungsausschuss ausgearbeitet worden sind. Mehr
alseeinmal hat der Vermittlungsausschuss Vorschlaege zu Lohnerhoehungen mit dem Hinweis abgelehnt, dass sie die allgemeine
Lohnpolitik der Regierung gefaehrden.
Verstaendnis fuer die wirtschaftliche Lage
Dass man Lohnforderungen wirtschaftspolitischen Erwaegungen
unterordnet, stellt eine voellig neue Entwicklung in der hollaendischen Gewerkschaftsbewegung dar. Grundsaetzlich befuerworten
alle den Hauptverbaenden angeschlossenen Gewerkschaften diese
Politik, wenn auch in bestimmten Faellen Meinungsdifferenzen
hinsichtlich ihrer Anwendung aufgetreten sind. Die Gewericschaften
sind zu der Auffassung gelangt, dass es weniger wichtig ist, wieviel Gulden ein Arbeiter verdient, alt vielmehr, welche Kaufkraft
sein Lohn besitzt. Sie wissen, dass eine sofortige Lohnerhoehung
zur Inflation fuehren muesste, und dass es die Arbeiter waeren,
die darunter am meisten zu leiden haetten. Ausserdem haben sie
erkannt, dass Holland versuchen muss, seine Exporte zu erhoehen
und gleichzeitig die Preise konkurrenzfaehig zu halten. Schliesslich sind sie sich im klaren darueber, dass es sich verhaengnisvoll auswirken wuerde, wenn jede Gewerkschaft ihre eigene Lohnpolitik verfolgte. Wir geben zu, dass Arbeiter in sicheren Stellungen ihre Loehne nach oben schrauben koennten; diese hohen Loehne,
die zu erhoehten Preisen fuehrten, wuerden jedoch nicht von den
Arbeitgebern, sondern von Arbeitern in weniger guenstigen Arbeitsverhaeltnissen bezahlt werden.. Um die Ausbeutung von Arbeitern
durch andere Arbeiter zu verhindern, ist ein vernuenftiges Lohnverhaeltnis der verschiedenen Industrien von wesentlicher Bedeutung.
Die Gewerkschaften haben sich deshalb fuer einen umfassenden
Ausgleich im Lohnsystem eingesetzt. Der Index fuer Stundenloehne
in der Industrie ist, verglichen mit den Vorkriegstarifen, auf 181
gestiegen, waehrend er in der Landwirtschaft die Ziffer 270 erreicht hat - und heute wird den Landarbeitern zum erstenmal ein
anstaendiger Lohn gezahlt. Ausserdem sind die Loehne der Industrie
in den Provinzen weit mehr angestiegen als in den grossen Staedten,
wenn sie auch noch weit davon entfernt sind, gleich zu sein. (Der
Lohnunterschied zwischen Land und Staedten ist von etwa 8 Gulden
auf 6 Gulden pro Woche reduziert worden). Man wird auch weiterhin
auf dem Lande darauf dringen, bezueglich der Loehne den Staedtern
gleichgestellt zu werden; es wird jedoch schwierig sein, dieses
Ziel in naechster Zukunft verwirklichen zu koennen, da sich die
Arbeiter der Staedte gegen eine Senkung ihrer Lebensstandards, die
die unausbleibliche Folge waere, wehren werden. Darueberhinaus,
ist eine bedeutende Anpassung der Loehne fuer gelernte und ungelernte Arbeiter vorgenommen worden, und die hollaendischen Gewerk-

�Schäften haben sich bemueht, allen Arbeitern ein Lohnminimum
zu garantieren. Hierin, soffirdvon verschiedenen Seiten behauptet, ist man zu weit gegangen; es steht ausser Zweifel, dass
es in manchen Faellen den Arbeitern am Ansporn fehlt, um die Opfer
zu bringen, die die Ausbildung fuer einen gelernten Beruf erfordert.
Werden die hollaendischen Gewerkschaften ihre Lohnpolitik
auf der gleichen Linie beibehalten, wenn die gegenwaertigen,
anormalen Schwierigkeiten ueberwunden sein werden? Die Lohnpolitik ist unseres Erachtens ein wesentlicher Bestandteil der Planwirtschaft und unerlaesslich zur Sicherung der Vollbeschäftigung.
Die Inflation kann nicht vermieden werden, wenn die Bereitwilligkeit nicht vorhanden ist, der Lohnerhoehung Grenzen zu setzen.
Ausserdem muss, wenn man einen Mindestlohn fuer notwendig erachtet, dieser Mindestlohn in entsprechendem Verhaeltnis zu den Lebenshaltungskosten stehen, und ein unbegrenztes Steigen der Loehne
muss vermieden werden. Deshalb muss irgendeine planende Behoerde
fuer die Lohnpolitik verantwortlich sein.
Sozialpolitik
Die hollaendische Gewerkschaftsbewegung hatte fuer die schlechte
Lage des Landes nach dem Kriege Verstaendnis und ging nur aus diesem Grunde auf diese bedeutende Zugestaendnisse in ihrem traditionellen Kampf fuer hoehere Loehne ein. Dafuer legte man groessere'
Betonung auf soziale Verbesserungen, und erzielte in dieser Beziehung
beachtliche Erfolge. So zahlen zum Beispiel die Arbeitgeber jetzt
einen Betrag fuer die soziale Versorgung, der 20# der Loehne entspricht, waehrend ihr Anteil vor dem Kriege nur 6# betrug. Fast
jeder Arbeiter hat jetzt auf 6 aufeinanderfolgende und sechs einzelne
Urlaubstage im Jahr Anspruch. Die Zeit, in der Krankengeld gezahlt wird, ist nach dem Gesundheitsgesetz von 26 auf 53 Wochen
verlaengert worden; die Invalidenrenten wurden erhoeht, und fuer
Alterspensionen sind vorlaeufige Regelungen getroffen worden, die
noch endgueltig gesetzlich verankert werden. Ausserdem hat das
Parlament kuerzlich ein Arbeitslosengesetz bewilligt. Ein Betrieb
kann nun gezwungen werden, eine Pensionskasse fuer seine Arbeiter
einzurichten. Diese Bestimmung ist auch in der Landwirtschaft
gueltig» Der Plan, der wahrscheinlich bewilligt werden wird,
sieht zusaetzlich zu d/sn Pensionskassen der Betriebe, eine Grundpension nach einem allgemeinen Gesetz fuer AltersPensionen vor.
Weitere Reformen sind in Vorbereitung, deren wichtigste Aufgabe
die SozialVersorgung fuer selbstaendige Arbeiter ist, die bisher
nicht unter die Sozialgesetze fielen. In diesem Punkte sind die
verschiedenen Gewer 1s chaftsverbaende geteilter Auffassung. Die
Christlichen Gewerkschaften bestehen auf einem VersicherungsSystem, waehrend der N.V.V. wuenscht, Familienunterstuetzungen und
Pensionen aus einem Fonds zu aahlen, der mit besonderen Steuern
finanziert werden soll. Den selbstaendigen Arbeitern, die am
meisten der Unterstuetzung beduerfen, waere es naemlich kaum
moeglich, die in einem Versicherungssystem notwendigen Beitraege
zu eruebrigen.
Die Tatsache, dass der Lebensstandard des hollaendischen
Arbeiters trotz des rapiden Absinkens der allgemeinen Prosperitaet nicht zurückgegangen ist, ist als ein Ergebnis all dieser
sozialen Reformen zu werten.

- 7 -

�Das Mitbestimmungsrecht
Schliesslich kommen wir zu dem erhoehten Einfluss, den die
Arbeiter sowohl in der Industrie als auch in privaten Unternehmen
gewonnen haben. Angesichts der Entwicklung zu einer Planwirtschaft ist das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter in der Industrie
von groesster Bedeutung. Nicht weniger wichtig jedoch, ist der
groessere Einfluss des Arbeiters in Betrieben und Bueros, wenn
man von der Ueberlegung ausgeht, dass die Persoenlichkeit des
Arbeitnehmers damit hoehere Anerkennung findet.
Die Entwicklung zur Planwirtschaft hat nicht erst vor kurzer
Zeit begonnen. Seit mindestens zwanzig Jahren hat der Staat mehr
und mehr in wirtschaftlichen Angelegenheiten der modernen, westeuropaeischen Laender mitgeredet, und man hat erkannt, dass die
Parlamente die Durchfuehrung der Regierungsvorschriften nicht
im einzelnen ueberwachen koennen. Die Gefahr zunehmender Buerokratiesierung und unbeaufsichtigter Macht in den Haenden von
Beamten ist offensichtlich geworden und wurde von der hollaendischen
Sozialistenbewegung schon vor langer Zeit erkannt. Sowohl dl«
Sozialisten als auch die Gewerkschafter sind der Auffassung, dass
dieser Gefahr durch eine Dezentralisierung der Funktionen der
Regierungsdienststellen durch die Errichtung einer Koerperschaft
fuer jede Industrie begegnet werden muss, in der Vertreter der
Nation liegen muss, sollen auch die beiden Teile der Industrie
einen bedeutenden Einfluss ausueben. Diese Idee ist dem gegenwaertigen System zugrundegelegt worden. Bis jetzt war die tatsaechliche Macht der Unternehmer jedoch so gross, (sie ist durch
die allgemein reaktionaere Tendenz in politischen Angelegenheiten
noch gestaerkt worden), dass sie allein den Haupteinfluss hinter
den Kulissen ausuebten.
Ein Gesetzentwurf, der die allgemeine Struktur eines solchen
Systems vorsieht, ist dem Parlament vorgelegt worden und stellt
trotz ernsthafter Schwaechen einen weiteren Schritt auf das richtige Ziel hin dar. Der N.V.V. (und nicht die christlichen Gewerkschaften) kritisiert die UnzulaengHenkelt der Mitbestimmung,
die den Regierungsvertretern in den Vorstaenden der vorgeschlagenen
Koerperschaften gewaehrt ist, und damit auch die unzureichenden
Vollmachten, mit denen sie ausgestattet werden sollen.
Eine andere Gesetzesvorlage ueber gemeinsame Beratungsausschuesse in einzelnen Unternehmen wird ebenfalls zur Zeit vom
Parlament bearbeitet. Es besteht bereits eine grosse Anzahl
solcher Ausschuesse, in denen Arbeltgeber und Arbeitnehmern zusammenarbeiten. Das neue Gesetz sieht jedoch vor, sie fuer alle
Betriebe mit ueber 25 Arbeitnehmern fuer obligatorisch zu erklaeren. Es ist audruecklich anerkannt worden, dass diese Ausschuesse nicht nur, wie bisher, bei der Loesung sozialer, sondern
auch wirtschaftspolitischer Fragen mitzureden haben, ohne dass
sie jedoch irgendwelche Beschlussfaehigkeit besitzen. Der N.V.V.
erklaert sich mit dieser Bestimmung einverstanden, weil er der
Auffassung ist, dass das Privatunternehmen nicht in den Haenden
einer bestimmten Gruppe des Volkes liegen darf, sondern von Behoerden kontrolliert werden muss, die im Interesse der Oeffentlichkeit handeln und fuer die Durchfuehrung der Bestimmungen
zur Planwirtschaft verantwortlich gemacht werden koennen. Solche
Behoerden, auch wenn sie in ihrer gegenwaertlgen Form noch unvollkommen sind, sind es wert, ,von den Gewerkschaften unterstuetzt
zu werden, weil sie in das System de3 Privatunternehmens, sowwie
es bis jetzt bestand, eine Bresche geschlagen haben. Die Aussichten, sie weiter auszubauen, moegen weit geringer als im Jahre 1945
sein, aber die Macht der wirtschaftlichen Faktoren selbst wird
in st^endig wachsendem Masse denen zu Hilfe kommen, die sich fuer
eine wirtschaftliche Planung einsetzen.
ECA Labor Information
2. Februar 1950
- 8 -

�DAVID DUBINSKY
David Dubinsky, der kleine, explosive Gewerkschaftsführer
der amerikanischen 4-Billionen-Dollar Industrie fuer Damenbekleidung, kaempft nun seit ueber 43 Jahren gegen die Willkuerherrschaft.
Zeit und Erfahrung haben seinen jugendlichen Sozialismus zum
Reifen gebracht und ihn gelehrt, Kompromisse zu schliessen. Dubinsky und seine Gewerkschaft haben die Anerkennung der Arbeiter und
Unternehmer im ganzen Lande gefunden. Doch der kleine Schneider
aus Lodz hat niemals den Kampf gegen den Totalitarismus aufgegeben.
Dubinsky wurde 1892 in Brest-Litowsk (Russisch Polen) als Sohn
eines verarmten Baeckers geboren. Die ersten politischen Eindruecke
gewann er in einem Lodzer Gefaengnis und pspaeter in sibirischer
Verbannung, noch bevor er 16 Jahre alt war.
Er war noch ein kleines Kind, als seine Familie nach Lodz
umzog, wo er die Volksschule besuchte und Polnisch, Russisch und
Jiddisch lesen und schreiben lernte. Mit 11 Jahren musste er die
Schule verlassen und als Baeckergehilfe fuer seinen Vater arbeiten.
Nach drei Jahren wurde er Baeckermeister, und man waehlte ihn zum
Sekretaer der Lokalgewerle chaft von Lodz. Dubinsky sagt, dass er
auf Grund seiner Sprachkenntnisse diese Stellung bekommen habe.
Der junge David hatte sich bereits fuer die Probleme des
Arbeiters interessiert und war ein begeisterter Anhaenger der
revolutionaeren, Sozialistischen Partei Polens. Bald nach seiner
Ernennung zum Gewerkschaftsfunktionaer half er mit, einen Baeckerstreik zu organisieren, dem sich ausser den uebrigen Baeckereien
auch die seines Vaters anschloss. Die Streikenden gewannen. Aber
kurz nach dem Siege wurden die meisten derjenigen, die den Streik
organisiert hatten, festgenommen. Dubinsky verbrachte zehn Tage
im Gefaengnis. Seinem Vater gelang es, ihn durch Bestechung des
Lodzer Polizeichefs und durch das Versprechen freizubekommen, dass
sein Sohn sofort die Stadt Lodz verlassen wuerde.
David wuerde zu einem Onkel nach Brest-Litowsk geschickt.
Nach drei Monaten kehrte er jedoch heimlich nach Lodz zurueck, um
die Organisierung der Baecker fortzusetzen. Nach weniger als einem
Jahr wurde er erneut wegen Teilnahme an einer illegalen Tagung der
Baecker festgenommen. Diesmal war sein Vergehen schwerwiegender,
und er wurde in die Verbannung nach Sibierien geschickt, wo er fast
zwei Jahre lang von einem Gefaengnis aum andern verlegt wurde.
In dieser Zeit fasste Dubinsky den Entschluss, sein Leben
dem Kampf um soziale Gerechtigkeit und persoenliche Freiheit zu
widmen.
Dubinsky sagt hierzu: "Sie muessen sich vorstellen, dass ich
kaum 17 Jahre alt war; es war nicht leicht fuer mich, die inneren
Kraefte, die die revolutinnaere Bewegung trugen, zu verstie hen. Ich
glaube jedoch, dass die Jahre, die ich in Lodz verbrachte, und
anschliessend der Gefaengnisaufenthalt mir die Augen oefiten halfen.
Bereits als Kind erkannte ich, was Willkuerherrschaft und Diktatur
bedeuten... Die heute angewendeten, totalitaeren Methoden unterscheiden sich nicht sehr von dem, was ich in meiner fruehesten
Jugend sah; keine Gedankenfreiheit, keine Pressefreiheit, keine
freien Gewerkschaften, keine Buecher ausser den vom Staate genehmigten... Sklavenarbeit kann nicht zum Sozialismus fuehren. Ich
habe stets gegen Willkuerherrschaft und Ungerechtigkeit gekaeinpft,
und deshalb kaempfe ich nun gegen den Totalitarismus."
- 9 /

�Im Jahre 1910 gelang es Dubinsky, aus Sibirien zu fliehen.
Er schmuggelte sich ueber die Grenze und floh mit Hilfe eines
Bruders nach Amerika, wo er zu einer der besten Kraefte der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung werden sollte.
In New York fing er als Tellerwaescher an, fand jedoch bald
Anstellung in einem Konfektionsgeschaeft und ging schliesslich
unter die Zuschneider - die'"Aristokratie des Handwerks". Im
Jahre 1911 trat er in die Lokalgewerkschaft der Zuschneider ein,
die der Internationalen Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft
angeschlossen ist. 1918 wurde Dubinsky Funktionaer seiner Lokalgewerkschaft, und schon nach 14 Jahren hatte er sich zur hoechsten
Stellung in dem internationalen Gewerkschaftsverband emporgearbeitet,
eine Stellung, die er nun seit 18 Jahren innehat.
Dubinsky wurde zu einem Zeitpunkt Praesident, als" es sehr
schlecht um diese Organisation bestellt war. Ein kostspieliger
Kampf innerhalb der Gewerkschaft zwischen Sozialisten und Kommunisten und ein 23 Wochen langer Streik in New York hatten die
Gewerkschaft ruiniert. Nach Beendigung des Streiks hatten die
Kommunisten keinen Einfluss mehr; die Mitgliederzahl war jedoch
auf 40.000 gesunken, und die Schulden der Gewerkschaft beliefen
sich auf 2 Millionen Dollar. Zu jener Zeit war Dubinsky Fuehrer
der einzigen New Yorker Lokalgewerkschaft, die noch ueber ausreichende Mittel verfuegte, und in der die Kommunisten keinen
Einfluss hatten. Logischerweise fiel die Wahl fuer die Praesidentenstelle auf ihn.
Diese Stellung galt nicht als begehrenswert. Die Arbeiter
waren dem Schicksal der Gewerkschaft gegenueber so pessimistisch
eingestellt, dass man Dubinsky scherzhafterweise zu seiner Ernennung
zum "Totengraeber" beglueckwuenschte.
Dubinskys Gewerkschaft blieb jedoch bestehen.
Im Jahre 1933 wurde unter Praesident Franklin D. Roosevelt
das Gesetz zur Nationalen Wirtschaftlichen Wiederaufrichtung (National Recovery Act) erlassen, dessen beruehmter Paragraph 7A
die Industrie verpflichtete, mit den Gewerkschaften KollektivVerhandlungen zu fuehren.
Dubinsky machte sich sofort diese Bestimmung zunutze. Er
nahm bei einer Bank eine Anleihe von 10.000 Dollar auf und startete
damit einen grossangelegten Werbefeldzug, der seiner Gewerkschaft
innerhalb von sechs Monaten 160.000 Mitglieder einbrachte. Auch
danach hat Dubinsky niemals aufgehoert, fuer seine Gewerkschaft
zu werben. Heute verfuegt diese Organisation ueber mehr als
26 Millionen Dollar und vertritt ueber 450.000 Arbeiter der Damenbekleidungsindustrie.
Dubinskys Verdienste um die Arbeitei koennen jedoch nicht nur
in Mitgliedszahlen und Bankkonten ausgedrueckt werden.
In einer Industrie, die die englische Sprache um den Ausdruck
"sweat-shop" ("Ausbeuterbetrieb") bereichert hatte, ist es der
Internationalen Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft unter Dubinskys
Fuehrung gelungen, das vollkommenste Wohlfahrtsprogramm einzufuehren,
das in den Vereinigten Staaten besteht.
Frtther mussten Maenner und Frauen in schmutzigen, ungeluefteten
Hoehlen von fuenf Uhr morgens bis nach Mitternacht arte iten, um in
der Woche neun Dollar zu verdienen. Heute hat die normale Arbeitswoche 35 Stunden; der durchschnittliche Wochenlohn belaeuft sich,
auf 70 Dollar. Die Arbeiter'haben Anspruch auf Urlaubsgeld, Kran- 10 -

�kenverSicherung, Alterspensionen und Sterbegelder. Gewerkschaftsvertreter ueberwachen die Betriebe, um dafuer zu sorgen, dass die
sanitaeren Vorschriften beachtet werden. Die Zeit ist vorbei,
in der die Arbeiter ihre Mahlzeit an ihren Maschinen einnahmen,
um beim Essen weniger Zeit zu verlieren.
Die Gewerkschaft selbst ist fuer den Arbeiter zur Schule,
zum Krankenhaus und zum Zentrum des sozialen und politischen
Lebens geworden.
Die internationale Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft hat
Lehrinstitute in New York, Boston, Philadelphia, Chikago und anderen
Grosstaedten. Den Arbeitern werden dort nach der Arbeitszeit Kurse
in den verschiedensten Faechern, von der Literatur, Psychologie und
Wirtschaftslehre bis zur Schauspielkunst und den bildenden Kuensten,
geboten. Ausserdem ermoeglicht die Gewerkschaft eine Ausbildung
an der Harvard- und Wisconsin- Universitaet. Man hat nun auch
eine Gewerkschaftsschule zur Ausbildung von Gewerkschaftsorganisator an eroeffnet. Ausserdem unterhaelt die Gewerkschaft in 12 grossen
Staedten Krankenhaeuser, in denen die Mitglieder bei einem Preis von
nur einem Dollar pro Visite aerztlich behandelt werden koennen.
Viele Lokalgewerkschaften besitzen Erholungsheime und mieten Betten
in Krankenhaeusern. Im Er holung sprog ramm der Gewerkschaft ist alles
vom Wandern bis zum Tanzen, vorgesehen. Ein eigenes Ferienheim, das
"Unity House", steht in den Bergen von Pennsylvanier. zur Verfuegung.
Ein Mitglied kann in diesem Heim fuer 38 Dollar, einschliesslich
Mahlzeiten, Schwimmen, Bootfanren, Tennisspielen und Tanzen, eine
Woche seines Jahresurlaubs verbringen.
Dubinsky hat seine Mitglieder auch politisch geschult. Obwohl
die Internationale Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft dem Amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL angeschlossen ist, in dem man gegen
die politische Betaetigung des Gewerkschaftlers war, hat Dubinsky
immer betont, dass es nicht genuegt, wenn sich nur eine Gruppe
von Arbeitern hoeherer Loehne und besserer Arbeitsbedingungen erfreut. "Alles, was den Arbeiter angeht, ist fuer alle Arbeiter und
ueberall von Interesse," dagt Dubinsky.
Um die Wiederwahl Roosevelts unterstuetzen zu koennen, trat
Dubinsky im Jahre 1936 aus der sozialistischen Partei aus und
half bei der Bildung der Amerikanischen Arbeiterpartei im Staate
New York. Als die Kommunisten spaeter diese Partei uebernahmen,
unteistuetzte er die neugegruendete Liberale Partei. (Praesident
Truman weiss, was er der Liberalen Partei schuldig ist, und zeigt
sich ihr gegenueber erkenntlich, indem er Dubinsky oft um seine
Meinung und seinen Rat befragt).
Dubinsky hat sich schon immer fuer eine groessere Anteilnahme der Gewerkschaften an internationalen Angelegenheiten eingesetzt. Als der Weltgewerkschaftsbund den Kommunisten in die
Haende fiel, widmete er sich der Schaffung des neuen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften. Als die italienischen Gewerkschaf tsfuehrer im Jahre 1948 wuenschten, sich von dem kommunistisch
beherrschten Gewerkschaftsbund loszusagen, wurden sie von Dubinsky
mit der ansehnlichen Summe von 250.000 Dollar unterstuetzt. Die
Zuwendungen an die"Force Ouvriere" und die Sozialisten Leon Blums
belaufen sich seit Kriegsende auf 150.000 Dollar. Mit Geldern der
Gewerkschaft Dubinskys wurden ferner ein Waisenhaus in China und
eine Berufsschule in Frankreich eingerichtet. Auch eine Jungenstadt in Italien wurde finanziell unterstuetzt.
Obwohl Dubinsky staendig fuer bessere Bezahlung und bessere
Arbeltsbedingungen seiner Gewerkschaftsmitglieder gekaempft hat,
- 11 -

�ist er auch einer der ersten amerikanischen Gewerkschaftsführer,
die einsehen, dass die Wohlfahrt des Arbeiters mit der der Industrie
und Unternehmer eng verbunden ist. In dieser Erkenntnis hat Dubinsky
viel Zeit, Energie und Geld aufgewendet, um die Produktivitaet und
Leistungsfaehigkeit in der Damenbekleidungsindustrie zu erhoehen.
Im Jahre 1940 zum Beispiel war die wirtschaftliche Lage der
New Yorker Bekleidungsindustrie sehr schlecht. Die Arbeiter dieses
Industriezweiges konnten nur- 30 bis 35 Wochen im Jahr beschaeftigt
werden; viele Betriebe mussten schliessen, und noch viele mehr
verloren Geld.
Dubinsky hatte Produktionssachverstaendige zu Rate gezogen,
die die Industrie ueberwachen sollten. Sie stellten Maengel fest unzulaengliche Ueberwachung der Maschinen, schlechte Materialtransportmoeglichkeiten, unzureichende Finanzkontrolle.
Die Internationale Damenkonfe'ctionsarbeiter Gewerkschaft
teilte ihre Beobachtungen den Unternehmern mit und arbeitete schliesslich ein gemeinsames Programm fuer groessere Leistungsfaehigkeit
in diesem Industriezweig aus. Die Unternehmer veroflichteten sich,
pro Jahr 1 Million Dollar zur Errichtung des New YorkerBekleidungsinstituts zur Verfuegüng zu stellen, dessen Aufgabe es waere, Reklameaktionen einzuleiten. Ausserdem richtete die Gewerkschaft eine
gewerkschaftliche, technische Abteilung ein, auf Jahresbasis arbeitet
und Produktionsmethoden studiert und Mittel und Wege ersinnt, um
Verluste zu reduzieren und die Produktionsleistung zu erhoehen.
Diese technische Abteilung stellte in vielen Faellen fest,
dass verbesserte Arbeitsmethoden automatisch zu hoeheren Loehnen
fuehren. In einem Falle zum Beispiel beschwerten sich die Arbeiter,
weil ihre Loehne niedriger waren als in anderen Betrieben der gleichen Branche, obwohl in ihrem Betrieb hoehere Akkordsaetze gezahlt
wurden als in anderen Unternehmen, Die technische Abteilung fuer
Produktion befasste sich mit diesem Fall. . Sie entdeckte, dass die
schlechte Qualitaet des in den Naehmaschinen verwendeten Garnes
zu haeufig ein Reissen des Fadens und damit ein Neueinfaedeln verursachte. Man verwendete eine bessere Qualitaet, und die Loehne
gingen in die Hoehe.
Dubinsky weiss auch, dass es zur Sicherung eines hohen Lebensstandards des industriellen Friedens bedarf. Obwohl frueher in
jeder Saison die Bekleidungsindustrie unter einem Streik zu leiden
hatte, und obwohl Dubinsky selbst seine Gewerkschaftslauf bahn begann,
indem er einen Baeckerstreik in Lodz fuehrte, fand in der Bekleidungsindustrie seit 14 Jahren kein groesserer Streik statt.
Dubinsky hat den Unternehmern klargemacht, dass er bei rein
gewerkschaftlichen Forderungen seinen Standpunkt immer vertreten
wird, andererseits aber auch vernuenftigen Erwaegungen Gehoer
schenken und die Rechte der Oeffentlichkeit, in entsprechendem
Masse beachten wird.
Wie sehr die Unternehmer diesen einzigartigen Sozialisten
schaetzen, beweist die folgende Begebenheit in Philadelphia Im
Winter 1946: In der Mantel- und Anzugsindustrie Stand ein Streik
bevor. Er wurde abgewendet, weil sich die Unternehmer mit einem

- 12 -

�Schiedsverfahren einverstanden erklaerten. Doch das ist nicht
alles. Die Unternehmer akzeptierten als Schiedsrichter David
Dubinsky, den Praesidenten der in diese Streitigkeiten verwickelten Gewerkschaft.
David Dubinsky, der revolutionaere Kaempfer aus Lodz, hat
mitgeholfen, die Gewerkschaftsbewegung zu dem zu machen, was sie
heute in Amerika darstellt. Und er hat bewiesen, dass Gewerkschaften
und Unternehmer zur Besserung des Lebensstandards Aller friedlich
zusammenarbeiten koennen.
BCA Labor Information
17. Februar 1950
DER VERBRAUCHERPREISINDEX WIRD MODERNISIERT
Die Statistik der U.S.A. passt sich den
veraenderten Kaufgewohnheiten an.
Washington — (Amerika Dienst) — Eine deutlich erkennbare
Veraenderung in den Kaufgewohnheiten der amerikanischen Bevoelkerung hat die Statistiker der U.S.A. veranlasst, den offiziellen
Verbraucherpreisindex einer Revision zu unterziehen. Um die Mitte
der dreissiger Jahre kaufte man Dinge, die heute kaum mehr gefragt
werden, waehrend umgekehrt fuer den Durchschnittsamerikaner von
heute der Erwerb mancher Waren eine Selbstverstaendllchkeit ist,
die vor 15 Jahren noch nicht bekannt oder zumindest fuer den "kleinen Mann" nicht erschwinglich waren. Der Leiter des amerikanischen
Statistischen Amtes, Ewan Clague, erwaehnte vor kurzem unter anderem,
dass frueher beispielsweise allgemein Eiskaesten zum Fuellen gekauft wurden, aber kaum elektrische Kuehlschraenke. Die Zahl der
Familien, die Fernsprechanschluss haben oder ein Radio besitzen,
ist gewaltig gestiegen; vielfach hat man schon Fernsehapparate.
Der technische Fortschritt hat in diesen Faellen bedeutsame Veraenderungen mit sich gebracht. Frauen kauften damals Seidenstruempfe
in grosser Zahl, waehrend heute der Nylonstrumpf den Markt beherrscht.
Lebensmittel, die in den dreissiger Jahren nur zu bestimmten Jahreszeiten erhaeltlich waren, kann man heutzutage jederzeit bekommen.
Tiefkuehlobst und -gemuese waren in jener Zeit praktisch unbekannt; es gab auch weder so viele Spezialnaehrmittel fuer Kleinkinder noch etwa die heute in den U.S.A. so weitverbreiteten "Nachtischpulver", aus denen - aehnlich wie bei Puddingpulver - eine
Nachspeise oder ein Kuchen schnell und ohne weitere Zutaten hergestellt werden kann. Speiseeis wurde frueher allgemein in viel
kleineren Mengen verkauft, als dies heute der Fall ist.
Aehnliche Veraenderungen hat es im Wohnungswesen gegeben.
Die Mieten, die heute kontrolliert werden, geben kein echtes Bild
der Kosten fuer die Unterkunft. Bedeutend mehr Amerikaner sind
Besitzer von Eigenheimen oder haben die Abzahlung der Raten bereits
begonnen; fuer sie kann daher die Berücksichtigung der Mieten
die Veraenderung der Wohnungskosten nicht widerspiegeln.
Alle diese Erwaegungen haben das dem U.S.-Arbeitsministerium
angeschlossene Amt fuer Arbeitsstatistik veranlasst, die Grundlagen des VerbraucherIndexes auf ihre Gueltigkeit zu uber-pruefen
und die notwendigen Verbesserungen vorzunehmen. Zum letztenmal
wurde eine derartige Untersuchung in den Jahren 1934 bis 1936
durchgefuehrt. Im Zuge der jetzt beabsichtigten Erhebungen, die
insgesamt drei Jahre in Anspruch nehmen werden, soll in rund
500 000 amerikanischen Wohnungen festgestellt werden, welche dort
befindlichen Gegenstaende als typisch fuer den amerikanischen Lebmsund Wohnbedarf anzusehen sind. Die Ausgaben von ueber 20 000 Familien sollen genau erfasst werden und weitere Schluesse zulassen.
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�In Tausenden von Einzelhandelsgeschaeften und Dienstleistungsbetrieben werden mehr als 600 000 Preise zu ermitteln sein. Um
einen fuer den Gesamtbereich der Vereinigten Staaten gueltigen
Durchschnitt zu erhalten, werden die Ergebungen in elf sorgfaeltig ausgewaehlten Staedten vorgenommen werden.
Ewan Clague erklaerte in diesem Zusammenahng, dass eine
Familie etwa 1 400 bis 1 500 verschiedene Waren kauft, beziehungs
weise Dienstleistungen in Anspruch nimmt, von denen 200 in den
Verbraucherindex aufgenommen werden. Da sich nicht alle Preise
gleichmaessig veraendern, muessen nicht nur die im Verbraucherindex enthaltenen Waren selbst wirklich einen allgemein gueltigen
Durchschnitt darstellen, es muss vielmehr auch ihre Wichtigkeit
fuer den Verbraucher genau in Betracht gezogen werden. Wuerde
zum Beispiel jenen Waren, deren Preise nur langsam steigen oder
fallen, zu viel Gewicht beigemessen, dann wuerde der Index nachhinken; ueberschaetzte man andererseits die Bedeutung von Waren,
deren Preise starken Schwankungen ausgesetzt sind, dann koennte
der Index eine zufaellige Konjunktur widerspiegeln und an Allgemeingueltigkeit verlieren.
Der Verbraucherpreisindex wird monatlich vom Amt fuer ArbeitsstatLstik veroeffentlicht und gilt als offizieller Masstab
der fuer die Lebenshaltungskosten ausschlaggebenden Preise; er
verzeichnet die Preisveraenderungen bei jenen Waren und Dienstleistungen, die regelmaessig auf dem Ausgabeaetat von Lohn- oder
Gehaltsempfaengern der niedrigeren Einkommensklassen stehen.
Ausschlaggebende Bedeutung kommt ihm oft als authentischstem
Vergleichsmasstab bei Lohnverhandlungen, Gesetzesdebatten und
anderen Diskussionen ueber Probleme der Sozialpolitik zu,
Amerika Dienst
4. Maerz 1950
CIO FORDERT "ENERGISCHE. DEMOKRATISCHE MASSNAHMEN ZUR SICHERUNG
DES WELTFRIEDENS
Der amerikanische Gewerkschaftsverband CIO ueberreichte
dem Aussenminister Dean Acheson eine Erklaerung, in der gefordert
wird, dass sich die Regierungrtunablaessig und aktiv" fuer die Weltabruestung einsetzt.
Eine "Stellungnahme des CIO zu internationalen Problemen" wurde
veroeffentlicht und Mr. Acheson bei einer inoffiziellen Konferenz
vorgelegt. Dieser Konferenz wohnten ferner bei: der Praesident
des CIO, Philip Murray; der Vorsitzende des neugegruendeten Internationalen Ausschusses des CIO, Jacob S. Potofsky; und der CIO
Direktor fuer Internationale Angelegenheiten, Michael Ross.
In dieser Erklaerung wird die Ansicht des CIO zum Ausdruck
gebracht, "dass angesichts des gegenwaertigen Standes der Weltsicherheit der Wasserstoffbombe und anderer Waffen Anteil zu
nehmen."
Es wurde jedoch hinzugefuegt, dass "wir ebenso wie die Arbeiter
aller anderen Laender wissen, dass die Wasserstoffbombe keine Sicherheitsgarantie bietet und kein rettendes Mittel darstellt. Eine
Weltzivilisation, die sich auf die Wasserstoffbombe oder auf irgendeine andere Art von Waffe stfttzt, ist eine Zivilisation, deren
Jahre gezaehlt sind.

- 14 -

�"Ohne wirkliches gegenseitiges Verstaendnis unter der
gesamten Menschheit ist ein dauernder Friede unmoeglich."
Der CIO erklaerte sich erneut bereit, die Vereinten Nationen
als "das beste Mittel zur Entwicklung einer geordneten Welt ausserhalb des jetzigen Durcheinanders neidischen und uebertriebenen
Nationalismus" zu unterstuetzen. Die "nuetzliche Arbeit, die
von den Vereinten Nationen geleistet wird, sollte nicht durch
politische Spekulationen, den skrupellosen Gebrauch des Vetorechtes, harte Worte und zeitweiliges Boykottieren gestoert
werden,"
Latein-Amerika wurde in dem Bericht besonders erwaehnt und
mit dem Hinweis auf den wachsenden Einfluss diktatorischer
oder reaktionaerer Kraefte die wirtschaftliche Unterstuetzung
dieses Gebietes als "unbedingt erforderlich" bezeichnet.
"Amerika kann durch die Fortsetzung und Durchfuehrung
wirksamer Hilfsmassnahmen fuer die Bewohner Puerto Ricos in
Latein-Amerika ein lobenswertes Beispiel fuer demokratische
Handlungsweise geben", heisst es weiter in dem Bericht. Der
CIO sei davon ueberzeugt, dass die Voelker Latein-Amerikas
"unser Verhalten In Puerto Rico genau beobachtet, um sich ein
Bild von dem machen zu koennen, was man amerikanische Hilfe und
Freundschaft nennt."
Der CIO forderte die umfassende wirtschaftliche Unterstuetzung dieser Insel und die Errichtung einer Gewerkschaftsschule, der nicht nur Studenten aus Puerto Rico, sondern auch
aus anderen Teilen Latein-Amerikas zustroeaen wuerden. Eine
derartige Schule, sagt der CIO, "haette dramatische und unmittelbare Auswirkungen auf die latein-amerikanische Gewerkschaftsbewegung •"
Die wichtigsten, in der CIO Erklaerung enthaltenen Forderungen sind:
1.

Die rapide Aktivierung des Punkt-Vier-Programms.

2.

Zivile Kontrolle der Atom-Energie, -Forschung und
-Entwicklung. Die Auswertung der Atomkraft fuer
aufbauende Zwecke.

- . 3.

4.

Widerstand gegen beschwichtigende Elemente, die die
demokratischen Traditionen der Vereinigten Staaten
im Interesse "zeitweiligen und unsicheren Verhandeins"
mit faschistischen oder kommunistischen Regimes opfern.
Die Einleitung aller moeglicher Massnahmen, um dem
israelitischen Volke zu helfen.

5. Wirtschaftliche Unterstuetzung Latein-Amerikas.
6.

Untersuchung und Richtigstellung zu der "angeblich
weitverbreiteten Unzufriedenheit" ueber'die Durchfuehrung des Programms, nach dem Arbeiter ohne
staendigen Wohnsitz aus Latein-Amerika nach den
Vereinigten Staaten gebracht werden sollen.

- 15 -

�7.

Die Anstellung spanischsprechender Beamten fuer
Arbeltsfragen an den Gesandtschaften der Vereinigten Staaten in Latein-Amerika.

8. Verbesserung der Arbeitervertretungen in US Behoerden, die sich mit internationalen Problemen
befassen.

CIO Press Releasa
19. Februar 1950

- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

H1CJ0 Ü-0M1 L H

Marc K) 17 C

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNOEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 2

Frankfurt, 17. Ilaerz 1950

INHALTSVERZEICHNIS
Amerikanische Arbeiter fuer "Union Shop1* System - 1
Amerikaner nehmen zum Pensionsproblem Stellung - - 2
Ottmarsheim - - - - - - - - - - - - - - - - - - 2
Amerikanische Gewerkschaften verhindern Wirtschaftskrise - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -- 4
Belgische Papierarbeiter Gewerkschaft i n t e r e s s i e r t
sich fuer Gewinnbeteiligung der Arbeiter - - - - 5
Stahlarbeitergewerkschaft unterstuetzte Streikende
Bergleute mit 500.000 Dollar
—
- 6
Bergson: "Es gibt kein gutes Monopol" - — - - — 7
"Force Ouvriere" im Kampf gegen Kommunisten - - - 9
ERP h i l f t der britischen Baumwollindustrie - - - - 11

AMERIKANISCHE ARBEITER FUER "UNION SHOP" SYSTEM ~
Dem Jahresbericht des Bundesausschusses fuer Arbeitsfragen
(National Labor Relations Board) zufolge entschied man s i c h
in mehr a l s 96g der von dieser Behoerde im Laufe des am 30. Juni
1949 endenden Haushaltsjahres organisierten "union Shop" Wahlen
fuer "union Shop" Vertraege. (Ein "union Shop" Vertrag enthaelt
die Bestimmung, dass die Einstellung nur unter der Bedingung
e r f o l g t , dass der Arbeitnehmer innerhalb einer festgesetzten
Frist der Gewerkschaft b e i t r i t t . ) Der Bericht zeigt ferner,
dass von Insgesamt 15.074 "union Shop" Abstimmungen 14.581
zugunsten dieses Systems ausfielen.

U. S. Arbeltsministerium
"Weekly Labor News Digest"

�AMERIKANER NEHMEN ZUM PENS IONSPROBLEM STELLUNG
Washington — (Amerika Dienst) —
In letzter Zeit wurde
bei zahlreichen Gelegenheiten in den U.S.A. zum Pensionsproblem
Stellung genommen, wobei vor allem eine Novellierung des Bundesgesetzes ueber die Sozialversicherung, soweit dieses die Zahlung
von Ruhegeldern betrifft, und eine Erweiterung des Kreises der
Anspruchsberechtigten vorgeschlagen wurde«
Der Vorsitzende der CIO-Vereinigung fuer den Staat New York;
Louis Hollander, forderte die Regierung dieses Bundesstaates auf,
das Bundes-Penslonssystem der U.S.A. so zu ergaenzen, dass jeder
in den Ruhestand getretene Arbeitnehmer eine Pension von mindestens 100 Dollar im Monat beziehen kann. Auch Emil Rieve, der
Vorsitzende der CIO-TextUarbeitergewerkschaft, schloss sich diesem Vorschlag an. In einer Ansprache in New York legte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Gummiarbeiter, I.S. Buckmaster, den
Standpunkt des CIO zu diesem Problem dar: "Erstens draengen wir
auf eine Verbesserung des amerikanischen Sozialversicherungsprogramms, zweitens - und das ist derzeit eine zwingende Notwendigkeit - treten wir fuer die Regelung der Pensionsfrage im Wege
von Kollektiwertraegen ein. Unsere grundsaetzliche Einstellung
ist klar: die Bundesgesetzgebung soll bei Pensionen fuer Arbeiter
und fuer die uebrige amerikanische Bevoelkerung eine Untergrenze
bestimmen. "Darueber hinaus hat der Arbeiter jedoch noch Anspruch
auf eine Anerkennung »einer bisherigen langjaehrlgen Taetigkeit
bei einer Firma in Form eines zusaetzlichen Ruhegeldes."
In Boston schlug Arbeitsminister Tobin vor, durch eine Erweiterung des Bundesgesetzes ueber die Sozialversicherung jeder
aus dem Berufsleben ausscheidenden Person in den Vereinigten
Staaten eine Pension im Betrag von 100 Dollar zu sichern. Auch
der Leiter der Abteilung fuer Arbeltsstatistik im U.S.-Arbeitsministerium, Ewan Clague, höh in einer Rede in Washington die
Notwendigkeit hervor, die Sozialversicherungsbestimmungen auf
alle in den Ruhestand tretenden Arbeiter auszudehnen, die Unterstuetzungssaetze zu erhoehen und sie ausserdem durch Beitraege
der Unternehmer zu ergaenzen. Senator Taft nahm in der Presse
zu der Frage Stellung, welche Kosten mit der Einfuehrung von
allgemeinen Pensionen in der Hoehe von 100 Dollar verbunden sind,
und behauptete, dass die einzige Moeglichkeit, den Millionen
Menschen, die in den Ruhestand getreten sind und demnach nicht
mehr arbeiten, Pensionen zu bezahlen, darin bestehe, die erforderlichen Mittel aus dem Verdienst der Arbeitenden aufzubringen*
Er empfahl, den Finanzausschuss des amerikanischen Senats mit
dem Studium dieses Problems zu beauftragen.
Amerika Dienst
9. Maerz 1950
OTTMARSHEIM
Ein 50 Jahre alter Traum geht nun in Frankreich in Erfuellung. An seiner Verwirklichung arbeiten 4.000 franzoesische
Arbeiter und amerikanische Dollars.
Das Flussbett des Rheines wird auf der 105 km langen Strecke
von Kembs bis nach Strassburg verlegt.
Nach der Fertigstellung dieses Projektes wird der "neue"
Fluss nicht nur fuer Frankreich, sondern auch fuer den groessten
Teil des uebrlgen Europas von Nutzen sein. Neue Wasserkraftwerke werden Frankreich mit der dringend benoetigten ELektrizi*
taet versorgen. Ein neuer, waehrend des ganzen Jahres schiffbarer Waserweg wird fuer Europa entstehen, denn in dem zementierten Flusskanal wird es keine Untiefen mehr geben, die die
- 2 -

�Rheinschiffahrt bei Hochwasser so oft stillgelegt haben. Allen
Nationen wird es erlaubt sein, den "neuen" Fluss zu benutzen«
Seit fast einem halben Jahrhundert beschaeftigen sich franzoesische Techniker mit dem Gedanken, den Rhein umzubetten. Jedoch erst im Jahre 1932 konnte der erste Abschnitt dieses Vorhabens im Gebiet von Kembs vollendet werden - — der Hauptdamm,
ein Kraftwerk, zwei Schleusen und ein Kanal von etwa 8 km Laenge.
Danach kam die Wirtschaftskrise und es trat eine Stockung im Bau
ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Damm bei einem waghalsigen
Flugunternehmen der R.A.F. ueber dem ELsass durch eine Bombe
zerstoert*
Nach dem Kriege Hess die franzoesische Regierung diese
Schaeden so schnell wie moeglich ausbessern. Dann ging die
nationalisierte ELektrizitaetsgesellschaft daran, die zweite
Phase des acbt Einzelprojekte umfassenden Planes zu beginnen und zwar in Ottmarsheim.
Ottmarsheim stellt den wichtigsten Teil des historischen
Umbettungsprojektes dar, und man kann dort nun die Dollar Amerikas
am Werk sehen. Alle Arten moderner Geraete und Maschinen zur Befoerderung von Erde sind zum Einsatz gekommen - riesige Seilbagger
mit Kuebeln, die ein Fassungsvermoegen von sechs Kubikmetern haben,
Kratzer, Schaufeln, Planierraupen, Zugmaschinen usw. - alles laeuft
auf Hochtouren. Der groesste Teil der Maschinen ist amerikanischer
Herstellung*
Ottmarsheim galt von Jeher als ein Vorhaben groessten Umfangs.
Es musste ein bewaehrter Betonkanal von 30 Meter Breite gebaut
werden, der auch fuer grosse Schleppzuege tief genug ist. Er muss
genuegend Wassermengen mit sich fuehren, um vier Turbinen von
Je 53.000 PS treiben zu koennen, die Jaehrlich eine Elaktrizitaetsmenge von 900 Millionen Kilowattstunden erzeugen werden. Ausserdem waren zwei Schleusen von dar Groesse derjenigen im Panama
Kanal zu errichten. 12 Millionen Kubikmeter Erde mussten bewegt
und 450.000 Kubikmeter Beton verarbeitet werden. Die Gesamtkosten
wurden auf ueber 60 Millionen Dollar geschaetzt.
Zur Ausfuehrung eines Projektes solchen Umfangs waren bestimmte schwere Ausruestungsgeganstaende notwendig, die Frankreich
nur von den Vereinigten Staaten beziehen konnte. Und die franzoesiche Regierung hatte bereits vor Inkrafttreten des Marshall
Planes etwa 3 Millionen aus seinen geringen Dollarreserven fuer
Maschinen aus den Vereinigten Staaten aufgewendet. Ausserdem
wurden spaeter amerikanische Maschinen im Werte von einer weiteren
Million Dollar mit Marshall Plan Mitteln gekauft.
Es wurden Jedoch noch Millionen von Dollar fuer Ottmarsheim
benoetigt, selbst als die erforderlichen Maschinen im Ausland gekauft worden waren. Da kamen die unter dem Marshall Plan geschaffenen Gegenwert Fonds zu Hilfe, mit denen der groesste Teil der
Kosten fuer Ottmarsheim gedeckt werden konnte - Kosten fuer die
erforderliche franzoesiche Ausruestung und Materialien und fuer
die Loehne der franzoesischen Arbeiter.
Im Jahre 1948 wurde das Projekt Ottmarsheim mit 9 Millionen
Dollar unterstuetzt. 1949 entsprachen die Zuschuesse in franzoesichen Francs aus den Marshall Plan Gegenwert Fonds ainem Werte
von 15 Millionen Dollar.
ECA Labor Information
88 Februar 1950

�AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN VERHINDERN WIRTSCHAFTSKRISE
In einem Artikel, der kuerzllch Im "American Federationist",
dem offiziellen Organ des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFI
erschienen war, wird erklaert, dass es der hohen-Lohn-Politik
der amerikanischen Gewerkschaften mit zu verdanken sei, dass
die Wirtschaftskrise Im vorigen Jahre In den Vereinigten Staaten
verhindert wurde.
Der Verfasser dieses Artikels ist George T. Brown, Direktor
des Referats fuer Forschung In der Gewerkschaft der Spengler
und Installateure. Seiner Abhandlung liegt der vor kurzem dem
Kongress ueberreichte Wirtschaftsbericht Praesident Trumans
zugrunde •
Der Bericht des Praesidsnten zeigte nach Ansicht Browns,
dass eine Nachkriegs-WirtSchaftskrise Mitte 1949 abgebogen
worden war. Gegen Ende des Jahres war wieder ein allmaehliches
Anziehen der industriellen Produktion, der Bautaetigkeit, der
Beschaeftlgtenzahl und des Absatzes zu verzeichnen. Insbesondere
waren es die Loehne, die auf verhaeltnismaasslg gleicher Ebene
gehalten wurden.
Brown fuehrt aus, dass dieser Bericht "eine dramatische
Geschichte erzaehlt, eine Geschichte, in der die organisierte
Arbeiterschaft eine Hauptrolle spielt.•• Eine Entwicklung, die
zu einer umfassenden Wirtschaftskrise haette fuehren koennen,
konnte deshalb so schnell beendet werden, well man nicht zu dem
in der Geschichte immer wieder ueblichen Mittel der Lohnkuerzung
griff."
"Die Gewerkschaften", fuhr Brown fort, "bildeten das Bollwerk, hinter dem die Arbeiter der Nation ihren Lebensstandard
verteidigten. Eine Folge dieser Kraftanstrengung war, dass der
groesste Teil der in Arbeit befindlichen Lohnempfaenger fortfuhr
zu kaufen." Brown sagte, nicht nur Amerika, sondern auch dam
groessten Teil Europas kaeme die Tatsache zugute, dass die amerikanische Kaufkraft eine Krise verhindert hat, die durchaus haette
eintreten koennen.
"Haette man sich den Lohnkürzungen nicht energisch widersetzt," fuehrte Brown warnend aus, "dann wuerde die Lebenswelse
nicht nur Amerikas, sondern auch der üebrigen Welt einer Zerruettung entgegengehen und damit Moskau ein groesserer Gefallen
erwiesen werden als irgendeiner anderen Hauptstadt der freien
Welt."
Brown warnte die Gewerkschaften davor, ihre Arbelt als beendet zu betrachten; das "zukuenftlge Wohlergehen der organisierten Arbeiter - und damit der gesamten arbeitenden Menschheit
haenge von der groesseren Leistungsfaehigkeit und dem besseren
Kollektiwerhandeln ab." Er wies darauf hin, dass hoehere Leistung sfaehigkeit "Lohnerhoehungen und deshalb eine groessere
Kaufkraft mit sich bringen muss." Und abschliessend sagte er:
"Damit die gesteigerte Produktionsleistung auch wirklich den
Lohnempfaengern in Form bedeutender Lohherhoehungen zugute kommt,
Ist es notwendig, dass die Kollektlwerhandlungen auf wirksame
und kluge Art und Weise gefuehrt werden."
ESA Labor Information
28, Februar 1950

�BELGISCHE PAPIERARBEITER GEWERKSCHAFT INTERESSIERT SICH FUER
GEWINNBETEILIGUNG DER ARBEITER.
Emil de Bondt nimmt als belgischer Gewerkschaftsvertreter
an einem Team technischer Sachverstaendiger teil, das sich zur
Zeit auf einer zweimonatigen Reise zur Besichtigung der Papierindustrie in den Vereinigten Staaten befindet. Sein Hauptinteresse gilt den amerikanischen Methoden der Beteiligung der
Arbeiter an den aus gesteigerter, industrieller Produktionsleistung entstandenen Uebergewinnen. Diese Besichtigungsreise
im Rahmen des Technischen Hilfsprogramms der Marshall Plan Verwaltung steht unter der Schirmherrschaft der Organisation fuer
wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas«
Mr. de Bondt, der sich in der letzten Woche vor seiner
Abreise nach den Vereinigten Staaten in Paris aufhielt, erklaerte,
dass die gesteigerte, industrielle Produktionsleistung in Europa
sowohl fuer die Gewerkschaftsbewegung als auch fuer das Unternehmertum, die Regierungen und fuer Europa als Gesamtheit von
hervorragender Bedeutung sei«
Der durch das vorliegende Projekt ermoeglichte Informationsund Erfahrungsaustausch von Gewerkschaftern, Unternehmern und
technischen Vertretern aus 12 Laendern sei ein konkretes Beispiel dafuer, dass die europaeischen Nationen aus einer engen
Zusammenarbeit zur Loesung gemeinsamer Probleme tatsaechllchen
Nutzen ziehen koennten.
Der 46-Jaehrige, belgische Gewerkschaftsvertreter ist
Generalsekretaer der Christlichen Belgischen Gewerkschaft der
Papierarbeiter und Graphiker. Er hat diese Stellung seit 12 Jahren
inne und ist seit 1935 Funktionaer seiner Gewerkschaft. Davor
war er 16 Jahre lang als Buchdrucker und Schriftsetzer taetig.
Mr. de Bondt wies auf die in den vergangenen Jahren von den
belgischen Papierarbeitern erzielten Erfolge und auf die noch
zu loesenden Probleme hin und eroerterte dann die allgemeine
Frage der Beteiligung der Arbeiter an den aus der hoeheren Produktionsleistung entstehenden Uebergewinnen.
Der Gewerkschaftsfunktionaer berichtete, dass die Produktionsleistung der belgischen Industrie der Papierherstellung
und —Verarbeitung zu 115 bis 125# des Standes von 1936-1938
gesteigert worden sei. Er unterstrich die Tatsache, dass bereits
drei der 24 Betriebe in Belgien ihre Arbeiter an dieser Produktivitaetssteigerung beteiligt haetten, und zwar in Form von
Bonuszuteilungen, und dass sie damit endgueltig den Beweis erbracht haetten, dass die Arbeiter fuer ihre Mithilfe bei der
Senkung der Produktionskosten durch Gewinnbeteiligung belohnt
werden koennten.
Mr. De Bondt erklaerte, dass seine Gewerkschaft, die etwa
ein Drittel der 10.000 belgischen Arbeiter der papierherstellenden und -verarbeitenden Industrie vertritt, die Gewinnbeteiligung durch Erhoehung des Grundlohnes den Bonuszuteilungen
vorziehe und fuegte hinzu, dass ihm besonders daran gelegen
sei, entsprechende Methoden in den Vereinigten Staaten zu
studieren.
Nur 50# der belgischen Arbeiter der papierherstellenden
und -verarbeitenden Industrie seien gewerkschaftlich organisiert.
Mr. de Bondt ist der Ansicht, dass diese niedrige Zahl auf das
Fehlen sowohl des "closed-shop" Systems als auch des "union-shop"
Systems zurueckzufuehren sei. (In Amerika uebliche Systeme,
nach denen entweder nur Mitglieder einer bestimmten Gewerkschaft
vom Arbeitgeber eingestellt werden duerfen (closed-shop), oder
die Einstellung nur unter der Bedingung erfolgt, dass der Arbeit- 5 -

�nehmer innerhalb einer bestimmten Frist der Gewerkschaft beitritt
(union-shop).
Ausser anderen wichtigen Gewerkschaftsproblemen wird sich
der belgische Gewerkschaftsfunktionaer in Amerika mit der Mehrbezahlung fuer Nachtarbeit - die es in Belgien noch nicht gibt und mit Fragen der Bezahlung von Sonn- und Feiertagen beschaeftigen, die in Belgien erst im Laufe der letzten drei Jahre als
Ergebnis von Forderungen der Gewerkschaften durchgesetzt werden
konnte.
Mr. de Bondt wird ausserdem die Organisierung des Arbeitsanfalls und der Schichtarbeit studieren und insbesondere Vergleiche mit der zur Zeit in Belgien ueblichen 48-Stunden Woche
der belgischen Arbeiter der papiererzeugenden und- herstellenden
Industrie anstellen. Die Arbeiterschaft Belgiens fordert dringend
die Abaenderung des gegenwaertigen Systems der Schichtarbeit.
Mr. de Bondt ist einer der vier Gewerkschaftsvertreter, die
sich zum Studium der amerikanischen Industrie der Papierherstellung
und -Verarbeitung nach den Vereinigten Staaten begeben. Die drei
anderen Gewerkschaftler dieses Industriezweiges kommen aus Eng» land, Westdeutschland und Italien.
BCA Labor Information
13. Februar 1950
SIAHLARBEIT5RGEWERK3CHAFT UNTERSTUETZTE STREIKENDE BERGLEUTE

Mir Böo.ööö DOLLAR.
Obwohl der U.S. Bergarbeiter Verband weder
dem AFL noch der CIO angeschlossen ist« haben
die amerikanischen Gewerkschaften den Bergarbeitern ihre Sympathie und Solidaritaet in
dem kuerzlich beendeten Bergarbeiterstreik
nicht versagt, wie aus dem nachstehenden Bericht
hervorgeht.
Die Stahlarbeitergewerkschaft (CIO) hat dem Bergarbeiter
Verband 500.000 Dollar geschenkt, "um hilfsbeduerftige Bergleute und ihre Familien in ihrem Kampf gegen die Bergwerksbesitzer zu unterstuetzen."
Nach einer telegraphisch durchgefuehrten Abstimmung des
Vorstandes der Stahlarbeitergewerkschaft uebersandte der Praesident des amerikanischen Gewerkschaftsbundes CIO, Philip Murray,
dem Finanzsekretaer des U.S. Bergarbeiter Verbandes einen Scheck
ueber i Million Dolla'r.
Gleichzeitig erliess Murray einen Aufruf an alle Lokalgewerkschaften der eine Million Mitglieder zaehlenden Stahlar-'
beitergewerkschaft, noch mehr Geld zur Unterstuetzung der Bergleute zu spenden.
"Die Not ist gross. Ihr muesst nach besten Kraeften helfen,"
heisst es in dem Aufruf Murrays an die Mitglieder der Stahlarbeitergewerkschaft.
In seinem Brief an Finanzsekretaer Owens vom Bergarbeiter
Verband fuehrte Murray aus:
H

Ich habe mich an unsere angeschlossenen Lokalgewerkschaften
mit der Bitte gewandt, den Bergarbeitern und ihren Familien jede
nur meogliche finanzielle und moralische Unterstuetzung zukommen
zu lassen, und hoffe, dass ihre Hilfe ein Beitrag zu dem endgueltigen Sieg der amerikanischen Bergarbeiter sein moege."
- 6 -

�Mitte Januar natte sich Murray heftig gegen die Methoden
des Hauptanwaltes des Bundesausschusses fuer Arbeitsfragen,
Robert Denham, gewandt, der das Streikverbot beantragt hatte.
Daraufhin beschuldigte der Praesident des CIO Denham,
"dass er die gesetzlichen Rechte und Interessen aller Gewerkschaftler angegriffen habe."
"Ich habe den Generalanwalt der CIO angewiesen, die Rechtsabteilung des Bergarbeiter Verbandes bei der Verteidigung der
auf dem Spiele stehenden, fundamentalen, gewerkschaftlichen
Prinzipien und bei der Bekaempfung der von Denham eingeleiteten
Verfahren so weit wie moeglich zu unterstuetzen«"
Am 9. Februar wurde das Streikverbot erlassen«
Seitdem wurde zweimal vergeblich versucht, die Kollektivverhandlungen zwischen Unternehmern und Bergarbeitern wieder
aufzunehmen. Ein Uritersuchungsausschuss, wie er in den Bestimmungen des Taft-Hartley- Gesetzes zum "nationalen Notstand" vorgesehen ist, wurde gebildet. Im Laufe dieser Woche wird man
ein Streikverbot von 80 Tagen beantragen.
Der Kampf der Gewerkschaften geht um hoehere Loehne, erhoehte Beitraege der Unternehmer zu den Wohlfahrtskassen und
die Beibehaltung einiger in dem alten Vertrag enthaltener Bestimmungen. Ein grosser Teil der Bergleute hatte mehrere Monate
lang nur drei oder noch weniger Tage pro Woche gearbeitet.
Murray wies in seinem Schreiben an die lokalen Dienststellen der Stahlarbeiter Gewerkschaft auf "die bittere Not der
Bergarbeiter und ihrer Familien" hin.
"Diese Lage fordert gebieterisch, dass unsere Gewerkschaft
und ihre Mitglieder den Bergarbeiter Verband in seinem bedeutungsvollen Kampf gegen diese maechtigen Kraefte mit allen
Mitteln unterstuetzen," schrieb Murray.
"Der Krieg, der zur Zelt gegen ihre Gewerkschaft gefuehrt
wird, kann sich gegen unsere eigene Gewerkschaft und gegen alle
anderen richten, sobald es den Wohlhabenden, die ihn fuehren,
zweckmaesslg erscheint."
Der Praesident der Stahlarbeiter fuhr fort: "Es ist von
groesster Wichtigkeit, dass Sie und unsere Lokalgewerkschaften
diesem Aufruf prompt Folge leisten«"
In der Verfassung der Stahlarbeitergewerkschaft ist fesgelegt, dass derartige Geschenke dem Internationalen Gewerkschaftsvorstand zu ueberwelsen sind, von wo sie den Empfaengern zugeleitet werden.
•The CIO News"
13. Februar 1950
BERGSON:

"E3 GIBT KEIN GUTES MONOPOL."
Wir bringen nachstehend einen Artikel der
"CIO News" ueber Monopole, weil das Problem
der Kartelle und Monopole in Deutschland
im Augenblick wieder sehr diskutiert wird
und eine Stellungnahme zu diesem Problem notwendig
ist.
Die Redaktion.
- 7 -

�Der Generalstaatsanwalt McGrath und sein Stellvertreter
Bergson erklaerten vor der Vereinigung der Rechtsanwaelte des
Staates New York (New York State Bar Association), dass Kartelle eine Bedrohung der Anti-Trust Gesetze darstellten, weil
ein grosses Unternehmen die Konkurrenz leichter auf illegale
Art und Weise ausschalten kann, als dies einem kleinen Unternehmen moeglich ist.
Indem diese beiden hohen Anklaeger des Monopols darlegten,
was ihre Aufgaben und Absichten sind, betonten sie besonders,
dass sie das Kartell nicht als solches, sondern als den Wegbereiter des Monopols bekaempften. Die beiden Erklaerungen, die
von der Tagespresse groesstenteils verschwiegen oder entstellt
wurden, geben zum erstenmal klaren Aufschluss ueber den Kampf
der Regierung gegen das Monopol.
"Das Monopolproblem ist "nach dem der Arbeitslosigkeit das
dringlichste, innerstaatliche Wirtschaftsproblem unserer Zeit,"
sagte McGrath.
"Wir wissen natuerlich, dass die Zusammenballung Wirtschaft- .
licher Kraft kein Verbrechen ist. Andererseits sind wir uns aber
auch im klaren darueber, - auch der Oberste Gerichtshof ist dieser
Auffassung - dass "wirtschaftliche Staerke leicht missbraucht
werden kann und wird deshalb staendig gegen solchen Missbrauch
auf der Hut sein muessen."
McGrath hielt einen Rueckblick auf die Geschichte und
Entstehung der Anti-Trust Gesetze und berichtet, wie der Oberste
Gerichtshof im Jahre 1920 die Durchfuehrung dieser Gesetze erschwerte, indem er im Falle der HU. S. Steel Corporation" entschied, dass "die Kartellisierung innerhalb der Stahlindustrie
solange keine Verletzung des "Sherman Act"(Anti-Trust Gesetz)
darstelle, wie die Unternehmer von dieser Macht keinen nachweisbaren Gebrauch machten."
McGrath fuegte hinzu und sprach damit wohl die bedeutsamsten
Worte, die ein Generalstaatsanwalt seit Jahren ausgesprochen hat:
"Ich persoenlich bin der Auffassung, dass man hiermit nichts anderes
sagen moechte, als dass nach dem "Sherman Act" nur schlechte Monopole gesetzwidrig seien. Der Wortlaut dieses Gesetzes besagt jedoch eindeutig das Gegenteil."
Bergson, der beauftragt ist, die Einhaltung der Anti-Trust
Gesetze zu ueberwachen, erklaerte: "Unsere Erfahrungen haben uns
gezeigt, dass es kein "gutes Monopol" gibt. Bei allen Monopolen
konnten wir feststellen, dass sie demeigennuetzigen Privatgewinn
und nicht dem Allgemeinwohl dienten."
M

Das Kartell an und fuer sich ist kein Verbrechen im Sinne
der Anti-Trust Gesetze, " sagte Bergson. "Auch der Besitz eines
Jagdgewehrs ist kein Verbrechen. Aber so wie mit dem Gewehr ein
Verbrechen veruebt werden kann, so kann auch die wirtschaftliche
Macht der Unternehmer zur Verletzung der Anti-Trust Gesetze verwendet werden. In beiden Faellen fuehrt das, was vorher gesetzlich und erlaubt war, zu unzulaessigen Auswirkungen und wird
Gegenstand gerichtlicher Verfolgung.
"Die meisten von uns werden zugeben, dass die Kartellisierung
illegales Handeln erleichtert, wenn auch haeufig die Anti-TrustGesetze von kleineren Unternehmen uebertreten werden. Bin grosses
Unternehmen kann einer Industrie eher illegale Bedingungen auferlegen, als ein kleineres Unternehmen.
- 8 -

�"In einer solchen Situation stellt nicht die Groesse des
Unternehmens als solche eine Uebertretung dar. Anklagepunkt
ist vielmehr die monopolistische Macht oder die Beeintraechtigung des Handels, die durch die wirtschaftliche Macht des
Unternehmens gefoerdert wurden. Wir sind der Meinung, dass
es nicht nur logisch, sondern auch erforderlich ist, mit Hilfe
seit langem bestehender Bestimmungen der Anti-Trust Gesetze die
Mittel unwirksam zu machen, die ein Vergehen im Sinne dieser
Gesetze erst ermoeglichen."
Bergson zeigte an Hand von Beispielen, wie die Anti-Trust
Abteilung in Gerichtsverfahren gegen monopolistische Methoden
grosser Unternehmen vorgegangen ist. "Einige Verfechter der
•guten Monopol-Theorie' stellen sich auf den Standpunkt, " so
fuehrte Bergson aus, "dass die Leistungsfaehigkeit von erstranginger Bedeutung sein muss, und dass eine Verletzung der
Anti-Trust Gesetze uebergangen werden kann, wenn diese Gesetze
die Leistungsfaehigkeit beeintraechtigen.
"Die Deutschen begingen diesen Fehler. Durch ihr Kartellisierungssystem und ihre vielgepriesene Leistungsfaehigkeit war
es ihnen moeglich, eine Zeitlang die groesste wirtschaftliche
Macht in den Haenden zu halten. Die Verherrlichung dieser Anschauung warf Jedoch ihre gesamte Philosophie ueber den Haufen
und brachte Ihrem Lande schliesslich Chaos und Zerstoerung."
"The CIO News"
6. Februar 1950
"FORCE OUVRIERE" IM KAMPF GEGEN KOMMUNISTEN
Der franzoesfche Gewerkschaftsbund "Force Ouvriere" hat
seit seiner Gruendung im Jahre 1948 gegen den kommunistischen
Allgemeinen Gewerkschaftsbund CGT (Confederation Generale des
Travailleurs) um die Mitgliedschaft der franzoesischen Arbeiter .
gekaempft. Der Kampf war nicht leicht, wenn man bedenkt, dass
"Force Ouvriere" zu Beginn weder organisiert war, noch ueber
Raeumlichkeiten und Geldmittel verfuegte. Trotzdem konnten •
Fortschritte erzielt werden.
Das Strassburger Zentralbuero der "Force Ouvriere" befindet sich im zweiten Stockwerk eines schaeblgen Buerogebaeudes.
Das Personal setzt sich zusammen aus zwei Stenographen, einem
teilbeschaeftigten Buchhalter und Rene Kunkel, der sowohl Bezirks sekretaer als auch Organisator und Versammlungsredner
ist. Kunkels alter Privatwagen ist das einzige fuer dienstliche Zwecke verfuegbare Transportmittel.
Das ist der gesamte Stab der "Force Ouvriere" und zwar
nicht nur fuer Strassburg, eine Stadt von 200.000 Einwohnern,
sondern auch fuer das umliegende, elsaesslsche Department Bas-Rhln,
ein Landwirtschafts- und Industriegebiet mit weiteren 700.000
Bewohnern.
Kunkel berichtete, dass das Strassburger Buero der CGT
ueber weit mehr Mittel verfuegt und. vier oder fuenf vollbeschaeftigte, maennliche Angestellte und acht oder neun Kraftfahrzeuge
hat. Kunkel Ist 41 Jahre alt und Gewerkschaftsmitglied seit
dem Tage, an dem er zu arbeiten begann. Wir sehen in ihm einen
typischen FunJdiaonaer der "Force Ouvriere". Wenn er von seiner
Arbeit spricht, sagt er, dass er "immer zu viel zu tun und
immer zu wenig Mittel hat". Das finanzielle Problem spielt in
allen Angelegenheiten seiner Organisation eine Rolle. Jede
- 9 -

�Gewerkschaft der "Force Ouvriere" setzt ihre eigenen Mitgliedsbeitraege fest. Sie betragen durchschnittlich 100 Franken
(DU 1,20) pro Monat* Fuer die Geschaeftsfuehrung einer Gewerkschaft ist das nicht viel; fuer die franzoesischen Arbeiter
Jedoch, die nur 14,000 Franken (etwa DM 165, — ) verdienen,
bedeutet dieser Betrag in Anbetracht der sehr hohen Preise ein
Opfer, Die CGT hat es in dieser Beziehung besser. Einige der
finanziell besserstehenden Gewerkschaften der CGT haben laut
Kunkel sogar "Werbewochen" veranstaltet, in denen sie die Mitgliedsbeitraege praktisch auf ein Nichts reduzierten, um auf
diese Weise neue Mitglieder au koedern.
Trotz dieser Widerstaende hat die "Force Ouvriere" in
Kunkels Department ueber 10.000 Mitglieder fuer sich gewinnen
koennen. Fast alle sind in Strassburg ansaessig; um ausserhalb
der Stadt organisatorisch wirken zu koennen, waren weder Geldmittel noch Personal vorhanden. Einer der grundlegenden Unterschiede zwischen der CGT und der "Force Ouvriere" besteht darin,
dass die kommunistische Organisation gegen den Marshall Plan
ist, waehrend er von der "Force Ouvriere" unterstuetzt wird.
Tausenden franzoesicher Gewerkschafter kommt die amerikanische Hilfe zugute, erklaert Kunkel* Sie wissen , dass sie
einen grossen Teil dieser Unterstuetzung Tausenden amerikanischer
Gewerkschafter zu verdanken haben. Unter diesen Ümstaenden glaubt
Kunkel nicht an die Gefahr einer "Uebernahme" Frankreichs durch
die Vereinigten Staaten, mit der die Kommunisten so gerne ihre
ablehnende Haltung dem Marshall Plan gegenueber begruenden.
Der Marshall Plan stellt einen Brennpunkt in dem staendigen Kampf zwischen CGT "Force Ouvriere" dar. Die CGT verfuegt
wie alle von den Kommunisten beherrschten Organisationen ueber
eine gut funktionierende Propagandamaschine, die dazu bestimmt
ist, den Marshall Plan zu unterminieren. Ausserdem besteht fuer
die CGT ein Anreiz darin, dass sie die "Force Ouvriere" in Misskredit bringen kann, wenn es ihr gelingt, die franzoesischen
Arbeiter von der Wertlosigkeit des Marshall Planes zu ueberzeugen.
Charles Henck, der seit 45 Jahren Gewerkschafter ist und
der Transportarbeiter Gewerkschaft der "Force Ouvriere" in
Strassburg angehoert, berichtet, dass jedesmal, wenn eine
Stockung im Transport entsteht, die Kommunisten den Marshall
Plan dafuer verantwortlich machen.
Es ist ein wenig schwerer, die Arbeiter aus dem Baugewerbe
an der Nase herumzufuehren, sagt Friedrich Klein, ein anderes
Mitglied der "Force Ouvriere", denn die meisten von ihnen wissen,
dass der um Strassburg im Werk befindliche Wiederaufbau und
Neubau zum grossen Teil direkt oder indirekt durch die amerikanische Hilfe erst ermoeglicht wurde. Fuer sie ist die Parole:
kein Marshall Plan keine Arbeit,
"Sie moegen es glauben oder nicht," sagt Klein, "selbst
wenn wir wegen Frost die Arbeit einstellen muessen, erfinden (
die Kommunisten irgendwelche Geschichten, die den Marshall
Plan als Ursache der Arbeitseinstellung hinstellen*"
In Strassburgs bedeutendem Hafen ist es schon ein wenig
schwieriger, gegen den Marshall Plan zu argumentieren und Leute
zu finden, die diesen Argumenten Glauben schenken, erklaert der
staemmige Alfred Fulssel, ein Flusskapitaen und ueberzeugter
Anhaenger der "Force Ouvriere". Ein grosser Teil der franzoesichen Rheinflotte war waehrend des Krieges zerstoert worden, so
- 10

�erzaehlt er, und jeder, der in dem Hafen heute beschaeftigt
ist, muss unwillkuerlich an der wiederhergestellten Flotte und
dem geschaeftigen Treiben im Hafen einen Beweis fuer die amerikanische Hilfe sehen.
Wer wird in diesem Kampf um die Mitgliedschaft der franzoesischen Arbeiter den Sieg davontragen? Hoeren wir Gustave Boulier,
ein anderes Mitglied der "Force Ouvriere" und langjaehriger Gewerkschafter, der uns diesbezueglich einen kleinen Hinweis gibt.
Boulier gehoert zur Gewerkschaft der staatlichen Angestellten.
Vor einigen Wochen wurde eine Betriebswahl unter den Zivilangestellten der franzoesischen Armeewerkstaetten in Strassburg abgehalten.
Die CGT erhielt dabei 176 Stimmen, waehrend der Katholische Gewerkschaftsverband (CFTG) (ebenfalls anti-kommunistisch und pro Marshall Plan) 156 und die "Force Ouvriere" 140 Stimmen fuer sich
buchen konnten. Vor einigen Monaten, berichtet Boulier, hatte
die "Force Ouvriere" kaum ein Mitglied in diesen BetrAen, die
als komnunistische Hochburgen galten.
"Gebt uns noch einige Monate Zeit," sagt er zuversichtlich,
"und wir werden in diesem Betrieb viel mehr als 140 Stimmen haben.
Und sie (die CGT) werden viel weniger als 176 haben." Zwei Jahre
sind vergangen und noch immer wird ein zaeher Kampf gefuehrt.
Besser gesagt, der Kampf ist schwer, weil die "Force Ouvriere"
zwei Schlachten zu schlagen hat. Die eine gegen die Kommunisten
und die andere, um die Verbesserung der Lebensbedingungen des
franzoesischen Arbeiters - und die Moeglichkeiten zu verbessern
sind sehr gross.
Wichtig ist, dass die "Force Ouvriere" weiterkaempft und
an beiden Fronten erfolgreich ist.
EEA Labor Information
28. Februar 1950
ERP HILFT DER BRITISCHEN BAUMWOLLINDUSTRIE
Sam Lowe schuettelte seinem Besucher herzlich die Hand.
Lowe ist Weber in Lancashire. Er arbeitet nun seit fast 50 Jahren
in den dortigen Webereien. Sein Besucher fragte ihn, wie sich
die Hilfe Amerikas in der englischen Baumwollindustrie bemerkbar
gemacht habe.
"Sehen Sie sich den geschwaerzten Himmel an»1* sagte Lowe,
indem er nach dem Russ und Rauch deutete, der ueber den Fabriken .
hing. "Das ist ein gutes Zeichen fuer eine Industriestadt. Es
bedeutet, dass die Betriebe in Gang sind - und dass die Bewohner
unserer Stadt Arbeit haben."
"Wenn wir durch den Marshall Plan keine Rohbaumwolle bekommen
haetten," fuhr er fort, "waere ein grosser Teil dieser Fabriken
Jetzt geschlossen."
Im Jahre 1949, erklaerte Lowe, haette Lancashire - das Herz
der Baumwollindustrie Englands - seine Produktion dermassen gesteigert, dass die Exporte aus diesem Bezirk um 20£ haetten erhoeht werden koennen. Gleichzeitig sei auch der Bedarf der britischen Industrien an Rohbaumwolltextilien gedeckt worden. Nur
wenige Leute wuessten, dass mehr als die Haelfte der Baumwollarbeiter in Lancashire fuer die Industrie und nicht fuer die
Kleidungsherstellung arbeiten.

- 11 -

�••Damit", sagt Lowe, "schafft der Weber von Lancashlre
mit HUfe amerikanischen Geldes Arbeitsmoeglichkeiten fuer die
Arbeiter in anderen Teilen Englands."
Lowe fuehrte seinen Besucher in "seinen" Betrieb. Es ist
eine verhaeltnismaessig kleine Fabrik in einem Vorort von Manchester; 400 Arbeiter sind darin beschaeftlgt. Lowe leigte
mit nicht wenig Stolz die Kantinen, Baeder und Aufenthalt sraeume
fuer die Belegschaft; auch den Kindergarten, in dem die Kinder
erwerbstaetlger Muetter Aufnahme finden koennen. Sam ist der
Meinung, dass die Arbeitgeber nach dem Kriege mehr Interesse
fuer das Wohlergehen ihrer Arbeitnehmer gezeigt haetten. Dies
sei zum Teil auf den Mangel an Arbeltskraeften zurueckzufu ehren,
denn heutzutage sei jedermann beschaeftlgt. "Auch dafuer koennen
wir dem Marshall Plan danken", sagte Lowe.
BCA Labor Information
2. Maerz 1950
- 18 -

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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 3

Prankfurt, 24. Maerz 1950
INHALTSVERZEICHNIS

Hollaendische Gewerkschaften zum WiederaufbauProgramm - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Neue Wohnhaeuser fuer Lothringische Bergleute Axel Strand
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1
3
3

Bruessel - Welthauptstadt der Gewerkschaftsbewegung - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 7
Innergewerkschaftlicher Kampf der Arbeiter gegen
den Kommunismus - - - - - - - - - - - - - - - 9
Die franzoesische Rheinflotte - - - - —
- - - 10
Amerikanische Gewerkschaften zu internationalen
Fragen - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1

HOLLAENDISCHE GEWERKSCHAFTEN ZUM WIEDERAUFBAUPROGRAMM
Der groesate der drei bedeutendsten hollaendischen Gewerkschaf tsverbaende hat seinen Verwaltungsrat aufgefordert, "die
wirtschaftliche Zusammenschliessung der Laender Westeuropas in
jeder Hinsicht zu foerdern."
In Amsterdam wurde kuerzlich von den Vorstaenden des Niederlaerd.sehen Gewerkschaftsbundes N.V.V. eine Resolution angenommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, dass "sowohl der
Wiederaufbau und die wirtschaftliche Wiedergesundung als auch
der dazu erforderliche Zusammenschluss Westeuropas nur durch die
dauernde Unterstuetzung durch den Marshall Plan moeglich sind."
Die Vorstaende wiesen ihre Mitglieder an, "bei den zustaendigen Stellen dahingehend zu wirken, dass die mit Hilfe des
Marshall Planes erzielten Erfolge auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Westeuropas und insbesondere Hollands
nicht gaenzlich oder teilweise durch eine Beschraenkung oder fruehzeitige Beendigung dieser Hilfe zunichte gemacht werden."
"Der Marshall Plan," heisst es weiter in der Resolution,
"ist ein unentbehrlicher und wirksamer Beitrag zum wirtschaftlichen
Wiederaufbau Hollands."
Die Fortsetzung dieser Hilfe wird als eine "dringende Notwendigkeit fuer die weitere Festigung der wirtschaftlichen Stellung
Hollands und fuer die Sicherung und Konsolidierung der bisher erzielten Erfolge" bezeichnet.

�NEUE WOHNHAEÜSER HIER LOTHRINGISCHE BERGLEUTE

Wie aus kuerzlich veroeffentlichten Statistiken hervorgeht,
sind insgesamt 245 Billionen Franken dem Gegenwert Fonds Frankreichs zur Verwendung Im nationalen Investierungsprogramm 1949
entnommen worden.
Hiervon gingen mehr als 45 Billionen zur Beschaffung von
Ausruestung und zur Modernisierung an "Charbonnages de France",
d.h. an die staatseigenen Kohlenbergwerke. Hinter diesen nuechternen Zahlenangaben liegt jedoch eine menschliche Geschichte, ein Teil der Geschichte vom Marshall Plan, der dem franzoesischen
Volke hilft, sich selbst und einer den andern zu unterstuetzen.
So liegt z.B. in der Nordost-Ecke Frankreichs,nahe an der Grenze
des Saargebietes, die Stadt Merlebach. Von ihren 9.500 Einwohnern
sind 2.400 Bergleute. Ausserdem arbeiten noch viele andere aus
den umliegenden Ortschaften in den Merlebacher Kohlegruben.
Der Beruf des Bergmanns ist ein sehr schwerer, und deshalb
verlangt der Kumpel nicht nur einen entsprechenden Lohn, sondern
auch eine anstaendige Wohnung. Nach dem Kriege war es jedoch nicht
leicht, in Merlebach eine annehmbare Wohnung zu finden. Heute ist
das anders geworden. Einige Wohnbioecke von der Bürgermeisterei
entfernt ist eine gesamte "Neustadt" aus der Erde gewachsen. In
erhoehter Lage, ueber der dichten Rauchdecke, die den Industriebezirk bedeckt, stehen Hunderte neuer Wohnhaeuser fuer die Bergleute. Diese Haeuser sind zwar einfach in der Bauweise, aber zu
jedem gehoert ein Hof und ein Garten. In den zuerst beendeten
Abteilungen sind bereits hohe Hecken und Straeucher gewachsen.
In den Haeusern befinden sich moderne Badezimmer und fliessendes
warmes Wasser, Kuechen mit eingebauten Herden und Schraenken, und
behagliche Wohn- und Schlafzimmer.
Die Strassen der "neuen Stadt" sind breit und gewunden. Man
sieht neue Laeden und Schulen, die in ihrer Bauweise den Wohnhaeusern angepasst sind.
Diese neuen Haeuser fuer die Bergleute von Merlebach wurden
in Frankreich entworfen, hergestellt und zusammengesetzt. Insgesamt sind etwa 15.000 aehnliche Einheiten fuer franzoesische Bergleute erstellt worden, davon mehr als 4.000 in Lothringen. Die
franzoesische Regierung beabsichtigt, fuer diejenigen, die die
franzoesische Kohle graben, noch mehr solcher Wohnungen zu bauen,
und zwar jaehrlich fuenftausend bis zum Jahre 1955. Die Wohnungen
sind mietfrei, und Brennmaterial wird kostenlos zur Verfuegung gestellt. Das Wohnungsbauprogramm fuer Bergleute - das auch Krankenhaeuser, Apotheken, Schulen und Erholungsheime vorsieht, ist sehr
kostspielig. Die jaehrliche Rechnung belaeuft sich auf etwa 14 Billionen Franken (40 Millionen Dollar). Fuenf Billionen Franken
hiervon werden aus dem Marshall Plan Gegenwert Fonds fuer Frankreich gestellt.
Merlebach und die lothringischen Kohlengebiete bilden nur
einen kleinen Teil Frankreichs. Trotzdem ist in den neuen Wohnhaeusern fuer die Bergleute ein weiteres Beispiel dafuer zu sehen,
wie der Marshall Plan Frankreich hilft, sich selbst zu helfen.
ECA Labor Information
2. Maerz 1950

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�AXEL STRAND
Die Laufbahn und gegenwaertige Taetigkeit, der Charakter
und die Persoenlichkeit des Praesidenten des Schwedischen Gewerkschaft sbund es ("LG-'1), Axel Strand, geben in wirkungsvoller
Weise die Geschichte der schwedischen Gewerkschaftsbewegung
wieder.
Das Datum seines Eintritts in die Gewerkschaftsbewegung
im Alter von 16 Jahren faellt mit dem denkwuerdigsten Datum der
Geschichte der schwedischen Gewerkschaften zusammen. Es war im
Jahre 1909, als das eintrat, was alle Schweden heute noch als den
•Grossen Streik" bezeichnen. Es war ein Kampf zwischen Unternehmern und Gewerkschaften, der endgueltig entscheiden sollte, wer
der Staerkere war - so dachte man wenigstens damals darueber.
Die Unternehmer hielten die Zeit fuer gekommen, der aufkommenden, organisierten Gewerkschaftsbewegung den Todesstoss
zu versetzen. Sie schlössen sich zusammen und begannen mit einer
Reihe von Aussperrungen. Die Antwort der Gewerkschaften hierauf
war ein Generalstreik. Der Streik missglueckte, und in diesem
Sinne zogen die Gewerkschaften den Kuerzeren. Sie erlitten schwere
Verluste an Geld und auch an Mitgliedern, da die Unternehmer ruecksichtslos schwarze Listen aufgestellt hatten. Zu jener Zeit wanderte ein grosser Teil der schwedischen Arbeiter nach Amerika aus,
weil man sie zu Hause nicht beschaeftigen wollte. Aber auch die
Unternehmer verloren in einer gewissen Beziehung, denn es gelang
ihnen nicht, die Gewerkschaftsbewegung zu zerstoeren. Die Gewerkschaften hielten noch immer zusammen. Fuenf Jahre dauerte es,
bis sie sich von diesem Schlag erholt hatten, aber dann kamen sie,
staerker als je zuvor, wieder.
Der junge Axel Strand war im Jahre des "Grossen Streiks" Mitglied der Gewerkschaft der Moebelschreinsr geworden. Zu gleicher
Zeit trat er in die Sozialdemokratische Partei ein.
Er arbeitete in seinem Beruf in Lund, dem historischen Kulturzentrum der suedschwedischen Provinz Skane und der zweitaeltesten Universitaets. Stadt des Landes. Er war in dem Dorf Burlov
geboren, wo er bis zu dem ueblichen Alter von 14 Jahren zur Schule
ging. Sein Vater war Hobler in einem Betriebe,in dem Inneneinrichtungen fuer Eisenbahnwagen hergestellt wurden.
Der Bedeutung von Skane entsprechend haben Maenner dieser
Provinz (es ist u.a. die am staerksten bevoelkerte) im Leben des
Landes grosse Rollen gespielt. Per Albin Hansson, der beliebte
Demokrat, der viele Jahre lang bis zu seinem Tode im Jahre 1946
Premierminister war, stanmte aus Skane. Ebenso Gustav Moller, der
als Minister fuer Soziale Wohlfahrt der Architekt der schwedischen
Sozialreformen ist; ausserdem Per Edvin Skold, zur Zeit Finanzminister. Hansson war ebenso wie die beiden andern Genannten
Soz ialdemokrat.
Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahre 1919, begab sich Strand
nach Stockholm, wo er seitdem immer gelebt hat. Er blieb in seinem Handwerk bis zum Jahre 1923 taetig, als er Organisator der
Stockholmer Zentrale seiner Gewerkschaft wurde.
Im gleichen Jahr heiratete er Emilie Lindkvlst. Das Ehepaar
hat zwei Toechter; die aelteste, 25 Jahre, ist verheiratet, die
andere Tochter ist 20 Jahre alt und lebt zu Hause.
Ein Jahr speater wurde Strand zum Finanzsekretaer der nationalen Gewerkschaft der Moebelschreiner ernannt, und diese Stellung

�bekleidete er 12 Jahre lang. Dann wurde er im Jahre 1936 zum
Finanzsekretaer des Schwedischen Gewerkschaftsbundes LO gewaehlt
und hatte diese Stel lung bis zu seiner Ernennung zum Presidenten im Jahr 1947 inne.
Waehrend der Gewerkschaftslaufbahn Strands ist diese Bewegung laufend und stetig angewachsen. Von dem Rueckschlag Im
Jahre des "Grossen Streiks" an (die Mitgliederzahl war von 186*000
im Jahre 1908 auf 80.000 Im Jahre 1911 zurueckgegangen) begann der
Aufstieg der Gewerkschaftsbewegung zu ihrer gegenwaertigen hohen
Machtstellung. Die fruehere, zahlenmaessige Staerke wurde waehrend des Ersten Weltkrieges wieder erreicht. Nach dem Kriege, im
Jahre 1919, wurden 259.000 Mitglieder gezaehlt. Zehn Jahre spaeter
hatte sich diese Zahl verdoppelt. In den dreissiger und vierziger
Jahren, in Krisen und Krieg wuchs die Bewegung staendig. (Eine
einzige Ausnahme bildete 1933, das schlimmste Jahr der Krisenzeit,
in dem ein Absinken der Mitgliederzahl um 5.000 eintrat). Bei
Beendigung der ersten Haelfte des Jahrhundertet hatte der 52 Jahre
alte Schwedische Gewerkschaftsbund 1.244.000 Mitglieder zu verzeichnen. Davon sind 95# Arbeiter.
Auch die Zentralgewerkschaft der Angestellten, TCO, ist von
40.000 Mitgliedern im Jahre 1937, als sie gegruendet wurde, auf
255.000 Mitglieder, das ist fast die Haelfte aller Angestellten,
angewachsen. Damit machen die Gewerkschaftsmitglieder nahezu
ein Fuenftel der gesamten Bevoelkerung Schwedens (7 Millionen)
aus.
Mit dem zahlenmaessigen Ansteigen der Gewerkschaften ging
die Entwicklung zu Einfluss und Prestige Hand in Hand. Diese
Entwicklung ist gekennzeichnet durch ein gesamtnationales Kollektivverhandlungswesen zwischen dem LO und den organisierten
Unternehmern. In dieser Tatsache spiegelt sich die Umwaelzung
wider, die innerhalb des LO stattgefunden hat und aus einer verhaeltnismaessig lockeren Vereinigung selbststaendiger Koerperschaften eine Organisation mit betraechtlicher Zentralgewalt
entstehen liess.
Das Verhaeltnis der Gewerkschaften zu den Unternehmern
hat sich im Laufe der Jahre geaendert. Frueher bestand eine
Feindschaft zwischen diesen beiden Parteien, waehrend heute
jede von ihnen die Rolle billigt, die der andere im wirtschaftlichen Leben spielt. Beide erkennen aus sozialen Erwaegungen
heraus die Notwendigkeit an, Loesungen fuer Probleme zu finden,
die aus den entgegengesetzten Interessen entstehen. Die gegenwaertigen Beziehungen sind in einem Grundvertrag niedergelegt,
der im Jahre 1939 zwischen Vertretern des LO und des Schwedischen Arbeitgeberverbandes entstanden war. Sie arbeiteten Richtlinien fuer das Verhalten bei Streiks und andere grundlegende
Arbeitsprobleme aus. Dieser Vertrag hat sich gut bewaehrt, denn
er schuf einen hohen Grad an Stabilitaet in den Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern, ohne dass sich die
Regierung dabei einzuschalten hatte.
Die Autoritaet, mit der der LO ausgestattet ist, hat nicht
zu einer Beherrschung "von oben her" gefuehrt, weil die Macht
des LO weit davon entfernt ist, absolut zu sein; das Ergebnis
der Verhandlungen mit den Unternehmern wird in Empfehlungen
zusammengefasst, die zwar ueberzeugend sein koenne, aber nicht
hindend fuer die angeschlossenen Verbaende sind, denen eine
betraechtliche Selbststaendigleit bleibt.

�Ausserdem Ist die Demokratie ein angeborenes Merkmal der
schwedischen Gewerkschaftsbewegung. Die Fuehrer erklimmen nicht
Hoehen, in denen sie keine Verbindung mehr mit der breiten Masse
haetten. Wie Strand sagt, "spricht Jeder aus der Gewerkschaftsbewegung den anderen, auch wenn es ein Funktionaer ist, mit "Du"
an."
Strands Tuere sowohl als auch die der anderen Funktionaer«
des LO steht zu jeder Zelt allen Gewerkschaftlern offen. Diese
scheuen sich nicht, zu ihnen zu kommen, wenn sie ihnen ihre Meinung
mitteilen moechten. Funktionaere und einfache Gewerkschaftler
besprechen gemeinsam Angelegenheiten, wann und wo sie sich auch
immer begegnen; nicht nur in Versammlungshallen, sondern auch in
der Strassenbahn und auf der Strasse.
So wie Axel Strand in die Sozialdemokratische Partei eintrat,
als er Gewerkschaftler wurde, so haben auch die Arbeiter Schwedens
die wirtschaftliche Tetigkeit mit der politischen kombiniert. Das
Ergebnis auf politischem Gebiet war, dass diese Partei auf Grund
ihrer Mehrheit im Riksdag (Parlament) seit 1932 das Kabinett gebildet hat. Eine Ausnahme stellen die KriegsJahre dar, in denen
eine Koalitionsregierung bestand. Die Gesetzgebung und die Massnahmen der Regierung waren unter dem Einfluss der Sozialdemokratischen Partei auf Vollbeschaeftigung, Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter und Ausdehnung der sozialen Sicherheit
ausgerichtet.
Strand und viele andere Gewerkschaftsfuehrer betreten bei
Wahlkaempfen die Rednertribüne und werben fuer sozialdemokratische
Kandidaten. Er selbst wurde fuer die Zeit von 1936 bis 1938 in
den Stadtrat gewaehlt. Dann gehoerte er mit sechs anderen Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei zu der 14 Mann starken
Vertretung in der Ersten Kammer des Riksdag. Seitdem war er Immer
im Riksdag und staendig Mitglied des Gesetzes- und Verfassungsaußschusses, der sich mit der sozialen Gesetzgebung befasst. Ausserdem gehoert Strand seit 1946 zum AussenpolitIschen Ausschuss.
Strands aktive Rolle als politischer Fuehrer wird durch
die Tatsache bekundet, dass er seit 1944 Mitglied des Exekutivausschusses seiner Partei ist.
Seine Einstellung wirtschaftlichen und politischen Fragen
gegenueber hat Strand selbst in folgenden Worten zum Ausdruck
gebracht:
"Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und die Gewerkschaftsbewegung arbeiten seit dem Tage zusammen, an dem beide Organisationen
gegruendet wurden. Diese Zusammenarbeit wurde nicht in irgendeiner
Verfassung genau festgelegt, sondern hat sich aus der Interessengemeinschaft ergeben, die die politischen und gewerkschaftlichen
Ziele der Arbeiter miteinander verbindet. Als die Sozialdemokratie
die Regierung uebernahm, war es ganz natuerlich, dass die Arbeiterregierung und die Gewerkschaftsbewegung ebenso wie Regierung und
SozaildemokratIsche Partei zusammenarbeiteten. Es gab fuer uns
Immer gemeinsame Probleme und Interessen. Die Zusammenarbeit ist
unseres Erachtens in einer Zeit, in der die Arbeiter regieren,
gerade so-notwendig, wie zu einer Zeit, in der sie sich in der
Opposition befinden."
In der Nachkriegszeit standen die wirtschaftlichen Probleme
bei den Diskussionen in dem Ausschuss im Vordergrund, sagt Strand.
Vor dem Kriege befasste man sich.In groesserem Masse mit politischen
Angelegenheiten.
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�Beide Gewerkschaftsverbaende, LO und TCO, vertreten die
Arbeiter Schwedens im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften,
der im Dezember vorigen Jahres in London gegruendet wurde. Strand
war natuerlich auch in London und zwar als Mitglied der achtkoepfigen
schwedischen Delegation. Er arbeitete in dem Verfassungsausschuss,
der wohl die wichtigsten Funktionen der gesamten Konferenz hatte.
Strands Auslandsreisen, ausser den bereits genannten, sind
ein Beispiel fuer die Anteilnahme der schwedischen Gewerkschaften
an internationalen Angelegenheiten. Auf Einladung der Marshall
Plan Verwaltung flog er zusammen mit 11 weiteren Gewerkschaftlern
nach den Vereinigten Staaten, um amerikanische Industriebetriebe
zu besuchen. 1947 verbrachte er 14 Tage in der britischen Besatzungszone Deutschlands, um die Nachkriegsverhaeltnlase zu studieren.
In den letzten zwoelf Jahren bereiste er ferner Frankreich, Belgien,
Holland, Schweiz, Oesterreich, Tschechoslowakei und Ungarn.
Zu der internationalen, wirtschaftlichen Zusammenarbeit und
der Haltung der schwedischen Gewerltthaft zu dieser Frage nimmt
Strand folgendermassen Stellung:
"Unsere Teilnahme am Marshall Plan und unsere Unterstuetzung
der einzelnen Massnahmen im Rahmen dieses Projektes gruenden sich
auf die feste Ueberzeugung, dass die internationale Zusammenarbeit
auf wirtschaftlichem Gebiet unerlaesslich ist, wenn wir eine Welt
aufbauen wollen, in der die Sicherheit und Wohlfahrt der Menschheit garantiert ist. Durch die ungeheuren Zerstoerungen des
Krieges war es den Nationen Europas unmoeglich, den Wiederaufbau
mit eigenen Mitteln und innerhalb einer im voraus zu bestimmenden
Frist durchzufahren. Wir begruessen deshalb dankbar das grossartige Hilfsprogramm des amerikanischen Volkes und sind bereit,
alles zu tun, um es zu einem Erfolg werden zu lassen."
Im Wesen und der Haltung Strands finden wir vieles, was fuer
die Schweden charakteristisch ist. Er ist ruhig,und gelassen. .
Von guter Erscheinung, ueber mittelgross, kahlkoepfig, mit grossen,
dunklen, forschenden Augen, koennte er leicht fuer einen Professor
oder Doktor gehalten werden. Nach schwedischer Art sind seine
oeffentlichen Reden weder laut noch rhetorisch, sondern ruhig und
ueberzeugend.
Alle, die ihn kennen, bezeichnen ihn als einen Mann von
grosser Intelligenz und einem umfassenden Allgemeinwissen, das
laufend durch seine Wissbegierde genaehrt wird. Sein Humor wird
von einem Freund als eine Art bezeichnet, "die andere Leute zum
Lachen bringt, waehrend er selbst todernst dabei bleibt."
Strand ist ein einfacher Mann. Auf die Frage, welche Faktoren
zu seinem Aufstieg bis zur hoechsten Stellung im LO gefuehrt haben,
erklaert er, wie die Praesidentensteile durch den Tod eines Vorgaengers frei war und er vom Verwaltungsrat des LO zum Presidenten gewaehlt wurde. Alle jedoch, die Axel Strand kennen, wissen
dass die Erklaerung fuer seinen Aufstieg zur fuehrenden Persoenlichkeit in der schwedischen Gewerkschaftsbewegung in der Tatsache
liegt, dass "er wirklich auf Draht ist»"
ECA Labor Information
27. Januar 1950

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�BRUESSEL - WELTHAUPTSTADT DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Vor sechs Jahren waere in Bruessel eine Gewerkschaftsmitgliedskarte wohl das Letzte gewesen, was ein Arbeiter in seiner
Tasche getragen haette - es sei denn, er hatte das Verlangen,
einem deutschen Erschiessungskommando gegenüberzustehen. Die einst maechtigen, belgischen Gewerkschaften waren aufgeloest, die Mitgliederlisten zerstoert und jegliche gewerkschaftliche Taetigkeit verboten. Gewerkschaftsfuehrer, die dem Tode,
dem Kerker oder der Verbannung durch die Besatzungsbehoerden
entgangen waren, hielten sich verborgen. Die Gestapo war ihnen
Tag und Nacht auf der Spur.
Es bestand lediglich eine "Gewerkschaft" in Belgien, die
von den Nazis gegruendete Gewerkschaft der Hand- und Kopfarbeiter
(Union des Travailleurs Manuels et Intellectuels). Es war eine
"Unternehmergewerkschaft" im wahrsten Sinne, und der Unternehmer,
dem sie diente, war Adolf Hitler. Wenig belgische Arbeiter
wuenschten, mit der verhassten "UTMI" irgendetwas zu tun zu
haben, da sie im Dienste der Nazis und der Wehrmacht stand.
Heute gibt es in Belgien drei grosse Gewerkschaftsverbaende,
und fast die Haelfte der 2.600.000 Arbeiter des Landes tragen
stolz ihre Mitgliedskarten. Die belgische Hauptstadt ist Hauptquartier der beiden groessten Gewerkschaftsverbaende, des
Belgischen Gewerkschaftsbundes und des Bundes Christlicher
Gewerkschaften, die zusammen ueber eine Million Mitglieder
zaehlen.
Mit der Errichtung des staendigen Sitzes des neugegruendeten Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in Bruessel,
ist diese Stadt nun auch zur Welthauptstadt der Gewerkschaftsbewegung geworden.
Die neue, demokratische Arbeiterinternationale wurde im
- Dezember in London organisiert, als 261 Gewerkschaftsdelegierte
aus 53 verschiedenen Laendern gemeinsam beschlossen, einen
neuen Weltbund zu gruenden, dessen Aufgabe es sein sollte, "die
wirtschaftliche und politische Freiheit der arbeitenden Menschen
auf der Welt zu erringen und zu sichern." Vom 28. November bis
. zum 10. Dezember vorigen Jahres trafen sich in der County Hall
in London Delegierte als Vertreter von 50 Millionen Arbeitern
der Welt. Sie ernannten Paul Finet, den 52-jaehrigen Werkzeugmacher und Generalsekretaer des Belgischen Gewerkschaftsbundes,
zu ihrem ersten Praesidenten und waehlten Bruessel zum staendigen Sitz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Generalsekretaer der neuen Organisation ist J. H. Oldenbroek
aus Holland, der tatkraeftige Sekretaer des Internationalen Transportarbeiter Verbandes. Ein Stab von 40 bis 50 Mitgliedern wird
ihm bei der Verwaltung der neuen Gewerkschaftsinternationale
von Bruessel aus zur Seite stehen.
Die dynamische, junge Organisation ist die kuehne Antwort
der freien Gewerkschaften an den von den Kommunisten beherrschten
Weltgewerkschaftsbund, der sich nach vergeblichen Versuchen der
Gewerkschaften des Westens, mit den Kommunisten zusammenzuarbeiten, in das Kielwasser der russischen Intrigenten begab. Der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften lehnt, wie es sein
Name schon sagt, den Totalitarismus in allen Formen und jegliche
Art kontrollierten Gewerkschaftswesens ab. Sein klar vorgezeichnetes Ziel ist die wirtschaftliche Sicherheit ohne den Verlust
der persoenlichen Freiheit. Der hartnaeckige Widerstand des
Weltgewerkschaftsbundes
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�dem Marshall Plan gegenueber, gepaart mit einer ruecksichtslosen
kommunistischen Diktatur und der bekannten Ausbeutung der Arbeiter
in den Laendern hinter dem Eisernen Vorhang, veranlassten schliesslich die Gewerkschaften der westlichen Laender im Februar vorigen
Jahres, aus dem Weltgewerkschaftsbund auszutreten»
In seiner Praesidentenbotschaft an den Londoner Kongress erklaerte Paul Finet: "Fuer diejenigen von uns, die sich noch immer
verzweifelt bemuehten, die Einheit zu erhalten und fuer die stalinistischen Intrigen im Weltgewerkschaftsbund eine weniger verletzende Erklaerung zu finden, beseitigte die Einstellung dieser Organisation zum Mars hall Plan auch die letzten Illusionen. Ihrer Haltung dem ERP gegenueber ist es zuzuschreiben, dass der Weltgewerkschaftsbund auseinanderbrach.•
"Brot, Friede,und Freiheit11 ist der Kampfruf, mit dem der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften ins Leben sprang. Das
achtseitige Manifest wirtschaftlicher und sozialer Forderungen, das
auf der Londoner Konferenz entworfen wurde, bezeichnet ••Brot" als
"die wirtschaftliche Sicherheit und soziale Gerechtigkeit fuer Alle",
fordert "Freiheit" durch wirtschaftliche und politische Demokratie"
und"Frieden" in Freiheit, Gerechtigkeit und Anerkennung der persoenlichen Wuerde fuer Alle." Es fordert die Arbeiter auf, "sich
zusammenzuachliessen, um eine Welt aufzubauen, in der die Menschen
frei sind von Tyrannei.... von Totalitarismus und von der Bevormundung und Ausbeutung durch.... Kartelle und Monopole." Es ruft
dazu auf, den "Ueberfluss zu mobilisieren, dessen sich die industriell fortgeschrittenen Nationen der Welt erfreuen, um allen
Menschen Vollbeschäftigung, Sicherheit gegen Not, Alter und
Krankheit zu garantieren und ihnen einen staendig steigenden
Lebensstandard und ein reicheres und besseres Leben zu bieten."
Das sind die Ziele der neuen Gewerkschaftsinternationale,
die ihren Sitz in Belgien hat. Ihrer Verwirklichung ist die Organisation in Bruessel gewidmet, die das Sprachrohr der gesamten
freien, organisierten Arbeiterschaft der Welt darstellt.
Mit der Wahl Bruessels zur Hauptstadt hat der Internationale
Bund Freier Gewerkschaften eine glueckliche Hand gehabt. Als
Hauptstadt einer der kleinsten Nationen Europas ist Bruessel eine
Stadt mit einer Million Einwohnern, in der der Charme der alten
Welt mit dem aeusseren Bild einer vorwaertsstrebenden, modernen
Metropole harmonisch zusammenwirkt. Neue amerikanische Automobile bewegen sich in den altertuemlichen, engen Strassen und wetteifern mit klingenden elektrischen Strassenbahnen und furchtlosen
Radfahrern, die sich durch den Verkehr schlaengeln. Die Laeden
sind mit Waren gefuellt, vom amerikanischen, elektrischen Kuehlschrank und der Waschmaschine bis zu feinen englischen Stoffen.
Freundliche, kleine Cafes locken Kaeufer, Touristen und Geschaeftsleute.
Bruessel ist wie New York City kein ausgesprochenes Industriezentrum. Ausser der Leichtmetallindustrie ist wenig Industrie
in der Stadt selbst. Der groesste Teil der erwerbstaetigen Bevoelkerung, deren Zahl sich auf fast eine Viertelmillion belaeuft,
ist in den grossen Finanz- und Handelsunternehmen der Hauptstadt
beschaeftlgt oder arbeitet in den Verwaltungsstellen der belgischen
Regierung. Bruessel ist seit dem Mittelalter ein bluehendes Zentrum
des kontinentalen Handels. Abgesehen von seiner Bedeutung fuer
Finanz und Handel und von seinen grossen Sehenswürdigkeiten fuer
Touristen, ruehmt sich diese Stadt einer Atmosphäre des guten
Lebens und der erfolgreichen Arbeit.
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�Das kleine Belgien, das erst seit 1830 als unabhaengige
Nation besteht, hat 8£ Millionen Einwohner. Ein Viertel hiervon
lebt in den vier grossen Staedten Bruessel , Antwerpen, Luettich und
Gent. Man findet in diesem Land sowohl die Schwer- als auch die
Leichtindustrie, - beide produzieren fuer den Export - eine ausgedehnte Landwirtschaft und den zweitgroessten Seehafen des Kontinents.
Durch Antwerpen geht ein grosser Teil der Produktion Westeuropas
in die ganze Welt.
Belgien produziert in normalen Zeiten genuegend Ezportwaren,
um seine Importe damit bezahlen zu koennen. Sein Problem bestand
Jedoch nach dem Kriege darin, dass es keine Kaeufer fand, die
diese Waren abnehmen konnten. Der Marshall Plan hat Belgien geholfen, indem er anderen Laendern Europas ermoeglichte, belgische
Exportwaren zu kaufen. M. Gaston Eyskens, der Premierminister
Belgiens, erklaerte unlaengst: "Im ganzen gesehen ist 100.000
belgischen Arbeitern durch die Marshall Plan Hilfe Arbeit gegeben
worden - 100.000 Arbeiter deren Produktion in den Dienst des
Wiederaufbaus Belgiens und Europas gestellt werden konnte. In
dieser schweren Zeit bedeutet diese Hilfe die Rettung Belgiens."
Obwohl Belgiens neun Provinzen in drei Sprach- und Kulturgebiete aufgeteilt sind, bilden deren Bewohner trotzdem eine einzige
Nation, die gelernt hat, Notzeiten durch enges Zusammenarbeiten
zu ueberstehen. Die Flamen der noerdlichen Provinzen, die fransoesichsprechenden Wallonen aus dem Sueden und die deutschsprechende Bevoelkerung des aeussersten oestlichen Teiles des Landes sie alle sind zu alte rerst Belgier.
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften wird bei seinen
Tagungen in Bruessel eine freundliche Aufnahme finden, denn
Belgien ist ein Land, in dem sich die Gewerkschaften einer grossen
Sympathie nicht nur seitens der Regierung sondern der gesamten
Nation erfreuen.

INNERGEWERKSCHAFTLICHER KAMPF DER ARBEITER GEGEN DEN KOMMUNISMUS
Nach Ansicht des amerikanischen Sonderbeauftragten in Europa,
W. Avereil Harrlman, hat der Kommunismus in Europa seine groesste
Niederlage innerhalb der Gewerkschaftsbewegung'erlitten. In
einem Bericht an den auasenpolitisehen Ausschuss des Senats, in dem
Harriman zu der Fortsetzung des Wiederaufbau Programms fuer das
Jahr 1950-1951 Stellung nimmt, spricht er sich anerkennend ueber
den Kampf der europaeischen Arbeiter "um ein freies Leben" aus.
"In Italien und Frankreich", berichtet Harriman, "hatten sich
die Kommunisten der Herrschaft ueber die bedeutendsten Gewerkschaftsverbaende bemaechtigt, bevor der Marshall Plan angelaufen war. Nun
verlieren sie an Boden, und die nichtkommunistischen Gewerkschaften
gewinnen schnell an Staerke. In Frankreich hat es sich die "Force
Ouvriere" zusammen mit anderen nichtkommunistischen Gewerkschaften
zur Aufgabe gemacht, die franzoesische Gewerkschaftsbewegung von
den Kommunisten zu befreien. In Italien haben sich zwei bedeutende
nichtkommunistische Gewerkschaftsverbaende von dem kommunistischen
Gewerkschaftsbund losgesagt und mobilisieren nun die Kraefte der
freien italienischen Arbeiter."
Harrison fuehrt auch an, wie die deutschen Gewerkschaften
auf einer Konvention im Oktober vorigen Jahres dem Kommunismus
einen schweren Schlag versetzt haben, indem sie sich im Deutschen
Gewerkschaftsbund ausammenschlossen. Auf dieser Konvention, berich- 9 ,.

�tet Harriman, "brachten die Kommunisten nur eine Handvoll von
Delegierten auf."
"In anderen Laendern," faehrt er fort, "wie Oesterreich,
Belgien und Norwegen, in denen die Kommunisten einst stark waren,
ist ihr Einfluss in der Gewerkschaftsbewegung heute zu einem unbedeutenden Nichts zusammengeschmolzen." Harrison erklaert weiter,
dass "die zunehmende Entschlossenheit der Arbeiter, die kommunistischen Agenten aus den einflussreichen Stellungen in der Gewerkschaftsbewegung zu vertreiben, in der ganzen Welt Reaktionen ausgeloest hat."
Als Beispiele fuehrt er den Austritt der freien Gewerkschaften
aus dem einst maechtigen, kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund an, den er als "ein Werkzeug der Intrige" bezeichnet,
und die Gruendung des Internationalen Weltbundes Freier Gewerkschaften, der, wie er sagt, "der Foerderung der Arbeiterwohlfahrt
und der Bekaempfung der kommunistischen Machtgelueste dient."
ECA Labor Information
3. Maerz 1950
DIE FRANZOESISCHE RHEINFLOTTE
Die franzoesische Rheinschiffahrt ist wieder in Betrieb dies ist zum grossen Teil durch die Hilfe Amerikas ermoeglicht
worden. Am Ende des Krieges war ein Drittel der Rheinflotte
vollkommen zerstoert, und Frankreich war es nicht moeglich, die
zum Schiffsbau notwendigen Arbeiten allein zu finanzieren. Von
den 120 benoetigten Lastkaehnen wurden 47 in amerikanischen Schiffswerften in Einzelteilen hergestellt und in hollaendischen und franzoesischen Haefen zusammenmontiert. Die restlichen werden in Frankreich fast ausschliesslich mit amerikanischem Material gebaut.
Die Kosten fuer das gesamte Programm zum Bau von Lastkaehnen
belaufen sich auf 18.797.000 Dollar; hiervon werden 17.938.000
Dollar von Amerika in verschiedenen Formen, einschliesslich Marshall
Plan, zur Verfuegung gestellt.
Auch die von und nach Belgien, Holland, Schweiz, Deutschland
und Frankreich auf dem Rhein verfrachteten Gueter sind zum grossen
Teil von Amerika bezahlt.
Das Flottenbauprogramm bedeutet also Wiederaufleben des Rheinhandels fuer alle Uferstaaten. Es bedeutet Arbeit fuer Hunderte von
Schiffern und Werftarbeitern. Der Lebensstandard der Schiffer ist
dank dieses Programms verbessert worden.
Da ist zum Beispiel George Vaeth. Er ist Kapitaen der "Chinon",
einer der in den Vereinigten Staaten in Einzelteilen hergestellten
Lastkaehne. Vaeth ist auf der "Chinon" zuhause; mit Stolz wird er
Ihnen sein Schiff zeigen. Es ist glaenzend weiss, hat eine buntgestrichene Kueche mit einem Herd mit Oelfeuerung und einem schimmernd
weissen Kuehlschrank; ausserdem ein modernes Badezimmer mit Dusche,
ein geraeumiges Doppelschlafzimmer und zwei zusaetzlichen Schlafkajueten mit je 2 uebereinanderliegenden Betten.
Vaeth, ein Elsaesser mittleren Alters, ist ein lakonischer
Mensch. Wenn Sie ihn fragen, was er vom Marshall Plan haelt, wird
er Ihnen nur erwidern, dass dies eine bedeutende und gute Angelegenheit ist.
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�Hoeren wir jedoch seine Frau. "Wo an Land koennten wir uns
all das leisten?" fragt sie, indem sie stolz ihre saubere Kueche,
ihr "luxurioeses" Badezimmer und ihren Kuehlschrank zeigt. All
das haben wir der Hilfe Amerikas zu verdanken."
Der Leiter der Personalabteilung der Rheinflottenverwaltung
kann besser erklaeren, was die "neue" Rheinflotte fuer diejenigen
bedeutet, die durch sie Arbeit gefunden haben. Auf die Frage, was
Kapltaen Vaeth, seine Besatzung und die Kapitaene und Mannschaften
der uebrigen Schiffe tun wuerden, wenn es keinen Marshall Plan
gaebe, antwortete er:
"Ich nehme an, dass sich die meisten nach Arbeit in irgendeiner Fabrik umsehen muessten."
BGA Labor Information
2. Maerz 1950
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN ZU INTERNATIONALEN FRAGEN
In kuerzlich angenommenen Resolutionen sprachen sich die
Verwaltungsraete der beiden Hauptgewerkschaftsverbaende der Vereinigten Staaten, AFL und CIO, fuer die Beteiligung der freien
Gewerkschaftsbewegung an internationalen Angelegenheiten aus.
Fuehrende Funktionaere der AFL und des CIO stimmten fuer die
Unterstuetzung des neuen Internationalen Weltbundes Freier Gewerkschaften, befürworteten erneut den Marshall Plan, forderten die
Bewilligung des von Praesident Truman vorgeschlagenen Punkt-VierProgramms zur Unterstuetzung rueckstaendiger Gebiete und brachten
erneut ihr Vertrauen in die Vereinten Nationen zum Ausdruck, Gleichzeitig lehnten die beiden grossen amerikanischen Gewerkschaften
eine Ausdehnung der wirtschaftlichen Unterstuetzung und die diplomatische Anerkennung Franco Spaniens ab.
Der Verwaltungsrat der AFL forderte auf seiner Tagung in
Miami (Florida) den Kongress auf, sich mit Nachdruck fuer die
Genehmigung des Punkt-Vier-Programms einzusetzen, und die Gewerkschaften an der Planung und Verwaltung dieses Programms teilnehmen
zu lassen. In seiner Bereitschaftserklaerung sich hinter den
Marshall Plan und das Programm zur Unterstuetzung der in Not befindlichen Gebiete der Welt zu stellen, erklaerte der Verwaltungsrat im einzelnen:
"Die bis jetzt mit Hilfe des Europaeischen WiederaufbauProgramms
erzielten Erfolge, die in der Produktionssteigerung in den unterstuetzten Laendern erkennbar sind, unterstreichen die Notwendigkeit, jetzt fuer die Zeit nach Beendigung des Marshall Planes als
solchen vorzubereiten. Es ist klar, dass die demokratischen Nationen
im Interesse der Entwicklung einer gesunden und ausgeglichenen
Wirtschaft in dem freien Teil der Welt keine Zeit verlieren duerfen,
die verschiedenen unter dem ERPund demPunkt-Vier-Programm getroffenen
Massnahmen zu kombinieren. Eine wirksame Vereinigung der Wirtschaften
des demokratischen Europa ist unmoeglich, solange keine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit Westeuropas mit Afrika, Amerika und den
demokratischen Laendern und Gebieten Asiens zustandekommt. Es muss
Westeuropa in zunehmendem Maase gelingen, fuer seine produzierten
Waren Absatzmaerkte in den wirtschaftlich unentwickelten Gebieten
zu erschllessen. Bei diesen gemeinsamen Moeglichkeiten wuerden die
verschiedenen europaeischen, nationalen Wirtschaften, die in vieler
Hinsicht miteinander konkurrieren, eher versuchen, sich zusammenzuschliessen."
- 11 -

�Der Verwaltungsrat des CIO billigte in Washington die Prinzipien des Punkt-Vier-Programms, warnte jedoch davor, die den
rueckstaendigen Gebieten gewaehrte Hilfe nur "stueckweise" zukommen zu lassen. In der Resolution heisst es u.a.:
"Praesident Trumans Punkt-Vier-Programm, das vorsieht, den
rueckstaendigen Gebieten unsere wissenschaftlichen und industriellen Fortschritte zu ihrer Verbesserung und ihrem Gedeihen zur
Verfuegung zu stellen, stellt einen Anfang dar. nenn wir jedoch
erfolgreich sein wollen, darf diese Unterstuetzung nicht nur
"stueckweise" gewaehrt werden.
"Unser Programm muss, wie das Europaeische Hilfsprogramm,
wohl durchdacht und mit Umsicht geplant sein. Seine Durchfuehrung
wird ungeheure Kapitalanlagen erfordern. Die Armut dieser rueckstaendigen Gebiete stellt eine Gefahr und eine Bedrohung fuer
sie selbst sowohl als auch fuer uns dar. Wir sind ueberzeugt,
dass Friede und Prosperitaet unzertrennliche Begriffe sind."
Die beiden Gewerkschaftsverbaende sprachen sich rueckhaltlos
fuer die Unterstuetzung des neuen Internationalen Weltbundes Freier
Gewerkschaften aus, den Vertreter von etwa 50 freien Gewerkschaftsbewegungen der ganzen Welt im vorigen Jahr in London ins Leben
riefen.
Die AFL begruesste die Gruendung dieser Organisation als ein
"Ereignis von unschaetzbarer Bedeutung in der Geschichte des Weltgewerkschaf tswesens • *•
Der Verwaltungsrat des CIO erklaerte:
"Wir sind der Ueberzeugung, dass diese Organisation freier
und demokratischer Gewerkschaften berufen ist, dem Wohle der Arbeiter auf der ganzen Welt zu dienen, und die Angriffe auf ihre
Organisationen von totalitaeren Quellen her abzuwehren.
ECA Labor Information
2. Maerz 1950
- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFKIAL

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Materini kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmltteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 4

Frankfurt, 3 1 . Maerz 1950

INHALTSVERZEICHNIS
William Green zum Marshall Plan - - - - - 1
S c h i e d s r i c h e r t l i c h e Schlichtung, ein wesentl i c h e r Bestandteil der K o l l e k t i w e r t r a e g e - 3
Gewerkschaften Hollands fuer Steigerung der
Produktion
- - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Vollbeschaeftigung
- - - - - - - - - - - - - 5
SOS - Hilferuf aus Ostdeutschland - Sachsen 6
Englische Weber s t u d i e r e n amerikanische Produktionsmethoden - - - - - - - - - - - - - - 7
Amerikanische Gewerkschaften u n t e r s t u e t z e n das
Neue I s r a e l - - - - - - — - - - - - — - 8
CIO Resolution zu i n t e r n a t i o n a l e n Problemen 10

WILLIAM GREEN ZUM MARSHALL PLAN
William Green, der Praesident des Amerikanischen
Gewerkschaftsbundes AFL, u e b e r r e i c h t e v e r s c h i e denen Ausschuessen des Kongresses der Vereinigt e n Staaten folgende Erklaerung, in der er d i e
Fortsetzung des Marshall Planes f o r d e r t :
"Acht Millionen Maenner und Frauen der AFL u n t e r s t u e t z e n den
Marshall Plan. Die beiden e r s t e n Jahre dieses Programms beweisen,
dass s i c h i h r e Muehe gelohnt h a t . Nach Vollendung der Haelfte
des Europaeischen Wiederaufbau Programmes s t e l l e n wir mit Genugtuung f e s t , d a s s :
• der Stand der i n d u s t r i e l l e n Produktion ein Fuenftel ueber
dem des besten VorkriegsJahres l i e g t ;
• d i e l a n d w i r t s c h a f t l i c h e Produktion den Vorkriegsstand f a s t
e r r e i c h t hat;
• eine I n f l a t i o n vermieden wurde;
• der Handel u n t e r den ERP-Laendern zunimmt.
Fuer die 135 Millionen Arbeiter bedeutet d i e s :
• Beschäftigung
• eine gesicherte Ernaehrung und
• ein Lebensstandard, der seit 1943, dem Beginn des
Marshall Planes, immer besser wurde.
- 1 -

�Ein fuehlbarer Beweis fuer die wirtschaftliche Wiedergesundung der ERP Laender ist in dem Schwinden der kommunistischen
Macht in ganz Westeuropa zu sehen. Positiv ausgedrueckt heisst
das, dass die wachsende Macht der demokratischen Gewerkschaften
ein Gradmesser fuer das Gelingen des Wiederaufbauprogrammes ist,
in Laender, in denen die Kommunisten noch vor zwei Jahren die
Gewerkschaftsbewegung fast voellig beherrschten.
So wie die vergangenen zwei Jahre die Staerke des Wiederaufbau
Programms unter Beweis gestellt haben, so haben sie auch dessen
Schwaechen und Problem« gezeigt, die in den noch bleibenden zwei
Jahren in Angriff genommen werden muessen.
Mit einer der schwersten Fehler ist die ungleiche Methode,
nach der Min bei der Verteilung der Geldmittel aus dem Wiederaufbauprogramm vorgegangen ist. Dies ist besonders in Frankreich,
Italien, Deutschland und Griechenland der Fall. Der franzoesische
Arbeiter zun Beispiel hat nicht nur unter einem niedrigeren
Lebensstandard als vor dem Kriege zu leiden, man verlangt von ihm
sogar, dass er sich geduldet, waehrend andere Gruppen innerhalb
der Wirtschaft in Wohlstand leben. Er weiss sehr wohl, dass die
Durchfuehrung des staatlichen Programms zur wirtschaftlichen
Stabilisierung nicht nur Preiskontrolle geht. Was in Frankreich
der Fall ist, trifft auch in geringerem Masse fuer andere ERP
Laender zu, die keine Arbeiter- oder Arbeiter-Koalitionsregierungen
haben. Selbst da,,wo fuer alle Teile der Wirtschaft Erfolge erzielt werden konnten, hat die ungleiche Beteiligung der verschiedenen Gruppen an den Gewinnen, wobei den Arbeitern in vielen Faellen
der geringste Prozentsatz zufiel, Anlass zur Unzufriedenheit in
Arbeiterkreisen gegeben.
Der ungleichen Verteilung der Wiederaufbaukosten kann durch
eine gerechtere Besteuerung abgeholfen werden; damit wuerden die
Arbeiter von einer uebermaessigen Belastung durch Steuern befreit;
ein intensiviertes Bauprogramm soll den grossen Wohnraummangel in
Laendern wie Italien, Frankreich, Deutschland und Griechenland
beheben; hoehere Realloehne sollen einen höheren Lebensstandard
fuer die Arbeiter und die Errichtung eines inlaendischen Absatzmarktes ermoeglichen. Die europaeische Industrie und gewisse
Regierungen muessen sich Jetzt darueber klar werden, dass die
Staerke und Stabilitaet der Wirtschaft von einer hohen Kaufkraft
der Masse des Volkes abhaengig ist.
Das Problem der gegenwaertig angestrebten, wirtschaftlichen
Zusammenschliessung ist fuer die amerikanischen Gewerkschaftler
ebenso von grossem Interesse. Wir billigen das Prinzip des freien
Handels innerhalb Europas zur Schaffung eines Massenabsatzmarktes.
Wir moechten aber auch die Beamten der ECA und die europaeischen
Regierungen darauf hinweisen, dass es entsprechender Massnahmen
bedarf, um der durch die internationale Konkurrenz entstehenden
wirtschaftlichen Not von Arbeitern zu begegnen, die fuer eine
gewisse Zeit ihren Arbeitsplatz verlieren koennten.
Wir sind uns bewusst, dass unsere Regierung Verantwortlichkeiten zu uebernehmen hat, indem sie einen umfangreicheren Handel
zwischen Europa und den Vereinigten Staaten ermoeglicht. Wir wissen,
wie wichtig es ist, unsere Importe zu steigern, damit Europa Gelegenheit hat, die von uns gekauften Waren zu bezahlen. Als amerikanische Arbeiter sind wir an diesem Programm hoechst interessiert
und beieLt, zu seinem Gelingen beizutragen, wenn im voraus Massnahmen
zur Vermietung von Krisen fuer solche Leute getroffen werden, fuer
die sich das Programm unguenstig auswirken kann. Dies sind Probleme,
denen wir uns in den kommenden Monaten mit gesteigerter Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Sie aendern jedoch nicht das Geringste
an unserer Unterstuetzung des Marshall Planes und seines Endzieles,
der Hebung des Lebensstandards der europaeischen Voelker. Wir fordern deshalb vom Kongress, dass er der Marshall Plan Verwaltung
- Z -

�die Unterstuetzung und die finanziellen Mittel nicht versagt,
die notwendig sind, um dieses Programm bis zu seinem festgesetzten
Ablauf im Jahre 1952 weiterfuehren zu koennen. Jeglicher Versuch,
die Mittel zu kuerzen, die die Marshall Plan Verwaltung fuer erforderlich haelt, um das Programm im kommenden Jahre weiterfuehren
zu koennen, waere nach unserer Meinung falsche Wirtschaftspolitik.
Wir erinnern den Kongress daran, dass die unvermeidlichen Folgen
einer Aufhebung oder starken Reduzierung der Europahilfe zu diesem Zeitpunkt folgende waeren:
• • ein-starker Rueckgang der Produktion und Beschaeftigtenziffern wegen Mangel an Rohstoffen, Maschinen, etc.
. als Ergebnis der Arbeitslosigkeit und der schlechteren
Ernaehrung ein Absinken der Lebensstandarde
• ein Abnehmen des internationalen Handels auf Grund
strenger Kontrollen durch dde Regierungen, die ihre
beschraenkten Reserven an Devisen schuetzen moechten
• ein Wiederaufleben des Kommunismus als unvermeidliche
Folge des wirtschaftlichen Rueckgangs in Europa.
Die Notwendigkeit einer Verstaerkung der amerikanischen,
militaerischen Verteidigung eines geschwaechten Europas wuerde
letzten Endes weit kostspieliger sein als die Finanzierung eines
Aufbauprogramms, das Europa auf seine eigenen Fuesse stellen soll.
Aus diesen Gruenden fordert der Amerikanische Gewerkschaftsbuno AFL den Kongress auf, den Marshall Plan auch weiterhin zu
unterstuetzen und die zum Wiederaufbau Europas notwendigen Geldmittel zu bewilligen.'1
«.

ECA Labor. Information
13. Maerz 1950

SCHIEDSRICHTERLICHE SCHLICHTUNG. EIN WESENTLICHER BESTANDTEIL
DER KOLLEKTIWERTRAEGE
Das S t a t i s t i s c h e Buero des U. S. Arbeitsministerium b e r i c h t e t ,
dass e i n e r kuerzlich durchgefuehrten Erhebung zufolge i n mehr a l s
acht von j e zehn g u e l t i g e n Tarifvertraegen i n den Vereinigten
S t a a t e n zur Beilegung von A r b e i t s s t r e i t i g k e i t e n eine s c h i e d s r i c h t e r l i c h e Entscheidung vorgesehen i s t . Bast 1.500 Vertraege, die
ueber d r e i Millionen Arbeiter umfassen, wurden der Erhebung zugrundegelegt. Neun von j e zehn der geprueften Vertraege - aus
den Industriezweigen Kleidung, T e x t i l i e n , Leder, Transport (ausser
Automobil), Gummi, Papier, Druck und Veroeffentlichungen, Nahrungsm i t t e l und oeffentliche Dienste - verlangen eine s c h i e d s r i c h t e r l i c h e Entscheidung bei S t r e i t i g k e i t e n , die mit dem Vertrag i n
Zusammenhang stehen.
Im allgemeinen besteht die Aufgabe des S c h i e d s r i c h t e r s d a r i n ,
S t r e i t f r a g e n ueber die Auslegung und Anwendung der bestehenden
Vertragsbestimmungen zu klaeren. In 80f0 der der Erhebung zugrundegelegten Vertraege komut dies zum Ausdruckt Nach einem von je 10
Vertraegen i s t der S c h i e d s r i c h t e r ermaechtigt, F a e l l e zu b e a r b e i t e n , wie z . B . allgemeine Lohnveraenderungen - d i e nicht d i r e k t i n dem
Vertrag vorgesehen s i n d . Einige Vertraege (2#) g e s t a t t e n den
S c h i e d s r i c h t e r n , - wenn Verhandlungen zwischen beiden P a r t e i e n zu
keinem Ergebnis gefuehrt haben,- d i e Bedingungen fuer neue oder
r e v i d i e r t e Vertraege auszuarbeiten.

3

�Die gelaeufigste Form des Schiedsspruchverfahrens ist der
Sonder- oder "ad hoc"- (nur fuer den betreffenden Fall) Ausschuss,
der sich gewoehnlich aus drei oder mehr Mitgliedern zusammensetzt.
In wenig mehr als der Haelfte (52*o) der ueberprueften Vertraege
mit Schiedsrichterbestimmungen wird festgelegt, dass derartige
Ausschuesse dann einzusetzen sind, wenn eine Streitfrage auftaucht,
die nach dem ueblichen Beschwerdeverfahren zwischen Gewerkschaft
und Unternehmer nicht beigelegt werden kann. In nur 4# der Vertraege sieht man sogenannte "dauernde Ausschuesse" vor, die berechtigt sind, auf mehr oder weniger dauernder oder regelmaessiger
Basis einen Schiedsspruch bei Streitigkeiten zu faellen, die sich
im Laufe der Vertragsdauer ergeben. 27# der Vertraege bestimmen
die Einsetzung eines einzelnen "ad hoc" Schiedsrichters, (statt
eines Schiedsrichterausschusses), waehrend in einem von je 10 Vertraegen ein dauernder Schiedsrichter oder unparteiischer Vorsitzender vorgesehen ist»
Zwei Drittel der Vertraege enthalten irgendwelche Bestimmungen, nach denen eine unparteiische Behoerde zu Rate gezogen
werden muss, deren Auswahl Sache des Schiedsrichters ist, wenn
sich die Parteien nicht selbst ueber die Wahl einig werden koennen.
Meistens kommt hierfuer das Bundesstaatliche Schlichtungs- und
Vermittlungsamt (Federal Mediation and Conciliation Service) in
Frage, das in. mehr als 30# der Vertraege genannt wird. Weniger
haeufig spricht man von staatlichen oder lokalen Regierungsdienststellen oder von privaten Organisationen. Die unter diesen
haeufigst Erwaehnte ist die Amerikanische Vereinigung der Schiedsrichter (American Arbitration Association).
Gemaess der Erhebung des Statistischen Bueros herrscht die
Gewohnheit vor, Unternehmer und Gewerkschaft gleichermassen mit
den Schiedsrichterkosten zu belasten. In fast Dreiviertel der
Satzungen ueber Schiedsrichter verfaehrt man nach dieser Methode.
Einige Vertraege, - weniger als lf0 - bestimmen, dass die verlierende Partei die gesamten Schiedsrichterkosten allein zu tragen
hat. Nach den meisten der letztgenannten Vertraege ist es erforderlich, dass in der schiedsrichterlichen Entscheidung die
verlierende Partei genannt wird.
Wenig mehr als 1.000 der 1.483 analysierten Vertraege sind
von Herstellerfirmen abgeschlossen. Alle Vertraege der Erhebung
waren teilweise oder ganz waehrend des Jahres 1949 in Gueltigkeit.
Der vollstaendige Bericht ueber die von dem Arbeitsstatistischen Buero durchgefuehrte Untersuchung der Satzungen fuer
Schiedssprechung in Vertraegen zwischen Gewerkschaft und Unternehmer wird gegen Ende des Monats in der Februarausgabe des
"Monthly Labor Review", der offiziellen Veroeffentlichung des
Bueros fuer Arbeitsstaistik, erscheinen.
Information des Statistischen
Bueros im U.S. Arbeitsministerium
Februar 1950
GEWERKSCHAFTEN HOLLANDS FUER STEIGERUNG DER PRODUKTION
Der Hollaendische Gewerkschaftsbund hat einen Aufruf erlassen,
in dem "alle Schichten des hollaendischen Volkes aufgefordert
werden, sich mit allen zur Verfuegung stehenden Mitteln fuer
eine Steigerung der Produktion einzusetzen." Darin wird die
Bevoelkerung Hollands warnend darauf aufmerksam gemacht, dass
"die Vollbeschaeftigung nicht gesichert und infolgedessen der
gegenwaertige Verbrauchsstand nicht beibehalten werden kann,
- 4 -

�wenn die Produktion nicht in erheblichem Masse gesteigert wird."
In der Verlautbarung des Hollaendischen Gewerkschaftsbundes,
des groessten der drei bedeutenden Gewerkschaftsverbaende Hollands,
heisst es weiter: "Der Lebensstandard muss mit der Steigerung der
Produktion Schritt halten, damit die Produktionsleistung der Arbeiter gesichert ist, die von wesentlicher Bedeutung ist und
ihrerseits den Industrien Hollands ermoeglichen muss, auf dem
Weltmarkt zu konkurrieren." Eine Finanzpolitik der Regierung wurde
gefordert, die geeignet ist, die Arbeiterschaft an den aus der
Produktion entstehenden Gewinnen zu beteiligen.
In seinem Aufruf zu hoeherer Produktion.fuehrte der Hollaendische Gewerkschaftsbund aus:
"Trotz beachtlicher Fortschritte im wirtschaftlichen Wiederaufbau in den Jahren 1945 bis 1949 liegen Verbrauchs- und Investierung svolumen noch immer ueber dem der Produktion... Holland,
dessen Reserven erschoepft sind, kann sich diesen Defizit nur auf
Grund des Europaeischen Wiederaufbauprogramms erlauben; dieses
Programm wird jedoch im Jahre 1952 beendet werden... Es gilt jetzt,
einerseits den Verbrauch und die Investierungen einzuschraenken
und andererseits die Produktion so zu erhoehen, dass bis zum Jahre
1952 das Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz hergestellt werden
kann...."
"Das heisst," erklaerte der Praesident des Hollaendischen
Gewerkschaftsbundes, H. Oosterhuis, "wenn wir zehn Laib Brot verbrauchen, muessen wir auch zehn bezahlen koennen und nicht nur
acht, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war."
Der Hollaendische Gewerkschaftsbund verpflichtete sich, mit
den Arbeitgebern Besprechungen zu fuehren, um herauszufinden, wie
er zu einer Steigerung der Produktion beitragen kann. Er erbot
sich zum Beispiel, ueber eine zeitweilige Erweiterung des Systems*
der Schichtarbeit zu verhandeln; eine groessere Differenzierung
der Loehne fuer Arbeiten hoeherer und niedriegerer Klassen zu besprechen; die Frage der Verbesserung der Ausruestungen und der
Leistungsfaehigkeit von Betrieben zu eroertern; und schliesslich
eine Verbesserung der Organisation innerhalb der einzelnen Abteilungen zu diskutieren."
ECA Labor Information
17. Jiaerz 1950
VOLLBESCHAEFTIGUNG
In seiner Abhandlung ueber einen kuerzlich erschienen Bericht
der Vereinten Nationen ueber nationale und internationale Massnahmen zur Vollbeschaeftigung warnte der amerikanische Delegierte
Isador Lubin die Vertreter der Kommission fuer Wirtschaft und
Vollbeschaeftigung bei den Vereinten Nationen vor der Auffassung,
dass die Vollbeschaeftigung allein wirtschaftliche Stabilitaet
und wirtschaftliches Gedeihen sichern koenne. Es muesse vielmehr
auf dem Gebiet der internationalen Wirtschaften ein Maximum an
Produktion und Kaufkraft angestrebt werden.
Mr. Lubin bezeichnete das U # 3, Gesetz zur Vollbeschaeftigung von 1946 als einen Beweis dafuer, dass viele grundlegende,
wirtschaftliche Fragen bei der Formulierung dieses Gesetzes der
Vereinigten Staaten beruecksichtigt worden seien.
- 5 -

�"Dieses Gesetz," sagte er, "stellt ein nationales Bekenntnis
zu unserer Politik der Aufrechterhaltung nicht nur der Vollbeschaeftigung,, sondern auch eines Maximums an Produktion und Kaufkraft dar. Nach den Bestimmungen dieses Gesetzes ist die Wirtschaft
der Vereinigten Staaten unter staendiger Beaufsichtigung gehalten
worden. Ferner wurden der Wirtschaft Ziele gesetzt in Bezug auf
Produktion, Beschaeftigung und Kaufkraft. Dem Kongress wurden
Vorschlaege fuer gesetzliche Massnahmen unterbreitet, die erforderlich waren, "um diese Ziele erreichen zu koennen."
"Die seit dem Kriege in den Vereinigten Staaten erzielten
Rekordziffern fuer Beschaeftigung, Produktion und Kaufkraft sind
von vielen Faktoren abhaengig. Meiner Meinung nach hat auch das
Gesetz zur Vollbeschaeftigung von 1946 zu diesem Ergebnis beigetragen."
Das grosse Interesse des amerikanischen Volkes, an der Frage
der Vollbeschaeftigung erklaerte Mr. Lubin damit, dass dieselbe
"nicht nur fuer die Wohlfahrt des amerikanischen Volkes sondern
auch fuer den Weltfrieden von grosser Bedeutung sei."
Der von Sachverstaendigen der Mitgliedsstaaten der Vereinten
Nationen verfasste Bericht war in zwei Abschnitte unterteilt. Der
eine handelt von Massnahmen, die Jedem einzelnen Land empfohlen
werden, waehrend in dem anderen Vorschlaege zu internationalen
Fragen dargestellt werden.
Mit Bezug auf den erstgenannten Abschnitt des Berichtes sagte
Mr. Lubin: "In dem Bericht wird die Instabilitaet der privaten
Investierung als wesentlichster Faktor in den periodischen (Beschaeftigungs-) Fluktuationen bezeichnet. Ohne die Bedeutung der
privaten Investierung als Faktor in solchen Fluktuationen schmaelern
zu wollen, bin ich der Ansicht, dass noch bedeutsamer die Tatsache
ist, dass man es zu oft versaeumt hat, die Kaufkraft so zu steigern, wie es durch die Vergroesserung der Fabriken und Einrichtungen
erzielte Produktionssteigerung erfordert haette»
Der Delegierte der Vereinigten Staaten forderte alle Mitgliedstaaten auf, "weitere Schritte zu unternehmen... wenn es unsgelingen
soll, die Vollbeschaeftigung zu erreichen, wozu uns die Charta
der Vereinten Nationen verpflichtet." Er billigte die in dem
Bericht getroffene Feststellung, dass "die geforderten Massnahmen
zur Foerderung der Vollbeschaeftigung in Laendern mit freier Wirtschaft mit den Verhaeltnissen dieser Laender durchaus vereinbar
sind." Zum dauernden Gelingen der freien Wirtschaft gehoert nicht
nur die Vollbeschaeftigung," sagte er, "sondern sie ist sogar von
ausschlaggebender Bedeutung."
ESA Labor Information
13. Februar 1950
S O S - HILFERUF AUS OSTDEUTSCHLAND - SACHSEN
Am 6.12.49. morgens 5.30 Uhr hoerte ich vom Sender RIAS das
Gespraech mit dem amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer (Walter
Reuther). Trotzdem die Sendung 3ehr gestoert wurde, habe ich
viel Aufschlussreiches gehoert und verstanden. Richte an Euch
die Bitte, befreit uns bald von den russischen Sklavenhaltern
und ihren Aufpassern (SED-Funktionaeren).

- 6 -

�Durch eine f r e i e demokratische Wahl, die wir h i e r i n der
Ostzone nicht a l l e i n durchfuehren koennen, h e l f t unsj Ich glaube,
dass ich d i e Z e i l e n im Sinne von 60g der Ostzonen-Bevoelkerung
schreibe.
Meinen Namen kann ich auch n i c h t nennen, da i c h in Ungnade
g e f a l l e n b i n . Meine Arbelt habe i c h auch schon v e r l o r e n . Wenn
wir f r e i s i n d , kann i c h Rede und Antwort stehen. Ich moechte so
gerne d i e Ostzone v e r l a s s e n , bin aber v e r h e i r a t e t und habe Kinder
und auch kein Geld.
Viele moechten nach dem Westen a b .
b e i Euch h a l t e n v i e l e im Osten.
F r e i h e i t

Die grosse Wohnungsnot
11

Am 15.12.49. die Sendung Menschenrecht und Freiheit. In der
Ostzone gibt es fuer keine ein Recht und Freiheit. Von oben bis
unten (ueberhaupt nicht) wird der Mensch gefuehrt (Kommandiert)
von der Besatzungsmacht*
Viele Arbeiter wuerden gerne mit denen im Westen tauschen
(sagt das Euren Arbeitern, die sich nach dem Arbeiter-Paradies
sehnen).
Jawohl, es gibt alles im Radio und auf dem Papier bei uns
im Osten, das ist die Wahrheit. Das schreibt ein ehemaliger SED»
Mann. Die Arbeiter im Westen wissen es ja garnicht, wie gut sie
es haben.
ENGLISCHE WEBER STUDIEREN AMERIKANISCHE PRODUKT IONSMETHODEN
Ein Hauptfaktor in der staendigen Steigerung der Produktionsleistung der amerikanischen Industrie ist die Bereitwilligkeit
der Arbeiter, mit der sie sich mit Veraenderungen der Arbeitsbedingungen einverstanden erklaeren, die eine hoehere Produktion
zur Folge haben. Dies ist einer der Schlussfolgerungen, die
sechzehn Vertreter der englischen Kunstseidenindustrie aus ihrer
6-woechigen Studie der Industrie der Vereinigten Staaten gezogen
haben. Ihre Reise wurde gemeinsam von dem Anglo-Amerlkanlschen
Produkt ivitaetsrat, der englischen Regierung und der Verwaltung
fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit organisiert.
Die englische Gruppe stellte fest, dass die allgemeine Beteiligung der amerikanischen Arbeiter an den aus hoeherer Produktion
entstehenden Gewinnen in Form von Lohnerhoehungen und Bonuszuteilungen einen Ansporn fuer sie darstelle, mehr zu produzieren.
Ausser den zahlreichen arbeitssparenden Methoden, die den amerikanischen Arbeitern helfen, pro Stunde mehr als ihre Kollegen
in England zu produzieren, wird nach Ansicht der Besucher die Produktion dadurch erhoeht, dass man Facharbeitern ermoeglicht, sich
auf diejenigen Arbeiten zu konzentrieren, die einen Hoechstgrad
an Fertigkeit erfordern. Wie es auch in anderen Laendern der Fall
ist, besteht die Hauptverantwortung der amerikanischen Weber darin,
die Produktion und die Qualitaet der Stoffe auf demselben Stand
zu halten. Da er jedoch nicht gezwungen ist, zahlreiche andere
Nebenarbeiten zu verrichten, wie es bei den englischen Webern
der Fall ist, kann der Amerikaner mehr Webstuehle ueberwachen
und mehr produzieren als der Weber in England.

- 7 -

�Unter den Hilfsmitteln zur Erzielung einer hoeheren Produktionsleistung, die in England bereits in Gebrauch sind, in der
amerikanischen Industrie jedoch besser entwickelt sind, nannten
die englischen Besucher die Verbesserung der Arbeitsmethoden
durch das Studium der Arbeitszeit und des Arbeitsganges.
In dem Bericht der Gruppe heisst es weiter, dass die Methode
des Zergliederns der Arbeitsgaenge in die einzelnen Elemente zur
Vermeidung unnoetiger Arbeiten und Verbesserung der uebrigen in
einigen der groesseren Webereien soweit entwickelt sei, dass man
die einzelnen Arbeitsvorgaenge photographiere. Verbesserungen,
die man auf Grund dieser Filme beschlossen habe, wuerden dadurch
ausgewertet, dass man die Arbeiter in der neuen Methode unterweist.
Die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen waren nach Ansicht
der britischen Gruppe sowohl in Betrieben mit gewerkschaftlich
organisierter Belegschaft als auch in nichtorganisierten im allgemeinen gut. Dem Bericht zufolge sind in einigen Webereien Glaszellen eingerichtet worden, um dem Arbeiter das Rauchen zu ermoeglichen, ohne dass er seinen Arbeitsplatz verlassen muss. In
groesseren Unternehmen sei es ausserdem den Arbeitern moeglich,
viele der von ihrer Firma hergestellten Produkte zu Grosshandelspreisen zu kaufen.
Besonders hervorgehoben wurden in dem Bericht die Auswirkungen des riesigen amerikanischen, inlaendischen Absatzmarktes
auf die amerikanische Kunstseidenindustrie. Daraus ergibt sich
fuer die Webereien die Moeglichkeit, sich auf weniger Sorten von
Garnen und Stoffen zu spezialisieren, laengere produktivere Arbeitsgaenge anzuwenden und durch diese grossangelegte Produktion die
Gestehungskosten zu.reduzieren. Aus all diesen Gruenden ist
Amerika in den Augen der britischen Fachleute Europa so weit in
der Produktionsleistung voraus.
ECA Labor Information
16. Maerz 1950
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN UNTERSTUETZEN DAS NEUE ISRAEL
Praesident William Green vom Amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL und der Praesident des CIO, Philip Murray, veroeffentlichten nach einer Besprechung mit Praesident Harry S. Truman
folgende gemeinsame Erklaerung:
Im Namen der ueberwaeltigenden Mehrheit der organisierten
Arbeiterschaft in Amerika haben wir heute dem Praesidenten erklaert,
dass wir geschlossen hinter dem neuen demokratischen Staat von
Israel stehen, und dass wir besorgt sind, diesen Staat und die
Menschen des Mittleren Ostens durch das unnoetige Wettruesten der
Regierungen Aegyptens und anderer arabischer Laender des Mittleren
Ostens bedroht zu sehen.
Auf Grund massgeblicher Zeitungsberichte und anderer zuverlaessiger Informationsquellen sind wir zu der Ueberzeugung gelangt,
dass das Ziel dieser militaristischen Tendenzen ein zweiter Krieg
gegen den israelitischen Staat ist.
Wir sind der Ansicht, dass diese Erklaerung eine Bedrohung
darstellt nicht nur der neuen, demokratischen Republik Israel,
sondern auch der Hoffnungen des amerikanischen Volkes auf Stabilitaet und friedlichen Fortschritt ueberall da, wo dies in der
Welt moeglich ist.

�Die Gewerkschaften Amerikas,- sowohl AFL als auch CIO-, treten
seit langem fuer eine Wiedererrichtung der juedischen Souverraenitaet in Palaestina ein. Es war uns eine grosse Genugtuung, als
unsere Regierung sich prompt entschloss, den neuen Staat Israel
anzuerkennen und zu unterstuetzen, der als Ergebnis jahrhundertealten, juedischen Strebens und juedischer Hoffnungen zu werten
ist. Mit lebhaftem Interesse und Beifall haben wir die Bemuehungen
der demokratischen Regierung Israels verfolgt, ihren Buergern
Frieden und Fortschritt zu bringen. Wir sind soweit, dass wir
die israelitische Republik als ein Bollwerk unserer Hoffnungen
zum Schutze der demokratischen Entwicklung im Mittleren Osten
betrachten. Enge und freundschaftliche Beziehungen verbinden
uns mit Histadrut, dem hervorragenden Gewerkschaftsbund Israels,
der fuer die Wohlfahrt seiner Mitglieder und den neuen Staat als
Ganzes Grosses leistet.
Wir hatten gehofft, dass es Israel nach Beendigung seines
gerechten Kampfes um nationale Unabhaengigkeit moeglich wuerde,
seine menschlichen und natuerlichen Kraefte in Frieden und Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn zu entwickeln.
Die wachsende Gefahr einer neuen militaerischen Einmischung
seitens reaktionaerer, illegaler Nachbarregierungen - wovon in der
Presse in allen Einzelheiten berichtet wurde - wirken mehr und
mehr alarmierend.
Diese neue militaerische Bedrohung richtet sich gegen einen
Staat, der wirksamer als irgendein anderer des Mittleren Ostens
daran arbeitet, seinem Volke einen hoeheren Lebensstandard, ein
besseres Erziehungswesen und bessere Wohn- und Gesundheitsbedingungen zu ermoeglichen. In den ersten 18 Monaten seines JBestehens
hat dieser Staat ungeheure Fortschritte erzielen koennen, und weitere Erfolge sindtzu erwarten, wenn der Friede in diesem Gebiet
erhalten bleibt.
Die wirksame Foerderung des Lebens- und Kulturstandards in
Israel wird Verbesserungen im Leben von Millionen anderer Menschen
des Mittleren Ostens zur unvermeidlichen Folge haben, die zum
groessten Teil in Unwissenheit, Armut und Krankheit dahinvegetieren.
Wenn Praesident Trumans Punkt-Vier-Prograrnm, das wir unbedingt
befuerworten, bewilligt wird und zur Ausfuehrung kommt, dann waere
Israel in der Tat dazu berufen, in der Entwicklung der Energiequellen des Mittleren Ostens eine fuehrende Stellung einzunehmen.
Zeitungsberichten und anderen glaubwuerdigen Quellen zufolge
unterstuetzt die Regierung Grossbritanniens Aegypten, Trans Jordanien,
den Irak und andere arabische Laender, die Israel feindlich gesinnt
sind, mit umfangreichen Waffenlieferungen. Wir ersuchten den
Praesidenten, entsprechende Vertretungen im Namen unserer Regierung
bei der englischen Regierung vorstellig werden zu lassen, um die
Belieferung dieser arabischen Laender mit Kriegsmaterial zu Aggressionszwecken zu unterbinden, das offensichtlich dazu bestimmt ist,
gegen Israel eingesetzt zu werden.
Da die Waffenlieferungen nach den arabischen Laendern noch
fortgesetzt werden, baten wir den Praesidenten, den Verkauf von
Waffen an die Regierung Israels zu genehmigen, um der taeglich
wachsenden Bedrohung der Sicherheit dieses Landes zu begegnen«
Wir sehen keinen Grund, dass Israel nicht die Moeglichkeit haben
soll, sich Mittel zu seiner Verteidigung zu beschaffen, waehrend
sich das Waffendepot seiner Nachbarn staendig zu Aggressionszwecken
vergroessert.

- 9

�Auch gaben wir dem Praesidenten gegenueber unserer Hoffnung
Ausdruck, dass Amerika mithelfen moege, einen gerechten und
dauernden Frieden zwischen der Regierung Israels auf der einen
Seite und Aegypten, Transjordanien und den anderen arabischen
Laendern auf der anderen Seite zustandezubringen. Wir vertrauen
fest darauf, dass die Regierung der Vereinigten Staaten ihre vernuenftlge und einsichtsvolle Haltung in Bezug auf die Lage Jerusalems beibehalten wird, damit der unausfuehrbare Beschluss der
Vereinten Nationen hinsichtlich dieser Stadt abgeaendert wird.
Ebenso stellten wir die Forderung nach zusaetzlicher, finanzieller Unterstuetzung fuer Israel. Dieser kleine und neue Staat
hat waehrend der 13 Monate seines Bestehens 365.000 juedische
Emigranten aufgenommen, Sie kamen aus den Verschlepptenlagern
Deutschlands, den Ghettos der arabischen Laender, oder waren vor
der immer groesser werdenden Diskriminierung in den Satellitenstaaten der Sowjets gefluechtet. Die Anleihe der Export-Import
Bank ueber 100 Millionen Dollar, fuer die sich der Praesident
In grosszuegiger Welse eingesetzt hatte, ist nun aufgebraucht. Die
von der juedischen Bevoelkerung Amerikas geleistete Hilfe kann den
dringenden, grossen Bedarf nicht decken.
Wir hoffen, dass unsere Regierung erneut eine neue Anleihe
bei der Export-Import und der Weltbank beantragen wird, um dem
Staate Israel zu ermoeglichen, mit seinen zahlreichen Problemen
fertig zu werden.
Amerikanischer Einfluss und amerikanische Hilfe koennen mitwirken, den Frieden und die Demokratie im Mittleren Osten zu bewahren und Stabilitaet, Fortschritt und Aufklaerung in Jenen Teil
der Welt zu bringen. Als Gewerkschaftler, die an den Frieden und
den Sieg der Demokratie glauben, hoffen wir, dass sich unsere
Regierung weiteren Angriffen gegen den israelitischen Staat und
das mutige, verstaendlge israelistische Volk widersetzen wird, das
ebenso wie wir nach einer geordneten Wirtschaft und restlosen
Ausnutzung der natuerlichen Hilfsquellen zum Wohle der Menschheit
strebt.
Information Service
10. Februar 1950

CIO RESOLUTION ZU INTERNATIONALEN PROBLEMEN
Die ku erzlich abgehaltene Vorstands Sitzung des CIO
in den Vereinigten Staaten fasste folgende EntSchliessung:
"Zu einer Zeit, in der die Ziele der demokratischen Nationen,
Wiederaufbau, Demokratie und dauerhafter Friede, von ihrer Verwirklichung noch weit entfernt sind, gibt der CIO erneut seiner
tiefen Ueberzeugung Ausdruck, dass sich unsere Nation mit allen
ihr zur Verfuegung stehenden Mitteln fuer Abruestung und Frieden
einsetzen muss. Der Entschluss, die Wasserstoffbombe und andere
Massenvernichtungswaffen weiter zu entwickeln, bestaerkt uns in
unserem Willen, mit noch mehr Interesse die hoechst kritische,
internationale Lage im Auge zu behalten.
Wir verlangen von unserer Regierung, dass sie auf dem Wege
ueber die Vereinten Nationen und ihre angeschlossenen Kommissionen
und Dienststellen in ihren Bemuehungen um die WeltSicherheit nicht
nachlaesst. Die Vereinten Nationen unterstuetzt und in ihrer Arbeit

- 10 -

�zu Enttaeuschangen Anlass gegeben haben. Diese Organisation hat
die Moeglichkeit, eine geordnete Welt aufzubauen, in der nicht
uebertrieben nationalistische Tendenzen ein Chaos heraufbeschwoeren
koennen. Man sollte keine' Gelegenheit voruebergehen lassen, die
Koerperschaften der Vereinten Nationen in den Dienst des Friedens
und der Prosperitaet der Welt zu stellen.
Unsere Hoffnungen und Wuensche koennen nicht erfuellt werden,
wenn wir die Augen vor 4er Wirklichkeit verschliessen. Wir muessen
einsehen, dass jeglicher Vorschlag zur wahren internationalen Ruestungskontrolle, zur Welt Sicherheit und der Entwicklung einer internationalen Kontrollbehoerde von der Sowjetunion und ihren Satelliten unterdrueckt und abgelehnt wurde.
Waehrend die sowjetischen Agenten von sogenannten "FriedenskonferenzenM sprechen, versucht die Sowjetunion, die Brandherde in
Buropa, Asien und den Mittleren Osten noch zu vergroessern. Dieses
Land mit seinen Satelliten verspricht auf der einen Seite in heuchlerischer Weise den Arbeitern den langersehnten Frieden und betreibt
zugleich - oder drohte damit - eine Aggressionspolitik gegen
Griechenland, Jugoslawien, Korea und Indochina.
Wir begruessen jeden Vorschlag, wie der Friede durch ein Abkommen erhalten werden kann. Wir duerfen jedoch auch in Zukunft
Vereinbarungen nicht ueberschaetzen, die mit solchen Staaten getroffen wurden, die sich ruehmen, dass ihre Unterschriften nicht
von dauernder Gueltigkeit seien. Die Vereinigten Staaten muessen
auch weiterhin an ihrer Politik festhalten, die darin besteht,
sich selbst und ihre gleichgesinnten Nachbarn in der ganzen Welt
zu staerken.
Aus diesen Gruenden unterstuetzte der CIO den Atlantik Pakt
und das Militaerische Hilfsprogramm, die zwischen unserer Regierung
und den demokratischen Nationen Europas abgeschlossen wurden. Wir
stehen absolut bejahend dem Programm unserer Regierung gegenueber,
das die Belieferung der demokratischen Nationen mit den Waffen
vorsieht, die notwendig sind, um sich selbst gegen die Gefahr
einer totalitaeren Aggression verteidigen zu koennen.
Der CI Ü fordert die Regierung der Vereinigten Staaten auf,
in Zukunft in noch verstaerktem Masse die fortschrittlichen Bewegungen in der ganzen Welt in ihrem Kampf gegen den ueberholten
Imperialismus zu unterstuetzen. In Asien, Afrika und dem Mittleren
Osten lehnen sich die Voelker gegen fremde Bevormundung auf. Wir
Wir erkennen das Recht aller Voelker auf voellige nationale Freiheit und Selbstregierung an und werden alle Bemuehungen unterstuetzen,
die auf die schnellstmoegliche Verwirklichung dieses Rechtes gerichtet sind.
Es liegt in der Macht der Vereinigten Staaten, dafuer zu sorgen,
dass die Befreiung der Kolonialvoelker vom alten Imperialismus nicht
zu ihrer Unterwerfung unter den sowjetischen Imperialismus fuehrt,
den man ihnen als eine Form der Befreiung vorsetzt. Die Voelker,
die um ihre nationale Unabhaengigkeit kaempfen und das Recht, ihre
eigenen Wirtschaften nach ihrem Gutduenken zu entwickeln, sollten
aus unserer Handlungsweise ersehen, dass sie in den Vereinigten
Staaten einen Freund haben.
Der CIO stimmt mit ganzem Herzen den folgenden Forderungen zu,
die der neugegruendete Internationale Bund Freier Gewerkschaften in
seinem Manifest gestellt hat.

-11 -

�"Die industriell fortschrittlichen Nationen haben die Pflicht,
jenen grossen Gebieten der Welt und ihren Millionen von Bewohnern vorwaertszuhelfen, die an der industriellen Revolution keinen materiellen
Anteil hatten. Noch viele dieser Nationen geniessen weder politische
Freiheit noch nationale Unabhängigkeit. Einige schmachten unter
altmodischer, militaerischer Diktatur, andere unter modernem Totalitär! smus. Viele sind Kolonien der fortgeschrittenen Laender, denen
zwar mehr oder weniger das Recht der Selbstbestimmung zusteht, deren
natuerlicher Wunsch nach Unabhängigkeit jedoch noch nicht erfuellt
ist. Den Millionen von Arbeitern in diesen Laendern, die noch nicht
in den Genuss voelliger Freiheit gekommen sind, versprechen wir hiermit unsere unumschraenkte Hilfe.
"Wir sind der Auffassung, dass der wirtschaftliche Fortschritt
in diesen Gebieten oberstes Gebot ist. Wir befuerworten kuerzlich
gemachte Vorschlaege zur technischen Unterstuetzung unentwickelter
Laender und alle anderen Massnahmen, die demselben Zwecke dienen*
Wir bestehen darauf, dass diese Laender im Geiste gegenseitiger Zusammen
arbeit und nicht im Geiste des Imperialismus entwickelt werden. So
duerfen zum Beispiel diesen Laendern in der Verwendung der von ihnen
erzeugten Waren keine Beschraenkungen auferlegt werden. Die Kapitalinvestierung in diesen Gebieten ist von wesentlicher Bedeutung, sie muss
jedoch mit den Interessen des Volkes und im besonderen den Rechten der
Arbeiter in den durch diese Investierungen entstehenden Unternehmen
vereinbar sein. Die Bemuehungen der Voelker, ihre eigenen politischen
und wirtschaftlichen Probleme selbst zu loesen, sollen durch dieses
Kapital nicht ersetzt, sondern ergaenzt werden.
Praesident Trumans Punkt-Vier-Programm, das vorsieht, unsere
wissenschaftlichen und industriellen Fortschritte den unentwickelten
Gebieten zu ihrer Verbesserung und ihrem Gedeihen zur Verfuegung zu
stellen, stellt einen Anfang dar. Wenn wir jedoch erfolgreich sein
wollen, darf diese Hilfe nicht stueckwelse gegeben werden. Unser
Programm muss, wie das Europaeische Hilfsprogramm, wohl durchdacht
und mit Umsicht geplant sein. Seine Durchfuehrung wird ungeheure
Kapitalanlagen erfordern. Die Armut dieser rueckstaendigen Gebiete
stellt eine Gefahr und eine Bedrohung fuer sie selbst sowohl als auch
fuer uns dar. Wir sind ueberzeugt, dass Friede und Prosperltaet nicht
voneinander zu trennende Begriffe sind."
- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

HItüO

ObbO L H

A p r i l SO 17 C

�Internationale

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Di« folgenden Artikel «teilen Aaszüge aus dar amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienstetelle der Regierung der Vereinigten Staaten
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III-5

Frankfurt, 7. April 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Ein schwedisches Urteil ueber die deutschen
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - 1
Amerikanische Gewerkschaftler arbeiten am
Wiederaufbau Europas - - - —
-- - —
.«•&gt;.* 9
Interamerikanische Gewerkschaftstagung - - - - 4
Die O.E.E.C. und die internationalen Fachabteilungen - - - - - - - - - - - - - - - - 5
Grosszuegiges Wohlfahrtsprogramm der AFL Gewerkschaft der Kraftfahrer
- - - - - - - - - - 8
Franzoesische Gewerkschaften draengen auf
Wohnungsbau - - - - - - - - - - - - —
----9
Hollaendische Gewerkschaftsführer sprechen
sich anerkennend ueber den CIO aus - - - - - 10

EIN SCHWEDISCHES URTEIL UEBER DIE DEUTSCHE GEWERKSCHAFTEN
"Die Gewerkschaftsbewegung muss zum Rueckgrat der neuen
deutschen Demokratie werden."
Zu dieser Schlussfolgerung kam Algot Joensson, der Ausbildungsleiter des Schwedischen Gewerkschaftsbundes (Svenska Handelsarbetareforbundet), nachdem er sich in Deutschland drei Wochen
lang mit den Problemen des Wiederaufbaus befasst hatte.
Joensson, der in den dreissljer Jahren auf dem Gebiet der
Erziehung taetig war, und dessen Arbelt den Zweck hatte, nazistische Gewaltideen in Schweden nicht Wurzel fassen zu lassen,
erklaerte warnend, dass drei grundlegende Probleme geloest werden
muessten, wenn ein Wiederaufleben des Nazismus in Deutschland
verhindert werden soll. Diese drei Probleme seien: Arbeitslosigkeit, Wohnraummangel und zu niedrige Realloehne.
Joensson, sagte: "Die Gewerkschaftsbewegung als die staerkste,
konstruktivste und demokratischste Macht in Deutschland muss
nicht nur bei der Loesung dieser Probleme eine entscheidende Rolle
spielen, sondern es ist auch ihre Aufgabe, das demokratische
Denken in Deutschland und besonders unter der deutschen Jugend
zu foerdern."
/

�Drei Faktoren nannte Joensson, die in Deutschland bereits
eine "gute Grundlage fuer eine Entwicklung nach demokratischen
Grundsaetzen" geschaffen haetten: die Waehrungsreform, der,
wie er sagte, das Wiederaufleben der deutschen Wirtschaft und
die befriedigende Ernaehrungslage zu verdanken seien.
Er wies jedoch darauf hin, dass noch "viel zu viel Menschen
keine Wohnung haetten" oder in ueberbevoelkerten Vierteln lebten,
und das in einem Land, in dem genuegend Baumaterial zur
Verfuegung stuende. Waren seien in ausreichendem Masse vorhanden,
die Preise fuer den Arbeiter jedoch unerschwinglich, und die Arbeitslosigkeit nehme bedrohliche Ausmasse an«
Wenn diese Probleme nicht geloest wuerden, warnte Joensson,
dann wuerde,sich keine Demokratie, sondern etwas "ganz Verschiedenartiges und Unerwuenschtes" in Deutschland entwickeln.
Er hob besonders die Notwendigkeit einer Betaetigung der
Gewerkschaften und anderer demokratischer Elemente in Deutschland
auf dem Gebiet der Erziehung und Aufklaerung hervor»
"Demokratie ist nicht nur eine Frage der materiellen Verhältnisse eines Volkes, sondern vielmehr eine Angelegenheit
seines geistigen Lebens. Es hat den Anschein, als ob der Anfang
auf geistigem Gebiet viel schwerer als der auf materiellem sei.
Das schwierigste Problem, sagte Joensson, stelle die Jugend
dar, die in nazistischen Organisationen sozial geschult wurde.
"Diese jungen menschen hoerten waehrend der Nazizeit soviel Unwahrheiten ueber die Gewerkschaftsbewegung und die Demokratie,
dass sie heute den Gewerkschaften skeptisch und unentschlossen
gegenueberstehen.
Hauptsaechlich in der Gewerkschaftsbewegung fand Joensson
"erfahrene und zielbewusste Demokraten, die von dem wirklich guten
Willen beseelt waren, eine sichere Grundlage fuer die Zukunft
zu schaffen." Er stellte deshalb die Forderung, dass die Militaerregierung die Gewerkschaften mehr und mehr unterstuetze.
Gleichzeitig legte er den Gewerkschaftsfuehrern nahe, in verstaerktem Masse unter den Arbeltern und in der Gemeinde erzieherisch
zu wirken. Er verlangte ausserdem mehr Selbstkritik innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung und erklaerte, dass der allgemeinen
Tendenz, die nach seiner Meinung darin besteht, dass man selbst
geringfuegigere ArbeitsStreitigkeiten durch das Gesetz beizulegen
sucht, ein Ende gemacht werden muesse.

"Damit meine ich natuerlich nicht, dass die Gewerkschaften
in ihrem Bereich jegliche Anwendung des Gesetzes ablehnen sollen.
Im Gegenteil: die soziale Gesetzgebung ist als Ergaenzung der
Lohnpolitik der Gewerkschaften zu werten. Wenn Jedoch Probleme in
gegenseitigem Einvernehmen der Parteien des Arbeitsmarktes geloest
werden koennen, dann sollte dies um der Demokratie willen geschehen.
Trotz aller Schwierigkeiten, die zwoelf Jahre Naziherrschaft
heraufbeschworen haetten, sprach Joensson mit Zuversicht von dem
Wiederaufleben der Demokratie in Deutschland. Die Tatsache, dass
die Mitgliederzahl der Gewerkschaften seit der Waehrungsreform
gestiegen ist, sei eines der Anzeichen, die zu Hoffnungen berechtigen.
"Zwar sind nur etwa 35# der Beschaeftigten zur Zeit gewerkschaftlich organisiert, trotzdem hat man Beweise dafuer, dass
die Arbeiter mit zunehmendem Vertrauen in den Gewerkschaften die
Vertreter ihrer Interessen sehen."
ECA Labor Information
24. Maerz 1950
- 2 -

�AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTLER ARBEITEN AM WIEDERAUFBAU EUROPAS
"Das gemeinsame Streben der freien Voelker Europas nach
wirtschaftlicher Stabilltaet, Selbststaendlgkelt und Einheit
muss von den demokratischen Einrichtungen dieser Laender getragen
werden, zu denen In erster Linie die nichtkommunistische Gewerkschaftsbewegung gehoert."
So helsst es In einer Direkt' Ive der Mars hall Plan Verwaltung,
(ECA), In der von Massnahmen gesprochen wird, die die Beteiligung der Gewerkschaften am Europaalschen Wiederaufbau Programm
erwirken sollen«
Mit dem Hinwels auf die 30 Millionen Maenner und Frauen In
den Gewerkschaften der Marshall Plan Laender helsst es In der
Direktive der ECA: "Keine andere Gruppe hat ein groesseres Interesse am Gelingen des Europaeischen Wiederaufbauprogramms, und
keine andere Gruppe hat eine bedeutendere Rolle zu spielen, um
diesem Programm zum Erfolg zu Verhelfen." üeber 50 Personen aus
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bekleiden jetzt wichtige
Stellungen In der Mars hall Plan Verwaltung« Einige arbeiten In
den Hauptquartieren Washington und Paris, andere sind in die
Missionen der einzelnen Marshall Plan Laender berufen. Drei von
ihnen sind Leiter einer solchen Mission.
Die Gewerkschaftler in diesen Aemtern sind angewiesen, mit
den demokratischen Elementen In den Gewerkschaften der Teilnehmerstaaten zusammenzuarbeiten, um sich Ihre Mitarbeit und Unterstuetzung fuer das. Programm zu sichern« Sie sind dafuer verantwortlich, dass die freien GewerkschaftsOrganisationen bezueglich
des Programms auf dem Laufenden gehalten werden« Sie muessen sich
von diesen Organisationen In Problemen beraten lassen, die im
taegllchen Leben der europaeischen Arbeiter In Zusammenhang mit
dem Programm entstehen.
Die Marshall Plan Verwaltung ist der Auffassung, dass zur
wirksamen Einschaltung der ERP Laender in den Welthandel eine
hohe Produktion bei niedrigen Gestehungskosten von ausschlaggebender Bedeutung ist. Sie legt deshalb ihren Gewerkschaftlern
in den Missionen der einzelnen Laender nahe, die in den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen der Arbeit
gemachten Erfahrungen den europaeischen Gewerkschaften zur Verfuegung zu stellen. Es handelt sich hier In erster Linie um die
Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern, die zur
Erreichung einer hohen Produktion notwendig ist.
In der Direktive wird betont, dass sowohl Arbeiter und
Verbraucher als auch Industrielle und Unternehmer ihren rechtmaesslgen Anteil an den aus der erhoehten Produktionsleistung
entstehenden Gewinnen erhalten muessen. Die Leiter der Aemter
fuer Arbeltsangelegenheiten In den einzelnen Missionen werden
der Arbeiterschaft und den Unternehmern die Vorteile dieser
Methode klarlegen. Ausserdem werden sie mithelfen, die Produktionsgebiete einander anzugleichen und die Probleme in der Steigerung der Produktionsleistung zu loesen.
Die Marshall Plan Verwaltung strebt unter Berueckslchtlgung
der persoenlichen Rechte des Arbeiters eine hoechst wirksame
Verwendung der Arbeitskraefte an. Durch die Staerkung von
Grundstoffindustrien, durch wesentliche Verbesserungen und die
Belieferung mit Rohmaterial und Produktionswerkzeugen werden
Beschaeftigungsmoeglichkeiten geschaffen. Diese Massnahmen
dienen der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhaeltnisse in
den Marshall Plan Laendern«

�In enger Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen
beschaeftigen sich die BCA Aemter fuer Arbeitsangelegenheiten mit
dem Problem der Wiederansiedlung verschleppter Personen oder des
Austausches von Arbeitern. Massregeln und Mindestnormen werden
ausgearbeitet, um die fuer die freiwillig umgesiedelten Arbeiter
entstehenden Schwierigkeiten auf ein Minimum zu reduzieren, um
die Beschaeftigungsmoeglichkeiten auf ein gleiches Mass zu bringen
oder den Mangel an Arbeitskraeften in bestimmten Gebieten oder
Berufssparten zu beheben.
Die Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas
und die betreffenden Regierungen werden von den BCA Aemtern fuer
Arbeitsfragen in der Schaffung besserer, oeffentlicher Arbeitsaemter unterstuetzt. Diesen oeffentlichen Behoerden obliegt die
Aufgabe, die Ueberweisung von Arbeitern in lebenswichtige Industrien zu organisieren und Facharbeiter aus Ueberschussgebieten
in Mangelgebiete zu versetzen»
Durch den Krieg entstand ein Mangel an gelernten Arbeitern.
Viele Maenner wurden so jung zum Militaerdienst einberufen, dass
sie heute keinerlei industrielle Erfahrung oder Ausbildung besitzen. Anderen, die die Kriegsjahre in Uniform verbrachten, sind
die neuen, technischen Methoden unbekannt. Um den dauernden Bedarf
an Facharbeitern decken zu koennen und den Arbeitern zu ermoeglichen
eintraeglichere Arbeiten zu verrichten, arbeiten die ECA Aemter
fuer ArbeitsangeDqgenheiten mit den Gewerkschaften, Unternehmern
und Regierungen an der Planung von BerufsausbildungsProjekten.
Um der kommunistischen Propaganda entgegenzuwirken, die den
Arbeitern laufend aufgetischt wird, hat die Marshall Plan Verwaltung
hervorragende Informationsleute nach Europa geschickt, deren Aufgabe es ist, die Arbeiterschaft ueber die Ziele und Erfolge des
Wiederaufbau Programms genau zu unterrichten. Sie berichten von
der Hilfe und Unterstuetzung, die die amerikanische Arbeiterschaft
diesem Programm zuteil werden laesst.( Sie sorgen fuer Redner,
Broschueren, Filme und andere Informationsmittel.
Labor Information Bulletin
U.S. Arbeitsministerium
Oktober 1949
INTERAMERIKANISCHE GEffERKSCHAFTSTAGUNG
Der Exekutiv-Ausschuss des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes (C.I.T.) trat in der Zeit vom 36.-38. Januar 1950 in Havanna
(Cuba) zusammen. Er billigte in einer Resolution das Programm zur
Industrialisierung Latein-Amerikas, den kontinentalen Agrarplan,
den Plan zur Bekaempfung diktatorischer Tendenzen in Latin-Amerika
und eine Resolution, die gegen das Franco Regime in Spanien gerichtet ist.
Der Ausschuss liess sich von der Teilnahme einer Anzahl von
C.I.T. Delegierten an der Internationalen Gewerkschaftskonvention
im Dezember 1949 in London berichten, wo der Internationale Bund
Freier Gewerkschaften gegruendet wurde. Man beschloss, alle dem
Interamerikanischen Gewerkschaftsbund angeschlossenen Verbaende
aufzufordern, der neuen internationalen Gewerkschaftsorganisation
beizutreten und sich so weit wie moeglich an den Taetigkeiten dieser
Organisation zu beteiligen. Was die Gruendung einer regionalen
Organisation des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften fuer
die westliche Hemisphaere betrifft, beschloss der Exwkutivausschuss,
grundsaetzlich an Jeder Konferenz teilzunehmen, die von dem Inter-

4

�national«! Bond Freier Gewerkschaften zu diesem Zweck einberufen
wuerde.
Nachstehende Einzelheiten ueber die Resolution zur Indust r i a l i s i e r u n g Latein-Amerikas wurden von dem Exekutivausschuss
veroeff e n t l i e h t :
Der Exekutlrausschuss des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes b i l l i g t die Resolution zur Industrialisierung Latein-Amerikas, die von unserem Zweiten Kongress bis zu dieser Konferenz vertagt worden war; In Ergaenzung hierzu gibt er folgende Erklaerung
ab:
1* per Interamerikanische Gewerkschaftsbund I s t der Auffassung, dass zur Foerderung der Industriellen Entwicklung In
Latein-Amerika auslaendlsches Kapital erforderlich I s t , um unserer
Wirtschaft einen Auftrieb geben zu koennen. Wir haben nichts gegen
eine P o l i t i k , die Sicherheitsgarantien fuer diese Investitionen
vorsieht, aber zu gleicher Zeit sind wir der Ansicht, dass s i e
d i e allgemeine Wohlfahrt unserer Laender foerdern, den Lebensstandard der Arbeiter heben und g l e i c h z e i t i g eine angemessene
Sicherheit und den aus der GewerkschaftsOrganisation fuer die
Arbeiter entstehenden Nützen sichern s o l l t e . Nur so kann die
arbeitende Klasse eine verantwortliche und konstruktive Rolle
i n der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Nationen s p i e l e n .
2. Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund fordert die
aktive Mitbeteiligung der Gewerkschaftsbewegung an der Formulierung einer neuen Wirtschaftspolitik, insbesondere an der
Durchfuehrung des Punkt-Vier-Programms Praesldent Trumans, das
fuer wirtschaftlich und i n d u s t r i e l l rueckstaendlge Laender finanz i e l l e und wirtschaftliche Hilfe v o r s i e h t . Die Richtigkeit unserer
Einstellung i s t durch die bejahende Haltung bewiesen, die die
Arbeiter dem Marshall Plan gegenueber eingenommen haben.
3 . Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund wird sich gegen
die Staerkung der P r i v i l e g i e n des Kapitals oder gegen die Entwicklung gewerkschaftsfeindlicher P o l i t i k s e i t e n s der Regierungen
wenden, auf deren Land s i c h das internationale Programm zur Industrialisierung Latein-Amerikas erstreckt. Wir sind deshalb
der Meinung, dass Regierungen, die die Freiheit der arbeitenden
Klasse beeintraechtIgen, weder technische noch f i n a n z i e l l e Hilfe
erhalten duerfen.
4 . Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund s t e l l t f e s t ,
dass Programme zur wirtschaftlichen Unterstuetzung oder Investierung s e i t e n s anderer Regierungen oder Internationaler Behoerden
in Latein-Amerika bisher nicht von der organisierten Arbeiterschaft unterstuetzt wurden, und wir fordern, dass man s i c h in
Zukunft bei der Durchfuehrung aehnlicher Programms um die i d e e l l e
und aktive Beteiligung der Arbeiterorganisationen bemueht.
Inter-Amerlcan Labor News
Februar 1950
DIE O.E.E.C. UND DIE INTERNATIONALEN FACHABI EILUNGEN
Nachstehender Artikel von M.O. Bolle, dem
Sekretaer des Internationalen Gewerkschaftsbundes der Arbeitnehmer des Oeffentlichen
Dienstes erschien im Maerz Im Monatsbericht
dieser Organisation.
Der Kopenhagener Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes der Arbeitnehmer des Oeffentlichen Dienstes nahm f a s t ein-

�stimmig bei nur zwei Stimmenthaltungen) eine Resolution zugunsten
des Europaelschen Wiederaufbauprogramms an. Damit bekundete er,
welche ungeheuren Auswirkungen auf den Lebensstandard der Arbeiter
aller an dem Programm beteiligten Laender durch das Wiederaufbau
Programm hervorgerufen wurden. Ausserdem wird die Notwendigkeit
hervorgehoben, der Gewerkschaftsbewegung sowohl auf nationaler
als auch auf Internationaler Ebene Gelegenheit zu geben, bei der
Durchfuehrung des Programms Ihre Meinung geltend zu machen.
Mit Becht hat unser Kongress diesen Punkt besonders betont,
denn es besteht keinerlei Zweifel, dass Lohnfragen und Angelegenheiten der sozialen Gesetzgebung mit vielen der Entscheidungen,
die von den ERP Organisationen und Im besonderen von der Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas getroffen
werden, in Zusammenhang stehen.
Die Frage ist aufgeworfen worden, warum eine Internationale
Fachabteilung wie die unsrlge zu dem Europaelschen Wiederaufbau
Programm Stellung nehmen sollte. Es gibt natuerlich eine eindeutige und ausfuehrliche Antwort auf diese Frage. Erstens besteht nicht der geringste Zweifel, dass die Internationalen Fachabteilungen an den Problemen der allgemeinen Politik tatsaecblich
interessiert sind, obwohl sie sich natuerlich eingehender mit
Fragen befassen, die den besonderen Berufsinteressen ihrer eigenen
Mitglieder naheliegen. Hierzu bedarf es wohl kaum einer Erklaerung.
Eine einzelne, nationale Gewerkschaft nimmt selbstverstaendlich
an der allgemeinen Einstellung und faetlgkeit der nationalen
Gewerkschaftsvereinigung groessten Anteil, der sie angegliedert
ist. Das ist nicht verwunderlich, denn die allgemeine Einstellung
und Taetigkeit des nationalen Gewerkschaftszentrums wirkt sich
unmittelbar auf die Arbeit dar einzelnen Gewerkschaften aus, die
sie zum Wohle Ihrer eigenen Mitglieder leisten.
Dasselbe Argument trifft auch fuer die internationale
Gewerkschaftsbewegung zu. Die Politik und die Taetigkeit einer
allgemeinen, internationalen Gewerkschaftsorganisation, wie des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften oder irgendeiner
Kombination nationaler Gewerkschaftszentren (wie zum Beispiel die
Gewerkschaftsverbaende der Laender der O.E.E.C.) wirken sich unmittelbar auf die Taetlgkelten der Internationalen Fachabteilungen
aus.
Ich moechte dies an Hand nur eines Beispieles erlaeutern,
das mit dem Europaelschen Wiederaufbau Programm in Zusammenhang
steht: Die Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europat
hat den gewerkschaftlichen Beratungsausschuss des ERP anerkannt,
der von den in Frage kommenden nationalen Zentren gebildet worden
war. Dieser Ausschuss hat eine Anzahl Internationaler Fachabteilungen zu Rate gezogen, die ihn in seinen Beziehungen zu den technischen Komitees der O.E.E.C. unterstuetzen sollen. Diese technischen Komitees sind fuer bestimmte Industriezweige zusammengestellt worden, wie zum Beispiel Bergbau, Textilindustrie, Transport
und Elektrlzitaet. Obwohl das Statut, das der Gewerkschaftsbewegung innerhalb der Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas gegeben wurde, noch lange nicht zufriedenstellend
ist, bleibt die Tatsache bestehen, dass sowohl die betreffenden*
nationalen Zentren, als auch die Internationalen Fachabteilungen
der in Frage kommenden Industriezweige an Beratungen teilnehmen,
die dem Europaelschen Wiederaufbau Programm gelten, das wiederum
direkten Einfluss auf die Arbeltsbedingungen ihrer Gewerkschaftsmitglieder hat.

- 6 -

�Wenn es auch augenblicklich schwierig Ist, auf diesem Gebiet
Wesentliches zu erreichen, so sind wir doch anerkannt und nehmen
an den erwaehnten Beratungen teil. Der gewerkschaftliche Beratungsausschuss des ERP Ist zur Zelt dabei, genaue Richtlinien bezuegllch der europaelschen, wirtschaftlichen Zusammenarbeit auszuarbeiten. Die Internationalen Fachabteilungen sind durch Ihr koordinierendes Komitee hinzugezogen worden, um bei der Formulierung dieser Richtlinien mitzuhelfen. Viele von Ihnen nehmen ein sehr
lebhaftes Interesse an der Arbelt der O.E.E.C. In Bezug auf bestimmte Industriezweige, und sie sind sich bewusst, dass sie der
O.E.E.C. wertvolle HUfe leisten koennen, wenn es sich um diese
bestimmten Industriezweige oder um Irgendwelche Internationalen
Vereinbarungen handelt, die die O.E.E.C. In Bezug auf diese
Industriezweige treffen moechte. Wir duerfen nicht vergessen,
dass die Frage der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der europaelschen
Laender nicht nur eine rein technische Angelegenheit Ist - zu Ihr
gehoeren vielmehr die Lohnfrage, die soziale Gesetzgebung, kurz,
sie wirkt sich auf den Lebensstandard der Arbeiter In diesen Industriezweigen aus.
Als Ich dieses Problem auf dem Kopenhagener Kongress zur
Sprache brachte, fragte man mich, ob es zu rechtfertigen sei,
dass die Gewerkschaftsbewegung an dem Europaelschen Wiederaufbau
Programm Interessiert ist und sich an seiner Durchfuehrung beteiligt. Meine Antwort war "Ja". Ich erklaerte In diesem Zusammenhang unter anderem:
"Das Europaelsche Wiederaufbau Programm soll den Interessen
der gesamten Bevoelkerung der daran beteiligten Laender
dienen. Alle Schichten der Bevoelkerung muessen sich deshalb
fuer dieses Programm interessieren. Sie sind fuer sein Gelingen, aber auch fuer sein Misslingen verantwortlich. Die
meisten Schichten der Bevoelkerung dieser Laender koennen
ihr aktives Interesse durch ihre sie vertretenden Organisationen unter Beweis stellen; sie koennen sich konstruktiv
an der Loesung aller bestehenden Probleme beteiligen, indem
sie sich zu diesem Zweck ihrer Organisationen bedienen oder,
wenn noetlg, sie fuer diesen Zweck einsetzen, und Indem sie
die notwendigen Koerperschaften gruenden, die ihren Bemuehungen
auf diesem Gebiet praktische Wirksamkeit verleihen'koennen.
"Alle Verantwortungsbewussten und ehrlichen Gewerkschaftsbewegungen der an dem Programm beteiligten Laender haben sich
nun dieser Verantwortung unterzogen - und ich moechte fast
sagen, sie haben es mit grossem Eifer getan. Denn sie wissen,
dass sie mehr als jede andere Organisation in der Gemeinschaft fuer die Wahrnehmung der wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Interessen der vielen Millionen Maenner,
Frauen und Kindern verantwortlich sind, deren Leben und
Zufriedenheit von der Verbesserung und Stabilisierung der
Wirtschaften ihrer Laender abhaengt. Die Gewerkschaftsbewegung wuerde sich in der Tat einer grossen Verpflichtung
entziehen und wenig Verstaendnis fuer ihre Aufgaben und
Verantwortlichkelten zeigen, wenn sie nicht die enormen
Moeglichkeiten wahrnehmen wuerde, die das Europaelsche
Wiederaufbau Programm bietet
Moeglichkeiten, die zerrüetteten Wirtschaften der Laender wieder aufzubauen, die
so sehr unter der grausamen nationalsozialistischen und
faschistischen Aggression und den verheerenden Folgen von
fuenf Kriegsjahren und feindlicher Besatzung gelitten haben»"

- 7 -

�I

Unsere Aufgabe ist folgende: Wir muessen unseren Mitgliedern
klarmachen, was das EuropaeIsche Wiederaufbau Programm fuer sie
bedeutet und zwar an Hand von Angaben ueber Brot, Butter und Bekleidung und soziale und wirtschaftliche Sicherheit; ausserdem,
welche Bedeutung es fuer die Zukunft ihrer Kinder hat. Wir muessen
sie davon ueberzeugen, dass dieses Programm der einzige Weg zu
einem dauerhaften, wirtschaftlichen Wiederaufbau in allen in Frage
kommenden Laender ist. Das Wort "dauerhaft" ist dabei zu betonen,
denn es handelt sich nicht nur darum, das wirtschaftliche und
soziale Elend voruebergehend zu beheben, das heisst Atem schoepfen
zu koennen, bevor das naechste Unglueck ueber uns hereinbricht.
Was wir benoetigen, ist ein stabiler Lebensstandard auf der Grundlage einer gut organisierten europaeischen Gemeinschaft, auf der
wir ein sicheres Sozialsystem und die Existenzsicherheit fuer Alle
aufbauen koennen.
Wir haben gehoert, dass man das Europaeische Hilfsprogramm
und die Bejahung desselben seitens der Gewerkschaftsbewegung kritisiert hat. Wir wissen natuerlich, dass durch dieses Programm
unsere wirtschaftliche Schwierigkeiten bisher noch nicht restlos
beseitigt werden konnten. Es bleibt noch viel zu tun, und Gefahren
und Ungewissheiten bestehen noch, die ueberwunden werden muessen.
Ueber eine Tatsache koennen wir uns Jedoch vollkommen klar sein:
der Strom von Nahrungsmitteln, Rohmaterialien und technischen
Ausruestungen nach Europa hat viele Laender des Westens vor dem
voelligen wirtschaftlichen und politischen Chaos bewahrt. Noch
etwas anderes muessen wir uns vor Augen halten: kein anderes
Land der Erde als die Vereinigten Staaten von Amerika haette diesen
Laendern nur einen Bruchteil dessen liefern koennen, was sie benoetigen, um ein Chaos zu verhueten.
Der Kernpunkt ist folgender: fast ausschliesslich durch
amerikanische Hilfe und durch das Europaeische Wiederaufbau Programm ist Westeuropa vor Elend und Chaos bewahrt worden. Diejenigen, die sich dem ERP widersetzten und es auch noch tun, waren
niemals in der Lage, einen befriedigenden Ersatz fuer die amerikanische Hilfe in Vorschlag zu bringen.
Eine Ablehnung der amerikanischen Hilfe und des Europaeischen
WiederaufbauProgramms, ohne zu gleicher Zeit einen annehmbaren
Gegenvorschlag zu machen, haette in vielen Laendern bedeutet,
dass man sich bewusst mit Elend und Chaos abfindet.
Wir gehoeren nicht zu jenen, die glauben, dass Elend und
Chaos eine Grundlage bilden, auf der eine glueckliche Gemeinschaft
aufgebaut werden kann.
ECA Labor Information
25. Maerz 1950
GROSSZUEGIGES WOHLFAHRTSPROGRAMM DER AFL GEWERKSCHAFT DER
KRAFTFAHRER
(Chikago) —
Das groesste und umfassendste, von Unternehmern
finanzierte Wohlfahrtsprogramm, das je im Kraftwagen-Transportgewerbe zustandekam, wurde am 5. Maerz von dem Zentralverband der
Kraftfahrer (Central States Drivers Council) und dem Suedlichen
Bezirksverband dieser Gewerkschaft (Southern Conference of Teamsters) unterzeichnet. Die New Yorker Unfallversicherungsgesellschaft "Union Casualty Co." wird fuer die Durchfuehrung der Krankheits- und Krankenhausbestimmungen des Vertrages als verantwortlich

�zeichnen. Das in dem Vertrag enthaltene Lebensyerslcherungsprogramm
Ist der Versicherungsgesellschaft "United States Insurance Co."
zur Ausfuehrung uebertragen worden. Sie wird jedem Mitglied einen
Versicherungsvertrag ueber 2.000 Dollar aushaendlgen.
Ueber 30.000 Gewerkschaftsmitglieder aus 18 Staaten werden
von dem Programm erfasst werden, In dem Unterstuetzungen fuer
Krankheit, Unfall, Krankenhausaufenthalt, aerztllche Behandlung
und eine Lebensversicherung vorgesehen sind. Man plant gegenwaertlg, den Vertrag auch auf die uebrlgen Mitglieder des Central
States Drivers Council auszudehnen. Im ganzen sollen mehr als
100.000 Kraftfahrer in den Genuss dieses Programms kommen.
Die Gesamtpraemie des ersten Jahres wird sich auf ueber
1.500.000 Dollar belaufen, die ausschliesslich von den Unternehmern In einen Wohlfahrtsfonds gezahlt werden. Der Satz betraegt
1 Dollar pro Woche fuer jedes Mitglied. Dieser Fonds wird von
dem Zentralverband der Kraftfahrer (Central States Drivers Council)
verwaltet werden.
Drelsslg der bedeutendsten Versicherurgsgesellschaften des
Landes wurden von dem Zentralverband um ihr Angebot gebeten, und
schliesslich entschied man sich nach eingehenden Beratungen, Studien und Pruefungen fue r "Union Casualty Co." und die "United States
Insurance Co."
Die Vertragsbestimmungen bezueglich Krankheit,und Unfall, die
zwei Jahre Gueltigkelt haben, wurden von A. F. Hudson, dem Exekutivsekretaer des Zentralverbandes der Kraftfahrer, und von William
Smith und Dr. Leo Perlman, dem Finanzsekretaer bzw. Vizepresidenten der "Union Casualty Co." unterzeichnet. Man erwartet, dass
dieser Vertrag als der umfassendste, der je Im Kraftwagen-Transportgewerbe abgeschlossen wurde, ueber 400.000 Kraftfahrern in den
Vereinigten Staaten als Musterbeispiel dienen wird.
Etwas frueher in der gleichen Woche war fuer die in der
Getraenkeverteilung beschaeftigten Fahrer ein aehnlicher Vertrag
abgeschlossen worden, In dem eine Lebensversicherung, Unterstuetzungen
bei Arbeitsunfaehigkelt, Krankenhausaufenthalt und aerztllcher
Behandlung vorgesehen sind. Die fuer dieses Programm erforderlichen
Ausgaben werden auf 50.000 Dollar geschaetzt. Es stellt zusammen
mit dem Vertrag des Central States Drivers Council einen wesentlichen Erfolg In den Bemuehungen der Gewerkschaft der Fahrer um
Wohlfahrtsunterstuetzungen fuer schaetzungswelse eine Million
Mitglieder Im ganzen Lande dar.
American Federation of Labor
Weekly News Service
21. Maerz 1950
FRANZOESISCHE GEWERKSCHAFTEN DRAENGEN AUF WOHNUNGSBAU
Der Franzoesische, Christliche Gewerkschaftsbund (Confederation des Travailleurs Chretiens) hat die franzoesische Regierung
aufgefordert, den dringend notwendigen Wohnungsbau einzuleiten.
Als Auftakt seiner Kampagne zur Foerderung des Wohnungsbaus
zeigte der C.F.T.C. kuerzlich in Paris zwei Wochen lang eine
Ausstellung, die die kritische Wohnraumlage des ffanzoesIschen
- 9 -

�Volkes in ansehnlicher Welse darstellte.
Den Eroeffnungsfelerlichkelten der Ausstellung wohnten der
franzoesische Premierminister Bidault und Barry Bingham, Chef
der ECA Sondermission in Frankreich, bei. Ferner waren anwesend:
Boris Shishkin, Direktor der Abteilung fuer Arbeit im Amt des
Sonderbeauftragten der Vereinigten Staaten in Europa, und Ken Douty
und AI Desser, die amerikanischen Gewerkschaftsvertreter im franzoesischen Missionsstab der BCA.
Als Sprecher der amerikanischen Gewerkschaftsgruppe sprach
Shishkin dem C.F.T.C. seine Anerkennung dafuer aus, dass er sich
an fuehrender Stelle fuer die Loesung des Wohnraumproblems einsetze.
Er wies darauf hin, dass die amerikanischen Gewerkschaften durch
aehnliche Bemuehungen viel zu einem beschleunigten Wohnungsbauprogramm in Amerika beigetragen haetten.
Gleichzeitig gab der C.F.T.C, der 750.000 franzoesische Arbeiter vertritt, eine detailierte "Charta'' fuer ein Wohnungsbauprogramm in Frankreich bekannt. Er forderte, um das Wohnraumproblem
loesen zu koennen, 'teLnen Jaehrlichen Staatszuschuss, Geldmittel aus
den Marshall. Plan Gegenwertfonds und Unterstuetzungsgelder aus den
Gemeinde- und Departementskassen."
Die Gewerkschaft zeigte an Hand offizieller, statistischer
Angaben, dass Frankreich mehr als drei Millionen Wohnungen benoetlgt,
um die durch Kriegseinwirkung beschaedigten, verfallenen oder ungesunden Wohnbauten ersetzen und uebervoelkerte Stadtgebiete auflockern
und Fluechtlingen Wohnungen verschaffen zu koennen.
Das Ziel dieses Programms soll dem C.F.T.C. zufolge die Erstellung von 20.000 Wohnungen pro Monat sein. Die Gewerkschaft versicherte, dass es nach ihrem Plan moeglich sei, dieses Ziel zu erreichen. Schaetzungen des franzoesIschen Wiederaufbauministeriums
zufolge sieht man in den gegenwaertigen Plaenen der Regierung den
Bau von 60.000 bis 70.000 Haeusern im Jahre 1950 vor. Seit 1947
sind in Frankreich insgesamt 74.000 neue Wohnungen erstellt worden.
Nach dem Plan des C.F.C.T. waere der Minister fuer Wiederaufbau
und Wohnungsbau fuer die Leitung des Wohnungsbauprogramms allgemein
verantwortlich. Die Gewerkschaft schlaegt die Schaffung eines
obersten Wohnungsbauausschusses zur Unterstuetzung des Ministers
und die Gruendung von zwei getrennten Zentral Organisationen vor:
eine Zentralbank fuer Wohnungsbau und einen Nationalfonds zur
Foerderung des Wohnungsbaus. Der C.F.T.C. beabsichtigt, seine
Vorschlaege der Nationalversammlung zur gesetzlichen Genehmigung
zu unterbreiten.
BCA Labor Information
20*. Februar 1950

HOLLAENDISCHE GEWERKSCHAFTSFUEHRER SPRECHEN SICH ANERKENNEND
UEBER DEN CIO AUS
Eine Gruppe hollaendischer Gewerkschaftsfuehrer besuchte die
Vereinigten Staaten und war tief beeindruckt von der Macht und
Staerke des CIO, seiner gut funktionierenden, Inneren Organisation
und seiner weitsichtigen Einstellung zur Sozialreform. Dies kommt
in einem Artikel von H. Ponsen zum Ausdruck, der unlaengst in

- 10 -

�"Het Frije Volk" (Das Freie Volk), dem offiziellen Tagesorgan
des Hollaendischen, Sozialdemokratischen Gewerkschaftsbundes,
erschienen war. Ponsen hatte als Mitglied der oeben erwaehnten Delegation an dem Besuch In Amerika teilgenommen« Er
spricht In seinem Bericht von dem "enormen Elnfluss* der
organisierten Arbeiterschaft auf das soziale und wirtschaftliche Leben In den Vereinigten Staaten« Er weist darauf hin,
dass sich das Anwachsen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung von drei Millionen Mitgliedern Im Jahre 1930 auf mehr als
15 Millionen Innerhalb von 20 Jahren nachhaltig auf die Entwicklung der Innen- und Aussenpolltlk der Vereinigten Staaten
ausgewirkt hat.
Mr. Ponsen besuchte mit 12 anderen hollaendischen Gewerkschaftlern die Vereinigten Staaten, um einen Monat lang amerikanische Produktivltaetsmethoden und Arbeitnehmer- ArbeltgeberBeziehungen zu studieren. Diese Reise fand auf Veranlassung
der hollaendischen Regierung und der ECA statt. In dem Artikel
wird von einem Besuch bei Herman Mulllns berichtet», der Funktlonaer einer CIO-Lokalgewerkschaft der Textilarbeiter in
Knexvllle (Tennessee) Ist. Fuer die hollaendischen Gewerkschaftler stellte Mulllns die "Personifizierung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung• dar, besonders deshalb, well
er wie der Schreiber feststellt, nicht einer der "grossen"
Fuehrer in den nationalen Vorstanden war. Mulllns Geschichte
von seinen Kaempfen, um die 1.500 Arbeiter in seiner Textilfabrik organisieren zu koennen, und sein endgueltlger Erfolg,
fuer seine Gewerkschaft das Recht der Mitbestimmung erringen
zu koennen, war fuer die Besucher ein leuchtendes Beispiel fuer
die "dynamische Energie und den Machtgewinn des noch Jungen CIO."
In dem Artikel heisst es welter, dass die hollaendischen
Gewerkschaftsfuehrer auch von der umfassenden Forschungstaetigkelt des CIO sowohl in den nationalen Vorstaenden als auch
innerhalb der angeschlossenen Gewerkschaften beeindruckt
gewesen seien. Erwaehnt wurden weiterhin die wertvollem
Dienste, die ein Riesenaufgebot an Wirtschaftlern, Rechtsvertretern, Technikern und Politikern den Gewerkschaftsfuehrern
leisten, und die Unterweisung der gesamten MitgliederSchaft
in grundlegenden Wirtschaftsfragen. Der Artikel spricht
mit Anerkennung von dem "ehrlichen Versuch der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung, das Negerproblem zu loesen" und billigt
die Politik des CIO, die auf Foerderung der Prosperltaet durch
ein umfassendes Programm der Sozialgesetzgebung gerichtet ist«
Bezugnehmend auf das immerwaehrende Problem der Vereinigung der bedeutendsten amerikanischen GewerkschaftsOrganisationen, berichtet der Schreiber, dass sowohl ein grosser Teil
der Gewerkschaftsmitglieder als auch der Funktionaere eine
Zusammenschiiesseung aller Gewerkschaften in einem grossen
Bund befuerworteten.

ECA Labor Information
16. Maerz 1950

- 11 -

�Office of Labor Affairs, HICOG,
APO 757

- 12 -

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« (olgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 6

Frankfurt, 14. April 1950
INHALTSVERZEICHNIS

200.000 Arbeitsplaetze fuer i t a l i e n i s c h e Arbeiter
der Schuh- und Lederindustrie durch den Marshall Plan
Der Londoner Kongress
- - - - - - - - - - - - - - - CIO's "Wendung nach der Rechten" : Ein Maerchen - - Noch immer keine Reform des deutschen Beamtensystems
ECA foerdert Berufsausbildung in Europa - - - - - - Ein Weltplan zur Verhuetung der A r b e i t s l o s i g k e i t - -

200.000 ARBEITSPLAETZE FUER ITALIENISCHE ARBEITER DER
SCHUH- UND LEDERINDUSTRIE DURCH DEN MARSHALL PLAN
Mft Hilfe der f i n a n z i e l l e n Unters tu etzung durch die Vere i n i g t e n Staaten und die Marshall Plan Verwaltung werden
nahezu 200.000 Arbeiter i n i t a l i e n i s c h e n Schuhfabriken und
Gerbereien ihren Arbeitsplatz beibehalten und 700.000 Paar
Schuhe fuer h i l f s b e d u e r f t i g e i t a l i e n i s c h e Kinder h e r s t e l l e n
koennen.
Dieses Projekt wird die Beschaeftigung i n den Schuh- und
Lederindustrien s i c h e r s t e l l e n , die augenblicklich von konjunkt u r e l l e r A r b e i t s l o s i g k e i t betroffen sind.
Aus dem I n t e r n a t i o n a l e n Fonds fuer notleidende Kinder
wurde I t a l i e n Leder fuer d i e Herstellung von Schuhen im Gesamtwerte von 500.000 Dollar zur Verfuegung g e s t e l l t . Zum
Gerben des Leders und aur Herstellung der Schuhe wurden
685 Millionen Lire (1 Million Dollar; aus dem Marshall Plan
Gegenwert Fonds I t a l i e n s aufgebracht.
Die e r s t e Sendung von 40.000 Paar Schuhen gelangte waehrend
der Osterferien zur Verteilung.

ECA Labor Information
20. Februar 1950
- 1 -

�Mit den Augen eines Amerikaners:
DER LONDONER KONGRESS
Von Jay Lovestone.
Jay Lovestone, der Exekutivsekretaer des AFLKomitees der Freien Gewerkschaften, war Sekretaer der Delegation der AFL auf der Gruendungskonferenz des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften in London. Wir geben nachstehend seinen Bericht wieder, der am 1. Januar
1950 in "Justice", dem Organ der Internationalen
Gewerkschaft der Damenbekleidungsarbeiter (AFL),
veroeffentlicht worden war.

Nahezu 300 Delegierte als Vertreter von 59 nationalen Gewerkschaf tszentren und anderen nationalen GewerkschaftsOrganisationen in 53 Laendern kamen vom 38. November bis 9. Dezember
1949 in der beruehmten County Hall in London zusammen, um den
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften zu gruenden. Diese
Versammlung von Maennern und Frauen, die im Zeichen des Kampfes
und des Fortschritts der Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt
stand, hat. in der Tat Geschichte gemacht. Die Vereinigung der
freien Gewerkschaften der Welt stellt mehr als einen Abschnitt
in den Annalen der Gewerkschaftsbewegung dar. Sie symbolisiert
und dramatisiert die Notwendigkeit, sich auf die Schaffung einer
lebenswichtigen Macht mit ausgedehnten Moeglichkeiten zu konzentrieren, die eine entscheidende Rolle in einer friedlichen und
menschlichen Loesung der schweren Krise spielen koennte, die
die Menschheit jetzt durchzumachen hat.
In geschichtlich bedeutungsvollen, internationalen Versammlungen dieser Art herrscht so etwas wie eine ••Weltatmosphaere".
Alles erscheint wie in einem aufregenden Schauspiel, - dramatisch
angesichts der zu einem Ganzen vereinten Masse, die doch jedem
Einzelnen soviel freie Hand laesst, dass er seinen individuellen
Beitrag zum Ganzen leisten kann.
Die Vorbereitungen zu dieser Konferenz liegen Jahre zurueck Jahre des Ueberlegens, Planens, der Arbeit und des Kampfes fuer
Maenner und Frauen, die ihre feste Ueberzeugung und das tiefe
Vertrauen in die Sache der Gewerkschaften und des Friedens nicht
aufgegeben haben. Und nun kam die langerwartete Stunde - die
Eroeffnung der Konferenz.
Die christlichen Gewerkschaften
Nachdem die Eroeffnungsformalitaeten beendet waren, nahmen
die Vertreter der demokratischen Gewerkschaften ihre schwierigen,
umstrittenen Probleme in Angriff. Der erste Antrag wurde von
David Dubinsky, dem Praesidenten der Internationalen Gewerkschaft
der Damenbekleidungsarbeiter, im Namen der vereinten.AFL- und
CIO-Delegationen eingebracht. Die Zusammenarbeit war hervorragend.
In diesem Antrag handelte es sich um das Verhaeltnis, zwischen den
christlichen Gewerkschaften und der freien Weltgewerkschaftsorganisation, die formell gegruehdet werden sollte. Es war dies jedoch kein formelles Problem, dem die Delegationen gegenübergestellt worden waeren. Viele andere Fragen waren damit verknuepft.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren lediglich die franzoesichen, christlichen Gewerkschaften von der Vorbereitenden Kommission zu der
Konferenz eingeladen worden. Einwaende waren erhoben worden, und
deshalb lud man nicht die anderen christlichen Gewerkschaften,
wie diejenigen Belgiens und Hollands, zur Teilnahme ein.
-

2

-

•

�Die Konferenz waere unter einem falschen Vorzeichen begonnen
worden, wenn gleich zu Anfang Uneinigkeit in dieser Frage geherrscht
haette. Auch konnte man in diesem Augenblick nicht ausweichen.
Nicht nur ein Zusammenprall der Beteiligten musste vermieden, sondern auch eine vernuenftige und gerechte Loesung gefunden werden.
Und was noch mehr bedeutet, diese Loesung musste fuer Alle tragbar
sein, denn es handelte sich hier um eine freiwillige Versammlung
und nicht etwa um eine von einer totalitaeren, imperialistischen
Grossmacht fuer ihre Zwecke einberufene Tagung. Die Hauptaufgabe
bestand darin, dem Zank und Streit ein Ende zu machen, der aus
laengst ueberlebten Verhaeltnissen stammte. Um der neuen Situation mit ihren neuen Problemen Herr werden zu koennen, mussten
wir dem im Entstehen begriffenen neuen Weltbund freier Gewerkschaften auf breitester Basis die groesatmoegliche Unterstuetzuhg
Aller zuteil werden lassen. Einige Delegationen mussten einen
hohen Preis hierfuer zahlen. Seither bestehende Vorurteile, Verdaechtlgungen und Zustaendigkeitsstretigkeiten - all das musste
geklaert werden, denn die Aussoehnung und Zusammenarbeit auf der
Basis der praktischen Gegenwart hatte an erster Stelle zu stehen.
In diesem Geiste und mit diesem Ziel im Auge schlug Dubinsky,
unterstuetzt vom CIO, Sondermassnahmen vor, die die Konferenz zu
schnellem Handeln veranlassen sollten. In einer oeffentlichen
Sitzung wurde In einer schnell getroffenen Vereinbarung mit dem
Britischen Gewerkschaftsbund festgelegt, wie verfahren werden
sollte. Der Mandatskommission wurden zwei Tage Zeit gegeben, um
dies als erste Frage zu behandeln und ihren Bericht darueber der
gesamten Konferenz vorzulegen.
Letztere bescbloss daraufhin einstimmig, die anderen christlichen Gewerkschaftsorganisationen zur Teilnahme an der Konferenz
einzuladen. Ausserdem wurde ihnen das Recht zugesprochen, sich
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften anzuschliessen,
vorausgesetzt, dass sie innerhalb der naechsten zwei Jahre - das
waere bis zum naechsten Kongress - ihre Mitgliedschaft beim
Internationalen Bund Christlicher Gewerkschaften aufgeben. Nach
diesem Zeitpunkt kann also keine nationale Gewerkschaft ihre Mitgliedschaft bei zwei internationalen Verbaenden aufrechterhalten.
Dieser Beschluss würde von dem bekannten, italienischen Gewerkschaf tsfuehrer, Giulio Pastore, und von Gaston Tessier und M. Bouladoux, den Delegierten des franzoesischen, christlichen Gewerkschafts bundes, gutgeheissen. Auch sozialistisch gesinnte Gewerkschaftler, wie der Belgier Louis Major und andere Delegierte aehnlicher politischer Einstellung aus der Schweiz und Holland zeigten
sich mit dieser Loesung einverstanden.
Das gemeinschaftliche Vorgehen und die dynamische und konstruktive Initiative der AFL- und CIO-Delegationen gaben den
Sitzungen ihr besonderes Gepraege. In vielen Kreisen hatte man
sich gefragt, wie AFL und CIO in London wohl miteinander auskommen
wuerden. Die AFL war der entschlossenste Gegner des Moskauhoerlgen
Weltgewerkschaftsbundes gewesen und war zweifellos die treibende
Kraft in der Trennung der demokratischen Gewerkschaften von dieser
Kreml-Behoerde.
Die Einigkeit der amerikanischen Gewerkschaftsdelegationen
war eine Quelle, aus der nicht nur die Vertreter der verhaeltnismaessig Juengeran und schwaecheren Gewerkschaften in Asien und
Afrika Anregung und grosse Ermutigung schoepften. Diese kraftvolle, amerikanische Einheit - die auch noch von dem Delegierten
der Vereinigten Bergarbeiter unterstuetzt wurde' - gab den erfahreneren und festgelegten Gewerkschaften Westeuropas den festen

- 3

�Glauben an den Fortbestand der fuehrenden entscheidenden Rolle,
die die amerikanischen Gewerkschaften in der demokratischen,
internationalen Gewerkschaftsbewegung zu spielen haben. Wir
durften nicht mehr Beteiligte oder Aussenstehende, - voruebergehende sozusagen - nicht blosse Beitragszahler und im besten
Falle passive Teilnehmer sein. In den Augen des Kongresses des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften hatte die amerikanische Gewerkschaftsbewegung schliesslich den hoechsten Grad an
Verantwortlichkeit und Autoritaet im Geltungsbereich der Weltgewerkschaftsbewegung erreicht.
Das lebhafte Interesse und die begeisterte Aufnahme, die
die Rede des Praesidenten der AFL, William Green, fand, gaben
hierfuer den besten Beweis. Seine Erklaerung war in vielen
Beziehungen die umfassendste, uebersichtlichste und positivste
Richtliniengebung der gesamten Versammlung. Ein ins Einzelne
gehender Bericht ueber die wirtschaftliche Lage Amerikas, fuer
die sehr grosses Interesse besteht, war in seinen Ausfuehrungen
enthalten. Greens Worte waren aufrichtig und zuversichtlich.
Er zeigte der Gewerkschaftsbewegung einen Weg zum Fortschritt, in
dem sich nicht fruchtlose Schwaetzereien und sinnverwirrende Phrasen
der toten Vergangenheit als Hindernisse in den Weg stellten. Er
sagte der totalitaeren Tyrannei direkt den Kampf an und zeigte
an Hand eines bestimmten Programms, wie sich die arbeitenden Menschen
aller Laender verhalten muessen, um die Menschheit von der Furcht
vor der Tyrannei, der Armut und dem Kriege und deren schrecklichen
Folgen befreien zu koennen.
Einmuetigkeit statt Einheitlichkeit
Die Verfassung des Internationalen Bundes, Freier Gewerkschaften
und die Festlegung der Grundziele wurden ausfuehrlich besprochen.
Den Problemen der regionalen Organisation und der Beziehungen
zu den internationalen Fachabteilungen wurde besondere Beachtung
geschenkt. Diese Debatten waren von Erfolg gekroent. Die in
Vorschlag gebrachten Resolutionen wurden einstimmig angenommen,
und es herrschte eine echte, tiefverwurzelte Einmuetigkeit. Diese
darf nicht mit der Einheitlichkeit verwechselt werden, die fuer
alle totalitaeren Organisationen und Bewegungen charakteristisch
ist. Natuerlich gab es auch Meinungsverschiedenheiten. Diese wurden
Jedoch auf wahrhaft demokratische Weise beseitigt. Es war eine
Konvention gl eichgesinnt er Vertreter der freien Gewerkschaften.
Im Gegensatz zu dem Gruendungskongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes vor vier Jahren in der gleichen Halle handelte es
sich hier um einen Kongress der Gewerkschaften und nicht um eine
Ansammlung fremdartiger Elemente mit grundverschiedenen Meinungen,
Ideen und Interessen, die durch den Gang der Ereignisse und durch
machiavellistische Intrigen fuer eine gewisse Zeit zusammengeworfen
waren.
Als zum Beispiel die Sitzung begann, war allgemein bekannt,
dass betraechtliehe Meinungsverschiedenheiten zu der Frage, wo
der Sitz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften sein
sollte, zu erwarten waren. Unsere Kollegen vom Britischen Gewerkschaftsbund - mit nicht geringer Unterstuetzung seitens anderer
Delegationen - behaupteten nachdruecklich und halsstarrig ihren
Standpunkt. Niemand konnte ihnen widerlegen, dass London wirklich
ein Vfeltzentrum ist. Auch konnte nicht ernsthaft bezweifelt werden,
dass die ilacht und Erfahrung des Britischen Gewerkschaf tsbundes
T.U.C. dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften eine wirkliche Stuetze waeren,- besonders solange diese Organisation noch
in ihren Kinderschuhen steckt.

4 -

�Die amerikanischen Gewerkschaftsverbaende AFL und CIO, die
Delegationen der kanadischen Verbaende und eine ganze Anzahl anderer Delegierter aus anderen Teilen der Welt warfen jedoch ein,
dass die Erfahrungen mit dem alten Internationalen Weltgewerkschaftsbund und besonders mit dem Weltgewerkschaftsbund gelehrt haetten,
dass man vor allem organisatorische oder politikbestimmende Massnahmen vermeiden muesse, die zugunsten von Uachtgeluesten und Beherrschungsbestrebungen grosser Organisationen in der neuen Gewerkschaftsinternationale ausgelegt werden oder auch zu diesen
Uebeln fuehren koennten.
Die Amerikaner hatten erst Paris zum
Hauptquartier vorgeschlagen. Wir wuenschten, dem Weltgewerkschaftsbund in direktem Konflikt die Stirne zu bieten und diese
Fuenfte Kolonne des imperialistischen Russlands zu bekaempfen.
Die endgueltige, einstimmige Wahl Bruessels zum Hauptquartier
befriedigte nicht nur die Amerikaner, sondern insbesondere die
Delegationen der kleineren Laender und Kolonien.
% n e maechtige, repraesentative, internationale Fuehrerschaft
wurde von dem Kongress gewaehlt. Es ist bezeichnend, dass die
durch den letzten Krieg hervorgerufenen Gegenerschaften bei der
Zusammensetzung dieser maechtigen Koerperschaft keine Rolle spielten.
Eine besonders willkommene Entwicklung stellt die Beteiligung der
freien Gewerkschaften aus Afrika und dem Fernen und Mittleren
Osten an der exekutiven Fuehrung dar.
Abschliessend seien die bewegenden Wort wiedergegeben, die
Praesident Green zu.Beendigung der Konferenz an die Versammelten
richtete:
"Wir haben auf diesem historischen Kongress ein Gebauede
errichtet, in dem die Gewerkschaften der ganzen Welt zusammenleben
und zusammenarbeiten koennen, um die Lebensbedingungen aller
Arbeiter der Welt zu verbessern."
International Free Trade Union News
Februar 1950
CIO's "WENDUNG NACH DER RECHTEN";

EIN MAERCHEN

Von Allan L. Swim
Wir veroeffentlichen den nachstehenden Leitartikel
des offiziellen CIO Organs, weil er Einwaende
widerlegt, die auch von deutschen Kommunisten
wiederholt erhoben worden sind.
Die Schriftleitung.

Zweck dieser Abhandlung ist es, mitzuhelfen, das Maerchen
von "einer endgueltigen Wendung des CIO nach der Rechten" zu
widerlegen.
Dieses Maerchen war in der Hitze des Gefechtes und der Verwirrung entstanden, die Begleiterscheinungen des Feldzuges des
CIO zur Saeuberung oder Ausstossung kommunistisch beherrschter
Gewerkschaften waren. Die Kommunisten hatten natuerlich alles
Moegliche zur Verbreitung des Gedankens getan, dass sich der
CIO nicht nur dem Konservativismus zuneige, sondern auch mit der
Reaktion herzliche Freundschaft geschlossen habe, Zeitungsschreiber,
die den CIO gerne weniger aktiv sehen moechten, haben ihrer Be- 5 -

�geisterung freien Lauf gelassen, und von einer "Wendung nach der
Rechten" geschrieben. Diese "Wendung" war ein Frontmachen gegen
den Kommunismus, aber keine Neigung zur Reaktion*
Die einzige, bemerkbare Veraenderung der Politik des CIO
waehrend der vergangenen Jahre besteht darin, dass er seine
Toleranz den Kommunisten gegenueber aufgegeben hat. Und das kam
nur deshalb, weil die Roten versuchten, den CIO den Befehlen
der russischen Regierung gefuegig zu machen - Befehle, die die
Zerstoerung der Vereinigten Staaten zum Ziele hatten. Es war
in der Tat kein Umschwung nach der Rechten, denn die Kommunisten
sind in vielen Beziehungen ebenso reaktionaer wie die "Chikago
Tribüne (Reaktionaere Chikagoer Zeitung). Ueberzeugen wir uns
an Hand von Tatsachen und Berichten, welche Richtung der CIO
bisher eingeschlagen hat. Die Organisation unterstuetzte staerkstens
Praesident Roosevelt und sein New Deal Programm. (Die Kommunisten
waren sowohl fuer als auch gegen Roosevelt, entsprechend der Jeweiligen Einstellung ihrer Partei). Der CIO befuerwortete ausserdem das Fair Deal Programm Praesident Trumans, welches in mancherlei Hinsicht mehr als das New Deal nach der "Linken" neigt.
Im Verlauf des vergangenen Jahres beteiligten sich die
Stahlarbeiter und andere CIO Gewerkschaften massgeblich an dem
Kampf fuer verbesserte soziale Sicherheit. Augenblicklich betaetigt sich die Organisation mit zunehmender Aktivitaet an einem
politischen A^tionsfeldzug, der den Liberalen in den Kongresswahlen dieses Jahr zu mehr Stimmen verhelfen soll« An dem Beschluss des CIO, das verhasste Taft-Hartley Gesetz ausser Kraft
zu setzen, hat sich nicht das Geringste geaendert. Mit gesteigertem Nachdruck setzt sich der CIO fuer eine Verbesserung der b ü r gerlichen Rechte ein. Eine ihrer Hauptaufgaben sieht die Organisation in der Beseitigung der Wohnungsnot durch Foerderung des
Wohnungsbaus fuer Empfaenger niedriger und mittlerer Einkommen
und durch die Fortsetzung der Mietkontrolle. Der Kampf gegen
die wachsende Monopolkontrolle seitens des "Big Business" ist
ununterbrochen weitergefuehrt worden. Die Unternehmer, die mit
CIQ-Ausschuessen Verhandlungen gefuehrt haben, haben erkannt,
dass die Aktivitaet dieser Organisation, die die Kommunisten
faelschlicherweise fuer sich beanspruchen moechten, alles andere
als tot ist.
Wenn die Kommunisten in außenpolitischen Angelegenheiten
die "Linke" vertreten, dann hat sich der CIO der "Rechten" zugewandt. Dies ist Jedoch eine seltsame "Rechte". Der CIO hat
eine Politik verfolgt, deren Ziel die wirtschaftliche Gesundung
der Voelker der Welt und die Errichtung einer wahren Demokratie
in Jedem Lande ist. Er hat sich den totalitaeren Machtgeluesten
und der Idee widersetzt, dass sich das Volk dem Polizeistaat
unterwerfen muesse. Er kaempft gegen die Versuche der Kommunisten
an, die Gewerkschaften zu unterwuerfigen Dienern des Staates zu
machen. Der CIO steht hinter dem Europaeischen Wiederaufbau
Programm und den Plaenen Praesident Trumans zur Versorgung der
"rueckstaendlgen" Nationen mit technischer und anderer Hilfe.
Er hat gegen die Anerkennung Spaniens und die zunehmende Macht
diktatorischer Regimes der aeussersten Rechten Jenseits des
Rio Grande gekaempft.
Um es unverbluemt zu sagen, Geruechte ueber unsere "Wendung
nach der Rechten" sind vollkommener Unsinn. Vielleicht sind
einige nutzlose, linksgerichtete Anhaengsel inzwischen verschwunden. Unsere Organisation wendet nicht die politische Streiklinie
an. Und verantwortungsbewusste CIO Fuehrer werden weder aufruehrische Tumulte inszenieren, noch Gewalt anwenden, um auf diese
- 6 -

�Welse zu demonstrieren, dass das arme Proletariat von den Kapitalisten zertreten wird» Selbstverstaendlich ist der CIO im
Verhaeltnis zu frueher gereifter. Er hat gelernt, dass man sich
keiner Aufgabe entledigt, indem man viel Laerm schlaegt. Aber er
hat deshalb noch lange nicht nach rechts umgeschwenkt. m Sein Platz
ist immer noch links von der Mitte, aber nicht an der aeussersten
Unken. Und das ist wohl der richtige Platz fuer eine Arbeiterorganisation.
"The CIO News"
6. Itaerz 1950
NOCH TMMER KEINE REFORM DES DEUTSCHEN BEAMTENSYSTEMS
Von Joseph Mire, Volkswirtschaftler in der
U.S. Gewerkschaft der Angestellten des
Oeffentlichen Dienstes.
(Nachstehender Artikel handelt von dem deutschen Beam
tentum und seinem Einfluss auf die demokratische
Entwicklung in Deutschland. Der Verfasser ist
Volkswirtschaftler im Dienste der Gewerkschaften.
Frueher war er Berater der Militaerregierung.)

Im Jahre 1935 veroeffentlichte ein gewisser Dr. Hans Globke
in Muenchen einen Kommentar zu den neuen deutschen Rassengesetzen.
"Diese Gesetze", erklaerte Dr. Globke zustimmend, "sind eine
Abkehr von der liberalistischen Idee der Gleichheit der menschlichen Wesen.... Eine Nation kann m r gedeihen, wenn die Fuehrung
ihrer Elite anvertraut ist.... Nur diejenigen, die deutschen
Blutes sind, koennen Buerger sein." Fuer die ungluecklichen
Opfer der deutschen Rassengesetzgebung fand Dr. Globke die folgenden, trostreichen Worte: "Sie haetten in der Wahl ihrer
Eltern vorsichtiger sein solleni"
Heute ist dieser gleiche Dr. Globke Leiter des Personalamtes der westdeutschen Regierung und Verfasser des neuen deutschen
Beamtengesetzes, mit dem sich nun das deutsche Parlament beschaeftigt. öas neue Gesetz und sein Verfasser beweisen, dass es uns
nicht gelungen ist, das deutsche Beamtensystem zu reformieren
und es von Nazi Anhaengern wirksam zu saeubern.

Das deutsche Beamtentum war schon immer ein Traeger der
Reaktion. Es diente der Monarchie und ungeachtet dessen, dass es
ein Nebenprodukt des autoritaeren Staates ist, blieb es fast ohne
Aenderung unter der Weimarer Republik und dem Naziregime bestehen.
Mit grossen Privilegien ausgestattet, wie Anstellung auf Lebensdauer, unkuendbar selbst bei offensichtlicher und totaler Unfaehigkeit, automatische Befoerderung ohne Ruecksicht auf Dienst Verrichtung, entwickelte sich das Beamtentum zu einem Kastensystem,
unter dem die Bediensteten des Staates eher Herren als Diener
des Volkes waren.
Ihre bevorrechtigte Stellung wurde noch gestaerkt durch
ihren Einfluss in den gesetzgebenden Koerperschaften und in allen
starken, politischen Parteien Deutschlands. (In einigen deutschen
Staaten setzen sich die gesetzegebenden Organe zu 45 bis 50£ aus
Beamten zusammen.)
- 7 -

�Zur Kroenung all dessen gewaehrt das deutsche Strafgesetzbuch den Beamten einen besonderen Schutz gegen Beleidigungen.
Es ist schon eine Sache in Deutschland, jemanden zu beleidigen,
aber weit schwerwiegender ist das Vergehen, wenn sich diese Beleidigung gegen einen Beamten richtet. Es herrscht eine kaum
ertraegliche Atmosphaere, die sich die Beamten voll und ganz
zunutze machen, und aus der heraus die allgemein verbreitete
Furcht und Scheu zu verstehen ist, die das Verhaeltnis zwischen
den gewoehnlichen Buergern und den Beamten in Deutschland beherrscht.
Genau so wie der deutsche Militarismus und die preussischen
Junker bildeten auch die Beamten einen wesentlichen Bestandteil
derjenigen Kraefte in Deutschland, die zweimal in einer Generation
den Weltfrieden gestoert haben. Die amerikanische Militaerregierung war sich dessen voll bewusst. Sie wusste, dass ohne eine
gruendliche Reform der oeffentlichen Verwaltung in Deutschland ein
wahrhaft demokratischer Gesellschaftsaufbau unmoeglich sei.
Die meisten Beobachter sind sich darueber einig, dass der
Durchschnittsdeutsche die Meinung der Militaerregierung teilte
und fuer die Beamten nur wenig Sympathie hatte« Leider versaeuraten wir, schnell und durchgreifend zu handeln. Jahrelang warteten
wir geduldig auf einen annehmbaren Reformplan der Deutschen selbst.
Da sie jedoch dieses. Problem nicht in allgemeinen, gegenseitigem
Einvernehmen loesen konnten, wurde von uns schliesslich das
Kontrollratsgesetz Nr. 15 erlassen, das dazu bestimmt war, das
deutsche Beanitensystem von Grund auf zu aendern. Dies geschah
jedoch erst am 15. Maerz 1949.
Die Reaktionen auf dieses Gesetz waren in Deutschland verschieden. Diejenigen, die eine wirkliche Reform wuenschten, waren
der Ansicht, dass man in diesem Gesetz nicht weit genug gegangen
war, waehrend die Beamten selbst aufatmend feststellten, dass man
nicht so weit gegangen war, wie sie befuerchtet hatten. Das Gesetz stellte einen Schritt in der richtigen Richtung dar, leider
war dieser Schritt jedoch zu klein und kam zu spaet. Im Sommer
1949 hatte sich das politische Klima in Deutschland derartig geaendert, dass die Beamten es sich leisten konnten, das Gesetz zu
ignorieren und es zu uebergehen.
#• * ; # v # #

Seit dem Bestehen der neuen deutschen Regierung hat der
Innenminister Dr. Heinemann den auf sehr zweifelhafter Rechtsgrundlage basierenden Standpunkt vertreten, das Gesetz Nr. 15
sei auf die Beamten der neuen deutschen Bundesverwaltung nicht
anwendbar. Der gesetzliche Gesichtspunkt spielt keine Rolle, denn
es ist unbestreitbar wahr, dass das neue deutsche Parlament die
volle Befugnis hat, ein neues Beamtengesetz zu erlassen.
Und das tut man gerade jetzt in Deutschland, und alles laesst
darauf schliessen, dass in Kuerze der Beamte seine fuehrende Machtstellung wiedergewonnen haben wird. Das zur Zeit in Bearbeitung
befindliche Gesetz - von Dr. Globke entworfen - ist ein Duplikat
des von Hitler im Jahre 1937 erlassenen Gesetzes, in welches die
wesentlichen autoritaeren Bestandteile des Beamtengesetzes von
1873 aufgenommen worden waren.
Es liegt nun klar auf der Hand, dass wir eines unserer Hauptziele in Deutschland verfehlt und den verhaengnisvollen Fehler
der Weimarer Republik wiederholt haben, die es ebenfalls, zu ihrem
eigenen Verhaengnis, versaeumt hatte, die oeffentliche Verwaltung
in Deutschland zuverlaessigen Freunden und Anhaengern demokratischer
Ideen und Prinzipien in die Haende zu geben.
- 8

�Die Situation koennte vielleicht noch durch Anwendung der
von der Militaerregierung in Deutschland sich vorbehaltenen
Rechte gerettet werden, wenn sich unsere politischen und militaerischen Fuehrer zum Handeln entschliessen wuerden. Die Zeit
draengt Jedoch sehr in Deutschland.
"ADA Uorld"
Herausgegeben von Amerikanern
fuer Demokratische Aktion.
(Americans for Democratic Action)
20. Maerz 1950
ECA FOERDERT BERUFSAUSBILDUNG IN EUROPA
Die Berufsausbildung Junger Maenner und Frauen ist fuer die
Wiederbelebung der europaeischen Industrien von wesentlicher
Bedeutung. Die Regierungen der ularshall Plan Laender und die
Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit ECA arbeiten gemeinsam an der Ausbildung Junger Menschen in jedem Sektor der
Industrie und Landwirtschaft.
Das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten hat sich
ebenfalls durch sein Buero fuer Lehrlingswesen an diesem Programm
beteiligt. Sechs Griechen studieren zwei Monate lang Lehrlingsausbildungsmethoden in den Vereinigten Staaten. Ihre Reise und
Schulung wird von diesem Buero organisiert.
Die griechische Regierung und die ECA haben in gemeinsamer
Zusammenarbeit Berufsschulen in den wichtigsten Industriezentren
Griechenlands eingerichtet. In Athen gibt es sieben Berufsschulen,
in denen eine vierjaehrige Ausbildung fuer hochqualifizierte
Mechaniker und Ingenieure vorgesehen ist. In der Berufsschule
von Sevitanedios werden 120 Schueler in zweijaehrigen Kursen
praktisch und theoretisch fuer 40 verschiedene Berufe ausgebildet. In Amerika hergestellte Maschinen und 'Werkzeuge im Werte
von etwa 30.000 Dollar sind diesen Schulen zur Verfuegung gestellt
worden. Die Automobilabteilung liefert im Durchschnitt pro Tag
einen Autobus und ist mit 57# an der Wiedererstellung der griechischen Autobusparks beteiligt. Aus anderen Abteilungen kommen
erstklassige Nieter, Maler und Elektriker.
Traktoren, Pfluege und Erntemaschinen werden im Rahmen des
Marshall Planes nach der Tuerkei geschickt, um die landwirtschaftliche Produktion in diesem Lande zu erhoehen. Die tuerkische
Regierung bildet Junge Leute zwischen 19 und 26 Jahren zu Mechanikern fuer landwirtschaftliche Maschinen aus. Sechzig beendeten
den ersten dieser Lehrgaenge erfolgreich, und an dem zweiten Lehrgang nehmen 92 Schueler teil. Bevorzugt werden Jugendliche von
Bauernhoefen, die mit modernen Maschinen ausgeruestet werden sollen,
oder die dieselben bereits besitzen; ausserdem solche, die ihr
Talent in motorisierten militaerischen Einheiten unter Beweis
gestellt haben*
In Daenemark arbeitet die Gewerkschaft der Metallarbeiter
an einem Berufsausbildungsprogramm fuer ungelernte Arbeiter, um
im Rahmen der nationalen Wiederaufbaubestrebungen dem Mangel an
Facharbeitern zu begegnen. Die 50.000 Mitglieder zaehlende
Gewertechaft hat alle noetigen Vorsichtsmnssnahmen zum Schutze der
gelernten Handwerker getroffen. Der Praesident dieser Gewerkschaft, Hans Rasmussen, erklaerte: "Grundsaetzlich vertreten wir
die Ansicht und haben dies auch in den getroffenen Vereinbarungen
- 9 -

�geltend zu machen versucht, dass ein ungelernter Arbeiter, der
eine Fachkenntnisse erfordernde Beschaeftigung ausuebt, auch
nach dem fuer diesen Fachberuf gueltigen Tarif bezahlt werden
muss. Zweitens haben wir darauf bestanden, dass ein gelernter
Arbeiter, der an einen anderen Arbeitsplatz ueberwiesen wird,
weil seine Arbeit von einem ungelernten Arbeiter verrichtet
wird, den gleichen Lohn wie frueher erhalten muss. Ausserdem
ist in den meisten Faellen vereinbart worden, bei Arbeitsmangel die gelernten Arbeiter zuerst mit Beschaeftigung zu
versorgen."
Durch dieses Programm sind bereits 3.000 zusaetzliche
Arbeiter fachlich geschult worden, die von einem Schiffsbauunternehmen benoetigt werden, damit es die ihm gesteckten Ziele
in der Produktion erreichen kann.
In den Ausbesserungswerften von Triest werden zur Zeit
Fischereifahrzeuge gebaut. Zur Bemannung dieser Schiffe hat
die Fischergenossenschaft mit der Hilfe des Marshall Planes,
deren Wert sich auf 600.000 Dollar belaeuft, eine Fischereischule errichtet. Die Schule wird von 50 Studenten besucht,
die in Geographie, Navigation, Technik und Meeresbiologie
unterrichtet werden. Ausserdem lernen sie, wie man Netze herstellt und aisbessert und werden mit allen praktischen Fragen
der Hochseefischerei vertraut gemacht.
Oesterreichische Jungen und Maedchen werden, in Jungbauernklubs zusammengefasst. Dort hoeren sie von den modernen Methoden der Gross- und Kleinviehzucht, und wie man besser und
mehr Wqizen, Roggen, Gerste, Mais, Kartoffeln und Zuckerrueben
erzeugt. Die Maedchen lernen Hausarbeit, das Naehen von
Kleidern und Konservieren von Fleisch, Gemuese und Fruechten.
Die Lehrkraefte dieser Klubs sind oesterreichische Experten
der Landwirtschaft.
Labor Information Bulletin
US Arbeitsministerium
Maerz 1950

EIN WELTPLAN ZUR VERHUETUNG DER ARBEITSLOSIGKEIT
Von Mac R. Johnson
Washington—(Amerika Dienst)— Fuenf hervorragende
Volkswirtschaftler haben einen Mobilisierungsplan ausgearbeitet, der zur Anwendung kommen soll, sobald eine steigende
Arbeitslosigkeit das Herannahen einer Wirtschaftsdepression
ankuendigt; dieser Plan ist zur Beratung durch den Wirtschaftsund Sozialrat der Vereinten Nationen bestimmt.
Ber Bericht, der den Titel "Nationale und Internationale
Massnahmen fuer Vollbeschaeftigung" traegt, wurde auf Veranlassung des Generalsekretaers der Vereinten Nationen, Trygve
Lie, von unabhaengigen Fachleuten verfasst.

- 10 -

�Die Initiatoren des Planes sind: Prof. John Maurice Clark
von der Columbia-Universitaet, Prof. Arthur Smithies von der
Harvard-Universitaet, Nicholas Kaldor von King's College,
Cambridge, Pierre Uri vom Commissariat General du Plan, Paris,
und E. Renald Walker vom australischen Aussenministerium, der
den Vorsitz fuehrte.
Bach diesem Programm sollen sich die teilnehmenden Regierungen verpflichten, im voraus festzustellen, was sie zu
tun gedenken, wenn der Beschaeftigungsgrad unter eine bestimmte
Hoehe sinkt. Diese geplanten Massnahmen muessten durch entsprechende Gesetze vorbereitet und geeignet sein, die Nachfrage nach Guetern zu steigern. (z.B. Steuerermaessigungen).
Eine Voraussetzung sei allerdings die Bekaempfung der
Dollarknappheit an ihren Wurzeln, und zwar nicht nur in
Europa, sondern auf weltumfassender Grundlage.
Als nationale Massnahmen werden empfohlen:
1.

Die Feststellung eines Ausmasses von Mindestbeschaeftigung, das erreicht werden soll.

2.

Die Bekanntgabe eines Gesamtplanes fuer die Erreichung
der Vollbeschaeftigung.

3*

Die Bekanntgabe zusaetzlicher Massnahmen fuer den
.Fall, dass dieses Ziel nicht erreicht wird. «

4. Die Bekanntgabe der Plaene fuer die Stabilisierung
der Preise.
5.

Die Schaffung der notwendigen legislativen und administrativen Voraussetzungen fuer die Durchfuehrung.

Als Internationale Massnahmen werden vorgeschlagen:
1.

Ein Programm zur Beseitigung der gegenwaertigen
strukturellen Gleichgewichtsstoerung im Welthandel.

2.

Die Schaffung eines staendigen Zuflusses von Investitionskapital in wirtschaftlichen zurueckgebliebene
Gebiete, hauptsaechlich durch die Welthank.

3.

Ein Plan, nach dem die Ausbreitung internationaler
Wirkungen einer deflationistischen Politik mit Hilfe
des Internationalen Waehrungsfonds verhindert werden
kann.

In einer zusaetzlichen Erklaerung schrieb Prof. Clark:
Wir uebernehmen wahrscheinlich ein grosses Risiko, wenn
wir durch staatliche Finanzpolitik zu viel erreichen wollen.
Wir laufen aber ein ebenso grosses Risiko, wenn wir fuer die
Stabilisierung des Einkommens und des Beschaeftigungsgrades
auf einem hohen Niveau zu wenig tun.
Die Vereinigten Staaten koennten wohl geneigt sein, ein
gewisses Mass von Unregelmaessigkeit auf sich zu nehmen und
sich bei der Ueberbrueckung der Arbeitslosigkeit auf ihr

- 11 -

�SozlalversicherungsSystem zu verlassen. Als gute Weltbuerger
aber duerfen wir mit Ruecksicht auf die Wirkungen, die eventuelle Veraenderungen in unserer Wirtschaft auf andere Laender
ausueben, solche Fragen nicht entscheiden, als ob es sich nur
um uns selbst handelte.
Die Weltlage legt vielmehr den industriell fuehrenden
Laendern die Verpflichtung auf, mehr zu tun, als sie es vielleicht auf Grund von nur innerpolitischen Erwaegungen moechten.
Diese Ueberlegung soll uns davon abhalten, zu wenig zu
tun, und uns veranlassen, lieber das Risiko zu uebernehmen,
bisher noch nicht genuegend erprobte Wege der Finanzpolitik
zu beschreiten. In diesem Sinne unterschreibe ich den Bericht.
"Amerika Dienst" - Arbeit
14. Llaerz 1950

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

- 12 -

UGOS t n ; 1 4 1 April SO 1' s.

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Ottice of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission fflr Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 7

Frankfurt, 2 1 . April 1950
INHALTSVERZ

EICHNIS

Dubinsky prphezeit schweren Kampf gegen den r o t e n
Weltgewerkschaftsbund - - - - - - - - - - - - - —
Warum b l e i b t Hlstadrut Im kommunistischen Weltgewerkschaftsbund - - - - - - - - - - - - - - - - Walter Reuther - - - - - - - - - - - - - - - - - F e r n u n t e r r i c h t durch die Gewerkschaften - - - - - Ein Kommunist schwenkt u m - —
- - - - - - - - - - 1

1
8
4
7
1

DUBINSKY PROPHEZEIT SCHWEREN KAMPF GEGEN DEN ROTEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND
Von dem New Yorker Korrespondenten des Nachrichtendienstes der AFL, Arnold Beichmann.
(New York)— David Dubinsky, der Praesident der I n t e r n a t i o n a l e n Bekleidungarbeiter Hewerkschaft (AFL), i s t der Auffassung, dass der "vor kurzem gegruendete I n t e r n a t i o n a l e Bund
F r e i e r Gewerkschaften eine kategorische Abkehr von dem Maerchen
d a r s t e l l e , der sowjetische T o t a l i t ä r Ismus s e i eine f o r t s c h r i t t l i c h e Idee, oder das kommunistische System b i e t e irgendeine
Moeglichkeit, die I n t e r e s s e n der i n t e r n a t i o n a l e n Arbeiterklasse
zu foerdern."
Dubinsky, der Mitglied der AFL Delegation war, die den
neuen I n t e r n a t i o n a l e n Bund F r e i e r Gewerkschaften o r g a n i s i e r e n
half, schrieb i n der Aprilausgabe der v i e r t e l , ) a e h r l i c h e r s c h e i nenden e i n f l u s s r e i c h e n Veroeffentlichung, "Foreign A f f a i r s " :
" D e l e g i e r t e , d i e 50.000.000 Arbeiter in mehr a l s 50 v e r schiedenen Laendern v e r t r e t e n , haben nun den Bolschewismus a l s
den Erbfeind der Arbeiterschaft gebrandmarkt. Damit moegen s i e
dem Vorwand e i n Ende b e r e i t e t haben, u n t e r dem der Bolschewismus
mehrere Jahrzehnte lang die meisten seiner Erfolge errungen hat •
naemlich, dass er e i n Freund der Arbeiter der Welt s e i . "

- 1 -

�Der Chef der Internationalen Damenbekleidungsarbeiter
Gewerkschaft wandte sich gegen Franco Spanien, indem er
erklaerte, "die freien Gewerkschaften der ganzen Welt seien
der Ansicht, dass sich Nazismus, Faschismus, Falangistentum
und Kommunismus im wesentlichen gleich seien", und er versicherte, dass "eine unentschlossene Haltung, wie sie kuerzlich von unserem Aussenministerium Franco Spanien gegenueber
an den Tag gelegt worden sei, unter der Arbeiterschaft Europas
und Asiens schwerwiegende Missverstaendnlsse der von Amerika
verfolgten Ziele ausloesen koennten."
Dubinsky wies warnend auf die Gefahr bin, dass der Kampf
zwischen der freien Gewerkschaftsbewegung und dem sowjetischen
Weltgewerkschaftsbund" an Heftigkeit und Erbitterung zunehmen
muesse."
"Beide Organisationen sind in einen Kampf um den hoechsten
Bes itz der Welt verwickelt - um die Herzen und Seelen von Millionen von arbeitenden Menschen in vielen Laendern der Welt.
Moskau koennte dem Rest der Welt nicht den totalitaeren Kommunismus aufzwingen, ohne erst die noch bestehenden freien Gewerkschafts Organisationen an die Kette zu legen,"
"Damit waere der Untergang des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften besiegelt, der nun das Herz und den
Kopf der internationalen demokratischen Gewerkschaften bildet.
Die neue Internationale ist sich der schwerwiegenden Bedeutung
dieser Bedrohung voll und ganz bewusst. Das Ringen ist besonders
schwer, da es dem Weltgewerkschaftsbund erlaubt ist , gegen die
freien Gewerkschaften in den demokratischen Laendern zu operieren,
wahrend dem Internationalen Bund Freier GewerkscKaften die
Strasse zu allen Laendern hinter dem Eisernen Vorhang versperrt
ist."
Mr. Dubinsky fuegte hinzu, dass der Weltgewerkschaftsbund
in Italien, Frankreich und einigen Teilen Asiens und Afrikas
noch starke Positionen halte, die die Kommunisten "waehrend
der vier Jahre eroberten, in denen ihre Verbindung mit den
freien Gewerkschaften sie mit dem Mantel der Redlichkeit umgab."
Weekly News Service der AEL
28. M&amp;rz 1950
WARUM BLEIBT HISTADRUT IM KOMMUNISTISCHEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND?
Chikago — Der Finanzsekretaer der AFL, George Meany, erklaerte, dass die amerikanischen Freunde des israelitischen
Gewerkschaftsbundes "Histadrut" geradezu verbluefft seien, dass
diese Arbeiterorganisation immer noch Mitglied des kommunistisch
beherrschten Weltgewerkschaftsbundes aei, atatt dem neuen
antikommunistischen Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
anzugehoeren.
Mr. Meany sprach anlaesslich eines Essens, das von der
Gewerkschaftsabteilung des israelitischen Histadrut in Chikago
gegeben wurde, ueber die seit langem bestehende]Freundschaft
und tatkraeftige Unterstuetzung seitens der AFL fuer Israel
und Histadrut.

- 8 -

�• Jedoch," so fuehrte er aus, "ist Hlstadrut von allen
nationalen Gewerkschaftszentren das einzige, welches seine
Mitgliedschaft In dem von den Kommunisten kontrollierten Weltgewerkschaftsbund aufrechterhaelt."
Mr. Meany sagtet
"Ich habe Verstaendnis fuer die Probleme des neuen Staates
Israel und des Gewerkschaftsbundes Hlstadrut, der eine so bedeutende Rolle in diesem Lande spielt« Ich weiss, dass die
Juedischen Gewerkschaftler Israels um das Los ihrer Brueder sehr
besorgt sind, die sich hinter dem Eisernen Vorhang befinden und
von den Russen als Geiseln zurueckgehalten werden. Wir geben
zu, dass die neue Republik, die noch keine zwei Jahre alt und
von feindlichen Nachbarn umringt ist, vor schweren Problemen
steht. Wir koennen und wollen all dies verstehen.
"Waehrend wir jedoch diesen Problemen die ihnen gebuehrende
Bedeutung zumessen, koennen wir nicht verstehen, dass sich Hlstadrut zu der Ausbreitung der Sklavenarbelt auch in anderen
Laendern als der modernen Heimat der Sklaverei, dem kommunistischen Russland, schweigend oder neutral verhaelt.
"Wir koennen nicht verstehen, wie Hlstadrut der Methode des
Kreml zur Vernichtung der Menschen schwelgend mitzusehen kann.
Auch koennen wir nicht verstehen, dass Hlstadrut neutral bleibt,
wenn das kommunistische Russland Juedischen Arbeltern die Einwanderung nach Israel verweigert, obwohl es deren Wunsch und
gutes Recht ist.
"Schliesslich fragen wir uns: Wie kann Hlstadrut moegllcherweise neutral sein, wenn die Juden In Sowjetrussland
zur Zelt aktiven und brutalen Verfolgungen ausgesetzt sind?"
"Hlstadrut ist eine demokratische, freie Gewerkschaftsbewegung," sagte Mr. Meany. "Sie hegt weder fuer den Kommunismus
noch fÜBr eine andere Form des Totalitarlsmus Sympathien* Auch
ist sie kein Werkzeug der kommunistischen Partei. Deshalb lat
•s seltsam, unvereinbar und - seien wir ehrlich - befremdend,
wenn wir sehen, wie Hlstadrut versucht, in dem Ringen zwischen
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften und dem Satelliten des Kreml, dem Weltgewerkschaftsbund, eine neutrale Stellung
einzunehmen.
"Ich habe ausfuehrlich und offen ueber diese Frage gesprochen.
Wir bewundern Hlstadrut und versagen ihm nicht unsere Anerkennung
fuer seine heroischen Leistungen im Laufe der vergangenen 30 Jahre.
Wir moechten ihm auch in Zukunft unsere Achtung und Freundschaft
bewahren.
"Als Freund Israels und seines Gewerkschaftsbundes Hlstadrut
bin ich gewiss, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung in
ihren Hoffnungen nicht getaeuscht werden wird, die demokratische
Gewerkschaftsbewegung Israels bald an ihrem Platze in der freien
Gewerkschaftsbewegung der Welt zu sehen - dem Vorkaempfer einer
friedlichen, freiheitsliebenden Menschheit.
"Hlstadrut gehoert zu dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften, und seine Mitarbeit in dieser Organisation ist
unerlaesslich."
Weekly News Service der AFL
28. Maerz 1950
- 3 -

�WALT gl REUTHER
Walter Reuther stammt aus einer Familie von Gewerkschaftlern, und die Berufung zu organisieren liegt Ihm Im Blut.
Aber er musste kaempfen, — mit Worten, Ideen und Faeusten —
um sich seinen Weg an die Spitze einer der groessten Gewerkschaften der Welt zu bahnen -- der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas, Zweimal musste er wegen gewerkschaftlicher
Betaetigung seinen Arbeitsplatz verlassen; mehrere Male wurde
er schwer misshandelt und einmal waere er beinahe einem
Mordanschlag zum Opfer gefallen. Selbst seine Ausbildung
musste sich Reut her er kaempfen« Mit 15 Jahren war er gezwungen
zu arbeiten; trotzdem beendete er die hoehere Schule und besuchte drei Jahre lang die Unlversitaet, waehrend er in einer
Automobilfabrik in Detroit arbeitete. Spaeter sollte er mit
Tatsatehen und Zahlen kaempfen, um seine Gewerkschaft vor dem
Untergang zu bewahren.
Aber immer wieder hatte er das Beduerfnis zu organisieren.
Als Reuther noch dabei war, die Tausende der schlecht
bezahlten Automobilarbeiter In Detroit zu organisieren, wurde
er einmal von den Unternehmern gebeten, einen Streik zu beenden,
durch den die Montageabteilung lahmgelegt war. Reut her begab
sich in diese Fabrik, versammelte die Arbeiter um sich und
begann, ihnen eine Gewerkschaftsrede zu halten. "Hoeren Sie",
unterbrach ihn der Sprecher der Betriebsleitung, "Sie sind
hierher gerufen worden, um den Streik zu beenden und nicht
eine Gewerkschaft zu organisieren."
Gelassen ueberging Reuther diese Unterbrechung.
"Ich versuche, sie wieder an die Arbeit zu bringen,"
sagte er. "Aber zuerst muss ich sie organisieren."
Reuther wurde am 1. September 1907 in Wheeling, (West
Virginia), dem Herzen der amerikanischen Stahl- und Kohlenindustrie«, geboren. Sein Vater war bereits Gewerkschaftler. Mit
33 Jahren wurde Valentine Reuther Praesident des Berufs- und
Arbeiterverbandes von Ohio. Sein Bruder, Victor Reuther,
ist Leiter der Abteilung fuer Ausbildung in der Gewerkschaft
der Verinigten Automobilarbeiter von Amerika. Reuther selbst
arbeitet In derselben Richtung weiter. Im Jahre 1936 heiratete
er ein Maedchen namens May Wolf, die ebenfalls Gewerkschaftlerin
ist und mit ihm schon in den fruehesten Tagen seiner Gewerkschaftslaufbahn zusammengearbeitet hatte.
Mit 15 Jahren verliess Reuther die hoehere Schule und
lernte Werkzeug- und Schnittmacher in seiner Geburtsstadt.
Fast zur gleichen Zeit begann er, die Arbeiter im Protest gegen
die Sonn- und Feiertagsarbeit zu organisieren. Dieses erste
Experiment gewerkschaftlicher Taetlgkeit beendete seine Laufbahn in Wheeling. Er wurde entlassen. Daraufhin ging der
entschlossene junge Gewerkschaftler nach Detroit, dem Zentrum
der Automobilindustrie Amerikas. Dort arbeitete er erfolgreich
sechs Jahre lang bei "General Motors", in verschiedenen Werkzeugfabrlken und schliesslich bei Ford. Abends ging er zur
Schule.
Aber selbst waehrend seiner Schulzeit vennachlaesslgte
Reuther nicht seine erste Liebe - die Gewerkschaft. Er schuf
den "Club fuer Soziale Probleme"; dann schulte er seine Mitglieder im Gewerkschaftswesen an Hand von praktischen Beispielan
Bei Streiks zum Beispiel setzte er sie als Streikposten ein.
- 4 -

�Inzwischen war Reuther ein erfahrener Techniker geworden
und wurde In der Werkzeugmacherel der Ford Werke als Vorarbeiter eingesetzt. Aber noch einmal wurde seine Laufbahn als
Arbeiter auf Grund seiner gewerkschaftlichen laetlgkelt unterbrochen. 1938 wurde er wegen Versuchs, die Arbeiter zu organisieren, erneut entlassen.
Daraufhin entschloss sich Reuther, sich mehr praktische
Erfahrung in der Gewerkschaftsarbelt anzueignen. Mit seinem
Bruder Victor unternahm er eine Reise per Rad durch Europa
und Asien. Die beiden Brueder arbeiteten In allen moeglichen
Unternehmen, beobachteten die Arbeltswelse In Auto- und Maschinenfabriken und befassten sich eingehend mit den Gewerkschaftsbewegungen In England, Deutschland, Russland, Zentralasien, China
und Japan — ihre Reise Ist In gewisser Beziehung mit den heutigen
Studienreisen der BCA zu vergleichen.
Drei Jahre spaeter kehrte er nach Detroit zurueck, um seine
Kenntnisse In die Tat umzusetzen. Zusammen mit anderen Arbeltern, die versuchten, die Automobilarbeiter zu organisieren,
gruendete er Im Westen von Detroit eine Lokalgewerkschaft und
machte sich an die Arbelt. Innerhalb eines Jahres hatte er
30.000 Arbeiter In seiner damals beruehmten Lokalgewerkschaft 174
organisiert.
Ausserdem spielte Reuther eine aktive Rolle bei der
Organisierung der Arbeiter der Radfabrik Kelsey-Hayes. Als
sich die Betriebsleitung dieses Unternehmens weigerte, den
Forderungen der Gewerkschaften stattzugeben, setzten sich die
Arbeiter an Ihren Arbeltsplaetzen nieder und weigerten sich zu
arbeiten oder sich von der Stelle zu ruehren. Zehn Tage lang
streikten sie und wurden von Ihren Frauen und Gewerkschaftskollegen verpflegt» Die Unternehmer waren machtlos» Schliesslich kapitulierten sie und erklaerten sich damit einverstanden,
die Gewerkschaft anzuerkennen und Maennern und Frauen einen
Anfangstarif von 75 i pro Stunde zu zahlen. Dies waren zu
jener Zelt die besten Loehne, die In der Industrie gezahlt wurden.
1936 wurde Reuther In den Internationalen Exekutivausschuss
der jungen Gewerkschaft der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas
gewaehlt. Im folgenden Jahre stand er Im Mittelpunkt der Handlung,
als es galt, die Arbeiter von Ford zu organisieren. Ford war
die letzte Hochburg der nlchtorganlslerten Automobilfabriken.
(Zu jener Zelt hatte die Gewerkschaft bereits Vertraege mit den
beiden anderen zwei der drei grossen Automobilunternehmen abgeschlossen - den "General Motors* und "Chrysler" und ausserdem
mit den meisten der kleineren Automobilfabriken.) Indem er half,
auch Ford zu organisieren, machte Reuther Geschichte fuer die
Gewerkschaften. Er veranstaltete die erste Gewerls chaftsSendung,
die je von einem Flugzeug aus gegeben werden sollte. Er ueberflog die Fabrik "Ford River Rouge" In Dearborn, In der Naehe
von Detroit. Ausserdem hatte er die Aufgabe, eine Flugschrift
seiner Gewerkschaft In diesem Werk zu verteilen. Dabei wurden
er und mehrere andere Gewerkschaftler von der Werkspolizei misshandelt.
Ein Jahr spaeter wurde er nochmals von Maennern verpruegelt,
die waehrend einer Geburtstagsfeier In sein Haus eingedrungen
waren.

�Reuther wollte Jedoch den Frieden und keine Gewalttaetigkelten. 1939 wurde er zum Leiter der Gewerkschaft Innerhalb
der General Motors ernannt. In dieser Stellung arbeitete er
mit seinem Personal an der Loesung der Arbeltsprobleme von etwa
300,000 Arbeltern In 100 verschiedenen Werken dieses Unternehmens.
Waehrend dieser Zelt herrschten in den Werken der "General Motors"
die besten und friedlichsten Beziehungen zwischen Arbeitnehmern
und Arbeitgebern in der Industrie. Reuther gelang es, die
"General Motors" zu veranlassen, einen unparteiischen Schiedsrichter zur Beilegung nichtwirtschaftlicher Streitigkeiten einzusetzen, die zwischen den Arbeitern und ihren Unternehmern
aufkommen koennen. Dieses Schiedsrichtersystem wurde spaeter
in viele andere Gewerkschaftsvertraega uebernommen und half mit,
Frieden in die von Streitigkeiten erschuetterte Industrie zu
bringen.
Obwohl jedoch Reuther den Frieden suchte, konnte er ihn
niemals finden. Zwei politische Kaempfe standen ihm noch bevor,
die er fast nicht bestanden haette. Es war ein erbitterter
Kampf Innerhalb der Gewerkschaft, ein lange andauernder Streik
nach dem Kriege. Ausserdem haette Reuther beinahe seinen Arm
verloren, als man einen Mordanschlag auf ihn veruebte.
Auch gegen Ende des Krieges sah Reuther die Dinge mit den
richtigen Augen und stellte seine Umsicht unter Beweis. Lange
vor dem Waffenstillstand hatte er die wirtschaftlichen Probleme
studiert, die sich fuer Amerika nach dem Kriege vermutlich
ergeben wuerden. Er schlug die Bildung eines Ausschusses fuer
FriedensproduktIon vor, der die amerikanische Wirtschaft waehrend
dieser schweren Zeit leiten sollte, und forderte die Umstellung
der staatseigenen Ruestungsbetriebe auf die Massenproduktion
von Wohnungsbau- und rollendem Eisenbahnmaterial. Dieser Plan
wurde jedoch nicht ausgefuehrt. Viele Gewerkschaftsfuehrer
sind der Ansicht, dass mit diesem vorgeschlagenen Programm ein
grosser Teil der Wohnungsprobleme haette geloest werden koennen,
denen sich Amerika nach dem Kriege gegenuebersah.
Gegen Ende des Jahres 1945 hatten die Automobilarbeiter
einen weiteren Kampf zu bestehen. Die Kaufkraft der Arbeiter
in den Industrien der Massenproduktion sank erheblich, well
die waehrend des Krieges gezahlten Praemien wegfielen und die
Tarife im allgemeinen als Folge des Einsteilens der Kriegsproduktion zurueckgingen. Walter Reuther und die Arbeiter von
"General Motors" nahmen diese grosse Aufgabe in Angriff, die
sich ihnen als erste nach dem Kriege bot. Reuther arbeitete mit
seinen Kollegen der Automobilarbeiter Gewerkschaft eine gründliche wirtschaftliche Analyse aus, die zeigte, dass die "General
Motors" In der Lage waren, hoehere Loehne aus ihren hohen Gewinnen
zu zahlen, ohne die Preise steigern zu muessen. Sie erboten sich,
ihre Forderungen herabzuschrauben, wenn die Gesellschaft ihre
Buecher zur Einsichtnahme zur Verfuegung stellen und den Beweis
liefern wuerde, dass sie nicht In der Lage ist, die Forderungen
der Gewerkschaft zu erfiueilen.
Die Gesellschaft lehnte diesen Vorschlag ab, und es kam
zu einem 113-taegigen Streik, der den Mittelpunkt eines nationalen,
politischen Problems und eines inneren Gewerkschaftskämpfes zwischen den Anhaengern Reuthers und der sogenannten linken Fraktion
der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas bildete , die in
Wirklichkeit eine Kombination von konservativen Funktionaeren
und Kommunisten war; die Letzteren waren dabei tonangebend. Obwohl ein vom Praesidenten eingesetzter Untersuchungsausschuss

�festgestellt hatte, dass die "General Motors" den Stundenlohn
um 19$£ erhoehen koennten, ohne die Automobilpreise steigern
zu muessen, weigerte sich die Gesellschaft, auf diese Bedingungen
einzugehen. Schliesslich gewaehrten sie doch eine Stundenlohnerhoehung von 18£#, weigerten sich jedoch, die Preise auf dem
gleichen Niveau zu halten.
Die Beilegung des Streiks in den Werken der "General Motors"
fuehrte zu aehnllchen Lohnerhoehungen in. anderen Zweigen der
Schwerindustrie, wodurch viele amerikanische Arbeiter in der
Lage waren, ihren Lebensstandard trotz der vermehrten Lebenshaltungskosten beizubehalten. Der Linksfraktion der Vereinigten
Automobilarbeiter Amerikas gelang es nicht, den Streik zuungusten
Reuthers zu wenden, der im Fruehjahr 1946 zum Praesidenten der
Gewerkschaft gewaehlt wurde. Die Laufbahn der Kommunisten in
den Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas fand auf der Konvention
von 1947 ihr Ende, auf der Reuther und seine Anhaenger die Kontrolle ueber die Gewerkschaft endgueltig in die Hand bekamen.
Reuther selbst bezeichnet sich als einen "Mittelwegler",
einen Mann, der weder an die Extremen der Rechten noch Linken
glaubt. Ein Mittelwegler hat jedoch immer Feinde.
In der Nacht des 20. April 1946 wurde Reuther, als er von
einer Gewerkschaftssitzung heimkehrte, durch Schuesse aus einem
im Hinterteil seines Hauses gelegenen Fenster verletzt. Sein
Arm wurde fast abgerissen und an der Brust wurde er verwundet.
Reuther ist der Ansicht, dass der Angreifer wahrscheinlich ein
Extremist der Rechten oder Linken ist. Noch ist er nicht voellig
genesen, doch die Taeter konnten niemals gefasst werden.
Aber Reuther steht noch immer im Kampf. Er hat seine Zeit
und seine Energie in den Dienst des neuen Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften gestellt. £r arbeitet fuer den Tag, an
dem das wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht der Gewerkschaften
in Amerika Wirklichkeit werden wird; an dem die Loehne hoeher
und die Preise und Gewinne niedriger und Arbeiter und Bauern
Amerikas und der ganzen Welt sich die Haende reichen und zusammenarbeiten werden.
ECA Labor Information
9. Maerz 1950
FERNUNTERRICHT DURCH DIE GEWERKSCHAFTEN
Uns wird geschrieben:
Eine der vordringlichsten und wichtigsten Aufgaben der
modernen Gewerkschaftsbewegung ist die gruendliche Schulung ihrer
Mitglieder und Funktionaere. Es ist schwer zu entscheiden, welche
Gebiete im Vordergrund dieser Schulungsarbeit stehen sollen: die
berufliche Weiterbildung des Arbeiters und Angestellten in seiner
Funktion als Produzent oder seine mitbuergerliche, soziale und
wirtschaftliche Schulung als Staatsbuerger.
Von den Verhaeltnlssen in Deutschland aus gesehen sind beide
Gebiete gleich wichtig. Wir brauchen den guten lualitaetsarbeiter,
um hochwertige Produkte sowohl fuer den Inlandsverbrauch wie fuer
den Export herstellen zu koennen und wir brauchen den gut orientierten, zuverlaessigen Mitbuerger, um unser Staatswesen auf
echter demokratischer Basis aufzubauen.

�Es ist selbstverstaendlich, dass die Gewerkschaften an der
Loesung beider Probleme interessiert sind. Eine qualitativ
gute Produktion ist eine der Voraussetzungen zur Hebung des
Lebensstandards.;-die demokratische Entwicklung des Staates
ist die Voraussetzung fuer den Bestand der Gewerkschaften*
Echte freie Gewerkschaften koennen nur in der frischen und
sauberen Luft der Demokratie existieren und ihre Aufgaben
erfuellen.
Um diese so wichtige Schulungs- und Bildungsarbeit durchfahren zu koennen, haben sich die Gewerkschaften verschiedene
Institute geschaffen. Auch der Fernunterricht wurde in den
Dienst dieser Aufgabe gestellt. Es wurde ein besonderes Institut "Die Brief schule" errichtet, die ihre Bueros im Gewerkschaftshaus in Frankfurt a.M., Wilhelm Leuschnerstr. 69/77 hat.
Durch den Fernunterricht der Brief schule ist es jedem
Arbeiter und Angestellten moeglich, sich in seiner Freizeit
sowohl beruflich als auch auf dem Gebiete des Allgemeinwissens
weiterzubilden. Um das zu koennen, braucht er nun nicht unbedingt eine Schule zu besuchen, denn die "Schule" kommt in Form
von Studienheften der Briefschule zu ihm ins Haus.
Bei der Organisierung und Propagierung des Fernunterrichts
der Brief schule wird versucht, die Kursteilnehmer zu Arbeitsgemeinschaften zusammenzuschliessen. Sie werden Immer wieder
darauf aufmerksam gemacht, dass es sich am besten in der
Gemeinschaft lernt. Ausserdem sind die oertlichen und betrieblichen Organisationen der Gewerkschaften bemueht, solche Arbeitsgemeinschaften oder Studienzirkel,zu bilden. Es soll nicht verschwiegen werden, dass es noch lange nicht genug dieser Studienzirkel gibt und dass noch viel Organisationsarbeit notwendig
ist, um sie populaer zu machen.
"Die Briefschule" hat bisher 15 Kurse herausgebracht. An
der Erweiterung des Kursprogramms wird staendig gearbeitet und
zum Herbst wird eine Reihe neuer Kurse erscheinen.
Aus Raummangel muss darauf verzichtet werden, die einzelnen
Kurse zu besprechen. Wir muessen uns darauf beschraenken, sie
lediglich anzufuehren:

Gewerksohaftskunde (7 Studienhefte) gibt einen Ueberblick
ueber die geschichtliche Entwicklung der deutschen Gewerkschaftsbewegung und ihrer Aufgaben in der Vergangenheit und in der Gegenwart.
Einfuehrung in die Nationaloekonomie (3 Studienhefte) ist
ein kleiner Kurs, der die Aufgabe hat, den Fernschueler mit den
nationaloeknnomischen Grundbegriffen bekannt zu machen und ihn
wirtschaftlich denken zu lehren.
Grundfragen der Psychologie (3 Studienhefte) beschaeftigt
sich in der Hauptsache mit den Moeglichkeiten und Grenzen psychologischer Forschung.
Die Frau im Erwerbsleben (3 Studienhefte) ist ein Kurs,
der einen Ueberblick gibt ueber die soziologische Stellung der
Frau in der modernen Gesellschaft. Er soll ein Beitrag sein
im Kampfe der Frau um ihre Gleichberechtigung.
Die Freie Rede (4 Studienhefte). Mit Hilfe dieses Kurses

- 8 -

�s o l l der ungeuebte und befangene Redner das Selbstvertrauen
gewinnen, das er braucht, um Im oeffentllchen Leben mit Erfolg
taetlg s e i n zu koennen.
Versarnmlungstechnik (3 Studienhefte). Nicht Jeder Vors i t z en^e~^änn~eTnTTeTs8jnmlung richtig und einwandfrei l e i t e n .
Deshalb werden mit Hilfe dieses Kurses die guten parlamentarischen
Regeln der Versarnmlungstechnik populaer gemacht.
Betriebswirtschaft (4 Studienhefte). Die Forderung nach
wirtschaftlicher Mitbestimmung der Arbeitnehmer macht es notwendig, dass ihre Vertreter einiges davon verstehen. Dieser Kurs
gibt jedem die Moeglichkeit, sich das Wissen anzueignen, das
er braucht, um die Interesses der Arbeitnehmer auch von einem
hoeheren Gesichtspunkt aus zu verstehen und wahrzunehmen.
Genossenschaftswesen (4 Studienhefte) macht den Leser mit
dem Wert und den Vorteilen genossenschaftlicher Organisationen
vertraut. Im Mittelpunkt der Eroerterungen steht die Konsumgenossenschaftsbewegung.
Zeichensetzung und Rechtschreibung (4 Studienheftö w i l l
dazu beitragen, die Maengel zu beseitigen, die das infolge des
Nazismus und des Krieges verschlechterte Schulwesen hinterlassen
hat.
Arbeitsyerwaltung und Arbeitspolitik (5 Studienhefte)
macht die Interessenten mit den Problemen des Arbeitsmarktes
und der Lenkung der Arbeitskraft bekannt. Der Kurs dient vor
a l l e n Dingen der Schulung des Personals, das in der oeffentl l c h e n Arbeitsverwaltung beschaeftigt i s t .
Englisch fuer Anfaenger (6 Studienhefte) i s t ein vorbildl i c h e r Sprachkurs, der auch a l l e n Jenen willkommen s e i n wird,
die schon etwas englisch sprechen, denen es aber an grammatikal i s c h e n Kenntnissen f e h l t .
Kurse, die ganz s p e z i e l l der beruflichen Weiterbildung
dienen s o l l e n sind: Technisches Rechnen I (4 Studienhefte)
und Technisches Rechnen II (3 Studienhefte).
Y

on der Skizze zur technischen Zeichnung I . und ILV Teil
(7 Studienhefte), sowie Kaufmaennlsches Rechnen (5 Studienhefte).
Zum Schlüsse s o l l erwaehnt werden, dass die Briefschule
Jederzeit bereit i s t , Auskuenfte ueber ihre Arbeit zu geben.
Prospekte koennen ebenfalls kostenlos angefordert werden.
Die Anschrift der Briefschule i s t : "DIE BRIEFSCHJLE",
Frankfurt a.M», Wilhelm LeuschnerStrasse 69/77.
Den folgenden interessanten Artikel entnehmen wir der
"New York Herald Tribüne'* vom 8. April 1950:
VERWALTUNG DER GEWERKSCHAFTSFONDS IST HAUPTPROBLEM IN DEN
VfiRtltilGTBW MAAtfiN
Gesamtkapital der GewerkschaftsOrganisationen wird auf

drei bis v i e r Billionen Dollar geschaetzt.
Von H. Eugene Dickhuth

(New York- 7. April) - Das Gewerkschaftswesen i s t zum

�Grossgeschaeft geworden. Das Gesamtkapital aller Gewerkschaften
in den Vereinigten Staaten wird zur Zeit auf drei bis vier Billionen Dollar geschaetzt, und die neuen Pensionsvertraege, ob sie
bereits abgeschlossen oder noch in Bearbeitung sind, werden
dieses Kapital voraussichtlich um 500 Millionen Dollar vermehren.
Die Verwaltung dieser riesigen Summen wird damit zu einem
Problem von hervorragender Bedeutung. Diese und aehnliche
Fragen bilden Gegenstand einer Erhebung, die gerade unter der
Leitung von Alexander S. Lipsett, amtierender Direktor des Bueros
fuer Oeffentliche-und Arbeitsbeziehungen (Public and Labor Relatlons Bureau), beendet wurde.
Die Ergebnisse dieser Erhebung sind von der Floyd L. Carlisle G.m.b.H. veroeffentlicht worden, "um die Gewerkschaftsführer sowohl als auch die breite Masse der Gewerkschaftler
ueber die voraussichtliche Hoehe der gewerkschaftseigenen Wohlfahrts- und Pensionsfonds zu informieren, fuer die Investierungsmoeglichkeiten gesucht werden sollen."
Verschiedene Maklerfirmen im ganzen Lande haben diese
Tendenz bereits erkannt, und man sah in den vergangenen Monaten
in Gewerkschaftszeitungen die ersten Reklamezeigen von Finanzfirmen.
Diese Entwicklungen sind gelegentlich noch durch Veroeffentlichungen in der Gewerkschaftspresse gefoerdert worden, in denen
zu dieser Frage Stellung genommen wurde. Auch haben einige Investitionsberater der Wall Street die Verwaltung des Kapitals
der Gewerkschaften bereits in die Hand genommen.
Die Ergebnisse der Erhebung Lipsett wurden unter der Ueberschrift "Teilhaberschaft der Gewerkschaften an der Industrie"
veroeffentlicht. Sie zeigen, dass der ueberwiegende Teil des
Gewerkschaftskapitals gegenwaertig in Regierungen und Gemeindeverwaltungen investiert und in bar vorhanden Ist, und dass ein
Drittel der gesamten Aktiva Eigentum von nationalen und internationalen Organisationen ist, waehrend zwei Drittel den Lokalgewerkschaften gehoeren.
In dieser Veroeffentlichung wird geschaetzt, dass in allernaechster Zukunft Pensionskassen fuer etwa eine Million Stahlarbeiter, eine Million Automobilarbeiter und 500-ooo Bergleute
bestehen werden, und dass sich das Gesamtkapital, welches in
diese Kassen fHessen wird, auf rund eine halbe Billion Dollar
belaufen wird.
Die Lipsett Erhebung enthaelt eine Aufstellung der Kapitalien
von 42 nationalen Gewerkschaften. Diese Angaben geben auf keinen
Fall ein Gesamtbild der amerikanischen Gewerkschaftsfinanzen,
sie bitten jedoch in gewisser Hinsicht einen Masstab.
In diesem Xapital sind die Geldreserven der Gewerkschaft
fuer Unterstuetzungen bei Todesfaellen oder Arbeitsunfaehigkeit,
der Grundstue&amp;ks- und sonstige Besitz wie Banken, Alters- und
Erholungshelme, Rundfunksender, kuenstlerische Unternehmen etc.
enthalten.

-10-

�Die n a t i o n a l e Organisation der Gewerkschaft des Zugpersonals mit 1.100 Lokalgewerkschaften s t e h t mit einem Kapital, von
55.500.000 Dollar i n dieser Aufstellung an der S p i t z e ; es f o l g t
die Gewerkschaft der Heizer und Lokomotivfuehrer mit einem Vermoegen von 35.300.000 Dollar. Der I n t e r n a t i o n a l e Verband der
Kraftfahrer b e s i t z t 81 Millionen Dollar, die Vereinigten Berga r b e i t e r 20 Millionen. Die I n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaft der
Drucker f o l g t mit 16.600.000 Dollar. An l e t z t e r S t e l l e stehen
die Gewerkschaften der Hausangestellten und B r a u e r e i a r b e i t e r ,
die über ein Kapital von j e 1 Million verfuegen.
Die Einnahmen der Gewerkschaften scheinen eine fragwuerdige
Angelegenheit zu s e i n . In diesem Zusammenhang h e l s s t es in der
Erhebung: "Im Jahre 1943 meldeten etwa 29.000 GewerkschaftsOrganisationen den Flnanzbehoerden ein Bruttoeinkommen von rund 400 M i l l i onen Dollar. S e i t dieser Zeit wurde Jedoch kein umfassender
Bericht von der Regierung herausgegeben."
Eine Aufstellung ueber d i e I n v e s t i t i o n e n der Gewerkschaften
weist auf, dass von den 55.500.000 Dollar der Gewerkschaft des
Zugpersonals etwa 42 Millionen in s t a a t l i c h e n und staedtischen
Schuldverschreibungen, und nur 9.800.000 Dollar anderweitig angel e g t s i n d . Die Drucker mit einem Gesamtvermoegen von 16.600.000
Dollar haben s t a a t l i c h e und s t a e d t i s c h e Schuldverschreibungen im
Werte von a l l e i n 13.300.000 Dollar aufgekauft.
Angesichts dieser sicheren und n i e d r i g v e r z i n s t e n K a p i t a l anlagen, deren 3ich die meisten Gewerkschaften bedienen, schlaegt
man eine r e a l i s t i s c h e r e I n v e s t i t i o n s p o l i t i k durch Investierung
b e t r a e c h t l i c h e r Geldbetraege i n privaten Unternehmen vor.
M

DamitH , e r k l a e r t e Mr. L i p s e t t , "wuerden die Gewerkschaften
mehr Zinsen beziehen, waeren gegen ein Absinken der Kaufkraft des
Dollars g e f e i t , und in der I n d u s t r i e wuerden durch diesen K a p i t a l zustrom mehr Beschaeftigungsmoeglichkeiten geschaffen."
All dies kann in der Tat zu einer Teilhaberschaft der
Gewerkschaften an der I n d u s t r i e fuehren. Es koennte eine a k t i v e
und eine passive Teilhaberschaft s e i n , was im Grunde jedoch genau
das Gleiche waere.
New York Herald Tribüne
8. April 1950
EIN KOMMUNIST SCHWENKT UM
Die Vorwuerfe, die der ehemalige Eunktionaer e i n e r kommun i s t i s c h beherrschten, franzoesisehen Gewerkschaft, Andre Miffre,
gegen die Fuehrer d i e s e r Gewerkschaft erhob, l i e f e r n einen weit e r e n Beweis dafuer, dass es in den demokratischen Laendern
einige Kommunisten g i b t , die i h r e Einstellung zum Marshall Plan
und seinen Auswirkungen auf die Wirtschaft Europas aendern.
Miffre war aus der kommunistischen P a r t e i a u s g e t r e t e n und
h a t t e s e i n Amt a l s Generalsekretaer des Gewerkschaftsverbandes
der Chemischen I n d u s t r i e n (CGT) n i e d e r g e l e g t , weil er davon
ueberzeugt war, dass die Fuehrer d i e s e r Gewerkschaft nicht die
Interessen Frankreichs Im Auge h a t t e n . Er e r k l a e r t e , dass er zu
einer gewissen Z e i t e r n s t l i c h an der Marshall Plan Hilfe gezweifelt habe.

- 11 -

�"Die Erfahrung hat uns jedoch gelehrt," sagte er, "dass
ohne die Hilfe Amerikas unsere Industrie niemals in der Lage
gewesen waere, unseren Mindestbedarf zu decken. Unsere Rohoelund Petroleumimporte
werden in Dollars bezahlt, die uns zu 85#
von Amerika zur verfuegung gestellt werden. Durdh die Hetze
gegen den Marshall Plan kann die Arbeitslosigkeit in unseren
Raffinierien, dem Vefteilungssystem und im Transportwesen
nicht beseitigt"werden."
Miffre wandte sich in aller Schaerfe gegen die Jetzigen
Fuehrer der kommunistisch gefuehrten Gewerkschaft der Chemiearbeiter. Um seiner franzoesichen Heimat treu sein zu koennen,
erklaerte er, habe er sich gezwungen gesehen, seine fruehere
Meinung zu aendern und sein Amt als Gewerkschaftssekretaer
aufzugeben.
ECA Labor Information
2. Maerz 1950

- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG,
APO 75V

OFFICIAL

dit-uli tt-rlib U

I IU| U IT c

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 8

Frankfurt, 28. April 1950
INHALTSVERZEICHNIS

Der Weltarbeitsmarkt - Mangel und Ueberschuss
an Arbeitskraeften - - - - - - - - - - - - - -

z

Internationaler Bund Freier Gewerkschaften in
die Vereinten Nationen berufen —
AFL fuer hoehere Kaufkraft

—

—

- - - - - -

3

- - - - -

3

Marshall Hilfe fuer Rotterdam

4

Neuer Gewerkschaftsvertreter im Anglo-Amerikanischen Produktivitaetsrat

—

6

Der Krisenausschuss des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften

- - -

— --

—

- - -

AFL g e i s e l t rote Sabotage an der Waffenhilfe Faliero Pinguentini —

—

-- —

Der Marshall Plan, ein "Programm des Volkes" -

7
8
10
11

Hoffman beglueckwuenscht die freien Gewerkschaften
— 12

�. DER WELTARBEITSMARKT - LIANGEL UND UEBERSCHUSS AN ARBEITSKRAEFTEN
Eine Erhebung ueber Mangel und Ueberschuss an Arbeitskraeften
auf der ganzen Welt wurde kuerzlich von der Internationalen Arbeitsorganisation zu Ende gefuehrt.
Umfragen wurden bei 31 Regierungen durchgefuehrt und der Erhebung zugrundegelegt. Diese zeigt, dass fuenf europaeische
Laender - Frankreich, Luxemburg, Schweden, Schweiz und England im Laufe des Jahres 1950 8.900 Arbeiter besonderer Berufsgruppen
in ihre Wirtschaft eingliedern koennten. Man schaetzt ausserdem,
dass allein Australien, wo nach eigenen Angaben immer noch Mangel
an Arbeitskraeften herrscht, waehrend der sechs Monate bis zum
Dezember 1949 72.000 Einwanderer aufgenommen hat. Die Vereinigten
Staaten meldeten keinen Mangel an Arbeitskraeften, ihren Schaetzungen zufolge kamen jedoch im Laufe des Jahres 1949 153.000 Personen als regelrechte Einwanderer im Rahmen des nationalen Einwanderung sprogramms ins Land. In Norwegen herrscht Mangel an
Facharbeitern, der Wohnraummangel macht jedoch augenblicklich
ein Einwanderungsprogramm groesseren Umfangs unmoeglich.
Kanada, Chile, Israel und Neuseeland berichteten ebenfalls,
dass sie Arbeiter aufnaehmen, konnten jedoch keine genauen Angaben ueber ihren Bedarf oder ihre Moeglichkeiten machen. In
Kanada habe der Arbeitsmarkt im Jahre 1949 bewiesen, dass die
Zeit ernsthaften Mangels an Arbeitskraeften vorbei sei. Es wurde
jedoch darauf hingewiesen, dass sie Quoten fuer Heimatvertriebene
in zwei Berufssparten noch nicht erfuellt seien - fuer gelernte
Handwerker des Baugewerbes stuenden 800 Arbeitsplaetze und fuer
Hausgehilfen 2.300 freie Arbeitsplaetze zur Verfuegung. Israel
berichtete, dass es seine Politik der freien Einwanderung fuer
Juden fortsetzen und soviel Menschen wie moeglich in das wirt- ,
schaftliche Leben seines Landes eingliedern werde. Auch in
Neuseeland wird der Zustrom von Einwanderern anhalten, die sich
hauptsaechlich aus Englaendern und Heimatvertriebenen zusammensetzen.
Laender mit ueberzaehligen Arbeitskraeften, wie Oesterreich,
Holland und die Schweiz, berichteten, dass 61.500 Arbeiter auswandern koennten. Ausserdem befinden sich 234,110 Heimatvertriebene unter der Obhut der Internationalen Fluechtlingsorganisation in Oesterreich, Italien und Deutschland. Diese Zahl enthaelt nicht die auf 10.000 geschaetzten deutschsprechenden Fluechtlinge in Oesterreich und nicht die ueberzaehligen Arbeiter unter
der einheimischen, italienischen Bevoelkerung.
In Italien, Hawai, Burma, den Philippinen und Finnland ist
das Problem der Arbeitslosigkeit besonders schwierig. Zu den
Laendern, die weder einen Ueberschuss an Arbeitskraeften, noch
einen Bedarf an Arbeitern aus fremden Laendern meldeten, gehoereü
Indochina, Iran, Belgien, Tschechoslowakei, Daenemark, Finnland
und Polen.
Die Aufgliederung der Laender, die zusaetzlich Arbeitskraefte
verwenden koennten, ist wie folgt:
Frankreich hat Bedarf an 3.600 Bergleuten fuer Kohlenbergwerke. Nach Luxemburgs Angaben koennen dort 2.600 staendige Landarbeiter und 1.000 Hausbedienstete eingestellt werden. Schweden
koennte 50 gelernte Metallarbeiter, 60 Textilspinner, 50 Krankenpflegerinnen und 100 Hausgehilfen absorbieren.

- 2

�Die Schweiz beabsichtigt, im Jahre 1950 11.500 Arbeiter
fuer dauernd zu engagieren. Gleichzeitig sind dort 7.300 Arbeiter fuer die Auswanderung verfuegbar. Englands Bericht
zeigt, dass dort im Laufe des Jahres 1950 2.500 weibliche Arbeiter
aufgenommen werden koennen und zwar: fuer die Textilindustrien
1.700, in Strumpffabriken 200, in der Toepfereiindustrie 100 und
500 Krankenpflegerinnen und Krankenhausbedienstete. England
schaetzt ausserdem, dass im Jahre 1949 45.000 Personen mit Unterstuetzung der Regierung nach Australien ausgewandert sind.
ECA Labor Information
23. März 1950
INTERNATIONALER BUND FREIER GEWERKSCHAFTEN IN DIE VEREINTEN
NATIONEN BERUFEN
Der Wirtschafts - und Sozialausschuss der Vereinten Nationen
beschloss in dieser Woche einstimmig, den neugegruendeten Internationalen Bund Freier Gewerkschaften als beratendes Mitglied
aufzunehmen. Der Interationale.Bund Freier Gewerkschaften ist
nicht Vertreter irgendeiner Regierung und gehoert damit zu den
Organisationen der "Kategorie A". Er kann in dieser, seiner
neuen Eigenschaft Vorschlaege fuer die Tagesordnung des Ausschusses
einreichen, die mit vielen der Probleme in Zusammenhang stehen,
welche fuer die Gewerkschaften von Interesse sind. Sowohl die
AFL als auch der CIO sind Mitglieder des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften. Die Praesidenten dieser Gewerkschaftsverbaende, William Green (AFL) und Philip Murray (CIO), gehoeren
zu dem 7 Mitglieder umfassenden Exekutivausschuss der neuen
Gewerkschaftsinternationale. Bevor die Resolution ueber die
Aufnahme des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften als
Organisation der"Kategorie A" angenommen worden war, hatte man
vereinbart, dass die AFL eine aehnliche Stellung, die sie in
diesem Ausschuss der Vereinten Nationen innehatte, aufgeben
sollte.
Als Chiles Mitglied im Ausschuss dem Weltgewerkschaftsbund
"wahrhaft demokratischer" Gewerkschaftsbewegung seine Anerkennung
aussprach, hiessen die meisten Mitglieder des Wirtschafts- und
Sozialausschusses der Vereinten Nationen den Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften herzlich willkommen.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest"
AFL FUER HOEHERE KAUFKRAFT
In diesem "Probejahr der freien Wirtschaft" sieht der
Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL in der Erhoehung der Loehne
eine wesentliche Notwendigkeit, um die wirtschaftlichen Probleme
loesen zu koennen, denen die Gewerkschaften im Jahre 1950 gegenüberstehen.
"Tatsaechliche" Lohnverbesserungen koennen nur erreicht
werden, wenn die Preise stabil bleiben, sagte die AFL, und
weist auf die Tatsache hin, dass sich die nationale Wirtschaft
nun in einer "Periode stabiler Lebenshaltungskosten" befindet.
Fuer Unternehmen, deren Einkommen nicht ausreicht, um "wesentliche Lohnerhoehungen" gewaehren zu koennen, schlaegt die AFL .
gemeinsame Programme der Arbeitnehmerund Arbeitgeber zur Reduzierung der Gestehungskosten wor.

�Aus AFL Kreisen verlautet ferner, dass durch den gegenwaertlgen Werbefeldzug, der der AFL eine weitere Million von
Mitgliedern einbringen soll, die allgemeine Lohnverbesserung
gefoerdert werden koenne. Der Beweis hlerfuer sei durch das
praktische Nbusiness unionism" (geschaeftliches Gewerkschaftswesen) in der Vergangenheit gegeben. Unter Hinwels auf das
statistische Material, das von 1945 bis 1949 durch Erhebungen
des Statistischen Bueros des US Arbeitsministeriums zusammengetragen wurde, stellt die AFL fest, dass die Durchschnittslohntarife der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ueber
denen der nichtorganisierten Arbeitnehmer lagen. So wurde
zum Beispiel fuer jeden Dollar, den ein nichtorganisierter
Arbeiter der Zieglstein- und ZiegelIndustrie verdiente, 1, 20
Dollar durchschnittlich an die gewerkschaftlich organisierten
Arbeiter dieses Industriezweiges gezahlt, waehrend die entsprechenden Tarife der organisierten Arbeiter der Getreidemuehlen 1,26 Dollar, der organisierten Baeckereiarbeiter 1,23
Dollar und der organisierten Arbeiter der Fleischkonservdnfabriken 1,29 Dollar betrugen.
In der wachsenden Arbeitslosenziffer sieht der AFL einen
Grund zur Beunruhigung; sie koenne ungehemmt ansteigen, da
sich "die industrielle Aktivltaet nicht schnell genug ausbreiten wuerde." Zwei Millionen Arbeitsplaetze mehr als im Jahre
1949 wuerden benoetigt, um die Vollbeschaeftigung verwirklichen
zu koennen.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest"
MARSHALL HILFE FUER ROTTERDAM
Der Lebensstandard der hollaendisehen Arbeiter ist 10 bis 15g
hoeher, als er ohne die Marshall Plan Unterstuetzung gewesen
waere, sagt einer der fuehrenden Gewerkschaftler Hollands.
Hendrik Westeriaken, der Vorsitzende der Sozialistischen
Gewerkschaft der Transportarbeiter ( N W ) , erklaert ausserdem,
dass der groesste Teil der zur Zeit in Gang befindlichen Wiederaufbauarbeiten am ausgebombten Rotterdam ohne die Marshall Plan
Gelder undurchfuehrbar gewesen sei.
Rotterdam war die erste Satd des Westens, die die Wucht
des Blitzkrieges zu spueren bekam, und es war eine der letzten
Staedte, die in nazistischen Todeskampf noch schwer zu leiden
hatte. Dazwischen lag es im Bombenhagel der Alliierten. Im Mai
1940 wurde Rotterdam, ohne vorher gewarnt zu werden, von den
Nazis bombardiert. Rund 25.000 Haeuser, 2,350 Laeden, 2.000
kleinere Fabriken und Lagerhaeuser und 1.450 Buerogebaeude
fielen in Schutt und Asche. Nahezu 80.000 Menschen waren obdachlos. Waehrend der Besatzung wurde die Stadt von den Bomben der
Alliierten schwer und oft getroffen. Dann sprengten die fliehenden deutschen Besatzungstruppen im September 1944 die Hafenanlagen in die Luft - Kaianlagen in einer Laenge von 6,5 km
mit Kraenen, Trockendocks und allem Zubehoer.
Um all dies wiederaufzubauen, werden Millionen von Dollars
benoetigt. Ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten laege der
groesste Teil der Arbeiten still und viele Arbeiter haetten
keine Beschaeftigung.

- 4 -

�Westeriaken hob.ganz besonders Folgendes hervor: "Wenn
wir den Marshall Plan nicht haetten, waere unser Lebensstandard
um 10 bis 15g niedriger als gegenwaertig." Zwoelfhundert Arbeiter sind allein beim Wiederaufbau der Kais beschaeftlgt. Dreizehntausend Bauarbeiter beseitigten die Truemmer, die die Deutschen
hinterlassen hatten, und bauen nun das neue Rotterdam auf. Die
Stadt wuenscht, Ihren Wiederaufbau so schnell wie moeglich zu
vollenden. Den Bauarbeiten werden deshalb besonders gute Loehne
geboten, und sie werden bei der Wohnraumzuteilung bevorzugt behandelt. Aus der Marshall Hilfe sind mindestens 40 Millionen
Gulden (10.500.000 Dollar) in Form von Gegenwertfonds fuer den
Wiederaufbau des Hafens und der Bahnhoefe von Rotterdam bereitgestellt worden.
Arbeiter, die an Marshall Plan Projekten beschaeftlgt sind,
wie zum Beispiel an den Kaianlagen,des Rotterdamer Hafens, verdienen 45 und 50 Gulden woechentlich. Der Wochenlohn eines
Hafenarbeiters betraegt durchschnittlich 60 Gulden. Beide beklagen sich darueber, dass die Preise weit schneller als die
Loehne angestiegen seien. Einer Forderung nach einer allgemeinen
Lohnerhoehung um 5g wurde kuerzllch stattgegeben, jedoch sind nicht
alle Industriezweige verpflichtet, diese Erhoehung zu gewaehren.
Es gibt vier grosse Gewerkschaften in Holland; der Gewerkschaftsbund ( N W ) mit 400.000 Mitgliedern, die Christliche
(oder Protestantische) CNV Gewerkschaft mit 155.000 Mitgliedern,
die Katholische Union (290.000 Mitglieder) und eine kommunistische
Gewerkschaft (EVC), deren Mitgliederzahl sich angeblich auf
160.000 belaeuft. Die ersteren drei Gewerkschaften haben sich
zum Zwecke gemeinsamen Kollektiwerhandelns im Gewerkschaftsrat
zusammengeschlossen. Dieser Rat bearbeitet Streitfragen zusammen
mit Vertretern der Unternehmer, die ebenfalls eine "Gewerkschaft"
haben. Wenn keine Einigung erzielt werden kann, wird ein Ausschluss der Regierung als Schiedsrichter hinzugezogen. Alle Gewerkschaften ausserder kommunistischen haben sich offiziell mit
den Zielen des Marshall Planes einverstanden erklaert und ihre
Bereitwilligkeit zum Ausdruck gebracht, am Marshall Plan mitzuarbeiten. Sie sind im Gewerkschaftlichen Beratungsausschuss
des ERP vertreten.
Die Arbeiter sind sich voll und ganz der Bedeutung des
Marshall Planes bewusst und wissen, was sie diesem Programm
in den vergangenen beiden Jahren zu verdanken hatten. Abraham
Baars, der Mitglied der CNV ist und an den Rotterdamer Kaianlagen
arbeitet, erklaerte: •Ohne die Marshall Plan Hilfe haetten wir
die Schwierigkeiten dieser Nachkriegszeit nicht ueberwlnden koennen.
Unser Lebensstandard ist zwar nocht nicht gut* Stellen Sie siah
vor, wie er ohne das ERP gewesen waerei" Jilles van Dalen, Mitglied
des Gewerkschaftsbundes N W , ist der Ansicht, dass "nachdem die
Deutschen das Land verwuestet hatten, die Marshall Hilfe unerlaesslich war, wenn die Wirtschaft wieder auf die Fuesse gestellt
werden sollte."
Die Arbeiter sagen, dass ihnen der LIarshall Plan Arbeit
gegeben hat, dass die Preise Jedoch schneller als die Loehne
gestiegen seien und es selbst mit Lohnerhoehung fuer den Arbeiter
schwierig sei, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, da nach
Kriegsende niemand mehr Ersparnisse besass. Van Dalen sagte:
"Vor dem Kriege habe ich woechentlich 3g,50 Gulden verdient. Fuer
einen GüUen konnte ich aber einen Schinken von 7 Pfund kaufen.
Nun verdiene ich nach Abzug der Steuern 46,31 Gulden, ein Pfund
Schinken kostet mich jedoch 1,50 Gulden. Mein Lohn ist hoeher,

- 5 -

�und trotzdem geht es mir schlechter. Durch die Marshall Hilfe
gibt es wieder Nahrungsmittel und Kleidung, aber wir brauchen
niedrigere Preise, um zu unserem alten Lebensstandard zurueckkehren zu koennen."
Die Sozialversorgung fuer Gewerkschaftsmitglleder Ist verbessert, worden. Es gibt von der Regierung getragene, besondere
Lebensversicherungen fuer Arbeiter; Druckerelen, die Tages- und
Gewerkschaftszeitungen veroeffentlichen, Berufsschule und Erholungshelme wurden eingerichtet. Ein privates Sanatorium fuer
TB Kranke Ist von der Katholischen Union erbaut worden. Dem
Gewerkschaftsrat Ist es gelungen, das Jahreseinkommen der Arbeiter um eine Feiertagszulage von Qg zu erhoehen» Die Arbeltgeber
zahlen jetzt einen Betrag, der SOg des Jahreseinkommens des Arbeiters entspricht, fuer soziale Einrichtungen, wie zum Beispiel
Alterspensionen. Fuer 80g aller Arbeiter Hollands werden die
Loehne jetzt In Tarlfvertraegen festgelegt.
Die Arbeiter von Rotterdam spielen eine wichtige Rolle.
Die Krlegsschaeden In Rotterdam allein machen 3Q&lt; der gesamten
Krlegsschaeden Hollands aus. Die Kaianlagen sind jedoch bereits
wiederhergestellt; es gibt heute mehr schwimmende Trockendocks,
mehr Oellager mit groesserem Fassungsvermoegen und mehr Getreideheber als vor dem Kriege. Weiterhin beachtenswert sind Kraene
und Lagerhaeuser. Viel Ist zur wirksameren Nutzung des vorhandenen
Materials getan worden, um die Kapazitaet des Hafens wiederherzustellen. Massgebliche Behoerden schreiben die Geschwindigkeit,
mit der der Wiederaufbau vonstatten geht, der Tatsache zu, dass
Rotterdam mit Hilfe des Marshall Planes versucht hat, den Arbeltern eine Chance zu geben.
ESA Labor Information
8. Maerz 1950
NEUER GEgERKSCHAFTSVBRTRErER IM ANGLO-AMERIKANISCHEN PRODUK-

•*\Mi3«&amp;te
Laut einer Mitteilung des Administrators der Europahilft,
Paul G. Hoffman, ist A. j. Hayes, ein amerikanischer Gewerkschaftsführer und Praesldent des Internationalen Metallarbeiter Verbandes
zum Mitglied der Amerika Abteilung im Anglo-Amerikanischen Produktlvitaetsrat ernannt worden.
Mr. Hayes ist der Nachfolger Harvey Browns, des frueheren
Praesidenten des Internationalen Metallarbeiter Verbandes, der
das Amt eines Beraters fuer Arbeitsfragen des amerikanischen Hohen
Kommissars fuer Deutschland, John J. McCloy, uebernommen hat
und zugleich Hauptberater fuer Arbeitsfragen in der deutschen
Marshall Plan Mission ist.
Der Produktivttaetsrat wurde Im September 1948 gebildet,
um durch den Austausch technischer Erfahrungen und Methoden
zwischen der amerikanischen und englischen Industrie die Produktionsleistung der Industrie steigern zu helfen. Im Verlauf des
Jahres 1949 besuchten nahezu 300 Vertreter der Gewerkschaften und
Unternehmer Englands als Mitglieder von 14 Produktlvltaets-Teams
die Vereinigten Staaten. Sie studierten die Methoden zur Steigerung der Produktionsleistung in den Industriezweigen Metall,
mechanische und elektrische Ausrüstungen, Textilien und Kunstduengemlttel. Wie Administrator Hoffman mitteilte, beabsichtigt
man, das Programm Im Jahre 1950 unter Auswertung der Ergehnisse

- 6 -

�des l e t z t e n Jahres zu erweitern. Die Kosten fuer die Studienreisen werden gemeinsam von den beiden Regierungen, der Marshall
Plan Verwaltung und den Arbeltgebern der Teilnehmer getragen.
ECA Labor Information
2 . Februar 1950
DER KRgENAUSSCHUSS DBS INTERNATIONALEN BUNDES FREIER GEWERK*

Dar nachstehende Bericht ist von Pat Frayne, der an einer
Sitzung des Krisenausschusses des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften in Bruessel vom 16« - 18. Maerz teilnahm. Dieser
Bericht soll Sie über die letzten Vorgaenge Innerhalb der Gewerkschaft sinternationale Informieren. Der obengenannte Krisenausschuss ist berechtigt, im Namen der 50 Millionen organisierter
Arbeiter Probleme zu loesen, dl« unerwartet auftreten koennen
und dringend einer Loesung beduerfen.

Der Ausschuss nahm eine Resolution an, in der er erneut
seine Bereitwilligkeit zum Ausdruck brachte, den Atlantik
Pakt zu unterstuetzen« In dieser Resolution heisst es: "Der
Sabotagefeldzug der Kommunisten gegen den Waffentransport Im
Rahmen des Atlantik Paktes stellt eine direkte Beeinträchtigung des Rechtes der freien Voelker dar.
"Als demokratische Buerger bestehen wir vom Internationalen
Bund Freier Gewerkschaften auf dem Recht der freien Nationen,
sich zur Abwehr Irgendeiner Aggression zusammenzuschliessen.
Die Slgnatarmaechte des Atlantik Paktes haben sich nach dem
auf demokratische Welse zum Ausdruck gebrachten Willen Ihrer
Voelker zum Zwecke der Selbstverteidigung verbuendet."
"Das Kominform und der sogenannte Weltgewerkschaftsbund
sind Werkzeuge der russischen Aussenpolltlk. Kommunistische
Versuche, die Waffenlieferungen zu unterbrechen, stellen eine
Art Taetigkeit einer Fuenften Kolonne und einen über die
ganze Welt sich ausbreitenden Feldzug dar, der die freien,
demokratischen Laender der Welt entzweien und schwaechen und
damit die sowjetische Expansion erleichtern soll."
In der Verlautbarung des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften heisst es weiter, dass die Kommunisten In heuchlerischer Welse den Frieden auf ihre Fahne schreiben, "waehrend
sie alle Moeglichkelten ausnutzen, die Sowjet Union und ihre
Satelliten bis an die Zaehne zu bewaffnen."
Alle Arbeiter der Welt werden in derReaolution aufgerufen,
sich der kommunistischen Sabotageoffensive entgegenzustellen.
Diese Resolution zum Atlantik Pakt bildete den Hoehepunkt in
der dreltaeglgen Sitzung des Krisenausschusses.
Ausserdem nahm der Ausschuss noch die folgenden EntSchliessungen an:
Der Sowjet Regierung wurde zur Last gelegt, das Moskauer
Abkommen von 1943 verletzt zu haben, indem sie den Abschluss

�eines Staatsvertrages mit Oesterreich sabotierte. Die sofortige
Wiederherstellung der österreichischen Unabhängigkeit und der
Abzug aller Besätzungstruppen wurde gefordert. Mit allem Nachdruck wendete man sich gegen Tendenzen, die darauf zielen, die
gegen das Franco Hegime in Spanien gerichtete Resolution der
Vereinten Nationen abzuaendern, und man forderte die Beibehaltung
der "kompromisslosen feindseligen Haltung" gegenueber der Franco
Regierung.
Alle angeschlossenen Gewerkschaften der Welt wurden aufgefordert, gemeinsam gegen die "unwuerdigen Handlungen und Methoden*
der Regierung von Argentinien zu protestieren, wo Arbeiter eingekerkert und misshandelt werden, ein Gewerkschaftler sterben musste
und demokratische Zeitungen unterdrueckt werden. .Es wurde beschlossen, eine Delegation nach Sued-Ost Asien zur Unters tue tzung
und Staerkung der freien Gewerkschaften zu entsenden. Zur Besprechung der Ruhrprobleme wurde eine Konferenz von Gewerkschaftsorganisationen aus den an dieser Frage interessierten Laendir
zum 22. und 23. Mai nach Duesseldorf einberufen. Die Entsendung
eines Vertreters nach Griechenland zur Unterstuetzung der griechischen Gewerkschaftsbewegung wurde genehmigt. In New York soll
ein Buero des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften eingerichtet werden, das die freien Gewerkschaften der Welt im Wirtschafts
und Sozialrat der Vereinigten Staaten vertreten soll. Mit den
Internationalen Sekretariaten wurde ein Abkommen zur gegenseitigen
Unterstuetzung auf dem Gebiet der GewerkschaftsOrganisation getroffen.
Die Veroeffentlichung eines zwei-woechentlichen Nachrichtenblattes und eines Monatsberichtes in vier Sprachen, naemlich
Spanisch, Franzoesisch, Deutsch und Englisch wurde angekuendlgt.
Ausserdem soll ein Programm zur Ausbildung und Erziehung aufgestellt und eine Konferenz ueber diese Angelegenheit unter Teilnahme der angeschlossenen Organisationen einberufen werden. Eine
Sitzung des Exekutivausschusses in Bruessel am 25. und 26. Mai
wurde angekuendlgt. Die Errichtung eines Bueros des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften in Genf zur Vertretung der Arbeiter
in der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wurde geplant.
An den exekutiven Sitzungen nahmen teil: Der Praesident
Paul Finet (Belgien), Hans Boeckler (Deutschland), Irving Brown
(USA-AFL), Eimer Cope (USA-CIO), Leon Jouheaux (Frankreich),
Deven Sen (Indien), Sir Vincent Tewson (Grossbritannien) und der
Generalsekretaer J.H. Oldenbroek. Francisco Aguirre (Kuba) war
verhindert an der Sitzung teilzunehmen.
Saemtliche Mitglieder des Ausschusses erschienen zu einer
Pressekonferenz, die in drei Sprachen - Englisch, Franzoesisch
und Deutsch - abgehalten wurde. Der Generalsekretaer Oldenbroek
leitete die Konferenz und berichtete von Zweck und Ziel des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften und der vom Krisenausschuss geleisteten Arbeit.
ECA Labor Information

AFL GEISELT ROTE SABOTAGE AN DER WAFFENHILFE
Das Komitee fuer I n t e r n a t i o n a l e Wechselbeziehungen der Arbeit
im Amerikanischen Gewerkschaftsbund AEL v e r o e f f e n t l i c h t e nach
einer Sitzung in Washington eine Erklaerung, in dem das Programm
der Nordatlantischen S t a a t e n der Unterstuetzung zur gegenseitigen

-

3 -

�Verteidigung voll und ganz gebilligt und die kommunistischen
Versuche, dieses Programm zu sabotieren, angeprangert werden.
Die Erklaerung wendet sich gegen die Versuche der Kommunisten,
"Chaos, Verwirrung und Schwaeche zu schaffen, in denen der Kommunismus gedeihen kann," Indem sie die Hilfe der Vereinigten Staaten
fuer die Westeuropaeischen Nationen In Form des Marshall Planes,
den Nordatlantik Pakt und das Waffenhilfsprogramm zu sabotieren
versuchen. Die AFL als der Repraesentant Millionen amerikanischer
Arbeiter erklaerte, dass "der sowjetische Imperialismus seit 1945
seine Fuehler ueber weite Gebiete in Osteuropa und Asien ausgestreckt habe, die von nahezu 600 Millionen Menschen bewohnt
seien."
"Die gegenwaertige, sogenannte "Friedensoffensive" des
Kominform und seiner Helfershelfer, insbesondere des Weltgewerkschaftsbundes und der "Kaempfer fuer den Frieden", heisst es in
der Verlautbarung des AFL, "ist von hinterlistigen, diplomatischen
Manoevern begleitet, die die Illusion erwecken sollen, der Kreml
wuensche eine friedliche Beilegung der Streitigkeiten mit den
Vereinigten Staaten und anderen Nationen."
Die U.S. Gewerkschaft nahm zu den kommunistischen Versuchen
Stellung, In Europa und insbesondere in Frankreich und Italien
politische Streiks zu organisieren, die angeblich den Zweck
haben sollen, den Abzug der franzoesIschen Truppen aus Indochina, der britischen Truppen aus den Malaienstaaten und Burma,
der hollaendlschen Truppen aus Indonesien und der amerikanischen
Truppen aus Korea und Japan zu erzwingen. Der wahre Zweck dieser
kommunistischen Manoever, sagt die AFL, ist," diese asiatischen
Laender und Westeuropa fuer eine eventuelle Einverleibung in
das sowjetische Gebiet reif zu machen."
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung lehnt den kolonialen Imperialismus ab," lautet die Erklaerung weiter, "und
besteht auf dem Recht dieser und aller anderen Laender, unabhaengig zu sein. Wenn Jedoch in diesem Augenblick die Truppen
aus diesen Gebieten zurueckgezogen wuerden, dann wuerden sie dem
sowjetischen Imperialismus zum Opfer fallen, was fuer sie weit
schlimmer als alles waere, was man in der Geschichte bisher
gekannt hat."
Die AFL spricht den italienischen und franzoesisehen
Hafenarbeitern ihre Anerkennung dafuer aus, dass sie dem kommunistischen Aufruf nicht Folge leisteten und sich nicht weigerten,
Waffenlieferungen zu entladen und Material nach Indochina zu
verschiffen.
i

'•Die amerikanischen Arbeiter stehen den Arbeitern Westeuropas in ihrem Kampf um hoehere Loehne zur Seite. Wir sind der
Ansicht, dass der durch die Marshall Plan Hilfe ermoeglichte
Wiederaufbau diese wirtschaftlichen Forderungen rechtfertigt....
"Unsere Ziele und ihre Ziele sind die gleichen —
die
Garantie der Menschenrechte, Fortschritt zu allgemeiner Prosperitaet und Aufrechterhaltung des Friedens... Sechzehn Millionen
amerikanische Arbeiter stehen entschlossen hinter den freien Arbeitern Europas. Wir werden dafuer sorgen, dass sie die Waffen erhalten, die sie brauchen, um ihre Freiheit verteidigen zu koennen»"
Sieben ameriknaische Seefahrergewerkschaften gaben kuerzlich
das Versprechen ab, Hder europaeischen freien Gewerkschaftsbe-

�wegung in ihrem Kampf gegen die kommunistische Diktatur Jedmoegllche Unterstuetzung zukommen zu lassen und ihr Waren
zu bringen," wie sie im Marschall Plan und dem Hilfsprogramm
zur gegenseitigen Verteidigung vorgesehen sind.
Washington, 3. April 1950
FALIERO PINGUENTINI
Faliero Plnguentlni, der Sekretaer der sozialistischen
Gewerkschaft von Trlest, ist ein altbewaehrter Kaempfer, der
sich sowohl im Kriege als Angehoerlger gegen die Nazis gerichtteten Untergrundbewegung, als auch in dem gegenwaertigen Kalten
Kriege gegen die Kommunisten Verdienste erworben hat.
Wr wurde in Trlest am 10. Juli 1988 als Sohn eines Werkzeug- und Schnittmachers geboren, der ueberdies Gewerkschaftler
mit Leib und Seele war. Plnguentlni folgte seinem Vater sowohl
im Beruf als auch in seiner Laufbahn als Gewerkschaftler.
Waehrend des Krieges arbeitete er in den Schiffswerften
von Trlest. Er schloss sich der Widerstandsbewegung an und
kaempfte gegen die Deutschen. Nach der Befreiung kehrte er
nach Trlest zurueck und machte sich sofort daran, eine demokratische Gewerkschaftsbewegung als Opposition gegen die korrnunistisch beherrschten Syndikate zu organisieren.
Als die Kommunisten im Jahre 1945 die Herrschaft ueber
die Schiffswerften in die Hand bekamen, war Plnguentlni gezwungen,
seine Arbeit in der Maschinenfabrik St. Andrea niederzulegen«
1946 wurde er wieder eingestellt und zum Betriebsratvorsitzenden
gewaehlt. Auf Grund seiner kompromisslosen Einstellung gegen
politische Streiks wurde ihm mehrere Male von den Kommunisten
gedroht. Als diese versuchten, sich die Herrschaft ueber die
Gewerkschaftskammer zu siehern, eine Koerperschaft, in der alle
nichtkommunistischen Gewerkschaften in Trlest vertreten sind,
kaempfte Plnguentlni mit aller Macht gegen diese Versuche an.
Die Folge davon war, dass er heinahe einem Mordanschlag zum
Opfer gefallen waere.
Seit 1947 ist Plnguentlni Sekretaer der Arbeltskammer«
Er und die beiden anderen Sekretaere, Llvio Novell! und Giuseppe
Bazzato, nahmen als Delegierte an der Gruendungskonferenz des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teil und
sind nun Mitglieder des Verwaltungsrates der neuen Gewerkschaftsinte rnatlonale.
LIVIO NOVELLI. Sekretaer der katholischen Gewerkschaft von
Trlest, ist von Beruf Rechtsanwalt und stammt aus dem Mittelstand von Trlest.
Er begann seine Gewerkschaftslaufbahn nach dem Kriege,
als er zum Vorsitzenden des Gewerkschaftsrates fuer Tarifvertraege und ArbeitStreitigkeiten gewaehlt wurde. Waehrend der
letzten fuenf Jahre gingen praktisch alle von der katholischen
Gewerkschaft abgeschlossenen Vertraege durch seine Haende, und
Novelli hat es sich trotz seines jugendlichen Alters zur Aufgabe gemacht mit allen Problemen der Arbeiter von Trlest vertraut
zu werden. Solange er Gewerkschaftler ist, war er immer ein stand
hafter Antikommunist und hat sich entschieden gegen alle Versuche
gewandt, die Gewerkschaftsbewegung fuer politische Zwecke zu
verwenden.

-10

�1947 wurde Novelll zum stellvertretenden Sekretaer der
Arbeltskammer von Trlest gewaehlt. Kuerzlich wurde er Sekretaer
und nahm, In dieser Eigenschaft, wie bereits oben erwaehnt, an
der Gruendungskonferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teil. Er wurde ebenfalls in den Verwaltungsrat dieses Internationalen Gewerkschaftsbundes berufen.
BCA Labor Information
9. Maerz 1950
DER MARSHALL PLAN. EIN "PROGRAMM DES VOLKES".
Philip Murray, der Praesident des CIO, erklaerte, "der
Marshall Plan sei eine Art ehrlich gemeinten, schoepferischen
Programms, welches von kleinen Leuten gestaltet sein koennte,
die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ein Weltproblem zu
loesen."
Murrays Rede wurde anlaesslich des zweiten Jahrestages
des Europaeisehen Wiederaufbauprogramms in einer Sendung der
"Stimme Amerikas" uebertragen. Ausserdem sprach Michael Ross,
der CIO-Repraesentant fuer Internationale Angelegenheiten.
"Selten haben sich Nationen ploetzlich und unerwartet ueber
die laestigen Kleinigkeiten hinweggesetzt, die die internationalen Beziehungen staendig stoeren, um geradewegs und unerschrocken die Loesung des Problems des Weltfriedens in Angriff
zu nehmen," sagte Murray. "Hierin liegt die Groesse des Marshall
Planes... Nichts von Buerokratie, von behandschuhter Diplomatie
und engstirniger Tradition haftet ihm an, wie wir es an Dingen
von weltpolitischer Bedeutung schon ganz gewoehnt sind."
Murray erklaerte, dass die sechs Millionen Mitglieder des
CIO "stolz darauf seien, ihren Teil zu der Entwicklung des
Marshall Planes beigetragen zu haben," und dass sie die Europaeer zu ihrem grossen Erfolg beglueckwuenschten, "der selbst
die Vorhersagen unserer Statistiker und Staatsmaenner uebertroffen hat."
Indem er wiederholte, was Murray schon zum Ausdruck gebracht hatte, fuehrte Michael Ross aus: "Unseren Arbeitskollegen
in Europa moechte ich noch einmal sagen, dass die Gewerkschaften
Amerikas entschlossen hinter der Europaeischen Wiederaufbau
Programm stehen."
"Wir unterstuetzen dieses Programm deshalb, weil wir wissen,
dass es das Wohlergehen der Menschen in Europa foerdern und
ihren Lebensstandard verbessern wird." Ross erklaerte, dass
der CIO darauf bedacht sei, die staendige Zusammenarbeit der Arbeiterschaft an diesem Programm zu gewaehrleisten. Er hielt
einen Rueckblick auf die Erfolge des Marshall Planes waehrend
der beiden ersten Jahre seines Bestehens und wies besonders
auf "das Band der Freundschaft hin, welches sich durch die ECA
enger und dauerhafter zwischen unseren Laendern gestaltet habe.
Das traefe besonders fuer die Gewerkschaftsbewegungen der betreffenden Staaten zu."
"Noch muessen viele Hindernisse ueberwunden werden," erklaerte Mr. Ross, "aber an diesem Wendepunkt des ERP haben wir
allen Grund zu hoffen und zu glauben, dass das gemeinsame
Streben unserer Voelker nach Freiheit und wirtschaftlichem Wohlstand alle Hindernisse beseitigen wird, die einem gluecklichen,
unabhaengigen Europa noch im Wege stehen."
ECA Labor Information
21. April 1950
- 11 -

�HOFFMAN BEGLUECKWUENSCHT t)IE FREIEN GEWERKSCHAFT Bf
"Der Anteil der freien Gewerkschaftler Europas und ihrer
amerikanischen Brueder an den wirklich bemerkenswerten Erfolgen
im Wiederaufbau ganz Westeuropas waehrend der vergangenen Jahre
ist nicht gering."
Mit diesen Worten gruesste der ECA Administrator Paul
Hoffman die dritte Volkskonferenz des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses des Europaeischen Wiederaufbauprogramms, die
kuerzlich in Rom stattfand."
"Ich kann nicht genug betonen," fuhr Mr. Hoffman fort,
"wie sehr ich die bedeutende Mitarbeit der arbeitenden Maenner
und Frauen aller am ERP teilnehmenden Nationen anerkenne und
schaetze."
Mr. Hoffman fuegte hinzu, dass zur erfolgreichen Durchfuehrung des Marshall Planes nur noch wenig Zeit zur Verfuegung
stuende und zwei besonders schwierige Aufgaben geloest werden
mftssten.
"Wir muessen erstens die Produktionsleistung steigern,"
sagte er. "Und dann muessen wir, um die erhoehte Produktionsleistung auch wirklich zur Geltung kommen zu lassen, die Schranken
einschraenkender, veralteter Methoden niederreissen, die es den
europaeischen Wirtschaftslaendern unmoeglich machen, an einem
starken und gesunden System zum Wohle aller ihrer Voelker gemeinsam zu arbeiten."
"Im Vertrauen auf Ihre Hilfe und Mitarbeit stelle ich Ihnen
diese doppelte Aufgabe," schloss er.
Mr. Hoffmans Gruesse an die dreitaegige Konferenz wurden
telegraphisch von Washington uebermittelt.
ECA Labor Information
19. April 1950

- 18 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFIdlAL

ucoe «-e?9 L t 1 i m W IT C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUHCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

111

"9

Frankfurt, 5. Kai 1950

ZWEI JAHRE MARSHALL-PLAN
Der Marshall Plan auf halbem Wege - - - 1
Die Stimme einer freien Welt - - - - - - 3
Leon Jouhaux: Der Marshall Plan, eine neue
Art internationaler Solidaritaet - - - - - 5
Produktivitaet und Dollarkluft —
-- —
7
Schwedische Gewerkschaften zum europaeischen Hilfsprogramm - - - - - - - - - - 11

DER MARSHALL PLAN AUF HALBEM WEGE
Radio-Vortrag von Walter Schevenels
Anlaesslich der am 18., 19. und 20. April 1950 in Rom
stattfindenden Dritten Vollkonferenz der ERP Gewerkschaftsorganisationen und der Tatsache, dass der Marshällplan auf halbem
Wege angelangt ist, hielt Walter Schevenels, Sekretaer des
Pariser Verbindungs-Bueros des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer den Europaeischen Hilfsplan, am 24. Maerz am Radio
folgenden Vortrag:
"Im naechsten Monat wird in Rom eine Vollkonferenz der am
ERP teilnehmenden Gewerkschaftsorganisationen abgehalten, um
den Bericht ueber die zweijaehrige Taetigkeit des Gewerkschaft-

�liehen Beratungsausschusses zu diskutieren, der im Maerz 1943
als offizielle Vertretung der europaeischen Gewerkschaften
in allen die Durchfuehrung des Marshallplans betreffenden Angelegenheiten gebildet wurde. Die Konferenz wird einen Bericht
ueber die Gewerkschaftspolitik hinsichtlich der aktuellen Probleme diskutieren, die sich durch die gegenwaertige Entwicklung
des Europaeischen Hilfsplans stellen. Es ist ein glueckliches
Zusammentreffen, dass diese grosse Gewerkschaftskonferenz zu
eben der Zeit stattfindet, wo der Marshallplan auf halbem Wege
angelangt ist."
"Aus diesem Grunde ist es angebracht, einen kurzen Ueberblick ueber die bisherigen Ergebnisse des Marshallplans zu geben.
Bei dieser Gelegenheit werden die europaeischen Gewerkschaften
von mir als Sekretaer ihres Ausschusses sicher erwarten, in
ihrem Namen von der Erkenntnis zu sprechen, dass das Bestehen
des Marshallplans hauptsaechlich auf die Unterstuetzung seitens
der amerikanischen Gewerkschaften zurueckzufuehren ist und dass
diese eine wichtige Rolle gespielt haben, indem sie dem ERP seine
wirkliche Bedeutung als uneigennuetzige, grosszuegige Hilfe an
notleidende Voelker gaben."
"Die natuerlichen und materiellen Hindernisse und Schwierigkeiten, welche der Marshallplan zu ueberwinden hatte, waren ungeheuer. Die Arbeit wurde noch schwieriger gestaltet durch die
aeusserst boshafte und gemeine Sabotage der Kommunisten, die
jedes in ihrer Macht stehende Mittel anwandten, um das wirtschaftliche Chaos zu verschlimmern, wobei sie auf die Not und
Verzweiflung der europaeischen Voelker spekulierten, um die Eroberung Europas durch die Kommunisten zu foerdern. Sie stempeln
den Marshallplan als eine Bemuehung der Amerikaner, die europaeischen Voelker zu versklaven, mit dem Ziel kapitalistischer
und imperialistischer Ausbeutung und der Vorbereitung eines neuen
Krieges. Wir wollen unsere Zeit nicht damit vergeuden, diese
dummen und kriminellen Behauütungen zu widerlegen, welche nur die
taeuschen koennen, die getaeuscht werden wollen, oder diejenigen,
die aufgehoert haben, selbst zu denken."
"Trotz all dieser Schwierigkeitren kann gesagt werden, dass
von den ERP-Laendern in den letzten zwei Jahren beachtenswerte
Fortschritte erzielt wurden, und schneller, als man erwartete.
Die industrielle und landwirtschaftliche Produktion ist um 30%* und
mehr angestiegen. Grosse Fortschritte sind auf dem Gebiet der
inneren Waehrungsstabilisierung gemacht worden. Das Vertrauen
in die Zukunft Europas ist wieder hergestellt worden. Ohne den
Zustrom von Nahrungsmitteln und Rohstoffen in diesen zwei Jahren
haette die Arbeitslosigkeit ein Ausmass angenommen, dem zu steuern
unmoeglich gewesen waere. Dank der Marshallhilfe konnte die Inflation in Grenzen gehalten werden. Jetzt wissen all diejenigen,
welche die Inflation in Deutschland und Oesterreich in der Zeit
zwischen den beiden Kriegen gesehen oder von ihr gehoert haben,
welches Elend insbesondere den europaeischen Arbeitern geblieben
ist."
"Aus diesen zwei Gruenden, neben vielen anderen, koennen
die europaeischen Arbeiter, und die Bevoelkerung Europas Im allgemeinen, dem amerikanischen Volk und der amerikanischen Arbeiterschaft dankbar sein fuer ihre konstruktive und grosszuegige Tat
internationaler Solidaritaet."

�DIE STIMME EINER FREIEN WELT
Gewerkschaftsführer zu beiden Seiten des Atlantiks gaben
in diesem Monat gemeinsam das Versprechen ab, den Marshall Plan
auch weiterhin zu unter3tuetzen und sich dafuer einzusetzen,
dass die Arbeiter auch in den Genuss der diesem Plan entspringenden Vorteile in Form von Vollbeschaeftigung und hoeherer
Realloehne kommen.
Dies kam in einer Reihe von Ansprachen zum Ausdruck, die
von verschiedenen Rednern sowohl im Namen der europaelschen
als auch der amerikanischen Arbeiter anlaesslich des zweiten
Jahrestages des Beginns des Marshall Plans gehalten wurden, mit
dem auch gleichzeitig die erste Haelfte dieses Programms abgelaufen ist. Diese Reden sollen in der "Stimme Amerikas" im
Rundfunk uebertragen werden.
Die amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer erklaerten, dass
die Arbeiterschaft Amerikas das Programm mit ganzem Herzen unterstuetzt haette und dies auch in Zukunft tun wuerde. Sie betonten
Jedoch, dass es letzten Endes den Bemuehungen der Europaeer selbst
zu verdanken sei, wenn Europa auf dem Weg zum Wiederaufbau vorwaertsgekommen sei. Als geradezu wunderbar bezeichneten die
amerikanischen Redner die bereits erzielten Erfolge.
"Wenn ich an die dunklen Jahre zurueckdenke, die dem Krieg
unmittelbar folgten," sagte James Carey, Sekretaer des CIO, "dann
erinnere ich mich nur zu gut an die ungeheuren Probleme, vor die
sich Europa gestellt sah. Die Voelker Europas waren erschoepft,
die Menschen heimatlos und hungrig« Die langen Kriegsjahre
hatten ihren Zoll von ihnen gefordert..."
*

Carey wies darauf hin, dass "die amerikanischen Gewerkschafts Organisationen von Anfang an Verstaendnis fuer die Not
der Europaeer gehabt und eine bedeutsame Rolle in der Entwicklung und Gestaltung des Marshall Planes gespielt haetten... "Das
amerikanische Volk war von diesem Programm so ueberzeugt," sagte
er, "dass es fuer den Wiederaufbau Europas einen Betrag angebracht hat, der einem Durchschnitt von 100 Dollar fuer Jeden
Mann, jede Frau und jedes Kind nahekommt. Wir sind uns jedoch
bewusst, dass selbst mit all diesem Geld Europa nicht wiederaufgebaut werden koennte, wenn sich die Menschen Europas nicht durch
schwere Arbeit und Opfer an diesem Programm beteiligten. Heute,
nach Vollendung der ersten Haelfte des Programms, sagen wir mit
Stolz und Bewunderung, dass der groesste Anteil an Europas erstaunlichem Fortschritt den Europaeern zukommt."
Auch William Green und George Meany, Praesident und Vizepresident des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL, lobten
die Einigkeit der Arbeiter der ganzen Welt in der Unterstuetzung
des Marshall Planes.
"In den ersten beiden Jahren der EGA," erklaerte Green,
"ist Europa aus der Hungerzone herausgerissen worden. Die Produktion ist erheblich angestiegen. Der Wiederaufbau ist in
•ollem Gange. Die internationale Freundschaft wurde gefoerdert.
Eine bessere Gueterverteilung ist gesichert und eine gesunde
Basis fuer ein grosses, neues Zeitalter der Prosperität geschaffen worden. Ich bin stolz, dass amerikanische Gewerkschaften an diesen Erfolgen beteiligt sind."

v

- 3 -

�Meany hob besonders hervor, dass der Marshall Plan "von allen
demokratischen Gewerkschaften der Welt unterstuetzt wuerde."
"Damit Ist diesem gigantischen Unternehmen die aktive
Unterstuetzung von mehr als 50 Millionen freien Arbeltern
aus ueber 53 Nationen der Welt gesichert. Mit einem solchen
Rueckhalt nimmt es kaum Wunder, dass die Marshall Plan Verwaltung heute mit einem Gefuehl der Befriedigung auf die In
diesen beiden Jahren erzielten Erfolge zurueckblicken kann."
Arlon Lyon sprach im Namen der organisierten Eisenbahnarbeiter Amerikas und versprach, den Marshall Plan "fuer die
Gesamtdauer" zu unte rstuetzen. "Das Programm," sagte er, hat
den amerikanischen Arbeitern und der Gesamtheit unseres Volkes
einige Opfer abverlangt, wir sind jedoch davon ueberzeugt, dass
diese Opfer nicht umsonst gebracht wurden. Auf dem Wege zur
Demokratie und Freiheit sind in allen Marshall Plan Laendern
grosse Fortschritte erzielt worden. Wir sind der Auffassung,
dass es ein schwerer Fehler waere, wenn man versaeumte, dieses
Programm fortzusetzen, oder es durch unzureichende Geldmittel
kuerzte. Die Arbeit ist erst zur Haelfte getan."
Auch von der europaeischen Seite des Ozeans kamen Stimmen,
die den Marshall Plan priesen. Die Gewerkschaften versprachen,
das Programm auch in Zukunft zu unte rstuetzen. Die Forderung
wurde laut, sich noch mehr fuer eine Zusammenarbeit unter den
Nationen Europas einzusetzen und den Lebensstandard der Lohnempfaenger zu verbessern.
Evert Kupers, der Praesident des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses' fuer den Europaeischen Hilfsplan, rief die
grossen Arbeiterorganisationen dazu auf, den Gedanken eines
Vereinigten Westeuropas zu foerdern und anzuregen. Er sprach
den Gewerkschaften zu beiden Seiten des Atlantiks seine Anerkennung fuer ihre Zusammenarbeit in der Unters tuetzung des
Marshall Planes aus, "um den durch den letzten Krieg zugrundegerichteten Laendern neuen Wohlstand zu bringen"; gleichzeitig
wies er jedoch auch warnend darauf hin, dass die beteiligten
Laender enger zusammenarbeiten muessten, wenn sie nicht Gefahr
laufen wollten, innerhalb weniger Jahre vor einer neuen wirtschaftlichen Krise 8u stehen, die massenhafte Arbeitslosigkeit
mit sich braechte, deren Folgen nicht abzusehen waeren."
Der italienische Gewerkschafts Sprecher, Enrico Parri,
forderte die italienischen Arbeiter auf, dafuer zu sorgen, dass
die Geldmittel der EGA in seinem Lande so zweckmaesslg wie
moeglich verwendet wuerden. Er erklaerte, dass «der Zustrom
von Rohmaterialien (durch die Marshallhilfe), der Aufschwung,
den der Wiederaufbau der Eisenbahnen genommen habe, und die
allgemeine Belebung des Handels zweifellos den Lebensstandard,
den Verbrauch und die individuelle Leistungsfaehigkeit des
italienischen Arbeiters bereits gesteigert haetten."
Der Praesident der Norwegischen National-Gewerkschaft
Konrad Nordahl sagte, dass sich der Marshall Plan fusr Norwegen
am guenstigsten ausgewirkt haette, weil durch ihn der internationale Handel wiederbelebt worden sei. "Es gibt auf der
Welt wohl kein zweites Land, welbhes von einem ausgedehnten,
internationalen Handel So abhaengig ist wie Norwegen,- erklaerte
er. Die Erfolge des Marshall Planes haetten alle Erwartungen
bereits weit uebertroffen.

- 4 -

�Mart Ruppert, der Vorsitzende der Hollaendischen, Protestantischen, Christlichen Gewerkschaft sprach mit uneingeschraenkter Begeisterung von den Ergebnissen, die die Marshall Plan Verwaltung bereits fuer sich buchen koennte. "Ich moechte feststellen," fuehrte er aus, "dass meiner Meinung nach die Bedeutung
des Programms zum Wiederaufbau Baropas nichthoch genug eingeschaetzt werden kann. Dieses Programm hat vor allem Europa
und viele Millionen von Europaeern vor dem Untergang bewahrt.
Es hat ausserdem die Produktionsleistung in Europa wieder hochgebracht. Ihm ist die Bereitwilligkeit und der Wunsch der
europaeischen Voelker, enger zusammenzuarbeiten, zuzuschreiben.
Diese Arbeit darf nicht abgebrochen werden."
Auch Louis Major vom Allgemeinen Belgischen Gewerkschaftsbund sprach sich anerkennend zu den Erfolgen des Planes aus.
Auch er stellte Jedoch die Forderung, entscheidende Schritte
zu einer europaeischen Vereinigung zu unternehmen. "Wenn wir
in dieser Hinsicht untaetig bleiben," erklaerte er warnend,
"dann muessen wir ernstlich befuerchten, dass die Ergebnisse
ebenso katastrophal sein werden, als wenn uns Amerika seine
Hilfe versagte."
"Die Erkenntnis, dass Elend in irgendeinem Teil der Welt
letzten Endes Elend fuer die ganze Welt bedeutet," sagt Ludwig
Rosenberg aus Deutschland, "und die Anerkennung der Notwendigkeit, gemeinsam gegen Hunger und Verzweiflung zu kaempfen, —
dies waren die wichtigsten Beweggruende, die das amerikanische
Volk veranlassten, Europa zu helfen. Es war deshalb keineswegs
ueberraschend, dass die Gewerkschaften in Jenen Laendem, in
denen die Vernunft noch nicht dem Dogma eines Systems untergeordnet ist, mit unter den Ersten waren, die sich bereit erklaerten, den Marshall Plan fuer Europa zu unterstuetzen."
J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer vdes Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften sprach im Namen der 50 Millionen,
in diesem Bund organisierten Arbeiter und erklaerte, dass die
Geschichtsschreiber der Zukunft nicht vergessen werden, "zu bemerken, dass die grossen Gewerkschaftsorganisationen der Vereinigten Staaten - AFL und CIO - ebenso wie die freien Gewerkschaften
Westeuropas ueberzeugte Anhaenger des Marshall Planes waren...."
Aber auch er forderte eine andere Art gemeinsamen Handelns unter
den Nationen. "Europa hat noch einen langen Weg vor sich," so
prophezeite er, "bevor die Ziele des Marshall Plans erreicht
sein werden. Enge wirtschaftliche Zusammenarbeit wird unbedingt
notwendig sein, wenn das Programm zum vollan Erfolg werden soll.
Kein Land Westeuropas hat einen Teil seiner Souverenitaet eingebuesst oder ist zum Satelliten eines anderen Landes geworden auch besteht nicht die Gefahr hierzu. Unter Beibehaltung ihrer
eigenen Kultur und Einrichtungen muessen die Laender Europas
Jedoch bereit sein, ihre wirtschaftlichen Kraefte zu vereinigen
und eine gerechte Verteilung von Arbeit und Dienstleistungen im
besten Interesse Aller vorzunehmen."
ECA Labor Information
LEON JOUHAUX; DER MARSHALL PLAN. EINE NEUE ART INTERNATIONALER
SOLIDARITÄET
•Eine neue Art der Zusammenarbeit unter den Nationen - die
nicht darin besteht, Kriege vorzubereiten, sondern das menschliche Los zu verbessern und die Furcht vor Hunger und Elend zu
beseitigen - ist durch den Marshall Plan ins Leben gerufen worden."-

- 5 -

�So urteilt Leon Jouhaux, Praesident des groessten franzoesischen
Bundes freier Gewerkschaften, "Force Ouvriere."
"Skeptiker und Parteigaenger moegen mit den Achseln zucken,"
sagte Jouhaux in einem Rueckblick auf die beiden ersten Jahre
des Marshall Planes in Frankreich. "Sie moegen von dem Kapitalismus reden, der einen letzten Versuch unternimmt, um am Leben zu
bleiben; vom Imperialismus, der seine beherrschende Stellung zu
festigen sucht. Wozu soll ich mich jedoch mit weit hergeholten
Argumenten befassen. Ich halte mich an die Tatsachen."
Der Haupterfolg des Marshall Planes sei darin zu sehen,
dass er den Begriff der Solidaritaet von nationaler auf internationale Basis ausgedehnt habe, - der Solidaritaet, die darin
besteht, dass die arbeitende Menschheit fuer ein gemeinsames Ziel
zusammenarbeitet.
"Nationale Finanzen," fuehrte er weiter aus, "wurden gewoehnlich lediglich zur Unterhaltung öiner Polizeimacht und zur Kriegsvorbereitung verwendet. Dieser Zustand ist Jedoch laengst ueberholt. Heute ist es fuer jeden Franzosen selbstverstaendlich, dass
zum Beispiel die Strassen und Schulen der Gebirgsgegenden Frankreichs zum groessten Teil mit Steuern finanziert werden, die aus
den franzoesischen Industrie- und Landwirtschaftsgebieten kommen."
Warum sollten sie es nicht auch als selbstverstaendlich
ansehen, dass ein aehnlicher Plan nicht nur fuer eine Nation,
sondern fuer das gesamte Europa in Anwendung gebracht wird?
Und das sei gerade das, was im Marshall Plan verwirklicht
wuerde.
"Bisher bestand die gegenseitige Unterstuetzung der Nationen
lediglich in dem Austausch von Kriegsmaterial - und zwar mechanisches oder Menschenmat.erial. Die Gegner des Marshall Planes
weigerten sich nicht, d,ie Panzer und Flugzeuge anzunehmen, die
uns Amerika in den Jahren von 1941 bis 1945 geschickt hat. Mit
welcher Begruendung koennten wir also jetzt das Angebot abweisen,
unsere Ruinen wiederaufzubauen, unsere Industrie wieder in Gang
zu bringen, unsere Landwirtschaft zu modernisieren und unsere
Ausruestung zu erneuern?"
•"Wir nahmen diese Hilfe an," fuhr Jouhaux fort. "Allein im
Jahre 1949 erhielten wir von den Vereinigten Staaten 243 Billionen Francs im Gegenwertfonds.... sie dienten dazu, unsere Versorgung mit ELektrizitaet, Kohle und Gas sicherzustellen, unsere
Eisenbahnen, unsere Handelsmarine, unsere privaten Industrien,
unsere Landwirtschaft und unsere Kolonien wiederaufzubauen."
Jouhaux kritisierte die Regierungen der europaeischen Laender,
die versaeumt haetten, die aus diesen Verbesserungen entstehenden
Gewinne gleichmaessig zu verteilen.
"Wir,als die Vertreter der Arbeiterklasse," erklaerte er,
"sind der Auffassung, dass die grosse Masse der europaeischen
Arbeiter nicht in genuegendem Masse an dem beteiligt worden ist,
was die amerikanischen Arbeiter fuer sie geopfert haben; wir sind
der Ansicht, dass der europaeische Lebensstandard nicht in demselben Verhaeltnis wie die industrielle und landwirtschaftliche
Produktion angestiegen ist."

- 6 -

�"Wir sagen es offen und eindeutig, dass die Steigerung der
Produktionsleistung in allererster Linie dazu dienen muss, den
Lebensstandard des Volkes im allgemeinen und des Arbeiters im
besonderen zu heben, und dass wir ueberzeugt sind, dass dies
gegenwaertig der Fall ist."
Jouhaux erklaerte, es sei Aufgabe der Mitglieder der Gewerkschaftsbewegung, diesen Misstand zu beseitigen. Sie wuerden unaufhoerlich daran arbeiten, dieses Ziel zu erreichen.
ECA Labor Information
5. April 1950
PRODUKTIVITAEX UND DOLLARKLUFT
Ansprache des Botschafters Milton Katz,
amerikanischer Vice-Sondervertreter in Europa,
vor der Dritten Vollkonferenz der ERP Gewerkschaftsorganisationen.
Es freut mich, heute als Mitarbeiter im gemeinsamen Werk
des europaeischen Wiederaufbaues zu Ihnen zu sprechen. Wir sind
auf zweifache Art miteinander verbunden. Als gewerkschaftlicher
Beratungsausschuss des ERP sind Sie das offizielle Sprachrohr,
durch welches die Stimme der freien Gewerkschaften Europas in
den Raeten der OEEC gehoert werden kann. Darueber hinaus gibt
es zwischen uns ein weniger foermliches, dafuer Jedoch tieferes
Band der Gemeinschaft. Die freien Gewerkschaften stehen an der
Spitze des Kampfes fuer Freiheit, Sicherheit undeinen anstaendigen Lebensstandard, welches die Hauptziele des Marshallplanes
sind.
Der Kampf fuer diese Hauptziele ist unermesslich, vielseitig
und endlos. Alle Menschen, die guten Willens sind, in allen
Laendern von Europa und Amerika, sind an ihm beteiligt. Sie
haben Ihren Anteil an der Aufgabe - es gibt keinen, der wichtiger
waere; und die OEEC und ECA haben den ihren.
Ich moechte unter den zahlreichen Unternehmungen zwei
herausgreifen, durch welche die OIEC und ECA versuchen, unsere
gemeinsamen Ziele zu erreichen. Es sind dies die Bemuehungen,
in Europa zu einem groesseren Mass von Einheit zu gelangen, and
die europaeische Produktivitaet zu steigern. Sie haben von
diesen Programmen unter den Namen MWirtschafliche Vereinigung",
"Liberalisierung des Handels und der Zahlungen", "Harmonisierung
der Wirtschaftspolitik" und "Produktivitaetssteigerung" gehoert.
Nur durch hoehere Produktivitaet (Produktionsleistung)
koennen die Europaeer besser und sicherer leben und Europa
in der Welt wirtschaftlich unabhaengig werden. Europa kann mit
keinen anderen Mitteln hoffen, seine Einfuhren von Nahrungsmitteln und Rohmaterialen bezahlen und den Lebensstandard seiner
Arbeiter erhoehen zu koennen. Die Produktivitaet wird von vielem
beeinflusst, und es gibt keinen einzig dastehenden und einfachen
Weg, sie zu verbesser. "DerFeldzug zur ProduktivitaetsSteigerung"
ist ein Programm, das sich zur Aufgabe stellt, das Problem direkt
am Arbeitsplatz anzufassen. Es bedeutet, ein besseres Verhaeltnis
zwischen Menschen, Geld, Material, Maschinen und Zeit herzustellen, um mit gleicher Anstrengung groessere Mengen von Waren
zu produzieren und zur Verteilung zu bringen. Auf diese Art
wuerde die gesamte Arbeitskraft, vollbeschaeftigt, mehr erzeugen
und mehr verteilen. Dieser besondere Ueberschuss an Produktivitaet

- 7 -

�koennte auf verschiedene Arten verwendet werden. Er koennte
teilweise dazu benuetzt werden, mehr Gueter zu niedrigeren
Preisen fuer den Verbrauch verfuegbar zu machen und so den
gegenwaertlgen Lebensstandard In Europa zu erhoehen. Teilwelse koennte er dazu dienen, mehr Fabriken und Haschinen
zu bauen, die spaetere Produktion zu erhoehen und die Grundlagen der europaeisehen Wirtschaft zu festigen. Zum Teil
koennte er auch dazu gebraucht werden, mehr Gueter fuer die
Ausfuhr zu solchen Preisen herzustellen, welche den Verkauf
dieser Gueter auf den Weltmaerkten gewaehrlelsten und damit
die Dollarelnkuenfte Europas erhoehen wuerden.
Betrachten wir diese Tatsachen einmal von einem anderen
Gesichtspunkt aus. Sie haben viel ueber Europas lebenswichtige Einfuhren und ueber die Dollarkluft gehoert. Europa
muss Weizen fuer sein Brot, Futtersamen fuer sein Vieh, Baumwolle fuer seine Bekleidung, Kupfer fuer seine elektrischen
Anlagen und Petroleum fuer seine Transporte einfuehren. Es
muss Fette und Oele, landwirtschaftliche Maschinen und Ausstattungen fuer seine Petroleumraffinierien einfuehren. Einige
dieser Einfuhren stellen infolge der Verwuestungen und Zerruettungen des Krieges kurzfristige Beduerfnlsse dar. Viele jedoch
werden angesichts der Besonderheit der europaeischen Wirtschaft
dauernd benoetlgt, um die Voelker Europas zu ernaehren, seine
Fabriken zu betreiben und seine Arbeiter zu beschaeftigen.
Ein grosser Teil dieser lebenswichtigen Einfuhren stammt
aus den Vereinigten Staaten und aus sonstigen Seilen Nordund Suedamerikas, wo sie mit Dollar gekauft werden muessen.
Trotz des bemerkenswerten Fortschritts der letzten zwei Jahre
besitzt Europa nocht nicht und verdient auch nicht genug Dollar,
um alle seine Beduerfnlsse zu decken. Der Unterschied zwischen
seinen Beduerfnissen und dem, wofuer es aus eigenem Verdienst
und eigenen Mitteln zahlen kann, wird gewoehnlich die Dollarkluft genannt. In den letzten zwei Jahren wurde diese Kluft
durch die Marshallhilfe ueberbrueckt. Es war immer klar, dass
die Marshallhilfe mit jedem Jahr abnehmen und spaetestens am
30. Juni 1952 zu Ende gehen wuerde. Zu diesem Zeitpunkt muss
Europa imstande sein, die Dollar, die es benoetlgt, durch hoehere
Einkuenfte und normale Kapitalanlagen zu erlangen. Um mehr
Dollar zu verdienen, muss es In anderen Laendern mehr Waren verkaufen koennen. Um Europa dabei behilflich zu sein, hat meine
Regierung soeben bekanntgegeben, dass sie Besprechungen ueber
die Herabsetzung der Tarife von etwa 2,500 Artikeln anzubahnen
wuenscht. Um mehr verkaufen zu koennen, muss Europa in der Lage
sein, mehr Waren zu niedrigeren Preisen, oder bessere Qualltaeten,
oder beides anzubieten.
Gleichzeitig muessen die Anstrengungen fortgesetzt werden,
Europas Zukunft zu sichern, indem ein Grossteil seiner Mittel
fuer neue Kapitalanlagen verwendet wird, naemlich fuer neue
oder bessere Fabriken oder Ausstattungen, Landurbarmachung oder
der Ausbildung von Arbeltern und Bauern in neuen 9rwerbszweigen.
Mehr Ausfuhren, neue Kapitalanlagen, besserer Lebensstandard fuer den heutigen Arbeiter - sind einige der wichtigsten
Notwendigkeiten unserer Zelt. Wie die Welt heute aussieht, kann
keines dieser Beduerfnlsse vollends gedeckt werden; wir muessen
jedoch danach streben, sie in einem mit der Praxis vereinbarlichen Masse alle zu erfuellen. Wenn die Produktivitaet niedrig
Ist, wuerde ein Versuch, zwischen diesen Beduerfnissen ein

- 8 -

�Gleichgewicht herzustellen, zu bitteren und irrefuehrenden
Debatten Anlass geben. Die Menschen, die fuer eine Erhoehung
der Ausfuhren kaempfen, wuerden fuerchten, dass hoehere Gehaeiter die Preise der Waren so weit hinauftreiben wuerden,
dass diese aufhoeren wuerden, konkurrenzfaehig zu sein. Die
Menschen, die fuer die Rechte der Arbeiter kaempfen, wuerden
fuerchten, die Benuehungen, die Ausfuhrpreise und -Spesen
herabsusetzen, koennten in einen Feldzug zur Senkung der
Loehne ausarten. Diejenigen, welche dafuer kaempfen, einen
angemessenen Teil der Produktion und der Mittel auf die Zukunft
der Wirtschaft zu verwenden, wuerden mit ihren Mitbuergern in
Konflikt stehen, die dieselben Mittel dazu verwenden wollen,
den gegenwärtigen Lebensstandard zu verbessern. Aus all diesen
Befuerchtungen und Konflikten wuerden moeglicherweise Inflation,
Unstetigkeit und Unzufriedenheit entspringen. Um es zu ermoeglichen, allen diesen wesentlichen Beduerfnlssen in vernuenftigem
Masse gerecht zu werden und zwischen ihnen ein weises Gleichgewicht herzustellen, muss die Produktivitaet gesteigert werden.
Wir alle sind uns darueber Im klaren, dass man manchmal
befuerchtet, hoehere Produktivitaet koennte eine Verringerung
der Arbeitsmoegllchkeiten zur Folge haben. Es gibt eine Lage,
in der dies wohl der Wahrheit entsprechen duerfte. Naemlich
dort, wo die Maerkte beschraenkt sind, waehrend die Produktivitaet steigt. Wenn sich in einer solchen Lage Arbeitslosigkeit einstellt, ist es von groesster Wichtigkeit, die richtige
Diagnose zu stellen, und die wirkliche Stoerungsquelle aufzuspueren. Der Fehler liegt in der Beschraenkung des Marktes, und
nicht in der erhoehten Produktivitaet. Wenn man zu enge Schuhe
traegt, verursacht das Gehen Schmerzen, nicht im Stillstand.
Ich habe hervorgehoben, inwiefern eine Erhoehung des Lebensstandards und eine Erweiterung der europaeischen Maerkte von
einer Prpduktivitaetssteigerung abhaengig sind. Dementsprechend
muss ein Programm der Produktivitaetssteigerung von einer Erweiterung der Inlands- und Auslandsmaerkte begleitet werden.
Der Handel kann auf vielerlei Weise beschraenkt werden.
Er kann aus reiner Traegheit ins Stocken geraten. Er kann von
engstirnigen und veralteten Denk- und Handlungsgewohnheiten
eingeschraenkt werden. Er kann durch Kartelle oder andere Formen
hinfl erlicher Geschaeftspraktiken begrenzt werden. In Europa
war -seit dem Kriege keine Form der Einengung ernster als die
Schranken, die von den einzelnen Regierungen dem Handel gesetzt
wurden. Sie kennen die vielen Formen, in denen sich diese
Einengung kundgetan hat: Einfuhrverbote, Quoten, Einfuhrgenehmigungen, Devisenkontrolle, uebermaesslge Zolltarife, Doppelpreise und andere Formen der Erschwerung.
Es waere sowohl gefaehrlich als auch unsinnig, die schweren
Verhaeltnisse zu vergessen, aus denen dieses Labyrinth der
^inschraenkungen hervorging. Die Regierungen und Voelker Europas mussten nach einem verheerenden Krieg ihre Wirtschaft wieder
aufbauen. Sie hatten diese Aufgabe angesichts eines reaktionaeren
Kommunismus zu erfuellen, der es unaufhoerlich und dauernd darauf
abgesehen hatte, sie zu unterminieren. Ihre Moeglichkeiten waren
beschraenkt, sie standen unter schwerer Spannung und mussten ihre
Arbeit mit allen praktisch verfuegbaren Hilfsmitteln durchfuehren.
Dank ihres Erfindungsgeistes und ihrer Muehe, und mit Hilfe ihrer
eigenen Mittel und derer des Marshallplans, haben sie sich in
diesen schweren Jahren weit emporgearbeitet.

9 -

�Bei voller Anerkennungfuer die getane Arbeit und Ermutigung
durch den erzielten Fortschritt, nruessen wir dennoch die heutigen
Tatsachen ins Auge fassen, wie sie sind. Die Tatsachen sind, dass
der europaeische Handel Immer noch in einem Gewebe von Einschraenkungen und Erschwerungen verstrickt ist. Weder Waren, noch Geld,
noch Menschen koennen auch nur halbwegs ohne Schwierigkeit von
einem Land ins andere gelangen. Den europaeischen Erzeugern
bleiben die Moeglichkeiten wirksamer Organisation und kraftvoller
Entwicklung vorenthalten, die von europaweiten Maerkten geboten
wuerden. Den europaeischen Konsumenten bleiben die Moeglichkeiten
verschlossen, ueberall in Europa frei einzukaufen. Der Strom
neuer Kapitalanlagen, von welchen Europas Wirt Schaftszukunft in
einem solch hohen Masse abtiaengig ist, wird von kurzsichtigem,
selbstzerstoerendem Protektionismus oft in unwirtschaftliche
Bahnen gelenkt. Wie wir alle wissen, gibt es in gewissen Teilen
Europas ernste Probleme der Ueberbevoelkerung und der Entwurzelung, die zur Folge haben, was manchmal "strukturelle Arbeitslosigkeit •&lt;, genannt wird. Obschon durch die OEBC einiges auf
diesem Gebiet getan wurde, erfordert das ganze Problem der Eroeffnung weiterer Moeglidkeiten fuer eine Massenumsiedlung viel
groessere gemeinsame Bemuehungen. Ein Teil dieser Umsiedlung
sollte innerhalb Europas moeglich sein, das Hauptgewicht muss
jedoch duenner besiedelten Gebieten ausserhalb Europas zufallen.
In ihren Berätungen im Rahmen der OEEC haben die Teilnehmerlaender bewiesen, dass sie ueber dfese Sachlage wohl unterrichtet
sind. Die ersten Schritte wurden unternommen, um ihr ein Ende
zu bereiten. Sie stellen eine betraechtllche Anstrengung angesichts
betraechtlicher Schwierigkeiten dar, und sind ein wichtiger Anfang.
Ich kenne jedoch niemand, der behaupten wuerde, sie seien ausreichend. Die OEEC steht jetzt mitten im Begriff, weitere Fortschritte auszuarbeiten.
Bisher wuerden von den Regierungen der ERP-Laender durch
die OEEC, und mit voller Unters tue tzung der ECA gewisse Vorschi aege entwickelt. Darunter befindet sich die Schaffung einer
europaeischen Zahlungsunion, durch wleche die verschiedenen
Waehrungen der Teilnehmerlaender schnell austauschfaehig gemacht
wuerden. Diese Vorschlaege sehen auch ein entschlossenes Programm zur wirklichen Beseitigung quantitativer Einschraenkungen
des innereuropaeischen Handels vor. Es wuerde dies die Beseitigung eines Verfahrens aus dem lnnerwaropaeischen Handel bedeuten,
das als Festsetzung von Doppelpreisen fuer Brennstoffe und Grundmaterialien bekannt geworden ist. Darunter wird der Gebrauch
verstanden, fuer solche Brennstoffe und Grundmaterialien mehr
zu verlangen,, wenn sie in einem anderen OEEC-Land verkauft
werden, als wenn sie im Ursprungsland auf den Markt kommen. Im
Zuge dieses allgemeinen Programms wuerden Zolltarife ebenfalls
auf einer vernuenftigen Hoehe gehalten werden. Es wuerde insbesondere erwartet werden, dass die Laender die Tarife nicht
erhoehen wuerden, umfladurch vorsaetzlich die Einfuhrbeschraenkungen zu ersetzen.
Füer die Arbeiter Europas und ihre Gewerkschaften steht
bei der Erweiterung der Maerkte ebensoviel auf dem Spiel wie
bei der Produktivitaetssteigerung. Ich weiss, dass Sie Ihnen
behilflich sein werden, das einzusehen, und ihnen helfen werden,
ihre eigenen wahren Interessen mit voller Macht zu verfolgen.
Wenn sie ihre eigenen tiefen Interessen verstehen, werden sie es
nicht zulassen, dass die Produktivitaet durch Einschraenkungsmassnahmen unterdrueckt wird. Wenn Regierungsschranken zur
Erweiterung der Maerkte beseitigt werden, werden sie nicht gestatten, dass diese Beseitigung von Kartellen und privaten Ein-

- 10 -

�schraenkungen Ihrer Fruechte beraubt werden. Denn sie haben ein
Interesse sowohl an Entwicklung als auch an Sicherheit. Nur
durch Entwicklung kann eine wahre Sicherheit erreicht werden.
Wenn die europaeische Wirtschaft nicht vorwaerts schreitet,
wird sie sicherlich zurueckfallen.
Unsere Ziele koennen durch oertliche Planung oder oertliche
Eingriffe nicht erreicht werden. Das Potential Europas muss
fuer Europa als Ganzes verwirklicht werden. Die freien Nationen
Europas und die atlantische Gemeinschaft muessen Jederzeit einander Rechnung tragen. Keine unter ihnen darf eine Politik
verfolgen ohne Ruecksicht auf ihre Konsequenzen gegenueber der
anderen, wenn sie nicht Gefahr laufen will, ihre eigenen Ziele
zu verfehlen. Nur diejenigen, denen diese wesentlichen Wahrheiten nicht einleuchten, koennen sich der Taeuschung hingeben,
dass ein Gegensatz zwischen dem Ziel hohen Arbeitsangebots und
demjenigen der europaeischen Einheit bestehe. Es muss wiederholt werden, dass diese Ziele sich gegenseitig stuetzen, und
dass es unsere gemeinsame Aufgabe sein muss, sie zu erreichen.
Die freien Nationen Europas und Amerikas muessen unser gemeinsames Schicksal zusammenschmieden.

SCHWEDISCHE GEWERKSCHAFTEN ZUM EUROPAEISCHEN HILFSPROGRAMM
Axel Strand, der Praesident des Schwedischen Gewerkschaftsbundes, erklaerte, die schwedischen Gewerkschaftler befürworteten den Marshall Plan deshalb, weil er eine finanzielle Hilfe
darstellt, die vom gesamten amerikanischen Volk und nicht nur
von Banken und sonstigen FinanzInstituten geleistet sei.
In einer Rede ueber die Bedeutung des Marshall Planes fuer
die Wirtschaft Schwedens und Skandinaviens waehrend der beiden
ersten Jahre des ECA Programms verglich Strand das ERP mit der
Hilfe, die Amerika nach dem ersten Weltkrieg Europa zukommen
Hess.
'
"Nach dem ersten Weltkrieg," sagte Strand, "wurde Europa
ebenfalls von den Vereinigten Staaten unterstuetzt; die damalige
Hilfe war Jedoch ganz anderer Art. Die Banken, FinanzInstitute
und grossen Gesellschaften gaben Kredite. Mit dieser Hilfe
war den EmpfaengerStaaten Jedoch nicht gedient. Sie konnten
damit nicht ihre finanziellen Schwierigkeiten beseitigen....
Nun ist es das amerikanische Volk, das hinter dem Plan zum Wiederaufbau Europas steht...» In Schweden sind wir der Ansicht,
dass diese Tatsache den Arbeitern und der breiten Masse der Bevoelkerung das Vertrauen in das Programm und seine Ziele eingefloesst hat."
Strand erklaerte ausserdem das Programm werde deshalb von
den Gewerkschaftlern unterstuetzt, weil es ein Mittel zur Hebung
des Lebensstandards und zur Verhuetung zukuenftlger Kriege darstelle.
"Aufgabe 1 der Gewerkschaftsbewegungen aller Laender ist,
den Lebensstandard des arbeitenden JJenschen zu halten und zu
steigern. Deshalb ist die Gewerkschaftsbewegung fortschrittlich
in ihrer Arbeit und realistisch in ihren Zielen. Der Mars hall
Plan beruht auf konstruktiven Faktoren, und deshalb wird er von
den Gewerkschaftsorganisationen unterstuetzt.
H

Was an wirtschaftlicher Hilfe fuer den Wiederaufbau Europas
eingesetzt wurde, ist eine Kapitalanlage fuer die Zukunft. Mit
den Millionen von Dollar, die heute fuer den Wiederaufbau und

11 -

�fuer soziale und wirtschaftliche Sicherheit ausgegeben werden,
koennen Billionen von Dollar fuer eventuelle militaerische Ausgaben in der Zukunft gespart werden. Es hat sich Immer als
richtig erwiesen, sich auf positive, vorbeugende Kraefte zu verlassen, weil destruktive Kraefte nur auf diese Weise ueberwunden
werden koennen."
Strand brachte zum Ausdruck, dass der Marshall Plan waehrend
der beiden vergangenen Jahre fuer Schweden sehr nutzbringend gewesen sei, weil er den Wiederaufbau ueberall auf der Welt und die
Wiederbelebung des internationalen Handels gefoerdert habe.
"Das schwedische Volk, dessen Lebensstandard von einer guenstigen Entwicklung des internationalen Handels so sehr abhaengig
ist," meinte er, "weiss, dass Wiederaufbau im Kriegszerstoerten
Europa vermehrten Handel der Laender miteinander, mehr Waren und
bessere Waren bedeutet."
Er wies ferner darauf hin, dass waehrend Schweden zwar auf
die liarshall Plan Hilfe nicht so sehr angewiesen sei wie die vom
Krieg verwuesteten Laender, die schwedische Arbeiterschaft trotzdem nicht im geringsten die Bedeutung dieser Hilfe fuer unser
Land unterschaetze. Nicht weniger als 40g unserer Importe aus
den Vereinigten Staaten wurden im vergangenen Jahre mit Marshall
Plan Geldern bezahlt, die Schweden durch Warenlieferungen an
andere Teilnehmerstaaten des Marshall Planes erworben hatte."
Strand, dessen Gewerkschaft 1,250.000 Mitglieder zaehlt,
unterstrich besonders die Bedeutung der Tatsache, dass die ECA
besonderen Wert auf die Steigerung der Produktionsleistung legt.
"Alles, was getan werden kann, um den Wert der koerperlichen
Leistung durch bessere Maschinen und bessere technische Ausruestung zu erhoehen, muss getan werden. Die Bedeutung des Wissens-,
Erfahrungs- und Ideenaustausches auf technischem und verwaltungstechnischem Gebiet, der nun zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten stattfindet, geht weit ueber die Zeit des Marshall Planes
hinaus. Und dieser Austausch muss auch nach Beendigung des
Europaeischen HilfsProgramms fortgesetzt werden."
ECA Labor Information
4. April 1950
- 18 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

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�Internationale
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 10

Frankfurt, 12. Mal 1950

INHALTSVERZEICHNIS
Malrede In Berlin 1950
1
Reut her: " Europahilfe nruss nach 1952
fortgesetzt werden" - - - - - - - - - 3
England auf dem Wege zum Wiederaufbau - 4
Daenische Gewerkschaftler treten aus der
Kommunistischen Partei aus - - - - - - 5
Charles J. MacGowan - - - — - - - - 7
Konrad Nadahl
8
Seeleute Amerikas versprechen europaeischen Gewerkschaften ihre Hilfe
11

MAIREDE IN BERLIN 1950
Irving Brown, Vertreter des I.B.F.G.
An diesem Maitage des Jahres 1950 ueberbrlnge ich Euch
tapferen, f r e i e n Maennern und Frauen von Berlin die Gruesse
und die Gefuehle hoechster Bewunderung von den fuenfzig M i l l i onen Arbeitern des maechtigen Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften.
Es I s t gerade vier Jahre her, dass die demokratische Welt
mit Begeisterung das Ergebnis f r e i e r Wahlen i n Berlin g e f e i e r t
hat. Damals hat Berlin fuer Z i v i l i s a t i o n und gegen Sklaverei
gestimmt, fuer grundsaetzliche Menschenrechte und gegen Verneinung von Menschenwuerde, fuer Freiheit und Wiederaufbau und
gegen eine neue Tyrannei. In den Jahren der Hitlerschande
habt Ihr eines gelernt: "Nur die allergroessten Kaelber waehleii
ihre Metzger selber."
Dank der Luftbruecke i s t der Stadt Berlin, die Moeglichkeit
gegeben worden, ihre Freiheit zu behaupten. Ja, das stimmt.
Aber Berlin i s t f r e i geblieben und wird weiterhin auch f r e i s e i n ,

- 1 -

�weil die Arbeiter unter dem Banner der U.G.O. die Freiheit
wollen. Ohne dieses Freiseinwollen der Bevoelkerung gibt es keine
technisch« Mittel, so vollkommen sie auch sein moegen, die die
Freiheit sichern koennen.
Die Deutschen sind nicht bereit, sich einer neuen Sklaverei
zu ergeben, sind nicht bereit, an neuen Verbrechen teilzunehmen
unter der Maske der Nationalen Front, Die ehemaligen Verbrechen
der Nazis und der Deutschnationalen verblassen gegenueber denen,
die heute vom Kreml angeordnet werden. Deshalb koennen und
werden auch jetzt tatsaechlich wie einst der Nationalismus und
der Kommunismus in Deutschland Blutsfreunde. Darum dient das
"Denazifizieren'* der SMA in Deutschland als Deckmantel zum
Rueckfall ins Nazitum im Namen der UdSSR.
Wir alle glauben an den Frieden. Die ganze Menschheit
sehnt sich nach Frieden und Sicherheit. Die ganze Entwicklung
der Geschichte der Amerikaner deutet auf ihre tiefe Friedensliebe
und ihre Abneigung gegen den Militarismus hin. Ebenso fest
glauben wir an die Freiheit. Besteht Sklaverei auch nur in einem
Lande, so stellt sie eine Gefahr fuer die ganze Welt dar. Wo
es Sklaverei gibt, besteht Kriegsgefahr fuer die ganze Welt,
Wo es Sklaven gibt, gibt es Herren. Und wo es Herren gibt,
gibt es Fuehrer mit unbeschraenkter Macht, die ihr Volk in den
Krieg stuerzen. Gibt das Volk die Freiheit auf, dann verliert
es alle Macht, die Herren zu kontrollieren und zurueckzuhalten.
Darum ist Euer Kapf nicht nur ein Kampf um die Freiheit Berlins,
sondern auch ein Kampf um den Frieden fuer Deutschland und fuer
die Welt, Euer Kappf um die freien Gewerkschaften in Berlin laesst
sich unter den jetzigen Umstaenden nicht von dem allgemeinen
staendlgen Kampf um die Freiheit und die Demokratie trennen.
Ohne freie Gewerkschaften gibt es keine Demokratie, und umgekehrt, ohne Demokratie gibt es keine freien Gewerkschaften. Der
Kampf um oekonomische und soziale Gerechtigkeit, den die Gewerkschaften in der ganzen Welt fuehren, kann nur im Rahmen einer
politischen Demokratie stattfinden. In diesem Sinne unterstuetzen wir mit ganzer Kraft Euren Kampf auf Leben und Tod nicht
nur zur Ausrottung einer alten, sondemauch zur Verhinderung einer
neuen Diktatur. Die internationale Arbeiterschaft, ja die freie
Arbeiterschaft der ganzen Welt heisst Euch, die Berliner Gewerkschaften, in ihren Reihen willkommen zur gemeinsamen Sache der
internationalen Arbeiterbewegung.
Wir sind der festen Ueberzeugung, dass ein neues Deutschland
wiedererstehen muss. Die wirtschaftlichen und politischen Kon*
trollen muessen in den Haenden derjenigen bleiben, die als die
ersten Opfer im Kriege der Nazis gegen Demokratie und Zivilisation
fielen* Das sind: die freien Gewerkschaften, Diese muessen
stark genug werden, um im zukuenftigen Deutschland eine entscheidende und einflussreiche Rolle zu spielen. Die Alliierte Besetzung
wird ihren Zweck verfehlt haben, wenn die Schwerindustrien ihren
ehemaligen Besitzern zurueckgegeben werden - denen, die seinerzeit die Ruhr und die ganze Wirtschaftsordnung Deutschlands
den Nazis zum frevelhaften Gebrauch zur Verfuegung stellten.
Das darf nicht wieder sein. Die Arbeiter Amerikas haben dagegen
protestiert und werden weiterhin protestieren. Deshalb muss die
Internationale Arbeiterbewegung fuer die Sicherung der wirtschaftlichen Demokratie Deutschlands kaempfen.
Wir begruessen Eure gewaltigen Bestrebungen gegen jede
totalitaere Diktatur ob braun oder rot und um ein freies und
demokratisches Gewerkschaftsleben. In diesem Augenblick gibt

- 2 -

�es fuer die Menschen der sowjetischen Zone ein neues Gesetz.
Zwangsarbeit, Konzentrationslager, Militarisierung der Arbeit
sind aufgezwungen» Berlin ist fuer die Ifelt zum Symbol des
Kampfes gegen Diktatur und Versklavung geworden. Wir gruessen
alle Berliner und Berlinerinnen, die ihr Alles aufs Spiel
setzen, um ihre Stadt als Bollwerk der Menschlichkeit und Freiheit zu bewahren.
Einen wichtigen Sieg fuer die Freiheit hat Berlin schon
errungen, aber der Kampf fuer die Freiheit geht weiter. Wer
frei bleiben will, muss dauernd um die Sicherung seiner Freiheit
kaempfen. Der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit. Heute
muss die freie Welt nach einem positiven Programm der wirtschaftlichen, politischen und militaerischen Sicherheit auf folgende
Grundsaetze beruhend streben;
Die Berliner muessen nicht nur politisch frei sein, sondern
sie muessen in einer Wirtschaft der Vollbeschaeftigung leben,
die den freien Arbeitern Berlins die Arbeit sichert. Dabei
sei besonders der Frauen und der Jugend gedacht.
Um dauernde Sicherheit zu gruenden, muss Berlin in das
wirtschaftliche und politische Leben des freien, demokratischen
Deutschland vereinigt werden. Aber ein freies Berlin in einem
freien, demokratischen Deutschland muss auch in einem freien
und demokratischen Europa vereinigt werden.
Und ein vereinigtes demokratisches Europa muss in einer
groesseren atlantischen wirtschaftlichen, politischen und
verteidigungsfaehigen, starken Union aufgehen, in der auch
Amerika eingereiht ist.
Ich gruesse Euch im Namen des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften. Wir erkennen die Bedeutung Eures Kampfes
um Frieden und Freiheit und Sicherung der Menschenrechte.
Zum Schluss aber moechte ich noch dieses sagen:
Es gibt Millionen unserer Brueder, die keine Moeglichkeit
haben, ihre Stimme zu erheben. Auch in ihrem Namen - im Namen
der unzaehligen Menschen in allen Laendern hinter dem Eisernen
Vorhang - habe ich heute zu Ihnen gesprochen.
Und eines Tages - dessen bin ich sicher - werden wir einen
Ersten Mai feiern - mit ihnen allen zusammen, Ost und West,
einen Weltfeiertag der Freiheit.
Es lebe die
Es lebe die
Es lebe ein
friedliches
Es lebe der

Berliner Arbeiterschaft.
U.G.O.
freies, demokratisches, bluehendes und
Deutschland.
kommende Tag der Freiheit - ueberall in der Welt.

REUTHER: '«EUROPAHILFE MUSS NACH 1952 FORTGESETZT WERDEN."
Victor Reuther, der Leiter der Ausbildungsabteilung der
Automobilarbeitergewerkschaft (CIO), erklaerte in einer Unterredung, die er waehrend seines Aufenthaltes in Stuttgart mit
einem Vertreter der amerikanischen Zeitung "Stars and Stripes"
hatte, dass die Fortsetzung der amerikanischen Hilfe fuer
Europa in irgendeiner Form nach dem Ablaufen des Europahilfsprogramms im Jahre 1952 unerlaesslich waere.

�"Wenn wir die amerikanische Hilfe nicht fortsetzen,"
sagte Reuther, "werden die Arbeitslosenziffern in unserem eigenen
Lande und in Europa sicherlich ansteigen."
Er glaube, dass ERP im Jahre 1952 "offiziell" beendet sein
wuerde. Dann wuerde das "alternative Programm" in Aktion treten.
Dies koenne irgendeine Form des "erweiterten Punkt-Vier-Programms"
sein, in dessen Rahmen Europa und die "rueckstaendlgen" Gebiete
von Amerika unterstuetzt wuerden.
Der Funktionaer der Automobilarbeitergewerkschaft forderte
die Errichtung einer "europaeischen Behoerde fuer den Wohnungsbau" , deren Aufgabe es sein soll, Tausende von Arbeiterwohnungen
zu niedrigen Preisen zu bauen. Damit koenne die Arbeitslosigkeit
in Europa beseitigt und eine erhoehte Stahlproduktion der Ruhr
in unbedenklicher Weise verwendet werden.
Victor Reuther, der Bruder des Praesidenten der Automobilarbeiter Gewerkschaft, Walter Reuther, traf mit deutschen Gewerkschaf tsfu ehrern und Beamten des Bueros fuer Arbeitsangelegenheiten im Amte des Hohen Kommissars zusammen.

ENGLAND AUF DEM WEGE ZUM WIEDERAUFBAU
"Die freiwillige Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften,
den Unternehmern der Industrie und der Regierung in England hat
zu einer Erhoehung der industriellen Produktion um 20# pro Arbeiter seit dem Jahre 1946 gefuehrt," erklaerte John Kenney,
der ECA Missionschef in England, in einem Rueckblick auf die
in Europa seit der formellen Gruendung der ECA vor 2 Jahren
erzielten Erfolge.
"Unternehmertum und Gewerkschaften haben nicht nur gemeinsam
an der Steigerung der Produktion gearbeitet, sondern sie haben auch
ihre Forderungen nach Extraloehnen und -gewinnen begrenzt und
damit mehr Geldmittel fuer die Neuausrüstung und Modernisierung
unserer Industrie freigemacht."
Kenney lobte die Englaender dafuer, dass sie mit bei den
Ersten waren, die die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns der
europaeischen Nationen erkannten, wenn die Wunden, die der Krieg
geschlagen hatte, geheilt werden sollten.
H

Da wir auf halbem Wege angelangt sind," sagte Kenney,
"ist es angebracht, an die Tatsache zu erinnern, dass England
als erstes Land auf den Vorschlag eingegangen ist, die europaeischen
Nationen zur gegenseitigen Unterstuetzung zu vereinigen. Dieser
Vorschlag wurde zum erstenmal von George C. Marshall, dem damaligen Aussenminister der Vereinigten Staaten, unterbreitet. Um
mit Ernest Bevins eigenen Worten zu sprechen: "Wir griffen mit
beiden Haenden zu."
Kenney sagte voraus, dass der Llarshall Plan in zwei Jahren
zwar zu Ende ginge, das Buero fuer Europaeische, Wirtschaftliche
Zusammenarbeit jedoch weiterbestehen wuerde. Auchwerde England
nicht aufhoeren, an seinem Wiederaufbau zu arbeiten.
"Das englische Volk wird bestrebt sein, seine Produktion
.zu erhoehen, die Exporte nach den Dollargebieten zu steigern und
einen einzigen europaeischen Absatzmarkt zu erschliessen, damit
es auf eigenen Fuessen stehen kann, wenn der Marshall Plan auf-

�hoert, und damit es wesentlich zu der Hebung des Lebensstandards
nicht nur In seinem eigenen Lande, sondern In ganz Europa beitragen kann.11
ECA Labor Information
5. April 1950

DAENISCHE GEWERKSCHAFTLER TRETEN AUS DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI AUS
Am 14. April traten vier prominente daenls*che Gewerkschaftler
aus der Kommunistischen Partei Daenemarks aus. In einem gemeinsamen Schreiben erklaerten sie, nur diejenigen blieben in der
Partei, die sich an das Motto "Mund zu und gehorchen" hielten*
Es handelt sich um den Praesidenten der Gewerkschaft der
Kopenhagener Strassenbahnangestellten, Frede Danielsen, der
30 Jahre lang Mitglied der Kommunistischen Partei war.
Ausserdem beklagten sich die drei obersten Fuehrer der
Daenlschen Eisenbahnergewerkschaft - Henry Olsen, Vorsitzender,
Victor Madsen, Finanzsekretaer, und M. Ollgard Rasmussen, Sekretaer - ueber die kommunistische Bevormundung und erklaerten in
einem offenen Schreiben an den Exekutivausschuss der Kommunistischen Partei ihren Austritt aus der Partei.
In diesem Schreiben wurden die Methoden angeprangert, deren
sich die Kommunistische Partei den von ihr beherrschten Gewerkschaften gegenueber bedient. Der Brief, der im "Social Demokraten" vom 16. April veroeffentlicht wurde, hat folgenden
Wortlaut:
An das Sekretariat der Kommunistischen Partei
Wir haben die Entwicklung der Kommunistischen Partei von
1945 bis zum heutigen Tage verfolgt. Wir sahen, wie sie eine
Wahlniederlage nach der anderen einstecken musste, und wie
diese Niederlagen bei den letzten Gemeindewahlen im Jahre 1950
ihren Hoehepunkt erreichten. Diese Tatsache muss auf einen
Kommunisten ziemlich demuetigend wirken. Natuerlich haben wir
uns ueber diesen staendigen Rueckgang der Kommunistischen Partei
Gedanken gemacht. Es muss daran erinnert werden, dass die M ö g lichkeiten, die daenlschen Arbeiter fuer die kommunistische Idee
zu gewinnen, nach dem Kriege ausgezeichnet gewesen sein muessen.
Angesichts dieser Tatsache sind die Ergebnisse umso unbefriedigender. Obwohl die Arbeiterklasse gegenwaertlg grosse wirtschaftliche Lasten zu tragen hat, (Arbeitslosigkeit, Steuern
und allgemeines Ansteigen der Lebenshaltungskosten) und obwohl
die Gerlchtshoefe in unerhoerter Weise Leute freisprechen, die
waehrend der Besatzung Verbrechen begangen hatten, ist es der
Kommunistischen Partei nicht gelungen, die Entwicklungen Innerhalb der daenlschen Arbeiterklasse entscheidend zu beeinflussen.
Selbst auf den proletarisiertesten Teil der Bevoelkerung hat
die kommunistische Ideologie keine besondere Anziehungskraft ausueben koennen.
Wir sind der Auffassung, dass unsere einflussreichsten
Fuehrer bei wichtigen Gelegenheiten versagt haben.

�Kommunistische Methoden
Der groesste und wohl folgenschwerste Fehler bestand darin,
dass man Methoden anwandte, die vielleicht In Laendern wie
Russland, Polen, Rumaenien etc. angebracht sind. Bei der Mentalitaet der daenischen Arbeiter Jedoch mussten sich diese
Methoden in Daenemark nachteilig auswirken. Von Zeit zu Zeit
wurden Parteibefehle erlassen, in denen die Fuehrer der kommunistischen Parteizentralen und die Mitglieder der exekutiven
Koerperschaften aufgefordert wurden, die von der Partei herausgegebenen Parolen zu befolgen und keine Ruecksicht auf die oben
erwaehnten Fuehrer und damit auf unsere Stellung Innerhalb der
Gewerkschaftsbewegung zu nehmen. Als Vorsitzender, Finanzsekretaer
und Sekretaer der Gewerkschaftsbewegung bemuehten wir uns, eine
Grundlage zur kommunistischen Orientierung unserer Mitglieder
zu schaffen. Wir taten dies, indem wir, ungeachtet der uebrigen
politischen Einstellungen, bewiesen, dass die wirtschaftliche
und kulturelle Stellung des Arbeiters verbessert werden muss.
Kurz gesagt, wir versuchten, In der Gewerkschaftsbewegung Einigkeit zu schaffen. Deshalb waren wir irritiert, wenn uns von
Zeit zu Zeit Befehle zugingen, in denen man uns vorschrieb, wie
wir handeln sollten. Die Partei stellte die Forderung, diese
Befehle strengstens zu befolgen, ohne Ruecksicht auf Nachteile,
die uns dadurch entstehen koennten. Es ist ein grosser Fehler,
wenn eine exekutive Koerperschaft glaubt, einem Gewerkschaftsvorstand vorschreiben zu koennen, wie er seine Gewerkschaft
zu fuehren hat. Die lokal bedingten Probleme Jeder Gewerkschaft
muessen beruecksichtigt und mit Vorsicht behandelt werden.
Offensichtliche Diktatur
Wir koennen diese Form offensichtlicher Diktatur nicht anerkennen, weil sie ohne Zweifel zu Misstrauen und Verdacht unter
unseren Mitgliedern fuehren wuerde. Hierin ist auch der Grund
fuer die Niederlage und den betraechtlichen Rueckgang der Kommunistischen Partei zu suchen.
Im Jahre 1945 hatten wir die besten Aussichten, das Vertrauen des Volkes zu gewinnen, weil wir die Sache des "kleinen
Mannes" auf unsere Fahne geschrieben hatten, und vor allem weil
wir zu Jener Zeit ehrliche Politik betrieben, die den Arbeitern
Vertrauen einfloesste. In den letzten beiden Jahren trat Jedoch
eine Aenderung ein. Kein Mittel ist nun zu gemein, als dass
es nicht angewandt werden koennte. Streitigkeiten in der Partei
sind an der Tagesordnung, und die Arbeiter wenden sich deshalb
von ihr ab. Sie merken, dass sie irregefuehrt worden sind.
Es ist oft erklaert worden, dass die Gewerkschaftsbewegung
ohne fremden Einfluss sein muesse, und wir sind der Ansicht,
dass sich besonders die Kommunistische Partei an diesen Grundsatz halten sollte.
Ein weiterer Grund fuer den Rueckgang ist in der Einstellung
der Parteisperre zu den Entwicklungen in den osteuropaelschen
Laendern zu sehen. Man muss annehmen, dass die kommunistische
Presse so schreibt, wie es die Fuehrer der Kommunistischen Partei
wuenschen. Tag fuer Tag ergeht sich "Land og Folk", die Veroeffentlichung der Kommunistischen Partei, in Lobreden fuer die
in den oben erwaehnten Laendern vor sich gehenden Entwicklungen.
Polen, Ungarn, Rumaenien und die Tschechoslowakei werden den
daenischen Arbeitern als Musterbeispiele hingestellt. Die Partei
hat wohl nicht erkannt, dass der daenische Arbeiter intelligent
genug ist, sich selbst die Frage vorzulegen und herauszufinden,

- 6 -

�warum so viele fuehrende Kommunisten in Jenen Laendern von
ihren Stellungen verschwinden.
Es waere eigenartig, wenn die daenischen Arbeiter nicht
erkennen wuerden, dass an dem System irgendetwas nicht in
Ordnung ist. Niemand will offen zugeben, dass die kommunistischen Fuehrer zu Verraetern an ihrem Lande werden, wenn die
kommunistischen Parteien in den osteuropaeIschen Laendern
die gesamte Macht in die Hand bekommen. Die Entwicklungen
dort zeigen eine Tendenz rueckslchtsloser Rivalitaet um
Macht, gepaart mit dem Mangel organisatorischen Talents. Das
Ergebnis war eine endgueltige Diktatur, die in mancher Hinsicht
mit dem ehemaligen Naziregime identisch ist.
Ununterbrochen versichert man uns, dass wir nicht vom
Kominform befehligt werden. Wenn dies Jedoch wahr ist, muss
man sich fragen, warum man keine ausgesprochen daenlsche
Politik betrieben hat, die den daenischen Verhaeltnissen und
der Mentalitaet der daenischen Bevoelkerung Rechnung getragen
und alle konstruktiven Kraefte, die In diesem Lande verfuegbar sind
in ihren Dienst gestellt haette? Warum hat die Partei nicht
so gehandelt, dass die Bevoelkerung die Ueberzeugung gewinnen
koennte, dass in diesem Lande eine wahre Demokratie errichtet
werden kann, in der jeder seine Meinung ohne Risiko aeussern
kann? Dagegen muss Jeder, der eine der kommunistischen Auffassung gegenteilige Meinung aeussert, befuerchten, dass man
sich spaeter seiner erinnern koennte.
"Mund zu gehorchen"
Wenn heute Gewerkschaftler der Kommunistischen Partei
den Ruecken kehren, dann liegt dies nicht etwa an den geaenderten Verhaeltnissen; sie protestieren damit vielmehr gegen
die Tatsache, dass die Partei ruecksichtslos der Gewerkschaftsbewegung Ihre Grundsaetze aufzuzwingen versucht und durch
die Anzettelung illegaler Streiks schwere wirtschaftliche
Verluste fuer die Arbeiter verursacht, die nicht wiedergutzumachen sind.
Es ist ausserdem unbekannt, dass Kommunisten mit gegenteiliger Einstellung fallen gelassen wurden, waehrend andere,
die dem Motto "Mund zu und gehörehen" huldigten, beguenstigt
worden sind. Auch wir moechten hiermit protestieren, und
treten deshalb aus der Kommunistischen Partei aus.
Mitglied Nr. 2003
Henry Olsen, Vorsitzender
Abtlg. T. der EisenbahnerGewerkschaft
Mitglied Hr. 28841
Victor Madsen, Finanzsekretaer
Mitglied Nr. 451
M. Ollgaard Rasmussen, Sekretaer
CHARLES J. MACGOWAN
Der Mann hinter dem Schreibtisch des Praesidenten in
den Bueros der Internationalen Gewerkschaft der Kesselmacher
und Schiffbauer ist grauhaarig, 1,83 m gross und hat maechtige
Haende und Schultern - er hat ueber 25 Jahre bei den Eisenbahnen gearbeitet.

- 7 -

�Es ist Charles J. MacGowan, nun der elfte Vlzepraesldent
des Amerikanischen Gewer kschaftsbundes AFL.
Am 2. Juni 1887 In Schottland geboren, kam MacGowan Im
Alter von 10 Jahren nach Kanada und begann seine Arbeiterlaufbahn in der Kesselwerkstatt der alten Eisenbahngesellschaft
"Grand Trunk Pacific Railroad."
Fast unmittelbar danach schloss er sich der kanadischen
Lokale der .Kesselmachergewerkschaft an und bemuehte sich um die
Verbesserung der Arbeitsbedingungen. (Die Internationale Gewerkschaft war Im Jahre 1880 gegruendet worden und steckte damals
noch in den Kinderschuhen.)
An dem ersten Streik der Werkstattarbeiter der kanadischen
Eisenbahn war MacGowan aktiv beteiligt. Der Streik war ohne
Erfolg, MacGowan reiste jedoch per Gueterwagen umher, um die
Gewerkschaft von neuen zu organisieren. Streiks, Aussperrungen
und das Aufstellen von schwarzen Listen machten es ihm unmoegllch, laengere Zeit ununterbrochen an einer Arbeltsstelle zu
bleiben. 1913 landete er schliesslich in den Vereinigten Staaten,
wo ihm Joseph Franklin, der damalige Praesldent der Kesselmachergewerkschaft, zu einer Beschaeftigung bei der Rock Island Eisenbahngesellschaft verhalf.
Als ernster, fleisslger Mensch widmete MacQowan 20 Jahre
lang seine Freizeit gewerkschaftlicher Taetigkeit. Er arbeitete
staendig an seiner Weiterbildung, organisierte und ergriff als
Gewerkt chaftsfuehrer mehr und mehr Initiative. Er arbeitete in
staedtlschen Ausschüssen fuer Arbeltsangelegenheiten mit, beteiligte sich aktiv am der Arbeit staatlicher Vereinigungen und
nahm an internationalen Konventionen seiner eigenen Gewerkschaft
und des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL teil.
1936 wurde er zum Vlzepraesldenten der Internationalen
Gewerkschaft der Kesselmacher gewaehlt, und als im Jahre 1944
Franklin auf der Konvention in Kansas City sein Amt niederlegte,
wurde MacGowan auf einstimmigen Beschluss zu seinem Nachfolger
ernannt. Drei Jahre spaeter war er Vlzepraesldent des maechtlgen
Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL.
ECA Labor Information
27. Maerz 1950
KONRAD NORDAHL
Konrad Nordahl, der Praesldent der Norwegischen Nationalen
Gewerkschaftsunion, hat die norwegische Gewerkschaftsbewegung
durch mindestens drei der schwersten Krisen hindurchgesteuert,
die sie seit ihrem Bestehen durchzumachen hatte.
Waehrend der schweren Jahre des Krieges und der deutschen
Besatzung war er ununterbrochen Praesldent der Union; auch durch
die Nachkriegszeit, in der die Kommunisten Elnfluss zu gewinnen
versuchten, fuehrte er sicher die Organisation. Heute hilft er
mit, den heiklen Mittelweg einzuhalten, der unter einem Regime
der Arbeiterregierung zwischen Gewerkschaften und Regierung eingehalten werden muss.
Man hat Nordahl oft einflussreiche Stellungen im Storting
(Parlament) angeboten. Immer jedoch hat er mit der Begruendung
abgelehnt, dass die Gewerkschaftsbewegung und die Arbeiterre-

- 8
»

�gierungen verschiedene Verpflichtungen haetten und er nicht
massgebliches Mitglied Im Parlament sein und zu gleicher
Zelt die norwegische Gewerkschaftsbewegung in zufriedenstellender Weise fuehren koenne.
Konrad Nordahl wurde am 35. September 1897 in Bergen
geboren. Bereits als Junge arbeitete er in den Schiffswerften
von Bergen und schloss sich kurz darauf seiner lokalen Gewerkschaft und der sozialistischen Jugendbewegung an.
Von Anfang an stellte er seine Faehigkeiten als Fuehrer
unter Beweis. Bevor er Im Jahre 1931 zum Praesidenten der
Norwegischen Eisen- und Metallarbeitergewerkschaft und zum
Mitglied des Sekretariats der Norwegischen Gewerkschaftsunion
gewaehlt wurde, hatte er viele Aemter in der Lokalgewerkschaft
und In der uebrigen Gewerkschaftsbewegung inne.
Drei Jahre spaeter wurde Nordahl zum Vizepraesidenten
der Nationalen Gewerkschaftsunion und im Jahre 1939, nachdem der
Praesident Regierungsmitglied geworden war, zum Praesidenten
ernannt.
Nordahls Praesidentenschaft gestaltete sichals aeussertt
schwierig. Sieben Monate nach seinem Amtsantritt griffen
die Deutschen Norwegen an. Nordahl gelang es, aus der Hauptstadt zu entkommen und sich mit den norwegischen Kraeften zu
vereinigen, die im noerdlichen Teil des Landes kaempften.
Zwei Tage nach Beginn des deutschen Angriffs unterzeichneten
er und andere Fuehrer der norwegischen Arbeiterpartei einen
Aufruf an alle lokalen Gewerkschaftsfuehrer, innerhalb der
kaempfenden Untergrundbewegung eine Gewerkschaftseinheit organisieren zu helfen. In den beiden Monaten, in denen die
Norweger Widerstand leisteten, hielt sich Nordahl bei den
Streitkraeften der Regierung auf. Als die Front dann vorgeschoben wurde, trat er mit den Gewerkschaften in den befreiten
Gebieten in Verbindung und setzte sich mit seiner ganzen Kraft
fuer die Beteiligung der Gewerkschaften an dem Kampf gegen die
Eindringlinge ein.
Als der militaerische Widerstand im Juni 1940 aufhoerte
und das ganze Land besetzt war, kehrte Nordahl nach Oslo zurueck.
Anfangs erlaubten die Deutschen den Gewerkschaften, ihre Taetigkeit fortzusetzen, in dem Glauben, sie nazifizieren und fuer
Ihre Besatzungszwecke gewinnen zu koennen. Diese Illusion erwies
sich jedoch bald als falsch, und die Deutschen verboten Nordahl
und all denen, die an dem Feldzug im Norden teilgenommen hatten,
ihre gewerkschaftliche Taetigkeit fortzusetzen.
Nordahl hatte jedoch bereits aus den Gewerkschaftsfuehrern
eine Untergrundbewegung gebildet und um sich eine Reihe von
lokalen Fuehrern geschart, die bereit waren, die politischen
Bemuehungen der Deutschen zu sabotieren. Aus dieser Gruppe
entstand bald eine ausgedehnte Untergrundorganisation innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung, und diese Konzentration von Kraeften
sollte in der spaeteren Entwicklung und dem Werden der norwegischen Widerstandsbewegung zum entscheidenden Faktor werden.
Im September 1941 wurde es den Deutschen endlich klar, dass
sie die Norweger nicht nazifizieren konnten; sie verkuendeten
in Oslo das Kriegsrecht und verfolgten die WiderStandskaempf er.
Nordahl gehoerte in erster Linie mit zu denen, die man suchte,
und er fluechtete deshalb aus dem Land.

- 9 -

�Zuerst wandte er sich nach Schweden, wo er sich mit dem
Gedanken trüg, eine zentrale norwegische Gewerkschaftsbewegung
ausserhalb Norwegens zu gruenden. Zu jener Zeit hatte die
norwegische Exilregierung ihr Hauptquartier* in London aufgeschlagen, wo auch der norwegische Verband der Seeleute seit
dem 9. April 1940 seinen Sitz hatte» Nordahl begab, sich also
nach London.
Er erkannte, dass seine Hauptaufgabe darin bestehen musste,
mit dem besetzten Norwegen ueber eine Zentrale in Stockholm und
mit der englischen Gewerkschaftsbewegung und denen der uebrigen
freien Laender, besonders in den Vereinigten Staatent Verbindung aufzunehmen.
*m 12. November 1941 wurde das Londoner Sekretariat der
Norwegischen Nationalen Gewerkschaftsunion gegruendet. Zu Anfang
setzte es sich lediglich aus dem Praesidenten des Norwegischen
Seeleuteverbandes (der zu Jener Zeit auch Leiter des Presseund Informationsbueros der norwegischen Regierung in London war)
und Nordahl zusammen. Spaeter kamen noch andere Mitglieder der
Gewerkschaftsbewgung hinzu, die aus Norwegen entkommen und nach
London gefluechtet waren.
Das Londoner Sc-kretariat wurde sofort von der norwegischen
und den alliierten Regierungen und von den Gewerkschaften
in den allJJerten Laendern als Vertreter der norwegischen Exilgewerkschaftsbewegung anerkannt. Dreieinhalb Jahre lang fuehrte
Nordahl das Londoner Sekretariat, das nicht nur in dem Kampf
um Norwegens Freiheit und Unabhaengigkeit eine hervorragende
Rolle spielte, sondern auch den Grundstein fuer die Nationale
Gewerkschaftsunion in Norwegen nach dem Kriege legte.
Von seinem Londoner Buero aus dirigierte Nordahl die gesamte
illegale Gewerkschaftstatigkeit, die in Norwegen geleistet wurde.
Alle Untergrundgewerkschaften in seiner besetzten Heimat und
alle diejenigen, die in Schweden taetig waren, erkannten das
Londoner Sekretariat als die oberste Behoerde in der Bewegung an.
Die Staerke dieses Kampfes der Gewerkschaftler wurzelte in der
Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaftlern draussen und denen
im eigenen Lande.
Als Leiter des Sekretariats stand Nordahl ebenfalls in
enger Zusammenarbeit mit Regierungsvertretern und half, den
Grundstock fuer den Wiederaufbau seines Landes nach dem Kriege
zu legen. Mit dem Praesidenten der norwegischen Angestelltengewerkschaft, der sich dieser Zeit ebenfalls in London befand, traf
Nordahl Vorbereitungen zur Beilegung von Lohnstreitigkeiten nach
der Befreiung, um den Gewerkschaftsfrieden und die Zusammenarbeit
zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in den ersten Jahren
des Wiederaufbaus zu gewaehrleisten. Dieses Programm hat sich
als sehr erfolgreich erwiesen. Waehrend der fuenf Jahre, die
nun seit der Befreiung verflossen sind, hatte Norwegen ein Minimum
an nennenswerten Arbeitskonflikten zu verzeichnen. Nach dem
Kriege setzte sich Nordahl, der einstimmig zum Praesidenten der
Gewerkschaftsunion gewaehlt worden war, fuer die Schaffung des
Weltgewerkschaftsbundes ein. Bald musste er aber erkennen, dass
eine Zusammenarbeit zwischen den demokratischen Gewerkschaften
Westeuropas und Amerikas und den kommunistisch beherrschten
Gewerkschaften Osteuropas unmoeglich war. Als die freien Gewerkschaften deshalb im Jahre 1949 aus dem Weltgewerkschaftsbund
austraten, unterstuetzte Nordahl sofort die Idee, einen neuen,
freien internationalen Gewerkschaftsbund zu gruenden. Im Mai 1949

- 10 -

�stimmte die Nationale Gewerkschaftsunion fuer den Austritt aus
dem Weltgewerkschaftsbund, und das Sekretariat wurde angewiesen,
sich um die Mitgliedschaft im Internationalen Weltbund Freier
Gewerkschaften zu bewerben.
Die Kommunisten sehen in Nordahl verstaendlicherweise ihren
gefaehrlichsten Gegner, und er ist deshalb ihren staendigen
Angriffen ausgesetzt. Obwohl sie jedoch ununterbrochen versuchten,
sich in die Fuehrung der Gewerkschaftsbewegung einzumischai,
mussten sie eine Niederlage nach der anderen einstecken, und
spielen nun eine sehr unbedeutende Rolle. Die Nationale Gewerkschaftsunion hat unter der Fuehrung Nordahls ihre entschlossene
Haltung diesen Intrigen gegenueber bewahrt und alle Einmischungsversuche der Kommunisten zurueckgewiesen.
Die rechtsgerichteten Gegenspieler der Gewerkschaft machen
ihr oft den Vorwurf, sie regiere in Wirklichkeit Norwegen, und
Nordahl sei der Drahtzieher, Dagegen behaupten die Kommunisten»
die Fuehrer der Gewerkschaft seien nur die Dienstboten der
Regierung.
Beides ist Jedoch, wie Nordahl selbst sagt, falsch. Norweger,
sagt er, seien nicht zum Dienstbotentum geboren. Und in einer
demokratischen Gesellschaftsordnung muessten Fuehrung und Verantwortung in den Haenden der verfassungsmaessigen Organisationen
liegen - und das seien Parlament und Kabinett.
ECA Labor Information
18. April 1950
SEELEUTE AMERIKAS VERSPRECHEN EUROPAEISCHEN GEWERKSCHAFTEN IHRE HILFE
Sieben amerikanische Gewerkschaften, in denen 170.000 Seeleute organisiert sind, haben versprochen, "der europaeisehen,
freien Gewerkschaftsbewegung Jedmoegliche Unterstuetzung in ihrem
Kampf gegen die kommunistische Diktatur zukommen zu lassen....rt
Die Gewerkschaften bezeichneten den Marshall Plan und den
Atlantik Pakt als die wirksamsten Mittel, um diesen Kampf zu
fuehren, und versprachen, alles, was in ihrer Macht liegt, zur
Unterstuetzung dieser Plaene zu tun.
Die Praesidenten der sieben Gewerkschaften erklaerten, diese
Entschile ssung sei gefasst worden, nachdem man die Lage der Arbeiterschaft Westeuropas hinsichtlich der wirtschaftlichen Struktur
ihrer Laender und die Verteidigung des freien demokratischen
Regimes eingehend besprochen hatte."
'•Wir wissen," so heisst es in der EntSchliessung, "dass die
Kommunistische Partei und die kommunistischen Gewerkschaften
auf Befehl des Kominform versucht haben und noch versuchen, diese
Laender zu unterjochen, indem sie chaotische Verhaeltnisse schaffen
und Gewalt anwenden, um zu verhindern, dass sich der Marshall
Hilfsplan und der Atlantik Pakt voll auswirken koennen.
"Wir als die Vertreter der Seeleute geloben deshalb, die
Marshall Plan Laender und alle SignatarStaaten des Atlantik
•
Paktes zu unterstuetzen, denn wir sind davon ueberzeugt, dass
Westeuropa nur mit diesen Mitteln wiederaufgebaut werden kann,
und dass nur unter diesen Voraussetzungen4in Europa das bestehen
kann, was wir unter Demokratie und Freiheit verstehen."

