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Dokumentation

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13. September

Inhalt
HINTERGRUND
Genfer Abrüstungskonferenz beendete konstruktive Sitzungsperiode
Von unserem Sonderkorrespondenten Michael Omara
Hanoi stellt sich taub
- Alle Kriegsgefangenen-Appelle verhallen Von unserem Sonderkorrespondenten

WIRTSCHAFT
USA wollen internationale Währungsreform an der Wurzel anpacken
Von Eugene Brake
USA wollen Exportkontrollen weiter abbauen
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WISSENSCHAFT -UND TECHNIK
Größter Teilchen-Beschleuniger der Welt betriebsbereit
NAL-Anlage in Batavia (Illinois) soll 500 GeV leisten
Giftstoffe in der Natur
Ökologische Untersuchungen zu Nitraten und Quecksilber
Test signalisiert Gefahr von Gehirnblutung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ BEENDETE KONSTRUKTIVE SITZUNGSPERIODE
Von unserem Sonderkorrespondenten Michael Omara

GENF - (AD) - Die Genfer Abrüstungskonferenz hat auf ihrer diesjährigen
Sitzungsperiode zwar keine neuen Verträge unter Dach und Fach gebracht, aber
die konstruktive Arbeit dieser Sitzungsperiode läßt Hoffnung auf weitere,
künftige AbrüstungsVereinbarungen.
Der amerikanische Delegierte, Botschafter Joseph Martin, zeigte sich
befriedigt über die Fortschritte auf dem Wege zum Verbot chemischer Waffen,
räumte jedoch ein, daß das zweite große Ziel - ein Verbot der unterirdischen
Nuklearversuche - auch weiterhin Schwierigkeiten bereite. Allerdings, so
meinte er, sei es keineswegs unmöglich, hier zu einem Abkommen zu gelangen.
Auch der sowjetische Chefdelegierte, Alexeij A. Roschtschin, erklärte,
während der diesjährigen Sitzungsperiode habe "eine gründliche und nützliche
Erörterung entscheidend wichtiger Abrüstungsprobleme" stattgefunden.

Ein Verbot chemischer Waffen setzt die Klärung einer ganzen Reihe
schwieriger Fragen voraus. Vor allem muß festgelegt werden, was verboten
werden soll. Zahlreiche Chemikalien, deren Verwendung in der Industrie
absolut legitim und nützlich sind,könnten auch für militärische Zwecke
benutzt werden. Weiter muß geklärt werden, wie ein Verbot ohne ungerechtfertigte Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes überwacht
werden kann.
Die
- 1 -

�Die Vereinigten Staaten haben am 21. März ein Arbeitsprogramm vorgelegt,
in dem die vielen technischen und wissenschaftlichen Probleme angesprochen
werden, die es zu lösen gilt, ehe die Konferenz zu einem Abkommen über die
Begrenzung chemischer Waffen gelangen könnte. Am 20. Juni haben die USA dann
fünf detaillierte technische Ausarbeitungen unterbreitet, die als Unterlage
für eine sorgfältige Analyse gedacht waren. Ähnliche Schriftstücke wurden
auch von Großbritannien, Schweden, Italien, Japan, Jugoslawien, den Niederlanden und Kanada vorgelegt. Und schließlich reichte auch Finnland, obwohl
nicht Konferenzteilnehmer, ein Arbeitspapier ein.
Am 5. und 6. Juli prüften Experten aus neun Ländern - darunter die USA
und die UdSSR - die technischen Aspekte. Am 8. August schlug Großbritannien
einen Vertrag über das Verbot chemischer Waffen in zwei Stufen vor. In der
ersten Phase sollten die Arsenale an chemischen Waffen vernichtet und die
Produktion, eingefroren werden. In der.zweiten Phase sollte dann die Produktionskapazität beseitigt werden. Der sowjetische Chefdelegierte übte am 5. September
Kritik an diesem Vorschlag, da dabei die Länder ohne Arsenale und Produktionskapazität im Nachteil wären. Botschafter Martin erklärte am 7. September,
die amerikanische Regierung prüfe den britischen Vorschlag.
Was das zweite Problem, das Verbot unterirdischer Kernwaffenversuche,
angeht, so besteht nach wie vor die amerikanisch-sowjetische Meinungsverschiedenheit bezüglich der Verifizierungsmethoden. Nach sowjetischer Auffassung genügen heute nationale Ortungs- und Identifizierungsmethoden, um
eine Einhaltung eines Verbots zu gewährleisten. Die Vereinigten Staaten hingegen räumen zwar ein, daß große technische Fortschritte bei der Verifizierung
mit nationalen Mitteln gemacht worden seien, daß jedoch in bestimmten Fällen
nur eine Inspektion an Ort und Stelle eindeutig klären könne, ob es sich um
eine Nuklearexplosion oder um ein natürliches Beben gehandelt hat.
Botschafter Martin wies am 24. August darauf hin, daß selbst bei der
heutigen modernen seismographischen Technik in manchen Fällen ein Zweifel an
der Ursache eines Bebens bleibe und nur die Möglichkeit einer Inspektion
an Ort und Stelle die Gewähr für die Einhaltung eines Verbotes geben könne.
Die
- 2 -

�I
Die Konferenz hat sich darüber hinaus auch noch in eigener Sache beschäftigt: mit der Frage nämlich, ob sie sich neu organisieren und erweitern
solle. Diese Frage war auf der ersten Sitzung am 29. Februar von Mexiko angeschnitten worden.
Hier geht es im wesentlichen um die Beteiligung Frankreichs - das seinen
ihm reservierten Sitz nie eingenommen hat - und der Volksrepublik China.
Nach Auffassung Mexikos und anderer ist die Voraussetzung für eine Beteiligung
der einzigen beiden Nuklearmächte, die in Genf nicht mit dabei sind, die Ablösung des bisherigen Systems des Ko-Vorsitzes der USA und der UdSSR.
Andere Delegationen, an der Spitze die kanadische, warnten jedoch vor
einer Änderung des bewährten Systems, ehe nicht definitive Zusagen vorliegen,
daß Frankreich und China auch wirklich an den Konferenztisch kommen wollen.
Die Konferenz hat natürlich auch ihren Jahresbericht ausgearbeitet, mit
dem sich jetzt die Vollversammlung der Vereinten Nationen befassen wird. Dazu
gehören auch ein sowjetischer Vorschlag für eine Weltabrüstungskonferenz und
eine Würdigung der amerikanisch-sowjetischen Gespräche über eine Begrenzung
der Strategischen Rüstungen (SALT), die von vielen Delegierten in Genf als
ein Meilenstein auf dem Wege zur Abrüstung bezeichnet wurden.
Was die Weltabrüstungskonferenz angeht, so wird sie von den Vereinigten
Staaten zum richtigen Zeitpunkt als durchaus nützlich angesehen,- sie könnte
nach amerikanischer Auffassung jedoch zum heutigen Zeitpunkt leicht zu einem
Forum der Propaganda und der Polemik werden - im Gegensatz zu den ernsthaften
Verhandlungen in Genf.
UN-Generalsekretär Waldheim hat zu Beginn der diesjährigen Sitzungsperiode der Genfer Abrüstungskonferenz bescheinigt, daß sie sich "als das
wirksamste und produktivste Organ für multilaterale Rüstungskontrollverhandlungen erwiesen hat, über die die internationale Gemeinschaft verfügt."

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37/1972

HANOI STELLT SICH TAUB
- Alle Kriegsgefangenen-Appelle verhallen Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Drei Missionare - zwei davon Frauen - waren die
ersten Amerikaner, die von den vietnamesischen Kommunisten während des Krieges
in Südostasien gefangengenommen wurden. Es war am 30. Mai 1962. Seither haben
weder die amerikanische Regierung noch die Familienangehörigen dieser Gefangenen
je ein Wort über ihr Schicksal oder ihren Aufenthaltsort gehört.
Nach der Argumentation des Gegners sind die Missionare als Zivilpersonen
anzusehen, auf die sich das internationale Recht, das Militärpersonen schützt,
nicht erstreckt, so erklärt Frank Sieverts, der Experte des amerikanischen
Außenministeriums für Kriegsgefangenenfragen. Diese drei Amerikaner wurden indessen vor nunmehr bereits mehr als zehn Jahren gefangengenommen und die Liste
derer, die seither dem Gegner in die Hände fielen, ist immer größer geworden.
Ihre Not zeigt den klaren Verstoß Nordvietnams gegen die Bestimmungen der
Genfer Konvention über die Behandlung der Kriegsgefangenen.
Bis zum 26. August verzeichnete das amerikanische Verteidigungsministerium
eine Zahl von 1123 amerikanischen Militär- und Zivilpersonen, die im Indochinakrieg als vermißt gemeldet wurden und 539 in Gefangenschaft geratene Amerik.uu •
insgesamt also 1662 Mann.
Die Freilassung der amerikanischen Kriegsgefangenen ist eines der grundsätzlichen Ziele der amerikanischen Außenpolitik, und man hat in Washington

- 1 -

-

�Washington immer wieder betont, daß die Vereinigten Staaten diese Kriegsgefangenen niemals im Stich lassen würden, um eine politische Lösung des Konflikts erreichen zu können.
Präsident Nixon hat dies vielfach in aller Klarheit ausgesprochen, so
zuletzt am 29. August dieses Jahres. Der Präsident versicherte mit aller Entschiedenheit, daß es solange eine amerikanische Freiwilligen-Streitmacht in
Südvietnam geben werde, "als es noch einen einzigen amerikanischen Kriegsgefangenen in Nordvietnam oder einen Vermißten gibt, über dessen Schicksal nichts
bekannt ist."
Der Präsident unterstrich dabei erneut, daß man Hanoi den "totalen Abzug"
der amerikanischen Streitkräfte aus Südvietnam innerhalb von vier Monaten anbiete - unter der Voraussetzung, daß es zu einer Waffenruhe in Indochina unter
internationaler Überwachung komme und die amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen würden sowie eine Aufklärung über das Schicksal der im Einsatz Vermißten erfolge. Diese Bedingungen waren von Präsident Nixon zum erstenmal in
einer Rede am 8. Mai gestellt worden.
Der amerikanische Präsident verwies außerdem darauf, daß die Vereinigten
Staaten alles Erforderliche tun würden, um zu verhindern, daß "dem südvietnamesischen Volk gegen seinen Willen eine kommunistische Regierung aufgezwungen
wird."
Die gegen die Gebote der Menschlichkeit verstoßende Behandlung der Kriegsgefangenen durch die vietnamesischen Kommunisten hat nicht nur in den Vereinigten
Staaten, sondern in der ganzen freien Welt Proteste hervorgerufen. Die Vereinigten
Staaten haben immer wieder die energischsten Anstrengungen gemacht, um die Freilassung der Kriegsgefangenen zu erreichen. Hanoi aber hat alle auf diesen Zweck
gerichteten Vorschläge konstant abgelehnt.
Wie der amerikanische Außenminister Rogers in seiner Erklärung vom 22.
März hervorhob, sind bisher noch in keinem Krieg, den die Vereinigten Staaten
in ihrer Geschichte geführt haben, amerikanische Soldaten so lange vom Gegner
in Gefangenschaft gehalten worden
Über
- 2-

�Über 130 Staaten, darunter auch Nordvietnam, haben die Genfer Konvention
über die Behandlung von Kriegsgefangenen vom Jahre 1957 unterzeichnet. Nordvietnam argumentiert nun, daß alle amerikanischen Kriegsgefangenen "Kriegsverbrecher" seien und daher keinen Anspruch auf den Status eines Kriegsgefangenen
erheben könnten. Für eine solche Behauptung gibt es im Völkerrecht keine Grundlage - Angehörige der bewaffneten Streitkräfte der Vereinigten Staaten, die
Uniform tragen, haben ohne jeden Zweifel Anspruch auf den Status eines Kriegsgefangenen, wenn sie dem Gegner in die Hände fallen.
Washington betrachtet das Kriegsgefangenenproblem als eine rein humanitäre
Frage. Die Kriegsgefangenen können und dürfen niemals das Objekt eines Kuhhandels werden. Bei den Verhandlungen in Paris wird die Kriegsgefangenenfrage
zwar immer wieder aufgeworfen, aber es wäre nach amerikanischer Auffassung
eine Travestie, wollte man das Schicksal der Gefangenen für politische oder
militärische Ziele einsetzen.
Hanoi erklärt, es werde keinen amerikanischen Gefangenen freilassen, ehe
nicht eine endgültige militärische und politische Beilegung des Krieges erfolgt ist. Die Machthaber in Hanoi räumen ganz offen ein, daß sie die amerikanischen Gefangenen als Faustpfand betrachten - und das ist eine klare Verletzung der Genfer Konvention. Ebenso ist es eine Verletzung dieser Konvention
und jeder humanitären Norm, daß Nordvietnam keine Aufklärung über Gefangene
oder Vermißte gibt. Zu leiden darunter haben die unschuldigen Angehörigen.
Ebenso hat Hanoi auch jeden humanitären Vorstoß Südvi-etnams für den Austausch von verwundeten und kranken Kriegsgefangenen abgelehnt - ja sogar die
einseitige Freilassung von verwundeten Nordvietnamesen einfach nicht zur Kenntnis genommen. Dabei steht in Briefen an diese Gefangenen zu lesen, wie besorgt
man um das Schicksal dieser "heldenhaften" Soldaten sei - man weint ganz offensichtlich Krokodilstränen.
Diese Dinge wurden am 31. August von dem amerikanischen Chefdelegierten
in Paris, Botschafter William Porter,ganz klar ausgesprochen, und er hat Hanoi
sicherlich nicht zu Unrecht der Heuchelei beschuldigt. Auch Porter erinnerte
daran, daß die Vereinigten Staaten niemals vollständig abziehen würden, ehe

- 3-

�ehe nicht die Kriegsgefangenen frei sind.
Im Laufe der Jahre haben die Vereinigten Staaten und Südvietnam eine ganze
Reihe von Vorschlägen für einen Gefangenaustausch gemacht, aber diese verhallten ebenso ungehört wie alle internationalen Appelle. Im Oktober 1970 hatte
Präsident Nixon bereits die Freilassung aller Kriegsgefangenen auf beiden
Seiten vorgeschlagen. Im Dezember folgte Südvietnam mit dem Angebot der Freilassung aller 8500 nordvietnamesischen Gefangenen
alliierten

gegen die Freilassung der

Kriegsgefangenen in nordvietnamesischer Hand,

Im Januar 1971 schlug Südvietnam den Austausch aller verwundeten und
kranken Kriegsgefangenen vor. Im Frühjahr 1971 ging Hanoi schließlich auf
die Freilassung von 570 kranken und verwundeten Nordvietnamesen ein - lehnte
jedoch das Angebot Saigons dann ab, als sich herausstellte, daß nur 13 der
Männer nach Nordvietnam zurückkehren wollten.
Die Mißachtung der Genfer Konvention durch Nordvietnam hat nicht nur in
den Vereinigten Staaten, sondern auch in der ganzen zivilisierten Welt tiefe
Besorgnis ausgelöst. Die Internationale Konferenz des Roten Kreuzes im Jahre
1969 forderte den vollsten Schutz der Gefangenen im Sinne der Konvention und
im Jahre 1971 brachte die Vollversammlung der Vereinten Nationen ihre Besorgnis über das Schicksal der Kriegsgefangenen zum Ausdruck. Zahlreiche Länder
haben sich als neutrale Gewahrsamsmacht angeboten.
Hanoi hat auf all diese Appelle nicht reagiert. Es hat die Genfer Konvention verletzt, indem es keine neutrale Inspektion der Gefangenenlager zuließ; indem es die Namen von Gefangenen nicht sofort mitteilte - und wenn nur unvollständige Angaben machte, indem es keinen regelmäßigen und garantierten
Postverkehr mit den Angehörigen zuließ, indem es die Gefangenen unzulänglich
ernährt, indem es Gefangene jahrelang in Einzelhaft hielt und noch hält.
Hanoi stellt sich taub.

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USA WOLLEN INTERNATIONALE WÄHRUNGSREFORM AN DER WURZEL ANPACKEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten hoffen, daß der am 6. September
veröffentlichte Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) über "die Reform des Internationalen Währungssystems" dazu beitragen wird, die Aufmerksamkeit auf die eigentlichen politischen Fragen zu lenken, die gelöst werden
müssen, wenn eine solche Reform durchgeführt und zum Abschluß gebracht werden
soll.
Nach Ansicht maßgebender amerikanischer Regierungskreise haben die früheren,
vom IWF ausgearbeiteten Entwürfe sich zu sehr mit technischen Fragen befaßt und
den grundlegenden politischen Entscheidungen,die von den einzelnen Regierungen
getroffen werden müssan, zu wenig Aufmerkdamkeit geschenkt. Ein wichtiges Ziel
der USA in den Beratungen des IWF-Direktoriums war es daher, sicherzustellen,
daß der endgültige Entwurf der Studie die politischen Auswirkungen der technischen Alternatiworschläge für die folgenden Erörterungen klar aufzeigt.
Der aus den Beratungen der Exekutivdirektoren hervorgegangene, wesentlich
modifizierte Entwurf ist nicht als endgültige Arbeitsgrundlage für die Reform,
sondern lediglich als ein Versuch zu werten, die Regierungen und die Öffentlichkeit mit den Fragen vertraut zu machen, um die es hier geht.
Eine der wichtigsten Fragen, denen sich die Regierungen gegenübersehen,
ist, wie restriktiv oder flexibel die neuen internationalen Verhaltensregeln
sein sollen und wie sie auf internationaler Ebene durchgesetzt werden können.
-

I

-

�können. Diese Fragen müssen, wie von amerikanischer Seite betont wird, gelöst
sein, bevor die Vereinigten Staaten eine Entscheidung darüber treffen können,
welchem internationalen Währungssystem sie letztlich den Vorzug geben werden.
Wenn die neuen Verhaltensregeln für alle gleich und fair angewandt werden,
wenn sie von allen Ländern akzeptiert worden sind und wenn sie in allen Ländern
durchgesetzt werden können, dann könnten die Vereinigten Staaten sich auch bereit finden, ein System zu akzeptieren, das die Handlungsfreiheit der einzelnen
Regierungen stark einschränkt. Wenn jedoch die Möglichkeit offen bleibt, daß
einzelne Regierungen von den angestrebten Verhaltensregeln abweichen können,
dann würden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich ein weniger starres System
bevorzugen.
Der neue IWF-Bericht bestätigt, daß sich zwischen den großen Handelsnationen ein Konsensus hinsichtlich einiger wichtiger Prinzipien für eine Reform
des internationalen Währungssystems herausgebildet hat. Aber hinsichtlich der
Verwirklichung dieser Prinzipien bestehen noch schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten und Zweifel.
Es besteht allgemein

Übereinstimmung, daß das neue internationale Währungs-

system symmetrischer sein muß als das alte System von Bretton Woods, an dessen
Stelle es treten soll. Dies bedeutet unter anderem, daß der US-Dollar in stärkerem
Maße die gleiche Behandlung erfahren muß wie die Währungen anderer Länder.
Die meisten Länder müssen, sobald ihre Ausgaben im Ausland ihre Einnahmen
dort übersteigen, das hieraus resultierende Defizit durch Transfer von Reserven seien es Gold, Devisen oder IWF-Sonderziehungsrechte - an andere Regierungen
finanzieren, oder sie müssen sich Devisen beim IWF leihen oder anderweitige internationale Kreditvereinbarungen treffen.
Unter dem alten System konnten die Vereinigten Staaten - da der US-Dollar
von den anderen Ländern in hohem Maße als Reservewährung benutzt wurde - ihre
Zahlungsbilanzdefizite gelegentlich über eine Erhöhung der von den ausländischen
Zentralbanken gehaltenen Dollarbestände finanzieren. Um dieser Asymmetrie ein
Ende zu bereiten,hat der IWF-Bericht die Einführung eines Währungsreserven-

- 2-

�Währungsreserven-Ausgleichsystems (Asset Settlement System), also eine neue
Form der Konvertierbarkeit, vorgeschlagen. Bei einem derartigen System würde
jedes amerikanische Zahlungsbilanzdefizit umgehend - zum Ausgleich - zu einem
Abfluß von Währungsreserven aus den Vereinigten Staaten führen. Gleichzeitig
würde ein neuer Mechanismus geschaffen, der sicherstellt, daß amerikanische
Zahlungsbilanzüberschüsse nicht lediglich - zum Ausgleich -, zu einem Abbau also Rückfluß - von Dollarbeständen des Auslandes führen, sondern den Vereinigten Staaten zusätzliche Reserveguthaben - wie zum Beispiel Sonderziehungsrechte - bringen würden.
Ein solches System des Ausgleichs über die Währungsreserven würde die Vereinigten Staaten sehr schenll dazu zwingen, ein Zahlungsbilanzdefizit direkt
zu bereinigen. Die meisten anderen Länder hingegen hätten, sob ald sie einem
solchen Druck ausgesetzt sind, den Ausweg, den Wechselkurs ihrer Währungen
gegenüber anderen Währungen zu ändern, um so ihr Defizit zu korrigieren. Unter
dem bis zum 15. August letzten Jahres praktizierten Währungssystem (also bevor
Präsident Nixon die Konvertierbarkeit des US-Dollar in Gold aussetzte) hatten
die Vereinigten Staaten praktisch keine Möglichkeit, den Wechselkurs ihrer
eigenen Währung wirksam zu steuern. Der internationale Kurswert des US-Dollar
wurde ausschließlich durch die Wechselkurspolitik der anderen Länder bestimmt,
die den Kurswert ihrer Währungen an dem Dollar orientierten.
Ein "Asset Settlement System", also ein System des Ausgleichs über die
Währungsreserven, das den Vereinigten Staaten nicht erlauben würde, zur Korrektur von Zahlungsbilanzdefiziten ebenfalls den Wechselkurs des US-Dollar zu
ändern, würde unter gewissen Umständen die USA zu einer ungeeigneten Binnenwirtschaftspolitik zwingen, die zu Depression und hoher Arbeitslosigkeit führen
könnte.
Daß die Vereinigten Staaten ebenfalls ein gewisses Maß an Kontrolle über
den Wechselkurs des US-Dollar haben sollten und müßten, ist ein zweiter wichtiger Aspekt der Frage der Symmetrie, über die prinzipielle Übereinstimmung
zu bestehen scheint. Wie in dem Bericht hervorgehoben wird, würde eine wirkliche Symmetrie voraussetzen, daß die Vereinigten Staaten nicht nur das Recht
haben müßten, von sich aus Kurswertänderungen vorzunehmen, sondern daß er-

- 3-

�erforderliche Anpassungen der Dollarparität auch nicht durch defensive Anpassungen des Kurswertes anderer Währungen wieder aufgehoben werden dürften.
Nach amerikanischer Auffassung steht ein solches System für einen Ausgleich
der Zahlungsbilanzen in engem Zusammenhang mit der Frage der Wechselkursanpassungen sowie anderen Problemen. Die Vereinigten Staaten wären möglicherweise
durchaus bereit, ein starres System des Zahlungsbilanzausgleiches über die
Währungsreserven zu akzeptieren, wenn auch auf anderen Gebieten des Währungssystems die Einhaltung fester Regeln ausreichend gewährleistet ist. Dazu gehören feste Vereinbarungen über Anpassungsmaßnamen, die Garantie, daß Länder
mit dauernden Zahlungsbilanzüberschüssen ebenso Anpassungen vornehmen müssen
wie Defizitländer, sowie Mittel und Wege, um die Einhaltung der neuen Regeln
im Notfall erzwingen zu können.
Von amerikanischer Seite wird bezweifelt, ob alle anderen Länder bereit
wären, sich einem solchen Gesamtrahmen von festen Regeln zu unterwerfen, wie
sie ein starres "Asset Settlement System" voraussetzt. Bei den Gesprächen der
Exekutivdirektoren haben die Vereinigten Staaten darauf bestanden, daß diese
und andere Fragen geklärt sein müssen, bevor man iavon ausgehen kann, daß ein
solches System für einen Ausgleich der Zahlungsbilanzen wirklich der beste
Weg ist.
Da all diese Fragen in einem so engen Zusammenhang miteinander stehen,
ist es für die Vereinigten Staaten, wie von amerikanischer Seite unterstrichen
wird, unmöglich, zu irgend einem Aspekt der Reform des internationalen Währungssystems - zum Beispiel den Vorschlägen " ir einen Ausgleich über die Währungsreserven - eindeutig Stellung zu nehmen, so lange sie nicht auch die anderen
Aspekte des neuen Währungssystems kennen.
Und bevor ein solches ineinandergreifendes System von Reformmaßnahmen
akzeptiert werden kann, werden die einzelnen Regierungen einige sehr wichtige
und grundlegende politische Entscheidungen treffen müssen. Sowohl in den Vereinigten Staaten wie auch in den anderen Ländern sind noch längst nicht alle
diese grundlegenden Entscheidungen getroffen worden.
Die

- 4-

�Die Vereinigten Staaten, so betont man in Washington, wollen eine
richtige Reform, und wenn sichergestellt ist, daß sie richtig ist, dann
wollen sie sie auch rasch.

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USA WOLLEN EXPORTKONTROLLEN WEITER ABBAUEN
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung will - mit Billigung und
auf ausdrückliches Verlangen Des Kongresses - ihr Programm zum Abbau der Exportkontrollen für Ausfuhren nach den kommunistischen Ländern weiter beschleunigen.
Bei :er Verlängerung des "Export Administration Act von 1969" hatte der
amerikanische Kongreß im August dieses Jahres einen raschen Abbau aller einseitigen Exportkontrollen gefordert. Ausgenommen sollten nur solche Kontrollen
sein, die aus Gründen der nationalen Sicherheit für notwendig erachtet werden.
Gleichzeitig hatte der Kongreß die Regierung aufgefordert, innerhalb von neun
Monaten einen Bericht darüber vorzulegen, in wie weit die in den USA bestehenden
Exportkontroi:en sich von denen anderer freier Länder unterscheiden. Seitens der
Regierung, die selbst die Verlängerung dieses Gesetzes beantragt hatte, war bei
diesem Anlaß erneut betont worden, daß alles für einen raschen Abbau der Kontrollen für den Warenexport nach der Sowjetunion, der Volksrepublik China und
den übrigen kommunistischen Ländern getan werden wird.
Das Gesetz kennt drei große

^reiche von Exportkontrollen: Erstens, aus

nationalen Sicherheitsgründen verhängte Exportkontrollen, zweitens, aus anderen
außenpolitischen Erwägungen verfügte Exportkontrollen und drittens, Exportkontrollen zur Vermeidung von Warenverknappungen auf dem Binnenmarkt.
Gera !e
- 1 -

�Gerade auf dem ersten, dem nationalen Sicherheitsbereich, sind die Exportkontrollen ständig liberalisiert worden. Zahlreiche dieser Kontrollen waren in
Übereinstimmung mit den NATO-Verbündeten und Japan verhängt worden. Darüber
hinaus gab es eine von den USA aufgestellte Liste von Exportgütern,deren Ausfuhr einer Kontrolle unterliegt. Diese Liste wird laufend überprüft und ist
ständig verkleinert worden. Wie große Fortschritte hierbei gemacht worden sind,
zeigt allein schon die Tatsache, daß die USA 1971 nach der Sowjetunion Waren
im Werte von rund 160 Millionen Dollar - über die Hälfte davon aufgrund von
Sonderlizenzen - exportiert haben, während in diesem Jahr bereits Sonderlizenzen für die Ausfuhren nach der Sowjetunion von Exportgütern mit einem Warenwert
von 1270 Millionen Dollar ausgestellt worden sind. Allerdings muß hierzu bemerkt werden, daß die tatsächlich realisierten Ausfuhren bei weitem nicht diese
Höhe erreichen, da häufig mehrere, sich um den gleichen Auftrag bemühende
Firmen im Voraus eine Lizenz zuerteilt erhalten. Doch dürfte diese Zahl bereits
eindeutig erkennen lassen, in welchem Maße die Ausfuhr nach der Sowjetunion
liberalisiert worden ist. Unabhängig von den erteilten Sonderlizenzen werden
außerdem zahlreiche Güter aufgrund einer allgemeinen Lizenz exportiert, die
nicht mehr als strategisch wichtig erachtet werden und für deren Ausfuhr daher
keine Sonderlizenz mehr erforderlich ist. Dagegen werden nur relativ wenig
Lizenzanträge aus Sicherheitsgründen abgelehnt; im letzten Jahr belief sich ihr
Wert auf noch nicht sechs Prozent der Gesamtexporte, wobei es sich meist um
Waren handelte, die auch für militärische Zwecke verwandt werden

können. Aus-

schlaggebend für eine Lizenzerteilung - auch wenn es sich um strategisch wichtige
Güter handelt - ist, ob vergleichbare Erzeugnisse anderer westlicher Länder verfügbar und ob diese Güter für eine friedliche Verwendung bestimmt sind.
Der Kongreß ist jedoch um eine noch weitergehende Liberalisierung der Kontrollisten bemüht und hat daher das Handelsministerium beauftragt, innerhalb von
neun Monaten weitere Liberalisierungsvorschläge zu unterbreiten. Bei der Entscheidung darüber, welche Kontrollen künftig entfallen können, soll ein Beirat
der Industrie das Handelsministerium beratend unterstützen. Das Handelsministerium, das für die Durchführung der Kontrollen verantwortlich zeichnet, hat bereits angekündigt, daß es an diese Aufgabe "positiv" herangehen werde, und der
Leiter des Amtes für Exportkontrollen hat betont, daß das Ministerium die Aus-

-

I

-

�Ausweitung des Handels zu fördern und die Beschränkungen auf ein Minimum zu
reduzieren trachte. Das Handelsministerium stimme mit der Wirtschaft darin
überein, daß die Lizensierungsbestimmungen weiter liberalisiert werden sollten.
So sind denn auch die Firmen der Raumfahrtindustrie,der elektronischen und
der

caamischen Industrie aufgefordert worden, dem Handelsministerium Vor-

schläge zu unterbreiten, welche Waren aus der Kontrolliste

genommen werden

könnten. Den Erfolg dieser ständigen Bemühungen des Handelsministeriums zeigt
die Tatsache, daß die Zahl der Anträge auf eine Ausnahmegenehmigung, die vor
drei Jahren noch fast 600 pro Tag betrug, heute bereits auf die Hälfte zurückgegangen ist.
Im vorigen Jahre hat Präsident Nixon das Exportembargo für Ausfuhren nach
der Volksrepublik China aufgehoben. Damit gelten jetzt für Ausfuhren dorthin
die gleichen Lizensierungsbestimmungen wie

für Exporte nach der Sowjetunion

und den meisten osteuropäischen Ländern. Dagegen bleibt das Exportembargo
für Ausfuhren nach Kuba, Nordkorea und Nordvietnam weiterhin bestehen. Doch
auch hier hat es verschiedentlich Ausnahmen gegeben. So wurden ein medizinisches
Labor sowie Ausrüstungen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung für die Ausfuhr
nach Kuba freigegeben.
Bei dem zweiten Bereich von Exportkontrollen handelt es sich um solche,
die aus außenpolitischen und nicht aus Sicherheitserwägungen verfügt worden
sind. So halten sich die Vereinigten Staaten zum Beispiel an die Resolutionen
des Weltsicherheitsrates über ein Embargo für Warenexporte nach Rhodesien und
für die Ausfuhr militärischer Güter nach Südafrika. Weiter wird von Seiten der
amerikanischen Regierung die Ausfuhr militärischer Güter nach den Ländern des
Nahen Ostens sowie den portugiesischen Besitzungen in Afrika überwacht und
kontrolliert. Aufgrund des Atomsperrvertrages unterliegt ferner die Weitergabe
solcher Güter und technologischen Kenntnisse an andere Länder einer strikten
Kontrolle, die dort für die Entwicklung oder Erprobung nuklearer Waffen verwandt
werden könnten.
In

- 3-

�In den dritten Bereich von Exportkontrollen, um Verknappungen auf dem
amerikanischen Binnenmarkt zu vermeiden, fallen nur wenige Waren. So war in
der Vergangenheit unter anderem die Ausfuhr von Kupfer- und Nickelerzeugnissen
gewissen Beschränkungen unterworfen. Das gleiche galt auch für die Ausfuhr von
Rinderhäuten, doch haben jetzt beide Häuser des Kongresses einem Einspruch der
Viehzüchter stattgegeben, so daß Häute in dem n ?uen Verlängerungsgesetz aus
den Exportkontrollen genommen wurden.

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\T3^ÖSSTER TEILCHEN-BESCHLEUNIGER DER WELT BETRIEBSBEREIT
l/AL-Anlage in Batavia (Illinois) soll 500 GeV leisten

- (AD) - Die technischen Schwierigkeiten, die den Beginn der wissenschaftlichen Arbeit am größten amerikanischen Teilchenbeschleuniger fast ein Jahr
lang verzögerten, sind überwunden. "National Accelerator

Laboratory" (NAL -

Nationales Beschleunigerlaboratorium) heißt die riesige neue Anlage der USAtomenergie-Kommission in Batavia, in der Nähe von Chicago im Bundesstaat
Illinois. Für ihren Betrieb ist ein Universitäten-Konsortium verantwortlich.
Es setzt sich aus den Vertretern 51 amerikanischer Hochschulen und einer kanadischen Hochschule zusammen. Zu dem ca. 1000 Personen umfassenden Mitarbeiterstab des Laboratoriums, das Dr. Robert Wilson leitet, zählen viele bekannte
Hoch nergiephysiker. Auch Spezialisten aus anderen Ländern - so aus Westeuropa,
Australien, Israel, Indien und Japan - stehen lie Institute offen, wenn Experimente unter Höchstenergiebedingungen durchzuführen sind.
Die Beschleunigungsleistung der "Maschine" ist auf 500 Milliarden Elektronenvolt (GeV) berechnet, 300 GeV wurden im Juli 1972 erstmals erreicht. Im Vergleich dazu leistet der bisher stärkste amerikanische Protonenbeschleuniger von
Brookhaven bei New York 33 GeV, der stärkste Beschleuniger in der Sowjetunion
76 GeV. im Prinzip geschieht in Batavia dasselbe wie an anderen großen Maschinen
auch: Protonen (Kerne von Wasserstoffatomen, denen das Elektron entzogen ist),
werden in Magnetfeldern, die 1000 Zwanzig-Tonnen-Magnete erzeugen, auf eine Geschwindigkeit gebracht, die fast der des Lichts entspricht. Zu einem Strahl gebündelt richtet mannu.: die Protonen auf ein "Target", d.h. eine Zielsubstanz, in

-

1 -

�in der viele Atome durch den Aufprall der Protonengeschosse zertrümmert werden.
Diese Wirkungen am Target - die Zertrümmerungsvorgänge, die dabei entstehenden Materieteilchen, die freiwerdenden Energien, die Wechselwirkungen von Materie
und Energie sowie von Materieteilchen - genau zu analysieren ist die Aufgabe der
experimentellen kernphysikalischen Forschung. Nicht alle tatsächlich auftretenden
Reaktionen oder Reaktionsketten sind zu beobachten. Auf viele kann nur indirekt
an Hand von Indizien und Berechnungen geschlossen werden. Die Resultate aber
geben Hinweise auf die Struktur der Atomkerne und auf die in ihnen gebundenen
Kräfte.
Vom NAL hoffen die Physiker unvergleichlich bessere Hinweise als von Experimenten mit Maschinen geringerer Leistung insofern zu bekommen, als hier die
Möglichkeit besteht, den Atomkern nach seiner Feinstruktur auszuloten. Denn
ungeachtet der mehr als 100 subatomaren Teilchen, die bis jetzt als Kernpartikel
identifiziert wurden, gibt es viele Lücken und Fragen in bezug auf die Struktur
der Materie und ihre Grundeinheiten.
Die Bauarbeiten für das Beschleunigerlaboratorium in Batavia begannen im
Jahr 1968. Der ursprünglich dafür bereitgestellte Betrag von 350 Millionen
• lar wurde in der Folgezeit vom US-Kongreß um 100 Millionen Dollar gekürzt.
Dies veranlagte Dr. Wilson, eine Anzahl von Änderungen an der gesamten Auslegung
des Projekts vorzunehmen, um dennoch Wege zu finden, die gestreckten Ziele für
die Wissenschaft zu erreichen. Auf einen 2750 Hektar großen Areal wurden insgesamt drei Beschleunigungsanlagen errichtet - ein als Linearbeschleuniger ausgelegter "Injector" zum Einschießen der Protonen, ein Zwischenbeschleuniger
und der Hauptbeschleuniger. Ihre höchsten Energien erreichen die Protonen auf
der ringförmig angelegten Rennbahn, wo sie durch starke Magnetfelder immer
größere Geschwindigkeiten bekommen und gleichzeitig auf Kurs gehalten werden.
Die Ringanlage allein hat 1,6 km Durchmesser.

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37/1972

GIFTSTOFFE IN DER NATUR
Ökologische Untersuchungen zu Nitraten und Quecksilber

- (AD) - Im Rahmen eines Forschungsauftrags, für den die "National
Science Foundation" (amerikanische Nationalstiftung für die Wissenschaft)
1,2 Millionen Dollar bereitstellte, untersucht eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien (Riverside) die ökologischen Auswirkungen von Stickstoffdünger auf Oberflächen- und Grundwasser im Bereich
künstlich bewässerter Kulturen. Stickstoff, wichtiger Pflanzennährstoff und
praktisch unentbehrlich für die Steigerung der Ernteerträge, kann bei übermäßiger Dosierung zu hohen Nitratkonzentrationen in Bächen und Flußläufen,
Teichen und Seen und selbst in unterirdischen Wasserspeichern führen. Die
Studie, an der 20 Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen beteiligt
sind und die ca. sechs Jahre dauert, wird von Dr. Parker F. Pratt, dem
Direktor des Departments für Bodenforschung und Agrartechnik der kalifornischen
Staatsuniversität in

Riverside

geleitet.

Testareal sind die künstlich bewässerten Gebiete Kaliforniens. Die Ergebnisse werden jedoch für alle 17 West- und Südstaaten der USA von großer
Bedeutung sein. Dort befinden sich landwirtschaftliche Flächen in der Ausdehnung von 17,2 Millionen Hektar unter künstlicher Bewässerung. Sie machen
10 Prozent der Anbauflächen in den Vereinigten Staaten aus; auf die betreffende
Bundesstaaten entfällt ein Viertel der gesamten landwirtschaftlichn Produktion
der USA.
Es

�Es gibt kaum brauchbare Alternativen für die Verwendung von Kunstdänger
auf Stickstoffbasis. Andererseits birgt seine Anwendung jedoch gesundheitliche Gefahren, wenn bestimmte Maximalmengen überschritten werden. Dr. Pratt
verweist insbesondere auf das Risiko des Auftretens einer Blutkrankheit,
der Methämoglobinämie. Dabei kommt es zu einer besonderen Form der Oxydation
des roten Blutfarbstoffs, des Hämoglobins. Es entsteht Hämiglobin, das den
Sauerstoff nicht mehr locker bindet, sondern fest an den Eisenbestandteil
gebunden hält. Unter solchen Bedingungen kann an das Gewebe kein Sauerstoff
abgegeben werden - dies führt zum Erstickungstod. Besonders gefährdet scheinen
Säuglinge im Alter bis zu vier Monaten zu sein, die Flaschennahrung bekommen.
Der Öffentliche Gesundheitsdienst der USA hat angesichts solcher Gefahren bereits seit längerer Zeit die Höchstkonzentration für Nitrate im Trinkwasser
auf 45 ppm ( = Anteile Stickstoff in einer Million Teile Wasser) festgesetzt.
Beim Einschleusen

von Quecksilber in die Nahrungskette und damit auch

in die menschliche Nahrung dürften nach Ansicht von Dr. Dennis Kenney (Universität Wisconsin) festwurzelnde Wasserpflanzen eine Schlüsselrolle spielen.
Sie nehmen in verseuchten Gewässern aus den Ablagerungen am Boden die für den
Menschen besonders gefährlichen organischen Quecksilberverbindungen auf, die
aus Abwässern von Industrie- und Landwirtschaftsbetrieben stammen. Auch aus
dem Wasser vermögen Pflanzen direkt Quecksilber zu absorbieren. Dr. Keeney
hält jedoch die Konzentrationen organischer Quecksilberverbindungen in den
Sedimenten, die durch abgestorbene Wasserpflanzen ansteigen können, für besonders gefährlich. Deshalb sollten in Gebieten, in denen quecksilberhaltige
Sedimente nachgewiesen werden, im Boden wurzelnde Wasserpflanzen entfernt
werden.
Daß eine Anreicherung von Quecksilber in Nahrungsmitteln nicht erst eine
Erscheinung des Industrie- und Technikzeitalters ist, zeigen allerdings Untersuchungen an Überresten von Speisefischen, die man bei Ausgrabungen im amerikanischen Mittelwesten und in Peru gefunden hat. Dr. Edwin Wilmsen, Kurator des
Anthropologischen Museums der Universität Michigan, berichtete kürzlich, daß
gelegentlich die Quecksilberkonzentration in Fischüberresten von Abfallhaufen,
die zu 300 bis 2000 Jahre alten Indianersiedlungen gehörten, durchaus mit jener
zu vergleichen ist, die heutzutage in Fischen ermittelt wird.
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37/1972

TEST SIGNALISIERT GEFAHR VON GEHIRNBLUTUNG

- (AD) - Mit Hilfe eines einfachen Tests, der nicht länger als fünf
Minuten in Anspruch nimmt, lassen sich Strömungsbedingungen in bestimmten
Blutgefäßen des Gehirns erfassen, die auf einen bevorstehenden Schlaganfall
hindeuten. Dr. Herbert I. Machleder und Dr. Wiley F. Barker von der Universitätsklinik der Universität Kalifornien in Los Angeles berichteten auf
der Tagung der "International Cardiovascular Society" im Juni in Carmel
(Kalifornien) über ihre bisherigen Erfahrungen mit dem neuen Test. Er erwies
sich als durchaus brauchbar und aufschlußreich, um solche Patienten ausfindig
zu machen, bei denen die Gefahr einer Gehirnblutung oder einer Unterbrechung
der Blutversorgung gewisser Hirnpartien durch Blockierung der inneren Hirnarterie infolge sklerotischer Prozesse bestand. Die rechtzeitige Einleitung
einer Präventivbehandlung kann in vielen Fällen zum Erfolg führen. Allgemein
angewandt, dürfte der Test nach Meinung der beiden Mediziner viele Schlaganfälle verhindern. In den USA allein werden jährlich ca. 1,5 Millionen
Fälle von Gehirnblutung mit mehr oder minder ernsten Auswirkungen verzeichnet.
Nach der Besch jibung Dr. Machleders wird ein hochempfindliches
elektronisches Gerät wie ein Stethoskop auf die Stirn unmittelbar über dem
Auge aufgesetzt. Es mißt und verstärkt die Schallwellen, die das durch eine
Oberflächen, terie strömende Blut erzeugt. Das mit Hilfe eines DoppierStrömungsmessers gewonnene "Schallmuster", das aufgezeichnet wird, läßt zuverlässige Rückschlü- ;e auf die Strömungsbedingungen in der Aorta carotis
interna und in ihren Hauptästen zu.
+ +++ +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Genfer Abrüstungskonferenz beendete konstruktive Sitzungsperiode&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten Michael Omara&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hanoi stellt sich taub&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Alle Kriegsgefangenen-Apelle verhallen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wollen internationale Währungsreform an der Wurzel anpacken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Exportkontrollen weiter abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Größter Teilchen-Beschleuniger der Welt betriebsbereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NAL-Anlage in Batavia (Illinois) soll 500 GeV leisten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Giftstoffe in der Natur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ökologische Untersuchungen zu Nitraten und Quecksilber&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Test signalisiert Gefahr von Gehirnblutung</text>
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7. September 1972

Inhalt
INFORMATION:
USA über Bluttat von München zutiefst bestürzt und empört
DOKUMENTATION:
Gemeinsame Erklärung Nixons und Tanakas von Honolulu
- Wortlaut Einzelheiten des amerikanisch-japanischen Handelsabkommens
- Wortlaut der Verlautbarung Erklärung Präsident Nixons zur Aufhebung der Wehrpflicht in den USA
- Wortlaut HINTERGRUND:
Wer im Glashaus sitzt ...
- Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewählt
Von unserem Sonderkorrespondenten
WIRTSCHAFT:
Vorbehalte Eberles zum Bericht der OECD-Sachverständigengruppe
- Wortlaut des Schreibens WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Vorläufiger Zeitplan für den Flug APOLLO 17
Umweltschutz: 287 Millionen Dollar bis 198p
- Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor Dem Vergiftungsmechanismus von Hexachlorophen auf der Spur
Amerikanisch-sowjetisches Projekt zur Krebsforschung
Virus-Theorie gewinnt an Boden
Von G. Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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36/1972

USA ÜBER BLUTTAT VON MÜNCHEN ZUTIEFST BESTÜRZT UND EMPÖRT

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben mit tiefer Bestützung
und Empörung auf die Nachricht von dem arabischen Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft in München reagiert und diese verabscheuungswürdige
Bluttat nachdrücklich verurteilt. Der amerikanische Präsident Nixon hat der
israelischen Ministerpräsidentin, Frau Golda Meir, wie auch den Familien der
unschuldigen Opfer sein tiefempfundenes Beileid übermittelt. Gleichzeitig hat
der amerikanische Präsident Außenminister Rogers beauftragt, in Kontakten mit
anderen Regierungen vordringlich zu prüfen, welche kollektiven Maßnahmen gegen
den Terror ergriffen werden können.
Das Beileidstelegramm Präsident Nixons an Frau Golda Meir hat folgenden
Wortlaut:

"Hochverehrte Frau Ministerpräsidentin:
Amerika fühlt zutiefst mit Ihnen, den trauernden Familien und dem israelischen Volk in diesem Unglück, das über Ihre Olympiamannschaft hereingebrochen
ist. Diese

tragische und sinnlose Tat ist ein Anschlag auf alle die Hoffnungen

und Sehnsüchte der Menschheit, die in den olympischen Spielen ihren Ausdruck
finden. In weiterem Sinne ist dies eine Tragödie für alle Völker und Länder der
Welt. Wir betrauern mit Ihnen den Tod Ihrer unschuldigen und prächtigen Athleten, und wir teilen mit Ihnen die Entschlossenheit, daß der Geist der Brüderlichkeit und des Friedens, den sie vertraten, letzlich obsiegen wird.
In aufrichtiger Anteilnahme
Richard Nixon"

�Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter
George Bush, erklärte auf einer Gedenkfeier in New York:

"Als Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen und als
Mensch bin ich erschüttert über die gestrigen Ereignisse. Der hinterhältige Angriff, der das Leben dieser Olympiakämpfer forderte, erinnert uns erneut daran,
wie sehr politische Motive selbst diese Arena geführden können, in der nur
Friede und internationale Eintracht herrschen sollten.
Diese paar Männer haben mit ihren Gewalttaten versucht, den Geist der Spiele
für die Tausende von Männern und Frauen aus allen Ländern und die begeisterten
Zuschauer aus aller Welt zu vernichten.
Nirgendwo empfinden wir dies unmittelbarer als in den Vereinten Nationen,
die trotz allem eine große Hoffnung auf internationale Zusammenarbeit und
Frieden bilden.
Der einzige Trost, den ich Ihnen in diesem Augenblick geben kann, ist,
Sie an die Verheißungen des Propheten Jesaja zu erinnern, der einst sagte:
'Den Tod wird er auf ewig verschwinden lassen, die Tränen wird Gott der Herr
von jedem Antlitz abwischen und die Schmach seines Volkes überall auf der Erde
tilgen'."

Auch der amerikanische Senat hat in einer einstimmig angenommenen Entschließung seiner tiefen Sorge und Bestürzung über diese Bluttat Ausdruck gegeben, der elf israelische Olympiakämpfer zum Opfer fielen, und dem israelischen
Volke sowie den trauernden Familien seine aufrichtige Anteilnahme ausgesprochen..
Der amerikanische Außenminister Rogers gab ebenfalls seiner Bestützung
und Empörung Ausdruck und forderte vor dem Rechtsausschuß der Organisation für
die zivile Luftfahrt (ICA) entschlossene und unverzügliche Maßnahmen, um
künftige Terrorakte und jede Luftpiraterie zu verhindern.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich

�"Ich danke Ihnen und den Mitgliedern dieser Konferenz für die mir erteilte Gelegenheit, heute hier vor Ihnen zu sprechen.
Ich weiß, daß Sie mit mir das tiefe Gefühl der Empörung und der Trauer
über die sinnlosen und tragischen Geschehnisse teilen, durch die die Olympischen
Spiele so sehr beeinträchtigt wurden. Die von extremistischen Terroristen verübten Morde sind mehr als Verbrechen, die gegen die Bürger eines einzigen Landes
begangen wurden. Es ist der Geist, den die olympischen Spiele verkörpern - der
Geist der Brüderlichkeit und des freundschaftlichen Wettkampfs unter den Völkern
der gesamten Welt - der durch diese Wahnsinnstat aufs schwerste herausgefordert
worden ist.
In dieser Zeit der Trauer müssen sich alle Menschen guten Willens fragen,
was können wir tun, um sicherstellen zu helfen, daß solche Verbrechen nicht
mehr vorkommen? Denn solche Verbrechen gefährden mit Sicherheit die Hoffnungen
auf eine friedlichere Welt. Wir brauchen uns hier auf dieser Konferenz nur
daran zu erinnern, daß die Münchner Attentäter versuchten, ein Flugzeug in ihre
Gewalt zu bekommen, es zu entführen, um damit ihre Flucht zu bewerkstelligen.
Wir brauchen nur daran zu denken, daß Drohungen und Gewaltakte gegen den internationalen Luftverkehr ein Aspekt - aber ein sehr bedeutsamer Aspekt - des
internationalen Terrors sini,der das Leben unschuldiger Personen ohne Rücksicht
auf ihre Nationalität gefährdet.
Die internationale Gemeinschaft muß entschlossene und unverzügliche Maßnahmen treffen, um jede Luftpiraterie wirksam zu verhindern. Wenn uns das gelingt, dann werden wir alle Terroristen und potentiellen Terroristen um eine
ihrer wirksamsten Waffen gebracht und einen entscheidenden Schritt getan haben,
um internationale; Terror und Mißachtung der Gesetze Einhalt zu gebieten.
Wir in den Vereinigten Staaten sind in dieser Hinsicht aktiv tätig. Der
Präsident hat mich soeben darüber unterrichtet, daß er heute dem Senat die
Sabotage-Konvention von Montreal zuleitet, mit der dringenden Bitte, sie zu
ratifizieren. Darüber hinaus richte ich einen nachdrücklichen Appell an den
Kongreß, die ihm vorliegende Gesetzesentwürfe unverzüglich zu behandeln, um
unsere Gesetze gegen Luftpiraterie weiter zu stärken und schwere Strafen für

�für Verbrechen gegenüber Diplomaten zu ermöglichen. Es erscheint mir klar,
daß, falls die Regierungen es versäumen, hier zu handeln, wir durch eben dieses
Versäumnis gerade zu solchen Verbrechen ermutigen, die zu bekämpfen wir hier
zusammengekommen sind.
Der internationale Luftverkehr ist ein wichtiges Element der Interdependenz, die in wachsendem Maße für die Welt in der wir leben kennzeichnend geworden ist. Nur eine starke und konzertierte Aktion seitens aller Staaten der
Welt wird die Gewähr für weitere Sicherheit der Flugpassagiere bieten. Ich
bitte sie mit aller Dringlichkeit, dies bei ihren Überlegungen zu bedenken.
Es ist nach meiner Ansicht unbedingt erforderlich, daß diese Konferenz
eine Konvention entwirft, die der Luftpiraterie und dem Terror ein Ende setzt.
Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen sehr für die mir gegebene Gelegenheit - so kurz sie auch war - hier vor ihnen zu erscheinen, um ihnen die Auffassung meiner Regierung, die Hoffnungen meiner Regierung, darzulegen,daß die
internationale Gemeinschaft wirksame Maßnahmen treffen kann, um solchen Akten
der Piraterie und des Terrors Einhalt zu gebieten.
In einer Welt, die auf so zahlreichen anderen Gebieten, wie Wissenschaft,
Medizin und Technologie, so fortschrittlich ist, erscheint es fast unvorstellbar, daß nicht auch Maßnahmen getroffen werden können, um solchen Untaten Einhalt zu gebieten, und ich weiß, daß Sie hier daran arbeiten, ein Ergebnis zu
erzielen, daß wir alle gerne erreichen möchten. Aber ich bin fest davon überzeugt, daß wir entschlossene, harte Maßnahmen treffen müssen, um überall auf
der Welt klar zu machen, daß verbrecherische Taten, kriminelle Akte gegen unschuldige Menschen auf gar keinen Fall eine akzeptierbare Methode sind, um irgend welche internationalen Probleme zu lösen, und gerade auf dem Gebiet der
Luftfahrt, die alle Menschen der Welt berührt, die hier betroffen werden können,
müssen wir einen Anfang machen.
Die amerikanische Regierung ist bereit, die entschlossensten und härtesten
Maßnahmen zu ergreifen, wenn die internationale Völkergemeinschaft sich daran
zu beteiligen bereit ist. Wir halten es für unerläßlich, jetzt zu handeln, und

- 4-

�und wir glauben, daß die sich jetzt in München zugetragenen, tragischen Ereignisse die Notwendigkeit eines sofortigen Handelns nur unterstreichen.
Ich danke Ihnen sehr für diese Gelegenheit und wünsche Ihnen für Ihre
weiteren Beratungen alles Gute."