- 11 -

�Die Gewerkschaften versprachen ausserdem, sich fuer die
Einberufung einer Konferenz aller amerikanischer Transportarbeitergewerkschaften in Verbindung mit dem Internationalen
Transportarbeiterverband einzusetzen, auf der die notwendigen
Massnahmen formuliert werden sollen, die eingeleitet werden
muessen, um der zerstoerenden und umstuerzlerischen Taetlgkeit
der Kommunisten in der TransportIndustrie Europas und anderswo
zu begegnen."
Unterzeichnet wurde die EntSchliessung von den Praesidenten
der Internationalen Seefahrergewerkschaft, der Gewerkschaft der
Schlffskapitaene, Steuerleute und Lotsen, der Gewerkschaft der
Heizer, der Gewerkschaft der Funker, der Nationalen Seeleutegewerkschaft, des Verbandes fuer das Maschinenpersonal und des
Amerikanischen Rundfunkverbandes.
Omer Becu aus Antwerpen, der Oeneralsekretaer des Internationalen Transportarbeiter Verbandes, erklaerte vor der Konferenz,
dass "die europaelschen Arbeiter auf Schiffen und in Haefen davon
unterrichtet werden muessten, dass die amerikanischen Seetransportarbeiter den Mars hall Plan, die Marshall Plan Verwaltung und
den Atlantik Pakt unterstuetzen."
Becu berichtete, dass die Kommunisten auf Konferenzen europaelscher Seeleute EntSchliessungen gegen das Entladen von amerikanischen Waffenlieferungen mit Arbeltern, die nicht zur See
fahren, vollgepropft haetten.
"Diese kommunistischen Eindringlinge bringen diese erzwungene
EntSchliessung dann in anderen Haefen in Umlauf und versuchen,
nichtsahnende Gewerkschaften zu veranlassen, dieselben anzunehmen,'1
erklaerte Becu. "Aber das glueckt ihnen nicht immer. Kuerzlich
stimmte sogar eine kommunistisch beherrschte Lokalgewerkschaft von
Seeleuten gegen eine solche Resolution."
ESA Labor Information
4. April 1950
- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HXCOG
APO 757

OFPICIAL

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der. amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommisaion für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 11

Frankfurt, 19. Mai 1950I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Europas einzige Hoffnung
-- 1
Lokale Vereinigung zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit - 2
AFL fordert Gleichberechtigung Westdeutschlande - - - - - U
ILO Direktor fuer gesteigerte Produktivitaet und Vollbeschaeftigung
5
Gewerkschaften Amerikas loben den Marshall Plan
6
Amerikanische Gewerkschaften in Griechenland
---- 7
Sekretaer der Sozialistischen Internationale fuer den
Atlantik Pakt
9
»Marshall" Fahrrad
10
Gewerkschaftliche Untersuchung
H
Gewerkschaftstagung der Arbeiter im oeffentlichen Dienst 11
Neue Arbeiterwohnungen in Italien
-11

EUROPAS EINZIGE HOFFNUNG
Von Arnold Beichman, dem New Torker Korrespondenten des "AFL News Service."
(New York)—Die Parolen der demokratischen Gewerkschaftler Europas, deren
Land von dem sowjetischen Kommunismus ueberrannt wurde, sind:
Langsam arbeiten.
Den Mut nicht verlieren.
Das erste bedeutet: arbeite, produziere und ernte so wenig und so langsam
wie moeglich. Das zweite besagt, dass die Hoffnung besteht, dasa die Laender
hinter dem Eisernen Vorhang eines Tages von der Sowjetdiktatur befreit werden.
Bis dahin - den Mut nicht verlieren.
Diese Parolen stammen von einer Gruppe von Gewerkschaftlern, die sich in
Paris unter dem Namen "Freie Gewerkschaftszentrale im Exil" zusammengeschlossen
haben. Diese Vereinigung setzt sich aus anerkannten Vertretern der Gewerkschaftsbewegungen in Bulgarien, Rumaenien, Jugoslawien, Litauen, Estland, Tschechoslowakei, Ungarn und Polen zusammen.
Es sind Maenner, die den Totalitarismus faschistischer Praegung in ihren
Laendern ueberall bekaempften, wo und wann er sich zeigte; heute gilt ihr Kampf
der kommunistischen Beherrschung.

- 1-

�Sasha Volman, der jugendliche Sekretaer der Freien Gewerkschaftszentrale im
Exil haelt sich zur Zeit in Amerika auf, um mit Funktionaeren der AFL zu konferieren und Hilfe fuer seine Organisation zu erbitten. Als gebuertige.r Rumaene verbrachte Volman einige Jahre in sowjetischen Zwangsarbeitslagern; es gelang ihm zu
entkommen, und er versucht nun mit seinen Kameraden, die unvermeidliche Zerschlagung des Eisernen Vorhangs vorzubereiten.
Die Freie Gewerkschaftszentrale ist an zwei Fronten taetig - ausserhalb und
innerhalb des Eisernen Vorhangs. Ihre Sachverstaendigen arbeiten Berichte ueber
die Arbeitsbedingungen in den sowjetisch beherrschten Laendern aus. Diesen Berichten liegen Informationen zugrunde, die auf illegalem Wege in den Besitz der Gewerkschaft gelangen. Sie werden Personen zur Verfuegung gestellt, die an dem
Propagandakrieg gegen den sowjetischen Imperialismus beteiligt sind.
Ausserdem unterstuetzt die Gewerkschaftszentrale eine Untergrundbewegung
innerhalb der von den Sowjets beherrschten Gebiete. Es ist keine Bewegung, die
Gewalt- und Sabotageakte veruebt, denn die Sowjets wuerden darauf mit blutigen
Repressalien antworten, und gute Menschen wuerden geopfert, was, wie Volman sagt,
"im Augenblick nutzlos waere."
"Unsere Hauptaufgabe," erklaerte er, "besteht darin, das Vertrauen und die
Moral unserer Mitglieder hochzuhalten. Sie duerfen die Ueberzeugung nicht verlieren, dass die demokratischen Kraefte auf der Welt noch am Leben sind.
"Wohl hat die Sowjetunion diese Gebiete besetzt, aber sie hat sie noch nicht
fuer sich gewonnen. Sie konnte noch nicht den moralischen Widerstand dieser
Gebiete brechen.
"Die Kommunisten sprechen nur von ihren Siegen und betonen fortwaehrend, dass
sie die Gewerkschaftsbewegungen der ganzen Welt beherrschten. Sie sprechen von dem
unvermeidlichen Zusararoenstoss mit dem Westen, und dass vom Ausland nichts zu erwarten sei.
"Wir versuchen, dieser kommunistischen Propaganda durch Schriften entgegenzuwirken, die wir in unseren Heimatlaendern in Umlauf bringen. Wir versuchen,
' durch Rundfunksendungen mit den Volksmassen in Verbindung zu treten, um nicht
das Leben der Arbeiter in der Untergrundbewegung gefaehrden zu muessen.
"Die Gewerkschaften sind die einzige Hoffnung in Mitteleuropa.- Es ist die
einzige, noch verbliebene, dynamische Macht, und wir sind der AFL und besonders
Jay Lovestone und Irving Brown fuer ihre Mitarbeit und Unterstuetzung bei der
Gruendung der Zentrale in Paris aeusserst dankbar."
In ihrer antikommunistischen Propaganda schildert diese Gewerkschaftszentrale
u.a., wie die Sowjets ihre Vasallenstaaten ausbeuten und die in diesen Laendern
herausgeschlagenen Gewinne der Sowjetunion zufliessen lassen. Sie entlarvt den
sowjetischen Kommunismus als einen ideologischen Verrat am klassischen Marxismus.
Diese Art ideologischer Polemik mag amerikanischen Gewerkschaftlern seltsam erscheinen, in Europa jedoch, wo die marxistische Theorie fuer viele aus der Gewerkschaftsbewegung eine Glaubenslehre darstellt, ist sie von lebenswichtiger Bedeutung.
Die Zentrale veroeffentlicht ausserdem Schriften, in denen beschrieben wird,
was es fuer die Arbeiter heisst, unter dem Kommunismus leben zu muessen.
Weekly News Service der AFL
25. April 1950
LOKALE VEREINIGUNG ZUR 3EKASMPFUNG DE:i ARBEITSLOSIGKEIT
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund, AFL, der mehr als 7 Millionen Mitglieder
vertritt, setzt sich in zunehmendem Masse fuer die Bildung sogenannter Lokalausschuesse fuer Vollbeschaeftigung ein, die die Arbeitslosigkeit bekaempfen sollen.

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�Diese Ausschuesse haben bereits Tausende von Arbeitsplaetzen gefunden und damit
bewiesen, dass durchgreifende Massnahmen auf lokaler Basis zur Loesung des Arbeitslosenproblems beitragen koennen.
Im Monatsbericht der AFL wurden unlaengst die von diesen Ausschuessen erzielten Erfolge zusammengestellt. Die Forderung wurde erhoben, 2 Millionen neue
Beschaeftigungsmoeglichkeiten schaffen zu helfen. Nachstehend sind einige Beispiele wiedergegeben, von denen in einer neueren Ausgabe des AFL Nachrichtenblattes "AFL News Service" berichtet wurde:
In einer amerikanischen Stadt des mittleren Nordens werden drei neue Fabriken in Kuerze den Betrieb aufnehmen. Die Mitglieder des Ausschusses interessierten zwei Firmen aus einer benachbarten Stadt am Kauf von zwei stilliegenden
Ruestungsbetrieben, die ihre Produktion nun umstellen und 400 Arbeiter beschaeftigen werden; ein anderer Unternehmer wird eine chemische Fabrik uebernehmen und
100 Arbeiter einstellen. Mit diesen 500 neuen Arbeitsplaetzen wird ein Fuenftel
saemtlicher Arbeitslosen der Stadt beschaeftigt werden koennen - ein guter
Anfang.
In einer Stadt des Suedens hat man ein Verfahren zur Verarbeitung von Schiefer zu leichten Bausteinen erfunden. Ein Werk wird errichtet, in dem dieser
neue Baustoff hergestellt werden wird.
In einer Stadt des Ostens haben sich die Mitglieder des Ausschusses mit
einer Gummigesellschaft in Verbindung gesetzt, die ihre Fabrik schliessen wollte;
man fand gemeinsam einen Weg, das Werk in Betrieb zu halten, und stellt nun
Werkstoff her.
In einer anderen kleinen Stadt wurde im April 1949 eine Massenkundgebung abgehalten, auf der fuer den Bau eines Fabrikgebaeudes gesammelt wurde, um neue
Arbeitsplaetze zu schaffen. Diese Sammlung ergab einen Betrag von 40.000 Dollar.
Eine Schuhfabrik, die sich vergroessern wollte, war bereit, weitere 20.000
Dollar zu investieren. Man bot ihr ein Gebaeude an, das fuer die Zwecke geeignet war. Daraufhin setzten sich Gewerkschaften und andere Organisationen ein
und erhoehten den Betrag auf 100.000 Dollar. Die Fabrik wurde dann eingerichtet.
Im Februar dieses Jahres nahm sie den Betrieb auf. 400 Arbeiter konnten eingestellt werden, und die neuen Loehne, die der Gemeinde jetzt zufHessen, belaufen
sich auf jaehrlich 1 Million Dollar.
In einer noerdlichen Gegend, wo grosse Arbeitslosigkeit herrschte, schlössen
sich 10 kleinere Unternehmen zusammen und bildeten eine Vertriebsvereinigung; sie
stellten einen Verkaeufer ein, der nun neue Abnehmer wirbt und Auftraege hereinbringt. Keines dieser Unternehmen haette diesen Kostenaufwand allein uebernehmen
koennen.
In einer anderen Stadt benoetigte ein Mann, der die Absicht hatte, ein
kleines Unternehmen zu starten, ein Kapital von 10.000 Dollar, die er von der
lokalen Bank Jedoch nicht erhalten konnte. Durch Subskriptionen von Buergern,
die gewillt waren, in ein gesundes Geschaeftsvorhaben Geld zu investieren, das
die erforderlichen Arbeitsplaetze schaffen konnte, brachte der Vollbeschaeftigungsausschuss die 10.000 Dollar zusammen. Er wurde dabei von den Gewerkschaften unterstuetzt.
Einem anderen Ausschuss gelang es, eine Korbfabrik einzurichten, in der die
ortsansaessigen Arbeiter aus dem in dieser Gegend vorhandenen Holz Koerbe fuer
die Obstzuechter zu niedrigen Preisen herstellen.
In einer Stadt des Ostens ist ein Mitglied der lokalen Zimmermannsgewerkschaft in leitender Stellung des Vollbeschaeftigungsausschusses. In der Stadt
wurde Wohnraum fuer die Familie der niedrigen Einkommensstufen benoetigt; viele
Arbeiter waren erwerbslos. Dieser Gewerkschaftler zog die noetigen Informationen
zur Beschaffung von Krediten ein, die im Wohnungsbaugesetz von 1949 vorgesehen
waren. LTit seinen Kollegen aus dem Ausschuss wurde er persoenlich bei den Behoerden vorstellig, denen die Genehmigung der Kredite oblag, und beschleunigte
den Ablauf der Formalitaeten, bis ein Kredit von 60.000 Dollar zur Verfuegung
gestellt wurde.

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�Bald werden die Arbeiter mit den Bau neuer, billiger Wohnungen beschaeftigt
sein. Damit hoerte die Arbeit des Gewerkschaftlers jedoch nicht auf. Mit anderen Mitgliedern des Ausschusses arbeitet er an weiteren Projekten zur Verminderung der Arbeitslosigkeit. Sie sind z.B. damit beschaeftigt, die fuer
die Vollendung eines Dammes erforderlichen Gelder zu beschaffen, der eine in
der Naehe liegende Papiermuehle mit Wasser versorgen und ihr es damit ermoeglicben wird, noch mehrere hundert Arbeiter einzustellen.
Auch anderen Ausschuessen gelang es, die Durchfuehrung staatlicher und
lokaler Projekte zu erwirken. Auf diese Weise wurden Strassen gebaut, ein Kanalisier ungssystem erweitert, Schulen und Krankenhaeuser errichtet, den oeffentlichen Schulen mehr Lehrpersonal zur Verfuegung gestellt, das Postwesen und andere
oeffentliche Dienste durch Zurverfügungstellung der benoetigten Arbeitskraefte
verbessert.
In einem Staat des Westens gab der staatliche Ausschuss in mehreren Gegenden "wirtschaftliche Vorlesungen", um die Initiative der Bewohner anzuregen.
Lokale Komitees wurden gebildet, die die Arbeiterschaft und andere Gruppen vertreten. U.a. waren in den verschiedenen Gebieten folgende Erfolge zu verzeichnen: In einer Stadt wird ein Wohnungsbauprojekt im Gesamtwerte von 250.000
Dollar durchgefuehrt. Ein Flugzemgverkehr zwischen mehreren Staedten wird aufgenommen und ein neuer Flughafen gebaut werden. In einer anderen Stadt wird eine
neue Wochenzeit .ng herausgegeben. In einem Staate war fuer Lastkraftwagen eine
Transportsteuer von 250 Dollar erhoben wordenj diese Steuer wurde reduziert,
denn sie verhinderte, dass Lastkraftwagen aus benachbarten Staaten zum Abtransport der Fruechte kamen, die in diesem Staat zum Verkauf angeboten werden; der
Aufschwung, den das Transportwesen durch die Verminderung dieser Steuer genommen
hat, hat das Geschaeft vergroessert und damit vielen Staedten geholfen. Alle
diese Projekte schaffen Beschaeftigungsmoeglichkeiten.
ECA Labor Information
19. April 1950
AFL FORDERT GLEICHBERECHTIGUNG WESTDEUTSCHLANDS
Philadelphia, 12. Mai—In einer gestrigen Verlautbarung der AFL hiess es,
die Vereinigten Staaten sollten den Kriegszustand des Zweiten Weltkrieges beenden und Deutschland in die Gemeinschaft der freien Nationen aufnehmen.
Dies sei noetig, erklaerte der Exekutivrat des Gewerkschaftsbundes, um die
kommunistischen Versuche, Westdeutschland zu erobern, endgueltig zu zerschlagen.
Die russische Aggression wurde als eine schreckliche Bedrohung des Weltfriedens bezeichnet, der man sofort begegnen muesse, wenn die Menschheit nicht in
einen dritten Weltkrieg gestuerzt werden sollte.
Praesident William Green erklaerte, die Empfehlungen der AFL zur Deutschlandfrage seien auf eine "fundamentale Revision der Politik Westdeutschland gegenueber1*
gerichtet.
Die westdeutsche Republik, sagte Green, muesste als souveraener Staat anerkannt werden. Es gaebe keinen anderen Weg, um dem deutschen Volk das Gefuehl der
Solidaritaet mit den westlichen Demokratien zu geben. Hur so sei gewaehrleistet,
dass es alle russischen Machenschaften und Methoden kategorisch abweist, die aus
ihrem Lande einen sogenannten neutralen oder einfach einen weiteren Satelliten
der rassischen Gewaltherrschaft machen sollen.
Ausserdem rief Green die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten dazu auf,
das gegenwaertige Besatzungsstatut fuer Deutschland durch einen Friedensvertrag
zu ersetzen, nach deia Westberlin dem westdeutschen Staat angegliedert werden solle.

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�Die US Streitkraefte muessten in Deutschland gehalten werden, sagte Green,
um dem deutschen Volk in seinem Kampf gegen die russische Aggression und die
kommunistischen. Quislingversuche zur Beeintraechtigung seiner Souveraenitaet
beistehen zu koennen.
Die Gewerkschaft brachte ferner zum Ausdruck, dass sie. die Methode der
Alliierten Hohen Kommission verwerfe, die Bonner Verfassung ab und zu ihrem
Vetorecht zu unterwerfen.
"Alle 3e8chraenkungen der Wirtschaftstaetigkeit wie Stahlproduktion und
Schiffsbau muessten aufgehoben werden", sagte Green. Eine solche Politik einzuschlagen, sei umso ratsamer, als die Arbeitslosigkeit in Westdeutschland zu
einem dringenden Problem geworden sei.

ILO DIREKTOR FUER GESTEIGERTE PRODUKTIVITAET UND VOLLBESCHAEFTIGUNG
David A. Morse, der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes ILO,
schlug ein Weltprogramra zur Hebung des Lebensstandards und Sicherstellung der
Vollbeschaeftigung vor, um auf diese Weise die Gefahr eines neuen Krieges zu
bannen. Erhoehte Produktionsleistung und die gerechte Verteilung der aus der
groesseren Produktion entstehenden Gewinne bilden die Grundlage des Vorschlags
von Morse.
Morse hat die Vertreter der Arbeiter, Unternehmer und Regierungen von 60
Laendern eingeladen, um seinen Vorschlag auf der 33. Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes zu besprechen, die am 7. Juni im Palais der Nationen in
Genf eroeffnet werden wird.
Er erklaerte, dass Armut und Elend in den aermeren Nationen der Welt nur
durch erhoehte Produktionsleistung beseitigt werden koennten. Vollbeschaeftigung sei fuer die HoechstProduktion unerlaesslich; er rief die Fuehrer aller
Nationen auf, dafuer zu sorgen, dass mit den technologischen Veraenderungen die
Bemuehungen zur gerechten Verteilung der Gewinne Hand in Hand gingen.
"Vollbeschaeftigung," sagte er, "und vor allem die Aussicht auf Fortdauer
dieser Vollbeschaeftigung foerdern die Steigerung der Produktionsleistung. Sie
schliesst erstens Verluste durch unerwuenschte Arbeitslosigkeit aus. Die dauernde Vollbeschaeftigung ermoeglicht zweitens eine relativ gleichmaessige Produktion dadurch, dass es keine periodischen Fluktuationen der Nachfrage mehr gibt.
Drittens wurden in der Vergangenheit die Arbeiter aus Furcht vor der Arbeitslosigkeit staendig veranlasst, technischen Neuerungen gegenueber eine ablehnende
Haltung einzunehmen. Auch die Produktionsbeschraenkungen sind auf diese Ursache
zurueckzuf uehren
"
Morse forderte ausserdem zur Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und
Unternehmern auf, wenn es gelte, irgendwelche technischen Veraenderungen vorzunehmen.
"Die gemeinsame Entschlossenheit, die Produktionsleistung zu steigern, kann
nur bestehen, wenn Unternehmer und Arbeiter vollstes gegenseitiges Verstaendnis
zeigen," sagte er. "Und dieses Ziel kann nur durch engste Zusammenarbeit der
beiden Partner erreicht werden."
Morse schlug vor, dass sich die Delegierten der ILO Konferenz unter anderem
mit den folgenden Fragen befassen die mit der Erhoehung der Loehne und der Produktionsleistung im Zusammenhang stehen:
1. Aus- und Einwanderung. ".... die Welt wird sich in Zukunft mit gesteigerter Aufmerksamkeit diesem Problem zuzuwenden haben.... auch den Möglichkeiten
der Auswanderung auf breiter Basis aus den asiatischen Laendern, die jetzt infolge der geringen Nachfrage nach ungelernten Arbeitskraeften in anderen Laendern
und infolge der Schwierigkeit, eine grosse Zahl von Einwanderern einer fremden
Kultur anzupassen, sehr gering sind. In Laendern wie Italien und Holland bestehen eher Auswanderungsmoeglichkeiten, und zwar wahrscheinlich nach den

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�Laendern Latein-Amerikas."
2. Auslaendische Investitionen. "Eine Kapitalverlagerung auf internationaler Ebene kann bis zu einem gewissen Grad internationale Verschiebungen der
Bevoelkerung ersetzen.... Es scheint wahrscheinlich, dass ein grosser Teil der
aermsten Gebiete der Welt fuer laengere Zeit zur Armut verurteilt sein wird,
wenn nicht im Ausland grosse Kapitalsummen fuer sie aufgebracht werden koennen."
3. Berufliche Lenkung. "Erfahrungen haben nachweislich gezeigt, dass die
berufliche Auswahl der Arbeiter die Produktionsleistung um 10 bis ueber 40j£
steigern kann."
4. Schichtarbeit. "Wo es keine Nachtarbeit gibt, kann eine Einteilung in
zwei Schichten von je 8 oder eventuell 7 Stunden zur Steigerung der Produktionsleistung beitragen."
5. Handelsschranken. "Ein freierer Handel zwischen den verschiedenen
Laendern Europas wuerde den europaeischen Produzenten groessere Absatzmaerkte
erschliessen, die Spezialisierung foerdern und der Leistungssteigerung dienlich
sein."
6. Gesundheitliche und allgemeine Erziehung. "Die Leistungsfaehigkeit der
Arbeiter wird oft durch niedrigen Gesundheits- und ErnaehrungsStandard und durch
den Mangel an allgemeiner Ausbildung und technischer Schulung beeintraechtigt."
Morse schlug ausserdem vor, dass die Statistiker des Internationalen Arbeitsamtes Untersuchungen auf weltweiter Basis ueber Methoden anstellen, die die sofortige Verbreitung von verbesserten Methoden der Produktion und Betriebsleitung
foerdern sollen. Aber auch dabei duerfe die Wohlfahrt des einzelnen Arbeiters
nie ausser Acht gelassen werden.
"Wenn die wirtschaftliche Wohlfahrt erfordert, dass man Veraenderungen der
Produktions- und Betriebsleitungsmethoden akzeptiert, die der Produktivitaetssteigerung dienen, dann erfordert sie auch, dass derartige Neuerungen auf eine
solche Weise eingefuehrt werden, dass dem Einzelnen moeglichst wenig Nachteile
daraus entstehen. Auch diese Frage sollte Gegenstand einer eingehenden Studie
bilden."
ECA Labor Information
24. April 1950
GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS LOBEN DEN MAUSHALL PLAN
In einer Feierstunde anlaesslich der iäarshall Plan V/ende brachten amerikanische Gewerkschaftler kuerzlich erneut zum Ausdruck, dass sie hinter dem i^arshall Plan stehen.
William Green, der Praesident des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL,
der CIO Praesident Philip Murray, der Sekretaer der Eisenbahnergewerkschaft
E. Lyon und zahlreiche andere politische Fuehrer richteten Glückwunschtelegramme an ECA Administrator Paul Hoffraan, in denen sie von der guten Arbeit
sprachen, die bisher geleistet worden sei. Die drei Gewerkschaftsverbaende vertreten ueber mehr als 15 Millionen amerikanischer Arbeiter.
Alle drei Gewerkschaftsführer hoben die grossen Fortschritte hervor, die
die Arbeiter Europas mit Hilfe des *arshall Planes erzielten und noch erzielen
werden.
Greens Telegramm hatte u.a. folgenden Wortlaut: "Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL ist auf Eure Erfolge stolz und gluecklich, dass es ihm vergoennt
war, mit Euch an dem grossen Wohltaetigkeitswerk zusammenzuarbeiten, das sich
unser Land selbst zur Aufgabe gemacht hat. Grosse wirtschaftliche und politische
Siege sind in Europa errungen worden. Und uns amerikanischen Gewerkschaftlern

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�ist es eine besondere Genugtuung, dass dieses neue Gefuehl des Wohlergehens
und der Hoffnung im Ausland eine für die Errichtung einer neuen und demokratischen internationalen Gewerkschaftsorganisation guenstige Ataosphaere geschaffen hat."
Murray sagte: "Wir standen hinter dem Marshall Plan, als er begann, und
wir stehen auch jetzt noch hinter ihm. In dieser kurzen Zeit seines Bestehens
hat die ECA viel geleistet, und wir sind ueberzeugt, dass die Fortschritte der
kommenden zwei Jahre hinter denen der ersten beiden Jahr« nicht zurueckstehen
werden."
Lyon hob besonders die Erfolge hervor, die im Hinblick auf ein freies
Europa erzielt worden seien. Er sagte: "Der Exekutivrat der Eisenbahngewerkschaften hat kuerzlich erklaert, dass Demokratie und Freiheit in den Marshall
Plan Laendern gute Fortschritte gemacht haben. Nach unserer Ansicht ist dies
die wertvollste Hilfe, die den Beamten der ECA und allen anderen Funktionaeren
in ihren Bemuehungen zuteil werden kann. Die organisierten Elsenbahner Amerikas kaempfen mit Euch um deren Fortbestand."
Als Antwort hierauf sprach sich Administrator Hoffman anerkennend ueber
die wertvolle Unterstuetzung seitens der amerikanischen Gewerkschaftsorganisationen aus und lobte die Arbeit der Gewerkschaftsmitglieder, die ueberall auf
der Welt im "ienste der EC* stehen.
ECA Labor Information
k. April 1950
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN IN GRIECHENLAND
Joseph F. Heath, der ehemalige NationalVertreter der Amerikanischen Gewerkschaft der Regierungsangestellten (AFL), loest viele Arbeitsprobleme in
Griechenland unter Anwendung der Methoden des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL.
Heath, der stellvertretende Direktor der Abteilung fuer Arbeitsangelegenheiten im Amte der ECA Mission in Griechenland, verhandelt taeglich mit zahlreichen griechischen Gewerkschaftlern.
Mit Entruestüng muss Heath oft feststellen, dass die Arbeitsbedingungen
in Griechenland nur mit den erbaermlichsten zu vergleichen sind, die er in den
Vereinigten Staaten gesehen hatte. Er ist mit den Mitgliedern der GasarbeiterGewerkschaft zu ihren Arbeltsplaetzen gegangen und hat dort Maenner angetroffen,
die barfuss auf der heissen Kohle laufen und uralte Kohlenkarren schieben. In
einem Memorandum an die Beamten der ECA Mission hat er sofort von diesen Zustaenden berichtet. Wenn es Heath gelingt, diesen Arbeitern durch einen hoeheren Lohn oder durch eine Sondervereinbarung mit den Unternehmern zu Schuhen zu
verhelfen, dann hat er ein sehr wesentliches Problem geloest.
Ein Bildreporter eines international bekannten, in Amerika gedruckten
Magazins kam .inmal nach Athen und wollte einige gute Farbaufnahmen machen.
"Wenn Sie mit mir kommen wollten, wuerde ich Ihnen einige Farben zeigen," sagte
Heath. "Drunten in der chemischen Fabrik sind barfuessige Arbeiter mit roten
und gruenen Wunden an ihren Beinen. Eine Menge von Farbenl" Der Reporter
erklaerte jedoch, dass sein Magazin keine unfeinen Bilder wuensche - nur Anmut
und Licht, das blaue Aegaeische Meer und die glaenzende, helle Seite des griechischen Lebens. Solange es keine farbige Gewerkschaftszeitung gaebe, koenne
man derartige Bilder nicht sehen,
Heath hat zusammen mit Direktor D. Alan Strachan schon viel fuer die griechischen Arbeiter geleistet, die wirtschaftlich schwer zu kaempfen haben. So
weigerte sich zum Beispiel die Eisenbahngesellschaft Athen-Piraeus-Peloponnes,
ihren Vertrag, den sie muendlich mit den Arbeitern fuer ein "schnelleres

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�Schwellenverlegen" abgeschlossen hatte, einzuhalten. Den Arbeitern war fuer
eine Beschleunigung der Arbeit ein Bonus versprochen worden, und sie legten
doppelt so viel Schwellen wie vorher. Die Gesellschaft zahlte Jedoch nicht,
was sie versprochen hatte. Sie schlug der ECA Mission vor, ihr weitere Geldmittel zur Vollendung eines anderen Auftrages zur Verfuegung zu stellenj nur
so koenne sie den versprochenen Bonus zahlen. Dieser Vorfall wurde den ECA •
Missionschefs gemeldet, die sich sofort bereit erklaerten, einzugreifen. Der
Vertreter der Eisenbahngesellschaft wurde gerufen, und man teilte ihm mit,
dass keine finanzielle Hilfe mehr gewaehrt wuerde, bevor der Bonus nicht gezahlt sei. Nach langem Argumentieren wurde die Gesellschaft schliesslich einsichtig, und die Schwellenleger bekamen ihren Bonus.
Und die Gesellschaft wurde gezwungen, diesen Bonus nur den Arbeitern zukommen zu lassen und ihn nicht, wie es in einigen griechischen Industrien von
jeher ueblich ist, an die Doktoren, Buero- und sonstigen Angestellten zu verteilen.
Heath -sprach als "Gewerkschaftskollege" am 1. Mai, dem europaeischen Feiertag der Arbeit, vor dem Allgemeinen, Griechischen Gewerkschaftsbund und uebermittelte die freundschaftlichen Gruesse des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL und der gesamten amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Danach ergriff er
auf einer Massenkundgebung der griechischen Beamtengewerkschaft das './ort, eine
Organisation, die 75.000 Mitglieder umfasst. Er hatte sich schon frueher oft
mit den Ausschuessen dieser Gewerkschaft beraten und kannte ihre Probleme.
Ausserdem hat er volles Verstaendnis fuer die griechischen Beamten, da er selbst
seit 1932 im Dienste der amerikanischen I-tegierung steht.
Nicht immer konnte Heath die Forderungen der griechischen Beamten billigen,
denn er ist auch der Vertreter der amerikanischen Steuerzahler. Trotzdem gelang
es unter der Leitung des Direktors Strachan und der ECA Mission, die Gewerkschaft
fuer gewisse Einsparungen zu gewinnen und ihre Mitarbeit zu sichern. In griechischen Zeitungen spricht man mit Anerkennung von der Beamtengewerkschaft, die
die Vereinfachung der Regierungsgeschaefte, die Beseitigung der politischen
Bevorzugungspolitik und absurder Sondervereinbarungen vorscnlaegt.
Als die Gasarbeiter trotz ihrer verheerenden Arbeitsbedingungen um eine
Lohnerhoehung um 30$ und eine Steigerung des Gastarifs um $0% baten, war Heath
entruestet. Er bewies an Hand statistischer Unterlagen, dass in einer frueheren
Verhandlung die Gastarife um 70% erhoeht worden waren, und warf der Gewerkschaft vor, ein Unternehmerverband zu sein. Das bestritten die Arbeiter natuerlich und gingen schleunigst daran, ihre eigenen Forderungen zu formulieren, ohne
sich um die Gesellschaft zu kuemtaern.
Heath war Praesident der Lokalgewerkschaft 98 B in Philadelphia des Internationalen Verbandes der Elektroarbeiter (International Brotherhood of Electrical
Vforkers), ausserdem Sekretaer der Vereinigten Metallarbeiterverbaende in Philadelphia und Sekretaer der Vereinigten Metallarbeiterverbaende der Ostkueste.
Im Jahre 1932 trat er in die Gewerkschaft der Kegierungsangestellten ein und
leitete waehrend des zweiten Weltkrieges die Operationen in den Schiffswerften
der Ostkueste. Vorher hatte er auf Anweisung des Praesidenten L'illiam Green
an der Operation "Dixie" (Aktion in den Suedstaaten zur Organisierung der Arbeiter in Gewerkschaften; teilgenommen und bereiste als Generalkoordinator den
Sueden. Vor seiner Beorderung nach Athen war Heath nationaler Vizepraesident
der Gewerkschaft der Regierungsangestellten und NationalVertreter der gleichen
AFL Organisation.
Seine Arbeit in Griechenland steht im Dienste der positiven Demokratie
und des Kampfes gegen die Ausbreitung des Kommunismus. Er setzt sich fuer
bessere Lebensbedingungen des griechischen Arbeiters ein.

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�SEKRETAER PSA SOZIALISTISCHEN INTERNATIONALE FUER DEN ATLANTIK PAKT
Julius Braunthal, der neugewaehlte Sekretaer der Comisco, der demokratisch,
sozialistischen Internationale, erklaerte, die europaeischen Sozialisten seien
durch die Tyrannei des Stalin Regimes gezwungen worden eine antisowjetische
Haltung einzunehmen.
In der Veroeffentlichung "New Leader", dem offiziellen Organ der sozialistischen Internationale, bezeichnet Braunthal den Atlantik Pakt als den einzigen Weg, der den friedliebenden Sozialisten zur Verteidigung der demokratischen
Traditionen noch offenstuende.
"Den Sozialisten Westeuropas bleibt keine andere Moeglichkeit, als der
russischen Expansion Widerstand entgegenzusetzen," schrieb Braunthal. "Sie
gebraucht«» die Waffe der intellektuellen Debatte, solange dies moeglich war;
sie bedienen sich sozialistischer Waffen, solange die Freiheit sozialistischer
Taetigkeit nicht in Gefahr ist. Sie werden jedoch zu den Waffen der Gewalt
greifen, wenn sie durch eine bewaffnete Aggression bedroht werden."
Braunthal sagte, dass die Sozialisten Westeuropas durch ihre bejahende
Einstellung zum Atlantik Pakt bekundet haetten, dass sie sich im Kriegsfalle
nicht mehr wie einst mit Russland solidarisch erklaeren, sondern gegen Russland auf der Seite der Vereinigten Staaten kaempfen wuerden.
Indem Braunthal an die vielen Jahre erinnerte, in denen die Sozialisten
Russland in der Hoffnung unterstuetzten, dass dieses Land eines Tages mit dem
Ausland im Einvernehmen leben und sich nach demokratischen Grundsaetzen entwickeln moege, bezeichnete er die Tschechoslowakei und Jugoslawien als Beispiele, die auch die letzten Illusionen beseitigt haetten.
"Die Tschechoslowakei ist im Gegensatz zu Ungarn, Rumaenien oder sogar
Polen kein "rueckstaendiges Land," sondern ein hochentwickelter Industriestaat mit einer alten, hervorragenden Zivilisation und tief verwurzelter demokratischer Tradition. Die Tschechoslowakei bedrohte in keiner Weise die russische Sicherheit. Dieses Land war bereits vor dem kommunistischen Putsch im
Februar 1948 eine demokratische Republik. Die tschechoslowakische Republik
blieb jedoch ein souveraener Staat.... Als die Tschechoslowakei eingeladen
wurde, am Marshall Plan teilzunehmen, beschloss die Regierung - mit der Zustimmung der Kommunisten in der Koalition - dieses Angebot zu akzeptieren. Moskau lehnte jedoch den Marshall Plan ab und zwang die Prager Regierung, ihren
eigenen Entschluss zu widerrufen
Die Tschechoslowakei ist heute, so wie
die sowjetische Ukraine, eine russische Provinz."
Braunthal erklaerte, auch der Fall Jugoslawien stelle Russlands imperialistischen und nicht sozialistischen Charakter unter Beweis.
"In seiner politischen Organisation, seiner wirtschaftlichen Struktur und
seiner Ideologie ist Jugoslawien ein voellig kommunistischer Staat
Die
jugoslawische Regierung meinte jedoch faelschlicherweise, sie sei eine Regierung
eines souveraenen Staates und nicht eine Behoerde oder Satrapie Moskaus...
Dieses Misswrstaendnis wurde jedoch bald richtig gestellt. Da sich die jugoslawische Regierung Moskau widersetzte, wird sie nun von Rüssland und seinen
Satelliten als eine "faschistische," feindliche Macht behandelt. Eine wirtschaftliche Blockade wurde gegen sie verhaengt; ja man droht ihr sogar mit Invasion und Krieg."
"Diese Erfahrung," schloss Braunthal, "haben die ueberwiegende Mehrheit
der westeuropaeischen Sozialisten davon ueberzeugt, dass es Russlands Ziel ist,
die Voelker Europas der diktatorischen Gewalt einer Nation zu unterwerfen. Der
Atlantik Pakt stellt die unausbleibliche Folge dieser Entwicklung dar."
Arbeitsmitteilungen der ECA
6. April 1950

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�"MARSHALL" FAHRRAD
Ein daenischer Fahrradfabrikant hat seinem neuesten Fahrradmodell den
Namen "Marshall" gegeben - als eine Danksagung an den Marshall Plan, durch
den es moeglich war, die Fahrradproduktion der Fabrik aufrecht zu halten und
100 in dieser Branche beschaeftigten Arbeitern ihren Arbeitsplatz zu erhalten.
Im Jahre 1948 war die Fabrik im Begriff, ihren Betrieb einzustellen. Es
war unmoeglich, Kugellager von irgendeiner daenischen Quelle zu beziehen.
Hundert in der Fahrradherstellung beschaeftigten Arbeitern drohte Arbeitslosigkeit. Normalerweise hatten sie 30.000 Fahrraeder im Jahr hergestellt fast ein Siebtel der gesamten daenischen Produktion.
Da erfuhr Lauritz Hansen, der Direktor der Hede Nielsens Werke, dass er
durch den Marshall Plan diese Kugellager von amerikanischen Herstellern kaufen
koennte.
Die Gesellschaft kaufte 1.100.000 Kugellager, die ausreichten, um mehr
als 20.000 Fahrraeder herzustellen und ihre Fahrradabteilung fuer fast 1 Jahr
in Betrieb zu halten. Die Arbeiter dieser Abteilung konnten weiterhin beschaeftigt werden.
Eines der ersten Fahrraeder, die von der Firma herausgebracht wurden,
trug ein besonderes rot-weiss-und-blaues Abzeichen mit dem Sternenbanner. Es
war das "Marshall" Fahrrad. Das Reklameplakat der Gesellschaft zu diesem
Fahrrad traegt die Aufschrift: "Startet Euren eigenen Marshall Plan - kauft
ein Marshall Fahrrad.'*
"Verglichen mit den 150 Millionen, die im Rahmen des Marshall Planes
fuer Daenemark bis jetzt bewilligt wurden," erklaerte Hansen in bezug auf
den Geldbetrag, der ihm zur Verfuegung gestellt wurd», "mag dies nicht als
grosse Summe erscheinen." Sie stellt jedoch einen aeusserst lebenswichtigen
Faktor im Leben unserer Arbeiter und unserer Fabrik dar. Ihre Arbeitsplaetze
und unser guter Ruf, den wir als Fahrradhersteller geniessen, standen auf dem
Spiel.
"Gerade unser Problem, das durch den Marshall Plan geloest werden konnte,
scheint mir ein gutes Beispiel fuer die verstaendige Verwendung der im Rahmen
des Marshall Planes zur Verfuegung gestellten, amerikanischen Dollar zu sein.
Unser Unternehmen hat sich deshalb entschlossen, seinem neuesten Fahrrad den
Namen "Marshall" zu geben, um damit unsere Anerkennung zum Ausdruck zu bringen, die wir der internationalen Zusammenarbeit, wie sie im Marshall Plan
symbolisiert ist, zollen."
Das "Marshall" Fahrrad hat spaeter eine weite Reise angetreten, so weit,
wie Hansen es sich niemals haette traeumen lassen.
Als die Sache mit dem "Marshall" Fahrrad Beamten der ECA zu Ohren kam,
luden sie Hansen zu einer Reise durch die Vereinigten Staaten ein. Er traf
mit zwei Fahrraedern als Geschenk fuer den Vizepresidenten Alben Barkley und
den ECA Administrator Paul Hoffman dort ein. Man lud ihn ein, diesen beiden
Maennern auf ihrer ersten Fahrt per itad in den Strassen von Washington zuzusehen. Hansen hofft nun, auch Amerikaner fuer das Radfahren begeistern und
vielleicht Fahrraeder von Daenemark nach den Vereinigten Staaten-exportieren
zu koennen.
In Daenemark ist das Fahrrad da3 populaerste Transportmittel. Die etwa
k Millionen iiinwohner Daenemarks besitzen mehr als 2 Millionen Fahrraeder.
Waehrend der Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags sind die Strassen bevoelkert mit Arbeitern, Geschaeftsleuten und Beamten, die per Rad von und zu
ihrer Arbeitsstelle fahren. Bei gutem Wetter kann man selbst Koenig Frederick
und die Koenigin Ingrid auf ihren Raedern sehen, und der daenische Vorbote des
Fruehlings ist ein huebsches Maedchen, das mit wehendem Rock Fahrrad faehrt.
Arbeitsmitteilungen der ECA
9. Mai 1950

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�GEWERK3CHAFTLICHE UNTERSUCHUNG
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL und der Kongresa der Industrieverbaende CIO, die beiden grossen Gewerkschaftsvereinigungen Amerikas, beteiligen
sich an einer Untersuchung ueber die Moeglichkeiten Amerikas, seine Importe zu
steigern.
Diese Untersuchung, die von zwei privaten Forschungsorganisationen, der
"National Plannini; Association" und der "Twentieth Century Fund," durchgeführt
wird, soll das Verstaendnis des amerikanischen Volkes fuer dieseaProblem foerdern.
Die beiden amerikanischen Gewerkschaftsverbaende erklaerten bereits, dass
sie die Bemuehungen der ECA befuerworteten, die Importe Amerikas an YJaren und
Dienstleistungen zu erhoehen, um Europa und Asien die Moeglichkeit zu geben,
amerikanische Dollars zu verdienen und damit die Dollarluecke zu schlieasen.
Als Gewerkschaftsvertreter werden an der Durchfuehrung der Untersuchung
beteiligt sein: Solomon Barkin, Direktor der Forschungsabteilung der Textilarbeitergewerkschaft (CIO), George P. Delaney, AFL Vertreter fuer internationale
Angelegenheiten, und Michael Ross, Direktor des CIO Referats fuer Internationale
Angelegenheiten.
Diese Untersuchung leiten: E.J. Coil, Direktor der "Planning Association,"
H. Christian Sonne, Vorsitzender des Treuhaenderrates dieser Vereinigung, und
Evans Clark, Direktor des "Twentieth Century Fund."
Arbeitsmitteilungen der ECA
3. Mai 1950
GaaaKSCKAFTSTAGUNG DER ARBEITET! IM CfcFTEKTLICHüN DIENST
In Blackpool, England, werden Mitte Oktober die Vertreter der freien Weltgewerkschaften der Gas- und Elektrizitaetsindustrie zu einer internationalen, technischen Konferenz zusammenkommen, die von dem Internationalen Gewerkschaftsbund
der Angestellten des Oeffentlichen Dienstes einberufen wurde.
Die viertaegige Konferenz wird vom 16. bis 19. Oktober in Verbindung mit
einem Treffen der Nationalgewerkschaft der Oeffentiichen und Gemeindearbeiter,
die dem internationalen Verband angeschlossen ist, abgehalten werden.
Delegierte der europaeischen Nationen und Amerikas werden gemeinsam über
die Entwicklung und Organisation der Britischen Elektrizitaetsbehoerde und des
Britischen Gasverwaltungsrates beraten. In diesem Zusammenhang sind auch Tagungen geplant, auf denen die allgemeinen Arbeitsbedingungen und Verhandlungsmethoden der beiden Industriezweige sowohl in England als auch in den uebrigen
Laendern besprochen werden sollen. Der Frage der Schichtarbeit soll dabei
besondere Berücksichtigung geschenkt werden.ECA Labor Information
20. April 1950

NEUE ARBEITE [WOHNUNGEN IN ITALIEN
Neunzig neue .-.ohnungen fuer Arbeiterfamilien wurden kuerzlich in Ledi bei
Mailand ihrer Bestimmung uebergeben. Die Baukosten waren zur Haelfte aus ECA
Gegenwertfonds gedeckt worden. Es handelt sich um die ersten ..'ohnungen, die
im Rahmen eines von der italienischen Regierung vor einem Jahr aufgestellten
Programms vollendet wurden.

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�James D. Zellerbach, der Chef der ECA Uission in Italien, sprach anlaesslich der Einweihung dieser Wohnungen und erklaerte, dass mit Hilfe von SCA
Geldern noch rund 300.000 Wohnungseinheiten fuer *'amilien in Italien gebaut
werden sollten, das ist ein Zehntel des zusaetzllchen Bedarfs an Uohnungen in
diesem Lande.
Bei dieser Feierlichkeit wurde eine Gedenktafel enthuellt, auf der dargestellt ist, wie dieses Projekt durch einen gemeinsamen Beitrag der italienischen Arbeiter und Unternehmer mit Unterstuetzung des amerikanischen Volkes
durchgeführt wurde.
ECA Labor Information
28. April 1950

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Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

HICOG »-977 L H

OFFICIAL

Jun. 50 17 C

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Office of Labor Affairs
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

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Prankfurt, 26. Mai 1950

INHALTSVERZEICHNIS
Zusammenschluss der f r e i e n Gewerkschaften
Italiens - - - - - - - - - - - - - - - - - Zusammenschluss der f r e i e n Gewerkschaften
Asiens - - - - - - - - - - - - - - - - - - Michael Quill
- - - - - - Erklaerung der ERP GewerkchaftsOrganisationen
zum Europaeischen Wiederaufbauprogramm - - -

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ZUSAMMENSCHLUSS DER FREIEN GEWERKSCHAFTEN ITALIENS
Drei nichtkommunistische GewerkschaftsOrganisationen
I t a l i e n s haben s i c h zum I t a l i e n i s c h e n Gewerkschaftsbund
zusammengeschlossen, der eine Anfangsmitgliedschaft von
rund 1.600.000 aufweist.
Es handelt s i c h um die F r e i e I t a l i e n i s c h e Gewerkschaftsfoederation (zum groessten Teil k a t h o l i s c h o r i e n t i e r t ) , um
die Foederation der I t a l i e n i s c h e n Gewerkschaften ( s o z i a l i s t i s c h )
und d i e u e b e r p a r t e i l i c h e Union Autonomer I t a l i e n i s c h e r Gewerkschaftsverbaende. Die neue Organisation i s t v o e l l i g n i c h t p o l i tisch.
Giulio P a s t o r e , der zum Praesidenten der neuen Organisation
gewaehlt wurde, e r k l a e r t e i n seiner Gruendungsrede, dass S t r e i k s
unentbehrliche Werkzeuge der Arbeiter s e i e n , der Gewerkschaftsbund jedoch diejenigen bekaempfen wuerde, die "aus S t r e i k s eine
Waffe machen moechten, mit der p o l i t i s c h e r Druck ausgeuebt werden s o l l . "
Nach d i e s e r Verschmelzung g i b t es i n I t a l i e n ausser zahlr e i c h e n autonomen Organisationen noch v i e r grosse Gewerkschaftsorg an i s a t i o n e n : Die allgemeine Gewerkschaftsfoederation (unter
kommunistischer K o n t r o l l e ) , der I t a l i e n i s c h e Bund der Gewerkschaf tsverbaende, die Union I t a l i e n i s c h e r Gewerkschaften und
die I t a l i e n i s c h e Foederation Nationaler Gewerkschaftsverbaende.
Arbeitsmitteilungen der ECA
9. Mai 1950
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�ZU5AMMENSCHLUSS DER FREIEN GEWERKSCHAFTEN ASIENS.
Von Richard Deverall,
Vertreter des Amerikanischen
Gewerkschafts bundes AFL in Asien.
Bombay —
Den Anstoss zu der Bildung des Asiatischen
Gewerkschaftsbundes gaben die in der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vertretenen, demokratischen Arbeitergruppen.
Die neue Organisation vereinigt in sich alle Kraefte der
freien Gewerkschaften des nichtkommunistischen Asiens. Ausgenommen sind lediglich der sowjetische Ferne Osten und Rot-China.
Auf der im Januar in Nuwara Eüya (Ceylon) abgehaltenen
ILO Konferenz trafen die einzelnen Gewerkschaftsvertreter der
ILO mit K. Hedayat, vom Exekutivausschuss des neuen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, zusammen, um die endgueltige Vereinigung der freien Gewerkschaften Asiens in
einem Gewerkschaftshund zu verwirklichen.
Die Bildung des Asiatischen Gewerkschaftsbundes stellt
einen Meilenstein in der Entwicklung einer maechtigen, demokratischen Bewegung auf dem Kontinent dar. Er kennzeichnet
das Aufkommen des asiatischen Nationalismus und der freien,
demokratischen Kraefte, die nicht nur dem kommunistischen
Imperialismus Widerstand leisten, sondern sich in der Offensive zur Verbannung der Seuche des Totalitarismus aus der
asiatischen Welt befinden.
Der Asiatische Gewerkschaftsbund ist zu einer Zeit- entstanden, in der die kommunistische Macht innerhalb der asiatischen
Gewerkschaftsbewegung mit Ausnahme von Rot-China zerbroeckelte.
Das Manifest des neuen Gewerkschaftsbundes, wie es auf
Ceylon gebilligt wurde, erklaert:
"Asien befindet sich in den Wehen einer Wiedergeburt. Die
Zitadelle des Imperialismus wird baufaellig. Die Zeit, in der
Asien als Gesamtheit frei sein wird, rueckt schnell heran.
Die Erweiterung der Recht« und Privilegien der Massen hat jedoch nicht im gleichen Masse stattgefunden. Die Massen sind
noch immer unentschlossen. Die Eigentumsverhaeltnisse haben
keine Aenderung erfahren. Noch besteht keine Aussicht, Armut
und Arbeitslosigkeit beseitigen zu können. Die Loehne reichen
nicht zum Lebensunterhalt aus. Die Lebenshaltungskosten steigen
immer mehr."
Mit dem Hinweis auf die kommunistische Aggression, die
in ganz Asien intensiviert worden sei, wird in diesem Manifest
die "neue Fuehrung" des Asiatischen Gewerkschaftsbundes begruesst
und erklaert: "Nur die freie Gev/erkschaftsbewegung in Asien
kann diese Fuehrung ausueben." In einer Absage an Imperialismus
und Kolonialismus in jeglicher Form sagt das Manifest von der neuen,
asiatischen, freien Gewerkschaftsbewegung:
"Durch ihre organisierte Macht wird sie den festverankerten
Einfluss imperialistischer Macht auseinanderreissen; die herausfordernde Macht des Totalitarismus, ob kommunistisch oder faschistisch, wird in die Flucht geschlagen und die Ungleichheiten
in der sozialen Ordnung vollstaendig beseitigt werden.*

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�Als Hauptziele werden in dem Manifest bezeichnet: (1) Bedeund Versammlungsfreiheit; (3) Beschaeftigung und Sicherheit
dieser Beschaeftigung; (3) Nahrung, Kleidung und Unterkunft,
wie sie zur Wahrung der Menschenwuerde notwendig sind; (4) Regierungswechsel nach demokratischen Prinzipien.
Der Asiatische Gewerkschaftsbund ist damit zum Verfechter
der Sache der freien Arbeiter geworden, die sich mit Recht vor
der ihnen von Rot-China angebotenen, sogenannten "Befreiung"
fuerchten. Sie erinnern sich nur noch allzu gut an die japanische "Befreiung" in der Zeit von 1940 bis 1945. Sie wuenschen
keine Befreiung durch eine fremde totalitaere und imperialistische
Mac ht.
Fung Hoi-chiu vom Gewerkschaftsrat in Hongkong erklaerte
vor der Konferenz auf Ceylon:
"Meine Landsleute (jenseits des Eisernen Vorhangs) haben
etwas zu spaet ihren Fehler erkannt. Sie haben nun unter
Haerten und Entbehrungen zu leiden, die ihren Vorfahren seit
Anbeginn der Geschichte unbekannt waren. Obwohl die Arbeiter
von Hongkong nur schlecht bezahlt sind, glauben die Chinesen,
wir seien hier im Paradies. Fuer die Chinesen hinter dem
Eisernen Vorhang ist Hongkong tatsaechlich die Perle des Fernen
Ostens."
Er fuehrte weiterhin aus:
"Es ist unsere Pflicht, den Chinesen und den Voelkern der
uebrigen asiatischen Staaten zu zeigen, dass die Demokratie ein
weit wirksameres Mittel zur Loesung des Armutsproblems ist.
Wenn sie dies erkannt haben, - und nicht vorher - wird die
Gefahr der kommunistischen Aggression nicht mehr wie ein Alpdruecken auf den Asiaten lasten."
Nachdem das Manifest angenommen war, schritt der Asiatische
Gewerkschaftsbund zu seiner ersten Amtshandlung, die darin bestand, eine Resolution mit dem folgenden Wortlaut einzubringen:
"Diese Konferenz stellt mit Genugtuung fest, dass die arbeitende Klasse in fast allen Laendern Asiens der totalitaeren
Durchdringung der Gewerkschaftsbewegung unter der Fuehrung
Moskaus in zunehmendem Mac;se Vfiderstand leistet. Wenn diese
Durchdringung gelingen wuerde, wuerde sie alle freien Gewerkschaftsbewegungen in Asien zerstoeren und die grosse Masse der
Arbeiter in eine Armee von Sklavenarbeitern, umwandeln."
Die Gründungsmitglieder des Asiatischen Gewerkschaftsbundes sind ebenfalls Mitglieder des vor kurzem gegruendeten
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften. Die Konferenz
von Ceylon beantragte, dass der Asiatische Gewerkschaftsbund
"von dieser neuen Internationale als die regionale Organisation
fuer Asien anerkannt werden moege."
Der Asiatische Gewerkschaftsbund entbot daraufhin den neuegruendeten Vereinigten Staaten von Indonesien seine Gruesse.
benso brachte er seine Freude ueber die Befreiung des freien
•Vietnam zum Ausdruck und erliess an die franzoesische Regierung
den Aufruf, den Friedensvertrag mit diesem Lande schnell zu
ratifizieren.

f

•- 3 -

�Das Jahr 1950 wird fuer Asien von grosser Bedeutung sein.
Der Kampf dreht sich um Freiheit oder Sklaverei. Die Russen
haben in Peiping ein Buero des Weltgewerkschaftsbundes errichtet,
von dem aus die kommunistische Kampagne gegen die Demokratie
in ganz Asien geleitet werden soll.
Gleich dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
kaempft auch der Asiatische Gewerkschaftsbund fuer Menschenwuerde und menschlichen Anstand, fuer Demokratie und wirtschaftliche Gerechtigkeit. In erster Linie kaempfen die freien Arbeiter Asiens und ihre Organisationen um die Freiheit Asiens, die
heute von den roten Horden bedroht wird, die Empoerung und
Aufruhr stiften.
Die wirkliche Bedeutung des Asiatischen Gewerkschaftsbundes
liegt in der Tatsache, dass die arbeitenden Menschen Asiens die
kommunistische Propaganda durchschauen, mit der Asien im Laufe
der letzter dreissig Jahre ueberechwenuat wurde.
"The American Federationist"
Offizielles Monatsmagazin des Amerikanischen Gewerls chaftsbundes AFL.
Mai 1950

MICHAEL QUILL
Gross war die Erregung, als Michael Quill vor einigen
Jahren seinen- Platz im New Yorker Stadtrat einnahm - der regierenden Koerperschaft der groessten Metropole Amerikas.
Quill als Praesident der maechtigen Transportarbeitergewerkschaft hatte mit einem Streik der staedtischen Untergrundbahnen gedroht,-wenn seinen Mitgliedern keine Lohnerhoehungen
und verbesserte Arbeitsbedingungen gewaehrt wuerden. Die
Beamten der Stadt hatten sich zum Kampf geruestet.
Im Stadtrat kam dieser Kampf offen zum Ausbruch. Eines
der Mitglieder brachte eine Resolution ein, in der Vorwuerfe
gegen Quill erhoben"wurden. Es war eine schwere Anklage gegen
den Gewerkthaftsfuehrer, in der man ihm zur Last legte, versucht
zu haben, die Regierung zu stuerzen und eine Revolution anzustiften. In einer kleinen, verborgenen Klausel wurde Jedoch zugegeben, dass die Beschwerde der Arbeiter berechtigt sei, und
empfohlen, die Stadt moege zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen irgend etwas unternehmen. Das Stadtratsmitglied beantragte
ferner, seine Resolution dem Gewerls chaftsfuehrer als oeffentliche Ruege zu ueberreichen.
Als er geendet hatte, hat Quill um das Wort. Im Saale
herrschte tiefes Schweigen. Die Mitglieder warteten gespannt
auf eine zornige Antwort Quills.
In dessen Augen bemerkte man jedoch ein vergnuegtes Zwinkern, als er - offensichtlich unter Bezugnahme auf die Klausel,
die die Arbeiter betraf, - erwiderte:
"Ich unterstuetze den Antrag."
Dann setzte er sich. Von der Galerie der Pressevertreter
ertoente ein Heulen auf Quills geschickte Antwort, und in einem
Lachsturm wurde die Resolution niedergeschlagen.

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�Spaeter setzte die Gewerkschaft viele ihrer Forderungen
ohne Streik durch.
Das war nur einer der zahlreichen Angriffe, denen "Mike"
Quill und seine Gewerkschaft im Laife der bewegten Geschichte
der Transportarbeitergewerkschaft ausgesetzt waren, und die
er mit einer Kombination von Humor und Geistesgegenwart abschlug.
Denn die Geschichte von der Entwicklung der Transportarbeitergewerkschaft ist zum grossen Teil die Geschichte dieses klugen,
gutgelaunten Irlaenders.
Quill wurde am 18. September 1905 in County Kerry (Irland)
als Sohn eines armen, irischen Bauern geboren. Die Familie
Quill war in der Bewegung fuer die Unabhaengigkeit ihres Landes
von der britischen Herrschaft, und ihr kleines Gebirgsbauernhaus bot vielen irischen Freiheitskaempfern, die von den "Black
and Tan" gesucht wurden, Unterkunft und Versteck.
Mit 14 Jahren bewaffnete sich der junge Mike mit einem
Gewehr und schloss sich seinen drei Schwestern und fuenf Bruedern
im Kampf um ein freies Irland an. Im Fruehjahr des Jahres 1920
befand sich ein grosser' Teil der Familie wegen revolutionaerer
Taetigkeit im Gefaengnis.
Als ein erfahrener Kaempfer fuer die Unabhaengigkeit
wanderte Quill deshalb im Jahre 1926 nach Amerika aus. Seine
Anhaenger behaupten, dass ihn das "Glueck des Irlaenders" von
dem Beginn dieses Unternehmens an begleitet habe, er war naemlich am Tag des St. Patrick, des Schutzpatrons Irlands, in
New York angekommen.
Nach seinem Eintreffen in Amerika arbeitete er mit Hacke
und Schaufel bei der Untergrundbahn der Achten Avenue. Spaeter
war er in den Kohlengebieten von Pennsylvanien beschaeftigt,
um dann als Fahrkartenschaffner, Zugbegleiter und Kontrolleur
bei der "IRT-Untergrundbahn (IRT-Interborough Rapid Transit Schnellverbindung der Stadtteile New York) taetig zu sein.
Zu dieser Zeit entschlossen sich "Mike" und eine kleine
Gruppe ihm gleichgesinnt er Leute, eine Gewerkschaft zu organisieren. Quill arbeitete damals 7 Tage pro Woche und 14 Stunden
taeglich, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Eine
starke, unangreifbare Unternehmergewerkschaft hinderte seine
14.000 Arbeitskollegen daran, gegen diese Bedingungen mit Erfolg
zu protestieren.
In einem Gasthaus in der Naehe des Zentralparks fand die
erste Versammlung der "Gewerkschaft" statt, die notgedrungen
geheimgehalten werden musste. Plaene wurden entworfen und
bald regelmaessig Versammlungen in moeblierten Zimmern, Vorhallen in Hotels, in Parkanlagen und Gasthaeusern abgehalten.
In kuerzester Zeit hatte Quill mit seinen feurigen, begeisternden Reden, seinem humorvollen Wesen und seiner gepfefferten,
irischen Mundart die anderen Mitglieder davon ueberzeugt, dass
es unerlaesslich waere, eine Gewerkschaft zu haben. Nach einem
Jahr hatte die Gewerkschaft genuegend Anhaenger, um einen hauptamtlichen Organisator beschaeftigen zu koennen. Quill gab seine
Arbeit als Kontrolleur .auf und widmete sich dem Aufbau dieser
Organisation.
1936 wurde er zum Praesidenten der Gewerkschaft gewaehlt,
die damals noch nicht angeschlossen war. Nach Empfang des
internationalen Freibriefes des CIO im Jahre 1937 wurde Quill
der erste Praesident der Transportarbeitergewerkschaft Amerikas

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�und Mitglied im nationalen Exekutivausschuss des CIO. Bei
allen darauffolgenden Gewerls chaftswahlen wurde er in seiner
Stellung als Praesident der Transportarbeitergewerls chaft
Amerikas bestaetigt.
In den sechs Monaten, die dem Anschluss dieser Gewerkschaft an den CIO folgten, konnte sie 44,000 neue Mitglieder
anwerben und "closed-shop" Vertraege mit allen groesseren
Verkehrsge.jellschaften der Stadt New York abschliessen. (Nach
dem "closed-shop" System duerfen nur Mitglieder einer bestimmten Gewerkschaft vom Arbeitgeber eingesta.lt werden). Spaeter
loeste sie sich wieder vom CIO, um die Mitglieder einer Autobusgesellschaft in der Stadt aufzunehmen, und setzte ihre
Organisationstaetigkeit zur Erfassung der Transportarbeiter
und Taxichauffeure in Chikago, Philadelphia, San Franzisko
und anderen Staedten fort.
Im Juiire 1941 war die Arbeitswoche im Verkehrsgewerbe
auf fuenf Arbeitstage reduziert worden. Die Arbeiter hatten
Anspruch auf einen zweiwoechigen, bezahlten Urlaub, vier
bezahlte Feiertage im Jahr, eine freiwillige Krankenversicherung
und die Aufhebung der in den Krisenjahren 1930-1937 eingeführten Lohnkuerzungen. Ausserdem war es der Gewerkschaft gelungen,
feste Einrichtungen zu schaffen, denen die- Fuehrung von Kollektiwerhandlungen und die Bearbeitung von Beschwerden oblag.
Aber selbst vor diesen Ereignissen war die Persoenlichkeit
Quills auch ausserhalb der Gewericschaft populaer geworden.
1938 wurde er als Vertreter von Bronx (Stadtteil von New York)
in den Stadtrat gewaehlt. In diesem Rat setzte er sich fuer
die Bereinigung der Elendsviertel, moderne Wohnungen zu niedrigen Preisen, oeffentliche Milchverteilung und aehnliche
Massnahmen ein. Ausserdem galt seine Arbeit der Abwehr antigewerkschaftlicher Angriffe gegen seine Gewerkschaft und ihn
selbst.
Die Schwierigkeiten, in die Quill mit der Stadt geriet,
begannen im Jahre 1940, als die in Privatbesitz befindlichen
Untergrundbahnen New Yorks von der Stadt uebernommen wurden.
öer"Board oi TransDortation" (Verwaltungsrat), der mit der Leit u % der Untergrundbahnen beauftragt war, erkannte den Vertrag
nicht an, den die Gewerkschaft mit den Privatunternehmern abgeschlossen hatte, mit der Begruendung, dass die Stadt mit
ihren Arbeitnehmern nach dem Gesetz keine Kollektiwerhandlungen fuehren koenne. Der Kampf um die Anerkennung des Vertrages dauerte sieben Jahre lang.
Er fand erstmals sein Ende, als sich der Praesident des
CIO John J. Lewis einschaltete und die Stadt sich damit einverstanden erklaerte, die Vertraege bis zu ihrem Ablaufsdatum,
dem 30. Juni 1941, anzuerkennen.
Als ihre Gueltigkeit jedoch erloschen war, weigerte sich
der "Board of Transportation", von Bürgermeister Fiorello
La Guardia unterstuetzt, die Vertraege zu erneuern. Der Kampf
zwischen La Guardia und Quill, der nun folgte, war ein Kampf
zwischen zwei der passioniertesten, hervorragendsten Persoenlichkeiten in der New Yorker Geschichte. Der Buergermeister
nannte Quill einen "dickkoeofigen, eigensinnigen, Verantwortungs
losen Geweric chaftsfuehrer" und lehnte rundweg seine Forderungen
ab. Quill drohte, einen Streik selbst auf die Gefahr hin auszurufen, gesetzlich bestraft zu werden. "Kein Vertrag, keine

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�Arbeit," lautete sein Ultimatum. " Der Buergermelster," sa?te
er, "habe zwei Zungen."
56 Stunden vor Ausbruch des Streiks erklaerte sich die
Stadt jedoch einverstanden, den Vertrag solange in Gueltigkeit
zu belassen, bis eine gerichtliche Entscheidung gefaellt sei.
Auch diese Entscheidung Hess jedoch die Frage der Anerkennung
in gewissem Sinne offen. Die Behauptung der Stadt, dass kein
Vertrag mit den Arbeitnehmern der Stadt abgeschlossen werden
koenne, wurde unterstuetzt. Andererseits wurde festgelegt,
dass die in dem Vertrag enthaltenen Bestimmungen zu befolgen
seien.
In jedem folgenden Jahr brach der Kampf von neuem aus,
wenn die Bestimmungen des Vertrags erloschen waren - dieses
Mal war es ein Kampf zwischen Quill und dem Bürgermeister
O'Dwyer. Er fand schliesslich im Jahre 1947 ein Ende, indem
man sich auf eine von O'Dwyer unterstuetze Formel einigte.
Danach erklaerte sich die Stadt damit einverstanden, den Gewerkschaftsgruppen auf deren Ersuchen eine Vertretung zu bewilligen!
deren Staerke sich nach der nachgewiesenen Uitgliederzahl der
Gewerkschaften richten sollte. Es wurde abgestimmt, und fast
90g der Transportarbeiter der Stadt brachten durch ihre Unterschrift zum Ausdruck, dass sie nicht nur wuenschten, durch die
Transportarbeitergewerkschaft vertreten zu werden, sondern auch,
dass die Gewerkschaftsbeitraege vom Lohn abgezogen werden. Die
Gewerkschaft hatte somit gewonnen.
In spaeteren Jahren waren Vertragsbestimmungen Gegenstand
ernstlicher Zwistigkeiten zwischen Quill und O'Dwyer. Mehrere
Male drohte .Quill mit Streik, und oft warf man ih;: vor, eine
Verlangsainung angeordnet zu haben. Kein einziges Mal jedoch
legte ein Streik den Untergrundbahnverkehr still.
Ein Kampf wurde von Quill und O'Dwyer gemeinsam durchgefochten. Es war in dem unpopulaeren Ringen um die Erhoehung
der Fahrpreise der Untergrundbahnen. Jahrelang war die Stadt
New York stolz auf die Parole ihrer Untergrundbahnen gewesen:
"die laengste Fahrt der Welt fuer fuenf Cents.•' O'Dwyer hatte
seinen Waehlern gegenueber oft erklaert, dass er eine Fahrpreiserhoehung niemals billigen wuerde. Nun sah sich, im Jahre 1948,
die Stadt jedoch in einer finanziellen Klemme. Geldmittel, die
sie beim Staat angefordert hatte, waren nicht bewilligt worden;
die Untergrundbahnen standen vor dem Ruin; die Arbeiter der
Untergrundbahnen forderten in Anbetracht der erhoehten Lebenshaltung svosten eine Lohnerhoehung.
O'Dwyer sah sich nun der unangenehmen Aufgabe gegenueber,
eine Fahrpreiserhoehung zu befuerworten oder andere Dienstleistungen der Stadt zu kuerzen und die Lohnforderungen der
Arbeiter abzulehnen. Auch fuer Quill war dies eine unpopulaere
Situation, es gelang dem Gewerkschaftsfuehrer jedoch, seine
Mitglieder auf die Seite des Buergermelsters zu bringen. Hoehere
Fahrpreise wurden eingefuehrt, und die Arbeiter erhielten ihre
Lohne rhoehung.
Durch diese Einstellung Quills entstand ein Br;ch in den
Beziehungen, die ihn seit langem mit den kommunistisch beherrschten Koerperschaften in New York verbanden - der Amerikanischen
Arbeiterpartei, die fuer die Beibehaltung des 5 Cent Tarifs war,
und dem CIO Stadtrat von Gross-NewYork.

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�Unter dem Banner der Amerikanischen Arbeiterpartei war
Quill im Jahre 1945 wieder in den Stadtrat gewaehlt worden.
Im April 1948 legte er jedoch sein Amt als stellvertretender
Vorsitzender der Amerikanischen Arbeiterpartei nieder, weil
sich die Partei der Lohnpolitik der Transportarbeitergewerkschaft widersetzte und den linksgerichteten Praesidentschaftskandidaten Henry Wallace unterstuetzte.
Quill beteiligte sich ausserdem aktiv an der Bildung des
CIO Stadtrates und war mehrere Jahre lang dessen Vizepresident.
1948 wurde er zum Praesidenten gewaehlt, trat jeoch im Maerz 1948
auch von dieser Stellung zurueck, weil er Wallace nicht unterstuetzen wollte und der Stadtrat sich fortwaehrend der Politik
des Nationalen CIO entgegenstellte, der die Wiederwahl des
Praesidenten Truman befürwortete. Der CIO Stadtrat wurde
spaeter auf Anordnung des Nationalen CIO wegen kommunistischer
Umtriebe aufgeloest, und Quill half mit, eine nie htkojnraunis tische
CIO Körperschaft zu bilden, die dessen Funktionen uehernehmen
sollte.
Quill, der jahrelang den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen
fuer seine Mitglieder vom kommunistischen Lager aus gefuehrt hatte,
weiss nur zu gut, dass die beste Offensive gegen den Kommunismus
eine Bevoelkeruhg ist, die gut ernaehrt ist, gut behandelt wird,
und der gute Wohnverhaeltnisse geboten werden.
In seiner Rede auf der Konvention des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften in London machte Quill den Regierungen der westlichen Demokratien den Vorwurf, diesen Problemen
nicht genuegend Aufmerksamkeit gewidmet zu haben.
"Ich will es ebenso offen wie andere aussprechen," sagte
er, "dass ein grosser Teil der Schwierigkeiten, in denen sich
die Welt heute befindet, den Kommunisten und der kommunistischen
Taetigkeit in den verschiedenen Laendern zuzuschreiben ist. Es
genuegt jedoch nicht, den Kommunismus nur zu bekaempfen. Wenn
wir die Menschen, die heute in Not sind, fuer uns gewinnen wollen,
muessen wir ihnen ein positives Programm geben, und wenn ich
sage "Wir", dann meine ich die Arbeiterschaft dieser Laender.
Arbeitsmitteilungen der BGA
24. Maerz 1950
ERKLAERUNG DER ERP GEWERKSC HAFTS ORGANISATIONEN ZUM EURO'
PAEISCHEN WIEDERAUFBAU PROGRAMM
Die dritte Konferenz der ERP Gewerkschaften, die vom 18. bis
20. April 1950 in Rom zusammentritt, moechte an erster Stelle
von neuem erklaeren, dass sie das Hauptziel des Europaeischen
WiederaufbauProgramms unterstuetzt: den Wiederaufbau und die
Vereinigung Westeuropas auf der Grundlage der Freiheit, sozialen
Sicherheit und des hoechstmoeglichen Lebensstandards.
Die Konferenz stellt mit groesster Genugtuung fest, dass
das ERP waehrend der beiden letzten Jahre beachtliche Erfolge
erzielt hat; sie erachtet als unbedingt notwendig, das Hilfsprogramm fortzusetzen, damit die bisher erzielten Erfolge und
die voellige Verwirklichung des ERP nicht in Frage gestellt
werden.
Nach eingehender Pruefung des Berichtes des Unterausschusses
fuer die Wirtschaftliche Wiedergesundung Westeuropas im Gewerk-

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�schaftlichen Berätungsaus sc huss des ERP, des Berichtes der italienischen Delegation ueber die Arbeitsmarktlage und die Aus- und
Einwanderungsmoeglichkeiten und des Entwurfes einer Resolution,
der von der skandinavischen Gewerkschaftsdelegation unterbreitet
wurde, hat die Dritte ERP Gewertechaftskonferenz beschlossen,
sich in den folgenden Punkten zu der Politik zu aeussern, die zur
wirtschaftlichen Wiederbelebung Europas betrieben werden soll.
Es ist vereinbart, dass diese Punkte zur rechten Zeit und im Laufe
ihrer Verwirklichung auf nationaler und internationaler Basis von
den zustaendigen Gewerkschaftsorganisationen zu behandeln sind.
1«

Volle Ausnutzung der vorhandenen Hilfsquellen

Sowohl in den einzelnen Laendern als auch im gesamten Westeuropa
muss die volle Ausnutzung der vorhandenen Hilfsquellen und Arbeltskraefte und eine gerechtere Verteilung der nationalen Einkommen
gesichert werden, um einen hoeheren und staendig steigenden Lebensstandard fuer Alle zu ermoeglichen.
Die beteiligten Regierungen muessen zu der Erkenntnis gebracht
werden, dass Massenarbeitslosigkeit als Folge des Liangels an Kaufkraft unter den Arbeitern, wie sie in bestimmten Laendern wieder
auftritt, mit grossen wirtschaftlichen, sozialen und politischen
Gefahren verbunden ist. Folglich ist eine Politik der Vollbeschaeftigung nicht nur um ihrer selbst Willen, sondern auch als Vorbedingung fuer die Wohlfahrt Jedes Landes und der Gesamtheit der Nationen unbedingt erforderlich. In diesem Zusammenhang sollten die
Regierungen grundsaetzlich die Vorschlaege akzeptieren, die in dem
kuerzlich ausgearbeiteten Bericht der Sachverstaendigen der Vereinten Nationen fuer die Beibehaltung der Vollbeschaeftigung enthalten waren. Sie sollten diese Empfehlungen nach den in jenem
Bericht vorgeschlagenen Methoden verwirklichen.
An dieser Stelle muss gesagt werden, dass von gewerkschaftlichen Gesichtspunkten aus Systeme, wie zum Beispiel die Europaeische Zahlungsunion (EPU) nur dann befuerrortet werden koennen,
wenn sie in den Rahmen einer nationalen und internationalen Politik der Vollbeschaef tigung hineinpassen.
Es ist ausserdem von groesster Wichtigkeit, dass die Vereinigten Staaten und die anderen betreffenden Laender eine aehnliche
Politik der Vollbeschaeftigung betreiben.
3. Verbesserung der Produktionsmethoden und der Organisation.
Die Gewerkschaften sind im allgemeinen der Auffassung, dass
die Organisation und die Methoden der Produktion in allen Wirtschaftszweigen verbessert werden muessen, damit durch niedrigere Preise
der inlaendische Verbrauch und der Export gesteigert werden koennen.
Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass hoehere Produktionsleistung nur dann zu einem verbesserten Lebensstandard
fuehren kann, wenn sie durch hoehere Loehne und niedrigere Preise
belohnt wird.
3.

Liberalisierung des Handels und Zahlungsverkehrs

Die Gewerkschaften vertuen die Auffassung, dass die Liberalisierung des Handels und Zahlungsverkehrs, einschliesslich der
Senkung der Zoelle, die Erschliessung neuer Massenabsatzmaerkte
beguenstigen kann, die ihrerseits wiederum Anlass zu Verbesserungen
der Produktionsmethoden und -Organisation geben werden. Es muessen
jedoch die notwendigen nationalen und internationalen Vorsichtsmassre^eln getroffen werden, um zu verhindern, dass sich diese Libera-

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�l i s i e r u n g auf Laender ausdehnt, i n danen gegenwaertig nicht d i e jenige Art von A r b e i t s l o s i g k e i t h e r r s c h t , die auf Mangel an Kaufk r a f t der A r b e i t e r oder die neuen Konkurrenzbedingungen zurueckzufuehren i s t .
Es darf ausserdem nicht vergessen werden, dass die L i b e r a l i sierung nur a l s T e i l der Berauehungen zu werten i s t , die eine bessere
i n t e r n a t i o n a l e Verteilung der Arbeitskraefte und damit bessere
Lebensbedingungen fuer Alle zum Z i e l e haben»
Die L i b e r a l i s i e r u n g des Handels und Zahlungsverkehrs darf
d i e s o z i a l e n und w i r t s c h a f t l i c h e n Erfolge der f o r t s c h r i t t l i c h e n
Regierungen Europas nicht mindern.
Bestimmte wesentliche Zweige der nationalen Wirtschaften der
b e t e i l i g t e n S t a a t e n muessen ausserdem waehrend der besagten Uebergangsperiode gegen gefaehrliche Deplacierung und Aufspaltung g e schuetzt werden, damit d i e p r i v a t e n und o e f f e n t l i c h e n Unternehmen
genuegend Z e i t haben, s i c h den neuen Konkurrenzbedingungen anzupassen, ohne ueber Nacht i h r e gegenwaertigen Absatzmaerkte zu v e r l i e r e n , d i e s i e zu i h r e r Existenz brauchen. Insbesondere muessen
die A r b e i t e r , die durch den Uebergang voruebergehend betroffen
s i n d , mit angemessenen Arbeitslosenunterstuetzungen v e r s o r g t werden.
4. Lenkung der Investierungen
Die Liberalisierung des Handels und Zahlungsverkehrs kann,
wenn sie mit nationalen und intenationalen Massnahmen zur Sicherung
der Vollbeschaeftigung kombiniert ist, die guenstigste Verteilung
der Kapitalien foerdern. Trotzdem wird die unmittelbare Lenkung
der Investierungen durch die Regierungen oder die ihnen verantwortlichen Koerperschaften als eine Bedingung zur Sicherung der Vollbeschaeftigung notwendig sein. Diese Koordinierung bedeutet ebenso
wie jede andere Angleichung der Wirtschaftspolitiken, dass die betreffenden Laender einen Teil ihrer Souverenitaet .aufgeben muessen.
Auf europaeischer Basis wird wahrscheinlich die Koordinierung der
Produktion und Investitionen nicht vollstaendig und sofort verwirklicht werden koennen, es ist jedoch denkbar, dass eine Reihe
•von Schlüsselindustrien, wie Elektrizitaet, Stahl, Kohle, Textil,
Kunstduenger und andere, leichter zu koordinieren sind.
Die Koordinierung der Investierungen durch die Regierungen
ist ausserdem deshalb notwendig, weil vermieden werden muss, dass
diese Funktionen erneut von privaten, internationalen Kartellen
ausgeuebt werden. Durch diesen Kampf gegen die Maechte des privaten Monopols kann die internationale Koordinierung der Investierungen den einzelnen Regierungen den Weg weisen, den sie zur
Bekaempfung der Monopole in ihren eigenen Wirtschaften einschlagen
muessen, um die Vollbeschaeftigung und einen steigenden Lebensstandard zu sichern.
5. Ueberschuss an Arbeitskraeften
Alle Massnahmen muessen ergriffen werden, um einen Austausch
der Arbeitskraefte innerhalb und ausserhalb Europas zu ermoeglichen und die strukturelle Arbeitslosigkeit zu beseitigen, die
trotz der Anwendung der oben erwaehnten Richtlinien zur Sicherung
der Vollbeschaeftigung noch herrscht.
Die Gewerkschaften und die Organisation fuer Europaeische,
'.Viruschaftliche Zusammenarbeit sind sich darueber einig, dass in
den Laendern, in denen ein aussergewoehnlich grosser Ueberschuss
an Arbeitskraeften herrscht, eine Auswanderungspolitik auf grosser Basis betrieben werden muss. Ziel der Auswanderer muessen
wenig entwickelte Ueberseegebiete sein, da die schnelle Aufnahme

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�einer grossen Anzahl auslaendischer Arbeiter in die hochindustrialisierten Laender Westeuropas die Gefahr einer Missplacierung in
sich birgen wuerde. Die allmaehliche Verteilung der Produktion
als Ergebnis der Liberalisierung des Austausches unter den ERP
Laendern wird notwendigerweise eine entsprechende Beweglichkeit
und Verteilung der Arbeitskraefte mit sidi bringen, in die auch
die gegenwaertigen und zukuenftigen "Ueberschuesse" einbezogen
werden muessen.
Die Gewerkschaften sind der Auffassung, dass das Wohnungsproblem einen sehr wichtigen Aspekt des Problems der Arbeitslosigkeit
und der Beweglichkeit der Arbeitskraefte darstellt. Zweifellos
macht der Mangel an Wohnungsmoeglichkeiten die restlose Ausnutzung
der Arbeitskapazitaet von Millionen von Menschen in Europa, besonders in Deutschland, Italien und Frankreich unmoeglich. Der
weitverbreitete, akute Wohnraummangel bildet ausserdem ein Hindernis fuer die Angleichung der Löhne an die erhoehten Lebenshaltungskosten.
Die freien Gewerkschaften fordern deshalb die Regierungen auf,
sich noch viel intensiver fuer die Loesung des sehr dringlichen
Wohnungsproblems in Westeuropa einzusetzen. Internationale Vereinbarungen zur Finanzierung der Wohnungsbauprojekte als oeffentliche
Arbeiten muessen ins Auge gefasst werden.
6. Das Dollarproblem
Zur Schliessung der Dollarluecke in moeglichst kurzer Zeit
muessen nach Ansicht der Gewerkschaften die ERP Laender bestrebt
sein, ihre Dollarimporte zu reduzieren, ihre Dollarexporte zu erweitern und moeglichst viel Waren aus Nichtdollargebieten zu beziehen.
Die Gewerkschaften teilen die allgemeine Meinung, dass Westeuropa seine Exporte nach den Absatzmaerkten der Vereinigten Staaten nur steigern kann, wenn die Vereinigten Staaten ihre Zoelle
wesentlich reduzieren und die Zollverfahren vereinfachen.
Andererseits sehen die Gewerkschaften jedoch ein, dass die
sofortige Verwirklichung dieser Massnahmen allein das Dollarproblem nicht loesen kann.
Ohne einen bedeutenden Zustrom an Dollars, sei es als Anleihen oder Investitionen, in die ERP Laender, ihre abhaengigen
Ueberseegebiete oder in die anderen rueckstaendigen Gebiete der
Welt, wird Europa seinen gegenwaertigen Lebensstandard nicht aufrechterhalten koennen, eine Tatsache, die ihrerseits bedenkliche
Reaktionen in der amerikanischen '.Virtschaft hervorrufen koennte.
Nach Auffassung der ERP Gewerkschaften ist es unbedingt erforderlich, dass an der Loesung der europaeischen Probleme enger
zusammengearbeitet wird. Hierzu gehoeren das Problem der Arbeitskraefte und die Verwirklichung der "Punkt-VierH Idee Praesident
Trumans.
Ferner muss betont werden, dass das Dollarproblem von weltweiter Bedeutung ist und endgueltig nur durch die Schaffung eines
neuen Gleichgewichtes des Welthandels als das Ergebnis eines umfang
reichen Kapitäleinflusses von den Vereinigten Staaten sowohl als
auch von anderen Industrielaendern in die Gebiete der Welt geloest
werden kann. Diese Beschleunigung der industriellen Entwicklung
wird mithelfen, das Problem der ueberschuessigen Arbeitskraefte
zu loesen.

- 11 -

�Es erscheint deshalb notwendig, dass eine internationale
Maschinerie geschaffen wird, die den staendigen Fluss solchen
Kapitals leitet und aufrechterhaelt.
7.

Europaeische Einheit

Die demokratischen Gewerkschaften erkennen einmuetig die
Notwendigkeit einer europaeischen Einheit an. Nur in einem vereinigten Europa koennen Probleme wie die Koordinierung der Investierungen, Liberalisierung des Handels, Errichtung einer europaeischen Zahlungsunion und Beweglichkeit der Arbeitskraefte in
zufriedenstellender Weise und voellig geloest werden. Dabei muss
man sich darueber im klaren sein, dass die wirtschaftliche Koordinierung und Vereinigung von den entsprechenden politischen Massnahmen begleitet sein muss. Die Einheit ist von so grosser Bedeutung,
dass selbst Risiken dabei in Kauf genommen werden muessen. Wenn
jedoch eine bestimmte Politik, ihsbesondere die der vollen Ausnutzung der vorhandenen Kraftquellen und der gerechteren Verteilung der nationalen Einkommen, nicht von Anfang an befolgt
wird, dann wird die Einheit nicht auf solider Grundlage beruhen
und frueher oder spaeter durch politische und soziale Unbestaendigkeit unterminiert werden.
Es ist klar, dass die zu ueberwindenen Schwierigkeiten angesichts der Verschiedenheit der wirtschaftlichen Interessen, Regie rungsSysteme und politischen Anschauungen In Westeuropa sehr
gross sind; doch alle aufrichtigen, demokratischen Kraefte sind
sich darueber einig, dass die Loesung dieser Schwierigkeiten
energisch in Angriff genommen werden muss. Denn es ist gewiss,
dass die wirtschaftliche Wiedergesundung Europas ohne die europaeische Einheit auf die Dauer nicht verwirklicht werden kann.
Bulletin des Gewerkschaftlichen
Beratungsausschusses.

- 12 -

Office of Labor Affairs, HICOG,
APO 757

HICCG H-991 L I B

OFFICIAL

J u n . 50 1 7 } C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 13

Frankfurt,

2 . J u n i 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Kommunisten gegen hohe Loehne - - - - - - - - -

2

Kaakon L i e , ^ e k r e t a e r der A r b e i t e r p a r t e i
Norwegens - - - - - - - _ - _ - _ _ - _ - _ - -

4

Der Schweizer Gewerics c ha ftsbund - - - - - - - -

7

B e t r i e b s u n f a e l l e im l e t z t e n V i e r t e l von 1949
auf e i n e n T i e f s t a n d gesunken

- - - - - - - - -

10

Tobin gegen Ausdehnung der A n t i t r u s t Gesetze
auf Gewerkschaften

'

- - - - - - - - - - - - - - 1 1

�KOMMUNISTEN GEGEN HOHE LOEHNE
Den franzoesIschen Kommunisten wurde kuerzlich erklaert,
hohe Loehne stellten eine Gefahr iri1 ihrem Kampf um die Macht dar.
Kommunistische Fuehrer gaben vor Delegierten der 12. Jahresversammlung der Kommunistischen Partei Frankreichs zu, dass ihre
gegen den Marshall Plan gerichtete Propaganda zum groessten Teil
misslungen und dass es ihnen nicht gelungen sei, die Arbeiter
fuer rein politische Streiks zu gewinnen; die Mitgliederzahl
sei seit 1947 um mehr als 300.000 gesunken und das Interesse fuer
ko. mnistlsche Veroeffentlichungen Hesse staendig nach.
In einer der aufschlussreichsten Reden, die je von einem
komnunistischen Partelfuehrer gehalten wurden, gab Auguste Lecoeur,
der spaeter aum Parteisekretaer gewaehlt wurde, zu, dass der Kampf
um 3inen vernuenftigen Lebensstandard bestenfalls nur eine Nebena n jabe der Komrunistischen Partei darstelle und hohe Loehne in
Wirklichkeit eine Bedrohung ihrer eigentlichen Ziele seien.
"Wirtschaftliche Kaempfe", sagte Lecoeur, "sind natuerlich
erforderlich, um das Versagen der Regierung und die KriegsPolitik zu verurteilen.... Man muss natuerlich zeigen, wie sich die
auf Kriegsvorbereitung ausgerichtete Politik Bidaults, Mollets
und de Gaulles auf die wirtschaftliche Lage der Arbeiter auswirkt.
"Die wirtschaftlichen Verbesserungen als einzige Basis anzusehen, von der aus der Kampf gegen die Regierung gefuehrt wird,
ist "edoch ein Programm, das Lenin ablehnte. Wohin wuerde eine
derartige Auffassung fuehren? In einer Zeit, in der die Loehne als
ausreichend betrachtet werden, bestuende kein Grund fuer wirtschaftlichen Kampf und folglich nur eine geringe Basis, von der
aus Regierung und Kapitalismus bekaempft werden koennen."
Lecoeur und andere kommunistische Fuehrer forderten deshalb
die Delegierten auf, sich auf politische Kaempfe zu konzentrieren,
die sich in erster Linie gegen den Uarshall Plan und den Atlantik
Pakt richten muessten.
Maurice Thorez, der Fuehrer der Kommunistischen Partei Frankreichs, erklaerte ebenfalls, Chaos und Unterdrückung seien fuer
die Fuehrung des kommunistischen Kampfes am guenstigsten. "Das
Blut von Maertyrern ergibt die beste Ernte," sagte er. Thorez bedauerte, dass "die Arbeiter nicht an die Gefahr eines imperialistischen Krieges unter der Fuehrung der Vereinigten Staaten zu
glauben scheinen." £r verurteilte die "unglaubliche Schlaffheit"
der kommunistischen Fuehrer und rief ru einem intensivierten
Kampf gegen den Marshall Plan auf.
Obwohl eindeutig bewiesen ist, dass der Arbeiter an der
kommunistischen Propaganda desinteressiert ist, bestanden die
Partelfuehrer darauf, den Kampf in politischer Richtung fortzusetzen und den Wuenschen der Arbeiter nicht .allzuviel Beachtung
zu schenken. Die Arb-iter und nicht sie befaenden sich im Irrtum.
Die Antwort der nichtkommunistischen Zeitungen Frankreichs auf
diese Konvention war ein Loblied auf den Marshall Plan und die
Prophezeiung, dass die kommunistische Sabotage fehlschalgen wuerde,
wenn dies nicht bereits geschehen sei.
In der sozialistischen Tageszeitung "Le Pooulaire" heisst es:
"An zwei Fronten ist der Kampf gegen den Mtetrshall Plan gefuehrt
worden: durch Propaganda unter dem Leitwort 'politische Unabhaengigkeit' und durch Streiks und Sabotage* Die Kommunisten haben aber
- 2 -

�«

diesen Kampf verloren. Das Schlagwort, Frankreich werde
•marshallisiert', zieht nicht mehr. Die Arbeiter lehnen politische Streiks und Sabotage ab."
Andre Viot, der Herausgeber der antikommunistischen, woechentlichen Gewerkschaftszeitung "Force Ouvriere" prophezeite,
dass das Interesse fuer den kommunistischen Kampf gegen den
Marsliall Plan nach und nach verloren ginge. Die gegen den
Marshall Plan gebrauchten Schlagworte seien wirkungslos geworden."
In dem linksgerichteten "Franc-Tireur" heisst es: "Die meisten
kommunistischen Parteifuehrer wissen, dass sich die franzoesischa
Arbeiterklasse zwar der Gefahr eines Krieges bewusst ist, die
ueber der Welt schwebt, aber trotzdem nicht an eine unmittelbare
Bedrohung des Friedens glaubt. Deshalb widersetzen sich die
Arbeiter Versuchen, sie fuer politische Zwecke einzuspannen,
waehrend sie die Fordsrungen nach verbesserten sozialen Verhaeltnissen willig unterstuetzen."
Der schlagendste Beweis fuer das Misslingen der kommunistischen Angriffe kam jedoch von den Kommunisten selbst.
Florimonde Bonte, ein kommunistischer Abgeordneter in der
Nationalversammlung, berichtete, dass die Partei nun "rund 700.000
Mitglieder* hat. Mit dieser Feststellung wurde offiziell zugegeben, dass die Kommunisten zumindest 300.000 Mitglieder seit
der Zeit nach der Befreiung, in der ihre Mitgliederzkhl den
Hoechststand erreicht hatte, verloren haben. Die letzte, offizielle Zahl der Parteimitglieder wurde auf einer Parteitagung
kurz nach der Befreiung von"Thorez bekanntgegeben. Damals sagte
er, dass die Partei eine Million Mitgliederkarten ausgegeben habe.
Man nimmt an, dass im Jahre 1947 die Mitgllederzahl noch weit
hoeher lag.
Pierre Doize, der Generalsekretaer der komunistischen Foederation des Departments Bouches du Rhone (Gebiet um Marseille),
erklaerte, dass die Lage in diesem Bezirk - der seit langem als
Hochburg der kommunistischen Kraefte Frankreichs galt, - nicht
"glaenzend* sei.
"Im Jahre 1948." sagte er, "hatten wir 425 Betriebszellen;
es bleiben uns nur noch 379 Zellen. Es gibt keine einzige Zelle
der Seeleute, und der Einfluss der konrnunistischen Partei ist
wegen der unglaublichen Passivitaet seitens der lokalen Fuehrer seit
1947 staendig zurückgegangen."
Marcel Cachin, der Direktor der kommunistischen Zeitung
"L'Humanite", sagte, die Gesamtauflage der kommunistischen Veroeffentlichungen beliefe sich auf weniger als 1.500.000 Exemplare,
waehrend die antikommunistisehen Zeitungen eine Auflage von 10
Millionen zu verzeichnen haetten. " Unsere Tageszeitungen werden
von 16)i der franzoesischen Bevoelkerung gelesen; 84# lesen Zeitungen, die fuer den Marshall Plan sind. In bezug auf Zeitschriften
ist die Lage noch schlechter."
Etienne Fajon, der Mitglied des Zentralkomitees ist, gestand
ein, dass die Kommunisten fuer das Misslingen des Metro-Streiks
verantwortlich seien. Er sei deshalb misslungen, weil sich die
Arbeiter geweigert haetten, den Fuehrern des kommunistischen Gewerkschaft sbundes (CGT) zu folgen, und weil sie die. Anordnungen der
nichtkomiauuistischen "Force Ouvriere" (FO) und des franzoesischen.
Christlichen Gewerkschaftsbundes (CFTC) befolgt haetten.

�Andre Souquiere, der Sekretaer der Foederation Seine,
berichtete, dass es im Gebiet von Paris 1.800 Betriebe gaebe,
die mindestens je 150 Arbeiter beschaeftigten, aber keine Zelle
haetten.
Souquiere legte den Kommunisten zur Last, beim Metro-Streik
nicht aktiv genug gewesen zu sein. rtBei diesem Streik bedienten
sich unsere Kameraden nicht des Kampfgeistes der Arbeiter, sie
versuchten vielmehr, die Einigkeit mit anderen Vertretern zu bew a h r e n , — — " , sagte er.
Arbeitsmitteilungen der ECA
88. April 1950
HAAKON L1E. SEKRETAER DER ARBEITERPARTEI NORWEGENS
Haakon Lie, der freundliche, blauaeugige Sekretaer der
Norwegischen Arbeiterpartei, hat sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit seinen breiten Schultern in das Rad der norwegischen
Gewerkschaftsbewegung gelegt.
Ein Llann von dynamischer Persoenlichkeit und mit einem
seltsamen, bezwingenden Laecheln, hat Lie die Arbeiter in der
Vorkriegszeit in ihrem Kampf um einen besseren Lebensstandard
gefuehrt. Er stand ihnen in ihrem Kampf gegen die Naziherrschaft
zur Seite und kaempfte noch vor kurzem in vorderster Front gegen
die kommunistischen Durchdringungsversuche in den Arbeiterorganisationen an.
Alle diese Jahre hindurch widmete er sich in erster Linie
erzieherischer Taetigkelt -.er lehrte und ueberzeugte, sprach üut
zu und gab Hoffnung; er gewann Freunde und Unterstuetzung fuer
die norwegischen Arbeiter, als sein Land von den Nazis unterdrueckt
wurde.
Fuer diese Arbeit ist Lie gut geeignet. Er wurde am 32. September 1905 geboren und studierte zuerst Rechtswissenschaften;
dann besuchte er die staatliche Forstschule in Kongsberg und
promovierte im Jahre 1926 mit einem der besten Zeugnisse, die es je
in Norwegen gab. Danach studierte er n.ch ein weiteres Jahr an
der landwirtschaftlichen Schule in As.
Lie war jedoch niemals nur Theoretiker. Zur Taetigkelt
geschaffen, ist er ein Llann, der Entbehrungen und schwere Arbeit
mit einem Laecheln hinnimmt; ein zaeher Kaempfer, der sich einem
Projekt mit eiserner Entschlossenheit widmet und nicht nachlaesst,
bis er es durchgefuehrt hat; ein aufrichtiger, unvoreingenommener
Liensch, der durch seinen eigenen t&amp;xt und seinen Optimismus Vertrauen einfloesst. Seine Arbeitszeit verbringt er in intellektueller
Taetigkelt. Aber in der kurzen freien Zeit, die ihm zur Verfuegung
steht, kann man Lie beim Heben von Baumstaeamen aus dem GlommaFluss antreffen.
Als Erziehungs- und Informationschef der norwegischen Gewerkschaftsbewegung war Lie mehrere Male gezwungen, sein Leben durch
Flucht vor den Nazis in Sicherheit zu bringen; er wurde durch
Bomben aus seinem Hauptquartier herausgetrieben^ er reiste Tausende
von Meilen, um finanzielle und Inf ormations hilf e fuer seine Landsleute zu erbitten; einmal entging er nur knapp, von einem Nachbarn
gewarnt, den Klauen der Nazis.
- 4 -

�Noch waehrend seiner Schulzeit interessierte sich Lie fuer
die Probleme des arbeitenden Menschen. Im Jahre 1922, - er war
gerade 17 Jahre alt - schloss er sich der sozialistischen Jugendbewegung an und wurde 1925 Mitglied der Nationalgewerkschaft.
Sobald er die Schule verlassen hatte, widmete er sich erzieherischer
Taetigkeit in der Gewerkschaft uncl wurde 1928 zum Sekretaer eines
Komitees ernannt, das die Nationalgewerkschaft zur Aufklaerung ihrer
Mitglieder aufgestellt hatte.
Dieses Komitee wurde 1932 als die Vereinigung fuer Arbeiterbildung zu einer staendigen Einrichtung erklaert und von der
Nationalgewerkschaft, der norwegischen Arbeiterpartei, ihrer
Jugendbewegung und von den meisten der Nationalgewerkschaft angeschlossenen Lokalgewerkschaften gebilligt. Haakon Lie wurde erster
Sekretaer dieser Organisation und blieb ihr staendiger Fuehrer
bis zum 9, '•pril 1940, dem Tag der deutschen Invasion Norwegens.
Unmittelbar nach dem Angriff stellte sich Lie der Regierung
zum Kampf gegen die Nazis zur verfuegung. Es war jedoch ein
aussichtsloser Kampf, und Lie musste sich mit den Truppen zurueckziehen. Nachdem Oslo eingenommen war, entkam er nach Hamar und
uebernahm den Propagandafeldzug an der dortigen Rundfunkstation.
Dann wurde Hamar besetzt, und Lie zog sich nach Namsos zurueck,
wo er als Verbindungsoffizier zu den alliierten Streikraeften
taetig war. Kurze Zeit spaeter mussten die Alliierten ihre
Truppen aus diesem Gebiet zurueckziehen, und wieder ging Lie weiter
noerdlich nach Bode, wo er erneut an der dortigen Rundfunkstation
propagandistisch taetig war.
Wenige Tage nach seiner Ankunft in 3ode wurden die Stadt
und auch die Rundfunkstation bombardiert und in Brand gesetzt.
Wieder floh Lie in noerdlicher Richtung. Diesmal ging er nach
Vadso, dem entferntesten Punkt in der Nordostecke Norwegens,
nahe der finnisch-russichen Grenze» Er leitete nun die Rundfunkstation dieser Stadt". Aber selbst hier gelang es den Deutschen,
den Sender durch Einsatz von Langstreckenbombern zu zerstoeren.
Die Rundfunkstation wurde voellig in Truemmer gelegt, und kurz danach,
im Juni 1940, war jeglicher Kampf in Norwegen beendet.
Einige lochen danach kehrte Lie nach dem von den Nazis "besetzten Oslo zurueck, um zu versuchen, die Interessen seiner Landsleute
wahren zu helfen. Ein Befehl der Nazis jedoch, der allen die gewerkschaftliche Taetigkeit verbot, die sich an dem Feldzug im
Norden beteiligt hatten, machte ihm dies unmoeglich. Da Lie nicht
wuenschte, in.irgendeiner Weise fuer die Nazis tatig zu sein,
ging er in eine kleine Vorstadt von Oslo, wo sein Vater einen
kleinen Brennholzhandel unterhielt. Etwas ueber ein Jahr lang
fuhr er einen Lastkraftwagen mit Holz zwischen Oslo und den -Holzgebieten und verteilte Brennholz an seine Nachbarn.
Aber auch dies sollte nicht lange dauern. Am 10. September
1941 erklaerten die Deutschen Oslo zum Notstandsgebiet und begannen
ihre Jagd nach ehemaligen Mitgliedern der Gewerkschaftsbewegung.
Die verhafteten Maenner wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und
zum Tode oder lebenslaengerlicher Zwangsarbeit verurteilt.
Eines Tages wurde Lie auf seinem Heimwege mit seinem Lastkraftwagen von einem Nachbarn vor der Gestapo gewarnt, die bei
ihm zu Hause sass und ihn erwartete. Lie drehte mit seinem Wagen
um und wendete sich der schwedischen Grenze zu.
(Lies Bruder hatte weniger GluecK. Er wurde von der Gestapo
verhaftet, eingesperrt und gefoltert; dann wurde er in. ein Konzentrationslager nach Deutschland ueberfuehrt, wo er starb.)
5 -

�In Schweden nahm Lie seine Arbeit als Leiter der Wohlfahrtsund Bildungstaetigkeit unter den norwegischen Arbeitern wieder
auf. Zu dieser Zeit gab es in Schweden etwa 1.000 Norweger, die
ihr Land in der Hoffnung verlassen hatten, nach England gehen
und sich dort den norwegischen Streitkraeften anschliessen zu
koennen. Es gelang jedoch nur wenigen, dieses Vorhaben zu verwirklichen. Die meisten von ihnen wurden in Baracken untergebracht, hatten nichts zu tun, und ihre Moral war auf einen
Tiefstand gesunken. Lie begab sich sofort an die Arbeit. Mit
einigen anderen gefluechteten Gewerkschaftlern richtete er
einen Arbeitsvermittlungsdienst fuer die Fluechtjlinge ein und
war zu gleicher Zeit als eine Art Fuersorgeoffizier taetig.
Innerhalb kurzer Zeit gelang es Lie und seinen Mitarbeitern in
Zusammenarbeit mit der schwedischen Regierung, fuer den groessten
T3il der politischen Fluechtlinge Arbeit zu finden - die meisten
konnten in den schwedischen Waeldern als Holzfaeller beschaeftigt werden.
Nachdem Lie diese Arbeit vollendet hatte, begab er -sich
nach London, um das Londoner Sekretariat der Nationalgewerkschaft in seiner Aufklaerungs- und Propagandataetigkeit in
Grossbritannien zu unterstuetzen. Im Januar 1942 kam er dort
an und war waehrend der ersten zehn Monate als Chef einer Informationseinheit taetig, die gemeinsam von dem Londoner Sekretariat
der Gewerkschaft und dem norwegischen Handelsministerium in
London aufgestellt worden war.
Eine der groessten Arbeiten Lies galt damals den Seeleuten
der norwegischen Handelsmarine. Als die Deutschen Norwegen besetzten, waren 1.052 norwegische Schiffe mit einer Gesamttonnage
von 4 Millionen und dreissig bis vierzigtausend norwegischen
Seeleuten und Walfischjaegern auf allen Weltmeeren unterwegs.
Die ueberwaeltigende Mehrheit dieser Seeleute erklaerte sofort
ihre Loyalitaet zu der norwegischen Exilregierung in London und
begab sich nach England. Verschiedene Beobachter sind der Ansicht,
dass das, was diese Maenner geleistet haben, zum grossen Teil der
Erziehungs- und Fuersorgearbeit zuzuschreiben ist, die Lie mit
seinen Helfern unter diesen Leuten geleistet hat.
Dies kommt in einer ^ede zum Ausdruck, die Admiral Emery
S. Land, der Leiter der amerikanischen Marine-Kommission, im
September 1941 vor norwegischen Seeleuten gehalten hat. Admiral
Land sagte u.a.: "Ich glaube, es war eine britische Veroeffentlichung, die einmal schrieb, dass die Seeleute der norwegischen
Handelsmarine fuer die Alliierten in ihren Kriegsanstrengungen
ebensoviel wert seien wie eine Million SoDcaten. Ich moechte bei
dieser Gelegenheit nicht versaeuraen zu sagen, dass diese Behauptung keineswegs uebertrieben war. Sie sind uns mehr wert als eine
Million Soldaten."
Lie arbeitet mit diesen Leuten und anderen Norwegern zusammen,
denen es gelungen war, England zu erreichen, um sich fuer den
Kampf zur Verfuegung zu stellen. Er gab Vorlesungen, organisierte
Studiengruppen, gab Liederbuecher, Brcschueren und sonstige Veroeffentlichangen heraus, die fuer den Gebrauch in der Untergrundbewegung nach Norwegen geschickt wurden.
Ende 1942 wurde Lie von dem Londoner Sekretariat in einer
Mission nach den Vereinigten Staaten geschickt. Seine Aufgabe
war, den amerikanischen Arbeitern von der Rolle zu berichten,
die die norwegische Gewerkschaftsbewegung im Kampf um die Freiheit
spielte, und Material ueber die Taetigkeit der amerikanischen
Arbeiter zu sammeln, das der norwegischen Untergrundbewegung zugeleitet werden sollte.
Seine Informationsbläetter, Broschueren und Schriften enthielten Nachrichten aus den Vereinigten Staaten und berichteten
- 6 -

�von der unnachgiebigen Entschlossenheit, mit .der die Arbeiter
Amerikas an dem Sturz der Hitlertyrannei arbeiteten. Sie gelangten, manchmal durch den Fallschirmabwurf von Aufklaerungsfliegern, nach Norwegen. Diese Nachrichten aus der Welt ausserhalb der Einflussphaere der Nazis haben unendlich viel dazu
beigetragen, den Widerstandswillen und Kampfgeist des unterdrückten norwegischen Volkes aufrechtzuhalten.
Als Lie 1943 von Amerika nach England zurueckkam, brachte
er das Versprechen der AFL und des CIO mit,' die illegale Gewerkschaf tstaet ig keit in Norwegen finanziell zu unterstuetzen und
den politischen Fiuecbtlingen Norwegens in Schweden zu helfen.
1944 kamen die ersten Geldmittel und hatten im Mai 1945 die
Gesamtsumme von 470.000 Dollar erreicht.
Dann kam endlich das Kriegsende, und Lie kehrte im Sommer
1945 nach Norwegen zurueck. Zu jener Zeit riefen die Kommunisten
zu einer vereinigten Gewerkschaftsbewegung auf, und norwegische
Fuehrer zogen bereits eine dauernde Vereinigung mit diesen Elementen in Betracht. Lie warnte jedoch seine Mitarbeiter, sich
vor den kommunistischen Schlagworten der "Einheit'' in acht zu
nehmen, und er berichtete ihnen von der zersetzenden Taetigkeit
der Kommunisten in den Vereinigten Staaten. Zur rechten Zeit
scharten sich die fuehrenden Mitglieder der norwegischen Arbeiterpartei um ihn, um seine Meinung zu teilen, und die Komnrinisten
wurden daran gehindert, ihr Machtstreben zu verwirklichen.
Norwegens Hauptprobleme sind nun wirtschaftlicher Natur • es
muss eine Produktion geschaffen werden, die ausreicht, um die
Kosten fuer die benoetigten Importe auch nach Beendigung des
Marshall Planes decken zu koennen. Lie als Sekretaer der Arbeiterpartei hat eine grosse Aufgabe - eine Aufgabe, die ihn ganz
in Anspruch nimmt«
Das beste Bild von diesem itfanne bekommt man vielleicht,
wenn man ihn in seiner Freizeit am Glomma-Fluss beobachtet. Der
Glomma, der Millionen von Baumstaemmen von den Holzgebieten
Norwegens hinunter in die Seehaefen getragen hat, fordert alljahrlich eine betr aecht lie he Anzahl von Baumstaemmen fuer sich.
Sie saugen sich voll Wasser und sinken auf den Grund.
Lie hat eine Spegialmaschine konstruiert, mit der man diese
abgesunkenen Staemme hebt, und in seinem Urlaub begibt er sich
gewoehnlich mit einem Freund an den Glomma, um verlorenes Holz
wiederzugewinnen. Im Laufe weniger Jahre hat er Hunderte von
Baumstaemmen aus dem Fluss geholt.
Holz ist eines der wichtigsten Exportgueter Norwegens, und
weil Norwegen dringend Devisen, vor allem Dollars braucht, schaetzt
sich Lie glueckllch, mit zur Sicherung der Zukunft seines Landes
beitragen zu koennen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
26. April 1950
DER SCHWEIZER GEWERK3CHAFTSBÜND
Von Jean Moeri,
Sekretaer des Schweizer Gewertechaftsbundes.
Die Schweizer Gewerkschaftsbewegung stellt das Ergebnis einer
- 7 -

�sehr fruehen Zusammenarbeit dar. Im Jahre 1818 wurde in der
kleinen Stadt Aarau die erste Vereinigung zur Unterstuetzung
der Buchdrucker gegruendet, die sich spaeterhin zur Gewerkschaft
der Buchdrucker entwickelte. Eine gleiche Entwicklung, dem
gleichen Beispiel folgend, konnte in allen Schweizer Staedten
festgestellt werden, in denen das Zusammengehoerigkeitsgefuehl
In Gruppen, wie Uhrmacher, Zimmerleute, Bierbrauer, usw. hochsntwickelt war. Nachdemder erste Schritt zur Bildung gemeinsamer
Gewerkschaftsraete mit gemeinsamen Interessen unternommen war,
dehnten die Gewer Im c haftspioniere diese Organisationen zuerst
auf kantonale und dann auf nationale Ebene aus. Und so wurde
die Schweizer Gewerkschaft der Buchdrucker am 15. August 1858
gegruendet. Diese Bewegung der nationalen Vereinigung pflanzte
sich schnell in allen Arbeitergruppen fort.
Das Gewerkschaftswesen, das bis zu jener Zeit beruflich
gegliedert war, dehnte sich nun auf alle Arbeiter aus. Die erste
Hoffnung, nach Industrien organisieren zu koennen, war der kurzlebige
Internationale Arbeiterverband von 1864, dessen Sitz sich in Genf
befand; dieser Verband fand im Jahre 1872'jedoch ein jaehes Ende,
nachdem er sich seine Fluegel in den Flammen der Politik verbrannt
hatte. 1873 wurde die Schweizer Arbeiterunion'gegruendet, zu der
politische Arbeiterpartelen, Wohltaetigkeitsvereinigungen und
Gewerkschaften gehoerten. Der heutige Schweizer Gewerkschaftsbund stammt aus dem Jahre 1880.
Zu Ende des Jahres 1948 zaehlte der Schweizer Gewerkschaftsbund 16 Berufs- oder Industrieverbaende mit insgesamt 376.436
Mitgliedern. In Anbetracht der Tatsache, dass es zu jener Zeit
531.000 Industriearbeiter in der Schweiz gab, stellt diese Zahl
einen nicht unbetraechtllchen Prozentsatz dar. Eine ^inschraenkung besteht darin, dass die Mitglieder des Gewerkschaftsbundes
nicht ausschliesslich von Industriegewerkschaften sind, sondern
auch Handwerker und kaufmaennische Berufe in diesen Zahlen enthalten sind. Ausserdem ist zu beruacksichtigen, dass noch bestimmte
Gebiete fuer die Werbung offenstehen, die jedoch durch die Taetigkeit andersgesinnter Gewerkschaften wie der, christlich-sozialen,
katholischen, evangelischen, usw. begrenzt sind. Diese hatten
Ende 1948 eine Mitgliederzahl von 78.000 zu verzeichnen. Dazu
kommt die Foederation der Schweizer Arbeitervereinigungen, die dem
Bund durch ein Abkommen auf Treu und Glauben angeschlossenen ist,
mit dem etwa 73.000 Mitglieder. Zahlreiche andere, kleinere
Organisationen mit insgesamt 50.000 Mitgliedern bleiben vom Bund
aus verschiedenen Gruenden getrennt. Trotz dieser Gruppen, die
verschiedenartig orientiert sind, ist der Gewerkschaftsbund bei
weitem die groesste Gewerkschaftsgruppe der Schweiz. Das kommt
ausserdem in der Einstellung der foederalen und kantonalen Behoerden
zum Ausdruck,
In Artikel 2 des Statuts des Gewerkschaftsbundes sind die
Ziele der Organisation festgelegt. Allgemeinaufgabe ist die Wahrung
der Interessen der Mitgliedsorganisationen und ihrer Mitglieder.
Dieser Artikel bestimmt ausserdem, dass die Organisation in religioesen Angelegenheiten ihre Neutralitaet und in politischen Angelegenheiten ihre Unabhaengigkeit zu bewahren hat.
Werfen wir jedoch einen Blick auf diese Ziele und stellen
wir fest, inwieweit sie bereits erreicht worden sind.
Erstes Ziel des Schweizer Gewerkschaftsbundes ist, die demokratischen Rechte und Freiheiten des Volkes zu entwickeln. Waehrend des Zweiten Weltkrieges stellte diese Organisation eine
der wichtigsten demokratischen Kraefte dar, auf die sich die Regie- 8 -

�rung und die 'Armee verlassen konnten. Sie trug zu einem grossen
Teil zu der Sicherstellung der souveraenen Rechte des Buergers
bei, wie nationale Unabhaengigkeit und individuelle Freiheit
des Buergers.
Sie tritt an zweiter Stelle fuer die Gemeinwirtschaft ein das heisst, fuer den Einsatz oeffentlicher Dienste im Interesse
der nationalen, kantonalen oder lokalen Gemeinschaft. Man darf
nicht uebersehen, dass in der Schweiz bemerkenswerte Erfolge
erzielt wurden und zwar lange bevor andere Staaten die Planwirtschaft einfuehrten. Seit 1948 untersteht die Post der Schweizer
Bundesregierung. Der Telegrafendienst, der 1852 eingefuehrt und
im gleichen Jahre verstaatlicht wurde, der Telefondienst, der urspruenglich von Privatunternehmern kontrolliert und im Jahre 1881
verstaatlicht wurde, und das Eisenbahnsystem, um die Jahrhundertwende verstaatlicht, sind die drei Hauptzweige der nationalen
Wirtschaft, die unter der Kontrolle der Bundesregierung stehen.
Das Rundfunkwesen und die Alkoholverteilung unterstehen ebenfalls der nationalen Regierung. Banken, Feuerversicherung und
die Schulsysteme werden in der Regel von den kantonalen Regierungen
verwaltet. Strassenbahnen, Gas, Elektrizitaet, usw. gehoeren zu
den oeffentlichen Diensten der kommunalen Behoerden.
Eine weitere Aufgabe sehen die Gewerkschaften in der Foerderung der Sozialgesetzgebung und der Wahrung der Interessen der
Arbeiter. Die Industriearbeiter sind durch das Bundesgesetz von
1877 geschuetzt, in dem die Arbeitsbedingungen fuer die Industrie
festgelegt sind. Lehrlinge werden durch ein anderes Bundesgesetz
geschuetzt. Seit dem 1. Januar 1948 ist die alters- und Hinterbliebenenversicherung obligatorisch fuer das gesarate Land. Man
ist augenblicklich bemueht, gesetzliche Regelungen zu treffen in
bezug auf Arbeitslosenversicherung, Allgemeingueltigkeit von Gewerkschaft svertraegen ( diese Frage bildet zur Zeit Gegenstand
einer vom Bundesrat erlassenen Verordnung), die Schaffung von
Arbeltsprojekten, Krankenversicherung, usw. Die Taetigkeit der
Schweizer Gewerkschaften bildet natuerlich die Basis dieser fortschrittlichen Bewegung. Es ist zu bemerken, dass haeufig die
Kantone fuer die besondere Regelung der.Arbeitsbedingungen und
die Sozialpolitik (Kinderzulagen, Urlaub und Bezahlung) verantwortlich sind.
Die Entwicklung des Arbeitsrechtes, und der Verfahren des
Kollektiwerhandelns sind jedoch die Gebiete, denen die Schweizer
Gewerkschaften ihre groesste Beachtung zugewendet haben, und denen
ihre groessten Bemuehungen gelten. 1.400 Tarifvertraege sind
rechtskraeftig und erstrecken sich entweder ueber eine gesamte
Industrie, ein bestimmtes Gebiet, einen Kanton, eine Stadt oder
auch nur ein Unternehmen. Im allgemeinen regeln diese Vertraege
die Arbeitsbedingungen, die Verfahren der Schlichtung und Schiedssprechung und sogar in einigen Faellen die Bedingungen der Lehrlings- und Arbeitslosenversicherung. Die Schweizer Gewerkschaften
schaetzen Gesetze, die es ermoeglichen, Mindestnormen zu erzielen,
im grossen und ganzen bevorzugen sie jedoch dehnbarere, nichtformelle Mittel, mit denen Einzelfaelle leichter erledigt werden koennen.
Das hoechste Ziel des Schweizer Gewerkschaftsbundes, naemlich
die Entwicklung internationaler Gewerkschaftsbeziehungen, ist
waehrend der letzten Jahre auf Grund der politischen Machenschaften
des Weltgewerkschaftsbundes in den Hintergrund gestellt wordenf
Gegen Ende dieses Jahres wird der Schweizer Bundeskongress zu dem
neuen Internationalen Bund Freier Gewerkschaften Stellung nehmen.
Wir hoffen, dass die Abstimmung positiv ausfallen wird, denn die
- 9 -

�Interessen der "Arbeiter sind auf der ganzen Welt ebenso voneinander abhaengig wie beispielsweise die nationalen Wirtschaften. Und damit koennte zur Erreichung der beiden Ziele, des
sozialen Fortschritts und eines gerechten Friedens, beigetragen
werden.
Arbeitsmitteilungen der BGA
3. Mai 1950
BETRIEBSUNF AELLE IM LETZTEN VIERTEL VON 1949 AUF EINEN TIEFSTAND
GESUNKEN
Vorlaeufigen Berichten des Statistischen Bueros des US Arbeis tamtes zufolge ist die Zahl der Betriebsunfaeile in Fertigungsbetrieben im letzten Viertel des Jahres 1949 auf einen neuen
Tiefstand gesunken. Die Betriebsunfallziffer ist die niedrigste
seit den sieben Jahren, fuer die vierteljaehrliche Statistiken
verfuegbar sind. Die Betriebsunfallziffer gibt die Zahl der
Arbeitsunfaelle pro Million Arbeitsstunden an.
Die Berichte zeigen einen durchschnittlichen Rueckgang um
etwa 11# der Betriebsunfaeile zwischen dem dritten und letzten
Viertel von 1949. Der allgemeine Stand der Betriebsunfallziffer
des letzten Viertels des Jahres 1949 und die Gesamtziffer fuer
das gesamte Jahr 1949 liegen beide 18g unter denen des Jahres 1948,
Das Absinken der Betriebsunfallziffer des letzten Viertels des
Jahres 1949 passt in das sich seit sieben Jahren kJLar abzeichnende
Bild des saisonbedingtenRueckgangs der Betriebsunfaeile hinein.
Monatliche statistische Angaben sind seit 1943 vorhanden und
zeigen bestaendig ein Absinken der Unfallziffer im November und
einen Tiefstand im Dezember eines jeden Jahres. Die meisten Unfaelle ereignen sich gewoehnlich im juli oder August eines jeden
Jahres.
Auf Grund von Arbeitsverletzungen waren im letzten Viertel
des Jahres 1949 etwa 78.000 Arbeiter aus Fertigungsbetrieben
einen oder mehr Tage lang arbeitsunfaehig. Das sind 7.700 weniger
als im dritten Viertel von 1949 und 86.000 weniger als im letzten
Viertel von 1948. Im Gegensatz zum Absinken der Gesamtzahl jedoch belief sich die Zahl der toedlichen Unfaelle im letzten
Viertel auf 400, - 100 mehr als im dritten. Viertel - waehrend die
Zahl der Unfaelle, die dauernde Arbeitsunfaehigkeit zur Folge
hatten, von 4,400 im dritten Viertel auf 4,700 im vierten Viertel
anstieg.
Durch Betriebsunfaeile gingen im letzten Viertel etwa 1,570,000
Arbeitstage verloren. Bei den gegenwaertigen Lohntarifen bedeutet
dies einen unmittelbaren Verlust an Loehnen von rund 16 Millionen
Dollar. In mehr als der Haelfte der 123 verschiedenen Herstellergruppen, fuer die statistische Angaben zur Verfuegung stehen, war
ein bedeutender Rueckgang der Betriebsunfallziffer zwischen dem
dritten und letzten Viertel des Jahres 1949 zu verzeichnen. In
40 anderen war keine bemerkenswerte Veraenderung festzustellen.
Nur 20 Industriezweige hatten hoehere Unfallziffern im letzten
Viertel von 1949.
Nur aus zwei Industriezweigen wi^d ein Ansteigen der Betriebsunfallziffer um mehr als 5 Punkte gemeldet - in den Saegemuehlen
von. 53.8 im dritten Viertel auf 59,6 im vierten Viertel; und in
der Toepfereiindustrie von 13,8 auf 20,3. Dagegen weisen 14 verschiedene Industriezweige ein Absinken der Betriebsunfallziffern
- 10 -

�um mehr als 5 Punkte auf. Am bemerkenswertesten ist dieses
Ahsinken in der Getraenkeindustrie, wo die Ziffer von 37,8 auf
28,1 zurueckging; ausserdem in der Kunstduengerherstellung (von
29,8 auf 17,5).
Die hoechsten Betriebsunfallziffern waren im letzten Viertel
des Jahres 1949 in folgenden Industriezweigen zu verzeichnen:
Plolzfaellen mit 77,9 Betriebsunfaellen pro Million Arbeitsstunden,
Saegemuehlen mit 59,6 und kombinierte Saege- und Hobelwerke mit
43,0 Betriebsunfaellen. Die Industriezweige mit den niedrigsten
Betriebsunfallziffern waren: Sprengstoffe (1,3), synthetische
Textilfawier (2,2), komprimierte und fluessige Gase (2,6), optische
Geraete (3,0), Flugzeug herStellung (3,3) und synthetischer Gummi
(3,4).
Die niedrigsten Gesamtziffern fuer das gesamte Jahr waren:
In der SprengstoffIndustrie 1,6, in der Herstellung synthetischen
Gummis 2,3, synthetischer Textilfaser 2,3, in der optischen Industrie 3,2 und in der Elektroindustrie (Lampen und Gluehbirnen)
3,3.
Labor Information Bulletin
Mai 1950.
TOBIN GEGEN AUSDEHNUNG DER ANTITRUST GESETZE AUF GEWERKSCHAFTEN
In einer Erklaerung vor einem Unterkomitee des Rechtsausschusses des Senats brachte der US Arbeitsminister J. Tobin
kuerzlich zum Aftsdruck, dass Antitrust Gesetze allein nicht
dazu angetan seien, die Beziehungen zwischen Gewerkschaften
und Unternehmern in konstruktiver Weise zu regeln. Er nahm
damit zu der Gesetzesvorlage Nr. 2912 an den Senat Stellung.
Durch die Bestimmungen dieser Vorlage, heisst es In der
Erklaerung, koennten die Gewerkschaften fuer die Verfolgung bestimmter, ungesetzlicher Ziele von der Regierung der Vereinigten
Staaten strafrechtlich belangt werden. Ausserdem seien sie dadurch privaten Zwangsmassnahmen und Prozessen und Verfolgungen
auf Grund der Gesetze ueber "strafbare Verse hwoerungen" ausgesetzt.
"Ich lehne jegliche Gesetze ab", erklaerte Arbeitsminister
Tobin, "durch die man versucht, zu den Verhaeltnissen jener
dunklen Tage zurueckzukehren, in denen Antitrust Gesetze gewoehnlich dazu dienten, die Gewerkschaften zu unterdruecken und
zu beseitigen."
Die von Senator A. Willis Robertson (Virginia) eingereichte
Gesetzesvorlage wuerde die Arbeitgeber- Arbeitnehmer Beziehungen
in allen amerikanischen Grundindustrien wieder in einen Zustand
der "Beherrschung durch Zwang" versetzen, fuehrte Tobin weiter aus.
Sie fuehre damit die Sprache des urspruenglichen Sherman Gesetzes,
in dem man verfehlt habe, Normen fuer den Begriff "unvernuenftige
Hemmung des Handels durch die Gewerkschaften" aufzustellen, die
den Gerichtshoefen als Richtlinien haetten dienen koennen. Er
wies darauf hin, dass das Sherman Gesetz am wirksamsten als vVaffe
gegen die Gewerkschaften zur Anwendung gekommen sei.
Tobin gab seiner Vermutung Ausdruck, dass der Grund zur Vorlage dieses Gesetzes in dem Wunsch zu suchen sei, ein wirksames
Mittel zur Beilegung der Arbeitsstreitigkeiten in der bituminoesen
Kohlenbergbauindustrie zu finden. Er legte dem Unterausschuss
nahe zu bedenken, dass eine Aenderung der Gesetzgebung, die in der
Absicht vorgenommen wurde, eine Lage in einem Zweig unserer Indus-

- 11 -

�trie zu klaeren, sich oft weit ueber das Uebel hinaus ausdehnen
kann, gegen das sie gerichtet war, und akzeptierte Taetigkeiten
und Uethoden in anderen Zweigen der Industrie unterdruecken kann.
Er unterstrich", wie wichtig es sei, vor einer Entscheidung ruhig
und sorgfaeltig die Tatsachen zu ueberpruefen.
Arbeitsminister Tobin forderte mit allem Nachdruck den
Unterausschuss auf, die Gesetzesvorlage abzulehnen, -^r versicherte,
dass sie gegen das gesamte System der Kollektiwerhandlungen, und
damit das Herz der Arbeitgeber- Arbeitnehmer Beziehungen gerichtet
sei. Abschliessend erklaerte er, diese Gesetzesvorläge wuerde,
wenn genehmigt, den Arbeitgeber- Arbeitnehmer Beziehungen in den
Vereinigten Staaten grossen Schaden zufuegen.
Labor Information Bulletin
April 1950
- IS -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

KC00 »-1077 L H

Julj }0 17} C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
#
Die folgenden Artinel stellen Auszüge aus de'r amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 14

Frankfurt, 9. Juni 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Punkt Vier: Das amerikanische Hilfsprogramm fuer
wirtschaftlich zurueckgebliebene Laender - - - - Mexikanischer Gewerkschaftsbund tritt aus dem Weltgewerkschaftsbund aus - - - - - - - - - - - - - - Lebenshaltungskosten in Grosstaedten der Vereinigten
Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Gewerkschaften in China - - - - - - - - - - - - - - Fachabteilung der Chemiearbeiter gegruendet - - - - Jugoslawien bricht mit dem Weltgewerkschaftsbund - - Bund Christlicher Arbeiter Frankreichs lehnt Einladung
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften ab
Ernennungen im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Amerikanischer Berater fuer Arbeitsfragen zur Rolle
der deutschen Gewerkschaften - - - - - - - - - - Wiederaufleben der Konkurrenz zwischen den Haefen
Hamburg und Triest - - - - - - - - - - - - - - - Die Tagung des Exekutivausschusses des ICFTU - - - Ein maoehtiges Bollwerk - - - - - - _ _ _ - _ _
Allgemeiner Boykott gegen die Schiffe Panamas - - - Die demokratische Gewerkschaftsbewegung Boliviens - Probleme um die Beschaeftigung aelterer Arbeitskraefte

1
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15

PUNKT VIER: DAS AMERIKANISCHE HILFSPROGRAMM FUER WIRTSCHAFTLICH
ZURUflCKGEBLIEBENE LAENDER
In seiner Botschaft vom 24. Juni 1944 begruendete Praesident
Truman die Notwendigkeit eines neuen Hilfsprogramms, das der wirtschaftlichen Entwicklung einiger aussereuropaeischen Laender dienen
soll. Hierbei soll einmal eine Unterstuetzung in rein technischer
Hinsicht erfolgen, zum andern ist eine Pruefung 4er Moeglichkeiten
vorgesehen, wie private Mittel in diese wirtschaftliche Entwicklung
eingeschaltet werden koennen.
In der Zwischenzeit sind vom Repraesaentantenhaus und Senat 45
Millionen Dollar bewilligt worden, um die technischen Voraussetzungen fuer die Verwirklichung des Hilfsprogramms schaffen zu koennen.
Weitere 12 Millionen Dollar werden von anderen Mitgliedsstaaten der
JNO aufgebracht. Im einzelnen soll die Gesamtsumme wie folgt verteilt werden:
- 1 -

�Amerikanische Republiken
Naher Osten (Afrika)
Ferner Osten (ausser Suedasien)
Suedasien

21.128.000 Dollar
18.926.000
»
8.721.000
"
8.305.000
"
57.080.000 Dollar

Diese Betraege erscheinen verhaeltnismaecsig gering angesichts
der geradezu riesigen Aufgabe, die hier gestellt worden ist. Aber
diese Summen sollen nur dazu dienen, um Informationen zu schaffen
und aus diesen wiederum Schluesse auf die vorliegenden Probleme zu
ziehen. So muessen zur Loesung des Arbeitsproblems Ratschlaege gegeben werden, wie der Lebensstandard zu heben ist, wie Unfallverhuetung und Gesundheitsfuersorge zu etwas selbstverstaendlichem
werden, wie gerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen sind und schliesslich wie die Arbeiter jener. Laender ermuntert werden koennen, T&amp;rifvertraege durchzusetzen.
Es ist somit ein langer Weg von der Planung bis zur Verwirklichung - die Wege selbst werden jedoch keineswegs immer die gleichen
sein. Ohne Zweifel werden in Indonesien andere Mittel gesucht werden muessen als in Paraguay, wiederum andere in Aegypten als in
Mexiko. Bei der Planung hat bereits die Statistik wertvolle Dienste
leisten koennen. Hierbei wurden verschiedene Reihen ausgearbeitet,
wobei sich die Merkwuerdigkeit ergab, dass die Reihenfolge der unterentwickelten Staaten in der Statistik ziemlich die gleiche ist, auch
wenn die Themen der Statistik sich aendern. Fast automatisch gelangte man zu einer Art Wohlstandsindez, wobei die einzelnen Staaten in
drei Gruppen eingeteilt wurden. Es genuegt hier, die Ergebnisse
jener Staatengruppen zu beleuchten, wo das Jahreseinkommen je Kopf
der Bevoelkerung unter 100 Dollar liegt - diese Unterscheidung nach
dem durchschnittlichen Einkommen erscheint zwar sehr oberflaechlich,
sie liefert jedoch bereits brauchbare Werte. In die Gruppe jener
Laender gehoeren 28 Staaten, die jedoch 2/3 der gesamten Erdbevoelkerung umfasst. Es handelt sich hierbei um die Staaten:
Cuba
Polen
Venezuela
Palaestina
Columbien
Panama
Mexiko
Dominikanische Republik
Nikaragua
Bolivien
San Salvador
Ekuador
Indien
China

Jugoslawien
Japan
Aegypten
CostaRika
Peru
Ceylon
Uruguay
Haity
Guatemala
Honduras
Brasilien
Paraguay
Philippinen
Indonesien

Eine Unterteilung, die bereits wesentlich weiter geht als jene
nach dem Einkommen, ist durch den Index der Lebenserwartung gegeben.
So werden in den Laendern mit einem Einkommen ueber 200 Dollar die
Menschen durchschnittlich 63, in den Laendern mit einem Einkommen
ueber 100 Dollar durchschnittlich 52 Jahre alt, waehrend in den
Laendern der letzten Gruppe, die hier aufgezaehlt wurden, die Lebenserwartung auf 40 Jahre begrenzt ist. Wenn jedoch die Lebenserwartung fuer den Chinesen und den Indoneser ebenso hoch angesetzt
wird wie fuer den Inder, so ergibt sich sogar nur ein durchschnittliches Lebensalter von 30 Jahren.
Aehnliche Differenzierungen erbringen statistische Uebersichten
ueber die Verbreitung der Tuberkulose. Diese Krankheit hat nur sehr
wenig mit dem Klima zu tun - im Gegensatz zur Malaria. Sie ist
- 2 -

�jedoch die typische Seuche in armen, uebervoelkerten Gegenden und
.-^t haeufiger in»Staedten als auf dem Lande zu finden. In gleichen
Gebieten befaellt die Tuberkulose wiederum vor allem jene Kreise,
lie unter schwierigeren Lebensbedingungen zu leiden haben. Dies
drd besonders deutlich, wenn jene erwaehnte Einkommensgruppierung
iuch auf die Tuberkulosestatistik angewendet wird. In Laendern mit
linem Durchschnittseinkommen von mehr als 200 Dollar jaehrlich -ster&gt;en an Tuberkulose von 100.000 Einwohnern jaehrlich 64, in Laendern
lit einem Durchschnittseinkommen ueber 100 Dollar belaeuft sich die
;ahl der jaehrlichen Tuberkuloseopfer auf 143, waehrend in jenen Laen'ern, in denen der einzelne weniger als 100 Dollar im Jahr verdienen
:ann, die Seuche 333 Opfer fordert.
Aehnliche Resultate ergibt die Zaehlung der Analphabeten. In
len Laendern der hoechsten Einkommensgruppe ist sie verhaeltnismaessig unbedeutend, sie steigt jedoch in den Staaten der mittleren Grup&gt;s bereits auf 20% an und in der letzten Gruppe - das sind jene Laenler, wo der Einzelne weniger als 100 Dollar im Jahre verdient - auf
'8%.
Bei einer Betrachtung der Zahl der verbrauchten Kalorien ergeben
sich aehnliche Ergebnisse. Euer die erste Gruppe laesst sich ein taeg.icher Kalorienverbrauch von 3040 feststellen, in der letzten jedoch
mr 2051. Diese Zahl fuer sich laesst noch nicht allzu viel Rueck;chluesse zu, wird jedoch der Verbrauch an Eiweisstoffen und Fetten
genauer ueberprueft, so stellt sich heraus, dass in der letzten Orup&gt;e an Proteinen nur etwa 18% gegenueber dem Verbrauch der ersten
Gruppe erreicht werden, bei Fetten sind es rund 33%. Auch in dieser
tichtung laesst sich somit eine klare Schichtung der Laender in bestimmte Gruppen durchfuehren.
Ueberraschend gleichartige Resultate zeigt ein Vergleich des
Spinnstoffverbrauchs. Hier wird in der letzten Gruppe nur etwa 28%
les Bedarfs der hoeheren Einkommensgruppe benoetigt, wobei Wolle, Baumvolle und Kunstseide beruecksichtlgt sind.
Alle diese Merkmale reichen jedoch noch nicht aus, um die wirtschaftliche Situation der einzelnen wirtschaftlich unentwickelten Laenler genauer zu umreissen. Eine Anzahl technischer Daten genuegt jedoch,
im zu weiteren Schluessen zu kommen. Die Zahl der taeglich benoetigten
'ferdekraefte (PS) belaeuft sich in Laendern der Einkommensgrunpe ueber
200 Dollar auf 26,6 PS im Durchschnitt, auf je 1000 Einwohner gerechlet, waehrend in den Laendern der niedrigsten Gruppe nur etwa 1,2 PS
rerbraucht werden. Hier zeigt sich bereits eindeutig, wie gross die
wirtschaftliche Rueckstaendigkeit jener Laender ist. Das gleiche erriet sich in Bezug auf die Motorisierung: Auf tausend Einwohner enteilen in der ersten Gruppe 111 Fahrzeuge, in den Laendern der untersten Gruppe jedoch nur ein einziges Fahrzeug. Aehnliche Unterschiedlichkeiten ergeben sich in Bezug auf die Zahl der Telefone, die Zahl
ler Gleiskilometar oder den Umfang der befoerderten Frachten.
Wenn jetzt nach Moeglichkeiten gefragt wird, die diese wirtschaftlich zurueckgebliebenen Laender von sich aus ergreifen koennen, um
sinige Schritte vorwaerts zu gehen, so ist dies vor allem auf dem Geriete des Schulunterrichts und der aerztlichen Versorgung moeglich,
"enn in den Laendern der hoeheren Einkommensgruppe auf tausend Einwohler vier Lehrer entfallen, so sind es in der untersten Gruppe nur 1,76.
Jei Aerzten belaufen sich die entsorechenden Zahlen auf 1,06 und 0,17.
Iier ergibt sich bereits, dass ohne genuegende Hygiene- und Erziehungsoa33nahmen ein wirtschaftlicher Aufschwung der zurueckgebliebenen Laenler unmoeglich ist.
:en.

Es wuerde zu weit fuehren, die Statistiken im einzelnen anzufuehAm Schluss der meisten Tabellen steht fast immer Indonesien. Das
- 3-

�Durchschnittseinkommen belaeuft 3ich hier auf 22 Dollar. 92% der
Einwohner sind Analphabeten, die Tuberkulosesterblichkeit ist Desonders hoch, die Zahl der verbrauchten PS je Tag und tausend Einwohner
belaeuft sich auf 0,4, auf tausend Einwohner entfallen 0,6 Telefone
und 0,02 Aerzte.
Die Zahlenwerte der Statistik zeigen bereits auf, welche Laender
am dringendsten der wirtschaftlichen Entwicklung K'iuerfen, eine Entwicklung, die jenen Laendern nicht aus eigener Kraft moeglich ist.
Ebenso eindeutig geht aber aus diesen Zahlenwerten hervor, dass eine
wirtschaftliche Erschliessung nur dann moeglich ist, wenn Hand in
Hand mit den rein wirtschaftlichen Problemen auch die Voraussetzungen
gegeben werden, auf dem Gebiete der Schule und der Hygiene entsprechende Massnahmen zu treffen.
*
Die Weltgesundheitsorganisation hat bereits mit der Zusammenarbeit in einer Reihe von Laendern begonnen, wo die Regierungen bei der
Loesung besonderer Fragen unterstuetzt wurden. Die Sorge gilt vor
allem der Bekaempfung der Malaria und der Tuberkulose sowie der Hautund Geschlechtskrankheiten. Je breiter die Basis ist, auf der dieser
Kampf aufgenommen wird, um so groesser sind die Erfolge, die sich erzielen lassen. Das Programm der Weltgesundheitsorganisation umfasst
weiterhin die Sorge fuer die Gesundheitspflege der Kinder und Muetter,
die Verbesserung der sanitaeren Einrichtungen und vor allem die Modernisierung internationaler QuarantaenebeStimmungen.
Neben der Weltgesundheitsorganisation ist auch die UNESCO sehr
aktiv auf ihrem Gebiet gewesen, das die fundamentalen Erziehungsfragen
und die Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse umfasst. In jenen
Laendern ist vor allem der üufbau von Elementarschulen notwendig,
aber auch Universitaeten muessen hier gegruendet werden, damit eine
geistige Elite herangebildet werden kann. Erst durch eine wirksame
Bekaempfung des Analphabetentums laesst sich ein dauernder wirtschaftlicher Erfolg erzielen. Die UNESCO hat in einer Reihe wirtschaftlich
zurueckgebliebener Laender bereits «ine Reihe Massnahmen durchgefuehrt,
um auch auf diese.-n Gebiete die Entwicklung dieser Laender voranzutreiben.
Die Internationale Arbeitsorganisation hat ebenfalls eine Reihe
Beitraege geleistet, um die Arbeits- und Lebensbedingungen jener Laender zu heben. ^Gegenwaertig ist sie damit beschaeftigt, vor allem
Fragen des Arbeitseinsatzes, der Koalitionsfreiheit fuer gewerkschaftliche Organisation, der sozialen Sicherheit und der beruflichen Ausbildung zu loesen, wobei mit besonderer Sorgfalt die Fragen der Beschaef tigunp; von Kindern und Frauen behandelt werden. Besonderer Wert
wird darauf gelegt, solche Fertigkeiten zu entwickeln und zu nutzen,
wie sie gerade in den '.venia; entwickelten Laendern anzutreffen sind.
Berufliche Ausbildung und jene des Arbeitsnlatzes selbst, die Organisation der Arbeitsvermittlung und die Schleusung von Arbeitskräften
sind weitere Beispiele fuer die Aufgaben der Internationalen Arbeitsorganisation. Sie ist weiterhin bestrebt, die Summe von Erfahrungen,
die in anderen Laendern in Bezug auf Sicherheitsfragen und ueberhaupt
den gesamten Bereich der Arbeitsfragen gewonnen werden konnten, fuer
die Entwicklungsarbeiten zur Verfuegung zu stellen.
Waehrend des Jahres 1949 sind zahlreiche deutsche Gewerkschaftler
und Spezialisten auf dem Gebiet der Arbeitsfreien in die Vereinigten
Staaten gekommen, um dort einen Ein.blick in die Verhaeltnisse zu gewinnen. Eine aehnliche Zusammenarbeit ist jetzt auch in jenen Laendern
vorgesehen, wo das Punkt-Vier-Programm zur Durchfuehrung kommen soll.
Genau so wie die deutschen Besucher die Moeglichkeit hatcen, ihre in
den Vereinigten Staaten gewonnenen Erfahrungen und Beobachtungen in
Deutschland selbst zu erproben und gegebenenfalls zu verwirklichen,
4 -

�genau so werden die aus den wirtschaftlich zurueckgebliebenen Laendern in die Vereinigten Staaten entsandten Spezialisten ihre Beobachtungen verwerten. Natuerlich wird es diesen Fachleuten wesentlich
schwieriger werden, ihre Erfahrungen zu realisieren, da haeufig
genug in einzelnen Laendern noch alle Voraussetzungen fehlen, um
auch auf dem Gebiet der Arbeitsfragen wirksame Aenderungen der Verhasltnisse herbeizufuehren. Der erste Schritt wird darin bestehen
muessen, lokale gewerkschaftliche Organisationen zu gruenden, die
«ich nach und nach auf groesserer Basis zusammenschliessen und dadurch
die Moeglichkeit gewinnen,entscheidend den Gang der Ereignisse beeinflussen zu koennen.
Hand in Hand mit diesen Bemuehungen muessen selbstverstaendlich•
individuelle technische Fragen geloest werden, die in den einzelnen
Laendern sehr verschieden sein werden, wobei sich sogar noch Unterschiedlichkeiten in einzelnen Gegenden des gleichen Landes ergeben
werden. Die Organisation dieser technischen Vorarbeiten ist jedoch
9benso umfangreich wie sie spezialisiert sein muss, sodass schon
nach einer verhaeltnismaessig kurzen Zeit Untersuchungsergebnisse vorliegen werden, die dann die Voraussetzungen fuer die weitere Bearbeitung der einzelnen Fragen ergeben.
Im Gegensatz zum Marshall-Plan sollen nach der Beendigung der
technischen und organisatorischen Vorbereitung keine staatlichen Gelder der eigentlichen wirtschaftlichen Erschliessung dienen, sondern
private Kapitalien sollen hier Anlagemoeglichkeiten finden. Durch
die umfangreichen Vorarbeiten, die die internationalen Organisationen
leisten, wird sich jedoch sehr genau feststellen lassen koennen, wo
wirkliche Entwicklungsmoeglichkeiten bestehen, zumal einzelne Staaten
ueber sehr umfangreiche, jedoch noch unerschlos3ene Bodenschaetze verfugen. Es wird hier also eine grosse Anzahl Ansatzpunkte geben, wobei
die Berichte der Experten genuegendes Informationsmeterial geben
koennen.
Es ist zu erwarten, "dass durch eine grosszuegige Inangriffnahme
des Punkt-Vier-Programmes die Weltwirtschaft eine nachdrueckliche Belebung erfaehrt, die vor allem dann gegeben ist, wenn durch eine planmaessige Zusammenarbeit und die Zurverfuegungstellung genuegender Kapitalien diese Arbeiten auf lange Sicht durchgefuehrt werden.
V3 CIKANIr- GHER GEV:ERKSCHAFTS3UND TRITT AUS DSM '.VELTGEV.'ERKSCILAFTSBUND

25g

*

Der Gewerkschaftsbund Mexikos (CTlO , der unter der Fuehrung Lombardo Toledanos der Gruender des Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbundes (CTAL) war und Jahre hindurch das Bollwerk dieser Organisation
blieb, sprach sich auf seinem Kongress, der vor kurzem in der Stadt
Mexiko stattfand, mit ueberwaeltigender Mehrheit fuer den Austritt
sowohl aus dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund (CTAL) als auch
aus dem kommunistisch kontrollierten 7/eltgewerkschaftsbund (WFTU)
aus.
•

Auf dem Kongress wurde Senator Videl Velasquez zum neuen Generalsekretaer der Organisation gewaehlt. Der Exekutivausschuss wurde ermaechtigt, selbst zu entscheiden, welche internationalen Verbindungen
der CTM einzugehen habe.
Sachkenner, die an den Besprechungen des CTM ueber die internationalen Verbindungen teilgenommen haben und den Standpunkt des Generalsekretaers Velasquez kennen, behaupten, dass der CTM in Kuerze dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften beitreten wird. Mit dem Interamerikanischen Gewerkschaftsbund, dem CIO und anderen Gewerkschaftsgrupnen wird voraussichtlich eine regionale Organisation fuer die westliche
Hemisnhaere errichtet.
Inter-American Labor News (CIT)
V/1950
- 5-

�LEBENSHALTUNGSKOSTEN IN GROSSTAEDTEN DER VEREINIGTEN STAATEN

Index (1935-39-100)
225

225

200

175

150

125

100
15. Jan.

15Juli.

1946

15. Jan.

15Juli.

194?

15Jan.

15. Juli.

1948

15Jan.

15.Juli.

1949

100
anAlSMärz
15.

1950

Die Preise, die Familien mittlerer Einkommensgruppen in grossen
Staedten der Vereinigten Staaten fuer Nahrungsmittel und Dienstleistungen zahlen, zeigen jetzt eine fast ununterbrochen fallende Tendenz, nachdem die Lebenshaltungskosten der Nachkriegszeit im August
1948 ihren Hoechststand erreicht hatten.
Die Mieten dagegen zeigen - im Gegensatz zu den meisten vom
Statistischen Buero des US-Arbeitsministeriums fuer seinen Verbraucherindex errechneten Posten - eine stetige Aufwaertsentwicklung.
Auch die Preise fuer Brennstoff und Elektrizitaet liegen etwas
hoeher.
Am deutlichsten machte sich diese Abwaertsbewegung der Lebenshaltungskosten an den Preisen fuer Nahrungsmittel bemerkbar. Die
Preise fuer Bekleidung, Haushaltsgegenstaende und andere Artikel
weisen ebenfalls eine fallende Tendenz auf. In keinem Falle jedoch
sind die Preise in dem gleichen Tempo zurueckgegangen, in dem sie
nach Kriegsende und in der Zeit von Juli 1946 (als die Preisueberwachung zum groessten Teil aufgehoben wurde) bis zum Sommer 1948
(Hoechststand) angestiegen sind.
Die Mieten, die als einziger Posten im Verbraucherindex staendig anstiegen und auch noch weiter anziehen, haben diese steigende
Tendenz im Jahre 1947 begonnen, als die waehrend des Krieges erlassenen Preisbestimmungen etwas gelockert wurden. Von Mitte 1946 bis
Mitte 1947 blieben sie praktisch unveraendert, waehrend andere
Posten des Verbraucher-Preisindex' sprungartig in die Hoehe gingen.
- 6-

�Angesichts der seit 1948 zurueckgehenden Preise ist zu erwarten, dass die Verbraucher in diesem Jahre einen geringeren Teil ihres
Einkommens fuer Nahrungsmittel verwenden werden als im Jahre 1949.
1947 und 1948 beliefen sich die Ausgaben füer Nahrungsmittel auf rund
33% der Einkommen.,
"Labor Information Bulletin"
IV/1950
GEWERKSCHAFTEN IN CHINA
Nach Zeitungsberichten aus Shanghai ist ein gewisser Widerstand
gegen die neugegruendete Allgemeine Gewerkschaft von Shanghai zu verspueren. "Liberation Daily" behauptete zwar vor kurzem,87,52% der
Arbeiter der Stadt seien gewerkschaftlich organisiert, gleichzeitig
aber vermisst die Zeitung jede spontane Aktion, mit der sich die Arbeiter dieser Organisation anschliessen. Weiter wird berichtet, dass
in grossen industriellen Unternehmen das revolutionaere Bewusstsein
nicht genuegend entwickelt ist, die alten Fuehrer muessen umgeschult
werden, damit sie zu tuechtigen Organisatoren unter dem neuen System
erzogen werden koennen. Massnahmen zur Bekaempfung der Saboteure
sind bereits ergriffen.
Vielsagend ist auch die Feststellung, dass "in Fabriken, in •
denen reaktionaere Einfluesse noch vorherrschen, eine Politik zur
Mobilisierung der Massen und zur Organisierung eines Kampfes betrieben werden muss, der sich gegen besondere Agenten richte, die röckstaendige Elemente unter den Arbeitern zur Verbreitung von Geruechten
und anderen Sabotageakten benutzen und sogar den mit der gewerkschaftlichen Organisationsarbeit beauftragten Maenner offen entgegenarbeiteten." "Aber," so heisst es weiter, "diese subversiven Elemente konnten bald isoliert werden: nachdem die Arbeiter aufgeklaert wurden, hatten die Agenten schnell ausgespielt."
"Man muesse beachten," schreibt die Zeitung weiter, "dass der
Aufnahme in die Gewerkschaft eine gruendliche Aufklaerung, insbesondere die Befreiung von reaktionaeren Ideen; vorausgehen muesse."
Trotzdem wurden Vorkehrungen getroffen, um die Wahl, bestimmter Funktionaere sicherzustellen. "Auf oeffentlichen Versammlungen," heisst es
dann, "hat man Massnahmen ergriffen, damit die Massen aelteren Arbeitern vertrauen und deren Wahl damit gesichert ist." In den meisten
Betriebs- und Industriegewerkschaften wurden die Wahlen nach dem indirekten Abstimmungssystem durchgeführt, das heilst, die Waehler
waehlten durch ihre Vertrauensleute.
Trotz der Fuelle dieser Massnahmen sagt der Artikel jedoch weiter: "Diese Methode erwies sich in den meisten Faellen als zufriedenstellend." In diesem "Arbeiterstaat" muessen alle Tarifvertraege
von der Regierung genehmigt werden und koennen durch eine Vereinbarung
zwischen Unternehmern und Regierung rueckgaengig gemacht, aber auch
von der Regierung abgeaendert werden. Rahmentarifvertraege sind fuer
die gesamte Industrie verbindlich erklaert worden. Kleinere Tarifverhandlungseinheiten, wie z.B. Lokalgewerkschaften, koennen somit
Vertraege nur im Rahmen des fuer die Industrie geltenden Vertrages
abschliessen.
FACHABTEILUNG DER CHEMIEARBEITER GEGRUENDST
Der Weltbund der Arbeiter aer Cnemischen Industrie, eine Fachabteilung des Weltgewerkschaftsbundes, wurde vor kurzem auf einem
Treffen in Budapest gegruendet. Die Zeitungen berichten, dass
Eugenie Guidi, der Generalsekretaer der Italienischen Chemiearbeiter- 7-

�gewerkschaft, zum Praesidenten gewaehlt wurde. Die beiden Vizepresidenten sind N. M. Kawalljoff, Praesident des Zentralkomitees der
Sowjetischen Chemiearbeitergewerkschaft, und Paul Pigelet, Generalsekretaer der franzöesischen Chemiearbeitergewerkschaft. Zum Sekretaer wurde Ferencz Bozoki, Ungarn, ernannt.
Delegierte aus 12 Laendern sollen an der Gruendungskonferenz
teilgenommen haben: Bulgarien mit Dimitar Christov Kriwasieff; die
Tschechoslowakei mit Adolph Babulik; Frankreich mit P. R. Champion,
Robert Paul und Paul Pigelet; fuer Deutschland (Ostzone) sind keine
Namen genannt; das "Freie Griechenland" mit Konstantin Theosz und
Theos Kostas; Ungarn mit Jozsef Darvas, Sandor Szilagyi, Arpad
Radios, Ferencz Bozoki, Gyorgy Gati, Ilona Hatala; Italien mit Eugenie Guidi, U. Stokkero, M. Piacentini, D. Bianconi und 0. MarChi;
Korea (Nord) mit Li Ven Yong, Rak Im Sun und Li Do Yin; Polen mit
Viktor Drozd; fuer Rumaenien sind keine Namen angegeben; die Sowjetunion mit N. M. Kawalljoff, Yanalieff und Taratonyln; und schliesslich
Venezuela mit Rudolfo Quintero. Ausserdem wurde die Anwesenheit einiger Beobachter aus Oesterreich, Schweden und Norwegen berichtet.
Als Delegierte des Weltgewerkschaftsbundes waren Boleslaw Gebert,
3ekretaer des Weltgewerkschaftsbundes und £• Schultz zugegen.
JUGOSLAWIEN BRICHT MIT DEM WELTGEWERKSCHAFTSBUND
Als Antwort auf den Ausschluss ihres Praesidenten, Djuro Salaj,
aus dem Exekutivrat des Weltgewerkschaftsbundes hat sich die Generalkonferenz der Jugoslawischen Gewerkschaften durch eine Abstimmung
fuer den Abbruch ihrer Beziehungen zum Weltgewerkschaftsbund ausgesprochen. Der jugoslawische Gewerkschaftsvorstand teilte diese Entscheidung dem Weltgewerkschaftsbund und den ihm angeschlossenen
Koerperschaften mit.
BUND CHRISTLICHER ARBEITER FRANKREICHS LEHNT EINLADUNG DES INTERNATIONALEN BUNDES FREIER GEWERKSCHAFTEN AB
Der Exekutivausschuss des Bundes Franzoeslscher Christlicher
Arbeiter (CFTC) beschloss durch eine Abstimmung, sich nicht dem
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften auf der Basis des Vorschlags der neuen Internationale anzuschliessen. In diesem wird
gefordert, dass der CFTC bis zur naechsten Konferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften im November 1951 die Christliche
Internationale (CISC) zu verlassen hat.
ERNENNUNGEN IM INTERNATIONALEN BUND FREIER GEWERKSCHAFTEN
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften in Bruessel hat
sechs Positionen mit bewaehrten Kraeften besetzt.
Die Wlrtschafts- und Sozialabteilung leitet Alfred Braunthal,
der ehemalige Direktor der Forschungsabteilung in der Internationalen
Gewerkschaft der Hut-, Muetzen- und Putzmacher (AFL).
In der Abteilung Bildung, Schrifttum und Propaganda leitet das
Ressort Presse und Propaganda J. A. Riddell, der ehemalige Informationsbeamte der britischen Gesandstschaft in Polen. Das Ressort
Bildung hat Hans Gottfurcht uebernommen, der bisherige Verbindungsmann der deutschen Gewerkschaften zum britischen Gewerkschaftsbund
(TUC). Er ist heute britischer Buerger, in der Nazizeit fluechtete
er aus Deutschland. Da3 Ressort Schrifttum bearbeitet Edward Thompson, der fruehere Sachbearbeiter fuer Presse und Veroeffentlichungen
- 8-

�im Verbindungsausschuss der Internationalen Sozialistischen Konferenz (Britische Organisation).
Die Abteilung Organisation ist noch nicht besetzt, das Ressort
Finanzwesen leitet Albert Van Campf, e^n gebuertiger Belgier, der im
Internationalen Transportarbeiterverband taetig war, das Ressort
Korrespondenz und Registratur untersteht Frau Cabossel, bisher Vorständsmitglied der "Force Ouvriere," Frankreich.
i?!BRIKANISCHER BERATER FUER ARBEITSFRAGEN ZUR ROLLE DER DEUTSCHEN
GEWERKSCHAFTEN
Harvey %• Brown, der Direktor der Abteilung fuer Arbeitsangelegenheiten in der Hohen Kommission, berichtete in einem Interview mit
Spero Galanopulo, dem Kachrichtenherausgeber der Berliner Rundfunkstation AFN, den Hoerern ueber die Entwicklung der deutschen Gewerkschaften in der Nachkriegszeit.
Er brachte seine Ueberraschung ueber das Tempo zum Ausdruck, mit
dem es den deutschen Gewerkschaften gelungen ist, sich nach 1945 wieder zu organisieren. Mr. Brown berichtete seinen Zuhoerern, dass der
Deutsche Gewerkschaftsbund am 1. Januar 1950 rund 5 Millionen Mitglieder zaehlte, die in 16 Industriegewerkschaften organisiert sind. Die
Gesamtzahl der Industriearbeiter belief sich zu diesem Zeitpunkt auf
13.340.000. Nach Mr. Browns Auffassung bedeutet dies, dass in Westdeutschland heute ein groesserer Prozentsatz der Arbeiter gewerkschaft
] ich organisiert ist als in den Vereinigten Staaten.
Mr. Brown nahm zu dem Problem der Arbeitslosigkeit in Westdeutsch
land Stellung und sorach sich fuer einen verbesserten Lebensstandard
der Bevoelkerung aus, der durch die Erweiterung des inlaendischen Absatzmarktes ermoeglicht werden koennte. Er ermahnte die Fuehrer der
westdeutsehen Industrie, sich ihrer Verantwortung gegenueber dem
deutschen Volke bewusst zu sein, und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck,
dass Deutschland sein Arbeitslosenproblem loesen koenne.
Mr. Brown wies auf die Notwendigkeit hin, das kulturelle Austaus chprograram zu erweitern, um mehr Vertretern der Gewerkschaftsbewegung Gelegenheit zu ,?eben, mit amerikanischen Gewerkschaftlern zusammenzutreffen und den amerikanischen Lebensstandard und amerikanische Fertigungsmethoden ihres Arbeitsgebietes kennenzulernen. Nach
seiner Ansicht sei "damit viel mehr getan.als mit dem Lernen an Hand
von Buechern." Mr. Brown berichtete, dass bis jetzt 244 Gewerkschaftsvertreter im Rahmen des kulturellen Austauschprogramms die
Vereinigten Staaten besucht haben.
Mitteilung der Abteilung fuer Oeffentliche
Beziehungen der Hohen Kommission in Berlin

WIEDERAUFLEBEN DER KONKURRENZ ZWISCHEN DEN HAEFEN HAMBURG UND TRIEST
In Schiffahrts- und Industriekreisen Triests macht sich eine gewisse Beunruhigung ueber die wachsende Konkurrenz des Hamburger Hafens
bemerkbar.
In der Vorkriegszeit war Hamburg einer der schaerfsten Konkurrenten Triests, nachdem es dieser Stedt durch den Zusammenbruch des oesterreichisch-ungarischen Reiches gelungen war, einen grossen Teil des
Verkehrs, der vorher ueber Triest gegangen war, zu uebernehmen.
- 9-

�Nach einem Konkurrenzkampf auf Leben und Tod wurden durch ein
Abkommen die Einflussphaeren der beiden Haefen festgelegt. Als
Deutschland jedoch in den dreissiger Jahren die Balkanlaender wirtschaftlich eroberte, bestand diese Vereinbarung nur noch auf dem
Papier, der Kampf um die Vorherrschaft aber ging in unverminderter
Staerke weiter.
Nach dem Zweiten V/eltkrieg hatte Triest anfaenglich wenig Grund
zur Klage. Die Lage besserte sich staendig, einmal hinsichtlich des
Durchgangsverkehrs, zum andern fuer die Schiffahrt, und damit auch
fuer den Hafen betraechtlich. Diese aeusseren Prosperitaetserscheinungen truegten jedoch, und Triest hatte bald wieder Sorgen. Das
natuerliche Hinterland des Hafens war hinter dem dortigen Eisernen
Vorhang verschwunden, der groesste Teil des Durchgangsverkehrs bestand aus ERP-Ladungen und aus Versorgungsguetern fuer die amerikanischen und englischen Truppen im Freigebiet. Die Tschechoslowakei und- Ungarn bedienten sich in zunehmendem Masse der Donau als
Transportweg zum Mittellaendischen Meer, waehrend Jugoslawien in
Fiume einen ausgezeichneten Hafen besitzt.
Mit dem Wiederaufleben der deutschen Konkurrenz ergibt sioh
fuer Triest wieder die Vorkriegssituation, der in Aussicht gestellte Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte wird als wachsende Gefahr angesehen.
Aus den letzten Nachrichten geht hervor, dass Vertreter der
Triester Handelskammer sich nach Rom begeben haben, um die Unterstuetzung der italienischen Regierung in dem Kampf um die Erhaltung
der Lebensfaehigkeit des Hafens sicherzustellen. Ein weiterer Vorschlag der Delegation sieht vor, die Tarife der Haefen Triest, Venedig, Genua, Livorno und Neapel aufeinander abzustimmen.
Die Triester Schiffahrtskreise bemuehen sich mit allen Mitteln,
die Hafengebuehren und Eisenbahntarife zu senken, um damit der Bedrohung aus dem Norden zu begegnen.
Mitteilung des Internationalen
Transpor-tarbeiterverbandes ITF
DIE TAGUNG DES EXEKUTIVAUSSCHUSSES DES ICFTU
Der gesamte Exekutivausschuss des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften (ICFTU) ist vom 25. - 27. Mai in Bruessel zusammengetreten. Dies ist die erste Konferenz seit dem Londoner Gruendungskongress im Dezember vorigen Jahres.
Der Exekutivausschuss hatte eine groessere Reihe Massnahmen beantragt, die der ICFTU durchfuehren wird. Die Tagesordnung umfasste«
ueber dreissig Hauptpunkte.
Der Ausschuss befasste sich mit einem Vorschlag, der eine wechselseitige Vertretung in den Internationalen Fachabteilungen vorsieht,
die bereits hierzu ihre Zustimmung gegeben haben.
Er hat weiterhin die Abmachungen ueberprueft, die kuerzlich von
dem Generalsekretaer anlaesslich eines Besuches im Hauptquartier der
Vereinten Nationen getroffen wurden. Die Stellungnahme des ICFTU
ist dem Unterausschuss fuer Menschenrechte des Wirtschafts- und Sozialrates vorgelegt worden. Ein Bericht ueber die Vorschlaege des
ICFTU zur Einberufung einer internationalen Konvention, die sich mit
der lurchfuehrung von Massnahmen zur Vollbeschaeftigung befasst, ist
dem Generalsekretaer der Vereinten Nationen bereits unterbreitet
worden.
- 10 -

�Der Bericht ueber Arbeiterbildung enthielt Vorschlaege zur Einberufung einer internationalen gewerkschaftlichen Bildungskonferenz;
ausserdem schlug er die Aufnahme von Beziehungen zur UNESCO, dem Rat
fuer Erziehung, Wissenschaft und Kultur der Vereinigten Nationen, vor
sowie die Errichtung einiger Gewerkschaftsschulen im Fernen Osten.
In der regionalen Organisation wird sich der Ausschuss auf den
Fernen Osten konzentrieren. Der Diskussion ueber das Ruhrproblem
wurden die Beschluesse zugrundegelegt, die eine Konferenz der an
diesen Fragen interessierten Gewerkschaften am 22. und 23. Mai in
Duesseldorf gefasst haben.
Die Hauptpunkte der Tagesordnung waren:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.

Gescheeftsboricht des Generalsekretaers.
Finanzbericht und Budget.
Beziehungen zu den Internationalen Fachabteilungen.
Beziehungen zu den Vereinten Nationen.
Beziehungen zur Internationalen Arbeitsorganisation ILO.
Beziehungen zum Europarat.
Regionale Organisation.
Arbeiterbildung.
Bericht ueber Oesterreich.
Ruhrproblem.
Ernennung der stellvertretenden Generalsekretaere.
Datum der naechsten Konfernz des Exekutivausschusses und des
Verwaltungsrates und des naechsten Kongresses.
Arbeitsmitteilungen der ECA

EIN MAECHTIGES BOLLWERK
(Rede des US Arbeitsministers Maurice J. Tob in auf der 27. Konvention der Internationalen Damenbekleidungsarbeitergewerkschaft in
Atlantic City, N. J. , am 24. Mai 1950).
* * *

Im Jahre 1932 zaehlte die Internationale Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter 45.000 Mitglieder, heute sind in ihren Reihen
425.000 Organisierte. Dieser ungeheure Aufstieg ist ein Gradmesser
fuer den Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung unter
den Praesidenten Roosevelt und Truman. Ich behaupte nicht, dass alle
Gewerkschaften sp grosse Erfolge erzielen konnten. Nicht alle Gewerkschaften stehen unter der mitreissenden Fuehrung eines David
Dubinsky. Meine Meinung ist jedoch, dass die Gewerkschaft der Damenoberbekleidun'gsarbeiter gezeigt hat, was eine Gewerkschaft in verhaeltnismaessig kurzer Zeit leisten kann, wenn sie sich die von den
Vereinigten Staaten
geschaffene Atmosphaere zunutze macht.
Als Dubinsky Praesident wurde, befand sich die Gewerkschaft der
Damenoberbekleidungsarbeiter in einer verzweifelten Lage. Sie hatte
einen furchtbaren "Buergerkrieg" durchmachen muessen, bevor sie sich
der kommunistischen Intriganten entledigen konnte. Noch waren die
"fanden dieses Kampfes nicht geheilt, da kam der Schock der wirtschaftlichen Krise. In den naechsten drei Jahren gelang es der Gewerkschaft,
sich gerade ueber Wasser zu halten. Dann uebernahm der unbezaehmbare
Dubinsky die Fuehrung, und mit dem Erlass des Gesetzes zur Nationalen
Wirtschaftlichen Wiederaufrichtung (National Recovery Act) war seine
Gewerkschaft wie viele andere Arbeiterorganisationen gerettet.
Fuer die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter kam diese
Wendung jedoch besonders gelegen. Sie hatte gerade einen Streik in
- 11

�Philadelphia erfolgreich beendet. Mit aller Macht, die ihren Vorsorung vor anderen Gewerkschaften noch vergroesserte, begab sie
sich an die Arbeit des Wiederaufbaus. Das Ergebnis war, dass die
Gewerkschaft auf einer Grundlage aufgebaut wurde, die unerschuetterlich ist. Heute steht die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter sicher und fest und zwar nicht nur als GewerkschaftsOrganisation, sondern auch als eine soziale Einrichtung zum Wohle des ganzen
Landes.
Was ich soeben gesagt habe, ist fuer die meisten Gewerkschaftler
eine altbekannte Geschichte. Was ich noch ausfuehren werde, ist
lediglioh eine Wiederholung dessen, was allen Beobachtern schon klar
ist. Ich erachte es als hoechst bezeichnend, dass in dieser Gewerkschaft 11.000 Unternehmer vertreten sind. Vielsagend ist ausserdem,
dass in 15 Jahren kein groesserer Streik zu verzeichnen war. Dies
muss auf die Tatsache zurueckzufuehren sein, dass sich die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter jahrelang ein wirksames
Schiedsgerichtssystem zunutzemachte.
Nicht nur das: Die Damenoberbekleidungsgewerkschaftler haben
sich auch die Philosophie Dubinskys zu Herzen genommen: "Das Gewerkschaftswesen braucht den Kapitalismus wie der Fisch das Wasser.
Demokratie ist nur in einer Gesellschaft des freien Unternehmertums
moeglich, und der Bestand der Gewerkschaften ist nur in einer Demokratie gesichert." Diese Feststellung von Benjamin Stolberg scheint
mir alles zu diese** Frage in zwei Saetzen zu sagen.
Dubinsky meint damit nicht den Kapitalismus von heute. Er
wuenscht ihn im Dienste des allgemeinen Interesses und der industriellen Demokratie taetig zu sehen. Das heisst bei weitem nicht, dass er
das freie Unternehmertum ablehnt. Es bedeutet lediglich, dass das
freie Unternehmertum von seinen Maengeln und Fehlern in seinem eigenen
Interesse und im Interesse unserer Wirtschaft und des Fortschritts
unserer Gesellschaft kuriert werden muss.
Seitdem sich die Damenoberbekleidungsgewerkschaft diese Einstel- .
lung zu eigen machte, hat sie nicht nur die Leistungsfaehigkeit in der
Produktion und im Vertrieb vorangetrieben, sondern auch die Konkurrenz
der Unternehmer zum Gegenstand ihrer TarifVerhandlungen gemacht. Sie
hat darueberhinaus ein technisches Referat gegruendet, das den Unternehmern beratend zur Seite steht. Wir sehen hierin eine Art schoepferlsoher Zusammenarbeit, die diese Gewerkschaft im industriellen Leben
unserer Nation einzigartig dastehen laesst.
Das ist jedoch nicht der einzige Grund fuer ihre unvergleichliche
Stellung. Diese Gewerkschaft ist innerhalb der Gewerkschaftsbewegung
eine staendige Fuersprecherin des Friedens gewesen. Niemand hat tagaus, tagein fuer die Einigkeit der Gewerkschaftsbewegung mehr geleistet als David Dubinsky. Sein oberster Grundsatz ist, zerbrochene
Bande wieder zusammenzuschweissen. Ich bin ueberzeugt, dass ihn all
das beglueckt, was eine "aufrichtige und realistische Wiederversoehnung" erhoffen laesst.
Ich moechte noch ein Wort zu der erzieherischen Arbeit dieser
Gewerkschaft sagen. In der Idee, faehige Funktionaere auszubilden
und Arbeiter zu wertvollen Mitgliedern der Gewerkschaft zu erzienen,
spiegelt sioh Dubinskys Sinn fuers Praktische wider. Er hat ein
Programm zur Arbeiterbildung ausgearbeitet, das anderen Gewerkschaften als Musterbeispiel dient. Er hatte in Mark Starr, dem Direktor
des Referats fuer Arbeiterbildung, einen'hervorragenden Mitarbeiter.
Wenn wir an das "Unity House" denken, das als der groesste
Feriunaufenthaltsort in den Vereinigten Staaten bezeichnet worden ist,
an die Krankenversicherung, den bezahlten Urlaub, die Altersversicherung und die Ambulatorien, in denen kostenlos aerztliche Behandlung gewaehrt wird - und dies alles bei einem Durchschnittslohn von
70 Dollar fuer eine Woche mit 35 Arbeitsstunden, - dann erkennen wir,
- 12 -

�wie weit die frueheren "sweatshop" (Schwitzwerkstatt)-Verhaeltnisse
hinter den Mitgliedern der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter liegen. Es war ein langer und schwerer Kampf. Vor dem,
Jahre 1933 gab es fuer die Arbeiter der Bekleidungsindustrie keine
gesicherte Existenz, weil dieser Industriezweig nicht stabilisiert
war.
Doch diese Unsicherheiten gehoeren der Vergangenheit an und
sollen mit ihr begraben werden. Die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter ist heute ein Bollwerk zum Schutze ihrer Mitglieder und ein Helfer und Freund aller fortschrittlichen Kraefte. Sie
i3t eine voellig demokratische, eine echt amerikanische Gewerkschaft.
Ich beglueckwuensche sie zu ihren Erfolgen im Kampf gegen den
Kommunismus innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. Ich spreche ihr
meine Anerkennung dafuer aus, dasseiner der hervorragendsten Gewerkschaftsfuehrer an der Spitze ihrer Organisation steht. Er hat
aus der Alten Welt seine Erbitterung ueber die Ungerechtigkeit mitgebracht, die in Amerika zu einer Waffe geworden ist, mit der fuer
Gerechtigkeit zum Wohle der Arbeiter und aller Menschen gekaempft
wird.
Mitteilung des üä Arbeitsministeriums
ALLGEI.SINSR BOYKOTT GEGEN DIE SCHIFFE PANAMAS
Auf einer kuerzlich stattgefundenen Konferenz in Amsterdam
sprach sich die Seefahrerabteilung des 'internationalen Transportarbeiterverbandes ITF einstimmig fuer einen weltweiten Boykott gegen
die Schiffe Panamas aus.
Urspruenglich hatte der ITF am 25. November 1948 bereits beschlossen, die Schiffe Panamas zu boykottleren. Die Ausfuehrung dieses
Beschlusses wurde jedoch noch hinausgeschoben, da die Regierung Panamas versprochen hatte, ihre Schiffahrtsbestimmungen abzuaendern.
Seitdem hat die Regierung jedoch nichts unternommen, sodass das Versprechen nicht eingeloest wurde.
Der ITP kuendigte an, dass er sich die Unterstuetzung der Hafenarbeiter und anderer Gewerkschaften sichern werde, um die Seeleute
davon abzuhalten, fuer panamensische Reeder zu arbeiten und um gegebenenfalls die Ladungen in den Haefen zu blockieren.
Dieser Boykott, so heisst es in dem Beschluss, soll "den skrupellosen Methoden jener Reeder ein Ende bereiten, die unter panamensischen und aehnlichen Flaggen fahren, und soll anst-aendige Lebensund Arbeitsbedingungen fuer die Seeleute dieser Schiffe erzwingen."
US Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest"
Robert J. Alexander:
DIE DEMOKRATISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG BOLIVIENS
In den vergangenen Jahren hatte die Gewerkschaftsbewegung Boliviens unter den politischen Kaempfen und Unruhen in diesem Lande
schwer zu leiden. Die Bewegung selbst war politisch aufgespalten sowohl durch neofaschistische als auch durch kommunistische Gruppen und die Arbeiter, die sich in unpolitischen aber demokratischen Geverkschaften zu organisieren versuchten, hatten ein schweres Los.
- 13 -

�Mehrere Jahre hindurch bildete die maechtige Bergarbeitergewerkschaft (Federacion Sindical de Trabajadores Mineros) das Rueckgrat der bolivianischen Gewerkschaftsbewegung. Aber auch diese Gewerkschaft stand unter der Kontrolle der Nationalen Revolutionaeren
Bewegung (M.N.R.), einer profaschistisch orientierten Gruppe. Auf
der Gegenseite standen andere bedeutende Gewerkschaftsgruppen, wie
z.B. der Gewerkschaftsverband bolivianischer Arbeiter (Confederacion
Sindical de Trabajadores-Bolivlanos - C.S.T.B.) und die Eisenbahnergewerkschaft unter dem Sinfluss der kommunistisch orientierten
Linken Revolutionaeren Partei. Der C.S.T.B. ist die einzige Gewerkschaftsorganisation Boliviens, die dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund (C.T.A.L.) Lombardo Toledanos angeschlossen ist.
Waehrend der letzten Jahre war das Land Schauplatz zahlreicher
Revolten und eines einmonatigen Buergerkrieges. Die meisten Aufstaende richteten sich gegen die Regierung und waren von der Nationalen
Revolutionaeren Bewegung organisiert. Dies fuehrte jedoch dazu, dass
die von dieser Vereinigung (M.N.R.) kontrollierten Gewerkschaften
aufs schwerste unterminiert und gespalten wurden, sodass nach und
nach viele von ihnen verschwanden. So besteht z.B. in den Bergwerken
des groessten Zinnproduzenten des Landes, den Patino Werken, keine
einzige Gewerkschaft mehr, die von der Regierung oder von Arbeitgebern
anerkannt waere. Auf der anderen Seite ist es durch die strengen
Notverordnungen der Regierung und den Belagerungszustand einer demokratischen Gewerkschaftsbewegung tatsaechlich unnoeglich, sich wieder zu
entwickeln.
Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund CIT bemueht sich in
dieser schwierigen Situation inner wieder, den Arbeitern zu helfen,
die sich in einer unpolitischen freien Gewerkschaftsbewegung zusamnenzuschliessen versuchten. Eine Reihe Gewerkschaften wurde im
Bolivianischen Gewerkschaftsbund (Confederacion Boliviana de Trebajadsros - CBT) zusanmengefasst, der seinen Sitz in der Bergwerksstudt
Oruro hat. Zu gleicher Zeit wurde in La Paz, der Hauptstadt Boliviens, ein Buero des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes eroeffnet, und bolivianische Delegierte nahmen an den Konventionen des CIT
in Lima und Havanna teil.
Im Maerz stattete der Praesident des CIT, Bernardo Ibanez, Bolivien einen kurzen Besuch ab, um den Bolivianischen Gewerkschaftsbund
in meiner Aufgabe, eine einflussreiche demokratische Gewerkschaftsbewegung aufzubauen, zu unterstuetzen. Er verbrachte seinen Aufenthalt in Bolivien meist in Oruro, wo er mit Fuehrern des CBT und der
Lokalgewerkschaft von Oruro (Federacion Obrera Sindical Departmental
de Oruro) zusammentraf. Diese Organisation, die in enger Zusammenarbeit mit den bolivianischen Freunden des CIT steht, ist eine alte
Vereinigung, zu der ausser einigen Bergarbeitern auch Baecker,
Druckereifacharbeiter und andere Handwerker der Provinz Oruro gehoeren. Sie war noch bis vor kurzem dem kommunistisch orientierten
C3TB angegliedert, widersetzte sich jedoch den Kommunisten, als
diese die Gewerkschaft voellig in ihre Hand bekommen wollten, und
v/andte sich dem CIT zu. Mehrere Funktionaere der Federacion Obrera
Sindical Departmental de Oruro sind Mitglieder des Exekut'ivausschusses des dem CIT angeschlossenen CBT.
Nach mehreren Besprechungen, die Praesident Ibanez in herzlichem Einvernehmen mit Fuehrern des CBT und der Gewerkschaft von Oruro
fuehrte, einigte man sich auf einen Aktionsplan. Man vereinbarte,
drei Bezirkssekretariate fuer den Norden, den Sueden, und den zentralen Teil des Landes zu schaffen, die in La Paz, Olluni und in
Oruro ihren Sitz haben sollen. Der CBT selbst wird weiterhin in
Oruro verbleiben, die Organisation wird jedoch in erster Linie den
Bezirksvereinigungen als Funktion zufallen. Besondere Aufmerksamkeit
- 14 -

�wird auf die Organisierung der Eisenbahnarteiter und der Bergleute
gelegt werden, um sie in den CBT aufzunehmen, waehrend in La Paz die
Hauntarbeit der Wiedergewinnung der staedtischen Industriearbeiter
gelten soll.
Es wurde vereinbart, eine Reihe Bezirkskonferenzen in den verschiedenen Teilen Boliviens abzuhalten, um auf diese Weise alle demokratisch eingestellten Gewerkschaften miteinander in Fuehlung zu
bringen und den Grundstein fuer einen nationalen Kongress des CBT
zu legen. Eine solche nationale Zusammenkunft findet statt, sobald
die Voraussetzungen gegeben sind, um die nationale Organisation auf
einer sicheren Grundlage aufzubauen.
Man hofft, dass der Besuch des Praesidenten Ibanez den bolivianischen Arbeitern einen starken Auftrieb in ihren Bestrebungen zur
Errichtung einer demokratischen, unpolitischen Gewerkschaftsbewegung
gegeben hat.' Bevor Praesident Ibanez das Land verliess, hatte er
eine Unterredung mit dem Arbeitsminister Boliviens, Dr. Ernesto
Monas t-erio, in der er zum Ausdruck brachte, dass die Arbeiter mit den
Einschraenkungsbestimmungen der gewerkschaftlichen Taetigkeit nicht
einverstanden seien, die die Regierung unter dem "Belagerungszustand"
erlassen hatte.
Inter-American Labor News
V/1950
PROBLEME UM DIE BESCHAEFTIGUNG AELTERER ARBEITSKRAEFTE
Diese Zeilen sind ein Ausschnitt aus der Rede des Beauftragten fuer
Arbeitsstatistik im U.S.-Arbeitsministerium, Evan Clague, die er
vor der Zweiten Generalkonferenz der Nationalen Konferenz fuer
Soziale Arbeit in Atlantik City gehalten hat.
In Bezug auf die aelteren Arbeltskraefte haben sich fuer die Vereinigten Staaten Probleme ergeben, die durch schon seit mehreren Jahrzehnten bestehende Tendenzen aufgezeigt werden. Dies ist vor allem auf
das steigende Verhaeltnis der Zahl der Aelteren zu der der Gesamtbevoelkerung zurueckzufuehren. Im Jahre 1900 hatten nur 4$ der Bevoelkerung das 65. Lebensjahr erreicht. Nach Beendigung der Zaehlung im
Jahre 1950 werden wir wahrscheinlich feststellen koennen, dass sich
dieser Prozentsatz fast verdoppelt hat. Das bedeutet in Zahlen, dass
aus 3 Millionen im Jahre 1900 etwa 11 Millionen im Jahre 1950 geworden
sind. Es ist zu erwarten, dass diese Altersgruppe sowohl zahlenmaessig
als auch im Verhaeltnis zur gesamten Bevoelkerung weiterhin ansteigen
wird.
Damit hat sich fuer uns das Problem der Altersversorgung jener
Buerger ergeben, die sich ihren Lebensunterhalt nicht mehr durch eigene
Arbeit verdienen koennen. Das Problem wird noch dadurch erschwert, dass
die Beschaeftigungsmoeglichkeiten fuer Leute ueber 65 Jahre staendig
geringer werden. Im Jahre 1900 wuenschten etwa zwei Drittel aller Arbeiter, die ueber 65 Jahre alt waren, weiterzuarbeiten und sich ihren
Lebensunterhalt selbst zu verdienen; nur ein Drittel hoerte mit der
Arbeit aus eigenem Entschluss auf. 1940 waren nur noch 43# dieser
ueber 65 Jahre alten Leute zur Arbeit bereit - und davon waren nicht
einmal alle erwerbstaetig. Waehrend des Krieges stieg diese Zahl auf
etwa 50£ an, 1919 war sie jedoch wieder auf 46$ gefallen. Auf weite
Sicht gesehen, wird sie noch weiter sinken, wobei sich diese Tendenz
in den kommenden Jahren noch staerker bemerkbar machen wird.
Inzwischen hat die U.S. Regierung zahlreiche Massnahmen ergriffen,
um dieses Problem zu loesen. Es bestehen Altersversorgung, bundesstaatliche Altersversicherung, Pensionsplaene in der Industrie, Pensionsnlaene der Gewerkschaften, Tarifverhandlungsplaene, Lebensversicherungsrenten, private Sparplaene und andere traditionelle Methoden
nebeneinander. Es bleibt keine Zeit, sich an dieser Stelle mit dem
- 15 -

�Grundproblem zu befassen. Notwendig ist jedoch., auf die Tatsache hinzuweisen, dass noch kein umfassendes Programm geschaffen worden ist,
das, sowohl vom sozialen als auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus
gesehen, voll befriedigend waere. Der Kongress der Vereinigten Staaten
arbeitet augenblicklich an einer grundlegenden Revision des bundesstaatlichen Systems, der Alters- und Hinterbliebenenversicherung. Nachdem diese Arbeit beendet sein wird, duerfte die Lage fuer die Aelteren
besser werden; es wird jedoch noch weit mehr getan werden muessen. In
den Vereinigten Staaten ist dies tatsaechlich eines der dringlichsten
Probleme, denen sich das amerikanische Volk gegenuebersieht. Zweifellos wird ihm im Verlauf der kommenden Jahre in zunehmendem Masse die
oeffentliche Aufmerksamkeit zuteil werden.
Eine zweite Phase dieses Programms verdient es ebenfalls, beachtet
zu v/erden, obwohl sie erst in einigen Jahren akut werden wird. Es
handelt sich um das Problem der aelteren arbeitenden Bevoelkerung der Maenner und Frauen zwischen 45 und 64 Jahren. Auch hier ist eine
vorausschauende Politik notwendig, um die Probleme, die sich in diesem
Fragenkomplex ergeben werden, rechtzeitig zu erkennen, damit rechtzeitig Massnahmen ausgearbeitet werden koennen.
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG,
APO 757

OFFICIAL

HCOG ft-107* L * 1 Jul/ 50 1» C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNCEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen'' ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 15

Frankfurt, 16. Juni 1950

I N H A L T S H R

Z E I CHNIS

Die Loehne in der amerikanischen Damenoberbekleidungsindustrie - - - - - - - - - - l
Sine Million Dollar fuer den Werbefeldzug einer
amerikanischen Gewerkschaft - - - - - - - 3
Die erste Konferenz des Exekutivausschusses des
ICFTU in Bruessel - - - - - - - - - - - - 4
CIO fordert Massnahmen zur Bekaempfung der
Arbeitslosigkeit - - - - - - - - - - - - - ,
8
AFL fordert Staerkung Deutschlands - - - - - - 10
CIO-Schulungskurse fuer Spitzenfunktionaere - 12
Der Kampf gegen unzureichende Frauenloehne - - 13
Praesident Truman spricht der Bekleidungsarbeitergewerkschaft des CIO seine Anerkennung
aus - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 4
Arbeiterschaft und Kalter Krieg
-------14
Spitzengehaelter in der amerikanischen Stahlindustrie - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 6

DIE LCEHNE IN DER AFRIKANISCHEN DAMEN Cß ERB EKLE IDUNGSINDUSTRIE
In elf von zwoelf Zentren der U.S.-Bekleidungsindustrie betragen
die durchschnittlichen Stundenloehne der Arbeiter in der Damenmaentelund -kostuemherstellung mehr als 1.50 Dollar. (Bei dieser Feststellung
sind nur Betriebe mit mehr als acht Arbeitskraeften beruecksichtigt).
Die Stundenloehne variieren im Durchschnitt zwischen 1.17 Dollar (in
Kansas City) und 2.60 Dollar (in Los Angeles). New York und Chikago
mit Druchrchnittstarifen von 2.27 bzw. 2.05 Dollar sind ausser Los
Angeles die einzigen Staedte, in denen die durchschnittlichen Stundenloehne zwei Dollar ueberschreiten. Ueberstunden und Nachtarbeit sind
in diesen Ziffern nicht beruecksichtigt.
Maenner, die fast die Haelfte aller Arbeitskraefte ausmachen,
verdienen wesentlich mehr als Frauen. In elf Staedten liegen die Unterschiede in den Stundenloehnen fuer Maenner und Frauen zwischen 52 Cents
- 1-

�(Baltimore) und 1.45 Dollar (Los Angeles). In Kansas City mit dem
kleinsten Prozentsatz an maennlichen Arbeitskraeften (15%) verdienen
diese im Durchschnitt 22 Cents mehr in der Stunde als Frauen. In
neun von zwoelf der Erhebung zugrundegelegten Staedten belaufen sich
die durchschnittlichen Stundenloehne fuer Maenner im Schnitt auf mindestens 2 Dollar; an Frauen dagegen werden in sieben Staedten durchschnittliche Stundenloehne in Hoehe von 1.50 Dollar oder mehr gezahlt,
sie sind jedoch in keiner Stadt hoeher als 1.95 Dollar.
Fast 40% der Betriebsangehoerigen in den Erhebungsstaedten sind
Maschinennaeher und -naeherinnen. Diese werden wiederum in zwei Hauptgruppen unterteilt. Die erste Gruppe verrichtet typische Fliessbandarbeit, d.h. jede Arbeitskraft ist auf eine bestimmte Taetigkeit spezialisiert; die Maschinennaeher der zweiten Gruppe hingegen erledigen
mehrere Arbeitsgaenge hintereinander. Die Stundenloehne der letzteren
Gruppe liegen mit Ausnahme von Kansas City in allen Staedten, in denen
die Erhebung durchgefuehrt wurde, unter 2 Dollar, so in Paterson, New
Jersey, 1.67 Dollar und in Newark-Jersey City 1.99 Dollar. In den
anderen Staedten, wie San Franzisko und Los Angeles, belaufen sich die
Durohschnittsstundenloehne auf 2.10 bzw. 3.29 Dollar. Die Loehne der
typischen Fliessbandarbeitskraefte dagegen liegen in den Staedten, in
denen es beide Arten des Maschinennaehers gibt, um Betraege von 5 Cents
bis zu 1.24 Dollar unter den Stundenloehnen der Einzelarbeiter. (St.
Louis 1.23 Dollar, Los Angeles 2.29 Dollar).
In der Haelfte der Bezirke, die in dieser Erhebung beruecksichtigt
sind, verdienen die Handnaeher (Fertignaeher), die die zahlenmaessig
groesste Einzelgruppe in dieser Industrie bilden, 1.50 Dollar je Stunde
und mehr. Die niedrigsten Loehne werden diesen Arbeitskraeften in
Kansas City (1.04 Dollar) und in St. Louis (1.17 Dollar) gezahlt, waehrend sie in Los Angeles und New York Hoechsttarife von 2.02 bzw. 2.13
Dollar beziehen.
In der Gruppe der Zuschneider (AufZeichner und Ausschneider) und
Buegler (Buegler und Presser), in der in erster Linie maennliche Arbeitskraefte taetig sind, finden sich die bestbezahltesten dieser Industrie. In neun von 12 Staedten ueberschreitet der Stundenlohn der
Zuschneider den Betrag von 2 Dollar, sie bewegen sich in allen Zentren
zwischen 1.56 Dollar in Kansas City und 3.34 Dollar in Los Angeles.
In sechs von elf Staedten' sind die Loehne fuer Handbuegler und in neun
von elf Staedten die Loehne fuer Maschinenbuegler (Presser) hoeher als
2.00 Dollar. Fuer Arbeiter, die sowohl mit der Hand als auch mit der
Maschine buegeln, liegen sie in neun von zehn Staedten über dieser
Grenze. In vier von neun Erhebungsstaedten, in denen es alle drei Arten der Bueglertaetigkeit gibt, erhaelt die dritte Gruppe die hoechsten
Durchschnittsloehne.

Die Stundenloehne der Fadenzieherinnen sind in allen Staedten (ausser in Kansas City) die niedrigsten saemtlicher Berufsgruppen der Damenoberbekleidungsindustrie. Sie bewegen sich zwischen 66 Cents (St. Louis!
und 1.19 Dollar (in Newark-Jersey City).
Von den 61.000 Arbeitern, die In der Damenmaentel- und -kostuemeindustrie in den 12 Erhebungsstaedten taetig sind, arbeiten 37.000 in
New York und 9.000 in den angrenzenden Gebieten von Newark-Jersey City
und Paterson. In New York liegen die Stundenloehne saemtlicher Berufsgruppen dieser Industrie mit Ausnahme der Fadenzieherinnen, die durchschnittlich 98 Cents verdienen, ueber dem 2 Dollar-Stundenlohneatz.
Grundsaetzlich werden in New York in Privatbetrieben hoehere Loehne
gezahlt als in Vertragsfirmen. Die Durchschnittsloehne der Arbeiter,
die bei Vertragsfirmen in Newark-Jersey City und Paterson beschaeftigt
sind, liegen im allgemeinen unter denen der Arbeiter, die bei Vertragsfirmen der Stadt New York taetig sind. Was die anderen Erhebungsstaedte
betrifft, so werden in Los Angeles die hoechsten und in Kansas City
die niedrigsten Loehne gezahlt.
- 2 -

�Ein Vergleich der Loehne von 1949 mit denen des Jahres 1946 ergibt, dass sie sich bei der Haelfte der zwoelf Staedte um ueber 10%
durchschnittlich erhoeht haben. Ein leichtes Absinken der Loehne,
das in einer der Staedte festgestellt wurde, bedeutet nicht, dass die
Lohntarife gesenkt wurden, sondern ist wahrscheinlich auf Veraenderungen des Arbeitsganges und aehnliche andere Faktoren als Folge des
Leistungsprinzips in der Bezahlung zurueckzufuehren.
Der weitaus groesste Teil der Bekleidungsarbeiter in den Erhebungsstaedten steht mit der Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft (AFL) unter Vertrag.
Gemaess den Bestimmungen der Gewerkschaftsvertraege leisten die
Unternehmer in den meisten Erhebungsstaedten finanzielle Zuwendungen,
die einen bestimmten Prozentsatz ihrer Lohnlisten ausmachen, an die
von den Gewerkschaften verwalteten Gesundheits- und Wohlfehrtskassen,
aus denen die Gewerkschaftsmitglieder Urlaubsgelder beziehen. Die Hoehe
dieser Zuwendungen und die Bedingungen, unter denen Urlaubsgelder gewaehrt werden, sind verschieden. In New York, Newark-Jersey City und
Paterson betragen die Zuwendungen der Unternehmer an die unter den Gewerkschaftsvertrag fallenden Arbeitskraefte 3 1/2% der woechentlichen
Iohnlistenbetraege. Arbeiter, die sechs Monate Gewerkschaftsmitglied
sind, haben Anspruch auf Urlaubsgeld. Nach einem Jahr Mitgliedschaft
erhalten sie je nach der Art ihrer Beschaeftigung Betraege zwischen
35 und 50 Dollar, in New York betraegt der Hoechstsatz 60 Dollar. In
einigen Staedten ist die Hoehe des Urlaubsgeldes von dem Jahresverdienst des Arbeiters abhaengig. Auch Krankenunterstuetzungen, Sterbegelder und Krankenhausgebuehren werden aus den Gesundheits- und Wohlfahrtskassen der Gewerkschaft gezahlt.
Monthly Labor Review
11/1950
EINE MILLION DOLLAR FUER DEN WERBEFELDZUG EINER AMERIKANISCHEN GEWEHRr-CHAFT
Auf dem 38. Jahreskongress der Amerikanischen Gewerkschaft der
StrumpfIndustriearbeiter, der kuerzlich in New York eroeffnet wurde,
wurde ein Werbefeldzug zur organisatorischen Erfassung der Arbeiter der
Strumpfindustrie des Suedens der USA angekuendigt, dessen Kosten sich
auf eine Million Dollar belaufen werden.
Alexander McKeown, der Vorsitzende dieser Gewerkschaft, erklaerte,
dass man sich zum Ziel gesetzt habe, mindestens ein Drittel der schaetzungsweise 30.000 nichtorganisierten Arbeiter der suedlichen Strumpfindustrien in die Gewerkschaft aufzunehmen. Er wies darauf hin, dass
die nFabriken des
Nordens, in denen hoehere Loehne gezahlt wuerden, es
als unmoeglichn bezeichneten, mit den Unternehmern des Suedens zu
konkurrieren. Es wurde an Hand von Statistiken nachgewiesen, dass in
den Fabriken des Suedens mehr als 52% saemtlicher Arbeiter der Strumpfindustrie beschaeftigt sind. Die fuer diese Organisationskampagne zur
Verfuegung gestellte eine Million Dollar stellt etwa 40% des Vermoegens dieser Gewerkschaft dar.
Die Gewerkschaft der Arbeiter der Strumpfindustrie, die gegenwaertig etwa 35.000 Mitglieder zaehlt, wurde im Jahre 1948 aus der Textilarbeitergewerkschaft Amerikas (CIO) ausgeschlossen, weil sie sich geweigert hatte, einen erhoehten Kopfbeitrag zu zahlen, der durch eine
Abstimmung der Textilarbeitergewerkschaft beschlossen war. Ueber eine
neue Bewerbung dieser Gewerkschaft um eine Wiederaufnahme in die AFL
ist bis Jetzt noch nicht entschieden worden.
Weekly Labor News Digest
17/V/1950
- 3-

�DIE ERSTE KONFERENZ DES EXEKUTIVAUSSCHUSSES DES ICFTU IN BRUESSEL
Die erste Konferenz seit der Gruendungskonferenz in London des
Exekutivausschusses des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften
fand, wie angekuendigt, vom 25. - 27. Mai in Bruessel statt.
Folgende Mitglieder oder ihre Stellvertreter waren anwesend:
Afrika: Guy Rozemont (Mauritius); Asien und Mittlerer Osten:
E. Kato (Japan), K. Hedayat (Iran) und Frau M. Kara (Indien); England: Arthur Deakin und Sir V. Tewson; Europa: Leon Jouhaux (Frankreich), Eiler Jensen (Daenemark), Anton Proksch (Oesterreich) und
Giulio Pastore (Italien); Latein-Amerika: Bernardo Ibanez (Chile),
Hiüolito Marcano (Portoriko); Nordamerika: George Meany und Eimer
Cope (USA), Pat Conroy und Sam Finlay (Kanada); Westindien: Robert
Bradshaw (St. Kitts).
Den Vorsitz fuehrte der Praesident Paul Finet (Belgien); der Generalsekretaer J. H. Oldenbroek war von Amts wegen Mitglied des Exekutivausschusses.
Nachdem der Bericht des Generalsekretaers besprochen worden war,
einigte man sich darueber, dass die einzige Moeglichkeit, mit der
reichhaltigen Tagesordnung fertig zu werden, darin bestand, dass man
sich in zwei Unterausschuesse teilte und gleichzeitig arbeitete. Der
eine Unterausschuss sollte sich mit organisatorischen und finanziellen
Problemen befassen, waehrend der andere die Aufgabe hatte, Fragen der
einzuschlagenden Politik zu besprechen. Die Ergebnisse dieser Diskussion wurden spaeter dem gesamten Exekutivausschuss berichtet. Die
BesDrechungen wurden natuerlich dadurch betraechtlich in die Laenge
gezogen, da einzelne Teilnehmer zu Punkten Stellung nahmen, die von
dem anderen Unterausschuss bearbeitet worden waren, an dessen Sitzungen sie nicht teilgenommen hatten.
Wie es in einer demokratischen Organisation nicht anders erwartet
werden kann, wurde eine umfassende Einstimmigkeit erst nach einem sehr
offenen Meinungsaustausch erzielt. Der Vorsitzende Paul Finet dankte .
den Delegierten fuer ihre Geduld, mit der sie die ausserordentlich
reichhaltige Tagesordnung erledigten, und erklaerte, dass der zeitweilig lebhafte Meinungsaustausch ein Beweis fuer die Aufrichtigkeit sei,
mit der sie ihre Verpflichtungen denen gegenueber einloesten, die sie
zu vertreten hatten. Im Namen des Exekutivausschusses dankte er dem
Generalsekretaer und dem Sekretariat fuer die schwere Arbeit, die sie
bei der Vorbereitung dieser Konferenz zu leisten hatten.
Es wird unvermeidlich sein, dass einige der in dieser Konferenz
des Exekutivausschüsses gefassten Beschluesse erst nach einiger Zeit
wirksam werden koennen. Andere Entscheidungen wiederum werden sehr
schnell zu verwirklichen sein. So wird z.B. das Abkommen, das der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften in bezug auf seine Haltung
zum Schuman-Plan getroffen hat, in allernaechster Zukunft zweifellos
zu gemeinsamen, internationalen Bemuehungen fuehren, um die Gewerkschaften bei der Festlegung der kuenftigen Wirtschaftspolitik in entscheidender Weise mitreden zu lassen. In eine demokratische Organisation die Einheit des Wollens zu bringen - nicht die vorgetaeuschte Einheit einer totalitaeren Einrichtung - ist keine leichte Aufgabe. Der
Exekutivausschuss hat jedoch bewiesen, dass es moeglich ist. Es kann
deshalb voller Zuversicht einer weiteren Staerkung des demokratischen
Gewerkschaftswesens, vor allem in den wirtschaftlich rueckstaendigen
Gebieten der Welt, entgegengesehen werden. Die Arbeiterschaft ist diesem Ziele einen grossen Schritt naehergekommen, das in der wirksamen
Beteiligung der Gewerkschaften an der Festlegung der Sozial- und Wirtschaftspolitik auf nationaler und internationaler Ebene besteht.
4 -

�Eine der bedeutendsten organisatorischen Fragen, die vom Exekutivausschuss behandelt wurden, war die der regionalen Organisation. Ein
diesbezueglicher, vom Sekretariat abgefasster Bericht zeigte auf, was
seit dem Beschluss des Londoner Kongresses unternommen worden war, der
die Errichtung regionaler Organisationen des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften in verschiedenen Gebieten der 7/elt vorsah. Das
Sekretariat hatte ausserdem einen ersten Entwurf ueber die Richtlinien
fuer die regionalen Sekretariate ausgearbeitet. In dieser Frage kam
der Exekutivausschuss zu folgendem Entschluss:
1.

Der Exekutivausschuss billigt die Einberufung einer regionalen Konferenz der Westlichen Hemisphaere fuer den Herbst 1950.
Der Generalsekretaer des ICFTÜ wird in Verbindung mit den in
Frage •kommenden nationalen Gewerkschaftszentren und dem Interamerikanischen Gewerkschaftsbund festlegen, zu welcher Zeit
und wo diese Konferenz stattfinden soll.

2.

Er beauftragt die Fern-Ost-Mission, sich mit allen Gesichtspunkten des Problems der regionalen Organisation in Asien zu
beschaeftigen und der naechsten Konferenz des Exekutivausschusses darueber zu berichten.

3.

Der Ausschuss beauftragt den Generalsekretaer, mit den nationalen Zentren in Europa zu besprechen, ob es ratsam sei, eine
regionale Konferenz fuer Europa einzuberufen, bejahendenfalls
die Vorbereitungen fuer eine solche Konferenz zu treffen.

4.

Der Exekutivausschuss stellt dem Notfall-Ausschuss die Aufgabe, den ersten Entwurf ueber die Richtlinien fuer regionale
Sekretariate zu ueberpruefen und dabei Vorschlaege und Abaenderungen in Betracht zu ziehen, die von Mitgliedern des Exekutivausschusses beantragt werden koennen.

Im Verlauf der Konferenz konnte der Generalsekretaer die Zusammensetzung der Delegation des ICFTU fuer den Fernen Osten bekanntgeben.
ürspruenglich sollte die Delegation aus vier Vertretern bestehen:
einem englischen, einem amerikanischen, einem skandinavischen und einem
Delegierten jener Gebiete, in die die Delegation geschickt werden soll.
Infolge zahlreicher technischer Schwierigkeiten musste die urspruengliche Zusammensetzung geaendert werden, und die Delegation wird nun aus
folgenden Mitgliedern bestehen: Gordon Chapman vom Amerikanischen Gewerkschaftsbund (AFL), John Brophy, CIO, und Fred Dalley vom Britischen
Gewerkschaftsbund TUC. Ein weiteres Mitglied wird nach Ruecksprache mit
den Gewerkschaftszentren Skandinaviens und Belgiens ernannt werden.
Die Delegation soll in Bruessel zusammenkommen und vor ihrer Abreise ihren Reiseplan und des bereits zur Verfuegung stehende Dokunentenmaterial ueberpruefen. Bei ihrer «nkunft im Fernen Osten wird sich ihr
das von den nationalen Gewerkschaften Asiens ernannte Mitglied anschliessen.
Man wird sich erinnern, dass eine Delegation als Vertreterin der
Internationalen berufssekretariate an der Konferenz des Notfall-Ausschusses des ICFTÜ teilgenommen hat und dass eine Zusammenarbeit zwischen dem ICFTU und den Internationalen Berufssekretariaten sowie eine
gegenseitige Vertretung der betreffenden Organisationen in ihren Konferenzen und amtierenden KoerperSchäften vereinbart wurde.
Diese Abkommen wurden in einer Vollkonferenz der Internationelen
berufssekretariate im Haag bestaetigt. Der Exekutivausschuss konnte
sie jetzt endgueltig ratifizieren, woraus sich ergibt, dass die Internationalen Berufssekretariate ihre Selbststaendigkeit beibehalten und
- 5-

�gleichzeitig mit dem ICFTU eine vereinigte internationale Gewerkschaftsbewegung bilden. Der Vorsitzende brachte die Genugtuung des Exekutivausschusses ueber dieses Abkommen zum Ausdruck und hiess die beiden
Vertreter der Internationalen Berufssekretariate, Omer Becu und M. C.
Bolle, willkommen, die daraufhin, wie vereinbart, an den Sitzungen
des Ausschusses teilnahmen.
Auch die Frage, wie stark die einzelnen Internationalen Berufssekretariate im Kongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften vertreten sein sollen, wurde geklaert. Danach entsenden die
Internationalen Berufssekretariate mit einer Mitgliederzahl bis zu
einer Million je 1 Delegierten, bei einer Mitgliedzahl, die zwischen
einer und drei Millionen liegt, zwei Delegierte und Berufssekretariate
mit mehr als drei Millionen Mitglieder dvei Delegierte. •
Im Verlauf der Konferenz traf ein Unterausschuss mit Delegierten
ftes Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer das Europaeische
Hilfsorogramm zusammen. Die Delegation setzte sich zusammen aus E.
Kupers, M. Bouladoux, Sir Vincent Tewson und Walter Schevenels.
Auf der Konferenz der Gewerkschaftsorganisationen der ERP-Teilnehmerstaaten in Rom war vereinbart, dass Vertreter des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses mit dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften die Frage eroertern sollten, ob der Internationale Bund Freier
Gewerkschaften die Verwaltung und Leitung des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses uebernehmen soll, der sein Verbindungsbuero in Paris
hat. Der Unterausschuss war uebereinstimmend der Meinung, dass der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften diese Funktionen uebernehmen
soll. Die Hauptfrage, die noch einer Erledigung bedurfte, war der Zeitpunkt, an dam dies geschehen soll.

Man wurde sich deshalb im Exekutiveusschuss darueber einig, dass
der Internationale Bund Freier Gewerkschaften die Funktionen des Verbindungsbueros des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses uebernehmen,
und dass diese Uebernahme moeglichst noch vor Ende dieses Jahres stattfinden soll. In der Zwischenzeit soll zwischen dem Sekretariat des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (ICFTU) und dem Verbindungs
buera des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses in Paris (TUAC) eine
moeglichst enge Zusammenarbeit durchgefuehrt werden.

Ein grosser Teil der Besprechungen ueber die Beziehungen zu den
Vereinten Nationen war der Eroeffnung eines Bueros des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften in New York gewidmet. Dies war im Prinzip
schon auf der Konferenz des Notfall-Ausschusses vereinbart worden. Der
Generalsekretaer nahm waehrend seines Besuches in den Vereinigten Staaten die Gelegenheit wahr, sich mit amerikanischen Gewerkschaftsfuehrern
ueber diese Frage zu unterhalten. Der Exekutivausschuss billigte die
bereits getroffenen Abmachungen, und man kam ueberein, dass der Internationale Bund Freier Gewerkschaften sein Buero in New York am 1.
Juli 1950 eroeffnen soll. Man erwartet, dass der Internationale Bund
Freier Gewerkschaften und der Internationale Transportarbeiterverband
die gleichen Bueroraeume in New York beziehen und gemeinsam arbeiten
werden. Hierzu bedarf es jedoch noch der endgueltigen Zustimmung des
Exekutivausschusses des Internationalen Transportarbeiterverbandes.
Man hofft ausserdem, dass sich andere internationale Berufssekretariate
an der Arbeit des New Yorker Bueros beteiligen v/erden, dessen Hauptaufgabe sein wird, die Beziehungen zu den Vereinten Nationen zu pflegen.
Ausserdem wird das New Yorker Buero fuer die V.'eltgewerkschaftsbewegung
in der westlichen Eemisphaere propagandistisch taetig sein.
Der Exekutivausschuss beschloss ausserdem, dass sich der Internationale Bund Freier Gewerkschaften an der Arbeit der Wirtschaftsau.^schuesse der Vereinten Nationen fuer Euroüa , Lateinamerika, Asien
und den Fernen Osten beteilie-en soll.
6

�Eine Reihe Gewerkschaftsorganisationen bewarben sich um die Mitgliedschaft im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften. Der Exekutivausschuss gab in diesem Zusammenhang nach eingehender Beratung
folgende Erklaerung ab:
Der Exekutivausschuss ist bestrebt, die Zusammenfassung aller
freien Gewerkschaftskraefte im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften in jedem Lande zu foerdern. Er begruesst deshalb die eingegangenen Bewerbungen und schlaegt die Aufnahme folgender Organisationen vor:
1. Union de Trabajadores de Colombia (Kolumbianischer Gewerkschaftsbund)
2. Confederacion nacional de Trabajadores (Mexikanischer Gewerkschaf tsb und)
3. New Zealand Föderation of Labour (Neuseelaendischer Gewerkschaftsbund) .
Bei der Behandlung der Bewerbung des italienischen Gewerkschaftsbundes Unione Italian'a del Lavoro, der erst kuerzlich gegruendet wurde,
beschloss der Exekutivausschuss, die Entscheidung ueber die Aufnahme
dieser Organisation bis zur naechsten Konferenz zu vertagen. Der Generalsekretaer wurde beauftragt, Erkundigungen und Beobachtungen Aber
die gewerkschaftliche Entwicklung in Italien anzustellen, um der naechsten Konferenz des Exekutivausschusses einen umfassenden Bericht vorlegen zu koennen.
Es laß weiter ein Bericht ueber die vom ICFTU einberufene Konferenz in Duesseldorf vor, auf deren Tagesordnung das Ruhrproblem und
die Neuordnung der Schwarindustrien Westeuropas standen. Auf der
Duesseldorfer Konferenz waren zwei Entschliessungen gefasst worden,
deren eine den Schuman-Plan zum Gegenstand hatte, waehrend in der
anderen zum Ruhrproblem und der europaeischen Schwerindustrie Stellung genommen wurde. Der Exekutivausschuss des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften gab zu den Ergebnissen der Duesseldorfer Konferenz folgende Erklaerung ab:
Der Exekutivausschuss des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften befuerwortet und bestaetigt die in der Resolution zur Neuordnung der Ruhrindustrie und zur Bildung einer europaeischen Behoerde
fuer die Schwerindustrien zum Ausdruck gebrachten Grundsaetze. Im
Zusammenhang mit der Resolution zum Schuman-Plan
1.

erklaert er, dass die freien Gewerkschaften an einer rationalen Organisation der Schwerindustrie Westeuropas lebhaft
interessiert sind,

2.

fordert er eine angemessene Vertretung der freien Gewerkschaften in allen nationalen und internationalen Diskussionen, in
denen die Richtlinien und Einzelheiten zum Schuman-Plan ausgearbeitet werden,

3.

ernennt er einen Ausschuss, dem Vertreter der nationalen Gewerkschaftszentren und der an dieser Frage unmittelbar interessierten Internationale Berufssekretariate angehoeren, der
den Inhalt des Schuman-Planes im einzelnen ueberpruefen und
die Stellungnahme des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften zu diesem Flan formulieren soll.

Auf ein briefliches Ersuchen des Oesterreichischen Gewerkschaftsbundes hin befasste sich der Exekutivausschuss mit der Lage in Oesterreich und nahm folgende Entschliessung an:
Der Exekutivausschuss bestaetigt die Erklaerung des Notfall-Ausschusses zur Lage in Oesterreich, in der die Forderung der oesterreichischen Gewerkschaften auf sofortige Zurueckziehung saemtlicher Be- 7-

�satzungstrupoen und auf Wiederherstellung seiner Selbstaendigkeit
durch den Abschluss eines Staatsvertrages unterstuetzt wurde. Er ernennt eine Kommission, die Oesterreich in naechster Zukunft besuchen
und die Verhaeltnisse in diesem Lande pruefen Wird, die sich durch das
NichtZustandekommen eines Staatsvertrags ergeben haben.
Nach einer laengeren Aussprache ueber den vom Sekretariat ausgearbeiteten Bericht ueber Arbeitererziehung beschloss der Exekutivausschuss, es dem Notfall-Ausschuss zu ueberlassen, das Datum fuer die
vorgeschlagene internationale Gewerkschaftskonferenz ueber Erziehungsfragen festzulegen. Ausserdem soll der Notfall-Ausschuss nach Erhalt
weiterer vom Sekretariat eingeholter Informationen entscheiden, ob
eine einzige weltweite Konferenz oder eine Reihe regionaler Konferenzen ueber Erziehungsfragen abgehalten werden sollen.
Weiter beschloss der Exekutivausschuss, dass der Internationale
Bund Freier Gewerkschaften auf der Konferenz der UNESCO in Florenz vertreten sein soll.
In bezug auf den Vorschlag geeignete Ausbildungsmoeglichkeiten,
u.a. zwei Gewerkschaftsschulen im Fernen Osten zu schaffen, beauftragte
der Exekutivausschuss die Delegation des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften fuer Asien und den Fernen Osten, genauer diese Moeglichkeiten zu ueberpruefen und der naechsten Konferenz des Exekutivausschusses einen endgueltigen Vorschlag zu unterbreiten.
Auf Ersuchen des Schwedischen Gewerkschaftsbundes befasste sich
der Exekutivausschuss mit der Frage der Organisation der freiberuflich
Taetigen und der Techniker. Man beschloss, einen Sonderausschuss zu
bilden, der sich aus Vertretern der nationalen Gewerkschaftszentren
und der betreffenden Berufssekretaritte zusammensetzt, der dieses Problem studieren soll. In einem Bericht soll dieser Ausschuss seine
Feststellungen und Empfehlungen dem Exekutivausschuss in seiner nächsten Konferenz unterbreiten.

Der Exekutivausschuss kam ueberein, seine naechste Konferenz im
Oktober oder November 1950 abzuhalten. Nach einigen Diskussionen wurde
vereinbart, den angeschlossenen Organisationen vorzuschlagen, :inen Vollkongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften im Sommer 1951
abzuhalten.
Information Bulletin des
Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften
VI/1950
CIO FORDERT MASSNAHMEN ZUR BEKAEMPFUNG DER ARBEITSLOSIGKEIT
Zu der Zeit, als dieses Programm des CIO verkuendet wurde, zeigte der
Bericht des US Statistischen Amtes von Mitte Mai, dass die Arbeitslosenziffer seit Mitte April um 500.000 zurueckgegangen und damit
auf 3.057.000, der niedrigsten Zahl seit April 1949, gesunken war.
Die Zahl der Erwerbstaetigen stieg von Mitte April bis Mitte Mai um
1.060.000 auf schaetzungsweise insgesamt 59.731.000 an. Dies ist
die hoechste Beschaeftigtenziffer seit August 1949. Sie liegt um
etwa 3.000.000 ueber dem saisonbedingten Tiefstand von Januar und
Februar. Die Zahl der nicht in der Landwirtschaft Beschaeftigten hat
den Stand aus dem Rekordjahr 1948 wieder erreicht; trotz der vermehrten Beschaeftigungsmoeglichkeiten ist es jedoch noch nicht gelungen,
die dem Arbeitsraarkt neu hinzugekommenen jungen Arbeitskraefte restlos zu beschaeftigen.
Philip Murray, der Praesident des CIO, sandte vor einiger Zeit an
den US Vizepraesidenten Alben W. Barkley, den Vorsitzenden der Demokra8 -

�tischen Partei im Senat, Scott Lucas, den Vorsitzenden der Demokratischen Partei im Repraesentantenhaus, John McCormick, und an den
Sprecher des Repräsentantenhauses, Sam Rayburn, folgendes Schreiben:
"Der CIO stellt mit wachsender Besorgnis fest, dass die Arbeitslosigkeit in vielen Gebieten der Vereinigten Staaten beunruhigende
Ausmasse angenommen hat. In ueber 40 Bezirken der Vereinigten Staaten
zaehlen die Arbeitslosen mehr als 12% aller Beschaeftigten. In mehr
als 80 Staedten hat die Arbeitslosenziffer 7 bis 12% der Beschaeftigtenzahl erreicht. Hierzu gehoeren die meisten groesseren Staedte der
Vereinigten Staaten, wie Boston, New-York, Philadelphia, Pittsburgh,
Detroit, St. Louis, Cincinnati, Cleveland, Baltimore, Los Angeles, San
Franzisko und viele andere. In nahezu 120 Staedten der Vereinigten
Staaten liegt das prozentuale Verhaeltnis der Arbeitslosenziffer zur
Zahl der Beschaeftigten ueber dem durchschnittlichen Prozentsatz.
"Es muss etwas unternommen werden zur Unterstuetzung dieser Arbeiter, die zum grossen Teil sohon lange arbeitslos sind. Der Praesident der Vereinigten Staaten hat bereits eine Botschaft ueber die Unterstuetzung der Arbeitslosen an den Kongress gesandt. Der CIO schliesst
sich dem Inhalt dieser Botschaft an und fordert den Kongress auf, unverzueglich die Unterstuetzung der Arbeitslosen zu erhoehen sowie den
Zeitraum, f-uer die sie gezahlt werden, zu verlaengern. Darueberhinaus
lege ich dem Kongress nahe, zur Unterstuetzung dieser in Not geratenen
Bezirke folgende Massnahmen zu ergreifen:
"1. Verlaengerung des Zeitraums, fuer den ArbeitsTosenunterstuetzungen gezahlt wird und zwar fuer Arbeiter jener Bezirke, in denen
eine Arbeitslosigkeit von 9% üeber 26 Wochen angedauert hat. Dadurch
koennen erwerbslose Arbeiter, denen es ohne eigenes Verschulden
nicht moeglich war, eine geeignete Beschaeftigung zu finden, weiterhin Arbeitslosenunterstuetzung beziehen.
n

2 . Erlass einer Notverordnung zur Aufnahme oeffentlicher Arbeifen. Die eingebrachte Gesetzesvorlage sieht einen Reservefonds fuer
Notfaelle in Hoehe von 1.800.000.000 Dollar vor, den der Praesident
einmal verwenden koennte, um verschiedene Vorhaben fuer oeffentliche
Arbeiten zu beschleunigen, zum andern, um Staaten und Gemeinden direkte
Kredite zu geben, mit denen sie selbst Arbeiten zur Behebung der Erwerbslosigkeit einleiten koennten.
"3. Wiedererrichtung der zivilen Hilfsdienste (Civilian Conservation Corps), wie sie in der Gesetzesvorlage Nr. 7463 des Repraesentantenhauses und der Vorlage Nr. 3144 des Senats vorgeschlagen wurden.
"Kit diesen drei Massnahmen kann die Lage sofort verbessert werden, in der sich jene Bezirke befinden, wo die Arbeitslosigkeit 7
bi=: 9$ ueberschritten hat. Ausser dem Erlass dieser Notverordnungen
muss das gesamte Programm des Fair Deal verwirklicht werden, wenn allen
unseren Arbeitern Beschaeftigungsmoeglichkeiten geboten werden sollen.
Mit Ruecksicht auf die ernste gegenwaertige Lage in bestimmten Bezirken
bitte ich Sie, diese Notmassnahmen sofort zu ergreifen.
"Wenn e3 uns nicht gelingt, den zahlreichen Bezirken mit hohen
Arbeitslosenziffern sofort zu helfen, wird dieses Problem bis zum Sommer und fruehen Herbst bedenkliche Ausmasse angenommen haben.
"Bei einer groesseren Arbeitslosigkeit in unserem Lande wird es
sehr schwer sein, unsere Aussenpolitik erfolgreich fortzusetzen und die
Vorteile der technischen Entwicklung dem amerikanischen Volke zugutekoimen zu lassen. Deshalb ist es dringend notwendig, etwas zur Unterstuetzung der 120 Bezirke zu tun, in denen die Arbeitslosigkeit einen
Stand von mehr als 7% erreicht hat.»
Mitteilung des CIO
IV/1950
- 9-

�AFL FORDERT STAERKUNG DEUTSCHLANDS
Per Exekutivrat des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL stellte
die Forderung, dass den deutschen und den anderen europaeischen Gewerkschaften in der Union der westeuropaeischen Kohle- und Stahlindustrie,
ueber die Aussenminister Acheson und die Aussenminister Frankreichs
und Englands beraten, eine Stimme gewaehrt wird.
Der Exekutivrat forderte ausserdem eine weitgehende Unterstuetzung und Staerkung der demokratischen Kraefte in Deutschland, um damit
allen kommunistischen Versuchen, Westdeutschland propagandistisch zu
erobern und es dann als Sprungbrett fuer die Beherrschung des uebrigen
Europas zu benutzen, einen Riegel vorzuschieben.
In bezug auf andere aussenpolitische Massnahmen forderte der Exekutivrat die in London zusammenkommenden Aussenminister auf, geeignete
Schritte zu unternehmen, um einen suedostasiatischen Verteidigungspakt,
aehnlich dem Atlantikpakt, zustandezubringen; er billigte die wirtschaftliche Unterstuetzung Jugoslawiens unter dem Regime Marschall
Titos.
Die Erklaerung zur "Krise in, Europa - Programm fuer Deutschland"
hat folgenden Wortlaut:
Oberste Voraussetzung fuer die Erhaltung des Friedens in Luropti
ist die endgueltige Abwehr aller kommunistischen Versuche, Westdeutschland in seinen Bjesitz zu bringen und damit die Sowjetherrschaft bis zu
einem Punkte auszudehnen, von dem aus die russische Willkuerherrschaft
Frankreich, Belgien, Holland und den uebrigen Kontinent erobern kann.
In diesem Zusammenhang ist es vor allem erforderlich, dass die
Vereinigten Staaten und seine demokratischen Verbuendeten Deutschland
gegenueber jegliche Politik fallen lassen, die eine Wiederholung des
Zweiten Weltkrieges zur Folge haben koennte. Heute ist es nicht die
deutsche Aggression, die die Sicherheit V/esteuropas und den Frieden und
Fortschritt der Welt bedroht, sondern es sind 175 bereitstehende russische Divisionen, von einer ungeheuren Luftwaffe und einem enormen
Reservoir an Arbeitern unterstuetzt, die von einem totalitaeren Regime,
das nach der Weltherrschaft strebt, ruecksichtslos ausgebeutet werden.
Der sowjetische Imperialismus verfolgt mit verdoppelter Energie
seine Plaene, das gesamte Deutschland in seine Gewalt zu bringen. Er
versucht, durch zeitweilige Blockaden, terroristische Demonstrationen
und bewaffnete Invasionen Berlin zu erobern. Moskau hat eine intensive
Propagandakampagne gestartet, die sich in erster Linie an alle antidemokratischen Kraefte wendet - fruehere Nazigrössen, ehemalige Offiziere
der Wehrmacht und die Kohlenmagnaten und Stahlbarone der Ruhr, die
Kitlers Machtergreifung und sein Kriegsprogramm finanzierten. Diesen
Feinden menschlicher Freiheit und Anstaendigkeit gaukeln die russischen
Kriegslords nun grossartige Versprechen sogenannter nationaler Einheit
und verlockender wirtschaftlicher Absatzmoeglichkeiten fuer die Erzeugnisse der westdeutschen Schwerindustrie vor.
Angesichts dieser verhaengnisvollen Entwicklung schlaegt der Exekutive t vor, dass die demokratischen Nationen ihre Deutschlandpolitik
einer eingehenden Ueberpruefung unterziehen, sie den neuen Verhaeltnissen anpassen und sie dann abaendern, wenn sie sich als nicht laenger
vertretbar erwiesen hat. "Wenn eine grundlegende Revision der Politik
Westdeutschland gegenueber vorgeschlagen wird, sollen natuerlich nicht
die grossen, bereits erzielten Erfolge, wie wirtschaftlicher Wiedereufbau, Wachsen der Gewerkschaftsbewegung und die Errichtung einer deutschen Bundesrepublik vergessen oder geschmaelert werden.
- 10 -

�Der Exekutivrat bringt ausserdem dem Hohen Kommissar John J.
"cCloy gegenueber seine Anerkennung darüeber zum Ausdruck, dass er
die Suspendierung der Gesetze ueber das Mitbestimmungsrecht in Hessen
und Wuerttemberg-Baden aufgehoben und das reaktionaere Beamtengesetz
sowie die Steuerprogramme blockiert hat. Es muss jedoch noch viel
getan werden, bevor die Demokratie in Deutschland gesichert ist.
In diesem Sinne sollte die Politik der Alliierten in Deutschland darauf ausgerichtet sein, die demokratischen Elemente - und besonders die Gewerkschaften - zu staerken und den gefaehrlichen Manifestationen des Chauvinismus, des Antisemitismus, des Nazismus und
der totalitaeren Methoden ein Ende zu machen.
Den Interessen der europaeischen Demokratie und Sicherheit wird
weit mehr gedient sein, wenn die Vorbedingungen zu diesen Uebeln beseitigt werden, nicht jedoch die Bonner Verfassung von Zeit zu Zeit
d?m Vetorecht der Alliierten Hohen Kommission unterstellt wird, um
schwerwiegende Fehler wiedergutzumachen. Ausserdem schwaecht die
Methode, sich mit unangenehmen Folgen zu befassen, anstatt ihre Ursachen zu beheben, die Entwicklung einer gesunden, unabhaengigen und
demokratischen Autoritaet in Deutschland.
Angesichts dieser schweren internationalen Krise und der dringenden Notwendigkeit, die bereits erzielten Erfolge zu festigen und die
Grundlagen der Demokratie in Deutschland zu staerken, damit sie ihren
nicht unbedeutenden Beitrag zur Erhaltung der Freiheit und des Friedens
leisten kann, schlaegt der Exekutivrat der US-Regierung folgendös vor:
1. Alle Demontagearbeiten muessen eingestellt werden. Alle Bestimmungen, die die Wirtschaftstaetigkeit einschraenken, wie die Beschraenkung der Stahlproduktion und des Schiffbaus, muessen aufgehoben
werden. Dies ist umso dringlicher, als das Arbeitslosenproblem in
Y/estdeutschland immer schwerwiegender wird.
£. Bis zu der Zeit, da das deutsche Volk selbst die volle Verantwortlichkeit und die Macht uebernehmen wird, muss das Kontrollratsgesetz Nr. 75 unveraendert in Kraft bleiben. Den deutschen Gewerkschaften muss eine Vertretung im Treuhaenderrat der Kohleindustrie gewaehrt werden, wie es bereits im Treuhaenderrat der Stahlindustrie der
Fall ist. Dieses Gesetz hat, obwohl es mit einigen Fehlern behaftet
ist, den frueheren gigantischen Machteinfluss der Industrie- und Finanzmagnaten in Schach gehalten, die den Nazis zur Macht verhalfen und
Hitlers Terror und Kriegsmaschinerie finanzierten. Dieses Gesetz darf
nicht in einer V/eiste abgeaendert werden, die das Erreichte unterminieren oder zunichte machen koennte. M n e derartige Revision wuerde eine
Gefahr för die Freiheit und Sicherheit nicht nur des deutschen Volkes,
sondern auch der anderen Nationen Europas bedeuten.
3. Das Ruhrstatut muss grundlegend geaendert werden, damit es
seinen einseitigen Charakter verliert. Der Lebensstandard des deutschen Volkes muss von dessen eigenen Bemuehungen und Leistungen und
nicht von den einschraenkenden Bestimmungen oder grosszuegigen Gaben
und Unterstuetzungen anderer Maechte abhaengig sein. Ausserdem muss
die Ruhrbehoerde offiziell und grundsaetzlich nur als ein erster
Schritt zur Schaffung einer allgemeinen europaeischen Behoerde proklamiert werden, die befugt sein muss, eine aehnliche Kontrolle ueber die
Kohle-, Eisen- und Stahlindustrien Nordwesteuropas auszuueben. Gemaess
den Vorschlaegen des Internationalen Gewerkschaftskomitees fuer die
Ruhr muss den Gewerkschaften eine angemessene Vertretung in der Verwaltung des Ruhrstatuts und in allen anderen aehnlichen noch zu errichtenden Behoerden eingeraeumt werden.
4. Die Wirtschaft des deutschen Bundesgebietes muss in das westauropaeische Wirtschaftsleben im Rahmen der OEEC oder anderer inter- 11 -

�nationaler Organisationen, die auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit
aufgebaut sind, eingegliedert werden.
5. Die Vielzahl der Sicherheitsbehoerden in Westdeutschland,
die sich in ihren Funktionen gegenwaertig ueberschneiden, muessen
durch eine einzige Organisation ersetzt werden, die reine Sicherheitsfunktionen auszuueben hat.
6. Durch ein Abkommen mit der deutschen Bundesregierung muss
Frankreichs Versorgung mit Saarkohle gesichert werden, und zwar in einem Umfang wie Frankreich sie benoetigt. Als der traditionelle Traeger der Demokratie in Europa braucht und darf Frankreich nicht ein
undemokratisches Regime an der Saar aufziehen, um auf diese Weise
in den Besitz dieser &amp;ohle zu kommen.
7. Die deutsche Bundesrepublik muss als souveraener Staat anerkannt und in die Gemeinschaft der freien Nationen aufgenommen werden.
Dabei hat sie alle Verantwortlichkeiten und Pflichten zu teilen, aber
sie muss auch in den Genuss der Rechte und Vorteile einer solchen Vereinigung kommen. Es gibt keinen anderen Weg, um dem deutschen Volke
das Gefuehl der Solidaritaet mit den westlichen Demokratien zu geben,
und dafuer zu sorgen, dass alle russischen Manoever und Machenschaften
abgewiesen werden, die dieses Land zu einem sogenannten, neutralen
oder einfach zu einem neuen Satelliten der sowjetischen Willkuerherrschaft machen sollen.
8. Das jetzige Besatzungsstatut muss durch einen vorlaeufigen
Friedensvertrag ersetzt werden.
9.

Westberlin

muss ein Teil der deutschen Bundesrepublik sein.

10. Die Streitkraefte der Vereinigten Staaten und ihrer demokratischen Vefbuendeten werden gemaess den Bestimmungen des oben erwaehnten, von beiden Partnern gebilligten Friedensvertrages in Deutschland
bleiben muessen, um dieses Land in seinem Abwehrkampf gegen die russische Aggression und die kommunistischen Quislinguebergriffe auf seine
Souveraenitaet zu unterstuetzen.
w

Weekly News Service" der AFL
4020/V/1950

CIO-SCHULUNGSKURSE FUER SPITZENFUNKTICNAERE
In diesem Sommer werden unter der Schirmherrschaft der CIO, Referat Bildung und Forschung, in Zusammenarbeit mit den ClO-Vorstaenden
der einzelnen Staaten und den internationalen Gewerkschaften zwoelf
einwoechige Ausbildungskurse fuer solche Mitglieder des CIO abgehalten
werden, die berufen sind, Spitzenpositionen in der Gewerkschaft zu bekleiden.
Das Programm dieses Jahres, das das vierte dieser Art ist, wird
in der Rocky-Mountain-Schule (Estes Park, Colorado) im Juni beginnen
und bis zum Monat Oktober laufen.
Der fuer den 9.-15. Juli in Kimmswick vorgesehene Schulungskurs
fuer Fortgeschrittene, in dem die Ausbildung fuer das politische Aktionskomitee betont werden wird, stellt eine neue Entwicklung in dem
erweiterten Programm des CIO fuer diesen Sommer dar. Zugelassen werden
Mitglieder des CIO, die vorher an einem allgemeinen Funktionaerausbildungskurs teilgenommen haben. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt,
alle Schueler muessen als Delegierte ihrer Lokalgewerkschaften oder
ihrer Vorstaende kommen.
- 12 -

�Das Sommerschulprogramm steht unter der Leitung des Direktors x
des CIO-Referats fuer Erziehung, George Guernsey. Abgesehen von einigen Abweichungen, die durch die besonderen Verhaeltnisse in einzelnen Gewerkschaften in den verschiedenen Staaten bedingt sind, ist
das Programm im gründe fuer alle Schulen gleich.
Es sieht fuer den Vormittag Diskussionen ueber Gewerkschaftsgeschichte, Yollbeschaeftigung, wirtschaftliche und oeffentliche Beziehungen und aehnliche Themen vor, fuer den Nachmittag steht auf dem
Lehrplan "Studien an Hand praktischer Beispiele."
Waehrend dieser Zeit stellen die Schueler z.B.. Umfragen bei Bauern an, kommen dann zusammen und diskutieren die Ergebnisse dieser
Umfragen. Wichtig ist, dass die Lehrgangsteilnehmer ueber die Einzelheiten der Umfrage nicht zu den Bauern sprechen, sondern die Einstellung der Bauern zu bestimmten aufgeworfenen Fragen selbst herausfinden
sollen.
Allabendlich finden dann Diskussionen ueber wichtige ProgrammDunkte und Resolutionen des CIO statt, an denen im Dienste dieses Programms taetige CIO-Fuehreri_teilnehmen.
Philipp Murray, der Praesident des CIO, forderte die Lokalgewerkschaften und Vorstaende des CIO auf, sich dieses Programm zunutze zu .
machen, und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass "die Lehrgangsteilnehmer der CIO-Kurse all das, was sie gelernt haetten, in ihre
Lokalgewerkschaften mitnehmen moegen, um eine starke demokratische Gewerkschaftsbewegung aufzubauen, die notwendig ist, um ein starkes demokratisches Amerika zu schaffen."
The CIO News
V/1950
DER KAMPF GEGLN UNZUREICHENDE FRAUENLOLENE
Der CIO brachte in einer Erklaerung an den Kongre3s offen zum
Ausdruck, dass weibliche Arbeitskraefte die gleiche Bezahlung wie
maennliche Arbeiter verdienen, wenn sie die gleiche Arbeit leisten.
Frau Helen Blanchard vom Verband der Bekleidungsarbeiter (Amalgamated Clothing Workers) erklaerte vor dem Komitee fuer Arbeitsfragen
des Repräsentantenhauses:
"Die erwerbstaetige Frau verlangt nicht, bevorzugt behandelt zu
werden. Es ist lediglich ihr Wunsch, als wirklich gleichberechtigt
anerkannt zu werden.
"Das geringste, was der Kongress tun kann, ist die Beseitigung
der unhaltbaren Diskriminierungsmethoden gegen Frauen."
Frau Blanchard bezeichnete die Diskriminierung des Frauenlohnes
als eine Methode, die sich in bedenkliche.r Weise gegen die uebrige
Gesellschaft ausgewirkt habe.
Auch Praesident Joseph Beirne von der Gewerkschaft der Telefonarbeiter (CIO) forderte die Bewilligung der Gesetzesvorlage Nr. 1584
des Repräsentantenhauses, die den gleichen Lohn fuer weibliche wie
fuer maennliche Arbeitskraefte bei gleicher Leistung vorsieht. Auch
der Automobilarbeiterverband des CIO sprach sich fuer die Durchfuehrung dieser Gesetzesvorlage aus.
Beirne, dessen Gewerkschaft etwa ,20.000 erwerbstaetige Frauen
umfasst, berichtete, dass in der Telefonindustrie, bei voellig gleicher
- l^ -

�Arbeit, Unterschiede bei den Lonntarlfen fuer Maenner und Frauen bis zu
ZO Dollar fuer den Wochenlohn bestuenden.
In Baltimore z.B. zahle eine Telefongesellschaft fuer eine Arbeit, die mit Beschwerden der Teilnehmer und dem Einrichten neuer
Telefonanschluesse zu tun habe, einen woechentlichen Hoechstlohn von
90 Dollar fuer Maenner und nur 59 Dollar fuer Frauen.
Der einzige Unterschied in der Arbeit der Maenner und Frauen,
sa^te Beirne, bestehe darin, dass sich die Gesellschaft weigere, Frauen in die Wohnungen oder Bueros zu schicken, um dort die Beschwerden
der Teilnehmer entgegenzunehmen.
Der Praesident der Telefonarbeitergewerkschaft erklaerte ausserdem, er koenne nicht verstehen, warum der Kongress trotz staendiger
Fuersprache diese Gesetzesvorlage nicht bewillige. Die Vorlage sei
in den Jahren 1945, 1947 und 1949 eingereicht worden. Beirne sagte,
dass er fuenf Jahre lang ununterbrochen zu ihren Gunsten im Parlament
olaediert habe und dieser oder der naechste Kongress die Vorlage bewilligen koennte, ohne noch einmal die Fuersprache anzuhoeren.
Vorsitzender Tom Burke, ein Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO, und zugleich Abgeordneter, der ebenfalls diese Gesetzesvorlage befuerwortet, gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Vorlage
bewilligt wElrde.
Nach dem vorgeschlagenen Gesetz waere es eine unmoegliche Praxis,
wenn ein Unternehmer bei der Lohnzumessung Unterschiede auf Grund des
Geschlechts machte - es sei denn, die Bezahlung richtet sich nach einem
Berufsjahr - oder Verdienstsystem, in dem eine Diskriminierung des Frauenlohnes nicht vorgesehen ist.
The CIO News
ZIII/21/V/1950
PRAESIDENT TRUMAN SPRICHT DER BEKLEIDUNGSARBEITERGEWERKSCHAFT DES CIO
SEINE ANERKENNUNG AUS
,
In einem Schreiben an die Gewerkschaft der Bekleidungsarbeiter
(Amalgamated Clothing VVorkers) erklaerte Praesident Truman:
"Ihre Organisation, in der sich Menschen zahlreicher Rassen zusammengefunden haben, hat bewiesen, dass Maenner und Frauen, die guten
Willens sind, trotz der Verschiedenheit ihrer Herkunft und der kulturellen Stufe, auf der sie sich befinden, in gutem Einvernehmen miteinander leben koennen....
"Sie haben weit besser als viele andere Menschen und Organisationen erkannt, dass die sicherste Grundlage unserer demokratischen Lebensweise in einem hoeheren Lebensstandard, der Vollbeschaeftigung
und in Sozialeinrichtungen zum Wohle des ganzen Volkes zu suchen ist."
The CIO News
22/V/1950
ARBEITERSCHAFT UND KALTER KRIEG
. "Der Kampf um die Arbeiterschaft ist eine entscheidende Phase im
Kalten Krieg," erklaerte Philip M. Kaiser, der stellvertretende Arbeitsminist 3r, der fuer internationale Arbeitsangelegenheiten zustaendig
ist, als er Amerika verliess, um ar- einer Reihe Konferenzen in Europa
teilzunehmen.
- 14 -

�"Die Kommunisten werfen alles in diesen Kampf, um die Arbeiter
»uer sich zu gewinnen," sagte Kaiser. "Sie sind sich klar darueber,
lass sie mit der Herrschaft ueber die Arbeiter eine strategische Posi;ion in die Hand bekaemen, mit der sie ohne Einsatz der Roten Armee
Lhre Ziele verwirklichen koennten. Die Tschechoslowakei ist hierfuer
jin ausgezeichnetes Beispiel.
"Die Amerikaner sind ihren eigenen freien Gewerkschaften sehr viel
)ank schuldig," fuegte Kaiser hinzu. "Sie haben ohne Propagandarr.assnehlen aus sich heraus ihren freien Willen kundgetan, als sie sich mit
illen Mitteln fuer den Kalten Krieg zur Verfuegung stellten. Sie wislen, was Kommunismus fuer die Arbeiterschaft bedeutet, denn sie haben
.hn hier in den Vereinigten Staaten selbst kennengelernt. Sie haben
Lsrvorragende Arbeit geleistet, indem sie sich mit der Mitgliedschaft
[er freien Gewerkschaftsbewegungen im Ausland verbuendeten., Die freie
.rbeiterschaft der ganzen Welt ist sich trotz aller Luegen der Helferslelfer Moskaus einig."
Kaiser, der als Repraesentant der Regierung der Vereinigten Steaten
in der Konferenz des Exekutivausschusses des Internationalen Arbeitsamts in Genf teilnahm und Leiter der US-Delegation auf der Internationa.en Arbeitskonferenz ist, die am 7. Juni in Genf begann, sprach dem Interlationalen Arbeitsamt seine Anerkennung darueber aus, dass es ihm gelungen ist, Vertreter der Regierungen, der Unternehmer und der Gewerkschaften
n dem Bestreben zu vereinigen, bessere Arbeitsbedingungen fuer die 60
littfliedsstaaten zu entwickeln. "Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn
.ch RegierungsVertreter, Unternehmer und Arbeiter friedlich zusammeniitzen sehe, um Plaene fuer ein besseres Leben der Maenner und Frauen
er ganzen Welt zu entwerfen," sagte er.
An erster Stelle der Tagesordnung der 33. Jahreskonferenz des In.ernationalen Arbeitsamtes stand eine Diskussion ueber die Bedeutung der
Iteigerung der Produktionsleistung
fuer die Verbesserung der Lebensbedingungen auf der ganzen A:elt. Die Tagesordnung fuehrte ausserdem zu
Iroerterungen gewisser Probleme der Beziehungen zwischen Gewerkschaften
md Arbeitgebern, ueber die Frage des gleichen Lohnes fuer die gleiche
rbeit fuer Maenner und Frauen gelangte man zu den Problemen der Festetzung eines Mindestlohnes in der Landwirtschaft. Zu einer in Vorchlag gebrachten Empfehlung zur Berufsausbildung Erwachsener, wobei
ie Einreihung der Koerperbehinderten in den Arbeitsprozess ebenfalls
esprochen wurde, wird noch endgueltig Stellung genommen werden. Wenn
ie von der Konferenz gebilligt wird, wird das Prograx^m zur Berufsausildung an die Mitgliederstaaten zur entsprechenden Durchfuehrung weiergeleitet werden.
Auf einer Konferenz in Paris traf Kaiser mit dem Stab der US-3eraer fuer Arbeitsfragen mit den Beratern fuer Arbeitsfragen im Dienste
es Marshall-Planes aus Oesterreich, Belgien, Daenemark, Aegypten,
rankreich, Deutschland, Grossbritannien, Griechenland, Israel, Italien,
olland, Spanien und Schweden zusammen. Hier wurde vor allem die wirtchaftliche Lage der europaeischen Arbeiterschaft und der Anteil der
ewerkschaften am Kampf gegen den Kommunismus besprochen.
Kaiser wurde von Arnold Zempel, dem Direktor des Bueros fuer InterQtionale Angelegenheiten im US-Arbeitsministerium, und von Edward B.
ersons, dem Direktor der ILO-Abteilung dieses Bueros, begleitet. Cleon
. Swayzee, der Berater fuer Arbeitsfragen im Amt des stellvertretenden
irtschaftsministers, und L. Wendell Hayes vom Aussenministerium, Amt
uer Wirtschafts- und Sozialangelegenheiten der Vereinten Nationen, weren Mr. Kaiser auf den ILO-Konferenzen in Genf beratend zur Seite stehen.
Weitere Teilnehmer an diesen Konferenzen sind: George Philip Dela3y, der internationale Repraesentant der AFL und Mitglied des acht Mann
barken Exekutivausschusses des ILO; Charles P. McCormick, der Praesi3nt der McCormick-Gesellschaft in Baltimore (Maryland), einer der acht
iternehmervertreter in dem gleichen Ausschuss.
Mitteilung des US-Arbeitsministeriums
VI/1950
- 15 -

�SPITZSNGEHAELT-R IN DER AMERIKANISCHEN STAHLINDUSTRIE
Berichte, die bei der "Securities and Exchange Commission" (Kommission der amerikanischen Regierung fuer Wertpapiere und Boersentaetigkeit) vorliegen, zeigen, dass sich die Gehaeiter der drei obersten
Vorstandsmitglieder der United States Steel Corporation im Jahre 1949
auf insgesamt 538.400 Dollar beliefen.
Praesident Benjamin Fairless bezog ein Gehalt von 211.000 Dollar,
der Vorstandsvorsitzende Irving S. Olds 164.200 Dollar und der Vorsitzende des Finanzausschusses Enders 'M. Voorhees 163.200 Dollar.
Die Curtis Publishing Company zahlte ihrem Vorstandsvorsitzenden
W. D. Füller 101.938 Dollar und Ben Hibbs, dem Herausgeber der gewerkschaftsfeindlichen "Saturday Evening Post," 101.923 Dollar.
"Weekly News Service" der AFL
2040/V/1950
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HIC0G
APO 757

KICCG 8-1125 L 1 B Jul/ 50 14 C

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

II - 16

Frankfurt, 23. Juni 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Arbeiterbildungsmassnahmen der«amerikanischen
Universitaeten - - - - - - - - - - - - - l
Sozial-Attachds - - - - - - - - - - - - - - 7
IAA-Vorschlaege zur Steigerung der Weltproduktivitaet
---_
13
IAA im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit - - - 15
Das Vermoegen der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter (AFL) - - - - - - - - - 1 5
Weitere Verluste des Weltgewerkschaftsbundes - 16
Organisationserfolge der Textilarbeitergewerkschaft - - - - - - - - - - - - - - - - - - 16

Caroline F. Ware:
ARBSITERBILDUNGSMASSNAHMEN DER AMERIKANISCHEN UNIVERSITAETEN
Die Streitigkeiten ueber den Arbeiterbildungsdienst der Universitaet Michigan, die mit seiner Aufloesung endeten, haben die Frage in
den Vordergrund gerueckt, welche Rolle die Universitaeten im Arbeiterbildungswesen zu spielen haben, Dieser Streitfall gibt daher Veranlassung, ueber das Problem nachzudenken, wie weit die ArbeiterbildungsDrogra'"T» der Universitaeten sich heute bereits durchgesetzt haben,
und wie sie sich weiter entwickeln werden. Die Beschaeftigung mit
diesen Fragen ist deshalb besonders wichtig, weil man mehr und mehr
von einem staatlich unterstuetzten Arbeiterbildungsdienst der Universitaeten sprechen kann.
Der Amerikanische Arbeiterbildungsdienst (umerican Labor Education Service) hat, um sica einen Ueberblick Ober die neueste Entwicklung der Universitaetsprogramme in der Frage der Arbeiterbildung verschaffen zu koennen, im Sommer 1943 alle Universitaeten und hoeheren
Schulen befragt, die in seiner Erhebung von 1946 ("Arbeiterbildung an
Universitaeten", von Caroline F. Ware im Amerikanischen Arbeiterbildungsdienst) beruecksichtigt worden waren. Er hat sich ausserdem mit
jenen Instituten in Verbindung gesetzt, von denen man wusste, dass
sie in der Zwischenzeit solche Programme eingefuehrt hatten. Im
Herbst 194B wurde erneut statistisches Material von einigen anderen
- 1-

�Universitaeten und den verschiedenen Gewerkschaften beschafft. Aus
dieser Studie und weiteren Untersuchungen ergibt sich ein Bild ueber
den gegenwaertigen Stand der Arbeiterbildung an den US-Universitaeten.
Mit Ausnahme der Vorkommnisse an der Michigan-Universitaet und
einem oder zwei weiteren unbedeutenden Programmen, die fallen gelassen
wurden, sind die seit 1945-1946 bestehenden Bildungsprogramme ohne
grosse Unterschiede staendig forgesetzt worden. Jene Programme, die
sich im Jahre 1945 noch im Versuchsstadium befanden, waren 1948 bereits
fe3t verankert. An den meisten Universitaeten, ueber deren Arbeiterbildungsarbeit bereits in der ersten Erhebung berichtet wurde, laufen
heute Programme aehnlicher Art, wobei diese entweder innerhalb oder
ausserhalb der Universitaet durchgefuehrt werden, zum Teil auch in
besonderen Instituten.
Eine Reihe Universitaeten, die schon frueher die Absicht hatten,
Arbeiterbildungskurse einzufuehren, sind im Verlauf der letzten drei
Jahre auf diesem Gebiet erstmals taetig geworden. Unter den Programmen, die geplant waren und nach und nach auch zur Ausfuehrung gelangten, sind besonders die des Roosevelt-College in Chicago sowie der
Universitaeten in Illinois und Kalifornien hervorzuheben. Die Universitaeten Alabama, New Hampshire, Utah und das Marshall-College in
Westvirginien haben kleinere Programme nach bereits festgelegten
Plaenen in Angriff genommen. Andere Institute, wie Antioch, Colby
und die Universitaeten in Colorado und Denver, sind noch nicht ueber
das Planungsstadium hinausgekommen.
Jedoch sind einige neue Programme in Erscheinung getreten. NewJersey gehoert seit 1947 zu den Staaten, die sich fuer eine Unterstuetzung der Kurse aus oeffentlichen Mitteln ausgesprochen haben. Dieser
Staat hat in Rutgers das bekannte Institut fuer die Pflege der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern errichtet, zu dem im
ganzen Staate Ergaenzungskurse laufen. Die hierfuer bereitgestellten
Betraege belaufen sich auf 50.000 Dollar. Die Princeton-Universitaet,
die jahrelang Seminare ueber Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern veranstaltet hat, uebergab ein besonderes Seminar
zur Ausbildung von Gewerkschaftsfunktionaeren seiner Bestimmung. Auch
die Universitaet in Kansas beteiligt sich jetzt an den BildungsProgrammen der Stahlarbeiter und anderer Gewerkschaften. Die Universitaet
in Washington hat ein Institut fuer Arbeit und Wirtschaft errichtet,
das in Seattle Kurse gibt, die einen Teil seines Programms fuer die
Schulungsarbeit in der Gemeindeverwaltung (Community Service) darstellen. Das Hobart-College fuehrte einen vierwoechigen, praktischen
Lehrgang fuer eine kleine Gruppe Gewerkschafter durch.
Die Erhebung von 1946 hatte bereits gezeigt, dass die Arbeit auf
dem Gebiet der Arbeiterbildung an den Universitaeten eine sehr umfassende ist, dass aber noch viele Moeglichkeiten einer weiteren Entwicklung bestehen. Die allgemeinen Bestrebungen der letzten drei Jahre
gingen dahin, staendig neue Moeglichkeiten nach allen Richtungen zu
erforschen und zugleich zahlreiche Probleme zu loesen, die sich mit
dem Augenblick ergaben, als sich die Universitaeten staerker in die
Arbeiterbildung einschalteten.
•

Waehrend alle Arten des Unterrichts, die schon 1945 eingefuehrt
waren, auch im Jahre 1948 noch bestanden, hätten jedoch einige dieser
Formen mehr Anklang gefunden als andere. Eine deutlich erkennbare
Abkehr von langfristigen Programmen fuer kleine, ausgewaehlte Gruppen
Gewerkschafter» die in Universitaetsinstituten durchgefuehrt wurden,
wofuer die von der Harvard- und Yale-Universitaet durchgefuehrten Kurse als Beispiel gelten koennen, macht sich allgemein bemerkbar. Das
Harvard-Programm wurde deshalb von neun Monaten auf dreizehn Wochen
reduziert, weil sich fuer die Gewerkschafter Schwierigkeiten ergaben,
wenn sie fuer ein ganzes Studienjahr sich kaum ihren Gewerkschafts-

- £-

�pflichten widmen konnten. Harvard kuendigte jetzt an, dass das gleiche Fensum im wesentlichen auch in einer kuerzeren Zeit bewaeltigt
werden koennte, obwohld die Rektoren noch im Jahre 1945 der Ansicht
waren, dass volle neun Monate fuer eine wirkliche Schulung unumgaenglich seien, wie sie in dem Gewerkschaftsprogramm vorgesehen war. In
Yale musste man auf oertlich festgelegte Institutslehrgaenge wegen der
Unterbringungsschwierigkeiten verzichten, sodass die Kurse auf nicht
oertlich gebundener Basis weitergefuehrt werden konnten.
Auf der anderen Seite ist man in zunehmendem Masse zu kurzfristigen oertlichen Schulungskursen uebergegangen. Diese finden fuer die
Dauer von einer bis zu vier Wochen in den Universitaeten waehrend des
Sommers statt. Die Kurse sind haeufig fuer bestimmte Gewerkschaften
eingerichtet, wie es an dem Pennsylvanien State College, der Universitaet in Wisconsin und dem Rhode Island State College der Fall ist,
manchmal sind sie es nicht, wie zum Beispiel an der Goddard College
Vermont Labor School.
Auch die eigentlichen Volkshochschulkurse fuer Gewerkschafter haben
eine betraechtliche Erweiterung erfahren, '.'.'aehrend der Arbeiterbildungsdienst der Universitaet in Michigan bis zu seiner Aufloesung das umfassendste aller Volkshochschulprogramme darstellte, sind diese an anderen Universitaeten erweitert worden, oder neu ins Leben gerufen worden.
Einige kleinere Volkshochschulprogramme konnten wegen des Mangels an
oertlichem Interesse nicht weitergefuehrt werden, so zum Beispiel am
St. Michael's-College im Winooski Park, Vermont, oder sie wurden voruebergehend wegen des Fehlens eines geeigneten Lektors von der Universitaet eingestellt, wie es am State College in Westvirginien der Fall
war. Durch neue Volkshochschulprogramme und Ergaenzungen zu den bestehenden sind diese Ausfaelle jedoch mehr als ersetzt worden.
An der Universitaet in Illinois und der New Yorker Staatsschule
fuer industrielle und gewerkschaftliche Beziehungen in Cornell sind
dis Volkshochschuldienste mit der Einfuehrung einzelstaatlicher Programme - aehnlich den Kursen fuer den Verwaltungsdienst in den Gemeinden ihrer Verwirklichung naehergekommen. Obwohl sich keines dieser beiden
Volkshochschulprogramrae so rasch entwickelte, wie es sich einige Referenten fuer Arbeiterbildung in den Gewerkschaften versprachen, hatten
beide Institute mit ihren Kursen doch sohnell festen Fuss gefasst. In
etwa 20 Orten des Staates Illinois wurden Volkshochschulen begruendet.
Die New Yorker Staatsschule hatte ausser den eigentlichen Schulungskursen und mehreren Vorlesungsserien 43 spezialisierte Lehrgaenge in
16 Staedten des Staates New York laufen. 29 dieser Projekte wurden
in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften durchgefuehrt, zehn mit der
Uhterstuetzung der Unternehmer und vier fanden auf genereller Basis
statt. Das State College in Pennsylvanien riohtete innerhalb seiner
Volkshochschulabteilung einen Arbeiterbildungsdienst ein und dehnte
seinen erneuerten, aktivierten Volkshochschuldienst auf Gewerkschaftsgruppen aus. Zu den neuen Volkshoohschulprogrammen fuer Arbeiter gehoeren die des Roosevelt-College in Chikago und des Instituts fuer
wechselseitige Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen in Rutgers, das
auf Grund der Gesetzgebung des Staates New-Jersey errichtet wurde. An
dem Programm des Roosevelt-College nahmen im Jahre 1948 etwa 1.100 Arbeiter teil, im Staate New Jersey wurden vom Rutgers Institut 65 Volkshochschulkurse fuer Arbeiter durchgefuehrt.
Viele der von den Universitaeten den Arbeitern gebotenen Hochschulkurse fanden an Orten statt, die fuer die Arbeiter bequem erreichbar waren. Allerdings wurden auch weiterhin Kurse in Universitaetsgebaeuden und an anderen zentral gelegenen Stellen abgehalten. Drei
Jehre zuvor zoegerte noch eine Reihe Universitaeten, ihre Lehrreeume
in Gewerkschaftshaeuser oder andere nichtakademische Gebaeude zu verleren, weil sie sich nicht klar darueber waren, ob diese Methode mit
dem Ansehen einer Universitaet zu vereinbaren sei. Eine Anzahl Uni- 3 -

�versitaeten hat sich jedoch bereit erklaert, eher mit den Kursen zu
den Arbeitern zu gehen als die Arbeiter in die Universitaeten kommen
zu lassen, und die Auffassung, dass diese Methode fuer die Universitaeten durchaus guenstig ist, scheint in den vergangenen drei Jahren
einen weiten Anhaengerkreis gefunden zu haben.
Ausser den Volkshochschulen hat die oertliche Bildungsarbeit in
Form von Filmforen, Diskussionsgrupnen, Vorlesungen und Reden im Zusammenhang mit Gewerkschaftsversammlungen eine grosse Ausdehnung erfahren.
Auch kurze, ein- oder zweitaegige Kurse scheinen, gemessen an
ihrem Fortbestand und ihrer Erweiterung, den Anspruechen der Arbeiter
gerecht zu werden und zugleich fuer die Universitaeten finanziell tragbar zu sein. Gemeinsame Vereinbarungen, die derartige Kurse vorsehen,
sind zwischen dem Buero fuer Arbeiterbildung und solchen Universitaeten
verabredet worden, wo es keine anderen Programme gibt; aber auch viele
Universitaeten mit V/ohnort- und Volkshochschulkursen unterhalten in
jedem Jahre ein oder mehrere solcher Kurzprogramme.
In allen Formen und Arten der Universitaetsprogramme zeigt sich
sehr klar die Tendenz nach Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften
und den Universitaeten im Planen, Organisieren und der Durchfuehrung
der Programme. Sie muessen den Bedürfnissen der Arbeiter gerecht werden
damit sie Forschungen betreiben und Schulungsmaterial ausarbeiten koennen. Drei Jahre zuvor waren sich die Universitaeten selbst nicht im
klaren ueber ihr Verhaeltnis zu den Gewerkschaften. Sie hatten keine
Erfahrung, wie die traditionelle Kluft zwischen der Universitaet und
der Gewerkschaftsbewegung ueberbrueckt werden koennte. Sie wussten
nicht, wie man sich mit aussenstehenden Gruppen, vor allem mit den
Gewerkschaften, in die Verantwortlichkeit teilen koennte. Gewisse Universitaetskreise, die sich ihrer Verantwortung fuer die Universitaet
und der Grundsaetze akademischer Freiheit bewusst waren, befuerchteten,
da3S die Gewerkschaften nach einer ^rt von Herrschaft streben koennten,
die diese Verantwortung beschneiden und sich gegen diese Grundsaetze
v;enden wuerde. Die Referenten fuer Arbeiterbildung in den Gewerkschaften ihrerseits waren der Auffassung, dass nur durch eine gemeinsame
Planung die Universitaeten die Moeglichkeit haetten, die Beduerfnisse
der Arbeiter auf erzieherischem Gebiet kennenzulernen; dass die Gewerkschaften und ihre Mitglieder nur auf diese Weise herausfinden koennten,
wie die Universitaeten ihnen dienen koennten, und dass nur so ein wirklich konstruktives Arbeiterbildungsprograran entwickelt werden koennte.
Wenn die Vorlesungsprogramme beurteilt werden, die diese Zusammenarbeit
mit den Gewerkschaften widerspiegeln und die eine Universitaet nach
der anderen herausgibt und in der alle mitarbeitenden Gewerkschaften
eufgefuehrt sind, dann ist klar erkennbar, dass die Furcht und Unsicherheit gaenzlich ueberwunden sind. Die bestehenden Programme sind das
Ergebnis gemeinsamer Beratungen, gemeinsamen Planens und geteilter Verantwortung.
j

Die Gewerkschaften haben natuerlich die Bedeutung dieser erzieherischen Arbeit fuer das gesamte Gewerkschaftsprogramm mehr und mehr erkannt. V/aehrend die Bekleidungs-, Textil und Automobilarbeiter auch
weiterhin am staerksten daran interessiert, sind, Programme zu entwickeln
und Gelegenheiten der Schulung wahrzunehmen, haten andere Gewerkschaften, wie zum Beispiel die Stehlarbeiter,ihre erzieherische Taetigkeit
intensiviert und danach gestrebt, mehrere Universitaeten fuer die Einrichtung von Instituten und Volkshochschulen zu gewinnen. Die New
Yorker Staatsschule fuer wechselseitige Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen organisierte Volkshochschulkurse fuer die Gewerkschaften der
Chemiearbeiter, Metallarbeiter, Hausangestellte, kaufmaennische Angestellte, Telefonarbeiter, Hotel- und Restaurantarbeiter, Fahrer, Textilund Bekleidungsarbeiter, Stahlarbeiter und fuer eine Reihe oertlicher
- 4 -

�Berufs- und Gewerkschaftsorganisationen in verschiedenen Staedten.
Der Grund fuer das zunehmende Interesse der Gewerkschaften an der
Arbeiterbildung liegt in der wachsenden Verpflichtung und Verantwortlichkeit des einzelnen Gewerkschaftsmitglieds. Das Nationale Komitee
fuer die Vertiefung der Arbeiterbildung hat in sieben groesseren Gewerkschaften (drei AFIn zwei CIO- und zwei unabhaengigen Organisationen) eine Erhebung durchgefuehrt, die gezeigt hat, dass von zehn Mitgliedern je ein Mitglied eine besondere, hohe Verantwortung erfordernde Aufgabe in bezug auf Unternehmertum, die Gemeinde oder Arbeitskollegen zu erfuellen hat, die besondere Kenntnisse und Schulung erfordert.
Die von der Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) einberufene Konferenz fuer Fragen der Arbeiterbildung stellt eine neue Phase in der Entwicklung des Bildungswesens dar. An dieser Konferenz, die vom Exekuftivausschuss der Automobilarbeitergewerkschaft (CIO), vom Bildungsausschuss dieser Gewerkschaft und von der Abteilung fuer Arbeiterbildung
des CIO einberufen worden war, nahmen die Vorsitzenden der Bildungsausschuesse und die Referenten fuer Arbeiterbildung der ÜAW-Lokalgewerkschaften des ganzen Landes teil. Man befasste sich vor allem damit,
das Leitmotiv dieser Konferenz zu verwirklichen: wYti,e koennen auf demokratischem Wege die Gewerkschaft und die politische Betaetigung in
Eurem Betrieb und Eurer Gemeinde vorangetrieben werden.'"
Je mehr sich die Gewerkschaften ihrer Beduerfnisse auf dein Gebiete
der Arbeiterbildung bewusst sind, umso besser wird es ihnen moeglich
sein, die Universitaeten fuer solche Dienstleistungen zu gewinnen, die
die Gewerkschaften verwenden und die Universitaeten geben koennen.
Die Universitaeten dagegen mussten in ihrem Verhaeltnis zu den
Gewerkschaften darauf achten, nicht in interne Streitigkeiten innerhalb
dsr Gewerkschaftsbewegung verwickelt zu werden und sich streng an den
Grundsatz zu halten, allen in gleichem Masse ihre Dienste zur Verfuegung
zu stellen. Die Gewerkschaften haben diese Aufgabe dadurch erleichtert,
da^s sie sich bereit erklaerten, Fragen der Arbeiterbildung in gegenseitiger Zusammenarbeit zu loesen. Den Beweis fuer diese Bereitwilligkeit
liefert die Zugehoerigkeit der AFL, des CIO, der Eisenbahnergewerkschaft
und anderer unabhaengiger Gewerkschaften zu dem Nationalen Komitee fuer
die Vertiefung der Arbeiterbildung. Die drei Hauptzweige der Gewerkschaftsbewegung in New Jersey beteiligen sich auf dieser Basis gemeinsam an der Errichtung eines staatlichen Komitees fuer die Vertiefung
des Arbeiterbildungswesens. Dieses Komitee hat die Aufgabe, die Gesetzesvorlage fuer Arbeiterbildung zu unterstuetzen und mit allen Lehrinstituten zusammenzuarbeiten, um die Arbeiterbildungsprogramme innerhalb
des Staates zu foerdern.
Diese Programme leiden jedoch auch heute noch unter dem Mangel an
geeignetem Material fuer den Gebrauch in den Arbeiterschulen. Einige
Fortschritte auf diesem Gebiet konnten in den letzten drei Jahren immerhin erzielt werden, da in einigen Instituten die Bestrebungen, Schulungsmaterial
auszuarbeiten, mit zum Programm gehoeren. Das Gesetz von
NTew Jersey, durch welches das Rutgers Institut zustandekam, bezeichnet
die Entwicklung neuen Schulungsmaterials und fortschrittlicher Arbeitsmethoden als eine der Funktionen dieser Schule,und die Dozenten des
Rutgersinstitutes haben sich besonders mit den Anwendungsmoeglichkeiten
und der Entwicklung von Schulungsmaterial befasst. Die Universitaet
Shikago bearbeitet mit Hilfe des Carnegie-Fonds und der Gewerkschaften
Material fuer solche Veroeffentlichungen. Der Arbeiterbildungsdienst
ier Universitaet in Michigan entwickelt Programmrichtlinien und Lehrolaene. Ueberall besteht jedoch eine starke Nachfrage nach aue^eopro3henem Schulungsmaterial, aber die Maschinerie zur Ausarbeitung, zum
\ustausch und zur Verteilung dieses Materials ist leider noch immer nicht
senuegend entwickelt worden.
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Trotz der hier erwaehnten Tendenzen, die in jedem Falle die Erweiterung, die Festlegung auf einer noch sichereren Basis und den erweiterten Gebrauch der Universitaetsprogramme im Arbeiterbildungswesen erhoffen lassen, und obwohl sich die gesamte Gewerkschaftsbewegung energisch
fuer einen bundesstaatlich gestuetzten Arbeiterbildungsdienst unter
Anwendung der Universitaets-Hilfsquellen einsetzt, sind sich die fuer
die Arbeiterbildung verantwortlichen Gewerkschafter nicht sicher, ob
d-ie Universitaeten all das bieten koennen, was zu einer wirklichen und
damit vollstaendigenLoesung der Arbeiterbildungsprobleme fuehren kann.
Das traditionelle Misstrauen der "Intellektuellen" ist noch laengst
nicht beseitigt, und das eingeschlaeferte Gefuehl der Universitaeten,
dass "sie" es sind und nicht "wir", und dass derjenige, "der nicht mit
uns ist, gegen uns ist," kann leicht wieder erweckt werden. Die Frage
ist jedoch, inwieweit diese Zusammenarbeit zwischen den Universitaeten
und der Gewerkschaftsbewegung die wertvolle Erkenntnis, das Verstaendnis und die Einsicht erzeugen kann, die fuer grosse Ziele der Gewerkschaften und ihre heutige Verantwortlichkeit in der Gemeinde, der Nation
und der ganzen Welt unumgaenglich sind. Die gegenwaertige Situation erinnert deutlich an die fruehen Tage der landwirtschaftlichen Schulungsarbeit, als die Bauern solange mißtrauisch blieben, bis sie endlich erkannt hatten, dass das "Lernen aus Buechern," wie es in den landwirtschaftlichen Schulungsprogrammen geboten wurde, fuer sie tatseechlich
von grossem Nutzen war.
Auch wenn die Universitaeten ihre Arbeiterbildungsprogramme staendig weiter entwickeln, muessen sie sich doch vergegenwaertigen und damit
abfinden, dass ihr guter V,'ille und ihre Redlichkeit staendig beargwoehnt
werden. Eine fruchtbringende Entwicklung haengt somig davon ab, dass
Gewerkschaften und Universitaeten in einer Form zusammenarbeiten, dass
jeder den Bereich, die Moeglichkeiten und die Arbeitsvoraussetzungen
des andern kennt und versteht; dass die Universitaeten den Geist des
freien Meinungsaustausches aufrechterhalten und die Gewerkschaften ihn
anerkennen; dass aber die Arbeiterschaft in zunehmendem Masse zusammen
mit anderen Gruppen der Gesellschaft an der Formulierung der Richtlinien
und Programme der Universitaeten beteiligt wird, um den Anforderungen
von heute und von morgen besser gerecht werden zu koennen.
Industrial and Labor Relations Review
X/48
Henry Hauck, Berater fuer Arbeitsfreien an der franzoesischen Gesandtschaft in London:
SOZIAL-ATTACHES
Um sich ueber die Entwicklungen in der Sozialpolitik auf der ganzen
Veit auf dem laufenden zu halten und sich eine Unterstuetzung fuer
die Loesung jener Probleme zu sichern, die in Verbindung mit Arbeitsfragen in der diplomatischen Sphaere auftauchen koennen^, haben viele
Regierungen seit dem Kriege eine neue Art technischer Berater ernannt.
Die Titel dieser Berater sind verschieden (Arbeits-Atttche, SozialAttache, Arbeiter-Attache", usw.), die Motive zu ihrer Ernennung sind
im wesentlichen jedoch die gleichen.
Mr. Henry Hauck, der^Vertreter der franzoesischen Regierung im Exekutivausschuss des Internationalen Arbeitsamtes, der auf Grund seines
Londoner Amte3 besonders qualifiziert ist, die Bedeutung dieser neuen
^hase der internationalen Zusammenarbeit ermessen zu koennen, legt
in dem nachstehenden Artikel die Arbeitsweise dieser neu eingefuehrten
Einrichtung auseinander.
7 -

�Vor dem ersten Weltkrieg waren die Probleme der Sozialpolitik im
wesentlichen noch nationale Probleme, deren Bedeutung nicht ueber die
Grenzen des einzelnen Landes hinausging. Erst mit den Friedensvertraegen und der Errichtung der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf
wurde die Sozialpolitik als ein Problem von internationaler Bedeutung
angesehen. Obwohl jedoch in der Zeit von 1919 bis 1939 grosse und
kleine Laender innerhalb der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO)
ihre diesbezueglichen Erfahrungen austauschten und gemeinsam an einem
internationalen Arbeitsrechtssystem arbeiteten, waren sich nur wenige
Menschen der Bedeutung der Arbeitsprobleme innerhalb der diplomatischen
Beziehungen bewusst. Die wirtschaftliche Entwicklung, die durch den
zweiten Weltkrieg ungeheuer forciert wurde, und das staendige Anwachsen
der Gewerkschaftsbewegung in den meisten Laendern der Welt haben aber
diesen Problemen eine noch groessere Bedeutung gegeben, als sie ihnen von
den Verfassern des Teiles 13 des Versailler Friedensvertrags beigemessen
worden ist. Heute beruehren die Arbeitsprobleme unmittelbar das Herz
jeder Nation; Loehne, Einsatz der Arbeitskraefte sowie Aus- und Einwanderung sind ueberall wesentliche Faktoren im wirtschaftlichen Leben.
Die mit der Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung aufgekommenen Fragen wie Koalitionsfreiheit, die Bestrebungen der Gewerkschaften, ihre Forderungen gegenueber den Unternehmern durchzusetzen oder bestimmte politische Einfluesse auszuueben, das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter im
Betrieb und der Einfluss auf die Wirtschaftspolitik auf ueberbetrieblicher Ebene - alle diese Forderungen stehen mit der Gestaltung politischer Einrichtungen und selbst mit dem Verlauf der Aussenpolitik in
engem Zusammenhang. Deshalb sind zahlreiche Regierungen der Auffassung,
dass sie ueber die Entwicklung der Sozialpolitik in anderen Laendern zumindest mit denen sie diplomatische Beziehungen unterhalten - auf
dem laufenden gehalten werden muessen. Diese Auffassung hat ihrerseits
zu der Einfuehrung und Bewaehrung einer neuen Form des spezialisierten
Diplomaten, des Sozial-Attachds, gefuehrt.
Eine grosse Forschungsarbeit wuerde notwendig sein, um die Ursprueng
der Methode, Sozial-Attachös zu ernennen, festzustellen. Der erste positive Schritt auf diesem Gebiet ebenso wie auf anderen wurde von Albert
Thomas unternommen, dem verstorbenen Leiter des Internationalen Arbeitsamtes in Genf.
Waehrend des ersten '/Veitkrieges war er sich als Kriegsminister
Frankreichs der Notwendigkeit einer engen Koordinierung der Kriegsmaterialüroduktion Grossbritanniens und Frankreichs bewusst; er sah ein,
dess sich diese Koordinierung, wenn sie wirksam sein sollte, sowohl
auf die persönlichen Beziehungen als auch auf das technische Gebiet
erstrecken musste. Altert Thomas ersuchte deshalb Paul Mantoux, seinen
Schulkameraden an der Eoole Nori.ale in Paris und Verfasser des Buches
ueber die englische industrielle Revolution, nach London zu gehen und
den Kontakt mit der britischen Gewerkschaftsbewegung aufzunehmen und
aufrechtzuerhalten. Paul Mantoux war somit der erste Sozial-Attache,
obwohl er nicht diesen Titel trug.
Nach der Kriegserklaerung im Jahre 1939 erkannte die britische Regierung sofort die Bedeutung der Vorgaenge in der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung. Um genauestens darueber informiert zu sein, wies das
Auswaertige Amt den damaligen Pariser Korrespondenten der Gewerkschaftszeitung "Daily Herald", Jack Sandford, an, sich dem Stab der britischen
Gesandtschaft in Paris als Sozial-Attache1 zur Verfuegung zu stellen.
Einige Monate spaeter wurde der Verfasser dieses Artikels auf Ersuchen
de? franzoesischen Gewerkschaftsbundes von dem franzoesischen Aussenminister nach London geschickt, um in aehnlicher Eigenschaft an der
dortigen franzoesischen Botschaft taetig zu sein. Der Waffenstillstand
machte dieser Arbeit ein Ende. Jack Sandford kehrte nach London zurueck,
und der franzoesische Sozialreferent schloss sich der Bewegung "Freies
Frankreich" an. Die britische Regierung, in der die Gewerkschaftsbewegung seit dem Mai 1940 stark vertreten war, hielt daran fest, den Sozial-

�Problemen die ihnen gebuehrende Bedeutung zuzuerkennen. Kurz nach den
Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg wurde im Jahre 1942
ein Sozial-Attach«* nach Washington geschickt - zuerst Professor Tavmey
von der Londoner Wirtschaftsschule, ein sozial eingestellter Intellektueller, der von Anfang an Fuehlung mit der Gewerkschaftsbewegung
hatte, und dann Archibald Gordon, ein verdienter Sachbearbeiter im
britischen Arbeitsministerium. Das Experiment erwies sich als zufriedenstellend^, und unmittelbar nt.cn der Befreiung Europas vervollstaendigte die britische Regierung ihre diplomatischen Wissionen in den verschiedenen Laendern de3 Kontinents auf Veranlassung Ministers Ernest Bevins
durch die Ernennung von Sozial-Attaches. Die Vereinigten Staaten taten
das gleiche. V/aehrend des Krieges war es dem Strategischen Buero gelungen,"eine ansehnliche Gruppe Spezialisten fuer Arbeitsfragen zu nominieren, die sofort mit den ueberell erstandenen, ueberaus populaeren
Widerstandsbewegungen der besetzten Laender Verbindung aufnahmen und
, in der Lage waren, den Verlauf der militärischen Operationen in Europa
wesentlich zu unterstuetzen. Die Regierung der Vereinigten Staaten erkannte sofort, dass solche Verbindungen auch in Friedenszeiten nutzbringend sein muessen, und berief nach dem Beispiel der englischen Regierung
Sozialisten fuer Arbeitsfragen in eine Reihe ihrer diplomatischen Missionen im Ausland.
Frankreich konnte vornehmlich aus finanziellen Gruenden auf diesem
IGebiet nicht so schnell und so weit voranschreiten wie seine beiden
'Verbuendeten. Das Finanzgesetz vom 13. August 1947 sah jedoch ebenfalls
die Errichtung von drei Sozial-Attache-ttellungen in London, Washington
und Moskau vor.
Andere Laender folgten. Zu den Laendern, die inzwischen in mehr
oder weniger systematischer Weise Aemter fuer Sozial-Attaches einrichteten, gehoer'en Argentinien, Oesterreich, Tschechoslowakei, Aegypten,
Italien, Polen und die Schweiz und jetzt auch die deutsche Bundesrepublik.
Die Funktionen der Sozial-Attaches sind natuerlich in den einzelnen Laendern verschieden. Fuer den Sozial-Attache solcher Staaten, in
denen eine grosse Anzahl ihrer Stuatsangehoerigen im Ausland leben, ergibt sicn die.Aufgabe, sich um seine Landsleute in dem Staate, fuer den
er zustaendig ist, zu kuemmern. Andere Staaten, fuer die die Frage der
Aus- und Einwanderung von besonderer Wichtigkeit ist, beauftragen ihre
3ozial-Attach4s, diesen Problemen ihre besondere Aufmerksamkeit zu
schenken. Sin Staat wiederum, dessen Wirtschafts- und Sozialpolitik
sich von der anderer Laender wesentlich unterscheidet, duerfte bestrebt
3ein, sei.-.e Sozial-Attaches zu ermuntern, den Arbeitern dieser Laender
iie Bedeutung und den Wert der in seinem Lande gemachten Erfahrungen
zu erlaeutern. Obwohl jedoch die Einrichtung von Sozial-Attacbe-Stellungen unter gaenzlich verschiedenen Voraussetzungen erfolgen kann, muss
gesagt werden, da3s die Funktionen der Sozial-Attaches in allen Laendern im wesentlichen darin bestehen, Informationen - genauer gesagt,
Informationen nach beiden Seiten - zu geben. Ein Sozial-Attechd muss
jedoch in erster Linie seine eigene Regierung ueber die Sozialpolitik
de3 Landes, in das er geschickt wurde, informieren, sei es ueber seine
Arbeits- und Sozialgesetzgebung, sei es ueber die Entwicklungen und
Tendenzen innerhalb der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorgenisationen.
Gleichzeitig muss er mit Hilfe von Unterlagen und seinem eigenen Wissen
sowie seinen Beziehungen, die er mit den Dienststellen der Regierung und
anderer Organisationen des Landes, in das er delegiert wurde, aufnehmen
konnte, seine Behoerde ueber die Sozialpolitik, die Sozialgesetzgebung
und die Bewegungen der Arbeitgeber- und Arbeltnehmerorganisationen laufend unterrichten.
Um sich "dieser doppelten Aufgabe entledigen zu koennen, werden die
Sozial-Attachös dem Leiter der diplomatischen Mission, der sie angehoeren
- 9-

�auf der gleichen Stufe wie andere Spezialisten unterstellt, wie etwa
den Militaer-, den Marine- oder den Luftwaffenattaches oder den Attaches fuer Handels-, Finanz- oder Kulturangelegenheiten. Es waere
jeden sozialisierten Attache unmoeglich, seinen Verpflichtungen gerecht zu werden, wenn er nicht in enger Zusammenarbeit und mit der
Autoritaet des Gesandten oder Botschafters sich befaende, der seine
Regierung in dem Lande vertritt.

j

Der Aufgabenbereich eines Sozial-Attaches ist von allen Regierungen, die die Errichtung solcher Stellungen als Notwendigkeit erachteten, in aehnlicher Form festgelegt worden. Loehne und Lebenshaltungskosten, Arbeitszeit und andere Arbeitsbedingungen, Beschaeftigüngsquote und Arbeitslosigkeit, Probleme der Arbeits- und Berufsausbildung, Wechselbeziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Streitigkeiten in der Industrie und der Abschluss von Tarifver- i
traegen, die Gesetzgebung zum Schutze weiblicher Arbeiter und Jugendlicher, die Erhaltung der Gesundheit des Arbeiters und die Sozialversicherungsgesetzgebung, die Rechte der Gewerkschaften und die Taetigkeifcen der Arbeitnehmerorganisationen - all dies sind wesentliche Faktoren, ueber die ein Sozial-Referent seine Regierung auf dem laufenden
halten muss. Das Gebiet ist aeusserst umfangreich und kann nicht ohne
Beruecksichtigung wirtschaftlicher und politischer Gesichtspunkte behandelt werden. Wenn der Sozial-Attache jedoch in der Lage ist, mit
den Mitgliedern der Botschaft oder Gesandtschaft, die fuer die letzten
Fragen zustaendig sind, in kluger V/eise zusammenzuarbeiten, kann er
einen aeusserst wertvollen Beitrag zu der Gesamtarbeit seiner diplomatischen Mission leisten. Ein Sozial-Attachd, der mit den arbeitenden
Maennern und Frauen in engerem Kontakt steht als irgenein anderes
Mitglied seiner Mission, kannrseinem Vorgesetzten und seinem Kollegen
ein besseres und brauchbareres Bild von der Lage in dem Lande, in dam
er sich befindet, geben als ein anderer. Abgesehen von den Berichten
an sein eigenes Land ermoeglicht ihm sein Wissen um die Arbeiterpsychologie und um Probleme, die lange ausserhalb der Interessensphaere diplomatischer Organisationen geblieben sind, die Mitglieder seiner eigenen
Mission mit wertvollen Informationen zu versorgen und ihnen dabei zu
helfen, ein genaueres Urteil zu bilden.

Um diesen grossen Aufgaben gewachsen zu sein, muss ein SozialAttache ueber eine Reihe bestimmter Eigenschaften verfuegen, ueber die
sich praktisch alle Regierungen einig sind. Er muss vor allem gesunde
Kenntnisse - sowohl theoretische als auch praktische - ueber Sozialnrobleme und allgemeine Sozialpolitik besitzen. England hat in fast
allen Faellen Angestellte des Arbeitsministeriums zu Sozial-Attaches
ernannt. Die ersten franzoesischen Sozial-Attaches, die nach dem Gesetz
von 1947 bestellt wurden, waren fuehrende Persoenlichkeiten des franzoesischen Arbeitsministeriums; einer der Sozial-AttachÄs in der Schwel;
ist ein ehemaliger Sachbearbeiter des Internationalen Arbeitsamtes. Es
koennten noch viele andere Beispiele gegeben werden.

Die Sozial-Attaches muessen ausserdem Leute sein, die auf Grund
ihrer ^ersoenlichkiet und ihres Werdegangs das Vertrauen der Arbeiterorganisationen des Landes, in dem sie leben, besitzen. Wenn sie nicht
selbst in der Gewerkschaftsbewegung taetig gewesen sind, muessen sie
doch in freundschaftlichem Verhaeltnis zu den Gewerkschaften stehen
und etwas mehr als nur theoretisch mit der Mentalitaet der Arbeiter
vertraut sein, die sich in vieler Hinsicht in allen Laendern gleicht.
Dies waren in England bei vielen Ernennungen grundlegende Bedingungen;
zu diesem Zweck unterhaelt in den Vereinigten £tauten das Aussenminister^uri enge Beziehungen zu den amerikanischen Gewerkschaftsverbaenden
ÄFL um. CIO; die Regierungen der Tschechoslowakei, Polens und der
Schweiz haben verschiedentlich weltbekannte Gewerkscheftsfuehrer zu
Sozial-Attaches ernannt. Das franzoesische Arbeitsministerium zog den
Exekutivrat des Gewerkschaftsverbandes zu Rate, bevor es sich entschloss
- 10 -

�den gegenwaertigen Sozial-A^tache nach .London zu schicken; und diö
Regierung Argentiniens hat in jedem einzelnen Falle aktive Mitglieder der Gewerkschaftsorganisation auserwaehlt - sie nennt sie auch
deshalb "Arbeiter-Attaches."
Da die Beziehungen des Sozial-Attaches zu den Maennern und Frauen aller Staende und die Probleme, denen er gegenuebersteht, in erster Linie menschlichen Charakters sind, ist es unerlaesslich, dass
der Sozial-Attach* mit der nationalen Psychologie des Landes, in dem
er sich befindet, vertraut ist. Wenn sich sein persönlicher Kontakt
nur auf eine kleine Gruppe hoeherer Amtstraeger erstrecken wuerde,
waere seine Arbeit wertlos. Er muss nicht nur die Sprache des Volkes,
in deren Mitte er lebt, beherrschen, sondern auch seine Sitten und
Gebraeuche verstehen, und er muss instinktiv das Leben dieses Volkes
sozusagen "fuehlen." Das ist eine sehr seltene Befaehigung, die jedoch nicht weniger nichtig als die uebrigen ist, und die Wahl, die
die verschiedenen Regierungen getroffen haben, beweist, dass die
Verantwortlichen dieses Leitmotiv immer im Sinn hatten, obwohl es
nicht in jedem Falle verwirklicht werden konnte.
Weil die Aufgaben der Sozial-Attaches urspruenglich die gleichen
waren, haben alle Laender die gleichen Anforderungen und Bedingungen
an die Anwaerter fuer diese Positionen gestellt. Wie bereits erwaehnt wurde, bestehen jedoch Unterschiede auf Grund der verschiedenen nationalen Auffassungen, diese muessen daher einer genaueren Betrachtung unterzogen werden. Sie entspringen in der Regel der internationalen Stellung, der wirtschaftlichen Struktur oder den speziellen
Problemen jener Laender, die Sozial-Attaches entsenden.
Fuer Grossmaechte, die in Weltangelegenheiten eine bedeutende
Rolle spielen, ist die politische Information und darueber hinaus die
politische Aktion eine wesentliche Aufgabe ihrer Sozial-Attaches. Ein
Blick auf bestimmte Laender wird genuegen, um zu zeigen, dass England
und die Vereinigten Staaten ihre Sozial-Attaches in Positionen gestellt
haben, die von grosser politischer Bedeutung fuer ihr Land sind. Die
Vereinigten Staaten haben bereits solche Attaches in Deutschland, Argentinien, Australien, Daenemark, Belgien, Canada, Chile, Kuba, Mexiko,
Aegypten, Indien, Frankreich, England, Indonesien, Griechenland, Spanien, Italien, Israel, Brasilien, Oasterreich, Holland, Schweden und
i beabsichtigen, auch nach Peru, Bolivien, Neu-Seeland, Panama, Columbien und Suedafrika Vollattaches zu entsenden, zur Zeit sind sie kommissarisch besetzt. Die Liste der Laender, in die England SozialAttachös entsandt hat, ist verblueffend sehnlich: Argentinien, Oasterreich, Belgien, Bolivien, Brasilien, China, Kuba, Porto Rico, Daenemark, Aegypten, Chile, Columbien, Finnland, Frankreich, El Savador,
Griechenland, Guatemala, Indien, Ekuador, Iran, Indien, Italien, Haiti,
Luxemburg, Libanon, Japan, Mexiko, Nikaragua, Paraguay, Panama, Syrien, St. Domingo, Uruguay, Holland, Pakistan, Peru, Polen, Schweden,
Vereinigte Staaten Von Nordamerika und Venezuela. Von den £8 Laendern in der Liste der Vereinigten Staaten (in 22 Laendern sind SozialAttaches bereits ernannt, fuer 6 sind sie noch zu ernennen) und den
38 Laendern in der britischen Liste sind 19 ^aender fuer beide Staaten
die gleichen. Zu diesen 19 gehoeren nicht nur grosse Laender wie
Frankreich, Italien, Argentinine, Brasilien und Indien und industriell
hochentwickelte Staaten wie Belgien und Schweden, sondern auch Aegypten, Griechenland und Mexiko. Dies ist ein Beweis dafuer, dass die
Vereinigten Staaten und England erkannt haben, dass in jenen Teilen
der Welt, wo Konflikte der Grossmaechte die internationale Lage schwierig gestalten koennen, die Arbeitsprobleme einen entscheidenden politischen Faktor darstellen, und dass die Regierungen wuenschen, ueber
die dortigen Entwicklungen aus erster Hand informiert zu werden.
- 11 -

�Die Sozial-Attaches Englands und der Vereinigten Staaten sind
darueberhinaus angewiesen, in allen Gebieten, deren Bedeutung soeben
auseinandergelegt wurde, eine aktive Rolle zu spielen. Das bemerkenswerteste Beispiel ist Griechenland, wo die akute Spannung innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung zwei Jahre lang zu den politischen Wirren
des Landes beigetragen hat. Obwohl die Vereinigten Staaten und England bereits Attaches nach Griechenland entsandt hatten, betraute
England seinen Sozial-Attachd in Rom, W. H. Braine, im Jahre 1946 in
besonderer Mission damit »zwischen den verschiedenen Gewerkschaf'tsrich- (
tungen in Athen zu vermitteln, Sam Berger, der Sozial-Attache der Vereinigten Staaten in London, begab sich gleichfalls nach der griechi1
sehen Hauptstadt.
Die Funktionen, die die Vereinigten Staaten und England ihren
Sozial-Attachds uebertragen haben, spiegeln sich auch im Status der
Sozial-Attaches im oeffentlichen Dienst wieder.

|

Die Sozial-Attaches der Vereinigten Staaten unterstehen direkt
dem Aussenministerium, in dem eine Sonderabteilung fuer internationale
Arbeits-, Sozial- und Wohlfahrtsangelegenheiten verantwortlich ist;
die Attaches senden ihre Berichte an das Au: senrninisterium. Das heisst
nicht, dass das US-Arbeitsministerium die Arbeit der Sozial-Attaches
nicht gen,au verfolgt und die von ihnen uebermittelten Informationen
nicht auswertet; sie sind jedoch in erster Linie Beauftragte des Aussenministeriums, das sie ernennt, ihnen Instruktionen gibt und ihre
Berichte bei der Formulierung der Aussenpolitik der Vereinigten Statten
verwendet. In England ist das Verhaeltnis der Sozial-Attaches zur Regierung dehnbarer gestaltet, das Arbeitsministerium steht mit ihnen in
staendiger Verbindung. Sie bekleiden einen diplomatischen Rang, und
ihre Arbeit wird vom Berater fuer Arbeitsfragen im Aussenministerium
(einem frueheren Angestellten des Aussenministeriums) koordiniert. Die
rersoenllchkeit des gegenwaertigen Aussenministers Ernest Bevin, eines
alten Gewerkschaftsfuehrers und ehemaligen Arbeitsministers, ist nicht
nur fuer die Zusammenarbeit der beiden Ministerien verantwortlich, sondern es ist auch seine Aufgabe, zu bestimmen, welches Ministerium den
groesseren Einfluss hat. Die englischen Sozial-Attaches bilden wie
diejenigen der Vereinigten Staaten einen wichtigen Bestandteil der
diplomatischen Maschinerie ihres Landes.
Andere Laender haben diese Frage von einem gaenzlich anderen Gesichtspunkt aus betrachtet. Italien, ein Land der Auswanderung, hat
\
zum Beispiel mehrere Attaches fuer Auswanderung in diplomatische Aemter im Ausland berufen, und zwar in Washington, Rio de Janeiro, Sao
Paulo, Buenos Aires, Paris, Bern und Bruessel. Die italienische Regierung weiss jedoch auch, dass sie gruendliche und neueste Informationen
ueber die Arbeitslage im Ausland benoetigt, und dass Wirtschafts- und
Sozialürobleme bestimmter Laender von besonderen Beobachtern studiert
werden muessen; eigentliche Sozial-Attaches sind deshalb in die italienischen Gesandtschaften in Argentinien, Belgien, Frankreich und England
berufen worden.
Die Schweiz wuenscht ihrerseits, dass ihre Sozial-Attaches die
wichtigsten Fragen der Sozialpolitik und Arbeitsgesetzgebung in den
Laendern, in die sie geschickt sind - Frankreich, England und Vereinigte Staaten - studieren und stellt andererseits an sie die Forderung, '
ueber die Interessen der schweizerischen Staatsangehoerigen, die in
diesen Laendern arbeiten, zu wachen und beim Abschluss von Aus- und
Einwanderungsvertraegen sowie bei Abkommen ueber den Austausch von
Experten mitzuwirken.
D?ese Aufgaben gehoeren ebenfalls zu den Funktionen der franzoesischen Sozial-Attachds. Sie werden vom Arbeitsminister auf Grund entsprechender Vereinbarungen mit dem Aussenminister ernannt, sie sind dem
- 12 -

�Arbeitsministerium unterstellt, sie stehen in direkter Korrespondenz
mit ihm und werden im Namen dieses Ministeriums beauftragt, dem Leiter der diplomatischen Mission, unter dessen Autoritaet sie stehen,
eine Kopie dieser Korrespondenz auszuhaendisen. Die franzoesische Regierung misst jedoch ebenso wie die Regierungen Englands und der
Vereinigten Staaten den allgemeinen Informationen grosse Bedeutung zu,
die sie unter Umstaenden von ihren Sozial-Attaches erhalten kann.
Dieses Interesse spiegelt sich deutlich in der Tatsache wieder, dass,
wie bereits erwaehnt, franzoesische Sozial-Attaches in England, den
Vereinigten Staaten und der Sowjet-Union stationiert sind.
Aegyptische Sozial-Attaches sind fuer Washington, Paris und London ernannt, sie werden wie die franzoesisehen Attaches vom Ministor .fuer
Sozialangelegenheiten ernannt.
Dies sind die wesentlichen Grundzuege der neuen Einrichtung der
Sozial-Attachee. Die Umstaende, unter denen sie entstanden ist und
die Art und Weise, wie sie arbeitet, variieren von Land zu Land je
nach den nationalen Traditionen und Gepflogenheiten. Es bestehen jedoch weniger Unterschiede als Aehnlichkeiten, die aeusserst zahlreich
sind. Der Grund hierfeur liegt zweifellos darin, dass diese Einrichtung einer in unserem Zeitalter tief verwurzelten Notwendigkeit entsprungen ist, das von vielen als das Jahrhundert des "Mannes auf der
Strasse" bezeichnet wurde und das selbst den neuesten Anforderungen
der modernen Diplomatie gerecht wird, die die sozialen Probleme und die
Bestrebungen der Massen nicht uebersehen darf. Die Sozial-Attaches
koennen durch die Entwicklung der gegenseitigen Beziehungen der verschiedenen Laender in der Frage der Sozialpolitik die internationalen
Institutionen in der Tat nur unterstuetzen und die Arbeit der Internationalen Arbeitsorganisation ausserordentlich ergaenzen und erleichtern.
International Labor Review
X/48
IAA-VORSCHLAEGE ZUR STEIGERUNG DER WELT^RODUKTIVITAET
Die erste offizielle, internationale Weltdebatte ueber die Steigerung der Produktionsleistung hat im Palais der Nationen in Genf begonnen.
Vertreter der Arbeiter, Unternehmer und Regierungen fast aller
60 Mitgliedstaaten des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) nehmen an
diesen Besprechungen teil, die voraussichtlich mehrere Wochen dauern
werden.
Technisch gesehen, liegt den Besprechungen der Delegierten der
Jahresbericht des Generaldirektors David A. Morse zugrunde. Morse hat
die Bedeutung einer gesteigerten Produktionsleistung hervorgehoben und
zwar nicht nur in den wirtschaftlich unterentwickelten, sondern auch
in den industriell fortgeschrittenen Gebieten der Welt.
Morse fuehrte in seinem Bericht zu der wirtschaftlichen Entwicklung waehrend des vergangenen Jahres folgendes aus:
"Das Anwachsen der Ueberschuesse an landwirtschaftlichen Erzeugnissen in einigen Laendern und der grosse Ringel an Nahrungsmitteln in
anderen sind ein Problem, das auf internationaler Basis energisch in
Angriff genommen werden muss; eine Loesung waeren zum Beispiel interlationale Abkommen zum Austausch lebensnotwendiger Gueter, um Angebot
und Nachfrage ausgleichen und die Preise auf angemessener Ebene stabilisieren zu koennen.
- 13 -

�"Seit dem Kriege hat es noch keine Massenarbeitslosigkeit auf
Grund eines allgemeinen Rueckgangs in allen wesentlichen Sektoren der
Nachfrage segeben, wie es in den dreissiger Jahren der Fall war. Sollte diese Struktur der Arbeitslosigkeit wieder auftreten, dann wird man
besser als damals die Gruende dafuer kennen, ^ine Regierung darf keine
Massenarbeitslosigkeit zulassen, die auf eine langandauernden Mangel
an Nachfrage zurueckzufuehren ist.
'•Es bestehen ernsthafte Zweifel, ob der normale internationale
Handel ausreichen wird, die Luecken. zu schliessen, die sich nach Ablauf der finanziellen Hilfsprogramme der Vereinigten Staaten, vor allem des Europaeischen Hilfsprogramms, ergeben werden.
"Waehrend der Binnenhandel Lateinamerikas seit Kriegsende im Vergleich zu den Vorkriegs jähren sich erweitern konnte, ist er in Asien
und Europa waehrend der gleichen Zeit erheblich zurueckgegangen. Diese
beiden Kontinente sind dabei mehr und mehr auf Importe aus Laendern mit
harter Waehrune angewiesen. Diesen Binnenhandel wiederzubeleben, ist
eine Grundvoraussetzung fuer die Reduzierung des Dollardefizits in diesen Laendern. ,
"In Asien und dem Fernen Osten ist die Ausdehnung des Binnenhandels ebenso drängend erforderlich. Im Jahre 1938 war %T mit 46 % am gesamten Import und mit 43% am Export dieser Gebiete beteiligt. Seit dem
Kriege ist der Binnenhandel im wesentlichen aus folgenden zwei Gruenden
zurueckgegangen:
"Japan faellt als wichtigster Kaeufer und Verkaeufer dieses Gebietes aus. Die Reisexporte Suedostasiens nach anderen asiatischen Laendern, die keine Nahrungsmitteldefizite haben, wurden reduziert. Im
Jahre 1948 betrug das Volumen des Handels zwischen Japan und den anderen Laendern des asiatischen Gebiets wenig mehr als ein Zehntel des
Handels im Jahre 1934.
"Gemeinsame internationale Massnahmen werden notwendig sein, um
erstens den Welthandel zu foerdern, der es den rueckstaendigen Gebieten
ermoeglichen wird, mehr zu exportieren und Kapital zu erwerben; und um
zweitens die technischen Erfahrungen und Errungenschaften allen Laendern
zur Bekaempfung von Krankheiten und zur Steigerung ihrer Produktivitaet
zur Verfuegung zu stellen."
Auf die Frage der Produktionsleistung eingehend, erklaerte Morse:
n

In neuerer Zeit macht sich seitens der Gewerkschaften die Tendenz
bemerkbar, den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung im
Interesse der Wirtschaft und im Interesse der Arbeiter selbst groessere
Bedeutung beizumessen.
"Hand in Hand hiermit geht die Tendenz einer staendig wachsenden
Anzahl Laender, den Arbeitern Sicherheitsgarantien zu geben und den Gewerkschaften das Recht zuzusprechen, in der Handhabung der Massnahmen
zur Steigerung der Produktionsleistung mitzuwirken.
?t

In diesem Zusammenhang ist in einer Reihe Laender eine Entwicklung
hoechster Bedeutsamkeit festzustellen. Obwohl man nicht behausten kann,
dass die tiefverwurzelte Befuerchtung vieler Arbeiter, ihren eigenen
Arbeitsplatz oder den ihrer Kollegen aufs Spiel zu setzen, ueberwunden
waere, so bestehen doch Anzeichen dafuer, dass die Haltung der vorsichtigen Reserve, die die Gewerkschaften in der Vergangenheit gegenueber
den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung bezogen haben,
einer neuen Einstellung der positiven Unterstuetzung und der Mitarbeit
in solchen Lagen Raum gibt, vorausgesetzt, dass ausreichende Sicherheitsgarantien fuer den Arbeiter gegeben sind."
ILO New Service VI/50
- 14 -

�IAA IM KAMPF GEGtiN DIE ARBEITSLOSIGKEIT
Im vierten Jahresbericht des Internationalen Arbeitsamtes an die
Vereinten Nationen wird hervorgehoben, dass da« Internationale ArbeitsAmt die Massnahmen zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit als ein Problem
von entscheidender Bedeutung ansieht.
Der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen wird sich
waehrend seiner Konferenz in Genf im Juli mit diesem Bericht eingehend
beschaeftigen.
Weil die Frage der Arbeitslosigkeit "das Leben derjenigen unmittelbar beruehrt, in deren Interesse das Internationale Arbeits-Amt ins
Leben gerufen wurde", wird in diesem Bericht ein besonderer Abschnitt
der Untersuchung jener Massnahmen gewidmet, die das Internationale
Arbeits-Amt dreissig Jahre lang zur Loesung des Problems der Vollbeschaeftigung famuliert und vorgeschlagen hat.
Auf diesem Gebiet, heisst es in diesem Bericht, hat das Internationale Arbeits-Amt bereits hervorragendes geleistet. Diese Organisation hat noch vor kurzem ein Programm zum Einsatz unbeschaeftigter Arbeitskraefte eingeleitet, dessen unmittelbarer Zweck die Aufrechterhaltung der Vollbesohaeftigung ist. In der Frage der Unterbringung dieser Arbeitskraefte ging die Politik des Internationalen Arbeits-Amtes
dahin, "durch den Austausch von Meinungen und technischen Erfahrungen
in dieser Frage den Regierungen sowie den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen die groes^ten Dienste zu leisten."
Neben den Ausfuehrungen ueber die Taetigkeit des IAA auf dem Gebiet des Einsatzes der Arbeitskraefte und ihrer Beschaeftlgung wird in
dem Bericht vor allem die Arbeit im Bereich der Sozialversicherung und
der Koalitionsfreiheit hervorgehoben. Ein umfassender Rueckblick wird
auch auf andere Arbeitsbereiche der vergangenen Jahre geworfen, fuer
die das Internationale Arbeits-Amt mitverantwortlich ist.
ILO Labor News VI/50
DAS VERMOEGEN DER GEWERKSCHAFT DER DAMEN OBERBEKLEIDUNGSARBEITER (AFL)
Auf der Goldenen Jubilaeumskonvention der Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft (AFL) unterbreitete der Praesident
David Dubinsky den Delegierten den Finanzbericht, aus dem sich ein Vermoegen an Kapitalien und Reservefonds in Hoehe von 110 Millionen Dollar
ergibt.
Diese Zahlen stehen in krassem Gegensatz zu den Verhaeltnissen,
die vor zwei Jihrzehnten herrschten, als die Gewerkschaft praktisch vor
dem Bankrott stand.
Der obengenannte Betrag setzt sich dem Bericht zufolge in grossen
Zuegen wie folgt zusammen: Allgemeiner Verwaltungsfonds 13,2 Millionen,
Gesundheits- und Wohlfahrtsfonds 44,8 Millionen, Pensionsfonds 27 Millionen und Kapitalien lokaler und vereinigter Gewerkschaftsvorstaende 19,4
Millionen Dollar. Die groessten Ausgabeposten der Gewerkschaften im
vergangenen Jahre waren 3,7 Millionen Dollar fuer Organisationsarbeit
und 3,9 Millionen fuer die Verwaltung.
Auf der Konvention wurde angekuendigt, dass die Gewerkschaft beabsichtigt, einen "Kampffonds" in Hoehe von mindestens 500.000 Dollar aufzustellen, der fuer die politische Agitation anlaesslich diesjaehriger
Wahlen verwendet werden soll.
Weekly Labor News Digest V/31/50
- 15 -

�•.7EITEKE VERLUSTE DES WELTGEWERKSCHAFTSBUNDES
Die Gewerkschaftsverbaende Israels, Jugoslawiens und Australiens
haben beschlossen, aus dem kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund- auszutreten. Die beiden erstgenannten Laender-Organisationen
lehnten die Mitgliedschaft in der "Konkurrenzorganisation,w dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften, ab, waehrend sich der Gewerkschaf tsvorstand der australischen Organisation zu dieser Frage noch
nicht geaeussert hat.
Weekly Labor News Digest V/50/17
ORGANISATICNSERFOLGE DER TEXTILARBEITERGEWERKSCHAFT
"Die .Textilarbeitergewerkschaft der AFL (United Textile Workers)
hat es trotz des Taft-Hartley Gesetzes und anderer Schwierigkeiten
fertiggebracht, im Sueden wesentliche Organisationserfolge zu erringen," erklaerte Joseph Jacobs, der Organisationsleiter der Gewerkschaft. Die Suedstaaten wuerden in diesem Jahre dreimal soviel Delegierte zu.der Jahreskonvention der Textilarbeitergewerksohaft entsenden wie im Jahre 1941.
Weekly Labor Newa Digest V/50/17
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

HICCG R-U72 I I B J u l j 50 U C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 17

Prankfurt. 30. Juni 1950
INHALTSVERZEICHNIS

Kampf gegen Betriebsunfaelle - - - - - - - 1
Die Genfer Konferenz des Internationalen
Arbeitsamtes - — - - - - - - - - - - - - 2
Produktivitaetssteigerung in englischen
Betrieben - - - - - - - - - - - - - - - - 3
IAA s t e l l t Verbesserung der Beziehungen
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern f e s t 8
Der Vertrag der Automobilarbeitergewerkschaft
mit den General Motors-Werken - - - - - - 9
Rutgers I n s t i t u t f e i e r t 30-jaehriges Bestehen 13
Wie eine Gewerkschaft zu einer Eisenbahn auf
Puerto Rico kam- - - - - - - - - - - - - - - 1 4
Keine geheimen Streikbefehle im Bergarbeiterstreik
16
KAMPF GEGEN BETRIEBSUNFAELLE
US-Arbeitsminister Tobin erklaerte auf der Konferenz fuer
i n d u s t r i e l l e Sicherheit, dass die Gewerkschaftsbewegung entscheidenden Anteil an den Erfolgen haette, die die Senkung der Zahl
der Betriebsunfaelle erreicht hat. (Im Jahre 1948 waren diese
bis auf zwei Millionen angestiegen). An dieser Konferenz nahmen
mehr a l s 150 Gewerkschaftsvertreter der AFL und des CIO, Vertreter der Unternehmer sowie Sicherheitstechniker und Sachverstaendige der Regierung t e i l «
"Die organisierte Arbeiterschaft kann mit Stolz auf ihren
langen Kampf fuer groessere Sicherheit und fuer wirksame Gesetze
zum Schutze der Gesundheit zurueckblicken," sagte Tobin. Er erinnerte an die bahnbrechenden Bemuehungen von "Leuten wie William
Green von der AFL, der in Ohio einen der ersten Siege in dem
Kampf der Gewerkschaften fuer ein besseres Los der Arbeiter
errang," und an Philip Murray, "unter dessen Fuehrung es dem CLO
gelang, groessere Sicherheiten a l s bisher fuer die Arbeiter zu
erwirken."
Zuvor hatte Praesident Truman auf der Konferenz erklaert, die
Zahl der Betriebsunfaelle muesse bis zum Jahre 1953 um 50g reduz i e r t werden. Er hatte darauf hingewiesen, dass die Zahl saemtl i c h e r Betriebsunfaelle 1949 um 1% gesunken s e i , a l l e i n in den
Fertigungsbetrieben betraegt der Rueckgang sogar 19g.
Daily News Service
Labor Press Association
VI/7/50
- 1 -

�DIE GENFER KONFERENZ DE3 INTERNATIONALEN ARBEITSAMTES
Als die 33. Generalkonferenz des IAA im Palais der
Nationen in Genf eroeffnet wurde, waren Vertreter der Arbeiterschaft, der Unternehmer und der Regierungen flast aller 60 Mitgliedstaaten der Internationalen Arbeitsorganisation anwesend.
Obwohl die Delegierten nicht die Absicht hatten, irgendwelche neuen Arbeitskonventionen den Regierungen der Mitgliedstaaten in diesem Jahre zu unterbreiten, ergab sich doch durch
die umfassende Tagesordnung eine Diskussion ueber die Massnahmen
zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit und ueber geeignete Mittel
und Wege zur Steigerung der Produktionsleistung.
Im Verlauf der Sitzungen, die Anfang Juli beendet sein
werden, befassen sich verschiedene Fachausschuesse mit den vom
IAA durchgefuehrten Studien, die folgende Themen zum Gegenstand
haben: Tarifvertraege zur Regelung der Loehne und Arbeltsbedingungen, Schiedssprechung und Schlichtung, Zusammenarbeit
zwischen Gewerkschaften, Unternehmern und Regierung, gleicher
Lohn fuer Maenner und Frauen bei gleicher Leistung und Festsetzung von Mindestloehnen fuer die Landwirtschaft.
Trotz der Tatsache, dass in den diesjaehrigen Sitzungen
keine neuen Konventionen bearbeitet werden sollen, ist vorgeschlagen worden, eine "Offizielle Empfehlung* zur Berufsausbildung Erwachsener und Koerperbehinderter zu bewilligen. Derartige Empfehlungen beduerfen nicht der Ratifizierung durch die
Mitgliedstaaten, es wird jedoch von den einzelnen Regierungen
erwartet, dass sie ihnen durch Akte der Gesetzgebung oder durch
andere Massnahmen ^echtsgueltigkeit verleihen.
Die Wirtschaftsexperten des Internationalen Arbeitsamtes,
die den Bericht ueber geeignete Massnahmen zur Bekaempfung der
Arbeitslosigkeit ausgearbeitet haben, machten die Delegierten
warnend auf bestimmte Anzeichen aufmerksam, die zweifellos auf
eine zu erwartende Zunahme der Arbeitslosigkeit hindeuten.
Die Experten erklaerten jedoch in ihrem Bericht an die
Konferenz, dass eine Krise durch sofortige und angemessene
internationale und einzelstaatliche Massnahmen vermieden werden
koennte. In dem Bericht heisst es woertlich:
"Die Erkenntnis, dass Arbeitslosigkeit und Unterbeschaef- tigung soziale Uebel sind, die behoben werden koennen, stellt
einen Meilenstein auf dem Wege zu modernem Denken dar. Das
passive Sichabfinden mit der Unvermeidbarkeit von Arbeitslosigkeit und Armut hat damit ein Ende gefunden."
Die Wirtschaftsexperten des IAA stellten dabei die Tatsache
.eraus, dass die grossen Aufwendungen der Regierungen und Privatunternehmer in bestimmten Laendern, die der Erneuerung der waehrend des Krieges abgenutzten und zerstoerten Einrichtungen dienen
sollen, in dem Grade zurueckgehen, in dem die Nachfrage nach
diesen Guetern abnimmt. Vor einer solchen Wirtschaftspolitik
muesse gewarnt werden.
Die Experten stellten weiter fest, dass einige Industriestaaten bis Jetzt noch keine Arbeitslosenversicherungssysteme
haben, in anderen gibt es fuer landwirtschaftliche Arbeiter und
einige /ngestelltengruppen keine besonderen Schutzmassnahmen gegen
Erwerbslos igke it.

- 2 -

�Ausserdem unterstrichen sie die Bedeutung eines gut eingespielten Verwaltungsapparates, der vernuenftige Vorschlaege
zur Beschaeftigungspolitik ausarbeiten und sofort die Voraussetzungen fuer deren Durchfuehrung schaffen soll.
Die Wirtsc haßt sexrierten des IAA einigten sich auf folgende
Vorschlaege:
"Bis jetzt waren die Einlagerungsprogramme der Regierungen
in erster Linie auf lebenswichtige Gueter beschraenkt. Diese
Ausgleichsmethode muesste Jedoch auch auf Industrieprodukte
ausgedehnt werden, um einer Arbeitslosigkeit vorzubeugen, die
dann eintreten wird, wenn die Nachfrage der Hersteller und
Grosshaendler nach Maschinen und Einrichtungsgegenstaenden
nachlaesst."
Der Vorschlag der Experten enthaelt ausserdem folgende
Forderungen:
1 -

"Der Welthandel muss nicht nur stabilisiert, sondern auch
ausgedehnt werden.

2 -

Es muessen internationale Vereinbarungen getroffen werden,
um sicherzustellen, dass die Waehrungen der wichtigsten
Staaten auf stabiler Grundlage zur Verfuegung stehen,
gleichgueltig, ob diese Laender ihren ueblichen Bedarf
an Importen gedeckt haben oder nicht.

3 - Grundbedingung zur Stabilisierung des Massenbedarfs der
Welt ist die Errichtung internationaler Systeme zur
Stabilisierung der Preise fuer die lebensnotwendigsten
Gueter der Welt.
Die Wirtschaftsexperten erklaerten ferner: "Wenn die
Loesung des Arbeitslosenproblems in den rueckstaendigen Gebieten
auf internationaler Basis unterstuetzt werden soll, muessen
diesen Gebieten zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung von den
industriell gut entwickelten Laendern langfristige Kredite zur
Verfuegung gestellt werden.
"Den industriell fortgeschrittenen Laendern bietet sich
ausserdem eine Moeglichkeit der Unterstuetzung darin, dass
sie den wirtschaftlich rueckstaendigen Gebieten ihr technisches
Wissen und ihre Erfahrungen zur Verfuegung stellen. Die internationale Taetigkeit auf diesem aeusserst wichtigen Gebiet
nimmt allmaehlich konkrete Formen an, wie das Punkt-Vier-Programm
des Praesldenten Truman und das erweiterte Programm der Vereinigten Staaten zur technischen Unterstuetzung wirtschaftlich
unterentwickelter Laender beweist.
"Eine dritte Moeglichkeit liegt auf dem Gebiet der Foerderung internationaler Aus- und Einwanderung."
ILO News Service
VI/50
PRODUKT IVITAETSSTEIGERUNG IN ENGLISCHEN BETRIEBEN
Dieser Bericht entstammt dem In London erscheinenden "Target", dessen Aufgabe die Steigerung
der Produktivitaet in der britischen Industrie
ist. Dieses Ziel wird in gemeinsamem Zusaramen- 3 -

�wirken der Unternehmer und der Gewerkschaften
erstrebt, da beide der Meinung sind, dass nur
durch eine sehr erhebliche Steigerung der Leistung es Grossbritannien fuer die Dauer moeglich
sein wird, seinen frueheren Platz im Export wiederzugewinnen*
Dem gleichen Ziele dienen auch Studienreisen
fuehrender britischer Industrieller und Gewerkschafter in Spitzenbetriebe der US-Industrie.
Den Besuchern wird hier in aller Offenheit gezeigt,
wie die Produktivitaet auf ein Hoechstmass gesteigert werden konnte. Die auslaendischen Besucher
sind insbesondere ueberrascht ueber das Arbeitstempo, das in den Vereinigten Staaten erreicht
wird und das sich ausserordentlich von dem in
Grossbritannien ueblichen Tempo abhebt. Aber
es wurde immer wieder seitens der amerikanischen
Arbeiter darauf hingewiesen, dass sie dieses Arbeitstempo keineswegs als ueberhoeht ansaehen,
sondern durchaus fuer die gestellten Anforderungen
zu haben seien, zumal wenn in der Lohnfrage entsprechende Konzessionen gemacht wurden.
Bei einem Vergleich der britischen Loehne mit den
amerikanischen und der Produktion selbst ergibt sich
immer wieder, dass es fuer Unternehmerund Arbeiter
zweckmaessiger ist, ein hoeheres Arbeitstempo
in England einzufuehren. Dieser Bericht beschreibt
zwei Faelle, wo es allein durch organisatorische
Massnahmen gelungen ist, eine wesentliche Steigerung
der Produktivitaet zu erreichen.
In den Leyland Motorenwerken wird durch die Einfuehrung
neuer Produktionsmethoden, deren Erprobung fast beendet ist,
die Produktion schaetzungsweise um ein Drittel erhoeht werden
koennen.
Zu den wichtigsten Neuerungen, die vorgenommen wurden, gehoert die Neugliederung der Fabrikanlagen, die die Fliessbandarbeit ueberall da ermoeglicht, wo sie durchfuehrbar ist« Ausserdem wendet man jetzt ein sogenanntes "Gruppensystem" der Bezahlung an, dem man die Produktionsleistung groesserer Produktionsgruppen innerhalb der Belegschaft von 10,000 Arbeitern zugrundelegt.
Es ist in den Leyland Werken Tradition geworden, dass man
unentwegt darum bemueht ist, bessere Arbeitsmethoden zu ermitteln.
Man ist sich darueber klar, dass das Herumliegen von Material
in den Werkstaetten bedeutet, dass jemand bezahlt werden muss,
der es aufnimmt; es ist deshalb besser, das Material, wenn nur
irgend moeglich, in Bewegung zu halten. Die Auswertung allein
dieser einfachen Erkenntnisse hat bereits zu leistungsfähigeren
Maschinenwerkstaetten gefuehrt, die, Sachverstaendigen zufolge,
in der Welt ohne Konkurrenz dastehen.
Waehrend des Krieges mussten sich die Leylandwerke im grossen
ganzen auf die Herstellung von Panzern, Flugzeugteilen, Bomben
und aehnlicher Kriegsmaterialien konzentrieren. Im Jahre 1945
stellten sich die Werke auf die Produktion von Kraftfahrzeugen
um, und es gelang ihnen innerhalb von 12 Monaten, die ungeheuren
Schwierigkeiten einer solchen Umstellung zu ueberwinden und einen
- 4 -

�gaenzlich neukonstruierten Nachkriegslastkraftwagen in Serien
fuer den Verkauf im eigenen Lande und in einer besonderen Serie
fuer den Export zu produzieren.
Ein anderes sichtbares Ergebnis der seit 1946 geleisteten
Arbeit ist die Erhoehung der durchschnittlichen Wochenloehne
Jedes Arbeitnehmers bis zu etwa 22#. Die Preise fuer die LeylandFahrzeuge sind dagegen seit April 1947 unveraendert geblieben.
All dies ist das Ergebnis jener unentwegten Bemuehungen,
den bestmoeglichen Gebrauch von Arbeitszeit, Material und Arbeitskraft durch eine weitgehende Mechanisierung des Produktionsvorgangs zu garantieren und gleichzeitig durch die Anwendung des
Leistungsprinzips die guenstigste Arbeitsleistung fuer die Arbeitskraefte zu ermitteln.
Oberster Grundsatz bei der Verbesserung der Produktionsmethoden ist die Elnfuehrung des Fliessbandsystems ueberall dort,
wo dies moeglich ist, und die gleichseitige Beseitigung veralteter
Methoden der Serienproduktion. Die Neuordnung der Betriebsanlagen
und die Gruppierung der Maschinen zu Fliessbandsystemen ermoeglichten eine Reduzierung der Einrichtungen und damit die Einsparung betraechtlicher Kapitalsummen. Dieses Kapital ist in
erster Linie zur Planung und Neueinrichtung verwendet worden.
Nach dem Kriege wurden jaehrlich etwa 150.000 DolJar fuer die
Neueinrichtung der heute wirklich modernen Leyland-Betriebe aufgewendet •
Motoren, Transmissionen, Achsen, Karosserien, Steuerungen
und andere Teile werden jetzt in Fliessbandfertigung hergestellt.
Maschinen und Foerderbaender sind so angeordnet, dass die Werkstuecke von einem Arbeitsplatz zum andern rollen. Alles Moegliche wird getan, um das Aufnehmen von Werkstuecken und jede
sonstige unnoetlg ermuedende Taetigkeit auf ein Mindestmass zu
reduzieren.
Der verminderte Materialaufwand und die zweckmaessige Platzierung der Arbeitskraefte haben natuerlich ebenfalls zu Einsparungen
gefuehrt. Ein Maschinenmeister kann jetzt zwei, drei und moeglicherweise auch vier Maschinen ueberwachen, unter dem alten
System war dies gaenzlich unmoeglich. Als logische Folge dieser
Umstellung ist der individuelle Akkordlohn durch ein Gruppenbonussystem ersetzt worden. Das bedeutet gesteigerte Einkuenfte und
zugleich hoehere Produktion. Die Betriebsleitung ist der Auffassung, dass die Arbeitsleistung des einzelnen zwar wichtig ist,
das Hauptaugenmerk muss jedoch darauf gerichtet werden, die Arbeitskapazitaet einer Gruppe einzelner Kraefte, die Fertigwaren produzieren, aufeinander abzustimmen und dadurch einen Ausgleich zu
erreichen.
Andrew J. Charnock, der Hauptbetriebsleiter der Leyland-Werke,
ist der Meinung, dass dieses Gruppenbonussystem zu einem staerkeren
Gemeinschaftsbewusstsein der Arbeiter und damit zu dem Bestreben
fuehren kann, stets als geschlossenes Team zu arbeiten. Ausserdem
werden dadurch kleine Unzulaenglichkeiten der Faehigkeiten des
einzelnen wie auch Maengel des fachmaennischen Koennens ausgeglichen, weil ein Arbeiter den andern unterstuetzen muss.
Als weiteres positives Ergebnis der Leistungssteigerung
der Lancashire-Werkstaetten dieses Unternehmens ist die vor kurzem
durchgefuehrte Interessenausdehnung in Uebersee und die Geschaeftserweiterung auf eine Reihe ausgesprochener Dollarmaerkte anzusehen.
- 5 -

�In den Leyland-Werken ist man der Auffassung, dass kuehne
und zielbewusste Methoden zur Loesung der Produktionsprobleme
notwendig sind, um der Weltkonkurrenz begegnen zu koennen; das
es ausserdem besser ist, "Wunder* stattfinden zu lassen, als auf
sie zu hoffen.
Ein weiterer Beweis fuer das Streben nach hoeherer Produktionsleistung ist ddr Bericht amerikanischer Experten ueber die
Rylands-Werke in Warrington (Lancashire). In diesen Werken
werden ausschliesslich Naegel hergestellt.
Auf Grund einer voelligen NeuOrganisierung ihres Produktionssystems konnte diese Firma bei gleichzeitiger proportionaler
Senkung der Gestehungskosten die Produktionsleistung um 100g
steigern. Die Durchschnittsloehne fuer Maschinenarbeiter haben
sich seit 1939 pralctisch verdoppelt. Das ist umso bemerkenswerter,
als diese Erfolge nicht durch Neuausruestung, sondern lediglich
durch eine gaenzlich neue Anordnung sowie eine zweckmaessige
Normierung und die Ausschaltung unnoetiger Materialbewegungen
erzielt wurden.
Vom Rohdraht des Rohmaterials bis zum Verpacken und Versand
der fertigen Naegel ist der Herstellungsprozess durch ein System
elektrotechnischer und mechanischer Kontrollgeraete so verbessert
worden, dass diese Fabrik, die die groesste dieser Art in Europa
iat, die gebraeuchlichen Naegel wahrscheinlich billiger als
irgendein anderes Unternehmen in der Welt herstellen kann.
Plaene fuer die neue Fahrik, die bereits vor zehn Jahren
entworfen wurden, mussten wegen des Krieges bis zum Jahre 1948
zurueckgestellt werden. Dann konzentrierte sich die Betriebsleitung jedoch sofort auf die Neubildung der Werksgruppierung
und der inneren Organisation zur Erzielung einer optimalen Leistungsfaehigkeit.
Da es unmoeglich war, mehr als eine sehr begrenzte Anzahl
neuer Maschinen zu erhalten, wurde die Umgruppierung mit den noch
vorhandenen Maschinen durchgefuehrt, die zum Teil sehr alt waren;
es wurden jedoch Vorkehrungen getroffen, um diese alten Maschinen
reibung=Los durch neue ersetzen zu koennen, sobald diese verfuegbar
wurden.
Als erstes wurde die "Eselsarbeit", die eine Inflation der
Arbeits kr aefte zur Folge hat, durch die Einfuehrung mechanischer
Transportmittel in allen Stadien des Produktionsprozesses beseitigt.
Dies bedeutet nicht nur, dass Arbeitskraefte eingespart wurden
und ermuedende Taetigkeiten wegfielen, sondern auch, dass die
Werkstuecke mit den geeignetsten Transportmitteln befoerdert wurden
und unproduktive Taetigkeitn, die bei dem alten System notwendig
waren, wegfallen konnten. Das Gewicht der Drahtrollen, die die
Maschinen verarbeiteten, wurde erhoeht,IJ^einen laengeren, ununterbrochenen ProduktIonsprozess zu ermoeglichen. Das Ergebnis waren
Zeit- und Arbeitsersparnisse sowie erhoehte Produktion.
Die Maschinen, die die Naegel herstellen, sind je nach ihrer
Type geordnet und in Reihen aufgestellt. Zwischen Je zwei Reihen
verlaeuft eine Rinne, die mit Stahlgittern bedeckt ist. In dieser
Rinne befinden sich Behaelter mit einem Fassungsvermoegen von
1 Tonne zur Aufnahme der Naegel aus den beiden anliegenden Maschinen.
Eingleisige Kraene befoerdern die Drahtrollen zu den Maschinen und
transportieren die mit Naegeln gefuellten Behaelter ab. Ein
ausgekluegeltes System elektrischer Kontroll- und Signalanlagen
machen Zeit- und Arbeitsverlust nahezu unmoeglich. Jede Maschine
- 6 -

�ist mit einer Kontrolltafel im Buero des Meisters gekoppelt.
Wenn ein Behaelter zwischen zwei Maschinen voll ist, betaetigt
der Maschinenmeister einen Knopf und loest damit eine Reihe
mechanischer Vorgaenge zum Abtransport, Wiegen und Befoerdern
des Behaelters zur Polierwerkstaette und zum Zurueckfuehren des
leeren Behaelters aus. In der Zwischenzeit setzen die Maschinen
Jedoch nicht aus. In Gleitbahnen, die sich zwischen den Maschinen
und den Behaeltern befinden, sammeln sich inzwischen die Naegel
an, bis der Eraatzbehaelter wieder eingetroffen ist. Die Lichtsignale ermoeglichen es dem Werkmeister, den Verlauf der Arbeiten
staendig zu verfolgen und mit einem Blick festzustellen, wann und
wo eine Verzoegerung eintritt.
Die Kontrolle des vollautomatischen Polierprozesses ist noch
weit vollkommener. Die Kontrollstelle ist ein kleiner, gegen
Geraeusche gesicherter Raum durch dessen Fenster der Hauptraum
der Werkstatt staendig beobachtet werden kann. Dem Maschinenmeister ist es moeglich durch die Bedienung dreier Schalter
von beherrschenden Punkten aus sechs Paar Poliertrommeln gleichzeitig zu bedienen, aus denen die Naegel nach einer bestimmten
Zeit in Transportkuebel geschuettet werden.
Die Kontrolle der Arbeits- und Pruefkarten der Behaelter
geschieht durch eine aehnliche Kontrollanlage. Das Verpacken,
das Stapeln und der Versand werden ebenfalls mit gleicher mechanischer Vollkommenheit und Arbeitsersparnis durchgefuehrt.
Der Gesamteindruck des Betriebes ist der einer reibungslosen
und offensichtlich muehelosen Leistungsfaehigkeit. Wo auch immer
Maschinenkraft die Arbeit der Haende und Muskeln des Menschen
uebernehmen kann, hat sie es getan.
In der Nagelfabrik bedienen vier Arbeiter und ein Ersatzmann
je 48 Maschinen, waehrend es unter dem alten System nur zwoelf
waren. Aufgabe des Ersatzmannes ist es, die anderen Werkmeister
zu unterstuetzen und selbst als Meister einzuspringen, wenn dies
erforderlich ist. Alle Arten Maschinen sind aufs sorgfaeltigste
normiert, damit saemtliche Teile ausgewechselt werden koennen.
Regelmaessiges Ueberholen und Reparieren der Maschinen macht
Ausfaelle fast unmoeglich. Wenn dieser Fall jedoch eintritt,
so kann der Schaden auf jeden Fall binnen hoechstens zwei Stunden
behoben werden.
Die 150 Maschinenmeister der Fabrik, die in zwei Schichten
arbeiten, und die Vertreter ihrer Gewerkschaft (Gewerkschaft
allgemeiner und oeffentlicher Betriebe) haben sich begeistert
zu dem neuen Produktionsverfahren bekannt. Was bisher eine
schmutzige und schwere Arbeit war, die viel physische Kraft
erforderte, ist zu einem verhaeltnismaessig sauberen und einfachen Vorgang geworden.
Der tatsaechliche Erfolg der Bemuehungen der Rylands-Werke
kann am besten durch die Gegenüberstellung der Produktionsleistungen in folgender Tabelle veranschaulicht werden:
Durchschnittliche Produktionsleistung je Arbeitskraft u. -stunde
„ .
Steigerung der
Nagelgroesse Nach dem alte]i System Nachdem neuen
Produktionssystem
leistung
»
ll.t06
cwts
*
64.36£
7.244 cwts
6 Zoll
6.294
•
72.06^
3.658 •
4 Zoll
13.000 •
140.00,;
5.412 *
2 Zoll
3.250
•
189.66£
1.122 "
1 Zoll
1 cwts • 45 kg)

H

- 7 -

�Die Produktionsleistung im gesagten Betrieb, einschliesslich
des gesamten Personals, konnte pro Mann und Arbeitsstunde um 68#
gesteigert werden!

"Target*
V/50

IAA STELLT VERBESSERUNG DER BEZIEHUNGEN ZWISCHEN ARBEITGEBERN
UND ARBEITNEHMERN FEST
Das IAA veroeffentlichte in Genf einen Bericht ueber wechselseitige Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen, in dem eine Verbesserung dieser Beziehungen auf betrieblicher Ebene und eine
zunehmende Verankerung der Schllchtungs- und der Schiedssprechungsmethoden festgestellt wird.
Dieser Bericht enthaelt Vorschlaege zu fuenf neuen, internationalen Abkommen, die ljTarifvertraege zur Regelung der
Loehne und Arbeitsbedingungen, 2.) Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf betrieblicher Ebene, 3.) freiwillige
Schlichtung und Schiedssprechung, 4.) Zusammenarbeit zwischen
staatlichen Behoerden und Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen
und 5.) eine aehnliche Zusammenarbeit auf einzelstaatlicher Basis
zum Gegenstand haben.
Diese Abkommen sollen in Form offizieller Empfehlungen des
IAA und nicht als internationale Konventionen betrachtet werden,
da diese von den Mitgliedstaaten ratifiziert werden muessen.
Ueber die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sagt der Bericht:
••In einer betraechtlichen Anzahl Laender wurden seit dem
Kriege bei dem Aufbau der Zusammenarbeitsmassnahmen innerhalb
der Betriebe beachtliche Fortschritte erzielt."
Eine Umfrage bei Betrieben in den Vereinigten Staaten hat
ergeben, dass von 263 Unternehmen, die den Fragebogen beantworteten, in 226 die Zusammenarbeit in irgendeiner Form bereits seit
mehreren Jahren besteht. Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern ist somit weiter verbreitet als allgemein angenommen wird. In Kanada gab es am 31. Maerz 1949 615 Ausschuesse,
die die Interessen von 275.000 Arbeitern vertraten. Der Bericht
faehrt fort:
"In neuerer Zeit macht sich seitens der Gewerkschaften die
Tendenz bemerkbar, den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung im Interesse der Wirtschaft und im Interesse der Arbeiter
selbst groessere Bedeutung beizumessen.
"Auch die Arbeitgeberorganisationen sind in zahlreichen Laendern bestrebt, den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung und der Notwendigkeit, Bestimmungen zur Sicherung der Arbeiterinteressen zu erlassen, groessere Aufmerksamkeit zu schenken.
Es kann gesagt werden, dass viele Hindernisse, die sich den gemeinsamen Bemuehungen zur Steigerung der Produktionsleistung in
den Weg stellten, bereits ueberwunden sind oder noch ueb«rwunden
werden koennen."

- 8 -

�I

In wenigstens 48 Laendern sieht die Gesetzgebung Tarifvertraege in der einen oder anderen Form vor, zum Teil bestehen
sie bereits auf Grund besonderer Vereinbarungen.
In dem Bericht heisst es weiter:
"Die Methode, Arbeits- und Einstellungsbedingungen in
Tarifvertraegen festzulegen, setzt sich mehr und mehr durch.
Nach den Worten des Praesidenten der Vereinigten Staaten muss
das freie Tarifverhandlungswesen geschuetzt und gefoerdert
werden. Das Recht zum Abschluss von Kollektiwertraegen ist
nicht nur ein grundlegendes wirtschaftliches Fundament der
Gewerkschaften, es uebt darüberhinaus einen nachdruecklichen
Elnfluss zur Staerkung und Stabilisierung der gesamten Wirtschaft
aus.
"Drei Haupttendenzen haben sich in den letzten Jahren abgezeichnet: 1.) an dem freien Kollektlwertragswesen als Mittel
zur Regelung der Loehne und uebrigen Arbeitsbedingungen festzuhalten, 2.) das gleiche Kollektlwertragswesen durch breit fundierte Lohnabkommen auf einen Bruchteil zu beschraenken oder
3.) das Kollektlwertragswesen als Teil eines allgemeinen staatlichen Systems zur Regelung der Loehne und Arbeitsbedingungen
auszubauen wie es in den P/lanwirt sc haften der Laender Osteuropas
der Fall ist."
Hinsichtlich der Wirksamkeit bestehender Schlichtungs- und
Schiedssprechungsmethoden heisst es in den Bericht:
«Die Tatsache, dass eine kuerzlich durchgeführte Erhebung
zeigt, dass der auf Streiks zurueckzufuehrende gesamte Arbeitszeitverlust in 22 Laendern in einer Periode von 20 Jahren weniger
als zwei Zehntel eines einzigen Prozents der gesamten Arbeitszeit in jenen Laendern betrug, kann als Beweis fuer den Grad
der Wirksamkeit jener Methoden angesehen werden, die in diesen
Laendern zur Verhuetung und Beilegung aller Streitigkeiten zwischen
Industrie und Gewerkschaften angewendet werden."
ILO News Service
VI/50

DER VERTRAG DER AUTOMOBILARBEITERGEWERKSCHAFT MIT DEN
GENERAL MOTORS-WERKEN
Der folgende Bericht ueber diesen Vertrag stammt
nicht aus Veroeffentlichungen der amerikanischen
Gewerkschaften, sondern hier wird woertlich der
Text benutzt, den die Direktion der General MotorsWerke ueber die Ergebnisse der Verhandlungen mit
der Automobilarbeitergewerkschaft veroeffentlicht
hat. Dies erschien deshalb von besonderer Bedeutung, als dieser Bericht fuer die deutsche Oeffentlichkelt objektiver erscheinen duerfte als der von
den Gewerkschaften veroeffentllchte Schlussbericht.
Zwischen den General Motors-Werken und der Automobilarbeitergewerkschaft ist ein Fuenf Jahresvertrag zustandegekommen,
dem man das Lohnanpassungssystem zugrundegelegt hat, auf das
sich beide Partner vor zwei Jahren bereits geeinigt hatten.
- 9 -

�I

Dieses Abkommen erstreckt sich auf Loehne, Pensionen,
Versicherungen und bestimmte Garantien an die Gewerkschaft
und regelt alle wirtschaftlichen und vertraglichen Probleme
bis zum 29. Mal 1955. Es kann vor diesem Datum von keinem
der beiden Partner gekuendigt werden.
"Dieser FuenfJahresvertrag ist beispiellos In der Geschichte
der Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen," erklaerte C. £. Wilson,
der Praesident der General Motors-Werke. "Es ist zu erwarten,
dass er einen stabilisierenden Einfluss nicht nur auf unser eigenes Unternehmen, sondern darueber hinaus auf die Wirtschaft
des ganzen Landes ausueben wird. Wir sind der Auffassung,
dass die Tatsache, die Furcht vor einem Streik fuer fuenf Jahre
gebannt zu haben, einen ungeheuer konstruktiven Erfolg fuer
unsere Arbeitnehmer, unser Geschaeft, unsere Kunden, unsere
Lieferfirmen und somit fuer die Allgemeinheit darstellt. Der
Abschluss des Vertrages duerfte bedeuten, dass alle daran Beteiligten der Zukunft mit groesserem Vertrauen entgegensehen.
"Was wir von dem Vertrag erhoffen, ist, dass alle Arbeitsplaetze bei General Motors gute Arbeitsplaetze sind. Wir wuenschen, dass unsere Arbeitnehmer gern fuer General Motors arbeiten.
Nur so koennen wir auch in Zukunft so erfolgreich wie bisher
arbeiten und (iualitaetserzeugnisse fuer unsere Kunden herstellen."
Die wichtigsten Bestimmungen des Vertrages sind folgende:
(1) Die Lebenshaltungskostenformel wird ohne Aenderung beibehalten. Sie trat in dem 1948 abgeschlossenen Vertrag das erstemal
auf und sieht vor, dass die Loehne viertelJaehrlich ueberprueft
und den Veraenderungen des Verbraucherpreisindex', den das Statistische Buero des US-Arbeitsministeriums feststellt, angeglichen
werden.
(3) Ab 29. Mai 1950 wird dem Grundtarif eine Jaehrliche Aufbesserungspraemie von 4 Cents je Arbeitsstunde hinzugefuegt*
Waehrend der gesamten Vertragsdauer wird dieser Tarif jaehrlich
um vier weitere Cents erhoeht werden. Hierin spiegelt sich die
Erkenntnis der Automobilarbeitergewerkschaft und der General
Motors-Werke wider, dass ein hoeherer Lebensstandard von den
technologischen Fortschritten und der Zusammenarbeit der Arbeitnehmer abhaengt.
(3) Allen Arbeitnehmern, die von diesem Vertrag erfasst werden
und 25 Dienst Jahre hinter sich haben, wird aus einer nicht beitragspflichtigen Pensionskasse eine Mindestpension in Hoehe von
100 Dollar, einschliesslich der Pension der Bundesstaatlichen
Sozialversicherung, gezahlt. Wenn die eingereichten Vorschlaege
zur Erhoehung der Bundesstaatlichen Sozialversicherungs-Unterstuetzungen Gesetz werden, wird die Pension der General MotorsArbeiter sich in der Form erhoehen, dass die Teilpension der
General Motors-Werke die gleiche wie bei dem Monatssatz von
100 Dollar bleibt, auch wenn durch diese Erhoehungen sich Betraege
ergeben, die die Hundert Dollar Summe betraecbtllch ueberschreiten.
Die Werke werden auch weiterhin fuer Jeden pensionsberechtigten
Arbeitnehmer monatlich nicht weniger als 1.50 Dollar an Penslonsbeitraegen zahlen.
(4) Die Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen werden nach
dem neuen Versicherungsprogramm der General Motors verbessert,
ohne dass den Arbeitnehmern zusaetzliche Kosten entstehen.
Ausserdem werden die General Motors-Werke die Haelfte der Kosten
fuer Krankenhausaufenthalte und fuer die aerztliche Behandlung
des Arbeitnehmers und seiner Familie uebernennten.
- 10 -

�(5) Fuer den Schutz der Gewerkschaften tritt eine abgeaenderte
Bestimmung in Kraft, fuer die sich eine grosse Mehrheit der
von der Automobilarbeitergewerkschaft vertretenen Arbeitnehmer
der General Motors-Werke im Februar dieses Jahres ausgesprochen
hat. Nach den Bestimmungen des Taft-Hartley-Gesetzes hat die
Regierung dieses Abstimmung ueberwacht.
•Die Frage des Schutzes der gewerkschaftlichen Rechte1*,
erklaerte Praesident Wilson, "ist in praktischer und durchfuehrbarer Weise geloest worden. Die Gewerkschaft hat nach dem neuen
Vertrag die Moeglichkeit, ihrer Verantwortung besser gerecht zu
werden. Die zum Ausdruck gebrachten Wuensche der Mehrheit werden
beruecksichtlgt, aber zu gleicher Zeit wird auch der Entscheidung
der Minderheit Rechnung getragen, die aus irgendwelchen Gruenden
nicht Mitglied der Gewerkschaft sein wollen."
Die wichtigsten Bestimmungen des Vertrages enthalten u.a.
folgende Einzelheiten:
Die Loehne werden viertelJaehrlich den Lebenshaltungskosten
angeglichen werden, denen der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bueros des US-Arbeitsministeriums zugrundeliegt. Der
Stichtag-Index vom 15. April, der am 19. Mal veroeffentlicht
wurde, nachte keine Angleichung des gegenwaertigen Lebenshaltungskostenzuschusses erforderlich. Infolgedessen wird der bisherige
Zuschuss von drei Cents Je Stunde In den naechsten drei Monaten
keine Aenderung erfahren. Die naechste Ueberpruefung des Lebenshaltungskostenzuschusses wird unter Zugrundelegung des Verbraucherpreisindexes vom 15. Juli im September erfolgen.
Mit Wirkung vom 29. Mai 1950 wird der Grundtarif in Anbetracht technischer Verbesserungen um eine Jaehrllche Aufbesserungspraemie von vier Cents Je Stunde erhoeht. Fuer die Gesamtdauer
des Vertrages werden dem Tarif Jaehrlich weitere vier Cents Je
Stunde hlnzugefuegt werden. Die Jaehrllche Aufbesserungspraemie
betrug nach dem Vertrag von 1948 drei Cents Je Stunde.
Beide Partner halten weiterhin an dem Grundsatz fest, dass
der technische Fortschritt gefoerdert werden muss, um diese Jaehrllche Aufbesserungspraemie zu ermoegllchen. Der Vertrag enthaelt
folgende Bestimmung zu dieser Frage:
"Die in diesem Vertrag vorgesehene Aufbesserungspraemie zeigt,
dass eine staendlge Verbesserung des Lebensstandards der Arbeltnehmer von dem technischen Fortschritt, von besseren Werkzeugen,
Arbeitsmethoden und Ausruestung sowie von der Zusammenarbeit der
beiden Partner abhaengt. Dieser Methode liegt ausserdem der
Grundsatz zugrunde, dass es ein gesundes wirtschaftliches und
soziales Programm ist, mit dem gleichen Aufwand an Arbeitskraft
mehr als bisher produzieren zu wollen."
Fuer bestimmte Fachberufe sind Lohnangleichungen vorgenommen worden, wodurch die Tarife fuer Werkzeugmacher, Former und
gewisse andere Facharbeitergruppen ausser der Aufbesserungspraemie
noch um fuenf Cents Je Stunde erhoeht werden.
Der neue Vertrag enthaelt ausserdem ein grosszuegig
gestaltetes Programm der Urlaubsbezahlung« Arbeitnehmer mit einem DienstJahr erhalten 40 Stunden, mit drei bis vier Dienst Jahren 60 Stunden,
mit fuenf bis 14 DienstJahren 80 Stunden und mit mehr als 15 DienstJahren 120 Stunden bezahlten Urlaubs.
Alle Arbeitnehmer im pensionsberechtigten Alter, die 25 Dienstjahre erreicht haben, erhalten eine MindestpensIon von monatlich
- 11 -

�100 Dollar, wobei In dieser Summe die Bezuege aus der Bundesstaatlichen Sozialversicherung eingeschlossen sind.
Fuer Arbeitnehmer mit weniger als 25, aber mit mehr als zehn
Dienstjahren betragen die Pensionen einschliesslich der Bezuege
aus der Bundesstaatlichen Sozialversicherung, monatlich mindestens
vier Dollar fuer Jedes zurueckgelegte Dienstjahr.
Bach dem gegenwaertigen oder irgendeinem zukuenftigen
Bundesstaatlichen Sozialversicherungsgesetz wird der Anteil der
General Motors-Werke an allen Pensionen fuer die Dauer dieses
Vertrages mindestens monatlich 1.50 Dollar fuer Jedes Dienstjahr
betragen.
Das normale pensIonsberecht igte Alter ist 65 Jahre. Jeder
Arbeitnehmer kann jedoch auf eigenen Wunsch, vorausgesetzt, dass
er dazu in der Lage ist, bis zum Alter von 63 Jahren weiterarbeiten, mit dem er dann automatisch pensioniert wird. Mit Genehmigung der Gesellschaft kann ein Arbeitnehmer mit ueberdurchschnittllchem fachlichem Koennen und guter Gesundheit auch nach dem
68. Lebensjahre noch weiter taetig bleiben.
Bis zum 1. Januar 1952 sollen, ausser auf eigenen Wunsch des
Arbeitnehmers, keine Pensionierungen erfolgen. Fuer diejenigen,
die nach dem 1. Januar 1950 pensioniert wurden, und denen nach
dem Vertrag die Pensionsberechtigung zuerkannt ist, beginnen die
Pensionszahlungen am 1. Oktober 1950.
Der Pensionsfonds steht unter Treuhaenderschaft und soll
auf 30-jaehriger Basis finanziert werden. Ein gemeinsamer Ausschluss der General Motors-Werke und der Gewerkschaft wird gebildet,
um ueber die Pensionsberechtigung Jedes einzelnen Arbeitnehmers
zu beraten.
Eine andere Bestimmung des Pensionsplanes sieht vor, dass
jeder Arbeitnehmer, der mindestens 15 DienstJahre zurueckgelegt
hat und danach voellig und dauernd arbeitsunfaehig wird, nach
Vollendung seines 50. Lebensjahres eine Invalidenrente von
50 bis 90 Dollar im Monat,je nach der Anzahl seiner Dienstjahre,
bezieht. Diese Invalidenrente steht ihm zu,bis er 65 Jahre alt
ist; von da ab faellt er unter die regulaeren Pensionsbestimmungen.
Unabhaengig von dieser Invalidenrente kann der Arbeitnehmer nach
den Bestimmungen ueber Arbeitsunfaehlgkeit, wie sie der Versicherungsplan der General Motors-Werke enthaelt, eine Unterstuetzung von
der Gesellschaft beziehen.
Die nach dem Gruppenversicherungsplan der General MotorsWerke jetzt gueltlgen Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen
bleiben bei einer Erhoehung der Lebensversicherungssumme um
500 Dollar und der woechentlichen Unterstuetzungen bei Krankheit
und Unfall um 14 Dollar bestehen, ohne dass der Arbeitnehmer
hoehere Praemien fuer diese Versicherungen zu zahlen hat. Nach
dem neuen Vertrag wird sich somit die Lebensversicherungssumme
auf 2.500 bis 5.000 Dollar und die woechentlichen Krankheitsund Unfallunterstuetzungen auf 28 bis 45.50 Dollar bis zu einer
Dauer von 26 Wochen belaufen.
Die General Motors werden nach dem neuen Plan den in Krankenhausbehandlung befindlichen Arbeitnehmern fuer ihre aerztliche
Behandlung einen Hoechstbetrag von 5 Dollar pro Tag gewaehren bis
zu einer Hoechstdauer von 70 Tagen, fuer Krankenhausaufenthalt
gilt
das gleiche.
Die in dem Vertrag von 1948 enthaltene Klausel ueber den
Schutz der gewerkschaftlichen Rechte, in der der Abzug der Gewerk- 12 -

�schmftsbeltraege und sonstiger Abgaben auf freiwilliger Basis
vorgesehen war, wird wie folgt abgeaendert:
1« Allen Arbeitnehmern, die bei Inkrafttreten dieses Vertrages nicht Mitglied der Gewerkschaft sind und keine Beitraege
an die Gewerkschaft entrichten, wird der Beitritt zur Gewerkschaft nicht zur Bedingung ihrer Weiterbeschaeftigung gemacht.
Fuer die Dauer dieses Vertrages sind sie nicht verpflichtet,
Irgendwelche Abgaben oder Beitraege an die Gewerkschaft zu entrichten.
2. Alle Arbeitnehmer, die gegenwaertlg Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft (CIO) sind und Beitraege an die Gewerkschaft direkt oder indirekt auf dem Wege des Lohnabzugs zahlen,
sind verpflichtet, ihre Mitgliedschaft in dieser Gewerkschaft
fuer die Dauer des Vertrages insofern aufrechtzuerhalten, als
es sich um die Zahlung von Beitraegen und sonstigen Abgaben
handelt«
3, Nach Inkrafttreten dieses Vertrages muss ein neueingestellter Arbeitnehmer nach einer Probezeit von drei Monaten
der Gewerkschaft beitreten und Beitraege sowie sonstige Abgaben
entrichten. Der Arbeitnehmer ist jedoch berechtigt, binnen nicht
weniger als zehn und nicht mehr als zwanzig Tage vor Ablauf
seines ersten ArbeitsJahres, das mit der Beendigung der Probezeit beginnt, aus der Gewerkschaft auszutreten und die Zahlung
weiterer Beitraege ohne Nachwirkungen auf sein Beschaeftigungsverhaeltnis einzustellen. Wenn er sich emtschliesst, Mitglied
zu bleiben, muss er als Beschaeftigungsbedingung seine Mitgliedschaft durch Entrichtung der Gewerkschaf tsbeltraege und sonstiger
Abgaben bis zum Ablauf dieses Vertrages aufrechterhalten.
Mitteilung der General Motors
Corporation
23A/50
RUTGERS INSTITUT FEIERT 20-JAEHRIGES BESTEHEN
William Green, der Praesldent der AFL, besuchte die Rutgers
Universitaet, um dort anlaesslich des 20. Jahrestages der Gruendung dieses aewerkschaftsInstituts zu sprechen.
Green hatte diese Universitaet bereits vor 20 Jahren
besucht. Damals war er Zeuge eines voellig neuen Experiments,
das darin bestand, dass sich Erzieher und Gewerkschaftler an
den gleichen Tisch setzten, um sich vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus ueber Arbeitslosigkeit zu unterhalten.
Green erklaerte seinen Zuhoerern - Funktionaere des Gewerkschaftsbundes, Erzieher und fuehrende Persoenlichkeiten der Regierung - dass sie damals Geschichte gemacht haetten. Die verflossenen Jahre haetten die Richtigkeit dieses Experiments unter
Beweis gestellt.
Dieser Gewerkschaftsfuehrer, der stets den Ausbau der Arbeiterbildung befuerwortete, war nicht der Einzige, der als
Beobachter an der ersten regulaeren Konferenz amerikanischer
Erzieher und Gewerkschaftler im Juni 1931 teilgenommen hatte.
Selbst aus Michigan waren Vertreter der Universitaeten gekommen,
um zu sehen, ob dieses Projekt durchfuehrbar sei.

- 13 -

�Die massgeblichen Persoenlichkeiten der Universitaet Michigan waren von dem Wert zusammengefasster ArbeitsInformationen
so ueberzeugt, dass bis zum Juni des folgendes Jahres ein aehnllches Institut in Ann Arbor gegruendet wurde. Heute arbeiten
75 Hochschulen und Universitaeten in 40 Staaten der USA nach
dem Vorbild des Rutgers-Institut?.
Noch staerker war jedoch die Gewerkschaftsbewegung von dem
Ergebnis jener Konferenz vor zwanzig Jahren beeindruckt. Noch
vor dem Abschluss der fuenftaegigen Sitzungsperiode forderten
die Delegierten einstimmig die Einberufung weiterer Konferenzen.
Der Gewerkschaftsbund in New Jersey richtete auf seiner naechsten
Jahreskonferenz an Rutgers die Bitte, diese Konferenzen alljaehrlich stattfinden zu lassen.
In Anerkennung der Verdienste, die sich das Institut auf
dem Gebiet der wechselseitigen Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen
erworben hatte, wurde Im Jahre 1947 durch eine gesetzgeberische
Akte des Staates New Jersey das Rutgers Institut fuer ArbeitgeberArbeitnehmer Beziehungen gegruendet.
"Wekkly News Service" der APL
VI/13/50
WIE EINE GEWERKSCHAFT ZU EINER EISENBAHN AUF PUERTO RICO KAM
Die ehemaligen Besitzer der Puerto Rico-Elsenbahn haben
zu ihrem Bedauern feststellen muessen,dass die Weigerung, Mindestloehne zu zahlen, den Verlust einer Eisenbahn mit sich bringen
kann. Und sie koennen in der Tat sehr betruebt sein, denn sie
sind nicht mehr Besitzer der Eisenbahn.
Die Gesellschaft hatte sich beharrlich geweigert, Mindestloehne zu zahlen, das gesamte Eigentum der Eisenbahngesellschaft
wird deshalb in kurzer Zeit in den Besitz der Arbeitnehmer uebergehen, die Mitglieder des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes von
Puerto Rico (Confederacion General de Trabajadores) sind, waehrend die eigentlich zustaendige Gewerkschaft die Eisenbahnergewerkschaft von Puerto Rico ist.
Die Eisenbahn-Gesellschaft hatte sich nie an das im Oktober
1938 auf Puerto Rico in Kraft getretene Lohn- und Arbeitszeitgesetz gehalten und missachtete es staendig. Dabei belief sich
der Mindestlohn auf Puerto Rico und den Virgin-Inseln nur auf
25 Cents in der Stunde - die Eisenbahn-Gesellschaft zahlte drei
Jahre lang einer ganzen Reihe ihrer Arbeitnehmer nur drei Cents
pro Stunde!
Der von der Eisenbahnergewerkschaft angestrengte Prozess,
der mit der Ueberfuehrung der Eisenbahn in den Besitz der Arbeiter
endete, erstreckte sich bereits ueber neun Jahre.
Als die Prozessaussichten unguenstig wurden, hielt die
Gesellschaft die Zeit fuer gekommen, ihren Aroeitern Einigungsvorsphlaege zu unterbreiten. Die Unternehmer boten den Eisenbahnern an, die Forddrungen auf rueckstaendige Loehne bis zu einem
Betrag von 700.000 Dollar auszuzahlen, diese Summe haette Jedoch
nur 45T£ des geschuldeten Betrages ausgemacht.

- 14 -

�Als Gegenleistung sollten die Arbeiter Verzichtserklaerungen
unterschreiben, die die Unternehmer jeglicher weiterer Verpflichtungen enthoben haetten. Unter den Eisenbahnarbeitern gab es
jedoch kluegere Koepfe. Sie baten Ernesto Hamos Antonini, den
Sekretaer fuer auswaertige Beziehungen und Rechtsberater des
Gewerkschaftsbundee von Puerto Rico, um einen Rat. Ramos Antcnini
ist ausserdem Sprecher im Repraesentantenhaus von Puerto Rico.
Der Rechtsberater des Allgemeinen Gewerte chaf tsbundes von
Puerto Rico verklagte die Gesellschaft beim amerikanischen
Bezirksgericht in Puerto Rico. Er bestand nicht nur auf der
Annullierung der Abkommen, die zwischen der Gesellschaft und
einzelnen Arbeitern zustande gekommen waren, sondern auch darauf,
dass die Gesellschaft den Arbeitern eine Gesamtsumme von etwa
drei Millionen Dollar schuldet, in der ueber die angebotenen
700.000 Dollar hinaus die restlichen 55# an rueckstaendigen
Loehnen und eine Entschaedigung von 100g enthalten sind.
Das Gericht entschied jedoch zugunsten der Eisenbahn-Gesellschaft. Ramos Antonini, ein Mann, der nicht leicht etwas aufgibt,
brachte den Fall vor das Bezirksappellationsgericht von Boston,
das die Unternehmer verurteilte.
Aber die Gesellschaft wollte unter allen Umstaenden den
Prozess gewinnen und wandte sich an den Obersten Gerichtshof der
Vereinigten Staaten, der jedoch das Urteil bestaetigte.
Die Gesellschaft machte Jetzt Bankerott. Die Arbeiter sahen,
wie ihnen die Fruechte ihres schweren Kampfes um ihr Recht regelrecht entglitten, es konnte ihnen passieren, dass sie in dem
Konkursverfahren eine wesentlich geringere Summe erhielten,
als ihnen durch das Gerichtsurteil zuerkannt war.
Auf Veranlassung Ramos Antoninls und der Fuehrer der
Eisenbahnergewerkschaft ueberpruefte der Gouverneur von Puerto
Rico, Luis Munos Marin die Moeglichkeiten, die Eisenbahngesellschaft
in den Besitz der Arbeiter uebergehen zu lassen.
Es war ein gluecklicher Tag fuer die Mitglieder der Eisenbahnergewerkschaft von Puerto Rico, als die Dokumente ueber die
Uebergabe der Eisenbahngesellschaft an die Arbeiter unterzeichnet
wurden.
Die Arbeiter haben 40 Jahre Zeit, um den endgueltigen Kauf
der Eisenbahngesellschaft durchzufuehren. Sie werden die Verwaltung der Elsenbahn einer Genossenschaft uebergeben, die sie
bereits gebildet haben» in wenigen Wochen wird sich das gesamte
Eigentum der Eisenbahngesellschaft in ihrem Besitz befinden.
Kurze Zeit spaeter gab es einen anderen grossen Tag in der
Geschichte der Eisenbahnergewerkschaft. 712714 Dollar wurden in
Form von Schecks oder Genossenschaftsaktien in San Juan, Ponce
und Mayaguez an die Gewerkschaftsmitglieder verteilt.
Ramos Antonini sprach waehrend der Feier, auf der die
ersten Schecks und Aktien ausgehaendigt wurden. An dieser Feier
nahmen teil: George De Nucci, der Vertreter des CIO in Frerto
Rico, Ernest Schwarz, der Sekretaer des AHL-Komitees fuer lateinamerikanische Angelegenheiten sowie Fernando Zegri, der Konkurs- 15

�Verwalter der Eisenbahngesellschaft nach dem Bankerott.
Wenn Sie also einmal in Puerto Rico reisen sollten, dann
wird Ihr Zug von Arbeltern bedient werden, die gleichzeitig
Besitzer der Elsenbahn sind«
The CIO News
VI/12/50
KEINE GEHEIMEN STREIKBEFEHLE IM BERG ARBEIT ERSTREIK
John L. Lewis, der Vorsitzende der Berg arbeit ergewerkschaft,
erklaerte In einem Schreiben an einen Unterausschuss des Komitees
des Repraesentantenhauses fuer Erziehung und Gewerkschaften,
der sich mit Gewerkschaftsdemokratie beschaef tlgt, dass waehrend
des Bergarbeiterstreiks Im letzten Winter keine geheimen Streikbefehle an die Arbeiter ergangen seien. Diese Frage wurde eroertert, well ein Gewerkschafts funkt lonaer, der wegen einer Strafe
von 50.000 Dollar seiner Funktionen enthoben worden war, der
Gewerkschaft vorgeworfen hatte, geheime Instruktionen zur Einstellung der Arbeit an die Arbeiter gegeben zu haben.
Weekly Labor News Digest
V/50/17
- 16 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HIC0G. APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Aui Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
I

I I I - 18

F r a n k f u r t , 7 . J u l i 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Kolumbianischer Gewerkschaftsbund tritt aus dem Weltgewerls chaftsbund aus - - - - - - - - - - - - - - - l
Die Havanna-Konferenz gruendet interamerikanische
Vereinigung fuer Demokratie und Freiheit - - - - - 2
AFL protestiert gegen die Aufloesung der Erdoelarbei-'
tergewerkschaften in Venezuela - - - - - - - - - - 4
Juan A. Acuna: Die Montevideo-Konferenz des Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbundes - - - - - - - - 5
Pere F. Seward: Oeffentliche Arbeiten - Schluessel
zum Fortschritt - - - - - - - - - - - - - - - - - - 6
Arbeitsmoeglichkeiten und Umsiedlung - - - - - - - 9
Arbeitsminister Tobin zur Entscheidung des Obersten
Gerichtshofes zum Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen 11
Internationaler Verband der Vereinigungen fuer Arbeiterbildung
—
12
Perons Antwort an den Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 5

KOLUMBIANISCHER GEWERKSCHAFTSBUND TRITT AUS DEM WELTGEWERKSCHAFTSBUND AUS,
Dem Beispiel des mexikanischen Gewerkschaftsbundes folgend,
hat sich der Kolumbianische Gewerkschaftsbund auf seiner letzten
Konferenz in Bogota entschlossen, aus dem Welt- und dem Lateinamerikanischen Gewerkschafts bund auszutreten. Der Vorschlag,
die kommunistisch gefuehrte Weltgewerkschaftsorganisation zu
verlassen, wurde von den Kommunisten und einer kleinen Gruppe
irregefuehrter "Liberaler" heftig angefochten. Es gelang ihnen
Jedoch nicht, die notwendigen Stimmen zur Ablehnung des Vorschlags
sich zu sichern. Spaeter verliessen sie die Konferenz und bildeten eine eigene Organisation. Sie griffen damit zu der typisch
kommunistischen Taktik, die all das zerstoeren wollen, was sie
nicht beherrschen koennen»
Die Mehrzahl der Delegierten des Kolumbianischen Gewerkschaftsbundes bekraeftigte daraufhin ihren Entschluss, aus dem
Weltgewerkschaftsbund und dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund auszutreten, indem sie sich eindeutig fuer den Anschluss an
den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften aussprachen, dessen
Zentrale sich in Bruessel befindet. Die regionalen Organisationen
fuer die westliche Hemisphaere soll in Kuerze gebildet werden.
Inter-American Labor News
VI/50

�DIE HAVANNA-KONFERENZ GRUENDET INTERAMERIKANISCHE VEREINIGUNG
FUER DEMOKRATIE UND FREIHEIT
Die freie Gewerkschaftsbewegung hat mit der Interamerikanischen Konferenz fuer Demokratie und Freiheit, die in Havanna
abgehalten wurde und vom Interamerikanischen Gewerkschaftsbund
auf seiner zweiten Konvention in Havanna im September vorigen
Jahres befuerwortet worden war, eingn weiteren Sieg im Kampf
um die Erhaltung der zivilen Rechte der Hemisphaere zwischen
Atlantik und Stillem Ozean errungen. Die Konferenz stand unter
der Schirmherrschaft eines ausgezeichneten Komitees massgeblicher
politischer Persoenlichkeiten, Intellektueller und Gewerkschaftsführer und bot zum erstenmal den wahrhaft demokratischen Kraeften
Nord-, Mittel- und Suedamerikas eine Gelegenheit, zusammenzukommen.
Frei von Jedem Druck seitens der Regierungen und frei von Jeden
diplomatischen Beschraenkungen eroerterte und plante die Konferenz,
was die amerikanischen Voelker zur Abwehr des Totalitär Ismus und
zur Staerkung der Demokratie und Freiheit gemeinsam tun koennen.
Obwohl nur wenige Monate zur Vorbereitung dieser Konferenz
zur Verfuegung standen, und obwohl die Kommunisten und ein halbes
Dutzend Militaerdiktaturen oder ultrareaktionaere Regierungen
Lateinamerikas von Anfang an offen gegen die Einberufung dieser
Konferenz kaempften, waren doch nahezu 150 Delegierte im Kapitol
von Havanna zu diesem, historischen Treffen versammelt. Sie kamen
aus Argentinien, Uruguay, Chile, Peru, Kolumbien, Panama, Venezuela, Honduras, Costa Rica, Nicaragua, Guatemala, Mexiko, Puerto
Rico, der Dominikanischen Republik, Kuba und den Vereinigten
Staaten. Einige von ihnen waren beruehmte Inteilektuelle, andere
politische Fuehrer und Gewerkschafter, die im Exil leben; ausserdem waren Kongressmitglieder, Senatoren, Kabinettsminister, Journalisten, Universitaetspröfessoren und Gewerkschaftsfuehrer jener
Laender zugegen, in denen die Demokratie stark und gesichert ist.
Als Delegierte der Gewerkschaftsbewegung waren anwesend:
George P. Delaney, Charles Zimmermann und Serafino Romualdi von
der AFL; Dr. Ernst Schwarz vom CIO; Senator Euseblo Mujal und
Pablo Balbuena vom kubanischen Gewerkschaftsbund; Franzisco Aguirre,
Generalsekretaer des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes; Augusto Malave Villalba vom Gewerkschaftsbund Venezuelas; Oscar Zuniga vom Gewerkschaftsbund *Rerum Novarum" von Costa Rica; Andres
Townsend vom peruanischen Gewerkschaftsbund und Bernoardo Ibanez,
der chilenische Praesident des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes und Vizepresident des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Der doppelte Zweck dieser Konferenz bestand in der Demonstration der interamerikanischen, demokratischen Solidaritaet gegen
Jegliche Form des Totalitarismus und in der Begruendung einer
staendigen Organisation, deren zukuenftige Taetigkeit sich nicht
nur in der westlichen Hemisphaere erschoepfen sollf sondern auch
mit aehnlichen Organisationen in anderen Teilen der Welt zusammenarbeiten soll, falls die Notwendigkeit dafuer gegeben ist. Beide
Aufgaben wurden geloest.
In der Havanna-Deklaration wurde die demokratische Solidaritaet der Voelker Amerikas in hervorragender Weise zum Ausdruck
gebracht und proklamiert. In dieser Deklaration wurde der Chapultepecer-Grundsatz erneut feierlich bestaetigt, in dem es heisst:
"Amerika kann nicht ohne Gerechtigkeit und ohne Freiheit leben."
- 2 -

�Die Havanna-Deklaration verurteilt aufs schaerfste jede
Form von Kommunismus, Faschismus, Falangismus und Nazismus;
sie proklamiert die Notwendigkeit, den Lebensstandard der Voelker zu heben, um die Demokratie Wirklichkeit werden zu lassen;
sie befuerwortet die uneingeschraenkte Garantie politischer,
gewerkschaftlicher, buergerlicher und religioeser Freiheiten;
sie bestaetigt erneut die Politik der Nichteinmischung in die
inneren Angelegenheiten eines souveraenen Staates. In ihr wird
Jedoch auch die Forderung erhoben, jene Regierungen, die das
Ergebnis einer militaerischen Erhebung gegen ein verfassungsgemaesses Regime darstellen, anzuerkennen«
In anderen von der Konferenz gebilligten Resolutionen wird
Jedoch gefordert, dass jenen Regierungen wirtschaftliche und
finanzielle Hilfe versagt werden muesse, die die buergerlichen
und gewerkschaftlichen Freiheiten missachten; es wird vor Waffenlieferungen an die Militaer-Diktaturen Lateinamerikas gewarnt,
die zur Bekaempfung der demokratischen Opposition und nicht zur
Verteidigung der Hemisphaere verwendet werden koermten; es wird
proklamiert, dass die Amerikaner zu der demokratischen Familie
der Welt gehoeren, und dass sich die Neue Welt bereit erklaert
hat, gemeinsam gegen jegliche Form totalitaerer Durchdringung
und Aggression zu kämpfen.
Um diese Ziele verwirklichen zu koennen, beschloss die
Konferenz einstimmig, die Interamerikanische Vereinigung fuer
Demokratie und Freiheit zu gruenden. Der Hauptsitz dieser Vereinigung wird Montevideo, die Hauptstadt Uruguays sein. Eine
staendige Delegation wird ihren Sitz in den Vereinigten Staaten
haben, wo sie in Washington und New York Bueros bezieht. Dieser Delegation faellt die bedeutungsvolle Aufgabe zu, Beziehungen
zu der Organisation der Vereinten Nationen und ihren verschiedenen Kommissionen zu unterhalten, die sich mit Menschen- und Buergerrechten befassen. Die Delegation wird in staendigem Kontakt
bleiben mit den amerikanischen Staaten, mit dem US-Arbeitsministerlum und anderen Pegierungsbehoerden, die sich mit lateinamerikanischen Fragen beschaeftigen, mit dem Kongress, der Presse, den
Lehranstalten, den Gewerkschaften und anderen Sektoren der amerikanischen oeffentliehen Meinung.
Die Delegation hat weiterhin die Aufgabe, die Taetigkeiten
der ihr angeschlossenen Organisationen in der gesamten westlichen
Hemisphaere auf einen Nenner zu bringen, sodass die Einheitlichkeit der Aktion im Hinblick auf grundlegende Probleme der Demokratie gefoerdert wird. Sie wird ausserdem von Zeit zu Zelt
genaue Informationsberichte ueber den Stand der Demokratie und
der Sicherung buergerlicher Rechte in den verschiedenen lateinamerikanischen Laendern veroeffentlichen, die von unparteiischen
und unbeelnflussten Persoenlichkeiten zusammengetragen und ausgewertet werden; diese Informatoren muessen sich von jeder Parteiergreifung fernhalten, da diese oft das Urteil eines Einzelnen
oder ganzer Gruppen beeinflussen koennten, dass diese Grundrechte
der Verfolgung oder gesetzes widriger Handlungsweisen einer Regierung ausgesetzt seien.
Obwohl in dieser Konferenz die Gewerkschaftsvertreter in
der Minderheit waren, muss gesagt werden, dass die Schlüsselstellung des Gewerlschaftswesens in dem weltumfassenden Kampf
um die Erhaltung buergerlicher Freiheiten anerkannt wurde.
George P. Delaney von der AFL wurde beauftragt, die Gewerkschaften in dem slebenkoepfigen Ehrenpraesidium der Gruendungs- 3 -

�Sitzung dieser Konferenz zu vertreten. Seraflno Romualdl (AFL)
und Dr. Ernst Schwarz (CIO) wurden als Gewerkschaftsvertreter
In den neun Mitglieder umfassenden Exekutivaussc huss der neugegruendeten Interamerikanischen Organisationen gewaehlt.
Die uebrlgen Mitglieder des Exekutivausschusses sind Roger
N. Baldwin und Frau Frances Grant (US), Dr. Emilio Frugoni und
Senator Juan Guichon (Uruguay), Victor Raul Hava de la Torre
(Peru), den Senator Manuel Seoane zeltwellig vertreten wird,
Dr. Aurelanio Sanchez (Kuba) und Professor German Arciniegas
(Kolumbien). Stellvertretende Mitglieder sind Walter White (USA),
Dr. Ernesto Sammartino (Argentinien), Dr. Manuel Galich (Guatemala), Dr. Manuel Fazlo (Costa Rica) und Senator Eduardo Rodriguez (Uruguay).
Labor News des Interamerikanischen
Gewerkschaftsbundes
VI/50
AFL PROTESTIERT GEGEN DIE AUFL0E3UNG DER EfiDELARBEITERGEWERKSCHAFTEN IN VENEZUELA"
Die Militaerregierung Venezuelas schrieb im vorigen Monat
ein weiteres schwarzes Kapitel in ihr Tagebuch antigewerkschaftlicher Massnahmen. Sie loeste 46 Lokalgewerkschaften der Erdoelarbeiter auf, die In Streik getreten waren, um die Unternehmer zu
zwingen, Verhandlungen ueber einen neuen Lohntarif in die Wege
zu leiten.
Sobald es offenbar wurde, dass durch den Streik die Erdoelproduktion fast 100-prozentig stillgelegt wurde, erklaerte die
Regierung den Streik als illegal. Sie loeste sofort alle daran
beteiligten Gewerkschaften auf und erliess den Befehl, die Wohnungen der Streikenden vom Wasser-, Strom- und Gasversorgungsnetz zu
trennen. An vielen Stellen verwehrte man ihnen sogar den Zutritt
zu den Verkaufslaeden, die Eigentum der Unternehmer sind, man entzog den Streikenden somit buchstaeblich die Nahrung. In Telegrammen an den Vorsitzenden der UNO-Komisslon fuer Menschenrechte und
den Generalsekretaer des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften wurden diese unmenschlichen Methoden durch Augusto Malave Villalba, dem Generalsekretaer des Gewerkschaftsbundes Venezuelas, angeprangert. Villalba haelt sich zur Zeit im Exil in Kuba auf.
Sobald der Amerikanische Gewerkschaftsbund (AFL) von diesen
neuesten Entwicklungen in Venezuela Kenntnis erhielt, beauftragte
er das Komitee fuer Internationale Arbeitsbeziehungen durch seinen
internationalen Vertreter Georg P. Delaney, das Internationale Arbeltsamt ueber diese Methoden der Streikbekaempfung zu informieren.
Am Tage darauf richtete Delaney an David Morse, den Generaldirektor
des IAA, folgendes Telegramm:
"DAS KOMITEE DER MILITAERREGIERUNG VENEZUELAS HAT 4* LOKALGEWERKSCHAFTEN DER ERDOELARBEITER AUFGELOEST UND DIE EINZIEHUNG DES GESAMTEN BESITZES UND VERMOEGENS DIESER ORGANISATIONEN ANGEORDNET. IN DIESEN LOKALGEWERKSCHAFTEN SIND SAEMTLICHE GEWERKSCHAFTSMITGLIEDER DIESES INDUSTRIEZWEIGES ORGANISIERT. DIESE MASSNAHME WURDE ERGRIFFEN, WEIL DIE ERDOELARBEITER NACH ABLAUF IHRES TARIFVERTRAGES IN STREIK GETRETEN
WAREN, UM SICH BESSERE BEDINGUNGEN ZU ERKAEMPFEN. ANGESICHTS
DIESER NEUEN OFFENKUNDIGEN VERLETZUNG GEWERKSCHAFTLICHER
RECHTE DURCH DIE REGIERUNG VENEZUELAS FORDERT DER AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBUND AFL, DASS DIESER FALL DEM "IAA UNTERSUCHUNGS- UND SCHLICHTUNGSAUSSCHUSS WEGEN DER VERLETZUNG GEWERKSCHAFTLICHER RECHTE" UEBERGEBEN WIRD."
Inter-American Labor News
VI/50
- 4 -

�Juan A. Acuna:
DIE MONTEV IPSO- KONFERENZ DES LAT EI N M ERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTS- .
BUNDES.
Lombardo Toledanos Lateinamerikanischer Gewerkschaftsbund und
der Weltgewerkschaftsbund beriefen eine sogenannte Südamerikanische
Gewerkschaftskonferenz nach Montevideo ein. Obwohl diese Konferenz
fuer die Arbeiter sozusagen wertlos war, hatte sie doch vom politischen Standpunkt gesehen grosse Bedeutung. Den wirtschaftlichen
und sozialen Problemen der Arbeiter wurde wenig Beachtung geschenkt;
umso staerker waren die gesamten Besprechungen politischen Problemen
von Weltbedeutung und ihren lokalen Zusammenhaengen gewidmet. Hauptzweck dieser Konferenz war somit, den dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund und dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossenen Gewerkschaften die politischen Anweisungen der kommunistischen Internationale zu uebermitteln, die im Grunde nichts anderes als Verpflichtungen fuer die Verteidigung der Interessen und Massnahmen
Sowjetrusslands und eine Kampfansage an den sogenannten "YankeeImperialisaus" enthalten. Dieses Thema stand waehrend der gesamten
Konferenz zur Debatte, um dieses Thema drehten sich alle Manifestationen und Resolutionen.
Tonangebend war Lombardo Toledano auf dieser Konferenz, der in
einer Analyse der Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten
Staaten den USA alle moeglichen aggressiven Absichten andichtete und
schliesslich erklaerte: "Sollten die Vereinigten Staaten verrueckt
genug sein, einen neuen Krieg zu entfachen, so wuerden sie diesen
Kampf verlieren, denn alle Voelker der Erde werden sich gegen den
Angreifer erheben. Dieser grausame und verbrecherische Angreifer
ist und wird der Yankee-Imperialismus sein; ihm gilt der Kampf des
Kommunismus, mit dem Sie alle so sehr verwachsen sind. Damit soll
Jedoch nicht das Volk der Vereinigten Staaten und auch licht die
Gewerkschaftsbewegung dieses Landes getadelt werden, d &lt;.e unter dem
wirtschaftlichen und politischen Druck des Imperialismus zu leiden
hatten und auch heute ntch darunter leiden."
Lombardo Toledano und seine Freunde vermi^^n es wohlweislich,
ueber Jenen anderen Imperialismus zu sprechen, der seine despotische
Diktatur ueber die halbe Welt ausgebreitet hat. Toledano vergass
den sowjetischen Imperialismus, der seine Opfer der elementarsten
Menschenrechte beraubt« Unter diesem Imperialismus waere eine
derartige Konferenz sicherlich nicht erlaubt worden, und sie haette
nicht unter solch friedlichen Umstaenden wie in Uruguay stattfinden koennen. Diese Konferenz demonstriert erneut die Rolle, die
Lombardo als kommunistischer Koeder in der organisierten Arbeiterschaft spielen soll.
Die südamerikanische Gewerkschaftskonferenz versuchte also,
die angeschlossenen Gewerkschaften In die Kampffront des Internationalen Kommunismus gegen die Vereinigten Staaten einzureihen,
den sie als Kampf gegen den "Yankee-Imperialismus" bezeichnet.
Konkret gesprochen, hatte die Konferenz die folgenden Ziele:
1. Die Vereinigten Staaten im Falle eines Krieges mit Russland von den grossen Hilfsquellen des wirtschaftlich entwickelten
Lateinamerikas abzuschliessen;
2. Die wirtschaftliche und soziale Lage Lateinamerikas durch
eine ununterbrochene Streikwelle zu zerruetten und damit die Arbeiter und Bauern dieses Gebietes vom Versagen der politischen Demokratie zu ueberzeugen!
Dieser doppelte Zweck, den die Kommunisten in Lateinamerika
verfolgen, ist deshalb besonders gefaehrlich, weil der Kampfruf ge5 -

�gen den Imperialismus auf begierige Ohren Jener Bauern und Arbeiter
trifft, die in der Vergangenheit unter dem amerikanischen Imperialismus zu leiden hatten. Die Kommunisten haben sich eingehend mit diesen Beschwerden befasst und mit ihrer Hilfe versucht, einen Propagandafeldzug einzuleiten, der die Voraussetzungen schafft, um in einem
eventuellen Krieg, in den Russland verwickelt wird, sowohl die politische Demokratie als auch die Unterstuetzung'der Vereinigten Staaten
zu sabotieren.
Um sich diese aeussere guenstige Situation zunutze zu machen und
diesen kommunistischen Sabotagefeldzug besser zu organisieren, wurde
die "Südamerikanische Gewerkschaftskonferenz" abgehalten. In dieser
Frage duerften keine Unklarheiten bestehen. Die wirtschaftlichen und
sozialen Probleme, die den Arbeitern am Herzen liegen, wurden zugunsten weltkommunlstischer Interessen voellig beiseitegedraengt. So
sehen die Tatsachen hinter den heuchlerischen Schlagworten der Kommunisten von "gewerkschaftlicher Einheit" und "patriotischem Kampf" aus.
Die Arbeiter wissen sehr gut, dass die Kommunisten an gewerkschaftlicher Einheit oder an Patriotismus sehr wenig Interesse haben, es sei
denn, diese dienten den Interessen Sowjetrusslands.
Labor News - Interamerikanischer Gewerkschaftsbund
VI/50
Pere F. Seward:
QEFFENTLICHE ARBEITEN - SCHLUESSEL ZbM FORTSCHRITT
In Amerika hat die Bautaetigkeit in der Nachkriegszeit einen
maechtigen Aufschwung erfahren. 1949 beliefen sich die Kosten fuer
Neubauten auf insgesamt 19,3 Billionen Dollar, den hoechsten Dollarbetrag in der Geschichte, und es ist anzunehmen, dass diese Spitzensumme im Jahre 1950 wieder erreicht wird. Bei der gegenwaertlgen Abnahme der privaten Bautaetigkeit bedeutet dies jedoch, dass das Mass
des oeffentlichen Bauens staendig gesteigert werden muss, um diesen
Hoechststand halten zu koennen*
Es ist hierbei zu beruecksichtigen, dass dieser Epoche Jahre
vorausgingen, in denen das Bauen und alle oeffentlichen Arbeiten,
die nicht unbedingt erforderlich waren, zurueckgesteilt wurden; Jahre,
in denen man ausbesserte und reparierte oder das Fehlende provisorisch
ersetzte; der heutige Bedarf geht somit auf zwei Jahrzehnte zurueck.
Heute ist aber weiter zu beruecksichtigen, dass die Bevoelkerungsziffer .
staendig zunimmt, Industrie und Handel die Moeglichkeit haben, mehr
Beschaeftigungsplaetze als bisher zu bieten, und dass sich der Lebensstandard staendig verbessert«
Dabei muss die Frage auftauchen und untersucht werden, ob das gegenwaertige private und oeffentliche Bauvolumen der US- Wirtschaft
mit ihren hohen Beschaeftigungsziffern. die sich staendig steigern,
ueberhaupt noch genuegt. Vergleiche auf der Basis des Preisniveaus
ergeben, dass die 19.3 Billionen von 1949 erheblich unter den Betraegen der Jahre 1925 bis 1929 und 1941 und 1942 liegen, obwohl
das Jahr 1942 bereits ein Kriegsjähr war.
Sicherlich wuerden alle Gebaeude, Strassen, Elsenbahnen und
andere oeffentliche, in den spaeten zwanziger Jahren erbauten Einrichtungen den Anforderungen der 150 Millionen Amerikaner von heute
oder einer Wirtschaft mit einem nationalen Einkommen von 225 Billionen Dollar bei weitem nicht genuegen. Sie wuerden dem staendigen
Zuwachs der Bevoelkerung und damit derjenigen, die eines Tages beschaeftigt werden muessen, nicht gewachsen sein.
- 6 -

�Allein auf der lokalen Ebene befinden sich die notwendigen
oeffentllchen Arbeiten In einem Rueckstand, dessen Ausgleich nahezu 100 Billionen Dollar kosten duerfte. Es wird Jahre dauern, bis
das Versaeumte nachgeholt werden kann; es muss jedoch schleunigst
nachgeholt werden, wenn der jetzige amerikanische Standard der allgemeinen Wohlfahrt, Gesundheit und Bildung aufrechterhalten werden
soll. In der Bekaempfung oertlicher Arbeitslosigkeit und gesunkener Kaufkraft koennen oeffentllche Arbeiten zum ausschlaggebenden
Werkzeug der nationalen Wirtschaft werden.
Durch das Bauen ist Amerika reich und wohnlich geworden.
Oeffentllche Arbeiten zum Wohle des Volkes stellen einen Gradmesser
fuer den Fortschritt dar. Es wird gebaut, um den jetzigen Ansprechen der Menschen genuegeni zu koennen, aber es wird auch fuer die
Kinder und die spaeteren Generationen gebaut. Ueberall fehlt es an
Gebaeuden zur Steigerung der Produktion, des Handels und zur Unterbringung der oeffentllchen Dienste.
Wenn die gegenwaertlge Wirtschaftslage den vollen Einsatz des
oeffentllchen Baupotentials unmoeglich macht, muss trotzdem heute
bereits geplant werden, wie den Anforderungen der Zukunft am besten
entsprochen werden kann, um auf diese Weise nicht nur wirtschaftlichen Schwierigkeiten vorzubeugen, sondern auch fuer das organische
Anwachsen der Staedte und Doerfer durch eine der Dringlichkeit entsprechenden Bauplanung Sorge zu tragen.
Planung? Ein ausgezeichnetes Wort, solange es nicht den bitteren Beigeschmack der "staatlichen Unters tu et zung"erhaelt. Planen
helsst an die Arbeit gehen, um bestimmte Anforderungen zu erfuellen.
Die Idee, oeffentllche Arbeiten zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit durchzufuehren, ist keineswegs neu. Die roemischen Kaiser
kannten sie bereits vor 2000 Jahren, als die unvergleichlichen
Strassen und grossen Wasserleitungen gebaut wurden. Die Annahme
waere erfreulich, dass seit jener Zeit die Menschen viel gelernt
hatten, aber ist es tatsaechlich so? Die Erinnerung an die Zeit
nach dem ersten Weltkrieg, als die Regierung zu sehr den wiederaufkommenden Kraeften der Privatindustrie vertraute, um die heimkehrenden Soldaten und die entlassenen Ruestungsarbeiter wiederaufzunehmen, ist nicht vergessen. Sehr viele werden sich noch Jener
Tage der Verwirrung erinnern.
Mit gutem Grund kann angenommen werden, dass die Wirtschaft
durch oeffentllche Arbeiten bereits vor einer Depression bewahrt
wurde. Als Beispiel sei die Verwaltung fuer Oeffentllche Arbeiten
angefuehrt. Zwar konnten ihre Programme niemals schnelle Ergebnisse und Erfolge zeitigen, weil es an durchgeplanten und vorbereiteten Projekten fehlte. Letzten Endes fuehrte es Jedoch trotzdem
zur Wiederbeschaeftigung, wenn auch 18 lange und schwere Monate noetlg waren, um fuer 100.000 Arbeiter Beschaeftigungsmoeglichkeiten
zu schaffen. Geld war vorhanden, aber - keine Plaene.
Diese Erfahrungen Hessen es wohl angebracht erscheinen, eine
Reserve an fertig geplanten, oertlich gebundenen oeffentllchen Arbeiten bereitzuhalten, ueber die nach dem zweiten Weltkrieg Vertraege geschlossen werden konnten. Dieser Nachkriegsbedarf schien zu
jener Zeit realistisch und angemessen zu sein.
Im Fruehjahr 1945 genehmigte der Kongress das erste Vorplanungsprogramm, durch das die Beschaeftigungsluecke ueberbrueckt werden
sollte, die sich nach dem Kriege mit der Rueckkehr der Soldaten und
der Stillegung der Ruestungsbetriebe oeffnen konnte. Wenn hierueber
offen geredet wird, ergibt sich, dass ein Programm fuer oeffentllche
- 7 -

�Arbeiten allein das Land niemals aus einer tiefen wirtschaftlichen
Depression haette herausreissen koennen, ein bis zum Anlaufen vorbereitetes Programm fuer oeffentliche Arbeiten haette aber die
Bauindustrie und die ihr verwandten Industriezweige stabilisieren
koennen, d.h. den ausser der Landwirtschaft umfangreichsten Sektor
der Wirtschaft.
Dieses Planungsprogramm endete mit dem Kriegsmobilmachungsund dem Umstellungsgesetz von 1944 am 30. Juni 1947. Nachdem die
erwartete Rueckwaertsbewegung des wirtschaftlichen Potentials nicht
eintrat, wurden die fuer das Programm bereitgestellten Gelder vom
Kongress zurueckgezogen, aber erst dann, als eines der interessantesten Experimente in der gesamten Geschichte der amerikanischen
Bauindustrie begonnen war.
Das Programm konnte nicht voellig ausgewertet werden, jedoch
sind es immerhin 6.764 oeffentliche Arbeitsprojekte, deren Kosten
sich schaetzungswei3e auf 2,7 Billionen belaufen werden, die auf
dem Papier durchkonstruiert und endgueltig verplant wurden. Hierzu
gehoeren Schulen, Krankenhaeuser und Erholungsheime, Be- und Entwaesserungssysteme, KLaeranlagen und andere sanitaere Einrichtungen,
Ueberfuehrungen, Bruecken, Strassen, Bahnuebergangsanlagen, Flughafenprojekte, oeffentliche Bauten, Gebaeude des oeffentlJc hen Dienstes
und Erholungsheime. Alle diese Einrichtungen werden dringend benoetigt.
Die Tatsache, dass eine bis ins Einzelne gehende Planung der Projekte rechtzeitig vor Baubeginn niedergelegt wurde, Kann als die
bedeutendste Entwicklung auf dem Gebiet der oeffentlichen Arbeiten
in der Jetztzeit bezeichnet werden.
Der 81. Kongress bewilligte erneut das zweite VorplanungsProgramm, genehmigte 100 Millionen Dollar fuer zwei Jahre und stellte
sofort 25 Millionen Dollar zur Verfuegung. Administrator Jess Larson von der Verwaltung fuer Allgemeine Dienste wurde mit der Verwaltung dieses Programms beauftragt, und dieser uebermittelte es der
Abteilung fuer Oeffentliche Einrichtungen zur Ausfuehrung. 139 Antraege fuer oeffentliche Arbeitsprojekte, deren Gesamtkosten sich
schaetzungsweise auf 90.365.846 Dollar belaufen werden, sind bereits
genehmigt worden. Hunderte weiterer Antraege werden noch von den
Sachverstaendigen des Bueros in Washington oder der Abteilung fuer
Oeffentliche Einrichtungen ueberprueft. Die gesamte Lage wird von
dem grossen Rueckstand an oeffentlichen Arbeiten beherrscht, deren
Durchfuehrung die fast astronomische Summe von 100 Billionen Dollar
erfordern wuerde.
Wenn in wirtschaftlich guenstigen Zeiten aus privaten Mitteln
neue Fabriken, Wohnhaeuser und Geschaeftsgebaeude gebaut werden,
fuer die neue Wasser- und Kanalverbindungen, neue Strassen, heue
Feuerwehrstationen »neue Schulen und aehnliche Einrichtungen notwendig sind, dann muessen Moeglichkeiten zur Durchfuehrung oeffentlicher
Arbeiten geschaffen werden. Waehrend Einzelprojekte zurueckgestellt
werden koennen, darf mit dem Bau von Hauptstrass^n und schwierigen
Konstruktionsarbeiten nicht bis zum Eintritt einer Krise gewartet
werden. Hier gibt es jedoch eine wichtige Ausnahme: Der Bau von
oeffentlic hen Ge baeuden.
Das Tempo der privaten Bautaetigkeit entspricht praktisch
dem der staatlichen, obwohl der Bedarf der Bundesregierung an Neubauten sehr gross ist und ihr Fehlen sich oft recht kostspielig auswirkt. Im vorigen Jahre uebermittelte die Abteilung fuer Oeffentliche
Bauten in der Verwaltung fuer Allgemeine Dienste dem Kongress eine
Liste von mehr als 4.000 Projekten aus allen Teilen des Landes, deren
voraussichtliche Kosten sich auf mehrere Billionen Dollar belaufen

�werden. In den zehn Jahren seit 1940 sind praktisch keine staatlichen Gebaeude errichtet worden.
Der Kongress hat der Verwaltung fuer Allgemeine Dienste die
Ausgabe von 40 Millionen Dollar fuer die Erwerbung von Grundstuecken
und den Entwurf von 575 Bauprojekten genehmigt. Das bedeutet keineswegs, dass eine Depression zu erwarten waere, weil fuer das Bauen
selbst mit einigen unbedeutenden Ausnahmen keine Geldmittel zur
Verfuegung gestellt wurden.
Wenn nun die Vorplanung oeffentlicher Arbeiten als vorbeugende
Massnahme gegen einen Rueckgang der Bauindustrie oder der gesamten
Industrie dienen soll, dann ist dies nur umso besser. Und nur
Wenige koennen genau voraussagen, was die Zukunft bringen wird.
Niemand sollte sich jedoch darauf festlegen,dass sich die wirtschaftlichen Verhaeltnlsse aendern muessen. Der fuer lange Zelt bestehende
Bedarf an oeffentlichen Arbeiten muss jedoch staendlg vor Augen gehalten werden.
Die Durchfuehrung oertlicher oeffentlicher Arbeiten ist so
dringlich, dass mit ernstlichen sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkelten gerechnet werden muss, wenn nichts unternommen wird. Das
bedeutet nicht, dass Hals ueber. Kopf an die Arbelt gegangen werden
soll und alles, was erwuenscht und sogar benoetigt ist, gebaut werden soll.
Fuer eine Stadt, eine Provinz oder einen Staat ist es ebenso
vorsorglich und klug, ein bestimmtes Quantum an noch auszufahrenden
oeffentlichen Arbeiten fuer gewisse wirtschaftliche Situationen
in Reserve zu halten, wie es fuer den einzelnen ratsam ist, sein
Haus zu versichern.
Die Depression, der Krieg und die Nachkriegsjanre haben in
unmissverstaendlicher Weise gezeigt, dass die oertlichen Einheiten
einer Wirtschaft Immer mehr zu Bestandteilen eines in sich geschlossenen nationalen Systems werden. Die Zeit, als die oertlichen
Verwaltungen der Regierung sowohl In schlechten als auch in guten
Zeiten voellig unabhaenglg voneinander waren, ist laengst vorueber.
Das Bauwesen hat eine fuer die US-Wirtschaft und fuer die amerikanische Lebensweise unerlaessliche Funktion zu erfuellen.
"The Laborer"
V/50
ARBEITSMOEGLICHKEITEN UND UMSIEDLUNG
Zwei einflussreiche, internationale Organisationen haben in
den letzten Wochen angekuendigt, dass sie sich mit den Problemen
eingehend befassen werden, die sich aus der Umsiedlung von Arbeltern und •ueberzaehligen" Einwohnern ergeben, Im Anschluss an
eine vorlaeufige Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes, die
in Genf stattfand und sich mit Umsiedlungsfragen beschaeftigte,
gaben die Aussenminister der Vereinigten Staaten, Frankreichs und
Englands bekamt, dass sie Sachverstaendlge ernennen, die dieses
Problem studieren und mit den daran interessierten Regierungen
Verhandlungen aufnehmen sollen.
Die Aussenminister trafen sich erneut in London und erliessen
eine Deklaration zu der Frage der Aus- und Einwanderung. In dieser
Erklaerung wird die Ueberzeugung zum Asudruck gebracht, dass eine
- 9 -

�groessere Beweglichkeit der Bevoelkerung entscheidend zu der
Loesung des Problems der "ueberzaehligen" Bevoelkerung in einigen
westeuropaeisehen Staaten beitragen koennte. Dem Internationalen
Arbeitsamt, das gerade die vorlaeufige Konferenz ueber diese Fragen beendet und die Einberufung einer Vollkonferenz mit dem gleichen
Thema gefordert hatte, sowie den Vereinten Nationen und ihren Fachabteilungen und schliesslich der Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas wurden in dieser Erklaerung besondere
Anerkennung fuer ihre Bemuehungen und'ihre Arbeiten auf dem Gebiet
der Umsiedlung von Arbeitskraeften gezollt.
Die Aussenminlster forderten eine "allgemeine Ueberpruefung
der verschiedenen Arbeiten auf diesem Gebiet unter Beruecksichtigung moeglicher 2usaetzlicher Massnahmen, die noch ergriffen werden koennten." In der Deklaration heisst es weiter: H 2u diesem
Zwecke sind die Aussenminlster uebereIngekommen, Sachverstaendige
zu bestellen, die nach Beendigung der Londoner Konferenzen miteinander und mit den Sachverstaendigen anderer Laender, besonders
Italiens und Deutschlands, unter Berücksichtigung der Hauptinteressen dieser Laender über dieses Problem beraten sollen."
Delegierte der vorlaeufigen Umsiedlungskonferenz des Internationalen Arbeitsamtes in Genf hatten vor kurzem empfohlen, eine
formelle Konferenz ausgesprochener Aus- und Einwanderungslaender
einzuberufen und im besonderen jene einschraenkenden Bestimmungen
zur Sprache zu bringen, die die Umsiedlung ueberzaehliger Arbeitskraefte in Laendern, in denen ein Mangel an Arbeitskraeften
herrscht, verbietet oder behindert.
Australien kuendigte auf dieser Konferenz an, dass es beabsichtige, in den naechsten zehn Jahren zwei Millionen Einwanderer
aufzunehmen, von denen ein grosser Teil Europaeer sein koennte,
wenn die AuswanderungsSchwierigkeiten dort beseitigt wuerden. In
einer Ansprache, die der australische Minister fuer Einwanderung,
Harold Holt, in Canberra hielt, erklaerte er, dass sein Land
ernsthaft die Moeglichkeit in Erwaegung ziehe, die ueberzaehlige
Bevoelkerung in Italien und Deutschland in grossem Umfang aufzunehmen. Er wies darauf hin, dass sich Australien nach anderen
europaeischen Umsiedlern umsehen muesse, sobald die Verschleppten
Europas aufgenommen seien, wenn es seine Einwanderungsquoten beizubehalten wuensche.
Den Delegierten der 31 Nationen, die an der zweiwoechigen vorbereitenden Genfer Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes
teilnahmen, wurde berichtet, dass in Westdeutschland und Italien
allein ueber drei Millionen Menschen lebten, die fuer eine Auswanderung in Frage kaemen, wenn die damit verbundenen verwaltungstechnischen, finanziellen und sozialen Schwierigkeiten ueberwunden
werden koennen.
Die Delegierten hoerten noch einen Bericht, in dem der Vorschlag unterbreitet wird, dass das Internationale Arbeitsamt und
andere Organisationen der Vereinten Nationen den Mitgliedernationen eine groessere technische Unterstuetzung bei der Umsiedlung
zukommen lassen moechten. Die Regierungen der Ein- als auch der
Auswanderungslaender sollten Informationsprogramme aufstellen,
damit die Umsiedlung erleichtert werden kann, ebenso waere es erwuenscht, wenn die Regierungen den Umsiedlern, die sich auf dem
Wege in ihre neue Heimat befinden, aerztllche Betreuung und einige
andere Dienste zur Verfuegung stellen.
Frau Clara M. Beyer vom Arbeitsministerium, Irwin Tobin vom
Aussenministerium und Boris Shishkin, der Direktor der ECA-Abteilung fuer Arbeitsangelegenheiten in Europa., nahmen als Vertreter
der Vereinigten Staaten an dieser Konferenz teil.
Clara Beyer erklaerte vor den Delegierten des Internationalen
10 -

�Arbeitsamtes: "Nicht nur ueber d i e s e Z i e l e , sondern auch ueber
bestimmte Programme muss E i n i g k e i t e r z i e l t werden. Und es muss
dafuer gesorgt werden, dass a l l e BeSchluesse und Vereinbarungen
den B e d ü r f n i s s e n der Menschen angepasst werden, und dass d i e s e
dem A l l t a g im Leben von Millionen Menschen Rechnung tragen."
ECA Labor Information
V/26/50
ARBEITSMINISTER TOBIN ZUR ENTSCHEIDUNG DE3 OBERSTEN GERICHTSHOFES ZUM GESETZ FUER GERECHTE ARBEITSNORMEN.
•

"Die Entscheidung des obersten amerikanischen Gerichtshofes,
nach der das Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen auch auf Arbeitnehmer Jener Arbeitgeber anzuwenden ist, deren Unternehmen einen
AusSchreibungsvertrag (Kosten zuzueglich feste Gebuehren) mit der
Bundesregierung abgeschlossen haben, ist ein glaenzender Erfolg
sowohl fuer das private Unternehmertum als auch fuer die Arbeiter
und die Regierung.
"Waehrend des Krieges hielt sich die Regierung bewusst an
den Grundsatz, ihr umfassendes Programm zur Produktion an Kriegsmaterial soweit wie moeglich von privaten Unternehmern ausfuehren
zu lassen, um nicht von dem System des freien Unternehmertums abzuweichen. Der Gerichtshof ist der Auffassung, dass es zwar einfacher und billiger fuer die Regierung gewesen waere, wenn diese
Produktion unter s-taatlicher Aufsicht und als Eigentum der Regierung baette laufen koennen, dass aber damit das System des freien
Unternehmertums geschwaecht worden sei. Die USA haben sich auf
dieses System als die Grundbedingung fuer die allgemeine industrielle Ueberlegenheit verlassen, von der der endgueltige Sieg abhing."
Ich kann sagen, dass dieser Grundsatz und die festgelegten Arbeitsnormen in nicht geringem Masse zu dem bewunderungswuerdigen Funktionieren der Produktionsmaschinerie fuer Kriegsmaterialien beigetragen hat.
"Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes enthielt ausserdem eine Aufforderung an drei Ruestungsbetriebe der Kriegszeit,
die nach dem Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen faeilig gewordenen xrueckstaendlgen Loehne an ihre Arbeitnehmer zu zahlen, die
einen Prozess gegen sie angestrengt hatten. Es handelt sich um
die United States Patronen-Gesellschaft; Ford, Bakon and Davis
und die Lone Star Defense Company. Fuer alle, die an dem Erfolg
des Gesetzes fuer gerechte Arbeitsnormen interessiert sind, - und
es scheint heute kein Zweifel mehr darueber zu bestehen, dass dieses
Gesetz fuer das laufende Funktionieren des Privatunternehmensystems
von groesster Bedeutung ist, - duerfte diese Einstellung des Obersten
Gerichtshofes eine grosse Genugtuung bedeuten. Sie bestaetigt die
Auffassung des Arbeitsministeriums und anderer Dienstsstellen der
Regierung, die an der Frage der Kriegsmaterialproduktion interessiert
sind, dass die SiherStellung unserer grossen, sozialen Erfolge fuer
die Verteidigung unserer Nation ebenso wichtig ist wie die materielle Bewaffnung selbst.
Justice Burton erklaerte und gab damit der Meinung der Mehrheit des Gerichtes Ausdruck: "Dieses Gesetz wuerde seinen materiellen Zweck verfehlen, wenn es nicht die Erzeuger des riesigen Volumens an Kriegsmaterial umfasste. In den Jahren 1941 bis 1945
stellte die Munitionshersteilung eine Hauptbeschaeftigungsquelle
dar. Loehne und Arbeitszeit in dieser Industrie uebten einen massgeblichen Einfluss auf den Lebensstandard der amerikanischen Arbei-

11 -

�terschaft aus.H
"Das Gericht verkannte nicht die Tatsache, dass diese Einstellung einen finanziellen Verlust fuer die Regierung bedeuten koenne.
Auch massgebliche Persoenlichkeiten des Arbeitsministeriums sind
sich dessen bewusst. Kurz gesagt, die Regierung erwartet gar nicht,
fuer die Kosten zur Beibehaltung dieser Arbeitsnormen entschaedigt
zu werden. Die Einhaltung dieser Normen wurde von allen privaten
Unternehmern, aber auch jenen, die einen Ausschreibungsvertrag der
Regierung erfuellen, gefordert. Und die Arbeitgeber hielten sich
zum groessten Teil an die Vereinbarungen."
"Die Vermutung, dass hierdurch grosse finanzielle Verpflichtungen entstanden seien, ist nach allen Informationen und Unterlagen
stark uebertrleben. Die Schaetzung der Verpflichtungen wurde im
Jahre 1946 vor dem Inkrafttreten des "Fabrikeingang bis Arbeitsplatz" Gesetzes durchgefuehrt, das ausser der Begrenzung der Lohnforderungen auf zwei Jahre andere weitgehende Bestimmungen zum
Schutze der Unternehmer vorsieht. Tatsaechlich wurden weit ueber
100 Klagen bei den Gerichten, die die Forderungen Tausender von Arbeitnehmern enthielten, auf Grund dieser Schutzbestimmungen des "Fabrikeingang bis Arbeitsplatz" Gesetzes abgewiesen, da hier auch der
"gute Glauben" fehlte. Es gibt noch weitere Schutzbestimmungen gegen besondere Forderungen, wie zum Beispiel die staatlichen Statute
ueber Begrenzungen der Ansprueohe und den Mangel an Beweisen fuer
die Anwendbarkeit irgendwelcher Ausnahmeregeln."
"Man kann feststellen, dass in der Entscheidung des Obersten
Gerichtshofes keiner einzigen individuellen Forderung die Richtigkeit oder Gueltigkeit zugesprochen wird. Die Forderungen einzelner
Arbeitnehmer muessen in diesen und in anderen noch offenstehenden
Faellen immer noch gegen Schutzbestimmungen unterstuetzt werden."
"Es ist von besonderer Bedeutung, dass ein Unternehmer, der
Vertragspartner der Regierung ist, nicht mehr bezahlen muss, als
von jedem anderen Privatunternehmer gefordert wird. Und die Tatsache, dass die Regierung Vertraege geschlossen hat, um die Kosten der
Forderungen zu zahlen, ist kaum ein zu rechtfertigender Grund, gerechten Forderungen nicht stattzugeben."
US Arbeitsministerium
V/12/50
INTERNATIONALER VERBAND DER VEREINIGUNGEN FU£R ARBEIT ERBILDUNG
Der Internationale Verband der Vereinigungen fuer Arbeiterbildung (IWA) hielt seine Generalkonferenz im Gebaeude der UNESCO in
Paris ab. Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften war durch
seinen Sachbearbeiter fuer Arbeiterbildungsfragen vertreten, der
ebenfalls zu der Konferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften eingeladen war, die das Thema "Plaene zur Entwicklung der
Arbeiterbildung".behandelte.
Der I W A ist ein Verband unabhaengiger Organisationen, die
sich der Arbeiterbildung widmen. Seine Gruendung ist auf die Initiative der britischen Arbeiterbildungsvereinigung im Jahre 1943
zurueckzufuehren. Nach einer vorlaeufigen Konferenz im Jahre 1945
wurde die Organisation 1947 endgueltig gegruendet. Mitglied des
Verbandes koennen die Arbeiterbildungsorganisationen der verschiedenen Laender werden, wobei jedoch normalerweise nur eine einzige
Organisation jedes Landes zugelassen wird. Das Ziel des I W A ist,
"das gegenseitige Verstaendnis und die Zusammenarbeit durch Sommerschulen, Konferenzen, Austausch von Literatur und Informationen zu
foerdern." Er soll weiterhin "die Interessen der Arbeiterbildung in
- 12 -

�der UNESCO und dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
vertreten." Austausch von Studenten und Lehrern und die Schaffung von Schulungsmoeglichkeiten fuer Arbeiterstudenten gehoeren
zu den wichtigsten Funktionen des IWA.
Vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist die Feststellung interessant, dass die Arbeiterbildungsvereinigungen
Belgiens, Daenemarks, Norwegens, Schwedens und der Schweiz, die
alle Mitglieder des I W A sind, die Arbeiterbildungsorgane der
Gewerkschaftsbewegungen dieser Laender sind. Weitere Mitgliedsorganisationen des IWA sind die Vereinigungen fuer Arbeiterbildung in Irland, Finnland und Italien, die zwar einen gewissen
Kontakt mit den Gewerkschaftsbewegungen haben, aber dennoch nicht
deren offizielle Vertretungen sind.
Die Britische Arbeiterbildung svereinigung als eine der einflussreichsten Mitglieds Organisationen gehoert der britischen Gewerkschaftsbewegung an, sie
findet aber auch darüberhinaus den Zuspruch einer betraechtlichen
Anzahl Studenten der mittleren
Klasse. (Die andere bedeutende
britische Arbeiterbildungsorganisation, der Nationalvorstand der
Arbeiterschulen, ist nicht dem I W A angeschlossen, sie gehoert
aber ebenfalls der britischen Gewerkschaftsbewegung *n.) Die
Referate fuer Arbeiterbildung in den nationalen Gewerkschaftsorganisationen Frankreichs (Ferce Ouvriere), Luxemburgs und Hollands
sind dagegen Mitgliedorganisationen des IWA. Sogenannte "assoziierte" Mitglieder sind die BildungsOrganisationen in Kanada,
Neu- Sued-Wales, Neuseeland, Suedafrika (Transvaal), Tasmanien,
Afrika (Goldkueste), eine Organisation in Indien ("Rajendra Vidyapith") sowie der Amerikanische Arbeiterbildungsdienst und das
Arbeiterbildungsbuero der AFL.
Die Lage in Oesterreich und Deutschland muss hinsichtlich .
der Bildung von Arbeiterbildungsorganisationen noch geklaert werden.
Bis Jetzt ist in diesen Laendern eine gewisse Abneigung der Gewerkschaften festzustellen, mit anderen Ausbildungsinstitutionen in
Verbindung zu treten, zumal diese in einigen Faellen alles andere
als fortschrittlich sind. Beobachter aus beiden Laendern nahmen
jedoch an der Konferenz teil.
Der Sachbearbeiter fuer Bildungsfragen des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften erklaerte in seiner Ansprache an die
Konferenz, dass der Internationale Bund Freier Gewerkschaften gern
mit diesen Arbeiterbildungsvereinigungen zusammenarbeiten wolle,
vorausgesetzt, dass sie von ihren nationalen Gewerkschaftsbewegungen
anerkannt werden. Der IWA, sagte er, sei in erster Linie ein
Verband der Arbeiterbildungsvereinigungen Jener Laender, die ein
gut entwickeltes Bildungssystem besaasen. Arbeiterbildungsvereinigungen stehen im Dienste der Gewerkschaften und sind in einigen
Laendern die einzigen Einrichtungen, die eine Ausbildung und Erziehung ermoeglichen« Die meisten dieser Institute dienen jedoch
auch den uebrlgen Schichten des Volkes und finden in manchen Faellen
sogar mehr Zuspruch seitens der Buergertums als der Arbeiterschaft.
Die Art und Weise, in der man das Erwachsenen- und Arbeiterbildung sproblem zu loesen versucht, ist ueberall verschieden: Die
Organisationen des IWA sehen zum Beispiel in einer engen Zusammenarbeit mit den Unlversitaeten den besten Weg. Andere Organisationen
lehnen diesen Weg grundsaetzllch ab. Der Internationale Bund Freier
Gewerkschaften will in diesen Fragen kein Urteil faellen, er wird
sich vielmehr mit den Anschauungen seiner Mitgliedsorganisationen
einverstanden erklaeren muessen, und diese koennen und werden von
Land zu Land verschieden sein. Eine Gewerkschaftsinternationale
muss in solchen Angelegenheiten vorsichtig sein und wird sich nicht
- 13 -

�ausschliesslich zu einem der beiden Systeme bekennen koennen. Der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften wird alles tun, was man
von ihm verlangt, und was in seiner Macht steht, soweit es sich um
die Unterstuetzung der Bildungsarbeit in bestimmten Laendern oder
um irgendwelche gemeinsame Arbeitsmassnahmen handelt. Er wird
sich mit besonderem Interesse der Unterstuetzung rueckstaendiger
Gebiete widmen, und er erwartet von seinen Mitgliedern in traditionell fortgeschrittenen Laendern, dass sie anderen,weniger
gluecklichen nationalen GewerkschaftsOrganisationen dadurch helfen,
indem sie ihnen eigene Kenntnisse und Erfahrungen zur Verfuegung
stellen. ,
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften, fuhr der Sprecher
fort, befuerchte nicht, dass seine Arbeit den Interessen des IWA,
oder umgekehrt, zum Nachteil sei. Es muesse noch derart viel auf
dem Gebiet der Arbeiterbildung getan werden, dass die doppelte
Durchführung bestimmter Taetigkeiten, wie z.B. auf dem Gebiet der
Sommerschulen, praktisch nur bedeuten wuerde, dass einige Moeglichkeiten mehr vorhanden sind, tienn jedoch die Gefahr bestehe, dass
sich Arbeiten ueberschneiden, dann bleibe immer noch die Moeglichkeit der freundschaftlichen Aussprache, die sicherlich zu fruchtbarer Zusammenarbeit fuehren wuerde. Der Vertreter des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften schloss mit der Erklaenung,
dass die Gewerkschaften eine eigene Arbeiterbildungsarbeit durchfuehren muesse, um die Gewerkschafter mit jenen Kenntnissen aus*statten zu koennen, die sie in ihren verschiedenen Funktionen
dringend benoetigen. Sie seien Jedoch zu gleicher Zeit fuer die
Arbeit dankbar, die andere Organisationen, wie zum Beispiel die
ArbeiterbildungsVereinigungen, leisteten.
Die UNESCO war auf dieser Konferenz durch eine starke Delegation vertreten, der auch ihr Generaldirektor angehoerte, der einige
Worte an die Konferenz richtete. Der Sachbearbeiter fuer Fragen
wechselseitiger Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen, Jules Dekock,
sprach ueber das Thema "UNESCO und der'Mann auf der Strasse'." Es
waere weiterhin zu erwaehnen, dass Lionel Elvin, der ehemalige Leiter des Ruskin-College in Oxford, gerade zum Leiter der Abteilung
fuer Erziehung in der UNESCO ernannt ist. Die UNESCO war von dem
Praesidenten des I W A scharf kritisiert worden, weil sie "der Dringlichkeit der Probleme, vor die die ganze Welt gestellt sei, fast
teilnahmslos gegenueberstehe," und weil "sie von der Gewerkschaftsbewegung getrennt zu sein scheine und ihr Programm nicht den Beifall
der Arbeiter gefunden habe." Man war sich im allgemeinen ueber die
Notwendigkeit einer Organisation wie der UNESCO einig, aber ebenso
einig war man sich darueber, dass es hoechste Zeit sei, von den
Moeglichkeiten und Mitteln der UNESCO mehr als bisher zur Foerderung jener Bildungsprogramme Gebrauch zu machen, an denen die Arbeiter tatsaechlich interessiert sind. Es kann gesagt werden, dass
die Angestellten der UNESCO diese Auffassung teilten und die Delegierten aufforderten, ihren Einfluss in ihren Heimatlaendern dahingehend geltend zu machen, dass ihre Vertreter in der UNESCO diesen
Grundsaetzen gemaess handelten.
Earnest Green und Harry Nutt von der britischen Arbeiterbildungsvereinigung wurden einstimmig zum Praesidenten und Sekretaer
des Verbandes wiedergewaehlt. Die uebrigen Mitglieder des Exekutivausschusses sind Oluf Bertolt (Daenemark), H. Neumann (Schweiz)
und Frau Denyse Wurmser (Frankreich).
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI/1/50
- 14 -

�PERONS ANTWORT AN DEN INTERNAT IPNALEN BUND FREIER GEWERKSCHAFTEN
Man wird sich erinnern, dass der Notfallausschuss des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften auf einer seiner letzten Konferenzen eine Resolution ueber Argentinien angenommen hatte. Die
EntSchliessung protestierte gegen die Verfolgung argentinischer Arbeiter, die Unterdrückung der Gewerkschaften, den InhaftierungsbefeJbl gegen den Gewerkschaftsfuehrer Candldo Gregorlo und schliesslich gegen die Restriktionen, die das Peron-Reglme der unabhaenglgen
und demokratischen Presse auferlegt hat.
Im Anschluss an diesen Beschluss des Notfallausschusses uebersandte J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, der argentinischen Regierung den Text
dieser Resolution.
Die Peron-Reglerung, die zwar die elementarsten demokratischen
Grundsaetze missachtet, aber dafuer In gesellschaftlichen Formen
äusserst bewandert Ist, - hat sich dazu herabgelassen, dem Generalsekretaer zu antworten. Die Antwort kam von dem Ministerium fuer
"Auswaertige Angelegenheiten und Religion."
In der Antwortnote versucht Anselmo Malvicini, der Leiter der
Abteilung fuer Internationale Gewerkschaftsorganisation in diesem
Ministerium, dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften eine
Anstandslehre zu erteilen, indem er die Feststellung trifft, dass
diese Organisation die elementarsten Regeln der Hoeflichkeit nicht
kenne.
Oldenbroeks Brief an die argentinische Regierung war nicht unhoeflich. Er war lediglich bestimmt und streng. Um gegen die gewalttaetigen Methoden der Peron-Reglerung zu protestleren, mit der
sie argentinische Arbeiter und die freien Gewerkschaften behandelt,
hielt der Internationale Bund Freier Gewerkschaften es natuerlich
nicht fuer angebracht, sich literarischer Redekuenste und Feinheit
ten zu bedienen.
Ausser diesen Bemerkungen wird in der Antwort der Peron-Reglerung all das bestritten, was die ganze Welt nur zu gut weiss: Der
diktatorische Charakter des Regimes. In dem Schreiben besteht man
auf der Behauptung, dass in Argentinien die Gewerkschaften frei bestehen koennten. Die Wahrheit ist Jedoch, dass die Gewerkschaftsorganisationen, die nicht der "Arbeitsfront" Perons angehoeren, verfolgt werden, und dass sich ihre Fuehrer augenblicklich im Exil In
Uruguay, Chile und anderen demokratischen Laendern Lateinamerikas
befinden. Malvicini bezeichnet den vor kurzem an Carlos'Antonio
Aguirre In Tucuman veruebten Mord als eine "Polizeiaktion." Auch
versucht er, die gegen die unabhaengige Presse ergriffenen Massnahmen durch mildernde und fadenscheinige Argumente zu rechtfertigen^
So waren zum Beispiel die staedtischen Behöerden, von Buenos Aires
der Ansicht, dass das Gebaeude einer in der Opposition stehenden
Zeitung den sanitaeren Anforderungen nicht genuege und das sichere
Funktionieren des Betriebes in Frage stelle
Eine andere
Zeitung, helsst es in dem Schreiben weiter, wurde verboten und des
"Verrats an der Nation" beschuldigt, weil sie versaeumt hatte, die
fuer diesen Tag angeordnete Schlagzeile "Das Jahr des Befreiers General San Martin" drucken zu lassen.
Candldo Gregorlo, der Fuehrer der Gewerkschaftsbewegung Argentiniens, lebt heute im Exil, nachdem er an der ersten Konferenz des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teilgenommen
hatte. Malvicini versichert allen Ernstes, dass "dieser Buerger
auf argentinischem Boden leben koenne." Es soll nicht abgestritten
werden, dass Gregorlo in Argentinien leben koennte, wenn er den Ent15 -

�schluss fasste, dorthin zurueckzukehren. Leben die politischen Gefangenen in der Lubianka, dem NKWD-Gefaengnis in Moskau, nicht auch
auf russischem Boden? Ebenso kann nicht bestritten werden, dass
jene Spanier, die sich auf Grund ihrer Franco-feindlichen Einstellung im Gefaengnis befinden, auch in Spanien leben. Die Freundlichkeit muss anerkannt werden, die der Sprecher Perons an den Tag legte, als er Gregorio einlud, in sein Land zurueckzukehren .......
Trotz der "guten Absichten" Malvicinis bleibt jedoch der Eindruck bestehen, dass Gregorio im Augenblick den argentinischen Arbeitern einen groesseren Dienst erweist, wenn er in Uruguay bleibt,
anstatt in sein Heimatland zurueckzukehren.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
V/3/50
- 16 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

BICOO 1 - 1 2 4 9 L A B laXj

OFFICIAL

60 1 § 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder,
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 19

Frankfurt, 14. Juli 1950
I N H A L T S

V E R Z E I C H N I S

Keine gewerkschaftliche Freiheit in Spanien - Lohnentwicklungen in Schweden
- - - - - - - Zwangsarbeit in Rumaenien als legal erklaert Pensionsvertraege fuer Tausende amerikanischer
Arbeiter abgeschlossen - - - - - - - - - - AFL fuer funktionelle Einheit mit C I O - - - - U.S. Senat fuer Verbesserung der Sozialversicherung - - - - - - - - - - - - - - - - - Betrachtungen zum "Wohlfahrtsstaat" - - - - - Samuel Gompers Werk - - - - - - - - - - - - - - 1
Das Arbeitslosenproblem wird in Amerika nicht
vernachlaessigt
- - - - - - - - - - - - - - 1
Spendet fuer den Kampf gegen arbeiterfeindliche
Senatoren.' - - - - - - - - - - - - - - - - - 1

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KEINE GEWERKSCHAFTLICHE FREIHEIT IN SPANIEN
In einem Schreiben an die Mitglieder der vom Internationalen
Arbeitsamt gegruendeten Internationalen Kommission fuer Gewerkschaftliche Freiheit weist die Exilgewerkschaft Spanischer Arbeiter darauf hin, dass es seit dem Maerz 1939, der endgueltigen
Machtergreifung der Franco-Diktatur, in Spanien keine gewerkschaftliche Freiheit mehr gibt.
In Franco-Spanien existieren keine freien Arbeiterorganisationen. 4uf der anderen Seite hat der Staat sogenannte "vertikale
Gewerkschaften" geschaffen, denen alle Arbeitnehmer und Arbeitgeber
eines bestimmten Industriezweiges angehoeren muessen. So besagt
zum Beispiel ein Erlass der Regierung fuer die Bauindustrie vom
29. September 1948: "Die Mitgliedschaft ist fuer alle Personen
Pflicht, die von den nationalen Arbeitsbestimmungen fuer das Baugewerbe betroffen werden."
Loehne, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen werden in allen
Industriezweigen von den Behoerden festgelegt, ohne dass die Arbeiter hierzu ihre freie Meinung aeussern koennen. In dem Schreiben
- 1 -

�wurde ein bestimmtes Unternehmen erwaehnt, dessen Arbeitsbestimmungen besagen, dass jeder Beschaeftigte mit dem Verlust des Verdienstes zweier Arbeitstage bestraft wird, wenn er sich durch
"Pfeifen, Summen oder Singen eines Vergehens schuldig macht, selbst
wenn der Wortlaut des Liedes die Moral oder die Religion, den
Staat, die Staatsoberhaeupter oder die Vorgesetzten im Betrieb
nicht angreift." In der Tat sind die spanischen Arbeiter gezwungen, ihre Arbeitskraft irgendjemandem zu verkaufen, der sie dafuer
bezahlen will, ohne dass sie irgendwelche eigenen Rechte haben.
Allen in Franco-Spanien gueltigen Arbeitsbestimmungen liegen diese
Prinzipien zugrunde.
Die offizielle Darlegung der Punktionen dieser "vertikalen
Gewerkschaften" geschieht wie folgt: "Die Idee des totalitaeren
Staates setzt voraus, dass alle Arbeiter in Jedem Sektor der Produktion vom obersten Leiter eines Betriebes bis zum juengsten Lehrling Mitglied der entsprechenden Gewerkschaft sein muessen. Diese
Idee, die dem Einzelnen keine freie Wahl zu lassen scheint, ist
ebenso gerechtfertigt, wie die Militeerdienstpflicht aller gesunden Buerger in einer einzigen nationalen Armee.**
Das Schreiben an die Internationale Kommission fuer Gewerkschaftliche Freiheit schliesst mit dem Aufruf an die zivilisierte
Welt, die Tatsache anzuerkennen und zu verkuenden, dass es in Spanien keine gewerkschaftliche Freiheit gibt und das diktatorische
Falangistenregime deshalb als eine Gefahr fuer die Freiheit und
eine Bedrohung des Friedens angeprangert werden muss.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI/14/50
LOHNENTWICKLUNGEN IN SCHWEDEN
Der dominierende Faktor des schwedischen Arbeitsmarktes war
waehrend der vergangenen Jahre ein deutlicher Mangel an Arbeitskraeften und zwar besonders an gelernten Arbeitskraeften. Die Arbeitslosigkeit, die vor dem Kriege etwa 9 bis 10$ der arbeitenden
Bevoelkerung erreichte, hat im vorigen Jahre mit 2,6% einen neuen
Rekordtiefstand erreicht.
Auf Grund des allgemeinen Grundsatzes der Gewerkschaften, Tarif vertraege zu verlaengern, sind keine Kollektiverhoehungen der
Grundloehne vorgenommen worden. Das Gesamteinkommen je Stunde
stieg trotzdem im vorigen Jahre um 3.5% an, was auf die Eigeninitiative zurueckzufuehren ist, eine bei Vollbeschaeftigung normale Begleiterscheinung.
Gemessen am Realeinkommen steht sich der maennliche schwedische Industriearbeiter heute um 25% besser als im Jahre 1945. Die
entsprechende Verbesserung betraegt fuer weibliche Industriearbeiter
35%, fuer Verkaufspersonal 20%, fuer Staatsangestellte, wie z.B.
Eisenbahner, Angestellte der Post etc. 11% und fuer hoehere Beamte
9%.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
V/3/50
ZWANGSARBEIT IN RUMAENIEN ALS LEGAL ERKLAERT
Premierminister Groza unterbreitete der rumaenischen Nationalversammlung eine neue Gesetzesvorlage ueber Arbeitsdisziplin. Diese
- 2-

�Vorlage sieht fuer besondere Vergehen gegen die Arbeitsdisziplin
Zwangsarbeit vor.
Der Vorsitzende des "Gewerkschaftsbundes", Apostol, bezeichnete dieses Gesetz als den Grundstein fuer den Sozialismus in Rumaenien. Dabei enthaelt das Gesetz die Bestimmung, dass die Arbeit nach genau festgesetzten Normen verrichtet werden muss, die
nur von der Regierung abgeaendert werden koennen. Alle Arbeiter,
die diese Normen nicht erreiohen, erhalten nur fuer die geleistete
Teilarbeit ihren Lohn.
Angestellte sind fuer alle Verluste und Sohaeden verantwortlich, die sie verursachen. Maenner und Frauen erhalten gleiohe
Loehne fuer die gleiohe Arbeit. Bei einem freien Tag in jeder
Woohe betraegt die Arbeitszeit in der Tagschicht acht Stunden und
in der Nachtschicht sieben Stunden. In der Gesetzesvorlage ist
ein Streikrecht nicht vorgesehen.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI/14/50
PENSIONSVERTRAEGE FUER TAUSENDE AMERIKANISCHER ARBEITER ABGESCHLOSSEN
Durch den Abschluss von Vertraegen zwischen zwei Gewerkschaften und fuenf Unternehmungen erhalten mehrere Tausend Hitglieder
des CIO Anspruch auf Pensionen.
Allein durch den Vertrag der Textilarbeitergewerkschaft mit
drei grossen Teppichfabriken (Bigelow Sanford, Thompsonville (Connecticut) und Amsterdam im Staate New York; Alexander Smith &amp; Sons,
Yonkers (New York); und A. M. Karagheusian, I n e , Freehold und
Roselle (New Jersey) werden fuenfzehntausend Arbeiter pensionsberechtigt.
Im Prinzip war die Gewerkschaft sich schon seit Monaten mit
den Gesellschaften einig geworden, ein formelles Abkommen wurde jedoch erst jetzt geschlossen.
Auoh durch die Vertraege zwischen der Gewerkschaft der Vereinigten Gummiarbeiter und der Republio Rubber Company in Youngstown,
Ohio, und der Dunlop Rubber Company in Buffalo (New York) erhalten
mehrere Tausend Arbeiter Anspruch auf Pensionen.
Nach den Bestimmungen der Vertraege, die die Textilarbeitergewerkschaft abschloss, werden die Unternehmer am 1. Januar 1951 mit
der Zahlung der Pensionen beginnen. Die Unterstuetzungssaetze der
Sozialversicherung werden von den Unternehmern auf 100 Dollar monatlich ergaenzt werden, und zwar fuer alle Arbeiter, die mit 65 Jahren
freiwillig in den Ruhestand treten und 30 Jahre lang in dem Unternehmen taetig waren.
Die Unternehmer uebernehmen saemtliche Versicherungskosten.
Bis zum Alter von 72 Jahren kann kein Arbeiter gezwungen werden,
sioh pensionieren zu lassen. Der Unternehmer kann jedoch einen Arbeiter mit 68 Jahren pensionieren, wenn die Gewerkschaft hierzu
ihre Zustimmung gibt.
Die Vertraege sehen vor, dass den Arbeitern die gesamte Zeit,
waehrend der sie gearbeitet haben, ohne Beruecksichtigung der Unterbrechungen als Dienstzeit angerechnet wird. Die Gewerkschaft erhaelt bei der Verwaltung des Pensionsprogramms Stimmrecht, in
Streitfaellen ist eine schiedsrichterliche Entscheidung vorgesehen.
- 3

�Nach den Bestimmungen des Dunlop-Vertrages, der, von dem Vorsitzenden der Gummiarbeitergewerkschaft, L. S. Buckmaster, als
"eines der grosszuegigsten Versloherungs- und Wohlfahrtsprogramme, die Je zustandekamen," bezeichnet wird, erhaelt Jeder Arbeiter mit 25 Dienstjahren, wenn er mit 65 Jahren pensioniert wird,
von dem Unternehmer eine monatliche Pension von 100 Dollar, einschliesslich der Unterstuetzungen aus der staatlichen Sozialversicherung.
Der Vertrag enthaelt eine besondere Klausel fuer die Pensionierung vor dem 65. Lebensjahr. Danaoh wird einem 60 Jahre alten
Arbeiter mit 15 Dienstjahren bis zu seinem 65. Lebensjahre eine
Mindestpension von 50 Dollar im Monat gezahlt. Sobald er das
65. Lebensjahr erreioht hat, steht ihm die normale Pension zu.
Fuer den Fall, dass die Unterstuetzungssaetze der staatlichen Sozialversicherung erhoeht würden, erklaerte Buckmaster, .
werden die Pensionen um die Haelfte des von der Regierung gezahlten Zuschusses erhoeht werden.
Die Unternehmer haben sich bereit erklaert, Lebensversicherungen fuer die Arbeiter abzuschliessen, deren Saetze sich mit
den DienstJahren erhoehten und auch nach der Pensionierung weiterlaufen.
Fuer jeden neueingestellten Arbeitnehmer betraegt die Versicherungssumme 1000 Dollar, nach drei DienstJahren erhoeht sich
dieser Betrag auf 2000 und nach 6 Dienstjahren auf 4000 Dollar.
Buckmaster sagte, dass dieses Pensionsprogramm von einem
Treuhaenderrat verwaltet wird, dem Vertreter der Unternehmer und
der Gewerkschaft angehoeren.
Das Versloherungs- und Wohlfahrtsabkommen bleibt fuenf Jahre
in Kraft.
Der Vertrag mit der Republic Rubber Company enthaelt Bestimmungen, naoh denen Arbeitnehmer mit 15 Dienstjahren im Alter von
65 Jahren unter gewissen Bedingungen in den Ruhestand treten koennen. Der Zusohuss des Unternehmers zu der staatlichen Altersversorgung ist so hoch, dass der Arbeiter 100 Dollar im Monat zur
Verfuegung hat. Wie in dem Dunlop-Vertrag heisst es auch in diesem Abkommen, dass bei einer Erhoehung der staatlichen Sozialversicherung die von dem Unternehmer gewaehrten Pensionen um die
Haelfte dieses Mehrbetrages heraufgesetzt werden.
Ein Arbeiter, der naoh 15 Dienstjahren in den Ruhestand tritt,
erhaelt auch hier eine monatliche Pension von 50 Dollar. Dieser
Betrag erhoeht sioh fuer jedes zusaetzliche DienstJahr um einen
Dollar. Die Mindestpension von 50 Dollar mit dem Ein-Dollar-Zusohlag fuer Jedes geleistete Diejistjahr ueber 15 Jahre hinaus wird
auoh fuer alle jene Arbeiter gewaehrt, die arbeitsunfaehig sind
und in den Ruhestand treten muessen.
Naoh dem Vertrag ist das Unternehmen verpflichtet, Unfallund Invalidenversicherungen in Hoehe von 1000 Dollar fuer ihre Arbeitnehmer abzuschliessen. Bei Krankheit und Unfall werden dem
Arbeiter 13 Wochen lang woechentlich Unterstuetzungen in Hoehe von
25 Dollar gezahlt, fuer die ärztliche Behandlung werden ihm bis
zu 200 Dollar verguetet. Fuer 70 Tage Krankenhausaufenthalt erhaelt er bis zu 9 Dollar je Tag zuzueglioh eineirHoeohstbeträges von
90 Dollar fuer besondere Ausgaben, wie Operationen usw.
- 4 -

�Eine andere Klausel des Vertrags sieht vor, dass Abkehrgelder bei Kuendigungen seitens des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers gezahlt werden. Sie betragen nach fuenf DienstJahren einen
Wochenlohn, bei mehr als zehn DienstJahren fuer Jedes weitere
Jahr 1 1/2 Wochenloehne und fuer jedes Dienstjahr nach dem 20.
Jahr zwei Wochenloehne.
The CIO News
VI/12/50
AFL FUER FUNKTIONELLE EINHEIT MIT CIO
Der Ezekutivausschuss des amerikanischen Gewerksohaftsbundes
(AFL), der in Philadelphia zusammentrat, teilte dem CIO mit, dass
die AFL bereit sei, "aehnlich wie der CIO ein Komitee zu bilden,
dessen Aufgabe die baldige und erfolgreiche Verwirklichung des
Einheitsgedankens auf einer dauerhaften und sioheren Grundlage
sein soll."
In einem vom Vorsitzenden der AFL William Green unterzeichneten Sohreiben an den Vorsitzenden des CIO, Philip Murray, erklaert der Ezekutivausschuss, die Vorstandsmitglieder der AFL seien "nicht nur an einer versuchsweisen oder kooperativen Einheit,
sondern an einer dauernden und organischen Versohmelzung"interessiert. Der CIO-Vorsitzende hatte der organisierten Arbeiterschaft
vorgeschlagen, ein Vorstandskomitee zu bilden, dessen Aufgabe die
Verwirklichung der "funktionellen" Einheit sein soll.
Diese Mitteilung an den CIO, dass die AFL sohon immer bereit
sei, sich um eine wirkliche Einheit ernstlich zu bemuehen, folgte
die Ernennung eines Dreier-Komitees, das mit dem von dem CIO gebildeten Komitee Besprechungen aufnehmen soll. Zu Vertretern der
AFL wurden ernannt: die Vizevorsitzenden Daniel J. Tobin, Vorsitzender der Internationalen Gewerkschaft der Fahrer, Charles J.
MacGowan, Vorsitzenden der Internationalen Gewerkschaft der Kesselschmiede, und Daniel W. Traoy, Vorsitzender der Internationalen
Gewerkschaft der Elektroarbeiter.
Auf der Konferenz in Philadelphia, die gleichzeitig mit der
Industrieausstellung der Gewerkschaften abgehalten wurde, ist
eine Reihe wichtiger Beschluesse gefasst worden.
Natuerlioh bildete das Taft-Hartley Gesetz einen der wichtigsten Diskussionspunkte des Ezekutivausschusses. Es wurde beraten,
wie dieses ungerechte Gesetz so sohnell wie moeglich rueckgaengig
gemacht werden koenne. Das Ergebnis der Besprechungen war, dass
dieses Ziel nur zu erreichen sei, wenn im November nicht nooh mehr
Taft-Hartley-freundliche Abgeordnete in den Senat und das Repraesentantenhaus gewaehlt werden, sondern diese durch Gegner ersetzt
werden muessen.
Ein weiterer Beschluss sieht vor, ein Komitee des Ezekutivlussohusses zu bilden, das die verschiedenen Pensionsplaene studieren soll. William Green berief in dieses Komitee den Finanzsekretaer
George Meany, den Vizevorsitzenden George M. Harrison, den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Eisenbahnbueroangesteilten, und Vizevorsitzenden Matthew Woll, den Vorsitzenden der Abteilung fuer gewerkschaftlich gefoerderte Gewerbe.
Der Ezekutivausschuss ist durch das Ansteigen der Erwerbslosigkeit in einigen Gegenden beunruhigt, er fordert deshalb die Ausweitung der amerikanischen Wirtschaft, um allen Arbeitswilligen
eine Beschaeftigung geben zu koennen. Der Aussohuss wies darauf
- 5-

�hin, dass die vielbesprochenen 60 Millionen Arbeitsplaetze, die
man sich zum Ziel gesetzt hatte, nicht mehr ausreichten, da sich
die Zahl der Arbeitsuchenden in jedem Jahre vermehre.
Der Exekutivausschuss besohloss ausserdem, jede einzelstaatliche und jede internationale Gewerkschaft anzuweisen, ab sofort
einen Beitrag von 10 Cents Je Mitglied an den Erziehungsfonds der
Gewerkschaftlichen Vereinigung fuer Politische Erziehung zu entrichten. In den kommenden Monaten wird noch intensiver um eine
freiwillige Zwei-Dollar-Spende der Gewerkschaftsmitglieder fuer
einen Fonds geworben werden, mit dem eine politische Kampagne
dieser Vereinigung finanziert werden soll.
n

The American Federt-tionist"
Offizielle Monatszeitschrift
der AFL, Vi/50
U.S. SENAT FUER VERBESSERUNG DER SOZIALVERSICHERUNG
Mit einer ueberwaeltigenden Mehrheit von 81 gegen 2 Stimmen
hat der Senat eine Gesetzesvorlage gebilligt, die die Erweiterung
des Kreises der Anspruchsberechtigten fuer die Sozialversicherung
und deren Unterstuetzungseinrichtungen vorsieht.
Durch diese Massnahmen werden die Unterstuetzungen fuer
2.900.00p pensionierte Arbeiter verdoppelt und etwa 10 Millionen
Menschen neu in das Sozialversicherungsprogramm einbezogen. Die
Verhandlungen dauerten eine Woche und fanden nur wenig Widerspruch.
Die Unterschiede zwischen dieser Vorlage und der des Repräsentantenhauses, die Ende vorigen Jahres bewilligt wurde, muessen in einer
gemeinsamen Konferenz des Senats und des Repraesentantenhauses ausgeglichen werden.
Die wichtigsten Punkte der Gesetzesvorlage sind folgende:
1. Die Sozialversicherung wird auf weitere 10 Millionen Personen ausgedehnt, von denen etwa die Haelfte selbstaendige Arbeiter
sind.
2. Die Unterstuetzungssaetze werden bei einem Hoechstbetrag
von 80 Dollar ungefaehr verdoppelt.
3. Die Lohnlistensteuer, die in Hoehe von 1 1/2% des zu versteuernden Betrages sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Arbeitnehmer erhoben wird, bleibt bis 1956 unveraendert. Dann wird sie auf
2%, im Jahre 1960 auf 2 1/2%, 1965 auf 3% und im Jahre 1970 schliesslich auf S 1/4% erhoeht werden.
4. Der selbstaendige Arbeiter zahlt um 50% hoehere Versicherungsbeitraege als der Arbeitnehmer, weil hier kein Arbeitgeberbeitrag entrichtet wird. Die Unterstuetzungssaetze fuer selbstaendige
Arbeiter sind jedoch die gleichen wie fuer andere Unterstuetzungsberechi.igte.
i

5. 2in Versicherter hat Anspruch auf Unterstuetzung, wenn er
laenger als die Haelfte aller Vierteljahre seit dem 1. Januar 1950
der Versicherung angehoert. Er muss jedoch mindestens sechs Vierteljahre Vers icherungsbeitraege gezahlt haben. Dadurch sollen aeltere Leute schneller in den Genuss der Unterstuetzung kommen, die
oeffentlichen Fuersorgekosten koennen dadurch gekuerzt werden.
6. Die Zuschuesse des Bundesstaates an die einzelnen Staaten,
die eine zusaetzliche Altersversorgung und eine Unterstuetzung be- 6-

�duerftiger Kinder und Blinder ermoeglichen, sollen erhoeht werden.
Weekly Labor News Digest
Statistisches Buero des US Arbeitsamtes
VI/El/50
Ralph Wright, stellvertretender US-Arbeitsminister:
BETRACHTUNGEN ZUM "WOHLFAHRTSSTAAT*
Immer wieder gefaellt es einigen Leuten, gegen das "Uebel" des
sogenannten "Wohlfahrtsstaates" Front zu machen. Dieses imaglnaere
Uebel, das Monstrum dieser Zeit, gegen das bestimmte Leute so laut
schimpfen und Alarm schlagen, muss deshalb einmal etwas naeher untersucht werden.
Es war keine Rede von einemnWohlfahrtsstaat"und niemand sohlug
Alarm, als die Regierung Millionen aufwendete, um den Bau der Eisenbahnlinien quer durch den amerikanischen Kontinent zu unterstuetzen. Kein Unternehmer tobte ueber den "Wohlfahrtsstaat" und
niemand hielt es fuer ein Uebel in Amerika, als die Regierung den
amerikanischen Schiffsbau mit hohen Schenkungen unterstuetzte, um
Schiffahrtslinien in die Lage zu versetzen, jeder auslaendischen
Konkurrenz gewachsen zu sein. Oder wurde von einem "Wohlfahrtsstaat" gesprochen, als die Regierung die zivile Luftfahrt mit hohen Summen finanzieren half? Wird ein "Wohlfahrtsstaat" verwirklicht, wenn die US-Regierung heute Zeitungen und Zeitschriften auf
indirektem Wege unterstuetzt?
Zu keiner Zeit haben sich die Zeitungen oder die Sprecher des
Kapitals ueber die Grosszuegigkeit der Regierung beschwert, wenn das
Grosskapital der direkte Nutzniesser dieser Grosszuegigkeit war.
Diese Beispiele sind nicht deshalb hier angefuehrt, weil der
Regierung ein Vorwurf gemacht werden soll, dass sie Unternehmer
unterstuetzt, die um Hilfe bitten. Auffaeilig bleibt jedoch, dass
jene reaktionaeren Kritiker des sogenannten "Wohlfahrtsstaates"
diese Tatsachen niemals erwaehnen. Kuenstlich geschuerte Aufregung
entsteht immer nur dann, wenn die Regierung irgendetwas unternimmt,
um dem Durohschnittsbuerger zu helfen - in diesen Augenblicken ergibt sich bei den Kritikern ein uebersteigerter Blutdruck.
Die Entwicklung des "Wohlfahrtsstaates," an dem so viel Kritik
geuebt wird, kann in den Vereinigten Staaten bis zu der Depression
des Jahres 1929 zurueckverfolgt werden. Die mehr und mehr veraltenden Theorien ueber die Beziehungen der Regierung zu Privatunternehmen erhielten damals besondere Bedeutung. Schliesslich kann
irgendjemand naoh unzaehligen Hin- und Hergereden auf den Gedanken,
die Verfassung der Vereinigten Staaten naeher zu untersuchen, und
er stellte in der Praeambel und wiederum in Artikel 1, Absatz 9,
fest, dass eines der Ziele der freien und demokratischen Regierung,
wie es die Verfassungsvaeter niedergelegt haben, die Foerderung der '
allgemeinen Wohlfahrt ist.
In jenen Tagen der Depression existierte eine Regierung, die
unter dem starken Einfluss des Grosskapitals stand. Es war deshalb
nur allzu natuerlich, dass diese "allgemeine Wohlfahrt" entsprechend den Wuenschen und Beduerfnissen dieses Kapitals "gefoerdert"
werden sollte. Das erste Werk der Gesetzgebung Jener Zeit zur Eegruendung einer "allgemeinen Wohlfehrt" war das Gesetz zur Errichtung einer Wiederaufbaufinanzierungsgesellschaft. Die republikanische Regierung erklaerte damals, als dieses Gesetz erlassen wurde:
"Die Regierung wird nicht untaetig bleiben und zusehen, wie die
- 7

�Untaetigkeit der Unternehmer dem Volke schadet. Wenn die Privatunternehmerschaft nicht in der Lage ist, die Wirtschaft in Gang
zu halten, dann muss die Regierung versuchen, sie durch Finanzkredite an bestimmte Unternehmungszweige wieder in Gang zu bringen."
Die politische Opposition jener Zeit nahm zu diesem Problem
eine durchaus konstruktive Haltung ein. Dieser "Wohlfahrtsstaat"
zugunsten der Unternehmer wurde von der demokratischen Opposition
keineswegs verdonnert. Sie dehnte diese Gedanken vielmehr auf
das ganze Volk aus, als sie im Jahre 1933 das Ruder in die Hand
nahm. Damit verlieh sie dem bisherigen Knochengeruest eines
"Wohlfahrtsstaates" wirkliche Gestalt und Form.
So schufen Praesident Roosevelts Neuer Plan und Praesident
Trumans Fairer Plan diesen verhassten "Wohlfahrtsstaat." Dieser
furchtbare "Wohlfahrtsstaat," dessen Gesetzgebung das Rahmengebilde
des Neuen Plans und des Fairen Plans darstellt, hat Massnahmen fuer
die folgenden Punkte getroffen:
Soziale Sicherheit
Arbeitslosenversicherung
Spareinlagenversicherung
Mindestlohngesetzgebung
Gesetzgebung zur Foerderung des Wohnungsbaus und Beseitigung
der Elendsviertel
Verbot der Kinderarbeit
Freies Tarifverhandlungswesen
Preissubventionen fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse
Bodenverbesserungsarbeiten
Versorgung laendlioher Gebiete mit Strom und Fernsprechern
Landwirtschaftliche Forschung
Guenstige Kredite an Landwirte zur Vergroesserung der Farmen
Regulierung des Aktienmarktes
Fluss- und Talsperrenausbauten
Erforschung der Herz-, Krebs- und Gemuetskrankheiten
und viele andere Massnahmen, die dem amerikanischen Volk schon sehr
nuetzlich geworden sind.
Diese Gesetzgebung hob den Lebensstandard und verbesserte zugleich die sozialen und wirtschaftlichen Verhaeltnisse in einem Grads, wie es nie zuvor der Fall gewesen ist.
Das Niveau des Umsatzes wurde weit ueber alles bisher Dagewesene hinaus gesteigert. Die Gesamtproduktion wurde von 55,8 Milliarden Dollar im Jahre 1933 auf 257,8 Milliarden im Jahre 1949 gesteigert. Im ersten Vierteljahr 1950 lag sie bei 263,9 Milliarden Dollar. Das Einkommen des amerikanischen Volkes hat einen Rekordstand
erreicht, die Vermoegen der Banken und Versicherungen sind groesser
als je zuvor. Die Geschaeftseinnahmen brechen alle bisherigen Rekorde.
All dies wurde erreicht, ohne dass die persoenliche Freiheit
in Mitleidenschaft gezogen worden waere. Ja, die Freiheit ist sogar noch staerker fundiert als bisher, Millionen und Abermillionen
Amerikaner kennen weder Not noch Hunger und Furcht. Die freien
Vereinigungen der Industriearbeiter, der Farmer und der Unternehmer
gewinnen staendig an Staerke. Das Erziehungswesen und der allgemeine Gesundheitszustand des Volkes sind besser geworden, aber auch
der Gesundheitszustand in der Industrie ist ausgezeichnet. Die
Jugendlich«nproblerne gehen ihrer Loesung entgegen. Es war ein langer Weg, der seit 1933 zurueckgelegt wurde. Mit dem Taft-Hartley
Gesetz ist jedoch ein Rueckschlag eingetreten, dieses Gesetz wird
jedoch wieder beseitigt werden.
8 -

�V

"Aber," so sagt die reaktionaere Kritik, "die Politik des
Fairen Plans stellt eine Einmischung in Unternehmer-Angelegenheiten dar."
Dabei i3t es sehr interessant, einmal zu. erfahren, was eine
ausgesprochen kapitalfreundliche
Zeitung Zur Lage sagt. Am 12. Mai
hiess es in den "U.S. News,1* einem durch und durch gegen Truman eingestellten Magazin: "Die Unternehnerkreiöe geben es zwar nioht
gern zu, aber die Geschaefte gehen zum groessten Teil sehr gut.
Die Automobilproduktion brioht alle bisherigen Rekorde. Ebenso die
Stahlgewinnung." Die Bautaetigkeit hat ihren hoechsten Stand in der
Geschichte erreicht und ist noch im Steigen begriffen."
Einige Wochen zuvor hiess es in der gleichen Zeitschrift:
"Die amerikanischen Geschaeftsunternehmen, als ganzes betrachtet, sohwimmen im Geld. Nie zuvor war die finanzielle Lage des amerikanischen Unternehmertums eine so starke."
Vor einiger Zeit berichteten die Zeitungen des Landes, dass
die Bankvermoegen die nie dagewesene Hoehe von 180 Milliarden Dollar
zu Beginn dieses Jahres erreicht haetten.
"Schoen und gut," geben die Industriebarone zu, "aber wir verlieren dabei unsere Freiheit." Welche Freiheit?
Etwa die Freiheit des Qrosskapitals, die Macht lediglich
der Macht willen auszuueben?

um

Oder die Freiheit, alle Kredite und Wucherzinssaetze ohne jede
Einschraenkung kontrollieren zu koennen?
Oder meinen sie die Freiheit, eine Wirtschaft gaenzlich in ihrer Hand zu haben, ein paar Millionen zur Erwerbslosigkeit zu verdammen, die Gewerkschaften machtlos und die Arbeiter untertaenig
werden zu lassen?
Eine Freiheit, die hilflose Arbeiter zum Unterschreiben von
"Kuli"vertraegen und zur Arbeit fuer Hundeloehne zwingt?
Etwa die Freiheit, Kinder in "Knochenmuehlen" 12 und 14 Stunden taeglich arbeiten zu lassen?
Denken sie an die Freiheit, Werkpolizei und Rowdies, Werkspione und "ausgehaltene" Richter zu engagieren und Telefongespraeche
zu ueberwachen?
Die Freiheit, keine Zuschuesse zur Sozialversicherung, zur Arbeitslosenversicherung und zur Arbeiterunfallversicherung zu zahlen?
Die Freiheit, die Grossbanken so arbeiten zu lassen, dass das
Volk regelmaessig seine Ersparnisse verlieren muss und die Aktienboersen durch Spekulationen so zu steuern, dass der Kleinaktionaer
systematisch und erbarmungslos ausgepluendert wird?
Halten sie jene Form der Freiheit fuer die beste, einen Kongress zu haben, der nur diesen wenigen Grosskapitalisten gegenueber
verantwortlich ist?
Kurz gesagt, hier wird jene Freiheit ersehnt, das Privatunternehmersystem restlos nach den Wuenschen des Grosskapitals zu dirigieren und der grossen Masse den Weg nach oben zu versperren.
9 -

�Einige engstirnige und habgierige Kraefte in den Vereinigten
Staaten koennen nicht verstehen, dass es ausser den Geschaeftsleuten auch Arbeitern und Bauern gut gehen muss, es kann nicht nur
einer in Wohlstand leben.
Was sagen die Kritiker nun zu den besonderen Bestimmungen,
die zur Wohlfahrt des Volkes in den letzten 17 Jahren erlassen wurden? Unbelehrbare Reaktionaere sagten natuerlich, wenn eine dieser
Bestimmungen in Vorschlag gebracht wurde, jedesmal voraus, dass die
Folgen furchtbare sein wuerden. Ihre Vorgaenger aus der Kolonialzeit hatten schon damals hohe Loehne mit der Begruendung abgelehnt,
dass diese nur "die Traegheit des Menschen" foerderten und zugleich
"fuer das Laster in Schenken, Gastwirtschaften und anderen suendhaften Einrichtungen Zeit gewonnen wuerde." Mit aehnlichen Argumenten widersetzten sich spaeter reaktionaere Kraefte der Einfuehrung des Zehn-Stunden-Tages. Ein Gelehrter unserer Tage berichtet
darusber folgendes:
"Der Vorschlag, den Zehn-Stunden-Tag einzufuehren," erklaerte
eine Zeitung im Jahre 1835, "trifft die Industrie und zugleich
die echte Moral an ihren Lebensadern, wenn die Arbeitszeit gesetzlich geregelt werden soll .... Wenn ein Arbeiter mehrere
der nuetzlichsten Stunden des Morgens und des Abends untaetig
bleibt, so fuehrt dies bestimmt zur Unmaessigkeit und zum Ruin."
In einer im "Boston Courier" veroeffentlichten Erklaerung einer Gruppe Kaufleute und Reeder wird betont, dass die Gemeinschaft durch jegliche Verkuerzung des Arbeitstages schwere
Verluste erleiden muesse, man beklagt sich zugleich ueber die
Folgen, die eine Duldung der Untaetigkeit zwangslaeufig mit sich
bringen muss. Der wirkliche Grund fuer die Ablehnung der kuerzeren Arbeitszeit war natuerlich die Befuerchtung, dass die
Geschaeftsgewinne dadurch geschmaelert würden. Aber immer,
wenn irgendeine Aenderung des "von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang" Arbeits-Systems vorgenommen werden sollte, erklaerte
die konservative Opposition, dass sie den Aenderungsvorschlag
deshalb ablehne, weil sie um die Moral der Arbeiter besorgt
sei."
In aehnlicher Weise kaempften vor mehr als 100 Jahren die Industriebarone gegen die Errichtung freier oeffentlicher Schulen.
Die modernen Reaktionaere, die den Kampf gegen die fortschrittliche Gesetzgebung jetzt verloren haben, bedienen sich,genau so wie
frueher, noch weiter der Abschreckmethode, um jeden neuen Fortschritt
zu verhindern. "Wir schaffen einen Wohlfahrtsstaat," sagen sie.
Aber was meinen sie damit? Sind sie gegen eine kuerzere Arbeitszeit, weil sie fuerchten, dass der amerikanische Arbeiter dadurch
noch mehr Zeit zum Trinken haben wird? Sind sie gegen einen Mindestlohn? Wuenschen sie, die Sozialversicherung, die Arbeitslosenversicherung, die Spareinlagenversicherung und die Mindestlohngesetzgebung oder die uebrigen Massnahmen des Neuen Planes und des Fairen
Planes zu beseitigen, die fuer das Volk so ungeheuer wertvoll sind?
Welche Einrichtungen des "Wohlfahrtsstaates" moechten sie eigentlich
verschwinden lassen?
Die Gegner sind
sprechen staendig in
ueber. Und trotzdem
Fairen Plan, den sie
get mit voller Wucht

in ihren Aeusserungen sehr vorsichtig. Sie
nichtssagenden und ausweichenden Worten hierfuehren sie einen erbitterten Kampf gegen den
abschlachten wollen, indem sie dem Staatsbudtiefe und verborgene Wunden schlagen.

Ist man sich dessen bewusst, dass zwei Drittel - genau gesagt,
71# - des fuer 1951 vorgeschlagenen Budgets Kriegs- und Verteidigungs10 -

�kosten decken sollen? Natuerlich hat das Volk nichts dagegen, wenn
die Kosten der vergangenen Kriege bezahlt werden und versucht wird,
unser Land gegen neuerliche Angriffe in Zukunft zu schuetzen. Heute
werden 71$ des Budgets hierfuer verwendet.
Wenn also Leute von ungeheuren Einsparungen sprechen und grosse Kuerzungen des Staatsbudgets befuerworten, dann muessen sie auch
im einzelnen angeben, was sie kuerzen wollen, wieviel sie sparen
wollen, wann, wie und warum sie diese Kuerzungen durchfuehren wollen.
Die verbesserte Sozialversicherungsgesetzgebung, die Gesetze
zur Festlegung der Mindestloehne, die Krankenversicherung und alle
anderen Errungenschaften der Politik des Neuen Planes und des Fairen Planes werden heute mit dem Geschrei ueber die falsche Sparsamkeit und dem scheinheiligen Geschrei ueber den "Wohlfahrtsstaat" bekaempft.
Worin bestehen denn nun eigentlich die Suenden einer demokratischen Regierung, die aufrichtig um das Wohl des Volkes besorgt
ist? Richtet sie sich nicht staendlg nach dem bewaehrten Motto des
Praesidenten Lincolns, in dem es helsst: "Regierung des Volkes, Regierung durch das Volk und Regierung fuer das Volk?"
Diejenigen, die sich heute gegen den "Wohlfahrtsstaat" scharf
ins Zeug legen, behaupten einfach, das Volk verloere seine Freiheit.
Ist es noch niemandem aufgefallen, dass gerade jene Schreier, die
den groessten Laerm ueber den "Wohlfahrtsstaat" schlagen, die
schlankwegs erklaeren, der "Wohlfahrtsstaat" raube jedem die persoenliche Freiheit, genau die gleichen Leutohen sind, die durch
das Taft-Hartley-Gesetz den Gewerkschaften ihre Freiheit raubten?
Jeder Buerger X oder Ypsilon, der eine Rente von der Sozialversicherung bezieht, hat deshalb nicht mehr oder nicht weniger Freiheit al3 andere. Wenn seine Taschen leer waeren, waere er dann etwa
freier gewesen?
Die gleiche Frage muss all denen gestellt werden, die Vorteile
durch die Bestimmungen des Gesetzes ueber Mindestloehne haben. Oder
Jenen, die vielleicht einmal Gelegenheit hatten, Unterstuetzungen
aus der Erwerbslosen- oder Unfallversicherung zu beziehen.
Ist eine Familie - Erwachsene und Kinder zugleich - freier oder
ist sie es nicht, wenn sie ueber genuegend Geld verfuegt, um Lebensmittel, Kinderschuhe und andere Notwendigkeiten einzukaufen?
Das amerikanische Volk laesst sich nicht zum Narren halten. Es
verlangt diese Programme der Wohlfahrtsgesetzgebung, die ihm dienen
und helfen. Es wuenscht eine angemessene Sozialversicherung, ebenso
die Arbeitslosenversicherung, eine Unterstuetzung der Landwirtschaft
und freies Tarifverhandlungswesen. Es fordert, dass die Regierung
sich fuer die Befriedigung der Beduerfnisse und Bestrebungen einsetzt
und dafuer verantwortlich gemacht wird. Das amerikanische Volk
laesst sich nicht durch Schreck- und Drohworte einschuechtern. Es
geht seinen Wog des Fortschritts unbeirrt weiter.
Praesident Trumen unterstuetzt die Forderungen des Volkes, er
vertraut dem Volk und seinen politischen und wirtschaftlichen Einrichtungen. Er weiss, dass die Nation nur so stark wie das Volk
sein kann. Er kaempft mit zaehem Eifer, unerschuetterlichem Mut
und echter Tuechtigkeit fuer eine Politik, die dem Wohl des Volkes
dient. Sein Werk ist der Foerderung der allgemeinen Wohlfahrt gewidmet.
Die Opposition gegen eine solche Politik ist nicht neu. Sie
geht bis auf die ersten Anfaenge der Geschichte zurueck.
- 11 -

�Kurz und klar zusammengefasst, heisst diese Frage: Soll die
politische und wirtschaftliche Einstellung den Wueaschen und Interessen des Volkes angepasst werden, oder soll die Politik sich nach
den Wuenschen der Grosskapitalisten und einiger anderer "hoeherer
Intellektueller" richten?
US Arbeitsministerium
VI/15/50
D. G. Garland, Organisator der AFL in den Suedstaaten:
SAMUEL GOMPERS WERK
Was liegt naeher, als in diesem Jahre den 100. Geburtstag Samuel Gompers, dießes beruehmten Apostels und Gruenders des grossen
Amerikanischen Öewerkschaftsbundes (APD zu ehren? Kein Geschichtswerk ueber die Vereinigten Staaten und ueber den Werdegang der Gewerkschaften waere vollstaendig, wenn nicht ein Bericht ueber Leben
und Werk Samuel Gompers und seine hervorragenden Leistungen fuer
die Sache der Gewerkschaften in ihnen enthalten waere.
Wer ist
listigen und
gehoert auch
nen, die man

dieser Mann, den wir ehren? Es ist keiner jener
schlauen Politiker, die man Staatsmaenner nennt. Er
nicht zu Jenen Figuren mit prunkvollen und teuren KroKoenige nennt. Nein, nichts von alledem.

Der Mann, dessen Andenken in diesem Jahre geehrt wird, ist
der vornehme, menschliche Samuel Gompers, der die ersten Schlaege
gegen Uneinigkeit und Vorurteil, Unwissenheit, Zank und Streit in
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung fuehrte.
Seine Welt war gross und maechtig. Sein Blick war allein auf
die Beduerfnisse des arbeitenden Volkes gerichtet. Sein Leben war
rein, seine Ziele erhaben, seine Kenntnisse umfassend und gruendlich und seine Erfolge gross.
Wir ehren ihn, weil er der Gruender und erste Praesident des
Amerikanischen Gewerkschaftsbundes (AFL) war. Er adelte die Organisation des arbeitenden Volkes. Samuel Gompers trug mehr als je
ein anderer zum wirklichen Fortschritt, zur Wohlfahrt und zum
Glueck der arbeitenden Menschen bei. Wir.ehren ihn, weil er die
7/uerde des arbeitenden Menschen anerkannte, weil er jeden Ichgedanken beiseiteschob und fuer andere arbeitete, und weil er ein erhabenes Vermaechtnis des Ruhmes fuer jedes arbeitende menschliche
Wesen hinterliess.
Samuel Gompers schrieb einst:
w

Es ist leichter, nach den Sternen emporzublicken, wenn Euer
Magen nicht leer ist."
Niemand kann grosse Erfolge erzielen oder gluecklich sein, wenn
sein Magen leer, die Bioessen des Rueckens unbedeckt, der Kopf ungeschuetzt ist und seine Taschen voellig leer sind. Dieser Mensch
koennte auch niemals ein idealer amerikanischer Buerger sein.
Nicht ein einziges Mal strauchelte Samuel Gompers auf seinem
Wege des Fortschritts, den er im Dienste der Arbeiterschaft beschritt. Er verlor niemals das Ziel aus dem Auge, das er sich gesteckt hatte. Er schmiedete seine Plaene, er wusste genau, was getan werden musste und ging mit eiserner Entschlossenheit an die
Verwirklichung seiner Plaene. In ueberzeugender Weise appellierte
er an den gesunden Menschenverstand der Arbeiter. Tagsueber schien
er ihnen einer Wolke aehnlich zu sein und nachts einer Feuersaeule,
die den Weg zu Freiheit, Ehre und Ruhm wies.
- 12 -

�Unter dem ehrwuerdigen Banner des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes (AFL) und unter der Fuehrung seines Gruenders und ersten
Praesidenten und seiner tapferen und selbstlosen Kampfgefaehrten,
die ihm folgten, rangen sich die Arbeiter zur Freiheit durch.
Dieser grosse Kaempfer fuer das Wohl der Menschheit und fuer
die Befreiung aus der Unternehmerknechtschaft siegte ohne Panzer
und Kanonen, er arbeitete ohne Beifall und litt, ohne bemitleidet
zu werden. Die Arbeiterschaft schuldet ihm Dank fuer die wirtschaftliche und gewerkschaftliche Freiheit, die sie heute geniesst.
Alle Energie seiner grossen Seele setzte er fuer die Erhaltung des
Freiheitsgeistes ein. Jahr auf Jahr klangen seine tapferen, gesunden und ueberzeugenden Worte durchs Land. Ueberdruessige und muede
gewordene Arbeiter lasen seine aufmunternden Worte, die sie wieder
aufruettelten.
"Was will die Arbeiterschaft? Sie wuenscht die Erde und ihre
Schaetze. Es gibt nichts, was zu erhaben, zu wertvoll, zu schoen
oder zu edel waere, als dass es nicht im Bereich der Wuensche und
Bestrebungen der Arbeiterschaft liegen koenne. V/ir wuenschen mehr
Sohulhaeuser, jedoch weniger Gefaengnisse, mehr Buecher und weniger
Maschinengewehre, mehr Lerneifer und weniger Laster, mehr Freizeit
und weniger Geldgier, mehr Gerechtigkeit und weniger Hass. Wir
wuenschen mehr von all diesen Guetern, um unsere bessere Natur
pflegen zu koennen, damit die Maenner edler, die Frauen schoener
und die Kinder gluecklicher und freudvoller seien."
In jener verhaengnisvollen Nacht des 13. Dezember 1924 verschied der groesste Geist, der aus der amerikanischen Arbeiterschaft
hervorgegangen war. Sein Geist sollte nicht mehr fuer die arbeitende Menschheit denken, fuer immer war Samuel Gompers friedlich
eingeschlafen. Ein unermesslicher Verlust fuer die arbeitende
Mensohheit der Welt bedeutete sein Tod, aber sein Name und sein
Werk werden die Jahrhunderte ueberdauern.
Dieser Held, dieser Apostel, dieser Erzvater der Arbeiterschaft
starb fuer die Freiheit der Arbeiter. Er lebte und starb fuer alle.
Und obwohl er die Grenze ueberschritten hat, ueber die niemand wieder zurueckkehrt, wird sein adelnder Einfluss doch niemals zu bestehen aufhoeren. Sein Licht leuchtet so hell wie immer, und die gesamte Arbeiterschaft verehrt Samuel Gompers, der einmal sagte: "Es
i3t leichter, zu den Sternen emporzublicken, wenn Euer Magen nicht
leer ist."
"Schreibe Deinen Namen in den Sand, und die Wellen werden ihn
ausloeschen. Schnitze ihn in eine starke Eiche, und der Blitz
wird sie zerschmettern. Meissle ihn tief in Marmor, er wird zerbroeckeln. Wenn Dein Name Jedoch unvergaenglich sein soll, dann
schreibe ihn durch bescheidene Taten der Liebe und Entsagung in
die Herzen der Menschen, wie Samuel Gompers es tat."
Schwer haengt die Schoepfung in tiefer Nacht
Licht bricht herein, das Leben erwacht
Graeser spriessen und Blumen und Baeume
Sterne erstrahlen, das Meer wogt Schaeume
Wunder auf Wunder, die Schoepfung erschafft
Samuel Gompers, als Sinnbild des Waltens,
Kaempfer der Arbeit, Ursprung der Kraft.
Samuel Gompers war der Gottheit groesster Arbeitergeneral.
The American Federationist
Offizielles monatliches Magazin
der AFL, VI/50

- 13 -

�Paul Porter:
DAS ARBEITSLOSENPROBLEM WIRD IN AMERIKA NICHT VERNACHLAESSIGT
Amerika sieht wie alle anderen Laender in der Arbeitslosigkeit ein Uebel und ist deshalb bemueht, es zu verhindern.
Dies erklaerte Paul R. Porter, der Chef der Mission fuer
wirtschaftliche Zusammenarbeit in Griechenland, der zugleich Mitglied der amerikanischen Delegation auf der Konferenz des Europaeischen Wirtschaftsausschusses der Vereinten Nationen in Genf
war. Vor diesem AusschU3S nahm er zu der Haltung Amerikas zum
Arbeitslosenproblem Stellung und widerlegte dabei die sowjetischen
Vorwuerfe, dass in den Laendern des Westens und besonders in Amerika die Arbeitslosigkeit entweder unbeachtet bliebe oder sogar befuerwortet wuerde.
Paul Porter, der ebenfalls Chef der Marshall-Plan-Mission fuer
Griechenland ist, erinnerte den Europaeischen Wirtschaftsausschuss
der Vereinten Nationen an die schweren Depressionstage, die Amerika
zu Anfang der Dreissiger Jahre zu ueberwinden hatte. Das amerikanische Volk setzt sich mit aller Energie dafuer ein, dass ein solches Elend sich nicht wiederholt, sagte er, denn es ist sich voellig dessen bewusst, was Arbeitslosigkeit bedeutet.
Die Amerikaner bekennen sich zum Prinzip der wirtschaftlichen
Planung, sie ist eine der Hauptwaffen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. "Wir im Amerika von heute zoegern nicht; die wirtschaftliche Planung als ein Mittel zur Erweiterung und zur Erhaltung eines
hohen und stabilen Beschaeftigungsstandes anzuwenden und oeffentliche Investierungen und die Kreditpolitik so zu lenken, dass sie
diesen hohen Stand unterstuetzen."
Ausserdem sind die Amerikaner der Auffassung, dass der Arbeiter, der den hoechsten Grad persoenlicher Freiheit besitzt, zugleich
der erfolgreichste und leistungsfaehlgste Arbeiter ist und auch
dadurch am besten in der Lage ist, sich eine angemessene und lohnende Beschaeftigung zu sichern. Dieser Glaube an die persoenliche
Freiheit ist die andere entscheidende Waffe Amerikas im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.
In einer freien Gesellschaft, fuehrte Porter weiterhin aus,
steht es den Arbeitern frei, sich in beliebigen Gewerkschaften zusammenzuschliessen und mit den Unternehmern Aber beliebige Forderungen zu verhandeln und, wenn noetig, zu streiken. "Diese Freiheit der amerikanischen Arbeiter hat zu dem hohen Lohnstand gefuehrt, und dieses hohe Lohnniveau ist ein staendiger Ansporn fuer
den amerikanischen Unternehmer, die Produktionsleistung seines
Betriebes zu verbessern, die Arbeiter anzuregen, ihm bei der Steigerung der Produktionsleistung zu helfen und mit geringerer koerperlioher Anstrengung mehr zu produzieren. Dieser Druck, den die
Politik des hohen Lohnes ausuebt, muss eine staendige Erweiterung
unserer Wirtschaft zur Folge haben.
Den amerikanischen Arbeitern stuende es ausserdem frei, jederzeit zu kuendigen und sich nach einem besseren Arbeitsplatz umzusehen. Der Arbeiter benoetigt keine Erlaubnis der Regierung, der
r
olizei oder einer sonstigen Behoerde, wenn er auf der Suche nach
besseren Moeglichkeiten seinen Wohnsitz von einer Stadt in die
andere oder von einem Staat zum andern verlegen will. Dadurch wird
ein hoeheres Beschaeftigungsniveau gesichert, denn wenn die Bedingungen an der einen Stelle unguenstig werden, fuehlen sich die Arbeiter
nicht an diesen Ort gebunden.
- 14 -

�Sine dritte Freiheit besteht fuer den amerikanischen Arbeiter
darin, dass er durch gruendliches Selbststudium vorwaertskommen
und eine bessere Stellung uebernehmen kann. Trotz gegenteiliger
Behauptungen der Sowjets hat diese Freiheit Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der amerikanischen Gesellschaft geschaffen, wodurch
eine scharfe Spaltung des amerikanischen Volkes in Klassen vermieden werden konnte. In einer Klassengesellschaft dagegen kann kein
Mensch erwarten, aus einer Klasse in die andere zu gelangen. Diese
Freiheit hat zu einem staendigen Aufstieg der Maenner in den Betrieben in die Reihen des Unternehmertums und in den oeffentlichen
Dienst gefuehrt.
Amerika hat keinen Grund, selbstzufrieden zu sein, oder etwa
zu glauben, das Arbeitslosenproblem geloest zu haben. Mit der Unters tuetzung der Mehrzahl des Volkes befindet es sich jedoch auf
des richtigen Weg und hat seit den dunklen Tagen der dreissiger
Jahre grosse Erfolge erzielt. Wir beschaeftigen heute in den Vereinigten Staaten 60 Millionen Mensohen. Der Prozentsatz an verborgener oder unsichtbarer Arbeitslosigkeit ist jedoch voellig unbedeutend. Es koennen aber noch mehr Beschaeftigungsmoeglichkeiten
geschaffen werden, wenn wir an der Politik der klugen wirtschaftlichen Planung und des Schutzes der persoenlichen Freiheit festhalten.
Auf die Arbeitslosigkeit in Westdeutschland eingehend erklaerte Paul Porter, dass die Besatzungsmaechte an diesem Problem hoechst
interessiert seien. Ein Grund hierfuer sei zumindest der grosse
Zustrom an Fluechtlingen aus Osteuropa, deren Zahl in einem einzigen Monat 30.000 und mehr betragen habe.
Wenn die Verhaeltnisse fuer den Arbeiter in Osteuropa wirklich
so zufriedenstellend sind, warum stehen dann die Grenzen der Tschechoslowakei und Ungarns unter starker polizeilicher Bewachung und
sind mit Stacheldrahtverhauen verbarrikadiert? Soll dadurch vielleicht ein Zustrom von Arbeitslosen aus dem Westen verhindert werden? Oder sollen dadurch nicht vielmehr Menschen ausserhalb oder
innerhalb der Grenzen gehalten werden?
Wir erkennen an, dass die Laender Osteuropas ernstlich bemueht
sind, ihre Menschen von der Not zu befreien. Wir billigen diese Bemuehungen. Wir wuenschen ihnen Erfolg. Aber ich denke, dass wir
alt der Frage der Arbeitslosigkeit Frobleme beruehren, die ueber
die Arbeitslosigkeit als solche hineusgehen. Die Sehnsucht nach der
Befreiung von Not und Elend ist nur einer der vielen Wuensche in
d9n Herzen der Menschen. Paul Porter wandte sich jetzt direkt an
die Delegierten der sowjetischen Satellitenstaaten und erklaerte:
"Ich noechte Ihre Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Befreiung
von Furcht lenken."
"Beschaeftigung allein ist keine Loesung; sie stellt nur ein
Mittel dar,nur ein Mittel der persoenlichen wirtschaftlichen Sicherheit; menschliche Wuerde, Selbstachtung und Freiheit fuer jeden einzelnen sind die wirklichen Ziele der Vereinigten Staaten.
Es gibt 30 viele Dinge, die die Menschen aller Laender gemeinsam
erstreben, dass diese gemeinsamen Ziele uns in unseren Bemuehungen
vereinigen sollten. Sie sollten nicht dazu benutzt werden, sich
gegenseitig zu beschuldigen und die Arbeit anderer herabzusetzen."
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI/6/50
SPENDET FUER DEN KAMFF GEGEN ARBEITERFEINDLICHE SENATOREN.»
Die Politische Abteilung der Eisenbahnergewerkschaft setzt sich
dafuer ein, dass konservative Senatoren, wie "Bob" Taft und Senator
- 15 -

�Donnell aus Missouri,nicht wieder in den Kongress gewaehlt werden.
An ihre Stelle sollen wirklich fortschrittlich gesinnte Senatoren
treten.'
Zu diesem Zweck benoetigt die Gewerkschaft Geld.
Sie bittet deshalb ihre Mitglieder, einen oder zwei Dollar zu
spenden und auf ihrer naechsten oertliehen Gewerkschaftsversammlung den "Hut herumgehen zu lassen." Wenn dies nicht moeglich ist,
soll unter den Arbeitskollegen eine Sammlung veranstaltet werden.
"Die Spenden sind natuerlich freiwillig," heisst es in dem
Aufruf der Gewerkschaft," aber wir wissen, dass jeder daran beteiligt sein moechte, wenn die Feinde der Arbeiterschaft geschlagen
werden muessen. Spendet deshalb einen oder zwei Dollar."
Labor
VII/1/50
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

HICOO R-1297 L t B Julj 50 1) C

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                <text>Internationale Arbeitsmitteilungen 12.01.1950</text>
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                <text>Gewerkschaften Amerikas unterstützen Verteidigungsproduktion&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Gewerkschaften helfen am Punkt-Vier-Programm mit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung der Lehrlings- und Berufsschulausbildung für die Verteidigung Amerikas&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zahl der weiblichen Arbeitskräfte in Amerika steigt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In England entscheiden die Bergleute selbst über ihre Zukunft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gerechts Akkordsystem steigert Produktionsleistung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meany zur Rolle des Rundfunk- und Fernsehwesens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Gewerkschaftsführer unterstreichen die Bedeutung der Arbeiterbildung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausbildungsinstitut für die wirtschaftliche Planung asiatischer Entwicklungsprojekte&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Indische Gewerkschaften erkennen die kommunistische Gefahr</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis
19 5 6

*

1
Arbeitszeit, Urlaubs- und Feiertagsregelung
in der Sowjetunion
Größere soziale Sicherheit für
amerikanische Seeleute
Der Scanlon-Plan
Internationaler Freier Gewerkschaftsbund
verurteilt Zwangsarbeit

2
Arbeiter als Aktionäre ihrer Betriebe
Die Erforschung von Unfallursachen und die
Verwendung der Unfallstatistik
Vereinte Bemühungen von Gewerkschaften und
Unternehmern bei der Lehrlingsausbildung

�]

�I
Struktur und Mitgliedschaft der
Gewerkschaftsbewegung in USA
Vereinte Bemühungen von Gewerkschaften und
Unternehmern bei der Lehrlingsausbildung (Schluß)
Arbeitskosten und Mechanisierung
Finanzielle Zusammenarbeit zwischen
Gewerkschaften und Management
Kurznachrichten

i
Struktur und Mitgliedschaft der Gewerkschaftsbewegung
in USA (Schluß)
Wie der amerikanische Automobilarbeiter lebt
Gewerkschaftsführer im Exil berichten über
das Los der Arbeiterschaft in sowjetischen
Satellitenstaaten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

i
Vom Unternehmer finanzierte Pension3- und Gesundheitsprogramme in amerikanischen Tarifverträgen
Strafrechtliche Verfolgung von Verstößen gegen
die Arbeitsdisziplin in der UdSSR
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

��Hr. 6
Reform der Arbeitsbedingungen im New Yorker Hafen
Disziplinarische Maßnahmen der Gewerkschaften
Neue Grenzen der menschlichen Beziehungen
Gewerkschaftliche Kurznachricht

Nr. 7
Wer arbeitet heute in den USA?
2 1/2 Millionen Amerikaner erhielten eine
Lohnerhöhung
Wohin steuert die große neue US-Gewerkschaftsorganisation?

Nr. 8
Arbeitspotential und Lebensstandard in Puerto Rico
24 und 52 Stunden Arbeitszeit in Rotchina
"Westinghouse"-Streik nach 156 Tagen beigelegt

Nr. 9
Wohin steuert die große neue
US-Gewerkschaftsorganisation? (Schluß)
Die Lohnlawine in den USA seit 1940
Mexikanische Gewerkschaften in der
antikommunistischen Front

- 5-

��I .
Hr. 10
Der Aufschwung des Genossenschaftswesens
in den Vereinigten Staaten
Die amerikanische Bundes-ArbeitsaufSichtsbehörde
(National Labor Relations Board)
18 000 Schlafwagenschaffner - eine fortschrittliche
Negergewerkschaft
Die Gewerkschaft der amerikanischen
Druckereiarbeiter

Nr. 11
Die Gewerkschaft der amerikanischen
Druckereiarbeiter (Schluß)
Die Lage der Arbeiter in Rot-China
US-Bergarbeitergewerkschaft baute zehn neue
Krankenhäuser für Mitglieder
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Nr. 12
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der
privaten Arbeitslosenunterstützung
Die Freizeit als Faktor im Wirtschaftsleben
/ "Revidierter garantierter Jahreslohn" in der
£—, Praxis
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

-4 -

��Nr. 15
Die Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen und ihre
voraussichtliche Weiterentwicklung in den
Vereinigten Staaten
Die Rolle der privaten Sozialprogramme bei
TarifVerhandlungen
Größte Zahl an Gewerkschaftsmitgliedern im
Staate New York
"Todesstoß" für kommunistische
Elektroarbeitergewerkschaft
Transferierbare private Pensionspläne

Nr. 14
Die Umstellung auf Automation im Großbetrieb
Amerikas Gewerkschaften bilden ihren Funktionärsnt
selbst heran
Der Begriff der Produktivität in der
amerikanischen Industrie
Der Lebensstandard der Stahlarbeiter
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

_Nr. l&lt;p
Die Automatisierung und ihre Forderungen an das
Ausbildungswesen
Die Rolle der Gewerkschaften beim Aufbau einer
besseren Welt
Aussichten im Jahre 1956 für den Neuabschluß
von Tarifverträgen
"Revidierter garantierter Jahreslohn" auf
individueller Basis
Henry Ford II. ruft Mitarbeiter auf, sich aktiv
an der Wahl zu beteiligen
Wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen für
Studenten und Arbeiter
Ein interessantes "union shop"-Abkommen

- 5-

��Nr. 16
Steigendes Lohnniveau in den USA
Die amerikanische Streikstatistik
im Jahre 1955
Facharbeiter für ein neues Industriezeitalter
Gewerkschaftliche Kurznachrichten:
Pensionserhöhungen für US-Eisenbahner
Arbeitsfriede im New Yorker Transportgewerbe
für vier Jahre sichergestellt
Trend zu langfristigen Kollektivverträgen
Gewerkschaftsverband AFL-CIO kein Monopol
Hohe Streikziffern im Juli

Nr. 17
Kollektivverhandlungswesen und Gewerkschaften
Arbeitshygiene im Zeitalter der Automatisierung
Versicherungsschutz und Versicherungsleistung
für die Eisenbahner
Die Unterstützungsleistungen eines Wohlfahrtsfonds
Niedrigste Unfallrate im Juni

Nr. 18
U.S.-Senatsausschuß untersuchte private Wohlfahrtsund Pensionspläne
Lebensansprüche und Lebensstandard der arbeitenden
Bevölkerung in den amerikanischen Städten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten:
Neue wichtige Lohnabkommen in der US-Industrie
Bergarbeiter-Sozialfonds legte Leistungsbericht vor
Arbeitszeit nach Wunsch

- 6-

��Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen. Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 1

Mehlem, den 6. Januar 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Arbeitszeit, Urlaubs- und Feiertagsregelung
in der Sowjetunion

Seite

1

Seite

4

Seite

7

Seite

10

Groessere soziale Sicherheit fuer
amerikanische Seeleute .
Der Scanion-Flan

..
&lt;&gt;

Internationaler Freier Gewerkschaftsbund
verurteilt Zwangsarbeit

•••••••••••

Arbeitszeitt Urlaubs- und Feiertagsregelung in der Sowjetunion
Arbeitszeit, Feiertage und Urlaub sind in der Sowjetunion gesetzlioh
festgelegt und nicht, wie in anderen Laendern, Gegenstand von Kollektivverhandlungen. Verschiedene in den USA vorhandene Handbueoher geben einigen Aui'sohluss ueber die dortigen Arbeitsbedingungen, obgleich keine genauen Zahlen ueber die tatsaechliche Arbeitszeit in der sowjetischen Industrie vorliegen.
Arbeitszeit und Feiertage
Die Bestimmungen des Gesetzes vom 26. Juni 1940, die den 8-StundenArbeitstag und die 48-Stunden-Woche als allgemeine Regelung fuer Arbeiter
ueber 16 Jahre festlegen, sind heute noch in Kraft. Waehrend des Krieges
war der 11-Stunden-Arbeitstag obligatorisoh, wobei drei Stunden als Ueberstunden gerechnet wurden. Fuer die meisten russischen Arbeiter galt jedooh ab Sommer 1945 wieder der uebliohe 8-Stunden-Tag} in der Abaenderung
der Verfassung zu Anfang des Jahre» 1947 wurde der 8-Stunden-Tag dann
offiziell wiedereingeführt.1) (Bis zu diesem Zeitpunkt sah die Verfassung
einen 7stuendigen Arbeitstag vor.) In koerperlioh anstrengenden oder
1) Die Verfassung der UdSSR setzte naoh ihrer Abaenderung im Jahre 1947
als Maximum den Aoht-Stunden-Arbeitstag fest (Artikel 119) und gewaehrte fuer koerperlioh anstrengende Berufe auoh eine kuerzere Arbeitszeit; in ihr wird jedoch weder die Zahl der Arbeitstage pro Woche, noch die Zahl der Arbeitsstunden pro Monat erwaehnt.
1 -

�oder gefahrvollen Berufen kann der Arbeitstag nur 7 Stunden oder auoh
weniger betragen, dies haengt ganz von der Art der ausgeuebten Taetigkeit ab. Im Bergbau, der Huetten- und Oelindustrie sind bestimmte Arbeitergruppen nicht verpflichtet, mehr als 6 Stunden am Tag zu arbeiten.
Das Gesetz vom 14* Juli 1942 ist ebenfalls noch in Kraft, das den 6-StundenArbeitstag als Hoechstgrenze fuer junge Lehrlinge in der Industrie zwischen 14 und 16 Jahren (das gesetzliche Mindestarbeitsalter) festsetzt.
In Betrieben, die in drei Sohichten arbeiten, ist die Nachtschicht auf
7 Stunden begrenzt, der Lohn ist jedoch dem einer 8stuendigen Tagesschioht
gleichgesetzt» Im allgemeinen werden 307 Arbeitetage im Jahr (365 minu»
52 Sonntage und 6 Feiertage) oder 25,5 Arbeitstage (204 Stunden) pro
Monat verguetet.
Sonntag ist im allgemeinen ein Ruhetag; an manchen Orten oder in
verschiedenen Betrieben kann jedoch auoh ein anderer Tag hierfuer bestimmt werden. In Notfaellen koennen Arbeiter auch an ihren ueblichen
Ruhetagen zur Arbeit herangezogen werden. Es gibt 6 gesetzliche Feiertaget 1. Januar, 1. und 2. Mai (Feiertage der internationalen Arbeitersohafti 7« und 8. November (Revolutionsfeiertage) und der 5» Dezember
(Tag der Annahme der UdSSR-Verfassung). Faellt der Feiertag auf einen
Sonntag, so hat der Arbeiter keinen Anspruch auf einen anderen freien
Tag. Es ist nioht gestattet an Feiertagen zu arbeiten, es sei denn, es
handelt sich um Tag-und-Naoht-Betriebe oder Notfaelle - Faelle, in
denen eine Unterbrechung der Arbeit aus technisch bedingten Produktionsgruenden unmoeglioh ist, wie zum Beispiel bei der Bedienung von oeffentlichen Verkehrsmitteln, im Nachrichtenwesen, bei dringenden Reparaturarbeiten und bei Verladearbeiten im Eisenbahn- und Wassertransport.
Die Verguetung fuer Ueberstunden und Feiertagsarbeit
Die Ableistung von Ueberstunden ohne "Erlaubnis" der Gewerkschaft
und der zustaendigen Behoerden ist in der Sowjetunion gesetzlich verboten; es werden jedoch haeufig Zuwiderhandlungen gegen dieses Gesetz
gemeldet. ' Das Gesetz verbietet die Ableistung von Ueberstunden und
Naohtarbeit fuer Arbeiter unter 16 Jahren und fuer werdende und stillende Muetter; waehrend der ersten vier Schwangerschaftsmonate ist Ueberstundenarbeit allerdings zulaessig. Wenn Ueberstundenarbeit notwendig
wird, so muss ein Bonus gezahlt werden - gewoehnlich wird fuer die 9«
und 10. Arbeitsstunde das Eineinhalbfache des gewoehnlichen Stundenlohnsatzes verguetet und fuer die 11. und alle folgenden Stunden das Doppelte. In der Bauindustrie liegen die vergleichbaren Verguetungssaetze
fuer Ueberstunden bei dem 1^- bzw. 1-J-fachen Satz.
Fuer Arbeit an den sechs gesetzlichen Feiertagen wird allen Arbeitern die doppelte Zeit verguetet. Es ist nicht statthaft, dass Arbeiter,
die an regulaeren Arbeitstagen Ueberstunden geleistet haben, auf die
Verguetung dieser Ueberstunden verzichten und statt dessen die entsprechende Zeit freinehmen. Diese Moeglichkeit ist lediglich bei Feiertagsarbeit gegeben. Fuer an Sonntagen oder regulaeren Ruhetagen geleistete
Arbeit wird gewoehnlich innerhalb der folgenden zwei Wochen die entsprechende Zeit freigegeben. Falls dies nicht moeglich ist, muss die doppelte Zeit verguetet werden (in der Bauindustrie nur das Eineinhalbfache).
Urlaub
Das sowjetische Arbeitsgesetzbuch des Jahres 1922 legte die vorherrschende Gepflogenheit eines bezahlten jaehrlichen Mindesturlaubs von
zwei Wochen (12 Arbeitstage) fuer alle Arbeiter ueber 18 Jahre fest.
Der Code garantierte Arbeitern unter 18 Jahren einen Mindesturlaub von
2) Dies geht beispielsweise aus der Ausgabe des "Trud" vom 3» September 1955 hervor.
- 2

�einem Monat, aber wie aus einer kuerzliohen Veroeffentliohung hervorgeht, erstreckt sich diese Garantie nur auf Arbeiter unter 16 Jahren.
Falls ein Arbeiter aus Gruenden, fuer die er nicht verantwortlich zu
machen ist, innerhalb eines Jahres seinen vollen Urlaub nicht nehmen
kann (beispielsweise wenn die Betriebsfuehrung bei der laufenden Produktion auf seine Dienste nicht verzichten kann), so kann er im folgenden Jahr einen entsprechend laengeren Urlaub nehmen oder aber der noch
ausstehende Urlaub wird ihm verguetet. Es ist nioht zulaessig, den Urlaub zwei Jahre lang anstehen zu lassen.
Ausser dem zweiwoechigen Mindesturlaub erhalten bestimmte Arbeitergruppen zusaetzlioh bezahlten Urlaub. Das "Handbuoh fuer den Gewerkschaft sfunktionaer", das im Jahre 1949 herausgegeben wurde, enthaelt
eine 61 Seiten lange Liste gefahrvoller Berufe, in denen den Arbeitern
zusaetzlich bezahlter Urlaub gewaehrt wird (fuer gewoehnlich 6 bis 12
Tage; in einigen wenigen Faellen 24 oder }6 Tage).
Die Laenge der Dienstzeit wird ebenfalls duroh laengeren Urlaub
anerkannt. In den Verfuegungen vom 15. Dezember 1930 und 31» Maerz 1937
werden in gewissen Industriezweigen allen Produktivarbeitern mit zweijaehriger Dienstzeit drei zusaetzlioh bezahlte Urlaubstage gewaehrt,
und zwar hauptsaeohlioh im Bergbau, in der Metallverhuettung, der Textilindustrie, der Baustoffindustrie und im Transportwesen,
Da» Recht auf bezahlten Urlaub ist jedooh auoh gewissen Beschraenkungen unterworfen. Die Verordnung vom 28. Dezember bestimmt, dass ein
Arbeiter nur dann seinen Urlaub nehmen kann, wenn er mindestens 11 Monate (vordem 5"^ Monate) ununterbrochen in einem Betrieb taetig gewesen
ist und nur dann fehlte, wenn ein triftiger Grund vorlag. Arbeiter, die
sioh etwas zuschulden kommen Hessen und deswegen zu "Straf"-arbeit an
ihrem alten Arbeitsplatz verurteilt wurden, erhalten keinerlei Urlaub.
Der sowjetische Arbeiter kann seinen Urlaub aufschieben, wenn ihm
vom Betriebsarzt bescheinigt wurde, dass er voruebergehend arbeiteunfaehig ist, einen Staatsauftrag zu erfuellen hat, oeffentliehen Pflichten naohkommen muss oder unter Arrest steht, ferner in einigen anderen
Faellen. Faellt ein solches Ereignis in die Urlaubszeit, so erhaelt der
Arbeiter fuer den entsprechenden Zeitraum automatisch Urlaubsverlaengerung. Eine finanzielle Entschaedigung fuer die ausgefallenen Urlaubstage erhaelt der Arbeiter nur dann, wenn sie im sowjetischen Gesetz oder
in seinem Arbeitsvertrag vorgesehen ist. Falle er krank wird und seinen
Urlaub verlaengern muss, so erhaelt er nur sein regulaeres Urlaubsgeld.
Nationale Feiertage, die auf einen Wochentag waehrend der Urlaubszeit
fallen, werden auf den Urlaub nicht angerechnet.
Die ununterbrochene Dienstzeit, die erforderlich ist, um den Urlaubsanspruoh zu rechtfertigen, bleibt unbeeinflusst durch zeitweilige Unterbrechungen in Form von unfreiwilliger Arbeitslosigkeit auf Grund eines
Verschuldens des Arbeitgebers oder zeitweiliger Arbeitsunfaehigkeit, waehrend der Ausgleiohsgelder bezogen wurden.
Die Reihenfolge, in der die Arbeiter ihren Jahresurlaub nehmen koennen, wird am 1. Januar eines jeden Jahres festgelegt. Im Falle einer
unerwarteten Produktionsunterbreohung kann die Betriebs- und Sohliohtungskommission, die sich aus Vertretern der Betriebsfuehrung und der
Arbeiterschaft zusammensetzt, die Arbeiter dazu auffordern, ihren Jahresurlaub zu nehmen.
Das sowjetische Regime raeumt einer beschraenkten Zahl von Arbeitern
besondere Urlaubsprivilegien ein, und zwar erhalten sie Ferienplaetze in
Sommerluftkurorten oder Sanatorien, entweder kostenlo« oder zu verbilligten Saetzen. Die Besonderheit dieser Privilegien kommt in einem am 24»
Januar 1947 in der sowjetischen Gewerkschaftszeitung "Trud" erschienenen

- 3-

�Artikel zum Ausdruck«
"Bereohtigungsausweis» fuer den Aufenthalt in Erholungsheimen, Sanatorien und Kurorten sollten vorzugsweise an die Grundkader der Schwerarbeiter und einfachen Arbeiter - den Stachanowisten -, die schwere und
gefahrvolle Arbeit leisten und ihr Arbeitssoll erfuellen, zum Teil sogar
uebersohreiten, ausgegeben werden; ferner an Schwerarbeiter und einfache
Arbeiter mit langer ununterbrochener Dienstzeit innerhalb eines Betriebes;
an Invaliden des "Vaterlaendischen" Krieges sowie an aus den Streitkraeften Entlassene. FZKM's (Betriebs- und Ortsausschüsse) koennen solche
Paesse nur auf Empfehlung der betrieblichen Sozialversicherungskommissionen ausstellen, und zwar mindestens 10 Tage, bevor der Arbeiter seine Urlaubsreise antritt."
Auf Grund einer Analyse der sowjetischen Zahlen ist man zu dem Ergebnis gelangt, dass von zehn Lohn- oder Gehaltsempfaengern jeweils einer
fuer einen solchen kostenlosen oder verbilligten Ferienaufenthalt in Frage kommt. Im Jahre 1949 beispielsweise kamen nur etwa 3»5 Millionen von
insgesamt 35 Millionen Lohn- und Gehaltsempfaengern in den Genuss dieser
Vergünstigung; fuer das Jahr 1953 ergibt sich ungefaehr das gleiohe Verhaeltnis, und zwar obgleich zu Anfang dieses Jahres die Zahl der Arbeiter
auf 42 Millionen gestiegen war. Die erhoehte Bedeutung, die auoh 1955
wieder der Produktion der Schwerindustrie beigemessen wird, sowie die
gleichzeitige Beschraenkung der Ausweitung der Konsumgueter- und Dienstleistungsindustrie duerfte fuer die grosse Mehrheit der Lohn- und Gehaltsempfaenger in dieser Hinsicht wenig Aussicht auf eine Besserung
bringen.
Quelle:

Monthly Labor Review
Vol. 78, No. 10

Groessere soziale Sicherheit fuer amerikanische Seeleute
Die amerikanische Seeleutegewerksohaft - Seafarers' International
Union of North America - SIU - (eine der AFL und der allamerikanischen
Transportarbeitergewerkschaft angeschlossene Organisation) kann mit berechtigtem Stolz darauf verweisen, sioh seit jeher fuer die gewerkschaftlichen Wohlfahrts- und Sozialprogramme eingesetzt zu haben. Unter Wahrung
dieser traditionellen Einstellung konnte die SIU mit Wirkung vom 1. Juni
1955 eine Erweiterung des bestehenden Wohlfahrtsplanes dieser Gewerkschaft
durchsetzen, das heisat ihren Mitgliedern hoehere und zusaetzliohe Sozialleiatungen sichern.
In den folgenden Ausfuehrungen soll auf Einzelheiten des neuen Planes
eingegangen und gleichzeitig ein Abriss ueber die bisherigen Bestrebungen
der Gewerkschaft auf diesem Gebiet gegeben werden.
Das Problem der Sozialleistungen fuer Seeleute - bis dahin in der
amerikanischen Schiffahrt voellig unbekannt - wurde erstmalig auf einer
Konferenz der "Sailors« Union of the Pacific" mit der SIU (Atlantik und
Golfgebiet) im Juni 1949 diskutiert. Man kam damals ueberein, sioh fuer
diese Leistungen bei den kommenden Vertragsverhandlungen mit den Reedern
nachdrueoklioh einzusetzen. Die "Sailors' Union of the Pacifio" (SUP)
verhandelte unter der Leitung von Harry Lundeberg Ende November 1949 mit
den Reedern ueber diese Wohlfahrtsleistungen und schloss mit den Schiffahrt sunt ernehmern der Westkueste einen Vertrag, wonaoh diese pro Arbeitstag und Seemann 25 Cent in einen Wohlfahrtsfonds einzuzahlen hatten.
Kurz darauf schloss auch die "Seafarers1 Union" Anfang Dezember 1949
mit den Schiffahrtsgesellschaften einen Vertrag ab, in dem alle ihre Forderungen anerkannt wurden. Enda Dezember unterzeichneten schliesslich
mehrere grosse Reedereien, deren Personal vorwiegend von der SIU erfasst

-4

�war, ein entsprechendes Memorandtim, womit der "Seafarers1 Weifare Plan"
geboren war*
Duroh dieses mit den Reedern abgeschlossene Abkommen verpflichteten
aloh diese, taeglioh fuer jeden auf ihren Sohiffen arbeitenden Seemann
24 Cent in einen Fonds einzuzahlen, aus dem die Seeleute je nach Bedarf
Zuwendungen erhalten konnten.
Ein aua Gewerkschaftern und Unternehmern gebildeter Treuhandausschuss
wurde zur Ueberwachung aller hinsichtlich des Wohlfahrtsprogramms durchzufahrenden Massnahmen eingesetzt, deren unmittelbare Bearbeitung einem
hauptamtlich taetigen, versierten Verwaltungsangestellten oblag.
Zu den ab 1. Juli 1950 gewaehrten Sozialleistungen gehoerten Sterbegelder und woechentliche Leistungen bei Krankenhausaufenthalt. Sie bedeuteten gegenueber den frueheren, in den alten Satzungen der SIU aufgeführten Leistungen im KrankheitB- oder Sterbefall oder bei Schiffbruch
einen grossen Fortschritt. In den folgenden Jahren wurde der Wohlfahrtsplan noch weiter ausgebaut. Zu den bemerkenswertesten Verbesserungen gehoeren die Unterstuetzungsleistungen bei Mutterschaft und bei Invaliditaet, die ab Juni 1952 gewaehrt wurden.
Eine ausserordentliche Leistung war auch die Schaffung eines Ausbildungsfonds im Oktober 1952, der es Gewerkscnaftsmitgliedern oder ihren
Kindern ermoeglioht, fuer die Dauer von vier Jahren ein Stipendium fuer
den Besuch eines College oder einer Universitaet zu erhalten. .
Fuer die Verwaltung und Versicherung ihres Wohlfahrtsplans trug die
SIU selbst Sorge, ein relativ seltener Fall in den USA, da die meisten
US-Gewerkschaften Vereinbarungen mit Versicherungsgesellschaften treffen.
Auf diese Weise konnte die SIU ihre Ausgaben auf 7»7$ ihrer Einnahmen
beschraenkeni diese Einsparungen wirkten sioh wiederum in verbesserten
Leistungen aus.
Der Treuhandausschuss, der den Wohlfahrtsplan verwaltet, setzt sioh
aus jeweils drei Vertretern der Gewerkschafts- und der Unternehmerseite
zusammen. Sie sind fuer die ordnungsgemässse Durchfuehrung des Planes
und eine gereohte Auszahlung der Leistungen verantwortlich.
Aus den neuesten, am 6. Mai 1955 v o n der SIU veroeffentliohten Zahlen geht hervor, dass seit Inkrafttreten des Planes am 1. Juli 1950 insgesamt 2 333 940 Dollar fuer Sozialleistungen ausgegeben wurden. Seit
1. April 1952 wurden 93 145 Dollar fuer Invaliditaetsleietungen aufgewendet. Die fuer den Plai. zur Verfuegung stehenden Aktiva belaufen sioh
auf insgesamt 2 674 573 Dollar und schliessen Grundbesitz im Werte von
320 895 Dollar und Schatzanweisungen der US-Regierung in Hoehe von
720 697 Dollar ein. Sie umfassen. Chirurgische Behandlung, Erstattung
der Krankenhaus- und Arztkosten fuer Familien, Uebernahme der Entbindungskosten, Invalidenrenten, Sterbegelder, Krankenhausaufenthalt fuer
Seeleute, Stipendien fuer Seeleute (und ihre Kinder), Sonderbeihilfen,
Verpflegungs- und Unterkunftsbeihilfen fuer Seeleute, die auf das Auslaufen ihrer Schiffe warten und Fortbildungsmoeglichkeiten fuer Seeleute.
Ehefrauen und unverheiratete Kinder der SIU-Mitglieder unter 19
Jahren erhalten ein Krankenhaus-Tagegeld von 10 Dollar, und zwar 31 Tage
lang; dazu kommt ein Koechstbetrag von 100 Dollar fuer Krankenhaus-Sonderausgaben, sobald die ersten 50 Dollar ausgegeben wurden.
Weiter werden Angehoerigen der Gewerkschaftsmitglieder waehrend ihres
Krankenhausaufenthalts taeglich vier Dollar fuer aerztliohe Visiten bewilligt, und zwar bis zu 31 Tagen. Ausserdem koennen bei chirurgischen
Eingriffen Zuschuesse bis zu 300 Dollar - je nach der erforderlichen Operation - gewaehrt werden. Die bei Entbindungen faelligen Leistungen von

- 5-

�zweihundert Dollar zuzueglioh einer U.S.Schatzanweisung in Hoehe von
25 Dollar bleiben bestehen.
Fuer die Seeleute selbst erhoehte sich das Sterbegeld von 1000 auf
3500 Dollar; die woeohentliohen Leistungen bei Krankenhausaufenthalt,
die waehrend der gesamten Dauer gezahlt werden, werden von 6 auf 21
Dollar erhoeht. Ausserdem wird die Invalidenrente auf 35 Dollar woechentlioh erhoeht, waehrend die fuer ein vierjaehriges Studium bestimmten
6000 Dollar (fuer Seeleute oder deren Kinder) unveraendert weiter gewaehrt werden.
Ausser diesen im Rahmen des Wohlfahrtsplanes gewaehrten Leistungen
koennen Seeleute, die in den Haefen auf das Auslaufen ihrer Schiffe warten, Kredite in Anspruch nehmen, verbilligte Mahlzeiten erhalten und
Unterkuenfta beanspruchen; dazu steht ihnen die "Andrew Furuseth Training
School" zur Fortbildung zur Verfuegung.
Anlaesslich der Revision und Erweiterung des SlU-Wohlfahrtsplanee
sorgten die Treuhaender gleichzeitig dafuer, dass diese Sozialleistungen
dem berufsmaessigen, in der SIU erfassten Seemann garantiert werden.
Hinsichtlich des Unterstuetzungsanspruchs erfolgten einige Abaenderungen.
Die Berechtigung der Seeleute, bereits nach "einem Tag auf See" Sterbegelder, Krankenhausaufenthalt und Mutterschaftsbeihilfen in Anspruch nehmen zu koennen, wurde beibehalten, allerdings auf der Basis, dass dieser
eine Tag innerhalb der letzten 90 Tage vor dem betreffenden Ereignis lag
und nicht laenger als 90 Tage im letzten Kalenderjahr zurueckliegt. Diesen Vorzug geniessen allerdings nur vollbeschaeftigte, berufsmaessige
Seeleute.
Die erhoehte Invalidenrente setzt eine zwoelfjaehrige Taetigkeit als
Seemann oder einen Aufenthalt von 4380 Tagen auf See voraus, ein Tag
davon muss innerhalb der 90 Tage liegen, waehrend der der Seemann den
Antrag auf Invalidenrente stellt. Dies bietet die Gewaehr dafuer, daas
die Leistungen den aktiven Seeleuten zugutekommen, wobei diejenigen, die
in frueheren Jahren arbeitsunfaehig wurden, von den rueokwirkenden Bestimmungen der urspruenglichen Invalidenleistungen erfasst werden«
Invaliditaet liegt - wie frueher - dann vor, wenn ein Seemann unfaehig
ist, auf See fuer seinen Unterhalt zu arbeiten, wobei das Alter des Seemannes keine Rolle spielt. Stipendien setzen weiterhin eine dreijaehrige
Seefahrt des Seemannes oder des zur See fahrenden Vaters des Stipendienbewerbers voraus.
Die neuen Familienleistungen werden nach folgendem Muster gewaehrt«
Der bei Krankenhausaufenthalt gewaehrte Beitrag von 10 Dollar taeglioh
und der Hoechstbetrag von 100 Dollar fuer Sonderausgaben (Bestrahlungen,
Unkosten bei Operationen, Sonderbetreuung und aehnliches) gelten hinsichtlich der abzugsfaehigen 50 Dollar als eine Leistung, das heisst der
Seemann begleicht die ersten 50 Dollar all dieser Kosten, und der Wohlfahrtsplan kommt fuer den Rest auf.
Durch die Bestimmung, dass die ersten 50 Dollar vom Versicherten
selbst zu tragen sind, koennen grosszuegigere Leistungen gewaehrt werden,
so dass jeder, der durch hohe Krankenhauskosten ausserordentlich belastet
wurde, die Hilfe erhaelt, die er braucht. Sinn dieser Regelung ist, denjenigen zu helfen, die am dringendsten Hilfe brauchen, anstatt die verfuegbaren Mittel durch Begleichung kleinerer Krankenhausrechnungen zu
zersplittern. Der bei Operationen geltende Leistungsplan, der alle Einzelleistungen umfasst, sieht fuer Spezialbehandlungen Leistungen bis zu 300
Dollar vor, darunter auch Bluttransfusionen, fuer die 20 Dollar pro Transfusion gezahlt werden.
Sowohl die bei Operationen als auch bei Krankenhausaufenthalt zu gewaehrenden Leistungen beruhen auf Betraegen, die nach Beratung mit der

- 6-

�"American Medical Association" und anderen medizinischen Fachorganisationen
festgelegt wurden. Die Leistungen entsprechen den durchschnittlich ueblichen Krankenhauskosten auf der Basis: Unterbringung im Zweibettzimmer,
durchschnittliche Sonderausgaben und uebliche Operationsgebuehren.
Nach dem gleichen Grundsatz werden dem im Krankenhaus befindlichen
Patienten taeglioh vier Dollar fuer aerztliche Visiten gezahlt. Diese
Leistung soll die Betreuung auch derjenigen Patienten sicherstellen, die
keiner operativen Behandlung beduerfen. Die Visitengelder werden bis zu
31 Tagen fuer jeden Tag gezahlt, an dem der Patient besucht wird, gleiohgueltig, ob der Arztbesuch ein- oder mehrmal taeglich erfolgt.
Die neuen Leistungen, die in den SlU-Wohlfahrtsplan aufgenommen wurden, stellen einen Meilenstein hinsichtlich der Bestrebungen der Gewerkschaft dar, die bei Unfall oder Krankheit der Seeleute und ihrer Angehoerigen anfallenden Belastungen zu mildern. Allzu oft geschah es frueher,
dass ein Seemann bei schweren Krankheitsfaellen in seiner Familie im
naechsten Hafen von Bord gehen und naoh Hause fliegen musste, um sich
um seine Angehoerigen zu kuemmern. Heutzutage dagegen kann er an Bord gehen in dem Bewusstsein, dass Frau und Kinder durch den Wohlfahrtsplan
weitgehend geschuetzt sind.
Aus: "International Transport Workers1 Journal"

Der Scanlon-Plan
Der gesuchteste Spezialist fuer Arbeitsfragen in d«yn Vereinigten
Staaten ist heute der 56jaehrige Joe Scanion, der ehemalige Preisringer,
Hochofenarbeiter, Kalkulationsbuchhalter in einem Stahlwerk, Gewerkschaftsboss und derzeitiger Dozent fuer Arbeitsbeziehungen am "Massachusetts
Institute of Technology".
Die aeussere Erscheinung und das Auftreten Joe Scanions steht im
krassen Gegensatz zu dem, was er wirklich ist: ein gluehender Prediger
i'uer die gegenseitigen Beziehungen von Gewerkschaften und Management, der
es versteht, wie man beiden Sozialpartnern die Idee "verkauft". Das
Medium hierfuer ist der "Scanlon-Plan", der folgendes beabsichtigt:
1. dem Arbeiter die Moeglichkeit zu geben, sich an den Risiken, Entscheidungen und Gewinnen zu beteiligen, die sich aus erhoehter Produktion
ergeben und 2. der Betriebsfuehrung zu helfen, die Erfindungsgabe der Arbeiter und Angestellten zugunsten einer Produktionsverbesserung zu wecken
und zu foerdern.
Dabei gleicht Scanions Methode weniger einem formellen Plan als
einer Annaeherungsmethode, der drei feststehende Komponenten zugrundeliegen.
Erstens: Gewerkschafts- und Betriebsfuehrung legen eine Produktivitaets"norm" fest, und die Arbeiterschaft erhaelt eine Praemie aus den
Einsparungen, die durch niedrigere Produktionskosten pro Einheit erzielt
werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Lohnanreizplaenen basiert der Scanlon-Plan nicht auf dem Wettbewerbsprinzip, sondern vereinigt, ohne dasB
die Lohnstruktur aus dem Gleichgewicht gebracht wird, alle Mitarbeiter
in ihren Anstrengungen auf ein gemeinsames Ziel anstatt sie gegeneinander
in Opposition zu stellen.
Die zweite Komponente ist ein System von Produktionsausschuessen, in
denen Gewerkschaftsfunktionaere und Betriebsfuehrung gemeinsam ueber die
Herabsetzung der Produktionskosten beraten.
Die dritte und wichtigste Komponente ist jedoch Joe Scanion selbst,

- 7-

�der das ABC der hoeheren Produktivitaet von Grund auf beherrscht.
Der Sohn irischer Einwanderer, Joe Scanion, trat Anfang der zwanziger Jahre nach seiner Dienstzeit in der amerikanischen Marine als Kalkulationsbuchhalter in die "Ohio Steel Company" ein, die spaeter von der
"Republic Steel" uebernommen wurde. Diese Stellung vertauschte er spaeter
mit der eines Hoohofenwartes, waehrend er sich gleichzeitig seine gewerkschaftlichen Sporen als Organisator verdiente, als die der CIO angehoerende Stahlarbeitergewerkschaft im Jahre 1936 ein Organisationskomitee
bildete. Schon damals war er der Ansicht, dass die Arbeiter von sioh aus
zur Erhoehung der Produktion beitragen wuerden, wenn ihnen ein entsprechender Anreiz gegeben wuerde. Diese üeberlegung liess sioh im Jahre 193®
in die Tat umsetzen. Damale war Scanion Vorsitzender einer StahlarbeiterOrt sgewerksohaft, als die Betriebsfuehrung ihm erklaerte, dass das Unternehmen schliessen muesste, wenn es nicht gelaenge, die Rentabilitaet zu
erhoehen. Soanlon fuhr daraufhin mit den leitenden Angestellten des Unternehmens zur Hauptverwaltung der ClO-Stahlarbeitergewerkschaft nach Pittsburgh und arbeitete hier mit ihnen zusammen einen Produktivitaetsplan aus,
duroh den die Firma nicht nur gerettet wurde, sondern auoh eine solide
und rentable Basis erhielt. Dabei mussten beispielsweise fuer einen vom
gemeinsamen Produktionsausschuss gemachten Verbesserungsvoreohlag rund
8000 Dollar fuer Neuausrüstungen aufgewendet werden, aber die Firma erzielte dadurch eine jaehrliohe Einsparung von 150 000 Dollar. Nach dieser
eindrucksvollen Leistung holte Philip Murray, damals Vorsitzender der
Stahlarbeitergewerkschaft, Scanion in die Hauptverwaltung nach Pittsburgh,
um ihn von hier aus in andere, ebenfalls in Schwierigkeiten geratene
Firmen zu schicken.
Im Jahre 1945 konnte Scanion seine inzwischen in zahlreichen Unternehmen gesammelten Erfahrungen auoh bei der "Adamson Company of East
Pal'estine", die geschweisste Stahltanks produziert, nutzbringend anwenden. Der Firmeninhaber klagte Scanloni "Ich habe den Gewerkschaften
saemtliche gestellten Forderungen erfuellt. Trotzdem aber arbeitet das
Werk nicht zufriedenstellend, tun wir uns zusammen und arbeiten wir einen
Plan aus, der uns beiden zum Vorteil gereioht."
Soanlon nahm daraufhin die Firma unter die Lupe, pruefte saemtliche
Buecher und setzte fuer jede Produktionseinheit eine Arbeitskoetennorm
fest. Dann fuehrte er ein System ein, wonach die Arbeiter und das Management je 50$ der Einsparungen erhielten, die duroh niedrigere Produktionskosten erzielt wurden.
Schon bald wurde der neue gemeinsame Gewerkschafts- und Betriebsfuehrungsausschuse mit Verbesserungsvorschlaegen der Arbeiter ueberhaeuft.
SohweisBer, die bisher untaetig herumgestanden hatten, weil sie auf Material warteten, halfen jetzt beim Ausladen. Arbeiter, die sioh frueher
dem unterdurchschnittlichen Leistungsniveau der "Faulpelze" gegenueber
gleiohgueltig verhalten hatten, protestierten jetzt dagegen: "Dadurch
werden unsere Praemien herabgesetzt". Arbeiter und leitende Angestellte
bildeten jetzt eine Einheit, die fuer ein gemeinsames Ziel arbeitete.
Schon nach einem Jahr lag die Rentabilitaetsrate der Firma Adamson um
das Fuenffache hoeher. Selbst nach Aufteilung der Produktivitaetsgewinne
im Verhaeltnis 50 zu 50 verzeichnete die Betriebsfuehrung nooh das Doppelte der frueheren Ertraege. Fuer die Einstellung der Arbeiter ist die
folgende Aeusserung eines alten Gewerkschafters bezeichnend: "Joe, hier
kann ich nicht kaernpfen, denn es waere mein eigener Nachteil."
Ein Jahr spaeter war Scanion in der "Lapointe Machine Tool Company"
in Hudson (Massachusetts) anzutreffen, in der ein Streikausbruch drohte.
Der Erfolg: im Verlauf von 20 Monaten hatte sich die Produktion der Firma
um 61 Prozent erhoent. In einem Bericht der "National Planning Association"
ueber die bei Lapointe durcngefuehrten gemeinsamen Verhandlungen ueber
die Produktionsprobleme heisst es: "Fuer einen Aussenstehenden ist es

- 8 -

�schwierig, zwischen Betriebsfuehrung und Gewerksohaftsvertretung zu unterscheiden."
Wie wuerde sioh der Scanlon-Plan nun aber in einem erfolgreichen
Betrieb auewirken, nachdem er sioh in schwierigen Unternehmen so bewaehrte? Die Antwort hierauf gab die "Parker Pen Company" in Janesville
(Wisconsin). Dieses fortschrittlich eingestellte Unternehmen verfuegte
nicht nur ueber eine tueohtige Betriebsfuehrung und Gewerkschaftsvertretung, sondern auch ueber einen Lohnanreiz- und einen.neuen Rentenplanj
das Werk selbst war mit Klimaanlagen und modernsten Produktionshilfsmitteln, wie Rundfunkanlagen fuer die Arbeiter, ausgeruestet. Dennooh war
die Firma der Ansicht, dass selbst ein guter Anreizplan Schwierigkeiten
bereite. Soanlon, den man in diesem Fall um Hilfe gebeten hatte, schaffte
das alte Lohnanreizsystem ab, naoh dem die Anstrengungen des einzelnen
auf Kosten der Gruppe belohnt wurden. Tagelang verhandelte er mit Finanzsaohbearbeitern und Buchhaltern und setzte sohliesalioh eine Produktivitaetsnorm fuer das Rechnungsjahr (Maerz) 1953/(Februar) 1954 f«st. Er
setzte durch, dass die eingesparten Produktionskosten (die Betraege also,
die unter den auf Jahresbasis festgelegten Produktionskosten lagen - am
Verkaufswert gemessen -) in einen Praemienfonds anzusammeln sind. Ein
Viertel dieser Gelder wurde als Reserve fuer diejenigen Monate abgesetzt,
in denen sioh die Kosten mit der "Norm" deokten oder in denen sogar ein
Defizit zu verzeiohnen war und in denen daher auoh keine Praemien verdient wurden. Der Rest der im Fonds befindlichen Summe wurde aufgeteilt!
die Arbeitnehmer erhielten davon 75 Prozent, die Betriebsfuehrung 25$.
Die Praemie des ersten Monats, die im September 1954 gezahlt wurde und
sioh auf insgesamt 43 199 Dollar belief, entsprach einer Lohnerhoehung von
13)8 Prozent. Im Januar, in dem in der Fuellfeder- und Bleistiftindustrie
gewoehnlioh eine Flaute herrsoht, erzielten die Arbeiter keine Praemie,
allerdings war dies auoh der einzige Monat, in dem dies nioht gelang
(Zahlungen aus dem Reservefonds erfolgen nur am Jahresende). Im September
des naeoheten Jahres dagegen war bereits eine Lohnerhoehung von 27,1$
zu verzeiohnen. Waehrend des genannten Geschaeftsjahres bearbeiteten die
aoht gemeinsamen Produktionsaussohuesse (wobei auf jede Hauptabteilung
ein Ausaohuas kommt) und das aus 17 Mitgliedern bestehende sogenannte
"Screening oommittee" (Pruefungskomitee) - das sioh aus 9 Arbeitern und
8 leitenden Angestellten zusammensetzt - 400 Verbesserungsvorsohlaege,
von denen 240 angenommen wurden, wobei durohsohnittlioh ein Vorschlag auf
zwei Arbeiter kam.
Naoh dem Soanlon-Plan wird jetzt in etwa 60 amerikanischen Betrieben
gearbeitet, gleiohgueltig, ob es sioh um Moebel- oder Stahlfabrikation
handelt, um mit Gewinn oder Verlust arbeitende Firmen, um Unternehmen, in
denen die Arbeitsbeziehungen gut oder sohlecht waren oder wo die Arbeitsproduktivitaet leioht oder praktisoh ueberhaupt nioht zu messen war.
Der Soanlon-Plan laesst sioh allerdings nicht ohne die aufrichtige Zustimmung sowdhl der Betriebsfuehrung als auoh der Gewerksohaftsvertretung
durohfuehren. Er verlangt eine starke Gewerkschaft, die sioh fuer ihre
Mitglieder einsetzen kann. Ausserdem setzt er voraus, dass eine Betriebsfuehrung bereit ist, der Gewerkschaft Einblick in ihre Buecher zu gewaehren und ihre Produktionsgeheimnisse zu lueften. Weiter wird ein Gefuehl
fuer gute Zusammenarbeit zwischen Betriebsfuehrung und Gewerkschaft verlangt, das am haeufigsten denjenigen Firmen abgeht, die Scanions Hilfe
am noetigsten haben. Soanlon lehnt von vornherein jede Mitarbeit ab, wenn
er nioht davon ueberzeugt ist, dass beide Seiten eine gute Zusammenarbeit
erstreben.
Scanion soheut sioh auoh nioht, etwaige Misstaende barsoh und ohne
Umsohweife zu kritisieren. Dies haelt aber niemand davon ab, an seinem
einmal fuer gut erkannten Plan festzuhalten. So erklaerte Leo Beckwith,
der Gesohaeftsfuehrer der "Market Forge Company", einem seit 1947 naoh
den Ideen Soanlons arbeitenden Unternehmen in Everett (Massachusetts)i
"Der Soanlon-Plan ist sioher nicht das Wundermittel, das manohe Leute
in ihm sehen, aber er ist jedenfalls eine gute Sache. Wenn wir ihn aus

-9

�irgendeinem Grunde einmal abschaffen muessten, waeren die Leutt im
Be trieb sehr unglueoklioh, und ioh waere es auoh." Der Vizepresident
einer Firma in Illinois aeusserte sich allerdings nooh begeisterten
"Soanlon ist riohtungweieend fuer die Zukunft des freien Unternehmertums Amerikas."
(Bei Veroeffentlichung folgende Quellenangabe
unbedingt erforderlich)
Nach "Time", dem woechentlioh erscheinenden Nachrichtenmagazin. Copyright 'Time Inc.1 1955

Internationaler Freier Gewerkaohaftabund verurteilt Zwangsarbeit
Der Vorstand des Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes beendete
seinen diesjaehrigen Kongress mit einer Resolution gegen jede Form der
Zwangsarbeit. In dieser Resolution wurde eindeutig festgestellt, dass es
Zwangsarbeit im grossen Masstabe lediglich in der Sowjetunion, ihren
Satellitenlaendern und im Kommunistischen China gibt. Denn die Zwangsarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil des sowjetischen Wirtschaftssystems,
wie der IBFG feststellt.
Allerdings gaebe es auoh diesseits des Eisernen Vorhangs einige Formen und Ueberreste der Zwangsarbeit, obwohl sie gesetzlich verboten sei.
Wie der Generalsekretaer des "IBFG", J.H. Oldenbroek, in einem Interview
mitteilte, ist die Zahl der Mitglieder der 110 dem IBFG in 76 Laendern
angeschlossenen Gewerkschaften auf ueber 55 Millionen angestiegen. Von
besonderer Bedeutung sei die Tatsache, dass es erstmalig gelungen ist,
auoh Plantagenarbeiter gewerksohaftlioh zu organisiereni so wurden allein
in Malaya 100 000 Plantagenarbeiter fuer ihren Gewerkschaftsverband gev
worben.
Der Vorstand des "IBFG" habe auch auf seinem diesjaehrigen Kongress
eine leidenschaftliche Resolution angenommen, in der alle Angebote des
kommunistisch gefuehrten Weltgewerkschaftsbundes auf gemeinsames Vorgehen
entschieden abgewiesen wurden. Damit hat der "IBFG" erneut seinen. Standpunkt bekraeftigt, dass es zwischen den freien Gewerkschaften und der
"Arbeitsfrontorganisation" der kommunistischen Laender keine Zusammenarbeit geben koenne. Er hat die ihm angeschlossenen Gewerkschaften angewiesen, keinerlei Einladungen auf Entsendung offizieller Gewerksohaftsdelegationen nach den Laendern des Sowjetbereiohs anzunehmen. Denn derartige
Delegationen koennten keinerlei wirkliche Untersuchungen anstellen und
dienten daher lediglich kommunistischen Propagandazweoken. Oldenbroek betonte, dass die Entsendung derartiger Delegationen nur dann einen Sinn
haette, wenn in den sowjetischen Laendern Redefreiheit und das Recht auf
Bildung freier Gewerkschaften bestehe.
Der "IBFG" werde auoh weiterhin die Bestrebungen der von den kommunistischen Maohthabern versklavten Voelker mit Anteilnahme verfolgen und,
soweit er dazu in der Lage sei, tatkraeftig unterstuetzen, sagte Oldenbroek. "Wir kennen die grossen Schwierigkeiten," meinte Oldenbroek, "mit
denen die sowjetischen Arbeiter zu ringen haben, die dem kommunistischen
Regime ihren passiven und heimlichen Widerstand entgegensetzen. Nur diejenigen, die selbst der Freiheit beraubt wurden, koennen den Wert eines
solchen Widerstandes voll ermessen. Diejenigen unter uns, die unter dem
Naziregime ihre Freiheit verloren, koennen die Gefuehle der Menschen verstehen, die unter der kommunistischen Herrschaft denselben Verlust erlitten,
loh bin jedoch sicher, dass die unterdrueckten Arbeiter ihren heldenhaften
Kampf um ihre Befreiung weiterfuehren werden, und die Arbeiter der freien
Welt werden sie in diesem Kampf unterstuetzen."

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�Di« ablehnend« Haltung der Sowjets gegenueber der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands, sagte Oldenbroek, mache die Integration dar
westeuropaeisohen Wlrtsohaft naoh dem Muster der Gemeinschaft fuer Kohl«
und Stahl umso notwendiger.
Der Vorsitzend« dar Kommunistischen Partei der UdSSR, Chruschtschow,
und der sowjetisch« Ministarpraesident Bulganin haatten durch ihre wiederholten Auefaelle gegen Grossbritannien und Amerika erneut den kalten
Krieg gegen die freie Welt heraufbeschworen.
Wortlaut der Resolution das Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes zur Frage der Zwangsarbeit!
"1. Es wird empfohlen, alles Unterlagen- und Informationematarial
uaber Zwangsarbeit, das vom Generalsekretaer des "IBFG" bisher gesammelt
wurde und in Zukunft zusammengetragen werden wird, dem Internationalen Arbeitsamt zu uebergeben und die Arbeitsgruppen der "ILO" staendig auf dam
Laufenden ueber diese Angelegenheit zu halten.
2* Es wird empfohlen, den Generalsekretaer zu beauftragen, die dam
"IBFG" angeschlossenen Organisationen in den fragliohen Laendern sowie das
Berliner Komitee zu ersuchen, moeglichst viele der aus den Laendern das
Sowjetblocks heimgekehrten Gefangenen zu interviewen, um Beweismaterial
aus juengster Zeit ueber die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Lagern
dieser Laendar zur Vorlage beim Internationalen Arbeitsamt zu erhalten.
3. Es wird empfohlen, den Generalsekretaer zu beauftragen, mit Unterstützung der "Force Ouvriftre" einen Bericht ueber das moderne Sklavenwesen zusammenzustellen, ihn der "ILO" vorzulegen und das in diesem Berioht
enthaltene Informationsmaterial einer moegliohet breiten Oeffentliohkeit
zur Kenntnis zu bringen.
4. Dar Internationale Ausschuss zur Bekaempfung des Konzentrationslagerwesens plant, eine Kommission zur Untersuchung des Zwangsarbeitswesens im kommunistischen China einzusetzen und in der ersten Haelfte das
Februar eine Tagung dieser Kommission naoh Bruessel einzuberufen. Diese
Kommission soll aus sechs europaeischen und fuenf asiatischen Mitgliedern
bestehen} der "IBFG" wird ersucht, die asiatischen Mitglieder zu benennen.
Es wird empfohlen, diese Aufforderung anzunehmen und den Generalsekretaer
zu beauftragen, die angeschlossenen Verbaende in Asien hierbei zu Rate zu
ziehen. Es wird weiterhin empfohlen, den Bericht der Untersuchungskommission der "ILO" vorzulegen und die Arbeit dieser Kommission und die erzielten Erfolge in Zusammenarbeit mit den angeschlossenen Organisationen
propagandistisch auszuwerten.
5. Der Chinesische Gewerksohaftsverband hat dem Vorstand einen Vorschlag eingereicht, die vom Internationalen Ausschuss gegen das Konzentrationslagerwesen geplante Untersuchung ueber Zwangsarbeit im kommunistischen China tatkraeftig zu unterstuetzen und saemtliohe angeschlossenen
Verbaende aufzufordern, diesem Unternehmen zur Wahrung der sozialen Gerechtigkeit und Wuerde des Menschen ihre Hilfe zu gewaehren. Es wird empfohlen, den Chinesischen Gewerksohaftsverband von dieser geplanten Aktion zu
verstaendigen*
6. Der Internationale Ausschuss gegen das Konzentrationslagerwesen
beabsichtigt, die Sowjetregierung zu ersuchen, seinen Vertretern die Besichtigung einiger Zwangsarbeitslager zu genehmigen. Es wird empfohlen, den
Generalsekretaer zu beauftragen, diesen Antrag zu unterstuetzen.
7. Bezueglioh der Zwangsarbeit in Kenia wird empfohlen, den Britischen Gewerkschaftsverband aufzufordern, mit der britisohen Regierung die
Frage einer beschleunigten Freilassung der Internierten und der Abschaffung
der Zwangsarbeit in den Eingeborenenreservaten zu eroertern."
- 11 -

�Der Vorstand des IBFG nahm ausserdem folgende Resolution ueber die Beziehungen freier Gewerkschaftsorganieationen zu autoritaeren Laendern an«
"Angesichte der immer intensiveren Bemuehungen der kommunistischen
Laender, einen Austausch von Gewerksohaftsorganisationen mit den Laendern
der freien Welt zu erreichen)
und in der Erkenntnis, dass die kommunistischen Regime einen derartigen Austausch anstreben, um
1. ihren staatlichen Gewerkschaften die
moralisohe Achtung und gesetzliche Anerkennung zu verschaffen, und 2. die
Arbeiter der freien Welt dazu zu verfuehren, diese von der Kommunistischen
Partei beherrschten Organisationen als bona fide Gewerkschaften anzuerkennen, und 3« die kommunistische Infiltration und Wuehlarbeit in der freien
Welt zu erleiohtern, sowie schliesslich 4» die expansionistischen Tendenzen
des Sowjetimperialismus zu foerdernj
wird hiermit ausdrueoklich betont, dass es im Interesse der internationalen Solidaritaet der Arbeiterschaft, die ein lebenswichtiges Element der Freiheit des Menschen in der ganzen Welt darstellt, sowie des
Weltfrieden« nioht angeht, dass freie Gewerkschaftsorganisationen Delegationen austauschen mit Laendern, die 1. ihren Voelkern die grundlegenden Menschenrechte, wie sie in der Charta der Vereinten Nationen formuliert
wurden, versagen) 2. ihren Arbeitern das Reoht auf freien Zusammensohluss
und Organisierung, das Recht auf echte Kollektivverhandlungen sowie das
Reoht auf Streik versagen:, und 3. die Arbeiter, die fuer freie Gewerkschaften und Demokratie eintreten, bestrafen)
alle angeschlossenen Verbaende werden aufgefordert, dem Generalsekretaer des IBFG von etwaigen Einladungen aus autoritaeren Laendern Mitteilung zu maohen, damit der IBFG sioh ueber die Absichten und Folgen
eines derartigen Vorgehens seitens eines kommunistischen Landes Klarheit
verschaffen und
umso eifriger gegen diese strategischen Feldzuege der
Kommunisten zur Verwirrung und Spaltung der freien Gewerkschaftsbewegung
vorgehen kann."

12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werben.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

DC - 2

Mehlem, den 20. Januar 195b

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Arbeiter als Aktionaere ihrer Betriebe

Seite

1

Die Erforschung von Unfallur3aohen und die
Verwendung der Unfallstatistik

Seite

6

Vereinte Bemuehungen von Gewerkschaften und Unternehmern
bei der Lehrlingsausbildung

Seite

11

Alfred G. Larke
Arbeiter als Aktionaere ihrer Betriebe
In den Vereinigten Staaten sind die ArbeitnehmerAktienbeteiligungsplaene - die vielfach mit
Sparprogrammen kombiniert werden und von der
Unternehmerseite Zuschuesse erhalten - im
Ansteigen begriffen.
Im Jahre 1955 erwarben in den Vereinigten Staaten wahrscheinlich
mehr Arbeiter und Angestellte Aktien ihrer eigenen Arbeitgeber als das
seit den zwanziger Jahren je der Fall war.
Dieser Trend, der einige Jahre nach Beendigung des Zweiten '.Veitkrieges einsetzte, wurde jetzt allerdings durch die im Jahre 1955
durchgeführten Tarifvertragsverhandlungen in der Automobilindustrie
eingedaemmt. Die Automobilarbeitergewerkschaft lehnte naemlich die von
der "General Motors Corporation" und der "Ford Motor Company" als Ersatz
fuer den garantierten Jahreslohn angebotenen Aktienbeteiligungsplaene
ab, wobei diese Plaene fuer die Gehaltsempfaenger in dieser Industrie
allerdings weiterbestehen.
In den bedeutendsten Industrien war es bisher uoblich, den nicht
gewerkschaftlich organisierten 3ueroangestellten die gleichen Lohnerhoehungen und zusaetzliche Sozialleistungen zu gewaehren, die von den
gewerkschaftlich organisierten Stundenlohnempfaengern durchgesetzt
wurden. Dieses Verfahren soll aber jetzt aufgegeben werden. Am 2J.
September 1955 hat die "General Motors Corporation" ihre Aktionaere
1 -

�um die Zustinimung zu einem Spar- und Aktienbeteiligungsplan fuer Gehaltsempfaenger ersucht. Danach 3ollen Angestellte sich mit einem bis zu
10/2 ihres Grundlohnes betragenden Abzug (zuzueglich Lebenshaltungskostenzuschlag) fuer einen Sparfonds einverstanden erklaeren, fuer den
je zur üaelfte Regierungsschatzanweisungen und Stammaktien der "General
Motors" erworben werden sollen. "General Motors" selbst wuerde sich
mit einem Betrag in Hoehe von 50,'J der Angestellten-Einlagen beteiligen,
der fuer den Erwerb von Namensaktien des Unternehmens verwendet wird.
Ein Angestellter, der sich zum Beispiel fuer die Teilnahme an einem
Sparplan entscheidet, kann zwar jederzeit den Plan wieder aufkuendigen das Recht allerdings, auch den Firmenzuschuss ausgezahlt zu bekommen,
erwirbt er nur allmaehlich, und zwar erst im dritten, vierten und
fuenften Jahr seiner Teilnahme in einer Sparklasse. Nach fuenf Jahren
werden ihm Barauszahlungen und Effekten garantiert, die mindestens seinen
Beitraegen plus Zinsen entsprechen, ohne Berücksichtigung des Markwertes der Aktien. Ein Angestellter, der sich an einem Rentenplan
beteiligt, kann die von der Firma erworbenen Gesellschaftsanteile nur
beim Eintritt in den Ruhestand oder bei Beendigung des Arbeitsverhaeltnisses erhalten.
Auch Henry Ford II erklaerte, fuer sein Unternehmen einen aehnlichen Plan durchfuehren zu wollen. Sein der Automobilarbeitergewerkschaft offerierter Plan fuer Gehaltsempfaenger glich praktisch dem von
"General Motors" vorgeschlagenen.
Die zur Zeit bestehenden Aktienbeteiligungsplaene fuer Angestellte
sind im wesentlichen in der Erdoelindustrie und in den Versorgungsbetrieben zu finden. Findet das von "General Motors" und "Ford" gegebene
Beispiel jedoch auch in anderen Unternehmen, die sich ebenfalls Forderungen nach garantierten Loehnen gegenuebersehen, Nachahmung, so
duerfte die Basis der Aktienbeteiligungsprogramme in der gesamten Industrie wesentlich verbreitert werden.
Inzwischen sind bereits zahlreiche Firmen dazu uebergegangen, ihre
Angestellten fuer solche Plaene durch verschiedene Mittel vom einfachen
Ratschlag bis zu umfassenden treuhaenderisch gesicherten P]aenen zu
gewinnen.
Von der "Pacific Telephone Company" wird beispielsweise nur das
"New York Stock Exchange's Monthly Investment Program" veroeffentlicht,
in dem die Angestellten Naeheres ueber die Einrichtung eines Kontos
durch einen Makler erfahren.
Eine andere Firma, die "3assons Industries Corporation" in New York,
vergibt Aktienanteile als einmalige Weihnachtszuwendungen.
Am anderen Ende der Skala steht ein Unternehmen der Oelindustrie
("Standard Oil Company of California"), das einen bestimmten Prozentsatz
des Gewinnes vor Abzug der Steuern in einen Aktienerwerbsfonds abfuehrt,
und zwar im Verhaeltnis von fast 2 Dollar fuer jeden vom Angestellten
ersparten Dollar. In einem anderen kombinierten Spar-, Renten- und
Gewir.nbeteiligungsplan betragen die Firmenbeitraege nach einer gleitenden Skala 5 bis 10,0 der Gewinne ("Sears, Roebuck and Company").
Die Firmenzuwendungen koennen auch in der Form von Geschenken
erfolgen, wie im Fall der "National Container Corporation", deren
Angestellten-Aktionaere langjaehrige verdiente Betriebsangehoerige sind,
die anstelle goldener Uhren zum 25jaehrigen Dienstjubilaeum Aktiengutschriften erhielten. 3ei der "Standard of California" kommen fast
alle 3etriebsangehoerigen (ueber JJfij» aller empfangsberechtigten Angestellten) in den Genuss solcher 2uschuesse. Noch typischer ist der von
der "Inland Steel Company" geschaffene freiwillige Aktienbeteiligungsplan, der im Juli 1955 erneuert wurde. In den ersten drei Jahren, 3eit
- 2

�Anlaufen dieses Planes, beteiligten sich 74,o des Aufsichts- und 40^
des gesamten uebrigen Personals daran.
Unter den drei Haupttypen von Aktienbeteiligungs- und Sparplaenen
spielen die "stock Option plans" (freiwillige Aktienplaene) die unbedeutendste Rolle. Aktienbeteiligungsplaene allerdings, die in den zwanziger Jahren einen Angestellten im voraus verpflichteten, Aktienanteile
zu einem festgesetzten Preis zu erwerben, wurden so umgewandelt, dass
sie inzwischen den freiwilligen Plaenen sehr aehneln. In vielen oder
sogar den meisten Firmen kann der Arbeitnehmer seinen Entschluss aendern und seine Einwilligung zurueckziehen, nachdem er bereits Einzahlungen geleistet hat.
Ebenso zahlreich wie die neuen Aktienbeteiligungsplaene sind die
Angestellten-Huecklagen oder Spar-Systeue, wobei der Hauptunterschied
darin besteht, dass die Unternehmer sich an letzterem mit namhaften
Betraegen beteiligen. Selbstverstaendlich sind hier die 3eitraege der
Angestellten wesentlich hoeher.
Obgleich die Anzahl der Aktienbeteiligung3progranme sich in den
letzten Jahren staendig erhoehte, haben sie noch nicht wieder die Hoehe
der zwanziger Jahre erreicht. Damals waren es etwa drei- bis vierhundert amerikanische Unternehmen, die ihre Arbeiter ermutigten, ihre
Mittel in Aktien der eigenen Firmen zu investieren. Heute sind es etwa
100 bis 125 Firmen. Vor 2j Jahren berichtete da3 "National Industrial
Conference 3oard" - nach Auswertung aller vorhandenen Unterlagen -,
dass es nur 68 freiwillige und andere Aktienbeteiligungsplaene gaebe,
die der grossen Masse der Arbeiter und Angestellten zugaenglich waren.
Von diesen Plaenen waren aber 10 bereits wieder aufgegeben worden,
waehrend 30 nur in einer unzureichenden Form bestanden. Zur gleichen
Zeit bestanden 20 Ruecklage- oder Sparplaene, die Aktienbeteiligungsplaene einschlössen.
Der Grund fuer die in den letzten Jahren von vielen Unternehmern
vorgenommenen Aktienabtretungen an Arbeitnehmer ist weder aus den formellen Erklaerungen oder anderen Mitteilungen an die Arbeitnehmer,
noch aus Unterhaltungen mit den leitenden Persoenlichkeiten der betreffenden Unternehmen zu erkennen. Im allgemeinen jedoch laesst sich
770hl sagen, dass er in einigen oder allen der nachstehend aufgefuehrten
Faktoren zu suchen ist:
1.

Wachsende Erkenntnis der Wichtigkeit guter ArbeitgeberArbeit nehmerbe Ziehungen.

2.

Nachlassen des Misstrauens, das noch immer aus den Misserfolgen frueherer Aktienbeteiligungsplaene resultiert, die auf
Grund der Preisstuerze in den dreissiger Jahren nicht durchgeführt werden konnte.

3.

Die Steuerentwicklungen der letzten Zeit und die Einfuehrung
ausgezeichneter neuer Methoden zum Schutz der Angestellteninvestitionen und Einschraenkung der Verantwortlichkeit der
Unternehmer.

4.

Die Notwendigkeit fuer Massnahmen zur Ergaenzung der auf
Dollarbasis festgelegten Rentenplanleistungen durch eine relativ inflationssichere Anlage des Arbeitnehmer-Kapitals.

5.

Gev/oohnung der Industriearbeiter an Ruecklagen in Form von
Lohnabzuegon waehrend des Krieges und die von der Regierung
durchgefuehrten V/erbeTtiassnahmen zum Erwerb von Schatzanweisungen in der Nachkriegszeit.

- 3-

�6.

Vermehrte Annahme von Gewinnbeteiligungsplaenen in der Nachkriegszeit, deren Ausschüttungen teilweise oder vollstaendig
in Aktiengutschriften anstatt in Bargeld erfolgten.

Die Uebertragung des Aktienkapitals an die eigenen Betriebsangehoerigen dient andererseits folgenden Zielen:
Es soll den Angestellten ermoeglicht werden, Geschaeftsanteile
derjenigen Unternehmen zu erwerben, in denen sie arbeiten;
Foerderung des Verstaendnisses fuer die Unternehmerprobleme und
-methoden und des Unternehmersystems;
Schaffung eines groesseren Verantwortungsgefuehls und Erhoehung
der Arbeitsanstrengung;
Anregung zur Beteiligung an gemeinsam getragenen Rentenplaenen,
indem die Berechtigung zur Teilnahme an einem Aktienbeteiligungsplan von der Beteiligung an einem anderen abhaengt;
die Angestellten zum Sparen anzuregen;
ihnen behilflich zu sein, sich fuer die Zeit ihres Ruhestands
gegen Inflationen zu schuetzen;
Uebertragung des Betriebskapitals auf bewaehrte Angestellte (in
einigen Faellen).
In kleineren Unternehmen sind die Aktienbeteiligungsplaene relativ
selten zu finden. Ilaeufig ist hier das Aktienkapital zu unbedeutend
oder es fehlt an der Uoeglichkeit, den angemessenen Wert der Aktien
festzusetzen, wenn sie nicht auf dem freien Markt gehandelt werden.
Dagegen sind in mittleren und kleinen Unternehmen die Gewinnbetelligungsplaene mit haeufigeren Barauszahlungen - oder mit Auszahlungen beim
Eintritt in den Ruhestand - recht zahlreich. Da die Gewinnbeteiligungsplaene im wesentlichen den gleichen Zielen dienen wie die Aktienanteilplaene, stellen sie fuer die kleineren Unternehmen die natuerliche
Loesung der gleichen Probleme dar, wie sie in umfangreicherem Ausmass
in Grossunternehmen vorhanden sind.
Waeren die Schaffung von Ruecklagen fuer die Zeit des Ruhestands
und die Aufforderung an die Angestellten, sich einen Anteil an dem
industriellen Gewinn zu sichern, die einzigen Ziele der Aktienbeteiligungsplaene, so koennten kleinere Firmen mit nur beschraenktem
Aktienkapital ihren Angestellten nahelegen, ihre Ersparnisse in den
verschiedensten Papieren anzulegen; dies kann auf direktem Wege oder
mit Hilfe des Boersen-Investierungsprogramms oder durch Gehaltsabzuege
geschehen, wie es der Quinby-Plan von Rochester (New York) vorsieht.
Es ist indes so, dass fast alle Unternehmer der Ansicht sind, die
Aktienanteile muessten von der eigenen Firma stammen. Selten wird das
Geld in anderen Wertpapieren angelegt, mit Ausnahme von Regierungsschatzanweisungen. Allerdings bestehen auch hier gewisse Ausnahmen.
Den Angestellten der "Socony Kobil Oil Company, Inc.", in New York
City steht es zum Beispiel frei, ihre Ersparnisse in Regierungsschatzanweisungen, Firmenaktien oder 52 anderen zur Auswahl stehenden
Investment-Gesellschaften anzulegen. Auch die "Purolator Products,
Inc.", in Rahway, New Jersey kuendigte einen Sparplan an, wonach die
Einlagen in Schatzanweisungen, Firmenaktien oder anderen Papieren investiert werden koennen.

-4 -

�Der Gewinnbeteiligungsfond3 der Firma "Sears, Roebuck and Company",
der in vielfacher Hinsicht von den ueblichen Schenata abweicht - nicht
zuletzt deswegen, weil in ihn ueber 26/» de3 Aktienkapitals der Pirna
erfasst sind -, gibt seit 1941 den Firmenangestellten die lloegllchkeit,
sowohl in sonstigen gewinnbringenden Obligationen als auch in eigenen
Firmenaktien zu investieren. In Rahmen dieses Programms beteiligen
sich die Angestellten mit 5/j ihrer Gehaeiter - bis zu hoechstens 500
Dollar jaehrlich - an den Einlagen, und die Firma steuert 5 bis 10/ä ihres
Nettogewinns bei. Eine gleitende Skala hinsichtlich der Firmen-Beitraege - die 3ich mit zunehmendem Dienstalter erhoehen - sieht eine
Bestimmung vor, nach der die Mittel bis zum Eintritt in den Ruhestand
(oder kurz davor) unangetastet bleiben. Zu diesem Zeitpunkt koennen
die Beitraege eingestellt oder als Jahresrente zur Auszahlung gelangen.
Der bei der Firma "E.G. Shinner and Company" - einem KettenlaedenUnternehmen fuer Fleischwaren mit den Ilauptsitz in Chicago (Illinois) bestehende Plan gestattet es seinen Angestellten sogar, sich jede Art
von Eigentun, Grundbesitz, Anlagewerten, einschliesslich Schatzanweisungen, Schuldscheinen, Vorzugs- und gewoehnlichen Aktien und sogar
Hypotheken zu erwerben und zu sichern.
Andere Firnen gestatten nur die Erwerbung eigener Firnenanteile,
und II.D. «uinby jr., der Vater des "Quinby-Plans", fand mit seinem Vorschlag, dass Unternehmen gemischte Investierungen foerdern sollten,
keinen Viiderhall. In keinerlei Beziehung zur "Eastman Kodak Company",
Rochester (New York) stehend, beteiligen sich dennoch zahlreiche Eastman-Angestellte durch Einlagen von 20 Dollar monatlich an einem Aktienerwerbsplan fuer Kodak-Aktien, der von einem Bankinstitut treuhaenderisch verwaltet wird. Der Quinby-Plan besteht seit 1930, und seit
1953 fuehrte -die Eastman Company freiwillige Lohnabzuege fuer die in
ihren Unternehnen Beschaeftigten durch.
Fuer andere Investoren bei der Firna Eastman und ebenso fuer die
Teilnehmer der ^uinby-Plaene in den Firmen "DuPont", "General Motors"
und "Standard Oil" (New Jersey) betragen die üindesteinlagen 25 Dollar
monatlich, und zwar fuer einen Zeitraum von 10 Jahren.
Unter dem Röchester-rrogramm werden dem Teilnehmer sofort ganze
Aktien oder Aktienanteile, Dividenden etc. gutgeschrieben. Das Progrann ist so aufgebaut, dass die Aktionaere, haben sie einmal mit Einzahlungen begonnen, waehrend der gesamten Laufzeit erfasst sind. In
jedem Monat wird schriftlich an die faelligen Einzahlungen erinnert,
und die Quittungen werden versandt. Der Hauptanteil der Gebuehren ist
im ersten Teilnahmejahr faellig; ein spaeteres Ausscheiden wird dadurch
weitgehend verhindert.
Wenn auch die Automobilarbeitergewerkschaft die von "General Motors"
und "Ford" vorgeschlagenen Spar- und Aktienbeteiligungsplaene ablehnte,
so stellen 3ich die Gewerkschaften den Sparplaenen in allgemeinen
selten ablehnend gegenueber. Die "Atlantic Refining Company" stellte
ihren Aktienplan nach Verhandlungen nit den verschiedenen Gewerkschaften,
die die Interessen ihrer Angestellten vertreten, auf und die Mehrzahl
der uebrigen Firnen erfreut sich mindestens der stillschweigenden Zustimmung der Gewerkschaften. Als die "Dow Chemical Company" in Jahre
1948 einen Aktienbeteiligungsplan aufstellte (der jetzt 45,3 der Angestellten erfasst), verhielten sich die Gewerkschaftsfunktionaere zurueckhaltend, als die Gewerkschaftsnitglieder eine offizielle Stellungnahme von ihnen erbaten. Als der Plan spaeter zur Durchfuehrung gelangte, erklaerte die Ortsgewerkschaft ihren Mitgliedern, dass sie
keine Einwaende dagegen habe.

- 5-

�Die "Inland Steel Company" andererseits zog ihren ersten Aktienbeteiligungsplan vor drei Jahren auf Grund des von der Bergarbeitergewerkschaft erhobenen Einspruchs zurueck. Im Jahre 1955 protestierte
die Gewerkschaft allerdings nicht mehr gegen den Plan, so dass er jetzt
Inkrafttreten konnte.
Viele nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Aktienbeteiligungsplaene haben sich sowohl fuer den Unternehmer als auch fuer den Arbeitnehmer, wie das bei zahlreichen in den zwanziger Jahren eingefuehrten
Plaenen auch der Fall war, als unzulaenglich erwiesen. Ein Lebensmittelkonzern beispielsweise annullierte den Aktienplan wieder, als ein
ploetzlicher Rueckgang der Aktienwerte, unmittelbar nach den Investierungen der Angestellten, zu einem Sinken der Arbeitsmoral fuehrte. In
einer Firma der Kichteisen-Industrie fand der Aktienbeteiligungsplan so
wenig Anklang bei den Stundenlohnempfaengern, da3S er mit Ausnahme fuer
die bereits Eingetragenen annulliert wurde. Ein Unternehmen der Elektroindustrie erneuerte einen bestehenden Plan nicht mehr, al3 ein
Boersensturz die Angestellten veranlasste, auf die Teilnahme zu verzichten.
In den jetzt geltenden Aktienbeteiligungsplaenen sind jedoch drei
Hauptvoraussetzungen erfuellt, um die Auswirkungen der Boersenschwankungen zu mildern. Die erste besteht darin, dass die Programme in gewissem Umfang freiwillig sind, das heisst, der Arbeitnehmer kann auf
V/unsch seine Einlagen wieder herausziehen, bevor ein Abschnitt des
Planes zu Ende geht (gewoehnlich 2^- bis 3 Jahre).
Ein weiterer Schutz ist dadurch gegeben, dass bei verschiedenen
Plaenen die Einlagen der Sparer fuer den Erwerb von Sohatzanweisungen
verwendet werden, waehrend nur die Firmenbeitraege in Aktien angelegt
werden.
Das dritte Kittel zur Verhinderung von Preisschwankungen ist eine
Art "dollar cost averaging" (Dollarkostenangleichung), die in Aktienbeteiligungsplaenen durchgefuehrt wird, in denen die Aktienkaeufe monatlich oder halbjaehrlich erfolgen oder in denen die Kosten pro Anteil,
die zu Lasten des Aktienteilhabers gehen, dem durchschnittlichen Betrag
entsprechen, der von der Firma (oder dem Treuhaender) pro Anteil fuer
einen gegebenen Zeitraum gezahlt wurde.
Sind die Preise hoch, so werden fuer eine bestimmte Summe wenige
Anteile erworben. Bei sinkenden Preisen wird der gleiche Betrag investiert, und e3 werden wesentlich mehr Anteile erworben. Der durchschnittliche Preis pro Anteil ist auf diese V/eise niedriger als wenn
jederzeit eine bestimmte Anzahl von Aktienanteilen gekauft wuerde. In
allen Firmen-Aktienbeteiligungsplaenen - selbst dort, wo der Arbeitnehmer die Geaamtkosten fuer die Aktien traegt - erfreuen sich die Angestellten niedriger Llaklergebuehren als Einzelinvestoren, weil der Erwerb
der Aktien gesammelt erfolgt und ihnen die Vorteile von "Sammelauftraegen" zugute kommen, die sich aus dem Erwerb von 100 oder mehr Aktienanteilen ergeben.
Quelle:

"Dun's Review and liodern Industry"

Die Erforschung von Unfallursachen und die Verwendung der Unfallstatistik
Die Fuehrung einer Unfallstatistik, wie sie in dem Artikel "Standardmethode der Erfassung von Unfallursachen in der Industrie* behandelt
wvwde, ist zwar sehr wertvoll, sie reicht jedoch nicht aus. Eine weitere
* Aus "Free Uen at '.York" Juli 1955
- 6 -

�Erforschung jedes Unfalls ist notwendig, um eine Wiederholung aehnlicher
Faelle auszuschalten. Man sollte sich ebenfalls ueber die durch Unfe11
entstandenen Kosten informieren. Schliesslich sollten saemtliche Ermittlungen ueber einen Unfall mit denjenigen anderer Unfaelle auf statistisch einwandfreie 7/eise miteinander kombiniert werden, so dass die
Wirksamkeit eines Unfallverhuetungsprogramm3 in Vergleich gesetzt werden
kann zu aehnlichem statistischem Material aus anderen Quellen.
Untersuchung - Der Zweck der Ermittlung der Unfallursachen besteht
darin, Informationen zu erhalten, die zur Unfallverhuetung beitragen.
Daher muessen die Untersuchungen objektiv, wahrheitsgetreu und ohne
Ruecksicht auf eventuell resultierende disziplinarische Polgen gefuehrt
werden.
Alle Unfaelle sollten untersucht werden, ganz gleich, ob der daraus
resultierende Schaden erheblich oder nur geringfuegig ist. Eine Anhaeufung kleiner Ungluecksfaelle weist unter Umstaenden darauf hin, dass
eine staendige Gefahrenquelle besteht, die ausgeschaltet werden muss.
Selbst wenn ein Unfall kein besonderes Vorkommnis darstellt, koennen die
Ursachen, die dazu fuehrten, mannigfaltig sein, daher kommt es darauf
an, die Unfallursachen zu erkennen und fuer Abhilfe zu sorgen.
'iVenn ein Arbeiter beispielsweise zu Fall gekommen i3t, so muss festgestellt werden, warum er hingefallen ist; ob er selbst etwas falsch
gemacht hat oder ob die Bedingungen an seinem Arbeitsplatz hieran die
Schuld tragen. Geraet einem Arbeiter etwas ins Auge, so ist die Tatsache, dass er keine der vorgeschriebenen Schutzbrillen trug, keine hinreichende Erklaerung. Der Grund, warum der Arbeiter keine Schutzbrille
aufsetzte, muss festgestellt werden.
Die Art und die Schwere des Unfalls ist ausschlaggebend dafuer, wer
die Untersuchungen fuehrt. Der Vorarbeiter sollte natuerlich sofort
einen Unfallbericht abgeben. Ausserdem muss er die noetigen Massnahmen
ergreifen, damit keine Wiederholung de3 Unfalls eintritt.
Der Sicherheitsingenieur oder sein Vertreter sollten zu ihrer
eigenen Information eine Untersuchung jedes wesentlichen Unfalls durchfahren. In den meisten Faellen gibt der Sicherheitsingenieur ohnehin
der Betriebsleitung oder dem allgemeinen Sicherheitsausschuss einen
3ericht ab. Ausbildung und Erfahrung gestatten e3 ihm, den gesamten
Tatbestand, unter Berücksichtigung der moeglicherweise verborgenen
Ursachen, genau und ohne Vorurteil aufzunehmen und im Bericht wiederzugeben.
Einige Firmen besitzen einen betrieblichen Sicherheitsausschuss,
der schwere Unfaelle untersucht und Bericht darueber ablegt. Ein solcher
Ausschuss erweist sich besonders dann als sehr nuetzlich, wenn ein
Arbeiter den Unfall selbst verschuldet hat; ein Bericht des Komitees
ruft einen nachhaltigeren Eindruck bei den 3e3chaeftigten hervor als der
des Vorarbeiters oder des Sicherheitsingenieurs.
Viele Firmen, speziell kleine oder mittelgrosse Betriebe, haben
saemtliche mit der Unfallverhuetung zusammenhaengenden Massnahmen und
Fragen einem allgemeinen Sicherheitsausschuss uebertragen, zu dessen
Funktionen ebenfalls die Unfalluntersuchung gehoert.
3ei der Ermittlung der Unfallursachen ist Fairness von aeusserster
Wichtigkeit, ganz gleich wer die Untersuchungen leitet. Der Wert der
Ermittlungen kann erheblich beeintraechtigt v/erden, wenn der Verdacht
aufkoaat, dass ihr Zweck darin besteht, die Schuld auf jemanden abzuwaelzen oder die Frage nach dem Verantwortlichen zu umgehen.

- 7-

�Schaetzung der durch den Unfall entstandenen Kosten. Die Schaetzung
der durch den Unfall verursachten Kosten'traegt an sich nicht dazu bei,
kuenftige Unfaelle zu verhueten; durch Betonung der Unfallkosten ist
dem Vorarbeiter jedoch unter Umstaenden eine wichtige Handhabe gegeben,
um groessere Sicherheitsmassnahmen durchfuehren zu koennen oder einen
Maschinenwaerter zu beschaeftigen oder den Beistand der Betriebsfuehrung
fuer ein umfassendes Unfallverhuetungsprogramm zu gewinnen.
Die durch Unfaelle in der Industrie entstandenen Kosten unterscheidet man im allgemeinen nach zwei Kategorien: Direkte und indirekte
Kosten, manchmal auch Kosten, fuer die die Versicherung aufkommt und
solche^, die selbst getragen werden muessen. Direkte Kosten sind die
Verguetungen, die an die bei dem Unfall zu Schaden gekommenen Personen
gezahlt werden (einschliesslich aerztlicher Betreuung). Zur Deckung
dieser Kosten tritt der Unternehmer gewoehnlich einer Versicherung bei.
Indirekte, oder solche Kosten, fuer die der Arbeitgeber aufkommen
muss, umfassen zahlreiche Elemente, von denen die meisten nachstehend
aufgefuehrt sind:
1.

Lohnzahlungen fuer ausgefallene Arbeitszeit an Arbeiter, die
durch den Unfall keinen Schaden erlitten. Ein Unfall veranlasst die Arbeiter, die nicht verletzt wurden, haeufig ihre
Arbeit abzubrechen und zuzuschauen, Hilfe zu leisten oder
ueber den vorangegangenen Unfall zu diskutieren. Oftmals
koennen sie auch nicht weiterarbeiten, da ihre Ausruestung
durch den Unfall beachaedigt oder zerstoert wurde oder durch
den Ausfall der Mithilfe bzw. der Produktionsleistung ihres
verletzten Arbeitskollegen.

2.

Material- oder Ausruestungsschaeden. Die hier entstehenden
Auslagen erstrecken sich unter Umstaenden auf die Reparatuxkosten. Sie koennen auch durch Lagerumstellungen oder Aufraeumungsarbeiten verursacht werden, ebenso wie durch zerstoerte
Maschinen. In manchen Faellen empfiehlt es sich, einen Kalkulationsbuchhalter zu beschaeftigen, wenn beispielsweise eine
kostspielige Maschine ersetzt werden muss; fuer gewoehnlich
kann der Sachschaden jedoch ohne weiteres errechnet werden.

3.

Lohnzahlungen fuer ausgefallene Arbeitszeit an den verletzten
Arbeiter (ausser Arbeiterausgleichszahlungen).Hierunter faellt
die ausgefallene Arbeitszeit am Tag des Unfalls und in der
darauffolgenden Zeit, wenn der Unfallverletzte seinen Arbeitsplatz verlassen muss, um sich in aerztliche Behandlung zu begeben. Hierin sind ebenfalls die Leistungen eingeschlossen,
die an den Arbeiter waehrend der Wartezeit, bevor die Arbeiterausgleichszahlungen gewaehrt werden, zur Auszahlung gelangen
oder Zuschuesse zu den Arbeiterausgleichszahlungen.

4.

Extraauslagen fuer Ueberstunden, die durch den Unfall notwendig
wurden. Y/enn der durch den Unfall verursachte Produktionaausfall durch die Ableistung von Ueberstunden wieder wettgemacht wurde, so sollte man bei der Kostenberechnung die Differenz ermitteln zwischen den durch Ueberstundenarbeit entstehenden Kosten und denen bei regulaerer Arbeitszeit. Hinzu
kommen unter Umstaenden noch die hoeheren Verguetungssaetze
und die zusaetzliche Bcschaeftigung von Aufsichtskraeften
3owie die Ausgaben fuer Heizung, Licht, Reinigung und aehnlichem.

5.

Lohnzahlungen an Werkmeister fuer die Arbeitszeit, die sie durch
den Unfall aufwenden mussten. Ein Werkmeister muss gegebenenfalls erste Hilfe leibten oder dafuer sorgen, dass der verletzte
- 8 -

�Arbeiter aerztliche Hilfe erhaelt. Er mus3 eine neue Arbeitseinteilung vornehmen, unter Umstaenden einen Arbeiter neu einarbeiten oder die Aufraeuraungsarbeiten ueberwachen. V/aehrend
dieser Zeit ist der Werkmeister nicht in der Lage, seine
sonstigen Aufgaben zu erfuellen.
6.

Lohnkosten, die auf die verminderte Produktionsleistung des
verletzten Arbeitern bei .Viederaufnahme der Arbeit zurueckzufuehren sind» Durch Hand-, Arm-, oder Rueckenverletzungen muss
der verunglueckte Arbeiter oftmals ein langsameres Arbeitstempo
einhalten oder ist gezwungen, eine einfachere Arbeit auszufahren. Wenn 3ein Lohn sich nicht ohnehin verringert hat und
seine Produktionsleistung um 30^o pro Woche sinkt, sollte der
Unfall mit 30;' eines Wochenlohns in Rechnung gestellt werden.

7.

Kosten fuer die Einarbeitung eines neuen Arbeiters. Falls es
erforderlich wurde, einen neuen Arbeiter fuer den Unfallverletzten einzusetzen, so ist es nur natuerlich, dass sich dies
anfaenglich in einer geringeren Produktionsleistung bemerkbar
macht. Ein solch verringerter Aus3toss geht ebenfalls zu
Lasten des Unfalls und sollte genauso berechnet werden wie in
Absatz 6.

8.

Arztkosten, fuer die die Versicherung nicht aufkommt und die
von der Firma getragen werden muessen. Diese Kosten erstrecken
sich im allgemeinen auf die aerztliche Hilfe, die in der
Betriebs-Unfallstation geleistet wurde.

9.

Kosten fuer aufgewendete Zeit durch leitende Aufsichtskraefte
und Bueroangestellte bei der Unfalluntersuchung oder der
Bearbeitung bzw. Weiterleitung von Ersatzanspruechen. Dieser
Zeitaufwand erfolgt zusaetzlich zu dem des unmittelbaren Vorgesetzten (Absatz 5) ur&gt;d den Untersuchungen, die in erster
Linie der Verhuetung kuenftiger Unfaelle dienen.

10.

Diverse Kosten. Hierunter fallen solche Ausgaben, die weniger
typisch sind; der Leiter der Unfalluntersuchungen muss in jedem
Falle nachweisen, dass sie zu Recht erfolgten. Anerkannt werden
zum Beispiel Haftpflichtansprueche, Leihgebuehren fuer Ersatzausruestung, Gewinnverlust durch die Annullierung von Vertraegen oder Auftraegen, falls der Unfall fein nachhaltiges
Absinken der Verkaufsziffer zur Folge hat, Praemienverluste
der Firma, Unkosten der Einstellung neuer Arbeitskraefte, falls
diese Ausgaben erheblich ins Gewicht fallen, zusaetzliche
Kosten, die durch Fehlleistungen neueingestellter Arbeiter
entstehen sowie Liegegelder. Die vorstehend aufgefuehrten
Kosten werden jedoch nur selten geltend gemacht.

Ein gewisser Teil dieser Kosten ist, je nach Unfall und Art des
Betriebes, verschieden. Es empfiehlt sich in vielen Faellen, erst einmal versuchsweise eine Studie anzufertigen, um eine Kostenanalyse zu
erlangen, so dass man die Kosten schaetzen kann, wenn das vorhandene
Zahlenmaterial nicht ausreicht.
Betriebsunfallraten. Der Hauptzweck der Fuehrung einer Unfallstatistik besteht darin, eine Handhabe fuer die Messung des Unfallproblems zu besitzen und um feststellen zu koennen, ob hinsichtlich der
Reduzierung der Unfallrate Fortschritte gemacht werden oder nicht. Um
dieses Gebot zu erfuellen, muessen die folgenden Fragen beantwortet werden;
1.

Ist die Zahl der Unfaelle hoeher oder niedriger als in anderen
Taetigkeiten, speziell in solchen, die aehnliche Ungluecksfaello

-9 -

�zu verzeichnen haben?
2.

Y/ie schwer sind die Unfaelle und wie sind sie mit denjenigen
in anderen Taetigkeiten vergleichbar?

3.

Nimmt die Unfallziffer zu oder ab?

Da die Beantwortung jeder dieser Fragen einen'Vergleich notwendig
macht, muss grundlegendes statistisches liaterial fuer Vergleichszwecke
gewonnen werden.
Die Standardraethode zur Erfassung von Arbeitsunfaellen definiert
einen Arbeitsunfall als "eine Verletzung, die ein Beschaeftigter in
Ausuebung seines Dienstes erlitten hat..."* Diese Definition umschliesst
alle moeglichen Verletzungen, angefangen von einer geringfuegigen
Quetschung bis zu einem Unfall mit toedlichem Ausgang. Nach der Standardmethode werden saemtliche vorkommenden Unfaelle nach vier Hauptgrupnen unterschieden: Todesfaelle, vollstaendige, bleibende Arbeitsunfaehigkeit, dauernde, teilweise Arbeitsunfaehigkeit und voruebergehende
Arbeitsunfaehigkeit.
Hat sich ein Unfall ereignet, so werden zwei Umstaende in 3etracht
gezogen: Das Gefuhrenmoraent oder die Unfallraoeglichkeit, und der Kontakt
oder das Ausgcset'ztsein des Arbeiters diesem Gefahrenmoment oder der
Unfallmoeglichkeit gegenueber. Diese Stunden, in denen der Arbeiter
diesem Gefahren- oder Unfallmoment ausgesetzt ist, spielen deshalb in
der 3etriebsunfallpraxis eine grosse Rolle. Unfallhaeufigkeitsraten
stellen Messungen des Unfallvolumens dar und werden in Form einer Standardeinheit oder der Stundenzahl, in der der Arbeiter dem Gefahrenbzw. Unfallmoment ausgesetzt war, zum Ausdruck gebracht. Sie geben den
relativen Grad der Sicherheit an, die waehrend eines bestimmten Zeitraums erreicht wurde und gestatten direkte Vergleiche des Unfallvolumens
in verschiedenen Betrieben oder bei verschiedenen Taetigkeiten, wobei
die unterschiedlichen Gefahrenmomente in diesen Unternehmen ausser acht
gelassen werden.
Fuer die Unfallhaeufigkeitsrate gilt folgende Definition:
Die Haeufigkeitsrate stellt die Anzahl der Betriebsunfaelle pro Million Arbeitsstunden dar und wird nach
folgender Formel berechnet:
Unfallhaeufigkeitsrate - Zahl der unfaelle , 1 000 000
°
Arbeitsstunden
Es gibt tatsaechlich keine bestimmte Antwort darauf, wann die
Unfallhaeufigkeitsrate "gut" i3t. Einige Sicherheitsingenieure glauben,
dass keine Rate, die hoeher als 10 ist, noch als gut erachtet werden
kann. Der Test bezueglich der betrieblichen Sicherheit besteht in zwei
Vergleichen: erstens einem Vergleich zwischen der augenblicklichen
Unfallhaeufigkeitsrate und der eine3 frueheren Zeitraums, um festzustellen, inwieweit eine Besserung eingetreten ist, und zweitens, einem
Vergleich der Unfallhaeufigkeitsrate des Betriebs mit denen anderer
Unternehmen, die dieselben Produktionsvorgaenge aufweisen. Dies wird
am besten erreicht durch einen Vergleich der Unfallhaeufigkeitsrate des
Betriebs mit dem Durchschnittswert des Industriezweigs, zu dem er gehoert.
Die vorstehend beschriebene Messung des Unfallvolutaene gibt keinen
voelligen Auf3chluss ueber die Unfallerfahrung. Die Schwere der Unfaelle
Die amerikanische Standardmethode zur Erfassung und Bewertung von
Arbeitsunfaellen wie sie von der "American Standards Association" im
Jahre 1954 anerkannt wurde.
- 10 -

�ist ebenfalls von grosser Bedeutung, denn ein Unfall mit Todesfolge
oder einer erforderlich werdenden Amputation ist ohne Zweifel schwerwiegender als eine ungefaehrliche Schnittwunde oder Quetschung.
Der Standard, der bei der statistischen Erfassung des Arbeitsausfalls zugrundegelegt wird, kommt in Paellen bleibender Arbeitsunfaehigkeit
durch verschiedene zeitliche Anrechnungen zum Ausdruck. Beispielsweise
wird im Todesfalle oder bei bleibender voelliger Arbeitsunfaehigkeit
jeweils ein Ausfall von 6000 Tagen festgelegt, wohingegen der Verlust
eines Arnes mit 4500 Tagen veranschlagt wird. Bei voruebergehenden
Verletzungen, von denen sich der Verunglueckte wieder voellig erholt,
stellt die Zahl der Tage, die der Arbeiter zu seiner Wiederherstellung
benoetigt, ein zufriedenstellendes Mass fuer die relative Schwere des
Unfalls dar. Der Ge3antzeitverlust laesst sich durch die Einzelbewertung
jedes Unfalls und anschliessende Addition berechnen.
Die Rate bezueglich des Arbeitsanfalls wird auf aehnliche ./eise
berechnet wie die der Unfallhaeufigkeit, naemlichi
Gesamter zugrundef~electer Zeitausfall x 1 000 000
Arbeitsstunden
Diese Berechnung ergibt die Rate, In der ein durch Unfaelle bedingter Arbeitsausfall eintritt. Eine Rate von 100 bedeutet, dass
Unfaelle den Verlust von 100 Arbeitstagen pro 1 000 000 geleisteter
Arbeitsstunden zur Folge haben.
Diese Rate stellt lediglich den Gesamtarbeitsausfall dar, ohne
zwischen den Auswirkungen des Unfallvolumens und der Schwere der Unfaelle
zu unterscheiden. So sind 10 Unfaelle mit jeweils einem Tag Arbeitsunfaehigkeit einem Unfall mit anschliessender lOtaegiger Arbeitsunfaehigkeit gleichwertig. Trozdem ist diese Messung fuer Vergleichszwecke
(ohne Angleichung) durchaus annehmbar.
Quelle:

"Free Men at Work"

September 1955

Vereinte Bemuehungen von Gewerkschaften und Unternehmern bei der
Lehrlingsausbildung
Zu 3eginn des Jahres 1947 zeigten sich in der bluehenden Hachkriegswirtschaft Kaliforniens, die durch den betraechtlichen 3evoelker'ungszustrom stark expandiert war, gewisse Krisenerscheinungen. Man zog
fuehrende Wirt3chaftssachverstaendige zu Rate und keiner war ueber die
Diagnose ueberrascht, zu der sie gelangten. Der Patient hat nicht zu
viel gegessen, aber seine Diaet ist falsch. Die Diaet war der allwoechentliche Zustrom Tausender neuer Buerger, durch die zwar eine
groeosere l.Iarktbasis sowohl fuer die Wirtschaft als auch die Industrie
geschaffen wurde, von denen aber nur die wenigsten die erforderlichen
Berufskenntnisse oder die noetigen Handfertigkeiten besassen.
Zum Glueck hatte man ein paar Jahre zuvor diese Entwicklung bereits
vorausgesehen. In Jahre 1539 waren Gewerkschaftsfuehrer und leitende
Industrielle uebereingekommen, eine Loesung anzunehmen, die bereits seit
langen von der organisierten Gewerkschaftsbewegung in Vorschlag gebracht
worden war, naemlich ein gemeinsames Programm von Gewerkschaften und
Management zur Heranbildung von Facharbeitern auszuarbeiten, das unter
der Schirmherrschaft einer koordinierenden Koerperschaft stehen sollte,
die zwar vom Staate finanziert wird, jedoch nach V.oeglichkeit frei von
jeglichen politischen Einfluessen bleiben sollte.

11 -

�Dies wurde durch die Inkraftsetzung des "Shelley-Maloney
Apprenticeship Standards Act" erreicht. Der fruehere Vorsitzende des
Gewerkschaftsverbandes von Kalifornien und jetziges Kongressmitglied
Shelley trug wesentlich dazu bei, eine Atraosphaere zu schaffen, die die
Annahme des Gesetzes ermoeglichte.
In den 16 Jahren, die seit der Einfuehrung des Gesetzes vergangen
sind, hat sich Kalifornien, das heute nicht mehr unter Facharbeitermangel leidet, zu einem der bedeutendsten amerikanischen Industriestaaten entwickelt. Die mit der Verwaltung des "California Apprenticeship Standards Act" betrauten 3eamten waeren jedoch die letzten, die
behaupten wollten, das Gesetz sei ein wirtschaftliches Allheilmittel.
Zumindest zeigten sich die Anfangserfolge im Hinblick auf die kalifornische Wirtschaft erst nach einiger Zeit. Die Ausbildung eines tuechtigen Gesellen erfordert je nach der Art des Handwerkszweiges vier bis
sechs Jahre.
In ihren Anfangsjahren unternahm die "Apprenticeship Division" die
schwierige Aufgabe, die wenigen von Gewerkschaften und Unternehmern
gemeinsam aufgestellten Ausbildungsplaene unter ihre Verwaltung zu
bringen; sie war dabei bestrebt, die bereits vorhandenen gewerkschaftlichen Ausbildungsstaetten den gemeinsam von Gewerkschaftern und Unternehmern geleiteten Ausschuessen zu unterstellen und setzte sich durch
Werbefeldzuege fuer bessere Ausbildungsmoeglichkeiten ein.
Inzwischen ergaben sich fuer die Industrie, allein durch die blosse
Existenz des Gesetzes und auf Grund der Tatsache, dass es ihr erstmalig
einen staendigen Nachschub an ausgebildeten Fachkraeften sicherte, die
Koeglichkeit, Erweiterungsplaene in Betracht zu ziehen.
Heute ist die "Division of Apprenticeship Standards" eine der
groessten und aktivsten Abteilungen des kalifornischen Arbeitsministeriums,
in der die Arbeit der 542 von Gewerkschaften und Unternehmern gebildeten
Ortsausschüsse koordiniert wird. Auf den Listen stehen insgesamt
17 778 in der Ausbildung stehende Lehrlinge in rund 320 verschiedenen
3erufszweigen, von denen rund 3000 ihre Gesellenpruefung bis zum Jahresende abgelegt haben duerften.
Zu den wohl bedeutendsten Merkmalen dieser 542 auf Landesebene
arbeitenden gemeinsamen Ortsausschuesse gehoeren die weitgehende Verankerung des Kollektivverhandlungswesens sowie die Anerkennung der
gewerkschaftlichen Arbeit.
In jedem dieser Ausschue3se verhandeln leitende Mitglieder des
Management, darunter sogar haeufig der Betriebsfuehrer oder der Praesident der Firma selbst, um die Bedingungen der Berufsausbildung mit den
Cewerkschaftsfunktionaeren zu besprechen.
Die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern bei der
Ausbildung von Fachkraeften hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass
man heutzutage ganz Kalifornien bereisen\koennte, ohne auch nur die
leiseste Kritik von eir.et -1er beiden Parteien zu hoeren.
(Schluss folgt)
Quelle:

12

"Labor's Daily"

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 3

Mehlem, den 3 . F e b r u a r 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Struktur und Mitgliedschaft
der Gewerkschaftsbewegung in USA
Vereinte Bemühungen von Gewerkschaften
und Unternehmern bei der Lehrlingsausbildung (Schluß)
Arbeitskosten und Mechanisierung
Finanzielle Zusammenarbeit zwischen
Gewerkschaften und Management
Kurznachrichten

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6
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10

William Paschell:
Struktur und Mitgliedschaft der Gewerkschaftsbewegung in USA
Das "Handbuch der Amerikanischen und Allamerikanischen Gewerkschaften" für das Jahr 1955,
das vom "Amt für Arbeitsstatistik" im USArbeitsministerium herausgegeben wird, erschien gerade zu jenem Zeitpunkt, als die
beiden großen amerikanischen Gewerkschaftsverbände - die "American Federation of Labor"
und der "Congress of Industrial Organizations"
- den Zusammenschluß zu einer einzigen amerikanischen Gewerkschaft vollzogen. Damit wird
dieses Handbuch zu einem Gradmesser, der die
Größe, Struktur und Zusammensetzung der amerikanischen Gewerkschaften zum Zeitpunkt dieses
historischen Zusammenschlusses erkennen läßt.
Die nachstehende Analyse stellt im wesentlichen
einen Auszug aus diesem Handbuch dar.
Die Gesamtmit-jliederzahl der amerikanischen und allamerikanischen Gewerkschaften * ) , die ihren Verwaltungssitz im Gebiet der Vereinigten Staaten haben, betrug zu Beginn des Jahres
*) Auf Grund des Zusammenschlusses einiger Gewerkschaften im Herbst 1955 hat sich die Gesamtzahl der amerikanischen
und allamerikanischen Gewerkschaften, die im gegenwärtigen
Handbuch aufgeführt werden, auf 195 verringert.
- 1 -

�1955 schätzungsweise 18 Millionen. Diese Zahl gliedert sich
nach Berichten der Gewerkschaften beziehungsweise nach Schätzungen des Amtes für Arbeitsstatistik wie folgt: API 10,9
Millionen, CIO 5,2 Millionen und unabhängige Gewerkschaften
1,8 Millionen. Gegenüber den letzten Schätzungen des Amtes
für Arbeitsstatistik aus dem Jahre 1951 ist die Gesamtzahl der
Gewerkschaftsmitglieder um mehr als eine Million gestiegen.
Andererseits ist bemerkenswert, daß die Zahlen von 1954 im
wesentlichen mit denen aus dem Jahre 1953 übereinstimmen, die
gleichfalls in dem genannten Handbuch aufgeführt wurden.
Für das Jahr 1954 führt das "US-Amt für Arbeitsstatistik"
199 amerikanische und allamerikanische Gewerkschaften auf.*)
Diese Zahl schließt auch jene Arbeitnehmerverbände mit einer
Gesamtzahl von etwas mehr als einer Million Mitgliedern ein,
deren Tätigkeitsbereich außerhalb der kontinentalen Vereinigten Staaten - in erster Linie in Kanada.- liegt. Unter Abrechnung dieser Million Mitglieder entspricht die Mitgliederzahl der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten etwa einem
Viertel der Gesamtzahl der Berufstätigen oder etwa einem Drittel aller Gehalts- und Lohnempfänger in den nichtlandwirtschaftlichen Berufen. Die Gewerkschaften haben drei Millionen
weibliche Mitglieder, das heißt, daß praktisch jede 7. berufstätige Frau in den Vereinigten Staaten gewerkschaftlich organisiert ist.
Die Mitgliederzahlen der hier erfaßten Gewerkschaften bewegen sich in der Größenordnung von weniger als 100 Mitgliedern
bis zu mehr als einer Million. Auf die hier aufgeführten 124
Arbeitnehmerverbände mit weniger als 50 000 Mitgliedern entfallen etwas mehr als 1V2 Millionen der Gesamtzahl. Die sechs
großen Gewerkschaften mit mehr als je 500 000 Mitgliedern zählen zusammen beinahe 6 Millionen, das ist ein Drittel aller
Gewerkschaftsmitglieder überhaupt.
Etwa 77 000 Ortsverbände waren dabei allamerikanischen Gewerkschaften angeschlossen. Mehr als die Hälfte gehörten 19 Gewerkschaften an, die über mehr als 1000 Ortsgewerkschaften besitzen. Einige kleine, besonders stark zentralisierte Gewerkschaften haben keine Ortsverbände. Die Ortsgewerkschaften und
die allamerikanischen Verbände haben insgesamt etwa 125 000
Kollektivverträge ausgearbeitet und ihre Durchführung überwacht.
Diese Zahlen sind das Ergebnis der vierten Untersuchung
des "US-Amtes für Arbeitsstatistik", die in den vergangenen
Jahren durchgeführt wurde und sich mit Mitgliederbewegungen,
dem Wesen der amerikanischen und allamerikanischen Gewerkschaften sowie mit Angaben über Spitzenfunktionäre, Verwaltungssitz, Kongreß, Publikationen, Zahl der angeschlossenen
Ortskartelle und ähnlichen Fragen befaßte. Die Untersuchung
schloß sämtliche der AFI und dem CIO angeschlossenen Gewerkschaften ein. Solche Gewerkschaften, die keinem der genannten
großen Verbände angehörten, aber auf Bundesebene tätig waren,
d.h. mit verschiedenen Unternehmen in mehr als einem Bundesstaat Tarifverträge abgeschlossen hatten, wurden ebenfalls in
die Untersuchung einbezogen. Die Informationen stammen aus
Fragebogen, die allen Gewerkschaften durch die Post zugeschickt worden waren, die in dem genannten Sinn als amerikanische oder allamerikanische Gewerkschaften angesehen werden
*) Die Bezeichnung "allamerikanische Gewerkschaften" wird
hier für die sogenannten "international unions" gebraucht, das
sind solche Gewerkschaften, die sich auch außerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten - in erster Linie in Kanada - betätigen.
- 2 -

�konnten. In einigen Fällen wurden die Angaben noch auf Grund
anderen Quellenmaterials, darunter Gewerkschaftspublikationen, Kongreßprotokollen und dem Archiv des Amtes für Arbeitsstatistik vorliegendenTarifabkommen, ergänzt.
Es erscheint an dieser Stelle angebracht, mit Nachdruck
darauf hinzuweisen, daß die in der vorliegenden Abhandlung
angeführten Mitgliederzahlen von den betreffenden Gewerkschaften freiwillig zur Verfügung gestellt worden sind, und
daß das Amt für Arbeitsstatistik die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Berichte nicht an Ort und Stelle überprüft hat. Bei Gewerkschaften, die keine Angaben über ihre
Mitgliedschaft gemacht haben, wurden Schätzungen des Amtes
für Arbeitsstatistik und andere verfügbare Informationen
herangezogen.
Die Struktur der Gewerkschaftsbewegung
Vor rund 20 Jahren kam es auf dem Kongreß der American
Federation of Labor zu einer Kontroverse über die Frage, welche Organisationsform für die Massengüter-Industrien am geeignetsten sei,
die zur Bildung eines "Committee for
Industrial Organization" (.Komitee für Industriegewerkschaften)
führte. Im Jahre 1938 hielt dann die neue Organisation ihre
Gründungsversammlung ab, auf der sie sich den Namen "Congress
of Industrial Organizations" gab. Seit jenem Zeitpunkt haben
die amerikanischen Gewerkschaften, begünstigt durch eine Reihe
von Faktoren, ihre Mitglied er sc haft mehr als verdoppeln können.
Dieses Wachstum war von der zunehmenden gewerkschaftlichen
Erkenntnis ihrer Verantwortung für nationale und internationale Probleme begleitet. Die Bedeutung einer freien Gewerkschaftsbewegung, der gegenwärtig jeder vierte berufstätige
Amerikaner angehört, läßt sich wohl am besten in dem Umfang
und der Resonanz ihrer Tätigkeiten abschätzen. Die Kollektivverhandlungen einschließlich der Verhandlungen zur Festsetzung von Löhnen und Abeitsbedingungen finden von allen
Teilgebieten der gewerkschaftlichen Arbeit die meiste Beachtung. Sowohl auf Bundesebene als auch im rein örtlichen
Bereich war eine aktive und nach vielen Seiten gerichtete
Gewerkschaftstätigkeit zu verzeichnen. Hierzu kommt noch
die Erziehungsarbeit und politische Schulung, die dem Ziele
dienen, die Öffentlichkeit und die Behörden zur Mitarbeit
für die gewerkschaftlichen Ziele zu gewinnen. Die Erkenntnis von der Gemeinsamkeit der Interessen der auf dem Boden
der Demokratie stehenden GewerKscnai'tsbewegungen in aller
Welt hat zu einer immer engeren Zusammenarbeit mit freien
Gewerkschaften anderer Länder geführt. Diese und andere
Schritte sind im Rahmen der nachstenenü erörterten großen
Gewerkschaftsbewegungen unternommen worden.
AFL

und CIO
Die American Federation of Labor, die 108 allamerikanische Gewerkschaften und 50 000 Ortsverbände einschließt, ist
die älteste und größte amerikanische Gewericschaft. Dem Congress
of Industrial Organization gehören 30 allamerikanische Gewerkschaften mit 10 000 Ortsverbänden an. Darüber hinaus haben die
beiden großen Gewerkschaftsverbände noch weitere unmittelbar
angeschlossene Gewerkschaften, die nicht Teil einer der allamerikanischen Gewerkschaften sind. Der AFL waren am 30.Juni
1954 insgesamt 900 auf Bundesebene arbeitende Gewerkschaften
angeschlossen (Federal Labor Unions - FLUs) und dem CIO ge-"
hörten Ende 1954 rund 100 auf regionaler Basis arbeitende
Industriegewerkschaften (Local Industriel Unions - LIOs) an.
- 3 -

�Eine Reihe der FLUs, deren Mitglieder sich in der üblichen Weise aus Arbeitern der Industriebetriebe rekrutieren,
gehören einem der drei Organisationskomitees innerhalb der
AFI an. Hier handelt es sich um einen Gewerkschaftstyp, der
kurz vor der Erreichung des Status einer allamerikanischen
Gewerkschaft steht. Der CIO hat auf vergleichbarer Ebene
zwei Organisationskomitees.
Wesensbestandteil des Aufbaus der AFL sind fünf Abteilungen * ) , von denen 4 aus solchen Gewerkschaften gebildet
werden, die ihre Interessen in mehreren Industriezweigen vertreten. Die andere Abteilung vertritt jene Gewerkschaften, die
den Betrieben das Recht zur Kennzeichnung ihrer Produkte mit
Union Labels oder anderen Emblemen erteilen. Die Forschungsund Erziehungsabteilungen sowie die verschiedenen Sonderausschüsse sowohl der AFL als auch des CIO befassen sich mit Ermittlungsaufgaben, der Verbreitung von Informationen sowie der
Ausarbeitung von Empfehlungen für Maßnahmen, die direkt dem
Wohl der Mitglieder als Arbeiter und Bürger dienen; in ihren
Tätigkeitsbereich fallen ferner Kollektivverhandlungen, Fragen
der sozialen Sicherheit, des Wohnungsbaus, der Atomenergie, des
Mitspracherechts der Öffentlichkeit in staatlichen Dingen sowie
Maßnahmen der Unfallverhütung im Betrieb. Die "Gewerkschaftsliga für politische Erziehung" der AFL (Labor's League for
Politieal Education) und das "Komitee für politische Maßnahmen"
des CIO (Politieal Action Committee) vertreten die Ziele der
Gewerkschaften im politischen Bereich.
Jeder der beiden Gewerkschaftsverbände hält jährlich einen
Kongreß ab, auf dem die Tätigkeitsberichte vorgelegt, die Richtlinien für die künftige gewerkschaftliche Arbeit ausgearbeitet
und die Spitzenfunktionäre gewählt werden. In der Zeit zwischen
den einzelnen Jahreskongressen wird die Arbeit in der AFL vom
Präsidenten, dem Schatzmeister und den 15 Vizepräsidenten bestimmt, die zusammen den Bundesvorstand bilden. In dem CIO besteht ebenfalls ein Bundesausschuß, der sich aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten für Verwaltung, dem Schatzmeister,
8 weiteren Vizepräsidenten und je einem Mitglied der angeschlossenen allamerikanischen Gewerkschaften und der Organisationskomitees zusammensetzt. Die Mitglieder der Bundesvorstände beider Gewerkschaftsverbände werden sämtlich in ihre
Posten gewählt.
Um den Problemen begegnen zu können, die innerhalb der
Einzelstaaten und Gemeinden auftauchen, sind die Organe der
AFL und des CIO nach geographischen Gesichtspunkten gegliedert.
Zu Beginn des Jahres 1955 hatte die AFL in jedem der 48 Bundesstaaten einen Regionalverband und zwei weitere Regionalverbände
in Alaska und Puerto Rico, diese wiederum gliedern sich in 829
Ortsvereine auf. Der CIO unterhält in 44 Bundesstaaten einschließlich des Districts von Columbia Regionalvorstände und
einen Territorialverband für Puerto Rico, diese sind in 296
Kommunal- und Kreisverbände gegliedert.
Es hat den Anschein, als ob der Zusammenschluß von AFL
und CIO zumindestens in der Anfangsphase keine strukturellen
Veränderungen hervorrufen wird. Auch scheint sich an der Zahl
und am Tätigkeitsbereich der Provinzial-, Stadt- und Kreisorgane nichts zu ändern. Nach den Bestimmungen des Entwurfs der
Statuten sollen die allamerikanischen Gewerkschaften die gleichen Organisationskompetenzen beibehalten, wie sie bei dem
*) Baugewerbe, Metallindustrie, Eisenbahnen, Schiffahrt
und Fragen der gewerkschaftlichen Gütemarken (Union Labels)
und Dienstleistungen.
- 4 -

�früheren Anschluß an die AFL oder den CIO abgegrenzt worden
waren. Artikel III. Abschnitt 10 des Entwurfs sieht eine
Regelung von Kompetenzfragen zwischen verschiedenen Gewerkschaften auf frelrilliger Basis v o n
"Die angeschlossenen Gewerkschaften sollen angeregt werden, etwaige Konflikte und Überschneidungen in der Organisation und Jurisdiktion durch entsprechende Vereinbarungen,
Zusammenschluß oder andere Mittel auf Grund freiwilliger
Übereinkünfte und unter gleichzeitiger Konsultation der zuständigen Funktionäre des Gesamtverbandes beizulegen beziehungsweise zu vermeiden."
Nach den gegenwärtigen Plänen soll die Verschmelzung
der Provinzial-, Territorial- und Ortsverbände innerhalb
von zwei Jahren verwirklicht werden.
In Anerkennung des im Entwurf der Statuten dargelegten
Prinzips, demzufolge "sowohl Facharbeiter- als auch Industriegewerkschaften zweckdienliche, gleichberechtigte und notwendige Formen der gewerkschaftlichen Organisation darstellen",
soll innerhalb des AFL/CIO-Verbandes eine weitere Abteilung
für die Industriegewerkschaften errichtet werden.
In Zukunft wird der Gewerkschaftskongreß alle zwei Jahre
- und nicht mehr wie bisher alljährlich - abgehalten werden.
In der Zeit zwischen zwei Kongressen soll der neue Verband
von drei Vollzugsorganen geleitet werden, diese sind:
1. Der Bundesvorstand, als Lenkungsorgan, der sich aus
dem Präsidenten, dem Schatzmeister und den 27 Vizepräsidenten zusammensetzt und mindestens dreimal im Jahr zusammentritt.
2. Der Bundesausschuß, als beratendes Organ, der sich aus
dem Präsidenten, dem Schatzmeister und 6 Vizepräsidenten zusammensetzt und vierteljährlich einmal zusammentritt.
3. Der Vollzugsausschuß, der aus den Mitgliedern des
Vorstands und je einem der Spitzenfunktionäre- aller angeschlossenen amerikanischen und allamerikanischen Gewerkschaften besteht und die Entscheidungsbefugnis über Fragen ausübt,
die den einzuschlagenden Kurs betreffen und die ihm vom Bundesvorstand oder Bundesausschuß unterbreitet werden. Der Vollzugsausschuß tritt jährlich mindestens einmal zusammen.
Die Vereinigung der Gewerkschaften der Eisenbahnbediensteten
Die "Vereinigung der Gewerkschaften der Eisenbahnbediensteten" (Railway Labor Executives' Association" - RLEA -)
besteht aus den Vorständen von 19 gewerkschaftlichen Organisationen, von den 16 der AFI und eine der CIO angehören und
zwei unabhängig sind. Zwölf der angeschlossenen Gewerkschaften
vertreten ausschließlich Interessen von Beschäftigten der Eisenbahnen, während die übrigen 7 hauptsächlich als Interessenvertretung anderer Berufsgruppen tätig sind. Abgesehen von dem
Eisenbahnbetriebspersonal, das in 3 nicht der "RLEA" angeschlossenen Gewerkschaften organisiert ist, vertreten die genannten 19 Gewerkschaften den größten Teil aller Beschäftigten der Eisenbahnlinien der Vereinigten Staaten * ) . Die RLEA
ist jedoch kein Dachverband, sie ist vielmehr ein Aktionsausschuß
*) Zwei der nicht dem RLEA angeschlossenen drei Gewerkschaften der Eisenbahnbediensteten haben ihre Absicht bekanntgegeben, vom Jahr 1956 an gleichfalls Vertreter in den Aktionsausschuß zu entsenden.

-5 -

�für Fragen der Arbeitsgesetzgebung und anderen Problemen,
die unmittelbar die Interessen der Eisenbahnbediensteten
berühren.
Quelle:

"Monthly Labor Review"

Vol. 78

No. 11

Vereinte Bemühungen von Gewerkschaften und Unternehmern
bei der Lehrlingsausbildung (Schluß)
Das bedeutet nicht, daß sich keine Probleme ergeben.
Es gibt sogar eine ganze Menge, und manche sind sogar recht
schwerwiegend. Die meisten Probleme werden auf lokaler Ebene
erörtert. Jeder Ausschuß besitzt völlige Unabhängigkeit bezüglich der Art und des Umfangs des Ausbildungsprogramms.
Taucht ein Problem auf, das nicht zufriedenstellend gelöst
werden kann, so kann der Ortsausschuß die "Division of
Apprenticeship Standards" zu Rate ziehen. Für solche Fälle
setzt die Abteilung einige der insgesamt 48 Experten für
den Außendienst an, die den Ausschüssen dann mit Rat und
Tat zur Verfügung stehen und die über eine reiche Erfahrung verfügen.
Zu den wichtigsten Funktionen der Abteilung gehört es,
Informationen zu sammeln und sie anschließend den im Außendienst stehenden Experten und den gemeinsamen Ausschüssen
zur Verfügung zu stellen. Die Zentrale der Abteilung, in der
alle Fäden zusammenlaufen, liegt in San Francisco. Hier werden auch alle Sitzungsprotokolle und schriftlich getroffenen
Vereinbarungen der verschiedenen Ausschüsse aufbewahrt. Außerdem befinden sich hier sämtliche Unterlagen über die 104 107
Lehrlinge, die die Abteilung seit dem Jahre 1939 registriert
hat.
Das umfangreiche, in viele Aktenschränke eingeordnete
Zahlenmaterial wird mit Hilfe des Hollerithsystems tabelliert. Auf diese Weise läßt sich zum Beispiel in wenigen
Augenblicken ermitteln, wieviel Unternehmer die Ausbildungsprogramme subventionieren oder wieviel Lehrlinge es in dem
jeweiligen Berufszweig gibt.
Im Büro des Leiters dieser Dienststelle sind die Wände
mit graphischen Darstellungen bedeckt. Aus der einen Tafel
kann man das jeweilige Arbeitsgebiet der im Außendienst
stehenden Berater ersehen, andere wiederum zeigen die Beschäftigungslage in den einzelnen Handwerkszweigen oder
stellen die Zahl der in der Ausbildung befindlichen Fachkräfte dem künftigen Bedarf gegenüber.
Die Richtlinien der Abteilung werden vom Rat für das
Lehrlingswesen bestimmt, der sich aus vier Personen zusammensetzt, und zwar je einem Vertreter der Gewerkschaften,
der Betriebsführung, der Öffentlichkeit, sowie dem Leiter
der Division, Charles F. Hanna. Viele der 48 im Außendienst stehenden Berater, die vielleicht die wichtigsten
Funktionen der freiwilligen beruflichen Ausbildungsprogramme erfüllen, sind selbst früher Lehrlinge gewesen,
die dann später als Gewerkschaftsfunktionäre oder leitende
Angestellte Erfahrung in Industriebeziehungen sammelten.

- 6 -

�Obwohl diese Berater hinsichtlich der Standardisierung
der Ausbildungspraktiken innerhalb der einzelnen Tätigkeitssparten ein entscheidendes Wort mitzureden haben, so bestimmt
doch jeder Ausschuß den Inhalt des eigenen Programms, das
ganz auf die lokalen Erfordernisse abgestellt ist.
Die hervorragenden Leistungen der Ausschüsse in bezug
auf die Ausbildung erstklassiger Fachkräfte werden heute allgeoiein anerkannt. In den letzten Jahren haben Lehrlinge, die
an diesen Ausbildungsprogrammen teilgenommen hatten, bei
Leistungswettbewerben hervorragend abgeschnitten und zahlreiche Preise gewonnen.
Nicht jeder Teilnehmer an diesen Ausbildungsprogrammen
besteht die Abschlußprüfung. Mehr als ein Viertel von ihnen
versagt, ändert seine beruflichen Pläne oder wird zur Ableistung der Militärdienstpflicht herangezogen.
Diejenigen, die die Abschlußprüfung bestanden haben,
müssen jedoch noch viel leisten, ehe sie das endgültige
Diplom bekommen. Einige Berufe, w i e zum Beispiel der des
Druckers erfordern eine sechsjährige Ausbildungszeit, die
übrigens unter der Leitung der Allamerikanischen Druckergewerkschaft steht. In einem vier Jahre währenden Kursus
entfallen durchschnittlich 800C Stunden auf den praktischen
Unterricht, weitere 576 Stunden theoretischen Unterrichts
werden in Abendkursen, die zweimal wöchentlich stattfinden,
erteilt.
Cuelle:

"Labor's Laily"

Arbeitskosten und Mechanisierung
Warum produzieren die amerikanischen Arbeiter pro
Arbeitsstunde im Durchschnitt mehr als die Arbeiter in
anderen Industrieländern, obwohl Wissen und handwerkliches Können im allgemeinen in gleichem Maße vorhanden
sind ?
Um diese schwierige Frage beantworten zu können,
führte Dr. Seymour Melman, außerordentlicher Professor
für Industrietechnik an der Columbia-Universität, eine
Studie über Produktionsvorgänge und -methoden in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern durch. Er kam dabei
zu dem Schluß, daß die Entwicklung von Maschinen und Arbeitsmethoden zur Steigerung der Produktivität von dem Verhältnis zwischen Arbeits- und Maschinenkosten abhängt. Mit
anderen Worten, Dr. Melman ist der Ansicht, daß die mit der
Anwendung einer neuen Produktionsmethode verbundenen Kosten
ausschlaggebend für ihre Wahl sind. Historische und kulturelle Faktoren haben dabei den Einfluß hoher oder niedriger
Verhältniszahlen zwischen Lohn- und Maschinenkosten auf die
Bestimmung des Mechanisierungsgrades in der Industrie nicht
verhindert.
Die Auswahl von Produktionsmethoden kann durch ein einfaches Beispiel illustriert werden: das Problem der Beförderung von Fässern von einem Ort zum anderen. Es gibt drei
Transportmöglichkeiten: Mit einem einfachen Handwagen, einem
Elektrokarren oder einem Gabelstapler. Ein Arbeiter kann mit

- 7-

�einem Handwagen pro Stunde 17 Fässer transportieren; mit
dem Elektrokarren 53 Fässer und mit einem Gabelstapler
120 Fässer. Mit Ausnahme des Arbeitslohns fällt die Beförderung mit einem Handwagen finanziell nicht ins Gewicht; die Kosten für einen Transport mit dem Elektrokarren betragen 1,60 Dollar pro Stunde und die Verwendung
des Gabelstaplers 7 Dollar pro Stunde. Bringt man Aufwand
und Menge in ein Verhältnis zu den Arbeitskosten, so ist
es möglich aufzuzeigen, daß an einem bestimmten Punkt die
Arbeitskosten den Aufwand, den eine Mechanisierung des Arbeitsvorganges erfordern würde, übersteigen, so daß eine
Fortführung der manuellen Tätigkeit nicht mehr gegeben ist
und eine Mechanisierung die wirtschaftlichere Lösung darstellt.
Dr. Melman stellte weiter fest, daß in allen Ländern
die Arbeitskosten schneller steigen als die Maschinenkosten. Er glaubt, daß dies zumindest zum Teil darauf
zurückzuführen ist, daß die Firmen, die Industriemaschinen
herstellen, selbst mit steigenden Arbeitskosten zu tun
haben. Aus diesem Grunde haben sie arbeitssparende Produktionsmethoden eingeführt und sind daher in der Lage,
die gleichen Maschinen mit einem geringeren Aufwand an
kostspieliger menschlicher Arbeitskraft herzustellen.
Dr. Melman behauptet, daß ausreichende statistische
Unterlagen vorlägen, um zu beweisen, daß in praktisch jedem
industrialisierten Land nahezu 80$ der Produktivitätsabweichungen auf die Schwankungen des Kostenverhältnisses zwischen
Arbeits- und Maschineneinsatz zurückzuführen sind. Die übrigen 20$ oder mehr erklären sich aus einer Vielzahl sonstiger
Faktoren, von denen einige, wie beispielsweise das Vorhandensein von Elektrizität und Rohmaterial, in den Arbeits- und
Maschinenkosten zum Ausdruck kommen.
Die von dem Autor durchgeführten Werkanalysen innerhalb
eines einzelnen Industriezweiges ergeben, daß bei gleichen
Maschinenpreisen dieser Werke die Produktivität in direkter
Beziehung zu dem Durchschnittsstundenlohn der Produktivarbeiter steht. Solche Betriebe, die im besonderen Maße einem
starken Lohndruck ausgesetzt sind, haben dabei die durchgreifendsten Maßnahmen hinsichtlich der Verwendung arbeitssparender Produktionsmethoden und Maschinen ergriffen. In
den meisten Fällen vollziehen sich jedoch die Wechsel in
der Produktionstechnik nicht von heute auf morgen.
Dr. Melman stellte fest, daß eine Firmengruppe innerhalb
der Fertigungsindustrie etwa fünf Jahre für die Umstellung
ihrer Produktionsmethoden benötigte.
Nach Ansicht Dr. Melmans ist das Froduktivitätsniveau
in den seltensten Fällen das bewußte Ziel von Management
oder Arbeiterschaft; es wird auch nicht einmütig von einer
dieser beiden Gruppen festgelegt. Management und Arbeiterschaft versuchen jeder für sich, mit ihren eigenen Problemen fertig zu werden. Die Auswirkung ihres jeweils ausgeübten Druckes zwingt die Gegenpartei, eine Lösung für die
Probleme zu finden, die der andere verursacht hat. Die Arbeiter sind bemüht, ihren Lebensstandard zu verbessern, indem
sie höhere Löhne fordern. Hierdurch erwachsen der Betriebsleitung Kostenprobleme. Diese Probleme machen eine Revision
der Produktionsmethoden notwendig. So ist die Produktivität

- 8 -

�in erster Linie die Auswirkung des von der Arbeiterschaft ausgeübten Druckes der Forderung nach höheren Löhnen und der Bemühungen des Management, die Kosten zu verringern.
Quelle:

"Free Men at Work", No. 34

Finanzielle Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Management
Gewerkschaftliche Zuschüsse an Fonds, die der Industrie
als Ganzes zugute kommen, sowie direkte Kredite an Unternehmer
sind noch immer so außerordentlich selten, daß sie besonderer
Erwähnung bedürfen. Vor einigen Wochen sind drei solcher Zuwendungen erfolgt. Andere Beispiele dieser Art lassen sich aus den
letzten Jahren anführen, besonders aus der Bekleidungsindustrie,
wo verschiedene Gewerkschaften mit Unternehmern oder Wirtschaftsverbänden zusammenarbeiteten, um den Absatz von Industrieprodukten zu steigern.
Die Schuharbeitergewerkschaft gab zum Beispiel bekannt,
daß sie Jedem von der Schuhindustrie organisierten und unterhaltenen Fonds 100 000 Dollar zukommen lassen werde, damit
ein umfassendes Werbeprogramm zur Förderung des Schuhabsatzes
durchgeführt werden kann.
John J. Mara, der Vorsitzende der Gewerkschaft, erklärte
daß "die Schuharbeitergewerkschaften an dem Gedeihen und der
Ausweitung dieses großen Industriezweigs außerordentlich interessiert sind, denn eine noch stärker prosperierende Industrie bedeutet auch gleichzeitig größere Sicherheit und einen
höheren Lebensstandard für die 250 000 Schuharbeiter Amerikas.
Neue Abnehmerkreise zu gewinnen, ist für die Schuharbeitergewerkschaften von genauso vordringlicher Bedeutung wie für
die 25 000 Schuheinzelhandelsgeschäfte, die 1000 Schuhfabrikanten und die mehreren Tausend Mitgliedsfirmen verwandter
Branchen. Wir alle haben ein gleiches Interesse, dieses Ziel
zu erreichen".
Ein ausführlicher, von der Gewerkschaft ausgearbeiteter
Wirtschaftsbericht wies darauf hin, daß der Schuhverbrauch
pro Kopf im Laufe der letzten 10 Jahre vom Standpunkt des
stetigen Fortschritts aus betrachtet, unbefriedigend und unregelmäßig gewesen sei. Der Absatz an Damenschuhen habe zwar
zugenommen, dafür sei jedoch die Verkaufsziffer für Männerund Knabenschuhe zurückgegangen.
Im "Shoe Workers' Journal" heißt es in einem Leitartikel,
daß an das Angebot der Gewerkschaft keine Bedingungen geknüpft
seinen, außer derjenigen, daß die Zuschüsse "einem unter der
Schirmherrschaft der Industrie stehenden nationalen Fonds zur
Förderung des Schuhabsatzes zufließen sollen, der dazu verwendet werden soll, die amerikanische Öffentlichkeit dazu
anzuregen, mehr Schuhe zu kaufen. Es gibt aber noch andere
Dinge, die ebenfalls von der Industrie getan werden können,
und wo immer unsere Gewerkschaft dazu beitragen kann, die
Prosperität und die Ausweitung der Industrie zu fördern,
sind wir bereit, gewissenhaft und aktiv mitzuarbeiten."

- 9-

�Ein weiteres gemeinsames Förderungsprogramm ist in den
Kollektivvertrag zwischen der Stukkateurortsjewerkschaft
Nr. 224 und dem Stukkateurunternehmerverband von Santa Clara
County in Kalifornien aufgenommen worden. Dieser Vertrag bestimmt, daß jeder Arbeiter von seinem Lohn pro Arbeitsstunde
1V2 Cent in einen Fonds abzuführen hat, in den der Arbeitgeber einen jleichhohen Beitrag abführt und dessen Mittel
für einen Reklamefeldzug zur Hervorhebung der Vorzüge von
Gipsmörtel gegenüber anderen Baumaterialien verwendet werden
sollen.
Ein ähnlicher Plan wurde vor einem Jahr auf rein freiwilliger Basis erfolgreich zur Durchführung gebracht, als
die Gewerkschaftsmitglieder einen Tageslohn an den Fonds
abführten und die Arbeitgeber einen Zuschuß in gleicher
Höhe leisteten. John H. Dunlea, der Vorsitzende der "Builders
Exchange Business Manager" von Santa Clara County-, bezeichnete
diesen Plan als wesentlichen Beitrag zur Förderung besserer
Arbeitsbeziehungen, da er dem Arbeiter das Gefühl der Beteiligung am Betrieb gebe.
Eine andere Form der finanziellen Zusammenarbeit wurde von
den Mitgliedern der"Vereinigten Bekleidungsarbeitergewerkschaft"
(ACW) erfolgreich angewendet. Die über 500 organisierten Beschäftigten der "Hamilton Tailoring Co." in Cincinnati (Ohio)
stellten der Firme leihweise 100 000 Dollar zur Verfügung, um
ihr aus vorübergehenden finanziellen Schwierigkeiten zu helfen,
die durch die kurz vorher erfolgte Neuerwerbung weiterer Schneiderwerkstätten ausgelöst wurden.
Das Geld wurde der Schneidereifirma von dem Leiter des
Vorstandes der Vereinigten Bekleidungsarbeiter in Cincinnati,
Jack Kroll, übergeben. Den Beschäftigten werden dabei 10#
ihres Lohnes als ihr Kreditanteil abgezogen. Hierfür erhalten
sie 3V2prozentige Schuldverschreibungen. Die Firma zahlt der
Gewerkschaft monatlich 10 000 Dollar, bis die Schuld getilgt
ist.
Auf die Frage, warum die Gewerkschaft der Betriebsführung
einen Kredit gewährt, erklärte Mr. Kroll: "Unsere Mitglieder
arbeiten dort, es ist ihre Arbeitsstätte. Das Ziel der Gewerkschaft ist es, die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder zu erhalten.
Wir betrachten uns als Teil der Industrie."
Quelle:

"Free Men at Work", No. 34

Kurznachrichten
"Garantierter Jahreslohn" bereits in 252 Betrieben
Die "Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft" (UAW)
gab bekannt, daß 1 002 098 Arbeiter, das sind zwei Drittel
ihrer Mitglieder, gegenwärtig von Verträgen erfaßt werden,
die Bestimmungen über die Gewährung von zusätzlicher Arbeitslosenunterstützung oder den "Garantierten Jahreslohn" enthalten.
Die Aufnahme dieser Klauseln in Tarifverträge setzte die
Gewerkschaft in weniger als sieben Monaten durch, wohingegen
- 10

�sie für die Aufnahme von Altersversorgungsbestimmungen für
eine Million Mitglieder nahezu zwei Jahre benötigte.
Die Ford Motor Co. war die erste Automobilfirma, die
dem Plan zustimmte; sie unterzeichnete ihn am 8.Juni 1955.
Gegenwärtig gibt es 232 Groß- und Kleinbetriebe, die die
garantierte Jahreslohnklausel in ihre Vereinbarungen mit
der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft aufgenommen
haben.

Neues Lohnabkommen in der Schuhindustrie
Die amerikanische Schuharbeitergewerkschaft (Boot and
Shoe Workers Union) beendete kürzlich ihren vierwöchigen
Streik ge^en zwei Unternehmen, nachdem man sich über die
Bedingungen bezüglich der Beilegung des Streiks geeinigt
hatte, die als die bisher "besten in der Industrie" bezeichnet wurden. 29 000 Arbeiter in 42 Werken der "International
Shoe Company" und der "Brown Shoe Co." im Gebiet v o n
St. Louis waren an diesem Streik beteiligt.
Russell Taylor, der Vorsitzende der Schuharbeitergewerkschaft erklärte, daß die Verhandlungen nur durch eine
sehr enge Zusammenarbeit erfolgreich abgeschlossen werden
können.
Das Abkommen wurde für eine Dauer von zwei Jahren abgeschlossen, mit der Möglichkeit es unter Umständen noch
auf ein drittes Jahr auszudehnen. Die Vereinbarung sieht
unter anderem eine 5prozentige Lohnerhöhung vor, und zwar
rückwirkend ab I.Oktober 1955, sowie Feiertagsvergütung
für den amerikanischen Heldengedenktag (Veterans Day) und
Erntedanktag (Thanksgiving Day). Eine weitere dreiprozentije Lohnerhöhung soll am I.April dieses Jahres wirksam
werden.
Über die Annahme der von den Fabrikanten vereinbarten
Altersversorgungsbestimmungen wird die Gewerkschaft in 18
Monaten entscheiden. Der Gewerkschaft steht dann eine
90tägige Frist zu, während der sie die Pläne der Fabrikanten
annehmen oder verwerfen oder ihre eigenen Vorschläge unterbreiten kann.
Im Sommer werden die Firmen für 14 Tage ihre Produktion
einstellen und Betriebsferien machen. Für diese Zeit erhalten die Arbeiter ihren Lohn im voraus. Diese Regelung ist
bisher einmalig in der Industrie.

Weibliche Arbeitskräfte in den USA
Kürzlich erörterten 21 Abgeordnete führender amerikanischer Frauenorganisationen und Vertreter des "National
Manpower Council" die Probleme, die sich im Zusammenhang
mit dem Einsatz weiblicher Arbeitskräfte in der Industrie
ergeben.
Der "Manpower Council», der durch die Ford-Stiftung unterstützt wird, arbeitet zur Zeit an einer Studie über
- 11 -

�"weibliche Arbeitskräfte in den USA", die im kommenden
Sommer veröffentlicht werden soll.
Nach dem Bericht Dr. Henry Davids, des leitenden
Direktors dieser Organisation, haben die Diskussionen
ergeben, daß die steigende Zahl berufstätiger amerikanischer Ehefrauen den überkommenen Begriff "einer voll und
ganz in ihrem Beruf aufgehenden Frau, die ledig bleibt"
hinfällig werden läßt. David bemerkte, daß etwa 30 Prozent
des amerikanischen Arbeitspotentials aus verheirateten
Frauen besteht.Er fügte "hinzu, daß im Jahre 1890 nur
2Y2 Prozent der berufstätigen Frauen verheiratet waren,
mit Ausnahme der in der Haus- oder Landwirtschaft tätigen Hilfskräfte.

12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht wercjen.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 4

Mehlem, den 17. Februar 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Struktur und Hitgliedschaft der Gewerkschaftsbewegung
in USA (Schlues)

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1

Wie der amerikanische Automobilarbeiter lebt

Seite

7

Gewerkschaftsfuehrer im Exil berichten ueber das Los
der Arbeiterschaft in sowjetischen Satellitenstaaten ...
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

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Seite 11

William Paschelli
Struktur und Mitgliedschaft der Gewerkschaftsbewegung in USA (Schluss)
Nlchtangeschlossene oder unabhaengige Gewerkschaften
Ende 1955 waren dem "US-Amt fuer Arbeitsstatistik" 57 allamerikanische Gewerkschaften bekannt, die als sogenannte unabhaengige oder
nichtangeschlossene Gewerkschaften gelten koennen, da sie weder der
AFL noch dem CIO angehoeren. Ihre Gesamtmitgliederzahl betrug im Jahre
1954 schaetzungsweise 1,8 Millionen und war damit gegenueber den Schaetzzahlen von 1951 um 0,7 Millionen zurueckgegangen. Dieser Rueckgang ist
zum Teil auf den Beitrtitt frueherer unabhaengiger Gewerkschaften zur
AFL oder CIO zurueckzufuehren. Zu diesen unabhaengigen Verbaenden gehoeren einige der aeltesten und bekanntesten Arbeitnehmerorganisationen,
wie die vier "Gewerkschaften des Eisenbahnbetriebspersonals" und die
"Vereinigte Bergarbeiter-Gewerkschaft" (United Mine Workers of America UMW). Saemtliche in diese Untersuchung einbezogenen unabhaengigen Gewerkschaften haben, mit Ausnahme der Gewerkschaften der Bundesbediensteten, Kollektivvertraege mit Arbeitgebern in mehr als einem Bundesstaat
abgeschlossen.
Von den 11 Gewerkschaften, die in den Jahren 1949-1950 vom CIO
auf Grund ihrer kommunistischen Tendenzen ausgeschlossen wurden, bestehen
heute nur noch vier, und zwar die "Vereinigte Gewerkschaft der Arbeiter
der Elektro-, Radio- und Maschinenindustrie" (United Electrical, Radio
and Machine Workers of America), die "Allamerikanische Gewerkschaft der

- 1 -

�Arbeiter im Bergbau und Huettenwesen" (international Union of Mine, Hill
and Smelter Workers), die "Allamerikanisohe Gewerkschaft der Hafen- und
Lagerarbeiter" (international Longshoremen's and Warehousemen's Union)
und die "Amerikanische Gewerkschaft fuer das Pernmeldewesen" (American
Communications Association). Ihre Gesamtmitgliederzahl ging auf etwa ein
Drittel des Standes vom Zeitpunkt des Ausschlusses (850 000 bis 900 000)
zurueck. Der Mitgliederschwund laesst sich auf verschiedene Ursachen zurueckfuehren; dazu gehoeren die Uebertritte in die Gewerkschaft der
Elektro-, Radio- und Maschinenmechaniker und in die Vereinigten Gewerkschaften der Arbeiter in der Automobil-, Plugzeug- und Landwirtschaftemaschinenindustrie" (United Automobile, Aircraft and Agricultural Implement Workers - UAW), die Aufloesung mehrerer linksorientierter Gewerkschaften und der Beitritt ihrer Mitglieder zu Gewerkschaften innerhalb
der AFL oder des CIO, der Erwerb des Status einer angeschlossenen Gewerkschaft seitens einiger dieser Arbeitnehmerverbaende durch den Beitritt
zu einem der grossen Verbaende sowie die Gegnerschaft sowohl der fuehrenden Maenner der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung als auch der gesamten
Arbeiterschaft zu den kommunistisch beherrschten Verbaenden.

Die Gesamtmitgliederzahl
Die Berichte von 177 amerikanischen und allamerikaniechen Gewerkschaften, ergaenzt durch die Schaetzungen des "US-Amtes fuer Arbeitsstatistik"
im Falle jener 22 Gewerkschaften, die keine Mitgliederzahlen bekanntgegeben haben, ergaben fuer das Jahr 1954 eine Gesamtzahl von 17,757 Millionen. Unter Hinzurechnung der Mitglieder der der AFL angeschlossenen Gewerkschaften Oeffentliche Dienste (184 000) und der dem CIO angehoerenden
kleineren oertlichen Industriegewerkschaften (15 000) laesst sich die Gesamtmitgliederzahl auf 18 Millionen beziffern. Hiervon entfallen 10,9
Millionen auf die AFL, 5,2 Millionen auf den CIO und 1,8 Millionen auf
die unabhaengigen Gewerkschaften. Etwas mehr als eine Million Gewerkschaftsmitglieder haben ihren Wohnsitz ausserhalb der Vereinigten Staaten.
Die Gesamtmitgliederzahl von 18 Millionen gibt kein genaues Bild von
der Zahl der Menschen, die in den Vereinigten Staaten innerhalb der Arbeiterbewegung stehen. Mindestens 355 000 Mitglieder wurden von verschiedenen Gewerkschaften nicht in ihren Berichten aufgefuehrt, darunter Arbeitslose und Arbeiter, die in irgendwelche Streiks verwickelt waren oder
ihre Dienstzeit bei den Streitkraeften ableisteten, sowie Lehrlinge und
pensionierte Arbeiter. Das sind alle jene Personen, die voellig oder teilweise von der Beitragspflicht befreit waren. Die Mitglieder von nichtangeschlossenen oder unabhaengigen Gewerkschaften, deren Taetigkeitsbereich sich nicht ueber mehrere Bundesstaaten erstreckt, blieben gleichfalls
unberuecksichtigt. Wie aus den vorliegenden Kollektivvertraegen solcher
Gewerkschaften ersichtlich ist, fallen in diese Kategorie mindestens
500 000 Arbeiter.
Mitglieder, die ihren Wohnsitz nicht im Gebiet der Vereinigten Staaten haben
Von den 199 amerikanischen und allamerikanischen Gewerkschaften betaetigen sich 132 auch jenseits der Grenzen der kontinentalen Vereinigten
Staaten, so in Kanada, Hawaii, Puerto Rico und in der Panamakanal-Zone.
Von ihnen hatten 73 sich in ihrer Taetigkeit ausserhalb der Vereinigten
Staaten ausschliesslich auf Kanada beschraenkt, weitere 45 betaetigen sich
in Kanada und anderen Gebieten gleichzeitig, waehrend 14 von ihnen sioh
ueberhaupt nicht in Kanada betaetigten. Die Gesamtmitgliederzahl dieser
Gewerkschaften in Gebieten ausserhalb der Vereinigten Staaten belief sich
im Jahre 1954 auf 1,039 Millionen. Der groesste Anteil entfiel dabei auf
Kanada, wo es 118 allamerikanische Gewerkschaften mit 935 000 Mitgliedern
gibt. Auf die uebrigen Gebiete, die praktisch alle Territorien oder Besitzungen der Vereinigten Staaten sind, entfielen rund 105 000 Mitglieder,

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�die sioh wie folgt verteiltem Puerto Rico 53 000, Hawaii 33 000, Alaska
16 000 und Panamakanal-Zone 2000. Fast die gesamten organisierten Arbeiter in Puerto Rico und in Hawaii gehoeren je einer Gewerkschaft an, waehrend sich die Mitglieder in Alaska und in der Kanal-Zone auf eine ganze
Reihe von Gewerkschaften verteilen. Weitere 1000 Mitglieder von 5 Gewerkschaften leben in verschiedenen Teilen der Welt.
Entwicklungstendenzen der Mitgliederzahl
Nachdem die staendig ruecklaeufige Entwicklung der Gesamtzahl der
Gewerkschaftsmitglieder zu Beginn der dreissiger Jahre, in der Zeit der
Depression, zum Stillstand gekommen war, begann ein bisher einmaliger Anstieg, der bis Mitte der vierziger Jahre anhielt. Von 1935 bis 1940 stieg
die Mitgliederzahl von 3,5 Millionen auf mehr als 8,5 Millionen und erreichte im Jahre 1945 beinahe 14,5 Millionen. Seitdem ist eine etwas langsamere Aufwaertsentwicklung zu verzeichnen. Die Wachstumsrate wird erst
dann voll ersichtlich, wenn man die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften
in Beziehung zur Gesamtbeschaeftigtenzahl bringt, da das Heer der Werktaetigen das Reservoir darstellt, aus dem die Gewerkschaften ihre Mitglieder
rekrutieren koennen. Wir haben zum Zwecke des Vergleichs zwei Serien von
statistischen Angaben herangezogen: a) die Gesamtzahl der Arbeitsfaehigen,
die sowohl die tatsaechlich Berufstaetigen, als auch Arbeitslose, selbstaendig Berufstaetige und die Angehoerigen der Streitkraefte und so weiter
einschliesst; und b) die Zahl der Berufstaetigen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben, bei der die Angehoerigen der Streitkraefte, Arbeitslose,
landwirtschaftliche Hilfskraefte und Selbstaendige, unentgeltlich mitarbeitende Familienangehoerige und Dienstpersonal - Personengruppen, die
ohnehin kein besonderes Interesse am gewerkschaftlichen Zusammenschluss
zeigen - angeschlossen sind.
Von 1930 bis 1945 stieg der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder an der
Gesamtzahl der Arbeitsfaehigen von 7 auf 22 $. Im Jahre 1954 betrug er
nahezu 25 $&gt;, das heisst mit anderen Worten, jeder vierte Arbeiter stand
innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. Wenn man die Gesamtzahl der Werktaetigen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben zugrunde legt, die bekanntlich
den Hauptanteil an den Gewerkschaftsmitgliedern stellen, so kommen wir
auf noch guenstigere VerhaeltniszahDen: hier ist von 1930 Die Kriegsende
1945 «in Anstieg von 12 auf 369t zu verzeichnen. Seit jener Zeit haelt der
Zuwachs an Mitgliedern etwa mit der Zunahme der Beschaeftigten in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben Schritt. So traf im letzten Jahrzehnt
praktisch ein Gewerkschaftsmitglied auf 3 Beschaeftigte in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben.
Auf Jahresbasis angestellte Vergleiche von Gesamtmitgliederzahlen
geben nur unzulaenglich Aufschluss ueber Zuwachs und Abgang innerhalb der
verschiedenen Gewerkschaften. Waehrend beispielsweise die Gesamtmitgliederzahlen von 1953 auf 1954 um 0,5 $&gt; anstiegen, schwankten sie bei ueber
einem Fuenftel der Gewerkschaften, die den Fragebogen des Amtes fuer Arbeitsstatistik ausgefuellt haben, um 10$ und mehr. Zwischen 1951 und 1954
waren bei schaetzungsweise der Haelfte aller Gewerkschaften Abnahmen oder
Zugaenge um 10$ und darueber zu vermerken, und nur bei 3°$ aller Gewerkschaften war eine Fluktuation um weniger als 5$ eingetreten.
Es faellt sehr schwer, jene Faktoren, die zu solchen Veraenderungen
fuehrten, klar aufzuspueren und in ihrer Bedeutung zu erfassen. Einige von
diesen, so etwa die Zunahme der Mitgliederzahl einer Gewerkschaft auf
Kosten einer anderen, und Gewerkschaftszusammenschluesse, bei denen die
gesamte Mitgliederschaft geschlossen in einen anderen Verband uebergefuehrt
wird, bringen keinen echten Mitgliederzuwachs t'uer die Arbeiterbewegung
als Ganzes. Andere Faktoren wiederum, wie der Rueckgang oder die Zunahme
der Beschaeftigtenzahl in Industrien, in denen die Arbeiterschaft stark

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�gewerkschaftlich orientiert ist, bringen Verluste oder Gewinne mit sich,
die siöh auch auf die Gesamtmitgliederzahlen auswirken koennen. Die Auswirkungen der sogenannten Union-Shop-Vereinbarungen - Vereinbarungen zwischen den Gewerkschaften und Unternehmern ueber die Festsetzung der Arbeitsbedingungen, die den Beitrtitt zur Gewerkschaft als eine Voraussetzung
fuer die Beschaeftigung vorsehen - haben zweifelsohne erheblichen Anteil
an dem Steigen der Mitgliederzahlen der Gewerkschaften in juengerer Zeit,
auch wenn diese Praktiken in einigen Industriezweigen schon seit langem
geuebt werden.
Groe38enordnungen
Sie amerikanische Arbeiterbewegung ist nach wie vor dadurch gehemmt,
dass ein hoher Prozentsatz der Gesamtmitgliederzahl auf einige wenige
Gewerkschaften entfaellt. Fast die Haelfte der Gesamtmitgliederzahl von
199 Gewerkschaften entfaellt auf 13 Verbaende. Sechs Gewerkschaften mit
jeweils ueber 500 000 Mitgliedern vertreten die Interessen von mehr als
5,9 Millionen Werktaetigen, das ist ein Drittel der Gesamtmitgliederzahl.
Die Mitgliederzahl ist jedoch nicht notwendigerweise der Gradmesser fuer
die Staerke einer Gewerkschaft. Die grossen allamerikanischen Verbaende
haben natuerlich groessere Moeglichkeiten, die ihnen angeschlossenen Ortsverbaende finanziell und anderweitig zu unterstuetzen. Andererseits haben
haeufig kleinere Gewerkschaften, die sich in weniger stark besetzten Industrien betaetigen und jene, deren Arbeiter auf Grund der von ihnen ausgeuebten Taetigkeit eine gewisse Schluesselstellung einnehmen, eine Macht,
die aus ihren Mitgliederzahlen nicht ohne weiteres abzulesen ist.
Frauen in der Gewerkschaftsbewegung
Im Jahre 1954 waren etwa 3 Millionen Frauen eingeschriebene Mitglieder allamerikanischer Gewerkschaften. Das heisst, dass etwa ein Sechstel
aller Gewerkschaftsmitglieder Frauen waren. Diese Zahlen stuetzen sich bei
135 Gewerkschaften auf die genannten Fragebogen und im wesentlichen bei
den restlichen 64 Verbaenden auf Schaetzungen noch verfuegbarer Informationen. Ein Vergleich mit den Statistiken ueber die Gesamtzahl der Beschaeftigten ergibt, dass jede siebte berufstaetige Frau einer Gewerkschaft
angehoerte.
Die Berichte der Gewerkschaften und die Schaetzungen lassen erkennen,
dass 1,3 Millionen Frauen auf 22 Gewerkschaften entfallen, bei denen jeweils mindestens die Haelfte aller Mitglieder Frauen waren. Eine fast
gleichgrosse Zahl von Frauen gehoeren weiteren 18 grossen Gewerkschaften
an, die mindestens 25 000 weibliche Mitglieder zaehlten. Demnach entfallen rund 2,5 Millionen Frauen oder fuenf Sechstel der gesamten weiblichen
Gewerkschaftsmitglieder auf insgesamt 40 Gewerkschaften. Bei 61 Gewerkschaften betraegt der Anteil der weiblichen Mitglieder weniger als 10j6,
und 49 Gewerkschaften zaehlen ueberhaupt keine Frauen zu ihren Mitgliedern.
Der groesste Teil der organisierten Frauen gehoert Gewerkschaften an,
die in der Bekleidungsindustrie, im Dienstleistungsgewerbe, im elektrischen
Apparatebau, im Nachrichtenwesen und in den Spinnereien und Webereien
taetig sind.
Funktionen der Gewerkschaften
Die Taetigkeit der Gewerkschaften wird durch die Statuten geregelt,
Die Grenzen zwischen der Zustaendigkeit der Gesamtverbaende und ihrer
Ortsverbaende sind unterschiedlich weit gezogen. Wie immer auch im Einzelfall
die Verantwortungsbereiche gegeneinander abgegrenzt sein moegen, so dient
doch sowohl die Arbeit der Gesamtverbaende als auch die der Ortsverbaende

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�dem gleichen Zieli den «eiteren-Ausbau der Kollektivvertraege und der Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Mitgliederschaft.
Die Ortsgewerkschaften
Im allgemeinen entspricht die Zahl der Ortsverbaende der einzelnen
Gewerkschaften in etwa der Zahl ihrer Hitglieder, das heisst, dass einige
wenige Verbaende mit einer grossen Zahl von Ortsgewerkschaften auch den
gröessten Anteil der Gesamtmitgliederzahl auf sich vereinen. Von den
schaetzungsweise 77 OOO Ortsverbaenden der 199 allamerikanischen Gewerkschaften, die in diese Uebersicht miteinbezogen wurden, entfielen 40 000
oder mehr als die Haelfte auf 19 Gewerkschaften. Dagegen haben 80 Gewerkschaften mit jeweils weniger als 100 Ortsverbaenden zusammengenommen nur
knapp mehr als 3000 Ortsverbaende, das sind nur 4$ der Gesamtzahl.
Zwoelf allamerikanische Gewerkschaften der AFL meldeten insgesamt
rund 25 000 Ortsverbaende oder schaetzungsweise die Baelfte aller AFLOrtsgewerkschaften ueberhaupt. Innerhalb des CIO entfallen nahezu 40$
der insgesamt 10 000 Ortsverbaende auf nur zwei Gewerkschaften. Bei den
unabhaengigen Gewerkschaften sind nahezu 70$ von insgesamt 13 000 Ortsverbaenden fuenf Gewerkschaften angeschlossen.
Die allamerikanischen Gewerkschaften mit grossen Hitgliederzahlen
weisen allgemein auch eine grosse Anzahl von Ortsverbaenden auf. Die
groesste Zahl von Ortsgewerkschaften, 13 000, entfaellt jedoch auf drei
mittelgrosse Gewerkschaften der Postbediensteten mit einer Gesamtmitgliederzahl von nur 250 000.
»
Kollektivvertraege
Den gröessten Raum innerhalb der Gewerkschaftsarbeit nehmen die
Verhandlungen zum Abschluss von Kollektivvertraegen ein. In ihnen finden
die Bemuehungen der Gewerkschaften um eine Verbesserung der Loehne und
Arbeitsbedingungen ihren sichtbaren Niederschlag. Nach zuverlaessigen
Schaetzungen sind zur Zeit mindestens 125 000 Kollektivvertraege in Kraft.
Rund 70 000 wurden von den 135 Gewerkschaften ausgehandelt, die den Fragebogen des Amtes fuer Arbeitsstatistik ausgefuellt haben.
Unter ausschliesslicher Berücksichtigung der Angaben des Fragebogens
ergibt sich folgende Aufteilung! 57 Gewerkschaften haben jeweils weniger
als 100 Kollektivvertraege, 36 zwischen 100 und 500, 12 zwischen 500 und
1000 und 19 mehr als 1000 abgeschlossen. Neun Gewerkschaften, in erster
Linie Gewerkschaften von Bundesbediensteten, hatten keinerlei Kollektivvertraege aufzuweisen. Jene 19 Gewerkschaften mit mehr als 1000 Vertraegen hatten zusammen mehr als 50 000 Kollektivvertraege abgeschlossen.
Gewerkschaftskongresse
Das hoechste Gremium der Gewerkschaftspolitik ist der Kongress. Er
uebt in vielen Gewerkschaften die obersten Entscheidungsbefugnisse fuer
alle Streitfragen aus, die sich aus gewerkschaftlichen Hassnahmen saemtlicher Ebenen ergeben koennen. Die Ortsvereine waehlen ihre Delegierten
zum Kongress aus dem Vorstand, wobei die Staerke der Delegation meist
in einem gewissen Verhaeltnis zur Mitgliederzahl steht. Die Gewerkschaftskongresse von 114 Verbaenden fanden mindestens alle zwei Jahre oder in
noch kuerzeren Zeitabstaenden statt. Bei 71 Gewerkschaften waren zwei
Jahre die Regel.

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�Festangestelltes Personal
Die Gewerkschaften stuetzen sich in ihrer Taetigkeit in steigendem
Ilasse auf Analysen und Unterlagen, die von Statistikern, Wirtschaftssachverstaendigen und Juristen erarbeitet wurden, um die Argumente, die bei
Kollektivverhandlungen, oeffentlichen Diskussionen und in Fragen der Arbeitsgesetzgebung ins Feld gefuehrt werden, wissenschaftlich zu untermauern. Eine fachliche Beratung ist haeufig auch bei der Fertigstellung
von Entwuerfen von Kollektivvertraegen wuenschenswert, da sich Ausmaas und
Auswirkungen dieser Abmachungen staendig vergroessern. Die Gewerkschaftsvertreter in den Betrieben ersuchen haeufig ihren Verband um Rat in Fragen der Interpretation, der Anwendung und der Durchfuehrung solcher Vertraege. In Anerkennung der Notwendigkeit, eigens fuer diese Zwecke geschultes Personal staendig zur Hand zu haben, richteten die allamerikanischen Gewerkschaften eigene Forschungs- und Erziehungsabteilungen mit
ganz- oder halbtaegig festangestellten Mitarbeitern ein. In juengerer Zeit
kommt hierzu noch die Bestellung von Forschungs- und Erziehungsdirektoren
bei den Gewerkschaftsorganen in den Einzelstaaten.
Ton den 199 allamerikanischen Gewerkschaften, die in diese Untersuchung einbezogen sind, hatten 96 einen Forschungsdirektor und 81 einen
Erziehungsdirektor. Bei 22 der insgesamt 95 einzelstaatlichen Organe der
AFI und des CIO bestand die Stelle eines Forschungsdirektors und bei 29
die eines Erziehungsdirektors.
In den letzten Jahren nahm die Zahl der Kollektivabmachungen ueber
Massnahmen der Kranken- und Altersversicherung sowie ueber die gesundheitliche Betreuung der Betriebsangehoerigen erheblich zu. Den Gewerkschaften erwaechst hieraus eine noch umfassendere Verantwortung fuer die Arbeiterschaft. Um den hier gegebenen Verpflichtungen gerecht werden zu koennen, haben die Gewerkschaften entsprechende Fachkraefte angestellt, die als
Berater in finanziellen, versicherungstechnischen und aehnlichen Fragen
taetig sind. Dies trifft fuer 92 Gewerkschaften zu. Bei 60 Gewerkschaften
von ihnen haben die hierfuer zustaendigen Funktionaere noch andere Aufgaben, sei es als Vorstandsmitglieder, Schatzmeister oder Forschungs- und
Erziehungsdirektoren.
Publikationen
Zweck der gewerkschaftlichen Publikationen ist es, den Kontakt zwischen dem Dachverband und den Mitgliedern in den angeschlossenen Ortsverbaenden aufrecht zu erhalten. Sie unterrichten ihre Leser ueber alle gewerkschaftlichen Belange und andere Fragen, die fuer die schaffenden Menschen von Bedeutung sind. Was ihre Aufmachung angeht, so finden sich
attraktiv aufgemachte Zeitungen und Zeitschriften neben vervielfaeltigten
einseitigen Flugblaettem.
Von den 199 allamerikanischen Gewerkschaften besassen 166 eine eigene
Publikation. Neun Gewerkschaften meldeten zwei Publikationen, so dass sich
die Gesamtzahl auf 175 beziffert. 122 Publikationen erscheinen monatlioh,
15 halbmonatlich, 14 alle zwei Monate, 13 vierteljaehrlich, 7 woechentlich und 4 in unregelmaesslgen Abataenden.
Von den 95 bundesstaatlichen Organen der AFL und des CIO gaben 49
eine eigene Publikation heraus, 3 davon sogar zwei, so dass sich die Gesamtzahl auf 52 belaeuft} 23 erschienen monatlich, 13 woechentlich, 2
halbmonatlich, eine alle zwei Monate, eine vierteljaehrlich, 9 jaehrlich
und 3 in unbestimmten Zeitabschnitten.
Sitz
Im Jahre 1954 hatten 144 von 149 allamerikanischen Gewerkschaften

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�Ihren Sitz in 10 Stsedten, naemlich in Washington, New York, Detroit,
Indianapolis, Chicago, Cincinnati, Cleveland, St. Louis, Philadelphia
und Milwaukee. Hier nimmt Washington den wichtigsten Platz ein, wo 46
Gewerkschaften mit einer Gesamtmitgliederzahl von 6,5 Millionen ihren
Sitz haben. Washington war ferner Sitz sowohl der AFL als auch des CIO.
New York, Detroit, Indianapolis und Chicago waren Sitz von jeweils
mindestens 5 allamerikanischen Gewerkschaften mit einer Gesamtmitgliederzahl von jeweils mehr als einer Million.
Quelle: "Monthly Labor Review" Vol. 78 No. 11

Wie der amerikanische Automobilarbeiter lebt
Die Einkuenfte des amerikanischen Lohnempfaengers von heute sind
hoeher als die jedes anderen Arbeitnehmers in der ganzen Welt. Er verfuegt ueber ein nicht unerhebliches Eigentum, fuer gewoehnlich ueber
ein Bankkonto sowie ueber eine Menge materieller Annehmlichkeiten.
Er erfreut sich einer relativ grossen Arbeitsplatzsicherheit, und in
der Automobilindustrie wird ihm heute sogar ein ganz nettes Einkommen
zugesichert, selbst wenn er nicht arbeitet - ein bedeutsamer Schritt in
Richtung auf den garantierten Jahreslohn ....
Ein sehr gutes Bild ueber die Lebensweise des amerikanischen Arbeiters bekommt man, wenn man einmal Detroit, das Zentrum der amerikanischen Automobilindustrie besucht. Um dieses Bild noch zu erhellen, stattete ein Wort- und Bildreporter der illustrierten Wochenzeitschrift
"U.S. News and World Report", dem bei der "Ford Motor Co." beschaeftigten Produktionsarbeiter Thomas Paul Brackett an seiner Arbeitsstaette
und in seinem Heim einen Besuch ab.
Mr. Brackett ist 41 Jahre alt. Er besitzt hoehere Schulbildung.
Im Laufe seiner Berufstaetigkeit arbeitete er fuer die Autofirmen
"Hudson", "Dodge", "Kelsey-Hayes Wheel Company" und "Ford". Er erhaelt
2,13-J- Dollar pro Stunde und kommt damit dem in der Automobilindustrie
ueblichen Durchschnitt von 2,10 Dollar und dem in der Dauergueterindustrie
in Hoehe von 1,99 Dollar nahe. Seine Taetigkeit und seine Art zu leben
ist typisch fuer die von Millionen anderer Industriearbeiter von Boston
bis San Francisco, Mr. Brackett ist Induktionsofen-Waerter. Seine Aufgabe besteht darin, die Getriebezahnraeder zu vergueten. Er arbeitet in der
Motorenfabrik seiner Firma in Dearborn, einem der modernsten und nahezu
vollautomatisch arbeitenden Betriebe in der Industrie.
Bei einer 40stuendigen Arbeitswoche wuerde Mr. Brackett 85,40 Dollar
verdienen. Seine Einkuenfte sind jedoch wesentlich hoeher. Die Fordwerke
haben viele Monate lang auf Hochtouren gearbeitet, und Mr. Brackett hat
genau wie seine Arbeitskollegen eine Menge Ueberstunden geleistet. Fuer
gewoehnlich arbeitet er sechs Tage in der Woche; fuer den sechsten Arbeitstag erhaelt er die eineinhalbfache Verguetung; manchmal arbeitet
er auch sonntags. Sein Lohn liegt infolgedessen im Durchschnitt bei 119»56
Dollar pro Woche.
Mr. Bracketts Jahreseinkuenfte lassen einen klaren Rueckschluss zu,
welchen Anteil er an der Prosperitaet der Vereinigten Staaten hatte. Im
Jahre 1952, als er wenig oder gar keine Ueberstunden hatte, betrug sein
Bruttoeinkommen 3730,85 Dollar. Im naechsten Jahr stieg es durch Ueberstunden auf 4579 Dollar. Im Jahre 1954 wuchs sein Einkommen ourch Ableistung einer noch wesentlich groesseren Anzahl Ueberstunden auf 5978

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�Dollar. Im Jahr« 1954
wesentlich groesseren
zug der Steuern blieb
Es ist moeglich, dass
den arbeiten wird, er
und rechnet mit einem

wuchs sein Einkommen durch Ableistung einer noch
Anzahl Ueberstunden auf 5978 Dollar an, nach AbBrackett noch ein Nettoeinkommen von 5430 Dollar.
er in diesem Jahr nicht ganz so viele Ueberstunhat jedoch inzwischen eine Lohnerhoehung bekommen
Jahreseinkommen von ueber 5000 Dollar.

Mit diesen mehr als 5000 Dollar, die Brackett in diesem Jahr verdienen wird, sind die Leistungen der Firma jedoch noch nicht erschoepft;
Brackett ist in einer Lebens- und Krankenversicherung, fuer die die Ford
Co. einen wesentlichen Beitrag leistet, ,er erhaelt gegebenenfalls Kranken- und Invalidengeld, die Firma kommt fuer seine Altersversorgung
auf und zahlt ihm bei voruebergehender Entlassung Arbeitslosenunterstuetzung.
Die Krankenversicherung uebernimmt die gesamten Krankenhauskosten
fuer den Arbeiter und seine Familie zuzueglich der Arzneimittelkosten,
und zwar fuer die Dauer von 70 Tagen bis zu 5 Dollar pro Tag. Im Krankheits- oder Invaliditaetsfalle erhaelt der Arbeiter 52,80 Dollar pro
Woche, und zwar 26 Wochen lang. Die Lebensversicherungssumme belaeuft
sich auf 4400 Dollar. Die Beitragsleistungen des Arbeiters betragen
8,54 Dollar monatlich oder 102,48 Dollar im Jahr. Die uebrigen 60$ traegt
die Firma. Ausserdem zahlt er 2,50 Dollar im Monat an Gewerkschaftsbeitraegen und gelegentlich gewisse Sonderbeitraege.
Wenn Mr. Brackett bis zur Erreichung seines 65. Lebensjahres bwi
der Ford Co. arbeitet, so hat er Anspruch auf ein Ruhegehalt von 237,05
Dollar monatlich. Bei dieser Summe machen die Leistungen der Sozialversicherung, fuer die der Arbeiter pro Jahr 84 Dollar zahlt, 162,80 Dollar
aus, vorausgesetzt, dass Mann und Frau bezugsberechtigt sind. Ausserdem
zahlt die Firma nach dem augenblicklich geltenden Pensionsplan 74,25
Dollar monatlich.
Fuer den Fall, dass Mr. Brackett voruebergehend entlassen werden
sollte, ist ebenfalls Vorsorge getroffen worden. Er erhaelt dann vom
Staate Michigan Arbeitslosenunterstuetzung und in einem Jahr zusaetzliche
Unterstuetzungsleistungen seiner Firma, mit der die Automobilarbeitergewerkschaft vor kurzem einen Tarifvertrag abschloss. Diese Leistungen
erhaelt er fuer die Dauer von 26 Wochen, und zwar von einer Woche nach
erfolgter Entlassung ab.
Nach diesen Vertragsbestimmungen werden den bei Ford Beschaeftigten
65$ ihres ueblichen Nettolohnes garantiert - fuer die Dauer von vier
Wochen der Lohn fuer eine 40-Stundenwoche (nach Abzug der Steuern) - und
fuer weitere 22 Wochen 60$ ihres Normallohnes. Fuer einen Arbeiter in
der Verdienstgruppe wie Mr. Brackett, belaeuft sich die Unterstuetzungssumme waehrend der ersten vier Wochen auf 53»48 Dollar, spaeter auf
49»37 Dollar. Tatsaechlich wuede sich Mr. Brackett etwas besser stehen,
denn er hat eine grosse Familie - eine Frau und vier Kinder - und der
Staat Michigan wuede ihm 26 Wochen lang woechentlich 54 Dollar zahlen.
Auf dieser Basis koennte Mr. Brackett, falls die Notwendigkeit an ihn
herantritt, sechs Monate lang seine laufenden Ausgaben decken.
Mr. Brackett und die meisten anderen Industriearbeiter sind finanziell gegen die ueblichen Wechselfaelle des Lebens gesichert. Im
Krankheits- oder Ungluecksfall, bei Entlassung oder wenn sie in den Ruhestand treten, ist ihnen ein bestimmtes Einkommen gesichert. Werden sie
einmal krank, so wird der Krankenhausaufenthalt und ein grosser Teil
der Arztkosten oh°ne weiteres erstattet. Sie koennen ihren Lohn nahezu
ausschliesslich fuer die Aufrechterhaltung eines relativ hohen Lebensstandards aufwenden.

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�Dir Lebensstandard der Bracketts wuerde zweifellos jeden Industriearbeiter in einen kommunistischen Land in Erstaunen versetzen. Sie bewohnen ein zweistoeokiges Haus mit sechs Zimmern in den Vorort West Dearborn, einer typischen Siedlungsgegend von Industriearbeitern. Alle Haeuser
haben Vorgaerten und weitraeumige Einterhoefe. Ganz in der Naehe gibt es
einen grossen Kinderspielplatz sowie mehrere Schwimmbaeder.
In der Nachbarschaft der Familie Brackett wohnen Arbeiter, Inspektoren, technische Zeichner und Werkzeugingenieure. Sie arbeiten bc1. "Ford",
der"Great Lakes Steel Corporation", der "Detroit , Toledo and Ironton
Railroad" oder fuer verschiedene Werkzeugfabriken.
Bas Haus von Familie Braokett wurde vor dem zweiten Weltkrieg gebaut. Mr. Brackett erwarb es im Jahre 1950 fuer 12 000 Dollar. Von den
Erloes seines frueheren Hauses in Detroit konnte er gleich eine betraeohtliohe Anzahlung leisten. Die seinerzeit aufgenommene Hypothek in Hoehe
von 7500 Dollar, die ihm von der "Federal Housing Administration" gewaehrt
wurde, zahlt er nun in Monatsraten von 61,50 Dollar surueck.
Das Haus ist behaglich eingerichtet und wird durch Naturgas beheizt,
das in der Gegend von Detroit ausserordentlich billig ist. Zu den modernen
Errungenschaften der Bracketts gehoeren Telefon, Eisschrank, Waschautomat,
Staubsauger, Toaster, eine elektrische Kaffeemaschine und ein Grill.
Natuerlich haben sie auch ein Fernsehgeraet und mehrere Radios. Zu den
letzten Neuanschaffungen zaehlt ein Gas-Waeschetrockner und ein neuer
Gasherd. Sie wurden von Ruecklagen, sogenannten "Streikreserven" gekauft,
die nun, da das letzte Tarifabkommen zustandekam, ohne dass ein Streik
notwendig wurde, nicht laenger erforderlich sind.
Das Familienautomobil, ein 1953er Ford, wurde seinerzeit gekauft
und in Raten abbezahlt. Die letzte Rate ist inzwischen getilgt, daher
erklaeren sich auch die Neuanschaffungen, denn wie Mrs. Brackett erklaerti
"Wenn die Raten fuer den Wagen bezahlt sind, wird wieder etwas fuers Haus
angeschafft."
Die Bracketts sind viel mit dem Auto unterwegs. Herr Brackett faehrt
damit zur Arbeitsstaette, sie machen Sonntagsausfluege und Ferienreisen
mit dem Auto. Viele Industriearbeiter fahren mit ihrem Wagen zur Arbeit
und so kommt es, dass auf den Parkplaetzen der Fabriken taeglich Hunderttausende von Autos parken. Im Jahre 1956 will Brackett seinen Wagen gegen
einen neuen eintauschen, vorausgesetzt allerdings, dass er weiterhin
Ueberstunden arbeitet.
Die Bracketts haben ausser dem hohen Lebensstandard, den sie sich
leisten, ehrgeizige Plaene im Hinblick auf die Ausbildung ihrer Kinder.
Mary Elizabeth, die Aelteste, hat kuerzlich eines der 70, alljaehrlich
von der "Ford Motor Co." ausgesetzten Stipendien gewonnen und besucht
jetzt auf vier Jahre das "Bryn Mawr College" in Pennsylvanien. Selbst
ein grosser Teil ihrer Lebenshaltungskosten wird von der "Ford Co." bestritten. Die Bracketts haben vor, auch ihre drei anderen Kinder auf
die Hochschule zu schicken, auch wenn sie kein Stipendium erhalten.
Mit einem Jahreseinkommen von rund
ohne weiteres in der Lage, diese Plaene
sehr sparsam sind und zum anderen viele
die ihnen durch die Firma zugutekommen,
Ruecklagen weitgehend entfaellt.

5000 Dollar sind die Bracketts
zu schmieden, da sie einerseits
soziale Sicherungen geniessen,
wodurch die Notwendigkeit fuer

Mr. Brackett ist ein eifriger Arbeiter. Er fehlt fast nie und arbeitet
so viele Ueberstunden wie nur irgend moeglich, um Bein Einkommen zu erhoehen. Zuhause fuehrt er nahezu alle Reparaturarbeiten selbst aus. Ist
ihm dies nicht moeglioh, so bittet er einen Nachbarn darum, den er bei
naechster Gelegenheit wieder aushilft. Diese Art der Nachbarschaftshilfe

-9

�iat in Industriearbeitersiedlungen weit verbreitet.
Mrs. Brackett kauft in den sogenannten "Supermarkets" billig «in
und naeht alle Kleider fuer sich und die kleineren Kinder selbst}
ausserdem backt und waescht sie fuer die ganze Familie und kocht auch
selbst ein. Ratenkaeufe bleiben auf ein Minimum beschraenkt.
Die Bracketts gehen selten aus. Mr. Brackett ist in einem Kegelklub. Wenn Besuch eingeladen wird, unterhaelt man sich meist mit Kartenspielen. Bas Fernsehprogramm hat die Kinobesuche nahezu voellig ausgeschaltet. Waehrend der zwei Wochen bezahlten Urlaubs, die Mr. Brackett
zustehen, faehrt die ganze.Familie in Erholung.
Obwohl keine direkte Notwendigkeit besteht, legen die Bracketts
etwas Geld zurueck, das fuer Heuanschaffungen und die Ausbildung der
Kinder bestimmt ist. Die Lebensweise von Familie Brackett ist typisch
fuer die des amerikanischen Durchsohnittsbuergers im Arbeitnehmerverhaeltnis.
Aus: "US-News and World Report" - ein unabhaengiges, in Washington, B.C. gedrucktes
und woechentlioh erscheinendes Nachrichtenmagazin.
Copyright 1955 United States News Publishing
Corporation.

Qewerkschaftsfuehrer im Exil berichten ueber das Los der Arbeiterschaft in sowjetischen Satellitenstaaten
Im Exil befindliche Gewerkschaftsfuehrer aus kommunistisch beherrschten Laendern erklaerten Reportern kuerzlich, dass sie bestrebt seien,
die freie Welt ueber die wirkliche Lage der Arbeiter hinter dem "Eisernen Vorhang" laufend informiert zu halten. Die Exil-Gewerkschafter aus
sieben "annektierten" Laendern waren aus ihrem Pariser Hauptbuero nach
Rom gekommen, um sieh mit leitenden Funktionaeren der beiden groessten
freien Gewerkschaften Italiens, dem christlich-demokratischen und dem
sozialdemokratischen Gewerkschaftsbund zu treffen. Die Zusammenarbeit
fand die volle Unterstuetzung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Der Vorsitzende der Exilgewerkschafter und frueherer Sekretaer des
polnischen Gewerkschaftsbundes Franciszek Bialas, Konferenzvorsitzender,
betonte, dass seine Gruppe bestrebt ist, den unterdrueokten Menschen,
die unter kommunistischer Herrschaft leben, zu versichern, dass sie in
ihrer Opposition gegen den Kommunismus unterstuetzt werden. Trotz strenger Kontrollmassnahmen von Seiten der Kommunisten, so erklaerte er, sind
die im Exil lebenden Menschen in der Lage, mit den anti-kommunistisch
eingestellten Arbeitern in ihren Heimatlaendern eine staendige Verbindung aufrechtzuerhalten.
Er berichtete weiterhin, die Exilgewerkschafter haetten festgestellt,
dass die freien italienischen Arbeiter voelliges Verstaendnis fuer die
Probleme der "annektierten" Voelker zeigen. Giulio Pastore, der Generalsekretaer der christlich-demokratischen Gewerkschaftsorganisation habe
vor einiger Zeit auf einer in Rom stattfindenden Konferenz erklaertt
"Diktaturen, ganz gleich ob sie links- oder rechtsorientiert sind, lassen
die Gewerkschaften zu einem Instrument werden, das sie zur weiteren
Staerkung ihrer Macht missbrauchen. Dies bedeute, dass die Gewerkschaften unter dem Kommunismus sehr schnell jegliche Freiheit einbuessen, um

- 10 -

�die Rechte der Arbeiter zu schuetzen.
Der polnische Exil-Gewerkschaftsfuehrer erklaerte, die Konferenz
diene dazu, "unseren Bruedern in Italien und den Gewerkschaftern der
freien Welt die wahren Lebensbedingungen der Arbeiter hinter dem
'Eisernen Vorhang' zu schildern. Dies sollte alle freien Arbeiter vor
der Gefahr des Kommunismus warnen und zur Festigung unseres Prinzips
fuehren, dass Freiheit die Basis fuer uns alle ist." Die Konferenz
in Rom wende sich an die freie Presse und den Rundfunk, die besonders
geeignet seien, die Notwendigkeit einer Hilfeleistung herauszustellen,
um den Widerstand der unterdrueckten Voelker gegen das kommunistische
Regime zu staerken.
Eftimie Gherman, ein rumaenischer Gewerkschafter im Exil, wies
darauf hin, dass der Lebensstandard des rumaenischen Arbeiters noch
niemals so niedrig gewesen sei wie zum gegenwaertigen Zeitpunkt. Nur
wenige Arbeiter seien in der Lage, ihre Familie ausreichend zu versorgen und daher waeren Frauen und Kinder gezwungen, zu arbeiten, selbst
in so gefahrvollen Berufen wie im Kohlenbergbau. Ein Drittel der Arbeitskraefte in Rumaenien, so erklaerte Gherman, setze sich aus Frauen
und Kindern zusammen.
Harry Goldberg, der Vertreter der AFL/CIO in Italien, erinnerte
die Konferenzteilnehmer an das eine grosse Ziel des Kommunismus - die
Welteroberung. Er fuegte hinzu, dass der Kommunismus nicht seine Absichten, sondern lediglich «eine Taktiken aendere.
Goldberg verglich dann den Geist der Genfer Konferenz der Regierungschefs im Juli mit dem Verzoegerungsversuch Molotows auf der Aussenministerkonferenz im Oktober und warnte davor, sich irgendwelchen Illusionen hinzugeben.
Giulio Pastore, der Generalsekretaer der christlich-demokratischen
Gewerkschaftsorganisation Italiens, erklaerte auf der Konferenz, die
von den Exilgewerkschaften gelieferten Beweise stellten eine vernichtende Anklage gegen die politische Diktatur dar. Italio Viglianesi von der
sozialistischen Arbeiterorganisation betonte in seiner Rede die Unmoeglichkeit einer politischen Koexistenz. Seiner Meinung nach gaebe es
nur die Wahl zwischen Freiheit oder kommunistischer Diktatur. Der rumaenische Gewerkschafter Gherman betonte abschliessend, es koenne keine
gewerkschaftliche Zusammenarbeit mit den Kommunisten geben, da diese
darauf aus seien, die freien Gewerkschaften zu vernichten.
Quelle« Eigenbericht

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Die durchschnittliche Laenge der Arbeitswoche ist in den Vereinigten
Staaten waehrend der letzten Jahre immer mehr zurueckgegangen, ergibt
sich aus einer Analyse des "US-Amtes fuer Arbeitsstatistik". Die Zahl
der Arbeitsstunden pro Woche ist von im Durchschnitt 44 Stunden im Jahr
1947 auf 42 Arbeitsstunden im Jahre 1933 abgesunken.
In der Landwirtschaft verringerte sich die woechentliche Arbeitszeit im Durchschnitt von etwa 33 Stunden im Hai 1947 auf ungefaehr 30
Arbeitsstunden im Mai 1933» In der Industrie (ausser in der Landwirtschaft)
ging die durchschnittliche Arbeitswoche von mehr als 42 Stunden im
Jahre 1947 auf ungefaehr 41 Stunden im Jahre 1933 zurueok.

-, 11 -

�Seit 1947« so heisst es in dem Bericht, ist die 40-Stundenwoohe,
und in einigen Faellen sogar eine noch kuerzere Arbeitszeit, fuer eine
immer groesser werdende Zahl Arbeiter allgemein ueblich geworden.
Bereits 1947 arbeiteten etwa zwei Drittel aller Fabrikarbeiter nur
zwischen 35 und 40 Stunden pro Woche.
Bern Bericht zufolge haben sich seit dem zweiten Weltkrieg in der
Industrie (ausser der Fertigungsindustrie) bedeutende Veraenderungen in
der Arbeitsstundenstruktur ergeben. Diese bestanden einmal in der Erhoehung des Anteils solcher Arbeitskraefte, die zwischen 35 und 40
Stunden arbeiteten und zum anderen im Rueokgang der Ueberstundenarbeit.
Dieser Trend bildete sich in der gewerblichen Wirtschaft und den
Dienstleistungsindustrien "langsam aber stetig" heraus, waehrend er
in der Bauindustrie ziemlich sprunghaft verlief. Im Transport- und Nachrichtenwesen verlief dieser Wechsel zwischen 1949 und 1930 "krass und
dramatisch", und zwar dadurch, dass die Eisenbahner ihre Forderung auf
Einfuehrung der 40-Stundenwoche durchsetzten.

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen. Gewerkschaftsprobleme und alleemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem. Mehlemer Aue
Der Inhalt der ..Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 5

Mehlem, den 2. Maerz 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Vom Unternehmer finanzierte Pensions- und Gesundheitsprogramme in amerikanischen Tarifvertraegen

Seite

1

Strafrechtliche Verfolgung von Verstoessen gegen
die Arbeitsdisziplin in der UdSSR

Seite

8

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Vom Unternehmer finanzierte Pensions- und Gesundheitsprogramme
in amerikanischen Tarifvertraegen
Bei einer Analyse der amerikanischen Tarifvertraege zeigt sich,
dass der amerikanische Arbeiter heute an langfristigen Sozialleistungen genauso stark interessiert ist wie an den unmittelbar zur Auszahlung gelangenden Loehnen.
In vielen Faellen haben die zusaetzlichen Sozialleistungen - wie
Pensionsplaene, Krankenversicherungsprogramme, zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzungsleistungen oder garantierte Jahreslohnplaene - noch
groessere Bedeutung erlangt als Lohnerhoehungen. Diese industriellen
Sozialprogramme stellen zweifello» die wichtigste Neuentwicklung auf
dem Gebiet des amerikanischen Gewerkschaftswesens der Nachkriegszeit
dar. Aus Zahlen des amerikanischen Arbeitsministeriums ergibt sich, dass
zu Beginn des Jahres 1954 mindestens 11 290 000 Arbeiter von Tarifvertraegen erfasst wurden, die wenigstens eine Form des Kranken- oder Lebensversicherungsschutzes oder eine Altersversorgung aufwiesen.
Obgleich die amerikanische Bundesregierung und die der Einzelstaaten heute auf dem Gebiet der Sozialfuersorge mehr leislenals je
zuvor, erachtete die organisierte Gewerkschaftsbewegung diese Leistungen
eine ganze Zeit lang als unzureichend. Die gewerkschaftlichen Forderungen auf Verbesserung des bundesstaatlichen Altersversorgungssystems und
der (von den Einzelstaaten verwalteten) Arbeitslosenunterstuetzungsplaene spielten eine gewichtige Rolle, als der Kongress diese Programme
im Jahre 1950 und 1954/55 liberalisierte.
- 1 -

�I
Zur gleichen Zeit unternahm die organisierte Gewerkschaftsbewegung
einen weiteren Versuch zur Loesung dieses Problems. Zwischen 1942 und
1945» als die Loehne auf Grund der Notstandsklausel "eingefroren" wurden, waren allerdings gewisse Verbesserungen der Wohlfahrtsleistungen
zulaessig. Tatsaechlich beguenstigte eine im Kriege vorgenommene Aenderung der bundesstaatlichen Koerperschaftssteuer die Durchfuehrung von
Wohlfahrtsplaenen seitens der einzelnen Firmen: Die Beitraege zu solchen
Fonds, die vom "Bureau of Internal Revenue" genehmigt sein mussten, konnten von der Steuer abgesetzt werden; in den letzten drei Kriegs jähren
wurden rund 8500 Wohlfahrtsplaene genehmigt.
Im Jahre 1946 wurde dann von den Gewerkschaften eine allgemeine
Kampagne fuer vom Unternehmer finanzierte Pensions- und Krankenversicherungsplaene gestartet. Angefuehrt von den "United Steelworkers of America"
(Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft) forderten die meisten CIO- und
viele AFL-Gewerkschaften fuer ihre Mitglieder eine vom Arbeitgeber getragene Altersversorgung. Zur gleichen Zeit setzten sich die "United Automobile Workers" (Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft) - CIO - fuer
vom Unternehmer finanzierte Krankenhausversicherungsplaene ein. AFL- und
CIO-Gewerkschaften setzten sich daraufhin ebenfalls fuer diese Idee ein.
Die Entscheidung eines Bundesarbeitsausschusses, dass Altersrenten und
sonstige Wohlfahrtsplaene ordnungsgemaesse Punkte fuer Tarifverhandlungen
seien, verstaerkten den Werbefeldzug der Gewerkschaften auf diesem Gebiet.
Ende 1946 wurden nur 1^- Millionen amerikanischer Arbeiter von Wohlfahrtsplaenen erfasst, die entweder von ihren Gewerkschaften oder gemaess
den getroffenen Tarifabkommen verwaltet werden. Die Zahl der auf dem
Tarifverhandlungsweg von Wohlfahrtsplaenen erfassten Arbeiter vergroesserte sich rasch, sie stieg von 3 Millionen Mitte 1948 auf 7»5 Millionen
1950 und auf ueber 11 Millionen zu Beginn des Jahres 1954» dem letzten
Zeitpunkt, fuer den zuverlaessiges Zahlenmaterial verfuegbar ist.
Die Nachkriegsjahre brachten ebenfalls eine beachtliche Zunahme der
ausschliesslich vom Management gefoerderten Wohlfahrtsplaene, d.h. von
Plaenen, die von den Unternehmern freiwillig aufgestellt wurden. Zu Beginn des Jahres 1954 wurden allein ueber 7 Millionen Arbeiter von tarifvertraglich vereinbarten Altersversorgungssystemen und weitere 6 Millionen in freiwilligen Fensionsplaenen der Privatindustrie und der Wirtschaft
beruecksichtigt.
Das "US-Arbeitsministerium" schaetzt, dass zu Beginn des Jahres
1954 etwa T&amp;fo aller in Tarifvertraegen erfassten Arbeiter zumindest Anspruch auf eine Leistungsart hatten. Die Zahl der Versicherungsplaene
erhoehte sich zwischen 1950 und 1954 um 55$» waehrend die Pensionsplaene
eine Zunahme um 40^6 zu verzeichnen hatten. Zur gleichen Zeit wurde ein
grosser Teil der bereits bestehenden Plaene erweitert. Insgesamt legten
etwa 38$ der im Jahre 1954 abgeschlossenen 1200 Tarifvertraege (die jeweils mindestens 1000 Arbeiter erfassen) entweder die verschiedensten
Versicherungsprogramme fest oder aber erweiterten sie.
Obgleich sich in dieser schnellen Ausbreitung der Sozialprogramme
die allgemeine Verbesserung der industriellen Beziehungen in den Vereinigten Staaten widerspiegelt, vollzog sich diese Entwicklung doch nicht
kampflos. Die Stahl-, Berg- und Automobilarbeiter fuehrten in den ersten
Nachkriegsjahren langwierige Streiks zur Durchsetzung der Rechte der
Arbeiter auf diese Sozialleistungen durch.
Diese Leistungen umfassen gewoehnlich u.a.: woechentliche Unfallund Krankengelder; Verguetung des Krankenhausaufenthalts; chirurgische
und medizinische Betreuung sowie Erstattung der Entbindungskosten, Unfallrenten, Sterbegelder, Hinterbliebenen- und Altersrenten oder Pensionen.
- 2 -

�Obgleich die meisten Programme eine Krankenunfallversicherung und eine
Altersversorgung vorsehen, umfassen doch nicht alle beide Leistungen.
93 Prozent aller Arbeiter sind in einer Lebensversicherung; sie
ist die am meisten uebliche Leistungsform. Von Pensionsplaenen werden
etwa 63$ erfasst. Die uebrigen Leistungen gliedern sich wie folgt aufi
Erstattung der Krankenhauskosten 88$; chirurgische Behandlung 83$; Unfall- und Krankengelder 73$5 Versicherung gegen Unfalltod und Invaliditaet 54$ und Erstattung der Arztkosten 47$.
AItersversorgungsplaene sind dagegen seltener als sonstige Versicherungsprogramme. Dies ist vielleicht darauf zurueckzufuehren, dass
die Pensionsplaene gewoehnlich umfangreicher und kostspieliger sind als
eine Krankenversicherung und haeufig betraechtliche langfristige finanzielle Verpflichtungen mit sich bringen. Zudem ist der Unternehmer
im allgemeinen der alleinige Traeger der hierdurch entstehenden Kosten.
Ungefaehr 85$ aller Pensionsplaene werden ausschliesslich vom Unternehmer finanziert, im Vergleich zu nur 62$ der sonstigen Versicherungsplaene.
Die Kohlenbergbauindustrie war eine der ersten, die ein grosszuegiges Sozialversicherungsprogramm einfuehrte. Langwierige und schwierige
Verhandlungen zwischen Management und den "United Mine Workers" (Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft) fuehrten im Jahre 1946 zur Gruendung
eines Wohlfahrtsfonds. Aus diesem erhaelt ein Bergarbeiter zusaetzlich
zu den bundesstaatlichen Sozialversicherungsleistungen eine Pension
von monatlich 100 Dollar. Um Anspruch auf diese Pension zu haben, muss
der Bergarbeiter mindestens 60 Jahre alt sein und 20 Dienstjahre abgeleistet haben. Der Fonds gewaehrt ebenfalls eine finanzielle Unterstuetzung an Koerperbehinderte, traegt die Krankenhauskosten fuer Unfallverletzte bei Bergwerksungluecken und zahlt Witwen- und Hinterbliebenenrenten sowie andere Unterstuetzungen. In den neun Jahren seines Bestehens
erhielten bisher insgesamt 951 769 Bergleute und ihre Familien Unterstuetzungsleistungen in einer üesamthoehe von 756 905 700 Dollar.
Der Plan der Bergarbeitergewerkschaft wird ausschliesslich vom
Arbeitgeber finanziert; fuer jede Tonne gefoerderter Braunkohle werden
40 Cent und fuer Jede Tonne Steinkohle 50 Cent an den Fonds abgefuehrt.
Der Fonds wird von drei Treuhaendern verwaltet. Einer vertritt die
Oeffentlichkeit, einer die Industrie und einer die Gewerkschaft.
In der Automobilindustrie war es das Jahr 1950, das eine starke
Zunahme der Sozialprogramme brachte. Die mit den verschiedenen Automobilproduzenten abgeschlossenen Tarifvertraege sahen fuer Arbeiter mit
25 Dienstjahren, wenn sie das 65. Lebensjahr erreichten, Pensionen bis
zu 125 Dollar monatlich vor, die Kosten trug dabei ausschliesslich der
Unternehmer. Die Finanzierung des Programms zur Deckung der Arzt- und
Krankenhauskosten wurde zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgeteilt, ebenso die Beitraege fuer eine Lebensversicherung, die bei Erreichung des Pensionsalters ausgezahlt wird und fuer gewoehnlich zwischen
500 und 1000 Dollar betraegt. Im Falle der "Ford Motor Co." wurde ein
bereits bestehender Pensionsplan erweitert und in den 1950 abgeschlossenen Tarifvertrag uebernommen. Die im Jahre 1950 von der "Vereinigten
Automobilarbeitergewerkschaft" (UAW) ausgehandelten Tarifvertraege gelten fuer die Dauer von fuenf Jahren.
Im Jahre 1955 setzte die "Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft"
eine erhebliche Erweiterung ihrer mit den Autoraobilfirmen getroffenen
Sozialplaene durch. Die Bedeutung der neuen Rentenbestimmungen wurde
dabei allgemiif* weniger stark gewuerdigt als die in den gleichen Vertraegen enthaltenen Abschnitte ueber den "garantierten Jahreslohn".
Obgleich die verschiedenen Vertraege in den Einzelheiten oft stark

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�voneinander abweichen, war der Fordvertrag in seiner Art wegbereitend
fuer die Tarifverhandlungen mit anderen Autofirmen.
Nach der neuen Formel zur Festsetzung der Renten bei Ford werden
2,25 Dollar mit der Zahl der Dienstjahre multipliziert, um die Hoehe
der monatlichen Rentenzahlung festzulegen. Danach erhaelt ein Fordarbeiter mit 30 Dienstjahren, wenn er sich zur Ruhe setzt, 67,50 Dollar pro
Monat und zwar zusaetzlich zur bundesstaatlichen Altersrente. Zur Erbringung eines Rentenanspruches ist eine Mindestbeschaeftigungsdauer
von 10 Jahren erforderlich.
Jeder Arbeiter, der 40 Jahre alt ist und 10 Dienstjahre hat, besitzt ein verbuergtes Anrecht auf eine Pension. Diese "40 und 10"-Klausel
bildet die Grundlage fuer die spaeter zur Auszahlung gelangenden Renten,
auf die im Alter von 65 Jahren ehemalige Fordarbeiter, die das zuvor
erwaehnte Alter und die entsprechende Dienstzeit erreicht haben, Anspruch
haben. Die Formel fuer die Berechnung dieser Renten ist die gleiche»
2,25 Dollar mit der Zahl der Dienstjahre multipliziert ergeben die monatliche Rente.
Diese Bestimmung ueber das verbuergte Pensionsrecht, die inzwischen
in die meisten UAW-Vertraege aufgenommen worden ist, stellt hoechstwahrscheinlich den bedeutendsten Fortschritt dar, der 1955 in der Industrie
im Hinblick auf die Altersversorgung erreicht wurde. Das Fehlen verbuergter Pensionsrechte in den meisten von der Gewerkschaft ausgehandelten
Pensionsabkommen war bisher der Hauptanlass zu schaerfster Kritik an den
industriellen Rentenplaenen. Frueher kam ein Automobilarbeiter nur dann
in den Genuss einer von der Firma gezahlt'en Rente, wenn er bis zum Eintritt in den Ruhestand in der Automobilindustrie beschaeftigt war. Heute
bleiben ihm seine Pensionsrechte auch dann erhalten, wenn er das erforderliche Mindestlebens- und Dienstalter besitzt, selbst wenn er eine andere Taetigkeit ausserhalb der Automobilindustrie annimmt oder ganz aus
dem Arbeitsleben ausscheidet.
Bezueglich der Krankenversicherungsbestimmungen sieht der neue Vertrag die Beibehaltung des bisher ueblichen Programms vor, wobei Krankenhausaufenthalt und aerztliche Behandlung verguetet werden und Arbeitgeber
und Arbeitnehmer sich an den Beitragskosten beteiligen; einige Bestimmungen wurden erweitert. Die Krankenversicherungsbestimmungen erstrecken
sich auch auf die Ehefrau und die Kinder (unter 19 Jahren) des Arbeiters,
soweit sie unverheiratet sind.
Der Wohlfahrtsplan, den die "Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft"
mit der Konservenbuechsenindustrie im Jahre 1955 abschloss, sieht monatliche Rentenzahlungen in Hoehe von 2,50 Dollar fuer jedes Dienstjahr vor.
Ein Arbeiter mit 40jaehriger Dienstzeit wuerde beispielsweise eine Rente
von 100 Dollar im Monat erhalten, zuzueglich der Sozialrente in Hoehe von
108,50 Dollar, was einem Betrag von 208,50 Dollar entspricht. Das Einverstaendnis der Firma vorausgesetzt, ist es ausserdem moeglich, dass ein
Arbeiter bereits im Alter von 60 Jahren oder vor Erreichung des 65. Lebensjahres in den Ruhestand tritt. Er wuerde dann jedoch eine geringere
Rente erhalten bzw. die volle Rente wuerde erst nach Vollendung des 65.
Lebensjahres ausgezahlt. Die Rentenfonds werden ausschliesslich von der
Firma finanziert; ebenso gibt es keine obligatorische Versetzung in den
Ruhestand wegen Erreichung der Altersgrenze.
Die Wohlfahrtsplaene, die die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft
mit den Unternehmen der Stahlindustrie vereinbart hatte, werden im Jahre
1956 erneut ausgehandelt, und viele Beobachter rechnen damit, dass sie
den mit der Blechindustrie getroffenen Abmachungen aehneln werden.
Die zur Zeit bestehenden Wohlfahrtsprogramme mit den Stahlwerken

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�wurden im Jahre 1954 ausgehandelt und richten sich im allgemeinen nach
folgendem Muster: einem Arbeiter, der nach 30jaehriger Dienstzeit im
Alter von 65 Jahren in den Ruhestand tritt, wird ein Mindesteinkommen
von 140 Dollar monatlich garantiert, das sich aus einer von der Firma
gewaehrten Rente und den Leistungen der Sozialversicherung zusammensetzt.
Beschaeftigten mit 15- bis 30jaehriger Taetigkeit werden 110 Dollar pro
Monat garantiert, zuzueglich 2 Dollar monatlich fuer jedes die Dauer von
15 Jahren uebersteigende Dienstjähr. Bei der Berechnung der Rentenleistungen der Firma wird eine Sozialrente von monatlich 85 Dollar angenommen,
obgleich die Sozialversicherungsleistungen in den meisten Faellen hoeher
liegen.
Die Krankenversicherungsplaene der Stahlindustrie werden von den
Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam finanziert, im allgemeinen wird
ein Beitrag von 9 Cent pro Arbeitsstunde geleistet, der zur Haelfte vom
Unternehmer und zur Haelfte vom Arbeiter getragen wird. Da sich die Krankenversicherung auch auf die Familie des Arbeiters erstreckt, zahlen verheiratete Arbeiter in Anbetracht der zusaetzlichen Leistungen etwas mehr
als 4^ Cent pro Stunde und ledige Arbeiter etwas weniger.
Viele der frueheren Rentenplaene wurden gemeinsam von Arbeitgebern
und Arbeitnehmern finanziert. Inzwischen gehen die Bestrebungen jedoch
dahin, dass der Unternehmer allein die Kosten traegt. Etwa 85$ der mit
den Gewerkschaften ausgehandelten und zu Beginn des Jahres 1954 in Kraft
befindlichen Pensionaplaene wurden ausschliesslich vom Arbeitgeber finanziert. Diese Tendenz war bereits im Jahre 1950 ziemlich ausgepraegt;
schon damals machten 75$ der Plaene keine Zuschuesse seitens der Beschaef tigten erforderlich.
Die Frage, ob der Beschaeftigte einen Beitrag zu dem Rentenfonds
leisten sollte oder nicht, wurde zum ersten Mal anlaesslich des Bergarbeiterstreiks im Jahre 1948 akut und wurde 1949 anlaesslich des Streiks
in der Stahlindustrie einer eingehenden Fruefung unterzogen. Die Bemuehungen von Cyrus Ching, dem damaligen Leiter der bundesstaatlichen
Schlichtungsstelle, eine friedliche Loesung herbeizufuehren, scheiterten
gerade an diesem Punkt.
Der Untersuchungsausschuss des Praesidenten (Fact-Finding Board), der
das Prinzip der Beitragsfreiheit fuer den Beschaeftigten vertrat, fuehrte
als Argument an, dass die Sozialleistungen ohne weiteres den ProduktionsKosten zugeschlagen werden koennten und daher keine Beitragsieistungen
seitens der Beschaeftigten notwendig seien.
Durch die Anhaeufung umfangreicher Mittel in den Rentenfonds entstand eine neue wichtige Kapitalquelle fuer Investitionen. Ende 1954
verfuegten die amerikanischen Gesellschaften ueber Rentenfonds in Hoehe
von insgesamt 11,2 Milliarden Dollar, wie einem Bericht der "Wertpapierund Boersenkommission" (SEC) zu entnehmen ist. In dieser Summe sind die
stattlichen Pensionsfonds (schaetzungsweise 9»8 Milliarden Dollar), die
von Versicherungsgesellschaften und Banken verwaltet werden, nicht eingeschlossen. Aus dem SEC-Bericht ergibt sich, dass die Pensionsfonds der
Grossunternehmen in der Zeit von 1951 bis 1954 um mehr als 75$ angewachsen sind.
Dass die Rentenfonds der Grossunternehmen zu einer Hauptinvestitionsquelle geworden sind, zeigt die Aufgliederung der Anlagewerte. Nach dem
Stand von Ende 1954 ergibt sich, dass 6,02 Milliarden Dollar in Schuldverschreibungen von Aktiengesellschaften angelegt waren, 2,085 Milliarden
Dollar in Stammaktien, 2,001 Milliarden Dollar in Staatspapieren, 420
Millionen Dollar in Vorzugsaktien, waehrend kleinere Summen anderweitig
angelegt waren bzw. als Barbestaende gehalten wurden.

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�Die Einkuenfte aus Zinsen und Dividenden im Jahre 1954 deckten dabei
alle zur Auszahlung gelangenden Leistungen und saemtliche Auslagen, wie die
SEC berichtete. Die Einkuenfte beliefen sich auf 379 Millionen Dollar und
die aus den Pensionsfonds geleisteten Zahlungen auf insgesamt 318 Millionen Dollar.
Die Zunahme der Pensionsplaene wirft auch noch andere Fragen auf.
Mehrere private Forschungsgruppen haben verschiedene ausfuehrliche Abhandlungen ueber Pensionen und ihre Auswirkung auf die Wirtschaft verfasst. Eine der gruendlichsten Studien heisst "Industrial Pensions" von
John Dearing; sie wurde 1954 von der "Brookings.Institution" herausgegeben und basiert auf Ermittlungen dieses bekannten Institutes fuer Wirtschaftsforschung.
In seiner Analyse vermerkt Mr. Dearing anerkennend die Fortschritte
auf dem Gebiet der Altersversorgung in der Industrie und macht Vorschlaege fuer eine weitere Ausdehnung der Rentenversorgung. Nach seiner Ansicht
koennen die augenblicklich in der Industrie ueblichen Pensionen lediglich
eine zus.aetzliche Rolle bei der Loesung des nationalen Problems der Altersversorgung spielen. Er schaetzt, dass von einem Arbeitskraeftepotential von insgesamt etwa 68,5 Millionen im Jahre 196O nur etwa 22 Millionen oder 32$ berechtigte Hoffnung haben duerften, von dem bisherigen
System der Industrierenten erfasst zu werden.
Einer den wichtigsten Vorschlaege Mr. Dearings besteht darin, die
bundesstaatlichen Einkommensteuergesetze so abzuaendern, dass durch Einfuehrung von steuerfreien Betraegen fuer gewisse Einkommensparten Betraege fuer die Altersversorgung abgezweigt werden koennen, und zwar
genauso wie es den Unternehmen gestattet ist, die in Wohlfahrtsfonda
eingezahlten Betraege als Betriebsunkosten von der Steuer abzusetzen.
Mr. Dearing sagt u.a.: "Ein Pensionsplan, der auf den Namen des Arbeiters
abgeschlossen wird, erleichtert den Arbeitsplatzwechsel und ermoeglicht
es dem Arbeiter, sich einen gewissen Schutz gegen inflationistische
Kraefte zu verschaffen, da er an der Kapitalvermehrung teilhat. Dieses
System sollte ebenfalls dazu fuehren, ein groesseres Verantwortlichkeitsgefuehl des einzelnen insofern wiederherzustellen, als ihm hierdurch die
Moeglichkeit gegeben wird, den zu erwartenden Rentenbetrag in Beziehung
zu seiner Leistungskraft und seiner Sparbereitschaft in der Zeit, wo er
im Arbeitsprozess steht, zu setzen, ganz gleich, wo er seinen Arbeitsplatz
hat und von wie vielen Arbeitgebern er beschaeftigt wird."
Obgleich eigentlich alle von den Gewerkschaften mit der Industrie
vereinbarten Wohlfahrtsplaene irgendeine Form der Kranken- oder Unfallversicherung vorsehen, haben viele Amerikaner andere Formen zur Verringerung der Krankheits- oder Krankenhauskosten gesucht. Eine der populaersten ist der private Gruppenversicherungsplan. Diese Art der Versicherung kann sich auf die Kosten des Krankenhausaufenthalts oder die
aerztliche oder chirurgische Behandlung erstrecken oder auf beide Leistungen, je nach dem Ermessen des Policeninhabers.
Die am meisten verbreitete Form der Gruppenversicherungsabkommen
sind die "Blue Cross-Plaene. Diese werden von lokalen gemeinnuetzigen Organisationen aufgestellt und von der "American Hospital Association"
gebilligt. Ihr Zweck besteht darin, die Versicherungsteilnehmer dafuer
zu gewinnen, die Kosten der Krankenhausbetreuung auf der Basis einer
Gruppenvorauszahlung zu finanzieren. Die Leistungen erfolgen in den meisten
Faellen in Form einer Krankenhausbetreuung, weniger durch Barverguetung.
Alle Blaukreuzplaene decken die Kosten fuer Unterkunft und Verpflegung. Nach einem Normalplan kann ein Versicherter 21 Tage lang in der 2.
Klasse bei voller Kostendeckung in einem Krankenhaus liegen; fuer weitere
180 Tage hat er dann Anspruch auf den halben Leistungssatz, und zwar gilt

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�diese Regelung fuer jeden Krankheitsfall, der einen Krankenhausaufenthalt
erforderlich macht. Bei allen Plaenen sind die Operationssaal-, Kreissaalgebuehren usw. miteinbegriffen, ebenso die Anlegung von Verbaenden,
die Verabreichung von Medikamenten und die Durchfuehrung von Labortests.
Die meisten erstrecken sich auch auf besondere Diaetkost, Roentgenbestrahlung usw. Die Mitgliedschaft kann im allgemeinen beibehalten werden,
wenn das Mitglied den Wohnort wechselt. Die Monatsbeitraege in Washington,
D.C., betragen 1,70 Dollar fuer Einzelpersonen und 3.70 Dollar fuer Familien mit Kindern unter 19 Jahren (falls diese unverheiratet sind); in
vielen anderen Gebieten liegen die Beitragssaetze etwas niedriger.
Auch aerztliche und chirurgische Behandlung werden durch die Gruppenversicherungsplaene gewaehrt; einige von ihnen sind mit dem "Blue Cross"
verbunden. (Der umfangreichste Plan fuer chirurgische Betreuung ist der
des "Blue Shield".) Die Mitgliedsbeitraege liegen etwas niedriger als
die fuer die "Blue Cross"-Versicherung fuer Krankenhauskosten. Fuer den
in Washington, D.C., geltenden "Blue Shield"-Versicherungsplan werden
Beitraege in Hoehe von monatlich 1,00 Dollar fuer Einzelpersonen und 3*20
Dollar fuer Familien erhoben. Die Verguetungssaetze liegen fest. Bei
einer Bruchoperation werden beispielsweise 100 bis 140 Dollar gezahlt, bei
einer Staroperation 150 Dollar und bei Entbindungen 80 Dollar. Fuer Betaeubungsmittel, Roentgenbehandlung usw. werden zusaetzliche Leistungssaetze gewaehrt. Die auf Grund des Versicherungsabkommens gezahlten Betraege werden von den Chirurgen als volles Honorar anerkannt, es sei denn,
das Familieneinkommen uebersteigt 5500 Dollar im Jahr oder die versicherte
Einzelperson verdient mehr als 3000 Dollar im Jahr.
Es gibt noch weitere Formen von im voraus bezahlten Versicherungen,
die die Kosten fuer Krankenhauseufenthalt und chirurgische und aerztliche
Betreuung uebernehmen. Mehrere Millionen Amerikaner sind durch Versicherungen aerztlicher Verbaende gedeckt, und eine noch groessere Zahl hat Einzelversicherungen abgeschlossen.
Alles in allem sind jeweils etwa zwei von drei Amerikanern in Krankenversicherungen. Das "Health Insurance Council" schaetzt, dass es Mitte
1955 etwa 104 Millionen Krankenversicherte gab. Der Rat stellte ebenfalls die folgenden Zahlen ueber die Erfassung durch eine Krankenversicherung im Jahre 1954 zur Verfuegung:
Gesamtzahl der Personen mit Versicherungsschutz bei Krankenhausaufenthalt -- 101 493 000.
Von diesen waren nahezu 86 Millionen in einer Versicherung, die die
Kosten fuer chirurgische Behandlung uebernimmt.
Nahezu 39 Millionen Arbeiter - 60% des gesamten zivilen Arbeitspotentials - waren gegen Verdienstausfall durch Invaliditaet geschuetzt.
Die Leistungen auf Grund freiwilliger Krankenversicherungsplaene
verteilten sich wie folgt: 56% wurden von Versicherungsgesellschaften gezahlt, 39% von "Blue Cross" und "Blue Shield" und die uebrigen 5% entfallen auf verschiedene unabhaengige Plaene.
Obgleich diese Zahlen darauf hindeuten, dass ein hoher Prozentsatz
des amerikanischen Volkes irgendeine Form des Krankenversicherungsschutzes
geniesst, ist es offensichtlich, dass das Programm weit davon entfernt
ist, vollkommen zu sein. Im Jahre 1954 gaben die Amerikaner ueber 10
Milliarden.}fuer aerztliche Behandlung aus. Nur 25% dieser Summe wurde
durch irgendeine'Form der vorfinanzierten Krankenversicherung gedeckt.
Das bedeutet, dass die Amerikaner etwa 7»5 Milliarden Dollar aus eigener
Tasche fuer Arzt- und Krankenhauskosten, Zahnbehandlung, Kinderschwestern,
Arznei und sonstige aerztliche Hilfsmittel bezahlen mussten. Und wenn

-7

�man den Umfang des Schutzes in Betracht zieht, der durch die Krankenversicherungsvertraege gewaehrt wird, 80 stellt sich heraus, dass die Durchschnittsperson, die einer Versicherung zur Deckung der Kosten bei Krankenhausaufenthalt angehoerte, im Laufe des Jahres 1953 noch 19$ ihrer
Krankenhausrechnung aus eigenen Mitteln aufbringen musste und die "Durchschnittsperson", die durch eine Versicherung zur Deckung der Arztkosten
erfasst wurde, nur 46$ der entstandenen Unkosten ersetzt bekam.
Die amerikanische Bundesregierung zieht schon seit Jahren in Erwaegung, Krankenversicherungsmassnahmen zu treffen. Der Plan, der augenblicklich groesste Beachtung findet, ist ein "Rueckversicherungs"vorschlag, wobei die Regierung einen 100-Millionen-Dollarfonds bereitstellen wuerde, um einen Teil des Risikos zu tragen. Die Regierungsstelle
wuerde diesen Schutz auf private Versicherungsgesellschaften ausdehnen,
um eine umfassendere und billigere Deckung zu ermoeglichen.
Quelle» Eigenbericht

Strafrechtliche Verfolgung von Verstoessen gegen die Arbeitsdisziplin
in der UdSSR
In den letzten zwei bis drei Jahren hat die sowjetische Regierung
bei der Neuveroeffentlichung der Arbeits-Disziplinargesetze die Bestimmungen ueber die strafrechtliche Verfolgung von Verstoessen der Arbeiter
gegen ihre Arbeitsvertraege, wie unerlaubte Aufgabe des Arbeitsplatzes,
unentschuldigtes Fehlen, Zuspaetkommen oder Bummeln waehrend der Arbeit ausgelassen. Eine ausdrueckliche Aufhebung dieser Bestimmungen ist
jedoch bisher nicht oeffentlich bekanntgegeben worden. Wie zahlreiche
Hinweise erkennen lassen, werden diese Strafen nach wie vor verhaengt.
Somit ist das Vertragsverhaeltnis zwischen dem sowjetischen Arbeitgeber,
das heisst irgendeiner staatlichen Dienststelle oder Organisation, und
dem Arbeitnehmer - um mit dem Ausschuss fuer Strafmassnahmen bei der
Internationalen Arbeitsorganisation zu sprechen - nichts weiter als
"eine Form legalisierter Sklaverei, die der heutigen Vorstellung von
persoenlicher Wuerde und dem Recht des freien Menschen widerspricht."
Sowjetische Arbeitsvertraege
Die Arbeitsvertraege in der Sowjetunion werden muendlich oder
schriftlich abgeschlossen. Gewoehnlich sind es muendliche Vertraege, die
rechtswirksam sind, sobald sich die Leitung eines Unternehmens und der
neue Arbeiter hinsichtlich der zu verrichtenden Arbeit und des Arbeitsplatzes geeinigt haben. Schriftliche Arbeitsvertraege, wie sie fuer Arbeiter und Beamten besonderer Regierungsorgane abgeschlossen werden,
sind allmaehlich auch ueberall dort zur Regel geworden, wo die Annahme
der Arbeit durch den Arbeitnehmer einen Ortswechsel erfordert. Derartige
Vertraege gelten im allgemeinen fuer die Dauer von zwei oder mehr Jahren;
fuer Arbeitnehmer, die nach dem Hohen Norden oder anderen weit entfernten Gebieten gehen, mindestens drei Jahre. Fuer gewisse Saisonarbeiten
koennen kurzfristige Arbeitsvertraege abgeschlossen werden. Nach sowjetischem Recht untersteht der Arbeitnehmer nach Abschluss des Vertrages
saemtlichen Bestimmungen der Arbeits-Strafgesetze.
ßo darf beispielsweise kein Arbeitnehmer ohne Einverstaendnis der
Betriebsleitung seine Stelle aufgeben, gleichgueltig, ob er einen muendlichen oder schriftlichen Arbeitsvertrag abgeschlossen hat. Tatsaechlich
kann das Arbeitsverhältnis und die Verpflichtung zur Arbeit noch ueber
die kontraktlich festgelegte Zeit hinaus verlaengert werden. Wenn die
Betriebsleitung es ablehnt, einen Arbeiter nach Ablauf der kontraktlich
festgelegten Zeit freizugeben, so kann nach dem geltenden Recht "der
- 8 -

�Fall dem Gericht uebergeben werden". Wenn dieses zugunsten des Arbeiters
entscheidet, so soll die Betriebsleitung angewiesen werden, den Arbeiter
innerhalb einer bestimmten Frist freizugeben, die "auf Grund der jeweiligen praktischen Erfordernisse" festzusetzen ist.
Das Einverstaendnis der Betriebsleitung zur Aufgabe der Arbeitsstelle ist fuer den Arbeitnehmer aeusserst wichtig, wenn er sicher gehen will,
dass er eine neue Stelle findet. Nach dem Erlass vom 20. Dezember 1938»
der noch heute in Kraft ist, duerfen Betriebe in der Sowjetunion "Arbeitnehmer nur bei Vorlage des Arbeitsbuches einstellen". Dieses Arbeitsbuch,
das bis zur Aufloesung des Arbeitsverhaeltnisses bei der Betriebsleitung
bleibt, soll nach dem Gesetz neben saemtlichen Personalangaben auch Eintragungen ueber Bildungsgang und berufliche Schulung, bisher bekleidete
Arbeitsstellen (mit genauen Daten ueber Arbeitsaufnahme und Ausscheiden),
Gruende fuer den Arbeitsplatzwechsel sowie saemtliche Auszeichnungen
fuer hervorragende Arbeit enthalten; Strafen werden in dem Buch jedoch
nicht vermerkt.
Absolventen von Fachschulen sowie von technischen und anderen hoeheren
Lehranstalten muessen die ihnen vom Staat zugewiesenen Arbeitsplaetze
annehmen und sind also auch den Bestimmungen der Arbeitsstrafordnung unterworfen. Im Rahmen des seit dem Jahre 1940 gueltigen Staatlichen Arbeitsreserveprogramms werden alle Absolventen der Fach- und Werkschulen
vom Staat auf vier Jahre dienstverpflichtet und muessen waehrend dieser
Zeit jede ihnen zugewiesene Stellung annehmen. Die Absolventen der 1955
eingerichteten Schulen fuer das Bedienungspersonal landwirtschaftlicher
Maschinen, deren Lehrgaenge von einem halben Jahr bis zu einem Jahr laufen, muessen eine zweijaehrige Dienstpflicht erfuellen. Bis 1955 waren
bereits ueber 7 Millionen junger Maenner und Frauen vom Staat auf bestimmte
Arbeitsplaetze verpflichtet worden. Und auch die Absolventen der hoeheren
technischen Lehranstalten und Universitaeten muessen mindestens drei Jahre auf den ihnen vom Staat zugewiesenen Arbeitsplaetzen verbleiben.
Strafen fuer Verstoesse gegen den Arbeitsvertrag
In den ersten zehn Jahren des Sowjetregimes gab es noch keine Strafbestimmungen gegen eigenmaechtige Aufgabe des Arbeitsplatzes oder unberechtigtes Fernbleiben von der Arbeit. Arbeiter, die sich derartige Verstoesse zuschulden kommen Hessen, wurden schlimmstenfalls entlassen.
Die ersten Strafbestimmungen brachte das Gesetz vom 13. September 1930»
durch das Arbeitern, die ohne Erlaubnis der Betriebsfuehrung den Arbeitsplatz aufgeben, das Recht auf Arbeitslosenunterstuetzung entzogen wurde
und das bestimmte, dass ihre Namen auf den von den Staatlichen Arbeitsaemtern gefuehrten Vermittlungslisten ganz unten aufzufuehren seien.
Ende der dreissiger Jahre, als die Fuenfjahresplaene auf vollen Touren
liefen und Arbeitsstellen leicht zu finden waren, trat ein Mangel an
Arbeitskraeften ein, und es zeigte sich, dass diese Strafbestimmungen
nicht ausreichten. Schaerfere Massnahmen waren daher notwendig. Infolgedessen wurden im Dezember 1938 zwei Erlasse herausgegeben, und zwar der
Erlass vom 20. Dezember 1938, mit dem die oben beschriebenen Arbeitsbuecher eingefuehrt wurden, und der Erlass vom 28. Dezember 1938, der bestimmte, dass "ein Arbeiter, der seine Stelle freiwillig aufgibt, das
Recht auf voruebergehende Krankenversicherungsleistungen verliert und
erst, wenn er ein halbes Jahr eine neue Stelle bekleidet hat, wieder in
den Genuas dieses Rechts kommt". Durch den gleichen Erlass wurde auch
die Urlaubswartezeit nach Neueinstellung von 5^ auf 11 Monate erhoeht.
Weiter bestimmte er: "Ein Arbeiter, der ohne stichhaltige Entschuldigung
zu spaet zur Arbeit kommt, oder zu frueh zum Essen oder nach Hause geht
oder bei der Arbeit troedelt, unterliegt den folgenden administrativen
Strafaassnahmen: Verwarnung oder Massregelung, Versetzung an eine schlechter bezahlte Stelle fuer einen Zeitraum bis zu drei Monaten oder Rueck3tufung."

- 9-

�Die schaerfsten sowjetischen Strafmassnahmen wurden jedoch erst zwei
Jahre spaeter eingefuehrt. Als erstes wurde durch das Gesetz vom 26.
Juni 1940 bestimmt, dass Arbeiter in staatlichen, genossenschaftlichen
und kommunalen Betrieben, die ihre Arbeit ohne Erlaubnis aufgeben, vor
Gericht gestellt und mit Haft von 2 bis 4 Monaten bestraft werden. Weiter
schreibt dieses Gesetz vor, dass Arbeiter, die ohne stichhaltige Entschuldigung der Arbeit fernbleiben, zu Arbeitsbesserung verurteilt werden, das heisst, dass sie wohl auf ihrem alten Arbeitsplatz weiterbeschaeftigt werden, aber bis zu 6 Monaten einen Lohnabzug von bis zu 25$
als Busse auferlegt bekommen. Zweitens bestimmte der Erlass vom 18. Januar 1941, dass die im Gesetz vom 26. Juni 1940 vorgesehenen Strafen fuer
Fehlen auch im Falle von Unpuenktlichkeit oder Fernbleiben vom Arbeitsplatz fuer mehr als 20 Minuten oder bei dreimal in einem Monat oder viermal in zwei aufeinanderfolgenden Monaten vorkommender Verspaetung von
weniger als 20 Minuten Anwendung finden sollen. Arbeiter, die betrunken
am Arbeitsplatz erscheinen, unterliegen gleichfalls diesen Strafen.
Nach dem Gesetz vom 19« Oktober 1940 unterliegen Angehoerige gewisser
Berufe, die sich der von einem Ministerium ausgesprochenen Dienstverpflichtung in einen anderen Betrieb oder in eine andere Gemeinde widersetzen, den gleichen Strafbestimmungen wie Personen, die ihre Arbeitsstellen ohne Einwilligung des Arbeitgebers aufgeben. Dieser Personenkreis
schliesst nach dem Gesetz "Ingenieure, Konstrukteure, Konstruktionsplaner,
Techniker, Meister, Zeichner, Buchhalter, Volkswirtschaftler, Finanzund Planungsarbeiter und Facharbeiter" ein.
Die gegenwaertige Handhabung der sowjetischen Arbeitsstrafgesetze
Eine Aufhebung der vorstehend aufgefuehrten Strafgesetze wurde bisher weder bekanntgegeben, noch ist in den juengsten Kommentaren zur sowjetischen Arbeitsgesetzgebung oder anderen uns zugaenglichen sowjetischen
Publikationen eine diesbezuegliche Aeusserung zu verzeichnen. In N.G.
Alexandrows Kommentar "Sowjetskoje Trudowoje Prawo" (Sowjetisches Arbeitsrecht), der 1954 in Moskau erschien, heisst es auf Seite 107, dass nach
dem Kriege gewisse Gesetze aufgehoben wurden, einschliesslich derjenigen
ueber Ueberstundenarbeit und deren Bezahlung anstelle von Urlaubsgewaehrung, sowie des kriegsbedingten Gesetzes zur Arbeitsmobilisierung vom
13. Februar 1942. Von einer Aufhebung der Strafbestimmungen bezueglich
der Aufgabe der Arbeitsstelle und des Fernbleibens vom Arbeitsplatz ist
jedoch nicht die Rede. Darueber hinaus wurden diese Gesetze im "Sprawotschnik Profsojusnowo Rabotnika" (Handbuch des Gewerkschaftsfunktionaers) von
1953 erneut veroeffentlicht, und zwar das Gesetz vom 26. Juni 1940(S. 274)
sowie der Erlass vom 18. Januar 1941 (S. 105-109). Das Gesetz vom 26. Juni
1940 wurde im Jahre 1953 in Auszuegen auch in dem Werk "Osnownyje Sakonodatjelnyje Akty 0 Trude Ratoschich i Slushaschtschich" (Grundlegende
legislative Massnahmen ueber die Taetigkeit der Arbeiter und Angestellten)
(S. 5) vom Staatsverlag fuer juristische Literatur veroeffentlicht.
Bei der Neuveroeffentlichung dieser Gesetze im Jahre 1953 wurden
in den sowjetischen Gesetzbuechern die Abschnitte ueber Strafen ohne
weiteren Kommentar ausgelassen. Derartige Auslassungen bedeuten nicht notwendigerweise eine Aufhebung der Gesetze. Vielleicht darf man daraus aber
auf eine Periode der versuchsweise gelockerten Handhabung oder Suspendierung
der strengen Strafmassnahmen schliessen. Um einen Sonderfall herauszugreifen: So ist zum Beispiel das Gesetz vom 19. Oktober 1940, das die
Dienstverpflichtung von Arbeitern an andere Orte vorsieht, im Handbuch
des Gewerkschaftsfunktionaers fuer 1953 vollkommen ausgelassen; es ist
jedoch nach dem 1954 erschienenen Buch ueber sowjetisches Arbeitsrecht
von N.G. Alexandrow noch in Kraft. Daran ist nichts Erstaunliches, denn
nach der seit 1942 ueblichen sowjetischen Praxis kann der Wortlaut geltender Gesetze auf besondere Anordnung "von der Veroeffentlichung ausgeschlossen
- 10 -

�werden.
Ganz abgesehen davon, welche psychologischen oder wirtschaftlichen
Vorteile die Auslassung der Abschnitte ueber Strafen bei der Veroeffentlichung bestimmter Gesetze innerhalb der Sowjetunion haben mag, ist diese Tatsache fuer die sowjetischen Delegierten bei internationalen Konferenzen (beispielsweise den Sitzungen der UN-Ausschuesse oder der Internationalen Arbeitsorganisation) von grossem Nutzen, da sie auf diese
Weise leichter ihre Behauptungen unterstuetzen koennen, dass die Arbeiter in der kapitalistischen Welt "versklavt" seien, waehrend die Arbeiter in der Sowjetunion "frei" und "gluecklich" leben.
Obwohl die Sowjetregierung die Frage der Bestrafung bei Aufgabe der
Arbeitsstelle, Fehlen und Unpuenktlichkeit in Unklarheit laesst, zeigt
sich doch deutlich eine gewisse Besorgnis hinsichtlich des tatsaechlichen
Verhaltens der Arbeiter. In seinem Kommentar zur sowjetischen Arbeitsgesetzgebung von 1954 stellt N.G. Alexandrow (S. 221) in bezug auf Verstoesse gegen die Arbeitsdisziplin fest, dass "die Sowjetregierung einerseits die ungesetzlichen Ueberstunden, andererseits aber auch das Fernbleiben vom Arbeitsplatz, Unpuenktlichkeit, vorzeitiges Verlassen des
Arbeitsplatzes, Bummelei und so weiter als unzulaessig betrachtet". Auffaellig bei dieser Aufzaehlung ist, dass die Aufgabe der Arbeit ohne
Einverstaendnis der Betriebsleitung fehlt. Im gleichen Buch heisst es
(S. 297), dass "ein Verstoss gegen die Arbeitsdisziplin nach sowjetischem
Recht in der Regel ein Disziplinarvergehen darstellt, das durch Disziplinarstrafen zu ahnden ist. Nur einige besondere Faelle des Verstosses
gegen die Arbeitsdisziplin stellen eine Gefaehrdung des oeffentlichen
Interesses dar und gelten daher nach sowjetischem Recht als Verbrechen".
Das Buch gibt jedoch keinerlei Aufschluss darueber, ob zu diesen Ausnahmefaellen auch die unerlaubte Aufgabe des Arbeitsplatzes, Fehlen
und wiederholte Unpuenktlichkeit gehoeren, fuer die das Gesetz vom 26.
Juni 1940 und der Erlasa vom 18. Januar 1941 Strafen vorsehen.
Allerdings geht aus Mitteilungen in der sowjetischen Presse in den
Jahren 1954 und 1955 hervor, dass Fehlen und unerlaubte Aufgabe des
Arbeitsplatzes nach wie vor Handlungen sind, die gerichtlich verfolgt
werden muessen. Aus einem Bericht in dem Gewerkschaftsblatt "Trud" darf
man folgern, dass wiederholtes Fehlen, sofern die Betriebsleitung Anzeige
erstattet, gerichtlich geahndet wird, wenn auch Arbeiter, die mehrmals
fehlen, zunaechst nur geruegt werden«
"Abrasumow und Skibin (zwei Jugendliche) stellten sich zur Arbeit
ein, nachdem sie einen Tag gefeiert hatten. Da Sharinsky (der Abteilungsleiter) ueberzeugt war, dass ein Verweis sinnlos sei (da die beiden schon
oefter gefehlt hatten), forderte er Krysin (den Leiter des Werkes) auf,
den Fall dem Volksgericht vorzutragen. Krysin unterschrieb die erforderlichen Dokumente".
Die parteiamtliche Zeitschrift "Der Kommunist" veroeffentlichte
einen Artikel des sowjetischen Justizministers K. Gorschenin zur Frage
der unerlaubten Aufgabe des Arbeitsplatzes, in dem er sagt)
"Der Leiter einer der Bauverwaltungen gab den Auftrag, die gegen
M.A. Filatow erhobene Klage wegen unerlaubter Aufgabe des Arbeitsplatzes
an das Volksgericht zu ueberweisen."
Der Arbeiter wurde jedoch freigesprochen, da das Gericht feststellte, dass der Arbeitgeber gegen den Arbeitsvertrag Verstössen hatte,
indem er dem Arbeiter kein Quartier in dem Gemeinschaftswohnhaus besorgt
hatte. Mit Auffuehrung dieses Falles, durch den der Justizminister zeigen
will, dass die Betriebsleitung nicht berechtigt ist, die kontraktlich
verbuergten Rechte des Arbeiters zu verletzen, hat er unabsichtlich bestaetigt, dass Arbeiter, die ihren Arbeitsplatz ohne Erlaubnis aufgeben,
- 11 -

�strafrechtlich verfolgt werden.
Dass es auch heute noch im sowjetischen Regime derartige Strafen
gibt, beweist das folgende Zitat aus dem 1954 erschienenen Buch "Wtschom
sostoit kommunistitscheskoje Wospitanije Trudjaschtschichsja" (Worin
die kommunistische Erziehung der Arbeiter besteht) von S. Kowaljow

(S. 47)»
"Fehlen oder Unpuenktlichkeit bei der Arbeit und Verstoesse gegen
die Erzeugungsschlacht selbst durch einzelne Arbeiter schaedigen die
Arbeit aller Arbeiter in speziellen Industrieunternehmen, auf Kolchosen, Sowchosen sowie Maschinen- und Traktoren-Ausleihstationen auf das
schwerste. Die Erfahrung zeigt, dass ein Nachlassen im Kampf gegen mangelnde Disziplin das Fehlen und Zuspaetkommen sofort ansteigen laesst
und infolgedessen der Betrieb oder die Kolchose weniger gute Arbeit zu
leisten vermoegen."
Quelles "Monthly Labor Review",
Vol. 78, No 8

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Auf Grund des neuen Pensionsplanes der "Nationalen Seeleutegewerkschaft" (National Maritime Union) ist es jetzt Seeleuten im Falle der
Vollinvaliditaet moeglich, ohne Ruecksicht auf ihr Alter eine Rente zu
beziehen, vorausgesetzt, dass sie eine Mindestanwartschaft von 12 Jahren
nachweisen koennen. Waehrend sie bisher nur dann rentenberechtigt waren,
wenn 3ie das 55» Lebensjahr erreicht hatten, ist jetzt lediglich die Laenge der Dienstzeit entscheidend.
Ausserdem wurden in dem neuen Rentenplan auch noch einige andere
Qualifikationen geaendert. So ist es jetzt zum Beispiel nicht mehr erforderlich, dass der Betreffende eine bestimmte Zeit vor Eintritt der Invaliditaet beschaeftigt gewesen sein muss. Andere Pensionsplaene sehen zum
Beispiel vor, dass der Seemann vor Eintritt der Invaliditaet zumindest
fuer 90 Tage beschaeftigt gewesen sein muss. Auf Grund des neuen Abkommens sind drei verschiedene Arten von Rentenleistungen moeglich»
1. Die Auszahlung der normalen Fensions bei Erreichung des 65. Lebensjahres, vorausgesetzt, dass der Seemann eine Dienstzeit von 18 Jahren
nachweisen kann; die Rentenleistung betraegt hier 55 Dollar pro Monat,
zusaetzlich zur staatlichen Altersversorgung.
2. Verminderte Rentensaetze fuer solche Seeleute, die das 65. Lebensjahr erreichen, aber nur eine Dienstzeit zwischen 11 und 18 Jahren nachweisen koennen.
5. Pensionsleistungen fuer solche Seeleute, die zwischen dem 60. und
65. Lebensjahr in den Ruhestand treten und wenigstens 11 Dienstjähre
haben.
Die amerikanischen Erdoelgesellschaften haben die Loehne ihrer Arbeiter auf Grund gleichlautender Tarifabkommen um allgemein sechs Prozent oder mindestens 15 Cent pro Stunde - erhoeht, was etwa 26 Dollar und mehr
pro Monat entspricht. Zu denjenigen Gesellschaften, die die Loehne sowohl
fuer ihre gewerkschaftlich organisierten als auch nichtorganisierten Arbeitnehmer erhoehten, gehoeren die "Gulf Oil Corporation", "Esso Standard Oil Company", "Socony Mobil Oil Company" und die "Humble Oil and
Refining Company".

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht wcrijen.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 6

Mehlem, den 16. Maerz 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Reform der Arbeitsbedingungen im New Yorker Hafen

Seite

1

Disziplinarische Massnahmen der Gewerkschaften

Seite

5

Neue Grenzen der menschlichen Beziehungen

Seite

9

Gewerkschaftliche Kurznachricht

Seite 12

Reform der Arbeitsbedingungen im New Yorker Hafen
Die Arbeitsbedingungen im New Yorker Hafen haben sich vom Sommer
1954 bis zum Sommer 1955 erheblich verbessert, wie aus dem zweiten
Jahresbericht der Hafenkommission fuer den Hafen von New York*) hervorgeht. Die bei der Ausmerzung von Verbrechen und Korruption erzielten
Fortschritte sind weitgehend darauf zurueok zufuehren, dass die Kommission
die Arbeit im Hafen ihres Gelegenheitscharakters entkleidete, die Hafenarbeiter registrierte, ein neues Anheuerungsverfahren einfuehrte und
alles daransetzte, dass das Anheuern von Arbeitern am Pier nicht wieder
zur Regel wurde. Ein weiteres Mittel war die Handhabung der Lizenzierungsvollmachten durch die Kommission.
Eliminierung der Gelegenheitsarbeit im Hafen
Das Deberangebot an Hafenarbeitern war eine der Hauptursachen fuer
die im New Yorker Hafen herrschende Korruption und das Verbrecherunwesen.
Der Bedarf an Hafenarbeitern belaeuft sich im New Yorker Hafen auf
schaetzungsweise 25 000 bis 33 250 Mann. In den Jahreszeitraeumen vor
dem 30. September 1952 beziehungsweise 1953t Q8-s ist also vor Gruendung
*) Die Kommission besteht aus Vertretern der Staaten New York und
New Jersey und wurde auf Grund des Public Law 252 eingesetzt.

- 1 -

�der Kommission, wurden nach den Unterlagen des New Yorker Reederverbandes
'42 000 Mann als Hafenarbeiter entlohnt.
Zur Loesung des wichtigsten Problems, naemlich Angebot und Nachfrage
bei Arbeitskraeften im Gleichgewicht zu halten, stuetzte sich die Kommission auf zwei Bestimmungen des Gesetzes, auf Grund dessen sie errichtet
wurde. Auf Grund dieser Bestimmungen war die Kommission verpflichtet,
1.) jeden Bewerber zu registrieren, sofern er nicht auf Grund von Vorstrafen, seines Eintretens fuer den gewaltsamen Sturz der amerikanischen
Regierung oder der Tatsache, dass seine Gegenwart am Fier Frieden und
Sicherheit dort gefaehrden koennte, ungeeignet ist; und 2.) eine Mindestbeschaeftigungsdauer festzusetzen sowie alle halbe Jahre diejenigen Hafenarbeiter aus ihren Listen zu streichen, die dieses Mindestmass nicht
erfuellten.
Wie erfolgreich diese Massnahmen waren, zeigt die Tatsache, dass
die Zahl der fuer die Arbeit im Hafen in Frage kommenden Personen, das
heisst der bei der Kommission registrierten Hafenarbeiter, bis Mitte
1954 auf 34 469 und bis Juni 1955 auf 31 574 sank. Da die gesetzlich eingefuehrte Registrierungspflicht in diesem Zeitraum zunaechst zu einer
wesentlichen Zunahme der registrierten Hafenarbeiter fuehrte (vergleiche
weiter unten), ist der Rueckgang im Jahre 1955 in erster Linie auf den
ersten, im Januar 1955 begonnenen Angriff auf die Gelegenheitsarbeit im
Hafen zurueckzufuehren. Wie die Statistiken fuer jenen Zeitraum zeigen,
eTfuellten 16 393 der registrierten Arbeiter die Mindestforderung an regelmaessiger Arbeit nicht, das heisst 8 Tage Beschaeftigung oder achtmalige Nachfrage bei den Arbeitsvermittlungsstellen der Kommission pro Arbeitsmonat. All diesen Arbeitern wurde Gelegenheit gegeben, ihr Verhalten
zu begruenden, und 9336 von ihnen baten unter Hinweis auf besondere Umstaende darum, auch weiterhin auf den Registrierungslisten gefuehrt zu
werden. Bei Ueberpruefung dieser Faelle war die Kommission bemueht, diejenigen auf den Listen zu belassen, die in erster Linie auf die Hafenarbeit
als Erwerbsquelle angewiesen waren. Auf diese Weise konnte in 8790 Faellen
zugunsten solcher Personen entschieden werden.
Registrierung der Hafenarbeiter
Auf diese Weise wurden im Laufe des am 30. Juni 1955 endenden Geschaeftsjahres 7603 Arbeiter von den Listen der Kommission gestrichen.
Zu Beginn des Jahres hatte die Kommission 29 7^5 Hafenarbeiter staendig
und 4704 voruebergehend registriert, waehrend 122 abgelehnt worden waren.
Im Laufe des Jahres erhielten weitere 7063 Mann Dauerregistrierungskarten,
waehrend in 507 Faellen die Registrierung abgelehnt oder widerrufen wurde.
Fuer die absolute Abnahme der Zahl der registrierten Hafenarbeiter um insgesamt 2895 bis En.de des Geschaeftsjahres duerfte Saeumigkeit der voruebergehend Registrierten verantwortlich sein.
Die Kommission ueberprueft saemtliche Personen, die um Aufnahme in
die Listen der Hafenarbeiter nachsuchen, sehr sorgfaeltig. Da sie sich
darueber klar ist, welch schlechte Einfluesse Bewerber mit krimineller
Vergangenheit auf ihre Arbeitskollegen haben koennten, gruendet sie in
allen solchen Faellen ihre endgueltige Entscheidung ueber die Registrierung auf die Gesamtdauer der Taetigkeit des Bewerbers als Hafenarbeiter
unter entsprechender Beruecksichtigung etwaiger Anzeichen einer Besserung
und des Grades der Not, der er und seine Familie im Falle einer Ablehnung
ausgesetzt waeren. •
In den zwei Jahren ihres Bestehens hat die Kommission in 629 Faellen
die Registrierung von Bewerbern wegen krimineller Vergangenheit abgelehnt
oder widerrufen und in 288 Faellen die Registrierung nur nach vorheriger
Vernehmung der Bewerber vorgenommen. Um welche Verbrechen es sich in
diesen 917 Faellen handelte, geht aus nachfolgender Aufstellung hervort
- 2 -

�Die Registrierung wurde
abgelehnt oder
widerrufen
vorgenommen
Anzahl der Bewerber mit krimineller
Vergangenheit
Gesamtzahl der Gesetzesverstoesse
davon Verbrechen
Vergehen
Uebertretungen
Leichte Haftatrafen

629

268

3190
630
1402
407
751

1336
213
531
124
468

Dreissig Prozent der zu einer Vernehmung Vorgeladenen erschienen
nicht, obgleich man ihnen mitgeteilt hatte, dass ihr Nichterscheinen eine
Ablehnung der Registrierung zur Folge haben werde. Allerdings hat die
Kommission aus Gruenden der Billigkeit derartige Faelle wieder aufgegriffen, wenn der Bewerber innerhalb einer angemessenen Frist darum nachsuchte.
Neues Einstellungsverfahren
Ein weiterer Versuch der Kommission, die Probleme der "Ungewissheit
der Beachaeftigung der Hafenarbeiter und des Fortbestands der Ringvereine"
in Angriff zu nehmen, bestand in der Einfuehrung eines neuen Einstellungsverfahrens im April 1955» Damit ging die Kommission von der bis dahin geuebten Methode der "vorherigen Beglaubigung" ab und fuehrte stattdessen ein System der Gruppenausschreibung und Gruppeneinstellung ein.
Das Verfahren der "vorherigen Beglaubigung", das die Kommission im
Dezember 1953 einfuehrte, war anstelle des im Hafen ueblichen Schlangeetehena nach Arbeit getreten, bei dem die mehr oder weniger willkuerliche
Verteilung der Stellen durch die Anwerber Verbrechen und Korruption Vorschub leistete. Nach Einfuehrung der vorherigen Beglaubigungspflicht
mussten die Arbeitgeber der Kommission Namenslisten jener Arbeiter einreichen, die sie in der kommenden Woche beschaeftigen wollten. Die Kommission verglich diese Listen mit ihrem Gesamtregister der Hafenarbeiter
und beglaubigte sie. Beglaubigte Listen konnten dann von Woche zu Woche
verlaengert werden. Lediglich die Arbeiter, die sich um Gelegenheitsarbeit bewarben, mussten persoenlich im Vermittlungsbuero der Kommission
erscheinen. Der Erfolg dieses Systems der vorherigen Beglaubigung wurde
jedoch weitgehend dadurch zunichte gemacht, dass die Arbeitgeber es
den Anwerbern und Gewerkschaftsfunktionaeren gestatteten, weit mehr Personen auf die Listen zu setzen als sie tatsaechlich benoetigten. Auf diese
Weise wurde das mit Recht verrufene offene "Schlangestehen" durch ein
ebenso unerwuenschtes heimliches "Anstehen" ersetzt. Das entscheidende
Wort ueber Anstellung oder Nichtanstellung sprach die unabhaengige Allamerikanische Hafenarbeitergewerkschaft (International Longshoremen's
Association - ILA).
Infolgedessen schlug die Kommission ein System vor, bei dem die Arbeit gruppenweise ausgeschrieben und die Leute gruppenweise eingestellt
werden. Es dient dem Ziel, die Einstellung von Schauerteams, Hafenarbeitern, Kontrolleuren und Bueroangestellten durch die Arbeitsvermittlungsbueros der Kommission in der gesetzlich vorgeschriebenen Weise zu regeln,
und diese Vermittlungsbueros in Informationszentralen ueber den Arbeitsanfall im Hafen und verfuegbare Arbeitskraefte umzuwandeln. Die Arbeitgeber
lehnten diese Vorschlaege ab, und die Hafenarbeitergewerkschaft boykottierte eine fuer Oktober 1954 anberaumte oeffentliche Informationssitzung.
Die Kommission verschob weitere Massnahmen bis Januar 1955» da der New
Yorker Reeder- und Speditionsverband (New York Shipping Association) und

�die Hafenarbeitergewerkschaft gerade ueber einen neuen Kontrakt verhandelten. Zu diesem Zeitpunkt gab die Kommission bekannt, dass die Neuregelung ab Maerz 1955 in Kraft treten werde. Die Arbeitgeber wandten
sich erneut gegen diese Regelung. Sie Gewerkschaft lehnte es zunaechst
ab, ueberhaupt Stellung dazu zu nehmen und ging spaeter dazu ueber, Urabstimmungen ueber die Frage vorzunehmen. Unmittelbar vor Inkrafttreten
der Neuregelung ersuchte die Allamerikanische Hafenarbeitergewerkschaft
um Gelegenheit, ihren Standpunkt darzulegen. Die Hafenkommission verschob daraufhin die Inkraftsetzung der Neuregelung bis April 1955« Obgleich die Hafenarbeitergewerkschaft die neuen Einstellungsbestimmungen
spaeter vor Gericht anfocht*)i fuehrten die folgenden Beratungen dazu,
dass erstmals die Einstellungsverfahren fuer einen grossen Teil des Hafengebiets schriftlich festgelegt wurden, so dass es in Zukunft keinerlei Missverstaendnisse auf diesem Gebiet mehr geben kann. Diese formelle
Festlegung der Einstellungsverfahren, durch die die Kontrolle der Hafenarbeit durch die Gewerkschaft weitgehend beschnitten werden konnte, ohne
dass es darueber zu Streiks kam, wird von der Kommission als eine ihrer
wichtigsten Leistungen im zweiten Jahr ihres Bestehens angesehen.
Dieses neue System weist natuerlich gewisse Unterschiede bezueglich
der verschiedenen Arbeiten auf, doch gelten folgende grundlegenden Bestimmungen fuer staendige Schauergangs und Hafenarbeiter gleichermassem
1. Die Namen der staendigen Arbeiter werden der Kommission vom Verlader,
der sie anstellt, bekanntgegeben. 2. Die Namenslisten dieser Arbeiter
werden am Kopf des Piers und in dem zustaendigen Vermittlungsbuero der
Kommission ausgehaengt. 3- Arbeiter werden je nach Arbeitsanfall aus dem
auf der Liste aufgefuehrten Personenkreis am Pier ausgewaehlt und auf
Tagesbasis angestellt. 4* Verlader erstatten dem Vermittlungsbuero der
Kommission taeglich einen Bericht ueber die jeweiligen Einstellungen!
der auf dem schwarzen Brett ausgehaengt wird. Zum Monatsende muessen die
Verlader die Namen aller Arbeiter, die nicht regelmaessig beschaeftigt
wurden, von den Listen streichen. Regelmaessig arbeitende Gangs, die nicht
auf ihrem eigenen Pier arbeiten, sowie zusaetzliche Arbeitsgruppen werden
ebenso wie die Gelegenheits- oder Aushilfsarbeiter ueber das Vermittlungsbuero der Kommission eingestellt.

Andere Aufgaben der Kommission
Neben ihren Bemuehungen, die Einstellungsmethoden und das Arbeitsklima im New Yorker Hafen zu verbessern, hat die Kommission ihre Lizenzierungsbefugnis dazu benutzt, gewisse Normen zu entwickeln, denen die
Verladegesellschaften entsprechen muessen, um die fuer ihre Taetigkeit
im Hafen erforderliche Konzession zu erhalten. Es wird nicht nur ein hoher
Grad an Integritaet von der Leitung der Gesellschaft verlangt, sondern
auch eine einwandfreie Geschaeftsfuehrung, lueckenlose Buchfuehrung und
Rechnungslegung ueber saemtliche Ausgaben gefordert.
Ein weiterer Erfolg der Kommission war die Verschaerfung der Verbotsbestimmungen bezueglich Anheuerns von Gelegenheitsarbeitern am Pier,
das einen "besonderen Fluch" des New Yorker Hafens darstellte. Das Anheuern von Gelegenheitsarbeitern war nach Angaben der Kommission vor dem
Verbot das Monopol "von Maennern, die entweder die Ortsverbaende der Hafenarbeitergewerkschaft in der Hand hatten oder mit deren voller Zustimmung arbeiteten". Infolgedessen nahm die Kommission ganz energisch (wenn
auoh nur in Form eines Gutachtens) gegen die Vorschlaege Stellung, die
*) Die Entscheidung stand zur Zeit der Abfassung des zweiten Jahresberichts der Hafenkommission noch aus.

- 4-

�die Hafenarbeitergewerkschaft bei den Verhandlungen Ende des Jahres
1954 vorgebracht hatte und die darauf hinausliefen, das System des Anheuerns am Pier unter dem Deckmantel einer Vertragsklausel ueber die
Einfuehrung einer neuen besonderen Sparte von Hafenarbeitern wieder
einzufuehren. Die Kommission wies darauf hin, dass die Abschaffung des
frueheren Verfahrens des Anheuerns allen Hafenarbeitern zugute gekommen
sei, die sich ihren Unterhalt beim Auf- und Entladen von Lastwagen auf
den Piers verdienen; heute werden sie mit regulaeren Hafenarbeiterloehnen
eingestellt und haben Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen und
Altersversicherung.
Quellet "Monthly Labor Review"
Vol. 78 No. 9

Disziplinarische Massnahmen der Gewerkschaften
Die Leitung eines Geschaeftsunternehmens oder einer Gewerkschaft
erfordert gewisse Machtbefugnisse, um die Beschaeftigten oder Hitglieder bei Verstoessen gegen die bestehenden Arbeits- oder Mitgliedsbestimmungen zurechtweisen zu koennen. Eine solche Autoritaet kann jedoch
auch missbraucht werden. Die amerikanischen Gewerkschaften sind schon
seit Jahren bemueht, den Machtmissbrauch der Vorarbeiter oder Werkmeister
einzudaemmen. An dem weitgehenden Einbau von Beschwerde- und Schlichtungsverfahrensbestimmungen in die Tarifvertraege mag man den Umfang
sehen, inwieweit Sicherheitsmassnahmen gegen ungerechtfertigte disziplinarische Methoden getroffen worden sind.
Worin besteht die Disziplin innerhalb einer Gewerkschaft? Welchen
Schutz besitzen Gewerkschaftsmitglieder gegen Autoritaetsmissbrauch
seitens der Gewerkschaftsfunktionaere? Um diese und andere Fragen bezueglich der internen gewerkschaftlichen Funktionen zu beantworten, hat Professor Philip Taft, ein bekannter Sachverstaendiger der gewerkschaftlichen
Entwicklung, eine Studie ausgearbeitet, die den Titel traegt: "Struktur
und Leitung der Gewerkschaften".
Die Behandlung, die ein Mitglied erfaehrt, wenn es mit den gewerkschaftlichen Bestimmungen oder den Funktionaeren seiner Gewerkschaft in
Konflikt geraet, oder wenn es sich ueber die Handlungsweise der Ortsgewerkschaft, der Gewerkschaftsvertreter oder ueber etwas beschwert, das
mit seiner Taetigkeit zusammenhaengt, kann als Masstab fuer die von den
Gewerkschaften ausgeuebten disziplinarischen Massnahmen dienen. Die Pruefung mehrerer Hundert Faelle dieser Art fuehrten Professor Taft zu der
Ansicht, dass sowohl die individuellen als auch die lokalen Machtbefugnisse innerhalb der Gewerkschaften strengeren Beschraenkungen unterliegen als in der Oeffentlichkeit allgemein. Dies kommt zum Teil daher, dass
die Gewerkschaften eine homogene Einheit mit fest abgegrenzten und umrissenen Zielen ist. Diese Einheit kann aber durch innere Spaltungen
ernsthaft beeintraechtigt werden.
Professor Taft beschreibt die Grundlage der Disziplin, deren sich
die Mitglieder unterordnen muessen, wie folgt«
Ausser d en Punkten, die die Ausuebung von Rechten innerhalb der
Gewerkschaft betreffen, muessen sich die Mitglieder nach Bestimmungen richten, die ihre berufliche Verhaltensweise vorschreiben.
Mit Zustimmung der Arbeitgeber haben die Gewerkschaften eine Vielzahl solcher Bedingungen erlassen. In manchen Faellen mag ein einzelner in der Lage sein, einen Vorteil daraus zu gewinnen: beispielsweise indem er Ueberstunden ableistet, wenn Ueberstundenarbeit verboten ist oder dass er unter Bedingungen arbeitet, die

- 5-

�den gewerkschaftlichen Prinzipien oder Praktiken zuwiderlaufen.
Dies ist lediglich eine der vielen Variationsmoeglichkeiten,
in denen eine Zuwiderhandlung gegen gewerkschaftliche Bestimmungen nicht nur moeglich ist, sondern wo der Zuwiderhandelnde sogar
einen Vorteil erzielen koennte. Die Gewerkschaften muessen nicht
nur danach trachten, eine solche heimliche Umgehung der von den
einfachen Mitgliedern festgelegten Standardvorschriften zu verhindern, sondern sie muessen auch dafuer sorgen, dass die mit dem
Arbeitgeber eingegangenen Verpflichtungen befolgt werden. Ohne
Verordnungen und die Befugnisse zu ihrer Durchfuehrung koennten
die Gewerkschaften weder ihren eigenen Standard aufrechterhalten,
noch koennten sie die Einhaltung von mit dem Unternehmer vereinbarten Bedingungen zur Auflage machen, wenn einer Minderheit
ihrer Mitglieder die Erfuellung dieser Bedingungen unbillig erscheint.
Die Disziplinarverfahren der Gewerkschaftsorganisationen sind so
beschaffen, dass sie der Gewerkschaft ein wirksames Arbeiten
gestatten. Prozesse und Strafen sind festgelegt worden, um Gehorsam zu erzwingen oder um eine Bestrafung durchzufu-ehren, wenn
die Mitglieder sich einer Verletzung ihrer Pflichten schuldig gemacht haben. Alle Gewerkschaften haben Berufungsgerichte eingesetzt, die die Beschluesse der Ortsgewerkschaften oder ihrer Untersuchungsausschuesse nochmals pruefen. In allen Gewerkschaftsorganisationen gibt es mehr als eine Berufungsinstanz, so dass ein Mitglied, falls es mit der Entscheidung der einen Stelle unzufrieden
ist, den Fall zur naechsten Instanz weiterleiten kann. Die Appellationsgerichte der Gewerkschaftsorganisationen bearbeiten viele
Faelle, in denen ueberhaupt keine Strafmassnahme zur Anwendung
Kommt. Das Appellationsgericht behandelt beispielsweise Zustaendigkeitsstreitigkeiten zwischen Ortsgewerkschaften, die Erhebung von
Umlagen oder Beitraegen, das Verhalten eines Vorsitzenden bei einer
Gewerkschaftsversammlung, die Abhaltung einer Wahl innerhalb der
Ortsgewerkschaft, und viele Punkte aehnlicher Art, die einem Appelationsgericht zur Bearbeitung uebertragen
werden koennen. Gewerkschaftsmitglieder koennen ebenfalls gegen Beschluesse von Funktionaeren, Entscheidungen der Ortsgewerkschaft oder Regelungen beruflicher Angelegenheiten Einspruch erheben. Bei Fragen bezueglich der
Senioritaet, der Mitgliedsbeitraege auf Grund von Gewerkschaftsvertraegen und unzureichender Erledigung von Beschwerden koennen hoehere
richterliche Instanzen der Gewerkschaftsbewegung in Anspruch genommen
werden.
Aus einer fluechtigen Pruefung von Art und Anzahl der Berufungen,
die alljaehrlich den Exekutivausschuessen oder den Leitern von
Gewerkschaftsorganisationen zugehen, kann mit aller Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass diese Gerichte ordentlich und gerecht
verwaltet werden. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass die Gewerkschaftsmitglieder so ausgiebig von diesem Berufungsverfahren Gebrauch
machen wuerden, wenn sie glaubten, dass ein solcher Schritt vergeblich
waere. Professor Clyde Summers fand "218 Urteile, in die 86 verschiedene Gewerkschaften verwickelt waren.... in den gedruckten
Gerichtsunterlagen." Die amerikanische Musikergewerkschaft bearbeitete
im Jahre 1949 allein 1688 Faelle, das sind etwa achtmal soviel wie
die in den gesamten Gerichtsakten aufgefuehrten. Fuer eine allamerikanische Gewerkschaft ist es nichts Ungewoehnliches, im Jahr 100 Berufungen zu bearbeiten; der Durchschnitt liegt jedoch fuer gewoehnlich
hoeher. In jedem Jahr gehen oft mehrere Tausend Berufungen von Gewerkschaftsmitgliedern ein, die disziplinarische Fragen betreffen;
noch haeufiger beziehen sie sich jedoch auf wichtige Rechte der Mitmitglieder und der Ortsgewerkschaften. Die Mitglieder leiten zuweilen Streitigkeiten an die ordentlichen Gerichtshoefe weiter, der
Autor hat jedoch den Eindruck, dass die Gerichte in einigen Faellen

- 6-

�da9 Problem, dem sich die Gewerkschaft gegenuebersieht, nicht voll
zu schaetzen wissen.
Die gewerkschaftlichen Satzungen enthalten eine ganze Reihe unzulaessiger Handlungen, die durch Zurechtweisung, Geldstrafe, Suspendierung oder Ausschluss oder irgendeine kombinierte Form dieser
Disziplinarmassnahmen geahndet werden. Den Mitgliedern ist unter
anderem verboten, sich an einer Reihe von Aktionen zu beteiligen.
In manchen Faellen ist das widrige Verhalten ueberhaupt nicht extra
aufgefuehrt; es ist Mitgliedern beispielsweise nicht erlaubt, an
Aktionen teilzunehmen, die sich gegen die Interessen der Gewerkschaft
und ihrer Mitglieder richten. Andere Verbote, die sich haeufig in
gewerkschaftlichen Satzungen finden, erstrecken sich auft die Unterhaltung mit Aussenstehenden ueber geschaeftliche Angelegenheiten
der Gewerkschaft, Bestimmungen und Gesetze der Gewerkschaft oder
ihrer Unterabteilungen; die Nichtbefolgung der Weisungen von Funktionaeren; die Verleumdung eines Funktionaers oder eines Mitglieds;
die Verteilung gedruckten Materials unter die Mitglieder ohne Zustimmung der Gewerkschaftsfunktionaere; die Teilnahme an nichtgewerkschaftlichen Versammlungen, auf denen gewerkschaftliche Angelegenheiten eroertert werden, sowie die Begehung einer unehrenhaften Handlung, die der Gewerkschaftsbewegung oder der Gewerkschaft abtraeglich
ist.
Es waere jedoch eine Misäinterpretierung der ueblichen Handhabung
dieser Angelegenheiten seitens der Gewerkschaften, wenn man annehmen
wollte, dass die vorgebrachten Anklagen allgemeiner'Art seien.
Die Beschuldigung, die Gewerkschaft in schlechten Ruf gebracht zu
haben, ist beispielsweise recht allgemein gehalten. Solche Anschuldigungen sind jedoch gewoehnlich von einer Darlegung begleitet, in
der der spezielle Fall, in dem das Ansehen der Gewerkschaft geschaedigt wurde, genauestens geschildert wird. Die Mitglieder werden also
im allgemeinen nicht auf Grund vager Anschuldigungen zur Rechenschaft
gezogen, sondern auf Grund bestimmter Handlungen, die sie begangen
haben. Dies geht aus den Gerichtsakten und aus der Unterhaltung mit
zahlreichen leitenden Gewerkschaftsfunktionaeren hervor. Bestimmte
Verstoesse, die normalerweise zu der Arbeit und den Aufgaben der
jeweiligen Gewerkschaft gehoeren, werden ebenfalls aufgefuehrt.
Die "National Maritime Union" (amerikanische Seeleutegewerkschaft)
fuehrt beispielsweise bestimmte Verstoesse und die entsprechenden
Strafmassnahmen auf.
•
Anklagen und Prozesse auf lokaler Ebene sind nur die Anfangsmassnahmen
des Gf-richtssystems der amerikanischen Gewerkschaften, das dazu bestimmt
ist, die Rechte der einzelnen Mitglieder zu wahren. Die Mitglieder koennen
sich fuer gewoehnlich ohne weiteres an mehrere Gerichte wenden, die letzte
Instanz endet bei dem Gewerkschaftskongress oder einer Mitgliederabstimmung, wenn dies zu einer endgueltigen Urteilsfällung notwendig ist. Professor Taft aeusserte sich wie folgt ueber die Berufungen und die Schlussfolgerungen, die er aus den Faellen, die er pruefte, zog.
Die Berufungen umfassen, wie ich bereits ausfuehrlich berichtete,
die verschiedenartigsten Punkte. In groben Zuegen koennte man sie,
ihrer Ursache nach, einmal nach dem Verhaeltnis von Mitglied oder
Funktionaer 1) zu seiner Gewerkschaft und
2) zu seiner Taetigkeit
unterscheiden. Berufungen in der zweiten Kategorie koennen disziplinarische Bestrafung nach sich ziehen, und zwar fuer 1. Verletzung
der Arbeitsbestimmungen, 2. Weigerung, den Weisungen des gewerkschaftlichen Vertrauensmannes oder des geschaeftsfuehrenden Gewerkschafters Folge zu leisten bzw. Verstoss gegen die Mitgliedsbestimmungen. Andererseits richten sich Berufungen in dieser Kategorie
unter Umstaenden gegen das Versagen oder die Weigerung der oertlichen

- 7-

�J
Gewerkschaftafunktionaere oder der Gewerkschaft selbst, die Rechte
der Berufung einlegenden Person zu schuetzen. Dieser mag man unter
Umstaenden den rueckstaendigen Lohn nicht gezahlt haben, oder verweigerte ihr Senioritaet, Wiedereinsetzung, eine Vorzugsachicht
oder sonstige Arbeitsrechte. Die Weigerung der oertlichen Gewerkschaf tafunktionaere, die Angelegenheit zu regeln, sei es, weil sich
hinsichtlich der Interpretierung einer Vereinbarung oder eines
Rechts Widersprueche ergeben, koennen zu einer Berufung fuehren,
die tatsaechlich die Forderung eines Mitglieds an die allamerikanische Gewerkschaft darstellt, die Ortsgewerkschaft zur Durchfuehrung
bestimmter Gesetze zu ermaechtigen.
Die Faelle, die im Zusammenhang mit den Staatsbuergerrechten stehen,
sind verhaeltnismaessig selten, obgleich die allamerikanischen Gewerkschaften sich in die Angelegenheiten einer Ortsgewerkschaft
einschalten koennen, wenn die letztere durch Parteigaengertum zerrissen ist und hierdurch ihre Organisations- oder Tarifverhandlungstaetigkeit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Auf dem weiten Gebiet
"Staatsbuergerrechte" kann Berufung eingelegt werden beit
1. Durchfuehrung von Wahlen,
2. Verhaltensweise auf Versammlungen,
3. der Abhaltung von Reden verschiedenster Art, 4- Klagen gegen
das willkuerliche Verhalten von oertlichen Gewerkschaf tsfunlctionaeren, 5« Parteilichen Spaltungen innerhalb der Gewerkschaft und
6. Zugehoerigkeit zur kommunistischen Partei oder einer ihrer Organisationen. Viele Gewerkschaften dulden keine Kommunisten in ihren
Reihen. Kommunisten sind im allgemeinen ziemlich aktive Mitglieder
und wenn ihre Parteizugehoerigkeit erkannt worden ist, so werden
sie aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. Diese Regelung besteht in
vielen, wenn auch nicht in allen Gewerkschaften.
Hinsichtlich des bei den Berufungen zu bearbeitenden Materials
koennen verschiedene Schlussfolgerungen gezogen werden. Die erste
besteht darin, dass disziplinarische Massnahmen im allgemeinen
bei Zuwiderhandlung gegen gewerkschaftliche Bestimmungen getroffen
werden, und weniger bei solchen Paellen, wie der freien Rede oder
der Veroeffentlichung nicht genehmigten Materials. Puer Aussenstehende ist es schwierig, die Berechtigung dieser Strafmassnahmen zu
ermessen, aus den Informationen geht jedoch hervor, dass sie selten
3treng oder zu Unrecht erfolgen.
Die Berufungsfaelle enthuellen ebenfalls die Unterschiede, die zwischen den einzelnen Ortsgewerkschaften bestehen; ausserdem wird
offenbar, dass die Opposition sich nicht"nur haeufig Gehoer verschaffen kann, sondern daaa aie auch davon Gebrauch macht. Die Tatsache, dass haeufig der Wahlausgang oder das Verhalten und die Entscheidungen eines Punktionaers oder einer Ortsgewerkachaft angezweifelt werden, sind Zeichen dafuer, dass die Gewerkschaften es
nicht nur billigen, dass Meinungsverschiedenheiten bestehen und
ihnen offen Ausdruck verliehen wird, sondern dass auch Mitglieder,
wenn sie von diesen ihren Rechten Gebrauch machen, uneingeachraenkten Schutz geniessen.
Zuerst wird ein Beklagter von seinen Kollegen, die mit ihm zusammenarbeiten, verurteilt; sie zoegern haeufig, ihn mit einer Geldstrafe
zu belegen oder ihn gar aus der Gewerkschaft auszuschliesaen. Falls
ein Mitglied zu einer Geldstrafe verurteilt oder aus der Gewerkschaft
ausgeschlossen wurde, steht es ihm frei, mehrfach Berufung einzulegen; diejenigen, die seinen Fall erneut bearbeiten, haben fuer
gewoehnlich nicht nur ein Interesse daran, dass ein ordnungsgemaesses
Untersuchungsverfahren eingeleitet wird, sondern auch, dass der
Beklagte eine angemessene Strafe erhaelt. Die Gewerkschaften haben
verschiedentlich festgestellt, dass die Tendenz besteht, Mitglieder
- 8 -

�I
einer Ortsgewerkschaft eher mit einer zu milden als einer zu harten
Strafe zu belegen, obgleich letzteres ebenfalls nicht ausgeschlossen
ist.
Professor Taft weist den Vorschlag zurueck, dass die Regierung die Durohfuehrung gewerkschaftlicher Disziplinarmassnahmen ueberwachen sollte.
Im grossen und ganzen bestehen keine Anzeichen dafuer, dass die
Berufungsmaschinerie nicht wirksam arbeitet, oder dass sie nutzlos ist
oder durch Regierungsmassnahmen verbessert werden muesste. In Anbetracht
der speziellen und haeufig sehr komplizierten Probleme, die die Gewerkschaften zu behandeln haben, kann man auf Grund der vorhandenen Informationen sagen, dass ihre disziplinarischen Verfahren im allgemeinen gerecht und wirksam zur Durchfuehrung gelangen.
Quellet "Free Men at Work", No. 35

Neue Grenzen der menschlichen Beziehungen
In den Vereinigten Staaten und wahrscheinlich auch in anderen industrialisierten Laendern richtet sich die Aufmerksamkeit in steigendem
Masse auf den Arbeiter, und zwar nicht - wie so oft - als "Produktionseinheit" oder als "Raedchen einer riesigen Industriemaschinerie", sondern
als einem Einzelwesen, das mit persoenlichen Problemen belastet zur Arbeitsstelle geht und das auf die Vorgaenge im Betrieb oder in der Umgebung seines Arbeitsplatzes eine psychologische Reaktion zeigt. Der
groesste Teil der Arbeit auf diesem Gebiet, zumindest in den Vereinigten
Staaten, wurde vom Management unternommen bzw. gefoerdert, und zwar im
Rahmen eines allgemeineren Versuchs, die Beziehungen zwischen Arbeitern
und Vorgesetzten und unter den Arbeitern selbst zu verbessern (fuer
gewoehnlich als "human relations" bezeichnet).
Das Interesse am Arbeiter als Persoenlichkeit lenkt natuerlich auch
die Aufmerksamkeit des Psychologen auf ihn; infolgedessen hat sich in
juengster Zeit ein Spezialberuf,der "Industrie"-Psychologe herausgebildet. Obgleich sich im allgemeinen nur ein Grossunternehmen die Dienste
solcher hervorragend geschulten Kraefte leisten kann, und sei es auch nur
auf beratender Basis, so ist es doch bemerkenswert, dass in den letzten
Jahren ueber 100 Mitglieder der "American Psychiatric Association" berufliche Erfahrungen in der Industrie sammeln konnten. Die Aufgabe des Psychologen in der Industrie ist, mit einer grossen Ausnahme, der in der Privatpraxis sehr aehnlichi anstatt sich nur mit Einzelpersonen zu befassen,
die seine Hilfe in Anspruch nehmen, versucht er, die "menschliche Atmosphawre" eines ganzen Betriebes zu verbessern. Genau wie der Sicherheitsingenieur arbeitet der Psychologe im Werk, um Gefahrenpunkte zu ermitteln
und auszuschalten - nur mit dem Unterschied, daas seine Bemuehungen auf
das seelische Wohl ausgerichtet sind.
Nach Meinung des Psychologen ist das Versagen des Arbeiters am
Arbeitsplatz eher auf einen Mangel an richtiger persoenlicher Einstellung
als auf irgendeine andere Ursache zurueckzufuehren. Natuerlich liegt ••
im Interesse der Betriebsfuehrung, hier Abhilfe zu schaffen. Dies kann
auf folgende Weise geschehen: erstens durch die verschiedenartigsten
Auswahl- und Eignungstests, um die Intelligenz, die Handfertigkeiten und
die Interessen des Arbeiters festzustellen; zweitens durch die Anpassung
der Maschinen und der Umgebung des Arbeitsplatzes an die physischen
Leistungsgrenzen des Arbeiters bzw. die Gewaehrung der groesstmoeglichen
*/ "Industrial psychiatrist" entspricht unserem "Betriebspsychologen",
setzt in den USA aber ein vollkommenes medizinisches Studium voraus.

- 9-

�[

Erleichterungen und drittens, durch Eingehen auf die persoenlichen
Probleme des Arbeiters.
Die richtige Auswahl und der richtige Einsatz der Arbeiter bedeutet
einen entscheidenden Schritt auf dem Wege zur Erreichung guter innerbetrieblicher Beziehungen; auf diesem Gebiet kann der Psychologe jedoch
nur eine relativ geringe Unterstuetzung gewaehren. Sie ueblichen Stellenbewerbungs- oder Eignungsinterviews lassen kaum Rueckschluesse auf die
Intelligenz des Bewerbers zu und ein kompliziertes Pruefungsverfahren
wuerde -zudem seinen eigentlichen Zweck verfehlen. Die beste Hilfe, die
der Psychologe geben kann, besteht darin, die Interviewer auszubilden
und ihnen geeignetes Material fuer die erfolgreiche Durchfuehrung der
Interviews an die Hand zu geben.
Ausser den emotionellen Problemen, die den Arbeiter schon bei Arbeitsantritt bewegen und die ihn auch am Arbeitsplatz nicht loslassen,
gibt es noch andere Probleme, die sich aus der Taetigkeit selbst ergeben.
Ein grosser Teil der Arbeitsvorgaenge in der modernen Industrie wiederholt
sich staendig und erfordert haeufig weniger Geschicklichkeit als der
Arbeiter imstande ist auszuueben; oftmals ist das Produkt noch zu weit
von seiner endgueltigen Form entfernt, als dass der Arbeiter sich mit
seiner Leistung identifizieren koennte. Hierdurch, so sieht es der Psychologe, wird der Stolz auf sein handwerkliches Koennen geschmaelert und es
entsteht ein Gefuehl der Enttaeuschung. In vielen Faellen hat der Arbeiter das Gefuehl, dass er nur solange geduldet wird, bis eine neue Haschine erfunden ist, um ihn zu ersetzen. Ausserdem ist die Betriebsfuehrung fuer ihn einfach nur "sie"; zu gross, zu beschaeftigt und zu weit
entfernt, um sich um den einzelnen Arbeiter zu kuemmern.
Diese im Betrieb entstehenden psychologischen Probleme sind vielfach
in Kreisen des Management etwas spaet erkannt worden. Aber heute werden
immer mehr Werkmeister und leitende Angestellte in "human relations"
geschult. Die Probleme der Arbeitsmoral und der psychologischen Motivierung nehmen ihren Platz jetzt neben denen der Produktion und der Betriebsfuehrung ein. Man erkennt heute ebenfalls, dass ein gesundes Betriebsklima von dem Verstaendnis und der Puehrung der obersten Betriebsleitung abhaengig ist.
Die Bedingungen zur Schaffung eines gesunden Betriebsklimas erfordern, dass der Arbeiter in seiner Arbeit folgender Sinn findet:
1.

Sein eigenes Leben fuehren zu koennen.

2.

Mit Wuerde an der Aufgabe und den Entscheidungen teilzuhaben,
die seine Arbeit betreffen.

3&gt;

Das Bewusstsein, etwas zu sein, fuer etwas zu arbeiten, das
sich lohnt und Anerkennung zu finden.

4&gt;

Ein Gefuehl des schoepferischen Beitrags - selbst etwas zu
geben fuer das Wohlergehen seiner Mitmenschen.

Der Vorarbeiter oder der Werkmeister muss ausserdem noch das Gefuehl
haben, dass seine Stellung als Vorgesetzter anerkannt und gefoerdert
wird, er ueber die entsprechende Autoritaet und den Respekt verfuegt
sowie ein Teil der Betriebsfuehrung ist. Ausser den Bemuehungen, innerhalb
ihres Organisationsbereichs ein gesundes Betriebsklima zu schaffen,
muessen die leitenden Angestellten sehr darauf bedacht sein, dass ihre
persoenlichen Differenzen auf ein Mindestmass beschraenkt bleiben.
Die hervorstechendsten Probleme, die der gesunden Betriebsatmosphaere
entgegenstehen, haben ihre Ursache haeufig ausserhalb des Werkes und
- 10 -

�druecken sich in Fernbleiben von der Arbeit, Dnfaellen und Alkoholismus
'aus. Dies sind Probleme, die sich zumeist ohne weiteres erkennen lassen
und deren Kosten messbar sind. Dr. Nelson Plummer von der "New York
Telephone Co." berichtete beispielsweise kuerzlich, dass das durch
Krankheit bedingte Fernbleiben vom Dienst die Firma jaehrlich 10 Millionen Dollar kostet. Drei Viertel der Abwesenheitszeit entfallen dabei
auf ein Drittel der Arbeitnehmerschaft. Ein Vergleich der Beschaeftigten
mit einer niedrigen und einer hohen Abwesenheitsrate ergab nur geringe
Unterschiede hinsichtlich der Anfaelligkeit fuer organische Krankheiten,
jedoch erhebliche Unterschiede in bezug auf die Anfaelligkeit fuer
funktionelle Leiden oder Stoerungen des Gefuehlssinns, des Denkvermoegenj und des Verhaltens. Etwa 80 bis 90$ der Unfaelle sind menschlichem
Versagen bzw. psychologischen Gruenden zuzuschreiben. Menschen, die
durch grosse Sorgen dem Alkohol verfallen sind, stellen ein eigenes
Problem dar. Alkoholismus schafft ausser einem messbaren Ausfall an
Dienstleistungen statistisch nicht zu erfassende Fehlentscheidungen, verminderte Leistungsfaehigkeit und verursacht Schwierigkeiten mit den Mitarbeitern.
Die Arbeit des Psychologen kann sich bei der Behandlung von mit
Problemen behafteten Menschen oftmals sehr nuetzlich erweisen. Da dies
das eigentliche Betaetigungsfeld des Psychologen darstellt, koennte er
allerdings in den Fehler verfallen, bei der Behandlung einen Uebereifer zu entwickeln oder die falschen Leute zu behandeln.
Wenn der Betriebsleiter den Psychologen beauftragt, seine Beschaeftigten zu kurieren, so kann das bedeuten, dass er von ihm verlangt, sie
von ihren menschlichen Eigenheiten zu befreien. So mancher Betriebsfuehrer hat allerdings eine etwas merkwuerdige Vorstellung von der menschlichen Natur. Bei der Materialbearbeitung richtet sich der Entwurfsspezialist ganz nach der Beschaffenheit des jeweiligen Materials und regt
sich nicht auf, wenn Holz nicht feuerbestaendig ist oder Stahl nicht mit
Zimmermannswerkzeugen bearbeitet werden kann. Ein Betriebsleiter stellt
jedoch Organisationsplaene auf und entwickelt Personalpraktiken, die sich
lediglich bei Wesen seiner eigenen Vorstellungswelt bewaehren wuerden.
Ein Betriebsleiter sagte einmal zu mir» "Wenn wir doch nur Leute finden
koennten, denen Geld sehr viel bedeutet; wir koennten dann einen Anreizplan einfuehren, der sich wirklich lohnen wuerde." Er kam nicht auf die
Idee, die Wirksamkeit des Anreizplanes in Zweifel zu ziehen, sondern er
aergerte sich lediglich darueber, dass die Leute, seiner Meinung nach,
nicht richtig beschaffen sind. Im allgemeinen haben die Menschen eine
bestimmte Vorstellung davon wie andere sein sollten, und wenn die Plaene,
die sie auf diesen Ideen aufgebaut haben, fehlschlagen, so waeren sie nur
zu gluecklich, wenn ein Psychologe daherkaeme und die Leute entsprechend
"umformen"wuerde.
Schliesslich kann sich der in der Industrie taetige Psychologe durch
die "Gruppentherapie" als sehr nuetzlich erweisen, d.h. dadurch, dass
er Arbeitsgruppen zur Diskussion gemeinsamer oder innerhalb der Gruppe
bestehender Probleme oder Konflikte zusammenbringt und sie so einander
naeherbringt. Als Aussenstehender der Gruppe kann der Psychologe besonders dann, wenn er in der Lage ist, die richtigen Fragen zu stellen, Licht
in die bestehenden Spannungen bringen und eine Art der freien Diskussion
in die Wege leiten, die zu einem besseren Verstaendnis und besserer Zusammenarbeit beitraegt. Diese Form der Gruppentherapie hat sich bei vielen
Gruppen leitender Angestellter als besonders wertvoll erwiesen.
Obgleich in den Gewerkschaftspublikationen verhaeltnismaessig wenig
Kommentare ueber diese Entwicklung erschienen sind, hat ein auf dem Gebiet der Betriebsfuehrungspraktiken versierter Gewerkschaftssprecher die
Ziele und die Richtung dieser psychologischen Methoden sehr kritisch beurteilt. Sein Haupteinwand besteht offenbar darin, dass solche Methoden
zu eng auf die Beduerfnisse und Probleme, die von der Betriebsfuehrung
- 11 -

�definiert werden, bezogen sind und, soweit dies den einzelnen Arbeiter
betrifft, dasa sie der Rolle der Gewerkschaften und den Kollektivverhandlungen zu wenig Gewicht beimessen. In einem vor kurzem erschienenen
Artikel hat er die Psychologen und sonstige Personen, die sich mit dem
Studium der menschlichen Beziehungen befassen, dazu aufgefordert, solche
Studien 1. unbeeinflusst von den Problemen und der Logik des Management
durchzufahren} 2. die Rolle aller Institutionen, einschliesslich der
Gewerkschaften, zu studieren und
3« die Interessen des einzelnen und
der Gemeinschaft ohne Berücksichtigung der Erfordernisse bestimmter
Institutionen in Betracht zu ziehen.
Quellei

"Free Men at Work", No. 35

Erhoehung der Mindestlohngrenze beruehrt zwei Millionen Arbeitnehmer
Auf Grund des neuen Mindestlohngesetzea wurden am 1. Maerz 1956
die Stundenloehne von rund 2 Millionen Arbeitnehmern in den Vereinigten
Staaten automatisch auf 1 Dollar erhoeht. Die bisherige Mindestlohngrenze betrug 75 Cent.
In einer Stellungnahme zur jetzt vorgenommenen Erhoehung der Mindestlohngrenze erklaerte der Praesident der neuen "AFL-CI0"-Gewerk3chaft,
George Meany, unter anderem! "Natuerlich sind wir mit dieser Erhoehung
zufrieden, obgleich wir der Ansicht sind, dass die Mindesthoehe fuer
Stundenloehne 1,25 Dollar betragen sollte."

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann u n e i n geschränkt Gebrauch gemacht werejen.
Herausgeber:
A m t für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 7

Mehlem, den 30. Maerz 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H H I S

Wer a r b e i t e t heute i n den USA

Seite

1

2 1/2 Milli onen Amerikaner erhielten eine Lohnerhoehung

Seite

5

Wohin steuert die grosse neue US-Gewerkschaftsorganisation ...

Seite

6

Wer arbeitet heute in den USA
Die von einem fast ununterbrochenen Wirtschaftsboom gekennzeichneten
vergangenen 15 Jahre haben grosse und in verschiedener Hinsicht ueberraschende Veraenderungen in der Berufsstruktur der USA und den Arbeitsgewohnheiten von Millionen Amerikanern im Gefolge gehabt. Die wichtigste
ist zweifellos in der Tatsache zu sehen, dass das Wirtschaftsleben nicht
mehr in dem Masse wie frueher eine Domaene der Maenner ist. (Siehe auch
nachfolgende Uebersicht.) Waehrend naemlich 1940 das Verhaeltnis zwischen
maennlichen und weiblichen Arbeitskraeften etwa J«1 ausmachte, betraegt es
heute nur noch 2*1. Der Anteil der maennlichen Arbeitnehmer wird im Laufe
der Jahre noch weiter zurueckgehen, wenn die weiblichen Arbeitskraefte
weiterhin in dem Umfang in die Wirtschaft und Industrie stroemen wie bisher. Obwohl dieser Trend natuerlich schon seit Jahren offenkundig ist, so
hat sich doch in juengster Zeit die Zahl neuer Arbeitsplaetze fuer weibliche Arbeitnehmer bemerkenswert schnell erhoeht und zum anderen scheinen
die Frauen auch mehr an einem Arbeitsplatz in der Wirtschaft als an ihrer
Taetigkeit als Hausfrau interessiert zu sein.

- 1

�Veraenderungen in der Arbeitsplatzstruktur
Anzahl der Beschäftigtent

1940 - 47 520 000 heute = 64 165 000 Veränderung 1
+ 55 %

Art der Beschäftigten 1
Frauen
11
Männer
35
14-19jährige
3
alte Leute (über 65 Jahre) 2
andere (19-65 Jahre)
41

1940
970 000
550 000
545 000
090 000
885 000

20
43
4
3
56

Heute
728 000
437 000
468 000
221 000
476 000

Veränderung
+ 73 #
+ 22 %
+ 26 %
+ 54 #
+ 55 #

Art der Tätigkeit»
Fabriken
Bauwirtschaft
Transport, öffentl.
Versorgungseinrichtungen
Groß- U.Einzelhandel
Finanzinstitute
persönl.Dienstleistungen
Regierung (Bund, Einzelstaaten, Gemeinden)
Landwirtschaft
Bergbau
Selbständige, andere

10 780 000
1 294 000

16 984 000

+ 58 £

2 596 000

+ 85 i.

3 013 000
6 940 000

4 141 000
11 674 000
2 225 000
5 653 000

1 436 000

3 477 000
4 202 000
9 540 000
5

916 000
922 000

7 545 000
5 884 000
755 000
7 112 000

+
+
+
+

57 /»
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55 %
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In einer im Jahre 1947 von der US-Regierung durchgeführten Untersuchung wurde die Zunahme der Zahl der weiblichen Arbeitskräfte zwischen
1940 und 1950 auf rund 2,5 Millionen veranschlagt. Tatsächlich betrug
die Zunahme aber 5,6 Millionen. Seit 1950 hat sich die Zahl der weiblichen Beschäftigten aber noch um weitere 5&gt;1 Millionen erhöht.
Offensichtlich ist also "Nieten-Rosie", wie es viele Unternehmer und
Wirtschaftler erwarteten, bei der ersten zarten Brise der Nachkriegsrezession nicht an ihren eigenen Herd zurückgekehrt und ebenso könnten
sich wohl viele Familien, die während der Kriegsjahre sich daran gewöhnt hatten, m'it zwei Einkommen zu leben, nicht damit abfinden, künftig
nur noch mit dem Gehalt des Mannes auszukommen. Zum anderen aber hatten
die Unternehmer die Erfahrung während des Krieges gemacht, daß Frauen
durchaus in der Lage waren, auch viele solche Arbeitsplätze auszufüllen,
die sonst nur von Männern besetzt wurden.
Arbeitsplätze für Ältere
Was die Experten ebenfalls verwunderte, war die Arbeitswilligkeit
und -fähigkeit der älteren Leute. Wie aus der Übersicht hervorgeht, hat die
Zahl der Arbeitnehmer über 65 Jahren in den vergangenen 15 Jahren um 54$
zugenommen. Diese Zunahme vollzog sich dabei entgegen der allgemeinen
Annahme, daß auf Grund der verbesserten staatlichen Pensionsleistungen
und der bekannten Abneigung der Unternehmer, ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen, die Zahl der älteren Arbeitskräfte zurückgehen würde. In
einer bekannten, im Jahre 1945 durchgeführten Analyse wurde eine allgemeine Abnahme der Zahl der älteren und jüngeren Arbeitskräfte vorausgesagt. Dieser Voraussage lag die Annahme zugrunde, daß "im Zuge des allgemeinen Trends nach einem früheren Ruhestand und einer längeren Schulausbildung, der Anteil dieser Altersgruppen an der Gesamtbeschäftigtenzahl bfs 1950 stark zurückgehen wird".
Demgegenüber trat aber eine erhebliche anteilmäßige und ziffernmäßige Erhöhung sowohl der ganz jungen als auch der älteren Arbeitnehmer ein.
Wodurch wurden nun diese Voraussagen über den Haufen geworfen?
Der bedeutendste Faktor ist zweifellos der bis dahin noch nicht gekannte
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Umfang dea Y/irtschaftsbooms. Die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze war
in den Nachkriegsjahren weitaus größer, als man während des zweiten Weltkrieges noch geneigt war vorauszusagen, zumal seinerzeit noch erhebliche
Zweifel an der Verwirklichung des von Roosevelt angestrebten Zieles, der
Schaffung von 60 Millionen Arbeitsplätzen, bestanden. Dieses Ziel wurde
aber schon 1950 erreicht.
Obgleich in jüngster Zeit verschiedene Entlassungen in der Automobilindustrie und in der Bauwirtschaft vorgenommen wurden, haben viele
unternehmen immer noch erhebliche Schwierigkeiten, all die Arbeiter zu
bekommen, die sie benötigen.
Zu diesem Problem bemerkte ein bekannter Industrieller, der Aufsichtsratsvorsitzende der "United Steel Corporation", Roger M. Blough,
folgendesi "Es wird von Tag zu Tag schwieriger, aufzuzeigen, in welchem
Industriezweig oder Tätigkeitsfeld der Mangel an Arbeitskräften am größten
ist. Vorausblickend betrachtet, sagen wir für die nächsten 25 Jahre,
erscheint die Bereitstellung von geschulten Arbeitskräften immer schwieriger zu werden."
Mit anderen Worten, es ist für Arbeitsuchende, besonders aber für
solche mit Spezialkenntnissen und Erfahrungen, immer leichter geworden,
einen Arbeitsplatz zu finden. Wenn sie erst einmal eingestellt sind,
brauchen sie keine Furcht mehr vor Entlassung aus Altersgründen zu
haben. Viele Unternehmen ermutigen sogar ihre Arbeiter und Angestellten, auch über ihr Pensionsalter hinaus im Betrieb zu bleiben.
Der Mangel an ausgebildeten Technikern hat bei vielen Firmen schon
dazu geführt, Frauen für Ingenieurarbeiten und andere technische Arbeitsplätze einzustellen.
Mehr Geld und weniger Schweiß
In jüngster Zeit sind die Arbeitsplätze immer attraktiver geworden, so
daß viele, die sonst nicht gearbeitet hätten, ohne Zögern zugreifen.
Die "Knochenarbeit" ist heute selbst in den Schwerindustrien weitgehend
durch die Einführung von automatischen Maschinen auf ein Minimum reduziert
worden. Zum anderen ist die Bezahlung besser denn je, und durch die sogenannten "Lohnfransen", die heute in imner mehr Wirtschaftszweigen eine
Rolle spielen, erhalten die Arbeiter überdies längeren Urlaub, freie Kranken- und Lebensversicherung, sowie in einer ständig steigenden Zahl von
Betrieben eine Beteiligung am Gewinn.
Dieses sind einige der Versuchungen, denen sich die Frauen gegenübersehen, wenn sie erwägen, einen Arbeitsplatz anzunehmen. Zum anderen aber
ist ihr moderner Haushalt mit vielen arbeitsparenden Geräten ausgerüstet,
die es ihnen stärker als in der Vergangenheit ermöglichen, zur Arbeit zu
gehen, besonders natürlich dann, wenn sie keine Kinder haben.
Die Aufwaschmaschine säubert das Frühstücksgeschirr, wenn Mann und
Frau des Morgens auf dem Wege zur Arbeit sind; der kombinierte WaschTrockenautomat reinigt die schmutzige Wäschej die Klimaanlage hält den
Staub aus der Wohnung und damit die Räume sauber und die Einsteilvorrichtung am Elektroherd kann so eingestellt werden, daß der Braten gar ist,
wenn das Ehepaar abends nach Hause kommt. Die vielen Haushaltsgeräte tragen
ebenso dazu bei, daß die restlichen Verrichtungen im Haushalt beschleunigt
erledigt werden können.
Dieses ist der Rahmen, in dem die Prosperität dazu beiträgt, nicht
nur neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern sie auch attraktiv zu gestalten.
Die neuen Arbeitsplätze
Zu denjenigen Arbeitsplatzen, deren Zahl sich am stärksten vermehrte,

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�gehoeren die sogenannten "leichten" Berufe, die am besten durch das "schwache Geschlecht" oder solche Personen ausgefuellt werden koennen, die den
Zenit ihrer Leistungsfaehigkeit bereits ueberschritten haben.
Seit 1940 wurden mehr als 5 Millionen neue Arbeitsplaetze bei den Behoerden des Bundes, der Einzelstaaten und der Gemeinden geschaffen, in erster
Linie solche, die reine Bueroarbeit umfassen und insbesondere Stenographen,
Schreibkraefte, Lehrer, Wirtschaftler, Rechtsanwaelte und Verwaltungsfachleute umfassen. Auf 4,7 Millionen belaeuft sich die entsprechende Zahl neugeschaffener Arbeitsplaetze in Handelsbetrieben. Die Nachfrage nach Verkauf spersonal fuer den Einzelhandel ist stark angewachsen und ein ernstes
Problem dieses Unternehmerzweiges.
Eine sehnlich starke Zunahme verzeichnen auch die Banken, Spar- und
Versicherungsgesellschaften und andere unternehmen auf dem Finanzsektor,
die seit 1940 insgesamt eine Zunahme der Zahl ihrer Angestellten um 'yOfo
verzeichnen. Das bedeutet wiederum einen groesseren Bedarf an Stenotypistinnen, Buchhaltern und anderen Buerokraeften.
Rund 2,2 Millionen neue Arbeitsplaetze sind ferner seit 1940 in
Waeschereien, Schoenheits- und Friseursalons und anderen Dienstleistungsunternehmen hinzugekommen. Daher sind viele Arbeitsplaetze, die aus der
Prosperitaet heraus geboren wurden, besonders fuer Frauen und junge Maedchen geeignet.
Unerwartete Veraenderungen
Ein Teil dieser Entwicklungen ist von den Experten vor einigen Jahren
noch nicht erkannt worden. In einigen Industriezweigen blieb naemlich
d:.e Zahl neuer Arbeitsplaetze hinter den Erwartungen zurueck, die seinerzeit, bei der Festlegung des Roosevelt-Planes zur Schaffung von 60 Millionen Nachkriegsarbeitsplaetzen gehegt wurden, in anderen Industrien dagegen
liegt die Zahl neuer Arbeitsplaetze weit ueber den damaligen Schaetzungen.
Die Zahl der in den Fabriken beschaeftigten Arbeitnehme.' stimmt in
etwa mit den vor einigen Jahren getroffenen Voraussagen ueberein. Dagegen
ist die Entwicklung im Baugewerbe, in der Landwirtschaft sowie im Bergbau hinter den Erwartungen zurueckgeblieben. Der damalige US-Handelsminister, Henry A. Wallace, glaubte 1945 voraussagen zu koennen, dass bis
1950 immer noch rund 80 Millionen Farmer und Landarbeiter sowie rund 5,5
Millionen Bauarbeiter benoetigt wuerden.
Die Zahl der in der Landwirtschaft Taetigen blieb 1950 zwar nur um
rund eine halbe Million hinter der Voraussage zurueck, aber 1955 wuerden
im Durchschnitt weniger als 7 Millionen in der Landwirtschaft beschaeftigt.
Dem juengsten Bericht zufolge ist aber diese Beschaeftigtenziffer inzwischen
auf weniger als 6 Millionen zurueckgegangen.
Die Bauwirtschaft erzielte zwar neue Rekorde, aber diese wurden mit
weitaus weniger Arbeitskraeften erreicht. Die Zahl der Arbeitsplaetze in
der Bauwirtschaft betrug 1950 - also zu einem Zeitpunkt, in dem mehr
Baubeginne zu verzeichnen waren als in irgendeiner Periode zuvor und
danach - nur 2,3 Millionen, das sind 1,2 Millionen weniger als Wallace
seinerzeit schaetzte. Selbst heute ist die Zahl der Bauarbeiter, trotz
der gewaltigen Zunahme solcher Bauvorhaben wie Strassen-, Schulen-, Geschaefts-, Fabrik- und andere Neubauten, nicht groesser als 2,4 Millionen.
Viele neue Maschinen haben die Arbeit der Heere der ungelernten Arbeiter
uebernommen. Durch die Verwendung von Metallplatten zum Beispiel anstelle
der traditionellen Ziegel- oder Holzverschalungen koennen heute grosse Gebaeude schneller und mit weniger Arbeitskraeften errichtet werden.
Eine Untersuchung der amerikanischen Regierung ueber die Moeglichkeiten
zur Beschaeftigung von 60 Millionen Menschen bezifferte seinerzeit die
Zahl der Arbeitskraefte fuer den Bergbau, die Steinbrueche und Oelfelder

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�I
auf rund eine Hillion. Demgegenueber zaehlen diese Industriezweige beute
nur noch 750 000 Arbeitsplaetze.
Aus diesem Grunde wuerde die heutige Beschaeftigungsstruktur einige
Bestuerzung hervorrufen, wenn nicht unerwartet neue Arbeitsplaetze auf
anderen Sektoren geschaffen worden waeren. Die Fachleute unterschaetzten
auch damals die Zahl der in Kraftwerken, im Fernsprechwesen und anderen
oeffentlichen Versorgungsunternehmen Beschaeftigten sowie in Laeden, Banken und persoenlichen Diensten Taetigen.
Die Menschen finden heute deshalb Arbeitsplaetze in einer so grossen
Auswahl, weil die Verbraucher mehr Geld fuer Luxusgueter und besondere
Dienstleistungen sowie fuer Automobile, Bekleidung und Geraete jeder Art
aufwenden. Ein neuer Lebensstandard steht hinter diesen neuen Arbeitsplaetzen,
die Arbeitsmoeglichkeiten fuer viele Millionen, einschliesslich Frauen und
aeltere Leute, geschaffen haben.
(Aus "U.S. News &amp; World Report")

2 1/2 Millionen Amerikaner erhielten eine Lohnerhoehung
Am 1. Maerz dieses Jahres erhielten rund 2,1 Millionen amerikanische
Arbeitnehmer eine Lohnerhoehung, und zwar nicht wie allgemein ueblich auf
Grund von Tarifverhandlungen zwischen den Sozialpartnern, sondern durch
Gesetz. Denn mit diesem Tag trat das neue Mindestlohngesetz in Kraft, das
im Sommer vergangenen Jahres vom Kongress verabschiedet und Rechtsgueltigkeit durch die Unterschrift des Praesidenten erhielt. Durch dieses Gesetz
wird der Mindeststundenlohn von bisher 75 Cent auf 1,00 Dollar erhoeht.
Diese 2,1 Millionen Beschaeftigten fallen in Anbetracht einer Gesamtbeschaeftigtenzahl von ueber 63 Millionen kaum ins Gewicht, und zum anderen
verdienen die restlichen 61 Millionen Arbeitnehmer in den USA weit mehr
als einen Dollar pro Stunde. Im Januar zum Beispiel betrug der durchschnittliche Stundenlohn des Fabrikarbeiters 1,88 Dollar.
Da eine Erhoehung der Mindeststundenloehne fuer die ungelernten Berufe
auf einen Dollar aus diesem Grunde alles andere als sensationell ist, so
hat sich doch in der Vergangenheit gezeigt, dass die gesetzliche Festlegung
von Mindestloehnen immer soziale und wirtschaftliche Auswirkungen im Gefolge hatten, die weitaus groesser waren als die unmittelbare Erhoehung selbst.
Seit der ersten Festsetzung einer Mindestlohngrenze im Jahre 1938
(25 Cent) ist diese erheblich angestiegen. Auf Grund verschiedener, durch
das Gesetz festgelegter Bestimmungen, wurde das wirkliche Lohnminimum in
den meisten Industriezweigen auf 40 Cent gebracht. Die naechste Heraufsetzung der Mindestlohngrenze um 35 Cent erfolgte dann 1949«
Obwohl rund 30 Cent der Gesamterhoehungen der Nachkriegsjähre durch
die gestiegenen Lebenshaltungskosten wieder wettgemacht werden, so verzeichnen die Mindestlohnempfaenger doch immer noch einen nicht unerheblichen
Gewinn. Er betraegt - in reiner Kaufkraft ausgedrueckt - 45 Cent pro Stunde, 18 Dollar pro Woche oder 900 Dollar pro Jahr, wobei noch zu beruecksichtigen ist, dass diese Einkommensgruppen so gut wie keine Steuern
zu zahlen haben. (Fuer einen Dollar erhaelt man heute zum Beispiel 5 Brote,
18 Eier, zwei Paar Socken, zwei "Pockef'-Buecher oder zwei Kinokarten.)
Die Hauptnutzniesser der Mindestlohnerhoehung sind die Arbeiter in

�Saegewerken (besonders im Sueden), in Bonbonfabriken, Polstereien, Hemdenund Arbeitskleidungsfabriken sowie in Jutespinnereien.
Bas Gesetz ueber die Festsetzung von Hindestloehnen ist ein Bundesgesetz und bezieht sich auf solche Wirtschaftsunternehmen, die in zwei
oder mehr Bundesstaaten taetig sind. Solche Arbeitsplaetze und Betriebe
auf lokaler Basis wie etwa das Hauspersonal oder Einzelhandelsgeachaefte,
Waeschereien sowie verschiedene andere Typen von Farm- oder Forstarbeit
sind von dieser Regelung ausgeschlossen.
Trotzdem aber haben auch jedesmal diejenigen Arbeitnehmer von den Erhoehungen der Mindestlohngrenze profitiert, die nicht unter dieses "interstate"-Gesetz fielen. Seit 1949 - mit der Erhoehung des Mindestlohnniveaus
von 40 auf 75 Cent - haben viele Bundesstaaten ihre eigenen Gesetze auf
das Bundesgesetz ausgerichtet.
Ausserdem sind in den meisten Betrieben saemtliche Arbeitsplatzeinstufungen ein Teil der Gesamtlohnstruktur, und Erhoehungen in den unteren
Beschaeftigungsgraden ziehen automatisch Lohnaufbesserungen in den hoeheren
nach sich.
Selbst die auf Grund persoenlicher Abmachungen beschaeftigten Arbeitnehmer haben jeweils durch die Erhoehung der Mindestlohngrenze profitiert.
Hausangestellte zum Beispiel erhalten jetzt neben voller Verpflegung und
Erstattung der Fahrtkosten 7 Dollar fuer einen Achtstundentag, und in vielen Staedten haben sich die Verguetungssaetze fuer "baby-sitter" von 50
auf 75 Cent pro Stunde erhoeht.
Dieser allgemeine "Lohnruck nach oben" durch das Mindestlohngesetz
ist auch der eigentliche Zweck dieses ganzen Gesetzeswerkes. Es zielt nicht
nur darauf ab, die Arbeitnehmer zu schuetzen, sondern auch die Kaufkraft
- ein wichtiger Generator fuer das wirtschaftliche Wohlergehen - auf einem
hohen Niveau zu erhalten.
Durch die gegenwaertige Erhoehung zum Beispiel duerfte das Gesamtlohneinkommen des Landes pro Jahr um mehr als 5 Milliarden Dollar angehoben
werden, und zwar ganz abgesehen von den moeglichen Lohnerhoehungen, die
sich auf Grund von Tarifverhandlungen zwischen den Sozialpartnern ergeben
duerften.
Dennoch bleiben zwei Fragen offen: die Kosten und die Durchsetzung.
Die Lohnmehrkosten, die den Unternehmern entstehen, duerften dabei weitgehend durch eine weiter zunehmende Produktivitaet aufgefangen werden.
Im Industriedurchschnitt ergibt sich eine jaehrliche Mehrbelastung von
rund 3 Prozent.
Hinsichtlich der Durchsetzung des Gesetzes ist zu sagen, dass die
Abteilung "Loehne und Arbeitsstunden" des "US-Arbeitsministeriums" gegenwaertig damit beschaeftigt ist, die Zahl ihrer Inspektoren zu verdoppeln.
Das Ziel dieser Bemuehungen ist es, in jedem Jahr rund 75 000 der insgesamt 900 000 Betriebe, die dieser Ueberwachung unterliegen, zu ueberpruefen.
Quelle: Eigenbericht

John Herling:
Wohin steuert die grosse neue US-Gewerkschaft3organisation?
Die Fuehrer der 15 Millionen beitragzahlende Mitglieder umfassenden
amerikanischen Gewerkschaftsverbaende haben nun ihre Kraefte vereinigt, um

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�auf Gedeih und Verderb eine einzige geschlossene Dachorganisation zu bilden - die AFL-CIO. Abgesehen von den religioesen Glaubensgemeinschaften
ist der neue Verband die groesste Mitgliederorganisation der Vereinigten
Staaten. Diese Tatsache hat manche Leute erschreckt, andere erfreut und
viele voellig unbeeindruckt gelassen.
Henry Riter III., der kuerzlich sein Amt als Praesidant der "National
Association of Manufacturers" (NAM - amerikanischer Fabrikantenverband)
niederlegte und in den Ruhestand trat, beschwoert ein furchterregendes Bild
der "Grossen Gewerkschaftsbewegung" herauf, die wie ein Koloss das wirtschaftliche, politische und soziale Leben des Landes regiert. Viele andere
Industrielle und Geschaeftsleute betrachten den Zusammenschluss zwar ebenso mit gemischten Gefuehlen, aber nur wenige aeussern ihre Befuerchtungen
laut in der Oeffentlichkeit. Ihr Kommentar heisst "abwarten und sehen, was
kommt".
Selbst die organisierte Arbeiterschaft befuerwortet den Zusammenschluss
nicht hundertprozentig. Abseitsstehender Zuschauer ist auch der "Sturmgott"
der amerikanischen Arbeiterbewegung, John L. Lewis, Vorsitzender der Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft. Er hat vor 20 Jahren den "CIO" aus der
"AFL" abgezweigt. Lewis mahnt die kleineren Gewerkschaften innerhalb des
neuen Verbandes (dem beizutreten, er keine Einladung erhielt), sich vor den
"Launen der fleischfressenden oder leicht kannibalischen Gewerkschaften in
acht zu nehmen, von denen es einige gibt."
AFL und CIO stimmten auf ihren letzten, noch getrennt durchgeführten
Kongressen im November vorigen Jahres mit ueberwaeltigender Mehrheit fuer
den Zusammenschluss. George Meany, der Vorsitzende der neuen AFL-CIO, verkuendete, dass dieser Zusammenschluss die Gewerkschaften in die Lage versetze, "einen groesseren und lebenswichtigeren Beitrag zur Gemeinschaft als
Ganzes und dem Wohlergehen und der Sicherheit unserer Nation zu leisten."
Jedoch waren nicht alle Gewerkschaftsfunktionaere und einfachen Mitglieder
so optimistisch.
Ein Vorsitzender einer allamerikanischen Gewerkschaft, Michael J. Quill,
der Leiter der Transportarbeitergewerkschaft (CIO), stimmte gegen den Zusammenschluss. Er lehnte das Amt eines Vorsitzenden innerhalb des neuen Verbandes ab und erklaerte dabei, er wuerde es nicht annehmen, selbst wenn es
"auf einem silbernen Tablett" angeboten wuerde. Dann erhob Dave Beck, Vorsitzender der AFL-TranBportleutegewerkschaft, lauten Protestr Ihm passe das
schnelle Tempo nicht, mit der das ganze "Merger-Projekt" durchgebracht worden
sei. Auf den Sitzungen des Fusionsausschusses aeusserte er jedoch kein
einziges abfaelliges Wort und stimmte schliesslich fuer den Zusammenschluss.
Tatsaechlich zeigten sich zu einem Zeitpunkt der Fusionsverhandlungen sogar
die gluehendsten Befuerworter des Zusammenschlusses besorgt und wollten die
ganze Angelegenheit wieder fallen lassen. In ihrem Benehmen erinnerten sie
dabei stark an einen werdenden Vater, den kurz vor dem "Ereignis" der Mut
verlaesst.
Doch trotz des ohrenbetaeubenden Laerms und der truebseligen Stimmung
ao mancher mit hitzigen Debatten verbrachten Nacht haben der AFL-Vorsitzende George Meany und der CIO-Vorsitzende Walter P. Reuther die aus ihren
leitenden Funktionaeren bestehenden "Kommandotruppen" sicher durch den
Organisationsbereich und ueber persoenliche Schwierigkeiten gefuehrt. Auf
jeder Konferenz wichen sie sorgfaeltig allen Fussangeln aus, die ihre Fusionsplaene rettungslos zum Scheitern gebracht haetten.
Es ist Tatsache, dass der lange und steinige Weg zum Zusammenschluss
nur ruckweise vonstatten ging, und zwar fast von dem Zeitpunkt an, als die
Teilung der AFL auf dem Kongress in Atlantic City im Jahre 1955 z u r Bildung
des CIO fuehrte. Dieser historische Kongress arehte sich in der Hauptsache
um Fragen, wie man die Industriezweige der Massenproduktion am besten organisieren koennte. Im Laufe der Jahre hatten die Facharbeitergewerkschaften,
die sich aus geschulten Handwerkern zusammensetzten, das Rueckgrat der

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�Gewerkschaftsbewegung gebildet. Der rasche technologische Fortschritt
brachte es jedoch mit sich, dass sich die traditionellen Grenzen zwischen
den einzelnen Handwerkszweigen verwischten. Es zeichnete sich ein steigender Druck in Richtung auf eine geschlossenere Form der Gewerkschaftsorganisation ab, die auf Industriezweige anstelle einer Vielzahl von Handwerkszweigen basiert. Das Ergebnis war die Bildung des CIO.
Einige Beobachter haben in diesem Zusammenhang immer behauptet, dass
die wirkliche Ursache seinerzeit ein Machtkampf innerhalb der AFL war. Was
Jedoch auch immer die weniger augenfaelligen Motive gewesen sein moegen,
der Streitpunkt Industrie- gegen Facharbeitergewerkschaften als Organisationsinstrument war das sichtbare und aeussere Symbol der Spaltung.
Die Spaltung der AFL setzte auf eindrucksvolle Weise Energien frei zum
Start der groessten Organisierungskampagne, die es je in der Geschichte
der Gewerkschaftsbewegung gegeben hat; sie brachte den Gewerkschaften eine
beispiellose politische Anerkennung und bereicherte das wirtschaftliche,
soziale und politische Leben des Landes um eine weitere Dimension.
George Meany blickt heute als erster Vorsitzender der groessten Gewerkschaftsorganisation der freien Welt auf die.vergangenen 20 Jahre mit einer
groesseren Gelassenheit zurueck, als er seinerzeit als Vorsitzender der
"New York State Federation of Labor" (AFL-Gewerkschaftsverband des Staates
New York) besass. "Das Ausscheiden vieler Gewerkschaftsorganisationen aus
der AFL, um den CIO zu bilden, hatte ein Gutes," so erklaert er heute.
"Ich kann Ihnen versichern, dass es manche Leute in der AFL zur Besinnung
brachte - und das ist erwiesen und nicht bloss Gerede. Von dieser Warte aus
gesehen, war es gut so.
Bis zu einem gewissen Grade ist der Wettbewerb zwischen den Gewerkschaften miteinander vielleicht ganz gut. Es kommt jedoch eine Zeit, wo
diese Konkurrenz destruktiv sein kann, wenn naemlich Wettbewerb und Rivalitaet denjenigen zum Vorteil gereichen kann - von denen es in diesem Lande
noch immer viele gibt -, die nicht an die Prinzipien und die Ideale der
Gewerkschaftsbewegung glauben. Wir in der AFL und dem CIO gelangten an einen
Punkt, wo wir nicht so sehr miteinander konkurrierten, um zu sehen, wer die
Interessen der Menschen, die wir vertreten, am besten wahrnehmen kann, sondern, um zu sehen, wer die Pro-Kopf-Abgabe - die Beitraege - bekommen wuerde. Das war alles. Ich sehe es nicht als Teil unseres Ziels an, gigantische
Konstruktionen zu errichten - nennen Sie sie Gewerkschaften oder was Sie
wollen -, die die Macht um ihrer selbst willen erlangen."
Obgleich der Einheitsgedanke vielen leitenden AFL- und CIO-Funktionaeren als ausgezeichneter politischer und wirtschaftlicher Schachzug erschien, und zwar nahezu seit Anbeginn der historischen Spaltung, erwiesen
sich private Emotionen, organisatorischer Stolz, die lebhafte Erinnerung des
Misstrauens und des Versagens jahrelang als ein zu grosses Hindernis, um
ueberwunden zu werden. Dann fand der Tod einen Aunweg.
Vor drei Jahren starben innerhalb von zwei Wochen nacheinander der
AFL-Vorsitzende William Green und der CIO-Vorsitzende Philip Murray. Das
Dahinscheiden dieser alten Kaempen beendete ein Kapitel Gewerkschaftsgeschichte. Als Meany die Nachfolge Greens antrat und Reuther das Amt Murrays uebernahm, setzten beide Maenner die "Gewerkschaftseinheit" an den Anfang ihrer
Tagesordnung.
Wie konnte man jedoch einen Wunsch Wirklichkeit werden lassen? Wie
konnte der Grundstein gelegt werden fuer den Zusammenschiuss der beiden Verbaende? Waehrend der darauffolgenden Monate wurde eine ganze Reihe ziemlich
rascher und ungewoehnlicher Massnahmen ergriffen. Der Entwurf der Schluesseldokumente war in der Hauptsache das glaenzende und sichtbare Werk von Arthur
Goldberg, dem Rechtsberater des CIO. Zuerst kam der Nichtabwerbungspakt,
der von den meisten AFL- und CIO-Gewerkschaften gebilligt wurde. Dies fuehrte
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�zu der Vereinbarung ueber den Zusammenschluss, die just an dem Tag zustandekam, an dem der Hurrikan "Hazel" im Oktober 1954 Washington heimsuchte.
Daraufhin beauftragten die Exekutivvorstaende der beiden Gewerkschaftsverbaende die mit dem Statut beschaeftigten Gremien, ihre Arbeit in Angriff
zu nehmen. Nach monatelangem, quaelendem Abwaegen, das strukturelle Umschichtungen und Personalveraenderungen mit sich brachte, wurde schliesslich,
als Hoehepunkt des Ganzen, im Dezember vergangenen Jahres der Fusionskongres8 in der Zeughalle des 71. Regiments in New York City abgehalten.
Zum Zeichen des "neuen Beginns" fuer die amerikanische Gewerkschaftsbewegung zieht die AFL-CIO in ein huebsches neues Gebaeude in Washington - nur
einen Steinwurf vom Weissen Haus entfernt und ganz in der Naehe des wuerdigen Baues der US-Handelskammer. Urspruenglich war das neue Gewerkschaftsgebaeude, dessen Grundstein von Praesident Eisenhower im April vergangenen
Jahres gelegt wurde, ausschliesslich fuer die AFL bestimmt, nun jedoch werden die Inschriften "AFL" und "CIO" in die Marmorbioecke ueber dem Eingang
gemeisselt.
Um den Umfang dieses neuen Gewerkschaftsverbandes ganz ermessen zu
koennen, muss man sich den grundlegenden Faktor vergegenwaertigen, naemlich
dass das wirkliche Herz seiner wirtschaftlichen Macht in den 141 wesentlich
autonomen, souveraenen und separaten amerikanischen und allamerikanischen
Gewerkschaften liegt. Diese Organisationen (nicht der Dachverband) fuehren
die Tarifverhandlungen mit den Unternehmern, oftmals ueber die Ortsgewerkschaften. Sie besitzen eine finanzielle Unabhaengigkeit, und ihre Kassen
sind oft viel groesser als die des neuen Verbandes. Ihre Funktionaere werden nach ihren eigenen Satzungen gewaehlt. Die Vorsitzenden der autonomen
Organisationen - angefangen von den kleinen Handwerkerorganisationen, die
nicht mehr als 1000 Mitglieder zaehlen, bis zu den riesigen Arbeitskraeftereservoiren mit Hunderttausenden von Mitgliedern - sind eifersuechtig auf
ihre Rechte bedacht und ueberaus empfindlich, wenn es um den Schutz ihrer
Machtbereiche geht. Sie besitzen eine grosse Macht sowie einen betraechtlichen Einfluss und treffen ihre eigenen Entscheidungen. Der Zusammenschluas
vo"h AFL und CIO aendert nichts an dieser Tatsache.
Ebensowenig beeintraechtigt die Fusion den Status von etwa 57 einzeloder zwischenstaatlichen Gewerkschaften, die der AFL oder dem CIO nicht angegliedert sind, bzw. waren. Nach der letzten Aufstellung des US-Bueros fuer
Arbeitsstatistik belaeuft sich die Mitgliederzahl all dieser Gruppen auf
etwa 1 800 000. Am bekanntesten unter ihnen sind die "United Mine Workers"
(Vereinigte Bergarbeitergewerksohaft) und die Eisenbahnergewerkschaften fuer
das Fahrdienstpersonal. Die Vorsitzenden von zweien dieser Gewerkschaften,
der "Railroad Trainmen" (Zugfuehrer) und der Gewerkschaft "Firemen and Enginemen" (Heizer und Lokomotivfuehrer), waren offizielle Gaeste des Kongresses.
Ausserdem gibt es noch zahlreiche Gewerkschaften, die auf einen Einzelbetrieb, einen Einzelunternehmer oder einen einzelnen Ort beschraenkt sind.
Speziell solche kleinen Gewerkschaften duerften von dem magnetischen
Feld der staerkeren und groesseren Mitgliedergewerkschaften der AFL-CIO
angezogen werden. Andere wiederum werden sich unter Umstaenden den allamerikanischen Gewerkschaften anschliessen, weil sie sich durch Kollektivverhandlungen Vorteile versprechen. Solche Gruppen aeusserten bislang die Befuerchtung, dass sie sich in der "Windmuehle" der AFL- und CIO-Konkurrenz verfangen koennten.
Mindestens 47 der maechtigen einzelstaatlichen und allamerikanischen
Gewerkschaften haben ihren Hauptsitz nach Washington verlegt. (Die allamerikanischen Gewerkschaften umfassen auch Mitglieder ausserhalb der USLandesgrenzen - in Hawaii, Puerto Rico, Alaska und natuerlich auch Kanada.)
Innerhalb der letzten zwei Jahre hat Washington die Errichtung so vieler
neuer Gewerkschaftsbauten gesehen, dass ein Beobachter diese Erscheinung
als einen gewerkschaftlichen "Gebaeudekomplex" bezeichnet.