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GEMEINSAME ERKLÄRUNG NIXONS UND TANAKAS VON HONOLULU
- Wortlaut -

HONOLULU, HAWAII - (AD) - Die von Präsident Nixon und dem japanischen
Ministerpräsidenten Tanaka am 1. September

zum Abschluß ihrer zweitägigen

Gespräche herausgegebene gemeinsame Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"1. Ministerpräsident Tanaka und Präsident Nixon trafen am 31. August
und 1. September auf Hawaii zu umfassenden Gesprächen über eine Reihe von
Fragen gemeinsammen Interesses zusammen. Die Gespräche wurden in einer Atmosphäre der Herzlichkeit und des gegenseitigen Vertrauens geführt, die der
langen Freundschaft zwischen Japan und den Vereinigten Staaten entspricht.
Beide Staatsmänner gaben der Hoffnung Ausdruck, daß ihr Treffen den Beginn
eines neuen Kapitels in der Entwicklung noch engerer Bande zwischen beiden
Ländern ankündigen werde.
2. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die derzeitige
internationale Lage und die Aussichten für eine Verringerung der Spannungen
und eine friedliche Lösung der gegenwärtigen Probleme der Welt, vor allem was
Asien anbetrifft. Es wurde unterstrichen, daß die Aufrechterhaltung und Stärkung der engen Bande der Freundschaft und der Zusammenarbeit zwischen beiden
Ländern einen wichtigen Faktor für Frieden und Stabilität in einer sich ständig
weiter entwickelnden internationalen Situation bedeuten. Beide Staatsmänner bekräftigten die Absicht der beiden Regierungen, den zwischen den beiden Ländern
abgeschlossenen Vertrag über Gegenseitige Zusammenarbeit und Sicherheit fort-

- 1 -

�fortzusetzen, und sie vereinbarten, daß beide Länder weiterhin im Rahmen enger
Konsultationen zusammenarbeiten werden, um eine reibungslose und wirksame
Durchführung des Vertrages sicherzustellen.
3. Bei der Erörterung der zunehmenden Anzeichen für Frieden und Stabilität
in Asien haben der Ministerpräsident und der Präsident die kürzliche Aufnahme
des Dialogs auf der koreanischen Halbinsel sowie die wachsenden aktiven Bemühungen der asiatischen Länder um Autarkie und regionale Zusammenarbeit begrüßt, und sie teilten die Hoffnung, daß ein baldiger Friede in Indochina erreicht werden kann. Der Ministerpräsident und der Präsident erkannten an, daß
die kürzlichen Besuche des Präsidenten in der Volksrepublik China und in der
UdSSR einen bedeutsamen Fortschritt bedeuteten. In diesem Zusammenhang teilten
sie die Hoffnung, daß der bevorstehende Besuch des Ministerpräsidenten in der
Volksrepublik China ebenfalls dazu dienen werde, die Bestrebungen um einen Abbau der Spannungen in Asien zu fördern.
4. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die von den Vereinigten Staaten und der UdS.iR kürzlich erreichten Abkommen über die Begrenzung der ballistischen Raketenabwehr (ABM) sowie das Interimsabkommen über die
Begrenzung strategischer Offensivraketen, und sie stimmten darin überein, daß
derartige Maßnahmen einen wichtigen Schritt voran darstellten, um die strategischen Rüstungen zu begrenzen und zum Weltfrieden beizutragen. Sie vereinbarten, Konsultationen über die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Kontrolle
der strategischen Rüstungen zu führen.
5. Der Ministerpräsident und der Präsident führten einen Gedankenaustausch
auf einem weiten Gebiet von Fragen, die wirtschaftliche, handelspolitische
und finanzielle Themen betrafen. Der Ministerpräsident und der Präsident unterstrichen die große Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan
und den Vereinigten Staaten. Beide Staatsmänner gaben ihrer Überzeugung Ausdruck, daß ihre Gespräche zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern
bei der Behandlung wirtschaftlicher Fragen bilateraler wie auch weltweiter Natur
führen werden.
6. Der

�6. Der Ministerpräsident und der Präsident teilten die Auffassung, daß
eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems notwendig ist.
Sie sajten zu, daß ihre Regierungen schnell auf die Verwirklichung einer solchen Reform hinarbeiten würden. Was den Handel anbetrifft, so bekräftigten
sie die Zusagen beider Länder vom Februar 1972, im Jahre 1973 multilaterale
Handelsverhandlungen aufzunehmen und aktiv zu unterstützen, die sowohl Industrie wie auch Landwirtschaft einschließen. In diesem Zusammenhang wiesen
sie darauf hin, daß die bevorstehenden HandelsVerhandlungen durch Abbau der
Zölle und der nicht zollursächlichen Handelsschranken wie auch durch Bildung
eines multilateralen, nicht diskriminierenden Sicherheitsmechanismus die
Grundlage für eine weitere Ausweitung des Handels schaffen müssen.
7. Der Ministerpräsident und der Präsident stimmten darin überein, daß
beide Länder sich darum bemühen sollten, einen besseren Ausgleich ihrer
Zahlungsbilanz und ihrer Handelsposition zu erreichen. In diesem Zusammenhang legte der Präsident die von den Vereinigten Staaten ergriffenen Maßnahmen
dar, um ihre Handels- und Zahlungsbilanzposition zu verbessern, und er betonte,
daß die amerikanische Regierung amerikanische Firmen aufgefordert habe, das
Exportvolumen, vor allem nach Japan, durch höhere Produktivität und verbesserte
Marktforschung zu steigern. Der Ministerpräsident deutete an, daß die japanische Regierung ebenfalls versuchen werde, die Importe aus den Vereinigten
Staaten zu fördern, und daß die japanische Regierung die Absicht habe, das Ungleichgewicht innerhalb eines angemessenen Zeitraumes auf ein überschaubareres
Ausmaß zu reduzieren. Der Ministerpräsident und der Präsident stimmten darin
überein, daß es äußerst wertvoll wäre, wenn weitere Treffen auf hoher Ebene
zur Überprüfung der sich fortentwickelnden wirtschaftlichen Beziehungen stattfinden würden, und daß sie beabsichtigen, möglichst früh im Jahre 1973 eine
Konferenz des Gemeinsamen Amerikanisch-Japanischen Handels- und Wirtschaftsausschusses abzuhalten.
8. Der Ministerpräsident und der Präsident wiesen auf die Bemühungen beider
Lander hin, in Zusammenarbeit; mit anderen Industriestaaten dazu beizutragen,
den Entwicklungsländern in Asien und in anderen Gebieten der Welt Stabilität
und Prosperität zu bringen. Sie erkannten die Notwendigkeit eines ausreichenden

- 3-

�ausreichenden Maßes an staatlicher Entwicklungshilfe zu angemessenen Bedingungen an. Sie bekräftigten ferner die Absicht beider Regierungen, weiterhin
zur Stärkung der internationalen Finanzinstitutionen für die wirtschaftliche
Entwicklung der Entwicklungsländer beizutragen.
9. Der Ministerpräsident und der Präsident bekräftigten weiter die Notwendigkeit, die Bemühungen um eine Verbesserung des Verständnisses zwischen den
Völkern beider Länder für ihre Vergangenheit auf kulturellem, sozialem und
auf anderen Gebieten zu fördern. Sie stimmten ferner darin überein, daß neue
und verbesserte Austauschprogramme auf kulturellem und pädagogischem Gebiet
ein wichtiges Mittel hierzu darstellen. In diesem Zusammenhang unterstrich
der Präsident, er hoffe sehr, daß die Japan-Stiftung, die im Oktober dieses
Jahres ins Leben gerufen werden soll, erfolgreich arbeiten wird.
10. Der Ministerpräsident und der Präsident nahmen mit Genugtuung von
der wachsenden Zusammenarbeit der beiden Länder auf immer weiteren Gebieten
Kenntnis, die im Rahmen der Gemeinsamen Zielsetzungen erfolgt, Frieden und
Prosperität auf der Welt und den Wohlstand ihrer Landleute zu fördern. Sie vereinbarten, die bereits enge Zusammenarbeit der beiden Länder bei der Kontrolle
des illegalen Handels mit Rauschgift und anderen Drogen zu verstärken und zu
erweitern, und sie stimmten ferner hinsichtlich der Notwendigkeit überein, die
bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit bei der Erschließung und besseren
Nutzung der Energie- und Mineralvorkommen sowie bei den drängenden Problemen
des Umweltschutzes und der Kontrolle der Luftverschmutzung zu fördern. Sie
sagten zu, über die Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen weiterhin geeignete Hilfe zur Lösung der Probleme zu gewähren, die durch den zu
raschen Bevölkerungszuwachs entstanden sind.
11. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die Zusammenarbeit
bei der Erforschung des Weltraumes, darunter auch das von Japan angestrebte Ziel,
einen geostationären Nachrichtensatelliten sowie andere Nutzsatelliten aufzulassen. Der Präsident begrüßte das aktive Interesse und Studienprogramm Japans
bezüglich des Auflassens eines meteorologischen Satelliten zur Unterstützung
des weltweiten atmosphärischen Forschungsprogramms.
12. Der^
- 4-

�*
12. Der Ministerpräsident und der Präsident gaben ihrer Zufriedenheit
über ihre Gespräche Ausdruck und vereinbarten, weiterhin enge persönliche
Kontakte zu unterhalten."

+ + + + +

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36/1972

EINZELHEITEN DES AMERIKANISCH-JAPANISCHEN HANDELSABKOMMENS
- Wortlaut der Verlautbarung -

HONOLULU, HAWAII - (AD) - Präsident Nixon hat das bei seiner Zusammenkunft mit dem japanischen Ministerpräsidenten Tanaka zustandegekommene
Handelsabkommen begrüßt, in dessen Rahmen Japan zusätzlich Waren im Werte
von rund einer Milliarde Dollar in den USA kaufen wird, um den starken
japanischen Handelsüberschuß und damit das amerikanische Defizit abzubauen.
Das Abkommen wurde zwischen dem japanischen Stellvertretenden Vizeminister
für Außenhandel,Tsurumi, und dem amerikanischen Botschafter in Japan, Robert
Ingersoll, ausgehandelt.
Dazu wurden auf Hawaii am 1. September in einer Verlautbarung folgende
Einzelheiten veröffentlicht:
"1. Anläßlich ihres Treffens in Hakone führten die Vereinigten Staaten
und Japan einen Meinungsaustausch über ihre jeweiligen Zahlungsbilanzziele.
In diesem Zusammenhang erörterten beide Regierungen verschiedene, sowohl
kurz- als auch langfristige

Maßnahmen, die zur Behebung ihres gegenseitigen

Handelsungleichgewichtes beitragen könnten.
2. Seit ihrem Treffen in Hakone haben beide Regierungen eng zusammengearbeitet und gemeinsam einen Versuch unternommen, einige ihrer gezielten kurzfristigen Maßnahmen quantitativ festzulegen, über die damals in Hakone gesprochen wurde. Präsident Nixon hat die Gelegenheit seines Treffens mit Mi-

-

I

-

�Ministerpräsident Tanaka benutzt und die folgenden auf einer Reihe von Konferenzen zwischen dem Stellvertretenden Vizeminister Tsurumi und Botschafter
Ingersoll erzielten Resultate begrüßt, einschließlich des Erwerbs amerikanischer Güter und Dienstleistungen im Werte von über einer Milliarde Dollar.
a) Der geschätzte Zuwachs japanischer Einkäufe an landwirtschaftlichen,
forstwirtschaftlichen und fischereiwirtschaftlichen Erzeugnissen in den Vereinigten Staaten im Laufe des japanischen Haushaltsjahrs

1972, das am 31.

März 1973 endet, dürfte sich auf etwa 390 Millionen Dollar belaufen. Darüber
hinaus wird damit gerechnet, daß es zu Sonderkäufen von Getreide auf der Basis
günstiger Preise im Werte von etwa 50 Millionen Dollar kommen wird. Der Gesamtwert dieser Käufe liegt um 440 Millionen Dollar über dem Wert der Einkäufe im vorangegangenen Jahr. Damit dürfte sich der Gesamtwert der japanischen
Käufe an land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Erzeugnissen in den Vereinigten Staaten für das (japanische) Haushaltsjahr 1972 auf 2,218 Milliarden
Dollar erhöhen, was den höchsten amerikanischen Export solcher Waren in irgendein Land bedeutet.
b) Japanische Luftfahrtgesellschaften planen den Ankauf von Zivilmaschinen, einschließlich Großraumflugzeugen, in den Vereinigten Staaten im
Werte von rund 320 Millionen Dollar. Diese Aufträge sollen in den Haushaltsjahren 1972 und 1973 vergeben werden. Die japanische Regierung wird den Kauf
dieser Flugzeuge beim Abschluß der Kaufverträge erleichtern. Die japanische
Regierung hat ferner die Absicht, soweit die notwendigen Haushaltsmittel bewilligt werden, Hubschrauber und Luftfahrtzubehör im Werte von 20 Millionen
Dollar in den Vereinigten Staaten zu kaufen.
c) Die japanischen Elektrizitätsgesellschaften werden in den Vereinigten
Staaten Uran-Anreicherungsdienstleistungen im Werte von 320 Millionen Dollar
erwerben, wobei die Bezahlung durch die japanische Regierung erleichtert
werden wird.
d) Schließlich wurde von der amerikanischen und der japanischen Regierung
auch vereinbart, daß beide alle Anstrengungen unternehmen werden, um die baldmögliche Einrichtung einer gemeinsamen japanisch-amerikanischen Arbeitsgruppe
- 2 -

�i

Arbeitsgruppe

zu erleichtern, die damit beginnen soll, die Möglichkeit eines

Gemeinschaftsunternehmens für den Bau einer Gasdiffusionsanlage zur Anreicherung
von Uran für friedliche Zwecke in den Vereinigten Staaten zu prüfen, wobei sich
die Gesamtinvestitionen auf schätzungsweise eine Milliarde Dollar belaufen
dürften.
3. Der Präsident nahm ferner mit Befriedigung die jüngsten Entscheidungen der japanischen Regierung zur Kenntnis, den Zugang zu dem japanischen
Verteilersystem zu liberalisieren, indem verbesserte Investitionsmöglichkeiten
in Einzelhandel, Verarbeitung und Verpackung geboten werden, sowie die Entscheidung, größere Verkäufe amerikanischer Computererzeugnisse in Japan zuzulassen."

- 3-

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36/1972

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS ZUR AUFHEBUNG DER WEHRPFLICHT IN DEN USA

-Wortlaut-

SAN CLEMENTE,Kalifornien --(AD)-- Präsident Nixon hat in einer Erklärung die
Aufhebung der Wehrpflicht in Friedenszeiten in den USA bis Juli 1973 angekündigt. Die amerikanischen Streitkräfte sollen sich dann künftig ausschließlich aus Freiwilligen rekrutieren.
Die am 28. August vom Weißen Haus veröffentlichte Botschaft Nixons hat
folgenden Wortlaut:
"Aufgrund des mir heute vormittag von Verteidigungsminister Laird unterbreiteten Berichtes und unter der Voraussetzung, daß der Kongreß die von mir
empfohlenen anstehenden Gesetzesvorlagen verabschiedet, werden wir, wie geplant,
bis Juli 1973 soweit sein, daß eine Einberufung zum Wehrdienst in Friedenszeiten
nicht mehr notwendig sein wird.
Vor vier Jahren verpflichtete ich mich, im Falle meiner Wahl für eine Beendigung der Wehrpflicht sowie für die Schaffung einer Freiwill igenrArmee an
ihrer Stelle einzutreten. Gleichzeitig verpflichtete ich mich, daß ich, solange
die Notwendigkeit für eine Wehrpflicht weiterbesteht, dafür sorgen würde, daß

-1-

�daß diese in ihrer Auswirkung auf das Leben junger Amerikaner gerechter und
berechenbarer gehandhabt werden soll.
Unmittelbar nach der Amtsübernahme begann meine Administration mit der Erfüllung dieses Versprechens, und ich blicke mit großer und besonderer Genugtung
auf den bisher erzielten Fortschritt.
Innerhalb von 18 Monaten trat an die Stelle des alten und überholten selektiven Einberufungsprozesses mit seinem ungerechten Aufschubsystem ein unparteiisches Lossystem. Die durch das Einziehungssystem verursachte Ungewißheit wurde
ferner dadurch verringert, daß der Zeitraum, innerhalb dessen mit einer Einberufung zu rechnen war, von sieben Jahren auf ein Jahr reduziert wurde. Aufgrund
dieser und anderer Reformen wurde das Vertrauen in die Fairneß des selektiven
Wehrdienstsystems wieder hergestellt.
Inzwischen haben wir gleichzeitig daran gearbeitet, eine Freiwilligen-Armee
aufzubauen.
Verteidigungsminister Laird hat mir heute einen ermutigenden Bericht unterbreitet, der sich im einzelnen mit den wesentlichen Fortschritten befaßt, die
wir erzielt haben, um hinsichtlich der Erfüllung der Erfordernisse an Personalstärke die Abhängigkeit von der Wehrpflicht zu reduzieren. Die Erfahrung der
letzten drei Jahre scheint, wie aus diesem Bericht hervorgeht, darauf hinzudeuten, daß eine genügende Anzahl von Freiwilligen für die Streitkräfte gewonnen
werden kann, um das Personalsoll zu erfüllen, und daß ein Verzicht auf die Wehrpflicht mit der Wahrung des Personalstandes und des Bereitschaftsgrades zu vereinbaren ist, die notwendig sind, um unsere lebenswichtigen langfristigen nationalen Sicherheitserfordernisse zu gewährleisten.
Dieser bemerkenswerte Bericht über den Fortschritt beim Abbau unseres auf
der Wehrpflicht beruhenden Systems ist das direkte Ergebnis der starken Unterstützung von seiten des Verteidigungsministers, der Staatssekretäre für ^ie

-2-

�die Teilstreitkräfte, der Chefs der Teilstreitkräfte sowie des gesamten Verteidigungsministeriums. Sie alle können mit Recht stolz auf das Erreichte sein:
- Die Einberufungen konnten von 299 000 im Jahre 1968 auf 50 000 im Jahre
1972 verringert werden - das ist ein Sechstel der früheren Zahl.
- Der Anteil der Rekruten, die als »echte Freiwillige* eintreten - das heißt
all jener, die sich aus eigenem freien Willen zum Militärdienst melden und nicht
wegen des Zwanges der Einberufung - hat sich allein im letzten Jahr von 59 Prozent auf 75 Prozent erhöht.
- Die Qualität der Rekruten ist weiterhin hoch geblieben, ja hat sich sogar
noch etwas verbessert, während sich das wirtschaftliche und rassische Profil
der neuen Rekruten nicht wesentlich geändert hat.
- Unsere militärische Einsatzbereitschaft hat nicht gelitten.
Einige Probleme müssen jedoch noch bewältigt werden, und dazu wird es der
vollen Unterstützung von seiten des Verteidigungsministeriums, des Kongresses
und der Öffentlichkeit bedürfen. Zu diesen Problemen zählen:

- Die Vermeidung potentieller Lücken in der Mannschaftsstärke, zu denen es
kommen würde, wenn das derzeit dem Kongreß vorliegende Gesetz nicht verabschiedet wird, das die seitens der Streitkräfte bereits unternommenen energischen Anstrengungen untermauert, die auf eine rationellere Verwendung der Rekruten und
ihre Weiterverwendung abzielen.
Die Bereitstellung einer ausreichenden Zahl von Ärzten und anderer hochqualifizierter Spezialisten in entscheidend wichtigen Sparten.
- Die Beibehaltung der zahlenmäßigen Stärke in der Nationalgarde und der Reserve, die unter dem vom Kongreß vorgesehenen Stand bleiben würde, wenn die anstehenden Gesetzesvorlagen nicht verabschiedet werden.
Ich

-3-

�Ich bin überzeugt, daß man mit diesen Problemen fertig werden kann und
fertig werden wird - sofern der Kongreß unverzüglich über die anstehenden dringenden Vorlagen entscheidet und sofern auch weiterhin von Seiten der Öffentlichkeit und der Streitkräfte eine Unterstützung erfolgt.
Dazu gehören:
- Nutzen und Wert einer militärischen Laufbahn müssen dem amerikanischen
Volk in wirksamerer Weise vermittelt werden, während gleichzeitig alle vier
Teilstreitkräfte auch weiterhin bestrebt bleiben,ihr System in bezug auf die
Personalpolitik und die Verwendung des Personalbestandes zu verbessern. Alle
die, die sich den Militärdienst zu ihrem Beruf wählen, verdienen die Achtung
und die Dankbarkeit der Öffentlichkeit, der sie dienen.
- Der Kongreß muß durch rechtzeitige Verabschiedung der anstehenden Vorlagen dabei mithelfen - das gilt besonders für das Sondergesetzt über die einheitliche Besoldung der Streitkräfte von 1972, das die Zahlung besonderer Zulagen erlaubt, um etwa auftretende Lücken bei entscheidend wichtigen Fachkräften
zu schließen und einen anderen etwa auftretenden Fehlbedarf an Rekruten bei
dem auf Null gestellten Einberufungssystem auszugleichen.
Bei einer solchen Unterstützung werden wir künftig keine Wehrpflicht mehr
brauchen, um die erforderlichen Mannschaftsstärken nach dem Juli 1973 zu erlangen. Das bedeutet, daß es nicht notwendig sein wird, den Kongreß um eine Verlängerung der Einberufungsermächtigung im Rahmen des Gesetzes über den Selektiven
Wehrdienst über Juli 1973 hinaus zu ersuchen; alle weitere Vollmacht zu Einberufungen nach diesem Zeitpunkt würde allein beim Kongreß liegen.
Mit der Erreichung dieses Zieles werden wir endlich - 28 Jahre nach Beendigung des zweiten Weltkrieges - das getan haben,was wir - wie ich im Jahre 1968
sagte - tun müßten: daß wir nämlich unseren Einsatz für die Freiheit dadurch
zeigen sollten, daß wir daran gehen, unseren jungen Menschen ihre Freiheit zu
sichern."
+++I I H M 1-f

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36/1972

WER IM GLASHAUS SITZT
-Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewähltVon unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON --(AD)-- Wenn ausgerechnet Kuba in den Vereinten Nationen den
"Fall der Kolonie Puerto Rico" wieder einmal aufgreift und einige andere Nationen, wie die Sowjetunion und die Volksrepublik China, im Sonderausschuß der
Vereinten Nationen für Fragen des Kolonialismus das "Recht auf Selbstbestimmung" für die Puertoricaner fordern, dann muß man sich fragen, ob die Bevölkerung in diesen Ländern wohl je die Möglichkeit hatte, sich frei über
ihre politische Zukunft zu äußern.
Der Ausschuß billigte am 28. August - mit 12 Stimmen bei 10 Enthaltungen eine Resolution, in der das Recht der Bevölkerung von Puerto Rico auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit anerkannt wird. Frühere Versuche bestimmter
Staaten, den Status der Insel in den Vereinten Nationen in Frage zu stellen,
waren immer gescheitert.
Die Insel Puerto Rico,die in einer Entfernung von etwa 1 600 Meilen von
New York und rund 1 000 Meilen von Miami (Florida) im Karibischen Meer liegt,
ist mit den Vereinigten Staaten durch einen Commonwealth-Status verbunden.
Was

-1-

�Was nun diesen Status anbetrifft, so haben die Puertoricaner im März 1952
mit überwältigender Mehrheit - 375 000 gegen 83 000 Stimmen - eine neue Verfassung gebilligt, die dann vom amerikanischen Kongreß ratifiziert wurde. Am 25.
Juli 1952 wurde aufgrund dieser Verfassung das Commonwealth of Puerto Rico ausgerufen.
Seither hat es auch auf der Insel Auseinandersetzungen um diesen Status gegeben - aber der Streit ging und geht darum, ob Puerto Rico Commonwealth bleiben oder als 51. Staat voll in die Vereinigten Staaten aufgenommen werden soll.
Für eine Unabhängigkeit hat sich immer nur ein verschwindender Bruchteil der Bevölkerung ausgesprochen - aber selbst diese Wenigen hatten und haben die Möglichkeit, ihre Meinung frei zu äußern.
Die Puertoricaner sind amerikanische Staatsbürger und können jederzeit zum
amerikanischen Festland reisen. Sie brauchen keine amerikanische Einkommensteuer
zu bezahlen, müssen dafür aber Commonwealth-Steuern entrichten, die im Lande
bleiben und ganz wesentlich zu dem wirtschaftlichen Wachstum in Puerto Rico beigetragen haben und beitragen.
Bei einer Volksabstimmung im Jahre 1967 stimmten 425 081 für die Beibehaltung des Commonwealth, 273 315 für die Eingliederung als Einzelstaat in die USA
- und ganze 4 248 - oder 0,6 Prozent - für die Unabhängigkeit.
Daß unter diesen Umständen die Vereinigten Staaten die Behandlung des Status
von Puerto Rico im Kolonialausschuß der Vereinten Nationen als eine Einmischung
in die inneren Angelegenheiten der USA betrachten, ist nicht verwunderlich. Der
amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter George Bush,
bezeichnete es als einen "Affront" gegenüber der Weltorganisation. Er habe, so
sagte er, leider noch nie etwas von einer freien Volksabstimmung in Kuba gehört,
während die Bevölkerung von Puerto Rico immer wieder ihre freie Entscheidung habe
treffen können.
Der

-2-

�Der gegenwärtige Gouverneur von Puerto Rico, Luis A. Ferre, ist Vorsitzender
der 1967 gegründeten Progressiven Partei und erhielt bei den Wahlen 1968 rund
45 Prozent der Stimmen. Seine Partei hat die Mehrheit im puertoricanischen Repräsentantenhaus (der unteren Kammer des Parlaments) und tritt für die volle Eingliederung als Einzelstaat in die USA ein.
Die zweite große Partei, die Volksdemokratische Partei unter dem Vorsitz von
Rafael Hernandez Colon, hat die Mehrheit im Senat und tritt für die Beibehaltung
des Commonwealth-Status - mit bestimmten Veränderungen - ein.
Bei den Wahlen im Jahre 1968 erhielten die Kandidaten der Unabhängigkeitspartei nur drei Prozent der Wählerstimmen - alle anderen gingen an den Kandidaten, die den Commonwealth-Status oder die volle Eingliederung befürworten.
Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht noch, daß auch die beiden
großen Parteien in den USA sich in ihrer Wahlplattform mit Puerto Rico befassen.
Die Demokraten "respektieren und unterstützen den immer wieder zum Ausdruck gebrachten Wunsch der Bevölkerung von Puerto Rico, sich in einer ständigen Union
als unabhängiges Commonwealth frei mit den Vereinigten Staaten zu verbinden."
Die Republikaner haben erklärt, daß sie die volle Eingliederung als Einzelstaat unterstützen wollen, wenn sich eine Mehrheit der Puertoricaner in Zukunft
für eine solche Lösung entscheiden sollte.
Gouverneur Ferre hat im vorigen Jahr die Dinge klar aufgezeigt:
"Nach dem Grundsatz der

Selbstbestimmung wird es die Bevölkerung von

Puerto Rico selbst sein, die letztlich entscheiden wird, welche Art von Beziehung die Insel zu den Vereinigten Staaten haben soll. Als Gouverneur bin ich darauf vereidigt, diese Aspekte der Verfassung zu schützen. Sollte sich die Bevölkerung von Puerto Rico dafür entscheiden, den gegenwärtigen Commonwealth-Status

-3-

�•

Commonwealth-Status beizubehalten, dann wird das für mich verpflichtend sein.
Sollte sie sich für die Eingliederung in die Vereinigten Staaten als Einzelstaat
entscheiden, dann wird sich die Regierung auch daran halten, und das gleiche würde gelten, wenn die Bevölkerung von Puerto Rico aus freiem Entschluß und durch
Mehrheitsentscheid die Unabhängigkeit wählen sollte."

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36/1972

VORBEHALTE EBERLES ZUM BERICHT DER OECD-SACHVERSTÄNDIGENGRUPPE

- Wortlaut des Schreibens -

PARIS - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben wichtige Vorbehalte zu dem
Bericht über die Lage des internationalen Handels angemeldet, den die Sachverständigengruppe (Rey-Kommission) der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Vorbereitung einer neuen Runde von
Handelsgesprächen veröffentlicht hat.
Der elfköpfigen OECD-Sachverständigengruppe (High Level Group on Trade
and Related Problems) unter Leitung von Jean Rey (Belgien) gehören acht europäische Mitglieder sowie jeweils ein Vertreter Japans, Kanadas und der Vereinigten Staaten an.
Der amerikanische Delegierte, der Sonderbeauftragte für Zoll- und Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle, hat den Mehrheitsbericht mit unterzeichnet, jedoch in einem dem Bericht beigefügten Schreiben wichtige Vorbehalte angemeldet.
Der am 5, September in Paris veröffentlichte Zusatz Eberles zu dem Bericht hat folgenden Wortlaut:
"Ich unterzeichne diesen Bericht aus einem tiefen persönlichen Gefühl der
Anerkennung heraus für die Ernsthaftigkeit und Offenheit der kollektiven Anstrengungen unseres Vorsitzenden und meiner Kollegen, die komplexen wirtschaftlichen Fragen in den Griff zu bekommen, vor denen wir und die Nationen der Welt

- 1 -

�Welt heute stehen. Ohne jedoch die Bedeutung dessen schmälern zu wollen, was
in dem Bericht steht, kann ich mein Bedauern darüber nicht verbergen, daß der
Bericht, meiner Beurteilung nach, nicht in ausreichendem Maße die Dringlichkeit oder Klarheit erkennen läßt, vor allem was die langfristigen Ziele für
das internationale Handelssystem angeht. Unser Auftrag war es, 'Handelsprobleme und damit zusammenhängende Probleme in einer längerfristigen Perspektive
zu analysieren'. Es ist bedauerlich, daß es uns als unabhängige Experten nicht
gelungen ist, längerfristige Ziele zu setzen, nach denen Regierungen streben
könnten.
Es steht der Gruppe zu, größere kollektive Disziplin und Achtung vor internationalen Regeln zu fordern und zu erklären, daß 'die fundamentale Reform des
WährungsSystems eine dringende Aufgabe ist'. Der Bericht sollte jedoch auch
bedeutsame Veränderungen jener internationalen Handelsregeln und -praktiken gefordert haben, die der Bericht ganz richtig als die Quelle der akuten politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten identifiziert.
Es ist und bleibt meine Auffassung, daß der Mangel an politischem Willen,
direkt und offen jene Handelspraktiken anzupacken, die zu einer Isolierung von
Marktsektoren von dem internationalen wirtschaftlichen Anpassungsprozeß führen,
diesen Anpassungsprozeß und die Wiederherstellung des Zahlungsbilanzgleichgewichts ernsthaft gefährden. Wenn wir die Ordnung in einem Teil des internationalen Wirtschaftssystems wieder herstellen, müssen wir auch daran gehen, die
Grundsätze des fair play und des vergleichsweisen Vorteils in anderen Gebieten
anzuwenden.
Der Bericht geht davon aus, daß die Landwirtschaft von der Industrie grundsätzlich verschieden sei und daß wir nicht nur viele Jahre warten können, sondern
müssen, bevor Schranken und Verzerrungen im Agrarhandel irgendwie fundamental
angepackt werden können. Ich stimme mit keinem dieser Gedanken überein.
Die Anpassungsprobleme in der Landwirtschaft sind ernsthafter Natur, aber
das gilt in gleicher Weise für die Anpassungsprobleme in bestimmten Industriezweigen, wo Arbeitslosigkeit herrscht und wo Arbeiter ohne Umschulung oder Ortsveränderung keine Arbeitsplätze finden können. Die industrielle und die regionale

- 2-

�regionale Politik vieler Regierungen zielt auf eine Erleichterung der Schwierigkeiten bei Ubergangsanpassungen in der Industrie ab. Eine ähnliche Politik könnte
auch für die Landwirtschaft entwickelt werden, wenn der politische Wille dazu
vorhanden ist. Der Unterschied zwischen Industrie und Landwirtschaft ist also
eher eine Frage der Haltung der Regierungen als eine Frage des fundamentalen
Unterschiedes in der Natur des Problems.
Was ein viele Jahre langes Abwarten anbetrifft, so ist dies meiner Überzeugung nach weder notwendig noch möglich, wenn wir mit der Liberalisierung des
Handels vorankommen wollen. Es ist meine Überzeugung, daß die Liberalisierung
des Handels sowohl zum Wohle der Farmer als auch der Verbraucherin all unseren
Ländern sein wird. Ich kann nicht einsehen, warum Länder, deren vergleichsweiser
Vorteil in der Landwirtschaft groß ist, nicht das gleiche Recht haben sollten,
diesen Vorteil ebenso auszunutzen wie jene Länder, deren vergleichsweiser Vorteil in der Gütererzeugung liegt. Es ist eine politische Grundtatsache, daß ein
wesentlicher Fortschritt im industriellen Welthandel nicht ohne einen Fortschritt
auch auf der landwirtschaftlichen Seite ausgehandelt werden kann. Damit werden
längerfristige Ziele zu einer wichtigen Richtschnur der Zwischenentscheidungen,
die für die Reform notwendig sind und die sowohl für die Industrie als auch für
die Landwirtschaft gelten sollten.
Aus der Überzeugung ihrer Bedeutung heraus und in Übereinstimmung mit den
Auffassungen meiner Kollegen möchte ich die Notwendigkeit für einige solcher
weitreichenden Vorschläge unterstreichen, wie sie im Teil II, Kapitel V für
einen multilateralen Sicherheitsmechanismus gemacht werden. Es ist meine Überzeugung, daß ohne ein Abkommen über einen fairen und wirksamen Mechanismus zur
Behebung abrupter Marktverzerrungsprobleme nur wenig Hoffnung besteht, einseitige
Schutzmaßnahmen zu vermeiden, und die Aussichten für einen allgemeinen Fortschritt der Liberalisierung des Handels würden wesentlich vermindert.
Daß es der Gruppe nicht gelungen ist, einen Konsensus über die Gefahren der
Ausbreitung von Präferenzabkommen und entsprechender Gegenmaßnahmen zu finden,
ist ein wesentlicher Mangel. Es scheint unangemessen zu sein, daß Sonderabmachungen zur Begünstigung einiger, weniger Entwicklungsländer in einem bestimmten Gebiet getroffen werden, während Entwicklungsländer in anderen Gebieten
- 3-

�I

Gebieten diskriminiert werden. Darüber hinaus gibt es keine wirtschaftliche
oder entwicklungspolitische Rationale, die die Ausweitung von 'umgekehrten'
Präferenzen durch Entwicklungsländer gegenüber Industriestaaten in Westeuropa
rechtfertigen könnte. Ich bin besonders darüber enttäuscht, daß die Gruppe kein
Einvernehmen über eine baldige Beseitigung von umgekehrten Präferenzen erzielen
konnte.
Schließlich bedeutet auch unser Unvermögen, einen Konsensus über die Bedeutung der Gefahr zu finden, die andere im Gegensatz zu dem Grundprinzip
der Nichtdiskriminierung stehende Handelsvereinbarungen für die Zukunft der
internationalen Wirtschaftsbeziehungen bilden, eine Enttäuschung für mich.
Der Bericht unterstreicht wiederholt die Tatsache der wachsenden Interdependenz als zentrales Charakteristikum der heutigen Weltwirtschaft. Nachdem wir
übereingekommen sind, daß dieser Trend ermutigt werden sollte, zweifle ich daran,
daß die Ausbreitung diskriminierender Handelsvereinbarungen durch die Europäischen
Gemeinschaften zu rechtfertigen ist. Wir müssen dieses Problem lösen, das zu
einer ernsten Frage in unseren Beziehungen geworden ist.
Diese Probleme werfen nicht nur Fragen bezüglich der Einhaltung bestehender
Regeln auf, sondern es erhebt sich auch die Frage, ob die Regeln ausreichend
sind.
Es ist meine Hoffnung, daß diese Gesamtüberlegungen eher ein Zusatz und
nicht ein Abzug von den vielen ausgezeichneten Ideen des Berichtes sind."

+ + + + +

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VORLÄUFIGER ZEITPLAN FÜR DEN FLUG APOLLO 17

- (AD) - Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) rechnet damit, daß
der erste Nachtstart in der Geschichte der amerikanischen bemannten Raumfahrt
noch mehr Besucher als beim Beginn früherer Weltraumexpeditionen nach Kap
Kennedy führen wird. Nach dem jetzt bekannt gegebenen vorläufigen Zeitplan
für APOLLO 17, den letzten Flug der APOLLO-Serie, soll das Raumschiff mit den
drei Astronauten Eugene A. Cernan (Kommandant), Ronald E. Evans (Pilot der
Kommandokapsel) und Dr. Harrison H. (Jack) Schmitt (Pilot der Mondfähre) am
7. Dezember 1972 um 3.53 Uhr MEZ starten (nach der Ortszeit "Eastern Standard
Time" - EST - am 6. Dezember 1972 um 21.53 Uhr).
Mit einer Gesamtdauer von 304 Stunden und 31 Minuten wird APOLLO 17 der
längste Flug des Programms sein. Hauptaufgabe der Mission ist die Landung von
zwei Astronauten in der Nähe der Littrow-Krater am Taurus-Gebirge, in der
Grenzzone zwischen dem Mare Imbrium und dem Mare Serenitatis im nordöstlichen
Mondquadranten. Die Koordinaten des vorgesehenen Landeplatzes werden von der
NASA mit 20 Grad 10 Min. Nord und 30 Grad 45 Min. Ost auf der der Erde zugekehrten Seite angegeben.
Im Verlauf von drei Exkursionen werden Cernan und Schmitt mit Hilfe ihres
Elektrofahrzeugs versuchen, möglichst viele und dabei möglichst unterschiedliche Boden- und Gesteinsproben einzusammeln. Das gebirgige Gelände ist besonders gekennzeichnet von hellem und von dunklem Material - vielleicht zählt
das letztere zu dem "jüngsten" aus Schmelze erstarrten Gestein, das man bisher

�bisher angetroffen hat, weil es möglicherweise erst geraume Zeit nach dem vermuteten Einschlag großer Meteore auf dem Mond vor rund 3,9 bis 3,2 Milliarden
Jahren aus dem Innern ausgequollen ist. Erst nach gründlicher Analyse der Aufnahmen, die APOLLO 15 (Juli/August 1971) zur Erde brachte, wurde der Platz ausgewählt. Mit Harrison Schmitt ist zum ersten Mal ein routinierter Geologe dabei, von dessen Beobachtungen - wie natürlich auch von den späteren Gesteinsuntersuchungen - sich die Wissenschaftler wichtige neue Hinweise auf Geschehnisse
in der Vergangenheit und auf mögliche vulkanische Vorgänge in jüngerer Zeit erhoffen.
Die wichtisten Stationen des Unternehmens APOLLO 17 sind:
Datum

U h r z e i t (MEZ)

Start

7. Dezember 1972

3.53 Uhr

Einschuß in Bahn zum Mond

7.

ii

II

7.14 Uhr

Eintritt in Mondumlaufbahn

10.

ti

ll

20.49 Uhr

Beginn der Landemanöver

11.

M

II

1.06 Uhr

Einschuß in Abstiegsbahn

11.

•i

II

19.54 Uhr

Landung

11.

II

ll

20.55 Uhr

1. Exkursion

12.

II

ll

0 . 3 3 Uhr

2. Exkursion

12.

H

II

23.13 Uhr

3. Exkursion

13.

II

II

22.33 Uhr

Start vom Mond

14.

II

II

23.56 Uhr

Einschuß in Rückkehrbahn

17.

II

II

0 . 3 3 Uhr

Ausstieg im Weltraum

17.

II

19.

II

c a . 20.33 Uhr

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(17,9° Süd, 166° West)

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36/1972

UMWELTSCHUTZ: 287 MILLIARDEN DOLLAR BIS 1980
-Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor-

--(AD)-- Der Himmel über einigen Industriegebieten Amerikas ist klarer, manche
Flüsse sind sauberer geworden. Der soeben erschienene dritte Jahresbericht des
Beirats für Umwelthygiene Präsident Nixons gibt eine Übersicht über die Fortschritte, die in den vergangenen 12 Monaten erzielt wurden, und umreißt die
Aufgaben, die auf dem Gebiet des Umweltschutzes und der Umweltverbesserung in
naher und fernerer Zukunft zu bewältigen sind.
In welchen Größenordnungen sich diese bewegen, geht schon daraus hervor,
daß die für die Zeit zwischen 1971 und 1980 erforderlichen Aufwendungen auf
287 Milliarden Dollar geschätzt werden.
Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen für wirksame Maßnahmen hat sich
in den letzten drei Jahren vieles in positivem Sinne geändert. In allen 50 Bundesstaaten wurden teilweise oder uneingeschränkt die von der Bundesregierung
geforderten Pläne gebilligt, das eigene Vorgehen auf die von Washington aufgestellten Kriterien zur Reinhaltung der Luft abzustimmen. Dabei geht es vor

�*

vor allem um die Bekämpfung von Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Stickstoffoxiden, Kohlenwasserstoffen, photochemisch wirksamen Verbindungen und Staub.
Durch Koordinierung der Maßnahmen von Bund und Einzelstaaten soll ganz allgemei
die Luftqualität bis zum Jahre 1975 merklich verbessert werden. William D.
Ruckeishaus, der Leiter der Bundesbehörde für Umweltschutz, glaubt allerdings,
daß dieses Ziel in den Großstädten erst 1977 erreicht sein wird. Heute verzeich
nen 139 der insgesamt 247 Kontrollregionen bereits über der Norm liegende Quali
tätswerte hinsichtlich mindestens eines der sechs Schmutz-und Schadstoffe.
170 Millionen Menschen profitieren davon.

-Probleme des IndustriewachstumsObgleich auf die Verbesserung der Luft-und Wasserqualität nach wie vor die
meisten Anstrengungen verwendet werden, befassen sich zahlreiche Bundesstaaten
auch bereits eingehend mit Fragen der Lärmbekämpfung, der wirksamsten Verfahren
zur Müllbeseitigung, der Raumordnung und Bodennutzung sowie der weiteren Verringerung von Risiken, die durch Strahlung und Schädlingsbekämpfung entstehen
können. Mancherorts, so in dem kleinen Staat Delaware an der Atlantikküste,
führte dies bereits zu einer Art Reglementierung des industriellen Wachstums.
In einem 45 km breiten Streifen entlang der Küste dürfen keine weiteren Werke
bestimmter Industrien mehr angesiedelt werden - u.a. Ölraffinerien und Papierfabriken. Außerdem wurde die Errichtung zweier künstlicher Inseln in der
Delaware-Bucht als Öl-und Kohlespeicher untersagt und der Bau eines Hafens
für Supertanker zunächst einmal aufgeschoben. In seiner Antwort auf die Proteste der Industrie bezweifelt Gouverneur Peterson, daß "die alten Maßstäbe"
für den Fortschritt auch heute noch als Orientierung für ein ersprießliches
Dasein güll.ig sein könnten. Das neue "Küstenzonengesetz" macht den Bundes-

-2-

�Bundesstaat jedoch attraktiv für Industrie-und Gewerbezweige, die nicht so
leicht mit den Umweltschützern in Konflikt geraten.
Diese Gruppe ist z.B. in Kalifornien recht aktiv. Sie fordert u.a.ein Gesetz, das die gesamte 1 76o km lange Küste am Pazifik, zumindest aber bestimmte
Gebiete davon, unter Schutz stellt. Denn im Gegensatz zu Oregon weiter im Norden,
wo die Küsten seit langem dem Staat gehören und nicht direkt für kommerzielle
Zwecke genutzt werden können, haben sich in Kalifornien Wirtschaftsunternehmen
aller Art breitgemacht. Möglicherweise erhalten die "Umweltaktivisten" für
die Durchsetzung ihrer Forderungen sogar Unterstützung aus Washington. Der USSenat stimmte kürzlich dem Küstenzonen-Kontrollgesetz zu; für die Staaten am
Atlantik und Pazifik sind 320 Millionen Dollar als Beihilfe für Entwicklungsund Kontrollprogramme im Verlauf der nächsten fünf Jahre bereitgestellt.
Der Neuenglandstaat Maine und der Pazifikstaat Oregon erließen Gesetze, die
die Ausweitung bestimmter Industrien zum Schutze der Umwelt unter Kontrolle
stellen.

In Florida wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Behörden gewisse

Kontrollrechte bei Projekten einräumt, die eine besondere Umweltbelastung darstellen können - z.B. Flughäfen und neue Großsiedlungen. Mit Hilfe einer Anleihe
soll außerdem der Ankauf von Gebieten durch den Staat finanziert werden, die
durch Umwelteinflüsse besonders gefährdet sind oder als Naturschutzgebiet erhalten werden sollen.
Während New Mexico und Pennsylvanien auch durch Verfassungszusätze neue
Garantien für den Umweltschutz zu schaffen suchten, konzentriert man sich in
Oregon zunächst auf gezielte, praktische Maßnahmen. Der ca. 300 km lange
Willamette-Fluß, noch vor nicht allzu langer Zeit einer der am stärksten verschmutzten Flußläufe Oregons, ist wieder sauber geworden - so sauber, daß er
sogar vom Pazifik-Lachs wieder aufgesucht wird. Im Rahmen eines Zehnjahresprogramms zur Verbesserung der Wasserqualität, die heute den strengen bundesund einzelstaatlichen Kriterien vollauf entspricht, wurden die Abwässer und

�:

und Belastungsstoffe um mehr als 90 Prozent vermindert. Zwanzig Städte und 600
Industriebetriebe leiten ihre Abwässer ein; außerdem bildeten landwirtschaftliche Abwässer des Farmlandes rundum früher eine erhebliche Verschmutzungsquelle.
"Überraschenderweise mußte trotz der überaus strengen Bestimmungen in keinem
einzigen Fall gegen einen Verschmutzer gerichtlich vorgegangen werden",

schrieb

im Juni 1972 das "National Geographie Magazine". "Nur ein kleines Unternehmen
zog es vor, den Betrieb zu schließen, anstatt den Auflagen nachzukommen."
Alles in allem gesehen scheinen sich zwischen den Interessengruppen - etwa
den passionierten Umweltschützern einerseits und den Behörden oder der Industrie
andererseits - immer mehr Kompromisse anzubahnen. Es besteht sogar Aussicht,
daß die erstgenannte Gruppe eines Tages doch mit ihrer seit längerer Zeit erhobenen Forderung durchkommt, Gelder aus dem Bundesstraßen-Treuhandfonds für den Bau
von Massenverkehrsmitteln freizubekommen und so zur Entlastung der Straßen vom
umweltfeindlichen Autoverkehr beizutragen. In diesen Fonds fließen aus Steuern,
die auf Benzin,Autoreifen und Lastkraftwagen erhoben werden, jährlich fünf
Milliarden Dollar. Er wird gegenwärtig ausschließlich für den Straßenbau benutzt.
Ein am 10. August 1972 im zuständigen Senatsausschuß eingebrachter neuer Antrag,
seine Verwendung für den Bau von Massenverkehrsmitteln zu verbieten, wurde diesmal mit nur sehr knapper Mehrheit - nämlich 8:7 Stimmen - abgelehnt.

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36/1972

DEM VERGIFTUNGSMECHANISMUS VON HEXACHLOROPHEN AUF DER SPUR

--(AD)-- Eine durch einen Fabrikationsfehler verursachte Überkonzentration an
Hexachlorophen in Babypuder war, wie sich jetzt herausstellte, die Ursache
für den Tod von mindestens 27 und die Erkrankung von mehr als 60 Säuglingen
in Frankreich. Obgleich dieses tragische Vorkommnis eindeutig auf menschliches
Versagen zurückgeht, ist es doch auch deshalb alarmierend, weil offenbar gefährliche chemische Stoffe zu leicht weit verbreitet, sorglos und unsachgemäß angewandt werden können.
Hexachlorophen galt als wirksames Mittel zur Vorbeugung und Bekämpfung
von Hautinfektionen durch Pilze und Bakterien. Aber Anfang des Jahres warnten
zwei New Yorker Wissenschaftler davor. Sie hatten bei Tierversuchen herausgefunden, daß es die Fähigkeit der Gehirnzellen beeinträchtigt, die für die Gehirnfunktionen benötigte Energie zu produzieren. Aufgrund dieser Warnung verbot
kürzlich die US-Regierung über die zuständige Behörde, die "Food and Drug Administration" (Bundesaufsichtsamt für Kosmetika, Nahrungs-und Arzneimittel),
die weitere Verwendung von Hexachlorophen

als Zusatz zum Badewasser von Neu-

geborenen und Säuglingen. Untersuchungen in der Folgezeit hatten nämlich gezeigt, daß die chemische Verbindung über die Haut vom Körper aufgenommen wird
und mit dem Blut ins Gehirn gelangt.
Eine

�»
»

Eine Anzahl von Herstellerfirmen hexachlorophenhaltiger Mittel arbeitete
inzwischen Anwendungsvorschriften zu einzelnen Präparaten aus, damit verhindert
wird, daß oberhalb bestimmter Konzentrationen die chemische Verbindung von der
Haut oder von Wundflächen absorbiert wird. In der Bundesrepublik gab das Gesundheitsministerium Empfehlungen an Herstellerfirmen, in denen Höchstkonzentrationen für kosmetische Erzeugnisse angeführt sind. Babypflegemittel enthalten nach offizieller Mitteilung überhaupt kein Hexachlorophen mehr.
Die beiden amerikanischen Wissenschaftler berichteten jetzt über Einzelheiten der Ergebnisse ihrer Versuche zur Aufklärung des Wirkungsmechanismus von
Hexachlorophen. Sie studierten ihn an Mitochondrien (strangförmigen Gebilden im
Zellplasma) aus Gehirn-und Leberzellen von Ratten. Diese winzigen Partikel gelten als "Kraftwerke" der Zellen. Innerhalb der Mitochondrien werden aufgenommene
Nährstoffe in die Verbindung ATP (AdenosintriphosphorpäureI umgewandelt. Sobald
diese Verbindung durch Wasser wieder aufgespalten wird, setzt sie große Mengen
Energie frei.
Bei Anwesenheit von Hexachlorophen sind die Mitochondrien jedoch nicht fähig, ATP zu produzieren - und das kann bedeuten, daß die Zelle abstirbt. Wie
aber Hexachlorophen aus dem Blut in die Gehirnzellen gelangt, war im Detail
noch nicht lückenlos zu ermitteln. Jedoch gab es bei den Tierversuchen eindeutige Hinweise darauf, daß die Verbindung in die Gewebe des Zentralnervensystems
eindringt.

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36/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES PROJEKT ZUR KREBSFORSCHUNG
Virus-Theorie gewinnt an Boden

Von G. Weiss

- (AD) - Durch Überimpfen von menschlichen Tumorzellen auf Primaten entwickelte sich bei ca. 200 von 600 Versuchstieren, insbesondere bei Pavianen,
Leukämie. Angesichts dieses Ergebnisses einer langen Experimentierreihe habe,
wie kürzlich ein sowjetischer Krebsforscher anläßlich seines Besuches in den
Vereinigten Staaten erklärte, die Virus-Theorie im Zusammenhang mit Krebs beim
Menschen eindeutig an Boden gewonnen.
Dr. Boris Lapin, der Direktor des Instituts für experimentelle Pathologie
und Therapie in Suchumi (Georgien, UdSSR), der sich mit einer Gruppe von Mitarbeitern seit Jahren mit Leukämieforschung und speziell mit Viren als möglicher Ursache dieser Krankheit befaßt, erörterte jetzt mit amerikanischen
Kollegen vom Nationalen Krebsforschungsinstitut (NCI) der USA in Bethesda
(Maryland) Pläne für gemeinsame Projekte. Wie Dr. John B. Malony, einer der
wissenschaftlichen Direktoren des NCI, auf einer Pressekonferenz in Bethesda
erklärte, werden amerikanische Wissenschaftler mit Gewebekulturen, die von Proben des in der Sowjetunion isolierten "verdächtigen" Materials weitergezüchtet
werden, versuchen, die Krebs verursachenden Partikel zu bestimmen. Dabei muß
Malony zufolge exakt herausgefunden werden, um welches "gruppenspezifische"
Material es sich dabei handelt - ob es wirklich Viren vom Menschen oder aber
von Primaten sind, die bei den Experimenten in der Sowjetunion für die Um-

- I -

�-

Umwandlung gesunder Zellen in leukämische Zellen verantwortlich waren.
Die Klärung dieser Frage würde die Forschung sicherlich ein gutes Stück
voranbringen. Nach Meinung Dr. Malonys geht es dabei nicht nur um Leukämie
und leukämieähnliche Erkrankungen, sondern auch um die in verschiedenen Erscheinungsformen auftretenden Sarkome (bösartige Geschwülste, die aus Bindegewebe hervorgehen). Diese allein machen in den Vereinigten Staaten ca. 38 000
der pro Jahr verzeichneten 640 OOO Neuerkrankungen an Krebs aus.
Wohl kennt man schon seit geraumer Zeit bestimmte Typen von Viren, die
bei Säugetieren (Mäusen, Hamstern, Katzen und Ratten) und einigen Vogelarten
zu Tumoren führen. Jedoch war bisher nicht oder nicht mit letzter Sicherheit
nachzuweisen, daß sie auch beim Menschen Krebs auslösen. Ca. 40 Virustypen,
die zumindest bei niedrigeren Tieren Geschwulstbildungen verursachen, wurden
inzwischen isoliert. Die große Schwierigkeit für die Onkologie (Geschwulstforschung) ergab sich aber bisher aus der Tatsache, daß in menschlichen Krebsgeschwülsten allenf all ? Restbestände oder "Fingerabdrücke" von Viruspartikeln
in der Form von Antikörpern, aber - mit ganz wenigen Ausnahmen - nicht die
verdächtigen Viren selbst nachzuweisen waren.
Anscheinend spielt bei den immunbiologischen Reaktionen, d.h. den vom
Körper entwickelten Mechanismen zur Abwehr von Infektionen, die starke Differenzierung der Organismen eine besondere Rolle. In ihr könnte z.B. einer der
Gründe für unterschiedliche Reaktionen niedriger Lebewesen einerseits und hochentwickelter Spezies andererseits auf körperfremde Partikel, die in die Zellen
eindringen und sich unter Abbau von deren Substanz, einschließlich des Zellkernmaterials, darin vermehren, zu suchen sein. Auf die Bedeutung dieser
Theorie deuten u.a. Versuchsergebnisse einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe vom NCI hin. Dr. Edward M. Scolnick und Mitarbeiter stellten im Verlauf
einer Experimentierreihe fest, daß drei jüngst entdeckte RNS-Virusarten vom
Typ C, die möglicherweise bei Primaten Krebs verursachen, sich in immunologischer Hinsicht von ähnlichen RNS - Viren,die bei Mäusen, Ratten und Hamstern
gefunden werden, unterscheiden.
Dr. Mahony

- 2-

�Dr. Mahony und Dr. Lapin sehen in der Züchtung großer Mengen von Typ-CViren - auch bei dem am Institut Dr. Lapins von leukämiekranken Pavianen
(Papio Hamadryas) gewonnenen Virusmaterial handelt es sich um diesen Typ den allerwichtigsten nächsten Schritt. Nur so könne mit Sicherheit ermittelt
werden, ob es sich dabei um Affen- oder um Menschenviren handelte. Im letzteren
Fall wäre dies ein Beweis, daß das Impfen mit menschlichen Leukämiezellen zur
Erkrankung der Tiere führte. Aber selbst wenn die Viren als Primatenviren identifiziert würden, sei dies, so Dr. Lapin, "äußerst interessant", weil dann die
Demonstration erbracht sei, daß die humanspezifischen Tumorgewebe - insbesondere Leukämiezellen - einen Faktor enthielten, der "im Organismus des Pavian
die genetischen Prozesse aktivierte, durch die Krebszellen entstanden und sich
weiter vermehrten".
In diesem Zusammenhang berichtete Frank J. Rauscher, der Direktor des
Nationalen Krebsforschungsinstituts, daß man in den USA bisher mit den verschiedensten Primaten, aber nicht mit Pavianen experimentiert habe. Jedoch
würde man sich jetzt darum bemühen, äthiopische Paviane für die Krebsforschung
zu bekommen. Der logische zweite Schritt sei dann, wie Dr. Lapin weiter erklärte, der Versuch, Primaten, die mit menschlichen Leukämiezellen geimpft
werden, gegen die Entwicklung der Krankheit zu schützen. Erst wenn dies gelingt, bestehe Hoffnung, einen Impfstoff gegen bestimmte Formen von Krebs
beim Menschen zu entwickeln.

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA über Bluttat von München zutiefst bestürzt und empört&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung Nixons und Tanakas von Honolulu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einzelheiten des amerikanisch-japanischen Handelsabkommens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Verlautbarung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Nixons zur Aufhebung der Wehrpflicht in den USA&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wer im Glashaus sitzt ...&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewählt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorbehalte Eberles zum Bericht der OECD-Sachverständigengruppe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorläufiger Zeitplan für den Flug APOLLO 17&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltschutz: 287 Millionen Dollar bis 1980&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem Vergiftungsmechanismus von Hexachlorophen auf der Spur&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Projekt zur Krebsforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Virus-Theorie gewinnt an Boden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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30. August 1972

Inhalt

INFORMATION:
Nixon ordnet weiteren Truppenabzug aus Vietnam an
USA streben gerechtere Verteilung der UN-Beiträge an
Von unserem Sonderkorrespondenten
Klimaanlagen und Kältetechnik
-Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in FrankfurtI

HINTERGRUNDMATERIAL:
An der Verteidigung scheiden sich die Geister
-Gegensätzliche Auffassungen Nixons und McGoverns-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Zentralinstitut für Bautechnik
Strömungsforschung
Gewitterwolken werden geimpft

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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35/1972

NIXON ORDNET WEITEREN TRUPPENABZUG AUS VIETNAM AN

SAN CLEMENTE, KALIFORNIEN - ( A D ) - Präsident Nixon hat einen weiteren Abzug amerikanischer Truppen aus Vietnam angeordnet, durch den die genehmigte Truppenstärke bis zum 1. Dezember auf 27 000 Mann reduziert werden soll.
Dies gab der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, am 29. August
in San demente bekannt, wo sich Präsident Nixon gegenwärtig aufhält. Ziegler
wies darauf hin, daß die sogenannte genehmigte Truppenstärke normalerweise
etwas höher liege als die tatsächliche. So befänden sich gegenwärtig 37 000
US-Soldaten in Vietnam - eine Zahl, die um 2 000 Mann niedriger sei als die
genehmigte Truppenstärke am 1. September.
Ziegler erklärte vor der Presse, daß eine amerikanische Resttruppe solange in Südvietnam verbleiben werde, bis eine Regelung auf dem Verhandlungswege
erreicht worden sei

oder bis alle Kriegsgefangenen frei gelassen und über die

Vermißten Auskünfte erteilt worden seien. Der Pressesekretär kündigte an, daß
Präsident Nixon vor dem nächsten Zieldatum, dem 1. Dezember, eine weitere Erklärung zur amerikanischen Truppenstärke in Vietnam abgeben werde; diese Mitteilung werde jedoch nicht vor den Präsidentschaftswahlen am 7. November erfolgen.
In

-1-

�In Beantwortung von Fragen unterstrich Ziegler, daß sich die Hauptaufgabe
der noch verbleibenden Truppen auf den Nachschub und die Versorgung erstrecken
werde. Amerikanische Erdkampftruppen seien nicht mehr in Südvietnam.
Die jüngste Ankündigung bedeutet, daß Präsident Nixon bis zum 1. Dezember
die amerikanische Truppenstärke in Südvietnam seit seinem Amtsantritt am 20.
Januar 1969 um 95 Prozent reduziert haben wird. Damals waren 549 500 amerikanische Soldaten in Vietnam stationiert.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses wies darauf hin, daß die USA ihre
Truppen in Thailand sowie die Marineeinheiten vor der Küste Vietnams seit der
nordvietnamesischen Invasion am 30. März verstärkt hätten, um der damit gegebenen Bedrohung entgegenwirken zu können. Nach der massiven Verletzung der entmilitarisierten

Zone durch Hanoi habe Präsident Nixon die Entsendung von wei-

teren 12 000 Mann nach Thailand und die Abstellung von 20 000 Mann für die
Marineeinheiten vor der vietnamesischen Küste angeordnet. Gegenwärtig befinden sich 42 000 bis 44 000 amerikanische Soldaten in Thailand und 35 000 bis
39 000 vor der Küste Vietnams. Diese Einheiten werden von der jüngsten Reduzierung nicht betroffen.

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35/1972

USA STREBEN GERECHTERE VERTEILUNG DER UN-BEITRÄGE AN
Von unserem Sonderkorrespondenten

VEREINTE NATIONEN,NEW YORK --(AD)-- Die Vereinten Nationen haben gegenwärtig
132 souveräne Mitglieder, die in der Vollversammlung alle das gleiche Stimmrecht haben. Das Budget der Weltorganisation wird jedoch allein zu 65 Prozent
von fünf dieser Mitgliedstaaten - und zu rund 32 Prozent von einem der Mitglieds
länder, nämlich den Vereinigten Staaten - getragen. Wenn man bedenkt, daß
über 60 der kleinen Mitgliedstaaten nicht mehr als ein Zwanzigstel eines
Prozents des Gesamthaushalts tragen, dann darf es nicht verwundern, daß man
sich in den Vereinigten Staaten - in der Regierung, im Kongreß und in der
Öffentlichkeit - Gedanken darüber macht, ob der hohe amerikanische Beitrag
heute noch gerechtfertigt ist.
Präsident Nixon hat in seinem außenpolitischen Bericht zu Anfang dieses
Jahres darauf hingewiesen, daß es für die Weltorganisation selbst auf die
Dauer nicht von Vorteil sein kann, wenn sie finanziell zu sehr auf ein bestimmtes Mitglied angewiesen ist. Zu dem regulären Haushalt der Vereinten Nationen

i-

�Nationen für das Jahr 1972 haben die USA allein 31,52 Prozent oder 64 Millionen
Dollar beigetragen, und in früheren Jahren betrug der Prozentsatz bis zu 39
Prozent.
Die Vereinigten Staaten haben jetzt begonnen, mit anderen Mitgliedsstaaten über eine Neuregelung der Beitragsveranlagung zu sprechen, wobei man von
amerikanischer Seite eine Maximalrate von 25 Prozent anstrebt, die den heutigen
Verhältnissen sicher angepaßt wäre.
Nixon hat bereits in seinem außenpolitischen Bericht darauf hingewiesen,
daß die Zahlungsfähigkeit eines Landes nicht die einzige Richtschnur sein könne,
da Vernunft und politischer Realismus dagegen sprächen, daß ein Mitglied einen
unverhältnismäßig hohen Beitrag leiste. Schließlich sei der Mindestbeitrag
auch nicht allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten festgelegt worden.
Als die Vereinten Nationen zu Kriegsende die Beiträge festsetzten, lag es
auf der Hand, daß die Vereinigten Staaten allein mindestens so viel bezahlen
konnten wie alle anderen zusammen. Jedoch schon damals erkannte man in der
Vollversammlung die Gefahr einer zu großen Abhängigkeit und setzte das Limit
auf 40 Prozent. Im Jahre 1948 wurde beschlossen, daß kein Land mehr als ein
Drittel des Gesamtbeitrages aufbringen solle und dürfe, und im Jahre 1957 wurde
mit wachsender Mitgliederzahl die Beitragsgrenze schließlich auf 30 Prozent
festgelegt - wobei der amerikanische Beitrag de facto auch weiterhin über diesem Prozentsatz lag.
Die Kommission, die Präsident Nixon für den 25. Jahrestag des Bestehens
der Vereinten Nationen einsetzte, empfahl bereits im Jahre 1971 eine Senkung
der Beitragsrate auf 25 Prozent. Die Empfehlungen der Kommission unter Leitung
des früheren amerikanischen Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen, Henry
Cabot Lodge, sind mittlerweile Bestandteil der Außenpolitik der Nixon-Administration geworden. Amerikanische Diplomaten bemühen sich in den Hauptstädten

-2-

�Hauptstädten der Welt und in den Vereinten Nationen um Unterstützung für eine
Reduzierung des Höchstbeitrages - wobei nicht an eine Anhebung des Mindestbeitrages gedacht ist, wie ihn viele der kleinen Mitglieder bezahlen. Der Ausgleich
könnte vielmehr durch eine Erhöhung des Beitrages einiger wirtschaftlich erstarkter Mitgliedsländer erreicht werden.
Eine Neuverteilung der Beiträge müßte natürlich zunächst einmal von der
Vollversammlung der Vereinten Nationen gebilligt werden. Zuvor bedarf es eines
Beschlusses des Beitragsausschusses, der im Frühjahr kommenden Jahres zusammentritt und die Beiträge für drei Jahre festsetzt. Diese Entscheidung muß dann
von der Vollversammlung - im Jahre 1973 - bestätigt werden, und die neuen Beiträge würden dann mit dem Jahre 1974 wirksam. Wie aus amerikanischen Kreisen
bei den Vereinten Nationen verlautet, denkt man in dem Ausschuß an eine Aufstockung der Beiträge unter anderem für Japan und Australien. Auch die Volksrepublik China dürfte etwas mehr zur Kasse gebeten werden als das ausgeschlossene
Formosa.
Die Vereinigten Staaten würden auch bei einer Neufestsetzung der Beitragshöchstgrenze auf 25 Prozent bei weitem den größten Beitrag zur Weltorganisation
leisten. Ihr Beitrag würde auch dann noch um 50 Prozent höher liegen als der
des nächsthöheren Beitragszahlers, nämlich der Sowjetunion. Und schließlich darf
man nicht vergessen, daß hier zunächst nur von dem Beitrag zum regulären Budget
die Rede war. Die gewaltigen Zuwendungen der USA zu den verschiedenen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen betragen ein Vielfaches dieses Betrages,und
die Vereinigten Staaten bringen rund 40 Prozent der Mittel für das gesamte System
der Vereinten Nationen auf- Mittel, die schließlich jedes Jahr vom amerikanischen
Kongreß bewilligt werden müssen. So haben die USA im Jahre 1971 die stattliche
Summe von über 433 Millionen Dollar für die Vereinten Nationen insgesamt aufgebracht.
Die

�Die amerikanische Mission bei den Vereinten Nationen hat in diesem Zusammenhang eine interessante Aufschlüsselung des Beitrages der USA veröffentlicht:
1 9

7 1
US-Beitrag
(in Tausend Dollar)

Prozentsatz

Vereinte Nationen

56 312

31,5

Ernährungs-u.Landwirtschaftsorganisation(FAO)

10 083

31,6

115

8,1

Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)

3 977

31,5

Internationale Zivilluftfahrtorganisation(ICAO)

2 167

30,9

Gemeinsames Finanzierungsprogramm

1 773

39,1

Internationale Arbeitsorganisation (ILO)

3 908

25

Reguläres Budget(Voranschlag)

Zwischenstaatliche Konsultativorganisation für
die Seefahrt (IMCO)

Internationale Fernmeldeunion (ITU)
UNESCO
Weltpostverein
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Weltwetterdienst (WMO)
Gesamt:

703

11,6

12 018

29,8

80

4,2

23 741

30,9

774

23,9

115 651

UN-Streitmacht auf Zypern

4 800

38,7

19 7 1

-4-

�19 7 1
Freiwillige Beiträge zu Programmen
der Vereinten Nationen

US-Beitrag
(in Tausend Dollar)

Prozentsatz

1 550

36,9

Kinderhilfsfonds (UNICEF)

15 886

38,8

Entwicklungsprogramm

86 268

34

Weltlebensmittelprogramm (FAO)

54 56o

51,7

Fonds für Rauschgiftbekämpfung

2 000

70,9

14 500

50

IAEA Betriebskosten

Bevölkerungsfragen

1 000

19,2

Humanitäre Hilfe für Indien

90 875

37,1

Humanitäre Hilfe für Ostpakistan

18 920

UNRWA

23 200

54,3

I n s t i t u t für Ausbildung und Forschung

400

38,3

Freiwilligenprogramm

200

79,1

S o n d e r b e i t r ä g e für Vietnam

950

76,9

Krebsforschung der WHO

312

15,5

Sonderprogramm der WHO

469

36,9

Programme des Hochkommissars für Flüchtlinge

F r e i w i l l i g e s Unterstützungsprogramm der WHO

1 500

Gesamt:

312 59o

Gesamtbeitrag zum regulären Budget

115 651

UN-Streitmacht auf Zypern
Gesamtaufwendungen der USA

4 800

433 041

nicht ver fügbar

30

�B E R I C H T I G U N G

In der Tabelle: "Freiwillige Beiträge zu Programmen der Vereinten
Nationen" auf Seite 5 muß der letzte Posten richtig heißen:

Freiwilliges Unterstützungsprogramm für den WMO
(Weltwetterdienst)

1 500

30

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35/1972

KLIMAANLAGEN UND KÄLTETECHNIK
-Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in Frankfurt -

--(AD)-- Vom 11. bis 15. September 1972 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Fachausstellung zum Thema "Klimatechnik-Kältetechnik" ,
auf der über 30 amerikanische Hersteller Anlagen, Geräte und Bauteile aus
ihren neuesten Produktionsserien zeigen. Die Mehrzahl der ausstellenden Unternehmen, die in Deutschland noch nicht vertreten sind, sucht

Kontakte zu

Vertriebsfirmen bezw. Lizenznehmern. Ein angegliedertes Tagungsprogramm behandelt praktische Anwendungsbeispiele und spezielle Geräteentwicklungen.
Kostenlose Unterlagen können beim US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am
Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, angefordert werden. Telefon 72 08 Ol,
Telex 416535.

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35/1972

AN DER VERTEIDIGUNG SCHEIDEN SICH DIE GEISTER
-Gegensätzliche Auffassungen Nixons und McGoverns-

CHIKAGO --(AD)-- Der wohl entscheidenste Unterschied in den politischen Auffassungen Präsident Nixons, des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
zur Wiederwahl, und seines demokratischen Herausforderers, Senator George
McGovern,liegt auf dem Gebiet der Verteidigung und der militärischen Verpflichtungen der Vereinigten Staaten.
Die gegenwärtigen Verteidigungsausgaben der USA liegen bei jährlich 80
Milliarden Dollar, und Präsident Nixon möchte sie in etwa auf diesem Stand halten.
Senator McGovern dagegen möchte sie über einen Zeitraum von drei Jahren um mindestens 30 Milliarden Dollar kürzen. Die Unterschiede in den Auffassungen beider Kandidaten kommen vielleicht am deutlichsten in den Reden zum Ausdruck,die
sie dieser Tage vor dem großen amerikanischen Veteranenverband "American Legion"
gehalten haben.
McGovern führte am 23. August in Chikago unter anderem aus:
"....Die Streitkräfte sind heute in dem längsten Krieg unserer Geschichte
gebunden. Der Höchststand unserer Streitkräfte in Südostasien ist zwar seit 1969
um eine halbe Million Mann gesenkt worden, jedoch wurden im gleichen Zeitraum

�Zeitraum über eine Million Mann dorthin geschickt, um dort zu kämpfen. Und es
sind immer noch zu Lande und zur See über 140 000 Mann....
Amerikaner werden für eine gute Sache kämpfen und sterben; das haben wir
immer getan. Die Armee, die so kämpft, wird ihre Offiziere achten und wird bei
der Bevölkerung in der Heimat geehrt und bewundert werden. Unsere gegenwärtigen
Probleme entstanden aus der Tatsache, daß die Soldaten aufgefordert wurden
- und immer noch aufgefordert werden - weiterhin in einem Krieg zu kämpfen,
an den die Nation nicht länger glaubt.
Ein Krieg ist niemals fair. Wir werden von den Männern und Frauen in unseren Streitkräften immer mehr fordern, als wir ihnen geben können. Aber als
Mindestes können wir ihnen eine Aufgabe geben, die der Ehre und Würde ihres
Dienstes entspricht - eine Aufgabe, ihrer eigenen Selbstachtung als Menschen
gerecht zu werden - eine Aufgabe, die sie stolz als amerikanische Aufgabe bezeichnen können.
Der Krieg in Vietnam ist keine solche Aufgabe und kann es auch nicht sein.
General Thieu ist keinen weiteren Tropfen amerikanischen Blutes wert oder auch
nur eines Gramms an Leiden und Sorgen seitens unserer Kriegsgefangenen und ihrer
Angehörigen. Und je eher wir der Bombardierung und der Beschießung Einhalt gebieten und unsere Männer nach Hause bringen können, desto eher können sich unsere Streitkräfte wieder den echten Erfordernissen unserer Sicherheit und unseres
Landes zuwenden.
Wir müssen begreifen lernen, daß jeder Dollar, den wir für die Zerstörung
Vietnams ausgeben, uns der Mittel beraubt, die wir zum Aufbau Amerikas brauchen..
Ich bin gegen die Bombardierung Vietnams, nicht nur, weil ich überzeugt bin,
daß sie falsch ist, nicht nur, weil ich der Überzeugung bin, daß sie militärisch
unwirksam ist, sondern auch, weil sie Verschwendung ist....
Laßt

-2-

�Laßt uns aufhören, Asien zu bombardieren, und anfangen, Amerika aufzubauen.
Das ist der einzige Weg, das Töten zu beenden, und es ist der einzige Weg, die
Freilassung unserer Kriegsgefangenen zu erreichen. Unsere gegenwärtige Politik
befreit die Gefangenen nicht, sie sperrt sie vielmehr noch enger ein und vergrößert jede Woche die Zahl derer, die abgeschossen und gefangengenommen werden...
Es war bisher nicht Tradition, daß Präsidentschaftskandidaten ihre militärischen Vorstellungen im einzelnen darlegten, bevor sie gewählt wurden. Aber das
Militärprogramm hat einen so lebensentscheidenden Einfluß auf unsere Wirtschaft
und nimmt einen so hohen Anteil unserer Regierungstätigkeit in Anspruch, daß die
Öffentlichkeit wissen sollte, welche Absichten ich habe.
Erstens mache ich folgende Zusage: Solange ich Präsident der Vereinigten
Staaten wäre, würde Amerika niemals zu einer zweitklassigen Macht werden. Wir sind
die stärkste Nation der Welt und werden es bleiben.
Ich habe meinen Verteidigungsvorstellungen mehr Zeit und Mühe gewidmet als
irgendeinem anderen Teil meiner Vorbereitungen für die Präsidentschaft. Ich habe
die Sicherheitserfordernisse unseres Landes sorgfältig durchkalkuliert. Es gibt
keine einzige Möglichkeit, die nicht in diese Überlegungen einbezogen worden ist.
Mein Budget hält an einer festen Verpflichtung zur konventionellen Verteidigung
und zur nuklearen Abschreckung fest. Es bietet ausreichende Sicherheit gegen einen
Angriff, indem die Nation mehr und nicht weniger der nuklearen Systeme erhält, auf
die wir für die garantierte Zerstörung jedes potentiellen Gegners angewiesen sind.
Darf ich Ihnen nur ein Beispiel geben: Mein Budget würde uns genug Feuerkraft geben, um Rußland und China gleichzeitig zwanzigfach zu zerstören, und ich
würde selbstverständlich mein Verteidigungsbudget ständig mit unseren militärischen Befehlshabern überprüfen und jedwede Veränderungen vornehmen, die durch
neue Verhältnisse und neue Techniken erforderlich würden.
Ich

-3-

�Ich versichere Ihnen, daß es keiner feindlichen Macht je gelingen wird,
dieses Land zu bedrohen, wenn ich Präsident wäre. Keine ausländische Macht wird
uns herumschubsen. Wir werden immer genügend Macht haben, einem Angriff, der Drohung mit einem Angriff oder der auf diplomatischem Wege vorgenommenen Erpressung
zu widerstehen.
Wer jedoch jemals Soldat war, der weiß, daß unsere militärischen Ausgaben
durch Verschwendung und Unwirksamkeit durchlöchert werden. Wir brauchen eine unbesiegbare und unverletzbare Verteidigung. Aber wir müssen auch den hochfliegenden militärischen Geldausgebern Zügel anlegen, die glauben, daß die Grenze der
Himmel sei, und die in flagranter Weise die Blankoschecks mißbraucht haben, die
ihnen in der Vergangenheit vom Kongreß und von der Bevölkerung ausgestellt worden sind. Wir haben heute mehr Offiziere, um 2,5 Millionen Mann zu befehligen,
als wir im zweiten Weltkrieg hatten, um 12 Millionen Mann zu befehligen, und
manche von uns glaubten damals schon, wir hätten zu viele Offiziere. Die Führer,
die unsere Streitkräfte schwächen würden, sind nicht jene, die die Verschwendung
in unserem Verteidigungshaushalt beseitigen würden. Es sind nicht jene, die Geld
für unsere Städte bereitstellen oder die Steuerlasten des Eigenheimbesitzers
oder des kleinen Geschäftsmannes oder des Arbeiters an der Maschine erleichtern
würden. Die Führer, die unserer Verteidigung schweren Schaden zugefügt haben,
sind jene Männer, die unsere militärische Macht für Zwecke benutzt haben, die
unser Volk abgelehnt hat.
Die Gefahr des Isolationismus kommt nicht von jenen, die eine vernünftige
Politik in Indochina wollen. Die Gefahr kommt nicht von jenen, die daran zweifeln,
ob es notwendig ist, daß unser Land ganz Asien und Afrika und Lateinamerika und
Europa unter der Fuchtel hält. Die Gefahr kommt von jenen, die an einer Politik
festhalten, von der das amerikanische Volk weiß, daß sie in Geld und Leben gemessen

töricht, unnütz und teuer ist. Das sind diejenigen, die einen wahrhaft

katastrophalen Rückzug aus der Welt heraufbeschwören...."
Präsident

�Präsident Nixon führte am 24 August zu diesem Thema unter anderem aus:
"... Meine Richtschnur ist gewesen und wird auch weiterhin sein, daß Amerika
niemals die zweitstärkste Nation der Welt werden wird. Solange ich Präsident bin,
wird Amerika mit unseren Gegnern niemals aus einer Position der Schwäche heraus
verhandeln müssen....
Damit will ich keinen Augenblick sagen, daß wir nicht so viel Geld wie möglich bei unserer nationalen Verteidigung einsparen und so viel Geld wie nur möglich für andere lebenswichtige nationale Erfordernisse bereitstellen sollten.
Wir haben bei unseren Militärausgaben gespart und werden auch weiterhin sparen, wann und wo wir das ohne Gefahr tun können. Aber ich habe niemals die Sicherheit des amerikanischen Volkes unter der falschen Flagge der Sparsamkeit aufs
Spiel gesetzt und werde das auch niemals tun. Ein dauerhafter Friede gründet
sich nur auf Stärke.
Sparsamkeit immer - Schwäche niemals. Sehen Sie sich das bisher Geschehene
an, und Sie werden erkennen, daß wir bereits wesentliche und gefahrlose Sparmaßnahmen eingeführt haben. Es ist uns gelungen, die Verteidigungsausgaben auf ein
sicheres Minimum zu verringern, ohne unsere Sicherheit infragezustellen oder unsere vertraglichen Verpflichtungen zu verletzen.
Wir haben die Gesamtstärke unserer Streitkräfte erfolgreich um fast ein
Drittel verringert. Wir haben überseeische Stützpunkte geschlossen, die für unsere nationale Sicherheit nicht länger von entscheidender Bedeutung sind, ohne dadurch das Vertrauen unserer Verbündeten zu untergraben. Und es ist uns gelungen,
jene Verbündeten dazu zu bewegen, einen größeren Anteil an der Last der Verteidigung der freien Welt zu übernehmen als in der Vergangenheit.
Wenn

-5-

�Wenn Sie einmal die Tatsachen von der Wahlkampfrhetorik trennen, dann werden
Sie erkennen, daß der Verteidigungshaushalt für 1973 nur 6,4 Prozent des geschätzten Bruttosozialproduktes ausmacht - daß er unserem Lande die kleinste wirtschaftliche Belastung durch irgendeinen Verteidigungshaushalt seit über 20 Jahren
auferlegt. Das ist echter Fortschritt.
Ich bin jedoch sicher, daß ich für die große Mehrheit der Amerikaner spreche, wenn ich erkläre, daß ich in unserem Verteidigungsprogramm eine klare Linie
ziehe zwischen Maßnahmen, die ins Fleisch schneiden, und solchen, die das Fett beseitigen.
Wenn wir jedoch - wie manche das vorschlagen - die Entwicklung unserer Minuteman III und der Poseidon-Raketen-Programme einstellen - Programme, die für eine
glaubwürdige Verteidigung notwendig sind und Programme, die bereits vom Kongreß
gebilligt worden sind - dann würde Amerika die zweitstärkste Macht der Welt.
Wenn wir unsere strategische Bomberstreitmacht um 60 Prozent amputieren wenn wir die Entwicklung des B 1-Bombers einstellen und die Zahl unserer Flugzeugträger von 16 auf 6 verringern - dann würde Amerika die zweitstärkste Macht
der Welt.
Wenn wir in einer Zeit, da die Sowjetunion aktiv mit dem größten Flottenaufbau in der ganzen Geschichte beschäftigt ist, unsere Flottenstärke drastisch kürzen würden, dann würde Amerika die zweitstärkste Macht der Welt.
Wenn wir einen großen einseitigen Truppenabzug der NATO vornehmen - einen Abzug, der unsere Kapazität in Europa und im Nahen Osten ernsthaft schwächen würde dann würden wir das Vertrauen unserer Freunde hintergehen und die Hoffnungen auf
ein Abkommen zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt über beiderseitige Truppenverringerungen zerstören....
Was jedoch am wichtigsten ist, wenn wir einseitig die B 1-und MIRV-Programme
aufgeben würden, wie manche das vorschlagen, dann könnten wir niemals hoffen,

-6-

�hoffen, einen weiteren Fortschritt in der Rüstungsbegrenzung mit der Sowjetunion erzielen zu können. Eine Sowjetunion, die sich einem Amerika gegenübersieht,
das selbst einseitig seine militärische Stärke vermindert, hätte keinerlei Anreiz, ihre eigenen Programme zu verringern.
Schwäche ist ein Risiko, das wir niemals eingehen dürfen. Gerade weil diese
Administration nicht unverantwortlich gehandelt hat, weil diese Administration
in ihrer Verteidigungspolitik ruhig und vernünftig und in ihren Beziehungen zu
anderen Nationen offen und frei geblieben ist, stehen wir heute an der Schwelle
einer friedlicheren und sichereren Ära für die ganze Menschheit
Ich bin dankbar für die Art und Weise, in der das amerikanische Volk und
ganz besonders Gruppen wie die American Legion während der schwierigen, aber erfolgreichen Politik der Beendigung des Krieges in Vietnam auf ehrenhafte Weise
ihre Regierung unterstützt haben. Als Ergebnis ist es uns möglich gewesen, eine
halbe Million amerikanischer Soldaten aus Vietnam heimzuholen - und wir haben das

getan, ohne unsere Verbündeten zu verkaufen, ohne vor unseren Gegnern zu kapitulieren und ohne unsere Gefangenen und Vermißten aufzugeben....
Wollen wir uns nichts vormachen. Die Freiheit ist noch nicht sicher vor ihren Gegnern, und selbst unter unseren Verbündeten muß noch manche echte Differenz
ausgeräumt werden. Ich habe jedoch Grund zu berechtigtem Optimismus gefunden
- für eine vorsichtige, bedachte Hoffnung für die Zukunft. In Peking, in Moskau
und in den Hauptstädten unserer Verbündeten in der ganzen Welt habe ich den
Wunsch nach Frieden vorgefunden. Es sind nicht die gleichen Gründe oder dieselben Bedingungen, die in jedem dieser Zentren der Welt den Frieden wünschenswert
machen. Aber er wird in einem solchen Maße gewünscht, daß wir eine Basis haben,
auf der wir aufbauen können, wenn Amerika nicht nachgibt oder schwach wird....

Der

-7-

�Der Frieden wird nicht Wirklichkeit werden, wenn wir den zwar ehrenhaften,
aber fehlgeleiteten Stimmen jener nachgeben, die sagen, wir sollten Amerika heute schwächen und naiv auf Frieden für morgen hoffen. Der Frieden kann jedoch
Wirklichkeit werden, wenn wir weiterhin eine vernünftige, verantwortungsbewußte
Außenpolitik verfolgen, wenn wir Amerika stark genug erhalten, um diese Politik
glaubwürdig zu machen..."

-8-

�" amerika dienst
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35/1972

ZENTRALINSTITUT FÜR BAUTECHNIK
"National Bureau of Standards" koordiniert Forschung und
Entwicklung auf dem Bausektor

--(AD)-- Beim "National Bureau of Standards" (NBS), dem amerikanischen Bundesamt für Materialprüfung und technische Normen, wurden mit der Schaffung des
Zentralinstituts für Bautechnik in Gaithersburg (Maryland) alle Einzelabteilungen des NBS, die sich in irgendeiner Form mit dem Bauwesen befassen, unter einem Dach vereint. Baustoffe und Materialforschung, Städte-und Regionalplanung, Bodenmechanik, Wohnungsbau, Behörden-und Krankenhausbau fallen ebenso darunter wie die Auswertung Von Modellprojekten, bei denen die fabrikmäßige
Herstellung von kompletten Wohnungen, Büroetagen und Reihenhäusern, die nur
noch montiert zu werden brauchen, eine immer wichtigere Rolle spielt.
Im laufenden Haushaltjahr stellt das US-Handelsministerium 8,7 Millionen Dollar für das Zentralinstitut zur Verfügung, das gegenwärtig etwa 25o
Mitarbeiter hat. Sie vertreten als Spezialisten 2o verschiedene Disziplinen
-vom Architekten, Statiker und Werkstoffphysiker bis zum Soziologen.

Einer

der Schwerpunkte ist gegenwärtig das Projekt FEEDBACK. Dabei geht es um die

-l-

�die Auswertung der Modelle für den Wohnungs-, Siedlungs-und Städtebau, die im
Rahmen der "Operation Breakthrough" (»Operation Durchbruch") errichtet worden
sind. In einer Vielzahl von Interviews werden die Erfahrungen der Herstellungsund Montagefirmen sowie der Bewohner der neuen Städte oder Stadtteile erfaßt,
um Mittel und Wege zu notwendigen und optimalen Verbesserungen zu finden.
Gespannt erwartet man z.B. die Ergebnisse des "Breakthrough" - Modells
von Jersey City. Dort wird der gesamte Strom an Ort und Stelle erzeugt, Abwärme
wird für Wohnungs-und Warmwasserheizung sowie für Kühlzwecke genutzt. Ziel des
Unternehmens: Rationelle Nutzung der Energiereserven, größere Zuverlässigkeit
der Dienstleistungen, weniger Lärm und Verschmutzung.
Die heute üblichen Werkstoffe - vom Bau-und Möbelmaterial bis zu den Haushaltswaren und Anstrichen - werden keineswegs als der Weisheit letzter Schluß
betrachtet. Das Institut für Bautechnik bemüht sich z. B. gegenwärtig, sämtliche
im Handel befindlichen Anstrichfarben auf ihre Giftigkeit (etwa wegen ihres Bleigehalts) oder auf Auswirkungen in der Form allergischer Erscheinungen bei den
Personen zu prüfen, die damit leben. Andere Untersuchungen konzentrieren sich
u.a. auf die Gefahren

der Ausbreitung von Rauch und Feuer, auf die Erstel-

lung von Fundamenten, auf Materialien für Rohrleitungen, Isoliereigenschaften
ganzer Gebäude gegen Wärme und Kälte, Rentabilitätsstudien bei Wohnungsbauprojekten, beschleunigte Alterung von Baukomponenten. Der letztgenannte Punkt ist
im Zusammenhang mit den Bemühungen von Bedeutung, die Entwicklung von Slums
künftig unmöglich zu machen. Die ursprünglichen 22

"Breakthrough"-Projekte

wurden inzwischen offiziell um die Sonderprogramme Qualitätskontrolle, Produktionsplanung, Planung für Verkehrswesen und Transportfragen sowie Kostenberechnung erweitert. Dabei ist es selbstverständlich und notwendig, daß das Zentralmstitut eng mit der Industrie, mit Regierungsbehörden, Berufsverbänden, Gewerkschaften, Verbrauchern, Normenausschüssen, Medizinern und Forschungsinstituten der Universitäten im ganzen Land zusammenarbeitet. Die experimentellen

-2-

�experimentellen Untersuchungen werden zum größten Teil in den NBS-Uboratorien
von Gaithersburg, manche jedoch auch von mobilen Laboratorien an Ort und Stelle
oder an Spezialinstituten in anderen Bundesstaaten durchgeführt.

+++

-3-

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STROMUNGSFORSCHUNG
Sprechende Flaschenpost-Farbmarkierung-Tiefenströmung
elektrisch gemessen
--(AD)-- Einfache Treibbojen, die mit Kleinsendern versehen sind, werden am
Ozeanographischen Institut Woods Hole (Massachusetts, USA) entwickelt. Die
nach einem bestimmten Programm abgestrahlten Signale sollen noch im Umkreis
von mehr als 400 km empfangen werden können, so daß festlandnahe Oberflächenströmungen im Meer auch von Küstenstationen aus zu überwachen sind.
Das vom amerikanischen Handelsministerium finanzierte Projekt soll die
Strömungsforschung wirtschaftlicher gestalten. Bisher konnten mit den herkömmlichen Methoden - Suche nach angetriebener Flaschenpost

"in d e r Küste, ihre

zufällige Bergung durch Schiffe oder ihre Lokalisierung mittels Radar von
Schiffen oder Flugzeugen aus - durchschnittlich nur 10 Prozent der Markierobjekte wieder ausfindig gemacht werden. An der amerikanischen Ostküste ist das
Beobachtungsergebnis in der kalten Jahreszeit wegen der starken Nordwestwinde,
die die Behälter aus der Strömungszone treiben,sogar noch magerer. Ein weiterer
Nachteil der einfachen Driftbojen ergibt sich aus der Tatsache, daß sie nach
dem Einsetzen ins Wasser auf ihrem Weg nicht verfolgt werden können. Dies ist
jedoch für viele Einzelprobleme, angefangen von der Überwachung südwärts treibender Eisberge bis zur Klärung der Frage des Transports von Fischlaich durch

-1-

�durch Meeresströmungen, von großer

Bedeutung.

Das geplante neue System der

"sprechenden Flaschenpost" könnte bei geringem finanziellen Aufwand detaillierte Ergebnisse über einen langen Zeitraum bringen.
Es würde allerdings nicht ausreichen, um großflächige Störungen innerhalb
einer Meeresströmung, wie sie z.B. in den letzten Monaten im Golfstrom durch
Kaltwasserwirbel auftraten, zu überwachen. Deshalb wurde von Bord des Forschungsschiffes MT MITCHELL aus einer der riesigen Wirbel mit orangegelbem Farbstoff zusätzlich markiert, nachdem im Zentrum und in den Randzonen bereits Blechfässer
und Kleinbehälter als Treibbojen ausgesetzt worden waren.
Die drei bisher in diesem Jahr ermittelten Kaltwasserwirbel rotieren entgegen dem Uhrzeigersinn und haben 120 bis 160 km Durchmesser. Am schnellsten wandert Wirbel Nr. 2; er zieht mit 3,2 km Geschwindigkeit pro Tag an der Ostseite
des Golfstroms nach Südwesten und befindet sich derzeit im Grenzgebiet der amerikanischen Bundesstaaten Georgia und Florida. Dr. Philip Richardson (Universität
Rhode Island) schätzt, daß die Wassermasse etwa der Wassermenge entspricht,die
der warme Golfstrom in ca. 10 Tagen am Cape Hatteras (Nordkarolina) vorbeiführt.
Die Oberflächentemperatur des Wirbels liegt mit 18 Grad Celsius um 4,5 Grad C
niedriger als die des umgebenden Meerwassers. Wirbel Nr.l, der bereits Anfang
des Jahres beobachtet wurde, reichte nach Schätzung Richardsons von der Wasseroberfläche bis in 3 000 m Tiefe, ehe er am Kontinentalsockel entsprechend der geringeren Abfalltiefe aufzusteigen begann. Anfang April 1972 wurde er vor Kap Kennedy geortet, war jedoch wenig später nicht mehr ausfindig zu machen. Nach Ansicht
der Wissenschaftler entstehen solche Kaltwasser-"Taschen" durch die unvorhersehbaren Änderungen des Weges, den die aus der karibischen See und dem atlantischen
Äquatorialstrom gespeiste warme Meeresströmung vor der Ostküste Floridas und
bis Cape Hatteras nimmt, ehe sie als "Golfstrom" weiter nach Nordosten durch den
Atlantik bis zu den Küsten Europas und Skandinaviens zieht. Warmwasserzungen be-

-2-

�beginnen kalte Wasseraassen aus dem Norden zu umschließen, wobei diese in langsame Rotation geraten

Wenn ein solcher Wirbel den Golfstrom durchbricht, wird

das eingeschlossene kalte Wasser nach Süden bis in die Sarg.sso See transportiert. In mehrjährigen Beobachtungen will man herausfinden, ob bezw. welche Auswirkungen auf Klima und Wettergeschehen an der amerikanischen Ostküste durch
solche Kaltwassermassen zu erwarten sind.
Die Geschwindigkeit einer Tiefenströmung konnte Dr. Robert R. Harvey von
der Universität Hawai erstmals indirekt mit Hilfe eines bei 3 000 m Wassertiefe
südwestlich der Hawai-Insel Oahu am Pazifikboden

verankerten Instruments

durch Messung des vertikalen elektrischen Feldes ermitteln. Dazu wird die elektrische Leitfähigkeit des Meerwassers auf Grund seines Gehalts an Metallionen
und gelösten Salzen in Verbindung mit dem erdmagnetischen Feld genutzt.
Die Bewegungen der Wassermassen mit Flut, Ebbe, Wellen und Strömungen führen
zu einer Art Dynamo-Effekt insofern, als ein elektrischer Leiter (das Meerwasser),
der durch ein Magnetfeld '[Erdmagnetfeld) geführt wird, ein elektrisches Feld in
einer Richtung erzeugt, die senkrecht zur Bewegungsrichtung des leitfähigen Mediums und zum Magnetfeld steht. Dr. Harvey erklärt das Meßprinzip des unter seiner
Mitwirkung konstruierten Geräts folgendermaßen: Die in Ost-West-Richtung sich bewegende Meeresströmung schneidet das in dem betreffenden Raum in Nord-Süd-Richtung orientierte eLdmagnetische Feld. Dadurch wird ein vertikales elektrisches
Feld erzeugt. Mit den Meßdaten für das(durch das Instrument ermittelte) elektrische Feld und der erdmagnetischen Feldstärke ist nach Harvey die Bewegungskomponente der Strömung nach Richtung und Geschwindigkeit rechnerisch zu ermitteln.

-3-

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GEWITTERWOLKEN WERDEN GEIMPFT

--(AD)-- Durch das "Impfen" von Gewitterwolken mit dünnen, aluminiumüberzogenen Nylonfäden wollen Wissenschaftler des amerikanischen Instituts für
Physik und Chemie der Atmosphäre-APCL (Boulder, Colorado) versuchen, starke
luftelektrische Spannungen abzuschwächen und Blitzentladungen weitgehend zu
verhindern. Das auf sechs Wochen angesetzte Feldexperiment im Nordosten des
Bundesstaates Colorado basiert, wie Dr, Heinz Kasemir vom APCL erklärte, auf
Erfahrungen, die bei den ersten Versuchen dieser Art in den Jahren 1965-66
gesammelt wurden. Man wird in einem ca. 500 qkm großen Gebiet das Phänomen
der Korona-Entladung, das z.B. auch beim sogenannten Elmsfeuer in Erscheinung
tritt, für die elektrische Abschwächung von Gewitterfronten nutzen. Am Boden
wurde ein Netz von Beobachtungsstationen geschaffen, die die elektrische Feldstärke und jeden Blitzschlag im Umkreis bis zu 80 km registrieren.
Zu einem Blitzschlag kommt es bei der plötzlichen Entladung zwischen zwei
Gebieten mit unterschiedlicher elektrischer Ladung. Wenn dies jedoch geschieht,
ist das elektrische Feld in den "Gewitterzellen" mindestens 500 000 Volt/Meter
stark. Wird nun ein elektrisch leitfähiges Objekt in ein solches elektrisches
Feld eingebracht, entwickelt es einen positiven und einen negativen Pol. Elektrisch geladene Teilchen (Ionen) werden an den Polen gleicher Ladung abgestoßen;

-l-

�abgestoßen; solche Ionenströme erhöhen die elektrische Leitfähigkeit der Atmosphäre. Sie verursachen auch, wie dies gelegentlich bei Gewitter zu beobachten
ist, die schwachen Leuchterscheinungen an Tragflächenspitzen von Flugzeugen, an
Schiffsmasten und an Baumkronen. Luft ist ja normalerweise ein sehr schlechter
Leiter, woraus sich auch die Tatsache erklärt, daß sich darin so starke elektrische Felder aufbauen können.
Der mit 10 cm langen aluminisierten Nylonfäden künstlich erzeugte KoronaEffekt wird jedoch vom Erdboden aus nicht sichtbar sein. Er tritt dann auf, wenn
das elektrische Feld stärker ist als 30 000 Volt/Meter. Deshalb setzen die Wissenschaftler, die unterhalb der Gewitterwolken Patrouille fliegen, die Verteiler
für die Nylonfäden erst in Aktion, wenn ihre Geräte höhere Meßwerte anzeigen.
Bei der ersten Versuchsserie im Jahre 1965 gelang es z.B. mit diesem Verfahren,
eine Gewitterzelle von 300 000 Volt/Meter elektrischer Feldstärke völlig zu neutralisieren.