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�Bezueglich des Ursprungs der gewerkschaftlichen Macht sollte man auf
jeden Fall die allamerikanischen Gewerkschaften einer genauen Betrachtung
unterziehen.
Was nun glauben diese Gewerkschaften mit Hilfe der neuen Dachorganisation von dem, was sie allein nicht schaffen wuerden, zu erreichen? George
Meany fasst das Ziel des Zusammenschlusses in folgenden klaren und praegnanten Saetzen zusammen! "Durch die Zusammenfassung von 15 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern in einer einzigen Gewerkschaftszentrale hoffen
wir, ein Instrument zu schaffen, das geeignet ist, sich bei der Verteidigung der Interessen der amerikanischen Arbeiter erfolgreich zu bewaehren
und die menschlichen Beduerfnisse mit den Erfordernissen des Geschaeftsund Finanzwesens im modernen Zeitalter auf eine Ebene zu bringen."
Meany weist besonders darauf hin, dass, waehrend die Einzelgewerkschaften sich hinreichend mit ihren eigenen internen Problemen besohaeftigen,
der Verband bestrebt ist, ein uebersichtliches Bild ueber die gesamte nationale Lage zu gewinnen und Plaene auszuarbeiten, die dem neuen Einfluss
entsprechen, den die Fusion unter Umstaenden zeitigen koennte.
Da das grosse Ereignis des Jahres 1956 die Praesidentschaftswahlkampagne
sein wird, erhebt sich die Frage: Was bedeutet die Verschmelzung von AFL
und CIO auf politischem Gebiet? Bedeutet das, die leitenden Gewerkschaftsfunktionaere, die 15 Millionen Arbeiter, die 141 einzelstaatlichen und allamerikanischen Gewerkschaften und die 77 000 Ortsgewerkschaften auf eine
Linie bringen und sie gewisse Kandidaten oder eine Partei oder einen im
voraus bestimmten Praesidentschaftskandidaten waehlen zu lassen?
Nichts ist weniger wahrscheinlich - obgleich man von der Gewerkschaftsbewegung erwartet, dass sie sich an den politischen Kampagnen des Jahres
1956 massgeblich beteiligen wird. Erstens erklaeren die Gewerkschaftsfuehrer,
dass sie eine solche Form der Disziplin nicht anwenden werden. Zweitens
wuerden sie, selbst wenn sie es versuchten, kein Glueck damit haben. Drittens
wuerden sie nicht wagen, es zu versuchen.
Selbst im Jahre 1952, als AFL und CIO beide den demokratischen Kandidaten Adlai Stevenson unterstuetzten, zeigten die Wahlergebnisse, dass der
von den Organisationen bekundete Enthusiasmus fuer Stevenson die Gewerkschaftsmitglieder und ihre Ehefrauen nicht davon abhielt, sich bei der Wahl
fuer den republikanischen Kandidaten, Dwight D. Eisenhower, zu entscheiden.
Die republikanischen Analytiker erklaerten, dass etwa 30$ der Gewerkschaftsmitglieder fuer Eisenhower stimmten. In seiner Rede auf dem vor kurzem stattgefundenen Fusions-Kongress pries Stevenson diese Unabhaengigkeit der Gewerkschaftsmitglieder bei ihrer Wahlentscheidung. "Die Arbeiterschaft ist
keine, einer strengen Disziplin unterstehende Wahlminderheit in diesem Land",
so erklaerte er. "Die Arbeiter waehlen nicht auf Befehl, sondern aus Ueberzeugung.... So verhaelt sich die Sache, und ich glaube, so sollte es auch
sein."
Welches ist nun die jetzige politische Haltung der Gewerkschaften?
Es ist keine ausgesprochene Haltung. Es ist eine ganze Serie politischer
Verhaltensweisen.
Meany gibt folgende Formulierung: "Die organisierte Gewerkschaftsbewegung in Amerika wird sich keiner bestimmten politischen Partei unterordnen. Sie wird aufgeschlossene und fortschrittliche Kandidaten aller
Parteien unterstuetzen. Sie wird den Arbeitern dieses Landes die Unterlagen
aller Kandidaten zur Kenntnis bringen. Sie wird alle Buerger dazu auffordern, sich einschreiben zu lassen und ihr Wahlrecht auszuueben. Auf diese
Weise koennen wir unser Ziel wirksam verfolgen, starke und vorurteilslose
Mehrheiten in den Kongress zu waehlen."
Um die politischen Interessen der AFL-CIO entsprechend zum Ausdruck
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�zu bringen, werden die "Labor's League for Political Education" (Gewerkschaftaliga fuer politische Erziehung) der APL und das "Political Action
Committee" (Politische Aktionskomitee) des CIO vereinigt werden, um ihre
Arbeit als eine einzige Organisation weiterzufuehren. Dieses Buero in Washington ist jedoch nur ein kleiner Teil in der politischen Arbeit der Gewerkschaften. Die gleichen selbstaendigen nationalen und allamerikanischen Gewerkschaften, die eifersuechtig ueber ihre Identitaet und ihre Rechtsbefugnisse wachen, weigern sich ebenfalls, ihre politische Arbeit einer zentralen Gruppe
unterzuordnen. Organisationsstolz und die Notwendigkeit, speziellen Problemen
in verschiedenen Orten Rechnung tragen zu muessen, leisten der Verschiedenartigkeit Vorschub.
In Kalifornien beispielsweise hatte die organisierte Gewerkschaftsbewegung den Republikaner Earl Warren regulaer zum Gouverneur vorgeschlagen.
Als Warren zum Obersten Richter ernannt wurde, bemuehtesich Goodwin Knight,
sein republikanischer Nachfolger, energisch um die Unterstuetzung der Gewerkschaften und erhielt sie auch. Um die Bereitschaft der Gewerkschaften,
die Parteigrenzen zu ueberschreiten, besonders hervorzuheben, machten die
leitenden Funktionaere der AFL in Washington und auf der letzten Sitzung des
Chicagoer "Executiv-Rates" ziemlich viel Aufhebens um Knight.
Im AFL-Exekutivrat gelobten zumindest drei Mitglieder - William McFetridge
von der Gewerkschaft der "Building Service Employees", Maurice Hutcheson von
der Zimmerleutegewerkschaft und Dave Beck von der Transportleutegewerkschaft der Republikanischen Partei mehr als einmal die Treue.
Andererseits wurden in Michigan die maechtigen, von hervorragenden
Funktionaeren geleiteten CIO-Automobilarbeiter unter der Fuehrung von Walter
Reuther zu einem entscheidenden Faktor in der Demokratischen Partei. Dies
veranlasste den republikanischen Parteivorsitzenden des Bundesstaates, John
Feikins, zu bitteren Angriffen.
Die Gewerkschaftsfuehrer erkennen tatsaechlich das Vorhandensein von 48
besonderen politischen Situationen an - eine fuer jeden Staat -, und sie
erklaeren, dass sie nicht beabsichtigen, irgendeiner Partei besondere Zugestaendnisse zu machen. Die organisierte Gewerkschaftsbewegung duerfte es jedoch trotzdem schwer haben, einige politische Fuehrer von ihrer Parteilosigkeit zu ueberzeugen.
In diesem Zusammenhang wies Praesident Eisenhower auf dem Fusionskongress
besonders auf die Bedeutung demokratischer Verfahren in gewerkschaftlichen
Organisationen hin: "Das Recht der Minderheiten, die verschiedene soziale,
wirtschaftliche und politische Anschauungen haben, muss sorgsam gewahrt und
ihre Anschauungen genauestens wiedergegeben werden".
Zudem uebten mehrere bedeutende republikanische Sprecher waehrend und
kurz vor dem "Gruendungs-Kongress" scharfe Kritik an den Fuehrern der organisierten Gewerkschaftsbewegung. Senator Barry Goldwater aus Arizona, der
Leiter des "Republican Senate Campaign Committee" (Ausschuss republikanischer
Senatoren fuer Wahlfeldzuege) behauptete, dass "machthungrige Gewerkschaftsbosse" die politische Freiheit der Gewerkschaftsmitglieder bedrohen, indem
sie ihr Geld fuer politische Zwecke verausgabten, ohne dabei ihre eigentlichen
Anschauungen zu beruecksichtigen. Senator William F. Knowland aus Kalifornien,
der Oppositionsfuehrer im Senat, fragte, ob die Leitung der AFL-CIO "von denjenigen verschlungen wuerde, die darauf aus sind, die Gewerkschaftsorganisationen zu einer korrupten Clique auf nationaler Basis werden zu lassen."
Ein anderer republikanischer Senator war jedoch schnell zur Verteidigung
der Gewerkschaften bereit. "Von dem, was ich von der organisierten Gewerkschaftsbewegung weiss," so aeusserte Senator Clifford P. Case aus New Jersey,
"zweifle ich daran, ob es ueberhaupt irgendeine grosse Strategie gibt, die
darauf abzielt, die Kontrolle ueber die Regierung zu erlangen und uns alle
dazu zu zwingen, Beitraege zu zahlen und Streikplakate vor uns her zu tragen.
- 11 -

�Einige behaupten, dass der Zusammenschlugs zwischen AFL und CIO die Eroberung
der Demokratischen Partei bedeuten wird. Ich finde, man kann sich nur sehr
schwer vorstellen, dass ein amerikanischer Gewerkschafter sein sauer verdientes Geld dafuer aufwenden sollte, um die Wiederwahl von Senator Eastland (Miasissipi) oder Gouverneur Talmadge (Georgia) durchzusetzen.
Der republikanische Gouverneur Fred Hall aus Kansas, der in den mit
aller Schaerfe gefuehrten Vorwahlen zu den Gouverneurswahlen als republikanischer Kandidat die Unters tuetzung der Gewerkschaft suchte und auch erhielt,
machte kuerzlich die Republikanische Partei fuer alle Differenzen mit der
organisierten Gewerkschaftsbewegung verantwortlich.
Er behauptete, dass die G.O.P. bereits seit 25 Jahren mit der Gewerkschaftsbewegung in Streit liege. "Unsere Beziehungen haben augenblicklich
einen beklagenswerten Status erreicht," so erklaerte er. "Die republikanische Opposition zu der Reform des Taft-Hartley-Gesetzes", so fuegte er
hinzu, "ist einer der Gruende, weshalb die Republikanische Partei 1954 im
Kongress eine Niederlage erlitt."
Die gewerkschaftlichen Beifallskundgebungen, die Halls Bemerkungen
ausloesten, verstaerkten die Bedeutung dieser ernsten Bewertung der gegenwärtigen Situation durch George Meanyt "Die Opposition, der wir uns heute
gegenuebersehen, ist noch schlimmer als zu Zeiten der Unternehmerspione
und Rowdies, der Schwarzen Liste und des sogenannten "amerikanischen Plans".
Das Schlachtfeld ist nicht laenger die Fabrik oder gar die Streikkette. Es
hat sich in die Kongresshallen und die verfassungsgebenden Versammlungen der
Einzelstaaten verlagert. An diesen Fronten haben wir in den vergangenen Jahren eine Niederlage erlitten, einmal durch die Inkraftsetzung des Taft-HartleyGesetzes und anderer restriktiver Bundesgesetze und neuerdings durch die in
18 Staaten erfolgte Annahme der ihren Namen zu Unrecht fuehrenden "right-towork"-Gesetze. (right to work - das Recht auf Arbeit). Diese Gesetze stellen
geradezu eine Existenzbedrohung der Gewerkschaften dar, da sie auf die Vernichtung der gewerkschaftlichen Sicherheit abzielen."
Als Gouverneur Hall den "right-to-work"-Gesetzentwurf ablehnte, ging
er noch einen Schritt weiter als Meany. Er erklaerte, dass dieses Gesetz
"das Prinzip der TarifVerhandlungen zerstoert haben wuerde."
Trotz der allgemein anerkannten Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung
auf politischem Gebiet behaupten starrkoepfige Gewerkschaftsfunktionaere,
dass Politiker und Unternehmer als erste zu der Einsicht gekommen sind, dass
nur eine zweckmaessige Organisation Fruechte zeitigt. Aus diesem Grunde verdient die Struktur der neuen AFL-CIO besondere Bedeutung.
An der Spitze der neuen Dachorganisation stehen der 6ljaehrige Vorsitzende George Meany und der 52jaehrige Hauptkassierer William F. Schnitzler.
Meany ist wahrscheinlich der bekannteste Klempner der Welt, waehrend Bill
Schnitzler, ein Baecker aus Newark (New Jersey), Vorsitzender der Baeckereiarbeiter-Gewerkschaft (AFL) und spaeter HauptKassierer der AFL war, ehe er
in der neuen Organisation das gleiche Amt uebernahm. (Schluss folgt)
(Aus : "Collier's")

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�)

Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 8

Mehlem, den 13. April 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Arbeitspotential und Lebensstandard in Puerto Rico

Seite

1

24 und 32 Stunden Arbeitszeit in Rotchina

Seite

9

"Westinghouse"-Streik nach 156 Tagen beigelegt

Seite 11

,Samuel Weiss und A.J. Jaffe:
Arbeitspotential und Lebensstandard in Puerto Rico
Das Commonwealth von Puerto Rico ist einmalig in
der politischen Geschichte Amerikas. Es wurde als "neue
Staatsform" bezeichnet. Dieses Commonwealth ist weder
eine Kolonie, noch ein Dominion im Sinne des britischen
Commonwealth, jedoch auch keine separate unabhaengige
Nation. Es ist ebenfalls kein Commonwealth wie es die
Philippinen einst waren und weder ein Mitgliedstaat der
Union, noch ein "incorporated territory", wie es frueher
die meisten Staaten der Union waren. Es besitzt praktisch
die gleiche Autonomie in lokalen Angelegenheiten wie ein
Staat der Union; die amerikanische Bundesregierung geniesst in Puerto Rico die gleiche Autoritaet wie in einem
Staat der Union, Puerto Rico leistet dem US-Schatzamt jedoch nur in ganz geringem Masse finanzielle Abgaben und
besitzt keine Wahlvertretung im Kongress.
Bis vor einigen Jahren war Puerto Rico noch ein typisches unterentwickeltes Land, das sich nicht wesentlich von den vielen heutigen
Gebieten dieser Art unterschied, die dringend wirtschaftlicher Hilfe
beduerfen. Die*Wirtschaft der Insel war in der Hauptsache Von der Erzeugung von Zuckerrohr abhaengig, das fuer den Export angebaut wurde.
Einige andere Frodukte wie Kaffee und Tabak wurden dagegen nur in geringen Mengen erzeugt. Von den wenigen einheimischen, hauptsaechlich
- 1 -

�handwerklichen Fertigungsbetrieben fielen nur solche, die Handarbeiten
herstellten, wirklich ins Gewicht. Da der groesste Teil des Ackerlandes
fuer den Anbau von Zuckerrohr genutzt wurde, musste ein hoher Prozentsatz der fuer die Versorgung der Bevoelkerung notwendigen Nahrungsmittel
importiert werden.
Der Mangel an fruchtbarem Ackerboden (nur etwa die Haelfte des Landes ist anbaufaehig) und die ausserordentlich hohe Bevoelkerungsdichte
(ueber 63O Personen pro 2,6 km2) Hessen die Landwirtschaft zu einer
ausserordentlich unbefriedigenden Basis fuer die Wirtschaft Puerto Ricos
werden. Auf Grund der herrschenden Verhaeltnisse waren die Menschen ziemlich arm und es zeigten sich alle Begleiterscheinungen der Armut, wie
Arbeitslosigkeit, Analphabetentum, eine hohe Sterblichkeitsrate, Wohnraummangel und so weiter.
Mitte der dreissiger Jahre beschaeftigte sich die Regierung von Puerto
Rixo sehr eingehend mit der Frage, wie man die Wirtschaftslage der Insel
verbessern koennte. In diese Zeit fielen dann auch verschiedene wichtige
Foerderungsmassnahmen, wie beispielsweise die starke Ausweitung der Wasserkraftwerke, der Bau einer Zementfabrik, die Erweiterung des Strassensystems und die Durchfuehrung verschiedener finanzieller Massnahmen zur
Unterstuetzung der wirtschaftlichen Entwicklung.
Ein wirkliches wirtschaftliches Entwicklungsprogramm wurde jedoch
erst im Jahre 1940 in Angriff genommen, als die Demokratische Volkspartei
(unter Leitung des jetzigen Gouverneurs Luis Munoz Marin) die Amtsgeschaefte uebernahm. Der zweite Weltkrieg foerderte und behinderte das
Programm zugleich. Projekte, die fuer die Kriegfuehrung der Vereinigten
Staaten von direktem Interesse waren, wurden weiterentwickelt, andere
wurden zurueckgestellt. Nach dem Krieg verstaerkte die Regierung dann
wieder ihre Bemuehungen zur reinen Wirtschaftsfoerderung.
Seit 1940 sind praktisch auf jedem sozial-wirtschaftlichen Gebiet
erhebliche Verbesserungen eingetreten. Gesundheitsfoerderung und die Anwendung moderner Methoden in der oeffentlichen Gesundheitsfuersorge
hatten im Zusammenwirken mit allgemeinen wirtschaftlichen Verbesserungen
ein Absinken der Sterberate von 18,4 pro Tausend im Jahre 1940 auf 7»7
pro Tausend im Jahre 1954 zur Folge. Zur gleichen Zeit stieg die Lebenserwartung von 46 Jahren im Jahre 1940 auf 61 im Jahre 1954 - das bedeutet ueber einen Zeitraum von 15 Jahren hinweg eine jaehrliche Zunahme um
ein Jahr.
. Die Zahl der Einschreibungen an den Bildungsinstituten in Puerto
Rico stieg von weniger als 300 000 im Jahre 1940 auf nahezu 600 000 im
Jahre 1954« Waehrend des gleichen Zeitraums erhoehten sich die Regierungsaufwendungen fuer Bildung und Erziehung von 7 auf 38 Millionen Dollar
pro Jahr.
Auf dem Gebiet des Wohnungsbaus wurden betraechtliche Fortschritte
durch die Beseitigung der Slums und die oeffentlichen Wohnbauprogramme
erreicht. Die Kraftwerke wurden erheblich erweitert« Zwischen 1940 und
1952 stieg die Elektrizitaetserzeugung von 174 Millionen auf 735 Millionen Kilowattstunden. Ebenso wurden auf dem Transport- und Nachrichtensektor sowie in der Wasserversorgung und Kanalisation grosse Fortschritte
erzielt.
Bevoelkerung und Arbeitskraefte
Auswirkung der Bevoelkerungsschwankungen. Zwischen 1940 und 1954 nahm
das Arbeitspotential im grossen und ganzen im gleichen Verhaeltnis wie
die Zahl der im arbeitsfaehigen Alter stehenden Bevoelkerung zu (i.e.
Angehoerige der Zivilbevoelkerung im Alter von 14 Jahren und darueber
ausschliesslich Anstaltsinsassen). Wie aus den folgenden Zahlen hervorgeht,

- 2 -

�bestand das Arbeitskraeftepotential im April 1940 zu 52% aus Puerto Ricanern im arbeitsfaehigen Alter; im April 1950 waren es 55»696; und im
April 1953
48,6%.
Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter

Arbeitskraef
tepotential

April 1940

1 150 000

598 000

April 1950

1 293 000

719 000

April 1954

1 275 000

631 000

April 1955

1 327 000

644 000

Die Veraenderungen des Arbeitskraeftepotential3 und die Bevoelkerungsveraenderungen verliefen durch Auswanderung und Militaerpflicht
bedingt, nicht genau parallel. Da normalerweise viel mehr Maenner als
Frauen im Arbeitsleben stehen, hatten die Einberufungen zum Militaer
in den 50er Jahren eine Verringerung des Arbeitskraeftepotentials bei
einer gleichzeitigen leichten Zunahme der Erwachsenenbevoelkerung zur
Folge.
Die Zahl der Zivilpersonen im Alter von 14 Jahren und darueber stieg
in Puerto Rico zwischen April 1940 und April 1950 um 143 000 Personen an.
Waehrend dieses 10jaehrigen Zeitraums wanderten etwa 154 000 Personen
(zumeist im arbeitsfaehigen Alter) nach dem Festland ab; das sind etwa
13% der Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter von 1940; seitdem betrug
die natuerliche Zunahme der Erwachsenenbevoelkerung nahezu 300 000 pro
Jahrzehnt oder 2^% pro Jahr.
Zwischen April 1950 und April 1954 ging die Zahl der im arbeitsfaehigen Alter stehenden Bevoelkerung von 1 293 000 auf schaetzungsweise
1 275 000 zurueck. Die Zahl der Personen ueber 14 Jahre, die zum Festland
abwanderten, betrug ungefaehr 160 000 oder etwa 12% der im Jahre 1950
in Puerto Rico lebenden Zahl; dies ist ein ungewoehnlich hoher Ausfall.
Ausserdem wurden etwa 36 000 Mann zum Militaerdienst eingezogen. Waehrend
dieser 4 Jahre stieg die Zahl der Erwachsenen jedoch auf 178 000 oder
um ueber 3% pro Jahr.
Die Geburtenrate. Im Vergleich zu den kontinentalen Vereinigten Staaten
verzeichnet Puerto Rico eine sich aus der hohen Geburtenziffer des vergangenen Jahrzehnts ergebende hohe Wachstumsrate seiner im arbeitsfaehigen Alter stehenden Bevoelkerung. Vor 1940 war die Sterbeziffer fuer die
heutigen Verhaeltnisse ebenfalls recht hoch (18,4 pro 1000 im Jahre
1940), waehrend der 40er Jahre fiel sie jedoch rapide. Im Jahre 1950
war sie noch immer ziemlich hoch, etwa 15 pro 1000; bis zum Jahre 1954
war sie jedoch auf 7,7 VTO 1000 abgesunken und unterschied sich somit
nicht wesentlich von der Sterberate auf dem Festland. Der ueberaus rasche
Rueckgang der Sterberate waehrend der 50er Jahre im Vergleich zu den
vorhergehenden 10 Jahren trug zu der erhoehten natuerlichen Wachstumsrate
der Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter seit 1950 bei.
Waehrend der letzten 10 Jahre ist die Geburtenrate nicht stark genug
gesunken, um die kuenftige natuerliche Zunahme der Zivilbevoelkerung
im arbeitsfaehigen Alter wesentlich zu veraendern. Waehrend der Zeit von
1939 bis 1941 lag die Rate der Bevoelkerungszunahme bei etwa 184; 10
Jahre spaeter, zwischen 1949 und 1951» etwa bei 224 x ).
x) Im allgemeinen zeigt eine Rate von 100 an, dass Geburten- und Sterberate ungefaehr gleich sind; das heisst, dass sich waehrend einer Generation keine Bevoelkerungszunahme ergibt. Eine Rate von 220 bedeutet, dass
eine konstante Bevoelkerung sich im Laufe einer Generation um etwa 120^&gt;
vermehren wuerde, vorausgesetzt, dass die Geburts- und Sterberaten zu
allen Zeiten unveraendert bleiben.

- 3-

�Im Jahre 1953 und 1954 lag die Rate der Bevoelkerungszunahme etwa bei
220. Diese Rate deutet daraufhin, dass sich die Bevoelkerung von Puerto
Rico in deu. naechsten 25 bis 30 Jahren mehr als verdoppeln koennte. Ob
dies eintreten wird, ist allerdings schwer vorauszusagen, da sich gewisse
Aenderungen der Geburts- und Sterberaten ergeben werden.
Selbst wenn die Geburtenrate in Zukunft zurueckgehen und den Stand
der kontinentalen Vereinigten Staaten erreichen sollte (Bevoelkerungszuwaohsrate von 156 im Jahre 1952), so wird es viele Jahre dauern, bevor solche Rueckgaenge die natuerliche Zunahme der Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter zahlenmaessig beeintraechtigen. Dies erklaert sich
aus der Tatsache, dass zwischen der Geburt und der Zeit, in der eine Person das arbeitsfaehige Alter erreicht, ein Zeitraum von 14 Jahren liegt.
Zur Zeit uebersteigt die Geburtenziffer die der Todesfaelle um 65 000
pro Jahr. In 14 Jahren wird der Ueberschuss noch immer etwa 60 000 pro
Jahr betragen, vorausgesetzt, dass keine Auswanderung erfolgt.
Auswanderung, eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die kombinierten
Auswirkungen der frueheren hohen Geburtenraten und der niedrigeren Auswandererzahl machten sich besonders in der Zeit von April 1954 his Maerz
1955 bemerkbar. Die natuerliche Zunahme der Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter belief sich in diesem Jahr auf etwa 52 000. Gleichzeitig liess
die Wirtschaftsflaute in den kontinentalen Vereinigten Staaten die Auswanderungsziffer auf etwa 16 000 Zivilisten ueber 14 Jahren zurueckgehen,
im Vergleich zu 36 000 in der Zeit von Maerz 1953 bis Maerz 1954» Ausserdem fuehrte die Verringerung der Streitkraefte dazu, dass etwa 16 000
mehr Maenner ins Zivilleben zurueckkehrten als man urspruenglich erwartet
hatte. Durch die groesseren Entlassungen aus den Streitkraeften wurde
der Verlust an Arbeitskraeften durch Auswanderung wieder ausgeglichen.
Der natuerliche BevoelkerungsZuwachs an arbeitsfaehigen Zivilpersonen betrug 52 000 und stieg bis 1. April 1955 auf ungefaehr 1 327 000. Dies bedeutet eine Zunahme von ungefaehr 4$ innerhalb eines Jahres. Waehrend
des gleichen Jahres stieg die arbeitsfaehige Bevoelkerung der kontinentalen Vereinigten Staaten um etwa 1$.
Innerhalb.eines Jahres wurde also auf Grund des Rueckganges der Auswanderungen der Abwanderungsverlust in den Jahren 1951 bis 1954 durch
die steigende Bevoelkerungsziffer in Puerto Rico mehr als ausgeglichen.
Am 1. April 1955 war die Bevoelkerung, die in den Arbeitsprozess eingeschaltet werden konnte, um etwa 34 000 Personen groesser als am 1. April
1950. Falls die Auswanderung auch weiterhin so stark eingeschraenkt bleiben sollte, waere die Zunahme des Arbeitskraeftepotentials so gewaltig,
dass die Schwierigkeiten in der Beschaffung ausreichender zusaetzlicher
Arbeitsplaetze erheblich vergroessert wuerden. Tatsaechlich waere eine
verstaerkte Auswanderung unerlaesslich fuer eine weitere wirtschaftliche
Entwicklung.
Industrielle Entwicklung
Regierungsmassnahmen. Das Kernstueck der Bemuehungen des Commonwealth
zur Verbesserung der Wirtschaftslage der Insel war das Programm "Operation
Bootstrap" ("Operation Schnuersenkel"), das die Foerderung der industriellen Entwicklung zum Ziele hatte. Die Regierung von Puerto Rico war sich
dabei der Tatsache bewusst, dass eine Produktivitaetssteigerung durch
industrielle Expansion einen wichtigen Faktor im Hinblick auf die Foerderung der puertoricanischen Wirtschaft darstellen wuerde - einer Wirtschaft, deren Rahmen von einer grossen Bevoelkerungsdichte, Mangel an
Naturvorkommen, staendiger Arbeitslosigkeit und einem verhaeltnismaessig
niedrigen Lebensstandard gebildet wird.
Zur Unterstuetzung einer solchen Industrialisierung und um neue Industrien auf die Insel zu ziehen, hat das Commonwealth verschiedene

-4 -

�wirtschaftliche Anreize, wie Steuerbefreiung, Bereitstellung industrieller Dienstleistungen, Bereitstellung von Fabrikgebaeuden und sonstige
Hilfsleistungen geschaffen. Als unmittelbares Ergebnis dieser Bemuehungen
konnten Ende des 2. Weltkrieges und April 1954 287 neue Fertigungsbetriebe ihre Taetigkeit aufnehmen. Im April 1954 beschaeftigten sie ungefaehr 23 000 Personen oder ein Drittel aller Beschaeftigten in der Fertigungsindustrie .
Im allgemeinen sind diese von der Regierung gefoerderten Werke wesentlich groesser als andere puertoricanische Fabriken; sie beschaeftigen durchschnittlich etwa 80 Arbeiter pro Werk, das ist nahezu das .Dreifache des Arbeitspotentials sonstiger Fabriken. Sie verwenden zum groessten
Teil moderne Maschinen und produzieren Gueter, die hinsichtlich Art und
Qualitaet den auf dem Festland erzeugten in nichts nachstehen. Hierzu gehoeren Bekleidung, elektronische Produkte, elektrische Rasierapparate,
Radioersatzteile sowie pharmazeutische Erzeugnisse. Da Puerto Rico zu den
Vereinigten Staaten gehoert, ruht kein Zoll auf den von Fuerto Rico nach
dem Festland ausgefuehrten Waren.
Puerto Ricos industrielles Entwicklungsprogramm hat innerhalb eines
verhaeltnismaessig kurzen Zeitraums eine Strukturveraenderung in der Fertigungsindustrie hervorgerufen. Im April 1946 waren beispielsweise noch
6 von 10 Arbeitern in Fabrikationsbetrieben der Nahrungsmittel- und Tabakindustrie taetig, waehrend es im April 1954 nur noch 4 von 10*) waren.
Die Bemuehungen der Regierung, die Industrie umzustellen, kommen ebenfalls in der Tatsache zum Ausdruck, dass im April 1954 nur 7$ der Arbeiter in von der Regierung gefoerderten Unternehmen mit der Herstellung
von Nahrungs- und Tabakwaren beschaeftigt waren.
Auf lange Sicht gesehen, duerfte der wichtigste Aspekt der Bemuehungen, die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, eine gezielte Durchfuehrung des Industrialisierungsprogramms sein. In dem Masse naemlich,
in dem neue und verhaeltnismaessig gute Arbeitsplaetze durch die Unteratuetzung der Regierung geschaffen werden, tendieren sie dazu, eine vielfaeltige Wirkung auszuloesen. Der Bedarf an Verbrauchsguetern, Wohnungen und so weiter ist in stetigem Steigen begriffen. Wenn dieser Trend
noch laengere Zeit anhaelt, wird eine wirtschaftliche Entwicklung im
grossen Stil stattfinden.
Die wechselnde Beschaeftigungsstruktur. Im April 1954 waren 36$
aller Beschaeftigten in Puerto Rico in der Landwirtschaft beschaeftigt,
im Vergleich zu 37$ im April 1950 und 45$ i m April 1940. Die Mehrzahl
dieser Werktaetigen arbeitete in den Zuckerrohrfeldern. Ausserhalb der
Saison arbeitete ein groesserer Teil dieser landwirtschaftlichen Hilfskraefte auf Kaffee- und Tabakfeldern.
Unter den nichtlandwirtschaftlichen Industriezweigen beschaeftigte
der Handel (Gross- und Einzelhandel) im April 1954 die meisten Arbeiter
und Angestellten, etwa 85 000 oder 15$ aller Erwerbstaetigen. Es folgte
die Fertigungsindustrie (ausser Heimarbeit) mit etwa 72 000 Beschaeftigten. Die drittgroesste Gruppe bildeten die verschiedenen Dienstleistungsindustrien, die insgesamt 63 000 Personen beschaeftigten.
Den auffaelligsten Wechsel gegenueber frueheren Zeiten stellt die
steigende Beschaeftigungsziffer in den besser zahlenden und produktiveren Industriezweigen dar. Im Gegensatz dazu steht der Beschaeftigtenrueckgang in den Industriezweigen mit niedrigerer Lohnskala. Besser verguetete
Taetigkeiten finden sich in der Bau-, der Fertigungsindustrie (ausser
) Diese Zahlen wurden Veroeffentlichungen des puertoricanischen Arbeitsministeriums, Buero fuer Arbeitsstatistik, entnommen.

�Heimarbeit) und dem Sektor "Transport", "Nachrichtenwesen" und "oeffentliche Dienste". Staatliche Angestellte, wie Lehrer, Feuerwehrleute,
Polizisten, Aerzte, Krankenschwestern und sonstige Bediensteten der
oeffentlichen Gesundheitspflege sowie Verwaltungsangestellte, gehoeren
ebenfalls zur Gruppe der "Besserbezahlten". Insgesamt stieg die Beschaeftigtenziffer dieser Gruppe in den Jahren 1950 his 1954 um etwa 13 000
an.
Die scnlechter bezahlten und weniger produktiven Arbeitsplaetze finden sich in der Landwirtschaft, in Heimarbeitsbetrieben, den kaufmaennischen Berufen (speziell dem Einzelhandel, zu dem auch fliegende Haendler,
Hausierer und so weiter gehoeren) und dem Dienstleistungsgewerbe (speziell hauswirtschaftliche Hilfskraefte). Die Beschaeftigtenziffer (einschliesslich helfender Familienangehoeriger ohne Bezahlung) in diesen
Industriezweigen ging von 1950 bis 1954 auf 93 000 zurueck. Der bedeutendste Rueckgang war in der Heimarbeitindustrie zu verzeichnen; hier fiel
die Beschaeftigtenzahl von 61 000 auf 25 000 oder von 10$ aller Beschaeftigten auf 4$.
Da die Zahl der Arbeitslosen waehrend dieses Zeitraums abnahm, obwohl
der Anteil der Arbeitslosen am Gesamtarbeitskraeftepotential der gleiche
blieb, scheint es, dass diese Personen nicht von solchen Arbeitsplaetzen
entlassen wurden, die allgemein gefragt sind. Wahrscheinlicher ist, dass
sie entweder in die besser zahlenden Industriezweige abwanderten, nach
den kontinentalen Vereinigten Staaten auswanderten oder aber Soldat wurden. Ausserdem kann angenommen werden, dass einige Frauen und aeltere
Maenner aus dem Arbeitsprozess ausschieden.
Veraenderungen der Arbeitslosenziffer. Im April 1940 betrug die
Arbeitslosenrate fuer Maenner etwa 16,2$. Bis April 1950 war sie auf
10,4$ gefallen und bis April 1954 auf 9»0$. Verschiedene Faktoren, unter
anderem auch die vom Commonwealth ausgehende Foerderung der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die seit dem Ende des 2. Weltkrieges auf dem
Festland nahezu erreichte Vollbeschaeftigung und die hohe Auswanderungsziffer - trugen dazu bei, dass die Arbeitslosenrate der Maenner zurueckging.
Die Arbeitslosenrate der weiblichen Arbeitnehmer scheint sich in
den 50er Jahren kaum geaendert zu haben, sie schwankte zwischen 10 und
14$ und liess keinen bestimmten Trend erkennen*/. Nahezu saemtliche erwerbstaetigen Frauen sind in nichtlandwirtschaftlichen Berufen taetig.
Starke saisonale Schwankungen in der Arbeitslosenziffer treten immer
noch in den Zuckerrohrplantagen auf. Zwischen Februar und Mai oder Juni
wird das Zuckerrohr geschnitten und die Beschaeftigtenzahl erreicht dann
ihren Hoechststand. Waehrend dieser Monate sinkt die Arbeitslosenrate
in der Landwirtschaft auf etwa 5$- Ausserhalb der Saison liegt die Arbeitslosenziffer oftmals sogar bei 20$. In den nichtlandwirtschaftlichen
Berufen treten im Gegensatz dazu nur geringe saisonale Schwankungen auf
und die Arbeitslosenrate variiert nur zwischen 10 und 14$»
Trotz des Rueckgangs der Arbeitslosigkeit leidet Puerto Rico noch
immer unter chronischer Arbeitslosigkeit, von der im Durchschnitt ungefaehr 15$ der Arbeitskraefte betroffen werden. Dies ist eines der wesentlichsten Probleme des Commonwealth. Waehrend der vergangenen Jahre hat
sich der Bevoelkerungsdruck durch die in grossem Umfang erfolgte Auswanderung nach dem Festland erheblich verringert. Die hoechste Auswanderungsziffer wurde im Jahre 1953 mit 69 000 erreicht; im Jahre 1954
x) Diese Zahlen schliessen die mit Heimarbeit beschaeftigten Frauen aus,
da hier die Arbeitslosigkeit schwer messbar ist. Vergleichszahlen
fuer das Jahr 1940 liegen nicht vor.

�sank sie auf etwa 22 000.
Wenn ein derartiger Auswanderungshoechststand wie im Jahre 1953
in Zukunft nicht mehr erreicht werden sollte, so wird die Arbeitslosigkeit ein wahrscheinlich noch viel groesseres Ausmass annehmen als bisher, da die Zahl der Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter stetig zunimmt und damit auch das Arbeitskraeftepotential. Die Wirtschaft sieht
sich augenblicklich vor die schwierige Aufgabe gestellt, genuegend zusaetzliche und verhaeltnismaessig gut bezahlte Arbeitsplaetze fuer die
zur Zeit Unterbeschaeftigten oder Arbeitslosen zu beschaffen. Der natuerliche Bevoelkerungsanstieg macht es, falls er nicht durch Auswanderung ausgeglichen werden kann, notwendig, dass pro Jahr etwa 2 bis 4$
zusaetzlicher neuer Arbeitsplaetze fuer das steigende Arbeitskraeftepotential zur Verfuegung gestellt werden.
Verbesserung des Lebensstandards
Durch die "Operation Schnuersenkel" konnten seit Ende des 2. Weltkriegs, unterstuetzt durch die starke Auswanderung, betraechtliche
wirtschaftliche Gewinne fuer die Einwohner Puerto Ricos erreicht werden. Die Auwanderung wirkte als Ausgleich der natuerlichen Bevoelkerungszunahme; dadurch brauchten die waehrend dieser Zeit erzielten wirtschaftlichen Gewinne nicht unter eine stetig wachsende Bevoelkerung aufgeteilt zu werden. Stattdessen gelangten sie jedes Jahr an die gleiche
Zahl Personen zur Verteilung, so dass im Durchschnitt gesehen jede Person ihren Lebensstandard verbessern konnte.
Als Folge hiervon stiegen die Einkuenfte von Einzelpersonen und
Familien im Laufe der letzten 15 Jahre weitaus schneller als die Preise
und setzte sie somit in die Lage, mehr Gueter und Dienstleistungen erwerben zu koennen und ihre materiellen Beduerfnisse in staerkerem Masse
als bisher zu befriedigen. Alle in den Hauptwirtschaftssektoren Taetigen
- Lohnempfaenger, Farmer und Geschaeftsleute - hatten an diesem wirtschaftlichen Fortschritt teil. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen
in Puerto Rico ist heute hoeher als in den meisten suedamerikanischen
Laendern, obgleich es bei weitem noch nicht das Pro-Kopf-Einkommen der
am niedrigsten liegenden nordamerikanischen Festlandstaaten erreicht hat.
Hoeheres Familieneinkommen. Das Durchschnittseinkommen einer Arbeitnehmerfamilie in Puerto Rico stieg von 360 Dollar im Jahre 1941 auf
1081 Dollar im Jahre 1952 und auf 1180 Dollar im Jahre 1953x^• Das gestiegene Einkommen machte sich jedoch nicht ausschliesslich in Form einer
hoeheren Kaufkraft bemerkbar. Um einen 80,3prozentigen Anstieg der Lebenshaltungskosten zwischen 1941 und 1953 auszugleichen, haette die
durchschnittliche Arbeitnehmerfamilie ihr Einkommen von 36O Dollar auf
649 Dollar steigern muessen, um ihre Kaufkraft aufrechtzuerhalten.
Die Differenz zwischen diesem Ausgleichspunkt und dem tatsaechlichen
Durchschnitt des Jahres 1953 in Hoehe von 1180 Dollar stellt die Verbesserung des Realeinkommens dar. Diese Erhoehung betrug im Laufe des
12jaehrigen Zeitraums 82$. Auf Jahresbasis umgerechnet, belief sich die
Erhoehung des Realeinkommens auf etwas ueber 5$ pro Jahr. Angefangen
mit jedem beliebigen Jahr würde diese Wachstumsrate das Einkommen im
Laufe von 8 Jahren um 50$ erhoehen und es in ungefaehr 14 Jahren verdoppeln - ein bemerkenswert rascher Fortschritt.

Einschliesslich unregelmaessiger finanzieller Einkuenfte wie beispielsweise Erbschaften oder des Geldwerts von Nahrungsmitteln, die fuer
den eigenen Bedarf produziert wurden. Die Unterlagen fuer 1941 wurden der Publikation "Einkuenfte und Ausgaben der Lohnempfaenger in
Puerto Rico" des puertoricanischen Arbeitsministeriums entnommen;
die Zahlen fuer 195^ und 53 entstammen Einkommens- und Ausgabeuebersichten des puertoricanischen Arbeitsministeriums, Buero fuer Arbeitsstatistik.

- 7-

�Im Laufe der 12 Jahre von 1941 bis 1953 stieg der Prozentsatz der
Arbeitnehmerfamilien mit einem Jahreseinkommen von 1000 Dollar und
darueber von 2,9 auf 52,2 und derjenige der Arbeitnehmerfamilien mit
einem Einkommen unter 500 Dollar .verringerte sich von 80,9 auf 6,9«
Verwendung des Familieneinkommens. Das gestiegene Familieneinkommen hatte eine Verschiebung der Ausgabenstruktur zur Folge. Im Jahre
1952 (Zahlenmaterial ueber Ausgaben im Jahre 1953 ist noch nicht verfuegbar) gaben die Arbeitnehmerfamilien einen verhaeltnismaessig geringeren Teil ihres Einkommens fuer Nahrungsmittel und verhaeltnismaessig
mehr fuer Kleidung und Haushaltsgegenstaende (Moebel usw.) aus als im
Jahre 1941, wie sich aus der folgenden Tabelle ergibt«
Prozentsatz der Ausgabenverteilung
1952

1941

100,0

100,0

51,5

58,0

Miete

9,3

10,2

Einrichtungsgegenstaende

5,9

2,4

13,0

8,3

2,2

5,1

18,1

16,0

Gesamtauslagen
Nahrungsmittel

..

(einschl. alkoholischer Getraenke)

Bekleidung
Aerztl. Behandlung
Sonstiges

Obgleich der Einkommensanteil, der fuer Nahrungsmittel aufgewendet
wurde, zurueckging, ermoeglichte es die Einkommenssteigerung den Arbeitnehmerfamilien, mehr und bessere Nahrungsmittel zu kaufen und trotzdem noch genuegend Geld uebrig zu behalten, um sonstige Waren kaufen zu
koennen. Die Auslagen fuer aerztliche Betreuung sanken von 5,1 auf 2,2$,
und zwar auf Grund der erweiterten medizinischen und Gesundheitseinrichtungen in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Die Durchschnittsarbeitnehmerfamilie kaufte im Jahre 1952 2,7 mal so viel Textilien und 4,2 mal so viel
Moebel wie im Jahre 1941. Diese Aenderungen im Ausgabenschema zeigen deutlich, dass eine Besserung des Lebensstandards eingetreten ist.
Gestiegenes Pro-Kopf-Einkommen. In den vergangenen Jahren konnten
alle wichtigen Sektoren Puerto Ricos bedeutende Gewinne verzeichnen.
An Hand der vom Planungsausschuss Puerto Ricos zusammengestellten Zahlen stieg das Pro-Kopf-Einkommen von 233 Dollar im Jahr 1943/44 auf 431
Dollar im Jahr 1953/54» Waehrend des 10jaehrigen Zeitraums stiegen die
Lebenshaltungskosten um 37,7$; hieraus resultierte eine etwa 34prozentige
Erhoehung des Realeinkommens, das sind 3,1$ pro Jahr im Vergleich zu einer
85prozentigen Erhoehung des Geldeinkommens.
Diese Zahlen weisen darauf hin, dass sich das Einkommen der Arbeitnehmerfamilien (mit einer etwa 5Pr°zentigen Erhoehung des jaehrlichen
Realeinkommens zwischen 1941 und 1953) in etwas schnellerem Masse erhoehte als das Pro-Kopf-Einkommen fuer die Insel als Ganzes. Zwischen
1943 und 1944 und 1953 bis 1954 ergab sich jedoch keine wesentliche Aenderung der Verteilung des Einkommensschemas. Weder die Loehne noch die
Gewinne stiegen auf Kosten des anderen. Die Verguetung der Arbeitnehmer
stieg von 61,2 auf"62,6$ des Gesamteinkommens 5 der Anteil der Nettogeschaeftsgewinne stieg von 30,9 auf 32,6$; die Nettozinsertraege gingen
von 1,9 auf 0,8$ zurueck und das Renteneinkommen sank von 5,6 auf 4,0$.
Von 1939 bis 1949 war die Wachstumsrate des Pro-Kopf-Einkommens in
- 8 -

�Puerto Rico groesaer als in jedem uebrigen Land der westlichen Hemisphaere, fuer das Vergleichszahlen vorhanden sind. In konstanten Preisen gemessen, stieg das pro-Kopf-Einkommen von Puerto Rico waehrend dieses 10jaehrigen Zeitraums um 67$ im Vergleich zu 23$ in Kuba, 37$ in
den kontinentalen Vereinigten Staaten, 48$ in Kanada und 52$ in Mexiko.
Vergleich mit suedamerikanischen Laendern. Obwohl die juengsten in
Puerto Rico erreichten wirtschaftlichen Verbesserungen ausserordentlich
bemerkenswert waren, liegt das Durchschnittseinkommen und der durchschnittliche Lebensstandard doch noch immer erheblich unter demjenigen des
Festlandes. Im Jahre 1952 war das Pro-Kopf-Einkommen in Mississippi mit
826 Dollar (das niedrigste der Vereinigten Staaten) noch immer zweimal
so hoch wie das in Puerto Rico.
Im Vergleich zu den suedamerikanischen Laendern geht es Puerto Rico
jedoch ausgezeichnet. Im Jahre 1952 betrug das Bruttosozialprodukt pro
Kopf (das stets groesser ist als die im Durchschnitt an Einzelpersonen
geleisteten Einkommenszahlungen) 469 Dollar. Dies war hoeher als das
jedes suedamerikanischen Landes mit Ausnahme von Argentinien.

Argentinien

Pro Kopf
Pro Kopf
BruttosozialBruttosozialprodukt
produkt
(Preise d.Jhs.1952)
(Preise d.Jhs.1952)
Dollar
Dollar
Dominik. Republik
189
688
Guatemala

182

Nicaragua

168

Kuba

469
457
454

El Salvador

167

Panama

382

Paraguay

166

Uruguay

382

Honduras

134

Chile

335

Peru

118

Brasilien ..

278

Bolivien

109

Kolumbien ..

231

Ecuador

93

Costa Rica .

203

Haiti

Mexiko

199

Puerto Rico
Venezuela

..

62

Quellet Bericht ueber die wirtschaftliche Lage in Suedamerika,
Foreign Operations Administration, Office of Research, Statistics
and Reports, August 54, Tabelle 1.
Quellet "Monthly Labor Review ",
Dec 55, Vol. 78 No. 12

24 und 32 Stunden Arbeitszeit in Rotchina
Kommunistisches Magazin kritisiert Arbeitspraktiken in der Industrie
Ohne in den meisten Faellen eine Verguetung dafuer zu bekommen,
muessen die Industriearbeiter in Rotchina haeufig 24 und 32 Stunden
arbeiten. Dies geht aus dem rotchinesischen Magazin "Lao Tung" (Werktaetige) hervor, das sich in einem Artikel in einer der letzten Ausgaben
mit den Arbeitsverhaeltnissen und den Praktiken in der Industrie

- 9-

�auseinandersetzt. Wie das Magazin betont, "ist es allgemein an der
Tagesordnung, dass die Arbeiter zur Ableistung von Sonderschichten und
Ueberstunden angehalten" werden. Durch "diese Praktiken aber entstehen
dem "Staat", wie e8 weiter heisst, "grosse wirtschaftliche Verluste".
Desgleichen haetten sie einen "schlechten politischen Einfluss" im Gefolge und fuehrten haeufig zu schweren Unfaellen.
Der Artikel fuehrt dann weiter aus, dass die Arbeiter oft keine
Ueberstundenbezahlung erhielten und die abgeleistete Arbeitszeit als
"freiwillige Sonderschicht", "im voraus geleistete Arbeitszeit", "Nachholung verlorengegangener Arbeitszeit" und so weiter verbucht wuerde.
Der Artikel fuehrt dann einige konkrete Beispiele aus Industriebetrieben der Provinz Lianoningh an« "In der Pressluftwerkzeugfabrik in
Schenjang (Hukden) mussten Arbeiter, die auf Aushilfsposten beschaeftigt
wurden, fuenf -Tage und fuenf Naechte an ihren Arbeitsplaetzen bleiben;
in einem anderen extremen Fall wurden krank geschriebene Arbeiter zurueckgeholt und 32 Stunden ununterbrochen beschaeftigt. In Betriebsversammlungen wurde dann der "lobenswerte Geist" dieser Arbeiter, die an
ihrem Arbeitsplatz fuer zwei Tage und zwei Naechte geblieben waren, von
den Funktionaeren der "Brigaden" oeffentlich gefeiert."
"In dem Anschan-Stahlwalzwerk wurde der Gruppenleiter Chou Schou-Wen,
nachdem er bereits einen ganzen Tag anstrengend gearbeitet hatte, aufgefordert, noch weitere Ueberstunden in der Nachtschicht zu machen. Er
war aber bereits so erschoepft, dass er waehrend der Arbeit ausglitt und
mit einem Starkstromkabel in Beruehrung kam. Er wurde getoetet. Aehnlich
war es auch in der Werkzeugmaschinenfabrik in Schenjang, wo viele Arbeiter, die einen Tag und eine Nacht im Betrieb geblieben waren, bewusstlos umfielen, als sie sich damit abmuehten, schwere Lasten zu bewegen."
"In einem Werk in Huang-sche wurden die Arbeiter 24 Stunden lang
beschaeftigt. Wegen Uebermuedung waren sie dabei nicht mehr in der Lage,
sich voll auf ihre Arbeit zu konzentrieren, so dass in einer Nacht zwei
elektrische Bohrmaschinen und vier Beisszangen zu Bruch gingen."
Hinsichtlich der Nichtbezahlung von Ueberstunden heisst es dann in
dem Artikel des "Lao Tung" woertlich: "In der Maschinenreparaturwerkstatt des Tsai-tun-Bergwerkes in Panschi mussten die Arbeiter innerhalb
von sieben Monaten Ueberstunden in Hoehe von 2000 zusaetzlichen Arbeitstagen ableisten; anstelle von Bezahlung erfolgte hier die Verbuchung der
abgeleisteten Arbeitszeit als "Gutschrift fuer Urlaubstage". In der NEAbteilung der Dairen-Chemiemaschinenfabrik wurden die Ueberstunden als
"im voraus abgeleistete Arbeitszeit" eingetragen und auf der FuschunZeche des Lung Feng-Bergwerkes war es an der Tagesordnung, dass die Kumpels solange unter Tage bleiben mussten, bis sie ihr Tagessoll erfuellt
hatten. Die so entstandenen Ueberstunden wurden als "Ausgleich fuer
verlorengegangene Arbeitsstunden" verbucht.
In der NE-Metall-Verarbeitungsanlage der Fahrradfabrik in Schenjang
wurden die Arbeiter gezwungen, Ueberstunden "als freiwilligen Beitrag
der Gewerkschaften" oder als "Hilfe der Produktionsfront" abzuleisten.
Trotz dieses kritischen Artikels aber setzen die anderen Publikationen, wie die hauptamtliche kommunistische Parteizeitung "Jen Min Jih Pao"
und das offizielle Gewerkschaftsorgan ihre Bemuehungen taeglich fort,
die Arbeiter Rotchinas "zu neuen Anstrengungen" aufzurufen, damit der
erste Fuenfjahresplan "vorzeitig erfuellt wird".
Aehnlich ist auch der Tenor des Senders Peking, der am 28. Februar
1956 folgenden Aufruf verbreitetet "Das Zentralkomitee der Partei hat
uns aufgerufen, mehr zu produzieren und unsere Arbeit schneller, besser
und wirtschaftlicher zu tun.... Die allchinesische Gewerkschaft hat sich
- 10 -

�entschlossen, alle Arbeiter des Landes zu mobilisieren, damit sie dem
Ruf der Partei begeistert nachkommen und der erste Fuenfjahresplan vor
Ablauf der Zeit erfuellt werden kann und die Schaffenden diese Aktion
als ein Geschenk fuer den 8. National-Kongress der Kommunistischen Partei
Chinas betrachten."
Quellei Eigenbericht

"Westinghouse"-Streik nach 156 Tagen beigelegt
Nach einer Gesamtdauer von 156 Tagen konnte der Streik in den
dreissig Betrieben der "Westinghouse Corporation", an dem 45 000 Arbeiter
beteiligt waren, endgueltig durch einen Kompromiss zwischen der "Allamerikanischen Elektriker-Gewerkschaft" (AFL-CIO) und dem Unternehmen
beigelegt werden. Damit wurde der laengste Streik in den Vereinigten Staaten waehrend der vergangenen 20 Jahre beendet, nachdem der 75koepfige
Verhandlungsausschuss der Gewerkschaft mit grosser Mehrheit .dem Schlichtungsvorschlag zustimmte und den Vertrag in Gegenwart des Direktors der
staatlichen Schlichtungsbehoerde, Joseph F. Finnegan, und den Vertretern
des Unternehmens unterzeichnete.
Im Grunde wurde jetzt von den beiden Sozialpartnern der gleiche Vorschlag angenommen, den der Schlichtungsausschuss bereits vor zwei Wochen
unterbreitete, der aber seinerzeit von der Gewerkschaft abgelehnt worden
war.
Die zwei wichtigsten Punkte des ersten Schlichtervorschlags, die die
Ablehnung des Vermittlungsvorschlages durch die Gewerkschaften bewirkten,
war die Frage der Wiedereinstellung von 93 Arbeitern, die waehrend des
Streiks wegen Gewaltanwendung als Streikposten entlassen worden waren
sowie der Einbau einer Sicherheitsklausel in den Tarifvertrag, durch die
eine Umstellung von Praemienlohnarbeitern auf Stundenlohntarife verhindert werden soll.
In dem ersten Vermittlungsvorschlag hatte der Schlichtungsausschuss
die sofortige Wiedereinstellung von 57 Arbeitern vorgeschlagen, waehrend
36 andere Faelle einem Schiedsspruch unterworfen werden sollten. Die Gewerkschaft sah aber in dieser Loesung eine Verurteilung der betreffenden
Arbeiter.
Nach dem erzielten Kompromiss erhalten nun die 36 Arbeiter den Status "Beurlaubung auf unbestimmte Zeit, anstelle von "entlassen". Desgleichen sollen diese Faelle auf Betriebsebene entschieden werden.
Zu dem zweiten strittigen Punkt kam folgender Kompromiss zustande.
In dem neuen Tarifvertrag werden Bestimmungen aufgenommen, die der Gewerkschaft ein Hitspracherecht bei Arbeitsplatzumstellungen beziehungsweise .Neubewertungen geben. Desgleichen wurde die Anzahl derjenigen Arbeiter beschraenkt, auf die neue Produktionsstandards Anwendung finden
koennen.
Der neue Tarifvertrag, der rueckwirkend ab 15. Oktober vorigen
Jahres in Kraft tritt, sieht auch die Wiederaufnahme von TarifVerhandlungen im Jahre 1958 vor, wenn die Gewerkschaft um solche zusaetzlichen Arbeitslosen-VersiCherungsleistungen nachsuchen sollte, wie sie den Arbeitern der Autoindustrie im vergangenen Sommer gewaehrt wurden.
Ausserdem sieht der neue Fuenfjahres-Kontrakt jaehrliche Erhoehungen
- 11 -

�tder Stundenlohnsaetze fuer Facharbeiter zwischen fuenf und zwoelf Cent
vor sowie zusaetzliche Pensions- und Versicherungsleistungen. Nach Ansicht der Gesellschaft duerfte die Lohnerhoehung waehrend der fuenf Jahre im Durchschnitt 24 Cent betragen. Der bisherige Durchschnitts-Stundenlohn betrug 2,10 Dollar.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft, James B. Carey, bezeichnete den
fuenf Monate dauernden Streik eine geschichtemachende Demonstration gewerkschaftlicher Solidaritaet und gewerkschaftlicher Entschlossenheit.
Durch die Aenderungen, so betonte er weiter, sollte unter anderem eine
neue und feste Basis fuer freundschaftliche und erfolgreiche Beziehungen
zwischen den Sozialpartnern geschaffen worden sein.
Der Vizepresident der "Westinghouse Company", Robert D. Blasier,
erklaerte zur Beilegung des Streiks unter anderemi "Wir hoffen und glauben, dass durch dieses Abkommen eine lange Periode des Arbeitsfriedens
gesichert ist...."
Nach Angaben des Unternehmens betrug der durch den Streik bedingte
Lohnausfall rund 90 Millionen Dollar. Die Umsatzverluste werden dagegen
auf 250 bis 300 Millionen Dollar beziffert.
Quelle« Eigenbericht

i

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werben.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 9

Hehlern, den 27- April 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Wohin steuert die grosse neue
US-Gewerkschaftsorganisation

Seite

1

Die Lohnlawine in den USA seit 194O

Seite

7

Mexikanische Gewerkschaften in der
antikommunistischen Front

Seite 11

John Herling:
Wohin steuert die grosse neue US-Gewerkschaftsorganisation? (Schluss)
Die neue Geweri:schaf tsorganisation besteht im wesentlichen aus
drei Spitzengremien:
1. Der Bundesausschuss, der aus den 6 Vizevorsitzenden sowie den
Herren Meany und Schnitzler besteht. 3 der Vizevorsitzenden kommen
von der AFL, 3 vom CIO, das Dreigespann aus der AFL besteht aus dem
67jaehrigen Vizepresidenten Matthew Woll, der seit langen Jahren einer
der fuehrenden politischen Koepfe der AFL war, Harry Bates, dem Presidenten der allamerikanischen Gewerkschaft der Maurer, Bauarbeiter und
Stukkateure, und George Harrison, dem Vorsitzenden der amerikanischen
Gewerkschaft der Angestellten im Transportgewerbe, der mit zu den besonnensten Gewerkschaftsfuehrern gehoert und ueber hervorragendes politisches Fingerspitzengefuehl verfuegt. Bei den Vertretern des CIO im
Bundesausschuss handelt es sich um Walther P. Reuther, den Vorsitzenden
der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft, James B. Carey, den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Elektro-, Radio- und Maschinenmechaniker,
und David J. McDonald, den Vorsitzenden der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft.
2. Der Bundesvorstand besteht aus 27 Vizepresidenten (und den beiden Spitzenfunktionaeren). Er tritt jaehrlich mindestens dreimal zusammen. Die Mitgliederzahl dieses Gremiums verteilt sich auf AFL und CIO
im Verhaeltnis zu deren Gesamtmitgliederzahl zur Zeit des Zusammenschlusses.
Da 10 Millionen AFL-Mitgliedern 5 Millionen CIO-Mitglieder gegenueber-

�}
)

standen, betraegt das Verhaeltnis demnach zwei zu eins.
3. Der Vollzugsausschuss besteht aus den Mitgliedern des Bundesvorstandes und den Praesidenten aller angeschlossenen amerikanischen
und allamerikanischen Gewerkschaften und tagt einmal im.Jahr. In diesem
Zusammenhang sind noch 400 festangestellte Mitarbeiter zu nennen, die
von Washington aus in alle Teile des Landes entsandt werden, um dort
Forschungsaufgaben auszufuehren und organisatorische und gesetzgeberische Fragen zu bearbeiten.
Das sind die Vorschriften, wie sie in den Statuten auf dem Papier
festgelegt worden sind. Ob der neue Verband aber erfolgreiche Arbeit
leisten kann, das wird in hohem Masse von einem anderen Kraeftespiel abhaengen, ueber das jene schriftliche Urkunde nichts enthaelt.
Einige der kleineren Gewerkschaften sehen den neuen Mammutverband
nicht ohne Besorgnis. Sie sind sich schmerzvoll der Tatsache bewusst,
dass die 6 groessten Gewerkschaften eine groessere Gesamtmitgliedschaft
haben als 100 der kleineren Gewerkschaften zusammengenommen, und dass
es gerade die machtvollen Gewerkschaften sind, die, von kleineren Ausnahmen abgesehen, die Spitzenfunktionaere des neuen Verbandes stellen,
genau wie das schon innerhalb der AFL und des CIO der Fall war.
Woodruff Randolph, der Vorsitzende der allamerikanischen Buchdruckergewerkschaft (100 000 Mitglieder), hat dem Standpunkt der in der Minderheit befindlichen kleineren Gewerkschaft kuerzlich Ausdruck verliehen,
als er auf die Befuerchtungen hinwies, dass die neuen Statuten die Rechte
und die Handlungsfreiheit seiner Gewerkschaft, die zu den aeltesten des
Landes gehoert, bedrohe.
"Es gibt ein altes chinesisches Sprichwort", sagte Randolph, "dass
die grossen Fische die kleinen fressen und dass den kleinen Fischen nur
der Schlamm verbleibt. Wir wollen alles daransetzen, dass innerhalb der
Gewerkschaftsbewegung nicht das gleiche passiert."
George Q. Lynch, der Vorsitzende des Verbandes der Modelltischler,
einer alten Facharbeitergewerkschaft, deren 14 000 Mitglieder eine
Schlüsselstellung im amerikanischen Wirtschaftsleben einnehmen, bezeichnete gleichfalls die "ueblichen Allgemeinplaetze und Schlagworte ueber
die guten Seiten der Einigkeit und der Staerke, die aus der Groesse und
den gemeinsam ausgerichteten Bemuehungen erwachsen", als dummes Geschwaetz.
"Es gibt keine guten oder schlechten Seiten an einer grossen Gewerkschaftsbewegung, die nicht auch jedem grossen Unternehmen, jeder grossen
erzieherischen Institution, jeder grossen politischen Partei und jeder
grossen Sekte anhaften," fuehrte Lynch weiter aus. "Mit ;'er Groesse geht
eine Konzentration der Macht Hand in Hand und mit der Macht kommt auch
der Missbrauch; zu dieser Regel gibt es keine Ausnahme."
Schon vor dem Zusammenschluss hatte Lynch darauf hingewiesen, dass
die Gewerkschaften "mit oder ohne Zusammenschluss" unbedingt eine von
anstaendigen Gesichtspunkten bestimmte Opposition brauchen. "In den
letzten 20 Jahren gab es in keiner einzigen Frage eine wirkliche Diskussion und keine einzige ernste Auseinandersetzung um die Besetzung
eines wichtigen Postens. Das ist genauso schlecht fuer einen Gewerkschaftsverband wie es fuer den US-Kongress oder das britische Parlament schlecht
waere."
Es ist ja auch so, dass kaum einer glaubt, die neue Organisation
werde ein ruhiges Leben fuehren. Dazu ist ihr Interessen- und Taetigkeitsbereich viel zu weit gesteckt und dazu ist sie sich auch viel zu sehr
ihrer Verantwortung und, wie sie glaubt, ihrer grossen Entwicklungsmoeglichkeiten sowohl auf organisatorischem als auch politischem Gebiet
- 2 -

�bewusst. Allen voran ist der neue Verband bemueht, die bisher nichtbrganisierten Arbeiter in die Gewerkschaften zu ziehen, und zwar in einer
Art und Weiset die, wie man hofft, an die Hochzeiten der dreissiger Jahre erinnern wird, als CIO und AFL im guenstigen Klima des New Deal eine
Bluetezeit erlebten. Das Ziel, das man sich auf dem Kongress gesetzt hat,
bei dem der Zusammenschluss vollzogen wurde, heisstt Verdoppelung der
Mitgliederzahl auf JO Millionen. Gerade in diesem Zusammenhang hoffen die
dem CIO angeschlossenen Gewerkschaften eine besondere Rolle zu spielen.
Der Direktor fuer organisatorische Fragen, John W. Livingston, der vormals Vizevorsitzender der Vereinigten Gewerkschaft der Arbeiter in der
Automobil-, Flugzeug- und Landwirtschaftsmaschinenindustrie war, plant
den hierfuer noetigen Mitarbeiterstab aufzubauen und die notwendigen Geldmittel aufzutreiben.
Welche Industrien dabei in erster Linie erfasst werden sollen, wurde
klar zum Ausdruck gebracht. Reuther fuehrte sie auf dem Kongress an:
"Nehmen wir mal die chemische Industrie", so sagte er, "wir werden
zu DuPont gehen und ihm wie General Motors und anderen grossen Firmen
erklaeren« 'Jetzt gehts bei Ihnen los, wir werden die Arbeiterschaft
in Ihren Betrieben organisieren'". Gegenwaertig sind nur 200 000 von
600 000 Chemiearbeitern Gewerkschaftsmitglieder.
Die Textilindustrie. Die Mitgliederwerbung wird sich hier groesstenteils auf den Sueden konzentrieren, da eine ganze Reihe von Firmen ihren
Betrieb nach den Suedstaaten verlegt haben, um sich die dort gezahlten
geringeren Loehne zunutze zu machen. Die kombinierte gegenwaertige Mitgliederzahl der Textilarbeitergewerkschaften innerhalb des CIO und der
AFL belaeuft sich auf 382 000.
Das Baugewerbe. "Schauen Sie sich einmal in Amerika um," erklaerte
Reuther "und Sie werden sehen, wie viele Bauten von Arbeitern errichtet
werden, die nicht innerhalb der Gewerkschaft stehen."
Die Angestelltenberufe. Nur rund 200 000 von insgesamt 7»5 bi 3 8
Millionen ^ueroangestellten, und nur 500 000 von 8 Millionen Verkaeufern
sind gewerkschaftlich organisiert.
Einzelstaatliche und kommunale Verwaltung. Auf dem Kongress, der
den Zusammenschluss brachte, haben sich die Gewerkschaften verpflichtet,
auf eine Beseitigung derjenigen Gesetzesbestimmungen und Hindernisse hinzuarbeiten, die bisher eine gewerkschaftliche Organisation der Beschaeftigten im oeffentlichen Dienst unmoeglich gemacht haben.
Wie stellt sich die AFL-CIO nun ihre Mitgliederwerbung vor? Reuther
weist mit Nachdruck auf die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens
hin«
"Sollen wir einen Werbefeldzug veranstalten, bei dem 36 Facharbeitergewerkschaf ten ihre Flugzettel verteilen, waehrend die Industriegewerkschaften am Fabriktor ihrerseits um Mitglieder werben? Nein, kann ich
nur sagen. Wenn wir schon eine einheitliche Gewerkschaftsbewegung haben,
dann muessen wir auch diese grundlegenden Probleme gemeinsam angehen."
Mehr als je zuvor wird sich das Augenmerk der Gewerkschaften auf die
Suedstaaten richten, jenes Gebiet, in dem die Industrialisierung am
raschesten voranschreitet. Der Prozentsatz der organisierten Arbeiter
ist im Sueden geringer als in jedem anderen Teil des Landes: nur jeder
sechste Arbeiter steht dort innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. Daran
liess sich nicht ruetteln, solange die Industrie mehr oder weniger auf
den Norden und Westen des Landes beschraenkt war. Heute, da mehr und
mehr Betriebe im Sueden entstehen, moechte der neue Gewerkschaftsverband
das Schwergewicht seiner Arbeit gerade in dieses Gebiet verlegen.

- 3-

�Natuerlich bebchraenkt sich das Problem, die nicht gewerkschaftlich
organisierten Arbeiter fuer die Mitarbeit in den Gewerkschaften zu gewinnen, nicht auf ein bestimmtes Gebiet. Im Landesdurchschnitt sind nach
den jueng.-ten Feststellungen des US-Amtes fuer Arbeitsstatistik nur rund
35^ der Gesamtzahl der Maenner und Frauen, die in nichtlandwirtschaftlichen Berufen taetig sind, Gewerkschaftsmitglieder.
Die Werbung jener Arbeiter, die heute noch abseits stehen, wird viel
Geld verschlingen. Doch schon am Anfang sieht sich die Hauptkasse des
neuen Dachverbandes, was die Mittel fuer organisatorische Zwecke angeht,
vor einem grossen Manko.
Auf Grund der neuen Statuten erhaelt die Hauptkasse der AFL-CIO von
den angeschlossenen Gewerkschaften 4 Cent pro Mitglied und Monat. Wenn
man der Berechnung eine Gesamtmitgliederzahl von 15 Millionen zugrunde
legt, so gibt das eine Gesamteinnahme von jaehrlich rund 7»5 Millionen
Dollar. Dieser Betrag ist geringer als die Summe der bisherigen Einnahmen
der AFL und des CIO vor dem Zusammenschluss. Dies erklaert sich daraus,
dass der CIO frueher 10 Cent pro Mitglied erhob, waehrend die Umlage bei
der AFL 4 Cent betrug. So konnte der CIO, obwohl er nur halb so viel Mitglieder wie die AFL zaehlte, ein um 5Cfi hoeheres Einkommen verbuchen als
die AFL. Das Jahreseinkommen der beiden Geweikschaftsverbaende betrug
frueher zusammengerechnet 10,3 Millionen Dollar, also 3 Millionen mehr
als dem neuen Verband im ersten Jahr seines Bestehens zur Verfuegung stehen werden.
Somit muessen die Kassen der grossen Gewerkschaften zusaetzliche
Mittel fuer die Mitgliederwerbung bereitstellen. Die Mitgliedergewerkschaften des CIO haben bereits angekuendigt, dass sie 4 Millionen Dollar fuer
Mitgliederwerbung bereitstellen werden. Reuther beschwoert zur Zeit auch
die anderen Gewerkschaften wit seinen Forderungen, groessere Betraege
herauszuruecken, "damit wir eine grossangelegte Kampagne zur Mitgliederwerbung starten koennen."
"Die Geschichte zeigt, dass grosse Bewegungen sich nicht ohne weiteres auf der erreichten Hoehe halten koennen," argumentiert Reuther.
"Solche Bewegungen setzen, wenn sie erst einmal ihren Anfang genommen
haben, grosse emotionelle Kraefte frei. Sie bringen auch grosse dynamische Kraefte in Bewegung. Sie zeigen die Tendenz der Aufloesung von innen
her. Es gilt deshalb immer neue Wege zu finden, diese Kraefte aus sich
selbst heraus zu erneuern, um so eine neue Taetigkeitsgrundlage zu schaffen, neue Begeisterung zu entfachen und den geistigen Impetus zu erhalten,
auf dem eingeschlagenen Weg voranzuschreiten."
In oem neuen, durch den Zusammenschluss entstandenen Gewerkschaftsverband sieht Reuther den Ansatzpunkt, die amerikanische Gewerkschaftsbewegung auf eine noch breitere Grundlage zu stellen. Sind auch die anderen Spitzenfunktionaere seiner Auffassung? David J. McDonald, der Vorsitzende der V.reinigten Stahlarbeitergewerkschaft verweist stolz auf
die Vergangenheit, als seine Gewerkschaft unter der Fuehrung des verstorbenen Philip Murray vielen anderen Gewerkschaften innerhalb des CIO
geholfen hat, sich auf eigene Fuesse zu stellen und von da an ihren Weg
allein zu gehen. (Dabei darf man aber nie vergessen, dass die Geldmittel,
mit deren Hilfe die CIO-Aktion angekurbelt wurde, in erster Linie von
der Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft
unter John L. Lewis aufgebracht
wurden.) Die Frage lautet daher: Wird die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft heute das gleiche tun? Und wieviele der alten AFL-G;werkschaften
werden ihrerseits Gelder fuer einen geneinsamen Fonds zur Kitgliederwerbung bereitstellen?
Hier steht der neue Vorsitzende des GesamtgewerKschaftsverbandes,
George Meany, vor einer grossen Bewaehrunjsprobe. Gerade die Ausweitung
- 4 -

�der Organisation wird den Beweis dafuer liefern koennen, dass die Koeche,
die den Pudding des Zusammenschlusses gekocht haben, ihre Sache gut gemacht haben. Werden den Worten die Taten folgen? Die tiefgreifenden Auseinandersetzungen um Fragen der Zustaendigkeit, die waehrend der gesamten
Geschichte der AFL niemals voellig aufgehoert haben und die einstmals den
Konflikt ausloesten, der zur Spaltung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung und Gruendung des CIO fuehrte, koennen in anderer Form von heute
auf morgen wieder ausbrechen.
Die neuen Statuten garantieren jeder allamerikanischen Gewerkschaft,
die durch den Zusammenschluss Teil der AFL-CIO wird, dass sie in ihren
Rechten und in der Organisationsfreiheit nicht beeintraechtigt wird.
Trotz der Warnungen vor einem moeglichen "Kannibalismus", die John L.
Lewis ausgesprochen hat, wird jeder einzelnen Gewerkschaft ausdruecklich
die Zusicherung gegeben, dass sie ihren Hitgliederstand wahren kann.
Sofern sich die Taetigkeitsbereiche zweier Gewerkschaften ueberschneiden,
wird ihnen ein Zusammenschluss nahegelegt. So im Falle der beiden Gewerkschaften in der Textilindustrie, von denen die eine dem CIO, die andere
der AFL angehoert. Das gleiche gilt fuer die drei Gewerkschaften der Papierindustrie, von denen zwei der AFL und eine dem CIO angeschlossen sind,
und auch fuer die beiden Gewerkschaften der Chemiearbeiter, deren eine dem
CIO und deren andere der AFL angehoert. Natuerlich muessen sie sich nicht
zu einem einzigen Verband zusammenschliessen, "freiwillig" soll dies geschehen, wie man allenthalben spricht.
Die Karten werden wohl erst dann auf den Tisch gelegt, wenn man an
zwei miteinander rivalisierende Gewerkschaften das Ansinnen stellt, gemeinsam die Arbeiterschaft eines Industriezweiges zu organisieren. Welche
Gewerkschaft soll nun wieviel neue Mitglieder erhalten? Lokalpatriotismus
und Prestige sind wichtige Begriffe, in den Gewerkschaften ebenso wie in
jedem Betrieb und Gewerbe - das gilt selbst fuers Theater. So bemerkte
vor Jahren einmal Samuel Gompers, der Gruender der AFL, bei einem Festessen, dass sein Freund Guilio Gatti-Casazza, der Direktor der New Yorker
Metropolitan-Oper, ganz in Gedanken versunken vor sich hinbruetete.
"Was ist denn los, Gatti?" fragte Gompers. - "Ach, ich habe Scherereien ueber Scherereien, meine Primadonnen liegen sich gegenseitig in den
Haaren" - "Wieviel Primadonnen hast du denn?" - "Acht", sagte Gatti "Nur acht?" bemerkte Gompers - "Hast du es leicht. Jeder Praesident einer
allamerikanischen Gewerkschaft ist eine Primadonna von eigenen Gnaden und
davon habe ich ein rundes Hundert innerhalb der AFL".
In der neuen AFL-CIO gibt es mindestens 141 solcher Praesidenten,
und es ist Meanys - und des Bundesvorstandes - Aufgabe, eine Atmosphaere
des gegenseitigen Vertrauens unter oftmals wahrlich sehr unguenstigen
Voraussetzungen zu schaffen. Da mag beispielsweise der Vorsitzende der
Stahlarbeitergewerkschaft, David J. McDonald, ein langjaehriger Gegenspieler Walther Reuthers innerhalb des CIO, eines Tages auf den Gedanken
kommen, dass es jetzt nicht mehr noetig sei, aus seinem Herzen eine
Moerdergrube zu machen. Andererseits, und das kann sich sehr positiv auswirken, wird McDonald in allen Dingen Reuther zu uebertreffen suchen.
Das mag dazu fuehren, dass sie sich gegenseitig in ihrer Hilfe fuer den
Feldzug zur Mitgliederwerbung unter der bisher nicht organisierten Arbeiterschaft auszustechen suchen, sei es durch Bereitstellung von groesseren
Geldbetraegen oder mehr Arbeitskraeften. Gegenseitiger Wettstreit ist
oftmals die Triebfeder einer raschen Entwicklung. Solch edler Wettstreit
hat aber wohl noch einige Monate Weile. McDonald wird in Kuerze einen
neuen Kollektivvertrag mit der Stahlindustrie auszuhandeln haben, dann
muss er auf dem naethsten Kongress seiner eigenen Gewerkschaften praesentieren, in der sich eine entschlossene Opposition zu regen beginnt.
Der Vorsitzende der allamerikanischen Transportleutegewerkschaft,
Dave Beck, wird sicherlich mit Nachdruck auf die Tatsache verweisen, dass

- 5-

�keine Organisation, die mit 1,25 Millionen Mitgliedern die groesste Gewerkschaft innerhalb der ehemaligen AFL war, etwa 10$ der Mitgliederumlage des neuen Verbandes aufbringt. Nun ist aber inzwischen der Teich
groesser geworden, und so ist Beck heute eben laengst kein so grosser
Frosch mehr wie in den Zeiten der alten AFL. Zwei weitere Gross-Gewerkschaften mit mehr als einer Million Mitgliedern - die Vereinigte Gewerkschaft der Arbeiter in der Automobil-, Flugzeug- und Landwirtschaftsmaschinenindustrie und die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft - werden
es Beck innerhalb der neuen AFL-CIO einigermassen schwierig machen, mit
seinem Gewicht jeden Widerstand zu brechen. Sie haben selbst einiges Gewicht aufzuweisen.
Hinzu kommt noch, dass Beck innerhalb seiner eigenen Gewerkschaften
mit mancherlei Schwierigkeiten zu kaempfen hat. Sie haengen zum Teil mit
der Person des Vizevorsitzenden James R. (Jimmy) Boffa zusammen. Beck
ist bemueht, sich das Vertrauen des Vorsitzenden der AFL-CIO, Meany, zu
erhalten, um so die Versuche Hoffas, seine ohnehin erschuetterte Position weiter zu schwaechen, leichter abwehren zu koennen. Beck muss sich
im Dezember 1956 seiner Gewerkschaft zur Wiederwahl stellen. Er wird
voraussichtlich auch wiedergewaehlt, aber Hoffa laesst ihn doch nie zur
Ruhe kommen.
In Becks Haltung spiegelt sich die Besorgnis der fuehrenden Maenner
in der Tranaportleutegewerkschaft ueber den Zusammenschluss von AFL und
CIO wider. Man fuerchtet, dass der Organisations- und Taetigkeitsbereich
eingeengt werden koennte. Die Transportleute-Gewerkschaft hat sich bisher konsequent nach einer Richtung entwickelt und verzeichnet in ihrer
ganzen Geschichte keinen Rueckgang ihrer Mitgliederzahl. Unmittelbar vor
dem Kongress der vereinigten AFL-CIO hatte sie ein gegenseitiges Hilfsabkommen mit zwei Gewerkschaften getroffen, die aus ihren frueheren Dachorganisationen ausgeschlossen worden warent mit der allamerikanischen Gewerkschaft der Hafenarbeiter, die von der AFL wegen der Duldung verbrecherischer Elemente in ihren Reihen ausgeschlossen worden war, und mit
der GGwerkschaft der Gruben- und Huettenarbeiter, die der CIO als kommunistisch beherrschte Organisation ausgeschlossen hatte. Die beiden Abmachungen loesten einen Sturm der Entruestung unter den anderen Gewerkschaften aus.
Ein weiteres noch schwelendes Problem, vor das sich die neue Organisation gestellt sieht, ist die Bekaempfung von Erpressertum und
Korruption. Die Statuten der AFL-CIO enthalten Vorschriften ueber ein
Verfahren, nach dem derartige Vorkommnisse untersucht werden sollen:
die Einbringung von Klagen, die Durchfuehrung des Verfahrens und die
Ergreifung von Massnahmen zur Abstellung erwiesener Misstaende. Ueber
die Bedeutung gerade dieser Frage sind sich Meany und Reuther voellig
einig. Im Jahre 1953 schloss die AFL unter Meany die vorstehend genannte
allamerikanische Hafenarbeitergewerkschaft aus. Im CIO spielte unter
Reuthers Fuehrung ein Ausschuss fuer moralisches Handeln eine bedeutende
Rolle als warnendes Organ bei irgendwelchen Uebertretungen. Die neue
Organisation hat ein aehnliches Gremium eingerichtet, das "ueber entsprechende Organe im Innern und Machtbefugnisse verfuegt, die es in die
Lage versetzen, die Durchfuehrung seiner Anweisungen zu erzwingen, um so
die Dachorganisation von jedem Makel der Korruption freizuhalten." An
der Spitze dieses Gremiums steht der als sehr tatkraeftig bekannte Vorsitzende der allamerikanischen Maschinistengewerkschaft, Albert J. Hayes.
Es ist sicherlich mit einer grossangelegten Aktion innerhalb der
AFL-CIO zu rechnen, die dem Zweck dienen soll, "die Arbeiterbewegung sauber zu halten". Fuehrende Gewerkschafter weisen darauf hin, dass dies
keine leichte Aufgabe sein wird, und dass das Zustandekommen eines einheitlichen Gewerkschaftsverbandes allein nicht die Gewaehr fuer einen
automatischen Prozess der Selbstreinigung bieten kann. Wer wuesste dies
besser als David Dubinsky, der Vorsitzende der allamerkanischen Gewerkschaft

- 6-

�I

der Damenoberbekleidungaarbeiter. Er hat Jahre hindurch einen hartnaeckigen Kampf gegen verbrecherische Elemente innerhalb der Gewerkschaften gefuehrt. Wie Reuther erblickt er im Kampf gegen das Verbrechertum "einen
Grund fuer staendige Wachsamkeit".
Der Druck von aussen wird den Bemuehungen der neuen Gewerkschaft,
jede Korruption in ihren eigenen Reihen zu unterbinden, zusaetzlichen
Auftrieb verschaffen. Gegenwaertig laeuft bereits in allen Teilen des
Landes eine Ueberpruefung von Stiftungen zur Foerderung der Volksgesundheit und anderer Wohlfahrtseinrichtungen durch Mitglieder des Senats.
Ein Onterausschuss des Senatsausschusses fuer Arbeit und soziale Fragen
mit dem Demokratischen Senator Paul Douglas an der Spitze hat es unternommen, den gesamten Fragenkomplex der Beziehungen zwischen den Sozialpartnern zu untersuchen. Douglas hat um Mitarbeit der fuehrenden Maenner
der Gewerkschaft gebeten und von ihnen die entsprechenden Zusicherungen
erhalten. Die Gewerkschafter sind ueberzeugt, dass sich bestenfalls eine
ganz kleine Zahl von Leuten aus ihren eigenen Reihen der in Rede stehenden Vergehen schuldig gemacht haben; sie wissen aber auch, dass die Gegner
der Gewerkschaften nur allzugern bereit sind, auf Grund solcher Vorkommnisse den Vorwurf der Korruption gegen alle Gewerkschaften zu erheben.
All dies scheint darauf hinzudeuten, dass der Zusammenschluss von
AFL-CIO das Interesse der Gewerkschaftsbewegung an den nationalen Fragen
sowohl auf wirtschaftlichem als auch auf politischem Gebiet nur verstaerken wird. Umgekehrt sind heute die Augen des ganzen Volkes wie noch
nie zuvor auf die Gewerkschaftsbewegung konzentriert, bereit, sich ein
Urteil ueber ihre neue Gestalt zu bilden.
Nach allem, was in den wenigen Wochen, die seit dem Gruendungskongress der neuen AFL-CIO vergangen sind, von den Gewerkschaften und ueber
die Gewerkschaften verlautete, wird sich am Charakter und an der Struktur
der organisierten Arbeiterbewegung kein rascher Wandel vollziehen. In der
Fuehrung wird wohl Einigkeit, nicht aber Konformitaet gegeben sein. Unter
den Gewerkschaftsmitgliedern selbst wird ein Gefuehl fuer die Gemeinsamkeit
der Zielsetzung vorhanden sein, waehrend man sich in der Frage, wie diese
Zielsetzung zu verwirklichen sei, sicherlich nur schwer einig werden duerfte. Mit kurzen Worten, weder der Glueckstraum noch der Alptraum, den manche Kreise von einer voellig einheitlichen Gewerkschaftsbewegung hegen, die
von einigen wenigen Maennern von einem einzigen zentralen Stellwerk aus
gelenkt wird, entspricht einfach nicht den Tatsachen, soweit es sich um
die Gewerkschaftsfuehrer handelt.
Der Zusammenschluss spiegelt jedoch eine weitere Zunahme des Einflusses der Gewerkschaften auf das politische und wirtschaftliche Leben
des Landes wider. Die Fuehrer der Gewerkschaften haben auf dem Kongress,
der den Zusammenschluss besiegelte, zum Ausdruck gebracht, dass sie die
unmittelbare Verantwortung fuer die Lenkung einer der wichtigsten Institutionen Amerikas, deren Taetigkeit sich auf kommunaler Ebene abspielt,
uebernehmen muessen. Ein Gewerkschaftsamt bringt somit wie jedes oeffentliche Amt unweigerlich eine Verpflichtung dem ganzen Volke gegenueber mit
sich.
Quelle:

Aus "Collier's"

Die Lohnlawine in den USA seit 1940
Vor 16 Jahren verdiente der amerikanische Fabrikarbeiter im Durchschnitt 66 Cent pro Stunde. Bergarbeiter erhielten 88 und Textilarbeiter
49 Cent. Heute dagegen betraegt der Durchschnittsstundenlohn fuer
Fabrikarbeiter 1,93 Dollar; Bergarbeiter verdienen 2,68 und Textilarbeiter

7
k

�1,42 Dollar. Die Einkuenfte sind heute also wesentlich hoeher als in der
"guten alten Zeit".
Auch in diesem Jahr werden die amerikanischen Arbeiter genau wie
in jedem anderem Nachkriegsjahr mit einer neuen Lohnerhoehungsrunde
rechnen koennen.
Die Stahlarbeiter, die gegenwaertig im Durchschnitt 2,47 Dollar pro
Stunde verdienen, sind eben dabei, neue Lohnforderungen aufzustellen, die
sie in den kommenden Wochen der Stahlindustrie praesentieren werden, und
in verschiedenen Industriezweigen sind den Arbeitern bereits ab 1. Januar dieses Jahres Lohnerhoehungen zugestanden worden. Sobald die alten
Vertraege abgelaufen sind, wird eine neue Lohnwelle einsetzen.
Hoehere und immer hoehere Lohnaaetze sind in den letzten Jahren zu
einer gewohnten Erscheinung in der amerikanischen Wirtschaft geworden;
und wenn man sich einmal die Lohnstruktur frueherer Jahre anschaut, so
ergeben sich einige wirklich erstaunliche Tatsachen.
Im Jahre 1940, also vor genau 16 Jahren, betrug zum Beispiel der
Durchschnittslohn eines Fabrikarbeiters 66 Cent pro Stunde; heute dagegen ist er nahezu dreimal so hoch, naemlich 1,95 Dollar.
Ein Stahlarbeiter, der augenblicklich 2,47 Dollar pro Stunde verdient, erhielt 1940 84 Cent in der Stunde, also rund ein Drittel seines
heutigen Lohnes. Aber die Stahlarbeiterloehne gehoerten schon seinerzeit
zu den Spitzenloehnen, denn im Vergleich dazu bekam beispielsweise ein
Waeschereiarbeiter damals im Durchschnitt 45 Cent pro Stunde, im Vergleich
zu den 1,02 Dollar, die er heute verdient.
Wie erheblich sich die Loehne in den einzelnen Wirtschaftszweigen
seit 1940 erhoehten, zeigt die folgende Uebersicht»
Loehne

damals
Durchschnittl.
Stundenlohn
1940

und

heute
Durchschnittl
Stundenlohn
heute

Bergarbeiter

88 Cent

2,68 Dollar

Stahlarbeiter

84 Cent

2,47 Dollar

Automobilarbeiter

Cent

2,33 Dollar

Cent

2,28 Dollar

Eisenbahnarbeiter

94
75
75

Cent

1,98 Dollar

Elektroarbeiter

72 Cent

1,95 Dollar

Einzelhandelsangestellte

55
49
45

Cent

1,49 Dollar

Cent

1,42 Dollar

Cent

1,02 Dollar

Bergarbeiter (Erz)

Textilarbeiter
Waeschereiarbeiter

Es gibt aber noch viele andere Beispiele, die in dieser Tabelle nicht
aufgezeigt wurden. Technische landwirtschaftliche Hilfskraefte zum Beispiel
erhielten im Jahre 1940 75 Cent pro Stunde, heute dagegen 2,05 Dollar;
Werftarbeiter, die 1940 einen Stundenlohn in Hoehe von 87 Cent bekamen,
verdienen heute 2,17 Dollar.
Der Stundenlohn fuer Arbeiter der Holzindustrie, der damals 51 Cent
betrug, erhoehte sich inzwischen auf 1,66 Dollar; Arbeiter in Moebeifabriken verzeichneten in der Zeit von 1941 bis heute eine Lohnerhoehung
- 8 -

�von 55 Cent auf 1,64 Dollar.
In der Glasindustrie erhielten die Arbeiter vor 16 Jahren durchschnittlich etwa 75 Cent pro Stunde, heute verdienen sie 1,92 Dollar.
Die Strumpfarbeiter verbesserten sich waehrend dieses Zeitraums von
55 Cent auf 1,50 Dollar pro Stunde, waehrend die Loehne in der Herrenbekleidungsindustrie von 59 Cent auf 1,65 Dollar stiegen.
Wenn diese Lohnerhoehungen in bezug zu den veraenderten Lebenshaltungskosten gebracht werden, sojergibt sich, dass der Durchschnittsarbeiter in diesen 16 Jahren seinen Lebensstandard erheblich verbessern konnte.
Denn obgleich auch die Lebenshaltungskosten waehrend dieses Zeitraums nahezu stetig angestiegen sind, so zogen sie doch weniger stark
an als die Lohnerhoehungen. Der offizielle Index zur Messung der Lebenshaltungskosten zeigt, dass die Lebenshaltungskosten heute knapp doppelt
so hoch liegen wie 1940.
Allerdings ist in diesem Zusammenhang noch zu beruecksichtigen, dass
die Fabrikarbeiter heute jedoch oftmals Einkommensteuer zu zahlen haben,
was im Jahre 1940 nicht der Fall war, so dass die Lohnerhoehungen hierdurch
noch um einiges vermindert werden.
Wenn man aber die Steuerabzuege zusammen mit den veraenderten Lebenshaltungskosten den Lohngewinnen gegenüberstellt, so ergibt sich, dass
der Durchschnittsarbeiter heute noch immer ueber eine Kaufkraft verfuegt,
die eineinhalbmal so gross ist wie vor 16 Jahren.
Mit anderen Worten: mit seinem jetzigen Wochenlohn kann der Arbeiter
im Durchschnitt eineinhalbmal so viel kaufen wie 1940. Er verfuegt heute
zwar ueber nahezu dreimal so viel Bargeld, aber seine Kaufkraft ist nicht
im gleichen Verhaeltnis gestiegen.
Die Aufwaertsspirale der Loehne ist seit 1940 kaum zum Stillstand
gekommen, lediglich das Tempo war gewissen Schwankungen unterworfen.
Ein Blick auf den Trend der Fabrikarbeiterloehne zeigt, was waehrend
dieses Zeitraums geschehen ist, der zwei Kriege und zwei Versuche einer
"Lohnstabilisierung" umfasst.
Im Jahre 1940 erhielt der amerikanische Fabrikarbeiter im Durchschnitt
5 Cent mehr als im Jahre 1939- In darauffolgenden Jahr, als das Verteidigungsprogramm allmaehlich auf volle Touren kam, trat eine Lohnerhoehung
um 7 Cent pro Stunde ein.
Im Jahre 1942 stieg dann der Arbeitslohn um 12 Cent pro Stunde, wodurch die Regierung, die eine Inflation befuerchtete, alarmiert wurde,
und schon Ende 1942 wurden die Loehne, Gehaeiter und Preise einer staatlichen Kontrolle unterworfen. Das "War Labor Board" wurde dabei ermaechtigt, Lohnerhoehungen ganz in seinem Ermessen stattzugeben oder zu verbieten.
Trotz dieser Kontrollen stieg der Durchschnittslohn des amerikanischen
Fabrikarbeiters in der Zeit von 1942 bis 1943 um 11 Cent an, was die Regierung veranlasste, noch schaerfere Massnahmen einzufuehren. Im Jahre
1944 belief sich die allgemeine Lohnerhoehung auf 6 Cent pro Stunde. Zwischen 1944 und 1945 war im allgemeinen keine Lohnerhoehung zu verzeichnen,
und zwar hauptsaechlich auf Grund der kuerzeren Arbeitswoche, die nach
Kriegsende eingefuehrt wurde.
Bei einigen der waehrend des Krieges gewaehrten Lohnerhoehungen
spiegeln sich vorgenommene Hoehereinstufungen von Arbeitsplaetzen wider.
Auch die Ableistung von Ueberstunden, die mit eineinhalbfacher Bezahlung

- 9-

�yerguetet wird, trug zur Erhoehung der Durchschnittseinkuenfte bei.
Nach dem zweiten Weltkrieg traten dann die Gewerkschaften wieder
aktiver auf den Plan und erreichten 1946 mittels grosser Streiks in vielen
Sohluesselindustrien Lohnerhoehungen von etwa 18 Cent pro Stunde.
Einige dieser Lohnerhoehungen wurden aber durch Einschraenkung der
Ueberstundenarbeit waehrend der Nachkriegszeit wieder ausgeglichen.
Von 1945 his 1946 erhielt der Fabrikarbeiter im Durchschnitt eineLohnerhoehung von 6 Cent pro Stunde, im Jahre 1947 waren es sogar 15 und
1948 11 Cent pro Stunde.
Im Jahre 1949 gaben sich einige Gewerkschaften ohne die Bewilligung
von Lohnerhoehungen zufrieden, obgleich sie die Annahme von Pensionsplaenen durchsetzten, durch die sich die Arbeitskosten fuer die Unternehmer erhoehten. Der Durchschnittsarbeiter erhielt in diesem Jahr eine
Lohnerhoehung von 5 Cent.
Fuer das Jahr 1950 ist eine Erhoehung des Fabrikarbeiterlohns um
6 Cent zu verzeichnen. Mit Ausbruch der Feindseligkeiten in Korea verlief
die Lohnbewegung dann aber steil nach oben. Und noch einmal bemuehte
sich die Regierung, Loehne und Preise unter Kontrolle zu bekommen.
Der Durchschnittslohn eines Fabrikarbeiters stieg im Jahre 1951
um 12,5 Cent, 1952 betrug die Erhoehung 8 Cent und 1953 10 Cent.
Die Rezession des Jahres 1954 wirkte allgemein hemmend auf die Forderungen der Gewerkschaften, so dass die Loehne nur um 4 Cent pro Stunde anstiegen. Im Jahre 1955 betrug die allgemeine Lohnerhoehung etwa
7 Cent.
Auch die dem Arbeiter zugestandenen zusaetzlichen Soaizlleistungen
haben sich seit dem Jahre 1940 betraechtlich erhoeht. Im Durchschnitt
erhaelt der Fabrikarbeiter heute etwa 30 bis 35 Cent an zusaetzlichen
Sozialleistungen pro Stunde.
Diese zusaetzlichen Sozialleistungen wurden zwar schon vor dem zweiten Weltkrieg dem Lohn hinzugefuegt, aber erst durch die Lohnkontrollen
waehrend der Kriegszeit traten diese "Extraleistungen" mehr und mehr in
den Vordergrund, zumal die Gewerkschaften in den Zeiten des Lohnstopps
hierin die einzige Moeglichkeit zur Verbesserung der sozialen Lage ihrer
Mitglieder sahen.
Der bezahlte Urlaub war eine der ersten zusaetzlichen Sozialleistungen. Im Laufe der Zeit wurde eine immer groessere Zahl von Feiertagen
verguetet und spaeter noch Lebens- und Krankenversicherungen sowie soniige Sozialleistungen in die Tarifvertraege mit aufgenommen. Anfaenglich
mussten die Arbeiter noch die Haelfte der Kosten tragen, inzwischen aber
hat sich immer mehr die Praxis herausgebildet, dass der Unternehmer fuer
die gesamten Kosten aufkommt.
Im Jahre 1949 wurde dann die Altersversorgung aktuell. Die Automobil- und die Stahlindustrie sowie andere Industriezweige gaben seinerzeit dem Druck der Gewerkschaften nach und erklaerten sich bereit, die
Leistungen der staatlichen Altersversorgung durch zusaetzliche private
Versicherungen zu ergaenzen.
Der "garantierte Jahreslohn" ist das juengste Kind der Gewerkschaften
auf diesem Gebiet. Die Automobilarbeitergewerkschaft machte hier im vergangenen Jahr den Anfang, indem sie vom Unternehmer finanzierte Arbeitslosenunterstuetzungsleistungen in ihren Tarifvertraegen durchsetzen konnte.
Und so wird es weiter gehen. Neue Vorschlaege bezueglioh zusaetzlicher
- 10 -

�Sozialleistungen gehen Hand in Hand mit Forderungen nach weiteren Lohnerhoehungen und die Lohnspirale waechst.

*

(Nachdruck nur dann gestattet, wenn Copyright-Freigabe vom
Amerika Dienst erteilt wird!)
Aus: "U.S. News &amp; World Report", ein
in Washington woechentlich erscheinendes Nachrichtenmagazin. Copyright 1956
United States News Publishing Corporation.

Marion Wilhelmt
Mexikanische Gewerkschaften in der antikommunistischen Front
Quellenangabe erforderlich!
Waehrend die Kommunisten in Guatemala unter der Regierung Arbenz
die Gewerkschaftsfuehrung an sich reissen konnten und auch in Chile und
Brasilien staendig Unruhen inszenieren, haben die mexikanischen Gewerkschaften in aller Ruhe die Fuehrung im Kampf gegen die kommunistische
Infiltration uebernommen.
Das wichtigste Instrument in diesem Kampf ist der starke Block der
Gewerkschaftseinheit" - der Bloque de Unidad Obrera -, der 93$ der organisierten Arbeiterschaft vertritt. Die Fuehrer dieser Gewerkschaftsunion sind alle entschiedene Gegner des Kommunismus, ein Beweis dafuer,
wie weit die mexikanischen Gewerkschaften sich heute von der einst rein
marxistisch beherrschten Organisation unter Vicente Lombardo Toledano
entfernt haben.
Lombardo ist auch heute noch das Sprachrohr Moskaus; die Arbeiter
Mexikos aber vertritt er nicht mehr. Sprecher der arbeitenden Bevoelkerung Mexikos ist heute Fidel Velasquez, der Mann, der die Gewerkschaftsbewegung zu einer starken Einheitsfront gegen den Kommunismus zusammenschweisste.
Der Bloque de Unidad Obrera wurde unter der Regierung Ruiz Cortines
als schlagkraeftige einheitliche Organisation der mexikanischen Arbeiterschaft innerhalb einer demokratischen Gesellschaft gebildet. Seine
Hauptstuetze ist der "Verband der Arbeiter Mexikos" mit Fidel Velasquez
an der Spitze. Dieser groesste mexikanische Gewerkschaftsverband zaehlt
1,5 Millionen Mitglieder. In ihm sind etwa 20 Gewerkschaften der Textilindustrie, des Transportgewerbes, der Handelsmarine, des Bauwesens, der
Fleischkonservenindustrie, des Hotel- und Gaststaettengewerbes, der Oelindustrie, der Zuckerindustrie und der staatlichen Elektrizitaetswerke
zusammengeschlossen.
Ausserdem gehoeren dem Block noch der "Bezirksverband der Mexikanischen Arbeiter", in dem vor allem Textilarbeiter organisiert sind, der
"Allgemeine Arbeiterverband" und drei grosse unabhaengige Gewerkschaften
der Eisenbahner, der Bergleute und Metallarbeiter und der Telephonbediensteten an.
Auf Anregung der Eisenbahnergewerkschaft, die seihst 21 ihrer Mitglieder wegen kommunistischer Agitation aus ihren Reihen ausgeschlossen
hatte, wurde innerhalb des Blocks ein Unterausschuss zur Bekaempfung des
Kommunismus gebildet- Die Eisenbahnarbeiter, bei denen frueher das
kommunistische Element vorherrschte, sind jetzt in einem starken Landesgewerkschaftsverband zusammengeschlossen.

11 -

�Auch die Bergarbeiter, bis 1949 eine stark kommunistisch beeinflusste
Gewerkschaft, haben sich von der kommunistischen Vorherrschaft befreit,
wenn die Kommunisten auch nach wie vor ihre Agitation innerhalb der Gewerkschaft fortsetzen.
Die Mehrheit der gewerkschaftlich organisierten Landarbeiter gehoert
dem "Nationalverband der Farmarbeiter" an, der ebenfalls dem Einheitsblock
angeschlossen ist; die uebrigen sind Mitglieder des "Verbandes der Arbeiter
Mexikos". Eine unbedeutende Gruppe, der "Allgemeine Verband der Landarbeiter", steht angeblich unter der Fuehrung Vicente Lombardos. Lombardo, ehemals Vorsitzender des "Verbandes der Arbeiter Mexikos", hat seit seinem
Ausschluss aus dieser Gewerkschaft vor 15 Jahren jeglichen Einfluss auf
die mexikanische Gewerkschaftsbewegung verloren, wenn man von zwei oder
drei unbedeutenden Gewerkschaftsgruppen absieht. Der von ihm gefuehrte'Verband der Arbeiter Lateinamerikas", ein Instrument der sowjetischen Politik,
verlor seine letzte starke Stuetze, den "Allgemeinen Arbeiterverband von
Guatemala", bei der antikommunistischen Revolution in Guatemala.
Der Kampf der Arbeiterschaft Mexikos geht heute um die endgueltige
Verwirklichung der Verfassung von 1917, deren Versprechungen zum Teil noch
nicht erfuellt wurden, unter anderem der Artikel ueber die Gewinnbeteiligung. Streikrecht und Arbeitsgerichte hingegen sind inzwischen feste Institutionen in Mexiko. Auch hinsichtlich der Loehne haben die mexikanischen
Arbeiter in den letzten Jahren staendige, wenn auch langsame Fortschritte
erzielt. Dies ist um so bemerkenswerter, als von den insgesamt 6 Millionen
Arbeitnehmern in Mexiko erst etwa ein Drittel gewerkschaftlich organisiert
ist.
Aus» "Christian Science Monitor"
- Quellenangabe erforderlich -

- 12 20 Api 5o

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werben.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem. Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen'' ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
IX -

10

Mehlem, den 1 1 . Mai

1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Der Aufschwung des Genossenschaftswesens
in den Vereinigten Staaten
Die amerikanische Bundes-Arbeitsaufsichtsbehoerde
(National Labor Relations Board)
18 000 Schlafwagenschaffner - eine fortschrittliche
Negergewerkschaft
Die Gewerkschaft der amerikanischen
Druckereiarbeiter
i

Seite

1

Seite

6

Seite

9

Seite 11

Jerry Voorhis:
Der Aufschwung des Genossenschaftswesens in den Vereinigten Staaten
Aus "The American Federationist"
- Quellenangabe erforderlich 'Im Zeitalter konzentrierter politischer und wirtschaftlicher
Macht besteht die Gefahr, daß der einfache Mann sein Mitspracherecht
an Entscheidungen, die sein Leben betreffen, einbüßt. Geht dieses
Recht verloren, so ist es um Demokratie und Freiheit geschehen. Es
gibt ein Mittel, dieses Recht zu wahren, ein ganz altes Mittel,
dessen sich einfache Menschen zu allen Zeiten bedient haben. Bei
weiser, mutiger und entschlossener Anwendung bewährt es sich stets,
so auch augenblicklich in den Vereinigten Staaten.
Dieses Mittel ist der Zusammenschluß von Menschen nach der
Maxime "Eigene Probleme lassen sich nur dann lösen, wenn auch die
Probleme anderer gelöst werden."
Die Gewerkschaftsbewegung gründet sich auf dieses Prinzip. Es
ist dies die Art, wie rechtlich denkende Bürger Ruhe und Ordnung
innerhalb der Gemeinschaft aufrechterhalten. Es ist der Grund, weshalb sich Menschen aus vielen Bevölkerungsschichten zusammentun
und ihre Ersparnisse in Unternehmen investieren, die sie selbst
organisieren, besitzen, leiten und auf gemeinnütziger Basis betreiben« Die Genossenschaften.
Die Genossenschaften unterscheiden sich von anderen .Virtschaftsbetrieben in mancher Hinsicht.
Erstens« Jeder, der beim Aufbau des Unternehmens mithelfen will,
kann Eigentümer, Aktionär oder Mitglied werden. (Kommunisten ist

�jedoch der Beitritt nicht gestattet, weil die amerikanischen
Genossenschaften auf dem Standpunkt stehen, daß solchen Menschen nicht am Gedeihen solcher Unternehmen gelegen sein kann.)
Zweitens« Genossenschaften schütten nur beschränkte Gewinne
auf die Einlage aus, da sie nach dem Grundsatz verfahren, daß das
Geld für den Menschen, und nicht der Mensch für das Geld zu arbeiten hat.
Drittens: Die Mitglieder bestimmen in der Mitgliederversa-rmlung die Geschicke des Unternehmens. Jedes Mitglied ist
stimmberechtigt und hat nur eine Stimme, ganz gleich wieviel
Anteile es besitzt. Es ist wiederum der Mensch, der zählt, und
nicht das Geld.
Viertens: Im Gegensatz zu den normalen Wirtschaf tsuntemehmen werden die von den Genossenschaften erzielten Gewinne (abzüglich gewisser Rücklagen) den Kunden ausbezahlt, und zwar im
Verhältnis zu ihrer Beteiligung.
Außer den üblichen Steuern zahlen die Genossenschaften auch
noch für ihre Kapitalrücklagen und alles Geld, das sie nicht an
ihre Kunden zurückzahlen, Körperschaftssteuern.
Ziel genossenschaftlicher Betriebe ist es, einen bestimmten
Bedarf einer bestimmten Personengruppe zu decken. Heute finden
sich genossenschaftliche Betriebe in fast allen Wirtschaftszweigen und Lebensbereichen: Kinder kommen in Genossenschaftskrankenhäusern zur '.Veit, und Tote werden durch genossenschaftliche
Beerdigungsinstitute bestattet; die Farmer beziehen ihren Strom
von Elektrizitätsgenossenschaften.und zahlreiche Familien in
der Stadt sind zu Eigenheimbesitzern geworden, weil sie sich
einer Wohnungsbaugenossenschaft angeschlossen haben.
Agrargenossenschaften liefern Düngemittel bester Qualität,
und genossenschaftliche Ölraffinerien und Tankstellen machen
den großen Mineralölgesellschaften Konkurrenz. Einige der modernsten "Supermarkets" der USA - Großwarenhäuser mit Selbstbedienung - sind in der Hand von Genossenschaften. Der beste
Weg, um Geld zu sparen und zu borgen, ist die Beteiligung an
einer Kreditgenossenschaft.
Die meisten Genossenschaften verdanken ihre Existenz der
Entschlossenheit und dem Mut einiger tatkräftiger Menschen, die
bereit sind, um eines gemeinsamen Zieles willen auch einmal
ein beträchtliches Risiko auf sich zu nehmen. Betrachten wir
uns einige dieser Genossenschaften einmal näher.
Im Jahre 1935 waren nur 11$ der amerikanischen Farmbetriebe
an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. Alle Bemühungen um eine
Elektrifizierung der Landbezirke schienen zum Scheitern verurteilt: die Elektrizitätsgesellschaften waren aus Rentabilitätsgründen desinteressiert. Sie behaupteten, die Farmer könnten
die Kosten hierfür nicht tragen. Als der Kongreß im Jahre 1935
den"Rural Electrification Act" annahm, rechneten die Befürworter
dieses Gesetzes damit, daß der größte Teil der hierdurch verfügbar gemachten Kredite an kommerzielle Unternehmen vergeben

- 2 -

�würde. Statt dessen stammten nahezu sämtliche Kreditanträge von
landwirtschaftlichen Slektrizitätsgenossenschaften, die sogleich
in allen Teilen des Landes gebildet wurden.
Die Genossenschaftsmitglieder bemühten sich nicht um Almosen der Regierung. Die Farmer erkannten einzig und allein, daß
sie elektrischen Strom für ihre Farmen haben mußten und nahmen
hohe Darlehen auf, um dieses Ziel zu erreichen. Sie haben das
geliehene Geld längst zurückgezahlt, meist vor dem Fälligkeitstermin. Die Regierung hat mit dem Programm zur Elektrifizierung
landwirtschaftlicher Gebiete sogar ein gutes Geschäft gemacht.
Über 90$ der amerikanischen Farmen haben heute elektrischen Strom,
nicht zuletzt dank der Genossenschaften, die den weitaus größten
Anteil an der Verwirklichung des Elektrifizierungsvorhabens bestritten haben. Heute gibt es 1000 landwirtschaftliche Elektrizitätagenossenschaften, die 4 500 000 Mitglieder mit Strom versorgen. Sie haben einen Umsatz von insgesamt 365 Millionen
Dollar - also 1 Million pro Tag.
Jahrelang zahlten die Farmer enorme Preise für Düngemittel.
Der Dünger, den sie kauften, war noch dazu mit unbrauchbaren Stoffen vermengt, die für den entsprechenden Boden gar nicht benötigt
wurden und nur das Gewicht erhöhten und die Transportkosten verteuerten. Dabei konnte die Düngeraittelindustrie noch nicht einmal die Nachfrage decken. Hochwertige Düngemittel gab es so gut
wie überhaupt nicht. So entschlossen sich die Farmer in den
Staaten Ohio und Indiana/ selbst Dünger herzustellen. Sie gründeten deshalb durch Einzahlung kleinerer Beträge Düngemittelgenossenschaften und betätigten sich selbst als Geschäftsleute.
Von Anfang an brachten sie außen an den Säcken eine genaue
Analyse des Düngers an, es hatte ja keinen Zweck, sich selbst
zu betrügen. Man produzierte so viel guten, hochwertigen Dünger
wie nur möglich, um die Knappheit zu beseitigen.
Inzwischen entwickelte sich daraus eine große vielfältige
Industrie» die Kunstdüngergenossenschaften haben in vielen Einzelstaaten einen Marktanteil von 15 bis 25 Prozent. Heute ist es
allgemein üblich, hochwertigen Dünger mit einer genauen Angabe der
chemischen Zusammensetzung zu liefern. Dies ist den Genossenschaften zu danken. Übrigens sind auch die Preise für Kunstdünger erheblich langsamer gestiegen als die anderer landwirtschaftlicher
Bedarfsgüter, und dies, obwohl der Düngemittelverbrauch heute
dreimal so hoch ist als vor zehn Jahren.
Das gleiche gilt für Mineralöl. Auch hier begann man mit der
Bildung kleiner Genossenschaften, die sich im Laufe weniger Jahre
zu großen Unternehmen entwickelt haben. Sie besitzen heute eigene
Ölquellen, Raffinerien, Ölleitungen und Tankstellen und versorgen
2,5 Millionen Mitglieder - meist Farmer - mit Mineralölprodukten.
So haben sich die Farmer ihre eigenen Genossenschaften aufgebaut,
die heute aus den ländlichen Gebieten der USA nicht mehr wegzudenken sind und ihre Mitglieder mit Kunstdünger, Lebensmitteln,
Saatgut, Kohle, Eisenwaren, Mineralölerzeugnissen und Haushaltawaren versorgen. Insgesamt bestehen rund J&gt;000 solcher Genossenschaften, und jede zweite Familie in den Farmgebieten der Vereinigten Staaten hat Anteilscheine einer oder mehrerer von ihnen.
In vielen Fällen werden sie auf rein örtlicher Basis betrieben.
Früher waren Kreditmittel für den einzelnen praktisch nur
um ffucherzinsen zu haben. Schon um das Jahr 1900 herum begann

- 3-

�man deshalb in den Vereinigten Staaten Kreditgenossenschaften
zu bilden. Der Grundgedanke ist ganz einfach. Menschen, die
etwa der gleichen Gewerkschaft angehören oder im selben Betrieb arbeiten, haben auf Jeden Fall zwei wirtschaftliche
Interessen gerneinsamt Erstens Sparrücklagen zu schaffen und
zweitens gegebenenfalls Kredit aufzunehmen. Wenn man nun ein«
große Zahl von Menschen dazu bringen kann, auch nur fünf Dollar
an eine gemeinsame Kasse einzuzahlen, dann entsteht damit «in
großes Kapital, aus dem man die gewünschten Kreditmittel entnehmen kann. Die Zinsen für eventuelle Kredite zahlt man somit
im Grunde an sich selbst.
Die Praxis gab diesen Überlegungen recht. Und so haben
neun Millionen Mitglieder von Kreditgenossenschaften Anteil«
im Gesamtwert von drei Milliarden Dollar erworben.
Wenn auch die Medizin in den letzten Jahrzehnten gewaltige
Fortschritte gemacht hat, so ist auch heute noch eine Arztrechnung für Familien mit durchschnittlichem Einkommen geradezu ein
Alptraum. Nur wenige Menschen können es sich leisten, alle jene
Mittel in Anspruch zu nehmen, die die moderne Medizin für ihre
Heilung zur Verfügung hat. Um hier Abhilfe zu schaffen, entstanden genossenschaftliche Krankenkassen, in denen sich eine
Gruppe von Menschen zur Zahlung monatlicher Beiträge verpflichtet, dafür aber das Geschäftsgebaren bestimmt. Aus den Beiträgen werden zum Teil Ärzte und Krankenpflegepersonal stundenweise
oder ganztägig fest engagiert. Im Laufe der Zeit haben sich ganz
verschiedene Formen der genossenschaftlichen Krankenversicherungen herausgebildet.
Zahlreiche Gewerkschaften haben ihre eigenen Krankendersicherungs- und Wohlfahrtskassen gegründet. Ein Teil der Gewerkschaften unterhält seit Jahren bereits ärztliche Betreuungsstellen für seine Mitglieder. Auch hier ist die Entwicklung
noch in vollem Gange. Das Ziel dieser Bemühungen ist es, sicherzustellen, daß alle Gewerkschaftsmitglieder eine möglichst umfassende ärztliche Betreuung mit dem Schwergewicht auf prophylaktische Fürsorge erhält. Dies läßt sich am besten durch
die ständige Gesundheitskontrolle erreichen. Bei derartigen
genossenschaftlichen Versicherungen bestehen die Versicherungsleistungen in der unmittelbaren ärztlichen Betreuung und nicht
in der Erstattung beziehungsweise teilweisen Erstattung von
Arztrechnungen*
Besondere Schwierigkeiten bereitete die Einführung des
genossenschaftlichen Wohnungsbaues, da hierzu gewaltige Geldmittel notwendig sind, ganz zu schweigen davon, daß gerade auf
diesem Gebiet nur wirkliche Fachleute erfolgreiche Arbeit leisten können. Die Entwicklung wurde allerdings dadurch begünstigt, daß sich größere Organisationen, die Gewerkschaften
zum Beispiel, hinter derartige Vorhaben stellten und sich an
der Mitgliederwerbung beteiligten. Ohne eine solche Mithilf«
lassen sich derartige Großvorhaben kaum durchführen. Ist aber «rat
einmal genügend Kapital vorhanden, haben sich tüchtige Fachleute
gefunden und besteht eine entsprechende Rückendeckung durch dl«
Mithilfe einer größeren Organisation, dann kann der genossenschaft-

4-

�1

genossenschaftliche Wohnungsbau zu einer erheblichen Verbilligung der Mieten, ja zur Einsparung von ein bis zwei Monatsmieten im Jahr führen. Millionen Familien haben so ein eigenes
Heim erwerben können, was ihnen andernfalls nie möglich gewesen
wäre •
Schließlich sind noch die Konsumgenossenschaften zu nennen.
Vor drei und vier Jahren noch war das Bild recht entmutigend.
Heute sind die kleinen, schlechtgeführten und finanzschwachen
Genossenschaften, wie man sie noch vor einem Jahrzehnt allenthalben fand, von der Bildfläche verschwunden. An ihre Stelle sind
Konsumläden getreten, die mit zu den größten und besten Kaufhäusern
der Vereinigten Staaten gehören, auch wenn ihr Gesamtanteil am
Einzelhandel noch relativ gering ist. Tüchtige Geschäftsführer,
ein entsprechendes Kapitalpolster, attraktive Läden und ein«
treue Mitgliedschaft sorgen dafür, daß diesen Läden trotz des
scharfen Wettbewerbs eine Zukunft beschieden sein wird. Die
an die Mitglieder ausgezahlten Vergütungen aus dem Gewinn entsprechen gegenwärtig dem Durchschnitt etwa eines Wocheneinkaufs
pro Jahr.
Zwischen den Genossenschaften und den Gewerkschaften besteht ein enger Zusammenhang. Dies gilt besonders für Westeuropa, wo die Gewerkschaften und die Genossenschaften oftmals
in ihrer Mitgliedschaft identisch sind.
Die genossenschaftlichen Wohnungsbauvorhaben, und zwar
die von der Vereinigten Gewerkschaft der Arbeiter in der Bekleidungsindustrie und der Internationalen Gewerkschaft der
Arbeiter der Damenbekleidungsindustrie haben in aller Welt
Beachtung gefunden. Die Gewerkschaften haben ihrerseits Hunderte von Kreditgenossenschaften ins Leben gerufen. Zahlreiche
der genossenschaftlichen Versicherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit stützen sich in erster Linie auf Gewerkschaftsmitglieder. Die größte Konsumgenossenschaft Amerikas hat einen
Gewerkschaftsführer als Generaldirektor. Diese Beispiele ließen
sich beliebig vermehren. Im übrigen haben die Genossenschaften
auch mit ihren eigenen Angestellten Tarifverträge abgeschlossen
und sind auch sonst bemüht, die Arbeitsbedingungen so günstig
wie möglich zu gestalten.
In den genossenschaftlichen Lagerhäusern und Herstellungsbetrieben herrscht heute ein gutes Einvernehmen zwischen Betriebsführung und Gefolgschaft. Überall zeichnet sich im Genossenschaftswesen die Tendenz ab, moderne und zeitgemäße Methoden der Betriebs- und Menschenführung einzuführen. Betriebe, in
denen früher ein ausgesprochen schlechtes Verhältnis zwischen
Betriebsführung und Belegschaft bestanden hat, betrauen heute
erstklassige Fachleute mit der Aufgabe, die Tarife und Arbeitsbedingungen festzulegen, weil man erkannt hat, daß ein auf dem
Genossenschaftsgedanken basierendes Verhältnis zu der gewerkschaftlich organisierten Belegschaft genauso wichtig ist wie
die genossenschaftlichen Beziehungen zu den Mitgliedern. Auf
Tagungen führender Männer genossenschaftlicher Unternehmungen
wird immer wieder auf die Tatsache hingewiesen, daß Lohnerhöhungen fast immer eine Steigerung der Arbeitsproduktivität
mit sich bringen, und daß überdurchschnittliche Löhne weit eher
eine Senkung als eine Erhöhung der Gesamtbetriebskosten bewirken.

- 5-

�Die landwirtschaftlichen Verbände haben die Genossenschaften stets tatkräftig unterstützt, sei es durch Geld
oder durch ihren Rat. Ähnliche Anstrengungen seitens der
Gewerkschaftsbewegung könnten für deren gesamte Mitgliedschaft erhebliche wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen.
Solche Bemühungen würden sich in zweifacher Hinsicht günstig
auswirken, sie brächten einmal erhebliche Einsparungen im
Familien-Budget mit sich und könnten zum anderen, durch die
Entstehung großer und leistungsfähiger Genossenschaften,
das Gesamtbild der Wirtschaft des Landes günstig beeinflussen.
Zweck der Genossenschaften ist es nicht, die Kontrolle über die Wirtschaft zu erlangen, sondern vielmehr
die Aufstiegsmöglichkeiten für den einzelnen zu verbessern
und die Vollbeschäftigung in einer wirklich freien Wirtschaft
sicherzustellen. Wenn es den Genossenschaften gelingt, ihren
Anteil am gesamten Handel von gegenwärtig 3 bis 4 Prozent
auf 10 bis 15 Prozent auszuweiten, dann würden sie diese
Aufgabe sicher voll erfüllen.
Die Genossenschaften haben in ihrer wirtschaftlichen
Betätigung nur ein einziges Zielt Ihre Mitglieder mit mehr
Waren- und Dienstleistungen zu geringeren Preisen zu versorgen. Diese Form der wirtschaftlichen Betätigung trägt mit
dazu bei, die Gefahr der Arbeitslosigkeit und einer Wirtschaftskrise zu bannen. Leistungsfähige Genossenschaften
können zum stabilisierenden Element der Wirtschaft werden
und zu echter wirtschaftlicher Freiheit und zu größerem
materiellen Wohlstand führen, der nicht nur ihren Mitgliedern, sondern dem ganzen Volk zugute kommen würde.

Aus "The American Federationist"
- Quellenangabe erforderlich -

* * * * *
Die amerikanische Bundes-Arbeitsaufsichtsbehoerde(National
Labor Relations Board)
Im Jahre 1935 *urde im "Wagner Act" den amerikanischen
Arbeitern das Recht auf Kollektivverhandlungen gesetzlich
garantiert und anerkannt. Gleichzeitig mit diesem Gesetz wurde
zu seiner Durchführung und zur Regelung der Beziehungen zwischen
den Sozialpartnern die Bundes-Arbeitsaufsichtsbehörde (National
Labor Relation3 Board - NLRB) eingesetzt, deren Befugnisse dann
später im Jahre 1947 im Gesetz über die Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten "National Labor Management Relations Act" (TaftHartley-Gesetz ) erweitert wurden.

- 6-

�Das "NLRB" hat die Aufgabe für die ordnungsgemäße Anwendung des Gesetzes vom Jahre 1947 Sorge zu tragen, dessen Zweck
in seiner Präambel zum Ausdruck gebracht wird, nämlich "die
legitimen Rechte sowohl der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber
in ihrem Verhältnis zur '.Virtschaft festzulegen, ordnungsgemäße und friedliche Verfahrensmethoden zu entwickeln, um gegenseitige Eingriffe in die legitimen Rechte beider Parteien
zu verhindern ... und die Rechte der Allgemeinheit in Verbindung mit Arbeitsstreitigkeiten, die sich auf die Wirtschaft
auswirken, zu schützen."
Tatsächlich sichert das Gesetz dem Arbeiter das Recht,
einer Gewerkschaft beizutreten und Kollektivverträge abzuschließen. Es untersagt den Arbeitgebern, die Arbeiter durch
Drohungen oder diskriminierande Methoden an der Ausübung dieses
Rechtes zu hindern. Durch die Einrichtung geheimer Wahlen verschafft es den Arbeitern ferner demokratische Institutionen,
mit denen sie sich Vertreter zum Abschluß von Kollektivverträgen mit den Arbeitgebern wählen können.
Daneben beschränkt das Gesetz aber auch die Gewerkschaften in bestimmten Tätigkeiten. Es verbietet unter anderem den
"closed shop", das heißt den Zwangsbeitritt zu einer Gewerkschaft, um in einem Betriebe arbeiten zu können, und erklärt
gewisse Arten eines mittelbaren Boykotts (secondary boycott)
und bestimmte Streiks für ungesetzlich, während es den Gewerkschaften andererseits das Recht zur Organisierung legaler Streiks bestätigt und die Aufstellung von Streikposten
in der Absicht zuläßt, um im Interesse ihrer wirtschaftlichen
Ziele die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Arbeitsstreitigkeiten zu lenken. Der eigentliche Zweck des Gesetzes
besteht darin, den Sozialpartnern die bestmöglichste Gelegenheit zu geben, auf gleicher Ebene zusammenzutreffen, um
auf friedlichem Wege in ehrenvoller Weise zu einer Beilegung
ihrer Streitigkeiten zu gelangen. Mittler und überparteiliche
Instanz bei der Erreichung dieses Zieles ist die BundesArbeitsaufSichtsbehörde.
Den organisatorischen Aufbau der Behörde hat das Gesetz
wie folgt geregelt. An ihrer Spitze steht ein Präsident und
ein vierköpfiger Lenkungsausschuß, die vom Präsidenten der
USA mit Zustimmung des Senats auf die Dauer von fünf Jahren
ernannt werden. Daneben sieht das Gesetz einen Generalarbeitsanwalt vor, der von den gleichen Instanzen ernannt wird und
dessen Amtsperiode vier Jahre beträgt. Er ist der Anwalt der
Behörde und die oberste Instanz für die Untersuchung von
Beschuldigungen und Beschwerden, und ihm steht ferner die
Erhebung der Anklage vor der Behörde zu. Ihm unterstehen
auch die 28 Außenstellen der Behörde.
Die Tätigkeit der Behörde richtet sich entweder auf die
Prüfung und Beilegung von Fällen, in denen Arbeiter wegen
ihres Glaubens, ihrer Rassezugehörigkeit oder ihrer Hautfarbe
diskriminiert wurden oder auf Fragen, die die 7/ahlen in den
Betriebsräten betreffen.
Die 3ehörde geht gegen alle Personen vor, die diskriminierende oder unerlaubte Methoden im Sinne des Gesetzes an-

�anwenden. Eine Entscheidung der Behörde erfolgt Jedoch nur auf
Antrag, der entweder von einem Arbeitgeber! einem Arbeitnehmer
oder einer Gewerkschaft bei der zuständigen regionalen Arbeitsaufsichtsbehörde als erster Instanz gestellt werden mu8.
Nach ordnungsmäßiger Einreichung der Beschwerde wird die
beschuldigte Partei von dieser in Kenntnis gesetzt und beide
Parteien zur schriftlichen Stellungnahme aufgefordert. Auf
Grund der Akten wird der Sachverhalt sodann von der regionalen Arbeitsaufsichtsbehörde geprüft, die den Fall dadurch zum
Abschluß bringt, daß sie entweder die beschwerdeführende Partei
zur Zurückziehung ihrer Beschwerde auffordert oder aber der
Beschwerde stattgibt oder sie ablehnt.
Falls es zu keiner Einigung der Parteien kommt, findet in
der Regel eine öffentliche Verhandlung statt. Auf Grund des
Beweismaterials verfaßt die Behörde einen Zwischenbericht,
in dem sie den Sachverhalt schildert und ihren Schiedsspruch
begründet.
Wenn innerhalb einer Frist von 20 Tagen von keiner der
beiden Parteien gegen den Schiedsspruch Einspruch erhoben
wird, wird er als Entscheidung der Arbeitsaufsichtsbehörde
rechtskräftig. Wird Einspruch erhoben, dann gelangt der Fall
vor die fünfköpfige Arbeitsaufsichtsbehörde in Washington
als zweiter Instanz zur Entscheidung, nachdem die Parteien
in mündlicher Verhandlung ihren Standpunkt nochmals dargelegt
haben.
Wenn die Entscheidung von einer der beiden Parteien nicht
anerkannt wird, beantragt die Arbeitsaufsichtsbehörde beim zuständigen Bundesgericht einen Vollstreckungsbeschluß, oder
aber die Partei, die sich mit der Entscheidung nicht zufrieden
gibt, ersucht das Gericht um eine Überprüfung der von der
Arbeitsaufsichtsbehörde getroffenen Entscheidung und beantragt deren Aufhebung. Ferner steht beiden Parteien das Recht
auf Berufung beim Obersten Bundesgericht der USA gegen Entscheidungen der Bundesarbeitsaufsichtsbehörde zu.
Die zweite Hauptaufgabe der Arbeitsaufsichtsbehörde besteht in der Durchführung von Betriebratswahlen. Sie werden
auf Antrag eines Arbeitgebers, der Belegschaften oder einer
Gewerkschaft abgehalten und müssen den Nachweis erbringen,
daß mindestens 30 Prozent der Belegschaft eine Vertretung
wünschen. Der Antrag wird bei der Arbeitsaufsichtsbehörde
des Bezirks gestellt, in dem der Betrieb seinen Sitz hat.
Die Betriebsratswahlen erfolgen nach dem demokratischen
Prinzip der Mehrheitsentscheidung und sind geheim. Wenn die
Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf eine bestimmte Gewerkschaft fällt, wird deren Legitimation als ausschließliche
Vertretung der Arbeitnehmer des Betriebes von der obersten
Arbeitsaufsichtsbehörde bestätigt.
Ebenso kann die Behörde nach dem Gesetz auch Betriebsratswahlen durchführen, um einer Gewerkschaft diese Legitimation zu entziehen. In diesem Falle muß sie nachweisen, daß
30 Prozent der Belegschaft mit ihrem gegenwärtigen Betriebsrat unzufrieden soind. Auch bei dieser V/ahl entscheidet die
Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

- 8 -

�Wenn sie die Behörde in Anspruch nimmt, muß eine Gewerkschaft dem Arbeitsminister sowie der Arbeitsaufsichtsbehörde
Abschriften ihrer Satzung mit ihren Ausführungsbestimmungen,
einen Bericht über ihren Jahreshaushalt und eidesstattliche
Erklärungen ihrer führenden Funktionäre darüber einreichen,
daß ihre Gewerkschaft weder kommunistisch ist noch daß sie
den Kommunismus unterstützt. In der Erfüllung ihrer Aufgaben
hat das "NLRB" eine sehr große Arbeitslast zu bewältigen, und
erst in den vergangenen drei Jahren war es ihr möglich, die
unzähligen im Laufe der Zeit aufgelaufenen Anträge aufzuarbeiten. In dem am 30«Juni 1955 abgelaufenen Finanzjahr zum
Beispiel befaßte es sich insgesamt mit 13 600 Fällen. Bei
7442 Eingaben handelte es sich um Anträge zur Abhaltung von
Betriebsratswahlen, während 6171 Eingaben sich mit Fällen
von unfairen Arbeitspraktiken befaßten.
Zahlreiche von der Arbeitsaufsichtsbehörde getroffene
Entscheidungen sind als Präzedenzfälle richtungweisend für
das Verhältnis zwischen den Sozialpartnern geworden. So
faßte die Behörde vor einiger Zeit den Beschluß, daß ein
Arbeitgeber zur Auskunft über seine finanziellen Verhältnisse verpflichtet ist, wenn er Lohnerhöhungen mit der Begründung verweigert, daß seine Mittel es nicht zuließen.
Sowohl von Arbeitgeber- wie von Arbeitnehmerseite ist
die Behörde verschiedentlich kritisiert worden. Man hat ihr
vorgeworfen, durch ihre Entscheidungen einseitig einen der
beiden Sozialpartner zu begünstigen. Eine Antwort auf diese
Kritik hat einmal ein Mitglied dieser Behörde, Philip Ray
Rodgers gegeben, der erklärte, daß die Behörde ihre Entscheidungen allein nach dem Gesetz trifft, und dieses "ist ein
vernünftiges und gerechtes Gesetz - ein Gesetz, daß in bemerkenswerter Weise einen Ausgleich zwischen mächtigen und
entgegengesetzten Interessen herstellt, indem es übermäßige
Forderungen in Schranken hält, doch keiner der beiden Parteien
Forderungen, soweit sie berechtigt sind, verweigert."

- Quellet Eigenbericht -

• * * * •
18 000 Schlafwagenschaffner - eine fortschrittliche
Negergewerkschaft
In den Statuten des neuen amerikanischen Gewerkschaftsverbandes "AFL-CIO" ist eines der wichtigsten Ziele dieser
neuen Organisation folgendermaßen definiert! "Alle Arbeiter
ohne Unterschied der Rasse, Hautfarbe oder Volksabstammung
sind zu ermutigen, alle Vorteile des gewerkschaftlichen Zusammenschlusses für sich in Anspruch zu nehmen".
In einer diesbezüglichen Resolution brachte die erste

-9 -

�Generalversammlung des neuen Verbandes ihre Entschlossenheit
zum Ausdruck, stets für die volle Gleichberechtigung aller
Amerikaner einzutreten. Sie ging noch einen Schritt weiter
und wählte zwei verdiente Neger-Gewerkschaftsfunktionäre zu
stellvertretenden Vorsitzenden und Mitgliedern des Vorstandes
dieses 16 Millionen Mitglieder zählenden großen amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes.
Einer der auf diese Weise geehrten Funktionäre ist der
66jährige A. Philip Randolph, der seit der Gründung seiner
Gewerkschaft im Jahre 1925 den Vorsitz der "Bruderschaft der
Schlafwagenschaffner" führt. Bei dem zweiten, zusammen mit
ihm ausgezeichneten Negerfunktionär, handelt es sich um
Willard S. Townsend, den Vorsitzenden der Vereinigten
Transportarbeiter.
Randolph, eine imposante, würdevolle Erscheinung, beeindruckt jeden Gesprächspartner schon bei der ersten Begegnung
durch seinen großen persönlichen Charme. Wer ihn nur nach
seinem gepflegten Redestil und seiner gewinnenden, ruhigen
Art beurteilt, ahnt wenig von seiner Energie, die ihn im
ganzen Lande als kompromißlosen Vorkämpfer gegen die Rassendiskriminierung jeglicher Art bekanntgemacht hat.
Randolphs Leistungen und Verdienste sind ebenso mannigfaltig und außergewöhnlich wie seine berufliche Laufbahn. Er
begann als Zeitungsjunge, Warenhausverkäufer und EisenbahnAngestellter, war kurze Zeit Schauspieler, nahm in zahlreichen Schriften und Vorträgen zum amerikanischen Negerproblem
Stellung und erwarb sich als Gewerkschaftsfunktionär so allgemeine Anerkennung, daß er schließlich mehrfach als Repräsentant der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu internationalen Konferenzen delegiert wurde. Seine Verdienste um die
Gewerkschaften würdigten Regierung und Öffentlichkeit mehrfach
durch ehrende Auszeichnungen. Mehr als jedem anderen einzelnen
Amerikaner hält man ihm seine entscheidende Einflußnahme in der
Frage der Rassentrennung innerhalb der amerikanischen Armee zugute, die zu ihrer Aufhebung führte. Beachtliche Erfolge erzielte er auch bei seinen Bemühungen um eine Angleichung der
Arbeitsbedingungen für Neger in der Privatindustrie.
Der bedeutendste Erfolg Randolphs war jedoch die offizielle
gewerkschaftliche Anerkennung der "Bruderschaft der Schlafwagenschaffner", die erst nach zwölfjährigem Widerstand der Eisenbahn-Gesellschaften erfolgte. Zum erstenmal kam es 1937 zur
Vereinbarung eines Kollektivvertrages, der die Unterschriften
der Arbeitgebervertreter und der Vertreter der Bruderschaft
trug. Auf Grund dieses Abkommens erhöhte sich das Monatsgehalt der Schlafwagenschaffner um 12 Dollar; niemals zuvor war
ihnen eine so beträchtliche Gehaltsaufbesserung gewährt worden.
Von diesem Wendepunkt an konnte die Bruderschaft der
Schlafwagenschaffner unter der Führung Randolphs von Jahr
zu Jahr neuen Boden gewinnen. Heute zählt diese Gewerkschaft
rund 18 000 Mitglieder. Besonders gute Beziehungen unterhält
sie zu der bekannten Pullman-Gesellschaft, mit der sie eines
der vorteilhaftesten Kollektivabkommen der gesamten Branche
zustandegebracht hat. Darüber hinaus ist sie Tarifpartner in

- 10 -

�41 Abkommen
linien, die
Bremser auf
stungen für

mit US-amerikanischen und kanadischen EisenbahnTarifgleichheit für Wagenschaffner und Schaffnerallen zugehörigen Strecken sowie gleiche Sozialleialle vorsehen.

Als Randolph 1925 die Leitung der neugegründeten Bruderschaft
übernahm, erhielt ein Schlafwagenschaffner einen Grundlohn von
67,50 Dollar für eine monatliche Dienstleistung von 300 bis 400
Arbeitsstunden. Heute erhält der gleiche Schaffner bei einer
festen Normdienstleistung von 205 Arbeitsstunden ein Anfangsgehalt von 304,18 Dollar.
Ebenso wichtig wie die wirtschaftlichen Verbesserungen war
für die Schlafwagenschaffner die Hebung ihres Ansehens in der
Öffentlichkeit, das heißt ihre völlige Gleichstellung als .Verktätige und Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft. Im neugeschaffenen Gewerkschaftsverband AFL-CIO erhält Vizepräsident
Randolph erweiterte Aufgaben und vergrößerte Möglichkeiten für
seinen Einsatz zum Wohle seiner Mitmenschen. Dabei darf nicht
vergesseb werden, daß er zeit seines Lebens nicht nur den Kampf
um die Gleichstellung der Minderheiten in den USA im Auge hatte,
sondern gleichzeitig auch ein entschiedener Gegner des Kommunismus gewesen ist. In seinem Bericht über die Geschichte der
Bruderschaft der Schlafwagenschaffner verweist er mit Genugtuung darauf, daß seine Gewerkschaft stets an der Spitze der Auseinandersetzung mit den Kommunisten gestanden hat. Randolph
erklärt unter anderem«
"Im Einklang mit ihrer Praxis, Gewerkschaften und Negerbewegungen unter ihre Kontrolle zu bringen, haben die Kommunisten große Anstrengungen unternommen, um sich in der Bruderschaft der Schlafwagenschaffner festzusetzen. Die Bruderschaft
schlug diese Versuche jedoch zurück und verhinderte jegliche
nennenswerte kommunistische Infiltration. Unsere Gewerkschaft
setzte sich stets mit solcher Entschiedenheit'gegen den Kommunismus zur Wehr, da£ man sie als die wirksamste Abwehrkraft
unter den Negern Amerikas, wenn nicht der ganzen Welt, bezeichnen kann".

- Quelle« Eigenbericht # # # * #
Frank Carey:
Die Gewerkschaft der amerikanischen Druckereiarbeiter
Eine der angesehensten und ältesten Gewerkschaften Amerikas
ist die "International Typographical Union" (ITU), die Internationale Gewerkschaft der Druckereiarbeiter. Ihre Gründung erfolgte bereits vor mehr als 100 Jahren, nämlich am 2.Dezember
1850 anläßlich einer Konferenz in New York, zu der Delegierte
aus ganz USA eingeladen wurden. Sechs große Berufsorganisationen, nämlich die der Setzer von New York, Albany, Trenton,
Philadelphia, Baltimore und Louisville, waren dabei vertreten.
Formell verabschiedet wurden die Statuten der neuen Gewerkschaft
auf dem Kongreß in Cincinnati am 5.Mai 1852.

- 11 -

�\

Aber die Geschichte der Organisation der Druckereiarbeiter
reicht noch viel weiter zurück. Der erste erfolgreiche Streik
wurde von ihnen schon 1776 durchgeführt - in demselben Jahr
übrigens, in dem die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Unabhängigkeit proklamierten. Schauplatz des Streiks war die damals
noch recht kleine Stadt New York. Zehn Jahre später führten die
Setzer von Philadelphia einen erfolgreichen Lohnkampf durch.
Aber beide Male lösten sich die Gruppen, die den Streik organisiert hatten, nach der Erreichung ihrer Ziele wieder auf.
Die erste dauerhafte Organisation entstand, als die
New Yorker Setzer im Jahre 1795 die "Typographical Society"
gründeten. Vier Jahre später wurde sie neu organisiert und
erhielt den Namen des berühmten, 1790 verstorbenen Buchdruckers und Staatsmannes Benjamin Franklin. Ähnliche Verbände wurden 1815 in Boston, in Albany (der Hauptstadt des
Staates New York), in Bsltimore und in der Bundeshauptstadt
Washington gegründet. Diese Bewegung dehnte sich bald auch
auf andere Städte aus, und es entstanden richtige Hilfsorganisationen, die Sterbegelder, Krankenunterstützung, Arbeitslosengeld und Streikhilfe gewähren konnten. Zu der Konferenz»
in New York im Jahre 1850 kam es, weil die Druckereiarbeiter
schließlich einsahen, daß'man die Löhne und Arbeitsbedingungen auf nationaler Basis regeln müsse.

(Fortsetzung folgt)
- Quelle: Eigenbericht

* « # « »

- 12 -

«

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über ArbeitsbeziehunKen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung- Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werben.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem. Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen-' ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 11

Mehlem, den 8. Juni 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die Gewerkschaft der amerikanischen
Druckereiarbeiter (Schluss)

Seite

1

Die Lage der Arbeiter in Rot-China

Seite

2

US-Bergarbeitergewerkschaft baute zehn neue
Krankenhaeuser fuer Mitglieder
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 9
Seite 10

Frank Careyi
Die Gewerkschaft der amerikanischen Druckereiarbeiter (Schluss)
Schon von ihren ersten Anfaengen an kaempfte die neue Gewerkschaft
fuer hoehere Loehne, und zwar nicht nur fuer ihre eigenen Mitglieder,
sondern fuer alle Arbeiter. Bereits im Jahre 1865 forderte die Gewerkschaft in einer Resolution den Acht-Stunden-Tag - lange, bevor er allgemein durchgesetzt werden konnte. 1869 schlössen sich die kanadischen
Druckergewerkschaften der amerikanischen an, die hierauf ihren Namen
in "International Typographical Union" abaenderte (sie hatte zuerst
"National T.U." geheissen). Auf demselben Kongress wurde auch eine Resolution angenommen, in der "gleiche Bezahlung fuer gleiche Arbeitsleistung" und die Abschaffung aller Arbeitskraefte gefordert wurden.
1870 wurde Augusta Lewis - eine New Yorkerin - zur Schriftfuehrerin der
Gewerkschaft und damit als erste Frau zur Funktionaerin einer amerikanischen Gewerkschaft gewaehlt. Auf die "ITU" gehen auch die ersten Anregungen zur Schaffung der "American Federation of Labor" (1881 gegruendet) zurueck.
Eine vorbildliche Pionierleistung der ITU war die Errichtung ihres
Gewerkschaftsheimes fuer aeltere Mitglieder im Jahre 1892. Das Heim ist
heute eine der Sehenswuerdigkeiten der Stadt Colorado Springs, die wegen
ihrer landschaftlichen Schoenheit beruehmt ist. Die ersten Gebaeude dieses
Komplexes wurden auf einem Stueck Praerie erbaut, das zwei Buerger Philadelphias der Gewerkschaft geschenkt hatten. Zahlreiche Spenden im Gesamtbetrag von 15 889 Dollar, die der Gewerkschaft zugeflossen waren, ermoeglichten den Baubeginn. Heute besteht das Heim aus mehreren ansehnlichen Gebaeuden, die auf dem sogenannten "Nob Hill" inmitten eines
- 1 -

�wundervollen Farks liegen. Im Mittelpunkt der Anlage steht das Altershelm
der Gewerkschaft, das neben zahlreichen kleinen Wohnungen auch Gesellschaf tsraeume und eine grosse Bibliothek enthaelt. Die Patienten des Spitals, das 400 Betten besitzt, und des Sanatoriums auf dem Nob Hill geniessen die besondere Heilwirkung der Sonne und der Klaren Gebirgsluft
Colorados. Die Gewerkschaft beschaeftigt einen eigenen grossen Stab von
Aerzten und Krankenschwestern.
Die Sorge der ITU fuer ihre Mitglieder beginnt schon bei der Lehrlingsausbildung. In den Kontrakten mit den Arbeitgebern wird genau festgelegt, welche Kenntnisse den Lehrlingen in jedem Lehrjahr beigebracht
werden muessen. Kein Lehrling darf in einer Druckerei angestellt werden,
die nicht in der Lage ist, ihm die Taetigkeit in allen Sparten seines
kuenftigen Berufes zu ermoeglichen. Schon 1907 wurde eine Gewerkschaftskommission mit der Aufgabe betraut, einen genauen Lehrplan fuer Setzerlehrlinge auszuarbeiten. Das Resultat ihrer Arbeit war die Schaffung einer
Berufsschule in Chicago, die die Lehrlinge im ganzen Land mit Hilfe von
Korrespondenzicursen unterrichtete. Seit 1924 wird die Berufsschulbildung
fuer Setzerlehrlinge in den USA von Indianapolis aus geleitet und von den
ITÜ-Sektionen in allen Teilen Amerikas auf Grund vorbildlicher Lehrbuecher
der Gewerkschaft durchgefuehrt.
Das Zentralorgan der ITU - die eigentlich ein Dachverband mit zahlreichen Einzelgewerkschaften ist - ist das "Typographical Journal", das
monatlich erscheint und die rund 100 000 Mitglieder der ITU ueber alles
Wissenswerte informiert und immer wieder daran erinnert, dass ihre Staerke in der gewerkschaftlichen Einheit liegt. Denn nur diese Einheit hat
der ITU ihre Erfolge ermoeglichti 1900 betrug der Jahreslohn eines Setzers
nur 894 Dollar; heute erreicht er durchschnittlich eine Hoehe von 5000
Dollar pro Gewerkschaftsmitglied und gehoert zu den hoechsten Loehnen des
Landes. Unter der Leitung des Gewerkschaftsvorsitzenden Woodruff Randolpn befindet sich die ITU auch heute noch in der vordersten Front des
gewerkschaftlichen Kampfes, der mit dazu beigetragen hat, den Lebensstandard der amerikanischen Arbeiter zu einem der hoechsten der Welt zu machen.
Quellet

Eigenbericht

Die Lage der Arbeiter in Rot-China
Die grossangelegte Aktion zur Verstaatlichung von Industrie und Handel, die im kommunistischen China im Januar 1956 durchgefuehrt wurde,
hat fuer die Belegschaften dieser Betriebe zwei sehr unangenehme Auswirkungen gezeitigt. Sie brachte einmal eine allgemeine Lohnkuerzung und
eine Verringerung der Sozialleistungen mit sich, zum anderen eine Verschaerfung der Arbeitsdisziplin und die damit verbundene ruecksichtslose
Ausbeutung der Arbeitskraft. Mit anderen Worten, die Arbeitsbedingungen
haben sich verschlechtert und die Anforderungen an die Leistungsfaehigkeit
sind gestiegen.
In jedem "kapitalistischen" Lande haette allein schon der Gedanke
an eine derartige allgemeine Lohnkuerzung oder Ueberforderung der Arbeitskraft sofort schaerfste Gegenma3snahmen der Gewerkschaften hervorgerufen.
Man wuerde gegebenenfalls einen Streik ausrufen, um das Niveau der Loehne
und Sozialleistungen zu halten.
In Rot-China allerdings werden die rigorosen Massnahmen des kommunistischen Regimes gegen die Arbeiterschaft nicht nur vom Allchinesischen
Gewerkschaftsbund geduldet, sondern sogar noch aktiv unterstuetzt. Wie
bei allen Gewerkschaften in den Laendern des Sowjetblocks hat auch der
2 -

�Allchinesische Gewerkschaftsbund nur die eine Aufgabe, dem Staat, der in
Diktaturen mit dem Arbeitgeber identisch ist, zu dienen, und nicht der
Arbeiterschaft.
Der Vorsitzende des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes, Lai Jo-yu,
laesst darueber keinen Zweifel aufkommen, wenn er am 18. Dezember 1934
in der in Peking erscheinenden "Kung Jen Jih Pao" (Arbeiterzeitung)
schriebt ".... Zweck der Gewerkschaft ist es, auf die Erreichung des von
der (kommunistischen) Partei gesteckten Zieles hinzuarbeiten und die
Aufgaben und Entscheidungen der Partei durchzufuehren
Als Mittler
zwischen der Partei und den Massen und als Organ zur Schulung im kommunistischen Denken ist die Gewerkschaft .... fuer die Verwirklichung der
Politik und der Richtlinien der Partei unerlaesslich."
Die Zahl der Berufstaetigen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben
(einschliesslich Buerokraefte) belief sich im Jahre 1955 auf schaetzungsweise 15 Millionen. Die Zahl der eigentlichen Industriearbeiter betrug
im Jahre 1955 wahrscheinlich nur 5 Millionen - eine sehr geringe Zahl
bei einer Gesamtbevoelkerung von nahezu 600 Millionen.
Etwa 80$ dieses Personenkreises, der fuer die Mitgliedschaft in den
Gewerkschaften in Frage kommt, gehoeren dem Allchinesischen Gewerkschaftsbund an, der auf Grund des Gewerkschaftsgesetzes vom Jahre 1950 z u m alleinigen Sprecher der organisierten Arbeiterschaft erklaert wurde. Dieses
Gesetz, das kurz nach der Eroberung Pekings durch die Kommunisten in
Kraft gesetzt wurde, besagt in Artikel 12, dass "das hoechste Fuehrungsorgan der Gewerkschaft in der Volksrepublik China der Allchinesische
Gewerkschaftsbund" ist. Und in Artikel 4 heisst es, dass "Organisationen,
die nicht dem Allchinesischen Gewerkschaftsbund angehoeren, nicht die
Bezeichnung Gewerkschaft fuehren duerfen."
Die Hsinhua-Agentur (die offizielle Nachrichten-Agentur Rot-Chinas)
veroeffentlichte am 25* April 1955 die letzten amtlichen Zahlen ueber
die Mitgliedschaft der Gewerkschaften. In der betreffenden Meldung heisst
est "Die Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder in der Chinesischen Volksrepublik stieg im Jahre 1954 auf 12,45 Millionen .... das entspricht einer
Zunahme von fast 1£ Millionen waehrend eines Jahres. Gegenwaertig bestehen im Lande 200 000 Ortsverbaende der Gewerkschaften. Dem Allchinesischen Gewerkschaftsbund sind 16 auf Landesebene organisierte Industriegewerkschaften angeschlossen, darunter Gewerkschaften der Arbeiter in der
Schwerindustrie, im Maschinenbau, im Kohlenbergbau, der Eisenbahner, der
Arbeiter im Transportgewerbe, bei der Post und im Fernmeldewesen, sowie
die Gewerkschaften der Seeleute, Verkaeufer, Erzieher, Landarbeiter, und
der Wasser- und Forstwirtschaft."
Der Apparat, mit dessen Hilfe die Kommunisten "die Ausfuehrung der
Gewerkschaftsarbeit im Sinne der Partei und der verbindlichen Richtlinien
sicherstellen", wurde im offiziellen Organ der Kommunistischen Partei
Chinas, der in Peking erscheinenden "Jen Min Jih Pao" (Volkszeitung) in
einem Leitartikel vom 10. September 1955 wie folgt beschriebeni "Die
fuehrende Rolle der Partei in der Gewerkschaftsbewegung wird durch Parteiorganisationen und Parteimitglieder innerhalb der Gewerkschaft gewaehrleistet.... Die wichtigste Aufgabe der Partei .... besteht in der Foerderung und Auswahl von Arbeitskadern und deren Zuteilung an die Gewerkschaften. Die Kader bestehen aus Personen, die ueber organisatorische Faehigkeiten verfuegen und der Partei treu ergeben sind. Die Vorsitzenden
der einzelnen Gewerkschaften muessen den Parteikadern angehoeren und die
Befaehigung zur Mitgliedschaft in den Parteikomitees nachweisen. Gleichzeitig sollten Aktivisten, die nicht der Partei angehoeren, aber die Parteianwartschaft besitzen und engen Kontakt mit den Massen unterhalten,
in leitende Stellungen der Gewerkschaftsfuehrung gewaehlt werden, um die
Verbindung zwischen der Partei und den Nichtparteimitgliedern zu staerken...
Die Parteiorganisationen sollten in regelmaessigen Abstaenden die Berichte

- 3-

�der Gewerkschaften ueberpruefen und eroertern... und darueber wachen,
dass die Entscheidungen und Anweisungen genau befolgt werden."
Die erstaunlich grosse Zahl von Aktivisten, die zur Ueberwachung der
Arbeiterschaft notwendig ist, wird aus einer Entscheidung bezueglioh der
"Verstaerkung der Aktivistenarbeit" ersichtlich, die vom Exekutivausschuss
des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes am 10. August 1955 angenommen wurde, und in der es heissts "Es haben sich in China 2,73 Millionen Gewerkschaftsaktivisten gefunden, das sind Personen, die selbst in der Produktion taetig sind und sich in ihrer Freizeit in den Dienst der Gewerkschaftsarbeit stellen, darunter Angehoerige der unteren Ortsausschusses,
der Betriebsausschuesse und der Arbeitsausschüsse der Gewerkschaften sowie auch Vorleute von Arbeitsgruppen." Da« Regime, das diese umfangreiche
Organisation den Arbeitern aufzwingt, ist das einer rigorosen Ausbeutung.
Die Chinesen arbeiten mit anderen Worten nur dafuer, die Stellung des
Staates zu verstaerken, nicht ihren eigenen Lebensstandard zu verbessern.
Dies brachte Li Fu-ch'un, der Stellvertretende Ministerpraesident
der Volksrepublik China, auf der zweiten Sitzung des Nationalen Volkskongresses im Juli 1955 in seinem Bericht ueber den ersten Fuenfjahresplan
unmissverstaendlich zum Ausdruckt "Der Aufbau der Schwerindustrie erfordert grosse langfristige Investitionen.... Deshalb muessen wir strengste
Sparsamkeit walten lassen, ... um alle verfuegbaren Geldreserven voll
auszuschoepfen und den Anforderungen des nationalen Aufbaus gerecht zu
werden und die notwendigen Reserven des Staates zu mehren... Wir koennen
deshalb die Ertraege einer steigenden Produktion und Arbeitsproduktivitaet
nicht fuer eine Hebung des Lebensstandards verwenden..."
Zum gleichen Thema heisst es im ersten Fuenfjahresplan 1 "Zwei Drittel
der wertmaessigen Steigerung der Produktion im Zeitabschnitt von 1952
bis 1957 muessen durch eine Steigerung der Arbeitsproduktivitaet erzielt
werden; eine Zunahme der Arbeitsproduktivitaet um jeweils 1j6 in den staatlichen Industrien wird innerhalb der naechsten fuenf Jahre einer Wertzunahme der Produktion um 182,82 Millionen Yuan (rund 80 Millionen Dollar
beziehungsweise 336 Millionen DM) entsprechen."
In der westlichen Welt wuerde die Arbeiterschaft auf eine derartige
Ausbeutung mit ihren traditionellen Waffen - Streik und Arbeitsniederlegung - antworten. In Rot-China allerdings sind diese Druckmittel der
Gewerkschaften ebenso wie in allen unter kommunistischer Herrschaft stehenden Laendern als Verstoesse gegen die Arbeitsdisziplin geaechtet und durch
Gesetz verboten.
Artikel 100 der Verfassung der Chinesischen Volksrepublik besagt,
dass "die Staatsbuerger der Chinesischen Volksrepublik verpflichtet sind,
die Verfassung und die Gesetze einzuhalten, und die Arbeitsdisziplin....
zu wahren." Artikel 2 des Gewerkschaftsgesetzes vom Jahre 1950 bestimmt,
dass die Arbeiter im Falle von Arbeitsstreitigkeiten die Produktion weiterfuehren und die Arbeitsdisziplin aufrechterhalten muessen. Deraus erklaert sich die Tatsache, dass alle Streikversuche und jede passive Resistenz seit der Machtuebernahme der Kommunisten im Jahre 1949 vom Staat
systematisch mit Gewalt unterdrueckt worden sind.
Justizminister Shih Liang umriss die Einstellung der rot-chinesischen
Regierung zum Streik am 5«' Oktober 1954 in einer Rundfunkansprache ueber
den Sender Peking wie folgt» "Die Bestrafung von Arbeitern aus der Industrie, dem Bergbau und dem Nachrichtenwesen, die sich an Streiks beteiligt haben oder denen es an dem notwendigen Arbeitseifer fehlte, hat eine
Staerkung der Arbeitsdisziplin mit sich gebracht. Dm diese Aktion unter
der Arbeiterschaft noch zu verstaerken, haben wir laengs der Bahnlinien
und Wasserstrassen Sondergerichte eingerichtet."
Zwischen 1918 und 1926 - noch bevor die Kommunisten, die schon immer

-4 -

�besonders aktiv innerhalb der chinesischen Gewerkschaftsbewegung waren,
durch ihre Hoerigkeit gegenueber den Anweisungen der Komintern Tod und
Vernichtung ueber die Arbeiterschaft in den Staaten brachten und damit
den Gewerkschaften groessten Abbruch taten - waren in China 1200 Streiks
zu verzeichnen, von denen rund 800 mit einem Erfolg der Streikenden endeten. Hsu Chin-chen, Mitglied des Sekretariats des Allchinesischen Gewerkscliaftsbundes, fuehrte zu dieser Frage vor dem 7- Gewerkschaftskongress im Mai 1953 aus, dass "zu jener Zeit alle Lohnkaempfe, die von den
Gewerkschaften gefuehrt wurden, eine politische Bedeutung besassen. Die
heutige Situation ist jedoch ganz anders.... Unter volksdemokratischen
Diktaturen haben die Aufgaben, die Funktionen und die Politik der Gewerkschaften einen grundlegenden Wandel durchgemacht."
Welch bittere Ironie in diesem "grundlegenden Wandel" fuer die
Arbeiterschaft liegt, laesst sich aus einem Leitartikel in der Pekinger
"Volkszeitung" vom November 1954 erseheni "Es gibt noch immer Menschen,
denen der Begriff der Arbeitsdisziplin unklar ist. Sie glauben, dass sie
(durch den Kommunismus) zu Herren der Wirtschaft geworden sind und heute
voellige Handlungsfreiheit besitzen. Dieser Standpunkt ist irrig. Unsere
Form der Arbeitsdisziplin... ist ein maechtiges Instrument zur Aufrechterhai tung der Produktion; langsames Arbeiten und die Nichtbefolgung von
Anweisungen ist Sabotage."
Am 10. September 1955 kommentierte die "Volkszeitung": "Im Interesse
der Arbeitsdisziplin muessen gegen eine kleine Anzahl von.Arbeitern und
Angestellten, die sich wiederholt Verstoesse gegen die Arbeitsdisziplin
zuschulden kommen lassen, Zwangsmassnahmen angewandt werden.... Solche
Angestellte und Arbeiter werden mit Disziplinarstrafen einschliesslich
der Entlassung bedroht."
Die Strafen, die im Falle von Verstoessen gegen die Arbeitsdisziplin
verhaengt werden, sind in den Beschaeftigungsbedingungen staatlicher
Unternehmen aufgefuehrti 1. Verwarnung, 2. Tadel, 3- schwerer Tadel,
4. Versetzung auf einen schlechter bezahlten Arbeitsplatz oder Rueckstufung und 5* Entlassung und gesetzliche Bestrafung. Arbeiter, die auf
Grund der gesetzlichen Bestimmungen abgeurteilt werden, koennen mit
Zwangsarbeit bestraft werden - mit "Erziehung zur Arbeit", wie ea im
Sprachgebrauch des kommunistischen Chinas heisst.
Die mildere Form der Bestrafung, die einfache Entlassung, ist im
Grunde genommen Kaum weniger schwerwiegend, da die von ihr betroffenen
Arbeiter auf Urund der bestehenden Bestimmungen kaum mehr in einem anderen Betrieb ankommen werden.
Die Beschaeftigungsbedingungen schreiben vor, dass Arbeiter bei
einer Neueinstellung ihr Arbeitsbuch vorlegen muessen, das Eintragungen
ueber ihre Fuehrung an frueheren Arbeitsplaetzen enthaelt. Findet sich
darin nun eine unguenstige Beurteilung, so Kann der entsprechende Arbeiter kaum einen neuen Arbeitsplatz finden und faellt damit automatisch
unter die Strafbedingungen fuer Kurzarbeiter und Bummelanten. Darueber
hinaus werden Arbeitslose zwangsweise im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmassnahmen eingesetzt, mit deren Hilfe die kommunistische Regierung die
grosse Zahl der Arbeitslosen in den Staedten zu verringern sucht. Im
Rahmen dieser Massnahmen kann auch die zwangsweise Umsiedlung arbeitsloser Industriearbeiter verfuegt werden. Im allgemeinen werden die Arbeitslosen jedoch zur Urbarmachung unfruchtbarer Gebiete oder zum industriellen Aufbau in abgelegenen Teilen des Landes herungezogen, sofern
man sie nicht einfach zu Zwangsarbeit verurteilt.
Die Arbeitsbestimmungen aus dem Jahr 1954 verfuegen ferner, dass
Arbeiter, die "ein Ueberinass an Ausschuss produzieren oder Eigentum,
Werkzeuge und Betriebsmittel beschaedigen, teilweise oder restlos fuer

- 5-

�den entstandenen Schaden haftbar gemacht werden. Die fuer diese Wiedergutmachung erforderlichen Geldbetraege, ueber deren Hoehe die Betriebsverwaltung (die kommunistische Betriebsfuehrung also) befindet, kann
vom Monatslohn des betreffenden Arbeiters einbehalten werden."
Der Vorsitzende des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes, Lai Jo-yu,
hat in einem Bericht an den Exekutivausschuss Einzelheiten darueber mitgeteilt, welche Massnahmen zur Aufrechterhaltung der Arbeitsdisziplin
angewandt werden. Lai Jo-yu erklaerte am 30. August 1955 nach einer Meldung der rotchinesischen Agentur Hsinhua in diesem Bericht woertlichi
"Einige Betriebe entliessen willkuerlich Arbeitskraefte oder schuechterten die Arbeiterschaft durch Androhung der Entlassung ein, andere Betriebe haben Arbeiter, die gegen die Arbeitsdisziplin Verstössen haben,
festgesetzt und im Personalbuero eingesperrt, damit sie in sich gehen und
sich bessern. In einigen Betrieben kam es zu Demonstrationen gegen Arbeiter, die bei der Ausfuehrung von Aufgaben im Dienste der Oeffentlichkeit
Unfaelle erlitten hatten; man forderte diese Arbeiter auf, ein Gestaendnis
darueber abzulegen, wie es zu ihrer Verletzung kam, wobei man ihnen lediglich gestattete, subjektive Ursachen und nicht den objektiven Hergang zu
berichten. An diesen Praktiken beteiligten 3ich auch Kader der Gewerkschaften."
Bis zum Jahre 1955 war es wohl allen chinesischen Arbeitern klar geworden, wie ratsam die strikte Einhaltung der Arbeitsdisziplin sei, und so
begann der Allchinesische Gewerkschaftsbund sich einer neuen Aufgabe zuzuwenden, wie sie fuer Gewerkschaften unter einer kommunistischen Diktatur typisch ist: Eine Kampagne fuer eine Forcierung des Arbeitstempos, die
die Kommunisten als "Arbeiter- oder sozialistischen Wettbewerb" bezeichnen.
Lai Jo-yu schrieb zu dieser Frage am 30. April in der in Peking erscheinenden "Kung Jen Jih Pao" (Arbeiterzeitung): "Nach der Gruendung der
chinesischen Volksrepublik machten die Gewerkschaften eine neue Entwicklung
durch.... Waehrend der vergangenen Jahre haben die Gewerkschaften die arbeitenden Massen in China systematisch dazu erzogen, ihre Einstellung zur
Arbeit zu aendern, die Arbeitsdisziplin gefestigt... und einen Wettstreit
unter den Massen propagiert. Durch solche Massnahmen war es der breiten
Masse moeglich ... einen Grad der Arbeitsproduktivitaet zu erreichen, wie
er in der Geschichte Chinas bisher einmalig ist."
Bei diesem sogenannten Wettstreit wird die Arbeitsleistung des besten
Arbeiters in qualitativer und quantitativer Hinsicht als Norm fuer die
ganze Arbeitsgruppe festgelegt. Es wird dann erwartet, dass die uebrigen
Arbeiter diese Norm erreichen und die Bestarbeiter eine neue hoehere Norm
aufstellen, die dann die uebrige Arbeitsgruppe wiederum einholen muss.
Arbeiter, die als Schrittmacher dieser Forcierung des Arbeitstempos aus
diesem Wettstreit hervorgehen, werden mit roten Fahnen und dem Titel
"Musterarbeiter" ausgezeichnet.
Die Rolle der Gewerkschaften bei dieser Kampagne zur Steigerung
des Arbeitstempos wurde von Lai Jo-yu am 18. Dezember 1954 in einem Artikel
der "Arbeiterzeitung" wie folgt umrissen: "Die Gewerkschaft hat die Aufgabe, die Anweisungen der Partei im Bereich der Produktion durchzufuehren...
sie muss deshalb den Wettstreit unter den Arbeitern organisieren, damit
langsame Arbeiter sich dem gesteigerten Tempo anpassen".
Der Vorstand des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes fuehrte ferner
aus: "Eben wegen dieser Ausrichtung der Gewerkschaftsarbeit auf die Produktion wurde im vergangenen Jahr und auch schon davor die innerhalb der
Gewerkschaftsorganisation bestehende Tendenz zum Oekonomismus wiederholt
kritisiert. Wenn wir dieser Tendenz nicht entgegentreten... wird es uns
nicht gelingen, (die Arbeiter) zur aktiven Teilnahme an den Arbeiterwettstreiten

- 6-

�zu bewegen. Dies erklaert sich daraus, dass der Oekonomismus eine nichtpolitische Tendenz ist.... und das Interesse der Masse zu foerdern sucht,
ohne dabei die Interessen des Staates zu beruecksichtigen."
Die Theorie des Oekonomismus besagt, dass sich die Arbeiterschaft
auf die Foerderung ihrer eigenen Interessen konzentrieren muesse; die
Bestrebungen zur Weiterentwicklung der kommunistischen Revolution wuerden
dadurch natuerlich erst an die zweite Stelle ruecken. Radio Peking wetterte am 8. Februar 1956 in einer Sendung gegen die "Arbeiterparteien und
die Sozialisten des rechten Fluegels, die eine sozialistische Demokratie
erstreben, die sich «uf die anti-marxistischen Lehren des Oekonomismus
stuetzt."
Was die Kommunisten in China unter dem Arbeiterwettstreit in der
Praxis verstehen, umriss Lai Jo-yu in der "Arbeiterzeitung" vom 20. Februar 1955« "Der Verlaengerung der Arbeitszeit sind keine Grenzen gesetzt.
Einzelne Arbeiter haben fortgesetzt 72 Wochenstunden in Sonderschichten und
Ueberstunden gearbeitet. Einzelne Fabriken haben von ihren Arbeitern verlangt, dass sie 10 Monate im Jahr selbst am Sonntag zur Arbeit erscheinen...
Die uebergrosse Beanspruchung fuehrte zu Erschoepfung und brachte ein Ansteigen der Zahl der Erkrankungen und Betriebsunfaelle mit sich. Es liegen
eine ganze Reihe von Berichten vor, nach denen Arbeiter infolge voelliger
Erschoepfung zusammenbrachen, Blutstuerze bekamen und starben. In einem
Betrieb, in dem in einem Jahr durch Sonderschichten und Ueberstundenarbeit
insgesamt 260 000 Arbeitsstunden zusaetzlich geleistet wurden, betrug der
Arbeitsausfall wegen Erkrankung fast ebensoviel, naemlich 220 000 Stunden.
Hinzu kommt, dass die Ueberbeanspruchung der Arbeiter ein Absinken der
Qualitaet der Erzeugnisse mit sich gebracht hat, so dass das Plansoll nicht
erreicht werden konnte".
Das volle Ausmass der geplanten verstaerkten Ausbeutung der Arbeiterschaft zeigte sich im Juli 1955» als der erste Fuenfjahresplan ueber die
Entwicklung der Volkswirtschaft der Chinesischen Volksrepublik auf der
Tagung des Nationalen Volkskongresses bekanntgegeben wurde. In dem Fuenfjahresplan heisst es, dass "der Wettstreit unter der Arbeiterschaft da3
regulaere und wirksame Mittel zur Steigerung der Produktivitaet der Arbeit
ist und noch erheblich verschaerft werden muss."
Dieser Gedanke wurde am 10. September 1955 ii einem Leitartikel der
Pekinger "Volkszeitung" noch weiter ausgefuehrt, in dem eine Revision der
Lohnskala im Sinne des Stueckzeit-Systems gefordert wird: "Lohnskalen,
die sich auf dem Grundsatz einer Entlohnung nach der geleisteten Arbeit
stuetzen, gestatten es den arbeitenden Massen, sich vom Standpunkt ihres
eigenen materiellen Interesses aus um eine Steigerung der Produktivitaet
zu bemuehen. Das ist das Gesetz der sozialistischen Wirtschaft. Aus diesem Grund muss das System der Entlohnung und Belohnung reorganisiert
werden. Die materielle Belohnung muss Hand in Hand gehen mit politischer
Erziehung, um (das politische Gewissen der Massen zu wecken und) ihre
Aktivitaet zu verstaerken."
Dass das Lohnniveau im rotchinesischen "Arbeiterparadies" niedriger
ist als in den freien Laendern Asiens, wird erhellt aus Zahlen, die die
chinesische Presse und fuehrende Maenner des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes bekanntgaben. Auch die Behauptung der kommunistischen Machthaber
Chinas, dass die Produktion Ende des Jahres 1955 gegenueber dem Stand vom
Jahr 1952 um 62$ zugenommen hatte, waehrend die Loehne im gleichen Zeitabschnitt nur um ^^fo gestiegen sind, beweist, wie fragwuerdig der "Fortschritt" fuer den chinesischen Arbeiter ist.
Liu Ning-i, der Stellvertretende Vorsitzende des Allchinesischen
Gewerkschaftsbundes, erklaerte im August 1954 vor einer Delegation der
britischen Labour Party in Peking, dass der durchschnittliche Monatslohn

�der Industriearbeiter in China zwischen 50 000 und 60 000 Yuan betrage.
Das entspricht nach dem offiziellen Umrechnungskurs, der noch dazu in
der Praxis nicht gezahlt wird, da der Yuan gegenueber dem US-Dollar viel
zu hoch veranschlagt ist, rund 21 bis 25 Dollar, das sind rund 88 bis
105 DM. Ungelernte Arbeiter erhielten im Jahr 1954 sogar nur den Gegenwert von 42 bis 63 DM pro Monat.
Im freien China, in Formosa, erhalten ungelernte Arbeiter dagegen
den Gegenwert von 80 bis 109 DM und Industriearbeiter von rund 122 DM.
Der Durchschnittslohn der japanischen Fabrikarbeiter verschiedener Industrien betrug im Jahre 1954 rund 210 DM und stieg im Jahre 1955 aul&lt;
fast 225 DM.
Die "Volkszeitung" warnte am 10. September 1955 die Arbeiterschaft
in einem Leitartikel (»vor, dass "eine Hebung des materiellen Wohlstandes
und eine Verbesserung des kulturellen Lebens nicht zu bald, zu rasch
und in zu grossem Umfange gefordert werden duerfte." Umgekehrt, so fuehrte
die Zeitung weiter aus, "muessen die arbeitenden Massen in dem Geist
bestaerkt werden, den Kampf entschlossen zu fuehren, die Ansprueche zurueckzustecken und alle Schwierigkeiten zu ueberwinden."
Die wahre Bedeutung des kommunistischen Wortes vom "Zurueckstecken
der Ansprueche der arbeitenden Massen" wurde den Arbeitern in der Privatindustrie im kommunistischen China im Januar 1956 klar, als private
Unternehmen in Industrie und Handel in sogenannte "gemischte staatlichprivate Unternehmen" umgewandelt, das heisst also verstaatlicht wurden.
Dieses Vorgehen entsprach ganz offensichtlich nicht den Wuenschen
der Arbeiterschaft, denn die "Volkszeitung" sah sich am 17. Januar 1956
in einem Leitartikel gezwungen, der Arbeiterschaft gut zuzureden. In
sehr vorsichtiger Form versuchte man darin der Arbeiterschaft die Notwendigkeit von Lohnverkuerzungen in diesen Betrieben klar zu machen:
"Einige Arbeiter in der privaten Wirtschaft", so heisst es in dem Leitartikel, "befuerchten, dass sie nach der Umwandlung dieser Betriebe in
gemischt staatlich-private Unternehmen geringere Loehne und Sozialleistungen erhalten werden als bisher, und dass eine Verschaerfung der Arbeitsdisziplin bevorsteht. Aus diesem Grunde stehen sie der Umwandlung in
staatliche-private Gemeinschaftsunternehmen mit Skepsis gegenueber....
Es ist deshalb in erster Linie notwendig, ihnen klar zu machen, dass
die Loehne und Sozialleistungen in einigen Betrieben der Privatwirtschaft
zu hoch waren und dass dies eine Methode der Kapitalistischen Unternehmer
War, die Arbeiterschaft zu koedern. Eine vernuenftige Angleichung der
Loehne und der Sozialbetreuung ist deshalb heute unerlaesslich. Gleichzeitig gilt es, der Arbeiterschaft in der Privatwirtschaft zu erklaeren,
dass die gemeinschaftliche Fuehrung der Betriebe durch den Staat und die
Unternehmer.... eine staendige Steigerung der Produktivitaet und Verbesserung der Betriebsfuehrung mit sich bringen wird, so dass diese
Unternehmen fortan dem Staat weit besser zu dienen vermoe^en...."
Am Rande sei hier noch bemerkt, dass der Sender Peking seinen auslaendischen Hoerern zum gleichen Zeitpunkt glauben machen wollte," dass
es anlaesslich der Verstaatlichung der Privatindustrie zu begeisterten
Ovationen fuer das kommunistische Regime gekommen sei.
Radio Peking berichtete, dass von Begeisterung erfuellte Arbeiter
sich vor den oertlichen Gewerkschaftszentralen zusammenfanden, rote
Fahnen mit sich fuehrten und begeisterte Kundgebungen cbhielten.
Wenn die Arbeiterschaft in einem kapitalistischen Land unter aehnlichen Umstaenden vor den Gewerkschaftszentralen aufmarschierte, dann
wuerde dies mit Sicherheit dazu fuehren, dass die alten Loehne weiterbezahlt

- 8 -

�und die Kuerzungen in der Sozialleistung rueckgaengig gemacht werden.
Im kommunistischen China, wo die Gewerkschaften lediglich das Werkzeug
des Staates sind, fuehrten diese Demonstrationen der Arbeiterschaft zu
folgender Resolution, die am 28. Februar 1956 ueber den Sender Peking an
die Arbeiterschaft des Landes gerichtet wurde:
"Das Zentralkomitee der Partei erwartet von uns, dass wir mehr produzieren und schneller, besser und wirtschaftlicher arbeiten... Der
Allchinesische Gewerkschaf'tsbund ist entschlossen, die Arbeiterschaft des
Landes zu mobilisieren, damit sie der Forderung des Zentralkomitees mit
Begeisterung nachkommt, und sie wird darueber hinaus den sozialistischen
Wettbewerb mit allen ihr zur Verfuegung stehenden Mitteln foerdern, damit
der erste Fuenfjahresplan noch vorzeitig erfuellt wird. Dieses tatkraeftige Mandeln soll das Geschenk der Gewerkschaften zum 8. Kongresa der
Kommunistischen Partei Chinas sein.
Quelle»

Eigenbericht

US-BerKarbeitergewerkschaft baute zehn neue Krankenhaeuser
fuer Mitglieder
Als erstes von insgesamt zehn neuen Krankenhaeusern, die von der
Gewerkschaft der Vereinigten Bergarbeiter (UMW) zur "eit im Kohlenrevier
des Appalachenplateaus gebaut werden, wurde kuerzlich das Hospital in
Middlesboro feierlich eingeweiht.
Die aus Geldern des Pensionsfonds gebauten Krankenhaeuser sollen
sowohl den Gewerkschaftsmitgliedern als auch ihren Angehoerigen kostenlos fuer saemtliche aerztlichen und chirurgischen Taetigkeiten zur Verfuegung gestellt werden. Darueber hinaus aber will man auch, soweit Betten vorhanden, den uebrigen Bewohnern der Staedte und Gemeinden, in denen die neuen Krankenhaeuser errichtet werden, Aufnahme und Behandlung
zu den ueblichen Saetzen gewaehren.
Die nach den modernsten Gesichtspunkten der Technik entworfenen Gebaeude sind in ihrer Kombination von Beton, Stahl und Glas nicht nur
ungemein zweckmaessig angelegt sondern sie wirken dazu auch noch nach
aussen hin sehr attraktiv.
Die zweifellos wichtigste Neuerung dieser zehn Krankenhaeuser liegt
jedoch auf verwaltungstechnischem Gebiet. Obgleich raeumlich sehr weit
auseinander gelegen - sechs Krankenhaeuser liegen in Kentucky, drei in
West-Virginia und eines in Virginia -, bilden sie eine einzige Verwaltungseinheit. Das heisst, die gesamte Planung und saemtliche mit der Verwaltung zusammenhaengenden Fragen, wie Einkauf, Lagerung und aehnliches,
werden zentral gesteuert. Ebenso der Einsatz und die Dispositionen ueber
Aerzte und Hilfspersonal. Da die Krankenhaeuser durch ein Fernschreibnetz
miteinander verbunden sind, kann zum Beispiel ein Spezialist sehr schnell
in dasjenige Krankenhaus gerufen werden, wo er dringend benoetigt wird,
oder aber es koennen auf diese Weise ploetzlich auftauchende medizinische
und andere Fragen ohne Zeitverlust zwischen den Aerzten geklaert werden.
Die grossen Krankenhaeuser in Williamson, Beckley und Harlan werden dabei
als "Stuetzpunkte" fungieren und ueber all diejenigen Einrichtungen verfuegen, die in den kleineren Krankenhaeusern nicht vorhanden sind.
Auch die Versorgung der einzelnen Krankenhaeuser erfolgt zentral.

- 9-

�Waehrend saemtliche eingekauften Waren in Williamson gelagert und von
dort aus verteilt werden, erfolgt die Belieferung der einzelnen Hospitaeler mit Arzneien von einer Zentralapotheke aus.
Ebenso will man auch die Fachkraefte einheitlich ausbilden. Eine
Schule fuer Krankenschwestern, in der Junge Maedchen in dreijaehrigen Kursen alles das erlernen sollen, was in der modernen Krankenpflege benoetigt
wird, soll in Harlan errichtet werden, wo sich bereits eine Schule fuer
ausgebildete Schwestern befindet.
Neu ist in den einzelnen Krankenhaeusem auch der organisatorische
Aufbau. So wird unter anderem nur eine Hauptkrankenkartei gefuehrt werden,
in der die Schwestern all das in die Krankenpapiere eintragen koennen,
was die Aerzte ueber Telefone, die an automatisch arbeitende Diktatgeraete
angeschlossen sind, hinsichtlich Diagnose oder Krankheitsverlauf aussagen.
Auch die Krankenpflege wird in den neuen Krankenhaeusem, die insgesamt 1040 Betten - zwischen 50 und 200 - haben werden, durch verschiedene moderne Einrichtungen erheblich erleichtert. So koennen die Schwestern
jederzeit, ohne ihren Raum verlassen zu muessen, ueber ein audio-visuales
System sich mit den Patienten verstaendigen, und zur Behandlung stehen
ihnen "Verbandskarren" zur Verfuegung, die taeglich mit allen fuer die
Krankenpflege, zur Behandlung oder Erneuerung der Yerbaende benoetigten
Sachen aufgefuellt werden und somit zeitraubende und anstrengende Caenge
fuer das Personal ersparen helfen.
Quelle: Eigenbericht

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Ein Unternehmer hat eine Tarifverhandlung mit der Gewerkschaft dann
nicht im Sinne von "Treu und Glauben" gefuehrt, wenn er die von der Gewerkschaft geforderte Lohnerhoehung mit dem Hinweis ablehnt, dass diese
wirtschaftlich nicht tragbar sei, und er gleichzeitig eine Einsichtnahme
in die Geschaeftsbuecher durch die Arbeitnehmerorganisation verweigert.
Diese Entscheidung faellte der Oberste Bundesgerichtshof der Vereinigten Staaten, der damit mit sechs zu drei Stimmen ein Urteil des
"National Labor Relations Board" (NLRB) bestaetigte, durch das der "Truitt
Manufacturing Company" in Greensboro (Nord-Karolina) auferlegt worden war,
der Gewerkschaft der Bruecken- und Eisenkonstruktionsarbeiter (BSOIW) die
entsprechenden Unterlagen ueber die wirtschaftliche Lage des Unternehmens
zugaengig zu machen.
Diese Entscheidung wurde vom NLRB gefaellt, nachdem die Truitt Company die von der Gewerkschaft geforderte Lohnerhoehung von 10 Cent pro
Stunde mit der Begruendung abgelehnt hatte, dass nur eine Erhoehung um
2,5 Cent wirtschaftlich tragbar sei und die Gewericschaft daraufhin eine
Einsichtnahme in die Geschaeftsbuecher forderte, die aber ebenfalls verweigert wurde.
Dieser Spruch des NLRB wurde dann spaeter durch den Appelationsgerichts
hof in Richmond (Virginia) aufgehoben und in dem Urteil betont, dass der
Abschnitt im Taft-HartleyrGesetz ueber "Treu und Glauben" bei Kollektivverhandlungen eine Einsichtnahme in die Geschaeftsbuecher nicht vorsehe.
In dem Urteil des Obersten Gerichtshofes wird allerdings ausdruecklich
betont, dass diese Entscheidung nicht allverbindlich sei. In der Urteilsbegruendung erklaerte der Richter Hugo L. Black im Namen der Mehrheit,

10

�&gt;
dass die wirtschaftlichen Moeglichkeiten des Unternehmens hinsichtlich
Lohnerhoehungen bei Tarifverhandlungen allgemein beruecksichtigt wuerden
und des oefteren schon Lohnforderungen der Arbeitnehmer auf Grund der
schwierigen wirtschaftlichen Lage zurueckgestellt worden seien. Desgleichen seien Faelle bekannt, in denen die Arbeiter und Angestellten freiwillig Lohnherabsetzungen auf Grund der schlechten finanziellen Lage des
Unternehmens beantragt haetten.
Aus diesem Grunde sei es bei in "Treu und Glauben" gefuehrten Kollektivverhandlungen auch durchaus erforderlich, dass die vorgebrachten Argumente aufrichtig seien. Wenn solch ein Argument wichtig genug sei, um
bei den TarifVerhandlungen zur Sprache zu Kommen, dann sei es auch wichtig genug, den Beweis dafuer zu erbringen.

Die zunehmende Bedeutung der industriellen Wohlfahrts- und Pensionsprogramme fuer die soziale Sicherheit der amerikanischen Arbeitnehmer
zeigt eine Studie auf, die vom Senatsunterausschuss fuer Arbeitsfragen
jetzt fertiggestellt wurde.
Danach werden zur Zeit rund 75 Millionen Amerikaner - das ist fast
die Haelfte der Bevoelkerung - von solchen ganz oder teilweise von den
Unternehmern finanzierten Flaenen erfasst. Im einzelnen sind es 2$ Millionen Arbeitnehmer mit etwa 46 Millionen Angehoerigen, die gegen Krankheit,
Unfall, Invaliditaet und (oder) Alter versichert sind.
Nach Angaben des Vorsitzenden des Senatsunterausschusses, Senator
Paul H. Douglas, werden jaehrlich in diese V rsicherungsfonds, die gegenwaertig eine Gesamthoehe von etwa 25 Milliarden Dollar aufweisen duerften,
rund 7 Milliarden Dollar eingezahlt. Die Gesamtzahl der zur Zeit in Kraft
befindlichen Plaene,. die saemtlich auf Grund von Kollektivverhandlungen
zwischen den Sozialpartnern geschaffen wurden und von denen die ueberwiegende Zahl nur Beitragsleistungen durch den Arbeitgeber vorsieht, liegt
nach Angaben von Senator Douglas bei etwa 500 000.
In einem kuerzlich veroeffentlichten Bericht hatte der gleiche Ausschuss schon gefordert, dass all diese Flaene durch bundes- und.einzelstaatliche Gesetze geschuetzt werden sollten. Nach Ansicht der Ausschussmitglieder sei dies deshalb notwendig, da, "obwohl die ueberwiegende
Mehrzahl dieser Fonds ordnungsgenaess und richtig verwaltet wird, in
einigen Faellen die Rechte und Anteile der Mitglieder in unverantwortlicher
Weise gefaehrdet werden." In anderen Faellen wiederum wuerden die Mittel
dieser"Fonds vergeudet" oder von "Skrupellosen als Jagdgruende" betrachtet.
Ausserdem wies der Ausschuss in seinem Bericht darauf hin, dass die
gesamte Verwaltung dieser Mittel auf Grund der gewaltigen Zunahme dieser
Programme seit Beendigung des letzten Krieges ungemein kompliziert geworden und teilweise nicht mehr mit den derzeitigen Gesetzen und staatlichen Kontrollen in Einklang zu bringen sei. Aus diesem Grunde solle
ein Gesetz geschaffen werden, das die oeffentliche Eintragung solcher
Programme zur Pflicht mache. Solche Fonds, die mehr als 100 Mitglieder
umfassen, sollten zudem zur Abgabe detaillierter Geschaeftsberichte und
- soweit erforderlich - zur regelmaessigen Buchpruefung verpflichtet werden.
In einer Stellungnahme zu den Vorschlaegen des Senatsunterausschusses erklaerte der 1. Vorsitzende des grossen amerikanischen Gewerkschaftsverbandes "AFL-CIO", George Meany, dass die unparteiische und objektive
Art, mit der der Ausschuss seine Untersuchung durchgefuehrt habe, volle
Anerkennung verdiene. Auch der Abschlussbericht sei konstruktiv und
- 11 -

�informativ. Meany forderte den Kongress auf, sich unverzueglich mit den
Empfehlungen des Ausschusses auseinanderzusetzen und ein entsprechendes
Gesetz zu verabschieden.

Einen neuen Weg in der medizinischen Betreuung ihrer Gewerkschaftsmitglieder ist jetzt die bekannte "Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter" ("International Ladies Garment Workers Union" - ILGW -) gegangen, indem sie eine Flotte von 12 motorisierten Ambulanzstationen ausruestete, die fuer den Einsatz in den Fabriken gedacht sind.
Diese fahrbaren Ambulanzen sind als Ergaenzung zu den insgesamt 17
sogenannten "health centers" (Gesundheitsbetreuungsstellen) der Gewerkschaft gedacht, die sich ge^enwaertig in den groessten amerikanischen
Staedten befinden und durch die rund drei Viertel der insgesamt 440 000
Mitglieder betreut werden. Sie sollen dabei in erster Linie in abgelegeneren Gebieten eingesetzt werden.
Die Gesamtkosten fuer die Ausruestung dieser "fliegenden" Ambulanzen
wurden vom ersten Vorsitzenden der ILGW, David Dubinsky, mit rund 500 000
Dollar veranschlagt. Die einzelnen Fahrzeuge will man genauso ausruesten
wie die Versuchseinheit, die bereits seit einem Jahr im Staate Pennsylvanien eingesetzt ist und die 55 000 Dollar kostete. Neben der medizinischen Betreuung der Gewerkschaftsmitglieder sollen sie auch in Katastrophen
und Notfaellen, wie erst kuerzlich bei den schweren Ueberflutungen und Orkanen in Pennsylvanien, Verwendung finden.
Die rund 10 Meter langen und 2,60 Meter breiten "Motorisierten Kliniken" enthalten neben einem Empfangs- und Behandlungsraum zwei UmKleidekabinen, je einen Roentgenraum sowie ein komplett eingerichtetes Laboratorium. Weiterhin sind die Fahrzeuge mit einer Klimaanlage, Behaeltern
fuer Kalt- und '.Varmwasser sowie zur Aufnahme der Abwaesser ausgeruestet.
Neben einem Arzt gehoeren eine ausgebildete Krankenschwe-ster und ein Techniker zur Besatzung.
Der Vorteil dieser motorisierten Kliniken besteht darin, dass sie
direkt zu den Arbeitern in die Fabrik fahren koennen, so dass in Vereinbarung mit den Unternehmen regelmaessig Reihenuntersuchungen durchgei'uehrt
werden koennen. Diese Reihenuntersuchungen, die neben der normalen Betreuung durchgefuehrt werden sollen, schlieasen ausser einer vollkommenen
Roentgenuntersuchung die Messung des Blutdruckes, die Anfertigung eines
Elektro-Kardiogramms sowie Ohren-, Nasen-, Augen- und Halsuntersuchungen
ein.
Es versteht sich am Rande, dass saemtliche Untersuchungen fuer die
Mitglieder der Damenoberbekleidungsgewerkschaft natuerlich kostenlos durchgefuehrt werden.

- 12 •. JUN &gt;•

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Aber ArbeitsbeziehunKen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht wercjen.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mchlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 12

Mehlem, den 22. Juni 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der
Seite 1
privaten Arbeitslosenunterstuetzung
Seite

8

Die Freizeit als Faktor im Wirtschaftsleben
Seite 11
"Revidierter Garantierter Jahreslohn" in der Praxis
Seite 12
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

ffohn V. HoConnel,
Professor der Soziologie an der Cornell-Universitaet, USA:
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der privaten Arbeitslosenunterstuetzung
Die Abkommen fuer einen "garantierten Jahreslohn", die im letzten
Sommer in der Autoindustrie realisiert wurden, unterscheiden sich erheblich von den urspruenglich von den Gewerkschaften vorgeschlagenen Plaenen.
Diese neuen, als zusaetzliche Arbeitslosenversicherung bezeichneten Plaene, bilden dabei eine gute Basis fuer eine Diskussion ueber den garantierten Jahreslohn in seiner derzeitigen Form. Bei den Leistungen aus der
zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung handelt es sich um variable Leistungen, die neben der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung aus einem vom
Arbeitgeber finanzierten und unter Treuhandverwaltung stehenden Fonds an
entlassene Arbeiter gewaehrt werden.
Die Plaene der Firmen "Ford", "General Motors" und der Automobilarbeitergewerkschaft sind in der Oeffentlichkeit des langen und breiten diskutiert worden. Doch gibt es auch noch andere Formen einer zusaetzlichen
Arbeitslosenversicherung wie zum Beispiel die Plaene, die von der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft mit den zwei groessten amerikanischen Konservendosenfabriken - der American und der Continental Can Company - ausgehandelt wurden sowie die Abkommen zwischen Tafelglasherstellern und
der Glas- und Keramikarbeitergewerkschaft. Ebenso hat die Gewerkschaft der
Damenoberbekleidungsarbeiter (ILGW) mit einer Gruppe von Industriebetrieben in Allentown (Pennsylvanien)
eine zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung in Hoehe von 2 Dollar taeglich fuer Arbeiter und Angestellte
mit sechsmonatiger Betriebszugehoerigkeit ausgehandelt.
- 1 -

�Gemeinsame Fonds oder individuelles Sparen
Der Plan der Glasarbeiter laeuft tatsaechlich auf nichts anderes als
auf ein Zwangssparen hinaus. Es ist nicht das erste Mal, dass Flaene fuer
individuelles Zwangssparen in den USA als Ersatz fuer Arbeitslosenunterstuetzungen ernsthaft vorgeschlagen wurden. Von Vertretern der Arbeitgeberverbaende sind sie dabei als eine "typisch amerikanische Methode zur Erreichung wirtschaftlicher Sicherheit" schon oft befuerwortet worden.
Die Kernfrage, welchem System der Vorzug zu geben ist, dreht sich dabei in
erster Linie darum, wie das Risiko am besten getragen werden kann. In den
Diskussionen ueber das im Jahre 1935 erlassene Sozialversicherungsgesetz
wurde das individuelle Sparen und die Einrichtung von Fonds zur Arbeitslosenunterstuetzung durch die einzelnen Arbeitgeber von denjenigen befuerwortet, die zwischen der Arbeitslosenversicherung und der Invaliditaetsversicherung eine Farallele zogen. Das Gesetz ueber die Sozialversicherung
sieht daher private Unterstuetzungskassen des Arbeitgebers und Massnahmen
zur Sicherung des Arbeitsplatzes vor, weil die Arbeitslosigkeit damals allgemein und ihr Ende nicht abzusehen war, und nur gemeinsame Fonds die geeignete Form fuer Arbeitslosenunterstuetzungen zu sein schienen. Die Frage,
gemeinsame Fonds oder individuelles Sparen der Betriebe, steht immer noch
zur Debatte - doch sie ist heute von geringerer Bedeutung als vor 20 Jahren,
da die vom Bund und den Einzelstaaten getragene Arbeitslosenversicherung
dem einzelnen ein Existenzminimum sichert. Trotz ihrer UnzulaenglichKeiten
bilden die staatlichen Massnahmen eine Grundlage, auf der sich eine zusaetzliche Arbeitslosenversicherung aufbauen laesst. Die Frage, ob diese zusaetzlichen Unterstuetzungen durch individuelles Sparen oder durch gemeinsame Fonds aufgebracht werden sollen, sollte man daher ruhig den beiden
Sozialpartnern ueberlassen. Die einzelnen Industriezweige moegen sich dabei fuer das eine oder das andere System entscheiden, je nach den Erfahrungen, die sie hinsichtlich der Beschaeftigungsschwankungen gemacht haben, wobei die Wuensche ihrer Belegschaften zu beruecksichtigen sind und
gewaehrleistet sein muss, dass die wirtschaftliche Sicherheit der Arbeiter
auf weite Sicht gesehen nicht gefaehrdet wird.
Individuelle Fonds sind als Mittel vorgeschlagen worden, um verschiedene Einwaende zu entkraeften, die gegen die zusaetzliche Arbeitslosenunters tuetzung in Form von gemeinsamen Unterstuetzungsfonds vorgebracht
wurden.
Die Vorzuege des individuellen Fonds werden damit begruendet, dass
sie
1. fuer diejenigen Angestellten und Arbeiter wirtschaftlich vorteilhafter sind, die schon laengere Zeit im Betrieb beschaeftigt sind und die
kaum mit einer Entlassung zu rechnen haben, und sie die Vorteile aufwiegen gegenueber den seit kuerzerer Zeit im Betrieb beschaeftigten Arbeitern und Angestellten, die aus der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung
unterstuetzt werden.
2. die Inanspruchnahme des Fonds sowohl im Falle der Arbeitsunfaehigkeit wie bei Eintritt der Arbeitslosigkeit gestatten.
3. dem einzelnen Arbeiter oder Angestellten einen Anspruch auf den
Arbeitgeberanteil gewaehren. Wenn, was wahrscheinlich ist, dieser. Anteil
mehr als ausreichend ist, um die Unterstuetzungsleistungen an die Arbeitslosen nach ihrem gegenwaertigen Stand zu finanzieren, kann sich der Arbeiter beziehungsweise dessen Familie den ueberschuessigen Betrag bei seinem
Ausscheiden aus dem Betrieb, bei seiner Pensionierung oder im Falle seines
Todes auszahlen lassen.
i

4* die formelle Genehmigung durch die Regierung des Einzelstaates
bei der Auszahlung von Unterstuetzungen nicht erforderlich machen, obwohl
der Anspruch neben der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung ausgezahlt
wird.
- 2 -

�.Verschiedene Aspekte der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung
Die Bedingungen fuer die Gewaehrung von Unterstuetzungen sind bei
der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung strenger als bei der staatlichen
Arbeitslosenversicherung. Die Bezugsberechtigung setzt die ununterbrochene
Be3Chaeftigung in einem einzigen Betrieb voraus, und die Beschaeftigungsdauer betraegt nach den zwischen der Automobilindustrie der Automobilarbeitergewerkschaft aufgestellten Plaenen ein Jahr, waehrend die von den
Konservendosenfabriken und der Stahlarbeitergewerkschaft aufgestellten
Flaene eine Beschaeftigungsdauer von drei Jahren voraussetzen. Zum Bezug zusaetzlicher Arbeitslosenunterstuetzungen fuer die Dtiuer einer Woche ist berechtigt, wer wenigstens zwei Wochen voll gearbeitet hat. Die
staatliche Arbeitslosenversicherung setzt dagegen mindestens 20 Wochen
Vollarbeit voraus, unabhaengig davon, wie oft der Unters tuetzungsempfaenger
in dieser Zeit seinen Arbeitsplatz gewechselt hat, und haeufig sind die
Voraussetzungen zum Bezug der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung auch
dann gegeben, wenn die Bedingungen ueber die Hoehe des Arbeitseinkommens
bei einer kuerzeren Arbeitszeit erfuellt werden. Die zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung wird nur gewaehrt, wenn der Verlust des Arbeitsplatzes
durch eine Handlung des Arbeitgebers bedingt ist und nicht auf Grund disziplinarischer Massnahmen erfolgte sowie ferner nicht die Folge war von
a) Streiks, Sitzstreiks, Betriebsstillegungen, der Besetzung eines
Werks durch Streikposten (unabhaengig davon, ob sie von der Belegschaft
selbst aufgestellt wurden oder nicht), oder gemeinsamer Aktionen in einem
oder mehreren Industriebetrieben, oder Streitigkeiten jeder Art, in die
Arbeiter oder Angestellte verwickelt werden, sei es innerhalb oder ausserhalb ihres Betriebes, oder
b) einem schuldhaften Verhalten des Antragstellers selbst; oder
die Folge war c) von kriegerischen oder feindlichen Handlungen seitens einer fremden Macht (nicht jedoch als Folge damit verbundener staatlicher Massnahmen oder Kontrollen) oder
d) von Sabotage oder Aufruhr, oder wenn
e) sie auf Grund hoeherer Gewalt erfolgten (Vertrag zwischen Ford
und der Automobilarbeitergewrrkschaft, Art. V., Abschn. 2/4.)
Die meisten Einzelstaaten nehmen dagegen in diesen Faellen (ausser
bei Streiks) unverzueglich beziehungsweise kurze Zeit nach Eintritt des
Versicherungsfalls die Zahlungen zur Arbeitslosenversicherung auf.
Obgleich die Automobilarbeitergewerkschaft vor Abschluss ihrer Verhandlungen mit den Automobilwerken in der Oeffentlichkeit klär zum Ausdruck brachte, dass sie mit ihren Forderungen nach einem garantierten
Jahreslohn den Zweck verfolgte, das Verlangen der Arbeitgeber nach zusaetzlichen Ausschliessungsgruenden bei der Gewaehrung der Arbeitslosenunterstuetzung zu neutralisieren, duerfte es verfehlt sein, anzunehmen,
dass die Arbeitgeber, es sei denn unter starkem Druck, jemals der Zahlung von Arbeitslosenunterstuetzungen zustimmen wuerden, wenn die Ursache der Arbeitslosigkeit allein auf ein Verschulden des Arbeiters oder
auf andere Gruende als Arbeitsmangel zurueckzufuehren ist. Durchaus annehmbar waere dagegen der Vorschlag, die Unterstuetzungen nach dem Vorbild
der staatlichen Sozialversicherungen zu leisten, wenn die Arbeitslosigkeit auf soziale Ursachen zurueckzufuehren ist, wie etwa bei Stoerungen
des Wirtschaftslebens durch Kriegseinfluesse. Veit schwerer laesst sich
die Forderung begruenden, die Arbeitgeber im Rahmen privater Programme
fuer Verluste aufkommen zu lassen, fuer die sie selbst in keiner Weise
verantwortlich sind.

- 3 -

�In den zwischen den Automobilarbeiter- und Stahlarbeitergewerkschafien und den Automobil- beziehungsweise Konservendosenfabriken vorgesehenen
Vertraegen werden die Unterstuetzungsleistungen auf 60 beziehungsweise
65 Prozent vom Einkommen nach Abzug der Steuern festgesetzt. Diese Formel
wirkt sich dabei dahingehend aus, die grossen Unterschiede in der Staffelung der Saetze, wie sie heute bei verschiedenen Systemen der Arbeitslosenunterstuetzung in den einzelnen Staaten bestehen, zu verringern, eine
Frage, die auch von den an den verschiedenen Plaenen beteiligten Werken
bcgruesst wird. Der Abschluss von Kollektivvertraegen mit Industriewerken,
die ueber mehrere Einzelstaaten verstreut sind, hat bereits die Unterschiede in der Staffelung der Lohnsaetze in der gleichen Industrie, wie
sie zwischen den Einzelstaaten bestanden, weitgehend vermindert. Die zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung verringert heute auch die Unterschiede der gestaffelten Unterstuetzungssaetze der Arbeitslosenversicherung, die zwischen den Einzelstaaten bestanden hatten.
In den Flaenen der Xonservendosenfabriken und der Stahlarbeiter sind
auch Familienunterstuetzungen vorgesehen. In die Plaene fuer die Arbeiter
der Automobilindustrie wurden diese Leistungen jedoch nicht aufgenommen,
statt dessen die Unterschiede in den gestaffelten Saetzen der Arbeitslosenversicherung zwischen den ledigen und verheirateten Arbeitern mit Familie in denjenigen Staaten verringert, die Familienunterstuetzungen oder
variable Hoechstsaetze gewaehren. Zum Beispiel werden durch die zusaetzliche Arbfitslosenunterstuetzung in Michigan die gestaffelten Unterstuetzungssaetze fuer ledige Fordarbeiter, die 1,75 Dollar in der Stunde
verdienen, gegenueber Arbeitern mit einer vierkoepfigen Familie um 40 Prozent verringert. Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen, die gestaffelten
Unterstuetzungssaetze betragen bei ledigen Arbeitern, die einen Stundenlohn
von 2,18 Dollar erhalten, 6 Dollar gegenueber 14 Dollar fuer verheiratete
Arbeiter mit dem gleichen Stundenlohn.
Ob und in welcher Weise hohe Unterstuetzungssaetze einen Arbeitsanreiz bilden, laesst sich heute noch nicht genau beurteilen. Bisher ist das
Tatsachenmaterial noch zu gering, um Licht auf dieses Froblem werfen zu
koennen.
Die Forderung nach gleichen Sozialaufwendungen der Betriebe ist einer
der Hauptgrundsaetze, die die meisten Gewerkschaften gewoehnlich in den
Tarifverhandlungen stillschweigend voraussetzen. Die Anwendung dieses Prinzips in der Frage des garantierten Jahreslohns, der zusaetzlichen Arbeitslosenunterstuetzung oder der Altersversorgung bei so unterschiedlichen
Industriekonzernen wie Ford und General Motors einerseits und American Motors andererseits, ist durchaus nicht leicht gewesen. Doch wurde bei den
Verhandlungen ueber die zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung fuer die
Automobilindustrie dieser Zweck scheinbar ganz automatisch durch die folgenden Bestimmungen erreicht«
1. Die Zahlung gleicher Beitraege von 5 Cent pro Arbeiter und
Arbeitsstunde.
2. Waehrend der Dauer des Abkommens werden von saemtlichen Betrieben
entsprechend der Zahl ihrer Belegschaftsmitglieder die gleichen Beitragsraten gezahlt bis nach Ablauf von fast vier Jahren (in denen keine Unterstuetzung gezahlt wird) der Fonds auf eine Summe angewachsen ist, dass
sich weitere Beitragsleistungen eruebrigen.
3. Dxe Unterstuetzungsleistungen werden
der gleichen Formel berechnet, doch sind die
und die Gesamthoehe des Unterstuetzungsfonds
und richten sich je nach deren betrieblichen

fuer saemtliche Betriebe nach
Dauer der Beitragsleistungen
der Betriebe verschieden
Gegebenheiten.

Daher duerften, trotz der Gleichheit der Vertraege, die unterschiedlichen betrieblichen Gegebenheiten der einzelnen Firmen waehrend der

- 4-

�dreijaehrigen Laufzeit der Vertraege ueberhaupt keinen Einfluss auf die
Betriebskosten haben, desto staerker aber duerften sich die betrieblichen
Gegebenheiten der einzelnen Firmen im Laufe der Zeit auf ihre Beitragsleistungen auswirken.
Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der zusaetzlichen
Arbeitslosenunterstuetzung
Wie wird sich nun diese zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung in
wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht auswirken? Bezeichnenderweise sind
diese Plaene weder von den Arbeitgebern noch von der Fachwelt so kritisch
wie die im Jahre 1949 in Tarifverhandlungen zustande gebrachte Altersversorgung aufgenommen worden. Im allgemeinen waren die Beurteilungen ueber
die moeglichen Auswirkungen der zusaetzlichen Arbeitslosenunterstuetzung
auf verschiedene Teile der amerikanischen Wirtschaft trotz unterschiedlicher Auffassungen gewoehnlich sachlich und objektiv und boten keine Gelegenheit zu lebhaften Auseinandersetzungen.
Die Frage der wirtschaftlichen Auswirkungen wird natuerlich in hohem
Grade davon bestimmt, wie schnell die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung
auch in der uebrigen amerikanischen Wirtschaft Eingang findet und auf wie
viele Arbeiter und Industriezweige sie schliesslich ausgedehnt wird.
Schaetzungsweise werden heute etwas ueber eine Million Arbeiter von der
zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung erfasst. In drei Jahren werden
vielleicht die Haelfte oder drei Viertel aller gewerkschaftlich organisierten Arbeiter - soweit ihre Organisationen heute noch daran interessiert
sind - zum Bezug zusaetzlicher Arbeitslosenunterstuetzung berechtigt sein.
Bei folgenden Gewericschaften duerfte das der Fall sein« bei der Gewerkschaft der Automobilarbeiter, der Eisen- und Stahlarbeiter, der Glas- und
Keramikarbeiter, der Internationalen Gewerkschaft der Elektroarbeiter,
der Gewerkschaft ameriKanischer Seeleute, vermutlich auch bei der Internationalen Gewerkschaft der Transportarbeiter, der Internationalen Gewerkschaft der Arbeiter der Damenoberbekleidungsindustrie und der Internationalen Maschinistengewerkschaft mit insgesamt etwa 4,7 Millionen Mitgliedern. Auf Grund des kuerzlich mit der Firma "General Electric" auf 5
Jahre abgeschlossenen Tarifvertrages kann die Gewerkschaft der Elektroarbeiter in dieser Liste nicht aufgefuehrt werden.' Im Gegensatz zur privaten Altersversorgung duerfte jedoch die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung in der amerikanischen Wirtschaft im allgemeinen keine so schnelle
Verbreitung finden, weil sie nicht dringend notwendig ist, da die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung nicht wie die Altersversorgung mit
der Personalpolitik der Betriebe so eng verlcnuepft ist und weil die nicht
in Vrrbaenden zusammengeschlossene Arbeitgeberschaft kaum geneigt sein
duerfte, Beitraege fuer eine zusaetzliche Arbeitslosenversicherung zu zahlen. Anders als bei der Altersversorgung wird die weitere Entwicklung
voraussichtlich nur in verhaeltnismaessig beschraenktem Umfange erfolgen und in den naechsten drei Jahren duerfte die Zahl von 3 bis 5 Millionen
Arbeitern vermutlich nicht ueberschritten werden. Der staerkste Widerstand gegen eine Ausdehnung der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung
duerfte vermutlich von den Justiznunistern und den gesetzgebenden Koerpe-'schaften der E.nzelstaaten ausgehen, die sich weigern werden» eine Integrierung der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung in die staatliche
Arbeitslosenversicherung zu legalisieren, dann aber auch besteht in den
Gewerkschaften selbst Uneinigkeit in dieser Frage zwischen Gewerkschaftsmitgliedern, die bereits lange in ihrem Beruf taetig sind und solchen,
bei denen das nicht der Fall ist.
Die Frogramme der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzungen
Auf Grund der Erfahrungen, die bei der im Jahre 1949 eingeführten
und auf der staatlichen Alters- und Hinterbliebenenfuersorge aufgebauten
privaten Altersversorgung gesammelt wurden, nimmt man an, dass die im

- 5-

�Aufbau begriffene private Arbeitslosenversicherung zu einer Liberalisierung der staatlichen Arbeitslosenversicherung fuehren wird. In gewissem Masse scheinen die im vergangenen Jahr in mehr als 30 Einzelstaaten gezahlten hoeheren Unterstuetzungssaetze zum Teil auf die gewerkschaftlichen Forderungen auf Gewaehrung des garantierten Jahreslohnes zurueckzufuehren zu sein. Doch herrschte allgemeine Unzufriedenheit wegen verzoegerter Auszahlungen der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzungen, und dem Wunsche nach verbesserten Leistungen wurde von
lraesident Eisenhower auch formell Ausdruck gegeben, als er im Januar
1954 einen Ausbau und die Verbesserung der staatlichen Arbeitslosenversicherung forderte. Trotz dieser Einfluesse werden die Unternehmer im
allgemeinen jedoch gegenueber erhoehten Leistungen der staatlichen Arbeitslosenversicherung eher als gegenueber den Leistungen aus der Alters- und Hinterbliebenenversicherung aus finanziellen Gruenden Widerstand entgegensetzen, da die gesamten Kosten sowohl fuer die staatliche
wie fuer die private Arbeitslosenversicherung von ihnen allein aufgebracht
werden mue^.sen, waehrend bei der Alters- und Hinterbliebenenversicherung
die Haelfte der Bcitraege von den Arbeitnehmern getragen wird. Zahlreiche
Arbeitgeber werden nur dann erhoehten Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung zustimmen, wenn die Bedingungen verschaerft werd«n, die zum
Bezug der Unterstuetzung berechtigen, beziehungsweise nur unter der
Voraussetzung, dass eine andere Gegenleistung erfolgt. An dieser Einstellung gegenueber der staatlichen Arbeitslosenversicherung duerfte auch die
private Arbeitslosenversicherung nichts aendern.
Der Forderung der Gewerkschaften nach einer Revision der Gesetze
ueber die staatliche Arbeitslosenversicherung duerfte ebensowenig Erfolg
beschieden sein wie in der Vergangenheit. Ihre Schlappe anlaesslich der
vom "Congress of Industrial Organizations" (CIO) im November 1955 in
Ohio beantragten Abstimmung, in der die Erhoehung der Arbeitslosenunterstuetzung auf 50 Dollar woechentlich, die Erweiterung der Bezugsdauer auf
39 Wochen und der Einbau der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung in
die staatliche Arbeitslosenversicherung gefordert wurden, und in der sie
mit 2 zu 3 unterlagen, ist ein extremes Beispiel fuer den Widerstand,
auf den die Gewerkschaften bei ihrem Eintreten fuer eine erweiterte staatliche Arbeitslosenversicherung stossen. An der grundsaetzlichen Einstellung der Arbeitgeberverbaende sowohl wie der Gewerkschaften bei ihren Verhandlungen ueber Fragen der staatlichen Arbeitslosenversicherung, aus
denen die Arbeitgeberverbaende gewoehnlich als Sieger hervorgingen, wird
sich auch durch die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung nichts aendern.
In den gesetzgebenden Koerperschaften der Einzelstaaten ist der Einflussder
nicht in Verbaenden organisierten kleinen Unternehmer, Farmer und Angehoerigen der freien Berufen in den kleinen Staedten, die alle nur indirekt von der privaten zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung beruehrt
werden, sehr stark. Eine Revision der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung duerfte vermutlich nur durch einen Kompromiss zwischen ihrer
Einstellung einerseits und der der Grossbetriebe und der Gewerkschaften
anderseits Zustandekommen.

Die Auswirkungen auf die Beschaeftigungspolitik der Industriebetriebe
In diesem fruehen Entwicklungsstadium lassen sich die Auswirkungen
der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung auf die Beschaeftigungspolitik
der Industriebetriebe noch nicht vorausbestimmen. Professor Sumner H.
Slichter erklaerte in dieser Frage, dass cie Auswirkungen nur gering sein
wuerden, da die Einfluesse der Maerkte, von denen der Unternehmer in
seinen Handlungen bestimmt wird, verglichen mit der geringen Summe, die
er fuer die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung aufbringen muss, weit
staerker sind. Jedoch ist das Ansteigen der Ueberstundenarbeit im Industriebez.irk von Detroit das ganze vergangene Jahr hindurch ein, wenn
auch nicht voellig ueberzeugender, Beweis dafuer, dass man bemueht ist,

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�die Zahl der Arbeitskraefte in der Automobilindustrie im Hinblick auf
kuenftige, nach dem Inkrafttreten der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung eintretende moegliche Produktions-Einschraenkungen knapp zu
halten.
Durch die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung duerfte eine ganze
Reihe unrentabler Betriebe zur Liquidation gezwungen werden. Diese Auswirkung haengt aber weniger mit der Groesse eines Betriebes zusammen,
als mit der Leistungsfaehigkeit des Unternehmens oder mit dem temporaeren
Trend im gesamten Industriezweig. Die Statistik zeigt, dass in New York
der Beschaeftigungsstand der mittelgrossen Betriebe (weit geringer als
bei den kleinen Unternehmen) am wenigsten stabil ist. Daher wird sich
die zusaetzliche Aibeitslosenversicherung vermutlich weniger nachteilig fuer die kleinen Unternehmer auswirken als allgemein angenommen wurde. Die in dem zwischen der Automobilindustrie und der Automobilarbeitergewerkschaft abgeschlossenen Abkommen enthaltene Bestimmung, nach der
die Belegschaftsmitglieder jede ihnen von ihrem Betrieb angebotene Arbeit im Räume Detroit annehmen muessen, gewaehrleistet durch eine Verschiebung der Arbeitskraefte innerhalb des Betriebes die Stabilitaet des Beschaef tigungsstandes. Die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung duerfte,
wenn der Fonds seinen Hoechststand erreicht hat, dem Unternehmer finanziell einen bescheidenen Anreiz bieten, seinen Belegschaftsmitgliedern
ihre Arbeitsplaetze zu erhalten. Bis dahin muessen jedoch die finanziell
starken wie die finanziell schwachen Betriebe den gleichen Satz von 5
Cent pro Mann und Arbeitsstunde an die Fonds abfuehreh.
Das Verhaeltnis der Sozialpartner zueinander
Die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung koennte sich auch in bezug
auf einen der wichtigsten Grundsaetze der amerikanischen Gewerkschaftspolitik bedeutsam auswirken, das Senioritaetsprinzip. Die Industriegewerkschaften haben sich seit Jahren staendig darum bemueht, dem irinzip
der Senioritaet Geltung zu verschaffen und sein Anwendungsgebiet zu erweitern. Zwar wird heute auch bei der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung auf die Dauer der beruflichen Taetigkeit Gewicht gelegt, doch
ist der Wert der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung fuer die laenger
im Beruf stehenden Arbeiter immer noch umstritten, weil deren Arbeitsplaetze bereits weitgehend,infolge ihrer langen Berufstaetigkeit, gesichert sind. Wird eine zusaetzliche. entweder durch erhoehte Unterstuetzungssaetze oder durch eine Verlaengerung der Bezugsberechtigung
verbesserte Arbeitslosenversicherung nicht die Senioritaet der seit langem in ihrem Beruf beschaeftigten Arbeiter in ihrem Wert mindern?
Die geringere Bedeutung, die infolge der Einfuehrung der zusaetzlichen
Arbeitslosenversicherung der Seftioritaet als Grundlage zur Sicherung des
Arbeitsplatzes zukommt, spricht fuer eine Revision der Senioritaetsklauseln in den Tarifvertraegen, weil sie den Arbeitgebern beim Einsatz
und bei der Verteilung der Arbeitskraefte freiere Hand laesst. Wuerde es
zum Beispiel nicht moeglich sein, die die Senioritaet einschraenkenden
Bestimmungen bei voruebergehenden Arbeitseinstellungen abzuaendern, um den
Unternehmern die Weiterbeschaeftigung der tuechtigsten Arbeitskraefte
statt derjenigen zu gestatten, die auf eine laengere berufliche Taetigkeit zurueckblicken?
Personalpolitik
Die Bemuehungen der Personalabteilungen und der Abteilungen fuer
innerbetriebliche Schulung grosser Firmen, ihre Arbeiter gruppenweise
einzustellen und auszubilden, kann durch die Einfuehrung der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung einen maechtigen Antrieb erhalten. Die
Methode, Arbeitsgruppen zusammenzustellen, die nach ihrer Auswahl und
Ausbildung eine Elite darstellen, entstand aus der Notwendigkeit, eine

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�'f

bewegliche und vielseitig einsatzfaehige Belegschaft zu erhalten und Einsparungen bei der Ausbildungszeit und bei den Auswahlverfahren zu erzielen. Ein fester Arbeiterstamm, der auf das sorgfaeltigste ausgewaehlt
und mit den verschiedensten miteinander verwandten, die Arbeitsmoral
staerkenden Fertigkeiten ausgebildet ist, wird sich durch eine groessere
Wirtschaftlichkeit und Leistungsfaehigkeit des Betriebes bezahlt machen.

Folgen fuer das Wirtschaftsleben
Seit der grossen Wirtschaftskrise haben sich in bestimmten Kreisen
Eroerterungen einer grossen Beliebtheit erfreut, welchen Einfluss die
Kaufkraft - sei es positiv oder negativ - auf den Konjunkturzyklus ausuebt. So wurde behauptet, dass sich die volle Aus3choepfung der Produktionskapazitaet und die Vollbeschaeftigung nur dann aufrecht erhalten
Hessen, wenn genuegend Geld unter den Leuten sei, das sie ausgeben koennten. Doch bedeutet Kaufkraft nicht lediglich Geld in den Haenden der
Arbeiter. Sie ist Einkommen aller Art - Miet- und Pachteinnahmen, Zinsen, Geschaeftsgewinne sowohl wie Loehne und Gehaeiter. Auch bedeutet
Kaufkraft nicht lediglich den Besitz von Geld, das ausgegeben werden kann.
Zwischen finanziellen Einkuenften der verschiedensten Art und dem Stand
der Preise besteht ein bestimmtes Verhaeltnis. Die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung kann in einem beschraenkten Grade einen Beitrag zur
Wirtschaft leisten, doch darf kein Zweifel darueber bestehen, dass der
Konjunkturzyklus ein viel zu kompliziertes Problem ist, das sj.ch nicht
einfach durch eine Erhoehung der Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung loesen laesst.
Die geplante zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung wird die Fluessigmachung der verfuegbaren Reserven erfordern. In Zeiten eines allgemeinen Konjunkturrückgangs wird sich der zwangsweise erfolgte Verkauf von
Wertpapieren auf das Wirtschaftsleben depressiv auswirken und daher in
gewissem Grade die auf Grund der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung
erhoehte Kaufkraft wieder aufheben. Falls die aus der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung stammenden Reserven jedoch ausschliesslich in Staatspapieren angelegt werden, kann die Regierung durch Ankauf dieser Papiere
eine unmittelbar ruecklaeufige Entwicklung der Wirtschaft verhindern.
Quelle: "Monthly Labor Review"
Bd. 79, Nr. 3

David M. Potter»
Die Freizeit als Faktor im Wirtschaftsleben
Dieser Artikel, der in der amerikanischen Zeitschrift
"Challenge Magazine" erschienen ist, beschaef t.i gt
sich mit prinzipiellen Aspekten der Freizeit und
Freizeitgestaltung, so dass er seine Geltung im
wesentlichen auch dort beibehaelt, wo die Arbeitszeit von 40 Stunden noch nicht erreicht ist. Die
wirtschaftlichen Schlussfolgerungen des Autors verdienen Beachtung, auch wenn sie hier noch nicht in
vollem Umfang anwendbar sein moegen.
- Quellenangabe erforderlich Die Verlaengerung der Freizeit ist eine der wichtigsten Entwicklungen
im modernen Leben. Eine zweite Errungenschaft ist das Mehrangebot an
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�JConsumguetern, und letzten Endes sind beide, die Fieizeitverlaengerung
wie die Konsumguetervermehrung, ein Produkt des technischen Fortschritts.
Das Wesen einer technischen Verbesserung besteht ja darin, dass sie entweder eine gesteigerte Produktion bei gleichem Arbeitsaufwand ermoeglicht
oder gleichbleibende Erzeugung bei reduzierter Arbeitszeit. Sie fuehrt
in der Praxis meist zu beiden: hoeherer Lebensstandard und vermehrte Freizeit sind, wie sich gezeigt hat, nur die zwei verschiedenen Aspekte der
gleichen Sache.
Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede in der Art und Weise, wie
diese beiden Bestandteile des gleichen Ganzen in unserer Gesellschaftsordnung aufgeteilt werden. Das Einkommensniveau und damit der Lebensstandard haengen bekanntlich vom "Wirtschaftswert" des Betreffenden ab, denn
sein Lohn oder Gehalt spiegelt zumeist seine Erfahrung, seine Ausbildung,
seine Tuechtigkeit wider. So verdienen also manche Menschen mehr als andere und kommen dementsprechend zu einem groesseren Anteil an den verfuegbaren Waren als jene. Das war immer schon so, wenn auch in der Vergangenheit viel ausgepraegter als heute.
Waehrend also die direkte Entlohnung stets verschieden hoch war, ist
die indirekte Entlohnung in Form der Gewaehrung von Freizeit fuer jede
Taetigkeit ungefaehr gleich. Freizeit wird nicht auf Grund der wirtschaftlichen Bedeutung des Betreffenden tewaeni"t» sondern eher entsprechend dem
Alter und dem Geschlecht« Verbot vcn Kinderarbeit, Schutzbestimmungen fuer
Jugendliche, Mutterschaftsurlaub, Altersfuersorgeprogramme und so weiter
regulieren sie.
So beginnt heute das erwerbsfaehige Alter in der Regel spaeter und
endet frueher als vor etwa einem Jahrhundert. Rund 40 bis 50 Jahre seines
Lebens ist der Mensch heute berufstaetig, wobei seine Arbeitsbelastung,
in Arbeitszeit ausgedrueckt, ziemlich unveraendert bleibti jeweils 40, 44
oder 48 Stunden von den 168 Stunden, die eine Woche hat. Arbeitszeit und
Freizeit wechseln in einem regelmaessigen Rhythmus ab.
Auch die Frau hat an der neu errungenen Freizeit Anteil. Sofern sie
berufstaetig ist,, in der gleichen Weise wie ihre maennlichen Arbeitskollegen, sofern sie Hausfrau ist, vorwiegend durch arbeitsparende Geraete und
Erfindungen - von den Konserven ueber den Staubsauger bis zur Waschmaschine.
Was aber verblueffend erscheinen mag, ist die Tatsache, dass die Freizeit nicht etwa das Vorrecht einer privilegierten Klasse geblieben ist,
sondern jedermann gleich zugute kommt. Ja, es ist sogar so, dass diejenigen,
die wirtschaftlich und gesellschaftlich vielleicht am besten gestellt sind,
wie etwa fuehrende Geschäeftsleute und Angehoerige freier Berufe, am
wenigsten in den Genuas der verlaengerten Freizeit kommen. Dieses Paradoxon erklaert sich daraus, dass die Technik zwar dem manuellen Arbeiter
einen grossen Teil seiner Last abgenommen hat, nicht aber dem Rechtsanwalt, dem Arzt, dem Firmenchef, dem Funktionaer, die alle sehr haeufig
abends in ihrer Aktentasche noch eine erhebliche Portion Arbeit mit nach
Hause nehmen.
Bisher waren es zumeist die Soziologen, die sich mit den Problemen
der Freizeit und ihrer Gestaltung auseinandergesetzt haben. Die Wirtschaftswissenschaftler haben sich wenig mit ihr beschaeftigt - offenbar von
dem Gedanken ausgehend, dass Freizeit wesenhaft unproduktiv ist und daher
ausserhalb ihres Betrachtungsgebietes liegt. Bei naeherem Hinsehen erweist sich freilich, dass die Freiaeit auch mit der Wirtschaftswissenschaft sehr viel zu tun hat.
Beginnen wir einmal mit der Grundbedeutung von "Freizeit". Das Wort
hat an sich durchaus keinen positiven Aussagewert» es ist leere, "freie"
Zeit, ein negativer Zeitbegriff - Zeit, die nicht mit Arbeit erfuellt ist.
Es ist ein mehr oder minder langes Intervall, das mit irgendeiner Taetigkeit

�erfuellt «erden muss. Geschieht das nicht, dann kommt man zu einem der
unangenehmsten Gefuehle, denen ein Mensch ausgesetzt sein kann - der
Langeweile, der voelligen Leere.
Wie laesst sich nun die Freizeit ausfuellen? Hunderte Moeglichkeiten
stehen dafuer zur Verfuegung, darunter die verschiedensten Sportarten
und Spiele, ferner Reisen, kulturelle Darbietungen und so weiter. Aber
die Freizeit ergibt sich groesstenteils nur in schmalen Fortionen am Ende
eine? arbeiterfuellten Tages, und so wird ein grosser Teil in einer Weise
zugebracht, die wenig Anstrengung erforderti man liest Zeitungen oder
Zeitschriften, hoert Radio oder Schallplatten, sieht sich
eine Fernsehsendung an oder geht ins Kino.
Vom Standpunkt der Wirtschaft betrachtet, bedeutet das aber, dass
diese Freizeit, die als "unproduktiv" gilt, in Wirklichkeit einen Konsum
darstellt - nicht nur im Sinne eines Erwerbs von "Dienstleistungen" der
mitwirkenden Kuenstler und so weiter, sondern vor allem auch indirekt
durch die Wirkung der Werbeankuendigungen, Reklamesendungen, Inserate und
aehnlichem. Hit anderen Worten: durch die Verkuerzung der Arbeitswoche
haben die Menschen ihre wirtschaftliche Taetigkeit in der Weise verschoben, dass sie ihre Produktionszeit verkuerzt, ihre Konsumzeit hingegen
verlaengert haben.
Nun ist es natuerlich schwer, genau zu messen oder zu errechnen,
wieviel von der tatsaechlichen Konsumerhoehung auf das Konto der Freizeit
geht, in der konsumwerbende Parolen wirkten. Es laesst sich nicht feststellen, ob und in wie vielen Faellen es eine Kinowerbung oder ein Zeitschrifteninserat war, das den Ankauf einer neuen Couch oder eines Sommermantels veranlasste oder mitveranlasste. Wohl aber gibt es einige Konsumformen, die vollkommen von der Freizeit abhaengen, so dass auf diese Weise
die wirtschaftliche Bedeutung der Mussezeit klar nachgewiesen werden kann.
Diese Waren des echten Freizeitkonsums findet man vor allem auf dem
Gebiet von Sport und Spiel. Die Sportartikelerzeugung der Vereinigten
Staaten hat derzeit einen Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Dollar,
der sich auf Angelgeraete, Jagdausruestungen, Aussenbordmotore, Golf- und
Tennisausruestungen und so weiter verteilt (dabei sind in dieser Summe
nicht die enormen Betraege inbegriffen, die fuer den Eintritt zu Sportveranstaltungen bezahlt werden).
Ein anderer eindeutiger "Freizeitartikel" ist das Reisen. Ganze Gebiete, ja zuweilen ganze Staaten, sehen im Fremdenverkehr ihre Haupteinnahmequelle. Allein die amerikanischen Touristen in Europa haben im vergangenen Jahr rund 750 Millionen Dollar ausgegeben - ein Viertel des Gesamtbetrages, den Europa aus seinen Exporten nach Kanada und den USA erzielte!
Ferner kann man die "Unterhaltungsindustrie" vom Konzert ueber Kino
bis Zirkus und "juke-box" als vollkommen von der Freizeit abhaengig ansehen. Sie bietet, nicht nur Schauspielern, Saengern, Artisten, Autoren und
Regisseuren eine Erwerbsquelle, sondern auch zahllosen Arbeitern und Angestellten in der Rundfunk-, Fernseh- und Filmindustrie.
Dabei wird hier unter anderem etwas deutlich, das wir von anderen
Lebensbereichen schon kennen« der schnelle Verschleias. Ein üchlagerlied,
ein sensationeller Film - sie sind unendlich kurzlebiger als in der Vergangenheit etwa eine Liebesmelodie oder ein gutes Theaterstueck. Sie
werden ebenso rasch "unmodern" wie ein Auto, das, jedermann kenntlich,
sein Baujahr ersehen laesst. Und uns allen ist auch die Klage gelaeufig,
dass Moebel, Haeuser oder Kleidungsstuecke heute nicht mehr so haltbar
sind wie zur Zeit unserer Grosseltern. Das ist nicht verwunderlich, denn
die Konsummoeglichkeit und der Verschleiss sind groesser, und man liebt

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�heute Wechsel und Aenderung - im persoenlichen Besitz wie in der Unterhaltung.
Schon aus diesen Andeutungen ist zu erkennen, welche Rolle die vermehrte Freizeit in der Gesamtwirtschaft spielt. Nichts aber kann die
ueberragende Wichtigkeit hinreichend deutlich machen, die die Freizeitverlaengerung fuer das amerikanische Wirtschaftssystem heute hat. In
einem Zeitpunkt, da die Gefahr besteht, dass das Gleichgewicht zwischen
Produktion und Konsum verloren geht und zur schwersten Bedrohung der
Wirtschaftsstruktur werden koennte, hat die Freizeitverlaengerung als
steuernder Ausgleich fuer den technischen Fortschritt gewirkt und wesentlich dazu beigetragen, Produktion und Konsum im Gleichgewicht zu halten.
In einer Zeit, da die Produktionskapazitaet den Konsum zu ueberholen
droht, weil ein Arbeiter mehr erzeugt als mehrere Verbraucher konsumieren
. koennen, hat die Freizeit ein neues Ventil geschaffent sie hat die "Erholungsproduktion" auf den Plan treten lassen, die uns dann "beliefert",
wenn wir unproduktiv sind. Wenn hoeherer Lebensstandard und vermehrte
Freizeit urspruenglich auch nur ein Nebenprodukt technischen Fortschritts
gewesen sein moegen, so sind sie heute wesentliche Faktoren bei der Aufrechterhai tung des modernen, hochtechnischen Wirtschaftssystems.
Aus "Challenge Magazine"
(Quellenangabe erforderlich)

"Revidierter Garantierter Jahreslohn" in der Praxis
Viele Tausend entlassener Automobilarbeiter haben in den letzten
Wochen mit Ungeduld und Erwartung den 1. Juni herbeigesehnt. Denn an
diesem Tag trat das sogenannte "Revidierte Garantierte Jahreslohn-Abkommen" in Kraft, das im letzten Sommer zwischen der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) und den Betrieben der Autoindustrie abgeschlossen wurde. Auf Grund dieses Abkommens erhalten sie naemlich zusaetzlich
zu der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung einen Ausgleichsbetrag,
der ihnen 65 Prozent ihres bisherigen Arbeitslohnes waehrend der ersten
vier und 60 Prozent waehrend der naebhsten 22 Wochen sichert.
Allerdings ist der Unterstuetzungsplan gegenwaertig noch nicht fuer
alle entlassenen Arbeiter wirksam geworden und auch die vorgesehenen Zusohuesse koennen noch nicht in der vorgesehenen Hoehe gezahlt werden, da
die Fonds, aus denen die zusaetzlichen Unterstuetzungen gezahlt werden,
nur erst zum Teil (22 96) aufgebaut sind. Diese Fonds werden bekanntlich
durch die Unternehmer gespeist, die 5 Cent pro geleistete Arbeitsstunde
hieran abfuehren. Erst nach vier Jahren werden diese Fonds die vorgesehene Hoehe erreicht haben.
Von den gegenwaertig rund 150 000 entlassenen Automobilarbeitern
werden daher nur diejenigen eine zusaetzliche Unterstuetzung erhalten,
die nach dem 2. Mai entlassen und seitdem auch noch nicht wieder eingestellt wurden. Massgebend fuer die Dauer der Unterstuetzung ist die Senioritaet des Arbeiters; die Anwartschaft ist dabei nach einem Jahr Besohaeftigung gegeben. Der groesste Teil der nach dem Produktionsrückgang Entlassenen waren jedoch Aushilfsarbeiter mit weniger als einem
Jahr Beschaeftigungsdauer.
Was wird nun aber ein jetzt entlassener Automobilarbeiter mit Anwartschaft auf zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung an Leistungen zu
erwarten haben? Nach einer Uebersicht der Automobilarbeitergewerkschaft
kann ein Verheirateter mit zwei Kindern, der bisher einen Nettowochenlohn
von 72 Dollar hatte, mit Zusatzleistungen in Hoehe von 13 Dollar rechnen.
Insgesamt wuerde er also bei 33 Dollar an staatlicher Unterstuetzung 46
Dollar pro Woche erhalten. Nach 4 Wochen wuerden die 13 Dollar um ein

- 11 -

�eringes gekuerzt, da dann fuer die naechaten 22 Wochen nicht mehr 65
ondern 60 Prozent des bisherigen Einkommens "garantiert" werden. Allgemein betrachtet, ist aber zu sagen, dass gegenwaertig noch alles im Fluss
ist und genaue Zahlen erst dann zur Verfuegung stehen werden, wenn die
ersten Schecks an die entlassenen Arbeiter ausgezahlt worden sind.
Quelle: Eigenbericht

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Ein ueber zwei Jahre laufender Tarifvertrag wurde jetzt zwischen
der "Western Union Telegraph Company" und den beiden Gewerkschaften abgeschlossen, die rund 34 000 Arbeiter und Angestellte in den Betrieben
der "Western Union" vertreten.
Auf Grund des neuen Kollektivvertrages werden saemtliche Arbeitnehmer
eine Aufbesserung der Stundenloehne um 13 Cent erhalten. Weitere 5 Cent
rueckwirkend vom 1. Januar dieses Jahres werden ferner solche Mitarbeiter
bekommen, deren Arbeitsplatz neu eingestuft wurde. Gleichzeitig wurden
die Pensionen von 60 auf 100 Dollar heraufgesetzt und die zusaetzlichen
Sozialleistungen erhoeht.
Der bisher gueltige Kontrakt zwischen der "Western Union" und den
beiden Gewerkschaftenfder "Commercial Telegraphers Union" (AFL-CIO) und
der unabhaengigen "American Communications Association"-Gewerkschaft,
war am 3 1 • Mai ausgelaufen.
Die "Commercial Telegraphers"-Gewerkschaft vertritt rund 30 000 und
die "Association" etwa 4000 Angestellte und Arbeiter der "We3tern Union".

Ein neuer Lohnanreizplan fuer im Stundenlohn Beschaeftigte, der fuer
die meisten der davon betroffenen Arbeiter hoehere Loehne bedeutet,
wurde zwischen der "Bethlehem Steel Company" und der "Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft" (USA) jetzt abgeschlossen.
Das neue Abkommen, das mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt, hat
keinerlei Beziehung zu den derzeitigen Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie, die gegenwaertig in New York zwischen der Stahlindustrie und
der Gewerkschaft gefuehrt werden.
Wie die Gesellschaft, der zweitgroesste Stahlerzeuger der USA, weiter betont, beabsichtigt sie im Laufe der Zeit mit Zustimmung der Gewerkschaft, saemtliche Lohnanreizplaene auf eine Standard-Stundenlohnbasis
umzustellen, wie es auch bereits in den anderen Betrieben der Stahlindustrie der Fall ist.
Waehrend der Uebergangszeit will das Unternehmen den in Frage kommenden Arbeitnehmern zu ihren Normalbezuegen einen Angleichungsbetrag
zahlen, der einen bestimmten Satz der Einkommen waehrend des ersten
Quartals 195^ ausmacht. Der Angleichungsfaktor betraegt auf der Basis
1 Cent pro Stunde dabei zwischen 1 und 5 Prozent des Stundengrundlohnes.
Rund 60 Prozent der insgesamt 80 000 Arbeitnehmer der "Bethlehem Steel
Company" werden nach Angaben der Stahlarbeitergewerkschaft durch Lohnanreizplaene erfasst, aber nicht alle diese Arbeiter werden durch das
neue Abkommen beruehrt werden.

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsproblcme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mchlcm, Mchlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
Ix

- 15

Mehlem, den 6. Juli 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen und
ihre voraussichtliche V/ei terentwicklung in
den Vereinigten Staaten

Seite 1

Die Rolle der privaten Sozialprogramme bei
Tarif Verhandlungen
Größte Zahl an Gewerkschaftsmitgliedern im
Staate New York
'Todesstoß" für kommunistische
Elektroarbeitergewerkschaft

Seite 10

Transferierbare private Pensionspläne

Seite 10

Seite

7

Seite

9

Die Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen und ihre voraussichtliche
Weiterentwicklung in den Vereinigten Staaten
von John S. Bugas, Leiter der Abteilung Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen bei der Ford Motor Co.
Die Entstehung einer dem Mittelstand zuzurechnenden Schicht von Industriearbeitern in den USA gehört mit zu jenen unwägbaren Ereignissen,
die auf die weitere Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
einen wesentlichen Einfluß ausüben dürften. Sie ist natürlich das Ergebnis verschiedener Faktoren: unseres Erbes der politischen Freiheit,
unseres umfassenden freien Erziehungssystems, der anhaltenden Prosperität
und des steigenden Lebensstandards. Die wichtigste Voraussetzung zu dieser
Entwicklung war das ständige und sich über einen langen Zeitraum hin
erstreckende Ansteigen der Produktivität in der Industrie. Der amerikanische Arbeiter unserer Tage hat ein lebhaftes Interesse an der Erhaltung der bestehenden Ordnung - ein offensichtliches Interesse, das er
in früheren Zeiten sicherlich nicht haben konnte.
Seit längerer Zeit hat sich die Industrie mit immer größerem Geschick darum bemüht, im ganzen Volk das Verständnis dafür zu wecken,
in welcher Weise unser Wirtschaftssystem zu einer Besserung des Loses
aller beiträgt. Das zunehmende Verständnis für diese Fragen wird den Arbeiter auch in der Erkenntnis bestärken, daß eigenes Geschick eng mit
dem Geschick seines Betriebes verknüpft ist.
Dies mag vielleicht wie eine etwas voreilige Folgerung klingen, bei
der der Wunsch der Vater des Gedankens ist; zahlreiche Anzeichen deuten
aber doch darauf hin, daß wir eine Zeit des Wachstums eines gesunden
Konservativismus und der Reife im wirtschaftlichen Denken der Industriearbeiter durchmachen. Dieser gleiche zunehmende Konservativismus findet
- 1 -

�sich auch auf Seiten der iiegierung, der Industrie und vielleicht sogar
der Gewerkschaften und liefert den bunten Hintergrund fuer die Weiterentwicklung der Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen in Amerika.
Die Uebernahme weitergehender Verantwortung
Im Jahre 1955 war eine erhebliche Abnahme der Faelle von Lohnstreitigkeiten, soweit es sich dabei um ausgedehnte und sich ueber einen laengeren Zeitraum erstreckende Auseinandersetzungen handelte, zu verzeichnen.
Es ist ganz bezeichnend, dass in einigen, allerdings etwas ungewoehnlichen
Faellen, Gewerkschaften und Arbeiter sogar freiwillig die in vergangenen
Auseinandersetzungen errungenen Vorteile in dem Bemuehen preisgaben, ihren
Betrieben eine bessere Wettbewerbsbasis zu schaffen. Was mir als Fachmann
fuer Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen besonders erfreulich
erscheint, sind nicht so sehr der Rueckgang der Zahl der Arbeitsstreitigkeiten und das Nachlassen der Schaerfe, mit der sie gefuehrt werden, als
vielmehr die Gruende, die zu dieser neuen Entwicklung fuehrten.
Der Arbeitsfriede an sich ist noch kein Zeichen fuer eine gesunde
Wirtschaft. Wenn er nur das Ergebnis eines Ausspielens uebermaechtiger
Staerke gegen Schwaeche ist, dann ist er sogar ein Symptom fuer das Bestehen einer hoechst gefaehrlichen Situation. Die in den USA zu verzeichnende Verbesserung der Arbeitgeber-Arboitnehmerbeziehungen ist aber zu
einem erheblichen Teil dem zunehmenden Verataendnis bei den Sozialpartnern
fuer die wirkliche Funktion von Xjllektivverhandlungen und Q er daraus erwachsenden Verantwortung zu danken. Sie ist ferner das Ergebnis des in
zunehmendem Masse auf beiden Seiten des Konferenztisches bewiesenen Verhandlungsgeschicks und der groesseren Einsicht in die Gesamtzusammenhaenge.
Sowohl die Gewerkschaften und Arbeitnehmer als auch die Unternehmer
haben sich offenbar sehr realistisch mit der Frage auseinandergesetzt, bis
zu welchem lunkt man gehen darf, ohne alles zu gefaehrden und den Boden der
Vernunft zu verlassen. Man war bemueht, jenen Punkt zu erkennen, von dem an
ein-Sieg nur ein Pyrrhus-Sieg waere - und zwar im voraus zu erkennen und
nicht erst hinterher. Man ist sich offenbar der Tatsache bewusst geworden,
dass eine Streikwelle das Ende der Prosperitaet bringen koennte, an deren
Fortdauer beiden Seiten gelegen ist. Wenn es darum ging, den harten Realitaeten am Verhandlungstisch ins Auge zu sehen, dann zeigte sich doch
mancher Gewerkschaftsführer bereit, aile Schlagworte beiseite zu lassen
und die Verhandlungen im Geiste der Verantwortung zu fuehren, und es verbreitete sich die Erkenntnis, dass die- Ruecksichtnahme auf das Interesse
des ganzen Volkes auf lange Sicht gesehen auch im eigenen Interesse liegt.
Zurueckhaltung seitens der Regierung
Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass dieser Fortschritt in unmittelbarem Zusammenhang mit der neuen Politik der Bundesregierung steht,
ein Eingreifen in Arbeitsstreitigkeiten auf ein Mindestmass zu beschraenken. Wir von den Fordwerken haben immer die Auffassung vertreten, dass
sich ein noch so gut gemeintes Eingreifen der Regierung in Arbeitsstreitigkeiten im Sinne einer Vermeidung oder Beendigung von Streiks in jedem
Fall abtraeglich auf den Verlauf von Tarifverhandlungen auswirken muss.
Es bewirkt nur eine Verhaertung der Standpunkte, und es behindert die
Ausbildung des Gefuehls fuer die eigene Verantwortung und der Bereitschaft,
die Verantwortung fuer die Folgen eigener Handlung zu uebernehmen einschliesslich der Folgen von Fehlern in der Beurteilung der Lage. Die Ereignisse aus dem vergangenen Jahr duerften wohl als eine Bestaetigung
dessen gelten. Hier wurde der Beweis geliefert, dass ein Eingreifen der
Regierung sich praktisch von selbst verbietet, erhoeht es doch die Streikgefahr, statt sie zu vermindern.

- 2 -

�Die AFL-CIO
Der vor einigen Monaten erfolgte Zusammenschluss der beiden amerikanischen Gewerkschaftsverbaende AFL und CIO ..ird sich natuerlich auf die
weitere Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen auswirken.
Er kann beispielsweise zu einer verstaerkten Zusammenarbeit der sogenannten internationalen Gewerkschaften untereinander fuehren, die wiederum
deren Verhandlungsposition verbessern duerfte. Die Verschmelzung der beiden Verbaende laes3t ferner erkennen, dass sich das politische Bewusstsein innerhalb der Gewerkschaften mehr und mehr regt und seinen Niederschlag auch in der Gewerkschaftsarbeit findet; sie wird ferner voraussichtlich verstaerkte Bemuehungen ausloesen, alle bisher ausserhalb der Gewerkschaft stehenden Arbeiter zu organisieren.
Alles in allem duerfte sich der Zusammenschluss fuer die Gewerkschaften sehr guenstig auswirken und somit auch die Aussichten auf die
Wahrung des Arbeitsfriedens weiter verbessern. Als eine weitere Erscheinungsform der Zentralisierung von Fuehrerschaft und Macht sollte
man dem neuen Dachverband genauso viel Aufmerksamkeit widmen, wie man
bisher anderen Machtzentren innerhalb unserer Wirtschaft zuwandte. Der
Zusammenschluss musste die fuehrenden Maenner der Gewerkschaftsbewegung
- sofern sie die Lehren der Geschichte richtig begriffen haben - zur Vorsicht gemahnen und zu einer konservativen Einstellung veranlassen. Er
koennte alles in allem genommen dazu beitragen, dass es in Zukunft noch
seltener zu Anwendung von Kara^fmassnahmen kommen wird und auf diese Weise
eine groessere Stabilitaet in den vor uns liegenden Jahren bewirken. Die
Tatsache bleibt aber bestehen, dass grosse Macht eine grosse Versuchung
bedeutet, und die Oeffentlichkeit wird deshalb gut daran tun, die weitere
Entwicklung wachsam zu verfolgen.
Die Industrie muss im Augenblick sich ernster als je zuvor mit der
Frage auseinandersetzen, ob es nicht im Interesse des ganzen Volkes und
in ihrem eigenen liege, dass auch auf ihrer Seite des Verhandlungstisches
eine groessere Konzentration der Kraefte erfolge.
Die kuenftige Entwicklung der Wirtschaft
Die kuenftige wirtschaftliche Entwicklung ist ein weiterer Faktor,
der die Umweltbedingungen, unter denen Arbeitgeber-Arbeitnehmerverhandlungen gepflogen werden, entscheidend beeinflussen kann.Fast ausnahmslos
prophezeien uns unsere fuehrenden Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftler ein Jahrzehnt des raschen wirtschaftlichen Fortschritts mit
einer bis zu 50prozentigen Steigerung des Bruttosozialproduktes. Wenn auch
manche Industriezweige eine langsamere Entwicklung erfahren und gelegentlich Schwankungen auftreten duerften, so geht doch die Gesamtwirtschaft
einer weiteren Bluete entgegen, die auch eine weitere Hebung des Lebensstandards der amerikanischen Arbeiter in der Industrie mit 3ich bringen
wird. Das vor uns liegende Jahrzehnt wird voraussichtlich staendig von
einer angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt begleitet sein. Die Bevoelkerung und der Bedarf werden schneller wachsen als die Gesamtzahl der
Schaffenden. Wenn diese Voraussetzungen eintreten, wird sich die Industrie
voraussichtlich sehr eifrig darum bemuehen muessen, die vorhandenen
Arbeitskraftreserven so zweckmaessig wie nur moeglich einzusetzen und die
Produktivitaet noch erheblich zu steigern, um der Nachfrage gerecht werden
zu koennen. Wir sind noch lange von jenem Zeitalter entfernt, in dem - sofern es ueberhaupt hereinbricht - der technische Fortschritt und die durch
ihn erzielte Froduktivitaetssteigerung so gross sein werden, dass wir uns
ernste Gedanken darueber machen muessen, wie wir die verfuegbaren Arbeitsstunden aufteilen sollen.

-3 "

�Der weitere Weg
Somit werden sich die Leiter der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
in der Industrie, so wie die Dinge sich heute - im Jahre 1956 - abzeichnen,
in Zukunft wohl auf laengere Zeit in ihrer Arbeit auf eine Situation einstellen muessen, die von folgenden Pakten und Gesichtspunkten bestimmt
sein wirdi Fortdauernde Prosperitaet und hoher Beschaeftigungsstand;
immer staerkerer Rueckgriff auf die Technik, um den Beduerfnisaen einer
wachsenden Bevoelkerung gerecht werden zu koennen; und, so darf man wohl
hoffen, eine vernuenftigere und verantwortungsbewusstere Gewerkschaftsfuehrung im Verein mit einer Beibehaltung der aeusserst erfolgreichen
Regierungspolitik der strikten Beschraenkung von Eingriffen in Kollektivverhandlungen.
Die Hauptrichtung, in die sich der Druck seitens der Gewerkschaften
auswirken duerfte, laesst sich relativ leicht bestimmen, weil die Gewerkschaftsarbeit groesstenteils ihre konsequente Fortfuehrung finden
wird. Man darf wohl annehmen, dass die Gewerkschaften zusaetzliche soziale Forderungen geltend machen werden: Verbesserung der Sozialleistungen und irhoehung der sozialen Sicherheit innerhalb der naechsten zwei
oder drei Jahre. In der darauffolgenden Zeit, beginnend etwa 1958t wird
man im Laufe der naechsten Serie von Tarifverhandlungen mit der Automobilindustrie damit rechnen duerfen, dass die Bestrebungen JLT Erreichung
einer weiteren Verkuerzung der Arbeitszeit an Staerke gewinnen werden,
da sowohl die AFL als auch der CIO ihr Interesse an dieser Frage bereits
bekundet haben.
Die Betriebsfuehrung muss sich bewusst sein, dass sie die Verantwortung dafuer traegt, dass die Fruechte der steigenden Produk*tivitaet
unserer Industrie in fairer Weise unter allen interessierten Teilen unserer Gesellschaft verteilt werden, und dass die Basis fuer eine weitere
Expansion und fuer die Staerke unserer Wirtschaft unangetastet bleibt.
Man wird unter anderem auch weiterhin tatkraeftig auf eine Ausweitung
der Arbeitslosenversicherung in der einen oder anderen Form draengen.
Wir von den Fordwerken sind der Auffassung, dass unsere Form der Arbeitslosenversicherung ihren Zweck voll erfuellt, und dass sie sowohl im Interesse der Arbeitnehmer als auch der Firma liegt. Sie unterscheidet sich
grundsaetzlich von den Plaenen der Gewerkschaft bezueglich des garantierten Jahreslohnes. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die Arbeitslosenversicherung bei Ford nur eine beschraenkte Zahlungsverpflichtung mit genau vorher bestimmbaren Hoechstaufwendungen vorsieht, dass sie
sich an die staatliche Arbeitslosenversicherung anschliesst und diese
ergaenzt, dass sie finanziell gesichert ist, dass sie in ihren Auswirkungen einer Depression entgegenwirkt, und dass sie unseren gesamten Geschaeftsgang nicht mehr und nicht weniger beeinflusst wie jede andere Erhoehung der Arbeitskosten um 5 Cent.
Wir begruessen diese Form der Versicherung auch deshalb, weil wir
glauben, dass sie die soziale Sicherheit unserer Arbeitnehmer sowohl in
materieller als auch in psychologischer Hinsicht erheblich festigt und
auf diese Art und Weise zu einer Verbreitung jenes Optimismus beitraegt,
der zu dem weiteren Fortschritt und dem Anhalten der Prosperitaet ao notwendig ist.
Angesichts dieser Tatsache sehen wir mit einiger Verwunderung die
Bemuehungen von Organisationen in den verschiedenen Einzelstaaten, die
darauf abzielen, eine Einbeziehung der privaten Arbeitslosenzusatzversicherung in das staatliche Arbeitslosenversicherungssystem zu hintertreiben und somit zu verhindern, dass die Arbeitslosenversicherung ihrer
Aufgabe voll gerecht wird. Die Plaene ueber die private Arbeitslosenversicherung werden faelschlicher Weise so interpretiert, dass sie gerade

-4 -

�,jene Bedingungen heraufbeschwoeren, die man durch sie vermeiden moechte.
Im einzelnen hoert man folgende Einwaendei
"Die Einbeziehung wird es uns gestatten, die Kosten fuer unser staatliches Arbeitslosenversicherungssystem auf andere Arbeitgeber abzuwaelzen."
Das ist keineswegs der Fall. Unsere Arbeiter werden der staatlichen Arbeitslosenversicherung nicht laenger auf der Tasche liegen als zuvor.
Unsere eigene, auf Erfahrung beruhende Veranschlagung, die gegenwaertig
noch erheblich unter dem Hoechstsatz liegt, wird auch weiterhin die Hoehe
der Aufwendungen im Rahmen unserer Arbeitslosenversicherung bestimmen und
bietet die Gewaehr dafuer, dass auch wir selbst an einem Fortbestand der
derzeitigen Verhaeltnisse interessiert bleiben.
"Der Anreiz zur Arbeit wird erlahmen". Auch diese Auffassung ist irrig.
Einer der wichtigsten Grundsaetze, um dessentwillen wir sogar bereit waren, es gegebenenfalls zu einem Streik kommen zu lassen, war der, dass
die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung keinen voelligen Ausgleich zwischen regulaerem Lohn und Arbeitslosenunterstuetzung bringen darf, damit
der Anreiz, wieder einen festen Arbeitsplatz zu erlangen, erhalten bleibt.
Es wurden auch andere Einwaende laut, die sich unserer Ansicht nach
auf ein Missverstaendnis unserer Arbeitslosenzusatzversicherung stuetzen,
und einen Versuch darstellen, abtraegliche Auswirkungen auszumalen, die
kuenftige Plaene der privaten Arbeitslosenversicherung zeitigen koennten die die Arbeitslosenversicherung bei Ford aber nicht gezeitigt hat. So
uebersieht man haeufig, dass die Ablehnung eines Antrags auf Arbeitslosenunterstuetzung aus der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung zwangslaeufig die Ablehnung eines Antrags auf Unterstuetzung aus der Zusatzversicherung nach sich zieht.
Wir sind fe3t davon ueberzeugt, dass man schlecht beraten waere und
kurzsichtig handelte, wenn man die Einbeziehung von Arbeitslosenzusatzversicherungen der Art, wie wir sie geschaffen haben, in die allgemeine
Arbeitslosenversicherung verhindern wuerde. Die ganze Wirtschaft haette unter einem solchen Schritt zu leiden. Wir gehen mit den Gegnern der Einbeziehung darin ueberein, dass eine restlose und unbegrenzte Ergaenzung
der Unterstuetzung aus der staatlichen Arbeitslosenversicherung sowohl die
staatliche Arbeitslosenversicherung schaedigen als auch dem Interesse der
gesamten Oeffentlichkeit zuwiderlaufen werde. Dieser Grundsatz findet in
vielen Einzelbestimmungen der Arbeitslosenzusatzversicherung bei Ford
'einen Niederschlag. Weder die Abschaffung der privaten Arbeitslosenversicherung noch eine Trennung ihrer Leistungen von denen der staatlichen
Versicherung bietet eine Loesung. Eine gesunde und realistische Loesung
besteht darin, dass der Gesetzgeber genaue Kriterien fuer die Einbeziehung
der privaten Arbeitslosenzusatzversicherung in die staatliche Arbeitslosenversicherung aufstellt, die jeglichen Missbrauch in Zukunft ausschliessen. Es waere ein schwerer Fehler, die Entwicklung mehr oder weniger
zweckmaessiger Formen der Zusatzversicherung zu beguenstigen, die sich
nicht eng an das staatliche Arbeitslosenversicherungssystem anschliessen
und die automatisch in demselben Masse an Wert verlören, als die staatliche Arbeitslosenversicherung ihre Leistungen erhoeht.
Gerade die eifrigsten Verfechter der strengen Trennung zwischen privater Arbeitslosenzusatzversicherung und der eigentlichen Arbeitslosenversicherung schenken letzterem Punkt viel zu wenig Beachtung. Vor knapp
einem Jahr war man in Wirtschaftsicreisen ziemlich uebereinstimmend zu der
Auffassung gelangt, dass die Unterstuetzung von Arbeitslosen ohne Berücksichtigung der Leistungen der bestehenden Arbeitslosenversicherung die
staatliche Arbeitslosenversicherung gefaehrden, den Unternehmern nicht
uebersehbare Lasten aufbuerden, Mammutverwaltungen schaffen und auch anderweitig sehr nachtraegliche Auswirkungen zeitigen wuerde. Es war von groesster
'Dichtigkeit, dass kein derartiger Praezedenzfall geschaffen wuerde. Wir

- 5-

�teilten diese Auffassung und gestalteten daher unsere Arbeitslosenzusatzversicherung so, dass diese Gefahr vermieden wurde.
Es wirkt deshalb sehr befremdend, dass in der Fublizistik zu diesen
Fragen, soweit sie auf eine Verhinderung der Einbeziehung der Zusatzversicherung in die staatliche Arbeitslosenversicherung abzielt, immer wieder
das Argument zu finden ist, dass die Unternehmer, sofern sie ihren Arbeitern im Falle einer Ausstellung eine Unterstuetzung gewaehren wollen,
dies durchaus von sich aus tun sollen, sich dabei aber nicht auf die
staatliche Arbeitslosenversicherung stuetzen duerfen und sich zu diesem
Zweck ein eigenes, voellig anderes und restlos unabhaengiges System der
Arbeitslosenversicherung schaffen muessten. Solche Praezedenzfaelle waeren
heute genauso schaedlich wie sie es vor einem Jahr gewesen waeren. Ein
Praezedenzfall hat deshalb nicht weniger Gewicht, weil er nicht auf das
staatliche Arbeitslosenversicherungssystem ausgerichtet ist.
Welche Haltung empfiehlt sich fuer die Betriebsfuehrung?
Die Anforderungen, die sich aus dieser Entwicklung fuer die Leiter
der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen und ihre Mitarbeiter ergeben,
koennen eine gewisse Verlagerung des Schwerpunktes ihrer Arbeit und auch
eine Umorganisation innerhalb der zustaendigen Bueros bedingen.
Erstens« Die Zeiten, in denen wir uns ebenso wie die gesamte Betriebsfuehrung in unserer Arbeit auf unser Fingerspitzengefuehl verlassen konnten,
sind vorbei. In den meisten Betrieben werden seit langem schon Fachleute
mit der Entwicklung und Durchfuehrung von Maasnahmen betraut, wie sie im
Betrieb aus dem Verhaeltnis Arbeitnehmer-Arbeitgeber erwachsen. In demselben Masse, in dem die Gewerkschaften ihre Sache sowohl am Verhandlungstisch
als auch vor der Oeffentlichkeit mit zunehmendem Geschick vertreten, muessen auch die Betriebsfuehrungen Fachkraefte und Forschungseinrichtungen
zur Verfuegung haben, um die Haltung der Arbeitgeber in diesen Fragen klar
herauszuarbeiten und ihren Standpunkt zu verfechten. Je zivilisierter und
vernuenftiger sich das Verhaeltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
gestaltet, um so groesserer Bedeutung kommt der Vorausplanung und der
Forschung bei der Erarbeitung von Entscheidungen innerhalb der Betriebsfuehrung zu und um so wichtiger wird auch die geachickte und von vernuenftigen Argumenten untermauerte Darstellung der eigenen Sache am Verhandlungstisch.
Zweitens» Angesichts des immer weitergehenden Ausbaus der freiwilligen Sozialleistungen der Betriebe werden sich die Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen auch auf die immer kompliziertere Aufgabe der Durchfuehrung
der diesbezueglichen Abmachungen erstrecken muessen.
Drittens: Auf Unternehmerseite muss man sich mehr als bisher mit der
Frage auseinandersetzen, auf welche Weise sich ein Gegengewicht fuer die
politische Aktivitaet der Gewerkschaften finden laesst.
Viertens: Es gilt, schoepferische neue Methoden zu finden, um den
menschlichen Problemen und Wuenschen der Arbeitnehmer in einer Form gerecht zu werden, die im Einklang mit den Erfordernissen des Betriebes
steht.
Fuenftensi In unserer Zeit des raschen technischen Fortschritts
muessen sich die Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen auch immer mehr auf
Fragen der Ausbildung, Erziehung und Beschaffung von Arbeitskraeften
erstrecken.
Abschliessend moechte ich noch einen Hinweis geben, den Leiter der
Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen und ihre Mitarbeiter an der Schwelle
des vor uns liegenden Jahrzehnts beherzigen sollten.

- 6-

�I

Es kann kein Zweifel darueber bestehen, dass die arbeitende Bevoelkerung
in den Vereinigten Staaten aus dem industriellen Fortschritt unmittelbaren und reichen Nutzen gezogen hat. Die Industrie hat von sich aus dafuer gesorgt, dass die gesteigerten Ertraege auch der Arbeiterschaft zugute kommen. Die Industrie ist auch keineswegs der Auffassung, dass wir
bereits am Ende des Weges zum sozialen Fortschritt angelangt seien. Der
industrielle Fortschritt steckt noch immer in den Kinderschuhen. Ein weiteres Voranschreiten auf diesem Weg wird fuer uns alle gewinnbringend sein.
Die amerikanischen Arbeiter koennen darauf zaehlen, dass ihr Lebensstandard ueber lange Jahre hinweg weiter steigen wird. Wer moechte bezweifeln,
dass wir in 10, 20 oder 30 Jahren Schritt fuer Schritt ein immer hoeheres
Einkommen und eine groessere soziale Sicherheit erlangen werden?
Jene Maenner in der Betriebsfuehrung, die fuer Fragen der Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen zustaendig sind, duerfen keineswegs in
eine negative Haltung des Nein-Sagens und des Sichentgegenstemmens gegen
die Entwicklung verfallen. Wir duerfen nicht den "Kampf gegen die Gewerkschaften" zu unserer Parole machen. Die Vernunft und nicht die Gewalt
sollte das bestimmende Element bei Tarifverhandlungen sein. Wir sollten
in Verhandlungen mit einer klaren Vorstellung davon eintreten, was wir wollen und was wir nicht wollen. Wir sollten uns ebenso viel Gedanken darum
machen, wie weit wir zu gehen beabsichtigen, als darum, von welchem Punkt
an wir kaempfen werden, um die Stellung zu halten. Wir sollten all unsere
schoepferische Phantasie aufwenden, um das Los unserer Arbeiterschaft zu
verbessern, und wir sollten allen Ideen und Erkenntnissen, von welcher
Seite sie auch kommen moegen, aufgeschlossen gegenuebertreten. Wenn eine
Idee aus den Reihen der Gewerkschaften kommt, so bedeutet das fuer uns
keineswegs, dass sie deshalb nicht gut sein kann. Unsere Haltung sollte
auf der Ueberzeugung beruhen, dass wir dem sozialen Fortschritt dann am
besten dienen, wenn wir unseren Betrieb und die Wirtschaft gesund, leistungsfaehig und gewinnbringend erhalten.
Quellei "Monthly Labor Review", Vol. 79 No. 4

Die Rolle der privaten Sozialprogramme bei Tarifverhandlunpien
Waehrend sich das Interesse der Gewerkschaften bei Lohnverhandlungen
frueher in erster Linie auf die Erhoehung der Loehne und Gehaeiter konzentrierte, sind es heute die sogenannten "fringe benefits", die zusaetzlichen Sozialleistungen oder "Lohnfransen", die bei den Verhandlungen
zwischen den Sozialpartnern eine immer groessere Rolle spielen. Dies trifft
in besonderem Masse fuer die amerikanischen Gewerkschaften zu, die in den
Nachkriegsjahren auf diesem Gebiet eine sehr grosse Aktivitaet entfalteten
und eine Reihe von Sozialprogrammen wie Kranken-, Alters- und Invaliditaetsversicherungen sowie zusaetzliche Leistungen bei Erwerbslosigkeit
("garantierter Jahreslohn") in ihren abgeschlossenen Kollektivvertraegen
durchbringen konnten. Anfang 1954 wurden, wie aus einer Studie des "Amtes
fuer Arbeitsstatistik" im US-Arboitsministerium zu entnehmen ist, rund
11 Killionen Arbeitnehmer (das sind mehr als Zweidrittel aller durch Gewerkschaf tsvertraege erfassten Werktaetigen) von Sozialprogiammen aller
Art beruehrt. Gegenueber 1950 bedeutet das eine Zunahme um 55 Prozent.
Dieser Vergleich zeigt schon, welch grosse Bedeutung die freiwilligen Sozialprogramme heute bei den Tarifverhandlungen in den USA spielen
und wie erheblich die Zunahme derartiger Plaene in den vergangenen Jahren
gewesen ist. Aber noch ein anderer Trend ist in diesem Zusammenhang von
besonderem Interesse» die immer' groesser werdende Zahl solcher Irogramme,
die ausschliesslich vom Unternehmer finanziert werden. So wurden - wie
aus der gleichen Studie hervorgeht - 1954 bereits 62 irozent aller Krankenversicherungsplaene allein von den Arbeitgebern finanziert.

- 7-

�Die bedeutendste Rolle unter den derzeitigen Sozialprogrammen nehmen die
Krankenversicherungsplaene ein, die, als erste eingefuehrt, heute rund
93 Prozent aller Arbeitnehmer erfassen. Ihrer Bedeutung nach folgen dann
Krankenhaus(88$)-, 0perationskosten(83$)-, Unfall-Krankheits(73$)-, Lebens-Invaliditaets(54)- und Arzneikosten-Versicherungen (47$). Von Bedeutung ist hier noch die Tatsache, dass die verschiedenen Programme in
den vergangenen Jahren weitgehend liberalisiert und auch teilweise auf
die Familienmitglieder der Arbeitnehmer ausgedehnt wurden. Hund 70 Prozent der Arbeitnehmer werden heute von derartigen Plaenen erfasst. Etwa
die Haelfte von ihnen traegt dabei zusammen mit dem Arbeitgeber (im Verhaeltnis 50*50) die Versicherungskosten, waehrend bei 38 Prozent der Unternehmer allein die Kosten traegt. Zu den juengsten Bestrebungen der
Gewerkschaften auf diesem Gebiet gehoert auch die Ausdehnung dieser Versicherungsleistungen auf die Pensionaere. Den juengsten Ziffern zufolge
duerften heute etwa Zweidrittel der im Ruhestand lebenden Arbeitnehmer
bereits von diesen Plaenen erfasst werden.
Einen sehr guten üeberblick ueber den derzeitigen Stand der verschiedenartigsten Sozialprogramme, ihre Gliederung sowie die Art und die
Dauer der einzelnen Leistungen gibt eine Uebersicht, die kuerzlich vom
"Amt fuer Arbeitsstatistik" im US-Arbeitsministerium herausgegeben wurde
und der 100 bedeutende Kollektivvertraege zugrunde liegen.
Arzneikostenversicherung;
Von den 100 Plaenen sehen 31 Maximalleistungen zwischen 100 und 250 Dollar
pro Krankheitsfall vor, 9 Zuwendungen ueber 250 Dollar, 3 einen Jahresmaximalbetrag, waehrend 5 keine Maximumgrenze festlegen und 43 keine
Deckung aufweisen.
Unfall- und Krankenversicherung;
21 Plaene umfassen hier Zahlungen zwischen 18 und 40 Dollar pro Woche
fuer einen Zeitraum zwischen 13 und 26 Wochen pro Krankeitsfall; 38 legen
die Einkuenfte als Leistungsbasis zugrunde; 22 gruenden die Leistungen
auf andere Faktoren und 19 sehen keine Deckung vor.
OperationskostenverSicherung»
91 Plaene sehen eine Maximalkostenerstattung zwischen 50 und 350 Dollar
vor, 79 vergueten dabei die Leistungen unabhaengig davon, ob die Operation
im Krankenhaus oder an einem anderen Ort durchgefuehrt wurde, ein Ilan
sieht die Deckung saemtlicher Kosten vor, waehrend 6 keine Deckung vorsehen.
Krankenhausversicherung»
In 60 Plaenen werden hier Maximal-Tagessaetze zwischen 5 und 15 Dollar
verguetet, 59 davon sehen dabei die Zahlung der Maximalleistung fuer
einen Zeitraum zwischen 31 und 120 Tagen vor, wobei der haeufigste Satz
31 Tage betraegt; 32 Plaene gestatten die Unterbringung im Krankenhaus in
halbprivaten Stationen fuer einen Zeitraum zwischen 21 und 120 Tagen,
waehrend 2 die Laen^e der Krankenhaus Zahlungen von der Senioritaet des
Arbeitnehmers abhaengig machen. Ein Flan sieht schliesslich die Erstattung saemtlicher Ausgaben ohne zeitliche Begrenzung vor, und 4 weisen
keine Deckung auf.
Entbindungskosten und Wochengelder»
62 der 100 zu dieser Uebersicht herangezogenen Sozialplaene sehen
Leistungen fuer Entbindungskosten (im Krankenhaus) in Hoehe zwischen 50

- ß-

�und 840 Dollar vor, 75 gewähren zusätzliche Operationskosten (50 his
125 Dollar), 8 Pauschalleistungen (50 bis 150 Dollar), einer deckt sämtliche entstehenden Entbindungskosten, während 4 keine Leistungen in
diesem Fall vorsehen.
Unfall- und Invaliditätsversicherung
34 Pläne sehen bei Betriebsunfällen mit tödlichem Ausgang Zahlungen
zwischen 1000 und 5000 Dollar sowie Leistungen zwischen 500 und 2500
Dollar bei Beschädigung oder Verlust einzelner Körperteile und zwischen 1000 und 5000 Dollar bei Verlust mehrerer vor, 13 legen den Leistungen die Einkünfte und 6 die Seniorität, die Art der Beschäftigung,
das Alter und die Einkünfte, zugrunde, während 47 keine Unfall- und
Invaliditätsdeckung enthalten.
Lebensversicherung;
23 der Pläne nehmen die Einkünfte des Versicherten als Leistungsbasis,
wobei die Vergütungen zwischen 12 000 und 13 000 Dollar betragen; 52
sehen Leistungen zwischen 400 und 5000 Dollar vor, 7 legen die Beschäftigungsdauer zugrunde, 6 das Lebensalter und die Einkünfte, und 12
solche Faktoren wie Alter, Seniorität, Einkommen, Geschlecht und Zugehörigkeit zur Gewerkschaft.
Wer sind nun die Träger der Versicherungskosten? Wie aus der Übersicht
hervorgeht, sehen 64 der 100 Pläne die alleinige Finanzierung durch den
Unternehmer vor, während 36 gemeinsam von Unternehmer und Arbeitnehmer
finanziert werden. 49 der Pläne, die auch die Familienangehörigen der
Arbeitnehmer umschließen, werden allein durch den Unternehmer finanziert, während bei 31 die Kosten gemeinsam getragen werden. In 17 der
Fälle ist der Arbeitnehmer der alleinige Kostenträger. Von den Plänen,
die auch Leistungen für Pensionäre vorsehen, werden 28 von den Unternehmen allein finanziert, 24 gemeinsam und nur 3 durch die Arbeitnehmer.
Anwartschaft:
Bei 16 der für die Untersuchung herangezogenen 100 Pläne tritt der
Versicherungsschutz sofort oder am ersten Tag des nächsten Monats ein;
bei 42 Plänen liegt der Versicherungsbeginn zwischen 30 Tagen und einem
Jahr; 23 sehen eine verschiedene Länge der Beschäftigungsdauer zur
Erringung der Anwartschaft in den einzelnen Sozialprogrammen vor, und 19
legen andere Faktoren zur Erringung der Anwartschaft zugrunde.
Quelle: Eigenbericht

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Größte Zahl an Gewerkschaftsmitgliedern im Staate New York
Der Staat New York weist von allen amerikanischen Bundesstaaten die
größte Zahl gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer auf, obwohl
er hinsichtlich der Gesamtzahl aller Arbeiter und Angestellten erst
an 15- Stelle rangiert. Dies geht aus einem Artikel des Gewerkschaftsblattes "Labors Daily" hervor, der sich auf eine Untersuchung des
"Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung" ("National Bureau of
Economic Research") über die Mitgliederbewegung in den amerikanischen
Gewerkschaften zwischen 1939 und 1953 stützt.
Danach entfallen mehr als 2/3 der Mitgliederzugänge während der vergangenen 14 Jahre allein auf zehn Bundesstarten, nämlich New York,
Pennsylvanien, Kalifornien, Illinois, Ohio, Michigan, New Jersey,
Indiana, Massachusetts und Missouri. Von diesen zehn Staaten wies

- 9-

�Michigan mit fast 4OO/0 den stärksten prozentuellen Anstieg auf. Die
Zahl der organisierten Arbeitnehmer stieg hier von 269 000 im Jahre
1939 auf 1,062 Millionen im Jahr 1953 an, während im Staate New York
eine Zunahme von 959 000 auf 2,051 Millionen (113»9/0 Gewerkschaftsmitglieder zu verzeichnen war.
Wie aus der Studie weiter hervorgeht, betrug die Gesamtzahl der
Gewerkschaftsmitglieder in den Vereinigten Staaten im Jahre 1953
16,217 Millionen gegenüber 6,518 Millionen im Jahre 1939»
Quelle: Eigenbericht

"Todesstoß" für kommunistische Elektroarbeitergewerkschaft
Ihre Auflösung in den stark industrialisierten Gebieten von New York
und New Jersey hat die ehemals sehr mächtige und wegen ihrer kommunistischen Durchsetzung 1949 aus dem CIO ausgeschlossene "Vereinigte
Elektroarbeitergewerkschaft" (UEWU} beschlossen. In der Bekanntmachung
der Gewerkschaftsführung wird den rund 18 000 Mitgliedern der Gewerkschaft empfohlen, sich der "International Union of Electrical Workers"
(HIE) anzuschließen.
Die IUE-Gewerkschaft wurde im Jahre 1949 als Gegenorganisation zu der
kommunistisch beherrschten Elektroarbeitergewerkschaft gegründet.
Unter der Führung ihres ersten Vorsitzenden James B. Carey entwickelte
sie sich sehr schnell aus kleinen Anfängen heraus zu einer großen
Gewerkschaft mit gegenwärtig rund 364 000 Mitgliedern. Die Mitgliederzahl der kommunistisch beherrschten "UE)VU"-Gewerkschaft ging im
gleichen Zeitraum bis auf etwa 60 000 zurück.
Carey bezeichnete den Auflösungsbeschluß der Gewerkschaftsvorsitzenden in New York und New Jersey als den "Todesstoß" für die "UEWU"Gewerkschaft.
Einen weiteren schweren Schlag erlitt die UEWU-Gewerkschaft in der
vergangenen Woche, als 13 Ortsverbände in anderen Distrikten des
Staates New York beschlossen, sich der "International Association
of Machinists" anzuschließen. Diese 13 Ortsverbände zählen rund
8000 Mitglieder.
Quelle: Eigenbericht

Transferierbare private Pensionspläne
Ein Nachteil der vielen in den letzten Jahren in die Tarifverträge
eingebauten privaten Pensionspläne war die Unmöglichkeit der Versicherungsberechtigten, ihre Ansprüche auch bei einem Arbeitsplatzwechsel aufrechtzuerhalten. Die meisten dieser Pläne, die zum
größten Teil allein vom Unternehmer finanziert werden, sind nämlich
auf betrieblicher Basis aufgebaut. Aus diesem Grunde war es das besondere Bestreben der Gewerkschaften in den vergangenen Jahren
gewesen, mehrere solcher Pläne in einem zentralen, möglichst industrieweiten Fonds zusammenzulegen, damit die Arbeitnehmer bei einem
Wechsel des Arbeitsplatzes ihre oft nicht unerheblichen Ansprüche
beibehalten.
Einen neuen Erfolg in dieser Richtung konnte jetzt die "Gewerkschaft
der Arbeiter der Konservenindustrie (eine Tochtergewerkschaft der
"Brotherhood of Teamsters") für rund 1500 Arbeiter durch Abschluß
eines neuen Tarifvertrages mit der "McNeill and Libby Company"
durchsetzen, wodurch den Arbeitnehmern ihre Pensionsansprüche

- 10 -

�gesichert bleiben, solange sie Gewerkschaftsmitglied sind.
Auf Grund des neuen Vertrages wird das Unternehmen 10 Cent pro Stunde
und Arbeitnehmer an einen zentralen Pensionsfonds abführen, der von
der Finanzabteilung der "Transportarbeitergewerkschaft" verwaltet
werden wird. Nach Abzug von 1 Prozent für Verwaltungsunkosten wird
dann die Restsumme im Rahmen eines Gruppenversicherungskontraktes
der "Prudential Insurance Company of America" zugeführt werden. Der
Plan selbst steht unter Aufsicht von 14 Treuhändern - je sieben aus
Gewerkschafts- und Unternehmerkreisen.
Wie aus Gewerkschaftskreisen weiter verlautet, soll der jetzt neu
abgeschlossene sogenannte "Mobile Pension-Plan" als Muster für die
bevorstehenden weiteren Kollektivverhandlungen dienen, damit nach
erfolgreichem Abschluß rund 300 000 ihrer Mitglieder in den Genu3
von transferierbaren Pensionsansprüchen kommen können.
Der erste Pensionsplan dieser Art wurde in den USA von der "Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft" (UMW) ausgehandelt. Er ermöglicht
einen Transfer der privaten Pensionsansprüche eines Arbeiters bei
Arbeitsplatzwechsel, und zwar solange er in der Kohlenindustrie tätig
ist.
Quelle: Eigenbericht

Angestelltengehälter stärker als Industriearbeiterlöhne angestiegen
Der durchschnittliche Wochenverdienst der Büroangestellten ist in
den letzten Jahren schneller als der der Fabrikarbeiter gestiegen,
geht aus einer Übersicht des "Amtes für Arbeitsstatistik" im USArbeitsministerium hervor.
Als Grund für die stärkere Zunahme der Einkünfte bei den Büroangestellten, die in den letzten fünf Jahren um 27 Prozent gegenüber nur
19»6 Prozent bei den Fabrikarbeitern anstiegen, führt das Amt die
große Nachfrage nach Bürofachkräften und Hilfspersonal an.
Eine Stenotypistin verdient gegenwärtig in New York 63 Dollar pro
Woche gegenüber 49»50 Dollar im Jahre 1951» Bei Sekretärinnen liegt
der durchschnittliche Wochenverdienst heute bei 78,5° Dollar, was
eine Zunahme von 14 Dollar in den vergangenen fünf Jahren bedeutet.
Bei reinen Schreibkräften beträgt der Wochenverdienst, wie aus der
Übersicht des Amtes für Arbeitsstatistik weiter zu ersehen ist,
53t50 Dollar gegenüber 41 Dollar im Jahre 1951«
Quelle: Eigenbericht
Sieben.jahres-"No Strike"-Kontrakt
Ein bemerkenswerter Tarifvertrag, der eine "Nichtscreikklausel" enthält
und eine Laufzeit von sieben Jahren vorsieht, wurde jetzt von vier
Ortsverbänden der "Transportleute-Gewerkschaft" (international
Brotherhood of Teamsters) mit der "Coca Cola Bottling Company" in
New York abgeschlossen.
Das neue Abkommen, von dem rund 1500 Arbeitnehmer erfaßt werden, sieht
die Beilegung aller auftauchenden Arbeitsstreitigkeiten einschließlich
der Meinungsverschiedenheiten über Lohnerhöhungen durch Schiedsverfahren vor.
...
_.
, ...
n
Quelle: Eigenbericht
Bemerkenswerter Tarifvertrag in der Textilindustrie
Zwischen der Textilarbeitergewerkschaft (AFL-CIO) und der "American
Viscose Corporation" wurde jetzt Übereinstimmung über einen neuen
Tarifvertrag mit dreijähriger Laufzeit erzielt, der eine Erhöhung
sämtlicher Löhne und Gehälter um 4 Prozent sowie verbesserte Pensionsleistungen ab 1. Juni 1957 vorsieht.
- 11 -

�Bemerkenswert an dem neuen Vertrag, der noch der Zustimmung der
großen Tarifkommission der Gewerkschaft bedarf, um rechtskräftig
zu werden, ist die beträchtliche Erhöhung der Pensionsleistungen
sowie die Tatsache, daß die Arbeitnehmer in Zukunft keinerlei Beiträge für die Altersversicherung mehr zu zahlen brauchen. Diese
beiden Punkte des Vertrages sollen rückwirkend vom 1. Januar 1956
an in Kraft treten.
Wie das Unternehmen und die Gewerkschaft in einer gemeinsamen Erklärung über die Erhöhung der Altersrenten und die Übernahme der
Pensionsleistungen durch die Gesellschaft betonen, entspricht diese
Regelung einer Lohnerhöhung um 11 Cent pro Stunde für 1956.
Die Rentenleistungen für die 1176 Pensionäre des Unternehmens, die
dem Pensionsfonds angehören, sollen bereits ab 1. Juni dieses Jahres
erhöht werden. Die vorgesehenen vier Prozent Lohnerhöhungen belaufen
sich zwischen fünf und neun Cent pro Stunde, so daß der Durchschnittsstundenlohn ab 1. Juni 1957 1,86 Dollar betragen wird.
Quelle! Eigenbericht

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht wercjen.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlcm, Mchlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 14

Mehlem, den 1. August 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Umstellung auf Automation im Grossbetrieb

Seite 1

Amerikas Gewerkschaften bilden ihren Funktionaersnachwuchs selbst heran

Seite 10

Der Begriff der Froduktivitaet in der
amerikanischen Industrie

Seite 12

Der Lebensstandard der Stahlarbeiter

Seite 13

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 15

Die Umstellung auf Automation im Großbetrieb
Exakte Vorausplanung bezüglich aller technischen Fragen und auf
dem Gebiet der Personalpolitik sowie eine geschickte Wahl des Zeitpunktes bei gebührender Berücksichtigung der allgemeinen Wirtschafts- und
Geschäftslage des Unternehmens haben es zwei amerikanische Firmen ermöglicht, große Teile ihres Betriebes auf vollautomatische Verfahren
umzustellen, ohne daß es dabei zu nennenswerten Anpassungsschwierigkeiten kam. Die Art und Weise, wie dieser Übergang bewerkstelligt wurde,
ist Gegenstand zweier getrennter Untersuchungen, die das "Amt für
Arbeitsstatistik" im "US-Außenministerium" in Zusammenarbeit mit diesen
Betrieben durchgeführt hat. E B handelt sich dabei einmal um eine große
Herstellerfirma von Rundfunk- und Fernsehgeräten, die die 55er-Modelle
ihrer Fernsehapparate erstmals mit gedruckten Schaltbildern bestückte
und gleichzeitig zur teilautomatisierten Fertigmontage überging, und
zum anderen um die Zentralverwaltung einer großen Versicherungsgesellschaft, die eine elektronische Großrechenanlage installierte, um die
bisher mit Hilfe von Lochkarten bewältigte Betriebsbuchhaltung zu führen.
Diese beiden Einzelfälle sind sehr aufschlußreich, wenn sie sich
auch nicht verallgemeinern lassen. Auch lassen sich aus den beiden Untersuchungen keine allgemeinen Schlüsse auf die Auswirkungen automatischer
Produktionsverfahren auf den Arbeitsmarkt ziehen.
Was die Beschäftigungslage angeht, so hat der Übergang zum automatischen Verfahren in diesen Betrieben jedoch einige bemerkenswerte Aufschlüsse gebracht. So wurden zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen,
deren Besetzung, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen", nur eine sehr
kurzfristige Umschulung unmittelbar am Arbeitsplatz erforderte. Neue
- 1 -

�Abteilungen wurden eingerichtet, um die Verwendung automatischer
Ausrüstungen vorauszuplanen, solche Anlagen zu installieren und nach
Inbetriebnahme für ihre Wartung zu sorgen. Zum Teil bedingte die
Automatisierung die Einstellung von Personal mit Spezialkenntnissen,
die bisher für die entsprechenden Arbeiten nicht erforderlich waren.
In keiner der beiden Firmen haben die Maschinen Arbeiter von ihren
Arbeitsplätzen verdrängt, die mit Aufgaben betraut waren, die ein
hohes Maß an Urteilskraft erfordern. Die Automatisierung brachte
darüber hinaus keineswegs die völlige Ausschaltung jeder Handarbeit.
Das betreffende Werk der Radio- und Fernsehindust.rie gelangte zu
der Erkenntnis, daß die menschliche Arbeitskraft überall dort unentbehrlich sei, wo diffizile Handgriffe zu leisten sind und wo zerbrechliche Stoffe verwendet werden. Bei dieser Firma brachte die
Übertragung größerer Verantwortung im Verein mit einigen (nicht
genannten) Veränderungen der Arbeitsbedingungen nach der Umstellung
auf automatische Produktionsverfahren Lohnerhöhungen für die Arbeitskräfte an den Automaten mit sich. Der erhöhte Ausstoß, das Ergebnis
einer Steigerung der Produktivität, dürfte dazu führen, daß eine
eventuelle Verringerung der Beschäftigungszahl in gewissen Abteilungen durch Vergrößerung anderer Abteilungen ausgeglichen wird. Bei
der Versicherungsfirma zeigte sich eine ähnliche Auswirkung der
Automatisierung auf die Löhne: Die Arbeitskräfte, denen die Ausübung der neuen Funktionen übertragen war, haben heute im Durchschnitt
ein höheres Jahresgehalt als diejenigen Arbeitskräfte, die die vergleichbaren Betriebsvorgänge früher nach dem herkömmlichen Verfahren
bewältigt hatten.
Allerdings war ein Rückgang des Anfalls an Arbeiten zu verzeichnen, die bisher von ungelernten Kräften bewältigt wurden. Gerade die
Frauen, die einen großen Prozentsatz der Belegschaft beider Firmen
stellen und im allgemeinen mit jenen Aufgaben betraut waren, die sich
auf automatische Maschinen übertragen lassen, wurden von der Umstellung am stärksten betroffen.
Gewisse Erscheinungen traten bei beiden Betrieben gleichermaßen
auf. In beiden Betrieben besteht die Arbeit zu einem großen Teil aus
Routine und sich stets wiederholenden Arbeitsgängen, die in erster
Linie von Frauen ausgeführt werden. Die neuen Anlagen wurden im Zeitraum mehrerer Jahre und im Rahmen von langfristigen Programmen installiert, die eine Verbesserung der Wettbewerbstätigkeit (sowohl hinsichtlich der Qualität als auch des Leistungsstandes) zum Ziel haben. Die
Automatisierung soll es diesen Betrieben ermöglichen, mit der allgemeinen Wirtschaftsausweitung Schritt zu halten und die hohe Fluktuationsrate unter den weiblichen Beschäftigten zu senken. Beide Firmen
tragen sich mit dem Gedanken einer noch weitergehenden Automatisierung,
wollen dabei allerdings erst die Ergebnisse der ersten Phase der Umstellung abwarten und die so gesammelten Erfahrungen berücksichtigen.
In der Unterrichtung ihrer Belegschaften über den geplanten Übergang
zu automatischen Methoden noch vor Inangriffnahme der betrieblichen
Umstellung gingen die beiden Firmen verschiedene Wege. Die diesbezügliche Mitteilung der Versicherungsgesellschaft an ihre Mitarbeiter
enthielt wesentlich detailliertere Angaben als die entsprechende Ankündigung der Rundfunkapparatebaufirma. Die Versicherungsgesellschaft
unterrichtete sämtliche Mitarbeiter bis in Details über ihre Pläne
zur Aufstellung einer Elektronenrechen- und Buchungsanlage. Die Rundfunk-Herstellerfirma informierte lediglich die Werkmeister und Gewerkschaftsfunktionäre über diesen Schritt; die übrigen Betriebsangehörigen erfuhren von diesen Plänen nur gerüchteweise und aus zweiter Hand. Die Versicherungsfirma hat von Anfang an darauf hingewiesen, daß der Übergang zu automatischen Maschinen keine Entlassungen

- 2

�Entlassungen oder Rückstufungen nach 3ich ziehen wird.
Die bei der Versicherungsgesellschaft betroffenen Angestellten
waren nicht gewerkschaftlich organisiert. Bei der Herstellungsfirma
von Rundfunk- und Fernsehgeräten zeigten sich die Vertreter der Gewerkschaften in erster Linie daran interessiert, ihren Mitgliedern
durch höhere Löhne und verbesserte Sozialleistungen einen Anteil an
den Gewinnen aus der gesteigerten Produktion zu sichern.
Die Automatisierung in einem Werk des Hochfrequenzapparatebaus
Die erste Untersuchung betrifft eine der größten amerikanischen
Herstellerfirmen für Rundfunk-, Fernseh- und Tonwiedergnbegeräte. Die
in diesem Betrieb anfallende Arbeit ergibt sich größtenteils aus der
Konstruktion und Herstellung verschiedener Modelle der genannten Geräte
sowie aus der relativ geringen Fertigung von Funkausrüstungen für militärische Zwecke. Das Werk bezieht sämtliche Teile von Zulieferfirmen,
montiert sie und setzt die fertigen Chassis dann in die im Werk hergestellten Gehäuse ein. Die bisher angewandten Montagemethoden erforderten den Umgang mit Hunderten von Einzelteilen und die Verlötung unzähliger Verdrahtungen.
Montage am Fließband mit einer weitgehenden Spezialisierung
hatten bisher das Produktionsprogramm in der Fernsehabteilung bestimmt.
Die Einzelteile wurden nach ihrer Prüfung auf die Lagerregale entlang
dem Fließband verteilt. Zuvor wurden sämtliche Metallteile, wie Röhrensockel und so weiter, auf dem Chassis vernietet und die komplizierten
Verdrahtungen zwischen den einzelnen Montageelementen hergestellt. An
jeder Seite eines rund 100 Meter langen Tisches waren die Arbeiter,
meist Frauen, mit Werkzeugen beschäftigt, wobei sie im großen und ganzen
immer nur die gleichen Handgriffe auszuführen hatten: Verdrahten, Verlöten und Einsetzen von Teilen in die dafür vorgesehenen Fassungen und
so weiter. Die fertiggestellten und restlos bestückten Chassis gingen
dann über Transportbänder zu einem Fließband, wo nur noch die Röhren
eingesteckt wurden. Im Anschluß daran wurden die fertigen Chassis geprüft und in die Gehäuse eingebaut. Die fertigen Apparate wurden nach
einem letzten praktischen Test verpackt und zum Versand gebracht. Noch
vor wenigen Jahren mußten nahezu 60$ der direkten Arbeitszeit, die die
Herstellung eines Fernsehgerätes erfordert, auf die Herstellung der
Verdrahtung und die Montage der Einzelteile verwendet werden.
Die Gesellschaft ging 1952 erstmals dazu über, gedruckte Schaltbilder, die auf photo-chemischem Wege hergestellt werden, iffl Rundfunk
zu verwenden, und zwar in der Fertigung eines 5-Röhren-Koffergerätes.
Diese gedruckten Schaltbilder machen die so mühsame Verdrahtung überflüssig. Die Montageteile werden in das Chassis eingesetzt und dann die
gesamte Unterseite des Chassis in flüssige Lötmasse getaucht. Im Jahre
1954 ging die Gesellschaft dazu über, gedruckte Schaltbilder auch bei
dem 55er-Modell zu verwenden und bei denen des Jahres 1956 sind im
Durchschnitt 75 bis 80$ aller Verdrahtungen auf photo-chemischem Wege
auf die Isoliermassen aufgetragen. Im Jahre 1953 begann die Firma,
ihren Maschinenpark auf eine automatische Montage der Bauelemente umzustellen. Im nächsten Jahr schon wurde eine Maschine installiert, die
sechs Chassis pro Minute automatisch zu bestücken vermochte. Eine in
der Zwischenzeit installierte Maschine schafft zwölf Chassis pro
Minute. Seit 1953 ist es durch andere Verbesserungen möglich, Bauelemente ganz verschiedener Größe zu verwenden. Diese Vervollkommnung der
Fertigungsmethoden brachte eine große Leistungssteigerung und eine Verbesserung der Qualität der hergestellten Apparate mit sich.

- 3

�Nachdem die gedruckten Schaltbilder bearbeitet und bestückt worden
sind, laufen sie nach dem neuen Produktionsverfahren zur Fertigmontage,
wo am Fließband die letzten 20 bis 25/ij der Verdrahtung ausgeführt, die
noch fehlenden Teile eingesetzt, die fertigen Schaltbilder auf das
Chassis aufgesetzt und die Bildröhren eingebaut werden.
Der Übergang zu dem neuen Fertigungsprozeß führte zu einer
Verringerung der Zahl der mit der Hand zu leistenden Arbeitsgänge,
brachte jedoch keine völlige Ausschaltung der Handarbeit. Das Vernieten der Fassungen und Sockel, das Einsetzen der Röhren, der Einbau
ins Gehäuse, die technische Prüfung und Abstimmung sowie das Verpacken
wurden nur indirekt von dieser Entwicklung berührt. Diese Arbeiten
werden auch weiterhin größtenteils von der Hand erledigt. Die Umstellung in der Montage brachte es mit sich, daß die Zahl der Handverdrahter und Montagekräfte - größtenteils Frauen - verringert wurde.
Der Übergang bedingte andererseits die Neueinstellung von Wartungspersonal für die Maschinen, das allerdings keiner besonderen
Fertigkeiten bedurfte. Deshalb war für diese Gruppe, abgesehen von
einer zweiwöchigen Schulung, keine zusätzliche Ausbildung notwendig.
Mehrere neue maschinelle Arbeitsgänge wurden eingeführt, für die etwas besser bezahlte Arbeitsplätze sowie einige höher qualifizierte
Positionen neu geschaffen werden mußten. So verdoppelte sich beispielsweise die Zahl der gelernten Montagearbeiter, die mit Entwicklungsarbeiten, Reparaturen und der Wartung von Maschinen betraut waren.
Das gleiche gilt für die technischen Angestellten in derFertigung;
die Zahl der Maschinisten und Elektrotechniker hat sich mehr als verdoppelt und auch das Zahlenverhältnis zwischen Ingenieuren und Arbeiternin der Produktion hat sich zugunsten ersterer vorschoben.
Einige Arbeitsplätze für ungelerntes Personal wurden überflüssig,
dennoch wurde nach Mitteilung der Betriebsleitung niemand im Zusammenhang mit der Betriebsumstellung entlassen. Einige Arbeiter mußten den
Arbeitsplatz wechseln und wurden der Endmontage, der Prüfstelle, der
Versandabteilung und so weiter zugeteilt, soweit sie nicht an den
neuen automatischen Maschinen weiterbeschäftigt werden konnten. Da
die Verwendung gedruckter Schaltbilder gewöhnlich zu einer Verringerung des Gewichtes der Fernsehapparate führte, konnte die Zahl der
Frauen der Versandabteilung vergrößert werden.
Die Löhne für die Arbeiter an den automatischen Maschinen stiegen um 5 bis 15$ gegenüber den Sätzen für ungelernte Montagearbeiter,
da die Umstellung zum Teil eine Veränderung der Arbeitsbedingungen
und größere Verantwortung mit sich brachte. Für die Arbeiter, die die
gedruckten Schaltbilder soweit fertigstellen, daß sie der automatischen Montageanlage zugeführt werden können, wird gegebenenfalls eine
Leistungszulage gewährt, ebenso wie für einige Arbeiter am Endmontageband. Für die übrigen Arbeiter wurde eine auf Gruppenbasis zu berechnende Leistungszulage eingeführt. Die Arbeiter an den automatischen
Bestückungsmaschinen blieben von der Leistungszulage ausgeschlossen.
Etwa zwei Wochen vor der Umstellung auf die neuen Produktionsverfahren berief der Direktor für Produktionsfragen die Vorarbeiter zu
sich, um sie über die bevorstehenden Änderungen zu informieren. Auch
die Gewerkschaftsfunktionäre wurden im voraus davon unterrichtet,
welche Maßnahmen die Betriebsführung zur Modernisierung der Produktionsverfahren einzuführen beabsichtigt. Die übrigen Betriebsangehörigen erfuhren von den geplanten Änderungen nur indirekt.
Die bei dieser Firma gesammelten Erfahrungen deuten darauf hin,
daß sich der Übergang auf automatische Produktionsverfahren ohne größere

- 4-

�Schwierigkeiten bewerkstelligen läßt, sofern das Verhältnis zwischen
Gewerkschaft und Betriebsführung gut ist. Der gegenwärtig gültige
Tarifvertrag, der Ende des Jahres 1954 - also drei Monate nach der
Umstellung - in Kraft trat, enthält keinerlei ausdrücklich auf die
Umstellung bezügliche Bestimmungen. Nach den gegenwärtig gültigen
Arbeitsverträgen fallen Veränderungaam Arbeitsplatz, die auf :rund
der technischen Entwicklung notwendig werden, unter die allgemeinen
Bestimmungen bezüglich technischer Veränderungen. Das gleiche gilt
übrigens auch für die früheren diesbezüglichen Verträge. Neugeschaffene
Arbeitsplätze wurden am Schwarzen Brett bekanntgegeben und die Bewerber
durch die Werkmeister unter Berücksichtigung der Zeit der Betriebszugehörigkeit und der persönlichen Eignung ausgewählt. Männliche Betriebsangehörige wurden im allgemeinen stärker berücksichtigt als Frauen.
Der Übergang wurde dadurch wesentlich erleichtert, daß die neuen
Maschinen zu dem gleichen Zeitpunkt installiert wurden, zu dem die
neuen Modelle aufgelegt wurden und die Gesamtbelegschaft ohnehin zunahm. Die Gesellschaft plant gegenwärtig, zusätzlich zu den bereits
aufgestellten vier automatischen Fertigungsanlagen zwei weitere anzuschaffen.
Die Automatisierung bei einer Lebensversicherungs^esellschaft
Die zweite Untersuchung betraf eine große Lebensversicherungsgesellschaft, die nebenher auch noch verschiedene andere Risiken versichert. Der Arbeitsanfall in diesem Betrieb wächst ständig und erfordert dementsprechend ein immer größeres Maß an routinemäßigen
Büroarbeiten. Seit 15 Jahren hat die Firma Schwierigkeiten, geeignete
Arbeitskräfte in genügender Zahl zu finden. Ein großer Teil der Angestellten in der Zentrale bestand aus Absolventinnen der Mittelschulen,
die meist nur kurze Zeit bei der Firma verblieben, so daß innerhalb
von fünf Jahren die Zahl der Neueinstellungen ebenso hoch war wie die
Gesamtzahl der Betriebsangehörigen, das heißt also, daß theoretisch
die gesamte Belegschaft innerhalb dieses Zeitraums erneuert werden
mußte. In mehreren Abteilungen wurden Schüler und Studenten stundenweise beschäftigt.
In den ersten Nachkriegs jähren arbeitete die Gesellschaft noch
mit den herkömmlichen Büromaschinen. Im Jahre 1954 installierte sie
für die Arbeiten, die die Klassifizierungsbüros der Abteilung X zu
bewältigen haben, eine große Elektronenrechenanlage. Abteilung X
beschäftigte rund 800 Mitarbeiter, von deren 198 auf die Klassifizierung entfallen. Die Automatisierung sollte es unter anderem ermöglichen, einen großen Teil der Angestellten dieser Abteilung für
andere Arbeiten frei zu bekommen. Die Klassifizierungsbüros verwalten sämtliche in Krnft befindliche Policen und haben im I.;onat
rund 850 000 Buchungen vorzunehmen. Die Mitrirbeiter erhalten die
Arbeitsunterlagen von anderen Büros in Torrn von Lochkarten. Ihre
Aufgabe ist es, alle darin enthaltenen Angaben zu sortieren, zu klassifizieren und die entsprechenden Rechenarbeiten auszuführen. Diese Arbeiten wurden mit Hilfe von 125 Kollerithmaschinen (die Lochmaschinen
nicht gezählt) ausgeführt, für die eine Jahrestniete von rund 235 000
Dollar aufzuwenden war. Der Durchschnittslohn der Arbeiter an diesen
Maschinen, die monatlich etwa 3,25 Millionen Lochkarten bearbeiten,
betrug (siehe Tabelle) rund 3700 Dollar. Die Arbeiten erforderten
einen häufigen Austausch der Kartensätze und den Unterhalt einer
großen Registratur.
Die Aufstellung der Elektronenrechenanlage ermöglichte eine
rund 50/&lt;&gt;ige Kosteneinsparung in den Klassif izierunysbüros, das

- 5-

�entspricht 9&gt;° der Gesamtbetriebskosten der Abteilung X. Die Arbeiten
in der Klassifizierung konnten nunmehr von 21 Hollerithmaschinen mit
85 Arbeitskräften mit einem Durchschnittslohn von jährlich 4200 Dollar
bewältigt werden. Die Mieten für die Hollerithmaschinen verringerten
sich auf 19 000 Dollar. Durch die Umstellung wurden 170 qin Bürofläche
frei. Eine weitere Ersparnis wurde dadurch erzielt, daß nach der Umstellung J,5 Millionen Lochkarten im Monat weniger benötigt wurden.
Alle wichtigen Angaben über die rund 850 000 Versicherungspolicen
wurden in 71 Magnetbändern gespeichert. Die Firma schaffte insgesamt
1000 Magnetbänder an, die ja noch dazu den Vorteil bieten, daß sie
nach der Löschung wieder verwendet werden können. Die Notwendigkeit
der Aufrechterhaltung einer Registratur zur Verwahrung der Aktenvorgänge entfiel von nun an. Den Einsparungen steht auf der anderen
Seite der Aufwand für die Miete für die Elektronenrecherunaschine
gegenüber, sowie die Wartungskosten und Zeitverluste (etwa 4/J)» die
durch Betriebsstörungen in der Rechenanlage bedingt waren. Die Gesellschaft rechnet damit, daß sich die Investition in rund vier Jahren amortisieren wird.
Die durch Installierung der Großrechenanlage ermöglichte Verringerung der Zahl der Bürokräfte erstreckte sich größtenteils auf
Abteilungen, deren Arbeitsanfall im wesentlichen aus einer einfachen
routinemäßigen Wiederholung ein und desselben Arbeitsgsnges besteht
und sich damit am besten für die Übertragung an vollautomatischen
Maschinen eignen. Unberührt hiervon blieben alle übrigen Angestellten,
deren Arbeit berufliche Erfahrung und eigenes Urteilsvermögen voraussetzt. Die Firmenleitung wies darauf hin, daß die Verringerung des Arbeitsanfalles gerade für ungelernte Bürokräfte die Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze bedingte, die eben jene höheren Qualifikationen
voraussetzen. Auch in den übrigen Abteilungen des Betriebes brachte
die Installierung der Elektronenrechenanlage keinerlei Verringerung
der Arbeitsplätze mit sich, die Erfahrung und Urteilsfähigkeit erfordern.
Die Versicherungsgesellschaft versuchte durch eine umfassende
Vorausplanung, allen personellen und technischen Veränderungen, die
durch die Umstellung bedingt waren, gerecht zu werden. Die von der
Umstellung berührten Betriebsangehörigen wurden im voraus von den
bevorstehenden Veränderungen in Kenntnis gesetzt und dabei besonders auf die in der Klassifizierung notwendig werdenden personellen
Veränderungen sowie auf die dadurch bedingte Einführung anderer Arbeitsmethoden hingewiesen. Die einzelnen Angestellten wurden in persoenlichenAussprachen mit Angehörigen der Betriebsführung gefragt,
ob sie die Versetzung in eine andere Betriebsabteilung oder an einen
bestimmten Arbeitsplatz wünschten. Abgesehen von der normalen Arbeitsfluktuation ließen sich für sämtliche Betriebsangehörige andere Arbeitsplätze innerhalb der Gesellschaft finden, gibt es doch allein in der
Zentrale 15 andere Büros, in denen Hollerithmaschinen verwendet werden.
Bei Fertigstellung der Untersuchung, die diesen Ausführungen zugrunde
liegt, war die personelle Umstellung des Betriebes noch nicht restlos abgeschlossen. Die Betriebsführung war aber darauf bedacht, daß
die Einführung verbesserter technischer Methoden nicht zur Entlassung
oder Rückstufung von Mitarbeitern führte.
Ein leitender Angestellter der Abteilung X unterhielt schon lange
vor der Betriebsumstellung engsten Kontakt mit dem Personalbüro, um
alle auftauchenden Personalfragen, besonders was die Versetzung von
Belegschaftsangehörigen auf andere Arbeitsplätze angeht, im voraus
zu klären. Im April 1954» kurz vor der Umstellung, berief der Abteilungsleiter sämtliche Angehörige der Klassifizierungsabteilung zu einer

- 6-

�D h R

ZAHL

Durchschnittl.
Jahreslohn

urspruengl.
freigestellAibeitskraefte ten Arbeitsd.Klaasifizie- kraef te
rungsbueros
inaenni. weibl.

inaenni. weibl.

a.d.Elektronenrechenmaschine weiter
verwendeten
Arbeitskraefte
maennl. weibl.

Arbeitskraefte
in den Klassifizierungsbueros
nach der Umstellung ' /
maennl. weibl.

Dollar
2500
2800
3000
3200
3400
36002)
3700
4000
4300
4600
5000
5400
5800
6700
7200
7600
8100
8500
9000 u. nehr

V

4
6
35
35
52

30
28

34

3
4
9
3

9
1

16
8
12

11

1

7

3

1

1
1
1

3
1
2

1

1
1

Zusammen

. 9

4
5
5

1

1
1

1

1

1

8
18

1

1

3

1

2
1
1
2
1

3
1

5
9
5
2

5
2

3

2
1
2

2
2
2

1

2

1

189

126

7

12

8

14

71

1)

Einschliesslich 56 Arbeitskraeften, die mit Aufgaben betraut
sind, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Elektronenrechenanlage stehen und 9 Mitarbeitern der Arbeitsplanungsgruppe.

2)
Technisches Personal

- 7

�zwanglosen Aussprache zu sich, hei der er die Installierung der
Großrechenanlage sowie die Gründe für diesen Schritt bekanntgab
und seinen Mitarbeitern versicherte, daß der Betrieb nach wie vor
an dem alten Grundsatz festhalten werde, daß die Einführung neuer
Arbeitsmethoden für die einzelnen Betriebsangehörigen keine Entlassung oder gehaltliche Rückstufung mit sich bringen darf. Die
Tatsache, daß viele Mitarbeiter der Firma vor der Notwendigkeit
stehen würden, ihren Arbeitsplatz mit einem anderen zu vertauschen,
erregte selbstverständlich große Besorgnis unter der Belegschaft;
dennoch war die allgemeine Reaktion günstig und ließ großes Interesse und Verständnis erkennen.
Während des eigentlichen Erprobungszeitraums vom Juni bis
Oktober 1954» in der Zeit also, in der die neue Elektronenrechenund Buchungsmaschine in der Datenverarbeitung getestet wurde,
brachten die werkseigenen Publikationen, die an die Mitarbeiter
in der Zentrale und in den Außenstellen verteilt wurden, laufend
Berichte über alle mit der Umstellung zusammenhängenden Fragen.
In diesen Artikeln wurden die Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung von Elektrohenanlagen aufgezeigt, die notwendigen personellen Veränderungen in den Klassifizierungsbüros bekanntgegeben
und immer mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß kein Betriebsangehöriger im Zuge der Umstellung seinen Arbeitsplatz verlieren werde.
Um das nötige Bedienungspersonal für die neue Elektronenanlage heranzubilden, wurden acht besonders tüchtige Mitarbeiter zu
ein- bis sechsmonatigen Lehrgängen im Betrieb der Herstellungsfirma
der Rechenanlage entsandt. Die übrigen für den Betrieb der Großrechenanlage benötigten Mitarbeiter wurden an Ort und Stelle ausgebildet,
wobei man sich auf die Erfahrungen mit der Ausbildung der erwähnten
acht Betriebsangehörigen für die Schlüsselpositionen in dieser Abteilung stützen konnte. Bei dieser Auswahl war die Betriebsleitung
darauf bedacht, so weitgehend wie nur möglich Angestellte zu berücksichtigen, die bereits früher in der Klassifizierung gearbeitet haben.
Für einige der in diesem Zusammenhang neugeschaffenen Arbeitsplätze
waren allerdings Qualifikationen erforderlich, die keiner der bisherigen Mitarbeiter aufzuweisen hatte. Als Kriterien für die Auswahl des
Bedienungspersonals für die Elektronenrechen- und Buchungsanlage
wurden gewertet: Bisherige Erfahrung, mathematische Begabung und
akademische Vorbildung (die allerdings nur als wünschenswert und
nicht als absolut notwendige Voraussetzung angesehen wurde). Von dem
insgesamt 20 Mann starken Bedienungspersonal wurden 9 aus der Klassifizierung, 5 aus anderen Büros der Abteilung X, 5 v o n anderen Abteilungen der Firma ausgewählt. Ihnen wurde ein Hochfrequenzingenieur
beigegeben, der bisher nicht Betriebsangehöriger war. Für die Elektronenrechen- und Buchungsanlage werden somit an Personal benötigt:
1 Abteilungsleiter (Fachingenieur)
2 Automatenführer und 2 Hilfsautomatenführer (männlich)
für den Betrieb der Rechenanlage in zwei Schichten
1 Magnetband-Bibliothekarin
1 Vormann für die Betreuung der Zusatzgeräte
1 Gruppenleiterin für die Tabellierer
1 Obertabelliererin
1 Hilfstabellierer
3 Tabelliererlehrlinge (männlich)
1 Locherin
1 Lochkarten- und Bandverwalter
1 Arbeitsverteiler
1 Oberkontrolleurin
1 Kontrolleurin
2 Hilfskontrolleurinnen
- 8

�Diejenigen Angestellten, die nicht fuer die Weiterverwendung in
der Klassifizierung in Frage kamen, wurden nach einer persönlichen
Rücksprache mit der Betriebsführung und eingehender Überprüfung
ihrer sachlichen und persönlichen Eignung in andere Abteilungen
versetzt. Bei der persönlichen Aussprache hatte jeder Betriebsangehörige Gelegenheit, irgendwelche Wünsche bezüglich seines neuen
Arbeitsplatzes zu äußern. Eine niedriger bezahlte Stellung wurde
in keinem Falle als Ersatz angetragen. Jeder wurde auf einen Arbeitsplatz versetzt, den er nach kurzer Ausbildung an Ort und Stelle ohne
Schwierigkeiten ausfüllen konnte, wobei die Abteilungsleiter der für
die Weiterbeschäftigung in Frage kommenden Abteilungen vor der Versetzung konsultiert wurden» Sie erhielten Gelegenheit zu einer Aussprache mit dem betreffenden Mitarbeiter und zeigten sich bisher
von den Leistungen der neuzugeteilten Arbeitskräfte voll befriedigt.
Innerhalb der Klassifizierungsbüros hatten si6h sechs Gruppenleiter im Laufe der ^eit großes Geschick im Umgang mit dem Personal
erworben. Vier von ihnen, die großes Interesse für eine Weiterbeschäftigung an der Elektronenanlage bekundet hatten, verblieben in
der Klassifizierung: Drei gehören zum eigentlichen Bedienungspersonal der Rechenanlage und der vierte ist mit Fragen der Arbeitsplanung
für die Anlage befaßt. Von den beiden verbleibenden Gruppenleitern
nahm der eine einen gleichwertigen Arbeitsplatz in einer anderen
Abteilung an, und der andere übernahm einen besser bezahlten, allerdings untergeordneten Posten.
Der Arbeitsstab, der mit der Planung der Umstellung auf automatisches Verfahren der Datenverarbeitung beauftragt war, bestand ursprünglich aus 14 Personen. Bis zum Juni 1956 wurden allerdings 10 Angehörige dieser Abteilung in die neugeschaffene Abteilung für elektronische Anlegen versetzt.
Diese Abteilung war am 1. Januar 1955 neu geschaffen worden, um
die Verwendungsmöglichkeit von elektronischen Rechen- und Buchungsanlagen zu studieren und gewissermaßen ein Reservoir an Fschkräften
für die Bedienung solcher Maschinen heranzubilden. Der Leiter dieser
Abteilung stand an der Spitze der Studiengruppe, die vor Jahren die
Verwendbarkeit von Elektronenanlagen für die Aufgaben der Gesellschaft
untersucht hatte, und deren Empfehlungen schließlich zur Aufstellung
der ersten derartigen Anlage führten. Das achtköpfige Stammpersonal
dieser Abteilung hatte bereits eine gewisse Erfahrung auf diesem Gebiet aufzuweisen. Später wurde die Abteilung um 21 Personen, darunter
8 Bürokräfte, erweitert. Die übrigen 13 hatte man auf Grund ihrer
früheren Erfahrungen in der Bewältigung besonderer Aufgaben innerhalb
des Betriebes ausgewählt.
Im Juni 1955 wurden die Personalakten der Zentrale mit dem Ziel
überprüft, alle Personen festzustellen, die ebentuell auf Grund ihrer
Erfahrungen und ihres Bildungsganges in der Abteilung für elektronische
Anlagen verwendet werden könnten. Diese Überprüfung ergab zunächst einmal, daß mehr als 250 Betriebsangehörige eventuell für eine solche Tätigkeit in Frage kämen. Eine abermalige Überprüfung führte dann bis zum
September 1955 zur Auswahl von 30 Personen, die aus allen Abteilungen
des Betriebes herausgezogen wurden. Als Kriterien für diese Auswahl
galten (in der hier zitierten Reihenfolge): Erfahrung innerhalb des
Betriebes, Betriebszugehörigkeit und Lernfähigkeit. Von den 60 Angehörigen der Abteilung für elektronische Anlagen verfügt der weitaus
größte Teil heute über besondere Fertigkeiten auf dem Gebiet der
Programmierung, der Vorpusplanung des Einsatzes elektronischer Betriebsmittel und anderer innerbetrieblicher Vorgänge. Einige unter
ihnen werden demnächst eine Sonderausbildung mit dem Ziel durchmachen,
später selbst als Automatenführer für noch zu beschaffende Elektronen-

- 9-

�und-buchungsmaschinen eingesetzt zu werden.
Bis gegen Ende 1954 war sich die Firma restlos darüber klar
geworden, daß sich Elektronenrechen- und-buchungsanlagen für die im
Versicherungswesen anfallenden Aufgrben besonders eignen. Bald schon
wurde dann die erste derartige Anlage aufgestellt. Die Umstellung
wurde durch mehrere Faktoren begünstigt: 1. Die allgemeine Ausweitung
der Geschäftstätigkeit des Unternehmens, die eine Betriebserweiterung
erforderlich machte. 2. Die relativ hohe Arbeitsfluktuation, die von
einer Verknappung besonders an weiblichen Bürokräften in der Zentrale
begleitet war. 3« Die große Ähnlichkeit im Arbeitsanfall der verschiedenen Abteilungen innerhalb des Betriebes, die einer Versetzung von
Arbeitskräften entgegenkam.
Die Betriebsleitung ist gegenwärtig dabei, 22 innerbetriebliche
Vorgänge im Rahmen eines auf drei bis fünf Jahre veranschlagten Programms auf die Möglichkeit zur Automatisierung zu untersuchen. Nach
ihren Schätzungen sind ein bis eineinhalb Jahre dazu nötig, die Pläne
für eine Umstellung eines bestimmten Arbeitsgpnges auszuarbeiten und
weitere ein bis fünf Jahre, um diese Umstellung vorzunehmen und den
Betrieb sich soweit einspielen zu lassen, daß keinerlei größere Pannen
mehr auftreten können.
Quelle: "Monthly Labor Review"
Vol. 79, No. 1
* * * * *

Amerikas Gewerkschaften bilden ihren Funktionaersnachwuchs selbst heran
Immer mehr Lehrgaenge und Seminare zur Schulung und Weiterbildung von
Gewerkschaftsfunktionaeren und einfachen Mitgliedern fuehren die amerikanischen Gewerkschaftoalljaehrlich durch. Diese Programme, die als Ferienkurse waehrend der Urlaubszeit in den Sommermonaten begannen, haben sich
zu einer feststehenden Einrichtung mit umfassenden Lehrplaenen waehrend der
Monate vom Fruehjahr bis in den spaeten Herbst hinein entwickelt. Allein
im Jahre 1955 wurden in den verschiedenen Teilen des Landes ueber 100 derartige Lehrgaenge durchgefuehrt.
Eines der umfassendsten Bildungsprogramme hat die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft von Amerika (USA) mit 33 Seminaren und Lehrgaengen an 25
Universitaeten in verschiedenen Einzelstaaten geboten. Ueber 6000 Gewerkschaf tsfunktionaere, Betriebsfunktionaere und Schlichter haben an diesen
Lehrgaen en teilgenommen. Weitere 15 000 Mitglieder haben die Gelegenheit
zur Weiterbildung an den von einigen Universitaeten eingerichteten besonderen Kursen wahrgenommen.
Auf diesen Schulen und Lehrgaengen der Gewerkschaften, die gewoehnlich
ein bis zwei lochen dauern, wird ein reichhaltiger Lehrplan, je nach den
besonderen Beduerfnissen der veranstaltenden Gewerkschaft;geboten. So mag
das Schwergewicht einmal auf der Heranbildung von Betriebsvertrauensleuten,
auf Zeitstudien, Gewerkschaftsverwaltung, Gemeindearbeit und Politik liegen.
Ein andermal werden Arbeitsrecht, internationale Beziehungen, Frauenfragen
oder Presse und Publizistik im Mittelpunkt stehen.
Die Lehrplaene sind keineswegs immer auf die reine Gewerkschaftssphaere
beschraenkt; in den meisten Faellen stehen auch Fragen von umfassenderem,
allgemeinem Interesse auf dem Programm. So wurden in einem Gewerkschaftsseminar an der Staatlichen Universitaet von Pennsylvanien Themen wie die

- 10 -

�•
Erziehung des einzelnen unter besonderer Beruecksichtigung der kulturellen
Paktoren oder die Auswirkungen der technisch-wissenschaftlichen Entwicklung,
insbesondere der Atomforschung, auf den einzelnen und die Gemeinschaft behandelt.
Die Ausbildung von Gewerkschaftsfunktionaeren ist heute von wesentlich
groesserer Bedeutung als vor 20 oder 30 Jahren. Grundvoraussetzung ist natuerlich nach wie vor, dass der Gewerkschafter benau orientiert ist, wie
hoehere Loehne, kuerzere Arbeitszeit und bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen sind. Inzwischen ist aber eine Fuelle neuer Aufgaben und Probleme
hinzugekommen.
Ein Gewerkschafter von heute muss mit der Arbeitsgesetzgebung und
Einzelentscheidungen der Arbeitsgerichte, soweit sie den von ihm vertretenen Industriezweig betreffen, vertraut sein. Er muss die wirtschaftlichen
Verhaeltnisse kennen, Einsicht in die Produktionsmethoden haben und ueber
Produktionskosten Bescheid wissen. Schon heute muss er sich Gedanken darueber
machen, welch tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Folgen etwa durch
die Automatisierung heraufbeschworen werden koennen. Kurz, er muss von vielen Dingen etwas wissen, von der Aushandlung von Kollektivvertraegen bis
zur Rolle der Gewerkschaften in der Weltpolitik.
So ist es nur natuerlich, dass sich die von den Gewerkschaften gebotenen Kurse und Seminare zur Weiterbildung bei all jenen, die den Beruf
des Geweikschaftsfunktionaers erwaehlt haben oder erwaehlen wollen, eines
zunehmenden Interesses erfreuen, und dass die Besucherzahlen staendig
steigen. Manche Kursteilnehmer bestreiten die Kosten aus eigener Tasche,
andere werden von den Gewerkschaften zur Teilnahme ausgewaehlt und erhalten
saemtliche Auslagen verguetet. Nach welchen Gesichtspunkten und auf welche
Weise diese Auswahl vor sich geht, ist aus einer Untersuchung ersichtlich,
die in Lakeport im Staate Michigan in einem von der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft organisierten Lehrgang durchgefuehrt wurde.
Danach war jeder sechste Teilnehmer an einem Lehrgang aus den Reihen
der Mitgliedschaft vorgeschlagen und gewaehlt worden. Jeweils ein gleicher
Prozentsatz von Kursteilnehmern ist auf folgende Weise bestimmt worden:
1. Namhaftwachung durch hoehere Gewerkschaftsfunktionaere.
2. Automatische Entsendung auf Grund der Tatsache, da3s der Betreffende einen bestimmten Posten bekleidet, etwa den des Vorsitzenden eines
Verhandlungs- oder Bildungsausschusses.
3- Auf T.rund verdienstvoller praktischer Gewerkschaftsarbeit und des
guten Abschneidens auf frueheren Schulungskursen.
Weiter zeigte die Untersuchung, dass die Kursteilnehmer meistens
reifere Leute mit guter Vorbildung im Alter zwischen 30 und 40 Jahren waren, die in der Gewerkschaft taetig sind und sich das fuer die Uebernahme
groesserer Aufgaben und verantwortungsvollerer Posten in der Gewerkschaft
noetige Wissen aneignen wollen.
Quellei Eigenbericht

- 11 -

�Walter K. Bailey,
Praesident der Warner &amp; Swasey Company, Cleveland (Ohio)i
Der Begriff der Produktivitaet in der amerikanischen Industrie
Wenn wir Amerikaner von der Produktivitaet der Industrie sprechen,
so verbinden wir diesen Begriff stets mit Produktions Steigerung, Verbesserungen oder neuen Erfindungen. Wir nehmen es als selbstverstaendlich an, dass jedes Produkt bald schon besser, billiger und in groesseren
Mengen hergestellt werden wird.
Dies scheint mir eine ausgesprochen amerikanische Haltung zu sein.
Wir glauben, dass sich Gueter und Dienstleistungen in unbegrenzter Menge
und Mannigfaltigkeit erzeugen lassen. Voraussetzung ist nur, dass sie
zu einem Preise hergestellt werden, der fuer eine moeglichst grosse Zahl
von Konsumenten erschwinglich ist.
Unserer Meinung nach sind die Absatzmaerkte praktisch unbegrenzt
ausweitungsfaehig, waehrend doch in Europa die Ansicht vorherrscht, dass
der Markt fuer jedes Produkt ganz bestimmte Grenzen hat und dass sich die
verschiedenen Hersteller der entsprechenden Ware in ihn teilen muessen.
Die amerikanischen Fabrikanten wetteifern staendig miteinander,
immer mehr Menschen immer bessere Waren zu immer niedrigeren Preisen anzubieten. Das bedeutet aber nichts anderes, als dass unser gesamtes Wirtschaftssystem darauf abgestellt ist, den Lebensstandard des ganzen Volkes zu heben.
Dies erreichen wir durch staendige Erhoehung der Produktivitaet.
Sollte ich definieren, was Produktivitaet ist, so wuerde ich sie als
"die pro Zeit- oder Energieeinheit des Arbeiters erzeugte Produktionsmenge oder erzielte Wertsteigerung" bezeichnen. Wir haben uns laengst
daran gewoehnt, das Wort "Produktivitaet" im Geist mit dem V/ort "gesteigert" zu verbinden.
In der Werkzeugmaschinenindustrie zum Beispiel bemessen wir die
Produktivitaet einer neuen Werkzeugmaschine nach der Steigerung des
Ausstosses pro Arbeiter und Arbeitsstunde. Das heisst, wir erwarten von
einer neuen Maschine stets, dass sie pro Stunde mehr erzeugt als die
alte.
Man kann das Produktionsvolumen erhoehen, indem man mehr Arbeiter
einstellt oder laenger arbeitet; die Produktivitaet jedoch kann nur dadurch gesteigert werden, dass die Erzeugung pro Mann und Stunde erhoeht
wird.
Bis zu einem gewissen Grade ist dies durch intensivere Arbeit zu
erreichen. Intensivierung der Arbeit aber ist sicherlich nicht die Loesung. Natuerlich kann ein Farmarbeiter zweimal B O schnell Kartoffeln
hacken wie ein anderer; die wirkliche Steigerung der Produktivitaet
aber brachte erst die motorisierte Kartoffelhackmaschine.
Wir haben die Produktivitaet in den Vereinigten Staaten durch Forschungsarbeit, durch neue Erfindungen und durch die Erschliessung von
Kraftquellen gesteigert - ausgehend von der 'Vasserkraft und der tierischen Kraft ueber die Dampfkraft bis zur Verwendung von Erdoelprodukten und der Elektrizitaet. Eine weitere Steigerung der Produktivitaet
brachte die Verwendung immer besserer Maschinen und Ausruestungen sowie
eine Verbesserung der Produktionsplanung.
Wir Amerikaner neigen dazu, all diese Dinge als Selbatverstaendlichkeiten hinzunehmen; aber schliesslich ist das alles ja nicht wie von
ungefaehr geschehen. Die Sache begann in England mit einem Maschinenbauer
- 12 -

�namens Wilkinson, dem es gelang, einen Kolben in einen Zylinder so genau
ednzuschleifen, dass er Dampf nicht ausliess. Dieser Kolben erst ermoeglichte James Watt den Bau der ersten Dampfmaschine. Das war der Beginn der
Werkzeugmaschinenindustrie.
Durch die Werkzeugmaschinen lernte der Mensch, Metall so genau zu
schneiden und zu formen, dass die Verwendung genormter Maschinenteile
moeglich wurde. Ohne dieses Prinzip der Normung oder Austauschbarkeit von
Maschinenteilen waere die Produktivitaet, wie wir sie heute kennen, absolut unmoeglich.
Die Bedeutung der Austauschbarkeit von Einzelteilen ist ueberhaupt
nicht zu ueberschaetzen. Mir scheint es sehr bedauerlich, dass unsere
amerikanischen Geschichtsbuecher in diesem Zusammenhang nur von Eli
Whitney als dem Erfinder der Baumwoll-Egreniermaschine berichten, die natuerlich fuer die Landwirtschaft eine ganz grosse Sache war.
Eli Whitneys wirklich grosse Leistung fuer unser heutiges Leben aber
war, dass er als erster den Beweis erbrachte, dass saemtliche Teile eines
Gewehrs auf der Basis der Austauschbarkeit, das heisst normiert, hergestellt werden koennen. Er machte dem amerikanischen Kongress den Vorschlag,
10 000 Flinten aus restlos genormten Teilen herzustellen, so dass sich
fuer jedes schadhaft gewordene Teil sofort ein Ersatzteil verwenden liesse.
Diese Erfindung, die uebrigens aus einem militaerischen Beduerfnis erwuchs,
hat Amerika den Weg zu immer groesserer Steigerung der Produktivitaet eroeffnet.
In den Voreinigten Staaten hat man dieses Prinzip der Steigerung der
Produktivitaet so weit entwickelt wie nirgends sonst auf der Welt, und
dies ist ein Verdienst unserer freien Wettbewerbswirtschaft. "Wenn wir
die Menge der erzeugten Waren steigern koennen, dann koennen wir die Kosten
senken", argumentierten und argumentieren unsere Fabrikanten.
Unsere Industriellen sind ataendig bestrebt, neue und bessere Waren
herzustellen und neue und bessere Produktionsmethoden zu entwickeln. So
wurden Forschung, Entwicklung und neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der
Technik zur eigentlichen Grundlage der Aufwaertsentwicklung unserer gesamten Wirtschaft.
(Nachdruck nicht gestattet)
Quelle: Eigenbericht

Der Lebensstandard der Stahlarbeiter
Allenthalben hoert man heute vom Jedermanns-Kapitalismus in den
Vereinigten Staaten, und vieles stand auch schon darueber zu lesen, was
der Jedermanns-Kapitalismus sei. Vom rein menschlichen her interessiert
aber auch» wer ist nun eigentlich der Jedermanns-Kapitalist und wie lebt
er?
Betrachten wir einmal das Leben des Stahlarbeiters James Edward
Barnes, der seit 1953 als Giesser bei den Fairless-Werken in Morrisville
im Staate Pennsylvanien, einem Zweigbetrieb der United Steel Corporation,
beschaeftigt ist. Er ist ein typischer Vertreter eben jener in den Vereinigten Staaten im Entstehen begriffenen neuen sozialen Schicht der Jedermanns-Kapitalisten.
Er verdient 6000 Dollar im Jahr, eine Summe, die ausreicht, um die
wirtschaftliche Existenz der Familie zu sichern und ihm, gleich Millionen
- 13 -

�seiner Landaleute, eine Lebensfuehrung gestattet, die ihn in jene neue
«soziale Klasse einreiht.
Die Vermoegenswerte, ueber die diese neue Gesellschaftsklasse verfuegt, und die ihre wirtschaftliche Grundlage bilden, setzen sich zusammen aus Lebensversicherungen, Sparkonten, Anspruechen auf Altersversorgung und einer kleineren Zahl von Industrieaktien, wie sie fast jeder
Amerikaner heute besitzt.
Waehrend noch um die Jahrhundertwende die amerikanische Wirtschaft
zum groessten Teil von einigen wenigen Grossbanken finanziert wurde, sind
es heute gerade die Ersparnisse der "kleinen Leute", die in Form von
Investitionen in die amerikanische Industrie fliessen und die Voraussetzung fuer die staendige Steigerung der Produktion und des Einkommens
der am Produktionsprozess Beteiligten schaffen.
Der Anteil am Besitz des Industrievermoegens macht den einzelnen
zum Kapitalisten, und auf Grund seiner Ansprueche auf diesen Besitz und
seines Einkommens gehoert auch der Eisengiesser Barnes zu der grossen
Schicht dieser kleinen Kapitalisten, die sich im Verlauf der letzten Jahre in den USA herausgebildet hat.
Die Lebensfuehrung der Familie wird von der Arbeitsleistung des
Familienoberhauptes bestimmt. Mit seiner Haende Arbeit verschafft Barnes
seiner Familie, die ausser ihm und seiner Frau noch aus einem Sohn und
zwei Toechtern besteht, ein sorgenfreies Leben, und sein Fleiss sichert
ihre Zukunft.
Ed, wie ihn seine Freunde nennen, kann sich bei seinem Verdienst
auch ein Eigenheim leisten. Er entschied sich fuer ein Fertighaus aus
Sperrholzteilen, wie es von der United Steel Homes Inc. hergestellt wird.
Der Bau ging sehr rasch, stand das Haus doch an einem Tage fertig montiert an Ort und Stelle. Es enthaelt fuenf Raeume und ist mit allem modernen Komfort ausgestattet, von der elektrischen Waschmaschine mit
Trockenschleuder bis zur Garage fuer das Familienauto. Moderne Kuechengeraete - Tellerspuelmaschine, Mixer, Abfallwolf im Spuelbecken und Backrohr - erleichtern Mrs. Barnes die Haushaltfuehrung. Das Fertighaus kostete ohne Baugrund 12 000 Dollar, die in monatlichen Raten Schritt fuer
Schritt getilgt werden. Hierfuer muss Mr. Barnes zur Zeit noch 17$ seines
gesamten Lohnes aufwenden.
Im uebrigen verteilt sich das Einkommen auf folgende Posten« 29$
fuer Lebensmittel, 2$ fuer Walser und Strom, 5$ fuer Versicherungen und
Gewerkschaftsbeitraege, 7$ fuer Einkommensteuer, 14$ fuer den Unterhalt
des Autos, 6$ fuer Bekleidung, 10$ fuer Erholung sowie persoenliche Beduerfnisse und 2$ fuer verschiedene Nebenausgaben. Die verbleibenden
10$ des Einkommens werden als Ersparnisse zurueckgelegt.
Das Leben der Familie Barnes verlaeuft in ruhigen und friedlichen
Bahnen und unterscheidet sich in nichts von dem von Millionen anderer
Amerikaner. Die Abende und das zweitaegige Wochenende verbringt Barnes
im Kreise seiner Familie. Zahlreiche Arbeiten verrichtet der Hausherr
in Haus und Garten selbst. Er maeht den Rasen und hilft seinen Kindern
bei ihren Schularbeiten. Die Teilnahme am Leben der Gemeinde ist fuer die
Familie ebenso selbütverdtaendlich wie der sonntaegliche Kirchgang. Den
Urlaub verbringt man gemeinsam in den nahegelegenen Bergen, wo sich Gelegenheit zum Fischen und Schwimmen bietet. (Nachdruck nicht gestattet)
Quelle: Eigenbericht

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Die Lohnstruktur in der chemischen Industrie der USA
Die hoechsten Stundenloehne in der chemischen Industrie der Vereinigten Staaten werden in dem texanischen Golfgebiet und die niedrigsten in den Suedostgebieten der USA gezahlt. Die organisierten Arbeiter
dieses Industriezweiges verdienen dabei im Durchschnitt 17 Cent mehr
als die gewerkschaftlich nicht erfassten. Diese Angaben sind in der Juniausgabe von "Facts and Trends", einer Monatszeitschrift, enthalten, die
von der Gewerkschaft der Oel-, Chemie- und Atomarbeiter herausgegeben wird.
Die grossen Unterschiede in der Lohnstruktur werden in dem Bericht
auf verschiedene Faktoren zurueckgefuehrt. Die hoechsten Stundenloehne in
Hoehe von 2,36 Dollar, die im texanischen Golfgebiet gezahlt werden, resultieren zum Beispiel aus der Tatsache, dass hier die chemischen Werke
in sehr enger Beziehung zu der benachbarten Oelindustrie stehen, die allgemein ein sehr hohes Lohnniveau aufweist. In Charleston (West-Virginia),
wo die zweithoechsten Stundenloehne in der chemischen Industrie gezahlt
werden (2,34 Dollar), ist es die Konzentrierung vieler chemischer Unternehmen, die alle sehr hohe Loehne zahlen, die hier die hohen Lohnsaetze
bedingt. Da es sich dabei in der Regel um bluehende und sehr wohlhabende
Betriebe handelt, ist dieses Gebiet auch das einzige der gesamten Vereinigten Staaten, in dem die Loehne der nicht organisierten Arbeiter hoeher sind als die der gewerkschaftlich organisierten.
In den Suedostgebieten der USA, die das niedrigste Lohnniveau aufweisen, liegt der Durchschnittsstundenlohn bei 1,76 Dollar. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter erhalten dort im Durchschnitt 1,80
Dollar und die nicht organisierten 1,70 Dollar pro Stunde.
Auch die Groease der einzelnen chemischen Betriebe hat auf die Lohngestaltung einen Einfluss, wie aus der gleichen Uebersicht hervorgeht.
Die Werke an der Texas-Golfkueste, die eine durchschnittliche Beschaeftigtenzahl von 1016 Arbeitern aufweisen, zahlen im Durchschnitt Stundenloehne in Hoehe von 2,36 Dollar, waehrend im Charleston-Gebiet, wo die
durchschnittliche Beschaeftigtenzahl bei 1477 liegt, der Stundenlohn im
Durchschnitt 2,34 Dollar betraegt. In den Suedoststaaten jedoch, die mit
1,75 Dollar die niedrigsten Chemiearbeiterloehne der USA aufweisen,
betraegt die durchschnittliche Zahl der Betriebaangehoerigen 262.

"... erscheinen 13 Dollar so viel wie 1000"
Ein Name und ein Scheck ueber 13,93 Dollar werden zweifellos spaeter
noch haeufig als ein Markstein in der Geschichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zitiert werden. Bei dem Namen handelt es sich um den
Autoarbeiter Anthony Mannino und bei dem Scheck um die erste Ueberweisung
der zusaetzlichen Arbeitslosenunterstuetzung ueberhaupt, die die arbeitslosen amerikanischen Automobilarbeiter jetzt auf Grund des im Vorjahr zwischen der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) und den Unternehmen der Autoindustrie ausgehandelten sogenannten "revidierten garantierten Jahreslohnes" erhalten.
Mannino, der seit dem 4. Mai arbeitslos ist, bekommt also jetzt
neben der normalen staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung in Hoehe von
33 Dollar pro Woche einen Zuschuss, der aus einem Fonds gezahlt wird, in
den die Unternehmer 5 Cent pro Arbeiter und geleisteter Arbeitsstunde
einzahlen. Damit belaeuft sich seine gesamte Unterstuetzung in der Woche
auf 46,93 Dollar, was 65 Prozent seines bisherigen Lohnes entspricht.
- 15 -

�Bis zu seiner Entlassung war Mannino, der jetzt 29 Jahre alt ist,
als Montagearbeiter am Fliessband des "Jefferson Kercheval"-Y&lt;erkes der
"Chrysler Corporation" in Detroit beschaeftigt. Sein Stundenlohn betrug
2,11 Dollar. Zu dem Scheck meinte er: "Diese Summe ist zwar nicht sehr
hoch und zweifellos werden spaeter einmal, wenn die Gewerkschaft den
Unterstuetzungsplan weiter ausgebaut hat, die Schecks groesser ausfallen,
aber wenn man ohne Arbeit ist, dann erscheinen einem diese 13 Dollar
wie 1000."

Durchschnittswochenlohn der Industriearbeiter leicht zurueckgegangen
Der durchschnittliche Wochenlohn des amerikanischen Industriearbeiters ging zwischen April und Mai infolge einer kuerzeren Arbeitswoche
um 46 Cent zurueck, berichtet das "US-Arbeitsministerium" in seinem
juengsten Lagebericht ueber die Entwicklung am amerikanischen Arbeitsmarkt.
Das Durchschnitts-Wochenlohneinkommen eines Arbeiters mit drei Familienangehoerigen belief sich im Mai auf 71»95 Dollar, waehrend ein
Arbeitnehmer ohne Pamilienangehoerige es auf 64,62 Dollar brachte. Trotz
dieses Rueckganges jedoch bedeuten beide Ziffern einen Hoechststand fuer
Mai, sie liegen gegenueber dem gleichen Monat des Vorjahres um rund 2,5
Prozent hoeher.

Mit Beginn dieser Ausgabe erscheinen
die "Internationalen Arbeitsmitteilungen"
jeweils am 1. eines Monats.
Die Hedaktion

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werben.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlcm, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
IX

' 1^

Mehlem, den 1. September 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Automatisierung und ihre Forderungen an das
Ausbildungswesen
Die Rolle der Gewerkschaften beim Aufbau einer
besseren Welt
Aussichten im Jahre 1956 für den Neuabschluß von
Tarifverträgen
"Revidierter garantierter Jahreslohn" auf
individueller Basis
Henry Ford II. ruft Mitarbeiter auf, sich aktiv an
der Wahl zu beteiligen
Wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen für
Studenten und Arbeiter
Ein interessantes "union shop"-Abkommen

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15
16

Dael Wolfe, Mitglied der Amerikanischen Gesellschaft
zur Förderung der Wissenschaften 1
Die Automatisierung und ihre Forderungen an das Ausbildungswesen
In den Diskussionen über die Automatisierung wird uns häufig
eine Zukunft ausgemalt, in der bei der Verarbeitung der Werkstoffe
nicht nur die physische Arbeit von Maschinen geleistet wird, sondern auch der Transport der teilweise fertiggestellten Erzeugnisse
maschinell erfolgt, die verschiedenen Arbeitsprozesse auf automatischem Wege kontrolliert sowie programmiert und Fehler korrigiert
werden, die im Verlauf des gesamten Produktionsprozesses vorkommen.
Diese Ausblicke haben sowohl Begeisterung hervorgerufen wie Befürchtungen erweckt - Begeisterung über die zu erwartende hohe Produktivität und Furcht vor den Folgen, die sich sowohl für die Arbeiter wie
für die Gesellschaft insgesamt ergeben können.
Trotz der Tatsache, daß die Wurzeln der Automatisierung auf
frühere technische Entwicklungen zurückgehen, wird sie doch auf
Grund der Anwendung im großen Maßstab den Charakter zahlreicher
Industrien stark verändern. Einzelne Arbeitsprozesse werden durch
automatische Kontrollsyateme miteinander verbunden werden, die die
Erzeugnisse überprüfen, Stücke minderer Qualität ausscheiden, fehlerfreie Stücke an die Maschine weiterleiten, die den nächsten
Arbeitsvorgang durchführt, das Endprodukt verpacken, die geleistete
- 1

�Arbeit registrieren, und Fehler, die aich in verschiedenen Teilen
des technischen Prozesses ereignen, durch eine Wiederholung des
Produktionsprozesses korrigieren. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß solche automatisch« Betriebe eine beträchtliche
Umschichtung im Bedarf an menschlichen Arbeitskräften bewirken
werden.
Doch ebenso sicher ist, daß sich diese Umschichtungen nur
graduell vollziehen werden. Eine gewisse Zeit wird notwendig
sein, um die entsprechenden automatischen Geräte zu entwickeln.
Selbst wenn die Umstellungen der Fabriken auf automatische Maschinen auf weite Sicht gesehen die Produktionskosten senken
werden, die für die Errichtung neuer oder den Umbau bereits vorhandener Produktionsstätten notwendig sind, werden es die hohen
Kapitalinvestitionen im allgemeinen verhindern, daß eine Umstellung der konventionellen Unternehmen auf automatischen Betrieb in großem Umfange erfolgt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Arbeitsvorgänge, die sich für eine solche Umstellung
schlecht eignen; und selbst wenn wir mit einem starken Anwachsen der Automatisierung rechnen, so ist doch anzunehmen, daß
zahlreiche Tätigkeiten auch weiterhin in der herkömmlichen Art
bewältigt werden. Schließlich werden auch die von den begeisterten Propheten der Automatisierung vorausgesehenen Veränderungen
den Widerstand der Arbeiterschaft und der in unserer Gesellschaft
vorhandenen konservativen Kräfte zu überwinden haben. Aus diesen
verschiedenen Gründen müssen wir eher mit allmählichen als plötzlichen Veränderungen rechnen, und wir können uns daher überlegen
und uns in gewissem Grade ausrechnen, was für Folgen diese Veränderungen bezüglich des Bedarfs an Arbeitskräften haben werden
und welche Konsequenzen wir in erzieherischer Hinsicht daraus
ziehen müssen.
Die Automatisierung wird den Bedarf an Ingenieuren, technischem Personal und Facharbeitern, die imstande sind, die automatischen Kontrollvorrichtungen zu konstruieren, zu bauen und
zu bedienen, steigern. Dementsprechend wird durch die Automatisierung der Bedarf an Arbeitern reduziert werden, die heute
noch für den innerbetrieblichen Materialtransport, für einfache
Kontroll- und Überwachungsarbeiten und zur Bedienung einfacher
Maschinen benötigt werden. Die steigende Kachfrage nach gründlich
ausgebildeten Facharbeitern und der sinkende Bedarf an Personal,
das keine speziellen Fachkenntnisse besitzt, sind Teil einer
Entwicklung, die sich bereits seit Jahrzehnten vollzieht.
Offensichtlich wird die Automatisierung nicht den plötzlichen und unmittelbaren Verlust von Arbeitsplätzen größeren
Ausmaßes zur Folge haben. Vielmehr glaube ich, daß sich die
Umstellung der Fabriken auf automatischen Betrieb ohne erhebliche Erschütterungen auf dem Arbeitsmarkt durchführen läßt,
und in der Zeit des Übergangs kann die Anwerbung der Arbeitskräfte für die neuen Betriebe schrittweise erfolgen, je nach
dem Tempo, in dem alte durch neue Fabriken ersetzt werden.
Mit der Entwicklung der Automatisierung ist jedoch ein Rückgang in der Zahl der Arbeitskräfte zu erwarten, die eine bestimmte
Arbeit verrichten, während die Zahl derjenigen ansteigen wird,
die eine andere Tätigkeit ausüben; überraschende mit Entlassungen größeren Ausmaßes verbundene Veränderungen dürften jedoch

- 2 -

�nicht stattfinden. Daß die Entwicklung stetig verlaufen wird,
wird durch die Tatsache illustriert, daß noch im Jahre 1900 auf
250 Industriearbeiter ein Ingenieur entfiel, während heute auf
50 Arbeiter ein Ingenieur kommt. Die Automatisierung bietet die Aussicht, daß die weitere Entwicklung eine ähnliche Tendenz aufweisen
wird. Im Hinblick auf die in der Bevölkerungszahl erfolgenden
Veränderungen und bei der Aufstellung von Erziehungs- und Ausbildungsplänen kann man mit gutem Grund annehmen, daß dies der
Fall sein wird.
Das auffälligste Merkmal in der Bevölkerungsentwicklung der
Vereinigten Staaten ist die hohe Zahl der Geburten, die während
und unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg anzusteigen begann und
die unvermindert anhält. Die Bevölkerung vermehrt sich so schnell,
daß sich bei den Überprüfungen früherer Schätzungen stets höhere
Zahlen ergeben als ursprünglich angenommen wurde. Nach den vom
Statistischen Bundesamt (am 20.Oktober 1955) veröffentlichten
Schätzungen ist mit aller Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die
Vereinigten Staaten im Jahre 1960 eine Bevölkerungszahl von etwa
178 Millionen und 1970 von vielleicht 205 Millionen aufweisen
werden. Ohne Zweifel wird eine so starke Bevölkerung mehr Güter
als unsere heutige Bevölkerung konsumieren. Außerdem wird bei den
wachsenden Erkenntnissen der Medizin über die Möglichkeiten einer
Verlängerung der Lebensdauer ein beträchtlicher Prozentsatz der
Bevölkerung die normale Zeitspanne, die sie im Arbeitsprozeß steht,
überschritten haben. Man muß daher damit rechnen, daß sich sowohl
die Gesamtzahl der Bevölkerung erhöhen und auch die Zahl der aus
dem Arbeitsprozeß ausgeschiedenen Bevölkerungsteile anwachsen wird.
Wenn wir außerdem neben der Tatsache einer steigenden Bevölkerung
noch ferner berücksichtigen, daß auch der Verbrauch pro Kopf der
Bevölkerung ständig steigt, können wir mit gutem Grund annehmen,
daß im Vergleich zu heute der Bedarf an Gütern und Dienstleistungen in 10 oder 20 Jahren erheblich höher sein wird. Diese Entwicklungsmöglichkeiten bestärken uns in dem Glauben, daß der Bedarf an Arbeitskräften in Zukunft ständig beträchtlich größer sein
wird als heute.
Andererseits steigt die Produktivität nach wie vor um drei
Prozent jährlich an. Eine bestimmte Anzahl von Arbeitskräften ist
also imstande, wesentlich mehr Güter zu produzieren als noch vor
wehigen Jahren. Beim Anhslten dieser Entwicklung wird eine bestimmte Zahl von Arbeitern im Jahre 1970 50 Prozent mehr Güter
produzieren als im Jahre 1955«
Vorausgesetzt, daß alle übrigen Umstände die gleichen bleiben,
verringert die Steigerung der Produktivität den Bedarf an Arbeitern,
während die steigende Bevölkerungszahl und der steigende Konsum-den
Bedarf an Arbeitskräften,erhöhen. Die tatsächliche Auswirkung dieser
Entwicklung wird für die einzelnen Berufsgruppen verschieden sein.
So ist zum Beispiel die Produktivität der landwirtschaftlichen Arbeiter so gestiegen, daß wir heute mit viel weniger Farmern auskommen können als zuvor. Um ein weiteres Beispiel anzuführen 1
Die steigende Kinderzahl und unsere erhöhten Erwartungen, die wir
heute in die Erziehung setzen, haben den Bedarf an Lehrern wesentlich erhöht, und dieser Bedarf wird noch weiter steigen, wenn es
uns nicht gelingt, bessere Methoden zu entwickeln, die es einem
Lehrer ermöglichen, eine größere Anzahl von Schülern zu betreuen
als es bisher allgemein für wünschenswert gehalten wurde.

- 3-

�Der Mangel an Arbeitskräften ist verschiedener Art und auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Es besteht ein ernster Mangel an
hochqualifizierten Kräften auf fast allen Arbeitsgebieten. Doch den
hat es immer gegeben. "An der Spitze ist immer Platz", ist eine alte
Weisheit. Ein Arbeitgeber weiß hochbefähigte Arbeitskräfte immer zu
schätzen und ist bereit, sie in Positionen zu berufen, die außerordentliches Können verlangen.
Ein zweiter Mangel besteht an Männern und Frauen, deren Hauptinteresse sich auf die theoretischen Wissenschaften richtet. Es wird
allgemein behauptet, daß die Vereinigten Staaten zwar zahlreiche hervorragende Ingenieure, doch nur wenige Pioniere auf dem Gebiet der
Grundlagenforschung hervorgebracht haben; daß sie zwar bei der praktischen Verwertung wissenschaftlicher Entdeckungen mit an erster
Stelle stehen, daß sie aber an den Entdeckungen selbst keinen direkten Anteil gehabt haben. Wahrscheinlich werden wir der Grundlagenforschung in Zukunft erhöhte Bedeutung beimessen müssen, denn die
europäischen Laboratorien haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten beträchtliche Verluste erlitten und aus Europa hört man, daß
sich auch dort, ebenso wie in Amerika, junge Wissenschaftler in
wachsender Zahl lieber der angewandten als der Grundlagenforschung
oder dem Lehrberuf zuwenden wollen.
Dritten? besteht ein Mangel an Arbeitskräften, die in neuentwickelten Arbeitsgebieten über Erfahrungen verfügen. In den letzten
Jahren fehlten uns Fachkräfte für Fremdsprachen und solche, die die
Gebräuche anderer Länder kennen; es bestand ein Mangel an Hochfrequenz ingenieuren und an Männern und Frauen, die sich auf dem weiten
Felde der Kernenergie auskennen. In Zukunft werden vermutlich auch
auf dem Gebiet der Automatisierung Arbeitskräfte fehlen. Doch dürften diese Löcher gestopft werden, wenn erst einige Erfahrungen gesammelt und entsprechende Ausbildungsprogramme erfolgreich besucht
worden sind; in den Anfangsstadien einer Entwicklung muß stets mit
einem Mangel an Arbeitskräften gerechnet werden.
Schließlich besteht ein Mangel an Arbeitskräften in solchen
Industriezweigen, die wegen der geringen Vorteile, die sie bieten,
nur eine geringe Anziehungskraft besitzen. Bei dem im allgemeinen
starken Bedarf an Arbeitskräften haben diejenigen Berufe am wenigsten Aussicht, Arbeiter zu bekommen, bei denen die Arbeitsbedingungen am ungünstigsten sind.
Die in der Industrie und in der Bevölkerung sich vollziehenden
Entwicklungen könnten theoretisch in einigen Industrien zu einem
Mangel an Arbeitskräften und in anderen zu einem Überschuß führen.
Tatsächlich gibt es aber keinen Überschuß von erheblicher Bedeutung.
Eine Arbeitslosigkeit geringen Ausmaßes ist vorhanden, und der Arbeitsmarkt ist in einigen Teilen des Landes nicht so stark angespannt
wie in anderen; im großen*und ganzen jedoch ist die Zahl der Arbeiter,
die infolge der in der Industrie oder der Bevölkerung erfolgten Veränderungen ihre Arbeitsplätze verloren haben, nur gering.
Dieser Umstand ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß
der amerikanische Arbeiter sich nicht scheut, in einen anderen Beruf
überzuwechseln. Die große Bereitwilligkeit, in einem anderen Beruf
zu arbeiten, ist eine der Ursachen, daß sich die amerikanischen Arbeiter in der Vergangenheit so leicht den durch die Technik bewirkten Veränderungen angepaßt haben. Sie ist vermutlich einer der wichtigsten Faktoren der schnellen Veränderungen unserer Technik und
unserer hohen Produktivität.

-4 -

�Diese Mobilität ist ein charakteristisches Merkmal sowohl der
Wissenschaftler, der Ingenieure und anderer gehobener technischer
Berufe, wie auch der niederen Berufsarten. Die dramatische Entwicklung
der Kerntechnik ist ein Beispiel aus jüngster Zeit. In den zehn Jahren,
seit in Alamogordo die erste Atombombe zur Explosion gebracht wurde,
haben die reichlich zur Verfügung stehenden Geldmittel zusammen mit
der Bereitwilligkeit zahlreicher Wissenschaftler und Ingenieure, auf
dieses interessante neue Gebiet überzuwechseln, zu den gewaltigen
und einzigartigen Fortschritten beigetragen - Fortschritten, die sich
nicht nur auf die Herstellung von Bomben beschränken, sondern die sich
auch auf das in schneller Entwicklung befindliche Gebiet der friedlichen
Verwendung der Atomenergie erstrecken.
Im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Automatisierung besteht
kein Grund zur Befürchtung, daß dieses leichte Überwechseln von einem
Beruf zum anderen aufhören wird, für die amerikanische Arbeiterschaft
charakteristisch zu sein. Zahlreiche neue Arbeitsplätze werden geschaffen und andere überflüssig werden, und mit der Besetzung dieser neuen
Arbeitsplätze brauchen wir nicht zu warten, bis von den Universitäten
geschulte Kräfte entlassen werden, die sich auf die Automatisierung
spezialisiert haben, noch ist es notwendig, sämtliche Arbeiter aus
Berufen, die überflüssig geworden sind, zu pensionieren. Die berufliche Mobilität der amerikanischen Arbeiterschaft bietet Gewähr dafür,
daß die Anpassungen reibungslos vonstatten gehen werden.
Als Grundlage für eine Diskussion werden nachstehend sieben
verschiedene Entwicklungstendenzen kurz aufgeführt, aus denen Folgerungen gezogen werden müssen:
1. Wie die Entwicklung gezeigt hat, ist der Prozentsatz derjenigen
Arbeitskräfte, die in solchen Berufen beschäftigt sind, die eine akademische, eine Fachschul- oder eine hochspezialisierte Ausbildung verlangen, in ständigem Anstieg begriffen. Die weitere Entwicklung der
Automatisierung dürfte diese Tendenz nur noch verstärken und jedenfalls nicht grundsätzlich verändern. Es muß daher damit gerechnet werden, daß künftig in jeder Generation sogar ein noch höherer Prozentsatz an Arbeitskräften für technische und wissenschaftliche Berufe
sowie für leitende Positionen in der Wirtschaft und vielleicht für
weitere hochspezialisierte Arbeitsgebiete ausgebildet werden muß.
2. Die Bevölkerungsentwicklung weist eindeutig darauf hin, daß
der Bedarf an Lehrpersonal steigen wird - ein Bedarf, der den heutigen weit übersteigen dürfte, wenn die Lehrmethoden nicht grundlegend geändert werden, um die Anzahl der für eine bestimmte Schülerzahl notwendigen Lehrkräfte zu verringern. Um das gegenwärtig bestehende zahlenmäßige Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern in
den Grundschulen und höheren Schulen aufrecht zu erhalten, wären
in den nächsten zehn Jahren über die Hälfte aller Absolventen sämtlicher amerikanischen Hochschulen und Universitäten erforderlich.
Um das gegenwärtige Verhältnis an den Hochschulen und Universitäten
aufrecht zu erhalten, müßte die Zahl der Fakultäten in den nächsten
fünfzehn Jahren verdoppelt werden.
3. Infolge der Verschiebungen in der Zahl der von den verschiedenen Industriezweigen benötigten Arbeitskräfte und des ständig
steigenden Bedarfs an hochspezialisierten Facharbeitern wächst
die Verantwortung der Schulen, ihren Schülern eine so gute Erziehung
und Fachausbildung zu geben, wie nur irgend möglich.

- 5-

�4. Das Tempo, in dem neue technische Gebiete erschlossen werden,
setzt die Fähigkeit voraus, neue Probleme zu erkennen und sich neuen
Bedingungen anzupassen. Die Universitäten und Fachschulen haben daher
die Pflicht, die geistige Beweglichkeit und berufliche Mobilität
ihrer Schüler im Unterricht zu berücksichtigen.
5. Die Entwicklung der Automatisierung, der steigende Bedarf an
Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern, und die Tatsache, daß
auch andere Gebiete - wie die Wirtschaft und die Psychologie - immer
mehr Verwendung für tüchtige Mathematiker und Statistiker haben, steigert ferner den Wunsch zahlreicher Arbeiter, sich gründliche Kenntnisse in der Mathematik anzueignen, die die Grundlage für Wissenschaft
und Technik bildet. Das Studium der Mathematik, das eine Vielfalt beruflicher Möglichkeiten erschließt, und die Schulung im mathematischen
Denken in früher Jugend bedeuten, daß sich alle Schulgattungen mit dem
Problem auseinandersetzen müssen, wie sie den Mathematikunterricht verbessern können.
6. Wegen der Wichtigkeit, die in sozialer und in technischer Hinsicht den Fortschritten sowohl in der Grundlagenforschung wie in der
theoretischen Wissenschaft zukommt, gewinnen diejenigen Arbeitskräfte
steigende Bedeutung, die für eine schöpferische Tätigkeit auf dem Gebiet der Forschung die nötigen Voraussetzungen mitbringen. Sowohl unsere Schulen selbst wie auch das geistige Klima, das in ihnen herrscht,
könnten mehr als zuvor für die Entwicklung dieser Voraussetzungen förderlich sein und diejenigen ermutigen, sich der Forschung oder der
Wissenschaft zu widmen, die dazu qualifiziert sind.
7. Der wirtschaftliche Wettbewerb wirft das soziale Problem auf,
wie dieee hochqualifizierten Kräfte auf die verschiedenen Arbeitsgebiete verteilt werden sollen. Die Lösung dieses Problems schließt
auch die Frage der Berufsberatung, der verschiedenen Möglichkeiten,
Stipendien zu erhalten, die Anstellungsmöglichkeiten, die Frage des
Gehalts und sämtliche Faktoren ein, die bei einer Berufswahl im allgemeinen berücksichtigt werden. Die Wahrung der persönlichen Freiheit
einerseits und der optimale Einsatz der Intelligenz andererseits
schaffen ein Problem, dessen Lösung sich die besten Pädagogen und
Soziologen angelegen lassen sein sollten.
Quelle: Eigenbericht
# # * »
Jacob S. Potofsky, 1. Vorsitzender der Vereinigten TextilarbeiterGewerkschaft:
Aus: "AFL-CIO Federationist "
- Quellenangabe erforderlich Die Rolle der Gewerkschaften beim Aufbau einer besseren Welt
Das Ziel der Gewerkschaftsbewegung ist die Schaffung friedlicher
und freiheitlicher Verhältnisse und die Steigerung des Lebensstandards
der arbeitenden Klassen in der ganzen Welt. Im Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften haben wir uns brüderlich zusammengeschlossen,
um uns der Aufgabe zu widmen, die Menschheit bei der Erreichung der
Ziele zu unterstützen, die der Schaffung der Gewerkschaftsbewegungen
im 20. Jahrhundert zugrunde lagen. Als freie Menschen versuchen wir,

- 6-

�den Unterdrückten zu helfen. Wir, denen es gelungen ist, eine mächtige
Gewerkschaftsbewegung ins Leben zu rufen, ergreifen jede Gelegenheit,
um die Arbeiter in allen Teilen der Welt bei der Errichtung ähnlich
starker Gewerkschaften zu unterstützen.
Der Beitrag der freien Gewerkschaften zur Erreichung eines
höheren Lebensstandards für die Bevölkerung Nordamerikas ist bekannt.
Wir begrüßen jede Entwicklung, die zur Bildung starker freier Gewerkschaften in anderen Teilen der Welt führt, damit sich auch dort die
Arbeiter eines Friedens in Freiheit und Sicherheit erfreuen können.
Wir wissen nur zu gut, daß ohne Freiheit und Sicherheit jeder Friede
ohne Sinn ist.
Damit will ich keineswegs behaupten, daß wir in den USA das
goldene Zeitalter erreicht haben. Immer noch gehören Millionen von
Arbeitern keiner Gewerkschaft an, sie genießen die Vorteile nicht,
die ihnen die Gewerkschaft bietet, und die Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer eigenen materiellen und geistigen Lebensbedingungen
und der ihrer Kinder werden ihnen vorenthalten. Das ist einer der
Gründe, weshalb der Zusammenschluß zwischen den beiden großen amerikanischen Gewerkschaftsverbänden, der "American Federation of Labor"
und des "Congress of Industrial Organizations" von der amerikanischen
Arbeiterschaft begrüßt wurde.
Unser Ziel ist, die Gewerkschaften zusammenzuschließen, sie zu
festigen und ihre Arbeit wirksamer zu gestalten. Wir sehen darin eine
günstige Gelegenheit, die Gewerkschaftsbewegung auch auf Millionen
unorganisierter Arbeiter auszudehnen.
Der Zusammenschluß der beiden Gewerkschaftsverbände erfolgte
nicht nur im Interesse der Gewerkschaftsmitglieder, sondern auch im
Interesse der entsprechenden Organisationen, in denen wir tätig
sind. Die Gewerkschaften identifizieren sich mit den Interessen
der gesamten Arbeiterschaft und bemühen sich, die Interessen aller
Arbeiter nach besten Kräften zu vertreten. Die Arbeit der Gewerkschaften betrifft Fragen und Probleme nationaler und internationaler Natur, die uns alle angehen.
Als erstes Ergebnis des Zusammenschlusses soll eine gewaltige
Werbekampagne einsetzen, um denjenigen Arbeitern, die sich gegenüber mächtigen Industriegruppen in schwacher Position befinden,
Sprecher zur Verfügung zu stellen, die ihnen helfen werden* ihre
soziale Lage zu verbessern.
Auf diesem Gebiet haben wir noch große Aufgaben zu lösen.
Wenn wir um uns blicken, sehen wir betrübliche Dinge, wie Diktaturen, Hungersnöte, Analphabetentum und unbeschreibliche Armut,
In weiten Gebieten der Erde leben unzählige Millionen, deren tägliche Nahrung aus nur einer Handvoll Reis oder Korn besteht, die
ein elendes und menschenunwürdiges Dasein führen und die an der
Zukunft verzweifeln. Diese Menschen streben nach vielen Dingen,
die für uns eine Selbstverständlichkeit sind. Auch die Einführung
demokratischer Methoden in der Politik und ihre nationale Unabhängigkeit liegt ihnen sehr am Herzen.
Gerade die enttäuschten Hoffnungen dieser Millionen von
Männern, Frauen und- Kindern sind es gewesen, auf denen die totalitären Diktaturen ihre Herrschaft errichten konnten, die sie jetzt
auch auf die übrige freie .Veit auszudehnen versuchen.

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�Was ist nun unsere Haltung gegenüber diesen Fragen? Die freien
Gewerkschaften haben neben anderen eine Lösung für diese Probleme,
diese besteht in der Verwendung der Atomenergie zum Wohle der Menschheit - ihre Nutzbarmachung, nicht um menschliches Leben zu vernichten,
sondern zum Wohle der Menschen und des menschlichen Fortschritts.
Vor einigen Monaten hielt der Internationale Bund Freier Gewerkschaften eine Konferenz über die friedlichen Verwendungsmöglichkeiten
der Atomenergie ab. Die Konferenz forderte großzügige finanzielle
und technische Hilfe für die wirtschaftlich unterentwickelten Gebiete,
um dort Atomindustrien aufzubauen, die friedlichen Aufgaben und der
Hebung des Lebensstandards dieser Länder dienen sollten.
Wenn wir uns vorstellen, daß wir durch die Spaltung des Atoms
Wüsten in fruchtbares Ackerland, reißende Ströme in schiffbare Flüsse
verwandeln, daß wir unbegrenzten Wohlstand in Gebieten erzeugen können,
in denen heute unbeschreibliches Elend und Not herrschen - wie es vor
allem in den unterentwickelten Ländern der Fall ist -, dann rufen wir
die Welt auf, diese Aufgaben kühn, energisch und mit Phantasie in
Angriff zu nehmen und die Schatten zu vertreiben, die über uns schweben
und die uns bedrücken und die die echten Grundlagen unserer demskratischen Institutionen untergraben.
Ein bloßes Überleben der Menschheit betrachten die freien Gewerkschaften als ein unzureichendes Ziel. Wenn bloßes Überleben unser
Hauptziel wäre, gäbe es keine Gewerkschaftsbewegung. Es gibt sie, weil
wir uns ein besseres Leben vorstellten; weil wir ständig dem Volke
Ziele wiesen, die unerreichbar erschienen, haben wir Fortschritte
gemacht und unsere Ziele erreicht - den Achtstundentag, ein Sozialprogramm, das die Menschen gegen Krankheit und im Alter sichert,
den garantierten Jahreslohn und vor allem die Anerkennung des Prinzips
von der Würde des arbeitenden Menschen.
Auf dem eingeschlagenen Wege müssen wir fortschreiten. Wir
müssen die große Friedensorganisation der Vereinten Nationen und ihre
Sonderorganisationen stärken. Wir müssen nach wie vor stark in der
Verteidigung sein. Diese Stärke ist zur Erhaltung des Friedens notwendig.
Ebenso müssen wir auch die Stärke der freien Gewerkschaften
aufrecht erhalten. Freie Gewerkschaften bedeuten eine freie Welt.
Die freien Arbeiter der Welt sind die Verpflichtung eingegangen,
eine bessere und friedliche Welt aufzubauen. Die Verwüstungen des
Krieges und die Folgen der Wirtschaftsdepression haben wir überwunden und Neues geschaffen. Den Diktaturen haben wir Widerstand
geleistet und die Demokratien gestärkt. Der Menschheit haben wir
eine Freiheitscharta und Ideale geschenkt, nach denen sie ihr
Leben ausrichten kann und die wir überall in der Welt verbreiten
wollen. Wir Angehörige der amerikanischen Gewerkschaften haben uns
die Aufgabe gestellt, diese Ziele noch in unserer Zeit zu verwirklichen.
(Aus: "AFL-CIO Ameri can Federationist")
- Quellenangabe erforderlich -

- 8 -

�Guy Farmer,
ehemaliger Vorsitzender der amerikanischen Bundesarbeitsaufsichtsbehörde:
Aussichten im Jahre 1956 für den Neuabschluß von Tarifverträgen
(Auszüge aus einer Rede, gehalten auf der Sonderkonferenz der Amerikanischen Gesellschaft für Betriebsführung- American Management Association - in Chicago;
Bei der Frage, welche Möglichkeiten sich in diesem Jahr für den
Neuabschluß von Tarifverträgen bieten, müssen wir zunächst einen Blick
in die Vergangenheit werfen. Dabei bilden eine Reihe im Jahre 1955
abgeschlossener Verträge, die eine Kündigung für die Dauer von zwei,
drei oder fünf Jahren ausschließen, einen wichtigen Faktor.
Sowohl in der Automobilindustrie und zahlreichen größeren Betrieben der Autozubehörindustrie, den großen Werken der Elektroindustrie, der Landwirtschaftsmaschinen- und der Tafelglasindustrie
als auch in wichtigen Zweigen der Bauindustrie und im Fernlastverkehr
sind daher keine neuen Tarifverhandlungen zu erwarten.
Alle diese Verträge sehen automatische Lohnerhöhungen im Laufe
des Jahres 1956 vor - ab Juni um 2,5 Prozent in der Automobilindustrie,
im Herbst um 3 Prozent bei General Electric und Westinghouse und so
weiter. Im Durchschnitt betragen diese Lohnerhöhungen 6 Cent pro Stunde.
In der Tafelglasindustrie beträgt die Lohnerhöhung 5 Cent, die nach
Vereinbarung der beiden Vertragspartner entweder zugunsten des Fonds
für die zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, für sonstige Sozialleistungen oder aber für eine allgemeine Erhöhung der Löhne verwendet
werden sollen. Verschiedene im Fernlastverkehr und in der Bauindustrie
abgeschlossene Verträge sehen für das Jahr 1956 sogar die automatische
Erhöhung der Löhne um 10 Cent vor.
In gewöhnlichen Zeiten könnte man damit rechnen, daß Lohnerhöhungen in der Automobil-, der Landwirtschaftsmaschinen- und der Elektroindustrie um 6 Cent pro Stunde gleichzeitig die Grundlage und äußerste
Grenze für alle übrigen Lohnverhandlungen in diesem Jahr bilden würden anders gesagt, daß sie bei den Lohnverhandlungen im Jahre 1956 als
"Muster" dienen würden.
Ich brauche Ihnen aber nicht erst zu sagen, daß wir in keinen gewöhnlichen Zeiten leben. Die wichtigsten Lohnverhandlungen im Jahre 1956
fanden zuerst in der Ölindustrie statt, und die Gewerkschaften nahmen
den Vorschlag der Gesellschaften an, die Löhne um 6 Prozent, das heißt
um 15 Cent pro Stunde,zu erhöhen. Den Verhandlungen in der Ölindustrie
folgten solche mit verschiedenen Firmen der Flugzeugindustrie, deren
Ergebnis eine Steigerung der Löhne um 6 Cent pro Stunde war. An der
Westküste vereinbarten die North American Aviation Company mit der Automobilarbeitergewerkschaft und die Douglaswerke mit der Gewerkschaft der
Maschinisten Lohnerhöhungen, die sich zwischen 7 und 15 Cent pro Stunde
bewegen, durchschnittlich also 11 Cent betragen. Die Convairwerke einigten sich mit der Maschinistengewerkschaft auf Lohnsteigerungen von
4 bis 6 Prozent.
Nach amtlichen Schätzungen betrug die Steigerung sämtlicher auf
Grund neu abgeschlossener Tarifverträge vereinbarter Löhne im ersten
Quartal 1956 durchschnittlich 8,7 Cent pro Stunde; dies entspricht

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�genau der Steigerung im vierten Quartal des Jahres 1955 und liegt
höher als in jedem anderen Quartal des Jahres 1955« *m April war
die Steigerung im Durchschnitt sogar noch höher. Damit ist der
Beweis erbracht, daß sich die in der Automobilindustrie aufgeschobenen Lohnerhöhungen keineswegs auf die Erhöhung der Löhne in anderen Industriezweigen nachteilig auswirken.
Von ausschlaggebender Bedeutung für den Abschluß neuer Tarifverträge in der gesamten amerikanischen Industrie sind natürlich
die Lohnbewegungen in der Stahlindustrie. In den eisen- und stahlerzeugenden Industrien laufen die wichtigsten Tarifverträge Ende
Juni ab. Das gleiche ist der Fall mit den Verträgen, die zwischen
den großen Hüttenbetrieben für Nichteisenmetalle - zum Beispiel
zwischen Kennecott Copper und Anaconda und den Gewerkschaften der
Berg- und Hüttenarbeiter und der Bauarbeiter - abgeschlossen wurden.
Die Verträge mit den großen Aluminiumgesellschaften laufen im Juli
ab. Und für August sind Verhandlungen zwischen einigen der größten Stahl- und Aluminiumverwertungsgesellschaften wie Timken
Roller Bearing und der Gewerkschaft der Eisen- und Stahlarbeiter,
Tale and Towne, der California Metal Trades Association sowie zahlreichen weiteren Gesellschaften und der Gewerkschaft der Maschinisten vorgesehen.
Im September läuft der Tarifvertrag in der Braunkohlenindustrie
ab, und Ende September sollen zwischen der Konservenindustrie und
der Stahlarbeitergewerkschaft, die im vergangenen Jahr ein Abkommen
über zusätzliche Leistungen zur Arbeitslosenunterstützung abgeschlossen hatten, neue Lohnverhandlungen stattfinden.
Diese Verhandlungen werden sämtlich vom Ergebnis der kommenden
Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie stark beeinflußt werden.
Außerhalb der unmittelbaren Einflußsphäre der Stahlindustrie stehen
weitere wichtige Tarifverhandlungen im Sommer und Herbst bevor.
Im Juni sollen neue Lohnverhandlungen mit der Papierindustrie
der Westküste stattfinden. Die Tarifverträge mit der Konservenindustrie laufen im September ab,und Verhandlungen über einen neuen
Tarif sind jederzeit zu erwarten. Das gleiche gilt für die vier
großen Gummikonzerne. Und schließlich kann auch über die mit den
Eisenbahnergewerkschaften abgeschlossenen Tarifverträgen jederzeit
neu verhandelt werden.
Wenn man die statistischen Angaben nur unter allgemeinen Gesichtspunkten betrachtet, sieht es so aus, als ob die Verhandlungspartner von dem hohen Roß heruntersteigen müßten, auf dem sie in
den letzten
Monaten gesessen haben. Die Wirtschaftstätigkeit
ist nach ihrer stetigen Aufwärtsentwicklung im Jahre 1955 im allgemeinen etwas zurückgegangen. Es sind Arbeiter entlassen worden, und
die Rate der Neueinstellungen ist niedriger als im vergangenen Jahr.
Das Geld ist knapp, und fast alle Industriezweige haben Sorgen, weil
die hohen Selbstkosten die Verbraucherpreise unter .Umständen anheben
könnten.
Hinzu kommt, daß in diesem Jahr die Löhne in der Autonobilund der Elektroindustrie automatisch um 6 Cent steigen werden und
dabei ziemlich weit unter dem Stand der übrigen kürzlich ausgehandelten Lohnerhöhungen liegen werden, und es ist zu erwarten,
daß die Verhandlungen über einen angemessenen Lohnanteil im Jahre
1956 erheblich schwieriger sein werden als im Vorjahr.

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�Doch der Schein mag trügen. Es ist wohl richtig, daß die Wirtschaft in diesem Jahr nicht eine gleiche, alle Geschäftsbereiche
mit einbeziehende Hochkonjunktur erlebt wie 1955« Heute weht der
Wind aus einer anderen Richtung, würden die Männer der Wirtschaft
sagen. Doch es ergibt sich, daß gerade in denjenigen Industriezweigen, die am wenigsten an der Konjunktur teilhaben, wie die
Automobilindustrie und die Autozubehörindustrie, keine TarifVerhandlungen stattfinden werden. Dagegen werden zwei der von der
Konjunktur am meisten begünstigten Industriezweige, die Stahlund Papierindustrie - die in ihrer Kapazität voll ausgelastet
waren - mit der unverminderten Auslastung ihrer Kapazität rechnen
können. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die im Jahre 1956 für
die Wirtschaft entscheidenden Verhandlungen von Industrien geführt
werden dürften, die auf vollen Touren arbeiten.
Eines ist sowohl für Unternehmer als auch für Gewerkschaften
in diesem Wahljahr sicher. Vorausgesetzt, daß sich keine neue internationale Krise ernsteren Ausmaßes entwickelt, sind Eingriffe in die
Verhandlungen von außen nicht zu erwarten. Die Bundesregierung wird
sich lediglich darauf beschränken, unparteiisch zu vermitteln und
sich um einen echten Ausgleich der Interessen zu bemühen.
Diese Politik ist von der Regierung Eisenhower ständig verfolgt worden, und ich bin überzeugt, daß ihr Einfluß auf die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den vergangenen drei Jahren sehr konstruktiv gewesen ist. Die Politik der
Nichteinmischung in Arbeitskonflikte ist verschiedentlich einer
harten Probe ausgesetzt gewesen. Die erste war der Streik im Düsenmotorenwerk Evendale der General Electric Company in Ohio im Jahre
1953« Die zweite war der sieben Wochen dauernde Streik in den NorthAmerican-Aviation-Werken im Jahre 1953» Die dritte war der Streik,
der vor kurzem bei Westinghouse stattfand.
In all diesen Fällen beschloß die Regierung, und meiner Ansicht
nach mit Recht, daß den nationalen Interessen am besten gedient sei,
wenn sie sich jedes Eingreifens enthalte t obwohl durch die Streiks
die Produktion von Rüstungsmaterial direkt beeinflußt war.
Vermutlich würde ein sich auf die gesamte amerikanische Stahlindustrie erstreckender Streik diese Politik auf eine noch härtere
Belastungsprobe stellen, da er sich schließlich auf das gesamte Verteidigungsprogramm auswirken würde. Doch gerade die Tatsache, daß
die Regierung bisher an ihrer Politik der Nichteinmischung festgehalten hat, bietet eine gewisse Gewähr dafür, daß mit einem Streik
der Stahlarbeiter von längerer Dauer nicht zu rechnen ist.
Im März hielt der Ausschuß für Lohnfragen der Stahlarbeitergewerkschaft in Chicago eine Sitzung ab, auf der das Programm für die
kommenden TarifVerhandlungen festgelegt wurde. Aus den Berichten
über die Sitzung ist zu ersehen, daß die Stahlarbeiter in den diesjährigen Verhandlungen vier Dinge erreichen wollen:
1. Die Gewährung zusätzlicher Arbeitslosenunterstützungen nach
dem Vorbild der zwischen den Stahlarbeitern und den American Can und
Continental Can im vorigen Jahr abgeschlossenen Abkommen.
2. Eine "substantielle" Erhöhung der Löhne, eine Forderung, die
periodisch jedes Jahr wiederkehrt. Nach alter Tradition legt sich
die Stahlarbeitergewerkschaft niemals auf bestimmte Zahlen fest,
wenn sie in den Verhandlungen i'nre Forderungen 'bekanntgibt. Die

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�Die TarifVerhandlungen in zahlreichen anderen Industriezweigen würden
reibungsloser vonstatten gehen, wenn auch dort die Gewerkschaften die
gleichen Methoden anwenden würden.
3. Fordert die Gewerkschaft eine Anzahl von Verbesserungen auf
dem Gebiet der Sozialversicherung, insbesondere eine Herabsetzung der
Arbeitnehmerbeiträge, die heute 4,5 Cent pro Stunde betragen sowie
eine Erhöhung der gegenwärtig 40 Dollar in der Woche betragenden Kranken- und Unfallversicherung.
4. Schließlich - und es ist interessant, daß diese Forderung bei
dem Ausschuß, der das Programm aufstellte, den stärksten Widerhall
fand - verlangt die Gewerkschaft, daß Arbeitnehmer für Sam3tagsarbeit
50 i» und für Sonntagsarbeit 100 f&gt; Lohnaufschlag erhalten.
Ich bilde mir nicht ein, die Einstellung der Stahlgesellschaften
zu diesen Fragen zu kennen. Man kann sich aber schwer einen Kompromiß
vorstellen, der für beide Seiten befriedigend ist, zumal in einer Zeit,
in der die Stahlindustrie hundertprozentig ausgelastet ist. Vorstellbar
wäre eine Lösung, bei der sich beide Parteien darauf beschränken würden,
das Problem erst einmal während der Laufzeit des nächsten Tarifvertrages eingehend zu studieren. Erwähnen möchte ich hierbei, daß bestimmte
Überlegungen darüber angestellt wurden, ob die Stahlfirmen sich nicht
bereit erklären könnten, über ihr erst 1957 ablaufendes Abkommen über
die Altersversorgung bereits früher neu zu verhandeln, und, statt höhere
Prämien für Wochenendarbeit zu zahlen, ihre Sozialleistungen den im
letzten Jahr in der Automobilindustrie abgeschlossenen Verträgen anzugleichen.
Jedenfalls wird die Frage der privaten Altersversorgung auch bei
den in diesem Sommer und Herbst in anderen Industriezweigen stattfindenden Tarifverhandlungen eine große Rolle spielen. Im vergangenen Jahr
errangen die Automobilarbeiter einen großen Erfolg, als sie in den Plänen zur Altersversorgung, bei denen die Arbeitnehmer nicht beitragspflichtig sind, den Gedanken eines anerkannten Rechts (Erwerb eines
dauernden Rechtsanspruchs) durchsetzten. In den Tarifverträgen mit
Ford und General Motors besitzen die Arbeitnehmer einen anerkannten
Rechtsanspruch auf Altersversorgung, wenn sie 40 Jahre alt und 10 Jahre
im gleichen Betrieb beschäftigt sind. In den Verträgen mit American
Motors sind solche Altersgrenzen nicht enthalten.
Ferner ist zu erwarten, daß die Gewerkschaften sehr stark darauf
drängen werden, daß die private Altersversorgung von der staatlichen
Sozialversicherung getrennt wird; daß die zum Bezug der Altersversorgung erforderlichen Berufsjahre wegfallen; daß die Arbeitnehmerbeiträge
zur Altersversorgung, wo diese noch geleistet werden müssen, nicht mehr
länger zu zahlen sind und jede Altersgrenze beim Ausscheiden aus dem
Berufsleben infolge voller Arbeitsunfähigkeit beseitigt wird. Es ist
interessant festzustellen, daß ein Aufgeben der Altersgrenze beim Ausscheiden aus dem Berufsleben infolge voller Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich nur geringe Kosten verursachen wird. Eine vor kurzem von der
Universität Princeton veröffentlichte Studie zeigt, daß nur eine Person
von 10 000 Beschäftigten unter 50 Jahren dauernd und voll arbeitsunfähig
ist. Andererseits kann sich die Beseitigung der Höchstgrenze der Berufsjahre für die Altersversorgung auch als sehr kostspielig auswirken.
In dem Tarifabkommen mit Ford vom Jahre 1955, in dem die Grenze der
Berufsjahre aufgegeben wurde, wurden im Januar 248 Anträge auf Altersversorgung genehmigt. Unter diesen konnten 136 Antragsteller auf eine

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�Berufstätigkeit von über 30 Jahren zurückblicken. Der älteste hatte
49 Jahre im Beruf gestanden, und er wird im Rahmen der Altersversorgung der Firma Ford monatlich 110,25 Dollar erhalten; dazu kommt die staatliche Sozialversicherung.
Ich bin gefragt worden, in welchem Maße das zustandekommende
Tarifabkommen in der Stahlindustrie den im Jahre 1956 stattfindenden
TarifVerhandlungen anderer Industriezweige als Muster dienen könnte.
Zweifellos wird sein Einfluß groß sein. Doch den Unternehmern in ihrer Gesamtheit, die sich auf die in diesem Sommer und Herbst stattfindenden Tarifverhandlungen vorbereiten, dürfte sich vermutlich
gerade in diesem Jahr, wenn überhaupt jemals, die Gelegenheit bieten,
sich bei den Verhandlungen nicht nach einem Vorbild richten zu müssen,
allein schon wegen der unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse, von
denen ich bereits gesprochen habe und die jedes starre Festhalten
an dem von den führenden Industrien gegebenen Muster besonders riskant
machen.
Dann aber sind die Verhandlungsziele der verschiedenen Gewerkschaften untereinander verschieden - sie lassen sich in kein einheitliches Schema pressen, wie es sonst der Fall war. Die Gewährung von
zusätzlichen privaten Arbeitslosenunterstützungen wird auch weiter ein
ernsthaftes Verhandlungsprojekt der Automobil- und der Stahlarbeiter
sein. Für andere Gewerkschaften ist sie unwichtig oder wird von ihnen
lediglich als Druckmittel benutzt, um von den Unternehmern andere
Konzessionen zu erzwingen. Die Gewerkschaft der Konservenarbeiter
und der entsprechenden Zulieferindustrien sowie verschiedene andere
Gewerkschaften drängen energisch auf eine Verkürzung der Arbeitszeit.
Andererseits sprechen die Gummiarbeiter in Akron bereits wieder davon,
daß die Arbeitswoche wieder von 36 auf 40 Stunden heraufgesetzt werden
müßte.
Der einsichtige und praktisch denkende Unternehmer hat zuletzt
doch begriffen, daß es für das Wohl und das ständige Waahstum seines
Betriebes wesentlich ist, einen Modus vivendi zu finden, der es ihm
gestattet, mit der Gewerkschaft und seiner Belegschaft offen und ehrlich zu verhandeln, während er gleichzeitig selbst nach freiem Gutdünken seine Entscheidungen im Betrieb trifft, sein Unternehmen leistungsfähig erhält und einwandfrei leitet. Diese Einsicht brachte ihn
dazu, sich mehr um diejenigen Bestimmungen seines Tarifabkommens zu
kümmern, die nicht ausgesprochen wirtschaftlicher Natur sind und die
die Beziehungen zwischen der Gewerkschaft und der Betriebsführung
betreffen - Bestimmungen über das Beschwerdeverfahren im Betrieb, die
Verantwortungsbefugnisse der Betriebsführung, über die Anschaffung
neuer Maschinen und über neue Produktionsmethoden.
Eine stärkere Konzentrierung auf die Bestimmungen nichtwirtschaftlicher Natur, deren Ziel es ist, eine vernünftige Basis für das Zusammenleben von Unternehmer und Gewerkschaft abzugeben, ein Modus vivendi,
bei dem die Rechte und Zuständigkeiten der Betriebsführung und der Gewerkschaft in einem richtigen Verhältnis zueinander stehen, wird auf
lange Sicht gesehen sowohl den Interessen des Unternehmers wie der
Gewerkschaften am besten dienen und sicherstellen, daß das Wirtschaftsleben der USA gesund bleibt.

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
"Revidierter garantierter Jahreslohn" auf individueller Basis
Ein neuartiger Typ eines zusätzlichen Arbeitslosenunterstützungsplanes wurde jetzt vom Amt für Arbeitslosenunterstützung des Staates
Ohio gebilligt. Der von der "Eaton llanufacturing Company" in Cleveland
aufgestellte Plan, der in seinen Grundzügen den im vergangenen Jahr
zwischen der Automobilarbeitergewerkschaft und den Großunternehmen
der Autoindustrie ausgehandelten Abkommen über zusätzliche Unterstützungsleistungen bei Entlassung ähnelt, sieht die Errichtung
eines aus Unternehmerbeiträgen finanzierten Trustfonds vor, in
dessen Rahmen jeder Angestellte über ein eigenes Gutschriftkonto
verfügt. Für jede von ihm geleistete Arbeitsstunde werden ihm dabei
3 1/2 Cent auf sein Konto überwiesen. Der anlaufende Gesamtbetrag
des Kontos verbleibt in der Verfügungsgewalt des Inhabers.
Im Falle von Entlassung oder bei vorübergehender Arbeitslosigkeit kann der Arbeitnehmer dann Geld von seinem Konto abziehen. Bei
Aufkündigung des Arbeitsverhältnisses kann er den Gesamtbetrag seines Kontos abheben, und bei Todesfall geht das angesammelte Vermögen
auf seine Angehörigen über.
Der am 1. Juli 1955 unterzeichnete Kontrakt sieht die Aufnahme
der Zahlungen durch den Unternehmer vom 1. Juli dieses Jahres an vor.
Jeder Mitarbeiter des Unternehmens, der am 1. Juli 1955 eine Seniorität von über einem Jahr besaß, ist teilnahmeberechtigt.
Der Vorteil dieses Einkommenssicherungsplanes ist gegenüber den
viel diskutierten sogenannten "garantierten Jahreslohnplänen" im
Staate Ohio der, daß die Leistungen aus dem Fonds nicht von der staatlichen Arbeitslosenunterstützung abgezogen werden.
Da der Unternehmer hier, weil es sich um Individualzuschüsse
handelt, auch für die in den Fonds eingezahlten Beträge - genauso,
wie für die gezahlten Löhne - Arbeitslosenversicherungsabgaben entrichten muß, kommen die Leistungen dem Begünstigten in voller Höhe
zugute, ganz im Gegensatz zu den "garantierten Jahreslohnplänen",
bei denen die Beträge in einen Zentralfonds abgeführt werden, ohne
daß der Unternehmer dafür Arbeitslosenversicherungsbeiträge zu leisten hat. Aus diesem Grunde hat der Staat Ohio entschieden, daß die
aus diesen Fonds gezahlten Beträge von der staatlichen Arbeitslosenunterstützung abzusetzen sind. Dadurch sind die sogenannten "garantierten Jahreslohnpläne" in Ohio nicht durchführbar, obgleich sie
von anderen Bundesstaaten anerkannt werden.
Nach Ansicht offizieller Vertreter des Staates Ohio dürfte dieser neue Plan weitreichende Auswirkungen auf dem Labor-ManagementSektor haben und auch in anderen Bundesstaaten zur Bildung ähnlicher
Pläne führen.
* # »
Henry Ford II. ruft Mitarbeiter auf, sich aktiv an der Wahl zu beteiligen
In einem Brief an sämtliche Mitarbeiter des Unternehmens fordert
der Präsident der "Ford Motor Company", Henry Ford II., die Belegschaft
auf, sich an den kommenden Präsidentschaftswahlen aktiv zu beteiligen
und die "Partei ihrer Wahl" finanziell zu unterstützen.
Henry Ford begründet seine Aufforderung und seinen ungewöhnlichen
Appell mit folgenden Argumenten: "Das Recht, einen Präsidenten zu wählen und in einem der kritischen Zeitpunkte der Weltgeschichte zu ent-

- 14 -

�entscheiden, welche Partei mit der Regierungsverantwortung betraut
werden soll, legt allen Mitbürgern eine ernste Verantwortung auf.
Jeder muß hierbei wissen, um was es geht. Es ist unsere Pflicht,
uns aktiv und bewußt mit den einzelnen Kandidaten zu beschäftigen
und die von ihnen vertretene politische Auffassung kritisch zu würdigen. Aber die bloße Informierung, damit wir unsere Stimme bewußt
abgeben können, sollte nicht die einzige Aufgabe als Staatsbürger
sein. Der Einsatz, um den es geht, ist zu groß, als daß wir abseits
stehen könnten. Wenn wir einer Partei und ihrem Kandidaten vertrauen,
dann sollten wir auch die Partei und den Mann mit all unseren Kräften
unterstützen.
Sowohl die Republikanische als auch die Demokratische Partei brauchen Unterstützung, damit sie ihre Ansichten der breiten Öffentlichkeit
darlegen können. Sie benötigen willige und interessierte Mitarbeiter,
die-Kraft und Zeit dafür einsetzen können, Millionen Amerikaner zur
Ausübung ihres Wahlrechts zu ermutigen. Beide Parteien müssen Gelder
aufbringen, um die Kosten für die Wahlkampagne im Radio, Fernsehen
und in anderen Formen der Propaganda bestreiten zu können.
Ich fordere hiermit alle Mitarbeiter der 'Ford Motor Company'
auf, sich selbst und der gesamten Nation während der nächsten Wochen
zu dienen, indem sie zumindest einen Teil ihrer verfügbaren Zeit der
Partei ihrer Wahl zur Verfügung stellen. Desgleichen fordere ich Sie
auf, Ihre Partei mit Geldmitteln jeder Höhe und in dem Ihnen möglichen
Rahmen zu unterstützen. Der eigentliche Betrag Ihrer Wahlspende ist
dabei weniger bedeutend als Ihre Bereitschaft, zu dokumentieren, wo
Ihr Standort zu den wichtigsten politischen Gegenwartsfragen ist.
Die beiden großen Parteien in unserem politischen System sind
das Bollwerk 'einer Nation, der Unteilbarkeit und der Freiheit und
Gerechtigkeit für alle'. Sie verdienen die Unterstützung von allen
von uns - jeder nach seinen Möglichkeiten und seiner politischen
Überzeugung."
* * *
Wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen für Studenten und Arbeiter
Der Yeshiva-Universität von New York ist von der Sidney-Hillman-Stiftung ein besonderer Zuschuß gewährt worden, um einen Lehrauftrag für Wirtschaftswissenschaften erteilen zu können, wie in
einer gemeinsamen Erklärung der Universität, der Stiftung und der
Gewerkschaft der Vereinigten Bekleidungsarbeiter Amerikas bekanntgegeben wurde.
Die von der Sidney-Hillman-Stiftung 1955 ins Leben gerufene
öffentliche Vorlesungsreihe sollte es den führenden Universitäten
der Vereinigten Staaten ermöglichen, bedeutende Persönlichkeiten
und Universitätslehrer für Vorlesungen vor Studenten und der breiteren Öffentlichkeit zu gewinnen. Die Tätigkeit der Lehrkräfte im
Rahmen der Stipendien der Hillman-Stiftung schließt auch das Abhalten von Seminaren sowie das Beraten von einzelnen Studenten ein.
Die in Form von zwei Kursen stattfindenden Vorlesungen an der
Yeshiva-Universität werden von Dr. Robert Lekachman, außerordentlicher Professor für Wirtschaftswissenschaften am Barnard-College,
abgehalten werden. Der erste Kurs, der im September beginnt, befaßt
sich mit einem "Vergleich der Wirtschaftssysteme", während der Frühjahrskurs "Die Wirtschaftsgeschichte Amerikas" behandelt.

- 15 -

�Die Yeshiva-Universität in New York wurde 1886 gegründet, zählt
rund 2000 eingeschriebene Studenten und verfügt über ungefähr 150
Lehrkräfte. Der Direktor der Universität ist Samuel Belkin, der die
gemeinsame Erklärung mit unterzeichnete.
* * •

Ein interessantes "union shop"-Abkommen
Einen besonderen organisatorischen Erfolg konnte die "Vereinigte
Automobilarbeitergewerkschaft"(UAW) auf Grund eines Abkommens mit der
"Waterbury Companies Ine," verzeichnen, durch den das Unternehmen der
Einführung eines vollständigen "union shop" unter der Vorbedingung
zustimmte, daß ein Teil der gewerkschaftlichen Aufnahmegebühren und
Mitgliederbeiträge für Wohlfahrtseinrichtungen zur Verfügung gestellt
wird.
Vorgesehen ist in diesem Abkommen, wie das Gewerkschaftsblatt
"Labors Daily" berichtet, daß ein Teil der einkommenden Aufnahme- und
Mitgliederbeiträge in den nächsten zwei Jahren einem Krankenhaus für
körperlich behinderte Kinder zugeführt wird, während gleichzeitig in
diesem Zeitraum der Gewerkschaft der "union shop" erhalten bleibt.
Zum Abschluß dieses außergewöhnlichen Vertrages kam es so: die
UAW-Gewerkschaft verhandelte mit dem Unternehmen über die Einführung
des vollständigen "union shop". Die "Waterbury Companies" lehnten
den "union shop" in'der von der Gewerkschaft vorgeschlagenen Form
ab und legten ihrerseits einen Kompromißvorschlag vor. Dieser sah
unter anderem vor, daß diejenigen Beschäftigten des Unternehmens,
die bei Abschluß des Vertrages nicht der Gewerkschaft angehören,
der Gewerkschaft nicht beizutreten brauchen. Das Unternehmen begründete diesen Vorschlag mit dem Hinweis, daß einige seiner Mitarbeiter aus prinzipiellen Erwägungen nicht bereit seien, Beiträge
an eine Gewerkschaft zu zahlen.
Daraufhin brachte die Gewerkschaft einen Gegenvorschlag ein,
der vorsah, daß solche Mitarbeiter des Betriebes, die keine Gewerkschaftsbeiträge zu zahlen wünschen, aber ihre Zustimmung zum
regelmäßigen Abzug eines Betrages in Höhe des Gewerkschaftsbeitrages geben, Gewerkschaftsmitglieder werden und die von ihnen geleisteten Beträge dem Kinderkrankenhaus zugeführt werden.
Von diesem Abkommen werden rund 350 Arbeitnehmer erfaßt. Die
monatliche Höhe der Beiträge beläuft sich auf 2,50 Dollar.

* * •

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeltsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
A | n t f ü r Arbeltsinformationen
USIS Press Division
Meblem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
IX

"

Mehlem.den 1. Oktober 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Steigendes Lohnniveau in den USA

Seite

1

Die amerikanische Streikstatistik im Jahre 1955

Seite

4

Facharbeiter für ein neues Industriezeitalter

Seite

11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten!
Pensionserhöhungen für US-Eisenbahner

Seite

14

für vier Jahre sichergestellt

Seite

15

Trend zu langfristigen Kollektivverträgen

Seite

15

Gewerkschaftsverband AFL-CIO kein Monopol

Seite

16

Hohe Streikziffern im Juli

Seite

16

Arbeitsfriede im New Yorker Transportgewerbe

Steigendes Lohnniveau in den USA
Das Lohnniveau in den Vereinigten Staaten ist bereits in diesem
Jahr erheblich angestiegen und wird auch noch weiter ansteigen. Es
besteht somit keine Gefahr, daß die Aufwärtsentwicklung, die seit
1954 anhält, eine Unterbrechung erfährt. Das Ausmaß der Steigerung
läßt sich bereits heute aus der Tatsache ersehen, daß eine Reihe von
großen Firmen mit rund 2,7 Millionen Betriebsangehörigen Tarifverträge
mit den Gewerkschaften abgeschlossen haben, in denen stufenweise Lohnerhöhungen noch im Verlaufe dieses Jahres vorgesehen sind. Diese Abmachungen betreffen vor allem die Automobil- und Landwirtschaftsmaschinenindustrie, den Elektroapparatebau, die Flachglasindustrie,
den Bitumenkohlenbergbau, das Straßentransportgewerbe, die Atomindustrie und das Baugewerbe.
Abgesehen vom Kohlenbergbau haben diese Verträge eine Laufzeit
von 3 bis 5 Jahren mit festgelegten jährlichen Lohnerhöhungen und
in vielen Fällen vierteljährlicher Angleichung an die Lebenshaltungskosten. Die für 1956 vertraglich vorgesehenen Lohnerhöhungen belaufen
sich im Bitumenkohlenbergbau auf durchschnittlich 10 Cent pro Stunde,
im Straßentransportgewerbe auf 8 Cent, in der Atomenergieindustrie
auf 7 Cent, in der Automobil- und Landwirtschaftsmaschinenindustrie
sowie im Elektroapparatebau auf 6 Cent und in der Flachglasindustrie
schließlich auf 5 Cent.
1 -

�Im Laufe von 22 Jahren hat sich der Stundenlohn für Fabrikarbeiter im Durchschnitt um 32Cy£ auf 1,85 Dollar erhöht (einschließlich Nachtzuschläge, aber ohne bberstundenzuschläge). Ein Ende dieser Aufwärtsentwicklung ist vorläufig noch nicht abzusehen.
Der Abschluß langfristiger Tarifverträge, die jährliche Lohnerhöhungen in vorher festgesetzter Höhe vorsehen, ist ein verhältnismäßig neues Moment bei den Kollektivverhandlungen.
Der Stundenlohn in den Fertigungsindustrien ist seit 1948
durchschnittlich um 39 Cent angestiegen. Im gleichen Zeitraum haben
sich die Stundenlöhne in der Automobilindustrie allein auf Grund der
in den Tarifverträgen vorgesehenen jährlichen Erhöhungen und der Angleichung an die steigenden Lebenshaltungskosten um insgesamt 63 Cent,
in der stahlerzeugenden Industrie um 60 Cent, im Elektroapparatebau
um 59,5 Cent erhöht.
Die Gesamtzunahme der durchschnittlichen Stundenlöhne betrug
jedoch im gleichen Zeitraum in der Automobilindustrie nahezu 73 Cent
und in der Stahlindustrie 88,5 Cent, das heißt sie sind über die ausgehandelten Erhöhungen hinaus angestiegen. Die Erhöhung des Stundenlohns im Elektroapparatebau ist andererseits aber um 5415 Cent hinter
der vertraglich vorgesehenen jährlichen Steigerung zurückgeblieben.
Diese. Differenz zwischen den bezahlten Stundenlöhnen in den
genannten Industrien und der vertraglich vorgesehenen jährlichen
Erhöhung ist, zumindest zu einem Teil, auf eine Zunahme der Zahl
der hochqualifizierten und daher besser bezahlten Positionen, die
größere Häufigkeit von Nachtschichten und die Erhöhung der Zuschläge
für Nachtarbeit, die Versetzung von Arbeitern auf besser bezahlte
Arbeitsplätze im Zuge der Produktionssteigerungen in der Autoindustrie und in anderen Wirtschaftszweigen und die Gewährung von Arbeitsanreizen und Prämien - vor allem in der Stahlindustrie - zurückzuführen.
In denjenigen Industrien, in denen die Löhne von Jahr zu Jahr
ausgehandelt werden, spiegeln Lohnerhöhungen meist eine Zunahme der
Geschäftstätigkeit wider. In Zeiten der Hochkonjunktur, so 1955» ist
es durchaus möglich, daß die ausgehandelten Löhne die eingebauten
alljährlichen Erhöhungen übersteigen; umgekehrt kann ein Rückgang des
Geschäfts dahin führen, daß die Löhne hinter den erwarteten Erhöhungen zurückbleiben.
Theoretisch sollen die eingebauten jährlichen Erhöhungen der
Entwicklung der Produktivität entsprechen, wobei die erhöhte Produktivität die höheren Lohnkosten aufwiegen muß. Die Arbeitsproduktivität stieg in den Jahren von 1947 bis 1953 im Durchschnitt um
3 bis 5,6/j, und in den Jahren 1954 und 1955 um schätzungsweise 5/^
jährlich an.
Nach Ansicht des "Bundesamtes für Arbeitsstatistik" ist allerdings ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Löhnen und Produktivität nur schwer festzustellen. Das auslösende Moment bei Lohnerhöhungen ist vielmehr wirtschaftliche Prosperität bei hohem Beschäftigungsstand. In Zeiten einer Flaute oder aber in Industrien, die einen
Rückgang der Geschäftstätigkeit zu verzeichnen haben, dürfte es für
die Arbeiter sehr schwer sein, Lohnerhöhungen durchzusetzen, selbst
wenn die Löhne in anderen Industriezweigen ansteigen sollten.