Hill

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon ordnet weiterhin Truppenabzug aus Vietnam an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA streben gerechtere Verteilung der UN-Beiträge an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klimaanlagen und Kältetechnik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum in Frankfurt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;An der Verteidigung scheiden sich die Geister&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gegensätzliche Auffassungen Nixons und McGoverns -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zentralinstitut für Bautechnik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strömungsforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewitterwolken werden geimpft</text>
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Dokumentation

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34

2 3 . August

1972

Inhalt

INFORMATION:
US-Kongreßausschuß für Gemeinsamen NATO«»Fonds
-Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-RepräsentantenhausesKulturbrief USA

WIRTSCHAFT:

Einkommenskluft zwischen schwarzen und weißen Amerikanern wird kleiner
Wirtschaftliche Wachstumsrate in den USA höher als erwartet
•Erklärung des US-Handelsministeriums-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Weltgefahr Rauschgift
-Amerikanischer Kabinettsausschuß veröffentlicht Opiumbericht 1972Boden wandert 2 cm pro Jahr
Biologische Präparate unter dem Elektronenmikroskop

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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34/1972

US-KONGRESSAUSSCHUSS FÜR GEMEINSAMEN NATO-FONDS
-Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-Repräsentantenhauses-

WASHINGTON--(AD)-- Der Sonderausschuß für NATO-Verpflichtungen des Militärausschusses des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten hat sich nachdrücklich gegen eine Verringerung der amerikanischen Truppen in Europa und
stattdessen für die Schaffung eines "Gemeinsamen NATO-Fonds" ausgesprochen,
mit dessen Hilfe die Devisenlasten der USA erleichtert und deren Zahlungsbilanzdefizit verringert werden soll.
Die am 17. August von dem Sonderausschuss dazu herausgegebene Presseverlautbarung hat folgenden Wortlaut:
"Der Sonderausschuß für Verpflichtungen gegenüber der Organisation des
Nordatlantikvertrages des Militärausschusses des Repräsentantenhauses hat die
Einrichtung eines Gemeinsamen NATO-Fonds empfohlen, der die Vereinigten Staaten
von Zahlungsbilanzdefiziten entlasten würde, die aufgrund der Stationierung
ihrer Truppen in Europa auftreten.
Der Gemeinsame Fonds würde den Lastenausgleich in der NATO auf eine Weise
egalisieren, die für die Vereinigten Staaten am günstigsten wäre, ohne die
militärische Kapazität des Bündnisses zu schwächen, so erklärte der Sonderausschuß.
Der

-l-

�Der Sonderausschuß unter dem Vorsitz des Abgeordneten William J. Randall
(Demokrat, Missouri) sprach sich gegen eine Verringerung der Zahl der amerikanischen Truppen aus, die der NATO assigniert sind, und bezeichnete die in Europa
stationierten amerikanischen Streitkräfte als das 'natürliche Bindeglied* der
NATO - als den Leim, der das Bündnis zusammenhalte.
Der Sonderausschuß erklärte, die Debatte über die amerikanische NATO-Verpflichtung habe sich fälschlicherweise auf den zahlenmäßigen Stand der amerikanischen Truppen in Europa konzentriert. Die Verpflichtung müsse auch im Hinblick
auf die Luft-und Seestreitkräfte und die Dollar-Verpflichtung gesehen werden, so
betonte der Ausschuß.
Der Sonderausschuß hat den Tenor seines Berichtes durch die Feststellung
bestimmt, daß 'er bei der Ausarbeitung seiner Empfehlungen die Versuchung meidet, sich für kosmetische Operationen auszusprechen, die möglicherweise die politischen Gefühle in den Vereinigten Staaten beruhigen könnten. Die Möglichkeit
eines Abzuges von Truppen in der Größenordnung von 10 000 oder 20 000 Mann aus
Europa ist eine jener Ideen, die, oberflächlich gesehen, attraktiv sind und deren Reiz in hochpolitischen Zeiten besonders groß wird. Bei einer genauen Untersuchung stellt sich jedoch heraus, daß ein derartiger Schritt Ergebnisse zeitigen könnte, die das Bündnis in einem Ausmaß schwächen könnten, das in keinem
Verhältnis zu der Zahl der abgezogenen Soldaten stehen würde und daß die Einsparungen, wenn überhaupt, außerordentlich bescheiden wären.'
Der Sonderausschuß traf im wesentlichen folgende Feststellungen:
Die Rückführung von Truppen nach den Vereinigten Staaten schwächt das Bündnis. Truppen in den Vereinigten Staaten würden niemals den Abschreckungswert
besitzen wie in Europa stationierte Truppen, und die Kapazität einer raschen
Redislozierung großer Verbände nach Europa wird von jenen stark übertrieben,
die Truppenverringerungen empfehlen, und gelegentlich auch von Verteidigungsplanern.
Eine

-2-

�Eine Rückführung der Truppen nach den Vereinigten Staaten würde zu keinen
Einsparungen im eigentlichen haushaltsmäßigen Sinne führen, wenn diese nicht demobilisiert werden. Wenn die Verbände aufgelöst würden, wäre es unmöglich, der
amerikanischen Verpflichtung gegenüber der NATO weiterhin gerecht zu werden.
Wenn die Truppen in den Vereinigten Staaten aufrechterhalten würden und ein Versuch gemacht würde, die Kampfstärke in Europa aufrechtzuerhalten, dann würde
dies zusätzliche Ausrüstung erfordern, die in Europa bereitgestellt werden müßte,
sowie zusätzliche Luftbrücken-und Seetransportkapazitäten. Abgesehen davon, daß
eine solche Regelung militärisch fragwürdig wäre, würde sie rein haushaltsmäßig
gesehen mehr kosten als die gegenwärtige Regelung der Stationierung der Truppen
in Europa.
Aus diesem Grunde erklärte der Sonderausschuß, daß der beste Weg zu einer
besseren Verteilung der Lasten in der NATO, sowohl vom militärischen als auch
vom Dollar-Standpunkt aus gesehen, die Einrichtung des Gemeinsamen NATO-Fonds
ist. Länder, die aufgrund der Dislozierung von Truppen für die NATO Zahlungsbilanzdefizite haben, könnten aus dem Fonds ziehen, um das Defizit auszugleichen,
und Länder, die aufgrund der Stationierung anderer Truppen in ihrem Lande aus
der Gunst der Umstände einen Zahlungsbilanzvorteil haben, würden in den Fonds
einzahlen.
Der Sonderausschuß, der empfahl, daß der Vorschlag für den Fonds auf die
Tagesordnung der nächsten Konferenz der NATO-Minister gesetzt werden möge, forderte, daß die Vereinbarung flexibel genug sein müsse, daß auch jene Länder, die
keine Truppen auf ihrem Boden stationiert haben, die jedoch von der Stationierung
amerikanischer Truppen in benachbarten Ländern profitieren, ebenfalls Zahlungen
leisten.
Der Vorsitzende des Sonderausschusses, Randall, wies darauf hin, daß der
Sonderausschuß die Bemühungen unterstützt, zu Verhandlungen über beiderseitige
und ausgewogene Truppenverringerungen in Europa zu gelangen, und erklärte:
•Man

-3-

�•Man muß erkennen,daß mit den Berlin-Abkommen, der Erweiterung des Gemeinsamen
Marktes, der Aufwertung verschiedener Währungen und dem Anstoß, den die MBFR-Verhandlungen aus dem Gipfeltreffen in Moskau erhalten haben, gegenwärtig in Westeuropa tiefgreifende Veränderungen stattfinden. Man muß erkennen, daß die Fortschritte in der europäischen Wirtschaft und die Hoffnung auf eine größere politische Einheit in Westeuropa ohne die militärische Basis der NATO unmöglich wären. Wir sollten besonders vorsichtig sein und keine Veränderungen vornehmen,
die den Fortschritt vereiteln würden, der gemacht wird, oder die die Position
der NATO zu einer Zeit schwächen würden, da Verhandlungen gerade beginnen.'
Dem Sonderausschuß unter dem Vorsitzenden Randall gehören die Demokraten
Samuel S. Stratton aus New York und Les Aspin aus Wisconsin sowie die Republikaner
Alexander Pirnie aus New York und Charles S. Gubser aus Kalifornien an.
Bei der Veröffentlichung des Berichtes des Sonderausschusses fand der Vorsitzende des Militärausschusses, F. Edward Hebert, Worte hoher Anerkennung für
die Mitglieder, die an der umfassenden Studie des Sonderausschusses beteiligt
waren:
•Dies ist die erschöpfendste Studie der militärischen Verpflichtungen der
NATO, die in den 23 Jahren der Geschichte des Bündnisses im Kongreß durchgeführt
worden ist1, so sagte Hebert. 'Der Sonderausschuß hielt 17 Anhörungen in den Vereinigten Staaten und 17 in Übersee ab. Im Verlaufe von zwei Reisen nach Europa besuchte er neun NATO-Länder, sprach mit jedem wichtigen amerikanischen Befehlshaber in Europa und besuchte auch Truppeneinheiten.
Die Mitglieder widmeten diesem Unternehmen außerordentlich viel Zeit und
haben ihre Aufgabe in staatsmännischer Weise angepackt. Sie haben dem Kongreß
einen großen Dienst geleistet.'
Der Bericht des Sonderausschusses widmete den Problemen, die sich an der
Peripherie der NATO entwickeln, besondere Aufmerksamkeit: dem Aufbau der sowjeti-

-4-

�sowjetischen Seestreitkräfte im Mittelmeer, der beachtlichen sowjetischen Flottendrohung an der Nordflanke der NATO, der Möglichkeit beunruhigender künftiger
Entwicklungen in Jugoslawien und der Auswirkung, die der Abzug von NATO-Truppen
auf die Stabilität im Nahen Osten haben könnte.
Der Sonderausschuß sprach sich kritisch gegenüber der Exekutive aus, daß
sie der NATO nicht immer die Priorität eingeräumt habe, die sie in der internationalen Politik verdient, und empfahl, daß eine Konferenz der NATO-Führer und die
Möglichkeit eines Besuchs des Präsidenten bei der NATO ins Auge gefaßt würde.
Der Sonderausschuß erklärte, daß er zu seiner Überraschung einen ernsten
Mangel an langfristiger Planung für künftige Veränderungen in der NATO und ein
mangelndes Interesse seitens einiger amerikanischer Regierungsvertreter für die
ernsten wirtschaftlichen Probleme in den Vereinigten Staaten festgestellt habe.
Der Bericht unterstreicht, wie wichtig es sei, dafür zu sorgen, daß langfristige
Veränderungen in der amerikanischen Verpflichtung nur nach voller Konsultation
und in gemeinsamer Planung mit unseren Verbündeten vorgenommen werden.
Der Sonderausschuß ließ erkennen, daß seine Unterstützung der weiteren Dislozierung von Truppen in Europa sich auf die 260 000 amerikanischen Soldaten erstreckt, die ausdrücklich für die KampfStreitkräfte der NATO assigniert sind.
Er wies darauf hin, daß die oft zitierte Zahl von 310 000 (amerikanischen) Soldaten in Europa rund 50 000 Mann einschließen, die nicht ausdrücklich NATO-Befehlsstellen assigniert sind."

f++++

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34/1972

KULTURBRIEF USA

WASHINGTON --(AD)-- August 1972 —

Das John F.Kennedy Center, das am S.Sep-

tember vergangenen Jahres eröffnet wurde, begeht in diesen Tagen den ersten
Jahrestag seines Bestehens. Mit einer Konzertreihe, die vom 30. August bis
10. September unter dem Motto "The Old and the New" stattfindet und 30 Konzerte mit rund 100 Werken von 75 Meistern - von Vivaldi bis Strawinsky, Bartok
und Ives - umfaßt, eröffnet das Center, das erheblich zur Bereicherung des
kulturellen Lebens der amerikanischen Bundeshauptstadt beigetragen hat, die
zweite Spielzeit.
+-HDie Fromm Music Foundation, so genannt nach dem aus Kitzingen (Main) stammenden
Weinimporteur und Philanthropen Paul Fromm, der sie vor zwanzig Jahren gründete,
um dazu beizutragen, "die Kluft zwischen dem zeitgenössischen Komponisten und
der Gesellschaft zu überbrücken", hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten
in ganz besonderer Weise der Popularisierung der musikalischen Avantgarde angenommen. Dies geschah durch die Vergabe von Stipendien und Kompositionsaufträgen
an begabte junge Musiker

sowie durch Beteiligung der Stiftung an der Ausrich-

tung der Tanglewood Festspiele für Neue Musik. Um die Kontinuität ihres Wirkens

�Wirkens zu sichern, hat sich die Organisation jetzt mit Harvard zusammengetan und
wird in Zukunft die Bezeichnung Fromm Music Foundation at Harvard University
führen.

+++
Das Beste, was dem bekannten Newport Jazz Festival passieren konnte, war seine
Verlegung von Newport (Rhode Island) nach New York City. Die Befürchtung, daß
das Festival, dessen Publikumszulauf das kleine Newport nicht mehr bewältigen
konnte, in der Fülle des kulturellen Angebots der Millionenmetropole versickern
würde, war unbegründet. Die Jazztage waren ein großer Erfolg. Die Großen des
Jazz wie Stan Kenton, Count Basie,Woody Herman, Lionel Hampton, Duke Ellington,
Roy Eldridge, Buddy Täte und Charles Mingus spielten oft in überfüllten Sälen,
in denen vielfach nicht einmal mehr ein Stehplatz zu haben war. Es besteht kein
Zweifel daran, daß New York City auch in kommenden Jahren Schauplatz dieses inzwischen weltberühmten und weltweit interessierenden Festivals sein wird freilich, wie man hofft, unter Beibehaltung der alten Bezeichnung.

1,11
TTT

New York City mußte in diesen Wochen einige scharfe Angriffe der Theaterkritiker
über die in den letzten Jahren ziemlich unbefriedigenden Leistungen des Broadway
(den Off-Broadway ausgenommen) hinnehmen. Zweifellos liegt darin ein gutes Teil
Wahrheit. Trotz der Konkurrenz, die ihm von aktiven Theaterleitern in anderen
Teilen der USA gemacht wird, gilt New York noch immer als Amerikas Theaterstadt.
Nummer eins. Dichtauf aber liegen die Bundeshauptstadt Washington und Los Angeles
In Los Angeles wurden vor kurzem zwei neue Theater eröffnet: das Universal

�Universal Studios Amphitheater, eine Freiluftarena mit 3 800 Sitzplätzen und
das Shubert-Theater mit 1 800 Sitzplätzen - ein Faktum, das erstaunliche RückSchlüsse auf die Theaterfreudigkeit in einem Raum zuläßt, der ohnehin schon
über eine Reihe großer und moderner Theaterstätten verfügt, wie etwa das Music
Center, das Hungton Hartford Theatre, das Greec Theatre und die berühmte Hollywood Bowl. Die beiden neuen Theater bieten darüber hinaus mit dem Broadway-Hit
"Follies" (Shubert) und dem Rockmusical "Jesus Christ Superstar" ein echtes
Kontrastprogramm.

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34/1972

EINKOMMENSKLUFT ZWISCHEN SCHWARZEN UND WEISSEN AMERIKANERN
WIRD KLEINER

NEW YORK --(AD)-- Die Kluft zwischen dem durchschnittlichen Familieneinkommen
der schwarzen und der weißen Amerikaner ist in den letzten sechs Jahren wesentlich geringer geworden. Dies stellt der "Conference Board", eines der
größten Wirtschaftsforschungsinstitute der Welt, in einem in der Augustausgabe seiner Zeitschrift "Record" veröffentlichten Bericht fest.
Dem Bericht zufolge lag das durchschnittliche Jahreseinkommen der schwarzen Familien in den USA 1970 mit 6 279 Dollar um 60 Prozent höher als 1965.
Demgegenüber ist das durchschnittliche Jahreseinkommen der weißen Familien
von 1965 bis 1970 nur um 40 Prozent auf 10 236 Dollar gestiegen. Während das
Durchschnittseinkommen der schwarzen Familien 1965 lediglich 54 Prozent des
Durchschnittseinkommens der weißen Familie ausmachte, waren es 1970 bereits
61 Prozent.
Auch die Zahl der schwarzen Familien, deren Jahreseinkommen über 10 000
Dollar lag, hat, wie der Bericht zeigt, in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich schneller zugenommen, als dies bei den weißen Familien der Fall war.
Allein in der Zeit von 1965 bis 1970 verdoppelte sich die Zahl der schwarzen

-1-

�*

schwarzen Familien dieser Einkommensgruppe, während sie sich bei den weißen Familien lediglich um ein Drittel erhöhte. Im Jahre 1970 hatten rund 28 Prozent
aller schwarzen Familien und 52 Prozent der weißen Familien Jahreseinkommen
von 10 000 Dollar und mehr.
Aus dem Bericht geht weiter hervor, daß gerade Zeiten einer raschen wirtschaftlichen Expansion, wie Ende der sechziger Jahre, die benachteiligten Bevölkerungsgruppen aufgrund des hohen Arbeitskräftebedarfs begünstigen. Am stärksten
hat sich jedoch das Verhältnis der Einkommen von Schwarzen und Weißen 1966 geändert - dem Jahr, in dem die Kommission für gleiche Arbeitschancen erstmalig ihre
Arbeit voll aufnahm.
Der Bericht zeigt aber auch, daß die Schwarzen in immer stärkerem Maße in
gehobenere Berufe Eingang fanden. So hat sich die Zahl der schwarzen Geistesarbei
ter und Techniker in der Zeit von 1960 bis 1971 um 128 Prozent erhöht, die der
weissen in diesen Berufsgruppen um 45 Prozent. Die Zahl der schwarzen Manager,
Unternehmer und Beamten stieg in der gleichen Zeit um 92 Prozent, bei den Weißen
betrug die Zunahme in diesen Berufsgruppen 21 Prozent. Dagegen ging die Zahl der
Schwarzen, die in niedrig bezahlten Berufen wie im Haushalt, als Arbeiter oder
landwirtschaftliche

Arbeitskräfte tätig waren schneller zurück als die der

Weißen. Bei den sogenannten Prestigeberufen sitzen die Weißen allerdings immer
noch in den Spitzenpositionen, während in den untergeordneteren Positionen relativ mehr Schwarze tätig sind. Im Jahre 1971 hatten hier 13 Prozent aller berufstätigen Schwarzen führende Stellungen inne, während es bei den Weißen 26 Prozent
waren. In den untergeordneteren Positionen waren 21 Prozent der berufstätigen
Schwarzen und nur 10 Prozent der berufstätigen Weißen tätig.
Der Bericht weist darauf hin, daß die Schulbildung einen wichtigen Faktor
für den wirtschaftlichen Fortschritt der Schwarzen darstellt. Im Jahre 1959 hatten die im Berufsleben stehenden Schwarzen im Durchschnitt 8,7 Jahre eine Schule
besucht; für die Weißen betrug die Zahl 12,1 Jahre. Im Jahre 1971 hatten die

-2-

�die Schwarzen im Durchschnitt einen Schulbesuch von 11,9 Jahren und die Weißen
von 12,5 Jahren aufzuweisen.
Aber auch die Zahl der schwarzen Familien, deren Einkommen unter dem
Existenzminimum - gegenwärtig 3 968 Dollar für eine vierköpfige Familie in der
Stadt - liegt, ist merklich zurückgegangen.

Bei den schwarzen Familien beträgt

sie zur Zeit noch 29 Prozent, bei den weißen Familien acht Prozent.

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WIRTSCHAFTLICHE WACHSTUMSRATE IN DEN USA HOHER ALS ERWARTET
-Erklärung des US-Handelsministeriums-

WASHINGTON --(AD)-- Der Unterstaatssekretär für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Handelsministerium, Harold C. Passer, hat zu den nunmehr vorliegenden revidierten Zahlen über die Entwicklung des amerikanischen Bruttosozialproduktes
im zweiten Quartal 1972 eine Erklärung des Handelsministeriums abgegeben, die
folgenden Wortlaut hat:
Die berichtigten Zahlen zeigen, daß die reale Wachstumsrate (des Bruttosozialproduktes) im zweiten Quartal noch größer war,als ursprünglich berichtet wurde.- 9,4 Prozent gegenüber 8,9 Prozent. Dies war zum Teil auf die höheren Zahlen
des Bruttosozialproduktes in US-Dollar und zum Teil darauf zurückzuführen, daß
die Inflationsrate niedriger war als erwartet - 1,8 Prozent gegenüber 2,1 Prozent. Die reale Wachstumsrate (des Bruttosozialproduktes) im zweiten Quartal
von 9,4 Prozent ist seit 13 Jahren nicht mehr übertroffen worden - sie wurde
allerdings im vierten Quartal 1965 ebenfalls erreicht. Die Wachstumsrate von
7,4 Prozent in den letzten drei Quartalen ist die höchste für einen Neunmonatszeitraum seit sechs Jahren.
Der

-1-

�Der Anstieg des Deflators des Bruttosozialproduktes - der umfassendste
Preisindikator - um nur 1,8 Prozent steht neben einem Deflator von 1,5 Prozent
im vierten Quartal 1971, als die Preise durch den Preisstopp niedrig gehalten wurden. Abgesehen von diesem Quartal war der Deflator von 1,8 Prozent der niedrigste
seit dem vierten Quartal 1965.
Wie in einer rasch expandierenden Wirtschaft zu erwarten ist, nahmen die
Gesellschaftsgewinne im zweiten Quartal weiter zu. Nach Abzug der Steuern erhöhten sich die Gewinne um 2,9 Milliarden Dollar und sind damit seit dem von 1966
bis 1970 dauernden Rückgang sechs Quartale lang ständig gestiegen.
Obwohl die Gesamtgewinne im Rahmen des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogrammes steigen dürfen, gibt es Kontrollen für die Gewinnmarge pro umgesetztem
Dollar. Die Gesamtgewinne dürfen also steigen, wenn die Umsätze zunehmen. Man
kann dies in etwa mit den Grenzen vergleichen, in denen die Stundenlöhne ansteigen dürfen, was aber nicht verhindert, daß das Gesamteinkommen eines Arbeiters
sich über diese Grenzen hinaus erhöht, sofern er mehr Stunden arbeitet.
Es gibt jedoch ein freiwilliges Programm zur Beschränkung der Dividenden,
und die Höhe der Gewinne, die bisher in diesem Jahr an die Aktionäre ausgeschüttet
worden sind, hat gegenüber vor einem Jahr um weniger als 3 Prozent zugenommen.
Die Aufwärtsentwicklung der Gewinne ist für die Wirtschaft als Ganzes ermutigend, weil sie sowohl Anreiz zur Ausweitung der Produktion und Hinzunahme
neuer Anlagen bietet, die Arbeitsplätze und Einkommen vermehren, als auch einen
Teil der Mittel hierfür bereitstellt.
Die Fluktuation der Gewinne während eines Wirtschaftszyklus ist groß. In
den ersten Phasen einer Wirtschaftsexpansion steigen sie gewöhnlich stark an
und stabilisieren sich dann oder gehen zurück, während Löhne und andere Einkommensarten weiter steigen. Dabei waren die Gewinne zu Beginn der gegenwärtigen
Wiedererholung ohnehin niedrig, da sie Ende der sechziger Jahre zurückgegangen
waren, obwohl die Wirtschaft weiter expandierte.
Von

-2-

�Von dieser zyklischen Wirkung ganz abgesehen hatten die Gewinne eine langfristige Abwärtsentwicklung zu verzeichnen. Im Jahre 1970 waren die Gewinne nach
allen Maßstäben gemessen - in Prozenten des Volkseinkommens, nach der Ertragsrate des investierten Kapitals, in Prozenten der Einkünfte aus dem Gesellschaftssektor und für die Hersteller in Prozenten des Umsatzes - auf dem niedrigsten
Stand seit dem zweiten Weltkrieg angelangt.
Obwohl die Gewinne auf einer relativ niedrigen Basis begannen, sind sie
nicht so rasch gestiegen wie in anderen Wiedererholungsphasen. In den ersten
sechs Quartalen der derzeitigen Wiedererholung betrug die Zunahme der Gewinne
in Dollar noch nicht 15 Prozent der Zunahme des Bruttosozialproduktes in Dollar
verglichen mit etwa 20 Prozent im gleichen Zeitraum einer typischen Wiedererholungsperiode,
Nach Abzug der Steuern lagen die Gewinne im zweiten Quartal nur 5 Prozent
über dem Stand von 1966, während die Stundenlöhne in der Wirtschaft - ohne Landwirtschaft - um 41 Prozent angestiegen sind.
Beide, Gesellschaftsgewinne und Wochenlöhne der Angesteilten,lassen sich
durch Abzug der Einkommensteuerzahlungen und Berücksichtigung der Auswirkungen
des Preisauftriebs bereinigen. Die Gesellschaftsgewinne nach Abzug der Steuern
sind von 1966 bis 1970 real um über 30 Prozent zurückgegangen und liegen immer
noch um 17 Prozent unter dem Stand von 1966. Auf der anderen Seite war das verfügbare wöchentliche Einkommen 1970 real nur um 1 Prozent niedriger als 1966.
Diese Einkommen sind während des letzten Jahres um 4 Prozent gestiegen und jetzt
um 5 Prozent höher als 1966.

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34/1972

WELTGEFAHR RAUSCHGIFT

Amerikanischer Kabinettsausschuß veröffentlicht Opiumbericht 1972

--(AD)-- Der Drogen-Sonderausschuß der US-Regierung, dem Kabinettsmitglieder
sowie der US-Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen und der Direktor des
CIA angehören, gab am 16. August seinen "Welt-Opiumbericht 1972" zur Veröffentlichung frei. Der Bericht orientiert sich im wesentlichen am Welt-Opiumbericht
von 1970, behandelt jedoch sehr viel ausführlicher das internationale HeroinProblem, die Netze des illegalen Rauschgifthandels, die Rauschgiftsituation
in den einzelnen Ländern sowie internationale Probleme, die sich aus dem
Schmuggel mit Heroin und anderen Opiumderivaten ergeben.
Das unter der Leitung von Außenminister Rogers stehende Gremium hat nicht
nur die Aufgabe, alle Maßnahmen der amerikanischen Bundesregierung gegen die
illegale Einfuhr und den illegalen Handel mit Rauschgiften zu koordinieren,
sondern dabei auch alle Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit auszuschöpfen. Seine Arbeit, für die ein Jahresetat von 50 Millionen Dollar zur
Verfügung steht, konzentriert sich auf die rechtlichen Mittel, die unter

-l-

�unter Nutzung der diplomatischen Kanäle und aller erreichbaren Informationsquellen in Zusammenarbeit mit den UN-Mitgliedsstaaten anwendbar sind.
Dem jüngsten Bericht zufolge ist Südostasien eine bedeutsame,aber doch
sekundäre Quelle für Heroin und andere Opiate, die in die Vereinigten Staaten

ge-

langen. Das Gros - ca.80 Prozent - des Heroins stammt derzeit aus türkischen
Quellen, 10-15 Prozent aus Mexiko und 5 bis 10 Prozent aus Südostasien. Zwar
sei das "Goldene Dreieck" (Nord-Thailand, Westlaos und Ostburma) mit ca. 700
Tonnen pro Jahr noch immer der Haupterzeuger von Schwarzmarkt-Opium, jedoch
werde dieses zum allergrößten Teil in dem Raum selbst und in angrenzenden Gebiete^ einschließlich Hongkong) konsumiert. Nur ein kleiner Bruchteil davon werde zu Heroin weiterverarbeitet.
In der illegalen Opium-Produktion folgen mit insgesamt 220 Tonnen Indien,
Pakistan und Afghanistan; die illegale Produktion in der Türkei wird für das Jahr
1971 auf 35 Tonnen geschätzt. Kleinere Mengen stammten aus Mexiko, Bulgarien
und Jugoslawien. Inwieweit Nordafrika und vor allem südamerikanische Länder zur
illegalen Opiumerzeugung beitragen,ist nicht genau bekannt. Fest steht nur, daß
im Hochland Südamerikas immer mehr Mohn angebaut wird, daß in südamerikanischen
Ländern der Drogenmißbrauch steigt und der internationale Rauschgifthandel in
wachsendem Maße über Südamerika Drogen nach den USA, zum größten Rauschgiftmarkt,
einschleust. Ein Drittel der dort beschlagnahmten

Drogen war jedenfalls über die-

se Kanäle gekommen.
Aber auch Kanada ist ein Land, über das große Mengen Narkotika aus Europa
die Vereinigten Staaten erreichen. Organisierte kriminelle Elemente - einschließlich Mafia und französisch-korsische Banden - kontrollieren einen großen Teil
des Rauschgifthandels. Die kanadische Polizei konnte jedoch, wie der Bericht betont, bemerkenswerte Erfolge im Kampf gegen die Rauschgifthändler erzielen. Sie
arbeitet eng mit den amerikanischen Behörden zusammen; Beschlagnahmeaktionen und
Verhaftungen nehmen zu.
Eine

-2-

�Eine ähnliche Entwicklung ist in Frankreich zu beobachten, wo die Polizei
in guter Zusammenarbeit mit amerikanischen Fahndungsbeamten hart gegen Händler,
Schmuggler und vor allem die Geheimlaboratorien vorgeht, wo Opium zu Heroin aufbereitet wird. Die wichtigste Nachschubroute für Opium und harte Drogen führt noch
immer von der Türkei über Westeuropa in die USA. Anscheinend sehen sich aber die
Banden aufgrund des Vorgehens der Polizei in Frankreich gezwungen, z.T.auf andere
westeuropäische Länder auszuweichen. Der Preisanstieg für Heroin, der heute zu
verzeichnen ist, "dürfte nicht nur die weit verbreitete Inflation in den Industrieländern, sondern auch die erhöhten Risiken für den Heroinschmuggel

widerspiegeln."

Die legale Produktion und die Verteilung von Opium für medizinische und wissenschaftliche Zwecke (1971: ca. 1 500 Tonnen) steht dem Bericht zufolge im grossen und ganzen unter Kontrolle. In einigen Ländern werde allerdings unter dem
Deckmantel des legalen Mohnanbaues auch Opium für illegale Zwecke abgezweigt.
In der Türkei wird dem in Kürze ein Riegel vorgeschoben, da diese Quelle versiegt,
wenn 1973 das generelle Verbot für den Mohnanbau in Kraft tritt. In einigen asiatischen Ländern jedoch, vor allem dort, wo die geographischen und politischen
Verhältnisse die Regierungskontrolle erschweren oder überhaupt unmöglich machen,
sei diesem Problem vorläufig kaum beizukommen.

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34/1972

BODEN WANDERT

2 CM

PRO JAHR

-»(AD)-- Nach eingehenden Beobachtungen über einen Zeitraum von vier Jahren
bestätigte jetzt eine amerikanische Wissenschaftlergruppe kontinuierliche Bodenverschiebungen entlang einer geologischen Verwerfung in der Türkei. Ein ähnliches Phänomen war bisher nur von Kalifornien bekannt. Die Bauingenieure
Edwin Zacher und Karl Steinbrugge hatten dort im Jahre 1956 Versetzungen an
Bauwerken entdeckt. Sie rührten von Bodenverschiebungen her - einer Gleitbewegung entlang der San Andreas-Verwerfung.
Wie Dr. Robert D. Nason, Geophysiker am Institut für Erdbebenforschung in
San Francisco, erklärte, gehört die ca. 110 km nördlich von Ankara entdeckte
Gleitzone zu der sogenannten anatolischen Verwerfung, die Teil eines riesigen
Erdbebengürtels ist. Dieser zieht sich vom Mittelmeerraum durch die Türkei,
den Iran, Südrußland, Afghanistan, Pakistan und Nordindien bis nach Indonesienr
Auf dem Hochplateau Anatoliens hatte man vor ein paar Jahren in der Nähe
der Ortschaft Ismetpasha eine sehr gut gebaute alte Mauer entdeckt, die seltsame Versetzungen aufwies. Sie kreuzt offenbar eine Rißstelle in der Erdrinde,
an der Schollen ins Gleiten geraten sind. Die Bewegungsgeschwindigkeit ist gering, aber doch groß genug, um meßbar zu sein. Dr. Nason errechnete sie für den

�1

den untersuchten Abschnitt mit zwei Zentimeter pro Jahr. Bisher wurde durch Messungen an Ort und Stelle und durch Vergleiche älterer mit neuen Fotos von der Mauer
eine Versetzungsstrecke von insgesamt 16 cm innerhalb der letzten paar Jahre ermittelt. Die Gleitgeschwindigkeit entspricht ungefähr den in Kalifornien gemessenen Werten.
Unter den Wissenschaftlern ist es noch eine Streitfrage, inwieweit solche
Gleitbewegungen in der Erdrinde mit Erdbeben in Zusammenhang stehen. Wenn durch
"Kriechen", wie viele behaupten, Spannungen in der Erdrinde vermindert werden,
so erhebt sich die Frage, in welchem Umfang dies geschieht und wie sich die Verformung möglicherweise auf eine "Entschärfung"großer Erdbeben auswirkt. Manche
Wissenschaftler sind der Ansicht, daß in einer solchen Gleitzone tatsächlich die
Gefahr starker Beben geringer sei. Andere wieder glauben, die Bodenverschiebung
entlang einer Bruchzone sei nur ein Symptom für das Vorhandensein starker Spannungen, die sich in Erdbeben entladen. Dann ist es aber nicht ganz verständlich,
weshalb in anderen, seismisch äußerst aktiven Gebieten wie Japan, Neuseeland,
Alaska oder Iran keine Gleitbewegungen zu beobachten sind.
Die Entdeckung einer zweiten Gleitzone auf der Erdoberfläche ist wegen der
nunmehr möglichen Vergleiche seismischer Aktivität zwischen dem "Testgebiet"
Kalifornien und Anatolien von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Vielleicht ist
auch eher die Frage zu beantworten, welche Zusammenhänge zwischen Gleitbewegungen
im Bereich geologischer Verwerfungen und Erdbeben in Bruchzonen bestehen.
Dr. Nason ist z.B. der Meinung, daß das Gleiten in Bruchzonen durch einen "Schmiereffekt" bestimmter Schiefertone, die unter Spannung ihren Zusammenhalt verlieren,
verursacht werde. Deshalb wäre es interessant, zu erfahren, ob in den Gleitabschnitten der Bruchzonen in Kalifornien und Anatolien solche Tonarten vorhanden
sind. Erdbeben in Anatolien kosteten seit 1938, dem Beginn einer Periode verstärkter Aktivität mit 13 großen Erdbeben, schon Tausenden von Menschen das Leben.

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34/1972
(

BIOLOGISCHE PRÄPARATE UNTER DEM ELEKTRONENMIKROSKOP

—(AD)-- Bei ihren Arbeiten als Gastforscher im "Centre National des Recherches Scientifique" in Toulouse (Frankreich) machten zwei Wissenschaftler des
"Lawrence Berkeley Laboratory" (Universität Kalifornien) die überraschende
Erfahrung, daß biologische Präparate durch die Untersuchung am Elektronenmikroskop selbst bei sehr hoher Beschleunigungsspannung nicht zerstört werden. Bisher galt es als sicher, daß das Elektronenmikroskop für die Biologie
nur begrenzt einsatzbar sei, weil sich die Präparate infolge Hitzeentwicklung
oder Ionisation im Elektronenstrahl zu stark verändern. Die elektronenmikroskopische Untersuchung sei deshalb, so glaubte man, oberhalb einer bestimmten
Vergrößerungsgrenze sinnlos.
Dies gilt, wie Dr. Gareth Thomas, Professor der Metallurgie, und der Biophysiker Dr. Robert Glaeser von der Universität in Berkeley feststellten, bis
zu einem gewissen Grade nach wie vor bei zunehmender Beschleunigungsspannung
bis ca. 1 Millionen Elektronenvolt. Sobald jedoch mit noch höheren Spannungen
gearbeitet wird, nimmt der Zerstörungseffekt mit zunehmender Beschleunigung
der Elektronen rapide ab. Die beiden Wissenschaftler beobachteten dieses
überraschende Phänomen bis zu Spannungen von 2,5 Millionen Elektronenvolt.
Sie sind jedoch der Meinung, daß Untersuchungen auch noch bei Spannungen von
5 Millionen Volt, vielleicht sogar bis 10 Millionen Volt möglich seien.
Die

�4.

Die Präparate - es handelte sich um die beiden Aminosäuren Valin und
Glycin - waren weder gefärbt noch durch Aufdampfen von Metall vorbereitet worden.
Mit ihnen beabsichtigten Dr. Thomas und Dr. Glaeser Elektronen-Beugungsaufnahmen an dem neuen Gerät von Prof. Dupouy und Prof. Perrier in Toulouse vorzunehmen.Es zählt neben einem zweiten 3-Millionen-eV-Gerät in Japan zu den stärksten
der Welt. Das in Berkeley verfügbare Gerät erreicht dagegen nur eine Leistung
von 650 000 eV.
Wie jetzt Dr. Thomas auf der 13. Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft
für Elektronenmikroskopie in Los Angeles erklärte, sei das Phänomen, das nur bei
organischen und biologischen Proben, jedoch nicht bei Proben anorganischer Materie zu beobachten sei, mit den heute gültigen Theorien nicht zu erklären und
erfordere deshalb eine gründliche Erforschung. Es eröffne jedenfalls der Biologie und Biomedizin ganz neue Möglichkeiten für Präparate-Untersuchungen. Denn
je höher die Beschleunigungsspannung, desto kürzer die Wellenlänge des Elektronenstrahls - das bedeutet besseres Auflösungsvermögen, bei der Probe also das
Sichtbarmachen immer kleinerer Einheiten im Molekülverband. Es sei denkbar, daß
bei 2,5 MeV Beschleunigungsspannung Strukturen sichtbar werden, die nur 2 Sngström-Einheiten(ca. ein fünfmillionstel Millimeter) groß sind, verglichen mit
einer Auflösungsgrenze von 25 ÄE unter einem Elektronenmikroskop mit 100 000 eV
Spannung.
Dr. Thomas zufolge dürfte es künftig möglich werden, so empfindliche Präparate wie Nukleinsäuren, Enzyme, Viren, Zellmembranen und andere biologische
"Bausteine" in der tatsächlich vorhandenen molekularen Struktur und ohne die
Komplikationen und Einschränkungen, die sich durch Färben ergeben, abzubilden.
Der Wissenschaftler konzentrierte sich zunächst auf die Untersuchung von Valin
und Glycin, weil die Ergebnisse als repräsentativ auch für Nukleinsäuren und
Proteine gelten können. Was die reine Untersuchungstechnik angehe, so habe
sich in Toulouse gezeigt, daß z.B. der Schaden, der bei einer Spannung von
1 MeV an der Probe angerichtet werde, bei der Beobachtung unter 2,5 MeV Spannung
erst nach zehnmal längerer Beobachtungszeit auftrete.

++++
-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Kongressausschuss für Gemeinsamen NATO-Fonds&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Presseverlautbarung des Militärausschusses des US-Repräsentantenhauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kulturbrief USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einkommensluft zwischen schwarzen und weißen Amerikanern wird kleiner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftliche Wachstumsrate in den USA höher als erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Handelsministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltgefahr Rauschgift&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanischer Kabinettsausschuss veröffentlicht Opiumbericht 1972 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Boden wandert 2 cm pro Jahr&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologische Präparate unter dem Elektronenmikroskop</text>
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16. August 1972

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Inhalt

DOKUMENTATION:
Nixon ersucht Senat um Ratifizierung der Konvention über ein Verbot
bakteriologischer Kampfmittel
-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-SenatINFORMATION:
U.Alexis Johnson für Verbesserung der Beziehungen zu Moskau und Peking
-Auszüge aus einer Rede des US-Staatssekretärs-

•

Freie Information unerwünscht?
Sowjetunion gegen US-Pläne für Satellitensendungen mit Heimempfang
WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon weist auf wirtschaftliche Erfolge hin
-Vorwort zur Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Das internationale Währungssystem
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Die amerikanische Zahlungsbilanz 1972
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Initiativen für Handelsverhandlungen
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"Volcker würdigt neue Wirtschaftspolitik Präsident Nixons
-WortlautUS-Handelsminister: Wirtschaftsaufschwung und freier Handel
Von unserem Sonderkorrespondenten
Neues Wirtschaftsprogramm Präsident Nixons ein Jahr alt
Von Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Eine Krankheit wurde entschärft
Immunreaktionen mit fremder Thymusdrüse

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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33/1972

NIXON ERSUCHT SENAT UM RATIFIZIERUNG DER KONVENTION ÜBER
EIN VERBOT BAKTERIOLOGISCHER KAMPFMITTEL

-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Senat-

WASHINGTON --(AD)'»- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Senat am 10 August
die "Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung
bakteriologischer (biologischer) und toxischer Waffen und über deren Vernichtung" zur Bestätigung zugeleitet und damit das Ratifizierungsverfahren
in Gang gesetzt.
Die 15 Artikel umfassende Konvention, die 1971 auf der Genfer Abrüstungskonferenz ausgehandelt und von der UN-Vollversammlung mit überwältigender
Mehrheit den Mitgliedsstaaten zur Unterschrift empfohlen worden war, ist von
den Vereinigten Staaten gleichzeitig mit 73 anderen Ländern am lO.April dieses Jahres unterzeichnet worden. Sie tritt in Kraft, sobald sie von 22 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion, ratifiziert worden ist.
In seiner Botschaft an den Senat betonte der Präsident, daß diese Konvention das erste internationale Abkommen seit dem zweiten Weltkrieg ist, durch
das eine ganze Gruppe von Kampfmitteln geächtet wird und die vorhandenen Be-

�Bestände an bakteriologischen und toxischen Waffen bekanntgegeben. Alle für
den Menschen gefährlichen Kampfmittel sind auf amerikanischer Seite bereits
vernichtet worden, während die Vernichtung der Entlaubungsmittel bis zum Ende
dieses Jahres abgeschlossen sein wird. Die Einrichtungen in Pine Bluff sind
in ein nationales Forschungszentrum zur Untersuchung der nachteiligen Auswirkungen chemischer Substanzen auf die menschliche Umwelt umgewandelt worden. Die
ehemalige biologische Forschungsanstalt in Fort Detrick soll nunmehr ein Krebsforschungszentrum werden.
Die Botschaft Präsident Nixons an den US-Senat hat folgenden Wortlaut:
An den Senat der Vereinigten Staaten:
Hiermit lege ich dem Senat die Konvention über das Verbot der Entwicklung,
Herstellung und Lagerung bakteriologischer (biologischer) und toxischer Kampfmittel und über deren Vernichtung zwecks Zustimmung und Bestätigung für die
Ratifizierung vor, das am 10. April 1972 in Washington, London und Moskau zur
Unterzeichnung ausgelegt worden war.
Der Wortlaut dieser Konvention ist das Ergebnis dreijähriger intensiver
Debatten und Verhandlungen auf der Konferenz des Abrüstungsausschusses in
Genf und in den Vereinten Nationen. Sie sieht vor, daß die Vertragspartner die
Entwicklung, die Herstellung, die Lagerung, den Erwerb oder die Bevorratung
biologischer Kampfmittel oder Toxine in Formen und Mengen, die für friedliche
Zwecke in keiner Weise gerechtfertigt sind, wie auch von Waffen, Ausrüstungen
und Trägern, die für den Einsatz solcher Kampfmittel oder Toxine für feindselige Zwecke oder in einem bewaffneten Konflikt bestimmt sind, unterlassen. Die Bestimmungen der Konvention sind im einzelnen in dem begleitenden Bericht des
Außenministers erläutert.
Vor etwa zwei Jahren hat die amerikanische Regierung einseitig und bedingungslos auf die Anwendung aller biologischen und toxischen Waffen verzichtet

-2-

�'

verzichtet und bekräftigt, daß wir unsere vorhandenen Bestände vernichten und
unsere Programme auf genau umrissene, defensive Zwecke beschränken werden. Diese
Initiativen waren Ausdruck einer tiefen nationalen Überzeugung, und haben sehr beträchtlich zu dem schließlichen Erfolg der Verhandlungen beigetragen,die zu dieser Konvention geführt haben.
Damals sahen wir dem Tag entgegen, da die Gemeinschaft der Völker gemeinsam
handeln würde, um biologische Kriegführung und biologische Kampfmittel zu ächten.
Gleichzeitig mit unserem Verzicht auf diese Kampfmittel unterstützen wir die
Prinzipien und Zielsetzungen des diesbezüglichen britischen Konventionsentwurfes
von 1968. Am 16. Dezember 1971 wurde die hiermit vorgelegte Konvention, die ein
bindendes internationales Verbot der Waffen ausspricht,auf die wir verzichtet
haben,von der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit überwältigender Mehrheit
zur Annahme empfohlen.
Diese Konvention stellt das erste internationale Abkommen seit dem zweiten
Weltkrieg dar, das die tatsächliche Vernichtung einer ganzen Gruppe von Kampfmitteln in den Waffenarsenalen der Länder vorsieht. Die sichere Vernichtung der
biologischen und toxischen Bestände (an Kampfmitteln) dürfte in den USA bis zum
Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Alle Bestände in dem Waffenarsenal von
Pine Bluff in Arkansas sind bereits vernichtet worden, und die ehemaligen Einrichtungen für biologische Kriegführung sind in ein neues nationales Forschungszentrum
zur Untersuchung der nachteiligen Auswirkungen chemischer Substanzen auf die
menschliche Umwelt umgewandelt worden.
Die ehemalige militärische Biologische Forschungsanstalt in Fort Detrick,
Maryland, soll nunmehr ein Krebsforschungszentrum werden. Andere Länder sind
eingeladen worden, sich an der humanitären Arbeit dieser Anstalten zu beteiligen.
Meines Erachtens wird diese Konvention die Sicherheit der Vereinigten Staaten und der Völkergemeinschaft der Welt stärken. Sie wird dazu beitragen, sicher-

-3-

�sicherzustellen, daß die wissenschaftlichen Leistungen auf biologischem Gebiet
nicht für die Vernichtung der Menschheit, sondern für den Dienst an der Menschheit bestimmt, sind. Sie stellt einen bedeutsamen Fortschritt auf den Gebieten der
Rüstungskontrolle und der Abrüstung dar, und ich empfehle dem Senat,sie umgehend
und positiv zu verabschieden.

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33/1972

U.ALEXIS

JOHNSON FÜR VERBESSERUNG DER BEZIEHUNGEN ZU MOSKAU
UND PEKING

-Auszüge aus einer Rede des US-Staatssekretärs-

WASHINGTON --(AD)— Die Vereinigten Staaten sollten nachdrücklich die Aufnahme
neuer Beziehungen zu Moskau und Peking weiterverfplgen. Dabei dürften jedoch
Verteidigung und Bündnisse der USA in keiner Weise beeinträchtigt werden.
Dies unterstrich der Staatssekretär für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, U.Alexis Johnson, am 8. August vor einem außenpolitischen Unterausschuß des US-Repräsentantenhauses im Rahmen der von dem Ausschuß durchgeführten öffentlichen Anhörungen über "die amerikanische Sicherheitspolitik und
die wissenschaftlichen Entwicklungen.
Die wichtigsten Teile der Ausführungen des Staatssekretärs haben folgenden
Wortlaut:
Es ist jetzt Mode geworden, unsere Motive und Leistungen in der Zeit nach
dem zweiten Weltkrieg in Frage zu stellen. Ich finde, daß solche Zweifel völlig
unverständlich sind.
Was

�Was unsere Motive anbetrifft, so möchte ich nur darauf verweisen, daß
Winston Churchill, ein Beobachter mit einiger Erfahrung in solchen Fragen, unsere Bemühungen in den ersten Nachkriegsjähren als das "wohl uneigennützigste
Handeln in der Geschichte" bezeichnet hat.
Meines Erachtens spreche unsere Leistungen für sich selbst:
-- Diejenigen, die vor drei Jahrzehnten unsere bittersten Feinde waren,
zählen heute zu unseren engsten Freunden. Und zweifellos ist es besser,
starke Freunde als starke Feinde zu haben.
— Die entsetzliche Aussicht eines weiteren Weltkrieges, dieses Mal zwischen den kommunistischen und den nicht-kommunistischen Mächten, scheint
heute weiter entfernt zu sein als jemals zu irgendeiner Zeit seit Mitte
der vierziger Jahre.
-- Das amerikanische Volk hatte in dieser Zeit eine Prosperität von noch
nie dagewesenem Ausmaß zu verzeichnen.
--•Im Zuge der bemerkenswerten und größtenteils friedlich sich vollziehenden Liquidierung einer vierhundertjährigen Kolonialgeschichte entstanden
über 60 freie Länder. (Nicht ein einziges dieser Länder hat sich für
das kommunistische System entschieden).
-- Ein neues Gefühl der Interdependenz der Länder ist innerhalb nur weniger
Jahrzehnte erwachsen, das erst eine sehr umstrittene Prämisse war und
jetzt ganz offensichtlich etwas Alltägliches ist.
-- Wir haben das atomare Gespenst unter Verschluß gehalten und bemerkenswerte Fortschritte bei der Festlegung internationaler Begrenzungen gemacht, die die atomare Bedrohung für die Menschheit verringern und die
Möglichkeiten für eine nützliche Verwendung der Atomkraft vergrößern.

-2-

�vergrößern.
-- Wir haben einen einmaligen Beitrag zur wirtschaftlichen Wiedererholung
nach dem zweiten Weltkrieg geleistet und ein Höchstmaß an Prosperität in
weiten Teilen der Welt erlebt.
-- Wir haben zur Schaffung eines internationalen Wirtschaftssystems beigetragen, das zu einer explosionsartigen Entwicklung des zwischenstaatlichen Handels in einem in der Geschichte noch nie dagewesenen Ausmaß
mit riesigen Vorteilen für die Völker der Welt, und im besonderen auch
für unser eigenes, geführt hat.

Ich habe kein Verständnis für das Argument, daß wir als Beitrag zum nationalen Streben nach Frieden unsere militärische Stärke verringern sollten. Nach
meinen Erfahrungen ist militärische Stärke keine Alternative zu einem nationalen Streben nach Frieden. Sie ist vielmehr ein unerläßliches Element dieses
Strebens.
In der Welt, so wie sie heute ist-und sie dürfte so auf unbegrenzte Zeit
hinaus bleiben- sind militärische Stärke und Diplomatie Teile eines Ganzen.Eine
nationale Verpflichtung, nach Frieden zu streben, hinter der keine militärische
Stärke steht, wäre überhaupt keine Politik. Sie wäre eine fromme Hoffnung, ohne
jede Glaubwürdigkeit oder Wirksamkeit.

Herr Vorsitzender, so wie sich die Lage in den USA geändert hat, so hat
sich auch die internationale Situation geändert. Es gibt wohl nur wenige, die
heute die Tatsache bestreiten würden, daß eine monolithische kommunistische
Welt nicht mehr besteht. Wir sollten uns daran erinnern, daß sich der einzige

�einzige militärische Einsatz sowjetischer Truppen nach dem zweiten Weltkrieg gegen die eigenen Verbündeten richtete - Ostdeutschland, Ungarn, die Tschechoslowakei und die Volksrepublik China.
Aber die Tatsache, daß es innerhalb der kommunistischen Welt interne Konflikte gibt, bedeutet nicht, daß sie uns wohlgesonnen ist oder daß "eine Ära
der Verhandlungen" automatisch Erfolg haben muß. Wir haben immer noch echte und
schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten mit der Sowjetunion, China und anderen
kommunistischen Ländern, und einige von ihnen könnten durchaus zu einem Konflikt
führen. Natürlich müssen jetzt die früheren Konzeptionen von einer Konfrontation
der Blöcke und von einem monolithischen Kommunismus der Erkenntnis weichen, daß
eine komplexe Vielzahl neuer und sich wandelnder Beziehungen besteht. Der springende Punkt jedoch ist, daß fast nichts in bezug auf diese neuen Beziehungen
sicher ist.
Es mag sein, daß sich jetzt Aussichten für uns eröffnen, wie wir sie sehr
lange nicht gehabt haben. Es gibt konkrete Gründe für die Annahme, daß die
Spannungen zwischen den Großmächten im Laufe der nächsten Jahre vielleicht auf
ein Maß abgebaut werden könnten, wie wir es seit der Zeit vor dem ersten Weltkrieg
nicht mehr erlebt haben. Es beginnen sich Formen der Anpassung zu entwickeln, so
daß die Großmächte, selbst wenn Konflikte zwischen ihnen bestehen, Zurückhaltung
bei der Behauptung und Verfolgung ihrer eigenen Interessen üben und die jeweiligen legitimen Interessen des anderen respektieren. Eine solche Zurückhaltung
öffnet Aussicht auf eine breite Zusammenarbeit in Bereichen, bei denen die Interessen sich ergänzen.
Dies ist jedoch eine unsichere Aussicht - zerbrechlich und vorläufig. Es
wäre töricht, aus dieser Möglichkeit die Attribute einer Gewißheit - oder auch
nur einer Wahrscheinlichkeit - herauszulesen. Denn hier handelt es sich um einen
delikaten Prozeß, den wir eingeleitet haben, ungeschützt gegen zahllose Schwierigkeiten, von denen jede sich als unheilvoll für die sich entwickelnde Struktur
der Zusammenarbeit erweisen könnte. Ja, nur das Bewußtsein der riesigen Vorteile,

-4-

�Vorteile, die allen aus der Zusammenarbeit erwachsen würden, gibt mir die
echte Hoffnung, daß die Schwierigkeiten ausgeräumt werden können.

Was ich herausstellen möchte, ist folgendes: Wir sollten - und wir werden dies natürlich tun - nachdrücklich auf die Eröffnung neuer Beziehungen zur
Sowjetunion und zu China hinarbeiten. Aber es wäre wirklich unklug, wenn wir,
während wir dieses Ziel verfolgen, unsere eigene Verteidigung abbauen oder es
zulassen, daß unsere Bündnisse brüchig werden oder in Verruf geraten.
Wenn wir versuchen, uns auf Kosten unserer Stärke und auf Kosten unserer
Freunde bessere Beziehungen zu den Kommunisten zu erkaufen, dann werden wir
ohne Zweifel letztlich alle drei verlieren.

Herr Vorsitzender, wenn

wir die sich auf internationaler Ebene vollzie-

henden Änderungen untersuchen, müssen wir uns voll und ganz darüber im klaren
sein, daß es bestimmte Dinge gibt, die sich nicht geändert haben. Die Sicherheitsgleichung ist weiterhin bipolar. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind vielleicht nicht die einzigen, die zählen, aber sie sind ganz eindeutig diejenigen, die am meisten z&amp;hlen.
Der

heute bestehende Zustand einer gegenseitigen nuklearen Abschreckung

hat wenig mit der Tatsache zu tun, daß es fünf Atommächte gibt, jedoch viel mit
der Tatsache, daß es zwei sehr große Atommächte gibt. Das ist der Grund, warum
SALT ein bilaterales Vorhaben ist und warum frühere Rüstungskontrollinitiativen
wie das begrenzte Atomversuchsverbot Anfang der sechziger Jahre tatsächlich
bilateral waren.

Ich

�Ich rechne nicht damit, daß die verschiedenen diplomatischen Initiativen,
die zwischen uns - sowie unseren Verbündeten - und den kommunistischen Ländern
im Gange sind, zu einer sofortigen Entspannung oder einem garantierten Frieden
führen werden. Dies ist zwar ein vielverheißender Beginn. Aber nur, wenn wir
ein stabiles Sicherheitsklima bewahren, können wir potentiellen Gegnern das
Ausnutzen von Gelegenheiten verwehren. Und nur unter solchen Gegebenheiten sehe
ich eine realistische Möglichkeit, im Laufe der Zeit zu der Anpassung zwischen
den nationalen Interessen der kommunistischen und der nicht-kommunistischen Welt
zu kommen.

-6-

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33/1972

FREIE INFORMATION UNERWÜNSCHT?
Sowjetunion gegen US-Pläne für Satellitensendungen
mit Heimempfang

--(AD)-- Der sowjetische Vorschlag an die Vereinten Nationen, Fernsehsendungen über Satelliten gewissen Beschränkungen zu unterwerfen, kommt zu einem
Zeitpunkt, an dem die Vereinigten Staaten die Satelliten-Fernmeldetechnik
zum Mittel des freien Meinungsaustausches zwischen den Völkern der Erde entwickeln. Der von der Nachrichtenagentur TASS veröffentlichte Vorschlag wurde
von Außenminister Andrei A. Gromyko dem UN-Generalsekretär,Kurt Waldheim,unterbreitet. In dem Schreiben fordert die UdSSR, daß sich die 27. UN-Vollversammlung mit den sowjetischen Vorstellungen befaßt.
Die Sowjetunion wünscht eine internationale Konvention, die es den Nationen verbietet, Fernsehsendungen über Satelliten für den Direktempfang durch
Bewohner anderer Länder zuzulassen, wenn die Regierung des Empfängerlandes
die Genehmigung hierzu nicht erteilt hat. Die vorgeschlagene Konvention würde
unautorisierte Fernsehsendungen als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates" betrachten. Im Entwurf zu dieser Konvention wird festgestellt, daß das Verbot "zum Schutz der Souveränität der Staaten gegen jegliche

-1-

�I

jegliche Einmischung von außen und zur Verhinderung der Verwendung direkter Fernsehsendungen als Quelle internationaler Konflikte und Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Staaten notwendig ist".
Der direkte Heimempfang von Satelliten-Fernsehsendungen war bisher nicht
möglich,weil die heute gebräuchlichen Fernsehsatelliten nicht leistungsstark
genug sind. Die relativ schwachen Signale müssen von sehr großen und kostspieligen Antennen aufgenommen und um ein Vielfaches verstärkt werden. Ahnlich ist
es mit Telefongesprächen oder anderen Nachrichtensendungen via Satellit. Da
jedoch jede neue Satellitengeneration erheblich leistungsfähiger als die vorangegangene ist, kann es nur eine Frage der Zeit sein, wann Satelliten zur Verfügung stehen, die sich auch für den Heimempfang mit kleinen Antennen eignen.
In den Vereinigten Staaten wird gegenwärtig ein solcher Satellit entwickelt.
Er ist für Indien bestimmt, das damit sein Erziehungswesen ausbauen will. Das
Gerät soll von den USA über Indien oder dem Indischen Ozean stationiert werden,
damit die indische Regierung auch die entlegensten Dörfer mit Fernsehprogrammen,
die über diesen Satelliten gesendet werden, erreichen kann. Vor allen Dingen
sollen Informationen über landwirtschaftliche Programme und verbesserte Anbaumethoden, über Säuglingspflege, Familienplanung und Hygiene, über Ernährungsfragen - einschließlich der Konservierung und Zubereitung von Nahrungsmitteln ausgestrahlt werden. Auch sind Vorbereitungen im Gange, um derartige Satelliten
als Ubermittler von Fernlehrgängen zu benutzen, mit denen den Einwohnern abgelegener Landstriche Lesen und Schreiben beigebracht wird.
Um den "Indien-Satelliten" betreiben zu können, sind Veränderungen an Fernsehempfängern und deren Empfangsantennen erforderlich - aber diese kosten relativ wenig. Weitere Verbesserungen in der Satelliten-Ausrüstung und in den Übertragungstechniken werden eines Tages allgemein Direktsendungen ins Heim möglieh
machen, Nationen, die den Empfang nicht gewünschter Programme durch ihre Bürger

-2-

�Bürger verhindern wollen, hätten dann die Möglichkeit, das Satelliten-Programm
zu stören. Die Sowjetunion hat dies bei Rundfunksendungen viele Jahre hindurch
getan. Dennoch erreichten viele Programme ihr Publikum auch in diesem Land, da
mit technischen Veränderungen am Empfangsgerät die Störversuche neutralisiert
werden konnten.
Vor allem aus den Vereinigten Staaten kommen schon seit geraumer Zeit Vorschläge, Fernmeldesatelliten für einen weitgespannten Kulturaustausch einzusetzen. Das Verfahren sei, so heißt es, auch geeignet, die internationale Verständigung zu fördern und ethnische Schranken zu überbrücken. Außerdem könnten
Satelliten als Übermittler von Material für die großen Bibliothekn in der ganzen
Welt dienen, das bei Bedarf in kürzester Zeit praktisch an jedem Punkt der Erde
verfügbar ist. Schon heute erfassen

die meisten großen Bibliothekn das bei ihnen

sich ansammelnde Material in Computern. Durch Anwählen bestimmter Nummern über
Telefon könnte sich künftig ein Interessent von einem beliebigen Standort aus
mit Spezialbibliotheken in aller Welt via Satellit in Verbindung setzen.

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33/1972

PRÄSIDENT NIXON WEIST AUF WIRTSCHAFTLICHE ERFOLGE HIN
Vorwort zur Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 197 2"

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat darauf hingewiesen,

daß die neue Wirt-

schaftspolitik der USA, die am 15. August 1971 eingeleitet wurde, zu einer
Reihe bemerkenswerter wirtschaftlicher Erfolge geführt hat. Nixon stellt dies
in dem Vorwort zu einer Broschüre fest, die der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten herausgegeben hat und die den Titel "Die Wirtschaft Mitte 1972" trägt.
Das Vorwort Präsident Nixons hat folgenden Wortlaut:
I
"Es ist jetzt fast genau ein Jahr her, seit die neue Wirtschaftspolitik am
15. August 1971 eingeleitet wurde. Seit diesem Zeitpunkt sind Isolide wirtschaftliche Erfolge erzielt worden, die dem Geist der Bevölkerung zu danken sind und
greifbare Fortschritte hinsichtlich des Realeinkommens der Bevölkerung darstellen.

;
'
I

Die Maßnahmen, die am 15.August des vorigen Jahres ergriffen wurden, sollten
frühere Schritte intensivieren, die die Inflationsrate verringert und den wirtschaftlichen Wiederaufschwung eingeleitet hatten. Sie umfaßten einen Lohn-und
Preisstopp, um die Inflation weiter einzudämmen, Steuervergünstigungen, um die
Expansion zu beschleunigen und die Arbeitslosenquote zu senken, sowie Maßnahmen

-1-

�Maßnahmen im internationalen Finanzwesen und im Handel, um die Grundlage für eine
größere Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft zu
legen.
Die seit dem 15. August verfolgte Politik bestand aus Schritten, die die Regierung zu treffen hatte. Aber, wie ich schon damals in meiner Rede sagte, würde
der Schlüssel zum Erfolg in den Händen des amerikanischen Volkes liegen.
Ich ersuchte um die Mitarbeit der Öffentlichkeit aus patriotischen Gründen
-nämlich um der wirtschaftlichen Gesundheit Amerikas willen. Aber ich ersuchte
auch um die Mittarbeit aus Gründen des vernünftigen Selbstinteresses. Nur durch
gemeinsame Aktionen konnten wir aus der inflationistischen Tretmühle herauskommen,
durch die uns allen jahrelang der Genuß der wachsenden Prosperität vorenthalten
wurde,die die amerikanische Wirtschaft zu schaffen in der Lage war.
Der Bericht des Wirtschaftsbeirates zeigt, was seit Aufnahme der neuen
Wirtschaftspolitik geschehen ist. Die Leistungen waren eindrucksvoll:
-- Die Zuwachsrate bei den Lebenshaltungskosten, die vor dem Stopp um ein
Drittel gesenkt worden war, ist nunmehr um die Hälfte gesenkt worden.
-- Heute gibt es 2,5 Millionen ziviler Arbeitsplätze mehr als vor einem
Jahr.
-- Die Arbeitslosenquote hat sich von rund 6 Prozent auf 5,5 Prozent verringert.
-- Unser Wirtschaftswachstum beträgt fast 9 Prozent, die höchste Rate
seit 1965.
-- Der Realnettolohn der Arbeiter pro Woche ist im letzten Jahr um 4 Prozent gestiegen, ein Dreifaches der Durchschnittsrate der Jahre 1960 bis 1968.
-- Wir haben die Welt auf den Weg zu einer internationalen Finanz-und Handelsreform geführt, die wesentlich zu einer Verbesserung unserer internationalen

-2-

�internationalen Wettbewerbsposition und auch zur Stärkung der Volkswirtschaften
anderer Länder beitragen wird.
Ich möchte hier unterstreichen, daß der Erfolg der neuen Wirtschaftspolitik
der Mitarbeit des amerikanischen Volkes zu danken ist.
Diese Mitarbeit ist in vielfacher Form erfolgt:
-- Es war bemerkenswert, wie die Arbeitnehmerschaft, die Wirtschaft,die
Vermieter, die Verbraucher und die Mieter sich freiwillig an den Preis-Lohn-Stopp
sowie dann an die zweite Phase (des neuen Programms) gehalten haben.
— Während des Zeitraums, in dem die zweite Phase des Programms entwickelt
wurde, haben sich die führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft, der Gewerkschaften, der Landwirtschaft sowie der einzelstaatlichen und kommunalen Behörden
in überaus nützlicher Weise mit den zuständigen Bundesstellen konsultiert. In
den folgenden Monaten beteiligten sich zahlreiche prominente Bürger an der Durchführung des Programms.
--

Die Produktivität - Leistung pro Arbeitsstunde - ist im vergangenen Jahr

um 4,3 Prozent gestiegen. Dies ist der größte Anstieg pro Jahr seit Anfang 1966.
Ein solcher Produktivitätsanstieg ist ohne positive und beiderseitige Beiträge
der Sozialpartner unmöglich-.
— Der Bruchteil der aufgrund von Streiks verlorengegangenen Arbeitszeit
war außerordentlich gering.
Die amerikanische Bevölkerung kann sich zu ihren Leistungen im letzten Jahr
beglückwünschen; sie erfreut sich in zunehmendem Maße der greifbaren Vorteile
dessen, was sie und ihre Regierung gemeinsam erreicht haben.
Wir haben jedoch weiterhin wirtschaftliche Probleme zu lösen, und wiederum
liegt der Schlüssel zum Erfolg in den Händen der Bevölkerung. Wir müssen mit
allem Nachdruck für eine niedrigere Inflationsrate sorgen - sowohl in der Praxis
als auch hinsichtlich der Erwartungen der Öffentlichkeit, die ja an der Gestaltung der wirtschaftlichen Zukunft mitwirkt. Wenn wir auch die Inflationsrate um

-3-

�um die Hälfte gesenkt haben, so bleiben doch die Lebensmittelpreise weiterhin
ein Hauptanliegen. Wir müssen die Arbeitslosenquote noch weiter senken. Wir müssen
weiterhin auf eine Verbesserung der amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit bedacht
sein, um unsere internationale Wirtschaftsposition zu stärken.
Die Verwirklichung all dieser Dinge erfordert kontinuierliche Anstrengungen
eines jeden, einschließlich der Regierung, damit dem Buchstaben und dem Geist
des Preis-Lohn-Kontrollsystems entsprochen und die Produktivität noch mehr gesteigert wird.
Der entscheidende Punkt, bei dem die Hilfe und das Verständnis des amerikanischen Volkes jetzt erforderlich sind, ist der Bundeshaushalt. Wenn wir es zulassen, daß die Bundesausgaben wieder rapide ansteigen - und zwar über einen Punkt
hinaus, wo die Einnahmen selbst unter Bedingungen der Vollbeschäftigung weit überstiegen werden, wie dies zwischen 1965 und 1968 der Fall war - dann riskieren wir,
daß die bisherigen hart errungenen Erfolge zunichtegemacht werden. Die Folge wäre
ein starkes Ansteigen der Lebenshaltungskosten oder neue hohe Steuern oder beides nacheinander.
Diese Administration ist entschlossen, ihr bestes zu tun, um einem solchen
Kurs entgegenzuwirken, indem der Haushalt unter Kontrolle gehalten wird, und ich
habe mit allem Nachdruck an den Kongreß um Unterstützung appelliert.
Aber das Ergebnis wird vor allem von den Wünschen des amerikanischen Volkes
abhängen: Wenn das Volk auf Ausgaben über die von mir geforderte 250-MilliardenGrenze hinaus besteht, dann werden diese Ausgaben erfolgen. Wenn das Volk jedoch
gemeinsam mit mir darauf besteht, daß die Bundesausgaben niedrig gehalten werden, um ein Wiederaufleben der Inflation jetzt und höhere Steuern bald darauf zu
verhindern, dann wird die Regierung in verantwortungsvoller Weise handeln.

Diese

-4-

�Diese kritische Situation stellt unsere Reife und Entschlossenheit, unsere
wirtschaftlichen Angelegenheiten auf gesunde Weise zu besorgen, auf eine entscheidende Probe. Ich bin überzeugt, daß wir diese Probe bestehen werden und
daß sich unsere Volkswirtschaft,die ja uns alle einschließt, weiterhin zu neuen
Höhen der Prosperität steigern wird."

-5-

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33/1972

DAS INTERNATIONALE WÄHRUNGSSYSTEM
-Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"-

WASHINGTON --(AD)-- Nachfolgend geben wir einen Auszug aus der am 13. August
vom Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons veröffentlichten Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" wieder, der sich mit dem internationalen WährungsSystem
befaßt.
"Im Juni dieses Jahres haben die britischen Behörden aufgrund des immer
stärker werdenden Marktdruckes die Freigabe des Wechselkurses des Pfundes
Sterling zugelassen, und sein Wert fiel rasch unter den Interventionspunkt der
Europäischen Gemeinschaft und des Smithsonian-Abkommens. Dieser Bruch in dem
Gefüge der Wechselkurse, das im Smithsonian-Institut geschaffen worden war,
wirkte sich in einem Druck auf den Dollar wie auch auf eine Reihe anderer europäischer Währungen aus und führte bei verschiedenen Währungen zu einem vorübergehenden Bruch sowohl der Bandbreiten der Europäischen Gemeinschaft wie auch der
des Smithsonian-Abkommens.
Eine weitere Entwicklung ist die weitverbreitete Anwendung von Devisenkontrollen in einer Reihe der großen Überschußländer in dem Bemühen, den Zustrom kurzfristiger Gelder einzudämmen. Die Ausbreitung der Devisenkontroll-

-1-

�Devisenkontrollmaßnahmen bringt eine Reihe von Problemen mit sich. Einmal könnte
sie möglicherweise den langfristigen Trend der Nachkriegszeit in Richtung auf
eine Liberalisierung des internationalen Handels und des Zahlungsverkehrs untergraben. Zweitens tendiert sie, durch künstliche Verzerrung der Bewegungen auf den
Kapitalkonten

das Ausmaß der Anpassung der laufenden Konten zu verschleiern,das

für eine Wiederherstellung des zugrundeliegenden Ausgleichs der amerikanischen
Zahlungsbilanz erforderlich ist.
Man muß sich gleichzeitig im klaren

darüber sein, daß große Transaktionen

von kurzfristigen flüssigen Mitteln von einem Land ins andere - vor allem in
Zeiten der Unruhe auf den Devisenmärkten - in einigen Ländern schwierige Probleme
für die Beherrschung der eigenen Währungspolitik mit sich bringen. Es steht zu
hoffen, daß mit der Schaffung eines neuen internationalen Währungssystems Mittel
und Wege gefunden werden, um

mit dem Problem der starken Fluktuationen in kurz-

fristigen Kapitalbewegungen ohne die Anwendung von Kapitalkontrollen fertig zu
werden.
Der durch diese Ereignisse ausgelöste Druck unterstreicht die Notwendigkeit,
mit der langfristigen Reform des internationalen Währungssystems voranzukommen.
Die Vereinigten Staaten haben eine führende Rolle bei der Planung eines Verhandlungsrahmens für solche Reformen gespielt.
Die kommenden Währungsverhandlungen sollten eine Grundlage für einen erneuten Aufschwung im Sinne einer liberalen Weltordnung bieten, in deren Rahmen jede
Nation eine faire Chance erhält, ohne Behinderung durch ein wachsendes Netz künstlicher Schranken am internationalen Handel und der internationalen Investition
teilzunehmen. Dieses Ziel setzt ein internationales Währungssystem voraus , das
den prompten Ausgleich von Zahlungsbilanzungleichgewichten erleichtert, ohne daß
dadurch die jeweilige nationale Wirtschaftspolitik oder der auf den offenen Markt
gerichtete Fluß von Gütern und Kapital unter allen Nationen auf nicht-diskriminierender Basis gestört wird. Der Anpassungsprozeß sollte die wirksame Verteilung
von Mitteln fördern und darauf abzielen, den Umfang des marktgerichteten Handels

-2-

�Handels und der marktgerichteten Investition auf ein Maximum zu bringen. Wie der
neue Wechselkursmechanismus auch im einzelnen aussehen mag, er wird in seiner
Praxis auf jeden Fall flexibler sein müssen als der bisherige und sowohl Uberschuß-wie Defizitländern nicht nur die Möglichkeit, sondern auch einen Anreiz
bieten müssen, sich rasch und glatt an Veränderungen der Wirtschaftslage anzupassen.
Das bedeutet, daß wir von dem Gedanken loskommen müssen, daß die 'Zahlungsbilanzdisziplin* ausschließlich für Defizitländer gelte. Es bedeutetauch, daß
die Vereinigten Staaten einen größeren Spielraum haben sollten, ihre Zahlungsposition nach außen ins Gleichgewicht zu bringen, ohne unerwünschte Restriktionen
für internationale Transaktionen einführen zu müssen. Eine solche größere
Symmetrie in der Fähigkeit, Korrektivmaßnahmen einleiten und durchführen zu können, würde den Vereinigten Staaten wirksame Mittel in die Hand geben, um eine Verschlechterung ihrer Zahlungsbilanzposition zu verhindern, die eintreten könnte,
wenn bei anderen Ländern eine Tendenz bestünde, angesichts von fundamentalen
Zahlungsbilanzungleichgewichten eher abzuwerten als aufzuwerten.
Das neue internationale WährungsSystem muß auch über wirksame Mittel verfügen, die Ziele der verschiedenen Länder bezüglich der Zahlungsbilanz und der Reserven miteinander zu vereinbaren. Vor allem sollte festgestellt werden, daß der
Nettoüberschuß an Gütern und Dienstleistungen der Industrienationen nicht größer
sein darf als der Nettobetrag an Wirtschaftshilfe und privatem Kapital, die an die
Entwicklungsländer transferiert werden. Ferner würde, wenn eine multilaterale
Kontrolle des Gesamtvolumens der Weltreserveschöpfung wünschenswert werden sollte,
dies Auswirkungen auf das Ausmaß haben, in dem einzelne Länder frei wären, ihre
eigenen Reserveziele zu setzen".

TTTT

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33/1972

DIE AMERIKANISCHE ZAHLUNGSBILANZ 1972
-Auszug aus der Brotschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972-

WASHINGTON --(AD)-- Nachfolgend geben wir einen Auszug aus der am 13. August
vom Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons veröffentlichten Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" wieder, der sich mit der Entwicklung der amerikanischen
Zahlungsbilanz im Jahre 1972

befaßt.

"Unterschiedliche zyklische Trends in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern im ersten Halbjahr 1972 trugen zu einer Verschlechterung unserer
Handelsbilanz bei. Das Einkommen in den Vereinigten Staaten nahm weiter zu,
da die Regierung eine Politik verfolgte, die auf eine Anregung des realen
Wachstums und der Beschäftigung ausgerichtet war. Die Steigerung der Ausgaben
für den persönlichen Verbrauch mit einer Jahresrate von 8,4 Prozent vom dritten
Quartal 1971 zum zweiten Quartal 1972 schuf eine verstärkte Nachfrage für importierte Verbrauchsgüter, während gleichzeitig der beschleunigte Wiederaufschwung (der Wirtschaft) die Nachfrage nach importierten Rohstoffen und Maschinen für die einheimische Produktion anregte. Auf der anderen Seite ging
die Nachfrage nach amerikanischen Exporten im Ausland zurück, da die Bemühungen

-1-

�Bemühungen zur Eindämmung des inflationistischen Drucks in einer Reihe anderer
Industrieländer zu einer wirtschaftlichen Flaute geführt haben. Diese zyklischen
Einflüsse auf die amerikanische Zahlungsbilanz sind einem - wie es scheint einmaligen - Anwachsen des Wunsches der Amerikaner aufgesetzt worden, importierte
Waren zu verbrauchen.
Aufgrund des verschiedenartigen Drucks verschlechterte sich die Warenhandels~
bilanz weiterhin von einem vierteljährlichen Defizit von 1,5 Milliarden Dollar
im letzten Quartal 1971 auf ein Defizit von 1,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal 1972 - alles saisonbereinigt. Im zweiten Quartal (1972) erhöhte sich das Defizit im Warenhandel noch weiter auf 2 Milliarden Dollar. Während sich die nominelle Handelsbilanz derart weiter verschlechterte, hat es jedoch eine Reihe von
Hinweisen gegeben, daß diese Verschlechterung zum Teil darauf zurückzuführen sein
mag, daß sich die Änderung des Dollar-Kurses nachteilig auf die Handelsbedingungen
auswirkte. Dieser Effekt läßt sich an dem beschleunigten Anwachsen der Dollarkosten für importierte Güter erkennen.
Von Dezember 1971 bis Mai 1972 stiegen die Importpreise um 5,7 Prozent, die
Exportpreise um 0,9 Prozent. Diese Zahlen deuten auf die Möglichkeit hin, daß
sich die Handelsbilanz real - im Gegensatz zum Geldwert - nicht länger verschlechtert
Es gibt eine Reihe von Gründen für die Annahme, daß sich die Handelsbilanz
nicht nur real, sondern auch nominal bessern wird. Die Veränderungen in der
Preisrelation zwischen ausländischen und einheimischen Gütern, die durch die Neufestsetzung (der Wechselkurse) im Smithsonian-Abkommen herbeigeführt wurden, werden durch divergierende Preistendenzen verstärkt. Großhandels-und/oder Verbraucher
preise tendierten in Europa und Japan zu einem rascheren Anstieg als in den
Vereinigten Staaten. Da Erzeuger und Verbraucher voll auf diese Preissteigerungen
für ausländische Waren - im Verhältnis zu amerikanischen Waren - reagieren, dürfte
sich das rasche Anwachsen der Importe verlangsamen, während sich das Wachstum der

-2-

�der Exporte beschleunigen wird. Schließlich gibt es Hinweise für ein Wiederaufleben der Nachfrage in einer Reihe unserer Partnerländer, vor allem in Deutschland und in Japan, das zu einer weiteren Steigerung der amerikanischen Exporte
führen dürfte
Die Nettoabflüsse kurzfristigen Kapitals gingen im ersten Quartal 1972 wesentlich zurück. Irrtümer vorbehalten, betrugen die Nettoabflüsse kurzfristigen
Kapitals lediglich 2 Milliarden Dollar gegenüber Abflüssen von 4,3 Milliarden
Dollar im vorangegangenen Quartal und einem durchschnittlichen Abfluß pro Quartal von 5,3 Milliarden Dollar im Jahre 1971 als Ganzera- Obwohl der geringe Nettoabfluß kurzfristiger Gelder eine beträchtliche Verbesserung gegenüber den
großen Abflüssen in den vorangegangenen Quartalen darstellt, war er für diejenigen eine Enttäuschung, die einen wesentlichen Rückfluß spekulativer Gelder un-.
mittelbar nach dem Smithsonian-Realignment der Wechselkurse erwartet hatten
Das Floating des britischen Pfundes (seit Juni 1972) hat Unsicherheit hinsichtlich der gesamten Struktur der im Smithsonian Institut vereinbarten Wechselkurse geschaffen, vor allem bezüglich der Wechselkurse zwischen dem Dollar und
einer Reihe anderer Währungen. Diese Unsicherheiten führten zu einer starken
Verlagerung kurzfristiger Gelder aus den Vereinigten Staaten nach Europa und
Japan, und während der folgendenrfochenkauften europäische Zentralbanken große
Dollarbeträge an, um eine weitere Wertsteigerung ihrer Währungen zu verhindern.
Als die Entschlossenheit der Regierungen zur Verteidigung der im Smithsonian Institut vereinbarten Wechselkurse offensichtlich wurde, hörte die Spekulation allmählich auf. Das Vertrauen in das Smithsonian-Ahkommen wurde weiter gestärkt, als
die Vereinigten Staaten kürzlich auch auf den Devisenmärkten intervenierten und
begrenzte Dollar-Beträge gegen ausländische Währungen ankauften. Diese Aktion
spiegelt den Willen der Vereinigten Staaten wider, auf den Devisenmärkten zu intervenieren, wenn solche Aktionen wünschenswert erscheinen, um dem spekulativen
Druck zu begegnen."

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INITIATIVEN FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN
-Auszüge aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972"-

WASHINGTON --(AD)-- Nachfolgend geben wir einen Auszug aus der am 13. August
vom Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons veröffentlichten Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" wieder, der sich mit den Initiativen für Handelsverhandlungen befaßt.
"Die Länder der freien Welt haben in der Nachkriegszeit als Folge des
schrittweisen Abbaus der Schranken für den vom Markt gelenkten Güteraustausch
einen Aufschwung erlebt. In letzter Zeit jedoch gab es zunehmende Anzeichen dafür, daß der Abbau der Handelsbeschränkungen einen Stillstand erreicht hat.
Die Regierungen zahlreicher Länder greifen in wachsendem Maße durch Maßnahmen
in die Märkte ein, die den Handelsfluß beeinträchtigen oder verzerren. Ohne
starke neue Verpflichtungen auf multilateraler Basis besteht letztlich die Gefahr, daß durch eine Häufung individueller Maßnahmen die Erfolge allmählich
zunichtegemacht werden, die seit dem zweiten Weltkrieg erzielt worden waren.
Die Aufgabe, vor die die umfassenden Handelsverhandlungen gestellt werden,
ist beträchtlich. In den meisten Fällen sind die Handelsbeschränkungen, die
nach den früheren Runden von Handelsliberalisierungen verblieben sind, derge-

-1-

�dergestalt, daß sie aus innenpolitischen, sozialen oder nationalen Sicherheitsgründen sehr sensitiv sind. Weiter wird sich jede neue Runde im Gegensatz zu
früheren Runden von Handelsliberalisierungen nicht mehr ausschließlich auf den
Abbau der Zölle konzentrieren können, sondern auch ein weites Feld nicht-tarifärer Handelsschranken einschließen. Nicht-tarifäre Handelsschranken sind Maßnahmen, die den Handel verzerren wie zum Beispiel: a) Quoten zum Schutze bestimmter
Sektoren der Wirtschaft, die aus binnenwirtschaftlichen Gründen als besonders anfällig gelten; b)Muster oder Verhaltensnormen, die sich oftmals diskriminierend
gegen ausländische Güter auswirken; c) Restriktive Bestimmungen für Beschaffungskäufe der Regierungen; und d) Exportsubventionen. Verhandlungen, die ein so weites Gebiet von Fragen umfassen, werden aus verschiedenen Gründen schwierig sein:
Die Grenze zwischen einer protektionistischen Handelsschranke und einer legitimen
eigenen

Sozialpolitik ist nicht immer klar; es gibt keine einfache Basis, um

die Reziprozität von Handelsausfällen zwischen einer Form nicht-tarifärer Handelsschranken und einer anderen abzuwägen.
In den Vereinigten Staaten haben zahlreiche Industrieorganisationen, Gewerkschaften und Kongreßausschüsse eine umfassende Prüfung künftiger Möglichkeiten
für eine Handelspolitik und für Handelsverhandlungen aufgenommen. Der Präsident hat
ferner den Bericht seiner Kommission für internationale Handels-und Investitionspolitik erhalten, der weitgehende Empfehlungen für Handelsverhandlungen in den
siebziger Jahren niederlegt. Diesen Empfehlungen ist von der Regierung eingehende
Beachtung geschenkt worden. Frühere Erfahrungen haben den Wert bestimmter allgemeiner, miteinander in Zusammenhang stehender Prinzipien gezeigt.
Erstens sollte ein Handelsabkommen umfassend in dem Sinne sein, daß es alle
Wirtschaftssektoren und alle Formen von Handelsschranken einschließt. Nur ein
umfassendes Abkommen kann eine ausreichende politische Basis, innen-und außenpolitisch, für eine wesentliche Handelsliberalisierung schaffen. Vom Standpunkt der
Vereinigten Staaten ist es besonders wichtig, daß solche Verhandlungen den Agrarwie auch den Industriehandel einschließen. Reiche natürliche Hilfsquellen und

-2-

�und hochentwickelte Technik und Management in der Landwirtschaft geben den Vereinigten Staaten einen erheblichen Vorteil, der unsere Agrarerzeugnisse auf den
Weltmärkten sehr wettbewerbsfähig macht. Trotz der Unterbrechungen aufgrund der
Hafenarbeiterstreiks haben unsere Agrarexporte schätzungsweise im letzten Finanzjahr einen bisherigen Höchststand von wertmäßig 8 Milliarden Dollar erreicht.
Rationalisierung und die Liberalisierung der Agrarpolitik und der damit zusammenhängenden restriktiven Importpolitik., die von den meisten Industriestaaten verfolgt
wird, würden es uns ermöglichen, unser Potential für den Handel auf diesem wichtigen Sektor voll zur Geltung zu bringen.
Die Handelsverhandlungen sollten ferner zu einem System führen, das sich
maximal auf einen vom Markt gelenkten Handel verläßt. Immer wieder hat es sich
gezeigt, daß auf der Marktlage basierende Vereinbarungen am erfolgreichsten waren,
weil sie allgemein zu maximalen Erfolgen für den Handel führten und weil sie am
meisten den Formen der Wirtschaftstätigkeit in den marktorientierten Volkswirtschaften entsprechen. In dieser Beziehung verstößt eine Handelspolitik, die wichtige Wirtschaftssektoren ständig von den Marktkräften und dem internationalen Anpassungsprozeß abschirmt, nicht nur gegen die Prinzipien der internationalen
Leistungsfähigkeit, sondern untergräbt auch den Prozeß einer ordentlichen und
zeitgemäßten Anpassung an das internationale Wirtschaftssystem als Ganzes.
Das Handelsabkommen sollte die realen Kosten der inneren Sozialprogramme
dem Lande auferlegen, das sie durchzuführen beschließt. Nur ein solches Prinzip
kann eine Basis schaffen, um die legitimen Aspekte der eigenen Sozialpolitik von
den Praktiken zu trennen, die sich auf Gebieten wie Umwelt, Sicherheit und Gesundheitsstandard nachteilig für den Handel auswirken» Es muß jedoch anerkannt werden, daß in einigen Gebieten eine stärkere Harmonisierung der Sozialpolitik wünschenswert sein könnte, um den Handel verzerrende Auswirkungen zu vermeiden.
Das erreichte Handelsabkommen sollte ferner ein Sicherheitssystem einschliessen, das in wirtschaftlicher Hinsicht anfälligen Industrien der beteiligten Länder ausreichend Zeit

gibt, sich den schnellen Veränderungen der Produktions-oder

-3-

�oder Verbrauchsformen, den Handel eingeschlossen, anzupassen. Sicherheiten sind
erforderlich in Situationen, in denen die notwendige Anpassung zu umfassend ist,
als daß sie innerhalb einer kurzen Zeitspanne ohne zu hohe soziale, persönliche
oder politische Lasten durchgeführt werden kann. Ein solches multilateral ausgehandeltes Sicherheitssystem sollte vereinbarte Normen enthalten, um einen vorübergehenden Schutz, ein Verfahren für eine internationale Überprüfung und Bestimmungen zur Verhinderung eines Mißbrauchs des Systems durchzusetzen.
Schließlich sollte das Handelsabkommen eine Vereinbarung enthalten, daß
binnenwirtschaftliche Anpassungsprogramme das Sicherheitssystem ergänzen müssen.
In dieser Beziehung prüfen wir jetzt neue Methoden für eine Anpassungshilfe auf
solchen Gebieten und besonders für solche Gruppenvon Arbeitern, die aufgrund des
Importwettbewerbs außergewöhnlich raschen Anpassungsproblemen ausgesetzt sind.
Wir sind uns ferner bewußt, daß es ein enges und wachsendes gegenseitiges
Interesse zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern gibt. Die
Abhängigkeit der letzteren vom Handel ist groß, und ihre Exporte in die Industriestaaten erbringen vier Fünftel ihrer Exporterlöse. Wir sind von ihnen in bezug
auf Rohstoffe abhängig, und wir verkaufen ihnen in immer stärkerem Maße Waren
auf kommerzieller Basis. Somit gibt es gesunde wirtschaftliche Gründe, die sowohl
für die Industriestaaten wie auch für die Entwicklungsländer zwingend sind, daß
sie in Richtung auf ein Welthandelssystem zusammenarbeiten, das allen Ländern angemessene Möglichkeiten bietet. Im Hinblick auf dieses Ziel wollen wir eine Handelspolitik fördern, die den Entwicklungsländern vermehrte Möglichkeiten gibt,
den Wettbewerb auf den Weltmärkten aufzunehmen,
gen Verhandlungen versuchen, dieses

und wir werden bei den künfti-

ihre Exportaussichten am stärksten beein-

flussende Problem wirksam anzupacken.
Die Vereinigten Staaten haben ferner kürzlich eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die bestehenden Schranken für den Handel mit den Ländern des kommunistischen Blocks abzubauen.
Während

-4-

�Während des Moskauer Gipfeltreffens im Mai haben Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew vereinbart, eine amerikanisch-sowjetische Handelskommission
einzusetzen, die den Apparat für das Zustandekommen einer Übereinkunft über verschiedene grundlegende Fragen der Handelspolitik bilden soll.
Der Handelsminister hat die Vereinigten Staaten auf der ersten Sitzung der
Kommission am 20.Juli vertreten. Die Fragen, die die Kommission lösen muß, damit
der amerikanisch-sowjetische Handel wesentlich expandieren kann, sind unter anderem: Regelung der sowjetischen Pacht-und Leihschulden; die Meistbegünstigungsklausel für sowjetische Erzeugnisse; Kreditvereinbarungen; Einrichtungen für Geschäftsleute in jedem der beiden Länder sowie weitere technische Handelsfragen
wie Schlichtung von Handelsstreitigkeiten, Steuer-, Patent- und Lizenzfragen. Es
wird damit gerechnet, daß endgültige Abkommen bei verschiedenen Fragen noch dieses Jahr bekanntgegeben werden.
Vor seiner kürzlichen Reise nach Peking hat der Präsident die Kontrollen für
amerikanische Exporte nach der Volksrepublik China liberalisiert. Mit diesem
Schritt wurde eine Politik fortgesetzt, die bereits früher aufgenommen worden war,
um die Tür für Wirtschaftsbeziehungen zur Volksrepublik China aufzustoßen. Diese neuen Handelsinitiativen gegenüber der UdSSR und China sowie weiteren kommunistischen Ländern in Osteuropa waren durch die Entwicklungen in den größeren politischen Beziehungen möglich geworden.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, eine führende Rolle beim Aufbau eines
internationalen Wirtschaftssystems zu spielen, das den Aufgaben der siebziger Jahre
gerecht werden kann. Das Ziel ist eine Welt, in der alle Länder aus dem internationalen Handel und den internationalen Investitionen ein größtmögliches Maß an
Gewinn ziehen können."

-H-rt-

-5-

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33/1972

VOLCKER WÜRDIGT NEUE WIRTSCHAFTSPOLITIK PRÄSIDENT NIXONS

-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen
Finanzministerium, Paul A. Volcker hat anläßlich des ersten Jahrestages des
neuen Wirtschaftsprogramms Präsident Nixons die Erfolge dieser Politik gewürdigt
und betont, daß die USA heute im Hinblick auf eine Verbesserung des Handels und
der Zahlungsbilanz zuversichtlich sein könnten.
Die Erklärung, die Volcker am 13. August auf einem Wirtschaftsseminar in
Washington abgab, hat folgenden Wortlaut:
"Wenn wir unsere internationale Politik behandeln, möchte ich gleich zu Anfang einen grundsätzlichen Punkt unterstreichen. Das Paket der Maßnahmen, die Präsident Nixon am 15. August (vorigen Jahres) bekanntgab, stellte eine geschlossene Reihe von innenpolitischen und internationalen Maßnahmen dar. Er war sich
über die fundamentale Tatsache im klaren, daß ein Erfolg bezüglich unserer internationalen Ziele eng mit einem Erfolg auf innenpolitischem Gebiet zusammenhängt. Ohne ein starkes Wachstum und eine größere Preisstabilität in den Vereinigten Staaten selbst können wir nicht mit einem starken Dollar im Ausland oder
einer dauerhaften internationalen Währungsstabilität rechnen.
Die

-1-

�Die Maßnahmen,die wir auf internationalem Gebiet ergriffen, spiegelten bestimmte ganz akute Probleme wieder. Aber sie reflektieren gleichzeitig einige
grundlegende langfristige Probleme,die man anpacken muß, wenn die kurzfristigen
Probleme nicht erneut auftreten sollen.
Wenn wir auf die Situation vor einem Jahr zurückblicken, dann muß festgestellt werden, daß wir damals vor der Tatsache eines ständig wachsenden Zahlungsbilanzdefizits standen. Wir mußten damit rechnen, daß dieses Defizit ohne entsprechende Maßnahmen noch größer werden würde.
Unser einstmals großer Handelsüberschuß - rund sieben Milliarden Dollar auf
dem Höhepunkt im Jahre 1964 - hatte sich im Sommer 1971 in ein Defizit mit einer
Jahresrate von vier bis fünf Milliarden Dollar verwandelt. Nicht nur wurde unsere
Zahlungsbilanz immer schwächer, sondern der wirtschaftliche Druck verstärkte auch
protektionistische Gefühle. Die Spekulation auf den internationalen Finanzmärkten
grassierte.
Diesen an der Oberfläche sichtbar werdenden Symptomen lagen wesentliche Veränderungen in den wirtschaftlichen Beziehungen zugrunde - Veränderungen, die nicht
durch gleichwertige Veränderungen im Währungs-und Handelssystem der Nachkriegszeit
ausgeglichen wurden.
Die amerikanische Wirtschaft war die einzige größere Volkswirtschaft, die
aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges intakt hervorgegangen war. Es war daher
nur richtig, daß wir die Verantwortung für den Wiederaufbau einer vom Krieg verwüsteten Welt übernahmen.
Milliarden von Dollar flössen ins Ausland, um den Wiederaufbau einer Volkswirtschaft nach der anderen zu finanzieren. Wir übernahmen eine unverhältnismäßig
große Verantwortung für die gemeinsame Verteidigung. Gleichzeitig strömten amerikanische Güter - zunächst bei nur geringer Konkurrenz - ins Ausland, wo andere
Länder bestrebt waren, das zu kaufen, was sie selbst nicht produzieren konnten.
Im

-2-

�Im Laufe der Jahre entstand jedoch ein grundlegend neues wirtschaftliches
Kräfteverhältnis in der Welt. In nur einer Generation entwickelte sich beispielsweise Japan aus der Zerstörung heraus zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht in der
freien Welt. Ein ähnlicher und früherer Übergang vollzog sich auch in Europa.
Die Bildung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beschleunigte diesen Prozeß,
und es entstand eine mächtige neue Wirtschaftseinheit.
Im Zuge dieser Entwicklung wurden einstmals schwache Währungen stark. Die
amerikanischen Exporte sahen sich auf den Weltmärkten einer starken ausländischen
Konkurrenz gegenüber. Zahlreiche Länder bemühten sich mit Nachdruck um eine starke
Handels-und Zahlungsbilanzposition und erhielten sie aufrecht. Aufgrund dieser
Entwicklung wurden die Defizite in der amerikanischen Zahlungsbilanz chronisch,
woraus sich unhaltbare Belastungen und Spannungen ergaben.
Der 15. August machte allen klar, daß es so nicht weitergehen konnte. Die
Vereinigten Staaten waren finanziell wie wirtschaftlich überstrapaziert. Ein neues
wirtschaftliches Kräfteverhältnis mußte hergestellt werden - ein Verhältnis, das
die neuen wirtschaftlichen Realitäten der Welt reflektierte und das mit einem liberalen, nach außen orientierten Klima für Handel und Investitionen in Übereinstimmung stand.
Zwei wichtige internationale Maßnahmen wurden im Programm des Präsidenten
vom 15. August angekündigt: die Einführung einer befristeten zehnprozentigen Importabgabe sowie das sogenannte

Schließen des Goldfensters * oder die Aussetzung

der Konvertierbarkeit'.
Das waren harte Maßnahmen, und es waren -aus der Natur der Sache heraus einseitige Maßnahmen. Es waren Maßnahmen einer starken Führung. Sie kündigten die
Notwendigkeit von Änderungen und Reform an. Sie trugen dazu bei, die notwendigen
Sofortmaßnahmen zu fördern.
Auf

�Auf der anderen Seite stellen sie nur einen Anfang dar. Sie bereiteten zwar
den Boden für Änderung und Reform, aber es mußten ihnen weitere Maßnahmen und
Verhandlungen folgen, um den Wandel auf konstruktiven Wegen zu halten.
Dieser Prozeß ist längst vorüber, aber er hat zu wichtigen Verbesserungen
geführt:
- Die Verbesserung unserer Binnenwirtschaftstätigkeit leistet einen wichtigen
Beitrag zur internationalen Währungsstabilität. Kein anderes wichtiges Industrieland kann sich im letzten Jahr mit uns messen, was die Kombination von Wachstum
und Preisstabilität angeht. Was beispielsweise die Verbraucherpreise anbelangt,
so können sich die Vereinigten Staaten mit einer Inflationsrate von 2,9 Prozent
neben Kanada, Italien, Japan, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und
Großbritannien sehen lassen, wo die Raten von 4,3 Prozent bis 6,3 Prozent reichen. Im Vergleich dazu ist unsere Wirtschaftstätigkeit das Grundrezept für einen
starken Dollar und eine starke Zahlungsbilanz.
- Wir haben mit dem Smithsonian-Abkommen vom Dezember vorigen Jahres eine
große Neuordnung der Weltwechselkurse erreicht. Durch eine Kombination von Dollarabwertung und Aufwertung ausländischer Währungen haben sich die Währungsverhältnisse mit unseren wichtigen Handelspartnern in Europa und mit Japan im Durchschnitt um etwa 11 bis 12 Prozent versdioben. Dies wird mit der Zeit unseren Exporteuren und unserer Zahlungsbilanz einen starken Auftrieb geben. Im Rahmen des
Prozesses waren wir in der Lage, auf die befristete Importabgabe zu verzichten.
- In bestimmten Fällen ist es gelungen, einen Fortschritt beim Abbau der
Handelsschranken für unsere Exporte zu erzielen.
- Und was für die Zukunft noch wichtiger ist, es sind Einvernehmen darüber
erzielt worden, allgemeine Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform
mit dem Ziel zu führen, eine offene und liberal-orientierte Weltwirtschaft zu
stützen.
Am

-4-

�Am 15. August (1971) herrschte kein allgemeines Einverständnis über die
Notwendigkeit einer Reform - geschweige denn der Wille, damit anzufangen. Es gab
kein internationales Forum,in dem die schwierigen Verhandlungen hätten geführt
werden können. Die wichtigen Länder gaben keineswegs zu, daß ein enger innerer
Zusammenhang zwischen Währungsregeln und Handelsregeln, Investitionspolitik im
Ausland, Steuerpolitik und ähnlichen Dingen besteht.
Heute, so meine ich, sind Einvernehmen, Willen und Forum in weit größerem
Maße vorhanden.
Es wäre töricht,die vor uns liegenden Probleme zu unterschätzen. Wir befinden uns immer noch in einer schwierigen Periode des Übergangs. Die Ereignisse
haben gezeigt, daß die Wiederherstellung unserer Zahlungsbilanz und unserer internationalen Finanzposition einige Zeit braucht. Die Reform des Währungssystems
wird sorgfältiger Verhandlungen über einen längeren Zeitraum hinweg bedürfen.
Hier und im Ausland zeigt sich bereits Ungeduld.
Von Zeit zu Zeit haben die Devisenmärkte jene Unsicherheit gezeigt,die mit
dem Wandel unausweichlich einhergeht.
Wir haben uns daran gemacht,mit diesen zwischenzeitlichen Problemen fertig
zu werden,indem wir sowohl Sofortmaßnahmen getroffen haben als auch auf umfassende Verhandlungen drängen.
Anders als vor einem Jahr sind wir heute der Überzeugung, daß wir vertrauensvoll auf die Verbesserung unseres Handels und unserer Zahlungsbilanz hoffen können. Nach meiner Ansicht haben wir überzeugende Antworten auf die Argumente jener
gefunden, die unsere externen Probleme dadurch lösen wollen, daß sie sich in eine
schützende Muschel verkriechen. Ich glaube, daß jetzt konstruktive Verhandlungen
für eine Reform auf lange Sicht begonnen haben.

Genau

-5-

�Genau gesehen ist die Aufgabe, die uns der Präsident am 15. August vorigen Jahres gestellt hat, erst halb erfüllt. Aber wir können mit dieser ersten
Hälfte zufrieden sein, ohne daß wir die kommende Aufgabe verkleinern wollen.
Niemand sollte sich Illusionen machen, daß es einen leichten Abkürzungsweg
zu Stabilität, Wachstum und Stärke nach außen gäbe. Aber ich kann Ihnen versichern, daß wir es mit der Bewältigung der Aufgabe ernst meinen."

-6-

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33/1972

US-HANDELSMINISTER:WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG UND FREIER HANDEL
Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON --(AD)— Eine deutliche Wende in der Wirtschaft der Vereinigten
Staaten ist nach Feststellung des amerikanischen Handelsministers Peter
Peterson eingetreten. Wie Peterson nach einem Jahr des neuen Wirtschaftsprogramms Präsident Nixons erklärte, steigt die Produktion in Industrie und Landwirtschaft stetig an, während gleichzeitig die Preise unter Kontrolle gehalten
werden. Bei einem fairen Wechselkurssystem müßte damit nach Auffassung
Petersons die amerikanische Handelsbilanz wieder günstiger werden.
Der Handelsminister verwies auf die völlig unterschiedliche Situation der
amerikanischen Wirtschaft Ende der sechziger Jahre und heute. In den Jahren von
1965 bis 1970 lagen die Vereinigten Staaten im Wirtschaftswachstum praktisch
hinter allen ihren großen Handelspartnern zurück, während sie im Preisauftrieb
die Spitze hielten. Heute, so betonte Peterson, weist das reale Wirtschaftswachstum der USA eine Jahresrate von 7,4 Prozent auf - und liegt damit höher
als das Japans - während die Preise nur mit einer Jahresrate von 2,7 Prozent
steigen - was etwa nur die Hälfte des Anstiegs in anderen großen Industrieländern bedeutet.
Folgende

-1-

�Folgende Tabelle gibt einen Vergleich des wirtschaftlichen Wachsturas gemessen an der Veränderung des realen Bruttosozialprodukts (Jahresrate in Prozent):
Land:

1965/70

1960/65

Derzeit

5,3

3,4

7,4

10,0

12,1

6,0

Bundesrepublik Deutschland

5,0

4,6

3,3

Frankreich

5,8

5,8

5,0

Italien

5,3

6,1

3,3

Großbritannien

3,4

2,3

0,3

Kanada

5,5

4,5

5,3

USA
Japan

+)

+) Derzeit heißt für die USA die drei letzten Quartale vor dem 30.Juni 1972,für
die übrigen Länder erstes Halbjahr 1972 gegenüber dem ersten Halbjahr 1971
(•Schätzungen).

Die nächste Tabelle gibt einen Vergleich der Inflationsraten gemessen an dem
Anstieg der Verbraucherpreise (Jahresrate in Prozent):
Land:

1960/65

1965/70

Derzeit

USA

1,3

4,6

2,7

Japan

6,0

5,6

4.8

Bundesrepublik Deutschland

2,8

2,8

5,7

Frankreich

3,8

4,3

5,8

Italien

4,8

2,6

4,8

Großbritannien

3,4

4,6

8,5

Kanada

1,6

3,8

4,4

+)

+) Derzeit heißt für die USA die letzten zehn Monate bis Mai 1972, für die übrigen
Länder die letzten zwei Quartale bis Ende März 1972 gegenüber den letzten zwei
Quartalen bis Ende März 1971.

Die

-2-

�Die Vereinigten Staaten sind, wie Petersen feststellte, noch weit von einer
vollen Kapazitätsauslastung in der Industrie entfernt, so daß genügend Raum für
eine weitere Produkt Jonsausweitung ohne Inflationsgetahr gegeben ist. Leider haben
Rezessionen in anderen Ländern, die traditioneil zu den besten Abnehmern amerikanischer Erzeugnisse gehören, zu einer Verringerung der Exporte der USA geführt.
Während die amerikanischen Exporte langsam wieder ansteigen, gehen die Importe
weiter zurück. Peterson führte hier als Beispiel vor allem die Automobilindustrie
an. Während die Importe ausländischer Kraftwagen nach den USA noch vor einem Jahr
ständig stiegen und schließlich einen Marktanteil von über 20 Prozent erreichten,
ohne daß zunächst ein Ende dieser Entwicklung in Sicht war, sind die KFZ-Importe
jetzt um rund 15 Prozent zurückgegangen. Peterson führte hierfür vier Gründe an:
Die Verkaufssteuer für Autos wurde aufgehoben, die Wirtschaftslage in den USA
besserte sich ganz allgemein, die Arbeitskosten wurden niedrig gehalten und - als
Wichtigstes - der Dollar wurde abgewertet.
Dadurch zogen die Preise ausländischer Wagen der unteren Preisklasse an
- der Datsun um 14 Prozent, der Volkswagen um 8 Prozent. Der amerikanische Pinto
kostete noch vor einem Jahr 185 Dollar mehr als der Datsun, und heute kostet er
15 Dollar weniger. Gerade bei technologisch hochentwickelten Gütern - Autos,Computer n,chemischen Erzeugnissen, Pharmazeutika usw. - hatten die Vereinigten Staaten
immer einen hohen Handelsüberschuß aufzuweisen - manchmal 9 bis 10 Milliarden Dollar im Jahr. Dieser Überschuß wird jedoch gegenwärtig durch das Handelsdefizit
bei Erzeugnissen wie Schuhen, Textilien oder Stahl praktisch aufgezehrt.
Die Situation wurde noch durch die bestehenden unfairen Wechselkurse erschwert, bis der Präsident dann sein dynamisches Programm entwickelte.
Bei Stahl verzeichnete Japan einen außergewöhnlichen Produktivitätsanstieg
gegenüber amerikanischen Stahlwerken. Amerika hat jedoch große Mittel in den Bau
neuer Stahlwerke investiert, und wenn die Produktion in diesen Werken erst richtig
anläuft, dann wird sich die amerikanische Stahlindustrie bei einem fairen Wechselkurs auch wieder behaupten können.
Praktisch

-3-

�Praktisch hat die Neufestsetzung der Wechselkurse nach den Worten Petersons dazu geführt, daß auf dem nicht ausgesprochen technologischen Bereich zahlreiche Erzeugnisse, die bisher nicht wettbewerbsfähig waren, nunmehr den Wettbewerb wieder bestehen können.
Eine dritte Gruppe umfaßt den Rohstoff-und den Energiesektor. Die Vereinigten Staaten benötigen große Mengen an Öl, Kohle usw. und importieren bereits
15 Prozent ihres Bedarfs. Diese Zähl könnte innerhalb von 3o Jahren auf 50 Prozent ansteigen, und das Handelsdefizit könnte damit schnell wieder zunehmen.
Die letzte Gruppe betrifft die Landwirtschaft,wo die Vereinigten Staaten
nach Ansicht des Ministers eine überragende Stellung in der Welterzeugung einnehmen.