- 2 -

�Der Lebenshaltungskostenindex ist in den vergangenen drei Jahren
bei einer maximalen Schwankung von knapp 2)o stabil geblieben. Die Löhne
dagegen, zum Beispiel in der verarbeitenden Industrie, sind im gleichen
Zeitraum um über IC70 angestiegen. Das heißt, jede Erhöhung der Löhne
brachte eine echte Erhöhung der Kaufkraft der Arbeiter.
Die Stabilität der Einzelhandelspreise während der letzten drei
Jahre ist weitgehend auf den ständigen Rückgang der Preise für Lebensmittel und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse seit 1950 zurückzuführen. Durch diese Preissenkungen wurden die anziehenden Kosten für
Mieten und Dienstleistungen fast völlig ausgeglichen.
Es gibt aber auch Stimmen, die ausdrücklich vor einer Kopplung
von Produktivität und Löhnen warnen. So gibt Dr. Jules Backmann, Professor der Wirtschaftswissenschaften an der New Yorker Universität,
zu bedenken, daß man bei den eingebauten vorher festgesetzten jährlichen Lohnerhöhungen von der durchaus nicht in jedem Falle, zutreffenden Annahme ausgehe, die Produktivität steige konstant weiter.
Es ist ein fragwürdiges Unternehmen, so folgert Professor Backmann, einheitliche jährliche Lohnsteigerungen vornehmen zu wollen,
bei denen man sich auf die einheitliche Steigerung der Produktivität
stützt, die in Wirklichkeit aber gar nicht gegeben ist, sondern lediglich dadurch vorgetäuscht wird, daß beide Trends oftmals über eine
Reihe von Jahren hinweg in dieselbe Richtung verlaufen und etwa dieselbe Größenordnung aufweisen. Eine wirklich enge Relation zwischen
Löhnen und Produktivität über kürzere Zeiträume hinweg ist aber zu
leugnen.
Dies läßt sich an einigen Abweichungen in der Lohn-ProduktivitätsRelation, wie sie in einer freien //irtschaft häufig vorkommen, leicht
beweisen.
Im Jahre 1949 blieb eine allgemeine Lohnerhöhung in den Hauptindustriezweigen aus, während andererseits im vergangenen Jahr Lohnerhöhungen ausgehandelt wurden, die im allgemeinen über die Produktivitätszuwachsrate hinausgingen.
Die Verfechter langfristiger Lohnabkommen weisen darauf hin, daß
sie eine ungehinderte Produktion und Planung auf lange Sicht ermöglichen und damit zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Stabilität
beitragen. Nach Ansicht des Präsidenten der "Southern Coal Producers'
Association" sind langfristige Tarifverträge Ausdruck eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen den Sozialpartnern und werden mit zunehmendem
Verständnis für die Lohnpolitik und dem immer stärkeren Übergang von
Privatbesitz zur Verwaltung des Betriebes durch Fachleute in wachsendem Umfange in der Industrie Anwendung finden.
Die ersten langfristigen Lohnabkommen in der Automobilindustrie
wurden 1948 bei "General Motors" als "stabilisierender Faktor nicht
nur für den eigenen Betrieb, sondern für die Gesamtwirtschaft der
Vereinigten Staaten" eingeführt. Dieses Abkommen erstreckte sich auf
zwei Jahre und sah eine jährliche Lohnerhöhung um 3 Cent pro Stunde
"zur Hebung des Lebensstandards der Arbeiter" sowie eine - zu jener
Zeit ganz neuartige - Angleichung an die Lebenshaltungskosten "zum
Schutze der Arbeiter vor den ansteigenden Verbraucherpreisen" vor.
Diese jährliche Lohnerhöhung bei "General Motors" soll die steigende Produktivität widerspiegeln und ist von 3 Cent pro Stunde auf

- 3-

�4,5 und zur Zeit 6 Cent pro Stunde angestiegen. Sie entspricht in etwa
dem durchschnittlichen Anstieg der Produktivität von 2 bis 3$ im Laufe
der letzten 40 Jahre. Die Gewerkschaften erklärten sich als Gegenleistung für die Lohnerhöhungen bereit, die durch diese entstehenden
höheren Lohnkosten durch entsprechende erhöhte Arbeitsproduktivität
auszugleichen - ein Punkt, dem manche andere Betriebe, die ähnliche
Kontrakte abschlössen, übersehen haben.
"General Electric" unterzeichneten den ersten langfristigen Tarifvertrag mit stufenweisen Lohnerhöhungen und regelmäßigen Angleichungen
an die Lebenshaltungskosten in der zweiten Hälfte des Jahres 1955«
Der Vertrag hat eine Laufzeit von 5 Jahren, bis i960 also, und sieht
eine Lohnerhöhung von 3$, mindestens aber um 4,5 Cent je Stunde, in
den Jahren 1955, 1956 und 1957 vor.
Langfristige Lohnabkommen ermöglichen Arbeitgebern wie Arbeitnehmern eine Planung auf lange Sicht. Dem Unternehmer geben sie die
Gewißheit, daß er während der Laufzeit des Vertrages vor etwaigen
Arbeitseinstellungen wegen erneuter Lohnforderung sicher sein kann.
Dem Verbraucher garantieren sie eine reibungslose und regelmäßige
Versorgung mit den Waren und Dienstleistungen, die er von der Wirtschaft erwartet.
(Aus "Nations Business")
Copyright - 1 956

N. J. Herlihy und Herbert T. Moede, Amerikanisches Bundesamt für
Arbeitsstatistik:
Die amerikanische Streikstatistik im Jahre 1955
Die günstige Wirtschaftslage im Verein mit einer wesentlich verstärkten Gewerkschaftsaktivität in TarifVerhandlungen bildeten die
Ursache für die Zunahme der Streiks im Jahr 1955« Die Zahl der Arbeitsniederlegungen lag um 25$ über der des Jahres 1954, war aber
dennoch erheblich niedriger als in anderen Jahren starker Streiktätigkeit. Desgleichen lag auch die Zahl der in diese Streiks verwickelten Arbeiter und Angestellten sowie der durch Streiks verlorengegangenen Arbeitsstunden höher als im Jahr 1954, wobei der Arbeitszeitausfall größer war als 1951 und 1954, im übrigen aber geringer
als in den Nachkriegsjähren.
Im Verlauf des Berichtsjahres brachen 4320 Streiks aus, an denen
sich insgesamt 2,6 Millionen Arbeiter und Angestellte beteiligten.
Diese Streiks hatten zusammen mit den Arbeitsniederlegungen, die sich
aus dem Jahre 1954 bis in das Jahr 1955 hinein fortsetzten, den Verlust von insgesamt 28,2 Millionen Arbeitstagen zur Folge, das sind
0,25 i&lt;&gt; der gesamten im Verlauf des Jahres geleisteten Arbeitstage.
Die Streiks, die im Jahr 1955 beigelegt wurden, dauerten im Durchschnitt 18,5 Tage, das heißt, sie waren, abgesehen von 1951, kürzer
als in den sonstigen Nachkriegsjähren.
Die größere Zahl von Kollektivverhandlungen ist nicht nur auf
den erhöhten Beschäftigungsstand und die steigende Produktion zurückzuführen (wobei die Beschäftigung in nicht-landwirtschaftlichen Betrieben

-4 -

�gegenüber 1954 um 2,3^ und das Bruttosozialprodukt um 6,2$ stiegen),
sondern auch auf die Tatsache, daß eine Reihe langfristiger Tarifverträge ausliefen. Die wichtigeren Tarifverträge aus dem Jahr 1955
brachten - und dies ist geradezu typisch für sie - Löhne und Sozialleistungen, die über dem im Jahr 1954 ausgehandelten Niveau liegen.
In zahlreichen Industriezweigen wurden die neuen Tarifverträge
ohne Streiks oder mit nur ganz kurzfristigen Unterbrechungen der
Arbeit ausgehandelt. So kam es bei den Auseinandersetzungen in der
Stahl- und Automobilindustrie oftmals zu einer Regelung strittiger
Fragen noch ehe ein Tag über den durch solche Meinungsverschiedenheiten ausgelösten Streik vergangen war. Auch die Streiks, die sich
auf ganze Industriezweige erstreckten, dauerten nicht länger als
1 bis 2 Tage. Die Notstandsbestimmungen des Taft-Hartley-Gesetzes
wurden in keinem Fall angewandt. Allerdings wurden gemäß den Bestimmungen des Eisenbahnarbeitergesetzes fünf Dringlichkeitsausschüsse eingerichtet.
Wenn auch die TarifVerhandlungen im allgemeinen einen ruhigen
und ungestörten Verlauf nahmen, so kam es doch in einigen Fällen
zu bemerksnwert heftigen Auseinandersetzungen. Der 47tägige Streik,
zu dem es im Zusammenhang mit Lohnverhandlungen der Gewerkschaften
mit Unternehmen aus der NE-Metallbranche kam, führte zur Schließung von 3 der 4 größten Betriebe und hatte damit schon fast den
Charakter eines allgemeinen Streiks der Arbeiter in dieser Sparte.
Im Verlauf des Sommers waren ferner 3 große Firmen in der Landwirtschaf tsmaschinenindustri« durch getrennte Streiks ihrer Belegschaften
zu einer zeitweiligen Schließung ihrer Betriebe gezwungen.
Die Großstreiks
Einige wenige Streiks hatten die Schließung beziehungsweise
teilweise Schließung von Großbetrieben über einen größeren Zeitraum
hinweg zur Folge. Von den Großstreiks (das heißt Arbeitsniederlegungen durch 10 000 oder mehr Arbeiter), die im Jahr 1955 beendet
werden konnten, dauerten 3 länger als 50 Tage: Die Auseinandersetzungen zwischen der "Amerikanischen Gewerkschaft für das Fernmeldewesen" und der"Southern Bell Telephone und Telegraph Co." (72 Tage);
der Streik von 10 AFL-Gewerkschaften, die als Interessenvertreter der
Eisenbahnbediensteten mit Ausnahme des Zug- und Betriebspersonals
handelten, bei der "Louisville and Nashville Railroad" (58 Tage);
und der Streik von Mitgliedern der Gewerkschaft der Amerikanischen
Textilarbeiter (CIO) in der Textilindustrie in den Neuenglandstaaten, der der längste größere Streik im Jahr 1955 überhaupt war (in
einigen Fabriken 90 Tage). Bei letzterem konnte allerdings eine Reihe
von Meinungsverschiedenheiten bereits in den ersten Tagen des Streiks
beigelegt werden. Bei der "Westinghouse Electric Corporation" traten
54 000 Mitglieder der "Internationalen Gewerkschaft der Elektro-,
Radio- und Maschinenmechaniker" und der unabhängigen Gewerkschaft
der Elektroarbeiter in den Ausstand. Dieser Streik, der am 17. Oktober 1955 begann und bis Jahresschluß noch nicht beendet war, erfaßte
insgesamt 70 000 Arbeitskräfte. Die Durchschnittsdauer der Großstreiks,
die im Verlauf des Jahres 1955 beigelegt werden konnten, betrug 23,2
Kalendertage. An diesen Streiks, die den Verlust von 12,3 Millionen
Arbeitstagen verursachten, beteiligten sich 1,2 Millionen Lohn- und
Gehaltsempfänger; damit entfallen auf sie zwei Fünftel der Gesamtzahl der Streikenden und der verlorenen Arbeitstage des Jahres 1955.

- 5-

�Die wichtigsten Streitfragen
Auseinandersetzungen um Löhne und Sozialleistungen waren 1955
wie in allen bisherigen Nachkriegsjähren die Ursache für den größten Teil der Arbeitsniederlegungen; auf sie entfallen rund die Hälfte
aller Arbeitseinstellungen, mehr als zwei Drittel aller Streikenden
und zwei Drittel der Arbeitszeiteinbußen. Zusammen mit Streitigkeiten
um die Vertretungsbefugnisse der Gewerkschaften waren sie die Ursache
von weiteren 16$ des Arbeitszeitverlustes, während auf Streitfragen
um das Vertretungsrecht allein 10$ des Arbeitszeitverlustes entfallen.
Bei 18 von insgesamt 26 Großstreiks ging es ausschließlich um Löhne,
Arbeitszeit und Sozialleistungen. In zwei weiteren Fällen waren diese
Streitfragen noch mit Auseinandersetzungen um das Vertretungsrecht
gekoppelt, während das Vertretungsrecht allein (insbesondere die Stärkung der Position der Gewerkschaften bei Kollektivverhandlungen) das
auslösende Moment zweier solcher Streiks bildete.
Die meisten Streiks, die aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus
geführt wurden, drehten sich um Lohnfragen. Zusätzliche Sozialleistungen standen oft gleichfalls im Mittelpunkt und waren in einigen Fällen
sogar die Hauptursache für die Auseinandersetzungen. So wurde beispielsweise der 58 Tage lange Streik bei der "Louisville and Nashville Railroad" durch Meinungsverschiedenheiten ausgelöst, die sich
im Zusammenhang mit der betrieblichen Krankenversicherung und anderen Sozialleistungen ergeben hatten. Sechs Tarifverträge, die im
Anschluß an Großstreiks abgeschlossen worden sind, brachten die
Einrichtung einer zusätzlichen, betrieblichen Arbeitslosenhilfe,
ohne daß es über diese Frage zu ernsthaften Auseinandersetzungen gekommen wäre. Die meisten sogenannten wirtschaftlichen Streiks wurden
um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen geführt; nur bei einer kleinen Anzahl von Streiks, so beim Ausstand der Textilarbeiter in Neuengland, waren beabsichtigte Kürzungen der Löhne und Sozialleistungen
das auslösende Moment.
Um das Vertretungsrecht der Gewerkschaften
Das Vertretungsrecht beziehungsweise die Position der Gewerkschaften in Tarifverhandlungen (und umgekehrt die Rechte der Betriebsführung) stand bei zwei der Großstreiks dieses Jahres im Mittelpunkt, nämlich in dem Streik bei der "Bell Telephone and Telegraph Co." und der "Westinghouse Electric Corporation". Auf sie entfallen rund 18$ des gesamten Arbeitszeitverlustes durch Streiks in
diesem Jahr. Der langwierige und schwer überschaubare Streik bei
Westinghouse entwickelte sich aus den Meinungsverschiedenheiten über
die Wiederaufnahme der Kollektiv-Verhandlungen nach Beginn der zweiten
Hälfte der Laufzeit des Vertrages, der bis Oktober 1956 gelten sollte.
Gegenstand der Auseinandersetzungen waren die Laufzeit des Vertrages,
der Umfang der Lohnsteigerungen, die von der Gesellschaft geplanten
Zeitstudien (einschließlich der Methoden, die bei der Milderung von
Härten anzuwenden seien, die sich aus den Folgen der genannten Untersuchungen ergeben könnten) und eine Änderung im Verfahren der Lohnauszahlung. Bereits im August und September war es über der Frage
der Zeitstudien zu einem Streik gekommen. Er wurde durch eine Vereinbarung zwischen der Betriebsleitung und der Gewerkschaft beigelegt,
derzufolge die Frage der Zeitstudien im Rahmen späterer Verhandlungen
auf Landesebene behandelt werden sollte. Je länger sich die Arbeitsniederlegung in den Westinghouse-Betrieben im ganzen Land hinzog, und

- 6-

�sie zog sich bis ins Jahr 1956, umso schwieriger wurde es, diese
Meinungsverschiedenheiten beizulegen und die Frage nach der Behandlung jener Streikenden zu lösen, die unter der Beschuldigung gewaltsamer Handlungen entlassen worden waren.
Die viertägige Arbeitsniederlegung bei der "Caterpillar Tractor
Co." im August 1955 wurde durch Lohnstreitigkeiten und Fragen des
Union Shop ausgelöst - jene Form der Bindung eines Betriebs an die
Gewerkschaft, die nur die Beschäftigung organisierter Arbeiter zuläßt. In einer Reihe kleinerer, dafür aber relativ länger und gelegentlich mit besonderer Erbitterung geführter Streiks kam nur
unter großen Anstrengungen eine Einigung über die Anerkennung der
Gewerkschaft oder über die Frage des Union Shop zustande; auch hier
spielten in einigen Fällen Lohnforderungen mit eine Rolle. Die Anerkennung der Vertretungsbefugnis der Gewerkschaft war der wichtigste
strittige Punkt in dem ein Jahr währenden Streik bei der "Buffalo
Arms Corporation" in Akron (N.Y.), der im Juni 1955 zu Ende ging,
und im 32tägigen Streik im Werk St. Joseph (Michigan) der "Whirlpool Corporation". Um die gleiche Frage ging es auch in dem Hotelstreik in Miami, der im April begann und sich bis ins Jahr 1956
hinzog, desgleichen bei dem 76 Tage dauernden Streik der "Berne
Hat Co.", einer Hutfabrik in Baltimore (Maryland), der mit dem
Konkurs der Firma endete.
Der Streit um den Union Shop bildete im Falle des 129 Tage
langen erbitterten Streiks der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft in den Werken der "Perfect Circle Corporation" in
Indiana das größte Hindernis für eine Einigung; auch hier standen
Lohnfragen mit zur Debatte. Auch der 127 Tage dauernde Streik bei
der "W. T. Smith Lumber Co." in Alabama und die 22tägige Arbeitsniederlegung bei der "New York Air Brake Co." in Watertown (N.Y.)
hatten ihre Ursache in Auseinandersetzungen um die Frage des
Union Shop.
Fragen der Sicherheit am Arbeitsplatz, Arbeitsbedingungen,
Personalpolitik und Überforderung der Arbeiter sowie Proteste gegen
richterliche Verfügungen oder Verwaltungsmaßnahmen staatlicher Stellen
haben im Verlauf des Jahres 1955 in etwas geringerem Maße als in vorausgegangenen Jahren Anlaß zu Streiks gegeben. Auf sie entfallen etwa ein
Fünftel aller Streiks und Streikenden, dagegen nur ein Zehntel aller
durch Streiks verlorenen Arbeitsstunden. Sie lösten vier Großstreiks
mit über 10 000 beteiligten Arbeitern aus, von denen aber nur 2 einen
ganzen Tag dauerten; bei dem einen, bei der "Chrysler Corporation"
in Detroit im April 1955 ging es um die Entlassung eines Mitarbeiters,
und im Falle des Streiks der Schauerleute an der Westküste war der
Prozeß gegen"Harry Bridges" der Anlaß. Die beiden anderen Großstreiks
dauerten je 8 Tage; der eine Streik erfolgte als Protest gegen Maßnahmen der Hafenkommission der Staaten New York und New Jersey und
der andere betraf das Werk der "Westinghouse Electric Corporation"
in East Pittsburgh.
Inner- und zwischengewerkschaftliche Streitigkeiten (die sich
auf Rivalitäten der Gewerkschaften untereinander, Auseinandersetzungen
über Fragen der Zuständigkeit und Sympathie-Streiks erstreckten) entsprachen der üblichen Praxis und machten nur einen relativ geringen
Prozentsatz aller Streiks im Berichtszeitraum aus. Auf sie entfallen
I/o der Gesamtzahl der Streiks und "\/ö des Arbeitszeitverlustes. Diese
Zahlen decken sich im wesentlichen mit denen des Jahres 1954.

- 7-

�Wo wurde gestreikt?
Die Streikentwicklung im Jahre 1955 war insofern etwas ungewöhnlich,
als zwei der längsten und größten Streiks im Süden des Landes
zu verzeichnen waren. Die langwierigen Arbeitsniederlegungen bei der
"Louisville and Nashville Railroad" und der "Southern Bell Telephone"
zu Beginn des Jahres ließen die Zahl verlorener Arbeitsstunden in den
meisten Südost-Staaten relativ hoch ansteigen, wobei Georgia und
Tennessee die größten Arbeitszeitverluste seit 1946 meldeten.
Die Arbeitszeitverluste in Florida erreichten auf Grund des
Telephon-Streiks und de langwährenden Arbeitsniederlegungen im
Hotelgewerbe in Miami und in den Phosphatgruben einen absoluten
Höchststand. Auf diese 3 Streiks entfallen vier Fünftel des gesamten
Arbeitszeitverlustes von 885 000 Arbeitstagen im Staat Florida.
Auch im Staat Maine erreichten die Arbeitszeitverluste infolge
des Textilarbeiterstreiks eine Rekordhöhe. Desgleichen hat der Streik
in der NE-Metallindustrie ein Ansteigen der Zahl der verlorenen Arbeitstage im Staat Nevada auf einen bisherigen Höchststand bewirkt und auch
in Arizona dazu geführt, daß diese Zahl im Berichtszeitraum höher lag
als in den vorausgegangenen Jahren.
Auch in diesem Jahr entfällt der größte Anteil an den Arbeitszeitverlusten auf die hochindustrialisierten Staaten. Pennsylvanien stand
1955 ebenso wie schon 1954 in dieser Hinsicht an der Spitze, entfielen
doch 11,9$ sämtlicher durch Streiks verlorenen Arbeitsstunden auf diesen Staat. Bemerkenswert dabei ist, daß über die Hälfte des in diesem
Staat eingetretenen Arbeitszeitverlustes dem eintägigen Streik in der
Rohstahlindustrie und den 3 Streiks in den Werken der "Westinghouse
Electric Corporation" zuzuschreiben sind. In Ohio entfällt mehr als
die Hälfte der Arbeitszeiteinbuße auf 10 Streiks, in denen jeweils
mehr als 50 000 Arbeitstage verlorengingen. Ohio rangierte mit einem
Anteil von S,1c/&gt; am Gesamtarbeitszeitverlust unmittelbar hinter Pennsylvanien.
In welchen Industrien wurde gestreikt?
Die allgemeine Zunahme der Streiktätigkeit erstreckte sich auf
fast sämtliche Industriezweige. Das Baugewerbe stellte hinsichtlich
des allgemeinen Trends die bemerkenswerteste Ausnahme dar. Aber auch
in der Holz- und Gummiindustrie sowie im Handel gingen 1955 weniger
Arbeitsstunden durch Streiks verloren als 1954. Die Zahl der Streiks
und der verlorenen Arbeitsstunden stieg in den Fertigungsindustrien
um etwa 4O/0; in den übrigen Industrien lag die Zahl der Streiks
um &amp;fo und die der Arbeitszeitverluste um b^&gt; höher als im vorausgegangenen Jahr.
Im Baugewerbe sind der Rückgang der Zahl der streikenden Arbeiter
und die niedrigeren Arbeitszeitverluste darauf zurückzuführen, daß es
gegenüber den Vorjahren zu weniger Großstreiks kam. Im Jahr 1955 waren
nur 2 größere Streiks mit insgesamt 28 000 beteiligten Arbeitern zu
verzeichnen gegenüber 7 Streiks mit 141 000 Streikenden im Vorjahr.
Der Arbeitszeitverlust in den Sägemühlen und holzverarbeitenden
Betrieben wies im Jahr 1955 den geringsten Stand in der Nachkriegszeit auf. Auch im Handel waren die Arbeitszeitverluste durch Streiks

- 8 -

�wesentlich niedriger als 1954, zur Zeit der Streiks der Warenhausangestellten in Pittsburgh. Trotz der Zunahme der Streiks in der
gummiverarheitenden Industrie war hier ein Rückgang der Zahl der
verlorenen Arbeitstage zu verzeichnen. Lediglich in einem einzigen
Fall hatten mehr als 10 000 Lohn- und Gehaltsempfänger die Arbeit
niedergelegt, und zwar im Streik bei den "US Rubber Co:'. Diese Tatsache erklärt ein Absinken der Arbeitszeitverluste auf weniger als
ein Drittel des Standes von 1954, als zwei relativ lange Großstreika
die Zahl der verlorenen Arbeitsstunden auf den höchsten Stand in den
letzten Jahren hatten ansteigen lassen.
In zwei Zweigen der Fertigungsindustrien kurzlebiger Verbrauchsgüter, in der Textilindustrie sowie in der Leder- und Lederverarbeitungsindustrie, nahm der Arbeitsausfall gegenüber 1954 insbesondere
auf Grund des Textilstreiks in den Heuenglandstaaten und des 26tägigen
Streiks von 23 000 Arbeitern und Angestellten der "International Shoe
Co." und der "Brown Shoe Co." erheblich zu. Auf den letztgenannten
Streik, der mit einer Vereinbarung über die erste allgemeine Lohnerhöhung bei diesen Firmen seit 1952 endete, entfällt etwa die Hälfte
des Arbeitszeitverlustes, der in der Leder- und lederverarbeitenden
Industrie im Jahr 1955 zu verzeichnen war.
Eine unverhältnismäßig starke Zunahme der Streiktätigkeit in
der chemischen Industrie ließ den Arbeitszeitverlust in dieser Branche
auf nahezu das Vierfache der Höhe des Jahres 1954 steigen, ohne daß
Jedoch der bisherige Höchststand der Nachkriegs jähre erreicht wurde.
Etwa 60$ der Arbeitsausfälle sind dabei auf acht Lohnstreiks zurückzuführen .
Auf die drei Streiks bei der "Westinghouse Electric Corporation"
entfällt der größte Anteil an der Zunahme der Streikenden und des
Arbeitsverlustes im elektrischen Apparatebau, der im Berichtszeitraum den höchsten Stand seit 1946 erreichte. Die Auseinandersetzungen bei Westinghouse sind im Verein mit den drei Großstreiks in
der Landwirtschaftsmaschinenindustrie auch für das Ansteigen der
Streiktätigkeit in der Maschinenindustrie verantwortlich. In den
Gesamtzahlen für die letztgenannte Industrie sind auch die Streiks
in den Werken der "Ex-Cell-o Corporation" in Ohio und Michigan,
bei der "Maytag Co." in Iowa und der "Avco Manufacturing Co." in
Indiana enthalten, an denen relativ wenig Arbeiter teilnahmen, die
sich dafür aber ziemlich lange hinzogen. Einige Großstreiks, zu denen
es im Verlauf von TarifVerhandlungen gekommen war, führten dazu, daß
die Zahl der Streikenden in der Transportausrüstungsindustrie auf
rund das Vierfache der Vergleichszahl vom Jahre 1954 stieg. In ähnlicher Weise brachte die kurze Arbeitseinstellung im Zusammenhang
mit den auf Landesebene geführten Tarifverhandlungen in der Rohstahlindustrie sowie ein Streik bei der "Tennessee Coal und Iron Co.",
der durch Forderungen der Eisenbahnangestellten dieser Firma aus
dem Tarifvertrag ausgelöst wurde, die Gesamtzahl der Streikteilnehmer in der Rohmetallindustrie auf einen höheren Stand als 1954,
ohne daß jedoch der Höchststand vom Jahr 1952 erreicht wurde.
Im Apparate- und Instrumentenbau entfällt mehr als die Hälfte
der Gesamtzahl der Streikenden und des Verlustes an Arbeitsstunden
auf zwei Streiks: den fünf Wochen langen Streik bei "Sperry Gyroscope
Co." und den 92 Tage währenden Streik von 3000 Mitarbeitern der

-9 -

�Arma Division der "American Bosch Corporation". Der Verlust an
Arbeitsstunden war in diesem Industriezweig höher als in den übrigen
der Nachkriegszeit.
Im Transportgewerbe, im Fernmeldewesen und in den öffentlichen
Versorgungsbetrieben hat sich gegenüber dem Jahr 1954 kaum etwas
verändert. Allerdings entfallen sieben der Großstreiks des Jahres 1955
auf diesen Wirtschaftssektor,wobei der Arbeitszeitverlust mit 0,47$
der Gesamtzahl der in diesen Betrieben geleisteten Arbeitsstunden
den höchsten Stand seit 1947 erreichte. Die zwei längsten und in
der Öffentlichkeit meist beachteten Streiks in diesem Sektor waren
der bei der "Southern Bell Telephone and Telegraph Co." und bei der
"Loui3ville and Nashville Railroad Co.". Im Straßentransportgewerbe
kam es zu zwei großen Streiks; der eine erstreckte sich über Neuengland und andere östliche Staaten und dauerte 44 Tage, der andere
betraf 12 Staaten des Westens und dauerte 24 Tage. Beide führten zum
Abschluß langfristiger Tarifverträge, mit denen Lohnunterschiede
innerhalb der betreffenden Gebiete ausgeglichen, die Arbeitszeit
herabgesetzt und die Löhne und Sozialleistungen erhöht wurden. Mitglieder dreier Telephonarbeitergewerkschaften bestreikten die "Pacific
Telephone and Telegraph Corporation" etwa zwei Wochen lang. Bei zwei
weiteren Streiks an der Ost- beziehungsweise Westküste legten über
10 000 Hafenarbeiter die Arbeit nieder.
Im Bergbau nahm die Zahl der Streiks, der davon betroffenen
Arbeiter und der verlorenen Arbeitsstunden gegenüber 1954 ebenfalls
zu, wobei die Zahl der Streikenden die relativ geringste Zunahme
aufwies. Im Vergleich zu den meisten Nachkriegsjähren war die
Streiktätigkeit im Kohlenbergbau gering, wobei allerdings die Zahl
der Arbeitsniederlegungen im Bitumenbergbau etwas höher lag als 1954«
Im Erzbergbau kam es 1955 zu einer größeren Zahl von Auseinandersetzungen und, bedingt durch drei Großstreiks im NE-Erzbergbau sowie
weitere drei kleinere langwierige Streiks, zu erhöhten Arbeitszeiteinbußen. Ein Streik von 1700 Arbeitern und Angestellten der Kupferminen in Michigan dauerte 112 Tage und zog sich von Mai bis in den
August hinein. Sechzehn Gesellschaften im Coeur d1Alene-Gebiet in
Idaho wurden 161 Tage lang bestreikt. Einige hundert Bergleute einer
Zinkgesellschaft in New Jersey stellten am 22. August 1955 die Arbeit
ein und setzten ihren Streik bis in das Jahr 1956 hinein fort. Ein
122 Tage währender Streik in den Phosphatgruben in Florida bewirkte
einen Anstieg der Zahl der verlorenen Arbeitsstunden im NE-Bergbau
über das Maß von 1954 hinaus.
Im Dienstleistungsgewerbe verfünffachte sich die Zahl der verlorenen Arbeitsstunden in erster Linie in Auswirkung des Hotelstreiks
in Miami.
Welche Gewerkschaften streikten?
Etwas mehr als die Hälfte aller Streiks wurde von Mitgliedgewerkschaften der "American Federation of Labor" (AFL) geführt;
der Anteil der AFL-Mitglieder an den Streikenden lag bei 23$ und
am Arbeitsausfall bei rund 34$. Etwa ein Viertel dieser Streiks
entfallen auf das Baugewerbe. Mitgliedgewerkschaften des "Congress
of Industrial Organization" (CIO) bestritten fast ein Drittel sämtlicher Streiks im Berichtsjahr, wobei drei Fünftel der Streikenden
und zwei Fünftel des Arbeitszeitverlustes auf ihre Mitglieder entfallen.
Der Schwerpunkt der Streiktätigkeit der unabhängigen Gewerkschaften lag wie in früheren Jahren im Bitumenkohlenbergbau, wo
- 10 -

�ea zu kurzen und örtlich begrenzten Arbeitsniederlegungen durch ihre
Mitglieder kam. Zusammengerechnet entfiel auf die unabhängigen Gewerkschaften ein geringer Anteil an der Gesamtzahl der streikenden Arbeiter und verlorengegangenen Arbeitsstunden als in den meisten Nachkriegsjahren.
Bei den Großstreiks beläuft sich der Anteil der Mitgliedgewerkschaften der AFL und CIO auf $Ofi aller streikenden und der
verlorengegangenen Arbeitszeit. Unabhängige Gewerkschaften beteiligten sich oftmals an Streiks von Mitgliedgewerkschaften der
AFL oder CIO, während die beiden Hafenarbeiterstreiks von einer unabhängigen Gewerkschaft allein geführt wurden. In dem langwierigen
Streik bei Westinghouse wurden etwa 15/° der Streikenden von der
unabhängigen Elektroarbeitergewerkschaft vertreten.

Quelle: "Monthley Labor Review"
Vol. 79 Nr. 5

Rocco C. Siciliano, Unterstaatssekretär im US-Arbeitsministerium:
Facharbeiter für ein neues Industriezeitalter
Ein neues Industriezeitalter steht vor der Tür. Wissenschaftler
und Techniker entwickeln neue und aufsehenerregende Geräte und Maschinen und die Industrie entfaltet sich nach allen Richtungen hin.
Im Zuge dieser Entwicklung tauchen große neue Probleme für die Menschheit auf. Eines unter ihnen, die Ausbildung und Schulung von Fachkräften für diese neue industrielle Welt, möchte ich hier im folgenden erörtern.
In den Vereinigten Staaten, deren Geschichte so viele umwälzende
Veränderungen des wirtschaftlichen und technischen Lebens aufweist,
ist man bemüht, sich rechtzeitig auf die neue Entwicklung einzustelllen.
Den Erziehern, die den Nachwuchs an Fachkräften heranbilden sollen,
erwachsen hieraus besondere Aufgaben. Denn wir müssen uns darüber
klar sein, daß Forschung, Technik und fachliches Können nicht nur
für den weiteren Fortschritt, sondern für den Forthestand unserer
Kultur und Gesellschaft überhaupt von größter Bedeutung sind.
Die rasche technische Entwicklung dürfte aller Voraussicht nach
die Entstehung neuer Industrien begünstigen. Heute bereits befassen
sich über 1000 Firmen in den USA mit der Fabrikation automatischer
Kontrollgeräte. Noch größere Erwartungen darf man aber vielleicht
hinsichtlich des Entstehend zahlreicher bisher unbekannter Sparten
im Dienstleistungsgewerbe hegen. Der Aufschwung der Automobilindustrie löste die Nachfrage nach Hunderttausenden von Auto-Schlossern,
Tankwarten und Autoverkäufern aus. Die Verbreitung von Rundfunk und
Fernsehen führten zum Entstehen des Radiohandels und -reparaturgewerbes. Und so darf man wohl mit Recht annehmen, daß weitere technische Neuerungen ähnliche Auswirkungen zeitigen werden.
Im allgemeinen wurden technische Veränderungen in den Vereinigten
Staaten stets freudig begrüßt; denn wir wissen, daß eine größere Produktivität uns allen mehr und bessere Güter, höhere Einkommen und
damit einen höheren Lebensstandard bringt. Andererseits aber können
technische Neuerungen auch ernste wirtschaftliche und soziale Probleme
auf werfen. '.Vie wir aus Erfahrung wissen, führt die Aufstellung arbeitszeitsparender Maschinen oftmals zur Entlassung von Arbeitskräften. Es
- 11

�ist ganz natürlich, daß Veränderungen wie die Einführung neuer
Arbeitsverfahren, neuer Werkzeuge, Apparate, Rohstoffe und neuer
Produkte ihre entsprechenden Auswirkungen auf eine ganze Reihe
von Berufen haben. Die ümorganisierung des Betriebes, die dem einen
neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnet, mag für den anderen den Verlust
des Arbeitsplatzes bedeuten, da sein Können und seine Fähigkeiten
plötzlich nicht mehr gefragt sind. In einer freien Wirtschaft sind
derartige Verluste der unumgängliche Preis des Fortschritts. Andererseits sollten wir alles tun, um die nachteiligen Auswirkungen
für den einzelnen so weit wie möglich einzuschränken.
Zum Glück sind sich heute Betriebsführer, Gewerkschaftler
und Regierung darüber klar, daß bei allen technischen Neuerungen
nicht nur die finanzielle und technische Seite sondern auch die
menschlichen Aspekte in Betracht zu ziehen sind. Ist das Verhältnis
zwischen den Sozialpartnern gut, so wird man sich bemühen, die ungünstigen Auswirkungen auf die Arbeiterschaft möglichst im voraus.zu
erkennen und durch sorgfältige Planung und Einteilung den Verlust
von Arbeitsplätzen auf ein Mindestmaß herabzudrücken«
Es hat übrigens ganz den Anschein, als ob es sehr viel schwieriger sein wird, die für Bau, Pflege und Bedienung der neuen technischen Ausrüstungen erforderlichen Fachkräfte zu stellen als die
Arbeitskräfte wieder unterzubringen, die durch die neue Entwicklung
von ihrem Arbeitsplatz verdrängt werden. Im neuen Industriezeitalter
werden wir mit ziemlicher Sicherheit höher qualifizierte Arbeitskräfte benötigen. Präsident Eisenhower hat erst kürzlich aus führenden Bürgern des Landes einen Ausschuß zur Förderung wissenschaftlichen
und technischen Nachwuchses gebildet, der sich um die Heranbildung
der hochqualifizierten technischen Facharbeiter kümmern soll. Dieses
Problem besteht nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern in
allen Ländern.
Die Automatisierung, bei der elektronische Geräte, die Programmierung, die Instrumentierung und andere Präzisionsarbeiten
eine bedeutsame Rolle spielen, dürfte zwangsläufig viele neue
Arbeitsplätze, vor allem für Techniker, schaffen. Diese Spezialisten,
die gleich nach den Wissenschaftlern und Ingenieuren rangieren, sollen
die Routinearbeiten übernehmen, so daß erstere sich auf die schöpferische Arbeit konzentrieren können. Da Techniker eine geringere Ausbildung als Wissenschaftler oder Ingenieure benötigen, lassen sie
sich rascher und in größerer Zahl heranbilden. Für Facharbeiter besteht kaum die Gefahr, daß sie durch die fortschreitende Automatisierung brotlos werden. Manche Anzeichen deuten darauf hin, daß die
Betriebe, die sich auf Automatisierung umstellen, sogar mehr Facharbeiter bereits vorhandener Sparten benötigen als bisher. So war
zum Beispiel ein großes Motorenwerk, das heute komplette Motorblöcke
in vollautomatischer Produktion herstellt, nicht in der Lage, die
nötige Anzahl gelernter Arbeitskräfte zur Erstellung und Pflege der
erforderlichen neuen Ausrüstungen zu bekommen. Die Firma sah sich
deshalb gezwungen, ihr Lehrlingsausbildungsprogramm entsprechend
auszubauen. Es scheint also möglich, daß die Nachfrage nach Elektrikern, Einrichtern, Werkzeugmachern, Maschinenschlossern und vielen
anderen Facharbeitern nicht nur proportional zur allgemeinen Zunahme
der Beschäftigungsziffer, sondern sogar darüber hinaus ansteigen wird.
Das bedeutet, daß die Lehrlingsausbildung und die Berufsförderung
der Gesellen in verstärktem Maße weiterbetrieben werden müssen.

- 12 -

�Außerdem müssen wir die möglichen indirekten Auswirkungen der
Automatisierung auf die Anforderungen an das fachliche Können der
Arbeiterschaft berücksichtigen. Mit steigender Produktivität pflegt
auch das Einkommen je Kopf der Bevölkerung zu steigen und dies wiederum führt zu einer verstärkten Nachfrage nach Gütern des gehobenen
Bedarfs, die meist nur von verhältnismäßig hochqualifizierten Fachkräften hergestellt werden können. Somit wird auch als indirekte
Auswirkung einer steigenden industriellen Produktivität der Bedarf
an Facharbeitern weiter steigen.
Die Verantwortung für die Ausbildung und eventuelle Umschulung
der Arbeitskräfte liegt in erster Linie bei den Firmen selbst. Denn
nur sie können beurteilen, woran es fehlt. Die für den Bau, die Bedienung und die Wertung der neuen Ausrüstungen erforderlichen Arbeitskräfte sind nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden.
Die Kosten für die Ausbildung dieser hochqualifizierten Arbeitskräfte werden aber durch die vermindertai Herstellungskosten im vollautomatischen Betrieb voll aufgewogen. Wesentlich dabei ist vor
allem, den künftigen Bedarf an Arbeitskräften richtig abzuschätzen
und mit ihrer Ausbildung bereits vor Installierung der neuen Ausrüstung zu beginnen. Für die Unternehmer dürfte es sich empfehlen,
die hierbei gewonnenen Erfahrungen untereinander auszutauschen.
Die Schulen und Colleges sollten heute schon ihre Lehrpläne
auf diese künftigen Entwicklungen abstimmen und Lehrgänge einrichten, die auf die neue Art der Lehrlings- und Gesellenausbildung
hinführen. Mathematik, Physik und Chemie sind in den Vordergrund
zu stellen und die hierfür begabten Schüler müssen besonders gefördert werden. Auch die Berufsberatung muß ausgebaut und verbessert
werden, um sicherzustellen, daß junge Menschen eine ihren Fähigkeiten
entsprechende Ausbildung und Stellung erhalten.
Das US-Arbeitsministerium ist an den Auswirkungen der Automatisierung auf die Gesamtwirtschaft des Landes und das Wohl der
Arbeiterschaft außerordentlich interessiert. So werden gegenwärtig
von dem ihm unterstehenden Bundesamt für Arbeitsstatistik eine
Reihe von Untersuchungen in Betrieben durchgeführt, die in irgendeiner Form bereits die Automatisierung eingeführt haben. Auf diese
Weise soll möglichst viel Material über die mit der Planung, Einrichtung und Bedienung der neuen Geräte verbundenen Umstände zusammengetragen werden. Aus zwei bereits abgeschlossenen Untersuchungen
geht hervor, daß durch sorgfältige Planung und echte Sorge um das
Wohl der Arbeitnehmer die gefürchteten nachteiligen Folgen, insbesondere größere Entlassungen, vermieden werden konnten.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen deutlich, daß neben einer
sorgfältigen Planung eine langfristige Ausbildungs- und Schulungsarbeit dem Übergang zum automatischen Betrieb vorangehen muß. Unter
Berücksichtigung dieser Erkenntnis hat der Bundesausschuß für das
Lehrlingswesen in Zusammenarbeit mit den zuständigen staatlichen
Stellen folgende Richtlinien und Unterlagen für erfolgversprechende
Schulungsprogramme zusammengestellt:
1. Das Mindestalter für Lehrlinge sollte mindestens 16 Jahre
betragen.
2. Eine Zusammenstellung der Arbeitsverfahren, in die der
Lehrling unmittelbar am Arbeitsplatz eingeführt werden soll.

- 13 -

�3. Regelmäßiger Unterricht in jenen technischen Fächern, die
mit der Arbeit des Lehrlings in Zusammenhang stehen. Die
Mindestzahl der Unterrichtsstunden im Jahr wird mit 144
angegeben.
4. Eine progressiv ansteigende Lohntabelle.
5. Sachgemäße Überwachung der Ausbildung am Arbeitsplatz sowie
Bereitstellung der zur Schulung von Lehrlingen geeigneten
Einrichtungen.
6. Regelmäßige Überwachung der von den Lehrlingen sowohl auf
praktischem als auch auf theoretischem Gebiet erzielten
Fortschritte und Führung von Beurteilungsbogen.
7. Pflege der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer .
8. Anerkennung und Würdigung der erfolgreich abgeschlossenen
Lehre.

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Pensionserhöhungen für US-Eisenbahner
Präsident Eisenhower unterzeichnete kürzlich ein Gesetz, das
eine zehnprozentige Pensionserhöhung an aus dem Dienst ausgeschiedene Bahnarbeiter vorsieht. Das Gesetz tritt rückwirkend mit dem
1. Juli 1956 in Kraft.
Eisenhower sagte bei der Unterzeichnung der Gesetzesvorlage,
er sei davon überzeugt, daß der US-Senatsausschuß für Arbeit und
öffentliche Wohlfahrt sowie die Eisenbahnergewerkschaften in der
nächsten Sitzungsperiode des US-Kongresses zufriedenstellende Vorschläge zur Deckung der durch die zehnprozentige Erhöhung der Ruhestandsgelder entstehenden Mehrausgaben machen würden.
Das BundesSozialprogramm für Bahnarbeiter und deren Familien,
das durch das Ruhestandsgesetz der Eisenbahner ermöglicht wurde,
unterscheidet sich von dem allgemeinen und obligatorischen Bundessozialprogramm dadurch, daß seine Beiträge urtd Leistungen entschieden höher liegen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen zum Beispiel
je 6,25?o Beitrag auf Einkommen bis zu 350 Dollar pro Monat, während
der Beitrag für das obligatorische Bundessozialprogramm je 2$ von
der Lohnsumme ausmacht.
Bereits jetzt weist das Ruhestandsgeldsystem der Eisenbahner ein
Defizit auf, und man erwartet, daß die durch das neue Gesetz zusätzlich entstehenden Kosten noch einmal 83 Mio. Dollar pro Jahr betragen
und das Gesamtdefizit auf 169 Mio. Dollar pro Jahr steigern werden.
Die Höchstzahlungen auf Grund des neuen Gesetzes kommen insgesamt
298 000 pensionierten Bahnarbeitern zugute, deren Monatsbezüge sich
damit von durchschnittlich 104,4 Dollar auf durchschnittlich 114,7
Dollar erhöhen. Witwen und sonstige Hinterbliebene, die bereits im
Rahmen der allgemeinen und obligatorischen Sozialgesetzgebung Unterstützung empfangen, bleiben von dieser Maßnahme ausgeschlossen.

- 14 -

�Arbeitsfriede im New Yorker Transportgewerbe für vier Jahre
sichergestellt
Der New Yorker Ortsverband der Transportarbeitergewerkschaft
stimmte mit einem Verhältnis von nahezu 2:1 für Gesamt-Lohnerhöhungen von 18,5 Cent pro Stunde. Man hofft, daß der Lohnvertrag, der
von den Beauftragten der 10 000 gewerkschaftlich organisierten Lastwagenfahrer und 1250 Arbeitgebern für einen Zeitraum
von vier Jahren ausgehandelt und unterzeichnet wurde, den Arbeitsfrieden im New Yorker Transportgewerbe für diese Zeit sicherstellt.
Bei der Wahl stimmten 1356 Stimmberechtigte für und 756 gegen den
am 1. September 1956 in Kraft tretenden Vierjahresvertrag.
Der Gesamtbetrag der Erhöhung-um 18,5 Cent pro Stunde setzt
sich aus folgenden Einzelposten zusammen: 9 Cent an direkter Lohnerhöhung, 5»5 Cent an Zuschüssen für einen Pensions- und 4 Cent für
einen ärztlichen Betreuungsplan. Im übrigen konnten bei den Vertragsverhandlungen auch für die Arbeitnehmer günstigere Senioritäts- und Urlaubsbedingungen erzielt werden.
Der jetzt eingeführte Tarif sieht Stundenlöhne von 1,97 bis
2,41 Dollar vor. Das bedeutet, daß ein Zugmaschinenfahrer auf Grund
der neuen Bedingungen mindestens 100 Dollar pro 40-Stunden-Woche
verdient und einen Anspruch auf Pensionszahlungen in Höhe von 100
Dollar pro Monat erwirbt.
Die neuen Abmachungen enthalten unter anderem auch einen Passus
wonach neue Lohnverhandlungen frühestens 1958 wieder aufgenommen
werden können.

Trend zu langfristigen Kollektivverträgen
In den Vereinigten Staaten ist mehr und mehr der Zug zur Unterzeichnung langfristiger Kollektivverträge wahrzunehmen, was sich
zugunsten beider Tarifpartner auswirken dürfte. Die Arbeitgeber
können langfristig planen und größere Projekte in Angriff nehmen,
und die Arbeitnehmer wissen ebenfalls, was ihnen in absehbarer Zeit
an Lohnerhöhungen und außerordentlichen Zulagen zasteht und können
auf diese Weise gleichfalls eine wirtschaftlichere Planung treiben.
Ein derartiger Kollektivvertrag, dessen Laufzeit drei Jahre beträgt, ist vor einigen Tagen wieder von der Unabhängigen Stahlarbeitergewerkschaft und der Weirton Company in West-Virginia abgeschlossen worden. Der Vertrag sieht unter anderem vor, daß die StundenLöhne sowohl für produktive als auch für unproduktive Arbeitskräfte
in den nächsten drei Jahren um je 10 Cent je Jahr angehoben werden.
Die Abmachungen wurden rückwirkend mit dem 1. Juli in Kraft gesetzt
und betreffen 11 000 Arbeiter.
Die Weirton Company, ein Stahlwerk, war von dem letzten Stahlstreik in den Vereinigten Staaten nicht betroffen. Das Unternehmen
ist überhaupt seit mehr als 23 Jahren sowohl von Streiks als auch
von Arbeitsniederlegungen infolge von Arbeitsstreitigkeiten verschont
geblieben.

- 15 -

�Gewerkschaftsverband AFL-CIO kein Monopol
Der Vorsitzende der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft, David
McDonald, wies in einer Radioansprache den Gedanken als falsch zurück,
daß mit dem Zusammenschluß der beiden großen amerikanischen Gewerkschaften American Federation of Labor (AFL) und Congress of Industrial Organizations (CIO) ein Monopol geschaffen worden sei.
McDonald sprach über den von dem Ortsverband Chicago der AFL unterhaltenen Sender WCFL.
Der Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft erklärte bei
dieser Gelegenheit, daß es sich bei der AFL-CIO um eine Vereinigung
von 141 autonomen Gewerkschaften mit insgesamt 60 000 Ortsverbänden
handele. Die einzelnen Gewerkschaften würden frei von zentraler Weisung Kollektiwerhandlungen führen und Verträge abschließen, während
der Dachverband AFL-CIO weder Streiks ausrufen noch in die Maßnahmen
der angeschlossenen Gewerkschaften eingreifen könne.
Die AFL-CIO wolle dazu beitragen, sagte McDonald ferner, den
Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen neuen Auftrieb zu verleihen und
den Nöten und Wünschen der breiten Masse allgemeinverbindlichen Ausdruck zu geben. Die AFL-CIO sei nicht zuletzt eine Organisation mit
der Aufgabe, die Korruption zu bekämpfen und die Arbeitsstreitigkeiten auf friedliche Weise beizulegen.

Hohe Streikziffern im Juli
Die Zahl der im Ausstand befindlichen Arbeitskräfte war im
Juli 1956 rund dreimal so hoch wie im Juni 1956, und zwar in erster
Linie auf Grund des Stahlarbeiterstreika, geht aus einer Mitteilung
des US-Arbeitsministeriums hervor.
Der gleichen Quelle zufolge befanden sich in diesem Monat insgesamt 710 000 Arbeitnehmer im Streik gegenüber 235 000 im Juni und
776 000 im Vergleichsmonat des Vorjahres. Die höchste Anzahl Streikender in einem der Nachkriegs jähre wurde mit 866 000 im Jahr 1952
registriert.
Die Zahl der durch Streik verlorengegangenen Arbeitstage war
im Juli die höchste in allen Nachkriegsjähren. Sie betrug - ebenfalls
als Folge des Stahlstreiks - 13 600 000. Der bisher höchste Ausfall
an Arbeitstagen wurde im Jahre 1952 registriert, als ebenfalls ein
Stahlstreik stattfand.

- 16 17. SEP SS - 06 16«- 7.4 H

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiten in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
für Arbeitsinformationen
Amt
United States Information Service
Mehlem, Mehlemer Aue, Tel. 3457
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 17

Mehlem, den 1.November 1956
INHALTSVERZEICHNIS

Kollektiwerhandlungswesen und Gewerkschaften

Seite

1

Arbeitshygiene im Zeitalter der Automatisierung

Seite

9

Seite

13

Die Unterstützungsleistungen eines Wohlfahrtsfonds ... Seite

15

Niedrigste Unfallrate im Juni

15

Versicherungsschutz und Versicherungsleistung
für die Eisenbahner

Seite

H. M. Douty, US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Kollektivverhandlungswesen und Gewerkschaften
Zwischen Kollektivverhandlungen und dem Status der Lohn- und
Gehaltsempfänger innerhalb der Wirtschaft besteht ein enger Zusammenhang. Der amerikanische Publizist Bronsilaw Malinowski hat in
seinem Buch "Freedom and Civilization" (Freiheit und Kultur) die
Feststellung getroffen, daß die Entwicklung der Gesellschaft "nicht
durch irgendeine Gemeinschaft als Ganzes und auch nicht durch den
Einzelmenschen bestimmt wird, sondern durch kleinere organisierte
Gruppen, das heißt Institutionen, die so organisiert und festgefügt sind, daß sie die Gemeinschaft formen." Die Gewerkschaftsbewegung ist jene institutionelle Form, durch die Lohn- und Gehaltsempfänger versuchen, die ihnen in den einzelnen Firmen und Industriezweigen gebotenen Arbeitsbedingungen mitzubestimmen.
Die Gewerkschaften haben im Laufe ihrer Geschichte manchen
Wandel durchgemacht und unterscheiden sich heute in vieler Hinsicht
ganz wesentlich von den Arbeitnehmerverbänden, wie sie noch vor

1

�25 Jahren bestanden haben. Hier sei nur auf das gewaltige Anwachsen
der Kitgliederzahl und den damit verbundenen Machtzuwachs hingewiesen. Macht aber wirft unfehlbar die Frage nach ihrem Gebrauch auf.
Die grundlegenden Ideen, die die wichtigsten und stärksten Gruppen
innerhalb der Gewerkschaftsbewegung bestimmen, haben sich in den
letzten Jahrzehnten zum Teil wohl als Folge des MRChtzuwachses und
zum Teil auch bedingt durch die wirtschaftliche und politische Weiterentwicklung ganz beträchtlich gewandelt.
Stärke und Einfluß der Gewerkschaften
Es gibt im Grunde genommen keinen Maßstab, mit dem man die
wahre Stärke der Gewerkschaftsbewegung messen könnte; einen gewissen
Ansatzpunkt bietet der Mitgliederstand. Die Gesamtmitgliedszahl der
Gewerkschaften in USA stieg von 3»2 Millionen im Jahr 1929 auf
schätzungsweise 17 Millionen Anfang 1955» das heißt sie hat in den
letzten 25 Jahren um mehr als 500/" zugenommen. Im gleichen Zeitraum
erhöhte sich die Beschäftigtenzahl in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben von rund 31 auf 48,3 Millionen, das heißt um 56^» In diesen
Betrieben war im Jahre 1929 jeder zehnte und im Jahre 1954 jeder
dritte Arbeiter gewerkschaftlich organisiert.
Ein weiterer Hinweis auf die tatsächliche Stärke der Gewerkschaften läßt sich daraus gewinnen, inwieweit die Arbeiterschaft
in den Schlüsselsektoren der .Virtschaft gewerkschaftlich organisiert ist. Im Jahre 1929 gehörte mehr als die Hälfte aller Mitglieder zwei Industriezweigen an: Dem Baugewerbe und dem Transport- und Fernmeldewesen. In der letzteren Gruppe lag der Schwerpunkt bei den Eisenbahnen und im Güternahverkehr. In der Fertigungsindustrie stellten die Bekleidungsindustrie und das Druckereigewerbe
den größten Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern. Im Bergbau waren
lediglich die Kumpels in den Kohlengruben in nennenswertem Maße
gewerkschaftlich organisiert. Hier ist der Gegensatz zwischen 1929
und 1955 besonders drastisch. 1955 standen die in der Produktion
beschäftigten Arbeiter in den wichtigen Zweigen der Fertigungsindustrien größtenteils innerhalb der Gewerkschaften,und auch in
den übrigen Industrien bestanden starke Gewerkschaftsorganisationen.
In den Angestelltenberufen halten sich' die Bürokräfte und festbezahlten Angehörigen akademischer Berufe weitgehend den Gewerkschaften fern. Auch in einigen Sektoren der Fertigungsindustrie, so beispielsweise in der baumwoll- und kunstfaserverarbeitenden Industrie
sowie vielfach im Einzelhandel, in der Finanzwirtschaft, in vielen
Zweigen des Dienstleistungsgewerbes und des öffentlichen Dienstes
waren die Gewerkschaften im Jahre 1955 noch relativ schwach.
Die Arbeiterbewegung stellt sowohl hinsichtlich ihrer absoluten
Mitgliederzahl als auch im Hinblick auf das Verhältnis der Zahl der
Gewerkschaftsmitglieder zu der Gesamtzahl der Arbeitskräfte in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben und die Schwerpunktsbildung in den
wichtigsten Industriezweigen eine ganz bedeutsame Kraft im amerikanischen Wirtschaftsleben dar. Der Einfluß der Gewerkschaften - sei
es am Verhandlungstisch, bei der Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten,
bei der Organisierung von Streiks und auch am Arbeitsplatz selbst wirkt sich auf die Arbeitsbedingungen von Millionen von Lohn- und
Gehaltsempfängern in vielen Wirtschaftssektoren aus. Dieser Einfluß
erstreckt sich indirekt weit über das eigentliche Tätigkeitsgebiet
der Gewerkschaften und den Verhandlungsbereich bei Auseinandersetzungen zwischen den Sozialpartnern hinaus.

- 2

�Betriebsführunp und Gewerkschaft
Bei der Führung eines Unternehmens tauchen ganz zwangsläufig
immer wieder neue Probleme nuf, für die es Lösungen zu finden gilt.
Dabei werden, grob gesagt, zwei Arten von Entscheidungen zu treffen sein: Erstens: Entscheidungen bezüglich der generellen Führung
des Unternehmens, so beispielsweise Fragen der Kapitalbeschaffung,
der Lohnpolitik und der Preisgestaltung; und zweitens: Entscheidungen mehr oder weniger administrativen Charakters, wie sie die
tägliche Arbeit des Betriebes mit sich bringt. In Firmen aller
Größenordnungen verteilen sich diese Entscheidungen fast immer und es kann gar nicht anders sein - auf eine ganze Reihe von leitenden Angestellten.
Zweck jedes Wirtschaftsuntemehmcns ist es, Waren oder Dienstleistungen zu produzieren, die die Verbraucher zu kaufen wünschen.
Der Preis muß debei so gehalten sein, daß er einmal die Kosten
deckt und zum anderen einen normalen Ertrag sicherstellt. Alle
Entscheidungen der Betriebsführung müssen auf diese Forderungen
abgestellt sein, da sonst die wirtschaftliche Existenz des Betriebes gefährdet wird. Diese Entscheidungen erstrecken sich aber
auch auf eine Menge von Angelegenheiten, die die Arbeiterschaft
des betreffenden Betriebes unmittelbar mitbetreffen, so beispielsweise auf Löhne, Arbeitszeit, Gestaltung des Arbeitsplatzes, Betriebssicherheit, technische Neuerungen und Personalpolitik. Gerade
die Personalpolitik einer Firma und ihre Handhabung sind für das
persönliche Wohlergehen des Arbeiters und auch für seine Leistungen
im Betrieb von entscheidender Bedeutung.
Die grundlegende Aufgabe der Gewerkschaften ist es nun, als
Mittler zwischen den Sozialpartnern dafür zu sorgen, daß alle jene
Entscheidungen, die das Wohl und die soziale Stellung des Arbeiters unmittelbar berühren, nicht vom Unternehmer beziehungsweise
der Betriebsleitung allein, sondern gemeinsam mit den Betroffenen
gefällt werden.
Kollektivverhandlungen sind das Mittel, dessen sich die Gewerkschaft bei der Lösung dieser Aufgabe bedient. Die Ergebnisse
solcher Kollektivverhandlungen finden gewöhnlich ihren Niederschlag
in den Tarifverträgen, mit denen die Beschäftigungsnormen für das
entsprechende Unternehmen für einen bestimmten Zeitraum - die Laufzeit des Vertrages - aufgestellt werden. Sie bilden den Rahmen,
innerhalb dessen die von Tag zu Tag notwendig werdenden Entscheidungen bezüglich der Betriebsangehörigen getroffen werden können.
Die Gewerkschaften versuchen an sich nicht, in Kollektivverhandlungen ein System von Regeln bezüglich der Stellung und Behandlung der Arbeitnehmer zu schaffen. Jedes Unternehmen, ganz gleichgültig wie groß es sein mag, steht angesichts der Streuung der Verantwortlichkeit innerhalb der Betriebsleitung vor der Notwendigkeit,
mehr oder weniger allgemein gehaltene Regeln und Verfahren für
die Menschenführung im Betrieb aufzustellen. Die Gewerkschaft hat,
zumindest im ursprünglichen Sinne, nichts anderes zu tun, als diese
Regeln, die die Betriebsführung aus der praktischen Arbeit heraus
entwickelt hat, auf eine feste Formel zu bringen und ein Verfahren
für die Behandlung von Beschwerden zu schaffen, die sich aus der
Handhabung dieser Bestimmungen ergeben können. Darüber hinaus wird
die Gewerkschaft von Zeit zu Zeit versuchen, diese Arbeitsregeln die Arbeitsbedingungen - zu verbessern und gegebenenfalls durch

- 5-

�neue und für die Arbeiter und Angestellten günstigere Regeln zu ersetzen. So hat beispielsweise die heute weitverbreitete Gepflogenheit,
Arbeitern eine gewisse Mindeststundenzahl zu vergüten, wenn sie sich
an ihrem Arbeitsplatz einfinden und es an Arbeit für sie fehlt, ihren
Ursprung größtenteils in Kollektivverträgen.
Die Bedeutung, die die Formulierung solcher Regeln und ein Mitspracherecht in ihrer Handhabung für den einzelnen Arbeiter hat,
wächst mit der Größe der Firma. Im Januar 1951 gab es in den Vereinigten Staaten über 4 Millionen Firmen, von denen etwa 3200 das sind noch nicht einmal 0,1$ der Gesamtzahl - mehr als 1000
Arbeitskräfte beschäftigten. Der Anteil dieser Firmen an der Gesamtzahl der Lohn- und Gehaltsempfänger beläuft sich aber auf 37/a«
Die Tatsache, daß ein so hoher Prozentsatz der Arbeitskräfte
auf relativ wenige Großbetriebe entfällt, ist eine der Ursachen für
das Wachstum der Gewerkschaften. In Großfirmen hört ganz zwangsläufig der persönliche Kontakt zwischen Betriebsführung und Belegschaft auf. Die Streuung der verantwortlichen Funktionen innerhalb
des Betriebes auf einen großen Personenkreis, insbesondere auch
der Entscheiduhgsbefugnisse über Angelegenheiten, die die Belegschaft unmittelbar betreffen, verleiht Fragen von Recht und Billigkeit eine besondere Schärfe. Bei den Arbeitnehmern hat sich angesichts dieser Sachlage die Tendenz herausgebildet, ihre Rechte
kollektiv und nicht einzeln zu verfechten und ihre vereinte Stärke
dafür zu benutzen, faire Arbeitsbedingungen auszuhandeln.
Das Verfahren der Kollektivverhandlungen
Kollektivverhandlungen sind das Mittel, durch das die Entscheidungen, die das Beschäftigungsverhältnis der Arbeiter und Angestellten angehen, in gemeinsamen Erörterungen zwischen den Unternehmern
beziehungsweise deren Vertretern und den Vertretern der organisierten Arbeiterschaft getroffen werden. Kommt es zu keiner Einigung
über die Regelung des Verhältnisses zwischen den beiden Verhandlungspartnern, so einigt man sich meist auf die Anrufung einer
Schieds- und Schlichtungsinstanz. Kommt es dennoch zu keiner
Einigung, nimmt die Arbeiterschaft gegebenenfalls ihre Zuflucht
zum Streik, der entweder mit einem Nachgeben einer der beiden
streitenden Parteien oder aber mit einem Kompromiß in den Streitfragen endet. Der Streik oder die Aussperrung sind Kampfmaßnahmen, die bei Kollektivverhandlungen nur im äußersten Fall angewandt werden.
Unabhängig von der Größe des Betriebes beziehungsweise der
Zahl der betroffenen Werke oder Unternehmen ist des Verfahren der
Kollektivverhandlungen im wesentlichen das gleiche. Die Arbeitsbedingungen werden in solchen Verhandlungen beziehungsweise durch
die daraus resultierenden Abmachungen gewöhnlich für einen gewissen Zeitraum festgelegt. Sowohl auf Unternehmer- als auch auf
Gewerkschaftsseite wird auf Grund der gegebenen Sachlage und der
jeweiligen Beurteilung der derzeitigen wirtschaftlichen Situation
und der künftigen Entwicklung im allgemeinen und des Betriebes
im besonderen verhandelt.
Kollektivverhandlungen bergen die Gefahr, daß die Gewerkschaft
sich selbst oder den Unternehmer ruiniert, dann nämlich, wenn sie
versucht, Löhne oder Arbeitsbedingungen herauszuhandeln, die angesichts der gegebenen wirtschaftlichen Situation untragbar sind.

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�Solche Fälle hat es gegeben, sie sind aber keineswegs als typisch
anzusprechen. Bei den meisten Arbeitgeber- Arbeitnehmerverhandlungen verhalten sich beide Seiten durchaus realistisch und sind
sich der Grenzen, innerhalb derer eine Einigung möglich ist,
von vornherein bewußt. Daß dies so ist, geht allein schon aus
der Tatsache hervor, daß die meisten Kollektivverträge ohne vorhergehende Streiks Zustandekommen. Die Unternehmer werden nur einer
sehr wichtigen sozialen Funktion gerecht, wenn sie Forderungen
der Gewerkschaften ablehnen, die auf eine Gefährdung der Existenz
der Firma oder auch nur eine erhebliche Einschränkung ihrer Handlungsfähigkeit in dem entsprechenden Geschäftsbereich hinauslaufen. Umgekehrt sind die Kollektivverhandlungen ein ausgezeichnetes Mittel, im Unternehmer das Bewußtsein der Notwendigkeit
einer scharfen Kalkulation sowie ständiger technischer Neuerungen
in jeder Form wach zu erhalten.
Eine Abgrenzung dessen, was in den Bereich der Kollektivverhandlungen fällt, ist schwer möglich. Die geschichtliche Entwicklung zeigt, daß es dabei um vLöhne, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen" geht, wenngleich nicht feststeht, was diese drei
Begriffe in einzelnen alles einschließen. Die betriebliche
Altersversicherung hätte beispielsweise noch vor wenigen Jahren
sicher nicht
zum Bereich der Kollektivverhandlungen gehört.
Der Bereich der Kollektivverhandlungen
Im folgenden sei der Versuch unternommen, die wichtigsten
Bereiche von Kollektivverhandlungen zu umreißen und ein Bild
davon zu geben, worum es geht.
1. Löhne und Sozialleistungen
Ist die Arbeiterschaft eines Betriebes nicht organisiert,
liegt die Entscheidung über die Höhe der Löhne allein bei der
Betriebsleitung. Diese Entscheidung wird dann unter Berücksichtigung der Grenzen getroffen, die durch innere und äußere Einflüsse gezogen sind und die Lohnposition der Firma bestimmen.
Die Betriebsführung wird im allgemeinen in ihrer Lohnpolitik
auf den jeweiligen Arbeitsmarkt Rücksicht nehmen, und Fragen
der Arbeitsmoral und die Wünsche der Belegschaft, soweit diese
überhaupt genau feststellbar sind, mit in ihre Berechnungen
einbeziehen. Die umorganisierte Arbeiterschaft hat jedoch von direkten Vorstellungen einzelner abgesehen - kein Sprachrohr, das ihr gestattet, ihre Ansichten über Fragen der Lohnpolitik der Betriebsführung darzulegen.
Allen Entscheidungen der Betriebsführung bezüglich der
Löhne kommt im Hinblick auf die Auswirkungen der Löhne auf
die Gestehungskosten größte Bedeutung zu. Von mindestens ebenso großer Wichtigkeit sind sie für die Angestellten und Arbeiter selbst, da ja Löhne und Gehälter in den meisten Fällen ihre
einzige Einkommensquelle darstellen. Die Gewerkschaften haben
nun die Aufgabe, den Arbeitern über ihre Vertreter Gelegenheit
zu verschaffen, die Forderung nach einem entsprechenden Anteil
an den Erträgen des Unternehmens bei der Betriebsführung geltend
zu machen und gegebenenfalls durchzusetzen. Erst die Organisierung der Arbeiterschaft ermöglicht die Anmeldung solcher
Forderungen, die aber durch eine entsprechende Analyse der
Gesamtloge und durch Darlegung sonstiger Gesichtspunkte untermauert sein müssen. Überredung oder gegebenenfalls der Hinweis

- 5-

�auf die Möglichkeit eines kollektiven Fernbleibens der Belegschaft
von der Arbeit sind die Mittel, mit denen diese Forderungen verwirklicht beziehungsweise durchgesetzt werden.
Es ist wohl ohne weiteres ersichtlich, daS diese Form der
Beteiligung der Arbeiterschaft an der Festsetzung ihrer Löhne
zahlreiche Konsequenzen nach sich zieht und sich auf viele Gebiete erstreckt. So erhebt sich beispielsweise die Frage, wie
eine allgemeine Lohnerhöhung oder auch Lohnsenkung auf die einzelnen Arbeiter innerhalb des Betriebs verteilt werden soll.
Eine Lohnerhöhung kann aber auch in der Weise erfolgen, daß
die Löhne nur um ein Geringes heraufgesetzt, dafür aber gleichzeitig andere Sozialleistungen, die den allgemeinen Betriebsunkosten zuzurechnen sind, erhöht werden. Dabei handelt es sich
um eine gekoppelte Erhöhung von Lohn- und Sozialleistungen "Package Deal" genannt -,eine Regelung, die gerade in der Zeit
nach dem zweiten Weltkrieg immer häufiger angewendet wurde. So
ist es beispielsweise undenkbar, daß die betriebliche Unfall-,
Kranken- und Altersversicherung in den letzten Jahren einen so
gewaltigen Aufschwung genommen hätte, wenn solche Sozialleistun£en nicht zum festen Bestandteil von TarifVerhandlungen geworden
wären. Ein weiteres Beispiel aus der jüngsten Zeit ist die Einführung einer privaten Arbeitslosenzusatzversicherung in der
Automobilindustrie sowie in einigen anderen Wirtschaftszweigen.
Die Konzeption von "Löhnen und Gehältern" ist um vieles komplizierter geworden seit die Gewerkschaften den Versuch unternommen
heben, der Arbeiterschaft durch Maßnahmen, die auf der Kostenseite des Betriebs zu verbuchen sind, einen größeren Anteil an
den zur Verfügung stehenden Waren und Dienstleistungen (durch
höhere Löhne nämlich und Leistungsprämien), mehr Freizeit zum
Genießen des durch ein höheres Realeinkommen gewährleisteten
besseren Lebensstandards (bezahlte Feiertage und erweiterte
Urlaubsgelegenheiten) und größere Sicherheit gegen unverschuldete
Not (Altersversorgung) zu verschaffen.
Neben der Frage nach der reinen Lohnhöhe ergeben sich in
der täglichen Praxis aber auch noch andere Probleme bezüglich
der Durchführung der Lohnpolitik. Zu ihrer Lösung werden im
Rahmen der Kollektivverhandlungen zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern eine große Zahl von Regeln festgelegt.
2. Arbeitsbedingungen
Es besteht keine eindeutige Trennung von den "Löhnen"
(einschließlich der zusätzlichen Sozialleistungen) und den
"Arbeitsbedingungen". Viele dieser Arbeitsbedingungen betreffen
in einer oder anderer Form die Höhe des Arbeitsentgeltes. Zum
Teil aber sind sie ihrem Charakter nach völlig außerhalb des
Bereichs rein wirtschaftlicher Fragen.
Schon immer war die Definition des Begriffs Arbeitszeit
neben den reinen Lohnfragen eines der dringendsten Anliegen
bei Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Arbeitszeit und Löhne stehen selbstverständlich in einem ganz
engen Zusammenhang,und so ist es ganz natürlich, da 1 sie oftmals gemeinsam erörtert werden. Im Wirtschaftsleben unserer
Tage ist der Begriff Arbeitszeit sehr vielfältig . Er erstreckt
sich nicht nur auf die Zahl der täglich und wöchentlich zu

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�zu leistenden Arbeitsstunden sowie auf Arbeitsbeginn und -ende,
sondern auch auf Fragen wie Überstunden, Spätschichten, Sonntagsund Feiertagsarbeit, Mittagszeit und auf Verrichtungen, die nichts
mit der eigentlichen Produktion zu tun haben, so beispielsweise
Pausen, Arbeitsvorbereitung, Säuberung des Arbeitsplatzes, Wechsel
der Berufskleidung und Weg zur Arbeitsstätte.
Ein weiteres Gebiet sind die vielfältigen Regeln zur Gewährung
der Betriebssicherheit. Hierher gehören ferner Fragen wie Feierschichten und Wiederaufnahme der Arbeit, Beförderung, Arbeitsdisziplin, Versetzungen auf andere Arbeitsplätze innerhalb des Betriebes und Entlassung. Um ein reibungsloses Arbeiten des Betriebes
sicherzustellen, ist eine allgemeine Regelung dieser Fragen unerlässlich und um des Betriebsklimas willen müssen diese Regeln und
ihre Handhabung im Einklang mit Recht und Billigkeit stehen. So
ist beispielsweise die Betriebsführung zur Aufrechterhaltung der
Arbeitsmoral gezwungen, mit Disziplinarmaßnahmen gegen Belegschafts
angehörige vorzugehen, die sich von der Arbeit drücken, die Sicherheitsvorschriften verletzen, sich aufsässig gegen ihre Vorgesetzten
verhalten oder unkollegial handeln. Solche Maßnahmen werden sich
aber nur dann fördernd auf das Betriebsklima auswirken, wenn dabei
von allgemein anerkannten Regeln ausgegangen wird. Ist ein Betrieb
etwa gezwungen, Feierschichten einzuführen, so erhebt sich die
Frage, welche Arbeiter aus der Belegschaft davon betroffen werden
sollen. Diese Dinge werden oftmals von der Öffentlichkeit kaum
beachtet, für die Arbeiter im Betrieb aber sind sie eine ständige
Sorge,und so erwachsen den Gewerkschaften und Arbeitgebern bei
Kollektivverhandlungen oftmals größte Schwierigkeiten bei dem
Versuch, eine praktisch durchführbare Regelung für all diese
Fragen zu treffen.
Viele Fragen der Lohnpolitik und ihrer Handhabung - die
Festsetzung der Löhne für neugeschaffene Arbeitsplätze, Neueinstufung bei Änderung der Tätigkeit, Beförderung beziehungsweise
Aufbesserung der Löhne, Gewährung von Arbeitsanreizen und Leistungslöhnen und so weiter - werden in zunehmendem Maße auf dem
Weg über Kollektivverhandlungen von beiden Sozialpartnern gemeinschaftlich entschieden.
5. Arbeitskonflikte
Im Zusammenhang mit der Durchführung der
Personalpolitik
kommt es unvermeidlich immer wieder zu teils begründeten und teils
unbegründeten Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen.
Deshalb ist die Festlegung eines zweckmäßigen Verfahrens zur Beilegung solcher Meinungsverschiedenheiten unerläßlich. Die meisten
Tarifverträge enthalten deshalb Bestimmungen über die Auslegung
des Vertrages, die von den beteiligten Parteien überprüft und
beigelegt werden können. In der Praxis ist es so, da2 sich die
meisten Arbeitsstreitigkeiten mit Hilfe dieses Verfahrens aus
der Welt schaffen lassen. Sollte es zu keiner Einigung kommen,
so sehen die meisten Tarifverträge die Anrufung eines unparteiischen Schlichters vor. Meist läßt sich so selbst bei ernsten
und schweren Meinungsverschiedenheiten der Ausbruch eines Streiks
verhindern. Auf Grund der guten Erfahrungen mit dem Schiedsverfahren wurden in der jüngsten Zeit in die Tarifverträge häufig
sogenannte Nicht-Streikbestimmungen eingebaut, die Streiks für
die Laufzeit des Vertrages ausschließen.

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�Kollektivverhandlungen haben dem Arbeiter ein Mitspracherecht
bei der Pestsetzung der Löhne und Arbeitsbedingungen und, über die
sogenannten Streitverfahren, zum Teil auch bezüglich der praktischen
Durchführung der Arbeitsregeln gegeben.
Kollektivverhandlungen und die soziale Stellung des Arbeiters
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Gewerkschaftsbewegung, und das ist ihr historisches Verdienst, die Stellung des
Arbeiters innerhalb der Gesellschaft verbessert hat. Betriebsangehörige sind nicht mehr wie zur Zeit unmittelbar nach der industriellen Revolution anonyme Größen, sondern haben ihren Status
als respektierte Einzelwesen wiedergewonnen, und zwar auf dem Weg
über die Selbstorganisierung. Sie haben ein Mitspracherecht bei
der Festlegung der Arbeitsregeln innerhalb des Betriebes und sind
sicher vor willkürlichen Maßnahmen, die ihren Status als Belegschaftsangehörige beeinträchtigen könnten.
Der Einfluß der organisierten Arbeiterschaft auf Arbeit und
Beschäftigung sowie auf die Einstellung auch der Unternehmer zu
diesen Fragen geht weit über die eigentliche Gewerkschaftsarbeit
hinaus. In den letzten Jahren hat sich auch auf seiten des Unternehmertums ein immer stärkeres Verantwortungsgefühl für ihre Mitarbeiter als Menschen herausgebildet, das sie dazu veranlaßte,
sich eingehend mit jenen Faktoren zu befassen, die die Einstellung
des arbeitenden Menschen gegenüber seiner Arbeit und dem Betrieb
beeinflussen. Das Wissen um diese Dinge erst erlaubt der Betriebsführung, ein Betriebsklima zu schaffen, das: die Arbeit befriedigender und die menschlichen Bestrebungen produktiver gestalten
hilft.
Was hier über die Bedeutung der Kollektiwerhandlungen für die
Festlegung des sozialen Status der Arbeiter gesagt wurde, darf aber
nicht dahingehend ausgelegt werden, daß das Unternehmertum beziehungsweise die Betriebsführung, sei es nun in Betrieben mit organisierter
oder nichtorganisierter Arbeiterschaft, heute eine geringere Verantwortung gegenüber der Arbeiterschaft und der Gesamtheit trage.
Und noch ein letzter Punkt: Gewerkschaften und TarifVerhandlungen sind Mittel, nicht Selbstzweck. Sie dienen dem Ziele,
den Lohn- und Gehaltsempfängern ein Mitsprecherecht bei den Entscheidungen zu verschaffen, die ihren Status und ihr Wohlergehen
innerhalb der Wirtschaft betreffen. Wie andere Institutionen können auch die Gewerkschaften Fehler begehen; sie laufen dann Gefahr, daß sie ihrer eigentlichen Verantwortung nicht mehr gerecht
werden. Für die Gewerkschaften ergibt sich somit die Notwendigkeit,
auf die Auffassungen ihrer Mitglieder Rücksicht zu nehmen und ihnen
Gehör zu verschaffen. Schon im Interesse der Arbeiterschaft müssen
die Gewerkschaften ihre Macht bei Kollektivverhandlungen dazu benutzen, wirtschaftliche Normen und Arbeitsbedingungen zu schaffen,
die den Betrieben genügend Spielraum für eine ordnungsgemäße Führung der Geschäfte lassen und ein gesundes Wachstum der Wirtschaft
gewährleisten.
Quelle: Monthly Labor Review,
Vol 79 No. 6

�Arbeitshygiene im Zeitalter der Automatisierung
Automatisierung ist nicht nur eine Umschreibung
für neue technische Verfahren zur mechanischen
Verrichtung von Arbeiten in unseren '.Verkstätten
und Büros. Automatisierung bedeutet auch eine
neue Lebensform mit spezifischen biosozialen und
technischen Wertbegriffen. Sie wird sowohl das
Leben und die Arbeit der Menschen als auch die
Lehrpläne unserer Schulen verändern und unseren
Lebensstandard auf neue Höhen führen. Der vorliegende Artikel, der einem Referat von Dr. C.
Richard '.Valmer, Direktor der "Industrial Hygiene
Foundation" entnommen ist, beschäftigt sich mit
den neuen Aufgaben, die der Arbeitshygiene in den
Industriebetrieben durch die Automatisierung erwachsen.
Die Bedeutung der Gesundheitsüberwachung im Betrieb
Der Gesundheitszustand eines Menschen wird weitgehend durch
seine Anpassung an die Umwelt bestimmt. V/enn diese Umwelt sich verändert, empfindet der Mensch ein gewisses Unbehagen. Ein solches
psychisches Unbehagen auf Seiten der Arbeitnehmer ist im Zeitalter
der Automatisierung eines der unweigerlich auftauchenden menschlichen Probleme, die in engem Zusammenhang mit der Gesundheit und
dem Wohlbefinden der Arbeiter stehen. Andere Aspekte der Automatisierung werden sich sogar noch unmittelbar auf das physisc'ne
Wohlbefinden des Arbeiters auswirken. Die Gesamtsumme aller physischen und psychischen Faktoren bestimmt dann erst den Allgemeinzustand eines Menschen.
Diese Dinge zu erkennen und in ihre Planungen einzubeziehen,
ist für die Industrie ebenso wichtig wie die Konstruktions- und
Baupläne oder die Untersuchungen hinsichtlich der wirtschaftlichen
Möglichkeiten eines eventuellen Übergangs zur Automatisierung eines
Betriebes. Arbeiter und Angestellte bilden seit je den wichtigsten
Aktivposten eines Unternehmens, und dies wird sich auch im Zeitalter der Automatisierung nicht ändern. Man wird den Arbeitern und
Angestellten noch mehr Verantwortung als bisher übertragen. Da
mehr technisches Personal zur Pflege und Instandhaltung der komplizierten Maschinen und zum Betrieb der automatischen Apparate
benötigt wird, wird der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften
steigen und folglich eine bessere Ausbildung und Schulung der
Arbeiter eine Grundvoraussetzung werden. Die leitenden Angestellten
werden bedeutsame Entscheidungen zu treffen haben, wobei etwaige
Irrtümer und Fehler sich in Zukunft als weit kostspieliger als
bisher erweisen werden.
Hinzu kommt, daß in einem automatisierten Unternehmen für
jeden Arbeitsplatz eine höhere Kapitalinvestition erforderlich ist.
So betrug zum Beispiel im Jahre 1954 die Kapitalinvestition je
Arbeitsplatz in der chemischen Industrie, die bereits in hohem
Grede automatisiert ist, das Doppelte der entsprechenden Aufwendungen in der gesamten Industrie, nämlich 26 G00 Dollar; in einigen
Fabriken ist sie noch erheblich höher. In den Kraftwerken, die
nahezu vollautomatisch arbeiten, übersteigt die Kapitalinvestition
Je Arbeitsplatz den Betrag von 106 000 Dollar.

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�In einem automatisierten Betrieb ist also die Gesundheit der
Arbeitnehmerschaft für den Betrieb von sehr viel größerer Bedeutung als bisher. Denn die Erkrankung eines Arbeiters bedeutet
nicht nur eine Störung der Produktion während seiner Abwesenheit,
sondern führt auch zu einem Absinken seiner Leistungsfähigkeit,
wenn er sich bei Anwesenheit am Arbeitsplatz nicht wohl fühlt.
Vorbeugende medizinische Maßnahmen
In jedem Unternehmen hat sich die vorbeugende Medizin noch
immer als das beste Mittel zur Erhaltung der Gesundheit der Arbeitnehmer erwiesen. Dabei geht es um das gesamte Befinden des
Arbeiters auf körperlichem wie auf seelischem Gebiet, und zwar
sowohl im Betrieb als auch zu Hause. Durch die neuzeitlichen
Methoden zur Gestaltung des Arbeitsplatzes ist es möglich geworden, Betriebsunfälle und Berufskrankheiten weitgehend zu reduzieren. Wie eine der "Stiftung für Industrie-Hygiene" angeschlossene Firma berichtet, sind die Betriebsunfälle bei ihr in den
letzten fünf Jahren um 6y/ö zurückgegangen. Das ist keine Ausnahme.
Und die Automatisierung wird Betriebsunfälle und Berufskrankheiten
noch weiter zurückdrängen." Neunzig Prozent der Arbeitsausfälle
entfallen auf andere Krankheiten und Unfälle außerhalb des Betriebes.
Selbst das umfassendste arbeitshygienische Programm wird ein
Unternehmen immer noch weniger kosten als Arbeitsausfälle infolge
Krankheit mit den daraus resultierenden höheren Betriebskosten
durch Einsatz von weniger oder gar nicht geschultem Personal, Verschlechterung der Qualität der Erzeugnisse, höhere Invalidenrenten
und steigende Aufwendungen für Beiträge zur Krankenkasse sowie vieles andere mehr. Die betriebsärztliche Betreuung der Arbeitnehmer
bedeutet keinen Eingriff in die Arbeit der freien Ärzteschaft. Im
Gegenteil, im Rahmen dieser Betreuung werden häufig Schäden und
Krankheiten festgestellt, die andernfalls gar nicht bemerkt und
behandelt worden wären, und diese Fälle werden stets dem Hausarzt
überwiesen.
Arbeitshygiene im automatisierten Betrieb
Wir wollen einmal die arbeitshygienischen Maßnahmen, wie wir
sie bereits in vielen großen Firmen finden, betrachten und dabei
untersuchen, inwieweit sie den Gegebenheiten eines vollautomatisierten Unternehmens entsprechen, welche Änderungen eventuell vorzunehmen und wie diese durchzuführen sind. Allerdings ist dabei zu
beachten, daß wir vorläufig nur über sehr geringe Erfahrungen
hinsichtlich der besonderen Anforderungen an die Arbeitshygiene
verfügen.
ümweltbedingungen
In einem vorbildlichen Betrieb wird die Luft ständig auf
etwaige Verunreinigungen untersucht, und alle Betriebe, in denen
die Arbeiter durch Staub, giftige Dämpfe oder Gase bedroht sind,
unterstehen der laufenden Überwachung der Industriehygieniker.
Etwaige gesundheitsschädigende Eigenschaften aller im Fabrikationsprozeß verwendeten Rohstoffe werden durch biologische Tests
ermittelt. Der Betriebsarzt ist über alle in seinem Werk möglichen
Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter genau unterrichtet. Bei
der Konstruktion der Maschinen und der Einrichtung des Lüftungssystems und der Klimaanlage wird streng auf die Einhaltung der
für die Gesundheit des Menschen erforderlichen Normen geachtet.

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�Ebenso wird größte Sorgfalt darauf verwendet, Lärmschäden zu vermeiden und ein optimales Wärmeklima zu schaffen. Wo schädliche Einflüsse nicht ganz ausgeschaltet werden können, sind Schutzkleidung
und Schutzausrüstung für jeden Arbeiter eine Selbstverständlichkeit.
Mit der Automatisierung werden sich viele derartige Probleme
von selbst lösen. Die Arbeiter werden keinerlei giftigen Beimengungen in der Luft mehr ausgesetzt sein, da der Fabrikationsproze2 unter Abschluß von der Außenwelt vor sich geht. Die im Steuerraum tätigen Arbeiter sind von den Räumen, in denen die eigentliche
Fabrikation vor sich geht, vollkommen isoliert, so daß Lüftung,
Temperatur, Feuchtigkeitsgrad und Lärm für sie unerheblich werden.
Auch der Umgang der Arbeiter mit den Rohstoffen entfällt bei der
Automatisierung weitgehend, so daß die Verwendung von Materialien
möglich wird, die bisher wegen der Gefahr chronischer Vergiftung
der Arbeiter nicht benützt werden konnten.
Wenn auch die Automatisierung diese Gefahrenmomente weitgehend
reduziert, da die Arbeiter nicht mehr wie bisher tagtäglich mit giftigen Stoffen zu tun haben, besteht doch nach wie vor die Gefahr
schwerer gesundheitlicher Schädigungen infolge Unterbrechungen im
Fließbandbetrieb oder durch, den Kontakt mit giftigen Substanzen
bei Reparaturarbeiten. In derartigen Fällen ist eine sofortige
Spezialbehandlung erforderlich.
Auch wird es nach wie vor notwendig bleiben, neuartige Erzeugnisse, ehe sie auf den Markt gelangen oder möglichst schon
im Entwicklungsstadium, auf etwaige Giftstoffe zu untersuchen.
Sofern gesundheitsschädigende Eigenschaften nicht ganz ausgeschaltet werden können, müssen besondere Vorschriften für den
Umgang und den Gebrauch derartiger Artikel erlassen werden.
Unfallverhütung
Die Automatisierung wird im allgemeinen zur Steigerung der
Betriebssicherheit führen. In einem vollautomatisierten Betrieb
kommen die Arbeiter hur selten, wenn überhaupt, mit den Maschinen
in Berührung. Auch die Beschickung der Maschinen mit schweren
Materialien wird durch Automaten erfolgen, so daß es nicht mehr
zu körperlicher Überanstrengung und zu Verletzungen, wie Quetschungen und so weiter,kommen kann. In den vollautomatisierten
Abteilungen der "Ford Motor Company" ist beispielsweise die Zahl
der Erkrankungen an Leistenbrüchen um 85,5, zurückgegangen.
Neue Aufgaben der betriebsärztlichen Betreuung
Wichtigste Voraussetzung für eine, sorgfältige Gesundheitsüberwachung in der Industrie ist die Untersuchung durch den Arzt.
Die Gesundheitsbetreuung beginnt mit einer eingehenden Untersuchung
vor Zuweisung des Arbeitsplatzes und schließt regelmäßige Kontrolluntersuchungen und notfalls besondere Einzeluntersuchungen ein.
Die erste eingehende Untersuchung soll nicht nur etwa vorhandene
körperliche Schäden aufdecken, die bei rechtzeitiger Entdeckung
behandelt und ausgeglichen werden können, sie soll auch die geistigseelischen Fähigkeiten des Arbeitnehmers ermitteln, so daß jeder
Arbeiter den seinen körperlichen Fähigkeiten und geistigem Können
entsprechenden Arbeitsplatz erhält.
Die anatomischen oder physiologischen Voraussetzungen, die zur
Arbeit im automatisierten Betrieb erfüllt werden müssen, können
sich natürlich ändern. Sicherlich wird die rein physische Kraft
eine geringere Rolle spielen, so daß es möglich sein wird, zahl- 11 -

�zahlreiche körperbehinderte und ältere Personen wieder in den
Produktionsprozeß einzuschalten.
Regelmäßige KontrollunterBuchungen
Besondere Aufmerksamkeit wird man in Zukunft dem Problem der
Gesundheitsschädigung infolge nervöser Überlastung durch den Beruf
schenken müssen. Bisher haben die Betriebsärzte die auffälligsten
Symptome nervlicher Überbeanspruchung, wie Herzkrankheiten, Hypertonie und Magengeschwüre, meist unter den "Managern" gesucht.
Im Zeitalter der Automatisierung wird die Zahl der hochqualifizierten und akademisch gebildeten Arbeitskräfte erheblich ansteigen. Durch die regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen während der
Anfangsstadien der Automatisierung können die Werksärzte sehr
wertvolles Material über die Belastungen sammeln, denen die Arbeiter gerade in den automatisierten Betrieben ausgesetzt sind. Diese
Untersuchungen bieten die Möglichkeit, hinsichtlich der sich ständig
wandelnden Probleme auf dem Gebiet der Arbeitshygiene auf dem laufenden zu bleiben und die vorbeugende Medizin immer weiter auszubauen.
Der Arbeiter wird in Zukunft keine schmutzigen und schweren
Arbeiten unter unerfreulichen Bedingungen mehr leisten müssen;
die monotonen Verrichtungen, wie sie zum Beispiel in den hochspezialisierten Fabriken am Fließband üblich sind, werden fortfallen.
Andererseits muß er bereit sein, die Anforderungen auf sich zu
nehmen, die höher qualifizierte Aufgpben, wie Unterhalt und Pflege
der Maschinen oder AufSichtsarbeiten, mit sich bringen. Dies wird
sich für manche als eine große Belastung erweisen; doch wird vielen
Arbeitern der Übergang durch Umschulung und Fortbildungslehrgänge
zu erleichtern sein.
Medizinische Aufklärung und Beratung
Eine weitere Aufgabe wird den Betriebsärzten auch aus der
Notwendigkeit erwachsen, die Arbeiter und Angestellten über Unfallverhütung im häuslichen Bereich, Ernährungsfragen und allgemeine
Hygiene aufzuklären, um Krankheiten überhaupt und Unfälle auch
außerhalb des Betriebs zu reduzieren.
Mit der zunehmenden Bedeutung der vorbeugenden Medizin ist
es unbedingt notwendig, daß die medizinischen Fakultäten sich
eingehender mit den Problemen der Arbeitshygiene und der betriebsärztlichen Betreuung der Arbeitnehmer beschäftigen und die zukünftigen Werksärzte auf ihre Aufgaben bei der Durchführung entsprechender Programme in den Betrieben vorbereiten.
"Human Engineering"
Im, Zeitalter der Automatisierung werden sämtliche Mediziner,
Werksärzte wie freiberufliche Ärzte, sich sehr viel eingehender
mit dem Problem der Kräftebeanspruchung durch den Beruf und der
konstitutionellen Leistungsfähigkeit des Menschen beschäftigen
müssen. Die automatischen Maschinen müssen entsprechend den
physiologischen Fähigkeiten des Menschen konstruiert werden.
Zusammenfassung
Die Automatisierung wird dem Menschen einen besseren Platz
in der technischen Welt unserer Tage verschaffen. Der Arbeitsplatz
wird zweifellos sicherer, ungefährlicher und gesünder sein, und

- 12 -

�viele Gefahren wird man vollkommen ausschalten können. Neu auftauchende medizinische Probleme lassen sich lösen, wenn man sich
an die Grundsätze der vorbeugenden Medizin hält und dabei die
Kenntnisse und Methoden der Fachleute auf allen einschlägigen
Gebieten berücksichtigt.
IJuel'e: Monthly

Labor Review
Vol. 79 No. 7

Versicherungsschutz und Versicherungsleistung für die Eisenbahner
Seit Bestehen der staatlichen Alters- und Arbeitslosenversicherung, die im Rahmen des umfangreichen Sozialgesetzwerkes der
Regierung Roosevelt im Jahre 1955 vom US-Kongreß verabschiedet
wurde, haben die Angestellten und Arbeiter der amerikanischen
Eisenbahngesellschaften sowie ihre Familien Unterstützungsleistungen in einer Gesamthöhe von mehr als 5 Milliarden Dollar erhalten. Von dieser Gesamtsumme entfallen auf die Altersversorgung
3,7 Mrd. Dollar, auf die Hinterbliebenenrenten 663 Mio. Dollar,
auf die Arbeitslosenunterstützung 654 Mio. Dollrr und auf Krankengeld- und Geburtenbeihilfen 280 Mio. Dollar.
Diese Zahlen sind in dem letzten Geschäftsbericht des "US.
Railroad Retirement Board" (Verwaltungsbehörde für die Altersversicherung der Eisenbahner) enthalten, der sich nicht nur mit den
finanziellen Leistungen im Geschäftsjahr 1954/55 befaßt, sondern
auch einen interessanten Überblick über die Entwicklung der einzelnen Sozialversicherungssparten und der Versicherungsleistungen seit
1937 gibt.
Bekanntlich sahen die 1935 vom Kongreß verabschiedeten und
1937 revidierten Sozialgesetze zuerst nur Rentenleistungen für
solche Arbeitnehmer vor, die das 65. Lebensjahr erreicht hatten
oder Invalide waren. Später, und zwar im Jahre 1939» wurde dann
die Arbeitslosenversicherung mit einbezogen und 194&amp; der Versicherungsschutz auch auf die zeitweilig nicht Arbeitsfähigen (auf
Grund von Krankheit, Unfall oder Mutterschaft) ausgedehnt. Desgleichen wurden damals die Pensionsleistungen auch auf die Familienmitglieder des Versicherten (Frau, abhängige Kinder oder
Eltern) erweitert.
Während im ersten Jahr der Leistungsaufnahme (1937/38) insgesamt 117 000 Eisenbahner 83 Mio. Dollar an Pensionen erhielten,
waren es im Finanzjahr 1954/55» wie aus der Aufstellung des
"Retirement Board" hervorgeht, über eine Million Versicherte,
die zusammen 755 Mio. Dollar an Renten oder Arbeitslosenunterstützung
erhielten. Von dieser Summe entfielen allein 550 Mio. Dollar auf
Alters- und Hinterbliebenenrenten.
Aber nicht nur die Zahl der Versicherten hat seit der Einführung
der Altersversicherung ständig zugenommen, auch die Leistungssätze
haben sich in diesem Zeitraum bedeutend erhöht. Wä'hrend der durchschnittliche monatliche Unterstützungssatz 1937/38 65 Dollar (nach
Erreichung des vollen Pensionsalters) betrug, machte er im FinanzJahr 1954/55 110 Dollar aus. Diese erhebliche Zunahme ist einerseits durch die beträchtliche Ausweitung des Programms seit 1937
- 13 -

�und andererseits durch die höheren Durchschnittseinkommen der Versicherten bedingt. Von den 1937 in die staatliche Altersversorgung
überführten 48 500 Eisenbahner sind heute, wie aus der Übersicht
weiter hervorgeht, noch 3200 am Leben. Ihre monatliche Durchschnittsrente beträgt 79.17 Dollar.
Eine weitere Erhöhung der Versorgungsleistungen ist am 7« August
dieses Jahres eingetreten, als Präsident Eisenhower das vom Kongreß
verabschiedete verbesserte Rentengesetz unterschrieb, durch das die
Einkünfte von rund 400 000 der insgesamt 65O 000 Versorgungsberechtigten des "Railroad Retirement Board" um 10/S erhöht werden.
Auch die Leistungen aus der 1947 aufgenommenen HinterbliebenenVersicherung haben sich ähnlich wie die Rentenleistungen in den letzten
8 Jahren erheblich erhöht. Sie lagen 1955 um 57 Dollar über den Sätzen
von 1947 (24 Dollar gegenüber 1950). Die höchste Unterstützungssumme, die im Rahmen dieser Versicherung ausgezahlt wurde, belief
sich auf 200 Dollar (195C - 108 Dollar).
VJas für die beiden eben erwähnten Versicherungsarten gesagt
wurde, trifft auch weitgehend für die Arbeitslosenversicherung zu.
Gegenüber den durchschnittlichen wöchentlichen Unterstützungsleistungen im Jahre 1939/40 lagen die Sätze im Finanzjahr 1954/55 rund
viermal so hoch. Die höchste Zahl der Arbeitslosenunterstützung
empfangenden Eisenbahner wurde mit 47O 000 1949/50 verzeichnet,
die niedrigste mit 5000 im Kriegsjahr 1943/44«
'«Veniger Schwankungen unterworfen dagegen war die Zahl der
Krankengeld empfangenden Eisenbahner. Der Spitze von 151 000 (1948/49)
steht das Tief von 130 000 im Jahre 1951/52 gegenüber. Desgleichen
blieb die Zahl der Wochenbeihilfen für weibliche Arbeitnehmer in
all den Jahren ziemlich konstant. Sie bewegte sich bei rund 4000
pro Jahr.
Zum Schluß noch einige Hinweise über die verschiedenen Sozialleistungen, wie sie im "Railroad Retirement Act of 1937" festgelegt
wurden.
Danach erhalten die bei den amerikanischen Eisenbahngesellschaften angestellten Arbeitnehmer eine Altersrente, wenn sie
1) das 65. Lebensjahr erreicht und eine Mindestdienstzeit von
10 Jahren nachweisen;
2) 60 Jahre alt sind und 30 Jahre tätig waren;
3) Vollinvalide sind.
Die Rentenhöhe errechnet sich nach der Zahl der Dienstjahre und
des Durchschnittsverdienstes des Versicherten, der bis zum 30. Juni
1954 bis zu einer Höhe von 300 Dollar (Versicherungspflichtgrenze)
und danach bis zu 350 Dollar pro Monat in Anrechnung gebracht wird.
Der höchste Rentensatz, für den eine Dienstzeit seit 1. Januar 1937
bis Juni 1954 erforderlich ist, beträgt dabei 165,60 Dollar monatlich.
Die Mittel für die Altersversicherung werden durch gleichhohe
Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgebracht, die zusammen
6,25/^ der Gesamtlohnsumme (bis zu 350 Dollar im Monat) abzuführen
haben. Die Arbeitslosenversicherung dagegen wird ausschließlich von
den Unternehmern finanziert.

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�Beide Programme werden durch das "Railroad Retirement Board"
verwaltet, das 1935 durch Gesetz geschaffen wurde. Es setzt sich
aus drei vom Präsidenten ernannten Mitgliedern zusammen.
Quelle: Eigenbericht

Die Unterstützungsleistungen eines Wohlfahrtsfonds
Welch eine Bedeutung die privaten, in der Regel ausschließlich
vom Unternehmer finanzierten Wohlfahrtspläne in den Vereinigten Staaten heute auf sozialpolitischem Gebiet erreicht haben, zeigt eine
Aufstellung der Maschinistengewerkschaft über die im vergangenen Jahr
an ihre Mitglieder ausgezahlten Unterstützungsleistungen.
Danach erhielten die 6220 anspruchsberechtigten Mitglieder
des Gewerkschaftsbezirkes 9 (St. Louis) 1955 insgesamt 1 300 242
Dollar ausgezahlt. Für bisher noch nicht angemeldete Forderungen
wurden ferner noch 310 471 Dollar bereitgestellt.
Der Wohlfahrtsplan dieser Gewerkschaft umfaßt insgesamt
15 022 Mitglieder, die in 90 Prozent der insgesamt 1290 Betriebe
dieses Gebietes beschäftigt sind.
Y/ie aus der übersieht weiter hervorgeht, wurden im vergangenen
Jahr für die Verwaltung des V/öhlfahrtsfonds nur 1 ,88 Prozent des gesamten Fondskapitals aufgewendet. Das dürfte, nach Ansicht der- Treuhänder, die diesen Bericht zusammenstellten, der niedrigste Satz in
den gesamten USA sein.
Vom besonderen Interesse ist auch die Gliederung der verschiedenen Leistungen, die durch den Fonds im vergangenen Jahr aufgebracht
wurden. Danach wurden 1955 261 895 Dollar für Unfall- und Krankheitsbeihilfen bereitgestellt, 610 790 Dollar für Krankenhausaufenthalt,
224 594 Dollar für Operationskosten und 122 000 Dollar für Lebensversicherungen ausgegeben. Der Rest verteilt sich auf verschiedene
Leistungen.
Quelle: Eigenbericht

Niedrigste Unfallrate im Juni
Die bisher niedrigste Unfallrate überhaupt wurde in der amerikanischen Fertigungsindustrie im Juni dieses Jahres erzielt. Auf
jede Million geleisteter Arbeitsstunden kamen dabei nur 12 Unfälle,
wie das Amt für Arbeitsstatistik im US-Arbeitsministerium in seiner
jüngsten Übersicht über die Unfallhäufigkeit in der amerikanischen
Industrie mitteilte.
Die Durchschnittsrate für das zweite Vierteljahr 1956 verminderte
sich damit auf 11,9 Unfälle je eine Million Arbeitsstunden und ist
dadurch ebenfalls die niedrigste, die bisher in diesem Monat verzeichnet wurde. Obwohl auch für die ersten seChs Monate dieses Jahres

- 15 -

�eine Durchschnittsrate von nur 11,9 Prozent festgestellt wurde, liegt
diese im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres etwas höher.
Wie aus der Übersicht weiter zu entnehmen ist, lag die industrielle Unfallrate am 1. Juli dieses Jahres bei 106 von insgesamt
155 Industriezweigen entweder auf oder unter dem Vorjahrsniveau.
Bei 38 dieser Branchen ging die Unfallhäufigkeitsrate dabei gegenüber dem ersten Halbjahr 1955 UI&amp; einen vollen Punkt oder mehr zurück. Nur aus 29 Industriezweigen wurden im Vergleich zu 1955 erheblich höhere Unfallraten gemeldet.
Die größten Fortschritte in der Unfallbekämpfung wurden in diesem
Jahr bisher von der Sperrholzindustrie verzeichnet, die einen Rückgang der Unfallhäufigkeit von 31,1 Unfälle auf je eine Million Arbeitsstunden im Jahre 1955 auf 22,6 im ersten Halbjahr 1956 aufweist. Ebenso eindrucksvoll ist auch der Rückgang in der Druckund Flüssigkeitsgasindustrie, wo eine Abnahme von 13 auf 5,4 eintrat.
Zu den 19 Industriezweigen (im Vorjahr 14) mit einer extrem
niedrigen Unfallrate (unter fünf) gehören dem Bericht des US-Arbeitsministeriums nach insbesondere die Chemifaserindustrie, die Hersteller
von Nachrichtengeräten aller Art, die Fabriken zur Herstellung synthetischen Kautschuks, die Flugzeug-, Radioröhren- und die AutoelektroZubehörindustrie.
Quelle: Eigenbericht

- 16 -

I I OCT • • • 0 1 1 0 t • 7 . 4 U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
A m t f f l r Arbeitsinformatlonen
USIS Press Division
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 18

Mehlem, den 1. Dezember 1956
INHALTSVERZEICHNIS

U.S.-Senat8ausachuß untersuchte private Wohlfahrtsund Pensionspläne

Seite

1

Lebensansprüche und Lebensstandard der arbeitenden
Bevölkerung in den amerikanischen Städten

Seite

7

Neue wichtige Lohnabkommen in der ÜS-Industrie....

Seite

15

Bergarbeiter-Sozialfonds legte Leistungsbericht
vor

Seite

16

Arbeitszeit nach Wunsch

Seite

16

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

U.S.-SenatsauBschuß untersuchte private Wohlfahrts- und Pensionapläne
Ein Bundesgesetz, das die Unternehmer zur Erteilung von Auskünften
über die private betriebliche Sozial- und Altersversicherung verpflichtet
und so die berechtigten Intereaaen der veraicherten Arbeiter wahren hilft,
wurde vom 0nterau8achuß dea Ü.S.-Senata für SozialverBicherungafragen
in einem Bericht an den Senat gefordert. Dieaer Bericht faßt die Ergebnisse einer zweijährigen Unterauchung zusammen, in der geklärt werden
8ollte, wie die private betriebliche Sozial- und Alteraveraicherung
gehandhabt wird. Der Unterauaschuß betont in seinem Bericht mehrmala,
daß die meiaten derartigen Veraicherungapläne Zeugni8 für daa Verantwortung8bewußt8ein der Unternehmer ablegen und in Übereinstimmung mit
den Grundsätzen von Recht und Billigkeit verwaltet werden. Der Unterausschuß wies aber auch darauf hin, daß kaum damit zu rechnen aei, daß
die featgeatellten Mißbräuche, Schwierigkeiten und Schwächen von den
entsprechenden Betrieben von sich aua abge8tellt werden.
Umfang der Versicherung
Ende 1954 waren rund 75 Millionen Menschen - 29 Millionen Arbeiter
mit ihren rund 46 Millionen Angehörigen - in der einen oder anderen Form

�durch eine betriebliche Sozial- und Alteraversicherung gedeckt.
Wie groß der Personenkreis ist, der bei den verschiedenen Sparten
der betrieblichen Sozialversicherung erfaßt wird, ist aus der nachstehenden Tabelle ersichtlich:
Arbeitnehmer
Zahl
(in Mill.)

Prozents.
sämtlicher
Werktätiger

Angehörige
(in Mill.)

Insgesamt

Sozialversicherung:
Lebens- und Sterbegeldversicherung

29,5

Unfalltod- und
Invaliditätsvers.

14,0

Vorübergehende
Invaliditätsvers.

23,2

43,6

Krankenhauskostenversicherung

31,3

59,0

44,3

75,,6

Operationskostenversicherung

28,3

53,0

39,0

67,3

Arztkostenvers.

17,3

52,0

21,4

38:,7

Altersvers.

12,5

23,0

55,0

1,1

30,,6

^^

14,,0
23,,2

Seit 1940 und vor allem seit 1945 hat die Zahl dieser privaten
Wohlfahrts- und Altersrentenversicherungspläne ganz erheblich zugenommen. Etwa 60';'o der von der Altersversicherung und etwa 40% der
von der Sozialversicherung in ihren verschiedenen Formen erfaßten
Arbeitnehmer verdanken diesen zusätzlichen Versicherungsschutz den
von Unternehmern und Gewerkschaften gemeinsam ausgehandelten Tarifverträgen.
Im Jahre 1954 beliefen sich die Unternehmerbeiträge zu allen
derartigen Versicherungsprogrammen auf insgesamt 4,5 Milliarden
Dollar, die Beiträge der Arbeitnehmer auf insgesamt 2,3 Milliarden.
Die Reserven der betrieblichen Altersversicherungen bewegten sich
zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar.
Umfang der Untersuchung
Die Untersuchung des Senatsausschusses wurde durch Präsident
Eisenhower in seiner Kongreßbotschaft vom 11. Januar 1954 ausgelöst
und begann im Mai 1954 mit einer eingehenden Oberprüfung von 29 privaten Versicherungsplänen, die durch Kollektivverträge geschaffen
worden waren und von beiden Sozialpartnern gemeinsam verwaltet werden.
Das bei den Informationssitzungen vom März und April 1955 gesammelte
Material und die in den ersten Stadien der Untersuchung gesammelten
Erfahrungen veranlaßten den Ausschuß, seine Untersuchungen auch auf
die Altersversicherung und die von jeweils nur einem der beiden

- 2 -

�Sozialpartner verwalteten Sozialprogramme auszudehnen sowie außerdem
industrieweite und auch andere Arten von Versicherungsplänen zu untersuchen.
Die Überprüfung erstreckte sich auf Sozial- und Altersversicherungsprogramme in der Stahl- und Automobilindustrie, im Kohlenbergbau, in der Bekleidungsindustrie, in der Elektroindustrie und
im Kraftwagentransportgewerbe.
Verschiedene Bundesbehörden wurden ferner um Auskunft ersucht,
inwieweit sie auf Grund bestehender Bundesgesetze eine Aufsichtsbefugnis über betriebliche Sozial- und Altersversicherungen ausüben.
Die einschlägigen Gesetze des Bundes und der Einzelstaaten wurden
daraufhin untersucht, inwieweit sie auf private Sozial- und Altersversicherungen anwendbar sind und eine ordnungsgemäße treuhänderische
Verwaltung, versicherungsstatistisch gerechtfertigte Geschäftspraktiken und den Schutz der Arbeitnehmer sicherstellen.
Der Ausschuß untersuchte ferner eine Reihe derartiger Versicherungen auf ihre Organisationsform, wobei drei Typen - vom Betrieb
verwaltete, von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam verwaltete
und von den Gewerkschaften verwaltete Versicherungen - zu unterscheiden sind. Das weiteren wurde das Geschäftsgebaren von Versicherungsgesellschaften und Banken überprüft, die als Träger und Verwalter
von Gruppenversicherungen und Altersversicherungsfonds auftreten.
Darüber hinaus interviewten die Mitarbeiter des Unterausschusses
zahlreiche Vertreter der Industrie, der Gewerkschaften, des Versicherungs- und Bankwesens sowie anderer Wirtschaftszweige.
Folgerungen
Der Unterausschuß kam zu dem Schluß, daß die immer größere
Verbreitung solcher privater Sozial-, Kranken- und Altersversicherungen
und die Frage nach der Verwendung dieser steuerfreien Gelder der Regierung eine große Verantwortung aufbürde. Sie müsse deshalb für eine
ordentliche Verwaltung dieser Versicherungsfonds Sorge tragen und
die Rechte und Interessen sowohl der Versicherungsnehmer als auch der
Öffentlichkeit schützen.
Der Unterausschuß zeigte sich nicht überrascht, daß die Untersuchungen Anbetracht der großen in den Fonds angesammelten Summen und
wegen des Fehlens einer entsprechenden Aufsicht Beweise dafür brachte,
daß eine kleine Minderheit skrupelloser Menschen sich derartige Geldmittel aneignete, und daß eklatante Formen des Mißbrauchs aufgedeckt
wurden.
Daß die größte Zahl derartiger Programme korrekt verwaltet wird,
stellt keinerlei Entschuldigung für die festgestellten Mißbräuche, Unregelmäßigkeiten und anderen Unzulänglichkeiten dar. Die Tatsache, daß
es überhaupt zu Veruntreuungen und Betrügereien hat kommen können, zeigt,
daß das gegenwärtige Fehlen entsprechender Kontrollen Mißbräuche begünstigt."
Auf Grund seiner Untersuchungen gelangte der Unterausschuß ferner
zu dem Schluß, daß "diese Arbeitgeber-Arbeitnehmerversicherungen ...
wirklich im Einklang mit der gegenwärtigen Gesetzgebung auf der Basis
verwaltet werden, daß die vom Betrieb geleisteten Beiträge ihrem
Wesen nach Teil des Arbeitsentgeltes sind oder, um es einmal anders
zu fassen ..., daß die Lohnkosten für den einzelnen Arbeitnehmer
größer sind als die an ihn ausbezahlte Lohnsumme ... Nach unseren
Untersuchungsergebnissen hat man aber daraus nicht die Folgerung
gezogen, daß die Arbeitnehmer demgemäß auch ein Anrecht haben, zu
erfahren, welche Kosten das Programm verursacht, wie die Mittel
verausgabt, die Rücklagen sichergestellt und die ganzen Programme
verwaltet werden ..."

- 5-

�Bei zahlreichen der schlimmsten Mißbrauche, die der Unterausschuß in der Verwaltung solcher Versicherungsfonds feststellte, ist
die Ursache in gewissen Versicherungspraktiken zu suchen: hohe
Kommissionen, übermäßige Verwaltungsgebühren, hohe Rückstellungen
seitens der Versicherungsgesellschaften, ungleichmäßige Behandlung
der Versicherungsnehmer und skrupelloses Geschäftsgebaren der Versicherungsmakler und -agenten.
Mittel aus der Sozial- und Altersversicherung wurden auch durch
eine unfähige Verwaltung zum Teil vorsätzlich und zum Teil fahrlässig verschwendet. In vielen Fällen wurden versicherungsmathematische Grundsätze und die Frage nach der Anlagemöglichkeit dieser
Gelder nicht genügend beachtet, Dinge, ohne die sich eine solche
Versicherung niemals mit Erfolg betreiben läßt.
Empfehlungen
Gesetzliche Offenlegungspflicht
Der Unterausschuß kam zu der Auffassung, daß der Erlaß eines
Bundesgesetzes über die Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse betrieblicher Sozial- und Altersversicherungen notwendig sei.
In dem Bericht des Ausschusses heißt es unter anderem: "Erstes Ziel
ist die Sicherstellung der Stabilität privater Sozial- und Altersversicherungen nicht nur für die Gegenwart, sondern auf lange Sicht,
ohne daß sie dadurch ihres freiwilligen Charakters entkleidet oder
aus den Kollektivverträgen herausgelöst werden."
Zu diesem Zweck untersuchte der Unterausschuß, welche Möglichkeiten für einen Schutz der Rechte der Versicherungsnehmer gegeben
sind. Er nannte drei solche Möglichkeiten:
1. Eine Regelung durch neue einzelstaatliche Gesetze}
2. eine gesetzliche Auflage, die es den betreffenden Verwaltungen
zur Pflicht macht, ihre Bücher regelmäßig "überprüfen zu lassen und
sämtlichen Versicherungsnehmern Bericht zu erstatten; und
J. eine vollkommene Überwachung aller einschlägigen Versicherungsfonds durch die Bundesregierung.
Was den ersten Lösungsvorschlag angeht, gelangte der Unterausschuß zu der Ansicht, daß nicht damit zu rechnen sei, daß sämtliche
48 Staaten innerhalb absehbarer Zeit einheitliche Gesetze erlassen
würden, die die Interessen und Rechte dieser Versicherungsnehmer
zu schützen geeignet sind.
Eine amtliche Registrierung aller derartiger Versicherungsfonds
bei einer Bundesaufsichtsbehörde und eine regelmäßige Berichterstattung an diese wurde als der einfachste Weg bezeichnet, die gegebenen Mißstände abzustellen, wobei es den Einzelstaaten überlassen
bliebe, den Aufgabenbereich der Treuhandverwaltung abzustecken und
im übrigen verschärfte Versicherungsbestimmungen zu erlassen und
durchzuführen.
Der Unterausschuß schlägt deshalb ein Bundesgesetz über die
Registrierung, Berichterstattung und Offenlegung vor, unter das
sämtliche Formen der privaten Sozial- und Altersversicherung fallen
sollen. Nach dem Vorschlag des Unterausschusses sollte das Gesetz

-4 -

�zunächst auf drei Jahre begrenzt sein. Die Aufsichtsbehörde würde
nach diesem Vorschlag dem Kongreß nach Abschluß der ersten beiden
Jahre ihrer Tätigkeit einen Bericht über die gesammelten Erfahrungen
unterbreiten, der auch Empfehlungen über die Beibehaltung, Vereinfachung oder Modifizierung des entsprechenden Gesetzes enthalten
soll, so daß der Kongreß noch vor Auslaufen des Gesetzes entsprechende Maßnahmen ergreifen kann.
Nach dem Gesetz wären sämtliche Sozial- und Altersversicherungen,
an denen 25 oder mehr Arbeiter und Angestellte beteiligt sind, verpflichtet, sich innerhalb 90 Tage nach Inkrafttreten beziehungsweise der
Neueinrichtung registrieren zu lassen. Bei der Registrierung sind Auskünfte über Größe und Art der Versicherung und darüber, ob sie auf
Grund von Kollektiwereinbarungen eingerichtet wurde, zu erteilen.
Bei allen derartigen Versicherungen mit mehr als 100 Versicherungsnehmern, gleichgültig, ob es sich um die Privatversicherung eines einzelnen Betriebs, um Versicherungen, die auf einer gemeinsamen Basis
mit anderen derartigen Versicherungen betrieben werden (etwa über eine
gemeinsame Zentrale oder Verwaltung) oder um gewerkschaftlich verwaltete Versicherungsfonds handelt, werden detaillierte Jahresberichte
über die Finanzlage mit Angaben über Zahlungseingänge, Ausgaben, Leistungen und Rückstellungen sowie über die Beitragseingänge seitens
der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gefordert. Diese Jahresberichte sollen
sich "auf eine Buchprüfung gemäß den allgemein anerkannten Normen für
Rechnungsprüfungen stützen, den Versicherungsnehmern zugängig gemacht
werden und von einem staatlich bestellten Bücherrevisor beglaubigt sein."
Versicherungen mit mehr als 25, aber weniger als 100 Versicherungsnehmern würden nach dem Gesetz gezwungen sein, der Aufsichtsbehörde
im Jahr einmal oder in noch größeren Zeitabständen, so wie diese dies
zur Erreichung der Zielsetzungen des Gesetzes für notwendig erachtet,
Bericht zu erstatten.
Zusätzlich zu den Informationen über das Finanzgebaren sollte
den Jahresberichten auch eine Namensliste sämtlicher Treuhänder und
Verwaltungsbediensteter mit Angaben darüber angeschlossen werden, ob
sie als Vertreter der Betriebsführung, der Belegschaft oder Gewerkschaften bestellt sind. Desgleichen soll der Bericht eine Aufstellung über die bezahlten Löhne und Vergütungen enthalten, aus der zu
entnehmen ist, welche Beträge für welche Zwecke und an wen ausbezahlt wurden.
Sofern die betriebliche Versicherung über eine private Versicherungsgesellschaft abgewickelt wird, sollen in dem Bericht auch
Angaben über Tarife, entrichtete Beiträge, Gesamtforderungen und
Dividenden enthalten sein, sowie Ausgaben über Kommissionen und
Vergütungen, die an Vermittler und Agenten ausgezahlt wurden.
Für Sozialversicherungen und Treuhand-Altersversicherungen
wären folgende Informationen zu fordern:
1. Höhe der angesammelten Gelder und Art ihrer Anlage mit
Angaben über die ursprünglich investierten Beträge beziehungsweise
des gegenwärtigen '.Vertes der entsprechenden Investitionen sowie eine
Aufschlüsselung der Gesamtinvestitionen, aus der der Prozentsatz
jeder einzelnen Investition aus den angesammelten Mitteln des Fonds
hervorgeht;

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�2. ähnliche Angaben wie unter 1. im Falle von Investitionen in
Wertpapieren oder Immobilien, sofern diese 5?o der angesammelten
Mittel übersteigen; und
3. ursprüngliche Aufwendungen, derzeitiger Wert und Prozentsatz
der hierfür verwendeten Mittel des Gesamtfonds im Falle von Investitionen in Wertpapieren oder Immobilien eines der Beteiligten.
Von Altersversicherungen, die aus einem Fonds bestritten werden,
sind in dem Bericht Angaben über Art und Rechtsgrundlage des Fonds,
die Gesamthöhe der von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern geleisteten
Beiträge, die bisherigen und derzeitigen Verbindlichkeiten aus
fälligen Leistungen, die versicherungsmathematischen Grundlagen
sowie die Zahl der erfaßten Arbeitnehmer - sowohl der noch berufstätigen als auch der bereits pensionierten - zu machen. Im Falle
einer Pauschalversicherung bei einem gewerblichen Versicherungsunternehmen müßte der Bericht Angaben bezüglich der angesammelten
Reserven sowie über Art und Rechtsgrundlage der Finanzierung und so
weiter geben.
Im Falle einer Altersversorgung, die nicht Versicherungscharakter trägt und nicht durch regelmäßige Beiträge aufgebracht wird, soll
Auskunft über die während des Berichtszeitraums geleisteten Zahlungen
an pensionierte ehemalige Mitarbeiter, die Zahl der pensionierten
Personen, Höhe der Rückstellungen in der Bilanz, statistische Grundlage vertraglicher Verbindlichkeiten und die Finanzlage der Gesellschaft beziehungsweise des Arbeitgebers während des letzten Finanzjahres erteilt werden.
Bei Verwirklichung dieser Empfehlungen ist mit einem Eingang
von schätzungsweise 40 000 Jahresberichten zu rechnen, eine Zahl,
in der Betriebe aus fast allen Sektoren der Wirtschaft eingeschlossen wären und die sich von der einzusetzenden Aufsichtsbehörde durchaus bewältigen ließe.
Der Unterausschuß weist in seinen Empfehlungen nachdrücklich
darauf hin, daß die Angaben aus den Jahresberichten auch den Versicherungsnehmern zugänglich gemacht werden. Die Jahresberichte sollten
bei der Aufsichtsbehörde zur freien Einsichtnahme aufgelegt und
darüber hinaus in zusammengefaßter Form allen Versicherungsnehmern
persönlich überreicht oder durch die Post zugestellt werden.
Strafbestimmungen
Nach Auffassung des Unterausschusses sind strenge Strafbestimmungen notwendig, um "gesetzwidrige und vorsätzliche Abzweigung
von Mitteln aus solchen Sozialversicherungsfonds"sowie auch "vorsätzliche Verletzung oder Nichtbeachtung der Bestimmungen des Gesetzes oder vorsätzliche falsche Erklärungen, Darstellung oder Auslassungen sachdienlicher Informationen" ahnden zu können.
Die Aufsichtsbehörde
Der Unterausschuß hat sich nicht klar darüber ausgesprochen,
welche Behörde als Aufsichtsbehörde fungieren solle, scheint es
aber für das günstigste zu halten, die "Bundeseffekten-Börsenaufsichtsbehörde im Hinblick auf ihren organisatorischen Aufbau und

- 6-

�ihre anerkannten Erfolge in der Verwaltung von Gesetzesbestimmungen,
die eine Offenlegung fordern",mit dieser Aufgabe zu betrauen.
Er stellte aber auch eine Übertragung dieser Befugnisse an das
Arbeitsministerium, das Ministerium für
Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen, die Bundessteuerverwaltung oder an
eine neu zu schaffende Behörde zur Diskussion.
Beirat
Der Unterausschuß unterbreitete ferner eine Empfehlung ütjer
die Schaffung eines aus 13 Personen zu bildenden Beirates, der
der Aufsichtsbehörde bei der Verwaltung des Gesetzes zur Seite
stehen solle. Im einzelnen würden dem Beirat angehören: 3 Arbeitnehmer-Vertreter, 2 Arbeitgeber-Vertreter, ein Vertreter des
Versicherungsgewerbes, ein Vertreter des Bankwesens, 3 Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben sowie kraft ihres Amtes
der Arbeitsminister, der Minister für Gesundheits-, Erziehungsund Sozialfragen und der Leiter der Bundessteuerverwaltung.

(Aus "Monthly Labor Review")
Vol. 79 Wo. 7

» • • • «
Faith M. Williams, Mitarbeiter der Abteilung Wirtschaftsfragen im
Bundesamt für Arbeitsstatistik
Lebensansprüche und Lebensstandard der arbeitenden Bevölkerung
in den amerikanischen Städten
Der erhebliche Anstieg der Einkommen der Lohn- und Gehaltsempfänger in den amerikanischen Großstädten seit Ende der drei-_
ßiger Jahre und der damit verbundene große Wandel in den Verbrauchergewohnheiten sind seit langem schon Gegenstand eingehender
Untersuchungen und Analysen. Bis in die jüngste Zeit hinein allerdings hat es an einem Maßstab für die Beurteilung ihres spezifischen Einflusses auf die Kaufgewohnheiten gefehlt. Eine eingehende
Untersuchung der Ausgaben von Lohn- und Gehaltsempfängern in den
Großstädten im Jahre 1950» deren Auswertung inzwischen vorliegt,
gestattet nunmehr einen Vergleich der Aufwendungen in jenem Jahr
mit denen aus der Zeit von 1934/36. Hieraus lassen sich wiederum
Schlüsse auf den Wandel der Lebensansprüche sowie auf die Löhne
und Beschäftigungsbedingungen ziehen.
Ursachen und Auswirkungen des Anstiegs des Arbeitsverdienstes
Im Durchschnitt lagen die Gesamtarbeitsverdienste und damit
auch die Kaufkraft der Lohn- und Gehaltsempfänger in den Städten
im Jahre 1954 etwa doppelt so hoch wie 1939« Bei Familien, die
in ihrem Unterhalt ausschließlich auf Arbeitsverdienste angewiesen
sind, lag die Kaufkraft 1954 sogar noch etwas über dem Doppelten
der Vergleichszahl von 1939« Somit konnten die Lohn- und Gehaltsempfänger insgesamt eine erhebliche Steigerung ihres tatsächlichen
Lebensstandards verzeichnen.

- 7-

�Hinzu kommt noch eine Verkürzung der Arbeitszeit; arbeitet doch
heute der größte Teil der städtischen Bevölkerung fünf Tage in der
Woche. Die Mehrzahl der Arbeiter hat Anspruch auf eine Woche bezahlten Urlaub, ein erheblicher Prozentsatz sogar auf zwei oder mehrere
Wochen. Der Anstieg des Lebensstandards in der Gruppe der Lohn- und
Gehaltsempfänger brachte diesem Personenkreis nicht nur zahlreiche
Annehmlichkeiten ein, sondern wirkte sich auch sehr günstig auf den
Gesundheitszustand aus.
Dieser Anstieg der Arbeitsverdienste seit Ende der dreißiger
Jahre hat verschiedene Ursachen. Zu Beginn des Vergleichszeitraums
wurden die Arbeitsverdienste noch stark durch schwankende Beschäftigungszeiten beeinträchtigt. Im Jahre 1939 waren durchschnittlich
17 afi sämtlicher Arbeitskräfte arbeitslos oder im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung beschäftigt. Nach 1950 ist die
Arbeitslosigkeit nie über einen Jahresdurchschnitt von 5 i° hinausgegangen, und die Regierung brauchte keinerlei derartige Notstandsprogramme einzurichten. Dabei hat der prozentuale Anteil der Arbeitskräfte an der Gesamtbevölkerung inzwischen sogar noch zugenommen, da die Nachfrage nach Arbeitskräften sowohl für ganztägige als
auch stundenweise Beschäftigung einen größeren Prozentsatz an Jugendlichen unter 19 und an Frauen über 35 zum Eintritt ins Berufsleben
veranlaßt hat. Eine weitere Ursache liegt darin, daß eine Verlagerung
in der Güternachfrage im Verein mit dem technischen Fortschritt eine
Umschichtung in der Beschäftigtenzahl in den verschiedenen Wirtschaftsgruppen ausgelöst hat, in deren Verlauf ein weit größerer Prozentsatz
von Arbeitskräften nach Industrien mit höheren Lohnsätzen abwanderte.
Ohne diese Verschiebung in der Verteilung der Arbeitskräfte auf die
verschiedenen Wirtschaftsgruppen in der Zeit von 1939 bis 1954 wäre
der Durchschnittslohn 1954 um mindestens 5$ hinter dem tatsächlich
erreichten Satz zurückgeblieben.
Die Stundenlöhne sind in diesem Zeitabschnitt weit stärker gestiegen als die Preise, die die arbeitende Bevölkerung für 'Aaren
und Dienstleistungen bezahlen muß. Die Zunahme der Kaufkraft des
Nettowochenlohns eines verheirateten Arbeiters mit zwei Kindern in
der Fertigungsindustrie gegenüber 1939 betrug im Jahre 1955 bei
Berücksichtigung des Anstiegs der Verbraucherpreise, der Bundessteuern und -abgaben sowie der Aufwendungen für Sozialversicherung

55£.
Diese erhöhte Kaufkraft ist die Folge der bemerkenswerten Steigerung der Produktivität in der gesamten Wirtschaft. Das Bundesamt
für Arbeitsstatistik vertritt die Auffassung, daß die technische
Entwicklung als eine der Hauptursachen für die rund dreißigprozentige
Steigerung des Warenausstoßes pro Arbeiter und Stunde von 1939 bis
1953 anzusehen ist. Nach seinen Schätzungen stieg die Produktivität
in den Jahren 1954 und 1955 Um weitere 10$. Sofern die Entwicklung
nicht durch einen Krieg in eine andere Richtung gedrängt wird, ist
mit einer weiteren Zunahme des Ausstoßes pro Mann und Stunde zu
rechnen, die zwar nicht so groß sein dürfte wie 1954/55» aber doch
mindestens dem Durchschnitt der Jahre von 1939 bis 1953 entsprechen
wird.
Es erhebt sich die Frage, ob die zu erwartende Steigerung der
Produktivitätsrate der arbeitenden Bevölkerung mehr Freizeit bringen
oder sich lediglich dahingehend auswirken wird, daß noch mehr Waren
und Dienstleistungen gekauft werden. Aus dem Zahlenmaterial des

- 8

�Bundesamtes für Arbeitsstatistik über die Verlagerung der Verbraucherkäufe geht hervor, daß Lohn- und Gehaltsempfänger in der ersten
Hälfte des Jahres 1950 einen mindest ebenso hohen Anteil ihres Einkommens für den Erwerb von Waren und Dienstleistungen aufgewendet
haben wie während der dreißiger Jahre, wobei zu berücksichtigen ist,
daß ihre Arbeitsverdienste im allgemeinen höher lagen.
George Meany, der erste Vorsitzende des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO,hat einmal darauf hingewiesen, daß die Gewerkschaften bis zum Jahre 1980 eine Herabsetzung der Arbeitszeit
auf wöchentlich 30 Stunden erstreben. Bei Kollektivverhandlungen
haben die Gewerkschaften in der Nachkriegszeit wohl die Forderungen
der Arbeiterschaft nach längerem bezahlten Urlaub geltend gemacht,
im allgemeinen aber mehr Nachdruck auf eine Erhöhung des Nettoeinkommens als auf eine Reduzierung der Arbeitsstunden auf weniger
als 40 Stunden pro Woche gelegt.
Der Wandel der Lebensansprüche
Die erhöhten Lebensansprüche gegenüber 1939 sind auf eine
Vielzahl von Veränderungen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet
zurückzuführen und haben ihrerseits wiederum die Wirtschaft und die
sozialen Verhältnisse beeinflußt. Die rasch voranschreitende technische Entwicklung hat dem Verbraucher nicht nur viele neue Gebrauchsgüter beschert, sondern auch dazu geführt, daß viele Waren, die früher
nur begüterten Schichten erschwinglich waren,nunmehr auch von Lohnund Gehaltsempfängern erworben werden können. Mit zunehmender Verbreitung der Bildung auch unter der Masse der Werktätigen erwachte
auch in diesen Kreisen der Wunsch nach besseren Wohnverhältnissen.
Die Lebensansprüche des Arbeiters wurden ferner von der in den
dreißiger Jahren allmählich wieder einsetzenden Landflucht beeinflußt. Die Landarbeiter, die bis dahin in verhältnismäßig strenger
Isolation gelebt hatten, begannen in zunehmender Zahl aus den Agrargebieten nach den Städten abzuwandern, die ein höheres Durchschnittseinkommen und ganz andere Verbrauchergewohnheiten aufwiesen. Darüber
hinaus brachte es der zweite Weltkrieg mit sich, daß viele Frauen
erstmals in Fabriken und Büros arbeiteten, dort die Lebensgewohnheiten anderer Menschen kennenlernten und daraufhin ihre eigenen
Lebensgepflogenheiten änderten, in der '//eise nämlich, daß sie selbst
höhere Ansprüche bezüglich der Ernährung, Kleidung sowie des Wohnens
und der Ausstattung des Haushalts zu stellen begannen.
Der Anstieg des durchschnittlichen Realeinkommens der städtischen Familien, die ihren Lebensunterhalt aus dem Arbeitsverdienst
bestreiten, hat die Lebensansprüche, die Vorstellung nämlich davon,
was und wieviel an Verbrauchsgütern zum "normalen" Leben nötig ist,
heraufgeschraubt. Der Zusammenhang zwischen höheren Reallöhnen und
höheren Lebensansprüchen und deren Auswirkungen auf den Sparwillen
geht aus einer Untersuchung über die Spartätigkeit in den Vereinigten
Staaten von 1897 bis 1952 hervor, die Dorothy S. Brady unter dem
Titel "Family Savings in Relation to Changes in the Level of Distribution of Income"*)(Die Spartätigkeit und ihre Zusammenhänge mit den

1}
Enthalten in "Studies in Income and Wealth", Band 15, National
Bureau of Economic Research, New York, 1952.

-9 -

�Veränderungen der Einkommenshöhe und -Verteilung) veröffentlichte.
Aus dieser Arbeit geht hervor, daß in den 55 Jahren von 1897 bis
1952, in denen sich das verfügbare Personaleinkommen pro Kopf (ausgedrückt in Dollars konstanter Kaufkraft) nahezu verdreifacht hat, ein
ständig steigendes Nominal-, oder Realeinkommen pro Haushaltmitglied
die Voraussetzung für jegliche Spartätigkeit war. Anders ausgedrückt
war in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts ein ständig steigender
"Realverbrauch" die Bedingung für eine Fortführung der Spartätigkeit.
Die Lebensansprüche - unsere Vorstellungen davon, was der Verbraucher an Waren und Dienstleistungen beanspruchen, was er in seiner
Freizeit unternehmen und welche Arbeitsbedingungen er fordern kann gehörten in den Vereinigten Staaten stets zu den Faktoren, die die
Dynamik der Wirtschaft mitbestimmten. Die Auswirkungen eines Anstieges der Lebensansprüche auf die Gesamtwirtschaft wurden nie so deutlich wie in der letzten Nachkriegszeit. Schon Anfang 1946 ließ sich
ganz klar erkennen, daß sich die Lebensansprüche in den USA seit
der Wirtschaftskrise und in der Folgezeit - nicht zuletzt in den
Kriegsjahren - erheblich gewandelt hatten. Im Verlauf dieses Zeitabschnittes, in dem es vielen Familien aus verschiedenen, jeweils
zeitbedingten Gründen heraus unmöglich war, die erstrebten Verbrauchsgüter zu erwerben, haben sich neue »Vertmaßstäbe herausgebildet.
Ende 1949 zeigte sich dann, daß sich die meisten amerikanischen
Familien nicht nur höhere Lebensansprüche zu eigen gemacht hatten,
sondern auch andere Vorstellungen darüber, welche finanzielle Risiken tragbar seien. Trotz einer starken Zunahme der Arbeitslosigkeit
und eines Absinkens des Personaleinkommens lagen in diesem Jahr die
Verbraucherausgaben in gegenwärtigen Dollars ausgedrückt ebenso hoch
wie 1948 und in konstanten Dollars ausgedrückt sogar noch etwas höher.
Zahlreiche Familien machten ihre Ersparnisse flüssig oder stellten
mindestens die Spartätigkeit ein, um jenen Lebensstandard beibehalten
zu können, an den sie sich inzwischen gewöhnt hatten. Sie ließen
sich dabei offenbar von dem Vertrauen leiten, daß die Wirtschaftsflaute nur von vorübergehender Dauer sein werde. Nach dem Ausbruch
des Koreakrieges im Jahre 1950 kam es verschiedentlich zu Angstkäufen, die durch die noch sehr lebendige Erinnerung an die Warenverknappung während des zweiten Weltkrieges ausgelöst worden war.
Die Befürchtungen einiger Wirtschaftler, daß sich eine ausreichende
Verteidigungsproduktion bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer
den hohen Ansprüchen genügenden Verbrauchsgüterproduktion
nicht
sicherstellen lasse, erwiesen sich als gegenstandslos. So konnte
sich der Absatz an Verbrauchsgütern und Dienstleistungen pro Kopf
der Bevölkerung seit 1950 ständig auf großer Höhe halten. Im Jahr
1955 lag er etwa 13/° über dem des Jahres 1949»
Die Arbeitsverdienste der Lohn- und Gehaltsempfänger haben
nicht in dem Maße zugenommen, das nötig wäre, um den tatsächlichen
Verbrauch dieser Bevölkerungsgruppe restlos mit den gesteigerten
Lebensansprüchen in Einklang zu bringen. Es sieht im Augenblick auch
gar nicht so aus, als ob dies bald der Fall sein werde. Es entspricht
aber durchaus den amerikanischen Gepflogenheiten, daß die Lebensansprüche der einzelnen Bevölkerungskreise etwas höher liegen als
der tatsächliche Verbrauch in den unteren Schichten der entsprechenden Einkommensgruppen. In der Frühzeit der Kolonisation wurde den
Angehörigen der handwerklichen Berufe der Kauf "extravaganter"
Kleider durch Gesetz untersagt. Mit Einsetzen der raschen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung im späten 17• und 18. Jahrhundert wurden

- 10 -

�diese Gesetze widerrufen oder nicht mehr angewandt. Man bestärkte
die Menschen in der Auffassung, daß auch die Söhne und Töchter
weniger begüterter Familien nach einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage streben sollen. Die Unterschiede hinsichtlich
der Verbrauchergewohnheiten, wie sie zwischen den verschiedenen
Berufsgruppen bestehen, verwischten sich mit der allmählichen
Nivellierung der Löhne und der zunehmenden Verbreitung der Bildung
auch unter der arbeitenden Bevölkerung. In den letzten beiden
Jahrzehnten, in denen ein allgemeiner Anstieg des Einkommens
zu verzeichnen war, stieg die Nachfrage nach Dienstleistungen
noch weit mehr als die Nachfrage nach Gütern. Insbesondere war
ein verstärkter Andrang zu den Schulen sowie eine erhöhte Inanspruchnahme von Ärzten zu verzeichnen. So erklärt sich auch, daß
die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe seit 1940
erheblich mehr zunahm als in den Verbrauchsgüterindustrien. Dennoch
besteht netürlich nach wie vor ein großer Bedarf an Waren, die für
eine gesunde und gesellschaftlich erstrebenswerte Lebensführung
in den Städten als notwendig erachtet werden; das beste Beispiel
dürfte hier der Wunsch nach einer Verbesserung der Wohnverhältnisse sein.
Der Wandel des Lebensstandards
Wenden wir uns zunächst einmal den beiden Untersuchungen über
die Wirtschaftsrechnung von Arbeiterfamilien in Großstädten zu.
Die Verlagerung der Schwerpunkte bei den Verbraucherkäufen städtischer Lohn- und Gehaltsempfänger in der Zeit von 1934 bis in die
jüngste Zeit hinein läßt sich aus den Zahlen ablesen, die das
Bundesamt für Arbeitsstatistik von 1934/36 und 1950 bezüglich der
Haushaltausgaben in dieser Bevölkerungsgruppe zusammengetragen hat.
(siehe Tafel i ) . Weitere Vergleichszahlen stehen leider nicht zur
Verfügung, da solche Ermittlungen nicht regelmäßig durchgeführt
werden. Im Jahre 1950 waren die Verbraucherpreise im Durchschnitt
um 75$ höher als 1934/36. Die Lebensmittelpreise wiesen dabei
die größte Zunahme auf, gefolgt von Bekleidung und Wohnungseinrichtungen. Die geringste Zunahme wiesen die Mieten auf, in erster Linie wegen der Beibehaltung der Mietpreiskontrollen bis in
das Jahr 1950 hinein. Die Familienausgaben 1934/36 wurden unter
Heranziehung des Lebenshaltungskostenindex, des heutigen Verbraucherpreisindex, des Bundesamtes für Arbeitsstatistik auf den Dollarwert von 1950 umgerechnet.
Vergleiche zwischen den Angaben von 1934/36 und 1950 unterliegen
gewissen Einschränkungen, die größtenteils auf die vorstehend aufgezeigten Unterschiede hinsichtlich der Lage auf dem Arbeitsmarkt
zurückzuführen sind. Die erstere Untersuchung lief gegen Ende 1934
an, zu einer Zeit also, als etwa ein Fünftel der Gesamtzahl der
Arbeitskräfte entweder arbeitslos oder im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen eingesetzt war. Die Untersuchungen der Jahre
1934/36 dienten dem Zweck, eine neue Basis für die Aufstellung
des damaligen Lebenshaltungskostenindex zu gewinnen, mit dem Ziel,
die unregelmäßigen Ausgaben der nur im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsprogrammen beschäftigten Arbeiter sowie überhaupt aller unregelmäßig beschäftigten Arbeitskräfte, deren Käufe in keiner //eise
als typisch für langfristige Verbrauchergewohnheiten angesehen
werden können, auszuschließen. Die Untersuchung wurde deshalb auf
jene Einkommensschichten begrenzt, die als typisch für den Personenkreis der Lohn- und Gehaltsempfänger gelten durften. Diese Beschränkung des Personenkreises brachte es mit sich, daß bei der

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�Umfrage in erster Linie Arbeiter und Angestellte berücksichtigt
wurden, die im Durchschnitt älter und weit regelmäßiger beschäftigt waren als die große Masse der Gehalts- und Lohnempfänger
der Jahre 1934/36.
Die Lohn- und Gehaltsempfänger, die bei der Untersuchung des
Jahres 195C herausgegriffen wurden, stellten einen echten repräsentativen Querschnitt aus dieser Bevölkerungsgruppe dar. Die Untersuchung erstreckt sich auf ein Jahr, in dem anfangs eine erhebliche
Arbeitslosigkeit und gegen Ende - bedingt durch den Ausbruch des
Koreakrieges - in vielen Gebieten eine echte Verknappung der Ar*beitskräfte zu verzeichnen war. Dabei wurden im Gegensatz zu den
Untersuchungen der Jahre 1934/36 auch Familien, die irgendwelche
Zuschüsse oder"Beihilfen aus öffentlichen Mitteln erhielten, in
die Befragung einbezogen; sie fallen ohnehin nicht besonders ins
Gewicht, da sie nur einen geringen Prozentsatz der Gesamtzahl
ausmachen. Man hatte somit einen repräsentativen Querschnitt aus
allen Schichten der arbeitenden Bevölkerung in den Städten für
diese Untersuchung herangezogen, um ein möglichst wirklichkeitsnahes Ergebnis zu erzielen. Trotz der Unterschiede hinsichtlich
der bei den Umfragen von 1934/36 und 1950 benutzten Querschnitte
gewährt ein Vergleich der Einkünfte (abzüglich Steuern) und Ausgaben aus den beiden Untersuchungszeiträumen wichtige Aufschlüsse
über den Wandel der Lebensansprüche und des Lebensstandards.
Ein Wandel ist auch in der Zusammensetzung der Familienausgaben eingetreten. Nach Umrechnung der 1934/36 ermittelten Ausgaben
auf das Preisniveau von 1950 zeigt eine Gegenüberstellung, daß die
Gesamtkäufe an der für den unmittelbaren Verbrauch bestimmten Waren
und Dienstleistungen bei der im Jahre 1950 befragten Gruppe um fast
60 'fr höher lagen als bei dem 1934/36 erfaßten Personenkreis. Die
Abweichungen auf der Ausgabenseite verteilen sich auf die einzelnen
Gruppen von Waren und Dienstleistungen in einer Weise, die den bereits seit langem offenkundigen Verbraucherneigungen entspricht,
wobei sich allerdings das Bild durch Preisänderungen und andere
Faktoren, die das Wirtschaftsklima in der zweiten Hälfte des Jahres 1950 beeinflußt haben, etwas verschiebt.
Diese Verschiebungen sind in Tafel II der Größenordnung nach
aufgeführt. Am auffälligsten ist der Anstieg der Aufwendungen für
Eigenheime. In scharfem Gegensatz hierzu sind im Falle der Wohnauslagen und der kleineren Ausgaben für Beheizung, Beleuchtung
und A'asser nur relativ geringe Abweichungen eingetreten, ein Umstand, der sich vielleicht aus der Tatsache erklärt, daß sich der
Anteil der Mietwohnungen, bei denen letztere Dienstleistungen
nicht pauschal mit der Miete abgegolten werden, erheblich verringert hat.
Die weit größeren Aufwendungen für Anzahlungen zum Erwerb von
Eigenheimen beziehungsweise die Tilgung von Hypotheken auf Eigenheime im Jahre 1950 erklären sich zum Teil aus der Tatsache, daß
der Prozentsatz der Eigenheimbesitzer erheblich angestiegen ist,
betrug er doch 1934/36 nur 30, 1950 jedoch 45$. Hinzu kommt,
daß Mitte der dreißiger Jahre zahlreiche Familien, deren Hausbesitz mit Hypotheken belastet war, keine Tilgungszahlungen leisten
konnten. Im Erhebungszeitraum 1934/36 entrichteten nur knapp zwei
Drittel der Eigentümer belasteter Eigenheime über die Zinszahlungen
hinaus Tilgungsraten oder leisteten irgendwelche Anzahlungen auf
ein neues Eigenheim.

- 12 -

�T A F E L

I

Durchschnittliche Wirtschaftsrechnung von Haushaltungen von
Lohn- und Gehaltsempfängern gemäß den Untersuchungen au3
den Jahren 1954/36 und 1950
1954/36
Zahl der erfaßten Haushalte

14 469

5 994

3,6

3,3

Personen je Haushalt
Durchschnittseinnahmen

1950

Untersuchungen in Dollars von 1950

Bruttoarbeitseinkommen

2 661

4 299

Bruttoarbeitseink. abzügl.
Steuern

2 659

4 005

4

ü

2 663

4 038

Andere Einkommen
Gesamteinkünfte (abzügl.
Steuern)

Durchschnittsausgaben für
Waren u. Dienstleistungen insges. 2 564

4 076

Nahrungsmittel und Getränke

1 030

1 335

Kleidung

309

473

Reine Wohnauslagen (Miete,
Hypothekenzinsen, Grundsteuern u. Instandsetzung)

356

448

Heizung u. Beleuchtung,Wasser

158

153

80

167

119

281

150

457

Andere Verkehrsausgaben

57

81

Gesundheitspflege

88

213

Persönliche Ausgaben

55

93

Erholung u. Unterhaltung

67

191

Lesestoff

27

36

Bildung

11

19

Tabakwaren

46

80

Wohnungsunterhalt
Wohnungseinrichtung u. Hausgeräte
Kraftfahrzeuge, Erwerb u.
Unterhalt

Versch. Waren u. Dienstleistungen

49

(wie Beerdigungskosten, Alimente uswJ 11
Geschenke und Zuwendungen

74

Personenversicherungen

149

Überschuß bzw. Verbindlichkeiten

- 124

Aufwendung f. Hypothekentilgung
u. Anzahlung f. Eigenheime
Ausgaben-Einnahmenausgleich

+ 37
0
13

136
183
-192
+ 211
- 165

�T A F E L

II
Veränderung der Durchschnittsausgaben der
Lohn- und Gehaltsempfänger im Jahr 1950
gegenüber 1934/36 (Zu- oder Abnahme in
Prozent von 1936)

Waren und Dienstleistungen

Zu- oder Abnahme

Hypothekentilgung und Anzahlung
für Eigenheime

470

Verschiedene 7/aren und Dienstleistungen

345

Kraftfahrzeug, Erwerb und Erhalt
Erholung und Unterhaltung

205
185

Gesundheitspflege

142

Wohnungseinrichtung und Hausgerät

136

Wohnungsunterhalt

109

Geschenke und Zuwendungen

84

Tabakwaren

74

Bildung

73

Persönliche Ausgaben

69

Laufende Gesamtausgaben für
Waren und Dienstleistungen

59

Kleidung

53

Wohnung (Miete, Heizung, Beleuchtung,
Wasser, Hypothekentilgung, Anzahlung
für Eigenheime, Hypothekenzinsen,
Instandsetzung)

47

Andere Verkehrsausgaben

42

Lesestoff

33

Nahrungsmittel und Getränke

30

Reine Wohnauslagen (Miete, Hypothekenzinsen, Grundsteuern und Instandsetzung)

26

Personenversicherungen
Heizung, Beleuchtung und Wasser

23
3r2

(Fortsetzung in der Januarausgabe 1957)

- 14 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Neue wichtige Lohnabkommen in der US-Industrie
Nachdem die großen Industriezweige wie die Stahl- und Gummiindustrie im Sommer die neue Runde der Lohnerhöhungen eröffneten,
haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Tarifvertragsverhandlungen stattgefunden, die alle mit zum Teil erheblichen Aufbesserungen der Löhne und Sozialleistungen endeten. Auch in der
letzten Zeit
wurden wieder zahlreiche Neuabschlüsse in den verschiedensten Wirtschaftszweigen bekannt.
Werftarbeiter erhalten 18 Cent mehr
Ein wichtiges Tarifabkommen, das zweifellos als Grundlage für
weitere Abkommen in der Schiffsbauindustrie dienen wird, wurde zwischen der Werftarbeitergewerkschaft und der "Todd Shipyards Corporation" abgeschlossen. Der Vertrag, der eine Laufzeit von drei Jahren
hat, sieht dabei eine Stundenlohnerhöhung für Facharbeiter um 18 Cent
rückwirkend vom 4. September 1956 und eine weitere Erhöhung um neun
Cent ab 1. August 1957 vor. Damit beträgt der gegenwärtige Durchschnittsstundenlohn der Werftarbeiter 2,45 Dollar. An zusätzlichen
Sozialleistungen gewährt der neue Vertrag eine Krankenhausversicherung,
einen zusätzlich bezahlten Feiertag sowie Urlaubsgeld.
10 Cent Stundenlohnerhöhung für 600 000 Textilarbeiter
Eine Erhöhung der durchschnittlichen Stundenlohnsätze für rund
600 000, zum größten Teil nichtorganisierte Textilarbeiter gaben
jetzt drei große Textilkonzerne bekannt, die zusammen über 153 Textilfabriken in den Südstaaten verfügen. Während "J.P. Stevens and
Company" bereits mitteilte, daß es sich hierbei um eine Anhebung
der Stundenlöhne um 10 Cent handele, erklärten die beiden anderen
Unternehmen, daß sie nähere Einzelheiten erst nach Festlegung der
neuen Sätze bekanntgeben würden. Es kann aber damit gerechnet werden, daß sich beide Firmen dem allgemeinen gegenwärtigen Lohnniveau
anpassen werden.
Nach Bekanntwerden der neuen Lohnerhöhung durch die drei Textilkonzerne hat die Textilarbeitergewerkschaft der AFL-CIO, die rund
35 000 Arbeitnehmer in Baumwollspinnereien der Südstaaten vertritt,
den organisierten Betrieben bereits mitgeteilt, daß sie in Kürze
neue Lohnverhandlungen aufnehmen wolle.
Fleiachpacker erhalten 25 Cent mehr - Auch im Fernmeldewesen
Lohnerhöhungen
Der zehntägige Streik zweier Gewerkschaften der Fleischkonservenindustrie, an dem rund 25 000 Arbeitnehmer der "Swift and Company"
in 26 Bundesstaaten teilnahmen, endete mit dem Abschluß eines neuen
Tarifvertrages, der sich über drei Jahre erstrecken wird. Neben einer
Anzahl von neuen zusätzlichen Sozialleistungen werden die Fleischpacker eine Stundenlohnerhöhung um 25 Cent erhalten. Die Forderung
der Gewerkschaft nach Einführung des "union shop" wurde dagegen
abgelehnt.
Auch die "Bell Telephone Company" hat in den vergangenen Wochen
insgesamt sieben neue Tarifverträge mit der Gewerkschaft der Angehörigen des Fernmeldewesens abgeschlossen, durch die rund 50 000
Arbeitnehmer berührt werden. Die Lohnerhöhung beträgt hier rund
10 Cent die Stunde.

- 15 -

�Bergarbeiter-Sozialfonds legte Leistungsbericht vor
Die Gesamtguthaben des Wohlfahrtsfonds der "Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft von Amerika" (UMW), einer der ältesten in den USA
und der größte private Sozialfonds der Welt, betrugen am Ende des
Finanzjahres 1955/56 (30. Juni) 130,1 Mio. Dollar. Gegenüber dem
gleichen Zeitpunkt des Vorjahres bedeutet das eine Zunahme von mehr
als 26 Millionen Dollar. Die Gesamteinnahmen des Fonds im abgelaufenen
Finanzjahr beliefen sich, wie aus dem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht weiter zu entnehmen ist, auf insgesamt 154»2 Mio. Dollar,
während die Ausgaben eine Höhe von 127,6 Mio. Dollar erreichten.
In dieser Summe sind Leistungen an die 206 919 Unterstützungsempfänger des Fonds in Höhe von 123,9 Mio. Dollar (97»1^ der Gesamtaufwendungen) enthalten; der Rest von 2,9/= verteilt sich auf Verwaltungskosten und den Unterhalt der zehn Gesundheitszentren des Fonds.
Wie aus der Übersicht weiter zu ersehen ist, beliefen sich die
Pensionszahlungen im abgelaufenen Finanzjahr allein auf 73»1 Mio.
Dollar. Am 30. Juni waren es insgesamt 61 546 Pensionäre, die monatliche Rentenleistungen in Höhe von 100 Dollar zusätzlich zur staatlichen Altersversorgung erhielten. Das Durchschnittsalter dieser ehemaligen Bergarbeiter, die im Durchschnitt 32,3 Jahre unter Tage gearbeitet haben, beträgt 63,8 Jahre.
Der nächste größere Ausgabeposten im Finanzjahr 1955/56 mit
47»5 Mio. Dollar erstreckt sich auf Krankenversicherungsleistungen
für insgesamt 89 513 Versicherte; darunter sind Krankenhauskosten
für über 1,5 Mio. Tage enthalten. An Bestattungskosten und Hinterbliebenenzuwendungen wurden aus dem Fonds 1955/56 insgesamt 3,1 Mio.
Dollar ausgegeben, während 69 807 Dollar als Familienbeihilfen für
im vergangenen Jahr tödlich verunglückte Bergleute bereitgestellt
wurden.
In den zehn Jahren seines Bestehens hat der Wohlfahrtsfonds
der "Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft" bisher Unterstützungsleistungen in einer Gesamthöhe von 880,8 Mio. Dollar an 972 004 Mitglieder des Fonds ausgezahlt. Die Gesamteinnahmen in diesem Zeitraum
betrugen 1,03 Milliarden Dollar.
*
Arbeitszeit nach Wunsch
Die Gewerkschaften würden im Jahre 1970 den Schwerpunkt bei den
Tarifverhandlungen mit den Unternehmern auf die Festsetzung von flexiblen
Beschäftigungsplänen legen, die sich entweder auf eine durchgehende Arbeitszeit von acht Tagen mit anschließenden sechs Ruhetagen oder eine
Normalarbeitszeit mit zwei Monaten Urlaub im Jahr oder aber einer täglichen Teilarbeitszeit (vor- oder nachmittags) erstrecken würden.
Dieses erklärte Dr. Clark Kerr, Rektor der Universität Kalifornien
und früherer Direktor des "Instituts für Arbeitsfragen". Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß sich die durchschnittliche Länge der
Arbeitswoche in den Vereinigten Staaten in der Vergangenheit während
einer Zehnjahresperiode um rund drei Stunden verringerte und diese Rate
wahrscheinlich auf etwa 2,5 Stunden zurückgehen wird, wenn sich die
Gewerkschaften bei den Kollektivverhandlungen mehr um eine Erhöhung
des Lebensstandards ihrer Mitglieder als um eine Verkürzung der Arbeitszeit bemühen würden.
(Quelle: Eigenbericht)
* * « * *
- 16 -

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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis
1 9 6 1.

Nr. 1
Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes
auf die Automatisierung
Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des
Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management
Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik

Nr. 2
Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei
amerikanischen Regierungsbehörden
Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 196O
1961 - Ein Jahr wichtiger TarifVerhandlungen
Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen
in der US-Wirtschaft
Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
*

Nr. 5

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 4
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause
Gewerkschaftliche Kurzmeldungen

*

�Nr. 5
Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen
Eisenbahner
Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung
in den USA
Private Pensionspläne gewinnen immer größere
Bedeutung
Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten
*

Nr. 6
Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche
Leistung
Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung
der Sicherheit am Arbeitsplatz

Nr. 7/8

Die Herausforderung der "zweiten
Revolution"

industriellen

"Gewerkschaftsfamilien" sind f i n a n z i e l l b e s s e r dran
Die Entwicklung des US-Personaleinkommens s e i t 1950
Sicherung der A r b e i t s p l ä t z e durch r e c h t z e i t i g e
Umschulung
Neue Formel für den A r b e i t s f r i e d e n
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 9
Wachsende Bedeutung der A n g e s t e l l t e n b e r u f e
in den USA ( i )

-

2

-

�Nr. 10
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in
den USA (il und Schluß)
Las erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet
"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"
Trends im Tarifverhandlungswesen

Nr. 11
Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung
in den USA
Gewerkschaftsschulung im Wandel
Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe der amerikanischen Gewerkschaften
#
Nr. 12
Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen
Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten
Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme
"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem
Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre
Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für
25 000 Menschen

-

3 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1961

INHALTSVERZEICHNIS

Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes
auf die Automatisierung

Seite

1

Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des
Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management

Seite

12

Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik

Seite

14

Einar Hardin, Diätendozent an der Wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultät der Staatsuniversität Michigan:
Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes auf die Automatisierung
In der nachstehenden Abhandlung wird der Versuch
unternommen, an Hand der Erfahrungen, die ein
mittelgroßes amerikanisches Versicherungsunternehmen im Zusammenhang mit der Aufstellung einer
elektronischen Datenverarbeitungsanlage vom Typ
IBM 650 zur Ausführung der Buchhaltungsarbeiten
gesammelt hat, die Einstellung der Angestellten
zur Automatisierung zu analysieren.
Das Unternehmen
Das Unternehmen, eine Versicherungsgesellschaft, besteht aus der Zentrale in einer Kleinstadt des amerikanischen Mittelwestens, einem Zweige
büro in einer Großstadt und mehreren Schadensregulierungsbüros an verschiedenen Plätzen. Die Beschäftigtenzahl betrug Jahre hindurch gleichbleibend rund 400. Als Folge der Verlegung eines Teils der Tätigkeit
nach dem Zweigbüro hat allerdings die Zahl der in der Zentrale beschäftigten Mitarbeiter abgenommen, während gleichzeitig die Angestelltenzahl
der Zweigstelle in etwa gleichem Umfang gestiegen ist. Die Ertragslage

1

�Ertragslage des Unternehmens war nicht besonders günstig; es galt jedoch als ein angenehmer Arbeitgeber.
Der Übergang zur automatischen Datenverarbeitung
Die Automatisierung eines Teils der Büroarbeiter erfolgte durch die
Aufstellung einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage, dem Standard modeil IBM 65O mit Magnettrommelspeicher und Lochkarteneingabe und
-ausgäbe. Sie wurde im Dezember in Betrieb genommen. Nach zweiwöchigem
Probebetrieb wurden ihr nach einem Stufenplan zunächst die Überprüfung
der Prämienberechnung durch die Versicherungsagenten, später die Ausfertigung der Prämienzahlungsaufforderungen und die Zusammenstellung
der Angaben für die Ausstellung von Versicherungspolicen durch die Zentrale sowie die Auswertung von statistischen Angaben und die Bilanzierung
übertragen. Dieser Unistellungsprozeß zog sich bis zum Herbst 1958 hin.
Die Übertragung dieser Aufgaben auf die Anlage war bis Januar 1958 zu
15 Prozent, bis April 1958 aber immerhin schon zu 84 Prozent abgeschlossen.
Die Betriebsleitung informierte die Belegschaft über die bevorstehende Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage erst im Oktober 1957» u n negative Auswirkungen auf das Betriebsklima auszuschalten. Sie gab die Zusicherung, daß gemäß der langjährigen Praxis in der Personalpolitik des
Unternehmens niemand eine Entlassung zu befürchten habe. Sie sprach weder
eine Lohngarantie aus, noch stellte sie irgendwelche Umschulungsbeihilfen
in Aussicht. Anfang November 1957 wurden sämtliche Angestellten der Zentrale zu Besprechungen zusammengerufen und über die technischen Einzelheiten der bevorstehenden Umstellung informiert. Die Angestellten erhielten
dabei Gelegenheit, Fragen zur Umstellung vorzubringen. In der ersten Novemberwoche wurden alle Mitarbeiter, die im Zusammenhang mit der Aufstellung
der Datenverarbeitungsanlage für eine andersgeartete Tätigkeit in Aussicht
genommen waren, für ihre neuen Aufgaben geschult. Derartige Zusammenkünfte
wurden in der Zweigstelle erst im April 1958 durchgeführt, als man damit
begann, einen Teil ihrer Funktionen auf die Datenverarbeitungsanlage zu
übertragen.
Drei Betriebsgruppen
Die Auswirkungen der Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage auf die
einzelnen Abteilungen innerhalb des Betriebes waren unterschiedlich. Zum
Zwecke dieser Untersuchung wurden die verschiedenen Abteilungen drei Betriebsgruppen zugeordnet. Die am stärksten von der Automatisierung betroffenen Büros der Zentrale werden im folgenden unter dem Begriff
' Betriebsgruppe"Datenverarbeitung" aufgeführt; zu ihr gehört die eigentliche Abteilung Datenverarbeitung mit der IBM-Rechen- und Lochkartenanlage, die Programmierungsabteilung, die Buchhaltung, die Abteilung Betriebsorganisation und die PLechnungsprüfung.
Unter den Begriff Betriebsgruppe "andere betroffene Abteilungen" wurden die Ki'z-VoiL icherungsabteilung der Zentrale, die Allgemeine Versicherungsabteilung der Zweigstelle und die Abteilungen Kodifizierung und Policen-Ausfertigung beider Stellen zusammengefaßt, deren Tätigkeit in
geringerem Umfang automatisiert worden ist.
Unter

�Unter der Betriebsgruppe "nicht betroffene Abteilungen" sind sämtliche übrigen Abteilungen der Zentrale und des Zweigbüros zusammengefaßt,
die zusammen den größten Anteil am Personal stellen. Die Schadensregulierungsbüros wurden in die Untersuchung nicht einbezogen.
Die vorliegende Abhandlung beschränkt sich auf die Veränderungen, die
unmittelbar auf die Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage zurückzuführen
sind, wenn auch in die beiden Umfragen sämtliche innerhalb des Umstellungszeitraums eingetretenen Veränderungen einbezogen worden waren.
Die beiden Umfragen
Es wurde der Versuch gemacht, die Reaktion der Angestellten auf die
Automatisierung mehrerer Betriebsvorgänge in zwei Fragebogen-Aktionen im
November 1957 un&lt;l im Mai 1958 zu ermitteln. In beiden Umfragen wurden
über 90 Prozent der Büroangestellten im engeren Sinne (also ausschließlich der Chefs, Angestellten im Außendienst usw.) angesprochen. An beiden
Umfragen beteiligten sich jeweils 246 Angestellte.
Es wurden den Angehörigen der drei Betriebsgruppen Prägen zu folgenden
Themenkreisen gestellt:
1. Beobachtete Veränderungen in der Tätigkeit und am Arbeitsplatz und
Einstellung zu diesen.
2. Generelle Einstellung zur Installierung einer Datenverarbeitungsanlage, d.h. zur Automatisierung.
3« Zufriedenheit am Arbeitsplatz.
Auswirkung der Umstellung auf die Angestellten
Fast zwei Drittel der Angestellten erklärten bei der Umfrage im Mai
1958» daß sie von der Installierung der Datenverarbeitungsanlage unberührt
geblieben seien. Nur wenige machten die Anlage für Versetzungen oder Beförderungen verantwortlich (siehe Tafel i ) . Der Prozentsatz derjenigen,
die der neuen Anlage nachhaltige Auswirkungen auf ihre Tätigkeit zuschrieben, war in der Gruppe "Datenverarbeitung" am höchsten, in der Gruppe
"nicht betroffene Abteilungen" am geringsten.
In der zweiten Umfrage wurden die Arbeitnehmer um Auskunft gebeten,
inwiefern die Datenverarbeitungsanlage sich auf 14 spezifische Charakteristiken ihrer Tätigkeit und ihres Arbeitsplatzes ausgewirkt hat. Die Ergebnisse sind in Tafel III statistisch ausgewertet. Rund 20 Prozent der
Angestellten ließen die diesbezüglichen Fragen unbeantwortet oder wählten
die Antwort; "Ich habe keine Vorstellung davon." Sie sind in der Spalte
"keine Angaben" ausgewiesen. Die größten Auswirkungen wurden der Datenverarbeitung hinsichtlich Abwechslungsreichtum.3,geforderter Leistung und Genauigkeit zugeschrieben. Die geringsten Änderungen wurden von den Angestellten hinsichtlich Bezahlung, Beförderungsaussichten und Beaufsichtigung
registriert. Außer bei den Beförderungsaussichten und der Sicherheit des
Arbeitsplatzes wurden die meisten Veränderungen im Sinne einer Zunahme gedeutet, so im Falle der Vielseitigkeit, der Tätigkeit und des Arbeitsanfall

Tafel I

�Tafel
Veränderungen am Arbeitsplatz oder in der Tätigkeit auf Grund der
Aufstellung einer Datenverarbeitungsanlage in der Sicht der
Arbeitnehmer« nach drei Betriebsgruppen '/aufgeschlüsselt

(in Prozent)
Art der Veränderung 2)

Betriebsgruppe
Datenverarbeitung

Insgesamt

andere betroffene
Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen
100

Alle Betriebsgruppen
zusammen
100

100

100

1 . Beförderung

0

0

1

2 . Versetzung

4

2

2

a) .großen

52

21

3

12

b) merklichen

22
16

4
10

10

c) geringen

13
9

d) keinen
Veränderungen

22

34

76

60

0

5

5

3. Verbleib am alten
Arbeitsplatz bei

4. Auswirkungen
unbekannt

11

1)

Die Betriebsgruppe "Datenverarbeitung" hatte 23, die Gruppe "andere
betroffene Abteilungen" 62 und die Gruppe "nicht betroffene Abteilungen"
161 Angehörige, (im November 1957)

2)

Antworten auf die im Mai 1958 gestellte Frage: "Spielte die Datenverarbeitungsanlage eine Rolle bei Änderungen in Ihrer Tätigkeit, die seit
November 1957 eingetreten sind?" Die Antworten der Spalten 1 bis 3 c)
gingen dahin, daß die Anlage mehr oder weniger zu den eingetretenen
Veränderungen beigetragen hat. Die Spalte 3 d) betrifft die Antworten,
die besagten, daß seit November keinerlei Änderungen eingetreten seien
oder daß etwaige Änderungen nichts mit der Datenverarbeitung zu tun
hatten.

Die

�Die drei Betriebsgruppen unterschieden sich dabei merklich voneinander,
sowohl was die Häufigkeit als auch was die Richtung der beobachteten
Auswirkungen des Übergangs zur Datenverarbeitung angeht.
In den beigefügten Tabellen nicht ausgewiesen sind die Antworten
auf die Fragen nach den voraussichtlichen künftigen Auswirkungen der
Datenverarbeitung auf die Tätigkeit und dem Grad der Beeinträchtigung
der Tätigkeit durch die Umstellung. 83 Prozent der Mitarbeiter in der
Betriebsgruppe "Datenverarbeitung", 61 Prozent in der Betriebsgruppe
"andere betroffene Abteilungen" und 21 Prozent in der Gruppe "nicht
betroffene Abteilungen" hielten weitere Veränderungen in den nächsten
zwei Jahren für wahrscheinlich.
61 Prozent der Angestellten in den Gruppen "Datenverarbeitung"
und "andere betroffene Abteilungen" vertraten die Auffassung, daß die
Umstellung den Arbeitsablauf nur geringfügig oder überhaupt nicht beeinträchtigt hat; 20 Prozent empfanden den Übergang als ziemlich und
9 Prozent als sehr störend.
Die Antworten der ersten Fragebogenaktion vor der Installierung der
Datenverarbeitungsanlage ließen erkennen, daß die Mehrheit der Angestell
ten die Umstellung begrüßte oder sich ihr gegenüber neutral verhielt.
Die Angehörigen der Gruppe "Datenverarbeitung" waren restlos mit der Umstellung einverstanden; von den Mitarbeitern der "anderen betroffenen
Abteilungen" hatten 13 Prozent Einwendungen gemacht. Tafel II zeigt, daß
die Mehrzahl der Angestellten auch mehrere Monate nach der Umstellung,
nachdem sie schon gewisse Erfahrungen mit der Automatisierung und ihren
Auswirkungen auf den Betriebsablauf gesammelt hatten, eine positive
Einstellung zu ihr hatten. Bei der Umfrage vom Mai 1958 ergab sich, daß
41 Prozent der Angehörigen der Gruppen "Datenverarbeitung" und "andere
betroffene Abteilungen" ihre Einstellung gegenüber der Automatisierung
geändert hatten, wobei sich aber am Gesamtbild kaum etwas änderte, da
sich die Sinneswandlungen von positiver zu negativer Haltung und umgekehrt etwa die 'Waage hielten.
Auch die Antworten auf andere Fragen ließen keine negative Einstellung zur Datenverarbeitung erkennen. Die Angestellten in den "nicht betroffenen Abteilungen" hatten vielfach keine richtige Vorstellung davon,
ob die Datenverarbeitungsanlage für die Arbeitnehmer eine wünschenswerte
oder abzulehnende Sache sei. Für alle drei Betriebsgruppen gilt jedoch,
daß alle diejenigen, die eine feste Einstellung zu den diesbezüglichen
Fragen bekundeten, die Datenverarbeitung guthießen. Der größte Teil derjenigen, die eine bestimmte Meinung zum Ausdruck brachten, war auch für
eine weitergehende Verwendung der Anlage; dies trifft besonders für die
Angehörigen der Abteilung "Datenverarbeitung" zu (siehe Tafel II).

Tafel II

�Tafel II
Einstellung der Arbeitnehmer zur Datenverarbeitungsanlage nach
ihrer Inbetriebnahme, nach drei Betriebsgruppen aufgeschlüsselt 1 '
(in Prozent)
a) Grundeinstellung zur Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage ^)
Betriebsgruppe
Antwort

Datenverarbeitung

Sämtliche
Antworten
Halte ich für sehr
richtig
Halte ich für richtig
Ist mir gleichgültig
Mißfällt mir
Mißfällt mir sehr
Darüber habe ich mir noch
keine Gedanken gemacht
Keine Antwort

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen

100

100

100

48
39
9
0
0

18

11
28
50

0
4

45
27
8
2

7
o
2

0
0

2

b) Ist die Datenverarbeitungsanlage gut oder schlecht für die
Arbeitnehmer? 3)
Betriebsgruppe
Antwort
Insgesamt
Sehr gut
Gut
Weder gut noch
schlecht
Schlecht
Sehr schlecht
Weiß ich nicht
Keine Antwort

Datenverarbeitung

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen

100

100

100

44
44

31
40

15
36

12

10

0

13
0
0

0

13

1
30

0

3

4

0

4

�c) Wünschenswerter Grad des E i n s a t z e s der D a t e n v e r a r b e i t u n g s a n l a g e

IT

Betriebsgruppe
Datenverarbeitung

Antwort

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffenc Abteilungen

100

100

100

30

13

9

44

34

20

Etwa im gleichen
Umfang wie bisher

9

21

20

In geringerem Umfang
als bisher

0

0

1

0

1

30

42

2

7

Insgesamt
In weit größerem
Umfang als bisher

l5sgDi"fnirm

Umfane

In weit geringerem
Umfang als bisher
Weiß ich nicht
Keine Antwort

4
13
0

1)

Stärke der einzelnen Gruppen, wie in Tafel I, Anmerkung 1, angegeben

2)

Frage: "Welche generelle Einstellung haben Sie zu der Tatsache, daß
die Firma eine Datenverarbeitungsanlage installiert hat?" (Mai 1958)

3)

Frage: Glauben Sie, daß die Datenverarbeitungsanlage, alles in allem
genommen, eine gute oder schlechte Sache ist?" (Mai 1958)

4)

Frage: "Halten Sie es für vernünftig, die Datenverarbeitungsanlage
in größerem oder geringerem Umfang als bisher einzusetzen?" (Mai 1958)

Auswirkungen

-

7 -

�Auswirkungen der Veränderungen am Arbeitsplatz
Bei der Umfrage im Mai 1958 bekundeten zwei Drittel aller befragten
Arbeitnehmer, daß Änderungen an ihrem Arbeitsplatz - vornehmlich in der
Art der Tätigkeit, ohne Beförderung oder Versetzung - eingetreten seien.
Derartige Veränderungen wurden von Angehörigen der Gruppen "Datenverarbeitung" und "andere betroffene Abteilungen" in größerem Umfang berichtet
als von der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen". Einschneidendere Veränderungen in den Arbeitsplatz- und Tätigkeitscharakteristika wurden besonders in den Betriebsgruppen "Datenverarbeitung" und "andere betroffene
Abteilungen" beobachtet. 61 Prozent waren mit den eingetretenen Änderungen zufrieden, 18 Prozent waren damit unzufrieden. Das Zahlenverhältnis
war bei allen drei Betriebsgruppen ähnlich.
Eine Auswertung der Antworten bezüglich der 14 Arbeitscharakteristika
ergibt, daß in den Gruppen "Datenverarbeitung"
und "nicht betroffene
Abteilungen" die Zahl der Betriebsangehörigen, die mit den eingetretenen
Veränderungen in ihrer Tätigkeit einverstanden waren, das Zehnfache der
Zahl derjenigen betrug, die eine ablehnende Haltung einnahmen; in den
"anderen betroffenen Abteilungen" war das Zahlenverhältnis dagegen 3»1. In
der letzten Gruppe hielten sich die positiven und negativen Antworten bezüglich der Bedeutung der Tätigkeit für das Gesamtunternehmen, des Maßes der
Überwachung in der Tätigkeit, des Grades der geforderten Urteilsfähigkeit,
der Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Beförderungschancen etwa die
Waage. In der Gruppe "Datenverarbeitung" ?mrden elf Änderungen der Arbeitsplatz- bzw. Tätigkeitscharakteristika von der Mehrzahl der Befragten begrüß t.
Die Antworten auf die Frage nach den eingetretenen Lohnbewegungen
fielen in der Gruppe "Datenverarbeitung" verschiedentlich nicht deshalb
negativ aus, weil Änderungen im Sinne einer Verschlechterung eingetreten
waren, sondern weil sich die Angestellten größere Erhöhungen erhofft
hatten. Umgekehrt kann man sagen, daß die positive Reaktion einiger Angestellten auf die Änderungen in den Tätigkeitscharakteristika wohl in
dem Sinne interpretiert werden muß, daß sie diese im Grunde genommen nicht
als wünschenswert, sondern lediglich als zu geringfügig ansahen, um
irgendwelche Einwendungen zu erheben»
Unterschiedliche Beurteilung der "Befriedigung aus der Tätigkeit" in den
drei Betriebsgruppen
Bei beiden Umfragen wurden über die 14 in Tafel III angeführten
Fragen nach den Änderungen der Arbeitscharakteristika hinaus noch 10
weitere Fragen gestellt, die dem Zweck dienten, den Grad der Zufriedenheit
mit den eingetretenen Veränderungen zu ermitteln. Da die Fragebogen namentlich gekennzeichnet waren, ließ sich auch feststellen, inwieweit sich die
Einstellung der einzelnen Angestellten zur Automatisierung während der
Monate der Umstellung geändert hatte. Eine Gesamtrechnung für alle drei
Betriebsgruppen ergibt, daß 33 Prozent der 246 Befragten nach der Umstellung
mit ihrer Tätigkeit zufriedener waren als vorher, 39 Prozent die Auffassung
vertraten, daß sich in dieser Hinsicht bei ihnen nichts geändert habe,
während 24 Prozent mit ihrer Tätigkeit nicht mehr so zufrieden waren wie
vorher; 4 Prozent der Befragten lehnten es ab, eine diesbezügliche Aussage
zu machen.
Tafel III

�Tafel III
Änderungen bei 14 Arbeitscharakteri sMka auf Grund der Aufstellung einer
Datenverarbeitungsanlage in der Sicht der Arbeitnehmer, nach drei
Betriebsgruppen aufgeschlüsselt "• /

(in Prozent)
Betriebs^ruppe
Einteilungen)

1 .Vielseitigkeitmeiner
Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

74
37
17

2.Geforderte
Leistung

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

74
39

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

65
56

4.Mein Einfluß auf das
Arbeitstempo
an meinem
Arbeitsplatz

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

48
21

5.Bedeutung
meines Arbeitsplatzes
f.d.Firma

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

6.Grad d.Überwachung in
meiner Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

48

7.Geforderter Fertigkeitsgrad

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

8.Grad d .Ver- Datenverarantwortlich- beitung
keit
andere betrof.
nicht betrof.

5.Gefordertar
Genauigt
keitsgrad

Zus.

Zunahme^) Keinew Abnahme2/ keine
.
Angaben 2/

Arbeitscharakteristikum

19

12

26

37
55
22

34
53
35
37
63

0
20
2

0
6
26

4
24
2

0

0

3
26

0

0
2
25

5

43
64
63

9

0

10
2

26

39
65
68

0
8
0

4
6
2?

5
4

48.
87
68

4
6
2

0
2
26

100
100
100

74
34
9

26
61
66

0
3
0

0
2
25

100
100
100

70
39

30
55
65

0

0

9

57
21

5

12

5

5

3

0

23
9. Von mir

-

9 -

�Arbeitscharakterist ikum

Betriebsgruppe
(Abteilungen)

Zus.

Zunahme 2) Keine 2) Abnahme 2) Keine
Angaben 2)

9.Von mir geDatenverarforderte Pia- beitung
nungsarbeit
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

61
11

10.Von mir geJDatenverarfordertes Ur- beitung
teilsvermögen andere betrof.
nicht betrof.

11

39
78
62

0
6
0

0
5
27

100
100
100

70
24
11

30
68
65

0
3
0

0
5
24

11.Anregung aus
meiner Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

65
24
14

31
60
62

4
13
1

0
3
23

12 .Sicherheit
des Arbeitsplatzes

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

31

6

65
66
67

4
20
3

0
3
24

1 3 .Beförderungs- Datenveraraussichten
beitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

22
5
3

74
68
66

4
17
2

0
10
29

Datenverarbei tung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

30

70
77
68

0
2
1

0
11
25

14 .Bezahlung

11

10
6

1) Stärke der einzelnen Gruppen wie in Tafel I, Anmerkung 1, angegeben
Die Betriebsangehörigen wurden gebeten, bei der Untersuchung bezüglich
2) Di
der Arbeitscharakteristika eine Antwort auf eine der folgenden Fragen
zu geben: "Für dieses Arbeitscharakteristikum brachte die Datenverarbeitungsanlage mit sich: 1. eine große Zunahme, 2. eine gewisse Zunahme,
3. keine Veränderung, 4» eine gewisse Abnahme, 5« eine große Abnahme,

Teilfragen 4-5» die Spalte "Keine Angaben'
Verweigerung jeder Antwort.
Bei 15 Fragen, darunter sämtliche der in Tafel III aufgeführten mit
Ausnahme der Frage nach den Beförderungschancen, überwog die Zunahme dee
Grades der Zufriedenheit eindeutig die Abnahme. Ein weniger günstiges
Bild ergab sich dagegen bei den Fragen nach der Handhabung der Umstellung,
der Haltung der Firma und der Menge, der Zuverlässigkeit, der Verständ-

-

10

-

�Verständlichkeit und der Promptheit der zur Umstellung erteilten Auskünfte sowie der Gesamttätigkeit. In keinem Falle aber überwog die Abnahme der Zufriedenheit die Zunahme wesentlich.
Es ergaben sich kaum irgendwelche ausgesprochenen Unterschiede in
der Häufigkeit von Veränderungen am Arbeitsplatz und in der Tätigkeit
sowie in der Beurteilung des Grades der Zufriedenheit mit Arbeitsplatz
und Tätigkeit unter den drei Betriebsgruppen. Gewisse, für die einzelnen
Gruppen typische Trends lassen sich aber doch aus den Antworten ablesen.
Bei den ersten 12 Fragen der Tafel III war die Häufigkeit von Veränderungen in der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen" geringer als bei
den beiden anderen Betriebsgruppen, während das Verhältnis von Zunahme
zu Abnahme bei den "nicht betroffenen Abteilungen" am ausgeglichensten
war. Bei den in Tafel III nicht aufgeführten Arbeitscharakteristika - sie
betrafen vor allem die Bezahlung, die Einstellung zur Arbeit, das Verhältnis zur Betriebsleitung,, die Unterrichtung über die Umstellung und
die Gesamttätigkeit - war die durchschnittliche Häufigkeit von Veränderungen bei den drei Betriebsgruppen etwa gleich; der Anteil der Zunahme
dagegen bei der Gruppe "Datenverarbeitung" am geringsten.
Der Gesamtdurchschnitt der 24 Antworten läßt erkennen, daß die Mitarbeiter der Gruppe "Datenverarbeitung" insgesamt mit ihrer Tätigkeit
und ihrem Arbeitsplatz zufriedener waren als die übrigen Angestellten,
während die "anderen betroffenen Abteilungen" den größten Anteil an den
Antworten stellen, die eine nur geringe Zufriedenheit oder direkte Unzufriedenheit mit den eingetretenen Veränderungen zum Ausdruck brachten.
Folgerungen
Die Ergebnisse der Umfragen besagen in ihrer Gesamtheit, daß die
Installierung einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage in dem fraglichen Versicherungsunternehmen die Arbeitsumwelt einer größeren Zahl von
Betriebsangehörigen in verschiedener Hinsicht verändert hat, daß die meisten
Auswirkungen der Umstellung so geartet waren, daß sie von den Mitarbeitern
als positiv gewertet wurden, und daß die Umstellung häufiger bejaht als
verneint wurde.
Was die Arbeitsplatz- und Tätigkeitscharakteristika insgesamt angeht,
so waren generell hinsichtlich Häufigkeit und Richtung der eingetretenen
Veränderungen bei den drei Betriebsgruppen keine allzu großen Unterschiede
feststellbar, wenn sich auch hinsichtlich einiger dieser Charakteristika
deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen gezeigt hatte*». Die
Mitarbeiter der Gruppe "Datenverarbeitung", die im Zusammenhang mit der Umstellung zahlreiche neue Aufgaben übertragen bekamen,und die Angehörigen
der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen" waren im großen und ganzen mit
den Veränderungen mehr zufrieden als die Mitarbeiter der "anderen betroffenen Abteilungen", die durch die Automatisierung verschiedene Aufgaben
verloren hatten und sich teilweise auf neue Arbeitsmethoden umstellen mußten. Die Belegschaft der Betriebsgruppe "andere betroffene Abteilungen"
bekundete eine geringere Zunahme der Zufriedenheit mit den Arbeitscharakteristika ia engeren Sinne als das Personal in den beiden anderen Gruppen.
In der Gruppe "Datenverarbeitung" ergab sich im Vergleich zu den anderen
Betriebsgruppen eine gewisse Abnahme der Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen, der Bezahlung, dem Verhältnis zu den Vorgesetzten und dem

11 -

�dem Unternehmen und der Art der Unterrichtung der Angestellten. Die
Unterschiede der drei Betriebsgruppen untereinander in der Einstellung
zu diesen Fragen waren aber im allgemeinen geringfügig.
Die Tatsache, daß zwischen den von der Automatisierung mehr oder
weniger betroffenen Abteilungen und den völlig unberührt gebliebenen
Abteilungen keine größeren Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit
von" Veränderungen und der Einstellung der Belegschaft zu ihnen beobachtet wurden, deutet darauf hin, daß die Automatisierung nur verhältnismäßig unbedeutende Auswirkungen auf die Arbeitsverhältnisse und die
Zufriedenheit der Angestellten mit ihrer Tätigkeit hatte. Dies läßt
den Schluß zu, daß die Aufstellung einer Elektronenanlage vom Typ IBM
65O keinen Eingriff darstellt, der so radikal oder umfassend ist, daß er
eine Umkehrung oder Beschleunigung der bestehenden Trends im Arbeitsklima und in der Einstellung der Arbeitnehmer zu ihrer Tätigkeit bewirkt.
Der leichte Rückgang der Zufriedenheit mit der Art der Unterrichtung der
Belegschaft und der"Durchführung der Umstellung bei der Gruppe "Datenverarbeitung" ist jedoch als ein Hinweis darauf zu werten, daß die
Umstellung und Angleichung an die neuen Arbeitsmethoden und Betriebsverhältnisse merkliche, wenn auch voraussichtlich vorübergehende Unzufriedenheit unter der Belegschaft auslösen kann, wenn die Betriebsleitung die
Umstellung nicht mit dem entsprechenden Fingerspitzengefühl einleitet
und durchführt.
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 9, September i960)

tt * # * *

Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des Einvernehmens
zwischen Arbeitnehmern und Management
Der Begriff "innerbetriebliche Kontaktpflege" wird in der PitneyBowes Company, einer Herstellerfirma von Einrichtungen zur Postbeförderung in Stamford (Connecticut), groß geschrieben. Unter innerbetrieblicher Kontaktpflege versteht man bei Pitney-Bowes eine ganze Reihe von
Maßnahmen, die den kontinuierlichen Gedankenaustausch zwischen Arbeitnehmern und Betriebsführung in dem Bemühen fördern, das gegenseitige
Einvernehmen und Vertrauen zu vertiefen, den Arbeitsfrieden durch die
Vermittlung des Gefühls der Befriedigung am Arbeitsplatz zu erhalten
und den Geist der Zusammenarbeit zur Erreichung der gemeinsamen Ziele
von Belegschaft und Betriebsführung zu entwickeln.
Eines der Mittel, mit deren Hilfe Pitney-Bowes diese Ziele zu erreichen sucht, ist die alljährliche "Arbeitnehmerkonferenz". So wie die
Betriebsführung in der Hauptversammlung den Aktionären Rechenschaft über
den Geschäftsgang gibt, so berichtet sie den Arbeitnehmern über die
innerbetrieblichen Vorgänge und beantwortet ihre Fragen bezüglich der
Löhne, des Umsatzes, der Gewinne, neuer Produkte und der Planung für
die Zukunft.
Die

�Die Arbeitnehmerkonferenz findet gewöhnlich etwa eine Woche nach der
Veröffentlichung des Geschäftsberichtes statt, der nicht nur den Aktionären,
sondern auch allen Betriebsangehörigen zugestellt wird. Auf diese Weise erhalten die Belegschaftsmitglieder Gelegenheit, sich eingehend über die Lage
des Unternehmens zu informieren» Um einen möglichst engen Kontakt zwischen
der Belegschaft und den Angehörigen des Management bei diesen Zusammenkünften zu gewährleisten, wird die Konferenz in mehreren Sitzungen kleinerer
Gruppen mit je 250 Teilnehmern in Anwesenheit von Vertretern der Betriebsführung abgehalten»
Das Management von Pitney-Bowes bedient sich in seinen Bemühungen
um enge Kontakte zu den Arbeitnehmern noch verschiedener anderer Methoden.
Hier wäre das sogenannte "Schwarze Brett" zu nennen, auf dem laufend Nachrichten über den Geschäftsgang und die Sozialarbeit innerhalb des Betriebs
bekanntgemacht werden» Die Firma unterhält eine sehr ansprechende Hauszeitschrift, die alle zwei Monate erscheint und den Interessen der Arbeitnehmer breiten Raum widmet» Die wichtigste Institution zur Pflege eines
regelmäßigen Gedankenaustausches zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
ist der Rat für innerbetriebliche Beziehungen.
Der Rat, der sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der Arbeitnehmerschaft und der Betriebsleitung zusammensetzt, ist eine ständige Einrichtung.
An seiner Spitze stehen zwei Vorsitzer, von denen einer wiederum Vertreter
der Arbeitnehmerseite, der andere Angehöriger des Management ist - meist
sogar der Generaldirektor persönlich. Die Arbeitnehmervertreter werden in geheimen Wahlen von der Belegschaft gewählt.
Der Rat für innerbetriebliche Beziehungen hat beratende Funktionen.
Er befaßt sich mit Fragen der Geschäftsführung und insbesondere mit dem
Wohlergehen und der gerechten Behandlung aller Beschäftigungsgruppen innerhalb des Betriebes. Er ist dagegen nicht für Beschwerden und Arbeitsstreitigkeiten einzelner Betriebsangehörigerfcuständigund schaltet sich auch nicht
unmittelbar in TarifVerhandlungen ein.
Der Rat fördert vor allem den freimütigen Meinungsaustausch zwischen
den Arbeitnehmer- und Managementvertretern durch die offene Diskussion der
innerbetrieblichen Angelegenheiten. Diese Eiskussionen werden auf allen
betrieblichen Ebenen geführt, und zwar in der Weise, daß sich der Rat gegebenenfalls in Übereinstimmung mit der allgemeinen Gliederung des Betriebs
abteilungs- und selbst unterabteilungsweise aufgliedert und in getrennten
Gruppen jeweils unter den Mitvorsitzenden einmal im Monat tagt.
Der Rat für innerbetriebliche Beziehungen entstand aus dem im zweiten
Weltkrieg geschaffenen Produktionsausschuß aus Vertretern der Arbeitnehmer
und der Betriebsführung. In diesem Ausschuß wurde so hervorragende Arbeit
geleistet, daß auf beiden Seiten der 'Wunsch laut wurde, dieses Verbindungsglied zwischen Belegschaft und Betriebsführung beizubehalten. Das führte
1946 zur Umgründung in den Rat für innerbetriebliche Beziehungen im Anschluß
an eine von Betriebsführung und Belegschaft gemeinsam gefaßte Entschließung,
in der der Aufgabenbereich dieser Institution wie folgt umrissen wurdel
"Der Rat sucht der Belegschaft in der Weise zu dienen, daß er zur
Sicherung des Arbeitsplatzes und zur Mehrung der Zufriedenheit mit den
Arbeitsbedingungen und den Verdienstchancen beiträgt. Er sucht der Betriebsführung in der Weise zu dienen, daß er ein Forum für die Erörterung neuer
Ideen und die Unterrichtung der Mitarbeiter über die Probleme der Betriebsführung und den Geschäftsgang bietet. Er sucht beiden dadurch zu dienen,

- 15 -

�dienen, daß er die Zusammenarbeit zwischen ihnen in den Bemühungen
um die Herstellung immer besserer Produkte bei niedrigeren Kosten
und größerem Ausstoß vertiefen hilft und damit bei beiden das Verständnis für die gegenseitigen Interessen und für faire Maßstäbe in
ihrem Verhältnis zueinander wecken hilft«"

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik
Der 21 Tage dauernde Streik in insgesamt 55 Betrieben der
"General Electric Company" konnte mit dem Abschluß eines neuen Tarifvertrages zwischen dem Unternehmen und der Elektroarbeitergewerkschaft
(IUE) beendet werden, der weitgehend dem vor dem Streik unterbreiteten
Unternehmerangebot entsprach.
Der neue DreiJahresvertrag sieht eine sofortige Erhöhung der Löhne
und Gehälter um 3 Prozent vor und stellt der Gewerkschaft drei weitere
Möglichkeiten zur Verbesserung des letzten Vertrages zur Auswahl, über
die die "IUE" innerhalb von 30 Tagen zu entscheiden hat. Der erste
Vorschlag sieht dabei eine weitere 3prozentige Lohnerhöhung im April
1962, einen zusätzlichen bezahlten Feiertag und eine 4» Urlaubswoche
für alle jene Arbeitnehmer vor, die dem Betrieb länger als 25 Jahre angehören; der zweite sieht nur eine Lohnerhöhung um 4 Prozent im April
1962 vor, während der dritte nur eine Klausel über eine erneute Aufnahme
von Lohnverhandlungen im April 1962 enthält.
Die Gewerkschaft dagegen hatte den Abschluß eines Zweijahresvertrages sowie 3 1/2prozentige Lohnerhöhungen in beiden Jahren, verbesserte Wohlfahrts- und Pensionsleistungen und den "Union shop" gefordert.
Die Forderung nach Beibehaltung der Lohngleitklausel war dagegen von der
Gewerkschaft fallengelassen worden.
Die Durchschnittslöhne lagen vor Abschluß des neuen Vertrages zwischen 2,30 und 2,40 Dollar.
Zu der Streikbeilegung und dem Abschluß des neuen Tarifvertrages
zwischen der "GE" und der Elektroarbeitergewerkschaft schrieb A.H. Raskin,
der bekannte Redakteur der "New York Times" für Arbeitsfragen, unter anderem: "Die Lehre, die viele Unternehmer aus den Tarifverhandlungen
zogen... ist, daß der beste Weg für das Management darin besteht, die
Initiative am Verhandlungstisch zu ergreifen und sie, selbst auf die
Gefahr eines Streiks hin, zu behalten. Diese Haltung stellt eine klare
Abkehr von der alten Taktik des Feilschens in Lohntarifverhandlungen
dar, bei denen die Gewerkschaft an die Unternehmer zu Beginn eine ganze
Reihe von Forderungen stellt, die so extrem sind, daß ihre Verwirklichung
den Ruin der Unternehmen bedeuten würde, und auf die die Unternehmer
dann mit gleichermaßen unrealistischen Gegenvorschlägen antworten, die

-

14

-

�die praktisch die Arbeitnehmer vieler ihrer erworbenen Vorteile berauben
würden."
"Beide Seiten bemühen sich dann in einem "Pferdehandel-Verfahren",
einen Kompromiß zu erzielen, der auch gewöhnlich auf einer Ebene gefunden wird, die schon vor Beginn des Aushandelns mit ziemlicher Genauigkeit vorausgesagt werden konnte.'*
Die "General Electric Company" hat ihre Lohnverhandlungstaktik gegen Ende der 40ßr Jahre entwickelt und sie seitdem in allen Tarifverhandlungen mit Erfolg angewandt. Sie geht auf den damaligen Präsidenten
des Unternehmens, Lemuel R. Boulware, zurück. Der Verhandlungsplan des
Unternehmens besteht darin, sich des Vertrauens der Arbeitnehmer zum
Unternehmen zu versichern und der Gewerkschaft einen umfassenden Vertrag zu unterbreiten, der an Angeboten "alles das enthält, was nach Ansicht
des Management richtig ist", und sich dann - mit Ausnahme von Fragen
geringer Bedeutung - an dieses Angebot zu halten, selbst wenn es zu einem
Streik kommen sollte. Als Ergebnis dieser Verhandlungsführung hat man
in jüngster Zeit in der amerikanischen Industrie ein neues Wort geprägt "Boulwarismus" .
(Quelle: Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei
amerikanischen Regierungsbehörden

Seite

1

Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre i960

Seite

11

1961 - Ein Jahr wichtiger Tarifverhandlungen

Seite

13

Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen
in der US-Wirtschaft
Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
.

Seite
Seite

14
15

Richard W. Riche und William E. Alli, Abteilung für Produktivitätsfragen
und technische Entwicklungen, Bundesamt für Arbeitsstatistik im US-Arbeitsministerium:

Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei amerikanischen
Regierungsbehörden
In nachstehendem Artikel bringen wir eine
Übersicht über die Ergebnisse einer Untersuchung über das Ausmaß der Automatisierung
der Büroarbeiten bei verschiedenen Regierungsstellen und ihre Auswirkungen auf die
Beschäftigung, die der Unterausschuß für
Volkszählung und Regierungsstatistik des
Ausschusses des Repräsentantenhauses für
das Postwesen und den Bundesdienst
(Subcommittee on Census and Government
Statistics of the House of Representatives
Committee on Post Office and Civil Service)
in den Jahren 1959/60 durchgeführt hat. Zu
den Informationssitzungen des Ausschusses
waren u.a. Vertreter der Abteilung Haushaltplanung im Präaidialamt, des Bundesrechnungshofes, des Bundesamtes für Kriegsteilnehmerversorgung sowie des Finanz* und
des Postministeriums geladen worden.
Da
-

1

-

�,,
Da der Arbeitsanfall bei den meisten Behörden zu einem großen
Teil aus bürotechnischen Routinevorgängen besteht, ist die amerikanische Regierung lebhaft an der Entwicklung elektronischer Datenverarbeitungsanlagen interessiert, die erhebliche Einsparungen an Personal,
Arbeitszeit und Kosten ermöglichen. Elektronische Rechen- und Buchungsanlagen werden deshalb in größerer Zahl für die Erledigung von Büroarbeiten und für Aufgaben der wissenschaftlichen Forschung eingesetzt.
Stand der Automatisierung
Eine dem Unterausschuß vorliegende Untersuchung der Abteilung Haushaltplanung im Präsidialamt zeigt, daß die amerikanischen Bundesbehörden
bis zum Haushaltsjahr 1958/59 insgesamt 414 Datenverarbeitungsanlagen
aller Größen aufgestellt hatten. Mit einem weiteren raschen Voranschreiten der Automatisierung der Büroarbeiten ist zu rechnen. Nach den Informationen der Abteilung Haushaltplanung wird die Zahl der Datenverarbeitungsanlagen noch im Verlaufe des Jahres 19^1 auf 646 steigen.
Erzielte Einsparungen
Ein augenfälliges, wenn auch nicht notwendigerweise typisches
Beispiel für die erheblichen Einsparungen, die sich durch die Verwendung von Datenverarbeitungsanlagen erzielen lassen, bietet die automatische Buchung von Schecks durch das Finanzministerium. Die Übertragung dieser Aufgabe auf elektronische Buchungsanlagen ermöglichte
die Zentralisierung der gesamten Buchungsarbeiten im Finanzministerium,
die bisher auf das Ministerium, den Bundesrechnungshof und verschiedene
Institute des Zentralbankensystems verteilt waren.
Tafel 1 zeigt das Ausmaß der dabei erzielten direkten Einsparungen.
Während der Arbeitsanfall um 14 Prozent zunahm, ging die Beschäftigtenzahl um 48 Prozent zurück - mit dem Erfolg, daß die Arbeitsproduktivität
pro Angestellten um 120 Prozent stieg. Die Arbeitskosten pro Buchungsvorgang verringerten sich um 44 Prozent, während die Maschinenmiete pro
Buchungsvorgang um 85 Prozent zunahm; die Gesamtkosten pro Buchungsvorgang gingen um 32 Prozent zurück.
Weitere, indirekte Einsparungen sind von einer weiteren Zentralisierung und Verbesserung in der Datenvorbereitung zu erwarten.
Nach einem Bericht des Bundesrechnungshofes werden gegenwärtig für
Beschaffungsaufgaben des Verteidigungsministeriums zahlreiche verschiedene
Datenverarbeitungssysteme verwendet, über die Vorräte und Lagerbestände
im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar verwaltet werden. Eine Verringerung der Lagerbestände um nur wenige Prozent, wie sie durch eine fortlaufende Berichterstattung über die vorhandenen Bestände mit Hilfe von
elektronischen Rechenanlagen möglich ist, kann zu Einsparungen führen,
die jährlich Millionen ausmachen.
Veränderungen in der Beschäftigung
Das Finanzministerium unterbreitete dem Untersuchungsausschuß aufschlußreiches Zahlenmaterial über die Veränderungen, die die Umstellung
der Einlösung und Verbuchung von Schecks und der Registrierung und

-

2

-

�Tafel 1
A r b e i t s p r o d u k t i v i t ä t und Kosten pro Buchungsvorgang im ÜS-Finanzministerium.
im Bundesrechnungshof und i n verschiedenen I n s t i t u t e n des Zentralbankensystems vor und nach der I n s t a l l i e r u n g e l e k t r o n i s c h e r Buchungsanlagen

Vor der
Installierung
Arbeitseinheiten
(Schecks)
Anzahl der zur B e a r b e i tung de» Schecks e i n g e setzten Angestellten
Gesamtkosten
(in Dollar)
Bearbeitungskosten
(einschl. Soziallastenanteile)
Maschinenmieten
Andere Kosten *)

~~X^Wi

Änderung in
Prozenten

CT9591

345 000 000

393 000 000

+ 13,9

1 552

803

- 48,3

7 188 000

5 569 000

- 22,5

6 101 000
579 000
508 000

3 891 000 1&gt;

- 36,2

Indizes

Produktivität pro
Angestellten
Angestellte pro
Arbeitseinheit

Nach der
Installierung

+ 111 ,1
- 10,2

(1956 - 100

100,0

220,2

+120,2

100,0

45,4

- 54,6

100,0

68,0

- 32,0

100,0

56,0

- 44,0

Maschinenmiete pro
Einheit

100,0

185,3

* 85,3

Andere Kosten pro
Einheit

100,0

78,8

- 21,2

Kosten pro
Arbeitseinheit
Arbeitskosten pro
Einheit

7 Einschließlich einer zehnprozentigen Gehaltserhöhung für qualifizierte
Mitarbeiter, die im Laufe des Jahres 1958 erfolgte.
-*' Einschließlich der Kosten für Porti, Fernmeldegebühren, Formblätter und
Bürobedarf und anderer indirekter Kosten.
3

-

�und des Zinaendienstes von Staatsobligationen auf elektronische Datenverarbeitungsanlagen hinsichtlich der Beschäftigungsstruktur innerhalb
des Ministeriums zur Folge hatte.
Von der Umstellung der Bearbeitung der Schecks, die im Juni 1957
nach 17monatigen Vorbereitungen erfolgte, wurden drei Dienststellen
betroffen: das Schatzamt, der Bundesrechnungshof und das Zentralbankensystem. Tafel 2 zeigt die Veränderungen in der Beschäftigung,
die im Zeitraum von Juni 1956 bis Juni 1959 i n Auswirkung der Umstellung im Schatzamt und im Bundesrechnungshof eingetreten sind.
Nur 174 der insgesamt 755 von der Umstellung betroffenen Arbeitnehmer wurden innerhalb derselben Abteilung weiterbeschäftigt; das ist
noch nicht einmal ein Viertel, über die Hälfte wurden nach anderen Abteilungen innerhalb ihrer Behörde versetzt, wobei der größte Teil
neue Aufgaben übernehmen mußte. Nur 31 Angestellte, d.h. 4 Prozent der
Gesamtzahl, wurden in die neu geschaffenen Abteilungen für elektronische
Datenverarbeitung übernommen. Etwa 11 Prozent der frei gewordenen Angestellten konnten an andere Behörden vermittelt werden; 14 Prozent
ließen sich pensionieren oder kündigten von sich aus. Zwei Angestellte
wurden entlassen.
Die Automatisierung der Registrierung und des Zinsendienstes bei
den Staatsobligationen im US-Finanzministerium zeitigte erheblich ungünstigere Auswirkungen auf die Belegschaft. Trotz ernsthafter Anstrengungen war es nur in Einzelfällen möglich, neue Arbeitsplätze für
die nach der Umstellung nicht mehr benötigten Arbeitskräfte zu finden,
da es sich größtenteils um Bürokräfte handelte, deren Kenntnisse und
Fähigkeiten nicht mehr gefragt sind und die ihrerseits nicht bereit
waren, offene Stellen an anderen Orten anzunehmen.
Die Installierung der elektronischen Datenverarbeitungsanlage betraf 889 Angestellte in der Bundesschuldenverwaltung im Finanzministerium (Bureau of Public Debt). Sie machte die Schließung von Abrechnungsstellen in New York und Chicago möglich und verringerte den Arbeitsanfall in der Zweigstelle in Chicago. Die Bearbeitung von Lochkarten-Staatsobligationen durch elektronische Buchungsanlagen erfolgt
in dem neueingerichteten Büro in Parkersburg in West-Virginia, einem
Gebiet mit großen Arbeitskraftreserven. Andere Buchungsaufgaben, die im
Zusammenhang mit der Verwaltung von Staatsobligationen anfallen, wurden
dem Zweigbüro in Cincinnati (Ohio) übertragen.
Die Veränderung des Beschäftigtenstandes war einschneidend, wie
aus Tafel 3 ersichtlich ist. Von den insgesamt 889 betroffenen Angestellten wurde über ein Drittel, größtenteils Angestellte in untergeordneten Positionen, abgebaut. 16 Prozent kündigten ihrerseits aus
Gesundheits- und Familienrücksichtigen oder in der Absicht, ihre Ausbildung fortzusetzen. Drei Prozent wurden in andere Büros der Bundesschuldenverwaltung und 35 Prozent zu anderen Bundesbehörden versetzt.
Neun Prozent der Belegschaft, sämtlich Angehörige der Zweigstelle Chicago, kamen in der Privatwirtschaft unter.
Nach Angaben der Bundesschuldenverwaltung weigerten sich die meisten
Mitarbeiter der Zweigbüros in New Y-rk und Chicago, deren Arbeitsplätze
überflüssig geworden waren, die ihnen in Parkersburg angebotenen

- 4 -

�Tafel 2
Veränderungen in der Beschäftigung in den von der Umstellung auf elektronische
Datenverarbeitungsanlagen betroffenen Abteilungen des US-Schatzamtes
und des Bundesrechnungshofes von Juni 1956 bis Juni 1959

Zahl

Prozent

Gesamtpersonalstand im Juni 1956

755

100,0

Weit erbeschäftigt

174

23,0

70

9,3

399

52,8

31

4,1

244

32,3

zu anderen Dienststellen des Finanzministeriums

44

5,8

zu anderen Regierungsbehörden

80

10,6

104

13.8

Verstorben

6

0,8

Entlassen

2

0,3

Vorgang

Vorläufig weiterbeschäftigt

'

Versetzt
zu Datenverarbeitungsabteilungen
des Schatzamtes
zu anderen Abteilungen des Schatzamtes &lt;
oder des Bundesrechnungshofes

in den Ruhestand getreten oder auf Grund
eigener Kündigung ausgeschieden

1) Zur Aufarbeitung von Arbeitsrückständen aus der Zeit vor der Umstellung

vom Bundesrechnungshof bedingt weiterbeschäftigt. Von diesen 70 Angestellten wurden 59 später mit anderen Aufgaben innerhalb des Rechnungshofes betraut und 2 nach anderen Behörden versetzt; 4 kündigten ihrerseits oder traten in den Ruhestand; 5 wurden entlassen.

- 5

�Tafel 3
Abnahme der Beschäftigtenzahl in den Zwei.^stellen New York und Chicago dier
BundesschuldenverwaltunÄ in d&lt;;r Zeit vom 19. März 1957 bis zum 30• Juni 195.8

Zahl

Prozent 2)

Insgesamt betroffen

889

100,0

Versetzt

336

37,8

25

2,8

311

35»0

78

8,8

143
14
318

16,1

Vorgang

zu anderen Abteilungen der Bundesschuldenverwaltung
zu anderen Regierungsbehörden
In der Privatwirtschaft untergekommen (betr,
Zweigstelle Chicago)
Ausgeschieden auf Grund eigener Kündigung (aus
Gesundheits- und Familienrücksichten, wegen
Fortsetzung des Studiums u.a.)
In den Ruhestand getreten
Entlassen

1,6
35,8

' Weitere Entlassungen nach dem 30. Juni 1958 waren nicht notwendig und sind
audh nicht vorgesehen.
2}
' Wegen der vorgenommenen Abrundungen ergibt die Summe der einzelnen Prozentangaben nicht genau 100»

�angebotenen Stellungen anzunehmen. Die für die Besetzung der Zweigstelle in Parkersburg benötigten 458 Angestellten wurden deshalb
vornehmlich über den örtlichen Arbeitsmarkt beschafft. Die Schuldenverwaltung mußte bei ihren Bemühungen um die Unterbringung der von
ihren Arbeitsplätzen verdrängten Mitarbeiter die Peststellung machen,
daß die Nachfrage nach Angestellten, deren Erfahrungen sich lediglich auf routinemäßige Büroarbeiten wie Aktenablage und Lochkartenstanzen beschränken, sehr gering ist.
Die Planung der Umstellung auf die Datenverarbeitung
Die Dienststellenleiter taten ihr möglichstes, um negative Auswirkungen der Automatisierung auf die Angestellten zu verringern.
Das Schatzamt und die Zentralstelle für Rechnungsführung und Betriebsprüfung im Finanzministerium (Bureau of Accounts) informierten
ihre Angestellten fast ein Jahr im voraus über die bevorstehende Umstellung und gaben gleichzeitig allen betroffenen Angestellten die
Zusicherung, daß Härten nach Möglichkeit vermieden werden.
Als ein Beispiel sei hier auf das Bundesamt für Kriegsteilnehmerversorgung verwiesen, das sämtliche Mitarbeiter vom ersten Planungsstadium an im voraus laufend und über alle Phasen der Umstellung unterrichtete. Die Dienststellenleiter luden die Angestellten gruppenweise zu
Besprechungen ein, bei denen sie Auskünfte über die Arbeitsweise elektronischer Datenverarbeitungsanlagen, über die im Zusammenhang mit der
Umstellung neu zu schaffenden Positionen und die Zahl der von der Umstellung betroffenen Angestellten erteilten. Das Bundesamt richtete
Kurse für Probleme der elektronischen Datenverarbeitung ein, an denen
sich insgesamt 17 500 Angestellte beteiligten.
Der Leiter des Bundesamtes verpflichtete die Abteilungsleiter,
dem Personalbüro mindestens ein halbes Jahr vor der Umstellung je_der
einzelnen Abteilung mitzuteilen, welche Beschäftigungskategorien und
wieviel Angestellte von den geplanten Maßnahmen betroffen sein werden.
Er verfügte, daß allen Angestellten, die nach der Umstellung nicht mehr
weiterbeschäftigt werden können, die bevorstehende Entlassung mindestens
drei Monate im voraus bekanntgegeben werden müsse.
Sämtliche Regierungsbehörden nutzen den Vorteil, den ihnen die
zwangsläufig sehr lange Zeit der Planung der Umstellung bietet, um ihren
Personalstand durch natürlichen Schwund - Ausscheiden auf Grund eigener
Kündigung des Angestellten, Pensionierung, Versetzung, Vermeidung von
Neueinstellungen usw. - so weit zu reduzieren, daß sich Entlassungen
nach der Umstellung erübrigen. Die langfristige Vorausplanung bietet
vielfach auch die Möglichkeit, für die freiwerdenden Angestellten neue
Arbeitsplätze innerhalb der eigenen Behörde oder bei anderen Behörden
zu finden.
Das Bundesamt für Kriegsteilnehmerversorgung, um bei unserem Beispiel zu bleiben, hat ermittelt, daß in den Haushaltjähren 1960-62 voraussichtlich 1259 Positionen überflüssig werden. Das Bundesamt hofft, die
betroffenen Angestellten "innerhalb der eigenen Zweigstellen unterzubringen.
Die

�Die Versetzung frei werdender Angestellter wird in den meisten
Fällen eine Umschulung auf neue Aufgaben erforderlich machen. Aus
diesem Grunde haben verschiedene Behörden rechtzeitig vor der Umstellung Schulungskurse eingerichtet. Alles in allem haben sich diese
Maßnahmen als sehr erfolgreich erwiesen und wesentlich mit dazu beigetragen, daß die Umstellung auf die elektronische Datenverarbeitung
ohne größere Schwierigkeiten und Härten für das Personal vollzogen
werden konnte.
Personal für die elektronische Datenverarbeitung
Die Errichtung der für die elektronische Datenverarbeitung notwendigen Planstellen und ihre Besetzung warf erhebliche verwaltungstechnische Probleme auf. Tafel 4 gibt Aufschluß über den Personalatand der Datenverarbeitungsabteilungen sämtlicher Regierungsbehörden
im Jahre 1958, die zusammen über 236 Datenverarbeitungsanlagen verfügten. Zwei Drittel der Angestellten waren mit Planungs- und Programmierungsaufgaben befaßt, ein Viertel war zur Bedienung der Rechenanlagen
und Zubehörapparaturen eingeteilt, und nur 8 Prozent wurden für die
Verwaltungsaufgaben innerhalb der Abteilungen für elektronische Datenverarbeitung benötigt.
Die Regierungsbehörden haben es sich zum Grundsatz gemacht, das Bedienungspersonal für elektronische Datenverarbeitungsanlagen weitgehend
aus den Reihen ihrer eigenen Mitarbeiter zu rekrutieren. Eine Untersuchung aus dem Jahre 1958 zeigt, daß fast zwei Drittel von 129 befragten
Militär- und Zivilbehörden das Personal für die elektronische Datenverarbeitung ausschließlich aus ihrem früheren Mitarbeiterstab rekrutiert haben; ein Zehntel besetzte diese Stellen mit neu angeworbenen
Arbeitskräften; und ein Viertel teils mit bisherigen Mitarbeitern, teils
mit neuen Kräften.
Die Bereitschaft, derartige Stellen aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter zu besetzen, wird damit begründet, daß diese auf Grund ihrer
Kenntnisse der Arbeitsweise ihrer Behörde eine kürzere Ausbildungszeit
benötigen als betriebsfremde Kräfte, Ein weiterer Grund ist die günstige
Auswirkung einer derartigen Beschäftigungspolitik, die vielen Mitarbeitern gute Aufstiegschancen bietet, auf die Arbeitsmoral. Andere Behörden wiederum berichteten, daß sie Nemeinstellungen vornehmen mußten, da
sich unter dem bisherigen Personal keine ausreichende Zahl von Mitarbeitern mit den geforderten Qualifikationen fanden.
Die Auswahl des Personals für die elektronischen Datenverarbeitungsanlagen erfolgte vielfach auf Grund der Ergebnisse schriftlicher Eignungsprüfungen und Intelligenztests. Von 129 Bundesbehörden, die diesbezügliche Angaben machten, hielten 70 Prozent derartige Prüfungen ab, zu
denen vor allem Bewerber für die neugeschaffenen Positionen, Programmierer und Bedienungspersonal, hinzugezogen wurden.
Die Schwierigkeiten, die die Auswahl geeigneter Kräfte bereiteten,
seien hier an Hand der Erfahrungen des Finanzministeriums und des Bundesrechnungshofes illustriert. Sämtliche Angestellten in den von der
Automatisierung betroffenen Abteilungen dieser beiden Behörden wurden
.

8

.

�Tafel 4
Anzahl der vornehmlich mit Aufgaben der elektronischen Datenverarbeitung
befaßten Angestellten bei insgesamt 236 mit Datenverarbeitungsanlagen
ausgestatteten Dienststellen (Stand vom 31« März 1958)

Mit Aufgaben der elektronischen Datenverarbeitung
befaßt
Insgesamt

Arbeitsplätze
Zahl
Prozent
3 742

100,0

Verwaltungspersonal für die
elektronische Datenverarbeitung

301

8,0

Einsatzplaner für elektronische
Datenverarbeitungsanlagen

615

16,4

1 773

47,4

83

2,2

621

16,6

349

9,3

Programmierer
Hochfrequenztechniker
Bedienungspersonal
Bedienungspersonal für Zubehöranlagen

*

1)
Wegen der vorgenommenen Abrundungen ergibt die Summe der einzelnen
Prozentangaben nicht genau 100.

-

9 -

�wurden zur Teilnahme an einem Eignungstest aufgefordert. Von den 470
Prüfungsteilnehmern wurden 77 zur Teilnahme an Ausbildungskursen
eingeladen und von diesen wiederum 23 für den Einsatz an den Elektronenanlagen ausgewählt. Hierbei wurden auch die schriftlichen Beurteilungen der Angestellten durch ihre Vorgesetzten und ihre Leisturlgen
während einer gewissen Probezeit an den neuen Anlagen berücksichtigt.
Die Ausbildung des Personals für Elektronenanlagen
Die Ausbildung von Personal für die Aufgaben der elektronischen
Datenverarbeitung war ein sehr vielschichtiges Unterfangen, da sehr
unterschiedliche Kenntnisse gelehrt werden mußten. Es handelte sich
nicht lediglich darum, Programmierer und Fachkräfte für die Bedienung
der Anlagen heranzubilden, sondern auch darum, die leitenden Angestellten der Behörden mit den Besonderheiten und Problemen der elektronischen Datenverarbeitung vertraut zu machen.
Eine Untersuchung der Abteilung für Haushaltplanung läßt erkennen,
daß die Behörden es im allgemeinen den Herstellerfirmen der Anlagen
überließen, die Programmierer und das Bedienungspersonal auszubilden.
Die Einführung der leitenden Angestellten in die Probleme der elektronischen Datenverarbeitung erfolgte m enger Zusammenarbeit zwischen
Herstellerfirmen und Regierungsstellen und unter Einschaltung von
Universitäten, Berufsverbänden und privaten Wirtschaftsberatern.
Die Regierung zahlte den Lehrgangsteilnehmern ihre regulären Gehälter weiter und übernahm etwaige Kursgebühren und Transportkosten.
Die Herstellerfirmen verlangten für die Mitarbeiter von Behörden, die
ihre Geräte benutzen, gewöhnlich keine Kursgebühren.
Das Ausmaß der geleisteten Ausbildungsarbeit sei am Beispiel der
Zweigstelle Philadelphia der Versicherungsabteilung des Bundesamtes
für Kriegsteilnehmerversorgung dokumentiert, wo nicht weniger als 2700
Angestellte von der Umstellung betroffen worden waren. Vertreter der
Herstellerfirmen hielten an Ort und Stelle Lehrgänge für die Mitarbeiter ab, die für den Einsatz an den Datenverarbeitungsanlagen vorgesehen
waren. Die Kursdauer schwankte zwischen 12 und 150 Stunden.
Zur Umschulung auf die im Zusammenhang mit der Aufstellung der
Datenverarbeitungsanlage neu geschaffenen bürotechnischen Arbeitsplätze
wurden mehrere hundert Angestellte im Gruppenunterricht in der Aufbereitung von Daten und im Umgang mit den von Elektronenanlagen erstellten
Unterlagen unterwiesen. Sämtliche 27OO Mitarbeiter wurden durch einen
zweistündigen generellen Aufklärungskurs über die Methoden der elektronischen Datenverarbeitung geschleust.
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 83, Nr. 9, Sept. i960)
- stärker gekürzt * * * * *

10

�Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 1960
Obwohl im abgelaufenen Jahr mehr Amerikaner beschäftigt waren
als je zuvor und der Wert der erzeugten Güter und Dienstleistungen
mit rund 505 Mrd. Dollar ebenfalls einen neuen Rekordstand erreichte,
stand die Zunahme der Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer nicht im
gleichen Verhältnis zum Produktionsanstieg. Bezeichnend für die Lage
am gesamten Arbeitsmarkt war im vergangenen Jahr die Tatsache, daß
trotz einer allgemeinen hohen wirtschaftlichen Aktivität und Prosperität die Arbeitslosigkeit in einigen wichtigen Gebieten verhältnismäßig
hoch war.
Wenn auch die im vergangenen Jahr abgeschloss'enen Tarifverträge den
Arbeitnehmern weitere Lohnerhöhungen brachten, so waren doch die durchschnittlichen Zunahmen etwas geringer als in den Vorjahren. Im September belief sich das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Industriearbeiters mit drei Angehörigen auf wöchentlich 80,87 Dollar, was gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres einen Anstieg um nur 0,6 Prozent
bedeutet. Da sich aber im selben Zeitraum auch die Lebenshaltungskosten
erhöhten, ging die Kaufkraft der Einkommen zwischen September 1959
und September 1 96O um 0,6 Prozent zurück.
Auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen brachte
das Jahr 196O sichtbare Fortschritte in den Bemühungen der Sozialpartner, bestehende Gegensätze zu überbrücken und einen gemeinsamen Nenner
für die Lösung ihrer Probleme zu finden. Die Beilegung des sich über
Monate erstreckenden Stahlarbeiterstreiks im Januar auf Grund der
persönlichen Initiative Vizepräsident Nixons und Arbeitsminister
Mitchells war in dieser Beziehung insofern richtungweisend, als von
beiden Tarifpartnern die Rolle und das Interesse der Öffentlichkeit
bei der friedlichen Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten anerkannt
wurde. Das Ergebnis war die Bildung eines aus Vertretern der Unternehmer, Gewerkschaften und der Öffentlichkeit bestehenden Ausschusses,
dessen Aufgabe es ist, langfristige Programme zu entwickeln, durch die
industrielle Konflikte weitgehend ausgeschaltet werden.
Auch in dem lange schwelenden Streit der Eisenbahnergewerkschaft
mit den Schienentransportunternehmen über die Arbeitsbedingungen, der
ebenfalls in einen umfassenden Streik einzumünden drohte, erklärten
sich beide Seiten schließlich bereit, ihre Streitpunkte einem Präsidentenausschuß zu unterbreiten, der sich aus Vertretern von Gewerkschaften, Unternehmen und Vertretern der Öffentlichkeit zusammensetzte und
der dem Präsidenten seine Untersuchungsergebnisse Anfang Dezember unterbreitete.
Bedeutende Fortschritte konnten im vergangenen Jahr auch bei der
Milderung der wirtschaftlichen und sozialen Härten für solche Arbeitnehmer erzielt werden, die durch die Einführung der-Automation und arbeitsparendem- Maschinen freigesetzt werden. So konnte u.a. die Hafenarbeitergewerkschaft der Westküste mit dem Verband der Hafenbetriebe ein Abkommen
schließen, wonach die Arbeitgeber jährlich rund 5 Millionen Dollar in
einen "Automationsfonds" einzahlen, aus dem dann Entlassungsgelder und
andere finanzielle Beihilfen an Arbeitnehmer gezahlt werden sollen, die

-

11

�die ihren Arbeitsplatz auf Grund der Mechanisierung der Umschlageinrichtungen verlieren.
Das Abkommen, das vorläufig bis Juni 1966 gilt, sieht aber nicht
nur die Aufbringung einer Gesamtsumme von rund 27,5 Millionen Dollar
für den Automationsfonds vor, sondern garantiert den Hafenarbeitern
auch ein wöchentliches Mindesteinkommen sowie finanzielle Sicherungen
gegenüber Feierschichten. ALs Gegenleistung für diese Arbeitnehmerkonzessionen gab die Gewerkschaft ihrerseits die Zusage, auf ihre
"Arbeitsbedlngungsklausel" zu verzichten, die bisher die Einführung
leistungsfähigerer mechanischer Belade- und Entladungstechniken bei
den Hafenbetrieben verhinderte.
Auch einer der größten amerikanischen Fleischverarbeitungsbetriebe
schloß mit der Gewerkschaft der Fleischereiarbeiter ein ähnliches Abkommen, durch das insgesamt 15 000 Arbeitnehmer in sämtlichen Betrieben des Unternehmens erfaßt wurden. Ein Teil der Fondsgelder soll
hier für die Analyse der sich aus der'Automation ergebenden Arbeitsplatz- und Beschäftigungsprobleme und für die Ausarbeitung von Plänen
verwendet werden, durch die die Auswirkungen der Automation weitgehend gemildert werden können. Der Schwerpunkt all dieser Bemühungen soll dabei auf die Utaschulung der freigesetzten Arbeitnehmer und
die Schaffung neuer Arbeitsplätze gelegt werden.
Ebenso bemerkenswert wie die Errichtung zahlreicher "Automationsfonds" war im vergangenen Jahr auch die erhebliche Zunahme solcher
Tarifverträge, die Abmachungen zwischen'Gewerkschaft und Unternehmen
über die Zahlung von Entlassungsgeldern aus "technologischen Gründen"
enthalten. Das bedeutendste Abkommen dieser Art wurde von der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie mit den Unternehmen der Bekleidungsindustrie geschlossen, durch das die 400 000 Mitglieder,
in sämtlichem Betrieben des Landes erfaßt werden. Mit diesem Abkommen,
das sowohl die Zahlung von Entlassungsgeldern als auch wöchentliche
Unterstützungsleistungen für einen bestimmten Zeitraum vorsieht,
will die Gewerkschaft die Schließung amerikanischer Betriebe der Bekleidungsindustrie und ihre Verlagerung in lohngünstigere Länder verhindern. Die Maximalleistung für einen Arbeitnehmer beträgt 1600 Dollar; sie richtet sich nach der Länge der Dienstzeit, dem bisherigen
wöchentlichen Einkommen und einigen anderen Bemessungsfaktoren.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

-

12

-

�1961 ,- ein Jahr wichtiger TarifVerhandlungen
Während das vergangene Jahr auf dem Gebiet des Tarifverhandlungswesens - von der im Januar erfolgten Beilegung des im Herbst
1959 begonnenen Konflikts in der Stahlindustrie abgesehen - ziemlich ruhig verlaufen ist und keine besonderen Ereignisse oder weitreichenden Entscheidungen brachte, dürfte für 1961 schon insofern
mit einer weitaus größeren Aktivität auf diesem Sektor zu rechnen
sein, als zahlreiche Tarifabkommen in wichtigen Industriezweigen
in diesem Jahr auslaufen oder Neuverhandlungen anstehen.
Die wichtigsten Lohnverhandlungen werden dabei zweifellos in
den Spätsommermonaten stattfinden, da im August die alten Verträge
der Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) mit den Unternehmen der Autoindustrie sowie der "Meatpacker" mit den Fleischkonservenherstellern
auslaufen und im September neue Verhandlungen in der Maschinenbauindustrie - und möglicherweise auch im Steinkohlebergbau - vorgesehen
sind. In der ersten Jahreshälfte laufen dagegen einer Übersicht
des US-Arbeitsministeriums zufolge nur zwei größere Tarifabkommen
in wichtigen Wirtschaftszweigen aus. Im Januar müssen neue Verträge
für die Arbeitnehmer des Güterkraftverkehrsgewerbes (Lastwagenfahrer)
und von April bis Juni solche für die &amp;er Gümmiindu'strie ausgehandelt
werden.
Alles in allem stehen 1961 fast 120 Lohntarifverhandlungen an,
durch die insgesamt 2 Millionen Werktätige erfaßt werden. Die Gesamtzahl der Arbeitnehmer, für die neue Verträge abgeschlossen werden
müssen, liegt jedoch erheblich höher, da es sich hierbei nur um Abkommen handelt, die jeweils für mehr als 5000 Arbeitnehmer abgeschlossen
wurden. Außerdem besteht noch die Möglichkeit, daß weitere 60 langfristige Tarifverträge mit Kündigungsklausel (Abkommen mit jeweils
über 1000 Arbeitnehmern) im Laufe des Jahres von den Gewerkschaften
aufgesagt werden. Durch diese 60 Abkommen werden weitere 1,7 Millionen
Arbeitnehmer ejf»ftt.
Wie aus der TarifVerhandlungsübersicht des Arbeitsministeriums
weiter hervorgeht, ist in diesem Jahr aber auch mit Lohnerhöhungen
für jene Arbeitnehmer zu rechnen, die von Verträgen erfaßt werden,
welche erst zu einem späteren Zeitpunkt auslaufen, aber automatische
'Lohnaufbesserungen für 1961 vorsehen. Es handelt sich hier um Verträge mit jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmern, die insgesamt 2,9
Millionen Werktätige erfassen und durchschnittliche Lohnerhöhungen
von 8 Cent pro Stunde vorsehen.
Für einen Teil dieser Arbeitnehmer (1,1 Millionen) kommen zu
den vorgesehenen Lohnerhöhungen noch sogenannte Teuerungszuschlage
hinzu, da ihre Verträge Lohngleitklauseln (Anstieg der Lebenshaltungskosten um einen Punkt = Erhöhung der Stundenlöhne um 1 Cent) aufweissen.
Nach einer Schätzung des US-Amtes für Arbeitsstatistik dürften gegenwärtig zwischen 2,5 Millionen und 2,8 Millionen amerikanische Arbeitnehmer von Tarifverträgen mit Lohngleitklauseln erfaßt werden.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

-

13

-

�Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen in der US-Wirtschaft
Die Aufwendungen der amerikanischen Wirtschafts- und Industrieunternehmen für die sogenannten freiwilligen Sozialleistungen - die
im Rahmen der Tarifverträge mit den Gewerkschaften ausgehandelten
Beiträge der Unternehmer für Pensionsfonds, Lebens-, Unfall- und
Krankenversicherungen - beliefen sich im Jahre 1959 auf durchschnittlich 328 Dollar pro Arbeitnehmer. Dies geht aus einer Erhebung der
US-Handelskammer hervor, die bei 1064 Kapitalgesellschaften des
Landes durchgeführt wurde.
Im Vergleich zur letzten Untersuchung, im Jahre 1957» ist damit
eine Erhöhung der "fringe benefits" um 15 Prozent (284 Dollar) eingetreten, während gegenüber 1950 sogar eine Zunahme um mehr als das
Doppelte festzustellen ist.
Wie aus der Übersicht weiter hervorgeht, hatten 86 Prozent der
überprüften Unternehmen zusätzliche private Pensionsfonds für ihre
Arbeitnehmer eingerichtet (1957 * 81 Prozent), aus denen diese bei
ihrem Eintritt in den Ruhestand - zusätzlich zu den staatlichen Leistungen aus der Alters- und Hinterbliebenenversicherung - Pensionen
erhalten. Die durchschnittliche Höhe der Beiträge der Unternehmen
an die Pensionsfonds belief sich auf 5 Prozent der Bruttoverdienste;
bei 67 Unternehmen machten die Abgaben sogar 10 Prozent der Gesamtlohnsumme aus.
Außerdem hatten 98 Prozent aller untersuchten Unternehmen (1957 •
97 Prozent) in irgendeiner Form Gruppenversicherungsverträge für ihre
Mitarbeiter abgeschlossen, so u,a. sämtliche Unternehmen der öl-,
Gummi-, Leder-, Metall-, Elektromaschinen-, Steine-, Erden- und
Glasindustrie sowie das Druckereigewerbe, das Verlagswesen, das
Bankgewerbe und das Versicherungswesen.
Private Pensionspläne wiesen dazu sämtliche überprüften Unternehmen def Ölindustrie auf, während von den 123 öffentlichen Versorgungsbetrieben lediglich zwei entweder keinen Pensions- oder keinen Gruppenversicherungsplan für ihre Arbeitnehmer unterhielten.
Bei den 692 Industriebetrieben war das Bild so: 586 Unternehmen
oder 85 Prozent führten ein privates Pensionsprogramm (1957 • 76 Prozent) durch; und 684 Unternehmen oder 99 Prozent hatten irgendeinen
Gruppenversicherungsvertrag (Unfall, Lebens-, Krankenversicherung usw.)
für ihre Mitarbeiter abgeschlossen.
Von den 372 nichtindustriellen Unternehmen unterhielten 328
(88 Prozent) private Pensionspläne (1957 " 84 Prozent) und 357
(96 Prozent) Gruppenversicherungen aller Art.

(Quelle« Eigenbericht)

* * * * *

-

14 -

�Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
Wie aus einer im November 196O vom US-Amt für Arbeitsstatistik
im Gebiet der amerikanischen Bundeshauptstadt durchgeführten Erhebung über die durchschnittlichen wöchentlichen Einkommen der Büroangestellten hervorgeht, sind die Angestelltengehälter im Laufe des
vergangenen Jahres im Durchschnitttarn4»2 Prozent angestiegen.
Die Wochenverdienste der weiblichen Büroangestellten in den ein
zelnen Beschäftigungsgruppen betragen gegenwärtig bei:

Sekretärinnen

89,00 Dollar

Stenotypistinnen

80,50 Dollar

Lohnbuchhalterinnen

79»50 Dollar

Lohnbuchhalterinnen
(an Routinearbeitsplätzen)

66,50 Dollar

Helferinnen in der Registratur

54»00 Dollar

Registratorinnen

66,00 Dollar

Bei den männlichen Angestellten wurden folgende durchschnittlic
Wochenverdienste festgestellt:
Buchhalter in verantwortlichen Positionen 97»00 Dollar
Einkäufer
90,50 Dollar
Tabellierer (Klasse B)

85,60 Dollar

Büroboten

55»50 Dollar

Im Vergleich zu den Einkommen der Büroangestellten lagen die
durchschnittlichen Wochenverdienste der amerikanischen Industriearbeiter im Oktober vergangenen Jahres für einen Arbeitnehmer mit
drei Angehörigen bei 81,50 Dollar und für einen Ledigen bei 73»93
Dollar. Hierbei handelt es sich um die Nettoeinkommen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * *

- ^5 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 5

Bad Godesberg, den 1. März 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften

Seite

1

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

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10

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften
Die Gewerkschaftsbewegung steht in den Vereinigten Staaten vor
einer neuen gewaltigen Aufgabe: die wachsende Zahl der Büroangestellten und vor allem der festangestellten technischen und akademischen
Fachkräfte in die Gewerkschaftsbewegung einzugliedern. Von der Lösung
dieser Aufgabe wird es abhängen, ob die Gewerkschaften auch weiterhin
eine entscheidende Rolle im wirtschaftlichen Leben des Landes spielen
werden oder nicht.
Gegenwärtig beläuft sich der Anteil der Arbeiter an der Gesamtmitgliederzahl der amerikanischen Gewerkschaften auf schätzungsweise 85
Prozent. Wenn sich der Arbeitsmarkt weiterhin gemäß den derzeitigen Tendenzen fortentwickelt, wird sich die Zahl der Arbeitnehmer in den nächsten zehn Jahren um 9 bis 10 Millionen erhöhen. Nur ein relativ kleiner
Teil dieses Zuwachses wird auf die Sparte der Produktionsarbeiter entfallen, die am stärksten an der Mitarbeit in der Gewerkschaftsbewegung
interessiert sind. Gelingt es der Gewerkschaftsbewegung nicht, die wachsende Zahl der Angestellten für die Gewerkschaften zu gewinnen, dann wird
die Gewerkschaftsbewegung eines Tages zu einer Interessenvertretung
einer Minderheit herabsinken.
Die strukturellen Umschichtungen
Im Jahre 1957 hat die Zahl der Angestellten - einschließlich der
Bürobediensteten und technischen und akademischen Fachkräfte - zum ersten
Mal in der Geschichte der USA die Zahl der in der Industrie beschäftigten
Arbeiter übertroffen. Dieser Umschwung vollzog sich größtenteils in den

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1 -

�den erstenlO Jahren nach Kriegsende, in denen die Zahl der Angestellten von 20 auf 25,5 Millionen stieg, während die Zahl der Arbeiter
lediglich um 1,5 Millionen zunahm und damit 25 Millionen erreichte.
Im gleichen Zeitraum kletterte der Anteil der Angestellten und nicht
in der Produktion stehenden Arbeitskräfte an der Gesamtbeschäftigung
in den Fertigungsindustrien von 16 auf 25 Prozent.
Eine Aufschlüsselung dieser Statistiken gibt noch weitere bemerkenswerte Aufschlüsse. Die Zahl der neu eingestellten Techniker
und Akademiker übertraf die der Büroangestellten bei weitem. In
den Jahren von 1947 °is 1957 war bei den festangestellten Technikern
und Akademikern ein Zuwachs von 60,6 Prozent zu verzeichnen gegenüber
einer Zunahme von nur 22,8 Prozent bei den Büroangestellten.
Diese Zahlen deuten auf eine Entwicklung hin, die sich für die
Gewerkschaftsbewegung eines Tages zu einer großen Gefahr auswachsen
könnte. Sie wird verstärkt durch das Absinken des prozentualen Anteils der Produktionsarbeiter an der Gesamtbeschäftigung in den
wichtigsten Industriezweigen. In der chemischen Industrie beispielsweise verringerte sich der Anteil der Produktionsarbeiter von 74»6 auf
62,5 Prozent. Nach Schätzungen der kanadisch-amerikanischen Internationalen Chemiearbeitergewerkschaft (international Chemieal Workers
Union - ICWU) wird bis zum Jahre 19661 in der chemischen Industrie
auf jeden Produktionsarbeiter ein Angestellter entfallen.
Die auslösenden Faktoren
Das auslösende Moment dieser Entwicklung ist der technische Fortschritt: eine einzige Maschine verrichtet heute Arbeiten, für die früher
zahlreiche Handarbeiter notwendig waren. Die Automatisierung schließlich läßt, auch wenn sie keine Arbeitskräfte verdrängt, die Produktionsarbeiter zu Aufsehern, Wartungskräften und Technikern werden.
Professor Fred Harbison von der Universität Princeton erklärte
vor einem Seminar zu Problemen der Kollektiwerhandlungen bei Technikern und akademischen Fachkräften, das von der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO durchgeführt worden ist» "Das Tempo des
technischen Fortschritts bestimmt das Tempo der Umschichtung in der
Beschäftigungsstruktur... von der Arbeit im blauen Kittel bis zur Angestelltentätigkeit."
Erweist sich die Ansicht Harbisons als richtig, dann ist in verschiedenen Industrien mit einer überdurchschnittlichen Zunahme der
akademischen und technischen Angestellten und einem entsprechenden
scharfen Rückgang der Produktionsarbeiter zu rechnen. In dem Maße,
in dem diese Industrien ihren Stab an technischen Mitarbeitern vergrößern und wirkungsvoll einsetzen, werden Arbeiter von ihren bisherigen Arbeitsplätzen verdrängt werden.
Die einzelnen Firmen wetteifern geradezu miteinander, die Technisierung und Automatisierung immer weiter voranzutreiben. Dies hat auf
dem Arbeitsmarkt zu einer so großen Verknappung von Technikern und
Ingenieuren geführt, daß die Angehörigen dieser Berufe hinsichtlich

2

�hinsichtlich Bezahlung und Arbeitsbedingungen heute große Forderungen
stellen können. Die Arbeitsfluktuation ist in diesen Berufssparten
heute entsprechend hoch.
Trotz der für sie so günstigen Beschäftigungslage sind die Angehörigen dieser Berufe mit ihrem Arbeitsplatz und ihrer Firma im
allgemeinen nicht sehr zufrieden, wie eine Untersuchung der Opinion
Research Corporation, eines demoskopischen Instituts, ergab. Die
Wissenschaftler und Techniker behaupten vielfach, die Manager sehen
sämtliche Maßnahmen nur unter dem Gesichtspunkt des Ertrags, suchen
die Mitarbeiter zu beherrschen, vereinfachen alle Dinge zu sehr,
nutzen die Betriebsangehörigen für eigene Zwecke aus, haben meist
nur kurzfristige Ziele im Auge und seien meist ungebildet.
Von den befragten wissenschaftlichen Kräften beschuldigten 78
Prozent die Unternehmensleitung, daß sie ihre Fähigkeiten mißbrauche,
80 Prozent betrachteten sich im Vergleich zu den Angehörigen anderer
Berufssparten als unterbezahlt, 75 Prozent wünschten, dem Unternehmerdruck zu entgehen und "allein für sich zu arbeiten", und 67 Prozent
behaupteten, daß Beziehungen und nicht Können der entscheidende Faktor
für den Aufstieg innerhalb der Manager-Hierarchie seien.
Diese Unzufriedenheit ist Ausdruck des zwangsläufigen Gegensatzes
zwischen wissenschaftlichem und wirtschaftlichem Denken. Die-Opinion
Research Corporation folgerte deshalb in ihrem Bericht: "Das Gewinnstreben des Unternehmertums steht in scharfem Widerspruch zu dem Streben des Wissenschaftlers nach Perfektion."
Der Akademiker findet sich heute in eine Arbeitsumwelt gestellt,
deren "Spielregeln" nahezu alles das negieren, was er in den Jahren
seiner wissenschaftlichen Schulung gelernt hat.
Zunehmende Abhängigkeit der Wissenschaftler
Um die Jahrhundertwende erwarb der angehende Wissenschaftler sein
akademisches Diplom, wählte sich ein Fachgebiet, begann mit eigenen
Forschungsarbeiten und publizierte deren Ergebnisse - ohne Anweisungen
anderer zu unterliegen. Im Jahre 1900 waren schätzungsweise 95 Prozent
aller Ingenieure und Chemiker Selbständige.
Heute dagegen sind nur noch 5 Prozent von ihmen freiberuflich
tätig; die übrigen sind gezwungen, ihre wissenschaftliche Tätigkeit
den nicht-wissenschaftlichen Forderungen einer Unternehmensleitung
unterzuordnen. Wenn der Akademiker auch den Wunsch des Unternehmers,
zu verdienen und zu verkaufen, als gegeben in Rechnung stellt, so bedeutet dies noch lange nicht, daß er ihn restlos billigt. Die Umfrage
der Opinion Research Corporation ergab, daß noch nicht einmal die Hälfte
der befragten akademisch geschulten Fachkräfte finanziellen Gewinn als
ein wesentliches Ziel ansehen.
Sie bezeichneten unzulängliche Geldmittel, Zeitpläne und das ständige
Drängen auf rasch sichtbare Erfolge als ein Hindernis in ihrer Forschungstätigkeit. 80 Prozent der Befragten erklärten, daß die Unternehmenslei*
tungen neuen, in den Laboratorien entwickelten Ideen häufig nicht die
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3 -

�die gebührende. Unterstützung angedeihen lassen. Wie ein Wissenschaftler es ausdrückte: "Ich habe noch keinen Manager getroffen,
der fähig wäre, eine abstrakte Idee zu erfassen."
Die in der Industrie beschäftigten Wissenschaftler beklagen sich
ferner über ungenügende Aufstiegsmöglichkeiten und zu geringes Ansehen
innerhalb der Gemeinschaft, sofern sie nicht die Tätigkeit in den
Laboratorien aufgeben und selbst in die Verwaltung eintreten.
Für wissenschaftlich geschulte Kräfte wie Ingenieure und Chemiker
ist dies natürlich eine völlig unbefriedigende Situation. Der Wissenschaftler ist überzeugt - und nach außen hin wird er in seiner Auffassung sogar durch das Management bestärkt -, daß seine Arbeit für
das Gedeihen der Firma von ausschlaggebender Bedeutung ist. Dennoch
sieht diese in ihm nur den Angestellten, während die Führungskräfte
in der Verwaltung das gleiche Ansehen wie die Unternehmer selbst genießen.
Einstellung auf die einzelnen Gruppen
Will die Gewerkschaftsbewegung den Wissenschaftlern bei der Lösung
ihrer Probleme innerhalb der Gesellschaft helfen, dann muß sie nicht nur
ihre Bedürfnisse kennen, sondern auch deren tiefere Ursachen.
Die wissenschaftlichen und technischen Angestellten moderner
Großbetriebe können, grob gesehen, in drei Gruppen unterteilt werden,
die es getrennt zu analysieren gilt, da sie sich in ihren Zielsetzungen
wesentlich voneinander unterscheiden.
An der Spitze stehen die mit Forschungsaufgaben beschäftigten
Wissenschaftler* Es handelt sich fast durchweg um Vollakademiker mit
dem Doktorgrad, Intellektuelle, die gewöhnlich ganz in ihrer Wissenschaft aufgehen und sich am wohlsten fühlen, wenn ihnen in ihrer Tätigkeit die an akademischen Instituten gegebene Freiheit gewährt wird.
Das Gewinnstreben der Unternehmer ist dem Wissenschaftler ein Dorn im
Auge, die Weisungsbefugnis nicht wissenschaftlich geschulter Verwaltungskräfte empfindet er als lästigen Zwang.
Auf gleicher Ebene mit dem "reinen" Forscher steht der mehr betrieblich orientierte Wissenschaftler. Auch er ist Vollakademiker mit Doktordiplom, hat aber den Ehrgeiz, innerhalb der Hierarchie des Unternehmens
aufzusteigen. Er ist bereit, die Forschung aufzugeben und dafür Verwaltungsaufgaben zu übernehmen aus der Überzeugung heraus, daß im Management
wissenschaftlich geschulte Spitzenkräfte sitzen sollten.
Nur wenig unterhalb der eindeutig forschungs- bzw. betriebsorientierten Wissenschaftler rangieren jene akademischen Mitarbeiter, die man
als die "Zwischenschicht" bezeichnen könnte. Die Angehörigen dieser
Schicht haben die gleichen Qualifikationen, fühlen sich aber weder als
Wissenschaftler noch als Manager. Ihnen geht es vor allem um volle berufliche Anerkennung,
Klar

�Klar geschieden von den Vollakademikern mit Doktorgrad und eine
Stufe unter diesen stehend sind die Kräfte mit geringerer akademischer
Vorbildung, die mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen haben. Auch hier
lassen sich ähnliche Kategorien bilden, wobei allerdings der größere
Teil dieser Angestellten der "Zwischenschicht" zuzuordnen ist; der Rest
dürfte mehr betriebs- als forschungsorientiert sein.
Die Soziologen behaupten, daß die der "Zwischenschicht" zugehörigen
Inhaber von Bachelor-Graden imch in ihrem Streben nach Erfolg im Beruf
im allgemeinen unbefriedigt fühlen. Sie begründen dies mit der mangelnden Anerkennung durch die übrigen Akademiker, dem Ausschluß von der Mitwirkung an den wichtigen Entscheidungen durch das Management, der Einschätzung als Angestellte durch die Gemeinschaft und dem Gefühl, nicht
an wirklich schwierige Aufgaben herangelassen zu werden, was einen
Ausgleich zur täglichen Routine bringen könnte.
Auf der untersten Stufenleiter des Ansehens - und der Beaahlung stehen die Techniker. Gerade diese Gruppe aber verzeichnet den stärksten
Zuwachs in der Gesamtbeschäftigung. Ihre Angehörigen sind strenggenommen
keine akademischen Fachkräfte, da ihnen hierzu die bildungsmäßigen Voraussetzungen fehlen. Der Techniker beneidet den Akademiker, ist aber vielfach auf dessen Rat angewiesen. Daß er mit dem Vollakademiker nicht auf
die gleiche Stufe gestellt wird,.ist für ihn ein Quell ständigen Ärgers. Die fehlende akademische Vorbildung erweist sich als ein Hemmschuh
im beruflichen Fortkommen, und sowohl das Management als auch die von
ihm bewunderten Akademiker schätzen den Techniker als einen Mitarbeiter
ein, der sich nur innerhalb eng gezogener Grenzen weiterentwickeln kann.
Die akademischen und technischen Angestellten erheben niccht nur grundlegende
Einwände gegen das Management sondern auch gegen die Gewerkschaftsbewegung. Schon der Gedanke an ein kollektives Vorgehen verstößt gegen
ihren Glauben an die Fähigkeit, aus eigener Kraft aufsteigen und mit
persönlichen Problemen selbst fertig werden zu können. Die meisten Akademiker haben keinerlei enge Kontakte zur Gewerkschaftsbewegung und
kennen sie lediglich aus den Tageszeitungen oder vom Betrieb her.
Angst vor der Gewerkschaft
Im Jahre 1951 führte die Staatsuniversität Michigan eine Befragung
unter Angehörigen der Ingenieurberufe durch, die ergab, daß 55 Prozent
die Macht der Gewerkschaften mehr fürchten als die der Industriekonzerne.
Heute, ein rundes Jahrzehnt später, ist mit gutem Grund.anzunehmen, daß
die Akademiker noch weit mehr Ressentiments gegen die Gewerkschaften
haben. Die Gewerkschaften werden demnach alle Mühe haben, Wissenschaftler und Techniker von der Zweckmäßigkeit der Mitarbeit in der Gewerkschaftsbewegung zu überzeugen. Soziologen wie S. M. Miller vom Brooklyn
College halten diese Aufgabe aber dennoch für lösbar.
In einem Vortrag vor den Teilnehmern des vorerwähnten Seminars
der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO erklärte Miller:
Das Interesse der festangestellten Akademiker an der Gewerkschaftsbewegung wird in dem Maße zunehmen, wie sich ihre Arbeitsbedingungen
immer mehr denen der Arbeiterschaft nähern. Die fissenschaftliche Arbeit

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5 -

�Arbeit in den großen Industriebetrieben, so führte er aus, wird der
Fließbandarbeit immer ähnlicher, bei der alle Funktionen vielfach
unterteilt werden und selbständiges und schöpferisches Arbeiten
kaum mehr möglich ist.
Miller nannte noch einen weiteren Grund der Unzufriedenheit der
Akademiker mit dem Management: Sie verwahren sich dagegen, daß wissenschaftlich nicht geschulte Vorgesetzte mit lediglich betriebswirtschaftlichen Kenntnissen die Arbeitsbedingungen festsetzen und sämtliche Entscheidungsbefugnisse für sich in Anspruch nehmen.
Trifft die vorstehend genannte Gruppeneinteilung der Akademiker
und Techniker zu, so folgt daraus, daß die Techniker am ehesten für
eine Mitarbeit in den Gewerkschaften zu gewinnen sein werden. Da die
Angehörigen dieser Berufe keine echte Chance zum Aufstieg in die Unternehmensleitung haben,auch von den Wissenschaftlern mit vollem akademischem Abschluß nicht voll anerkannt werden, finden sie sich in
einer Lage, die weitgehend der der Arbeiter gleichkommt. Und was
vielleicht noch wichtiger ist, man kann damit rechnen, daß der Techniker
schon gewisse Beziehungen zur Gewerkschaftsbewegung hat - sei es über
Familienangehörige, Berufskollegen oder sonstige Freunde.
Die Ähnlichkeit der Tätigkeits- und Arbeitsplatzcharakteristika
sowie der Arbeitsbedingungen im engeren Sinne läßt es im Verein mit
den bestehenden persönlichen Beziehungen zu Produktionsarbeitern ferner
wahrscheinlich werden, daß die Produktionstechniker eher für die Gewerkschaftsbewegung zu gewinnen sind als die Forschungs- und Entwicklungstechniker, die mehr Umgang mit Akademikern und Wissenschaftlern
pflegen.
Die Gewerkschaften müssen aber streng zwischen dem Streben der
Angehörigen der akademischen Angestelltenberufe nach sozialem Prestige
und dem traditionellen Streben der Arbeiter nach Würde und Anerkennung
unterscheiden. Wenn auch beide eine bessere Stellung innerhalb der Gesellschaft zu erlangen suchen, so ist der Produktionsarbeiter vielleicht
doch eher bereit, die Achtung als Mensch einer besseren Bezahlung zu
opfern.
Der Wissenschaftler andererseits erstrebt persönliche Anerkennung
als tüchtiger Mensch: die Anerkennung durch andere Wissenschaftler, professionelles Ansehen, wie er es durch die PuTalizierung seiner Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften gewinnen kann.
Die Erfahrungen der amerikanischen Gewerkschaften, die sich bisher
um die Organisierung von Akademikern, meist Ingenieuren» und Technikern
bemüht haben, sind ein Beweis dafür, daß die Gewerkschaftsbewegung den
Erfordernissen und Befürfnissen dieser Kreise durchaus gerecht zu werden
vermag. Wo sich diese Bedürfnisse von denen der übrigen Berufstätigen
unterscheiden, wurden entsprechende Sonderbedingungen in. die Tarifverträge eingebaut. Die betreffenden Gewerkschaften haben ihre innere Struktur weitgehend verändert, um diesen neuen Mitgliedern und ihren Wünschen
entgegenzukommen.
Berücksichtigung

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�Berücksichtigung der Wünsche
Die für das Seminar ausgearbeiteten Modell-Tarifverträge
für Akademiker und Techniker zeigen, daß viele der üblichen Klauseln
hier als unangebracht aufgegeben oder in ihrem Inhalt drastisch
verändert werden sollten.
Die Bestimmung "gleicher Lohn für gleiche Arbeit", die sich
in fast sämtlichen Kontrakten für Arbeiter und Wartungspersonal
findet, wird beispielsweise von den Akademikern und Technikern nicht
gewünscht; für sie sind Bildungsgang und Tüchtigkeit ein weit wichtigeres Kriterium für die Bezahlung. Was eigentlich "gleiche Arbeit"
ist, läßt sich noch dazu kaum bestimmen, wenn die zu.leistende Arbeit wie die des Wissenschaftlers - keine "greifbaren" Ergebnisse liefert.
Aus ähnlichen Erwägungen heraus erfordert auch die Anciennitätsklausel bei Akademikern und Technikern eine Neufassung. Die
Anciennität wird im Falle notwendig werdender Entlassungen als ein
gewichtiges Moment anerkannt, nicht aber in der Frage des Aufrückens.
Auch hier werden Bildungsgang und Fähigkeiten mit Erfahrung auf die
gleiche Stufe gestellt.
Die Gewerkschaften haben ferner die Erfahrung gemacht, daß die
Durchführung von Tarifverträgen für akademische und technische Angestellte andere Methoden erfordert. Besonders erhebliche Unterschiede
ergeben sich hinsichtlich des Beschwerdeweges. Wissenschaftler und Techniker rufen nach den Erfahrungen der Gewerkschaften nur ungern einen
Schlichtungsausschuß an, da sie im allgemeinen ein kollektives Vorgehen
nicht als die geeignete Methode zur Lösung persönlicher Probleme ansehen. Für sie ist das Schlichtungsverfahren weit eher ein Mittel,
betriebliche Grundsatzentscheidungen anzufechten,, insbesondere Entscheidungen, -die von ihnen übergeordneten Nichtakademikem in der Verwaltung getroffen worden sind.
Soweit sich Akademiker und Techniker des Verfahrens zur Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten bedienen, um mit der Unternehmensleitung
zu verhandeln, wünschen sie auch ihre Stimme in der Gewerkschaftsleitung zur Geltung zu bringen. Diejenigen Industriegewerkschaften,
die akademische und technische Angestellte zu ihren Mitgliedern zählen und hierzu gehören die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft
(United Automobile, Aircraft and Agricultural Implement Workers of
America - UAW), die kanadisch-amerikanische, amerikanisch-kanadische
Elektrikergewerkschaft (international Union of Electrical, Radio and
Machine Workers - IUE) und die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft
(United Steelworkers of America) -»haben für diese eigene Abteilungen
und Beratungsausschüsse eingerichtet. Diese gesonderten Abteilungen
innerhalb der Industriegewerkschaften gestatten es den wissenschaftliche
Mitgliedern, eigene Vertreter zu benennen und einen eigenen Kurs für
die Lösung ihrer spezifischen Probleme festzusetzen, die die übrigen
Gewerkschaftsmitglieder nicht betreffen.
Gewerkschaften

�Gewerkschaften müssen neue Wege beschreiten
Ein weiterer Schritt, die Akademiker und Techniker für die
Gewerkschaften zu gewinnen, ist die Bildung von Berufsgruppen. Diesen Weg ging beispielsweise die AFL-CIO-Gewerkschaft der Verfahrensingenieure (Pederation of Technical Engineers), die damit dem Beispiel mehrerer ausländischer Gewerkschaften technisch-wissenschaft-.
licher Angestellter und einzelner unabhängiger amerikanischer Gewerkschaften folgte.
Wenn die amerikanischen Gewerkschaften demnach ihre Mitgliederwerbung unter diesen Angestellten verstärken wollen, so müssen sie
neue Wege gehen. Obwohl sich auch bisher schon vereinzelt Verbände
von Wissenschaftlern und Technikern für eine Mitarbeit in den Gewerkschaften ausgesprochen haben, sind doch im großen und ganzen alle bisherigen Bemühungen zur Gewinnung neuer Mitglieder aus diesen Kreisen
gescheitert. Eines ist offenkundig: Eine Zauberformel gibt es»wie bei
allen Aktionen zur Mitgliederwerbung auch hier nicht. Die Akademiker
und Techniker der einen Firma werden andere Probleme haben, als die
einer anderen, und selbst wenn ihre Probleme die gleichen sind, werden sie doch gelegentlich eine unterschiedliche Lösung anstreben.
Um diese Probleme von Fall zu Fall lösen zu können, müssen die
Gewerkschaften in ihrem Vorgehen flexibler werden. Standardlösungen,
die den Ansprüchen der Arbeiter genügen, bedürfen der Überprüfung und
sind in gewissen Fällen überhaupt unbrauchbar. Neue Lösungen werden
verschiedentlich Änderungen der traditionellen Gewerkschaftspolitik
oder Ausnahmeregelungen notwendig machen.
Die Gewerkschaften sollten sich auch in der Mitgliederwerbung
neuer Methoden bedienen. Die gewerkschaftlichen Publikationen müssen
beispielsweise mehr auf die in logischem Denken geschulten Akademiker
zugeschnitten werden, die es gewohnt sind, sich streng an Hand erwiesener Tatsachen zu orientieren. Der Appell an gefühlsmäßige Momente, der
für viele von den Gewerkschaften verteilte Handzettel typisch ist, verfängt wenig bei Menschen, die systematisch dazu erzogen worden sind,
sich in ihren Reaktionen nicht vom Gefühl leiten zu lassen.
Die Gewerkschaften werden größte Sorgfalt auf die Auswahl der
Funktionäre verwenden müssen, die sie mit der Durchführung von Werbekampagnen unter den akademischen und technischen Angestellten betrauen
wollen. Der Wissenschaftler, der sich gegen die Festsetzung der Unternehmenspolitik durch Nichtakademiker in der Verwaltung wehrt, wird mit
Sicherheit auch jede Mitgliederwerbung ablehnen, die von Gewerkschaftern ohne wissenschaftliche und technische Schulung an ihn herangetragen wird.
Die Gewerkschaften werden diese Angestellten ferner so akzeptieren
müssen, wie sie sind. Akademiker und Techniker sind natürlich auch nur
Menschen,und ihre Aspirationen unterscheiden sich im Grunde nicht von
denen der Arbeiter; dennoch können sie nicht unterschiedslos mit allen
übrigen Beschäftigten gleichgesetzt werden. Auf Grund ihrer Herkunft,
ihrer Lebensumstände und ihrer Schulung haben sie gewisse spezifische
Bedürfnisse - Bedürfnisse, denen die organisierte Arbeiterbewegung

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�Arbeiterbewegung Rechnung tragen muß, wenn sie diese Menschen für
den Gewerkschaftsgedanken gewinnen will. Ihn«unter der wachsenden
Zahl der akademischen und technischen Angestellten zu popularisieren,
ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Sie ist aber durchaus lösbar,
denn die Gewerkschaftsbewegung hat zwei gewichtige Pluspunkte auf
ihrer Seite«
Erstens: In dem gleichen Maße, in dem der Anteil dieser Angestellten an der Gesamtbeschäftigung steigt, werden ihre Gehälter mit
Sicherheit von ihrem Arbeitgeber als ein Element der variablen Arbeitskosten angesehen werden. Folgt das Management erst einmal dieser
Praxis auch im Falle der wissenschaftlichen und technischen Mitarbeiter, dann bringt dies für diese zwangsläufig wirtschaftliche
Einbußen mit sich.
Zweitens: Die Gruppenbildung nach sozialen und wirtschaftlichen
Gesichtspunkten ist geradezu ein Charakteristikum der modernen Gesellschaft geworden. Ohne einen Zusammenschluß in der einen oder
anderen Form werden die akademischen und technischen Angestellten
in einer in raschem Wandel befindlichen Umwelt schütz- und führungslos
sein.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben die Notwendigkeit, die
Angehörigen der akademischen und technischen Berufe zu erfassen, klar
erkannt - aus Eigeninteresse und aus ethischen Erwägungen heraus. Sie
wenden deshalb diesen Fragen in Zukunft ihre verstärkte Aufmerksamkeit
zu. Sie sind entschlossen, für den Erfolg zu arbeiten. Die Aufgabe,
die den Gewerkschaften aus der Zunahme der Zahl der nichtorganisierten
hochqualifizierten Angestellten erwächst, ist noch längst nicht bewältigt; man hat sie aber - endlich - in ihrem gesamten Ausmaß erkannt.

Aus "I.U.D. Digest" mit Genehmigung
des Industrial Union Department,
AFL-CIO.

* * * * *

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�Zunehmende Bedeutung der privaten Krankenversicherungspläne
Als eine der bedeutendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des
Tarifverhandlungswesens in den Vereinigten Staaten ist die beträchtliche Zunahme der privaten Wohlfahrtsfonds und Sozialprogramme während
der letzten Jahre anzusehen. Neben den zwischen Gewerkschaften und
Unternehmen ausgehandelten Pensionsplänen sind es dabei in erster
Linie die privaten Krankenversicherungsprogramme, die in jüngster
Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen haben.
Auf Grund einer Untersuchung des US-Arbeitsministeriums über Art
und Inhalt der in den vergangenen Jahren neu abgeschlossenen oder
revidierten Krankenversicherungspläne sind dabei folgende wichtige
Trends festzustellen gewesen»
1. Die Krankenversicherungspläne wurden weiter liberalisiert und
auf neue Leistungsarten, insbesondere auf die Krankenversorgungsleistungen im Hause, ausgedehnt.
2. Die Leistungssätze der Versicherungspläne, die im Krankheitsfall eine Barabfindung vorsehen, wurden erhöht, die reinen
Krankendienstleistungsplane verbessert;
3- Das Verhältnis zwischen den Barleistungs- und Dienstleistungsplänen hat sich zugunsten der letzteren verschoben.
4. Die Beiträge zu den Krankenversicherungsplänen werden in einem
immer größeren Maße von den Unternehmern allein getragen. Rund
zwei Drittel aller überprüften Pläne wurden ausschließlich durch
die Arbeitgeber finanziert.
5» Die Zahl der Krankenversicherungspläne, die auch nach der Pensionierung des Arbeitnehmers den Leistungsanspruch sowohl für
ihn als auch für seine Familie aufrechterhalten, hat sich ebenfalls stark erhöht.
6. Der Versicherungsschutz erstreckt sich heute bei fast allen
Krankenversicherungsplänen sowohl auf den Arbeitnehmer selbst
als auch auf seine Familienmitglieder.
7« Der Versicherungsschutz für entlassene Arbeitnehmer wurde erweitert. Während bisher die Krankenversicherung nach Ablauf
eines Monats erlosch, bleibt die Deckung heute allgemein noch
für einen längeren Zeitraum bestehen.
8. Zahlreiche Einschränkungen der Leistungsansprüche wurden beseitigt oder modifiziert; die Wartezeiten wurden durchweg aufgehoben.
(Quelle: Eigenbericht)

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�US-Arbeitsministerium gab neues "American Workers1 Fact Book" heraus
Das US-Arbeitsministerium hat kürzlich das neue "American Workers'
Fact Book" 196O herausgegeben, das einen umfassenden Überblick über
die Entwicklungen auf allen Gebieten der Wirtschaft während der
letzten Jahre gibt.
Hier einige der interessantesten Angaben:
Der Realwert der erzeugten Güter und Dienstleistungen (Bruttosozialprodukt) hat sich in den Vereinigten Staaten zwischen 1947 und 1958
jährlich um durchschnittlich 5 Prozent erhöht. Im gleichen Zeitraum
stieg die durchschnittliche Produktionsleistung pro Arbeitsstunde
in der Privatindustrie um 43 Prozent an.
Der Anteil der Einkommen der unselbständigen Arbeitnehmer am gesamten Volkseinkommen betrug im Jahre 1959 rund 70 Prozent. Würde man
das Nettopersonaleinkommen (nach Abzug der Steuern) auf die Gesamtbevölkerungszahl umlegen, so ergäbe sich dabei ein durchschnittlicher
Anteil pro Kopf der Bevölkerung von 1891 Dollar. Unter Zugrundelegung
eines realen Dollarwertes wäre dies eine um 22 Prozent höhere Summe
als 1949.
Der durchschnittliche Wochenverdienst des amerikanischen Industriearbeiters ist in den vergangenen zehn Jahren so stark angestiegen, daß
die reale Kaufkraft im Jahre 1958 rund 22 Prozent größer war als 1948.
Gleichzeitig jedoch hat sich auch die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche in diesem Zeitraum wesentlich verringert.
Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer ist in
der Nachkriegszeit ganz beträchtlich angestiegen. Während vor dem
Kriege lediglich 3 Millionen Amerikaner einer Gewerkschaft angehörten,
sind es heute etwa 18 Millionen.
Von der Gesamtzahl der gegenwärtig verfügbaren Arbeitskräfte
(Gesamtpotential = 71,2 Millionen) sind 42,2 Millionen im Rahmen
der staatlichen Sozialversicherung gegen Erwerbslosigkeit und für das
Alter versichert.
(Quelle: Eigenbericht)

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Neue Ernennungen im US-Arbeitsministerium
Nach der Ernennung Dr. Arthur J. Goldbergs zum neuen US-Arbeitsminister hat Präsident Kennedy kurz vor seiner Amtsübernahme auch die
Besetzung anderer wichtiger Posten im US-Arbeitsministerium bekanntgegeben.
Zu

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�Zu neuen Unterstaatssekretären wurden dabei James J. Reyno-lds
und Jerry R. Holleman nominiert, während das Amt für Frauenfragen
von Esther Peterson, das Sekretariat für auswärtige Angelegenheiten
von George L. Weaver und das Sekretariat für Rechtsfragen von Charles
Donahue übernommen werden wird.
James J. Reynolds (54)» der von Beruf Betriebsberater ist, war
bisher Vizepräsident der "Alcoa Products, Inc.". Schon zwischen 1946
und 1952 gehörte er dem "National Labor Relations Board" an.
Jerry R. Holleman (41) war bisher Vorsitzender der AFL-CIO im
Bundesstaat Texas; ehemals Elektriker, begann er seine Gewerkschaftskarriere in der "International Brotherhood of Electrical Workers".
Esther Peterson (54) gehörte bisher dem Industriedepartement der
AFL-CIO als Vertreterin für Rechtsfragen an. Bevor sie in die Gewerkschaftsbewegung eintrat, war sie Lehrerin. Sie studierte an der BrighamYoung-Universität und der Columbia-Universität. Zwischen 1945 und 1948
war sie Vertreterin der "Amalgamated Clothing Workers" für Rechtsfragen
in Washington sowie Mitglied des Beratungsausschusses im Amt für Frauenfragen.
George L. Weaver (48) war bisher Assistent des Präsidenten der
Elektrikergewerkschaft (IUE). Er hat an verschiedenen Tagungen internationaler Gewerkschaftsverbände teilgenommen und war drei Jahre lang
als Vertreter des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften und der
AFL-CIO in Asien tätig. Weaver ist Farbiger.
Charles Donahue (48) ist von Beruf Rechtsanwalt und war von 1953
an Forschungsdirektor der Installateurgewerkschaft.
(Quelle: Eigenbericht)
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Kongreßbibliothek erhielt Kopien der "America-At-Work"-Filmserie
Der Schatzmeister der AFL-CIO, William F. Schnitzler, hat der
Kongreßbibliothek in Washington kürzlich die erste Serie der 52 Fernsehfilme "America at Work" als Geschenk der amerikanischen Gewerkschaften überreicht.
Schnitzler sprach bei der Übergabe die Hoffnung aus, daß diese
Dokumentarfilme dazu dienen möchten, künftige Generationen mit jenen
Handwerksberufen und Arbeitstechniken vertraut zu machen, die heute
in Gefahr seien, durch die großen technologischen Veränderungen und
die Ausbreitung der Automation verlorenzugehen.
L. Quincy

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�L. Quincy Mumford, der das Gaschenk der APL-CIO im Namen der
Kongreßbibliothek entgegennahm, wies in seiner kurzen Ansprache
darauf hin, daß viele Pionierwerke der Filmindustrie vielfach deshalb
verlorengegangen seien, weil man ihren historischen Wert zu spät
erkannte.
Die "Amerika-bei-d«r-Arbeit"-Filme wurden bisher über 161 amerikanische und 28 ausländische Fernsehstationen ausgestrahlt. Außerdem
wurden die Begleittexte in zahlreiche andere Sprachen übersetzt.
Jeder dieser 52 Filme der ersten Serie behandelt jeweils einen
handwerklichen oder industriellen Beruf, wobei die Aufnahmen direkt an
den Arbeitsplätzen gemacht werden, um so den Zuschauern einen genauen
Einblick in die handwerklichen Fähigkeiten der Arbeiter und in die
Arbeitsweise moderner Maschinen.zu geben.
Das im Januar 1959 angelaufene Projekt, das in diesem Jahr mit
einer weiteren Serie von 52 Filmen fortgesetzt werden soll, brachte u.a.
Filme über die Arbeit in der Zigarren-, Automobil-, Schiffsbau-, Schuh-,
Textil- und Bekleidungsindustrie sowie über die Tätigkeit der Glasbläser, Zeitungsdrucker und Buchbinder.

(Quelle: Eigenbericht)

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Ausweitung und Verbesserung der Gewerkschaftspresse
Zur Förderung der Bemühungen um eine Ausweitung und Verbesserung
der Gewerkschaftspresse hat der Verband der Redakteure von Gewerkschaftspublikationen (international Labor Press Association) auf seiner letzten
Tagung in Detroit eine Neugestaltung der Beitragssätze beschlossen, um
auf diese Weise das Einkommen des Verbandes zu verdoppeln.
Diese in einen besonderen Fonds fließenden Mittel sollen insbesondere für die Unterstützung der Ortsvereine bei der Neuherausgabe von
Gewerkschaftszeitungen und -Zeitschriften sowie für die Verbesserung
bereits bestehender Publikationen verwendet werden. Außerdem will man
einen anderen Teil der erhöhten Beiträge für die Abhaltung von Spezialkursen und Erziehungsprogrammen von Redakteuren und Mitarbeitern einsetzen, um sich auch von dieser Seite her darum zu bemühen, das Niveau
der Gewerkschaftspresse zu heben«
(Quelle: Eigenbericht)

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�Regelungen über die Bezahlung von Arbeitspausen in US-Tarifverträgen
Abmachungen über die Bezahlung bestimmter Arbeitspausen während
der täglichen Normalarbeitszeit waren im Jahre 1959 in rund einem
Viertel aller Tarifverträge in den Vereinigten Staaten enthalten,
wie aus einer Analyse von 1700 bedeutenden Tarifverträgen hervorgeht,
die vom US-Amt für Arbeitsstatistik durchgeführt wurde.
Nach dieser Übersicht enthielten rund zwei Drittel aller Abkommen mit Arbeitspausenklausel derartige meist als "Erholungszeit",
"Kaffeepause" oder "Zigarettenpause" bezeichnete Vergünstigungen
für sämtliche Arbeitnehmer, während sich in den restlichen Abkommen
diese Vergünstigungen nur auf bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern,
insbesondere Frauen, bezogen. Allgemein wurden täglich zwei derartige
Arbeitspausen gewährt.
Zu denjenigen Industriezweigen, in denen bezahlte Arbeitspausen
am häufigsten anzutreffen waren, gehörten die Nahrungsmittel-, Elektromaschinen- und Waggonbauindustrie sowie die Unternehmen des Fernmeldewesens und des Einzelhandels.

(Quelle: Eigenbericht)
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Gewerkschaften unterstützen Bau von Pensionen für Rentner
Das sogenannte "Four-Freedoms-Hotels"-Projekt - ein von 20
amerikanischen Gewerkschaften entwickeltes Programm zum Bau von auf
gemeinnütziger Basis arbeitenden Hotels in allen Teilen des Landes hat mit der Eröffnung der ersten, an der Küste des Atlantiks in Miami
Beach gelegenen Hotelpension sichtbare Gestalt angenommen.
Wie der Leiter dieses Projekts, der 1. Vorsitzende der "American
Radio Association", William R. Steinberg, hierzu auf einer Pressekonferenz erklärte, haben die in diesem Unternehmen zusammengeschlossenen
Gewerkschaften schon seit langem die Überzeugung vertreten, daß über
die Pensionspläne hinaus noch etwas Entscheidendes für die im Ruhestand
lebenden Arbeitnehmer getan werden müsse. Aus diesem Grunde hätten sich
die betreffenden Gewerkschaften zu diesem Projekt zusammengeschlossen
und ihre Mittel zum Bau der Pensionen eingesetzt.
Alle "Four-Freedoms"-Hotels werden so eingerichtet sein, daß sie
pensionierten Arbeitnehmern einen dauernden Aufenthalt bei geringen
Kosten ermöglichen. Die Zimmer wurden von vornherein so angelegt,
daß sie den besonderen Bedürfnissen älterer Leute entsprechen. So erhielten sie u.a. rutschfeste Belage, Sicherheitsgriffe in den Badezimmern und besondere Fensterkonstruktionen, die ein leichtes Öffnen
und Schließen ermöglichen.
Neben

-

14

-

�Neben den Wohnräumen werden die einzelnen Pensionen auch noch
Gemeinschafts- sowie Werkräume enthalten, in denen die alten Leute
ihren Hobbies nachgehen können. Auch die besonderen Ernährungsbe- •
dürfnisse wurden weitgehend berücksichtigt, denn in der Küche werden
ausgebildete Diätköche beschäftigt werden.

(Qualle: Eigenbericht)
* * * * *

Bekleidungsindustrie billigt "Entlassungsgeldfonds"
Die Unternehmen der Damenoberbekleidungs- und Kinderbekleidungsindustrie haben jetzt einem industrieweiten Plan zugestimmt, der den
Arbeitnehmern dieses Wirtschaftszweiges in Zukunft Unterstützungsleistungen für den Fall sichert, daß ein Arbeitgeber seinen Betrieb schließen muß.
Dieser allgemein als "zusätzlicher Entlassungsgeldfonds" bekanntgewordene Plan geht auf die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie
(ILGWU) zirück, die den Unternehmern vor einigen Monaten entsprechende
Vorschläge unterbreitet hatte. Insgesamt werden durch den Plan mehr als
450 000 Arbeitnehmer in diesem Wirtschaftszweig erfaßt»
Im einzelnen sieht er die Errichtung eines 10-Millionen-Dollar-Fonds
vor, aus dem später in den vorgesehenen Fällen wöchentliche Unterstützungsbeiträge an entlassene Arbeitnehmer in Höhe von 12,50 bis 25,00 Dollar
für die Dauer von 48 Wochen gezahlt werden sollen. Außerdem erhält jeder
Arbeitnehmer 25 Prozent seiner gesamten Ansprüche in Form eines Entlassungsgeldes ausgezahlt. Der Aufbau des Fonds erfolgt durch finanzielle
Beiträge der Unternehmer, die 1/2 Prozent der Lohnsumme in Zukunft an
den Fonds abführen werden. Gegenwärtig sind es.12 000 Unternehmen, mit
denen die "ILGWU"-Gewerkschaft Tarifverträge abgeschlossen hat.
Den Arbeitnehmern stehen Unterstützungsleistungen aus dem Fonds zu,
wenn ihre Arbeitgeber zwei Jahre lang Beiträge an den Fonds abgeführt
haben. Eine sofortige Anwartschaft auf die vorgesehenen Leistungen haben
bereits die 110 000 Arbeitnehmer, die in Oberbekleidungsbetrieben in 9
Bundesstaaten arbeiten und deren Arbeitgeber schon seit zwei Jahren Beiträge an solche Fonds leisteten, sowie die 290 000 anderen Bekleidungsarbeiter, für die ebenfalls seit 1958 1 Prozent der Lohnsumme an ähnliche
Fonds abgeführt wurde.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

15

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 4

Bad Godesberg, den 1. April

1961

INHALTSVERZEICHNIS
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause
Gewerkschaftliche Kurzmeldungen

Seite 1
Seite 14
Seite 15

Gertruds Bancroft, Mitarbeiterin des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
im US-Arbeitsministerium:
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Der Anteil der Arbeitnehmer mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ist
in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren im allgemeinen ziemlich konstant geblieben, ungeachtet wechselnder Perioden der Hochkonjunktur und der Rezession und jahreszeitlich bedingter Schwankungen
in der Gesamtbeschäftigung. Der kürzlich bekanntgewordene Fall einer
Krankenschwester in Washington, die in einem Hospital in der Spätschicht
arbeitet und tagsüber in Schwesterntracht und mit ihrem kleinen Kind an
der Seite ein Taxi chauffiert, ist bemerkenswert, aber doch wohl nicht
typisch. Bei den Postbediensteten dagegen ist der Prozentsatz der Doppelverdiener schon immer relativ hoch, ebenso wie bei Lehrern und bei
Wachmännern, Feuerwehrleuten und Angehörigen ähnlicher Berufe. In manchen Berufen ist es geradezu üblich, für mehr als einen Arbeitgeber tätig zu sein. Das gilt beispielsweise für Bauarbeiter und landwirtschaftliche Arbeitskräfte, die sich mehreren Arbeitgebern verdingen, um auf
eine volle 40-Stunden-Woche zu kommen. Auch im Unterhaltungsgewerbe ist
das Eingehen mehrerer Engagements Brauch. Das bekannteste Beispiel aber
dürften die Tagwerker sein, die eine kleine Farm betreiben und gleichzeitig' einen Arbeitsplatz in der Industrie oder in einem gewerblichen
Betrieb innehaben, auf den sie den größeren Teil ihrejr Zeit verwenden.
Für die Arbeitnehmer, die in einem festen ganztägigen Arbeitsverhältnis stehen und in den Abendstunden oder an Wochenenden für einen anderen Arbeitgeber tätig sind, hat man den Begriff "moonlighters"
(Mondschein- oder Feierabendarbeiter) geprägt. Im allgemeinen glaubt
man, daß es sich dabei um Fabrikarbeiter handelt, die sich auf Grund
-

1 -

�Grund der von ihrer Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge einer
kurzen Arbeitswoche erfreuen und einen weiteren Job der verlängerten
Freizeit vorziehen. In Wirklichkeit aber waren im Dezember 1959 von
den 3 Millionen Mehrfachbeschäftigten nur 700 000 hauptberuflich
Fabrikarbeiter - das entspricht 4 Prozent aller Fabrikarbeiter. 25
Prozent der "moonlighters" unter den Fabrikarbeitern waren Farmer,
weitere 20 Prozent besaßen einen eigenen, nichtlandwirtschaftlichen
Betrieb als zusätzliche Einnahmequelle. Der Rest bekleidete eine
Zweitstelle im Dienstleistungsgewerbe, im Einzelhandel oder in den
Fertigungsindustrien. Rund 100 000 der "moonlighters" unter den
Fabrikarbeitern waren nebenberuflich wiederum in einem Fertigungsbetrieb beschäftigt.
Die Zahlenangaben für Dezember 1959 sind das Ergebnis einer Untersuchung, die das Statistische Bundesamt im Auftrag des Bundesamtes für Arbeitsstatistik im Rahmen seiner monatlichen Erhebungen
zur Erfassung der Beschäftigung angestellt hat. Derartige Untersuchungen wurden schon mehrfach durchgeführt, um eine Übersicht über
das Ausmaß und die Bedeutung der Doppelbeschäftigung in den USA zu
gewinnen. Erfaßt wurden alle gegen Lohn oder Gehalt Beschäftigten,
die mehr als einem Arbeitgeber dienen oder neben ihrem Beruf als
Selbständige oder Mitarbeiter in einem Familienbetrieb tätig sind.
Eingetretene Veränderungen
Wie eingangs erwähnt, ist der Anteil der Zweitstelleninhaber an
der Gesamtbeschäftigtenzahl ziemlich gleichbleibend. Die jüngste Untersuchung vom Dezember 1959 fiel in die Zeit des Jahreszeitlich bedingten Beschäftigungstiefstandes in der Landwirtschaft und des vorweihnachtlichen Höchststandes in den übrigen Wirtschaftszweigen. Die beiden
vorhergehenden Erhebungen - im Juli 1957 (dem als zyklisch angesehenen
Wendepunkt im Beschäftigungsjähr) und im Juli 1958 (kurz nachdem die
Rezession ihren Tiefpunkt überschritten hatte). Die Mehrfachbeschäfigten
stellten 1957 einen Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl von 5»3 Prozent,
1958 von 4,8 Prozent und 1959 von 4,5 Prozent. Die Zahl der Arbeitnehmer
mit zwei Stellen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben wurde bei allen
drei Untersuchungen mit rund 2 Millionen (oder 3,5 Prozent der Gesamtzahl) ermittelt»
Tafel

I

Mehrfachbeschäftigte in der Landwirtschaft und in der übrigen Wirtschaft
Dezember 1959
Sämtliche Mehrfachbeschäftigte»
Zahl (in Millionen)
Prozent der Gesamtbeschäftigung
Mehrfachbeschäftigte mit
mindestens einer Stelle in
der Landwirtschaft!
Zahl (in Millionen)
Prozent der hauptberuflich
in der Landwirtschaft
Beschäftigten

Juli 1958

Juli 1957

2,966

3,099

3,570

4,5

4,8

5,3

0,829

1,122

1,414

17,2
_ 2 -

16,7

18,2

�Mehrfachbeschäftigte mit zwei
Arbeitsplätzen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben:
Zahl (in Millionen)
Prozent der hauptberuflich in
nichtlandwirtschaftlichen
Berufen Beschäftigten

Dezember 1959

Juli 1958

Juli 1957

2,137

1,977

2,156

3,5

3,4

3,6

Diese Untersuchungen würden wahrscheinlich größere und aufschlußreichere saisonbedingte oder zyklische Schwankungen in den Ergebnissen aufweisen, wären sie in anderen Monaten vorgenommen worden. Die Tatsache
aber, daß vielfach eine selbständige Tätigkeit als Erst- oder Zweitbeschäftigung angegeben wird, deutet auf eine gewisse Stabilität der Verhältnisse auf diesem Sektor hin. Mindestens 40 Prozent der Mehrfachbeschäftigten betrieben haupt- oder nebenberuflich eine eigene Farm oder
ein eigenes Geschäft oder übten einen freien Beruf aus (siehe Tafel II).
Die Hälfte davon waren Farmer, die gleichzeitig gegen Lohn oder Gehalt
in einem nichtlandwirtschaftlichen Betrieb arbeiteten. Im allgemeinen
werden Arbeitsplätze im Handel und im Dienstleistungsgewerbe als Zweitstellen bevorzugt, wo sich die Schwankungen der letzten Jahre in der
Wirtschaftstätigkeit nicht so stark auf die Beschäftigung ausgewirkt
haben. Auch bei den Selbständigen und Angehörigen der freien Berufe entfällt die Zweitstelle vornehmlich auf das Dienstleistungsgewerbe und die
Staats- und Kommunalverwaltung. In der Vorweihnachtszeit erwartet man
im allgemeinen eine relativ starke Zunahme der Doppelbeschäftigung im
Einzelhandel. Im Dezember 1959 lag jedoch der Anteil der Zweitstellen
im Handel mit rund 14 Prozent praktisch genau so hoch wie im Juli 1957
und 1958. Vielleicht liegt es daran, daß die Werte für 1959 in der Woche
vom 6. zum 12. Dezember ermittelt wurden, zu einem Zeitpunkt also, an
dem die vorübergehende vorweihnachtliche Doppelbeschäftigung ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hatte.
7/eitere Hinweise auf die Stabilität auf diesem Beschäftigungssektor
gibt eine Untersuchung des Anteils der Mehrfachbeschäftigung in den einzelnen Wirtschaftszweigen während der drei Berichtsjahre. Außerhalb der
Landwirtschaft lag die Quote der Mehrfachbeschäftigung in folgenden Berufssparten am höchsten: öffentlicher Dienst (Post, Bundesdienst und einzelstaatliche und kommunale Verwaltung); Unterhaltung und Erholung; Erziehungswesen; Baugewerbe; Forst- und Fischereiwesen und Bergbau (siehe Tafel III).
Dabei handelt es sich um Wirtschaftszweige mit hohen und niedrigen Löhnen,
mit hohen und geringen Sozialleistungen. Der hohe Anteil der Mehrfachbeschäftigten (rund 10 Prozent) bei den Postbediensteten dürfte zum Teil
auf die Arbeitszeiteinteilung zurückzuführen sein, fällt doch die Freizeit
vielfach auf Tageszeiten, in denen sich zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten
bieten. Die anderen Mehrfachbeschäftigten im öffentlichen Dienst verteilen sich in erster Linie auf das Wach- und Aufsichtspersonal mit entsprechend günstiger Arbeitszeiteinteilung und die Angehörigen akademischer
Berufe, deren besondere Erfahrungen und Fähigkeiten vielfach gefragt sind.
Der

�Tafel

II

Anteil der Selbständigen an der Mehrfachbeschäftigung in den Jahren von
1957 bis 1959. nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselt

Wirtschaftszweig

Dezember 1959

Juli 1958

Juli 1957

Mehrfachbeschäftigte Selbständige }):
Zahl (in Millionen)
Prozent d. Mehrfachbeschäftigten

1,310
44,2

1,294
41,8

1,499
42,0

Zahl (Millionen)

Selbständige in der Landwirtsch,
Erstbeschäftigung
Zweitbeschäftigung

0,718
0,199
0,519

0,752
0,264
0,488

0,914
0,385
0,529

Selbständige inanderen
Wirtschaftszweigen
Erstbeschäftigung
Zwei tbeschäftigung

0,592

0,542

0,585

0,182
0,410

0,198
0,344

0,237
0,348

Der hohe Anteil der Mehrfachbeschäftigten im Erziehungswesen - er
beträgt 6 bis 7 Prozent - dürfte auf verschiedene Paktoren zurückzuführen
sein: die Gepflogenheit der Lehrer, an mehr als einer Schule zu lehren;
die relativ geringe Wochenstundenzahl; und das Streben nach einem standesgemäßen Lebensstandard.
Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf männliche und weibliche Arbeitnehmer
Die Mehrfachbeschäftigung ist unter den männlichen Arbeitnehmern weiter
verbreitet als unter den weiblichen: im Dezember 1959 waren 5,8 Prozent der
männlichen und 2,0 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer als Mehrfachbeschäf*

11

Selbständige mit einem landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betrieb
als Zweitbeschäftigung (aber nicht in einem festen Arbeitsverhältnis
gegen Entgelt stehend) wurden nicht als Mehrfachbeschäftigte gezählt.
Unbezahlte Arbeitskräfte in Familienbetrieben wurden gleichfalls nicht
als Mehrfachbeschäftigte gewertet, sofern sie nicht gleichzeitig anderweitig gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt waren.

.

4 -

�Tafel III
Mehrfachbeschäftigte in den Jahren 1957-1959. nach Wirtschaftszweigen
ihrer Erstbeschäftigung aufgeschlüsselt

Wirtschaftszweig der
Erstbeschäftigung

Dezember 1959

Juli 1958

Zahl ( in
Prozent
Millionen) der Beschäftigten

Juli 1957

Prozent Prozent
der Be- der BeschäfSchäftigten
tigten

Gesamtwirtschaft

2,966

4,5

4,8

5,3

Landwirtschaft

0,321

6,7

9,5

0,104
0,199

7,7
7,2

15,2
8,1

11,0
12,1
10,7

0,018

2,5

6,9

10,0

2,645
2,451

4,3

4,2

4,6

4,6

4,4

4,7

0,052
0,186
0,718

7,7
5,7
4,3

5,4
6,6
3,9

6,7
5,9
4,3

0,190
0,345

4,4
3,2

4,2
3,9

4,2
3,9

0,690

4,6

3,9

4.6

3,8

3,3

Arbeiter U.Angestellte
Selbständige
Unbezahlte Arbeitskräfte in Familienbetrieben
Übrige Wirtschaft
Arbeiter U.Angestellte
Porst- und Fischereiwesen u. Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
Transportgewerbe u.
Versorgungsbetriebe
Groß- und Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe
und Geldwirtschaft

Banken,Versicherungen
u. Immobilienhandel
0,098
Beratungs- und Kundendienste
0,050
Private Haushalte
0,054
Persönl.Dienstlei stungen
(auter Haushaltdienste)0,035
Unterhaltungsgewerbe u.
Erholung
0,059
Erziehungswesen
0,229
Akademische Berufe
0,184
0,272
ö f f e n t l i c h e r Dienst
Post
0,078
Andere
0,194
Selbständige
0,182
Unbezahlte Arbeitskräfte
in Familienbetrieben
0,012

4,5
,

4,2
2,1

5,3
1,4

4,7
2,3

2,6

2,4

4,0

7,5
7,0
5,2

10,5
5,9
3,9

9,7
6,1
4,7

8,6
7,6
2,8

7,1
8,5
6,8
3,1

8,4
9,6
8,2
3,7

2,0

2,2

3,9

12,6

�Tafel IV

•

Mehrfachbes chäfti^un« nach Alters gruppen . Geschlecht. Fa milienstand und
Rassenzu&amp;ehörißkeit aufgeschl üsselt

1)

(Stand Dezember 1959)
Gesamtbeschäft igung Mehrfachbeschäft ifirte
Zahl
(Millionen)
rr ü z e ü t
insg. männl. weibl. insg. männl« w e i b l .

Prozent
insg. männl . weibl.

Alterserupper 1
Sämtliche "

65,7

43,9

14-17 Jahre
18-19 Jahre
20-24 Jahre
25-34 Jahre
35-44 Jahre
45-54 Jahre
55-64 Jahre
65 Jahre u.
älter

2,40
2,13
6,06
13,58
15,56
14,06
8,86

1,36
1,13
3,68
9,78
10,51
9,10
6,06

1,03
1,00
2,38
3,79

3,02

2,22

Durchschnitts alter
40,6

21,8

2,9

2,5

0,4

4,5

5,8

2,0

2,79

0,06
0,05
0,22
0,71
0,84
0,63
0,35

0,04
0,03
0,17
0,64
0,71
0,55
0,31

0,02
0,02
0,04
0,07
0,12
0,08
0,04

2,8
2,5
3,6
5,2
5,4
4,5
4,1

3,4
2,7
4,8
6,6
6,8
6,1
5,2

2,0
2,4
1,8
1,9
2,5
1,6
1,5

0,79

0,07

0,05

0,02

2,6

2,3

3,4

-

-

-

5,05
4,96

40,7

40,3

40,2

40,1

39,6

Familienstand L
Sämtliche

65,69

43,87

21,82

2,96

2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

Ledig
Verheiratet
Verwitwet u.
getrennt leb.

12,08
46,91

6,91
34,70

5,16
12,20

0,30
2,47

0,19
2,26

0,10
0,21

2,5
5,3

2,9
6,5

2,1
1,8

6,70

2,24

4,45

0,18

0,07

0,11

2,8

3,2

2,6

Sämtliche

65,69

43,87

21,82

2,96

2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

Weiss
Farbig

59,07
6,62

39,83
4,03

19,23
2,58

2,68
0,27

2,31
0,21

0,37
0,06

4,6
4,2

5,8
5,3

1,9
2,4

RassenzugehöriÄkeit

1) Wegen Ab- und Aufrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht genau zu
den angegebenen Gesamtwerten.

-

6 -

�Mehrfachbeschäftigte gemeldet (siehe Tafel IV). Bei den Männern
stellten die Angehörigen der Altersgruppen von 25 bis 54 Jahren, meist
Familienväter, den größten Anteil (über 6 Prozent) an den Mehrfachbeschäftigten. Bei den Umfragen im Hochsommer 1957 und 1958 ergab sich
ein sehr hoher Prozentsatz bei Jungen unter zwanzig Jahren, nicht
aber bei der Umfrage im Dezember 1959« Offenbar nehmen viele Jungen
in den Ferien mehr als eine Stellung an, während die eigentlichen
Werkstudenten weit weniger Zeit haben und meist einen festen Arbeitsplatz bevorzugen.
Der Prozentsatz der mehrfachbeschäftigten weiblichen Arbeitnehmer
von 2 Prozent im Dezember 1959 trifft für ledige und verheiratete Frauen
gleichermaßen zu. Bei den verheirateten Männern lag der Anteil der Mehrfachbeschäftigten mit 6,5 Prozent fast doppelt so hoch wie bei den unverheirateten.
Merkliche Unterschiede in der anteilmäßigen Verteilung der Mehrfachbeschäftigung zwischen Weißen und Farbigen waren nicht zu verzeichnen.
Sofern sich irgendwelche Abweichungen von den normalen Trends innerhalb
eine» Industriezweiges oder einer Beschäftigungskategorie ergaben, wurden
sie durch die unterschiedliche Aufteilung der weißen und farbigen Arbeitnehmer auf die einzelnen Industriezweige und Beschäftigungsarten wieder
ausgeglichen.
Die Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf die einzelnen Berufsgruppen
Die Angehörigen der akademischen und technischen Berufe rangieren
zusammen mit den Farmern und Landarbeitern hinsichtlich der prozentualen
Mehrfachbeschäftigung an der Spitze, (siehe Tafel V ) . Von den rund
500 000 männlichen Lehrkräften an den Grund- und Oberschulen waren etwa
20 Prozent noch anderweitig berufstätig; bei den weiblichen Lehrkräften
betrug der Anteil der Mehrfachbeschäftigten dagegen nur 2,5 Prozent.
Der Anteil der Mehrfachbeschäftigten unter den Angehörigen der Angestelltenberufe, zu denen hier auch die Postboten, die sonstigen Postbediensteten und die Bürokräfte aller Art gerechnet werden, betrug bei
Männern 7»9 Prozent, bei Frauen dagegen nur 1,6 Prozent.
Die Bauhandwerker arbeiten häufig für mehr als einen Arbeitgeber
oder sind Selbständige mit Nebenberuf. Von ihnen sind - wie bei den männlichen Lehrkräften - 20 Prozent Doppelbeschäftigte.
Die Mehrfachbeschäftigten wählen sich als Zweitberuf im allgemeinen
eine Tätigkeit, die außerhalb ihrer normalen Berufserfahrungen liegt. Bei
den Angehörigen der akademischen und technischen Berufe dagegen sind rund
50 Prozent in beiden Arbeitsverhältnissen im gleichen Beruf tätig. Die
übrigen arbeiten vornehmlich für Handelshäuser oder als Verkäufer. Die
Farmer sind größtenteils im Zweitberuf Fabrikarbeiter und Handwerker;
nur sehr wenige sind im Nebenberuf wiederum Farmarbeiter oder Büroangestellte. Umgekehrt bevorzugen gelernte Handwerker, Fabrikarbeiter und
ungelernte Arbeitskräfte in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben als
Zweitstelle einen Arbeitsplatz in der Landwirtschaft. Die Verkaufer wiederum
wählen als Zweitberuf - sofern sie nicht wiederum eine Verkäuferstelle
annehmen - zu gleichen Teilen die Landwirtschaft oder das Büro.

- 7 -

�Tafel V
Mehrfachbeschäftigte nach Berufsgruppen der Erstbeschäftigung und
Geschlecht aufgeschlüsselt

Berufsgruppe der
Erstbeschäftigung

Zahl
(Millionen)

Prozent

Beide Beschäftigungen im
gleichen
insg. männl. weihl. insg. männl. weibL Beruf
(Prozent)
2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

29,8

0,45

0,08

7,2

9,2

3,3

57,5

0,19

0,01

7,1

7,2

-

3,0

0,20

0,01

3,1

3,4

26,0

Büroangestellte u.a. 0 , 3 5
0,16
Verkäufer
Handwerker u. Vor0,42
arbeiter

0,24

0,10

7,9

0,12

0,04

3,7
3,6

1,4
1,6

4,4

2,3

23,2

0,42

0,002

5,1

5,2

0,9

21 ,2

Fabrikarbeiter

0,49

0,45

0,03

4,1

5,3

1,0

23,1

Haushaltbedienstete
Dienstleistungsgewerbe
Landarbeiter
Hilfsarbeiter
außer Landwirtschaft u.Bergbau

0,05

-

0,05

2,1

Sämtliche

2,96

Akademische u.
tech. Fachkräfte
0,53
Farmer u. Farmverwalter
0,19
Manager,lei tende
Angestellte u. Inhaber (außer Farmern ) 0 , 2 1

J

32,7

2,2

-

0,23

0,15

0,07

3,9

5,6

2,4

30,2

0,10

0,09

0,01

5,9

7,3

2,7

-

0,18

0,17

0,003

5,3

5,3

17,1

An und für sich dürfen einige Kombinationen verschiedener Tätigkeiten
als unwahrscheinlich gelten. Es ist kaum zu erwarten, daß Arbeiter nebenberuflich eine Tätigkeit ausüben, für die akademische Qualifikationen erforderlich sind, oder daß Bürokräfte sich in ihrer Freizeit als Fabrikarbeiter verdingen. Erstaunlicherweise fanden sich aber bei der Umfrage im
Dezember 1959 nahezu sämtliche nur denkbaren Kombinationen. Bei den Zweitbeschäftigungen entfiel der unverhältnismäßig hohe Anteil von 46,3 Prozent
auf die Sparten Farmer und Farmverwalter, Manager und Inhaber, Verkäufer
und Dienstleistungsgewerbe (ohne private Haushalte), während deren Anteil

-

8 -

�Anteil an den Erstbeschäftigungen nur 27,6 Prozent betrug. Die guten
Möglichkeiten, Stundenarbeit in diesen Berufen zu erhalten, dürfte die
Erklärung für ihre relative Häufigkeit als Zweitbeschäftigung bieten.
Bei der Beurteilung des Grades der Ausschöpfung unserer Arbeitskraftreserven gehen- wir gewöhnlich von der Beschäftigung in den einzelnen
Berufsgruppen aus. Die entsprechenden statistischen Angaben berücksichtigen jedoch nur die Erstbeschäftigung, denn nur diese wird regelmäßig
statistisch erfaßt. In Wirklichkeit wird das Arbeitskraftpotential in
den einzelnen Beschäftigungszweigen aber durch die von den Mehrfachbeschäftigten geleistete Arbeitszeit nicht unerheblich vermehrt. In folgenden Berufsgruppen kommt dieser Ausweitung des Arbeitskraftpotentials
bei den männlichen Berufstätigen die größte Bedeutung zu:

Tafel VI
Anteil der Zweitstellen an der Gesamtstellenzahl in einzelnen Berufszweigen

Prozent
Farmer
Bauhandwerker
Kellner
Verkäufer
Akademische Fachkräfte (außer medizinischem Personal
und Lehrkräften)
-. -J
' -werbe (außer V/achpersonal und Kellnern)
Landarbeiter
Großhandel
Lehrkräfte (an Grund- und Oberschulen)

19 ,3
14,.8
12, ,6
12, .1
8, .3
7, ,3
6, ,3
6, ,5
6, ,4

Die vorstehenden Angaben bleiben etwas hinter den eigentlichen Werten
zurück, da rund 100 000 Arbeitskräfte sogar mehr als zwei Arbeitsstellen
innehatten.
Die Statistiken über die Zweitbeschäftigung lassen auch die Paradoxie
verständlich werden, daß es im Dezember 1959 in den USA 2,2 Millionen
männliche Arbeitslose mit vorheriger Berufserfahrung und gleichzeitig
2,5 Millionen Mehrfachbeschäftigte gab. Rund 60 Prozent der Zweitarbeiteplätze wurden von Angehörigen der Angestelltenberufe (Akademiker, Manager,
Büroangestellte und Verkäufer) und Farmern ausgefüllt. Nur 15 Prozent der
männlichen Arbeitsuchenden hatten vorher in diesen Berufen gearbeitet,
wie die folgende Aufstellung erkennen läßt:

- 9 -

�Tafel VII

Berufsgruppenzugehörigkeit der männlichen Arbeitslosen und
Mehrfachbeschäftigten

Arbeitslose

Gesamtzahl (Millionen)
Prozent

Mehrfachbeschäftigte

2,21
100,0

2,53
100,0

Akademische u. techa. Fachkräfte

3,4

15,1

Farmer und Farrnverwalter

0,5

20,3

2,9
4,9
3,3
21 ,2

10,1

26,5

13,3

6,5
5,8

8,6

Manager, leitende Angestellte

u . Inhaber (außer Farmern)

Angestellte
auf er
Eand«erker ( V o r a r b e i t e r
Fabrikarbei ter
Dienstleistungsgewerbe
Landarbeiter
H i l f s a r b e i t e r (außer Land-

5,2
9,6
9,8

3,5
&gt;

Wirtschaft u. Bergbau)

25,0

4,5

Etwa ein Drittel der im Dezember 1959 gemeldeten Zweitbeschäftigungen liefen mehr oder weniger auf eine Tätigkeit als Selbständige
hinaus, auf eine Tätigkeit also, die dem normalen Arbeitslosen nicht
-lieh ist. Es besteht im übrigen kein Grund zu der Annahme, daß die
Arbeitsuchenden den Einstellungsbedingungen für die von Mehrfachbeschäffcigten eingenommenen Arbeitsplätzen genügt hätten, auch wenn sie der
iierufsgruppe nach als geeignet gelten könnten und die Betriebe in Reichweite gelegen wären.
Nebenberufliche selbständige
Es wurde bereits weiter oben auf die hohe Quote der Selbständigen
unter den Mehrfachbeschäftigten hingewiesen. Etwa 400 000 Arbeiter oder
Angestellte in nichtlandwirtsohaftllchen Berufen betrieben im Dezember
nebenberuflich ein eigenes Geschäft oder waren in einem akademischen
.ieruf tätig, und 500 000 bewirtschafteten eine Farm. Über ein Drittel
aller mehrfachbeschäftigten Lehn- und Gehaltsempfänger fallen in diese
Kategorie (siehe Tafel VIIl). Unter den Arbeitern im Baugewerbe und i_n_

-

10

�in den-Fertigungsindustrien war die Nebenbeschäftigung als Selbständige
(meist in der Landwirtschaft) 1959 am weitesten verbreitet. Rund ein
Drittel der Mehrfachbeschäftigten im Handel und im öffentlichen Dienst
betrieben nebenher eine Farm oder waren in ihrer Freizeit als Selbständige tätig. Die verfügbaren Zahlenangaben geben keine Aufschlüsse darüber, wie viele dieser Lohn- und Gehaltsempfänger, die als Selbständige
außerhalb der Landwirtschaft tätig waren, ein eigenes Geschäft oder einen
Betrieb besaßen oder einen freien Beruf ausübten.
Tafel VIIX
Anteil der nebenberuflich als Selbständige tätigen Mehrfachbeschäftigten an
der Gesamtbeschäftigung in verschiedenen nichtlandwirtschaftlichen
Wirtschaftszweigen
(Prozent)
Wirtschaftszweig der
Erstbeschäftigung

Zweitbeschäftigung als Selbständige
nach Wirtschaftszweigen
Landwirtschaft

Insg.

Mehrfachbeschäftigte in
nichtlandwirtschaftlichen
Berufszweigen insges.'/
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
langlebige Verbrauchsgüter
kurzlebige Verbrauchsguter
Transportgewerbe u. Versorgungsbetriebe
Groß- u. Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe und
Geldwirtschaft
öffentlicher Dienst
1)

Übrige
Wirtschaft

56,2

19,5

16,7

54,5
45,5
46,5
42,8

40,9
25,5
26,7
23,0

15,4
19,8
19,8
19,8

25,5
54,7

12,1
19,5

15,2
15,2

24,1
32,0

7,4
14,7

16,7
17,5

Einschließlich Forstwirtschaft, Fischereiwesen und Bergbau.

Geleistete Wochenstunden der Mehrfachbeschäftigten
Da bei der Umfrage im Dezember 1959 von einem großen Teil der Mehrfachbeschäftigten die Zahl der auf der Erststelle geleisteten Wochenstunden
als die Gesamtwochenstundenzahl angegeben worden ist, läßt sich ein Vergleich mit den von Arbeitskräften mit nur einer Stelle geleisteten Wochenstunden nicht durchführen. Fest steht aber, daß der Prozentsatz derjenigen,
die mehr als 40 Wochenstunden arbeiteten, unter den Mehrfachbeschäftigten
zwei bis dreimal so hoch war wie bei den übrigen Berufstätigen. Dies gilt

-

11

-

�gilt insbesondere wieder für die Lohn- und Gehaltsempfänger im Baugewerbe, in den Fertigungsindustrien, im Transportgewerbe, in den Versorgungsbetrieben und im öffentlichen Dienst. Die selbständigen Farmer
und Geschäftsleute arbeiteten ia jedem Falle, gleichgültig ob Mehrfachbeschäftigte oder nicht, weit über die normale Stundenzahl.
Zwei Drittel der Mehrfachbeschäftigten waren an ihrer Erststelle
ganztägig (d.h. 35 u*id mehr Wochenstunden) und an ihrer Zweitstelle
stundenweise (weniger als 35 Wochenstunden)beschäftigt (siehe Tafel
IX) . Ein Drittel dieser Arbeiter und Angestellten war nebenberuflich
als Selbständige oder in einem freien Beruf tätig. Der größte Teil
der übrigen Mehrfachbeschäftigten war in beiden Berufen nur halbtags
tätig. Diese Form der Mehrfacharbeit ist vor allem in der Landwirtschaft (52 $,),im Handel (38 $) und im Baugewerbe (34 f°) weitverbreitet} am seltensten ist sie in den Fertigungsindustrien, wo nur 17 Prozent der Mehrfachbeschäftigten zwei Berufe jeweils halbtags ausübten.
Die hier genannten Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Beschäftigte, deren Erst- und Zweitstellen sich auf verschiedene Wirtschaftszweige oder Berufsgruppen verteilen.
Aufgaben künftiger Untersuchungen
Der relativ kleine, dabei aber sehr vielschichtige und volkswirtschaftlich bedeutsame Bereich der Mehrfachbeschäftigung ist längst noch
nicht hinreichend statistisch erfaßt. Es wäre interessant zu erfahren,
wie viele dieser Arbeiter und Angestellten echte Mehrfachbeschäftigte
sind, und wie viele nur als solche geführt werden, weil sie gerade
den Arbeitgeber gewechselt und deshalb in der Berichtswoche zwei Stellen
bekleidet haben. Ältere Statistiken (aus dem Jahre 194&amp;) deuten darauf
hin, daß weitaus die meisten tatsächlich zwei Arbeitsplätze gleichzeitig
innehatten. Eingehendere Informationen über die Einkünfte der Einfachbeschäftigten im Vergleich zu denen der Mehrfachbeschäftigten und über
die von beiden geleisteten Wochenstunden könnten Klarheit darüber schaffen, ob die Arbeitnehmer aus Not oder eigenem Antrieb zwei und mehr
Stellungen annehmen. Die Durchführung einer zusätzlichen Zählung der
Mehrfachbeschäftigten zu einer anderen Jahreszeit könnte gleichfalls
wichtige Aufschlüsse erbringen.

Tafel IX

�N

Tafel IX
1

Die Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf Ganztags- und Halbtagsarbe i t '
nach Wirtschafts zweigen der Erstbeschäftigung aufgeschlüsselt3)
(Stand Dezember 1959
(Prozent)
Wirtschaftszweig oder
Berufssparte der Erstbeschäftigung

insg. Ganztägig
an beiden
Arbeitsstellen

Ganttägjg lalbtags an
an Erst- beiden Arstelle
Beitsstellen
halbtags
an Zweitstelle

Sämtliche Mehrfachbeschäftigte

100,0

3,7

66,5

29,8

Landwirtschaft
Lohn- u. Gehaltsempfänger
Selbständige u. unbezahlte
Helfer in Familienbetrieben
Übrige Wirtschaft
.2)
Lohn- u* Gehaltsempfänger'
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
Langlebige Verbrauchsgüter
Kurzlebige Verbrauchsgüter
Transportgewerbe u. Versorgungsbetriebe
Groß- u. Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe
und Geldwirtschaft
Öffentlicher Dienst
Selbständige u. unbezahlte
Helfer in Familienbetrieben

100,0
100,0

3,9

44,2

51,9

100,0
100,0
100,0
100,0
100,0
100,0

5,1

5,5
5,7

42,9
68,9
69,6
66,2
77,9
78,0

52,0
27,4
26,8
33,8
16,6
16,3

100,0

5,1

77,7

17,3

100,0
100,0

5,0
2,9

71,4
59,2

100,0
100,0

4,1
0,5

64,2
72,8

31,7

100,0

4,4

60,8

34,8

-

3,7
3,6
•»

.

23,6

37,9
26,7

1 ) Als Ganztagsarbeit wurde jede Tätigkeit mit 35 u. mehr Wochenstunden ge-

zählt, als Halbtagsarbeit jede Tätigkeit mit weniger als 35 Wochenstunden.
2) Einschließlich Forstwirtschaft, Fischereiwesen und Bergbau

3) Die Angaben beschränken sich auf Mehrfachbeschäftigte mit unterschiedlicher Tätigkeit im Haupt- und Nebenberuf.

• # * * «

�Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause

Die Zahl der Betriebsunfälle in der amerikanischen Industrie hat
in den letzten Jahren stetig abgenommen. Seit 1952 ist dabei die Unfallhäufigkeitsrate um rund 20 Prozent zurückgegangen. Im allgemeinen ist
der amerikanische Arbeiter an seinem Arbeitsplatz heute sicherer als
in seinem Heim,
Wesentlichen Anteil an diesem eindrucksvollen Erfolg auf dem Gebiet der betrieblichen Sicherheit und der Unfallverhütung haben dabei
sowohl die Unternehmen als auch die Gewerkschaften gehabt. Insbesondere
durch ihre in enger Zusammenarbeit entstandenen Sicherheitsprogramme,
die in der Praxis meist von einem gemeinsamen Arbeitgeber-Arbeitnehmerausschuß überwacht werden, haben sie es im Laufe der Zeit zuwege gebracht, den Arbeitnehmern ein gewisses "Sicherheitsbewußtsein" einzuhämmern und ihnen den Wert der betrieblichen Sicherheitseinrichtungen
klarzumachen.
Ein gutes Beispiel dafür, welch große Erfolge mit einem wohldurchdachten und ständig verbesserten Sicherheitsprogramm in einem Industriebetrieb erzielt werden können, bietet die North American Aviation, Inc.,
die seit 1941 ein koordiniertes Programm in all ihren Zweigwerken durchführt und in dieser Zeit die Unfallhäufigkeitsrate so weit senken konnte,
daß sie heute rund 50 Prozent unter dem Durchschnitt der amerikanischen
Flugzeugindustrie liegt.
Zu diesem Sicherheitsprogramm, das von den Betriebsingenieuren zusammen mit den Werkshygienikern ständig weiter ausgebaut und überwacht
wird, gehört neben der Entwicklung und dem Einbau von Sicherheitsvorrichtungen an den Produktionsmaschinen und der Ausrüstung der Mitarbeiter mit den jeweils erforderlichen Schutzvorrichtungen (Sicherheitsbekleidung,
,j Schutzbrillen, feuerfeste Schuhe, Schutzmasken und
-Schilde, Sicherheitshelme usw.) insbesondere die theoretische Ausbildung sämtlicher Betriebsangehörigen in Fragen der Unfallverhütung.
Die Unterweisung der Mitarbeiter - insbesondere aber der neu eingestellten - in Fragen der Sicherheit und der Unfallverhütung obliegt
in den Betrieben der North American Aviation, Inc. den Mitgliedern des
Unfallverhütungsausschufises, die jeweils für die Durchführung und Überwachung der Sicherheitsmaßnahmen einer Abteilung verantwortlich sind.
Sie werden aus dem Kreis jener Mitarbeiter ausgewählt, die einerseits
die produktionstechnischen Einrichtungen der Abteilung genau kennen und
die zum anderen als umsichtig gelten und noch keine Unfälle aufzuweisen
hatten. Die Ennennung zum "Sicherheitsobmann" erfolgt auf Zeit, um
auf diese Weise möglichst viele Mitarbeiter durch Übertragung dieser
verantwortungsvollen Funktionen mit den Aufgaben der Unfallverhütung
vertraut zu machen. Seit der Einführung des betrieblichen Unfallverhütungsprogramms wurden bei diesem Unternehmen bisher 13 500 Mitarbeiter zu Sicherheitsausschußmitgliedern ernannt.

Die

- 14 -

�Die Hauptaufgabe der "Sicherheitsobmänner" besteht einmal in der
Überwachung und Kontrolle der unfallgefährdeten Arbeitsplätze sowie
der eingebauten Sicherheitseinrichtungen und zum anderen in der Unterweisung sämtlicher Arbeitnehmer in Fragen der Betriebssicherheit und
der Unfallverhütung. Dies geschieht in der Regel in persönlichen Gesprächen und an Hand praktischer Beispiele, um so das "Unfallbewußtsein" der Mitarbeiter zu wecken und sie zur aktiven Mitarbeit bei der
Unfallverhütung zu erziehen.
Diese Bemühungen zur Steigerung der betrieblichen Sicherheit auf
der unteren Ebene werden dann noch im gesamtbetrieblichen Rahmen durch
verschiedene andere Aufklärungskampagnen ergänzt, wie etwa durch Anzeigen in der 7/erkzeitschrif t, Veröffentlichung besonderer Erfahrungsberichte einzelner Mitarbeiter über die Wirksamkeit bestimmter Schutzvorrichtungen sowie durch das Aushängen von Warnplakaten oder die Verteilung von Merkblättern. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Mitarbeiter immer wieder an die Gebote der betrieblichen Sicherheit und des
Unfallschutzes zu erinnern.
Sind trotz des Vorhandenseins von Schutzvorrichtungen irgendwelche
Unfälle eingetreten, so werden die Unfallursachen eingehend von den
Sicherheitsingenieuren analysiert, nicht etwa, um einen "Schuldigen"
zu finden, sondern um die bestehenden Einrichtungen so zu verbessern,
daß eine Wiederholung unmöglich ist, oder aber neue zu entwickeln.
Jede Abteilung der "North American Aviation", Inc." besitzt
außerdem noch einen Betriebshygieniker, dessen Aufgabe darin besteht,
dem Management Vorschläge darüber zu unterbreiten, welche Maßnahmen
getroffen werden können, um gesundheitliche Schäden bei den Mitarbeitern
zu verhindern, die etwa durch Gase, Rauch, Lärm, Strahlungswärme oder
die sanitären Einrichtungen entstehen können.

(Quelle: Eigenbericht)

# * * * *
flewerkschaftli che Kurzmeldungen
Industriearbeiterlöhne im Januar unverändert
Sowohl die Industriearbeiterlöhne als auch die Lebenshaltungskostenwiesen im Januar gegenüber dem Vormonat keinerlei Veränderungen auf, wie
aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriums hervorgeht.
Für einen Arbeitnehmer mit drei Angehörigen belief sich die durchschnittliche Höhe des Nettolohnes auf 79»97 Dollar pro Woche, während
Arbeitnehmer ohne Angehörige 72,44 Dollar erhielten.
Da

�Da sich der Lebenshaltungskostenindex in den Monaten Dezember
und Januar nur unwesentlich veränderte, blieb demzufolge auch der
Reallohn unverändert. Im Vergleich zu November 1960 ist jedoch ein
Rückgang der Kaufkraft um rund 1 Prozent festzustellen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

5 Millionen Dollar für Verbesserungsvorschläge bei "GM"
Für die 111 203 im Laufe des vergangenen Jahres von den Mitarbeitern der "General Motors Corporation" eingereichten betrieblichen Verbesserungsvorschläge wurden von dem Unternehmen mehr als 5 Millionen
Dollar an Prämien ausgeschüttet.
Wie der Verwaltungsdirektor, Louis G. Seaton, weiter bekanntgab,
hat sowohl die Zahl der eingereichten Vorschläge als auch die Prämiensumme gegenüber 1959 beträchtlich zugenommen. 1959 wurden 87 264 Vorschläge abgegeben und 4 Millionen Dollar an Prämien verteilt. Von den
i960 von den Arbeitnehmern eingereichten 111 203 Verbesserungsvorschlägen wurde jeder vierte angenommen. Seit Einführung des betrieblichen
Vorschlagsprogramms hat General Motors damit bisher 46 Millionen Dollar
für Prämien aufgewendet.
(Quelle: Eigenbericht)
* -x- * -x- *
Leo Bamberger gestorben
Leo Bamberger, einer der ältesten amerikanischen Gewerkschafter,
der im Jahre 1882 zusammen mit 20 anderen bekannten Gewerkschaftsführern den "Labor Day", den amerikanischen "Tag der Arbeit", proklamierte, ist jetzt im Alter von 92 Jahren in Philadelphia gestorben.
Bamberger, der damals die von ihm mitgegründete Gewerkschaft der
Photograveure vertrat, gehörte zusammen mit Samuel Gompers und Peter
McGuire zu den eifrigsten Befürwortern eines "Feiertages zu Ehren der
schaffenden Menschen". Diese Bemühungen der alten Garde der amerikanischen Gewerkschaften wurden im Jahre 1894 mit der Unterzeichnung des
"Labor-Day"-Gesetzes durch Präsident Grover Cleveland gekrönt, wodurch
der jeweils erste Montag im September zum offiziellen Feiertag erhoben
wurde.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * « *-

-

16

-

�Neuer 5-Jahres-Vertrag in der Damenoberbekleidungsindustrie
Von den Unternehmen der Damenoberbekleidungsindustrie in neun
amerikanischen Bundesstaaten und der ILGWU-Gewerkschaft wurde jetzt
ein neuer Tarifvertrag unterzeichnet, der eine Erhöhung der Löhne
von rund 90 000 Arbeitnehmern um 5 1/2 Prozent vorsieht und der eine
Laufzeit von 3 Jahren hat.
Auf Grund dieses neuen Tarifvertrages werden die Mindestlöhne
für Zuschneider auf 85 Dollar, für Bügler auf 72»50 Dollar und für
Hilfskräfte auf 61 Dollar pro Woche angehoben. Die bisherigen Durchschnittslöhne für Zuschneider beliefen sich jedoch auf 125 Dollar pro
Woche, die für Hilfskräfte auf 65 Dollar.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Wiederholung von Funktionärswahl auf Grund des neuen Gewerkschaftsgesetzes
Die erste Wiederholung einer gewerkschaftlichen Funktionärswahl
auf Grund einer Anfechtungsklage, der von einem amerikanischen Bezirksgericht unter Berufung auf den "Labor-Management Reporting «and
Disclosure Act of 1959" stattgegeben wurde, fand jetzt unter Aufsicht
de3 US-Arbeitsminis teriuims in Jacksonville (Florida) statt.
Die Wiederholung der Funktionärswahl war deshalb erforderlich
geworden, w-eil über die im Januar 196O durchgeführte Wahl beim USArbeitsministerium eine Beschwerde wegen Verstoßes gegen die Bestimmungen des Gewerkschaftsgesetzes aus dem Jahre 1959 eingegangen war.
Auf Grund der durchgeführten Untersuchungen hatte dann der US-Arbeitsminister am 28. September i960 eine Anfechtungsklage beim Bezirksgericht in Jacksonville eingereicht, in der er die Annullierung der Wahl
forderte.
Nach Feststellung des Untersuchungsausschusses des Arbeitsministeriums, so hieß es dabei in der Klageschrift, seien drei Verstöße
gegen das Gesetz bei der Abhaltung der Funktionärswahl festgestellt
worden: 1. seien die Geheimhaltungsvorschriften nicht beachtet worden;
2. habe es die Gewerkschaft versäumt", einen Wahlausschuß zur Auszählung
der Stimmen und zur Bekanntgabe des Ergebnisses zu nominieren; und
3. sei die Gewerkschaft den Gesetzesvorschriften insofern nicht nachgekommen,, als sie den Mitgliedern das Wahlergebnis nicht innerhalb von
15 Tagen schriftlich zugestellt habe.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

17

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen
Eisenbahner

Seite

1

Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung
in den USA

Seite

6

Private Pensionspläne gewinnen immer größere
Bedeutung
.

Seite

12

Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten

Seite

14

Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen Eisenbahner
Aus "The Railway Clerk"
Nachdruck nur mit Angabe der Quelle
gestattet.
Das Sozialversicherungsgesetz für die
Eisenbahnbediensteten, das im Jahre 1935
vom US-Kongreß erlassen worden ist, wurde
zum Vorbild für die gesamte Sozialgesetzgebung in den Vereinigten Staaten.
Die Zeitschrift der amerikanischen Eisenbahner, "The Railway Clerk", gedachte
in der Septembernummer vom vergangenen
Jahr des 25« Jahrestags des Erlasses
dieses wichtigen Gesetzes mit einem
Artikel, den wir nachstehend im vollen
Wortlaut wiedergeben.

-

1 -

�Vor 25 Jahren wurde die Sozialversicherung der amerikanischen
Eisenbahner geschaffen. Anfangs eine reine Altersversicherung, entwickelte sie sich im Laufe der Jahre zu einem umfassenden Sozialwerk, das den Bahnbediensteten in allen ernsteren Notlagen Schutz
gewährt, in die sie im Laufe eines Lebens geraten können.
Die Eisenbahner und ihre Familienangehörigen haben im Falle der
Erreichung der Altersgrenze, der Invalidität, des Todes, der Arbeitslosigkeit und Erkrankung keine ernsthaften Geldeinbußen mehr zu gewärtigen.
Die Eisenbahner-Altersversicherung sichert den Pensionären und
ihren Angehörigen sowie den Vollinvaliden eine feste Grundrente zu.
Im Todesfall erhält die Familie des Verstorbenen Hinterbliebenenrente.
Im Falle der Arbeitslosigkeit oder längerer Krankheit hat der Bahnbedienstete Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung.
Rund eine Million Arbeiter und Angestellte der Bahnen und ihrer
Zulieferbetriebe werden vom Eisenbahner-Sozialwerk erfaßt, von denen
800 000 länger als zehn Jahre als Eisenbahnbedienstete im Sinne des
Gesetzes beschäftigt sind. Die Berufseisenbahner sind es auch, die
unter dem Sozialwerk den größten Schutz genießen.
Zehn Jahre Dienstzeit sind die Mindestvoraussetzung für die Gewährung von Alters- oder Hinterbliebenenrente. Nach zehn Dienstjähren
besteht ein lebenslänglicher Anspruch auf Invalidenrente und auf
Altersrente nach Erreichung des 65. Lebensjahres.
Im Falle der Erreichung der Altersgrenze oder des Todes noch vor
dem Ablauf der ersten zehn Dienstjahre werden die erworbenen Rechte
an die allgemeine gesetzliche Sozialversicherung übertragen, deren
Leistungsnormen dann zur Anwendung gelangen. Arbeitslosenunterstützung
und Krankengeld werden ohne Wartezeiten an alle Versicherten gezahlt,
wobei die Berufseisenbahner bei der Arbeitslosenversicherung wiederum
bessergestellt sind.
Bisher wurden Leistungen in Höhe von insgesamt 10 Milliarden Dollar
an Eisenbahnbedienstete und deren Angehörige gezahlt. Allein im Haushaltsjahr 1959/60 bezogen 1,25 Millionen Berechtigte Versicherungsleistungen
in Höhe von über einer Milliarde Dollar. Die Steigerung der Leistungen
und die Verbesserung des Versicherungsschutzes haben das EisenbahnerSozialwerk in den 25 Jahren seines Bestehens gekennzeichnet.
Durch eine ganze Reihe von Gesetzesänderungen wurden der Kreis der
Versicherten laufend vergrößert und die Leistungssätze verbessert. Das
hat dazu geführt, daß die jährlichen Versicherungsleistungen inzwischen
auf über eine Milliarde Dollar gestiegen sind, während in den ersten
neun Jahren nach der Gründung des Sozialwerkes insgesamt nur eine
Milliarde ausgezahlt wurde. Die Zahl der Empfänger von Alters- oder
Hinterbliebenenrente ist heute doppelt so hoch wie vor zehn und fünfmal so hoch wie vor 20 Jahren. Im Jahre 1938 lag die Durchschnittsaltersrente bei 62 Dollar gegenüber heute 131 Dollar.
Die

�Die Sozialversicherung der Eisenbahner bietet viele besondere
Vorteile, von denen hier kurz die wichtigsten angeführt seien:
hohe Leistungen im Verhältnis zum früheren Arbeitseinkommen,
Anrechnung der vor der Schaffung des Sozialwerks geleisteten
Dienst jähre,
feste Anwartschaft nach zehn Dienst jähren,
Möglichkeit der Gewährung von Altersrente bereits nach Erreichung des 60. Lebensjahres,
großzügige Handhabung der_ Gewährung von Invalidenrenten,
Gewährung von Altersrente, auch wenn der Empfänger noch in
einem anderen Betrieb - nicht in einem Eisenbahnbetrieb weiterarbeitet,
Altersrentner des Eisenbahner-Sozialwerkes können auch Leistungen aus anderen Versicherungen beziehen,
Witwen sind mit Erreichung des 60. Lebensjahres zum Bezug
von Leistungen berechtigt, und
die Leistungen liegen höher als die Beiträge.
Für die Zukunft ist eine weitere Steigerung der Versicherungsleistungen geplant. Als das Sozialwerk seine Tätigkeit aufnahm, betrug der
Höchstsatz für die Altersrente 120 Dollar pro Monat; heute liegt er bei
205 Dollar. Seine weitere Anhebung ist sicher; in zehn Jahren wird er
242 Dollar und in 20 Jahren voraussichtlich 325 Dollar pro Monat betrage
Eine der auf das Eisenbahner-Sozialwerk beschränkten Bestimmungen die Gewährung von Hinterbliebenenrente im Falle des Todes des Ernährers der
Familie - sieht für die Berechtigten beachtliche Leistungen vor. Wenn
das Sozialwerk auch in erster Linie eine Altersversicherung darstellt,
so sind doch etwa ein Drittel aller Leistungsempfänger Hinterbliebene.•
Der Witwensatz beträgt im Durchschnitt 75 Dollar pro Monat; für Witwen
mit einem Kind erhöht er sich auf 150, für Witwen mit zwei und mehr
Kindern auf 200 Dollar. Eltern verstorbener Eisenbahnbediensteter erhalten im Durchschnitt 80 Dollar im Monat.
Sofern im Falle des Ablebens eines Versicherten keine Rente fällig
ist, wird ein einmaliges Sterbegeld von durchschnittlich 570 Dollar gewährt. Sind die Voraussetzungen für eine Hinterbliebenenrente nicht erfüllt, kann eine Abfindung geleistet werden; diese beträgt im Durchschnitt 1700 Dollar.
Arbeitslose, erkrankte oder verletzte Eisenbahner erhalten Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung. Im Falle der Arbeitslosigkeit richten sich die Zahlungen nach dem Jahresverdienst, oder es wird
eine Unterstützung in Höhe von 60 Prozent des täglichen Grundlohns,
höchstens aber 10,20 Dollar pro Tag gewährt. Die Leistungsdauer ist
normalerweise auf 26 Wochen beschränkt. Versicherte mit langer Dienstzeit können derartige Leistungen 13 bzw. 26 Wochen über die normale
Zeit hinaus erhalten. Für Kranke und Verletzte werden Leistungen in
gleicher Höhe gewährt, allerdings nur bis zur Höchstdauer von 26 Wochen.
Das

�Das Eisenbahner-Sozialwerk unterstützt arbeitslose Versicherte
auch bei der Arbeitssuche. Ein eigener Stellenvermittlungsdienst
weist auf Antrag offene Stellen nach und trägt auf diese Weise dazu
bei, den Eisenbahnbediensteten einen lohnenden Arbeitsplatz zu gewährleisten und gleichzeitig die Aufwendungen für die Arbeitslosenunterstützung so niedrig wie möglich zu halten.
Im Rahmen eines "Partnerschaftsprogrammes" arbeiten das Management
der Eisenbahngesellschaften, die Eisenbahnergewerkschaften und das
Sozialwerk eng zusammen, um stellenlosen erfahrenen Bahnbediensteten
einen neuen Arbeitsplatz zu beschaffen. Die Eisenbahnen ihrerseits
haben außerdem noch Arbeitsvermittlungsberater, die ihre Dienste
jedem stellensuchenden Eisenbahner zur Verfügung stellen.
Das Bundesamt für Eisenbahnerversorgung (Railroad Retirement
Board) ist für die Durchführung des Eisenbahner-Pensionsgesetzes(Railroad Retirement Act) und des Eisenbahner-Arbeitslosenversicherungsgesetzes (Railroad Unemployment Insurance Act) verantwortlich. An der
Spitze des Bundesamtes steht ein Aufsichtsrat aus drei Mitgliedern,
die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten mit Zustimmung des Senats
ernannt werden. Der Vorsitzer ist mit der Wahrung des öffentlichen
Interesses beauftragt; die beiden anderen Mitglieder werden von den
Eisenbahngesellschaften bzw. den Eisenbahnergewerkschaften vorgeschlagen. Horace W. Harper, der gegenwärtig als Gewerkschaftsvertreter im
Aufsichtsrat sitzt, gehört der Gewerkschaft der Angestellten der Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschaften (Brotherhood of Railway and Steamship Clerks, Freight Handlers, Express and Station Employees) an.
Die Beiträge zum Eisenbahner-Sozialwerk werden von Arbeitnehmern
und Arbeitgebern gemeinsam und zu gleichen Teilen aufgebracht; sie
betragen gegenwärtig 6 3/4 Prozent des Bruttoverdienstes bis zu einer
Höhe von 400 Dollar pro Monat, Erwirtschaftete Überschüsse werden in
Obligationen des US-Schatzamtes angelegt; die Zinserträge aus den gegenwärtigen Rücklagen in Höhe von 4 Milliarden Dollar stellen ihrerseits
wieder einen wesentlichen Einnahmeposten dar.
Die Finanzlage des Sozialwerks wird im Augenblick als befriedigend
angesehen. Das unter versicherungsmathematischen Gesichtspunkten gegebene Defizit ist nicht so groß, daß es die Leistungsfähigkeit gefährdet. Allerdings ist eine weitere Leistungssteigerung, soll die
Rentabilität nicht weiter verschlechtert werden, nur durch die Erschließung zusätzlicher Einnahmequellen möglich.
Die im Falle des Eisenbahner-Sozialwerks angewandte Finanzierungsmethode setzt die Ansammlung größerer Reserven voraus, deren Zinserträge
im Verein mit dem Beitragsaufkommen und anderen Einkünften die Gewährung
der vorgesehenen Leistungen unter Beibehaltung unveränderter oder im
wesentlichen unveränderter Beitragssätze gestatten. Dieses Verfahren
läßt sich als Finanzierung auf der Basis einer Durchschnittsprämie
in Verbindung mit der Schaffung entsprechender Rücklagen in Form von
Deckungskapital bezeichnen. Auf diese Weise wird eine relative Stabilität der Beitragssätze, eine gerechte Verteilung der Lasten auf die
jüngeren und älteren Mitglieder, die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit der Versicherung und eiie laufende Übersicht über die derzeitigen und künftigen Aufwendungen gewährleistet.
Wollte

�Wollte das Sozialwerk ohne Reserven auskommen, d.h. wollte es
seine Leistungen lediglich aus den laufenden Einnahmen bestreiten,
so müßten die Beiträge mehrere Jahrzehnte lang Jahr für Jahr erhöht
werden und damit schon "bald einen weit über der im Gesetz vorgesehenen Höhe liegenden Stand erreichen.
Die Verwaltungskosten liegen gegenwärtig bei 1 Prozent der
gezahlten Leistungen. Für die Arbeitslosen- und Krankengeldversicherung liegen sie bei 3 Prozent. Dieser relativ hohe Anteil erklärt sich aus der Tatsache, daß im Falle der Arbeitslosigkeit oder
Erkrankung alle zwei Wochen ein neuer Antrag auf Unterstützung gestellt werden muß.
Sitz des Eisenbahner-Sozialwerkes ist Chicago. Über das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten verstreut, gibt es rund 100 Zweigbüros,be
denen sich-diei Eisenbahnbediensteten in Versicherungsfragen Auskunft
holen können und die ihnen bei der Stellung von Anträgen auf Gewährung
von Versicherungsleistungen behilflich sind.
Während der 25 Jahre, die das Sozialwerk nunmehr tätig ist, haben
die Eisenbahner es als ihren sichersten Schutz vor wirtschaftlicher
Not kennen und schätzen gelernt. Form und Leistungen haben sich im
Laufe der verflossenen zweieinhalb Jahrzehnte in Anpassung an die
jeweiligen Erfordernisse geändert. Die tatsächlichen Leistungen
des Sozialwerkes - sowohl was die Größe des erfaßten Personenkreises als auch was die Höhe der gewährten Unterstützung angeht - haben
die ursprünglichen gesetzlichen Zielsetzungen bereits weit überschritten. Die in der Vergangenheit erzielten Fortschritte lassen
den Schluß zu, daß das Eisenbahner-Sozialwerk auch in Zukunft eine
wichtige Rolle bei der Sicherung des Wohlergehens der aus dem aktiven Berufsleben ausgeschiedenen Eisenbahner und ihrer Angehörigen
spielen wird.

Aus "The Railway Clerk"
Nachdruck nur mit Angabe der
Quelle gestattet.

* * * * *

-

5 -

�N. Arnold Tolles:
Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung in den USA

Aus "Monthly Labor Review"
Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.

Die Mindestlohngesetzgebung in den Vereinigten Staaten dient
im großen und ganzen dem begrenzten Ziel, die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer anzuheben. Wurde dieses begrenzte Ziel erreicht?
Vor einem halben Jahrhundert prophezeiten viele führende Wirtschaftler,
daß Regierungsmaßnahmen nicht geeignet seien, das Arbeitseinkommen
ungelernter Kräfte zu verbessern. Sie begründeten ihren Standpunkt
mit dem Argument, das "spezifische Arbeitsprodukt" (heute als Grenzprodukt bezeichnet) bestimme die Reallöhne und jede "willkürliche
Maßnahme", die den Arbeitgeber zur Erhöhung der Löhne zwinge, werde
lediglich zur Entlassung jener Arbeitskräfte führen, die bis dahin
weniger als das vorgeschriebene Minimum verdient hatten.
Wir wissen heute aus Erfahrung, daß die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeiter durch staatliche Maßnahmen sehr wohl erhöht werden
können. In den Vereinigten Staaten ist dies in den letzten 40 Jahren
vielfach mit Erfolg getan worden.
Ein weiterer Einwand gegen staatlich festgesetzte Mindestlöhne
besagte, daß der gesetzliche Mindestlohn zum tatsächlichen Mindestlohn werde. Der Arbeitgeber habe, so wurde bei diesem Argument impliziert, mit einem festen Lohnkostenanteil zu rechnen und zahle seinen Arbeitern und Angestellten insgesamt ohne-hin so viel aus, wie der
Betrieb gerade noch zu tragen vermag. Wird der Lohn der niedrigbezahlten Arbeitskräfte erhöht, behauptete man damals, so wird eine
Kürzung der Bezüge der höherbezahlten Mitarbeiter die zwangsläufige
Folge sein. Die tatsächlichen Erfahrungen haben meines Wissens diese
Behauptungen in keinem Falle erhärtet.
Die "direkten" Auswirkungen einer Neufestsetzung der Mindestlöhne auf die Lohnkosten eines Unternehmers sind sehr einfach zu
errechnen. Um aber möglichst alle Auswirkungen eines neuen Mindestsatzes im voraus zu bestimmen, müssen wir darüber hinaus auch die
indirekten Wirkungen auf die Löhne oberhalb des Mindestsatzes, den
sogenannten "Stoßeffekt", in unsere Untersuchungen einbeziehen.
Das Ausmaß des Einflusses von erhöhten Mindestlohnsätzen auf die
Löhne hängt von zahlreichen, vielschichtigen Faktoren ab. Altere
Untersuchungen der Auswirkungen der ersten einzel3taatlichen Mindestlohngesetze stützten sich vielfach auf sehr lückenhafte Statistiken
und waren im allgemeinen nicht differenziert genug. Die Analysen der
dreißiger und vierziger Jahre, die vom Bundesamt für Arbeitsstatistik
(Bureau of Labor Statistics) im US-Arbeitsministerium durchgeführt
wurden und die Auswirkungen der Bundes-Mindestlohngesetze auf verschiedene Industriezweige zum Gegenstand hatten, waren bereits viel

-

6 -

�viel tiefschürfender. Noch wesentlich aufschlußreicher sind aber
die jüngsten Untersuchungen der Auswirkungen der im Jahre 195&amp; durch
Bundesgesetz verfügten Heraufsetzung des Minde-stlohnes auf einen
Dollar, die von den Abteilungen Löhne und Arbeitszeit und Öffentliche
Arbeiten im Bundesamt für Arbeitsstatistik gemeinsam durchgeführt
worden sind.
Ich möchte hier aber nicht weiter auf das Material eingehen,
das bereits publiziert worden ist oder demnächst veröffentlicht
werden wird, sondern vor allem auf die Ergebnisse der jüngsten
Untersuchungen der Auswirkungen des Gesetzes des Staates New York
über die Erhöhung des Mindestlohnes auf einen Dollar. Hier wird
der Versuch unternommen, eingehendere Aufschlüsse über die möglichen
Auswirkungen einer Erhöhung der Mindestlohnsätze unter den verschiedensten Verhältnissen zu erlangen und vor allem herauszufinden,
warum die Entwicklung diesen oder jenen Verlauf nimmt. In Ergänzung
dieser Erhebungen, die von der Hauptabteilung Arbeitsfragen des
Staates New York eingeleitet wurden, haben Wissenschaftler der
Cornell-Universitat eine größere Zahl von Einzelhandelsgeschäften
befragt. Ich denke hier vor allem an eine bisher unveröffentlichte
Arbeit von Miae Marian Stever, eine Dissertation zur Erlangung der
Doktorwürde am Institut für Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
(School of Industrial and Labor Relations) der Cornell-Universität
in Ithaca im Staat New York, und die darin mitgeteilten ersten Ergebnisse,
Miss Stever sah bewußt davon ab, einen repräsentativen Querschnitt
auszuwählen; sie wandte sich vielmehr an 42 Einzelhandelsgeschäfte
in Syracuse und Auburn (New York) mit jeweils wenigstens einem Mitarbeiter, dessen Lohn bisher unter dem neuen Minimum im Einzelhandel
lag. Auf diese Weise gewann sie eine Gruppe von Arbeitgebern, die die
Auswirkungen des neuen Mindestlohnes in jedem Fall stärker zu spüren
bekommen hatten als der übrige Einzelhandel im Staat New York. Ein
Viertel dieser Ladengeschäfte mußte seine Lohnaufwendungen bei sonst
gleichbleibenden Betriebsverhältnissen um durchschnittlich 16 Prozent
erhöhen, um dem Gesetz nachzukommen. Der Gesamtdurchschnitt für sämtliche 42 Läden lag dagegen bei 7»7 Prozent. Der prozentuale Anteil
dieser direkten Auswirkungen an der Gesamtlohnsumme sämtlicher Läden
war noch wesentlich geringer als es anhand des rechnerischen Gesamtdu'rchschnitts scheint, da die größeren Geschäfte unterdurchschnittlich
betroffen worden sind.
Wie groß waren nun die indirekten Auswirkungen, d.h. der Lohnkostenanstieg aus Lohnerhöhungen auf eine über dem Mindestlohn liegende Höhe? Nach vier Monaten ergab sich eine durchschnittliche Zunahme
pro Geschäft um 2,7 Prozent. In der Hälfte aller Läden wurden innerhalb
jener vier Monate keine über die gesetzlich vorgeschriebene Mindesthöhe von einem Dollar hinausgehenden Lohnerhöhungen vorgenommen. Man
sollte annehmen, daß man die direkten und indirekten Auswirkungen zu
addieren hat und somit eine der Neufestsetzung des Mindestlohnes zuzuschreibende Lohnkostensteigerung von 10,4 Prozent erhält. Dies ist
aber seltsamerweise nicht der Fall. Die Gesamtsteigerung pro Geschäft
wurde mit durchschnittlich nur 7»8 Prozent ausgewiesen und liegt somit

-

7 -

�somit nur knapp über der direkten Lohnkostenzunahme. Dies erklärt
sich aus der Tatsache, daß die Arbeitgeber, deren Lohnaufwendungen
sich durch die Anhebung des Mindestlohns auf einen Dollar am stärksten erhöhten, nicht mit denjenigen identisch waren, deren Lohnaufwendungen auf Grund der Erhöhung von Löhnen auf beliebige andere
Sätze über einem Dollar am stärksten gestiegen sind.
Nachdem wir nun die Dimensionen der Lohnkostensteigerungen in
der ausgewählten Gruppe von Einzelhandelsgeschäften kennen, erhebt sich
die Frage, wie sich die Arbeitgeber in dieser Situation verhalten haben.
Das ist eine wahrhaft verwickelte Frage, was die Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung angeht; und es ist dazu noch eine sehr wichtige
Frage, wenn man ein sachkundiges Urteil über künftige Neufestsetzungen
von Mindestlöhnen abgeben soll.
Die weitaus wichtigste unmittelbare Auswirkung auf die von Miss
Stever befragten Arbeitgeber war das Auffangen von 60 Prozent der Lohnkostensteigerung aus der Erhöhung des Mindestlohnes durch diese selbst.
Sie fanden die verschiedensten Möglichkeiten, um einen Ausgleich für
die übrigen 40 Prozent zu schaffen. Ganz offensichtlich handelt es sich
aber hier nicht um eine allgemeine Gesetzmäßigkeit, und so müßte man
die hier angeführten Ergebnisse in Relation zu dem Zeitpunkt der Heraufsetzung des Mindestlohnes und allen sonstigen Umständen noch eingehender
untersuchen, um Rückschlüsse auf künftige Neufestsetzungen zu einem-anderen Zeitpunkt und unter anderen Umständen ziehen zu können. Aber
allein schon die Möglichkeit, daß eine nahezu achtprozentige Lohnkostensteigerung in einem unter starkem Wettbewerbsdruck stehenden Wirtschaftszweig innerhalb von vier Monaten nach Inkrafttreten des Lohnerhöhungsgesetzes zu 60 Prozent aufgefangen werden konnte, ist gewissermaßen
eine Antwort an alle jene, die die Vertretbarkeit der Heraufsetzung
der gesetzlichen Mindestlöhne negieren. Die Arbeitgeber behielten
allerdings mit ihrem Argument im wesentlichen recht, daß sie es seien,
die den größten Anteil an der unmittelbaren Kostensteigerung zu tragen
hätten.
Welche Maßnahmen haben nun die Arbeitnehmer getroffen, um die verbliebenen 40 Prozent der Lohnkostensteigerung auszugleichen? In den
meisten Fällen griffen sie zu einer Verkürzung der Arbeitszeit. Einzelhandelsgeschäfte können in dieser Hinsicht allerdings nicht als repräsentativ für die Wirtschaft gelten, da sie einen unverhältnismäßig hohen
Prozentsatz an Halbtagskräften beschäftigen. Das hier in Rede stehende
Gesetz enthielt auch Bestimmungen über die Gewährleistung eines Mindestwochenlohns und die Überstundensätze im Einzelhandel. Die Arbeitgeber suchten in einigen Fällen durch die Verlängerung der Arbeitszeit
und in anderen durch ihre Verkürzung die kostensteigernde Wirkung des
Gesetzes soweit wie möglich zu verringern. Diese Angleichungen der
Arbeitszeit führten, auch das sei vermerkt, zum Teil dazu, daß sich
die auf Grund des Gesetzes erwarteten Mehreinnahmen der Arbeitnehmer
etwas verringerten.
Die zweithäufigste Form des Ausgleichs bestätigt in gewissem
Umfang die Vorhersagen der orthodoxesten Gegner der Mindestlohngesetzgebung. Es wurden tatsächlich verschiedentlich Entlassungen vorgenommen.
Sie
-

8

-

�Sie betrafen natürlich gerade jene Mitarbeiter, bei denen ein solcher
Schritt ohnehin nahelag: die relativ Leistungsschwachen, ältere
Arbeiter und Halbtagsbeschäftigte, darunter auch Mitarbeiter, die
auf Grund ihres Aussehens als wenig geeignet für den Verkäuferberuf
galten. Wie viele wurden entlassen? Von den in die Untersuchung
einbezogenen Geschäften mit insgesamt 4300 Beschäftigten nur insgesamt ein Prozent und von denen, die zuvor weniger als einen Dollar
Stundenlohn hatten, 4»$ Prozent. In diesem Falle bestand also
tatsächlich ein negativer Zusammenhang zwischen Beschäftigung und
Mindestlohn.
Neben der Anpassung der Arbeitszeit und der Entlassung von
Arbeitskräften haben die von Miss Stever befragten Einzelhändler
noch eine ganze Reihe von innerbetrieblichen Umstellungen vorgenommen,
um die Ertragskraft zu erhöhen. Einige verkürzten die Verkaufszeiten,
andere trafen eine neue Arbeitseinteilung, legten strengere Maßstäbe
bei Neueinstellungen an, verstärkten die innerbetriebliche Schulung
oder revidierten ihre Lohntabellen. Durch diese und andere Methoden
suchten die Arbeitgeber ihre Nettoerträge pro aufgewandtem Dollar
an Lohnkosten gegenüber der Zeit vor der Erhöhung der Mindestlöhne
zu verbessern - was ihnen in beachtlichem Maße gelang. Keiner der
42 Läden machte bankerott; die Firmen aber, die die größte Lohnkostensteigerung hinnehmen mußten, hatten im ganzen auch den geringsten Erfolg
in dem Bemühen, einen Ausgleich durch Leistungssteigerung herbeizuführen. Hinzu kommt, daß die kleineren Läden weit weniger als die Großbetriebe in der Lage waren, die Kostensteigerung durch Leistungssteigerungen wettzumachen. Eine allmähliche Anhebung der Mindestlöhne um
geringfügige Beträge dürfte aber voraussichtlich in jedem Falle anregend wirken; es bestehen jedoch gute Gründe dafür, bei der Anwendung
dieser "Kur" vorsichtig und nur schrittweise vorzugehen.
Einer der häufigsten Einwände gegen Lohnerhöhungen fand praktisch
so gut wie keine Bestätigung. Nur fünf der 42 Ladeninhaber berichteten
von einer Heraufsetzung der Verkaufspreise, obschon sie sämtlich ausdrücklich danach gefragt worden waren. Dieses negative Ergebnis ist
bedeutsam, erfordert allerdings eine sorgfältige Interpretation. Es
ist richtig, daß sich an den Erlaß dieser spezifischen Mindestlohnverordnung eine Zeit der Hochkonjunktur i» Einzelhandel anschloß, von
der fast alle befragten Firmen profitierten; man sollte annehmen, daß
Preiserhöhungen in dieser Lage das nächstliegende Ergebnis eine.r erforderlich werdenden Lohnkostensteigerung sein würden. Und doch fanden
sich hier keine Anzeichen dafür, daß die Lohnerhöhung einePreiserhöhung
nach sich zog. Man sollte jedoch die Dinge nicht allzusehr verallgemeinern. Der Einzelhandel steht - zumindest in dem untersuchten Gebiet - unter starkem Wettbewerbsdruck. Angesichts einer solchen Sachlage läßt sich eine* Lohnkostensteigerung nicht ohne weiteres an die
Käufer weitergeben. Ganz unabhängig von seinen Betriebskosten muß
der Verkäufer in erster Linie von der Überlegung ausgehen, wie viele
Kunden wohl bereit sein werden, den höheren Preis zu zahlen.
Man sollte ferner nicht übersehen, daß sich die Mehrkosten der
Mindestlohnerhöhung nicht bei allen Läden gleichermaßen in Form einer
einheitlichen Kostensteigerung niederschlugen. Diejenigen Geschäfte,
die die größte Kostensteigerung in Kauf nehmen mußten, hatten

-

9 .

�hatten tatsächlich keine Handhabe, ihre Preise zu erhöhen.- angesichts der Konkurrenten,deren Lohnkosten nur wenig oder überhaupt
nicht gestiegen waren.
Im Staat New York insgesamt waren die Auswirkungen der Neufestsetzung auf den Einzelhandel zweifellos wesentlich geringer
als in der Gruppe von Geschäften, die Miß Stever für ihre Untersuchung ausgewählt hatte. Doch gerade die Analyse von Extremfällen Fällen wie jenen, die ihren Niederschlag in den Untersuchungen über
die Auswirkungen des Bundesgesetzes über die Heraufsetzung des Mindestlohnes auf einen Dollar auf die Industrie und die Verbraucher gefunden haben - gewährt uns Aufschlüsse, die als Richtschnur für zukünftige Neufestsetzungen von Mindestlöhnen dienen können. Wir müssen
vor allem zu erfahren suchen, wann und unter welchen Umständen eine
Neufestsetzung eine wirklich wesentliche Erhöhung der allgemeinen Lohnkosten nach sich ziehen kann. Die Untersuchungsergebnisse verlieren
sofort ihren Wert als Richtschnur, wenn wir in die Untersuchung auch
Unternehmen einbeziehen, die ohnehin bereits fast allen Beschäftigten
Löhne zahlen, die die neuen Höchstsätze erreichen oder überschreiten.
Konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit aber auf die Extremfälle,
so zeichnen sich an Hand der bisherigen Erfahrungen mit der Mindestlohngesetzgebung einige generelle Möglichkeiten ab:
1. Die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeiter lassen sich
heraufsetzen, sofern die gesetzlich vorgeschriebenen Erhöhungen nicht
allzu groß sind und schrittweise vorgenommen werdeil.
2. Die höherbezahlten Arbeitnehmer erleiden auf Grund der Lohnerhöhungen der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer keine Lohnkürzungen.
Nach einer gewissen Zeit können die höherbezahlten Arbeitnehmer vielmehr mit Lohnerhöhungen rechnen, die teilweise auf die Wiederherstellung der früheren Lohnstruktur des Betriebes zurückzuführen sind.
5. Während des Zeitraums unmittelbar nach der Neufestsetzung
machen die Kosten für die Lohnanhebung über das gesetzliche Minimum
hinaus voraussichtlich nur einen kleinen Bruchteil der direkten Kosten
aus, die die Anhebung der Löhne auf das neue gesetzliche Minimum selbst
verursacht.
4. Die direkte und indirekte Lohnkostensteigerung wird voraussichtlich größtenteils vom Arbeitgeber aufgefangen, zum mindesten in der
ersten Zeit unmittelbar nach der Festsetzung der neuen Mindestlöhne.
5. Eines der wichtigsten Ergebnisse einer Heraufsetzung der Mindestlöhne ist vielfach der rationellere Einsatz der Arbeitskräfte.
Die von den einzelnen Unternehmern angewandten Methoden unterscheiden
sich stark voneinander und können die Neuregelung der Arbeitszeit, Erhöhung der Arbeitsnormen, Verschärfung der Ausstellungsbedingungen und
den Ausbau der innerbetrieblichen Schulung einschließen. Die Möglichkeiten zur Durchführung derartiger Verbesserungen sind von Betrieb
zu Betrieb verschieden. Die Betriebe, die den größten Anstieg der
Lohnkosten auf Grund einer Neufestsetzung der Mindestlöhne in Kauf
nehmen müssen, sind nicht notwendigerweise diejenigen, die die größten

10

-

�größten Möglichkeiten zu einem rationelleren Einsatz ihrer Arbeitskräfte haben.
6. Die von den Betrieben vom Konsumenten geforderten Preise
werden in den meisten Fällen von der Erhöhung der Mindestlohnsätze
nicht berührt, es sei denn, daß die Lohnkostensteigerung auf Grund
der Neufestsetzung sehr hoch ist, sich ziemlich einheitlich auf
die gesamte Branche auswirkt oder daß die Verkäufer eine Preisabsprache
treffen.
7« Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes zieht im allgemeinen eine gewisse Verringerung der Be-schäftigung solcher Arbeitskräfte nach sich, auf die die neue Mindesthöhe anzuwenden wäre. Eine
absolute Verringerung der Belegschaften oder der Arbeitszeit tritt
nicht ein, wenn nach den Vorausberechnungen der Unternehmer eine
hinreichende Zunahme der Nachfrage zu erwarten ist. Die prozentuale
Verringerung des Beschäftigtenstandes gegenüber dem Stand vor Erhöhung
der Mindestlohnsätze liegt voraussichtlich unter der prozentualen
Steigerung des Mindestsatzes. Aus diesem Grund ist die Anhebung der
gesetzlichen Mindestlöhne als eine Möglichkeit zur Verbesserung des
Arbeitseinkommens der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer zu bejahen.
8. Die von den Arbeitgebern als leistungsschwach angeseheneren Belegschaftsangehörigen werden am stärksten von der Verringerung der
Beschäftigungsmöglichkeiten auf Grund einer Erhöhung der Mindestlöhne
betroffen. Diese Nebenwirkung gerade auf jene Beschäftigten, die
ohnehin die geringste Aussicht auf einen Arbeitsplatz haben, ist sehr
problemati seh.
Abschließend möchte ich noch zwei persönliche Meinungen äußern,
die nicht notwendigerweise durch das bisher Gesagte erhärtet werden.
Erstens ist nach meinem Dafürhalten die Methode des Aushandelns von
spezifischen Mindestlohnsätzen wesentlich besser als deren Festsetzung
durch Gesetz. Da die absehbaren Auswirkungen von Wirtschaftszweig zu
Wirtschaftszweig verschieden sind, ist eine ins einzelne gehende Untersuchung aller Möglichkeiten durch einen Ausschuß einer generellen
Festsetzung durch Gesetz vorzuziehen.
Meine zweite Anmerkung geht dahin, daß die Mindestlohngesetzgebung eine sehr nützliche Nebenwirkung gezeitigt hat, die von ihren
Verfechtern gar nicht beabsichtigt war. Die gesetzlichen Mindestlöhne
gehören mit zu den vielzitierten "eingebauten Stabilisierungsfaktoren"
in unserem Wirtschaf tsgefüge. Wenn die Gesamtnachfrage r.uf dem Geldmarkt, aus welchem Grunde auch immer, nachläßt, so stehen die Arbeitgeber vor der Frage, ob sich eine weitere Expansion ihres Geschäftes
oder auch nur die Beibehaltung der derzeitigen Investitionsrate noch
lohnt. Einer der wichtigsten Gründe für die Hinauszögerung beabsichtigter Investitionen auf einen späteren Zeitpunkt könnte die Spekulation auf eine Verbilligung der Arbeit sein. Auf diese Weise hilft
die Festsetzung von Mindestlöhnen mit, eine Rezession,wie wir sie
1953/54 und 1957/58 hatten, da ran zu hindern, sich zu einer großen
Depression wie der der dreißiger Jahre auszuwachsen. Das eigentliche

-11

-

�eigentliche Ziel der Mindestlohngesetzgebung ist ein humanitäres die Anhebung der Löhne der schlechtestbezahlten Arbeitskräfte.
Selbst wenn sie nicht geeignet wäre, eine tatsächliche Erhöhung
dieser Löhne herbeizuführen, wäre sie noch immer als ein stabilisierendes Moment der Wirtschaft der Vereinigten Staaten von großer
Wichtigkeit.

Aus "Monthly Labor Review"
Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.

* * * * *

Private Pensionspläie gewinnen immer größere Bedeutung
Einen aufschlußreichen "überblick über dia jüngsten Entwicklungen
auf dem Gebiet der privaten Pensionspläne In den USA sowie über die
Bedeutung, die diese auf Grund von tarifvertraglichen Vereinbarungen
gewährten zusätzlichen Pensionsleistungen für die im Ruhestand lebenden Arbeitnehmer haben, vermittelt eine jetzt vom US-Arbeitsministerium
veröffentlichte Analyse, die sich auf die Ergebnisse von 500 überprüften Pensions planen stützt.
Als die wichtigsten Trends der vergangenen Jahre sind dabei nach
dieser Übersicht die folgenden anzusehen:
1. Die Höhe der Pensionsleistungen wurde weiter heraufgesetzt,
einerseits, um die durch den Anstieg der Lebenshaltungskosten bedingte
Kaui'kraf tmi nderung auszugleichen, und zum anderen, um die Pensionen
den früneien Einkommen der Arbeitnehmer stärker anzugleichen.
Wenn auch im einzelnen die Höhe der Pensionsleistungen der privater Pläne sehr unterschiedlich ist, sc kann man doch eine monatliche
Pension von mindestens 70 Dollar als Richtsatz für einen Arbeitnehmer
annehmen, der nach 50jähriger Dienstzeit im 65. Lebensjahr in den
Ruhestand tri"tt. Bei etwa einem Viertel aller Pläne betrugen die Pensionen sogar 1CC Dollar und mehr.
Rechnet man zu den zusätzlichen Privatpensionen noch die Leistungen aus der staatlichen Sozialversicherung, so ergeben sicn für die
einzelnen Arbeitnehmer monatliche Pensionen zwischen 180 und 220 Dollar.
2. In die meisten privaten Pensicnspläne wurden inzwischen Klauseln aufgenommen, die eine Pensionierung vor Erreichung des gesetzlich
vorgeschriebenen Pe . sionsalteis (65 Jahre) ermöglichen. Eine Pensionierung mit Beginn des 55« oder 60. Lebensjahres ist nach diesen Plänen
bei verminderten Fensionsleistungen vorgesehen.

12

-

�3.
3- Die Gewährung einer Pension bei Eintritt der Vollinvalidität
ist bei den meisten privaten Pensionsplänen ebenfalls vorgesehen. Dabei wurden gleichzeitig die Pensionsleistungen weiter heraufgesetzt
und die Anwartschaftsbedingungen liberali siert.
4. Die allgemeinen Anwartschaftsbedingungen für die Gewährung
einer Pension wurden weiter erleichtert. So wurde bei den meisten
Plänen die Zahl der für die Gewährung einer Pension erforderlichen
Dienstjahre herabgesetzt und die für die Errechnung der Höchstpension
festgelegte Grenze beseitigt, so daß die Arbeitnehmer durch Anrechnung
weiterer Dienstjähre in den Genuß höherer Pensionen kommen können.
5. Die Anwartschaftsrechte auf den Bezug einer Pension bleiben in
der Regel auch dann erhalten, wenn der pensionsberechtigte Arbeitnehmer
den Betrieb vor Erreichung des Pensionsalters verläßt.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Höhe der privaten Pensionsleistungen nach Erreichung von 20 bzw. 30 Dienst jähren.
Zu diesen Leistungen sind die aus der staatlichen Sozialversicherung
gewährten Pensionen noch hinzuzurechnen, die sich bei einem Jahreseinkommen von 4000 Dollar z.B. auf 112 Dollar stellen.
MONATLICHE PENSIONSLEISTUNGEN
Durchschnitt für 100 private Pensionspläne 1)
Arbeitnehmer mit
20 Dienstjahren
Höhe der monatlichen
Pension
( in Dollar )

Durchschnittl.
Jahreseinkommen
( in Dollar )

Arbeitnehmer mit
30 Dienstjahren
Durchschnittl.
Jahreseinkommen
( in Dollar )

4000

4800

5600

100

100

100

Pläne (in Prozent)
100
100

100

unter 50
unter 40
von 40 bis 49

37
22
15

34
21
13

32
20
12

16
9
7

15
9
6

14
8
6

von 50 bis 69

45
36
9

40

24
11
13

23

18

36
4
26

39
36
3

11
12

9
9

29

60

62

67

3
5
5
10
2
-2)

4
2
2
11
8
2

32
3
3
12
7
4

30
2
4
10
6
10

32
3
2
8
5
18

von 50 bis 59
von 60 bis 69
über 70
von 70
von 80
von 90
von 100
von 125
überl50

19
bis
bis
bis
bis
bis

79
89
99
124
150

4
6
3
5
1
-2)

4000

4800

5600

1) Ergebnis aus 300 untersuchten Plänen, durch die 4»7 Millionen Arbeitnehmer erfaßt wurden
2) weniger als 1 Prozent
/ nn
_.
.v
t
'
.
(Quelle: Eigenbericht;
# • * #

-

13

»

-

�Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten
Das Rückgrat der amerikanischen Berufsschulausbildung bildet
auch heute noch die "American Vocational Association" (AVA), die in
diesem Jahr auf eine 55jährige erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken
kann. Aufgabe dieser Institution ist es, die technischen und geistigen Fähigkeiten des beruflichen Nachwuchses in Industrie, Handwerk und
Handel zu fördern.
Die Anfänge des Berufsschulwesens in den Vereinigten Staaten
gehen bis auf das Jahr 1906 zurück. In Erkenntnis des sich ständig
ausweitenden Bedarfs der Wirtschaft an guten und ausgebildeten Fachkräften kam damals in New York eine Gruppe von Geschäftsleuten und
Erziehern in der Absicht zusammen, eine Organisation ins Leben zu rufen, die sich mit der Heranbildung des Nachwuchses befaßte. Sie gründeten damals die "National Society for the Promotion of Industrial Education", die Vorläuferorganisation der heuten "AVA".
Während sich die Organisation in den ersten Jahren hauptsächlich
darum bemühte, in den öffentlichen Schulen den Werkunterricht als erste
Stufe zur praktischen Berufsausbildung zu fördern, konzentrierte sie
in späteren Jahren ihre Bemühungen darauf, in Zusammenarbeit mit Unternehmern, Gewerkschaften und anderen ähnliche Ziele verfolgenden privaten Gruppen und mit Hilfe öffentlicher Mittel.ein umfassendes Netz
von Gewerbeschulen im ganzen Land zu errichten.
Dennoch gingen elf Jahre ins Land, ehe im Jahre 1917 der sogenannte
"Smith-Hughes Act" vom Kongreß verabschiedet wurde, durch den das Berufsschulwesen in den USA einen nationalen Status in Form eines gemeinsamen
Programms von Bund und Einzelstaaten erhielt. Durch das Gesetz wurde
der Rahmen der Berufsausbildung abgesteckt sowie die kontinuierliche
Bereitstellung von Bundesmitteln für die Einzelstaaten zur Förderung
der Berufserziehung in der Land- und Hauswirtschaft sowie im Handwerk
und in der Industrie gewährleistet.
Seit der Verabschiedung dieses Gesetzes hat das Berufsschulwesen
in den Vereinigten Staaten einen steilen Aufstieg genommen. Über eine
Million junger Amerikaner werden heute jährlich neu in die Berufsschulen
aufgenommen, die im Jahre 1959 eine Gesamtschülerzahl von 3»7 Millionen
aufwiesen.
Während im Jahre 1917 nur wenige und dazu schlecht ausgestattete
Schulen im Lande vorhanden waren, gibt es heute in fast allen Distrikten
und Städten der USA mit einer Einwohnerzahl von über 25 000 eine moderne
Berufsschule. In den dünnbesiedelten Gebieten dagegen werden die Berufsschüler auch heute noch in sogenannten Distriktsklassen zusammengefaßt.
Die umfassendsten Programme des amerikanischen Berufsschulwesens
stellen heute die sogenannten "Vorbeschäftigungsklassen" und "Förderungsklassen" dar. Während in den Vorbeschäftigungsklassen die jungen Menschen
für den ins Auge gefaßten Beruf ausgebildet werden, können bereits im
Berufsleben Stehende in den Förderungsklassen ihre praktischen und
theoretischen Kenntnisse erweitern. Die gesamten Aufwendungen für diese

-

14

-

�diese industriellen BerufsförderungsProgramme beliefen sich im Jahre
1959 auf mehr als 73 Millionen Dollar. Rund 11 Millionen davon
stellte der Bund als Zuschüsse zur Verfügung, während die restlichen
62 Millionen Dollar von den Bundesstaaten und Gemeinden aufgebracht
wurden.
Die Lehrpläne der amerikanischen Berufsschulen sind heute genauso
umfangreich und verschiedenartig wie die industriellen Berufe selbst.
Nach dem Grundsatz, den Schüler mit all dem erforderlichen Wissen und
praktischen Können auszustatten, sind die Ausbildungsprogramme nicht
starr, sondern beweglich und so gestaltet, daß sie jederzeit den
wechselnden Bedürfnissen von Industrie und Wirtschaft angepaßt werden
können.
Dem jungen, noch nicht im Berufsleben stehenden Menschen geben
sie die Möglichkeit, sich auf einen Beruf - unter mehreren hundert
verschiedenen - vorzubereiten; dem bereits einen praktischen Beruf
Ausübenden die Gelegenheit, sich fortzubilden und im Beruf aufzusteigen.
Was die Lehrkräfte der heutigen Berufsschulen angeht, so halten sie
jeden Vergleich mit anderen Erziehern aus. Während man sich in den Anfängen des Berufsschulwesens noch damit behalf, Facharbeiter und Handwerker als Ausbilder heranzuziehen, beschäftigt man heute durchweg
ausgebildete Berufsschulkräfte. Viele Universitäten und Colleges der
USA verfügen zudem über besondere Fakultäten, die sich ausschließlich
mit der Ausbildung von Berufsschullehrkräften befassen und den Absolventen ein Abschlußdiplom als Berufsschullehrer erteilen.

(Quelle: Eigenbericht)
« * « « *

-

15

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Fresse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht 'als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche
Leistung
Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung der
Sicherheit am Arbeitsplatz

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1

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14

Donald II. Landay, Abteilung Löhne und industrielle Beziehungen
im US-Arbeitsministerium»
Zusätzliche Krankenkostenversicherung als tarifliche Leistung
Die zusätzliche Krankenversicherung zur Deckung der Kosten bei
langwierigen, ernsten Erkrankungen als Teil der tarifvertraglich vereinbarten betrieblichen Sozialleistungen hat seit ihrer Einführung
vor rund zehn Jahren den größten Aufschwung im Bereich des gesamten
Krankenversicherungswesens in den Vereinigten Staaten erlebt. Bei
einer Untersuchung der Lohnverhältnisse, die das US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik um die Jahreswende 1959/60 in einzelnen' Gemeinden
angestellt hat, ergab sich, daß rund ein Fünftel aller von der Untersuchung erfaßten Arbeitnehmer in den Großstädten einer Krankenkostenzusatzversicherung angehörten, die normalerweise eine Ergänzung
zur Krankenhaus-, Operations- und allgemeinen Krankenkostenversicherung
als der Grundversicherung darstellt.
Trotz der offensichtlich steigenden Beliebtheit der Form der Zusatzversicherung wird diese von verschiedenen Krankenversicherungsexperten der Gewerkschaften abgelehnt. Manche Anzeichen deuten allerdings darauf hin, daß der Widerstand der Gewerkschaften gegen eine
derartige Zusatzversicherung abzunehmen beginnt, insbesondere was
die echte Mehrkostenversicherung - nicht die Ersatzversicherung für
die normale Krankenhaus-, Operations- und allgemeine Krankenkostenversicherung - angeht.
Die nachstehenden Ausführungen stützen sich auf die Ergebnisse
einer Analyse der Leistungen der Krankenzusatzversicherung, die von
1

�von 43 der insgesamt 300 untersuchten betrieblichen Krankenversicherungen,die auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarung bestehen, gewährt werden. Da es sich hierbei um die erste eingehende Untersuchung
der Krankenkostenzusatzversicherung als Bestandteil der tariflichen
Sozialleistungen des Arbeitgebers handelt, scheint es angebracht,
zunächst einmal die wesentlichen Merkmale derartiger Versicherungen
sowie ihre wichtigsten Vor- und Nachteile kurz zu erläutern.
Die Zusatzversicherung gewährt Leistungen zur Abdeckung
der Aufwendungen für fast sämtliche Gesundheitsmaßnahmen, die von
Ärzten ausgeführt oder angeordnet werden. Im Gegensatz zur normalen
Krankenversicherung, die sich in den Vereinigten Staaten größtenteils keineswegs aber ausschließlich - auf die Kosten beschränkt, die durch
eine stationäre Krankenhausbehandlung entstehen, deckt die Zusatzversicherung die Kosten für nahezu sämtliche Gesundheitsmaßnahmen,
gleichgültig, wo sie vorgenommen werden. Ausgeschlossen sind dagegen
zumeist die Entbindungs- und Zahnbehandlungskosten sowie alle Kosten,
die durch die normale Krankenversicherung getragen werden.
Der Schutz durch die Zusatzversicherung ist allerdings nicht hundertprozentig. Bei sämtlichen Versicherungen ist eine Selbstbeteiligungsklausel zu finden, der zufolge die Versicherung 75-80 Prozent der
Kosten zu tragen und der Versicherte den Rest zu bestreiten hat. Bei
den meisten Versicherungen ist auch' eine Franchise vereinbart, das
heißt, der Versicherte muß für einen festen Betrag selbst aufkommen,
ehe die Leistungspflicht der Versicherung einsetzt. Gehört der Versicherungsnehmer auch einer normalen Krankenkasse an, so sind die Selbstbeteiligung und die Franchise meist auf die Aufwendungen beschränkt,
die nicht von der Krankenversicherung abgedeckt werden. Der Versicherungsnehmer muß ferner für alle Kosten selbst aufkommen, die den Leistungshöchstsatz überschreiten, der zumeist zwischen 5000 und 10 000 Dollar
liegt und jeweils für ein bestimmtes 'Leiden gilt, teils innerhalb eines
begrenzten Verrechnungszeitraums, teils auf Lebensdauer.
Man hat zwei Arten der KrankenkaBbenzusatzversicherung zu unterscheiden: 1. die Mehrkostenversicherung, die für die Aufwendungen aufkommt,
die die Franchise und den von der Grundversicherung abgedeckten Betrag
übersteigen; 2. die Gesamtversicherung, die an die Stelle der normalen Krankenversicherung tritt, bis auf eine Franchise, alle Kosten für
Gesundheitsmaßnahmen einschließt. Bei beiden Versicherungsformen gelten
Höchstsätze für die jedem einzelnen Versicherten zu erstattenden Beträge .
Die nachstehende Aufstellung zeigt, wie sich versicherte Krankenkes ten in Höhe von 5000 Dollar bei den einzelnen Versicherungsarten auf
die Versicherung und den Versicherten verteilen;(siehe Tabelle):

2

�Grund- und
MehrkostenVersicherung
(Dollar)
Höhe der Krankenkosten
Von der Versicherung zu
erstattender Betrag
aus der GrundVersicherung
aus der Mehrkostenversicherung
(bei 80 Prozent Deckung)
Vom Versicherten zu tragender
Kostenanteil
Franchise
Selhstbeteiligung an den Mehrkosten
(20 Prozent)

GesamtVersicherung
(Dollar)

5000

5000

4340
2100*

3960

2240

3960

660

1040

100

50

56O

990

Trotz Franchise, Selbstbeteiligung und Leistungsgrenze bietet die
Zusatzversicherung mehrere Vorteile:
1. Die Zusatzversichefung ist insofern umfassend, als sie nicht
einzelne, genau spezifizierte Aufwendungen, sondern sämtliche Krankenkosten (mit den wenigen vorstehend erwähnten Ausnahmen) deckt, ohne
Rücksicht auf die speziellen Behandlungsmethoden des zugezogenen Arztes, den Ort der Behandlung, die verordneten Arzneimittel oder die
angewandten diagnostischen Hilfsmittel. Eine gewisse Ausnahme wird
von einzelnen Versicherungen bei Geisteskrankheiten und nervösen Leiden gemacht. Die Zusatzversicherung, 30 wird vielfach argumentiert,
verhindert im Gegensatz zur Grundversicherung die Verfälschung des Behandlungsablaufs und vermeidet unnötige oder übermäßige Krankenhausbehandlung, indem sie auch die Kosten für die Behandlung trägt, die
nicht stationär vorgenommen wird.
2. Der Leistungssatz ist viel höher als in der Grundversicherung,
insbesondere was Arzt- und Operationskosten angeht. Wie aus früheren
Untersuchungen der Leistungen der tariflichen Krankenversicherungen durch
das Bundesamt hervorgeht, bezifferten sich die Erstattungssätze der
Grundversicherung pro Leiden im Durchschnitt bei Pflegekosten auf
1000 Dollar, bei Krankenhausnebenkosten auf 300 Dollar,bei schweren Operationen auf 307 Dollar und bei Behandlungskosten auf 517 Dollar - das
ergibt insgesamt für alle Aufwendungen zusammen einen Höchstbetrag von
2124 Dollar. Wie bereits erwähnt, liegt der Höchstbetrag bei den meisten
*

Etwa der höchste Anteil, der von der normalen Krankenhaus-, Operations- und Krankenkostenversicherung erstattet wird.

-

3 -

�meisten Zusatzversicherungen bei 5000 Dollar und mehr,
3. Die Versicherungsgesellschaften und verschiedene Experten
vertreten die Auffassung, daß eine lediglich teilweise Erstattung das Ergebnis der Franchise und der Selbstbeteiligung - gegenüber
einer restlosen Kostendeckung, wie sie die Grundversicherung teilweise gewährt, drei Vorteile habe;
a. Sie dämme die nicht notwendige Inanspruchnahme von ärztlichen
Dienstleistungen, teueren Heilbehandlungen und kostspieligen
Einrichtungen ein.
b. Sie rege die Patienten zu einer kritischen Kontrolle der ihnen
verrechneten Gebühren und Sätze an, was selbst nach Ansicht
der Ärzteschaft notwendig ist.
c. Sie verhindere die Erstattung von kleinen Aufwendungen und
trage somit zur Senkung der Verwaltungskosten bei, die andernfalls auf die Beiträge abgewälzt werden müßten.
Diese Vorteile werden von Sprechern der'Gewerkschaften geleugnet
oder doch als unerheblich abgetan, die den Standpunkt vertreten, die
Zusatzversicherung gewähre dem Arbeiter und Angestellten keinen Ausgleich für die normalerweise anfallenden (kleineren) Krankenkosten.
Sie weisen ferner darauf hin, daß bei Vorliegen eines mit hohen Krankenkosten verbundenen Leidens - des typischen Versicherungsfalls der
Zusatzversicherung also - "der Arbeitnehmer auf Grund der vereinbarten
Franchise und Selbstbeteiligung einen hohen Anteil an den anfallenden
Rechnungen zu tragen hat. und daß, wenn man kein Geld hat, ein- oder
zweitausend Dollar Schulden ebenso drückend sind wie eine noch höhere
Summe". *)
Neben dem begrenzten Schutz vor Vermögensverlusten führen die
Gewerkschaftler noch zwei weitere Nachteile der Zusatzversicherung an.
Der erste besteht darin, daß "die Franchise den Arbeitnehmer vielfach
davon abhält, rechtzeitig zum Arzt zu gehen" (*ebenda). Dieses Argument trifft wohl für die Gesaratversicherung (bei der die Leistungen
der Grundversicherung wegfallen) und die meisten Mehrkostenversicherungen zu, nicht aber für eine kleine Zahl von Mehrkostenversicherungen, die die Grundversicherung ergänzen und mit ihren Leistungen einsetzen, nachdem die Kosten für eine ganze Reihe von Gesundheitsmaßnahmen in der ersten Behandlungsphase von der Grundversicherung abgedeckt sind.
Ein weiterer Einwand besagt^ "die Mehrkostenversicherung inflationiert die Krankenkosten. Die Arzte richten sich in ihren Honorarforderungen nach dem Einkommen des Patienten. Diese Versicherung aber
erhöht in den Augen des Arztes die Zahlungsfähigkeit der Klienten
und kann ihn deshalb sehr leicht veranlassen, seine Rechnung weit höher
^u stellen als bei Fehlen eines solchen Versicherungsschutzes" (*ebenda).
*

"Catastrophic Illness Insurance: A Barrier on the Road to Health"
(Die Versicherung schwerer Krankheiten - ein Hindernis auf dem
Weg zur Gesundheit), AFL-CIO Publication 51 , 1957 -

�Zu dieser Frage wurde von Versicherungsgesellschaften, Ärzteverbänden, Gewerkschaften und Versicherungsexperten umfassendes
statistisches Material vorgelegt. Um derartigen inflatorischen
Tendenzen entgegenzuwirken, haben die meisten Versicherungen einen
Passus, der die Erstattung auf "vertretbare" und übliche" Aufwendungen beschränkt. Manche Gesellschaften sind deshalb auch zu der
Gepflogenheit der normalen Krankenversicherungen zurückgekehrt,
Höchstsätze für einzelne Leistungen in die Verträge einzubauen.
So wurde beispielsweise von verschiedenen Versicherungen der Pflege-,
satz auf 20 bis 25 Dollar pro Tag und der Höchstsatz für einen Hausbesuch des Arztes auf 10 Dollar festgesetzt.
Für die inflatorischen Auswirkungen der Zusatzversicherung werden vor allem zwei Erklärungen genannt: 1. Der nicht gedeckte Anteil
an den Krankenkosten (20 oder 25 Prozent) ist zu gering, um die Wahl
der Behandlungsart durch den Patienten zu beeinflussen. 2. Das Wissen
des Patienten um die Einsparungsmöglichkeiten bei den verschiedenen
Behandlungsarten reicht nicht aus, um eine sachkundige Wahl zu treffen. Um die erstgenannte Schwierigkeit wenigstens teilweise zu überwinden, erstatten einige Gesellschaften bei gewissen Leistungen, bei
denen eine Kontrolle des Kostenanfalls durch den Patienten besonders
wichtig ist, nur einen relativ kleinen Teil der Kosten. So decken sieben der in die Untersuchung einbezogenen 43 Zusatzversicherungen bei
der ambulanten Behandlung von Geisteskrankheiten und nervösem Leiden
nur 50 Prozent der Aufwendungen gegenüber dem bei anderen Erkrankungen
üblichen Anteil von 75 oder 80 Prozent.
Verbreitung der Zusatzversicherung
Von den 300 auf Grund tarifvertraglicher Regelungen bestehenden
betrieblichen Krankenversicherungen,dieindie Untersuchung des Bundesamtes
für Arbeitsstatistik einbezogen wurden, erstreckten sich 43» die insgesamt 1,2 Millionen Arbeitnehmer als Mitglieder hatten, auch auf die
Zusatzversicherung. 37 von ihnen waren Mehrkostenversicherungen, d.h.
sie ergänzten die Leistungen einer bestehenden Grundversicherung für
Krankenhaus-, Operations- und allgemeine Krankenkosten. Bis auf vier
Versicherungen schlössen sie sämtlich die Familienangehörigen der
Arbeitnehmer ein. Bei neun Versicherungen erstreckten sich die Leistungen auch auf pensionierte Arbeitnehmer und bei acht auch auf
deren Angehörige.
Die Zahl der betrieblichen Gruppenversicherungen hat sich seit
der letzten Untersuchung des Bundesamtes im Jahre 1955 verdreifacht.
Die Zusatzversicherung hat im gleichen Zeitraum eine Zunahme aufzuweisen, die sogar noch weit höher liegt. Dennoch ist diese Versicherungsart auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarungen im Rahmen der betrieblichen Sozialleistungen noch nicht sehr weit verbreitet. Lediglich
in den Erdölraffinerien, in der Elektroindustrie und im Transportgewerbe sind 50 Prozent oder mehr der Arbeitnehmer, die einer in die
Untersuchung des Bundesamtes einbezogenen betrieblichen Krankenversicherung angehören, auch in der Zusatzversicherung. Von den 3»3
Millionen Arbeitern und Angestellten, die Mitglieder der 300 untersuchten Versicherungen sind, gehören nur 18 Prozent auch einer Zusatzversicherung an. Der Anteil der bei den untersuchten betrieblichen

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5 -

�betrieblichen Krankenversicherungen zusatzversicherten Arbeitnehmer
aus der nichtindustriellen Wirtschaft lag mit 36 Prozent doppelt
so hoch; dies ist vor allem der Mehrkostenversicherung des nichtbetriebstechnischen Eisenbahnpersonals zuzuschreiben. Da diese
Versicherung allein fast die Hälfte aller mehrkostenversicherten
Arbeitnehmer umfaßt, macht sie sich in der Statistik natürlich
ganz einschneidend bemerkbar. Von ihr und vier weiteren Zusatzversicherungen abgesehen, handelte es sich ausschließlich um geschlossene Betriebsversicherungen. Andererseits sind viele der auf
mehrere Betriebe ausgedehnten Gruppenversicherungen in ihren Leistungen so gut, daß sich eine Zusatzversicherung erübrigt oder zumindestens nicht dringend notwendig ist.
Die Finanzierung der Zusatzversicherung
Der Beitrag für die Zusatzversicherung wird bei knapp einem
Drittel der Versicherungen ausschließlich vom Arbeitgeber bestritten,
für die Grundversicherung dagegen bei zwei Dritteln. 7/ährend die Grundversicherung in keinem Falle ausschließlich vom Arbeitgeber getragen
wird, ist dies bei fünf der 43 Zusatzversicherungen der Fall. Nimmt
man noch die Kosten für die Mitversicherung der Angehörigen dazu, so
wurde die Gesamtlast für die Grundversicherung bei der Hälfte der
Betriebskrankenkassen vom Arbeitgeber getragen, für die Zusatzversicherung dagegen nur bei einem Fünftel. Andererseits werden die Beiträge zur Grundversicherung der pensionierten Arbeitnehmer bei einem
Drittel der Versicherungen von den Pensionären allein aufgebracht,
zur Zusatzversicherung dagegen nur bei einem Neuntel.
Die Mehrkostenversicherung
Die Franchise; Fast sämtliche Mehrkostenversicherungen haben eine
"Zonenfranchise" eingeführt, das heißt, es besteht zwischen der oberen
Leistungsgrenze der Grundversicherung und dem Einsetzen der Leistungspflicht der Mehrkostenversicherung ein nicht gedeckter Bereich. Zwei
Versicherungen kennen eine "integrierte Franchise", bei- der die Leistungen der Grundversicherung von der Franchise abgerechnet werden;
das heißt, die Leistungen der Mehrkostenversicherung werden für alle
Aufwendungen gewährt, die die Leistung der Grundversicherung bzw.
die Höhe der Franchise übersteigen, wobei jeweils von dem größeren
Betrag auszugehen ist.
. Bei sämtlichen Versicherungen weist die Franchise die folgenden
drei Charakteristika auf: 1. Ein fester Dollarsatz. 2. Eine Frist, innerhalb welcher anfallende Kosten gegen die Franchise aufzurechnen sind.
3. Die Spezifikation der Leiden, die bei der Erstattung gegen ein
und denselben Franchisensatz aufzurechnen sind. Der Dollarsatz war im
allgemeinen für sämtliche Mitglieder einer Versicherung gleich, bei
sechs Versicherungen aber, die als Familienversicherungen operieren,
richtet er sich nach dem Einkommen des Hauptversicherten.
Die Zahl der Versicherungen, die die Franchise bei jedem einzelnen
Leiden in Ansatz bringen, ist etwa ebenso hoch wie die Zahl derjenigen,
die sie auf sämtliche innerhalb eines bestimmten Zeitraums behandelten
Krankheiten anwenden. Bei letzterem Typ herrschte eine 100-DollarZonenfranchise vor, wobei das Kalenderjahr als Verrechnungszeitraum zugrunde gelegt wird. Um die Härten zu mildern, die sich aus der

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6

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�der willkürlichen Festsetzung des Jahreszeitraums ergehen können,
gestatteten die meisten Versicherungen die Aufrechnung nicht erstatteter Beträge aus den letzten drei Monaten des Vorjahres auf die
Franchise, auch wenn sie bereits in jenem Jahr zur Abdeckung der
Franchise jenes Jahres aufgerechnet worden waren. Bei den Versicherungen, die die Franchise für jedes einzelne Leiden in Anwendung bringen,
beginnt der Verrechnungszeitraum mit dem Tag des Behandlungsbeginns
und währt zwei bis 24 Monate. Sechs der neun Versicherungen mit einer
Franchise von 100 Dollar haben einen Verrechnungszeitraum von zwei
Jahren, während vier, der insgesamt sechs Versicherungen mit einer
Franchise von 150 Dollar und darüber einen Verrechnungszeitraum
von einem halben Jahr und darunter zugrunde legen. Statt also eine
hohe Franchise durch einen langen Verrechnungszeitraum wettzumachen,
setzen die Versicherungen mit hoher Franchise sogar noch einen kürzeren Verrechnungszeitraum fest.
Die Selbstbeteiligung; Etwa die Hälfte dieser Versicherungen erstatten die Krankenkosten des Versicherten und seiner Angehörigen, soweit
sie die Leistungen der Grundversicherung und die Franchise übersteigen,
zu 75 Prozent, die andere Hälfte zu 80 Prozent. Eine Versicherung gewährt
sogar 90 Prozent. Zwei Drittel der Versicherungen, die die Aufrechnung
der Kosten für die Behandlung sämtlicher Leiden auf die Franchise gestatten, vergüten 80 Prozent, während andererseits zwei Drittel der
Gesellschaften, die die Franchise bei jedem einzelnen Leiden anwenden,
lediglich 75 Prozent erstatten. Bestimmte Aufwendungen, wie beispielsweise die ambulante psychiatrische Behandlung, werden nur zu einem
geringeren Prozentsatz - im allgemeinen 50 Prozent - durch die Versicherung abgedeckt; in einem Fall besteht sogar ein Leistungsausschluß.
Auswirkungen der Festsetzung eines bestimmten Verrechnungszeiträumst
20 Versicherungen, das ist etwas mehr als die Hälfte, decken die Aufwendungen der Arbeitnehmer für sämtliche Leiden während eines bestimmten
Zeitraums - gewöhnlich des Kalenderjahrs. Zieht sich eine Krankheit
bis ins folgende Kalenderjahr hin, so wird für dieses wiederum die
Franchise abgezogen, ehe die Leistungspflicht der Gesellschaft beginnt;
das gleiche gilt für jedes weitere Jahr. Um Härten zu mildern, die sich
aus den willkürlich festgesetzten Anfangs- und Enddaten des Verrechnungszeitraums ergeben können, weisen die Verträge von 11 der 16 Gesellschaften,
die das Kalenderjahr als Verrechnungszeitraum zugrunde legen, eine Bestimmung auf, die besagt, daß die in den letzten drei Monaten eines Kalenderjahres anfallenden Aufwendungen sowohl auf die Franchisen dieses
als auch des nächsten Jahres aufgerechnet werden können.
Nicht ganz die Hälfte der Zusatzversicherungen, 17 insgesamt, stimmen den Leistungszeitraum auf die Krankheitsdauer ab. Die meisten
decken die Krankenkosten, die während der ersten zwei Jahre nach Krankheitsbeginn anfallen, fünf sämtliche Kosten, acht die Kosten nach Abzug
der Franchise. Eine Leistungspflicht über zwei Jahre hinaus besteht nicht.
Die Länge und Handhabung des Verrechnungszeitraums bei der Familienversicherung zeigt im allgemeinen dieselben Y/esensmerkmale wie bei der
Versicherung des Arbeitnehmers selbst, schon weil sämtliche Versicherungen
bis auf vier ohnehin die Angehörigen mitversichern. Pensionierte

- 7 -

�Pensionierte Arbeitnehmer und deren Familienangehörige werden jedoch
nur von fünf Gruppenversicherungen mit erfaßt; bei diesen gilt, mit
einer Ausnahme, daß das Kalenderjahr für sämtliche in ihm behandelten
Leiden als VerrechnungsZeitraum anzusehen ist, für den eine Franchise
in Anwendung zu bringen ist.
Die Leistungshöchstsätze: Unter den 20 Versicherungen, die die Aufrechnung der Aufwendungen für sämtliche behandelte Leiden innerhalb eines
Verrechnungszeitraums von 12 bis 24 Monaten gestatten, besteht bei 17
keine Erstattungsgrenze innerhalb des Verrechnungszeitraums. Bei neun gilt
vielmehr eine. - auf Lebensdauer bemessene - Leistungsgrenze von 10 000
Dollar, bei einer eine von 7500 Dollar und bei sieben eine von 5000
Dollar (siehe Tabelle I und II). Zehn der 17 Versicherungen, die ihre
Leistungen pro Erkrankung auf Höchstsätze beschränken, erstatten Aufwendungen bis zur Höhe von 5000 Dollar pro Leiden und haben, mit einer
Ausnahme, keine auf Lebenszeit bemessenen Höchstsätze. Die restlichen
Versicherungen arbeiten entweder mit einer Höchstgrenze auf Lebensdauer von 5000 Dollar (in einem Fall 10 000 Dollar) oder einem Höchstsatz von 5000 Dollar während eines Verrechnungszeitraums.
Während Aufwendungen von über 5000 Dollar für ein Leiden selten
erforderlich werden dürften, kann sich die Leistungsgrenze von 5000 oder
10 000 Dollar auf Lebensdauer, das sind für junge Menschen gegebenenfalls 45 und mehr Jahre, als ein großer Nachteil erweisen. Zwei Drittel
der Versicherungen haben sich eine solche Leistungsgrenze von 10 000
oder weniger Dollar für den Arbeitnehmer ausbedungen. Der abträgliche
Effekt einer derartigen Beschränkung wird durch eine in fast allen
Verträgen zu findende Klausel etwas gemildert, derzufolge die Wiederherstellung des Höchstsatzes bei Mitgliedern möglich ist, die sich
einer guten Gesundheit erfreuen ("bei genügendem Nachweis der Versicherungswürdigkeit"). Diese Bestimmung schließt allerdings die Versicherten mit wiederholt auftretenden oder chronischen Erkrankungen
aus, mit anderen Worten gerade jene, die eines erweiterten Versicherungsschutzes am ehesten bedürfen.
Die Gesamtversicherung
Sechs der in Rede stehenden betrieblichen Zusatzversicherungen waren
sogenannte Gesamtkostenversicherungen, d.h., sie ersetzten die Grundversicherung, statt sie zu ergänzen. Von dieser Versicherung wurden insgesamt rund 200 000 Arbeitnehmer in Form von Gruppenversicherungen mit.
2400 bis 120 000 Mitgliedern erfaßt. Fünf der Versicherungen erstreckten
sich auch auf die Angehörigen der Arbeitnehmer, vier auch auf die pensionierten Arbeitnehmer und drei auch auf deren Familienangehörige.
Diese Versicherungen haben höhere Leistungen aufzubringen als die
Mehrkostenversicherungen, da die Franchise rascher aufgebraucht wird.
Sie ist niedriger - im allgemeinen beträgt sie 25 oder 50 Dollar gegenüber 100 Dollar und mehr bei der Zusatzversicherung - und wird, von
einer Versicherung abgesehen, gegen die Aufwendungen für sämtliche
im Laufe eines Jahres (und darüber) behandelten Krankheiten aufgerechnet und nicht - wie bei fast der Hälfte der Mehrkostenversicherungen bei jedem einzelnen Leiden neu angerechnet. Bei der Mehrkostenversicherung

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziebungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht -als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 7/8

Bad Godesberg, den 1. Juli 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Die Herausforderung der "zweiten industriellen
Revolution"

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1

"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran

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8

Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950

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Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige
Umschulung
Neue Formel für den Arbeitsfrieden

«

Gewerkschaftliche 'Kurznachrichten

Arthur J. Goldberg, Arbeitsminister der Vereinigten Staaten von Amerikai
Die Herausforderung der "zweiten industriellen Revolution"
In dem nachstehenden Artikel behandelt US-Arbeitsminister Arthur J. Goldberg die Frage, wie sich
eine notwendige fortgesetzte Steigerung der Produktivität durch Einführung arbeitsparender Maschinen realisieren läßt, ohne daß dadurch unnötige
wirtschaftliche und soziale Härten für den einzelnen entstehen und ohne daß daraus eine größere
Arbeitslosigkeit resultiert.
Der Artikel wurde dem "New York Times Magazine"
entnommen. Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers,
der Quelle und dem Vermerk "(c) 1961 by The New
York Times Company" gestattet.
Präsident Kennedy hat eine aus sieben prominenten Vertretern des
Managements, sieben Spitzenfunktionären der Gewerkschaften, fünf bekannten Privatpersonen und dem Handelsminister Hodges und mir bestehende Gruppe mit der Aufgabe betraut, allgemeine Richtlinien auszuarbeiten,
die von den Gewerkschaften, dem Management und der Öffentlichkeit im
Hinblick auf solche wirtschaftspolitische Fragen beherzigt werden
sollten wie der Wettbewerb auf dem Weltmarkt oder "die Segnungen und
Probleme, die sich aus der Einführung der Automation ergeben".