Die Produktivität in der amerikanischen Landwirtschaft weist einen so

hohen Stand auf, und die Kosten liegen so niedrig, daß die amerikanischen Agrarerzeugnisse auch bei ungünstigen Wechselkursen oder Handelsschranken - wie bei
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft - immer noch voll wettbewerbsfähig
sind.
Peterson warnte vor einer Tendenz, die Einfuhren praktisch auf Null herunterzudrücken. In was für einer Welt würde der Verbraucher leben, gäbe es keine
Importe,so fragte der Minister. Und er fuhr fort: "Ich habe den Eindruck, daß
die meisten von uns froh sind über die Importe. Sie bringen uns ein vielfältigeres Angebot

zu niedrigeren Preisen und besseren Qualitäten oder aber Spezia-

litäten,die wir in den Vereinigten Staaten nicht haben. Da es das Ziel der Wirtschaftstätigkeit ist, den Lebensstandard zu heben, sollten wir uns nicht in eine
Situation drängen lassen, in der wir zu der Auffassung kommen, es wäre herrlich,
wenn die amerikanische Industrie 100 Prozent aller Erzeugnisse herstellt."
Dagegen, so betonte Peterson, müßten die Vereinigten Staaten nach einem
Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz streben, damit sie für ihre Importe mit ihren Exporten bezahlen können. Wenn die Wechselkurse flexibel genug sind, so sagte er,
"dann glaube ich,sollten wir uns auf das Wettbewerbssystem verlassen, und der
Verbraucher sollte selbst darüber entscheiden, ob seinem Interesse am besten

-4-

�besten durch den Kauf amerikanischer oder ausländischer Kraftwagen gedient ist
Einer der großen Vorteile eines freien und offenen Handelssystems ist, daß es
durch den Wettbewerb einen starken Anreiz für die Binnenwirtschaft bringt."

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NEUES WIRTSCHAFTSPROGRAMM PRÄSIDENT NIXONS EIN JAHR ALT
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)— Das von Präsident Nixon zur Eindämmung der Inflation
und zur Wiederherstellung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichtes verkündete
neue Wirtschaftsprogramm kann in diesen Tagen auf sein einjähriges Bestehen
zurückblicken - Grund genug, um Rückschau zu halten auf das, was sich in den
zwölf Monaten geändert hat.
Als Präsident Nixon am 15. August 1971 im Weißen Haus dem amerikanischen
Volk und der übrigen Welt die Einzelheiten seines neuen Wirtschaftsprogrammes
bekanntgab, herrschte zunächst allgemeine Bestürzung vor. Neben Überraschung
und Verwirrung bestand in den ersten Tagen weitverbreitet die Furcht, daß die
Vereinigten Staaten für immer einen protektionistischen Kurs einschlagen könnten, um ihre internationalen Handels-und Zahlungsbilanzprobleme zu Lösen.
Aber dies geschah nicht. Das verflossene Jahr hat vielmehr das Gegenteil
bewiesen, daß nämlich das neue Wirtschaftsprogramm in erster Linie auf eine
Wiederbelebung des freien Warenflusses zwischen den Ländern abzielt.
Die im August vorübergehend eingeführte Importabgabe wurde bereits im Dezember wieder aufgehoben und dürfte wohl kaum nachhaltige Auswirkungen auf den
Warenfluß gehabt haben. Die amerikanischen Bemühungen zielten mehr auf einen

-1-

�einen Abbau der Handelsschranken für amerikanische Exportgüter als auf eine Einschränkung des Imports ab. Den wenigen Fällen, zum Beispiel bei Textilien, in
denen die Vereinigten Staaten andere Länder aufgefordert hatten, ihren USA-Export einzuschränken, lag die Absicht zugrunde, dem innenpolitischen Druck entgegenzuwirken,

der in den letzten Jahren verschiedentlich beinahe zur Verab-

schiedung stark protektionistischer Gesetze durch den Kongreß geführt hätte.
Der Beschluß Präsident Nixons, die Konvertierbarkeit des US-Dollar in Gold
auszusetzen, war als Zeichen für die Entschlossenheit der amerikanischen Regierung zu werten, den seit über 20 Jahren ständig anfallenden Defiziten in der
US-Zahlungsbilanz ein Ende zu machen und eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems sicherzustellen, und stand in direktem Zusammenhang mit
dem Wunsch, weiterhin die Prinzipien eines liberalen Handels zu unterstützen.
Wirtschaftliche Prinzipien und Anpassungsprozesse, die sicherstellen sollen,
daß der zwischenstaatliche Handel beiden Seiten Gewinn bringt, können nicht wirken, wenn die Wechselkurse unrealistisch sind und das internationale Zahlungssystem nicht richtig arbeitet. Als Folge der Unzulänglichkeiten des alten internationalen Währungssystems vor dem 15. August vergangenen Jahres waren weite
Kreise der amerikanischen Arbeiterschaft wie auch der amerikanischen Industrie
zu der Auffassung gelangt, daß sie durch den schnell wachsenden Import geschädigt
oder in ihrer Existenz bedroht würden, während ausgleichende Gewinne beim Export
oder sonstwo in der Wirtschaft nicht zu erkennen seien.
Die Neufestsetzung der Wechselkurse durch das Smithsonian-Abkommen vom vergangenen Dezember dürfte wesentlich dazu beitragen, diese Auffassung zu entkräften, wenn erst die neuen Wechselkurse im Handel voll durchschlagen, was nach
Ansicht der Experten zwei Jahre und länger dauern kann.
Eine einmalige Neufestsetzung der Wechselkurse wird jedoch nur vorübergehend
Erleichterung verschaffen, es sei denn, daß die Länder sich bei ihrer künftigen

-2-

�künftigen Währungs-und Handelspolitik an akzeptierbare Verhaltensnormen halten.
Aus diesem Grunde haben die Vereinigten Staaten auch während des vergangenen
Jahres auf umfassende und sorgfältige Studien gedrängt, die zu einem völlig
neuen internationalen Währungssystem, einer neuen Fairneß in Handelsfragen und
einer neuen Runde globaler Handelsverhandlungen führen sollen, in denen der Weg
zu einer gegenseitigen Senkung aller Formen von Handelsschranken geebnet werden
könnte.
Einer der möglicherweise bedeutsamsten Erfolge des neuen Wirtschaftsprogramms
Präsident Nixons ist die Vereinbarung, innerhalb des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Gruppe von 20 Ländern einzusetzen, die ein neues internationales
Währungssystem konzipieren soll. Da die meisten dieser 20 Staaten Ländergruppen
repräsentieren, werden die Interessen aller IWF-Mitglieder - der Entwicklungsländer wie auch der Industriestaaten, der kleinen Nationen wie auch der wirtschaftlichen Giganten - vertreten sein. Die erste Konferenz soll in der letzten
Septemberwoche stattfinden, wenn der IWF seine reguläre Jahrestagung abhält.
Von ebenfalls potentiell großer Bedeutung ist die Tatsache, daß mehrere andere Nationen sich den Vereinigten Staaten angeschlossen haben,um mit ihnen die vorbereitenden Arbeiten für die vorgeschlagene neue Runde umfassender Handelsverhandlungen zu leisten.
Aber auch die binnenwirtschaftlichen Erfolge des neuen Wirtschaftsprogramms
Präsident Nixons wirken sich auf die außenwirtschaftliche Seite aus. Den Vereinigten Staaten ist in den vergangenen Monaten eine Reduzierung der Inflationsrate
gelungen, und sie stehen auch hier besser als die meisten anderen Industriestaaten da, die ihre natürlichen Konkurrenten auf den Weltmärkten sind.Setzt sich
diese Entwicklung weiter fort, so wird sie zu einer Stärkung der amerikanischen
Handelsposition wie auch der amerikanischen Zahlungsbilanz führen.
Die

-3-

�Die derzeitige starke Wirtschaftsexpansion in den USA, die sich zu einer
Zeit vollzieht,in der sich das wirtschaftliche Wachstum in einigen Ländern verlangsamt hat, die wichtige Absatzmärkte für den US-Export bilden , könnte zu
einem gewissen Hinauszögern der erwarteten Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz führen. Er könnte ferner die Wirkung, die von der Neufestsetzung der
Wechselkurse ausgeht, bei einigen Ländern dämpfen, die anderenfalls nachteilig
betroffen werden gönnten. Auf lange Sicht wird eine starke, nicht-inflationistische Expansion der amerikanischen Wirtschaft mit zur Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz beitragen und zwar dadurch, daß im Rahmen einer stetigen
Ausweitung des Welthandels die Exporte zunehmen, und nicht dadurch, daß die Importe aus anderen Ländern eingeschränkt werden.
Auf all diesen Gebieten - der Schaffung eines neuen internationalen Währungssystems, den Verhandlungen über neue Handelsnormen, der Wiederherstellung eines
gesunden Ausgleichs der amerikanischen Zahlungsbilanz, der Abwehr des protektionistischen Drucks, der Öffnung des Weges für ein gesundes Wirtschaftswachstum

-

sind die Fortschritte bisher recht beachtlich gewesen. Allerdings bleibt noch
viel zu tun übrig. Eine endgültige Bewertung der Ergebnisse des neuen Wirtschaftsprogramms Präsident Nixons muß daher einem späteren Jubiläum vorbehalten
bleiben.

i

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I ! II II

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EINE KRANKHEIT WURDE ENTSCHÄRFT
Intensivtherapie verbessert Prognose bei Lupus erythematodes

--(AD)-- Die Ursache ist noch nicht genau bekannt. Lupus erythematodes, in der
Medizin meist nur mit der Abkürzung SLE bezeichnet, im Volksmund "Zehrrose"
genannt, könnte genetisch bedingt sein. Aber vielleicht spielen bei der Erkrankung auch Viren eine Rolle. Der Organismus des Kranken bildet Antikörper ge
gen Desoxyribonukleinsäuren (Zellkernmoleküle) sowie große Mengen von Gamma
globulin, was auf Abwehrreaktionen schließen läßt. Jedoch scheinen diese Reaktionen auiier Kontrolle zu geraten, weshalb SLE auch zu den Autoaggressionskrankheiten gerechnet wird. Bestimmte Medikamente können ebenfalls zu einem typischen
SLE-Krankheitsbild mit zunächst polyarthritischen Beschwerden, schmetterlings»
förmigen Hautausschlägen - vor allem im Gesicht und an anderen, nicht von Kleidung bedeckten Partien - und, im weiteren Verlauf, zu Organschädigungen führen
Wird diese Allergie im Frühstadium erkannt, ist nach Absetzen der Medikamente
die Ausheilung möglich. Bei der echten SLE-Erkrankung dagegen ist die Prognose
normalerweise ungünstig.
Daß

-l-

�Daß sich der Verlauf dennoch beeinflussen läßt, zeigte ein über mehrere
Jahre durchgeführtes Gruppenexperiment von Dr. Wallace V.Epstein von der Universität Kalifornien in San Francisco. Über das Ergebnis berichtete er auf einer
Tagung der amerikanischen "Arthritis Foundation". In der von Epstein und Mitarbeitern betreuten Gruppe stieg die Uberlebensrate im Fünf-Jahres-Zeitraura von
20-30 Prozent auf 80 Prozent. Die allgemeine Situation der Patienten - in der
überwiegenden

Mehrzahl werden Frauen von der Erkrankung betroffen - verbesser-

te sich in auffallender Weise.
Die 67 Kranken, von denen es bei 31 bereits zu schweren Nierenschädigungen
gekommen war, wurden zu einer sogenannten "Lupus-Gruppe" zusammengefaßt. Mit
häufigen Blut-und Urinuntersuchungen stand jeder einzelne unter äußerst sorgfältiger ärztlicher Kontrolle. Es zeigte sich, daß dann ein neuer Krankheitsschub
bereits in einem Stadium erfaßt und durch entsprechende medikamentöse

Behandlung

zumindest abgeschwächt werden konnte, wenn ihn der Patient noch gar nicht gewahr
geworden war. Vor allem versuchte man bei den Patienten, deren Nieren noch nicht
betroffen waren, die Schädigung dieses Organs zu verhindern - mit beachtlichem
Erfolg. Die wichtigsten Medikamente waren dabei Prednison und Chlorambucil, das
zu den Präparaten zur Unterdrückung von Immunreaktionen gehört.
Die höheren Überlebensraten schreibt Dr. Epstein aber weniger den Medikamenten oder der Dosierung der verordneten Präparate zu, sondern in erster Linie der
fortlaufenden Überwachung der Kranken. Dadurch werden ungünstige Nebenwirkungen
der Medikamente auf ein Mindestmaß reduziert und irreversible Gewebeschädigungen
im größtmöglichen Umfang verhindert. Die "Lupus-Gruppe" kam außerdem zweimal im
Monat zusammen, damit die Patienten untereinander Erfahrungen austauschen konnten und besser lernten, mit der Krankheit zu leben. Anscheinend trug diese Ai*
der Gruppentherapie viel dazu bei, dem einzelnen die Angst vor der Zukunft zu
nehmen. Es gab z.B.keine Selbstmordversuche mehr, die bis dahin relativ häufig
waren. Der Patient wird durch das Gespräch mit Leidensgenossen mit dem klinischen
Verlauf der Krankheit in einer Form vertraut gemacht, die ihn weitaus weniger

-2-

�weniger erschreckt,als wenn er plötzlich Nebenwirkungen oder Reaktionen wie
Haarausfall nur an sich selbst beobachtet. Für ihn ergibt sich dann auch eine
viel bessere Grundlage, um mit den Ärzten im Verlauf der eigenen Behandlung
vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.

-3-

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IMMUNREAKTIONEN MIT FREMDER THYMUSDRÜSE

--(AD)-- Einem 10 Wochen alten Kind wurde in einer Klinik der GeorgetownUniversität (Washington) eine fremde Thymusdrüse in die Bauchwand implantiert .
Bereits sechs Stunden nach der Operation konnten bei dem Baby Immunreaktionen
festgestellt werden, die vor der Operation völlig fehlten. In den meisten
Fällen sind genetische Ursachen anzunehmen, wenn sich bei Kindern herausstellt, daß die Thymusdrüse nur ungenügend ausgebildet oder funktionsunfähig
ist. Diese spielt jedoch für den Aufbau und die Entwicklung des lymphatischen
Systems und bei der Abwehr von Infektionen eine wichtige Rolle. Sie zählt,
wie Blinddarm und Mandeln,zu den primären Immunitätsorganen»
Das Implantat war in eine Diffusionskammer eingeschlossen, so daß Zellen,
die dem Empfängerorganismus möglicherweise hätten schaden können, nicht ausdringen konnten. Dagegen konnten Nährstoffe aufgenommen werden, die für den
Stoffwechsel der Thymuszellen notwendig sind. Diese vermochten jene Wirkstoffe
zu produzieren, die nach dem Ausdiffundieren aus der Kammer über den Kreislauf
das Immunsystem des Körpers "einschalten" konnten. Die Kammerwandung hatte
die Funktion einer porösen Membran, die nur bestimmte Stoffe nach jeder Richtung
durchläßt.
Dr.

�Dr. Russell W. Steele, der mit finanzieller Unterstützung des "Nationalinstituts für Pädiatrie und menschliche Entwicklung" (ein Institut der medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA-N1H) an der pädiatrischen Abteilung
der Georgetown-Universität als Forscher tätig ist und die Implantation durchführte, wies nach, daß in dem speziellen Fall das Fehlen der Thymusdrüse beim Neugeborenen familiär bedingt ist. Ein als Säugling verstorbener Halbbruder des
Babies war ohne Thymus und Nebenschilddrüsen geboren worden, bei der Mutter ist
das Immunsystem erheblich beeinträchtigt. Daraus ergebe sich die große Bedeutung
der Untersuchung aller Familienmitglieder, wenn bei einem Neugeborenen ThymusAplasie festgestellt wird.
Acht Tage nach der Operation starb das operierte Kind infolge von Atemnot,
die mechanische Ursachenhatte. Bei der Autopsie konnte an Hand der Gewebekulturen
keine Infektion festgestellt werden. Nach Ansicht Dr. Steeles gab es keinen Zusammenhang zwischen der Operation und dem Tod des Kindes. Er vertritt die Meinung, daß eine Wiederherstellung der Immunreaktionen nicht nur bei Infektionen,
sondern auch bei malignen Prozessen Bedeutung haben könnte.

+++

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon ersucht Senat um Ratifizierung der Konvention über ein Verbot bakteriologischer Kampfmittel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Senat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;U.Alexis Johnson für Verbesserung der Beziehungen zu Moskau und Peking&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Rede des US-Staatssekretärs -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freie Information unerwünscht?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sowjetunion gegen US-Pläne für Satellitensendungen mit Heimempfang&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon weist auf wirtschaftliche Erfolge hin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorwort zur Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das internationale Währungssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Zahlungsbilanz 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Initiativen für Handelsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszug aus der Broschüre "Die Wirtschaft Mitte 1972" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Volcker würdigt neue Wirtschaftspolitik Präsident Nixons&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsminister: Wirtschaftsaufschwung und freier Handel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Krankheit wurde entschärft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immunreaktionen mit fremder Thymusdrüse&lt;/p&gt;</text>
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Information
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Dokumentation

08-85432

9. August 1972

32

Inhalt

INFORMATION:

Präsident Nixon ernennt persönliche Vertreter für die Olympischen
Spiele in München
Robert Sargent Shriver, der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten
Weißes Haus: US-Lufttätigkeit soll Nachschub Hanois ausschalten
-Nordvietnamesische Deiche kein AngriffszielUS-AußenministerLum bestätigt nordvietnamesische Greueltaten
-Von unserem diplomatischen Korrespondenten-

fe
WIRTSCHAFT:

USA erhoffen sich von dem Treffen Nixon-Tanaka Fortschritte bei den
Handelsgesprächen
-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Die Kontroverse um Methadon
Großaktion gegen Blasenkrebs
Retinopathie bei Diabetikern
Ersatzteile aus Titan

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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32/1972

PRÄSIDENT NIXON ERNENNT PERSÖNLICHE VERTRETER FÜR DIE
OLYMPISCHEN SPIELE IN MÜNCHEN
WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat fünf amerikanische Goldmedaillengewinner zu seinen persönlichen Vertretern bei den Olympischen Sommerspielen in München vom 26. August bis 10. September ernannt.
Zum Leiter der Delegation wurde der Ohrenarzt Dr. Sammy Lee aus Santa
Ana in Kalifornien bestimmt, der bei den Olympischen Spielen im Jahre 1948
und 1952 Goldmedaillen im Turmspringen gewann.
Die anderen Mitglieder der amerikanischen Abordnung sind:
Malvin G. Whitfield, Stellvertretender Kulturattache an der Botschaft
der Vereinigten Staaten in der Somalischen Republik, Goldmedaillengewinner
im 800 Meter-Lauf 1948 und 1952;
William A. Toomey, Fernsehkommentator in Santa Barbara in Kalifornien
und Goldmedaillengewinner im Zehnkampf im Jahre 1968;
Reverend Robert E. Richards, Autor und Rundfunkkommentator in Gordon,
Texas, Goldmedaillengewinner im Stabhochsprung 1952 und 1956; und
Patricia (Mrs.Glenn) McCormick, Schwimmtrainerin in Los Alamitos in
Kalifornien, Goldmedaillengewinnerin im Kunstspringen 1952 und 1956.

-H-H-f

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32/1972

ROBERT SARGENT SHRIVER, DER VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER
DEMOKRATEN

--(AD)-- Mit Robert Sargent Shriver hat Senator George McGovern, der Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei Amerikas, einen profilierten, politisch liberalen und im Regierungsgeschäft erfahrenen Partner ausgesucht. Der
neue 50jährige Vizepräsidentschaftskandidat stammt aus einer bekannten Familie
und hat sich in leitenden

Regierungsposten, als Botschafter sowie als Ge-

schäftsmann und Rechtsanwalt einen Namen gemacht; er hat allerdings noch kein
gewähltes Amt bekleidet.
Shriver, der mit R. Sargent Shriver unterzeichnet und von Freunden "Sarge"
genannt wird, hat im Jahre 1953 Eunice Mary Kennedy, eine der fünf Schwestern
von Joseph, John F., Robert und Edward Kennedy, geheiratet. Von vielen Demokraten wird die Verbindung des Namens Kennedy mit der Sache McGoverns begrüßt, und
politische Beobachter verweisen auf die politischen Fähigkeiten und Erfahrungen
Shrivers, von denen sie sich einen Stimmengewinn erhoffen.
McGovern hatte nach dem Verzicht des ersten Kandidaten, Senator Thomas
Eagleton, mehreren

anderen Persönlichkeiten angeboten, mit ihm zusammen in den

Wahlkampf zu ziehen; jedoch hatten sowohl Senator Kennedy als auch die Senatoren

-1-

�Senatoren Hubert H.Humphrey aus Minnesota, Abraham Ribicoff aus Connecticut unu
Gaylord Nelson aus Wisconsin sowie Gouverneur Reubin Askew aus Florida abgelehnt
Und schließlich wollte sich auch Senator Edmund S. Muskie aus Maine, der Vizeprä; identschaftskandidat der Demokraten im Jahre 1968 und zunächst aussichtsreiche Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, nicht zur Verfügung stellen.
Nun hatten viele Berater und Mitarbeiter von Senator McGovern bereits früher den Namen Shriver in die Debatte geworfen. Auch das war kein Novum, denn
Präsident Lyndon B. Johnson hatte 1964 und Präsidentschaftskandidat Hubert
Humphrey 1968 Shriver als möglichen Vizepräsidentschaftskandidaten ins Spiel gebracht. Jetzt kam ein festes Angebot und eine rasche Zusage.
Während die Wahl Shrivers in demokratischen Kreisen Beifall findet, gibt es
auch Stimmen wie die von Gouverneur Dale Bumpers aus Arkansas, die darauf hinweisen, daß sich der neue Kandidat bisher noch keiner Wahl habe stellen müssen
und sich im Wshlkampf erst zu bewähren habe.
Sargent Shriver ist den Amerikanern kein Unbekannter. Er konnte sich unter
seinem Schwager, Präsident John F. Kennedy, als Leiter des amerikanischen Friedenskorps - des ersten großen Entwicklungshilfedienstes der Welt - und dann als
Direktor des Programms zur Bekämpfung der Armut in den USA selbst profilieren,
das Präsident Lyndon B. Johnson als Nachfolger Kennedys in Angriff nahm.
Gut aussehend, sportlich, freundlich lächelnd, mit graumeliertem dunklen
Haar ist Shriver eine gewinnende Persönlichkeit. Beide Kandidaten, McGovern und
Shriver, geben ein gutes Team ab; Shriver kommt aus dem Osten der USA, McGovern
aus dem Mittelwesten; Shriver ist katholisch, McGovern protestantisch; Shriver
kommt aus der Stadt, McGovern vom Lande - obwohl beide heute im Vorort leben.
Shriver ist zwar sechs Jahre älter als MvGovern, aber er hat einen jugendlichen
Stil und ist photogen.
Shriver

�Shriver ist bekannt dafür, daß er Geld auftreiben kann, und das braucht der
Stab McGoverns dringend für den Wahlkampf. Er hat gute Beziehungen zu den ärmeren Schichten und Minderheitengruppen im Lande, nicht zuletzt zu der starken
jüdischen Gruppe im Osten der USA.
Politisch nachteilig könnte sich auswirken, daß sich seine Frau öffentlich
gegen die legalisierte Schwangerschaftsunterbrechung ausgesprochen hat, während
McGoverns Stab dieses Thema gerne ausgeklammert hätte, und daß er Amter in der
Kennedy-und Johnson-Administration innehatte, als diese Truppen nach Vietnam
entsandten. McGovern hat versichert, daß er, wenn er gewählt würde, innerhalb
von 90 Tagen alle Truppen aus Vietnam abziehen würde.
Shriver studierte unter anderem in Yale Jura und legte 1941 seine juristische Staatsprüfung ab. Im Kriege ging er zur Marine und fuhr auf Schlachtschiffen und Unterseebooten. Nach dem Kriege war er zunächst bei einer Anwaltsfirma
in New York und kurz als Redakteur bei dem Nachrichtenmagazin Newsweek tätig.
Ein Interview mit dem Multimillionär Joseph P. Kennedy, dem Vater des späteren
Präsidenten John F. Kennedy,brachte ihn dazu,in den Dienst der Kennedyschen
Unternehmen einzutreten, wo er 1948 Direktor der riesigen Chicagoer Warenhauskette wurde. Stark am öffentlichen Leben interessiert, war er in zahlreichen
sozialen, karitativen und kulturellen Ausschüssen und Gremien aktiv.
Als Präsident Kennedy ihm nach seinem Amtsantritt im Jahre 1961 den Aufbau und die Leitung des amerikanischen Friedenskorps - des Peace Corps - übertrug, war es Shriver, der durch sein Engagement und seinen Einsatz im Kongreß
und in der Öffentlichkeit diese Einrichtung zu einem bleibenden Erfolg der Administration machte. Nach dem Tode Kennedys blieb Shriver im Regierungsdienst
und führte erfolgreich Präsident Johnsons "Krieg gegen die Armut".
Präsident Johnson

entsandte Shriver dann im Jahre 1968 als Botschafter

der Vereinigten Staaten nach Paris. Einige Monate, nachdem die Republikaner ins

-3-

�ins Weiße Haus eingezogen waren, kehrte Shriver nach Maryland zurück, wo sich
seine Hoffnungen auf eine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs nicht verwirklichten. Bei den Zwischenwahlen 1970 engagierte sich Shriver im Wahlkampf nachdrücklich für die demokratische Kongreß-Liste und trat dann in eine Anwaltsfirma
ein, deren Seniorpartner, Max Kampelmann, politisch mit Senator Humphrey eng
verbunden war.

+-H-H-+

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Portraitaufnahme von Robert
Sargent Shriver zur Verfügung

-4-

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32/1972

WEISSES HAUS: US-LUFTTÄTIGKEIT SOLL NACHSCHUB HANOIS AUSSCHALTEN
-Nordvietnamesische Deiche kein Angriffsziel-

WASHINGTON -_(AD)-- Das Weiße Haus hat erneut nachdrücklich alle Behauptungen
zurückgewiesen, daß die Vereinigten Staaten absichtlich das nordvietnamesische Wasserkontrollsystem bombardierten. Alle derartigen Beschuldigungen,
so sagte der Pressesekretär des Weißen Hauses»Ronald Ziegler,seien "unverantwortlich" und dienten nur den Propagandazielen Hanois.
Auch ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums bezeichnete es
als "verantwortungslos, solchen Propagandabehauptungen Glauben zu schenken",
zumal hinter ihnen die gleichen Kommunisten ständen, die sich weigerten, zuzugeben, daß ihre Streitkräfte in Vietnam, Laos und Kambodscha stehen. Beide,
das Weiße Haus wie auch das Außenministerium, unterstrichen erneut, daß es
die Politik der Vereinigten Staaten sei, alle Luftangriffe auf das Wasserkontrollsystem zu vermeiden.
Die Frage der amerikanischen Lufttätigkeit über Nordvietnam war im Zusammenhang mit den Ausführungen von Senator Edward M. Kennedy erneut aufgeworfen
worden, der eine Resolution eingebracht hatte, die die Politik Präsident
Nixons grundsätzlich unterstützt, jeden Bombenschaden an dem nordvietnamesi-

-1-

�&gt;

nordvietnamesischen Damm-und Deichsystem zu vermeiden. Der Senator hatte
gleichzeitig auf einen Bericht des Außenministeriums verwiesen, in dem festgestellt worden war, daß lediglich 12 Stellen des über 4 300 Kilometer langen Wasserkontrollsystems getroffen worden seien und daß jede dieser Stellen in der unmittelbaren Nähe eines legitimen militärischen

Zieles liege. Dabei hatte Kennedy

unter anderem erklärt, wenn die Bombardierung eines Zieles in der Nähe eines
Deiches dazu führe, daß der Deich selbst auch getroffen werden könne, dann werde der Deich genauso vorsätzlich bombardiert, als wenn er das eigentliche Ziel
gewesen wäre.
Dem hielt Ziegler auf seiner Pressekonferenz am 4. August entgegen, daß
die amerikanische Lufttätigkeit über Nordvietnam die Offensive Hanois in Südvietnam zerschlagen solle und daß der Präsident wie auch zahlreiche Mitglieder der
Regierung immer wieder unterstrichen hätten, daß es ganz eindeutig die Politik
der USA sei, keine Dämme oder Deiche anzugreifen. Wörtlich sagte Ziegler zu den
Ausführungen von Senator Kennedy unter anderem:
"Der Präsident der Vereinigten Staaten hat unsere Politik hinsichtlich der
Lufttätigkeit über Nordvietnam ganz eindeutig umrissen. Wir haben bei zahlreichen
Anlässen den Grund für diese Lufttätigkeit dargelegt. Der Grund für diese Lufttätigkeit ist ganz klar aufgezeigt worden, nämlich die Anstrengungen der Nordvietnamesen zunichtezumachen, die Offensive nach Südvietnam hineinzutragen.
Wir haben immer wieder unterstrichen, daß diese Administration nicht die
Politik verfolgt, die Dämme und Deiche zu bombardieren, und wir tun das auch
nicht. Wir halten uns an diese von uns festgelegte Politik. Das Außenministerium
hat vor kurzem Informationen bezüglich einiger versehentlicher Angriffe gegen
das Deichsystem veröffentlicht. Es hat in diesem Bericht meines Erachtens aber
auch sehr detailliert aufgezeigt, welchen umfang dieses System von Dämmen und
Deichen in Nordvietnam hat. Es hat dabei betont, daß sich diese Dämme und Deiche

-2-

�Deiche über 4 300 Kilometer hinziehen, und ebenfalls dargelegt, welche Maßnahmen
oder welche Schäden an dem System zu Überschwemmungen führen könnten.
Jeder weiß

, daß in Nordvietnam, wie auch dieser Bericht des Außen-

ministeriums besagt, jedes Jahr um diese Zeit Überschwemmungen auftreten.
Ich möchte sagen, daß der Gegner mit seiner massiven Propagandakampagne
ganz zweifellos die Vereinigten Staaten zu beschuldigen versucht, eine Politik
der vorsätzlichen Bombardierung dieser Dämme und Deiche zu verfolgen. Dabei
steht im Hintergrund die Absicht, diese Anschuldigungen dann erneut vorzubringen, falls und wenn es zu Überschwemmungen kommt, und zu erklären, daß dies eine
Folge der Bombenangriffe sei. In Wirklichkeit kann dies nicht geschehen. Ich
möchte daher nur feststellen, daß unsere Politik hierzu klar ist - daß wir uns
an diese Politik halten. Ich habe die hierzu heute morgen im Senat abgegebenen
Erklärungen nicht in allen Einzelheiten gelesen,.doch wird in ihnen völlig ignoriert, was die Regierung und der Präsident als ihre Politik bezeichnet haben.
Ich möchte lediglich sagen, daß solche Kommentare, gleichgültig von welcher
Seite sie kommen, unverantwortlich sind und völlig übersehen, was diese Administration als die von uns verfolgte Politik der USA bezeichnet hat. Erklärungen
wie diese können lediglich dazu dienen, die diesbezüglichen Propagandaanstrengungen des Gegners zu fördern".
Ziegler teilte weiter mit, daß Präsident Nixom beim Verteidigungsministerium
eine Überprüfung angeordnet habe, als Berichte über Schäden an den Dämmen aufkamen, um sicherzustellen, daß seine Politik auch eingehalten wird. Als dann die
Propagandakampagne Hanois immer intensiver wurde, so fuhr Ziegler fort, "hat
der Präsident seine Politik vor der Öffentlichkeit wie auch in vertraulichen Gesprächen immer wieder dargelegt, und er ist überzeugt, daß die für die Durchführung der Luftoperationen im Norden Verantwortlichen diese Politik auch befolgen."
Der

-3-

�Der Pressesekretär unterstrich auf die Fragen der Korrespondenten hin immer
wieder, daß die gegenwärtigen Bombenangriffe auf militärische Ziele der Nordvietnamesen den gleichen Zweck wie anfangs hätten, nämlich die nordvietnamesische Invasion des Südens zu stoppen. Nordvietnam habe keinerlei Hinweise dafür
gegeben, daß es seine Anstrengungen in Südvietnam aufgeben wolle. Die Luftangriffe verfolgten daher den Zweck, die Versorgung der nordvietnamesischen Truppen mit Nachschub zu unterbinden.
In der Senatsdebatte hatte der republikanische Fraktionsführer, Hugh Scott,
Senator Kennedy sowie weiteren demokratischen Senatoren vorgeworfen, sie seien
Opfer der kommunistischen Propaganda geworden. Wenn die Vereinigten Staaten wollten, so erklärte Scott, könnten sie Nordvietnam in weniger als einer Woche in
einen See verwandeln; ein so schreckliches Unterfangen käme ihnen jedoch überhaupt nicht in den Sinn. "Die Deiche werden nicht bombardiert", so sagte der
Senator wörtlich, "und es ist an der Zeit, daß wir die wirklichen Fragen erörtern und aufhören, über solchen Unsinn zu reden".

4-H-t

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32/1972

US-AUSSENMINISTERIUM BESTÄTIGT NORDVIETNAMESISCHE GREUELTATEN
-Von unserem diplomatischen Korrespondenten-

WASHINGTON --(AD)— Presseberichte, wonach die nordvietnamesischen Invasionstruppen südvietnamesische Beamte öffentlich hingerichtet und tausende von Flüchtlinge niedergemetzelt haben, sind jetzt vom amerikanischen Außenministerium bestätigt worden.
Der Sprecher des State Department, John King, erklärte am 7. August vor
Korrespondenten unter Bezugnahme auf einen Bericht der New York Times, daß die
Nordvietnamesen bei der Invasion der Provinz Binh Dinh zwischen 250 und 500 Regierungsbeamte und Privatleute öffentlich hingerichtet hätten. Geradezu verheerende Folgen, so sagte King, hätten die kommunistischen Angriffe auf die langen Kolonnen von Flüchtlingen gehabt, die aus der Stadt Quang Tri zu entkommen suchten.
Am 24. April sei zum Beispiel eine Fahrzeugkolonne, mit der mehrere Tausend
Frauen, Kinder und alte Leute evakuiert werden sollten, wenige Kilometer südlich von Quang Tri in einen Hinterhalt der Nordvietnamesen geraten und völlig
vernichtet worden. Augenzeugen hätten berichtet, daß die Straße und die anliegenden Felder über weite Strecken hinweg mit Fahrzeugteilen und Leichen übersät gewesen seien.
Wie

-1-

�Wie King weiter berichtete, sind am 29. und 30. April Tausende von aus Quang
Tri fliehende Zivilisten auf der Nationalstraße eins niedergemetzelt worden.
Zur Verteidigung der Mychanh-Brücke eingesetzte Truppen hätten machtlos zusehen
müssen, wie die Kommunisten immer wieder die langen Flüchtlingskolonnen mit
13o mm Granaten beschossen. Nach Zeugenaussagen seien allein in diesen zwei Tagen 1 000 bis 2 000 Zivilisten getötet worden. Diese Zeugenaussagen, so betonte
King, bestärkten nur die Befürchtungen des Außenministeriums, daß die Kommunisten
auch an anderen Orten nicht weniger grausam vorgegangen seien.
Der am 3. August in der New York Times erschienene Bericht über die Ermordung von Regierungsamten und die Inhaftierung von 6 000 Menschen in der Provinz
Binh Dinh basiert nicht nur auf Geheimdienstberichten der Verbündeten, sondern
auch auf eingehenden Interviews von Personen, die die dreimonatige kommunistische Besetzung überlebten. Die Informationen des Außenministeriums, so sagte
King, "bestätigen nur, was wir alle in der New York Times gelesen haben". Aber
auch in anderen Teilen Vietnams, so fügte der Sprecher hinzu, seien die Nordvietnamesen ähnlich vorgegangen und hätten südvietnamesische Regierungsbeamte
und Privatleute hingerichtet oder entführt.
Der Korrespondent der New York Times, Joseph B. Treaster, berichtete, die
Hinrichtungen von Angehörigen der Saigoner Regierung in der Provinz Binh Dinh
seien die umfassendsten seit dem Massaker von Hue während der Tet-Offensive des
Jahres 1968 gewesen, bei dem nach Angaben der verbündeten Truppen wie auch unabhängiger Journalisten mehr als 2 600 Personen getötet wurden. Wie Treaster in
seinem Artikel schrieb, hätten die Kommunisten nach dem Fall des nördlichen Teiles der Provinz Binh Dinh ihr Programm unter den 200 000 Einwohnern dieses Gebietes in allen Einzelheiten durchführen können. Kommunistische Sicherheitsoffiziere hätten in kürzester Zeit Dossiers über jeden einzelnen Einwohner angelegt und die Bevölkerung in verschiedene Kategorien eingestuft. Maßgebend hierfür
seien physische Leistungsfähigkeit, finanzielle Lage, Beruf, Alter sowie Beziehungen zu den Kommunisten oder der Saigoner Regierung gewesen. Diejenigen, die

-2-

�die mit der Saigoner Regierung direkt zusammengearbeitet hatten, seien vor
"Volksgerichte" gestellt, als "Tyrannen" gebrandmarkt und zum Tode oder zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Dabei habe es sich vor allem um Dorfälteste und
Gemeindevorsteher, ihre Stellvertreter sowie Angehörige der Polizei und

der

Miliz gehandelt. Aber auch Lehrer, Ärzte, Krankenschwestern und untergeordnete
Verwaltungsangestellte seien verhaftet worden.
Ein Sprecher der Vereinten Nationen hatte am 5. August vor der Presse zu dem
Artikel der New York Times erklärt, sollte dieser Bericht wirklich wahr sein,
so bedauere Generalsekretär Kurt Waldheim diese Vorgänge und Verluste an Menschenleben zutiefst.

IH-I-K

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32/1972

USA ERHOFFEN SICH VON DEM TREFFEN NIXON-TANAKA FORTSCHRITTE
BEI DEN HANDELSGESPRÄCHEN
-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WASHINGTON --(AD)-- In Kreisen des amerikanischen Handelsministeriums erhofft
man sich von dem Gipfeltreffen zwischen Präsident Nixon und dem japanischen
Ministerpräsidenten Kakuei Tanaka,das Ende August in Honolulu stattfinden
soll, nicht nur Fortschritte für die amerikanisch-japanischen Handelsgespräche, sondern vor allem eine baldige Entlastung für das große und ständig zunehmende US-Handelsdefizit gegenüber Japan.
In diesen Kreisen zeigt man sich "enttäuscht" über die Konzessionen,
die Japan bei den kürzlichen Handelsgesprächen in Hakone angeboten hat. Allerdings, so wird betont, habe die japanische Seite erstmalig zu verstehen gegeben, daß sie sich der Dringlichkeit des Problems bewußt ist.
Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan belief sich im letzten
Jahr auf 3,2 Milliarden Dollar und dürfte dieses Jahr fast 4 Milliarden Dollar erreichen, sofern nicht bald etwas unternommen wird. Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle,
berichtete nach seiner Rückkehr von Hakone, die Japaner hätten zugesagt, die-1-

�dieses Defizit bis zum März 1973 auf weniger als 3 Milliarden Dollar und bis
1974 auf weniger als 2 Milliarden Dollar herabzudrücken. Demgegenüber soll jedoch der japanische Minister für Außenhandel und Industrie am 2. August in Tokio
erklärt haben, Japan habe lediglich zugesagt, es werde versuchen, dieses Defizit
abzubauen. Gleichzeitig soll der Minister jedoch Zweifel geäußert haben, daß dieses Ziel realisiert werden könne.
Botschafter Eberle hatte Japan aufgefordert, selbst seine Grenzen für höhere Importe amerikanischer Erzeugnisse zu öffnen, nachdem die Vereinigten Staaten bereits immer mehr japanische Güter kaufen. Sollte dies nicht geschehen,so
warnte der Botschafter, müsse Japan mit ernsten Konsequenzen rechnen - zum Beispiel mit einem Wiederaufleben des protektionistischen Drucks gegen japanische
Erzeugnisse oder mit vermehrtem Druck nach einer weiteren Yen-Aufwertung.
Ministerpräsident Tanaka pflichtete dem durchaus bei,daß die Konsequenzen
schwerwiegend sein könnten, aber er hat sich bisher geweigert, größere Zolloder Quotenkonzessionen zu gewähren. Der Ministerpräsident vertritt vielmehr
die Auffassung, daß die Wiedererholung der japanischen Wirtschaft von ihrer
gegenwärtigen Rezession auch zu einer Ausweitung des Absatzmarktes für amerikanische Erzeugnisse führen wird.
In den viertägigen Verhandlungen in Hakone hat Japan lediglich die folgenden Konzessionen eingeräumt: Es hat sich bereit erklärt,in diesem Jahr für
50 Millionen Dollar mehr amerikanische Agrarerzeugnisse zu kaufen, als ursprünglich vorgesehen war. Es hat auf dem Komputermarkt das Kontingent für ausländische Erzeugnisse von 46 auf 50 Prozent erhöht. Es hat die Einfuhr amerikanischer Röntgen-und Schwarzweiß-Filme liberalisiert. Es hat sich bereit erklärt,
in ausländischem Besitz befindliche Läden in Japan zuzulassen, gleichzeitig
jedoch die Zahl der zugelassenen Verkaufsstellen pro Unternehmen auf 11 begrenzt. Und es hat erstmalig zugelassen, daß sich auch amerikanische Firmen an
Ausschreibungen der japanischen Regierung beteiligen dürfen. Allerdings bedürfen
verschiedene dieser Vorschläge noch der Zustimmung des japanischen Diet.
Der

-2-

�Der Leiter der japanischen Delegation in Hakone, Kiyoh-Iko Tsurumi, gibt
durchaus zu, daß er bei den Verhandlungen nicht alle amerikanischen Wünsche
habe befriedigen können. Er betrachtet die anstehenden Probleme als "schwierig
und komplex" und betont, daß Japan volles Verständnis für ihre Dringlichkeit
hat.
In Kreisen des amerikanischen Handelsministeriums ist man zwar enttäuscht
darüber, daß kein Abkommen über umfassendere und schnellere Maßnahmen erreicht
werden konnte, weist jedoch darauf hin, daß in diesen ersten Verhandlungen m it
der Regierung Tanaka trotzdem guter Fortschritt erzielt worden sei. Man habe
eine beachtliche Liberalisierung erreicht, obwohl der Zeitpunkt, politisch gesehen, gegenwärtig für Japan ungünstig sei, um schneller vorangehen zu können.
Ministerpräsident Tanaka, so wird betont, habe eine wenig stabile Koalition
hinter sich und werde wahrscheinlich in naher Zukunft Neuwahlen ausschreiben.
Hinzu komme, daß wichtige Kreise der japanischen Landwirtschaft und Industrie
gegen jeden verstärkten Wettbewerb aufgrund höherer amerikanischer Importe sin
So ist auch von japanischer Regierungsseite zu verstehen gegeben worden, daß
eine Ausweitung der japanischen Agrarimporte zum gegenwärtigen Zeitpunkt die
japanische Landwirtschaft "erschüttern" würde. Von amerikanischer Seite wird
dem entgegengehalten, daß Präsident Nixon angesichts der in drei Monaten in
den USA stattfindenden Wahlen ebenfalls unter einem politischen Druck steht,
das Handelsdefizit abzubauen.
Eines der wichtigsten Gebiete, bei denen in Hakone Übereinstimmung bestand, waren die multilateralen Handelsprobleme. Beide Länder kritisierten
die von dritten Ländern gegen Japan angewandten diskriminierenden Handelspraktiken. Und sie vereinbarten, bei den für das kommende Jahr anstehenden Zollverhandlungen eng zusammenzuarbeiten.
Amerikanische

�Amerikanische Kreise betonen, daß Japan angesichts seiner politischen
Probleme in Hakone relativ entgegenkommend gewesen sei. "Sie haben zwar nicht
alles getan, was wir wünschten, aber sie haben mehr getan als im letzten Jahr;
trotzdem müssen sie noch mehr tun und zwar schneller", so faßt es ein hoher
amerikanischer Beamter zusammen, der nicht genannt sein will.
Die Gespräche auf niedrigerer Ebene zwischen beiden Ländern dauern weiter
an, und auf amerikanischer Seite hofft man, nach dem Gipfeltreffen zwischen
Präsident Nixon und Ministerpräsident Tanaka möglicherweise weitere Fortschritte bekanntgeben zu können.

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32/1972

DIE KONTROVERSE UM METHADON

•»-(AD)— Nach wie vor gehen in den Vereinigten Staaten die Meinungen in
bezug auf die Anwendung von Methadon bei der Behandlung und Rehabilitation
Heroinsüchtiger auseinander. Das Präparat sei, so erklären die einen, ein
legales und akzeptables Mittel, das gegenwärtig im Rahmen von 450 Behandlungsund Rehabilitationsprogrammen auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und
kommunaler Ebene angewandt werde und etwa 60 000 Süchtigen geholfen habe.
30 000 Heroinsüchtige stünden noch auf den Wartelisten. Methadon bedeute nur
den Austausch eines Suchtmittels gegen ein anderes, behaupten dagegen die
Kritiker. Intravenös injiziert, führe es genau wie Heroin zum Rauschzustand,
was dazu geführt habe, daß es bereits auf dem schwarzen Markt gehandelt
werde.
In einer Reihe von Untersuchungen bemühen sich gegenwärtig Ärzte und
Psychologen, zu einer objektiven Beurteilung zu gelangen. So beendete im Juni
eine Gruppe kalifornischer Wissenschaftler eine im Auftrag der US-Zentralstelle für Narkotika und gefährliche Arzneimittel (BNDD) durchgeführte Studie über
sieben verschiedene Verfahren, die bei der Behandlung Heroinsüchtiger angewandt
werden. Die Gruppe kam zu dem Ergebnis, daß die Methadon-Programme ausgebaut
und Süchtige notfalls zwangsweise dieser Behandlung zugeführt werden sollten.
Nach Überzeugung der Experten sei dann zu erwarten, daß die unter Heroinzwang
begangenen Verbrechen um 85 Prozent zurückgingen, der Verlust an Volksvermögen,

-l-

�I

Volksvermögen, der gegenwärtig mit etwa 4,7 Milliarden Dollar anzusetzen sei, um
2,4 Milliarden Dollar reduziert werde.
Die kalifornische Wissenschaftlergruppe empfiehlt ein Programm, in dessen
Rahmen süchtige Gesetzesbrecher anfänglich in geschlossenen Behandlungszentren
unterzubringen seien, später jedoch die Wahl hätten, von sich aus auf das Rauschgift zu verzichten oder der Methadon-Behandlung zuzustimmen. Die Rückkehr zum
Heroin würde automatisch zur Wiedereinweisung in die geschlossene Anstalt führen.
Die Kosten des Programms werden pro Einzelfall auf 4 000 Dollar jährlich für
die stationäre und 1 500 Dollar für die ambulante Behandlung geschätzt.
Die Initiatoren des Methadon-Programms, Dr. Vincent P. Dole und Dr. Marie
Nyswander-Dole

/om Rockefeiler Hospital in New York, machten seit der Einfüh-

rung ihrer Therapie im Jahre 1964 immer wieder die Beobachtung, daß es nach der
Entziehungskur im Krankenhaus möglich ist, zur ambulanten Betreuung ehemaliger
Süchtiger überzugehen. Patienten, die den Willen aufbringen, in die Gesellschaft
zurückzukehren, sind dazu mit Methadon als einer Art "Krücke" in der Lage.
Allein die Tatsache, daß sich in den letzten paar Jahren in den Vereinigten
Staaten die Zahl der Heroinsüchtigen mehr als verdoppelte und auf schätzungsweise 560 000 erhöhte, führte zwangsläufig zu einer Intensivierung der von offizieller Seite geförderten Umstellungsprogramme auf Methadon. Niemand verkennt, daß
auch Methadon eine suchterzeugende Droge ist - und insofern dem Heroin in gewisser
Weise vergleichbar, das ursprünglich als Ersatz für Morphin in Amerika eingeführt
wurde. Dr. Jerome H. Jaffe, der Sonderberater Präsident Nixons für Narkotika und
gefährliche Arzneimittel, erklärte vor einem Senatsunterausschuß: "Die Anwendung
von Methadon als Mittel der Behandlung der Heroinsucht hat zu Kontroversen geführt - gleichzeitig aber vielen Menschen die Rückkehr in die Gesellschaft ermöglicht."
Es

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�i

Es ist für den Arzt,ldie Droge der Wahl" bei der Entziehungsbehandlung. Während Heroin physisch zerstört, zeigen sich bei Methadon-Patienten verhältnismäßig wenig Nebenwirkungen. Die auf die richtige Dosis eingestellten Patienten
können gewöhnlich, wie gesunde Menschen auch, normal essen, schlafen, arbeiten
und sich vergnügen. "Methadon", so ein Vertreter der Washingtoner Suchtstoffzentrale BNDD, "stabilisiert den Grad der Abhängigkeit und beseitigt die extremen
Formen psychischer Fehlreaktionen, wie sie bei Heroin auftreten". Es sei keineswegs ideal, jedoch wesentlich vorteilhafter als die von einer Anzahl von Kritikern
der Methadon-Behandlung geforderte legale Anwendung von Heroin. Ärzte wie Behörden sind einig darin, daß bei den Kranken Wille und Motivation eine wichtige Rolle im Rehabilitationsprozeß spielen.
Die Kritik gegen die Anwendung von Methadon konzentriert sich vor allem auf
folgende Punkte: Methadon ist der Ersatz einer Droge durch eine andere und überläßt die Last der Wahl dem Süchtigen. Unzureichende finanzielle Unterstützung
der Programme durch die Bundesbehörden gebe außerdem vielen Heroinsüchtigen gar
keine Chance, von ihrer Sucht loszukommen. Die Kontrolle über Methadon werde
viel zu lasch gehandhabt, so daß durch seine illegale Benutzung, bei der es schon
zu Todesfällen gekommen sei, ähnlich wie durch Heroin Unglück gestiftet werde.
Die Suchtstoffzentrale (BNDD) in Washington ist sich dieser Schwierigkeiten
durchaus bewußt und versucht deshalb, den Mißbrauch von Methadon und seine Anwendung außerhalb der offiziellen Institutionen unter Einschaltung aller verfügbaren Rechtsmittel zu unterbinden und für die Erreichung dieses Zieles notfalls
auch neue Gesetze im Kongreß durchzusetzen.

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GROSSAKTION GEGEN BLASENKREBS
Neues Schwerpunktprogramm in den USA

--(AD)-- Diagnose und Behandlung von Blasenkrebs sowie Maßnahmen zu seiner
Verhütung sollen einer Verlautbarung des Nationalen Krebsforschungsinstituts
(NCI) der Vereinigten Staaten zufolge durch ein zunächst auf drei Jahre befristetetes Forschungsprogramm, für das mindestens 2,5 Millionen Dollar pro Jahr verfügbar sind, wesentlich verbessert werden. Ähnliche Aktionen sind geplant,um
Darmkrebs und Prostatakarzinom wirksamer als bisher zu bekämpfen.

Die Leitung des "National Bladder Cancer Project" wurde Dr. Gilbert
Friedell, Chefpathologe am St. Vincent-Hospital in Worchester (Massachusetts),
übertragen. Gemeinsam mit 50 Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen, die
an führenden amerikanischen Forschungsinstituten tätig sind, wurden bereits die
organisatorischen Vorbereitungen getroffen, die "ein integriertes und interdisziplinäres Vorgehen gewährleisten sollen".
Die Forschungsaufgaben, mit deren Durchführung ausgewählte in-und ausländische Institutionen betraut werden, erstrecken sich auf Epidemiologie (Häufigkeit, Verteilung und Umwelteinflüsse beim Auftreten von Blasenkrebs), Vorbeugung, Erkennung, Diagnose und Prognose, Planung und Durchführung von Tierexperimenten als Modellversuche und schließlich Behandlung.
Nach

-l-

�Nach Schätzungen des Nationalen Krebsforschungsinstituts entfallen gegenwärtig etwa vier Prozent aller Neuerkrankungen an Krebs auf Blasenkarzinom. Die
Aussichten auf Heilung sind jedoch nur in Fällen oberflächlicher oder sehr eng
begrenzter Erkrankung günstig. Deshalb kommt der Frühdiagnose und der Erfassung
von Bevölkerungsgruppen, bei denen das Risiko einer Erkrankung größer ist als
bei anderen, so große Bedeutung zu.
Die Ursachenforschung soll erheblich intensiviert werden. Schon seit einiger Zeit ist z.B. bekannt, daß Zusammenhänge zwischen Blasenkrebs und bestimmten Tätigkeiten in der Farben-und GummiIndustrie sowie Blasenkrebs und Rauchen
bestehen. Auch wird nicht ausgeschlossen, daß der Zusammensetzung des Urins in
Bezug auf die Ausscheidung bestimmter Stoffe eine gewisse Bedeutung zukommt.

Krebspräparate werden mit der UdSSR ausgetauscht
Wie Dr. C. Gordon Zubrod, wissenschaftlicher Direktor der Abteilung Chemotherapie des Nationalen Krebsforschungsinstitutes, nach der Rückkehr aus der
Sowjetunion erklärte, wird in den USA im Rahmen des amerikanisch-sowjetischen
Programms zur Zusammenarbeit in der Medizin auch ein Medikament erprobt werden,
das sowjetische Ärzte bei Schilddrüsen-und Blasenkrebs anwenden (Bezeichnung:
Dijodobenzotepa). Allerdings sei in Amerika erst im nächsten Jahr mit einer Anwendung zu rechnen, da das Präparat (ebenso Fluorodopan

und das Versuchspräpa-

rat Asaley gegen Lymphom, Brust-und Ovarialkrebs) erst getestet und von der
"Food und Drug Administration" freigegeben werden müsse. Zu allererst soll die
einschlägige russische Literatur, zu der auch bisher unveröffentlichte Arbeiten
gehören, übersetzt werden. Die Vereinigten Staaten stellen ihrerseits amerikanisehe Fachliteratur,einschließlich Dauerabonnements mehrerer medizinischer Fachzeitschriften,und die Krebspräparate Hexamethylmelamin, CCNU und DTIE zur
Verfügung.

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RETINOPATHIE BEI DIABETIKERN

— ( A D ) — Verbesserte Methoden der Behandlung von Retinopathie bei Diabetes
mellitus werden in den Vereinigten Staaten in einer bundesweiten Studie erprobt. In erster Linie geht es darum, systematisch festzustellen, in welchen
Fällen und in welchem Umfang die verschiedenen Methoden der Lichtkoagulation
als optimale therapeutische Verfahren betrachtet werden können, um den Patienten das Augenlicht zu erhalten. Die Methode als solche wurde in den
letzten Jahren bereits sehr häufig angewandt; ihr tatsächlicher Wert war
jedoch bisher nicht eindeutig zu dokumentieren. Denn der klinische Verlauf
von Retinopathia diabecica ist recht unterschiedlich, und außerdem ist es
schwierig, das Ergebnis einer Lichtkoagulationsbehandlung exakt zu ermitteln.

Die eigentliche Ursache der Retinopathie im Zusammenhang mit Diabetes
ist nicht bekannt. Jedoch sind gewöhnlich Auftreten und Schwere der Störungen,
bei denen es zu Netzhautblutungen kommt, der Dauer der Erkrankung an Diabetes mellitus proportional. Von Patienten, die seit zehn Jahren zuckerkrank
sind, leiden etwa 50 Prozent bis zu einem gewissen Grad an Retinopathie; bei
15jähriger Krankheitsdauer sind es ca. 75 Prozent, bei 25jähriger Krankheitsdauer 95 Prozent.
Hauptursachen

-l-

�I

Hauptursachen von Erblindung infolge Retinopathia diabetica sind massive
Netzhautblutungen mit Einsickern in den Glaskörper, Bildung von Narbengewebe
und Netzhautablösung. Dem Prozeß geht gewöhnlich die Neubildung von Blutgefäßen
entlang der inneren Netzhautoberfläche voraus. Diese Blutgefäße erweisen sich
auch als Quelle der Blutungen in den Glaskörper und für die Bildung von Narbengewebe, das durch Schrumpfung zu Netzhautablösung führen kann.
In 16 amerikanischen Augenkliniken soll bei etwa 1 800 Diabetikern mit
Retinopathie - zunächst an einem Auge des Patienten - eine Lichtkoagulation nach
drei verschiedenen Methoden durchgeführt werden. Bei der ersten Gruppe geschieht
dies mit weißem Licht aus einer Xenon-rLampe, bei der zweiten Gruppe mit dem intensiven blaugrünen Licht aus einem Argon-Laser und bei der dritten Gruppe mit
einem Verfahren, das eine Kombination dieser beiden Methoden darstellt. Das
zweite Auge des Patienten dient vorläufig als Kontrollorgan und wird nur dann
in gleicher Weise behandelt, wenn der Erfolg beim ersten Auge gesichert ist.
(Die durch die Wärmewirkung des Lichts ausgelöste Koagulation wäre dann

von

größtem Nutzen, wenn sie an den neuen Blutgefäßen unmittelbar vor einer Blutung
erfolgte). Bisher hatte man Photokoagulation entweder auf Netzhautpartien, in denen neue Blutgefäße festgestellt wurden, oder in einer Art Schachbrettmuster auf
größeren Netzhautflächen angewandt in der Hoffnung, daß die Blutgefäße abgeschnürt werden oder ein indirekter günstiger Effekt auf die nichtbehandelten
Partien der Netzhaut erzielt wird.
Besondere Bedeutung wird im Rahmen der Studie der ständigen Beobachtung und
regelmäßigen Untersuchung der Patienten mit Aufnahmen von der Netzhaut zugemessen.
Um die Ergebnisse wirklich exakt verifizieren zu können, wird auch eine sogenannte
Blindauswertung vorgenommen, d.h., der untersuchende Augenarzt weiß nicht, welche
Behandlung der betreffende Patient erfahren hat. An den Universitäten Maryland
(in Baltimore) und Wisconsin (in Madison) wurden Zentren für die Beurteilung der

-2-

�f

der vor und während der Behandlung angefertigten Netzhautaufnahmen, die zur
Sicherung der Diagnose und Ermittlung des Erkrankungsstadiums dienen, eingerichtet. Die Ergebnisse von Alternativmethoden der Behandlung von Retinopathia
diabetica werden in die allgemeine Auswertung der Studie einbezogen.

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ERSATZTEILE AUS TITAN
--(AD)— In der Wiederherstellungschirurgie spielen Metalle als Prothesenmaterial eine wichtige Rolle. Jedoch können sie auch Komplikationen auslösen, die sich nach einer gewissen Zeit einstellen. In den Vereinigten
Staaten geht man jetzt immer mehr dazu über, auch das von der Raumfahrttechnik her bekannt gewordene Metall Titan für medizinische Zwecke einzusetzen, vor allem deshalb, weil es gegenüber physiologischen Salzen in
Lösung außerordentlich beständig ist.
Um aber mögliche Korrosions-und Oberflächenreaktionen von Titan im
Körper im Detail erfassen und die Ursache ihrer Entwicklung besser verstehen
und ausschalten zu können, wurde von Metallurgen am National Bureau of
Standards (U.S.Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen) eine
Studie zur Untersuchung bestimmter, verschieden vorbehandelter Legierungen
unter der Einwirkung zahlreicher physiologischer Flüssigkeiten und Gewebe
durchgeführt. Als Probenmaterialien wurden reines Titan, Titan mit sechs
Prozent Aluminium und vier Prozent Vanadium sowie Titan mit 0,2 Prozent
Palladium benutzt, die man verschiedenen physiologischen Kochsalzlösungen
in Kombination mit Harnsäure in verschiedenen Konzentrationen und mit
Aminosäuren wie Glykokoll, Cystein, Cystin und Tryptophan aussetzte. Die

-l-

�Die Oberflächender meisten Metallproben waren auf elektrischem, in einigen lallen auf mechanischem Wege poliert worden. Manche Proben mit FI?ktropolitur hatte man anschließend sterilisiert, um die Effekte unterschiedlicher Oberflächenbehandlungen auf die als Schutzfilm vorhandene korrosionsabweisende Schicht
Titandioxid (TiO?) studieren zu können.
Durch Untersuchungen mit dem Elektronenmikroskop war bereits bekannt, daß
die Legierungszusammensetzung und die jeweiligen physiologischen Gegebenheiten
die Rauhigkeit und das kristalline Gefüge des Schutzfilms beeinflussen. Seine
Veränderungen wurden in jeder Phase verfolgt. Dabei zeigte sich, daß durch
Sterilisieren von 15 min Dauer im Autoklaven bei 120 C die Einheitlichkeit des
Films zerstört und er an einigen Stellen als TiO , an anderen als einfaches
Titanoxid (TiO) vorhanden ist.
Das letztgenannte, weniger beständige Oxid ergibt eine glattere Oberfläche als TiO . Alles in allem sollte wegen der Gefahr der Bildung einer
uneinheitlichen Oxidfilmoberfläche die Dampfsterilisierung von Titanmaterialien äußerst sorgfältig kontrolliert werden. Es zeigte sich ferner, daß reines
Titan auf bestimmte Oberflächen-und Sterilisierungsbehandlungen weniger reagiert als seine Legierungen. Und von diesen scheint die Ti-Palladium-Verbindung von der Oberflächenbehandlung und der Art der einwirkenden physiologischen
Salzlösungen stärker betroffen zu werden als die Legierung Titan-AluminiumVanadium.
Künftige Untersuchungen wird man auf die Entstehung von Risskorrosion in
diesen Titanlegierungen konzentrieren. Sie entsteht an Stellen des Implantats,
wo - wie am Gewinde einer Schraube oder an den Lochrändern einer Platte Körperflüssigkeiten nur ungleichmäßig oder geringfügig mit dem Metall in Berührung kommen. Den geringen

Flüssigkeitsmengen wird der Sauerstoff entzogen,

was den TiO-Schutzfilm beeinträchtigt. Stellenweise kann es auch zu einer

-2-

�einer Verringerung des pH-Wertes, also zu einer Erhöhung des Säuregrades kommen, so daß die Aggressivität der Lösung gegenüber dem Metall größer wird,
als sie normalerweise ist. Unter diesen Gesichtspunkten soll nun auch die
Formgebung für Implantate aus Titan-Metall überprüft werden.

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Nummer

2 . August 1972

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Inhalt
INFORMATION:

Pressekonferenz Präsident Nixons am 27. Juli 1972
-AuszügeNordvietnam: Die Frage der Bombardierung der Deiche
-Bericht des US-Außenministeriums-

HINTERGRUND:

o
Wenn die Kommunisten kommen
Von Douglas Pike

WIRTSCHAFT:
Burns unterstreicht Notwendigkeit eines Ausgleichs der US-Zahlungsbilanz

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Für die Raumfahrt entwickelt - im Alltag angewandt
NASA gibt immer mehr Patentrechte zugunsten der Wirtschaft frei
Raumtransporter - Der Milliardenauftrag
Elektrische Aktivierung gelähmter Muskeln

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31/1972

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 27. JULI 1972
-AuszügeWASHH.'iTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am 27. Juli auf einer kurzfristig
eL.berjfenen Pressekonferenz erneut zur Frage der Bombenangriffe auf Nordv:..»tna.i Stellung genommen. Weitere Themen der Pressekonferenz waren der Nahe
0..( er. md die Frage der Vizepräsidentschaftskandidatur bei den Präsidentsi l.aft wählen im kommenden November.
D e Vietnam betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
F age:: Herr Präsident, Sie haben erklärt, eine Bombardierung von Deichen
utc Därmen in Nordvietnam verstoße gegen die amerikanische Politik. Gestern
htt da Außenministerium zugegeben, daß gelegentlich und unbeabsichtigt Schade t du . ,i in der Nähe eingeschlagene Bomben entstanden seien. Meine Frage lautet: L t es das Risiko wert, daß aufgrund einer Bombardierung von Dämmen mögUchen.eise Überschwemmungen ausgelöst werden oder die Weltmeinung gegen uns
ati geb acht wird?
Ai.twort: Ich glaube, Ihre Frage läßt sich besser beantworten, wenn ich
gar,* g, nerell die Politik bezüglich der Bombardierung ziviler Einrichtungen
erläutere, dann speziell auf Ihre Frage eingehe und so eine allgemeine Antwort
ge;.-.
Einige
-l-

�Einige von Ihnen, die mit mir zusammen in Texas waren, werden sich erinnern, daß diese Frage auf der Connally-Ranch gestellt wurde, daß sie praktisch von einem Befürworter der Bombardierung der Deiche gestellt wurde und
daß sie darauf hinauslief, warum wir die Deiche nicht bombardierten. Ich sagte damals, daß es vor der Einstellung der Bombenangriffe im Jahre 1968 nicht
die Politik der USA gewesen ist, Deiche zu bombardieren, daß dies jetzt nicht
unsere Politik ist und daß es auch nicht in der Zukunft unsere Politik sein
würde, weil die Vereinigten Staaten in allen ihren Maßnahmen in Nordvietnam die
Politik verfolgen, die Angriffe nur gegen militärische Ziele zu richten.
Dies war die Politik der sechziger Jahre und ist auch jetzt unsere Politik,
seit wir die Bombenangriffe wieder aufnehmen mußten, aus Gründen, die ich in
meiner Rede vom 8. Mai erwähnt habe.
Was die Situation in bezug auf die Deiche anbetrifft, so sollten wir verstehen, womit wir hier konfrontiert werden. Es handelt sich hier um eine etwa
2 700 Meilen lange Kette von Einrichtungen, darunter vielleicht ein halbes
Dutzend wichtige Dämme, die den Kern des Systems bilden, und dann um peripherische Gebiete bis zu den kleineren Dämmen, die natürlich den Zweck haben, das
Flutwasser in diesem bestimmten Gebiet unter Kontrolle zu halten.
Wäre es die Politik der Vereinigten Staaten, die Deiche zu bombardieren,
so könnten wir sie innerhalb einer Woche ausschalten, zumindest den wichtigen
Teil von ihnen. Wir tun dies nicht aus den von mir erwähnten Gründen, denn wir
suchen Verluste unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden und nicht solche zu
verursachen.
Was nun die aus Hanoi eingegangenen Berichte betrifft, daß es an einigen
Stellen des Deichsystems Schäden gegeben haben soll, so halte ich es für wichtig, zwei Dinge zu betonen: einmal hat es keinen Bericht über irgendwelche
Überschwemmungen gegeben und zum anderen hat es keinen Bericht über einen Angriff auf irgendeines der wichtigen Deichgebiete gegeben.
Worauf

�Worauf ich mich hier beziehe, sind die großen Dämme, die den Kern des Systems
bilden. Es hat Berichte über zufällige Schäden an einigen der peripherischen
Einrichtungen des 2 700 Meilen langen Systems gegeben, das sich über die Landfläche Nordvietnams hinzieht.
Unter diesen Umständen halte ich es für richtig, stets im Auge zu behalten,
was erstens unsere Politik ist und zweitens welche Auswirkungen sie gehabt hat.
Unsere Politik ist nicht darauf gerichtet, zivile Einrichtungen zu bombardieren,
und zum anderen, so scheint mir, sollte unsere Zurückhaltung nicht Gegenstand
der Kritik, sondern Gegenstand einer objektiven Analyse und,so meine ich, eines
beträchtlichen Maßes an Unterstützung sein.
Was diese anbetrifft, ist es meines Erachtens an der Zeit, endlich damit
aufzuhören,zweierlei Maßstäbe anzulegen. Ich habe mit Interesse davon Kenntnis
genommen, daß der UN-Generalsekretär, genauso wie sein Vorgänger, diese vom
Gegner ausgehende Propaganda aufgegriffen hat,die zahlreiche das Gute wollende
und naive Menschen veranlaßt hat, die Amerikaner wegen Bombenangriffen auf zivile Einrichtungen und Gefährdung des Lebens der Zivilbevölkerung anzugreifen,die
aber nicht einmal ihre Stimme gegen den vorsätzlichen Beschuß ziviler Einrichtungen in Südvietnam erhoben haben.
Dies nur, um die Tatsachen richtig zu stellen - und das sollte an dieser
Stelle gesagt sein -- Sie alle, meine Damen und Herren, wissen das natürlich;
Sie haben das geschrieben, und Sie werden vielleicht in der Lage sein, das in
diesem Zusammenhang erneut zu tun.
Ich habe soeben ein Telegramm von Botschafter Bunker erhalten. Ich hatte
ihn gefragt, was den Zivilisten während der neuen Offensive angetan worden ist.
Sie werden sich an meine

Rede vom 8. Mai erinnern, als ich sagte, daß sich die

Verluste unter der Zivilbevölkerung auf 20 000 beliefen, darunter Frauen und
Kinder, weil die Nordvietnamesen die Städte absichtlich beschossen und die

-3-

�die Flüchtlinge blindlings niedergemetzelt haben.
Die Zahl der Opfer beträgt nunmehr 45 OOO einschließlich Frauen und Kinder,
darunter 15 000 Tote.
Ich fragte ihn nach der Zahl der Flüchtlinge. Diese ist höher als ich angenommen hatte

Durch die nordvietnamesische Invasion Südvietnams, diese jüngste

Invasion, sind bisher 860 000 Menschen heimatlos geworden, von denen sich noch
600 000 in Flüchtlingslagern, fern ihrer Heimat, befinden.
Wenn wir auf die Zeit dieses sehr schweren Krieges zurückblicken, so werden wir feststellen, daß sich die Verluste unter der Zivilbevölkerung Südvietnams aufgrund der vorsätzlichen Politik der nordvietnamesischen Kommunisten
-nicht zufällig, sondern vorsätzlich- seit 1965 auf rund 600 000 belaufen.
In Nordvietnam wurden in der Zeit von 1954 bis 1956, während des sogenannten Landreformprogramms- wenigstens 50 000 Menschen ermordet und erschlagen,
und nach den Angaben des katholischen Bischofs von Danang, mit dem ich 1956 während meines Besuchs in Südvietnam sprach, sind - abgesehen von den nach dem Süden entkommenen 800 000 Flüchtlingen - noch wenigstens eine halbe Million Menschen in den Zwangsarbeitslagern Nordvietnams gestorben.
Ich habe alle diese. Tatsachen nicht angeführt, um damit sagen zu wollen:
Weil sie etwas Böses getan haben, können wir auch etwas Böses tun. Ich möchte
lediglich sagen, daß wir keinen heuchlerischen doppelten Maßstab anlegen sollten.
Die Vereinigten Staaten haben sich zurückgehalten, sie haben mehr Zurückhaltung
geübt als irgendeine andere Großmacht zuvor in diesem Krieg. Wir werden weiterhin
Zurückhaltung üben. Wir müssen militärische Ziele bombardieren, um die von mir
in meiner Rede vom 8, Mai umrissenen Ziele zu erreichen.
Auf der anderen Seite kann ich, was diesen besonderen Punkt anbetrifft,
lediglich sagen: Wenn Schäden entstanden sind, so tun wir alles in unseren Kräften stehende, damit dies nicht wieder vorkommt, und damit beantworte ich Ihre

-4-

�Ihre Frage. Die Truppenkcmaandeure, die Luftwaffenkommandeure usw. sind im
Hinblick auf die militärischen Ziele angewiesen, wo immer sie können, Schäden an
zivilen Einrichtungen zu vermeiden.
Dies ist der Grund, warum einige Ziele im Herzen Hanois, zum Beispiel
große Kraftwerke und Brennstofflager mitten in Hanoi, nicht angegriffen worden
sind, weil ich keine Verluste unter der Zivilbevölkerung wünschte, wenn dies
irgendwie vermieden werden konnte.
Ich möchte zum Schluß nur sagen, daß es sich hier um eine großangelegte
Propagandakampagne handelt, die uns betrifft. Aber lassen Sie mich die Tatsachen
klarstellen. Falls die Vereinigten Staaten dem von einigen empfohlenen Kurs
folgen würden, die im amerikanischen Senat für die sogenannte "Beendet den
Krieg-Resolution" gestimmt haben, so würde dies bedeuten, daß Südvietnam unter
den gleichen Grausamkeiten zu leiden haben würde wie seinerzeit Nordvietnam
und daß in Südvietnam wahrscheinlich wenigstens eine Million Menschen mit ihrer
Ermordung rechnen müßten, nur weil sie gegen die Versuche der Nordvietnamesen
gekämpft haben, Südvietnam zu erobern.
Ich möchte noch einen weiteren Punkt anführen, und zwar im Hinblick auf
die Verhandlungen. Wir verhandeln gegenwärtig. Wir haben öffentliche Verhandlungen geführt. Wir hatten in der vergangenen Woche ein vertrauliche Zusammenkunft, die etwa sechs Stunden dauerte. Wir hoffen, daß weiter verhandelt
wird.
Wir haben faire Angebote über einen Truppenabzug, über eine Waffenruhe
und über eine politische Regelung vorgelegt. Wir haben sie nicht auf einer
Alles-Oder-Nichts-Basis gemacht.
Wir haben faire Angebote über einen Austausch der Kriegsgefangenen und
Auskunft über das Schicksal der Vermißten gemacht.
Wir

�en alles dies getan, aber wir haben eines nicht angeboten, und das
ist eines der Probleme in bezug auf eine Regelung. Es geht um die Forderung des
Gegners, direkt oder indirekt das zu tun, was er selbst nicht erreichen kann,
nämlich in Südvietnam eine kommunistische Regierung einzusetzen. Es wäre der
Gipfel der Unmoral, den 17 Millionen Menschen in Südvietnam eine kommunistische
Regierung mit dem dann folgenden Blutbad aufzuzwingen .
Frage: Herr Präsident, Sie erwähnten die politische Regelung. Sehen Sie
eine Möglichkeit, ohne daß es unbedingt zu Wahlen kommt - glauben Sie, daß als
eine mögliche Lösung bei den Pariser Gesprächen die beiden Parteien in Südvietnam ohne Wahlen zu irgendeiner Art von Übereinkunft zusammenfinden werden?
Antwort: Das ist eine scharfsinnige Frage. Aber es ist auch eine Frage, zu
der ... ich nicht Stellung nehmen sollte aus dem einfachen Grunde, weil die Verhandlungen noch im Gange sind. Ich habe die langen Verhandlungssitzungen genau
verfolgt, die öffentlichen, und was noch wichtiger ist, die vertraulichen, und
zwar in allen Einzelheiten. Solange Fragen noch erörtert werden, ist es nicht
gut, wenn ich irgendetwas zu dem sage, was gegenwärtig in den Verhandlungen geschieht.
Ich möchte nur sagen, daß wir aus dem Wunsche heraus verhandeln, diesen Krieg
so schnell wie möglich zu beenden. Der schnellste Weg zur Beendigung des Krieges
und der beste Weg sind Verhandlungen.Wir möchten hoffen, daß die Persönlichkeiten
des öffentlichen Lebens in ihren Stellungnahmen nicht irgendetwas sagen, was die
Verhandlungen stört, daß der Kongreß durch seine Maßnahmen dem Gegner nicht
praktisch eine Botschaft übermittelt: "Verhandelt nicht mit der gegenwärtigen
Administration, wartet auf uns. Wir geben Euch in Südvietnam, was ihr wollt."

Frage:

-6-

�Frage: Herr Präsident, darf ich an die erste Frage anknüpfen? Es hat Berichte gegeben, wonach SAM-Stellungen direkt auf einigen dieser Deiche oder
Dämme angelegt worden sind. Schließt Ihre Politik die Bombardierung solcher besonderen Gebiete, in denen sich SAM-Stellungen befinden, aus?
Antwort: Ich habe diese Berichte gesehen. Wie Sie wissen, hat der Verteidigungsminister hierzu einige indirekte Stellungnahmen abgegeben. Die Situation
hitn- ist so, daß wir dazu neigen, SAM-Stellungen als Ziele auszunehmen, wenn
dies zu wesentlichen Verlusten unter der Zivilbevölkerung führen würde.
Ich habe jedoch in den letzten Tagen keine Berichte gesehen, die darauf
hindeuten, daß irgendwelche derartigen SAM-Stellungen angegriffen werden, und
angesichts der gegenwärtigen Debatte werden wir in bezug auf diese Ziele sehr
vorsichtig sein. Wir werden sie nur angreifen,wenn wir das müssen, um amerikanische Flieger zu schützen, die sonst von diesen SAMs abgeschossen würden....
Frage: Herr Präsident, ist das so zu verstehen, daß die Rufe "Stellt die
Bombardierung der Deiche ein" in diesem Jahr zu einem politischen Schlagwort
geworden sind und daß diejenigen, die dahinter stehen, nicht gründlich geprüft
haben, worauf sie ihre Anschuldigungen begründen?
Antwort: Ich habe

nicht ohne Absicht das Wort "naiv" benutzt. Die Nordviet-

namesen sind in ihrer Propaganda sehr geschickt. Sie haben diejenigen, die sie
in ihr Land eingeladen haben, in solche Gebiete geführt, in

denen die Besucher

Bombenschäden fanden. Sie haben sich keine große Mühe gegeben, solche Bombentrichter zu füllen, was sie natürlich tun möchten, bevor die Möglichkeit von
Wolkenbrüchen und Überschwemmungen im Norden wieder besteht.
Meines

�Meines Erachtens handelt es sich hier um den ganz bewußten Versuch seitens
der Nordvietnamesen, ein Randproblem in den Mittelpunkt zu rücken und die Aufmerksamkeit von einer der barbarischsten Invasionen der Geschichte abzulenken,
zu der noch eine Verletzung aller Begriffe des Völkerrechts bei Behandlung der
Kriegsgefangenen hinzukommt. Wenn sie, die sie eine Politik des vorsätzlichen
Tötens und Mordens und der Angriffe auf die Zivilbevölkerung mit der Absicht
des Tötens verfolgen, wenn sie versuchen, aus dem einen Kapital zu schlagen
und die Aufmerksamkeit von dem anderen abzulenken, dann ist dies ein offenkundiges Propagandamanöver- und zwar eines, dem meiner Auffassung nach begegnet werden
muß
Selbstverständlich müssen wir die Verantwortung für das tragen, was wir
tun. Es ist jedoch an der Zeit, daß in diesem furchtbar schweren Krieg manche
Amerikaner -oder besser gesagt die meisten von uns - allmählich erkennen, daß
es niemals eine leichte Sache ist, wenn wir von Moral reden.
Wenn ich für einen Augenblick abschweifen darf - ich werde dann auf Ihre
Zusatzfrage zu dem anderen Punkt zurückkommen - ich erinnere mich noch an eines
der ersten Gespräche über Krieg, das ich mit Präsident Eisenhower führte. Wir
fuhren von Quantico zurück. Sie werden sich vielleicht noch daran erinnern,daß
Charlie Wilson

(der damalige Verteidigungsminister) in Quantico solche Treffen

von Verteidigungsexperten abzuhalten pflegte. Er (Präsident Eisenhower) forderte mich auf, mit ihm zurückzufahren. Es war noch ganz im Anfang, im ersten Jahr
seiner Administration.
Er sprach über die Entscheidungen, die er im zweiten Weltkrieg hatte fällen
müsser. Eine der Fragen, die ich mit ihm anschnitt,war die absichtliche Bombardierung deutscher Städte, die Tragödie von Dresden, von Essen, von Hamburg,
nicht zu vergessen von Berlin. Wie General Eisenhower betonte, war es eine
furchtbar schwere Entscheidung für uns, diese strategische Bombardierung der
Zivilbevölkerung in Deutschland. Er sagte jedoch, "was die Frage der Moral angeht, so mußten wir auch auf dieses grundlegende Problem eine Antwort finden".
Er
-8-

�Er sagte, "der Gipfel der Unmoral wäre es gewesen, zuzulassen, daß Hitler Europa beherrscht."
Nun, in unserem Fall sind wir nicht so weit gegangen. Wir werden keine
zivilen Ziele im Norden bombardieren. Wir machen von der großen Macht keinen Gebrauch, die Nordvietnam an einem Nachmittag auslöschen könnte, und wir werden
dies auch in Zukunft nicht tun. Es wäre jedoch der Gipfel der Unmoral, wenn
die Vereinigten Staaten Vietnam an diesem Punkt im Stich lassen würder

und

wenn wir bei unserem Abzug das Schicksal von 17 Millionen Südvietnamesen, die
keine kommunistische Regierung wünschen, den Nordvietnamesen überantworten
würden.
Darum geht es hier. Das ist die einzige Frage, die hier ansteht. Diejenigen, die rufen: "Beendet den Krieg", sollten ihre Resolution eigentlich richtiger nennen: "Verlängert den Krieg". Sie sollten sie "Verlängert den Krieg" nennen, nicht weil sie dies wirklich wollen. Sie wollen genauso wie ich den Krieg
beenden, aber wir sollten bedenken: Wir haben, wie ich schon 1968 sagte, immer
nur einen Präsidenten. Und damals wurde ich, wie Sie sich vielleicht erinnern
werden, von Ihnen, meine Damen und Herren, oft mit der Frage bedrängt: "Was
müssen wir Ihrer Ansicht nach in bezug auf Verhandlungen tun?"

Ich glaubte

nicht, daß damals große Aussichten für erfolgreiche Verhandlungen bestanden.
Aber ich sagte ganz richtig, wir haben nur einen Präsidenten, und ich möchte nicht jede Chance zerstören, die er für eine Beendigung dieses Krieges haben
könnte. Im Augenblick ist die Aussicht auf eine Regelung auf dem Verhandlungswege besser als jemals zuvor. Dies ist nicht sicher, und ich möchte keine falschen
Hoffnungen erwecken, aber die militärische Offensive des Gegners schlägt fehl,
auch wenn noch in dem Raum Quang Tri-Hue harte Kämpfe stattfinden werden. Aber
der Gegner verspürt natürlich auch die Folgen der Verminung und der Unterbrechung
der Straßen und anderer Systeme, auf denen Nachschubgüter nach Nordvietnam gebracht werden könnten.
Unter

-9-

�«

Unter diesen Umständen hat der Gegner - weil wir überdies ein sehr faires
Angebot vorgelegt haben - jeden Anreiz zu verhandeln. Wenn Sie sich jedoch in
die Position des Gegners versetzen und dann hören, daß der amerikanische Kongreß
praktisch sagt: "Wir werden Euch geben, was Ihr wollt, gleichgültig, was immer
der Präsident angeboten hat. Warum dann nicht warten? Das ist das Problem, und
ich möchte hoffen, daß die Senatoren und Kongreßabgeordneten, wenn sie ihr Gewissen befragen, sich bewußt werden, daß wir nur noch drei Monate bis zu den
Wahlen haben. In diesen drei Monaten hoffen wir, alles in unseren Kräften stehende tun zu können, um diesen Krieg zu beenden, und sie sollten nichts unternehmen,
was diese Verhandlungen gefährden könnte. Ich kann nur sagen, daß die Resolutionen nichts hierzu beitragen können. Sie können bestenfalls den Gegner nur verwirren; und schlimmstenfalls werden sie den Krieg verlängern.

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31/1972

NORDVIETNAM: DIE FRAGE DER BOMBARDIERUNG DER DEICHE
-Bericht des US-Außenministeriums-

WASHINGTON --(AD)— Das amerikanische Außenministerium hat unter dem Titel
"Nordvietnam: Die Frage der Bombardierung der Deiche" am 28. Juli einen auf
Aufklärungsergebnissen basierenden Bericht veröffentlicht, der folgenden Wortlaut hat:
In den letzten Wochen hat Hanoi versucht, die Welt davon zu überzeugen,
daß das ausgeklügelte nordvietnamesische Deichsystem ein direktes und absichtliches Ziel amerikanischer Angriffe sei. Das stimmt nicht. Fotografische Aufnahmen zeigen eindeutig, daß Deiche nicht absichtlich bombardiert worden sind.
Einige wenige Deiche sind von fehlgegangenen Bomben getroffen worden, die in
der Nähe gelegene militärische Ziele treffen sollten. Der Schaden ist geringfügig,und es ist kein großer Damm gebrochen. Der Schaden ließe sich leicht innerhalb von wenigen Tagen reparieren und ist nicht so groß, daß er Überschwemmungen hervorrufen könnte. Es sind keine Schäden im Gebiet von Hanoi oder an
dem Hauptdeichgebiet zum Schutze dieser Stadt festgestellt worden. Hanoi ist
ohne Frage um das Deichsystem wirklich besorgt. Die Regenzeit in Nordvietnam
wird bald ihren Höhepunkt erreichen,und die im letzten Jahr durch die sehr
schweren Überschwemmungen entstandenen Schäden sind noch nicht völlig wieder
beseitigt worden.
-Das

�-Das nordvietnamesische Wa sserwirtschaftssystem1.

Nordvietnam verfügt über ein sorgfältig ausgeklügeltes Netz von Deichen,

Dämmen und Schleusen zur Kontrolle des Wassers in dem dicht bevölkerten DeltaGebiet des Roten Flusses. Das im Delta landwirtschaftlich genutzte Land ist
in der Trockenzeit von der Bewässerung abhängig und wird in den Regenmonaten
durch Überschwemmungen gefährdet. Die Hauptwassertransportwege des Landes, der
Rote Fluß, der Thai Binh-Fluß und der Canal des Rapides sowie der Canal des
Bambous, verbinden die wichtigsten Stadtgebiete miteinander. Düngemittel, Lebensmittel, Erdöl und andere Rohstoffe werden zum Teil auf diesen Wasserwegen
befördert sowie Kohle,die aus den Bergbaugebieten von Hon Gai und Cam Pha kommt.
Auch im südlichen Teil ist ebenfalls an einigen Flüssen ein Deich-und Schleusensystem zur Kontrolle des Wassers und der Schiffahrt notwendig, aber dieses System
hat nicht so große Bedeutung wie das im Delta.

2.

Entlang des Roten Flusses sind die Deiche zur Verhinderung von Über-

schwemmungen sowie zur Kontrolle des Wasserlaufes sehr weit entwickelt. Das
Deichsystem am Roten Fluß beginnt in der Nähe von Viet Tri, das zwar rund 100
Meilen von der Küste entfernt, aber nur etwa 13 Meter über dem Meeresspiegel
liegt. Die von den Bergen her mitgeführten großen Schlamm-und Schlickmengen
haben sich im Deltagebiet im Flußbett abgelagert, so daß der Wasserspiegel des
Flusses vielfach höher als das umliegende Land ist und die ihn einfassenden
Deiche ständig angehoben werden müssen. In einigen Gebieten, vor allem um Hanoi,
sind die Deiche bis zu 12 Meter hoch. Einige sind an der Krone rund 24 Meter
und unten bis zu 60 Meter breit. Ein zweites System von 1,20 Meter bis 6,60
Meter hohen Deichen verläuft parallel zu den Hauptdeichen und soll, falls der
Hauptdeich bricht, den Schaden lokalisieren und auf ein Minimum begrenzen. Ein
drittes System kleinerer Deiche teilt die Reisanbaugebiete in kleine Areale
auf, ermöglicht die Bewässerung und kontrolliert Wasserführung der kleineren
Flüsse und der örtlichen Wasserwege. Darüberhinaus gibt es an der Küste kleine

-2-

�kleine natürliche oder von Menschen errichtete Deiche, um das Brackwasser fernzuhalten.

3.

Dämme und Schleusen spielen eine untergeordnete Rolle. Nur wenige große

Dämme sind aus Beton errichtet und haben Schleusen,um Schiffe durchzulassen. Und
nur die wichtigen Wasserwege im Delta des Roten Flusses haben Flutschleusen,zur
Kontrolle des Wasserstandes und zur Erleichterung des Schiffsverkehrs.

-Ständige Überschwemmungen4.

Die Wasserführung der Flüsse erreicht saisonbedingt im Juli und August

ihren Höchststand. Ausgedehnte Überschwemmungen und die Zerstörung von Eigentum
sind die Folge. Obwohl es seit Mitte der vierziger Jahre nur wenige größere
Deichbrüche gegeben hat, so kommt es doch fast jedes Jahr vor, daß kleinere
Deiche brechen.
5.

Die Überschwemmungen vom August letzten Jahres gehören zu den schwersten,

die jemals bekannt geworden sind. Allein vier Deichbrüche waren an dem Hauptdeich entlang des Roten Flusses zu verzeichnen. Schätzungsweise 440 000 Hektar
- ein Viertel des gesamten in Nordvietnam mit Reis bestellten Landes - wurden
völlig überschwemmt, und die gesamte Ernte in diesem Gebiet wurde völlig vernichtet.
Hanois

Stürme rissen einen Kai in einer Länge von einer halben Meile außerhalb
ein,und eine Eisenbahnlinie nach dem Norden - nach Dong Dang - wurde

unterbrochen. Die überschwemmte Landfläche nahm bis Ende Dezember immer weiter
zu, wahrscheinlich, weil das zweite Deichsystem auf die Dauer aufgeweicht und
infolge des starken Wasserdruckes ausgewaschen worden war.

6.

Abgesehen von den unmittelbaren Ausfällen bei der Reisernte haben die

Überschwemmungen auch umfassende langfristigere Schäden verursacht. Die Gewalt
des durch die Bruchstellen der Hauptdämme strömenden Wassers hat vielfach £u

-3-

�zu Bodenerosionen geführt, die weit über die offensichtlichen Anschwemmungen
in der Nähe der Durchbruchsstellen gehen. Lange Stücke von Bewässerungskanälen
wurden unterbrochen, und die Presse berichtete von zahlreichen unterspülten
Pumpstationen. Das Flutwasser hinterließ überall in den Drainagegräben Rückstände. Die lange Überschwemmung infolge der Hochwasserkatastrophe hat möglicherweise zu verborgenen Aushöhlungen des Hauptdeichsystems geführt, die sich erst
Ende dieses Jahres zeigen werden. Da das Deichsystem möglicherweise so geschwächt
ist, erhöht sich noch die Gefahr einer Überschwemmung in diesem Jahr.

-Anfälligkeitsgrad des Systems gegenüber Bombenangriffen-

7.

Das nordvietnamesische Wasserwirtschaftssystem umfaßt eine Vielzahl unnur

terschiedlicher Einzelkomponenten, die/ durch eine umfassende, koordinierte Luftoffensive erheblich beeinträchtigt werden könnten. Solche Angriffe würden sich
zwangsläufig gegen bestimmte Schleusen, Dämme und Deichgebiete richten,und der
Bombenschaden würde sich nur während der verhältnismäßig kurzen Hochwasserperioden auswirken. Aber selbst dann müßte damit gerechnet werden, daß die Nordvietnamesen, die den Kampf gegen das Hochwasser seit langem gewohnt sind, umgehend
handeln und Bruchstellen innerhalb des Systems ausbessern.
8.

Schäden an den Schleusen würden sich nur wenig auf das Transport-wie auch

das Wasserwirtschaftssystem Nordvietnams auswirken. Die Binnenschiffahrt könnte
auf Wasserwege umgeleitet werden, die unabhängig von Schleusen sind, und ein
Teil der Frachten könnte auf den zahlreichen, sich anbietenden alternativen
Landwegen befördert werden. Gelegentliche Bombenschäden in den Jahren 1965 bis
1968 setzten einige Schleusen außer Betrieb, wirkten sich jedoch nur wenig auf
Wassertransporte oder Überschwemmungen in diesem Gebiet aus. Ähnlich würden
Dammbrüche, selbst in Hochwasserzeiten, nur unwesentliche Störungen bewirken,
da sie meistens klein und leicht reparierbar sind.
9. Deiche

-4-

�9.

Deiche sind gegen Bombenschäden besonders unanfällig. Bei Deichen des

Hauptsystems würde es höchstens zu Danmbrüchen kommen, wenn sich über die ganze
Krone eines Deiches eine Reihe aneinandergrenzender Bombentrichter hinziehen
würde und wenn der Kraterrand wesentlich unter der Wasseroberfläche läge, so
daß das Wasser hineinströmen und die sich dann ergebenden Aushöhlungen zu einem
Dammbruch führen würden. Die Deiche am Roten Fluß in der Nähe Hanois sind in
Höhe des Wasserspiegels etwa 24 Meter breit.

10.

Die amtlichen nordvietnamesischen Presseagenturen und Rundfunkstationen

haben wiederholt über angebliche amerikanische Bombenangriffe auf Deichsysteme
berichtet. Im April und im Mai erhoben die Nordvietnamesen 40 spezifische Beschuldigungen, und am 30. Juni zitierte die amtliche Presse den Stellvertretenden Minister für Wasserwirtschaft, daß in jenem Monat 30 Bombenangriffe auf
Deiche stattgefunden hätten. Ausländische Diplomaten, Korrespondenten und erst
in jüngster Zeit die Schauspielerin Jane Fonda wurden an Deiche geführt, um
Schäden zu besichtigen - die meisten um Hai Duong südöstlich von Hanoi.

11.

Es wurde eine genaue Prüfung von Fotoaufnahmen von Mitte Juli aus dem

Delta des Roten Flusses vorgenommen, und an 12 Stellen wurden Bombenkrater festgestellt. Keine der Schäden waren im Gebiet von Hanoi, wo die Zerstörung von
Deichen den größten Schaden für die Wirtschaft und den Nachschub Nordvietnams
hervorrufen würde. Fast alle Schäden befanden sich flußabwärts von Hanoi sowie
flußabwärts von den Gebieten der großen Deichbrüche aus dem Hochwasser von
1971.

12.

Es gibt keine Anzeichen für eine Zerstörung lebenswichtiger Teile von

Deichen über eine Länge von mehreren Kilometern - wie dies von Korrespondenten
aus Hanoi berichtet wurde. Die Trichter sind im Verhältnis zu den Deichen klein,

-5-

�klein, und der Schaden hat nicht zu Überschwemmungen geführt. Obwohl das Wasser
noch nicht seinen höchsten Stand erreicht hat, deutet die Tatsache, daß kein
Wasser durchgebrochen ist, darauf hin, daß der Schaden begrenzt war.

13.

Alle Punkte, an denen Schäden an den

Deichen festgestellt wurden,

liegen in nächster Nähe spezifischer Ziele von militärischer Bedeutung. Von den 12
Stellen,

m

denen Schäden aufgetreten sind, liegen 10 ganz in der Nähe von iden-

tifizierten Einzelzielen, wie Erdöllager, und die beiden anderen in der Nähe von
Straßen-und Flußtransportwegen. Da eine große Zahl der nordvietnamesischen Deiche gleichzeitig den Unterbau für Verbindungswege bildet, macht es das Gewirr,
mit dem sie das Delta durchziehen, fast unmöglich, daß Luftangriffe gegen
Transportziele nicht hier und da auch Schäden an den Deichen verursachen.

14.

Die durch die Aufnahmen festgestellten Bombenkrater ließen sich mit einem

Minimum an Arbeits-und Geräteaufwand leicht reparieren - eine Gruppe von weniger
als 50-Mann mit Schubkarren und einfachem Handwerkszeug

könnte den größten

festgestellten Trichter in einem Tag zuschütten. Da im ganzen Deltagebiet die
notwendigen Geräte zur Verfügung stehen, könnten alle Deiche innerhalb einer
Woche ausgebessert sein. In der ganzen Geschichte habens ich die örtlichen Arbeitskräfte zusammengetan und Deiche ausgebessert, um ernsthafte Überschwemmungen
zu verhindern. Eine gelegentlich auf einen Deich fallende Bombe verursacht keine
wesentliche Mehrarbeit über die normalerweise jedes Jahr erforderliche Reparaturarbeit hinaus. Nordvietnam muß jedoch die Ausbesserung der Schäden aus der Überschwemmung des Jahres 1971 vor dem nächsten Monat abschließen, da dann die diesjährige Regenzeit ihren Höhepunkt erreicht.

-6-

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31/1972

WENN DIE KOMMUNISTEN KOMMEN
Von Douglas Pike

Als international anerkannter Fachmann für

Vietnam hat Douglas Pike eingehende Untersuchungen über die Methoden Nordvietnams
und des Vietcong angestellt, Südvietnam in
kommunistische Gewalt zu bringen. Nach seinen umfassenden Analysen ist es den Kommunisten trotz massiver Anstrengungen nicht
gelungen, die Masse der südvietnamesischen
Bevölkerung für sich zu gewinnen, die für
den Fall eines kommunistischen Sieges ein
Blutbad fürchtet.

Das Leben hinter den Linien der von Nordvietnamesen besetzten Teile Südvietnams ist zu einer Mischung aus Terror, Qual und Hoffnung geworden.
Das ist das Bild, das sich aus den Berichten von Flüchtlingen und anderen ergibt, denen es gelungen ist, aus den 14 Distrikten (von insgesamt 272
Distrikten der Republik Vietnam) zu entkommen, die von der Volksarmee von
Vietnam - also der nordvietnamesischen Armee - besetzt gehalten werden (nach

-1-

�(nach dem Stande von Anfang Juli dieses Jahres). Sieben dieser Distrikte liegen in der nördlichsten Provinz Südvietnams, Quang Tri; die anderen sieben
weiter südlich in der Provinz Binh Dinh und Teilen der benachbarten Provinz
Kontum und sogar noch weiter südlich direkt oberhalb von Saigon in der nördlichen Hälfte der Provinz Binh Long.
Insgesamt kann man sagen, daß die nordvietnamesischen Führer überaus enttäuscht waren, daß ihre sogenannte Osteroffensive nicht zu Massendemonstrationen, Unruhen und Aufständen sowie zu anderen Formen des gesellschaftlichen
Chaos in ganz Südvietnam und vor allem in den größeren Städten geführt hat .
Das Chaos hatten sie einkalkuliert. Allerdings konnten eigentlich nur ihre
Hoffnungen enttäuscht worden sein und weniger ihre Erwartungen. Sie hatten
wohl kaum einen großen allgemeinen Aufstand erwartet, denn die Tet-Offensive
von 1968 hatte gezeigt, daß damit nicht zu rechnen war. Sie hatten allerdings
mit weitgehender Unterstützung, Gesten der Solidarität und einer allgemeinen
Aufnahmebereitschaft gerechnet, die sich aus Ressentiments gegen die Regierung
Thieu und aus antiamerikanischen Gefühlen in Südvietnam ergeben sollten.
Aber all dies geschah nicht. Das Schreckgespenst der Volksarmee - Divisionen auf Panzern aufsitzender und um sich feuernder Soldaten, die nach Süden
vordrangen - terrorisierte die südvietnamesischen Dorfbewohner. Diese anrollenden Panzer mußten bei der Bevölkerung ein gewaltiges Trauma hervorrufen, und
aus dem Trauma entstanden Angst und Furcht. Aus der Angst entstand die Polarisierung: Man mußte wählen, entweder die nordvietnamesischen Eindringlinge
oder die südvietnamesischen Verteidiger - es gab keine Alternative.
Welche Differenzen Südvietnamesen auch mit der Regierung Thieu haben mögen, sie verblassten vor der drohenden Gefahr. Die nordvietnamesische Armee
schlug an drei Fronten zu. Der erste Stoßkeil richtete sich gegen Hui, die
heilige Stadt Vietnams, der zweite richtete sich gegen Saigon und der dritte
gegen Kontum, wo die Kommunisten versuchten, Südvietnam in zwei Hälften zu
spalten. Das war das Bild, das sich den Menschen zeigte.
Rund
-2-

�Rund 750 000 Dorfbewohner flohen vor diesem Frontalangriff und gelten
heute als Flüchtlinge. Sie bleiben Flüchtlinge, trotz der nordvietnamesischen
Zusicherung, daß die Kommunisten nicht ihre Feinde seien, und sie weigern sich
trotz intensiver Propaganda, in die von den Nordvietnamesen besetzten Dörfer
zurückzukehren. Das Leben im Flüchtlingslager, das kaum als ideal bezeichnet
werden kann, scheint ihnen lieber zu sein als ein Leben daheim unter dem Kommunismus.
Rund 600 000 Menschen kamen nicht heraus - oder konnten nicht herauskommen. Sie leben jetzt unter kommunistischer Kontrolle. Mit diesen Menschen
- sie stellen rund drei Prozent der Gesamtbevölkerung Südvietnams dar - wollen
wir uns hier befassen. Diese Studie will zeigen, was geschah, als die Kommunisten kamen.
Das Verhalten der Nordvietnamesen gegenüber südvietnamesischen Zivilisten
in den während der Offensive besetzten Dörfern spiegelt im allgemeinen die aus
der Vergangenheit bekannte gemischte Einstellung wider. Die amtliche öffentliche Politik nach außen ist Befreiung der Ausgebeuteten und Nachsicht gegenüber dem gefangenen Ausbeuter. Das ist die Politik des Zuckerbrots-. Die amtliche Politik nach innen ist die Peitsche - und meist mehr Peitsche als Zuckerbrot. Offiziell wird das Ganze als soziale Gleichrichtung bezeichnet und
euphemistisch als "Ausrottung der Erzschurken und Beseitigung der grausamen
Einheiten" beschrieben. Die Opfer würden es eher als Terror und Tod bezeichnen.
Wir wollen einmal das Verhalten der kommunistischen Besatzer nach außen
und nach innen untersuchen. Zu dieser Untersuchung gehört eine etwas technische
Beschreibung der Tätigkeit im Dorf, wenn es besetzt worden ist. Sie besteht
hauptsächlich aus organisatorischer Arbeit - ein etwas trockenes Thema, das jedoch
für das Gesamtverständnis sehr wichtig ist, denn diese organisatorische Arbeit
ist das Kernstück eines jeden etwaigen Erfolges der Kommunisten. Es gibt auch

-3-

�auch noch eine dunklere Seite - die mystische.
Kommunistische Kader, die praktisch als Militärregierung in einem besetzten
Dorf fungieren, tragen in ihrem Geist eine Art Mystik mit sich; alles, was sie
tun, wie sie es tun, und warum sie es tun, hat einen "tieferen Sinn". Man muß
diese Vorstellungen kennen, um zu begreifen, was und warum es vor sich geht.
Im April dieses Jahres wurde in der Provinz Quang Tin ein Dokument erbeutet,
das unter der Bezeichnung "Zehn Tage zum Sieg" die Anweisung eines Provinzzentralkomitees enthält, wie man ein feindliches Dorf erobert und regiert.
Nicht als Verwaltungsanleitung, sondern als Ausbildungsdokument geschrieben
zeigt es eine idealisierte Mischung von Indoktrinierung, Wunschdenken und praktischer Instruktion. Es zeigt vielleicht am deutlichsten, wes Geistes Kind die
Kader sind, die zur Besatzungsmacht werden.
Die zehn Tage zum Sieg:
Erster Tag: Reguläre Einheiten (der Streitkräfte) greifen das Dorf, den
Hamlet oder die befestigte Stellung an und besetzen sie. Örtliche Guerillakräfte beseitigen südvietnamesische Regierungskader und deren

Infrastruktur

und vernichten örtliche Selbstverteidigungskräfte. Die Bevölkerung wird zu aufrührerischen Tätigkeiten aufgestachelt.
Zweiter Tag: Organisiere Versammlungen und Demonstrationen, richte Revolutionsgerichtshöfe ein, halte Prozesse ab. Errichte örtliche Verwaltungseinheiten. Setze den militärischen Stoß gegen naheliegende Stellungen der südvietnamesischen Armee fort.
Dritter Tag: Organisiere die Bevölkerung in Befreiungsorganisationen und
anderen sozialen Bewegungen. Benutze Binh Van (Überredungstechniken), um Posten
der ARVN (.der südvietnamesischen Armee) auszuschalten und ein Verteidigungssystem zu errichten.
Vierter

-4-

�Vierter Tag: Beginne mit der Indoktrinierung und halte Lehrgänge für Gesinnungskontrolle ab; treibe finanzielle Beiträge und Reis von der Bevölkerung
ein.
Fünfter Tag: Beginne mit der Ausbildung der neu rekrutierten Guerillas.
Sechster Tag: Setze die Eintreibungen von Geld und Reis aus der Bevölkerung fort. Beginne mit dem Ausbau von Wehrdörfern und setze den militärischen
Druck gegen ARVN-Posten fort.
Siebter Tag: Teile die Bevölkerung ein und rekrutiere (künftige) einheimische Kader und Funktionäre. Veranstalte Siegesfeiern.
Achter bis zehnter Tag: Intensiviere die Agitprop-Tätigkeit; verteile Auszeichnungen und Belobigungen. Beginne mit der Planung des nächsten Stadiums,
des KampfStadiums.
So sieht das geistige Rezept aus, und wenn es sich auch nicht unbedingt
verwirklichen läßt, so kennzeichnet es doch die geistige Vorstellung und Einstellung der Kader, die sich in den Dörfern an die Arbeit machen.
Im wesentlichen ist der Ablauf der Dinge richtig geschildert: die nordvietnamesischen Truppen greifen an und besetzen. Sie bestellen die neuen Funktionäre - entweder Agenten, die jetzt aus dem Untergrund auftauchen oder örtliche,
nicht aus Nordvietnam stammende Kader, die aus anliegenden kommunistisch besetzten
Gebieten kommen, oder sogar als zuverlässig betrachtete Dorfbewohner selbst.
Manchmal werden sogar wochenlang noch die Beamten der Saigoner Regierung in ihrem
Amt belassen, bis die nordvietnamesische Armee die nötigen Vorkehrungen getroffen
hat ,um ein nach außen möglichst wenig in Erscheinung tretendes kommunistisches
Regime einzusetzen. Wenn diese eigenen lokalen Behörden eingesetzt sind, werden
Massenversammlungen abgehalten, es wird Geld und Reis eingetrieben, Revolutionsgerichtshöfe werden eingesetzt, eine Dorfmiliz wird rekrutiert und ausgebildet
(aber nicht bewaffnet), und mit der eigentlichen Indoktrinierung wird begonnen.
Drei
-5-

�Drei Aufgabenbereiche

Wenn die Kommunisten kommen, dann konzentriert sich ihre Tätigkeit auf
drei Aufgabenbereiche,die man als innere Sicherheit, Finanzierung und den
Apparat bezeichnen könnte:
1.