Wir

�Wir haben diesen Auftrag zu einem Zeitpunkt übernommen, der durch
stark kontrastierende Wirtschaftstrends gekennzeichnet war. Die Gesamtzahl der Beschäftigten lag z.B. im Februar dieses Jahres mit 64,7 Millio-.
nen auf einem Rekordniveau, während gleichzeitig die Erwerbslosenziffer
bis auf 5»705 Millionen angestiegen war und damit den höchsten Stand
seit 1941 erreichte.
Ich habe mit Hunderten von Arbeitslosen in den Industriegebieten
von Chicago, Gary, South Bend, Detroit, Pittsburgh und in den Erzbergbaugebieten von Minnesota gesprochen. In jenen Gebieten drückt sich der
Wirtschaftstrend in seinen lebenden Komponenten aus - Männer und Frauen
mit Namen und Schicksalen, mit Familien und Problemen, mit Vergangenheit
und Zukunft. Einige von ihnen waren Maschinenwärter, andere Zimmerer
oder Maler, dritte Bergleute oder Fließbandarbeiter und so fort - ein
vollkommener Querschnitt durch die gesamte Berufsskala. Alle hatten
nur einen Gedanken: Was soll werden? Für viele von ihnen ist eine
wirtschaftliche Erholung gleichbedeutend mit einer Beschäftigung. Sie
würden an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und versuchen dort fortzufahren, wo sie aufgehört haben. Für andere jedoch ist der Arbeitsplatz
ein Opfer der durchgreifenden Veränderungen im Wirtschaftsleben, insbesondere in den Industriebetrieben, geworden.
Diese allgemein sehr vage durch den Gattungsnamen "Automation" umrissenen Veränderungen sind inzwischen so deutlich geworden, daß einige
Wirtschaftler sie als "eine zweite industrielle Revolution" bezeichnet
haben.
Die Automation ist die jüngste Phase in der jahrhundertelangen
Suche nach Möglichkeiten, die menschliche Arbeitskraft durch mechanische oder andere Formen der Energie zu ersetzen. In der industriellen
Revolution des 19» Jahrhunderts befreiten die kraftangetriebenen Maschinen den Menschen zum ersten Mal in der Geschichte von gewissen
Formen körperlicher Arbeit. Dieser Prozeß hat sich weiter fortgesetzt.
In den ersten Entwicklungen auf diesem Gebiet wie der Getreidemühle
Oliver Evans1 mit ihren Förderbändern und Rutschen, den automatischen
Kontrollen James Watts für seine Dampfmaschine und der Rechenmaschine
von Charles Babbage sind dabei die Anfänge der heutigen automatischen
Mammutproduktionsverfahren zu erblicken, in denen Erdöl raffiniert
wird, Artilleriegeschosse, Bäckereiwaren, Chemikalien, Motorblöcke
hergestellt und Elektrizität, Atommaterial und viele andere Dinge
erzeugt werden.
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat die Automation durch
ein neues Element weiteren Auftrieb erhalten: das zunehmende Wissen
in der Bearbeitung von Informationen, wie es in den elektronischen
Rechensystemen und Rechnern seinen Ausdruck findet. Mit dem Elektronengehirn, das eine Kontrolle der "mechanischen Muskeln" ermöglichte, wurde
zwar die Vollautomation der Büros und Fabriken möglich, aber gleichzeitig damit zeichnete sich auch das Gespenst schwerer Dislozierungen
auf dem amerikanischen Arb,eitsmarkt ab.
Das Kernproblem, das sich der amerikanischen Wirtschaft heute
stellt - und das bei allen bedeutenden industriellen Verhandlungen in
irgendeiner Form gegenwärtig ist - heißt, auf einen einfachen Nenner
gebracht: Wie läßt sich die notwendige fortgesetzte Steigerung der

- 2 -

�der Produktivität mittels Einführung arbeitsparender Maschinen ohne
Härten für den einzelnen und ohne weitverbreitete Arbeitslosigkeit
realis ieren?
Dieses Problem ist allen westlichen Volkswirtschaften bekannt.
In Samuel Gompers' Selbstbiographie z.B. ist eine ergreifende Erinnerung
aus dem London der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts enthalten!
"Eine meiner ersten, stärksten Erinnerungen ist die große Not, die über
die Seidenweber hereinbrach, als Maschinen erfunden worden waren, durch
die ihre handwerklichen Fähigkeiten überflüssig wurden und die sie von
ihren Arbeitsplätzen verdrängten. Mit keinem Gedanken dachte man damals
an jene Menschen, deren Handwerk ausgelöscht worden war. Elend und Ungewißheit erfüllten die Nachbarschaft mit einer Atmosphäre der Furcht.
In den engen Gassen hallten die Schritte der Menschen wider, die, ohne
Arbeit, in Gruppen auf und ab gingen."
Solche schweren Zerrüttungen mit schwerem menschlichen Leid im
Gefolge sind historische Phänomene.
Heute sind die Auswirkungen solcher technischen Veränderungen
durch ein Wirtschaftssystem gemildert, dessen allgemeine Charakteristika
die zahlreichen Arbeitsmöglichkeiten, die Entstehung neuer Arbeitsplätze
in den Dienstleistungszweigen und im Handel, die Regierungsprogramme,
wie etwa die Arbeitslosenversicherung.sind sowie die durch Privatinitiative ausgehandelten "Stabilisatoren" wie die zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, die in einigen Fällen dem Arbeitnehmer sogar dann noch
gezahlt wird, wenn er in einem anderen Industriezweig auf eine neue
Tätigkeit umgeschult wird.
Die großen technischen Veränderungen haben sich in der Vergangenheit über Zeiträume von vielen Jahren erstreckt. Wenn sie sich in dem
kurzen Zeitraum von nur fünf Jahren vollzogen hätten, wären die Auswirkungen sowohl auf die Wirtschaft als auch auf das soziale Gefüge weit
aus stärker gewesen. Heute jedoch wird das Tempo der Automation noch
durch den Druck zahlreicher Faktoren beschleunigt. Der wichtigste dieser
Faktoren ist zweifellos die Überalterung der amerikanischen Industrieanlagen. Wie eine zuverlässige Schätzung zeigt, würde es rund 95 Milliar
den Dollar kosten, die veralteten Produktionsanlagen und den Maschinenpark zu modernisieren bzw. die Maschinen durch neue zu ersetzen.
Gleichzeitig aber erleben wir, wie sich in Europa aus den Trümmern
des letzten Krieges eine neue industrielle Struktur - moderne Anlagen
mit automatisierten Maschinen - entwickelt. Die Erzeugnisse aus diesen
Anlagen bedeuten heute für uns eine schwerwiegende Konkurrenz auf jenen
Märkten, die einstmals unsere ureigenste Domäne waren. Diese beiden
Faktoren - die Überalterung im Lande selbst und der wachsende Wettbewerb im Ausland - sind es denn auch, die dem Wunsch, zu verbessern und
zu modernisieren, Auftrieb verleihen. Hinzu kommt noch der Impuls, der
durch den ständigen Wunsch nach einem höheren Lebensstandard ausgelöst
wird. Dem erfolgreichen amerikanischen Beispiel, bessere Güter und Diens
leis'tungen einer stetig wachsenden Bevölkerung zugänglich zu machen,
liegt eine hochentwickelte Technik zugrunde.
•
Wir sind bereits Zeugen der Auswirkungen der Automation geworden.
Zwischen 1947 und 196O z.B. erhöhte sich die Arbeitsproduktivität in der

�der Privatwirtschaft jährlich im Durchschnitt um 3,5 Prozent - im Vergleich zu dem langjährigen Durchschnitt von 2,4 Prozent.
Selbst wenn man die Produktivitätsziffern der Landwirtschaft - die
ja von allen Wirtschaftszweigen durch die technologischen Veränderungen
am stärksten berührt wurde - ausklammert, beläuft sich der jährliche
Durchschnitt der Produktivitätssteigerung in der Nachkriegszeit immer
noch auf 2,7 Prozent - im Vergleich zu dem langjährigen Mittel des
nichtlandwirtschaftlichen Sektors von 2,1 Prozent.
Im Zuge dieser Produktivitätszunahme hat sich in verschiedenen
Industriezweigen ein Rückgang in der Beschäftigtenzahl vollzogen. Im
Steinkohlenbergbau z.B. stieg die Produktivität in der Nachkriegsperiode
um erstaunli-che 96 Prozent an, während gleichzeitig die Zahl der Bergleute um 262 700 abnahm. Bei den Eisenbahnen erhöhte sich die Produktivität im selben Zeitraum um 65 Prozent bei gleichzeitigem Rückgang der
Beschäftigtenzahl um 540 000.
•
Es gibt kein geeignetes Mittel, um den genauen Anteil derjenigen
Erwerbslosen 'an der Gesamtarbeitslosenziffer festzustellen, die ihren
Arbeitsplatz auf Grund der technischen Veränderungen verloren haben.
Wir wissen zwar genau, daß die industrielle Beschäftigung im Jahre
i960 um 900 000 zurückging, obwohl in jedem der ersten zehn Monate
jeweils neue Rekordstände in der Gesamtbeschäftigung erzielt wurden,
aber uns ist nicht bekannt, wie groß die Zahl der Arbeitsplätze ist,
die für immer verlorengegangen sind, wenn auch vieles darauf hindeutet,
daß der Anteil der technologischen Erwerbslosigkeit an der Gesamtarbeitslosigkeit immer größer wird. So wies die US-Wirtschaft z.B. zu
Beginn jeder der vier wirtschaftlichen Erholungsperioden der Nachkriegszeit, die den Rezessionen folgten, eine höhere Arbeitslosenrate auf. Genauso betrüblich ist die Tatsache, daß es sich bei einem
großen Teil der Erwerbslosen um langfristige Erwerbslose handelt. Im
Januar dieses Jahres z.B. waren 6^7 000 der Unbeschäftigten bereits
länger als 27 Wochen auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.
Der Schatten der technologischen Arbeitslosigkeit lastet heute
sowohl über den Stahl- und Bergarbeiterstädten als auch über den
Produktionszentren der Textil- und Fertigungsindustrie. Im vergangenen
Winter gruppierten sich die Arbeiter in West-Virginia um an den Straßenecken angezündete offene Feuer, um dort Nachrichten über Arbeitsmöglichkeiten auszutauschen. Mit dem Herannahen des Frühlings verstärken sich
zwar wieder die Hoffnungen, aber leider ist es ebenso eine Tatsache,
daß in jedem Frühjahr, von Jahr zu Jahr in verschiedenen Industriezweigen immer weniger Arbeitnehmer anzutreffen sind. Das Vermächtnis
des industriellen Fortschritts ist, auf lange Sicht betrachtet, ein
gutes gewesen. Wenn man jedoch das Problem definieren will, so muß man
auch die Verheißungen aufzeigen, und um sich den Fortschritt auszumalen, ist es erforderlich, das Problem zu umreißen. Durch die Automation
z.B. werden die beruflichen und handwerklichen Fähigkeiten der gesamten
Arbeitskräfte auf Grund der höheren Anforderungen an Erziehung und Ausbildung angehoben. Sie verheißt handwerkliehen Fähigkeiten und Intelligenz eine Belohnung. Aber sind wir überhaupt gerüstet, den Erziehungsund Ausbildungserfordernissen nachzukommen, die sich aus solchen Veränderungen ergeben?
Die

�Die Automation befreit den Menschen von der harten körperlichen
Arbeit und nimmt ihm die Produktionslast von den Schultern. Aber sind
wir - als Volk - darauf vorbereitet, die so gewonnene Freizeit konstruktiv für die Erholung im wahrsten Sinne des Wortes, für die "Neuschöpfung"
unseres Lebens einzusetzen?
Das allgemeine Ziel, die Verheißungen zu realisieren und die Probleme
zu lösen, wird von allen Amerikanern anerkannt. Die Wahl der hierfür
einzusetzenden Mittel jedoch mag umstritten sein.
Die Gewerkschaften und das Management haben in den vergangenen
zwei bis drei Jahren eine besondere Technik der Problemannäherung entwickelt: sie bemühen sich, die durch die Automation geschaffenen Probleme
vom TarifVerhandlungstisch fernzuhalten, anstatt sie vor diesem Forum
zu diskutieren. Dies geschieht meist durch die Einsetzung von Sonderausschüssen, zu denen häufig auch Vertreter der Öffentlichkeit gehören,
Ausschüsse, die außerhalb der Tarifverhandlungsarena arbeiten, fern
vom Verhandlungsdruck, von der Terminnot und den Gegenströmen. Derartige Ausschüsse sind gegenwärtig in zahlreichen Industriezweigen tätig,
so in der Stahl-, der fleischverarbeitenden und der Bauindustrie.
Auch der durch Regierungsbeschluß geschaffene Präsidialausschuß für
die Eisenbahnen, dem Vertreter der Gewerkschaften, des Managements und
der Öffentlichkeit angehören, befaßt sich mit dem komplizierten Problem
der Arbeitsfragen und Arbeitspraktiken.
Kann diese Technik des Problemstudiums und der Ausarbeitung von
Lösungen funktionieren? "Wenn sie auch ein Beispiel des "good will" und
des gesunden Menschenverstandes ist, so ist sie doch auch gleichzeitig
ein Zeichen der Unfähigkeit in der Vergangenheit, die Auswirkungen der
Automation im voraus richtig einzuschätzen. Alle diese Ausschüsse sind
praktisch ex post facto Gremien, von denen einige nach Streiks gebildet,
andere schnell zusammengestellt wurden, als ihre Notwendigkeit offenbar
wurde. Ich glaube, daß sie in der Lage sind, Lösungen zu finden. Gleichzeitig aber zeigen die vom US-Arbeitsministerium durchgeführten Untersuchungen mit aller Deutlichkeit, daß - wenn Gewerkschaften und Unternehmen in bestimmten Industriezweigen die technischen Veränderungen im
voraus durchplanen und die möglichen Auswirkungen analysieren, bevor
die Veränderungen durchgeführt werden - die Auswirkungen der Automation
beträchtlich abgeschwächt und häufig sogar aufgehoben werden können,
während sich gleichzeitig der Gesamtnutzen für die betreffende Industrie
erhöht.
Eine der großen Produktionsfirmen in Radio-, Fernseh- und Phonogeräten in den USA stellte z.B. ihren Betrieb vor einigen Jahren auf
vollautomatische Fertigung um. Die Gewerkschaftsvertreter wurden rechtzeitig darüber informiert, und Umstellung^- und Verfahrensregeln für
die Weiterbeschäftigung einiger Arbeiter, die Transferierung anderer
und die Aufstufung dritter wurden festgelegt. Nicht ein einziger Arbeitsplatz ging hier verloren. Der Lohn für einige der neuen, automatisierten
Arbeitsplätze erhöhte sich um 5 bis 15 Prozent. Lohnanreizsysteme wurden
für andere, ältere Arbeitsplätze eingeführt, deren Charakter sich geändert
hatte. Der gesamte Übergang vollzog sich geora.net und wirkungsvoll.
Ähnlich günstige Erfahrungen machte auch eine Lebensversicherungsgesellschaft. In einer ihrer Abteilungen wurden monatlich 850 000 Policenveränderungen bearbeitet und dafür 125 Lochkartenmaschinen und 198

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�198 Angestellte eingesetzt. Das Unternehmen entschloß sich, einen Elektronenrechner aufzustellen, der nach seiner Schätzung die Betriebskosten
pro Jahr um 200 000 Dollar senken, die Zahl der Lochkartenmaschinen auf
21 verringern und uie Zahl der Angestellten auf 85 .-Grabsetzen würae .
Nachdem die Entscheidung für die Umstellung gefallen war, ging das Unternehmen daran, uie personellen Veränderungen sorgfältig durchzuplanen.
die von der Umstellung betroffenen Angestellten wurden rechtzeitig informiert, und jeder wurde in längeren Interviews darüber befragt,
welchen anderen Arbeitsplatz im Betrieb er gerne übernehmen möchte.
Alle Befragten, die entsprechende Wünsche äußerten, konnten erfolgreich
an neue Arbeitsplätze transferiert werden.
Das gleiche traf auch für eine Großbäckerei, eine Ölraffinerie
sowie für andere vom Arbeitsministerium untersuchte Betriebe zu.
Aus all den Betriebsuntersuchungen schälten sich einige sehr bedeutsame Faktoren heraus, deren Vorhandensein die Umstellung auf die Automation sowohl *u einem menschlichen als auch zu einem technischen Erfolg
machte. Hierzu gehörtem
1. eine ausreichende Zeitspanne zwischen der Entscheidung, zu automatisieren, und dem tatsächlichen Beginn der Umstellung;
2. gründliche Beratungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmensführung
über die zu erwartenden Arbeitsplatzveränderungen und Arbeitsplatzverlustej
J. eine offene und ehrliche Aufklärung der unmittelbar Betroffenen und
4. der vielleicht wichtigste Faktors die zeitliche Festlegung der Umstellung
auf eine Periode der Beschäftigungs- und Marktexpansion.
Die Erfahrungen der Unternehmen, die ihre Betriebe erfolgreich auf
die Automation umgestellt haben, zeigen, daß - wenn die Umstellung auf
die Automation in einer Periode der Beschäftigungszunahme und des wirtschaftlichen Wachstums vorgenommen wird - sie nur wenige Probleme bietet,
die nicht durch angemessene und offene Planung gelöst werden können.
Auf der anderen Seite jedoch kann die Automation, wenn sie in Perioden
abnehmender Beschäftigungsmöglichkeiten und rückläufiger wirtschaftlicher
Aktivität vorgenommen wird, schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte
Arbeitspotential haben.
Wenn z.B. die Beschäftigungsmöglichkeiten auf Grund absinkender
wirtschaftlicher Aktivität abnehmen, so hat derjenige Arbeitnehmer,
der seinen Arbeitplatz auf Grund technologischer Veränderungen verliert,
nur begrenzte Alternativen, una zwar sowohl an seinem Wohnsitz als auch
an anderen Plätzen. Auch in Perioden geringen wirtschaftlichen Wachstums
sind die Möglichkeiten eines Betriebes, den freigesetzten Arbeitskräften
im Rahmen des gleichen Unternehmens einen Ausweicharbeitsplatz anzubieten,
häufig sehr begrenzt.
Eines der wichtigsten bisherigen Erkenntnisse ist es, daß die Notwendigkeit einer Ausbildung und Umschulung der Arbeitskräfte auf allen
Gebieten des amerikanischen Lebens besteht. Kein Unternehmer oder
Arbeitnehmer ist hiervon ausgeschlossen, und jeder, der diese Notwendigkeit ignoriert, tut dies zu seinem eigenen Schaden.
Ebenso

�Ebenso klar ist es jedoch auch, daß man keinen allgemeingültigen
Plan für die Anhebung der beruflichen Fähigkeiten einer Arbeitnehmerschaft
aufstellen kann, die so vielschichtig und verschiedenartig ist wie die
unsrige. Die Situation in jeder Gemeinde und innerhalb eines jeden Industriezweiges ist so, daß sie ihre eigenen Mittel und Wege erfordert.
Alle setzen jedoch die Notwendigkeit für eine maximale Zusammenarbeit
zwischen den einzelnen Segmenten der Gemeinde voraus - Erziehungswesen,
Geschäftswelt und Gewerkschaften, um nur drei zu nennen.
Die Entwicklungen in Hazleton (Pennsylvanien) und Phoenix (Arizona)
sind solche richtungweisenden Beispiele hierfürt Auf Grund des Rückgangs
in der Steinkohlenproduktion war die Erwerbslosensituation in Hazleton
sehr kritisch geworden. Im Jahre 1958 erklärte sich ein Unternehmen bereit, ein stillgelegtes Eisenbahnbetriebswerk zu übernehmen, das von der
Hazleton Industrial Development Corporation erworben und für industrielle
Zwecke umgebaut worden war. Im letzten Frühjahr nun hatte dieses Unternehmen großen Bedarf an gelernten Maschinisten« jedoch nur zwei der 40
Bewerber entsprachen den an sie gestellten handwerklichen Ansprüchen.
Das Unternehmen trug sich daraufhin mit Abwanderungsplänen.
In dieser kritischen Situation kamen dann Vertreter der Entwicklungsgesellschaft, der Handelskammer, des staatlichen Arbeitsvermittlungsdienstes und der Abteilung Lehrlingsausbildung und berufliche Fortbildung
des Arbeitsministeriums zusammen, um die Lage zu erörtern. Das Ergebnis
dieser Zusammenkunft war, daß ein kommunales Ausbildungsprogramm für
Maschinenwärter aufgestellt wurde. Der Kursus wurde an der Berufsschule
in Hazleton durchgeführt, und zu den Teilnehmern zählten sowohl Arbeitnehmer des Unternehmens als auch Arbeitslose aus anderen Gebieten.Der Bundesstaat Pennsylvanien stellte außerdem zusätzliche Gelder
für die Anschaffung der erforderlichen Lehrmittel bereit, und ein sechsköpfiger, aus Vertretern der Gewerkschaft' und.des Managements bestehender
Ausschuß wurde mit der praktischen Durchführung des Programms beauftragt.
Die Handelskammer führte außerdem eine Analyse über die beruflichen
Fähigkeiten der in diesem Bezirk registrierten Arbeitskräfte durch, und
als Ergebnis dieser Untersuchung wurden kürzlich zwei Förderklassen
für Aufsichtskräfte an der Staatsuniversität Pennsylvanien eingerichtet.
Später kamen dann noch Klassen für Maschinenbau, technisches Zeichnen
und angewandte Mathematik hinzu. Dies ist die Hazleton-Story, eine
Story von der umfassenden kommunalen Zusammenarbeit zur Deckung des
Bedarfs an speziell geschulten Arbeitskräften. Ihren Hintergrund bildete eine starke Arbeitslosigkeit, die durch den Rückgang der Kohleproduktion bedingt war.
In Phoenix dagegen waren die wirtschaftlichen Zusammenhänge andere,
wenn auch die Umstände und die Reaktion die gleichen waren. Nachdem hier
vor einigen Jahren eine umfassende Analyse über die Qualifikationen der
Arbeitnehmer durchgeführt worden war, taten sich weitsichtige Unternehmen
und Gewerkschaften mit anderen zivilen und Schulgruppen zusammen, um ein
Programm zu entwickeln, durch das sichergestellt werden sollte, daß die
beruflichen und handwerklichen Fähigkeiten der Arbeitnehmer den künftigen.Bedürfnissen angepaßt werden. Diese Fortbildungsprogramme werden
heute durchgeführt und von all jenen Kreisen der Stadt unterstützt,
denen das Interesse ihrer Stadt und im weiteren Sinne auch das des gesamten Landes genauso am Herzen liegt wie ihr eigenes.
Viele andere Städte und Gemeinden haben mit ähnlichen gemeinsamen
Attacken auf das berufliche Fortbildungsproblem begonnen. Dennoch werden
sie, von einigen Bundesprogrammen unterstützt, nur dann Erfolg haben,
wenn ihnen die Gesamtwirtschaft Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten

- 7-

�Geschäftsmöglichkeiten zu bieten vermag.
Das Kernproblem, dem sich der Beratungsausschuß des -Präsidenten
für Arbeitgeber—Arbeitnehmerfragen gegenüber sieht, erstreckt sich daher
auch nicht nur auf die Wege und Mittel oder auf die Möglichkeiten des Informationsaustausches, sondern darüber hinaus auch auf die allgemeinen
Überlegungen, die darauf ausgerichtet sind, eine Volkswirtschaft zu schaffen, in der die Automation ungehindert und ohne Schaden anzurichten funktionieren kann.
Die Untersuchung des Automationsproblems macht eines möglicherweise
zu einem wesentlichen Element des amerikanischen Lebens« die Verantwortung
gegenüber dem öffentlichen Wohl, die den privaten Entscheidungen einer
freien Wirtschaft innewohnt. Sie führt dem Geschäftsmann die Tatsache vor
Augen, daß sein Geschäftsgebaren nicht nur das Leben und die Wohlfahrt
seiner Angestellten beeinflußt, sondern auch das nationale Wohlergehen.
Sie erinnert die Gewerkschaftsführer daran, daß konstruktives und schöpferisches Planen jene Opposition ersetzen muß, die sich auf kurzfristige
Erwägungen stützt. Und sie macht der öffentlichkeit klar, daß der Preis
der Freiheit im Wirtschaftsleben Verantwortung heißt.
Aufgeschlossene Geschäftsleute, weitsichtige Gewerkschaftsführer
und eine verantwortungsbewußte Öffentlichkeit können zusammen die Automation zu einem allgemeinen Segen machen. Die von den industriellen und
nationalen Ausschüssen entwickelten Richtlinien und Programme sollten
daher auch von allen Amerikanern sorgfältig studiert werden, denn es
kann sich dabei durchaus um die Blaupausen für eine bessere Welt handeln.
Aus "The New York Times Magazine". Nachdruck
nur mit Angabe des Verfassers, der Quelle und
dem Vermerk "(c) 1961 by The New Xork Times
Company" gestattet.
* * * * *

Peter Henle, Stellvertretender Forschungsdirektor der AFL-CIO:
"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran
Aufbauend auf der letzten der jährlich vom Forschungszentrum der
Universität Michigan durchgeführten Untersuchungen über die Veränderungen im wirtschaftlichen und sozialen Status amerikanischer
Familien, hat die Forschungsabteilung der AFL-CIO kürzlich eine
Vergleichsanalyse über gewerkschaftlich organisierte und solche
Familien durchgeführt, deren Haupternährer keiner Arbeitnehmerorganisation angehört.
Die wichtigsten Ergebnisse dieser ersten Untersuchung dieser Art
werden in folgendem Artikel von dem stellvertretenden Forschungsdirektor der AFL-CIO Peter Henle kommentiert und erläutert. Der
Artikel wurde - stark gekürzt - der Gewerkschaftspublikation "The
American Federationist" entnommen. Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.
Die neuesten Ergebnisse lassen erkennen, daß sich der Status des
größten Teils der "Gewerkschaftsfamilien" in den letzten Jahren erheblich
verändert hat! die Einkommen sind angestiegen; sowohl die Spareinlagen
als auch die Summe der Gesamtschulden haben sich etwas erhöht; die
Zahl der Eigenheimbesitzer ist größer geworden; viele haben ihren
Wohnsitz aus den Stadtkernen in die Vororte verlegt, und gleichzeitig
sind zahlreiche Gewerkschaftsfamilien aus der unteren in
- 8 -

�in die mittlere Einkommensklasse aufgerückt. Die Vergleichsziffern
lassen ferner erkennen, daß die finanzielle Lage der gewerkschaftlichen
Familien im allgemeinen besser ist als die der nichtgewerkschaftlichen.
Das Porträt der gewerkschaftlichen "Durchschnittsfamilie" - das sich
übrigens weitgehend mit dem der amerikanischen Durchschnittsfamilie
deckt - sieht dabei wie folgt aus: Der Ernährer ist etwa 35 bis 44
Jahre alt, mehr als 10 Jahre verheiratet und hat zumindest 2 oder 3
Jahre eine höhere Schule besucht. Fast 3/4 dieser Familien wohnen in
den Städten oder in den Vororten - das ist ein höherer Prozentsatz
als bei den anderen Familien - und geben monatlich 25 bis 100 Dollar
für Miete aus, genausoviel wie die anderen Familien. Rund die Hälfte
der Gewerkschaftefamilien zahlt dabei Mieten'^ die zwischen 50 und 75
Dollar liegen.
Zur Ermittlung der Einkommenshöhe wurden drei verschiedene EinkommPiBnngaben verwendet: das Arbeitseinkommen des Haupternährers; die
Arbeitseinkommen aller Familienmitglieder sowie das gesamte Familieneinkommen einschließlich der Einkommen aus Mieten, Zinsen, Dividenden
usw.
Ganz gleich, welchen Maßstab man anlegt, in allen Fällen zeigt
sich, daß die Gewerkschaftsfamilien im Durchschnitt ein höheres Einkommen aufweisen als die gewerkschaftlich nicht organisierten, selbst
wenn man berücksichtigt, daß es verhältnismäßig mehr nichtgewerkschaftliche Familien gibt, die mit ihrem Einkommen in der höchsten
Einkommensgruppe liegen.
Betrachten wir zuerst einmal das Arbeitseinkommen des Familienvorstandes. Hier zeigt sich, daß mehr als 1/3 der nichtgewerkschaftlichen Familien in der unteren Einkommensgruppe liegt (Jahreseinkommen
unter 3000 Dollar), während andererseits nur 12 Prozent der Gewerkschaftsfamilien in diese Gruppe fallen. Mehr als 3/4 der letztgenannten
Familien verdienen 3000 bis 7500 Dollar pro Jahr, wobei die häufigste
Einkommenshöhe 5000 Dollar und mehr beträgt.
Bei rund einem Viertel aller Gewerkschaftsfamilien ist noch ein
zweites Familienmitglied tätig - das ist ein etwas höherer Prozentsatz
als bei den Normalfamilien. Das Einkommen dieses Mitverdieners ist in
der Regel nicht unerheblich höher als bei den Zweitverdienern anderer
Familien und liegt im Durchschnitt über 2000 Dollar im Jahr. Rechnet
man diese zusätzlichen Arbeitseinkommen zu den Haupteinkommen der
Familien hinzu, so zeigt sich, daß die Gesamteinkommen bei den Gewerkschaftsfamilien höher sind als bei den anderen..
Während rund 1/3 aller 'nichtgewerkschaftlichen Familien selbst
mit ihrem Doppeleinkommen noch unter der 3000-Dollar-Grenze bleiben,
fällt von den Gewerkschaftsfamilien nur jede zehnte in diese Einkommensgruppe. Andererseits beläuft sich dieses doppelte Arbeitseinkommen bei
rund 60 Prozent aller Gewerkschaftsfamilien auf über 5900 Dollar pro
Jahr.
Legen wir das gesamte Familieneinkommen als Basis an, so zeigt
sich, daß auch hier die Gewerkschaftsfamilien besser abschneiden, obwohl
die Einkommen aus Mieten, Dividenden, Zinsen usw. der gewerkschaftlich
nicht organisierten Familien beträchtlich höher sind.
Es

- 9-

�Es ist in diesem Zusammenhang besonders bemerkenswert, daß noch
ein Viertel aller nichtgewerkschaftlichen Familien ein Jahreseinkommen
von weniger als 3000 Dollar aufweisen und daß die Zahl der Gewerkschaftsfamilien mit einem Gesamteinkommen von über 4000 Dollar weitaus größer
ist als die der anderen Familien.
Rund die Hälfte der Gewerkschaftsfamilien hat ein Jahreseinkommen
von über 6000 Dollar und liegt damit in der mittleren Einkommensklasse.
Etwa 7 Prozent beider Familiengruppen verfügen über Einkommen von über
10 000 Dollar, während bei den Einkommen über 15 000 Dollar pro Jahr die
Zahl der nicht gewerkschaftlich organisierten Familien relativ größer ist«
Eine andere Möglichkeit zur Bestimmung des finanziellen Familienstatus besteht darin, die gesamten verfügbaren Geld- und Kapitalreserven aufzurechnen. In der Untersuchung der University of Michigan wurden in dieser
Hinsicht folgende Posten erfaßt:: Bankkonten, Savings Bonds, Lebensversicherungen, Aktien und Grundbesitz. Ebenso wurden Hypotheken- und Abzahlungsschulden erfaßt.
Nach dieser Übersicht ergibt sich, daß 3/4 aller Gewerkschaftsfamilien über flüssige Mittel in irgendeiner Form verfügten, deren Höhe
sich zwischen 500 und 1000 Dollar bewegte. Die am meisten bevorzugte Form
der Kapitalansammlung war das Kontensparen (50 Prozent aller verfügbaren
Mittel), während 90 Prozent eine Lebensversicherung abgeschlossen hatten
und 8 Prozent (13 /° bei den anderen Familien) Aktien besaßen.
Genauso wie die Gesamtguthaben sind auch die Verbindlichkeiten der
Gewerkschaftsfamilien etwas höher. Rund 2/3 dieser Familien hatten
Teilzahlungsschulden, gegenüber nur rund 50 Prozent der nichtgewerkschaftlichen. Auch die durchschnittliche Schuldensumme" lag mit 500
Dollar etwas über der der nicht gewerkschaftlich organisierten Familien,

Stark gekürzt aus "The American
Federationist".
Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers
und der Quelle gestattet.
* * * * *

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�Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950
Zu den herausragendsten Entwicklungen der amerikanischen Wirtschaft
während der vergangenen 10 Jahre gehört ohne Zweifel auch die beträchtliche Zunahme des Personaleinkommens, das gegenwärtig eine Jahresrate
von 410 Mrd. Dollar erreicht hat und damit gegenüber 1950 (230 Mrd.
Dollar) um 180 Mrd. Dollar oder um 80 Prozent angestiegen ist.
Das Phänomen dieser stetigen Aufwärtsentwicklung der persönlichen
Einkommen war dabei wohl die Tatsache, daß sogar in den verschiedenen
Rezessionsperioden dieser Trend nicht eingedämmt wurde. Selbst im vergangenen Jahr wurde - obwohl seit Mitte des Jahres ein Rückgang in der
wirtschaftlichen Aktivität eingetreten war - mit 402 Mrd. Dollar eine
neue Spitze erzielt, die um 21 Mrd. Dollar oder um rund 5 Prozent über
dem Ergebnis von 1959 lag. Das Pro-Kopf-Bruttoeinkommen, erhöhte sich dabei
um etwas mehr als 4 Prozent auf 224 2 Dollar. Aber selbst nach Abzug
der Steuern ergibt sich für i960 noch ein Pro-Kopf-Einkommen von 19^9
Dollar (1959 = 1905 Dollar), was gegenüber 1950' eine Zunahme um 600
Dollar darstellt.
Den größten Anteil am Personaleinkommen haben die Arbeitseinkommen
(Löhne und Gehälter), durch die mehr als 2/3 der Gesamtsumme (196O =
285 Mrd. Dollar) aufgebracht werden. Das restliche Drittel setzt sich
aus den Einkommen der Selbständigen, Farmer und Freiberuflichen (196O =
36 Mrd. Dollar) sowie den Miet-, Dividenden- und Zinseinnahmen, den
Renten-, Erwerbslosenunterstüt.zungen usw. zusammen.
Wie unterschiedlich übrigens die Entwicklung dieser Einkommensarten seit 1951 gewesen ist, zeigt eine kürzlich veröffentlichte [Übersicht, aus der u.a. hervorgeht, daß sich die Einkommen der Selbständigen,
Farmer und Freiberuflichen in den vergangenen neun Jahren lediglich um
14»8 Prozent erhöhten, während die Arbeitseinkommen in diesem Zeitraum
um fast 60 Prozent zunahmen. Außerdem stammten 1951 mehr als 16 Prozent
des gesamten Personaleinkommens aus den Einkünften der Selbständigen,
Farmer und Freiberuflichen - heute sind es dagegen nur noch 12 Prozent.
(Quelle: Eigenbericht)

Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige Umschulung
Wie für viele Arbeitnehmer in anderen traditionellen Berufen
haben die technologischen Veränderungen der jüngsten Zeit auch für die
Setzer, Metteure, Drucker und andere Facharbeiter des typographischen
Gewerbes zahlreiche neue Berufsprobleme mit sich gebracht - Probleme,
die insofern schwerwiegender Natur sind, als sie direkt die berufliche
Existenz dieser Fachkräfte bedrohen.
In Erkenntnis der Tatsache, daß sich durch die Einführung neuer
Maschinen und Arbeitstechniken im Druckereigewerbe auch die handwerklichen Anforderungen ändern, zahlreiche erlernte Tätigkeiten überholt
und viele neue technische Kenntnisse verlangt werden, hat die amerikanische

- 11 -

�amerikanische Druckergewerkschaft (iTU) schon im Jahre 1956 ein gewerkschaftliches Fortbildungszentrum mit dem Ziel eingerichtet, ihre Mitglieder in Fachkursen mit den neuesten Techniken vertraut zu machen
und ihnen dadurch ihren Arbeitsplatz sichern zu helfen.
Die Situation im amerikanischen Druckereigewerbe ist gegenwärtig
durch die Umstellung von den konventionellen Setz- und Umbruchverfahren
mit Bleitypen auf die sogenannten "photocomposition"- und "paste makeup"Ivlethoden gekennzeichnet. Und gerade diese beiden neuen Techniken - die
Bedienung- der Photosetzmaschinen und der Umbruch im Klebeverfahren sind es, mit denen die Mitglieder der ITU in den letzten,Jahren hauptsächlich vertraut gemacht wurden.
Insgesamt haben bisher über 1000 Mitglieder an den kostenlosen
Umschulungs- und Fortbildungskursen teilgenommen, die sich in der Regel über 3 Wochen erstrecken und 12 verschiedene Arbeitsgebiete umfassen. Dazu gehört neben der Unterweisung an den Photosetzmaschinen,
im Klebeumbruchverfahren, Layout und in der Kamerabedienung und Filmentwicklung u.a. auch die Unterrichtung über die Grundlagen der Elektrotechnik, der Farb-Werktechnik und der Farbentrennung.
Heben diesen reinen Fortbildungskursen werden außerdem noch Seminare für ehemalige Kursusteilnehmer sowie für gewerkschaftliche Lehrkräfte durchgeführt, die in den Ortsverbänden die Mitglieder theoretisch
mit den neusten technischen Entwicklungen vertraut machen. Die Dauer
dieser Kurse, die den Teilnehmern jeweils einen Überblick über den
neuesten Stand der Technik im Druckereigewerbe vermitteln sollen, beträgt 2 w ocheh. Der Lehrkörper des "ITU Training Center" besteht ausschließlich aus kompetenten Fachleuten, die Experten auf dem Gebiet
der neuen Drucktechniken sind.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Eeue Formel für den Arbeitsfrieden
Die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft (USA) und die "Kaiser
Steel Corporation" haben kürz]ich eine bemerkenswerte Vereinbarung
getroffen, die auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
insofern einen vollkommen neuen und für die Zukunft sehr bedeutsamen
Aspekt schafft, als darin vorgesehen ist, daß bei künftigen Lohnverhandlungen neben den beiden Tarifpartnern auch Vertreter der öffentlichkeit gehört werden sollen.
Die Grundlage dieses Abkommens bilden dabei die Empfehlungen, die
ein anläßlich des Stahlstreiks im Jahre 1959 gebildeter und aus Vertretern des Managements, der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit
bestehender Dreierausschuß ausgearbeitet hat, der seinerzeit mit der
Aufgabe betraut wurde, langfristige Pläne zu entwickeln, die gewährleisten, daß Aktionäre, Arbeitnehmer und Öffentlichkeit gleichermaßen
vom Wachstum der Wirtschaft profitieren.

Zu

12 -

�Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören dabei die Erweiterung
der ursprünglichen Funktionen des Ausschusses mit dem Ziel, diesen
als permanente Einrichtung in die Lage zu versetzen, auf harmonische
Arbeitsbeziehungen hinzuwirken, den Ablauf der Tarifverhandlungen zu
verfolgen, und, wenn nötig, die Vertreter der Öffentlichkeit im
Ausschuß zu ermächtigen, an den TarifVerhandlungen teilzunehmen,
damit sie entsprechende Empfehlungen zur friedlichen Beilegung von
Arbeitskonflikten unterbreiten können.
In der gemeinsamen Erklärung der beiden Tarifpartner wird
insbesondere auf die Tatsache verwiesen, daß die letzten Arbeitskonflikte in der amerikanischen Stahlindustrie gezeigt haben, daß
es konstruktiver Neuerungen im TarifVerhandlungswesen bedarf, damit
bestehende Differenzen auf friedliche Weise beigelegt werden können.
Bisher habe die einzige Alternative zu den zweiseitigen Verhandlungen
lediglich in der Intervention des Staates bestanden. Die Einmischung
der Regierung bringe aber insofern große Gefahren mit sich, als durch
sie die Autonomie des TarifVerhandlungswesens gefährdet werde. Da die
Maßnahmen der Regierung zudem in der Regel nicht den Vorstellungen
der Tarifpartner entsprächen, lösten sie auch häufig Verstimmungen aus.
Was beide Tarifpartner anstreben, sind Verhandlungshilfen, die
ihnen nicht aufgezwungen, sondern freiwillig von ihnen anerkannt werden.
Wenn man solche Personen als Mittler in die Verhandlungen einschalte,
die das volle Vertrauen beider Partner genießen, dann könne auf diese
Weise wesentlich zum erfolgreichen Abschluß von Kollektivverhandlungen
beigetragen und gleichzeitig die volle Handlungsfreiheit sowohl der
Gewerkschaft als auch der Unternehmensführung aufrechterhalten werden.
Aus diesem Grunde, so heißt es in der gemeinsamen Erklärung der
USA-Gewerkschaft und der "Kaiser Steel Corporation", seien beide Parteien zu dem Schluß gekommen, den dem Ausschuß ursprünglich zugewiesenen Aufgabenkreis zu erweitern, um dadurch das Kollektivverhandlungswesen zu stärken, die Voraussetzungen für eine friedliche Beilegung
von Arbeitskonflikten zu verbessern und so zum Wohle sowohl der "Kaiser
Steel Corporation", der Stahlarbeitergewerkschaft als auch der Öffentlichkeit beizutragen.
Damit der Ausschuß die von den beiden Sozialpartnern angestrebten
Ziele verfolgen kann, ist u.a. folgendes vorgesehen::
1. Die Tätigkeit des "Long-Range Committee" sind auf solche Gebiete
auszudehnen, die zur Schaffung permanent harmonischer Beziehungen zwischen den Sozialpartnern wesentlich beitragen können. Die Sitzungen
des Ausschusses sollen in regelmäßigen Abständen abgehalten werden;
sich während der Laufzeit des Tarifvertrages neu ergebende Probleme
sollen mit den Sozialpartnern rechtzeitig durchgesprochen werden,
damit die späteren Tarifverhandlungen nicht in Zeitnot geraten.
2. Die beiden Tarifpartner sollen spätestens 60 Tage vor Ablauf des
alten Vertrages zu neuen Verhandlungen zusammentreten und alle Anstrengungen unternehmen, damit ein neuer Vertrag vor Ablauf dieser
Frist unterzeichnet werden kann}

- 13 -

�3». Wenn erforderlich, soll das "Long-Range Committee" nicht später als
30 Tage vor Ablauf des alten Tarifvertrages zusammentreten und den Stand
der Verhandlungen überprüfen. Nach dieser Situationsanalyse sollen dann
die Vertreter der Öffentlichkeit im Ausschuß gegebenenfalls ermächtigt
werden, folgende Schritte zu unternehmen»
a) beschließen, ob bestimmte Maßnahmen sofort oder später bzw.
erst nach einem erneuten Zusammentreffen der Tarifpartner
getroffen werden sollen oder nicht;
b) entscheiden, ob sie an den Verhandlungen als Beobachter teilnehmen sollen}
c) sich um eine Schlichtung bemühen}
d) einen privaten (nur für die Verhandlungspartner bestimmten)
Bericht abfassen, in dem die Standpunkte der beiden Parteien
herausgearbeitet sind, der Gegenstand der Meinungsverschiedenheiten klar herausgestellt ist und in dem Einigungsvorschläge
enthalten sind;
e) einen öffentlichen Bericht entweder unmittelbar vor oder nach
dem Termin veröffentlichen, an dem der alte Vertrag ausläuft.
Dieser Bericht soll allerdings nicht eher der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht werden, als beide Verhandlungspartner
sämtliche Möglichkeiten für eine friedliche Beilegung des
Konfliktes ausgeschöpft haben.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Löhne im Baugewerbe weiter angestiegen
Die Durchschnittsstundenlöhne der gewerkschaftlich organisierten
Bauarbeiter sind nach einer Übersicht des "Amts für Arbeitsstatistik"
im 1. Quartal 1961 um 1 ,2 Cent (oder ö., 3 Prozent) auf 3»72 Dollar angestiegen.
Die stärksten Zunahmen verzeichneten dabei die Zimmerer (1,8 Cent)
und Maler (1,5 Cent), während sich die Steinsetzer und Bauhilfsarbeiter
um 1,1 Cent und die anderen Bauhandwerker um 0,5 Cent verbessern
konnten.
Gegenüber dem Vorjahr hat der durchschnittliche Stundenlohn im
Baugewerbe sich damit um 4»3 Prozent und im Vergleich zum Durchschnitt
der Jahre 1947-49 sogar um 80 Prozent erhöht. Die durchschnittlichen
Lohnerhöhungen zwischen April i960 und April 1961 für alle Baufachberufe beliefern sich auf 15,2 Cent.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Beträchtliche Erhöhung; der Fondsreserven der kommunalen
Altersversi cherungen
Das Gesamtvermögen des Altersversicherungssystems der bundesstaatlichen und kommunalen Arbeitnehmer hat sich im vergangenen
Finanzjahr um 2,2 Mrd. Dollar auf insgesamt 18,539 HrcL. Dollar
erhöht, wie aus einem Bericht des US-Zensusbüros hervorgeht.
Die Gesamteinnahmen des Fonds beliefen sich dabei im abgelaufenen
Jahr auf 3,393 Mrd. Dollar, wovon 1,14 Mrd. Dollar von den Versicherten
und 1,652 Mrd. Dollar von den Arbeitgebern eingezahlt wurden, während
601 Millionen Dollar aus Investitionsgewinnen resultieren.
Die Gesamtauszahlungen des Versicherungsfonds betrugen dagegen
1,3 Mrd. Dollar - 1,01 Mrd. Dollar an Pensionen, 254 Millionen Dollar
an Rückzahlungen an ausgeschiedene Versicherte und 35 Millionen Dollar
an Verwaltungskosten.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
Konstituierende Sitzung des Labor-Management-Beratungsausschusses
Der kürzlich von Präsident Kennedy ernannte Ausschuß für Arbeitgeber-Arbeitnehmerfragen, der sich aus je 7 Vertretern des Managements,
der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit zusammensetzt, befaßte sich
auf seiner ersten Sitzung in erster Linie mit den Auswirkungen der
Automation auf die Gesamtwirtschaft und den Arbeitsmarkt.
Die Ausschußmitglieder waren sich dabei weitgehend darüber einig,
daß die Automation für das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft von
großer Bedeutung sein kann, warnten aber auch gleichzeitig vor einer
überhasteten Einführung der neuen Arbeitstechniken, weil diese schwerwiegende Folgen für den Arbeitsmarkt und den einzelnen Arbeitnehmer
haben könnte. Eine strukturelle Arbeitslosigkeit auf Grund der verstärkten Anwendung der Automation müsse auf alle Fälle verhindert
werden.
Zwecks Vermeidung von wirtschaftlichen Härten gegenüber den durch
die Automation freigesetzten Arbeitskräften sollten nach Ansicht des
Ausschusses die UmschulungsProgramme sowie solche Programme entscheidend verbessert werden, durch die die Mobilität der Arbeitnehmer bei
geringsten negativen Auswirkungen auf das Privatleben erhöht wird. Ebenso sollten die Personalabteilungen der Regierungsbehörden und der Unternehmen der Privatwirtschaft im verstärkten Maße der Tatsache größere
Aufmerksamkeit schenken, daß in Zukunft immer mehr Arbeitskräfte gezwungen sein werden, ihren erlernten Beruf und ihren Wohnort aufzugeben,
um in anderen Wirtschaftszweigen und an anderen Orten ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
(Quelle» Eigenbericht)
* * * * *

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
ISIS Bonn HacJ Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 9

Bad Godesberg, den 1. September 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe
in den USA (i)

Seite 1

Carol A. Barry, US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (i)
Entwicklungstendenzen und derzeitige Struktur

Die Angestelltenberufe gewinnen eine immer größere Bedeutung,
für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten, sowohl was die seit Beginn dieses Jahrhunderts zu beobachtende Zunahme der Zahl der in
diesen Berufen tätigen Arbeitnehmer als auch was die ständige Vergrößerung ihres Anteils an der Gesamtbeschäftigung angeht. In der
Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war diese Zunahme besonders augenfällig, und im Jahre 1956 überstieg die Zahl der Angestellten erstmalig die der Arbeiter.
Die Angestelltenschaft umfaßt die Angehörigen einer stattlichen
Reihe von Berufen, von einfachen Schreibkräften und Verkäufern über
leitende Angestellte großer Kapitalgesellschaften bis zu Kernwissenschaftlern. Der Großteil der Selbständigen in den nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen (eine Besonderheit der amerikanischen Arbeitsstatistik) und die meisten Bediensteten des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen rechnen zu den Angestellten. Die vier Hauptkategorien der Angestelltenberufe sind! akademische, technische und
verwandte Berufe; Manager, leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und Selbständige (außer Landwirten); Bürokräfte; Verkäufer.
Trotz der Verschiedenartigkeit der Tätigkeit gibt es gewisse Gemeinsamkeiten, die zusammengenommen das Wesensmerkmal der Angestelltenberufe ausmachen.
Ursprünglich
-

1 -

�Ursprünglich verstand man unter den Angestelltenberufen,
(den Stehkragenberufen, wie es im Amerikanischen heißt) alle jene
Berufe, zu deren Ausübung keine besondere Arbeitskleidung erforderlich ist. Im-praktischen Sprachgebrauch entwickelte sich dieser Begriff dahin gehend, daß er jede Arbeit einschloß, die in Büros statt
in Fabriken ausgeführt wird, die eher eine geistige als eine körperliche Betätigung erfordert und somit eine gewisse formelle Bildung
voraussetzt. In diesem Sinne wird der Begriff auch heute noch weitgehend verstanden»
Die Bildung der Angestellten ist im allgemeinen umfassender,
die Löhne sind höher als die der Angehörigen anderer Beschäftigungskategorien, und der Kündigungsschutz ist besser ausgebaut. Die Arbeitslosigkeit unter den Angestellten ist verhältnismäßig gering;
sie beziehen ein festes Gehalt, werden mithin nicht nach Stunden
entlohnt und stellen sich auch hinsichtlich der Urlaubs-, Feier tagsund Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfalle besser als Arbeiter. Sie
sind zumeist mit Führungs-, Verwaltungs-, Entwicklungs- oder Aufsichtsauf gaben betraut.
Im Zusammenhang mit der Erörterung der Entwicklungstendenzen in
den Angestelltenberufen dürften auch Vergleiche mit den beiden anderen großen Gruppen nichtlandwirtschaftlicher Arbeitskräfte von
Interesse sein: den Arbeitern und den Angehörigen des Dienstleistungsgewerbes. Die Arbeiter - hierzu zählen im Sinne dieser Untersuchung
Facharbeiter, Vorarbeiter, Maschinenarbeiter und Handarbeiter stellen den zweitgrößten Anteil an der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung; sie sind generell mit der Produktion oder dem
Transport von Gütern, dem Betrieb von Maschinen sowie mit Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten befaßt. Wenn auch einige Arbeiterberufe große Fachkenntnisse erfordern, so steht doch im allgemeinen
die Ausbildung am Arbeitsplatz im Vordergrund, und es wird keine
vorhergehende umfassende schulische Vorbereitung auf den Beruf verlangt.
Den drittstäjfkateiiKAnteil an der Beschäftigung hat das Dienstleistungsgewerbe: die Hausangestellten einschließlich der Reinmachefrauen, Hausdiener, Babysitter und des anderen Wirtschaftspersonals
und das allgemeine Dienstleistungspersonal, zu dem man auch Polizeikräfte, Friseure und Liftboys rechnet, das zum Schutze der Allgemeinheit und für persönliche und öffentliche Dienste bereitsteht.
Entwicklungstendenzen der Beschäftigung in den Angestelltenberufen
1900 bis 1950. Die wichtigste Quelle für statistische Angaben
über die Beschäftigungsverhältnisse in der Zeit vor 1940 sind die
alle zehn Jahre durchgeführten Volkszählungen. Es wurde viel Mühe
darauf verwandt, die Berufstätigen nach Beschäftigungsgruppen zu
klassifizieren, um von 1900 an laufend eine Übersicht über die Beschäftigungsverhältnisse in den USA zu gewinnen, wobei allerdings
die Angaben über das Ausgangsjahr 1900 nur Näherungswerte darstellen.
Die Veränderungen in der Zeit von 1900 bis 1930 können somit nur als

2

�als Hinweise auf die allgemeinen Trends, nicht aber als genaue Meßwerte angesehen werden«
Im Jahr 1900 gab es rund 5 Millionen Angestellte, deren Anteil
an der Gesamtbeschäftigung etwa 28 Prozent ausmachte (Tafel i ) .
Tafel

I

Aufgliederung der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung in den
Jahren von 1900 bis 1950 nach Berufsgruppen

Prozentuale Zu- bzw,
Abnahme des Anteils
an der Gesamtbeschäftigung von 1900 bis
1950

Berufsgruppe

Prozent
1900
1950

Sämtliche Berufsgruppen

100

100

187

28

42

322

7

10

312

9
5
7

10
14
8

204
725
216

57

47

133

17
21
20

16
23
8

173
223
7

15

12

9

3

135
-2

6

9

343

Angestelltenberufe
Akademische, technische und
verwandte Berufe
Manager, leitende Angestellte,
öffentl. Bedienstete und
Selbständige
Bürokräfte u. ä.
Verkäufer
Arbeiter
Facharbeiter, Vorarbeiter u.ä,
Maschinenarbeiter u.ä.
Handarbeiter
Dienstleistungsberufe
Hausangestellte
Dienstleistungsgewerbe (ohne
private Haushaltungen)

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht
notwendigerweise zu den Gesamtziffern.
Quellet Historical Statistics of the TJnited States, Colonial Times to
1957 (U.S. Bureau of the Census, i960), pp. 69 and 74.

-

3 -

�Die Zahl der Arbeiter, deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung
fast 57 Prozent betrug, war mehr als doppelt so groß. Die restlichen 15 Prozent entfielen auf die Angehörigen der Dienstleistungsberufe (Siehe Schaubild I,Seite 10). Die Bürokräfte stellten damals
die kleinste Gruppe unter den Angestellten, und die Zahl der akademischen Fachkräfte war etwas niedriger als die Gesamtzahl der
Angestellten in den privaten Haushaltungen.
Zwischen 1900 und 1950 nahm die Zahl der Angestellten um rund
300 Prozent zu, die der Arbeiter und Beschäftigten in den Dienstleistungsberui'en dagegen um noch nicht einmal 150 Prozent. Somit
stieg der Anteil der Angestelltenberufe an der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung auf zwei Fünftel, während der Anteil der Arbeiter und der Beschäftigten in den Dienstleistungsberufen auf weniger
als die Hälfte bzw. ein Achtel zurückging.
Der größte Zuwachs in den Angestelltenberufen entfiel auf die
Bürokräfte, die innerhalb der Angestelltenschaft von der kleinsten
zur größten Gruppe aufrückten} 1950 war jeder dritte Angestellte
mit Büroarbeiten beschäftigt. Der Anteil der Bürokräfte an der
gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung kletterte im Zuge
dieser Entwicklung von 5 Prozent im Jahre 1900 auf 14 Prozent im
Jahre 1950. Die Zahl der Stenographen, Stenotypistinnen und Sekretärinnen stieg innerhalb der ersten Hälfte des Jahrhunderts auf das
Elffache. Die Zunahme in diesen Beschäftigungszweigen ist zum Teil
der in allen Industriezweigen beobachteten Ausweitung der Verwaltungsarbeit, zum Teil aber auch der Ausweitung der Gesamttätigkeit
in fast allen Industriezweigen sowie im Bank- und Versicherungsgewerbe und in der öffentlichen Verwaltung zuzuschreiben, die die Anlage und laufende Führung umfangreicher Akten notwendig machte.
Die Zuwachsrate der akademischen und technischen Fachkräfte
wurde lediglich von der der Bürokräfte übertroffen. Im Jahre 1900
entfiel auf die akademischen Berufe nur ein Anteil von 7 Prozent
an der Gesamtbeschäftigung; 1950 betrug ihr Anteil 10 Prozent und
ihre Zahl entsprach damit der Gesamtzahl der Angestellten im Jahre
1900.
Die verfügbaren Angaben über die Beschäftigung lassen erkennen,
daß der stärkste Zuwachs nicht in den traditionellen Angestelltenberufen eintrat. Während die Angestelltenschaft insgesamt von 1900
bis 1950 um 300 Prozent zunahm, stieg die Zahl der Arzte und Anwälte
um noch nicht einmal 80 Prozent. Die Zahl der Volks- und Oberschullehrer stieg trotz des erheblichen Ausbaus des Schulwesens nicht
im gleichen Verhältnis wie die Zahl der Angehörigen der akademischen
und technischen Berufe insgesamt. Andererseits verzeichneten die
Ingenieurberufe gegenüber den akademischen und technischen Berufen
eine mehr als vierfache zahlenmäßige Zunahme. Die Zahl der Buchhalter
und Rechnungsprüfer, deren Bedeutung sich angesichts des bereits
erwähnten verstärkten Rechnungsanfalls gleichfalls erhöhte, nahm
gegenüber der gesamten Gruppe der akademischen und technischen Berufe,
zu denen sie in der Arbeitsstatistik gerechnet werden, um mehr als
das Fünffache zu. Hinzu kommt, daß zahlreiche Berufe wie Psychiater,
Sozialhelfer, Luftfahrttechniker usw., die maßgeblichen Einfluß
auf das Anschwellen der Beschäftigung in dieser Sparte hatten, um die
Jahrhundertwende noch unbekannt waren.
-

4 -

�Die beiden verbleibenden Gruppen der Angestelltenberufe die Manager, leitenden Angestellten und öffentlichen Bediensteten und Selbständigen sowie die Verkäufer - hatten eine nur um
ein geringes höhere Zuwachsrate aufzuweisen als die gesamte nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung. Die Gruppe der Manager, leitenden Angestellten und öffentlichen Bediensteten und Selbständigen, die als Ganzes nicht so stark wie die gesamte Angestelltenschaft zunahm, erfuhr einen bedeutsamen inneren Strukturwandel.
Die in der gesamten Wirtschaft fühlbare Tendenz, sich der Vorteile der Form der Kapitalgesellschaft - beschränkte Haftung
und Steuerbegünstigungen - zu bedienen, beeinträchtigte die Zunahme der selbständigen Unternehmer; gleichzeitig trug der Trend
zur Schaffung immer größerer Organisationen in der Wirtschaft und
in der öffentlichen Verwaltung zu dem erheblichen Anstieg der
Zahl der festangestellten Manager und leitenden Angestellten bei.
Die Zunahme der Verkäufer blieb hinter der allgemeinen Zunahme
im Bereich der Angestelltenberufe zurück. Die Entstehung von Einzelhandelskettenläden, die Ausweitung des Geschäftsvolumens der Versandhäuser und die Einführung der Selbstbedienung haben bewirkt,
daß der einzelne Verkäufer heute mehr Kunden abfertigt und größere
Umsätze erzielt als früher. Hinzu kommt, daß ein nicht unerheblicher
Teil der Arbeiten, die früher von Verkäufern geleistet wurden, heute
von Aufsichtskräften, Kassierern und anderen Bürokräften ausgeführt
werden.
1950 bis 1960. Im letzten Jahrzehnt hielten die langfristigen
Beschäftigungstendenzen in den Angestelltenberufen durchgehend an*
Die Gesamtbeschäftigung in der nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaft
erhöhte sich um 17 Prozent, von 52,2 Millionen auf 61,1 Millionen.
Die Beschäftigung in den Angestelltenberufen stieg dagegen um 27 Prozent, von 22,4 Millionen auf 28,5 Millionen, und erreichte 47 Prozent
der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung (Tafel II).

-

5 -

�Tafel II
Zahlenmäßige und prozentuale Verteilung der nichtlandwirtschaftlichen
Beschäftigung. 1950 und 1960

Beschäftigung
(in Tausenden)
Beschäftigungsgruppe

1960

1950

Prozentanteil
Prozent u a l e Zubzw .Ab«
nähme,
1950-60

1950

1960

52 244

61 122

17

100,0

100,0

22 373

28 507

27

42,6

46,6

Akademische, t e c h n i s c h e
u .verwandte Berufe

4 782

7 418

55

9,2

12,1

M a n a g e r , l e i t e n d e Anges t e l l t e , Ö f f e n t l . Bed i e n s t e t e und S e l b ständige

6 429

7 032

7 340

9 710

3 822

4 347

9
32
14

12,3
14,0
7,3

11,5
15,$
7,1

23 336

24 280

44,7

39,7

7 670
12 146

8 606
11 988

12
-1

14,7

14,1

3 5'20

3 686

5

23,2
6,7

19,6
6,0

6 535
1 883

8 335
2 201

28
17

12,5
3,6

13,6
3,6

4 652

6 134

32

8,9

10,0

Sämtliche

Berufsgruppen

Angestelltenberufe

Bürokräfte u .
Verkäufer

ä.

Arbeiter
Facharbeiter, Vorarbeiter u.a.
Maschinenarbeiter u . a .
Handarbeiter
Dienstleistungsberufe
Hausangestellte
Dienstleistungsgewerbe (ohne p r i v a t e
Haushaltungen)

Anm.J Wegen Auf- und Abrundungen a d d i e r e n s i c h d i e Einzelangaben n i c h t
notwendigerweise zu den G e s a m t z i f f e r n .
Q u e l l e : H i s t o r i c a l S t a t i s t i c s of the United Sta.tes, C o l o n i a l Times to
1957 ( U . S . Bureau of the Census, i 9 6 0 ) , p p . 69 and 7 4 .

-

6

-

�Im Gegensatz zu den vorausgegangenen 50 Jahren, in denen die
Gruppe der Büroangestellten rascher als alle anderen Gruppen zunahm,
waren die Jahre von 1950 bis 1960 von einem erheblichen Anstieg der
Zahl der akademischen und technischen Angestellten gekennzeichnet
(siehe Schaubild II Seite 10). Fast die ganze Zeit hindurch, einschließlich kürzerer Rezessionsperioden, war in diesem Beschäftigungsbereich eine Zunahme zu beobachten; im Jahre i960 waren dann
schließlich 7*4 Millionen Arbeitskräfte in akademischen und technischen Berufen tätig, die Zuwachsrate betrug in diesem Jahrzehnt
das Dreifache der Zuwachsrate in der Gesamtbeschäftigung.
Die Zahl der Bürokräfte stieg zwischen 1950 und 196O um 32 Prozent und erreichte die Gesamtzahl von 9»7 Millionen. Obwohl die Zuwachsrate fast das Doppelte der der Gesamtbeschäftigung erreichte,
lag sie doch erheblich unter dem Durchschnitt der vorausgegangenen
Jahrzehnte. Die wesentlich verstärkte Verwendung von Hollerithmaschinen, Rechenanlagen und anderen Büromaschinen wie Kopiergeräten
durften für diesen Umschwung verantwortlich sein.
In anderen Angestelltenberufen war die Zunahme noch geringer. In
den 50er Jahren entsprach die Zuwachsrate der Beschäftigung in den
Verkaufsberufen etwa der der Gesamtbeschäftigung. Die Zuwachsrate
für Manager, leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und
Selbständige war dagegen nur ungefähr halb so hoch wie der Zuwachs
in der Gesamtbeschäftigung. Die Zunahme bei den letztgenannten Gruppen
erfolgte auch nicht so stetig wie in den akademischen und technischen
Berufen oder bei den Bürokräften.
Im Gegensatz zu dem 27prozentigen Anstieg der Beschäftigung in
den Angestelltenberufen nahm die Beschäftigung in den Arbeiterberufen
nur um 4 Prozent oder um 1 Million zu, wobei der Zuwachs fast restlos auf die Gruppe der Facharbeiter und Vorarbeiter entfällt.
Der Zuwachs in den Dienstleistungsberufen dagegen entspricht in
der Gesamtheit dem der Angestelltenberufe. Dies ist vor allem auf die
starke Zunahme im eigentlichen Dienstleistungsgewerbe zurückzuführen,
die sich in den 50er Jahren auf 31 Prozent belief.
Nach den Prognosen, die das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik für
das Jahr 1970 aufgestellt hat, wird die Angestelltenbeschäftigung auch
weiterhin stärker zunehmen als die Gesamtbeschäftigung. Man rechnet
für 1970 mit 37 Millionen Angestellten, das entspricht einem Anteil
von 48 Prozent an der Gesamtbeschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen
Betrieben. Den stärksten Zuwachs erwartet man bei den akademischen
und technischen Berufen, deren Zahl sich auf 10,5 Millionen und deren
Anteil an der Gesamtbeschäftigung sich auf 13*5 Prozent erhöhen dürfte.
Struktur der Angestelltenbeschäftigung
In den einzelnen Industriezweigen. In den nichtlandwirtschaftlichen
Wirtschaftszweigen war der größte Beschäftigungszuwachs bei den Angestellten auf dem Dienstleistungssektor zu verzeichnen: im Handel, jjn

7 -

�im Oeld- und Versicherungswesen und im Immobilienhandel; im Transportgewerbe, im Fernmeldewesen und in den Versorgungsbetrieben in
den übrigen Dienstleistungsgewerben; im öffentlichen Dienst. 1)
Diese Entwicklung steht in einem eindeutigen Gegensatz zu der relativen Stabilität, die in den produktiven Wirtschaftszweigen vorherrschte i in den Fertigungsindustrien, im Bergbau und im Baugewerbe. Seit Anfang der 50er Jahre sind die Vereinigten Staaten das
einzige große Industrieland, in dem mehr Arbeitskräfte mit Dienstleistungen als mit der Erzeugung von Gütern (einschließlich Landwirtschaft) beschäftigt sind«
Der Anstieg der Zahl der Angestellten hängt eng mit der Ausweitung des Dienstleistungsgewerbes zusammen, in dem die Angestellten
einen besonders hohen Beschäftigungsanteil stellen. Im Jahre 1952,
dem ersten Jahr, in dem auf der Basis monatlicher Untersuchungen
Statistiken über die Beschäftigung nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselt erstellt wurden, waren fast 80 Prozent aller Angestellten
im Dienstleistungsgewerbe beschäftigt. Zwischen 1952 und 1960 entfielen rund 70 Prozent des Zuwachses in den Angestelltenberufen
auf diesen Wirtschaftssektor (Siehe Schaubild III, Seite 11).
Die Arbeiterbeschäftigung, deren Schwerpunkt in der Produktionswirtschaft liegt, ging in der Zeit von 1952 bis 196O trotz ihrer
bedeutenden Zunahme im Bankwesen, im Handel und in den Dienstleistungsbetrieben zurück. Die Beschäftigung von Dienstleistungspersonal, dessen größte Massierung natürlich im Dienstleistungsgewerbe
zu verzeichnen ist, nahm etwas stärker zu als die Angestelltenbeschäftigung, obwohl sie in den Fertigungsindustrien und im Baugewerbe etwas abnahm.
Es ist bemerkenswert, daß sich die Zunahme der Angestelltenbeschäftigung seit 1952 auf sämtliche Wirtschaftszweige erstreckte und
in der Produktionswirtschaft prozentual ebenso groß war wie im Dienstleistungsgewerbe. Zwischen 1952 und i960 nahm die Angestelltenzahl
im Baugewerbe und in den Fertigungsindustrien um 36 Prozent zu, d.h.
um den gleichen Prozentsatz wie in der Geldwirtschaft, im Dienstleistungsgewerbe und im Erziehungswesen zusammengenommen. Im Handel,
Transportgewerbe und öffentlichen Dienst war die Zunahme wesentlich
geringer.
Die akademischen und technischen Angestellten, die Gruppe mit
dem stärksten Zuwachs seit 1952, konzentrieren sich vor allem auf
das Bankgewerbe, das Erziehungswesen, die Medizin und in anderen
Fachberufen. Fast drei Fünftel aller derartigen Angestellten sind
in diesen Wirtschaftszweigen tätig; ein weiteres Fünftel in der
Fertigung.
lg£n
1) In diesem Zusammenhang ist es wichtig zwischen Dienstleistungspersonal und Dienstleistungsgewerben zu unterscheiden. Die Beschäftigung von Dienstleistungspersonal ist selbstverständlich
nicht auf das Dienstleistungsgewerbe beschränkt.

8
•

�Wenn die Beschäftigung in den akademischen Berufen auch eindeutige Schwerpunkte in gewissen Wirtschaftszweigen aufweist, so
erstreckte sich die Zunahme zwischen 1952 und 19^0 doch auf die
Gesamtwirtschaft. Der größte Zuwachs wurde in den Fertigungsindustrien
für langlebige Güter erzielt, wo die Zahl in den acht Jahren um 75
Prozent anstieg«
Etwa die Hälfte aller Manager, leitenden Angestellten und Selbständigen entfällt auf den Handelj der größte Teil von ihnen wiederum
ist im Einzelhandel tätig, obwohl sich hier eine Tendenz zu einer
Verringerung der Konzentration bemerkbar machte. Während die Beschäftigung in dieser Berufssparte zwischen 1952 und 196O um etwa
12 Prozent anstieg, blieb sie im Handel praktisch unverändert. Die
größte Zuwachsrate hatten das Baugewerbe, die Fertigungsindustrien
langlebiger Güter und das Dienstleistungsgewerbe zu verzeichnen*
Bei den Bürokräften ist die Verteilung über alle Wirtschaftszweige (außer Landwirtschaft) gleichmäßiger als bei allen anderen Angestelltenberufen. Der Bedarf an Registraturpersonal, Schreibkräften,
Sekretärinnen usw. ist in allen Wirtschaftszweigen, wenn auch in unterschiedlichem Maße, gegeben. Die Zahl der Büroangestellten stieg deshalb zwischen 1952 und 196O in allen Wirtschaftszweigen, mit Ausnahme
des Transportgewerbes und der Versorgungsbetriebe, wo ein leichter
Rückgang eintrat. Den größten Zuwachs hatte das Dienstleistungsgewerbe, den geringsten der Groß- und Einzelhandel.
Sieben Zehntel der im Verkauf tätigen Angestellten stehen im
Dienst des Handels. Der nächstgrößte Anteil der Verkäufer, 15 Prozent,
wurde vom Bank- und Versicherungsgewerbe und vom Immobilienhandel beschäftigt; 13 Prozent sind in den Fertigungsindustrien angestellt.
Trotz der Häufung der Verkäufer im Handel hatte diese Berufsgruppe
zwischen 1952 und 196O nur eine relativ geringe Zunahme aufzuweisen,
was zu einer Verringerung ihres Anteils an der Beschäftigung im
Handel führte.
Beschäftigung der nichtproduktiven Arbeitskräfte. Wichtige Aufschlüsse über die Wirtschaftszweige, die den größten Zuwachs in den
Angestelltenberufen zu verzeichnen hatten, bringt eine Untersuchung
des Beschäftigungsanstiegs bei den nichtproduktiven Arbeitskräften.
In allen drei Zweigen der nichtlandwirtschaftlichen Produktionswirtschaft (Fertigungsindustrien, Bergbau und Baugewerbe) wird die Beschäftigung nach Produktionskräften (Beschäftigte, die tatsächlich
mit der Produktion materieller Güter befaßt sind) und nichtproduktiven Arbeitskräften ausgewiesen. Mit einigen wesentlichen Ausnahmen und Überschneidungen sind die nichtproduktiven Arbeitskräfte
in diesen Wirtschaftszweigen mit den Angestellten identisch.
Etwa 83 Prozent des Zuwachses der Beschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben in den Jahren von 1947 bis 1959 entfallen
auf die Dienstleistungsgewerbe. Der restliche Zuwachs entfällt auf
die Fertigungsindustrien, den Bergbau und das Baugewerbe und ist
eine Auswirkung der Neueinstellung von nichtproduktiven Arbeitskräften bei einem gleichzeitigen leichten Rückgang der Zahl der

- 9 -

�SCHAUBILD I

ZUSAMMENSETZUNG DER NICHTLANDWIRTSCHAFTLICHEN
GESAMTBESCHÄFTIGUNG NACH BERUFSGRUPPEN 1900 UND 1960
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1960

1900

SCHAUBILD II

VERÄNDERUNGEN IN DER ANGESTELLTEN
BESCHÄFTIGUNG VON 1950 BIS 19ÖO
(1950-100)

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TECHNISCHE ANGESTELLTE

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�der beschäftigten Produktionsarbeiter. Im Jahre 1947 betrug der
Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte an der Beschäftigung
im Bergbau und im Baugewerbe 10 Prozent und in den Fertigungsindustrien 16 Prozent. Bis 1959 war dieser Anteil im Baugewerbe
auf 14 Prozent, im Bergbau auf 21 Prozent und in den Fertigungsindustrien auf 24 Prozent gestiegen.
Wenn auch der Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte in
den 21 Zweigen der Fertigungsindustrie starken Schwankungen unterliegt, so ist er doch von 1947 bis 1959 in jedem einzelnen von
ihnen gestiegen (siehe Tafel III). Er ist im allgemeinen in den
Fertigungsindustrien langlebiger Güter höher und hat dort auch
am raschesten zugenommen.
Der Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte wird in den einzelnen Industriezweigen von verschiedenen Faktoren bedingt, beispielsweise dem Grad der Mechanisierung und Automatisierung, den
Absatzmethoden und dem Umfang der betrieblichen Fürsorgeeinrichtungen. Die Entwicklung in den letzten Jahren scheint darauf hinzudeuten, daß die Ausweitung der Forschung eine der Hauptursachen
für die zunehmende Bedeutung der nichtproduktiven Arbeitskräfte ist,

PcicTi E i!S&gt; H c^ F JJSy^ ,N D E R PRODUKTIONSWIRTSCHAFT UND IM DIENSTLEISTUNGSGEWERBE IN DER ZEIT VON 1952-1960 NACH BERUFSGRUPPEN
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III

Prozentualer Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte an der
Beschäftigung in den güterproduzierenden Industriezweigen
(außer Landwirtschaft'). 1947. 1952 und 1959

Industriezweig

1947

1952

1959

Sämtliche güterproduzierende Industrien

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18,2

22,8

Bergbau

10,4

12,8

21,3

Baugewerbe

11,0

11,5

14,3

Fertigungsindustrien

16,3

19,5

24,3

Dauergüter
Verteidigungsproduktion
Holz- und Holzwaren
Möbel und Einrichtungen
Steine, Erden und Glas
Hüttenindustrie
Metallverarbeitende Industrie
Maschinenbau (außer elektrische Geräte)
Elektrogerätebau
Transportmittel
Instrumenten- und Apparatebau
Andere Fertigungsindustrien

16,3
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Kurzlebige Güter
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Tabakwaren
Spinnereiprodukte
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Papier und Papierwaren
Druck- und Verlagswesen
Chemische Produkte u.dergleichen
Erdöl- und Kohleprodukte
Gummiwaren
Leder- und Lederwaren

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12

-

�Die technischen Anforderungen des Raumzeitalters und das Verteidigungsprogramm begünstigten die Einstellung einer wachsenden Zahl
von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern und trugen somit
in den Dauergüterindustrien zu dem Anstieg der Beschäftigung in
den akademischen Berufen bei. Gleichzeitig haben die von diesen
Fachkräften entwickelten technischen Neuerungen einen höheren
Warenausstoß ohne Neueinstellungen von Produktionsarbeitern möglich gemacht. Diese Einflüsse sind besonders in der Verteidigungsproduktion spürbar, wo das Verhältnis von Produktionsarbeitern
zu nichtproduktiven Arbeitskräften etwa 1 zu 1 ist, und im Elektrogerätebau, im Apparate- und Instrumentenbau und in der chemischen
Industrie, wo jeder dritte Beschäftigte nicht produktiv tätig ist.
Der in der Nachkriegszeit zu beobachtende Trend in der Beschäftigung von nichtproduktiven Arbeitskräften scheint in den letzten
Jahren noch eine Verschärfung erfahren zu haben. Es zeichnet sich
ganz eindeutig ab, daß der Hauptanteil an einem künftigen Beschäftigungsanstieg auf den Dienstleistungssektor der Wirtschaft und
der überwiegende Teil der Neuzugänge in der Produktionswirtschaft
(außer Landwirtschaft) auf die Angestelltenberufe entfallen wird.
Klassifizierung der Arbeitskräfte in der Statistik
In den Untersuchungen über die Beschäftigungsverhältnisse wird
unter der Rubrik "Art der Beschäftigung" zwischen Lohn- und Gehaltsempfängern in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst, Selbständigen und unbezahlten Mitarbeitern in Familienbetrieben differenziert.
Häufig wird der Terminus "Angestellter" für "gegen Gehalt Beschäftigte"
verwendet.
Die Mehrzahl der unter den Angestellten geführten Selbständigen
sind Eigentümer kleinerer nicht vergesellschafteter Firmen. Im April
1960 betrug der Anteil der Selbständigen in der Kategorie "Manager",
leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und Selbständige"
50 Prozent; im April 1950 dagegen 60 Prozent. Dieser Rückgang in der
relativen Bedeutung der Selbständigen in der Beschäftigungsstatistik
spiegelt sowohl die tatsächliche zahlenmäßige Abnahme als auch die
etwa 40prozentige Zunahme der Manager, leitenden Angestellten und
öffentlichen Bediensteten wider (siehe Tafel IV).
In der Gruppe der akademischen Berufe waren im April 196O etwa
12 Prozent, zehn Jahre davor dagegen 15 Prozent selbständig. Die meisten Selbständigen in dieser Gruppe sind Ärzte, Zahnärzte und Anwälte,
obwohl zu ihr auch Schriftsteller, Künstler und Artisten und Spezialisten aller Art mit beratender Tätigkeit gehören. Im Verlauf des in
Rede stehenden Jahrzehnts stieg ihre Zahl nur um 200 000 (oder 30 Prozent) auf 900 000; die Zahl der Gehaltsempfänger in dieser Gruppe stieg
dagegen von 3,9 Millionen auf 6,7 Millionen (um 70 Prozent).

Tafel

-

13 -

IV

�Tafel

IV

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A p r i l 1950 und A p r i l 1960

Beschäftigungskategorie

Angestellte
1950
1960
Arbeiter
1950
1960
Dienstleistungspersonal
1950
1960

Sämtliche
Beschäftigungskategorien

Lohn- u .
Gehaltsempfänger
i n der
Wirtschaft

Beschäft i g t e im
öffentl.
Dienst

Selbständige

Unbezahlte Mitarbeiter
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Angestelltenberufe
Akademische, technische u.ä.Angest.

1950
1960
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Angestellte,
öffentl.Bedienstete
u.Selbständige
1950
1960
Bürokräfte
1950
1960
Verkäufer
1950
1960

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht
notwendigerweise zu den Gesamtziffern.

- 14

�Die Verkaufsangestellten sind die einzige Angestelltengruppe,
die einen Zuwachs des Anteils der Selbständigen im Verlauf dieses
Jahrzehnts melden konnte. Im April 196O betrug der Anteil der Selbständigen unter den Verkäufern knapp 10 Prozent, gegenüber 5 Prozent
im Jahre 1950. Die Expansion der Geschäftstätigkeit im Bereich der
Finanz- und Versicherungswirtschaft sowie im Immobilienhandel dürfte
in erster Linie für diese Zunahme verantwortlich sein.
Auf die Bediensteten des Bundes, der Einzelstaaten und der Gemeinden entfallen rund 40 Prozent der akademischen Fachkräfte;
das entspricht dem höchsten Prozentsatz in allen Angestelltengruppen
überhaupt. Die Hälfte der Personen sind Lehrer an staatlichen Schulen
und einzelstaatlichen und örtlichen Colleges und Universitäten in
allen Teilen des Landes. Etwa 20 Prozent aller Bürokräfte und 6 Prozent aller Manager stehen im öffentlichen Dienst. In den Gruppen der
akademischen Fachkräfte und Büroangestellten verliert die Beschäftigung im öffentlichen Dienst heute auf Grund des rascheren Wachstums
der Beschäftigung in der Privatwirtschaft allmählich etwas an Bedeutung,
Obwohl die Zahl der Beschäftigten in akademischen Berufen in der
Privatwirtschaft rascher wuchs als die der Beschäftigten in den übrigen Angestellten-Berufsgruppen, stehen nur 50 Prozent von ihnen im
Dienst der Wirtschaft. Die Privatwirtschaft beschäftigt andererseits
90 Prozent aller Manager und leitenden Angestellten (außer Selbständigen), etwas mehr als 85 Prozent aller Verkäufer und 80 Prozent aller
Bürokräfte.
Auswirkungen der Zunahme der Angestelltenbeschäftigung
Wenn auch eine eingehende Erörterung vieler Auswirkungen der
Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, so drängen sich bei der Untersuchung der
jüngsten Beschäftigungstrends doch einige Fragen geradezu auf. Wird
sich der steigende Anteil der Angestellten in verschiedenen, relativ
krisenfesten Berufs- und Wirtschaftszweigen als ein stabilisierender
Wirtschaftsfaktor erweisen, oder werden die Angestelltenberufe mit
dem Wachsen ihres Anteils an der Gesamtbeschäftigung den Gefahren
einer eventuellen Massenarbeitslosigkeit stärker als bisher ausgesetzt
sein? Werden die Arbeiter, besonders in den ungelernten Berufen im
Falle einer Arbeitslosigkeit mehr als bisher die Möglichkeit haben,
auf einen der Angestelltenberufe umzusatteln? Inwieweit wird die
Nachfrage in den Angestelltenberufen durch Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt gedeckt werden? In welchem Maße hängt das rasche Wachstum der
Zahl der Angehörigen -der akademischen Berufe von der Fortsetzung der
Ausgabenprogramme, der Regierung für Ver"teidigungszwecke und für die
Raumforschung ab? Inwieweit wird der zunehmende Anteil der nichtorganisierten Arbeitskräfte das Verhältnis der Sozialpartner untereinander
beeinflussen? Die 60er Jahre werden die Antwort mindestens auf einen
Teil dieser Fragen bringen. (wird fortgesetzt)
(Aus" Monthly Labor Review",
Vol. 84, Nr. 2, Februar 1961)
* * * * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthalt Material über Arbeitebeziehungen, Gewerkschafteprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitemitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienstetelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 10

Bad Godesberg, den 1. Oktober 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA
(II und Schluß)

Seite

1

Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet

Seite 15

"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"

Seite 16

Trends im Tarifverhandlungswesen

Seite 18

Carol A. Barry,US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (II und Schluß)
Zusammensetzung -

Umfang und Regelmäßigkeit der Beschäftigung -

Arbeitslosigkeit - Bildungsstand - Einkommensvergleiche
Die große Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen
während des letzten Jahrzehnts rückte die Frage nach der Zusammensetzung dieses Segments des Arbeitspotentials in den Blickpunkt des
Interesses der Arbeitsstatistik. Eine Untersuchung der Zusammensetzung
der Angestelltenschaft verdeutlicht die wirtschaftliche Bedeutung
dieser Zunahme. Die in den sechziger Jahren zu erwartende Zunahme
der Anteile der jugendlichen, der älteren und der weiblichen Angestellten an der Gesamtbeschäftigung läßt es wünschenswert erscheinen,
Aufschlüsse darüber zu erhalten, welche Beschäftigungsmöglichkeiten
sich für die Angehörigen dieser Bevölkerungsgruppen in den Angestelltenberufen bieten. Der derzeitige Bildungsstand der Angestellten gibt
beispielsweise gewisse Hinweise auf das Maß an Bildung, das man von
den Neuzugängen auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft erwarten wird, und
die Erfahrungen der Angestellten auf der Arbeitsuche zeigen, inwieweit sich in diesen Berufen Gelegenheit für Halbtagsarbeit oder eine
vorübergehende Beschäftigung bietet, wie sie von den Neuzugängen auf
dem Arbeitsmarkt voraussichtlich in erhöhtem Maße angestrebt werden.
Zusammensetzung der Angestelltenschaft nach Geschlecht. Alter und
Hautfarbe
Nach Geschlecht: Zwischen April 1950 und April i960 stieg die
Zahl der in nicht landwirtschaftlichen Berufen beschäftigten Frauen um
rund 31 Prozent auf 21,2 Millionen (siehe Tafel I ) . Die Zahl der
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�Her Frauen in den Angestellten- und Dienstleistungsberufen erhöhte
sich um jeweils 37 Prozent, obwohl in den ersteren Berufen mehr als
doppelt so viele Frauen tätig sind wie in den letzteren. Die Zahl
der Frauen in den Arbeitsberufen erhöhte sich dagegen nur um etwa
6 Prozent.
Zu einer besonders starken zahlenmäßigen Zunahme der weiblichen
Angestellten kam es in den Gruppen der akademischen Berufe und der
Bürokräfte. Die Zahl der Verkäuferinnen und der weiblichen Beschäftigten in den Managerberufen stieg in erheblich geringerem Maße als
die gesamte weibliche Beschäftigung.
In den akademischen Berufen belief sich die Zunahme bei den Frauen
von April 1950 bis April 196Q auf nahezu 49 Prozent. Wenn auch eine
noch weitergehende Spezifizierung der Untergruppen, auf die sich der
Zuwachs vornehmlich konzentrierte, auf Grund des vorhandenen statistischen Materials nicht möglich ist, so scheint doch ein großer Teil
der Zunahme auf Lehrkräfte an den Grund- und Oberschulen zu entfallen,
deren Anteil an der weiblichen Beschäftigung in dieser Berufsgruppe
sich im April i960 auf 45 Prozent bezifferte, sowie auf Krankenschwestern und anderes medizinisches Personal, dessen Anteil 27 Prozent
betrug.
Der Großteil der in den fünfziger Jahren neu geschaffenen Bürostellen wurde mit Frauen besetzt. Ihre Zahl erhöhte sich im Verlauf
dieses Jahrzehnts um 46 Prozent, wodurch die Bürokräfte bis April i960
ihren Anteil an der weiblichen Angestelltenbeschäftigung auf rund die
Hälfte erhöhen konnten.
Die Zunahme der männlichen Arbeitskräfte in den nicht landwirtschaftlichen Beschäftigungszweigen zwischen April 1950 und April i960
war mit nur 13 Prozent wesentlich geringer als bei den Frauen und
bewirkte einen Anstieg der männlichen Gesamtbeschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben auf 39»8 Millionen. Die größte Zunahme etwa 22 Prozent - entfiel wiederum auf die Angestelltenberufe; bei den
Arbeitern betrug die Zunahme nur etwas mehr als 7 Prozent, in den
Dienstleistungsberufen nur 5 Prozent.
Den Hauptanteil an der Zunahme der Angestelltenbeschäftigung
bei den Männern bestritten die Angehörigen der akademischen und technischen Berufe mit einer Zuwachsrate von fast 60 Prozent während der
letzten zehn Jahre. Drei Fünftel aller neu hinzugekommenen Angestellten übten im April i960 einen derartigen Beruf aus. Der Zuwachs in
den Gruppen der Büro- und Verkaufsangestellten entsprach im wesentlichen dem durchschnittlichen Zuwachs der gesamten nichtlandwirtschaftlichen männlichen Beschäftigung. Die Gruppe der Manager hatte mit
9 Prozent eine etwas geringere Zunahme zu melden. D**-r rasche Aufschwung
der Beschäftigung in den akademischen Berufen ist vor allem auf die
starke Zunahme der Zahl der festangestellten Wissenschaftler, Ingenieure
und Techniker zurückzuführen - Berufe, in denen die Männer dominieren.
Nach

�Nach Altersgruppeni Die Angestellten konnten ihren Beschäftigungsanteil in sämtlichen Altersgruppen während der fünfziger Jahre
erhöhen. Im seihen Zeitraum ging der Anteil der Arbeiter an der Gesamtbeschäftigung in allen Altersgruppen und bei Männern und Frauen
gleichermaßen erheblich zurück. Obwohl der Anteil der Dienstleistungsberufe an der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung als Ganzes
gestiegen ist, blieb er in der Altersgruppe der über 45jährigen bei
den Männern nahezu unverändert und ging bei den Frauen sogar zurück.
Die größte Zuwachsrate unter den Angestellten der Altersgruppe
unter 25 Jahren entfiel auf die Angehörigen der akademischen, technischen und verwandten Berufe. In der Gruppe der Manager, leitenden
Angestellten, öffentlichen Bediensteten und Selbständigen hatte diese
Altersklasse dagegen keine nennenswerte Zunahme zu verzeichnen, da
hier Erfahrung und angesammeltes Kapital entscheidende Voraussetzungen
sind.
In der wichtigsten Altersgruppe, der von 25 bis 44 Jahren, lag
die prozentuale Zunahme bei Männern und Frauen in den Angestelltenund Dienstleistungsberufen auf vergleichbarer Höhe, während die Beschäftigung in den Arbeiterberufen hier bei den Männern um 5 Prozent,
bei den Frauen sogar um fast 15 Prozent zurückging. Die Zahl der
männlichen Angestellten in akademischen Berufen stieg in dieser Altersgruppe um 56 Prozent, während die Zahl der männlichen Verkäufer nur
unwesentlich zunahm. Abgesehen von der Gruppe der Verkaufsangestellten
beiderlei Geschlechts und von den Frauen in Managerstellungen, nahm
die Zahl der männlichen und weiblichen Angestellten im Alter von 25 bis
44 Jahren in allen übrigen Angestelltenberufen wesentlich stärker zu
als die nichtlandwirtschaftliche; Gesamtbeschäftigung.
Bei den Männern und Frauen über 45 Jahren stieg die Zahl der in
akademischen Berufen Tätigen sehr stark an. Auch in den Büro- und
Verkäuferberufen erhöhte sich die Beschäftigung in dieser Altersgruppe
weit stärker als die gesamte nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung,
Die relative Zunahme der Zahl der Frauen über 45 Jahren in den akademischen Berufen, unter den Bürokräften und Verkäufern übertraf die
Zunahme bei Männern und Frauen in allen anderen Alters- und Berufsgruppen ganz beträchtlich.
Nach Hautfarbet Wenn auch die Zahl der farbigen Arbeitnehmer - zu
annähernd 95 Prozent Neger - in den Angestelltenberufen allmählich
steigt, ist ihr Anteil von 3,7 Prozent an der Angestelltenbeschäftigung
gegenüber einem Anteil von 10 Prozent an der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung noch immer verhältnismäßig gering. Der
Anteil der farbigen weiblichen Angestellten erhöhte sich prozentual
stärker als der der farbigen männlichen Angestellten, ist aber gegenüber der Gesamtbeschäftigung noch immer sehr niedrig.
Nur ein Fünftel der berufstätigen farbigen Frauen sind Angestellte
während dies beiden berufstätigen weißen Frauen für drei Fünftel zutrifft; in den Dienstleistungsberufen liegen die Verhältnisse dagegen
fast genau umgekehrt, (siehe Tafel i)

Bei

�Bei den männlichen Arbeitnehmern waren im April 196O nur 16
Prozent der Farbigen, aber fast 44 Prozent der Weißen in Angestelltenberufen tätig. Umgekehrt war ein viel größerer Prozentsatz von Farbigen in den Dienstleistungs- und Arbeiterberufen beschäftigt. Die
Hälfte sämtlicher männlichen farbigen Angestellten, gegenüber zwei
Drittel aller weißen Angestellten, entfiel auf die Berufsgruppen
der Akademiker und Manager.
Während der letzten zehn Jahre nahm die Zahl sowohl der farbigen
als auch der weißen männlichen Arbeitnehmer in den Angestelltenberufen
schneller zu als in den übrigen Beschäftigungszweigen. Obwohl die Beschäftigungszuwachsrate der Farbigen in den Angestelltenberufen im
Jahre i960 höher war als bei den Weißen, lag ihr Anteil an der
Angestelltenbeschäftigung noch immer unter 4 Prozent, gegenüber einem
Anteil von 9 Prozent an der Gesamtbeschäftigung. In ähnlicher Weise erzielten auch unter den weiblichen Angehörigen der Angestelltenschaft
die Farbigen eine erheblich größere Zuwachsrate als die Weißen, insbesondere unter den Büroangestellten. Dennoch betrug der Anteil der
farbigen weiblichen Büroangestellten im April 196O nur knapp 5 Prozent
der gesamten weiblichen Angestelltenbeschäftigung, obwohl der Anteil der
Farbigen an der weiblichen Gesamtbeschäftigung 13 Prozent ausmachte.
Nach wie vor trat die Disparität zwischen den Anteilen der weißen
und farbigen Arbeitskräfte an der Angestelltenbeschäftigung bei den
Männern am deutlichsten in der Gruppe der Manager zutage, bei den Frauen
unter den Verkaufsangestellten. In diesen beiden Gruppen hat sich im
letzten Jahrzehnt kein merklicher Wandel vollzogen.
Umfang der Beschäftigung
Zusätzliche Gradmesser der Beschäftigungslage - wie das Ausmaß
der Ganatags- und Halbtagsbeschäftigung, der ganzjährigen und vorübergehenden Beschäftigung und der durchschnittlichen Zahl der geleisteten
Arbeitsstunden - zeigen ebenso wie die reinen Beschäftigungsziffern,
daß der männliche Bevölkerungsteil in wesentlich stärkerem Umfang am
Erwerbsleben teilnimmt als der weibliche. Die unterschiedliche Beschäftigungsdauer unter den Angehörigen der Angestellten-, Arbeiterund Dienstleistungsberufe ist weit mehr der unterschiedlichen anteilsmäßigen Verteilung der Beschäftigung auf männliche und weibliche Arbeitnehmer zuzuschreiben als den wirtschaftlichen Charakteristika der
einzelnen Berufe. Dasselbe gilt in hohem Maße auch für die Abweichungen
in den verschiedenen Angestelltenberufen. In den Berufsgruppen mit vornehmlich weiblichen Beschäftigten ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im allgemeinen geringer, die Halbtagsarbeit weiter verbreitet
und die vorübergehende Beschäftigung häufiger,
Regelmäßigkeit der Beschäftigung: Die Angeslelltenbeschäftigung
weist im allgemeinen eine größere Regelmäßigkeit auf, als die Beschäftigung in anderen Berufsgruppen. Angestellte sind in größerem Maße ganzjährig ganztägig beschäftigt und leisten mehr Arbeitsstunden als die
Arbeiter und Angehörigen der Dienstleistungsberufe. Die Halbtagsbeschäftigung ist unter der Angeatelltenschaft weit weniger häufig als
in den Dienstleistungsberufen. Andererseits ist die Halbtagsbeschäftigung unter den Angestellten weiter verbreitet als unter den Arbeitern,

-

5 -

�Arbeitern, was jedoch weitgehend auf ihre Beliebtheit hei den weiblichen Angestellten zurückzuführen ist. Hinzu kommt, daß die halbtagsbeschäftigten Angestellten, wie an untrüglichen Zeichen abzulesen
ist, zu einem großen Teil ohne eigentliche wirtschaftliche Notwendigkeit einer solchen Tätigkeit nachgehen, während viele halbtagsbeschäftigte Arbeiter angesichts der Lage axif dem Arbeitsmarkt keine
Ganztagsbeschäftigung finden können, .
Die Angehörigen der Managerberufe leisten unter allen Angestellten die meisten Arbeitsstunden, sind mit der größten Wahrscheinlichkeit das ganze Jahr über beschäftigt und arbeiten am seltensten halbtags. Die Hälfte der Angehörigen dieser Berufsgruppe sind Selbständige,
von dener viele auch abends und am Wochenende arbeiten. Die Verkäuferinnen dagegen arbeiten sehr häufig halbtags und erreichen somit eine
verhältnismäßig geringe Wochenstundenzahl. Dies ist zum größten Teil
auf die Konzentration weiblicher Verkaufsangestellter im Einzelhandel
zurückzuführen, wo die Geschäftszeiten und saisonbedingte Verkaufsspitzen Halbtagsarbeit und vorübergehende Beschäftigung in größerem Umfang
gestatten als in den meisten anderen Wirtschaftszweigen.
Seit 1950 ist in allen Beschäftigungssparten ein Trend zu vermehrter Halbtagsbeschäftigung zu verzeichnen, der unter den weiblichen
Angestellten stärker ausgeprägt ist als unter den männlichen. Unter
den weiblichen Angehörigen der akademischen und Büroberufe nahm die
Halbtagsbeschäftigung erheblich zu und erreichte bis 1959 nahezu
20 Prozent der Gesamtbeschäftigung in diesen Berufen. Unter den Arbeitern und in den Dienstleistungsberufen war^1959 der Prozentsatz
der Arbeitskräfte, die das ganze Jahr über ganztägig beschäftigt sind,
gegenüber 1950 leicht zurückgegangen; unter der Angestelltenschaft
trifft dies nur für Bürokräfte zu,
Arbeitslosigkeit. Im Auf und Ab der Geschäftstätigkeit hat sich
die Arbeitslosigkeit unter den Angestellten während der vergangenen
elf Jahre mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit auf etwa ^er',', ,
gleichen Höhe gehalten. In Zeiten steigender Geschäftstätigkeit lag
die Arbeitslosenrate der Angestellten niedriger als die der Arbeiter
und Dienstleistungsbeschäftigten. Umgekehrt nahm die Arbeitslosigkeitauch
in Zeiten abflauender Wirtschaftstätigkeit unter den Angestellten im
allgemeinen weniger zu als in den beiden anderen Beschäftigungsgruppen,
Im April 1953 brachte die Verstärkung der Verteidigungsanstrengungen
einen Rückgang der Arbeitslosigkeit unter den Arbeitern auf 3»3 Prozent
und unter den Angehörigen der Dienstleistungsberufe auf 3,5 Prozent, was
dem tiefsten Stand innerhalb der elf Jahre von 1950 bis i960 entspricht
(siehe Tafel II). Bei den Angestellten erreichte die Arbeitslosigkeit
in den fünfziger Jahren ihren tiefsten Stand, 1952 mit 1,1 Prozent,
Im April i960 waren dagegen ft6 Prozent der Arbeiter, 5,1 Prozent der
Dienstleistungsbeschäftigten und 2,5 Prozent der Angestellten arbeitslos .
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�Die geringste Anfälligkeit gegen Arbeitslosigkeit ist unter
allen Angehörigen der Angestelltenberufe bei den Managern und Selbständigen zu beobachten. In den letzten elf Jahren hatte die Arbeitslosenquote in dieser Berufsgruppe, wenn man die Ziffern für April
zugrunde legt, im Jahre 1952 mit 0,4 Prozent ihren tiefsten Stand und
im Jahre 1958 mit 2,1 Prozent ihren Höchststand erreicht; im April
1960 waren nur 1,2 Prozent der Angehörigen dieser Berufssparte ohne
Arbeit. Die Hinzurechnung der Selbständigen zu dieser Gruppe trägt
entscheidend zu der geringen Arbeitslosigkeitsrate bei, da Selbständige
nur im Falle eines Bankrotts unfreiwillig arbeitslos werden können.
Andererseits ist aber auch die Arbeitslosenrate bei den eigentlichen
Managern recht gering.
Die Arbeitslosenquote der Angehörigen der akademischen Berufe liegt
nur um ein geringes über dem Satz der Manager. Die höchste Rate wurde
(wiederum mit April als Bezugsmonat) im Jahre 1950 mit 2,2 Prozent,
die niedrigste 1952 mit 0,7 Prozent ermittelt; 196O waren 1,5 Prozent
der akademischen Fachkräfte beschäftigungslos. Die durchweg günstige
Beschäftigungslage in diesen Berufen ist auf die Stabilität im Bereich
der Dienstleistungswirtschaft zurückzuführen, die besonders viele akademische Fachkräfte beschäftigt, sowie auf den hohen Anteil der freiberuflich Tätigen, die spezifische Eigenart dieser Berufe und die. große
Nachfrage nach hochqualifizierten Fachleuten.
In den Fertigungsindustrien sind beispielsweise zahlreiche akademische Kräfte mit Aufgaben betraut, die kaum etwas mit der laufenden
Produktion zu tun haben. Eine typische Illustration liefert die Grundlagenforschung: Entwicklungsarbeiten wird man kaum wegen eines geringen
vorübergehenden Nachlassens der Wirtschaftstätigkeit einstellen. Die
im Dienste der Industrie stehenden Wissenschaftler, die an der Verbesserung der derzeitigen Produkte oder der Entwicklung neuer Produktionsverfahren arbeiten, kommen nicht so sehr der laufenden als vielmehr der
künftigen Produktion zugute und werden dwshalb auch von Absatz Schwankungen kaum ernstlich berührt.
Bei den Büro- und Yerkaufsangestellten wurde die niedrigste Arbeitslosigkeitsquote im April 1952 mit 1,6 bzw. 1,7 Prozent registriert. Der
Anteil der Arbeitslosen unter den Verkäufern betrug im April 1954» 1958
und 1959 dagegen 4»1 Prozent und im April 196O rund 5,4 Prozent. Bei den
Büroangestellten betrug der Arbeitslosenanteil im April 195.8 etwa 4,8
Prozent und ging bis April i960 auf 3»6 Prozent zurück.
Tritt in den Fertigungsindustrien, im Bergbau, im Baugewerbe oder
im Transportwesen ein schärferer Beschäftigungsrückgang ein, so sind
die dort tätigen Bürokräfte mit großer Wahrscheinlichkeit die ersten
(wenn nicht sogar die einzigen) Angestellten, die mit ihrer Entlassung
zu rechnen haben. Im allgemeinen ist ihr Anteiir'an der Gesamtbeschäftigung in diesen Wirtschaftszweigen höher als der aller anderen Angestelltengruppen und ihre Tätigkeit steht in einem engeren Zusammenhang
mit der laufenden Produktion.
Die

�Die relativ größere Arbeitslosigkeit unter den Büro- und Verkauf sangestellten hängt auch mit der Tatsache zusammen, daß in diesen
Berufen der Anteil der Jugendlichen an der Beschäftigung höher ist
als in anderen Sparten. Bei erwachsenen Frauen kann die Suche nach
einer Arbeitsstelle sowohl durch ihre Kündigung am bisherigen Arbeitsplatz als auch durch den Wunsch bedingt sein, nach längerer Zeit der
Haushaltstätigkeit wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Unter den
Jugendlichen ist der Wechsel zwischen Berufstätigkeit und Schule häufig.
Eine Untersuchung der Häufigkeit einer langfristigen Arbeitslosigkeit und der durchschnittlichen Dauer der Beschäftigungslosigkeit ergibt
weniger Unterschiede zwischen den Angestellten und den Angehörigen der
übrigen Beschäftigungssparten als erwartet. Wenn auch manches darauf
hinweist, daß die durchschnittliche Arbeitslosigkeitsdauer bei den Angestellten etwas kürzer und die langfristige Arbeitslosigkeit - vor
allem in Zeiten wirtschaftlicher Erholung - nicht so häufig ist wie bei
Arbeitern und Angehörigen der Dienstleistungsberufe, so sind doch die
Unterschiede keinesfalls so augenfällig wie bei den durchschnittlichen
Arbeitslosenraten. Das ist einmal darauf zurückzuführen, daß angesichts
der relativ geringen Arbeitslosigkeit unter den Angestellten meist nur
solche Arbeitskräfte beschäftigungslos werden, die ohnehin schwer unterzubringen sind. Zum anderen lassen sich Menschen mit der Ausbildung und
Erfahrung, wie sie Angehörige der akademischen Berufe, Manager und Verkäufer vielfach besitzen, nicht so leicht in andere Stellungen vermitteln wie Menschen mit Fertigkeiten, wie sie in weniger spezialisierten
Berufen gefordert werden.
Bildungsstand
Ein relativ hoher Bildungsstand ist charakteristisch für die Angehörigen der Angestelltenberufe. Im Jahre 1959 ergab sich für die gesamte Angestelltenschaft im Durchschnitt eine zwölfjährige schulische
Ausbildung. Von den Angehörigen der Arbeiter- und Dienstleistungsberufe
erreichten nur die Facharbeiter mit einer durchschnittlichen Schulzeit
von 11 Jahren einen vergleichbaren Stand. Arbeiter und Hausangestellte
hatten größtenteils noch nicht einmal ein Jahr Oberschulbildung aufzuweisen.
Trotz des hohen Durchschnitts des Schulbesuchs bei den Angestellten insgesamt bestanden in den einzelnen Angestelltenberufen erhebliche
Unterschiede hinsichtlich des Anteils derjenigen, die die Grundschule,
die Oberschule oder ein College bis zum Abschluß durchlaufen hatten. Im
allgemeinen haben selbstverständlich die Angehörigen der akademischen
Berufe die längste schulische Ausbildung absolviert (wenn auch in gewissen freien Berufen - bei Künstlern, Schauspielern, Berufssportlern
usw. - eine formale Bildung nicht als unerläßliche Voraussetzung anzusehen ist). Nur 6 Prozent in dieser Gruppe haben keine abgeschlossene
Oberschulbildung, 55 Prozent dagegen hatten 4 Jahre oder länger ein
College besucht.
Dv3 Unterschiede hinsichtlich des Grades der schulischen Vorbildung
sind innerhalb der Gruppe der Manager größer als in jeder anderen AngestelilUngruppe. 21 Prozent der Angehörigen dieser Gruppe hatten im Jahr

\

- 9 -

�Jahr 1959 überhaupt keine Oberschulbildung aufzuweisen, und 13 Prozent
hatten mindestens 4 Jahre College absolviert. Auch hier treten wiederum
deutliche Unterschiede zwischen den eigentlichen Managern und den
Selbständigen in Erscheinung. Während nur etwa ein Viertel aller Manager keine Oberschule besucht hatten, betrug der Anteil der Selbständigen mit reiner Grundschulbildung nahezu 50 Prozent»
Unter den Bürokräften ist der Anteil der Angestellten mit besonders kurzer oder besonders langer Schulbildung geringer als in den anderen Angestelltenberufen. Nicht ganz 8 Prozent der Büroangestellten
haben weniger als acht Klassen besucht, aber nur 5 Prozent haben einen
Coliege-AbSchluß.
Zwischen den männlichen und weiblichen Angestellten bestanden übrigens vielfach sehr augenfällige Unterschiede bezüglich des Bildungsstandes, insbesondere bei den Büro- und Verkaufskräften (siehe Tafel IIl).
Im allgemeinen ist der Anteil der Frauen mit Oberschul-Abschluß größer
als der Anteil der Männer. Was jedoch die akademische Bildung angeht,
so ist hier ein umgekehrter Trend zu beobachten: die Zahl der Männer,
die ein College besucht und auch den regulären Abschluß erlangt haben,
ist größer als die der Frauen. Von den weiblichen Büroangestellten haben
5 Prozent überhaupt keine Oberschule besucht. 80 Prozent dagegen das
Abschlußexamen gemacht. Auf der anderen Seite hatten 13 Prozent der
männlichen Büroangestellten keine Oberschule besucht und nur 70 Prozent
ihr Abschlußexamen abgelegt; 9 Prozent - gegenüber 3 Prozent bei den
Frauen - hatten jedoch ein College absolviert.
Bei den Verkäufern ergibt sich hinsichtlich des Bildungsstandes bei
Männern und Frauen dagegen ein ganz anderes Bild. Im Jahre 1959 hatten
20 Prozent der Verkäuferinnen keine Oberschule besucht; bei den Männern
waren es 13 Prozent. Etwa 72 Prozent der männlichen und 55 Prozent der
weiblichen Verkaufsangestellten hatten die Oberschule absolviert. Während
15 Prozent der Verkäufer einen College-Abschluß besaßen,traf dies
bei den Verkäuferinnen nur für 5 Prozent zu. Diese ungewöhnliche Diskrepanz erklärt sich aus der Tatsache, daß die große Mehrzahl der weiblichen Verkaufsangestellten im Einzelhandel beschäftigt ist, während
etwa die Hälfte aller in Verkaufsberufen arbeitenden Männer beispielsweise als Versicherungsagenten oder im Grundstücks- und Wertpapierhandel tätig sind, wo eine bessere Bildung Berufsvoraussetzung ist.
Seit 1952 hat sich das Bildungsniveau der gesamten Angestelltenschaft laufend erhöht. Die eingetretenen Veränderungen zeigen sich am
deutlichsten an den Extremfällen: der Anteil der Angestellten ohne
Oberschulbildung ist stark zurückgegangen, während der der Angestellten
mit vierjähriger und längerer Collegebildung zugenommen hat.
Einkommensvergleiche
Die Einkünfte der Angestellten sind erheblich größer als die der
meisten Arbeiter und Dienstleistungsbeschäftigten. Dennoch bestehen
innerhalb der Angestelltenschaft und besonders zwischen männlichen und
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Einkommen der männlichen Büro- und Verkaufsangestellten lag mit
5713 bzw. 5259 Dollar noch wesentlich höher als das der weiblichen
Angehörigen der akademischen Berufe mit 4420 Dollar.
Die Diskrepanz zwischen den Einkommensmittelwerten bei Männern
und Frauen mit ganzjähriger Beschäftigung erklärt sich zum Teil aus
der Tatsache, daß die Frauen praktisch in allen Berufsgruppen vornehmlich in den schlechter bezahlten Stellungen beschäftigt.werden. Bei
den weiblichen akademischen Fachkräften handelt es sich beispielsweise vielfach um Lehrerinnen oder Krankenschwestern, während die
männlichen Akademiker in großer Zahl als Ärzte, Zahnärzte, Anwälte,
Ingenieure usw. tätig sind.
Im großen und ganzen trifft für die männlichen Angehörigen der
akademischen und Managerberufe nicht nur ein höherer Einkommensmittelwert zu als für die Büro- und Verkaufsangestellten; sie gehören ohnehin
größtenteils zu den oberen Einkommensklassen. Es bestehen jedoch ausgeprägte Unterschiede in der Einkommenshöhe zwischen den festangestellten und den selbständigen Angehörigen der akademischen und Managerberufe. Während sich freiberuflich tätige Akademiker wesentlich
besser stellen als ihre festangestellten Fachkolle gen, liegen die Verhältnisse in der Gruppe der Manager gerade umgekehrt. Das mittlere
Einkommen sämtlicher freiberuflich tätigen männlichen Akademiker
(einschließlich der nicht ganzjährig oder nur halbtags tätigen) betrug 1959
10 941 Dollar; von den festangestellten Angehörigen der
akademischen Berufe konnten dagegen nur 15 Prozent ein Einkommen von
10 0C0 Dollar und darüber erzielen (siehe Tafel IV). Der Einkommensmittelwert der männlichen Manager und leitenden Angestellten betrug
7080 Dollar; bei den Selbständigen in dieser Kategorie lag er bei
5299 Dollar.
Die große Vielfalt der Tätigkeiten der Verkaufsangestellten spiegelt sich auch in der Einkommenshöhe wider. Während sich das Einkommensmittel 1P59 für alle männlichen Verkäufer auf 4892 Dollar bezifferte, lag das Jahreseinkommen von 22 Prozent der Verkaufsangestellten unter 2500 Dollar. Dies ist ein höherer Prozentsatz als in allen
anderen Angestelltengruppen. Diese Ziffern sind in erster Linie der
großen Zahl der im Einzelhandel beschäftigten kleinen Verkaufsangestellten und anderer Verkäufer in niedrig dotierten Stellungen zuzuschreiben, lassen aber auch erkennen, daß eine große Zahl männlicher
Verkäufer nur halbtags in diesem Beruf tätig ist.
Die höchsten Einkommen in dem Personenkreis, der in der amerikanischen Statistik zu den Angestellten gerechnet wird, beziehen die
selbständigen Angehörigen der freien Berufe: Ä'rzte, Zahnärzte, Anwälte
usw. Die niedrigsten Einkommen entfallen größtenteils auf die Verkäufer und die selbständigen Gewerbetreibenden. Trotz aller Einkommensschwankungen zwischen den verschiedenen Beschäftigungskategorien und
zwitjchei: männlichen und weiblichen Beschäftigten sind die Angehörigen
der Angestelltenberufe im allgemeinen doch wesentlich besser bezahlt

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13

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�bezahlt als die Arbeiter und die Dienstleistungabeschäf tigten,.'
Ein Überblick über die Einkommensentwicklung in den einzelnen
Berufszweigen während der letzten zehn Jahre läßt keine Verringerung
der Kluft zwischen den Angestelltengehältern und den Arbeiterlöhnen
erkennen. Im Gegenteil, unter Zugrundelegung eines festen Dollarwertes hat sich, wie aus verschiedenen Anzeichen zu ersehen ist, die
Differenz zwischen den Einkommensmittelwerten in diesem Zeitraum
sogar vergrößert,
*

Im Laufe der fünfziger Jahre nahm die Beschäftigung in den Angestelltenberufen ständig zu; das gilt sowohl für Männer und Frauen
als auch für Weiße und Farbige. Der Zuwachs bei den männlichen Angehörigen die ser Kategorie war in den akademischen und technischen
Berufen besonders, stark. Das gleiche gilt für ältere Frauen in akademischen Berufen und in Büro- und Verkaufsstellen sowie für die
Farbigen in akademischen Berufen und in Bürostellen. Die Zahl der
halbtagsbeschäftigten weiblichen Angestellten stieg in den fünfziger
Jahren ganz erheblich, insbesondere die der Angehörigen der akademischen Berufe und der Büroangestellten. Der während der sechziger Jahre
zu erwartende Beschäftigungszuwachs, in diesen Berufszweigen wird mit
Sicherheit zahlreiche neue Arbeitsmöglichkeiten für die Angehörigen
dieser Berufsgruppen schaffen; für die Jugendlichen, die in großer
Zahl neu in das Berufsleben eintreten werden, bieten sich vor allem
als Büro- und Verkaufsangestellte gute Beschäftigungsmöglichkeiten.
Die erhöhten Anforderungen an die Qualifikationen in den akademischen
Berufen werden sich auf dem Beschäftigungsanstieg bei den Jugendlichen insofern hemmend auswirken, als sie eine längere Vorbereitung
auf den Beruf erforderlich machen und damit einen späteren Eintritt
ins Berufsleben erzwingen; dadurch wird wiederum die Nachfrage nach
erfahrenen akademischen Fachkräften aller Art, einschließlich Lehrer,
weiter steigen.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol.84, Nr.2, Februar 1961)

* * * * *

- 14

�Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet
"Luxus, Geborgenheit und Erquickung - für 125 Dollar im Monat"
- dieses Versprechen, das mehrere amerikanische Gewerkschaften vor
rund einem Jahr ihren Mitgliedern gaben, konnten sie jetzt mit der
Eröffnung ihres ersten "Altershotels" im bekannten amerikanischen
Badeort Miami Beach in Florida einlösen. Hier, direkt am Atlantik,
können von nun an einige hundert Pensionäre im "Präsident-MadisonHotel" einen geruhsamen, sorglosen und ausgefüllten Lebensabend verbringen und manche Freuden genießen, die ihnen das Leben bisher
vielleicht nur spärlich beschert hatte.
Im Preis sind sämtliche Unkosten für Unterbringung, Verpflegung
und die Benutzung aller Einrichtungen inbegriffen. Die Renten aus
der staatlichen Sozialversicherung im Verein mit den Leistungen der
betrieblichen Pensionskassen geben - von der finanziellen Seite
her gesehen - einem Großteil der Altersrentner die Möglichkeit, den
Lebensabend in einem derartigen Heim zu verbringen.
Die Ausstattung der Zimmer und Nebenräume im "Präsident Madison"
kann sich mit der benachbarter Hotels durchaus messen, in denen aller
dings allein die wöchentlichen Kosten für das Zimmer den Monatssatz
für Vollpension im "Präsident Madison" übersteigen. Sämtliche Zimmer
sind mit freundlichen Möbeln eingerichtet und werden durch Klimaanlagen ständig auf einer angenehmen Temperatur gehalten. Das Haus hat
mehrere große Gesellschaftsräume, einen Fernsehsaal und ein eigenes
Schwimmbad. Die Mahlzeiten werden nach den neuesten Erkenntnissen
der Ernährungswissenschaft zubereitet.
Mit Rücksicht auf die Bedürfnisse älterer Menschen wurden beispielsweise sämtliche Badewannen mit rutschfesten Böden und Handgriffen versehen; Rampen angelegt, um Gehbehinderten das Treppensteigen zu ersparen; wurde ein Untersuchungszimmer eingerichtet,
das Ärzten bei Hausbesuchen zur Verfügung steht.
Die Lieblingsbeschäftigung der meisten Gäste des Hauses besteht darin, kleine Spaziergänge zu machen, einen Schwatz in den
Gesellschaftsräumen zu halten oder dem Treiben im Schwimmbad oder
am Strand von überdachten Wandelgängen aus zuzusehen. Wer Lust zu
aktiverer Betätigung verspürt, kann schwimmen gehen, an Tanzkursen
teilnehmen oder aber, gegebenenfalls unter Anleitung, Basteleien
ausführen oder sich als Künstler in Farbe oder Ton versuchen.
Besucher des "Präsident Madison" berichten immer wieder erfreut,
daß man dort kaum etwas von der typischen "Anstaltsatmosphäre" verspüre, die Altersheime so oft charakterisiert. Die Gewerkschaften
fordern ihre Mitglieder, die zu Tagungen oder zur Erholung nach
Miami Beach kommen, zu einem Besuch des Altershotels auf, schon um
den Alten den Kontakt mit jungen Menschen und dem Leben außerhalb
des Heims zu erhalten.
Das "Präsident-Madison-Hotel" wird vo'n der Four Freedoms Hotels,
Inc., einer Gemeinschaftsgründung mehrerer Gewerkschaften, betrieben.
Die
15

�Die Gesellschaft beabsichtigt, in Kürze weitere Hotels in New York,
Chicago, Los Angeles und Atlantic City aufzukaufen und in Heime umzuwandeln. Die Pensionäre haben dann die Möglichkeit, zwischen mehreren Alterssitzen zu wählen und gegebenenfalls auch von Zeit zu
Zeit in ein anderes Heim überzuwechseln.
Die Schaffung der Four-Freedoms-Hotels-Gesellschaft ist in erster
Linie das Verdienst des Präsidenten der Amerikanischen RundfunkGewerkschaft, William R. Steinberg, der auch ihre Geschäftsführung
übernahm. An der Spitze des Kuratoriums steht Joseph Curran, der
Präsident der Seeleute-Gewerkschaft. Im übrigen wird die Gesellschaft
von den Gewerkschaften der Automobilarbeiter, der Beschäftigten in
der Damenoberbekleidungsindustrie, der Elektriker und anderen getragen.
Alle beteiligten Gewerkschaften und ihre Mitglieder sehen in diesem neuen Projekt den Ausdruck einer neuen Funktion der Arbeiterbewegung: im Bewußtsein der Verantwortung für den arbeitenden Menschen
über die Zeit seiner aktiven Tätigkeit hinaus nicht nur für seine
materielle Sicherheit und Gesundheit, sondern auch für seine Achtung
als Mensch zu sorgen.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * # *

"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAVV) hat sich mit
der "American Motors Corporation" im Prinzip über einen neuen Tarifvertrag geeinigt, der - ein Novum in der amerikanischen Automobilindustrie - eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer vorsieht.
Die zehn Tage vor dem Auslaufen des letzten Abkommens erfolgte
Einigung zwischen den beiden Sozialpartnern gewährleistet außerdem
die Beibehaltung des sogenannten "Verbesserungsfaktors" (Aufbesserung
der Löhne auf Grund der angestiegenen Produktivität) und der derzeitigen Lohngleitklausel (automatische Erhöhung der Löhne bei Anstieg
der Lebenshaltungskosten) im neuen Tarifvertrag.
Was die Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer betrifft, so ist dabei
vorgesehen, daß an die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter des
Unternehmens 10 Prozent des Reingewinns (vor Abzug der Steuern) in Form
von Barleistungen oder anderen Leistungen zur Verteilung kommen, nachdem vorher von der gesamten Gewinnsumme 10 Prozent für die Aktionäre
abgezweigt wurden, und daß weitere 5 Prozent des Gewinns in Form von
Aktien des Unternehmens an die Arbeitnehmer verteilt werden. Gemessen
an dem Gewinn des Unternehmens im letzten Finanzjahr, würde das eine
Summe von 360 Dollar pro Arbeitnehmer und Jahr bedeutet haben.
Von

-

16

�Von ebenso großer Bedeutung sind auch die verbesserten Lei- '
stungen auf dem Gebiet der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung.
Während bisher die vorübergehend entlassenen Arbeitnehmer der
Automobilindustrie neben ihrer staatlichen Arbeitslosenunterstützung
noch einen Ausgleichsbetrag aus den aus Unternehmerbeiträgen gespeisten Unterstützungsfonds erhielten, der ihnen ein Einkommen in Höhe
von 65 Prozent ihres bisherigen Verdienstes sicherte, ist im neuen
Abkommen zwar nur ein Maximum von 62 Prozent vorgesehen, dafür aber
noch zusätzlich 1,50 Dollar pro Woche und Familienmitglied. Die Bezugsdauer dieser Ausgleichsbeträge wurde dabei gleichzeitig auf maximal 52 Wochen heraufgesetzt (bisher 34 Wochen).
Andere Abmachungen in dem neuen Tarifvertrag sehen außerdem folgende Verbesserungen vor: Liberalisierung der derzeitigen Pensionspläne; erhöhte Leistungen bei vorzeitiger Pensionierung oder Vollinvalidität; Übertragung der Pensionsrechte auf den überlebenden Ehepartner bei reduzierten Leistungen; Erhöhung der Lebensversicherungssumme und Verbesserung der Krankenhausversicherung (Zahlung der gesamten Beiträge aus dem neuen Gewinnbeteiligungsfonds).
Wie der 1 . Vorsitzende der Automobilarbeitergewerkschaft,
Walter P. Reuther» und der Vizepräsident der American Motors Corporation, Edward L. Cushman, auf einer Pressekonferenz erklärten, müssen
noch einige Details des neuen Vertrages ausgearbeitet werden. In den
Hauptpunkten sei dagegen bereits volle Einigung erzielt worden.
In einem Kommentar zu dem neuen Tarifabkommen in der amerikanischen Automobilindustrie schrieb der "Washington Star" u.a.! "Walter
Reuther und die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft haben der
American Motors nach den Worten des 1. Vorsitzenden der Gewerkschaft
"das historisch bedeutendste Tarifabkommen in der Geschichte der
amerikanischen Arbeiterbewegung abgerungen... und es wurde verhältnismäßig leicht erreicht, weil das "Unternehmen und nicht die Gewerkschaft... den Gewinnbeteiligungsplan am Verhandlungstisch ins Gespräch brachte..."

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Trends

17

_

�Trends im Tarifverhandlungswesen
1 . Regelungen der Bezahlung von Wasch- und ReinigungsZeiten
Wie aus einer kürzlich vom US-Arbeitsministerium durchgeführten Untersuchung hervorgeht, enthalten gegenwärtig mehr als 1/6
aller in den USA gültigen Großtarifverträge - das sind solche, die
jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmer umfassen - Klauseln über die
Bezahlung von Wasch- und Reinigungszeiten.
«

Insgesamt sehen 278 Großtarifverträge, das sind 17 Prozent
aller Verträge, feste Abmachungen über die Bezahlung jener nichtproduktiven Arbeitszeit vor, die von den Arbeitnehmern für das
Kleiderwechseln, das Waschen und Säubern im Durchschnitt aufgewendet werden muß. Y/ährend die meisten Verträge hierfür eine Zeit von
10 Minuten vorsehen, gewähren einige auch Zeiten von 15 Minuten und
darüber. Häufig wird in den diesbezüglichen Klauseln der Verträge,
auch nur von "einer angemessenen Zeit" gesprochen.
Obwohl noch in den meisten Kontrakten für die Waschnigungszeit eine Periode festgesetzt ist, die am Ende der
zeit liegt, ist in jüngster Zeit hier insofern ein Wandel
ten, als in immer mehr Verträgen zwei Perioden - eine vor
tagspause und eine nach Arbeitsschluß - gewährt werden.

und ReiArbeitseingetreder Mit-

Zu denjenigen Industriezweigen, in denen solche tarifvertraglichen Abmachungen allgemein vorherrschend sind, gehören die
Nahrungsmittel-, Erdöl-, Transport-, die Maschinen- und die chemische Industrie.
*

2. 98 Prozent aller privaten Sozialpläne schließen
Lebensversicherungen ein
über 98 Prozent aller in der amerikanischen Industrie zwischen
Gewerkschaft und Unternehmen ausgehandelten privaten Sozialpläne
sehen heute eine Lebensversicherung für noch im Berufsleben stehende
Arbeitnehmer vor, während in rund 2/3 dieser Verträge diese Leistungen auch auf die bereits im Ruhestand Lebenden ausgedehnt werden.
Dies geht aus einer Untersuchung des Amtes.für Arbeitsstatistik des
amerikanischen Arbeitsministeriums hervor, die sich auf JOO derartige
Pläne erstreckte.
Die untersuchten Sozialpläne, durch die im einzelnen zwischen
1000 und 500 000 Arbeitnehmer erfaßt werden, sehen für insgesamt
4,9 Millionen Arbeitnehmer Kranken- und Lebensversicherungsleistungen
vor. Fast 5/4 dieser Arbeitnehmer waren dabei in Fabrikationsbetrieben beschäftigt, der Rest verteilte sich auf andere Wirtschaftszweige,
Bei

-

18

�Bei rund 3/5 a H dieser Sozialpläne werden ferner die Lebensversicherungsprämien ausschließlich von den Unternehmern finanziert,
während bei den restlichen Plänen die Beiträge zu gleichen Teilen
von Arbeitnehmer und Unternehmer aufgebracht werden. Versicherungsleistungen bei Unfalltod oder Invalidität werden außerdem von rund
der Hälfte dieser Pläne gewährt, wobei die Unternehmer bei "JQ Prozent
aller Pläne die Kosten allein tragen.
Die Höhe der für die einzelnen Arbeitnehmer vorgesehenen
Lebensversicherungssummen belief sich auf 500 bis 15 000 Dollar,
wobei rund ein Viertel aller Policen auf Summen von mindestens
4000 Dollar lauteten.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

19

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 11

Bad Godesberg, den 1 . November 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung
in den USA

Seite

1

Gewerkschaftsschulung im Wandel

Seite

4

Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe
der amerikanischen Gewerkschaften

Seite

10

J. J. Jehring, Mitarbeiter des Instituts für Produktivitätsfragen
der Universität Wisconsin:
Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA
Zwei Formen der Gewinnbeteiligung sind heute in der amerikanischen Industrie weitverbreitet: die Barausschüttung und die feste .
Anlage mit Ertragsbeteiligung.
Bei der ersteren Form wird der Gewinnanteil an gewissen Fälligkeitsterminen dem Betriebsangehörigen direkt ausgezahlt, bei der
letzteren einem Treuhandfonds zugewiesen, der die Mittel investiert
und zusammen mit den angesammelten Erträgen auf den Namen des Betriebsangehörigen bis zur späteren Auszahlung verwaltet.
Auszahlungen erfolgen gewöhnlich im Falle des Todes, der
Auflösung des Arbeitsverhältnisses oder bei Versetzung in den Ruhestand. In vielen Fällen jedoch werden diese Gelder den Betriebsangehörigen auch für andere Zwecke zur Verfügung gestellt, z.B. für die
Ausbildung der Kinder, als Arbeitslosengeld oder zum Erwerb eines
Eigenheims. Einige Firmen nehmen die Gewinnausschüttung nach einem
sogenannten kombinierten Gewinnbeteiligungsplan vor, der sowohl die
Barauszahlung als auch die Anlage gestattet.
Die Größe und Art des Betriebes spielt für die erfolgreiche
Verwirklichung von Gewinnbeteiligungsplänen keine Rolle.
Ausreichende

�Ausreichende statistische Daten, aus denen sich exakte Schlüsse
auf die Zahl der Betriebe mit Gewinnausschüttung in bar ziehen ließen,
fehlen leider. Nach Schätzungen von Fachleuten dürften es aber gegenwärtig rund 8000 sein.
Weit besseres Zahlenmaterial liegt über die Gewinnbeteiligungspläne mit späterer Ausschüttung vor, da die Treuhandfonds der Genehmigung des Finanzministeriums bedürfen, um in den Genuß der vorgesehenen Steuervergünstigungen zu gelangen. Aus den Unterlagen geht hervor, daß diese Pläne während der letzten 20 Jahre ständig an Bedeutung
gewonnen haben. Ihre Gesamtzahl betrug Ende des Jahres 196O etwa 24 800,
die der betrieblichen Pensionspläne vergleichsweise 38 800.
Die Zahl der Gewinnbeteiligungspläne späterer Ausschüttung ist
in den letzten Jahren viel schneller gewachsen als die Zahl der Pensionspläne. Das Forschungsinstitut für Gewinnbeteiligung ton Evanston
in Illinois berichtet, daß sich die Zahl der Pensionspläne im Jahre
1960 gegenüber 1959 u m 32,6 Prozent vergrößerte, während'die Zahl der
Gewinnbeteiligungspläne in derselben Zeit um 46,4 Prozent zunahm.
Die schnelle Zunahme der Pläne mit späterer Auszahlung der Gewinnanteile in den beiden letzten Jahrzehnten ist vor allem auf zwei
Faktoren zurückzuführen:
1. Die solchen Treuhandfonds von der Regierung gewährten Steuervergünstigungen. Sie sind das Ergebnis der positiven Beurteilung, zu der der Vandenberg-Herring-Ausschuß des amerikanischen
Senats im Jahre 1939 i-n einer Studie über die sozialen Auswirkungen der Gewinnbeteiligungspläne gekommen war.
2. Die guten Erfahrungen, die eine Anzahl bekannter Firmen im
Laufe der Jahre mit der Gewährung von Gewinnanteilen gemacht
haben«
Wenn sich auch die Gesamtzahl der Arbeitnehmer, die eine Gewinnbeteiligung erhalten, kaum ermitteln läßt, möchte ich doch auf Grund
des mir zur Verfügung stehenden Zahlenmaterials annehmen, daß zur Zeit
etwa vier bis fünf Millionen Beschäftigte eine Gewinnbeteiligung in
der einen oder anderen Form erhalten.
Die weitverbreitete Annahme, daß die Gewerkschaften gegen jede
Art der Gewinnbeteiligung seien, hat sich in der Praxis nicht bestätigt. Aus der Literatur über die Gewinnbeteiligung geht hervor, daß
zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder von Gewinnbeteiligungsplänen profitieren und daß solche Programme in vielen Fällen mit großem Erfolg
durchgeführt werden.
Während der letzten Jahre ist von zwei großen amerikanischen Arbeitnehmerorganisationen, der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft
und der Vereinigten Elektrikergewerkschaft, bekannt geworden, daß sie
sich bei Kollektivverhandlungen für eine Gewinnbeteiligung eingesetzt
haben. Obwohl die Forderung der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft nach Gewinnbeteiligung von der Automobilindustrie im Jahre 1958
abgelehnt wurde, benutzte die American Motors Company in diesem Jahr die

2

�die Gewinnbeteiligung als Gegenangebot auf die Gewerkschaftsforderungen. Es gibt auch anderswo Anzeichen, die auf eine Meinungsänderung in der Frage der Gewinnbeteiligung schließen lassen. Eine
konservative Zeitung des Mittelwestens, das Wisconsin State Journal,
schrieb in einem Leitartikel am 16. August 196t hierzu:
"Der Romeny(Gewinnbeteiligungs-)-Plan ist. natürlich gar nicht
so revolutionär. Die Gewinnbeteiligung ist in diesem Lande weder
etwas Neues noch ein Verstoß gegen das kapitalistische System
der freien Wirtschaft. In der Tat ist es doch so, daß Ersparnisse
(oder Gewinne) den Unternehmern, Arbeitnehmern und Verbrauchern
gleichermaßen zugute kommen müssen, damit Erfindungsgabe und
Arbeitsersparnis, die für eine wettbewerbsfähige freie Wirtschaft
typisch sein sollten, voll zum Tragen kommen«"
In unserer Gesellschaft entwickeln sich gegenwärtig in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern Probleme, als deren
logische Lösung immer mehr Menschen die Gewinnbeteiligung in irgendeiner Form ansehen. Einige dieser Probleme und die Rolle, die der Gewinnbeteiligung bei ihrer Lösung zugedacht ist, wurden vor einigen
Jahren von Harold G. Moulton im Auftrag der Brookings Institution in
seinem Buch "Einkommen und wirtschaftlicher Fortschritt" näher untersucht. Darin heißt es im Hinblick auf Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung:
"Da die Höhe der Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer zum Teil von
den Erträgen abhängt, ergibt sich ein zusätzlicher Anreiz zur Leistungssteigerung. Gleichzeitig liegt darin ein geeignetes Mittel
zur Besserung des Betriebsklimas."
über das Inflationsproblem sagt Moulton folgendes«
"Ein bedeutender Vorteil der Gewinnbeteiligung besteht darin, daß
das zusätzliche Einkommen der Arbeitnehmer nicht als Teil der
Produktionskosten in Erscheinung tritt und deshalb keinen direkten Einfluß auf die Preise ausübt. Wie die Dividende der Aktionäre
wird auch der in Form von Zusatzlöhnen auszuzahlende Gewinnanteil aus dem Reingewinn bestritten. Weil die Gewinnbeteiligung
somit keinen direkten Einfluß auf die Preise ausübt, lassen sich
durch sie auch einige der Ungleichheiten in den Einkommen der
verschiedenen Gruppen der Gesellschaft vermeiden, die vielfach
die Folge von Lohnerhöhungen'sind."
Sumner Slichter, einer der führenden Wirtschaftswissenschaftler
in den Vereinigten Staaten, schrieb vor einigen Jahren in einem Artikel
über "Neue Ziele für die Gewerkschaften" zu dem Problem streitorientierter Kollektivverhandlungen:
"Der nächste Schritt vorwärts im Bereich der Beziehungen zwischen
den Sozialpartnern wird darauf gerichtet sein, den gegenwärtigen Kampf
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch organisierte Zusammenarbeit zu ersetzen - ein Wandel, der so epochemachend sein wird wie die
Arbeiterschutzgesetze. Die dringende Notwendigkeit der Zusammenarbeit
hat bereits zu einem beträchtlichen Experimentieren mit Plänen geführt,
die darauf abzielen, den Arbeitnehmern die Möglichkeit zur Mitwirkung
am technischen Fortschritt zu bieten und auch den Wunsch zur Mitarbeit

�Mitarbeit zu wecken... Erstaunliche Dinge geschehen, wenn auch die
einfachen Arbeiter darauf ausgehen, ihre Löhne durch Senken der
Arbeitskosten aufzubessern."
Zur Zeit findet die Idee der Gewinnbeteiligung in den Vereinigten
Staaten soviel Anklang wie in keinem anderen Lande der freien Welt.
Es entwickelt sich ein allgemeines Klima, das einer weiteren Verbreitung solcher Programme sehr förderlich ist.
In der Einstellung verschiedener Gruppen zur Gewinnbeteiligung
zeichnet sich deutlich ein Wandel ab. Bei der Arbeiterbewegung kommt
dies in gewissen Entwicklungen innerhalb der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft zum Ausdruck, und bei den Arbeitgebern in den
ständigen Zunahme der Zahl der Pläne für eine Gewinnbeteiligung mit
späterer Auszahlung und zur Förderung des Erwerbs von Belegschaftßaktien.
*»

* * *

Lawrence Rogin:
Gewerkschaftsschulung im Wandel

Leicht gekürzt aus "The American
Pederationist", dem offiziellen
Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und der Quelle gestattet.
i

Im Sommer 1961 diskutierten rund 50 Funktionäre der amerikanischen
Gewerkschaften an drei amerikanischen Universitäten 10 Wochen lang die
Rolle der Gewerkschaften in der amerikanischen Gesellschaft.
Veranstalter dieser Seminare war das Amerikanische Institut für
gewerkschaftliche Schulung, das von Gewerkschaften und Universitäten
zur Vertiefung der gegenseitigen Zusammenarbeit gegründet worden ist.
Bei den genannten Universitäten handelt es sich um das Institut für
Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen an der Cornell-Universität des
Staates New York in Ithaca, um die Universität Kalifornien in Berkeley
und die Staatsuniversität von Michigan in East Lansing. Die Diskussionen
an der Staatsuniversität von Michigan wurden in Zusammenarbeit mit der
Universität Michigan in Ann Arbor und der Wayne-Staatsuniversität in
Detroit ausgerichtet.
Die Teilnehmer kamen aus verschiedenen Gewerkschaften der Fertigungsindustrie, des Baugewerbes, der Metallindustrie, des Einzelhandels
und des öffentlichen Dienstes. Als Lehrkräfte fungierten Angehörige
der Institute, die sich mit Gewerkschaftsfragen beschäftigen. Im

- 4 I

�Im Mittelpunkt des Programms, das in Zusammenarbeit mit Schulungskräften der Gewerkschaften aufgestellt wurde, standen Fragen der
Wirtschaft, der amerikanischen Politik und Regierung, der Soziologie
und Sozialpsychologie sowie der Geschichte und Ideologie der Gewerkschaften.
Fragen der Mitgliederwerbung, des Aushandelns von Tarifverträgen
und der Führung von Ortsverbänden wurden nicht behandelt. Es darf
erwartet werden, daß diese IOwöchige Schulung die Teilnehmer in die
Lage versetzt, mit größerem Wissen und Können und größerem Verständnis an die gewerkschaftlichen Aufgaben heranzugehen.
Die Seminare des Instituts für gewerkschaftliche Schulung berücksichtigen drei Trends, die in der erzieherischen Arbeit der amerikanischen Gewerkschaften immer mehr hervortreten: die Konzentration auf
die Schulung der hauptamtlichen Mitarbeiter der zentralen und lokalen
Gewerkschaftsführung, die Vertiefung des Wissens und das Bestreben,
das Verständnis für die grundlegenden Sozialprobleme zu wecken und
die Schulung in den Haupttätigkeitsbereichen der Gewerkschaften
auszubauen.
Keiner dieser drei Aspekte ist neu. Viele Gewerkschaften führen
seit langem Funktionärslehrgänge durch, manchmal über Einzelthemen
wie die Schlichtung oder Mitgliederwerbung, manchmal über ganze Themenkreise. Betriebswirtschaftliche Lehrgänge der Forschungsabteilung des
amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO haben Funktionäre mehrerer Gewerkschaften zu einem Sonderstudium zusammengeführt, ähnlich
wie dies auch bei Kursen der Abteilung Industriegewerkschaften der
AFL-CIO der Fall war. Seit Jahren schon schicken die Gewerkschaften
Mitarbeiter zu den von der Harvard-Universität veranstalteten ^wöchigen Seminaren über Gewerkschaftsfragen, in deren Rahmen vornehmlich
praktische Aspekte der Gewerkschaftstätigkeit behandelt werden.
Die Gewerkschaften haben seit jeher soziale und politische Probleme
in ihre Schulungsprogramme einbezogen. Das "Warum" und "Wozu" politischer
Aktionen hat dabei mitgeholfen das "Wie" zu untermauern. Das Studium
der Wirtschaftswissenschaften ist auch für das Verständnis des Wesens
der Kollektivverhandlungen und der Arbeitslosigkeit von großer Bedeutung. Es ist nur natürlich, daß eine bessere Bildung längere Studienzeiten erforderlich macht und daß man dabei mehr in die Tiefe schürft.
Die Erfahrungen der Universität Chicago, der Universität Kalifornien
in Los Angeles und auch anderer Institute haben gezeigt, daß die Gewerkschafter bereit sind, mehr Zeit auf intensivere Studien zu verwenden.
Gleichzeitig sollte man auch beachten , daß eine wachsende Zahl
von Gewerkschaften ihr Augenmerk auf die Ausbildung richtet. In den
meisten Fällen gehen die Programme über die Entwicklung bestimmter
Fähigkeiten hinaus, mit der gewöhnlich begonnen wird. Dies trifft im
gleichen Maße für die Programme der Schulungsabteilungen der großen
internationalen Gewerkschaften und die der kleinen lokalen Gewerkschaftsgruppen zu. Es gilt sowohl für Programme, die die Gewerkschaften in alleiniger Regie, als auch für jene, die sie mit Unterstützung
der Universitäten durchführen. Es gilt des weiteren sowohl für die

-

5 -

�die Lehrgänge an Sommerschulen als auch für die Jahreskurse in den
Heimatgemeinden der Arbeiter. Die üblichen sechs- oder achtwöchigen
Kurse werden jetzt oft schon auf 10 oder 16 Wochen ausgedehnt. Wenn
auch Rhetorik und die Behandlung von Beschwerden immer populäre Kursustitel sein werden, so wurden nach den vorliegenden Berichten doch
auch Themen wie Bürgerrechte, Gesundheitsfürsorge und Probleme der
städtischen Ballungszentren behandelt.
Verantwortlich für diese Tendenzen ist eine Reihe von Entwicklungen, und es lohnt sich, einige davon näher zu betrachten. Die Schulung der Arbeiterschaft hat sic-h bewährt. Wir können nun, vom Beginn
des großen Aufschwungs der Gewerkschaftsbewegung anfangs der dreißiger
Jahre an gerechnet, auf eine mehr als 25jährige Erfahrung zurückblicken.
Diese Zeit war ebenso eine Periode der Ausweitung der gewerkschaftlichen Schulung. Wer an solchen Lehrgängen und Konferenzen teilgenommen
hat, ist fähig, einen ganz spezifischen Beitrag zur Gewerkschaftsarbeit
zu leisten, sei es in Form einer besonderen Loyalität und Einsatzbereitschaft, sei es durch gesteigerte Initiative und Verantwortungsfreude.
Gewöhnlich waren es diese - im Verein mit dem Verständnis der Probleme
der Arbeiter und der Rolle der Gewerkschaften bei deren Lösung - sowie
einige Fähigkeiten auf speziellen Gebieten, die den Gewerkschaften am
meisten fehlten.
Sowohl die Teilnehmer an solchen Programmen als auch die verantwortlichen Gewerkschaftsführer haben inzwischen gelernt, daß die Gewerkschaftsschulung nicht um ihrer selbst willen betrieben wird, sondern
für sie ein wertvolles Hilfsmittel zur Lösung ihrer Probleme darstellt.
Das zeigt sich beispielsweise, wenn ein neuer Vorsitzender lernt, wie
man eine Versammlung leitet, oder wenn ein neuer Betriebsobmann Fähigkeiten erwirktj;, die er sofort in seinem Tätigkeitsbereich einsetzen
kann. Kurse über die geschichtliche Entwicklung 'der Gewerkschaftsbewegung oder Fragen der Arbeitsgesetzgebung haben sich ebenfalls sehr
förderlich auf die Gewerkschaftstätigkeit ausgewirkt.
Als sich die Gewerkschaften vor eine Fülle neuer Probleme gestellt sahen, war es nur natürlich, daß sie in der gewerkschaftlichen
Schulung, die sich in einer Periode des Wachstums so sehr bewährt hatte,
den Schlüssel zu deren erfolgreiche® Lösung erblickten. In einer Zeit,
in der immer mehr Beschwerden vor die Schlichtungsgremien gebradht werden, bedarf es größerer geistiger Anstrengung, sie durchzufechten.
Wenn die Mitgliederwerbung schwieriger wird, müssen die Werkzeuge
des V/erbers verfeinert und neue Methoden gelehrt werden, um neuen
Situationen begegnen zu können. Wie läßt sich z.B. die Gewerkschaftsidee in das "Standesdenken" einbauen, dem sich die Angestellten angeblich so sehr verbunden fühlen? Welche Argumente muß man vorbringen, um
die heute vielfach verschleierte, aber immer noch vorhandene gewerkschaftsfeindliche Haltung der Arbeitgeber zu überwinden?
In demselben Maße, in dem die Erkenntnisse der Betriebswissenschaft
in die Praxis umgesetzt werden, müssen auch die Gewerkschaftsfunktionäre
darauf vorbereitet sein, dieser Entwicklung gerecht zu werden. Je

-

6 -

�Je komplizierter und einengender die Arbeitsgesetzgebung wird, um so
wichtiger ist es, mit den Gesetzen und den Vollzugsorganen umgehen
zu können. Wenn die Gewerkschaften mehr Zeit der Politik, der Gesetzgebung und der Gemeindearbeit widmen, so ist es besser, den
Umgang mit diesen Fragen zu lehren, als aus Versuchen und Fehlern
lernen zu wollen.
Wenn Massenarbeitslosigkeit und Betriebsstillegungen die Gewerkschaftsführung vor neue Probleme stellen, müssen auch neue Methoden für deren Lösung entwickelt werden. Der Textilarbeiter, der seinen
Arbeitsplatz durch Betriebsverlagerung verloren hat, und der Metallarbeiter, der auf den Schrotthaufen "automatisiert" wurde, müssen
begreifen, daß die Lösung ihrer Probleme sehr wohl die Kräfte der zuständigen örtlichen Gewerkschaft oder sogar der betreffenden Industrie
übersteigen kann; sie müssen vielmehr die Wichtigkeit der Bundesgesetzgebung für die Lösung ihrer Arbeitsplatzprobleme erkennen.
Viele dieser Probleme sind nicht so einfach, daß zu ihrer Lösung
die Erfahrung aus der täglichen Praxis oder ein paar Reden auf einer
Konferenz genügen. Das ist einer der Gründe für die längeren Kurse
und die Vertiefung des Unterrichts. Eine wirksame Betätigung der
Gewerkschaften im Bereich der Politik setzt die Kenntnis der in
der politischen Tagespraxis üblichen Methoden, aber auch der Struktur der amerikanischen Politik und womöglich des Wesens der politischen
Meinungsbildung voraus. Den Problemen der Automation und des wirtschaftlichen Wandels kann man mit Kontraktklauseln allein ebensowenig
beikommen., wie der durch Umschichtungen im Außenhandel bewirkten
Arbeitslosigkeit.
Da die Arbeiterbewegung ihre gesetzgeberischen und sozialen
Ziele erweitert hat, ist das Verständnis auch auf diese Bereiche
auszudehnen. Ein Gewerkschafter, der sich mit der einzelstaatlichen
Steuergesetzgebung befaßt, muß seine persönlichen Erfahrungen ebenso
ergänzen wie einer, der Fragen der Verteidigung der freien Welt behandelt. Keines dieser Probleme darf ignoriert werden, dazu sind die
Probleme unserer Zeit zu komplex und lasten zu schwer auf uns allen.
Durch Kollektivverhandlungen allein wird man sie nicht lösen, und
seien die Gewerkschaften auch noch so stark.
Schließlich sei auch erwähnt, daß eine ganz neue Generation von
Gewerkschaftern in die Führungsschicht der örtlichen Gewerkschaften
und der Zentralgewerkschaften vorstößt. Einer der erregendsten Aspekte
der Gewerkschaftsschulung ist der große Andrang der jungen Leute, die
ihren Beitrag zum Wachstum der Arbeiterbewegung leisten wollen. Diejenigen unter uns, die das alles hinter sich haben, wünschen, daß die
Jungen die Geschichte und Tradition der Arbeiterbewegung verstehen,
damit ihnen klar wird, warum die Dinge so sind wie sie sind.
Wir halten es für richtig, unsere Erfahrung im Aufbau der Gewerkschaften auf irgendeine Art an diejenigen weiterzugeben, die die
Gewerkschaftsarbeit aufnehmen, nachdem die härtesten Kämpfe bereits
ausgetragen sind, und die noch nie ohne Gewerkschaftsschutz gearbeitet
haben. Wir hoffen, daß wir in ihnen die Bereitschaft zu Hingabe und
Opfer und den militanten Geist wecken können, die so charakteristisch

- 7 -

�charakteristisch für die Anfänge der Gewerkschaften zu sein schienen
und die zur Lösung der heutigen komplexen Probleme nicht weniger
dringend benötigt werden.
Die neue Führnngsschicht beschäftigt sich ebenfalls stark mit
diesen Dingen. Aber sie möchte die Anwendbarkeit der traditionellen
Methoden auf die Lösung der heutigen Probleme erst ausprobieren.
Es ist durchaus möglich, daß die Methoden, die sich in den JÜer und
40er Jahren beim Organisieren der Fließbandarbeiter bewährt haben,
geändert werden müssen, um auch bei den Angestellten, den technischen
und anderen akademischen Fachkräften erfolgreich zu sein, die nie dieselbe Art von Ausbeutung verspürt haben.
Die meisten dieser Nachwuchskräfte in der Gewerkschaftsführung
haben eine höhere Schule besucht, viele sogar ein College. Sie sind
mehr an das Lesen und Studieren gewöhnt, und sie erkennen den Wert
der Bildung für den Umgang mit Gewerkschaftsproblemen. Sie vertrauen
nicht unkritisch auf anerkannte Methoden und glauben, im Verständnis
der Dinge eine Hilfe zur Lösung der Probleme gefunden zu haben.
Dies sind einige der Gründe für die zu erwartende Verstärkung
der Gewerkschaftsschulung, die Konzentration auf die Ausbildung hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionäre, die Tendenz zur Verlängerung der
Abendkurse und ganztägigen Seminare und die Ausweitung der gewerkschaftlichen Schulung zu einem Studium unserer ganzen Gesellschaft. Diese
neuen Interessen und Methoden fanden ihren Niederschlag in den.mehr
als 150 gewerkschaftlichen Wochenkursen, die in diesem Sommer überall
in den Vereinigten Staaten abgehalten wurden. Im Laufe der Jahre sind
diese Sommerkurse in einem gewissen Sinne zum Symbol der Gewerkschaftsschulung in diesem Lande geworden.
Es ist richtig, daß eine noch weit größere Zahl von Gewerkschaftern an den Abendkursen und den ein- oder zweitägigen Tagungen und Lehrgängen teilnehmen, die das ganze Jahr hindurch stattfinden. Aber der
Höhepunkt ist - und das gilt für Studierende und Ausbilder gleichermaßen - nach wie vor die intensive Seminarausbildung, die den Arbeiter
für eine Woche des konzentrierten Studiums, der Diskussion, des Gedankenaustausches und der Entspannung aus dem Alltag herausführt.
In diesem Jahr nehmen etwa 7500 bis 10 000 Gewerkschafter an solchen Seminaren teil, die größtenteils an Universitäten im Rahmen ihrer
Sonderprogramme über Gewerkschafts- und Arbeiterfragen abgehalten werden.
Einige aber laufen auch in gewerkschaftseigenen Institutionen wie dem
AFL-CIO-Lager bei Port Huron im Staate Michigan und dem Lager der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft bei Ottawa im Staat Illinois}
andere wieder finden in Hotels statt, in Privatlagern, in Heimen des
Christlichen Vereins Junger Männer und wo immer Gewerkschafter gern
gesehene Gäste sind.
Wie auf Grund der Struktur der amerikanischen Arbeiterbewegung
zu erwarten, werden die meisten dieser Wochenlehrgänge von den großen
nationalen und internationalen Gewerkschaften oder deren regionalen
Organisationen veranstaltet. Aber die AFL-CIO-Organisationen in deri

�den einzelnen Bundesstaaten haben sich ebenfalls eingeschaltet, und
in zwei Landesteilen werden unter den Auspizien mehrerer einzelstaatlicher Organisationen Regionalkurse durchgeführt. Die Forschungsabteilung der AFL-CIO richtete beispielsweise einen Sonderkurs für
Zeitstudien und Arbeitsplatzbewertung tvSj
Für diejenigen, die schon eine Ausbildung hinter sich haben oder
Positionen mit größerer Verantwortung bekleiden, werden Lehrgänge
für Fortgeschrittene durchgeführt. In einem Fall ist die Weiterbildung vorhandener Fähigkeiten das Ziel, in einem anderen die Konzentration während der ganzen Woche auf ein spezielles Gebiet, wie z.B.
Zeitstudien, Journalismus, Gewerkschaftsverwaltung und Gemeinschaftsarbeit. In wieder anderen Fällen wird die gesamte Zeit auf die Erweiterung des Verständnisses der Probleme der gesamten Arbeiterbewegung
sowie der einzelnen Gewerkschaften verwendet. Es gibt ferner allgemeinbildende Kurse, in de^en das Hauptgewicht auf die geisteswissenschaftlichen Fächer-- Philosophie, Literatur und Kunst - gelegt wird.
Die Lehrpläne variieren sehr stark, sogar innerhalb der einzelnen
Gewerkschaften, da die Ausbilder bemüht sind, im Rahmen der besonderen
Probleme der die Lehrgänge beschickenden Gewerkschaften auf die Erfordernisse der Kursteilnehmer einzugehen. Aber in jedem Fall wird man
bestrebt sein, die Schulung zu einem wirksamen Werkzeug amerikanischer
Gewerkschaftsarbeit zu machen, indem man die Gewerkschafter in den
Stand setzt, mit den auftauchenden Problemen erfolgreich fertig zu
werden.

Leicht gekürzt aus "The American
Federationist'*', dem offiziellen Organ
des amerikanischen Gewerkschaftsver—
bandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit
Angabe des Verfassers und der Quelle
gestattet.

9 -

�John w. Livingston, Leiter der Abteilung Mitgliederwerbung
der AFL-CIO:
Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgäbe
der amerikanischen Gewerkschaften
/

Leicht gekürzt aus "The American Federationist", dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und
der Quelle gestattet.

Zum ersten Male in der Geschichte gibt es in den Vereinigten
Staaten mehr Angestellte als Arbeiter. Seit der Jahrhundertwende stieg
der Anteil der Angestellten an der Gesamtbeschäftigung von rund 17
Prozent auf ungefähr 45 Prozent, hat sich also mehr als verdoppelt.
Der Anteil der Arbeiter hielt sich dagegen in diesem Zeitraum fast
auf dem gleichen Stand.
Die technischen Fortschritte des vergangenen Jahrzehnts haben
das relative Anwachsen der Zahl der Angestellten beschleunigt. Für
die Zukunft ist mit weiteren technischen Fortschritten und damit
einem entsprechenden Anschwellen der relativen und absoluten Zahl
der Angestellten zu rechnen.
Vor Ablauf der sechziger Jahre wird z.B. der Prozentsatz der
Arbeitnehmer in der chemischen Industrie, die nicht in der Produktion
beschäftigt sind, auf 50 Prozent steigen; anfangs der fünfziger Jahre
betrug ihr Anteil noch nicht einmal 25 Prozent. Von 1947 bis 1959 stieg
die Produktion von Chemikalien um ungefähr 112 Prozent, während die
Zahl der in der Produktion und Instandhaltung Beschäftigten im selben
Zeitraum nur um 1 Prozent zunahm. Man erwartet, daß in der Stahlindustrie der Anteil der Büro- und technischen Fachkräfte an der Beschäftigung bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts auf ein Drittel steigen
wird.
Was die Beschäftigungslage überhaupt betrifft, so dürfte die
Gruppe der Angestellten'die der Arbeiter bis 1975 um mindestens 10
Prozent übertreffen. Da gegenwärtig noch mehr als 80 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder aus den Reihen der Arbeiter kommen, sieht sich
die Arbeiterbewegung vor die Notwendigkeit gestellt, die Angestellten
zu organisieren.
Der Erfolg der Organisierung der Angestellten hängt von zwei Faktoren ab. Der eine, die allgemeine Umwelt, liegt weitgehend außerhalb
der Einflußnahme des Werbers, der sich in die Umstände schicken muß,
die er vorfindet. Der zweite, die Technik oder die Methodik des Werbens, unterliegt der Auswahl und Prüfung.
Die

�Die Gewerkschaften stehen vor der Aufgabe, Werbemethoden zu
entwickeln, die ganz bestimmten Gegebenheiten Rechnung tragen. Auf
die Mitgliederwerbung unter der Angestelltenschaft angewendet,
bedeutet dies zuallererst, ein klares Verständnis der damit zusammenhängenden Probleme und der betreffenden Menschen zu gewinnen. Bei
der Analyse des Wesens der Angestellten trifft man auf sehr unterschiedliche Meinungen. Einige Beobachter behaupten, daß Angestellte
nicht anders seien als Arbeiter. Andere meinen, Angestellte wären
"eine besondere Sorte Menschen".
Die erste Auffassung gestattet den Schluß, daß ein Webhsel der
Werbungsmethoden nicht vonnöten sei; die zweite deutet darauf hin,
daß völlig neue Wege beschritten werden müßten. Beides ist richtig.
Man kann mit gleicher Gültigkeit sagen, daß Angestellte genau so
sind wie andere Arbeitnehmer, und daß es viele Unterschiede gibt.
Angestellte sind insofern genau so wie andere Arbeitnehmer, als
ihre allgemeinen Probleme in demselben gemeinsamer Rahmen liegen.
Beide arbeiten für einen Änderen, eine Gesellschaft oder eine Person.
Sie unterliegen der Betriebsdisziplin. Die Lebenshaltungskosten plagen
sie beide. Die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.
Die Arbeiter haben in viel größerem Maße als die Angestellten Zuflucht zu den Gewerkschaften genommen, um diese und andere Probleme
zu lösen. Man schätzt, daß in den Fertigungsindustrien 60 Prozent
der in Frage kommenden Arbeiter organisiert sind. In gewissen Fabrikationszweigen ist die Mitgliederdichte noch viel größer; in der
Fahrzeugindustrie erreicht sie sogar 90 Prozent. Eine ähnliche Mitgliederdichte nimmt man für das Baugewerbe, das Transportwesen, den
Bergbau und die Industrie der Steine und Erden an. Im Gegensatz dazu
liegt die höchste Schätzung der Mitgliederdichte bei den Angestellten
bei 13 Prozent.
Als Folge der Gewerkschaftstätigkeit genießen die organisierten
Arbeitnehmer größere Vorteile als die nicht organisierten. Das gilt
nicht nur für Löhne und Sozialleistungen, sondern auch für die Arbeitsbedingungen. Seit Jahren schon sind der Öffentlichkeit amtliche Statistiken zugänglich, die dies belegen, und die Ergebnisse privater Untersuchungen erhärten diese Schlußfolgerungen.
Eine Umfrage über die Finanzlage der Verbraucher, die 1 960 vom
Institut für Demoskopische Forschung der Universität Michigan durchgeführt wurde, hat ergeben, daß die Familien von Gewerkschaftsmitgliedern insgesamt höhere Einkommen beziehen als die vergleichbaren
Familien von Nichtgewerkschaftern, daß sie über mehr flüssige Mittel
verfügen, daß sie höhere Teilzahlungsverpflichtungen eingehen können
und daß unter ihnen relativ mehr Hausbesitzer zu finden sind.
Vor 70 Jahren war das Einkommen des Angestellten fast doppelt so
hoch wie das des Arbeiters. Vor 30 Jahren verdienten die Gehaltsempfänger 30 Prozent mehr als die Lohnempfänger. Heutzutage hat der Fabrikarbeiter einen klaren Vorteil gegenüber dem Angestellten. Die Zeitschrift "Business Week" schrieb im November 1 954: "In den Fabriken ist
der Einkommensvorsprung des Angestellten verschwunden - vielleicht für
Vor
-

11

-

�Vor dem Entstehen starker Gewerkschaften konnte ein Teil der
nichtorganisierten Angestellten auf größere Vorteile in Gestalt von
bezahlten Feiertagen und bezahltem Urlaub, Renten, Krankheitsurlaub,
einer Krankenhauskostenversicherung und anderer Sozialleistungen verweisen. Heutzutage haben auch die Gewerkschaftsmitglieder einen
vertraglich garantierten Anspruch auf diese Vergünstigungen«
Es gab eine Zeit, da viele Angestellte auf die relativ hohe Sicherheit des Arbeitsplatzes und die größeren Aussichten auf langfristige
Beschäftigung hinweisen konnten. Aber die Gewerkschaften konnten auf
dem Wege über Tarifverträge Lohngarantien und zusätzliche Unterstützungsleistungen im Falle der Arbeitslosigkeit durchsetzen, die
jene Vorteile wettmachen.
In anderer Hinsicht aber haben die Angestellten heute ebenso
große Sorgen um ihren Arbeitsplatz wie die Fabrikarbeiter: sie fühlen sich durch die Automation bedroht. Doch hier besteht ein entscheidender Unterschied insofern, als sie dieser Entwicklung ohne
den Schutz entgegensehen, den die gewerkschaftlichen Tarifverträge
bieten.
'
Trotz der offensichtlichen Vorteile, die die Mitgliedschaft in
einer Gewerkschaft bietet, sind Angestellte nicht in dem gleichen Maße
für den Gewerkschaftsgedanken empfänglich wie Arbeiter. Diese Tatsache
ist Ausdruck sowohl der Verschiedenartigkeit als auch der Ähnlichkeit
beider Gruppen. Der bedeutendste Unterschied findet sich im Bereich
der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Distanz zwischen Vorgesetzten
und Untergebenen ist beim Angestellten geringer. Das Gefühl der Verbundenheit mit der Betriebsführung ist traditionsgemäß stärker. Aber
die Veränderungen, die die zahlenmäßige und prozentuale Zunahme der
Angestelltenbeschäftigung mit sich brachte, haben auch die Verhältnisse im Betrieb geändert. Die Distanz ist größer geworden.
Die Mechanisierung des ganzen Büroapparates und die Zunahme der
Bürobetriebe verwandeln die Bürotätigkeit fast in Fließbandarbeit.
Einige Versicherungsgesellschaften bauten Bürohäuser, die wie Fabriken
aussehen, fast keine Trennwände haben und ein Heer von Büroangestellten
aufnehmen, die Routineaufgaben unter unpersönlicher Aufsicht erledigen.
Einige Firmen, die zahlreiche Bürokräfte mit vielfältigen Vorgängen
beschäftigen, installierten Fließbänder, um Papiere und Akten von einem
Schreibtisch zum andern zu befördern. Die Ähnlichkeit mit den Montagebändern in Betrieben der Massenfertigung ist verblüffend.
Die Abkehr von ehemaligen Verhältnissen zeigt sich auch bei den
technischen Fachkräften, die heute sehr hoch auf der Prestige-Skala
rangieren. Sie werden oft wie irgendeine Gruppe von Lohnarbeitern behandelt, besonders in Firmen, die solche Kräfte in großer Zahl beschäftigen.
Das Erkennen der eingetretenen Veränderungen durch viele der von
ihnen Betroffenen hinkt jedoch hinter der tatsächlichen Entwicklung
her. Obgleich Industrie und Handel im allgemeinen der Form, Struktur
und Tätigkeit nach bis ins kleinste durchorganisiert wurden und damit

-

12

-

�damit höchst unpersönlich geworden sind, denkt die Mehrzahl der Anstellten immer noch in Begriffen der Vergangenheit statt der Gegenwart. Ein Beobachter bemerkt, daß "das Dilemma des Angestellten aus
seinem starken Wunsche erwächst, den Weg der Einzelaktionen in einer
Situation zu beschreiten, in der nur Gruppenaktionen wirkungsvoll
sind" .
Alle Arten der modernen Massenbeeinflussungsmittel wirken auf
den Angestellten ein, um ihn in seinem Glauben zu bestärken, daß
seine Interessen in einer Angestelltenwelt am besten durch individuelle
Bemühungen gefördert werden können. Das ist eines der Hindernisse
dabei, ihn gewerkschaftlich zu organisieren. Solange das Gewerkschaftswesen unwidersprochen als nivellierende Kraft und Hemmschuh für das
persönliche Fortkommen auf Grund individueller Verdienste geschildert
wird, muß der uneinsichtige Angestellte es als Bedrohung empfinden.
Außerdem führt die Betriebsstruktur oft zur Bildung von Gruppen,
die so manipuliert werden können, daß sie Organisierungsvorschlägen
entgegenwirken. Wie bei jeder Betriebsform entwickeln sich auch im
Büro, im Laboratorium und im Zeichensaal starke gesellschaftliche
Bindungen und das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit. Die Arbeitgeber haben
das erkannt und profitieren davon. Sie setzen die Gewerkschaft einer
außenstehenden Kraft gleich, die andersgeartete Vorstellungen, Ideale
und Werte vertritt. Ihr Eindringen bedeutet die Bildung einer neuen
Gruppe, die die alte verdrängt. Tendenzen dieser Art können leicht
in Richtung auf "unabhängige Organisationen" oder Berufsverbände
gelenkt werden, um die legitime gewerkschaftliche Zusammenschließung
zu vereiteln.
Die Gewerkschaften müssen all denen, die ihre Arbeitswelt nicht
realistisch sehen können, klarzumachen suchen, daß der Wandel der Verhältnisse die denkbar größte Nivellierung bewirkt hat und daß die Veränderungen im Arbeitsablauf viele Büroarbeiten zu geisttötenden Routinearbeiten herabgemindert haben. Die Gewerkschaft muß sie zu der Erkenntnis bringen, daß die Interessen des einzelnen in der heutigen
komplexen Gesellschaft am besten durch Gruppenaktionen gewahrt werden
können.
Dem Angestellten geht es um persönlichen Respekt, um Würde und
um Anerkennung. Er glaubt - und manchmal hängt er mit verzweifelter
Hartnäckigkeit an diesem Glauben -, daß die Welt des Angestellten noch
so sei, wie Tradition und Angestelltenmythos vorgeben. Wenn man ihm
Beweise vorlegt, daß viele Arbeiter, organisierte Arbeiter,heute wirtschaftlich besser und sicherer dastehen, dann wird er vielfach fadenscheinige Gründe vorbringen, um sein Ausharren in einer Stellung zu
rechtfertigen, die ihm sonst minderwertig vorkommen müßte.
Zumindest, so glaubt er, hat er .ein großes Prestige. Er wird wie
eine wichtige Person behandelt. Sein Aufstieg ist eine Angelegenheit zwischen ihm und seinem Arbeitgeber und hängt von seinen Fähigkeiten und
seiner Initiative ab. Er wird respektiert, er ist wer. Auf wen wird sein
Zorn fallen, wenn er zu der Erkenntnis gelangt, daß sein Prestige, sein
Einkommen und seine persönliche Bedeutung für das Unternehmen ebenso
wie seine Sicherheit - abgewertet worden sind? Wird er auf die Firma

13

�II

Firma böse sein? Auf unser Wirtschaftssystem? Oder auf die Gewerkschaft wegen ihres Angriffs auf geheiligte Illusionen? Seine Unzufriedenheit in die richtigen Bahnen zu lenken, ist eine der Hauptaufgaben bei der Organisierung der Angestellten.
Obgleich das Bestehen einer durch gemeinsame Erfahrungen und
Arbeit zusammengehaltenen Gruppe die Werbung von Mitgliedern sehr
zu erschweren vermag, kann es auch eine Hilfe sein, beweist doch schon
das Bestehen solcher Gruppen Möglichkeiten des Organisierens; Gruppenloyalität ist eine der Vorbedingungen für das Organisieren. Es
ist Aufgabe der Gewerkschaft, die Angestellten zu der Einsicht zu
bringen, daß sie durch viele gemeinsame Bande verbunden sind und daß
sie nur logisch und in ihrem eigenen besten Interesse handeln, wenn
sie der Gruppe, zu der sie ohnehin gehören, durch die Gründung einer
neuen Gewerkschaft oder durch ihren Beitritt zu einer bestehenden Gewerkschaft eine feste Form geben.
Das Verfahren, die Angestellten zum Verständnis dieser Tatsache
zu führen, ist das gleiche wie hei jeder anderen Arbeitnehmergruppe.
Es ist die Summe aller Methoden, die den Arbeitnehmer, wo, wie und
für wen er auch arbeitet, in die Lage versetzen, seine eigenen Bedürfnisse zu analysieren und die wirkungsvollsten Mittel und Wege für
ihre Befriedigung wahrzunehmen.
Es gibt keine allein richtige Art des Organisierens. Jede Organi- *
sierungsaufgäbe liegt anders. Ein Vorgehen, das in einem Falle erfolgreich ist, mag in einem anderen fehlschlagen; eine erfolglose Taktik
kann sich unter anderen Umständen als die einzig richtige erweisen. Das
gilt für die Organisierung von Facharbeitern,Produktionsarbeitern, Wartungspersonal, Dienstpersonal und Angestellten gleichermaßen. Da aber
Angestellte einerseits anderen Kategorien von Arbeitnehmern gleichen
und andererseits verschieden yon ihnen sind, muß man sich darüber im
klaren sein, daß eine gewisse Differenzierung in den Methoden des
Organisierens der Angestellten angezeigt ist.
Die Mitgliederwerbung unter den Angestellten erfordert ein stärkeres Eingehen auf den einzelnen Menschen, als es das Organisieren von
Industriearbeitern in der Vergangenheit verlangte. Allgemeine Apelle
oder Ermahnungen sind wahrscheinlich weniger wirkungsvoll;Appelle,
die sich auf bestimmte Probleme beziehen, haben größere Aufsicht, eine
günstige Reaktion hervorzurufen.
Wer sich mit der Organisierung von Angestellten befaßt, muß fähig
sein, den Gewerkschaftsgedanken in der Sprache der Angestellten zu vertreten; er muß den Bedürfnissen der Angestellten in gewerkschaftlichen
Begriffen Ausdruck verleihen können. Dies bedeutet, daß die bei
Kollektivverhandlungen zu verfolgenden Ziele auf die besonderen Probleme
und Ansichten bestimmter Angestelltengruppen zugeschnitten werden müssen.
Die Mutter und Hausfrau, die auf vier oder fünf Jajhre ins Berufsleben zurückkehrt, um zur Abzahlung einiger Schulden oder Ansammlung
von Kapital für die Anzahlung auf ein Eigenheim beizutragen, wird sich
bei Tarifverhandlungen kaum für Gewerkschaftsforderungen erwärmen, die

-

14

-

�die die Gewahrung von Altersrenten zum Ziele haben. Sie wird aber an
einem Entlassungsgeld interessiert sein.
Ein Diplomingenieur für Hochfrequenztechnik mag an der Durchsetzung des Anciennitätsprinzips desinteressiert sein, er wird aber
wahrscheinlich leicht für einen Plan zu gewinnen sein, der ihm
bezahlten Urlaub zum Besuch von Fachtagungen» zur Vorbereitung auf
ein Abschlußexamen oder zur Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten
sichert.
Die Möglichkeiten zum Organisieren sind so groß und das Bedürfnis nach gewerkschaftlichen Zusammenschlüssen ist so stark, daß jetzt
weder Zeit noch Raum für uns ist, selbst Abschreckungsmittel gegen
das Organisieren zu erfinden. Die verschiedenen Gewerkschaften sollten
sich verpflichten, hinderliche Kompetenzkonflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen und zu diesem Zweck Organe entwickeln, um alle diesbezüglichen Faktoren auszuschalten.
Die Angestellten werden sich erst dann organisieren, wenn sie
die Realitäten ihrer augenblicklichen Lage und die Notwendigkeit
für gewerkschaftliche Zusammenschlüsse als
zweckmäßigste Lösung
für ihre»Probleme erkennen.

Leicht gekürzt aus "The American Federationist", dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und
der Quelle gestattet.

******

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 12

Bad Godesberg, den 1 . Dezember 1961

INHALTSVERZEICHNIS

Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen
Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten

Seite

1

Gutes Betriebsklima durch sinnvolle
Freizeitprogramme

Seite

9

"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem

Seite

10

Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre

Seite

12

Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für
25 000 Menschen

Seite

14

Edward M. Gordon: Abteilung Berichtswesen der Sozial- und Pensionskassen im US -Bundesamt für Arbeitsrecht und
Arbeitsschutz
Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen Sozial- und
Pensionskassen in den Vereinigten Staaten
Eine erste zusammenfassende Übersicht über die Vermögenslage
und die Finanzierung der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen
oder -plane wurde kürzlich vom US-Bundesamt für Arbeitsrecht und

�und Arbeitsschutz veröffentlicht. Sie stützt sich auf die Finanzberichte der 118 660 betrieblichen Sozial- und Pensionskassen, die
erstmalig für das Jahr 1959 auf Grund des Gesetzes über die Ausweispflicht der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen (Weifare
and Pension Plans Disclosure Act) dem Arbeitsministerium unterbreitet wurden. Aus der genannten Übersicht geht hervor, daß sich
das Gesamtvermögen dieser Einrichtungen auf 30,2 Milliarden Dollar beziffert. In diesen Berichten sind solche über Deckungsmittel in Höhe von 17»5 Milliarden Dollar nicht enthalten, die bei
kommerziellen Rentenversicherungen angesammelt wurden, so daß
sich die Gesamthöhe der Rücklagen auf über 47&gt;7 Milliarden Dollar
beläuft. Nach vorliegenden Schätzungen werden von 24 130 Pensionskassen über 17 Millionen Arbeitnehmer und von 94 530 Sozialkassen,
die Leistungen der Lebens-, Unfall-, Krankengeld-, Krankenhauskosten-, Operationskosten-, allgemeinen Krankenkosten- und Zahnbehandlungskostenversicherung sowie auch Verdienstausfallentschädigungen im Krankheitsfalle gewähren, über 27 Millionen Beschäftigte erfaßt.

Tätigkeitsbereich der Kassen und Finanzierung der Leistungen
Der Umfang, der Tätigkeitsbereich und die Zahl der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen haben in den letzten Jahren
eine starke Ausweitung erfahren. Der amerikanische Kongreß hat
im Hinblick auf die Bedeutung der Kassen für die gesamte Volkswirtschaft und in dem Wunsch, die Interessen der Kassenmitglieder und ihrer Angehörigen zu wahren und den amerikanischen Binnenhandel vor abträglichen Rückwirkungen zu schützen, mit Wirkung vom 1 . Januar 1959 das Gesetz über die Ausweispflicht der
betrieblichen Sozial- und Pensionskassen erlassen, durch das
diese Kassen verpflichtet wurden, den Mitgliedern und Leistungsberechtigten Rechenschaft über die Finanzlage abzulegen, andere
wichtige Informationen bekanntzugeben und dem Arbeitsministerium
entsprechende Berichte zu unterbreiten. Das Gesetz erstreckt sich
auf alle Kassen, die von Arbeitgebern (oder Arbeitnehmerorganisationen in Vertretung von Arbeitnehmern) unterhalten werden, die
im Handel, in der Industrie oder in einem anderen, mit dem Handel in Berührung stehenden Bereiche tätig sind. Ausgenommen sind
Kassen, die weniger als 25 Beschäftigte erfassen, die von staatlichen, einzelstaatlichen oder kommunalen Behörden unterhalten
werden, die in Ausführung der Gesetze über die Invaliditäts- und
Arbeitslosenversicherung errichtet wurden, sowie Kassen, die durch
die Finanz- und Steuerverwaltung von der Steuer befreit worden sin

Das

�II

Das Gesetz schreibt vor, daß die Verwaltungsorgane der der
Berichterstattungspflicht unterliegenden Sozial- und Pensionskassen
dem Arbeitsministerium einreichen: a) eine Beschreibung der Tätigkeit
der Kasse, die u.a. Aufschlüsse über die Art der Verwaltung, der
gewährten Leistungen und der Finanzierung enthalten muß; und b) eine
Abschrift des Kollektiv-, des Treuhand- oder eines anderen Vertrages
bzw. Dokumentes, auf Grund dessen die Kasse errichtet wurde und tätig
ist. Das Gesetz bestimmt ferner, daß jede derartige Kasse innerhalb
von 120 Tagen nach Ablauf des Geschäfts-, des Versicherungs- oder
Vertragsjahres einen Jahresbericht zu unterbreiten habe, in dem die
Höhe der vom Arbeitgeber und von den Arbeitnehmern geleisteten Beiträge, der gewährten Leistungen und der Rücklagen sowie die Zahl der
erfaßten Arbeitnehmer auszuweisen sind.
Die Arbeitnehmer-Zusatzversicherungen unterscheiden sich hinsichtlich der Aufbringung der Leistungen ganz erheblich. Zum Zwecke dieser
Untersuchung wurden die Kassen nach der Art der Aufbringung der Leistungen in fünf Kategorien unterteilt.
Premdversicherte Kassen* Alle Leistungen werden über einen Versicherungsträger (Gesellschaft oder andere Organisation) gewährt. Hierunter fallen auch Kassen, die einen Treuhand- oder einen anderen Sonderfonds unterhalten, aus dem die Beiträge und Gebühren an einen Versicherungsträger abgeführt werden, der seinerseits die Leistungen gewährt.
Selbstversichernde Kassen: Alle Leistungen werden aus einem Treuhand- oder einem anderen Sonderfonds gewährt.
Teilversicherte Kassen: Die Leistungen werden zum Teil von einem
Versicherungsträger aufgebracht und zum Teil aus einem Treuhand- oder
Sonderfonds gewährt.
Nichtfundierte Pläne: Alle Leistungen werden aus dem allgemeinen
Vermögen der Firma oder der Arbeitnehmerorganisation bestritten.
Mischformen: Beliebige Kombinationen aus den vier vorstehend aufgeführten Formen.
Finanzlage und Mitgliederzahl im Jahre 1959
Beitragsaufkommen: Insgesamt führten Arbeitgeber und Arbeitnehmer
10,257 Milliarden Dollar an die 118 660 Kassen ab. Den 94 530 Sozialkassen, flössen 4,766 Milliarden Dollar zu; an die 24 130 Pensionskassen,
deren Zahl mithin nur ein Viertel der Zahl der Sozialkassen beträgt,
wurden 5,491 Milliarden Dollar abgeführt (Siehe Tafel i ) .

Tafel I

�Tafel I
Vermögenslage und Finanz,gebaren der betrieblichen Sozisil- un i Pensionskassen im Jahre 1959. nach Ar t der Kassen , Aufbringung der L ei stungen
und Wirtschaft szweigen aufgeschlüsselt

Art der Aufbringung
der Leistungen
bzw.
Aufgliederung nach
Wirtschaftszweigen
Sämtliche Kassen

Sozia lkassen
Zahl

Leistun- Rückgen
lagen
(fclDoILa^ (inMlar)

5 556

1 410

5 841

1 955

3 649
404
169
397
147

2 420
266
159
597
114

1 229
158
10
0
55

2 892
275
141
597
156

185
1 555
370
0

340
400
720
480

92
201
2 891
365

64
185
2 015
276

28
18
676
87

85
171
2 254
544

12
218
1 346
110

550
990

293
571

185

108
117

258
516

140

890
300
860

247
208
100

88
61
27

191
162
80

12
75
17

94 530

Art der Aufbringung d.
Leistungen
Fremdvers.Kassen
Selbstvers.Kassen
Teilvers.Kassen
Nichtfundierte Pläne
Mischformen

Beiti äge (:in De&gt;llar)
Insges. Arb eit- Arbeitgeb er
ne hmer
4 766

_ .
85 850
2 070
660
5 460
490

27

Aufgliederung
n.Wirtschaf tszweigen
1
Bergbau
Baugewerbe
3
Fertigungsindustrien 45
Transportgewerbe
3
Fernmeldewesen u.a.
öf f .Versorgungsbetr'. 2
Groß- U.Einzelhandel 15
Bank- u.Versicherungsgewerbe u.Immobilienhandel
7
Dienstieis tungsgewerbf3 8
Andere
5

-

254
159
147
73

3

-

5

�A r t d. Aufbringung
der Leistungen
bzw.
Aufgliederung
nach W i r t s c h a f t s zweigen
Sämtliche

Kassen

Pensionskassen
Beiträge (in Dollar)
Insges. ArbeitArbeitgeber
nehmer

Leistungen ( i n
Dollar)

Rücklagen
(in
Dollar)

24 150

5 491

4 576

915

1 672

28 502

7 130
15 090
2 260

1 232
3 049
794

998
2 550

657

234
519
137

294
995
216

165
22 303
3 557

1 470
180

92
324

92
299

0
25

92
75

0
2 277

360
730
880
880

105
112
3 147
328

83
108
2 572
262

22
4
575
66

39
23
850
99

451
400
16 389
1 125

930
350

530
341

485
275

45
66

157
196

3 709
2 484

910
490
600

548
186

481

67
22
48

190
51
67

2 512
904
328

Zahl

Art d. Aufbringung d .
Lei stungen
Fremdvers.Kassen
Selbstvers.Kassen
Teilvers.Kassen
Nichtfundierte
Pläne
Mischformen
Aufgliederung
n .Wirtschaftszweigen
Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
11
Transportgewerbe
Fernmeldewesen u.a.
öff.Versorgungsbetr.
Groß- U.Einzelhandel 3
Bank- u .Versieherungs
gewerbe u .Immobilien~2
handel
1
Dienstleistungsgew.
1
Andere

f94

164
146

�Eine 1959 durchgeführte Untersuchung der Finanzierung der Sozial- und Pensionspläne zeigte, daß über 98 Prozent aller Pensionskassen Beiträge von Unternehmern oder Unternehmergruppen erhalten
und 73 Prozent sogar ausschließlich von diesen finanziert werden.
Die von Unternehmern aufgebrachten Beiträge zu den Pensionskassen
betrugen insgesamt 4» 576 Milliarden Dollar, das entspricht 83 Prozent
des Gesamtaufkommens. Im Gegensatz hierzu finanzierten die Unternehmer nur 38 Prozent der Sozialkassen ausschließlich, wobei sich
ihre Aufwendungen auf 3»356 Milliarden Dollar oder 70 Prozent des
Gesamtaufkommens bezifferten.Weit über die Hälfte des Beitragsaufkommens - 61 Prozent bei
den Sozial- und 57 Prozent bei den Pensionskassen - entfiel auf
Pläne, die Arbeitnehmern in den Fertigungsindustrien zugute kommen.
An nächster Stelle rangieren die Kassen, die Arbeitnehmer im Fernmeldewesen und in den anderen öffentlichen Versorgungsbetrieben
erfassen, gefolgt von Kassen im Finanz- und Versicherungswesen,
im Immobilienhandel sowie im Groß- und Einzelhandel.
Die von den Kassenverwaltungen gemeldeten Beitragaeingänge
lagen-etwas höher als nach Schätzungen des US-Handelsministeriums
und des Bundesamtes für die Sozialversicherung (Social Security
Administration) zu erwarten war. Die Unterschiede sind zum Teil
darauf zurückzuführen, daß sich das Handelsministerium dabei auf
Kassen beschränkte, die den Mitgliedern bzw. deren Angehörigen
Leistungen der Kranken-, Operations- und Krankenhauskostenversicherung
sowie Zahlungen bei Krankheit, Unfall, Invalidität, Tod oder Arbeitslosigkeit gewähren, während das Bundesamt für die Sozialversicherung
Kassen erfaßte, die ihren Mitgliedern bzw. deren Angehörigen Altersrenten gewähren, sowie auch Gewinnbeteiligungsfonds mit späterer
Ausschüttung im Falle der Erreichung der Altersgrenze oder danach
(Deferred profit-sharing plans; siehe Internationale Arbeitsmitteilungen, XIV-11, 1. November 1961s "Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA")* Die Gesamthöhe der Arbeitgeberbeiträge
zu den betrieblichen Sozial- und Pensionskassen betrug den eingereichten Berichten zufolge 7»952 Milliarden Dollar und übertraf damit nur
geringfügig den yvom US-Handelsministerium geschätzten Betrag von
7,877 Milliarden^Dollar. Die von den Pensionskassen ausgewiesenen
Beitragseinnahmen.in Höhe.von 5»491 Milliarden Dollar lagen um rund
300 Millionen höher als die vom Bundesamt für die Sozialversicherung
errechneten Einnahmen der betrieblichen Pensionskassen und der Gewinnbeteiligungs-Treuhandfonds mit späterer Ausschüttung.
Leistungen; Von den im Jahre 1959 erfolgten Auszahlungen in Höhe von
5»513 Milliarden Dollar entfielen 70 Prozent auf Sozialleistungen.
75 Prozent dieser Leistungen in Höhe von 3,841 Milliarden'Dollar wurde
über Versicherungsunternehmen bereitgestellt. Auf die nichtfundierten Versorgungspläne entfiel nur ein Zehntel der gezahlten Sozialleistungen, auf die Mischformen der Rest. Im Gegensatz hierzu wurden
60 Prozent der'Leistungen der Pensionskassen in Höhe von 1 ,672 Milliarden von den selbstversichernden Kassen aufgebracht, das heißt, die
Leistungen wurden aus einem Treuhand- oder Sonderfonds bezahlt. Die
fremdversicherten Kassen waren die einzige Form, die mit 18 Prozent
einen weiteren nennenswerten Anteil an den Gesamtleistungen erreichte.
Von

�II

Von den Sozialleistungen kamen 59 Prozent oder 2,254 Milliarden Dollar und von den Pensionszahlungen 51 Prozent oder 850 Millionen Dollar Beschäftigten der Fertigungsindustrien oder deren Angehörigen zugute. An nächster Stelle kam der Groß- und Einzelhandel,
gefolgt von dem Transportgewerbe, dem Fernmeldewesen und anderen l
öffentlichen Versorgungsbetrieben.
Vermögen: Das Gesamtvermögen aller betrieblichen Sozial- und Pensionskassen beläuft sich auf 47,7 Milliarden Dollar. Nach den Berichten
der Verwaltungsorgane der Kassen an das US-Arbeitsministerium beträgt
das Vermögen 30,2 Milliarden Dollar, da die Deckungsmittel der Versicherungsträger der fremdversicherten Kassen in Höhe von 17,5 Milliarden Dollar darin nicht enthalten sind.
Die 28 130 Pensionskassen wiesen ein Vermögen von 28,3 Milliarden
Dollar aus. Da 91 Prozent der Sozialkassen ihre Leistungen über Versicherungsträger gewähren und somit der größte Teil von ihnen überhaupt kein eigenes Vermögen gebildet hat, bezifferte sich das Gesamtvermögen der Sozialkassen nur auf 1,9 Milliarden Dollar. Von diesem
Betrag entfielen 70 Prozent auf die 2070 selbstversichernden Kassen,
die die Leistungen aus den Mitteln eines Treuhand- oder eines anderen
Sonderfonds bestreiten.
Über die Hälfte aller angezeigten Vermögensbestände gehörten Kassen,
die für Arbeitnehmer in den Fertigungsindustrien errichtet worden sind.
An zweiter Stelle folgen Kassen für Beschäftigte im Fernmeldewesen und
in anderen öffentlichen Versorgungsbetrieben, gefolgt vom Groß- und
Einzelhandel, dem Bank- und Versicherungsgewerbe und dem Immobilienhandel.
Mitgliederzahl: Nach den Bestimmungen des Meldegesetzes bleibt es den
Verwaltungsorganen der Kassen überlassen, darüber zu bestimmen, ob
eine "Kas;se" vorliegt. Das führte dazu, daß die Verwaltungsorgane zum
Teil sämtliche gewährten Leistungen ohne nähere Spezifikation insgesamt als Leistungen "der Kassen"anführten, während andere wiederum
für jede Leistung oder Gruppe verwandter Leistungen eine getrennte
"Kassel* annahmen, wobei jede dieser Kassen natürlich im wesentlichen
dieselben Beschäftigten erfaßt. Wegen dieser mehrfachen Mitgliedschaft
in verschiedenen Kassen ist es nicht möglich, die genaue Zahl der 1959
gemeldeten Mitglieder der insgesamt 118 660 Kassen zu benennen. Bei
Ausklammerung der mehrfachen Mitgliedschaft (soweit dies möglich war)
ergibt sich, daß die 24 130 Pensionskassen schätzungsweise 17 Millionen
Arbeitnehmer erfassen und die 94 530 Sozialkassen rund 27 Millionen.
Rechnet man nun noch hinzu, daß die meisten Sozialkassen auch noch Leistungen für die Angehörigen der Arbeitnehmer vorsehen, so kann man .
mit ziemlicher Sicherheit sagen, daß heute rund 65 bis 70 Millionen
Amerikaner von den Sozialkassen erfaßt werden.
Sowohl bei den Sozial- als auch bei den Pensionskassen bestanden
hinsichtlich der Mitgliederzahlen große Schwankungen. Die Tatsache, daß
die meisten Klein- und Mittelbetriebe heute ihrer Belegschaft Sozialund Pensionsleistungen der einen oder anderen Form bieten, erklärt, warum
über ein Viertel der, Kassen weniger als 50 Mitglieder und fast die
Hälfte weniger als 100 Mitglieder hat (siehe Tafel I I ) .
Tafel II

6

�Tafel II
Mitgliederstand der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen
im Jahre 1959

Größenordnung

Sämtl.
Kassen

Zahl
Sozialkassen

Sämtl.
Kassen

118 660

94 550

24 130

100,0

100,0

9 920

7 660

2 260

8,4

8,1

9,4

19,3
27,2
35,4
38,6
42,7
46,0
48,9
65,8
73,4
77,8
80,6
83,0
84,6
85,9
86,9
87,7
92,2
93,9
94,9
95,5
98,6
100,0

19,2
27,1
33,5
38,3
42,5
45,9
48,9
66,1
73,7
78,1
80,8
83,2
84,7
85,9
86,9
87,7
92,1
93,7
94,7
95,3
98,3
100,0

19,6
27,5
53,6
39,4
43,1
46,1
48,8
64,5
71,9
76,5
79,2
81,5
83,2
84,5
85,6
86,4
91,4
93,2
94,1
94,7
98,1
100,0

Pensionskassen

Prozent
Sämtl.
SozialKassen
kassen

Pensionskassen

100,0

Weniger a l s
50

50-59
40-49
50-59
»
60-69
70-79
80-89
90-99
100-199
200-299
500-399
400-499
500-599
600-699
700-799
800-899
900-999
1000-1999
2000-2999
3000-5999
4000-4999
5000 u . m e h r
ohne Angaben

12
9
7
6
4
5
5
20
9
5
5
2
1
1
1
5
1
1
5
1

920
590
340
160
860
930
440
950
000
230
280
790
870
500
230
990
380
970
170
69O
620
930

10
7
5
4
3
5
2
16
7
4
2
2
1
1

4
1

2
1

470
480
880
770
960
210
790
300
170
170
590
240
450
180
970
790
180
540
950
540
800
440

2
1
1
1

5
1
1

1

450
910
460
590
900
720
650
750
830
060
69O
550
420
320
260
200
200
430
220
150
820
490

�Besonders häufig sind auch Kassen mit 100 bis 199 Mitgliedern,
fielen doch 17 Prozent der Sozialkassen und 16 Prozent der Pensionskassen in diese Kategorie. Nur 11 Prozent der Sozialkassen und 12
Prozent der Pensionskasaen hatten mehr als 1000 Mitglieder. Nach
den vorliegenden Schätzungen gehörten aber rund 75 Prozent aller
Arbeitnehmer Sozialkassen und 80 Prozent Pensionskassen dieser Größenordnungen,_ai. Der Anteil der eigentlichen Großkassen mit 5000 und
mehr Mitgliedern betrug sowohl bei den Sozial- als auch den Pensionskassen 3 Prozent; auf sie entfielen aber schätzungsweise 49 Prozent
der von den Sozialkassen und 58 Prozent aller von den Pensionskassen
erfaßten Arbeitnehmer.
Künftige Berichte
Das Arbeitsministerium ist gegenwärtig dabei, das Zahlenmaterial
der zweiten Jahresberichte (für i960) auszuwerten. Mit Sicherheit ist
damit zu rechnen, daß diese Statistiken ein weiteres Wachstum der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen ausweisen werden; das gilt nicht
nur für ihre Zahl und die Zahl der erfaßten Arbeitnehmer, sondern auch
für die gewährten Leistungen und die angesammelten Rücklagen für später
fällig werdende Leistungen. Stehen erst einmal entsprechende Unterlagen
für einen Zeitraum von zwei Jahren zur Verfügung, dann dürfte es nicht
mehr schwer fallen, eine zutreffende Analyse dieses gesamten Fragenkomplexes vorzunehmen und die bisherigen diesbezüglichen Schätzungen zu
untermauern oder gegebenenfalls zu berichtigen.

(Quelle: Monthly Labor Review",
Vol. 84, Nr. 9, September 1961)

* * * * *

8

-

�Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme
Zufriedenheit und Harmonie sind zwei Begriffe, die sich in
unserer modernen industriellen Gesellschaft immer mehr in den Vordergrund geschoben haben. Von den Betriebspsychologen werden sie sogar als die entscheidenden Faktoren für ein gutes Betriebsklima und
damit auch für ein erfolgreiches Arbeiten des Unternehmens angesehen.
Es nimmt daher auch nicht wunder, daß in den vergangenen Jahren
immer mehr Wirtschaftsunternehmen dazu übergegangen sind, all jene
Faktoren und Programme stärker als bisher zu entwickeln, die zur Befriedigung der Mitarbeiter in dieser Hinsicht beitragen. Besonders
in der amerikanischen Wirtschaft haben sich dabei Entwicklungen abgezeichnet, die weit über den Rahmen dessen hinausgehen, was bisher
auf dem Gebiet der "Schaffung eines gesunden Betriebsklimas" als unbedingt notwendig erachtet wurde.
Familie und Gemeinde wichtige Faktoren
Während nämlich die meisten dieser innerbetrieblichen Maßnahmen
und Programme bisher hauptsächlich auf die Mitarbeiter selbst zugeschnitten waren, umschließen sie heute in zunehmendem Maße auch die
Familien und Wohngemeinden der Betreffenden. Dies geschieht aus der
Erkenntnis heraus, daß innerbetriebliche "Harmonisierungsmaßnahmen"
allein unwirksam bleiben müssen, wenn sie nicht auch auf die weitere
"Umwelt" der Mitarbeiter ausgedehnt werden. Was man anstrebt, ist
also die Verbindung von innerer (betrieblicher) und äußerer (Familie,
Gemeinde) Harmonie und Zufriedenheit. Welcher Mittel und Programme
man sich dabei heute bedient, mag ein kurzer Überblick über die verschiedenen sogenannten "Recreation Programs" der amerikanischen Industrie zeigen.
Sportparks und Clubhäuser
"Die größeren und finanziell starken Unternehmen haben den Schwerpunkt ihrer Programme in jüngster Zeit in erster Linie auf die Schaffung von sor^ältig geplanten Erholungsparks und Clubhäusern konzentriert, die, mit allen erforderlichen Einrichtungen ausgestattet, die
Ausübung der verschiedensten Sportarten (im Freien wie in der Halle)
ermöglichen und von den Mitarbeitern und deren Familien in ihrer Freizeit kostenlos in Anspruch genommen werden können.
Die kleineren Betriebe dagegen, die finanziell nicht ganz so
großzügig verfahren können, beschränken sich in der Regel darauf,
die Gründung von betrieblichen Sport-, Kultur- und ähnlichen Gruppen
durch Bereitstellung der entsprechenden Mittel, Geräte und Räume zu
fördern und tatkräftig zu unterstützen.
In den meisten Betrieben liegt die Durchführung dieser Sozialund Freizeitprogramme in den Händen eines Betriebskomitees, das jährlich von allen Mitarbeitern des Unternehmens gewählt wird. Zu den
beliebtesten individuellen Freizeitbetätigungen gehören heute in erster Linie Kegeln, Basketball, Volleyball und Tischtennis, während

9

-

�während Volkstanz, Picknicks, Musikveranstaltungen, Wanderungen
und Besichtigungsfahrten die hevorzugtesten Massenveranstaltungen
darstellen.
Für die Individualisten und "Hobbyisten" unter den Arbeitnehmern
sind es hauptsächlich die Schach-, Photographier-, Briefmarkensammler, Chor-, Malerei- und Kunsthandwerksgruppen, die die stärkste
Anziehungskraft ausüben.
Auch das Sporttauchen, das Fechten und Bogenschießen gehören
mit zu jenen von den Industriebetrieben geförderten Freizeitbeschäftigungen, die sich in jüngster Zeit immer größerer Beliebtheit erfreuen und eine große Anziehungskraft auf die Arbeitnehmer und ihre
Familien ausüben. Auch hier sorgen die Unternehmen für die Anschaffung der entsprechenden Ausrüstungen bzw. Waffen sowie für die Bereitstellung der erforderlichen Übungs- und Ausbildungsmöglichkeiten.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

"Co-Op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem
Der auf Grund der schnellen technologischen Veränderungen ständig wachsende Bedarf an Arbeitskräften, die sowohl über ein gutes
Allgemeinwissen als auch über die entsprechenden fachlichen Qualifikationen verfügen, stellt gegenwärtig in den Vereinigten Staaten
eines der Hauptprobleme auf dem Beschäftigungssektor dar. Während
auf der einen Seite Industrie und Gewerkschaften bestrebt sind, durch
Schaffung gemeinsamer beruflicher Ausbildungs- und Fortbildungsprogramme das allgemeine fachliche Niveau der bereits im Berufsleben
stehenden Arbeitskräfte zu heben, bemühen sich auf der anderen die
staatlichen Schulbehörden in verstärktem Maße darum, den jungen Menschen bereits auf der Schule durch eine intensive praktische Ausbildung das nötige Rüstzeug für das spätere Berufsleben mitzugeben.
Richtungweisend sind in dieser Hinsicht die sogenannten "Cooperative-education"-Programme des Staates New York gewesen, die, 1915 zum
ersten Mal auf Versuchsbasis gestartet, heute pro Jahr rund 4000 Jungen und Mädchen die Möglichkeit bieten, auf der Oberschule all jene
Dinge zu erlernen, die sie in ihrem erwählten Beruf brauchen. Es handelt sich dabei um ein kombiniertes, mit Unterstützung von 200 Wirtschaftsunternehmen entwickeltes Schulsystem, das den normalen wissenschaftlichen Unterricht mit einem bezahlten Praktikum in Industrieoder Handwerksbetrieben koppelt. Insgesamt werden mit Beginn des
neuen Schuljahres 46 (bisher 40) derartige Oberschulen im Gebiet von

10

.

�von New York jungen Menschen die Möglichkeit einer kombinierten
wissenschaftlich-praktischen Ausbildung bieten.
Der unmittelbare soziologische und gesamtwirtschaftliche
Vorteil dieses Systems dürfte darin liegen, daß es zahlreichen Oberschülern die Möglichkeit eines ausreichenden Verdienstes bietet,
die andernfalls die Schule eher verlassen und somit nicht die Qualifikationen mit ins Berufsleben bringen würden, die sie benötigen.
Da die Entlohnung der Schüler nach den jeweiligen Richtsätzen in
den einzelnen Industrie- oder Handwerkszweigen erfolgt, reicht der
Verdienst gut aus, um den Lebensunterhalt davon zu bestreiten. Im
Schuljahr 1959/60 zum Beispiel belief sich das Gesamteinkommen dieser Oberschüler in New York auf über 3 Millionen Dollar.
Der Lehtplan dieser kombinierten Oberschulen setzt sich - neben
den wissenschaftlichen Fächern, die auch in den normalen Klassen gegeben werden - aus zahlreichen praktischen Wahlfächern, wie Buchhaltung, Büromaachinen, Einzelhandel, Automobilfachhandwerk, technisches
Zeichnen, Da&amp;enschneiderei, Werkzeugmaschinen, Nadelarbeiten, Krankenpflege, Photographie, Druckereitechnik usw., zusammen.
Während die Schüler in den beiden ersten Oberschuljahren ausschließlich in Normalfächern unterwiesen werden, gliedert sich ihre
Unterrichtszeit vom dritten Jahr an in eine theoretische und eine
praktische Ausbildung. Im wöchentlichen, monatlichen oder auch sechswöchigen Wechsel - je nach Schule und Art des Lehrplanes - pendeln
sie dann zwischen Schule und Arbeitsplatz. Die Schüler werden dabei
immer in Paare eingeteilt, so daß einer stets die Schulbank drückt,
während der andere den Arbeitsplatz ausfüllt, der so das ganze Jahr
über besetzt ist. Dieser rotierende Unterricht wird dann bis zum Erwerb des Abschlußzeugnisses der Oberschule beibehalten.
Wenn auch eines der Hauptziele dieser "Gooperative education"
die Sicherung eines angemessenen Lehrarbeitsplatzes für Schüler ist,
so stellt doch dieses System nach Ansicht der Pädagogen auch die beste
Form dar, die vorhandenen latenten Fähigkeiten eines jeden einzelnen
voll zur Entwicklung zu bringen. Die Tätigkeit im Betrieb wird dabei
als Teil der schulischen Ausbildung betrachtet, wobei der Lehrherr
gehalten ist, die Leistung des Schülers in Form von Beurteilungen
zu charakterisieren - Beurteilungen, die in dem allgemeinen Zeugnis
volle Berücksichtigung finden.
Die bisher mit diesem Erziehungssystem gemachten Erfahrungen
sind durchweg sehr ermutigend, denn wie aus den Berichten der einzelnen Schulen hervorgeht, beenden rund 98 Prozent aller Oberschüler, die von Industrie und Wirtschaft allgemein mit Vorzug eingestellt
werden, diese "Co-op"-Kurse.
Wie ferner aus verschiedenen Statistiken zu ersehen ist, bleiben rund 80-90 Prozent dieser Oberschüler auch nach ihrem Abgang
von der Schule bei jenen Firmen, wo sie ihre Schul-Lehrjähre absolvierten. In den meisten Fällen war es ihnen dabei möglich, sehr schnell
in höhere Positionen aufzurücken oder solche Posten zu bekleiden, die
für sie während der Lehrzeit auf Grund der Teilbeschäftigung unerreichbar waren.
*# # * *
(Quelle: Eigenbericht)
11 -

�Stahlarbeitergewerkschaft besteht .jetzt 25 Jahre
Eine der einflußreichsten, gleichzeitig auch aber eine der
jüngsten amerikanischen Gewerkschaften kann in diesem Jahr auf
eine 25jährige Tätigkeit und auf "ein Vierteljahrhundert des
menschlichen Fortschritts" zurückblicken: die "United Steelworkers
of America" - die 1936 gegründete Stahlarbeitergewerkschaft.
Die Grüiidungsversammlung, die von einigen eng mit der Gewerkschaftsbewegung verbundenen Männern einberufen worden war, fand
am 17- Juni 1936 in einem kleinen Büroraum im Zentrum der amerikanischen "Stahlstadt" Pittsburgh statt. Das Ergebnis dieser ersten
Zusammenkunft war die Gründung des "Organisationskomitees der
Stahlarbeiter", des Vorläufers der einige Monate später ins Leben
gerufenen "Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft". In einer Erklärung des Organisationskomitees hieß es damals, daß es die Absicht
der neuen Gewerkschaft sei, das Kollektivverhandlungswesen auch in
der Stahlindustrie einzuführen, und daß man an diese gewaltige Aufgabe "im Geiste der Verantwortlichkeit gegenüber der Gewerkschaftsbewegung und der Nation" herangehen wolle.
Schon neun Monate nach der Gründungsversammlung gelang es der
Stahlarbeitergewerkschaft, den ersten Tarifvertrag mit einem der
größten amerikanischen Stahlunternehmen, der "U.S. Steel Corporation", abzuschließen und ihren Mitgliedern neben einem täglichen
Mindestlohn von 5 Dollar und der 40-Stunden-Woche auch Überstundenvergütungen, bezahlten Urlaub und Senioritätsschutz zu sichern.
Damit war praktisch der Einbruch in die Stahlindustrie gelungen,
und bereits vier Wochen nach dem ersten Vertragsabschluß konnten
Tarifverhandlungen mit 41 weiteren Stahlerzeugern aufgenommen werden. Die Zahl der Ortsvereine erhöhte sich in kürzester Zeit auf
492, die Zahl der Mitglieder allein in einer Woche um 37 000.
Die Organisationskampagne der Stahlarbeitergewerkschaft stellte
in den dreißiger Jahren eine der herausragenden Entwicklungen auf
dem Gebiet der Industriegewerkschaften dar, die sich bekanntlich
in dieser Zeit (mit der Gründung der CIO) zu dem großen Antipoden
der in der "AFL" zusammengeschlossenen berufsständischen Gewerkschaften entwickelten. Schon gegen Ende der dreißiger Jahre war
die Stahlarbeitergewerkschaft, die heute über 1 Million Mitglieder
besitzt, eine der stärksten und größten Gewerkschaften der Vereinigten Staaten.
Auch in den folgenden Jahren büßten die "United Steelworkers"
nichts von ihrer ursprünglichen Dynamik und ihrem organisatorischen
Schwung ein. In all den TarifVerhandlungen seit 1936 gelang es der
zielbewußten Gewerkschaftsführung immer wieder, neue wirtschaftliche
und soziale Verbesserungen für ihre Mitglieder auszuhandeln - meist
auf gütlichem Wege, vielfach aber auch erst durch Einsatz ihres
letzten Mittels, des Streiks,
Welch

�Welch große Erfolge die Stahlarbeitergewerkschaft, die das
industrielle Lohnniveau in den USA insbesondere in der Nachkriegszeit weitgehend mitbestimmte, für ihre Mitglieder in den vergangenen
25 Jahren erringen konnte, mag aus der folgenden Gegenüberstellung
deutlich werden:

±2l£

Grundlohn in der Stahlindustrie = 47 Cent pro
Stunde; Durchschnittslohn in der Stahlindustrie =
66 Cent pro Stunde;Lohnnebenleistungen = keine

1961

Grundlohn in der Stahlindustrie = 2,10 Dollar;
Durchschnittslohn in der Stahlindustrie = 3,20
Dollar; Lohnnebenleistungen = 7 bezahlte Feiertage;
bezahlter Urlaub; Lebens- und Krankenversicherung
(Beiträge werden allein vom Arbeitgeber bezahlt);
zusätzliche Arbeitslosenversicherung; Überstundenbezahlung; erhöhter Satz für Sonn- und Feiertagsarbeit; vollständiger Senioritäts- und Beschwerdeschutz; Entlassungsgelder; Lohngleitklausel.

Alle diese Erfolge sind dabei fast ausschließlich zwei Männern
zuzuschreiben, die die Stahlarbeitergewerkschaft mit Energie und
Weitblick durch die vergangenen 25 Jahre geführt haben: Philip
Murray, dem 1952 verstorbenen ersten Präsidenten sowie David J.
McDonald, der das Amt des 1. Vorsitzenden nach dem Tode Murrays
übernahm.
"Wir haben in den ersten 25 Jahren unseres Bestehens einen
langen Weg zurückgelegt", erklärte McDonald kürzlich anläßlich
des 25jährigen Jubiläums seiner Gewerkschaft. "Wir können stolz
auf unsere Erfolge sein, die wir am Tarifverhandlungstisch erzielt
haben. Dennoch bleibt vieles zu tun übrig, und wir werden auch weite
hin in den Tarifverhandlungen bemüht sein, Verbesserungen für unsere
Mitglieder zu erreichen."

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für 25 000 Menschen
Im bekannten West-Side-Viertel von Manhattan soll nach den Plänen der Vereinigten Lithographengewerkschaft eines der größten gewerkschaftlichen Wohnungsbauprojekte der USA im kommenden Frühjahr
entstehen - eine in sich geschlossene, insgesamt neun Hochhäuser
mit Wohnraum für 25 000 Menschen umfassende Stadtkernsiedlung mit
all den dazugehörenden Versorgungseinrichtungen.
In Anbetracht der hohen Grundstückspreise in New York City und um die Gesamtkosten möglichst niedrig zu halten - wird das gesamte Wohnungsbauprojekt über den Gleisen des Güterbahnhofs der
"New York Central Railroad" errichtet werden, und zwar auf einer
riesigen, von Stützpfeilern getragenen dicken Betonplatte, die den
gesamten Bahnkörper überspannt. Auf der insgesamt 148 000 Quadratmeter großen Fläche sollen dabei drei 41 Stockwerke und sechs 47 Stockwerke hohe Wolkenkratzer entstehen, die weit über den Hudson River
ragen und die schmälsten Wohnhochhäuser im Stadtgebiet von New York
sein werden. Die Gesamtbaukosten, einschließlich der Kosten für die
erforderlichen Schulen, Kirchenräume, Geschäfte usw., werden von der
Gewerkschaft auf rund 250 Millionen Dollar beziffert.
Da jedoch die gesamten Vorarbeiten für das Projekt sehr sorgfältig geplant und durchgeführt wurden und jede sich bietende
Kosteneinsparung (wie die Überbauung des Eisenbahngeländes) ausgenutzt wurde, wird es der Gewerkschaft möglich sein, selbst in diesem
mietungünstigen Stadtteil von New York ihren Mitgliedern kostengünstige Wohnräume zur Verfügung zu stellen. Neben großen Wohnungen
für Familien der mittleren Einkommensgruppen mit Kindern werden überübrigens auch Spezial-Wohnungen für ältere Einzelpersonen und Ehepaare in dem Projekt geschaffen werden.
Die Finanzierung des gesamten Vorhabens erfolgt einmal durch
die Bereitstellung von Mitteln aus dem Wohlfahrts- und Pensionsfonds
der "Amalgamated Lithographers of America", zum anderen durch Zuschüsse der Bundesregierung, des Staates und der Stadt New York.
Wie der 1 . Vorsitzende der Lithographengewerkschaft, Edward
Swaybuck, ergänzend zu dem Bauvorhaben erklärte, sieht seine Gewerkschaft in diesem Wohnungsbauprojekt eine natürliche Ergänzung des
in diesem Stadtteil im Entstehen begriffenen Kulturzentrums von
New York, des Lincoln Center - Daher auch die Absicht der Gewerkschaft,
neben einem Ausstellungszentrum für graphische Kunst Ateliers für
bildende Künstler in dem Projekt zu erstellen. Man hofft, damit all
jenen Künstlern wieder eine neue Heimat zu geben, die bei der Sanierung des West-Side-Stadtteils ihre Ateliers und Wohnungen verloren
haben. "Auf diese Weise hoffen wir dieses Gebiet kulturell weiter
auszudehnen und abzurunden. Das ist unser Traum."

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

14

-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes auf die Automatisierung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei amerikanischen Regierungsbehörden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1961 - Ein Jahr wichtiger Tarifverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen in der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durchschnittseinkommen der Büroangestellten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurzmeldungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen Eisenbahner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Private Pensionspläne gewinnen immer größere Bedeutung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche Leistung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung der Sicherheit am Arbeitsplatz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7/8&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung der "zweiten industriellen Revolution"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige Umschulung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Formel für den Arbeitsfrieden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (II und Schluss)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Trends im Tarifverhandlungswesen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftsschulung im Wandel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe der amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für 25 000 Menschen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILTJNGEN
Inhaltsverzeichnis
1962

Das Anciennitätsprinzip und seine
praktischen Auswirkungen
Die Automation in den Vereinigten Staaten
Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit
Präsident Kennedy vor dem amerikanischen
Gewerkschaftsverband

Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung
in den USA
Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer
drauf
Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit
in den USA
Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau
um 85 Prozent seit 1949
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

.

Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern
Nachlese zum "APL.-CIO"-Kongreß
Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie
Präsident Kennedy legte Kongreß Sozialbotschaft vor
Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung
veröffentlicht

-

1

�Nr. 4
Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft
Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger
als höhere Löhne
Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 5
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den
Vereinigten Staaten
Die "dritte Kraft" am Verhandlungstisch
Neue Arbeitsplätze durch industrielle und
technische Fachausbildung
Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug
des amerikanischen Erziehungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 6
Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung
in der Industrie
435-Millionen-Dollar-Programm für die Umschulung
von Arbeitslosen
Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine
Wirtschaftspolitik
Die Bedeutung des neuen Tarifvertrages der
Stahlindustrie
*

Nr. 7
Die Auswirkungen der Automation auf den
ArbeitnehmerStatus
Feststellung der Beschäftigt*»- und Arbeitslosenzahl
in den USA
Die Gewerkschaften und die Angestellten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
«

- 2

�Hr. 8/9
Frauenarbeit und Haushalteinkommen (i)
Anwendungstechniker als Wegbereiter der
Vollautomatisierung
Die "Stadt-in-der-Stadt"
Vorbereitungskurse für angehende Pensionäre
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Hr. 10
Frauenarbeit und Haushalteinkommen ( i l )
Fast 70 Millionen B e s c h ä f t i g t e i n den USA
AFL-CIO f o r d e r t 35-Stunden-Woche
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
»
Hr. 11

t
Urlaubsregelungen in den USA
Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert
(und vier weitere Kurznachrichten)

Hr. 12

Das System der Lehrlingsausbildung in den USA
Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation
Facharbeiterschulung in den Entwicklungsländern
ein gemeinsames Problem
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

«

-

3 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar

1962

INHALTSVERZEICHNIS

Das Anciennitätsprinzip und seine
praktischen Auswirkungen

Seite

1

Die Automation in den Vereinigten Staaten
Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit

Seite

7

Präsident Kennedy vor dem amerikanischen
Gewerkschaftsverband

Seite

12

Das Anciennitätsprinzip und seine praktischen Auswirkungen
Aus "The American Federationist",
dem offiziellen Organ des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO.

Das Anciennitätsprinzip hat in der Nachkriegszeit in den Vereinigten Staaten zunehmende Bedeutung gewonnen. Die Dauer der Betriebszugehörigkeit eines Angestellten oder Arbeiters entscheidet
heute in vielen Fällen darüber, welche Rechte ihm im Verhältnis zu
anderen Mitarbeitern zustehen, und vielfach auch über die Höhe der
zusätzlichen betrieblichen Nebenleistungen.
Vor Jahren noch war die Frage umstritten, ob die Firmenleitung
bei notwendig werdenden Veränderungen im Betrieb den Belegschaftsangehörigen mit längerer Dienstzeit den Vorzug vor Mitarbeitern mit
größeren "Verdiensten" geben solle. Langsam aber sicher hat sich
unter dem.ständigen Druck der Gewerkschaften die Erkenntnis durchgesetzt, daß eine anständige Bezahlung den Unternehmer noch längst
nicht von allen Verpflichtungen gegenüber seinen Mitarbeitern entbindet und daß gewissen Rechten des arbeitenden Menschen, insbesondere
dem auf Arbeit, mit zunehmender Beschäftigungsdauer größerer Schutz
gebührt.
,

a
-

1

-

�Je länger ein Arbeitnehmer für ein Unternehmen arbeitet, um
so ;mehr "investiert" er von seinem Leben in diese Beschäftigung.
Sein Domizil, seine Freundschaften, seine Lebensgewohnheiten,
sein Benehmen und sein gesamtes psychisches und physisches Wohlbefinden sowie noch viele andere Aspekte seines Lebens werden von
seiner Tätigkeit am Arbeitsplatz beeinflußt.
Die Rechte der Arbeitnehmer, di« ihm aus dieser "Investition" erwachsen, schließen billigerweise die Sicherheit am Arbeitsplatz, Aufstiegschancen und das Anrecht auf zusätzliche Sozialleistungen ein, die sich mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit
erhöhen. Dies sind keine absoluten Rechte; sie setzen die Fähigkeit voraus, die geforderte Arbeit zu bewältigen, und hängen auch
von der Verfügbarkeit von Arbeit ab; sie unterliegen aber nicht
der Willkür oder der Laune des Arbeitgebers.
Der Druck der Gewerkschaften und die allgemein günstigen Erfahrungen mit dem Anciennitätsprinzip sind die wichtigsten Triebfedern für seine steigende Anerkennung. Die Vorteile, die seine
Anwendung bietet, haben dazu geführt, daß man es auch in Betrieben befolgt, deren Belegschaft nicht gewerkschaftlich organisiert
ist. Es ist aber das ausschließliche Verdienst der Gewerkschaften,
daß der Begriff der Anciennität klar definiert und zu einem gewissen Rechtsanspruch erweitert wurde.
Man sollte nicht übersehen, daß es keine allgemeinverbindlichen
gewerkschaftlichen Richtlinien bezüglich der Durchsetzung des
Prinzips der Anciennität gibt, obwohl natürlich fast alle Gewerkschaften auf seine Anerkennung drängen. Es gibt durchaus Fälle,
in denen die Gewerkschaften und ihre Mitglieder es als fairer und
praktischer erachten, nach anderen Gesichtspunkten zu verfahren. So
würde es beispielsweise der Gewerkschaft der Filmschaffenden niemals
einfallen, bei der Besetzung von Filmrollen auf der Anciennität
zu beharren.
Einer der wichtigsten Vorzüge des Anciennitätsprinzips besteht
darin, daß es den älteren Arbeitskräften einen relativ sicheren
Kündigungsschutz bietet. Seine Befolgung schafft die Gewähr, daß
langjährige und noch voll einsatzfähige Arbeitskräfte nicht einfach
beiseitegeschoben oder übergangen werden, nur um Platz für jüngere
Leute zu gewinnen. Eine solche Garantie gehört ohnehin mit zu den
selbstverständlichen Zielen der Gewerkschaften, die sich einmal
der Tatsache bewußt sind, daß die älteren Arbeitnehmer im Falle
einer Entlassung größere Schwierigkeiten haben, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, und zum anderen schon immer aus Gründen der
Fairness den Grundsatz vertreten, daß die Arbeiter und Angestellten,
die am längsten in einem Betrieb tätig sind, auch einen besseren
Kündigungsschutz verdienen und Anspruch auf erhöhte Sozialleistungen
haben . .
Das Eintreten der Gewerkschaften für das Anciennitätsprinzip
gründet sich des weiteren auf ihr Streben, Mißbräuche zu verhindern oder auf ein Mindestmaß zu beschränken, die bei Anwendung
anderer Auswahlmethoden im Falle notwendiger Entlassungen, bei der

-

2 _

�der Gewährung von betrieblichen Leistungen oder bei Beförderungen
nicht ausgeschlossen sind. Allein das Anciennitätsprinzip gibt
einen festen Maßstab ab und ist völlig objektiv zu handhaben.
Eine Untersuchung des US-Arbeitsministeriums aus den Jahren
1954/55 zeigt, daß die Anciennität bereits damals in fast 70 Prozent
aller Tarifverträge als das entscheidende Kriterium bei notwendig
werdenden Entlassungen akzeptiert wurde, wenn auch vielfach mit .der
Einschränkung, daß der dienstältere Mitarbeiter fähig sein muß, die
an dem umstrittenen Arbeitsplatz anfallenden Arbeiten auszuführen.
Der Grad der Sicherheit, den die Anciennität bietet, hängt weitgehend davon ab, in welcher Form die Rechte aus ihr geltend gemacht
werden können. Soll sie nur innerhalb einer Beschäftigungssparte,
einer Betriebsabteilung, eines Werks oder innerhalb der gesamten
Firma gelten? Kann ein Belegschaftsangehöriger unter Berufung auf
seine Anciennitätsrechte einen jüngeren Mitarbeiter von einem anderen
Arbeitsplatz auch innerhalb eines solchen größeren Rahmens verdrängen?
Dieser Rahmen, innerhalb dessen Anciennitätsrechte geltend gemacht werden können, ist je nach Firma und Wirtschaftszweig verschieden weit gespannt und hängt von dem Grad der Austauschbarkeit der
Arbeitskräfte und auch davon ab, inwieweit die fraglichen Arbeitskräfte in der Lage sind, die an einem anderen Arbeitsplatz geforderten Leistungen zu erbringen. Die Gewerkschaften drängen darauf, diesen
Rahmen möglichst weit zu stecken, um zu verhindern, daß ein langjähriger Mitarbeiter in einer Abteilung im Falle eines verringerten Arbeitsanfalls entlassen wird, während ein jüngeres Belegschaftsmitglied in
einer anderen Abteilung auf einem Arbeitsplatz beiaasen wird, den der
ältere Kollege übernehmen könnte.
Die Unternehmer wollen ^ihrerseits das Recht älterer Mitarbeiter
auf den Arbeitsplatz eines jüngeren Arbeitnehmers so weit wie möglich
einengen, um "übermäßige" innerbetriebliche Umstellungen mit den damit
verbundenen Schwierigkeiten und dem damit verbundenen Absinken der
Leistung zu vermeiden. Die Gewerkschaften halten dem entgegen, daß
die mit dem Verdrängen jüngerer Mitarbeiter verbundenen Schwierigkeiten ein angemessener Preis dafür sind, daß die älteren Mitarbeiter
und deren Erfahrungen dem Betrieb erhalten bleiben.
In vielen Firmen gibt die Anciennität heute auch bei Beförderungen und Versetzungen den Ausschlag. Das bedeutet natürlich nicht, daß
ein Mitarbeiter nur auf Grund seiner langjährigen Betriebszugehörigkeit aufrückt, wenn er nicht die erforderlichen Qualifikationen für
die fragliche Position mitbringt. Die vernünftige Auslegung des
Anciennitätsprinzips besagt vielmehr, daß man ihm eine Chance an
diesem Arbeitsplatz gibt und ihn, falls er diesen nach einer angemessenen Einarbeitungsperiode voll ausfüllen kann, dort beläßt.
Es gibt noch einige weitere Bereiche, in denen die Rechte eines
Arbeitnehmers von der Dauer der Betriebszugehörigkeit bestimmt werden:
Zu diesen zählen die Berücksichtigung seiner Wünsche bei der Einteilung des Urlaubs, der Arbeitszeit bei Schichtbetrieb und bei Überstunden sowie bei der Wahl des Arbeitsplatzes innerhalb der Abteilung

-

3 -

�Abteilung und der Zuteilung von Parkplatz, von Spinden usw.
Auch im Bereich der betrieblichen Sozial- und Nebenleistungen
spielt die Betriebszugehörigkeitsdauer eine wichtige Rolle. Urlaubsdauer und Rentenhöhe sind typische Beispiele hierfür: Die Urlaubsdauer hängt in den meisten Betrieben vom Dienstalter ab, ebenso wie
das Anrecht auf Alters- und Invaliditätsrente und deren Höhe. Neben
Lohn- und Gehaltserhöhungen werden auch verschiedene Sozialleistungen
nach Dienstalter gewährt, darunter Krankenurlaub, Entlassungsgeld
und verschiedene Sonderzuwendungen.
Auf seiten des Managements werden erhebliche Einwendungen dagegen erhoben, die Anciennität zu einem Kriterium für Beförderungen
zu machen. Die Gewerkschaften sind aber auch hier der Auffassung,
daß die Dauer der Betriebszugehörigkeit einen objektiveren Maßstab
für die Auswahl der Bewerber abgibt als etwa "Tüchtigkeit" oder
"Verdienste".
.
.
.
Gilt die Anciennität als Richtschnur, so weiß jeder Mitarbeiter,
wo er im Verhältnis zu anderen Kollegen steht. Die Auswahl hängt
dann nicht von der Beurteilung oder auch von der Laune eines Vorgesetzten ab. Bei der Auswahl nach "Tüchtigkeit" und "Verdienst" oder
nach anderen subjektiven Gesichtspunkten fehlen wirklich brauchbare
Maßstäbe und sind Mißbräuche nicht ausgeschlossen. Ja, in vielen
Fällen würde man das Alter eines Mitarbeiters sogar als einen Hinderungsgrund für eine Beförderung ansehen, selbst wenn er genauso tüchtig oder sogar tüchtiger ist als ein jüngerer Mitbewerber. Hinzu
kommt, daß das Urteil von Vorgesetzten beeinflußbar ist. Mitarbeiter
die sich selbst ins rechte Licht zu rücken verstehen, haben hier entschieden die größeren Aussichten.
Von Unternehmern wird verschiedentlich ins Feld geführt, daß das
Anciennitätsprinzip die Initiative der Arbeitnehmer hemmt, der Tüchtigkeit den ihr gebührenden Platz streitig.macht.und den jüngeren
und leistungsfähigeren Mitarbeiter nicht zum Zuge kommen läßt. Dieser Vorwurf verdient eine ernsthafte Prüfung. Man kann aber auch umgekehrt fragen, ob die Befolgung des Anciennitätsprinzips nicht den
Leistungswillen im allgemeinen in so hohem Maße anstachelt, daß das
etwaige Nachlassen der Einsatzfreudigkeit einzelner Benachteiligter
dadurch mehr als aufgewogen wird.
An vielen Arbeitsplätzen, die die Erledigung eines festen Pensums
in einer festgesetzten Zeit erfordern - das gilt vor allem für Arbeiten an automatisch vorrückenden Fließbändern - spielt die Tüchtigkeit
keine wesentliche Rolle. An Arbeitsplätzen aber, an denen es auf spezielle Fertigkeiten ankommt, ist Erfahrung - also längere Betriebszugehörigkeit - praktisch die Voraussetzung für hohe Leistungen. Hier
haben Mitarbeiter mit längerer Dienstzeit gewöhnlich die meiste Erfahrung und sind deshalb jüngeren Kollegen meist überlegen.
Vor einigen Jahren hat Professor James J. Healey von der HarvardUniversität 58 Streitfälle untersucht; in denen durch einen Schiedsmann die Beförderung eines jüngeren Mitarbeiters, den die Firmenleitung dem Klage führenden älteren Mitarbeiter vorgezogen hatte.

- 4 -

�hatte, rückgängig gemacht worden war. Frühestens drei Jahre nach
der auf Grund des Schiedsspruches erfolgten Einsetzung des älteren
Mitarbeiters bat Healey die Firmenleitung um Auskunft darüber, wie
sich der Betreffende in der Stellung bewährt habe-, die ihm vorher
verweigert worden war. Man darf unterstellen, daß die Firmen eher
geneigt sind, ihre frühere Entscheidung zu rechtfertigen; dennoch
berichtete die Mehrzahl, daß sich die älteren Mitarbeiter in ihrer
neuen Position entweder sofort oder nach kurzer Zeit bewährt hätten.
In 50 Prozent aller Fälle war der Betreffende in der Zwischenzeit schon
auf einen noch höheren Posten aufgerückt. Nur in einem knappen Viertel der Antworten wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Firmenleitung
noch immer die Beförderung des Bewerbers mit der längeren Dienstzeit
als eine Fehlentscheidung ansah.
Healay führte verschiedene Gründe dafür an, daß sich die älteren
Mitarbeiter der größeren Verantwortung gewachsen zeigten. Es mag
durchaus sein, daß die Unternehmensleitung mit ihrer Beurteilung des
jüngeren Mitarbeiters als dem fähigeren recht hatte; fraglich bleibt
nur, ob die besonderen Fertigkeiten des Betreffenden an dem fraglichen
Arbeitsplatz zum Tragen gekommen wären.
Wenn eine Firma ältere Arbeitskräfte entläßt und jüngere weiterbeschäftigt, dann belastet sie den Arbeitsmarkt damit besonders, da
diese Arbeitskräfte meist weniger anpassungsfähig sind und ihnen ein
Umzug in eine andere Stadt meist nicht zugemutet werden kann. Von der
Frage nach Recht und Billigkeit, der menschlichen Problematik und
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten älterer Arbeitnehmer in dieser
Lage einmal ganz abgesehen, werden diese selbst im Falle einer Neueinstellung in einer anderen Firma einen geringeren Beitrag zur
Volkswirtschaft leisten als bei ihrer Belassung an dem vertrauten
Arbeitsplatz, an dem sie im Laufe langer Dienstjahre eingehende
Erfahrungen gesammelt haben..
Es wird des weiteren behauptet, die Anwendung des Anciennitätsprinzips beeinträchtige die Mobilität der Arbeit und somit auch
die Leistungsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft. Die älteren
Arbeitskräfte, so wird argumentiert, seien wenig geneigt, eine selbst
besser dotierte neue Stelle anzutreten, weil sie die aus der Anciennität herrührende erhöhte soziale Sicherheit und höheren Ansprüche auf
betriebliche Nebenleistungen nicht aufgeben wollen. Somit binde die
Anciennität, so wird gefolgert, den Arbeitnehmer fest an das Unternehmen und schränkte damit die Arbeitsmobilität ein, die für eine
flexible und expandierende Wirtschaft unerläßlich sei.
Es mag zutreffen, daß langjährige Betriebszugehörigkeit die Arbeitskräfte gegenüber lockenden Stellenangeboten und der mit einem
Wechsel verbundenen Umstellung zu größerer Zurückhaltung veranlaßt.
Das gilt aber ganz allgemein für ältere Arbeitnehmer, gleichgültig,
ob sie Anciennitätsrechte geltend machen können oder nicht.
Die Motive, die einen Arbeitnehmer bewegen, über die Probezeit
hinaus bei einem Unternehmen zu bleiben, beherrschen ihn auch bei seinem weiteren Verbleib in der Firma über Jahre hinweg. Anciennitätsrechte

-

5 -

�Anciennitätsrechte mögen ihn in seinem Entschluß bestärken, den
Arbeitsplatz nicht zu wechseln, die primäre Ursache einer solchen
Haltung aber sind sie wohl nur selten.
Es waren immer die Jüngeren, die den größten Anteil an der
Arbeitsfluktuation hatten. Viele Jugendliche wechseln häufig den
Arbeitsplatz, nicht weil sie keine Anciennitätsrechte erworben haben,
sondern weil sie sich noch nicht fest für einen bestimmten Beruf
oder eine bestimmte Tätigkeit entschließen können.
Professor Arthur Ross von der Universität Kalifornien kam in
einer Untersuchung über den Rückgang der Fluktuation in den letzten
Jahrzehnten zu dem Schluß, daß die zunehmende Anerkennung des
Anciennitätsprinzips bei dieser Entwicklung nur eine geringe Rolle
gespielt hat. Seine Untersuchungen erbrachten den Beweis, daß Kündigungen seitens der Arbeitnehmer bei Beschäftigten mit auch nur einigen
Dienstjahren schon immer selten waren, auch in der Zeit vor dem ersten
Weltkrieg, als Anciennitätsrechte im heutigen Sinne überhaupt noch unbekannt waren. Der Rückgang der Fluktuation ist mithin auf ein Nachlassen der Bereitschaft zu einem häufigen Arbeitsplatzwechsel gerade
unter den jüngeren Beschäftigten zurückzuführen.

Aus "The American Federationist".

» * « * *

-

6 -

�Die Automation in den Vereinigten Staaten
Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit

Schon als das Rad erfunden wurde, fürchteten wahrscheinlich
bereits einige wenige, daß sie durch diese Erfindung ihre Arbeit
verlieren würden. Als dann die noch unförmigen Räder zu einem
Karren zusammengefügt und Ochsen als Zugtiere davorgespannt wurden, waren es sicherlich andere, die um ihre Arbeit bangten. Und
so ist es seither durch all die Jahrtausende bis in die Jahrhunderte der industriellen Revolution hinein gewesen: immer wieder
haben sich die Menschen über die Auswirkungen neuer Produktionsmethoden Gedanken und Sorgen gemacht und den Verlust ihres Arbeitsplatzes befürchtet.
Auch jetzt wieder sind es die Wechselbeziehungen zwischen
technologischem Fortschritt und Arbeitslosigkeit, die im Mittelpunkt heftiger Auseinandersetzungen stehen.
Die Atitomation, diese neue und dynamische Form des technischen
Fortschritts, ist inzwischen aus dem Versuchs- und Experimentierstadium auf das weite Feld der praktischen Anwendung hinübergewechselt. Ihr Vormarsch auf breitester Front in allen Zweigen der Wirtschaft erfolgte dabei zu einem Zeitpunkt, wo die vorhandenen Produktionskapazitäten in der amerikanischen Wirtschaft nicht voll ausgenutzt wurden - eine Tatsache, die allgemein mitssehr gemischten
Gefühlen registriert wurde.
Die Frage, die daher heute überall gestellt wird, ist die:
Bringt die Automation nun eigentlich schwerwiegende Arbeitsmarktprobleme und Arbeitslosigkeit mit sich oder aber eröffnet sie uns
neue Perspektiven des Wohlstandes?
Die Erfahrung hat uns gezeigt, daß der Schlüssel für einen
steigenden Lebensstandard die Produktivität ist und daß technologische Veränderungen den Hauptfaktor für eine Produktivitätssteigerung
darstellen•
Zwischen 1947 und 1959 hat sich die Arbeitsproduktivität in den
USA um 46 Prozent erhöht. Das bedeutet, daß die Produktionsleistung
von 1947 im Jahre 1959 mit rund einem Drittel weniger Arbeitnehmern das sind rund 17,5 Millionen - hätte erzielt werden können. Statt
aber Arbeitsplätze auszulöschen, hat die Produktivitätszunahme im
Gegenteil zu einer Erhöhung der Gesamtbeschäftigtenzahl um 10 Prozent, einem Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden um 5 Prozent
und einer Zunahme der Produktion um 53 Prozent geführt.
Damit wäre an sich nichts Neues über die Auswirkungen der
technologischen Veränderungen auf Produktion und Beschäftigung gesagt. Warum also dann diese Sorgen?
Die

7

�Die Automation ist mehr als eine bloße Verfeinerung der
Mechanisierung. In verschiedener Hinsicht stellt sie sogar einen
vollkommenen Bruch mit der Vergangenheit dar. Einmal erstreckt
sich ihr Anwendungsbereich über eine sehr breite Skala - denn
sie überdeckt praktisch alle Produktionszweige -, von der medizinischen Diagnose bis zur Buchübersetzung, von der Lohnbuchhaltung bis zur langfristigen Konjunkturprognose, von der Produktionsprogrammierung bis zur vollkommenen Kontrolle der gesamten Produktionsanlage,
Zum anderen jedoch erfolgt die Einführung der Automation
in einem weitaus größeren Tempo, als es bei anderen technologischen Veränderungen in früheren Zeiten der Fall war. Das bedingt
wiederum, daß die durch die Automation freigesetzten Arbeitskräfte
von der Wirtschaft schnell und zu einem Zeitpunkt absorbiert werden müssen, wo auf dem Arbeitsmarkt gleichzeitig ein großer Bedarf
an solchen Arbeitnehmern besteht, die über die für die neue Produktionstechnik erforderlichen Qualifikationen verfügen.
Schließlich aber rollt der Automationsprozeß in einer auf
hoher Stufe stehenden Volkswirtschaft ab, deren Hauptcharakteristikum der Massenkonsum ist. Wenn daher Arbeitskräfte auf Grund der
Einführung der Automation ihre Arbeitsplätze verlieren, so können
sie nur dann eine andere Beschäftigung finden, wenn die allgemeine
Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen gesteigert wird.
Zwei Elemente sind es vor allem, die die Automation von den
konventionellen Produktionsverfahren unterscheiden:
1. Die Herstellung eines Gegenstandes erfolgt hier im Rahmen
eines integrierten, kontinuierlichen Produktionsprozesses.
2. Quantität und Qualität der Produktion werden ständig kontrolliert, so daß das gesamte System jeweils mit maximaler
Leistung arbeitet.
Noch bis vor kurzem gab es zwei voneinander getrennte Entwicklungen auf dem Gebiet der Automation. Auf der einen Seite standen
die Datenverarbeitungsanlagen - wie z.B. die Elektronenrechner -,
auf der anderen die automatischen Kontrolleinrichtungen und -instrumente - etwa beim automatischen Transferprozeß in den Ölraffinerien.
Jetzt aber beginnen sich diese beiden Strömungen miteinander
zu verbinden: Durch die Verwendung von Ring-Kontrollsystemen wird
der Elektronenrechner mit den Instrumentenkontrollen verbunden, so
daß er praktisch den gesamten Produktionsprozeß überwachen kann.
Gegen Ende 196O belief sich der Wert der automatischen Produktionseinrichtungen in den Vereinigten Staaten auf mehr als 6 Mrd.
Dollar - das entspricht einem Wertzuwachs von 75 Prozent in den vergangenen sechs Jahren.
Obwohl

8

�O"bwohl sich aber die Automation immer schneller ausgebreitet
hat, so Ist sie andererseits doch auch durch zahlreiche Gegenkräfte in ihrer Entwicklung gehemmt worden: Die wichtigsten Faktoren bilden hier die hohen TJmrüstungskosten; eine große elektronische Rechenanlage kostet heute mehr als 1 Million Dollar - sowie
die langen Vorbereitungszeiten - in der Regel braucht man drei
Jahre, um die Pläne für die Installierung und Einrichtung eines
Elektronenrechnersystems in die Praxis zu übertragen. Hinzu
kommt noch, daß die Automation in vielen Fällen nicht auf Anhieb
die erwarteten Erfolge gebracht hat. Die letzten Jahre waren nämlich weitgehend Jahre der Versuche und Irrtümer.
Schließlich ist die volle Automatisierung eine in jeder Beziehung gewaltige Aufgabe. Nach zuverlässigen Schätzungen nämlich
wären rund 500 Mrd, Dollar und eine Zeit von 55 Jahren mit ebenso
hohen Kapitalinvestitionen wie in den letzten Jahren notwendig, um
die amerikanische Fertigungsindustrie voll automatisieren zu können.
Automation und Erwerbslosigkeit
Nachdem wir einige der Möglichkeiten für die Anwendung der
Automation sowie ihre Grenzen aufgezeigt haben, erhebt sich nun
also die Frage, welche Auswirkungen die Automation auf den Arbeitsmarkt hat. Inwieweit.hat die Automation zum derzeitigen Problem
der Arbeitslosigkeit beigetragen?
Innerhalb eines Betriebes werden sich die Auswirkungen im allgemeinen nur allmählich und graduell abzeichnen. Auf Grund der
langen Vorbereitungszeit ist es der Unternehmensführung meist möglich, die Arbeitnehmer auf die neuen Tätigkeiten umzuschulen und
größere Entlassungen durch eine Drosselung der Neueinstellungen
zu vermeiden. Hinsichtlich der Lösung des Personalproblems besteht
in den Büros heute allgemein die Tendenz, die besseren Transfermöglichkeiten für Arbeitskräfte in diesen Betrieben weitgehend auszunutzen und im übrigen auf den hohen Umschlag an Arbeitskräften
zu bauen. In den Industriebetrieben dagegen, die gegenüber Rückschlägen in der Wirtschaft weitaus empfindlicher sind, dürften
jedoch einige der in Rezessionszeiten entlassenen Arbeitnehmer bei
erneuter Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität nicht wieder eingestellt werden.
Wenn es auch sehr schwierig ist, die genaue Zahl jener Arbeitskräfte anzugeben, die auf Grund der Automation, von Veränderungen
in den Verbrauchergewohnheiten oder anderer Faktoren ihre Arbeitsplätze in den einzelnen Industriezweigen oder Berufsgruppen verloren
haben, so geben doch die.folgenden Ergebnisse einen gewissen Aufschluß darüber:
1. In einigen Industriezweigen, in denen die Produktion rückläufig war, ist die Zahl der entlassenen Arbeitskräfte im Verhältnis zum Produktionsrückgang allgemein größer gewesen. Die Steinkohlenförderung z.B. war 1959 im Vergleich zum Durchschnitt der
Jahre 1947-49 um 35 Prozent geringer, die Zahl der Beschäftigten
lag dagegen um 60 Prozent niedriger. Dennoch würde die Beschäftigten-

9

�Beschäftigtenzahl vielleicht noch stärker abgenommen haben, wenn
nicht die technischen Veränderungen dazu beigetragen hätten, die
Wettbewerbsfähigkeit des Bergbaus gegenüber den anderen Brennstofferzeugern zu erhalten.
2. In den Fabrikationsbetrieben stieg die Produktion seit
1953 um 17 Prozent an, während gleichzeitig die Zahl der Arbeitskräfte um 5 Prozent abnahm. In einigen Fabrikationszweigen ist
dieser Kontrast noch stärker ausgeprägt. Die Automobilproduktion
hatte in diesem Zeitraum bei einer gleichzeitigen Verminderung
der Zahl der Arbeitskräfte um 16 Prozent einen Anstieg von 26 Prozent zu verzeichnen.
3. In verschiedenen Fabrikationszweigen ist die Produktions zunähme so stark gewesen, daß sich der Bedarf an Arbeitskräften trotz
der Einführung der Automation weiter erhöhte. In der chemischen Industrie z.B. liegt die Beschäftigtenzahl im Vergleich zu 1955 um
8 Prozent, in der Elektromaschinenindustrie um 7 Prozent höher.
Gleichzeitig nahm die Zahl der Beschäftigten im Handel um 11 Prozent, in den Dienstleistungszweigen um 20 Prozent und bei den Regierungsbehörden um 27 Prozent zu; und
4. schließlich hat sich die Beschäftigungsstruktur der Industrie auf Grund der Einführung der Automation und der veränderten
Bedarfsnachfrage erheblich gewandelt. So nahm in den vergangenen
zehn Jahren die Zahl der Beschäftigten in den akademischen und technischen Berufen um 55 Prozent zu, während sich auf Grund des größeren Arbeitsanfalls in den Büros - obwohl auch hier die Automation
ihren Einzug hielt - die Zahl der Angestellten um 32 Prozent erhöhte.
Die Zahl der Produktionsarbeiter nahm dagegen in diesem Zeitraum
nur um 5 Prozent zu.
Dennoch aber spielte die Automation (in ihrer tatsächlichen
Bedeutung verstanden) bei diesen strukturellen Veränderungen nur
ein« untergeordnete Rolle. Untersuchungen haben ergeben, daß pro
entlassenen Arbeitnehmer Investitionen in Höhe von schätzungsweise
35 000 Dollar erforderlich sind. Wenn sämtliche Investitionen für
Produktionsausrüstungen im Jahr 1 96O ausschließlich für automatische
Maschinen aufgewendet worden wären, dann hätten nämlich rund 500 000
Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verlieren müssen. Tatsächlich waren
es aber nur rund 200 000.
Über all dem Gesagten drängen sich zwei Fragen auf: 1. Können
Methoden entwickelt werden, um die Umsetzung von Arbeitskräften in
Industriezweige mit steigender Nachfrage zu erleichtern? Einem
entlassenen Arbeiter ist nicht viel geholfen, wenn man i-hm sagt,
daß ein großer Bedarf an Physikern besteht. Das Problem einer angemessenen Umschulung auf solche Berufe und Tätigkeiten, die in Zukunft gefragt sind, wird sich immer stärker in den Vordergrund schieben.
Zwischen i960 und 1970 wird sich die Zahl der schulentlassenen
und neu zum Arbeitsmarkt drängenden jungen Arbeitnehmer, viele von
ihnen ohne eine berufliche Ausbildung und Vorbildung, ungemein stark

10

�stark erhöhen - in der Altersgruppe der 20- bis 24jährigen zum Beispiel rechnet man mit einer Zunahme um rund 50 Prozent. In der
Altersgruppe der 24- bis 45jährigen - also der erfahreneren Arbeitskräfte - dagegen ist nur ein Anstieg um 5 Prozent zu erwarten.
Außerdem ergeben sich noch ernste menschliche Probleme hinsichtlich
der Bereitstellung von Arbeitsplätzen für jene älteren Arbeitnehmer,
die auf Grund der technologischen Veränderungen möglicherweise
ihren angestammten Arbeitsplatz verlieren.
Die zweite Frage ist die: Können die Sektoren der Wirtschaft
mit expandierenden Beschäftigungsmöglichkeiten sowohl jene neu auf
den Arbeitsmarkt strömenden Jugendlichen als auch jene älteren
Arbeitnehmer absorbieren, die ihren Arbeitsplatz auf Grund des
technischen Fortschritts verloren haben?
Die A.ntwort hierauf ist, daß eine stark expandierende und schnell
wachsende Volkswirtschaft durchaus in der Lage ist, allen ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten zu sichern. Die Fortschritte auf dem
Gebiet der Produktivität, die weitgehend aus den technologischen
Veränderungen resultieren, können zu einem schnelleren Wachstum
der Realeinkommen beitragen. In der Folge können daher auch die
Märkte sowohl für die derzeitigen als auch die neuen Güter und
Dienstleistungen ausgeweitet werden.
Diese notwendige kräftige wirtschaftliche Expansion ergibt
sich allerdings nicht von selbst. Sie erfordert vielmehr eine Wirtschaftspolitik, durch die die Spar- und Investitionstätigkeit angeregt
wird, damit neue Methoden und Produktionsmittel entwickelt und eingeführt werden können; und sie verlangt ferne&lt;r eine ständige, sowohl
quantitative als auch qualitative Verbesserung unseres Erziehungssystems, damit der dynamischen Wirtschaft die erforderlichen Fachkräfte zugeführt werden können. Außerdem muß die Wirtschaftspolitik
darauf ausgerichtet sein, eine insgesamt ausreichende Bedarfsnachfrage zu sichern, damit ständig höhere Produktions- und Beschäftigungsniveaus erreicht werden können, ohne dabei jedoch inflationistische Strömungen auszulösen.
Unser Land braucht mehr Automation und mehr technologische Veränderungen jeglicher Art. Gleichzeitig müssen wir ein Wirtschaftsklima schaffen, das einem wirtschaftlichen Wachstum günstig ist.
Nur auf diese Weise wird es uns möglich sein, Arbeitsplätze für
jene jungen Menschen zu schaffen, die in den nächsten zehn Jahren
zum Arbeitsmarkt drängen werden.
(Aus "Business in Brief", dem zweimonatlich erscheinenden
Informationsbrief der "Chase Manhattan Bank", New York)

* * * * *

11

-

�Präsident Kennedy vor dem^amerikanischen Gewerkschaftsverband
Am 7» Dezember 1961 hielt Präsident Kennedy vor dem Kongreß
der "AFL-CIO" in Miami Beach eine Rede, in der er auf verschiedene aktuelle Probleme einging, die für die Gewerkschaften von
besonderer Bedeutung sind.
Auf den japanischen Überfall auf Pearl Harbor vor fast genau
20 Jahren anspielend, betonte der Präsident einleitend, daß sich
die USA heute einer im Grunde noch gefährlicheren Bedrohung ausgesetzt sähen als damals. Weltweite Herausforderungen und Probleme
gelte es heute zu meistern. Wörtlich fuhr er dann fort:
"Es ist kein Zufall, daß die Kommunisten dabei ihr besonderes
Augenmerk auf die Gewerkschaftsbewegung richten. Sie wissen, daß
die werktätige Bevölkerung häufig übergangen worden ist und in
vielen Teilen der Welt keine Fürsprecher hat; deshalb suchen die
Kommunisten diese Menschen zu verführen, indem sie sich als Hüter
ihrer Rechte aufspielen.
Doch weil wir in den Vereinigten Staaten schon lange eine
starke, freie Gewerkschaftsbewegung besitzen, haben die amerikanischen Arbeiter nicht das Gefühl, übergangen worden zu sein. Solange
die Gewerkschaftsbewegung stark und auf die Freiheit verpflichtet
bleibt, wird dies, wie ich glaube, die Freiheit unseres Landes
festigen.
Deshalb möchte ich hoffen, daß jeder Amerikaner, ganz gleich»
auf welcher Seite des Verhandlungstisches er sich befunden hat oder
ob er einem völlig- anderen Lebenskreis angehört, das eine erkennt!
daß die Stärke der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung lebenswichtig
für die Bewahrung der Freiheit unseres Landes und auf dem ganzen Erdball ist.
Ganz besonders freut es mich zu hören, daß an der heutigen Tagung auch 150 Gewerkschaftsführer aus dem Ausland, und zwar aus 32
Ländern, teilnehmen. Ich glaube, und ich sage dies als Präsident, daß
einer der großen Aktivposten unseres Landes der Einfluß ist, den diese
Gewerkschaftsbewegung überall in der Welt geltend machen kann, indem
sie zeigt, was f;reie Gewerkschaften zu tun vermögen. Ich hoffe, sie
werden von dieser Tagung die Erkenntnis mit nach Hause nehmen, daß
auf lange Sicht eine starke Gewerkschaftsbewegung für die Erhaltung
der Demokratie auch in ihren Heimatländern von wesentlicher Bedeutung
ist.
Es ist kein Zufall, daß es in der Sowjetunion seit 30, 35 oder
gar 40 Jahren keinen Streik mehr gegeben hat. Und die Kommunisten,
die in Lateinamerika, Afrika oder Asien die Belange des Volkes zu
vertreten vorgeben, können nach keiner Regel der Logik oder Diskussion behaupten, daß eine Gewerkschaftsbewegung frei sei, wenn
sie weder imstande ist, ihre Rechte gegenüber dein Arbeitgeber zum

12

�zum Ausdruck zu bringen, noch die Grenzen staatlicher Macht zu erkennen und anzusprechen.
Wir sind nicht allwissend. Wir sind nicht allmächtig. Wir
haben eine freie Gesellschaft, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer,
in der Bauern und Bürger ihre Rechte haben. Nicht wir haben ihnen
diese Rechte im Staat gegeben. Und ich hoffe, daß alle, die aus
diesem Saal wieder nach Lateinamerika, nach Europa, nach Afrika
zurückkehren werden, begriffen haben, daß wir hierzulande an Freiheit und Fortschritt glauben und auch daran, daß die Freiheit materielle Güter im Überfluß und Wohlstand hervorzubringen vermag.
Und Sie sollen auch wissen, daß ich dieser Tagung und dem
Gewerkschaftsparlament entscheidende Bedeutung für die Wahrnehmung
der Interessen unseres Landes und die Sache der Freiheit in der
kommenden Zeit beimesse.
Was die werktätige Bevölkerung, was dieses Land vereint, ist
weit wichtiger als alles, worüber wir Meinungsverschiedenheiten haben
könnten.
Denn Sie, meine Damen und Herren, sind nicht nur die Führer
ihrer Gewerkschaften, sondern Sie sind auch Bürger der Vereinigten
Staaten in verantwortungsvoller Position, und deshalb erschien es
mir durchaus angebracht, heute hierher zu kommen, um mit Ihnen zu
sprechen.
Zunächst möchte ich Ihnen meine Anerkennung für verschiedene
Dinge aussprechen. Dies gilt beispielsweise für die Bemühungen der
Interessenvertreter jener Männer und Frauen, die in unseren Raketenwerkstätten arbeiten. Ihre Bereitschaft, auf Streiks in der Raketenund Raumfahrtindustrie zu verzichten, und die Tatsache, daß die
dort tätigen Männer und Frauen diese Verpflichtung eingehalten haben,
hat unsere Fortschritte auf diesen Gebieten fühlbar beeinflußt, und
das Land weiß diese Ihre Bemühungen zu schätzen.
Zweitens haben wir erstmals einen Präsidialbeirat für Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Politik, der sich allmonatlich in dem Bestreben
zusammenfindet, wirtschaftspolitische Richtlinien auszuarbeiten
und zu entwickeln, die es dem Lande ermögliche», unter den Bedingungen der Vollbeschäftigung voranzuschreiten. Und ich möchte Ihnen
für Ihre Mitwirkung bei diesen Bemühungen danken.
Drittens möchte ich, wie bereits gesagt, der Gewerkschaftsbewegung danken für das, was sie im Ausland für die Stärkung der freien
Gewerkschaften tut, und Sie zugleich ersuchen, Ihre Anstrengungen zu
verdoppeln. Die Freiheitshoffnung stützt sich in diesen Ländern,
wie gesagt, vielfach auf die Gewerkschaftsbewegung.
Wir wollen nicht, daß den Menschen mancher Länder nur die Wahl
bleibt, ihr Schicksal entweder den wenigen, die den größten Teil
des Volksvermögens in Händen halten, oder andererseits der kommunistischen Bewegung zu überantworten.
Wir

13

�Wir stellen sie nicht vor diese Wahl. Wir wollen, daß sie
die Instrumente der Freiheit erhalten, mit denen sie sich schützen
und für den Fortschritt ihrer Länder sorgen können. Das kann eine
starke, freie Gewerkschaftsbewegung erreichen, und ich hoffe, daß
Sie Ihre Aufmerksamkeit in den nächsten zwölf Monaten auf dieses
Gebiet konzentrieren werden - in Lateinamerika und in allen Teilen
der Welt.
In der Tat kommt auch der Regierungschef des Kongo, Cyrille
Adoula, ein starker Verfechter der Freiheit, aus der Gewerkschaftsbewegung. Dasselbe geschieht in einem Land nach dem anderen. Und
das bedeutet für uns alle eine großartige Möglichkeit, aber auch
große Verantwortung hinsichtlich der Fortsetzung dieser Zusammenarbeit .
Schließlich möchte ich diese Gelegenheit wahrnehmen, um der
AFL-CIO meinen Dank für die Unterstützung auszusprechen, die sie
unserem nach langen Beratungen im Kongreß verabschiedeten Gesetzgebungsprogramm gewährt hat."
Dep Präsident ging dann in seiner Rede näher auf die derzeitige
Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage ein und wies insbesondere auf die
erhebliche Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität seit dem Frühjahr
dieses Jahres sowie auf die Tatsache hin, daß im November mit über
67,3 Millionen Beschäftigten ein neuer Rekordstand erzielt wurde,
während gleichzeitig der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl
der Arbeitskräfte,der jetzt bei 6,1 Prozent liegt, erstmalig in
der Amtszeit der neuen Regierung die 7-Prozent-Grenze unterschritt.
Dennoch könne man von einer vollständigen Erholung der Wirtschaft
noch nicht sprechen, da die Zahl der Erwerbslosen immer noch zu
hoch sei. Als weitere bedeutsame sozialpolitische Maßnahmen kündigte
der Präsident in diesem Zusammenhang u.a. die Einbringung einer
Gesetzesvorlage an, die die Umgestaltung des derzeitigen Arbeitslosenversicherungssystems zum Ziele hat. Vorgesehen sei dabei, wie
Kennedy erklärte, die Arbeitslosenversicherung auf eine nationale
Basis zu stellen und die Unterstützungssätze im ganzen Land einheitlich festzusetzen. Ebenso sei es unbedingt erforderlich, für
die Rentner ein Sozialversicherungssystem zu schaffen, das ihnen
einen angemessenen und weitgehend kostenlosen Krankenversicherungsschutz bietet.
Präsident Kennedy ging dann auf die wichtigsten Probleme des
Arbeitsma-rktes ein und erklärte u.a. folgendes:
"Wollen wir unser Arbeitskräftepotential vernünftig nützen,
so müssen wir, meiner Meinung nach, sechs Gebieten unsere Aufmerksamkeit verstärkt zuwenden.
Erstens: Wir müssen uns mehr um die Jugend kümmern. Das kürzlich erschienene Buch von Dr. Conant "Slums and Schools" (Slums
und Schulen) stellte eine Tatsache heraus, die Ihnen allen vertraut
ist: das Problem jener, die die Schule vor dem regulären Abschluß
verlassen - weil die Familienverhältnisse den weiteren Schulbesuch
nicht gestatten, weil es ihnen an Mut zum Durchhalten oder an sachdienlichem Rat fehlt, oder aus anderen Gründen - und sich dann treiben lassen, weil sie keine geregelte Arbeit finden können...
Millionen

14

�Millionen verlassen die Schule vorzeitig und gehören dann
ein Leben lang der Kategorie der Ungeschulten, Ungelernten und
häufig Arbeitslosen an. Aus diesem Grunde habe ich den Kongreß
ersucht, ein Jugendbeschäftigungsgesetz (Youth Employment Opportunities Act) zu erlassen, um solchen Jugendlichen mit Rat und
Tat beizustehen, damit sie in die Lage kommen, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.
Wenn es unser Wunsch ist, daß unsere jungen Mitbürger in Anbetracht der Tatsache eine gute Ausbildung erhalten, daß in den
nächsten Jahren Fachkräfte in größerer Zahl gebraucht werden, und
die Jugend zu einem ordnungsgemäßen Abschluß ihrer Schulbildung
angehalten wird, dann muß auch die Bundesregierung ihrer Verantwortung im Bereich des Erziehungswesens gerecht werden.
Ich will es nicht damit genug sein lassen, daß etwa meine
Vaterstadt eine gute Schule besitzt. Ich möchte vielmehr sicherstellen, daß jedes Kind in diesem Lande eine vernünftige Chance
hat, eine gute Bildung zu erwerben...
Zweitens: Wir brauchen ein Umschulungsprogramm
Sie alle, die sie einen so engen Kontakt mit diesem
wissen, was passiert, wenn technische Veränderungen
Betriebe sich verlagern,während die Menschen an Ort
bleiben.

für Erwerbslose.
Problem haben,
eintreten und
und Stelle

Ich habe es in meinem eigenen Heimatstaat Massachusetts erlebt,
wo brotlos gewordene Textilarbeiter keine Stelle finden konnten,
obwohl vor ihren Augen neue Werke der elektronischen Industrie aus
dem Boden gestampft wurden...
Drittenst Die Mitbürger, die einer der Miraderheitengruppen angehören, erfordern unsere Sorge. Sie alle wissen, daß die Zahlenangaben über jene, die als erste entlassen und als letzte wieder eingestellt werden, allzuoft gerade jene Mitbürger betreffen, die unseren Minderheiten angehören.
Wir wünschen, daß ein jeder ohne Rücksicht auf Rassenzugehörigkeit oder Hautfarbe eine reelle Chance erhält, für sich und seine
Familie ein anständiges Leben aufzubauen und eine gute Bildung zu
erwerben, damit er eine echte Chance hat, mit anderen zu konkurrieren,
und nach dem beurteilt wird, was in ihm steckt, nicht aber nach seinem
Aussehen.
Die amerikanische Arbeiterbewegung hat sich schon immer mit diesen Bestrebungen identifiziert, und ich weiß, daß sie das auch in Zukunft tun wird.
Wir unternehmen größte Anstrengungen, um sicherzustellen, daß
alle mit Regierungsaufträgen bedachten Firmen - und es werden Jahr für
Jahr Milliardenbeträge durch die Bundesregierung verausgabt - allen
Bürgern eine faire Chance einräumen, an den betreffenden Vorhaben
mitzuarbeiten.
Viertens:

�viertens: Wir wollen den Firmen größere Möglichkeiten für
Reinvestitionen in ihre Betriebe bieten. Eine der Fragen, die uns
im Hinblick auf das weitere Gedeihen unserer Wirtschaft Sorge
bereiten, ist die Tatsache, daß wir keine so hohe Reinvestitionsrate haben wie z.B. in den Jahren 1955, 1956 und 1957...
Deshalb schlage ich die Gewährung von Steuerbegünstigungen vor,
die die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bisher noch nicht zu den
förderungswürdigen Dingen rechnet; ich hoffe aber, daß sie diesen
Vorschlag als einen Weg zur Belebung der Wirtschaft in Erwägung
ziehen wird, damit der derzeitigen Erholung nicht in zwölf oder
18 Monaten der Atem ausgeht, wie der Erholung von 1958/59 im Anschluß an die Rezession von 1958 dann im Jahre 196O der Atem ausging.
Fünftens: Um die Palette unserer Wirtschaftsstabilisatoren
zu erweitern und auf diese Weise die Aufwärtsentwicklung unserer
Wirtschaft sicherzustellen, beabsichtige ich den Kongreß in der
nächsten Sitzungsperiode um vorsorgliche Bewilligung von Abrufmitteln etwa im Sinne der von Senator Clark aus Pennsylvanien eingebrachten Vorlage zu ersuchen, damit den Gemeinden Beihilfen für
dringende öffentliche Vorhaben für den Fall gewährt werden können,
daß die Arbeitslosigkeit zunimmt und die Wirtschaftstätigkeit nachläßt.
Sechstens und letztens: Wir müssen die Arbeitsgelegenheiten
durch die Ausweitung unseres Außenhandels vermehren."
Kennedy appellierte in diesem Zusammenhang an die Gewerkschaftsführer, bei künftigen Lohnverhandlungen Zurückhaltung und Verantwortungsbewußtsein zu zeigen und mit dafür zu sorgen, daß die
Lohnerhöhungen im Einklang mit der Produktivitätszunahme stehen.
Dies sei für die Erhaltung eines stabilen Preisniveaus wie auch
der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft im In- und
Ausland von größter Wichtigkeit. Die amerikanische Industrie müsse
auch weiterhin in der Lage sein, auf den Weltmärkten ihre Erzeugnisse abzusetzen, und es liege im ureigensten Interesse des amerikanischen Arbeiters, daß die USA auch in Zukunft eine aktive Handelsbilanz aufwiesen.
Wenn die Handelsüberschüsse nicht ständig erhöht würden, so
erklärte Kennedy, dann könnten sich die Vereinigten Staaten unter
Umständen sogar sehr ernsten Problemen gegenübersehen. Obwohl in den
letzten Jahren ein Außenhandelsüberschuß in Höhe von fünf Milliarden
Dollar erzielt worden sei, hätten die USA rund fünf Milliarden Dollar
an Gold verloren.
Wenn diese Entwicklung andauere, müßten unter Umständen eines
Tages Anpassungen vorgenommen werden, die sich eventuell äußerst
nachteilig für die Sache der Freiheit in der Welt auswirken würden.
Die einzige Lösung dieses Problems liege in einer verstärkten Ausweitung der US-Exporte. Dies bedinge, daß die amerikanischen Erzeugnisse wettbewerbsfähig seien und daß für sie immer neue Auslandsmärkte erschlossen würden.
Kennedy

�Kennedy wies weiter darauf hin, daß er bereits im Jahre 1954
als Senator im US-Kongreß eine Vorlage eingebracht habe, um den
durch eine Erhöhung des Imports am stärksten betroffenen Industrien
zu helfen. Er werde nunmehr dem US-Kongreß im kommenden Januar ein
Programm unterbreiten, von dem er hoffe, daß es die Zustimmung des
Kongresses finden werde, und das die Verantwortung der Regierung
während der Übergangszeit für solche Industrien und deren Arbeiter
feststellt, die durch den verstärkten Import ausländischer Erzeugnisse Schaden erleiden.
Er selbst, so betonte Kennedy, sei hinsichtlich der Zukunft
der USA optimistisch und glaube, daß das amerikanische Volk wie
auch die anderen Völker der Welt die Freiheit wünschen und selbst
über ihr Schicksal entscheiden wollen. Hier liege für die USA eine
große Chance, für die Sache der Freiheit - nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht - einen Beitrag zu leisten.

# « * # *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1962
INKALTSVERZEIGHNIS

Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung
in den USA
Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf
Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit
in den USA
Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um
85 Prozent seit 1949
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

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John M. Barry, Redakteur der AFL-CIO News:
Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung in den USA
Aus"The American Federationist",
dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes
AFL-CIO; November 1961 (gekürzt).
Die Bemühungen der amerikanischen Arbeiterbewegung um die Verkürzung der Arbeitszeit gewinnen in einer Zeit, in der sich die Arbeitslosenziffern trotz aller Anzeichen für eine weitere Zunahme der Wirtschaftstätigkeit auf etwa gleicher Höhe halten, immer größere Bedeutung.
Zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre und Volkswirtschaftler fühlen
sich durch den gleichbleibend hohen Anteil der "technischen Arbeitslosigkeit", der Verdrängung von Menschen durch Maschinen, beunruhigt.
Die Automation ist nicht mehr länger eine Möglichkeit der Zukunft,
sie ist Realität und fordert bereits einen schweren Tribut.
Schon

�Schon auf dem AFL-CIO-Konvent von 1959 kam die tiefe Besorgnis
der Gewerkschaften über die Verringerung der Arbeitsgelegenheiten
deutlich zum Ausdruck. In einer Resolution wurde beispielsweise festgestellt, daß der Ausstoß der Fertigungsindustrien von 1953 his zur
Jahresmitte 1959 um 16 Prozent angestiegen, die Zahl der in der Produktion und mit Wartungsarbeiten Beschäftigten in derselben Zeit
aber um 10 Prozent zurückgegangen sei. "Wenn die Früchte des immer
schnelleren technischen Fortschritts nicht in Form einer Verkürzung
der Arbeitszeit weitergegeben werden, sondern eine Verringerung der
Beschäftigtenzahlen bewirken," so betonten die Delegierten des Konvents, "wird die Arbeitslosigkeit ständig zunehmen. Der technische
Fortschritt macht die Arbeitszeitverkürzung nicht nur möglich, sondern notwendig."
Kein Wunder, daß immer mehr Gewerkschaften bei Kollektivverhandlungen auf die Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich
bestehen, nicht nur als einem Mittel, in Zeiten geringeren Arbeitsanfalls die Arbeit auf möglichst viele zu verteilen, sondern auch
als einem Schritt zur Stabilisierung der Beschäftigungslage auf lange
Sicht.
Die Fünftagewoche mit 40 Arbeitsstunden gilt gegenwärtig noch für
die Mehrzahl der Fabrikarbeiter; von den Büroangestellten wird sie
aber in immer größerer Zahl bereits unterschritten, und es mehren sich
nach Untersuchungen des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik die Bestrebungen, eine weitere Arbeitszeitverkürzung auf sämtliche Angehörigen
der Angestelltenberufe auszudehnen.
In den Jahren 1952-53 arbeiteten beispielsweise 44 Prozent der
Büroangestellten und nur 6 Prozent der Fabrikarbeiter in 18 Beobachtungsgebieten, die vom Bundesamt für Arbeitsstatistik zur Ermittlung
der vorherrschenden Trends ausgewählt worden waren, weniger als 40
Stunden. In den Jahren 1958-59 aber - dem jüngsten Zeitraum, für den
vergleichbare statistische Unterlagen greifbar sind - war der Anteil
der weniger als 40 Stunden Arbeitenden bei den Büroangestellten auf
47 Prozent und bei den Fabrikarbeitern auf 10 Prozent angestiegen.
Noch größere Bedeutung kommt vielleicht der Tatsache zu, daß zwischen
1952 und 1959 die Zahl der Fabrikarbeiter, deren reguläre Arbeitszeit
mehr als 40 Stunden betrug, von 20 auf 7 Prozent zurückging.
Aus anderen Untersuchungen des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
geht hervor, daß die Vierzigstundenwoche besonders häufig im Nordosten
der USA unterschritten wird, wo die Arbeitsbedingungen in New York
das Bild der Statistik maßgeblich beeinflussen. Eine Umfrage in den
verschiedenen Großstadtzonen ergab für das Haushaltjahr 1959/60
(vom 1. Juli 1959 bis 30. Juni i960), daß rund 60 Prozent aller
Arbeitnehmer im Nordosten der USA eine reguläre Arbeitszeit von weniger
als 40 Stunden - zumeist 35 Stunden - hatten. Auch hier stellten die
Büroangestellten wiederum den größten Anteil.
Der Siebenstundentag und andere Formen der Arbeitszeitverkürzung
werden Zug um Zug, Berufszweig um Berufszweig und Gewerkschaft um
Gewerkschaft realisiert. Zu den Schrittmachern dieser Bewegung zählen:
Sie

�die Oberbekleidungsindustrie, wo heute praktisch sämtliche Mitglieder der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (Ladies'
Garment Workers Union) Kollektivverträgen unterliegen, die die Fünfunddreißigstundenwoche (bei 5 Arbeitstagen zu je 7 Stunden) vorsehen.
Die Wochenstundenzahl wurde in diesem Wirtschaftszweig in der Zeit
der Wirtschaftskrise um 1930 zwecks Aufteilung der anfallenden Arbeit
herabgesetzt. Nach der Depression wurde die Fünfunddreißigstundenwoche
in New York beibehalten und später auf andere Schwerpunkte der Oberbekleidungsindustrie ausgedehnt^
das Druckerei- und Verlagswesen, in dem im Haushaltjahr 1959/60
die durchschnittliche planmäßige Arbeitswoche 36,6 Stunden betrug,
wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik in einer Umfrage in Städten
mit mehr als 100 000 Einwohnern ermittelt hat. Im Juli 1955 wurde die
Stundenzahl noch mit 37*1 angegeben. Über zwei Drittel der Mitglieder
des Amerikanischen Journalistenverbandes (American Newspaper Guild)
haben eine Arbeitswoche von weniger als 40 Stunden; und die Hälfte
von diesen wiederum arbeitet 35 Wochenstunden;
das Baugewerbe, in dem etwa 12 Prozent der gelernten und ungelernten Arbeiter die Vierzigstundenwoche unterschreit«». Ungefähr
10 Prozent der Angestellten im Baugewerbe hatten am 1. Juli"1960
die Fünfunddreißigstundenwoche, wie eine Umfrage des Bundesamtes für
Arbeitsstatistik in den Großstädten ergab. Tarifverträge, die für
etwa ein Fünftel der Stukkateure und eis/Zehntel der Elektriker und
Stukkateurarbeiter gelten, brachten den Übergang zur Dreißigstundenwoche;
das Braugewerbe, in dem die normale Arbeitszeit für mehr als
50 Prozent der Beschäftigten bei 37»5 Stunden die Woche lieg-t;
die Gummiindustrie, in der die Sechsunddreißigstundenwoche bei
sechs Arbeitstagen in den Werken in Akrön seit den dreißiger Jahren
die Regel ist;
die privaten Telephongesellschaften, bei denen 100 000 bis
150 000 Angestellte, die der Amerikanischen Gewerkschaft des Fernmeldewesens (Communication Workers of America) angehören, weniger
als 40 Stunden die Woche arbeiten. Hierbei handelt es sich größtenteils um Frauen, die in geteiltem Schichtdienst und vielfach in Nachtschichten arbeiten.
•
Schichtzuschläge in Form verlängerter Freizeit anstelle eines
Aufgelds wurden auch in anderen Wirtschaftszweigen ausgehandelt, vor
allem im Druckerei- und Baugewerbe. Derartige Regelungen bildeten
in mehreren Fällen die Ausgangsbasis für die Durchsetzung genereller
Arbeitszeitverkürzungen bei Tarifverhandlungen. Eine Untersuchung
des Bundesamtes für Arbeitsstatistik aus dem Jahre 1958» in die
1736 größere Kollektivvertragswerke einbezogen worden waren, führte
zu dem Ergebnis, daß- 1317 Verträge die Gewährung von Schichtzuschlägen vorsahen. Etwa 10 Prozent der Vergütung für die zweite Schicht
und 20 Prozent der Vergütung für die dritte Schicht wurden in Form
einer Verkürzung der Arbeitszeit gewährt.
Die

�[
Die Verkürzung des regelmäßigen Arbeitstages ist keineswegs die
einzige Form der Verkürzung der Arbeitszeit. Seit der Depression
der dreißiger J'ahre haben die Bemühungen um die Erlangung freier
Tage mit einer Bezahlungsregelung wie bei Feiertagen und Urlaub sogar im Vordergrund gestanden. Sie spiegeln den Wunsch der arbeitenden
Menschen nach mehr Muße und Freizeit wider.
Vor dem zweiten Weltkrieg beschränkte sich die Bezahlung von
Feiertagen auf leitende und andere Angestellte. Die Einführung
der Lohnüberwachung im Kriege beschleunigte den Gang der Verhandlungen über die Gewährung anderer Sozialleistungen und brachte die
Aufnahme von Klauseln über die Bezahlung •on Feiertagen in eine wachsende
Zahl von Tarifverträgen. Im Jahre 1959 ergab eine Untersuchung des
Bundesamtes für Arbeitsstatistik, daß 91 Prozent aller Fabrikarbeiter
in 18 ausgewählten Gebieten Anspruch auf sechs oder mehr bezahlte
Feiertage hatten gegenüber 86 Prozent im Jahre 1953« 64 Prozent der
Arbeiter erhielten 1959 sogar sieben bezahlte Feiertage gegenüber nur
31 Prozent im Jahre 1953»
Ein ähnlicher Trend herrschte auch hinsichtlich der Gewährung von
bezahltem Urlaub vor. Im Jahre 1958 ergab eine Analyse von Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums durch die Wissenschaftliche Abteilung der AFL-CIO, daß 9? Prozent der vom Arbeitsministerium untersuchten bedeutenderen Tarifverträge Bestimmungen über die Gewährung von
bezahltem Urlaub enthielten, während im Jahre 1940 nur etwa ein Viertsl^jäer gewerkschaftlich organisierten Arbeiter bezahlten Urlaub erhielt. Nach dieser Analyse sahen 84 Prozent der Tarifverträge, die
eine Urlaubsregelung nach Betriebszugehörigkeitsdauer zum Gegenstand
hatten, die Gewährung von drei Wochen und 20 Prozent die Gewährung
von vier Wochen Urlaub vor. Im Gegensatz hierzu hatte das Arbeitsministerium 1940 berichtet, daß drei Wochen Urlaub "äußerst selten"
seiend und noch 1952 wiesen lediglich 4 Prozent der größeren Tarifvertragswerke die Verpflichtung zur Gewährung von vier Wochen Urlaub
auf.
Die Analyse der Wissenschaftlichen Abteilung stellte ferner einen
Trend zur Herabsetzung der Mindestbetriebszugehörigkeitsdauer als
Voraussetzung für die Gewährung von bezahltem Urlaub fest. In älteren Tarifverträgen war eine 15&gt; 20- und sogar 25jährige Betriebszugehörigkeit als Vorbedingung für einen dreiwöchigen Urlaub vereinbart worden. Bis zum Jahre 1957 hatte man diese Grenze in der Regel
bereits auf 15 Jahre herabgesetzt, und bei einem Viertel der wichtigeren Tarifverträge betrug sie sogar nur noch zehn Jahre und darunter.
Diese Entwicklungstendenzen zeigen eine Reihe von interessanten
Alternativen zur Verringerung der täglichen Arbeitszeit auf.
Die Viertagewoche ist keineswegs ein unrealistisches Ziel, wenn
sie allmählich angestrebt wird. Um etwas gegen die Arbeitslosigkeit
unter ihren Mitgliedern zu tun, handelte eine örtliche Gewerkschaft
an der Westküste kürzlich einen zusätzlichen freien Tag pro Monat
bei vollem Lohnausgleich aus, was 12 zusätzlichen bezahlten Feiertagen im Jahr gleichkommt. Der nächste Schritt kann durchaus ein freier

- 4 -

�freier Tag alle zwei Wochen und schließlich je Woche sein.
Eine weitere Möglichkeit wäre, als erster Schritt, auch die Forderung nach einer Viereinhalbtagewoche hei 36 Wochenstunden - wie
ja auch die Fünfeinhalbtagewoche der Fünftagewoche vorausging. Und
die Beschäftigten, die sich heute schon der Fünftagewoche mit 35
Stunden erfreuen, sind von der Fünftagewoche mit 30 Stunden oder
der Viertagewoche mit 32 Stunden gar nicht mehr so weit entfernt.
Als Übergangsregelung läßt sich auch die Viertagewoche für einen Teil
des Jahres denken, etwa den Sommer, wo der Arbeitsanfall in gewissen
Wirtschaftszweigen ohnehin geringer und der Wunsch nach mehr Freizeit
größer ist. Es wäre auch möglich, für langjährige Mitarbeiter als eine
Art Übergang zur späteren Pensionierung ein dreitägiges Wochenende
auszuhandeln.
Die Verlängerung des Urlaubs ist eine weitere sehr attraktive Form
der Verkürzung der Arbeitszeit, weil so gewonnene vermehrte Freizeit in
einem Stück genommen werden kann. Es ist allerdings eine sehr großzügige Urlaubsregelung notwendig, um auf diese Weise eine merkliche
Arbeitszeitverkürzung zu bewirken. Jede zusätzliche Urlaubswoche entspricht 40 Stunden und - auf das ganze Jahr umgelegt - einer Verkürzung
der Arbeitszeit um noch nicht einmal eine Stunde pro Woche.
Die jüngeren Tarifabkommen zeigen jedenfalls, daß sich der Trend
zu längerem bezahlten Urlaub allmählich immer deutlicher herausbildet.
Einige der Seeleutegewerkschaften haben einen Jahresurlaub von 30 his
60 Tagen durchgesetzt, der allerdings von gewissen Vorbedingungen
abhängig ist. Ein langer Urlaub ist für Seeleute natürlich eine gewisse
Entschädigung dafür, daß sie lange Zeit, fern von zu Hause und abgeschlossen von anderen Menschen, auf hoher See verbringen müssen. Eine
Höchstgrenze für die Urlaubsforderungen der einzelnen Gewerkschaften gibt
es nicht. Das Ortskartell einer großen amerikanisch-kanadischen Gewerkschaft hat beispielsweise einen einjährigen bezahlten Urlaub für Angestellte nach Beendigung des zehnten Dienstjahres ausgehandelt. Ein langfristiger, durchgehender Urlaub, sei er auch nur auf ein Vierteljahr beschränkt, würde dem arbeitenden Menschen eine Zeit des gründlichen Ausspannens sichern.
Die frühzeitige Pensionierung ist eine weitere Form der Verkürzung der Arbeitszeit, wenn man sie in Beziehung zu dem gesamten Arbeitsleben des Menschen sieht. Zahlreiche Altersversicherungspläne
gestalten bereits die vorzeitige Pensionierung im Alter von 55 Jahren,
wobei eine gewisse Kürzung der Bezüge in Kauf zu nehmen ist. Da eine
allgemeine Anhebung der Altersrenten aber eines der grundlegenden
Ziele bei praktisch allen Kollektivverhandlungen ist, werden sicher
immer mehr Arbeitnehmer von dieser Möglichkeit des früheren Ausscheidens aus dem Erwerbsleben Gebrauch machen. Diese Entwicklung wird
auch durch die kürzlichen Änderungen der Sozialversicherungsgesetze

-

5 -.

�Sozialversicherungsgesetze einen neuen Auftrieb erhalten, die sowohl weiblichen als auch männlichen Arbeitnehmern die vorzeitige
Pensionierung nach Erreichung des 62. Lebensjahres bei geringfügig verringerten Bezügen gestatten.
Angesichts dieser Alternativen wird jede Gewerkschaft den
Weg zur Verringerung der Arbeitszeit wählen, der den Bedürfnissen
und Wünschen ihrer Mitglieder am ehesten entspricht und der jeweiligen Situation in dem entsprechenden Wirtschafts- oder Beschäftigungszweig am besten gerecht wird. Die derzeitigen Verhältnisse
werden sich sicherlich nur ganz allmählich und Schritt für Schritt
ändern, wie dies auch in der Vergangenheit schon der Fall war. Die
Geschichte lehrt uns, daß solche Veränderungen unaufhaltsam sind.
Der diesbezügliche Druck bei Kollektivverhandlungen wird sich in
dem selben Maße verstärken, in dem immer neue Maschinen auf den Plan
treten.
Soll die Automatisierung der Menschheit zum Segen gereichen, dann
muß es uns gelingen, die Vorteile der steigenden Produktivität in
mehr Freizeit und mehr Arbeitsplätze umzumünzen.
(Aus "The American Federationist".)

* * * * *

Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf
Mehr als ein Viertel seiner täglichen Arbeitszeit muß der
amerikanische Arbeitnehmer heute zur Begleichung seiner steuerlichen
und anderen fiskalischen Verpflichtungen aufwenden. Dies hat die
"Tax Foundation, Inc.", eine private Forschungsorganisation, auf
Grund einer kürzlich durchgeführten Analyse festgestellt.
Danach muß der Amerikaner täglich 1 Stunde und 39 Minuten allein
für die vom Bund eingezogenen Steuern (insbesondere die Einkommensteuer)
arbeiten, während er weitere 38 Minuten dafür aufwenden muß, die
Steuern der Bundesstaaten und Gemeinden aufzubringen. Alles in allem
arbeitet er also täglich 2 Stunden und 17 Minuten ausschließlich für
die Steuer.
Im Jahr 1960 brachten sämtliche Bundes-, bundesstaatlichen und
kommunalen Steuerarten der öffentlichen Hand insgesamt 131»7 Mrd.
Dollar ein; das sind 28,6 Prozent des Nettosozialprodukts (zu Marktpreisen). Gemessen am Wert der im Inland erzeugten Güter und Dienstleistungen liegen die Steuern heute im Vergleich zu 1949 um 27 Prozent
und gegenüber 1929 um 167 Prozent höher. Die steuerlichen Belastungen
waren dabei i960 - wenn man den reinen Dollarbetrag als Basis wählt rund 2 1/2 mal so hoch wie im Spitzenjahr des letzten Krieges.
Wie
-

6

.

�Wie aus der Untersuchung weiter hervorgeht, sind die Steuereinnahmen seit Ende des zweiten Weltkrieges im gleichen Maße angestiegen wie das Nettosozialprodukt. Gegenüber der Steuerspitze des Jahres 1943» in dem der Anteil der Bundessteuern am Nettosozialprodukt
21,5 Prozent betrug (in der unmittelbaren Nachkriegszeit ging dann
der Anteil - bis zum Ausbruch des Koreakrieges - auf 16,1 Prozent
0 949) zurück), lagen die Steuern i960 nur unwesentlich niedriger
(Anteil 20,4 Prozent).
Inzwischen sind aber auch die bundesstaatlichen und kommunalen
Steuern erheblich angestiegen. Während sie 1945 nur knapp 5 Prozent
des Nettosozialprodukts ausmachten, belaufen sie sich heute auf 8,2
Prozent. In dieser Zunahme spiegeln sich in erster Linie die wachsenden finanziellen Bedürfnisse der Städte und Kommunen wider, wie sie
durch den Ausbau der zahlreichen kommunalen Einrichtungen - Straßen,
Schulen, Krankenhäuser, soziale Institutionen usw. - gegeben sind.
Während die Einnahmen aus diesen Steuern im Jahre 1945 lediglich
9,8 Mrd. Dollar ausmachten, betragen sie heute (i960) 37»6 Mrd. Dollar. Bei den Bundessteuern sieht die Entwicklung so aus: 1945 m 42,2
Mrd. Dollar; 196O • 94,1 Mrd. Dollar.
In der Analyse der "Tax Foundation" sind jedoch keine Angaben
über die Verwendung der einzelnen Steuergelder enthalten, sondern
lediglich Anhaltszahlen darüber, wieviel Geld der amerikanische Steuerzahler im Durchschnitt für die Aufgaben des Bundes aufbringen muß.
Nach dieser Übersicht sind es pro Jahr 1092 Dollar, die in die
Kassen des Bundes nach Washington fließen. Mehr als die Hälfte dieses
Betrages - nämlich 623 Dollar - wird dabei für die nationale Sicherheit aufgewendet; rund 11 Prozent (120 Dollar) für den Schuldendienst;
33 Dollar für die Auslandshilfe; 65 Dollar für die Unterstützung der
Kriegsteilnehmer. Alle diese - häufig zu einem Posten zusammengezogenen - Ausgaben belaufen sich auf 841 Dollar oder etwas über 75 Prozent
der jährlichen Steuersumme, die der Steuerzahler im Durchschnitt aufbringt. Der Rest fließt dem Farmstützungsprogramm, den zahlreichen Sozial- und Wohlfahrtsplänen, dem Raumfahrtprogramm usw. zu.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit in den USA
Der arbeitende Mensch hat den berechtigten Wunsch nach ausreichender Freizeit: einmal, um die Früchte der Arbeit genießen zu können, zum anderen, um Körper und Geist die nötige Erholung zu gewähren. In den Vereinigten Staaten gibt der steigende Lebensstandard - nicht zuletzt ein Verdienst des amerikanischen Wirtschaftsund Sozialsystems - dem Arbeiter die Möglichkeit, immer mehr Zeit
und auch Geld für die Freizeitgestaltung aufzuwenden. Eine Untersuchung, die vor einiger Zeit von der Chase Manhattan Bank in New York
veröffentlicht wurde, gibt hierüber bemerkenswerte Aufschlüsse.
Im Jahre 196O verdienten die Amerikaner insgesamt 123 Mrd. Dollar
mehr, als sie für Grundnahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft, ärztliche Versorgung, Steuern und andere feste Ausgaben ausgegeben haben.
Mithin konnten sie über fast ein Drittel des gesamten Personaleinkommens nach Abzug der Steuern frei verfügen. Ein Drittel hiervon rund 45 Mrd. Dollar oder mehr als 12 Prozent des Gesamteinkommens wurde für Erholung und Freizeit ausgegeben.
Erfreulich ist, daß der größte Teil dieser Summen für sinnvolle
Zwecke verwendet wurde, vor allem für Urlaubsreisen. Die Aufwendungen
für Reisen innerhalb der Vereinigten Staaten haben sich beispielsweise in den letzten zehn Jahren verdoppelt, die für Auslandsreisen
sogar nahezu verdreifacht.
Eine erhebliche Zunahme ist auch bei den Ausgaben für kulturelle
Zwecke zu verzeichnen. Für Bücher haben die Amerikaner i960 um rund
zwei Drittel mehr ausgegeben als vor fünf Jahren. Die Einnahmen
der Theater aus dem Kartenverkauf sind seit 1946 um 115 Prozent gestiegen und lagen i960 um ein Drittel über den Kasseneinnahmen sämtlicher
öffentlicher Sportveranstaltungen.
Bezeichnend ist auch das zunehmende Interesse für Musik. 32 Millionen Amerikaner betrieben Musik als Liebhaberei; das entspricht einer
Zunahme von 40 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Über die
Hälfte aller Orchester aus Berufsmusikern entfallen heute auf die
USA. Die Besucherzahlen der Museen schnellten in den letzten Jahren
gewaltig in die Höhe.
Andererseits war in verschiedenen Bereichen der Freizeitbetätigung, die sich lange Jahre hindurch besonderer Beliebtheit erfreut
haben, ein Rückgang des Interesses zu beobachten. Die Besucherzahlen
der Filmtheater nahmen ebenso ab wie die VerkaufsZiffern der Fernsehgerätehersteller. Die Zunahme der Besucherzahlen von Sportveranstaltungen erreichte nur ein Viertel der Zuwachsrate der Gesamtausgaben
für Freizeitgestaltung. Um so bemerkenswerter ist es, daß vom aktiven
Sport eine absolute Rekordbeteiligung gemeldet wird. Hier sind es vor
allem die Sportarten, die im Freien betrieben werden, die eine überdurchschnittliche Steigerung der Zahl der Aktiven aufweisen: Rudern,
Schwimmen, Fischen und Jagd. Auch der Kegelsport sowie Baseball, Korbball, Tennis, Golf und Bogenschießen haben viele neue Freunde gewonnen.
Welche

�Welche Motive diesem Strukturwandel in der Freizeitbeschäftigung zugrunde liegen, ist schwer zu sagen. Mit ziemlicher Sicherheit wird er von den allgemeinen wirtschaftlichen und soziologischen
Entwicklungstendenzen beeinflußt. Hierzu nur zwei Beispiele: Die
rapide Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen auf
Kosten der Beschäftigung in der Landwirtschaft und in den Handarbeiterberufen hat im Verein mit der "Flucht" der städtischen Bevölkerung in die Vorstädte viele Energien frei gemacht, die das Interesse der arbeitenden Menschen an einer aktiven Freizeitbeschäftigung wachsen ließen. Und die Anhebung des Bildungsniveaus hat
sicherlich entscheidend mit zu der immer regeren Beteiligung auch
der arbeitenden Menschen am kulturellen Leben beigetragen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um 85 Prozent
seit 1949
Auf Grund der in der Zeit zwischen 1949 und 1959 i m amerikanischen Steinkohlebergbau vorgenommenen Mechanisierung und Modernisierung konnte die Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer in diesem Industriezweig um insgesamt 85 Prozent gesteigert werden, was einer jährlichen
Produktivitätssteigerung von im Durchschnitt über 6 Prozent entspricht.
Diese Angaben sind in einer umfassenden Analyse über die technologischen Veränderungen im amerikanischen Kohlebergbau und über
ihre zahlreichen Auswirkungen enthalten, die in der Oktober-Ausgabe
1961 von "Monthly Labor Review" erschienen ist.
Wie aus dieser Übersicht weiter hervorgeht, waren im US-Steinkohlebergbau im Jahr 196O nur noch 159 000 Arbeitnehmer beschäftigt,
was eine Abnahme der Beschäftigtenzahl gegenüber 1949 um 63 Prozent
bedeutet. Obwohl sich die langfristigen Aussichten des Steinkohlebergbaus in jüngster Zeit gebessert hätten, so heißt es in dem
Bericht, sei nicht damit zu rechnen, daß sich die Zahl der Beschäftigten in Zukunft wesentlich über das derzeitige Niveau hinaus erhöhen werde.
Auf Grund langfristig abgeschlossener Lieferverträge und in
Anbetracht der steigenden Produktionskosten, hätten die Bergwerksleitungen mit Unterstützung der Gewerkschaften die Gruben verhältnismäßig schnell mechanisiert und modernisiert, heißt es in
dem Artikel weiter. Infolge des Einsatzes besonderer Schürf-.

- 9

�Schürf/, Beladungs- und Umschlageinrichtungen sowie von Förderbändern und speziellen Zubringerwagen werde die Kohle heute unter Tage
praktisch überhaupt nicht mehr von Hand bewegt. Einen sehr starken
Einfluß auf die Erhöhung der Produktionsleistung hätten vor allem
auch die Schrämlader gehabt, durch die der gesamte Abbauprozeß zu
einem kontinuierlichen Arbeitsgang zusammengefaßt worden sei. &gt;
Auch der Tagebau sowie die Kohleaufbereitung ist in den vergangenen zehn Jahren weitgehend mechanisiert und automatisiert worden.
Insgesamt erhöhten sich die Investitionen pro Arbeitsplatz im Kohlebergbau seit 1948 um rund 10 Prozen* jährlich und dürften 1958, wie
es in dem Artikel heißt, pro Arbeitsplatz etwa 15 000 Dollar ausgemacht haben.
Der sichtbare Erfolg all dieser Bemühungen der Zechenleitungen
in den vergangenen zehn Jahren kommt in dem unwahrscheinlich hohen
Anstieg der Arbeitsproduktivität in diesem Industriezweig zum Ausdruck, der rund 85 Prozent betrug und damit größer war als in den
vorangegangenen 50 Jahren zusammen. Auf Grund dieser starken Zunahme
der Arbeitsproduktivität konnten, wie in dem Artikel betont wird, die
Kosten pro Produktionseinheit fast auf dem gleichen Niveau wie 1947
gehalten werden - und das, obwohl die durchschnittlichen Stundenlöhne
der Bergleute in diesem Zeitraum von 1,64 Dollar auf 5,25 Dollar anstiegen und von den Bergwerksgesellschaften Sozialnebenleistungen in
Höhe von 184 Millionen Dollar aufgebracht wurden.
Durch die beträchtliche Mechanisierung und Automatisierung im
amerikanischen Kohlebergbau war es auch in den vergangenen zehn Jahren
möglich, den Kohlepreis weitgehend stabil zu halten und somit die
Wettbewerbsposition der Kohle gegenüber den anderen Brennstoffen zu
sichern. Da die Kraftwerke in der letzten Dekade ihren Kohleverbrauch
nahezu verdoppelten, wanderte praktisch die Hälfte aller in den USA geförderten Kohlen in die Heizkessel der Kraftwerke.
Mit der starken Erhöhung der Arbeitsproduktivität ergab sich bei
einem gleichzeitigen Rückgang der Bedarfsnachfrage zwangsläufig ein
geringerer Bedarf an Arbeitskräften im amerikanischen Steinkohlebergbau, wie in dem Artikel abschließend festgestellt wird. Hierdurch
sei ein starker Rückgang in der Gesamtbeschäftigtenzahl sowie erhöhte
Arbeitslosigkeit in den Kohlebergbaugebieten zu verzeichnen gewesen.

(Quelle: Eigenbericht)

* -x- * * *

_ 10

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Gehaltsanalyse für 68 Angestelltenberufe
Die durchschnittlichen monatlichen Einkommen für insgesamt
68 Angestellten- bzw. freie Berufe lagen in den Vereinigten Staaten
im Winter 1960/61 zwischen 252 Dollar für mit Routinearbeiten beschäftigte Registratoren und 1726 Dollar für Rechtsanwälte, wie
aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Gehalts- bzw. Einkommensanalyse hervorgeht, die sich auf das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten erstreckt.
Es ist dies die zweite umfassende Analyse dieser Art, die vom
US-Arbeitsministerium durchgeführt wurde. Im einzelnen wurden dabei
die Einkommen der wichtigsten Angestellten- und freien Berufe in den
Städten des gesamten Landes untersucht und die analysierten 68 Berufe
in erster Linie aus den folgenden Gruppen ausgewählt: Buchhalter,
Rechtsanwälte, Ingenieure, Chemiker, Zeichner, Personalsachbearbeiter,
Bürokräfte der Dienstleistungszweige und andere Büroangestellte.
Wie aus dieser Untersuchung weiter hervorgeht, beliefen sich die
monatlichen Einkommen bei 23 Berufsgruppen auf weniger als 500 Dollar;
bei 32 auf über 500, aber weniger als 1000 Dollar und bei 13 Gruppen
auf über 1000 Dollar.
Die Monatsgehälter für Ingenieure - die größte Gruppe der wissenschaftlichen Berufe in der Analyse - lagen zwischen 548 Dollar
Gruppe I, Anfangsgehalt für Hochschulabsolventen) und 1588 Dollar
Gruppe VIII, Chefingenieure). Die Anfangsgehälter für Chemiker dagegen betrugen im Durchschnitt 481 Dollar und lagen damit etwas unter
den Anfangsgehältern der Ingenieure. Mit steigendem Gehalt verringern
sich die prozentualen Unterschiede jedoch mehr und mehr. In der Gehaltsgruppe IV zum Beispiel beliefen sich die durchschnittlichen
Monatsgehälter für Ingenieure auf 832 Dollar und für Chemiker auf
792 Dollar.

[

Die durchschnittlichen Monatsgehälter der Bürokräfte lagen der
Untersuchung zufolge zwischen 252 Dollar für Registraturen mit Routinearbeiten und 457 Dollar für das Bedienungspersonal von Tabelliermaschinen. Die größte Gruppe dieser Angestellten, die Stenographen, bezog
im Durchschnitt ein Monatsgehalt von 341 Dollar. Sie lagen damit etwas
über dem Durchschnitt der insgesamt 17 von der Analyse erfaßten Büroangestelltenberufe.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * #

- 11

�52 278 Gewerkschaften legten US-Arbeitsministerium FinangBericht vor
Insgesamt 52 278 amerikanische Gewerkschaften haben nach Angaben
von US-Arbeitsminister Goldberg dem amerikanischen Arbeitsministerium
auf Grund des sogenannten "Labor-Management Reporting and Disclosure
Act of 1959" i m Jahre i960 detaillierte Geschäfts- und Finanzberichte
unterbreitet.
Eine komplette Liste all dieser Gewerkschaften, die neben der
genauen Namensbezeichnung jeder Gewerkschaft auch die Verbandszugehörigkeit sowie die genaue Anschrift enthält, ist in einem 512 Seiten
starken Register enthalten, das nach Meinung von Arbeitsminister Goldberg die umfassendste Übersicht darstellt, die je über amerikanische
Gewerkschaften veröffentlicht wurde. Diese Publikation ist durch das
U.S. Government Printing Office zu beziehen und kostet 1,75 Dollar.
Nicht enthalten in dieser übersieht sind alle jene Gewerkschaften
die auf Grund des Gewerkschaftsgesetzes aus dem Jahre 1959 nicht zur
Offenlegung ihrer Finanzen und zur Abgabe von Tätigkeitsberichten
verpflichtet sind. Bei diesen Gewerkschaften handelt es sich in erster
Linie um Arbeitnehmerorganisationen für die Angestellten des öffentlichen Dienstes.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Löhne der Bauhandwerker leicht angestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne der Baufacharbeiter sind im
3. Quartal 1961 geringfügig - und zwar um 0,4 Prozent - angestiegen,
wie aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Statistik hervorgeht. Diese Lohnanalyse bezieht sich dabei auf die
sieben wichtigsten Baufacharbeiterberufe in 100 amerikanischen Städten.
Auf Grund der in diesem Zeitraum neu abgeschlossenen Tarifverträge
erhöhten sich die Durchschnittslöhne aller Baufachberufe um 1,4 Cent
und belaufen sich jetzt auf 3»83 Dollar. Am stärksten erhöht haben sich
die Löhne der Bauelektriker (6,3 Centl, der Maler (2,4 Cent) und der
Klempner und Installateure (2,2 Cent).
Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1947-49 lagen die Bauarbeiterlöhne am 2. Oktober 1961 um 85 Prozent, im Vergleich zum 3. Oktober i960 um 4,0 Prozent höher. Die Gesamtzunahme im Jahre 196O betrug
im Durchschnitt 14,7 Cent, wobei der größte Anstieg in den verschiedenen Berufszweigen 18,4 Cent und der geringste 9,4 Cent betrug.
(Quelle: Eigenbericht)
» * * * #
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«

12

�Industriearbeiterlöhne zqpgen erneut an
Das durchschnittliche Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten hat gegenüber Oktober 1961
im November weiter zugenommen, wie aus der jüngsten Lohnübersicht
des US-Arbeitsministeriums zu entnehmen ist. Im gleichen Zeitraum
ist auch die durchschnittliche Länge der wöchentlichen Arbeitszeit
weiter (um 2/10 Stunden) angestiegen und hat mit 40,6 Stunden den
höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht.
Nachdem das wöchentliche Nettoeinkommen mit 84,12 Dollar für
einen verheirateten industriellen Arbeitnehmer mit drei Familienangehörigen (76,50 Dollar für Alleinstehende) schon im Oktober einen
absoluten Höchststand erreicht hatte (5 fo mehr als im Oktober i960),
war im November ein weiterer Anstieg zu verzeichnen. Nach den bisher
veröffentlichten Ziffern lagen die durchschnittlichen Bruttowochenlöhne der Industriearbeiter bei 95,82 Dollar (Oktober - 94,54 Dollar)
und damit um 6,61 Dollar höher als vor einem Jahr.
Wie der stellvertretende Unterstaatssekretär im US-Arbeitsministerium, Seymour L. Wolfbein, in diesem Zusammenhang zur derzeitigen Arbeitsmarktlage in den Vereinigten Staaten erklärte, hat sich
die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitnehmer seit dem Rezessionstief im Februar 1961 um 2,5 Millionen erhöht und im November
einen Stand von 55,077 Millionen erreicht. Die Gesamtbeschäftigtenzahl wurde vom amerikanischen Arbeitsministerium für November 1961
mit 67,3 Millionen angegeben. Das ist die höchste Beschäftigtenziffer,
die bisher in diesem Monat zu verzeichnen war«
Die Gesamtzahl der Erwerbslosen betrug dagegen in diesem Zeitraum etwa 4 Millionen. Gegenüber dem Vormonat blieb diese Ziffer
unverändert, obwohl sie an sich auf Grund der jahreszeitlichen
Erwartungen hätte um 500 000 höher sein müssen.
Die von den jahreszeitlichen Einflüssen bereinigte Arbeitslosenrate (der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der verfügbaren
Arbeitskräfte) ging zwischen Oktober und November von 6,8 auf 6,0
Prozent zurück. Dies ist der stärkste Rückgang innerhalb von drei
Jahren.
(Quelle: Eigenbericht)
* • * * «

"

13

"

�Industriearbeiterlöhne stiegen in 50 Jahren von 10 auf 9Q Dollar an
Die durchschnittlichen Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten sind in den vergangenen 50
Jahren von 10 Dollar auf 90 Dollar angestiegen, wie aus einer Analyse des amerikanischen Arbeitsministeriums hervorgeht, die sich
mit der Entwicklung der Arbeitsgewohnheiten in den USA zwischen
1909 und 1959 befaßt.
Wie daraus weiter zu entnehmen ist, ging die normale durchschnittliche Arbeitswoche der Industriearbeiter (ohne Überstunden)
in diesem Zeitraum von insgesamt 51 Stunden auf weniger als 40 Stunden zurück.
Dagegen erhöhte sich die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen
Arbeitnehmer der amerikanischen Wirtschaft zwischen 1909 und 1959
von 27 Millionen auf 54 Millionen (November 1961 - 55»04 Mio).
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Günstige Streikbilanz im letzten Jahr
Nach vorläufigen Berechnungen des US-Amtes für Arbeitsstatistik
ging sowohl die Zahl der durchgeführten Streiks als auch die Zahl
der davon betroffenen Arbeitnehmer von September auf Oktober erheblich zurück.
Insgesamt begannen im Oktober 1961 rund 300 Streiks, durch die
223 000 Arbeitnehmer erfaßt wurden. Zwei Drittel aller Streiks entfielen dabei auf die Fertigungsindustrie. Da weitere 210 im September
begonnene, im Oktober aber noch andauernde Streiks hinzukommen, belief sich die Gesamtzahl der im Ausstand befindlichen Arbeitnehmer
auf 2t7 000.
Durch diese Streiks gingen insgesamt 2,38 Millionen Arbeitstage
verloren, das sind 0,23 Prozent der in diesem Monat geleisteten Gesamt;
arbeitszeit (0,35 $ im September).
In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres gingen somit
15,3 Millionen Arbeitstage durch Streiks verloren, verglichen mit 17»9
Millionen im Jahre i960 und 63,3 Millionen im Jahre 1959« Der Anteil
der durch Streiks verlorengegangenen Arbeitstage an der Gesamtarbeitszeit erreichte in der 1O-Monats-Periode 1961 mit 0,16 Prozent den 1957
zum ersten Mal erzielten Niedrigstwert der Nachkriegszeit.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1962
INRALTSVERZEICHNIS

Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung
in den USA

Seite

1

Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf

Seite

6

Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit
in den USA
Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um
85 Prozent seit 1949

Seite

8

Seite

9

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

11

John M. Barry, Redakteur der AFL-CIO News:
Die Möglichkeiten einer Arbeitszeitverkürzung in den USA
Aus"The American Federationist",
dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes
AFL-CIO; November 1961 (gekürzt).
Die Bemühungen der amerikanischen Arbeiterbewegung um die Verkürzung der Arbeitszeit gewinnen in einer Zeit, in der sich die Arbeitslosenziffern trotz aller Anzeichen für eine weitere Zunahme der V/irtschaftstätigkeit auf etwa gleicher Höhe halten, immer größere Bedeutung.
Zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre und Volkswirtschaftler fühlen
sich durch den gleichbleibend hohen Anteil der "technischen Arbeitslosigkeit", der Verdrängung von Menschen durch Maschinen, beunruhigt.
Die Automation ist nicht mehr länger eine Möglichkeit der Zukunft,
sie ist Realität und fordert bereits einen schweren Tribut.
Schon

�Schon auf dem AFL-CIO-Konvent von 1959 kam die tiefe Besorgnis
der Gewerkschaften über die Verringerung der Arbeitsgelegenheiten
deutlich zum Ausdruck. In einer Resolution wurde beispielsweise festgestellt, daß der Ausstoß der Fertigungsindustrien von 1955 bis zur
Jahresmitte 1959 um 16 Prozent angestiegen, die Zahl der in der Produktion und mit Wartungsarbeiten Beschäftigten in derselben Zeit
aber um 10 Prozent zurückgegangen sei. "Wenn die Früchte des immer
schnelleren technischen Fortschritts nicht in Form einer Verkürzung
der Arbeitszeit weitergegeben werden, sondern eine Verringerung der
Beschäftigtenzahlen bewirken," so betonten die Delegierten des Konvents, "wird die Arbeitslosigkeit ständig zunehmen. Der technische
Fortschritt macht die Arbeitszeitverkürzung nicht nur möglich, sondern notwendig."
Kein Wunder, daß immer mehr Gewerkschaften bei Kollektivverhandlungen auf die Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich
bestehen, nicht nur als einem Mittel, in Zeiten geringeren Arbeitsanfalls die Arbeit auf möglichst viele zu verteilen, sondern auch
als einem Schritt zur Stabilisierung der Beschäftigungslage auf lange
Sicht.
Die Fünftagewoche mit 40 Arbeitsstunden gilt gegenwärtig noch für
die Mehrzahl der Fabrikarbeiter; von den Büroangestellten wird sie
aber in immer größerer Zahl bereits unterschritten, und es mehren sich
nach Untersuchungen des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik die Bestrebungen, eine weitere Arbeitszeitverkürzung auf sämtliche Angehörigen
der Angestelltenberufe auszudehnen.
In den Jahren 1952-55 arbeiteten beispielsweise 44 Prozent der
Büroangestellten und nur 6 Prozent der Fabrikarbeiter in 18 Beobachtungsgebieten, die vom Bundesamt für Arbeitsstatistik zur Ermittlung
der vorherrschenden Trends ausgewählt worden waren, weniger als 40
Stunden. In den Jahren 1958-59 aber - dem jüngsten Zeitraum, für den
vergleichbare statistische Unterlagen greifbar sind - war der Anteil
der weniger als 40 Stunden Arbeitenden bei den Büroangestellten auf
47 Prozent und bei den Fabrikarbeitern auf 10 Prozent angestiegen.
Noch größere Bedeutung kommt vielleicht der Tatsache zu, daß zwischen
1952 und 1959 die Zahl der Fabrikarbeiter, deren reguläre Arbeitszeit
mehr als 40 Stunden betrug, von 20 auf 7 Prozent zurückging.
Aus anderen Untersuchungen des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
geht hervor, daß die Vierzigstundenwoche besonders häufig im Nordosten
der USA unterschritten wird, wo die Arbeitsbedingungen in New York
das Bild der Statistik maßgeblich beeinflussen. Eine Umfrage in den
verschiedenen Großstadtzonen ergab für das Haushaltjähr 1959/60
(vom 1. Juli 1959 bis 50. Juni i960), daß rund 60 Prozent aller
Arbeitnehmer im Nordosten der USA eine reguläre Arbeitszeit von weniger
als 40 Stunden - zumeist 55 Stunden - hatten. Auch hier stellten die
Büroangestellten wiederum den größten Anteil.
Der Siebenstundentag und andere Formen der Arbeitszeitverkürzung
werden Zug um Zug, Berufszweig um Berufszweig und Gewerkschaft um
Gewerkschaft realisiert. Zu den Schrittmachern dieser Bewegung zählen:
flie

�die Oberbekleidungsindustrie, wo heute praktisch sämtliche Mitglieder der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (Ladies1
Garment Workers Union) Kollektivverträgen unterliegen, die die Fünfunddreißigstundenwoche (bei 5 Arbeitstagen zu je 7 Stunden) vorsehen.
Die Wochenstundenzahl wurde in diesem Wirtschaftszweig in der Zeit
der Wirtschaftskrise um 1930 zwecks Aufteilung der anfallenden Arbeit
herabgesetzt. Nach der Depression wurde die Fünfunddreißigstundenwoche
in New York beibehalten und später auf andere Schwerpunkte der Oberbekleidungsindustrie ausgedehnt^
das Druckerei- und Verlagswesen, in dem im Haushaltjahr 1959/60
die durchschnittliche planmäßige Arbeitswoche 36,6 Stunden betrug,
wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik in einer Umfrage in Städten
mit mehr als 100 000 Einwohnern ermittelt hat. Im Juli 1955 wurde die
Stundenzahl noch mit 37,1 angegeben. Über zwei Drittel der Mitglieder
des Amerikanischen Journalistenverbandes (American Newspaper Guild)
haben eine Arbeitswoche von weniger als 40 Stunden; und die Hälfte
von diesen wiederum arbeitet 35 Wochenstunden;
das Baugewerbe, in dem etwa 12 Prozent der gelernten und ungelernten Arbeiter die Vierzigstundenwoche unterschreit«». Ungefähr
10 Prozent der Angestellten im Baugewerbe hatten am 1. Juli'1960
die Fünfunddreißigstundenwoche, wie eine Umfrage des Bundesamtes für
Arbeitsstatistik in den Großstädten ergab. Tarifverträge, die für
etwa ein Fünftel der Stukkateure und «iE/Zehntel der Elektriker und
Stukkateurarbeiter gelten, brachten den Übergang zur Dreißigstundenwoche;
das Braugewerbe, in dem die normale Arbeitszeit für mehr als
50 Prozent der Beschäftigten bei 37»5 Stunden die Woche liegt;
die Gummiindustrie, in der die Sechsunddreißigstundenwoche bei
sechs Arbeitstagen in den Werken in Akrön seit den dreißiger Jahren
die Regel ist;
die privaten Telephongesellschaften, bei denen 100 000 bis
150 000 Angestellte, die der Amerikanischen Gewerkschaft des Fernmeldewesens (Coramunication Workers of America) angehören, weniger
als 40 Stunden die Woche arbeiten. Hierbei handelt es sich größtenteils um Frauen, die in geteiltem Schichtdienst und vielfach in Nachtschichten arbeiten.
Schichtzuschläge in Form verlängerter Freizeit anstelle eines
Aufgelds wurden auch in anderen Wirtschaftszweigen ausgehandelt, vor
allem im Druckerei- und Baugewerbe. Derartige Regelungen bildeten
in mehreren Fällen die Ausgangsbasis für die Durchsetzung genereller
Arbeitszeitverkürzungen bei Tarifverhandlungen. Eine Untersuchung
des Bundesamtes für Arbeitsstatistik aus dem Jahre 1958, in die
1736 größere Kollektivvertragswerke einbezogen worden waren, führte
zu dem Ergebnis, daß- 1317 Verträge die Gewährung von Schichtzuschlägen vorsahen. Etwa 10 Prozent der Vergütung für die zweite Schicht
und 20 Prozent der Vergütung für die dritte Schicht wurden in Form
einer Verkürzung der Arbeitszeit gewährt.
Die

-

3 -

�Die Verkürzung des regelmäßigen Arbeitstages ist keineswegs die
einzige Form der Verkürzung der Arbeitszeit. Seit der Depression
der dreißiger Jahre haben die Bemühungen um die Erlangung freier
Tage mit einer Bezahlungsregelung wie bei Feiertagen und Urlaub sogar im Vordergrund gestanden. Sie spiegeln den Wunsch der arbeitenden
Menschen nach mehr Muße und Freizeit wider.
Vor dem zweiten Weltkrieg beschränkte sich die Bezahlung von
Feiertagen auf leitende und andere Angestellte. Die Einführung
der Lohnüberwachung im Kriege beschleunigte den Gang der Verhandlungen über die Gewährung anderer Sozialleistungen und brachte die
Aufnahme von Klauseln über die Bezahlung ^on Feiertagen in eine wachsende
Zahl von Tarifverträgen. Im Jahre 1959 ergab eine Untersuchung des
Bundesamtes für Arbeitsstatistik, daß 91 Prozent aller Fabrikarbeiter
in 18 ausgewählten Gebieten Anspruch auf sechs oder mehr bezahlte
Feiertage hatten gegenüber 86 Prozent im Jahre 1953« 64 Prozent der
Arbeiter erhielten 1959 sogar sieben bezahlte Feiertage gegenüber nur
31 Prozent im Jahre 1953»
Ein ähnlicher Trend herrschte auch hinsichtlich der Gewährung von
bezahltem Urlaub vor. Im Jahre 1958 ergab eine Analyse von Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums durch die Wissenschaftliche Abteilung der AFL-CIO, daß 9? Prozent der vom Arbeitsministerium untersuchten bedeutenderen Tarifverträge Bestimmungen über die Gewährung von
bezahltem Urlaub enthielten, während im Jahre 1940 nur etwa ein Viert.el^jler gewerkschaftlich organisierten Arbeiter bezahlten Urlaub erhielt. Nach dieser Analyse sahen 84 Prozent der Tarifverträge, die
eine Urlaubsregelung nach Betriebszugehörigkeitsdauer zum Gegenstand
hatten, die Gewährung von drei Wochen und 20 Prozent die Gewährung
von vier Wochen Urlaub vor. Im Gegensatz hierzu hatte das Arbeitsministerium 1940 berichtet, daß drei Wochen Urlaub "äußerst selten"
seien^ und noch 1952 wiesen lediglich 4 Prozent der größeren Tarifvertragswerke die Verpflichtung zur Gewährung von vier Wochen Urlaub
auf.
Die Analyse der Wissenschaftlichen Abteilung stellte ferner einen
Trend zur Herabsetzung der Mindestbetriebszugehörigkeitsdauer als
Voraussetzung für die Gewährung von bezahltem Urlaub fest. In älteren Tarifverträgen war eine 15, 20- und sogar 25jährige Betriebszugehörigkeit als Vorbedingung für einen dreiwöchigen Urlaub vereinbart worden. Bis zum Jahre 1957 hatte man diese Grenze in der Regel
bereits auf 15 Jahre herabgesetzt, und bei einem Viertel der wichtigeren Tarifverträge betrug sie sogar nur noch zehn Jahre und darunter.
Diese Entwicklungstendenzen zeigen eine Reihe von interessanten
Alternativen zur Verringerung der täglichen Arbeitszeit auf.
Die Viertagewoche ist keineswegs ein unrealistisches Ziel, wenn
sie allmählich angestrebt wird. Um etwas gegen die Arbeitslosigkeit
unter ihren Mitgliedern zu tun, handelte eine örtliche Gewerkschaft
an der Westküste kürzlich einen zusätzlichen freien Tag pro Monat
bei vollem Lohnausgleich aus, was 12 zusätzlichen bezahlten Feiertagen im Jahr gleichkommt. Der nächste Schritt kann durchaus ein freier

-

4 -

�freier Tag alle zwei Wochen und schließlich je Woche sein.
Eine weitere Möglichkeit wäre, als erster Schritt, auch die Forderung nach einer Viereinhalbtagewoche bei ~}6 Wochenstunden - wie
ja auch die Fünfeinhalbtagewoche der Fünftagewoche vorausging. Und
die Beschäftigten, die sich heute schon der Fünftagewoche mit 35
Stunden erfreuen, sind von der Fünftagewoche mit 30 Stunden oder
der Viertagewoche mit 32 Stunden gar nicht mehr so weit entfernt.
Als Übergangsregelung läßt sich auch die Viertagewoche für einen Teil
des Jahres denken, etwa den Sommer, wo der Arbeitsanfall in gewissen
Wirtschaftszweigen ohnehin geringer und der Wunsch nach mehr Freizeit
größer ist. Es wäre auch möglich, für langjährige Mitarbeiter als eine
Art Übergang zur späteren Pensionierung ein dreitägiges Wochenende
auszuhandeln.
Die Verlängerung des Urlaubs ist eine weitere sehr attraktive Form
der Verkürzung der Arbeitszeit, weil so gewonnene vermehrte Freizeit in
einem Stück genommen werden kann. Es ist allerdings eine sehr großzügige Urlaubsregelung notwendig, um auf diese Weise eine merkliche
Arbeitszeitverkürzung zu bewirken. Jede zusätzliche Urlaubswoche entspricht 40 Stunden und - auf das ganze Jahr umgelegt - einer Verkürzung
der Arbeitszeit um noch nicht einmal eine Stunde pro Woche,
Die jüngeren Tarifabkommen zeigen jedenfalls, daß sich der Trend
zu längerem bezahlten Urlaub allmählich immer deutlicher herausbildet.
Einige der Seeleutegewerkschaften haben einen Jahresurlaub von 30 bis
60 Tagen durchgesetzt, der allerdings von gewissen Vorbedingungen
abhängig ist. Ein langer Urlaub ist für Seeleute natürlich eine gewisse
Entschädigung dafür, daß sie lange Zeit, fern von zu Hause und abgeschlossen von anderen Menschen, auf hoher See verbringen müssen. Eine
Höchstgrenze für die Urlaubsforderungen der einzelnen Gewerkschaften gibt
es nicht. Das Ortskartell einer großen amerikanisch-kanadischen Gewerkschaft hat beispielsweise einen einjährigen bezahlten Urlaub für Angestellte nach Beendigung des zehnten Dienstjahres ausgehandelt. Ein langfristiger, durchgehender Urlaub, sei er auch nur auf ein Vierteljahr beschränkt, würde dem arbeitenden Menschen eine Zeit des gründlichen Ausspannens sichern.
Die frühzeitige Pensionierung ist eine weitere Form der Verkürzung der Arbeitszeit, wenn man sie in Beziehung zu dem gesamten Arbeitsleben des Menschen sieht. Zahlreiche Altersversicherungspläne
gestalten bereits die vorzeitige Pensionierung im Alter von 55 Jahren,
wobei eine gewisse Kürzung der Bezüge in Kauf zu nehmen ist. Da eine
allgemeine Anhebung der Altersrenten aber eines der grundlegenden
Ziele bei praktisch allen Kollektivverhandlungen ist, werden sicher
immer mehr Arbeitnehmer von dieser Möglichkeit des früheren Ausscheidens aus dem Erwerbsleben Gebrauch machen. Diese Entwicklung wird
auch durch die kürzlichen Änderungen der Sozialversicherungsgesetze

-

5 -,

�•I

Sozialversicherungsgesetze einen neuen Auftrieb erhalten, die sowohl weihlichen als auch männlichen Arbeitnehmern die vorzeitige
Pensionierung nach Erreichung des 62. Lebensjahres bei geringfügig verringerten Bezügen gestatten.
Angesichts dieser Alternativen wird jede Gewerkschaft den
Weg zur Verringerung der Arbeitszeit wählen, der den Bedürfnissen
und Wünschen ihrer Mitglieder am ehesten entspricht und der jeweiligen Situation in dem entsprechenden Wirtschafts- oder Beschäftigungszweig am besten gerecht wird. Die derzeitigen Verhältnisse
werden sich sicherlich nur ganz allmählich und Schritt für Schritt
ändern, wie dies auch in der Vergangenheit schon der Fall war. Die
Geschichte lehrt uns, daß solche Veränderungen unaufhaltsam sind.
Der diesbezügliche Druck bei Kollektivverhandlungen wird sich in
dem selben Maße verstärken, in dem immer neue Maschinen auf den Plan
treten.
Soll die Automatisierung der Menschheit zum Segen gereichen, dann
muß es uns gelingen, die Vorteile der steigenden Produktivität in
mehr Freizeit und mehr Arbeitsplätze umzumünzen.
(Aus "The American Federationist".)

* * * * *

Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf
Mehr als ein Viertel seiner täglichen Arbeitszeit muß der
amerikanische Arbeitnehmer heute zur Begleichung seiner steuerlichen
und anderen fiskalischen Verpflichtungen aufwenden. Dies hat die
"Tax Foundation, Inc.", eine private Forschungsorganisation, auf
Grund einer kürzlich durchgeführten Analyse festgestellt.
Danach muß der Amerikaner täglich 1 Stunde und 39 Minuten allein
für die vom Bund eingezogenen Steuern (insbesondere die Einkommensteuer)
arbeiten, während er weitere 38 Minuten dafür aufwenden muß, die
Steuern der Bundesstaaten und Gemeinden aufzubringen. Alles in allem
arbeitet er also täglich 2 Stunden und 17 Minuten ausschließlich für
die Steuer.
Im Jahr 1960 brachten sämtliche Bundes-, bundesstaatlichen und
kommunalen Steuerarten der öffentlichen Hand insgesamt 131»7 Mrd.
Dollar ein; das sind 28,6 Prozent des Nettosozialprodukts (zu Marktpreisen). Gemessen am Wert der im Inland erzeugten Güter und Dienstleistungen liegen die Steuern heute im Vergleich zu 1949 um 27 Prozent
und gegenüber 1929 um 167 Prozent höher. Die steuerlichen Belastungen
waren dabei 196O - wenn man den reinen Dollarbetrag als Basis wählt rund 2 1/2 mal so hoch wie im Spitzenjahr des letzten Krieges.
Wie

-

6 -

�Wie aus der Untersuchung weiter hervorgeht, sind die Steuereinnahmen seit Ende des zweiten Weltkrieges im gleichen Maße angestiegen wie das Nettosozialprodukt. Gegenüber der Steuerspitze des Jahres 1943» in dem der Anteil der Bundessteuern am Nettosozialprodukt
21 ,5 Prozent betrug (in der unmittelbaren Nachkriegszeit ging dann
der Anteil - bis zum Ausbruch des Koreakrieges - auf 16,1 Prozent
1949) zurück), lagen die Steuern i960 nur unwesentlich niedriger
Anteil 20,4 Prozent),

[

Inzwischen sind aber auch die bundesstaatlichen und kommunalen
Steuern erheblich angestiegen. Während sie 1945 nur knapp 5 Prozent
des Nettosozialprodukts ausmachten, belaufen sie sich heute auf 8,2
Prozent. In dieser Zunahme spiegeln sich in erster Linie die wachsenden finanziellen Bedürfnisse der Städte und Kommunen wider, wie sie
durch den Ausbau der zahlreichen kommunalen Einrichtungen - Straßen,
Schulen, Krankenhäuser, soziale Institutionen usw. - gegeben sind.
Während die Einnahmen aus diesen Steuern im Jahre 1945 lediglich
9,8 Mrd. Dollar ausmachten, betragen sie heute (i960) 37&gt;6 Mrd. Dollar. Bei den Bundessteuern sieht die Entwicklung so aus: 1945 • 42,2
Mrd. Dollar; 196O = 94,1 Mrd. Dollar.
In der Analyse der "Tax Foundation" sind jedoch keine Angaben
über die Verwendung der einzelnen Steuergelder enthalten, sondern
lediglich Anhaltszahlen darüber, wieviel Geld der amerikanische Steuerzahler im Durchschnitt für die Aufgaben des Bundes aufbringen muß.
Nach dieser Übersicht sind es pro Jahr 1092 Dollar, die in die
Kassen des Bundes nach Washington fließen. Mehr als die Hälfte dieses
Betrages - nämlich 623 Dollar - wird dabei für die nationale Sicherheit aufgewendet; rund 11 Prozent (120 Dollar) für den Schuldendienst;
33 Dollar für die Auslandshilfe; 65 Dollar für die Unterstützung der
Kriegsteilnehmer. Alle diese - häufig zu einem Posten zusammengezogenen - Ausgaben belaufen sich auf 841 Dollar oder etwas über 75 Prozent
der jährlichen Steuersumme, die der Steuerzahler im Durchschnitt aufbringt. Der Rest fließt dem Farmstützungsprogramm, den zahlreichen Sozial- und Wohlfahrtsplänen, dem Raumfahrtprogramm usw. zu.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

- 7' -

�Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit in den USA
Der arbeitende Mensch hat den berechtigten Wunsch nach ausreichender Freizeit: einmal, um die Früchte der Arbeit genießen zu können, zum anderen, um Körper und Geist die nötige Erholung zu gewähren. In den Vereinigten Staaten gibt der steigende Lebensstandard - nicht zuletzt ein Verdienst des amerikanischen Wirtschaftsund Sozialsystems - dem Arbeiter die Möglichkeit, immer mehr Zeit
und auch Geld für die Freizeitgestaltung aufzuwenden. Eine Untersuchung, die vor einiger Zeit von der Chase Manhattan Bank in New York
veröffentlicht wurde, gibt hierüber bemerkenswerte Aufschlüsse.
Im Jahre i960 verdienten die Amerikaner insgesamt 123 Mrd. Dollar
mehr, als sie für Grundnahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft, ärztliche Versorgung, Steuern und andere feste Ausgaben ausgegeben haben.
Mithin konnten sie über fast ein Drittel des gesamten Personaleinkommens nach Abzug der Steuern frei verfügen. Ein Drittel hiervon rund 45 Mrd. Dollar oder mehr als 12 Prozent des Gesamteinkommens wurde für Erholung und Freizeit ausgegeben.
Erfreulich ist, daß der größte Teil dieser Summen für sinnvolle
Zwecke verwendet wurde, vor allem für Urlaubsreisen. Die Aufwendungen
für Reisen innerhalb der Vereinigten Staaten haben sich beispielsweise in den letzten zehn Jahren verdoppelt, die für Auslandsreisen
sogar nahezu verdreifacht.
Eine erhebliche Zunahme ist auch bei den Ausgaben für kulturelle
Zwecke zu verzeichnen. Für Bücher haben die Amerikaner 196O um rund
zwei Drittel mehr ausgegeben als vor fünf Jahren. Die Einnahmen
der Theater aus dem Kartenverkauf sind seit 1946 um 115 Prozent gestiegen und lagen i960 um ein Drittel über den Kasseneinnahmen sämtlicher
öffentlicher Sportveranstaltungen.
Bezeichnend ist auch das zunehmende Interesse für Musik. 32 Millionen Amerikaner betrieben Musik als Liebhaberei; das entspricht einer
Zunahme von 40 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Über die
Hälfte aller Orchester aus Berufsmusikern entfallen heute auf die
USA. Die Besucherzahlen der Museen schnellten in den letzten Jahren
gewaltig in die Höhe.
Andererseits war in verschiedenen Bereichen der Freizeitbetätigung, die sich lange Jahre hindurch besonderer Beliebtheit erfreut
haben, ein Rückgang des Interesses zu beobachten. Die Besucherzahlen
der Filmtheater nahmen ebenso ab wie die Verkaufs Ziffern der Fernsehgerätehersteller. Die Zunahme der Besucherzahlen von Sportveranstaltungen erreichte nur ein Viertel der Zuwachsrate der Gesamtausgaben
für Freizeitgestaltung. Um so bemerkenswerter ist es, daß vom aktiven
Sport eine absolute Rekordbeteiligung gemeldet wird. Hier sind es vor
allem die Sportarten, die im Freien betrieben werden, die eine überdurchschnittliche Steigerung der Zahl der Aktiven aufweisen: Rudern,
Schwimmen, Fischen und Jagd. Auch der Kegelsport sowie Baseball, Korbball, Tennis, Golf und Bogenschießen haben viele neue Freunde gewonnen.
Welche

�v

Welche Motive diesem Strukturwandel in der Freizeitbeschäftigung zugrunde liegen, ist schwer zu sagen. Mit ziemlicher Sicherheit wird er von den allgemeinen wirtschaftlichen und soziologischen
Entwicklungstendenzen beeinflußt. Hierzu nur zwei Beispiele: Die
rapide Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen auf
Kosten der Beschäftigung in der Landwirtschaft und in den Handarbeiterberufen hat im Verein mit der "Flucht" der städtischen Bevölkerung in die Vorstädte viele Energien frei gemacht, die das Interesse der arbeitenden Menschen an einer aktiven Freizeitbeschäftigung wachsen ließen. Und die Anhebung des Bildungsniveaus hat
sicherlich entscheidend mit zu der immer regeren Beteiligung auch
der arbeitenden Menschen am kulturellen Leben beigetragen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * *

*

Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um 85 Prozent
seit 1949
Auf Grund der in der Zeit zwischen 1949 und 1959 i m amerikanischen Steinkohlebergbau vorgenommenen Mechanisierung und Modernisierung konnte die Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer in diesem Industriezweig um insgesamt 85 Prozent gesteigert werden, was einer jährlichen
Produktivitätssteigerung von im Durchschnitt über 6 Prozent entspricht.
Diese Angaben sind in einer umfassenden Analyse über die technologischen Veränderungen im amerikanischen Kohlebergbau und über
ihre zahlreichen Auswirkungen enthalten, die in der Oktober-Ausgabe
1961 von "Monthly Labor Review" erschienen ist.
Wie aus dieser Übersicht weiter hervorgeht, waren im US-Steinkohlebergbau im Jahr 196O nur noch 159 00° Arbeitnehmer beschäftigt,
was eine Abnahme der Beschäftigtenzahl gegenüber 1949 u m 63 Prozent
bedeutet. Obwohl sich die langfristigen Aussichten des Steinkohlebergbaus in jüngster Zeit gebessert hätten, so heißt es in dem
Bericht, sei nicht damit zu rechnen, daß sich die Zahl der Beschäftigten in Zukunft wesentlich über das derzeitige Niveau hinaus erhöhen werde.
Auf Grund langfristig abgeschlossener Lieferverträge und in
Anbetracht der steigenden Produktionskosten, hätten die Bergwerksleitungen mit Unterstützung der Gewerkschaften die Gruben verhältnismäßig schnell mechanisiert und modernisiert, heißt es in
dem Artikel weiter. Infolge des Einsatzes besonderer Schürf-.

- 9

�Schürf/, Beladungs- und Umschlageinrichtungen sowie von Förderbändern und speziellen Zubringerwagen werde die Kohle heute unter Tage
praktisch überhaupt nicht mehr von Hand bewegt. Einen sehr starken
Einfluß auf die Erhöhung der Produktionsleistung hätten vor allem
auch die Schrämlader gehabt, durch die der gesamte Abbauprozeß zu
einem kontinuierlichen Arbeitsgang zusammengefaßt worden sei. &lt;
Auch der Tagebau sowie die Kohleaufbereitung ist in den vergangenen zehn Jahren weitgehend mechanisiert und automatisiert worden.
Insgesamt erhöhten sich die Investitionen pro Arbeitsplatz im Kohlebergbau seit 1948 um rund 10 Prozent jährlich und dürften 1958, wie
es in dem Artikel heißt, pro Arbeitsplatz etwa 13 000 Dollar ausgemacht haben.
Der sichtbare Erfolg all dieser Bemühungen der Zechenleitungen
in den vergangenen zehn Jahren kommt in dem unwahrscheinlich hohen
Anstieg der Arbeitsproduktivität in diesem Industriezweig zum Ausdruck, der rund 85 Prozent betrug und damit größer war als in den
vorangegangenen 30 Jahren zusammen. Auf Grund dieser starken Zunahme
der Arbeitsproduktivität konnten, wie in dem Artikel betont wird, die
Kosten pro Produktionseinheit fast auf dem gleichen Niveau wie 1947
gehalten werden - und das, obwohl die durchschnittlichen Stundenlöhne
der Bergleute in diesem Zeitraum von 1,64 Dollar auf 3»25 Dollar anstiegen und von den Bergwerksgesellschaften Sozialnebenleistungen in
Höhe von 184 Millionen Dollar aufgebracht wurden.
Durch die beträchtliche Mechanisierung und Automatisierung im
amerikanischen Kohlebergbau war es auch in den vergangenen zehn Jahren
möglich, den Kohlepreis weitgehend stabil zu halten und somit die
Wettbewerbsposition der Kohle gegenüber den anderen Brennstoffen zu
sichern. Da die Kraftwerke in der letzten Dekade ihren Kohleverbrauch
nahezu verdoppelten, wanderte praktisch die Hälfte aller in den USA geförderten Kohlen in die Heizkessel der Kraftwerke.
Mit der starken Erhöhung der Arbeitsproduktivität ergab sich bei
einem gleichzeitigen Rückgang der Bedarfsnachfrage zwangsläufig ein
geringerer Bedarf an Arbeitskräften im amerikanischen Steinkohlebergbau, wie in dem Artikel abschließend festgestellt wird. Hierdurch
sei ein starker Rückgang in der Gesamtbeschäftigtenzahl sowie erhöhte
Arbeitslosigkeit in den Kohlebergbaugebieten zu verzeichnen gewesen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

- 10

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Gehaltsanalyse für 68 Angestelltenberufe
Die durchschnittlichen monatlichen Einkommen für insgesamt
68 Angestellten- bzw. freie Berufe lagen in den Vereinigten Staaten
im Winter 1960/61 zwischen 252 Dollar für mit Routinearbeiten beschäftigte Registratoren und 1726 Dollar für Rechtsanwälte, wie
aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Gehalts- bzw. Einkommensanalyse hervorgeht, die sich auf das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten erstreckt.
Es ist dies die zweite umfassende Analyse dieser Art, die vom
US-Arbeitsministerium durchgeführt wurde. Im einzelnen wurden dabei
die Einkommen der wichtigsten Angestellten- und freien Berufe in den
Städten des gesamten Landes untersucht und die analysierten 68 Berufe
in erster Linie aus den folgenden Gruppen ausgewählt: Buchhalter,
Rechtsanwälte, Ingenieure, Chemiker, Zeichner, Personalsachbearbeiter,
Bürokräfte der Dienstleistungszweige und andere Büroangestellte.
Wie aus dieser Untersuchung weiter hervorgeht, beliefen sich die
monatlichen Einkommen bei 23 Berufsgruppen auf weniger als 500 Dollar;
bei 32 auf über 500, aber weniger als 1000 Dollar und bei 13 Gruppen
auf über 1000 Dollar.
Die Monatsgehälter für Ingenieure - die größte Gruppe der wissenschaftlichen Berufe in der Analyse - lagen zwischen 548 Dollar
Gruppe I, Anfangsgehalt für Hochschulabsolventen) und 1588 Dollar
Gruppe VIII, Chefingenieure). Die Anfangsgehälter für Chemiker dagegen betrugen im Durchschnitt 481 Dollar und lagen damit etwas unter
den Anfangsgehältern der Ingenieure. Mit steigendem Gehalt verringern
sich die prozentualen Unterschiede jedoch mehr und mehr. In der Gehaltsgruppe IV zum Beispiel beliefen sich die durchschnittlichen
Monatsgehälter für Ingenieure auf 832 Dollar und für Chemiker auf
792 Dollar.

I

Die durchschnittlichen Monatsgehälter der Bürokräfte lagen der
Untersuchung zufolge zwischen 252 Dollar für Registraturen mit Routinearbeiten und 457 Dollar für das Bedienungspersonal von Tabelliermaschinen. Die größte Gruppe dieser Angestellten, die Stenographen, bezog
im Durchschnitt ein Monatsgehalt von 341 Dollar. Sie lagen damit etwas
über dem Durchschnitt der insgesamt 17 von der Analyse erfaßten Büroangestelltenberufe .
(Quelle: Eigenbericht)
* # * * *

1 1

�52 278 Gewerkschaften legten US-Arbeitsministerium Finangfrericht vor
Insgesamt 52 278 amerikanische Gewerkschaften haben nach Angaben
von US-Arbeitsminister Goldberg dem amerikanischen Arbeitsministerium
auf Grund des sogenannten "Labor-Management Reporting and Disclosure
Act of 1959" i m Jahre i960 detaillierte Geschäfts- und Finanzberichte
unterbreitet.
Eine komplette Liste all dieser Gewerkschaften, die neben der
genauen Namensbezeichnung jeder Gewerkschaft auch die Verbandszugehörigkeit sowie die genaue Anschrift enthält, ist in einem 512 Seiten
starken Register enthalten, das nach Meinung von Arbeitsminister Goldberg die umfassendste Übersicht darstellt, die je über amerikanische
Gewerkschaften veröffentlicht wurde. Diese Publikation ist durch das
U.S. Government Printing Office zu beziehen und kostet 1,75 Dollar.
Nicht enthalten in dieser übersieht sind alle jene Gewerkschaften,
die auf Grund des Gewerkschaftsgesetzes aus dem Jahre 1959 nicht zur
Offenlegung ihrer Finanzen und zur Abgabe von Tätigkeitsberichten
verpflichtet sind. Bei diesen Gewerkschaften handelt es sich in erster
Linie um Arbeitnehmerorganisationen für die Angestellten des öffentlichen Dienstes.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Löhne der Bauhandwerker leicht angestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne der Baufacharbeiter sind im
3. Quartal 1961 geringfügig - und zwar um 0,4 Prozent - angestiegen,
wie aus einer jetzt vom US-Amt für Arbeitsstatistik veröffentlichten
Statistik hervorgeht. Diese Lohnanalyse bezieht sich dabei auf die
sieben wichtigsten Baufacharbeiterberufe in 100 amerikanischen Städten.
Auf Grund der in diesem Zeitraum neu abgeschlossenen Tarifverträge
erhöhten sich die Durchschnittslöhne aller Baufachberufe um 1,4 Cent
und belaufen sich jetzt auf 3,85 Dollar. Am stärksten erhöht haben sich
die Lohne der Bauelektriker (6,3 Cent}, der Maler (2,4 Cent) und der
Klempner und Installateure (2,2 Cent).
Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1947-49 lagen die Bauarbeitevlöhne am 2. Oktober 1961 um 85 Prozent, im Vergleich zum 3. Oktober i960 um 4,0 Prozent höher. Die Gesamtzunahme im Jahre 1 96O betrug
im Durch&amp;chritt 14,7 Cent, wobei der größte Anstieg in den verschiedenen Berufszweigen 18,4 Cent und der geringste 9,4 Cent betrug.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

.
t

12

�Industriearbeiterlöhne zcsgen erneut an
Das durchschnittliche Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten hat gegenüber Oktober 1961
im November weiter zugenommen, wie aus der jüngsten Lohnübersicht
des US-Arbeitsministeriums zu entnehmen ist. Im gleichen Zeitraum
ist auch die durchschnittliche Länge der wöchentlichen Arbeitszeit
weiter (um 2/10 Stunden) angestiegen und hat mit 40,6 Stunden den
höchsten Stand seit zwei Jahren erreicht.
Nachdem das wöchentliche Nettoeinkommen mit 84,12 Dollar für
einen verheirateten industriellen Arbeitnehmer mit drei Familienangehörigen (76,50 Dollar für Alleinstehende) schon im Oktober einen
absoluten Höchststand erreicht hatte (5 fo mehr als im Oktober i960),
war im November ein weiterer Anstieg zu verzeichnen. Nach den bisher
veröffentlichten Ziffern lagen die durchschnittlichen Bruttowochenlöhne der Industriearbeiter bei 95»82 Dollar (Oktober = 94»54 Dollar)
und damit um 6,61 Dollar höher als vor einem Jahr.
Wie der stellvertretende Unterstaatssekretär im US-Arbeitsministerium, Seymour L. Wolfbein, in diesem Zusammenhang zur derzeitigen Arbeitsmarktlage in den Vereinigten Staaten erklärte, hat sich
die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitnehmer seit dem Rezessionstief im Februar 1961 um 2,5 Millionen erhöht und im November
einen Stand von 55»077 Millionen erreicht. Die Gesamtbeschäftigtenzahl wurde vom amerikanischen Arbeitsministerium für November 1961
mit 67,3 Millionen angegeben. Das ist die höchste Beschäftigtenziffer,
die bisher in diesem Monat zu verzeichnen war.
Die Gesamtzahl der Erwerbslosen betrug dagegen in diesem Zeitraum etwa 4 Millionen. Gegenüber dem Vormonat blieb diese Ziffer
unverändert, obwohl sie an sich auf Grund der jahreszeitlichen
Erwartungen hätte um 500 000 höher sein müssen.
Die von den jahreszeitlichen Einflüssen bereinigte Arbeitslosenrate (der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der verfügbaren
Arbeitskräfte) ging zwischen Oktober und November von 6,8 auf 6,0
Prozent zurück. Dies ist der stärkste Rückgang innerhalb von drei
Jahren.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

�Industriearbeiterlöhne stiegen in 50 Jahren von IQ^aul 90 DoI3ar an
Die durchschnittlichen Wocheneinkommen der industriellen Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten sind in den vergangenen 50
Jahren von 10 Dollar auf 90 Dollar angestiegen, wie aus einer Analyse des amerikanischen Arbeitsministeriums hervorgeht, die sich
mit der Entwicklung der Arbeitsgewohnheiten in den USA zwischen
1909 und 1959 befaßt.
Wie daraus weiter zu entnehmen ist, ging die normale durchschnittliche Arbeitswoche der Industriearbeiter (ohne Überstunden)
in diesem Zeitraum von insgesamt 51 Stunden auf weniger als 40 Stunden zurück.
Dagegen erhöhte sich die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen
Arbeitnehmer der amerikanischen Wirtschaft zwischen 1909 und 1959
von 27 Millionen auf 54 Millionen (November 1961 = 55»04 Mio).
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Günstige Streikbilanz im letzten Jahr
Nach vorläufigen Berechnungen des US-Amtes für Arbeitsstatistik
ging sowohl die Zahl der durchgeführten Streiks als auch die Zahl
der davon betroffenen Arbeitnehmer von September auf Oktober erheblich zurück.
Insgesamt begannen im Oktober 1961 rund 500 Streiks, durch die
223 000 Arbeitnehmer erfaßt wurden. Zwei Drittel aller Streiks entfielen dabei auf die Fertigungsindustrie. Da weitere 210 im September
begonnene, im Oktober aber noch andauernde Streiks hinzukommen, belief sich die Gesamtzahl der im Ausstand befindlichen Arbeitnehmer
auf 2t7 000.
Durch diese Streiks gingen insgesamt 2,38 Millionen Arbeitstage
verloren, das sind 0,23 Prozent der in diesem Monat geleisteten Gesamtarbeitszeit (0,35 $ im September).
In den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres gingen somit
15,3 Millionen Arbeitstage durch Streiks verloren, verglichen mit 17,9
Millionen im Jahre 196O und 63,3 Millionen im Jahre 1959« Der Anteil
der durch Streiks verlorengegangenen Arbeitstage an der Gesamtarbeitszeit erreichte in der 10-Monats-Periode 1961 mit 0,16 Prozent den 1957
zum ersten Mal erzielten Niedrigstwert der Nachkriegszeit.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 3

Bad Godesberg, den 1. März 1962
INHA LTSVERZEIC HNIS

Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern

Seite

1

Nachlese zum "AFL-ClO"-Kongreß

Seite

6

Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie

Seite

9

Präsident Kennedy legte Kongreß Sozialbotschaft vor

Seite

10

Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung
veröffentlicht

Seite

12

Ochola Ogaye Mak'Anyengo, 1. Sekretär der Ölarbeitergewerkschaft
von Kenia:
Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern
In dem folgenden Artikel, der dem vierteljährlich
erscheinenden "I.U.D. Digest" des amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO entnommen ist, schildert Ochola Ogaye Mak'Anyengo seine Erfahrungen und
Eindrücke während seines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten, wo er an einem neunmonatigen
Portbildungskursus für Gewerkschaftsfunktionäre an
der Universität Chicago teilnahm. Dieser Artikel,
der gleichzeitig eine gute Vorstellung von der Mentalität, den Zielen und Erwartungen der jungen
afrikanischen Gewerkschafter vermittelt, enthält
auch zahlreiche praktische Vorschläge hinsichtlich
der Ausbildung von Gewerkschaftern der Entwicklungsländer in den Ländern der freien Welt.
_,,
-

1

-

�Ehe ich näher auf meine in den Vereinigten Staaten gesammelten
Erfahrungen sowie insbesondere auf das Gewerkschaftsführer-Programm
eingehe, möchte ich zuerst kurz auf meine gewerkschaftliche Eaufbahn
hinweisen und aufzeigen, warum ich an diesem Fortbildungskursus teilgenommen habe und wie diese Teilnahme zustande kam.
Wie dringend erforderlich eine umfassende gewerkschaftliche Ausbildung ist, wurde mir zum ersten Mal so richtig bewußt, als ich im
März 1958 als 1. Sekretär der ölarbeitergewerkschaft in Kenia für
unsere Mitglieder Tarifverträge auszuhandeln hatte. Es war dies damals meine erste Aufgabe dieser Art. Meine eigene Unerfahrenheit
sowie die Tatsache, daß es sich bei meiner Gewerkschaft noch um eine
sehr junge Arbeitnehmerorganisation handelt, bedeuteten für mich und
meine Kollegen ein sehr großes Hindernis, zumal wir es mit erfahrenen
internationalen ölgesellschaften zu tun hatten.
In Erkenntnis dieser Notwendigkeit begann ich damals nach Wegen
und Möglichkeiten zu forschen, mein Wissen über die Tätigkeiten und
Aufgaben von Gewerkschaften zu vervollständigen. Jedes Buch über Gewerkschaften, das mir seitdem in die Hand gekommen ist, habe ich von
vorn bis hinten studiert. Bei dieser Suche nach geeigneten Büchern
geriet ich dann auch an ein Buch aus der Bücherei des US-Informationsdienstes in Nairobi, das Namen und Adressen von Universitäten enthielt,
die gewerkschaftliche Förderkurse durchführen. Um herauszubekommen,
in welcher Weise sie für die Ausbildung von Funktionären meiner Gewerkschaft in Frage kamen, zögerte ich nicht, sie sofort anzuschreiben.
In meinen Briefen, die im Mai des gleichen Jahres an acht Universitäten abgeschickt wurden, umriß ich ganz klar, welcher Art unsere Bedürfnisse waren und welche Hilfe wir von ihnen erwarteten. Die
meisten Antworten waren positiv. Von denjenigen Universitäten, die
bereit waren, uns ein Stipendium für die Teilnahme an den gewerkschaftlichen Fortbildungskursen zu gewähren, bot uns die Universität
Chicago einen Kursus für die Dauer von neun Monaten an. Die Kurse,
die uns die anderen Universitäten offerierten, dauerten in der Regel
nur drei Monate. Auf Grund der Länge der Ausbildungsperiode wählte
ich daher die Universität Chicago.
Wegen der Aufbringung der Reisekosten und der anderen Ausgaben,
für die die Universität nicht aufkommen konnte, war es für uns nicht
möglich, die Vorbereitungen fristgemäß, d.h. vor Beginn des Schuljahres 1958/59 abzuschließen. Daraufhin kamen wir mit det Universität
Chicago überein, das Ausbildungsprogramm bis zum Schuljahr 1959/60 zu
verschieben. In der Zwischenzeit jedoch hatte ich Gelegenheit, an
dem ersten Kursus des Afrikanischen Gewerkschaftscollege in Kampala,
Ugc^d? (November 1958 - Februar 1959)» teilzunehmen. Die schon hier
von mir gesammelten Erfahrungen waren sowohl für mich als auch meine
Kollegen bei unserer gewerkschaftlichen Arbeit von großem Nut*en.
Schließlich aber waren alle notwendigen Vorbereitungen abgeschlossen. Die "Union Research and Education Projects" der Universität
Chicago und der Internationale Verband der ölarbeitergewerkschaften
hatten sich bereit erklärt, für meine Studiengebühren aufzukommen, und

2

-

�und durch die Vermittlung einer halbtägigen Beschäftigung durch zahlreiche andere Stellen war es mir möglich, die Lebenshaltungs- und
anderen Kosten aufzubringen.
Mit großen Erwartungen reiste ich nach den Vereinigten Staaten.
Ich hatte mir vorgenommen, möglichst viel über die Struktur und die
Arbeit der Gewerkschaften in Erfahrung zu bringen und zu sehen, wie
dort die Tarifverhandlungen mit den Unternehmern durchgeführt werden.
Hinter diesen Bemühungen stand dabei die Absicht, die gesammelten
Erfahrungen nutzbringend für meine Tätigkeit einzusetzen. Meinen ersten Kontakt mit amerikanischen Gewerkschaften hatte ich auf dem
Kongreß der Gewerkschaft der "öl-, Chemie- und Atomarbeiter*' in Cleveland im Oktober 1959« Dies war ein bemerkenswertes Ereignis für mich.
Etwas später nahm ich dann auch an einer Tarifverhandlung teil, die
in jeder Beziehung vollkommen anders verlief, als ich es bis dahin
gewohnt war. Den größten Eindruck auf mich hinterließ dabei der große
Respekt, mit dem sich die beiden Tarifpartner begegneten - ganz im
Gegensatz zu einigen Lohnverhandlungen bei uns, wo die Unternehmer
häufig glauben, das Recht zu besitzen, uns ihre Vorschläge aufzuzwingen.
Der Gewerkschaftskongreß selbst war in verschiedener Hinsicht ein
großes Erlebnis für mich. Ich konnte dort viele wertvolle Erfahrungen
sammeln, zumal ich Gelegenheit hatte, mit zahlreichen Menschen zu
sprechen, die große gewerkschaftliche Erfahrungen hatten. Auf diesem
Kongreß wurde mir auch klar, daß eine Gewerkschaft nicht Ait einer
Handvoll ausgebildeter Funktionäre auskommen kann, wenn sie erfolgreich arbeiten will. Dies trifft insbesondere für die arbeitsrechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte der TarifVerhandlungen zu. Ebenso
kam ich dort zu der Überzeugung, daß der Erfolg einer Gewerkschaft
von einem guten Operationsplan und von der Art seiner Durchführung
abhängt. Dieser und zahlreiche andere Gewerkschaftskongresse, an
denen ich während meiner Ausbildungszeit in Chicago teilnahm, vermittelten mir ein sehr viel umfangreicheres Wissen über die Gewerkschaften
als alles andere davor. Ebenso wurde mir hier klar, wie wir unsere
Probleme behandeln müssen und wie wir sie lösen können.
Nun zu meiner Teilnahme an dem Fortbildungskursus für Gewerkschaftsfunktionäre. Die theoretische Ausbildung umfaßte zwei verschiedene Kurse, einen rein formal-wissenschaftlichen und einen gewerkschaftskundlichen. Die Teilnahme an dem ersten Kursus ging auf
meinen Wunsch zurück, die Grundzüge der Wirtschaftswissenschaften
kennenzulernen, insbesondere alle jene Aspekte, die eine enge Beziehung zur Gewerkschaftsarbeit haben. Wenn ich auch nicht viel über
diesen Kursus zu sagen habe, so kann ich doch feststellen, daß das
dort mir vermittelte Wissen nicht hoch genug eingeschätzt werden
kann. Jedenfalls habe ich jetzt das Gefühl, einiges über die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu wissen, das mir am Tarifverhandlungstisch
von sehr großem Nutzen sein wird.
Der in den Gewerkschaftsführer-Kursen vermittelte Lehrstoff war
sehr vielseitig und ungemein interessant. Was ich hier gelernt habe,
versetzt mich in die Lage, meine Grund- und Leitsätze künftig selbst

-

3 -

�seihst zu formulieren. Mir ist jetzt auch klar geworden, was Erziehung und Bildung heißt, wie ein gebildeter Mensch sein sollte
und was Wertmaßstäbe sind. Nach Professor Kermit Eby, einem von
mir hochverehrten Gelehrten, ist derjenige ein gebildeter Mensch,
der die Konsequenzen seines eigenen Handelns oder Nichthandeins in
der Gesamtheit ihrer Bezüge zu erkennen vermag.
Mit dieser Definition vor Augen enthalte ich mich einer Selbsteinschätzung, bis ich genau die Konsequenzen meines Handelns und
Nichthandeins zu erkennen vermag. Mit großen Hoffnungen und Erwartungen sehe ich dem Tag entgegen, an dem man mich in die Reihe derjenigen einreiht, die man allgemein als Gebildete bezeichnet«
In dieser Hinsicht verdanke ich der Universität Chicago sehr viel.
Es liegt jetzt an mir, meinen Teil hierzu beizutragen.
In diesem Zusammenhang darf ich nicht die Erfahrungen unerwähnt
lassen, die ich an meinem Arbeitsplatz bei der " C o m Products Corporation" in Argo, Illinois, gewonnen habe« Wenn es einen Ort gab,
an dem ich den einfachen Mann kennenlernte, so ist es dieser Betrieb gewesen. Während meiner Tätigkeit in Argo (bei Chicago),
hatte ich nämlich Gelegenheit,•mit Menschen aller Kreise zusammenzukommen, und zwar sowohl mit hochgebildeten als auch mit solchen,
die nur eine mangelhafte Bildung aufwiesen.
Und dort war es auch, wo ich die Erfahrung machte, daß man, wenn
man Land und Leute kennenlernen will, gerade von dem "Mann auf der
Straße" mehr lernt als von Intellektuellen. In Argo war es mir möglich, mit den Arbeitern im Betrieb einige jener Probleme zu diskutieren, die alle Arbeiter in aller Welt gemeinsam haben. Dabei konnte
ich die Feststellung machen, daß sowohl die Arbeiter als auch ihre
Probleme.in aller Welt einander ähnlich sind. Der Eindruck, den ich
gewann, und die Schlüsse, die ich hinsichtlich der Lösung der für den
Arbeiter wichtigen Probleme zog, waren die, daß gemeinsame, koordinierte und übereinstimmende Aktionen von Gewerkschaften und Arbeitnehmern in aller Welt erforderlich sind.
Ich darf hier auch nicht die Hilfe und den Geist der Zusammenarbeit unerwähnt lassen, die mir von dem Management des Unternehmens
zuteil bzw. der mir entgegengebracht wurde. Ohne dieses Unternehmen
und ohne die Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung und dem Ortsverband der Gewerkschaft wäre mein Aufenthalt in den Vereinigten
Staaten nicht von Erfolg gekrönt worden.
Was geschieht nun, wenn ich den Fortbildungskursus beendet habe?
Diese Frage muß sowohl von mir als auch von all jenen beantwortet
werden, die es ermöglichten, daß das Programm, an dem ich teilnahm,
ein großer Erfolg wurde. Es stimmt, daß ich nach Kenia zurückgehen
und dort das Wissen an die Arbeiter weitergeben werde, das ich hier
erworben habe. Aber nicht nur das, ich werde auch bemüht sein, unseren
Kampf bis zum siegreichen Ende fortzusetzen. Dennoch wird meine
Situation nicht gerade leicht sein, denn wenn das eine Auge, das
noch Sehkraft besitzt, beschädigt wird, so wird keins mehr da sein,
das sehen kann.
_,

- 4 -

�Ich möchte mit diesem Vergleich besonders auf die Tatsache
hinweisen, daß ich der einzige ausgebildete und geschulte Gewerkschaftsfunktionär in meiner Gewerkschaft sein werde, und wenn ich
auf Grund widriger Umstände in unserem Kampf aus der Gewerkschaft
entfernt werden sollte, so würde ein Vakuum entstehen. Darüber
hinaus aber würden meine Bemühungen größeres Gewicht haben, und
mein Wissen würde sich erheblich stärker auswirken, wenn die Zahl
der Gewerkschaftsfunktionäre mit einer ähnlichen Ausbildung, wie
ich sie hatte, bei uns größer wäre.
Hinsichtlich des Portbildungsprogramms geht meine Meinung dahin,
daß es auf alle Fälle fortgesetzt werden sollte. Ich weiß, daß die
Fortsetzung des Programms große finanzielle Mittel erfordert, ich
glaube aber auch, daß mit dem großen Vertrauen, das seine Schöpfer
bisher in dieses Programm setzten, viel erreicht werden kann. Wenn
eine Fortsetzung möglich sein sollte, so bin ich gerne bereit, zu
helfen und alles zu tun, damit das Programm ein voller Erfolg wird.
In dieser Hinsicht möchte ich die folgenden Vorschläge und Empfehlungen unterbreiten!
1 . Mit Unterstützung der "Union Research and Education Projects"
der Universität Chicago sollte ein ähnliches GewerkschaftsfunktionärsProgramm in Kenia geschaffen werden, und zwar in Zusammenarbeit mit
den Gewerkschaften in Kenia und der Technischen Hochschule in Nairobi.
Dieses Programm würde dazu dienen, die örtlichen Gewerkschaftsführer und Betriebsratsvorsitzenden auszubilden. Es sollte daher folgende Unterrichtsfächer aufweisen: Gewerkschaftliche Verwaltungsarbeit;
Tarifverhandlungftwesen; Wirtschafts- und Arbeitsrecht (soweit es die
Gewerkschaften und Arbeitnehmer berührt); allgemeinbildende und auf
die verschiedenen betrieblichen und soziologischen Aspekte ausgerichtete
Fächer.
2. Auswahl einer Gruppe von Gewerkschaftsfunktionären mit einer
guten schulischen und Allgemeinbildung, die an der Universität Shicago
an Fortbildungskursen für höhere Gewerkschaftsfunktionäre teilnehmen.
Diese Funktionäre wären nach erfolgter Ausbildung und Rückkehr nach
Kenia dann praktisch die Schulungsleiter und Lehrer. Ihre Ausbildung
sollte sich jedoch über einen Zeitraum von zwei Jahren erstrecken, und
der Lehrplan müßte die folgenden Programmpunkte einschließen:
a) eine umfassende Analyse der afrikanischen Gewerkschaftsbewegung;
b) die Geschichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bei
gleichzeitiger Herausstellung der Ähnlichkeiten und der Unterschiede zwischen den beiden Arbeitnehmerorganisationen;
c) die Rolle der Gewerkschaften im politischen Leben;
d) Einzelheiten über die Weltpolitik und die internationalen Beziehungen sowie über die Arbeit der internationalen Organisationen;
e) volkswirtschaftliche Grundbegriffe und die wirtschaftliche Entwicklung in den Entwicklungsländern;
f.

-

5 -

�f ) d i e Rolle der Gewerkschaften und des e i n z e l n e n Arbeitnehmers
bei der E r h a l t u n g der F r e i h e i t und Demokratie;
g) Vergleichsstudien von Regierungssystemen;
h) Besuche bei Gewerkschaften und Informationsreisen sowie die
Teilnahme an Kongressen, Tagungen und Tarifverhandlungen
zwecks Sammlung von Erfahrungen an Ort und Stelle.
Wenn ausreichende Mittel zur Durchführung eines solchen Programms zur Verfügung stehen, so würde ich vorschlagen, den Kursusteilnehmern keinen Halbtagsarbeitsplatz anzubieten. Obwohl der Teilnehmer gerade auf diese Weise in die Lage versetzt würde, engen
Kontakt mit den Arbeitnehmern zu pflegen, so weiß ich doch aus eigener Erfahrung, daß hierdurch viel Zeit verlorengeht, die sonst für
Studienzwecke zur Verfügung stünde.

* * * * *

Frederick C. Orr:
Nachlese zum "AFL-CIO"-Kongreß
Der 4« Zweijahreskongreß der "American Federation of Labor and
Congress of Industrial Organizations" (AFL-CIO) endete Mitte Dezember
vorigen Jahres in voller Harmonie und ohne die von zahlreichen Propheten vorhergesagten Reibungen und Spaltungserscheinungen, die nach ihrer
Meinung über kurz oder lang zu einem Auseinanderfallen des erst vor
sechs Jahren gegründeten Gesamtverbandes der amerikanischen Gewerkschaften führen würden.
Diese Ansicht gründete sich dabei in erster Linie auf die im vergangenen Jahr immer mehr sichtbar werdenden Spannungen und Reibungen
zwischen den sich organisatorisch auf die handwerklichen Zweige stützenden Arbeitnehmerorganisationen und den Industriegewerkschaften.
Diese Auseinandersetzungen, die sich insbesondere in den baugewerblichen Berufen und den Wartungszweigen abspielten und bei denen es
hauptsächlich um die Vertretungsrechte ging, hatten schon eine solche
Schärfe angenommen, daß Walter Reuther, der Vizepräsident und Leiter
der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO, ernstlich davor
warnte, durch eine Fortsetzung dieser Auseinandersetzungen das Fortbestehen des geeinten Gewerkschaftsverbandes in Frage zu stellen.
Bei der Ausarbeitung einer Kompromißformel für die Lösung dieser
organisatorischen Streitigkeiten, die für beide Gruppen akzeptabel
war, demonstrierte der Verband sowohl seine große innere Stärke als
auch seine Fähigkeit, jenen spaltenden Kräften zu widerstehen, die
durch die einander zuwiderlaufenden Interessen der einzelnen dem
Verband angeschlossenen Gewerkschaften erzeugt worden waren. Der aus
diesen Beratungen hervorgegangene sogenannte "Friedensplan", der
vielleicht das bedeutendste Ergebnis des 4« Kongresses darstellt, wurde
von US-Arbeitsminister Arthur J. GoLdberg als "ein Meilenstein gewerkschaftlicher Politik" bezeichnet.
_.

6 -

�Die neue Formel zur Beilegung dieser internen Streitigkeiten wurde
von dem Kongreß als Zusatz zu den Satzungen der AFL-CIO angenommen.
Sie sieht unter anderem vor, daß bei Kompetenzstreitigkeiten die
Angelegenheit zuerst von einem Schlichtungsausschuß zu behandeln ist,
der sich aus Funktionären des Verbandes oder aus den Vorstandsmitgliedern zusammensetzt. Kann dieser Schlichtungsausschuß keine Einigung erzielen, so wird der ganze Streitfall zwecks Entscheidung einem
unparteiischen Schiedsmann unterbreitet. Seine Entscheidung kann jedoch angefochten und in der Revision einem dreiköpfigen Ausschuß
vorgelegt werden, der sich aus Mitgliedern des Exekutivausschusses
des Verbandes zusammensetzt. Solche Gewerkschaften, die sich der
Entscheidung des Schlichters oder dem Spruch des Appellationsausschusses widersetzen und ihm nicht Rechnung tragen, können dabei
mit Geldstrafen belegt werden.
Durch diesen neuen Plan wird praktisch die zentrale Gewalt des
Verbandes erhöht und in gewisser Hinsicht die Autonomie der dem Verband angeschlossenen Gewerkschaften eingeschränkt. Und gerade dies die Einschränkung der Souveränität - war auch der Grund dafür, daß
die "International Typographical Union" (Druckereiarbeitergewerkschaft)
- ITU - als einziger Verband der AFL-CIO gegen diesen Plan stimmte.
Neben diesen rein innergewerkschaftlichen Problemen befaßte
sich der 4» Zweijahreskongreß der AFL-CIO auch noch mit verschiedenen
anderen "heißen Eisen" - so u.a. auch mit den immer wieder zu Spannungen Anlaß gebenden "Bürgerrechten". Hierbei geht es in erster Linie
um die gleiche Behandlung aller Gewerkschaftsmitglieder ohne Rücksicht
auf ihre Hautfarbe, Rasse oder Religion. Aber auch hier wurde ein sehr
wichtiger positiver Schritt getan. Auf Grund verschiedener Beschwerden
zahlreicher farbiger Gewerkschafter darüber, daß von einigen Gewerkschaften in dieser Hinsicht immer noch diskriminierende Praktiken
verfolgt werden, wurde von den Delegierten mit überwältigender Mehrheit eine Resolution angenommen, die die Erfüllung der in den Statuten der AFL-CIO verankerten Bestimmungen gegen Diskriminierung
durch die angeschlossenen Verbände zum Ziele hat.
Von jenert Gewerkschaften, die noch Ortsverbände mit nach Rassen
getrennten Sektionen besitzen, werden in der Resolution u.a. sofortige
Anstrengungen und Bemühungen gefordert, diesB so schnell wie möglich
zu integrieren. Außerdem werden darin sämtliche Ortsverbände mit
solchen getrennten Sektionen angewiesen, dafür Sorge zu tragen, daß
die Tarifverträge nicht den Antidiskriminierungsprinzipien widersprechen, daß die Senioritätsrechte ungeachtet der Rasse, der Hautfarbe
und des Glaubens durchgesetzt werden und die Lehrlingsausbildungsprogramme allen offenstehen. Verfahrensfragen hinsichtlich der Behandlung
von Beschwerden über solche Gewerkschaften, die diesen Anweisungen nicht
nachkommen, sind in der Resolution im Detail aufgeführt.
Außerdem werden in der Resolution noch legislative Schritte sowie
Regierungsmaßnahmen gefordert, um die Antidiskriminierungspolitik auf
dem Gebiet der Beschäftigung, der Erziehung, des Wohnungswesens usw. in
der Praxis durchzusetzen. A. Philip Randolph, der 1. Vorsitzende der
"Bruderschaft der Schlafwagenschaffner", bezeichnete diese Resolution
als die stärkste, die je von einem Gewerkschaftskongreß angenommen wurde.
Den

7 -

�Den Höhepunkt der Eröffnungssitzung des AFL-CIO-Kongresses
bildete eine Rede Präsident Kennedys, in der dieser die Gewerkschaften aufforderte, sein neues Außenhandelsprogramm zu unterstützen und auf dem lohnpolitischen Sektor mit ihren Forderungen
maßzuhalten, damit die Vereinigten Staaten ihre Wettbewerbsposition
auf den Weltmärkten behaupten können und der Wert des Dollar erhalten bleibe.
Die Delegierten, die dem Präsidenten einen herzlichen Empfang
bereiteten, sprachen sich allgemein für eine Unterstützung des Außenhandelsprogramms aus und forderten in einer Entschließung den
amerikanischen Kongreß auf, ein Gesetz zu verabschieden, das "maximale
Möglichkeiten für eine Ausweitung des Handels", der amerikanischen
Industrie aber gleichzeitig einen gewissen Schutia biete. Ebenso wurde
von dem Kongreß die Forderung Präsident Kennedys nach mehrjährigen
Zollsenkungsbefugnissen unterstützt.
Auf lohnpolitischem Gebiet wurde schließlich eine Entschließung
angenommen, in der eine Verbesserung der Löhne, Gehälter und Lohnnebenleistungen gefordert wird, um, wie es heißt, die Kaufkraft der
Arbeitnehmer zu erhöhen und den Werktätigen "einen fairen Anteil an
den Früchten einer steigenden Produktivität".zukommen zu lassen.
Zu den anderen tarifpolitischen Zielen gehören ferner Abkommen
über Arbeits- und Einkommensgarantien sowie angemessene Entschädigungen in Fällen, in denen die Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze verlieren; verbesserte private Krankenversicherungs-, Sozial- und Pensionspläne; Maßnahmen zur Minderung der nachteiligen wirtschaftlichen
und soziologischen Auswirkungen für den Arbeitnehmer im Falle der
Entlassung auf Grund der technischen Entwicklung oder der Verlegung
von Produktionsstätten und eine Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich, um auf diese Weise die Zahl der
verfügbaren Arbeitsplätze zu erhöhen.
Als 1. Vorsitzender der AFL-CIO wurde der bisherige Verbandsvorsitzende, George Meany, für die nächsten zwei Jahre in seinem Amt
bestätigt, so daß sich auch in diesem Fall jene Gerüchte nicht bestätigten, die vor Beginn des Kongresses von einer starken Opposition
gegen Meany wissen wollten.

* * * * *

-

8

�Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie
In der dritten Februarwoche hat sich der Vorhang wieder zu
einem Schauspiel geöffnet, das in den Nachkriegsjähren bereits
15mal - mit jeweils unterschiedlichem Erfolg - über die amerikanische Bühne gegangen ist. Das Stück heißt "Die Tarifverhandlungen der Sozialpartner der amerikanischen Stahlindustrie". Die
Hauptdarsteller sind die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft
(USA), die 800 000 Arbeitnehmer der Eisen- und Stahlindustrie vertritt, sowie ein gut eingespieltes Team von Unternehmensvertretern,
die die Interessen von 11 großen Stahlgesellschaften wahrnehmen. Vorläufig noch in der Kulisse, aber auf einen möglichen Auftritt vorbereitet ist die amerikanische Regierung, die dann die Szene beleben wird, wenn die Hauptakteure dieses Schauspiels vor Ende des
letzten Aktes steckenbleiben sollten.
Dennoch besteht in diesem Jahr aller Grund zu der Annahme, daß
alles glatt über die sozialpolitische Bühne gehen wird. Die Ursache
dieses Optimismus sind einmal das verhältnismäßig günstige Klima,
das die Verhandlungen bereits zu Beginn umgibt, und zum anderen die
allgemeinen wirtschafts- und sozialpolitischen Vorzeichen, unter denen diese TarifVerhandlungen stehen. Beide Tatsachen deuten jedenfalls darauf hin, daß 1962 alles schnell ablaufen wird und ein Abkommen zustande kommt, das keine inflationistischen Strömungen auslöst und sowohl den Gewerkschaften, den Unternehmen als auch der
Öffentlichkeit zum Vorteil gereicht. Allerdings wird dieser Optimismus durch die Erinnerung an die sechs großen Stahlarbeiterstreiks
nach 1946 ein wenig getrübt.
Ein Anzeichen für den Wunsch beider Parteien, eine ähnliche
Entwicklung zu vermeiden wie etwa 1959/^0, als sich die Stahlarbeiter 116 Tage lang im Ausstand befanden, ist darin zu sehen, daß
die Verhandlungen bereits am 14« Februar aufgenommen wurden, also
sehr viel früher als sonst. Diese frühzeitige Aufnahme der Verhandlungen bietet beiden Tarifpartnern ausreichende Möglichkeiten, die
Lohngespräche vor Auslaufen der derzeitig gültigen Verträge (30.Juni)
zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen.
Eine rechtzeitige Einigung würde zweifellos sehr wesentliche
Vorteile für die US-Wirtschaft mit sich bringen. Vor allem würde
dadurch die Spekulation im Hinblick auf die Möglichkeit eines
Streiks gedämpft und ein übermäßig starker Lageraufbau der Stahlverarbeiter verhindert werden. Die Auftragseingänge würden sich
dann über einen größeren Zeitraum verteilen, und die Produktion
Winnte auf einem gleichmäßigen Niveau gehalten werden. Dies wiederum
würde eine weitere stetige Expansion der Gesamtwirtschaft gewährleisten und die erneut auflebende Konjunktur nicht gefährden.
Gleichzeitig aber besteht auch begründete Hoffnung, daß das
neue Lohnabkommen in der Stahlindustrie keine inflationistischen
Züge aufweisen wird. Da die Stahlindustrie in der US-Wirtschaft
eine überragende Stellung einnimmt, ist gerade diese Tatsache von
großer Bedeutung. Denn jede überhöhte Lohnkonzession würde zwangsläufig einen entscheidenden Einfluß auf die Lohn-Preis-Spirale haben

9

�haben und Preiserhöhungen für eine ganze Skala von Erzeugnissen
nach sich ziehen.
Beide Sozialpartner haben bereits zu erkennen gegeben, daß
sie sich über die Vorteile im klaren sind, die sich aus einer
schnellen Einigung und einem nichtinflationistischen Abkommen
für alle Beteiligten ergeben. Ganz abgesehen von dem gesamtwirtschaftlichen Nutzen, durch den wiederum beide Partner auch indirekt
profitieren würden, geht es hier nämlich in erster Linie um die Wettbewerbsfähigkeit des Stahls selbst, und zwar sowohl gegenüber den
ausländischen Stählen als auch gegenüber den mit dem Stahl konkurrierenden Materialien wie Aluminium, Glas und Kunststoff.
Wenn die amerikanische Regierung auch keine gesetzliche Handhabe
besitzt, um auf die Löhne und Preise regulierend einzuwirken, so hat
sie aber dennoch die Möglichkeit, die Verhandlungen in gewisser Hinsicht zu beeinflussen. Und daß sie von dieser Möglichkeit intensiven
Gebrauch zu machen gedenkt, hat sie bereits in den vergangenen Wochen
zu erkennen gegeben. So haben sowohl Präsident Kennedy als auch führende Mitglieder der Regierung bei verschiedenen Anlässen deutlich
zum Ausdruck gebracht, daß die Stahlpreise auf keinen Fall in Bewe-,
gung geraten dürfen und daß die Lohnerhöhungen sich im Rahmen der
Produktivitätszunahmen halten müßten. Diese Appelle der KennedyAdministration an die Sozialpartner haben ihre Wirkung - wie die
frühzeitige Aufnahme der Verhandlungen zeigt - bislang nicht verfehlt, und es ist zu hoffen, daß sie auch während der Verhandlungen
von den Tarifpartnern der Stahlindustrie beherzigt werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Präsident Kennedy legte Kongreß Sozialbotschaft vor
Präsident Kennedy hat am 1. Februar eine Sonderbotschaft an den
amerikanischen Kongreß gerichtet, in der er die Billigung eines umfassenden öffentlichen Sozialprogramms fordert, das allen Amerikanern,
vor allem aber den weniger vom Glück begünstigten ein gutes Auskommen
sichern soll. In seiner Botschaft betonte Kennedy, daß den ärmeren
Menschen geholfen werden müsse, ein "produktives, glückliches und
unabhängiges Leben" zu führen. Die Hauptaufgabe in diesem Zusammenhang
sei es, wirtschaftliche und soziale Chancen für alle zu schaffen.
Das vom Präsidenten unterbreitete Programm soll im wesentlichen
von dem Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen
durchgeführt werden. Die sozialen Aufgaben werden von der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Einzelstaaten der USA durchgeführt,
wobei Washington zum Teil über die Hälfte der Kosten trägt; die Bundesregierung übt jedoch keine Kontrolle über die Programme aus. Insgesamt

10

�Insgesamt erhalten z.B. rund 7 250 000 Amerikaner Sozialunterstützung in irgendeiner Form.
In seiner Botschaft wies der Präsident darauf hin, daß die
soziale Fürsorge mehr sei als eine "Rettungsaktion für Trümmer
des menschlichen Lebens". Sie müsse vielmehr darauf abzielen, das
Scheitern der Existenz zu verhindern und dem Menschen eine neue
Existenz in der Gesellschaft zu geben. "Armut schwächt den einzelnen und die Nation", so schrieb der Präsident in seiner Botschaft. "Eine gesündere öffentliche Sozialpolitik dient der Nation,
ihrer Wirtschaft, ihrer Moral und, was am wichtigsten ist, ihren
Menschen."
Präsident Kennedy unterstrich, daß die heute gültigen öffentlichen Sozialprogramme vor rund 25 Jahren ausgearbeitet wurden und
daß eine tiefgreifende Reform notwendig sei.
"Die Ziele unseres öffentlichen Sozialprogramms", so heißt es
in der Botschaft, "müssen positiv und konstruktiv sein - um wirtschaftliche und soziale Chancen für die weniger Begünstigten zu
schaffen, um ihnen zu helfen, ein produktives, glückliches und
unabhängiges Leben zu finden. Es muß die Integrität und die Erhaltung der Einheit der Familie unterstreichen. Es muß dazu beitragen,
Abhängigkeit, Jugendkriminalität, Zerfall der Familie, Illegitimität,
Krankheit und Arbeitsunfähigkeit zu beseitigen."
Das Programm soll das Auftreten solcher Probleme verringern
und den sozial Schwachen schützen. Um diese Ziele zu erreichen,
schlug der Präsident vor:
daß die Einzelstaaten durch das Angebot größerer Bundesmittel
in ihren Bemühungen ermutigt werden, die sozial Schwachen so in
die Wirtschaft einzugliedern, daß sie auf eigenen Füßen stehen
können, wobei der Bund jetzt 75 Prozent der Kosten - statt wie bisher nur 50 Prozent - tragen würde;
daß die Bundesregierung Mittel für Kinderhorte zur Verfügung
stellt;
daß die gegenwärtige Höchstgrenze für Zuwendungen des Bundes an
Einzelstaaten für die Kinderfürsorge heraufgesetzt wird;
daß die bestehenden Gesetze geändert werden, um den Einzelstaaten mit Bundeshilfe Ausbildungsprogramme für arbeitslose Rentenempfänger zu ermöglichen;
daß der Bundeszuschuß für Kinderbeihilfen erhöht wird und
daß das gegenwärtige Gesetz über die soziale Sicherheit dahin
gehend geändert wird, daß Unterstützungsempfänger ohne Furcht vor
einem Entzug der Unterstützung eine neue Beschäftigung suchen können.
Der

11

�Der Präsident unterstrich in seiner Botschaft nachdrücklich,
daß diese Aufgaben von höchster Bedeutung für die amerikanische
Nation seien und so rasch wie möglich in Angriff genommen werden
müßten.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung, Veröffentlicht
Die Automation ist sowohl für die Verteidigung als auch für
den Wohlstand des amerikanischen Volkes von entscheidender Bedeutung.
Sie läßt sich in der amerikanischen Wirtschaft ohne die Preisgabe
menschlicher Werte durchführen.
Dies ist die Meinung des 21 köpfigen Beratungsausschusses des
US-Präsidenten für Arbeitnehmer-Arbeitgeberfragen nach einer umfangreichen Untersuchung sämtlicher durch die Automatisierung in
Industrie und Wirtschaft bewirkten Veränderungen.
In dem in der dritten Januarwoche veröffentlichten Bericht
heißt es ferner, daß ein Höchstmaß der technischen Entwicklung sich
nur dann ohne nachteilige Auswirkungen auf die Bevölkerung realisieren lasse, wenn gemeinsame Anstrengungen von Wirtschaft und Regierung
im Rahmen eines freien Wirtschaftssystems unternommen werden. Die
Automatisierung und die technischen Veränderungen hätten bereits dazu geführt, daß der amerikanische Arbeitnehmer von zahlreichen schweren körperlichen Arbeiten sowie gefährlichen oder sich ständig wiederholenden Tätigkeiten befreit wurde. Der einzelne Arbeiter in den USA
könne auf Grund des bisher erzielten technischen Fortschritts bei
einer weitaus geringeöBm Arbeitszeit sehr viel mehr Güter als früher
herstellen und hierfür einen viel höheren Lohn in Empfang nehmen.
Wenn auch die Automatisierung und die schnelle technologische
Entwicklung zur Beseitigung vieler Arbeitsplätze geführt hätten,
so würden doch andererseits, wenn es nicht gelänge, das bisherige
Tempo der Automatisierung beizubehalten und darüber hinaus sogar
noch zu steigern, weitaus schlimmere Beschäftigungs- und andere
Probleme ausgelöst werden, als sie heute die Automation stelle.
Zur Lösung der derzeitigen Arbeitsmarktprobleme und zur Milderung der Auswirkungen der Automatisierung werden in dem Bericht
eine Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate, ein stärkeres
Engagement der Regierung bei der Verbreitung von Arbeitsplatzinformationan als bisher, eine verstärkte, engere Zusammenarbeit zwischen
Regierungsstellen und privaten Organisationen hinsichtlich der Umschulung und Ausbildung von Arbeitskräften sowie ein besseres Handin-Hand-Arbeiten von Gewerkschaften und Unternehmen in Arbeitsplatzfragen für notwendig erachtet.
„,

12

�Ebenso wird in dem Bericht des 21köpfigen Präsidialausschusses
eine Verbesserung der Arbeitslosenversichung sowie die Gewährleistung der Pensions- und anderer Altersversorgungsansprüche der Arbeitnehmer bei Entlassungen gefordert.
Eine sofortige Verkürzung der normalen Arbeitswoche (40 Stunden)
als Mittel zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen wird dagegen von
den Ausschußmitgliedern zum gegenwärtigen Zeitpunkt für undurchführbar gehalten, jedoch als eine künftige Möglichkeit angesehen.
Bei der Überreichung des Berichts erklärte Präsident Kennedy:
"Wir müssen jede Möglichkeit des technischen Fortschritts nutzen,
aber wir können dabei nicht die menschlichen Werte völlig unbeachtet
lassen. Ihre Empfehlungen lassen genau die beiden Seiten dieses
Problems erkennen."
Der Bericht selbst wurde von den 21 Ausschußmitgliedern, die sich
zu gleichen Teilen aus Vertretern der Wirtschaft, der Gewerkschaften
und der Öffentlichkeit zusammensetzen, einstimmig gebilligt. Lediglich der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Professor Arthur P. Burns
versagte einigen Abschnitten seine Zustimmung, da in ihnen nach seiner
Ansicht die zahlreichen Ursachen der Erwerbslosigkeit, insbesondere
die saisonalen Paktoren, nicht stark genug herausgearbeitet worden
waren.
(Quelle: Eigenbericht)

##»#.#

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 4

Bad Godesberg, den 1. April 1962

INHALTSVERZEICHNIS
Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft

Seite

1

Seite

10

Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen

Seite

11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

12

Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger
als höhere Löhne

Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft

Aus "The American Federationist", dem
offiziellen Organ des amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO
(Februar 1962) .

Wie sind die Aussichten auf Lohnerhöhungen im Jahre 19^2, und
inwieweit werden sich die Ergebnisse der diesjährigen Tarifverhandlungen von denen des Vorjahres unterscheiden?
Die auf Grund von Tarifverhandlungen zwischen den Sozialpartnern
getroffenen Vereinbarungen weichen im Ergebnis stets beträchtlich voneinander ab, und zwar nicht nur unter den einzelnen Wirtschaftszweigen,
sondern auch innerhalb der einzelnen Branchen selbst. Auch das Jahr 1962
wird in dieser Hinsicht keine Ausnahme bilden. Jedenfalls deutet gegenwärtig nichts darauf hin, daß sich die in diesem Jahr zu erwartenden
Ergebnisse der Lohnverhandlungen wesentlich von den Ergebnissen der
Vorjahre unterscheiden werden.
Der sich weiter fortsetzende wirtschaftliche Aufschwung dürfte
dennoch zweifellos dazu beitragen, den allgemeinen Durchschnitt der
Lohnerhöhungen etwas anzuheben, wie überhaupt das Wirtschaftsklima
in den USA in diesem Jahr für Lohnaufbesserungen günstiger zu sein
scheint als etwa im Rezessionsjähr 196O oder in dem von einer hohen
Arbeitslosigkeitsrate (7»0$) gekennzeichneten Vorjahr.
Schon

�daß
den
all
der

Schon auf Grund dieser äußeren Vorzeichen ist damit zu rechnen,
die in diesem Jahr ausgehandelten Lohnerhöhungen zum überwiegenTeil zwischen 3 und 5 Prozent (7-12 Cent) liegen und wie auch in
den anderen Jahren von erheblichen Verbesserungen auf dem Gebiet
Lohnnebenleistungen begleitet sein werden.

In dieser Prognose kommt dabei nicht die offizielle Ansicht der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu lohnpolitischen Fragen zum
Ausdruck, noch spiegeln sich darin lohnpolitische Ziele wider. Es
handelt sich hierbei lediglich um das rein aachliche Ergebnis einer
allgemeinen lohnpolitischen Analyse. Nach Ansicht der AFL-CIO wären
jedoch in diesem Jahr größere Lohnerhöhungen in vielen Fällen durchaus
gerechtfertigt und darüber hinaus insofern auch sehr nützlich, als
sie die Verbrauchsgütermärkte weiter beleben, die wirtschaftliche
Wachstumsrate beschleunigen und die erforderlichen zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen helfen würden.
Die wirtschaftlichen Faktoren
Zahlreiche wirtschaftliche Faktoren, die schon in den letzten
Jahren einen mäßigenden Einfluß auf die Lohnpolitik ausübten, dürften
auch 1962 weiter wirksam sein. Zu diesen die Höhe der Lohnforderungen
begrenzenden Faktoren zählen u.a. die immer noch schwierige Arbeitslosensituation in zahlreichen Gebieten der USA, das Niveau der Lohnerhöhungen, die in diesem Jahr auf Grund langfristig abgeschlossener
Tarifverträge automatisch wirksam werden ,und der relativ geringe Anstieg der Lebenshaltungskosten.
Auch die Ermahnungen Präsident Kennedys und Arbeitsminister Goldbergs an die Gewerkschaften und Unternehmen, gesamtwirtschaftliches
"Verantwortungsbewußtsein" in den kommenden Tarifverhandlungen zu
zeigen, damit sich die ausgehandelten Lohnerhöhungen in den Rahmen
der Produktivitätszunahmen einfügen, dürften dazu beitragen, die Anstiege auf dem Niveau der letzten Jahre zu halten.
Durch all diese Tatsachen könnten verschiedene andere wirtschaftliche Faktoren weitgehend aufgewogen werden, die größere Lohnerhöhungen
rechtfertigen als in den vergangenen Jahren. Die wichtigsten dieser
Faktoren sind dabei die gegenwärtig auffallend hohe Wachstumsrate der
Produktivität sowie der bemerkenswerte Anstieg der Unternehmergewinne.
Der Anstieg der Produktivität von Anfang 19^1 bis zum Jahresbeginn 1962 war stärker als je zuvor. Die Zuwachsrate ist in diesem Zeitraum zumindest doppelt so hoch, wenn nicht sogar noch höher gewesen
als im Durchschnitt der Nachkriegsjähre. Diese erhebliche Zunahme der
Produktivität ist nicht nur in der Industrie festzustellen, sondern
auch in praktisch allen nichtindustriellen Sektoren der Wirtschaft.
In den verschiedenen bisher veröffentlichten Schätzungen über
die wahrscheinliche Höhe der Unternehmensgewinne im Jahre 1962, darunter
auch die offiziellen der US-Regierung, werden die Gewinne der Kapitalgesellschaften,- verglichen mit je 45 Mrd. in den Jahren i960 und 1961
und dem bisherigen Rekord von 47 Mrd. Dollar,auf 52-57 Mrd. Dollar
beziffert. Die Unternehmergewinne würden daher 1962 im Vergleich zum
Niveau der letzten Jahre um 15-25 Prozent höher liegen.
,
2

�In Anbetracht der wachsenden Unternehmergewinne, der Produktivitätszunahmen, der steigenden Lebenshaltungskosten sowie der
vergleichbaren Löhne in der Gesamtwirtschaft und anderer Paktoren
geht man wohl nicht fehl in der Annahme, daß die 1962 ausgehandelten Lohnerhöhungen letzten Endes etwas größer sein werdai als in den
vergangenen Jahren. Die meisten Abkommen dürften wohl eine Realzunahme der Löhne von 3-5 Prozent gewährleisten.
Für zahlreiche Arbeitnehmer sind d,ie Lohnerhöhungen für 1962
bereits auf Grund langfristiger, in den Vorjahren abgeschlossener
Tarifverträge im voraus festgelegt. Diese Zunahmen dürften sich
dabei zum überwiegenden Teil auf 2,5 bis 4 Prozent (plus Lebenshaltungskostenausgleich) oder 6-8 Cent pro Stunde belaufen - wobei
sich diese bereits feststehenden Größenordnungen als ein hemmender
Faktor für alle anderen Lohnforderungen erweisen, die von den Gewerkschaften eventuell in diesem Jahr in TarifVerhandlungen gestellt
werden.
Bei der Analyse der möglichen lohnpolitischen Entwicklungen
in diesem Jahr haben wir uns bisher nur mit den zu erwartenden "Durchschnittswerten" befaßt, so daß sehr leicht der Eindruck entstanden
sein könnte, als ob sich die diesjährigen Lohnverhandlungen sehr einheitlich und nach einem bestimmten "Muster" ausgerichtet vollziehen
würden. Das wird jedoch nicht der Fall sein. Im Gegenteil, wie in
all den anderen Jahren wird auch das Hauptmerkmal der diesjährigen
Verhandlungen die große Verschiedenartigkeit der Tausende von Abkommen sein.
Obwohl die verschiedenen bereits aufgezeigten grundlegenden Faktoren all diese Verhandlungen weitgehend beeinflussen werden, dürfte
doch jede einzelne Tarifverhandlung von besonderen und nur ihr eigenen
Faktoren bestimmt werden. Zu diesen Faktoren, durch die das Ergebnis
der Verhandlung,vor allem aber die Höhe der zugestandenen Löhne
weitgehend mitbestimmt wird, zählen unter anderen: Haltung der
Gewerkschaftsmitglieder; Stärke der Gewerkschaft; Einstellung des
Managements; wirtschaftliche Lage des jeweiligen Industriezweiges,
des Unternehmens selbst und am Standort des Betriebes; das jeweilige Lohnniveau; Art und Umfang der Lohnunterschiede; zusätzliche
Sozialleistungen und andere nicht in der Lohnsumme in Erscheinung
tretende Zulagen; Dauer des alten und des neuen Abkommens.
Zunahme langfristiger Abkommen
Auf Grund der zunehmenden Praxis, langfristige Tarifverträge
(mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr) abzuschließen, sind
viele Gewerkschaften heute nicht mehr gezwungen, Jahr für Jahr Tarifverhandlungen mit den Unternehmen zu führen. Daher stehen 1962 auch
keine Verhandlungen in solchen großen Industriezweigen wie der Automobil-, der Elektro-, der Gummi- und der Fleischkonservenindustrie an.
Auch in einigen anderen wichtigen Wirtschaftszweigen wie etwa dem
graphischen, dem Bau- und dem Straßentransportgewerbe kommt es in diesem
Jahr zu keinen neuen Verhandlungen.
Dennoch

�Dennoch werden die von diesen langfristigen Abkommen erfaßten
Arbeitnehmer 1962 Lohnerhöhungen auf Grund von 1961 oder noch früher
abgeschlossenen Verträgen erhalten. Nach einer Übersicht des USArbeitsministeriums, die sich auf Großtarifabkommen (mit mehr als
1000 Arbeitnehmern) bezieht, werden 1962 insgesamt 2,5 Millionen
Arbeitnehmer auf Grund solcher Verträge höhere Löhne empfangen,
Rund 45 Prozent davon können dabei mit Lohnaufbesserungen von 7
Cent und mehr rechnen, während bei weiteren 43 Prozent die Erhöhungen zwischen 6,0 und 6,9 Cent pro Stunde liegen werden. Die Tatsache,
daß der größte Teil dieser Arbeitnehmer Lohnaufbesserungen zwischen
6 und 7 Cent bekommt, ist darauf zurückzuführen, daß die großen Abkommen (Automobil-, Landmaschinen-, Gummi- und Fleischkonservenindustrie) eine durchschnittliche Anhebung der Löhne von 6-7 Cent vorsehen.

Tabelle 1
Auf Grund langfristiger Tarifverträge 1962 wirksam
werdende Lohnerhöhungen
Umfang der Lohnerhöhungen
Unter 5 Cent
Cent
5-5,9

Anteil an der Arbeitnehmerzahl

6-6,9

Cent

4 Prozent
6 Prozent
43 Prozent

7-7,9
8-8,9

Cent
Cent

11 Prozent
13 Prozent

9-9,9

Cent

7 Prozent
5 Prozent

10-10,9 Cent
11 Cent und mehr

10 Prozent

In den nichtindustriellen Zweigen(ohne Bauwirtschaft) liegt der
Durchschnittssatz höher, Über 80 Prozent der Arbeitnehmer erhalten hier
in diesem Jahr automatische Lohnerhöhungen von 8 Cent und mohr. AuSof«
dem besteht die Möglichkeit,_daß rund die Hälfte (54 Prozent) dieser
2 Millionen Arbeitnehmer noch eine zusätzliche Lohnerhöhung erhalten
werden, und zwar bei einem Anstieg der Lebenshaltungskosten (Lohnausgleichklausel) . Wenn also die Verbraucherpreise gegenüber dem
Vorjahr um 1 Prozent ansteigen sollten - wie das übrigens auch 1961
der Fall war -, dann würde sich die hierdurch ausgelöste Lohnerhöhung
auf 2 bis 3 Cent stellen. Die Lohngleitklausel kommt hauptsächlich in
solchen Verträgen zur Anwendung, in denen die allgemeinen Lohnerhöhungen verhältnismäßig niedrig sind. So wurden z.B. rund drei.Viertel
all jener Arbeitnehmer in den Genuß dieser Ausgleichsbeträge kommen,
die in diesem Jahr auf Grund bereits abgeschlossener Tarifverträge
nur Lohnaufbesserungen zwischen 6 und 7 Cent erhalten. In denjenigen
Verträgen, die keine Lohngleitklausel enthalten, sind die vereinbarten
Lohnerhöhungen dagegen gewöhnlich größer.
_

�Im Baugewerbe, wo die Tarifverträge im allgemeinen keine Lohngleitklauseln aufweisen, werden die 1962 wirksam werdenden Lohnerhöhungen 15 Cent und mehr ausmachen. Auf Grund langfristiger Tarifverträge werden 1962 insgesamt 400 000 Bauarbeiter Lohnaufbesserungen
bekommen. Wie dazu aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriums
zu entnehmen ist, erhalten 60 Prozent der Bauarbeiter dabei Erhöhungen von 15 Cent und mehr pro Stunde, während 20 Prozent sogar Aufbesserungen von 25 Cent und mehr realisieren können. (Da die Löhne
im Baugewerbe verhältnismäßig hoch sind, sind die prozentualen Zunahmen dementsprechend auch geringer als in anderen Industriezweigen.)

Tabelle 2
Lohnerhöhungen auf Grund von Großtarifverträgen 1961 *
Lohnerhöhung pro Stunde

Anteil an der Arbeitnehmerzahl

Unter 5 Cent
unter 4 Cent
4-4,9
Cent

8 Prozent
4 Prozent
4 Prozent

5-6,9 Cent
.5-5,9
Cent
6-6,9
Cent

29 Prozent
18 Prozent
11 Prozent

7-8,9

18 Prozent

Cent

7-7,9

Cent

10 Prozent

8-8,9

Cent

8 Prozent

9-10,9 Cent
9T9,9
Cent
10-10,9 Cent

26 Prozent

11 Cent und mehr

20 Prozent

11-12,9

Cent

13 Cent und mehr

7 Prozent
19 Prozent

12 Prozent
8 Prozent

Diese Statistik ist das Ergebnis einer Untersuchung von Großtarifverträgen (mehr als 1000 Arbeitnehmer), die 1961 abgeschlossen wurden und durch die insgesamt 5,66 Millionen Arbeitnehmer erfaßt werden. Nicht darin enthalten sind die Verträge
der Bauwirtschaft.
- 5 -

�Die Veränderungen bei den Lebenshaltungskosten waren 1961
nur geringfügig. Am Verbraucherpreisindex des US-Arbeitsministeriums
gemessen, haben sich die Lebenshaltungskosten zwischen Januar und
Dezember 1961 nur um weniger als 1 Prozent erhöht. Auch in diesem
Jahr dürfte die Zunahme wiederum nur verhältnismäßig gering sein
und wahrscheinlich nicht mehr als 1-2 Prozent ausmachen. Veränderungen in dieser Größenordnung bilden allgemein keinen gewichtigen
Paktor in den TarifVerhandlungen. Die zum Ausgleich des Kaufkraftverlustes in diesem Falle erforderlichen Lohnzulagen belaufen sich
auf 2 bis 3 Cent pro Stunde. Wenn solchen Erhöhungen der Lebenshaltungskosten nicht durch Lohngleitklauseln in ihren Verträgen
Rechnung getragen ist, so muß eine Gewerkschaft, die Anfang 1962
über neue Verträge verhandelt, zuerst diesen Kaufkraftverlust ausgleichen, ehe sie ihre Forderung auf Erhöhung der Reallöhne stellt.
Durch Großtarifverträge (Verträge, die jeweils mehr als 1000
Arbeitnehmer betreffen) mit Lohngleitklausel werden gegenwärtig
etwa 2,5 Millionen Arbeitnehmer erfaßt; wie viele Arbeitnehmer dagegen die kleineren Verträge mit Lohngleitklausel umfassen, läßt
sich nicht genau feststellen.
Die Lohngleitklausel
Lohngleitklauseln sind hauptsächlich in den langfristigen Tarifabkommen enthalten. Die Gewerkschaften versuchen sich auf diese
Weise einen automatischen Schutz gegenüber steigenden Lebenshaltungskosten zu sichern. Auch im vergangenen Jahr bildeten die Lohngleitklauseln Hauptpunkte bei verschiedenen großen Tarifverhandlungen so vor allem mit der Automobil- und der Fleischkonservenindustrie,
wo das Management bestrebt war, bestehende Lohngleitklauseln aus
den Verträgen zu eliminieren oder einzuschränken. Dennoch wurden
diese Klauseln unverändert in die neuen Verträge übernommen, weil
die Gewerkschaften darauf bestanden, langfristige Tarifabkommen
nur dann abzuschließen, wenn ihren Mitgliedern ein automatischer
Schutz gegenüber möglichen Preiserhöhungen gewährt werde.
Die im vergangenen Jahr notwendig gewordenen Lohnaufbesserungen
auf Grund der Lohngleitklausel waren in Anbetracht der nur wenig
angestiegenen Verbraucherpreise allgemein etwas geringer als in den
Vorjahren. In der Automobilindustrie betrug die Erhöhung nur 1 Cent
pro Stunde. (Zwar hätte hier die Erhöhung 2 Cent ausmachen müssen,
aber die Gewerkschaft war damit einverstanden, daß der zweite Cent zur
Verbesserung der Pensionsleistungen verwendet wurde.) Im Vergleich
hierzu beliefen sich die automatischen Gehaltsaufbesserungen in der
Automobilindustrie im Jahre i960 auf 4 Cent, 1959 auf 3 Cent und
1958vund 1957 auf 6 Cent.
In der Fleischkonservenindustrie dagegen wurde 1961 auf Grund
der Lohngleitklausel eine Lohnerhöhung von 3 Cent fällig, wobei ein
Cent für künftige Anstiege der Lebenshaltungskosten allerdings
schon im voraus gewährt wurde. In diesem Industriezweig betrugen die
automatischen Lohnerhöhungen im Jahre 196O sowie 1959 ebenfalls

-

6

�ebenfalls 3 Cent, während sie 1958 insgesamt 8 Cent und 1957 5 Cent
betragen hatten.
In der stahl- und eisenschaffenden Industrie, in der die Lohnanstiege auf Grund der Lohngleitklausql auf maximal 3 Cent pro Jahr
begrenzt sind und die Ausgleichssumme sich um jene Beträge vermindert, die ein Unternehmen zur Deckung der erhöhten Krankenversicherungskosten autfwendeni muß, betrug die automatische Erhöhung
der Arbeitseinkommen 1961 insgesamt 1 1/2 Cent. Im Jahr i960 dagegen wurde v,die vorgesehene Erhöhung um 3 Cent durch die höheren
Aufwendungen der Unternehmen für Krankenversicherungskosten völlig
absorbiert. In den Jahren davor ergaben sich Erhöhungen um 1 Cent
(1959),9 Cent (1958) und 7 Cent (1957).
Umfang der Lohnerhöhungen 1961
Der Umfang der 1961 erfolgten Lohnerhöhungen ergibt sich aus
einer Analyse des amerikanischen Arbeitsministeriums von Großtarifverträgen, durch die insgesamt 5,6 Millionen Arbeitnehmer erfaßt wurden. In dieser Übersicht sind sowohl die automatischen als auch die
regulären Lohnerhöhungen berücksichtigt, die im Vorjahr ausgehandelt
wurden.
Danach beliefen sich die durchschnittlichen Erhöhungen auf
etwas über 8 Cent (oder etwa 3*5 bis 4 Prozent), wobei 37 Prozent
aller erfaßten Arbeitnehmer Lohnaufbesserungen unter 7 Cent pro
Stunde erhielten, 18 Prozent zwischen 7,0 und 8,9 Cent und fast
die Hälfte (46 Prozent) 9 Cent und mehr bekamen.

Tabelle 3
Lohnerhöhungen im Baugewerbe 1961

Erhöhung pro Stunde

Anteil an der Arbeitnehmerzahl
1 Prozent

Unter 5 Cent
5-9,9 Cent

15 Prozent

10-14,9 Cent

39 Prozent

15-19,9 Cent

,

20 Cent urd nohr

30 Prozent
15 Prozent

Zu

�Zu denjenigen Arbeitnehmern, die Lohnerhöhungen unter 7 Cent
erhielten, gehörten auch die der Automobilindustrie; zwar konnten
sie nur einen Anstieg von durchschnittlich 5,5 Cent verzeichnen,
praktisch jedoch betrug diese Aufbesserung 8,5 Cent, da 3 Cent
aus der Gesamtlohnerhöhung an die verschiedenen Sozialfonds (Krankenversicherung, Pensionen usw.O abgeführt wurden, weil sich die
Unternehmer ihrerseits verpflichtet hatten, gleichfalls pro Arbeitsstunde fast 7 Cent an diese Fonds abzuführen und auf die
Arbeitnehmerbeiträge in Zukunft überhaupt zu verzichten. Tatsächlich machten also hier die Lohnaufbesserungen rund 12 Cent aus.
In der Übersicht des US-Arbeitsministeriums sind die Tarifabkommen der Bauwirtschaft nicht enthalten. Berücksichtigt man diese
Tarifabkommen, so erhöht sich der Durchschnitt nicht unbeträchtlich.
Lohnnebenleistungen
Der größte Teil der 1961 abgeschlossenen Tarifverträge (75 Prozent) sah neben den Lohnerhöhungen ferner Verbesserungen bei mindestens
einer freiwilligen Lohnnebenleistungsart vor. Wenn auch Art und Zahl
der Leistungsverbesserungen sehr verschiedenartig sind, so haben sich
doch auch hier einige Trends herausgebildet. So hat zum Beispiel
die Zahl der Tarifverträge erheblich zugenommen, in die Arbeitspiatzund Einkommenssicherungsklauseln aufgenommen wurden. Dies war vor
allem in jenen Unternehmen und Industriezweigen der Fall, deren Arbeitsplätze durch die technologischen Veränderungen und die Umsiedlung von Produktionsanlagen bedroht werden. Die wichtigsten Abmachunge
dieser Art sind dabei:
1 . Zahlung von Unterstützungen bei vorübergehender Entlassung
oder einer zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung; Gewährung von Entlassungsgeldern; Beibehaltung der Anwartschaft auf die Leistungen aus
den verschiedenen Sozialfonds während der Arbeitslosigkeit; Zahlung
von Umschulungsbeihilfen und anderen finanziellen Hilfen für die
entlassenen Arbeitnehmer.
2. Schriftliche Fixierung besonderer Verfahren für die Einführung
neuer Produktionstechniken oder für die Umsiedlung eines Unternehmens,
um die Zahl der zu Entlassenden auf ein Minimum zu beschränken.
Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang noch die Einführung einer neuen Leistungsart: die Einkommenssicherung bei verkürzter Arbeitswoche (Automobilindustrie). Die entsprechenden Abmachungen
sehen vor, daß alle Arbeitnehmer, die in einer beliebigen Woche zur
Arbeitsableistung aufgefordert werden, aber nicht die tariflich festgelegte 3 Anzahl an Mindestarbeitsstunden erreichen, 65 Prozent ihres
Normallohnes für die nicht abgeleisteten Stunden erhalten sollen,
wenn die verkürzte Arbeitswoche im voraus eingeplant war, und 50 Prozent, wenn die Kurzarbeitszeit nicht eingeplant war, aber durch Auftragsmangel, technische Störungen usw. ausgelöst wurde.
Sozialpläne

�Sozialpläne
Zu denjenigen freiwilligen Sozialleistungen, die im vergangenen
Jahr auf Grund neuer Tarifverträge überausiert wurden, gehören
vor allem die Krankenversicherungs- und Sozialpläne. Über die Hälfte
aller Abkommen sahen hier erhöhte Leistungen bei Erkrankung oder
Krankenhausaufenthalt sowie bei Betriebsabwesenheit auf Grund von
Krankheit vor. Ebenso wurden die Lebensversicherungssummen heraufgesetzt.
Bei den privaten Pensionsplänen zeichneten sich folgende Entwicklungen im Vorjahr ab:
1 . Erhöhung der Pensionsleistungen;
2. Erleichterung der Anwartschaftsbedingungen;
3. Liberalisierung der Anwartschaftsbestimmungen. In vielen Fällen bleiben den anspruchsberechtigten Arbeitnehmern auch dann
die Leistungen erhalten, wenn sie ihre Arbeit vor Erreichen
der Altersgrenze aufgeben.
4. Lockerung der Bestimmungen im Falle der vorzeitigen Pensionierung
und der Vollinvalidität.
Auch solche zusätzlichen Sozialleistungen wie bezahlte Feiertage
und bezahlter Urlaub wurden in den meisten 1961 abgeschlossenen Tarifverträgen verbessert. Bei bezahltem Urlaub geht die Tendenz dahin,
die Zahl der für die Gewährung des Maximalutrlaubs erforderlichen
Dienstjahre weiter herabzusetzen. Die häufigste Form des bezahlten
Urlaubs sind 2 Wochen nach ein bis zwei Dienst jähren; 7, Urlaubswochen
erhalten Arbeitnehmer mit zehn, fünf oder noch weniger dienstjähren,
während der vierwöchige Urlaub allen Arbeitnehmern mit 20 und teilweise
auch weniger Dienst jähren gewährt wird. Besonders bemerkenswert ist
in diesem Zusammenhang noch, daß im Vorjahr schon vereinzelt Abkommen
abgeschlossen wurden,die den Arbeitnehmern sogar einen fünfwöchigen
Urlaub sichern.
Bei den bezahlten Feiertagen schließlich ergibt sich für 1962
folgendes Bild: in der Regel werden jetzt statt der allgemein üblichen
sieben zunehmend acht bis neun Feiertage voll vergütet.

Aus "The American Federationist",
dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes
AFL-CIO (Februar 1962).

* * * * *

-

9 "

�Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger als höhere Löhne
Die Tarifverhandlungen sind in den letzten Jahren nicht nur
schwieriger, sondern auch langwieriger geworden. Zum Teil ist dies
mit auf die Tatsache zurückzuführen, daß sich der Verhandlungsschwerpunkt immer mehr von den reinen Lohn- und Arbeitszeitfragen auf die
komplizierteren Probleme der Arbeits- und Einkommensgarantie verlagert hat. Gleichzeitig kann aber auch festgestellt werden, daß
von den Gewerkschaften heute allgemein eine friedliche Beilegung
von Arbeitskonflikten angestrebt wird und die Tarifverhandlungen
häufig noch nach Auslaufen des gültigen Vertrages weitergeführt werden, ohne daß ein Streik ausgerufen wird. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Gewerkschafter mehr und mehr erkannt haben, daß der
Streik nicht immer das geeignete Mittel ist, um die heutigen Arbeitsprobleme in den USA zu lösen.
Zu diesen Feststellungen kommt der Direktor des "US-Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienstes", William E. Simkin, auf Grund einer
Analyse der gegenwärtigen Tarifverhandlungsprobleme der amerikanischen
Wirtschaft. Die Grundlage dieser Analyse bildeten entsprechende Berichte
von insgesamt 215 Schlichtern in allen Bundesstaaten der USA.
Als die ausgeprägtesten derzeitigen Trends im amerikanischen Tarifverhandlungswesen, die in deutlichem Gegensatz zu denen von fünf
oder zehn Jahren stünden, bezeichnete Simkin folgende:
1. Rückläufiges Interesse an allgemeinen Lohnerhöhungen und an
Lohnangleichungen generell;
2. steigendes Interesse an Fragen der Sicherung der Arbeitsplätze
und der Einkommen sowie an Fragen der Arbeitsbedingungen;
3. Rückgang der Zahl der Tarifverträge, die nach einem "Musterabkommen" abgeschlossen werden;
4. Zunahme der Firmenforderungen auf Vertragsänderung;
5. häufigere Ablehnung der von den Sozialpartnern ausgehandelten
Tarifverträge durch die Gewerkschaftsmitglieder;
6. geringere wirtschaftliche Auswirkungen der Streiks.
Simkin unterscheidet in seiner Analyse zwei verschiedene Gruppen
von gewerkschaftlichen Forderungen, die sich auf die wirtschaftliche
und soziale Sicherheit der Arbeitnehmer beziehen und die von den
Arbeitnehmerverbänden in jüngster Zeit in verstärktem Maße zu Hauptpunkten der TarifVerhandlungen erhoben wurden: die Gruppe der Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze und die zur Sicherung der Einkommen der Arbeitnehmer.
Zur ersten Gruppe zählen dabei alle Bemühungen der Gewerkschaften,
die darauf abzielen, die vorhandene Arbeit zu "strecken", und zwar
durch die Aufnahme von Klauseln in den Tarifvertrag -- daß keine

-

10

-

�keine Aufträge an andere Unternehmen weitervergeben werden; die
Vorarbeiter nicht voll mitarbeiten dürfen; die Arbeitsgruppen zahlenmäßig begrenzt und die Anreizpläne eingeschränkt werden und die durchschnittliche Arbeitswoche verkürzt wird.
Die Forderungen nach wirtschaftlicher Sicherung der Arbeitnehmer
beziehen sich auf folgende Punkte: zusätzliche (private und vom Unternehmer getragene:) Versicherungsleistungen im Falle der Arbeitslosigkeit; höhere Pensionen, Unfallrenten, Krankenversicherungsleistungen
sowie Urlaubs- und Feiertagszuschüsse.

(Quelle: Eigenbericht)

******

Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen
Nach einer Erhebung des US-Amtes für Arbeitsstatistik hat sich
die Zahl der Mitglieder sämtlicher amerikanischer Gewerkschaften zwischen 1958 und i960 geringfügig, und zwar um 36 000 auf Insgesamt
18,117 Millionen, erhöht. In dieser Ziffer sind auch all jene Mitglieder amerikanischer Gewerkschaften enthalten, die ihren Wohnsitz außerhalb der USA (in erster Linie in Kanada) haben.
Wie aus der Untersuchung, die sich auf die Jahre 1959 un(i 1960
erstreckt, weiter hervorgeht, gehörten von den 18,1 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern rund 15»1 Millionen Gewerkschaften an, die im Zentralverband der "AFL-CIO" zusammengeschlossen sind, während etwa 3
Millionen auf unabhängige Arbeitnehmerorganisationen entfielen. Die
Zahl der organisierten Arbeitnehmer, die amerikanischen Gewerkschaften
angehören, aber Bürger anderer Staaten sind, wird in der Untersuchung
mit 1 Million angegeben.

v

Auf Grund dieser neuen Ziffern ergibt sich, daß rund ein Viertel
aller Arbeitnehmer der USA einer Gewerkschaft angehören, während in
den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen jeder dritte Mitglied einer Arbeitnehmerorganisation ist. Das Verhältnis zwischen organisierten und
nichtorganisierten Arbeitnehmern hat sich damit gegenüber der letzten
Erhebung im Jahre 1958 nicht verändert und ist während der gesamten
Nachkriegszeit konstant geblieben.
i

Die Zahl der weiblichen Gewerkschaftsmitglieder wird in der Untersuchung mit 3»3 Millionen angegeben, was einer Zunahme gegenüber
1958 um rund 30 000 entspricht. Auch hier hat sich das Verhältnis der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder mit 1:6 nicht verändert. Berücksichtigt wurden in dieser Erhebung

-

11

�Erhebung sämtliche 184 nationalen und internationalen amerikanischen
Gewerkschaften, die ihren Hauptsitz in den USA haben und die als
Tarifpartner in zwei oder mehr Bundesstaaten in Erscheinung treten.
Von diesen 184 Gewerkschaften gehörten 134 der "American Federation
of Labor - Congress of Industrial Organizations" an.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
US-Arbeitsministerium analysierte 145 000 private Sozialpläne
Gegenwärtig werden 89 Prozent aller privaten Sozial- und Pensionspläne in den Vereinigten Staaten von den Unternehmern oder von
Unternehmergruppen finanziell unterstützt, wobei die Arbeitgeber bei
44 Prozent aller Pläne die Beiträge sogar allein aufbringen.
Dieses Ergebnis stützt sich auf eine umfassende Analyse von
145 000 privaten Sozial- und Pensionsplänen, die dem US-Arbeitsministerium auf Grund des "Weifare and Pension Plans Disclosure Act"
(Gesetz über die Ausweispflicht der privaten Sozial- und Pensionspläne)
jährlich von den Treuhändern dieser Fonds einzureichen sind.
Bei 116 000 Sozialplänen handelt es sich dabei um sogenannte "Wohlfahrtspläne", die in erster Linie solche Leistungen wie Lebens-, Kranken-, Krankenhaus- und ähnliche Versicherungen vorsehen, während
29 000 Pläne ausgesprochene Altersversorgungs- und Pensionspläne sind.
Die 116 000 Wohlfahrtspläne bieten insgesamt 362 000 verschiedene Leistungen, wobei die meisten Pläne (80 Prozent) mehr als eine Versicherungsart für die anspruchsberechtigten Arbeitnehmer vorsehen.
Bei den Altersversorgungs- und Pensionsplänen sehen 98 Prozent
regelmäßige Bezüge bei Erreichung einer bestimmten Altersgrenze oder
nach einer gewissen Gesamtdienstzeit vor. Ein geringer Prozentsatz der
Pläne umfaßt auch finanzielle Leistungen im Todesfall sowie bei Eintritt der Invalidität.
Wie aus der Übersicht weiter hervorgeht, war rund die Hälfte aller
von diesen privaten Sozialplänen erfaßten Personen in den Fertigungsindustrien beschäftigt, während 18 Prozent im Groß- und Einzelhandel
und 9 Prozent in den Dienstleistungszweigen tätig waren.

(Quelle: Eigenbericht)
*

-

12

-

�Gewinnbeteiligungs-Pensionsfonds erreichte 2,1 Mrd. Dollar
Die 1644 Mitarbeiter des größten amerikanischen Versandhauses,
"Sears, Roebuck and Company", im Bezirk Washington konnten am 31. Dezember 1961 eine Gutschrift des Gewinnbeteiligungs-Pensionsfonds der
Firma in Höhe von 3»135 Hillionen Dollar quittieren, so daß ihr Gesamtanteil am Fonds jetzt 18,533 Millionen Dollar ausmacht.
Die Summe von 3»135 Millionen Dollar stellt dabei den Wert der
Aktien des Unternehmens sowie anderer Wertpapiere dar, die mit der
Gewinnbeteiligungssumme erworben wurden. Der aus verschiedenen Anlagepapieren bestehende Gesamtfonds des Versandhauses, das gegenwärtig
rund 150 000 gewinnberechtigte Mitarbeiter beschäftigt, belief sich
am Jahresende auf insgesamt 2,1 Mrd. Dollar.
Der 1916 geschaffene Gewinnbeteiligungs-Pensionsfonds, der einen
Teil der jährlich ausgeschütteten Gewinne in Aktien des Unternehmens
anlegt, ist heute der größte Aktionär von "Sears, Roebuck and Company".
Rund 26 Prozent der ausgegebenen Aktien des Unternehmens gehören heute
dem Pensionsfonds. Neben den Aktien des eigenen Unternehmens befinden
sich im Portefeuille des Fonds auch noch Aktien von 130 anderen Unternehmen sowie zahlreiche weitere Wertpapiere.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Industriearbeiterlöhne erreichten neue Spitze
Sowohl die Durchschnittslöhne der amerikanischen Industriearbeiter
als auch die Kaufkraft ihrer Einkommen erreichten im Dezember vorigen
Jahres neue Spitzen, wie aus einer Übersicht des US-Amtes für Arbeitsstatistik über die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft hervorgeht.
Nach Abzug der Lohnsteuer und der gesetzlichen Sozialabgaben stellten sich die durchschnittlichen Wochenlöhne für Industriearbeiter mit
drei Angehörigen im Dezember 1961 auf 85,17 Dollar, während Alleinstehende
7,'ocnenlöhne von 77,52 Dollar erhielten. Wenn auch die Zunahmen gegenüber
November nur unerheblich waren, so lagen die Durchschnittslöhne doch
gegenüber Dezember i960 um 5,80 Dollar höher. Hierbei ist jedoch zu
berücksichtigen, daß die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche im
Dezember i960 um 1,8 Stunden geringer war. .
Da sich die Verbraucherpreise zwischen November und Ende Dezember
nicht veränderten, erreichte die Kaufkraft der Arbeitnehmereinkommen
gleichfalls einen neuen Höchststand. Gegenüber Dezember i960 wiesen
die Industriearbeiterlöhne dabei eine um 7 Prozent höhere Kaufkraft
auf.
Für

-

13

-

�Für das Gesamtjahr 1961 ergibt sich auf Grund der Entwicklung
im Dezember somit ein Durchschnittswochenlohn von 82,18 Dollar für
einen Arbeitnehmer mit drei Angehörigen und von 74&gt;60 Dollar für
einen Alleinstehenden. Diese Werte liegen um rund 3 Prozent über
denen des Jahres i960.

(Quelle: Eigenbericht)
*

Wochenlöhne der Automobilarbeiter 121 Dollar
Wie die "General Motors Corporation" bekanntgab, belief sich
das durchschnittliche Wocheneinkommen der Lohnempfänger des Unternehmens im vergangenen Jahr auf insgesamt 121,22 Dollar; das sind
nur 52 Cent weniger als es 196O, im bisherigen Spitzenjahr, waren.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne lagen 1961 mit 3,15 Dollar
dabei erheblich über dem allgemeinen Durchschnitt (2,28 Dollar) der
industriellen Arbeitnehmer.
Die Gesamtzahl der im Stundenlohn beschäftigten Arbeitnehmer des
größten amerikanischen Automobilproduzenten belief sich im Dezember
1961 auf 342 108 - gegenüber einem Jahresdurchschnitt von 300 485 und
einem Durchschnitt von 345 929 i m Dezember i960.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

14

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai

1962

INHALTSVERZEICHNIS
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den
Vereinigten Staaten
Die "dritte Kraft" am Verhandlungstisch
Neue Arbeitsplätze durch industrielle und technische
Fachausbildung
Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug des amerikanischen Erziehungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

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1

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5

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John Herling:
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten
Im Jahr 1961 lag in den Vereinigten Staaten die Zahl der Beschäftigten bei durchschnittlich 66,796 Millionen, die Zahl der Arbeitslosen bei
durchschnittlich 4&gt;806 Millionen. Diese beiden Ziffern schwankten während des Jahres, und zwar bei den Arbeitslosen zwischen 5»705 Millionen
im Februar und 3*934 Millionen im Oktober, während der Beschäftigtenstand im Juni mit 68,706 Millionen eine Rekordhöhe erreichte. Für Industriearbeiter lag der durchschnittliche Wochenlohn bei 92,34 Dollar. Doch
wie ist die Lage für den Arbeitslosen? Welche Gründe führen zu einer
Arbeitslosigkeit, und was sind die Einkommensquellen während der Zeit
der Arbeitslosigkeit?,
Wichtigster Punkt, auf den im Zusammenhang mit amerikanischen Arbeitslosenziffern hingewiesen werden muß, ist die Tatsache, daß sie verschiedene Arten von Arbeitslosigkeit - freiwillige und unfreiwillige,
langfristige und kurzfristige - zusammenfassen. Wirtschaftswissenschaftler haben die umfassende Kategorie der Arbeitslosigkeit in drei Haupttypen, je nach der Ursache der Arbeitslosigkeit, eingeteilt.
Erster Typ ist die sogenannte vorübergehende Arbeitslosigkeit.
Vorübergehend arbeitslos sind Arbeitnehmer während eines Arbeitsplatzwechsels oder auf der Suche nach Arbeit unter günstigeren Klimabedingungen. Die Tradition kurzentschlossener und häufiger Wohnorts- und Arbeitsplatzwechsel geht auf die Grenzerzeit der amerikanischen Geschichte

-

1

-

�Geschichte zurück, in der man ohne weiteres nach Westen ziehen und
einen wirtschaftlichen Neubeginn versuchen konnte. In den Vereinigten Staaten gibt es keine Binnenpässe, und jeder kann ohne amtliche
Genehmigung oder Registrierung von einem Bundesstaat in den anderen
umziehen. Diese Freizügigkeit ist eines der nie in Frage gestellten
Prinzipien des amerikanischen Lebens.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der USA verlegen
jährlich annähernd 13 Millionen Amerikaner ihren Wohnsitz von einem
Kreis (county) in einen anderen innerhalb der Grenzen ein und desselben Bundesstaates, während 5 Millionen in einen anderen Bundesstaat
(state) überwechseln. Statistisch werden solche fluktuierenden Arbeitskräfte während ihres Wohnungs- und Arbeitsplatzwechsels als
"arbeitslos" geführt. Ebenfalls zur Gruppe der vorübergehend oder
freiwillig Arbeitslosen rechnen Minderjährige sowie erwachsene Frauen,
die keiner ständigen Beschäftigung nachgehen wollen oder nachzugehen
brauchen. In einem Durchschnittsmonat kommen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes drei bis vier Millionen Personen neu auf dem
Arbeitsmarkt hinzu; etwa die gleiche Zahl scheidet im selben Zeitraum
aus. Darunter befinden sich vor allem Frauen und Studenten, die
während der Hauptgeschäftszeit um Weihnachten Saisonarbeiten in der
Bekleidungs- und Konservenindustrie oder in den Kaufhäusern übernehmen.
Zweiter Typ ist die sogenannte strukturelle Arbeitslosigkeit.
Ihre Ursachen liegen in beruflichen, industriellen oder geographischen
Umschichtungen innerhalb eines Wirtschaftsgebietes. Sie sind unvermeidliche Nebenprodukte des wirtschaftlichen Fortschritts nicht nur
in den Vereinigten Staaten, sondern auch in jeder anderen Industriegesellschaft. Neue Berufszweige entwickeln sich, während alte Berufe
und Fertigkeiten mehr oder weniger schnell verschwinden.
Von solchen Wandlungen können ganze Regionen betroffen werden.
In einigen Gegenden Kentuckys und West-Virginias zum Beispiel, wo
sich die Kohlenflöze erschöpft haben, oder in den Nutzholzgebieten
im Norden Michigans, die vollkommen abgeholzt wurden, blieb es nicht
aus, daß die wirtschaftliche Aktivität - und mit ihr die Nachfrage
nach bestimmten Fachberufen - zurückging. Sanierungsprogramme, in
deren Rahmen durch Ansiedlung neuer Industrien in solchen Gebieten
neue Arbeitsplätze geschaffen werden, brauchen selbstverständlich
ihre Zeit.
In anderen Fällen haben Betriebe und sogar ganze Industrien aus
Gründen der Leistungsfähigkeit oder der günstigen Lage von natürlichen
Hilfsquellen oder Transportwegen ihren Sitz in ein anderes Gebiet verlegt. Oder technische Verbesserungen führten zum Abbau alter Werke
und zur Einrichtung neuer automatisierter Betriebe, für die weniger
Arbeiter der alten Fachrichtungen, dagegen mehr Arbeiter mit neuer
Spezialausbildung benötigt werden.
Oft verlassen Arbeitslose nur ungern ihren alten Wohnort, wo
sie und ihre Familien schon ein Leben lang ansässig sind, um anderswo einen Arbeitsplatz zu finden. Niemand kann sie gegen ihren Willen

-

2

-

�Willen zum Verkauf ihrer Häuser oder zu einem Umzug zwingen. Sie
bleiben daher unter Umständen länger arbeitslos, als wenn sie sich
anderswo einen neuen Arbeitsplatz gesucht hätten.
Dritter und letzter Typ ist die sogenannte konjunkturelle Arbeitslosigkeit. Gemeint ist vor allem eine durch Konjunkturschwankungen innerhalb der Volkswirtschaft erzeugte unfreiwillige Arbeitslosigkeit.
In früheren Perioden der amerikanischen Geschichte waren solche Konjunkturzyklen oft abrupt und verheerend in ihren Polgen. Während der
vergangenen 30 Jahre wurden jedoch Gesetze erlassen, die als Sicherungen
gegen extreme Konjunkturrückgänge in den USA wirken.
Beispielsweise existiert eine Spareinlagenversicherung sowie eine
ganze Reihe von Sozialversicherungen, die Arbeitnehmer gegen schwerwiegende Lohnverluste infolge Erwerbslosigkeit, Invalidität, Alters und
Krankheit schützen. Außerdem haben die Gewerkschaften nach Kräften und
mit Erfolg dafür gesorgt, daß das Lohnniveau der Arbeitnehmer selbst
in Zeiten überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit gehalten wird. Diese
und andere wirtschaftlichen Sicherungen stützen die Kaufkraft der
arbeitenden Bevölkerung - mit dem Ergebnis, daß Konjunkturrückgänge
abgedämpft werden und ein wirtschaftliches Elend, wie es im Gefolge
der Depression in den dreißiger Jahren auftrat, sich bisher nicht wiederholt hat.
So bleibt die Frage: Was hat ein Arbeitsloser zu erwarten? Was sind
seine Einkommensquellen?
Vielleicht die wichtigste Einkommensquelle ist die Arbeitslosenunterstützung. Drei Viertel der Lohnempfänger werden von der Arbeitslosenversicherung erfaßt, die in den Händen der einzelnen Bundesstaaten
liegt. Ihre Gelder schöpft sie aus Beiträgen der Arbeitgeber und der
Bundesregierung. Ihre Leistungen sind von Staat zu Staat verschieden
und bewegen sich zwischen wöchentlich maximal 26 Dollar in Südkarolina
und 55 Dollar in Kalifornien. Diese Beträge entsprechen etwa dem halben
Durchschnitts-Arbeitsentgelt in den einzelnen Staaten.
Arbeitslose haben Anspruch auf Unterstützung für einen Zeitraum
von 20 Wochen in Alabama bis 39 Wochen in Oklahoma. Die Mehrzahl der
Arbeitslosen findet jedoch vor Erreichen dieser Grenze einen neuen
Arbeitsplatz. Die Durchschnittsdauer von Unterstützungszahlungen lag
1959tod-nur 13 Wochen. Im selben Jahr erhielten insgesamt sechs Millionen Personen eine Arbeitslosenunterstützung; im Wochendurchschnitt
waren es jedoch nicht mehr als 1,7 Millionen Unterstützungsempfänger
bei einer Gesamtbevölkerung von rund 180 Millionen. Da diese Unterstützungszahlungen einkommensteuerfrei sind, entsprechen sie zudem noch
einem höheren Bruttoeinkommen.
Arbeitslosenunterstützung stellt einen Rechtsanspruch dar und hängt
nicht von der Bedürftigkeit des Empfängers ab. Solange jemand zu arbeiten bereit ist, jedoch keinen Arbeitsplatz hat, besitzt er einen rechtlichen Anspruch auf diese Unterstützung; ein Bedürftigkeitsnachweis
ist nicht erforderlich. Es gibt kommunale Wohlfahrtsprogramme, jji

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3 -

�in deren Rahmen Familien finanzielle Beihilfen erhalten, wenn sie
die Notwendigkeit einer solchen Hilfe in ihrem Fall nachweisen.
Programme dieser Art laufen aber getrennt von jeder Arbeitslosenunterstützung; sie werden in einem späteren Abschnitt besprochen.
Ein weiterer interessanter Aspekt der Arbeitslosenunterstützung in
den Vereinigten Staaten ist die Tatsache, daß ein Arbeitnehmer auch
Anspruch auf sie haben kann, wenn er eine Arbeit ablehnt, die seiner
früheren Tätigkeit nicht angemessen ist. Ebenfalls zurückweisen kann
er einen Arbeitsplatz, bei dem Lohnniveau und Arbeitsbedingungen
gewisse Voraussetzungen nicht erfüllen.
Eine zweite wichtige Einkommensquelle für Arbeitslose sind
private Ersparnisse. Natürlich ist die Höhe solcher Sparguthaben
bei jedem einzelnen verschieden. Infolge beständiger Einkommenszunahmen, insbesondere bei der Gruppe der ungelernten Arbeiter, deren
Löhne schneller geklettert sind als die der übrigen Berufsgruppen,
sind sie im 20. Jahrhundert stetig angestiegen. 1907 zum Beispiel
erhielt ein ungelernter Arbeiter einen Stundenlohn von 21 Cent, ein
Geselle im Bauhandwerk 42 Cent, d.h. doppelt soviel. Fünfzig Jahre
später lag der Stundenlohn eines ungelernten Arbeiters bei 2,45 Dollar,
das sind mehr als 70 Prozent des Gesellenlohnes von 3»40 Dollar.
Mitte 1959 betrugen die Durchschnitts-Familienersparnisse 5500 Dollar
gegenüber 4000 Dollar im Jahr 1950 und 1700 Dollar im Jahr 1940.
Diese Beträge schließen Sparguthaben, Staatspapiere und Lebensversicherungspolicen ein. Einen weiteren Sparanreiz bildet die zunehmende
Zahl von Lohnnebenleistungen, die Arbeitnehmern im Rahmen zahlreicher
Kollektivverträge zustehen. Vielfach sehen solche Verträge bezahlten
Jahresurlaub, bezahlten Krankenurlaub, bezahlte Feiertage, den Abschluß von Lebens- und Krankenversicherungen durch den Arbeitgeber
und Entlassungsgelder vor. Da diese Auslagen vom Arbeitgeber übernommen werden, ist ein größerer Teil der Einkünfte zum Sparen übrig.
Eine dritte Einkommensquelle ergibt sich aus zusätzlichen Arbeitslosenunterstützungen. Etliche Tarifverträge sehen zusätzlich
zur staatlichen Arbeitslosenversicherung, zu der die Arbeitgeber
ja ebenfalls ihre Beiträge leisten, Zahlungen an Arbeitslose vor,
die voll von den Arbeitgebern übernommen werden. Gegenwärtig gewähren hauptsächlich die Automobil-, Stahl-, Aluminium-, Gummi-, Landmaschinen- und Konservenindustrie eine zusätzliche Arbeitslosenunterstützung. Ein Automobil- oder Stahlarbeiter, dessen Wochenlohn sich
auf 80 Dollar belief, kann bei Arbeitslosigkeit neben seinen 50 Dollar
pro Woche an staatlicher Unterstützung auf diese Weise zusätzlich
22 Dollar von seinem früheren Arbeitgeber beziehen, so daß seine
wöchentlichen Einkünfte auf insgesamt 52 Dollar oder 65 Prozent des
üblichen Arbeitsentgelts ansteigen.
Eine vierte Einkommensquelle sind Beihilfen, die aus Wohlfahrtsfonds der Kommunal-, Stadt- oder Kreisverwaltungen gewährt werden.
Solche Beihilfen werden voll und ganz von der Bedürftigkeit des Antragstellers abhängig gemacht. Ihre Höhe ist von Gemeinde zu Gemeinde
verschieden, sie decken jedoch die Grundkosten, die eine Familie für
Nahrung, Kleidung und Wohnung aufzuwenden hat.
Neben

- 4 -

�Neben diesen vier Haupteinkommensquellen für Erwerbslose
existieren noch zahlreiche Arbeitsschutzprogramme. Eine Arbeitsvermittlung durch die einzelstaatlichenArbeitsämter, die Arbeitsuchenden Arbeitsplätze in großer Auswahl anzubieten haben, ist
in jedem Falle gebührenfrei. Gewerkschaften haben in zunehmendem
Maße Arbeitsplatz-Schutzklauseln in ihren Kollektivverträgen durchgesetzt, denen zufolge der Arbeitgeber zur Beachtung des Anciennitätsprinzips verpflichtet ist und keine willkürlichen Entlassungen
mehr vornehmen kann. Aus der Alters- und Hinterbliebenenversicherung
der Bundesregierung empfangen Arbeitnehmer nach ihrem 65. Lebensjahr
sowie ihre Frauen, hinterbliebene Witwen und versorgungsberechtigte
Waisen ansehnliche Monatsrenten. Schließlich existiert ein umfassendes, in die Zuständigkeit der Einzelstaaten fallendes System von Invalidenversicherungen .
Trotz der großen Fortschritte im Sozialversicherungswesen und
Arbeitslosenschutz, wie sie sich in diesem ausgedehnten Netz von
Versicherungsleistungen manifestieren, bemühen sich die Vereinigten
Staaten um weitere Verbesserungen auf diesem Gebiet. Gewerkschaften
und andere interessierte Gruppen drängen auf einen höheren Leistungsstand der Bundesarbeitslosenversicherung, um einem vorübergehend
Arbeitslosen die Aufrechterhaltung seines gewohnten Lebensstandards
zu ermöglichen. Arbeitslosigkeit und Sozialversicherung werden in
Amerika als Probleme eines Gemeinwesens betrachtet, deren Lösung auf
den verschiedensten Ebenen in Angriff genommen werden muß, ohne Beeinträchtigung des Rechts auf Freizügigkeit und freie Arbeitsplatzwahl.

**•**-*

Die"dritte Kraff'am Verhandlungstisch
Die Aspekte im amerikanischen Tarifverhandlungswesen haben sich
in jüngster Zeit insofern nicht unerheblich gewandelt, als beide Sozialpartner in zunehmendem Maße geneigt sind, die Öffentlichkeit als
dritte Kraft im lohnpolitischen Spiel anzuerkennen und ihre Interessen
beim Aushandeln neuer Tarifverträge zu berücksichtigen.
Die Bedeutung dieser Entwicklung, auf die US-Arbeitsminister Goldberg kürzlich vor dem Jahreskongreß der Druckergewerkschaft mit Nachdruck hinwies ("an jedem Verhandlungstisch ist heute auch eine dritte
Partei vertreten - das amerikanische Volk"), läßt sich im Moment noch
nicht voll abschätzen, wenngleich schon jetzt festgestellt werden kann,
daß hierdurch die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern auf eine
vollkommen neue Grundlage gestellt werden dürften - auf die Grundlage
der wirtschafts- und sozialpolitischen Mitverantwortung.
Sichtbarer

�Sichtbarer Ausdruck dieses neuen Trends sind u.a. die
zahlreichen in letzter Zeit von Unternehmern und Gewerkschaften
gebildeten gemeinsamen Untersuchungs- oder Studienausschüsse, denen
Vertreter der Öffentlichkeit als gleichberechtigte Partner angehören
und deren Aufgabe es ist, wirtschafts- und sozialpolitische Probleme
zu analysieren und sie zu einer Lösung zu führen, ehe sie in kostspielige Streiks einmünden.
Beispielgebend in dieser Hinsicht war der aus Vertretern der
Unternehmer, der Gewerkschaft und der Öffentlichkeit bestehende
Dreierausschuß, der 1959 nach der Beilegung des Streiks von der
Stahlarbeitergewerkschaft (USA) und der "Kaiser Steel Corporation"
gebildet wurde. Aufgabe dieses Ausschusses sollte es nach dem Willen
der Sozialpartner sein, eine allgemein gültige langfristige Formel
zu finden, damit die aus der Tätigkeit des Unternehmens erwachsenden
Früchte gleichmäßig und gerecht verteilt werden können, sowie Wege
und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die periodisch immer wieder sich
ergebenden Spannungen zwischen den Sozialpartnern ausgeschaltet und
harmonische Beziehungen geschaffen werden können. Durch eingehende
Beratung, Diskutierung sowie Klärung der jeweils sich ergebenden
Probleme in diesem Ausschuß sollte dabei verhindert werden, daß währen
der Tarifverhandlungen selbst schwerwiegende und die Verhandlungsatmosphäre vergiftende Probleme diskutiert und geklärt werden müssen.
Vor einigen Wochen hat dieser Ausschuß einen Tätigkeitsbericht
veröffentlicht. In ihm wird betont, daß im Hinblick auf die angestrebten Ziele bisher gute Fortschritte erzielt worden seien und daß der
Ausschuß zu einer permanenten Einrichtung gemacht werden sollte. Seine
Hauptaufgabe solle darin bestehen, den Ablauf von TarifVerhandlungen
eingehend zu verfolgen und die dort angesprochenen Probleme und Forderungen zu analysieren sowie Vorschläge dahin gehend auszuarbeiten,
wie die strittigen Punkte auf friedlichem Wege und ohne Zufluchtnahme
zum Streik beigelegt werden können.
Als einen hervorragenden Beitrag zum industriellen Frieden und
zur sozialen Gerechtigkeit bezeichnete kürzlich das "Catholic Labor
Institute of Los Angeles" jene Schritte und Maßnahmen, die bisher von
der Stahlarbeitergewerkschaft und der "Kaiser Steel Corporation" auf
dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen unternommen worden
sind. John B. Geagon, der Präsident des Instituts, bezeichnete die
Errichtung des gemischten Ausschusses dabei als ein Beispiel für
"Weitsicht ,gegenseitigen Respekt und die Sorge um das allgemeine
Wohl". "Wir glauben, daß dieser Ausschuß eines der hoffnungsvollsten
Zeichen auf dem Gebiet der industriellen Beziehungen in den USA ist."
Ein anderes Beispiel 'für diesen neuen Trend ist der von "Armour. a
Company" und der Fleischpackergewerkschaft ebenfalls im Jahre 1959 gegründete Automationsausschuß, dem als Vertreter der Öffentlichkeit
der Präsident der University of California, Clark Kerr, als unparteiischer Vorsitzer angehört.

Die

�Die Gründung dieses Ausschusses erfolgte seinerzeit, um einen
vollständigen Abbruch der Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
zu verhindern. Die Spannungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaft
waren wegen der durchgreifenden Mechanisierungs- und Automatisierungsmaßnahmen des Unternehmens entstanden, durch die zahlreiche Arbeitsplätze beseitigt worden waren. Das zur Bildung dieses Ausschusses
führende Abkommen sah außerdem vor, daß ein vom Unternehmen finanzierter Fonds dafür verwendet werden sollte, die sich aus der Umstellung
auf die Automation ergebenden betriebstechnischen, wirtschaftlichen
und sozialen Probleme zu untersuchen und Vorschläge und Programme
zu deren Lösung auszuarbeiten.
Wie wertvoll die von dem Ausschuß durchgeführten Studien waren,
bewies das im September vorigen Jahres neu abgeschlossene Tarifabkommen, das sich in seiner Fassung weitgehend an die Empfehlungen
des Ausschusses anlehnte und den Arbeitnehmern einen erhöhten Schutz
gegenüber der Automatisierung brachte. So ist es jetzt z.B. auf Grund
dieses Abkommens unter anderem möglich, solche Arbeitnehmer an andere
Arbeitsplätze innerhalb des Unternehmens umzusetzen, die infolge technologischer Veränderungen ihre alten Arbeitsplätze verloren haben.
Außerdem sichert es allen von der Umstellung betroffenen Arbeitnehmern
ein sogenanntes "technologisches Umstellungsgeld" zu, das für die
Dauer von 39 Wochen gewährt wird und 65 Dollar pro Woche ausmacht;
desgleichen Umzugs- und Umschulungsbeihilfen.Auch durch die ebenfalls gegebene Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung werden
die Auswirkungen von Betriebsumstellungen oder Betriebsschließungen
weitgehend gemildert.
Auf nationaler Ebene kommt dieser neue Trend der ArbeitgeberArbeitnehmerbeziehungen in den USA vor allem in dem im vergangenen
Jahr von Präsident Kennedy ins Leben gerufenen 2lköpfigen PräsidialBeratungsausschuß für Arbeitgeber-Arbeitnehmerpolitik (Presidential
Advisory Committee on Labor-Management Policy) zum Ausdruck, der sich
aus je sieben Vertretern des Managements, der Gewerkschaften und der
Öffentlichkeit zusammensetzt. Hauptaufgabe dieses neuartigen Ausschusses ist es, Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, durch die das freie
Tarifverhandlungswesen gefördert, der industrielle Friede gesichert,
eine gesunde Preis- und Lohnpolitik aufrechterhalten, die Produktivität gesteigert und der Lebensstandard erhöht wird. Außerdem ist der
Ausschuß angewiesen, Lösungen für die Beseitigung der strukturellen
Arbeitslosigkeit auszuarbeiten, die eine direkte Folge der technologischen Veränderungen ist.
In einem im Januar'dieses Jahres veröffentlichten Bericht über
die Auswirkungen der Automation betonen die Mitglieder dieses Ausschusses, daß die Automation sowohl für die Verteidigung als auch für den
Wohlstand des amerikanischen Volkes von entscheidender Bedeutung sei
und sich in der amerikanischen Wirtschaft ohne die Preisgabe menschlicher Werte realisieren lasse.
Wenn auch die Automatisierung und die schnelle technische Entwicklung zur Beseitigung vieler Arbeitsplätze geführt hätten, so würden doch andererseits, wenn es nicht gelänge, das bisherige Tempo der

- 7 -

�der Automatisierung beizubehalten und darüber hinaus sogar noch zu
steigern, weitaus schlimmere Beschäftigungs- und andere Probleme ausgelöst werden als sie heute die Automation stelle.
Zur Lösung der derzeitigen Arbeitsmarktprobleme und zur Milderung
der Auswirkungen der Automatisierung werden in dem Bericht eine Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate, ein stärkeres Engagement
der Regierung bei der Verbreitung von Arbeitsplatzinformationen als
bisher, eine verstärkte, engere Zusammenarbeit zwischen Regierungsstellen und privaten Organisationen hinsichtlich der Umschulung und
Ausbildung von Arbeitskräften sowie ein besseres Hand-in-Hand-Arbeiten
von Gewerkschaften und Unternehmen in Arbeitsplatzfragen für notwendig
erachtet.
Die Notwendigkeit für einen derartigen unter dem Schutz der
Regierung stehenden Beratungsausschuß ist in den letzten Jahren von
zahlreichen amerikanischen Gewerkschaftsführern immer wieder herausgestellt worden. Arthur J. Goldberg z.B. schlug vor seiner Ernennung
zum Arbeitsminister in der Regierung Kennedy in seiner Eigenschaft
als Rechtsberater der AFL.-CIO die Schaffung eines "Nationalen Rates
von Beratern in Arbeitgeber-Arbeitnehmerfragen" vor."Der Hauptzweck
eines solchen Ausschusses sollte es sein", so erklärte Goldberg
damals, "die große Erfahrung und das Wissen von Gewerkschaften,
Management und Experten der Öffentlichkeit gemeinsam auf die großen
Probleme anzusetzen, die sich auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen, auf Grund ihrer Tätigkeiten und Interessen, ergeben'•!
Der neue Paktor in dieser Entwicklung ist die zunehmende Betonung der Rolle der "Neutralen" oder der Vertreter der Öffentlichkeit
bei der Lösung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerprobleme. George H. Hildebrand, Professor für Wirtschafts- und Arbeitswissenschaft an der
Cornell-Universität, meint, daß die Vorteile einer solchen aktiven
Teilnahme dieser Vertreter besonders dann sichtbar würden, wenn die
Meinungen und Ansichten der Sozialpartner in bestimmten Fragen weit
auseinandergehen. In solchen Fällen könnten die "Neutralen" nach seiner Ansicht "als Katalysatoren wirken, indem sie ständig um eine
Schlichtung, im weitesten Sinne, bemüht sind - die Aufmerksamkeit der
Parteien auf die einzelnen Probleme und die aus den Analysen sich ergebenden Tatsachen lenken und sie ständig auf die Notwendigkeit lebensfähiger Lösungen aufmerksam machen - und dabei taktvoll darauf hinweisen, daß auch die Öffentlichkeit ein Interesse zu vertreten hat".
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

�Neue Arbeitsplätze durch industrielle und technische Fachausbildung
Ein hervorragendes Beispiel kommunaler Initiative, durch die
neue Industrieunternehmen herbeigezogen, mehr Arbeitsplätze geschaffen
und die benötigten Fachkräfte herangebildet werden, ist das neue
Industrieausbildungszentrum (industrial Education Center) von Burlington, einer Mittelstadt im amerikanischen Bundesstaat Nordkarolina.
Es bildet den Höhepunkt von Bemühungen, Schülern der Oberklassen höherer Schulen und Erwachsenen in immer stärkerem Maße Gelegenheit
zu industrieller und technischer Fachausbildung zu bieten und gleichzeitig Industriebetrieben höherqualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.
Das Ausbildungszentrum wurde 1959 mit Hilfe kommunaler, einzelstaatlicher und bundesstaatlicher Zuschüsse errichtet; die Kosten
beliefen sich auf annähernd 1,5 Millionen Dollar. Bei einer Nutzfläche
von 4929 Quadratmeter verfügt es über eigens für den Lehrbetrieb ausgestaltete Unterrichtsräume. Seine großen, hellen Werkstätten, Laboratorien und Klassenzimmer wurden nach modernsten Gesichtspunkten eingerichtet. Die Leitung des Projektes liegt in den Händen der städtischen Schulbehörde und geschieht in Zusammenarbeit mit den Berufsschulämtern des Kreises und des Bundesstaates Nordkarolina sowie unter Mitwirkung eines Beirates, in dem die ansässigen Unternehmen vertreten
sind. Dem Lehrerkollegium gehören 30 hauptamtliche und 73 nebenamtliche
Dozenten an, von denen viele in Abendkursen, nach ihrer Arbeit in den
einzelnen Industriebetrieben, Unterricht erteilen. Eine Unterrichtsgebühr wird nicht erhoben; Kosten entstehen den Kursteilnehmern nur
durch die Anschaffung von Lehrbüchern und Unterrichtsmaterial.
Hauptlehrfächer des Ausbildungszentrums sind Klima- und Kühltechnik, Automechanik, technisches Zeichnen und Konstruktion, Industriechemie, Maschinenbau, Blechverarbeitung, Werkzeugmaschinenpflege und -reparatur sowie Kurse für technische Sekretärinnen. Für
Mechaniker, die bereits in einem Betrieb arbeiten und sich höher
qualifizieren möchten, sind Lehrgänge in V/erkzeugbau und Werkzeugkonstruktion vorgesehen. Jedes Fach wird in Dreistunden- oder Sechsstunden-Tageskursen an fünf Tagen in der Woche geboten. Abendkurse
finden zwei-, drei- oder fünfmal wöchentlich statt. Die meisten Lehrfächer erfordern 2000 Unterrichtsstunden bis zum Lehrgangsabschluß.
Fünfundzwanzig Prozent der Unterrichtszeit verbringen die Kursteilnehmer im Laboratorium, wo sie sich die notwendigen Handfertigkeiten
aneignen, während die restlichen 75 Prozent theoretischen Fächern wie
Mathematik, Naturwissenschaften, Zeichnen sowie Abfassen von Arbeitsberichten usw. gewidmet sind. Kurzkurse von 12 bis 188 Unterrichtsstunden werden ebenfalls geboten, und zwar in angewandter Hydraulik,
Betriebswirtschaft, Werkstoffkunde, Betriebselektrotechnik, Rundfunkund Fernsehgerätereparatur, Tankstellenwartung, Kraftfahrzeugreparatur sowie Garn- und Gewebeprüfung.
Die Zulassungsbedingungen richten sich nach Alter und Unterrichtsfach. Wer an einem Lehrgang teilnehmen will, muß mindestens 16 Jahre
alt und zum Besuch der dritten Oberschulklasse (etwa der Obertertia

-

9 -

�Obertertia entsprechend) berechtigt sein. Besonders gute Leistungen
sind in Mathematik nachzuweisen. Für Kurse in Elektronik und Industriechemie ist die Absolvierung von zwei Jahren Mathematik (davon
ein Jahr Algebra) sowie Physik oder Chemie als Hauptfächer Voraussetzung.
In den letzten zehn Jahren war im Kreisgebiet um Burlington
ein stetiger Zuzug von Industrieunternehmen zu verzeichnen. Die Zahl
der Industriearbeiter hat sich in Burlington selbst um 80 Prozent
erhöht. Ein Großteil ist in Strumpffabriken und Textilwerken beschäftigt. Andere haben einen Arbeitsplatz in Unternehmen der Elektround Möbelindustrie gefunden. Burlington gibt sich allerdings mit dem
bisher Erreichten nicht zufrieden. Mit der Ausweitung der Industrie
in diesem Gebiet wird auch die Nachfrage nach Fachkräften steigen.
Um dem zu begegnen, plant die Stadt eine Erweiterung ihres Industrieausbildungszentrums um 1581 Quadratmeter, so daß Platz für zehn neue
Klassenräume und Laboratorien mit der Möglichkeit zu Spezialkursen
in Datenverarbeitung, Elektrotechnik und Gebrauchskunst geschaffen
wird.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug des amerikanischen
Erziehungswesens
Betriebliche Schulungsprogramme haben sich während der letzten
zwei Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten in solchem Maße ausgeweitet, daß sie heute als wichtiger Bestandteil des amerikanischen Erziehungswesens gelten. Wandlungen in den Produktionsmethoden, Automation und Nutzbarmachung neuer Energiequellen haben Unternehmensleitungen dazu gezwungen, für ihre Belegschaftsmitglieder Sonderfortbildungskurse, die über den Lehrstoff technischer Fach- und Hochschulen
hinausführen, einzurichten. Heute bieten die meisten amerikanischen
Großfirmen ihren Angestellten Bildungsprogramme, die auf Sonderaufgaben vorbereiten oder Gelegenheit zu persönlicher Weiterbildung geben.
In einigen Fällen stehen dazu firmeneigene technische Institute zur
Verfügung; in anderen werden Belegschaftsmitgliedern Ausbildungsbeihilfen für berufsfördernde Lehrgänge an Fachschulen gewährt. Häufiger
jedoch liegen solche Programme in den Händen der Betriebsausbildungsabteilungen, die sie als innerbetriebliche Schulung in Unterrichtsräumen oder am Arbeitsplatz selbst durchführen.
Vielfältige Programme, von den Ausbildungs- und Personalabteilungen der "Eastman Kodak Company" veranstaltet, laufen in den acht Werken der Gesellschaft in Rochester (New York), Kinsport (Tennessee),

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10

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�(TennesseeJ), Longview (Texas) und Peabody (Massachusetts). Sie sind
darauf ausgerichtet, in zwangloser Form Angestellte in ihrem Bestreben nach Selbstentfaltung im Rahmen ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Die Betonung liegt dabei auf der eigenen Leistung und der
täglichen Arbeit. James S. Bruce, Ausbildungsdirektor der "Eastman
Kodak Company", erläuterte hierzu: "Ausbildung ist nach unserer
Ansicht am wirkungsvollsten, wenn sie in enger Verbindung mit dem
Arbeitsplatz vorgenommen wird. Jeder einzelne ist für seine Ausbildung
verantwortlich. Letztlich ist jede Entwicklung Selbstentwicklung."
Zahlreiche Lehrgänge sehen im Zusammenhang mit besonderen Ausbildungszielen auch Klassenunterricht vor. Ein willkürlich herausgegriffener Tagesplan zeigt beispielsweise einen Kurs in MatrizenAlgebra an, einen 32stündigen Lehrgang, zu dem sich Wissenschaftler
der angewandten Forschung einmal wöchentlich in den Kodak-Park-Werken
für Film- und Fotopapierherstellung in Rochester zusammenfinden. Gleichzeitig treffen sich Mitarbeiter der Abteilung Apparatebau und Optik
zu der ersten von vier Unterrichtsstunden der Arbeitsgemeinschaft
"Wirkungsvoller Stil". Nur acht Teilnehmer sind zu diesem Kurs zugelassen, der zu Klarheit und Einfachheit im Aufsatzstil hinführt. Eine
Betriebsausbildungsabteilung koordiniert sämtliche Schulungsprogramme
der "Eastman Kodak Company". Sie stellt den Zweigwerken Lehrpersonal
und Anschauungsmaterial zur Verfügung.
Auch die "Republic Steel Company" hat ihre Bildungsarbeit auf die
speziellen Bedingungen ihres Unternehmens zugeschnitten. Ihre Programme
zielen auf eine Höherqualifizierung ihrer Arbeiter ab, die mit den
verwickelten Bedienungs- und Wartungsproblemen moderner automatisierter
Werkseinrichtungen vertraut gemacht werden. Die Lehrgänge finden jedoch außerhalb der Werke im "Human Engineering Institute" bei Warren
im Bundesstaat Ohio statt. Das Institut ist eine unabhängige, gemeinnützige Einrichtung, zu deren Aufbau die "Republic Steel Company" ,
jetzt ihr größter "Kunde", den wesentlichsten Beitrag geleistet hat.
Es ist in der Lage, eine Vielzahl von betrieblichen Fortbildungsprogrammen durchzuführen.
Einen weiteren Weg zur betrieblichen Schulung stellt der Ausbildungsbeihilfenplan der Firma "Chas. Pfizer and Company", eines bedeutenden amerikanischen Arzneimittelherstellers, dar. In seinem Rahmen erhalten Angestellte, die berufsfördernde Kurse an anerkannten
Colleges und Universitäten belegen, Studiengelder bis zu einer Höhe
von 300 Dollar jährlich und Laboratoriumsgebühren bis zu 40 Dollar
von der Firma ersetzt. Seit 1957» dem Beginn dieses Plane-s, wurden
fast 100 000 Dollar an rund 700 Mitarbeiter ausgezahlt. Gegenwärtig
nehmen über 200 Angestellte Ausbildungsbeihilfen dieser A.it in Anspruch«
Die beschriebenen Beispiele sind typisch für die Bildungsprogramme,
die von vielen amerikanischen Industrieunternehmen heute geboten werden.
Es gibt zahlreiche Varianten, je nach den besonderen Erfordernissen
der einzelnen Betriebe. Doch in ihrer Gesamtheit bilden sie einen neuen
Stein im Mosaik des amerikanischen Erziehungswesens.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * -x- *
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11

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Weitere Entspannung am amerikanischen Arbeitsmarkt
Wie von den meisten Experten vorausgesagt, hat sich - nach der
kurzen Stagnation im Januar - die wirtschaftliche Aktivität in den
USA im Laufe des Februars erneut erhöht, wobei zum Teil nicht unerhebliche Anstiege in der Beschäftigtenzahl, der industriellen
Produktion und bei den Einkommen registriert wurden.
Von besonderer Bedeutung war zweifellos die Entwicklung auf dem
Arbeitsmarkt, wo die über dem jahreszeitlichen Durchschnitt liegende
Zunahme der Beschäftigtenzahl den wohl wichtigsten Aspekt bildete.
Mit insgesamt 65,8 Millionen lag dabei die Zahl der Beschäftigten
gegenüber dem Vormonat um 731 000 höher, während normalerweise nur
eine Zunahme um 130 000 zu erwarten gewesen wäre. Auch die Zahl der
Arbeitslosen nahm in diesem Monat ab, in dem in der Regel noch mit
einer Zunahme gerechnet werden muß. Da die Gesamtabnahme zwischen
Januar und Februar 120 000 betrug, stellte sich die Gesamtzahl der
registrierten Erwerbslosen somit am Ende des Monats auf 4 543 000.
Auf Grund dieser beiden Entwicklungen ging auch die von den
saisonalen Einflüssen bereinigte Erwerbslosenrate - der Anteil der
Erwerbslosen an der Gesamtzahl der Arbeitskräfte - weiter, und zwar
von 5,8 auf 5,6 Prozent, zurück. Das ist der niedrigste Stand seit
Juli 196O. Im Vergleich hierzu: im Februar 1961 belief sich die
Erwerbslosenrate auf 6,8 Prozent und im Mai vorigen Jahres sogar
auf rund 7*0 Prozent.
Unterzieht man einmal die verschiedenen Beschäftigungsziffern
einer näheren Betrachtung, so zeigt es sich, daß die jüngsten Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt doch eine sehr breite Basis haben.
Während nämlich normalerweise die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen
Arbeitsplätze in den V/intermonaten allgemein rückläufig ist, war
sie in diesem Jahr nicht nur stark expansiv, sondern erreichte sogar
im Februar einen absoluten Spitzenstand für diesen Monat.
Ein anderes untrügliches Zeichen für eine allgemein gute Konjunkturlage ist auch die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche,
die im Laufe des Februar mit 40 Stunden das höchste Niveau seit fünf
Jahren aufwies. Der Entwicklung der Arbeitswoche entsprechend, erhöhten
sich auch die wöchentlichen Durchschnittseinkommen der industriellen
Arbeitnehmer, die im Februar mit 95,20 Dollar um 6 Dollar größer
waren als vor einem Jahr.
Die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen
Wochen darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Kernprobleme der Arbeitslosigkeit damit noch nicht beseitigt sind. Denn
wenn man die Rückgänge auf dem Erwerbslosensektor einmal näher betrachtet, so zeigt
sich, daß die meisten der wieder in den Arbeitsprozeß eingegliederten Personen nur weniger als fünf Wochen beschäftigungslos waren. Ebenso verdient die Tatsache besondere Beachtung,
daß weiterhin 1,5 Millionen Arbeitslose in der US-Wirtschaft vorhanden

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12

�vorhanden sind, die bereits länger als 15 Wochen arbeitslos sind
und damit statistisch zu den "langfristigen Erwerbslosen" zählen.
Rund 700 000 von diesen 1,5 Millionen Dauerarbeitslosen sind überdies mehr als 27 Wochen ohne Arbeit und zählen somit zu den
"strukturellen" oder "hartnäckigen" Fällen.
Diese bedrückenden Tatsachen, die von den Arbeitnehmerverbänden
in jüngster Zeit in der Öffentlichkeit mit besonderem Nachdruck
herausgestellt wurden, können auch nicht mit dem Hinweis vertuscht
werden, daß das amerikanische Erhebungssystem für Erwerbslose sehr
liberal ist und selbst all diejenigen Personen registriert, die,
wenn überhaupt, nur am Rande an einer ganztägigen Beschäftigung
interessiert sind, und daß ein großer Prozentsatz dieser Arbeitslosen ihren Arbeitsplatz durch die fortschreitende Automatisierung
verloren haben.
Allerdings muß in diesem Zusammenhang auch noch darauf hingewiesen werden, daß es sich bei diesen langfristigen Erwerbslosen
größtenteils um ungelernte oder angelernte Arbeitskräfte handelt, die es natürlich besonders schwer haben, einen neuen
Arbeitsplatz zu finden. Hinzu kommt noch, daß die meisten neuen
Arbeitsplätze nicht in den industriellen Betrieben geschaffen werden,
sondern in den Dienstleistungszweigen, hauptsächlich im Handel und
in der Finanzwirtschafti Bezeichnenderweise haben solche ehemals
arbeitsintensiven Industriezweige wie die Fe:rtigungsindustrie, die
Bauwirtschaft, das Transportgewerbe und der Bergbau ihre früheren
Beschäftigungsziffern nicht wieder erreichen können.
Hieraus ergibt sich also, daß es sich bei dem Arbeitsmarktproblem in den USA gegenwärtig in erster Linie darum dreht, die
langfristigen Erwerbslosen auf die neuen Tätigkeiten umzuschulen,
denn es ist ebenso eine feststehende Tatsache, daß sich auf Grund
der technologischen Veränderungen viele neue Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben haben und daß in vielen Branchen die Zahl der
offenen Stellen ganz beträchtlich ist.
Daß auch die amerikanische Regierung diese Notwendigkeit ganz
klar erkannt hat, zeigt das in der vergangenen Woche vom Kongreß
verabschiedete Umschulungsprogramm für strukturelle Arbeitslose,
für das während der nächsten drei Jahre insgesamt 435 Millionen
Dollar zur Verfügung stehen und mit dessen Hilfe bis zu eine Million
Erwerbslose auf neue Berufe umgeschult werden können.

(Quelle: Eigenbericht)

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�Lohnnebenleistungen stiegen stärker als Löhne
Wie aus verschiedenen Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht, sind die Lohnnebenleistungen in der amerikanischen Wirtschaft auch im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Nach den bisher
vorliegenden Unterlagen wurden von den amerikanischen Arbeitgebern
1961 insgesamt über 18 Mrd. Dollar für die diversen "fringe benefits"
aufgewendet. Das sind 11,5 Mrd. Dollar mehr als 1950. Im Vergleich
hierzu: 1935 betrugen die gesamten Lohnnebenleistungen der amerikanischen Wirtschaft lediglich 500 000 Dollar.
Auch der Anteil der "fringe benefits" an den gesamten Lohnkosten
hat sich im vergangenen Jahr weiter erhöht. Während dieser Anteil im
Jahre 1929 weniger als ein Prozent ausmachte und 1950 noch rund fünf
Prozent betrug, lag er 1961 bei 7»5 Prozent. Insgesamt sind die Lohnnebenkosten in der US-Wirtschaft in den letzten Jahren doppelt so
schnell angestiegen als Löhne und Gehälter.
Als "fringe benefits" gelten in den USA sämtliche gesetzlichen und
privaten Sozialleistungen, wie die Unternehmerbeiträge zu den privaten
Pensions- und Wohlfahrtsfonds, zu Unfall-, Kranken- und Erwerbslosenund anderen Sozialversicherungen sowie die Aufwendungen für Urlaubsgelder und die Feiertagsbezahlung.
(Quelle: Eigenbericht)

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Elektrikergewerkschaft erreichte 25-Stunden-Woche
Ein beachtenswertes neues Tarifabkommen, das den organisierten
Arbeitnehmern nicht nur höhere Löhne und Sozialleistungen, sondern auch
eine 25-Stunden-Woche ab 1. Juli dieses Jahres sichert, hat kürzlich
der Ortsverein Nr. 3 der Elektrikergewerkschaft in New York mit den
Vertretern von 120 Unternehmern abgeschlossen. Ursprünglich hatte die
Gewerkschaft den 4-Stunden-Tag gefordert.
Auf Grund des neuen Tarifabkommens werden die Stundenlöhne der
Elektriker von gegenwärtig 4&gt;40 Dollar auf 4&gt;9&amp; Dollar angehoben,
während gleichzeitig die Arbeitszeit von täglich sechs auf fünf Stunden
herabgesetzt wird. Da sich die Arbeitnehmer jedoch gleichzeitig bereit
erklärt haben, täglich eine zusätzliche sechste Stunde gegen Überstundenbezahlung (7,44 Dollar) abzuleisten, wird sich die Gesamtarbeitswoche
praktisch jedoch auf 30 Stunden stellen. Die bisherige Regelung sah
eine 30-Stunden-Normalarbeitswoche und täglich eine zusätzliche Arbeitsstunde mit Überstundenbezahlung, also insgesamt 35 Wochenstunden vor.
Trotz der neuen Lohnerhöhungen werden die New Yorker Elektriker ab
1. Juli dieses Jahres pro Woche jedoch 3,80 Dollar weniger in ihrer

-

14

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�i h r e r Lohntüte v o r f i n d e n , denn während s i e nach dem d e r z e i t g ü l t i g e n
V e r t r a g b e i 30 Normal- und 5 Überstunden pro Woche 165,00 D o l l a r e r h a l t e n , bekommen s i e dann - bei a l l e r d i n g s nur insgesamt 30 Wochenstunden - nur 161,20 D o l l a r .
,Der ab 1 . J u l i 19^2 g ü l t i g e neue V e r t r a g hat e i n e
von 2 Jahren und wird am 3 0 . Juni 19^4 a u s l a u f e n .

(Quelle:

•

*

*

*

•

#

Gesamtlaufzeit

Eigenbericht)

*

Vollbeschäftigung auch in den USA erreichbar
Die Vollbeschäftigung sei auch in den Vereinigten Staaten realisierbar, wenn in dieser Hinsicht gezielte Anstrengungen von Regierung und
Wirtschaft unternommen würden, erklärte der amerikanische Arbeitsminister, Arthur J. Goldberg, kürzlich vor der "Association of Public .
Affairs Institutes" der US-Handelskammer in Washington.
Nach Goldbergs Ansicht läßt sich die Vollbeschäftigung durch
das folgende 5-Punkte-Programm erreichen:
1. Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate durch Modernisierung
der Produktionsanlagen, Ausweitung der Kapazitäten sowie Liberalisierung der amerikanischen Handelspolitik zwecks Gewinnung
neuer Auslandsmärkte.
2. Angemessener, wirtschaftlicher und sozialer Schutz für die erwerbslosen Arbeitnehmer im Rahmen eines umfassenderen Arbeitslosenversicherungssystems .
3« Bundesstaatliche Maßnahmen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.
4. Steuervergünstigungen für die Wirtschaft - als Anreiz für die
Unternehmen, ihre Betriebe zu modernisieren und ihre Absatzmärkte
auszuweiten.
5. Liberalisierung des Handels.
Der US-Arbeitsminister wies in diesem Zusammenhang darauf hin,
daß diesen fünf Punkten entsprechende Gesetzesvorlagen bereits dem
Kongreß zugeleitet worden sind.
(Quelle: Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" Ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1962
INHALTSVERZEICHNIS

Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung
in der Industrie

Seite

1

435-Millicmen-Dollar-Programm für die Umschulung
von Arbeitslosen

Seite

10

Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine
Wirtschaftspolitik

Seite

11

Die Bedeutung des neuen Tarifvertrages der
Stahlindustrie

Seite

15

Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung in der Industrie
Die neue als "Computer process control" (CPC) bekannt gewordene
Verfahrenstechnik, bei der die elektronischen Rechen- und Kontrollgeräte die zu treffenden Produktionsentscheidungen selbst auf Grund
der verschiedenen Paktoren analysieren und selbsttätig die folgerichtigen Maßnahmen auslösen, beginnt sich immer mehr durchzusetzen. Zwar
sind vollautomatische Produktionsanlagen immer noch verhältnismäßig
selten, aber die Unternehmen der Stahl-, Kunststoff-, Erdöl-, Zement-,
der chemischen Industrie und Kraftwerkindustrie befassen sich gegenwärtig sehr ernsthaft damit, inwieweit und in welcher Form sie die
aus dieser Produktionskontrolle mittels elektronischer Geräte resultierenden Vorteile für ihre speziellen Aufgaben auswerten können.
Als vor rund zwölf Jahren die ersten Digitalrechner in größeren
Mengen auf den Markt kamen, behauptete man allgemein, daß diese neuen
Maschinen über kurz oder lang die vollständige Kontrolle über die

-1

�die industriellen Produktionsverfahren übernehmen und den Menschen aus
der Produktion vollkommen ausschalten würden. Trotz ihrer unverkennbaren Vorteile in puncto Zeit und Genauigkeit jedoch waren diese ersten
Steuerungs- und Kontrollautomaten den ihnen zugewiesenen Aufgaben nicht
gewachsen: sie arbeiteten unzuverlässig, sobald sie einmal für mehrere
Stunden ständig in Betrieb waren.
Der Durchbruch
Dann jedoch wurden die Transistoren und anderen Zubehörteile entwickelt, die im Gegensatz zu den bis dahin verwendeten Vakuumröhren
nicht durchbrannten oder - wie die ersten Relais - schnell verschlissen.
Diejenigen, die schon damals fest an die Möglichkeiten der Automatisierung glaubten, konnten nun darangehen, ihre bis dahin nicht zu verwirklichenden hervorragenden Theorien in die Praxis umzusetzen.
Vor etwa vier Jahren war es dann möglich, Elektronenrechner zu
einem vernünftigen Preis herzustellen, die Tag und Nacht in Betrieb
gehalten werden konnten und dabei eine Zuverlässigkeitsrate von mehr
als 99 Prozent entwickelten. Die heutigen Elektronenrechner übertreffen
diese Zuverlässigkeitsrate nicht nur, sondern stehen für die Produktion
- selbst wenn man die Wartungszeit als unproduktive Zeit abrechnet zu 99 Prozent der Gesamtzeit zur Verfügung.
Zahllose Anwendungsbereiche
Natürlich ist die Automatisierung nicht allein auf die vollautomatische Fabrik anwendbar; auch in den Büros und Industriebetrieben
führen heute bereits viele Hunderte Elektronenrechner sehr arbeitsintensive und ungewöhnliche Tätigkeiten weitaus besser durch als menschliche Arbeitskräfte! sie erstellen Mischungsformeln für Viehfutter;
bearbeiten, errechnen und saldieren riesenlange Lohnlisten und Bankauszüge; sie registrieren laufend den Bestand der Warenhausläger oder
buchen etwa die Plätze in Verkehrsflugzeugen. Automatische Werkzeugmaschinen, die von elektronischen Rechnern gesteuert werden, vollbringen
in amerikanischen Fabriken seit Jahren außerordentliche Leistungen.
In der Baustoffindustrie z.B. wurde ein automatisches Herstellungsverfahren für Betonplatten und -blocke eingeführt, das doppelt soviel
leistet wie die bisherigen Verfahren und außerdem auch noch billiger
ist. Von elektronischen Geräten gesteuert und kontrolliert, können
hier mit nur wenigen Arbeitskräften alle 15 Sekunden neun Betonblöcke
hergestellt werden, wobei diese Anlage sogar noch in der Lage ist, die
Blöcke in verschiedenen Formen und Größen, als hohle oder feste, leichte
oder schwere Körper herzustellen.
Die Anwendungsmöglichkeiten für die Automation sind tatsächlich
so vielfältig geworden, daß der Begriff "Automation" heute mitunter
auch schon bei zahlreichen mechanischen Verbesserungen Anwendung findet, bei denen es sich praktisch lediglich um Verbesserungen älterer
Produktionsverfahren handelt. Das Grundprinzip der "automatischen Fabrik" - d.h. für ein sich selbst regulierendes und auf dem "Feedback"System beruhendes Produktionsverfahren - gewann erst mit der Entwicklung des ersten Digitalrechners, des Vorläufers der heutigen Großrechentanlagen, Form und Gestalt.
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'
Einfachere

2

�Einfachere und schon seit langem verwendete Formen des "Feedback"
waren z.B. die Thermostate zur Regulierung der Zimmertemperatur, die
Spannungsregler zur Kontrolle des Energieflusses im elektrischen System
von Automobilen und die Regler in den Dieselmotoren und Dampfturbinen.
In der Vakuum-Radioröhre erhielt das "Feedback" schon eine präzisere
Bedeutung, denn das Ausstrahlen und Verstärken von Radiowellen beruht
darauf, daß ein Teil des von der Röhre ausgesandten Signals zwecks
Kontrolle der Schwingungs- und Verstärkungsenergien in den Stromkreis
zurückgeführt wird. Und dies ist auch das "Feedback"-Prinzip, das die
Automation von den früheren Schritten auf dem Wege zur Mechanisierung
unterscheidet.
Aber auch ohne Elektronenrechner sind kleine Gruppen von Arbeitern
beispielsweise durchaus in der Lage, eine große Anzahl von Standardkontrollgeräten zu überwachen, die etwa die Temperatur, den Druck, die
Durchsatzmengen und andere Faktoren eines Produktionsprozesses registrieren.
Die technische Entwicklung
Der erste Schritt bei der Einbeziehung der Elektronenrechner in
die Verfahrenskontrolle bestand darin, daß der Operateur die Daten
von thermostat-ähnlichen Instrumenten abzulesen und sie dem Rechner
"einzugeben" hatte. Auf Grund dieser Informationen ermittelte dann
der Rechner die besten Einstellungskombinationen für die Kontrollinstrumente und Regler. Der nächste Schritt war dann, die einzelnen
Registriergeräte direkt mit dem Rechner zu verbinden. In beiden Fällen
jedoch mußte der Operateur jeweils die Kontrollgeräte auf die vom
Rechner ermittelten Werte einstellen.
Bei dem neuesten CPC-Verfahren sind aber sowohl die Registrierais auch die Kontrollinstrumente direkt mit dem Rechner verbunden.
Ein Fachmann beschrieb die Wirkungsweise dieses Kontrollsystems
wie folgt: "Da das Gerät über ein eigenes Kommunikationsnetz mit Hunderten von Instrumenten verbunden ist, kann es auch in sehr schneller
Folge die kritischen Werte des Produktionsprozesses erfassen. Diese
Werte werden anschließend von dem Rechner daraufhin analysiert, wie
der gesamte Prozeß abläuft, und nur die unheimliche Arbeitsgeschwindigkeit des Gerätes macht es erst möglich, genau zu analysieren, was
gerade während eines Produktionsprozesses hier oder dort vor sich
geht, etwa in einem Walzwerk, wo die Stahlplatten mit einer Geschwindigkeit von über 50 Kilometern durch die Walzstraße laufen, oder in
einem chemischen Werk, wo Tausende von Kalkulationen gemacht werden
müssen, um den exakten Stand des Herstellungsprozesses zu ermitteln."
"Nach erfolgter Analyse der einzelnen Faktoren stellt dann der
Rechner seine 'Überlegungen'1 an und ermittelt, welches Ventil oder
Lager, welcher Brenner oder sonst ein Maschinenteil nachgestellt oder
gewartet werden muß. Daraufhin trifft er dann seine Entscheidung, die
er auch gleichzeitig selbst in die Tat umsetzt. Über das Nachrichtennetz schickt er seine 'Anordnungen' an die jeweiligen Regler, die ihrerseits selbsttätig die entsprechenden Korrekturen an den Produktionsmaschinen vornehmen oder diese abschalten. Und das Erstaunliche dabei

-

3 -

�dabei ist, daß der Elektronenrechner diese Operationen Hunderte Male
täglich, Tag für Tag, Woche für Woche, ohne Pause und ohne menschliche
Überwachung ausführen kann. In den kurzen Arbeitspausen fertigt er
dann sogar noch ein vollständiges und lückenloses Logbuch über den
Produktionsablauf an."
Die technischen und wirtschaftlichen Probleme
Obwohl die Automatisierung einerseits viele neue Möglichkeiten
schafft, so bringt sie doch auch andererseits zahlreiche Probleme mit
sich. Die von ihr in der Industrie heute ausgelöste technologische
Umwälzung vollzieht sich nämlich weitaus schneller als die technischen
Entwicklungen früherer Zeiten. Umfassende Studien über die Auswirkungen
der Automatisierung auf die Gesamtwirtschaft und das Arbeitspotential
wurden und werden von zahlreichen Stellen und Ämtern der amerikanischen
Regierung mit dem Ziel durchgeführt, eine Lösung sowohl des menschlichen
als auch des technischen Problems zu finden. Überall dort, wo die
Automation eingeführt wurde, ob in Fabriken oder in Büros, fanden zunächst vielfach zwischen Management und Gewerkschaften eingehende
Beratungen statt, die meist auch zur Aufstellung von detaillierten
Umstellungsprogrammen führten, um unnötige menschliche und wirtschaftliche Härten zu vermeiden.
Wie schnell andere Industrien dazu übergehen können, ihre Produktionsanlagen voll zu automatisieren, hängt in großem Maße davon
ab, bis zu welchem Grade die entsprechenden Unternehmen ihre Pro*»
duktionsverfahren im Detail kennen. Denn weil die Programmierung des
Elektronenrechners den Angelpunkt des gesamten Kontrollsystems bildet,
ist es nämlich erforderlich, den gesamten Produktionsablauf in allen
technischen Einzelheiten genau zu analysieren und ihn im Rahmen eines
komplizierten Programms festzulegen.
Dennoch, die Kosten umfassender und detaillierter Verfahrensanalysen machen sich letzten Endes insofern bezahlt, als gerade diese
technischen Untersuchungen erstaunlich oft zahlreiche neue Erkenntnisse
über die angewendeten Produktionsverfahren bringen. Auf Grund solcher
Analysen ist es dann vielfach sogar möglich, den Gesamtablauf des
Produktionsverfahrens so entscheidend zu verbessern, daß die Installierung des kostspieligen Kontrollsystems unnötig wird.
Auch dann, wenn das Kontrollsystem installiert worden ist, dürfen
die Verfahrensanalysen niemals eingestellt werden. Die wissenschaftliche Theorie besagt nämlich, daß ein Elektronenrechner seine Leistung
immer wieder verbessern kann. Und alle Korrekturen oder Justierungen,
die er vornimmt, sind ja insofern "Experimente", als sie unter den
tatsächlichen Betriebsbedingungen erfolgen. Die Ingenieure und Techniker können die Resultate dazu verwenden, das Programm des Rechners
noch zu verfeinern, und - auf lange Sicht - drastischere Verbesserungen
im Herstellungsverfahren selbst in Betracht ziehen.
Zukunftsmusik ist dagegen noch ein technisoh weiter verfeinertes
System, die dynamische Kontrolle mittels eines geschlossenen Stromkreises (closed loop control), bei dem der Elektronenrechner seine

- 4 -

�seine Befehle direkt an die Ventile oder Regler gibt und damit die
Notwendigkeit für thermostat-ähnliche Geräte entfällt. Obwohl diese
Stufe der Automatisierung erst in etwa fünf Jahren erreicht werden
dürfte, erscheint das derzeitige Interesse an Elektronenrechnerkontrollen durchaus gerechtfertigt, vor allem in den vier Grundindustrien: Stahl, Erdöl, Chemie sowie Kraftwerke. Die in diesen Industriezweigen angewendeten Verfahren ähneln sich nämlich in verschiedener Hinsicht, insofern als hier die Energie und das Material ständig
und fast ohne Unterbrechung fließen. Aus diesem Grunde können die
kontinuierlichen Produktionsverfahren auch nach einer mathematischen
Formel aufgebaut und die Rechner so programmiert werden, daß sie die
gesamte Produktionskontrolle übernehmen.
Im Gegensatz hierzu lassen sich die durch verschiedene Produktionsstufen oder -phasen charakterisierten Herstellungsverfahren, wie etwa
die Gesamtmontage von Automobilen, nur sehr schwer auf eine mathematische Formel bringen. Sie sind daher auch für eine Vollautomatisierung
nicht so gut geeignet. Trotzdem aber sind auch hier automatische Maschinen und teilautomatische Verfahren heute allgemein üblich.
Was hat nun die Elektronenrechner-Verfahrenskontrolle solchen
Unternehmen zu bieten, die bereits einen sehr hohen Mechanisierungsgrad aufweisen?
Maximale Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit sind immer
schon durch bessere und schnellere Entscheidungen zu erreichen gewesen.
Andere Vorteile sind: erhöhte Sicherheit und Zuverlässigkeit, genauere
Produktionsplanung, bessere Lagerkontrolle.
Dennoch muß das Management trotz dieser wesentlichen Vorteile sich
mit der Frage auseinandersetzen: Lohnt es sich wirklich, soviel Zeit
und Arbeitskraft für die mathematische Kodifizierung eines Produktionsverfahrens in der Absicht aufzuwenden, einem Elektronenrechner die
Verantwortung für die Produktion zu übertragen? Werden die sich hieraus
ergebenden Produktivitätsgewinne groß genug sein, um sowohl die erforderlichen qualifizierten Wissenschaftler und Ingenlwure als auch die
teueren Maschinen bezahlen zu können? Die Antwort hierauf wird in
jedem Industriezweig - und selbst von Betrieb zu Betrieb - anders
lauten. Eines steht jedenfalls fest, nämlich - daß die Elektronenrechnerkontrolle da ist und sich auch durchsetzen wird.
Praktische Beispiele für die Anwendung der "CPC" in der Industrie
Da es sich bei der Verfahrenskontrolle mittels Elektronenrechner
um die technisch fortschrittlichste Anwendung der Automation handelt,
sei hier im folgenden auf einige praktische Beispiele in verschiedenen
Industriezweigen eingegangen.
1. Kraftwerke: Mitte vorigen Jahres {^^6^) wurden zwei CPC-Kraftwerke in den Vereinigten Staaten in Betrieb genommen. Zwei weitere
befanden sich damals in Bau, während für acht weitere bereits die Baukontrakte abgeschlossen waren.
In

�In einem Industriezweig, in dem von den Maschinen und Betriebsausrüstungen ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit verlangt wird, ist die
Verwendung von elektronischen Kontrolleinrichtungen einfach eine
zwingende Notwendigkeit. Die Betriebsingenieure, die ständig selbst
der geringsten Möglichkeit für eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit
der Produktionsanlagen nachspüren, haben sich deshalb auch sehr schnell
für die Elektronenrechner entschieden. Ihre Argumentes Kraftwerke weisen
bereits heute ein sehr hohes Produktivitätsniveau auf, wobei ihre Gewinnmarge sehr gering, die Menge der erzeugten Energie jedoch sehr groß
ist. Ein anderer Grund dafür, warum gerade die Kraftwerkindustrie sich
so hervorragend für die Umstellung auf Elektronenrechnerkontrollen eignet,
ist die Tatsache, daß sie bereits jetzt eine große Zahl von Elektround Hochfrequenztechnikern beschäftigt. Außerdem sind sich die Kraftwerke im technischen Aufbau viel ähnlicher als etwa die Werke der Stahl-,
Erdöl- oder chemischen Industrie. Daher ist es auch sehr viel leichter,
ein Kraftwerk nach dem anderen mit elektronischen Kontrolleinrichtungen
auszustatten.
Die Probleme der Verfahrenskontrolle in einem Kraftwerk sind praktisch die einer umfassenden Detailanalyse. In Kalifornien z.B. wurden
zwei 21O-Megawatt-Generatorenanlagen neu in einem Dampfkraftwerk installiert, die weitgehend von zwei Großrechenanlagen gesteuert werden.
Durch die CPC-Kontrolle ist es hier dem Betriebsingenieur jetzt möglich, eine abgeschaltete Generatorenanlage durch Betätigung eines
einzigen Kontrollknopfes wieder in Gang zu setzen. Normalerweise erfordert das Anfahren einer Generatorenanlage 6 1/2 Stunden; durch die
Verwendung einer Kontrollautomatik konnte diese Anlaufzeit um zwei
Stunden verkürzt werden. Während der viereinhalbstündigen Vorbereitungszeit führt das Gerät eine Sequenz von rund 1000 Punktionskontrollen durch, wie etwa die Überprüfung des Wasserstandes in den
Dampfkesseln, der Durchflußmengen an Kühlmitteln oder das Anzünden
der Brenner. Ist die gesamte Generatorenanlage angelaufen, so überwacht das Kontrollgerät mittels 15^0 Instrumenten den gesamten Betriebsablauf, d.h. es registriert die Temperaturen, Drücke, Durchflußraten, Umdrehungszahlen der Turbinen usw. Sollte sich einmal
ein Brennstoffmangel ergeben (diese Anlage in Kalifornien wird in
erster Linie mit Naturgas betrieben), so löst das Kontrollgerät automatisch 50 verschiedene Tätigkeiten aus, die erforderlich sind, um die
Brenner auf einen anderen Brennstoff - in diesem Falle Öl - umzustellen.
Im Falle einer Gefahr für die ganze Betriebsanlage ist der Elektronenrechner sogar imstande, Teile eines Aggregats oder die gesamte Anlage
innerhalb weniger Minuten abzuschalten.
Diese Fähigkeit des Kontrollsystems, drohende technische Pannen
rechtzeitig zu erkennen, ist gerade in den Kraftwerken von größter
Bedeutung: ein heißgelaufuius Lager oder ein durchgebrannter Kessel
können hier insofern Millionenschäden verursachen, als die Anlage
bei den erforderlich werdeüden Reparaturarbeiten für Wochen ausfällt.
Nach Ansicht zahlreicher Kraftwerkingenieure wird - in Anbetracht
der großen Zuverlässigkeit &lt;icr elektronischen Kontrollsysteme - dieser
Industriezweig wohl auch der erste sein, in dem Elektronenrechner die
Kontrolle allein und ohne zwischengeschaltete Instrumente durchführen
werden. Gerade die Kraftwerke stehen heute der Einführung des absoluten

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�absoluten elektronischen Kontrollsystems sehr viel aufgeschlossener
gegenüber als alle anderen Industriezweige.
2. Stahlindustrie; Die Verfahren zur Herstellung und Verarbeitung
von Stahl und Eisen sind für elektronische Kontrollsysteme technisch
gesehen gut geeignet. Zahlreiche Werke dieses Industriezweigs sind
daher auch seit einiger Zeit intensiv damit beschäftigt, ihre Anlagen,
vor allem ihre Walzstraßen, auf die Kontrollautomatik umzustellen.
Im Gegensatz zu den Kraftwerken, erfordern diese Verfahrensabläufe
hier keine so riesige Zahl von detaillierten Informationen, wenngleich
auch hier die Produktionsantscheidungen sehr schnell getroffen werden
müssen.
Das modernste und gleichzeitig auch größte und schnellste Walzwerk der USA wird gegenwärtig von der "Great Lakes Steel Corporation"
in Detroit erstellt - eine Anlage, die von einem Spezial-Elektronenrechner kontrolliert werden wird. Rund 50 Zentimeter dicke Rohblöcke
sollen hier später auf der aus 12 Walzen bestellenden Straße zu dünnen
Blechen ausgewalzt werden. Beim Durchlaufen der Walzstraße wird die
Geschwindigkeit des immer länger werdenden Stanlbandes ständig erhöht,
so daß es schließlich an der letzten Walze ei*»e Geschwindigkeit von
900 Metern in der Minute (54 km/st) erreicht. Verschiedene entlang
der Walzstraße angebrachte Meßlehren melden da/bei fortwährend die
genaue Stärke des Bandes sowie die Spannungen des Stahls während der
verschiedenen Bearbeitungsphasen an das Elektnpnengehirn, so daß der
Rechner sofort ermitteln und entscheiden kann,, wie etwa die Geschwindigkeit oder der Walzendruck korrigiert werden müssen, damit am Ende
der Straße ein gleichmäßig dickes, genau den Normen entsprechendes
Produkt herauskommt. Nach Ansicht der Werksleitung wird dieses Werk
in der Lage sein, Stahl in einer bisher nicht erreichten Uniformität
zu erzeugen. "Qualität ist der hauptsächliche Vorteil, der sich für uns
aus der CPC-Kontrolle ergibt. Während normalerweise die Abweichungen
der Walzprodukte in der Stärke 0,15 Millimeter betragen, werden sie
bei der neuen Anlage nur 0,076 Millimeter ausmachen - d.h. fast nur
noch die Hälfte."
In einem Weißblechwerk der "Jones &amp; Laughlin Corporation" ist
ein Durchlauf-Glühofen seit mehr als einem Jahr in Betrieb. Gerade
in diesem Werk werden die große Arbeitsgeschwindigkeit und die Anpassungsfähigkeit dieser Kontrollsysteme besonders deutlich. Die Stahlbänder laufen hier mit einer Geschwindigkeit von 600 Metern in der
Minute durch den Glühofen. Der Elektronenrechner kontrolliert dabei
nicht nur die Zonentemperatur-Regulatoren im Glühofen, sondern registriert auch laufend die Veränderungen im Material während der Verarbeitung und regelt die Ofentemperatur, wenn eine neue Charge eingesetzt wird.
Noch nicht gelöst, aber bereits Gegenstand umfangreicher Forschungen und Untersuchungen ist das Problem, wie man einen Elektronenrechner für die Verfahrenskontrolle bei einem Hochofen einsetzen
kann. So hat ein Unternehmen kürzlich mittels einer Großrechenanlage
den gesamten Produktionsablauf in einem Hochofen simuliert. Innerhalb
von drei Minuten bewältigte der Rechner dabei die Auswertung von verschiedenen Produktionsabläufen unter Zugrundelegung variabler Größen

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�Größen wie Blastemperatur, Sauerstoff- und Brennstoffgehalt usw. eine Analyse, für die in der Praxis, d.h. unter Verwendung eines
richtigen Hochofens, 24 Jahre erforderlich wären. Die Auswertung
der Ergebnisse des Elektronenrechners zeigte, daß sich die Hochofenleistung bis zu 30 Prozent steigern läßt, wenn die verschiedenen
Faktoren in ein optimales Verhältnis zueinander gebracht werden
können.
3« Ölindustrie: Auch die Ölgesellschaften, die sich gegenüber
den Elektronenrechnern von Anfang an aufgeschlossen zeigten, haben
inzwischen zahlreiche Anwendungsbereiche für die '*CPC" erschlossen.
Das erste integrierte System einer Elektronenrechiterkontrolle Elektronenrechner, Kontrollgeräte, Instrumente - *»urde von der "Universal Oil Products Company" für die Destillierung vun Paraffin aus Benzin
eingeführt, und die erste von einem Elektronenrechner kontrollierte
Produktionsanlage für die Erzeugung eines kommerzueilen Produkts in
den Vereinigten Staaten war die Polymerisationsan^ge der Texaco in
Texas, die seit mehr als einem Jahr in Betrieb ist.
Aber selbst ohne den Ausbau der Elektronenrechnerkontrollen zu
geschlossenen Kontrollsystemen für ihre Produktionsverfahren haben
die Ölgesellschaften erfolgversprechende Anwendungsmöglichkeiten entwickelt. Auch die theoretische Analyse von Produktionsabläufen und
Vertriebsproblemen mittels Elektronenrechner hat sich als äußerst
fruchtbar erwiesen.
Der bisher wohl ehrgeizigste Test zur CPC wird gegenwärtig von
der "American Oil Company" in ihren Raffinerieanlagen in Whiting
(Indiana) durchgeführt. Seit zwei Jahren werden hier von einer RöhrenDestillationsanlage täglich 140 000 Fass Rohöl durchgesetzt und dabei zehn verschiedene Produkte erzeugt. Die Produktionsmenge hängt
zwar von weit über einhundert variablen Faktoren ab, wie aber eine
eingehende Verfahrensanalyse ergab, sind nur 19 dieser Faktoren von
solcher Bedeutung, daß sie eine Elektronenrechnerkontrolle rechtfertigen. Diese 19 Faktoren mußten jedoch mit rund 160 anderen, die
physische Leistungsgrenze der Anlage bestimmenden Werten in Beziehung
gebracht werden. Andere mit in die Analyse einzubeziehende Werte waren
das Wetter, die Zuflußgeschwindigkeit, Zusammensetzung der Einsatzstoffe sowie die Produktionspläne. Zu diesem Wust von Details wurden
dann noch die veränderlichen wirtschaftlichen Größen hinzugefügt:
Preise, Kosten, Rohmaterialmengen, Verbrauch an Energie und Rohstoffen.
Aus dieser Unsumme von Einzelinformationen wurde ein Produktionsprogramm für eine Elektronenrechnerkontrolle mit insgesamt 75 000
Anweisungen entwickelt. Und obwohl hier nur 196 Instrumente laufend
abgelesen und die Ergebnisse ausgewertet werden müssen, ist dieser
Produktionsprozeß so kompliziert, daß selbst der ungemein schnell arbeitende Elektronenrechner fünf Minuten benötigt, um alle Details
nacheinander einmal zu erfassen und auszuwerten.
Über die bisherigen Ergebnisse sind die Techniker dieses Unternehmens sehr befriedigt; sie planen jetzt, ein CPC-System für den

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�den Produktionsprozeß, durch den der Oktangehalt des Ben ins
erhöht wird, und später auch ein System für die katalytischen
Crackanlagen und die Alkylationsverfahren einzuführen.
Ein Kontrollsystem, das noch komplizierter ist als das eben
beschriebene, wird in einer Raffinerie in der Nähe von Los Angeles
angewendet. Sehr ungewöhnlich ist in diesem Falle auch, daß der
Elektronenrechner, der die gesamte Anlage kontrolliert und überwacht,
sich nicht in der Raffinerie selbst befindet, sondern 64O km nördlich davon in San Francisco aufgestellt wurde. Die Kapazität dieses
Elektronenrechners ist so groß, daß es möglich ist, noch andere
Raffinerien mit ähnlichen Produktionsprogrammen an dieses Kontrollsystem anzuschließen.
4. Chemische Industrie: Die chemische Industrie benötigt in
erster Linie Elektronenrechner, die in der Lage sind, eine enorm
große Anzahl von Berechnungen laufend durchzuführen. Da es sich
aber bei chemischen Produktionsverfahren um verhältnismäßig langsam
ablaufende Prozesse handelt, sind entsprechende Korrekturen auch
nicht so häufig erforderlich. Ein großes Werk in Kentucky verwendet
einen Elektronenrechner für zwei verschiedene Aufgaben: einmal
kontrolliert er die Erzeugung von Vinylchlorid, einem Ausgangsprodukt
für Kunststoffe, und zum anderen registriert und analysiert er kontrolliert aber nicht - einen anderen Produktionsprozeß, die Herstellung von Acrylnitril. Das einzige von einem Elektronenrechner
gesteuerte amerikanische Chemiewerk, in dem Grundchemikalien erzeugt
werden, befindet sich in der Nähe von New Orleans. Es handelt sich
um das Barton-Werk der Monsanto Chemical Company, das synthetisches
Ammoniak erzeugt.
Bei der Einrichtung dieser Anlage spielten sowohl wissenschaftliche als auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle. Eine neue,
in hohem Grade mechanisierte Anlage eignet sich besonders gut für
die Automation. Da es sich hierbei um einen kontinuierlichen Prozeß
handelt, ist die Produktionskapazität der Anlage weitgehend von
der Gasmenge abhängig, die die großen Kompressoren in die Reaktionsbehälter pumpen. Die Kompressorenleistung wiederum hängt aber ganz
vom Wetter ab, denn an heißen und trockenen Tagen ist sie weitaus
geringer als an kühlen und feuchten Tagen. Aber auch für den Produktionsprozeß selbst ist der Feuchtigkeitsgehalt ein wichtiger
Faktor, denn das Produktionsergebnis wird weitgehend durch den Feuchtigkeitsgehalt der Luft bestimmt, die von außen her in die Kessel
gepumpt wird.
Das elektronische Kontrollgerät in dem Ammoniakwerk kann deshalb die Produktion auf einer Maximalhöhe halten, weil es sehr schnell
die jeweils erforderlichen Korrekturen vornehmen kann. In einer Anlage
in der täglich 500 Tonnen Ammoniak hergestellt werden, schlägt sich
eine höhere Produktionsleistung im Laufe eines Jahres schon in einer
beträchtlichen Menge Kunstdünger nieder.
Verschiedene ölfirmen überprüfen gegenwärtig auch die Vorteile,
die sich durch eine vollkommene Umstellung der Produktion auf elektronische Kontrollen ergeben würden, wenngleich sie sich völlig

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�völlig darüber im klaren sind, daß es auch noch andere Möglichkeiten
für sie gibt, mittels Elektronenrechner die Leistungsfähigkeit ihrer
Anlagen zu erhöhen. Elektronenrechner, ganz gleich, ob sie aktiv an
der Produktionskontrolle beteiligt sind oder nur "überwachende"
Funktionen ausüben, können immer zum Vorteil eingesetzt werden.
Die Ingenieure der chemischen Industrie haben festgestellt, daß sich
mit Hilfe der Elektronenrechner leistungsfähige Kontrollpläne für
die verschiedenen Produktionsphasen entwickeln lassen. Neben Kompressorenanlagen wurden auch Destillationskolonnen und Wärmeaustauscher mit
Erfolg analysiert.
Aus diesem Grunde sind die Verfahrenskontrollen mittels Elektronenrechner nur der letzte, markanteste Schritt in Richtung auf die
Vollautomatisierung - aber Dutzende anderer Anwendungsmöglichkeiten
werden ihren Spuren folgen,
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

455-Mi'llionen-Dollar-Programm für die Umschulung von Arbeitslosen
Mit der Verabschiedung des neuen Gesetzes über die Umschulung
von Arbeitskräften durch den Kongreß ist die amerikanische Regierung jetzt in der Lage, ein umfassendes Umschulungs- und Fortbildungsprogramm für all diejenigen Arbeitskräfte durchzuführen, die
ihre Arbeitsplätze auf Grund der Automatisierung in den vergangenen
Jahren verloren haben.
Gleichzeitig wird der US-Arbeitsminister durch das neue Gesetz
ermächtigt, in Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten eingehende Studien über die Auswirkungen der Automatisierung auf die Beschäftigungsstruktur und den Arbeitsmarkt durchzuführen sowie entsprechende Umschulungsprogramme auszuarbeiten, in deren Rahmen die "technologischen
Arbeitslosen" auf neue Berufe umgeschult und vorbereitet werden
können. Insgesamt stehen der amerikanischen Regierung 435 Millionen Dollar
während der nächsten drei Jahre für diese Zwecke zur Verfügung,
Ein sehr erheblicher Teil dieser Mittel ist dabei für die staatlichen Umschulungsbeihilfen vorgesehen, die das Gesetz all jenen
Arbeitnehmern zusichert, die an derartigen Umschulungsprogrammen
teilnehmen. Die Höhe dieser Beihilfen wird sich in der Regel mit
den Unterstützungssätzen der Arbeitslosenversicherung in den einzelnen Bundesstaaten decken und dürfte zwischen 55 Dollar (Hawaii), 50
Dollar (New York) und 30 Dollar wöchentlich (in vielen der anderen
Bundesstaaten) liegen. Ausgenommen von dieser Regelung sind lediglich
die Altersgruppen zwischen 19 und 21 Jahren, für die wöchentliche
Beihilfen von nur 20 Dollar vorgesehen sind. Diese Ausnahmeregelung
wurde deshalb in das Gesetz aufgenommen, weil sonst viele der 19- bis

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�bis 21jährigen, die auf Grund ihres vorzeitigen Schulabgangs bisher
nicht in der Lage waren, einen festen Arbeitsplatz zu erhaltta, überhaupt keine Unterstützung bekämen. Das Gesetz schreibt nämlich vor,
daß nur solche Arbeitnehmer umschulungsberechtigt sein sollen, die
u.a. eine dreijährige berufliche Tätigkeit nachweisen können.
Die hauptsächlichen Nutznießer des neuen Programms werden vor
allem die verheirateten Arbeitnehmer sein, die ihren Arbeitsplatz
deshalb verloren, weil ihre handwerklichen oder beruflichen Fähigkeiten durch die technische Entwicklung überholt wurden. Das gleiche
trifft auch für die Farmerfamilien der unteren Einkommensgruppe zu, die
ebenfalls Anträge auf Umschulung stellen können.
Um an den staatlichen Umschulungsprogrammen teilnehmen zu können,
müssen sämtliche Personen über 21 Jahre entweder verheiratet oder
aber Haushaltsvorstand sein und mindestens eine dreijährige Berufspraxis nachweisen können. Alle, die diese Voraussetzungen erfüllen,
können sich auf den Arbeitsämtern, wo sie vor Fachleuten eine Eignungsprüfung ablegen müssen, für die Umschulung einschreiben lassen. Damit
soll sichergestellt werden, daß die Umschüler auch wirklich auf Berufe
vorbereitet werden, die ihren Fähigkeiten entsprechen.
Die Umschulung selbst erfolgt entweder in den bundesstaatlichen
Berufsschulen oder an industriellen Arbeitsplätzen unter Aufsicht von
geeigneten Meistern und Facharbeitern.
Das neue Ausbildungs- und Umschulungsprogramm wird am 1 . Juli
dieses Jahres beginnen und vorläufig bis zum 30. Juni 19^5 (Ende
eines Haushaltsjahres) durchgeführt werden. Während im ersten Jahr
insgesamt 100 Millionen Dollar für die Durchführung des Programms
bereitstehen, werden es in den beiden folgenden Jahren je 165 Millionen Dollar sein* Fünf Millionen Dollar wurden außerdem für die Vorbereitungsarbeiten zur Verfügung gestellt.
Das neue Gesetz über die Umschulung von Arbeitskräften, die
auf Grund der Automatisierung freigesetzt wurden, ist Teil des Gesamtprogramms der amerikanischen Regierung für die Beseitigung der
Arbeitslosigkeit und zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums.
(Quellet Eigenbericht)
* * * * *

Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine Wirtschaftspolitik
Nachdem Präsident Kennedy kürzlich seine wirtschaftspolitischen
Konzeptionen den Vertretern der Wirtschaft mit aller Offenheit und
Eindringlichkeit vorgetragen hatte, nahm er jetzt den Jahreskongreß
der Automobilarbeitergewerkschaft zum Anlaß, um vor den Vertretern
der Arbeitnehmerorganisationen die wirtschaftspolitischen Ziele
seiner Regierung zu umreißen und auch ihnen klarzumachen, welch eine

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�eine "große Verantwortung Unternehmer und Gewerkschaften gegenüber
der öffentlichkeifhaben.
Kennedy dokumentierte mit dieser Rede erneut, daß seine Regierung nicht geneigt ist, wirtschaftspolitische Rücksichten auf
irgendeine Interessengruppe zu nehmen, und daß seine Wirtschaftspolitik
ganz klar darauf ausgerichtet ist, dem Ganzen zu dienern "Was
den Vereinigten Staaten als Gesamtheit zum Vorteil gereicht, wird
auch letztlich jedem amerikanischen Unternehmen und jeder amerikanischen Gewerkschaft von Nutzen sein,"
Was dem Lande unbedingt zum Vorteil gereicht, ist nach Kennedys
•Worten ein im wesentlichen nichtinflationäres wirtschaftliches
Wachstum - eine Expansion, die die Vollbeschäftigung und technischen
Portschritt gewährleistet und durch die die Vereinigten Staaten in
die Lage versetzt werden, ihren Verpflichtungen auf wirtschaftsund sozialpolitischem Gebiet im In- und Ausland nachzukommen. Dieses
angestrebte Wachstum, das Kennedy als "die größte Herausforderung
der sechziger Jahre" bezeichnete, sei nur über eine steigende Produktivität zu erreichen, durch die allein die einzelnen Segmente
der Wirtschaft profitieren würden - die Unternehmer in Form höherer
Gewinne, die Arbeitnehmer in Form höherer Löhne, die Verbraucher
durch stabile und niedrigere Preise und die Exporteure schließlich
in Form vermehrter Absatzchancen auf den Weltmärkten.
Nach Ansicht der Kennedy-Administration laufen daher ungerechtfertigte, die Grenzen der Produktivitätszunahmen sprengende und die
Preise erhöhende Lohnforderungen den nationalen Interessen genauso
zuwider wie die sich ebenfalls in höheren Preisen niederschlagenden
höheren Profitforderungen.
Während Kennedy vor den Vertretern der amerikanischen Handelskammern die Notwendigkeit stabiler Preise von der Gewinnseite her
beleuchtete, waren es auf dem Gewerkschaftskongreß die Lohnseite
und die lohnpolitischen Konsequenzen, die er den Gewerkschaftern
eindringlich vor Augen führte. Aber auch hier betonte der Präsident mit allem Nachdruck, daß seine Regierung nicht die Absicht
habe, in Friedenszeiten Zuflucht zu einer Lohn- und Preisbindung
zu nehmen. Die Regierung könne zwar gewisse Richtlinien für die
Wirtschaft umreißen, aber keine allgemeingültige Formel für jeden
einzelnen Betrieb und jeden Industriezweig aufstellen. Ebenso
könne sie Ziele und Punkte des nationalen Interesses ansprechen,
sie habe aber nicht die Macht - und beanspruche sie auch nicht -,
Zwangsmaßnahmen auf dem Gebiet der Löhne und Preise durchzusetzen.
Die Festsetzung der Preise und Löhne sei Sache der Unternehmer
und Gewerkschaften, die in den TarifVerhandlungen die notwendigen
und den nationalen Interessen dienenden Entscheidungen freiwillig
vorzunehmen hätten. Hierbei könnte als Richtwert - aber nicht notwendigerweise als starre Formel - die dreiprozentige jährliche
Produktivitätszunahme dienen, die der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten als Durchschnittswert für die gesamte Wirtschaft errechnet
hat.
Kennedy

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�Kennedy hatte vor dem UAW-Kongreß im Vergleich zur Tagung der
Amerikanischen Handelskammer schon insofern eine leichtere Aufgabe,
als er hier vor einer Organisation sprach, die ihn bereits in der
Vergangenheit unterstützte und die sich zudem überraschenderweise
noch am Tage zuvor in einer Erklärung dafür ausgesprochen hatte,
die Bemühungen der Regierung auch weiterhin zu unterstützen, "eine
Erhöhung der Löhne und Lohnnebenleistungen über die steigende Produktivität und nicht über Preiserhöhungen zu erreichen". Präsident
Kennedy bescheinigte der Gewerkschaft denn auch ihren "hohen Verantwortungssinn gegenüber der Öffentlichkeit".
Lieser Verantwortungssinn kann aber schon in den nächsten
Wochen auf eine sehr ernste Probe gestellt werden, und zwar sowohl
in der Automobilarbeitergewerkschaft als auch in anderen Arbeitnehmerorganisationen. Lenn die UAW-Gewerkschaft z.B. wird bei den kommenden
TarifVerhandlungen in der Flugzeug- und Raketenbauindustrie eine bedeutende Rolle spielen, und auch bei den Eisenbahnern kündigen sich
schwerwiegende l.ohnpolitische Auseinandersetzungen an.
(Quellet Eigenbericht)
* * * * *

Lie Bedeutung des neuen Tarifvertrages der Stahlindustrie
Als einen großen wirtschaftlichen Erfolg für die gesamte Nation
bezeichneten die amerikanischen Zeitungen in ihren Kommentaren allgemein das zwischen den Tarifpartnern der Stahlindustrie abgeschlossene
neue Abkommen. Man sprach dabei von einem Musterbeispiel im amerikanischen TarifVerhandlungswesen, denn keine Seite habe das bekommen, was
sie gefordert habe. Was schließlich in den Verhandlungen konkretisiert
wurde, sei insofern ein begrüßenswerter Kompromiß, als nicht nur das
Management und die Gewerkschaft daraus Vorteile ziehe, sondern auch
die Gesamtwirtschaft.
Und gerade die gesamtwirtschaftlichen Belange sind es denn auch,
die den bedeutendsten Aspekt des neuen Abkommens darstellen. Lenn mit
diesem am 1. Juli dieses Jahres in Kraft tretenden Lohnabkommen der
US-Stahlindustrie wird zum ersten Mal seit zehn Jahren der verhängnisvolle Zyklus der jährlichen Lohn- und Preiserhöhungen in diesem wichtigen Industriezweig durchbrochen - verhängnisvoll insofern, als gerade
die Lohn- und Preiserhöhungen der Stahlindustrie in all den Jahren
einen sehr wesentlichen Einfluß sowohl auf die gesamte industrielle
Lohnstruktur als auch auf das allgemeine Preisniveau hatten.
Auch die konjunkturelle Entwicklung in diesem Jahr wird durch das
neue Abkommen sehr günstig beeinflußt werden, und da die Verhandlungen
bereits ein Vierteljahr vor Auslaufen des derzeitig gültigen Vertrages
abgeschlossen wurden, wird es in diesem Jahr auch zu keinen unkontrollierbaren und das gesamte Wirtschaftsbild verzerrenden Hortungskäufen der
Stahlverarbeiter kommen, so, wie es zum Beispiel vor zwei Jahren der
Fall war, als die gesamte wirtschaftliche Entwicklung durch den 116
Tage dauernden Stahlarbeiterstreik außer Tritt gebracht und ein

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�ein wirtschaftlicher Rückgang eingeleitet wurde. Allein schon aus
diesen Gründen dürfte das neue Stahlabkommen zu einer Stabilisierung
und Erhaltung der Konjunktur beitragen.
Was hat aber die beiden Sozialpartner, insbesondere jedoch die
Gewerkschaft, nun veranlaßt, ihre Forderungen - vor allem auf lohnpolitischem Gebiet - zurückzustecken und einen Tarifvertrag abzuschließen, der nach Ansicht sowohl der Regierung als auch der -Wirtschaftsexperten in seinem Charakter nichtinflatoricch ist?
Hierfür gibt es drei Gründe« 1. den zunehmenden ausländischen
Wettbewerb; 2. die fortschreitende Automatisierung der Betriebsanlagen der Stahlindustrie; und 3» die immer stärker werdende öffentliche
Kritik an den das allgemeine Preisniveau beeinflussenden Lohnerhöhungen.
Hinzu kommt noch, daß auch unter den Stahlarbeitern selbst der Ruf
nach Einkommens- und Preisstabilität immer lauter wurde.
Die tarifpolitischen Forderungen der Stahlarbeitergewerkschaft
konzentrierten sich in diesem Jahr auch nicht so sehr auf Lohnerhöhungen als vielmehr auf Garantien für eine Sicherung der Arbeitsplätze und Erhöhung der wirtschaftlichen und sozialen Sicherheit ihrer
Mitglieder. So sind z.B. im ersten Jahr keine Lohnerhöhungen vorgesehen - lediglich ein Passus für eine mögliche Aufnahme von Lohnverhandlungen im zweiten Jahr wurde in den Vertrag aufgenommen -,
und die Belastungen, die sich für die Unternehmer auf Grund höherer
Lohnnebenleistungen ergeb en, belaufen sich lediglich auf rund 10 Cent
pro Stunde. Das sind die geringsten Belastungen seit langer Zeit. Sie
machen etwa 3 Prozent aus und liegen damit im Rahmen des in diesem
Jahr'zu erwartenden Produktivitätsanstiegs.
Trotz dieses bescheidenen Rahmens bringt das neue Tarifabkommen
den 430 000 Arbeitnehmern der Stahlindustrie, die gegenwärtig im
Durchschnitt 3,28 Dollar pro Stunde (plus 80 Cent an "fringe
benefits") verdienen und damit die industrielle Lohnskala mit anführen, einige sehr wesentliche Vorteile: mehr Urlaub, höheres Urlaubsgeld} Erhöhung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung; Verbesserung
der Vergütungen bei Kurzarbeit; liberalisierte Senioritätsklauseln
sowie höhere private Pensionsleistungen.
Einige noch offen gebliebene Arbeitsfragen sollen später im
Rahmen eines gemeinsamen, aus Vertretern des Managements und der
Gewerkschaften gebildeten "Industrieausschusses" beraten werden, der
die Arbeit des "Human-Relations"-Ausschusses im erweiterten Rahmen
fortführen soll, welcher nach Vertragsabschluß des letzten Abkommens
gebildet wurde, seine Tätigkeit aber mit dem Auslaufen des Vertrages
am 30. Juni einstellt. Diese Abmachung ist insofern von großer Bedeutung, weil es nach Ansicht der Stahlarbeitergewerkschaft gerade der
gemeinsame Ausschuß war, der den neuen Vertragsabschluß sehr erleichtert und mit dazu beigetragen hat, daß seit 1954 zum ersten Mal wieder
in der Stahlindustrie ein Tarifabkommen ohne Streikanwendung abgeschlossen werden konnte.
(Quelle» Eigenbericht)
* * * * •

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung; der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 7

Bad Godesberg, den 1. Juli 1962
INHALTSVERZEICHNIS

Die Auswirkungen der Automation auf den
Arbeitnehmerstatus

Seite

1

Seite

7,

Die Gewerkschaften und die Angestellten

Seite

9

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

11

Feststellung der Beschä.f ti gten- und Arbeitslosenzahl
in den USA

Thomas R. Brooks:
Die Auswirkungen der Automation auf den Arbeitnehmerstatus
Aus'Dun-s Review and Modern Industry"
Nachdruck mit Angabe des Verfassers
und dem Vermerk "(c) 1962 Dun and
Bradstreet Publications Corporation"
gestattet.

In der amerikanischen Industrie ist in den letzten Jahren ein
neuer Arbeitnefemertyp immer stärker in den Vordergrund getreten:
die Schaltpultoperateure in den automatisierten Produktionsanlagen.
Zuerst trat dieser neue Arbeitnehmertyp in den Ölraffinerien, Chemiewerken und den öffentlichen Versorgungsbetrieben in Erscheinung; heute
ist er auch in den Stahl-, Automobil- und metallverarbeitenden Werken
anzutreffen. Für alle Kreise des Wirtschaftslebens - Management und
Gewerkschaften - und darüber hinaus für die ganze amerikanische Gesellschaft wird er bald ein großes Problem darstellen.
Oberflächlich betrachtet mag dieses Problem ziemlich unbedeutend
erscheinen; denn mehr oder weniger dreht es sich zunächst lediglich
darum, welchen "Arbeitskittel" dieser neue Arbeitnehmertyp bekommen
soll.
•
^
-

1

-

�In den Färbereien sind die Schaltpultoperateure aufgestufte
"blue collar workers" - Arbeiter mit nur rund acht Jahren schulischer
Ausbildung. In den Ölraffinerien dagegen werden die gleichen Tätigkeiten an den automatischen Bedienungs- und Kontrollgeräten nur von
Technikern ausgeführt, die eine College-Ausbildung aufzuweisen haben.
Wer nun sind diese Arbeitnehmer von morgen? Sind es "Arbeiter"
(blue collar workers) mit der gleichen Haltung, den gleichen Arbeitsgewohnheiten und der gleichen Loyalität gegenüber den Gewerkschaften,
wie sie der Industriearbeiterschaft von heute eignen? Oder sind es
Angestellte, Menschen mit ganz anderer Einstellung und den dieser
Beschäftigtengruppe eigenen Gewohnheiten und Sorgen? Wird die Automation den "bläuen Kragen" ausbleichen? Erhält der "weiße Kragen" eine
bläuliche Tönung? Oder werden sich in der Praxis überhaupt Unterschiede herausbilden? •
Die Antworten auf diese Fragen werden darüber entscheiden, wie der
Arbeitnehmer des kommenden Automationszeitalters entlohnt werden wird ob auf Stunden-, Tages- oder Wochenbasis. Und die Tatsache, ob das Heer
der Arbeitnehmer in den USA aus Menschen mit "weißen" oder "blauen"
Kragen besteht, wird letztlich auch die Arbeitsbedingungen und Vergütungen bestimmen, die die Industriearbeiter von morgen suchen und fordern.
Bereits heute sind verschiedene Unterscheidungsmerkmale von "blauen"
und "weißen" Arbeitsplätzen weitgehend verblaßt. Einst war die physische
Erschöpfung die unvermeidliche Folge der Fabrikarbeit, während die geistige
Abgespanntheit allein Merkmal des Angestellten war. Heute jedoch, im Zuge
der verstärkten Automatisierung der Produktionsverfahren, ist auch dem
Industriearbeiter die geistige Abgespanntheit nicht mehr unbekannt.
Las Management hat das alte Problem der Fabrikarbeit, die schnelle
Ermüdung der Muskeln, schon seit langem erkannt und den Arbeitnehmern
durch die Festlegung von Arbeitspausen eine Möglichkeit zur physischen
Erholung gegeben. Daraus ergibt sich die Frage: Muß das Management jetzt
- als Folge der Automatisierung - für seine Schaltpultoperateure ähnliche
Pausen für die geistige Erholung einführen?
Dies ist nur das sichtbarste all jener Probleme, die sich in dem
Maße ergeben, wie sich der Charakter der Arbeitnehmerstruktur verändert.
Noch umfassendere Umwälzungen, die eine Änderung in der Haltung von
Gewerkschaften und Management erzwingen werden, zeichnen sich ab. Hierfür zwei Beispiele, die in etwa einen Eindruck von ihrem Umfang vermitteln.
Hoch über der Walzstraße des 120-Millionen-Dollar-Walzwerks der
"U.S. Steel" in Chicago thront ein mit einem grauen Jackett und mit
einer leichten Stoffmütze bekleideter Arbeiter in einer mit Klimaanlage
versehenen Kabine. Es ist der Walzmeister. Vor Einführung der Automation
bediente er. mit großem Fingerspitzengefühl zahlreiche Hebel und kontrollierte damit den Walzdruck der riesigen Walzen. Heute dagegen braucht
er lediglich noch zu entscheiden, in welcher Reihenfolge die einzelnen
Walzen benutzt werden sollen. Diese Information locht er in eine Karte,
die er dem programmierten Elektronenrechner zuführt, der dann vollkommen
selbständig Druck und Durchlaufgeschwindigkeit des Stahls durch die Walzen regelt.
_

�Der Walzmeister ist immer noch ein "blue collar worker", der
stolz auf seine handwerklichen Fähigkeiten ist und der loyal zu seiner Gewerkschaft steht. Seine Arbeit hat sich zwar verändert, aber
sein Arbeitsplatz wurde nicht neu eingestuft, und auch sein Lohn
und seine Stellung im Betrieb sind noch immer die gleichen.
Was aber, wenn er pensioniert wird? Wird sein Nachfolger noch
über die gleichen handwerklichen Fähigkeiten verfügen - wird er sie
überhaupt noch brauchen? Mit größter Wahrscheinlichkeit wird sein
Nachfolger Angehöriger der neuen Klasse der "angelernten Ingenieure"
sein.
In dem großen Wichita-Werk der "Boeing Airplane Company" arbeiten
Dutzende Arbeitnehmer nebeneinander, um Produktionsprogramme auf Lochstreifen für die Batterien von Werkzeugmaschinen zusammenzustellen,
die nach dem numerischen Kontrollsystem arbeiten. Diese Arbeit setzt
keine Kenntnisse der höheren Mathematik voraus; in der Regel ist das
auf den höheren Schulen vermittelte mathematische Wissen ausreichend.
Dennoch müssen diese Programmierer die technischen Eigenheiten der
verschiedenen Typen dieser Werkzeugmaschinen genau kennen oder kennenlernen.
In diesem Werk hat man die Erfahrung gemacht, daß Maschinenwarte
mit einer Oberschulbildung zu guten Programmierern ausgebildet werden
können. Aber auch College-Absolventen sind hier unter den Programmierern
vertreten. Arbeitnehmer mit "blauen" und "weißen" Kragen" arbeiten also
nebeneinander, und ihre Tätigkeiten unterscheiden sich nicht voneinander.
Nur die Art der Bezahlung - Stundenlohn gegenüber Monatsgehalt - zieht
noch den Trennstrich zwischen ihnen.
Der Professor für Soziologie der Columbia-Universität Daniel Bell
ist der Ansicht, daß in dem Maße, wie durch die automatischen Verfahren
die Zahl der für die Produktion erforderlichen Arbeitskräfte zurückgeht, eine neue Gruppe der Gehaltsempfänger an die Stelle der Lohnempfänger rücken wird. Ein Meister in einem Eöhrenwerk sagte: "Als
Schlüsselkräfte in unserem halbautomatischen Werk sind meine Männer
tatsächlich Techniker - nicht mehr Arbeiter im alten Sinne'i"
Und jetzt beginnen die alten Unterscheidungsmerkmale bei Löhnen
und Gehältern immer mehr zu verblassen. Die International Business
Machines Corporation zum Beispiel, die ihrerseits sehr viel zur Automatisierung der Industrie beigetragen hat, hat sämtliche Stundenlöhne
abgeschafft und alle Mitarbeiter auf die Gehaltslisten gesetzt.
Einige wenige Unternehmen sind inzwischen dem Beispiel der IBM
gefolgt, aber schon bald wird der Unterschied zwischen Lohn und Gehalt
nur noch von semantischer Bedeutung sein. Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft beispielsweise hatte bei den TarifVerhandlungen
des vergangenen Jahres die Zahlung von Gehältern statt Löhnen zum
Gegenstand der lohnpolitischen Forderungen gemacht. Dies veranlaßte
nicht wenige von den Führungskräften der Automobilindustrie zu der
Äußerungs"Die Automobilarbeiter erhalten ja praktisch jetzt schon
Gehälter."
Dieser

�Dieser Hinweis bezieht sich auf die Garantie für eine zusätzliche
Arbeitslosenunterstützung, die der entlassene A'utomobilarbeiter erhält und die ihm 75 Prozent seines bisherigen Wocheneinkommens im
Falle der Arbeitslosigkeit sichert. Wenn er Kurzarbeit leistet, so
bekommt er 65 Prozent seines Grundlohns für jede Stunde, die er innerhalb 40 Wochenstunden nicht gearbeitet hat.
"Tatsächlich", sagen die Leute der Industrie, "ist dies ein
Gehalt." Inwieweit dieser gewerkschaftliche Erfolg der harten Verhandlungsführung der Gewerkschaft zuzuschreiben ist und in welchem
Maße die Auswirkungen der Automation daran beteiligt sind, läßt sich
natürlich schwer sagen. Es dürfte aber allgemein feststehen, daß,
je mehr sich die Automobilindustrie der Vollautomatisierung nähert,
sie sich um so mehr auch dem Gehaltssystem nähert.
Die Verästelungen dieser Veränderungen reichen aber weit über
die bloßen Details von Tarifabkommen hinaus. Bereits jetzt gibt es
in einigen Gewerkschaften gewisse Auseinandersetzungen über die altbewährten Anciennitätsbestimmungen. Zahlreiche Ortsverbände haben
bereits beantragt, im Falle kurzfristiger Entlassungen diese Bestimmungen außer Kraft zu setzen. Nach ihrer Meinung sollten die älteren
Arbeitnehmer frei darüber entscheiden, ob sie die volle Arbeitszeit
bei vollen Bezügen ableisten oder aber lieber vorübergehend bei 75
Prozent ihrer bisherigen Bezüge ausscheiden wollen. Diese Arbeitnehmer
mit langer Dienstzeit, die meist Endfünfziger und Sechziger sind, würden,
wie die Jüngeren behaupten, wahrscheinlich die vorübergehende Entlassung
bevorzugen, da ihre Kinder erwachsen, ihre Ausgaben geringer sind und
sie die freie Zeit mehr zu schätzen wissen als ihre jüngeren Kollegen,
die auf den vollen, Verdienst angewiesen sind. Bisher allerdings hat
es in dieser Hinsicht noch keine Entschließungen gegeben, und wahrscheinlich wird es in den Ortsverbänden darüber noch ein stärkeres
Tauziehen geben.
Die Produktivität der neuen Produktionsausrüstungen der Industrie
ist heute praktisch als ein konstanter, in die Anlagen selbst von vornherein eingeplanter Faktor zu betrachten. Der Grund hierfür liegt darin,
daß ein Betriebsleiter es nicht gerne sieht, wenn das Bedienungspersonal
die Arbeitsgeschwindigkeit dieser Maschinen beeinflussen kann, weil jede
derartige Einflußnahme auf den Produktionsprozeß letztlich zu einer
verminderten Produktionsleistung führen muß. Der Schaltpultoperateur
in einem automatisierten Betrieb hat daher auch keine Möglichkeit, den
Produktionsablauf von sich aus zu beschleunigen.
Dennoch ist es gerade wegen der Kosten, des Leistungsvermögens
und der Kompliziertheit der automatisierten Produktionssysteme, daß man
heute weitaus mehr Gewicht auf die sorgfältige Wartung und eine schnelle
Reparatur der neuen Ausrüstungen legt als je zuvor. Wenn die Anschaffungskosten für ein automatisiertes Produktionssystem schon mehrere Millionen
Dollar betragen, so bringt jede unvorhergesehene Minute des Stillstands
der Anlage dem Produzenten unwahrscheinlich hohe Kosten. Um die volle
Leistung aus einer automatisierten Maschinengruppe herausholen zu können,
bedarf es eines hohen Verantwortungsgefühls sowohl des Wartungs- als
auch eres Bedienungspersonals.

In

�In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie und in welcher Weise das alte Lohnanreizsystem den neuen industriellen Methoden angepaßt werden kann. Einige Industrieberater sind dabei der
Absicht, daß es hierauf überhaupt keine Antwort gibt. Einer von
ihnen sagte es offen heraus: "Die Automatisierung macht es unmöglich,
die Produktionsleistung eines einzelnen Arbeitnehmers zu ermitteln und aus diesem Grunde ist eben auch ein Lohnanreizsystem nicht d«nkbar."
In automatisierten Betrieben Lohnanreizsysteme einzuführen ist
außerordentlich schwierig und kompliziert. Aus diesem Grunde haben
verschiedene Betrieb« sich in letzter Zeit wieder einmal näher mit
dem sogenannten Scanlon-Plan befaßt. Dieses Leistungslohnsystem wurde
bekanntlich in den 30er Jahren von dem Professor für Betriebsführung
am Massachusetts Institute of Technology Joseph Scanion in der amerikanischen Stahlindustrie eingeführt. Es zielt darauf ab, den Arbeitnehmern auf die folgende Weise einen Produktionsanreiz zu bieten: Die
Unternehmensführung ermittelt den Anteil der Arbeitskosten an den gesamten Produktionskosten; sinkt der prozentuale Anteil der Arbeitskosten
unter die Norm, so teilt das Unternehmen den hieraus resultierenden
Gewinn gleichmäßig zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber auf. Hierdurch
wird der Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften
und Management gelegt, und gleichzeitig wird den Mitarbeitern eine Möglichkeit gegeben, bei der Lösung der Produktionsprobleme mitzuhelfen.
Nach Ansicht der derzeitigen Befürworter eines solchen Planes liegt
sein größter Vorteil darin, daß er sowohl den Arbeitern als auch den
Angestellten ein gemeinsames Anreizsystem bietet und dadurch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen diesen beiden Arbeitnehmergruppen
verwischt.
"In dem Maße, wie die Industrie automatisiert", so erklärte ein
Betriebswirt, "wird sich auch das Bonussystem für die Mitarbeiter mehr
und mehr dem der leitenden Mitarbeiter anpassen."
Es hat also ganz den Anschein, als ob die Arbeiter, an solchen
Vorrechten ständig mehr und mehr teilhaben, Vorrechten, die bisher
nur der Betriebsführung und den Angestellten eingeräumt wurden.
Diese Entwicklung hat natürlich schon vor einigen Jahrzehnten
eingesetzt, und zwar in den 30er Jahren, als die Arbeiter in den Vereinigten Staaten nach und nach in den Genuß eines bezahlten Urlaubs,
von Krankenversicherungsleistungen und Pensionen gelangten. Jetzt aber
erzwingt die Automation einen neuen Einbruch der "blue collar workers"
in die Domäne der Angestellten.
Auch auf die Struktur der Gewerkschaften wird die Automatisierung
einen starken Einfluß ausüben. Sie wird zu einer Schrumpfung der Mitgliederzahlen führen, und wenn der derzeitige Trend andauert, werden
die Gewerkschaften von morgen zahlenmäßig kleiner sein (wenngleich sich
ihre Mitgliedschaft aus höherbezahlten - und in einigen Fällen auch
höherqualifizierten - Mitgliedern zusammensetzen dürfte).
Der Rückgang in der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder ist bereits
sehr groß gewesen. Die Automobilarbeitergewerkschaft z.B. erreichte
im Jahre 1953 ihren Mitgliederhöchststand mit 1,4 Millionen. Heute dagegen sind es nur noch rund eine Million. Die Zahl der Mitglieder der

-

5 -

�der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft ging von rund einer Million
im Jahre 1953 auf 843 000 im vergangenen Jahr zurück. Die Maschinistengewerkschaft rutschte mit ihrer Mitgliederzahl sogar von 992 000 im
Jahre 1959 a uf gegenwärtig 646 000 ab.
Diese starken Mitgliederrückgänge haben innerhalb der AFL-CIO zu
Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der grundsätzlichen Frage geführt, welche Haltung die Arbeitnehmerverbände gegenüber der Automatisierung einnehmen sollen. Ob sie darum kämpfen sollen, die vorhandene Arbeit unter ihren Mitgliedern aufzuteilen, oder aber sich für
höhere Löhne und Lohnnebenleistungen für eine geringere Anzahl Mitglieder einsetzen sollen.
Die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft dürfte der Prototyp für
zahlreiche andere Gewerkschaften im Automationszeitalter sein. Die UMWGewerkschaft ging mit der Automation, und das Ergebnis ist sehr eindrucksvoll gewesen. Zwar ging die Zahl ihrer Mitglieder zwischen 1948
und 1961 von 400 000 auf 125 000 zurück, aber die United Mine Workers
sind auch heute noch eine mächtige Gewerkschaft. Die Schichtlöhne
ihrer Mitglieder kletterten von 14 Dollar im Jahre 1948 auf 24 Dollar
heute; und 40 Cent je Tonne geförderte Kohle werden von den Unternehmen
an den bedeutendsten Wohlfahrtsfond der USA, den der UMW-Gewerkschaft,
abgeführt. Das Reinvermögen der Gewerkschaft ist mit 110,3 Millionen
Dollar fast ebenso groß wie das der Automobilarbeiter-, der Stahlarbeiter- und der Maschinisten-Gewerkschaft zusammen. Zwar gibt es in
den Kohlenrevieren eine Arbeitslosigkeit, aber die Gewerkschaftsführung
ist der Ansicht, daß ihre Einstellung gegenüber der Automatisierung
die einzig richtige ist.
Natürlich dürfte es für die Gewerkschaften auch noch einen anderen
Weg geben. In dem Maße, wie durch die Automation die weißen und blauen
"Kragen"-Farben miteinander veimischt werden, könnten sich einige Gewerkschaften verstärkt darum bemühen, durch Organisationskampagnen zur
Gewinnung der Angestellten ihre gewerkschaftliche Macht zu erhalten.
Und die Gruppe der "white collar workers" dürfte für derartige Bemühungen sogar noch empfänglich sein, denn mit der fortschreitenden Automatisierung der Büroarbeit sehen sich viele dieser Arbeitnehmer vor die
gleichen Probleme gestellt - Entlassung und Unsicherheit -, die die
"blue collar workers" bereits kennengelernt haben. Auch hier wieder
beginnen die Unterschiede sich zu verwischen.
Der Walzmeister der Stahlindustrie thront jetzt in einer klimatisierten Kabine, wo sein Vorgänger noch an den heißen Stahlbändern
schmorte. Der Schaltpultoperateur der automatisierten Produktionsanlagen in den Textilfärbereien sitzt heute in einem büroähnlichen Raum,
während er noch bis vor kurzem im Schweiße seines Angesichts zwischen
den dampfenden Farbwannen tätig war. Immer mehr werden die alten
Trennungslinien zwischen Büro und Betrieb verwischt. Der weiße Laborkittel, mehr noch als die verwaschenen blauen und weißen "Kragen" von
heute, dürfte das Symbol der Arbeitnehmerschaft von morgen sein.
Gekürzt aus "Dun's Review and Modern Industry" (Januar 1962).

* * # * *

-

6

�Feststellung der Beschäftigten- und Arbeitslosenzahl in den USA
Vergleiche der Arbeitslosenziffern und der Prozentanteile der
Arbeitslosen an der Gesamtzahl der arbeitsfähigen Bevölkerung zwischen den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern geben vielfach
ein schiefes Bild, weil man auf beiden Seiten des Atlantiks oftmals
mit ein und demselben Wort zw«i recht verschiedene Sachverhalte umschreibt. Die Schwierigkeiten beginnen mit der "Zählung" und erstrecken sich bis zu der Definition von Begriffen wie "Arbeitspotential"
und der Antwort auf die Frage, wer überhaupt als arbeitslos anzusehen
ist.
Die Arbeitsstatistik der USA wird nicht wie in Europa auf Grund
amtlicher Unterlagen über die Zahl der Beschäftigten und der Arbeitsuchenden und Arbeitslosenunterstützungsempfänger aufgestellt, sondern
aus den Ergebnissen einer Repräsentativumfrage bei 35 000 privaten
Haushaltungen abgeleitet. Wir haben es somit nicht mit einer Zählung
im eigentlichen Sinne, sondern mit errechneten Zahlenwerten zu tun.
Die Umfrage wird im Auftrag des US-Arbeitsministeriums vom Statistischen
Bundesamt monatlich jeweils in der Woche vorgenommen, in die der zwölfte
Tag des Monats fällt. Sie gibt angesichts der sorgfältigen Auswahl der
zu befragenden Haushaltungen nach den Erfahrungswerten der Demoskopie
ein durchaus zutreffendes Bild vom Beschäftigungsstatus sämtlicher Personen im Alter von 14 Jahren und darüber zum Zeitpunkt der Befragung,
die zusammen unter Ausklammerung der Erwerbsunfähigen und der wegen
Erreichung der Altersgrenze ausgeschiedenen Kräfte das "Arbeitspotential" bilden. Dieser Begriff wird in Übersetzungen gewöhnlich als
"Gesamtzahl der Beschäftigten und Arbeitslosen" umschrieben.
Als Beschäftigte gelten alle Personen, die während der Befragungswoche mindestens eine Stunde gegen Lohn oder Gehalt im eigenen gewerblichen oder landwirtschaftlichen Betrieb oder als unbezahlte Kraft
mehr als 15 Stunden in einem gewerblichen oder landwirtschaftlichen
Betrieb tätig waren, der von einem Familienangehörigen geleitet wird.
Als Beschäftigter wird ferner angesehen, wer nicht arbeitet, aber einen
festen Arbeitsplatz hat bzw. einen eigenen Betrieb führt und nur
vorübergehend wegen Krankheit, Wetterverhältnissen, Urlaubs, Arbeitgeber-Arbeitnehmerstreitigkeiten oder aus anderen Gründen frei genommen hat, unabhängig davon, ob er für die Zeit der Untätigkeit bezahlt wird oder nicht.
Der wichtigste Unterschied zwischen der amerikanischen und der
europäischen Arbeitsstatistik besteht wohl in der in den USA üblichen
Hinzurechnung der Selbständigen und der unentgeltlich im Familienbetrieb mitarbeitenden Familienangehörigen zum "Arbeitspotential";
sie werden als "Beschäftigte", und,falls sie auf Arbeitssuche sind,,
als "Arbeitslose" geführt.
Als. Arbeitslose gelten in der US-Arbeitsstatistik alle Personen,
die in der Befragungswoche überhaupt nicht gearbeitet haben und auf
Arbeitssuche waren, unabhängig davon, ob Anspruch auf Leistung aus der
Arbeitslosenversicherung besteht oder nicht. Wer lediglich von sich
behauptet, er wünsche Arbeit und werde einen ihm angetragenen Arbeitsplatz unter dieser oder jener Bedingung annehmen, wird dagegen nicht

- 7 -

�nicht als arbeitslos gewertet. Als arbeitslos gilt ferner, wer in
der Befragungswoche beschäftigungslos ist und normalerweise auf
Arbeitssuche wäre, würde er nicht a) als nur vorübergehend Entlassener darauf warten, an seinen früheren Arbeitsplatz zurückgeholt zu
werden; b) eine feste Zusage in Händen haben, innerhalb der nächsten
30 Tage einen festen Arbeitsplatz zu bekommen; oder c) vorübergehend
krank feiern bzw. mit Sicherheit damit rechnen müssen, in seinem
Beruf oder an seinem Wohnort und in dessen näherer Umgebung keine
Arbeit zu finden. Nicht als arbeitslos werden dagegen beschäftigungslose Personen betrachtet, die zu alt oder zu jung zur Arbeit sind
oder nach ihren Angaben so schwer körperbehindert sind, daß sie
keine Arbeit annehmen können; sie werden selbstverständlich auch bei
der Errechnung des "Arbeitspotentials" nicht berücksichtigt.
Im letzten Jahrzehnt erreichte die Arbeitslosigkeit in den USA
zur Zeit des Koreakrieges mit 3 Prozent ihren tiefsten Stand. Hierin
spiegelt sich sowohl die rasche Verstärkung der US-Streitkräfte um
rund 2 Millionen Mann als auch die 1953 erfolgte Ausweitung der
Verteidigungsausgaben auf 50 Milliarden Dollar - das Dreifache des
Betrags von 1950 - wider. Diese Faktoren führten zusammen zu einer
Überbeschäftigung. Andere Zeiten mit sehr hohem Beschäftigungsstand
waren die Jahre 1947-48' und 1955-57» a ls die Arbeitslosenziffer
bis auf rund 4 Prozent absank, jenen Prozentsatz, den die Regierung
Kennedy gegenwärtig als vernehmlichstes Nahziel ihrer Wirtschaftspolitik ansieht. Am Rande sei vermerkt, daß^ein Absinken der Arbeitslosigkeit auf weniger als 1,5 Prozent nur in Zeiten eines
sehr engen Arbeitsmarktes und der damit verbundenen allgemeinen Verknappung an Arbeitskräften auftritt.

(Eigenbericht)

-

8

�John W. Livingston, Direktor der Organisationsabteilung der AFL-CIO:
Die Gewerkschaften und die Angestellten
Der relativ geringe Erfolg der amerikanischen Gewerkschaften
bei der Organisierung der sogenannten "white collar workers" - derjenigen Arbeitnehmer, die weder direkt mit dem Produktionsprozeß
zu tun haben, noch Angehörige der industriellen Fachberufe sind ist bislang eines der Hauptprobleme der amerikanischen Gewerkschaften gewesen.
Zu dieser '"»hite collar workerv-'-Gruppe gehören in erster Linie
die Angestellten im Einzelhandel; die verschiedenen Bürofachkräfte;
die sogenannten "Techniker", eine Berufsbezeichnung, die sich in
den Vereinigten Staaten auf jene Gruppe von Arbeitnehmern bezieht,
die eine gehobene, jedoch unter der Universitätaebene liegende
berufliche Ausbildung aufzuweisen haben;, sowie jene Kräfte schließlich, die als "Professionals ("Studierte") bezeichnet werden und als
Lehrer, Volkswirtschaftler, Ingenieure, usw. ein Studium absolviert
haben.
Natürlich gibt es auch heute schon unter den Angestelltenberufen
einige wenige, die als Schwerpunkte der gewerkschaftlichen Organisation gelten. Bei den Nachrichtendiensten und Zeitungen z.B. sind
durchweg alle Angestellten, Reporter, Redakteure, Anzeigenfachleute
sowie alle jene gewerkschaftlich organisiert und Mitglieder der
"American Newspaper Guild", die nicht leitende Funktionen innehaben.
Das gleiche trifft für den Theater- und Unterhaltungssektor zu. Auch
hier sind die Gagen und Arbeitsbedingungen der Bühnen-, Film-,
Fernseh- und Radiokünstler (Sprache und Musik) größtenteils tarifvertraglich festgelegt.
Aber diese beiden sowie einige andere Beispiele sind nur die
Ausnahmen, die die Regel bestätigen; die überwiegende Mehrheit der
gewerkschaftlich nicht organisierten Arbeitnehmer ist immer noch
in den nichtindustriellen Zweigen der Wirtschaft konzentriert.
Für die amerikanischen Gewerkschaften war es daher besonders
ermutigend, als sich zum Jahresende 1961 mehr als 40 000 New Yorker
Lehrer mit überwältigender Mehrheit für eine Vertretung durch die
Lehrergewerkschaft der "AFL-CIO" aussprachen. Dies war der bei
weitem größte gewerkschaftliche Erfolg bei einer Angestelltengruppe
und in der Tat wohl der überwältigendste Sieg dieser Art, den die
amerikanischen Gewerkschaften auf diesem Sektor je errungen haben.
Deutet dieser Erfolg nun auf einen sich anbahnenden Einbruch
der Gewerkschaften auf dem Angestelltensektor hin? Wir möchten es
glauben. Mit Bestimmtheit wissen wir, daß die wissenschaftlichen
Fortschritte und die technischen Veränderungen unweigerlich zu einer
Erhöhung des Anteils der Angestellten an der Gesamtzahl der Arbeitskräfte führen werden. Schon heute beträgt der Anteil der sogenannten
"blue collar"-Arbeitsplätze weniger als die Hälfte der Gesamtarbeitsplätze, und dieser Anteil wird ständig weiter absinken. Es ist daher
klar, daß die Erfassung der allgemein als "white collar workers"
bezeichneten Arbeitnehmer eine Frage von Leben oder Tod für die
Gewerkschaften ist.
_.

�I

Ich bin zu vorsichtig, mit aller Bestimmtheit behaupten zu wollen,
daß der Sieg der New Yorker Lehrer notwendigerweise für die Zukunft
sehr bedeutungsvoll sein wird. Es handelt sich hier um eine Gruppe
in einer Stadt, deren Administration seit je liberal war. Zum anderen
stand hier eine starke, gut funktionierende Gewerkschaftsbewegung hinter
der Organisationskampagne.
Dennoch war die New Yorker Abstimmung insofern von größter Bedeutung, als sie eindeutig den Beweis erbrachte, daß diese Arbeitnehmergruppen bei einer Abstimmung für eine gewerkschaftliche Vertretung
stimmen und notfalls sogar das Mittel des Streiks dafür einsetzen
würden. Die Abstimmung selbst war nämlich das Ergebnis eines kurzen
Streiks der New Yorker Lehrer. In dieser Hinsicht kann sie als ein
Durchbruch bezeichnet werden; sie beweist ganz eindeutig, daß die
Organisierung der Angestellten nicht unmöglich ist.
Auf alle Fälle jedoch werden wir unsere Anstrengungen verstärken
und das, was wir bei der Abstimmung in New York gelernt haben, für
andere Organisationskampagnen nutzbringend einsetzen. Das Ergebnis
der Abstimmung selbst dürfte dabei auf andere Lehrergruppen großen Einfluß haben.
Allerdings muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden,
daß die Arbeitsverhältnisse der meisten Akademiker und Angestellten
sehr verschiedenartig sind. Sie sind in Privatunternehmen und nicht bei
Regierungsbehörden tätig. Nicht nur durch ihre Arbeitgeber, sondern
auch durch ihre soziale Stellung wird ihnen immer wieder vor Augen
geführt, daß sie sich als etwas Besseres als die Gewerkschaftsmitglieder zu betrachten haben. Diese Einstellung ist vielfach bei jenen
am stärksten ausgeprägt, die ihrem Arbeitnehmerstatus nach den Lohnempfängern am nächsten stehen.
Dies alles sind wirkliche Hindernisse, wenngleich sie vielen als
läppisch erscheinen mögen. In unseren Bemühungen zur Erfassung der
Angestellten ist es daher auch nicht unsere vordringlichste Aufgabe,
auf die aus der Zugehörigkeit zur Gewerkschaft sich ergebenden Vorteile auf dem Gebiet der Einkommen, Arbeitsbedingungen und der Sicherheit des Arbeitsplatzes hinzuweisen, sondern die betreffenden Kreise
davon zu überzeugen, daß die Mitgliedschaft in einer Arbeitnehmerorganisation kein soziales Stigma ist und sich durchaus mit dem vereinbaren
läßt, was sie als ihre Lebensstellung ansehen.
In dieser Hinsicht sollte sich die New Yorker Abstimmung von
großem Nutzen erweisen, denn es ist für eine Stenotypistin weitaus
schwieriger, auf eine Gewerkschaft von oben herabzusehen, wenn sich die
Lehrer bereits zur Gewerkschaft bekannt haben.
Schließlich möchte ich noch in einer Hinsicht an die Stelle der
Zurückhaltung einen vorsichtigen Optimismus setzen. Das Ergebnis von
New York hat meine wachsende Überzeugung gestärkt, daß die feindselige
Einstellung der Angestellten und Akademiker gegenüber den gewerkschaftlichen Organisationen im Schwinden begriffen ist. Allein durch das
bloße Gewicht der Erfahrung werden alle jene Vorurteile fortgeschwemmt,
die dem Selbstinteresse all jener entgegenstehen, die sich bisher an

-

10

�an sie geklammert haben. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch,
daß Gewerkschaften nicht nur notwendige Einrichtungen für die Ungebildeten und Ungelernten sind, sondern auch ebenso nützlich für
Piloten, Schiffsoffiziere, Filmstars und Schriftsteller sein können.
Ich bin der Überzeugung, daß wir in der "AFL-CIO" dazu beitragen
können, diesen Prozeß zu beschleunigen und die Vorteile der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft auf alle Gebiete auszudehnen, auf denen
sie den Interessen der amerikanischen Arbeitnehmer dienen können.

(Quelle: Eigenbericht)

*

* * *

*

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Audio-Visuelle "Anlernmaschinen"
Wenn auch die automatisierten Produktionsmaschinen immer mehr
Tätigkeiten übernommen haben, die sonst speziell mit der Hand ausgeführt werden, so gibt es doch in verschiedenen Industriezweigen
noch zahlreiche Betriebe, wo die handwerklichen Fähigkeiten des
Arbeitnehmers im Produktionsprozeß von ausschlaggebender Bedeutung
sind. In erster Linie handelt es sich hier um solche Tätigkeiten
und Arbeitsabläufe, die ein großes "Fingerspitzengefühl" und ein
gewisses Mitdenken erfordern, da sie meist aus mehreren Teilabläufen
bestehen.
Eine besondere Schwierigkeit für Unternehmen mit vielen derartigen Arbeitsplätzen besteht heute allgemein darin, die Arbeitnehmer
auf diese Produktionsabläufe und die dabei auszuführenden Tätigkeiten
vorzubereiten, ohne daß viel Zeit und Material (Ausschuß) verlorengeht. Die bisher allgemein üblichen mündlichen und schriftlichen Einweisungsverfahren sind hier insofern nicht immer geeignet, /als sich
das Ablaufschema dem Arbeitnehmer nur sehr langsam einprägt und häufig
Fehlleistungen die Folge sind.
Um diesem Mangel abzuhelfen und den Arbeitern das Ablaufschema
schneller und wirksamer einzuprägen, ist jetzt die "Hughes Aircraft
Company" dazu übergegangen, audio-visuelle "Lehrmaschinen" einzusetzen.
Diese wie Kofferfernsehempfänger aussehenden und wie ein Tonbandgerät
zu bedienenden Apparate vermitteln dabei den Arbeitnehmern durch Bild
und Ton den gesamten Arbeitsvorgang in Einzelphasen. Durch einen Druck
auf den Einstellknopf erscheint auf dem Bildschirm das gleiche Werkstück, das der Arbeiter vor sich hat, während gleichzeitig ein Tonband
mit erklärendem Kommentar abläuft. An Hand seines Werkstückes kann der
Arbeiter jetzt die vorgeschriebenen Tätigkeiten den Anweisungen entsprechend ausführen oder, wenn er die Erklärungen nicht verstanden
hat, das Gerät abstoppen, das Band zurücklaufen lassen und die

-

11

-

�die betreffende Stelle noch einmal abspielen - so lange, bis ihm
die auszuführenden Tätigkeiten 100prozentig klargeworden sind. Dem
Einweisungstext entsprechend, wechseln die Bilder (Dias) auf dem
Schirm von Phase zu Phase.
Nach Angaben des Personalchefs des Unternehmens soll sich
dieses System bisher sehr gut bewährt haben. Die Einarbeitungszeit
für neue Arbeitnehmer konnte ganz erheblich herabgesetzt, die Arbeitsproduktivität beträchtlich gesteigert werden, wobei es gleichzeitig
gelang, die Produktionskosten - bei verbesserter Qualität der Erzeugnisse - erheblich zu senken. Auch von den Gewerkschaften wurden diese
neuartigen "Anlernmaschinen" als ein großer Fortschritt bei der Ausbildung neuer Arbeitskräfte bezeichnet.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Die Schulbank im Betrieb
Betriebliche SchulungsProgramme haben sich während der letzten
zwei Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten in solchem Maße ausgeweitet, daß sie heute als wichtiger Bestandteil des amerikanischen Erziehungswesens gelten.
Wandlungen in den Produktionsmethoden, Automation und Nutzbarmachung neuer Energiequellen haben die Unternehmensleitungen dazu
gezwungen, für ihre Belegschaftsmitglieder Sonderfortbildungskurse,
die über den Lehrstoff technischer Fach- und Hochschulen hinausführen,
einzurichten.
Heute bieten die meisten amerikanischen Großfirmen ihren Angestellten Bildungsprogramme, die auf Sonderaufgaben vorbereiten oder
Gelegenheit zu persönlicher Weiterbildung geben. In einigen Fällen
stehen dazu firmeneigene technische Institute zur Verfügung; in
anderen werden Belegschaftsmitgliedern Ausbildungsbeihilfen für
berufsfördernde Lehrgänge an Fachschulen gewährt. Häufiger jedoch
liegen solche Programme in den Händen der Betriebsausbildungsabteilungen, die sie als innerbetriebliche Schulung in Unterrichtsräumen
oder am Arbeitsplatz selbst durchführen.
Programme einzelner Firmen
Vielfältige Programme, von den Ausbildungs- und Personalabteilungen der "Eastman Kodak Company" veranstaltet, laufen in den acht
Werken der Gesellschaft in Rochester (New York), Kinsport (Tennessee),
Longview (Texas) und Peabody (Massachusetts). Sie sind darauf ausgerichtet, in zwangloser Form Angestellte in ihrem Bestreben nach
Selbstentfaltung im Rahmen ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen.
Die Betonung liegt dabei auf der eigenen Leistung und der täglichen
Arbeit. James S. Bruce, Ausbildungsdirektor der "Eastman Kodak

12

-

�Kodak Company", erläuterte hierzu: "Ausbildung ist nach unserer
Ansicht am wirkungsvollsten, wenn sie in enger Verbindung mit dem
Arbeitsplatz vorgenommen wird. Jeder einzelne ist für seine Ausbildung
verantwortlich. Letztlich ist jede Entwicklung Selbstentwicklung."
Zahlreiche Lehrgänge sehen im Zusammenhang mit besonderen Ausbildungszielen auch Klassenunterricht vor. Ein willkürlich herausgegriffener Tagesplan zeigt beispielsweise einen Kurs in MatrizenAlgebra an, einen J2stündigen Lehrgang, zu dem sich Wissenschaftler
der angewandten Forschung einmal wöchentlich in den Kodak-Park-Werken
für Film-aimd Fotopapierherstellung in Rochester zusammenfinden. Gleichzeitig treffen sich Mitarbeiter der Abteilung Apparatebau und Optik
zu der ersten von vier Unterrichtsstunden der Arbeitsgemeinschaft
"Wirkungsvoller Stil" . Nur acht Teilnehmer sind zu diesem Kurs zugelassen, der zu Klarheit und Einfachheit im Aufsatzstil hinführt.
Eine Betriebsausbildungsabteilung koordiniert sämtliche Schulungsprogramme der "Eastman Kodak Company". Sie stellt den Zweigwerken
Lehrpersonal und Anschauungsmaterial zur Verfügung.
Gezielte Programme
Auch die "Republic Steel Company" hat ihre Bildungsarbeit auf die
speziellen Bedingungen ihres Unternehmens zugeschnitten. Ihre Programme
zielen auf eine Höherqualifizierung ihrer Arbeiter ab, die mit den
verwickelten Bedienungs- und Wartungsproblemen moderner automatisierter Werkseinrichtungen vertraut gemacht werden. Die Lehrgänge finden
jedoch außerhalb der Werke im "Human Engineering Institute" bei Warren
im Bundesstaat Ohio statt. Das Institut ist eine unabhängige, gemeinnützige Einrichtung, zu deren Aufbau die "Republic Steel Company",
jetzt ihr größter "Kunde", den wesentlichsten Beitrag geleistet hat.
Es ist in der Lage, eine Vielzahl von betrieblichen Fortbildungsprogrammen durchzuführen.
Einen weiteren Weg zur betrieblichen Schulung stellt der Ausbildungsbeihilfenplan der Firma "Chas. Pfizer and Company", eines
bedeutenden amerikanischen Arzneimittelherstellers, dar. In seinem Rahmen erhalten Angestellte, die berufsfördernde Kurse an anerkannten
Colleges und Universitäten belegen, Studiengelder bis zu einer Höhe
von 300 Dollar jährlich und Laboratoriums gebühren bis zu 40 Dollar
von der Firma ersetzt. Seit 1957, dem Beginn dieses Planes, wurden
fast 100 000 Dollar an rund 700 Mitarbeiter ausgezahlt. Gegenwärtig
nehmen über 200 Angestellte Ausbildungsbeihilfen dieser Art in Anspruch.
Die beschriebenen Beispiele sind typisch für die Bildungsprogramme,
die von vielen amerikanischen Industrieunternehmen heute geboten werden.
Es gibt zahlreiche Varianten, je nach den besonderen Erfordernissen
der einzelnen Betriebe. Doch in ihrer Gesamtheit bilden sie einen
neuen Stein im Mosaik des amerikanischen Erziehungswesens.

(Quelle: Eigenbericht)
* • * * •

-

13

-

�&gt;

Arbeitnehmereinkommen erneut angestiegen
Sowohl die Nettolöhne der amerikanischen Industriearbeiter als
auch die Kaufkraft ihrer Einkommen sind im März mit zunehmender
Länge der durchschnittlichen Arbeitswoche erneut angestiegen, wie
aus der jüngsten Übersicht des US-Arbeitsministeriums über die Entwicklung der Löhne und Einkommen hervorgeht.
Mit 85,00 Dollar für einen Arbeitnehmer mit drei Angehörigen
und 77»34 Dollar für einen Alleinstehenden lagen die durchschnittlichen Wocheneinkommen der amerikanischen Industriearbeiter nach Abzug der Steuern und anderer regelmäßiger Abgaben im März um 60 Cent
höher als im Vormonat und damit nur geringfügig unter dem im November
und Dezember 1961 erreichten Spitzenniveau.
Da die Lebenshaltungskosten zwischen Februar und Ende März nur
geringfügig anstiegen, konnten die industriellen Arbeitnehmer in diesem Zeitraum eine Reallohnerhöhung von 41 Cent realisieren.
Im Vergleich zum März 1961 lagen die durchschnittlichen Industriearbeiterlöhne um rund 5 Dollar höher. Dies stellt (mit Ausnahme von
1959) die größte Zunahme innerhalb von zwölf Monaten während der vergangenen zehn Jahre dar. Unter Berücksichtigung der gestiegenen
Lebenshaltungskosten in diesem Zeitraum (1,1 Prozent) erhöhte sich
somit das Realeinkommen des industriellen Arbeitnehmers in den USA
zwischen März 1 9&amp;1 und März 19^2 um 4 Dollar.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Vermögen der ILGWU-Gewerkschaft
Das gesamte flüssige Vermögen der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie beläuft sich gegenwärtig nach Angaben des 1.
Vorsitzenden der Gewerkschaft, David Dubinsky, auf 76 674 952 Dollar.
In dieser Summe sind die Einlagen der Krankenversicherungs-, Pensionsund Wohlfahrtsfonds nicht enthalten. Sie umschließt lediglich die der
Zentralverwaltung, den Orts- und Regionalverbänden sowie den verschiedenen Sonderabteilungen der Gewerkschaft zur Verfügung stehenden Mittel.
Zu den anderen Vermögenswerten, über die die Gewerkschaft verfügt, gehören außerdem noch 36 024 64O Dollar, die den Sterbegeldfond für Mitglieder und den Pensionsfond für Angestellte der Gewerkschaft bilden. Weitere 311 738 473 Dollar sind nach dem letzten Finanzausweis der Gewerkschaft in den gemeinsam mit den Unternehmern verwalteten Pensions- und Entlassungsgeldfonds angelegt.
Wie von dem 1. Vorsitzenden der ILGWU weiter mitgeteilt wurde,
hat die Gewerkschaft allein in den vergangenen drei Jahren insgesamt
5,2 Millionen Dollar für philanthropische und gewerkschaftsfordernde

-

14

-

�/

gewerkschaftsfordernde Zwecke sowie für Beiträge an ausländische
Arbeitnehmerorganisationen ausgegeben. Damit erhöht sich die Gesamtsumme dieser Aufwendungen, die seit 1940 geleistet wurden, auf mehr
als 33 Millionen Dollar.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

ILGWU will 100 Millionen Dollar in Farmanleihen anlegen
Die ILGWU-Gewerkschaft will in den nächsten vier Jahren insgesamt
100 Millionen Dollar für Familienfarmen in den USA bereitstellen, wie
der 1. Vorsitzende der Gewerkschaft, David Dubinsky, und der US-Landwirtschaftsminister, Orville Freeman, auf einer Pressekonferenz in
Washington bekanntgaben.
Die 100 Millionen Dollar sollen nach den Worten Dubinskys in Farmanleihen angelegt werden, die von der amerikanischen Regierung verbürgt
und über die Farmers Home Administration (FHA) abgewickelt werden.
Die FHA vermittelt an amerikanische Farmer Kredite bis zu 15 000
Dollar, die sie für die Modernisierung ihrer Farmen benötigen, aber
auf dem Kapitalmarkt zu normalen Bedingungen nicht erhalten können.
Während die Farmer diese Kredite mit 5 Prozent zu verzinsen haben,
erhalten die Geldgeber von der FHA 4 1/2 Prozent an Zinsen. Die restlichen 0,5 Prozent werden für Prämienzahlungen für eine Risikoversicherung zugunsten des Investors verwendet.
Die Investitionsmittel der Gewerkschaft sollen aus den verschiedenen Pensions- und Wohlfahrtsfonds aufgebracht werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
TJSIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 8/9

Bad Godesberg,August/September 1962
INHALTSVERZEICHNIS

Frauenarbeit und Haushalteinkommen (i)

Seite 1

Anwendungstechniker als Wegbereiter der
Vollautomatisierung

Seite 8

Die "Stadt-in-der-Stadt"

Seite 10

Vorbereitungskuse für angehende Pensionäre

Seite 11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 13

Margaret S. Carroll, Abteilung Preise und Lebenshaltungskosten im
US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Frauenarbeit und Haushalteinkommen (i)
Aus früheren Untersuchungen über die Zusammensetzung des Heers
der Berufstätigen haben wir manches über die beruflichen Qualifikationen und die Einkommensverhältnisse verheirateter Frauen in Relation
zu denen der Gesamtzahl der Berufstätigen und Arbeitslosen und dem
beruflichen Status und Einkommen ihrer Ehemänner und sonstigen Familienangehörigen erfahren. Sie haben aber keine Aufschlüsse über die
Zusammenhänge zwischen beruflichem Status und Einkommen der arbeitende
Ehefrauen und den übrigen Familienverhältnissen erbracht. Sie waren
insbesondere nicht darauf gerichtet, die Zusammenhänge zwischen Haushalteinkommen und Haushaltkosten als einem Schlüssel zur Klärung der
Frage zu durchleuchten, inwieweit wirtschaftliche Notwendigkeiten die
verheirateten Frauen dazu zwingen können, sich eine Arbeit außerhalb
des eigenen Haushalts zu suchen.

Etwas

�Etwas Licht in diese Verhältnisse bringen die bisher unveröffentlichten Ergebnisse einer 1950 vom US-Bundesamt für Arbeitsstatistik (Bureau of Labor Statistics) durchgeführten Untersuchung
der Verbraucherausgaben und ein Vergleich der damaligen Einkommensverhältnisse mit den Richtwerten für die Haushaltkosten, wie sie sich
für Haushalte verschiedener Größe aus der 1950 durchgeführten Umfrage
zur Feststellung der Haushaltkosten städtischer Arbeiterfamilien ergeben. Die Daten aus dem Jahre 1950 lassen sich nicht mit den Ergebnissen der regelmäßigen allgemeinen Umfragen zur Feststellung des
Beschäftigtenstandes vergleichen, gestatten aber sehr wohl Vergleiche
mit den Ergebnissen der Verbraucherausgabenumfrage 196O-61, die gegenwärtig ausgewertet werden.
Arbeitseinkünfte verheirateter Frauen und Haushalteinkommen 1950
Von der Verbraucherausgabenumfrage 1950 wurden 12 489 städtische
Mehrpersonen- und Einzelhaushalte erfaßt, von denen 10 791 Familienhaushalte mit zwei und mehr Personen und 9421 Haushalte mit einem
oder mehreren Ehepaaren waren. Den befragten Haushalten gehörten 9507
verheiratete Frauen an, von denen 3077 zu irgendeinem Zeitpunkt im
Lauf des Jahres berufstätig waren. Die Umfrage läßt erkennen, daß 86
Prozent aller städtischen Verbraucherhaushalte aus Familien mit zwei
oder mehr Personen und 76 Prozent aus mindestens einem Ehepaar bestanden; zu 24 Prozent der Haushalte gehörte eine berufstätige Ehefrau.
In 32 Prozent der Familienhaushalte mit Ehepaar arbeiteten die Ehefrauen zu irgendeinem Zeitpunkt des Jahres, aber in nur 12 Prozent
das ganze Jahr über.
Das durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen der städtischen
Haushalte betrug für:
Sämtliche Haushalte

Dollar

Familien mit zwei und mehr
Personen
Familien mit berufstätiger
Ehefrau

11

4574

11

4773
5482
4327

...ganzjährig beschäftigt

11

...zeitweilig beschäftigt

11

Haushalte ohne berufstätige
Ehefrau

4240

"

4O67

Ohne den Beitrag der Ehefrau hätte das Durchschnittseinkommen
der Haushalte mit berufstätigen verheirateten Frauen unter dem Durchschnitt aller Haushalte gelegen. Mit den Einkünften der verheirateten
Frauen war es höher, um ein weniges bei einer nur zeitweiligen beträchtlich bei ganzjähriger Berufstätigkeit der Ehefrau, (siehe Tafel
i ) . Die Kluft zwischen den Einkommen der Haushalte mit berufstätigen
Ehefrauen ohne die Arbeitsentgelte letzterer und den Einkommen sämtlicher
Haushalte war je größer, je höher der Beschäftigungsstatus des Haushaltvorstandes war. So belief sich beispielsweise das Durchschnittseinkommen
der Haushalte von Selbständigen mit ganzjährig arbeitenden Ehefrauen

-

2

-

�Tafel

I

Durchschni ttsbruttoeinkommen aller Haushalte und der Haushalte mit
berufstätiger Ehefrau, nach dem Beschäft igungsmodus der Frau und dem
Beruf des Hau shaltvors tandes aufgegliedert (Stand 1950)
(in Dollar bzw . Prozent des Durchsc hnitts a!Ller Haushalte)
Beruf d .Haushaltvorstandes

Sämtl.
Haushai
tungen

Einkommen ohne
Arbeitsentgelt der
Ehefrau

Einkommen mit
Arbei tse:ntgelt der
Ehefrau

ganzjährig beschäftigte
Ehefrau

zeitweilig
beschäftigte
Ehefrau

ganzjährig beschäftigte
Ehefrau

zeitweilig beschäftigte
Ehefrau

4240
(100)

5599
(80)

5561
(84)

5482
(129)

4527
(102)

6045
(100)

4514
(71)

4552
(75)

6699
(111)

5458
(90)

4434
(100)

5524
(80)

5657
(82)

5796
(151)

4587
(99)

1)
Gelernte Arbeiter ' 4562
(100)

5624
(79)

5745
(82)

5689
(125)

4488
(98)

5924
(100)

5284
(84)

5500
(89)

5514
(135)

4265
(109)

2989
(100)

2512
(84)

2720
(91)

4201
(140)

5558
(112)

5972
(100)

3751
(65)

5794
(64)

5955
(99)

4684
(78)

1685
(72)

184Q
(78)

5712
(158)

2659
(113)

Sämtliche Berufe

Festangestellte
akadem.Fach- und
Führungskräfte
Büro- und Verkauf sänge st eilte

2)
Angel. Arbeiter '
Ungel. Arbeiter 5)
'
Selbständige

Nicht Erwerbstätige 2555
(100)
1)

einschl. Facharbeiter, Meister, Vorarbeiter u. dergl.

2)

einschl. Maschinenarbeiter u. dergl.

5)

einschl. Hausangestellte und Beschäftigte in Dienstleistungsberufen

-

5 -

�Ehefrauen unter Ausklammerung des Arbeitsentgelts letzterer auf nur
63 Prozent des relativ hohen Durchschnittseinkommens der Selbständigen-Haushalte, während die Vergleichsziffer für Haushalte ungelernter Arbeiter und Angehöriger des Dienstleistungspersonals bei
85 Prozent lag. Demzufolge waren die gesamten Einkünfte der Haushalte
mit berufstätigen Ehefrauen in Relation zu dem Durchschnittseinkommen
der Haushalte des entsprechenden Berufszweigs um so höher, je niedriger
der soziale und wirtschaftliche Status war. Bei den Selbständigen-Haushalten mit berufstätigen Ehefrauen brachte weder eine zeitweilige noch
eine ganzjährige Beschäftigung der Ehefrau das Haushalteinkommen auf
die Durchschnittshöhe aller Haushaltungen Selbständiger. Im Gegenea'ts
hierzu hatte die Familie eines durchschnittlich verdiendenden ungelernten Arbeiters mit berufstätiger Ehefrau ein Einkommen, das bei
ganzjähriger Beschäftigung um 40 Prozent und bei nur vorübergehender
Tätigkeit um 12 Prozent über dem für Haushalte ungelernter Arbeiter
ermittelten Gesamtdurchschnitt lag.
Der Beitrag der verheirateten berufstätigen Frauen zu dem Gesamteinkommen der Haushalte belief sich auf 27 Prozent. Ganzjährig beschäftigte Ehefrauen trugen durchschnittlich 38 Prozent, zeitweilig
arbeitende 18 Prozent bei (Tafel II). Der Anteil des Beitrags zum
Haushalteinkommen schwankte bei den ganzjährig beschäftigten Ehefrauen
je nach Beruf der Haushaltvorstände (unter Nichtansetzung der nicht
Erwerbstätigen) zwischen 36 und 40 Prozent und damit weit weniger
als die durchschnittlichen Haushalteinnahmen in den verschiedenen
Berufssparten. Auch gebietsweise und nach Ortsklassen ausgewiesen
schwankte der Anteil des Beitrags der berufstätigen Ehefrauen zum
Haushaltseinkommen nur zwischen 37 und 40 Prozent bzw. zwischen 37
und 38 Prozent, obwohl das durchschnittliche Haushalteinkommen die
regionalen und örtlichen Unterschiede hinsichtlich Einkommenshöhe
und Lohnniveau durchaus widerspiegelte.
In Zwei-Personen-Haushalten, in denen beide Eheleute das ganze
Jahr über beschäftigt waren, schwankte der Beitrag der Frau zum
Haushalteinkommen zwischen 43 Prozent (wenn der Mann weniger als
2000 Dollar pro Jahr verdiente) und 34 Prozent (wenn er 5000 Dollar
und mehr verdiente). Bei größeren Haushalten verringert sich mit
der Hinzurechnung anderer verdienender Familienangehöriger der prozentuale Beitrag der berufstätigen Ehefrau. Bei den Zwei-PersonenHaushalten belief sich der Beitrag der Ehefrau auf rund 42 Prozent,
bei größeren Haushalten mit weiteren erwachsenen Angehörigen betrug
er nur 31 Prozent und bei Familien mit mindestens einem Kind über 18
Jahren 32 Prozent.
Obwohl die Beschäftigungsdauer der zeitweilig berufstätigen verheirateten Frauen zwischen wenigen Stunden und 47 Wochen im Jahr
schwanken kann, hielt sich ihr Anteil am Haushalteinkommen, nach dem
Beruf des Mannes, gebietsweise und ortsklassenmäßig aufgeschlüsselt,
ebenso stabil wie der Beitrag der ganzjährig (also mehr als 47 Wochen)
arbeitenden Ehefrauen. Der Beitrag der nur zeitweilig beschäftigten
Ehefrauen wies, nach der Zusammensetzung der Haushalte klassifiziert,
größere Schwankungen auf. Hier kommen nicht nur andere Haushaltangehörige

�Tafel II
Durchschnittliche Arbeitsentgelte berufstätiger Ehefrauen und deren
Anteil am Haushalteinkommen« nach dem Beschäftigungsmodus der Ehefrau
und der Haushaltzu3ammensetzung aufgeschlüsselt (stand 1950)

Beruf des Haushaltvorstandes bzw.
HaushaltZusammensetzung

Ganzjährig beschäftigte
Ehefrau
Durchschnittsverdienst
Dollar

Sämtliche

Prozent des
Haushalteinkommens

Zeitweilig beschäftigte
Ehefrau
DurchSchnittsverdienst
Dollar

Prozent des
Haushalteinkommens

208J

38

766

18

2385

36

906

17

Beruf des Haushaltvorstandes
Pestangestellte akadem.
Fach- und Führungskräfte
Büro- und Verkaufsangestellte
Gelernte Arbeiter 1')

2272

59

745

17

2065

36

745

17

2)
Angel. Arbeiter '

2030

58

765

18

Ungel. Arbeiter '

1689

40

658

19

Selbständige

2184

57

890

19

Nicht Erwerbstätige

2027

55

81 9

31

2152

42

888

23

2274

57

844

20

18 Jahre und
darüber

2005

52

847

16

16 bis 17 Jahre

1867

55

782

18

6 bis 15 Jahre

1957

57

716

16

2071

40

555

14

Haushaltart
Haushalt ohne Kinder
mit
Ehepaar
Ehepaar u.a.
Erwachsenen
Haushalt mit Kindern,
davon das älteste

.4)
unter 6 Jahren*
Haushalt mit Kindern
unter 18 u.a.
Erwachsenen

1869

15
755
51
(Anm. 1 - 3 wie bei Tafel i) 4) weniger als 50 Haushalte von der Befragung
erfaßt,
- 5 -

�Haushaltangehörige als Verdiener hinzu, die jährliche Beschäftigungsdauer wird auch durch steigende Verpflichtungen im Haushalt einger
schränkt. Die zeitweilig beschäftigten Mütter von Kindern im Vorschulalter trugen beispielsweise nur 14 Prozent zum Haushalteinkommen bei,
obwohl in diesen Haushalten lediglich Vater und Mutter als Verdiener
in Frage kamen. Die zeitweilig beschäftigten Ehefrauen aus Zwei-Personen-Haushalten trugen dagegen im Durchschnitt mit 23 Prozent zum
Haushalteinkommen bei.
Um die Gründe für die mehr oder weniger gleichbleibende Relation
zwischen dem Arbeitsverdienst der Ehefrau und dem Haushalteinkommen
in den verschiedenen Beschäftigungssparten der Ehemänner herauszufinden, wurden die diesbezüglichen Angaben auch nach dem Beruf der beiden
Partner aufgeschlüsselt. Dabei zeigte sich, daß nur 30 Prozent von 238
bei einer besonderen Befragung erfaßten berufstätigen Ehefrauen derselben Berufssparte angehörten wie ihre Ehemänner; bei den ganzjährig
tätigen Ehefrauen waren es 35 Prozent. Diese Statistik wurde vor allem
durch die relativ geringe Übereinstimmung mit dem Beruf des Mannes bei
Ehefrauen in den Büro- und Verkaufsangestelltenberufen bestimmt; die
Frauen im Angestelltenverhältnis waren in leicht überwiegender Zahl
mit Lohnempfängern verheiratet. Die Übereinstimmung zwischen dem Beruf
des Mannes und dem der Frau war somit wesentlich seltener als die Übereinstimmung der respektiven Arbeitsverdienste. Dies läßt den Schluß zu,
daß die Verdienstaussichten der Ehefrauen in einer festen Beziehung zum
Haushalteinkommen stehen, unabhängig von der Zugehörigkeit der Frau zu
einer bestimmten Berufssparte, und daß die wichtigen Variablen dieser
Statistik - Alter, Bildungsgrad und Beschäftigungsaussichten der Frau von denen des Mannes beeinflußt werden.
Die Übereinstimmung des durchschnittlichen Prozentsatzes des Beitrags der ganzjährig beschäftigten Ehefrauen zum Haushalteinkommen, die
sich bei den Untersuchungen im Jahre 1950 und bei späteren Untersuchungen auch im Ausland ergab, deutet darauf hin, daß die Ehefrauen vielfach
rund 35 bis 40 Prozent des Haushalteinkommens beisteuern, unabhängig
davon, wie hoch dieses ist. Bei Zwei-Personen-Haushalten, bei denen
beide Ehepartner ganzjährig beschäftigt waren, hatte die Hälfte der
Frauen zwischen 33 und 44 Prozent zum Haushalteinkommen beigetragen,
was einem Mittelwert von 39 Prozent entspricht. Dem steht ein Durchschnitt aller Zwei-Personen-Haushalte von 42 Prozent gegenüber.
Um weitere Aufschlüsse über die Zusammenhänge zwischen dem Arbeitseinkommen der Ehefrau und dem des Mannes zu gewinnen, wurden im
Falle der Zwei-Personen-Haushalte mit ganzjährig beschäftigten Ehepartnern das Einkommen der Frau in Beziehung zu dem des Mannes gesetzt.
Dabei zeigte sich, daß ganz generell das Einkommen der Frau mit dem des
Mannes steigt. Der Einkommensmittelwert der Ehefrauen von Männern der
höchsten Einkommensstufe belief sich auf mehr als das Doppelte des Mittelwertes bei Ehefrauen von Männern aus der untersten Einkommensschicht.
Über drei Viertel der Ehefrauen mit Männern in der Einkommensklasse zwischen 4000 und 4500 Dollar verdienten mehr als 75 Prozent der Frauen
von Männern mit weniger als 2000 Dollar Einkommen. Das Einkommen der Ehefrau war bei den Zwei-Peraonen-Haushälten aller Einkömmensschichten nur
in" 5 Prozent der Fälle höher als das des Ehemannes.
Frauenarbeit

�Frauenarbeit und Familienunterhalt
Bei der Erörterung der Frage nach der Notwendigkeit der Frauenarbeit als Beitrag zum Familienunterhalt wird als Kriterium des
Vorliegens dieser "Notwendigkeit" vom Verdienst des Mannes oder von
dem gesamten Haushalteinkommen ausgegangen, meist ohne irgendwelche
Berücksichtigung der tatsächlichen Unterhaltskosten der Familie. Ein
objektives Maß für das Vorliegen dieser "Notwendigkeit" gab es bisher
nicht. Es galt als hinreichend klar, daß eine Zunahme der Frauenarbeit
in Zeiten rückläufiger Arbeitsverdienste der Männer als ein Gradmesser
dafür anzusehen sei, daß die Frauen gezwungenermaßen arbeiten gehen.
Der sichtliche Zusammenhang zwischen dem Einkommen des Mannes und der
Berufstätigkeit der Frau sollte allein schon deshalb geklärt werden,
weil Familien mit niedrigem Einkommen zumeist jünger und kleiner sind
als Familien mit höherem Einkommen und somit geringere Haushaltausgaben haben.
Die Ergebnisse der 1950 vom Bundesamt für Arbeitsstatistik durchgeführten Untersuchung der Verbraucherausgaben und der Umfrage zur Feststellung der Haushaltkosten städtischer Arbeiterfamilien geben uns ein
sehr klar umrissenes Kriterium für die Beurteilung der "Notwendigkeit"
der Berufstätigkeit der verheirateten Frau an die Hand. Bei der Feststellung der Haushaltungskosten ging man 1950 von einem "bescheidenen
aber ausreichenden" Lebensstandard aus, der beträchtlich über dem Lebensminimum lag. Ziel der Untersuchung war es, die Kosten zu ermitteln,
die eine allein auf sich gestellte Familie aufwenden mußte, um vertretbare Ansprüche hinsichtlich der Erhaltung der Leistungsstärke, der
medizinischen Betreuung, der Ernährung der Kinder und der Teilnahme
am Leben der Gemeinschaft zu befriedigen. Die im Verlauf der Untersuchung befragten Haushalte wurden in zwei Gruppen unterteilt, eine,deren
Einkommen ausreichte, die nach diesem Richtsatz errechneten Haushaltkosten für eine Familie der entsprechenden Größe aufzubringen, und eine,
deren Einkommen darunter lag. War die Ehefrau berufstätig, so wurde auch
festgestellt, ob das Haushalteinkommen abzüglich des Verdienstes der
Ehefrau ausgereicht hätte, den vorgesehenen Lebensstandard zu bestreiten.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden nicht nur dazu verwendet, den Einfluß des Geldbedarfs der Familie auf die Beschäftigung der
Frau zum damaligen Zeitpunkt festzustellen, sondern auch, um eventuellen
Wechselwirkungen mit anderen Faktoren, wie Familienzusammensetzung,
Beruf des Mannes und Alter der Ehefrau, auf die Spur zu kommen. Der
Begriff "Notwendigkeit" bedeutet hier und im folgenden ein Einkommen
unter dem Richtsatz, der zur Aufrechterhaltung des bei der Umfrage
zur Feststellung der Haushaltkosten städtischer Arbeiterfamilien
zugrunde gelegten Lebensstandards nicht ausreicht. Die Familien, bei denen
das Vorliegen der "Notwendigkeit" bejaht wurde, lebten nicht notwendigerweise in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen, (wird fortgesetzt)

Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 4. April 1962)

* * * * *

- 7 -

�Anwendungstechniker als V/egbereiter der Vollautomatisierung
Das Gesicht moderner Industriebetriebe beginnt sich immer rascher
und immer drastischer zu verändern: In einer Erdölraffinerie liest
eine elektronische Datenverarbeitungsanlage regelmäßig alle vier Minuten 196 Instrumente ab und fertigt ohne jedes menschliche Zutun alle
20 Minuten eine Dienstanweisung für den Mann im Kontrollraum aus, auf
der genau spezifiziert ist, wie er 19 verschiedene Ventile einzustellen
hat. Und in einigen Jahren schon wird die Datenverarbeitungsanlage auch
diese Regelvorgänge durch elektrische Impulse automatisch korrigieren.
Man kann also ohne Übertreibung sagen, daß wir an der Schwelle
eines neuen industriellen Zeitalters stehen. Es ist zu einem guten
Teil das Werk der Vertreter eines neuen Zweiges der Elektronik, der
Anwendungstechnik oder "application science", die die Kluft zwischen
Laboratorium und Fertigungsstraße zu überbrücken sucht.
Ein typischer Repräsentant dieser neuen Kategorie von Wissenschaftlern ist Dr. Cuthbert C. Hurd, Direktor der Abteilung "Reglersysteme"
der International Business Machines Corporation (IBM) und Planer der
eingangs erwähnten Erdölraffinerie, die im Staat Indiana gelegen ist.
Die Vorarbeiten
Die IBM hat vor Jahren in Ergänzung ihrer Produktion von elektronischen Buchungs- und Rechenanlagen auch die Entwicklung von Steuergeräten nach dem Prinzip der Datenverarbeitungsanlagen aufgenommen. Die
Benutzung solcher Geräte für die Kontrolle des Ablaufs von Fertigungsprozessen bereitete anfangs sehr große Schwierigkeiten, da man sich auf
keinerlei frühere Erfahrungen stützen konnte. So war es notwendig, jede
solche Steuerungsanlage von Grund auf neu zu planen und ihr die vorgesehenen Aufgaben Schritt für Schritt zu übertragen, um einen entsprechenden Erfahrungsschatz aufzubauen.
Die Arbeit des Anwendungstechnikers beginnt mit monatelangen Vorstudien des Betriebs- und Fertigungsablaufs an Ort und Stelle. In enger
Zusammenarbeit mit dem technischen Personal des betreffenden Betriebs
müssen sämtliche Phasen des Produktionsablaufs genauestens analysiert
und gewissermaßen in eine mathematische Formelsprache umgesetzt werden.
Diese Formeln werden dann einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage
zugeführt, um auf diese Weise zunächst einmal den gesamten Betriebsablauf zu simulieren.
Die Planung
Nach diesen Vorstudien beginnt die eigentliche Planung des automatischen Produktionsprozesses, die unter dem Gesichtspunkt erfolgt,
durch laufende Produktionskontrollen und eventuell mögliche Vereinfachungen des Produktionsprozesses den Ausstoß pro Zeiteinheit zu erhöhen, die
allgemeinen Herstellungskosten zu senken oder durch die Verringerung des
Abfalls und Vermeidung von Ausschuß Rohstoffe einzusparen. Die Unternehmensleitung wird sich mit Sicherheit nur dann zur Vollautomatisierung
entschließen, wenn derartig einleuchtende Vorteile für sie sprechen.
Der

-

8

-

�Der nächste Schritt ist die Auswahl geeigneter Maschinen und
Anlagen und die Programmierung der als Steuergerät fungierenden
Datenverarbeitungsanlage, die an Hand der Meßwerte an Ventilen, Zählgeräten und Kontrollpunkten die Anweisungen für das Bedienungspersonal
ausdruckt.
In der letzten Phase schließlich wird der Datenverarbeitungsanlage auch noch die Ausführung der letztgenannten Befehle übertragen,
d.h. von ihr ausgehende und über Fernbedienungseinrichtungen weitergeleitete Impulse steuern sämtliche Regelmechanismen an allen wichtigen
Punkten des Produktionsablaufs. Damit ist der eigentliche vollautomatische Betrieb erreicht.
Die Erkenntnisse
Dr. Hurd ist schon durch seine Vergangenheit für seine verantwortungsvolle Tätigkeit wie kaum ein anderer qualifiziert. Die US-Atomenergie-Kommission (AEC) forderte den damaligen College-Professor 1947
auf, die Leitung der technischen Forschungsabteilung im Oak Ridge Laboratory zu übernehmen, einer Atomforschungsanstalt der AEC. Hier kam Hurd
erstmals mit der elektronischen Datenverarbeitung in Berührung, die
damals noch in den Kinderschuhen steckte.
1949 trat Hurd, der sehr schnell die ungeheuren Möglichkeiten des
Einsatzes solcher Rechenanlagen für die wissenschaftliche und technische
Forschung erkannt hatte, zur IBM über, um dort eine Arbeitsgruppe
"Anwendungstechnik" aufzubauen. Er nahm direkten Kontakt mit wissenschaftlichen und technischen Vereinigungen auf, um sich einerseits über
ihre Tätigkeit zu informieren und sie andererseits auf die Leistungsfähigkeit elektronischer Datenverarbeitungsanlagen gerade in der Forschung
hinzuweisen.
In langwierigen Untersuchungen war Dr. Hurd zu der Überzeugung gelangt, daß sich Datenverarbeitungsanlagen nicht nur für Buchungs- und
Rechenaufgaben eigneten, sondern mit Erfolg auch zur Steuerung ganzer
Fabrikanlagen zu verwenden waren. Das war der Anfang der Anwendungstechnik, der Verwendung von Datenverarbeitungsanlagen zur Steuerung des
Produktionsablaufs.
Die Schwierigkeiten
Die Schwierigkeit der Vollautomatisierung eines Produktionsablaufs
liegt in der Tatsache begründet, daß man nicht nur mit einigen wenigen
veränderlichen Größen, sondern mit 30 und 40 Variablen zu rechnen hat:
Temperaturen, Drücken, Durchsatzgeschwindigkeiten, Siedepunkten usw. Eine
optimale Kontrolle über ein derart kompliziertes System allein mit Hilfe
der Mathematik zu erreichen, ist bei dem heutigen Stand dieser Wissenschaft
noch nicht möglich. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Theorie und
praktische Erfahrung miteinander zu kombinieren, um eine Lösung für die
jeweiligen Probleme zu finden. Schwierigkeiten und Enttäuschungen lassen
sich bei einem solchen'Vorgehen nicht ausschließen. Umgekehrt bieten
sich dem Anwendungstechniker so fesselnde Aufgaben, wie sie sich ein
wißbegieriger Wissenschaftler nur wünschen kann.
q ,

�Schon heute können Dr. Hurd und seine Kollegen auf stolze Erfolge
verweisen, vor allem bei der Automatisierung kontinuierlicher Prozesse,
wie sie etwa in Ölraffinerien ablaufen. Inzwischen haben die Anwendungstechniker bereits 40 kontinuierliche Produktionsprozesse durchautomatisiert. Ihr nächstes Ziel ist die Automatisierung von diskontinuierlichen Prozessen, die natürlich noch weit schwieriger auf eine mathematische Formel zu bringen sind. Auch hier zeigt sich wiederum, daß der
Erfolg nicht so sehr von der Leistungsfähigkeit der Datenverarbeitungsanlagen als vielmehr von dem Einfallsreichtum der Anwendungstechniker
abhängt. Die Maschinen vermögen die auftretenden Probleme durchaus zu
lösen, sofern sie in geeigneter Form darauf angesetzt, d.h. programmiert
werden. Hurd und seine Mitarbeiter sind überzeugt, daß ihnen das in nicht
zu ferner Zukunft gelingen wird.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Die "Stadt-in-der-Stadt"
"Marina City" - auch die "Stadt-in-der-Stadt" genannt - ist ein
großes und wohl einzigartiges gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt, das
gegenwärtig seiner Vollendung entgegengeht und künftig der "Skyline" von
Chicago, • Metropole des amerikanischen Nordwestens,mit das Gepräge geben
wi rd.
.
Das für Familien der mittleren Einkommensgruppen bestimmte Wohnungsbauprojekt wird aus zwei 60 Stockwerke und 166 Meter hohen, wie überdimensionale Getreidesilos aussehenden runden Hochhäusern bestehen und u.a. ein
Kino, große Geschäftsräume, eine Eisbahn, ein Restaurant und einen Bootsund Jachtklub enthalten. Die Gesamtbaukosten werden von der "BuildingService"-Gewerkschaft, dem Bauherrn, mit rund 36 Millionen Dollar veranschlagt; und bereits im Sommer dieses Jahres sollen die ersten Familien
einziehen können.
Um die Mieter der künftigen Hochhäuser vom Straßenlärm weitgehend
abzuschirmen, beginnen die Wohntrakte erst im 20. Stockwerk, während die
18 anderen Etagen als Parkräume für Automobile eingerichtet werden, so daß
jeder Einwohner seine eigene Garage im Hause haben wird. Die Auffahrt zu
den Park- und Abstellräumen erfolgt dabei über kreisförmige Auffahrtsrampen.
Insgesamt werden in den beiden "Wohntürmen" 900 Wohnungen und Parkmöglichkeiten für 900 Automobile geschaffen werden. Als Wohnungstypen sind
dabei sowohl kleine, komfortable Einheiten, die aus einem kombinierten Wohnund Schlafzimmer, Küche, Bad und kleinem Ankleideraum bestehen, als auch
mehrräumige Appartements mit getrennten oder auch zwei Schlafzimmern
vorgesehen. Jede Wohnung wird eine eigene Heiz- und Kühlanlage erhalten
und jedes Zimmer einen Balkon haben.
Der

10

-

/

�Der Kern der Hochhäuser "besteht aus einer 10,5 Meter dicken Betonröhre, in der sowohl die Versorgungsleitungen als auch die Aufzüge untergebracht sind und die praktisch das Skelett bildet. Um diesen Kern herum
zieht sich in jedem Stockwerk ein kreisrunder Wandelgang, von dem fächerförmig die einzelnen Wohnungen ausgehen. Die Wohnungen selbst wiederum
sind so angelegt, daß sie - gewissermaßen wie ein Tortenstück - sich von
innen nach außen verbreitern.
Das gesamte Projekt wird auf einem rund 1,3 Hektar großen Gelände
errichtet, das die Gewerkschaft für 3 Millionen Dollar von der "Chicago
and North Western Railroad" erwarb. Finanziert wurde der Bau durch 5prozentige Schuldverschreibungen, die von der Gewerkschaft aufgelegt wurden
und von der Bundesverwaltung für den Wohnungsbau garantiert sind. Nach
Fertigstellung von "Marina City" will die Gewerkschaft nach den Angaben
ihres 1. Vorsitzenden, William L. McFetridge, nach und nach ähnliche Projekte in anderen amerikanischen Städten verwirklichen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Vorbereitungskurse für angehende Pensionäre
In Erkenntnis der Tatsache, daß der Übergang in den Ruhestand wohl
die kritischste Periode im Leben des Menschen darstellt, ist der Ortsverband 65 der Einzel- und Großhandels-Gewerkschaft im vergangenen Jahr
dazu übergegangen, seine Mitglieder auf die Zeit nach der Pensionierung
im Rahmen von Sonderkursen vorzubereiten, um ihrem Lebensabend auf diese
Weise einen neuen Inhalt zu geben.
Das Interesse unter den zur Pensionierung anstehenden Gewerkschaftsmitgliedern war dabei so über Erwarten groß - mehr als 100 nahmen an dem
ersten Kursus teil -, daß sich der Ortsverband nun entschlossen hat, auch
in diesem Jahr wieder einen "Vorbereitungskursus für angehende Pensionäre"
durchzuführen.
Diese Vorbereitungskurse, die im Rahmen des Wohlfahrtsprogramms
der Gewerkschaft durchgeführt werden, machen die angehenden Pensionäre
mit sämtlichen für sie wesentlichen Aspekten des Ruhestandes vertraut.
Neben rein wirtschaftlichen Themen wie etwa Einkommensquellen, Rentenberechnung und Nebenverdienstmöglichkeiten sind es vor allem medizinische,
psychologische, soziologische Probleme, die in den Abendkursen eingehend
behandelt werden. Hinzu kommen noch Fragen der produktiven, sinnvollen
Gestaltung der vermehrten Freizeit der Pensionäre sowie Wohnungs- und
Familienprobleme.
Die

11

�Die Vorträge zu den speziellen Themen werden teils von qualifizierten Gewerkschaftsfunktionären, teils von Ärzten, Psychologen und
anderen Fachkräften gehalten, die sich insbesondere mit den Problemen
älterer Menschen befassen. Die Gesamtdauer des Kursus beträgt 8 Wochen;
pro Woche findet dabei ein Vortragsabend - mit anschließender Diskussion
- statt.
Zum Abschluß des Vorbereitungslehrgangs führt dann der Kursusleiter die Lehrgangsteilnehmer mit schon im Ruhestand lebenden Gewerkschaftsmitgliedern zusammen, die hier über ihre eigenen Erfahrungen
berichten und den Pensionärsaspiranten wertvolle praktische Hinweise
darauf geben können, wie sie ihren Lebensabend "genießen" und sinnvoll
ausfüllen können.
Praktisch jedoch sind diese Vorbereitungskurse erst nur der Anfang
in der gewerkschaftlichen Betreuungsarbeit für ältere Mitglieder. Denn
auch nach der erfolgten Pensionierung ist die "Retail, Wholesale and
Department Store Union" weiter intensiv darum bemüht, den engen Kontakt
zu ihren Pensionären aufrechtzuerhalten und ihnen das Gefühl der
Dazugehörigkeit zu geben. So bleibt der Pensionär u.a. Vollmitglied
seiner Gewerkschaft, nimmt an allen offiziellen Veranstaltungen teil
und behält auch seine sämtlichen Rechte als Mitglied, wie etwa das
Stimmrecht und andere Privilegien. Innerhalb des Ortsvereins bilden
die Pensionäre eine geschlossene Gruppe mit eigenem Exekutivausschuß
und eigenen Fachreferenten.
Daß gerade das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Pensionären
sehr ausgeprägt ist, liegt nicht zu]e tzt auch daran, daß die Gewerkschaft schon seit Jahren gezielte Freizeitprogramme durchführt und zu
diesem Zweck in ihrem Verbandshaus verschiedene Räume eingerichtet hat,
die den älteren Mitgliedern als Aufenthalts-, Lese-, Bastei- und Musikzimmer täglich zur Verfügung stehen. Der Pensionär ist also immer beschäftigt, hat immer etwas vor, ist immer vor eine Aufgabe gestellt.
Und es ist erstaunlich, mit welcher Begeisterung diese gebotenen Möglichkeiten von den Pensionären genutzt werden: Einige erlernen Fremdsprachen,
andere befassen sich mit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, dritte
wiederum leben ganz ihrem Hobby, lesen, basteln, musizieren oder diskutieren, ganz so, wie es ihnen Spaß macht.
Und daß es ihnen Freude bereitet, zu gewissen Zerstreuungs- und
Betätigungsmöglichkeiten hingeführt zu werden, beweist wohl am besten
die Tatsache, daß rund 90 Prozent aller pensionierten Mitglieder dieser
Gewerkschaft aktiv an diesen Programmen teilnehmen.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

12

-

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Neuer Tarifvertrag in der Aluminiumindustrie
Zwischen fünf Firmen der amerikanischen Aluminiumindustrie und der
Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft ist jetzt ein neuer Tarifvertrag
abgeschlossen worden, der zwar keine Lohnerhöhungen für die Arbeitnehmer
dieses wichtigen Industriezweiges bringt, aber doch sehr weitreichende
neue Lohnnebenleistungen und soziale Verbesserungen.
Der sich in den Grundzügen weitgehend mit dem kürzlich getroffenen
Abkommen in der Stahlindustrie deckende neue Tarifvertrag trat am 1. August
in Kraft und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Zu denjenigen Großunternehmen der Aluminiumindustrie, die den neuen Vertrag unterzeichnet haben,
gehören: "Aluminum Company of America" (ALCOA), Kaiser Aluminum and
Chemical Corporation, Reynolds Metals Company, Olin Mathieson Corporation
und Ormet Corporation.
Zu den bedeutendsten Verbesserungen, die die Gewerkschaft für ihre
Mitglieder aushandeln konnte, zählt vor allem der neue zusätzliche Urlaubsplan. Auf Grund dieser Abmachungen werden die Unternehmer in Zukunft pro Arbeitsstunde und Arbeitnehmer 3 Cent an einen Sonderfonds
abführen, aus dem die Mittel für 7 zusätzliche bezahlte Urlaubstage
für Arbeitnehmer mit längerer Betriebszugehörigkeit aufgebracht werden
sollen. Auf diese Weise hofft man pro Jahr etwa 50 Prozent aller Arbeitnehmer eine zusätzliche Urlaubswoche zu verschaffen. Wenn der Sonderfonds
darüber hinaus noch Überschüsse aufweisen sollte, so wird auf Grund
des Abkommens auch allen anderen Mitarbeitern eine zusätzliche bezahlte
Urlaubswoche gewährt werden.
Eine Zusatzklausel des neuen Urlaubsplans sieht außerdem vor, daß
es allen Arbeitnehmern über 57 freigestellt sein soll, den Urlaub im
jeweiligen Urlaubsjahr zu nehmen oder aber ihn bis zu ihrer Pensionierung anzusammeln, so daß sie dann in den Genuß des Urlaubsgeldes
einschließlich der bis dahin aufgelaufenen Zinsen kämen. Jüngere Arbeitnehmer sind dagegen gehalten, ihren Urlaub zu nehmen, um auf diese
Weise die Zahl der Urlaubsvertretungen (Einstellung arbeitsloser Aluminiumarbeiter) zu erhöhen.
Auch die Erhöhung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung, die
den entlassenen Aluminiumarbeitern zusammen mit der staatlichen Unterstützung gezahlt wird, bedeutet für die Stahlarbeitergewerkschaft einen
großen Verhandlungserfolg. Auf Grund dieser Vereinbarungen führen die
Unternehmen ab 1. August pro geleistete Arbeitsstunde 9 1/1 Cent an
den Sonderfonds für zusätzliche Arbeitslosenunterstützung ab. Alle
Arbeitnehmer mit mindestens zweijähriger Betriebszugehörigkeit
erhalten im Falle der Erwerbslosigkeit aus diesem Fonds eine wöchentliche Unterstützung, die dem Grundlohn von 24 Wochenstunden (bisher
von 22 Stunden) entspricht. Außerdem können den Empfangsberechtigten
pro Woche noch bis zu 6 Dollar als Familienzulage gewährt werden. Die
Bezugsdauer dieser zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung wurde auf
52 Wochen ausgedehnt.
Aus

�Aus dem alten Tarifvertrag übernommen, aber "eingefroren" wurde
die sogenannte "escalator clause" - die laufende Angleichung der
Löhne an die Lebenshaltungskosten - die den Arbeitnehmern in Zukunft
konstant pro Stunde 23 Cent als Ausgleichsbetrag sichern wird.
Neue Tarifverhandlungen über Löhne und Sozialleistungen können
erstmalig wieder ab 1. Juni 1963 zwischen den Tarifpartnern aufgenommen werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gesamtvermögen der US-Gewerkschaften: 1,5 Mrd. Dollar
Das Gesamtvermögen der amerikanischen Gewerkschaften - Zentral-,
Regional- und Ortsverbände - belief sich im Jahre 196O auf insgesamt
1,5 Mrd. Dollar, während die gesamten Verbindlichkeiten 224 Millionen
Dollar betrugen.
Diese Ziffern sind in der jetzt vom amerikanischen Arbeitsministerium herausgegebenen Publikation "Union Financial Statistics" enthalten, die sich auf die Finanzberichte der US-Gewerkschaften stützt,
die diese auf Grund des "Labor-Management Reporting and Disclosure Act
of 1959" jährlich dem Arbeitsministerium einzureichen haben.
Wie aus dieser Übersicht weiter zu entnehmen war, verzeichneten
75 Prozent der insgesamt 260 amerikanischen Arbeitnehmerorganisationen
(ohne die sogenannten "International Unions", US-Gewerkschaften mit
Vertretungen außerhalb der USA) Jahreseinnahmen von weniger als
1 000 000 Dollar. Von diesen Verbänden wiesen 16 Prozent Einnahmen von
weniger als 10 000 Dollar auf, während 27 Prozent Einnahmen zwischen
100 000 und '1'000 000 Dollar verbuchen konnten.
Von den 41 796 Ortsverbänden hatten nur 4 Prozent Jahreseinnahmen
von mehr -als 100 000 Dollar aufzuweisen, während 'JO Prozent pro Jahr
weniger als 10 000 Dollar an Einnahmen zu verzeichnen hatten. Fast
55 Prozent der Ortsverbände wiesen in dem Berichtszeitraum (Finanzjahr
1959/60) sogar nur jährliche Einnahmen von weniger" als 5000 Dollar auf,
während bei 15 Prozent die Eingänge zwischen 5000 und 10 000 Dollar lagen.
Zu den reichsten amerikanischen Gewerkschaften gehören laut Übersicht die Gewerkschaft der Elektroarbeiter (international Brotherhood
of Electrical Workers), die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft (UM**) ,
die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (iLGWU), die Teamster- sowie die Stahlarbeiter (USA) -, die Automobilarbeiter (UAW) - und
die Lokomotivführergewerkschaft.
Die

14

-

�Die einzelnen Angaben in der Übersicht sind den Finanzberichten
von insgesamt 44 530 selbständigen Gewerkschaften entnommen - 41 796
Orts-, 260 Gesamtverbänden und 2474 anderen Organisationsformen -, die
im ersten Berichtsjahr zur Abgabe solcher "Reports" verpflichtet waren.
Gegenwärtig beträgt die Zahl der berichterstattungspflichtigen
Gewerkschaften 52 000. In dieser ersten statistischen Auswertung der
Finanzberichte sind die Berichte von rund 8000 kleineren Organisationen
nicht enthalten, die ihre Erklärung entweder zu spät eingereicht oder
aber nicht den Vorschriften entsprechend ausgefüllt hatten.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Arbeitnehmereinkommen auf Rekordniveau
Das durchschnittliche Nettoeinkommen der amerikanischen Industriearbeiter hat sich nach Angaben des US-Amtes für Arbeitsstatistik im Mai
weiter erhöht und damit eine neue Spitze erreicht. Nach Abzug der Steuern
und Sozialabgaben belief sich das Nettoeinkommen eines Arbeitnehmers ohne
Familie auf 78?37 Dollar pro Woche, während ein verheirateter Industriearbeiter mit drei Angehörigen im Durchschnitt 86,05 Dollar verdiente. Gegenüber dem Vormonat liegen diese.Einkommenssätze um rund 0,50 Dollar,
gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres (Mai) um etwas über 4 Dollar
höher.
Die Kaufkraft des durchschnittlichen Einkommens des amerikanischen
Industriearbeiters lag im Mai wieder auf der Rekordhöhe, die erstmals
im Dezember 1961 erreicht wurde. Im Vergleich zum Mai 1961 ergibt sich
so eine Zunahme um 4 Prozent, obwohl die Verbraucherpreise in den vergangenen zwölf Monaten um 1,3 Prozent angestiegen .sind.
(Quelle: Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regiecung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 10

• Bad Godesberg, den 1. Oktober 1962INHALTSVERZEICHNIS '

Frauenarbeit und Baushalteinkommen,(il)

Seite 1

Fast 70 Killionen Beschäftigte in den USA

Seite 10

AFL-CIO fordert 35-°)tunden-1..'oche

Seite 11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Margaret S. Carroll, Abteilung Preise und Lebenshaltungskosten im
US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Frauenarbeit und Haushalteinkommen (il)
Frauenarbeit als Nebenverdienst
Es hat sich gezeigt, daß 42 Prozent der zu irgendeinem Zeitpunkt
im Jahre 1950 beschäftigten Ehefrauen und 32 Prozent der nicht berufstätigen Ehefrauen Haushalten angehörten, deren Einkommen ohne Einkünfte
der Ehefrau unter dem genannten Richtsatz gelegen hätten (siehe Tafel
III). Manche Zeichen deuten darauf hin, daß die Berufstätigkeit der
Ehefrau mit der "Notwendigkeit" zunahm, allerdings nicht in sehr
starkem Maße. Von sämtlichen in die Untersuchung einbezogenen Frauen
(gleichgültig, ob berufstätig oder nicht), deren Haushalteinkommen
ohne ihren Beitrag nicht für einen angemessenen Lebensstandard ausgereicht hätte, haben 38 Prozent gearbeitet (siehe Tafel IV). Von
allen Frauen, die unter diesem Gesichtspunkt nicht hätten arbeiten
müssen, waren dennoch 28 Prozent berufstätig.
Tafel III

�Tafel

III

Anteil der Ehefrauen mit einem Haushalteinkommen unter dem für Stadthaushalte ermittelten Richtsatz bei Ausklammerung des Arbeitsentgelts der Frau,
nach dem Beschäftigungsmodus der Ehefrau und der Familienzusammensetzung
aufgegliedert (Stand 1950)

HaushaltZusammensetzung

Zahl der Prozent mit Haushalteinkommen unter dem
erfaßten Richtsatz bei Ausklammerung des ArHaushalte beitseinkommens der Frau
Sämtliche
Haushalte

Sämtliche Familienhaushalte

Frau ganzFrau
Frau
nicht
berufs- jährig' beberufs- tätig
schäftigt
tätig

9421

35

32

42

43

ohne Kinder
Ehepaar
Ehepaar u.a.
Erwachsene

2914

30

28

34

35

378

32

29

59

35

mit Kindern, davon
das älteste
18 Jahre u.darüber
1 6 bis- 17 Jahre
6 bis 15 Jahre
unter 6 Jahren

1259

2153
1759

25
45
44
36

20
42
40
35

37
52
55
39

36
49
66

565

46

40

62

72

mit Kindern unter 18
Jahren und anderen
Erwachsenen

393

48

Familienzusammensetzung
Mütter aus Haushalten mit einem weiteren erwachsenen Mitglied und
Kindern im Schulalter und darüber scheinen eher auf den wirtschaftlichen
Zwang zu verdienen zu reagieren als kinderlose Ehefrauen. Von den Ehefrauen
aus Zwei-Personen-Haushalten mit einem Einkommen unter dem Richtsatz waren
46 Prozent berufstätig, bei den Frauen aus Haushaltungen mit höherem Einkommen waren es 38 Prozent - das entspricht einer um ein Fünftel größeren
Häufigkeit der Berufstätigkeit unter den ersteren. Von den Müttern aus
Haushalten mit Kindern unter 18 Jahren sowie weiteren erwachsenen Mitgliedern arbeiteten nur 23 Prozent, sofern das Haushalteinkommen über dem Richtsatz lag, aber 43 Prozent, wenn es darunter lag. Mütter aus Haushaltungen
mit geringerem Einkommen, aber mindestens einem Kind über 18 Jahren oder
einem weiteren erwachsenen Haushaltangehörigen waren etwa im gleichen Maße
berufstätig wie kinderlose Ehefrauen aus solchen Haushalten. Umgekehrt war
Tafel IV

�Tafel IV
Umfang der Beschäftigung von Ehefrauen, nach Haushalteinkommen und
Familienzusammensetzung aufgeschlüsselt (Stand 1950)

Haushaltzusammensetzung

Prozentanteil der beschäftigten Ehefrauen

Prozentanteil der ganzjährig
beschäftigten Ehefrauen

Sämtl.
Familien, deren Ein- S'ämü.
Familien- kommen ohne Arbeits- Famihaushalte verdienst der Ehefrau lienüber dem unter dem - raushalte
Rieht!satz
Rieht
satz lag lag

Sämtliche
Familienhaushalte

Familien, deren Einkommen ohne Arbeitsverdienst der Ehefrau

über dem
Richtsa tz lag

unt er dem
Ric!htsatz

lag

32

28

38

12

11

15

40

38

46

20

19

23

41

36

49

21

20

23

mit Kindern,
davon d .altes te
18 Jahre u.
darüber
30
16 b.17 Jahre 38
6 b .1 5 Jahre 28
unter 6 Jahrarr 21

25
34
22
20

44
43
34
23

14
12
7
2

12
12
4
2

20
13
11
3

mit Kindern
unter 18 Jahren
und anderen Erwachsenen

23

43

11

6

18

ohne Kinder
Ehepaar
Ehepaar u.a.
Erwachsene

32

war die Beschäftigungsrate solcher Mütter aus Haushaltungen mit einem über
dem Satz liegenden Einkommen erheblich niedriger als die Rate der kinderlosen Ehefrauen.
Mütter mit Kindern unter 16 Jahren aus Haushalten ohne anderweitiges
zur Haushaltführung fähiges Mitglied waren weniger geneigt, eine Arbeit
anzunehmen, als andere Ehefrauen, auch wenn die "Notwendigkeit" hierzu
bestand. Lag diese "Notwendigkeit" nicht vor und war das älteste Kind
zwischen 6 und 16 Jahre alt, so betrug der Anteil der Berufstätigen unter
den Müttern 22 Prozent, lag sie vor, lediglich 34 Prozent; gehörte dem
Haushalt aber noch ein weiterer Erwachsener oder ein Kind im höherem
Alter an, so belief sich dieser Anteil auf 43 bzw. 44 Prozent.
Sofern

�Sofern das älteste Kind jünger als 6 Jahre war, hatte die "Notwendigkeit" nur geringen Einfluß auf den Prozentsatz der Ehefrauen,
die zu irgendeinem Zeitpunkt im Verlauf des Jahres arbeiten gingen.
Da man bei diesen Untersuchungen alle Familien als Haushalte mit
einem Kind unter 6 Jahren klassifizierte, wenn dieser Sachverhalt
zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahr zutraf, darf man davon ausgehen,
daß etwa ein Sechstel dieser Eamilien ihr erstes Kind im Verlauf des
Jahres bekommen hatten und daß ein Teil dieser Mütter vor ihrer
Niederkunft zu arbeiten aufgehört hatte. Klammern wir die Eamilien
aus, nach deren Größe man darauf schließen kann, daß das erste Kind
im Verlauf des Untersuchungsjahres zur Welt kam, so betrug die Beschäftigungsrate aller Mütter, deren ältestes Kind jünger als 6
Jahre war, nicht 18 sondern 21 Prozent.
Die Rate der ganzjährigen Beschäftigung unter den verheirateten
Frauen nahm mit vorliegender "Notwendigkeit" in etv/a demselben Llaße
zu v.ie der Anteil dieser Frauen an aer Gesamtbeschäftigung der Frauen.
Die Steigerung war allerdings bei Müttern mit Kindern unter 16 Jahren
deutlicher als bei ^en übrigen verheirateten Frauen. Der Prozentsatz
der ganzjährig beschäftigten Mütter, deren ältestes nind zwischen 6
und 16 Jahre alt war, lag bei den Fällen, in denen uie "Notwendigkeit"
zum Verdienen gegeben war, dreimal so hoch wie bei den Fällen, in
denen sie nicht bestand. Mütter mit Kindern unter 18 Jahren aus Haushalten mit einem weiteren Erwachsenen waren dreimal so häufig ganzjährig beschäftigt, wenn die "Notwendigkeit" bestand als wenn sie
nicht bestand.
Beruf des Heushaltvorstandes
Da die "Notwenaigkeit" eine gewisse Rolle bei der Entscheidung
spielt, ob eine Ehefrau eine Stellung annehmen soll oder nicht, steht
zu erwarten, daß Frauen weniger gut verdienender Männer eher geneigt
sind, eine Stelle anzunehmen, als Frauen von Männern in höherbezahlten
Positionen. Generell traf dies 1950 auch zu. Wenn r;.an die Haushalte
jedoch nach dem Beruf aes Haushaltvorstandes klassifiziert, aann hatten
nur 15 Prozent aller Familien aus der Sparte der festangestellten akademischen Jach- und Fährungskräfte bei Ausklammerung des Arbeitsverdienstes
der Ehefrau ein Einkommen, das unter dem Richtsatz lag, und dennoch
naren 28 Prozent der fraglichen Frauen berufstätig. Umgekehrt lag das
Einkommen von 55 Prozent der Haushalte aus der Kategorie ungelernte
Arbeiter unter dem Richtsatz, und nur 38 Prozent der Ehefrauen gingen
zur Arbeit (siehe Tafel V ) .
Wenn auch uie Häufigkeit der BerufStetigkeit der Ehefrauen im
allgemeinen mit dem Grau der "Notwendigkeit" ihres Mitverdienens zunahm, so war uieser Trend doch nicht in allen Beschäftigungskategorien
gleichmäßig ausgebiluet. Die Bereitwilligkeit, im Sinne dieser
"Notwendigkeit" zu handeln, war generell bei den sozial und wirtschaftlich höher einzustufenden Klassen starker. Ein nahezu konstanter Prozentsatz der Ehefrauen von angelernten Arbeitern (Maschinenarbeitern usw.)
ging zur Arbeit, unabhängig davon, ob das Haushalteinkommen über oder
unter dem Richtsatz lag. Die Berufstätigkeit unter den Frauen der gelernten Arbeiter (Facharbeiter, Meister usw.) und der ungelernten Arbeiter
stieg mit vorliegender "Notwendigkeit" um etwa ein Viertel; bei den
Tafel V

�Tafel

V

Haushalteinkommen und Beschäftigungsrate der Ehefrauen, nach dem Beruf
des Haushaltvorstandes und der Haushaltzusammensetzung aufgeschlüsselt
(Stand 1950)

HaushaltZusammensetzung, Haushalteinkommen und Beschäftigungsrate
der Ehefrauen

Beschäftigungsrate der Ehefrauen, deren Mann in
einem der folgenden Berufe tätig ist
Sämtl.
Berufe
1)

akadem.
u.Führungskräfte

35

15

29

.28

40

55

32

28

37

31

55

58

28
38

26
42

34
46

29
37

34
35

34
42

42

51

41

48

45

46
75

59
55

44
62

40
55

Sämtliche Familienhaushalte
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne
ihren Verdienst
Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne
Einkünfte der
Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz

Bürogelern- angeu.Ver- te Ar- lernte
kaufs- beiter Arbeiter
angest.

ungelernte
Arbeiter

Zwei-Personen-Haushalte
Sämtl&gt; Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem Richtsatz ohne ihren Verdienst
30
Sämtl. beru:Fstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne
Einkünfte der
Ehefrau )
über dem ]Richtsatz
unter dem Richtsatz

40

,

58
46

40
2)

-

5 -

�Familienhaushalte mit
Kindern, davon das
älteste 16 Jahrff und
darüber
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne ihren
Verdienst

25

Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne Einkünfte d. Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz
Familienhaushalte mit
Kindern, davon das
älteste zwischen
6 und 15 Jahren
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne ihren
Verdienst
Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne Einkünfte d. Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz
Familienhaushalte mit
Kindern, davon das
älteste unter 6 Jahren
Sämtl. Ehefrauen aus
Haushalten mit Einkommen unter dem
Richtsatz ohne ihren
Verdienst
Sämtl. berufstätigen
Ehefrauen
mit Haushalteinkommen (ohne Einkünfte d. Ehefrau)
über dem Richtsatz
unter dem Richtsatz

18

17

23

48

30

22

38

29

37

33

25
44

21
2)

32
2)

25

34
2)

27
45

44

20

38

41

57

76

28

22

29

26

32

39

22

19

34

34

22
42

23
30

32
32

30
42

36

18

35

31

42

65

21

20

26

21

21

28

20
23

17

26
28

20
23

22
20

30
24

35

-

6 -

2)

�Durchschnittswerte
für s ä m t l i c h e e r f a ß t e n Verbraucherhaushalte
Brutto-Haushalteinkommen
Schuljahre des
Haushaltvorstandes
A l t e r des H a u s h a l t vorstandes

$ 4240

$ 6045

3 4434

$ 4562

$ 5924

$ 2989

10

13

12

10

9

9

47
3,0

42
3,0

42
2,9

43
3,4

Familienstärke

41
3,4

48
2,9

1)
" einschließlich Heushaltvorstände, die als selbständig oder nicht
erwerbstätig geführt werden

2)
weniger als 50 Fälle
den Ehefrauen der Büro- und Verkaufsangestellten um fast zwei Fünftel,
der festangestellten Fach- und Führungskräfte um etwa drei Fünftel.
Diese Schwankungen spiegeln u.a. die Tatsache wider, daß ein Lebensstandard im Sinne des Richtsatzes von den Familien mit überdurchschnittlichem Einkommen als unzureichend empfunden wurde.
Das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Kindern wirkte sich
in den verschiedenen Berufskategorien unterschiedlich a^us . Relativ geringfügige Abweichungen in der Beschäftigungshäufigkeit traten in den
einzelnen Berufskategorien bei vorliegender "Notwendigkeit" bei kinderlosen Ehefrauen auf, große dagegen bei Müttern. In Zwei-Personen-Haushalten mit einem Einkommen unter dem Richtsatz lag die Beschäftigungsrate der Ehefrauen in allen fünf Eeschäftigungskategorien um zwei bis
drei Fünftel höher als in Haushalten mit einem Einkommen über dem Richtsatz. In Familien mit Kindern, von denen das älteste zwischen 6 und 15
Jahre alt war, traten größere Schwankungen auf. Unter derartigen Familien
der angelernten Arbeiter (Maschinenarbeiter usw.) waren 32 Prozent der
Ehefrauen berufstätig, wobei der Prozentsatz bei Familien, die auf einen
Zusatzverdienst der Frau angewiesen waren, und Familien, bei denen eine
solche "Notwendigkeit" nicht bestand, gleich hoch lag. Die Rate der
Berufstätigkeit der Mütter war jedoch in den einschlägigen Haushalten
der gelernten und ungelernten Arbeiter in Falle des Vorliegens der"Notwendigkeit" etwas höher und bei den Familien der festangestellten akademischen Fach- und Führungskräfte sogar wesentlich höher als bei Nichtvorliegen. In Familien letzterer Art mit einem Einkommen über dem Richtsatz, deren ältestes Kind zwischen 6 und 15 Jahro alt war, arbeiteten
um so mehr Enefrauen, je niedriger der Mann seiner Beschäftigung nach
auf der sozialen und wirtschaftlichen Stufenleiter stand; der Satz betrug
19 Prozent bei den festangestellten akademischen Fach- unü Führungskräften und 52 Prozent in der Gruppe der angelernten Arbeiter.
Alter

. 7.

�Alter der Ehefrau
Die hier aufgezeigten Zusammenhänge zwischen Alter und Beschäftigungsrate der Ehefrauen lassen sich nicht generell als Maßstab
für die Gesamtheit der befragten Haushalte werten, da man fast durchweg versäumt hatte, nach dem Alter der nicht berufstätigen Frauen zu
fragen. Lediglich bei Haushaltungen, die aus einem Ehepaar und weiteren Erwachsenen bestanden, wurde das Alter der Haushaltmitglieder
registriert; dabei zeigte sich, daß die Beschäftigungsrate bei Frauen
unter 50 Jahren 75 Prozent betrug und mit fortschreitendem Alter sank,
um schließlich in der Gruppe der Frauen von 50 bis 59 Jahren 25 Prozent
und in der der Frauen über sechzig 10 Prozent zu erreichen. Unterteilt
man diese Haushalte noch nach solchen mit einem Einkommen über und
unter dem Richtsatz, so zeigt sich, daß bei den Frauen unter 50 Jahren
der Anteil der Berufstätigen in den Haushalten mit einem unter dem
Richtsatz liegenden Einkommen mit 72 Prozent um ein gutes Viertel höher
lag als in den Haushalten mit höherem Einkommen, wo er lediglich 57
Prozent betrug. Bei Frauen über 50 war die Häufigkeit der Berufstätige
keit bei Vorliegen der "Notwendigkeit" 28 Prozent und somit mehr
als doppelt so groß wie in den Fällen, in denen dieser Zwang zur Arbeit
nicht bestand und die Rate bei 13 Prozent lag.
Bei den Zwei-Personen-Haushalten dagegen erweist sich das Vorliegen der "Notwendigkeit" auch bei zunehmendem Alter der Ehefrau weit
seltener als treibende Kraft, eine Stellung anzunehmen. Der Anteil
der berufstätigen Ehefrauen aus der Gruppe der Haushaltungen mit
einem Einkommen unter dem Richtsatz, die auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen waren, nahm erst vom 40. Lebensjahr an merklich zu.
Der Prozentsatz der berufstätigen Ehefrauen über 60, bei denen die
"Notwendigkeit" zu bejahen war, lag mit 61 Prozent mehr als doppelt
so hoch wie der der betreffenden Ehefrauen unter 40, dej) zwischen 24
und 29 Prozent schwankte.
Ergänzend sei noch hinzugefügt, daß bei den Haushaltungen der
nicht Erwerbstätigen, die im Vergleich zu den Haushalten mit berufstätigen Vorständen meist aus älteren Menschen bestanden, nur 10 Prozent
der Ehefrauen bei einem höheren Einkommen, als es dem Richtsatz entspricht, und 28 Prozent bei einem geringeren zur Arbeit gingen.
Der Beitrag der Ehefrau zum Haushalteinkommen
Von den 42 Prozent der Haushalte mit berufstätigen Ehefrauen,
deren Einkommen unterhalb des Richtsatzes lag, verdienten 23 Prozent
oder mehr als die Hälfte nicht genug, um das Haushalteinkommen soweit
aufzubessern, daß es den Richtsatz überstieg. Von den Frauen, die
das ganze Jahr über gearbeitet hatten, gehörten aber nur 14 Prozent
Haushaltungen an, deren Einkommen unter Hinzurechnung des Arbeitseinkommens der Ehefrau immer noch unter dem Richtsatz lag. Der Richtwert
wurde für den folgenden Vergleich nicht nach oben berichtigt, um die
durch die Berufstätigkeit der Ehefrau bedingten höheren Haushaltausgaben abzudecken.

�Haushaltzusammensetzung

Prozent der Haushalte mit einem unter dem
Richtwert liegenden Einkommen im Jahr 1950
Sämtl. berufstätigen Ehefrauen

Sämtliche Familienhaushalte
Ohne Kinder
ohne weitere Erwachsene
mit weiteren Erwachsenen

Ganzjährig
beschäftigte
Ehefrauen

Zeitweilig
beschäftigte
Ehefrauen

23

14

29

16
20

11
11

21
30

21
31
31
26

12
13
22
18

28
39
34
27

39

32

43

Mit Kindern, davon das
älteste
18 Jahre und darüber
16 bis 17 Jahre
6 bis 15 Jahre
unter 6 Jahren
Mit Kindern unter
18 Jahren und anderen
Erwachsenen

Der Prozentsatz der arbeitenden Mütter jüngerer Kinder, die mit ihrem
Arbeitsverdienst das Haushalteinkommen auf die Höhe des Richtsatzes und
darüber brachten, war geringer als der der übrigen berufstätigen verheirateten Frauen. Dies ist zum Teil der Tatsache zuzuschreiben, daß die
Berufstätigkeit dieser Frauen in einer größeren Anzahl von Fällen das
Ergebnis eines ohne einen Beitrag ihrerseits sehr viel niedrigeren
Haushalteinkommens war als bei den übrigen arbeitenden Frauen. Bei den
ganzjährig beschäftigten Müttern mit Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren
belief sich in 22 Prozent der Fälle das Gesamthaushalteinkommen auf eine
noch unter dem Richtsatz liegende Höhe; hätten sie nicht gearbeitet,
so wäre das Haushalteinkommen bei 66 Prozent von ihnen hinter dem Richtsatz zurückgeblieben (siehe Tafel III).
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 4, April
1962)
* * * * *

-

9

-

�Fast 70 Millionen Beschäftigte in den USA
Auch während der Sommermonate, die allgemein auf Grund der
Betriebsferien in den großen Industrieunternehmen durch eine gewisse Flaute in der wirtschaftlichen Aktivität gekennzeichnet
sind, hat sich die Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt weiter
günstig entwickelt.
Wie aus dem jüngsten Bericht des US-Arbeitsministeriums über
die allgemeine Beschäftigungssituation im August hervorgeht, nahm
die Zahl der Beschäftigten in diesem Monat um 200 000 zu und erreichte
mit 69,8 Millionen damit fast die 70-Millionen-Grenze. Diese Entwicklung ist dabei insofern ermutigend, als auf Grund der saisonalen
Erwartungen normalerweise ein Rückgang in der Beschäftigtenziffer
um rund 300 000 hätte eintreten müssen.
Während jedoch die Entwicklung auf dem Beschäftigungssektor
die jahreszeitlichen Erwartungen übertraf, waren die Erwerbslosenziffern optisch insofern ein wenig enttäuschend, als sich der
Rückgang um 86 000 auf insgesamt 3»9 Millionen nicht im saisonüblichen Rahmen (450 000} hielt. Daher stieg auch die Erwerbslosenrate
gegenüber Juli (5, ~bi°) auf 5»8 Prozent der Gesamtbeschäf tigtenzahl an.
Beschäftigt man sich aber einmal näher mit den Hintergründen
der Erwerbslosenziffer für August, so zeigt sich, daß gerade in diesem Monat verschiedene ungünstige Faktoren das allgemeine Bild trübten. Einmal fiel der Zeitpunkt der Erhebung in die Umrüstungsperiode
der Automobilindustrie für die 6jer Modelle (vorübergehende Entlassung zahlreicher Arbeitnehmer), und zum anderen wies der August einen
ungewöhnlich starken Zustrom von Frauen zum Arbeitsmarkt auf. Bei dem
größten Teil dieser Frauen scheint es sich aber um Lehrerinnen zu
handeln, die ihre Ausbildung jetzt abgeschlossen haben und auf ihre
erste Anstellung warten - also im September wieder aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden werden.

\

Es ist also zu erwarten, daß mit der vollen Aufnahme der Arbeit
in der Automobilindustrie, dem Eintritt der jungen Lehrerinnen ins
Berufsleben und der Rückkehr der vielen Teenager zur Schule, die
sich in den Ferien um einen Arbeitsplatz bemüht hatten, die Erwerbslosenziffer im September wieder erheblich absinken wird.
Was die Dauer der Erwerbslosigkeit betrifft, so handelt es sich
bei der großen Masse der Arbeitsuchenden um solche Personen, die
ihren alten Arbeitsplatz aufgegeben haben, um sich etwa anderes zu
suchen, oder um kurzfristig Erwerbslose. Denn nach der jüngsten
Statistik war in den USA im August nur etwa ein Viertel der 3,9
Millionen Erwerbslosen bereits länger als 15 Wochen ohne Arbeit.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch noch eine Untersuchung des "Wall Street Journal" über die Zahl der offenen Stellen in
der Wirtschaft, die kürzlich veröffentlicht wurde. Danach gibt es in
allen größeren Städten der USA eine erhebliche Anzahl offener Stellen,
die in der Regel nur deshalb unbesetzt blieben, weil die Arbeitsuchenden "sehr wählerisch" seien, wie das Blatt betont. Die Hoffnung, einen
besseren als den angebotenen Arbeitsplatz zu finden, die relative

-

10

�relative wirtschaftliche Sicherheit auf Grund der Arbeitslosenunterstützung, des erhaltenen Entlassungsgeldes sowie der vorhandenen Ersparnisse und einer Reihe anderer Paktoren versetzen solche
Arbeitslose in die Lage, sich in Ruhe um einen neuen Arbeitsplatz
zu bemühen, der ihren Vorstellungen weitgehend entspricht.
Diese Tatsache kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß
es zahlreichen Erwerbslosen durchaus nicht rosig geht. In erster
Linie handelt es sich bei ihnen jedoch um langfristige Arbeitslose,
die ihren Arbeitsplatz wegen technologischer Veränderungen verloren
haben und wegen ihrer unzureichenden beruflichen Qualifikationen
nur sehr schwer einen neuen Arbeitsplatz finden können. Im Zuge umfangreicher Umschulungsprogramine und anderer Hilfsmaßnahmen bemüht sich
die US-Regierung, auch diese "strukturellen" Arbeitslosen wieder in
den Arbeitsprozeß einzugliedern.
(Quelle: Eigenbericht)

*

*

*

•

*

*

AFL-CIO fordert 35-S tunden-Woche,
Die Verkürzung der Arbeitszeit auf 35 Wochenstunden bei vollem
Lohnausgleich wurde auf einer Tagung des Vorstands des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO vom 12. bis 16. August in Chicago
gefordert, um zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen.
In einer diesbezüglichen Resolution kündigte die AFL-CIO ein
umfassendes Programm zur Verwirklichung dieser Forderung an, das ein
gleichzeitiges Vorgehen in zwei getrennten Bereichen vorsieht. Einmal wollen die Gewerkschaften eine Abänderung des Fair Labor Standards
Act erreichen - des Gesetzes über die Regelung der Arbeitsbedingungen
und Löhne aus dem Jahre 1938, das die Einführung der 40-StundenWoche brachte -, um die 35-Stunden-',7oche und einen Überstundenzuschlag
von 100 Prozent auf gesetzlichem "J'ege durchzusetzen. Zum anderen werden die Gewerkschaften fortan bei Tarifverhandlungen mit größtem Nachdruck auf die Verkürzung der Arbeitszeit drängen.
Der Vorstand hat einen besonderen Ausschuß zur Durchsetzung einer
kürzeren gesetzlichen Arbeitszeit ins Leben gerufen, der u.a. Entwürfe für Abänderungsgesetze zu don bestehenden Arbeitszeit- und Lohngesetzen ausarbeiten soll, um die Verabschiedung einer gesetzlichen
Neuregelung zu beschleunigen. Ein besonderer Arbeitsstab in der
AFL-CIO-Zentrale in Washington wird die angeschlossenen Gewerkschaften
bei TarifVerhandlungen in Fragen der Arbeitszeitverkürzung beraten.
Wie George Meany, der Präsident der AFL-CIO, auf der Tagung in
Chicago erklärte, halten die Gewerkschaften die Befürchtung für unberechtigt, die 35-Stunden-Woche werde inflationistische Tendenzen
auslösen, sie glauben vielmehr, daß sie zahlreiche neue Arbeitsmöglichkeiten mit sich bringen werde.
Präsident

�Präsident Kennedy und Arbeitsminister Goldberg haben sich jedoch
gegen eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit in den Vereinigten
Staaten ausgesprochen. Goldberg wies darauf hin, daß die USA im
gegenwärtigen Augenblick ihre gesamte Produktionskraft aufbieten
müßten und daß solche gewerkschaftlichen Forderungen dazu angetan
seien, die Zahl der Streiks zu erhöhen.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
US-Lohnerhöhungen im ersten Halbjahr 1962 nicht inflatorisch
Die Mehrzahl der im ersten Halbjahr 1962 in den Vereinigten
Staaten ausgehandelten Tarifverträge brachte über 2 Millionen Arbeitnehmern Lohnerhöhungen, die sich in volkswirtschaftlich vertretbaren
Grenzen hielten.
Arbeitsminister Arthur J. Goldberg wies in diesem Zusammenhang
kürzlich darauf hin, daß sich die Lohnerhöhungen für sämtliche von
neuausgehandelten Tarifverträgen erfaßten Arbeitnehmer im Mittel auf
3,2 Prozent, diejenigen für Arbeitnehmer, die unter Tarifverträge
mit sofort wirksam werdender Lohnerhöhungsklausel fallen, im Durchschnitt auf 3,8 Prozent beliefen.
Über ein Fünftel der erfaßten Arbeitnehmer gehörte dem nichtfahrenden Eisenbahnpersonal an, für das Lohnerhöhungen von etwas über 10 Cent
pro Stunde ausgehandelt wurden. Das entspricht theoretisch einer Steigerung um etwa 4,1 Prozent; wegen des verspäteten Inkrafttretens des
Tarifvertrages ergibt sich aber auf Jahresbasis eine Zunahme um lediglich knapp 3 Prozent.
Eine fast.ebenso große Zahl von Arbeitnehmern war in der Stahlund Aluminiumindustrie beschäftigt, wo die neuen Tarifverträge für
dieses Jahr keine Lohnerhöhungen vorsehen, dafür aber eine Erhöhung
der sozialen Aufwendungen der Unternehmer um 10 bis 11 Cent pro Stunde
oder rund 2,5 Prozent der Lohnkosten.
Der Arbeitsminister erklärte, er schätze sich glücklich, daß
"die Lohnentwicklung in den ersten sechs Monaten dieses Jahres in
den wichtigsten Industriezweigen ihrem Wesen nach nicht inflationistisch war und somit in Einklang mit dem Allgemeininteresse stand".

(Quelle: Eigenbericht)

*

- 12

-

�Beträchtliche Zunahme der Zahl der Ingenieure
Die Zahl der in der amerikanischen Wirtschaft tätigen Ingenieure hat sich zwischen 1950 und i960 um-64 Prozent erhöht, wie aus
einer jetzt veröffentlichten Untersuchung des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht. Als Gründe für die beträchtliche Zunahme der technischen
Fachkräfte in der letzten Dekade werden von dem Ministerium u.a.
die verstärkte Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, die weitgehenden
technischen Veränderungen in der Industrie sowie die Erhöhung der Verteidigungsausgaben angeführt.
Wie aus der Untersuchung weiter zu entnehmen ist, erhöhte sich
die Zahl der technischen Arbeitsplätze in den USA während der letzten
10 Jahre rund viermal so schnell wie die Gesamtzahl aller Arbeitsplätze, während die Zuwachsrate für farbige Ingenieur* im Vergleich
zur Gesamtzuwachsrate in diesem Zeitraum rund achtmal so hoch war.
Während 1950 lediglich 258O Farbige solche technischen Arbeitsplätze
ausfüllten, waren es i960 insgesamt 11 636.
(Quelle: Eigenbericht)

Durchschnittsgehalt von Büroangestellten 77 Dollar pro Woche
Das durchschnittliche Wochengehalt eines Büroangestellten in den
Vereinigten Staaten beträgt gegenwärtig nach Angaben der "National
Office Management Association" 77 Dollar; das sind 2 Dollar mehr als
1961 .
Nach der neuesten jetzt veröffentlichten Gehaltsübersicht des
Verbandes schwankt das Durchschnittsgehalt für Bürokräfte zwischen
60 Dollar für eine in der Registratur beschäftigte männliche Arbeitskraft und 100 Dollar für erfahrene Buchhalter. Während der höchste
wöchentliche Durchschnitt mit 82 Dollar in den westlichen Teilen
der USA registriert wurde, belief sich das wöchentliche Durchschnittsgehalt in den Oststaaten auf 75 und in den Südstaaten auf 72 Dollar.
Die Gehaltsübersicht stellt das Ergebnis einer umfassenden Analyse
in allen Teilen der USA und in insgesamt 9400 verschiedenen Unternehmen
dar; sie umfaßt insgesamt 64O 000 Büroangestellte und 23 verschiedene
Bürotätigkeiten.

(Quelle: Eigenbericht)

*

-

13

-

�Automatische Lohnerhöhung in der Automobilindustrie
Die rund 500 000 Arbeitnehmer der amerikanischen Automobilindustrie
erhalten seit dem 3. September 1962 um 6 bis 9 Cent höhere Löhne, und
zwar auf Grund des 1948 in die Tarifverträge aufgenommenen sogenannten
"annual improvement factor".
Diese Produktivitätsklauseln, die von der Annahme ausgehen, daß
die jährliche Zunahme der Arbeitsproduktivität in der Automobilindustrie
im Durchschnitt 2,5 Prozent beträgt, sehen vor, daß die Leistungssteigerung den Arbeitnehmern jährlich automatisch in Form höherer Löhne
zugute kommt. Die Erhöhung muß dabei entweder 2,5 Prozent oder 6 Cent
pro Arbeitsstunde betragen, je nachdem welcher Betrag höher ist.
Auch die Hunderttausende Arbeitnehmer der Zulieferbetriebe kamen dabei
in den Genuß dieser Lohnerhöhung.
Wie die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) im Zusammenhang mit der neuen Lohnerhöhung bekanntgab, haben sich die Automobilarbeiterlöhne auf Grund dieser Kontraktklauseln seit 1948 allein
um 77 Cent erhöht.

(Quelle: Eigenbericht)

-

14

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 1 1

Bad Godesberg, den 1. November 1962
INHA LTSVERZEICHNIS

Urlaubsregelungen in den USA

Seite

1

Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert
(und vier weitere Kurznachrichten)

Seite

13

Frank W. Merrit, Abteilung Löhn«' und Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen im US-Bundesamt für Arbeitsstatistikl
Urlaubsregelungen in den USA
Die Bestimmungen bezüglich der Gewährung von bezahltem Urlaub in
den bedeutenderen Tarifverträgen im Jahr 1961
Der Trend zu einer großzügigeren Urlaubsregelung hat sich bei
den im Jahre 1961 zwischen Unternehmern und Gewerkschaften ausgehandelten bedeutenderen Tarifverträgen deutlich fortgesetzt, wie aus
einer kürzlich abgeschlossenen diesbezüglichen Untersuchung des USBundesamtes für Arbeitsstatistik hervorgeht. Seit 1957» dem Jahr
der letzten derartigen Untersuchungen des Bundesamtes, hat sich der
Anteil der betrieblichen Urlaubsordnungen, die die Gewährung von
4 Wochen bezahltem Urlaub und mehr vorsehen, von 20 auf 43 Prozent
erhöht (siehe Tafel i). Die Urlaubsbestimmungen der 1961 geschlossenen Tarifverträge sahen bei 49 Prozent aller Lohnvereinbarungen für
Belegschaftsmitglieder mit langjähriger Betriebszugehörigkeit einen
Urlaub von 3 bis 3 1/2 Wochen vor. Eine Höchsturlaubsdauer von 2 Wochen, die im Jahre 1949 noch vorherrschend war, fand sich 1961 nur
noch bei einem Zehntel der Verträge«
Tafel I

�Tafel I
Urlaubshöchstgrenzen gemäß einer Anzahl von ausgewählten Tarifverträgen
in den Jahren 1949. 1952. 1957 und 1961
(in Prozent)
Dauer i n Wochen
1949*

bis
1

6

1952**

über
2

2

61

33

,

1957***

.
1 2

2

48

* 1314 Tarifverträge;

3

4

46

4

bis 2 _
und
2

2 1/2

1

15

** 951 Tarifverträge

1961 * * * *

3
und

4 2
1 /2 3
und
und
und

4
und

3 1/2

mehr

mehr

64

20

w e n i - 3 1/2
ger

8

49

43

*** 1529 Tarifverträge

**** 1428 Tarifverträge

Mehc Urlaub bei niedrigerem Dienstalter
Die Verlängerung der Urlaubszeit ging Hand in Hand mit einer Verkürzung der als Voraussetzung für die Gewährung des Höchsturlaubs erforderlichen Betriebszugehörigkeitsdauer. Der Anteil der Tarifverträge,
denen zufolge 15 und 25 Jahre Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung
für einen drei- bzw. vierwöchigen Urlaub nachgewiesen werden mußten,
ging in den vier Jahren zwischen der Erstellung der beiden Berichte
von 65 auf knapp 40 Prozent bzw. von 69 auf rund 53 Prozent zurück
(siehe Tafel II). Im Jahr 1961 hatten 26 Prozent der von den untersuchten Tarifverträgen erfaßten Arbeitnehmer - gegenüber nur 11 Prozent
im Jahr 1957 - Anspruch auf 3 Wochen bezahlten Urlaub nach einer Betriebszugehörigkeitsdauer von 10 Jahren,
Zum Zwecke der Untersuchung verschiedener Aspekte der Urlaubsregelung in den Betrieben (Art und Dauer des Urlaubs, Voraussetzungen
und Ermittlung des Anspruchs) analysierte das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik 1698 größere Lohnvereinbarungen, die für jeweils mehr als
1000 Arbeitnehmer gültig waren. Daibei handelte es sich,mit anderen
Worten,um sämtliche bedeutenderen Tarifabkommen mit Ausnahme der Abkommen im Bereich des Schienen- und Luftverkehrs. Die Untersuchung
wurde noch vor dem Inkrafttreten des neuen Stahlarbeiter-Tarifvertrags am 1. Juli 1962 abgeschlossen, der weitere Verbesserungen der
Urlaubsregelung in diesem großen Industriezweig mit sich brachte.
Die von den untersuchten Tarifverträgen erfaßten 7»4 Millionen
Arbeiter und Angestellten machten fast die Hälfte aller unter gewerkschaftlichen Tarifverträgen beschäftigten Arbeitnehmer in den
Vereinigten Staaten aus, wiederum unter Ausklammerung der Beschäftigten im Schienen- und Luftverkehr. Von den 1698 erfaßten

2 -

�Tafel II
Anteil einer Anzahl von ausgewählten Tarifverträgen mit Bestimmungen
über die Gewährung von bezahltem Urlaub nach Betriebszugehörigkeitsdauer. 1957 und 1961
(in Prozent)

2 Wochen Urlaub nach
Betriebszugehörigkeit von
1957
1961
1
2
3
5

Jahr
Jahren
Jahren
Jahren

16
20
21
36

3 Wochen Urlaub nach
Betriebszugehörigkeit von
1957
1961

15 unter 5
22
Jahren
24 10 Jahren
30 15 Jahren

5
18
65

4 Wochen Urlaub
nach BetriebsZugehörigkeit v.
1957 1961~

unter 20
7
Jahren
36 20 Jahren
40 25 Jahren

5
20
69

9
31
53

erfaßten Tarifverträgen entfielen 1030 auf die Fertigungsindustrien,
668 auf die übrige Wirtschaft; von den ersteren wurden 4»29 Millionen und von den letzteren 3»07 Millionen Arbeitnehmer betroffen.
Sämtliche in die Untersuchung einbezogenen Abkommen waren zu
Beginn des Jahres 1961 in Kraft, bei 30 Prozent standen neue Verhandlungen im Laufe des Jahres zu erwarten.
Urlaubsregelung durch Tarifverträge vorherrschend
Die betriebliche Urlaubsregelung war bei 92 Prozent der Lohnabkommen unmittelbarer Vertragsbestandteil. Im Bereich der Fertigungsindustrien war die Gewährung von bezahltem Urlaub in fast allen
Fällen im Tarifvertrag geregelt, in den übrigen Wirtschaftszweigen
in vier Fünfteln der Fälle. Von insgesamt 142 Tarifverträgen ohne
direkte Urlaubsklausel entfielen 124 auf das Baugewerbe.
Mehr als 90 Prozent der Tarifverträge mit Urlaubsklauseln regelten die Gewährung von Urlaub nach der Betriebszugehörigkeitsdauer.
Von den 142 Tarifverträgen, in denen eine Urlaubsiregelung nur mittelbar getroffen wurde, verfügten 75 die Abführung eines Unternehmerbeitrags an einen zentralen Fonds, aus dem die Arbeitnehmer die Lohnfortzahlung für die
Urlaubsdauer erhalten. Die restlichen 67 Verträge,
von denen 462 900 Arbeitnehmer betroffen wurden, sahen folgende Regelungen vor.^Tafel III) t

Tafel III

�Tafel III

Art der Urlaubsregelung

Zahl
der Verträge der Betroffenen

Einheitlicher Urlaubsanspruch

18

245 950

Urlaubsanspruch nach Arbeitsstunden

15

93 900

Andere Urlaubsregelungen

34

123 050

Urlaub nach Beschäftigungsdauer-Kategorien
Im Jahre 1961 enthielten mehr als ein Drittel der wichtigeren
Tarifverträge in den Fertigungsindustrien und über die Hälfte der
Abmachungen in den übrigen Wirtschaftszweigen Bestimmungen über die Gewährung von bezahltem Urlaub bis zu vier Wochen, gegenüber einem
Sechstel bzw. einem Viertel im Jahr 1957» In der Mineralölwirtschaft,
in der Gummiindustrie und im Nachrichtenwesen (vergleiche Tafel IV)
sahen sogar über 90 Prozent aller Tarifverträge die Gewährung von
vier Wochen Urlaub vor.
Mit der Verlängerung der Urlaubsdauer einher ging in der Zeit von
1957 bis 1961 eine Verkürzung der als„Voraussetzung für die Urlaubsgewährung geforderten Betriebszugehörigkeitsdauer. Der Anteil der
Verträge, die einen zweiwöchigen Urlaub erst nach 5 Jahren Betriebszugehörigkeit zugestanden, ging von 36 auf 30 Prozent zurück, während
im Falle der Forderung einer zwei- und dreijährigen Betriebszugehörig- '
keit als Voraussetzung für einen zweiwöchigen Urlaub eine leichte
Zunahme zu verzeichnen war. Als Voraussetzung für einen dreiwöchigen
Urlaub wurden von Fall zu Fall 1 bis 25 Jahre vereinbart (siehe Tafel V ) .
Im Jahre 1961 wurden in 40 Prozent der Verträge 15 Jahre und in 36 Prozent 10 Jahre Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung für 3 Wochen
Urlaub genannt, gegenüber 65 bzw. 18 Prozent im Jahr 1957»
Bei etwas über der Hälfte der Verträge, die vier Wochen Urlaub
vorsahen, wurden 25 Jahre Betriebszugehörigkeit als Vorbedingung gefordert; 1957 traf dies noch für mehr als zwei Drittel aller derartigen Verträge zu.
Die Jrlaubsansprüche von Belegschaftsangehörigen mit kürzerer
Betriebszugehörigkeit entwickelten sich 1961 in den Industriezweigen,
in denen ohnehin eine großzügige Urlaubsregelung vorherrscht, ebenfalls günstig weiter. So wurde z.B. in der Mineralölindustrie, in der
die Höchstdauer generell bei vier, lochen liegt, ein zweiwöchiger Urlaub schon nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit und ein dreiwöchiger
Urlaub nach zehn Dienstjähren gewährt. In der Nahrungsmittel-, Papierund Gummiindustrie sowie auch in der chemischen Industrie und in den
Versorgungsbetrieben, wo die Höchstdauer ebenfalls vier Wochen betrug,
wurden zwei oder drei Jahre Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung
für einen zweiwöchigen Urlaub und zehn Jahre für einen dreiwöchigen
Urlaub gefordert. Noch im Jahre 1957 wurde ein dreiwöchiger Urlaub
in fast allen diesen Wirtschaftszweigen frühestens nach 15jähriger
Betriebszugehörigkeit gewährt.
Tafel IV

�Tafel IV
Zahl der Arbeitnehmer
gestaffeltem

mit t a r i :f v e r t r a g l ich

nach

b e z a h l t e n U r l a u b :Im J a h r e 1 9 6 1 ,

B e s c h ä f t i g u n g :ä d a u e r

nach

Wirtschaftszweigen

!a u f g e s c h l ü s s e l t
(in
I n d u s t r i e - oder
Wirtschaftszweig

Tausend)

insgesamt

Höchsturlau bsdauer
1

2

2

1/2

5

5

1/2

(Wochen )
4

über

4
6,0

465,8

58,7

2126,7

694,0

2569,5

57,9

3888,1
Fertigungsind.
Rüstung
59,9
Nahrungsmittel
342,5
Tabak
25,8
65,8
Textil
176,1
Bekleidung
Holz
25,2
29,2
Möbel
155,2
Papier
29,6
Druck
86,0
Chemie
Mineralöl
46,5
111,2
Gummi
Leder
61,4
106,1
Steine
641 , 8
Hüttenwesen
Metallverarbeitung
155,7
500,2
Maschinenbau
Elektrogeräte
424,9
1018,6
Transportm.
Feinmechanik
49,9
Verschiedene
21,5

6,0
2,3
-

520,1

56,9
1,1
-

1692,0
46,4
77,1
21 , 2
4,5
1,7
11,6
25,7
15,5
17,9
18,4
4,7
51,8
69,9
61,3

676,2
11,1
—
1,5
1,2
-

15,8
-

8,0
557,9

1141,5
10,0
244,8
1,0
1,1
4,0
117,5
11,7
64,5
46,5
106,6
1,5
21,5
41,6
54,1
122,7
228,2
42,1
17,4

5,5

4,2
—

Übrige W i r t s c h a f t 1848,5
Bergbau u.Erd«53,2
ölförderung
Transport
498,5
Fernmeldewesen
510,4
Versorgungsbetr.1 77,5
20,1
Großhandel
Einzelhandel
280,3
H o t e l - u n d G a s 't 160,5
stättengewerbe
144,0
Dienstleistung
24,1
Baugewerbe
—
Verschiedene

Gesamtwirtsch.

5756,5*

5,5

-

1,5
59,4
170,7
9,6
4,0
28,5
6,7
-

-

8,2
6,0
7,0
15,5
2,1

2,5
50,0
-

42,7
152,6
180,2
868,5
51,4
1 3,3

28,7
18,9
2,9
64,9
1,1

-

145,8

1,8

454,7

17,8

1228,5

22,2

-

4,2
4,6
18,5

1,8
-

11,4
90,1

4,7

5,9
596,7
504,6
144,4
9,6
154,1

1,5
2,5

16,1
10,5
125,1

12,5
2,9
2,7

—

54,7

-

105,8
68,2
5,0

—
-

3,7

40,7
21,1
""

5,4
-

•

-

—

55,1
—

"

* Wegen Auf- und Abrundungen stimmt die Summe der Einzelangaben nicht
notvuendi gerweise restlos mit der Gesamtsumme überein.
Tafel V

9,4
1,2
1,0

l'li

17,0
—
—
—
—
—

�Tafel V
Z a h l d e r Arb&lt;e i t n e h m e r i n den U r l a u b s k a t e g o r i e n
kei tsdauer

gemä .ß den b e d e u t e n d e r e n T a r i f v e r t r ä g e n
(in

Betriebs zugeh ö r i g k e i tsdauer

bis 1

I n s g e s a n it

5953, 4

b i s zu 1/2 Jahr
1/2 b i s 1 J a h r
1 Jahr
1 bis 2 Jahre
2 Jahre
2 bis 3 Jahre
3 Jahre
4 Jahre
5 Jahre
6 Jahre
7 Jahre
8 Jahre
9 Jahre
10 J a h r e
11 J a h r e
12 J a h r e
13 J a h r e
14 J a h r e
15 J a h r e
16 J a h r e
17 J a h r e
18 J a h r e
19 J a h r e
20 Jahre
21 J a h r e
22 J a h r e
23 J a h r e
24 J a h r e
25 J a h r e
26 J a h r e
30 J a h r e
andere*

nach B e t r i e b s z u g e h ö r i g im Jah r 1961

Tause n d )
Woche n U r l a u b s a n s p r u c h

413, 4
1 3 4 8 , .9
4105, 5
64, 6
1

mm

_
_
m

m

2 1 ,• 1

1

1/2

2258,3
2,6

122,8
66,1
141,8
135,6

2 1/2

2

5637,9
13,4
130,6
877,4
63,4
1^65 +'J

8,2

6,6

1763,2

1102,8

6,3
-

94,4

*m

*
_
_
_
_
_

11,7

2244,7

3,5

4,4
1,3
_

2139,0

14,8
13,7
11,5
7,2
-

10,0
26,7
69,5
14,4
53,9
45,0
21,7
1631,9
8,1

210,0
3,5
-

11 ,6
2,1
_
_
3,8

o»

—
—
—

30,6

5042,4

-

17,2
4,3
-

29,1
-

234,1
1,1

23,3
16,4
10,9
1123,5
284,0
351,0
15,5
18,5
2671,9
5,0
1,2
2,1

14,8
_

6 -

über 4

842,1

2404,8

57,9

1,5
5,0
2,7
6,9
-

_
_
-

_
_
.
-

m

m

52,7

13,3
9,7
5,0

13,1
-

11,2
-

99,1

41,9

2,3

3,5

1,2

10,2

249,1

4,0

4,5

47,2

571,9

5,3

10,0
1,5

10,4 639,5

* einschließlich der Fälle, in denen die Betrieoszugehörigkeitsdauer .in Bruchteilen des Kalenderjahres, meist in Halbjahren, ausgedrückt ist, oder
andere, nicht spezifizierte Vorschriften bezüglich
des Dienstalters maßgebpnd sind .

-

4

5 1/2

3

_
3,8

,
1,5
1,2
-

10,5

-

-

88,9
48,6
11,9
1279,5

10,2

5,0

_
8,7

51,0
1,2

-

5,9

Urlaub

�Urlaub nach Dienst.jahren
Bei fast zwei Fünfteln der betrieblichen Urlaubsregelungen
nach Beschäftigungsdauer erhöhte sich die tatsächliche Urlaubszeit über einen Grundurlaub hinaus in einer festen Relation zum
Dienstalter um halbe Wochen oder Tage. Häufig sieht die Urlaubsordnung nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit einen einwöchigen
Grundurlaub und einen zusätzlichen Urlaubstag für jedes weitere
Dienstjahr zwischen dem ersten und fünften vor; ein Arbeiter hätte
in diesem Falle nach 3 Jahren somit einen Anspruch auf eine Woche
und zwei Tage. Die Gewährung solchen zusätzlichen Urlaubs erfolgt
vielfach unter Anrechnung von Jahren und selbst Monaten der Betriebszugehörigkeit. Ein halbwöchiger Urlaub kann bereits vor Beendigung
des ersten Dienstjahres genommen werden. Bei der Mehrzahl der Tarifverträge mit Klauseln über die Gewährung eines eineinhalbwöchigen
Urlaubs wurden drei Jahre Dienstzeit vorausgesetzt, bei einem Viertel sogar nur 2 Jahre,
Die häufigsten Formen der Urlaubsregelung
Die Einzelvorschriften bezüglich der Urlaubsdauer und der
Voraussetzungen unterschieden sich bei den untersuchten Tarifverträgen erheblich voneinander. Es wurden insgesamt 500 verschiedene
Kombinationen in den 1414 tarifvertraglich verankerten Urlaubsordnungen festgestellt^.B. eine Woche Urlaub für ein Jahr Betriebszugehörigkeit, 2 Wochen für 5 Jahre, 3 Wochen für 15 Jahre). Diese
Abweichungen sind nicht zuletzt auf die Praxis der Gewährung von
Urlaub nach Wochen oder Tagen zurückzuführen.
Über die Hälfte der Arbeitnehmer mit tarifvertraglich festgelegtem Urlaub fiel unter 25 Regelungen, von denen jede Bestandteil
von mindestens zehn Tarifverträgen war (Tafel V i ) , die zusammen zwei
Fünftel aller Tarifabkommen mit Urlaubsklauseln ausmachten. Die
zahlenmäßig stärkste Konzentration von Arbeitnehmern findet sich
in der Kategorie "1 Woche bei; 1 Jahr, 1 1 /2 Wochen bei 3 Jahren
und 2 Wochen bei 5 Jahren Dienstzeit"; sie ist in erster Linie
auf 16 größere Lohnabkommen in der Automobilindustrie zurückzuführen.
Die gleiche Regelung, ergänzt durch eine zusätzliche halbe Woche
Urlaub nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit, fand sich in 79 Tarifverträgen und war somit auch in dieser Hinsicht der häufigste Typ.
Über 80 Prozent der Arbeitnehmer, die dieser Form der Urlaubsregelung im Jahre 1961 unterlagen, verteilten sich auf 52 Tarifabkommen
der Stahlindustrie.
-"
Nebenformen der Urlaubsregelung
Der Typ der Urlaubsfinanzieruhg über eine aus regelmäßigen
Beiträgen gespeiste Urlaubskasse findet sich fast nur in Wirtschaftszweigen, die durch saisonbedingte und anderweitige Schwankungen in
der Beschäftigung sowie durch eine starke Arbeitsfluktuation gekennzeichnet sind, wie z.B. die Schiffahrt, die Bekleidungsindustrie
und das Baugewerbe.
Drei

-

7 -

�Tafel VI
Urlaubsregelungen, die sich im Jahre 1961 in .jeweils mindestens zehn
Tarifverträgen fanden

Zahl

Urlaubsgewährung nach Betriebszugehörigkeitsdauer

der

Tarifver- betroffeträge
nen Arbei tnehmer
Insgesamt

18

2 931 600

17
12
19

60 450
32 050
66 750

13
14

21 900
73 000

20

60 650

40

113 650

10

55 700

25

44 400

12

19 050

17

22 300

47

116 900

10

27 500

46

709 050

79

463 550

23

75 150

19

139 150

23

190 950

Zwei Wochen
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 5 Jahren
Drei Wochen
2 Wochen n. 1 Jahr, 3 Wochen n. 10 Jahren
2 Wochen n. 1 Jahr, 3 Wochen n. 12 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 u. 3 Wochen
n. 5 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 u. 3 Wochen
n. 10 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 2 u. 3 Wochen
n. 15 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 u. 3 Wochen
n. 10 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 u. 3 Wochen
n . 12 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 3 u. 3 Wochen
n. 15 Jahren
1 Woche n. 1 Jahr, 2 Wochen n. 5 u. 3 Wochen
n. 15 Jahren
1 Woche n. 1, 1 1/2 Wochen n. 3, 2 Wochen n.
5 u. 3 Wochen n. 15 Jahren
1 Woche n. 1, 1 1/2 Woche n. 3, 2 Wochen n. 5,
2 1/2 Wochen n. 10 u. 3 Wochen n. 15 Jahren
Dreieinhalb Wochen
1 Woche n. 1, 1 1/2 Wochen n. 3, 2 Wochen n. 5»
2 1/2 Wochen n. 10, 3 Wochen n.
15 u. 3 1/2 Wochen n. 25 Jahren
Vier Wochen
2 Wochen n. 1, 3 nach 10 u. 4 n. 20 Jahren
1 Woche n. 6 b. 12 Monaten, 2 Wochen n. 1, 3 n. 15
u. 4 n. 25 Jahren
1 Woche n. 6 b. 12 Monaten, 2 Wochen n. 2, 3 n. 15 u.
4 n. 25 Jahren

-

8

-

1 Woche

�Urlaubsgewährung nach Betriebszugehörigkeitsdauer

1
1
1
1
1
1
1

Woche
Woche
Woche
Woche
Woche
Woche
Woche

n. &gt; » 2
n.
2
n. * » 2
n. ' » 2
n.
2
n. ' » 2
n. 1» 2
•

*

•

»

n.
n.
n.
n.
n.
n.
n.

2,
2,
2,
3,
3,
3,
3,

3
3
3
3
3
3
3

n.
n.
n.
n.
n.
n.
n.

10. u . 4 n. 20 Jahren
10 u. 4 n. 25 Jahren
15 u. 4 n. 25 Jahren
10 u. 4 n. 20 Jahren
10 u. 4 n. 25 Jahren
11 u. 4 n. 18 Jahren
12 u. 4 n. 25 Jahren

Zahl der
Tarifver- betroffeträge
nen Arbeitnehmer

25
20
22
29
49
14
T5

57 900
50 250
76 050
87 600
110 800
224 850
32 000

Drei Fünftel aller derartigen Urlaubskassen in der Bekleidungsindustrie basieren auf einer von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften
gemeinsam getroffenen Regelung, derzufolge der Unternehmer einen bestimmten Prozentsatz des Wochenlohns an einen Fonds abführt, der Krankenversicherungsplan, Sozialkasse oder anders benannt ist. Diese Kassen
gewähren größtenteils neben dem Urlaubsgeld auch Leistungen im Bereich
der Lebens-, Kranken-, Krankenhauspflege- und Altersversicherung. In
den seltensten Fällen wird jedoch der Anteil am Arbeitgeberbeitrag, der
auf die Aufbringung von Urlaubsgeld entfällt, getrennt ausgewiesen«
Die meisten der 29 Urlaubskassen in der Bekleidungsindustrie stehen
unter ausschließlicher Verwaltung der Gewerkschaft, und da3 im Gesetz
über die Regelung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen (LaborManagement Relations Act^j ausgesprochene generelle Verbot der Abführung
von Unternehmerbeiträgen an ausschließlich gewerkschaftlich verwaltete
Treuhandfonds trifft auf sie nicht zu, da sie unter die Ausnahmebestimmungen des Gesetzes fallen. Eine kleinere Zahl von Urlaubskassen
wird von Unternehmer- und Gewerkschaftsseite gemeinsam verwaltet, mit
einem Aufsichtsrat aus Gewerkschafts- und Unternehmervertretern und
einem unparteiischen Vorsitzenden an der Spitze.
Die Sozialkassen im Wassertransportwesen gewähren Beschäftigten,
die ein Jahr ununterbrochen tätig waren, Urlaubszahlungen gemäß den
im folgenden wörtlich zitierten Bestimmungen:
"Ein Beschäftigter hat Anspruch auf Urlaubszahlung gemäß nachstehender Tabelle:

Zahl

�Zahl der Monate, die der betreffende
Arbeitnehmer bei einer Mitgliedfirma
der Kasse innerhalb eines Zeitraums
•on 720 Tagen beschäftigt war

5
4
5
6
7
8

9
10
11
12

Zahl der Urlaubst a g e , für d i e Zah
lungen t g e l e i s t e t
werden
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
Tage
45 Tage

11 1/4
15
18 5/4
22 1/2
26 1/4
3t&gt; 50
55 5 / 8
37 1/2
44 1/4

Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate
Monate

Die Höhe deit Urlaubsgeldes errechnet sich aus dem durchschnittlichen Grundgehalt oder -lohn des Arbeitnehmers während des Beschäftigungszeitraums, der bei der Feststellung seines Urlaubsanspruchs zugrunde zu legen ist.
Zusätzlich zu den vorstehenden Leistungen hat ein Arbeitnehmer,
der bei ein und demselben Arbeitgeber mindestens 36O Tage lang ununterbrochen beschäftigt war, Anspruch auf Urlaubsgeld für weitere 18
Tage.
Mit Wirkung vom 16. Juni 1959 hat ein Arbeitnehmer, der bei ein
und demselben Arbeitgeber mindestens 36O Tage lang ununterbrochen
beschäftigt war, Anspruch auf Urlaubsgeld für weitere 30 Tage statt
der eben genannten 18 Tage. "
Im Baugewerbe wird in den meisten Fällen ein bestimmter Betrag
pro Arbeitsstunde oder ein fester Prozentsatz der Wochenlohnsumme
an einen unter gemeinsamer Verwaltung stehenden Fonds abgeführt. Einzelheiten der Verwaltung werden vom Kuratorium der Kasse festgesetzt,
wie das nachfolgende Beispiel zeigt:
"Die Urlaubskasse... wird weiterhin durch ein gemeinsames Kuratorium verwaltet, das sich aus einer gleichen Zahl von Vertretern der
Gewerkschaft und ... der Arbeitgeber zusammensetzt, die ihre Kuratoren
benennen und den Modus für deren Ersatz innerhalb 30 Tagen vom Datum
des Inkrafttretens dieses Vertrags festsetzen.
Jeder Arbeitgeber hat an das Kuratorium zum Betrieb der Urlaubskasse spätestens bis zum 20. eines jeden Monats für jede von seinen
Arbeitnehmern... im Vormonat geleistete Arbeitsstunde einen Betrag
von 10 Cent pro Stunde bis zum 1. Juli 1959 abzuführen, von wo an der
Betrag auf insgesamt 4 Prozent des Bruttolohnes eines jeden Arbeitnehmers ... für den Rest der Laufzeit dieses Vertrags heraufgesetzt
werden soll.
Die

10 -

�Die Urlaubsregelung ist so zu handhaben, daß der Urlaub im
gegenseitigen Einverständnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber
genommen wird... Der Arbeitnehmer muß seinen Urlaub jedes Jahr
nehmen, und der Urlaubsanspruch darf, außer bei Vorliegen ungewöhnlicher Umstände und nach Einholung der Zustimmung der Gewerkschaft,
nicht durch eine Zahlung an den Arbeitnehmer abgegolten werden...
Die Urlaubskasse wird gemäß einem Treuhandvertrag betrieben, und
das Kuratorium wählt im Zusammenhang mit demselben eine geeignete
Hinterlegungsstelle aus.
Sämtliche Einzelheiten bezüglich Verwaltung,... Urlaubszeiten
usw. werden von besagten Kuratoren festgelegt,"
Die Form der Urlaubsregelung auf der Basis der geleisteten
Arbeitsstunden findet sich in 15 Tarifverträgen, von denen T«fi das
Druck- und Verlagswesen entfallen. In den betroffenen Betrieben
richtet sich der Urlaub nach der Zahl der im Jahr geleisteten Arbeitstage oder -stunden, wodurch sich im Regelfall ein dreiwöchiger
Urlaub ergibt:
"Die Arbeitnehmer haben Anrecht auf Gutschrift eines ^fierzehntel
Urlaubstages mit Bezahlung für jeden bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber geleisteten Arbeitstag mit der Maßgabe, daß innerhalb eines
Jahres nicht mehr als 5 Wochen Urlaub angesammelt werden können."
Rund 79 Prozent der Arbeitnehmer, deren Urlaub sich nach der
geleisteten Arbeitszeit richtet, unterlagen sieben Tarifabkommen im
Bereich des Transportwesens (Hafenarbeiter und Kraftfahrer). Als
typisch für eine derartige Regelung, bei der sich der Urlaub aus
der Zahl der im Laufe eines Jahres geleisteten Arbeitsstunden errechnet, sei aus einem dieser Tarifverträge zitiert:
"Jedem Arbeitnehmer, der während des Geschäftsjahres... von Mitgliedfirmen der Kasse Lohn oder Gehalt für 1200 geleistete Arbeitsstunden oder mehr erhalten hat, steht Urlaubsgeld für 2 Wochen zu,
gleichgültig, ob die geleisteten Stunden nach dem normalen oder dem
Uberstundentarif abgegolten worden sind. Das Urlaubsgeld für zwei
Wochen ist gleich dem Arbeitsentgelt von 80 Arbeitsstunden zum normalen Tarif.
Anmerkung: Es wird ein kleiner gemeinsamer Ausschuß eingesetzt,
um die Möglichkeit der Gewährung von Urlaub an Arbeitnehmer zu prüfen,
die zwischen 650 und 700 Arbeitsstunden (eine Woche Urlaub) oder 1150
und 1200 Arbeitsstunden (zwei Wochen Urlaub) geleistet haben. Der gemischte Ausschuß prüft die bisherige Leistung und Führung des Antragstellers am Arbeitsplatz; seine Entscheidungen sind unanfechtbar.
Jedem Arbeitnehmer, der während des Geschäftsjahrs... von Mitgliedfirmen der Kasse Lohn oder Gehalt für 1500 geleistete Arbeitsstunden oder mehr erhalten hat - gleichgültig, ob die geleisteten
Stunden nach dem normalen oder dem Uberstundentarif abgegolten werden steht Urlaubsgeld für drei Wochen zu, sofern er während fünf der
letzten sechs Jahre 700 Jahresstunden gearbeitet hat. Das Urlaubsgeld

11

�Urlaubsgeld für drei Wochen ist gleich dem Arbeitsentgelt von 120
Arbeitsstunden zum normalen Tarif»"
Eine Urlaubsregelung in Form der Gewährung eines einheitlichen
Urlaubsgeldes, das im allgemeinen dem Arbeitsentgelt von 1 bis 3 1/2
Wochen entspricht, wurde in 8 Tarifverträgen in der Fertigungsindustrie und in zehn der übrigen Wirtschaft vereinbart. Zwei dieser
Verträge, die sich auf 200 000 Beschäftigte erstreckten, sahen die
Gewährung eines Urlaubsgeldes von 200 bzw. 160 Dollar für einen
Urlaub von 14 Kalendertagen vor.

(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 8*August
1962)

* * * * *

-

12

�Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert
Bei rund drei Fünfteln aller gegenwärtig in Kraft befindlichen
privaten Pensionspläne in den USA dürften die Leistungen während
der vergangenen fünf Jahre zweimal erhöht worden sein. Dies geht aus
einer Untersuchung des US-Amtes für Arbeitsstatistik von insgesamt
99 größeren Pensionsplänen hervor, die zwar keinen repräsentativen
Querschnitt für sämtliche Pläne darstellen, nach Ansicht des Amtes
aber die allgemeine Entwicklung auf diesem Gebiet während der letzten
Jahre ziemlich genau widerspiegeln.
Nach dieser Analyse wurden die Leistungen bei 3/5 der insgesamt
99 untersuchten Pensionspläne das eine Mal im Winterhalbjahr 1957/58
und das andere Mal im Frühjahr 1961 erhöht. Durch diese Pläne wurden
im einzelnen jeweils 1000 bis 300 000 Arbeitnehmer (insgesamt 3 Millionen) der wichtigsten Industriezweige erfaßt.
Was die Verbesserungen der einzelnen Pensionspläne betrifft, so
wurden bei 59 der 99 Pläne die normalen Pensionsleistungen erhöht,
bei 23 bestimmte zusätzliche Leistungen (früheres Pensionsalter, Pensionierung auf Grund eingetretener Invalidität, Übertragbarkeit der
Pensionsansprüche) aufgenommen und bei 39 die eine oder die andere
Leistungsart liberalisiert.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Beträchtliche Ausweitung der gewerkschaftlichen
KrankenVersicherungspläne
Die Zahl der amerikanischen Arbeitnehmer, die einen Krankenversicherungsschutz auf Grund der zwischen Gewerkschaften und Unternehmern ausgehandelten sogenannten "Gesundheitsversicherungspläne"
genießen, ist von 600 000 im Jahre 1945 auf 7 Millionen im Jahre 1950
und 14»5 Millionen Ende des Jahres i960 angewachsen, wie aus einer
Untersuchung des amerikanischen Arbeitsministeriums hervorgeht.
Die Zahl der von privaten Pensionsplänen erfaßten Arbeitnehmer
ist im gleichen Zeitraum "von einer unbedeutenden Anzahl" auf 5 Millionen im Jahre 1950 und 11 Millionen Ende i960 angestiegen.
Allein auf Grund erfolgreicher Tarifverhandlungen in der Automobil- und Stahlindustrie erhöhte sich die Zahl der von Krankenversicherungsplänen erfaßten Arbeitnehmer zwischen 1948 und 1950 um 4»4
Millionen, während gleichzeitig die Zahl der von privaten Pensionsplänen erfaßten Arbeitnehmer um 3»4 Millionen zunahm. Ende i960 kamen,
wie aus der Übersicht des Arbeitsministeriums weiter zu entnehmen ist,
rund 78 Prozent aller auf Grund von Tarifverträgen beschäftigten Arbeitnehmer in den Genuß von privaten Krankenversicherungsleistungen und
etwa 60 Prozent zu zusätzlichen Pensionen.
/
..
_.
, . , .\
^Quelle: Eigenbericht;
* * * * *

-

13

-

�Stahlarbeiter-Gewerkschaft billigte Aktionsprogramm
Die 3000 Delegierten der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft
billigten auf dem kürzlich in Miami Beach abgehaltenen Zweijahreskongreß ein umfassendes Aktionsprogramm, in dem die verschiedenen
gewerkschaftspolitischen Ziele, insbesondere auf dem Gebiet der
Sicherung der Arbeitsplätze, näher umrissen werden.
Danach will die Stahlarbeiter-Gewerkschaft in Verhandlungen mit
den Unternehmern und durch verstärkte Bemühungen um die Verabschiedung von Arbeitsgesetzen versuchen, die Zahl der Arbeitsplätze in
der Industrie durch eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit
zu erhöhen. "Wenn die Vereinigten Staaten wirtschaftlich stark und
unsere Werktätigen beschäftigt bleiben sollen, so ist die Herabsetzung
der Arbeitszeit ein Ziel, das wir schnell erreichen müssen", heißt es
in der Resolution.
David J. McDonald, der 1. Vorsitzende der USA-Gewerkschaft, kündigte
an, daß seine Gewerkschaft bei den im nächsten Jahr anstehenden Tarifverhandlungen mit den Unternehmen der Stahlindustrie die Einführung
einer Viertagewoche und verlängerten bezahlten Urlaub fordern werde.
Nach seiner Ansicht ist eine 32-Stunden-Woche in der Stahlindustrie
der von der AFL-CIO geforderten 35-Stunden-Woche wegen der durchgehenden Arbeitszeit und der drei 8-Stunden-Schichten pro Tag vorzuziehen.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Mehr als 1/3 aller amerikanischen Frauen werktätig
Mehr als ein Drittel aller amerikanischen Frauen im arbeitsfähigen
Alter sind heute entweder beschäftigt oder aber intensiv um einen Arbeitsplatz bemüht; während es 1890 nur ein Fünftel aller Frauen in
den entsprechenden Altersgruppen waren.
Dies ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse des bekannten
amerikanischen Bevölkerungsstatistikers Professor Dr. Hauser auf der
Grundlage der Zensuszahlen aus dem Jahre i960.
Als die Ursache dieses bedeutenden Wandels in der Einstellung
zur Arbeit bei den Frauen führt der Chicagoer Universitätsprofessor die
Tatsache an, daß das Wirtschaftsleben in den Vereinigten Staaten heute
"weniger von der Muskelkraft als von den geistigen sowie den allgemeinen technischen und bürotechnischen Fähigkeiten bestimmt wird". Diese
Schwerpunktverlagerung von der rohen Muskelkraft zu Geist, Beweglichkeit und Erziehung habe dabei den Frauen den Weg zum Arbeitsmarkt geöffnet, resümiert Professor Hauser in der Oktober-Ausgabe des "Scientific American".
Der

-

14

-

�Der Anteil der Büroangestellten an der Gesamtzahl der weiblichen
Arbeitskräfte habe sich, wie Prof. Hauser weiter ausführt, fast um
das Achtfache erhöht, der Anteil der Verkaufsberufe um das Doppelte
zugenommen; der Prozentsatz der führenden Angestellten und Selbständigen sei um mehr als das Doppelte und der Anteil der akademischen
und technischen Arbeitnehmer um fast 50 Prozent gestiegen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Umschulungsprogramm hatte guten Start
Seit der Verabschiedung des neuen Arbeitskräfte-Ausbildungsund Umschulungsgesetzes durch den Kongreß in diesem Frühjahr sind
bereits 8113 Arbeitnehmer in 30 amerikanischen Bundesstaaten zu den
Umschulungskursen zugelassen worden. Das vorläufig für eine Dauer
von drei Jahren bewilligte und mit 435 Millionen Dollar aus Bundesmitteln ausgestattete Programm ist das erste dieser Art in den USA,
das auf nationaler Ebene durchgeführt wird.
Ziel dieses Ausbildungsprogrammsist es, alle jene Arbeitskräfte
auf einen neuen Beruf umzuschulen, die ihren alten Arbeitsplatz auf
Grund der Automatisierung oder anderer technologischer Veränderungen
verloren haben. Sie werden in erster Linie auf solche neuen Berufe
vorbereitet, für die sich ein immer größerer Bedarf an qualifizierten
Arbeitskräften ergibt.
Sowohl die Kosten für die gesamte Ausbildung als auch die anstelle
der Arbeitslosenunterstützung an die Umschüler gewährten wöchentlichen
Unterhaltsbeihilfen werden während der beiden ersten Jahre ausschließlich
vom Bund getragen, während im dritten Jahr die Kosten zu gleichen Teilen
von Bund und Bundesstaaten aufgebracht werden sollen. Die Unterstützungsbeihilfen werden jeweils für maximal 52 Wochen gewährt.
Wie der amtierende US-Arbeitsminister, W. Willard Wirtz, auf
einer Pressekonferenz erklärte, liegen dem US-Arbeitsministerium zur
Zeit bereits 237 Anträge auf Durchführung von Umschulungskursen für
insgesamt 12 221 Arbeitnehmer in 34 Bundesstaaten vor. Mit der Durchführung von 70 Projekten würde sofort begonnen werden, während 107 Kurse,
die schon genehmigt worden seien, in Kürze beginnen könnten. Die Überwachung all dieser Umschuluhgskurse obliegt dem US-Amt für Erziehung.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XV - 12

Bad Godesberg, den 1. Dezember 1962

INHA LTSVERZEICHNIS

Das System der Lehrlingsausbildung in den USA

Seite

1

Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation

Seite

6

Pacharbeiterschulung in den Entwicklungsländern
ein gemeinsames Problem

Seite

8

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seit©

9

Edward E. Goshen, Direktor des "Amtes für Lehrlingsfragen und
Ausbildung" im US-Arbeitsministerium:
Das System der Lehrlingsausbildung in den USA
Vor nunmehr 25 Jahren wurde in den USA das erste Lehrlingsausbdldungsgesetz vom Kongreß verabschiedet.' Damit wurden zum ersten Mal allgemeine, auf nationaler Ebene verbindliche Richtlinien für die bis dahin weitgehend informelle Heranbildung
des Facharbeiternachwuchses aufgestellt. In dem folgenden Artikel gibt der Direktor des "Amtes für Lehrlingsfragen und Ausbildung", Edward E. Goshen, einen allgemeinen Überblick über
die Praktiken der Lehrlingsausbildung in den Vereinigten Staaten.
Das altbewährte System der Lehrlingsausbildung als ein Mittel
zur gründlichen Erlernung der schwierigen handwerklichen Techniken
eines Pachberufs ist in den USA während der vergangenen Jahre ganz
auf die neuen Erfordernisse der Industrie und des Arbeitsraarktes
abgestellt worden. Das war schon deshalb notwendig, weil wir in einer
Zeit leben, in der schneller und umfassender als je zuvor neue

-

1

-

�neue Materialien,Tertigungsverfahren und Maschinen entwickelt und
eingeführt werden, die alle einen anhaltenden und starken Einfluß
auf die Industrie und die Ausbildung all jener Personen ausüben,
welche die Güter produzieren, bedienen und warten, die zur Bedarfsbefriedigung unserer ständig wachsenden Bevölkerung erforderlich sind.
In den Vereinigten Staaten ist der Lehrling kein "Lernender",
sondern ein produktiv tätiger Arbeiter, der seine handwerklichen
Fähigkeiten am Arbeitsplatz erwirbt. Während seiner Ausbildungszeit
schafft er schon im Betrieb mit. Er erhält dafür eine Bezahlung, und
die von ihm hergestellten Produkte werden verkauft.
Unser Lehrlingsausbildungssystem zielt, kurz gesagt, darauf abf
Jugendliche eingehend auf jene Berufe vorzubereiten, die allgemein
als "Fachberufe" bezeichnet werden und die neben einem vielseitigen
technischen Können und umfangreichem Wissen auch eine gewisse Reife
und Urteilsvermögen verlangen. Seine theoretischen und technischen
Unterweisungen erhält der Lehrling dabei sowohl am Arbeitsplatz als
auch in der Berufsschule.
Gegenwärtig werd«n in den USA rund 160 000 Lehrlinge durch die
vom "Amt für Lehrlingsfragen und Ausbildung" anerkannten Programme erfaßt. Hinzu kommen noch etwa 200 000 Lehrlinge, die ihre Ausbildung
im Rahmen von Lehrverträgen erhalten, die dem Amt nicht gemeldet sind.
Das Bestreben des "Amtes für Lehrlingsfragen und Ausbildung" ist es
in erster Linie, sämtliche Lehrlingsausbildungsprogramme in den einzelnen Industriezweigen einheitlich auszurichten und sie laufend zu
verbessern.
Die Lehrlingsausbildung, wie sie in den Vereinigten Staaten gehandhabt wird, erfolgt auf einer vollkommen freiwilligen Basis. Sie wird
von den örtlichen Industrieverbänden getragen, denen auch die Verantwortung für die Durchführung und Verwaltung der Programme obliegt.
Die Ausbildungsprogramme werden dabei von den Betrieben selbst finanziert, in denen der Lehrling seine Ausbildung erhält. Neben dem Arbeitsentgelt für ihn tragen sie auch die Kosten für die in der Lehrlingsausbildung tätigen Gesellen und Meister. Die theoretische Ausbildung des Lehrlings hingegen, die in der Regel in Form von Abendklassen an den Berufsschulen erfolgt, wird aus öffentlichen Mitteln
finanziert.
Die besten und erfolgreichsten Lehrlingsausbildungsprogramme in
den USA sind meist diejenigen, die von sogenannten Gemischten Lehrlingsausschüssen verantwortlich geplant und durchgeführt werden. Sie
setzen sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der Gewerkschaften und
Unternehmen zusammen und haben u.a. die Aufgabe, den Lehrstoff für
die Ausbildung zusammenzustellen, die geeigneten Fachkräfte für die
Durchführung zu nominieren und vielfach auch die Lehrlinge aus der
Masse der Bewerber nach bestimmten Richtlinien auszuwählen,
Zu den Voraussetzungen, die der Lehrlingsbewerber zu erfüllen
hat, gehören neben dem Abschlußzeugnis einer Oberschule (12jährige
Schulausbildung) - bei besonderen Begabungen oder unter bestimmten
Bedingungen sind jedoch Ausnahmen möglich - auch gewisse körperliche

2

�körperliche und andere Voraussetzungen, die meist von den örtlichen
Lehrlingsausschüssen im einzelnen festgelegt werden. Die Richtlinien
über die Lehrlingsausbildung umfassen außerdem folgende Punkte* Arbeitsbedingungen, Zahl der zu leistenden wöchentlichen Arbeitsstunden,
jeweilige Höhe des Lohnes, Zahl der für die Lehrlinge abzustellenden
Gesellen und Meister,- Dauer der Ausbildung usw. Die durchschnittliche
Lehrzeit liegt heute in den USA zwischen drei und fünf Jahren; nur
in einigen wenigen Fachberufen ist eine zweijährige Lehrzeit vorgeschrieben.
Eine Förderung der Lehrlingsausbildung durch die Bundesregierung
besteht in den USA erst seit dem Jahre 1937» Bis dahin gab es nur
bundesstaatliche Programme. Seinerzeit wurde auch der "National Apprenticeship Act" vom Kongreß verabschiedet. Vorausgegangen war im Jahre
1934 die Bildung des Bundesausschusses für das Lehrlingswesen auf
Grund einer Verordnung des US-Arbeitsministers. Aufgabe dieses Ausschusses war es, als Beratungsgremium bei der Ausarbeitung einer entsprechenden Gesetzgebung zu fungieren. Dieser "Mköpfige Ausschuß setzt
sich auch heute noch aus je fünf Vertretern des Managements und der Gewerkschaften sowie aus einem Vertreter des Bundesamtes für Erziehung
zusammen und hat weiterhin beratende Funktionen.
In dem Lehrlingsausbildungsgesetz aus dem Jahre 1937 wird dem
US-Arbeitsminister vor allem die Aufgabe übertragen, "Unternehmer und
Gewerkschaften bei der Ausarbeitung von Lehrlingsausbildungsprogrammen
zusammenzuführen". Als Verwaltungsbehörde mit der Aufgabe der Durchführung und Verwirklichung der im Gesetz niedergelegten Ziele wurde
seinerzeit der "Apprentice Training Service" geschaffen, das heutige
"Amt für Lehrlingsfragen und Ausbildung".
Seit dem Inkrafttreten des Lehrlingsausbildungsgesetzes hat das
Amt stets eng mit den Unternehmen, den Gewerkschaften, Berufsschulen
und anderen an den Lehrlingsausbildungsprogrammen interessierten oder
von ihnen berührten Kreisen und Organisationen zusammengearbeitet. Sehr
erleichtert wurde diese Zusammenarbeit dabei durch die z.Zt. 50 Außenstellen (in jedem Bundesstaat eine) des "Amtes für Lehrlingsfragen
und Ausbildung".
Alle jene Ausbildungsprogramme, die die neun vom Amt festgelegten
Grundvoraussetzungen erfüllen, können dem Amt zur offiziellen Anerkennung und Eintragung vorgelegt werden - was bedeutet, daß sie volle
staatliche Unterstützung genießen, und daß die im Rahmen dieser Programme ausgebildeten Lehrlinge nach Absolvierung ihrer Lehrzeit einen
"Lehrbrief" erhalten.
Die vom Bundesausschuß für Lehrlingsausbildung empfohlenen und
vom Bundesamt vertretenen Richtlinien für derartige Programme setzen
Normen bezüglich
1. des Mindestalters für den Beginn der Lehrlingsausbildung, das
16 Jahre betragen soll;
2. der Verrichtungen, in denen die Lehrlinge zu unterweisen sind
und die sie in der Praxis am Arbeitsplatz kennenlernen sollen;

- , -

3 -

�3. der Gruppenausbildung, die den Lehrling mit technischen
Fragen vertraut machen soll, die in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit stehen;
4« der progressiven Erhöhung des Lohnes der Lehrlinge;
5. der ordnungsgemäßen Überwachung der Ausbildung am Arbeitsplatz;
6. der periodischen Überprüfung des Ausbildungsstandes der Lehrlinge;
7. der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern;
8. der Anerkennung gezeigter Leistungen; und
9- der Auswahl von Bewerbern um Lehrstellen ohne Rücksicht auf
Rassenzugehörigkeit, Hautfarbe, Religion oder nationale Herkunft voraus

Ein praktisches Beispiel für die Ausbildung von Lehrlingen
Ein typisches Beispiel für ein Lehrlingsausbildungswesen, das
auf den von der Regierung befürworteten Prinzipien beruht, bieten die
Lockheed-Plugzeugwerke in Georgia. Das Schulungsprogramm wurde von
Vertretern der Firma und des 33» Distrikts der amerikanisch-kanadischen
Maschinenbauergewerksc haft (IAM) in enger Fühlungnahme mit der Abteilung Lehrlingsausbildung und Schulung aufgestellt; es wird von einem
gemischten Lehrlingsausbildungsausschuß geleitet, der sich aus je fünf
Vertretern der Lockheed-Werke und der Gewerkschaft zusammensetzt.
Der Ausschuß erläßt die Richtlinien für die Lehrlingsausbildung in
folgenden Berufsgruppen: Maschinenbauer, Werkzeugmacher und Former,
Einrichter, Funk- und Radartechniker und Flugzeugmechaniker.
Die Bewerber um Lehrstellen müssen 18 bis 23 Jahre alt sein. Die
Lehrzeit beträgt vier Jahre, wobei frühere Berufserfahrungen angerechnet
werden können. Mit der praktischen Ausbildung am Arbeitsplatz einher
geht der theoretische Gruppenunterricht im Betrieb oder an einer Berufsschule; er umfaßt mindestens 144 Unterrichtsstunden, die als Arbeitszeit gelten und bezahlt werden.
Der Lehrling arbeitet unter der Aufsicht eines Ausbildungsleiters
und eines erfahrenen Meisters. Der theoretische Unterricht erstreckt
sich auf Fächer wie technisches Zeichnen, Physik und andere Bereiche
der Naturwissenschaften sowie auf Fragen der im Betrieb angewandten
Herstellungsverfahren und der allgemeinen Betriebsführung.
Die Lehrlingstarife.sehen halbjährlich nach jeweils 1040 Arbeitsoder Unterrichtsstunden eine Lohnerhöhung vor. Die Lehrlingslöhne
stehen in einer festen Relation zu den Gesellenlöhnen im ersten Jahr
und steigen von 60 Prozent im ersten Halbjahr auf 92 Prozent im
letzten. Nach Abschluß der Lehre besteht Anspruch auf Zuweisung eines

- 4 -

�eines festen Arbeitsplatzes in dem erlernten Beruf bei einem Lohn,
der dem Mittelwert der Facharbeiterlöhne in dem entsprechenden Berufszweig entspricht.
Der Vorstand der Maschinenbauergewerks;chaft, AI Hayes , ist ein
eifriger Verfechter einer geregelten Lehrlingsausbildung als der
soliden Grundlage fürs ganze Lehen. In einer Informationssitzung
eines Kongreßausschusses, der über Gesetzesvorschläge zur Lehrlingsausbildung beriet, erklärte er kürzlich:
"Seit Hunderten von Jahren ist die Lehre die traditionelle
Methode, das Können der Facharbeiter von einer Generation an die
andere weiterzugeben. Und wenn auch die Technik Inhalt und Form vieler
Berufe von Grund auf gewandelt hat, so blieb die Lehre doch immer
die gründlichste und umfassendste Methode der Nachwuchsschulung."
Die guten Erfahrungen, die man in Amerika mit der strengen Lehrlingsausbildung gemacht hat, kommen seit Jahren schon im Rahmen der
technischen Hilfsprogramme und der Entwicklungshilfe auch anderen Ländern zugute. Amerikanische Spezialisten beraten ausländische Regierungen und Unternehmen bereitwillig in Fragen der Lehrlingsausbildung,
und eine ganze Reihe amerikanischer Großfirmen stellt laufend eine
bestimmte Zahl von Lehrstellen für Ausländer zur Verfügung.

(Quelle: Eigenbericht)

-

5 -

�Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation
Für elektronische Rechen- und Datenverarbeitungsanlagen, aus
Hilfsgeräten zur Erleichterung schwieriger : mathematischer Berechnungen entwickelt und im Laufe der le tzten Jahre auf nahezu imaginäre
Leistungen gebracht, werden Spezialisten gebraucht, die sie zu bedienen
verstehen. In der amerikanischen Industrie und im Bankwesen, in
Regierungsbehörden, Universitäten und privaten Forschungsinstituten
kommen die "Elektronengehirne", wie man sie früher nannte, in zunehmendem
Haßt zur Anwendung. Man schätzt, daß bis zum Jahr 1970 in den Vereinigten Staaten mindestens 200 000 ausgebildete Kräfte zusätzlich zu den
bereits vorhandenen für die Programmierung und Überwachung derartiger
Automaten benötigt werden.
Die "Konsumenten", d.h. diejenigen Stellen, die die Apparate
benutzen, geben sich ebenso wie die elektronische Industrie große
Mühe, junge Menschen für die relativ neuen Berufe des IngenieurMathematikers, Programmierers, Wartungsingenieurs oder Schaltwerktechnikers zu interessieren. Daneben stellt aber auch die Ausbildung
als solche noch ein relativ schwieriges Problem dar. Man sucht dem
jetzt dadurch zu begegnen, daß man für mathematisch besonders begabte
Oberschüler Arbeitsgemeinschaften und Lehrgänge einrichtet. In einer
Reihe von Städten, in denen es eine Datenverarbeitungsmaschine gibt,
sind unter der Anleitung bewährter Fachkräfte Oberschüler der beiden
letzten Klassen eifrig dabei, in die Geheimnisse der programmgesteuerten Maschinen tiefer einzudringen. Meist sind einigt";Abendstunden in
der Woche dafür reserviert, denn nicht nur die Schüler, sondern auch
die ehrenamtlich tätigen Lehrer opfern für die Kurse ihre Freiz.eit.
Im Räume Washington, wo der erste "Modell"-Lehrgang dieser Art in den
USA kürzlich abgeschlossen wurde, haben fast alle von den 368 Teilnehmern das Unterrichtsziel erreicht.
Der Lehrstoff umfaßt eine Einführung in die Geschichte, die Anwendungsmöglichkeiten und Aufgaben sowie die wichtigsten technischen
Einzelheiten wie Bauelemente, Schaltwerke und Schaltkreise von programmgesteuerten Maschinen. Die Schüler müssen die Funktionsweise solcher
Automaten, von denen manche eine Million und mehr Informationen, d.h.
Zeichen in Form von Buchstaben oder Zahlen, in der Sekunde verarbeiten,
wirklich begriffen haben, um sie später einmal in eigener Verantwortung für die Lösung dieser und jener Aufgabe sinnvoll einzusetzen. Sie
müssen vor allem die Arbeitsweise der Schaltkreise verstehen, die die
Grundelemente der Elektronenrechner darstellen; die dafür benötigten
Baugruppen sind in der jüngsten Zeit so verkleinert worden, daß Tausende auf einen Kubikzentimeter gehen.
Die Lehrgangsteilnehmer sind durchschnittlich 17 Jahre alt. Nach
einiger Zeit sind sie in der Lage, selbst Analysen und Arbeitsprogramme
auszuarbeiten, die dann auch tatsächlich in die am Ort befindliche Maschine eingegeben werden. Dabei stellt sich sehr bald heraus, ob die
Eingabe als Programm überhaupt zu verwerten und für die Lösung dieses
oder jenes Problems geeignet ist.
Dieser Vorbereitung auf das Studium und den künftigen Beruf folgen
die jungen Herren - gelegentlich nehmen auch junge Damen an diesem
Praktikum teil - mit großer Begeisterung. Allerdings stellen die

- 6 -

�die Lehrgänge für die mei&amp;ten von ihnen im wesentlichen nur eine
Intensivierung der Arbeit dar, die in naturwissenschaftlichen Bastelund Experimentiergruppen außerhalb des Unterrichts bereits geleistet
wird und die einmal im Jahr auch für die Öffentlichkeit in den naturwissenschaftlichen Schülerausstellungen sichtbar zum Ausdruck kommt.
Der dabei behandelte Problemkreis umfaßt alle erdenklichen Gebiete
der modernen Naturwissenschaft, einschließlich der Biologie und Medizin.
So manches junge Talent wird auf diese Weise frühzeitig entdeckt
und außerordentlich gefördert. Eine besondere Begabung für die Programmierung von Rechenautomaten bewies der jetzt 17jährige David Malin
aus Bethesda (Maryland) schon als 14jähriger, als er für den alljährlich an seiner Schule durchgeführten naturwissenschaftlichen Wettbewerb eine kleine elektronische Datenverarbeitungsmaschine bastelte,
die einfacheenglische Worte ins Russische und Lateinische übersetzte.
Das Geräit wurde sogar eine Zeitlang im Smithsonian-Museum in Washington ausgestellt.
David, der an dem Computer-Lehrgang in Washington teilnahm, arbeitete im vergangenen Jahr ein selbst für Experten hochinteressantes
Rechner-Programm aus. Ihm liegen u.a. Paktoren zugrunde, die die menschlichen Verhaltensweisen mitbestimmen - Biologie des Gehirns und Nervensystems sowie psychologische Reaktionen -, und es ist ein Versuch,
einen Rechenautomaten so zu programmieren, daß dieser - wie ein Mensch "vernünftig denkt und reagiert". David nennt seine Methode CONTRANS-Verfahren (CONTRANS ist dabei eine Abkürzung aus "Conceptual Thought,
Random Net Simulation"). Es ist im wesentlichen ein Versuch zur mathematischen Darstellung begrifflichen Denkens und dessen Nachahmung durch
den Automaten.
David schrieb einen ausgezeichneten Bericht über seine Untersuchungen, der von der U.S. Association for Computing Machinery zusammen
mit 28 anderen aus insgesamt 243 Arbeiten ausgewählt wurde, um auf
einer Tagung von Spezialisten in Washington vorgetragen zu werden.
David war mit Abstand der jüngste unter den 4000 Konferenzteilnehmern,
die seinen mit komplizierten Schaubildern und Berechnungen gespickten
Vortrag mit großem Beifall quittierten. Im September 1962 hat der
junge Mann das Studium der Mathematik begonnen, das ihm durch Stipendien, von amerikanischen Firmen bereitgestellt, außerordentlich erleichtert wird.

(Quelle: Eigenbericht)
\
# » # # #

�Facharbeiterschulung in den Entwicklungsländern ein gemeinsames Problem
Die dreitägige internationale Konferenz über die Schulung und
Ausbildung von Arbeitskräften in der "Dekade der Entwicklung", die
im Oktober in San Juan auf Puerto Rico zu Ende ging und an der hohe
Regierungsvertreter aus insgesamt 40 Ländern teilgenommen hatten,
kann als ein großer Erfolg gewertet werden. Dies gilt sowohl für
die Beratungen der Konferenz selbst als für die von ihr gefaßten
Beschlüsse.
Ziel dieser Konferenz, zu der die Regierung der Vereinigten
Staaten eingeladen hatte, war es, Wege und Möglichkeiten zu erörtern
und aufzuzeigen, wie und in welcher Form die Heranbildung von Facharbeitern in den Entwicklungsländern vorangetrieben werden kann. Welch
große Bedeutung gerade diesem Aspekt der gesamten Entwicklungshilfe
beizumessen ist, zeigt wohl am besten die Tatsache, daß für die Aufrechterhaltung einer bestimmten wirtschaftlichen Wachstumsrate in
den Entwicklungsländern jeweils eine rund }-6mal größere Ausbildungsrate für Facharbeiter erforderlich ist. Bei einer jährlichen Wachstumsrate von 10 Prozent beispielsweise würde das bedeuten, daß die
Facharbeiterausbildung jährlich um 50 bis 60 Prozent gesteigert werden müßte, wenn die Kapitalinvestitionen in diesen Ländern wirklich
auf fruchtbaren Boden fallen sollen.
Der wichtigste Beschluß der Konferenz von San Juan war zweifellos
die Errichtung eines vorläufigen Sekretariats in Washington, dessen
erste Aufgabe es sein wird, allen interessierten Ländern die Ergebnisse
d,er Konferenz zu übermitteln. Das Sekretariat soll das InformationsBindeglied zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern bilden und
allen beteiligten Kreisen die gesammelten Erfahrungen im Einsatz von
Entwicklungshelfern und bei der Durchführung der Facharbeiterausbildung
in den Entwicklungsländern zugänglich machen.
Von ähnlicher weittragender Bedeutung ist auch der Appell der
Konferenz an die ILO und andere auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe
tätige internationale Organisationen, diesen angestrebten Ideenund Erfahrungsaustausch im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Nachdruck
zu unterstützen und eng mit dem Sekretariat in Washington zusammenzuarbeiten.
Wie bei jedem neuen Unternehmen auf internationaler Ebene, so läßt
sich natürlich auch hier noch nicht sagen, wie weit es letzten Endes
möglich sein wird, die von den Delegierten gefaßten Beschlüsse in die
Tat umzusetzen. Dennoch dürfte - auch nach der Überzeugung der Konferenzteilnehmer - eines feststehen: nämlich, daß durch die Konferenz und
mit der Bildung einer gemeinsamen Zentralstelle eine solide Ausgangsbasis geschaffen wurde, von der aus die verschiedenen Probleme auf
dem Sektor der Facharbeiterausbildung im internationalen Rahmen erforscht und angepackt werden können.
Natürlich wird auch weiterhin jedes einzelne Land im Einklang
mit seinen ureigensten Bedürfnissen seinen eigenen Weg abstecken müssen,
denn eine allgemeingültige Marschroute in dieser Hinsicht gibt es
nicht - ebensowenig wie ein Dniversalrezept für die Schaffung eines
Facharbeiterpotentials in den Entwicklungsländern, das von allen Konferenzteilnehmern als die wichtigste Voraussetzung für einen schnellen
8

-

�schnellen und bedeutsamen wirtschaftlichen und sozialen Portschritt
angesehen wird.
Kein Land kann aber für sich in Anspruch nehmen, der Hüter allen
Wissens und aller Erfahrungen auf diesem Gebiet zu sein. Selbst die
Vereinigten Staaten nicht, die von allen Ländern - auf Grund ihrer
fast 15jährigen Tätigkeit in den Entwickluhgsgebieten - ja wohl über
den größten Erfahrungsschatz verfügen. Auch sie sind noch nicht im
Besitz all jener wichtigen Informationen und Kenntnisse, die erforderlich sind, um die von der Konferenz gesteckten Ziele zu erreichen.
Und gerade diese Tatsache beweist sicherlich mit am besten, wie wichtig
es für alle in der Entwicklungshilfe tätigen Länder ist, sich gegenseitig über ihre gemachten Erfahrungen zu informieren und ihre gewonnenen Erkenntnisse einander mitzuteilen. Die Konferenz von Puerto Rico
hat dies erneut klargemacht.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

GEWERKSCHAFTLICHE KURZNACHRICHTEN
15 Wochen Sonderurlaub alle fünf Jahre
Jeder Arbeitnehmer, der mehr als 15 Jahre bei der "American
Can Company" oder bei der "Continental Can Company" beschäftigt ist,
wird neben seinem normalen Jahresurlaub in Zukunft alle fünf Jahre
noch einen Sonderurlaub von 13 Wochen auf Grund eines neuen Tarifvertrages erhalten, der jetzt zwischen der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft und den beiden genannten Unternehmen abgeschlossen
wurde•
Der neue Tarifvertrag, der eine Laufzeit von zwei Jahren hat und
rund 15 000 Arbeitnehmer in den Genuß der ausgehandelten Vergünstigungen bringen wird, sieht außerdem eine allgemeine Verlängerung des
Jahresurlaubs sowie die Zahlung eines erhöhten "Ausscheidungsbonus" an
Arbeitnehmer vor, die sich pensionieren lassen. Ziel dieser tarifvertraglichen Vereinbarungen ist es, eine größere Arbeitsplatzsicherheit
für die Beschäftigten in diesem Industriezweig zu schaffen und die
älteren Arbeitnehmer anzuregen, sich früher pensionieren zu lassen.
Was

9 -

�Was die neue Regelung des Jahresurlaubs betrifft, so erhalten
jetzt sämtliche Arbeitnehmer mit mehr als 10 Dienstjahren drei
Wochen (bisher zwei) und solche mit 25jähriger Dienstzeit vier
(bisher drei) Wochen bezahlten Urlaub.
Der bei der Pensionierung von älteren Arbeitnehmern zur Auszahlung kommende Bonus entspricht auf Grund des neuen Vertrages, dem
Betrag von 22-23 (bisher 13) Wochenlöhnen.
Der neue, bis zum 3« September 1964 gültige Tarifvertrag, der
rund 31 000 Arbeitnehmer umfaßt, enthält weder eine Klausel zur vorzeitigen Kündigung noch sieht er irgendwelche Lohnerhöhungen während
der Laufzeit des Abkommens vor.
David J. McDonald, der 1. Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft,
bezeichnete das neue Tarifabkommen als einen "beispiellosen Durchbruch...
in Richtung auf eine für das wirtschaftliche Wachstum der USA notwendige
vertragliche Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen". Er rlobte in
diesem Zusammenhang das Management der beiden Unternehmen dafür, daß
es die Gewerkschaft in ihren Bemühungen unterstützt habe, "eine neue
Phase der industriellen Pionierarbeit" einzuleiten.
Der derzeitige Durchschnittsstundenlohn in der amerikanischen
Blechbehälterindustrie beträgt 3»01 Dollar; die untere Lohngrenze
liegt bei 2,17 Dollar, die obere bei 3&gt;56 Dollar.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Internationaler Ausschuß für Ford-Arbeiter
Die Bildung eines Internationalen Ausschusses der Ford-Arbeiter",
der sich mit sämtlichen sozial- und wirtschaftspolitischen Problemen
zu befassen hätte, die sich durch die Ausdehnung dieses großen amerikanischen Automobilkonzerns in 32 Ländern der Erde für die Mitarbeiter
ergeben, wurde von Gewerkschaftsvertretern der amerikanischen Ford-Betriebe vorgeschlagen.
Dieser Vorschlag ist Teil einer Resolution, die von dem "National
Ford Council" der "Vereinigten Aütomobilarbeitergewerkschaft" anläßlich
der letzten Tagung einstimmig angenommen wurde. Der "National Ford
Council" setzt sich aus Vertretern sämtlicher Werke des Unternehmens in
den USA zusammen.
Wie es in der Resolution heißt, wäre es sämtlichen Mitarbeitern
des Unternehmens in aller Welt über den "Internationalen Ausschuß der
Ford-Arbeiter" möglich, auf zahlreichen Gebieten Hand in Hand mit dem
amerikanischen Ausschuß zusammenzuarbeiten: so im Hinblick auf die Harmonisierung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, den Informationsaustausch,
die Förderung von Ausbildungsprogrammen, die Koordinierung der tarifpolitischen Ziele und andere Maßnahmen.
(Quelle: Eigenbericht)
-

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-

�Aktive Entwicklungshilfe der US-Gewerkschaften
In Erkenntnis der großen Bedeutung, die gerade der Gewerkschaftsbewegung in den unterentwickelten Ländern heim Aufbau einer soliden
demokratischen wirtschaftlichen und sozialen Ordnung zukommt, hat
der amerikanische Gewerkschaftsverband "AFL-CIO" mit Unterstützung
zahlreicher Institutionen und Wirtschaftsgruppen in Washington
ein "American Institute for Free Labor Development" gegründet.
In diesem auch anderen Gewerkschaftsverbänden als Vorbild dienenden Institut sollen Gewerkschafter aus den lateinamerikanischen Staaten
in jeweils vierteljährigen Kursen mit dem geistigen Rüstzeug versehen
werden, das sie zur Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben benötigen
und das sie sich in Ermangelung entsprechender Schulungseinrichtungen
in ihren eigenen Ländern bisher nicht aneignen konnten.
Hauptziel dieses neuen Instituts ist es daher auch nicht, die Kursusteilnehmer lediglich mit den gewerkschaftspolitischen Tagesaufgaben
- Durchführung von TarifVerhandlungen, administrativen Aufgaben, Organisationskampagnen usw. - vertraut zu machen, sondern ihnen einen allgemeinen tiberblick über die gesamtwirtschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenhänge zu verschaffen.
Nachdem der erste Kursus, an dem 45 Gewerkschaftsführer aus dem
lateinamerikanischen Raum teilgenommen haben, jetzt zu Ende gegangen
ist und die ersten praktischen Erfahrungen gesammelt und ausgewertet
werden konnten, sollen vom nächsten Jahr an jeweils 100 bis 120 Gewerkschaftsführer und gewerkschaftliche Nachwuchskräfte an diesen internationalen Kursen in den Vereinigten Staaten teilnehmen.
Im Anschluß an ihre theoretische Ausbildung am "Amerikanischen Institut für die Entwicklung Freier Gewerkschaften" werden die Kursusteilnehmer dann 9 Monate in ihren Heimatländern in der praktischen Arbeit eingesetzt und während dieser Zeit von Vertretern des Instituts
und der eigenen Gewerkschaft betreut und beraten werden.
Wie aus Kreisen der Institutsleitung weiter zu erfahren war,
trägt man sich auch mit der Absicht, in den verschiedenen lateinamerikanischen Ländern regionale und nationale Ausbildungszentren einzurichten, um dort Kurzlehrgänge sowohl für "Anfänger" als auch für
'•"Fortgeschrittene" durchzuführen. In erster Linie jedoch sollen hierbei
die Funktionäre der unteren Verwaltungsebenen geschult werden.
Zu den Teilnehmern der ersten Gruppe, die in einem dreimonatigen
Kursus an dem neuen Gewerkschaftsinstitut in Washington auf ihre gewerkschaftliche Tätigkeit - in einer englisch und einer spanisch sprechenden Klasse - vorbereitet wurden, gehörten Gewerkschafter aus Honduras, Costa Rica, El Salvador, Panama, Venezuela und der Dominikanischen Republik (spanische Gruppe) sowie aus Surinam, Britisch-Guayana,
Trinidad, Jamaica, Britisch-Honduras, Barbados, St. Vincent, Santa
Lucia und Antigua (englische Gruppe). Zum nächsten Kursus, der bis
Ende Dezember läuft, werden Gewerkschafter aus Mexiko und Ländern
der Westküste Lateinamerikas erwartet.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
-

11

-

�Die Entwicklung der Löhne im US-Baugewerbe
Zu denjenigen Fachberufen in den USA, die mit an der Spitze
der allgemeinen Lohnskala stehen, gehören auch die Bauarbeiterberufe,
für die nach der neuesten Lohnübersicht des US-Amtes für Arbeitsstatistik ein durchschnittlicher Stundenlohn von 3»85 Dollar (industriearbeiterdurchschnitt 2,33 Dollar) ermittelt wurde.
Dieser jährlich durchgeführten und in der August-Ausgabe der
"Monthly Labor Review" veröffentlichten Analyse der Löhne gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer liegen die Durchschnittseinkommen von
insgesamt 24 Facharbeiter- und 9 Hilfsarbeiterkategorien (Stichtag
1. Juli 1961) zugrunde.
Nach dieser Übersicht bewegten sich die durchschnittlichen Stundenlöhne in den verschiedenen Facharbeiterberufen zwischen 3&gt;68 Dollar
(Maler) und 4» 54 Dollar (Maurer), wobei der Durchschnitt bei sieben
Berufen 4 Dollar und mehr betrug. Bei den Bauhilfsarbeitern dagegen
lagen die durchschnittlichen Stundenlöhne zwischen 2,98 Dollar (Arbeitsmänner) und 3,35 Dollar (Verputzergehilfen).
Zwischen dem 1. Juli 196O und dem 1. Juli 1961 erhöhten sich
die Durchschnittslöhne für sämtliche Bauarbeiter (die regionalen
Unterschiede waren verhältnismäßig gering) im allgemeinen um 4 Prozent. Lohnerhöhungen bei den Facharbeitern um durchschnittlich 3»8 Prozent standen dabei Anhebungen um 4»8 Prozent bei den Bauhilfsarbeitern gegenüber.
Lohnaufbesserungen von 4 bis 6 Prozent erhielten etwa die Hälfte
aller Facharbeiter und Bauhilfskräfte; 6-8prozentige Erhöhungen dagegen
verzeichneten 1/10 der Facharbeiter und 3/10 aller Hilfsarbeiter.
Regional betrachtet, lagen die durchschnittlichen Bauarbeiterlöhne zwischen 5»22 Dollar in den südöstlichen Bundesstaaten und 4»20
Dollar in den Mittelatlantikstaaten. Bei den Facharbeitern ergaben
sich dabei Unterschiede bis zu 90 Cent (5&gt;50 - 4»40 Dollar), bei den
ungelernten Arbeitern bis zu 1,45 Dollar (2,00 - 3»45 Dollar).
Die folgende Tabelle gibt einen tiberblick über die durchschnittlichen Stundenlöhne in den wichtigsten Bauarbeiter-Fachberufen (Stand
vom 1 . Juli 1961 ):
Fach- und Hilfsarbeiter (nationaler Durchschnitt)

5,85 Dollar

Facharbeiter (Durchschnitt)

4,02 Dollar

Maurer
Zimmerleute
Zementmischer
Bauelektriker
Anstreicher
Verputzer
Klempner
Eisenflechter
Fliesenleger

4»34
5*94
3»90
4»16
3»68
4»14
4,18
4,00
4,03

Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar
Dollar

Arbeitsmänner

-

12

-

�Arbeitsmänner und Hilfskräfte (Durchschnitt)

3,06 Dollar

Maurergehilfen
Arbeitsmänner
Verputzergehilfen
Fliesenlegergehilfen

3,23
2,98
3»35
3,24

Dollar
Dollar
Dollar
Dollar

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

13 -

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Anciennitätsprinzip und seine praktischen Auswirkungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Automation in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;Automation - ein Bruch mit der Vergangenheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy vor dem amerikanischen Gewerkschaftsverband&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Möglichkeiten einer Arbeitsverkürzung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Viertel des Einkommens geht für die Steuer drauf&lt;br /&gt;Steigende Aufwendungen für Urlaub und Freizeit in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anstieg der Arbeitsproduktivität im Kohlebergbau um 85 Prozent seit 1949&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Probleme in den Entwicklungsländern&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachlese zum "AFL-CIO"-Kongress&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es geht wieder um neue Tarife in der Stahlindustrie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy legte Kongress Sozialbotschaft vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bericht über die Auswirkungen der Automatisierung veröffentlicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Lohnbewegungen 1961/62 in der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen wichtiger als höhere Löhne&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zahl der Gewerkschaftsmitglieder geringfügig angestiegen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beschäftigung und Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die "dritte Kraft" am Verhandlungstisch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Arbeitsplätze durch industrielle und technische Fachausbildung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Betriebliche Schulung - ein wichtiger Zug des amerikanischen Erziehungswesens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nr. 6&lt;br /&gt;Die neuen Möglichkeiten der Automatisierung in der Industrie&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;435-Millionen-Dollar-Programm für die Umschulung von Arbeitslosen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kennedy erläuterte Gewerkschaften seine Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung des neuen Tarifvertrages der Stahlindustrie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nr. 7&lt;br /&gt;Die Auswirkungen der Automation auf den Arbeitnehmerstatus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Feststellung der Beschäftigten- und Arbeitslosenzahl in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und die Angestellten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 8/9&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauenarbeit und Haushalteinkommen (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anwendungstechniker als Wegbereiter der Vollautomatisierung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die "Stadt-in-der-Stadt"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorbereitungskurse für angehende Pensionäre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauenarbeit und Haushalteinkommen (II)&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Fast 70 Millionen Beschäftigte in den USA&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;AFL-CIO fordert 35-Stunden-Woche&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Urlaubsregelungen in den USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Leistungen der Pensionspläne wurden verbessert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(und vier weitere Kurznachrichten)&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das System der Lehrlingsausbildung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nachwuchsförderung für das Zeitalter der Automation&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Facharbeiterschulung in den Entwicklungsländern ein gemeinsames Problem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis
1 9 6 3

Nr. 1
Die Bedeutung der Gewerkschaften für
das amerikanische Wirtschaftsleben
Die Aufgaben des "National Labor Relations
Board"
Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen
Gewerkschaften

Nr. 2
Automatisierung führt zur
"Bildungsgesellschaft"
Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht
Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet
der Rehabilitation Behinderter
Erhebliche Veränderungen in der USBeschäftigungsstruktur seit 1950
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 3
Mode 11vertrag der amerikanischen
Automobilarbeitergewerkschaft
Präsident Kennedy unterbreitete Kongreß
umfassendes Sozialprogramm
Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

*

�4
Erziehung und Schulung in einem
Entwicklungszeitalter (i)
Gewerkschaftli che Kurznachrichten
*

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (il)
Aktuelle Arbeitsmarktprobleme
Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst
Filmore LaDeaux - ein Arbeitnehmerporträt
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

6
Der E r f o l g s b e t e i l i g u n g s p l a n
Maschinistengewerkschaft
Gewerkschaftliche

der K a i s e r - S t a h l w e r k e

f e i e r t 75jähriges

Bestehen

Kurznachrichten

1
Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme
der USA in den Jahren 1960-1975 (i)
Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen
technischen Veränderungen
"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt

�Nr. 8/9
Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme
der USA in den Jahren 1960-1975 (il)
Gleiche Berufschancen für die Farbigen
"Stille Einigung" - der neue Stil im USTarif verband lungswesen
Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen
Unfallschutzes
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 10
Die w i r t s c h a f t l i c h e
den USA

S i t u a t i o n der Farbigen

in

V e r s c h ä r f t e Bestimmungen der US-Post zur
Durchsetzung der R a s s e n g l e i c h h e i t
W i r t s c h a f t l i c h e s Wachstum und A r b e i t s l o s i g k e i t
U n f a l l s c h u t z am A r b e i t s p l a t z a l s
Aufgabe
Seeleutegewerkschaft
S t r e i k v e r z i c h t aus

spricht

gewerkschaftliche

sechsjährigen

*

N r . 11
Die amerikanische Sozialversicherung

t

Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen
in den USA
Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start
Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen Akzenten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

-

3 -

�Nr. 12
Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in
Umschulungskursen
New Yorks einzigartige berufsbildende Oberschule
Beträchtliche Verschiebungen in der
US-Einkommensstruktur
E. A. Willis - ein Arbeitnehmerporträt
Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen

* * * * *

- 4 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschattsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
l SIS Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeltsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die Bedeutung der Gewerkschaften für das
amerikanische Wirtschaftsleben

Seite

1

Die Aufgaben des "National Labor Relations Board"

Seite

7

Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen
Gewerkschaften

Seite

12

Arthur J. Goldberg, Richter am Obersten Bundesgericht
der Vereinigten Staaten:
Die Bedeutung der Gewerkschaften für das amerikanische Wirtschaftsleben
Aus der Monatsschrift "Overseas" .
Bei Nachdruck sind Angabe des Verfassers, der Quelle
und der Vermerk "Copyright 1962 by the Institute of
International Education" erforderlich.
Der Autor war bis August 1962 US-Arbeitsminister
und davor Mitarbeiter der Rechtsabteilung des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Seiner Darstellung
der Rolle der Gewerkschaften in den Vereinigten
Staaten kommt auf Grund seiner langjährigen Erfahrung
in Arbeits- und Gewerkschaftsfragen ein hohes Maß an
Authentizität zu. Im Zusammenhang mit den 19&amp;3 bevorstehenden Feiern anläßlich des 50. Jahrestags der
Schaffung des US-Arbeitsministeriums gewinnt sie
dazu noch besondere Aktualität.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung leistet ihren Beitrag zur
Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft in den Vereinigten Staaten vornehmlich in der Weise, daß sie ihre Kräfte auf die Verbesserung
der wirtschaftlichen und sozialen Lage der arbeitenden Menschen konzentriert. Das Klassenbewußtsein, in anderen Ländern so häufig ein augenfälliger Wesenszug der Gewerkschaftsarbeit, spielte bei der Verbreitung

-

1 -

�Verbreitung des Gewerkschaftsgedankens in den Vereinigten Staaten
niemals eine bestimmende Rolle.
Was die grundlegenden Zielsetzungen angeht, hält sich die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung nach wie vor an die richtungweisenden Lehren von Samuel Gompers, Mitbegründer der American
Federation of Labor (AFL) und ihr erster Präsident von der im Jahre
1886 erfolgten Gründung an bis zu seinem Ableben im Jahre 1924«
Gompe rs' Kampf galt der Anerkennung der Gewerkschaften durch
die Unternehmer. Seine Zielsetzungen lauteten einfach genug: kürzere
Arbeitszeit, höhere Löhne und größere Freiheit. Dem Wirken Gompers'
ist es zu verdanken, daß die Gewerkschaften allmählich im ganzen Volk
als unabdingbarer Bestandteil der Gesellschaft anerkannt wurden. Dieser
große Pionier der Gewerkschaftsbewegung ging von der Überzeugung aus,
das Gedeihen der Gewerkschaftsbewegung sei gleichbedeutend mit "einem
besseren Leben für alle". Er war aber gegen den Versuch, dieses Ziel
durch die Anwendung von Gewalt oder ungesetzliche Schritte anzustreben.
In der Satzung des Gesamtverbandes AFL-CIO, der 1955 durch den
Zusammenschluß der American Federation of Labor und des Congress of
Industrial Organizations entstand, werden als wichtigstes Nahziel
"höhere*Löhne, kürzere Arbeitszeit und bessere Arbeitsbedingungen"
genannt. Die Arbeiter werden aufgerufen, darüber hinaus dem höheren
Ziel nachzustreben, "ihre Rechte und Pflichten als Bürger voll auszuschöpfen" . Die Satzung ermutigt alle Arbeitnehmer zur Bildung von
"Gewerkschaften, die ihren eigenen Vorstellungen entsprechen", Sie
bestimmt des weiteren, daß alle Arbeitnehmer "ohne Ansehen der Rasse,
des Glaubens, der Hautfarbe, der nationalen Herkunft oder Abstammung...
an den Vorteilen der Gewerkschaftsorganisation teilhaben" sollen. Sie
bringt ferner die Absicht der AFL-CIO zum Ausdruck, die Hoffnungen
und Aspirationen der Werktätigen mit demokratischen Methoden zu verwirklichen, die mit unseren Gesetzen und Traditionen vereinbar sind
und in den Gesamtrahmen unserer konstitutionellen Regierungs- und
Staatsform passen.
Diese Grundsätze werden des weiteren mit der Versicherung bekräftigt, die AFL-CIO werde "die Sache des Friedens und der Freiheit"
fördern und "freie Gewerkschaften in aller Welt unterstützen, ihnen
beistehen und mit ihnen zusammenarbeiten".
Angesichts des ständigen Wandels und der fortgesetzten Expansion
der amerikanischen industriellen Wirtschaft schreitet der Prozeß der
Organisierung der Arbeiterschaft, der Anerkennung der Gewerkschaften
und der Festsetzung der Löhne und Arbeitsbedingungen durch frei ausgehandelte Tarifverträge rasch voran.
Gegenwärtig sind weit über 100 000 derartige Vereinbarungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in Kraft. Die Verhandlungen werden gewöhnlich von den einzelnen Gewerkschaften für sich allein
geführt - teils durch das Ortskartell, das die Belegschaft eines
einzelnen Betriebes oder einer Gruppe von Unternehmen vertritt,
teils auch durch mehrere Ortskartelle gemeinsam'," die mit Unternehmens-

-

2

-

�Unternehmensgruppen einer Stadt oder eines bestimmten Gebiets verhandeln, und manchmal - bei Verhandlungen mit Großunternehmen oder
größeren Segmenten eines ganzen Industriezweiges - tritt auch die
nationale Muttergewerkschaft selbst als Gesprächspartner auf.
Der Geltungsbereich der Tarifverträge kann sich außer auf Löhne
und Arbeitsbedingungen noch auf viele andere Fragen erstrecken; dies
ist auch meist tatsächlich der Fall. In den letzten Jahren stand
bei den Verhandlungen in zunehmendem Maße die Forderung nach erhöhten
Lohnnebenleistungen - bezahlte Feiertage, Urlaub, Alters- und Krankenversicherung sowie andere Sozialleistungen - im Vordergrund. Auch der
Wunsch nach größerer Sicherheit des Arbeitsplatzes, wie sie ihren Niederschlag in einer vertraglich garantierten Mindestarbeitswochenzahl
pro Jahr, in den Anciennitätsrechten, in einer vernünftigen Beförderungs- und Versetzungsregelung, in Kündigungsschutzbestimmungen,
Arbeitslosenunterstützungsleistungen und ähnlichen Sozialmaßnahmen
findet, gewinnt immer größere Bedeutung. Tarifverträge erstrecken
sich auch auf Fragen des betrieblichen Unfallschutzes und aller damit
zusammenhängenden Vorkehrungen, der Länge der Arbeitszeit und ihres
Beginns und Endes, der Schicht- und Überstundenarbeit, der Kündigung,
der Verhütung von Streiks und Aussperrungen und des Beschwerderechts
und der Schlichtung.
Der Ausbau des Kollektivverhandlungswesens als wichtigste Methode
zur Erzielung einer weitgehenden Übereinstimmung zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern gehört mit zu den auffälligsten Erscheinungen der
amerikanischen Wirtschaftsdemokratie. Dieses Verfahren des Verhandeina
zwischen Gewerkschaft und Management mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen
ohne direkte Konsultation der betroffenen Arbeitnehmer festzusetzen,
wurde stark in Frage gestellt, als die Unternehmer sich weigerten, an
derartigen Kollektiwerhandlungen teilzunehmen. Dann, in der entscheidungsvollen Anfangsphase der ersten Amtsperiode von Präsident Franklin
D. Roosevelt, wurde als Antwort auf diese Weigerung 1935 das Gesetz
zur Regelung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen (National Labor
Relations Act) erlassen. Es war dies das wichtigste Arbeitsgesetz,
das bis dahin geltendes Recht im Gesamtgebiet der Vereinigten Staaten
geworden war. Es garantierte allen Arbeitnehmern "das Recht, sich zu
organisieren, Gewerkschaften zu bilden, sich ihnen anzuschließen oder
sie zu unterstützen, über gewählte Vertreter Kollektivverhandlungen
mit den Unternehmern zu führen und zum Zwecke der Führung solcher Verhandlungen und zur gegenseitigen Sicherung und Hilfeleistung gemeinsame
Schritte zu unternehmen".
Das Kollektivverhandlungswesen bildet heute die feste Basis des
expandierenden Bereichs der Zusammenarbeit zwischen den beiden großen
Kontrahenten unseres Wirtschaftssystems, Arbeitgebern und Arbeitnehmern,
und fördert die zunehmende Anerkennung des dritten großen Partners - des
Staates.
Die Entwicklung dieses demokratischen Dreigestirns findet ihren
Ausdruck auch in der Arbeit des Beirates des Präsidenten für Fragen der
Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen, dessen Gründung Präsident Kennedy
1961 durch Erlaß verfügte. Der Ausschuß, in dem Arbeitnehmer, Arbeitgeber

-

3 -

�•

Arbeitgeber und Staat gleich stark vertreten sind, besteht aus 21
Mitgliedern. Er hat bereits eine ganze Reihe von wichtigen Problemen
unserer Wirtschaftsordnung, die gegenwärtig einen raschen Wandel
durchmacht und immer komplizierter wird, aufgegriffen und ergründet
und ist dabei in Neuland vorgestoßen. Lösungen für diese Probleme
können selbstverständlich nicht kurzfristig gefunden werden; der Gedankenaustausch aber, den die Tätigkeit des Ausschusses in Gang setzte,
berechtigt zu der Hoffnung, daß die amerikanische Arbeits- und Sozialpolitik von dieser Seite her neue Impulse erhalten wird und daß die USWirtschaft an der Schwelle eines neuen, erfolgverheißenden Zeitalters
steht.
Die zunehmende Mitwirkung der Gewerkschaften an der Gestaltung
des nationalen Lebens unterstreicht nur einen Aspekt der Gewerkschaftsarbeit, der schon immer besonders gepflegt wurde. Vertreter der Gewerkschaften sitzen in den Beratungsausschüssen zahlreicher Stellen
des Bundes und der Einzelstaaten und sind in verantwortliche Positionen
aufgestiegen. Gewerkschaftsmitglieder werden in steigender Zahl in
Organe der lokalen Selbstverwaltung wie Schulaufsichtsbehörden, Stadtverordnetenversammlungen, Bibliothekskuratorien und dergleichen gewählt oder berufen.
Im ersten und zweiten Weltkrieg traten viele Gewerkschaftsfunktionäre in den Dienst von Behörden. Heute sind die Gewerkschaften durch
führende Mitglieder in einer ganzen Reihe von staatlichen Körperschaften
und Ausschüssen tätig, die sich mit Fragen des Schul- und Bildungswesens, der Ausweitung des Außenhandels usw. befassen.
Bei politischen Wahlen bleibt es den Gewerkschaftsmitgliedern
völlig unbenommen, für wen sie stimmen. Die Gewerkschaften sehen ihre
politische Aufgabe ausschließlich darin, ihre Mitglieder über die Ansichten der Kandidaten und deren bisheriges Verhalten bei Abstimmungen
und im Amt zu unterrichten, die Wählerschaft zur Ausübung ihrer Wahlrechte anzuhalten und sich in die Gesetzgebung, -c^weit sie Wirtschaftsund Sozialfragen betrifft, möglichst schon im Planungsstadium einzuschalten. Diese Mitwirkung der Gewerkschaften an der Gesetzgebungsarbeit
im Kongreß und in den einzelstaatlichen Parlamenten hat ihrerseits tiefe
Rückwirkungen auf die Arbeiterbewegung gezeitigt.
Das amerikanische Arbeitsministerium, das 1963 den 50. Jahrestag
seiner Gründung feiert, entstand unter tatkräftiger Förderung durch
die Gewerkschaften. Obwohl es nur rund 8000 Mitarbeiter beschäftigt
und somit zahlenmäßig das kleinste der zehn Ministerien ist, ließen
es sein Eintreten für die Interessen und das Wohl der Erwerbstätigen in
den USA zu einer der aktivsten Regierungsbehörden werden.
Anfang dieses Jahrhunderts konnte die Gewerkschaftsbewegung in
den Einzelstaaten verschiedene Reformgesetze durchsetzen. Zu den ersten
diesbezüglichen Erfolgen rechnen die von mehreren Bundesstaaten erlassenen Gesetze über die Regelung der Frauen- und Kinderarbeit in der Industrie sowie gesetzliche Vorschriften zur Verhütung von Betriebsunfällen.
Die Gewährung von Renten im Invaliditätsfalle ist heute in den meisten
Einzelstaaten gesetzlich geregelt, und Kinderarbeitsgesetze bestehen
in sämtlichen.
T

- 4 -

�Im Jahre 1890 erließ der Kongreß das sogenannte Sherman-Antir
Trust-Gesetz, das eine Regelung des Handels zwischen den einzelnen
Bundesstaaten brachte. Das Clayton-Anti-Trust-Gesetz von 1914, ein
Ergänzungsgesetz zum Sherman Act, untersagte Alleinverkaufs-Kontrakte
und örtliche Preissenkungen, die ein Abwürgen von Konkurrenten zum
Ziele haben. Es bescheinigte den Gewerkschaften ausdrücklich, daß
sie nicht unter die verbotenen Zusammenschlüsse fallen, beschränkte
den Erlaß einstweiliger Anordnungen gegen gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen und erklärte friedliche Streiks, Boykotte und Streikposten
ausdrücklich für zulässig.
Das Adamson-Gesetz von 1916 verfügte die Einführung des Achtstundentages als Grundarbeitszeit für die Eisenbahnbediensteten. Diese
Maßnahme war ein Markstein im langen Kampf der Gewerkschaften um die
Einführung einer verbindlichen Norm für die tägliche Arbeitszeit, die
heute in der ganzen Welt gilt. Das Gesetz zur Regelung der Arbeit bei
den Eisenbahnen (Railway Labor Act) aus dem Jahr 1926 bedeutete, obwohl
es sich nur auf den Transportsektor erstreckte, einen wichtigen Wendepunkt in der Politik der Gewerkschaftsbewegung. Von dem Grundsatz ausgehend, daß Kollektivverhandlungen die Basis für ein gutes Verhältnis
zwischen Arbeitnehmern und Management bilden, verschafften die Gewerkschaften den Bahnbediensteten das Recht, sich ohne Einmischung seitens der Unternehmensleitung zu organisieren und Gewerkschaften beizutreten .
Der Börsenkrach von 1929 lähmte die amerikanische Wirtschaft
nahezu gänzlich. Die Schlangen vor den Armenküchen, die an Werkstoren
angeschlagenen Schilder "Keine freien Stellen" und die allgemeine Angst
und Hoffnungslosigkeit versetzten das Land in einen Zustand der Apathie
und Untätigkeit. Am tiefsten Punkt der Depression, im Jahre 1932, verabschiedete der Kongreß dann das Norris-La Guardia-Gesetz, das die gesetzlichen Streikverbote drastisch einschränkte.
Nur wenige Jahre später erließ der Kongreß weitere wichtige Gesetze
zur Verbesserung des Loses der arbeitenden Menschen, darunter auch das
Sozialversicherungsgesetz von 1935» das die Alters- und Invaliditätsversicherung der Arbeitnehmer regelte.
In der Nachkriegszeit setzten sich die Gewerkschaften entschlossen
gegen die Versuche vor. Kommunisten zur Wehr, die Arbeiterbewegung zu
unterwandern und Einfluß auf sie zu gewinnen. Für die Kommunisten endete
dieser Kampf mit einer vernichtenden Niederlage. Ihren dramatischen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung in den Jahren 1949 und 1950» als
der Congress of Industrial Organizations (CIC) elf kommunistisch-beherrschte Mitgliedgewerkschaften ausschloß. Der erfolgreiche Widerstand
der amerikanischen Gewerkschaften gegen kommunistische Strömungen im
Inneren bildete den Auftakt zu einer immer stärkeren Teilnahme der Gewerkschaften an dem weltweiten Ringen um Freiheit und Demokratie.
Hand in Hand mit dem Kampf gegen den Kommunismus gingen die Bestrebungen der AFL-CIO, die Arbeiterbewegung auch von anderen korrumpierenden Einflüssen frei zu halten. Ihr Disziplinarausschuß entwarf
sechs Ehrenordnungen für die verschiedenen Bereiche der Gewerkschaftsarbeit, die auf dem Jahreskongreß der AFL-CIO 1957 angenommen wurden. Der

-

5 -

�Der Disziplinarausschuß hatte ferner die Aufgabe, etwaige Mißstände
innerhalb der Mitgliedgewerkschaften aufzudecken. Auf Grund der Ergebnisse seiner Untersuchungen schloß der Jahreskongreß von 1957 drei
große Mitgliedgewerkschaften aus der AFL-CIO aus und ergriff disziplinarische Maßnahmen gegen eine vierte. Eine fünfte Mitgliedgewerkschaft, die vom Vorstand ungebührlicher Praktiken bezichtigt worden
war, leistete der Aufforderung Folge, die Mißstände noch vor der Jahrestagung zu beseitigen.
In der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), deren Mitglied
die Vereinigten Staaten 1934 wurden, arbeiten die amerikanischen Gewerkschaften seither aktiv mit. Die Mitarbeit in der ILO, die inzwischen
Sonderorganisation der Vereinten Nationen geworden war, hat die APL-CIO
auch nach dem Zusammenschluß fortgesetzt. Die internationale Tätigkeit
der amerikanischen Gewerkschaften findet ihre sinnvolle Ergänzung durch
die Mitgliedschaft im Internationalen Bund freier Gewerkschaften und
in den Internationalen Gewerkschaftssekretariaten.
Ein neugegründeter Zehnerausschuß der AFL-CIO für Fragen der Allianz
für den Fortschritt, an dessen Spitze der Präsident des Verbandes, George
Meany, steht, arbeitet gegenwärtig ein Programm für die Gewerkschaftstätigkeit in den lateinamerikanischen Ländern aus. Der AFL-CIO-Ausschuß
für die Vereinten Nationen richtete ein "Freundschaftsburo" ein, um
interessierte ausländische UN-Delegierte - vornehmlich Männer und Frauen,
die selbst aus der Gewerkschaftsarbeit kommen - mit der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung vertraut zu machen.
Die wachsende Bedeutung, die die Gewerkschaften für das gesamte
Leben des amerikanischen Volkes gewonnen haben, manifestiert sich in
einer Reihe von mächtigen Verwaltungsbauten, die die Gewerkschaften in
jüngerer Zeit in der Landeshauptstadt errichten ließen.
Der Gesamtverband AFL-CIO, der seinen Sitz in Washington hat, vertritt 134 nationale und internationale (d.h. auch in Kanada tätige) Gewerkschaften mit - nach dem Stand von 1§60 - 14 99 2 000 Mitgliedern.
Daneben gibt es noch 50 unabhängige Gewerkschaften mit 3 045 000 Mitgliedern (Stand von 1960). Hinzu kommen noch die unabhängigen Betriebsgewerkschaften und die der AFL-CIO-Zentrale direkt angegliederten selbständigen örtlichen Gewerkschaften mit insgesamt 580 000 Mitgliedern.
Der Zusammenschluß der beiden Verbände AFL und CIO zur AFL-CIO
im Jahre 1955 beendete die Spaltung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, die seit 1938 bestanden hatte, als im Zuge der Auseinandersetzung
um die Frage, inwieweit die Arbeitnehmer in Fach- bzw. Industriegewerkschaften zu organisieren seien, eine Gruppe von Gewerkschaften aus dem
damaligen Dachverband AFL austrat und sich in der CIO zusammenschloß.
In den vorausgegangenen sieben Jahrzehnten, in denen die Arbeiterbewegung
von der AFL beherrscht worden war, hatten der Gewerkschaftsgedanke und
die Gewerkschaften selbst einen gewaltigen Aufschwung genommen, und die
wirtschaftliche und soziale Lage der amerikanischen Arbeiter hatte sich
in einem Ausmaß gebessert, das alle Erwartungen übertraf.
Der

�Der Zusammenschluß der beiden rivalisierenden Gewerkschaftsverbände im Jahre 1955 wurde als Beginn einer neuen Zeit begrüßt, der
Zeit der reifen industriellen Demokratie.
Das langwierige Ringen um die Anerkennung der Gewerkschaften ist
längst siegreich beendet, und ihre Stellung im Wirtschaftsleben ist
im Gesetz des Landes inzwischen fest verankert. Eine erneute Bestätigung
fand diese Tatsache, als Präsident Kennedy 1962 durch Erlaß die Beschäftigungsverhältnisse im Bundesdienst dahin igehend modifizierte, daß die
Bundesbediensteten das Recht erhalten, sich durch Organisationen ihrer
eigenen Wahl vertreten zu lassen. So erwachsen den verantwortlichen
Männern an der Spitze der amerikanischen Gewerkschaften immer neue
Aufgaben, die sie mit wachsender Entschlossenheit zu lösen gedenken.

Aus "Overseas", einer Zeitschrift
für Fragen des Erziehungsaustauschs
(Ausgabe September 1962). Copyright
1962 by the Institute of International
Education.

* * * * *

Frank W. McCulloch, Vorsitzender des Nationalen Ausschusses für
ArbeitsbeZiehungen»
Die Aufgaben des "National Labor Relations Board"
Die dem "National Labor Relations Board" (NLRB) vom Kongreß übertragene Aufgabe ist ausschließlich auf ein Ziel gerichtet! das Tarifverhandlungswesen zu fördern und die Freiheit der Arbeitnehmerorganisationen zu sichern, um dadurch den industriellen Frieden zu festigen.
Seit 27 Jahren ist der "National Labor Relations Act" die Grundlage
dieser Bestrebungen.
Die Statuten des "NLRB" sind zwar im Laufe der Jahre verschiedentlich abgeändert oder neu gefaßt worden, und auch der Ausschuß selbst
wurde inzwischen erweitert, aber weder die grundsätzliche Einstellung
in Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen in den USA noch die
Aufgaben und die Verantwortlichkeit des "NLRB" hinsichtlich der Förderung dieser Beziehungen haben sich dabei irgendwie geändert.
Es

�Es ist unsere Pflicht, den Interessen der Nation als Ganzen
dadurch zu dienen, daß wir harmonische Beziehungen zwischen den
Sozialpartnern durch die Garantierung und den Schutz gewisser Grundrechte des Arbeitnehmers fördern. Zu diesen Grundrechten zählen u.a.
das Recht der Arbeitnehmer, einer Gewerkschaft beizutreten und sich
in freien und offenen Kollektivverhandlungen mit ihren Arbeitgebern
in Arbeitsfragen auseinanderzusetzen. Wie gesagt ist es die ausschließliche Aufgabe des "NLRB" , die Ziele nur dieses Gesetzes in
der Praxis zu verwirklichen, während die Behandlung aller anderen ,
Rechtsfragen, die sich aus der Anwendung der zahlreichen Arbeitsgesetze - wie etwa des Kinderarbeitsgesetzes, des Mindestlohnoder des Arbeitszeitgesetzes - ergeben, nicht in den Kompetenzbereich
unseres Amtes fällt.
Wir sind eine unabhängige Behörde, an deren Spitze ein fünfköpfiger Ausschuß (Board) steht, dessen Mitglieder vom Präsidenten direkt
für die Dauer von fünf Jahren ernannt werden. Neben der Zentrale in
Washington unterhalten wir noch 28 Regionalbüros in den verschiedenen
Teilen des Landes. Bei einem Jahresbudgetbetrag von rund 20 Millionen
Dollar, der uns zur Verfügung steht, sind in unseren Dienststellen etwa
1850 Angestellte beschäftigt.
Das "Gesetz über Arbeitsbeziehungen" (National Labor Relations
Act) entstand in den Depressionsjähren während der ersten Amtszeit
Präsident Roosewelts. In jener Zeit der Massenarbeitslosigkeit war
die Verhandlungsposition des einzelnen Arbeitnehmers im Hinblick
auf Löhne und Arbeitsbedingungen denkbar schlecht. Bei rund 10 Millionen Arbeitsuchenden mußte der beschäftigte Arbeitnehmer entweder das
akzeptieren, was ihm vom Unternehmer geboten wurde, oder aber seinen Arbeitsplatz aufgeben. Nur im Rahmen einer Organisation hätte
der einzele damals die Möglichkeit gehabt, seine Verhandlungsposition
gegenüber den Unternehmern zu stärken. Derartigen Bemühungen auf
Seiten der Arbeitnehmer wurde von Unternehmerkreisen seinerzeit jedoch heftiger Widerstand entgegengesetzt. Zwischen 1935 und 1935 z«B.
resultierten etwa 70 Prozent aller Streiks aus der Weigerung der Arbeitgeber, die Gewerkschaften als Tarifverhandlungspartner anzuerkennen oder mit ihnen in Verhandlungen einzutreten.
Im Jahre 1935 brachte dann Senator Robert Wagner aus New York
im Kongreß eine Gesetzesvorlage ein, die darauf abzielte, das uneingeschränkte Koalitionsrecht der Arbeitnehmer zu sichern, das allgemeine
Streikrecht zu garantieren und die Arbeitgeber zu zwingen, mit den gewählten Vertretern der Arbeitnehmerverbände über Tarife zu verhandeln. Das noch im gleichen Jahr verabschiedete Gesetz (National Labor
Relations Act) führte im einzelnen die verschiedenen Grundrechte.der
Arbeitnehmer und ihrer Organisationen an und verbot zwecks wirksamer
Durchsetzung der einzelnen Bestimmungen verschiedene bis dahin in der
Wirtschaft übliche Praktiken. AJLs sogenannte "unfair labor practices" unfaire Beschäftigungspraktiken - bezeichnet das Gesetz dabei u.a.l
1. das Abhalten eines Beschäftigten von der Ausübung seiner legitimen gewerkschaftlichen Tätigkeiten durch den Unternehmer;
2. die Unterstützung, Beherrschung oder Kontrolle einer Arbeitnehmerorganisation oder Gewerkschaft durch das Unternehmen^

-

8

�3. die Entlassung oder Diskriminierung von Arbeitnehmern auf
Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft oder ihrer
Tätigkeit für diese;
4. die Diskriminierung von Arbeitnehmern, die auf Grund des Gesetzes Klage führen oder gegen den Unternehmer als Zeugen
aussagen;
5. die Weigerung des Managements, mit den Gewerkschaften als den
von den Arbeitnehmern gewählten Vertretern in Tarifverhandlungen einzutreten.
Der "National Labor Relations Act" von 1935» der allgemein als
"Wagner Act" bezeichnet wird, verbot zwar sämtliche unfairen Praktiken
der Unternehmer, sagte aber nichts in dieser Hinsicht über die Gewerkschaften aus. Er war daher auch jahrelang Gegenstand heftiger Angriffe
aus den Kreisen des Unternehmertums, der Farmer und anderer Gruppen.
Diese Opposition wuchs von Jahr zu Jahr und erreichte im zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt, als auf Grund des allgemeinen Arbeitskräftemangels die Machtposition der Gewerkschaften immer stärker wurde und
auch teilweise zu einem Mißbrauch der Macht führte. Auf Grund der industrieweiten Streiks, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit wichtige
Industriezweige für lange Zeit lähmten (Bergbau, Stahlindustrie,
Schiffsbau), brachte dann Senator Robert Taft aus Ohio im Kongreß
wichtige Xnderungsvorlagen zum "National Labor Relations Act" ein.
Diese Änderungsvorschläge Senator Tafts wurden 1947 v °m amerikanischen Kongreß mit der Verabschiedung des "Labor-Management Relations
Act** (Taft-Hartley Act) weitgehend berücksichtigt, der als "unfaire
Praktiken" der Gewerkschaften folgende Tätigkeiten bezeichnet»
1 • die Ausübung von Zwang oder die Diskriminierung von Mitgliedern oder Nichtmitgliedern wegen der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Gewerkschaft;
2. die Weigerung, mit einem Unternehmer Kollektivverhandlungen
zu führen;
3. die Auslösung oder Begünstigung eines Streiks, wenn es dabei
um folgendes geht»
a. Arbeitnehmer zu zwingen, einer Gewerkschaft beizutreten,
b. "Neutrale" zu zwingen, in einer Arbeitsstreitigkeit Partei
zu ergreifen,
c. einen Zwang auf die Unternehmer auszuüben, "MindprheitenGewerkschaften" als Tarifpartner anzuerkennen oder mit
diesen Tarifverhandlungen zu führen^
4. die Einschränkung der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder durch
Erhebung außergewöhnlich hoher Beiträge oder Aufnahmegelder;
5. die Erpressung von Geldern von den Unternehmern für Arbeiten,
die nicht geleistet wurden.
Dieses Gesetz wurde dann im Jahre 1959 erneut modifiziert, und verschiedene Paragraphen wurden neu aufgenommen, die u.a. die Offenlegung
der Finanzen der Gewerkschaften verlangen und Vorschriften hinsichtlich
der Verwaltung von Fondsgeldern usw. durch Funktionäre der Gewerkschaften enthalten.
TTV,„„
Unsere

�Unsere praktische Tätigkeit ist weitgehend mit der eines
"Arbeitsgerichtes" zu vergleichen. Die von Einzelpersonen oder
Organisationen bei unseren über das gesamte Staatsgebiet verteilten
Regionalbüros eingehenden Beschwerden oder Hinweise auf Verletzungen
der Gesetzesvorschriften werden von flen Vertretern dieser Büros zuerst auf ihre Stichhaltigkeit hin unitersucht. Wird dabei festgestellt,
daß tatsächlich Verstöße gegen das Gesetz vorliegen, so setzen die
Untersuchungsbeamten das beschuldigte Unternehmen bzw. die Gewerkschaft davon in Kenntnis, setzen eine, Klageschrift auf und benachrichtigen gleichzeitig den Labor Board in Washington, Daraufhin
schicken wir einen Vertreter zur Untersuchung des Falles an Ort und
Stelle, wo er in einem sogenannten "hearing", einem Verfahren zur
Ermittlung der Tatbestände, die betreffenden Parteien anhört. Auf
Grund dieser Verhandlung und nach Anhörung der Argumente beider Seiten fertigt er dann einen Schriftsatz an, der die Tatbestände im einzelnen aufführt, eine Würdigung der Rechtslage enthält und schließlich die sich daraus ergebenden Auflagen oder Maßnahmen angibt.
Die Beamten der Regionalbüros unterstehen disziplinarisch dem
Generalanwalt unseres Amtes und nicht den fünf Mitgliedern des Board};
und die Untersuchungsbeamten sind gegenüber dem Board ebenfalls unabhängig. Sie werden aus einer Liste ausgewählt, die von der unabhängigen
"Civil Service Commission" zusammengestellt wird, der Aufsichtsbehörde
für alle Bundesbeamten»
Wenn eine Partei mit der Entscheidung des Untersuchungsbeamten
nicht einverstanden ist, so kann sie beim Labor Board in Washington
eine Revision des Urteils beantragen» Wir überprüfen dann erneut
die einzelnen Tatbestände, die Rechtslage sowie die vom Untersuchungsbeamten vorgeschlagenen Rechtsmittel und veröffentlichen ein
Urteil, durch das der Fall entweder abgewiesen oder aber der beklagten
Partei zur Auflage gemacht wird, die beanstandeten gesetzwidrigen
Praktiken aufzugeben und entsprechende Schritte zu unternehmen, um
das begangene Unrecht wieder gutzumachen. Wenn z»B. ein Unternehmer
angeklagt ist, Arbeitnehmer auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer
Gewerkschaft entlassen zu haben, und wir nach Prüfung der Tatbestände
feststellen, daß das tatsächlich der Fall war, so machen wir es dem
Unternehmer zur Auflage, die betreffenden Arbeitnehmer bei rückwirkender Zahlung des Lohnes wiedereinzustellen und sich in Zukunft derartiger antigewerkschaftlicher Praktiken nicht mehr zu bedienen.
Es steht allerdings nicht in unserer Macht, die von uns ergangenen Urteile durchzusetzen oder eine Mißachtung dieser Auflagen zu
bestrafen. In solchen Fällen müssen wir uns an die höheren Bundes«
Appellationsgerichte wenden und diese um die Durchsetzung der Auflagen
ersuchen. Desgleichen kann natürlich jede verurteilte Partei die Aufhebung des Spruches bei einem solchen Gericht beantragen, wenn sie
der Ansicht ist, daß wir den Tatbestand nicht richtig wiedergegeben,
die Rechtslage falsch ausgelegt haben, oder die Auflage ihr ungerechtfertigt erscheint. Wenn wir das A-Ppellationsgerieht um die Durchsetzung
unseres Spruches ersuchen oder, umgekehrt, die beschuldigte.Partei eine
Aufhebung der Auflage verlangt, so ist dieses öffentliche Gericht in
seiner Urteilsfindung vollkommen unabhängig. Es ist dabei durchaus
keine Seltenheit, daß Gerichte unser Urteil in allen Punkten verwerfen
(seit 1935 in 17# aller Fälle).
Neben

-

10 -

�Neben der Behandlung von Fällen "unfairer Arbeitspraktiken"
ist es noch unsere Aufgabe, Repräsentationswahlen in den Betrieben
durchzuführen, damit festgestellt wird, welcher Gewerkschaft die
Arbeitnehmer eines Unternehmens die Vertretungsrechte übertragen
wollen. Denn im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern, wo
mehrere Gewerkschaften gleichzeitig die Interessen der Arbeitnehmer
eines Betriebes wahrnehmen können, kann in den Vereinigten Staaten
immer nur eine Gewerkschaft als bevollmächtigter Arbeitnehmervertreter innerhalb eines Unternehmens agieren. Voraussetzung für die
Übertragung der Vertretungsrechte an eine Gewerkschaft ist, daß
sie die meisten Stimmen bei der Abstimmung auf sich vereinigt.
Wenn also eine Gewerkschaft (oder mehrere) den Anspruch auf die Vertretungsrechte bei einem Regionalbüro des "NLRB" anmeldet und nachweisen kann, daß ein großer Teil der Arbeitnehmer des Betriebes
^gewöhnlich mindestens 30 Prozent) die Vertretung durch diese Gewerkschaft wünscht, dann führen wir auf Grund dieses Antrages eine
Repräsentationswahl durch. Spricht sich eine Mehrheit der Arbeitnehmer
gegen die Vertretung durch eine der kandidierenden Gewerkschaften aus,
so gewinnt keine von ihnen die Vertretungsrechte; im anderen Falle
erhält die Gewerkschaft die ausschließlichen Vertretungsrechte, die
den höchsten Stimmenanteil hat. Sie übernimmt damit die Verpflichtung,
die Arbeitnehmer bei allen Tarif- und anderen Verhandlungen zu vertreten.
So viel über die vom Gesetz uns auferlegten Pflichten und Aufgaben. Wie sieht nun aber unsere Tätigkeit in der Praxis aus?
Im vergangenen Finanzjahr z.B. führten wir insgesamt 6600 Vertretungswahlen durch, bei denen 89 Prozent der rund 500 000 wahlberechtigten Arbeitnehmer ihre Stimmen abgaben. Bei diesen Abstimmungen
über die gewerkschaftlichen Vertretungsrechte wurden 59 Prozent aller
Stimmen für Gewerkschaften abgegeben; und in 55 Prozent der Fälle erhielten die Gewerkschaften die Vertretungsrechte. Im gleichen Zeitraum
gingen bei uns über 12 000 Anzeigen wegen unfairer Arbeitspraktiken
bzw. Verstößen gegea den "Labor-Management Relations Act" ein.
Rund 8000 davon richteten sich gegen Unternehmer, etwa 4000 gegen
Gewerkschaften. Die meisten dieser Streitigkeiten werden in der Regel
auf informelle Art und ohne Ingangsetzung eines Verfahrens zur Zufriedenheit aller Beteiligten beigelegt, und zwar schon auf regionaler
Ebene. Auch die von uns in den Verfahren gefällten Sprüche und die
erteilten Auflagen werden im allgemeinen ohne weiteres von den Verurteilten akzeptiert bzw. beobachtet.

(Quellet Eigenbericht)

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11

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�Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen Gewerkschaften
Ebenso wie die vergangenen Jahre stand auch 1962 ganz im
Zeichen der Bemühungen der Arbeitnehmerverbrinde um eine weitgehende
Absicherung der Arbeitsplätze und Einkommen gegenüber den Auswirkungen der schnellen technologischen Veränderungen, die in letzter
Zeit neben der Industrie auch sämtliche anderen Zweige der Wirtschaft
immer stärker erfaßt haben.
Ausdruck dieser intensiven Bemühungen sind vor allem die zahlreichen Verbesserungen, die die Gewerkschaften in dieser Hinsicht
im vergangenen Jahr in den neu abgeschlossenen Tarifverträgen verankern konnten; aber auch die diesbezüglichen Gesetze und Programme,
die 1962 vom Kongreß verabschiedet wurden, beweisen, in welchem Maße
die Gewerkschaften ihren arbeits- und sozialpolitischen Forderungen
in den gesetzgebenden Körperschaften des Landes Gehör verschaffen
konnten.
Zu den wesentlichen Verbesserungen zum Schutz von Arbeitsplätzen und Einkommen der Arbeitnehmer, die im letzten Jahr in die
Tarifverträge aufgenommen wurden, zählen vor allem die Errichtung
von Arbeitgeberfonds, aus denen alle die Arbeitnehmer einen Härteausgleich erhalten, die auf Grund von Mechanisierungsmaßnahmen
Arbeitszeit- und Einkommenseinbußen erleiden; die Gewährung von
Entlassungsgeldern; die Herabsetzung des Pensionsalters und die Erhöhung der Versicherungsleistungen im Rahmen der privaten Pensionspläne für freigesetzte Arbeitnehmer; sowie die Zahlung von Uraschulungs- und Umzugsbeihilfen.
Auf dem legislativen Sektor fanden diese gewerkschaftlichen
Sicherungsmaßnahmen eine allgemein verbindliche Ergänzung in dem
sogenannten "Manpower Development and Training Act of 1962" einem Bundesgesetz, das all jenen Arbeitnehmern die kostenlose Umschulung auf neue Berufe ermöglicht, die ihren alten Arbeitsplatz
auf Grund von Automationsmaßnahmen verloren haben, und ihnen für
die Dauer eines Jahres finanzielle Zuwendungen in Höhe der Arbeitslosenunterstützung sichert.
Während die Regierung 1962 immer wieder erklärte, daß eine allgemeine Herabsetzung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit
auf 36 oder 35 Stunden nach ihrer Ansicht nicht das geeignete Mittel
sei, um die Erwerbslosenrate auf ein tragbares Maß (von derzeitig
5,5 auf etwa 4»0 Prozent) zu senken, und das Problem nur mittels geeigneter wirtschaftspolitischer Maßnahmen zur Erhöhung der wirtschaftlichen Wachstumsrate gelöst werden könne, nahm der Exekutivausschuß
der "AFL-CIO" einstimmig eine Entschließung an, in der - als Mittel
zur Vergrößerung des Arbeitsplatzangebots - die Verkürzung der Arbeitswoche von 40 a uf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich gefordert
wird. Gleichzeitig wurde vom Vorstand eine Arbeitsgruppe gebildet,
deren Aufgabe es ist, sich für eine Änderung des "Gesetzes über die
Regelung der Arbeitszeiten und Löhne" und für die Aufnahme kürzerer
Arbeitszeiten in neue Tarifverträge einzusetzen»
In

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12

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�In Anbetracht der verstärkten Bemühungen der Gewerkschaften
um eine Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen der Arbeitnehmer
war die Entwicklung auf dem lohnpolitischen Sektor während des
vergangenen Jahres verhältnismäßig ruhig. Nach den letzten Übersichten
des "Amts für Arbeitsstatistik" verzeichneten die industriellen
Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 1962 Lohngewinne von durchschnittlich 2,7 Prozent, und auch für das zweite Halbjahr 1962 kann auf
Grund der bisher vorliegenden Informationen eine ähnliche Entwicklung
angenommen werden»
Im September z.B. belief sich der durchschnittliche Wochenlohn
eines Industriearbeiters mit drei Angehörigen auf insgesamt 85»91
Dollar (78,24 Dollar für Alleinstehende). Gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres war damit ein Anstieg der Brutto- und Nettolöhne
um 4*30 Dollar bzw. 3,40 Dollar eingetreten.
Nicht unerwähnt bleiben darf in_diesem Zusammenhang auch die
automatische Lohnerhöhung, die sich - auf Grund der Anhebung der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne von 1,00 Dollar auf 1,20
Dollar - 1961 für rund 2,5 Millionen Arbeitnehmer ergab, die alles
in allem bis September 1962 etwa 500 Millionen Dollar mehr an Löhnen
bekommen haben dürften.
Einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Bemühungen und Mittel haben
die amerikanischen Gewerkschaften im letzten Jahr auch wieder für
ihre Auslandsarbeit eingesetzt. Rund 23 Prozent des Gesamtbudgets
der "AFL-CIO" - d.h. etwa 3 Millionen Dollar - wurden 1962 für die
Durchführung der zahlreichen internationalen Aufgaben verwendet. Nicht
eingeschlossen in dieser Summe sind die zahlreichen Beiträge der einzelnen Fachgewerkschaften zugunsten von internationalen Gewerkschaftsverbänden wie dem ICFTU oder Patengewerkschaften in Entwicklungsländern.
Sichtbarster Ausdruck aller Bemühungen der amerikanischen Arbeitnehme rverbände um die Schaffung freier und unabhängiger Gewerkschaften
in allen Teilen der freien Welt ist das "Amerikanische Institut für
die Entwicklung Freier Gewerkschaften", das im Jahr 1962 von der
"AFL-CIOn in Washington eröffnet wurde, und an dem junge Gewerkschafter
aus den südamerikanischen Entwicklungsländern im Rahmen von vierteljährigen Fortbildungskursen mit dem für ihre Tätigkeit in ihren Heimatländern erforderlichen technischen und geistigen Rüstzeug versehen werden sollen.

(Quellet Eigenbericht)

* * # * *

-

13

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
I SIS-liimii liad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Automatisierung führt zur "Bildungsgesellschaft"

Seite 1

Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht

beite 5

Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Rehabilitation Behinderter

Seite 8

Erhebliche Veränderungen in der US-Beschäftigungsstruktur seit 1950

Seite 9

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 10

Peter Drucker:
Automatisierung führt zur "Bildungsgesellschaft"
Aus "Think" (Juni 1962)
Bei Ilachdruck sind Angabe des
Verfassers, der Quelle und der
Vermerk "Copyright 1962 by
International Business Corporation" erforderlich.
Für den lMNormalbürger" schlägt sich die Automatisierung nicht so
sehr in der Entwicklung neuer Produktionsmethoden oder in Veränderungen in der Beschäftigungslage als vielmehr in einem tiefgreifenden
Wandel des geistigen und kulturellen Lebens nieder.
Eine Gesellschaft, in der die Automation zum beherrschenden Prinzip der Produktion und des Absatzes geworden ist, muß zwangsläufig zu
einer ""Bildungsgesellschaf-t" werden, zu einer Gesellschaft, in der
Wissen höher als Muskelkraft bewertet wird. Es ist dies eine Gesellschaft, die eörnehniicn die eine'besondere Fähigkeit ins Spiel bringt,
in der der JlenscB alle Kreatur übertrifft.
Größter

�Größter Beschäftigungszuwachs bei Geistesarbeitern
In den Ländern, in denen die Industrialisierung am weitesten
fortgeschritten ist, bilden bereits heute die Geistesarbeiter die
größte aller Beschäftigungsgruppen. In den Vereinigten Staaten ist
die Gruppe derer, die in der Statistik in der Rubrik "Führungskräfte und technische und akademische Fachkräfte" zusammengefasst werden, im letzten Jahrzehnt zur stärksten Beschäftigungsgruppe angewachsen. Sie hat damit in raschem Tempo die Gruppe der angelernten
Maschinisten überflügelt, die Gruppe der für das Zeitalter der Massenproduktion am Fließband typischen Arbeitskräfte. In anderen industrialisierten Ländern zeichnet sich die gleiche Entwicklung deutlich ab.
Größere Bildungschancen
Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist somit die
Schaffung einer Gesellschaft möglich geworden, die jedem lernfähigen
Menschen den Zugang zu einer höheren Bildung eröffnet. In der Vergangenheit, als physische Kraft und manuelle Geschicklichkeit allein
produktiv zu werden vermochten, war die Zahl derer, denen die Gesellschaft eine gute Erziehung angedeihen lassen konnte, naturgemäß aus
Gründen der Wirtschaftlichkeit sehr begrenzt.
Selbst eine noch so reiche Volkswirtschaft früherer Zeiten konnte sich lediglich eine kleine Zahl von Menschen leisten, die nicht
unmittelbar durch ihrer Hände Fleiß zur Erzeugung von Wirtschaftsgütern beitrugen. Heute dagegen wächst die Besorgnis, daß wir nicht genug Menschen mit höherer Bildung haben könnten. Die unmittelbare Folge dieser Befürchtungen ist ein völliger Wandel der Aufstiegschancen
für jeden einzelnen. Seit alters war der Beruf selbst in einer noch
so freien Gesellschaft gewissermaßen erblich.
Von der brotlosen Kunst zum vielgefragten Beruf
Vor 30 Jahren, als ich selbst Student war, wollte einer meiner
Freunde, ein Engländer, Mathematik studieren. Er hatte auf dem College sehr gute Leistungen in diesem Fach gezeigt, war aöer auch nicht
das, was man ein Genie nennt. Die ganze Familie - angesehene, wohlhabende Leute mit akademischer Bildung - drang geschlossen in ihn, um
ihm diese unsinnige Idee auszureden. "Wovon willst du als Mathematiker leben?" fragte man ihn. Ungewöhnlich Begabte konnten sich vielleicht noch ein Stipendium für die Zeit des Studiums erhoffen; darüber hinaus aber gab es für die Jünger solcher brotloser Künste keine andere Zukunft als die des Schulmeisters. Die einzige Möglichkeit,
als "gebildeter Mensch" seinen Lebensunterhalt zu verdienen, boten
die "klassischen" akademischen Berufe des Juristen, Geistlichen, Offiziers, Arztes und Staatsbeamten. Und die Pointe der Geschichte ist,
daß die Familie recht hatte - damals vor knapp 30 Jahren. Ich brauche
wohl nicht erst näher auszuführen, daß man sich heute als Mathematiker
keine Sorgen mehr um sein Fortkommen zu machen braucht.
Das gleiche gilt auch für die anderen akademischen Berufe. Es
gibt nur sehr wenige, die heute nicht ständig und in steigendem Maße
in der Industrie» in Staatsdienst und an den Universitäten gefragt

�gefragt sind. Junge Menschen haben somit bei der Auswahl eines Berufs soviel Möglichkeiten wie nie zuvor. Wenn man den Begriff Freiheit als "Möglichkeit der Wahl" definiert, so ist die Entstehung
einer Bildungsgesellschaft, wie sie aus der Konzeption der Automatisierung erwächst, einer der größten Fortschritte in der Geschichte der Menschheit in Richtung auf die Verwirklichung der Freiheit.
Weder "Chef" noch "Handlanger"
Auch die Gesellschaftsstruktur erfährt hierbei im Zuge dieser
Entwicklung einen Wandel. In Büchern, Zeitungen und politischen Reden wird immer noch von der Annahme ausgegangen, daß es in einer
industrialisierten Gesellschaft zwei Gruppen gebe: eine sehr kleine
Gruppe von "Chefs" und eine große, undifferenzierte Gruppe von "Handlangern". Dies ist das Gesellschaftsbild, das Marx seiner Lehre zugrunde legte; er ging damit aber lediglich von einem Sachverhalt
aus, der im 19« Jahrhundert (und in früheren Jahrhunderten) jedem
als offenkundig, gottgegeben und unabänderlich galt. Heute bilden
nicht mehr länger die "Chefs" noch die "Handlanger" die wichtigste
und größte Gruppe, sondern die "Geistesarbeiter": die Buchhalter,
di©! Ärzte im Gesundheitsdienst, die Verkaufsleiter und Chemie-Ingenieure, die Betriebspsychologen und Produktionsplaner. Keiner von
ihnen ist ein "Chef" im alten Sinne; sie alle sind Angestellte. Nur
wenige von ihnen können damit rechnen, in die oberste Unternehmensspitze aufzusteigen, ja, die wenigsten erstreben überhaupt eine derartige Position; sie sind aber auch ganz eindeutig keine "Handlanger".
Die Rolle der Lehrer
Die wichtigste Untergruppe der "Geistesarbeiter" sind die Lehrer,
die das Wissen, auf dem sich diese moderne Gesellschaft von Gebildeten aufbaut, weiterreichen. In den Vereinigten Staaten sind sie heute
schon die größte Angestelltengruppe. Die Lehrer und nicht die Arbeiter an den Fließbändern der Autoraobilfabriken repräsentieren die Bildungsgesellschaft. Sie sind weder "Chefs" noch Proletarier. Sie gehören zur neuen dritten großen Gruppe, die für die Bildungsgesellschaft typisch ist und in ihr dominiert: dem Mittelstand zugehörig,
gebildet, angestellt und dennoch unabhängig, und sei es nur deshalb,
weil die Lehrer in Gestalt des Wissens einen "Besitz" von weit höherem Wert für den Prpduktionsprozeß und die Gesellschaft "verwalten"
als Land, Kapital..und Produktionsmittel.
Lernen nach der Schule
Es gibt allerdings keine neuen Chancen, die nicht ihrerseits
wieder neue Probleme aufwerfen. Um die Möglichkeiten einer Bildungsgesellschaft wirklich voll ausschöpfen zu können, wird in unseren
Schulen und im gesamten Bildungswesen vieles anders werden müssen.
Wir werden die Menschen vor allem zur Bereitschaft erziehen müssen,
auch nach Beendigung der Schulzeit noch Dinge dazuzulernen. Wir brauchen Menschen, die ein tieferes und stärker systematisiertes Wissen
in den verschiedenen Fachgebieten besitzen.
Das

�Das traditionelle Bildungswesen dürfte sich heute im Hinblick,
auf das zu lehrende Fachwissen vor die bisher größte Aufgabe gestellt
sehen. Früher war es so, daß sich ein junger Mensch in seiner Jugendzeit bestimmte Fertigkeiten aneignete und damit für den Rest seines
Lebens ausgelernt hatte. Als Fachkraft galt, wer einen der traditionellen Handwerksberufe erlernt hatte. In unserer Zeit werden die rein
handwerklichen Fertigkeiten als solche immer bedeutungsloser.
Alte und neue Fertigkeiten
Wird der Betriebsablauf zu einem auf der Automatisierung basierenden "Prozeß", d.h.iauf den systematisierten Fluß von Informationen und Material umgestellt, dann verschmelzen Berufe, die niemals
zuvor in einer engeren Beziehung zueinander gestanden hatten, am Arbeitsplatz zu einer einzigen Tätigkeit. Das Tätigkeitsfeld anderer
Berufe, das bisher ein einheitliches Ganzes gebildet hatte - z.B.
die Tätigkeit eines Elektrikers -, wird auf eine Vielzahl von Werkstücken an verschiedenen Arbeitsplätzen verteilt. Und - was noch
ernstere Folgen hat - viele noch gestern als ewig unentbehrlich angesehene Fertigkeiten können über Nacht bedeutungslos werden, während andere Fertigkeiten, die im Augenblick noch gar nicht bekannt
sind, morgen schon sehr gefragt sein können.
Fähigkeitsquotient
Deshalb kann es erforderlich werden, Begriffe wie "Fähigkeit"
neu zu definieren. Fähigkeit wird nicht mehr länger das sein, was
man erlernt hat, sondern die Kapazität, Neues dazuzul'ernen. Wir sprechen heute vom "Intelligenzquotienten" und meinen damit die Fähigkeit eines Menschen, sein Wissen auf neue Situationen anzuwenden.
Wir sollten vielleicht analog hierzu einen Begriff "Fähigkeitsquotient" schaffen, der als Maß der Fähigkeit eines Menschen dienen
könnte, Erfahrungen mit einer Materie und, einem Instrumentarium auf
eine neue Materie und ein neues Instrumentarium zu übertragen.
Recht schwierig zu lösende Probleme dürfte die auch in einer
Bildungsgesellschaft verbleibende Minorität der Ungebildeten aufwerfen. In einer Bildungsgesellschaft werden die zu lösenden Aufgaben
mehr als bisher den Einsatz von Menschen mit höherem Bildungsgrad
erfordern, so daß sich die Aufstiegschancen in erster Linie denen
bieten werden, die eine höhere Bildung nachweisen können: ein abgeschlossenes College- oder Universitätsstudium.
Verstand und Intuition
Der Mensch ist kein ausschließlich intellekt-bestimmtes, rein
analytisch denkendes Wesen, nicht einmal in der Betätigung der höheren seiner Fähigkeiten. Er hat nicht nur Verstand, sondern auch
Geist und Intuition. Und so sind ja auch die höchsten menschlichen
Leistungen keine Verstandesleistungen: Heiligenleben, Staatskunst,
Werke der Maler und Dichter, und selbst Unternehmertum. Selbst die
Leistungen der Großen unter den Wissenschaftlern beruhen in ebenso
hohem Maße auf Intuition wie auf Verstand. Es handelt sich hier mehr
um Kunstwerke denn um Etüden in Logik, mehr um ein visionäres Erfassen des Unbekannten denn um einen technischen Prozeß, der ja

- 4-

�ja immer auf Wissen basiert.
Um ein neues Gleichgewicht
Um die Vorteile voll ausschöpfen zu können, die die mit der
Automatisierung verbundene Ausweitung der Möglichkeiten und der
Leistungsfähigkeit des Menschen sowie die zusätzlichen Aufstiegsund Bildungschancen mit sich bringen, müssen wir ein Gleichgewicht
in der Bildung des einzelnen anstreben, einen Ausgleich, der der
Intuition und auch den geistigen Eigenschaften und Leistungen den
gebührenden Platz sichert. Auch innerhalb der Gesellschaft ist ein
Gleichgewicht erforderlich, auf daß ästhetischen und geistigen Leistungen kein geringerer Wert beigemessen wird als den analytischen.
Die hier aufgezeigten Perspektiven sind vielversprechend, aber zugegebenermaßen - zu einem erheblichen Teil Spekulation. Die künftigen Möglichkeiten sind jedoch groß genug, um die Phantasie von
Erziehern, Schriftstellern, Politikern, Soziologen und Künstlern
zu beschäftigen. Und auch die damit verbundenen Probleme dürften
groß genug sein, um Techniker, Wirtschaftler und Philosophen zu veranlassen, sich um sie zu kümmern.
Die der Automatisierung zugrunde liegenden Erkenntnisse machtvolle Erkenntnisse von großer Schönheit in Struktur, Rhythmus
und Gesamtaufbau - setzen uns in die Lage, auf technischem und wirtschaftlichem Gebiet Großes zu leisten, und werden auch das soziale
und kulturelle Leben vielfach bereichern. Ihre Anwendung und Nutzbarmachung setzt deshalb viel Verantwortungsbewußtsein und ein tiefes Verständnis der Zusammenhänge voraus.
Aus "Think" (Juni 1962)
* * * * *

Joseph A. Beirne, Präsident der Gewerkschaft der Beschäftigten
im amerikanischen Fernmeldewesen:
Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht
Im Fernsprechdienst, dem wichtigsten Tätigkeitsbereich der Gewerkschaft der Beschäftigten im amerikanischen Fernmeldewesen, ist
die Automation seit langem schon Realität. Der erste automatische
Vermittlungsschrank wurde 1889 erfunden und 1891 patentiert. Bis
zum Jahre 1920 waren aber in den Vereinigten Staaten dennoch erst
knapp zwei Prozent aller Anschlüsse mit Selbstwählapparaten ausgestattet. Anfang der zwanziger Jahre begann dann der eigentliche Aufbau des Selbstwähldienstes, der die.Zahl der Telephonteilnehmer in
den darauffolgenden 40 Jahren auf über 70 Millionen emporschnellen
ließ.

In

5

�In diesen Jahren radikaler technischer Veränderungen wurde der
Prozentsatz der im Telephondienst beschäftigten Arbeitskräfte in
Relation zur Zahl der Anschlüsse immer kleiner, wenngleich kaum jemand tatsächlich seinen Arbeitsplatz verlor. Der Bedarf an Angestellten, Technikern und akademisch geschulten Kräften nahm sogar erheblich zu.
In jüngster Zeit mehren sich aber die Anzeichen, daß die Maschinen selbst bei einem weiteren Ausbau des Netzes eine beträchtliche
Verringerung der Zahl der Arbeitsplätze und damit die Entlassung von
Mitarbeitern bewirken werden. Wahre Wunderwerke der Technik wurden
schon in Dienst gestellt und immer neue beginnen auf den Reißbrettern
in den technischen Büros Gestalt anzunehmen. Die Anschlüsse - auch
im Fernverkehr - werden in zunehmendem Maße von den Teilnehmern selbst
und nicht mehr von Gewerkschaftsmitgliedern hergestellt.
Auch in den Büros werden viele Arbeiten plötzlich überflüssig.
Im Jahre 1958 wurde erstmals eine elektronische Buchungsmaschine
von einem Wirtschaftsbetrieb zur Kontenführung eingesetzt. Heute schon
ist die Umstellung auf solche Maschinen im ganzen Land in vollem
Gange. Die erste Datenverarbeitungsanlage wurde 1946 für wissenschaftliche Zwecke entwickelt; 1954 wurde die erste Großrechenanlage an
die private Wirtschaft geliefert. Heute sind in den Vereinigten Staaten 5000 Anlagen in Betrieb und weitere 7000 bestellt; bis 1965 rechnet man mit einem Bestand von rund 18 000. Das bedeutet einen ganz
gewaltigen Einbruch, der uns nur allzu deutlich daran erinnert, daß
wir uns unbedingt mit der Automation auseinandersetzen müssen.
Verständlich, daß man die Automation allenthalben mit einer Mischung aus Hoffnung und Furcht beobachtet. Meine Gewerkschaft begrüßt
die Automatisierung, besteht aber darauf, daß die durch sie heraufbeschworenen sozialen Probleme von der Arbeiterschaft, dem Unternehmertum und von Staat und Öffentlichkeit gemeinsam und im Geiste der Verantwortung gelöst werden müssen. Die Gefahren, die die Automation für
die Wirtschaft und unsere demokratische Lebensform birgt, sind so
groß, daß sie durch Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern allein nicht zu bannen sind.
Bei allen Verhandlungen ist dem Allgemeinwohl durch beide Sozialpartner Rechnung zu tragen. Von den Entscheidungen, die am Verhandlungstisch gefällt werden, hängt nicht nur das Schicksal der Arbeiter
und Unternehmer, sondern oftmals auch das der Gemeinde und vielleicht
sogar das der ganzen Gesellschaft ab.
Die Unternehmer müssen erkennen, daß sie sich nicht nur um das
Wohl ihrer Aktionäre, sondern auch um die Belange ihrer Belegschaftsmitglieder zu kümmern haben. Arbeiter und Angestellte geben ihre Löhne und Gehälter in ihren Wohngemeinden aus, die ohne die indirekten
Einnahmen aus den Lohntüten nicht leben könnten.
Die Gewerkschäften ihrerseits dürfen sich nicht generell gegen
jegliche Veränderung sträuben; sie müssen vielmehr an der Lösung der
durch den Wandel heraufbeschworenen Probleme mitarbeiten, um zur

- 6-

�zur Beseitigung der Härten und Nöte beizutragen, die die sogenannte
"technische Arbeitslosigkeit", die Verdrängung vom Arbeitsplatz
durch Maschinen, mit sich bringt.
Natürlich bestehen wirtschaftliche und politische Notwendigkeiten, die Produktivität um jeden Preis zu steigern. Man könnte meiner
Meinung nach die Automation auch dann nicht aufhalten, wenn man das
ernsthaft wünschte. Der Wettbewerb ist so scharf, daß es ein Zurück
nicht geben kann. Der Wirtschaft - und der Demokratie - erwachsen
hieraiis aber neue, .besondere Aufgaben.
Verantwortungsbewußte Gewerkschaftsführer sind sich darin einig,
daß nur eine dynamische Wirtschaft die benötigten Arbeitsplätze zu
schaffen vermag. Wir fordern deshalb die Schaffung einer Bundesbehörde, die sich ausschließlich mit Fragen der Automation befassen
soll. Wir fordern ferner Bundesraittel für die Arbeitsplatzbeschaffung
in Gebieten, die besonders unter der technischen Arbeitslosigkeit
zu leiden haben. Y/ir fordern des weiteren die Bereitstellung von Mitteln für die Umschulung von Arbeitslosen sowie die Herabsetzung des
Pensionsalters. Dies sind ernstgemeinte und wohlüberlegte Vorschläge
zur Behebung eines sich anbahnenden nationalen Notstandes, die eine
ernsthafte Prüfung verdienen.
Die Gefahren, die der Gewerkschaftsbewegung selbst von der Automatisierung her drohen, sind uns wohlbekannt. Es ist uns nicht gelungen, die neu in die Angestelltenberufe hineingewachsenen Arbeitskräfte
in hinreichender Zahl zu organisieren. Dies kann sehr nachteilige Folgen haben. Vielleicht sind unsere Methoden veraltet. Ich glaube dies
zwar nicht, kann diese Möglichkeit aber auch nicht einfach von der
Hand weisen. Vielleicht sollten wir auf die Schaffung einer Großgewerkschaft für die Angestellten aus allen Industriezweigen hinarbeiten.
Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Automatisierung für die
Erziehung? Mit Sicherheit die, daß der Mensch nie aufhören sollte, zu
lernen. Wir sehen in einer umfassenden Bildung eine Voraussetzung für
ein erfülltes Leben, und wir wissen, daß auf der Unternehmerseite des
Verhandlungstisches auch Männer sitzen, die über ein großes Wissen
verfügen. Das amerikanische Schulsystem steht somit vor der Aufgabe,
für die Fortbildung auch der_Erwachsenen Sorge zu tragen.
Die"Technik wird den Durchschnittsmenschen zum bloßen Vegetieren
verdammen, wenn man ihn nicht rechtzeitig zu einem Verständnis der Welt
und seiner Zeit verhilft. Dem Erziehungswesen erwächst hier die größte
Aufgabe in der gesamten Geschichte der Pädagogik.
Zur Lösung des Dilemmas zwischen staatlicher Lenkung und freiem
Spiel der Kräfte wurden verschiedene Vorschläge gemacht. Einer scheint
mir besonders bemerkenswert: Statt einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeit von 40 beispielsweise auf 36 Stunden sollte man vier Unterrichtsstunden wöchentlich im Betrieb einführen.
Das ist natürlich ein hypothetischer, aber dennoch geistvoller
Vorschlag. Mit weiteren Ideen ist mit Sicherheit zu rechnen, bemüht
man sich doch in den Gewerkschaften, in der Wirtschaft und an den
Universitäten um Lösungen, damit die Automation zum Segen und nicht
zum Fluch der Menschheit werde.
(Aus "Looking Ahead", National
Planning Association)

- 7-

�Dr. med. Howard A. Rusk:
Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rehabilitation
Behinderter
Aus "The New York Times" (gekürzt).
Bei Nachdruck sind Angabe des Verfassers, der Quelle und der Vermerk
"Copyright 1962, The New York Times
Company" erforderlich.
Fünfundzwanzig Forschungs- und Lehrprojekte auf dem Gebiet der
Rehabilitation Behinderter werden gegenwärtig im Ausland mit amerikanischer Unterstützung durchgeführt, wie die Leiterin der Abteilung
Rehabilitation und Schulung im US-Bundesministerium für Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialfragen, Mary. E. Switzer, kürzlich bekanntgab.
Die Vorhaben werden sämtlich aus Devisenguthaben der amerikanischen
Regierung finanziert, die aus Verkäufen überschüssiger amerikanischer
Agrarprodukte herrühren. Weitere 25 Projekte sind in Vorbereitung.
Nach den Bestimmungen über den Verkauf überschüssiger amerikanischer landwirtschaftlicher Produkte sind die dafür vereinnahmten
Mittel in Landeswährung nicht in Dollar konvertierbar und müssen in
dem betreffenden Land mit Zustimmung beider Regierungen für förderungswürdige Projekte ausgegeben werden.
Derartige Rehabilitations-Projekte laufen in Ägypten, Birma,
Brasilien, Indien, Indonesien und Israel; in Planung begriffen sind
ähnliche Maßnahmen in Jugoslawien, Pakistan, Polen und Syrien. Sie
reichen von der Ausbildung von Blinden im Weben in Pakistan bis zur
chirurgischen Rehabilitation Leprakranker in Indien.
Auf einer Tagung von Fachkräften auf dem Gebiet der Rehabilitation Behinderter, die Anfang März 1962 unter der Schirmherrschaft
der Amerikanischen Vereinigung für Rehabilitation (National Rehabilitation Association) und der Internationalen Gesellschaft für die
Rehabilitation Behinderter ( International Society for Rehabilitation
of the Disabled) in Washington stattfand, gab der Chirurg Dr. Earle
E. Peacock, Dozent an der Universität von Nordkarolina in Chapel Hill,
einen aufschlußreichen Bericht über das laufende Rehabilitationsvorhaben an der Christlichen Medizinischen Hochschule in Vellore in Indien. Dr. Peacock war damals gerade aus Vellore zurückgekehrt, wo er
als einer von 15 amerikanischen Chirurgen, die sich in einem Zweimonatsturnus ablösen, tätig gewesen war. Er berichtete, daß die in Vellore angewandten Methoden der plastischen Chirurgie nicht weniger
fortschrittlich seien als die in Amerika gebräuchlichen Operationspraktiken.
Auf der gleichen Tagung ergriff auch der damalige Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (AID) im amerikanischen Außenministerium, Fowler Hamilton, das Wort. Wenn er auch darauf hinwies, daß
er bis zur Auswertung der Ergebnisse einer im Augenblick laufenden
diesbezüglichen Untersuchung nichts darüber sagen könne, welche Haltung seine Behörde zur Frage der internationalen Zusammenarbeit auf

- 8 -

�auf dem Gebiet der Rehabilitation und Betreuung der Körperversehrten einnehmen werde, so verlieh er doch seiner persönlichen Überzeugung Ausdruck, daß Gesundheit und Bildung die unerläßliche Voraussetzung für die Hebung der Produktivität in den Entwicklungsländern seien.
Auf der Schlußsitzung der genannten Tagung kündigte General
Omar N. Bradley, Aufsichtsratsvorsitzender der Uhrcnw»rke Bulova
Watch Company, die Stiftung ei&amp;es Stipendiums an, das behinderten
Ausländern eine Fachlehrerausbildung im Uhrmacher- und Feinmechanikerhandwerk in den Vereinigten Staaten ermöglichen soll.
Die Stipendiaten werden an der Joseph-Bulova^Uhrm&amp;cherschule
unterrichtet, die von dem verstorbenen Firraenchef Arde Bulova kurz
nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gegründet worden ist und bisher mehr als 7000 Kriegs- und Zivilbeschädigte im Uhrmacherhandwerk
ausgebildet hat. Die ersten Stipendien wurden an Versehrte aus
Australien, Hongkong, Israel, Italien und Nordafrika vergeben. Die
Einbeziehung weiterer Länder in das Stipendienprogramm ist vorgesehen.
Der Wert des einzelnen Arde-Bulova-Stipendiums, das sich auf
zwei Jahre erstreckt und sämtliche Studiengebühren und Ausgaben
für Unterkunft, Verpflegung und ärztliche Betreuung deckt, beträgt
rund 7500 Dollar.
Aus "The New York Times" (gekürzt)
* * * # #

Erhebliche Veränderungen in der US-Beschäftigungsstruktur seit 1950
Die Zahl der in der amerikanischen Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte hat sich in der vergangenen Dekade (1950-196O) um 2,6
Millionen oder um 37 Prozent verringert, während im gleichen Zeitraum allein die Zahl der Arbeitnehmer der Fertigungsindustrie um
3,2 Millionen (= 21 Prozent) zugenommen hat.
Diese Angaben sind in einem Bericht des US-Zensus-Büros enthalten, der sich auf die Ergebnisse der 1960 durchgeführten Volkszählung stützt und im einzelnen auf die in der Beschäftigungs- und
Einkommenstruktur der USA erfolgten Veränderungen eingeht.
Einen prozentual noch größeren Zuwachs an Arbeitskräften als
die Fertigungsindustrie verzeichneten dem Bericht zufolge insbesondere jene Zweige der amerikanischen Wirtschaft, deren gesamtwirtschaftliche Bedeutung zwischen 1950 und i960 zum Teil wesentlich
zugenommen hat. So erhöhte sich z.B. die Zahl der Beschäftigten im
öffentlichen Dienst um 27 Prozent, im Finanz- und Versicherungsgewerbe (einschließlich der Grund- und Bodenfinanzierung) um 41 Prozent, während die Gesamtzahl der in den akademischen, technischen
und ähnlichen Berufen Tätigen sogar um 58 Prozent anstieg.
Zu

- 9-

�Zu denjenigen Industriezweigen, die im vergangenen Jahrzehnt
einen erheblichen Rückgang der Zahl der Beschäftigten verzeichneten,
gehören vor allem der Bergbau, die Eisenbahnen und die Textilindustrie .
Hinsichtlich der Durchschnittseinkommen der verschiedenen Arbeitnehmer- und Berufsgruppen ist aus dem Bericht zu entnehmen, daß
bei den Männern die Gruppe der Juristen, Ingenieure und verwandten
akademischen Berufe mit einem mittleren Jahreseinkommen von 7547
Dollar (Ende 1959) an der Spitze lag, während die Arbeitnehmer der
Ölindustrie und des Bergbaus mit 6521 Dollar und die im Nachrichtenwesen Beschäftigten mit 6373 Dollar noch mit an der Spitze der Einkommenskala standen. Ebenfalls verhältnismäßig hohe Einkommen wiesen auch die männlichen Arbeitnehmer der Flugzeugindustrie (6018 Dollar) und der Luftverkehrsgesellschaften (5877 Dollar) auf.
Unter den weiblichen Arbeitskräften verzeichneten dem Zensus-Bericht zufolge die Angestellten der Eisenbahnen mit 4435 Dollar die
höchsten jährlichen Durchschnittseinkommen, gefolgt von den Arbeitnehmerinnen der Flugzeugindustrie (4202 Dollar), der Ölindustrie und
des Bergbaus (4111 Dollar) sowie der Automobilindustrie (4083 Dollar).

(Quelle: Eigenbericht)

# * # # *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Lohnerhöhungen für 3&gt;3 Millionen Arbeitnehmer werden im Jahr 1963
automatisch wirksam
Für insgesamt 3&gt;3 Hillionen Arbeitnehmer der amerikanischen Industrie stehen die 1963 a u ^ Grund alter Tarifabkommen fällig werdenden Lohnerhöhungen bereits fest. Dies geht aus einer Untersuchung des
US-Arbeitsministeriuras hervor, die sich mit den in diesem Jahr automatisch wirksam werdenden Lohnerhöhungen sowie mit den anstehenden
Tarifverhandlungen befaßt.
Außer den 3»3 Millionen Arbeitnehmern, für die Lohnerhöhungen
bereits ausgehandelt wurden, besteht noch für weitere rund 3 Millionen Beschäftigte die Möglichkeit, 19&amp;3 a u ^ Grund der in den Vorjahren
abgeschlossenen Verträge in den Genuß von Lohnaufbesserungen und höheren Sozialleistungen zu kommen. Es handelt sich hierbei in erster Linie um die Arbeitnehmer der Stahl-, Gummi- und Elektromaschinenindustrie sowie der Telephongesellschaften und Eisenbahnen, in deren Tarifabkommen die Y/iederaufnahme von Lohnverhandlungen für dieses Jahr vorgesehen ist.
Nach

- 10 -

�Nach Ansicht des "Amtes für Arbeitsstatistik" dürfte der Schwerpunkt der diesjährigen Tarifverhandlungen in die Frühjahrs- und
Sommermonate fallen. Eine Wiedereröffnung der Lohngespräche für das
Betriebspersonal der Eisenbahnen ist für Mai vorgesehen, und auch
für die Stahlindustrie stehen in diesem Monat Lohn-und ähnliche
Tariffragen zur möglichen Entscheidung an. Zu den insgesamt 900 000
Arbeitnehmern der Stahlindustrie kommen noch rund 275 000 Beschäftigte in anderen wichtigen Wirtschaftszweigen, für die ebenfalls
eine Wiederaufnahme der Lohnverhandlungen für Mai vorgesehen ist.
Zu denjenigen Arbeitnehmern, für die bereits Lohnerhöhungen für
1963 in früheren Tarifverträgen festgelegt wurden, gehören mehr als
1,8 Millionen Beschäftigte der Automobil-, Landmaschinen-, Flugzeug-, Fleischkonserven- und Herrenoberbekleidungsindustrie sowie
600 000 Arbeitnehmer des Baugewerbes und rund 900 000 Beschäftigte
in anderen Industriezweigen.
Die durchschnittliche Höhe der vorgesehenen automatischen Lohnerhöhungen beträgt nach Angaben des US-Arbeitsministeriums für rund
875 000 Arbeitnehmer etwa 7 Cent pro Stunde. Weitere 575 000 Beschäftigte werden eine Lohnaufbesserung von rund 6 Cent erhalten,
während der Satz im Baugewerbe 10, 15 und 20 Cent ausmachen wird.

(Quelle: Eigenbericht)

Produktivitätsgewinn-Plan bei Kaiser Steel
Die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft hat kürzlich mit der
"Kaiser Steel Corporation" einen neuartigen "Zugewinnplan" abgeschlossen, der den rund 7000 Arbeitnehmern der Kaiser-Stahlwerke
in Fontana einen gleichen Anteil an den künftigen durch innerbetriebliche Maßnahmen erwirtschafteten Gewinnen sichern würde.
Mit dem neuen Plan, dessen Einzelheiten erst nach Billigung
durch die Arbeitnehmer bekanntgegeben werden sollen, will man die
verschiedenen Lohnanreizsysteme - Individual- und Gruppenpläne innerhalb des Unternehmens ersetzen, die den Betriebsangehörigen
bisher 32,5 Prozent der durch Einsparungen an Material und Arbeitszeit erzielten Produktivitätagewinne (Basis: 1 Tonne Stahl) sicherten. Gleichzeitig sieht das neue Abkommen die Schaffung eines Beschäftigten-Pools und andere den Arbeitsplatz der Mitarbeiter gegenüber technologischen Veränderungen sichernde Maßnahmen vor. Ebenso
wurde vereinbart, daß sämtliche Betriebsangehörige der "Kaiser Steel
Corporation" in Zukunft mindestens die gleichen Löhne und Lohnnebenleistungen erhalten sollen wie die anderen Arbeitnehmer der Stahlindustrie.
Der

�Der jetzt zwischen den beiden Sozialpartnern der Stahlindustrie abgeschlossene neue Vertrag ist das Ergebnis der mehr
als drei Jahre dauernden Beratungen des aus Vertretern des Managements, der Gewerkschaft und der Öffentlichkeit bestehenden
Sonderausschusses, der 1959 nach Beendigung des 104 Tage währenden Stahlarbeiterstreiks gebildet wurde und die Aufgabe hatte,
sämtliche seinerzeit im Tarifvertrag nicht gelösten außertariflichen Fragen im umfassenden Rahmen zu lösen.

(Quelle: Eigenbericht)
*

Walter Reuther fordert Gewinnbeteiligung für Automobilarbeiter
Eine Gewinnbeteiligung für sämtliche Beschäftigten der
"Großen Drei" der amerikanischen Automobilindustrie forderte
der 1. Vorsitzende der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft, Walter Reuther, anläßlich einer Tagung der Hauptabteilung "Facharbeiter" der UAW in Chicago. Reuther betonte, daß
im Falle einer Ablehnung der gewerkschaftlichen Forderung durch
Ford, General Motors und Chrysler seine Gewerkschaft bei den
nächsten Tarifverhandlungen statt dessen entsprechend hohe Lohnaufbesserungen verlangen werde, und zwar wahrscheinlich bis zu
45 Cent pro Stunde.
In der amerikanischen Automobilindustrie besteht gegenwärtig nur ein Gewinnbeteiligungsplan bei "American Motors". Der
im vorvorigen Jahr ausgehandelte Plan brachte dem Unternehmen
dabei im ersten am 30. September 1962 abgelaufenen Finanzjahr
Belastungen in Höhe von 18 Cent pro Arbeitnehmer und Arbeitsstunde. Dieser Betrag liegt etwas über der Summe, die sich für
die anderen Unternehmen der Automobilindustrie in Form von höheren Löhnen und Lohnnebenleistungen auf Grund des letzten Tarifvertrages ergab. In Anbetracht der höheren Gewinnrate der "Großen
Drei" hätten die Arbeitnehmer dieser Unternehmen im letzten Jahr
jedoch bei Vorhandensein eines ähnlichen Gewinnbeteiligungsplanes
finanziell besser abgeschnitten.

(Quelle: Eigenbericht)
******

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die (olgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
l SIS -Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 3

Bad Godesberg, den 1. März 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Modellvertrag der amerikanischen
Automobilarbeitergewerkschaft

Seite

Präsident Kennedy unterbreitete Kongreß umfassendes
Sozialprogramm

Seite 10

Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums

Seite 12

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 16

1

Modellvertrag der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft

Dieser Vertragstext wurde von der Abteilung
"Wissenschaft und Technik" der United Automobile Workers (üAW) ausgearbeitet und dient
den Ortsvereinen der Gewerkschaft als Muster
für Tarifverhandlungen (stand Januari962).

Dieser Tarifvertrag, der am
196 ... zwischen der
,
im folgenden als "Gesellschaft" bezeichnet, einerseits und der
kanadisch-amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft (international Union of United Automobile, Aircraft and Agricultural Implement
Workers of America - UAW) im Congress of Industrial Organizationa
(CIO) und dem Ortskartell Nr
der genannten Gewerkschaft,
im folgenden als "Gewerkschaft" bezeichnet, andererseits geschlossen und unterzeichnet wurde, besagt:
ARTIKEL I - ANERKENNUNG
Abs. 1. Di« Gesellschaft anerkennt die Gewerkschaft als alleinige
Vertretung aller ihrer Arbeitnehmer außer Vorarbeitern «Aufsehern
-

1

-

�Aufsehern und Mitarbeitern der Personalabteilung sowie Büroangestellten und Arbeitsschutzkräften bei Kollektivverhandlungen zur
Festsetzung der Grundlöhne und Lohnstufen, der Arbeitszeit und anderer Arbeitsbedingungen.

ARTIKEL II - PFLICHTMITGLIEDSCBAFT UND
BEITRAGSABZUG VOM LOHN
Abs. 1. Sämtliche Arbeitnehmer, die am Tag des Inkrafttretens dieses
Tarifvertrags der Gewerkschaft angehören, haben, als Voraussetzung
für den Fortbestand ihres Arbeitsverhältnisses, ihre Mitgliedschaft
während der Gültigkeitsdauer dieses Tarifvertrags aufrechtzuerhalten.
Arbeitnehmer, die der Gewerkschaft am Tage des Inkrafttretens des
Tarifvertrages nicht angehören, haben bis zum 50. Tage danach oder
bis zu einem späteren Termin die Mitgliedschaft zu erwerben und diese,
als Voraussetzung für den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses, während
der Gültigkeitsdauer dieses Tarifvertrages aufrechtzuerhalten. Arbeitnehmer, die nach dem Tage des Inkrafttretens dieses Tarifvertrages
eingestellt werden, sind gehalten, als Voraussetzung für ihre Weiterbeschäftigung,bis zum 50« Tage nach Beginn des BeschäftigungsverhältnisseB oder bis zu einem späteren Termin die Mitgliedschaft der
Gewerkschaft zu erwerben und diese, als Voraussetzung für den Fortbestand des Beschäftigungsverhältnisses, aufrechteuerhalten.
Abs. 2.Die Gesellschaft behält die Gewerkschafts-Aufnahmegebühren
und die Mitgliedsbeiträge vom Lohn aller unter diesen Tarifvertrag
fallenden Arbeitnehmer ein, die der Gesellschaft eine unterzeichnete
Vollmacht bzw* ihre Einwilligung zur Einziehung erteilen.
ARTIKEL III - VERLUST DER ANCIENNITA*TSRECHTE
Abs. "l.Die Arbeitnehmer gehen ihrer Anciennitätsrechte verlustig,
wenn sie
a) auf Grund schuldhaften Verhaltens entlassen werden;
b) ihre Stellung selbst kündigen;
c) einen von der Firma gewährten Urlaub um mehr als fünf Tage
überschreiten;
d) ohne Benachrichtigung der Gesellschaft der Arbeit mehr als
fünf Tage fern bleiben, es sei denn, sie waren zu einer solchen Be- .
nachrichtigung unfähig;
e) sich nach schriftlicher Aufforderung nicht innerhalb von
fünf Tagen zur Arbeit zurückmelden;
f) nach &lt;Jer unter Berücksichtigung ihrer Anciennitätsrechte
erfolgten Entlassung mindestens ein Jahr ausgestellt waren.
ARTIKEL IV

�ARTIKEL IV - BEURLAUBUNG AUS DRINGENDEN GRÜNDEN
Abs. 1. Allen Arbeitnehmern mit Anciennitätsrechten ist bei Vorliegen dringender Gründe ohne Beeinträchtigung ihrer Anciennitäts- und
anderen Rechte, eine schriftliche Beurlaubung zu gewähren. Als dringende, aber nicht ausschließliche Gründe gelten:
a) die Übernahme eines befristeten oder ständigen Gewerkschaftsamtes oder einer sonstigen Gewerkschaftsfunktion;
b) Schwangerschaft;
c) Krankheit;
d) Schulbesuch;
e) Militärdienst;
f) Wahl oder Berufung in ein öffentliches Amt.
Abs. 2. Alle unter diesen Tarifvertrag fallenden Arbeitnehmer haben
bei einem Todesfall in der Familie Anspruch auf bezahlten Urlaub bis
zur Höchstdauer von drei Tagen. Im Sinne dieses Absatzes gelten als
zur "Familie" gehörig: Ehegatten, Kinder, Eltern, Großeltern und Geschwister.
ARTIKEL V - ANCIENNITJT DER BETRIEBSRATMITGLIEDER,
BETRIEBSOBLEUTE UND VERTRAUENSLEUTE
Abs . 1.
a) Betriebaratmitglieder müssen der höchsten Anciennitätsklasse innerhalb des Betriebs angehören;
b)Betriebsobleute müssen der höchsten Anciennitätsklasse innerhalb ihrer Arbeitsgruppe angehören;
c) Vertrauensleute müssen der höchsten Anciennitätsklasse
innerhalb ihrer Abteilung oder Arbeitsgruppe angehören.
ARTIKEL VI - ÜBERSTUNDEN- UND FEIERTAGS ZUSCHLAGE
Abs. 1. Die Arbeitnehmer erhalten für jede acht Stunden täglich und
40 Stunden wöchentlich überschreitende und für jede in den ersten acht
Stunden des Samstags geleistete Arbeitsstunde 150 Prozent ihres regulären Grundlohns.
Abs. 2. Die Arbeitnehmer erhalten für alle zehn Stunden am Tag oder
acht Stunden am Samstag überschreitenden und für sämtliche am Sonntag
geleisteten Arbeitsstunden 200 Prozent des regulären Grundlohns.
Abs. 5. Der doppelte Grundlohn nebst Feiertagszuschlag ist zu zahlen
im Falle der Beschäftigung an den Feiertagen: Neujahrstag, Heldengedenktag, Unabhängigkeitstag, Tag der Arbeit, Danksagungstag und
1. Weihnachtsfeiertag sowie für je vier Stunden am Hl. Abend und an
Silvester.
Abs. 4.

-

3 -

�Abs. 4« Die Arbeitsverteilung ist nach Möglichkeit so vorzunehmen,
daß erforderlich werdende Überstunden unter den Arbeitskräften
gleichmäßig aufgeteilt werden, sofern nicht bestimmte Arbeitnehmer
für die zu verrichtende Arbeit als besonders befähigt anzusehen sind.
Abs. 5« Arbeitnehmer, die ohne vorhergegangene Benachrichtigung
vom Eintreten eines Arbeitsmangels zur Arbeit gerufen worden sind
oder denen in einem solchen Fall der Arbeitsantritt nicht verwehrt
wird, haben Anspruch auf Beschäftigung während mindestens vier
Arbeitsstunden bzw. auf den normalen Stundenlohn für diese außer
bei Vorliegen von Umständen, die sich der Kontrolle der Geschäftsleitung entziehen.
Abs. 6. Allen Arbeitnehmern ist nach Ablauf der Hälfte der Arbeitszeit zwischen Mittagspause und Arbeitsschluß eine Ruhepause von
zehn Minuten zu gewähren. Vor der Mittagspause und vor Arbeitsschluß ist eine Waschpause von jeweils fünf Minuten einzuräumen.
(Anm.t Eine andere Form der Pausenregelung für in der Fertigung
beschäftigte Arbeitnehmer, wie sie in den großen Automobilwerken
praktiziert wird, sieht Pausen von zusammen 24 Minuten Dauer pro
Acht-Stunden-Schicht vor.)
Abs. 7« Die Arbeitnehmer erhalten für Arbeit in der zweiten Schicht
einen Zuschlag von 5 Prozent pro Stunde und in der dritten Schicht
einen Zuschlag von 10 Prozent.

ARTIKEL VII - LÖHNE
Abs. 1. Die Stundenlohnsätze für die einzelnen Tätigkeiten sind in
dem einen Vertragsbestandteil bildenden Anhang aufgeführt.
Abs. 2. Neu einzustellende Arbeitnehmer werden zu einem Satz eingestellt, der 10 Cent pro Stunde unter dem für die betreffende Tätigkeit üblichen Grundlohn liegt, und erhalten den Grundlohn erst nach
Ablauf der Probezeit.
Abs. 3. Der Lohn von Arbeitnehmern, denen vorübergehend eine niedriger eingestufte Tätigkeit zugewiesen wird, darf wegen eines solchen
Arbeitsplatzwechsels nicht gekürzt werden.
Abs. 4«
a) Sämtliche, von diesem Tarifvertrag erfaßten Arbeitnehmer
fallen unter die nachstehend aufgeführten Bestimmungen über die Gewährung von Teuerungszulage.
b) Die Höhe der Teuerungszulage wird von Vierteljahr zu Vierteljahr an Hand des Verbraucherpreisindex wie folgt bestimmt»
Erstmalige

- 4 -

�Erstmalige Gewährung
der Zulage

basierend auf

in der ersten Lohnperiode beginnend am
oder nach dem 1. Dezember 196«. • und
jedes darauffolgende Vierteljahr

dem am 15. Oktober 196... und
dem jedes darauffolgende Vierteljahr ermittelten Verbrauche rpreisindex

Die Höhe der für einen solchen ViertelJahreszeitraum geltenden Teuerungszulage ergibt sich aus der nachstehenden Tabelle:

Verbraucherpreisindex
laut US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik

Teuerungszulage auf die Sätze
der Lohntabelle für die einzelnen Tätigkeiten

bis

keine
1 Cent
2 Cent
3 Cent
4 Cent
5 Cent

i

125,7 126,2 126,7 127,2 127,7 -

125,6
126,1
126,6
127,1
127,6
128,1

pro
pro
pro
pro
pro

Stunde
Stunde
Stunde
Stunde
Stunde

usw. unter Angleicnung um 1 Cent pro Änderung des Index um 0,5 Punkte;
c) Ein Absinken des Index unter 125,6 Punkte hat keine Senkung
der Lohnsätze zur Folge»
d) Die Teuerungszulage ist auch bei der Berechnung der Überstunden-, Sonn- und Feiertags- und Schichtzuschläge sowie bei der Festsetzung der Bereitschaftsentschädigung sowie des Urlaubsgeldes in Ansatz zu bringen.
Abs. 5« Ein jährlicher Lohnsteigerungsfaktor trägt der Tatsache Rechnung, daß eine fortgesetzte Hebung des Lebensstandards der Arbeitnehmer
vom technischen Fortschritt, von immer besseren Geräten, Methoden, Verfahren und Anlagen sowie von der Bereitschaft zur Zusammenarbeit aller
an diesem Fortschritt Beteiligten abhängt. Er beruht auf dem Grundsatz,
daß eine höhere Produktion bei gleichem Aufwand an menschlicher Arbeitskraft ein erstrebenswertes wirtschaftliches und soziales Ziel ist. Aus
diesem Grund erhalten sämtliche von diesem Tarifvertrag erfaßten Arbeitnehmer gemäß nachstehender Tabelle zum 1. September jährlich auf
Grund des jährlichen Lohnsteigerungsfäktors eine Erhöhung ihres Bruttostundtnlohns (ausschließlich Teuerungszulage und Schichtzuschläge) von
2 1/2 Prozent bzw.. 6 Cent pro Stunde, wobei jeweils die für den Betroffenen günstigere Regelung anzuwenden ist.

Lohnerhöhung

-

5 -

�Lohnerhöhung auf Grund des jährlichen
S teigerungsfaktors
Erhöhung auf Grund des
jährlichen Steigerungsfaktors

Brutto stunden lohn
ohne Zuschlä «e
(in Dollar)
b:LS
2,60
2 ,60 - 2,99
3,00 - 3,39

6 Cent pro Stunde
7 Cent pro Stunde
8 Cent
9 Cent
10 Cent
11 Cent

3,40 - 3,79
3,80 - 4,19
4,20 - 4,59

pro
pro
pro
pro

Stunde
Stunde
Stunde
Stunde

Die Erhöhungen des Bruttostundenlohns für die einzelnen Tätigkeiten
werden mit ihrem Inkrafttreten den Bruttolöhnen zugeschlagen.
Abs. 6. An den Feiertagen Neujahr, Heldengedenktag, Unabhängigkeitstag,
Tag der Arbeit, Danksagungstag und 1. Weihnachtsfeiertag erhalten die
Arbeitnehmer den normalen Bruttolohn, ausschließlich Nacht- und Überstundenzuschläge, für einen Acht-Stunden-Tag; am Hl. Abend und an
Silvester für je vier Stunden.
Abs. 7» Sämtliche Arbeitnehmer haben nach mindestens einjähriger Betriebszugehörigkeit Anspruch auf bezahlten Urlaub nach folgendem
Schlüssel:
BetriebsZugehörigkeit
1

Jahr

3 Jahre
5 Jahre
10
15

Jahre
Jahre

Urlaubsgeld
40
60
80
100
120

Stunden
Stunden
Stunden
Stunden
Stunden

Urlaubsdauer
1
1
2
2
3

Woche
Woche
Wochen
Wochen
Wochen

Abs. 8. Arbeitnehmer, die als Geschworene geladen werden und als solche
fungieren, erhalten nach mindestens einjähriger Betriebszugehörigkeit
von der Gesellschaft bis zur Höchstdauer von 60 Tagen eine Entschädigung von mindestens 10 Dollar pro Tag.
ARTIKEL VIII - ALTERS- UND INVALIDITATSRENTEN
Abs. 1. Die in Anhang B spezifizierte Regelung der Tätigkeit der Pensionskasse bestimmt:
a) die Gewährung einer regulären Altersrente für Arbeitnehmer
im Alter von 65 Jahren und darüber von monatlich 2,80 Dollar pro Dienstjahr als Zusatzrente zu den Bezügen aus der staatlichen Altersversicherung;

il
- 6 -

�b) die Gewährung einer Beihilfe bei völliger und andauernder Arbeitsunfähigkeit von 5»60 Dollar pro Monat und Dienstjahr unter Anrechnung der Ansprüche auf andere betriebliche Versor&amp;ungsleistungen•
c) Sämtliche aus der Tätigkeit der Pensionskasse erwachsenden Kosten trägt die Gesellschaft.
d) Die Arbeitnehmer können die Gewährung einer verminderten
Altersrente von einem früheren Zeitpunkt als dem der Erreichung der
Altersgrenze an beantragen, wobei im Todesfalle Anspruch auf ein
Witwengeld in halber Höhe des Rentenanspruchs besteht.
e) Die Gesellschaft trägt die Hälfte der Beiträge zur Krankenhaus- und Arztkostenversicherung der pensionierten Arbeitnehmer
und ihrer Ehefrauen.
ARTIKEL IX - VERSICHERUNGEN
Abs. 1. Das in Anhang C spezifizierte Versicherungsprogramm sieht
vor:
a) eine Lebensversicherung in Höhe von etwa 65OO Dollar;
b) eine Beihilfe im Falle vorübergehender Arbeitsunfähigkeit
in Höhe von etwa 65 Dollar pro Woche als Verdienstausfallentschädigung für die Dauer von 26 Wochen. Diese Zahlungen werden ohne Aufrechnung gegen Ansprüche des Arbeitnehmers an die Krankenhaus- und
Arztkostenversicherung gewährt;
c) eine Krankenhauskostenversicherung bis zu einer Dauer
von 365 Tagen für die Arbeitnehmer und ihre Familienangehörigen für
jeden Krankheitsfall, welche die Kosten für Pflege, Arzneimittel,
Sauerstoff, Anästhesie usw. einschließt^
d) eine Arztkostenversicherung für die Arbeitnehmer und ihre
Familienangehörigen. Bei Operationen werden je nach Art des Eingriffs
unterschiedliche Sätze gewährt; der Höchstsatz beträgt 450 Dollar.
e) Die durchschnittlichen Aufwendungen für die vorstehend
genannten Leistungen belaufen sich je Arbeitnehmer auf durchschnittlich 31 Dollar pro Monat, von denen dieser etwa 4»25 Dollar aufzubringen hat.
f) Die Gesellschaft gewährt entlassenen Arbeitnehmern und
deren Familienangehörigen die uneingeschränkten Leistungen der Krankenhaus- und Arztkostenversicherung auch während der Zeit, in der
ein Anspruch auf Leistungen aus der zusätzlichen betrieblichen Arbeitslosenversicherung besteht, jedoch höchstens für die Dauer von
12 Monaten.

ARTIKEL X

�ARTIKEL X - ZUSATZLICHE ARBEITSLOSENVERSICHERUNG
Abs. 1. Die zusätzliche Arbeitslosenversicherung gewährt während
höchstens 52 Wochen Leistungen in einer Höhe, die der Differenz
zwischen den Leistungen der staatlichen Arbeitslosenversicherung
und 62 Prozent des Bruttolohnes des Arbeitnehmers j entspricht,
zuzüglich je 1,50 Dollar für bis zu vier unterhaltsberechtigte
Angehörige bis zu einem Höchstsatz von 40 Dollar pro Woche.
Abs. 2. Reicht der Arbeitsanfall der Gesellschaft nicht für eine
Beschäftigung während 40 Wochenstunden aus, so hat sie während
der Dauer der von der Firmenleitujng angeordneten Kurzarbeit
die Zeitdifferenz zwischen der geleisteten Wochenstundenzahl und 40 Stunden
mi 165 i&lt;&gt; des regulären Lohnsatzes zu bezahlen. Wird Kurzarbeit
durch höhere Gewalt erzwungen, so hat jeder Arbeitnehmer Anspruch
auf die Bezahlung von 50$ seines normalen Lohnsatzes für die Differenz zwischen der geleisteten Wochenstundenzahl und 40 Wochenstunden.
Die Mittel werden aus dem Fonds der zusätzlichen Arbeitslosenversicherung entnommen, solange dessen Einlagen eine bestimmte Mindesthöhe
nicht unterschreiten, andernfalls von der Gesellschaft direkt aufgebracht .
ARTIKEL XI - ENTLASSUNGSGELD
Abs. 1. Tarifverträge in der Automobilindustrie sehen die Gewährung
eines Entlassungsgeldes nach mindestens einjähriger Betriebszugehörigkeit vor. Nach zwei Jahren Dienstzeit beläuft sich das Entlassungsgeld auf den Gegenwert von 50 Wochenstunden; es steigert sich bis zu
einem Höchstsatz entsprechend 1500 Stunden nach 30jähriger Betriebszugehörigkeit. Die Bezahlung erfolgt aus dem Fonds der zusätzlichen
Arbei ts losen Versicherung.
Abs. 2. Arbeitnehmer, die in einen anderen Betrieb der Gesellschaft
an einem mehr als 50 Meilen (80 km) entferntgelegenen Ort versetzt
werden, haben Anspruch auf eine nach Entfernung und Familienstand
gestaffelte Umzugsbeihilfe bis zu einem Höchstsatz von 580 Dollar.
ARTIKEL XII - ALLGEMEINES
Abs. 1. Die Gesellschaft verpflichtet sich, größte Anstrengungen
zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und zur Schaffung
aller möglichen Sicherheitsvorkehrungen im Betrieb zu unternehmen.
Die Gesellschaft wird für die Bereitstellung von Verbandskästen für
die Erste Hilfe und Tragbahren sowie für die Einrichtung eines Ambulanzdienstes für alle Betriebsangehörigen Sorge tragen.
Abs. 2. Zieht sich ein Arbeitnehmer während der Arbeitszeit eine
Verletzung zu und ist er deshalb genötigt, sich in Behandlung außerhalb des Betriebs zu begeben, oder wird er wegen eines solchen Unfalls nach Hause geschickt, so erhält er für den Rest der Schicht
seinen normalen Lohn fortgezahlt, sofern ein von der Gesellschaft

-

8

-

�Gesellschaft benannter Arzt bzw. eine von ihr bestimmte Krankenschwester die Unfähigkeit des Arbeitnehmers feststellt, seine Arbeit in
dieser Schicht fortzusetzen.
Abs. 3« Vorarbeitern und Aufsehern ist es untersagt, die Arbeit
anderer Arbeitnehmer zu verrichten, es sei denn in dringenden Fällen
oder zum Zwecke der Instruktion oder bei Entwicklungsarbeiten.
Abs. 4« Die Gesellschaft verpflichtet sich, bei Stellenbewerbern und
Mitarbeitern bezüglich Lohn, Schulung, Höhereinstufung, Beförderung,
Versetzung, zeitweiliger Entlassung, Kündigung, disziplinarischer
oder anderer Maßnahmen keinerlei Unterschiede auf Grund der Rassenzugehörigkeit, des Glaubens, der Hautfarbe, der nationalen Herkunft,
der politischen Überzeugung, des Geschlechts oder des Personenstandes
zu machen.
Abs. 5- Die Gewerkschaft wird ihre Mitglieder zu keinem Streik aufrufen, verpflichten oder ermächtigen, solange nicht sämtliche Möglichkeiten des Beschwerdeverfahrens ausgeschöpft sind. Die Gesellschaft wird keinerlei Aussperrungen vornehmen oder anordnen, solange
nicht sämtliche Möglichkeiten des Verhandlungsverfahrens erschöpft
sind.
Abs. 6. Die Gesellschaft stellt im Betriebsgelände eine Anschlagtafel
zur Benutzung durch die Gewerkschaft auf.
(Quelle: Research &amp; Engineering
Department - UAW)
* * * * *

9 -

�Präsident Kennedy unterbreitete Kongreß umfassendes Sozialprogramm
Ein umfassendes Sozialprogramm für die älteren - im Ruhestand
lebenden und über 64 Jahre alten - Menschen, das diesen Personengruppen neben einer größeren wirtschaftlichen und sozialen Sicherheit vor allem einen verstärkten Schutz bei Krankenhausaufenthalt
und Siechtum bringen soll, ist von Präsident Kennedy jetzt dem Kongreß in Form einer Botschaft zugeleitet worden. Die für die Verbesserung der Alters-Krankenversicherung, der Gesundheitsfürsorge,
der Altenbetreuung und der Wohnverhältnisse vorgesehenen und für
die Durchführung zahlreicher anderer Altenhilfeprogramme notwendigen Mittel werden in der Gesetzesvorlage auf rund 10 Mrd. Dollar
für die nächsten fünf Jahre beziffert.
Die Durchführung der vom US-Präsidenten vorgeschlagenen Hilfsmaßnahmen für die älteren Menschen ist in den USA insofern von großer
sozialer Dringlichkeit, als es dort - im Gegensatz zu zahlreichen
europäischen Ländern - keine gesetzliche, sondern nur eine freiwillige
Krankenversicherung gibt und zum anderen eine staatliche Altersversorgung erst seit 1955 existiert. Das bedeutet, daß die Sozialrenten
für viele ältere Menschen, sofern sie überhaupt noch Beiträge zur
Sozialversicherung leisten konnten, relativ gering sind und in keinem
Verhältnis zu den hohen Arzt-, Krankenhaus- und anderen Versorgungskosten stehen.
Die Dringlichkeit derartiger Hilfsmaßnahmen unterstrich Präsident Kennedy in seiner Gesetzesvorlage unter Hinweis auf folgende
von zahlreichen Regierungsstellen ermittelten statistischen Ergebnisse :
Die sozialen Tatbestände
- Rund 1/1O der amerikanischen Bevölkerung - das sind 17 1/2
Millionen Personen - ist heute älter a&lt;Ls 64 Jahre; in Anbetracht
der hohen Lebenserwartung (Durchschnitt 70 Jahre) wird sich diese
Zahl bis 1980 auf 25 Millionen erhöht haben. Während die Gesamtbevölkerung seit 1900 um das 2 l/2fache zunahm, erhöhte sich die Zahl
der 65 Jahre alten und älteren Leute um 500 Prozent.
- Das Durchschnittseinkommen eines älteren Ehepaares ist nur
halb so groß wie das eines jüngeren; fast 50 $ der über 64jährigen
weisen ein Jahreseinkommen von weniger als 1000, und rund 75 c/° von
weniger als 2000 Dollar auf. 70 Prozent aller älteren Menschen 12,5 Millionen - erhalten heute eine staatliche Altersrente, die im
Durchschnitt 76 Dollar für einen Alleinstehenden, 66 Dollar für eine
Witwe und 129 Dollar im Monat für ein Ehepaar beträgt. Rund 2 1/4
Millionen leben gegenwärtig von der staatlichen Fürsorgeunterstützung
(60 Dollar pro Person und Monat plus 15 Dollar Krankenkostenbeihilfe).
- Ältere Menschen sind viel häufiger und auch länger krank als
jüngere. Von 100 Personen über 64 leiden 80 an einer chronischen
Krankheit; 28 haben eine Herzkrankheit oder zu hohen Blutdruck, 27
Arthritis oder Rheumatismus, 10 haben Augenkrankheiten, 17 Hörfehler, 16 liegen mindestens einmal im Jahr im Krankenhaus.
- 10 -

�- Nur 50 in der 65jährigen und älteren Personen sind krankenversichert. Die durchschnittlichen täglichen Krankenhauskosten betragen gegenwärtig 35 Dollar. Rund die Hälfte aller Sozialrentner
hat außer der Rente kein weiteres Einkommen, und rund 1/3 von ihnen
verfügt nur über flüssige Mittel von weniger als 100 Dollar.
Die vorgeschlagenen Verbesserungen
Zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der
älteren Menschen schlägt Präsident Kennedy in seiner Botschaft die
Verabschiedung folgender Gesetze und Maßnahmen durch den Kongreß vor:
1. Einführung einer Krankenhauskostenversicherung für Sozialrentner im Rahmen des staatlichen Sozialversicherungssystems auf
selektiver Basis, d.h., der Versicherte hat die Wahl zwischen drei
verschiedenen Versicherungsformen - 45'tägiger Vollversicherung,
90tägiger Versicherung bei maximal 90 Dollar Selbstbeteiligung und
180tägiger Versicherung mit einer Selbstbeteiligung in Höhe des
2 l/2fachen Satzes der durchschnittlichen Krankenhaus-Tageskosten;
2. Einbeziehung sämtlicher Personen über 64 in die Krankenhauskostenversicherung, die nicht sozialversicherungspflichtig waren
oder nicht zum Versichertenkreis gehörten;
3. Ausdehnung der staatlichen Alterskrankenversicherung auf die
Fürsorgeempfänger;
4. Bereitstellung größerer Mittel für den Bau und die Unterhaltung von Pflegeheimen;
5- Erhöhte Bundeszuschüsse für die Einrichtungen des allgemeinen
Gesundheitswesens und für die Ausbildung von Ärzten und medizinischem
Fachpersonal;
6. Senkung der Steuersätze für Personen über 64; Erhöhung der
Freibeträge und Heraufsetzung der Steuerpflichtgrenze von gegenwärtig
1333 Dollar auf 2900 Dollar;
7« Erhöhung der staatlichen Wohnungsbauzuschüsse für die Erstellung von Wohnungen für ältere Menschen;
8. Erschließung von neuen und Verbesserung der derzeitigen Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Menseben.
Zwecks Finanzierung der einzelnen Sozialprogramme, vor allem jedoch des Krankenversicherungsprogramms, schlägt Präsident Kennedy eine
Erhöhung der Beitragssätze zur Sozialversicherung um ein 1/4 Prozent
(gemessen an der Lohnsumme) sowie die Anhebung der Sozialversicherungspflichtgrenze von gegenwärtig 4800 auf 5200 Dollar pro Jahr vor.
(Quelle: Special Message on Aiding Our Senior
Citizens)
* * * * *

-

11

-

�Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums
Das amerikanische Arbeitsministerium wurde am 4« März 191?
durch ein vom Kongreß gebilligtes Gesetzeswerk in der Absicht geschaffen, die wirtschaftliche Lage der werktätigen Bevölkerung
und die allgemeinen Arbeitsbedingungen zu verbessern sowie die Möglichkeiten für eine lohnende Beschäftigung zu vermehren. In Ausführung der vom Gesetz vorgeschriebenen Direktiven hat das in zahlreiche
Haupt- und Unterabteilungen gegliederte Arbeitsministerium heute
eine weite Skala von Tätigkeiten auszuführen, die sich praktisch auf
sämtliche Bereiche des Wirtschaftslebens erstrecken.
Sammeln und Auswerten statistischer Angaben
Die für die Gesamtarbeit des Ministeriums wohl wichtigste Aufgabe besteht in der Sammlung, Zusammenstellung, Auswertung und Publizierung statistischer Angaben, die von der Hauptabteilung "Amt für
Arbeitsstatistik" wahrgenommen wird. Bei dieser Arbeit wird das Amt
von fünf Regionalbüros unterstützt, die auch - genauso wie das Amt
selbst - mit anderen Statistischen Ämtern des Bundes und der Bundesstaaten eng zusammenarbeiten. Die Ergebnisse werden neben zahlreichen
Spezialpublikationen vor allem im Mitteilungsblatt des Ministeriums,
der "Monthly Labor Review", veröffentlicht. Die Statistiken und Analysen beziehen sich dabei auf praktisch sämtliche Sachgebiete, die
mit Arbeitsmarkt und Beschäftigungslage, Lebenshaltung, wirtschaftlicher
Entwicklung und Tätigkeit und Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen im
Zusammenhang stehen.
Sicherung der Beschäftigung
Zwei bedeutende Aufgaben des US-Arbeitsministeriums bestehen
darin, die Tätigkeit der Arbeitsämter auf dem Sektor der Vermittlung
von Erwerbslosen und Arbeitskräften zu unterstützen und das Programm
für Arbeitslosenunterstützung zu fördern.
Die öffentliche Arbeitsvermittlung wird gemeinsam von Bund und
Bundesstaaten durchgeführt. Als verantwortlichem Amt des Bundes obliegt es dabei dem Arbeitsministerium, die erforderlichen Maßnahmen
hinsichtlich Finanzierung, Planung und Zusammenarbeit zu treffen
und zu überwachen. Die den Bundesstaaten untergeordneten Arbeitsämter sind die Organe zur praktischen Durchsetzung dieser Anordnungen.
Insgesamt gibt es rund 1700 Arbeitsämter in den Vereinigten Staaten, denen nicht nur die Vermittlung von Arbeitskräften obliegt, sondern auch die Berufsberatung, Durchführung von Spezialtests zur
Ermittlung der beruflichen Fähigkeiten oder Anlagen, Zusammenarbeit
mit den Unternehmern bei der Lösung von Beschäftigungsproblemen,
Herausgabe von Informationen über die Arbeitslage und -bedingungen
an interessierte Kreise.
Arbeitslosenversicherung
Auch in Fragen der Arbeitslosenversicherung auf Grund des
"Social Security Act", der Entrichtung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge und der Arbeitsschutzgesetze der Bundesstaaten bildet das

12

-

�das Arbeitsministerium das federführende Organ des Bundes. Es hat
dabei im einzelnen die Aufgabe, die entsprechenden Ministerien der
Bundesstaaten in legislativen, Interpretations-, Verwaltungs- und
Finanzfragen des Programms zu beraten und die Arbeitslosenversicherungsgesetze der Bundesstaaten und ihre Verwaltungsorgane zu überprüfen.
Ebenso hat das Arbeitsministerium die Verantwortung für die Verwaltung des Arbeitslosenunterstützungsprogramms für Kriegsveteranen
und Angestellte des Bundes.
Ausbildung von Arbeitskräften
Durch Kongreßbeschluß wurde der US-Arbeitsminister im Jahre 1937
beauftragt, ergänzende Arbeitsschutzgesetze auszuarbeiten, durchzusetzen und zu überwachen, die sich ausschließlich auf die Lehrlingsausbildung beziehen. Unter den Begriff "Lehrling" fallen nach der
Definition des US-Arbeitsministeriums sämtliche unter einem speziellen
Arbeitsvertrag beschäftigten Arbeitnehmer, die für die Dauer von zwei
bis vier Jahren einen Fachberuf erlernen.
Bei der Durchführung der Aufgaben wird das Ministerium durch ein
nationales Komitee unterstützt, das sich aus Vertretern der Gewerkschaften, Unternehmerverbände und des öffentlichen Erziehungswesens
zusammensetzt. Eine enge Zusammenarbeit besteht auch in dieser Hinsicht
mit den Lehrlingsausschüssen der Bundesstaaten. Bei der Ausarbeitung
der allgemein verbindlichen Richtlinien für die Behörden, die auf lokaler Ebene für die praktische Durchsetzung verantwortlich sind, arbeitet das Arbeitsministerium eng mit den Unternehmer- und Gewerkschaftsverbänden zusammen, während die örtlichen Beauftragten für das Lehrlingswesen wiederum mit den Unternehmern und Ortsgewerkschaften die Grundsätze für die Beschäftigung und Ausbildung von Lehrlingen sowie die
Aufstellung von Ausbildungsprogrammen im einzelnen festlegen.
Ebenso ist es Aufgabe des Ministeriums, Ausbildungs- und Fortbildungsprogramme auszuarbeiten und durchzuführen, die auf eine allgemeine Verbesserung der technischen Fähigkeiten sämtlicher Arbeitnehmer abzielen.
Löhne und Arbeitszeit
Weitere wichtige Funktionen des US-Arbeitsministeriums beziehen
sich auf die Überwachung und Durchsetzung verschiedener Gesetze, die
mit der Festsetzung von Löhnen und Arbeitszeit in Verbindung stehen.
Der "Fair Labor Standards Act"
Die wichtigsten Aufgaben des Ministeriums im Rahmen dieses Gesetzes haben Bezug auf die Handhabung und Durchführung der Mindestlohn-, Überstundenbezahlungs- und Kinderarbeitparagraphen. Dem entsprechenden Amt des Arbeitsministeriums obliegt es, die Verwaltungsrichtlinien festzulegen und Ausführungsbestimmungen zum Gesetz und
Interpretationen des Gesetzes zu veröffentlichen. Ebenso koordiniert
es die Tätigkeit der Regional- und Ortsbüros.
Die

�Die Durchsetzung der Gesetze und die Durchführung von Untersuchungen hinsichtlich der Einhaltung der Gesetze liegt in Händen der
Regional- und Ortsbüros, die gleichfalls in speziellen Fällen Befreiung^ Zertifikate ausstellen können. Die strafrechtliche Verfolgung von
Gesetzesverstößen obliegt jedoch dem Ministerium.
Arbeitsgrundgesetze
Die Verbesserung der allgemeinen Arbeitsbedingungen und damit die
Erhöhung der sozialen Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer ist eine weitere und sehr umfangreiche Aufgabe des US-Arbeitsministeriums. Sie drückt sich aus in der Entwicklung gesunder Grundlagen
für die Arbeitsgesetze und ihrer Handhabung,; durch Gewährung technischer und administrativer Hilfe an die Bundesstaaten, Gewerkschaften
und alle, die an einer Verbesserung der Arbeitsgesetzgebung interessiert
sind; in industrieweiten Sicherheitsprogrammen sowie in der Schaffung
von Programmen zur Verbesserung der Beschäftigungspraktiken bei jungen
Arbeitnehmern.
Das Ministerium analysiert ferner die bestehenden Arbeitsgesetze
des Bundes und der Bundesstaaten und veröffentlicht entsprechende Informationen hierüber an alle interessierten Kreise. Es dient ebenso
als nationale Informationsstelle für technische Informationen über
sämtliche Aspekte der Arbeitsgesetzgebung und Verwaltung.
Das Arbeitsministerium arbeitet in allen Arbeitsnormfragen eng
mit den entsprechenden Behörden der Bundesstaaten mit dem Ziel zusammen, eine Übereinstimmung der Bundesgesetze mit denen der Bundesstaaten
auf den wichtigsten Sektoren wie Löhne, Arbeitszeit und Betriebssicherheit zu erreichen. Desgleichen ist es Mittler zwischen dem Internationalen Arbeitsamt und den Bundesstaaten und ist diesen dabei behilflich,
die von dieser internationalen Körperschaft als allgemeinverbindlich
erklärten Empfehlungen einzuhalten.
Industrielle Sicherheitsprogramme
Einen großen Rahmen nimmt auch die Arbeit auf dem Gebiet der
industriellen Sicherheit und der Unfallverhütung ein. Auch hier erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten bei der Aufstellung von Unfallverhütungsprogrammen und bei der Ausbildung der Sicherheitsinspektoren der Bundesstaaten. Ein wichtiges Organ auf diesem
Sektor bildet dabei der "Federal Safety Council" im US-Arbeitsministerium (Bundesrat für Industrielle Sicherheit), der durch seine 97
Zweigbüros die praktischen Erkenntnisse auf dem Sektor der industriellen Sicherheit vermittelt, die von der "President1s Conference on
Occupational Safety", einem mit Fachkräften des Arbeitsministeriums
besetzten Forschungsausschuß, erarbeitet werden.
Weibliche Arbeitnehmer
Da heute rund ein Drittel aller Arbeitskräfte in den Vereinigten
Staaten Frauen sind, kommt den Aufgaben des Arbeitsministeriums hinsichtlich der Ausarbeitung und Überwachung entsprechender Arbeitsschutzund Sozialgesetze eine sehr große Bedeutung zu. Im einzelnen ist es
hier Aufgabe des Ministeriums, Arbeitsnormen und andere grundlegende

-

14

-

�grundlegende Bestimmungen auszuarbeiten und durchzusetzen, die
allgemeinen Arbeitsbedingungen für weibliche Arbeitskräfte zu verbessern und die Möglichkeiten für eine lohnende Beschäftigung zu
erhöhen. Dazu gehört die Durchführung von Programmen zur Verbesserung
des Status der weiblichen Arbeitnehmer, die Kontaktpflege mit den
Frauenvereinigungen zwecks Informierung über Programme, die Vorteile
für die weiblichen Arbeitskräfte bieten; die Durchführung statistischer
Erhebungen zwecks Erlangung entsprechender Informationen; die Entwicklung von Programmen, die den zivilen und politischen Status der
Frau verbessern; die Organisierung von internationalen technischen
Beistands- und Austauschprogrammen für Frauen sowie die Veröffentlichung all jener Informationen, die sich auf den wirtschaftlichen
und rechtlichen Status der Frau beziehen.
Auf Wunsch der Arbeitsministerien der Bundesstaaten oder von
Organen in den Bundesstaaten und Gemeinden, die die Absicht haben,
neue Arbeitsgesetze über Mindestlöhn, Maximalarbeitszeit oder gleiche
Bezahlung zu erlassen oder bestehende Gesetze wirksamer zu gestalten,
gibt das US-Arbeitsministerium technische Hilfe oder andere Unterstützungen.
Internationale Arbeitsfragen
Große Aufmerksamkeit schenkt das amerikanische Arbeitsministerium
den Entwicklungen auf dem internationalen Arbeitsmarkt und auf dem
Sektor des Arbeitsrechts. In Zusammenarbeit mit dem US-Außenministerium
und anderen an diesen Entwicklungen interessierten Ministerien sammelt
es als Informationszentrale alle entsprechenden Informationen und ist
für die Ausarbeitung der Richtlinien in bezug auf internationale Arbeitsfragen verantwortlich. Es unterhält ferner enge Kontakte zu den
entsprechenden Organisationen der Vereinten Nationen und des Internationalen Arbeitsamtes und ist für die Durchführung der internationalen Austauschprogramme zuständig.

(Quelle: Eigenbericht)

*

• * * *

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Höchster Beschäftigungsstand für Januar
Mit 65,935 Millionen Beschäftigten wurde im Januar 1963 die bisher höchste Gesamtbeschäftigtenziffer für diesen Monat erreicht, wie
aus der jüngsten Arbeitsmarktübersicht des "US-Amtes für Arbeitsstatistik" hervorgeht.
Der hohe Beschäftigungsstand ist dabei in erster Linie auf die
erhebliche Zunahme der Gesamtzahl der Arbeitskräfte zurückzuführen
sowie auf die für die Jahreszeit relativ niedrige Erwerbslosenrate,
die nach Ausschaltung der saisonbedingten Einflüsse in dem Bericht mit
5,8 Prozent angegeben wird.
Zwischen Dezember und Ende Januar hat sich die Zahl der Erwerbslosen in den USA um 855 000 auf insgesamt 4 672 000 erhöht. Diese verhältnismäßig große Zunahme ist hauptsächlich durch die Entlassung
von Aushilfspersonal bei den Kaufhäusern, der Post und anderen im
Weihnachtsgeschäft stark engagierten Unternehmen bedingt gewesen.
Auch die Zahl der in Außenberufen tätigen Arbeitnehmer hat sich mit
fortschreitender Jahreszeit weiter verringert.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Versehrtenbetrieb "Unternehmen des Jahres"
Die jährlich vom Verband der Fertigungsindustrie (NAM) an Versehrtenbetriebe verliehene Medaille "Unternehmen des Jahres" wird 1963 die
"Ace Electronics" erhalten, ein Betrieb in Somerville (Massachusetts),
der 275 Arbeitnehmer beschäftigt, darunter allein 240 Körperbehinderte.
Die Auszeichnung soll, wie es in den Verleihungsbestimmungen heißt, jeweils einem Unternehmen zuerkannt werden, das auf dem Gebiet der Beschäftigung Versehrter Arbeitnehmer Hervorragendes geleistet und diesem
Personenkreis die Möglichkeit verschafft hat, seinen körperlichen Gegebenheiten entsprechende Arbeitsplätze zu finden und voll auszufüllen.
Chef
ist Aaron
und heute
hinweisen

dieses elektronische Einzelteile herstellenden Betriebes
N. Solomon, der 1952 mit zwei Versehrten Arbeitnehmern begann
mit Stolz auf einen Jahresumsatz von 1,75 Millionen Dollar
kann.

Die wesentlichen Elemente seiner Personalpolitik sind: 1 . seine
Überzeugung, allen weniger vom Schicksal begünstigten Menschen helfen
zu müssen; 2. die Erkenntnis der Tatsache, daß elektrotechnische Arbeiten in erster Linie an der Werkbank ausgeführt werden und daher besonders gut für Körperbehinderte geeignet sind, und 3« seine festeüberzeugung, daß es keine "Versehrten gibt, wenn man es versteht, di esen

-

16

-

�diesen Personenkreis an Arbeitsplätzen einzusetzen, die seinen speziellen Fähigkeiten entsprechen.
Als für den Erfolg seines Unternehmens ausschlaggebend, bezeichnet Solomon folgende Punkte: Spezielle Anpassung der einzelnen
Arbeitsplätze an die Gegebenheiten der einzelnen Arbeitnehmer; sorgfältige Einweisung und Einführung neuer Arbeitnehmer in ihre Tätigkeiten und Aufgaben; häufige Überprüfung des Neueingestellten, um
festzustellen, wie er sich an seinen Arbeitsplatz und seine Arbeit
gewöhnt hat; enger persönlicher Kontakt zu allen Angestellten; Zahlung von angemessenen Löhnen an alle Arbeitnehmer.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Günstige Streikbilanz im Jahre 1962
Die Gesamtzahl der streikenden Arbeitnehmer ist 1962 weiter
zurückgegangen und erreichte, wie aus einer Übersicht des "US-Amtes
für Arbeitsstatistik" hervorgeht, im vergangenen Jahr den tiefsten
Stand der Nachkriegszeit.
Nicht ganz so günstig fällt dagegen die Bilanz bei der Gesamtzahl der 1962 begonnenen Streiks sowie bei der Gesamtzahl der durch
Streiks verlorengegangenen Arbeitstage aus, obwohl auch hier das
Niveau der günstigsten Jahre seit 1945 erreicht wird.
Bei insgesamt 3500 begonnenen Streiks, von denen 1,25 Millionen
Arbeitnehmer berührt wurden, gingen im vergangenen Jahr insgesamt
19,0 Millionen Arbeitstage verloren (1961 - 16,3 Mio; 196O = 19,1 Mio).
Gemessen an der von sämtlichen nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der
US-Wirtschaft im vergangenen Jahr geleisteten Gesamtarbeitszeit, gingen durch die Streiks nur 0,15 Prozent verloren.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

17 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
ISIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" Ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme Irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
XVI

" 4

Bad Godesberg,den 1.

April 1963

INHALTSVERZEICHNIS

Erziehung und Schulung in einem
Entwicklungszeitalter (i)

Seite

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

1

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter

Unter der vorstehenden Hauptüberschrift
bringen wir in dieser und der nächsten
Ausgabe sechs Beiträge namhafter amerikanischer Regierungsvertreter, Wirtschaftler
und Publizisten zu Fragen der Heranbildung
von Arbeitskräften für die Welt von morgen.
Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht die
sich bereits heute abzeichnende wachsende
Nachfrage nach "Kopfarbeitern" mit besonderen Fachkenntnissen und höherer Bildung.
W. Willard Wirtz, US-Arbeitsminister:
Grundsätze und Probleme der Arbeitspolitik und Nachwuchsförderung
Die Welt von heute wird von einem Wandel gekennzeichnet, wie er
in der Geschichte ohne Beispiel ist. Alles scheint in Fluß geraten
zu sein, doch nicht im Sinne einer langsamen Evolution, wie sie sich
einem roten Faden vergleichbar durch die Geschichte zieht. Es ist dies
vielmehr ein Wandel, der sich in "Megatonnen" einer technischen, bevölkerungsmäßigen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Explosion ausdrückt.
Die

-

1

-

�Die Menschheit ist sich - soweit Menschen überhaupt je das Unermeßliche ausdenken können - bewußt, wie sehr die Wissenschaft gewissermaßen von gestern auf heute Begriffe wie Zeit, Entfernung, Erde
und All von Grund auf verändert hat.
Welche Auswirkungen diese wissenschaftliche Revolution aber auf
die Arbeitswelt des Menschen zeitigt, darüber herrschen noch sehr
vage Vorstellungen. Der Beruf wurde bisher fast überall auf der
Welt als eine Tätigkeit angesehen, die man ein ganzes Leben lang
verrichtet. Man ererbte ihn vielfach von seinem Vater, und bezeichnenderweise leiten sich nicht wenige Nachnamen von Berufsbezeichnungen
her. Die Art der lebenslangen Erwerbstätigkeit wurde häufig allein
von dem Umstand bestimmt, daß man in einem landwirtschaftlichen Anbaugebiet, in einer Waldgegend, an der Küste, in einem Industriegebiet
oder in der Nähe einer Grube oder Fabrik geboren worden war. Und heute
besteht nun plötzlich ein direkter Zusammenhang zwischen der Arbeit
und dem Beruf eines Menschen und der Entwicklung einer Wissenschaft,
die er weder beeinflussen noch verstehen kann - und deshalb fürchtet.
Es gilt aber, eine vernünftige Einstellung zu dem Wandel zu gewinnen, dessen Zeuge wir sind: ihn übersehen zu wollen, wäre dumm,
ihn zu fürchten, feige. Es genügt auch nicht, sich dem Wandel "anpassen" zu wollen, denn das hieße, daß der Mensch immer weiter hinter
der Entwicklung der Wissenschaft und Technik zurückbliebe, bis die
Kräfte, die dem Menschen Freiheit verheißen,
zu Kräften der
Vernichtung zu werden drohen.
Das Morgen gehört denjenigen, die dem Wandel offen, ehrlich und
frei entgegensehen, ja, ihm entgegengehen, ihn als ein Wesensmerkmal
des Wachstums und dieses wiederum als den Sinn des Lebens ansehen
und deshalb an die Zukunft glauben.
Zu dieser Haltung wird sich ein Volk und die Menschheit aber
nur durchringen, wenn wir, die wir die staatlichen Maßnahmen im Bereich der Arbeitspolitik und Menschenführung treffen, uns klar und
deutlich zu dem Prinzip bekennen - ja dieses Prinzip erst einmal
aufstellen -, daß eine solche Politik der "Menschenführung" das Recht
und die Fähigkeit eines jeden Menschen garantieren muß, zu arbeiten vielleicht nicht das, was er zu tun erwartete, gegenwärtig tut oder
früher getan hat, aber in jedem Falle etwas, was sowohl an sich als
auch als Beitrag zu einem besseren Leben für die gesamte Menschheit
sinnvoll ist. Die Wesenszüge einer solchen Arbeitspolitik stehen
sämtlich in einem engen Bezugsverhältnis zum Kern einer neuen, tatkräftigen und vielleicht auch mehr pragmatischen Vorstellung von
Erziehung und Schulung. Ich denke in diesem Zusammenhang an fünf
Grundsätze:
1. Jeder Mensch ist erziehbar. Jeder kann eine berufliche Ausbildung mit Erfolg durchlaufen und nützliche Fertigkeiten und Fähigkeiten erwerben, sofern man ihn nur richtig anleitet, berät, testet
und einer Schulung unterwirft, die genau auf die geforderten beruflichen Qualifikationen zugeschnitten ist und seine Fähigkeiten, Wünsche und Grenzen gebührend berücksichtigt.
Wir
-

2

-

�Wir Amerikaner konnten bei der Verwirklichung des Kraftwerkund Bewässerungsprojektes im Tennessee-Tal beobachten, wie sich
Männer und Frauen, deren Arbeitserfahrung sich ausschließlich auf
den von ihren Vorfahren ererbten Beruf des Farmers erstreckte, rasch
und ohne größere Schwierigkeiten den Erfordernissen der Arbeit in
modernen Industriebetrieben anpaßten. In den 20 Jahren von 1940
bis 196O hat sich zum Beispiel die Zahl der Fertigungsarbeiter im
Tennessee-Tal - von einer halben auf eine ganze Million - fast verdoppelt. Der Bedarf an Facharbeitern erhöhte sich um fast 100 Prozent - und wurde auch gedeckt. Das Personaleinkommen stieg gleichzeitig um 508 Prozent! Dies ist ein greifbarer Beweis für die Anpassungsfähigkeit des Menschen an neue berufliche Anforderungen - sofern die Möglichkeiten gegeben sind, die eine expandierende Wirtschaft bieten kann.
2. Jedermann sollte sein Wissen laufend ergänzen. Der rasche
technische Fortschritt bringt es mit sich, daß Fähigkeiten und Fertigkeiten von den niedrigsten bis zu den höchsten Berufen rasch veralten. Zahlreiche Arbeitskräfte können nicht mehr länger hoffen, einen
Beruf zu erlernen und diesen dann bis zur Erreichung der Altersgrenze
auszuüben - ohne je etwas dazuzulernen. Heute muß jeder bereit sein,
sich gegebenenfalls neue Fertigkeiten anzueignen und das vorhandene
Fachwissen immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen, wenn wir
ein hinreichendes Reservoir von flexiblen und anpassungsfähigen Arbeitskräften schaffen wollen, das den Bedarf unserer Wirtschaft jederzeit zu decken vermag,
3. Es muß überall mehr für die Bildung getan werden. Industrie
und Wirtschaft sind nicht mehr so standortgebunden wie früher, weshalb sich Beschäftigungsmöglichkeiten heute häufig von einem Ort nach
einem anderen verlagern. Einst maßgebliche Faktoren der Standortwahl
wie die Verfügbarkeit von Energie und günstige Transportverbindungen
verlieren an Bedeutung. Die Industrie ist mobiler als früher und muß
im Hinblick auf die steigenden Anforderungen an das Können ihrer Mitarbeiter auf das Vorhandensein qualifizierter Arbeitskräfte im Bereich
ihres Standorts größeren Wert legen als je zuvor. Andererseits begünstigt das Vorhandensein von Arbeitskraftreserven in manchen Gebieten
deren wirtschaftliche Entwicklung heute oft ganz entschieden.
4. Unsere Schulungsmethoden müssen verbessert werden. Sie sind
den neuen Erfordernissen und Aufgaben anzupassen. Schon finden neue
Lehrmittel und Unterrichtsmethoden - übersichtlichere Fachbücher,
elektronisch gesteuerte Lehrmaschinen, Film, Fernsehen und anderes
Anschauungsmaterial wie Bildtafeln, Aufrisse, Dias und Modelle - in
steigendem Maße im Unterricht Verwendung.
5. Die Lehrkräfte sollten geistig beweglich und fähig sein, auf
die jeweiligen Verhältnisse einer im Wandel begriffenen Arbeitswelt
einzugehen. Die Beurteilung unserer Arbeitspolitik, unsere Menschenführung und aller getroffenen Maßnahmen wird davon abhängen, inwieweit es uns gelingt, die wissenschaftliche und technische Entwicklung
richtig einzuschätzen und uns im voraus auf sie vorzubereiten. Gelingt uns dies, so neutralisieren wir damit nicht nur die Angst der

-

3 -

�der arbeitenden Menschen vor der Wissenschaft und Technik, die
sie in ihrer freien Entfaltung behindert, sondern beugen auch der
Verknappung qualifizierter Arbeitskräfte vor, die ein Hemmschuh
für jede expandierende Wirtschaft ist.
Es wird heute kaum mehr bestritten, daß die Ausbildung und
Umschulung mindestens zu einem Teil Aufgabe des Staates ist. In
anderen Ländern, vornehmlich in Westeuropa, gibt es hierfür zahlreiche Beispielsfälle. Was die Vereinigten Staaten angeht, so sind
wir dabei, unsere ersten diesbezüglichen Erfahrungen in Verbindung
mit dem 19&amp;2 erlassenen Gesetz über Maßnahmen zur Entwicklung des
Arbeitsmarktes und Umschulung (Manpower Development and Training
Act) zu sammeln. Das Gesetz geBtattet im Verlauf der nächsten drei
Jahre die Ausbildung bzw. Umschulung von 400 000 Männern und Frauen
auf Staatskosten - zumeist Opfer der sogenannten technischen Arbeitslosigkeit, d.h. der Verdrängung vom Arbeitsplatz durch Maschinen .
Dieses Gesetz basiert auf der Überzeugung, daß Erziehung, Ausbildung und Umschulung in einer freien und demokratischen Gesellschaft
die beste Methode sind, Mensch und Arbeit miteinander in Einklang zu
bringen, und daß dies vor allem Aufgabe des Staates ist.
Die Entwicklung der intellektuellen und physischen Fähigkeiten
des Menschen durch das demokratische Mittel der Erziehung muß das
Ziel jeder Arbeitspolitik sein. Die Probleme der Welt von heute, vor
die uns der kalte Krieg, die Industrialisierung, die Verstädterung
und die Automatisierung stellen, werden wir nur dann auf eine vernünftige Weise zu lösen vermögen, wenn ein größerer Prozentsatz der
Bewohner dieser Erde eine eingehendere und bessere Erziehung und Schulung als heute erhält.
M

Walter W. Heller, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des
lo-irasiaenten:
Bildung als Faktor des Wirtschaftswachstums
Im Wirtschaftsleben unserer Zeit gewinnt das sogenannte "menschliche Kapital" immer mehr an Bedeutung, ja es scheint in Zukunft sogar
zum wichtigsten Faktor überhaupt zu werden. Damit erhebt sich die
Frage: Welche Rolle spielt die Erziehung in der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung, und was tun wir, um Erziehung und Bildung die ja dieses "menschliche Kapital" schaffen und mehren - zu fördern?
Von den vielen Dingen, die die Beantwortung dieser Frage beeinflussen, seien hier nur zwei herausgegriffen:
Erstens:

- 4 -

�Erstens: Die Problematik wirtschaftlichen Wachstums, um die
sich die hochindustrialisierten Volkswirtschaften von Jahr zu Jahr
mehr kümmern müssen, ebensosehr wie um alle Vorgänge, die ein Wachstum begünstigen oder hemmen können. Um das Geheimnis eines rascheren
oder langsameren Wirtschaftswachstums zu ergründen und zu verstehen,
müssen wir die wirtschaftliche Entwicklung in der Vergangenheit analysieren und zu verstehen trachten. Es genügt nicht, den Punkt zu
kennen, den wir erreicht haben; wir müssen uns vielmehr auch Klarheit
darüber verschaffen, wie wir zu ihm gelangt sind.
Wir wissen aus Erfahrung, daß das wirtschaftliche Wachstum keiner
Naturgesetzlichkeit unterliegt; es hängt aber weitgehend von einer
Variablen ab, die sich - innerhalb gewisser Grenzen - dem Willen, dem
Gesetz und der Planung des Menschen gefügig machen läßt. Es gibt heute
schon eine Fülle von Beweisen für die Auffassung, daß die Wirtschaftsexpansion stark von wirtschafts- und sozialpolitischen Maßnahmen mitbestimmt wird, die ihrerseits das Angebot an produktiven Arbeitskräften sowie deren Qualifikationen und die Ansichten mitgestalten.
Zweitens: Die Erkenntnis, daß sich Investitionen in das Erziehungsund Bildungswesen lohnen - eine Erkenntnis, die uns unsere Bemühungen
um das Wirtschaftswachstum in den weniger entwickelten Ländern erst
so recht ins Bewußtsein gerückt hat.
Was nützen Maschinen ohne Menschen, die sie zu bedienen wissen?
Die Produkte unseres technischen Zeitalters lassen sich fertig importieren, eine ausreichende Zahl von Technikern und Wissenschaftlern aber
muß sich jedes Land selbst heranbilden. Und man kann dabei auch nicht
am oberen Ende der Bildungspyramide anfangen; es gilt vielmehr, ihr
zunächst eine breite Basis in Form eines Grundschulwesens zu schaffen,
das das Analphabetentum beseitigt und ein größeres Allgemeinwissen
verbreitet.
Untersuchungen bekannter Fachleute aus mehreren Ländern führten,
in bemerkenswerter Übereinstimmung, zu sehr bezeichnenden und aufschlußreichen Ergebnissen und Folgerungen bezüglich der Rolle des
"menschlichen Kapitals" in der wirtschaftlichen Entwicklung.
Die häufigste Methode der Ermittlung des Beitrags des "menschlichen Kapitals" zum Wirtschaftswachstum besteht in der Errechnung
des Unterschiedes zwischen der Wachstumsrate des Sozialprodukts (oder
der Wertschöpfung innerhalb eines bestimmten Wirtschaftssektors, etwa
der Landwirtschaft) und der Zunahme des tatsächlichen Aufwands an
Bodenfläche, Arbeit (gemessen in geleisteten Arbeitsstunden), Betriebsmitteln, Material und Kapital. Das Ergebnis dieser Aufrechnung ist in
praktisch allen Ländern verblüffend. Die Zunahme des Sozialprodukts
ist um ein Beträchtliches höher als die Zunahme des materiellen Aufwandes. Diese "unerklärliche" Komponente der Wirtschaftsexpansion wird
"Wachstumsdifferenz" genannt und durch solche immaterielle Faktoren
wie Erziehung, Schulung und Forschung hervorgebracht.
Eine Untersuchung der diesbezüglichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten zeigte, daß etwa die Hälfte der Produktionszunahme
während der letzten 50 Jahre Faktoren zuzuschreiben ist, die nicht im

-

5 -

�im Bereich des materiellen Aufwands zu suchen sind. Das ist eine
bemerkenswerte Feststellung, denn noch vor wenigen Jahren glaubten
die meisten Laien und auch zahlreiche Fachleute, das Geheimnis des
Wachstums der US-Wirtschaft beruhe nahezu ausschließlich auf dem
sehr hohen materiellen Aufwand und dem natürlichen Reichtum des
Landes.
Damit mich niemand mißversteht: Technische Neuerungen und Erfindungen des menschlichen Geistes lassen sich selbstverständlich
nur mit genügend Kapital und Arbeit in Produktion und Wirtschaftswachstum ummünzen. Forschungen der jüngeren Zeit haben aber den Nachweis erbracht, daß lediglich 10 bis 20 Prozent des gesteigerten Ausstoßes pro aufgewandte Arbeitseinheit auf Kapitalgüterinvestitionen
zurückzuführen sind. Die Vereinigten Staaten bilden übrigens in dieser Hinsicht keineswegs einen Einzelfall; auch andere Volkswirtschaften sind weit schneller gewachsen, als man auf Grund der Zunahme des
materiellen Aufwandes erwarten durfte.
In Süd- und Mittelamerika zum Beispiel wird die durchschnittliche
Wachstumsrate der Wirtschaft in der Zeit von 1945 his 1955 auf jährlich 4»9 Prozent geschätzt; der erfaßbare materielle Mehraufwand
aber lag bei durchschnittlich 3»1 Prozent pro Jahr. So läßt sich ein
sehr beachtlicher Anteil von 1,8 Prozent auf "Bildung" und anderen
"immateriellen Aufwand" zurückführen.
Eine Untersuchung der wirtschaftlichen Entwicklung in Norwegen
in den Jahren von 1900 bis 1955 führte zu der gleichen Feststellung,
daß ein jährlicher Produktionszuwachs von 1,8 Prozent verbleibt, der
sich durch die Steigerung des materiellen Aufwandes nicht erklären
läßt.
Zu einem Ergebnis, das noch verblüffender ist, gelangt man, wenn
man diese Analyse auf den landwirtschaftlichen Sektor beschränkt. In
den Vereinigten Staaten wurde für die Jahre 1940-1958 eine geradezu
frappante Wachstumsdifferenz ermittelt: bei einem um 1,7 Prozent erhöhten Aufwand pro Jahrzehnt stieg die Erzeugung um 29 Prozent.
Die Ergebnisse dieser Vergleichsrechnung sind auch im Falle der
landwirtschaftlichen Erzeugung der lateinamerikanischen Staaten sehr
eindrucksvoll. Argentinien hatte von 1920 bis 1940 eine Steigerung
des materiellen Aufwandes um 6 Prozent zu verzeichnen, der eine Steigerung der Erzeugung um 27,5 Prozent pro Jahrzehnt gegenübersteht. In
Brasilien erhöhte sich der Aufwand - vom Durchschnitt der Jahre 19251929 zu dem der Jahre 1945-1949 - pro Jahrzehnt um 15, die Erzeugung
um 27 Prozent; für Mexiko lauten die entsprechenden Vergleichszahlen
15,5 und 30 Prozent,
Die von mir hier angeführten Zahlen sagen uns aber nicht nur, daß
Kapital nicht alles bedeutet; sie machen uns auch klar, daß tatsächlich eine Möglichkeit besteht, über den "immateriellen Aufwand" zur
Wirtschaftsexpansion beizutragen: durch Hebung des Bildungsniveaus
und des Ausbildungsstandes der arbeitenden Menschen, durch organisatorische Verbesserungen und gutes Management - und den technischen
Fortschritt. Und dieser "immaterielle Aufwand" hat seinen Ursprung

-

6

-

�Ursprung größtenteils in der Erziehung und Ausbildung.
In den Vereinigten Staaten dürften die erhöhten Investitionen
auf dem Schulsektor 25 bis 50 Prozent zur Wachstumsdifferenz beigetragen haben, zu jenen 1,6 Prozent des jährlichen Wachstums des
Sozialproduktes, die sich nicht auf den "materiellen Aufwand" zurückführen lassen.
Es ist noch viel Forschungsarbeit zu leisten, ehe wir die Rentabilität von Investitionen in Erziehung, Bildung und Schulung ebenso
sicher errechnen können, wie wir heute die Rentabilität des Kapitalaufwands für Maschinen, Ausrüstungen und Werksanlagen berechnen.
Der Schluß aber, daß Investitionen in das "menschliche Kapital"
einen hohen Gewinn bringen, ist schon heute gerechtfertigt. In unseren Entwicklungsprogrammen und bei allen wachstumsfördernden Maßnahmen sollten wir dieser Erkenntnis gebührend Rechnung tragen.
Wir werden in dieser Erkenntnis ferner durch die Ergebnisse
von Untersuchungen der Zusammenhänge zwischen Bildungsgrad und Einkommen und der Auswirkungen einer Hebung des Bildungsgrades auf
letzteres bestärkt. Da das Einkommen des einzelnen bedingt als Maß
für seinen Beitrag zum Sozialprodukt gelten darf, läßt sich auch der
Einfluß der Erziehung auf das Sozialprodukt bis zu einem gewissen Grad
an der Relation zwischen Bildungsgrad und persönlichem Einkommen
(und damit Produktionsleistung) ablesen. Wir gewinnen auf diese Weise
ein weiteres Maß der "Rentabilität" der Erziehung und Bildung,
Die "Verzinsung" von Investitionen in die Erziehung auf CollegeNiveau ist in den Vereinigten Staaten etwa ebenso hoch wie die Verzinsung von Investitionen in die Wirtschaft. Weiter gehende Untersuchungen haben jedoch gezeigt, daß im Falle der Grund- und Mittelschulen sogar mit einer noch wesentlich höheren "Rendite" zu rechnen ist
als im Falle der akademischen Bildung.
Der Geldaufwand für das Erz,iehungswesen lohnt sich in ähnlicher
Weise auch in anderen Staaten, vor allem in den Entwicklungsländern,
in denen Mangel an geschulten Kräften besteht. In Venezuela beispielsweise nimmt man für die Verzinsung von Investitionen auf dem Erziehungssektor einen wesentlich höheren Satz an als in den Vereinigten Staaten.
Angesichts dieser Untersuchungen und Forschungsarbeiten werden
die Erziehungs- und Arbeitsministerien schon bald in der Lage sein,
den exakten Nachweis zu führen, in welcher Weise und Höhe sich die
Erziehungsausgaben lohnen. Sie werden dann mit ebenso konkreten Zahlen
argumentieren können, wie es beispielsweise die Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Transportministerien bisher immer schon vermochten.
Es gibt mit Sicherheit keine Ideallösung, die sich für sämtliche
Länder der Erde gleichermaßen eignet. Dazu unterscheiden sie sich
viel zu sehr hinsichtlich der natürlichen Hilfsquellen, der Kapitalkraft, der Bevölkerung, der Kultur, der Vergangenheit, der Gegenwart
und auch der Zukunft. Aus den Erfahrungen, die wir alle machen, können
wir aber vielleicht allgemeingültige Prinzipien herleiten, die jedes
Land mit Erfolg auf seine spezifischen Probleme und Verhältnisse anzuwenden vermag.
*

�Paul G. Hoffman, Direktor des Sonderfonds der Vereinten Nationen und
ehemaliger Leiter der US-Marshallplan-Behörde:
Hebung des Bildungsniveaus als Voraussetzung., der wirtschaftlichen
Erschließung der Entwicklungsländer
Die Vereinten Nationen haben sich für dieses Jahrzehnt, die
"Entwicklungsdekade", das Ziel gesetzt, das Personaleinkommen in
den wirtschaftlich unterentwickelten Gebieten um jährlich 2,5 Prozent
zu steigern. Gegenüber einer Erhöhung des Personaleinkommens um
durchschnittlich 1 Prozent in den fünfziger Jahren bedeutet dies eine
gewaltige Zunahme.
Fragen wir uns, ob dieses Ziel erreichbar ist, so lautet die
Antwort» "Von den vorhandenen Möglichkeiten her, ja." Es fehlen weder
die notwendigen Hilfsquellen noch mangelt es an Menschen; es dreht
sich lediglich darum, Menschen und Material nutzbringender einzusetzen.
Die Beschleunigung des Entwicklungsprozesses hängt von einer Vielzahl
von Paktoren ab, soziologischen, politischen, wirtschaftlichen und
psychologischen•
Was die Erschließung der materiellen Hilfsquellen angeht, gilt
es zuerst einmal Klarheit darüber zu gewinnen, welche natürlichen
Hilfsquellen in den fraglichen Ländern vorhanden sind. Die Erde ist
reich an Bodenschätzen, was für die den Vereinten Nationen angeschlossenen rund 100 "Entwicklungsländer" vielfach noch mehr als für andere
zutrifft.
Glücklicherweise bieten uns Forschung und Technik eine große Zahl
von Hilfsmitteln, die wirtschaftliche Erschließung eines Landes zu beschleunigen. Die restlichen sieben Jahre dieses Jahrzehnts reichen aus,
um eine Bestandsaufnahme der materiellen Hilfsquellen der Entwicklungsländer durchzuführen und die Erschließung dieses teilweise noch verborgenen Reichtums zum Segen der in diesen Gebieten lebenden Menschen in
Angriff zu nehmen.
Die Erfahrungen, die wir als Vertreter des UN-Sonderfonds - eines
umfassenden Programms der Vereinten Nationen zur Gewährung von Hilfe
zu einem Zeitpunkt, an dem die eigentliche Investitionshilfe von außen
noch nicht eingesetzt hat - bisher gesammelt haben, unterstreichen die
großartigen Möglichkeiten des Einsatzes modernster technischer Hilfsmittel. Es sei hier nur an die Bodenerkundung aus der Luft erinnert,
die uns mit Bestimmtheit in sieben Jahren ebenso viele und mehr geologische Aufschlüsse vermitteln kann wie einst sieben Jahrzehnte Schürfarbeit. Die Luftbildgeologie gestattet die Auffindung von Lagerstätten,
die unter steilen Gebirgszügen, in undurchdringlichen Wäldern, Sandwüsten und Sumpfebenen verborgen liegen.
Luftbildkamera, Magnetometer, Szintillationszähler und andere elektronische Meßgeräte haben den mit Spitzhacke und Spaten in der Erde wühlenden Geologen früherer Zeiten weitgehend verdrängt. Der Geologe von
heute kann mit seinen Geräten nicht nur die Oberflächenbeschaffenheit
der Erde aus der Luft feststellen, sondern auch mit Hilfe von

8

�von Strahlen tief in das Erdinnere "blicken" und nach einem guten
Dutzend Mineralien suchen. Die Meßdaten solcher Geräte haben zur
Auffindung reicher Erdölvorkommen in Wüstengebieten geführt, obwohl
Lagerstätten wertvoller Mineralien nach Auffassung älterer Geologen,
die diese Wüsten einst auf Kamelrücken durchstreift hatten, dort
nicht zu erwarten waren.
Was die Nutzung des vorhandenen Menschenpotentials angeht,
liegen die Dinge leider viel komplizierter. In bezug auf Erziehung
und Bildung wurde in den Entwicklungsländern in der Vergangenheit
viel versäumt. In sämtlichen Ländern mit niedrigem Personaleinkommen
sind Verwaltungskräfte, Techniker, Angehörige der freien Berufe,
Lehrer, Wirtschaftler und Facharbeiter äußerst knapp - gerade jene
Leute, die für eine tatkräftige Erschließung des vorhandenen natürlichen Reichtums unerläßlich sind.
Unsere Erfahrungen zeigen deutlich, daß die Menschen jener Gebiete durchaus zu guten Verwaltungsfachleuten, Technikern, Facharbeitern und Bauern erzogen werden können. Und sie sind auch durchaus
lernbegierig. Die zu bewältigende Erziehungsaufgabe ist gewaltig:
Von der Gesamtbevölkerung der 100 den Vereinten Nationen angeschlossenen unterentwickelten Länder und Territorien von insgesamt 1,3 Milliarden sind rund 750 Millionen im schulpflichtigen Alter und darüber
hinaus des Schreibens und Lesens unkundig.
Aber die Beseitigung des Analphabetentums reicht längst nicht aus.
Millionen Jungen und Mädchen müssen eine Berufsschulung bzw. eine
höhere Schulbildung erhalten. Und schließlich gilt es, als eine der
wichtigsten Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung,
eine möglichst große Zahl von Facharbeitern heranzubilden.
Nach vorsichtigen Schätzungen müssen in diesen Ländern und
Territorien eine Million Führungskräfte für den Staatsdienst, die
akademischen Berufe, die Wirtschaft und den Handel geschult werden
und eine noch größere Zahl von Technikern, Ingenieuren, medizinischtechnischen Kräften und Pädagogen für die öffentliche Verwaltung
und die Wirtschaft.
Was das im Hinblick auf die Angleichung der Entwicklungsländer
an das Erziehungs- und Bildungsniveau der hochindustrialisierten
Staaten bedeutet, hat Professor F. H. Harbison von der Universität
Princeton in einer kürzlich veröffentlichten Studie über Möglichkeiten
zur Nutzung des Arbeitspotentials für die wirtschaftliche Entwicklung
herausgestellt. Er führt den Nachweis, daß in den unterentwickelten
Gebieten in Afrika noch nicht einmal einer von 1000 Einwohnern eine
12jährige Schulung durchgemacht hat und somit der Kategorie der hochqualifizierten Kräfte zuzurechnen ist.
Die Vereinten Nationen und eine ganze Reihe von Staaten haben
ihre Hilfe verstärkt, um mehr für die Erziehung der Bevölkerung in
den Entwicklungsländern tun zu können. Es bedarf aber einer Anstrengung, die weit über das Maß hinausgeht, das man bisher für ausreichend
hielt. Es darf auch keine Zeit mehr verloren werden, bevor diese gewaltige Aufgabe mit entsprechender Tatkraft in Angriff genommen wird,
denn nur auf der Grundlage einer besseren Erziehung und Ausbildung
können diese Länder zu einem rascheren Wirtschaftswachstum gelangen.
*

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�Joseph A. Harary, Mitarbeiter des US-Außenministeriums:
Die Schulungsarbeit amerikanischer Unternehmen im Ausland
Wenn die Entwicklungsländer heute Ausschau nach ausländischem
Investitionskapital als einem der wichtigsten Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung halten, so denken sie dabei zumeist nur an die
mittelbaren Auswirkungen einer solchen Finanzhilfe und des gewöhnlich
damit verbundenen "Imports" von Management-Kräften und Technikern.
Wie sehr und wieviel ausländische und gemischte Kapitalgesellschaften zur Heranbildung eines Stammes von tüchtigen Facharbeitern
beitragen können und vielfach auch schon beigetragen haben, wird selten richtig gewürdigt.
Nach dem zweiten Weltkrieg hat das ausländische Privatkapital in
zunehmendem Maße aus dem Bewußtsein einer bestehenden Interessengemeinschaft mit dem Gastland heraus gehandelt. Das gemeinsame Interesse
an der Heranbildung von einheimischen Facharbeitern und Verwaltungskräften stand bei Erwägungen dieser Art ebenso im Vordergrund wie
der Wunsch der ausländischen Stammhäuser, die Verantwortung für ihre
Tochtergesellschaften in ständig steigendem Maße an ortsansässige Mitarbeiter zu übertragen, die mit den Verhältnissen des Gastlandes bestens vertraut sind.
Der wichtige Beitrag, den ausländische Gesellschaften bei der
Schulung und Fortbildung von Fachkräften in den "mittleren" Berufen
und selbst von Spitzenkräften leisten können, die für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt in den Entwicklungsländern so dringend
benötigt werden, findet in jüngerer Zeit immer stärkere Beachtung.
Um eine Vorstellung von der Bedeutung dieser Erziehungsarbeit
von Firmen mit Filialen im Ausland zu gewinnen, wurde das AuslandsSchulungsprogramm
von zwölf bedeutenden amerikanischen Unternehmen
aus zwölf verschiedenen Branchen einer kritischen Überprüfung unterzogen. Es handelte sich um Firmen mit ausländischen Zweigbetrieben,
die jeweils einige tausend oder viele tausend Mitarbeiter beschäftigen. Bei aller Verschiedenheit haben diese Firmen doch vieles
gemeinsam:
Sämtliche Unternehmen sind in mehreren Ländern, darunter auch
Entwicklungsländer, tätig; rekrutieren ihre Mitarbeiter, wenn irgend
möglich, auf dem lokalen Arbeitsmarkt; besetzen höhere Positionen, wo
möglich, aus den Reihen der bisherigen Mitarbeiter; suchen die Zahl
der Mitarbeiter mit einer anderen als der Nationalität des Gastlandes
auf das absolut nötige Minimum zu beschränken; wenden viel Zeit und
Geld für die innerbetriebliche Schulung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter und verschiedentlich sogar von deren Familienangehörigen auf;
und können auf ein langjähriges erfolgreiches diesbezügliches Wirken
zurückblicken, das dem wirtschaftlichen und sozialen Leben im engeren
und weiteren Bereich der Standorte ihrer Zweigbetriebe entscheidende
Impulse gegeben hat.

-

10

-

�Die zwölf Firmen beschäftigten zusammengenommen in ihren Auslandsbetrieben 575 OOO Arbeiter und Angestellte, von denen nur 5200
oder weniger als 1 Prozent Amerikaner oder Staatsangehörige eines
anderen als des Gastlandes sind. Bezeichnenderweise steht einem
starken Anstieg der Zahl der Ortskräfte in der Zeit nach dem zweiten
Weltkrieg ein bemerkenswerter Rückgang der amerikanischen und sonstigen ausländischen Mitarbeiter gegenüber, wurden deren Funktionen doch
zunehmend auf inzwischen ausgebildete einheimische Kräfte übertragen.
Eine der Firmen beschäftigt im Ausland über 100 000 Ortskräfte
und lediglich 900 Amerikaner; bei einer anderen Firma lauten die
Vergleichszahlen 33 000 und 250. Eine dritte Gesellschaft mit 135 000
Ortskräften beschäftigt lediglich 2200 Amerikaner und andere Ausländer;
bei einer ihrer Töchter entfällt auf 1000 ortsansässige Beschäftigte
gar nur ein Amerikaner. Das sind nur einige wenige Beispiele.
Tausende nicht-amerikanische Angestellte und ehemalige Arbeiter
sind in diesen ausländischen Zweigbetrieben in Aufsichts- und Führungspositionen aufgestiegen - einige sogar bis in den Vorstand. Sie haben
fast alle "von der Pike auf" gedient und sind von Stufe zu Stufe geklettert; sie bekamen immer mehr Verantwortung übertragen, je mehr
ihre Fähigkeiten gewachsen waren.
*
Die Tatsache, daß Tausende von Amerikanern im Laufe der Zeit durch
Ortskräfte ersetzt werden konnten, ist ein deutlicher Beweis für die
Wirksamkeit der Schulungsarbeit. Die zwölf Gesellschaften lassen sich
in ihrer Schulungsarbeit deshalb auch generell von den Betriebs- und
Branchenerfordernissen leiten. Die Schulung selbst reicht von der
Einweisung von Neulingen durch die unmittelbaren Vorgesetzten über
den Gruppenunterricht bis zu der Vergabe von Stipendien und der Finanzierung der Teilnahme an internationalen Fachtagungen. Die hierfür
jährlich ausgeworfenen Summen gehen in die Millionen.
Eine der Gesellschaften hat bisher 5000 ausländischen Ingenieuren
einen Studienaufenthalt in den Vereinigten Staaten ermöglicht; keiner
der Stipendiaten war Werksangehöriger und keiner wurde verpflichtet,
später für die betreffende Firma zu arbeiten.
Viele amerikanische Gesellschaften dehnen ihre Erziehungsarbeit
auf die Angehörigen ihrer Beschäftigten und selbst auf breitere Bevölkerungskreise aus, die überhaupt nichts mit der Firma zu tun haben.
Dies gilt sowohl für allgemeinbildende Kurse als auch für die berufliche und fachliche Schulung. Der Unterricht findet zum Teil in werkseigenen Schulungsräumen statt, zum Teil auch in den örtlichen Schulen,
die vielfach erhebliche Zuwendungen seitens der Firmen erhalten. Nicht
selten werden ursprünglich von den Werken eingerichtete Schulen und
Kurse später von der örtlichen Verwaltung übernommen und der Allgemeinheit zugänglich gemacht.
In Venezuela richtete beispielsweise eine amerikanische Firma
an mehreren Plätzen Berufsschulen ein, die später dem venezolanischen
Staat kostenlos übereignet wurden. Die Firma veranstaltete des weiteren betriebswirtschaftliche Kurse, die nach zweijährigem Bestehen

-

11

-

�Bestehen von der Universität Caracas übernommen und weitergeführt
wurden. Einige andere amerikanische Firmen in Brasilien stellen
Studenten, die von den Universitäten ausgewählt und vorgeschlagen
werden, regelmäßig Praktikantenstellen zur Verfügung.
Alle diese Beispiele beweisen, in welch hohem Maße ausländische
Gesellschaften zur Nachwuchsförderung gerade in den Entwicklungsländern beitragen können. Sie geben intelligenten und entwicklungsfähigen Kräften viele Aufstiegschancen. Das gilt vor allem für die
Berufe, bei denen der Arbeitskräftemangel am meisten fühlbar ist.
Der Trend weist eindeutig in die Richtung einer Verstärkung dieser
Anstrengungen seitens der Unternehmen, gehen sie doch von der Erkenntnis aus, daß jeder Fortschritt des Gastlandes auch ihnen selbst
zugute kommen wird.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Durchschnittliche Lohnerhöhungen nur drei Prozent im Vor.jahr
Die im Rahmen von Großtarifverträgen (mehr als 1000 Arbeitnehmer)
im vergangenen Jahr ausgehandelten Lohnerhöhungen für industrielle
Arbeitnehmer beliefen sich nach Angaben des US-Amtes für Arbeitsstatistik im Durchschnitt auf 3 Prozent. Rund 4/5 der insgesamt 3»75
Millionen Arbeitnehmer, für die neue Tarifverträge abgeschlossen wurden, erhielten dabei eine Lohnaufbesserung von 3»4 Prozent.
Im Vergleich zu 19&amp;1 liegt dieser Durchschnittswert zwar etwas
höher; dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß seinerzeit der
allgemeine Durchschnittssatz für Lohnerhöhungen sehr stark durch die
Tarifverträge der Automobilindustrie beeinflußt wurde, die - zugunsten
höherer Lohnnebenleistungen - nur geringe Aufbesserungen der Stundenlöhne für die Arbeitnehmer brachten.
Für weitere 4,1 Millionen durch Großtarifverträge erfaßte Arbeitnehmer wurden 1962 keine neuen Lohnabkommen abgeschlossen. Jedoch erhielten 2,75 Millionen von ihnen, das sind 65 Prozent, Lohnerhöhungen auf Grund der in den Vorjahren abgeschlossenen Verträge.
Zu den restlichen industriellen Arbeitnehmern, die 1962 keine Lohnerhöhung erhielten, gehören auch die des Bergbaus und der Bekleidungsindustrie, die auf Grund der in den Vorjahren abgeschlossenen langfristigen Tarifverträge 1962 in neue Lohnverhandlungen hätten eintreten können, aber von dieser Option keinen Gebrauch machten.
Zu denjenigen GroßtarifVerhandlungen, die bis zum Jahresende
nicht abgeschlossen werden konnten und deren Ergebnisse dementsprechend auch nicht in die Lohnstatistik für 1962 aufgenommen wurden,
zählen vor allem die für die Hafenarbeiter der Ostküste, die Angestellten der New Yorker Zeitungen und die Eisenbahner.
*
-

12

(Quelle: Eigenbericht)
-

�Einzelhandelsgewerkschaft will Automationsstudie durchführen
Der Exekutivausschuß der amerikanischen Einzelhandelsgewerkschaft
(Retail Clerks International Association) hat nach Abschluß seiner
letzten Tagung in Bai Harbour (Florida) die Arbeitgeber des Einzelhandels aufgefordert, sich an der Durchführung einer umfassenden
Analyse über die Auswirkungen der Automatisierung in diesem bedeutenden Wirtschaftszweig und über die Möglichkeiten zur Sicherung
der Arbeitsplätze dieses Beschäftigtenkreises finanziell (50:50) zu
beteiligen.
Der 1. Vorsitzende der Gewerkschaft, James A. Suffridge, appelierte in diesem Zusammenhang mit großer Eindringlichkeit an "alle Segmente
des Einzelhandels", diese gewerkschaftlichen Bemühungen zu unterstützen,
damit sämtliche Probleme, die die Automation für den Einzelhandel mit
sich bringe, erforscht und geklärt werden könnten. Bisher habe sich die
Automatisierung noch nicht in vollem Umfange im Einzelhandel ausgewirkt, wenngleich man schon gewisse Auswirkungen auf Grund der Einführung zahlreicher technischer Neuerungen während der letzten Jahre
verspürt habe. So seien z.B. zahlreiche kleine Einzelhandelsgeschäfte
inzwischen von der Bildfläche verschwunden, während die Kettenläden,
Diskontläden und selbst die Warenhäuser in jüngster Zeit ihre Rationalisierungsbemühungen beträchtlich verstärkten. Zwar habe sich dieser
Mechanisierungstrend bisher in erster Linie auf die Bereiche der Lagerhaltung und Lagerkontrolle, der Verpackung und einige andere Tätigkeiten erstreckt, aber mit einer ähnlich starken Autoraationswelle wie
in der Fertigungsindustrie sei auch im Einzelhandel in naher Zukunft
zu rechnen.
Dies seien die Gründe gewesen, die die Gewerkschaft veranlaßt
hätten, sich weitaus stärker als bisher um die Sicherung der Arbeitsplätze und Erhaltung der Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Mitglieder zu bemühen.
*
Arbeiter den Angestellten gleichgestellt
Der erste Kollektivvertrag der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (UAW),der eine vollkommene tarifpolitisehe Gleichstellung
der Produktionsarbeiter mit den Angestellten zum Inhalt hat, ist kürzlich zwischen dem Ortsverein 55 der UAW und den "Sabo Machine and
Tool Works" in Buffalo abgeschlossen worden.
Wenn auch diese bedeutsame tarifvertragliche Vereinbarung mit
einem verhältnismäßig kleinen Unternehmen abgeschlossen wurde, so dürfte
sie doch für die künftige Lohnpolitik der Automobilarbeitergewerkschaft
von großer Bedeutung sein und auf die Vertragsverhandlungen - zumindest
bei Mittel- und Kleinbetrieben - in Zukunft großen Einfluß haben.
Der neue Dreijahresvertrag, der für die Produktionsarbeiter eine
Abkehr von dem bisherigen Lohnzahlungssystem (Wochenlohn) bringt und
ihnen all jene arbeitsrechtlichen Vergünstigungen einräumt, die bisher
nur den Angestellten vorbehalten waren, sieht für die Arbeiter - je

-

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�je nach Qualifikation und Arbeitsplatz - Jahresgehälter zwischen
5510 und 648O Dollar sowie Gehaltsaufbesserungen während der beiden
nächsten Jahre von jeweils 180 Dollar vor. Außerdem wurde die durchschnittliche Arbeitswoche von bisher 40 a uf 37»5 Stunden (5 Arbeitstage zu je 7 1/2 Stunden) herabgesetzt. Überstunden werden künftig
mit 150 Prozent des Normalsatzes vergütet, Samstags- und Sonntagsarbeit mit 200 und Peiertagsarbeit mit 300 Prozent.
Eine sehr wesentliche Verbesserung stellt auch die Regelung der
Feierschichtenvergütung sowie die Bezahlung von Krankheitsurlaub dar.
Während bei Feierschichten oder vorübergehender Entlassung das Gehalt
dem Arbeitnehmer (1 Monatsgehalt pro Dienstjahr) für eine bestimmte
Zeit weitergezahlt wird, erhält er bei Erkrankung seine Bezüge für
drei Monate und - wenn der Arzt ein längeres Aussetzen für erforderlich hält - noch darüber hinaus. Auch wenn der Arbeitnehmer gezwungen
ist, sich "aus wichtigen persönlichen Gründen" frei zu nehmen, kann
er für die Dauer von drei Monaten künftig sein volles Gehalt weiterbeziehen .
Zu den weiteren Verbesserungen, die die "Local 55" für ihre Mitglieder und sich selbst aushandeln konnte, gehören ein "Union Shop"Abkommen, Abzug der Gewerkschaftsbeiträge vom Gehalt; Gewährung eines
Lebenshaltungskostenausgleichs auf Grund der sogenannten "escalator
clause" (Lohngleitklausel), Bezahlung der Lebens- und Krankenversicherungsprämien durch den Unternehmer, Gewährung von sieben bezahlten
Feiertagen pro Jahr sowie bezahlter Urlaub bis zu vier Wochen (nach
20jähriger Dienstzeit).
(Quelle: Eigenbericht)

Bauarbeiterlöhne nur geringfügjg gestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne im amerikanischen Baugewerbe
sind im letzten Quartal 1962 nur um 0,4 Prozent oder 1,4 Cent angestiegen, wie aus der jüngsten - in 100 Städten und in sieben verschiedenen Bauberufen durchgeführten - Lohnanalyse des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht.
Nach den vorliegenden Ergebnissen betrug der im Baugewerbe gezahlte durchschnittliche Stundenlohn am Ende des vergangenen Jahres
3,98 Dollar. Die stärksten Lohngewinne verzeichneten im Erhebungszeitraum (Oktober-Dezember) die Elektriker (4&gt;9 Cent), gefolgt von
den Maurern und Klempnern mit 1,8 bzw. 1,6 Cent, während alle anderen
Bauberufe - Maler, Verputzer, Zimmerleute, Bauhilfsarbeiter - Lohnanhebungen von weniger als 1 Cent registrierten.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

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�je nach Qualifikation und Arbeitsplatz - Jahresgehälter zwischen
5510 und 648O Dollar sowie Gehaltsaufbesserungen während der beiden
nächsten Jahre von jeweils 180 Dollar vor. Außerdem wurde die durchschnittliche Arbeitswoche von bisher 40 auf 37»5 Stunden (5 Arbeitstage zu je 7 1/2 Stunden) herabgesetzt. Überstunden werden künftig
mit 150 Prozent des Normalsatzes vergütet, Samstags- und Sonntagsarbeit mit 200 und Feiertagsarbeit mit 300 Prozent.
Eine sehr wesentliche Verbesserung stellt auch die Regelung der
Feierschichtenvergütung sowie die Bezahlung von Krankheitsurlaub dar.
Während bei Feierschichten oder vorübergehender Entlassung das Gehalt
dem Arbeitnehmer (1 Monatsgehalt pro Dienstjähr) für eine bestimmte
Zeit weitergezahlt wird, erhält er bei Erkrankung seine Bezüge für
drei Monate und - wenn der Arzt ein längeres Aussetzen für erforderlich hält - noch darüber hinaus. Auch wenn der Arbeitnehmer gezwungen
ist, sich "aus wichtigen persönlichen Gründen" frei zu nehmen, kann
er für die Dauer von drei Monaten künftig sein volles Gehalt weiterbeziehen .
Zu den weiteren Verbesserungen, die die "Local 55" für ihre Mitglieder und sich selbst aushandeln konnte, gehören ein "Union Shop"Abkommen, Abzug der Gewerkschaftsbeiträge vom Gehalt; Gewährung eines
Lebenshaltungskostenausgleichs auf Grund der sogenannten "escalator
clause" (Lohngleitklausel), Bezahlung der Lebens- und Krankenversicherungsprämien durch den Unternehmer, Gewährung von sieben bezahlten
Feiertagen pro Jahr sowie bezahlter Urlaub bis zu vier Wochen (nach
20jähriger Dienstzeit).
(Quelle: Eigenbericht)

Bauarbeiterlöhne nur geringfügig gestiegen
Die durchschnittlichen Stundenlöhne im amerikanischen Baugewerbe
sind im letzten Quartal 1962 nur um 0,4 Prozent oder 1,4 Cent angestiegen, wie aus der jüngsten - in 100 Städten und in sieben verschiedenen Bauberufen durchgeführten - Lohnanalyse des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht.
Nach den vorliegenden Ergebnissen betrug der im Baugewerbe gezahlte durchschnittliche Stundenlohn am Ende des vergangenen Jahres
3,98 Dollar. Die stärksten Lohngewinne verzeichneten im Erhebungszeitraum (Oktober-Dezember) die Elektriker (4&gt;9 Cent), gefolgt von
den Maurern und Klempnern mit 1,8 bzw. 1,6 Cent, während alle anderen
Bauberufe - Maler, Verputzer, Zimmerleute, Bauhilfsarbeiter - Lohnanhebungen von weniger als 1 Cent registrierten.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

_

14

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USJS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 5

Bad Godesberg, den 1 . Mai

TW5

INHALTSVERZEICHNIS

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (ü)

Seite

1

Aktuelle Arbeitsraarktprobleme

Seite

6

Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst

Seite

9

Filmore LaDeaux - ein Arbeitnehmerporträt

Seite 11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 13

Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter

Zweiter Teil unserer Artikelreihe zu
Fragen der Heranbildung von Arbeitskräften für die Welt von morgen. Im Mittelpunkt der Betrachtungen steht die sich
bereits heute abzeichnende wachsende
Nachfrage nach "Kopfarbeitern" mit besonderen Fachkenntnissen und höherer
Bildung.

M. J. Rathbone, Präsident der Standard Oil Company of New Jersey:
Erfahrungen einer amerikanischen Ölgesellschaft mit ihren
Schulungsprogrammen im Ausland
Die Entwicklungsländer sehen sich, meiner Meinung nach, vier
grundlegenden Erfordernissen gegenüber:
Erstens benötigen sie Kapital, um Industrien aufzubauen, die
Landwirtschaft zu modernisieren und die notwendigen Versorgungseinrichtungen und Verkehrsanlagen zu erstellen.
Zweitens müssen sie ihren Bürgern eine bessere Erziehung und
Schulung angedeihen lassen, damit sie sich den Umweltbedingungen einer
modernen Industriegesellschaft anzupassen lernen.
_ .,
°
*
Drittens

�Drittens brauchen ihre Bürger den psychologischen Arbeitsanreiz,
den leistungsgerechte Gewinne oder Löhne darstellen, wie sie eine freie
Wettbewerbswirtschaft am ehesten zu bieten vermag.
Viertens gilt es, stabile politische Verhältnisse zu schaffen.
Es ist nicht zuletzt auch Aufgabe der Entwicklungsländer selbst,
diese Vorbedingungen für ihren weiteren Aufstieg zu erfüllen. Die
hochindustrialisierten Staaten aber sollten ihnen jede nur mögliche
Hilfestellung hierbei leisten. Das ist das Gebot der Stunde für unsere
demokratischen Institutionen: den Staat, das Erziehungswesen und die
Wirtschaft.
Der Staat hat dafür zu sorgen, daß jeder seiner Bürger eine angemessene Allgemeinbildung erhält. Er ist aber oftmals nicht in der Lage,
Ausbildungsmöglichkeiten gerade in jenen Fächern und Berufen bereitzustellen, die für das Funktionieren eine Industriegesellschaft am wichtigsten sind. Und gerade auf diesem Gebiet kann die private Wirtschaft
einen Beitrag leisten, der allen zugute kommen wird.
Ich darf aus eigener Erfahrung berichten, daß international tätige
Großfirmen wie die Standard Oi1 viel Mühe auf die Schulung und Weiterbildung von Menschen in allen Teilen der Welt verwenden. Es gehört mit
zu den Grundprinzipien sämtlicher unserer im Ausland tätigen Tochtergesellschaften, allen Betriebsangehörigen die Chance zur Erlernung neuer
und höherer Fertigkeiten und zur Mehrung ihres Wissens zu bieten.
Die meisten unserer Mitarbeiter haben früher oder später einmal
an einem oder mehreren allgemeinbildenden Lehrgängen oder an praktischen Schulungskursen im Betrieb teilgenommen. Diese Programme reichen
von Lehrgängen im Schweißen bis zur Unterweisung im Labor, im Raffineriebetrieb und in Verwaltungsfragen.
Wir stützen uns bei diesen Schulungsprogrammen weitgehend auf
amerikanische Fachkräfte, die wir in das betreffende Land entsenden.
Die meisten dieser "Erzieher" - und ich meine Erzieher in des Wortes
wahrster Bedeutung - kehren in ihre Heimat zurück, sobald sie Ersatzkräfte herangebildet haben, die ihre Aufgabe übernehmen können, Wir und
andere Betriebe haben gewissermaßen seit Jahren schon unser eigenes
"Friedenskorps" im Einsatz.
Damit niemand glaubt, irgendein Land sei so weit fortgeschritten,
daß es nicht noch vom Fachwissen anderer lernen kann, möchte ich auf
die vielen Lehr- und Ausbildungsstätten verweisen, die ausländische
Firmen hier in den Vereinigten Staaten zur Weiterbildung ihrer amerikanischen Mitarbeiter eingerichtet haben. Dieses Einfließen von Kenntnissen aus dem Ausland ist nur dazu angetan, uns zu lehren, wie wir
selbst es noch besser machen könnten.
Die Standard Oil unterhält ihrerseits z,wei Ausbildungsstätten
im Ausland, an denen Ingenieure und Fachkräfte für Management-, Buchhaltungs- und Verkaufsaufgaben geschult werden. Die eine befindet sich
in Abington (England), die andere in Cali (Kolumbien). Während der
letzten fünf Jahre haben 2000 Mitarbeiter an den Lehrgängen dieser
Institute teilgenommen.
Derartige
2

�Derartige Schulungsprogramrae sind nach unserer Auffassung von
größter Wichtigkeit, weil sie den Wissensstand unserer Mitarbeiter
h&gt;eben. Und ich bin sicher, daß die Kursteilnehmer mit neuem Wissen
und einem erweiterten geistigen Horizont in ihre Gemeinschaften zurückkehren und mehr als zuvor zur Förderung des Gemeinwohls beitragen
werden.
Die Schulung der Führungskräfte in Managementfragen erfolgt auf
Universitäten. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde über 500
ausländischen Mitarbeitern unserer Firma eine Fortführung und Vervollständigung ihres wirtschaftswissenschaftlichen Studiums an amerikanischen und auch ausländischen Universitäten ermöglicht. Eine unserer Tochtergesellschaften litt so stark unter dem Mangel an Führungskräften, daß wir in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Northwestern University in Chicago ein eigenes Institut in jenem Lande einrichteten und dort nicht nur Betriebsangehörige»sondern auch andere
Interessenten in Fortbildungskursen schulen ließen.
Der Erfolg unserer Schulungsarbeit läßt sich an der Zusammensetzung der Vorstände der 20 wichtigsten unserer Auslandstöchter ablesen. Bei elf dieser Unternehmen hat der Generaldirektor die Staatsangehörigkeit des Gastlandes; und von den insgesamt 116 Direktoren
sind 79» oder fast 60 Prozent, Nicht-Amerikaner. In den Führungspositionen der nächstniedrigeren Stufe ist der Anteil der Ortskräfte
noch weit höher und reicht in manchen Fällen fast an 100 Prozent heran.
Natürlich haben nicht nur die amerikanischen Ölgesellschaften,
sondern auch Unternehmen aus zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen
umfassende Auslandsschulungsprogramme eingerichtet. Sie haben wie wir
die Erfahrung machen müssen, daß die Entwicklung der wirtschaftlichen
Hilfsquellen und die Heranbildung von fähigen Arbeitskräften ein langwieriger und mit zahlreichen schweren Problemen verbundener Prozeß ist.
Ein solches Problem ist das "Abspringen" von ausländischen Firmenangehörigen. Es kommt ziemlich häufig vor, daß sich von uns geschulte
Kräfte, nachdem sie es zu etwas gebracht haben, einen neuen Arbeitsplatz bei einer anderen Firma oder im Staatsdienst suchen - sehr zum
Kummer der Betriebsleitungen unserer Tochtergesellschaften. Von höherer
Warte betrachtet, ist der Verlust aber nicht so schlimm, denn alles, was
die Entwicklung der Gesamtwirtschaft des Gastlandes fördert, wirkt
sich indirekt auch für uns wieder günstig aus.
Die Wirtschaft vermag auf internationaler Ebene noch manches zu
tun, um die Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus in vielen Gebieten
der Erde zu beschleunigen. Sie kann vor allem die qualitativen Anforderungen in der bereits laufenden Schulungsarbeit in vielen Fällen noch
höher schrauben. So viel die Industrie auch bereits auf dem Gebiet der
Schulung und Bildung weiter Bevölkerungsteile geleistet hat, gibt es
doch auch viele Beispiele eines glatten Versagens ausländischer Gesellschaften vor dieser Aufgabe. Hier sei nur die oftmals unsinnige
Verzögerung bei der Vorbereitung von Ortskräften auf Positionen herausgestellt, für die sie - nach entsprechender Schulung und Einarbeitung durchaus qualifiziert sind. Wir Amerikaner jedenfalls sind der Auffassung, daß wir im Falle einer Entsendung ins Ausland kaum etwas
Nützlicheres tun können, als nach Kräften zur Ausbildung unseres Nachfolgers auf unserem Platz beizutragen.
*

- 3-

�Ernst W. Leonhard:
Bewährte Institutionen zur Schulung landwirtschaftlicher Kräfte in
einem Entwicklungszeitalter
Zwischen dem derzeitigen Entwicklungszeitalter, das für viele
Völker Asiens und Afrikas angebrochen ist oder bald anbrechen wird,
und der Pionierzeit des vergangenen Jahrhunderts in den Vereinigten
Staaten besteht manche eindeutige Parallele. Für die Landwirtschaft
beispielsweise ist die Ausgangsbasis so ziemlich die gleiche. Es fehlt
weder an ertragsfähigem Boden noch an den Menschen, die ihn bestellen
könnten - es fehlen aber gewisse "technische" Voraussetzungen wie Geld,
Maschinen, eine straffe Organisation und, last not least, das notwendige
Fachwissen.
Gerade letzteres Problem hat Amerika beispielgebend zu lösen
verstanden, ernährt doch heute jeder amerikanische Farmer sich und
27 Menschen im In- und Ausland. Er verdankt dies neben seiner Ausrüstung, seinem Fleiß auch seinem Kopf - seinem Fachwissen.
Die Bauern und Handwerker, die vor einem runden Jahrhundert mit
ihren, Familien, dem Zuge nach dem Westen folgend, in das Gebiet der
Great Plains, der Großen Ebenen, in den nördlichen Zentralstaaten kamen und dort neue Farmen und neue Betriebe gründeten, erkannten sehr
rasch, wie wichtig eine gründliche schulische Ausbildung für ihre
Söhne und Töchter gerade am Rande der Wildnis war. Sie verlangten nach
Schulen und Hochschulen, die in erster Linie auf die praktischen Erfordernisse des Lebens zugeschnitten waren. Sie durften nicht viel
kosten und sollten Unterricht und Forschung auf die Notwendigkeit
ausrichten, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, die allgemeinen Lebensbedingungen auf dem Lande zu verbessern und für die aufstrebende Industrie des jungen Landes tüchtigen Nachwuchs heranzubilden.
Der Kongreß hatte Verständnis für diese Wünsche und erließ deshalb im Jahre 1862 das Morrill-Gesetz, das die Errichtung von mindestens einer agrarwissenschaftlich-technischen Hochschule in jedem Bundesstaat verfügte. Die Finanzierung dieser Hochschulen wurde durch die
Übereignung von Bundesland an die Einzelstaaten zum Zwecke des Verkaufs
an meistbietende Interessenten gesichert, weshalb die auf Grund des
Morrill-Gesetzes geschaffenen Institute noch heute die Bezeichnung
Land-Grant College, "Landdotationshochschule", führen. Das System
der Dotations-Colleges umfaßt gegenwärtig 71 Anstalten, die 1962
ein Fünftel der gesamten amerikanischen Studentenschaft auf sich vereinigten, und auf die 40 Prozent sämtlicher in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten verliehenen Doktorgrade entfielen.
Jede dieser Anstalten ist auf die Bedürfnisse des Bundesstaates
zugeschnitten, in dem sie liegt. Ein typisches Beispiel ist die naturwissenschaftlich-technische Staatsuniversität von Iowa in Arnes,
die als erste in die Rechte und Pflichten einer Hochschule im Sinne
des Morrill-Gesetzes eintrat. Heute zählt sie 10 000 Studenten; statt
je eines Kurses in "Landwirtschaft" und "Maschinenbau" bietet sie Vorlesungen in 80 Haupt- und Nebenfächern auf den Gebieten der Landwirtschaft, der Technik, der Hauswirtschaft, der Natur- und Geisteswissenschaften und der Veterinärmedizin.
T&gt;„IJ

�Bald zeigte sich, daß die Hochschulen, eine so segensreiche Tätigkeit sie auch entfalteten, allein nicht ausreichten, um genügend
Wissen ins Volk zu tragen. Da es sich als unmöglich erwies, Bauern
und Farmer in genügend großer Zahl in die Hörsäle zu holen, entschlossen sich einige der Colleges, die erarbeiteten neuen agrarwissenschaftlichen Erkenntnisse unmittelbar unter der Landbevölkerung zu verbreiten - unter den Menschen, die sie am ehesten und wirksamsten in die
Praxis umsetzen konnten. Schon 1870 hat beispielsweise der Präsident
der Iowa State University einen Fünftagekurs für Farmer in einer
Kreisstadt abgehalten.
Aus diesen Anfängen entwickelte sich im Lauf der Jahre, zuerst
auf lokaler und später auf einzelstaatlicher Ebene, ein ständiger
Kontakt zwischen Hochschule und Landvolk. Die Ausdehnung dieser Aufklärungsarbeit auf dem Lande auf das gesamte Bundesgebiet brachte die
Schaffung des sogenannten Landwirtschaftlichen Beratungsdienstes, des
Agricultural Extension Service, durch das 1914 erlassene Smith-LeverGesetz. Der Beratungsdienst, der sich vor allem auf die DotationsColleges stützt, wurde dem US-Landwirtschaftsministerium unterstellt
und entsendet heute in jeden Kreis einen oder mehrere Berater, sogenannte "Kreisagenten". Sie organisieren land- und hauswirtschaftliche
Lehrgänge für die Landbevölkerung, unterweisen die Farmer in neuen
Anbaumethoden, klären sie über die landwirtschaftsfordernden Maßnahmen
der Regierung und die Marktaussichten für ihre Erzeugnisse auf. Die
Kreisagenten organisieren auch Großaktionen wie zum Beispiel die Aufforstung kahlgeschlagener Gebiete. Nicht selten bestreiten sie auch
den Landwirtschaftsfunk im Regionalprogramm des Lokalsenders und versorgen die Presse mit wichtigen Informationen aus dem Bereich der
Landwirtschaft.
Die Landwirtschafts-Colleges wiederum tun alle s, um die Arbeit
der rund 6 300 Kreisagenten zu fördern. Sie stellen Lehrkräfte für spezielle Kurse zur Verfügung und betreiben Musterfaraon und Versuchsanstalten in den Hauptanbaugebieten.
Das letzte Glied schließlich in der Kette der landwirtschaftlichen
Schulung sind die Farmjugend-Gruppen, die sogenannten 4 H-Clubs, deren
vier "H" die Anfangsbuchstaben der englischen Worte für Kopf, Herz, Hand
und Gesundheit symbolisieren. In rund 94 000 Ortsvereinen wetteifern
über 2,3 Millionen Jungen und Mädchen miteinander um Bundespreise
in Ackerbau und Viehzucht. So erlernen sie in einer Art sportlichem
Wettkampf in der täglichen Arbeit auf dem Hof und auf den Feldern modernste agrarwissenschaftliche Methoden. Die Aufsicht über die örtlichen
4 H-Clubs obliegt wiederum den Kreisagenten, die mithin ständig in
engstem Kontakt auch mit der Landjugend stehen.
Wie leistungsfähig dieses Erziehungssystem in der Praxis ist, läßt
sich wohl am besten an den hohen Erträgen der amerikanischen Landwirtschaft ablesen. Diese hohe Produktivität ist das Ergebnis der Verwendung
modernster Maschinen im Verein mit der Anwendung der neuesten Erkenntnisse der landwirtschaftlichen Forschung, wie sie von den Universitäten
und den landwirtschaftlichen Versuchsanstalten des Bundes und der Einzelstaaten betrieben wird.
Das

�Das amerikanische Beispiel dürfte gerade für die Entwicklungsländer, die weitgehend noch zu den Hungergebieten der Erde zählen,
sehr ermutigend sein, gilt es doch dort, möglichst rasch eine leistungsstarke Landwirtschaft aufzubauen. Sie erst kann das Brot schaffen, das der Arbeit Lohn auch in jenen Ländern werden soll.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * #

Aktuelle Arbeitsmarktprobleme
Gezielte Maßnahmen zur Lösung der Arbeitsmarktprobleme
Eine wesentliche Voraussetzung für ein kontinuierliches und kräftiges wirtschaftliches Wachstum ist ein leistungsfähiges, hochqualifiziertes und voll eingesetztes Arbeitspotential. Ist diese Grundbedingung in einer Volkswirtschaft nicht gegeben, so ist auch eine maximale
Hutzung der anderen wichtigen Hilfsquellen wie Kapital, Rohstoffe, Boden und Industriekapazität nicht möglich.
Die Einbeziehung brachliegender Arbeitsreserven in den wirtschaftlichen Prozeß ist gegenwärtig ein Problem, mit dem sich zahlreiche Länder auseinanderzusetzen haben. Auch die Vereinigten Staaten haben in
dieser Hinsicht gegen zahlreiche spezielle Schwierigkeiten anzukämpfen:
Rund 2 Millionen neue Arbeitsplätze müssen pro Jahr für Schulentlassene
und jene älteren Arbeitnehmer gefunden werden, die ihren Arbeitsplatz
auf Grund technologischer Veränderungen verloren haben; die wirtschaftliche Wachstumsrate muß so stark erhöht werden, daß die sich ständig
vergrößernde Zahl der Arbeitnehmer auch in Zukunft ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten vorfindet.
All diese Arbeitsmarkt- und Wachstumsprobleme werden auch in dem
jetzt veröffentlichten ersten Bericht Präsident Kennedys über die allgemeine Beschäftigungssituation in den USA angesprochen, der mehr als
nur ein statistisches Dokument darstellt. Bekanntlich ist ja die amerikanische Regierung auf Grund des "Manpower Training and Development Act
of 1962" verpflichtet, jährlich einen umfassenden Bericht über die
Arbeitsmarktsituation und die allgemeinen Probleme zu veröffentlichen
und Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie und in welcher Form jeder
Arbeitswillige produktiv in die Wirtschaft eingegliedert werden kann.
Die heutigen Arbeitsmarktprobleme, denen sich die USA gegenübersehen, sind in erster Linie die Folge der zahlreichen technologischen
und strukturellen Veränderungen, die sich nun schon seit rund zehn
Jahren in verstärktem Maße in der amerikanischen Wirtschaft vollziehen
und die - bei gleichzeitigem stetigen Anstieg der Gesamtbeschäftigten-

- 6 -

�Gesamtbeschäftigtenziffer - eine nicht unerhebliche Erwerbslosigkeit
brachten. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die Zahl
der jährlich neu geschaffenen Arbeitsplätze seit 1957 nicht im gleichen Verhältnis wie die Arbeitnehmerzahl angestiegen ist. Die in den
vergangenen Jahren erzielten Produktionsgewinne resultierten nämlich
fast ausschließlich aus der höheren Produktivität und nicht aus dem
Einsatz von mehr Arbeitskräften.
Mit ständig steigendem Lebensstandard haben sich außerdem einige
sehr wesentliche Veränderungen in den Verbrauchergewohnheiten ergeben,
die u.a. in der Schwerpunktverlagerung von der Güterproduktion auf die
Dienstleistungszweige sichtbar zum Ausdruck kommen. Die sich in den
letzten Jahren immer schneller ausbreitende Automation hat schließlich zu einer stetigen Anhebung der Arbeitsplatzanforderungen in der
Gesamtwirtschaft geführt - eine Entwicklung, die auch darin ihren
Niederschlag findet, daß die größte Wachstumsrate jene Arbeitsplätze
aufzuweisen haben, die ein Hochschulstudium, Spezialwissen oder eine
besondere Fachausbildung voraussetzen, und daß die größte Arbeitslosigkeit unter den jungen Arbeitnehmern und bei solchen herrscht, die
entweder technisch inzwischen überholte Berufe ausübten, in rückläufigen Industriezweigen tätig gewesen sind oder keine Facharbeiterausbildung aufweisen.
Typisch für die Veränderungen, die inzwischen stattgefunden haben, ist übrigens auch die Tatsache, daß, obwohl die Erwerbslosenrate
gegenwärtig 6,1 Prozent beträgt, doch eine nicht unwesentliche Zahl
offener Arbeitsplätze für Arbeitnehmer mit Spezialausbildung und
höheren Qualifikationen vorhanden ist.
Das derzeitige Arbeitsmarktproblem besteht also in erster Linie
darin, das verfügbare Arbeitspotential den veränderten Gegebenheiten
in Industrie und Wirtschaft anzupassen und gleichzeitig die seit 1957
rückläufige wirtschaftliche Wachstumsrate wesentlich zu erhöhen. Dieses Ziel streben auch die von Präsident Kennedy in seinem Bericht gemachten Vorschläge an, die darauf abgestimmt sind, einmal die gesamtwirtschaftliche Aktivität (durch Senkung der Einkommensteuer) zu erhöhen und zum anderen die "strukturellen" Arbeitslosen im Rahmen von
Umschulungs- und Jugendförderungsprogrammen (Jugend-Aufbaukorps Nationaler Hilfsdienst) auf Zukunftsberufe umzuschulen.
Alle diese Maßnahmen sind als Ergänzung für die bereits angelaufenen Programme gedacht - wie etwa das Entwicklungsprogramm für die
wirtschaftlichen Notstandsgebiete mit hoher Arbeitslosigkeit oder
das vom Bund finanziell unterstützte Umschulungsprogramm für
technologische Arbeitslose, in dessen Rahmen bereits 40 000 Arbeitnehmer umgeschult werden.

(Quelle: Eigenbericht)

i

7 -

�Verbesserte Beschäftigungslage - aber Kernprobleme bleiben bestehen
Mit der Erhöhung der allgemeinen wirtschaftlichen Aktivität in
den vergangenen Wochen hat sich auch die Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt wesentlich gebessert. Erfreulich ist dabei, daß die Auftriebsmomente in diesem Jahr stärker sind als sonst jahreszeitlich
üblich.
Dies gilt vor allem für die Beschäftigtenziffer, die zwischen
Februar und März um 790 000 auf 67,148 Millionen anstieg. Aber auch
die Erwerbslosenziffer, die von 4»918 auf 4&gt;501 Millionen zurückging,
entwickelte sich sehr günstig - desgleichen die Erwerbslosenrate, die
von 6,1 auf 5»6 Prozent absank und damit den stärksten Monatsrückgang
seit vier Jahren aufwies.
Aber auch die verschiedenen Trends, die gegenwärtig die Lage am
Arbeitsmarkt bestimmen, sind alles in allem sehr ermutigend. So ist
z.B. den Lageberichten des US-Arbeitsministeriums zu entnehmen, daß in
erster Linie Erwachsene in neue Arbeitsplätze vermittelt wurden, und
zwar hauptsächlich solche, die eine ganztägige Beschäftigung suchten;
daß die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche weiter zugenommen hat
und die Zahl der Anträge auf Erwerbslosenunterstützung weiter rückläufig war.
Trotz dieser günstigen Entwicklung bleibt die Lage am Arbeitsmarkt
jedoch insofern weiterhin unbefriedigend, als eine Erwerbslosenrate
von 5»6 Prozent immer noch erheblich über dem Hundertsatz (4 Prozent)
liegt, den die Regierung Kennedy als wünschenswert und volkswirtschaftlich tragbar erachtet. Ob diese Rate allein mit konjunkturpolitischen Mitteln erreicht werden kann, ist sehr zweifelhaft, da der
Problemkern der Arbeitslosigkeit in den USA tiefer liegt.
Im Zuge der großen technischen Umwälzungen, die sich in den vergangenen Jahren in der amerikanischen Wirtschaft vollzogen haben, hat
sich nämlich nicht nur der Arbeitsmarkt, sondern auch die industrielle
Beschäftigungsstruktur ganz erheblich verändert. Während einerseits
die Nachfrage nach ungelernten Arbeitern stark zurückgegangen ist, hat
sich andererseits der Bedarf an höher qualifizierten Arbeitskräften
sprunghaft erhöht. Um das vorhandene Arbeitspotential voll in den Wirtschaftsprozeß eingliedern zu können, sind daher außer den wirtschaftspolitischen noch eine Reihe gezielter Maßnahmen auf dem Gehiet der
Erziehung, Ausbildung und Umschulung erforderlich.
Wie brennend dieses Problem der Anpassung des Arbeitspotentials
an die neuen Gegebenheiten inzwischen geworden ist, zeigt eine sehr
aufschlußreiche Analyse der "Chase Manhattan Bank" in New York über
die gegenwärtige Struktur der Erwerbslosigkeit in den Vereinigten
Staaten. Danach besteht die größte Arbeitslosigkeit heute in der Gruppe
der ungelernten nichtlandwirtschaftlichen Arbeitskräfte, während die
akademischen und technischen Fachberufe den geringsten Grad der Erwerbslosigkeit aufweisen.
Bei

8

-

�Bei einer Aufschlüsselung der derzeitigen Arbeitslosen nach
dem Lebensalter zeigt sich ferner, daß gerade die jüngeren Jahrgänge - und hier wieder insbesondere die Gruppe der noch nicht 20jährigen - am stärksten von der Erwerbslosigkeit betroffen sind und
daß der geringste Prozentsatz der Arbeitslosigkeit bei solchen
männlichen und weiblichen Arbeitnehmern zu verzeichnen ist, die in
der Blüte ihres Erwerbslebens stehen - also den 30-50jährigen.
Bezeichnend für den allgemeinen Beschäftigungstrend in den USA sind
auch die Feststellungen in der Analyse der Chase Manhattan Bank
über das Verhältnis zwischen Bildungsniveau und Arbeitslosigkeit.
Hier zeigt sich nämlich, daß der Anteil der Erwerbslosen mit Oberschul- und teilweiser College-Ausbildung an der Gesamtarbeitslosenzahl zwischen 1950 und 196O von 2,3 a u f 1»4 Prozent zurückgegangen
ist, während andererseits der Anteil bei den Volksschülern, die weniger als 12 Schuljahre aufzuweisen haben, beträchtlich zugenommen
hat.
Schon diese kurzen Beispiele dürften gezeigt haben, daß das Arbeitslosenproblem in den USA zu einem großen Teil auch ein Erziehungsund Ausbildungsproblem ist, das in den kommenden Jahren noch dadurch
kompliziert wird, daß die Zahl der Schulentlassenen sprunghaft ansteigt .
Die amerikanische Regierung hat dieses Problem schon seit langem
erkannt und sich in den vergangenen zwei Jahren intensiv darum bemüht,
durch Verabschiedung zahlreicher Maßnahmen und Programme (größere Bundesmittel für das Erziehungswesen, Ausbildung von Arbeitskräften und
Umschulung auf zukunftssichere Berufe, Bundesmittel für die wirtschaftlichen Notstandsgebiete, Förderungsprogramme für die Jugend) dieser
Entwicklung Rechnung zu tragen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst
Zu den bemerkenswertesten Entwicklungen auf dem amerikanischen
Arbeitsmarkt während der Nachkriegs jähre gehört zweifellos das starke
Vordringen der weiblichen Arbeitskräfte. Rund 1/3 des derzeitigen
Arbeitspotentials der USA - das sind rund 24 Millionen - sind Frauen.
Im Vergleich zu 1939 ist damit eine Zunahme um etwa das Doppelte eingetreten.
Aber nicht nur die Zahl der werktätigen Frauen hat sich in diesem
Zeitraum erhöht, auch das allgemeine Beschäftigungsniveau dieses Arbeitnehmerkreises ist in all den Jahren ständig angestiegen. Dies liegt
einerseits daran, daß die Frauen in immer neue Berufe eingedrungen
sind, zum anderen an dem allgemein höheren Bildungsgrad.
Die

�Die Folge dieser Entwicklung ist, daß Frauen heute in zunehmendem Maße auch in jenen Berufsgruppen und Positionen anzutreffen sind,
die früher fast ausschließlich den Männern vorbehalten waren. Dies
gilt sowohl für die Privatwirtschaft als auch für den öffentlichen
Dienst.
über die Entwicklung der Frauenarbeit im amerikanischen Regierungsdienst gibt eine von der Abteilung für Frauenfragen des US-Arbeitsministeriums jetzt herausgegebene Broschüre sehr interessante
Aufschlüsse, die den Titel "Frauen im Regierungsdienst 1939-1959"
(Women in the Federal Service, 1939-1959) trägt. Danach hat sich
der Anteil der Frauen an jenen höheren Positionen, die ein Fachstudium oder eine akademische Ausbildung erfordern, zwischen 1939 und
1959 von acht auf 18 Prozent erhöht. Mit 34 758 weiblichen Angestellten in diesen Kategorien hat sich die Gesamtzahl seit 1939 um das
5 l/2fache erhöht.
Natürlich besteht die überwiegende Mehrheit der weiblichen Arbeitnehmer im Regierungsdienst auch heute noch aus Büroangestellten
und Schreibkräften. Ihr Anteil an der Gesamtzahl (576 000) der weiblichen Angestellten belief sich 1959 immer noch auf 78 Prozent. Dennoch
hat sich der Anteil der Akademikerinnen prozentual weitaus stärker
erhöht, was zum größten Teil darauf zurückzuführen ist, daß sie, wie
in dem Bericht betont wird, "Hervorragendes in ihren Tätigkeitsbereichen leisten" .
Zwar habe in den vergangenen Jahren auch die Zahl der weiblichen
Akademikerinnen im öffentlichen Dienst mit einem Rechts-, Medizin- oder
Ingenieurstudium weiter zugenommen, aber die größten Anstiege seien
doch in Berufen festzustellen gewesen, die für die weiblichen Arbeitnehmer bessere Aufstiegsmöglichkeiten böten. So sei z.B. die Zahl
der Mathematikerinnen und Statistikerinnen allein in den vergangenen
20 Jahren um das Zwölffache angestiegen.
Auch in den volkswirtschaftlichen, sozial- und naturwissenschaftlichen Tätigkeitsbereichen ist dem Bericht zufolge die Zahl der weiblichen Arbeitnehmer seit 1939 ständig angewachsen. In der Gruppe der
Chemiker wurden z.B. 1959 14 Prozent sämtlicher Arbeitsplätze von
Frauen besetzt, während vor 20 Jahren der Anteil lediglich drei Prozent betrug.
Die Gesamtzunahme der Zahl weiblicher Arbeitnehmer im Regierungsdienst ist, wie in der Broschüre betont wird, in erster Linie durch
die Ausweitung der Tätigkeitsbereiche der Regierung auf den Gebieten
der Wirtschaft und der Verteidigung bedingt gewesen. Rund die Hälfte
der 576 000 weiblichen Arbeitnehmer wurde Ende 1959 allein von militärischen Dienststellen beschäftigt,^während ein weiteres Viertel
im US-Amt für Kriegsteilnehmerversorgung, im US-Postministerium und
im Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen tätig war.

(Quelle: Eigenbericht)

******

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10 -

�Filmore LaDeaux - ein Arbeitnehmerporträt
Filmore LaDeaux ist Prüftechniker bei den Zenith-Radio- und
Fernaehwerken in Chicago - ein Nachkomme des berühmten Sioux-Häuptlings "Rote Wolke" und Angehöriger des Stamms der Oglala. Der Name
LaDeaux leitet sich von dem einzigen Weißen in der Reihe seiner
Vorfahren her, einem Franzosen.
Die indianische Kolonie in Chicago schätzt ihn als eines ihrer
aktivsten Mitglieder. Ob es sich darum handelt, einer mittellos in
Chicago zugewanderten Rothaut zu helfen oder die Jugend die alten
indianischen Tänze zu lehren: Filmore ist immer zur Stelle. Trotz
solcher Anerkennung fühlt er sich als einfacher Arbeiter: "Ich bin ein
Mensch mit geringen Ansprüchen und Freude an simplen Vergnügungen",
sagt er von sich selbst.
Geboren wurde Filmore LaDeaux vor etwas mehr als 40 Jahren eineinhalbtausend Kilometer von Chicago entfernt am Rande der Black Hills
in dem Dorf La Creek im Staate South Dakota. Er ist ziemlich weit
herumgekommen - als Soldat im zweiten Weltkrieg sogar bis nach Europa.
Zum Radio- und Fernsehtechniker wurde er nach seiner Entlassung aus
dem Wehrdienst an der rundfunktechnischen Fachschule in Detroit im Staate
Michigan ausgebildet.
In Detroit lernte Filmore auch seine spätere Frau Katherine kennen,
eine Weiße englisch-irischer Abstammung. Sie hat ihm im Lauf der Jahre
fünf Kinder geboren. 1957 siedelten die LaDeaux nach Chicago über, wo
die Zenith Radio Corporation Filmore einen guten "Job" anbot: die Qualitätsprüfung der vom Band rollenden Fernsehgeräte. Normal arbeitet die
Belegschaft 8 Stunden am Tag, 40 in der Woche . In Zeiten langsameren
Geschäftsganges kommt es auch mal zu einer Herabsetzung der Arbeitszeit; bei Hochkonjunktur heißt es dafür Überstunden machen, so daß
aus den 40 oft 50 Stunden werden, wobei die Überstunden natürlich mit
150 Prozent des normalen Stundenlohns abgegolten werden.
Die Gewerkschaft der Hochfrequenztechniker - die Radionic Workers
of America -, der LaDeaux und seine Arbeitskollegen angehören, hat für
ihre Mitglieder mit Zenith ein Tarifabkommen getroffen, das den Beschäftigten eine Reihe von Lohnneben- und Sozialleistungen sichert.
Die Firma trägt die Kosten für eine zusätzliche Krankenkosten- und
Rentenversicherung und gewährt einen beträchtlichen Zuschuß zu den
Beiträgen zu einer Lebensversicherung. Ein Teil des Firmengewinns
wird jährlich an einen Treuhandfonds abgeführt, aus dem - als eine Art
Gewinnbeteiligung - den Mitarbeitern der Zenith eine Zusatzrente zur
Altersrente aus der staatlichen Sozialversicherung gezahlt wird. Scheidet ein Werksangehöriger vorzeitig aus dem Arbeitsverhältnis aus, so
erhält er seinen angesammelten Anteil ausgezahlt; im Todesfalle fällt
er den Erben zu.
Filmore LaDeaux wohnt mit den Seinen in einem der älteren Stadtviertel Chicagos. Die Straßen sind nicht sehr weiträumig angelegt, aber
sauber und ruhig. Mrs. LaDeaux macht fast die ganze Hausarbeit selbst.
Ein Waschautomat und andere Elektrogeräte erleichtern ihr diese Aufgabe
etwas, und auch die "großen" Kinder helfen schon tüchtig mit. Eine

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�Eine geräumige Kühltruhe gestattet es ihr, Fleisch und Gemüse auf
Vorrat einzukaufen. Filmore repariert in seiner Freizeit auch noch so
manchen Fernsehapparat "auf eigene Rechnung" und hilft damit dem Familienbudget etwas auf.
Die ganze Liebe der Familie gilt der Pflege des indianischen
Brauchtums; die Gelegenheit hierzu bietet das "Indianerzentrum" der
Stadt, das American Indian Center. Das Institut ist von morgens bis
abends geöffnet und veranstaltet laufend Ausstellungen indianischer
Kunst und kunsthandwerklicher Erzeugnisse. Hier erwachen auch die
alten indianischen Tänze zu neuem Leben, auf die sich Filmore noch
sehr gut versteht. Er hat sie inzwischen längst auch seinen Kindern
beigebracht und sie auch die Sprache der Sioux gelehrt.
Filmore spricht nicht viel. Dabei ist er ein rechter Philosoph
und Lebenskünstler: "Wir haben unser Auskommen. Ich muß schwer arbeiten und verdiene: nicht gerade sehr viel; mir macht aber das Leben,
das ich mir aufbauen konnte, sehr viel Spaß."
Natürlich träumen auch die LaDeaux so manchen Traum. Der wichtigste aber dürfte, seiner Bescheidenheit wegen, wohl schon bald in
Erfüllung gehen: ein kleines Häuschen in South Dakota, aus Baumstämmen
selbst gefügt. Dann wünscht sich Filmore noch einen alten Lastwagen
oder Bus, um ihn als Radio- und Fernsehwerkstatt auszurüsten und damit,
Nomade, der er ist, von Dorf zu Dorf zu ziehen. Mit 65 Jahren wird dann
noch die Altersrente aus der Sozialversicherung und eventuell eine
Zusatzrente aus der Betriebsversicherung dazukommen - die LaDeaux haben wirklich wenig Grund, sich um ihre persönliche Zukunft Sorge zu
machen. Ist es erst einmal so weit, will Filmore auch nicht mehr über
die Dörfer fahren und Radios reparieren, sondern an einem See oder
Fluß in der Nähe seines Häuschens fischen gehen.
Besonderes Vergnügen werden ihm sicher in seinen alten Tagen die
Powwows bereiten, die Stammeszusammenkünfte der Indianer, auf denen
in langem Palaver Wichtiges - und Unwichtiges - erörtert und Kriegstänze aufgeführt werden. Dann wird Filmore Zeit genug haben, um von
Anfang bis Ende dabeizusein. Doch heute schon steht in LaDeaux Garage
ein großer Kombi, der ihn und seine Familie gelegentlich zu derartigen
Veranstaltungen bringt. Und Mrs. LaDeaux, die Weiße, hat inzwischen im
Schneidern der Kostüme für solche Powwows die Handfertigkeit einer Indianersquaw erworben.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Strittige Arbeitsfragen bei den Eisenbahnen beigelegt
Die letzten fünf Punkte, die bisher bei der Auseinandersetzung
zwischen der Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten("Brotherhood of
Railway Clerks") und der "Southern Pacific" über Arbeitsfragen nicht
in Verhandlungen zwischen den beiden Sozialpartnern geklärt werden
konnten, sind jetzt von einem dreiköpfigen Schiedsausschuß entschieden worden.
Der unter dem Vorsitz des bekannten Professors für Arbeitsfragen
der Stanford-Universität J. Keith Mann stehende und mit je einem Vertreter der beiden Sozialpartner als Beisitzer tagende Ausschuß hat dabei folgende verbindliche Empfehlungen bekanntgegeben:
Die Eisenbahngesellschaft wird zusammen mit der Gewerkschaft ein
Umschulungs- und Ausbildungsprogramm für alle jene Arbeitnehmer durchführen, die ihren Arbeitsplatz auf Grund der Einführung neuer, arbeitsparender Maschinen verloren haben, damit diese, entsprechend ihren
Fähigkeiten und ihrem Dienstalter, an neue Arbeitsplätze im Unternehmen
selbst umgesetzt werden können. Während der Umschulungszeit werden sie
als Beihilfe pro Tag 19 Dollar erhalten.
Entlassungen, die auf Grund wirtschaftlicher Einflüsse vorgenommen
werden müssen, sind dann wieder rückgängig zu machen, wenn sich die wir
schaftliche Lage bessert. Die Arbeitsplätze müssen dann im gleichen Ver
hältnis, in dem Einschränkungen vorgenommen wurden, wieder eingerichtet
werden .
Arbeitnehmer, die nur vorübergehend entlassen werden, können erst
nach einer Wartezeit von sechs Monaten die Unterstützungsleistungen vom
Unternehmen erhalten, die dieses an jene Arbeitnehmer zahlt, welche
ihren Arbeitsplatz ganz verloren haben.
Schließlich wird die Eisenbahngesellschaft die über eine Stunde
hinaus gehende Zeit als normale Arbeitszeit vergüten, die der Arbeitnehmer braucht, um von seiner Wohnung an seinen Arbeitsplatz zu gelangen. Ebenso werden in Zukunft alle Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz nicht an ihrem Wohnort haben, pro Tag 7»50 Dollar Trennungsentschädigung erhalten.
(Quelle: Eigenbericht)

Gesamtguthaben der privaten Wohlfahrts- und Pensionsfonds
52 Mrd. Dollar
Der Vermögensstand der insgesamt 120 510 melde- und offenlegungspflichtigen privaten amerikanischen Wohlfahrts- und Pensionsfonds belief sich Ende 196O auf insgesamt 33,4 Mrd. Dollar, wie aus einer
Untersuchung des US-Arbeitsministeriums hervorgeht.

Zu

�Zu dieser Summe kommen noch Guthaben in Höhe von 18,8 Mrd.
Dollar, die von den Versicherungen als Deckungsreserve für die Gewährleistung der Pensions- und Altersversorgungsleistungen von rückversicherten Plänen gehalten werden.
Die Gesamtsumme von 52,2 Mrd. Dollar stellt eine Zunahme der Gesamtguthaben gegenüber 1959 um 4»5 Mrd. Dollar dar.
Wie aus dem Bericht des US-Arbeitsministeriums weiter zu entnehmen
ist, verfügten Ende 1960 1050 Wohlfahrts- und Pensionspläne über
Guthaben von 5 Millionen Dollar und mehr; davon waren 98O Pensionsund 70 Wohlfahrtspläne. Rund 100 Pläne - 90 Pensions- und 10 Wohlfahrtspläne - wiesen jeweils ein Guthaben von über 50 Millionen Dollar
auf.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

14 -

�internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
l SIS Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Der Erfolgsbeteiligungsplan der Kaiser-Stahlwerke

Seite

1

Maschinistengewerkschaft feiert 75jähriges Bestehen

Seite

12

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

13

Der Erfolftsbeteiligungsplan der Kaiser-Stahlwerke

Im folgenden bringen wir die wichtigsten Bestimmungen des zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America - USY/)
und der Kaiser Steel Corporation vereinbarten
Erfolgsbeteiligungsplans, der am 1. März 1963
in Kraft trat. Der Plan, das Ergebnis dreijähriger Beratungen, wurde von einem aus je drei Vertretern der Gewerkschaft und des Unternehmens
sowie drei neutralen Fachleuten (zwei Universitätsprofessoren und ein Schiedsmann für Arbeitsstreitigkeiten) bestehenden Ausschuß ausgearbeitet .
Die für die Berechnung des Erfolgsanteils unwesentlichen Abschnitte werden in der vorliegenden Übersetzung nur zusammenfassend referiert.

Abschnitt I und II
Die beiden ersten Abschnitte enthalten lediglich Eingangsbestimmungen.
Abschnitt III - Geltungsbereich
Der Plan gilt für sämtliche Beschäftigten des Werks Fontana (Kalifornien) der Kaiser Steel Corporation, die von der Amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America) vertreten werden.
Er tritt am 1. März 1963 in Kraft.
Abschnitt IV

�Abschnitt IV - Sicherung des Arbeitsplatzes
Um durch gemeinsame Anstrengungen und so rasch, wie entsprechende Verbesserungen nur gemacht werden können, die höchstmögliche Produktivitätssteigerung zu erzielen, ist es notwendig, nicht nur dafür
Sorge zu tragen, daß die Ergebnisse derartiger Produktivitätssteigerungen der Gesellschaft und ihren Beschäftigten gleichermaßen zugute
kommen, sondern auch den Beschäftigten einen ausreichenden Schutz ge^
gen den Verlust des Arbeitsplatzes oder Einkommenseinbußen zu bieten,
die derartige Maßnahmen andernfalls nach sich ziehen könnten. Um diesen Zweck zu erreichen und die größtmögliche Produktivitätssteigerung
herbeizuführen, sind die folgenden Maßnahmen zu ergreifen. Keine der
nachstehenden Bestimmungen ist jedoch dahin gehend auszulegen, daß sie
die Gesellschaft zu Neueinstellungen zwingt.
A. Beschäftigungsgarantie 1. Zweck dieser Bestimmung ist es, den
Beschäftigten vom Tag des Inkrafttretens dieses Plans an einen ausreichenden Schutz gegen den Verlust der Beschäftigungsmöglichkeit auf Grund
technischer Veränderungen, neuer oder verbesserter Arbeitsmethoden oder
irgendwelcher anderer Veränderungen im Betrieb zu bieten, die nicht auf
eine Verringerung des Arbeitsstundenanfalls auf Grund eines Rückgangs
der Fertigung von Stahlendprodukten oder eine Änderung des Produktionsprogramms oder der Produktionserfordernisse zurückzuführen sind. Dieser
Schutz ist durch die Schaffung einer auf das gesarate Werk auszudehnenden Arbeitsreserve zu gewährleisten...
Zusammenfassung der restlichen Bestimmungen des Abschnitts IV:
Anspruch auf Beschäftigung in der Arbeitsreserve im Falle einer
andernfalls notwendig werdenden Ausstellung besteht frühestens
nach 26wöchiger Betriebszugehörigkeit. Ist der Höchststand der
Arbeitsreserve (siehe weiter unten) erreicht, ist eine Ausstellung zulässig; sie ist jedoch rückgängig zu machen, sobald die
Zahl der Angehörigen der Arbeitsreserve den Höchststand unterschreitet. Jeder Angehörige der Arbeitsreserve ist verpflichtet,
einen ihm von der Gesellschaft angebotenen ständigen,höher dotierten Arbeitsplatz anzunehmen; bei Weigerung verliert er das
Anrecht auf Beschäftigung in der Arbeitsreserve. Der Einsatz der
Arbeitsreserve im Betrieb obliegt der Werksleitung, darf jedoch
. nicht dazu führen, daß andere Beschäftigte von ihrem festen Arbeitsplatz verdrängt oder auf Kurzarbeit gesetzt werden. Die Weigerung, zur Arbeitsreserve überzutreten, bewirkt keinen Verlust
der Ansprüche an die betriebliche Arbeitslosenversicherung.
Im ersten Monat nach dem Inkrafttreten des Plans beziffert sich
die Höchststärke der Arbeitsreserve auf die Zahl der Beschäftigten, die Anspruch auf Beschäftigung haben, die die Gesellschaft
aber zu dem Zeitpunkt nicht an ihrem bisherigen Arbeitsplatz weiterbeschäftigen kann. Von da an ist die Höchststärke gleich der
Zahl der Anspruchsberechtigten, für die keine Beschäftigungsmöglichkeit besteht, oder gleich dem Unterschied zwischen der Standardarbeitszeit im vorletzten Monat und der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit (außer Arbeitsreserve) dividiert durch 173
oder durch die monatliche Durchschnittsarbeitszeit, sofern die
entsprechende Zahl niedriger ist. Innerhalb der Arbeitsreserve
sind zwei Gruppen zu unterscheiden, die Gruppe der Produktionsund Wartungsarbeiter-und die der Büro- und technischen Angestellten.
Beschäftigte
- 2 -

�Beschäftigte, deren fällige Beförderung auf Grund technischer Änderungen ausgesetzt oder deren Arbeitsplatz aus diesen Gründen
zurückgestuft wird, haben Anspruch auf eine Ausgleichszahlung in
Höhe des Unterschieds zwischen dem an sich zu beanspruchenden und
dem tatsächlich- gezahlten Lohn. Der Anspruch auf Ausgleichszahlung erlischt nach 52 Wochen oder nach Zuweisung eines ständigen,
gleich hoch oder höher dotierten Arbeitsplatzes; er erlischt ferner, wenn sich der Beschäftigte weigert, einen solchen Arbeitsplatz anzunehmen. Bei Kurzarbeit auf Grund technischer Veränderungen hat jeder Beschäftigte Anspruch auf einen Kurzarbeitszuschlag in Höhe seines Durchschnittsstundenlohns multipliziert mit
der Zahl der Stunden, die ihm an 40 Stunden fehlen und für die er
keine andere Bezahlung erhalten hat.
Die genannten Ausgleichszahlungen und die Kurzarbeitszuschläge
sind von dem gemäß Abschnitt V, B zu ermittelnden Gesamtdollarmehrertrag abzusetzen.
Abschnitt V - Erfolgsbeteiligung
A. Normen. 1. Sämtliche Verbesserungen hinsichtlich Arbeitsleistung, Materialnutzung und Ertragsfähigkeit sowie die Ergebnisse technischer Veränderungen sind auf der Basis der laufenden Geschäftstätigkeit im Kalenderjahr 1961 zu bemessen. Die Normen für die Produktionskosten und deren Verbesserung sind in anteilmäßigen Produktionskosten
pro hergestellte Tonne Eisen und Stahl auszudrücken. Andere als StahlAbfallprodukte sind ebenfalls der Produktion zuzurechnen. Bei neuen
Produkten, die bisher von der Gesellschaft nicht hergestellt worden
sind, werden die Vertragspartner neue Normen festsetzen.
2. Die Normen (die Verglaichsziffern für das Jahr 1961) sind in
einer gesonderten Anlage aufgeführt. Die Normen wurden für jedes Produkt der einzelnen Abteilungen festgesetzt, um Änderungen in den Produktionsprogrammen und in der Kapazitätsausschöpfung hinreichend Rechnung tragen zu können. Die Normen setzen sich aus einem Basiswert, der
Arbeitsnorm, und einer V/erkstoffe-, Hilfsstoffe-und Vorratsnorm (Materialnorm) zusammen, die auf den im Laufe des Jahres 1961 verzeichneten
unterschiedlichen Graden der Geschäftstätigkeit basieren; die Normen
werden jeweils in Dollar ausgedrückt. Die Normen sind so zu bemessen,
daß die Erfolgsbeteiligungsplan-Normkosten bei Anwendung als Ganzes
auf das Kalenderjahr 1961 den laufenden Kosten des Jahres 1961 entsprechen, wobei jedoch von der Annahme auszugehen ist, daß die im Januar 1963 gültigen Stundenlohn- und Lohnsteuersätze sowie sämtliche
Lohnneben- und Sozialleistungen bereits das ganze Jahr 1961 hindurch
bestanden haben.
3« Die Materialkostennormen nach Abschnitt V, A sind um die prozentuale Erhöhung oder Senkung der vom US-Bundesamt für Arbeitsstatistik veröffentlichten Großhandelspreisindex-Ziffern für Stahlhüttenerzeugnisse auf den letzten Monatsstand zu erhöhen oder zu senken, der
am 10. des Monats verfügbar ist, der auf den Monat folgt, für den die
Berechnung der erzielten Ertragssteigerung erfolgen soll, wobei der
Jahresstand 1961 mit dem letzten vor dem Monat des Inkrafttretens des
Erfolgsbeteiligungsplans verfügbaren Monatsstand zu vergleichen und
der niedrigere von beiden zugrunde zu legen ist.
4. Die

- 3 -

�4« Die Arbeitskostennormen nach Abschnitt V, A sind um die prozentuale Erhöhung oder Senkung des vom US-Bundesamt für Arbeitsstatistik veröffentlichten Einzelhandelspreisindex auf den letzten Monatsstand zu erhöhen oder zu senken, der am 10. des Monats verfügbar ist,
der auf den Monat folgt, für den die Berechnung der erzielten Ertragssteigerung erfolgen soll, wobei der Jahresstand 1961 mit dem letzten
vor dem Monat des Inkrafttretens des Erfolgsbeteiligungsplans verfügbaren Monatsstand zu vergleichen und der niedrigere von beiden zugrunde zu legen ist.
5» Die im jeweiligen Monat anfallenden laufenden Kosten für innerhalb der Kaiser Steel Corporation produzierte Rohstoffe sind in der
V/eise zu berechnen, daß als Pr.is für diese Stoffe der Preis eingesetzt
wird, der bei der Festsetzung der Norm benutzt wurde, wobei bei Ljualitätsänderungen entsprechende Preiskorrekturen vorzunehmen sind. Änderungen des Großhandelspreisindex für Stahlhüttenerzeugnisse bewirken
keine Auf- oder Abschläge bei diesen Produkten. Die Kosten für andere
verbrauchte Materialien, über die Bestandslisten geführt werden, sind
auf der gleichen Basis zu berechnen, die bei der Pestsetzung der Normen benutzt wird.
B. Berechnung von Ertragssteigerungen. 1. Die anteilmäßigen Monatserträge werden, ausgehend vom jeweiligen Arbeitsaufwand und dem
Verbrauch an Werkstoffen, Hilfsstoffen und Vorräten pro erzeugte Tonne
Stahl, aber unter Ausschluß der Aufwendungen für Anlageverbesserungen
durch Vergleich mit den gemäß der vorstehenden Regelung ermittelten
und modifizierten Normen - in Dollar ausgedrückt - berechnet, indem
a) die Differenz zur Materialkostennorm pro Tonne erzeugten Stahls
ermittelt, mit der Zahl der im jeweiligen Monat erzeugten Tonnen Stahl
multipliziert und hierzu
b) die Differenz zur Arbeitskostonnorm pro Tonne erzeugten Stahls,
multipliziert mit der Zahl der i : j^weili ;en Monat erzeugten Tonnen
Stahl, addiert wird. Als Arbeitskosten gelten die in dem jeweiligen Monat angefallenen laufenden Arbeitskosten ausschließlich der Anteile,
die auf nach Januar 1963 in Kraft getretene Lohnsteuererhöhungen, Lohnerhöhungen oder Verbesserungen der Sozialleistungen entfallen.
2. Die Gesamtdollarerträge werden dann um die Investitionen in bestehende Anlagen verringert, die zum Zwecke der Senkung der Herstellungskosten getätigt worden sind, wie zum Beispiel die Sauerstoffbeschickung
eines vorhandenen Siemens-Martin-Ofens. Investitionen dagegen, die zum
Zwecke der Einführung eines neuen Verfahrens oder wegen der Aufstellung
neuer Maschinen als Mittel zur Kapazitätsausweitung, zur Errichtung einer neuen Betriebsabteilung oder Auswertung eines neuen Verfahrens - zum
Beispiel die Aufstellung eines neuen Sauerstoffofens - getätigt werden,
sind nicht von den Gesamtdollarerträgen abzusetzen. Die Aufrechnung von
Kapitalgüterinvestitionen der ersteren Art ist auf jene Monate beschränkt,
in denen Kostensenkungen bei dem Prozeß erzielt worden sind, um dessentwillen sie getätigt wurden, und mit dem niedrigeren der nachstehenden
Beträge in Ansatz zu bringen: ein Drittel der tatsächlichen Kostensenkung, um derentwillen die Investitionen getätigt wurden, oder ein Sechzigstel der investierten Summe, Derartige Abschläge sind nur so lange
zulässig, bis sie insgesamt die Höhe der fraglichen Kapitalgüterinvestition erreichen.
3» Bei

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�3« Bei der Ermittlung der Gesamtdollarerträge der einzelnen Monate
sind Aufwendungen für einzelne Reparatur- und Wartungsmaßnahmen in
Höhe von 300 000 Dollar und darüber auf einen Zeitraum von 12 Monaten
umzulegen.
4. a) Abschlagszahlungen seitens der Gesellschaft, durch die
bestimmte Arbeitsanreize und Sonderzuschläge im Sinne von Abschnitt
VI abgelöst werden, sind monatlich als laufende Arbeitskosten zu
verrechnen, wobei von der in der betreffenden Betriebsgruppe im jeweiligen Monat bezahlten Zahl der Stunden, dem Prozentsatz' für das
Jahr 1961 und den im'Dezember 1961 in Kraft befindlichen Stundenlöhnen auszugehen ist. Für Betriebsgruppen, die nach 1961 in einen
Lohnanreizplan oder in eine Sonderzuschlagsregelung einbezogen worden
sind, ist bei der Berechnung von dem Prozentsatz auszugehen, der bei
der Festsetzung der Abschlagszahlung gemäß Abschnitt VI zugrunde gelegt wird.
b) Derartige Aufschläge auf die laufenden Arbeitskosten werden beginnend mit dem ersten vollen Monat nach dem Monat, in dem eine
solche Abschlagszahlung geleistet worden ist, verrechnet, und zwar
so lange, bis sie insgesamt die Höhe der fraglichen Ablösungssumme
erreichen.
c) Von diesem Zeitpunkt an werden die entsprechenden Beträge
gemäß den vorstehenden Bestimmungen berechnet, als laufende Arbeitskosten gewertet und jeden Monat dem Bruttoanteil der Beschäftigten
zugeschlagen. Diese Aufstockung wird für die Betriebsgruppen für die
Zeiten ausgesetzt, in denen sie ihre Leistungen schuldhaft auf einem
Stand halten, der merklich unter dem des Bemessungszeitraumes liegt.
5. Die Berechnungen sind monatlich durchzuführen und unterliegen
einer jährlichen Überprüfung Die Gesellschaft stellt der Gewerkschaft
monatlich die wichtigsten statistischen Gesamtdaten in bezug auf Produktion, geleistete. Arbeitsstunden, Beschäftigtenstand, Gesamtbeschäftigungs- und Materialkosten zur Verfügung, die als vertraulich
zu behandeln sind. Die Unterlagen auf denen diese statistischen Übersichten basieren, sind den von der Gewerkschaft benannten Vertretern
zur Überprüfung und Beglaubigung offenzulegen.
C. Der Bruttoanteil der Beschäftigten. 1. Ein erster Teil des
Bruttoanteils der Beschäftigten besteht aus 32,5 Prozent des nach
den weiter oben angeführten Richtlinien errechneten Dollar-Nettoertrags.
2. a) Von diesem Teil des Bruttoanteils der Beschäftigten werden im ersten Monat nach Anlaufen des Erfolgsbeteiligungsplans 0,2
Prozent der Gesamtbeschäftigungskosten in diesem Monat, im zweiten
Monat 0,4 Prozent, im dritten Monat 0,6 Prozent abgezogen usw. bei
einer Steigerung um jeweils 0,2 Prozent von Mona't zu Monat, bis die
weiter unten vorgesehene Anpassung erfolgt ist.
b) Die Gesellschaft richtet ein Konto ein, das die Bezeichnung Lohn- und Sozialreserve führt.. Dieser Reserve werden jeden Monat
die gesamten vorstehend beschriebenen Abzüge vom Bruttoanteil der

-

5 -

�der Beschäftigten zugewiesen. Aus dieser Reserve wird monatlich der
gesamte Mehrbetrag der Beschäftigungskosten entnommen, der durch
Erhöhungen der Löhne und Sozialleistungen gemäß den in Abschnitt VII
dieses Plans enthaltenen Garantievorschriften verursacht wird.
Als Ausnahmeregelung zu dieser Bestimmung werden Beschäftigungsmehrkosten, die durch eine für die gesamte Industrie binnen sechs Monaten
nach dem Inkrafttreten dieses Plans wirksam werdende Erhöhung der
Löhne und Sozialleistungen verursacht werden, nur zur Hälfte aus
der Lohn- und Sozialreserve entnommen. Als eine weitere Ausnahme zu
dieser Bestimmung ist für den Fall, daß in irgendeinem Monat die Beschäftigungsmehrkosten auf Grund einer für die gesamte Industrie wirksam werdenden Erhöhung der Löhne und Sozialleistungen den Bruttoanteil
der Beschäftigten übersteigen, der darüber hinaus gehende Betrag als
ein von der Firma zu tragender Kostenanteil anzusehen, nicht aus der
Lohn- und Sozialreserve zu entnehmen und nicht als Defizit auf künftige Erträge der Beschäftigten aus dem Erfolgsbeteiligungsplan aufzurechnen .
c) Die Vertragspartner setzen alle 6 Monate die Progression
der vom Bruttoanteil der Beschäftigten einzubehaltenden Abzüge neu
fest. Diese Neufestsetzung erfolgt nach dem Grundsatz, daß die Abzüge
innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten gleichmäßig in solchem Maße
zu erhöhen sind, daß sich der Saldo der Lohn- und Sozialreserve 6 Monate nach Inkrafttreten einer für die gesamte Industrie wirksam werdenden Erhöhung der Löhne und Sozialleistungen auf Null stellt.
3. Ein zweiter Teil des Bruttoanteils der Beschäftigten besteht
aus
a)
Abschnitts
b)
Abschnitts

den Beträgen, die gemäß Unterabschnitt B, Absatz 4 c dieses
vorgesehen sind; und
den Beträgen, die gemäß den Unterabschnitten H und L des
VI vorgesehen sind.

D» Ertragsverteilung. 1 . Die nach dejji vorausgegangenen Abschnitt
V,C errechneten Bruttoanteile der Beschäftigten werden, abzüglich etwaiger Beträge, die auf Grund einer Entscheidung der Vertragspartner
zu gegebener Zeit benötigt werden, um eine bereits eingeführte Sozialleistung zu verbessern oder eine neue Sozialleistung (außer den in Abschnitt VII behandelten) einzuführen, wie zum Beispiel - doch nicht
auf diese Beispiele beschränkt - zusätzliche Feiertage, längerer Urlaub, Verbesserungen der Versicherungsleistungen, Altersversorgung, zusätzliche Arbeitslosenversicherung und Arbeitszeitverkürzungen, unter
den Beschäftigten als ein Aufgeld zum Arbeitsentgelt gemäß dem nachstehenden Schlüssel aufgeteilt, bis Gruppe A 10 Prozent erreicht.
Gruppe '

Faktor

A
2,0
B
3,5
C
5,0
D
6,5
E
8,0
F - Betriebsgruppen, für die Arbeitsanreiz- 0
plane weiterbestehen, sind ausgeschlossen
1) Die Gruppen, zu denen die einzelnen Betriebsgruppen gehören, sind
in Anhang "A - Gruppeneinteilung" aufgeführt, die historischen Gesichtspunkten und Billigkeitsmomenten der Entlohnung gleichermaßen
Rechnung zu tragen sucht.
,
\

�a) Die gesamten Stundenlohnnormen jeder Gruppe sind mit dem
ihr zugeordneten Faktor zu multiplizieren, um die Faktoreinheiten
jeder Gruppe zu erhalten.
b) Die Faktoreinheiten jeder Gruppe sind durch die gesamten
Faktoreinheiten zu dividieren, um den Prozentanteil jeder Gruppe an
dem Gesamtbeschäftigtsnanteil zu erhalten.
c) Der jeweilige Prozentanteil jeder Gruppe ist mit dem Gesamtbeschäf tigtenantei1 zu multiplizieren, um den Dollaranteil jeder
Gruppe zu erhalten.
d) Der Dollaranteil jeder Gruppe ist durch die jeweiligen
Stundenlohnnormen zu dividieren, um die Prozentausschüttung jeder
Gruppe zu erhalten.
c) Die Prozentausschüttung jeder Gruppe ist mit der Stundenlohnnorm jedes Beschäftigten zu multiplizieren.
2. Der Betrag, der nach Anwendung von Absatz 1 als Beschäftigtenanteil verbleibt, wird den Beschäftigten als Aufgeld zum Arbeitsentgelt nach folgendem Modus ausgezahlt:
a) Der verbleibende Betrag ist durch die Gesamtstundenlohnnormen sämtlicher unter den Langfristigen Erfolgsbeteiligungsplan fallenden Beschäftigten, die an der Ausschüttung teilnehmen, zu dividieren,
um die Prozentausschüttung zu erhalten.
b) Die Stundenlohnnorm jedes Beschäftigten ist mit der Prozentausschüttung zu multiplizieren.
3. Der Ertragsanteil des Beschäftigten wird als zusätzliches Entgelt in Form eines "Aufgeldes" ausgezahlt und gilt als Teil des regulären Arbeitsentgelts für den Monat, für den er ausgezahlt wird,
verändert hingegen die Basis für die Berechnung bestehender Lohnanreize nicht.
4. Wird der Beschäftigtenanteil oder ein Teil davon auf Grund
einer Übereinkunft zwischen den Vertragspartnern dazu verwendet, eine
neue oder verbesserte Sozialleistung einzuführen, so sind die für
diese Leistung aufzubringenden Beträge in geeigneter Weise zu schätzen,
monatlich umzulegen und jährlich anzugleichen.
5» Die Ausschüttung an die mit Produktions- und Wartungsarbeiten
befaßten Beschäftigten für den jeweiligen Monat erfolgt am letzten
Donnerstag des auf diesen folgenden Monats, die an die Büro- und technischen Angestellten an dem darauffolgenden Zahltag. Die Ausschüttungen
für die einzelnen Monate sind nach der bestgeeigneten statistischen
Methode so aufzuteilen, daß übermäßige Schwankungen von Monat zu
Monat vermieden werden, wobei von den Ziffern der vorausgegangenen
6 Monate auszugehen ist.
VI. Lohnanrei ze

�VI. Lohnanreize
Zusammenfassung: Die Kollektiwertragsbestimmungen über die .
Gewährung von Lohnanreizprämien bleiben unverändert in Kraft;
neue Prämien dürfen dagegen nicht eingeführt werden. Die Gesellschaft kann Lohnanreizpläne für einzelne Betriebsgruppen
durch eine Ablösungssumme abgelten, sofern diese für einen
Zeitraum von mindestens 13 Wochen vor einem entsprechenden
Angebot seitens der Gesellschaft die Zahlung von Prämien bewirkt haben. Die Ablösungssumme entspricht dem höheren der
beiden Beträge, die.sich ergeben, wenn 1. die mit der Zahl
der während der letzten 13 Wochen vor dem Angebot geleisteten Arbeitsstunden multiplizierte Differenz zwischen Prämienlohn und normalem Stundenlohn mit zehn multipliziert oder 2. die
Zahl der während der unmittelbar auf das Angebot folgenden 52
Wochen geleisteten Arbeitsstunden mit der genannten Differenz
multipliziert wird. Die betreffenden Betriebsgruppen entscheiden mit Stimmenmehrheit über Annahme oder Ablehnung eines
solchen Ablösungsangebots.
Im Falle der Annahme eines solchen Angebots werden die Beschäftigten der betreffenden Betriebsgruppe in den Erfolgsbeteiligungsplan einbezogen und für die Zeit, während der die Ablösungszahlung gemäß Abschnitt V, B Absatz 4 b als laufender Arbeitskostenanteil anzusehen ist, in eine Faktorgruppe eingestuft, die zwei Stufen unter der ihnen nach Anhang A an sich
zuzuordnenden Faktorgruppe liegt; nach dieser Zeit erfolgt
die Einreihung in die eigentliche Faktorgruppe.
Im Falle einer Ablehnung der Ablösung durch die Beschäftigten
werden die Prämien fortgezahlt. Allgemeine Lohnerhöhungen bewirken ein Ansteigen der Stundenlohnsätze, verändern die Basis
für die Berechnung der Lohnanreizprämien jedoch nicht.
Die Gesellschaft ist gehalten, den Betriebsgruppen möglichst
rasch Ablösungsangebote zu unterbreiten, über deren Annahme oder
Ablehnung diese binnen 90 Tagen durch Mehrheitsbeschluß zu
entscheiden haben. Erfolgt ein Ablösungsangebot nicht innerhalb
zwei Jahren nach Inkrafttreten des Erfolgsbeteiligungsplans,
so werden die fraglichen Betriebsgruppen in den Erfolgsbeteiligungsplan einbezogen und als zur Faktorgruppe A gehörig
angesehen, sofern in diesen zwei Jahren die für ihre Faktorgruppe ausgezahlten Erfolgsanteile nicht mindestens drei Monate
hindurch die ausgezahlten Prämien übersteigen; die Erfolgsanteile sind in diesen Fällen zusätzlich zu den Prämienanreizen
zu zahlen. Die Einstufung in Faktorgruppe A hört auf, sobald
die Beschäftigten ein Ablösungsangebot annehmen oder die Ausschüttungen für ihre Faktorgruppe die Prämien erreichen oder
übersteigen.
Beschäftigte, die aus irgendwelchen Gründen Sonderzuschläge erhalten ,haben im Falle einer Ablösung Anspruch auf das Zehnfache
der während der letzten 13 Wochen bezahlten Zuschläge. Ablösungssummen, die ausgeschiedenen Beschäftigten zustünden,
sind dem Bruttoanteil der Beschäftigten gemäß Abschnitt V,
Unterabschnitt C gutzuschreiben. Bei der Rentenberechnung sind

-

8

�sind Ablösungszahlungen wie Lohneinkünfte zu behandeln,
nicht dagegen bei der Berechnung anderer Sozialleistungen.
Die Gesellschaft kann das Ablösungsangebot im Falle der
Ablehnung zu gegebener Zeit wiederholen, wobei die Beschäftigten innerhalb einer Frist von 60 Tagen über seine
Annahme oder Ablehnung zu entscheiden haben. Die Beschäftigten haben frühestens 60 Tage nach Inkrafttreten des Erfolgsbeteiligungsplans das Recht,von sich aus durch Mehrheitsbeschluß die Ablösung der Prämien und Zuschläge sowie
die Einbeziehung in den Erfolgsbeteiligungsplan und die Einsetzung in die Rechte nach Abschnitt V, D zu verlangen.
Beträge ,die den an einem Lohnanreizplan beteiligten Beschäftigten am Tage des Inkrafttretens des Erfolgsbeteiligungsplans zustehen, werden dem Bruttoanteil der Beschäftigten
zugerechnet, wenn diese sich für die Annahme einer Ablösungssumme und die Beteiligung am Erfolgsbeteiligungsplan entscheiden. Das gleiche gilt für Beschäftigte, die an sich unter den
Erfolgsbeteiligungsplan fallen, aber zu einer Arbeitsgruppe
versetzt werden, die unter einen Lohnanreizplan fällt. Das
Verfahren der Übertragung ist das gleiche wie im Falle Ablösungssummen .
VII. Mindestgarantie
A. Am 51. Dezember 19^3 und am Ende jeden folgenden Kalenderjahres
ist eine Analyse der laufenden Arbeitskosten und der laufenden Gesamtarbeits- und Materialkosten für den entsprechenden Zeitraum zu erstellen. Zeigt eine solche Analyse, daß sich die laufenden Gesamtarbeitskosten (einschließlich des Bruttoanteils der Beschäftigten) auf einen
geringeren Prozentanteil an den Gesamtarbeits- und Materialkosten
belaufen als den der Arbeitskostennorm an den Gesamtnormkosten für
den entsprechenden Zeitraum (vor Anwendung der Indizes des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik), so schreibt die Gesellschaft dem ersten
Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten einen Betrag zu, der
sich mit den laufenden Arbeitskosten (einschließlich des Bruttoanteils der Beschäftigten) zu den Gesamtarbeitskosten (einschließlich
dieses Betrags) addiert, die denselben Prozentanteil der Gesamtkosten (einschließlich dieses Betrags) ausmachen, den die Arbeitskostennorm an den Gesamtnormkosten (vor Anwendung der Indizes des
US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik) hat. Es ist dem ersten Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten jeweils ein Zwölftel dieses
Betrags per Monat zuzuweisen, beginnend spätestens mit der zweiten
Zahlungsperiode unter dem Gewinnbeteiligungsplan, die auf die Durchführung dieser Berechnung folgt, bis der Gesamtbetrag dem ersten Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten gutgeschrieben ist. Diese
Beträge sind bei der Festsetzung künftiger Verpflichtungen der Gesellschaft gemäß diesem Unterabschnitt nicht in Ansatz zu bringen.
Sie sind vielmehr als Kosten der Gesellschaft anzusehen und nicht als
Defizit gegen künftige Erträge der Beschäftigten aus dem Gewinnbeteiligungsplan aufzurechnen. Die Anwendung dieses Absatzes darf jedoch
nicht dazu führen, daß die laufenden Gesamtarbeits- und Materialkosten, einschließlich des Beschäftigtenanteils, im betreffenden Zeitraum die Gesamtnormkosten für die entsprechende Produktion übersteigen.
B.

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�B. Die im Zusatzprotokoll zu dem zwischen der Gesellschaft und
der Gewerkschaft geschlossenen Vertrag vom 9« März 1961 enthaltene
Zusicherung, daß zwischen der Gewerkschaft und den großen Stahlerzeugern vereinbarte Erhöhungen der Löhne und Sozialleistungen auch
seitens der Gesellschaft vorgenommen werden, bleibt weiterhin in
Kraft.
C. Auf Grund von Unterabschnitt B bewirkte Erhöhungen der Beschäftigungskosten werden mit Ausnahme etwaiger für den Bereich der
gesamten Stahlindustrie innerhalb 6 Monaten nach dem Inkrafttreten
dieses Plans wirksam werdender Erhöhungen der Löhne und Sozialleistungen gemäß Abschnitt V, C, 2 b aus der Lohn- und Sozialreserve
entnommen. Wie in dem genannten Abschnitt vorgesehen, darf der
Nettoanteil der Beschäftigten per Saldo niemals passiv sein. Ist
der in Unterabschnitt V, C angeführte erste Teilbetrag des Bruttoanteils der Beschäftigten niedriger als die Gesamtsumme, die sich
aus der Anwendung der im Bereich der Stahlindustrie eingetretenen
Erhöhungen der Löhne und der Gewährung bisher nicht gewährter Lohnnebenleistungen errechnet, so schießt die Gesellschaft die Differenz
zu. Bei der Berechnung der Kosten solcher Lohnerhöhungen ist die Anreizwirkung derselben, wie sie für die Kaiser Steel Corporation im
Jahre 1961 bestanden hätte, zu berücksichtigen. Der dieser Anreizwirkung zuzumessende Betrag soll den Beschäftigten nach demselben
Modus ausgezahlt werden, der bei der Verteilung der Gewinnanteile
der Beschäftigten angewandt wird. Er ist als Teil der Kostenrechnung
der Gesellschaft anzusehen und gilt nicht als Defizit, das gegen künftige Erträge der Beschäftigten aus dem Gewinnbeteiligungsplan aufgerechnet werden kann.
VIII. Das Verhältnis des Plans zu anderen Vereinbarungen
Zusammenfassung: Arbeitsstreitigkeiten, die sich aus der Durchführung des Erfolgsbeteiligungsplans ergeben, sind nach den einschlägigen Bestimmungen des Tarifvertrags beizulegen. Meinungsverschiedenheiten, die sich aus der Auslegung der Bestimmungen
des Plans oder hinsichtlich der Verwendung des Beschäftigtenanteils auf Sozialleistungen, der Behandlung solcher Leistungen
als Arbeitskostenanteil und der Revision des Plans nach Abschnitt
IX ergeben, sind vor den Langfristigen Ausschuß zu bringen und
gegebenenfalls den unabhängigen Mitgliedern desselben zur endgültigen bindenden Entscheidung zu übergeben.
Soweit der Plan nicht ausdrücklich etwas anderes verfügt, bleiben
sämtliche zwischen der Gesellschaft und der Gewerkschaft getroffenen Vereinbarungen uneingeschränkt in Kraft.
Die Rechte der Unternehmensleitung bezüglich Absatz, Einkauf,
Forschung, Vergütung der Führungskräfte, Kapazitätsausweitung
u.a. werden durch diesen Plan nicht berührt.
IX. Geltungsdauer
A. Dieser Plan gilt unbefristet und kann jedes Jahr innerhalb eines
Zeitraums von 90 Tagen vor dem Jahrestag seines Inkrafttretens einer
Überprüfung und Revision seitens der Gesellschaft und der Gewerkschaft
unterzogen werden.
••

-

10

-

�B. In Zahlungsperioden des Erfolgsbeteiligungsplans, in denen die
Produktion an Stahlendprodukten mehr als 24 Stunden ruht, sind die Normen
für die Arbeits- und Materialkosten proportional zur Dauer des Produktionsstillstands herabzusetzen.
C. Dieser Plan ist seitens der beiden Vertragspartner mit viermonatiger Frist kündbar, wobei die Kündigung dem Vertragspartner innerhalb der 12 Monate zugestellt werden muß, die auf den vierten Jahrestag
des Inkrafttretens dieses Planes folgen, bzw. in jedem darauffolgenden
vierten Jahr.
D. Spricht einer der Vertragspartner eine solche Kündigung aus,
kommen die beiden Vertragspartner gemeinsam überein, welche Regelung
für die Zeit nach der Kündigung zu treffen ist. Diese Übereinkunft
ist unter gebührender Berücksichtigung der Zielsetzungen zu treffen,
die in den Abschnitten bezüglich des Sachverhalts und der Annahme des
Langfristigen Gewinnbeteiligungsplans angeführt sind, sowie der Entwicklung, die sich während der Geltungsdauer des Plans ergeben hat, und
der Gründe, die für seine Kündigung angeführt wurden. Können sich die
Vertragspartner nicht innerhalb von 60 Tagen einigen, ist die Angelegenheit den unabhängigen Mitgliedern des Langfristigen Ausschusses zur
Überprüfung zu unterbreiten.
E. Ausgehend von dieser Überprüfung, sind die unabhängigen Mitglieder des Langfristigen Ausschusses ermächtigt, eine oder sämtliche der
nachstehenden Maßnahmen zu treffen. Sie können
1. beschließen, sich jeglichen Eingriffs zu enthalten, oder diesen
auf einen anderen Zeitpunkt verschieben, um Gelegenheit zu weiteren Gesprächen zu schaffen;
2. Vermittlungsversuche unternehmen, einschließlich geheimer Beratungen mit Vertretern beider Vertragspartner;
3. den Langfristigen Ausschuß einberufen; und schließlich
4. den beiden Vertragspartnern einen Bericht zustellen, der die
Standpunkte der Parteien zusammenfaßt, den strittigen Sachverhalt umreißt und den beiden Vertragspartnern Empfehlungen erteilt.
F. Bei Kündigung des Plans und NichtZustandekommen einer die
Kündigung aufhebenden Einigung ist jede der Vertragsparteien berechtigt,
ihre Zuflucht zu Streik bzw. Aussperrung zu nehmen, um ihren Standpunkt
zu untermauern, ungeachtet irgendwelcher anderer zwischen den Vertragspartnern bestehender Abmachungen.
G. Bei Einstellung dieses Plans ist die Lohn- und Sozialreserve
restlos an fiie Beschäftigten nach dem gleichen Modus auszuzahlen, nach
dem die Erifölgsanteile auf Grund dieses Plans ausgezahlt werden.

(Aus "Monthly Labor Review"
Vol. 86, Nr. 2,Februar 1963)
s
* * * * *

11

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�Maschinistengewerkschaft feiert 75.jähriges Bestehen
Als die 19 Maschinisten eines Eisenbahnausbesserungswerks in
Atlanta (Georgia) am 5- Mai 1888 heimlich in einem Lokomotivschuppen
zusammenkamen, um die "Gewerkschaft der Maschinisten" aus der Taufe
zu heben, steckte die Gewerkschaftsbewegung in den USA noch in den
Kinderschuhen, Zusammenschlüsse solcher Art waren in dieser Zeit an
der Tagesordnung, aber nur wenige Gründungen hatten Bestand. Und auch
Tom Talbot, der erste Präsident der "International Association of
Machinists" (lAM) , und seine 18 Kollegen waren damals wohl kaum davon
überzeugt, daß ihre Gewerkschaft einmal zu den vier größten in den
Vereinigten Staaten zählen würde.
Über 900 000 Mitglieder
Mit über 900 000 Mitgliedern und fast 2000 Ortsvereinen stellt
die IAM-Gewerkschaft unter Führung ihres Präsidenten AI Hayes heute
einen wichtigen Paktor nicht nur in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, sondern auch im wirtschaftlichen und sozialpolitischen Leben
des Landes dar. Ihre Stärke ist dabei zweifellos die sehr breite
Streuung ihrer Mitglieder, die sich im Gegensatz zu den anderen großen
Gewerkschaften der Vereinigten Staaten nicht auf einen einzelnen Industriezweig konzentrieren, sondern auf eine Vielzahl von Branchen verteilen .
Schon die Tatsache, daß sie mit rund 15 000 Unternehmen Tarifverträge abgeschlossen hat (die bei weitem größte Zahl, die von einer
einzelnen Gewerkschaft je abgeschlossen wurde), zeigt, wie groß ihr
tatsächlicher Einfluß ist. Waren es früher in erster Linie die Maschinisten und Maschinenwärter vor allem der Eisenbahnen, die in der IAMGewerkschaf t organisiert waren, so sind es heute sowohl die Arbeitnehmer
der Raumfahrtindustrie und das technische Personal der Luftfahrtgesellschaften als auch die Beschäftigten der Werkzeug- und Büromaschinensowie der metallverarbeitenden und der Elektroindustrie - also der
aufstrebenden Wirtschaftszweige -, die der IAM ihre Vertretungsrechte
übertragen haben.
Führend in der Lohn- und Sozialpolitik
Als Talbot und seine Kollegen 1888 die Gewerkschaft gründeten,
belief sich ihr Tagesverdienst bei einer Arbeitszeit von 10-12 Stunden
auf etwa 2 - 2 1/2 Dollar. Heute dagegen liegt schon der Stundenlohn
der Mitglieder der IAM-Gewerkschaft über diesen Sätzen, wobei der größte
Teil von ihnen es auf Stundenverdienste von weit über 3 Dollar bringt.
Aber nicht nur auf dem Gebiet der Löhne ist die IAM-Gewerkschaft
in all den Jahren Schrittmacher für die weniger stark organisierten
Industrien gewesen, auch in der Sozialpolitik war sie mit bahnbrechend.
Die heute in der amerikanischen Wirtschaft allgemein üblichen Lohnnebenleistungen wie Unternehmerbeiträge zu Krankenversicherungs-, Wohlfahrtsund Pensionsfonds gehen mit auf die Initiative dieser Gewerkschaft
zurück.
Künftige

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�Künftige Ziele
Als die wichtigsten künftigen gewerkschaftlichen Ziele der IAM
bezeichnete AI Hayes kürzlich folgende:
1. Verstärkte Organisationsbemühungen unter Berücksichtigung der
und im Hinblick auf die sich schnell vollziehenden strukturellen Veränderungen im amerikanischen Arbeitspotential.
/

2. Genaue Untersuchung der Einflüsse der Automation auf den
beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Status der Arbeitnehmerschaft und Durchsetzung von geeigneten Maßnahmen zur Milderung der
negativen Auswirkungen.
3. Durchführung von Ausbildungs-, Fortbildungs- und Umschulungskursen für all jene Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz auf Grund der
technologischen Veränderungen verlieren.
4. Ausweitung und Verbesserung der Lehrlingsausbildungsprogramme
zwecks Sicherung eines leistungsfähigen hochqualifizierten Facharbeiternachwuchses.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Erster gewerkschaftlicher Arbeitsvertrag für die Postangestellten
Ein Tarifverhandlungsabkommen zwischen dem amerikanischen Postministerium und den sechs als vertretungsberechtigt anerkannten Postarbeitergewerkschaften wurde jetzt vom Postmaster General (Postminister)
der USA und den Gewerkschaftsvertretern unterzeichnet. Es ist das
erste Generalabkommen dieser Art überhaupt, das für die rund 500 000
Postangestellten und Beamten im allgemeinen Postdienst und in den
34 000 Postämtern der USA abgeschlossen wurde.
Dieser Vertrag geht auf die Initiative Präsident Kennedys zurück,
der sich im vergangenen Jahr für eine Ausdehnung der gewerkschaftlichen Vertretungsrechte auch auf die Bundesbediensteten ausgesprochen
hatte. Sichtbarer Ausdruck dieser Bemühungen ist das im Januar dieses
Jahres in Kraft getretene sogenannte Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Programm,
in dem die Vertretungsrechte der Bundesbediensteten offiziell anerkannt
werden.
Der neue Einjahresvertrag bezieht sich jedoch nur auf solche tarifvertragliche Abmachungen wie Arbeitsbedingungen, Beschwerdeverfahren usw.
und enthält, im Gegensatz zu den in der Privatwirtschaft abgeschlossenen

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�abgeschlossenen allgemeinen Tarifverträgen keine bindenden Abmachungen über Löhne, Arbeitszeit und Sozialleistungen - Beschäftigungsbedingungen, die vom amerikanischen Kongreß festgesetzt werden.
In de.m 60 Druckseiten umfassenden Vertragswerk verpflichten sich
die Gewerkschaften unter anderem, von ihrem Streikrecht keinen Gebrauch zu machen und sich nicht an irgendwelchen gewerkschaftlichen
Kampfmaßnahmen zu beteiligen, die gegen die Regierung gerichtet sind.
Neben Abmachungen über die Vertretungsrechte, die den Gewerkschaften
eingeräumt werden, enthält das Abkommen auch detaillierte Angaben
über die Abwicklung von Disziplinar- und Beschwerdeverfahren sowie
über die Einspruchsrechte der Angestellten der amerikanischen Bundespost.
(Quelle: Eigenbericht)
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Eastman Kodak zahlte 55.6 Millionen Dollar als Gewinnbeteiligung
Eine Summe von 55,6 Millionen Dollar hat die "Eastman Kodak
Company" in diesem Jahr an ihre 48 000 Mitarbeiter in den Vereinigten Staaten im Rahmen ihres Gewinnbeteiligungsplans ausgezahlt oder
auf Spar- und Investitionskosten überwiesen. Das ist die höchste
Summe, die seit der Einführung dieses Gewinnbeteiligungssystems im
Jahre 1912 an die Eastman-Belegschaft ausgeschüttet wurde.
Auf Grund des allgemeinen Verteilungsschlüssels erhalten die
Arbeitnehmer der "Eastman Kodak Company" für jede 1000 Dollar, die sie
in den vergangenen Jahren verdient haben, einen Gewinnbonus in Höhe
von 56,75 Dollar. Darüber hinaus sind noch sämtliche Mitarbeiter des
Unternehmens mit mehr als fünf Dienstjahren berechtigt, am sogenannten
Spar- und Investitionsprogramm teilzunehmen, für das jährlich ein Teil
der Gesamtsumme abgezweigt wird. Die auf diesen Konten eingehenden
Gelder werden für den Erwerb von Aktien, Schuldverschreibungen oder
Regierungsanleihen verwendet. In diesem Jahr waren insgesamt 15 000
Mitarbeiter des Unternehmens an diesem Programm teilnahmeberechtigt.
Die Gewinnbeteiligung, die in jedem Jahr auf einer Vorstandssitzung beschlossen werden muß, richtet sich jeweils nach der Höhe
der Dividende, die vom Unternehmen auf die Stammaktien gewährt wird.
Die zweithöchste Gewinnbeteiligungssumme (50,9 Mio Dollar) gelangte im vergangenen Jahr zur Ausschüttung.
(Quelle: Eigenbericht)

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�Studienausschüsse zur Vorbereitung der Tarifverhandlungen
in der Automobilindustrie
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) hat sowohl
mit der "General Motors Corporation" (GM) als auch mit der "Ford
Motor Company" ein Übereinkommen erzielt, wonach zwei paritätisch
besetzte Studienausschüsse gebildet werden sollen, deren Aufgabe es
sein wird, die bei den nächstjährigen Tarifverhandlungen wahrscheinlich im Mittelpunkt stehenden Probleme vorbereitend zu erörtern.
Die Anregung zur Bildung solcher gemeinsamer Ausschüsse war von
dem 1. Vorsitzenden der UAW-Gewerkschaft, Walter P. Reuther, ausgegangen, der im März in einem Rundschreiben an die Firmen der Automobilund Landmaschinenindustrie darauf hingewiesen hatte, daß "wegen der
immer verwickelter werdenden Tarifverhandlungen" solche Studienkommiasionen dringend erforderlich sind. "Wir sind der Ansicht", so schrieb
Reuther, "daß die TarifVerhandlungen selbst viel rationeller geführt
werden können, wenn sich die beiden Tarifpartner schon lange vor Beginn
der eigentlichen Verhandlungen zusammensetzen und all jene Punkte der
Übereinstimmung festlegen, und daß den nationalen Belangen und den
Bedürfnissen der Arbeitnehmer und ihrer Familien dadurch mehr Rechnung
getragen wird."
Die ersten Beratungen zwischen den Vertretern der UAW-Gewerkschaft
einerseits und der "General Motors Corporation" sowie der "Ford Motor
Company" andererseits fanden bereits Mitte April statt. Im gemeinsamen
zwölfköpfigen UAW-GM-Studienausschuß führten der J. Vorsitzende der
UAW-Gewerkschaft, Walter P. Reuther, sowie der Vizepräsident von GM,
Louis G. Seaton, den Vorsitz, während Ford für die Verhandlungen als
Spitzenvertreter seinen Viaapräsidenten Malcolm L. Denise bestellt
hatte .
In einer gemeinsamen, nach der ersten Fühlungnahme veröffentlichten Erklärung betonen Reuther und Denise, daß "sowohl die Gewerkschaft
als auch das Unternehmen darin übereinstimmen, daß der Studienausschuß
durch seine Vorarbeit lange vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen
einen konstruktiven Beitrag leisten" könne.
Der Vertrag zwischen der UAW-Gewerkschaft und General Motors
läuft am 31. August 1964 aus. Er erfaßt rund 325 000. Arbeitnehmer.
Als besondere Verhandlungspunkte für die Studienausschüsse nannte
Walter Reuther u.a. Arbeitslosigkeit und Verdrängung von Arbeitnehmern,
die Auswirkung der höheren Produktivität auf Grund leistungsfähigerer
Maschinen, Uberstundenbezahlung, zusätzliche Pensions- und Arbeitslosenunterstützungsleistungen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

15

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der ..Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 7

Bad Godesberg, den 1. Juli 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA
in den Jahren 1960-1975 (i)

Seite

1

Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen
technischen Veränderungen

Seite

12

"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt

Seite

15

Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA
in den Jahren 1960-1975 (I)
Grundtendenzen, Veränderungen und künftiger Arbeitskräftebedarf
Die umwälzenden technischen Veränderungen des vergangenen
Jahrzehnts, die ihren sichtbarsten Ausdruck in der Automation finden, haben tiefgreifende strukturelle Umschichtungen im gesamten Arbeitspotential der Vereinigten Staaten
herbeigeführt. Zahlreiche altüberlieferte Berufe sind durch
die modernen Produktionstechniken bereits für immer ausgelöscht worden, viele neue, höherqualifizierte Tätigkeiten
haben sich den Arbeitnehmern eröffnet. Millionen ist es bisher gelungen, sich mit Erfolg den neuen beruflichen Gegebenheiten anzupassen, viele aber haben - wie die relativ hohe
Zahl der "technologischen Arbeitslosen" zeigt - diese Umstellung aus eigener Kraft nicht geschafft. Diesen Menschen
neue berufliche Chancen zu geben, ist das Ziel des sogenannten "Manpower Development and Training Act", der im vergangenen Jahr vom US-Kongreß verabschiedet wurde und in
dessen Rahmen bisher 435 Millionen Dollar für die Umschulung langfristiger Arbeitsloser auf neue Berufe bereitgestellt wurden. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Eingliederung der bisherigen und künftigen strukturellen Arbeitslosen in die Wirtschaft ist die genaue
Kenntnis der heutigen und künftigen Struktur des gesamten
Arbeitsmarktes sowie der jeweiligen beruflichen Anforderungen, die an die Arbeitnehmerschaft gestellt werden.

Im

�Im Verfolg dieser Ziele hat das amerikanische Arbeitsministerium eine umfassende Analyse über die heutige
Arbeitsmarktsituation sowie über die bis 1975 zu erwartenden Veränderungen erstellt und im März dieses Jahres
veröffentlicht. In den beiden folgenden Beiträgen geben
c die wichtigsten Ergebnisse des ersten Berichts dieser Art überhaupt wieder.
Die derzeitige Situation
mmenfassung der wichtigsten Ergebnisse
1. Beschäftigung: Die Gesamtbeschäftigtenzahl der Vereinigten
Staaten hat sich seit dem Ende des zweiten Weltkrieges ständig erhöht,
aber noch stärker ist in diesem Zeitraum die Zahl der verfügbaren Gesamtarbeitskräfte angestiegen.
Die Gesamtzahl aller beschäftigten Arbeitnehmer - Unselbständige,
Selbständige, im Haushalt Beschäftigte oder im Familienbetrieb ohne
Bezahlung Tätige - belief sich 1962 im Durchschnitt auf 67,8 Millionen.
Gegenüber 1947 ist damit eine Zunahme um 10 Millionen festzustellen,
was einem prozentualen Anstieg um 17 Prozent gleichkommt. Im selben
Zeitraum aber hat sich das gesamte Arbeitspotential um 13 Killionen
oder 21 Prozent erhöht - ein Anstieg, der teils durch die Bevölkerungszunahme, teils durch die Zunahme der Zahl der werktätigen Frauen bedingt war. hierin auch die Frauen heute nur rund 1/3 des gesamten
Arbeitspotentials ausmachen, so belief sich doch ihr Anteil an der Gesamtzunahme zwischen 1947 u n d 1962 auf etwa 3/5«
•2. Erwerbslosigkeit: Auch der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitskräfte hat entsprechend zugenommen.
Im Jahre 1962 waren im Durchschnitt rund 4 Millionen Amerikaner erwerbslos. Das entspricht einer Erwerbslosenrate von 5 1/2 Prozent.
Damit wurde in fünf hintereinanderfolgenden Jahren jeweils ein Satz
von mindestens 5 1/2 Prozent registriert. In den ersten Nachkriegsjahren hingegen betrug die Durchschnittsrate weniger als 4 Prozent.
Diese Ziffern zeigen, daß es der amerikanischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist, das vorhandene Arbeitspotential
voll zu nutzen.
3« Ein besonderes Problem stellen in diesem Zusammenhang die
langfristigen Erwerbslosen dar. Zwischen 1957 und 1962 stieg die Zahl
der längerfristigen Erwerbslosen (15 Wochen und mehr) um 100 Prozent
an, und die der langfristigen (mehr als 6 Monate) sogar um 150 Prozent.
Die Gesamtzunahme der Arbeitslosigkeit in diesem Zeitraum betrug nicht
ganz 40 Prozent, die der kurzfristigen (unter fünf Wochen) nicht ganz
20 Prozent.In Anbetracht dieser Tatsachen gewinnt die Frage der Sicherstellung einer ausreichenden Arbeitslosenunterstützung oder überbrückungsbeihilfe für solche Arbeitnehmer stark an Bedeutung, die mehr als 6
Monate erwerbslos sind. (Die derzeitige Maximaldauer der Unterstützung
in den USA beträgt im Durchschnitt 39 Wochen. Anm.d.Red.)

1t

- 2 -

�4« Besondere Aufmerksamkeit verdienen ebenfalls einige ernste
und schwer zu lösende Beschäftigungsprobleme: die hohe Arbeitslosigkeit unter den
a) Jugendlichen, b) den älteren Arbeitnehmern, c) den Farbigen,
d) den in rückläufigen Industriezweigen Beschäftigten, e) den in
wirtschaftlichen Notstandsgebieten Lebenden und f) allgemein den
ungelernten Arbeitnehmern. Obwohl festzustellen ist, daß keine Beschäftigtengruppe gegenüber der Erwerbslosigkeit immun ist, so ist
doch die Anfälligkeit gerade der oben angeführten Gruppen auf Grund
eines gemeinsamen Faktors - unzureichende berufliche ^oialif ikationen - besonders stark.
Um die kritischen Probleme der am schwersten von der Arbeitslosigkeit betroffenen Gruppen zu lösen, bedarf es nicht nur einer
allgemeinen stärkeren wirtschaftlichen Expansion, sondern gleichfalls erheblich zahlreicherer Möglichkeiten für die Erziehung und
berufliche Ausbildung. Außerdem müssen wesentliche Anstrengungen
unternommen werden, um den jüngeren Arbeitnehmern eine bessere berufliche Anleitung und Führung zu geben, die Vorurteile gegenüber
älteren Arbeitnehmern und Angehörigen der Hinderheitengruppen abzubauen, die Freizügigkeit in der Arbeitsplatz- und Arbeitsortswahl
zu erhöhen und die wirtschaftlichen Notstandsgebiete strukturell
zu verbessern.
5« In der derzeitigen Beschäftigten- und Arbeitslosenstruktur
kommen folgende wichtige Entwicklungen zum Ausdruck, die alle die
Notwendigkeit für Haßnahmen zur Beschleunigung des wirtschaftlichen
Wachstums unterstreichen:
a) Die Zunahme des Bruttosozialprodukts in den Nachkriegsjähren,
so eindrucksvoll sie auch sein mag, ist in erster Linie durch den
Anstieg der Arbeitsproduktivität und weniger durch eine Erhöhung der
Beschäftigtenzahl oder der Gesamtarbeitszeit bedingt gewesen.
Zwischen 1947 u n d 1961 nahm die Gesamterzeugung der Privatwirtschaft um 59 Prozent zu. Hehr als 4/5 dieser Zunahme sind dabei durch
die Erhöhung der Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer und Stunde eingetreten. Die Gesamtbeschäftigtenzahl auf dem privaten Sektor nahm im
gleichen Zeitraum nur um 10 Prozent zu. Und der Gesamtanstieg der geleisteten Arbeitsstunden war noch geringer - nur 5 Prozent -, und
zwar auf Grund des Rückganges der durchschnittlichen jährlich geleisteten Arbeitszeit, der zum größten Teil auf den sehr steilen Anstieg
der Halbtagsbeschäftigungen zurückzuführen ist.
b) Die wirtschaftliche Wachstumsrate lag in den vergangenen.fünf
Jahren erheblich unter der Durchschnittsrate der vorangegangenen Dekade. Zwischen 1947 und 1957 nahm das Bruttosozialprodukt, unter Zugrundelegung eines konstanten Dollarwertes, im Durchschnitt um 3f8
Prozent pro Jahr zu. In den letzten Jahren dagegen belief sich die
Zuwachsrate auf lediglich 2,9 Prozent.
c) Die Wachstumsrate für neue Arbeitsplätze auf dem privaten
Wirtschaftssektor ist ebenfalls zurückgegangen. Während zwischen 1947
und 1957 auf dem nichtlandwirtschaftlichen Sektor jährlich rund
700 000 neue Arbeitsplätze dazukamen, waren es zwischen 1957 und 1962
lediglich noch 175 000 pro Jahr.

AI
- 5-

�d) Lediglich auf dem öffentlichen Sektor ist seit 1957 eine
steinende Tendenz festzustellen gewesen. Die Zunahme der Zahl neuer Arbeitsplätze erfolgte dabei hauptsächlich bei den Bundesstaaten und. Gemeinden - und hier wiederum in erster Linie im Erziehungswesen.
6. Die regionalen Verlagerungen von Industrieunternehmen und
die Umschichtungen auf dem Beschäftigungssektor haben zu einer erhöhten Freisetzung von Arbeitskräften geführt und damit zwangsläufig V/iedereinstellungsprobleme geschaffen.
Diejenigen Berufe mit expandierenden Beschäftigungsmöglichkeiten verlangen heute im allgemeinen eine längere schulische und
berufliche Ausbildung. Freigesetzte Arbeitnehmer ohne die erforderlichen Qualifikationen haben es sehr schwer, neue Arbeitsplätze zu finden.
7. Ein akuter Mangel an Arbeitskräften besteht gegenwärtig
in zahlreichen Fach- und Spezialberufen.
Die Zahl der neu ins Arbeitsleben eintretenden Jugendlichen
mit abgeschlossener Ausbildung hat mit dem allgemein steigenden
Bedarf an Ingenieuren, Mathematikern, Naturwissenschaftlern, Soziologen, Lehrern, Ärzten, Krankenschwestern und ähnlichen akademischen, technischen und Fachberufen nicht Schritt gehalten. Ungeachtet des allgemein hohen Niveaus der Arbeitslosigkeit besteht in
zahlreichen Spezialberufen ein ausgesprochener Personalmangel, und
zwar auf nationaler ebenso wie auf regionaler Ebene.
8. Die Arbeitnehmermobilität ist in den Vereinigten Staaten
relativ groß, reicht aber doch nicht aus, um einen vollständigen
Ausgleich zwischen den Angeboten an Arbeitnehmern und Arbeitsplätzen herbeizuführen.
Von den 1961 beschäftigten Llännern und Frauen wechselten 8
Millionen - das sind 10 Prozent - ihren Arbeitsplatz im Laufe des
Jahres. Einige veränderten sich aus eigenem Entschluß, in der Absicht, einen besseren Arbeitsplatz zu finden oder aus sonstigen
Gründen, andere dagegen gezwungenermaßen, weil sie ihren alten Arbeitsplatz verloren hatten.
In der vielfach außerordentlich hohen Veränderungsrate der
18- und 19jährigen spiegeln sich insbesondere die großen Schwierigkeiten wider, denen sich heute unerfahrene Arbeitnehmer ohne
eine spezielle berufliche Ausbildung gegenüber sehen. Die hohe Veränderungsrate unterstreicht hier die Notwendigkeit für eine umfassendere und realistischere berufsschulmäßige Unterweisung von Jugendlichen und für eine verbesserte Berufsausbildung.
9« Die künftigen Arbeitsmarktprobleme der USA ergeben sich aus
der erwarteten unvergleichlich hohen Zunahme der Gesamtzahl der Arbeitskräfte in den 60er Jahren sowie durch die radikalen strukturellen Veränderungen in der Yfachstumsrate des Arbeitspotentials.
a) Die Gesamtzahl der Arbeitskräfte in den USA wird sich in
den 60er Jahren um rund 1} Millionen vergrößern und zwischen 1970 und

- 4-

�und 1975 u m weitere 7 Millionen zunehmen, so daß das Arbeitspotential 1975 etwa 93 Millionen Werktätige umfassen wird. Dieser Anstieg wird sehr viel größer sein als in jeder anderen 15-JahresPeriode zuvor.
b) Die jungen Arbeitnehmer unter 25 werden in den 60er Jahren
rund die Hälfte des erwarteten Zuwachses ausmachen, weitere 30 Prozent die älteren Frauen.
10. Auch die künftigen Produktivitätsgewinne werden zum wirtschaftlichen V/achstum beitragen und einen erheblichen Einfluß auf
den Arbeitsmarkt haben.
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges lag die V/achstumsrate der
Arbeitsproduktivität in den Vereinigten Staaten über dem langfristigen Durchschnitt. In der privaten Wirtschaft belief sich die jährliche Zunahme der Arbeitsleistung pro Arbeitnehmer und Arbeitsstunde
auf durchschnittlich 3 Prozent, während die Durchschnittsrate für
das letzte halbe Jahrhundert 2,4 Prozent beträgt. Geht man von der
Annahme aus, daß sich auch in Zukunft die Produktivitätsgewinne in
dem bisherigen Rahmen halten werden, so wäre zum Ausgleich der durch
den technischen Fortschritt bewirkten Verminderung der Zahl der Arbeitsplätze eine jährliche wirtschaftliche V/achstumsrate erforderlich, bei der pro Jahr 2 Liillionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.
11. Um eine Vollbeschäftigung für das schnell wachsende Arbeitspotential sicherzustellen, wäre ein beträchtlicher Anstieg der Zahl
der Arbeitsplätze in den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der amerikanischen Volkswirtschaft erforderlich, zumal mit einem v/eiteren
Rückgang der Beschäftigung in der Landwirtschaft zu rechnen ist. Auch
in den nächsten Jahren werden die Farmer in etwa dem gleichen Umfang
wie bisher in andere, nichtlandwirtschaftliche Arbeitsplätze überwechseln.
Von den nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen wird die
Dienstleistungsindustrie auch in Zukunft die größte Zahl an neuen Arbeitsplätzen schaffen. Die Zahl der Beschäftigten auf diesem Sektor
dürfte in den 60er Jahren um etwa 30 Prozent zunehmen. In den gütererzeugenden Branchen dagegen wird die Zahl der Gesamtarbeitsplätze
nur geringfügig ansteigen. Eine Ausnahme bildet lediglich die Bauwirtschaft, wo - unter der Voraussetzung, daß die angestrebte Vollbeschäftigung erreicht v/erden kann - ein Zuwachs von 40 Prozent zu
erwarten ist.
12. Akademische und technische Berufe werden in den 60er Jahren
die größte Zuwachsrate aufzuweisen haben; eine überdui f'.i.schnittliche
Zunahme in der Beschäftigung dürfte bei den Angestellten (\7hitecollar-Berufe), den Facharbeitern und den Beschäftigten in den Dienst,
leistungsbetrieben registriert werden.
Zu denjenigen Berufen, die eine besonders hohe Uachstumsrate in
diesem Jahrzehnt aufweisen werden, zählen vor allem die Ingenieursberufe, die meisten der naturwissenschaftlichen und die Lehrberufe.
Auch bei den Technikern ist eine ähnliche stürmische Entwicklung zu
erwarten.

Uli

- 5-

�13« Die voraussichtlichen Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur geben aber nur ein unvollständiges Bild von dem künftigen
Arbeitskräftebedarf, denn ein weiterer erheblicher Bedarf wird sich
ebenfalls durch technologische Umschichtungen ergeben.
14» Der gesicherte Nachschub an Arbeitskräften für bestimmte
Beschäftigungsgruppen wird aber nicht allein von den Erziehungs- und
Ausbildungseinrichtungen abhängig sein, sondern auch durch solche
unabwägbaren Faktoren beeinflußt werden wie die Berufswahl, die jeder einzelne zu treffen hat. Es ist daher sehr schwer, das künftige
Angebot an Arbeitskräften in festen Ziffern auszudrücken. Verschiedene Vergleichsanalysen über das künftige Angebot und die Nachfrage nach Arbeitskräften sind jedoch inzwischen auf einer vorläufigen
Basis für die Fach- und akademischen Berufe mit dem Ziel erstellt
worden, die Planung von Ausbildungsprogrammen und anderen in dieser
Richtung notwendigen Schritten zu erleichtern. Damit soll den personellen Bedürfnissen in diesen entscheidend wichtigen*Berufen Rechnung getragen werden.
a) Der derzeitige Umfang der Lehrlingsausbildungsprogramme i6t
zu gering, um selbst die in den kommenden Jahren durch Tod, Pensionierung oder Berufswechsel sich ergebenden natürlichen Abgänge in
den einzelnen Facharbeitergruppen auszugleichen.
b) Die Neuzugänge in den akademischen und Fachberufen würden dagegen in etwa den voraussichtlichen Bedarf decken. Dennoch wird auch
weiterhin mit einem Personalmangel in zahlreichen Fachberufen zu rechnen sein, insbesondere dort, wo ein höheres Eildungs- und Ausbildungsniveau erforderlich ist.

Die voraussichtlichen Beschäftiigungstrends in den
einzelnen Wirtschaftszweigen
Ein guter Ausgangspunkt für die voraussichtlichen Entwicklungen
auf dem Beschäftigungssektor sind die heute schon überblickbaren Auswirkungen, die sich durch die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur ergeben.
Bis zum Jahre 1970 wird sich die Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten nach den Voraussagen des US-Zensusbüros auf rund 210 Millionen erhöht haben und damit um 28 Millionen größer sein als im Jahr
1960. In den folgenden fünf Jahren dürfte es eine weitere Steigerung
um etwa 17 Millionen geben, so daß die USA im Jahre 1975 eine Gesamtbevölkerung von etwa 226 Millionen aufweisen werden.
Auf Grund dieser erwarteten Zunahme der Bevölkerung (sowie der
Veränderungen in der Teilnahme am Erwerbsleben in den einzelnen Altersgruppen der Männer und Frauen) ergibt sich eine bisher nicht gekannte Zunahme in der Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte - ein Zuwachs
um rund 20 Millionen zwischen i960 und 1975« Die Zahl der in der Privatwirtschaft Tätigen wird dabei von rund 67 Millionen im Jahre 1960
auf etwa 80 Millionen im Jahr 1970 und 88 Millionen im Jahr 1975 ansteigen - was eine Zunahme um rund ein Drittel bedeutet.
Die

,(

- 6 -

�Die Zunahme der in der Privatwirtschaft tätigen Arbeitnehmer
wird dabei von erheblichen Veränderungen in der industriellen Beschäftigungsstruktur begleitet sein. Zahlreiche Industriezweige
werden auf Grund von Veränderungen in den Verbrauchergewohnheiten,
der Investitionsentscheidungen der Wirtschaft und der der Regierung hinsichtlich der Verwendung der öffentlichen Gelder entweder
einen Zuwachs oder einen Verlust an Produktionsvolumen und Beschäftigten aufweisen. Zu den anderen Paktoren, die einen nachhaltigen Einfluß auf die Beschäftigungsstruktur haben werden, sind
die Portschritte in der Technik, die Einführung neuer Produkte und
die Veränderungen in der Verfügbarkeit von natürlichen Hilfsquellen zu rechnen.
Der einzige Großsektor der amerikanischen Volkswirtschaft,
auf dem bestimmt mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl zwischen
1960 und 1975 selbst in Anbetracht einer Vollbeschäftigung zu rechnen ist, ist die Landwirtschaft. Die ständige Erhöhung der Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft, die die Hauptursache für den Rückgang in der Zahl der landwirtschaftlichen Arbeiter im vergangenen
Jahrzehnt war, wird auch in der Periode bis 1975 auf Grund der vermehrten Verwendung von Haschinen, Kunstdünger, Futtermittelzusätzen,
Herbiziden und Insektiziden andauern. Der ständige Rückgang in der
Zahl der Farmen, insbesondere der kleinen, geringe Einkommen erwirtschaftenden Farmen, wird gleichfalls anhalten. Auf der anderen Seite wird der Bedarf der größeren Farmen an zusätzlichen Arbeitskräften durch die weitere Mechanisierung in engen Grenzen gehalten werden. Alles in allem ist damit zu rechnen, daß die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer zwischen 1960 und 1970 von 5»7 auf 4»3
Millionen und bis 1975 auf 4»0 Millionen zurückgehen wird.
Im gleichen Zeitraum aber wird sich die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitnehmer schnell erhöhen. Nach den Schätzungen
des amerikanischen Arbeitsministeriums wird sich hier ein Anstieg
zwischen i960 und 1970 von 61 auf 76 Millionen und bis 1975 auf fast
84 Millionen ergeben. Die größte Zunahme werden dabei die unselbständigen Arbeitnehmer aufweisen, deren Zahl von 51»5 Millionen
(1960) auf 71,5 Millionen (1975) ansteigen wird. Die Zahl der anderen Arbeitnehmer (Selbständige, in Familienbetrieben ohne Bezahlung
Tätige usw.) wird sich ebenfalls, aber weniger stark erhöhen, und
zwar von 9»5 a u f 12 Millionen.
Die folgende Übersicht zeigt die voraussichtliche Entwicklung
bei den unselbständigen Arbeitnehmern in den verschiedenen Wirtschaftszweigen:
Wirtschaftszweig

-7

�Wirtschaftszwei g

Zahl der Beschäftigten
(in Millionen)
tatsächliche

voraussichtliche

Veränderungen
1 96O-I 975
(in *)

1960

1970

54,3

67,7

74,2

37

Lienstleistungszweige
(Gesamt)
34,0

43,7

48,8

44

11,4
.4
111

14,0

15,6

37

Regierung

8,5
8,
,5

11,5

12,8

51

Dienste, Verschiedenes

,A
7,4
7,

10,2

11,9

61

Transport,offentl.
Versorgung

,0
4,0
4,

4,4

4,5

13

Finanz, Versicherungen, Immobilien

2,7

3,5

3,9

44

20,4

24,0

25,4

25

Fertigungsindustrie

16,8

19,2

20,3

21

Bauwirtschaft

2,9

4,0

4,4

52

Bergbau

0,7

0,7

0,7

0

Gesamtwirtschaft

Groß- und Einzelhandel

Güterproduz.Zweige
(Gesamt)

1975

Von den nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen werden also
die Dienstleistungen hervorbringenden Industrien einen stärkeren Zuwachs
an Beschäftigten aufweisen als die Fertigungsindustrien. Die gesamte
prozentuale Zunahme bis 1975 dürfte hier fast 45 Prozent ausmachen,
während in den traditionellen güterproduzierenden Zweigen' nur eine Zunahme von etwa 25 Prozent erwartet wird.
Die Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftszweigen
A. Dienstleistungszweige
1. Groß- und Einzelhandel; Die Zahl der Beschäftigten im Groß und
Einzelhandel, die in den vergangenen Dekaden erheblich angestiegen
ist, wird auch in den nächsten 15 Jahren dem bisherigen Trend folgen.
In dem Maße, in dem die Bevölkerung und die Verbraucherausgaben ansteigen, wird auch der Groß- und Einzelhandel ein ständig größeres Gütervolumen umzuschlagen und daher auch mehr Arbeitnehmer zu beschäftigen
haben. Auf Grund der technischen Entwicklung - wie die vermehrte

�vermehrte Aufstellung von Automaten, der Ausbau der Selbstbedienungsläden, die Einbeziehung von Elektronenrechnern für die Lagerkontrolle und Buchhaltung usw. - wird sich jedoch die Zuwachsrate
etwas abflachen. Insgesamt gesehen dürfte sich hier zwischen 196O
und 1970 eine Zunahme der Beschäftigtenzahl um rund 23 Prozent ergeben. Sie dürfte 1970 an die 14 Millionen betragen und bis 1975 auf
über 15 1/2 Millionen anwachsen. Jedoch wird sich das schon seit
1939 festgestellte Verhältnis von 1:3 zwischen den im Groß- und im
Einzelhandel Beschäftigten nicht verändern.
Ein Großteil der Neuzugänge in diesem Wirtschaftszweig wird aus
Halbtagsbeschäftigten bestehen, unter ihnen viele Frauen und Jugendliche. Der Aufbau von Shopping Centers in den Vororten der Großstädte und der Trend nach einer Verlängerung der Geschäftszeit bis
in die späten Abendstunden forcieren den Bedarf an stundenweise
Beschäftigten - Arbeitnehmern, die in den angrenzenden Siedlungsgebieten wohnen. Auch wird der Groß- und Einzelhandel weiterhin
zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für Selbständige bieten.
2. Regierung: Die Zahl der im öffentlichen Dienst Beschäftigten
wird zwischen 196O und 1970 um rund ein Drittel zunehmen und einen
Stand von etwa 11 Millionen erreichen. Ein Anstieg um weitere 2
Millionen auf insgesamt 13 Millionen wird für die Periode 1970-1975
erwartet. Wie auch schon in den vergangenen 15 Jahren werden die bundesstaatlichen und kommunalen Verwaltungen dabei den stärksten Anstieg
zu verzeichnen haben. Auf Grund der allgemeinen Bevölkerungszunahme
und des Zustroms von Personen aus den ländlichen Gegenden in die
Stadtgebiete und aus den Städten in die Vororte ergibt sich zwangsläufig ein höherer Bedarf an Arbeitskräften für das Erziehungswesen,
den öffentlichen und allgemeinen Gesundheitsdienst, die Ordnungsund Schutzorgane wie Polizei und Feuerwehr, die Straßenreinigung
und -Unterhaltung sowie für die Wohlfahrtspflege. Aus diesen Gründen
ist zu erwarten, daß die Zahl der von den Bundesstaaten und Gemeinden
Beschäftigten in den nächsten 15 Jahren um etwa 50 Prozent ansteigen
wird, während der Beschäftigtenstand des Bundes sich nur* unwesentlich
verändern dürfte.
3« Verschiedene Dienstleistungszweige; Mit dem weiteren Anstieg
deB Pro-Kopf-Einkommens ist zu erwarten, daß die Verbraucher - wie
auch in den vergangenen 15 Jahren - einen immer größeren Teil ihres
Einkommens für die zahlreichen Dienstleistungen aufwenden werden.
Die Zahl der Arbeitsplätze wird sich daher in diesen Wirtschaftszweigen bis 1975 weitaus stärker erhöhen als in allen anderen Sektoren
der US-Wirtschaft. Bis zum Jahre 1970 dürfte sie bis auf 10 Millionen
und bis 1975 auf fast 12 Millionen ansteigen. Das entspricht einer
Zunahme um 60 Prozent.
Innerhalb dieser großen Gruppe werden die Arzt- und Heilberufe
die stärksten Zugänge aufweisen. Bei den Faktoren, die die Zuwachsrate beeinflussen, sind neben der Bevölkerungszunahme insbesondere
die Erhöhung der Zahl der älteren Menschen und der Kinder zu nennen
sowie die steigenden Einkommen, die Ausweitung des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der medizinischen Forschung, die Veränderungen
in der Gesundheitsvorsorge und der Bau.neuer medizinischer Einrichtungen.
Aber

- 9 -

�Aber auch auf anderen Dienstleistungssektoren wird die Beschäftigtenziffer beträchtlich zunehmen. Dies wird in erster Linie darauf
zurückzuführen sein, daß viele Unternehmen die Werbung für ihre Produkte immer mehr den Agenturen überlassen, in stärkerem Maße als
bisher die Durchführung ihres gesamten Rechnungswesens Buchhaltungsund Buchprüfungsfirmen und das Inkasso und die Kunden-Kreditabwicklung den auf diesem Sektor tätigen Fachunternehmen übertragen werden.
Schließlich wird noch die höhere Zahl von Jugendlichen im schulpflichtigen Alter einen höheren Bedarf an Lehrkräften nicht nur in den
öffentlichen Schulen, sondern auch in den privaten Bildungsstätten
bedingen.
4. Transport- und öffentliche Versorgungsunternehmen; Wie schon
in den vergangenen Dekaden werden die Beschäftigungstrends innerhalb
dieser Gruppe auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren sehr unterschiedlich sein. Unter Berücksichtigung dieser Trends und von der allgemeinen Annahme ausgehend, daß eine Vollbeschäftigung erreicht werden
kann, ist eine Zunahme der Zahl der Arbeitskräfte von gegenwärtig
4,0 auf 4,4 (1970) und 4,5 Millionen (1975) zu erwarten.
5. Finanz, Versiaherungen,. Immobilien: Der Beschäftigtenstand in
diesen Dienstleistungszweigen hat sich in all den Jahren stetig erhöht. Auch in den nächsten 15 Jahren wird das der Fall sein. Es kann
damit gerechnet werden, daß 1970 rund 3»5 und 1975 etwa 3,9 Millionen
in diesen Branchen Beschäftigung finden. Das entspräche einer Zunahme
um 45 Prozent. Auslösende Faktoren sind hier die zunehmende Kompliziertheit des gesamten Finanzwesens, die weiter steigenden Einkommen
und das allgemeine Wachstum der Wirtschaftsunternehmen und der Stadtbevölkerung.
Bei den Banken, die i960 rund ein Viertel aller Arbeitnehmer dieser Gruppe beschäftigten, wird die Zunahme in der Zahl der Arbeitsplätze trotz der stärkeren Verwendung von elektronischen Datenverarbeitungsanlagen besonders rasch erfolgen. Bis zum Jahre 1975 dürfte
dabei der Anteil der Banken an der Gesamtbeschäftigtenzahl dieser
Gruppe bis auf 40 Prozent ansteigen. Im Versicherungswesen und bei
den Immobilienfirmen kann dagegen mit einer Zunahme der Beschäftigtenzahl um etwa ein Drittel gerechnet werden.
Da die weiblichen Arbeitnehmer gegenwärtig rund die Hälfte aller
Beschäftigten in diesen Branchen ausmachen, ergeben sich hier durch den
schnellen Anstieg der Arbeitnehmerzahl bedeutende Auswirkungen auf die
Frauenbeschäftigung.
B. Güterproduzierende Zweige
1. Fertigungsindustrie; Die Zahl der Beschäftigten in der Fertigungsindustrie dürfte zwischen i960 und 1970 nicht so stark ansteigen
wie in sämtlichen anderen nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der US-Wirt-schaft. Mit 16,8 Millionen Arbeitnehmern hatte die Fertigungsindustrie
- der größte Wirtschaftssektor - 196O einen Anteil an der gesamten
(nichtlandwirtschaftlichen) Beschäftigtenziffer von rund 30 Prozent.
Bis zum Jahrä.1970 wird sich die Beschäftigtenziffer auf 19 Millionen
erhöhen, der Anteil dabei aber auf 28 Prozent zurückgehen. Auch bis

10

-

�bis 1975 wird eine weitere - wenn auch relativ viel geringere Zunahme um eine Million auf insgesamt 20 Millionen bei gleichzeitigem
weiteren Rückgang des Beschäftigtenanteils erwartet. Auch in diesem
Fall gehen die Schätzungen von der Annahme aus, daß eine Vollbeschäftigung erreicht werden kann. Wenn allerdings dieses hohe Beschäftigungsniveau nicht erzielt werden sollte, dann wird die Zahl der Arbeitnehmer in diesem Industriezweig wesentlich niedriger sein, da die
Fertigungsindustrie ja bekanntlich am stärksten auf die Ausschläge
des Konjunkturbarometers reagiert.
Innerhalb der verschiedenen Branchen dieses Industriezweiges
dürften die Entwicklungstrends sehr unterschiedlich verlaufen. Wie
auch schon in all den Nachkriegs jähren wird dabei die Dauergüterindustrie einen größeren Zuwachs an Arbeitsplätzen aufweisen als die
Verbrauchsgüterindustrie. Zwischen 196O und 1975 dürfte die Zunahme
in den Lauergüterzweigen dabei um etwa das Doppelte größer sein. Auf
Grund der zu erwartenden höheren Ausgaben der Regierung für Raketen,
Raumfahrzeuge und elektronische Geräte dürfte die Zahl der Arbeitsplätze in den entsprechenden Produktionszweigen erheblich ansteigen.
Beträchtliche Zunahmen sind auch in anderen Dauergüterindustrien zu
erwarten, die sich vor allem mit der Herstellung von automatischen
Produktionseinrichtungen und anderen fortschrittlichen Maschinen und
Geräten befassen. Von den Verbrauchsgüterzweigen dürften die chemische
Industrie, das Druckereigewerbe und die Papierindustrie die stärksten
Zugänge von Arbeitskräften aufweisen.
2. Bauwirtschaft: Die Beschäftigungszuwachsrate im Baugewerbe
wird in den nächsten 15 Jahren erheblich über der der Gesamtwirtschaft
(ohne Landwirtschaft) liegen, und zwar auf Grund des zu erwartenden
Mehrbedarfs an Wohn-, Industrie- und Geschäftsbauten. Der Wohnungsbau
wird dabei einen erheblichen Auftrieb durch die Zunahme der Bevölkerung und der Familieneinheiten, die Erhöhung der Familieneinkommen,
und auf Grund der anhaltenden Bevölkerungsumschichtungen von den Stadtkernen in die Vororte erhalten. Eine direkte Folge dieser Entwicklung
sind größere Aufwendungen der öffentlichen Hand für den Bau von Schulen,
Krankenhäusern und Straßen. Mit der allgemeinen Expansion der Volkswirtschaft wird sich auch der Bedarf an neuen Fabriken, Geschäftshäusern, Läden und Banken erhöhen. Insgesamt dürfte die Bautätigkeit
zwischen 196O und 1970 nach Schätzungen des US-Handelsministeriums
um 57 Prozent zunehmen und sich bis 1975 verdoppelt haben. Der Anteil
der Reparaturarbeiten am Gesamtvolumen der Bauwirtschaft, der gegenwärtig etwa ein Drittel beträgt, dürfte sich in dieser Periode wesentlich erhöhen. Die Zunahme der Beschäftigtenzahl wird jedoch nicht ganz
mit der Entwicklung Schritt halten, da einerseits die Mechanisierung
weiter fortschreiten wird und zum anderen mehr Fertigbauteile Verwendung finden dürften.
In Anbetracht dieser Gegebenheiten dürfte die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe bis 1970 auf rund 4»0 Millionen ansteigen, was
einer Steigerung gegenüber i960 um 38 Prozent gleichkommt. Unter der
Voraussetzung einer Vollbeschäftigung ist für 1975 mit einer Gesamtbeschäftigtenzahl im Baugewerbe von 4»5 Millionen zu rechnen.
3. Bergbau-*

-

11

�5. Bergbau; Im Gegensatz zu allen anderen Wirtschaftszweigen,
wird die Beschäftigung im Bergbau zwischen 1 96O und 1975 wahrscheinlich konstant bleiben und sich in Nähe der 700 OOO-Grenze bewegen.
Im Steinkohlebergbau, wo die Zahl der Arbeitnehmer im vergangenen
Jahrzehnt sehr stark abgesunken ist, ist mit weiteren Rückgängen
zu rechnen. Da jedoch in den anderen Zweigen des Bergbaues geringfügige Zunahmen zu verzeichnen sein werden, wird sich der heutige
Beschäftigtenstand kaum verändern.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 86, Nr. 3, März 1965)

* * * * *

Solomon Barkin, Stellvertretender Direktor der Abteilung für Arbeitsund Sozialfragen der OECD in Paris:
Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen technischen Veränderungen
Aus "Free Labour World".
Bei Nachdruck ist die Angabe der
Quelle und des Verfassers erforderlich.

Durch die Mechanisierung, die Anwendung wissenschaftlicher Methoden in der Betriebsführung, die Automation und jetzt auch durch die
Neugestaltung der Wirtschaftsstruktur in den Notstandsgebieten sind
zahlreiche Veränderungen in der amerikanischen Volkswirtschaft ausgelöst worden.
*
Diese Entwicklungen haben zwangsläufig auch große Veränderungen
der Struktur und Art der industriellen Arbeitsplätze mit sich gebracht.
Ein vollkommen neuer Produktionsarbeitertyp zeichnet sich immer deutlicher ab. Die Zahl der Wartungsberufe nimmt ständig zu, und der Bedarf
an wissenschaftlich und technisch gebildeten Arbeitskräften weitet
sich sprunghaft aus.
Der Übergang von der rein handwerklichen Tätigkeit zur mechanisierten Fließbändarbeit brachte eine wesentliche Verminderung der
physischen Anstrengungen und eine stärkere Spezialisierung für die
Arbeiter mit sich. Gleichzeitig wurden sie weitgehend von ihrer Verantwortung für das Gesamtprodukt entbunden. Die Arbeitnehmer in den
Massengüterindustrien wurden "Maschinisten", die die Aufgabe haben.

-

12

�haben, die Maschine zu überwachen, zu steuern und zu warten. Die
erforderliche Ausbildung, die sie hierfür benötigten, war unterschiedlich, in der Regel jedoch nicht sehr umfassend.
Die wissenschaftliche Betriebsführung verstärkte den Bedarf
an Management-Spezialisten mit einem umfangreicheren Wissen zur
Beherrschung spezieller Betriebsführungstechniken. Eine längere
schulische Ausbildung wurde zwangsläufig für einen großen Arbeitnehmerkreis zum wesentlichen Kriterium für eine Anstellung.
Unsere Zeit, die uns die automatischen Produktionsverfahren,
insbesondere die Elektronenrechner und die Servomechanismen bescherte, hat auch einen neuen Produktionsarbeitertyp, den Operateur von Produktionsautomaten, geschaffen, für den wir die entsprechenden neuen schulischen Ausbildungsmöglichkeiten bereitstellen müssen. Die in diesem Beruf gestellten körperlichen und handwerklichen Anforderungen liegen heute unter denen der Arbeiter in
den Massengüterindustrien.
Von Bedeutung ist jedoch, daß sich die Verantwortung des Bedienungspersonals für Produktionsautomaten erhöht hat. Sie sind entweder als einzelne oder als Angehörige einer Arbeitsgruppe für eine ganze Produktionsstufe verantwortlich. Die Hauptanforderungen, die an sie gestellt werden, sind geistiger Art. Während die
Maschine sich selbst reguliert, ist es ihre Pflicht, die Arbeitsweise der Maschine zu kennen. In erster Linie obliegt es ihnen dabei,
mögliche Pannen, die sich aus unbekannten Ursachen ergeben können,
rechtzeitig zu erkennen und die Maschine so einzustellen, daß sie
maximale Leistungen erreicht.
Diese Fähigkeiten gewinnen immer stärker
Operateur muß in der Lage sein, solche Pannen
organen - Auge, Nase, Ohr - zu "erspüren". Er
jenen Symptomen unterscheiden können, die auf
hindeuten, und jenen,die normal sind.

an Bedeutung. Der
mit seinen Sinnesmuß ebenso zwischen
einen Leistungsabfall

Um diese Sinneneindrücke zweckentsprechend auswerten zu können,
muß der Operateur eine genaue Kenntnis seiner Tätigkeiten haben. Dazu gehören sowohl die Betriebsanweisungen seiner Maschinen als auch
die betreffenden Produktionsverfahren und -techniken, das Kontrollsystem, die Kontrollinstrumente und die Symptome von Pannen. Vor
allem aber muß er entscheiden können, welche Schritte zu unternehmen
sind, wenn es zu einer Störung des Produktionsablaufs kommt. Dies
ist insofern ein sehr wichtiger Faktor, als jede - wenn auch noch so
geringfügige - Fehlentscheidung im Hinblick auf Zeit und Geld von
weitreichender Bedeutung sein kann. Da er schließlich Teil einer
Arbeitsgruppe ist, werden an ihn auch erhöhte menschliche Anforderungen gestellt, das heißt, er muß es verstehen, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen und zu erhalten.
Die Ausbildung eines solchen Operateurs von Produktionsautomaten weicht in vielerlei Hinsicht von der der Arbeitnehmer der Massengüterindustrien ab. Nicht die besonderen technischen oder handwerklichen Fähigkeiten stehen hier im Mittelpunkt, sondern in erster
Linie die geistigen.
-.,

�Ein hohes Niveau an technischem Wissen wird ihn für eine große
Anzahl von Tätigkeiten qualifizieren - Wissen, das ihm im Rahmen des
allgemeinen technischen Unterrichts an den Aufbauschulen vermittelt
werden kann. Außerdem aber muß ihm ein großes Verantwortungsgefühl
anerzogen werden, das für die Erledigung seiner Aufgaben erforderlich ist.
Der Maschinenwärter benötigt in dieser neuen Ära ebenfalls umfangreichere Kenntnisse von Werkzeugen, Materialien und Pruduktionstechniken. Neue Verfahren werden strändig eingeführt, und im gleichen
Augenblick, wo sie da sind, muß er sie auch beherrschen. In der Technik der Zukunft werden Hydraulik, Pneumatik und Elektronik eine
bedeutende Rolle spielen. Das Wartungspersonal muß dafür gerüstet
sein.
Die größten beruflichen Chancen bieten sich gegenwärtig für die
aus den unteren Rängen aufgestiegenen Instrumentenmechaniker. Ähnlich
günstige Aussichten bestehen auch in verstärktem Maße für die Allroundmechaniker, die in der Lage sein müssen, sehr viel mehr handwerkliche Tätigkeiten auszuführen als in den Industriebetrieben heute
allgemein üblich sind.
Die gesamte Berufsschulausbildung darf nicht länger nur darauf
ausgerichtet sein, junge Menschen auf einen speziellen Beruf vorzubereiten. Die Berufe sind einem ständigen Wandel unterworfen und bestehen vielfach nur dem Namen nach weiter. Die beruflichen Anforderungen werden weiter zunehmen. Zwar wird es auch in Zukunft zahlreiche Berufe geben, die keine besonders hohen Anforderungen an die
Arbeitnehmer stellen, aber diese werden in erster Linie ir den Randzweigen der amerikanischen Wirtschaft anzutreffen sein und zudem ebenfalls ständig an Niveau gewinnen. Als Volk können wir es urs nicht lei
sten, daß das Arbeitspotential leistungsmäßig nicht voll benutzt wird.
Dazu sind die Investitionen für die Produktionsausrüstungen, das Erziehungs- und Ausbildungswesen, den sozialen Überbau und die Sozialleistungen zu groß.
Die Erhöhung der Lebenserwartung bedeutet gleichzeitig auch eine
Veränderung des Arbeitslebens. Die bisherigen Erfahrungen haben deutlich gezeigt, daß der einzelne Arbeitnehmer seine Tätigkeit den technologischen Veränderungen ir der Wirtschaft immer wieder anpassen muß.
Durch den Rückgang der alten Industrien werden zwangsläufig viele
Arbeitnehmer freigesetzt, für die es neue Arbeitsplätze zu schaffen
gilt. Auch die erheblich größer gewordene Mobilität der Industrie
selbst wird ähnliche Auswirkungen zur Folge haben.
All diese Trends zeigen ganz klar, daß es in Zukunft nötig ist,
die jungen Menschen nicht nur auf einen bestimmter. Beruf vorzubereiten, sondern sie so auszubilden, daß sie sich während ihres langen
Arbeitslebens den jeweiligen Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur anpassen können.
Ziel der Erziehung und Ausbildung muß es daher sein, die jungen
Menschen auf ein Leben der ständigen Anpassungen vorzubereiten, ihre
geistigen Fähigkeiten zu schärfen und ein Verantwortungsgefühl bei

-

14

-

�bei ihnen zu entwickeln. Ihr Lernvermögen muß darüber hinaus so entwickelt werden, daß sie selbst in der Lage sind, sich immer neues
Wissen zu erarbeiten. Die Lehrmethoden müssen denjenigen für Erwachsene angepaßt werder, die sich bei der Weiterbildung mehr auf
das früher Erlernte als auf die direkte Unterweisung stützen, wie
dies bei den Jugendlichen der Fall ist.
Die größte Beachtung verdient in diesem Zusammenhang der praktische, berufsfördernde Unterricht an den Aufbauschulen, deren Lehrpläne den heutigen Bedürfnissen der Industrie anzupassen sind. Der
Absolvent dieser Schule muß das sichere Gefühl haben, den künftigen
beruflichen Anforderungen gewachsen zu sein und sein Leben lang lernen
und sich fortbilden zu können.

(Aus "Free Labour World".)

* * * * *

"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt
Zu den zahlreichen Bestsellern, die das amerikanische Arbeitsministerium im Eigenverlag laufend herausbringt - Veröffentlichungen
über arbeits- und lohnpolitische Entwicklungen, Gewerkschaftsfragen
und die Automation -, zählt vor allem eine Publikation, die sich trotz
der ihr anhaftenden Trockenheit eines großen Leserkreises im In- und
Ausland erfreut. Sie trägt den nüchternen Titel "Dictionary of
Occupational Titles" - kurz "DOT" genannt - und enthält eine genaue
Beschreibung aller heute in der amerikanischen Industrie und Wirtschaft ausgeübten Berufe.
Seit der Veröffentlichung der 1. Auflage des "DOT" im Jahre 1939,
in der insgesamt 17 452 Berufe beschrieben waren, sind von diesem
Standardwerk bereits über 200 000 Exemplare abgesetzt worden. Zwar
sind in all den Jahren ständig Neuauflagen erschienen - die letzte
grundlegende Neufassung wurde 1949 vorgenommen -, dennoch aber entspricht das "Berufe-Lexikon" - zumal die Zahl der Berufe inzwischen
auf 25 000 angewachsen ist - nicht mehr den tatsächlichen Verhältnissen, weil es noch nicht jene Tausende von neuen Tätigkeiten aufführt,
die durch die schnell fortschreitende Technik geschaffen wurden.
Da weitere Überarbeitungen auch nur Stückwerk bleiben würden, hat
das US-Arbeitsministerium sich jetzt entschlossen, einen vollkommen
neuen Band herauszubringen und zu diesem Zweck eine große "Bestandsaufnahme" in allen Industrie- und Wirtschaftszweigen durch geschulte
Fachleute vornehmen zu lassen.
Schon die ersten Untersuchungsberichte lassen erkennen, daß sich
inzwischen die Zahl der tatsächlich ausgeübten Berufe einerseits ganz
erheblich vergrößert hat, andererseits aber auch zahlreiche berufliche

-

15

-

�berufliche Tätigkeiten nur noch auf dem Papier existieren.
Zu denjenigen Industrien, die eine Vielfalt von neuen Tätigkeiten hervorgebracht haben, zählen vor allem die Flugzeugindustrie, die datenverarbeitenden Zweige der Wirtschaft und sämtliche
mit der Atomenergie in Zusammenhang stehenden Wirtschaftsunternehmen.
Nach dem bisherigen Stand der Erhebungen ist damit zu rechnen, daß
der neue Band des "Berufe-Lexikons" mehr als 40 000 Berufsbezeichnungen aufführen wird, darunter etwa 6000, die in den letzten Ausgaben überhaupt noch nicht erwähnt waren.
Die für die Herausgabe des "DOT" erforderlichen Unterlagen werden von Spezialisten auf Grund von Interviews zusammengestellt, die
sie in den verschiedensten Betrieben der einzelnen Industrie- und
Wirtschaftszweige mit den entsprechenden Fachleuten für Arbeitsplatzfragen sowie mit den Arbeitnehmern selbst an ihren Arbeitsplätzen führen.
Im einzelnen sammeln sie dabei Informationen über die auszuführenden Tätigkeiten, die jeweils erforderlichen Kenntnisse und
Qualifikationen, die notwendige Ausbildungszeit, die körperlichen
und geistigen Voraussetzungen, die Arbeitsbedingungen usw.
Ehe der neue "D0T"-Band - wie vorgesehen - im nächsten Frühjahr erscheinen kann, müssen noch rund 60 000 Einzelanalysen durchgeführt, die Ergebnisse ausgewertet und redaktionell bearbeitet werden. Dann aber wird das US-Arbeitsministerium der interessierten
Fachwelt wieder ein Nachschlagewerk anbieten können, von dem man
heute schon sagen kann, daß es wieder ein Bestseller ist.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

16

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 8/9

Bad Godesberg, der. 1. August 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA
in den Jahren 1960-1975 (II)

Seite

1

Gleiche Berufschancen für die Farbigen

Seite

9

"Stille Einigung" - der neue Stil im US-Tarifverhandlungswesen

Seite

10

Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen Unfallschutzes
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite
Seite

11
13

Die Arbeitsmartc L- und Beschäf -,igy.pgsproble:i.e der USA in den
Jahren 1960-1975 (il)
Die Veränderungen in den einzelnen Berufsgruppen
A. Allgemeines

In der Beschäftigungsstruktur der Vereinigten Staaten werden
sich in den nächsten 15 Jahren erhebliche Veränderungen ergeben.
Die auslösenden Faktoren sind dabei die sehr unterschiedlichen
Wachstumstrends der einzelnen Industriezweige, das aller Voraussicht
nach sich noch steigernde Tempo des technologischen Fortschritts
sowie das Fortbestehen all.jener Einflüsse, die auch schon in den
vergangenen Jahren die beruflichen Umschichtungen bewirkten.. Eine
genaue Analyse der künftigen Beschäftigungstrends in den wichtigsten Berufen ist deshalb von großer Bedeutung, weil sich nur dadurch ein exakter Überblick über den künftigen Arbeitskräftebedarf,
das Arbeitsangebot, die Mangelberufe und die beruflichen Anforderungen gewinnen läßt.
Bei der Beurteilung des künftigen Arbeitskräftebedarfs in den
einzelnen Berufszweigen ist sowohl die Zahl der auf Grund des allgemeinen wirtschaftlichen V/achstums neu entstehenden Arbeitsplätze
zu berücksichtigen als auch die Zahl jener, die durch das Ausscheiden von Arbeitnehmern aus dem Beruf wegen Tod, Krankheit, Pensionierung, Berufswechsel oder aus anderen Gründen, zwangsläufig frei
werden

-

- , -

Auf

�Auf die Tatsache, daß sich durch personelle Umschichtungen von
einem Industriezweig zum anderen weitere Veränderungen der 2iusammensetzung des Arbeitspotentials ergeben werden, wurde bereits hingewiesen. Jeder Industriezweig hat eine spezielle Struktur, die wie in der Vergangenheit - auch in Zukunft solchen Veränderungen
unterworfen sein wird, die aus der Einführung neuer Produkte und
neuer Produktionsverfahren sowie aus anderen technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen resultieren. Durch die Veränderungen
der Beschäftigungsstruktur innerhalb der Industriezweige selbst
und das ungleiche Wachstum der einzelnen Industrien wird die Nachfrage nach Arbeitskräften mit speziellen Kenntnissen auch in Zukunft
beeinflußt werden. Und wie aus den bisher, vom US-Arbeitsministerium
durchgeführten Untersuchungen hervorgeht, wird sich dies in der Weise
auswirken, daß die Nachfrage nach Arbeitnehmern mit guter Schulbildung und einer umfassenden beruflichen Ausbildung weiter zunehmen
wird, während die Beschäftigungschancen für ungelernte Arbeitnehmer
ständig zurückgehen werden.
Die Bedeutung einer soliden schulischen Ausbildung für die
berufliche Karriere erhält durch den schnellen technischen Wandel
und die damit verbundenen häufigen Veränderungen in den beruflichen
Anforderungen noch einen besonderen Akzent. Die Arbeitnehmer müssen
in Zukunft eine weitaus größere berufliche Anpassungsfähigkeit besitzen als bisher, wobei eine gute schulische und berufliche Ausbildung die Grundlage für den Aufbau eines anpassungsfähigen Arbeitspotentials ist.
Die wichtigsten Beschäftigungstrends in den kommenden Jahren
werden folgende sein:
1 . ein weiterhin verhältnismäßig schneller Anstieg der Zahl der
Arbeitnehmer in den Angestelltenberufen, insbesondere in den akademischen und technischen Pachberufen;
2. ein langsamerer Anstieg der Zahl der "Arbeiter" ("bl.ue
collar workers"), wobei die Handwerksberufe die größte und die
Hilfsarbeitersparten keine Zunahme aufzuweisen haben werden;;
3. eine überdurchschnittliche Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze
in den Dienstleistungszweigen und
4. ein weiterer Rückgang der Zahl der Farmer und landwirtschaftlichen Arbeiter.
Bei einem voraussichtlichen Anstieg der Gesamtbeschäftigtenzahl
zwischen 196O und 1970 um 20 Prozent werden die Angestelltenberufe
eine Zunahme um 30, die "Arbeiterberufe" eine Zunahme um 14 Prozent
erfahren. In der gesamten Periode 1960-1975 dürfte die Zahl der Beschäftigten in den USA um 31 Prozent zunehmen - in den "White-collar"Berufen um 46 und in den "Blue-collar"-Berufen um 21 Prozent.

Die

2

�Die Veränderungen ir. der Beschäftigungsstruktur

Berufsgruppen

66,7

1960-1975

Voraussichtl.
Stand 1970
in Mio in &lt;/o

Voraussichtl. VerändeStand 1975
rung
in Mio in fo (1P601975)
in

100

80,5

100

87,6

100

+

31

Stand i960
i n Hi 0
in &lt;?o

Gesamt

-

Akadem. u.
techn.
Fachkräfte

7,5

11,2

10,7

13,3

12,4

14,2

+

65

Manager, leitende Angestellte u.
Inhaber(ohne
Farmer)

7,1

10,6

8,6

10,7

9,4

10,7

+

32

Büroangestellte u.a.

9,8

14,7

12,8

15,9

14,2

16,2

+

45

Verkäufer

4,4

6,6

5,4

6,7

5,9

6,7

12,8

12,8

+

12,8

10,3

11,2

u . F a c h a r b e i t e r 8,6

30

13,6

16,3

+

18

16,0

16,9

14,2

Fabrikarbeiter 12,0

11 ,1

13,8

12,5

14,3

+

51

-

28

- + 34

Handwerker, Vor-

Dienstpersonal
Hilfsarbeiter
(ohne Landwirtschaft und
Bergbau)
Farmer, Verwalter, Landwirtschaf tl.
Arbeiter

8,3

12,5

3,7

5,5

3,7

4,6

3,7

4,3

5,4

8,1

4,2

5,3

3,9

4,5

B. Die voraussichtlichen Veränderungen
1. Akademische und technische Fachkräfte; Die Gruppe der akademischen und technischen Fachberufe, die in der vergangenen Dekade den
größten Zuwachs von allen Berufsgruppen aufzuweisen hatte, dürfte in
den Jahren 196O-I975 eine Wachstumsrate erreichen, die um mehr als
das Doppelte über der Durchschnittsrate liegt. Der Anstieg der Beschäftigtenzahl wird hier zwischen i960 und 1970 rund 43 Prozent betragen und zwischen 1970 und 1975 um weitere 16 Prozent zunehmen. Die

-

3

-

�Die Gesamtzahl der in den akademischen und technischen Fachberufen
Tätigen würde sich damit bis 1975 auf mehr als 12 Millionen erhöhen.
Der Arbeitskräftebedarf wird dabei in praktisch allen Berufszweigen
ganz erheblich ansteigen, so auch in der Gruppe der Lehrer, Ärzte,
Sozialwissenschaftler, Geistlichen, Juristen, Ingenieure und Naturwissenschaf tler.Allerdings werden die Wachstumsraten innerhalb dieser Gruppe unterschiedlich sein.
In den Ingenieur- und den naturwissenschaftlichen Berufen wird
der Arbeitskräftebedarf bis 1975 auf etwa 2,4 Millionen ansteigen,
was eine Erhöhung um das Doppelte gegenüber 1960 bedeutet. Der Bedarf an Ingenieuren wird sich 1970 auf fast 1,4 Millionen belaufen das sind 550 000 mehr als i960. Das Arbeitsplatzangebot für Wissenschaftler dürfte bis 1970 auf 580 000 Stellen anwachsen im Vergleich
zu 335 000 im Jahre 196O. Der größte Bedarf ergibt sich hier für die
Zweige der Luft- und Raumfahrt, der medizinischen Forschung, der Verteidigung sowie für die technischen Hilfsprogramme. Besonders groß
wird die Nachfrage nach solchen Wissenschaftlern sein, die bereits
ihr Doktorat besitzen oder in ihrer beruflichen Ausbildung schon
weiter sind. Zu berücksichtigen ist in dieser Hinsicht jedoch, daß
die zu erwartenden Schwerpunkte in den wissenschaftlichen Sparten
nicht mit Bestimmtheit angegeben werden können, zumal im Jahre 1970
etwa bestimmte Spezialisten gefragt sein dürften, über deren Wirken
heute noch keine klare Vorstellung herrscht.
Generell kann jedoch schon jetzt gesagt werden, daß bei den
Mathematikern und Physikern die größten Zunahmen erfolgen werden;
aber auch die Aussichten für Chemiker und Biologen sind äußerst
günstig. Andere wissenschaftliche Berufe dagegen - wie etwa der
des Geologen - dürften eine erheblich geringere Wachstumsrate aufwei sen.
Die Zahl der technisch-wissenschaftlichen Fachkräfte belief
sich im Jahre i960 auf rund 775 000. Der Bedarf an diesen Spezialisten wird sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren zumindest ebenso stark
erhöhen wie die Zahl der Wissenschaftler und Ingenieure, so daß bis
1975 möglicherweise eine Verdoppelung eintritt.
Bei den Lehrberufen wird sich 1970 ein Bedarf von insgesamt
fast 2,5 Millionen Lehrkräften ergeben. Gegenüber 196O bedeutet das
eine Zunahme um rund 500 000. Dieser Schätzung liegt dabei die Erwartung zugrunde, daß sich die Zahl der Schulpflichtigen weiterhin stark
erhöht, die durchschnittliche Länge der Schulzeit weiter zunimmt und
die angestrebte maximale Klassenstärke verwirklicht werden kann.
Der Bedarf an Lehrkräften wird an den Colleges verhältnismäßig
stärker zunehmen als an den Grund- und Oberschulen. Die Zahl der an
Colleges und Universitäten tätigen Lehrkräfte und Professoren betrug
1960 etwa 175 000; diese Zahl müßte, bis 1970 jedoch um etwa 80 Prozent erhöht werden, wenn zu diesem Zeitpunkt allen Jugendlichen ein
College- und Universitätsstudium gesichert sein soll, die den höheren
Bildungsweg einschlagen wollen.
Die

4

�Die außerordentliche hohe Wachstumsrate in den technischen
Berufen, die auch in den nächsten Jahren beibehalten werden dürfte,
ist ein weiterer bemerkenswerter Trend auf dem Beschäftigungssektor.
Obwohl der Mangel an Ingenieuren und Wissenschaftlern - und die sich
hieraus ergebende Notwendigkeit, sie von solchen Aufgaben zu entlasten, die von weniger qualifizierten Kräften ausgeführt werden können auch in den beiden letzten Dekaden dazu beigetragen hat, die Beschäftigungsmöglichkeiten für technische und wissenschaftliche Hilfskräfte
zu vergrößern, hat dieses schnelle Wachstum doch fundamentalere Gründe.
Es ist in erster Linie durch die zunehmende Kompliziertheit der modernen Technik bedingt, durch die der Bedarf an solchen Arbeitnehmern
forciert wurde, die einige Grundkenntnisse in der Mathematik und den
Naturwissenschaften sowie eine spezielle Fachausbildung besitzen.
2. Manager, leitende Angestellte und Inhaber: Die Zahl der Geschäftsinhaber dürfte in den nächsten Jahren nur geringfügig zunehmen,
da der schon in der letzten Dekade feststellbare Trend zur Bildung
größerer Wirtschaftsunternehmen sich fortsetzen und damit die Zahl
der Firmen etwa auf dem derzeitigen Stand halten wird. Die Zahl der
Manager und anderer leitender Angestellter in Wirtschaft und Regierung
sollte dagegen weiterhin verhältnismäßig schnell zunehmen.
Auf Grund dieser sehr unterschiedlichen Trends wird die Zunahme
in dieser Gruppe im Vergleich zu allen anderen Angestelltengruppen
wahrscheinlich geringer sein. Dennoch dürfte die relative Zunahme
hier etwa ebenso hoch sein wie die Zunahme in allen Berufsgruppen, die
für die Zeit zwischen i960 und 1970 rund 20 Prozent und für die folgenden fünf Jahre 9 Prozent betragen wird. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Gruppe der Manager, leitenden Angestellten und Geschäftsinhaber wird dabei bis 1970 auf 8,6 Millionen und bis 1975 auf 9,4 Millionen ansteigen.
3. Angestellte: Die Zahl der in dieser Gruppe erfaßten Arbeitnehmer dürfte in den nächsten 15 Jahren eine relativ starke Zunahme erfahren, da der Anfall an neuen Büroarbeiten aller Art nicht gänzlich
durch die Einführung moderner Elektronenrechner und anderer neuzeitlicher Büromaschinen kompensiert werden kann. So wird sich die Zahl
der Angestellten bis 1970 auf etwa 12 f 8 Millionen und bis 1975 auf
rund 14 Millionen erhöhen, was einen Anstieg gegenüber 196O um 45 Prozent bedeutet.
Die Hauptursache für die relativ starke Zunahme der Zahl der Angestellten ist in der zu erwartenden schnellen Geschäftsausweitung im
Finanz- und Versicherungswesen und in ähnlichen Geschäftsbereichen zu
suchen sowie in der Fortdauer des Trends der vergangenen Jahre, den
Bürokräften Tätigkeiten zu übertragen, die bisher hauptsächlich von
den Verkäufern und den Geschäftsinhabern ausgeführt wurden. So brachte
z.B. der Selbstbedienungstrend im Einzelhandel eine wesentliche Verminderung des Verkaufspersonals, während gleichzeitig zahlreiche neue
Arbeitsplätze für Kassierer und Prüfer geschaffen wurden.

At
-

5 -

�4. Verkaufspersonal; Die Zahl der Verkäufer dürfte bis 1970
rund 5 1/2 Millionen und bis 1975 fast 6 Millionen erreichen, was
einer Zunahme um rund 1/3 entspricht. Zu den Wachstumsfaktoren sind
hier vor allem die steigende Bevölkerungszahl und die steigenden
Pro-Kopf-Einkommen zu rechnen; aber auch die zunehmende Halbtagsbeschäftigung dürfte die Gesamtbeschäftigtenzahl stark positiv beeinflussen. Alle diese Wachstumsfördernden Faktoren werden dabei einen
stärkeren Einfluß auf die Zahl der Arbeitsplätze haben als die die
Wachstumsrate hemmenden Selbstbedienungstechniken und andere arbeitsparende Einrichtungen.
5. Handwerker, Vor- und Facharbeiter; Unter den "blue collar
workers" weist diese Gruppe auch in Zukunft die günstigsten Beschäftigungsaussichten auf. Die Zahl dieser Facharbeiter dürfte in
der Periode 1960-1975 um etwa 2 1/2 Millionen zunehmen und damit die
11-Millionen-Grenze überschreiten.
Die größten Zugänge innerhalb dieser Gruppe werden dabei Mechaniker, Baufach-, Metallfach- und Vorarbeiter verzeichnen. Auf Grund
des steigenden Bedarfs an Mechanikern, Wartungs- und Reparaturpersonal
für die Installierung, Wartung und Reparatur der immer komplizierter
werdenden Produktionsausrüstungen der Industrie sowie der technischen
Anlagen in Regierungsdienststellen und Privathaushalten kann hier mit
einer Gesamtbeschäftigtenzahl von 2 3/4 Millionen 1970 und von 3 Millionen im Jahr 1975 (i960 =• 2 Mio) gerechnet werden.
Das zu erwartende große Bauvolumen in der nächsten Dekade wird
für die Baufachberufe eine ähnliche hohe Zunahme bringen. Die Beschäftigtenzahl wird dabei von gegenwärtig 2 1/2 Millionen (i960) auf
3 3/4 Millionen im Jahre 1975 ansteigen, wobei die Berufschancen
für Bauleiter, Betonierer, Maurer, Bauelektriker und Klempner besonders
günstig sind.
6. Fabrikarbeiter und .berufsverwandte Gruppen; Diese zur Zeit noch
größte Arbeitnehmergruppe wird in den nächsten 15 Jahren eine unterdurchschnittliche Wachstumsrate aufweisen. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäf tigtenziff er wird dabei von gegenwärtig 18 Prozent (i960) auf
etwa 16 Prozent zurückgehen. Dennoch wird sich auch in dieser Gruppe
die Gesamtarbeitnehmerzahl um.rund 2 Millionen erhöhen, so daß sie
im Jahre 1975 einen Stand von 14 Millionen erreichen wird.
Zahlreiche industrielle Arbeitsplätze werden auch in den kommenden Jahren durch die Einführung moderner automatischer Produktionseinrichtungen verlorengehen, wenngleich sich dieser Prozeß allmählich
vollziehen wird. Durch die zunehmende Verwendung von Lastkraftwagen
jedoch werden sich größere Beschäftigungsmöglichkeiten für Lastwagenund Busfahrer - eine der Hauptgruppen in dieser Kategorie -.ergeben.
Darüber hinaus wird die dynamische technische Entwicklung zahlreiche
Arbeitsplätze für angelernte Arbeiter schaffen.
7. Hilfsarbeiter (außer Landwirtschaft); Die Gesamtzahl der industriellen Hilfsarbeiter, die im Jahre i960 rund 3,7 Millionen betrug,
dürfte sich in den nächsten 15 Jahren selbst bei Erreichung der angestrebten Vollbeschäftigung kaum .verändern, so daß ihr Anteil am gesamten

-

6

-

�gesamten Arbeitspotential von gegenwärtig 5 1/2 Prozent (i960)
auf weniger als 4 1/2 Prozent (l 975) absinken wird.
Die ungelernten Arbeiter dürften auch in Zukunft in -verstärktem
Maße durch Baggerraupen, Grabenbaumaschinen und ähnliche mechanische
Geräte aus ihren angestammten Arbeitsplätzen verdrängt werden, ebenso
wie die verstärkte Einführung von Gabelstaplern, Kränen, Transportbändern und anderen hydraulisch-mechanischen Hebewerkzeugen den zunehmenden Abbau von Arbeitsplätzen für ungelernte Arbeiter in Fabriken,
Lagerhäusern und Güterumschlagplätzen bewirken wird. Dennoch werden
sich aber, wie aus der Untersuchung des US-Arbeitsministeriums hervorgeht, für diese Arbeitnehmergruppe auch in den nächsten 10-15 Jahren
relativ viele neue Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben.
8. Dienstpersonal: In dieser Beschäftigungsgruppe wird die Zahl
der Arbeitnehmer relativ schnell und stark zunehmen. Die Wachstumsrate wird dabei über dem Gesamtdurchschnitt liegen. Von 8,3 Millionen
im Jahre 196O wird die Zahl der Arbeitskräfte bis 1970 auf rund 11 Millionen und bis 1975 auf 12 1/2 Millionen ansteigen, was einer Zunahme von
etwa 50 Prozent entspricht.
Einen relativ schnellen Anstieg dürften dabei - in Anbetracht der
zu erwartenden Bevölkerungszunahme - die in den öffentlichen Sicherheits- und Schutzorganen Tätigen, wie Polizisten und Feuerwehrleute,
aufweisen. Sehr erheblich.wird auch die Zunahme bei Vollschwestern sein,
desgleichen bei dem Pflegepersonal in Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen. Zu den anderen Gruppen mit. großer Wachstumsrate zählen
ferner: Kellner, Kellnerinnen, Köche und Raumpfleger.
9. Farmberufe: Die Zahl der Farmer und der in der Landwirtschaft
tätigen Fach- und Hilfskräfte wird auch in den nächsten 15 Jahren weiter annehmen, und zwar zwischen i960 und 1970 um 20 Prozent und zwischen
1970 und 1975 um weitere 6-7 Prozent. In der Gesamtperiode dürfte der
Rückgang dabei bis zu 1 1/2 Millionen betragen, d.h., die Gesamtzahl
wird von 5 1/2 auf rund 4 Millionen absinken.
C. Der Arbeitskräftebedarf auf Grund der zu erwartenden Abgänge
Während in den vorangegangenen Abschnitten, die im Gefolge der
Bevölkerungszunahme, der wirtschaftlichen Expansion und der industriellen und technologischen Veränderungen sich ergebenden Beschäftigungstrends behandelt wurden, soll in diesem abschließend noch kurz auf den
Arbeitskräftebedarf eingegangen werden, der sich durch die normalen
Abgänge infolge Tod, Invalidität, Pensionierung usw. zwangsläufig
ergibt. Nach den.vorliegenden Unterlagen wird die Zahl der zwischen
1960 und 1970 durch Abgänge frei werdenden Arbeitsplätze größer sein
als der Nettozuwachs an Arbeitsplätzen in diesem Zeitraum (13&gt;8 Mio).
In zahlreichen Berufen, insbesondere solchen, in denen überwiegend
Frauen beschäftigt werden, übersteigt die Zahl der benötigten "Ersatzkräfte" die Zahl der für die Besetzung neu geschaffener Stellen erforderlichen Kräfte ganz erheblich. So müssen z.B. rund 8 Prozent aller Volksund Oberschullehrer jährlich ersetzt werden, während der durchschnittliche jährliche Nettozuwachs an Stellen zwischen i960 und 1970 lediglich
2 1/2 Prozent beträgt.
Wann

-

7 -

�V/enn auch die statistischen Unterlagen über die Todes- und
die Pensionierungsrate bei männlichen Arbeitnehmern ziemlich lückenlos sind und ebenso die Beschäftigungsgewohnheiten von weiblichen
Arbeitskräften sich - zwecks Ermittlung des wahrscheinlichen Ersatzbedarfs - relativ genau analysieren lassen, so gibt es doch für
die Feststellung des voraussichtlichen Arbeitskräftebedarfs auf Grund
des Berufswechsels von Arbeitnehmern keine zuverlässigen Angaben.
Die folgenden Angaben sind daher als Minimum-Ziffern zu werten.
Nach Auswertung der diesbezüglichen Unterlagen in den einzelnen
Berufsgruppen ergibt sich den Angaben des US-Arbeitsministeriums zufolge folgendes Bild: Bei männlichen Arbeitnehmern wird die Abgangsrate
in den sechziger Jahren rund 2 Prozent pro Jahr betragen. In der Gruppe
der akademischen und technischen Fachkräfte sowie in der Gruppe der
Fabrikarbeiter wird dabei eine Separationsrate von 1,7 Prozent und
in der Gruppe der Manager, leitenden Angestellten und Geschäftsinhaber von 2,6 Prozent zu verzeichnen sein. Die Abgangsrate für Frauen
wird sich dagegen auf rund 5 Prozent belaufen; und im Gegensatz zu
den Männern werden die Raten der einzelnen Gruppen keine deutlichen
Unterschiede aufweisen.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die zwischen 1960
und 1970 jährlich in den wichtigsten Berufsgruppen zu erwartenden
Abgänge :
Berufsgruppe

Gesamt

Männer

Frauen

231 J00

83 300

148 000

Angest. u.Inhaber

209 900

156 300

53 600

Angestellte u.a.

414 900

59 600

355 300

Verkäufer

142 200

55 200

87 000

187 500

176 000

11 500

304 200

148 200

156 000

Akademische und
techn. Fachkräfte
Manager, leitende

Handwerker, Vor- und
Facharbeiter
Fabrikarbeiter und
verw. Berufe

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 86, Nr. 3, März 1963)

* * * * *

-

8 -

�Gleiche Berufschancen für die Farbigen
Präsident Kennedy hat dem amerikanischen Kongreß Ende Juni
eine umfangreiche Gesetzesvorlage unterbreitet, die im wesentlichen
darauf abzielt, der farbigen Bevölkerung die gleichen Berufschancen
in allen Zweigen der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung im
Rahmen eines Bundesgesetzes zu sichern. Durch vom Staat getragene
Förderungsprogramme soll darüber hinaus die berufliche Ausbildung und
Fortbildung der Neger verbessert werden, so daß sie in stärkerem
Maße als bisher auch in die höheren und besser bezahlten Positionen
aufrücken können. Damit wird ein Prozeß wesentlich beschleunigt,
der sich bisher fast unbemerkt vollzog und der farbigen Bevölkerung
trotz starker Gegenströmungen bemerkenswerte Fortschritte in beruflicher, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht brachte.
2 3 Neger-Millionäre
Daß es heute in den Vereinigten Staaten bereits 25 Neger-Millionäre gibt, rund 400 Farbige ein Jahreseinkommen von mehr als 50 000
Dollar beziehen und weitere zehntausend zwischen 10 000 und 50 000
Dollar pro Jahr verdienen, ist dabei für die Beurteilung der erzielten Fortschritte von geringerer Bedeutung als die Tatsache, daß die
farbige Bevölkerung in den vergangenen Jahren in immer mehr Berufe
eindringen konnte, die ihr bis dahin versperrt waren. Das gilt nicht
für die akademischen, sondern für eine Vielzahl anderer Berufe, die
bislang nur den Weißen vorbehalten waren.
So hat zum Beispiel kürzlich eine große amerikanische Fluggesellschaft mit der Ausbildung von Neger-Stewardessen begonnen,
während ein großer Einzelhandelskonzern junge farbige College-Absolventen als Geschäftsführer in seinen Supermärkten einsetzen will.
Natürlich sind dies alles
daß die berufliche Integration
Druck der öffentlichen Meinung
reichen privaten Vereinigungen
- unaufhaltsam fortschreitet.

noch Ausnahmen, aber sie zeigen doch,
- wenn auch nur zum Teil unter dem
oder auf Grund der Bemühungen der zahlzur Förderung der rassischen Integration

Mehr Akademiker
Sehr aufschlußreich in dieser Hinsicht sind dabei die kürzlich
vom US-Zensus-Büro veröffentlichten Ziffern über die Farbigen, die
in geistigen und akademischen Berufen beschäftigt sind. Nach dieser
Übersicht gab es im Jahre i960 etwas über 9000 Ärzte, Zahnärzte
und Rechtsanwälte; 235 Architekten! 3662 Chefbuchhalter und Buchprüfer; 1539 Chemiker; 4378 Diplomingenieure; 14 276 Sozialhelfer und
130 659 Lehrer.
So eindrucksvoll diese Ziffern auch sein mögen, sie können
dennoch nicht die Tatsache überdecken, daß der Anteil der Farbigen
an diesen Berufen im Verhältnis zur weißen Bevölkerung immer noch
sehr gering ist. Denn obgleich jeder 9. Amerikaner (also 11J6 der
Gesamtbevölkerung) schwarzer Hautfarbe ist, übersteigt der Anteil
der Neger in den akademischen Berufen nur in ganz wenigen Fällen
10$. Auch in zahlreichen Fachberufen ist das Verhältnis trotz .der.

�der großen Anstrengungen der Gewerkschaften bei der Durchsetzung
und Anwendung gleicher Beschäftigungsbedingungen noch relativ
ungünstig für die Farbigen. Lediglich im öffentlichen Dienst
konnte bisher - dank den intensiven Bemühungen der Regierung mit 13$ ein positives Verhältnis erreicht werden.

(Quelle: Eigenbericht)
« * x- * *

"Stille Einigung" - der neue Stil im US-Tarifverhandlungswesen
Die Lohnverhandlungen in der Stahlindustrie gehörten in der
Nachkriegszeit immer zu den großen tarifpolitischen Ereignissen in
den USA. Und in Anbetracht der Härte, mit der diese Verhandlungen
in der Regel geführt wurden, stellte sich die gesamte Wirtschaft
meist schon Monate vorher auf die möglichen Folgen solcher tarifpolitischen Auseinandersetzungen ein. Der letzte große Streik in diesem
wichtigen Wirtschaftszweig, der die US-Wirtschaft weitgehend paralysierte und mit 116 Tagen Dauer zugleich der längste war, fand bekanntlich im Jahre 1959 statt.
In diesem Jahr nun gingen die mit Spannung erwarteten Kollektivverhandlungen der Stahlindustrie vollkommen lautlos und praktisch unbemerkt über die Bühne. Die Mitteilung der beiden Tarifpartner
La vergangenen Monat man habe sich bereits auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt, löste daher auch in der amerikanischen Öffentlichkeit
und Wirtschaft allgemeine Überraschung und Erleichterung aus.
Nun, für eingeweihte Kreise und Kenner des amerikanischen Tarifverhandlungswesens kommt diese "stille Einigung" allerdings gar nicht
so überraschend. Die beiden Tarifpartner haben nämlich dieses Mal
sämtliche wichtigen Anliegen und Forderungen in einem im Vorjahr gebildeten gemeinsamen "Tarifverhandlungs-Studienausschuß" in den vergangenen Monaten eingehend erörtert und ihre Standpunkte so weit
präzisiert und einander angenähert, daß sich der eigentliche Tarifverhandlungsausschuß gleich mit konkreten Ergebnissen dieser Vorverhandlungen befassen und dadurch die Verhandlungen in relativ kurzer
Zeit abschließen konnte.
Daß dieser neue Stil im amerikanischen Tarifverhandlungswesen
- die Versachlichung der Verhandlungen, der Verzicht auf öffentliche
Polemik, die Führung vorbereitender, klärender Gespräche - sich auch
in anderen wichtigen Zweigen der US-Wirtschaft durchzusetzen beginnt,
zeigen sowohl die in den letzten Wochen zwischen der Automobilarbeitergewerkschaft und den großen Automobilkonzernen getroffenen Abkommen über die Bildung gemeinsamer Studienausschüsse für die im nächsten Herbst anstehenden Verhandlungen als auch die zwischen der
Elektrikergewerkschaft und der "General Electric" (260 000 Arbeitnehmer) erzielte Einigung über die Schaffung eines ähnlichen Gremiums.
Diese
10

-

�Diese Entwicklung vollzieht sich nahezu zwangsläufig, denn
im Gegensatz zu früheren Jahren, wo es in den Tarifverhandlungen
fast ausschließlich um höhere Löhne und Sozialleistungen ging,
stehen heute die Arbeitsfragen im Vordergrund - Probleme also, die
nicht in unter Zeitdruck stehenden Verhandlungen zu lösen sind. Die
Sicherung der Arbeitsplätze vor den Auswirkungen der Automation,
die Umschulung der durch die Technik verdrängten Arbeiter, die Gewährung von Entlassungsgeldern, Übergangsbeihilfen, Umzugskosten usw.
sind dabei die wichtigsten Tariffragen, um die es heute geht.
Daher ist es auch nicht verwunderlich, daß der neue Tarifvertrag der Stahlarbeitergewerkschaft roit den 11 großen Firmen der
Stahlindustrie keine Lohnerhöhungen vorsieht - ein Faktum, das
bisher einfach undenkbar gewesen wäre -, sondern vor allem solche
Punkte enthält, die auf die Erhaltung der Zahl der Arbeitsplätze
abzielen. Auch der stark herausgestellte Urlaubsplan, der den
Arbeitnehmern mit höherem Dienstalter alle fünf Jahre zusätzlich
13 Wochen Urlaub sichert, dient diesem Ziel, denn hierdurch werden
nach Schätzung der Gewerkschaft rund 25 000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das der Gewerkschaft zugestandene größere Mitspracherecht
bei der Vergabe solcher Aufträge an andere Firmen, die ohne weiteres
auch im eigenen Betrieb abgewickelt werden können, soll ebenfalls
dazu beitragen, den derzeitigen Bestand an Arbeitsplätzen zu sichern.
Dennoch bringt der neue Vertrag, der eine Laufzeit von zwei
Jahren hat, den Arbeitnehmern der Stahlindustrie eine Reihe verbesserter Sozialleistungen wie höhere Lebensversicherungen und Krankenhausversicherungsleistungen, so daß die Gesamtaufwendungen der Unternehmer
für Löhne und Sozialleistungen, die gegenwärtig rund 4»30 Dollar pro
Stunde betragen, auf etwa 4»50 Dollar angehoben werden dürften.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen Unfallschutzes
An seinem Arbeitsplatz ist der amerikanische Arbeiter heute
Unfällen weniger stark ausgesetzt als in seinem Heim. Dies ist die
nüchterne Feststellung der amerikanischen industriellen Unfallstatistik, aus der auch hervorgeht, daß die Unfallrate seit 1912 um
rund die Hälfte zurückgegangen ist, obwohl in diesem Zeitraum die
Zahl der Gesamtarbeitskräfte sich fast verdoppelte.
Dieser Erfolg auf dem Gebiet der Unfallverhütung is t aber noch
insofern besonders bemerkenswert, als sich ja nicht allein die Zahl
der Werktätigen erhöht hat, sondern auch die Gefahrenquellen auf
Grund des stärkeren Einsatzes von Maschinen, der Einführung neuer
Produktionsverfahren, neuer Materialien und Werkstoffe wesentlich
vermehrt haben.
Teamwork

�Teamwork Voraussetzung
Der gesamte Unfallschutz in den modernen Industriebetrieben
ist damit zwangsläufig sehr viel umfangreicher und komplizierter
geworden und daher nicht mehr allein von den technischen "Sicherheitsingenieuren" zu bewältigen, sondern nur noch von einem Team ausgesuchter Spezialisten, dem heute sowohl Physiker, Chemiker, Toxikologen, Ärzte als auch neuerdings Hygieniker angehören.
Die spezielle Aufgabe dieser Sicherheitsspezialisten besteht
in erster Linie darin, in enger Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsteams mögliche, die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer bedrohende Gefahrenquellen rechtzeitig aufzuspüren und entsprechende Sicherheits- und Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Ein gutes Beispiel für einen vorbildlichen vorbeugenden betrieblichen Unfallschutz bietet in dieser Hinsicht die "North
American Aviation, Inc." in Los Angeles, ein auf dem Gebiet des
Flugzeugbaus und der friedlichen Nutzung der Atomenergie tätiges
Unternehmen, in dem gerade die gesundheitsschädigenden Dauereinflüsse
in der Unfallverhütung eine große Rolle spielen.
Es beginnt mit der Einstellung
Aus diesem Grunde hat auch hier die medizinische Abteilung eine
relativ große Bedeutung und zahlreiche wichtige Aufgaben im Rahmen
des betrieblichen Unfall- und Gesundheitsschutzes zu erfüllen. Schon
bei der Einstellung wacht sie darüber, daß keine Arbeiter angenommen
werden, die mit irgendwelchen übertragbaren Krankheiten behaftet sind
oder auf Grund ihrer körperlichen Konstitution gegenüber speziellen
Dauereinflüssen am Arbeitsplatz besonders anfällig erscheinen. Vielfach wird diesen Bewerbern auch eine spezielle ärztliche Behandlung
empfohlen, durch die physische Mängel, die einer Einstellung im V,rege
stehen, beseitigt werden können.
Darüber hinaus hat die medizinische Abteilung die Aufgabe, bei
Erkrankungen oder Unfällen Erste Hilfe zu leisten und solche Arbeitnehmer gründlich zu untersuchen, die krank gewesen sind oder einen
Unfall gehabt haben und die ihre Arbeit wieder aufnehmen wollen.
Durch diese Untersuchungen will man verhindern, daß noch nicht voll
genesene oder wiederhergestellte Arbeiter ihre Tätigkeit vorzeitig
aufnehmen und damit sich selbst und andere gefährden.
Abschirmung nach außen
In Anbetracht der Tatsache, daß die modernen Industriebetriebe
zahlreiche Vorerzeugnisse und Rohstoffe aus anderen Betrieben beziehen,
kommt den Betriebshygienikern heute bei der Abschirmung äußerer Gefahrenquellen eine große Bedeutung zu. Auch in dieser Beziehung war
die "North American Aviation" bahnbrechend, denn den Hygienikern
dieses Unternehmens ist es zuzuschreiben, daß in den USA heute sämtliche Produzenten von Chemikalien ihren Erzeugnissen Hinweiszettel
beilegen, auf denen genau die chemischen Bestandteile der Sendung

- 12

-

�Sendung angegeben sind. Auf diese Weise sind die Betriebshygieniker
jederzeit vollkommen im Bilde, welche gesundheitsgefährdenden Stoffe
in der Produktion verwendet werden und welche Schutzmaßnahmen jeweils zu treffen sind.
Auswertung der Unfallberichte
Ein wichtiger Bestandteil des gesamten Unfallverhütungsprogramms des Unternehmens ist die Auswertung sämtlicher Unfallberichte,
wobei selbst bei kleinsten Verletzungen den genauen Unfallursachen
nachgegangen wird. Dies ist insofern von großer Bedeutung, als ja
auch bei geringfügig erscheinenden Unfällen immer die Möglichkeit
der Wiederholung besteht bzw. ernsthaftere Verletzungen aus der Ursache resultieren können. Daher ist man in jedem Fall von vornherein
bemüht, das Übel abzustellen, ehe Schlimmeres passiert.
Das Ergebnis dieser vielseitigen Bemühungen des Unternehmens
spiegelt
sich in der niedrigen Unfallrate wider, die selbst in den
vollkommen neuen Produktionszweigen, wo nur relativ geringe Erfahrungen über den Umgang mit neuen Materialien und Energiequellen zur
Verfügung standen, weit unter dem industriellen Durchschnitt liegt.
Mit besonderem Stolz verweisen die Sicherheitsingenieure der "North
American Aviation" dabei auf die Tatsache, daß sie in der "Atomics
International", einem Zweigunternehmen, bisher keinen Fall von Strahlenschädigung, registrierten - ein bemerkenswerter Erfolg, der nur
durch eine enge Zusammenarbeit aller Angehörigen des Sicherheitsteams ermöglicht wurde.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
13,7 Mrd. Dollar an Sozialrenten 1962 ausgezahlt
An rund 17»3 Millionen bezugsberechtigte Männer, Frauen und
Kinder wurden im Haushaltjahr 1962 im Rahmen des amerikanischen Sozialversicherungsgesetzes Renten und andere Versorgungsleistungen
in Höhe von 13»7 Mrd. Dollar ausgezahlt, wie aus einer Übersicht des
Treuhänderausschusses der staatlichen Versicherungsfonds hervorgeht.
Bei einer Vergrößerung des Empfängerkreises um 1,5 Millionen haben
sich dabei die gesamten Auszahlungen im Vergleich zu 1960/61 um 1,8
Mrd. Dollar erhöht.
Mehr als die Hälfte der Mehrleistung resultiert aus den i960
und 1961 vorgenommenen Verbesserungen der Sozialgesetze. Während
723 000 Personen auf Grund der 1961 vom Kongreß gebilligten Rentenleistungen für versicherte Personen im Alter zwischen 62 und 64 Jahren

-

13

-

�Jahren und ihre Angehörigen (vorgezogener Eintritt des Versicherungsfalles bei verminderter Rentenleistung) in den Genuß von Rentenbezügen kamen, erhielten weitere 169 000 Personen erstmals Sozialrenten
auf Grund der Gesetzesänderungen aus den Jahren i960 und 1961, durch
die die Mindestversicherungsdauer herabgesetzt wurde.

(Quelle: Eigenbericht)

Tarifverträge folgten im 1. Quartal 1965 dem Yor.jahrstrend
Die im 1. Quartal 1963 abgeschlossenen Tarifverträge hielten sich
was die Höhe der Lohnaufbesserungen und der von den Unternehmern zugestandenen Sozialleistungen betrifft, weitgehend auf dem Niveau des ver
gangenen Jahres.
Dies ist einer Untersuchung des "Bureau of National Affairs"
zu entnehmen, einer privaten Forschungsorganisation, die insgesamt
67O Großtarifverträge analysierte, die zwischen Januar und Ende März
dieses Jahres abgeschlossen wurden.
Die durchschnittliche Lohnerhöhung im Rahmen dieser Verträge
betrug dabei 7»5 Cent pro Stunde gegenüber 7&gt;4 Cent im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der abgeschlossenen Tarifverträge, die
nicht eine sofortige, sondern eine spätere Lohnerhöhung vorsehen, hat
weiter zugenommen. Während im Vorjahr 48 Prozent aller abgeschlossenen
Tarifabkommen Lohnerhöhungen zu einem späteren Zeitpunkt (in der Regel
ein Jahr nach Abschluß des Vertrages) vorsahen, waren es in den ersten
drei Monaten dieses Jahres 51 Prozent.
Auch die Zahl der Tarifverträge mit neuen oder verbesserten Sozialleistungen nahm im Vergleich zu 1962 zu. Seinerzeit waren es 58
Prozent aller Abkommen, in diesem Jahr dagegen 41 Prozent.

(Quelle: Eigenbericht)

Fast .jeder Industriearbeiter erhält Lohnnebenleistungen
Mit nur ganz wenigen Ausnahmen kommen heute praktisch sämtliche
in Industriebetrieben tätigen Arbeiter und Angestellten in den Genuß
einer oder mehrerer Lohnnebenleistungen wie bezahlte Feiertage, bezahlter Urlaub, Krankenversicherungs- oder Pensionsleistungen. Dies geht
aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriums über die Gewährung
von freiwilligen Sozialleistungen in Großstadtbetrieben hervor.
Nach
-

14

-

�Nach dieser Statistik hatten die Angestellten der Industrieunternehmen im Erhebungszeitraum (1961/62) im Durchschnitt 7»8 bezahlte
Feiertage pro Jahr, die Arbeiter 7»0 Tage. Bezahlter Urlaub wurde
99 Prozent aller Arbeitnehmer gewährt; rund die Hälfte von ihnen
erhielt vier und mehr Wochen nach 25jähriger Dienstzeit.
Eine Anwartschaft auf Leistungen privater - und größtenteils
von den Unternehmern allein finanzierter - Y/ohlfahrts- und Pensionspläne wiesen 99 Prozent aller Angestellten und 97 Prozent aller Produktionsarbeiter auf. Ferner war von den Industrieunternehmen für 95
Prozent aller Angestellten und für 91 Prozent aller Arbeiter eine
Lebensversicherung und für 84 Prozent aller Angestellten und 88 Prozent aller Arbeiter eine Krankenversicherung abgeschlossen. Leistungen
aus privaten Pensionsplänen allein (zusätzlich zu der staatlichen Altersversicherung) haben schließlich 78 Prozent aller Angestellten und
68 Prozent aller Produktionsarbeiter bei ihrem Eintritt in den Ruhestand
zu erwarten.
(Quelle: Eigenbericht)

* # * * *

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbczichungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
I s i s liinni r.dil Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 10

Bad Godesberg, den 1. Oktober 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die wirtschaftliche Situation der Farbigen in den USA

Seite 1

Verschärfte Bestimmungen der US-Post zur Durchsetzung
der Rassengleichheit

Seite 16

Wirtschaftliches Wachstum und Arbeitslosigkeit

Seite 17

Unfallschutz am Arbeitsplatz als gewerkschaftliche Aufgabe

Seite 18

Seeleutegewerkschaft spricht sechsjährigen Streikverzicht aus

Seite 19

Matthew A. Kessler, Mitarbeiter des US-Bundesamtes für
Arbeitsstati stik:
Die wirtschaftliche Situation der Farbigen in den USA *
Eine Untersuchung über die Entwicklung in den Jahren 1955 bis 19^2
Das schrittweise Aufrücken der Farbigen in den USA
(von denen über 90 Prozent Neger sind) in höherqualifizierte und besser bezahlte Berufe hat sich in der
zweiten Hälfte der fünfziger Jahre ebenso wie in der
vorausgegangenen Zeit konsequent fortgesetzt. Die
Unterschiede aber zwischen Weiß und Schwarz hinsichtlich des erreichten sozialen Status sind nach wie vor
sehr groß, was offenbar wird, wenn man die üblichen
Kriterien zur Beurteilung des wirtschaftlichen Wohlergehens auf die beiden Bevölkerungsgruppen getrennt
anwendet. Die Entwicklungstendenzen aufzuspüren, ist
Zweck der nachstehenden Untersuchungen.

Vergleiche auch IAM, X - 4» "Beträchtliche Fortschritte der Negerbevölkerung auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet".

-

1 -

�Der Prozentsatz der Farbigen in den nur niedrige Qualifikationen erfordernden Berufen ist noch immer höher als der derM.Veißen. Das
gleiche gilt auch für den Anteil der Farbigen an der Arbeitslosigkeit, der in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern mindestens eineinhalbmal so hoch ist wie der weiße Anteil; in manchen
Altersgruppen beträgt er sogar das Dreifache. Farbige werden mithin,
gleich, welcher Beschäftigungssparte sie angehören, in unverhältnismäßig hohem Maße von Arbeitslosigkeit bedroht. Nicht nur, daß Farbige
eher und schneller entlassen werden als Weiße, sie sind dann auch in
der Regel länger arbeitslos als ihre weißen Kollegen.
Während die farbigen Familien in den ersten Nachkriegsjähren
recht erhebliche Einkommenssteigerungen zu erzielen vermochten,
konnten sie seit Mitte der fünfziger Jahre trotz des weiteren Vordringens der Farbigen in höher bezahlte Berufe mit dem Anstieg des
Durchschnittseinkommens weißer Haushalte nicht Schritt halten.
Im Laufe der beiden letzten Jahrzehnte haben die Farbigen es
verstanden, die seit alters her zwischen ihnen und den Weißen bestehende "Erziehungslücke" einzuengen - eine Entwicklung, die in ihrem stetigen, wenn auch langsamen Vorrücken auf der Berufe-Leiter zum Ausdruck kommt. Seit Mitte der fünfziger Jahre aber ist der relative Bildungsstand von Farbigen und Weißen jedoch im wesentlichen unverändert
geblieben.
Veränderungen j n den einzelnen Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen
In der gesamten Nachkriegszeit war auf Seiten der Farbigen ein
deutlicher Trend sichtbar, aus den Landarbeiterberufen herauszukommen.
Im Jahr 1962 waren 12 Prozent aller farbigen Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig, 1955 dagegen noch 16 und 1948 sogar 21 Prozent (siehe
Tafel i) . Dieser rapide Rückgang ist das Ergebnis der vor allem im
Süden zu beobachtenden Abwanderung zahlreicher Farbiger, die vorher
als ertragsbeteiligte Pächter tätig waren oder als selbständige Bauern
hart an der Rentabilitätsgrenze liegende Farmen bewirtschaftet hatten,
in andere Berufe, einer Abwanderung, die durch die verbesserten Beschäftigungsaussichten in anderen Wirtschaftszweigen begünstigt wurde.
Dieses Streben nach einem höheren Einkommen mußten jedoch viele
Farbige, die ihren Platz in der Landwirtschaft aufgaben und in einen
anderen Beruf überwechselten, mit einer zunehmenden Unsicherheit des
Arbeitsplatzes bezahlen. Da ihnen häufig eine ausreichende schulische
und fachliche Vorbildung fehlt und sie durch die Einstellungs- und Ausstellungspraktiken vieler Betriebe noch immer vielfach benachteiligt
werden, sind ihre Beschäftigungsaussichten weitgehend auf ungelernte
und Anlernberufe beschränkt. Dies sind wiederum die Berufe, die
von Konjunkturschwankungen und Massenentlassungen auf Grund der fortschreitenden Automatisierung am meisten betroffen werden. Wenn sich
auch in den akademischen und Angestelltenberufen seit Mitte der fünfziger Jahre sowohl für Weiße als auch für Farbige zahlreiche neue
Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben haben, so ist doch der Anteil
der Farbigen unter den Hausangestellten, Arbeitern und angelernten
Maschinenarbeitern immer noch unverhältnismäßig hoch.
Angestelltenberufe:

2

-

�Tafel I
Beschäftigung, nach Wirt schaftszweigen und Hautfarbe g e g l i e d e r t .
i n den Jahren 1948, 1955 und '1 962 *
( i n Prozent)
Wirtschaftszweig

Weiße
1962

Gesamtbeschäftigung (Mio)
Prozent
Gütererzeugung
Landwirtschaft
Bergbau,Forstwirtsch. u.
Fischfang
Baugewerbe
Fertigung
D i e n s t l e i stungen
Transport u .
Versorgung
Handel
Haushalte
Erziehungswesen

Akadem.Berufe
(außer Lehrkräften)
Wirtschafts- u.
Wartungsdienste
Andere ( e i n s c h l •
Unterhaitungsgewerbe)
Finanz, Versicherungen ,Immobilien
Behörden

Farbige
1962

1948

1955

1948

1955

60,749

56,698

55,454

7,098

6,496

5,944

100

100

100

100

100

100

7,2

46,2
10,1

48,6
12,6

56,2
11,7

41,5
15,7

47,5
21,1

1,1
6,4

1,4
6,5

1,5
6,0

0,4
5,7

0,7
5,5

5,0
4,4

26,8

28,2

28,5

18,4

19,7

18,9

58,6

55,8

51,4

65,8

58,5

52,5

41,4

7,0

7,4

8,5

5,4

6,0

6,4

19,8

20,2

20,1

2,6

2,2

1,7

15,8
15,8

15,5
16,5

11,5
16,1

5,5

4,0

2,8

4,4

5,0

2,1

6,9

5,5

5,9

7,4

4,9

5,5

2,8

2,5

2,4

2,2

1,4

1,0

4,5

5,5

4,2

7,2

7,2

7,4

4,7
5,1

4,0
4,6

5,5
4,6

2,1
5,4

1,9
4,2

1,5
5,5

* Die Zahlenangaben für 1948 und 1955 sind nicht auf den im Jahre 1957
eingeführten Bewertungsmodus der Erwerbslosigkeit umgerechnet. Wegen
Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht notwendigerweise zu den Gesamtziffern.

�Angestelltenberufe: Zwischen 1955 und 1962 rückten Farbige
in wachsender Zahl und über ihren Anteil hinaus in höherqualifizierte
und besser bezahlte Angestelltenberufe auf. Dennoch waren 1962 nur 17
Prozent aller beschäftigten Farbigen in Angestelltenberufen tätig,
während die Vergleichszahl bei weißen Beschäftigten bei 47 Prozent
lag (siehe Tafel I I ) . Das Zahlenverhältnis von Weißen zu Farbigen betrug 28 zu 1, während es auf das Gesamtarbeitspotential bezogen bei
9 zu 1 lag. Die Zahl der Farbigen in den Angestelitenberufen hat seit
1955 um 50 Prozent zugenommen; das entspricht etwa dem Zuwachs in
der ersten Nachkriegszeit oder dem Zweieinhalbfachen der Zunahme bei
den weißen Beschäftigten. Wenn es aber nicht zu einer weiteren erheblichen Steigerung dieses Trends kommt, wird der Prozentsatz der
Farbigen in den Angestelltenberufen noch auf Jahre hinaus erheblich
unter dem der Weißen liegen.
Farbige haben in größerer Zahl Zugang zu den akademischen, technischen und Büroangestelltenberufen gefunden als zu anderen Angestelltenberufen. Seit Mitte der fünfziger Jahre ist bei diesen Berufen ein
Zuwachs um rund 60 Prozent zu verzeichnen, der vor allem die Zunahme
der Beschäftigungsmöglichkeiten bei Behörden widerspiegelt. Der Schwerpunkt der Beschäftigung von Farbigen in Angestelltenberufen liegt bei
den Bürokräften, ist doch fast jeder zweite als Buchhalter, Sekretärin),
Schreibkraft, Stenograph, Bediener von Büromaschinen oder in der Registratur beschäftigt.
Die größte relative Zunahme der Beschäftigung von Farbigen entfiel während des Zeitraums von 1955 bis 1962 auf akademische Berufszweige (wie Krankenhauswesen, ärztliche Versorgung, andere Gebiete
der Medizin, Sozialfürsorge und Kirchendienst) sowie Wirtschafts-,
Wartungs- und Reparaturdienste, die sämtlich im Verlauf der sieben
Berichtsjahre eine 70prozentige Zunahme verzeichneten. Diese Steigerung kommt in etwa der gleich, die schon in den ersten Nachkriegsjahren zu beobachten war; auf Seiten der Weißen steht ihr eine Zunahme um lediglich 35 Prozent seit 1955 gegenüber. Das Vorrücken der
Farbigen war auch im Bereich des in zügigem Ausbau befindlichen Erziehungswesens sehr auffällig, wo
einem 60prozentigen Zuwachs eine
Zunahme um nur 50 Prozent auf Seiten der Weißen gegenübersteht. Das
Bestreben der Regierung, die völlige Gleichstellung von Schwarz und
Weiß bei Neueinstellungen zu gewährleisten, dürfte die Ursache für
die fortgesetzte Zunahme der farbigen Beschäftigten im öffentlichen
Dienst seit Mitte der fünfziger Jahre sein, wo einer Steigerung
um 40 Prozent bei farbigen Beschäftigten eine Zunahme um 18 Prozent
bei den Weißen gegenübersteht.
Die Beschäftigung Farbiger in den akademischen und technischen
Berufen hat seit Mitte der fünfziger Jahre etwas rascher zugenommen
als die der Weißen. Dennoch waren 1962 nur rund 5 Prozent aller
berufstätigen Farbigen - gegenüber 12,5 Prozent aller berufstätigen
Weißen - in diesen Sparten beschäftigt.

Tafel II

�Tafel II
Beschäftigung, nach Berufsgruppen und Hautfarbe gegliedert,
in den Jahren 1948. 1955 und 1962 *
(in Prozent)

Beschäftigungsgruppe

Weiße

Farbige

1962

1955

1948

Gesamtbeschäftiu n g (Mio)
Prozent

6 0 , 749
100

56,698
100

53,454
100

Angestelltenberufe

47,5

42,1

39,1

16,7

12,0

9,0

12,6

9,8

7,2

5,3

3,5

2,4

11,9
15,8
7,0

11,1
14,2
6,9

11 , 6
13,6
6,7

2,6
7,2
1,6

2,3
4,9
1,3

2,3
5,5
1,1

35,4

39,0

40,5

39,5

41,8

59,7

13,6

14,1

14,6

6,0

5,2

5,5

17,5

20,2

21 , 0

19,9

20,9

20,1

4,3

4,7

4,9

15,6

15,8

14,5

10,6

9,0

7,9

52,8

31,6

50,3

Hausangest.
Andere

2,1
8,5

1,8
7,2

1,5
6,4

14,7
18,1

14,8
16,8

15,6
14,7

Landarbeiter
Farmer u.
Verwalter
Vorleute u.
Arbeiter

6,8

9,9

12,4

1 1 ,0

14,5

21 , 0

4,0

6,0

7,8

2,7

5,0

8,5

2,8

3,9

4,6

8,3

9,5

12,5

Akademische u .
techn.Berufe
Manager,Führungskräfte u.Selbständige**
Büroangest.
Verkaufsangest.
Arbeiterberufe
Facharbeiter
u. Meister
Maschinenarbeiter
Ungel. Arbeiter***
Dienstleistungsberufe

*' Siehe Fußnote Tafel I
** Außer Landwirtschaft
*** Außer Landwirtschaft und Bergbau

-

5 -

1962

7,098
100

1955

6,496
100

1948

5,944
100

�Bei guten B e s c h ä f t i g u n g s a u s s i c h t e n auf dem E r z i e h u n g s s e k t o r war
ein höherer P r o z e n t s a t z der f a r b i g e n Akademiker a l s Grund- und
M i t t e l s c h u l l e h r e r (meist Frauen und Mädchen) e i n g e s e t z t a l s bei
den Weißen: nahezu zwei F ü n f t e l gegenüber einem F ü n f t e l . Bezeichnend für den s o z i a l e n A u f s t i e g der Farbigen in der jüngsten Z e i t
i s t auch i h r e zunehmende Beschäftigung i n den expandierenden t e c h nischen Berufen: einem A n s t i e g der Beschäftigung der Farbigen um
das Fünffache im Verlauf der fünfziger J a h r e i s t eine Zunahme der
Gesamtbeschäftigung in d i e s e n Berufen um" zwei D r i t t e l zuzuordnen.
A l l e r d i n g s b e t r ä g t der A n t e i l der Farbigen an der Gesamtbeschäftigung in den akademischen und technischen Berufen immer noch e r s t
1 ,5 P r o z e n t .
Nur v i e r vom Hundert a l l e r farbigen B e r u f s t ä t i g e n waren 1962
a l s Manager, Führungskräfte und S e l b s t ä n d i g e sowie a l s Verkaufsa n g e s t e l l t e t ä t i g , was e i n e r l e i c h t e n Zunahme gegenüber den Jahren
1948 und 1955 gleichkommt. Der A n t e i l der i n d i e s e Kategorie e i n zureihenden weißen B e s c h ä f t i g t e n war mit 19 Prozent w e s e n t l i c h höher.

A r b e i t e r b e r u f e : Hier war nach e i n e r l e i c h t e n Zunahme der Bes c h ä f t i g u n g von Farbigen während der e r s t e n N a c h k r i e g s z e i t zwischen
1955 und 1962 e i n l e i c h t e r Rückgang i h r e s A n t e i l s auf den Stand von
1948 zu b e o b a c h t e n . Der A n t e i l der Angehörigen der A r b e i t e r b e r u f e
an der Gesamtbeschäftigung F a r b i g e r b e t r u g dabei f a s t während der
ganzen N a c h k r i e g s z e i t rund zwei F ü n f t e l . In den l e t z t e n sieben Jahren
ging aber auch der A n t e i l der weißen B e s c h ä f t i g t e n in diesen Berufen
etwas zurück.
Mehr a l s a c h t von zehn f a r b i g e n Angehörigen der A r b e i t e r b e r u f e
und sechs von zehn weißen A r b e i t e r n v e r b l i e b e n i n der Kategorie der
u n g e l e r n t e n oder a n g e l e r n t e n A r b e i t e r . Die Beschäftigungsmöglichkeiten in den f r a g l i c h e n Berufen k o n z e n t r i e r e n s i c h auf jene g ü t e r erzeugenden I n d u s t r i e n und die ihnen nahestehenden Wirtschaftszweige
(wie das Transportgewerbe), d i e gegen Konjunkturschwankungen besonders
s t a r k a n f ä l l i g s i n d . Hinzu kommt, daß die Nachfrage nach u n g e l e r n t e n
A r b e i t e r n in der N a c h k r i e g s z e i t i n f o l g e der f o r t s c h r e i t e n d e n Automat i s i e r u n g und a n d e r e r t e c h n i s c h e r Entwicklungen s t ä n d i g zurückgegangen i s t .
Dienstleistung;sberufe:Der A n t e i l der Farbigen u n t e r den Hausanges t e llTe^nH^eTnirchlielin^h. Hausmädchen, B a b y s i t t e r ,
Haushälterinnen,
Chauffeure, Wäscherinnen usw.) i s t siebenmal so hoch wie der der
Weißen. Während der e r s t e n N a c h k r i e g s z e i t b l i e b die Zahl der f a r b i g e n
H a u s a n g e s t e l l t e n p r a k t i s c h u n v e r ä n d e r t auf dem g l e i c h e n Stand, während
d i e Beschäftigung von Farbigen in anderen D i e n s t l e i s t u n g s b e r u f e n wie
K r a n k e n p f l e g e r , F r i s e u r und Koch um 25 Prozent zunahm. Dieser Trend
hat s i c h i n den Jahren von 1955 b i s 1962 mit nur geringen Veränderungen bei Hausangestellten und e i n e r mit 18 P r o z e n t s e h r bemerkenswerten Zunahme der f a r b i g e n Neuzugänge in anderen D i e n s t l e i s t u n g s berufen f o r t g e s e t z t . Ein s t e t i g e r Anstieg der Beschäftigung i n den
D i e n s t l e i s t u n g s b e r u f e n (außer H a u s a n g e s t e l l t e n ) war i n der Nachkriegsz e i t auch bei weißen A r b e i t s k r ä f t e n e i n g e t r e t e n , der sich i n den b e i den B e r i c h t s z e i t r ä u m e n j e w e i l s auf 20 b i s 25 Prozent b e l i e f . Im Jahre
1962 waren wie in der e r s t e n N a c h k r i e g s z e i t p r o z e n t u a l doppelt sovielc^
-

6

-

�Tafel III
Die Arbeitslosigkeitsrate f, nach Hautfarbe gegliedert.
in den Jahren 19A7-1962*

Jahr

1962
1961
196O
1959
1958
1957
1956
1955

*
**

Weiße

Farbige

4,9
6,0
5,0
4,9
6,1
3,9
3,3
3,6

11,0
12,5
10,2
10,7
12,6
8,0
7,5
7,9

Prozentanteil d.
Farbigen**

224
208
204
218
207
205
227
219

Jahr

Weiße

Farbige

1954
1953
1952
1951
1950
1949
1948
1947

4,5
2,3
2,4
2,8
4,6
5,2
3,2
3,3

8,9
4,1
4,6
4,8
8,5
8,2
5,2
5,4

Prozentänteild.
Farbigen**

198
178
192
171

185
158
163

164

Siehe Anm. Tafel I
Weiße «* 100 Prozent

soviel.farbige wie weiße Arbeitnehmer in diesen rasch expandierenden, aber
noch immer relativ schlecht bezahlten und nur geringe bis mäßige Qualifikationen erfordernden Dienstleistungsberufen beschäftigt.
Arbeitslosigkeit und Teilzeitarbeit
Arbeitslosigkeit; Die Hauptlast der Arbeitslosigkeit hatten während
der gesamten Nachkriegszeit jeweils die Farbigen zu tragen. Obwohl der
Anteil der Farbigen am Arbeitspotential 1962 lediglich 10 Prozent betrug,
belief sich ihr Anteil an der Arbeitslosenziffer auf rund 20 Prozent.
Dieses Mißverhältnis bestand bei männlichen und weiblichen Arbeitskräften
gleichermaßen .
Die Arbeitslo-sigkeitsrate der Farbigen erreichte 1962 mit 11,0 den
dritthöchsten Wert in der gesamten Nachkriegszeit (siehe Tafel III) und
war damit doppelt so hoch wie die der Weißen. Dieses Zahlenverhältnis bestand praktisch die ganze Nachkriegszeit hindurch und zeigte in jüngerer
Zeit eher die Tendenz, sich weiter zu verschlechtern. In den Jahren 19471949 lag die Arbeitslosigkeitsrate der Farbigen im Durchschnitt um 60 Prozent über der der weißen Arbeitnehmer, während sie in den Jahren 1954-19^2
konstant rund doppelt so hoch war.
Farbige Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 19 Jahren wiesen fortgesetzt eine der höchsten Arbeitslosigkeitsraten unter allen Altersgruppen
beider Hautfarben auf (siehe Tafel IV). Im Jahre 1962 hielt sich die Arbeitslosigkeitsrate der Farbigen dieser Altersgruppen auf nahezu 25 Prozent,
verglichen mit etwa 12 Prozent bei weißen Jugendlichen. Seit 1955 ist ferner ein rascherer Anstieg der Arbeitslosigkeitsrate bei der farbigen Jugend
Tafel IV

�Tafel IV
Die Arbeitslosigkeitsrate^ nach Hautfarbe, Alter und Geschlecht
gegliedert, in den Jahren 1948. 1955 und 1962*
(in Prozent)
Alter u. Geschlecht

Männer insgesamt
14
20
25
35
45
54

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
Jahre u.darüber
Frauen insgesamt

14
20
25
35
45
55

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
Jahre u.darüber

Weiße

Farbige

1962

1955

1948

1962

1955

1948

4,6

5,4

3,1

11,0

8,2

12,3
8,0
3,8
3,1
3,5
4,1

9,6
6,3
2,5
2,4

8,3
5,8
2,4
1,9

13,2

2,8

3,7

2,2
2,8

20 %7
14,6
10,5
8,6
8,3
10,1

7,4
5,8
7,8

5,1
7,,6
10,6
4,2
4,5
3,1
3,5

5,5

3,9

3,4

11,1

7,5

5,2

11 ,5
7,7
5,4
4,5
3,7
3,5

8,2

6,9
3,6
3,2
2,3
2,5
2,6

28,2
18,2

16,2
11,4

11,5
8,9
7,1
3,6

9,1
4,9
4,6
4,4

10,4
8,9
6,1
3,3
2,4

4,5
3,8
3,4
2,9
2,8

11,2
8,0

2,2

* Siehe Fußnote Tafel I
Jugend aufgetreten, erhöhte sie sich doch um rund 60 Prozent gegenüber
30 Prozent bei weißen Jungen und Mädchen,*
Bei männlichen farbigen Arbeitnehmern der Altersgruppen von 25 bis
34 und von 35 bis 44 (denen der größte Teil der Haupternährer der Familien
angehört) war die Arbeitslosigkeitsrate 1962 mit 9 Prozent fast dreimal
so hoch wie bei ihren weißen Altersgenossen. Ein ähnliches Zahlenverhältnis bestand auch schon 1955«
Selbst innerhalb der einzelnen Beschäftigungskategorien bestehen
große Unterschiede in den Arbeitslosigkeitsraten von Farbigen und Weißen,
wobei die Rate dar Farbigen die der Weißen im allgemeinen wesentlich übersteigt.
Bei' '.'eißen und Farbigen haben die Berufe an der Basis der Berufspyramide,
die Arbeiter in nicht-landwirtschaftlichen Beschäftigungszweigen und die
Maschinenarbeiter, gewöhnlich eine hohe Arbeitslosigkeitsrate aufzuweisen,
und hier waren und sind die Unterschiede zwischen Weiß und Schwarz auch
nicht so groß wie in den meisten anderen Beschäftigungssparten (siehe
Tafel V ) . Dies dürfte auf die zahlenmäßig starke Vertretung dieser Berufe
in den weitgehend gewerkschaftlich organisierten Massengüterindustrien
zurückzuführen sein, wo die von den Gewerkschaften ausgehandelten Tarifverträge zum Teil Bestimmungen über die gleiche Behandlung von Weißen und
Farbigen bei der Einstellung enthalten. Die Unterschiede in den

-

8

�Tafel V
Arbeitslosigkeitsrate in einzelnen Beschäftigungsgruppen« nach
Hautfarbe gegliedert, in den Jahren 1955 und 1962*

Beschäftigungsgruppe

Sämtl.Gruppen**
Büro u.Verkaufsangestellte
Facharbeiter u.
Meister
Maschinenarbeiter
Hausangestellte
Andere Dienstleistungsberufe
Landarbeiter u.
Aufseher
Ungelernte
Arbeiter (außer
Land- u.Bergarb.)

*
**

***

Weiße

Farbige

Prozentanteil
d.Farbigen***

1962

1955

1962

1955

1962

1955

4,9

3,5

11,0

7,7

224

208

5,8

3,2

7,7

7,0

203

219

4,8
6,9
3,1

3,9
5,5
3,0

9,7
12,0
7,1

8,8
8,4
5,6

202
174
229

226
153
187

5,3

5,2

10,8

8,8

204

169

3,9

3,0

5,8

6,3

149

210

11,0

9,8

15,8

12,1

144

123

Berücksichtigt wurden nur Arbeitslose mit echter Berufserfahrung
Einschließlich der hier nicht gesondert ausgewiesenen Berufsgruppen:
akademische und technische Berufe; Manager, Führungskräfte und Selbständige; und Farmer und Farmverwalter
Weiße = 100 Prozent

den Gesamtarbeitslosigkeitsraten von Weißen und Farbigen erklären sich
aber zum Teil aus eben dieser höheren Konzentration der Farbigen in den
Berufsgruppen an der Basis der Pyramide.
Die Farbigen weisen nicht nur höhere Arbeitslosigkeitsraten auf, sie
sind auch viel häufiger von Entlassung bedroht als ihre weißen Kollegen.
Etwa drei von zehn Farbigen, die zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahre 1961
ausgestellt wurden, waren dreimal oder noch öfter im Verlauf dieses Jahres arbeitslos geworden, während dieses Schicksal bei den Weißen nur zwei
von zehn traf. Hinzu kommt, daß die Dauer der vorübergehenden Arbeitslosigkeit bei Farbigen länger war,oder daß diese oft weit länger brauchten, um eine neue Stelle zu finden. Seit Beginn der statistischen Erfassung der Arbeitslosigkeitsdauer unter Berücksichtigung der Hautfarbe
im Jahre 1954 bezifferte sich der Anteil der Farbigen an der mittelund langfristigen Arbeitslosigkeit mit einer Dauer von 15 bzw. 27 Wochen und mehr all die Jahre über auf 20 bis 30 Prozent (siehe Tafel V i ) .
Tafel VI

�Tafel VI
Anteil der Farbigen an der mittel- und langfristigen Arbeitslosigkeit
in den Jahren von 1934 bis 1962
(in Prozent)
Jahr

1962
1961
1960
1959
1958
1957
1956
1955
1954

15 Wochen und darüber

27 Wochen und darüber

28,4
23,6
26,0
26,2
23,0
23,8
21,6
21,5
24,0

25,9
22,5
24,9
24,3
22,0
22,4
21 ,8
20,0
20,4

Teilzeitbeschäftigung: In der Zeit nach 1956 war der Prozentsatz
der farbigen Teilzeitbeschäftigten ständig hö&amp;er als der der weißen.
Im Jahre 1P62 arbeiteten 21 Prozent sämtlicher in einem Beschäftigungsverhältnis stehenden Farbigen und 14 Prozent aller berufstätigen Weißen
weniger als 35 Stunden; der Anteil der aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten (mangelnde Aufträge, Materialknappheit und dergleichen) zur
Teilzeitarbeit gezwungenen Farbigen lag bei etwa dem Dreifachen des für
Weiße ermittelten Satzes von 3 Prozent, d.h. bei 10 Prozent der Gesamtbeschä:f tigtenzif fer der Farbigen (siehe Tafel VII) . 1962 stellte der
farbige Bevölkerungsteil wie in den vorausgegangenen Jahren ein Viertel
aller außerhalb der Landwirtschaft aus wirtschaftlichen Gründen Teilzeitarbeit Leistenden, während sein Anteil an der nichtlandwirtschaftlichen Gesamtbeschäftigung bei lediglich 10 Prozent lag.
Der Anteil der Farbigen an der Gesaratziffer der Teilzeitarbeiter
aus wirtschaftlichen Gründen bezifferte sich auf 16 Prozent, ihr Anteil
an der Zahl der Teilzeitbeschäftigten, die eine solche Beschäftigung
nur in Ermangelung eines ganztägigen Arbeitsplatzes angenommen hatten,
dagegen auf 35 Prozent. In der letzten Gruppe stellen Jugendliche und
ältere Frauen den Hauptanteil, die vielfach als Hausangestellte oder
in anderen Dienstleistungsberufen tätig sind, (fahrend der Prozentsatz
der aus wirtschaftlichen Gründen Teilzeitbeschäftigten bei farbigen
Arbeitnehmern in den letzten sechs Jahren erheblich gestiegen ist, hat er
sich bei weißen Arbeitnehmern ungefähr auf gleicher Höhe gehalten. Umgekehrt war eine Zunahme der freiwillig Teilzeitbeschäftigten nur unter
den weißen Arbeitnehmern zu verzeichnen.

1

-

10

Tafel VII

�Tafel VII
Nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung, nach ganztägiger Arbeit,
Teilzeitarbeit und Hautfarbe gegliedert, in den Jahren 1936 und 19^2
(in Prozent)
Beschäftigung

1956

1962

56,388
100

52,661
100

6,267
100

85,7

88,4

78,6

79,5

3,2

3,0

10,3

9,0

davon in der
Regel vollbesch.

1,6

1,8

2,8

3,3

davon in der
Regel teilzeitbeschäftigt

1,6

1,2

7,5

5,7

11,1

8,6

11,0

11,5

Vollbeschäftigt*
Teilzeitbeschäftigt
aus w i r t s c h a f t l .
,nden**

Teilzeitbeschäftigt
aus anderen Gründen
in der Regel
teilzeitbesch.

**

Farbige

1962
Sämtl. Beschäftigte:
Zahl ( i n Mio)
Prozent

*

Weiße

1956

5,733
100

Die Ziffer schließt sämtliche Arbeitnehmer ein, die während der
Erhebungswoche 35 und mehr Stunden gearbeitet haben, sowie alle,
die nur wegen Krankheit, Urlaub oder schlechtem Wetter daran
gehindert waren, ganztägig zu arbeiten.
Die Ziffer schliefit sämtliche Arbeitnehmer ein, die wegen Arbeitsverlangsamung, Materialknappheit, Arbeitsplatzwechsel, Fehlen
eines ganztägigen Arbeitsplatzes usw. weniger als 35 Wochenstunden
gearbeitet haben.

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen ergänzen sich die Prozentangabe nicht
notwendigerweise zu 100.
Die Prozentzahlen der ganz jjährj.g ganz tägi,g beschäftigten weißen
und farbigen Arbeitnehmer differieren sehr stark. Bei den männlichen
farbigen Arbeitnehmern mit Berufserfahrung waren im Jahr 1961 die
Hälfte und bei den weißen zwei Drittel als das ganze Jahr über ganztägig tätig gemeldet. Dieser Unterschied besteht schon seit Ende der
vierziger Jahre, d.h. seitdem derartige Statistiken geführt werden. _In

-

11

�In der Nachkriegszeit stieg der Prozentsatz der Frauen und Mädchen, die das ganze Jahr über ganztägig beschäftigt sind, bei
farbigen beträchtlich an, während er sich bei weißen Frauen etwa
konstant hielt. Dieser Anstieg ist teilweise auf die Tatsache
zurückzuführen, daß farbige Frauen und Mädchen nicht mehr in dem
bisherigen Ausmaß in der Landwirtschaft beschäftigt werden, wo
die Beschäftigungslage starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen ist. Im Jahre 1961 waren im Verhältnis fast ebenso viele
farbige wie weiße Frauen und Mädchen ganzjährig ganztägig beschäftigt, nämlich 32 bzw. 38 Prozent.
Beteiligung am Erwerbsleben: Eine der augenfälligsten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt stellte während der letzten Jahre der
scharfe Rückgang der Neuzugänge bei den farbigen männlichen Jugendlichen und das geringe Interesse älterer farbiger Männer an einem
Arbeitsplatz dar (siehe Tafel VIII) . Im Jahre 1962 lagen die Beteiligungsraten der Farbigen in diesen Altersgruppen unter denen der
Weißen. Der besonders starke Rückgang bei den Farbigen entspricht
einem seit langem sichtbaren Trend. Er wurde durch den langfristigen
Rückgang der landwirtschaftlichen Beschäftigung, den Wunsch nach
längerer Schulbildung und die Verbesserung der Pensionsregelung ausgelöst - Entwicklungen, die auch bei den Weißen in den letzten Jahren
eine große Rolle gespielt haben.
In den fünfziger Jahren waren an der Landflucht 70 Prozent Jugendliche beteiligt, die noch keine 20 Jahre alt waren oder das
zwanzigste Lebensjahr im Verlauf dieser Dekade erreichten. Im allgemeinen sind die Jugendlichen auf dem Lande, gleichgültig, ob sie
noch zur Schule gehen oder nicht, als in der Landwirtschaft tätig
anzusehen. Ihre Beteiligungsrate liegt gewöhnlich höher als die der
städtischen Jugend der gleichen Altersklassen. Angesichts des ständigen
Rückgangs des Anteils der farbigen Beschäftigten in der Landwirtschaft
in der Zeit von 1955 bis 1962 darf man mit ziemlicher Sicherheit folgern, daß ein großer Teil der aus den ländlichen Bezirken abgewanderten
Jugendlichen nicht der weißen Rasse, angehörte. Des weiteren dürften
der starke Anstieg der Zahl der Schüler und Studenten und die in den
letzten Jahren ungewöhnlich hohe Arbeitslosigkeitsrate unter der
farbigen Jugend zu diesem Absinken der Beteiligung der Jugendlichen
am Erwerbsleben beigetragen haben.
Sowohl die Beteiligungsrate der weißen als auch die der farbigen
Männer der Gruppe im Alter von 65 und darüber gingen von 1955 bis 1962
ganz erheblich zurück, nämlich um 9 bzw. 13 Prozent. Der verstärkt
laut werdende Wunsch nach frühzeitiger Pensionierung scheint mit
zu den Ursachen zu zählen, daß es auch in der Gruppe der 55- bis
64jährigen zu einem - wenn auch nicht so eindeutigen - Rückgang
der Beteiligungsrate kam, wobei der Rückgang wiederum bei den Farbigen ausgeprägter war als bei den Weißen.
In der Hauptgruppe der 25- bis 64jährigen, in der die Beteiligungsraten ohnehin immer am höchsten liegen, blieben die Farbigen
weiterhin leicht hinter den Weißen zurück. Das ist unter Umständen
darauf zurückzuführen, daß die Rate der Invalidität auf Grund von
Krankheit und Unfall bei männlichen Farbigen höher ist, da die
Tafel VIII

�Tafel VIII
Rate der Beteiligung am Erwerbsleben der Altersgruppen, nach Hautfarbe
und Geschlecht gegliedert, in den Jahren 194^*

1955 und 1962

Altersgruppe
und
Geschlecht

1962

1955

1948

196?

1955

1948

Männer u.Frauen

56,1

57,1

56,7

60,0

61,9

63,5

Manner

7R,£

82,8

84,2

76,4

81 , 8

84,8

14
20
25
35
45
55
65

40,8
86,5
97,4
97,9
96,0
86,7
30,6

45,6
86,5
97,8
98,3
96,7
88,4
39,5

50,7
84,4
96,0
98,0
95,9
89, &amp;
46,6

38,4
89,3
95,3
94,5
92,2
81,5
27,2

48,8
89,7
95,8
96,2
94,2
83,1
40,0

58,4
85,6
95,3
97,2
94,6
88,4
50,3

Frauen

35,6

33,7

30,6

45,6

44,4

44,4

14
20
25
35
45
55
65

29,7
47,1
34,1
42,2
48,9
38,0
9,8

30,5
45,8
32,8
39,9
42,7
31,8
10,5

32,8
45,1
31,3
35,1
33,3
23,3
8,6

24,0
48,6
52,0
59,7
60,5
46,1
12,2

25,3
46,7
51,3
56,0
54,8
40,7
12,1

30,4
47,1
50,6
53,2
51,1
37,6
17,3

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
bis 64 Jahre
Jahre u.darüber

bis 19 Jahre
bis 24 Jahre
bis 34 Jahre
bis 44 Jahre
bis 54 Jahre
bis 64 Jahre
Jahre u.darüber

Weiße

Farbige

die Farbigen einen relativ hohen Anteil an den gefahrvolleren Handarbeiterberufen stellen.
Farbige Frauen und Mädchen nehmen schon immer proportional stärker
am Erwerbsleben teil als ihre weißen Schwestern. Der in der Nachkriegszeit eingetretene Anstieg der Beteiligungsrate erwachsener Frauen e±faßte Weiße und Farbige gleichermaßen. Trotz dieses Wandels standen
1962 nur etwa zwei Fünftel aller weißen Frauen und Mädchen der Altersgruppen zwischen 25 und 64 Jahren im Erwerbsleben gegenüber drei Fünfteln aller farbigen.
Einkommen und Erziehung
Einkommen; Bei den Farbigen entfällt häufig auf die einzelne Familie eine größere Zahl von Erwerbspersonen und somit eine höhere Rate
der Beteiligung am Erwerbsleben(pro Familie)als bei den Familien Weißer. Dieser Sachverhalt ist dazu angetan, die bestehenden Einkommensunterschiede zwischen Farbigen und Weißen zu verwischen. Eine gegenteilige Wirkung haben dagegen die nicht zum Einkommen gerechneten
rrallöhne in der Landwirtschaft, in der relativ viele Farbj ge

13

�Farbige tätig sind. Dennoch ist das Haushalteinkommen ein recht
brauchbares Kriterium zur Beurteilung des wirtschaftlichen und sozialen Status, da viele Ausgabegepflogenheiten eng mit der Familie
als selbständige Einheit verknüpft sind.
Das Durchschnittseinkommen sowohl der weißen wie der farbigen
Haushalte ist in den beiden letzten Jahrzehnten ganz beträchtlich
gestiegen. Die Farbigen konnten - insbesondere während des zweiten
Weltkrieges und in den Jahren unmittelbar danach - auf Grund der
kriegsbedingten Verknappung von ungelernten Arbeitskräften und der
staatlichen Maßnahmen zur Anhebung der Einkommen der am schlechtesten bezahlten Arbeiter sehr beachtliche Einkommenssteigerungen
erzielen. Das Haushalteinkommen der Farbigen stieg von weniger als
40 Prozent des Haushalteinkommens der weißen Familien im Jahre 1959
auf nahezu 60 Prozent zu Anfang der fünfziger Jahre. Wenngleich die
Einkommen der Farbigenhaushalte auch in der Folgezeit weiter angestiegen sind, so kam es doch zu keiner weiteren Verringerung des
Abstands zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen.

Tafel IX
Haushaiteinkomment nach Hautfarbe gegliedert, in den Jahren
1948. 1955 und 1961
(Prozent der Haushaltungen)
Haushalteinkomrnen
(in Dollar)
Alle Einkommensklassen
weniger als 5000
3000 bis 4999
5000 bis 9999
10 000 u.darüber

1961
Weiße

100,0
18,6
19,4
44,7
17,1

1955

Farbige

100,0
47,5
24,4
22,8
5,6

Weiße

100,0
25,7
30,5
36,6
6,5

1948

Farbige

100,0
57,3
28,3
15,7
0,6

Weiße

100,0
42,6
55,2
19,1
5,1

Farbige

100,0
78,1
16,5
5,5
0,4

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Prozentangaben nicht
notwendigerweise zu 100.
Dieses Phänomen ist sohl der Tatsache zuzuschreiben, daß im letzten
Jahrzehnt die akademischen, technischen und Managerberufe, in denen die
Farbigen noch immer nur schwach vertreten sind, einen weit größeren
Einkommenszuwachs (bis zu nahezu 70 Prozent) zu verzeichnen hatten als
die an der Basis der Beschäftigungspyramide zu findenden Berufsgruppen,
in denen der Anteil der Farbigen hinwiederum besonders hoch ist. Das
Einkommen der angelernten Arbeiter und der Angehörigen der Dienstleistungsberufe stieg im selben Zeitraum um lediglich 40 Prozent, während
es in den vierziger Jahren einen Zuwachs von rund 180 Prozent aufzuweisen hatte.
Im

�Im Jahre 1948 hatten nahezu 8 von 1C farbigen Haushalten ein
Bareinkommen von weniger als 3000 Dollar (siehe Tafel I X ) . Dieser
Satz fiel bis 1955 auf 6 von 10 und bis 1961 auf 5 von 10; dennoch
war der Anteil an Familien mit so geringem Einkommen bei den Farbigen
etwa zweieinhalbmal so groß wie bei den Weißen. Seit 1955 hat der
Anteil der Farbigenhaushalte in der Einkommensklasse von 5000 bis
10 000 Dollar eine 50prozentige Zunahme erfahren und kletterte auf
23 Prozent der Gesamtzahl sämtlicher Farbigenhaushalte, lag dabei aber
noch immer unter dem mit 45 Prozent ausgewiesenen Anteil bei den weißen
Haushalten. Am oberen Ende der Einkommensskala, in der Klasse der Haushalte mit einem Einkommen von 10 000 Dollar und darüber, rangierten 1961
immerhin 6 Prozent der farbigen Haushalte gegenüber lediglich 0,5 Prozent in den Jahren 1948 und 1955« Trotz des in den letzten Jahren zu
beobachtenden Aufstiegs vieler Farbiger in höher bezahlte Berufe und
damit höhere Einkommensklassen besteht noch immer eine große Kluft
zwischen den Haushalteinkommen weißer und farbiger Familien, fallen
doch anteilmäßig dreimal soviel weiße Haushalte in die Einkommensklasse
von 10 000 Dollar und darüber.
Bildung; Sehr beachtliche Erfolge zeitigten die Bemühungen, die
seit langem bestehende Lücke zwischen dem Bildungsstand der Weißen
und dem der Farbigen zu schließen. Im Jahre 1962 hatten die Angehörigen
der Altersklasse von 25 bis 29 Jahren bei den Weißen eine durchschnittliche schulische Ausbildung von 12,5, bei den Farbigen von 11,2 Jahren
aufzuweisen. Bei den Farbigen entspricht dies einer Verlängerung der
Schulzeit um rund 4 1/2 Jahre, gegenüber 1940, bei den Weißen einer
Verlängerung um nur 2 Jahre. Diese in der Nachkriegszeit eingetretene
weitgehende Angleichung ist größtenteils auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Kinder der Farbigen von den gebotenen schulischen Bildungsmöglichkeiten mehr Gebrauch machen als früher. An der Grundschule
sind die Unterschiede in den Einschulungsraten so gut wie ausgeglichen,
während sich in den höheren Schulen die Unterschiede nur wenig verringert
haben, so daß der Prozentsatz der farbigen Oberschüler noch immer merklich hinter dem der Weißen zurückbleibt.
Seit Mitte der fünfziger Jahre aber haben sich die Unterschiede
im Bildungsstand kaum mehr verringert, wenn auch beide Gruppen eine
Verlängerung des durchschnittlichen Schulbesuchs um ein Jahr aufzuweisen haben. Jüngst verfügbar gewordene Einkommensstatistiken, die nach
Hautfarbe und Bildungsstand des Haushaltvorstandes gegliedert sind,
untermauern die schon in anderen Untersuchungen erarbeitete Folgerung,
daß sich die Einkommenslücke zwischen Weißen und Farbigen selbst mit
steigenden Bildungsniveau nicht von selbst schließt. Immerhin ist sie •
bei Personen mit College-Ausbildung schon viel schmäler geworden, bezifferte sich doch das Haushalteinkomraen farbiger College-Absolventen
auf rund 85 Prozent des Einkommens ihrer weißen Kollegen.

(Quelle:"Monthly Labor Review",
Juli 1963, Vol. 86, Nr. 7)

* * * * *

-

15

-

�Verschärfte Bestimmungen der US-Post zur Durchsetzung
der Rassengleichheit
Sowohl durch Aufklärung als auch mit Hilfe wirtschaftlicher
Druckmittel will das amerikanische Postministerium jetzt versuchen,
die von ihm erlassenen Antidiskriminierungsbestimmungen bei all jenen
Wirtschaftsunternehmen durchzusetzen, die mit der Postverwaltung in
geschäftlichen Beziehungen stehen oder aber postalische Dienste übernommen haben.
So wurde kürzlich eine neue Klausel in sämtliche Dienstleistungsverträge aufgenommen, die die Postverwaltung mit rund 10 000 Inhabern
von Drugstores und anderen Geschäften mit Postschaltern abgeschlossen
hat, nach der die Unternehmen in Zukunft gehalten sind, jeden Kunden
ohne Rücksicht auf seine Hautfarbe zu bedienen und auch bei der Einstellung von Personal das Gleichheitsprinzip in Anwendung zu bringen.
Diese Vertragsklausel ist besonders für die Posthalter in den Südstaaten von großer Bedeutung, da hier die rassische Diskriminierung am
stärksten ausgeprägt ist.
Außerdem sind künftig sämtliche Personen, die Büroräume an die
US-Bundespost vermieten, vertraglich verpflichtet, auch in den übrigen
Teilen des Bürogebäudes die gleichen Antidiskriminierungsbestimmungen
durchzusetzen.
Diesen neuen Maßnahmen voraus gingen zahlreiche andere Anordnungen des US-Postministers, J. Edward Day, die in erster Linie auf die
Durchsetzung des Prinzips der Rassengleichheit im Postdienst selbst
abzielen wie unter anderen die Bestimmung, daß Beförderungen ohne
Rücksicht auf die Hautfarbe des Vorgeschlagenen zu erfolgen haben.
Inzwischen sind sechs Postamtsvorsteher des Rechts, Untergebene zu
befördern, verlustig gegangen, weil sie gegen diese Anordnung verstoßen
haben.
Außerdem wurden in den vergangenen Wochen insgesamt 27 Postamtsvorsteher aus den Südstaaten zu Aussprachen mit dem Postminister und
leitenden Angestellten des Postministeriums nach Washington beordert,
um ihnen nachdrücklich klarzumachen, daß die "Desegregation" im Postdienst heute eine Realität ist. Die US-Bundespost kann dabei bereits
auf sehr eindrucksvolle Erfolge hinweisen: Von den insgesamt 585 000
Postangestellten sind rund 117 000 oder 20 Prozent Farbige; während
sich vor zwei Jahren der Anteil der Neger in AufSichtspositionen lediglich auf 5 Prozent belief, beträgt er heute 10 Prozent; in der Bundeshauptstadt Washington sind von den insgesamt 9000 Postangestellten über
7000 Farbige, von denen auch etwa die Hälfte aller AufSichtspositionen
bekleidet wird; das Hauptpostamt von Los Angeles, das drittgrößte der
USA, hat seit kurzem einen Farbigen als Amtsvorsteher.
(Quelle: Eigenbericht)

-

16

-

�Wirtschaftliches Wachstum und Arbeitslosigkeit
Obwohl die gute Konjunktur nun schon über zwei Jahre andauert,
die Wirtschaft in den vergangenen Monaten zahlreiche bemerkenswerte
Erfolge erzielen konnte und auch die Aussichten für die nächste Zukunft allgemein als sehr gut bezeichnet werden, ist man sowohl in
Kreisen der Wirtschaft als auch der Regierung und in der Öffentlichkeit mit der Gesamtentwicklung nicht ganz zufrieden. Der Grund hierfür ist die immer noch relativ ungünstige Lage am Arbeitsmarkt. Denn
obwohl die Beschäftigtenzahl in letzter Zeit stetig angestiegen ist,
im Juni ein Zugang von 1,3 Millionen verzeichnet wurde und im gleichen Monat zum ersten Mal in der Geschichte der USA über 70 Millionen
Werktätige registriert werden konnten, sind 4»ö Millionen Amerikaner
oder 5»7 Prozent des Arbeitspotentials arbeitslos.
Große Sorge bereiten Regierung und Öffentlichkeit in dieser Hinsicht insbesondere zwei Arbeitnehmergruppen: die Jugendlichen und die
Farbigen. Der Anteil der erwerbslosen Teenager an der Gesamtzahl der
Arbeitskräfte z.B. beträgt gegenwärtig rund 1,6 Prozent. Zwar ist dieser hohe Prozentsatz zum Teil darauf zurückzuführen, daß während der
langen Sommer-Schulferien sich sehr viele Jugendliche um einen temporären Arbeitsplatz bemühen - dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Erwerbslosenrate unter den Teenagern in den letzten
Jahren ständig extrem hoch gewesen ist, noch die Tatsache erklären,
daß die Gesamtzunahme der Arbeitslosenziffer im Juni (plus 800 000)
allein durch den Zugang Jugendlicher bedingt war. In krassem Gegensatz
hierzu steht die Entwicklung der Arbeitslosenrate bei den verheirateten
Männern, die im Juni auf 3»1 Prozent absank und damit erheblich unter
dem Stand des Vorjahres lag.
Wesentlich verschärft wird das Problem der Jugendarbeitslosigkeit noch durch den allgemeinen Bevölkerungstrend, der für die nächsten Jahre einen erheblich größeren Zustrom von Jugendlichen zum.
Arbeitsmarkt erwarten läßt. In diesem Jahr z.B. werden rund 1 Million
Jugendliche mehr als im vergangenen Jahr das 16. Lebensjahr erreichen
und zum Teil aller Wahrscheinlichkeit nach nicht weiter die Schule
besuchen, sondern sich um einen Arbeitsplatz bemühen.
Ein ähnliches schwieriges wirtschaftliches und soziales Problem
bilden in dieser Hinsicht auch die Farbigen, deren Erwerbslosenrate
um das Doppelte über dem nationalen Durchschnitt liegt und besonders
hoch unter den Teenagern ist.
Wenn man auch nicht gerade behaupten kann, daß die zunehmenden
Spannungen zwischen der weißen und der farbigen Bevölkerung und die
verstärkten Bemühungen der Regierung zur Durchsetzung der Bürgerrechte
allein den mangelnden Beschäftigungsmöglichkeiten zuzuschreiben sind,
so trägt doch andererseits die starke Arbeitslosigkeit, insbesondere
unter der farbigen Bevölkerung, erheblich zur allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Unrast bei, ganz gleich, wie gut die allgemeine
wirtschaftliche Lage auch sein mag.
Die Regierung Kennedy hat bisher zahlreiche energische Schritte
zur Lösung dieser eng miteinander verwobenen Probleme - Arbeitslosigkeit und Bürgerrechte - unternommen und mit den kürzlich dem

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17

-

�dem Kongreß unterbreiteten Bürgerrechtsvorlagen einen entscheidenden
Vorstoß gewagt. Die meisten der vorgeschlagenen gesetzlichen Maßnahmen haben dabei einen ausgesprochen wirtschaftspolitischen Charakter.
Sie sollen all jene Bemühungen ergänzen, die bisher zur Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums und zur stärkerem Nutzung des
Arbeitspotentials unternommen wurden - wie die Programme zur Verbesserung der schulischen und beruflichen Ausbildung, zur Ausweitung
der Beschäftigungs- und Bildungsmöglichkeiten, zur Beseitigung der
Diskriminierung bei der Einstellung von Arbeitskräften oder zur speziellen Förderung der Jugend.
Die stärkste Wirkung bei all den wirtschaftlichen Förderungsmaßnahmen könnte jedoch von dem vorgeschlagenen Steuersenkungsprogramm ausgehen, das jetzt dem Kongreß zur Beratung vorliegt. Dieses
Programm, das eine erhebliche Senkung der Einkommensteuer zwecks
Erreichung eines langfristigen, größeren wirtschaftlichen Wachstums
vorsieht, stellt wohl die wirkungsvollste Ergänzung zu all den anderen
Maßnahmen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit dar. Denn es wäre, wie
US-Arbeitsminister Wirtz erst kürzlich erklärte, völlig sinnlos,
Arbeitnehmer auf produktive Zukunftsberufe umzuschulen oder diskriminierende Einstellungspraktiken gesetzlich zu beseitigen, wenn es
in der Wirtschaft einfach nicht genügend Arbeitsplätze gibt.
Es wäre daher auch verkehrt, alle diese in eine Richtung zielenden Maßnahmen nach gewissen Prioritäten einzustufen, denn sowohl
das Steuersenkungsprogramm als auch die Erziehungs-, Förderungsund Bürgerrechts-Programme stellen ein Ganzes dar und sind auch
als solches zu behandeln, wenn eine maximale Wirkung von ihnen ausgehen, soll.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Unfallschutz am Arbeitsplatz als gewerkschaftliche Aufgabe
Der Unfallschutz am Arbeitsplatz ist eines der Hauptanliegen
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Immer neue Verfahren, Maschinen und Produkte bringen für den arbeitenden Menschen immer neue
Gefahren mit sich, denen es rechtzeitig durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu begegnen gilt.
Insgesamt wurden im Jahr 1962 in den Vereinigten Staaten 1,99
Millionen Betriebs- und Arbeitsunfälle registriert, von denen 13 700
tödlich verliefen und 83 300 bleibende Gesundheitsschäden zur Folge
hatten. Anders ausgedrückt entfielen auf je 100 000 Arbeitskräfte
21 Todesfälle. Diese Zahl dürfte mehr als ausreichen, um die Bedeutung der Unfallverhütungsmaßnahmen zu unterstreichen.
Die Gewerkschaften schalten sich aktiv in die Planung und Entwicklung von Sicherheitsmaßnahmen in den Betrieben ein und suchen
durch die Ausarbeitung von Gesetzgebungsvorschlägen zu Fragen der

-

18

�der Unfallverhütung und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz und
durch den Einbau entsprechender Vorschriften in die Tarifverträge
den Arbeitsschutz zu verbessern. Sie beteiligen sich darüber hinaus
in immer stärkerem Maße an Fachtagungen, die von Unfallschutzorganisationen und staatlichen Stellen mit dem Ziel abgehalten werden,
den Erfahrungsaustausch unter allen Beteiligten zu fördern. Die
Fortschritte auf dem Gebiet des betrieblichen Unfallschutzes sind
zu einem guten Teil den von den Unternehmensleitungen und Gewerkschaften gemeinsam erarbeiteten Sicherheitsvorschriften zu danken.
Ein Beispiel für die Früchte einer solchen Zusammenarbeit bietet
die Papier- und Holzschliffindustrie in den waldreichen Pazifikstaaten Washington, Oregon und Kalifornien. Eine 1946 eingeleitete
Kampagne zur Verbesserung des Arbeitsschutzes in den Papiermühlen
führte dazu, daß die Unfallrate pro 1 Killion geleistete Arbeitsstunden von 38,9° im Jahre 1945 auf 4*66 im Jahr i960 zurückging. Den
Kern des Sicherheitsprogramms bilden persönliche Schutzmaßnahmen wie
das Tragen von Sicherheitshelmen, Schutzbrillen, Plastikgesichtsmasken, rutschfestem Schuhwerk, feuerfester Kleidung, Arbeitshandschuhen
und dergleichen.
Die Unfallverhütung beginnt im Grunde mit der Analyse der Unfallgefahren; die Beschaffung geeigneter Schutzkleidung und -einrichtungen ist der nächste Schritt. Die größte Schwierigkeit besteht leider
sehr häufig darin, die Arbeiter von der Notwendigkeit des ständigen
Gebrauchs der Schutzeinrichtungen und der konsequenten Beachtung der
Sicherheitsvorschriften zu überzeugen. Der arbeitende Mensch selbst
ist es schließlich, der am meisten zur Vermeidung von Unfällen und
Gesundheitsschädigungen am Arbeitsplatz beitragen kann. Von seiner
Einstellung zur Frage des Unfallschutzes hängt der Erfolg aller
Sicherheitsmaßnahmen - und unter Umständen sein Leben - ab.
Hier setzt deshalb auch die erzieherische Arbeit der Gewerkschaften ein. In der Gewerkschaftspresse und durch Aufklärungsschriften wirken sie auf ihre Mitglieder ein. Die Bedeutung dieser Aufklärungsarbeit wird in ihrem ganzen Umfang erst klar, wenn man sich
vergegenwärtigt, daß die am Arbeitsplatz anerzogene Vorsicht den
Menschen ja auch auf der Straße und zu Hause vielfach davor bewahren
wird, sich unnötigerweise Gefahren auszusetzen.
(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Seeleutegewerkschaft spricht sechsjährigen Streikverzicht aus
Einen Streikverzicht für mindestens sechs Jahre vereinbarte die
amerikanische Seeleutegewerkschaft (National Maritime Union) mit dem
Verband der amerikanischen Reeder (American Merchant Marine Institute)
im Rahmen eines neuen Tarifvertrages, der sich auf rund 25 000 Seeleute im Dienst von 34 Passagier- und Frachtschiffahrtsgesellschaften
erstreckt.
Der

19

�Der neue Tarifvertrag, der vorläufig bis Juni 19&amp;9 gelten soll,
sieht für Matrosen u.a. die Gewährung von 60 Tagen bezahltem Urlaub
pro Jahr nach einjähriger Fahrenszeit, erhöhte Arbeitgeberbeiträge
zur Altersversicherung sowie die Abführung eines Betrags von zunächst
25 Cent und später 50 Cent pro Mann und Arbeitstag an einen neu zu
errichtenden Sozialfonds vor. Die höheren Versicherungsbeiträge werden zur Finanzierung eines Ruhegeldes von monatlich 150 Dollar verwendet werden, auf das künftig alle Seeleute nach 20jähriger Fahrenszeit
ohne Rücksicht auf ihr jeweiliges Lebensalter Anspruch haben. Die Mittel
des Sozialfonds sollen vor allem zur Milderung von Härten verwendet
werden, die sich aus der fortschreitenden Automatisierung ergeben.
Der Vertrag sieht des weiteren die Neuaufnahme von Verhandlungen
über Löhne, Überstundenzuschläge und Sozialnebenleistungen in gewissen
Abständen vor und verpflichtet beide Tarifpartner für den Fall, daß
bei derartigen Verhandlungen eine Einigung nicht innerhalb 30 Tagen
erreicht wird, sich der Zwangsschlichtung durch einen unabhängigen
ständigen Schiedsmann zu unterwerfen.
Der Vertragsentwurf war um die Jahresmitte in Form eines FünfPunkte-Plans 74 Reedereien mit zusammen 40 000 Beschäftigten unterbreitet worden. Er sah neben den vorstehend genannten Bestimmungen
auch die Einführung des sogenannten " agency shop", d.h. die Abführung
eines Solidaritätsbeitrags an die Gewerkschaft durch die nichtorganisierten Arbeitnehmer vor.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

20

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Diese» Bulletin enthalt Material über Arbeitsbezichungcn, Gewcrkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Information*! Operations Unit
l'SlS-Doiin r&gt;;ul Godesberg
Der Inhalt der ..Arbeitsmitteilungen- ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI - 11

Bad Godesberg, deri 1. November 1963
INHALTSVERZEICHNIS

Die amerikanische Sozialversicherung

Seite

1

Seite

5

Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start

Seite

10

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen
Akzenten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite
Seite

10
12

Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen
in den USA

.

Robert M. Ball, Leiter des US-Bundesamtes für die Sozialversicherung:
Die amerikanische Sozialversicherung
Konzeption und Gliederung - Beiträge und Leistungen
Die Vereinigten Staaten waren in den ersten Jahrzehnten ihres
Bestehens ein überwiegend agrarwirtschaftlich orientiertes Land, dessen
"Grenze" - hier als Grenzbereich zwischen Wildnis und Kulturlandschaft,
zwischen dem "Fernen Westen" und den zivilisierten Regionen an der
Ostküste des amerikanischen Kontinents verstanden - jedem strebsamen
Menschen Aufstiegschancen und sogar die Aussicht,, auf einen gewissen
Wohlstand bot. Eine der frühesten Formen der "sozialen Sicherheit"
oder "Sozialversicherung"war das vom Staat jedem Bürger zugestandene
Recht, sich bis zu 64 ha Land kostenlos anzueignen, sofern er es produktiv zu nutzen vermochte. Die Amerikaner sind es auf Grund solcher
historischer Entwicklungen seit Generationen gewohnt, sich für sich
und ihr Schicksal selbst verantwortlich zu fühlen, für sich und ihre
Familie selbst aufzukommen, sich vor Not und Abhängigkeit selbst zu
schützen und darüber hinaus zum Wachstum und Gedeihen des Gemeinwesens
beizutragen.
Die

-

1 -

�Die Vorstellung, daß jedermann für sich selbst zu sorgen habe,
ist auch heute noch fester Bestandteil des amerikanischen Denkens.
Andererseits hat der Staat heute wie damals die Aufgabe, seine Bürger dazu in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen - heute
natürlich in einer Form, die einer hochindustrialisierten Gesellschaft angemessen ist. Diese Gesellschaftsform, die den Amerikanern
einerseits einen ständig steigenden Lebensstandard brachte, führte
andererseits zu einer in früheren Zeiten unbekannten Abhängigkeit
von einem laufenden Geldeinkommen.
Aus diesen Erwägungen heraus erließ der amerikanische Kongreß
1935 das Gesetz über die Schaffung eines Bundessozialversicherungssystems, das den einzelnen vor jenen Risiken schützen soll, gegen
die er sich anderweitig kaum selbst zu schützen vermag. Mit anderen
Worten, die Sozialversicherung verbürgt allen arbeitenden Menschen
ein Recht auf Rente nach Erreichung der Altersgrenze oder bei vorzeitiger Arbeitsunfähigkeit und, für den Fall des Ablebens, dejn.
Hinterbliebenen einen Anspruch auf Witwen- oder Waisenrente.
Ergänzt wird die Bundessozialversicherung durch die einzelstaatlichen Arbeitsunfall- und Arbeitslosen-Versicherungen, die bei
gewissen Leistungen Bundeszuschüsse erhalten. Eng mit der Sozialversicherung verknüpft sind ferner die Maßnahmen zur Rehabilitation
Behinderter'und die Tätigkeit der Gesundheits- und WohlfahrtsbehÖrden, insbesondere auch die Programme für Mutter und Kind.
Die Alters-, Hinterbliebenen- und Invaliditätsversicherung, die
Sozialversicherung im engeren Sinne, zeichnet sich durch drei Hauptcharakteristika aus:
1. Allgemeiner Geltungsbereich. Die amerikanische Sozialversicherung erstreckt sich,im Gegensatz zur Regelung in manchen anderen
Ländern,auf fast sämtliche Erwerbspersonen, gleichgültig, ob sie als
Selbständige tätig sind oder gegen Lohn oder Gehalt für andere arbeiten, ob sie in der Landwirtschaft, in der Fabrik oder im Büro be-»
schäftigt sind oder ob sie den Streitkräften angehören. Sie erfaßt
rund neun Zehntel sämtlicher Erwerbspersonen. Nur zwei größere Personenkreise fallen nicht unter die Beitragspflicht: die Bundesbediensteten, für die ein eigenes Sozialversicherungswerk besteht, und die
freischaffenden Arzte.
Der Beitrag wird in Form einer "Sozialversicherungssteuer" auf
das Einkommen erhoben und je zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgebracht. Ausgehend von je drei Prozent für das Jahr 1961,
wird er bis 1968 auf je 4 5/8 Prozent angehoben werden. Der Einkommensteil, der jährlich 4800 Dollar übersteigt, unterliegt dabei nicht
der "Besteuerung". Selbständige zahlten - ebenfalls bis zu einer
Einkommenshöhe von 4800 Dollar pro Jahr - 1961 noch 4,5 Prozent und
werden ab 1968 dann 6,9 Prozent abzuführen haben.
2. Rechtsanspruch auf Leistungen. Die Leistungen aus der Sozialversicherung basieren auf einem gesetzlich festgelegten Rechtsanspruch,
der sich auf die einkommensabhängigen Beiträge gründet.

1t
-

2

-

�3. Schutz vor drei Risiken. Die Sozialversicherung umfaßt die
Alters-, die Hinterbliebenen- und die Invaliditätsversicherung, die
als ein einheitliches Ganzes verwaltet werden. Ihr Zweck ist ein
umfassender Schutz gegen Einkommensverlust bei Invalidität, Erreichung der Altersgrenze oder Tod des Hauptverdieners. Die Wartezeit
für Hinterbliebenenrente ist im günstigsten Fall nach rund eineinhalbjähriger Berufsausübung erfüllt. Nach dem Gesetz gilt als versichert, wer für j.edes Jahr nach 1950 - das Jahr des Eintritts des
Versicherungsfalles ausgenommen - eine abgedeckte Versicherungszeit
von jeweils mindestens einem Quartal nachweisen kann. Bei der Altersund Invaliditätsrente, die frühestens nach zehnjähriger Versicherungsdauer wirksam wird, ist zusätzlich Voraussetzung, daß fünf von den
zehn Jahren bei Eintritt des Versicherungsfalles entsprechend abgedeckt sind.
Ende Juni 1963 wurden Renten aus der Sozialversicherung an über
18fc5 Millionen Personen gezahlt; das entspricht einer Zunahme um
nahezu zwei Millionen gegenüber Juni 1962. In dem am 30. Juni zu Ende
gegangenen Haushaltjahr 1962/63 wurden Leistungen in Höhe von über
15 Milliarden Dollar gezahlt, d.h. zehn Prozent mehr als im vorigen
Haushaltjähr.
a) Altersrente . Nach den derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen
wird Altersrente dem Versicherten im Falle des Ausscheidens aus dem
Beruf nach Vollendung des 65. Lebensjahres gewährt. Sie liegt je nach
dem früheren Einkommen zwischen 40 Dollar und 127 Dollar pro Monat.
Für die Ehefrau wird ein Zuschuß in Höhe von 50 Prozent der Grundrente
gezahlt, sofern sie ebenfalls das 65. Lebensjahr vollendet oder mindestens ein Kind zu versorgen hat. Sowohl der Versicherte als auch seine
Ehefrau können die Rente schon nach Vollendung des 62. Lebensjahres zu
einem verminderten Satz beziehen. Im Gegensatz zur Rentenregelung in
vielen anderen Ländern ist auch der wirtschaftlich von der Ehefrau
abhängige Ehemann bezugsberechtigt, wenn die Ehefrau als vollversichert
gilt. Es wird ferner ein Zuschlag für bis zu zwei Kinder unter 18 Jahren
gewährt, denen auch ältere Kinder gleichzusetzen sind, bei denen die
Vollinvalidität vor Vollendung des 18. Lebensjahres eingetreten ist.
b) Hinterbliebenenrente.Beim Tod des versicherten Arbeitnehmers (oder Selbständigen) wird Hinterbliebenenrente an die Witwe
(oder den abhängigen Witwer)frühestens nach Vollendung des 62. Lebensjahres und an Witwen jeden Alters mit mindestens einem bezugsberechtigten Kind, Waisenrente an Kinder unter 18 Jahren (oder vollinvalide
Kinder) und Elternrent« an abhängige Eltern gezahlt. Die Witwenrei
ist ab Vollendung des 62. Lebensjahres in voller Höhe zahlbar und beträgt für die alleinstehende Witwe 40 Dollar bis zu 104,80 Dollar.
Bei Witwen jeden Alters mit einem bezugsberechtigten Kind liegt sie
zwischen 60 Dollar und 190,60 Dollar, bei einer Witwe mit zwei Kindern
zwischen 60 Dollar und 254 Dollar. Die Waisenrente für ein Kind beträgt 40 Dollar bis zu 95,30 Dollar und für zwei Kinder 60 Dollar bis
zu 190,60 Dollar. Die Versicherung gewährt ferner ein Sterbegeld in
Höhe von 120 Dollar bis 255 Dollar.

ol
-

3 -

�c) Invaliditätsrente. Bei völliger Erwerbsunfähigkeit besteht
Anspruch auf Invaliditätsrente in Höhe der den bezahlten Beiträgen
entsprechenden ungekürzten Altersrente; für abhängige Familienangehörige gilt dieselbe Regelung wie vorstehend unter "Altersrenten"
dargelegt.
Bei sämtlichen Rentenformen ist noch die Bestimmung zu beachten,
daß der Höchstbetrag, der an eine Familie ausgezahlt werden kann,
jeweils auf das Doppelte der Grundrente des Versicherten beschränkt
ist. Für Erwerbsunfähige sieht das Sozialversicherungsgesetz Bundeszuschüsse bei Gesundheitsmaßnahmen vor, die im Rahmen des von Bund
und Einzelstaaten gemeinsam getragenen Rehabilitationsprogramms durchgeführt werden.
4. Einkommensabhängigkeit der Leistungen. Die Rentenleistungen
richten sich bis zur Höchstgrenze von 48OO Dollar nach dem Durchschnittseinkommen und nur bedingt nach der Länge der Mitgliedschaft.
Aus diesem Grund war es auch schon in den ersten Jahren nach Errichtung der Versicherung möglich, Renten in ungekürzter Höhe auszuzahlen.
Da der Versicherte durch sein Einkommen die Höhe seiner späteren Pension selbst bestimmt, bleibt der Anreiz zu beruflicher Leistung und
schnellem Fortkommen erhalten. Die späteren Rentenbezüge stehen in
einer direkten Relation zu den wirtschaftlichen Verhältnissen und dem
Lebensstandard des Versicherten. Dabei wird den Angehörigen der unteren Einkommensgruppen ein höherer Prozentsatz ihres Arbeitseinkommens als Rente gewährt als denjenigen in den besser verdienenden
Gruppen.
5« Rente und zusätzliches Einkommen. Leistungen der Sozialversicherung werden, das ist die Grundkonzeption, zum Ausgleich des Einkommensverlustes durch Alter, Tod des Hauptverdieners oder Arbeitsunfähigkeit gewährt. Ein unbedingtes Recht auf Rente besteht erst nach
Vollendung des 72. Lebensjahres. Das heißt, in der Praxis werden Versicherte im Alter von 65 bis J2 Jahren, die voll berufstätig sind,
keine Rente erhalten, während Versicherte von 65 und darüber, die nur
noch gelegentlich oder z.B. halbtags beschäftigt sind, Leistungen beziehen können. Die Gewährung von Leistungen ohne Rücksicht auf zusätzliche Arbeitseinkommen - bzw. auf Einkünfte bei Selbständigen würde zwangsläufig die Abführung höherer Beiträge erforderlich machen.
Ohne rentenmindernde Wirkung sind dagegen Einkünfte aus Vermögen,
Ersparnissen und Wertpapierbesitz.
6. Ein beitragsgespeistes Kassensystem. Die Sozialversicherung
wird ausschließlich aus den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen
bzw. den Beiträgen der selbständigen Gewerbetreibenden, Angehörigen
der freien Berufe und Farmer und aus den Einkünften aus der langfristigen Anlage der Rückstellungen gespeist.
Die Beitragsabhängigkeit der Leistungen der Sozialve- Lcherung
ist ein Faktor, der das Verantwortungsbewußtsein der Mitglieder gegenüber der Versicherung stärkt. Der Beitragspflichtige ist sich darüber im klaren, daß die Leistungen, die er bzw. seine Familienangehörigen zu erwarten haben, durch seine eigenen Beiträge mitfinanziert
werden, - was sein persönliches Interesse an der Gesunderhaltung
der Finanzierungsbasis des gesamten Systems wachhält.

Ix
-

4 -

�7. Aufsichtsorgane . Das Sozialversicherungssystem untersteht
dem Bundesamt für die Sozialversicherung im Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen. Ein Verwaltungsrat ist
verpflichtet, dem Kongreß jedes Jahr über die Höhe der Rückstellungen, die versicherungstechnische Lage und die voraussichtliche Einnahmen- und Ausgabenentwicklung in den nächsten fünf Jahren Bericht
zu erstatten. Nach dem Sozialversicherungsgesetz ist in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung der Beitragssätze, der versicherungstechnischen Bilanz, der Anlagepolitik und des gesamten übrigen Finanzgebarens durch einen Beratungsausschuß aus Vertretern der Arbeitnehmer, Arbeitgeber und der Öffentlichkeit vorzunehmen. Der Ausschuß
kann auf Grund seiner Feststellungen etwaige Änderungen zur Sicherung
einer gesunden Finanzbasis vorschlagen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen in den USA
Eine Übersicht über die Jahre 1954 bis 1962

Die Lohnveränderungen auf Grund von Tarifverträgen zeigten in den
letzten Jahren eine deutliche Verflachungstendenz, wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik Anfang Oktober bekanntgab.
Im Rezessionsjähr 1954 waren die ausgehandelten Lohnerhöhungen
mit (durchschnittlich) 5 1/2 Cent pro Stunde relativ niedrig, während
sie in den drei folgenden Jahren auf über zehn Cent anstiegen. In
den darauf folgenden drei Jahren, von 1958 bis 1960, variierten die
durchschnittlichen Steigerungsbeträge zwischen 8 1/2 und 9 Cent pro
Stunde, um 1961 auf durchschnittlich 7 Cent abzusinken. Im Jahr 1962
war ein leichter Anstieg auf 8 Cent zu verzeichnen (siehe Tafel i ) •
Legt man die 1961 und 1962 erzielten Lohnerhöhungen auf sämtliche
Beschäftigte um, die in diesem Zeitraum in irgendeiner Form von Tarifverhandlungen berührt wurden - unter Einschluß also auch der Arbeiter
und Angestellten, deren Löhne unverändert gleichgeblieben sind -, so
errechnet sich für die beiden Jahre ein Durchschnitt von 7 Cent.
Verflachungstendenzen auch bei stufenweisen Lohnerhöhungen
Auch die Lohnveränderungen, die auf Grund älterer Tarifverträge
wirksam wurden - Erhöhungen in Anpassung an den steigenden Lebenshaltungskostenindex auf Grund einer Lohngleitklausel und inzwischen in
Kraft getretene stufenweise Lohnerhöhungen -, sind geringer ausgefallen. Soweit Arbeiter und Angestellte tatsächliche Lohnaufbesserungen
erhielten, bewegten sie sich in Üen Jahren von 1956 bis 1958 zwischen
Tafel I

�Tafel

I

G e n e r e l l e Lohnerhöhungen a u f Grund t a r i f v e r t r a g l i c h e r

Vereinbarungen

i n den J a h r e n 1954 h i s 1962

Gesamtwirtschaft

1962
1961
1960

1959
1958
1957
1956
1955
1954

Fertigungsindustrien

Ausgewählte
andere Wirtschaftszweige

durchschn. durchschn.
Anpassung E r h ö h u n g

durchschn.durchschn.
A n p a s s u n g Erhöhung

durchschn.
Anpassung

durchschn.
Erhöhung

Cent

Cent

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Cent

&lt;$&gt;

Cent

#

A u s g e h a n d e l t im J a h r
5,0
2,4 6,8
2,9
6,0
6,5
2,5
2,4
3,2
5,2
8,9
8,7
7,4
5,7
7,5
5,5
7,2
7,1
10,4
9,9
- 10,7
10,7
9,4
9,5
5,6
5,7

10,2
9,0
7,4
8,8
9,7
10,4
10,5
15,5
5,6

4,0
5,6
5,5
4,0
-

10,2
10,0
7,5
8,9
9,8
10,4
10,6
15,9
5,6

4,1
5,6
5,5
4,0
-

3,5
2,6
3,2
3,1
-

10,2
9,0
8,5
7,6
14,0
-

3,8

7,0
6,9
8,5
8,8
8,6
10,1
10,7
10,1
5,6

io

2,9
2,8
5,2
5,9
-

Cent

8,0
7,0
8,7
8,8
8,8
10,4
10,7
10,5
5,7

&lt;/o

5,6
2,9
5,2
5,9
-

&lt;fo

Cent

in Kraft g e t r e t e n im Jahr
1962
1961
1960

1959
1958
1957
1956
1955
1954

7,5
6,2
8,5
7,8
12,5
-

2,8
2,7
5,5
5,5
-

9,0
8,0
9,4
8,8
12,6
12,7
10,8
-

3,4
5,1
5,6
5,6
-

6,5
6,9
9,0
8,4
-

2,6 8,0
2,7 8,0
5,2 9,4
5,5 9,1
- 11,5
-

3,0
5,0
5,7
5,7
-

10,0
5,7
7,0
7,0
-

5,0

5,7
5,4
-

1) E r f a ß t sind sämtliche T a r i f v e r t r ä g e , die auf 1000 und mehr A r b e i t e r
und A n g e s t e l l t e Anwendung f i n d e n : Daten für d i e J a h r e 1954 b i s 1958
sind nur zum T e i l v e r f ü g b a r .
Anm.s In der Rubrik "Anpassung" sind sämtliche Verträge b e r ü c k s i c h t i g t ,
g l e i c h g ü l t i g , ob d i e Löhne g l e i c h b l i e b e n oder Lohnerhöhungen
oder Kürzungen e i n t r a t e n . Unter "Erhöhungen" sind nur Verträge
a n g e f ü h r t , die t a t s ä c h l i c h eine Lohnerhöhung b r a c h t e n .

6

-

�zwischen 11 und 13 Cent die Stunde, von 1959 bis 1962 zwischen
8 und 9 1/4 Cent.
Dieser Verflachungstrend war in den Fertigungsindustrien ausgeprägter als in der übrigen Wirtschaft. Langfristige Tarifverträge,
die Lohnverhandlungen in manchen Industriezweigen nur alle zwei oder
drei Jahre zulassen, und die unterschiedliche Höhe der ausgehandelten Lohnaufschläge in den einzelnen Jahren beeinflussen diese Entwicklung.
Ähnliche Entwicklung im Baugewerbe
Parallel zur Entwicklung in der übrigen Wirtschaft verlief die
Lohnentwicklung im Bau- und Bauhilfsgewerbe (siehe Tafel I I ) . Während
die Erhöhungen in der Zeit vor 1954 zwischen 3 und 10 Prozent schwankten, beliefen sie sich 1954 und 1955 auf durchschnittlich 3,5 Prozent,
stiegen dann in der Zeit von 1956 bis 1959 vorübergehend auf 4,5 bis
4,9 Prozent an, um in den folgenden Jahren auf 4 Prozent und darunter
abzusinken.
Tafel II
Durchschnittliche Lohnanpassungen in 7 Beschäftigungssparten des

ll

2~1

Bau- und Bauhilfsgewerbes ' in Großstädten ' von 1948

bis

1962

Anpassungen in Kraft getreten im Jahr

Cent

Prozent

1962
1961
1960
1959
1958
1957
1956
1955
1954
1953
1952
1951
1950
1949
1948

14,2
14,2
14,8
15,6
14,5
15,0
13,6
9,9
11,0
11,0
15,0
10,0
15,0
5,0
20,0

5,8
5,9
4,2
4,7
4,5
4,9
4,7
5,5
5,5
4,6
6,4
4,5
7,0
5,0
10,0

1) Maurer, Zimmerleute, Elektriker, Maler, Stukkateure, Installateure
und Bauhilfsarbeiter
2) Die Angaben für die Jahre 1956 bis 1962 basieren auf Untersuchungen
in 100 Großstädten, die für die Zeit bis zum 4. Quartal des Jahres
1955 auf Erhebungen in 85 Großstädten.
Wei terer

�Weiterer Ausbau der Lohnnebenleistungen
Neben reinen Lohnerhöhungen konnten die Arbeitnehmer auch wesentliche Verbesserungen der Lohnnebenleistungen aushandeln. Die ohnehin
sehr ausgeprägte Tendenz der Gewerkschaften, bei Tarifverhandlungen auf
Verbesserungen der Lohnnebenleistungen zu dringen, findet in der Tatsache
ihren Niederschlag, daß eine oder mehrere derartige Verbesserungen in
den Jahren 1954 und 1955 in rund zwei Dritteln und 1962 in fast drei
Vierteln aller Verträge vereinbart worden sind (siehe Tafel III).
Tafel III
Prozentsatz der in den Jahren 1954 bis 1962 ausgehandelten Tarifverträge
mit Klauseln über die Gewährung bzw. Verbesserung von Lohnnebenleistungen

Art d. Lohnnebenleistung
Tarifverträge mit
positiven Veränd.
Schichtzulagen
Bezahlter Urlaub
Bezahlte Feiertage
Leistungsprämien
Pensionen
Kranken- und
Sozialkassen
Arbeitsl.-Zusatzvers.
Entlassungsgeld
Geschworenen-Vergütung
Bez.Urlaub bei
Trauerfall
Bez. Krankenurlaub

1962

1961

196O

1959

1958

1957

1956

1955

1954

74,8

70,7

72,0

72,5

75,1

77,7

65,9

67,0

9,4

8,7
51,2
18,5
5,1
29,2

9,2
54,8
25,8
8,5
28,2

7,9

55,8
15,4
5,5
52,8

72,7
8,6
27,5
20,6
6,5
52,0

26,5
22,4
7,5
20,7

15,2
55,9
51,5
12,5
18,2

21,5
38,6
52,4
14,1
25,5

8,5
29,7
25,4
6,0
25,0

8,0
20,0
25,0
4,0
20,0

44,4
10,6
6,4

46,1
5,9
8,7

50,1
0,5
7,9

55,6
2,5
4,5

56,4
0,6
4,0

59,9
1,1
2,7

44,9
8,1
3,0

59,2
6,0
1,9

58,0
-

4,5

7,4

4,2

4,6

5,7

5,4

9,7

5,9

2,0

7,9
5,1

6,5
4,5

5,5
2,7

5,6
3,4

5,5
3,1

6,9
2,5

4,4
5,9

4,-5
5,5

5,0
2,0

17,0

10,2

10,0

-

29,2

21,2

27,7

27,5

Andere Lohnnebenleistungen
16,4
Tarifverträge ohne
Veränderungen
25,2
Tarifvertr. m. negativen Veränderungen
Lohnändernde Tarifvertr. insgesamt
1106

9,0
24,9

0,1

-

0,3

0,2

-

1088

1054

1015

875

828

22,2
1191

33,8

32,0

0,4

1,0

1545

1215

Tafel IV

�Tafel IV
Prozentsatz der Produktionsarbeitqy, die von 1959 bis 1962 ausgehandalten Tarifverträgen mit Klauseln über die Gewährung oder Verbesserung
von Lohnnebenleistungjen betroffen wurden

Art d. Lohnnebenleistungen
Tarifverträge mit positiven
Veränderungen
Schichtzulagen
Bezahlter Urlaub
Bezahlte Feiertage
Lei stungsprämien
Pensionen
Kranken- u . S o z i a l k a s s e n
Arbeitslosen-Zusatzvers.
Entlassungsgeld
Geschworenen-Vergütung
Bez. Urlaub b . T r a u e r f a l l
Bez. Krankenurlaub
Andere Lohnnebenleistungen
T a r i f v e r t r ä g e O.Veränderungen
T a r i f v e r t r ä g e m. n e g a t i v e n
Veränderungen
E r f a ß t e Arbeitnehmer
insgesamt ( i n Tausend)

1962

1961

1960

1959

62,5
6,6
58,1
10,9
2,9
54,9
35,1
17,3
5,3
4,5
7,4
4,2

76,7

85,5

81 ,0

6,4
59,6
16,8
4,1
48,1
58,4
18,8
21,5
19,5
5,8
5,5

5,0
40,2
30,1
6,5
40,8
70,7
0,5
10,8
2,8
2,6
2,7

9,5
45,8
29,9
8,7
42,0
42,1
5,4
6,2
5,8
5,9
5,5

25,8
57,5

54,0
25,2

10,1
14,5

12,7
18 c 7
0,3

4037

4035

4508

5545

Kranken- und Altersversicherung im Vordergrund
Bei den Verbesserungen dieser Leistungen stand fast in jedem
Jahr der Ausbau der Krankenversicherungs- und Pensionskassen im
Vordergrund. Mindestens ein Drittel aller abgeschlossenen Tarifverträge enthielt diesbezügliche Bestimmungen; 1960 waren es sogar 50
Prozent. Eine günstigere Pensionsregelung brachten 1957 etwa ein Sechstel der Tarifverträge und 1962 etwa ein Drittel. Mehr Urlaub wurde,
von 1954 abgesehen, jeweils in mindestens einem Viertel aller Tarifverträge vereinbart.
(Quelle: U.S, Department
of Labor-News)

* * * * *

9

-

�Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start
Der im vergangenen Jahr vom Kongreß zur Eingliederung der langfristigen, meist durch die Automation aus ihren angestammten Berufen
verdrängten erwerbslosen Arbeitnehmer verabschiedete sogenannte
"Manpower Training and Development Act" hat sich nach Meinung von
US-Arbeitsminister W. Willard Wirtz bisher als ein wirksames Instrument zur Beseitigung der Ursachen der Dauerarbeitslosigkeit erwiesen.
Wie der Minister auf einer Pressekonferenz ausführte, wurden
seit dem 1. August vorigen Jahres insgesamt 1800 Umschulungsprojekte
für rund 66 000 Erwerbslose von der Aufsichtsbehörde gebilligt, die
länger als 15 Wochen arbeitslos waren. Unter den Umschulungsteilnehmern
haben bereits 43 000 ihren Kursus beginnen bzw. schon beenden können,
während der Rest in Kürze die für ihn vorgesehenen Fachkurse besuchen
wird.
Von dtn im ersten Jahr des staatlichen Umschulungsprogramms, 1962,
umgeschulten 800 000 Arbeitnehmern sind rund 70 Prozent bereits in
neue Dauerarbeitsplätze vermittelt worden, wobei in fast allen Fällen
die Umschüler in Berufen untergebracht werden konnten, die das in der
Ausbildung erlernte Fachwissen erfordern.
Wie der US-Arbeitsminister weiter bekanntgab, wurden inzwischen
auch zahlreiche Versuchs- und Spezialprogramme entwickelt, an denen
insgesamt 27 000 Dauerarbeitslose teilnehmen können. Ziel dieser Projekt« ist es, neuartige Umschulungsmethodan zu entwickeln, um auch
den hartnäckigen Fällen von Dauerarbeitslosigkeit zu Leibe zu rücken.
In erster Linie handelt es sich dabei um jene Arbeitslosen in den
Slums der großen Städte, um die älteren Arbeitnehmer, Schulentlassenen, Körperbehinderten, Angehörigen der Minderheitengruppen oder um
solche mit unzureichender Schulbildung.
Der Schwerpunkt der derzeitigen Umschulungsprogramme liegt nach
Angaben von Arbeitsminister Wirtz auf folgenden Berufen: Maschinenwärter, Automechaniker, Schweißer, Karosserieschlosser, Elektromechaniker, Flugzeugbaumonteur, Stenograph, Stenotypistin, Kontoristin,
Kranken-Vollschwester und Schwesternhelfefin.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen Akzenten
Die Schulungs- und Bildungsarbeit der amerikanischen Gewerkschaften hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Diese
Feststellung gilt sowohl für den Lehrstoff und die Art der Programmdurchführung als auch hinsichtlich des Umfanges der gesamten Arbeit.
Während

�Während in früheren Jahren die Gewerk»chaften in erster Linie
bemüht waren, in Nachfeierabendkursen ihren Mitgliedern all das
praktische Wissen näherzubringen, das sie für eine aktive Betätigung
in der Gewerkschaft oder als Vertrauensleute benötigten, so versuchen
sie heute, ihnen darüber hinaus in Spezial- und Sonderkursen sowie
in längeren Sommerseminaren auch das geistige Rüstzeug zu vermitteln,
das für eine erfolgreiche Behauptung in unserer modernen Industriegesellschaft erforderlich ist.
Ein Vergleich früherer und heutiger Lehr- und Unterrichtspläne
zeigt, welch ein großer Wandel sich hier in relativ kurzer Zeit vollzogen hat. Die Grundlage eines jeden Schulungsprogramms vergangener
Jahre bildeten hauptsächlich solche Fächer wie Gewerkschaftsgeschichte,
Arbeits- und Gewerkschaftsgesetze, Beschwerdeführung, wirtschaftliche
Grundbegriffe, freie Rede. Zwar werden diese Themen auch heute noch
in den "Anfängerkursen" behandelt, aber der Schwerpunkt der gewerkschaftlichen Schulungsarbeit liegt doch in der Regel auf einer weit
höheren Ebene. Die "höhere Schule" hat auch hier die "Grundschule" und das Seminar den Abendkurs - weitgehend abgelöst. Themen wie allgemeine Wirtschaftstrends, Konjunktur- und Finanzpolitik, die Automation und ihre Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft, den Arbeitsmarkt
und die Beschäftigungsstruktur oder Betriebspsychologie und Verhaltensforschung sind heute in vielen Lehrplänen enthalten. Hinzu treten nun
noch zahlreiche allgemeinbildende Kurse wie etwa Außenpolitik, die Aufgaben der Gewerkschaft im Entwicklungszeitalter oder sogar rein
künstlerische oder geisteswissenschaftliche Themen.
Hier einige Beispiele für die praktische Schulungsarbeit, wie
sie in den USA heute von einigen großen Industriegewerkschaften durchgeführt wird:
Die Elektroarbeitergewerkschaft (IBE'.V) hat für die Ausbildung
ihrer Funktionäre und Mitglieder vor einigen Jahren in Bayberry (Long
Island) auf einem 125 Hektar großen Grundstück ein sogenanntes "Erziehungszentrum" gebaut, wo Woche für Woche JQ Mitglieder des Ortsvereins Nr. 3 zu einem siebentägigen Kursus - der Lohnausfall wird
ihnen von der Gewerkschaft voll vergütet - zusammenkommen, um im
"kritischen Denken" geschult zu werden.
Aktuelle Themen werden dabei in Fachvorträgen behandelt und anschließend zur Diskussion gestellt, so daß jeder seine eigenen Gedanken zu den angesprochenen Problemen kritisch entwickeln kann. Zur Vertiefung des neu gewonnenen Wissens steht den Kursusteilnehmern eine
große Bibliothek mit politischen, wirtschaftswissenschaftlichen, philosophischen, geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Werkti
Verfügung.
Ein Thema, das in den Schulungskursen der Gewerkschaften eine
immer größere Bedeutung gewonnen hat, ist die Außen- und Weltpolitik.
Eine besondere Aktivität in dieser Hinsicht hat dabei die Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) entwickelt, die z.B. im letzten Jahr 30
Funktionäre von Ortsverbänden auf eine Informationstour nach Europa
schickte, damit sie sich aus erster Hand über die politische Lage in
der Alten fe]' und die politischen Probleme in den einzelnen Ländern
informieren konnten. Nach ihrer Rückkehr in die USA, haben sie dann

-

11

-

�dann in Verträgen vor UAW-Mitgliedern ihre gewonnenen Eindrücke und
Erkenntnisse einem weiten Kreis zugänglich gemacht.
Auch die alljährlich von dieser Gewerkschaft abgehaltene Inf^rmationstagung "Appointment United Nations" - ''Treffpunkt Vereinte Nationen" - soll die Funktionäre und Mitglieder mit den Problemen der
Weltpolitik vertraut machen. In diesem Jahr kamen z.B. 300 Mitglieder
nach dem Hauptquartier der UN in New York, um an Sitzungen der Vollversammlung teilzunehmen, Gespräche mit UN-Vertretern aus aller Welt
zu führen und die Arbeit der UN kennenzulernen.
Welch eine große Bedeutung die gewerkschaftliche Schulungsarbeit
in den USA gewonnen und wie sehr das Interesse unter den Funktionären
und Mitgliedern in jüngster Zeit zugenommen hat, beweisen nicht nur
die Tatsache, daß zahlreiche Gewerkschaften neben ihren traditionellen
mehrwöchigen Sommerkursen inzwischen auch Herbst- und Winterkurse eingeführt haben, sondern auch die steigenden Teilnehmerziffern. In diesem
Jahr z.B. haben allein 20 000 Betriebsobmänner und Gewerkschaftsmitglieder an den von der MAFL-CIQW durchgeführten sogenannten "labor
institutes" teilgenommen, Schulungskursen auf höherer Ebene, die an
den Universitäten und Colleges - vielfach in enger Zusammenarbeit mit
ihnen - abgehalten werden. Hinzu kommen noch rund 8000 Gewerkschafter,
die in diesem Jahr Fortbildungskurse besuchten, die in Sommerlagern, Hotels und anderen Einrichtungen durchgeführt wurden.
(Quelle« Eigenbericht)

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Streiflichter aus dem Tarifverhandlungssektor
Der schon seit einigen Jahren im amerikanischen Tarifverhandlungswesen sichtbare Trend zum Abschluß von Tarifverträgen mit mehrjähriger
Laufzeit hat sich in jüngster Zeit weiter verstärkt. Wr'hrend noch in
den 50er Jahren der Tarifvertrag mit einjähriger Laufzeit die allgemeine Norm war und in den folgenden Jahren der Zweijahresvertrag immer
mehr in den Vordergrund rückte, scheint sich jetzt der Übergang zu
längerfristigen Verträgen mit drei- bis fünfjähriger Laufzeit zu vollziehen.
Zu den großen amerikanischen Gewerkschaften, die sich in jüngster
Zeit diesem Trend angeschlossen haben, zählen auch die Gewerkschaften
der Elektroarbeiter (IUE) und der Telephon- und Telegraphenarbeiter
(CWA), Der von der "IUE" mit der "Fedders Corporation" ausgehandelte
Vertrag z.B., der in den nächsten drei Jahren jährlich Lohnerhöhungen
von 5 Cent pro Arbeitsstunde und höhere Urlaubsgelder (2,25$ der JaLreslohnsumme pro Woche) vorsieht, wurde für 36 Monate abgeschlossen;
das Abkommen der "CWA" mit der "Bell Telephone Company" dagegen hat
sogar eine Laufzeit von 38 Monaten. Dieser Vertrag, der den rund
20 000 Beschäftigten des Unternehmens sofortige Lohnerhöhungen u_m

-

12

�um 20 Cent pro Stunde und zahlreiche verbesserte Sozialleistungen
bringt, sieht zwar keine fixierten Lohnerhöhungen für die nächsten
zwei Jahre vor, enthält aber eine sogenannte "reopening clause" - die
Möglichkeit zur Aufnahme neuer Lohnverhandlungen in den Jahren 19^4
und 1965.
#

Nachdem schon die Produktionsarbeiter der amerikanischen Stahlindustrie seit einigen Monaten auf Grund des neuen Tarifvertrags alle
fünf Jahre zusätzlich 13 Wochen bezahlten Urlaub erhalten, wurde eine
ähnliche Regelung jetzt auch für sämtliche Angestellten der "U.S. Steel
Corporation" und der "Bethlehem Steel Company" getroffen.
Der Angestellten-Urlaubsplan der "U.S. Steel", der auch sämtliche
leitenden Angestellten (lediglich die Positionen vom Vizepräsidenten
aufwärts wurden ausgenommen ) mit einschließt, sieht - im Gegensatz
zu der Regelung bei den Lohnempfängern - einen nach Länge der Dienstzeit gestaffelten Sonderurlaub für alle Mitarbeiter vor. Dieser Mitarbeiterkreis hat dabei die Wahl, den zusätzlichen Urlaub alle fünf
Jahre tatsächlich zu nehmen oder aber sich das Urlaubsgeld auszahlen
zu lassen, das dann allerdings in Schuldverschreibungen der Regierung
oder in Aktien des Unternehums anzulegen ist.
Im einzelnen sieht der Sonderurlaubsplan dieses Großunternehmens
der Stahlindustrie vor, daß Angestellten mit mehr als 20 Dienstjahren
alle 5 Jahre neben dem ihnen sowieso zustehenden vierwöchigen Jahresurlaub weitere 8 Wochen bezahlter Urlaub zu gewähren ist, während
Mitarbeiter mit 6 Dienstjahren zusätzlich sechs Wochen und solche mit
weniger als 6 Dienstjahren vier Wochen Sonderurlaub erhalten sollen.
Die "Bethlehem Steel Company" gibt dagegen ihren sämtlichen
Angestellten pro Jahr zwei Wochen Sonderurlaub, wobei allerdings
die eine Urlaubswoche in Form einer Urlaubsgeldzahlung in Anrechnung
gebracht wird, während es bei der zweiten Woche dem Mitarbeiter freigestellt ist, ob er sich das Geld auszahlen läßt oder sie tatsächlich
für einen Urlaub verwendet,
*
Die auf Grund des Gewinnbeteiligungsplans der "Kaiser Steel
Corporation" monatlich an die Mitarbeiter zur Auszahlung kommenden
Bonus sind nach einer Mitteilung des Unternehmens im August stark
zurückgegangen. Sie beliefen sich in diesem Monat im Durchschnitt
auf 39 Dollar, während in den Vormonaten durchschnittlich folgende
Beträge zur Auszahlung kamen», März 79 Dollar; April 95 Dollar; Mai
77 Dollar; Juni 100 Dollar; und Juli 65 Dollar. Nach Angaben der Unternehmensleitung ist der Rückgang der Bonuszahlungen auf die geringere
Produktion in den Urlaubsmonaten zurückzuführen.

(Quelle! Eigenbericht)
» * * # *

-

13

-

�Erwerbslosenziffer auf 5.5 Millionen abgesunken
Die derzeitige gute Wirtschaftslage in den USA kommt auch in
den soeben vom US-Arbeitsministerium veröffentlichten Beschäftigungsund Erwerbslosenziffern für den Monat September zum Ausdruck.
Die Beschäftigtenzahl lag dabei nach uen Berechnungen des "Amts
für Arbeitsstatistik" mit 69 546 000 um rund 1 Million höher als im
gleichen Monat des Vorjahres, während die Zahl der Arbeitslosen um
541 000 auf 3 516 000 zurückging und damit etwa so hoch war wie im
Jahr 1962.
Im Vergleich zum August ist jedoch die Gesamtbeschäftigtenziffer
um rund 1 Million abgesunken, was in erster Linie darauf zurückzuführen
ist, daß rund 2 Millionen schulpflichtige Teenager mit Schulbeginn ihre
Ferienarbeitsplätze aufgegeben haben.
Die Erwerbslosenrate betrug im September 5t6 Prozent; das bedeutet
einen Anstieg um l/lO Prozent gegenüber August. Die Erwerbslosenrate
für verheiratete Männer ging dagegen - wie in allen Monaten in den
letzten zwei Jahren - weiter zurück und belief sich auf 2,9 Prozent.

(Quellei Eigenbericht)

* * * * *

14

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen. Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der ..Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVI _ 12

Bad Godesberg, den 1. Dezember 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in
Umschulungskursen

Seite

1

New Yorks einzigartige berufsbildende Oberschule

Seite

9

Seite

10

E.A. Willis - ein Arbeitnehmerporträt

Seite

12

Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen

Seite

13

Betrachtliche Verschiebungen in der

US-Einkommen»struktur

Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in Umschulungskursen
Die Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz auf Grund technologischer Veränderungen verloren haben, ist ein Problem, das in den Vereinigten Staaten
in den vergangenen Jahren immer stärkere Beachtung gefunden hat. Während sich die US-Regierung seit mehr als zwei Jahren mittels eines umfassenden und großzügigen Umschulungsprogramms ("Manpower Training and
Development Act") auf nationaler Ebene bemüht, dem Problem der technologischen Arbeitslosigkeit beizukommen, haben zahlreiche Industrieunternehmen von sich aus den Versuch unternommen, die aus ihren angestammten
Arbeitsplätzen verdrängten Mitarbeiter in Sonderkursen mit den neuen
Arbeitstechniken vertraut zu machen und sie innerbetrieblich umzusetzen,
Der nachfolgende Bericht faßt die Ergebnisse einer Untersuchung
über die Leistungen und das Leistungsvermögen älterer Arbeitnehmer im
Rahmen industrieller Umschulungskurse zusammen, und zwar am Beispiel
von vier Industrieunternehmen verschiedener Branchen, in denen die Auswirkungen der Automation besonders groß waren.
Umfang und Art der Untersuchung
Bei den vier für diese Untersuchung ausgewählten Firmen handelt
es sich um Betriebe, in denen die technische Umstellung die Umschulung
einer größeren Zahl von Mitarbeitern erforderlich machte. Insgesamt
werden mehr als 2000 Umschüler der verschiedensten Berufe durch diese

�diese Studie erfaßt: Produktionsarbeiter in einer Ölraffinerie; Wartungsmechaniker einer Luftfahrtgesellschaft; Techniker und Facharbeiter in einem Flugzeugwerk, sowie Operateure einer Telefongesellschaft.
Diese vier Firmen waren die einzigen von rund 100 angeschriebenen,
die geeignete objektive Unterlagen über die Leistung der einzelnen
Arbeitnehmer während des Umschulungslehrganges besaßen. Bei diesen
Umschülern handelt es sich sowohl um ältere (über 40 Jahre) als auch
um jüngere Facharbeiter, für die außerdem die Personalbogen mit allen
erforderlichen Angaben wie Alter, Schulbildung, beruflicher Werdegang
usw. zur Auswertung zur Verfügung standen. Die Angaben über die Leistungen der einzelnen Umschüler wurden aus den Unterlagen dejr Unternehmen sowie auf Grund von Interviews mit den Ausbildungsleitern zusammengestellt.
Bei den Umschulungskursen handelte es sich in der Regel um Speziallehrgänge, bei denen der Teilnehmerkreis in der Regel sehr klein
gehalten wurde. Die Auswertung der Ausbildungsergebnisse erfolgte in
den meisten Fällen nach zwei Altersgruppen. Wegen der Verschiedenartigkeit der Kurse war es aber nicht möglich, das Gesamtergebnis zusammenzufassen. Vergleiche zwischen den Leistungen älterer und jüngerer
Umschüler wurden daher nur für individuelle Kurse angestellt. Obwohl
jede Analyse nur relativ wenige Umschüler umfaßte, so war deren Zahl
doch groß genug, um zu einigermaßen fundierten Schlußfolgerungen zu
gelangen.
Die Aspekte der Ausbildung
a) Technologische Veränderungen. Die Umschulungsprogramme waren
bei den hier untersuchten Unternehmen ein fester Bestandteil des gesamten technischen Umstellungsprogramms. Obwohl sich durch die Einführung der neuen Maschinen und Geräte die Verrichtungen und Tätigkeiten
an den einzelnen Arbeitsplätzen wesentlich veränderten, hielt man es
in den Firmenleitungen für zweckmäßiger und praktischer, die von der
Umstellung betroffenen Mitarbeiter umzuschulen statt sie zu entlassen
oder neue Kräfte einzustellen, die das erforderliche Fachwissen bereits
besaßen.
b) Ältere und jüngere Arbeitnehmer. Obwohl aus den Untersuchungsergebnissen vielfach hervorgeht, daß die Gruppe der jüngeren Umschüler im allgemeinen bessere Leistungen in den Kursen zeigte, so gab
es doch einige bemerkenswerte Ausnahmen, die eine Erfolgsbeurteilung
ausschließlich nach Altersgesichtspunkten unzweckmäßig erscheinen lassen. In Fällen nämlich, in denen sich der Ausbildungskursus über eine
längere Periode erstreckte, zeigten die älteren Arbeitnehmer vielfach
bessere Leistungen als die jüngeren. Außerdem wurde festgestellt,
daß in den meisten Kursen ein gewisser Prozentsatz der älteren Arbeitnehmer - bis zu 40 Prozent - bessere Leistungen aufwies als ein großer Teil der jüngeren Umschüler. Die jüngeren Umschüler scheinen im
allgemeinen schneller zu lernen, wenn die Ausbildungskurse relativ
kurz sind oder wenn es sich bei den zu erlernenden neuen Tätigkeiten
um schnell einprägbare Maschinenarbeiten handelt. Tafel I und II
geben einen Überblick über die Leistungen von jüngeren und älteren
Arbeitern in Umschulungskursen.
Tafel I

�Tafel I
Ausbildungskursus für Meßgeräte-Mechaniker in einer Ölraffinerie
Leistungsvergleich zwischen älteren und .jüngeren Umschülern

Jüngere Umschüler
(unter 40 Jahre)

Art des Kursus

Teilnehmerzahl

Grundrechnungs.
arten

Ältere Umschüler
(über 40 Jahre)

Prozent
über
unter
dem Durchschn,

29

71

Teilnehmerzahl

Prozent
über
unter
dem Durchschn,

67

33

Bruch-, Dezimalrechnen

8

47

53

7

71

29

Kontrollventile

8

50

50

7

43

57

Kontrollgeräte
u. Ventile

8

50

50

6

67

33

Flüssigkei tsstandsmesser

8

50

50

6

50

50

Generatoren
u.AC-Stromkreise

7

43

57

6

50

50

Durch

�Durch die Ergebnisse dieser Untersuchung wird erneut die große
Bedeutung unterstrichen , die einer individuellen - statt altersmäßigen - Bewertung der Anpassungsfähigkeit eines Arbeitnehmers auf
Grund seiner spezifischen Leistungen und seiner natürlichen Fähigkeiten zukommt. Willkürlich gezogene Altersgrenzen bei Ausbildungsund Umschulungsprogrammen würden zwangsläufig zum Ausschluß vieler
älterer Arbeitnehmer führen, die durchaus in der Lage sind, ein hohes
Leistungsniveau zu halten.
c) Vorherige Beratung. Die Untersuchung ergab ferner, daß die Auswahl der Umschüler bis zu einem gewissen Grade nach keinem besonderen
System erfolgte. Nur wenige mußten sich einer Vorprüfung oder einem
Interview unterziehen oder beraten lassen. Die Tatsache jedoch, daß
die Leistungen der vorher geprüften Umschüler eindeutig besser waren
als die der nicht geprüften, deutet darauf hin, daß es auf Grund solcher Ausleseverfahren möglich ist, ein besseres Verhältnis zwischen
den natürlichen Fähigkeiten des Umschülers und den Kursusanforderungen
herzustellen und die Programme auf die speziellen Erfordernisse der
Kursusteilnehmer abzustellen. Die eingehende Beratung trägt ferner dazu
bei, die besonders bei älteren Arbeitnehmern bestehenden Vorurteile
hinsichtlich der Umschulung abzubauen. Viele widersetzen sich nämlich
einer Umschulung nur deshalb, weil diese Kurse für sie "etwas Neues"
sind, oder weil sie keinerlei Erfahrungen in dieser Hinsicht besitzen.
d) Schulische Ausbildung. Die Untersuchungsergebnisse deuten ferner
darauf hin, daß eine mangelhafte schulische und berufliche Ausbildung
ein ernstes Handikap für den Umschüler darstellen kann. Die Gruppe der
Älteren wies im Durchschnitt ein niedrigeres Bildungsniveau auf als
die der Jüngeren; ältere und jüngere Arbeitnehmer mit gleichem Bildungsniveau dagegen wichen in der Leistung nur unwesentlich voneinander ab.
In der Ölraffinerie z.B.,wo bei der Auswahl der Umschüler für einige
Kurse das Bildungsniveau stärker berücksichtigt wurde, erzielten alle
älteren Arbeitnehmer in fünf von den sechs Kursen höhere Bewertungen
als der Gruppendurchschnitt.
e) Notwendigkeit für weitere Forschungen. Die Ergebnisse der ersten Studie dieser Art lassen eindeutig erkennen, daß weitere Untersuchungen über die Möglichkeiten und die Probleme der Umschulung älterer
Arbeitnehmer notwendig sind. Da die ständigen technologischen Veränderungen zweifellos die Notwendigkeit einer Umschulung von Arbeitnehmern
noch vergrößern werden, würde es sehr nützlich sein, mehr über die
Methoden zu wissen, mit denen sich die besten Ergebnisse bei älteren
Umschülern erzielen lassen.
Eine umfassendere Verbreitung des Wissens über die Fähigkeiten
älterer Arbeitnehmer, neue berufliche Qualifikationen zu erwerben und
das erreichte Niveau durch ständige Weiterbildung aufrechtzuerhalten,
sollte wesentlich dazu beitragen, die Anpassung des Arbeitspotentials
an die zu erwartenden technischen Veränderungen zu erleichtern.
Grenzen der Untersuchung
Bei der Beurteilung der Untersuchungsergebnisse ist es wichtig,
sich die Grenzen der Studie vor Augen zu halten. Wenn auch zum Beispiel
die Leistungen der älteren Arbeitnehmer mit den Leistungen der jüngeren

-

4 -

�jüngeren in den verschiedenen Kursen verglichen werden, so wird doch
in der Studie die Frage nicht direkt behandelt, ob die Leistung den
Mindesterwartungen der Arbeitgeber entsprochen hat. Andererseits
konnte aber auch nicht nachgewiesen werden, daß irgendein Umschüler
auf Grund der Testergebnisse entlassen wurde. Anscheinend zogen die
Unternehmen es vor, als Maßstab für die Bewertung des einzelnen die
Leistungen am Arbeitsplatz zu nehmen.
Ebenso beschränkte sich die Untersuchung ausschließlich auf jene
Leistungsaspekte der Umschüler, die aus den Unternehmensunterlagen ersichtlich waren. Für eine Gesamtbeurteilung sollten aber vergleichbare
Unterlagen wie Anwesenheitslisten, die Stetigkeit in der Arbeitsableistung und die Höhe der Arbeitsproduktivität des Umschülers nach seinem
Einsatz am neuen Arbeitsplatz mit herangezogen werden. Das Interesse
des Umschülers an den ArbeitsplatzVeränderungen und der Umschulung und
seine Einstellung dazu sowie die Ansichten und Meinungen der Kursusleiter und Lehrer über die Leistung des Umschülers wurden in der Untersuchung ebenfalls nicht berücksichtigt.
Schließlich sollte auch nicht erwartet werden, daß die Ergebnisse
der Untersuchung sich mit den Erfahrungen solcher Umschulungsprogramme
decken, für die sämtliche Umschüler vorher sorgfältig geprüft und
nur solche zugelassen werden, bei denen auf Grund des Tests die Erfolgsaussichten am größten sind.
Ein praktisches Beispiel der Umschulung
Um seinen Facharbeiterstamm mit den sich aus der Einführung neuer
Fertigungsmethoden und neuartiger Maschinen und Geräte ergebenden neuen^
arbeitstechnischen Fertigkeiten vertraut zu machen, hat eines der vier
untersuchten Unternehmen - ein großes Flugzeugwerk an der Westküste in den vergangenen Jahren zahlreiche Umschulungsprogramme durchgeführt.
Von den insgesamt mehr als 2C0 Umschulungskursen wurden für diese Untersuchung sechs ausgewählt, die als repräsentativer Querschnitt gelten
können und für die umfassende Unterlagen für jüngere sowohl als auch
ältere Umschüler vorhanden waren. In den folgenden Absätzen wird die
Art der Kurse kurz beschrieben.
Optische Meß- und Ausfluchtgeräte. Die hohen Geschwindigkeiten der
modernen Flugzeuge und die dadurch bedingte größere Materialbeanspruch,ung machen es erforderlich, daß heute im Flugzeugbau die Einzelteile
mit sehr viel größerer Präzision und viel geringste Toleranzen zusammengefügt werden. Da die herkömmlichen Meß- und Justiergeräte den Anforderungen nicht mehr entsprachen, mußte die Flugzeugindustrie eine ganze
Reihe neuartiger optischer Meß- und Ausfluchtgeräte einführen. Diese
Umstellung in der Fertigung machte es dabei notwendig, eine große Anzahl von Betriebsangehörigen mit den neuen Meßtechniken vertraut zu
machen.
Zu diesem Zweck wurden bei den untersuchten Unternehmen insgesamt
46 Arbeiter in Sonderkursen an diesen neuen Geräten ausgebildet. 24 Umschüler waren jüngere, 22 ältere Facharbeiter. Die Ausbildungsgruppen
wurden dabei sehr klein gehalten. Sie umfaßten jeweils nur 4 bis 5
Umschüler. Die theoretische Ausbildung, einschließlich der Einweisung

-

5 -

�Einweisung in die Bedienung der Geräte, wurde durch praktische
Arbeit im Betrieb ergänzt, wobei die Umschüler die Geräte selbst aufzustellen und zu bedienen hatten.
Elektronik. Wegen der zunehmenden Verwendung von elektronischen
Ausrüstungen - sowohl bei den Planungsarbeiten als auch im Flugzeugbau selbst - wurden von dem Unternehmen zahlreiche längere Ausbildungslehrgänge für Ingenieure, technische Schreibkräfte sowie für das Wartungspersonal durchgeführt.
Ingenieure. Ein Einführungskursus in Elektronik wurde für insgesamt 53 Ingenieure in der Absicht durchgeführt, diesen Fachkräften
einen allgemeinen Überblick über die spezifischen Anwendungstechniken
zu vermitteln. Bei rund 1/3 dieser Gruppe handelte es sich um ältere
Arbeitnehmer. Der Kursus erstreckte sich - bei jeweils 2 mal 2 1/2
Unterrichtsstunden pro Woche (nach Feierabend) - über einen Zeitraum
von 23 Monaten. Die Gesamtstundenzahl betrug 300. Rund die Hälfte der
Zeit wurde für theoretische Unterweisungen und diesbezügliche Diskussionen aufgewendet, der Rest für praktische Arbeiten im Laboratorium.
Die Umschüler wurden aus allen technischen Abteilungen des Unternehmens ausgewählt. Obwohl alle Kursusteilnehmer als "Ingenieure" eingestuft waren, besaß etwa 1/3 von ihnen kein Ingenieursdiplom, Alle jedoch wiesen, zumindest eine Oberschulbildung auf.
Technische Schreibkräfte. Ein Kursus über die Grundlagen der
Elektronik wurde von dem Unternehmen für 38 Mitarbeiter - technische
Schreibkräfte - in der Absicht durchgeführt, sie mit der Terminologie
vertraut zu machen, die bei der Beschreibung von elektronischen Geräten
heute verwendet wird. Abgehalten wurde dieser Unterricht nach Betriebsschluß zweimal wöchentlich für die Dauer von zwei Stunden während
eines Zeitraumes von fünf Monaten. Der Kursus bestand nur aus theoretischen Unterweisungen und Diskussionen zwischen Lehrern und Lehrgangsteilnehmern. Von den 38 Umschülern waren 19 über 40 Jahre alt.
Wartungspersonal für elektronische Anlagen. Der dritte Kursus
- ebenfalls über Elektronik - zielte darauf ab, das Wartungspersonal
auf neue Tätigkeiten vorzubereiten, hauptsächlich in bezug auf die
Wartung und Reparatur technisch weiterentwickelter elektronischer Geräte
und Anlagen. Im Gegensatz zu den anderen Fortbildungskursen fanden
diese Unterweisungen während der Arbeitszeit statt, und zwar an fünf
Tagen der Woche (jeweils 3 1/2 Stunden). Die Gesamtdauer betrug vier
Monate. Neben einer theoretischen Einweisung in die Elektronik wurden
umfangreiche Laboratoriumsversuche mit Testgeräten und elektronischen
Einzelteilen durchgeführt. Obwohl hier die Anforderungen in erster Linie
geistiger Art waren, wurden doch auch an die manuelle Geschicklichkeit
und die Kombinationsgabe der Umschüler erhebliche Ansprüche gestellt.
Nach Beendigung des Kursus wurden die Teilnehmer höher eingestuft und
erhielten (im Gegensatz zu den Umschülern in den vorher beschriebenen
Kursen) eine bessere Bezahlung. Gleichzeitig wurde ihnen der Titel
" Industrie-Elektronik-Mechaniker" zuerkannt.
Die

-

6

-

�Die 18 Umschuler, die den Kursus beendeten, waren aus einer
Gruppe von 50 Wartungstechnikern sorgfältig ausgewlhlt. Bei neun
dieser 18 Teilnehmer handelte es sich um ältere Arbeitnehmer.
Zugelassen aus dieser Prüfungsgruppe wurden nur 20 Arbeitnehmer,
und zwar die mit den höchsten Bewertungsziffern. Die meisten von
ihnen verfügten bereits über gewisse Erfahrungen in der Wartung
weniger komplizierter elektronischer Geräte, Von diesen 20 verließ
einer vorzeitig den Kursus, um eine besser bezahlte Position zu
übernehmen, während ein anderer wegen Krankheit ausschied.
Maschinenbauer. Mit der Einführung neuer Waffensysteme ergaben
sich für zahlreiche Maschinenbauer erhebliche Schwierigkeiten bei
der Analysierung und Interpretation gewisser auf den Konstruktionszeichnungen verwendeter Symbole. Die Meister dieser Abteilung ersuchten daraufhin die Betriebsführung, einen Fortbildungskursus für Konstruktionszeichnungslesen durchzuführen. Nach einer ersten Überprüfung der in Frage kommenden Mitarbeiter wurden schließlich 17 Umschüler ausgewählt, von denen acht über 50 Jahre alt waren. Der siebentägige Kursus wurde während der Betriebsstunden abgehalten (täglich
2 Stunden) und umfaßte das Erlernen der Symbole und ihre Übertragung
auf das Werkstück.
Schweißer. Die zahlrei chen Verbesserungen und Veränderungen auf
dem Gebiet der Schweißtechnik machten die Durchführung zahlreicher
Fortbildungs- und Uraschulungskurse erforderlich. Viele neue Metalle Legierungen mit Titan und Zirkon - lassen sich nach den konventionellen Schweißverfahren nicht zusammenfügen. Außerdem sind die technische
Anforderungen, die an den Schweißer gestellt werden (winzige Nähte,
schwierigere Montage),heute erheblich größer.
Die eingetretenen technischen Veränderungen machen es ferner erforderlich, daß die Schweißer über gewisse metallurgische Kenntnisse
verfügen und die Ursachen von MetallVerformungen kennen. Außerdem sind
die Schwe_ißgeräte selbst sehr viel komplizierter geworden, was bedingt, daß die Schweißer genau wissen müssen, wie sie etwa die Temperatur, den Gasstrom und die Schweißgeschwindigkeit regeln können.
Der durchgeführte Kursus war ursprünglich nur für solche Schweiße
vorgesehen, die bereits mit den neuen Geräten und Techniken vertraut
waren. Im Gegensatz zu den anderen erwähnten Kursen lag dabei der
Schwerpunkt nicht im Theoretischen (nur 20$ der Gesamtzeit), sondern
im Praktischen. Die Umschüler bekamen dabei Standard-Prüfungsaufgaben
zugewiesen, und die Leistungen der einzelnen wurden genau registriert
und bewertet. Jeder Kursusteilnehmer erhielt nach Abschluß der Ausbildung eine Endbewertung. Grundlage hierfür war die Anzahl der Stunden, die jeder einzelne brauchte, um die von der "U.S. Air Force" vorgeschriebenen Leistungsnormen zu erreichen.
Die Umschüler hatten sich entweder selbst um die Teilnahme beworben oder waren von ihren Meistern empfohlen worden. Rund 200 wurden
auf Grund ihrer Leistungen ausgewählt, die sie bei einem Testschweißen
zeigten. Die Gewerkschaft setzte bei der Unternehmensführung die
Klassifizierung der Absolventen als "Schweißer" sowie höhere Löhne
für alle durch, die den Kursus mit Erfolg bestanden hatten.
Die

�Die Leistungen in den Umschulungskursen
Zur Beurteilung der Umschüler in dem Flugzeugwerk wurden sowohl
die theoretischen als auch die praktischen Leistungen zugrunde gelegt.
Tafel II gibt einen Überblick über die Leistungen der jüngeren und
älteren Umschüler in den sechs Kursen.

Tafel II
Umschulungskurs in einem Flugzeugwerki
Leistungsvergleich zwischen älteren und jüngeren Umschülern

Ältere Umschüler

Jüngere Umschüler

Prozent

Prozent
Art des Kursus

Teilnehmerzahl

über
unter
dem Durchschn

Teilnehmerzahl

über unter
dem Durchschn

Optische
Hilfsgeräte
b .Werkzeugmaschinen

24

79

21

22

36

64

Einführung
in die Elektronik f.Ingenieure

36

53

47

17

47

53

Grundlagen d.
Elektronik für
techn .Schreibkräfte

19

53

47

19

42

58

Allgem.Fortbildung f.Elektronik-Mechaniker

67

33

33

67

Konstruktionszeichnungslesen I
f.Maschinenbauer

78

22

25

75

44

56

50

50

Konstruktionszeichnungslesen
II f.Maschinenbauer
Nur
dem
ein
dem

n
7

8

in einem der sechs Kurse wies die Hälfte der älteren Umschüler über
Durchschnitt liegende Noten auf. In zwei weiteren Kursen lag noch
erheblicher Teil der älteren Umschüler (40 Prozent und mehr) über
Durchschnitt. Bei den jüngeren Teilnehmern dagegen lag die Mehrzahl

-

8

�Mehrzahl mit ihren Leistungen in fünf Kursen über dem Durchschnitt.
Am schlechtesten schnitten die Jüngeren in dem zweiten Kursus für
Konstruktionszeichnungslesen ab. Nur geringe Leistungsunterschiede
bestehen zwischen den beiden Gruppen, wenn man die Schulbildung als
Bewertungsbasis heranzieht.
(Aus "Monthly Labor Review",
August 1963, Vol. 86, Nr. 8)

* * * * *

New Y'orks einzigartige berufsbildende Oberschule
Eine der bemerkenswertesten Oberschulen in den Vereinigten
Staaten ist die sogenannte "Aviation High School" in New York City.
Sie ist die einzige höhere Lehranstalt des Landes, an der die Schüler neben ihrer normalen schulischen Ausbildung auch gleichzeitig
eine umfassende berufliche Vorbereitung erhalten.
Die jetzt 25 Jahre bestehende öffentliche Oberschule wird gegenwärtig von rund 2200 Schülern besucht und hat einen Lehrkörper von 130
Fach- und Speziallehrern. Sie -verfügt über modernste technische Einrichtungen - im Werte von mehreren Millionen Dollar - für die Heranbildung von qualifizierten jungen Flugzeugmechanikern. Etwa 55 Prozent
der Lehrer unterrichten in den traditionellen Oberschulfächern wie
Englisch, Mathematik, Geschichte, Fremdsprachen usw., die etwa die
Hälfte des Gesamtlehrplanes ausmachen; bei den restlichen Lehrern handelt es sich um ausgesprochene Fachkräfte, von denen 80 Prozent Spezialprüfungen im Flugzeugbau abgelegt haben.
Strenge Aufnahmeprüfung
Die Auswahl der Schüler erfolgt nach einer strengen Prüfungsordnung, die sowohl zahlreiche schriftliche Arbeiten als auch ein persönliches Interview für die Bewerber vorsieht, in denen ihre beruflichen Interessen und ihre Einstellung zur Ausbildung als Flugzeugmechaniker getestet werden..Diese scharfe Auslese ist nötig, denn von den
rund 25OO Bewerbern jährlich können in der Regel nicht mehr als 830
aufgenommen werden.
Der sich über vier Jahre erstreckende Lehrplan ist in wissenschaftliche, praktische und technische Fächer aufgeteilt. Dem Schüler stehen
dabei zwei Bildungswege offen: 1. Vorbereitung auf den späteren CollegeBesuch; 2. Vorbereitung auf den künftigen Beruf durch eine gewerblichschulische Fachausbildung. Nach dem ersten Schuljahr erfolgt eine Zwischenprüfung, um alle diejenigen Schüler aus dem gewerblichen Zweig
zu entfernen, die sich für eine technische Ausbildung als ungeeignet
erwiesen.

-

9

�1/3 seht zum College
Der von den Schülern nach bestandener Abschlußprüfung eingeschlagene weitere Bildungs- -oder Berufsweg sieht in der Regel so aus:
etwa 29 Prozent von ihnen beginnen ein Studium, hauptsächlich an höhren technischen Lehranstalten oder Technischen Hochschulen; einige
wenige besuchen die verschiedenen Militärakademien; rund 27 Prozent
suchen sich einen ihrer Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz in der
Industrie; 10 Prozent wenden sich anderen industriellen Tätigkeiten
zu; während der Rest zunächst seine Militärzeit ableistet.
Da die New Yorker "Aviation High School" eine der insgesamt 68
vom Bundesaufsichtsamt für die Luftfahrt (FAA) anerkannten Schulen
des Landes zur Ausbildung von Flugzeugmechanikern ist, erhalten die
Absolventen neben ihrem Reifezeugnis auch ein Berufszertifikat der
FAA mit auf den Weg. Welche Bedeutung diese Abschlußzeugnisse für den
beruflichen Werdegang haben, zeigt die Tatsache, daß bisher mehr als
8000 Absolventen dieser Schule Arbeitsplätze in der Flugzeugindustrie
oder bei Luftfahrtgesellschaften als Piloten oder Chefmechaniker erhalten haben.
Der Schulkomplex in New York umfaßt insgesamt fünf große Gebäude,
darunter zwei jeweils 7 Stockwerke hohe Haupttrakte. In einem Trakt
sind die Klassen untergebracht, in denen der wissenschaftliche Unterricht durchgeführt wird, sowie fünf Laboratorien, vier Säle für das
technische Zeichnen und die Kunsterziehung, ferner die Bibiothek,
Verwaltungsräume, eine Cafeteria und Ambulanzräume. Das andere Hauptgebäude beherbergt 32 Werkräume für die praktische und technische
Ausbildung der angehenden Flmgzeugmechaniker.
Der praktische Unterricht umfaßt u.a. folgende Fächer: FlugzeugRumpf- und Flügelbau; Wartung und Überholung von einfachen und technisch komplizierten Antriebsaggregaten; Metallverarbeitung; Hydraulik;
Zusatzbauteile (Vergaser, Magnete usw.); Elektrizität; Bedienung von
Arbeits- und Werkzeugmaschinen; Propellerreparatur; und Schweißen.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Beträchtliche Verschiebungen in der US-Einkommensstruktur
Die Einkommensverteilung in den USA hat sich auch in den vergangenen Jahren weiter zugunsten der unselbständigen Arbeitnehmer
(Lohn- und Gehaltsempfänger) entwickelt und diesem Personenkreis
mit 71 Prozent den bisher höchsten Anteil am Volkseinkommen gesichert.
Wie aus einer jetzt vom US-Handelsministerium veröffentlichten
Übersicht hervorgeht, entfielen 1962 vom Volkseinkommen in Höhe von
453,7 Mrd. Dollar allein 322,9 Mrd. Dollar auf Löhne und Gehälter (einschließlich der verschiedenen Sozialleistungen). Die nächstkleineren
Posten bildeten die Gewinne der Kapitalgesellschaften (vor Abzug der

-

10

-

�der Steuern) mit 47,0 Mrd..Dollar und die Einkommen der selbständigen
Berufe und der nichteingetragenen Wirtschaftsunternehmen mit 36,5 Mrd.
Dollar. Relativ unbedeutend waren dagegen die Farmereinkünfte und die
Einkünfte aus Kapitalanlagen und Mieten.
Bei einem Vergleich mit dem Jahre 1948 zeigt sich, daß nicht
nur das US-Volkseinkommen seither von 223,5 auf 453,7 Mrd. Dollar angewachsen ist - und sich damit mehr als verdoppelt hat -, sondern daß
auch erhebliche Verschiebungen in der Einkommensstruktur eingetreten
sind. Hauptnutznießer dieser Entwicklung waren vor allem die Unselbständigen, die ihren Anteil von 63 auf 71 Prozent erhöhen konnten, Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß der
Anteil der Sozial- und Lohnnebenleistungen am Gesamteinkommen seit 1948
um mehr als das Doppelte zugenommen hat - er stieg von 2,6 auf 5,9 Prozent an.
Beträchtliche Anstiege verzeichneten auch die Einkünfte aus Spareinlagen, Savings Bonds und anderen Geldanlagen (Zunahme von 1,9 auf
rund 5 Prozent), geringere die Erträge aus Dividenden (von 3,2 auf 3,7
Prozent).
Demgegenüber ist der Anteil der Gesellschaftsgewinne am Volkseinkommen nach 1949 nicht unerheblich - von 14,7 auf 10,4 Prozent zurückgegangen, obwohl nach dem "Tief" des Jahres 1958 inzwischen wieder eine kräftige Erholung eingetreten ist. Auch die Mieteinkommen
waren 1962 mit 2,6 Prozent anteilmäßig geringer als 1948 (3,3 L Ä)» desgleichen die Einkommen der freien Berufe und der Selbständigen, deren
Anteil am Volkseinkommen im vergangenen Jahr nur noch 8 Prozent
(1948 - 10%) betrug.
Den relativ stärksten Rückgang allerdings verzeichneten die Farraereinkommen, die 1948 noch 8 Prozent des Volkseinkommens auf sich vereinigt
hatten, im Vorjahr aber nur noch über einen Anteil von 2,9 Prozent verfügten. Selbst wenn man berücksichtigt, daß immer mehr landwirtschaftliche
Arbeiter und Farmer den .Yeg in die Stadt und damit in andere Wirtschaftszweige gefunden haben und die Zahl der Farmen ständig abgenommen hat, so
zeigt doch die Einkommensentwicklung der Landwirtschaft in den vergangenen 14 Jahren recht deutlich, daß dieser Wirtschaftszweig dem allgemeinen Aufwärtstrend der Einkommen nicht hat folgen können.
Wie stark sich die gesamte Einkommensstruktur in den USA während
der Nachkriegsjähre verschoben hat, zeigt übrigens auch eine andere,
kürzlich vom US-Zensusbüro veröffentlichte Übersicht. Danach haben die
Gehaltsempfänger im Jahre 196O die bisher stärkste Gruppe in der obersten Einkommensklasse der USA (mehr als 15 000 Dollar im Jahr), die
Selbständigen, zum ersten Mal überflügeln können. Mit einem Anteil von
rund 50 Prozent sind sie dabei zur weitaus stärksten Gruppe der "Oberklasse" der US-Einkommensskala avanciert.
, sie zweite Einkommensklasse (lO 000 - 15 000 Dollar) hat sich
in rund zehn Jahren ganz erheblich verstärkt. Zwischen 1951 und 196O hat
sich die Zahl ihrer Einkommensträger - bei Zugrundelegung eines konstanten Dollarwertes - fast verdreifacht. Während 1951 lediglich 5 Prozent
aller amerikanischen Familien Einkommen von über 10 000 Dollar aufwiesen,
waren es i960 bereits 14 Prozent.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
1 1

�E. A. Willis - ein. Arbei.tne hmerporträt
Edward A. Willis, Warenprüfer einer W$inkellerei und Spirituosenfabrik in Fresno im Staat Kalifornien Und in seiner Freizeit Zahlkellner eines Restaurationsbetriebs, ist mit seinen 46 Jahren noch zu
einem der größten Abenteuer unserer Zeit bereit: "Tony" Willis träumt
davon, im Rahmen des amerikanischen Friedenskorps als Entwicklungshelfer nach Afrika, Asien oder Südamerika geschickt zu werden, um
dort beim Aufbau des Jugendsports mitzuwirken.
Aus kinderreicher Familie
Nun, Tonys Leben ist auch so schon abwechslungsreich genug, ob
sein Wunsch in Erfüllung geht oder nicht. Er wurde 1917 in Phoenix,
der Hauptstadt Arizonas, geboren. Er hat es in seiner Jugend nicht
ganz einfach gehabt. Er ist Neger und stammt aus einer Familie mit
neun Kindern, alles Jungen. Nach Abschluß der Oberschule besuchte er
zunächst das Junior College in Phoenix und später die dortige Lehrerbildungsanstalt. Das Geld für das Studium verdiente er sich in den
unterrichtsfreien Stunden als Hausmeister beim Gouverneur des Staates
Arizona. Nach dem Abschlußexamen in Geschichte und Staatswissenschaften trat er in den Dienst der Polizei von Phoenix. Doch inzwischen war
der zweite Weltkrieg ausgebrochen, und Willis wurde für fünf Jahre
Soldat. Auf einen kürzeren Einsatz in Nordafrika folgte die Abkommandierung nach Burma, wo er als Zugführer einen Bautrupp befehligte,
der am Bau der Burma-Straße mitwirkte. Willis gehörte später dem
ersten Konvoi an, der über diese im Krieg berühmt gewordene Militärstraße rollte.
Vom Ausfahrer zum Prüfer
Einer seiner Brüder verschaffte ihm nach Kriegsende dann eine
Stellung in einer Weinhandlung im kalifornischen Fresno. Er fand
Gefallen am Wein- und Spirituosenhandel und ging deshalb später zu
einer größeren Weinkellerei, die auch noch eine Schnapsbrennerei unterhielt. "Ich fing als Ausfahrer an und legte auch sonst überall im
Betrieb mit Hand an", berichtet er heute rückschauend. "Ich habe die
Traubenpresse bedient und den Kran, mit dem die Mostbehälter in die
Gärbottiche geleert werden."
Heute aber arbeitet Tony als Prüfer, überwacht den Verschnitt
von Whiskysorten, probiert die Destillate und kontrolliert den Warenausgang. Sein Betrieb hat seit langem schon die Fünftagewoche bei
täglich achtstündiger Arbeitszeit eingeführt. An den Wochenenden hilft
Tony als Zahlkellner im Restaurationsbetrieb eines Motels aus.
Sehr aktiv im Gemeinschaftsleben
Arbeit und "weekend Job" hindern ihn aber nicht daran, auch im
Gemeinschaftsleben eine recht aktive Rolle zu spielen. Da ist einmal
der Kriegsteilnehmerverband, die "Veterans of Foreign Wars", dessen
Ortsverein er seit 1962 als Commander vorsteht, zum andern die Mitgliedschaft in einer Loge und im Schulverein zu nennen. Daß Willis
Gewerkschafter ist, versteht sich für ihn von selbst, und er ist
stolz darauf, schon mehrfach an TarifVerhandlungen mit den Arbeitgebern

-

12

-

�Arbeitgebern im Weinbau teilgenommen zu haben. "Wir kamen bisher
immer ohne Streik aus", weiß er hierüber zu berichten. Mir macht das
'Geben und Nehmen' solcher Verhandlungen direkt Spaß. Heute geht es
uns weniger um höhere Löhne als um die Verbesserung von Lohnnebenleistungen wie Kranken- und Lebensversicherung."
Eigenheim mit fünf Zimmern und allem Komfort
Das also ist der Hintergrund, vor dem sich Tony Willis' berufliches und "gesellschaftliches" Leben abspielt. Den Rahmen für sein
Privatleben bildet ein weiß verputztes Häuschen in einem bescheidenen
Wohnviertel von Fresno. Das Eigenheim hat neben einem Wohn- und einem
Eßzimmer noch drei Schlafräume sowie Küche und Bad. Es ist mit dem
für einigermaßen wohlsituierte Leute üblichen Komfort ausgestattet,
und es fehlen weder der Kühlschrank, noch die Waschmaschine und der
Geschirrspülautomat.
Willis' Frau fühlt sich mit ihren zwei Töchtern Patricia Diane
(13) und Valencie Yvonne (10) und dem Haushalt keineswegs voll ausgelastet und arbeitet deshalb vormittags noch in einer Schulküche, wo
die Mahlzeiten für die Schulspeisung bereitet werden. Die Hausarbeit
macht sie, von den beiden Töchtern schon ein wenig unterstützt, ganz
allein. Lediglich zum Bügeln hat sie eine Hilfe. Mrs. Willis scheint
den Ehrgeiz zu haben, es ihrem Manne gleichzutun, ist sie doch laufend
für die Baptistenkirche und mehrere Frauenvereine tätig.
Neue Berufschancen für Farbige
Aber immer alle Hände voll zu tun und immer Betrieb und Abwechslung zu haben, das scheint genau das zu sein, was Mr. und Mrs. Willis
bei guter Laune hält. Seine Hautfarbe macht Tony Willis kaum irgendwelchen Kummer, und er ist, was die Rassenfrage angeht, ein Optimist.
Warum, das hat er mit wenigen Worten recht überzeugend zum Ausdruck
gebracht: "Seit dem letzten Krieg haben sich uns Farbigen viele neue
Arbeitsgebiete aufgetan. Unsere Aufgabe ist es nun, uns die notwendige
Kenntnisse anzueignen."
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen
Die Schaffung einheitlicher internationaler Beschäftigungsstandards als einer wesentlichen Voraussetzung für die Ausweitung des
Welthandels und der Exportmärkte für amerikanische Erzeugnisse hat ein
gemischter Gewerkschafts-Industrieausschuß gefordert, dessen Vorsitzer
der Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes "AFL-CIO",
George Meany, ist.
Der

�Der Ausschuß h a t j e t z t einen umfassenden B e r i c h t über s e i n e Beratungen v e r ö f f e n t l i c h t , die er a n l ä ß l i c h der White-House-Konferenz
über die Ausweitung der US-Exporte k ü r z l i c h in der amerikanischen
Bundeshauptstadt f ü h r t e . Darin wird b e t o n t , daß, sobald einmal die
u n t e r dem allgemeinen Niveau liegenden Beschäftigungsbedingungen
a l s Faktor im i n t e r n a t i o n a l e n Wettbewerb a u s g e s c h a l t e t s e i e n , der
Lebensstandard und d i e Kaufkraft i n den Ländern mit einem Substandard
erhöht und dadurch neue Exportmärkte geschaffen würden.
In dem B e r i c h t wird w e i t e r f e s t g e s t e l l t , daß die b e t r ä c h t l i c h e n
Unterschiede zwischen den USA und i h r e n w i c h t i g s t e n Konkurrenten auf
den '.Veitmärkten h i n s i c h t l i c h der Löhne in l e t z t e r Zeit etwas g e r i n g e r
geworden s i n d . Dies s e i darauf zurückzuführen, daß die d u r c h s c h n i t t l i c h e n Lohnerhöhungen i n den I n d u s t r i e l ä n d e r n in den vergangenen Jahren
größer waren a l s in den V e r e i n i g t e n S t a a t e n s e l b s t . Durch die umfassende Einführung moderner, k o s t e n s p a r e n d e r Maschinen und P r o d u k t i o n s a u s rüstungen h ä t t e n d i e USA f e r n e r die F e r t i g u n g s k o s t e n t r o t z weiter s t e i gender Löhne r e l a t i v n i e d r i g h a l t e n können.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * *

-

14

*

-

�</text>
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                </elementTextContainer>
              </element>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung der Gewerkschaften für das amerikanische Wirtschaftsleben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Die Aufgaben des "National Labor Relations Board"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein erfolgreiches Jahr für die amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automatisierung führt zur "Bildungsgesellschaft"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Automation in gewerkschaftlicher Sicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Rehabilitation Behinderter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erhebliche Veränderungen in der US-Beschäftigungsstruktur seit 1950&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Modellvertrag der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy unterbreitete Kongress umfassendes Sozialprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziele und Aufgaben des US-Arbeitsministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erziehung und Schulung in einem Entwicklungszeitalter (II)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aktuelle Arbeitsmarktprobleme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mehr Frauen im höheren Regierungsdienst&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Filmore LaDeaux &amp;nbsp;- ein Arbeitnehmerporträt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Erfolgsbeteiligungsplan &amp;nbsp;der Kaiser-Stahlwerke&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maschinistengewerkschaft feiert 75jähriges Bestehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA in den Jahren 1960-75 (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berufsausbildung im Zeitalter der schnellen technischen Veränderungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"DOT" - Ein Bestseller wird neu aufgelegt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 8/9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsprobleme der USA in den Jahren 1960-1975 (II)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gleiche Berufschancen für die Farbigen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Stille Einigung" - der neue Stil im US-Tarifverhandlungswesen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorbeugen - die Hauptaufgabe des modernen Unfallschutzes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftliche Situationen der Farbigen in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verschärfte Bestimmungen der US-Post zur Durchsetzung der Rassengleichheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftliches Wachstum und Arbeitslosigkeit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unfallschutz am Arbeitsplatz als gewerkschaftliche Aufgabe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seeleutegewerkschaft spricht sechsjährigen Streikverzicht aus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Sozialversicherung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entwicklung der Löhne und Lohnebenleistungen in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arbeitslosen-Umschulungsprogramm hatte guten Start&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Bildungsarbeit mit neuen Akzenten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Leistungen älterer Arbeitnehmer in Umschulungskursen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;New Yorks einzigartige berufsbildende Oberschule&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beträchtliche Verschiebungen in der US-Einkommensstruktur&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;E. A. Willis - ein Arbeitnehmerporträt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schaffung internationaler Beschäftigungsnormen&lt;/p&gt;</text>
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