Innere Sicherheit:
Zunächst einmal geht es um die innere Sicherheits d. h. um die Ausschal-

tung gegnerischer und potentiell feindlich gesinnter Elemente. Der Krieg dauert
schon lange an, und die Dorfbewohner haben ein gutes Gedächtnis für kommunistische Greueltaten, so daß die Kader wissen, daß ihnen die Bevölkerung mit Haß
begegnet. Die meisten, die die Kommunisten hassen, mögen zwar geflohen sein,
aber das ist nicht immer der Fall. Manch einer ist so entschlossen und hart,
daß er bleibt9 um die kommunistische Sache zu sabotieren, und zwar im Dorf
selbst,, was für die Kommunisten am gefährlichsten ist.
Daß die Kommunisten ihre Gegner ausschalten müssen» liegt nahes aber ihre
Tätigkeit auf diesem Gebiet geht weit über das hinaus, was man normalerweise
als innere Sicherheit bezeichnen würde.
Die Kampagne der Kommunisten zielt darauf ab, nicht, nur jeden physischen
Widerstand zu brechen, sondern auch jede geistige Ablehnung. Die Theorie der
vietnamesischen Kommunisten läßt keinen Raum für Opposition - und die Praxis
im besetzten Dorf erst recht nicht. Mit allen Mitteln der Agitation und der
Propaganda wird versucht, die Dorfbewohner zu gläubigen und blinden Anhängern
des neuen Regimes zu machen. Konstruktive Kritik ist etwas, was sich Parteimitglieder in vorsichtiger Form und im kleinen Kreis leisten können - die
Dorfbewohner sicherlich nicht.
Diese "Gewinnung" der Bevölkerung kann auf positive und auf negative
Weise geschehen. Wo Agitation und Propaganda nichts nützen, wird die andere

-6-

�andere Seite aufgezogen: der Terror. Dieser wird keineswegs blindlings ausgeübt, sondern gezielt. Nur selten brennen die Kommunisten ein ganzes Dorf mit
Flammenwerfern nieder - wie dies in Dak Son geschah -, denn Tote können ja
nicht mehr überzeugt werden.
Die amtliche Sicherheitspolitik nach innen ist so grausam und lautlos wie
der Tod. Es ist schwierig, an genaue Berichte über die sogenannte revolutionäre
Gerechtigkeit zu kommen, denn die Kader setzen alles daran, die blutige Hand
nicht nach außen zu zeigen. Aber es sickern doch immer wieder Berichte durch,
die überprüft und bestätigt werden können, und diese Berichte geben ein dunkles
Bild von der kommunistischen Brutalität - begangen im Namen einer abstrakten
Idee.
Physischer Terror: An kommunistischen Terrorakten zählte man bis Ende Juni in
jeder Woche im Durchschnitt: 150 Meuchelmorde, 290 bei Terrorüberfällen verwundete Zivilisten und rund 500 verschleppte oder zur Zwangsarbeit gepresste Personen.
So wurde am 18. Mai in der Schule des Dorfes Hoai Xuan in der Provinz Binh
Dinh ein Revolutionstribunal aufgestellt, dem 20 Personen - meist Mitglieder der
Gemeinderäte oder Dorfpolizisten - vorgeführt wurden. Der Dorfälteste von Hoai
Xuan wurde von dem Tribunal für schuldig erklärt, zum Tode verurteilt und sofort auf dem Schulhof erschossen. Auch die Übrigen wurden für schuldig befunden,
zum Tode verurteilt, dann nach dem Dorf Bong Son gebracht, wo sie mit 80 anderen Personen, die offensichtlich von ähnlichen Tribunalen abgeurteilt worden
waren, erschossen wurden.
Der Gemeindevorsteher von Tan Thanh, einer Siedlung im Bezirk Tarn Quan
in der Provinz Binh Dinh und 47 Bewohner des Dorfes Hoi Thanh wurden am 21. Mai
von den Kommunisten lebendig begraben.
In der Stadt Loc Ninh führen kommunistische Kader ihre Terrorkampagne auf
eine besondere Art. Menschen, die zum Tode verurteilt wurden, verspricht man
Begnadigung, wenn sie Mitarbeiter der Regierung oder Soldaten, die sich in der
-7-

�der Nähe versteckt halten, ausfindig machen helfen.
Am 27. Ma:_ wurden 42 Mitglieder des Gemeinderates und Polizisten aus der
Ortschaft Vinh Phung und dem Dorf Hoai Xuan in der Provinz Binh Dinh hingerichtete und ihre Leichen in der Truong Goa-Düne zwischen den Dörfern Hoai Xuan und
Hoai Huong im Sande verscharrt.
Am 29. Mai mußten sich die rund 1 000 Bewohner des Dorfes An Thanh im Bezirk Hoai der Provinz Binh Dinh versammeln, um an dem Tribunal gegen drei Dorfbewohner teilzunehmen. Angeklagt waren ein Mitglied der Pazifizierungsgruppe
mit Namen Nguyen Mwnh Van, der Fahrer eines Polizeiautos, Nguyen Can,und ein
dritter Mann, dessen Name nicht bekannt ist. Alle drei wurden für schuldig erklärt, verurteilt und hingerichtet.
Am 6. Juni berichtete der 21jährige Unteroffizier der südvietnamesischen
Streitkräfte, Van Chuyen, in Pleiku vor Pressevertretern über einen Angriff der
Kommunisten auf sein Dorf Tan Chan. "Die Kommunisten", so erzählte der Unteroffizier, "ließen die Zivilisten aus dem Kampfgebiet nicht heraus. Sie feuerten
Raketen in die aus dem Dorf flüchtenden Menschen. Einige wurden getötet. Wir
anderen sahen uns gezwungen, in das Dorf zurückzukehren."

Ähnliche Vorfälle,

bei denen die kommunistischen Verbände auf die flüchtenden Zivilpersonen das
Feuer mit Granaten und Raketen eröffneten, wurden aus der Stadt Quang Tri sowie
aus der Provinz Binh Long gemeldet.
Der Dorfvorsteher und Bauer Nguyen Van Khanh aus einem Dorf nördlich von
Quang Tri, der drei seiner sechs Kinder während der letzten nordvietnamesischen
Offensive verlor, sagte zu einem Pressevertreter in Hu§: "Ja, sie wollen uns befreien, selbst wenn sie uns dabei alle umbringen müssen."

2.Finanzierung

-8-

�2.

Finanzierung:
Die Eintreibung von Geldmitteln ist ein anderes Hauptziel der einrückenden

kommunistischen Verbände. Die kommunistischen Kader sehen in jedem besetzten Dorf
eine Art Schatzkammer, wohlgefüllt oder weniger üppig, die es im Namen der Revolution auszuheben gilt. Die Dorfbewohner haben nach Ansicht der Kommunisten für
die "Sache" freiwillig Geld aufzubringen - tun sie es nicht freiwillig, müssen
sie es unter Zwang tun. Allerdings vermeidet man es , die Leute direkt Hunger
leiden zu lassen, denn die durch Hungersnot entstehenden. Probleme wären schwerwiegender als die aus der Beschlagnahmung der Lebensmittel gewonnenen Vorteile
und außerdem wäre eine verhungerte Bevölkerung ja auch ein schlechter Produzent
künftiger Ernten.
In der Stadt Loc Ninh und in den Dörfern der Provinz Binh Long wurde erst

einmal der gesamte Reisvorrat, den man auffinden konnte, beschlagnahmt. Dann erhielt jeder Einwohner nach seiner Registrierung eine Zuteilung, die als Ration
für einen Monat ausreichen mußte. Der übrige Reis wurde nach dem Norden in das
Bergland zur Verpflegung der dortigen kommunistischen Verbände abtransportiert.
Im Bezirk Hoai An der Provinz Binh Dinh wurde im April eine Ration von 250
Gramm Reis pro Kopf und pro Tag festgesetzt und diese Ration täglich zugeteilt.
Keine Familie durfte einen Reisvorrat in ihrem Hause besitzen. In der Provinz
Quang Tri brachten die Nordvietnamesen, nachdem die einheimischen Reisvorräte
aufgebraucht waren, offensichtlich chinesischen Reis ins Land und gaben davon
soviel an die Bevölkerung aus, daß gerade eine 1 600 Kalorien-Ernährung pro Tag
gesichert werden konnte. Eine Ernährung von 1 600 Kalorien pro Tag gilt nach den
Bestimmungen der Vereinten Nationen als eben noch über der Grenze des Hungers
liegend.

Die Kommunisten pressen alles, was über das bloße Existenzminimum

hinausgeht, aus der Bevölkerung heraus. Dabei entwickeln sich natürlich sowohl
auf Seiten derer, die der Bevölkerung ihren Besitz zu nehmen versuchen ,als auch
der Bauern, die sich diesem Zugriff zu entziehen versuchen, die raffiniertesten
Taktiken und Methoden.
Die

-9-

�Die Kommunisten haben noch andere Programme, mit denen sie ihren Kampf zu
finanzieren versuchen und die im Grunde alle mehr oder weniger auf Erpressung
oder gewaltsame Enteignung hinauslaufen. Dazu gehört beispielsweise die Steuererhebung. Alle Familien werden "erfaßt" und in zwei Gruppen - meist nach der
Größe ihrer Häuser - eingeteilt. Die erste Gruppe- zu der in der Regel zwei
Drittel aller Familien eines Dorfes gehören - werden als steuerpflichtig eingestuft und müssen eine einmalige Summe zwischen 50 und 500 Dollar in bar entrichten. Derartige Summen sind für einen vietnamesischen Dorfbewohner sehr viel
Geld. Das übrige Drittel der Dörfler wird als zu arm für die Zahlung einer Barsumme eingestuft und darf daher seinen Steuerbetrag in Form von Dienstleistungen im Arbeitseinsatz aufbringen.

Konfiszierung und Enteignung: Sämtliche Arzneimittel und medizinischen Artikel
in den Apotheken und Lagerräumen der pharmazeutischen Industrie in der Stadt
Quang Tri wurden von Sondereinheiten der kommunistischen Truppen beschlagnahmt
und nach dem Norden abtransportiert. Ärzte und Krankenhäuser durften lediglich
den Vorrat an Medikamenten und medizinischen Artikeln behalten, über den sie
gerade verfügten. Das Eigentum aller Familien, die im Dienst der südvietnamesischen Regierung stehen oder zur Armee gehören - in der Regel allerdings nur
Offiziersfamilien - wird konfisziert; das gleiche Los trifft auch solche Familien, die als regierungstreu gelten - handelt es sich um Bauern, so wird ihr
Grundbesitz beschlagnahmt und in Gemeindeeigentum umgewandelt, das durch ein
Parteikomitee verwaltet wird.

Verkauf von Kriegsanleihen: Sie werden nach einem Quotensystem verteilt,und
man erwartet, daß jeder Dorfbewohner wöchentlich mehrere zum Wert von 1 Dollar
pro Stück kauft.
Einführung

-10-

�Einführung von Kriegsgeld durch die Kommunisten, das gegen südvietnamesische
Währung einzutauschen ist und für die Bezahlung von Gütern und Lebensmitteln
dient: Im Bezirk Hoai An wurden beispielsweise etwa 1 OOO Motorräder mit solchem
Kriegsgeld bezahlt, wobei man ihren ehemaligen Besitzern erklärte, daß dieses
Geld nach dem Krieg in reguläre Währung umgetauscht werden würde - natürlich
unter der Voraussetzung, daß die Kommunisten den Krieg gewinnen .
Die Finanzierung der "Sache der Kommunisten" bedeutet natürlich nicht in
erster Linie, daß man lediglich bestrebt ist, den Dörflern das wenige, was sie an
Gütern besitzen, abzunehmen - denn in den meisten dieser Gebiete gibt es kaum
etwas, was man irgendwie als wertvollen Besitz bezeichnen könnte. So ist die Provinz Binh Dinh beispielsweise das wahrscheinlich ärmste Gebiet in Südvietnam und
in keiner Weise mit der üppigen Region des Mekong-Deltas

zu vergleichen. Viel-

mehr liegt das eigentliche Ziel der kommunistischen Programme in der Nutzung der
wirtschaftlichen Produktionskapazität - vor allem der landwirtschaftlichen Erwillen
zeugung. Das hierbei mehr um der KontrolleVals aus Gründen der Produktivität
angewandte Mittel ist die Kommune in ihrer einfachsten Form oder die sogenannte
landwirtschaftliche Arbeitsbrigade. Die Dorfbewohner werden zu Einheiten zusammengefaßt und aufs Feld geschickt, um ein Maximum an Erträgen herauszuholen. Das dafür notwendige Werkzeug und Gerät wird bereitgestellt - ja notfalls sogar importiert. Von dem Ernteertrag werden 90 Prozent für die "Sache der Kommunisten" abgezweigt, die restlichen 10 Prozent verbleiben dem Dorf.
Ein drittes Hauptgebiet systematischer Aktivität der Kommunisten ist jene
Umgestaltung des Bewußtseins der Masse durch Organisation, was im kommunistischen
Jargon als Aufbau eines uniformen revolutionären Denkens und Fühlens bezeichnet
wird. Das Ziel besteht darin, die Masse für die kommunistischen Ideen zu gewinnen. Als Mittel dazu bedient man sich der organisatorischen Erfassung jedes Einzelnen. Die Ideologie selbst spielt dabei nur eine unbedeutende Rolle. So erläuterte Radio Hanoi am 7. Juni in einer nach Südvietnam ausgestrahlten Sendung die
ideologische Basis für das von den Kommunisten "befreite" Gebiet in folgender
Weise: "Eliminierung solcher philosophischer Ideen wie Spiritualismus, Existentialismus, Idealismus, eines importierten Mystizismus (sprich: Christentum) und
-11-

�und die Restauration der Doktrin des Konfuzianismus."

3. Der Apparat:

Die organisatorische Struktur ist im Grunde immer die Gleiche und besteht
aus drei sich überschneidenden Elementen:
1.

Eine Volksfront auf sozialer Grundlage. Es ist dies eine Vereinigung funk-

tionaler sozialer Bewegungen, vor allem der verschiedenen Befreiungsverbändev
Stets wird ein Bauernverband, eine Frauenorganisation und eine studentische Jugendgruppe gebildet. Manchmal werden auch andere Massenbewegungen ins Leben gerufen,
wie beispielsweise der Arbeiter-Befreiungsverband in den Gummiplantagengebieten
der Provinz Binh Long; ein Verband älterer Bürger (Personen über 50 Jahre) in
der Provinz Binh Dinh; Jugendorganisationen, die in zwei Gruppen geteilt sind;
eine, der die 12-bis 17jährigen angehören?und eine andere, die die Altersgruppen
von 18-bis 30 Jahren umfaßt. Die Hauptaufmerksamkeit ist dabei fast immer auf
die Jüngeren gerichtet.
Diese Organisationen sind für die kommunistischen Kader außerordentlich
nützlich, sobald ihre Existenz einmal gesichert ist. Diese Organisationen geben
den Kommunisten einen Apparat an die Hand, mit dem sie beispielsweise die Energien
der Landbevölkerung mobilisieren und kontrollieren können.
Insgesamt bilden diese Massenbewegungen der Nationalen Befreiungsfront etwas
wie ein Fischnetz, das man über das Land breitet und in dem man die gesamte Bevölkerung zusammengefaßt hält. Man schafft sich damit ein System, das es ermöglicht,
alle Aktivität der Landbevölkerung zu überblicken, eine Steigerung der Ernteerträge zu erzwingen, feindliche Strömungen unter der Bevölkerung im Keim zu ersticken, eine Dorfmiliz aufzustellen und gleichzeitig der Bevölkerung etwas wie
eine innere Befriedigung zu verschaffen, indem man in ihr ein Gefühl erweckt, als
sei sie direkt an den für die Dorfgemeinschaft getroffenen Entscheidungen beteiligt.
Vor
-12-

�Vor allem bei der derzeitigen kommunistischen Offensive wird dieses System
dazu benutzt, um auf gefährliche Weise Anhänger unter dem Teil der südvietnamesischen Bevölkerung zu werben, die im Regierungsdienst oder Militärdienst stehen.
In den Provinzen Dinh Binh und Binh Long benutzte man dieses Programm, um durch
Mithilfe der Dorfbewohner jene Bauern, die vor den Kommunisten geflohen waren,
wieder in ihr Heimatgebiet zurückzulocken. Man stellte besondere Pässe für eine
Reihe von Dorfbewohnern aus, die es ihnen gestatteten, die kommunistisch besetzten Gebiete zu verlassen, um Kontakt mit Freunden und Verwandten aufzunehmen
und sie zur Rückkehr zu überreden. Allerdings mußten die auf solche Mission entsandten Bauern ihrerseits den Kommunisten Geiseln stellen, um ihre Rückkehr
sicherzustellen. Weiterhin versucht man durch systematische Kampagnen die Bevölkerung des besetzten Gebietes zu überreden, Briefe an ihre Verwandten in der
südvietnamesischen Armee zu schreiben und sie zur Desertion aufzufordern.
2.

Die elitäre kommunistische Parteistruktur mit ihrer begrenzten Mitglie-

derzahl steht - so getarnt und unauffällig die Einzelnen erscheinen mögen im Zentrum all dieser Tätigkeiten. In Südvietnam heißt sie die "Revolutionäre
Volkspartei". Sie hat die eigentliche Macht in Händen. Sie ist organisatorisch
in der üblichen Parteistruktur gegliedert, mit einem Zentralkomitee und dem
System der Parteiuntergruppen für die entsprechenden Regierungsebenen - nationaler Bereich, Provinz, Kreis und Ortsgruppe - und einem System sogenannter Zellen,
die die Basis für den gesamten Apparat bilden. Mit diesem System kontrollieren
die Kommunisten von innen heraus die gesamte Bevölkerung in einer außerordentlich wirksamen Weise.

3.

Ein quasi Regierungsapparat, die Verwaltungsbüros der sogenannten Revo-

lutionskomitees, die als Gesamtheit die "Revolutionäre Verwaltung" bilden. Sie
ist der eigentliche Verwaltungsapparat, den die Partei zur Durchsetzung ihrer
Pläne benutzt. Ihre Autorität erstreckt sich über die kleineren Siedlungen, die
Dörfer und Städte bis zu den Bezirken und den Provinzbereich (wie im Falle der
Provinz Quang Tri), um dann über das Parteikomitee weiter aufwärts bis schließlich zur Zentrale in Hanoi zu führen.
Die
-13-

�Die Verwaltung auf Dorfebene besteht normalerweise aus einem Vorsteher,
einem Stellvertreter für Fragen der inneren Sicherheit, dem die örtlichen Milizkräfte und Informanten unterstehen, und einem Stellvertreter für Agitprop, der
für die Indoktrinierung und Ausbildung der Bevölkerung zuständig ist.
In manchen Distrikten ist ein ziemlich kompliziertes und ausgeklügeltes
Verwaltungssystem eingeführt worden, das oft als Revolutionäre Provinzregierung
bezeichnet wird. Es besteht aus einem Vorsitzenden, einem Sekretariat und verschiedenen Büros - für innere Sicherheit, Agitprop, Finanz-.und Wirtschaftsfragen, Leitung der Frontorganisationen, Verbindung zum Militär, Gesundheitswesen,
Rechtsangelegenheiten, Erziehung, Einberufung und Ausbildung und Fernmeldeeinrichtungen.
Das Distriktkomitee ist wohl das Schlüsselelement der Machtstruktur der Revolutionsregierung, und von der Qualität seiner Kader hängen weitgehend Erfolg
oder Mißerfolg der Kommunisten ab. Das Distriktkomitee setzt die politischen
Richtlinien für das Dorf fest und herrscht über Leben und Tod seiner Bewohner,
wählt die Kader aus und bestimmt praktisch über das Schicksal der Menschen.
In der Provinz Quang Tri werden alle örtlichen Verwaltungsfunktionäre und
Vertreter der Nationalen Befreiungsfront vom Distriktkomitee ernannt. In der Provinz Binh Dinh trat Mitte Mai das Komitee des Distriktes Hoai An zusammen und
überprüfte die Unterlagen von einigen hundert Personen »• meist Bedienstete der
südvietnamesischen Regierung, die gefangengenommen worden waren - und verurteilte 30 von ihnen zum Tode. Umgekehrt amnestierten laut Radio Hanoi Ende Mai
Distriktkomitees etwa 600 gefangene südvietnamesische Soldaten und Regierungsbedienstete nach erfolgreichem Abschluß eines Umschulungslehrgangs.
Die Formel: Zuerst Organisation, dann Mobilisierung und dann Motivierung,
das ist die kommunistische Dreieinigkeit - und wenn es eine kommunistische Geheimwaffe gibt: hier ist sie.
Der

-14-

�Der Sonderfall Quang Tri
In der Provinz Quang Tri liegen die Dinge offensichtlich etwas anders als
in den beiden anderen Gebieten - Binh Long und Binh Dinh - Kontum.
Das kommunistisch kontrollierte Gebiet von Quang Tri liegt zwischen dem
Fluß My Chanh, der es von der Provinz Thua Thien trennt, und der Provinz Quang
Binh, der südlichsten Provinz Nordvietnams.Hier hat sich -zumindest zum Zeitpunkt, als dieser Artikel geschrieben wurde- eine Art militärischer Front mit
einem zwei bis drei Meilen breiten Niemandsland herausgebildet, und zwar zum
ersten Mal in der ganzen Geschichte dieses Krieges.
Das Revolutionskomitee der Provinz Quang Tri wurde am 24. April ins Leben
gerufen, um über die verbliebenen 70 000 Menschen (von insgesamt rund 300 000
Einwohnern) zu regieren. Der Vorsitzende ist ein gewisser Nguyen Viet Trac, ein
ehemaliger Lehrer aus der Stadt Quang Tri. Sein Stellvertreter ist ein ehemaliger Polizist, Le Chi Dai. In Bekanntmachungen vom 4. und 11. Mai verkündete das
Komitee die Auflösung aller bisherigen Regierungsämter und -funktionen und deren
Ersatz durch das Revolutionäre Verwaltungssystem. Ferner wurden alle gesellschaftlichen Organisationen und Vereinigungen politischer und religiöser Natur (offensichtlich nur christliche und nicht buddhistische) sowie alle militärischen und
polizeilichen Verbände aufgelöst. Reisen wurden genehmigungspflichtig gemacht,
die Zensur wurde eingeführt, und es wurden strikte innere Sicherheitsmaßnahmen
gegen Spionage, Sabotage und Plünderung ergriffen.
Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Provinzregierung und nicht um die
oft angekündigte Schaffung einer Hauptstadt für eine gesamtsüdvietnamesische
kommunistische Regierung.
Wie

-15-

�Wie berichtet wird,ist die nordvietnamesische Armee praktisch allgegenwärtig. Im Raum Quang Tri stehen mindestens vier Infanteriedivisionen, die 304.,
308., 324. und 325. Ganze Dörfer im südlichen Teil der Provinz - wife. Kim Sanh,
Trung Dong, Kim Long, Hai Nhi und viele andere im Distrikt Hai La - wurden gewaltsam evakuiert. Die Bevölkerung wurde nach Norden in Lager im Distrikt Trieu Phong
gebracht, offensichtlich um einen Cordon sanitaire zwischen beiden Seiten zu
schaffen.
Auch die Sicherheitsvorkehrungen werden in der Provinz Quang Tri viel schärfer durchgeführt. Wie es heißt, werden Kennkarten an die Bevölkerung verteilt,
die nach ihrer Farbe die politische Zuverlässigkeit des Inhabers ausweisen: rot
für ehemalige südvietnamesische Bedienstete oder Soldaten oder Personen mit Verwandten in südvietnamesischen Gebieten; grün für politische neutrale und gelb für
politisch zuverlässige.
Nach durchgesickerten Berichten müssen sich die Inhaber roter Kennkarten
sofort einer politischen Indoktrinierung unterziehen und sollen nach Nordvietnam
deportiert werden, um dort in landwirtschaftlichen Kommunen zu arbeiten. Aus dem
Distrikt Trieu Phong sollen bereits Ende Mai Bauern nach Nordvietnam geschickt
worden sein. Als Alternative können sich die Inhaber roter Karten zur nordvietnamesischen Armee melden.
Der Bevölkerung wird Berichten zufolge klargemacht, daß sie nicht länger
Staatsangehörige der Republik Vietnam seien, sondern nordvietnamesische Bürger
und deren Pflichten zu übernehmen hätten. Wenn sich diese Berichte alte Zutreffend
erweisen sollten, dann würden sie auf eine ernste Absicht Nordvietnams hindeuten,
die Provinz Quang Tri zu annektieren.

Zusammenfassung

»16-

�Zusammenfassung

Noch ist es zu früh, sich ein endgültiges Bild über die langfristigen Absichten der nordvietnamesischen Besatzer zu machen. Für den Augenblick scheinen
die Kommunisten einen gewissen Erfolg zu haben - es gelang ihnen, südvietnamesisches Territorium zu besetzen. Das Leben der Bevölkerung im besetzten Gebiet wurde
reorganisiert und ein gewisses Maß an innerer Sicherheit und Versorgung und Verwaltung erreicht. Das letzte Wort werden jedoch die südvietnamesischen Soldaten
mit ihren Gegenangriffen haben.
Nordvietnam hat auf dem nichtmilitärischen Sektor der Besatzung viel an
Menschen, Zeit und Geld investiert, und es ist fraglich, ob sich diese großen Aufwendungen gelohnt haben.
Die Kommunisten setzen Spezialteams ein, die aus zivilen Fachleuten für Verwaltung, Agitprop, Organisation usw. bestehen, um die Bevölkerung zu gewinnen.
Derartige Fachleute sind rar.
Die an die Angehörigen der sogenannten Volksbefreiungsstreitmacht (Vietcong)
herausgegebenen Befehle sind eindeutig. So wurde am 12. April den Kadern und Agenten im Untergrund befohlen, Revolten und Aufstände in den Städten und Dörfern
Südvietnams herbeizuführen. Die Einheiten der südvietnamesischen Regionalstreitkräfte (Miliz) sollten infiltriert und zur Meuterei bewegt werden. Ferner sollte die Sabotagetätigkeit koordiniert mit den nordvietnamesischen Angriffen intensiviert werden.
Die große Strategie der Kommunisten läuft offensichtlich darauf hinaus, daß
die nordvietnamesische Armee die Masse der südvietnamesischen Streitkräfte binden soll, um den Angehörigen der sogenannten Volksbefreiungsarmee freiere Hand
zu verschaffen. Bei einem Gelingen dieser Strategie hätten die Kommunisten die
Möglichkeit, ihren Apparat in den ländlichen Gebieten wieder aufzubauen und zu

-17-

�zu reorganisieren und das Befriedungsprogramm zurückzudrängen. Damit könnte ein
wachsender Druck auf Saigon ausgeübt und unter Umständen der Sturz der dortigen
Regierung bewerkstelligt werden. Selbst wenn nicht direkt ein Sturz herbeigeführt
werden könnte, ergäbe sich die Möglichkeit einer wesentlichen Veränderung im
Sinne einer kommunistisch kontrollierten Koalitionsregierung.
Wenn das die kommunistische Rechnung war, dann ist sie bisher nicht aufgegangen, und es besteht alle Aussicht, daß sie auch in Zukunft nicht aufgehen
wird. Niemand kennt die kommunistischen Absichten genau, und so ist das Ausmaß
des kommunistischen Fehlschlags auch nicht genau zu ermessen.
Eines ist jedoch klar geworden: Wenn dieser Krieg je um die Herzen der
Menschen geführt wurde, dann hat Nordvietnam ihn verloren. Hanoi mag mit seiner
Osteroffensive etwas Territorium gewonnen haben, aber es bezahlte dafür mit dem
Rest von Sympathie, den es bei der Bevölkerung Südvietnams noch gehabt haben
mag. Wenn erst, was zu hoffen ist, die jetzt unter nordvietnamesischer Besatzung
lebenden Menschen wieder befreit sein werden, dann wird die Welt in allen Einzelheiten erfahren, was es heißt: "Wenn die Kommunisten kommen".

HIIMI

-18-

�; amerika dienst
U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Wirtschaft

300

08-85432

31/1972

BURNS UNTERSTREICHT NOTWENDIGKEIT EINES AUSGLEICHS DER USZAHLUNGSBILANZ
WASHINGTON -.-CAD)-- Der Vorsitzende des US-Federal Reserve Board, Dr. Arthur
Burns, hat sich nachdrücklich für einen Ausgleich der amerikanischen Zahlungsbilanz und eine schärfere Kontrolle des Preisauftriebs ausgesprochen.
Vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses wies Burns
auf die Verschlechterung der amerikanischen Handelsbilanz und die gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Zahlungsbilanz hin, betonte jedoch, daß gerade bei
der Zahlungsbilanz in der Zeit von Mitte März bis zur Freigabe des Wechselkurses des britischen Pfundes eine gewisse Besserung festzustellen gewesen sei.
Dies sei in erster Linie auf einen Zufluß kurzfristigen Kapitals zurückzuführen
gewesen. Als Gründe hierfür nannte Burns einmal die Beseitigung des Zinsgefälles zwischen Europa und den Vereinigten Staaten und zum anderen die Besserung
der Wirtschaftslage in den USA, so daß sich auf dem amerikanischen Markt wieder
mehr Anlagemöglichkeiten böten. Aber auch Ausländer hätten vermehrt amerikanische Wertpapiere gekauft. Wörtlich fuhr Burns fort: "Wenn sich erst einmal die
derzeitige Unruhe gelegt hat, werden sich auch, wie es den Anschein hat, die
Devisenmärkte stabilisieren, und dann wird sich meines Erachtens dieser Rückfluß fortsetzen." Ein großes Problem, so fügte Burns hinzu, sei die Wiederbelebung des amerikanischen Außenhandels, "und wir sind noch ein gutes Stück hiervon entfernt.'.'
Weiter

�Weiter sagte Burns vor dem Ausschuß: "Eine stärkere Kontrolle des Preisauftriebs ist notwendig, nicht nur um Einkommen und Ersparnisse unserer Bevölkerung zu schützen, sondern dies ist auch für die Wiederherstellung des Ausgleichs unserer internationalen Konten erforderlich. Allerdings bezweifle ich
ernsthaft, ob dieses außenwirtschaftliche Ziel ohne ein stabiles Preisniveau
erreicht werden kann. Das Smithsonian-Abkommen zur Neufestsetzung der Wechselkurse vom vergangenen Dezember hat die Basis für eine wesentliche Verbesserung
unserer Wettbewerbsposition geschaffen. Diese Möglichkeit wird jedoch vertan,
wenn sich Kosten und Preise in den USA weiterhin wesentlich erhöhen

sollten.

Unsere internationalen Konten sind immer noch stark unausgeglichen. Die
Importe haben dieses Jahr wesentlich stärker zugenommen, und obwohl unsere Exporte ebenfalls gestiegen sind, hat sich unser Handelsdefizit vergrößert. Eine
solche Entwicklung ist in den Monaten unmittelbar nach einer Abwertung nichts
Ungewöhnliches, und die weiter fortgeschrittene wirtschaftliche Wiedererholung,
verglichen mit der unserer großen Handelspartner, bildet zweifellos einen erschwerenden

Faktor. Wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen in anderen Län-

dern jetzt wieder bessern, dürfte die Nachfrage nach unseren Exportgütern in
naher Zukunft stärker ansteigen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen jedoch, daß wenigstens zwei oder drei Jahre vergehen werden, bevor die Neufestsetzung der Wechselkurse vom vergangenen Dezember voll durchschlägt.
Die Gesamtzahlungsbilanz wies im ersten Quartal ein beträchtliches Defizit
auf, Aber von Mitte März an entwickelte sie sich günstiger, vor allem aufgrund
des Zuflusses kurzfristigen Kapitals. Wir haben sogar zwischen Mitte März und
dem 23, Juni, als der Wechselkurs des britischen Pfundes freigegeben wurde, einen
Zahlungsbilanzüberschuß zu verzeichnen gehabt.
In den Wochen unmittelbar nach diesem britischen Schritt herrschte auf den
Devisenmärkten überall auf der Welt Unruhe, und eine beträchtliche Menge an
Dollar floß den europäischen Zentralbanken zu. In jüngster Zeit jedoch wurde die
Ordnung an den Devisenbörsen wiederhergestellt. Die Wiederherstellung des Ver-

-2-

�Vertrauens ist in nicht geringem Maße auf die Intervention, die die Federal Reserve Bank in Verbindung mit dem Finanzministerium auf den Devisenmärkten vorgenommen hat, zurückzuführen.
Die kürzlichen Störungen an den Devisenmärkten sind eine deutliche Warnung.
Wenn immer wiederkehrende Währungskrisen vermieden werden sollen und eine Atmosphäre erhalten werden soll, die eine gesunde Ausweitung des Außenhandels und
der Auslandsinvestitionen fördert, so müssen umgehend internationale Verhandlungen über eine Währungsreform aufgenommen werden . Die kürzlichen Störungen sind
ferner eine Warnung, daß auf den internationalen Finanzplätzen solange Unruhe
herrschen wird, bis die Vereinigten Staaten und ihre wichtigsten Handelspartner
Wege finden, um ihre Volkswirtschaften von der Inflation zu befreien, unter der
wir alle leiden."
Von Senator Javits auf die Möglichkeit einer Rückkehr zu einer Politik der
begrenzten Konvertierbarkeit des US-Dollar angesprochen sagte Burns: "Wenn europäische Finanzleute von Konvertierbarkeit reden,so denken sie dabei an eine Konvertierbarkeit des Dollar in Gold oder in Sonderziehungsrechte. Was der Federal
Reserve Board in Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium tut - und lassen Sie
mich betonen, daß der Federal Reserve Board und der neue Finanzminister in dieser Frage sehr eng zusammenarbeiten und völlig übereinstimmen - was unsere neue
Aktivität anbetrifft, daß wir auf dem Devisenmarkt intervenieren, so hat dies
nichts mit der Art von Konvertierbarkeit zu tun, von der Finanzleute im allgemeinen

reden. Das Ziel ist ganz einfach, die Ordnung auf den Devisenmärkten

wiederherzustellen, so daß eine für eine dauerhafte Währungsreform günstige
Atmosphäre entsteht. Diese neue Aktivität darf jedoch nicht dahingehend ausgelegt werden, daß sie irgendwelche Auswirkungen auf das ergibt, was in späteren
Verhandlungen in bezug auf eine Konvertierbarkeit entschieden wird."

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FÜR DIE RAUMFAHRT ENTWICKELT - IM ALLTAG ANGEWANDT

NASA gibt immer mehr Patentrechte zugunsten der Wirtschaft
frei
--(AD)-- Für die kommerzielle Herstellung von Geräten und Instrumenten,die
im Zuge des amerikanischen Raumfahrtprogramms entwickelt worden sind, gibt das
US-Amt für Luft-und Raumfahrt (NASA) in zunehmendem Maße Patentrechte frei.
Der nicht immer einfache Prozeß des "Umsetzens" solcher speziellen Entwicklungen in Produkte des täglichen

Gebrauchs wird besonders wirksam durch die re-

gionalen Zentren der NASA unterstützt. Sie arbeiten mit Universitäten, Forschungsinstituten und der Industrie eng zusammen, um für"Weltraumspezialitäten" Anwendungsmöglichkeiten auf der Erde zu finden.
Eines der jetzt freigegebenen Verfahren ist FLASH ("Fast Luciferace
Automated Assay of Specimens for Hospitals" - Automatische Luziferase-Schnellanalyse für klinische Proben), eine neuartige quantitative Analysenmethode
zur Bestimmung von Bakterien im Urin. Sie wurde von Emmett W. Chapelle und
Dr. Grace L. Picciolo vom Goddard-Raumflugzentrum entwickelt und war ursprüng-

-1-

�ursprünglich dafür bestimmt, außerirdische Mikroorganismen durch einen einfachen, schnellen und zuverlässigen Test zu ermitteln. Die erste Anwendung
solcher Verfahren außerhalb der Erde ist im Rahmen des VIKING-Programms, das
die Landung von zwei Analysen-und Meßrobotern auf dem Mars vorsieht, zu erwarten. Nach Dr. Richard H. Green, dem Leiter der Abteilung "Planetare Quarantäne" des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, würden beispielsweise die
Messungen einer VIKING-Sonde schon verfälscht, wenn nur eine winzige Hautschuppe, der Bruchteil eines Millionstel Gramms organischer Substanz, bei der
Montage der Sonde in das Analysengerät geriete und mit zum Mars geschleppt
würde,
Beim FLASH-Prozeß wird der Biolumineszens-Effekt genutzt. Die Urin-Probe
leuchtet auf, wenn sie Bakterien enthält. Durch Messung der Leuchtstärke können exakte Rückschlüsse auf die Bakterienzahl in einer gegebenen Urinmenge ge zogen werden. Das Ergebnis wird automatisch aufgezeichnet.
Die Technik der Anwendung von LASER-Strahlen zur Ortung von Raumfluggeräten und zur Nachrichtenübermittlung wird im Verfahren SMOKEY verwertet. Die
offizielle Bezeichnung lautet "Long Range Laser Traversing System" - Weitstrecken-Vermessung mit LASER. Es handelt sich dabei um ein revolutionäres neues System zur Landvermessung, das erstmals vom amerikanischen Forstdienst für
diesen Zweck eingesetzt wurde und in Anspielung darauf in den USA scherzhaft
SMOKEY genannt wird.
Die Apparatur benötigt wenig Platz, ist in leichten Tornistern unterzubringen und kann von zwei Mann auch in den abgelegensten Gebieten eingesetzt
von
werden. Das System arbeitet mit den/einem Rubin-LASER vertikal ausgesandten
Lichtpulsen, die von einem zuvor postierten Empfänger aufgefangen werden. Da
der Empfänger den Lichtstrahl über alle Hindernisse hinweg erfaßt, sind die
Geodäten in der Lage, die Landgrenzen exakt zu vermessen. Der U.S.-Forstdienst
hat gegenwärtig ca. 435 000 km Arealgrenzen

-2-

mit mehr als 1,5

Millionen

�Millonen Grundstücken zu vermessen. Das LASER-Verfahren reduziert die Kosten erheblich und erspart Arbeitszeit, die mit Jahren anzusetzen ist.

Hochleistungsbatterien sind ein weiteres Nebenprodukt der Raumfahrttechnik,
die jetzt als zuverlässige Stromquellen für tragbare oder transportable Arbeitsgeräte und Maschinen, zum Anlassen von Außenbordmotoren und Kettensägen oder
für Gepäckkarren und andere Kleinstfahrzeuge geeignet sind. Weitere Anwendungsmöglichkeiten bestehen bei medizinischen Geräten wie tragbaren Ausrüstungen zum
Anfertigen von Elektrokardiogrammen, bei stroboskopischen Ausrüstungen oder
auch bei Spielzeug.

Die McCulloch Electronics Corporation (Los Angeles.1 befaßt sich in enger
Zusammenarbeit mit dem Regionalzentrum Western Research Application Center,
einer Unterabteilung des Amtes für "Technology Utilization" der NASA, mit den
technischen Aufgaben, die mit der Anpassung von Raumfahrtbatterien an kommerzielle Zwecke verbunden sind. In erster Linie geht es um Nickel-Kadmium-Batterien und Blei-Säure-Batterien. Ein besonderer Vorteil bei den für die Raumfahrt
entwickelten Typen ist die kurze Zeit, die für das Wiederaufladen benötigt wird.
Sie beträgt bei Blei-Säure-Batterien 15 bis 20 Minuten (übliche Zeit bei den
meisten kommerziellen Batterien: 14 bis 16 Stunden), bei einigen Nickel-KadmiumBatterien nur sechs Minuten, ohne daß sich dies schädlich auf die Zellen auswirkt.
Der für die Astronautenliegen entwickelte Stoßdämpfer, der bei der Startbeschleunigung und bei der Rückkehr zur Erde gefährliche Stöße abfängt, wurde
ebenfalls als Patent zur Verwertung für die Industrie freigegeben.

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RAUMTRANSPORTER: DER MILLIARDENAUFTRAG
--(AD)-- Von vier in der engeren Wahl stehenden Firmen der amerikanischen
Luft-und Raumfahrtindustrie wurde jetzt von der NASA (U.S.Amt für Luft-und
Raumfahrt) das Unternehmen North American Rockwell, Inc. als Hauptvertragspartner für den Bau des Raumtransporters ausgewählt. Seit Inangriffnahme des
APOLLO-Projekts vor 10 Jahren ist dies der umfassendste Einzelauftrag, der
von der NASA bisher vergeben wurde. Er bedeutet die Sicherung von 160 000
Arbeitsplätzen für mindestens sechs Jahre. Die finanziellen Aufwendungen werden derzeit auf 2,6 Milliarden beziffert. Mehr als die Hälfte der Arbeiten vergibt North American Rockwell seinerseits an etwa 10 000 eigene Auftragnehmer.
Mit dem ersten Testflug eines Raumtransporters ist im Jahre 1978 zu rechnen. Dieses Fluggerät, das mit Raketenkraft von der Erde startet, bis zu
30 Tagen um die Erde kreisen kann und dann wie ein Flugzeug auf einer Rollbahn
landet, ist für zahlreiche weitere Einsätze wieder verwendungsfähig. Auch die
beim Aufsteigen benutzten zusätzlichen Feststoffraketen sowie der riesige
Treibstofftank, von dem sich der Raumtransporter - auch Raumgleiter oder
Orbiter genannt - nach Erreichen einer bestimmten Höhe löst, werden für die
Wiederverwendung geborgen. Zwei Mann Besatzung steuern das Orbiter-Gerät;
es hat die Größe eines modernen Passagierflugzeuges vom Typ DC-9 und kann
bis zu 12 Passagiere aufnehmen.
Die
l-

�t

1
Die NASA gab kürzlich bekannt, daß sowohl das Kennedy-Raumflugzentrum in
Florida als auch der Luftstützpunkt Vandenberg in Kalifornien als Bodenstationen für den Raumtransporter vorgesehen sind. Die ersten Starts - die nur in
östlicher Richtung erfolgen - samt Landung werden ausschließlich am KennedyRaumflugzentrum durchgeführt. Hier befinden sich auch die Forschungszentren,
wo der sichere Ablauf dieser heiklen Flugphasen vorbereitet wird.

Vandenberg

wird erst gegen Ende der siebziger Jahre für den Raumtransporter betriebsbereit sein und soll für Flüge benutzt werden, bei denen eine zur Äquatorebene
stark geneigte Umlaufbahn erreicht werden muß. An Investitionen sind für den
Ausbau der Bodenstation in Florida 150 Millionen Dollar, für den Ausbau der
Station Vandenberg 500 Millionen Dollar erforderlich.

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ELEKTRISCHE AKTIVIERUNG GELÄHMTER MUSKELN

--(AD)-- Die Funktion gelähmter Glieder kann bis zu einem gewissen Grad
durch direkte elektrische Muskelerregung wiedergewonnen werden. Auch bei der
Wiederherstellung außerordentlich komplexer neuromuskulärer Funktionen erscheint die Anwendung des elektrischen Erregungsprinzips vielversprechend.
Erfahrungen mit dieser neuen Therapie wurden auf einer Konferenz der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National Institutes of Health-NIH)
über "Funktionelle neuromuskuläre Stimulation" eingehend erörtert.

Aufgrund der bisherigen Versuchsergebnisse ist die elektrische Stimulation am erfolgreichsten bei Hemiplegie, d.h. halbseitigen Lähmungen, wie sie
z.B.nach einem Schlaganfall auftreten können. Als sehr viel schwieriger erwies sich dagegen der Versuch, neuromuskuläre Störungen - etwa infolge Querschnittlähmung - zu überwinden.
Mediziner der Case Western Reserve University (Cleveland, Ohio) berichteten über Versuche mit elektrischer Erregung des Wadenbeinmuskels (musculus
fibularis). Eine Lähmung dieser Muskelpartie hat zur Folge, daß der Fuß beim

-l-

�beim Gehen schleift, der Patient ihn also nicht heben kann. Diese Störung versucht man folgendermaßen zu korrigieren: In die Einlegesohle des Schuhes wird
unter der Ferse ein Schaltelement eingebaut, das beim Auftreten mit dem von
der Lähmung betroffenen Bein einen elektrischen Stimulator aktiviert. Dieser
ist an einer bestimmten "Schaltstelle" am Muskel implantiert, um die Funktion
des geschädigten Nervs zu übernehmen, der normalerweise die Muskelkontraktion
steuert. Der Patient wird dadurch in die Lage versetzt, den Fuß trotz der Lähmung anzuheben.

Auch zur Stabilisierung von Gelenken - beispielsweise Knie-oder Hüftgelenk dürfte eine solche Unterstützung der Muskelaktivität vorteilhaft sein. Das könnte für Patienten mit einer Lähmung von Muskelpartien gelten, die für die Standfestigkeit des Körpers gebraucht werden. Möglicherweise ließe sich mit elektrischer Muskelstimulation verhindern, daß der Körper beim Stehen zusammensackt.

Im Verlauf der Untersuchungen an der Case Western Reserve University zeigte sich, daß bereits atrophierte Muskeln durch diese Form der elektrischen Erregung allmählich gekräftigt werden können. Allerdings ist eine Ermüdung der
Muskelpartien durch Überbeanspruchung zu vermeiden. Dies ist besonders bei
Korrekturversuchen zu beachten, bei denen es um eine Gelenkstabilisierung geht.

Als weitere Anwendungsmöglichkeit wird die Behebung von Skoliosen genannt.
Im Tierversuch hatte ein kanadischer Wissenschaftler durch die elektrische Stimulierung bestimmter Rückenmuskeln bei Rückgratverkrümmung erstaunliche Ergebnisse erzielt. Versuche am Menschen sind in Vorbereitung.

Mediziner der Duke-Universität (Durham, Nordkarolina) berichtete über das
Ergebnis von Versuchen, bei Querschnittgelähmten mit Hilfe einer sogenannten
spinalen Neuroprothese die Blasentätigkeit wieder unter Kontrolle zu bekommen.

-3-

�bekommen. Die Wiederherstellung dieser Funktion ist wegen der bei den Patienten
häufig auftretenden Infektion der Harnwege infolge unzureichender Harnentleerung
überaus wichtig. In vier Fällen wurden Elektroden in das Rückenmark implantiert,
die Strom aus einer kleinen Batterie in bestimmtem Rhytmus in die Nervenbahnen
schicken, über die eine Kontraktion der Blase erzielt wird. Trotz bisheriger guter Ergebnisse bei den vier jungen Patienten könne jedoch, wie die Wissenschaftler betonen, noch nichts darüber ausgesagt werden, wie sich die Stimulierung
über einen längeren Zeitraum oder bei älteren Patienten auswirke.

+++-H-I-H'

-3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 27. Juli 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nordvietnam: Die Frage der Bombardierung der Deiche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn die Kommunisten kommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Douglas Pike&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Burns unterstreicht Notwendigkeit eines Ausgleichs der US-Zahlungsbilanz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Für die Raumfahrt entwickelt - im Alltag angewandt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NASA gibt immer mehr Patentrechte zugunsten der Wirtschaft frei&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Raumtransporter - der Milliardenauftrag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elektrische Aktivierung gelähmter Muskeln</text>
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2 6 . J u l i 1972

Inhalt
INFORMATION:
Rogers brandmarkt nordvietnamesische Propagandakampagne
-Wortlaut der Erklärung des US-Außenministers vom 24.JuliUSA: Beschuldigungen Hanois sind Propagandamaßnahme
USA: Hanoi setzt militärischen Aufbau in Südvietnam fort
-Wortlaut der Erklärung der US-Delegation vom 25.JuliDOKUMENTATION:
Rede von Außenminister Rogers vor dem Commonwealth Club von
San Francisco

WIRTSCHAFT:
US-Maßnahmen gegen die Währungsspekulation
Von Eugene Brake
Positive Zeichen aus der US-Wirtschaft mehren sich
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster ERTS-Satellit gestartet
Krebs - geographisch gesehen
Atemnot - schon vor der Geburt diagnostiziert
Biologische Schädlingsbekämpfung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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ROGERS BRANDMARKT NORDVIETNAMESISCHE PROPAGANDAKAMPAGNE
Wortlaut der Erklärung des US-Außenministers vom 24.Juli-

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P.Rogers hat
Hanoi vorgeworfen, es führe eine sorgfältig geplante Propagandakampagne, um
die falschen Anschuldigungen glaubwürdig zu machen, daß die Vereinigten Staaten vorsätzlich Dämme und Deiche des nordvietnamesischen Bewässerungs-und
WasserkontrollSystems bombardierten.
In scharfen Worten nahm Rogers am 24. Juli zu den Ausführungen des UNGeneralsekretärs Kurt Waldheim Stellung, der kurz zuvor auf einer Pressekonferenz, erklärt hatte, er habe über "private Kanäle" Informationen erhalten, daß
nordvietnamesische Deiche durch amerikanische Bomben zerstört worden seien.
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
"Ich habe Botschafter Bush (den ständigen Vertreter der USA bei den Vereinten Nationen) angewiesen, um eine baldige Unterredung mit dem Generalsekretär nachzusuchen und darauf hinzuweisen, daß die ihm zugegangenen Informationen
bezüglich angeblicher vorsätzlicher Bombardierungen zur Zerstörung der nord-

-1-

�nordvietnamesischen Deiche falsch sind - wie dies auch der Präsident in seiner
Pressekonferenz am 29. Juni erklärt hat.
Weiter habe ich Botschafter Bush angewiesen, den Generalsekretär dahingehend zu unterrichten, daß diese Anschuldigungen Teil einer sorgfältig geplanten Kampagne der Nordvietnamesen und ihrer Sympatisanten sind, um diese Unwahrheiten weltweit in Umlauf zu bringen.
Der Generalsekretär hat heute auf seiner Pressekonferenz erklärt, 'es
liegt stets in meinem Interesse, Diplomatie im Stillen so einzusetzen, daß sie
nützlich ist*- Wir können öffentliche Erklärungen, die solchen Berichten noch
mehr Verbreitung geben, nicht als nützlich bezeichnen."
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Charles Bray, der die Erklärung des
Außenministers vor der Presse verlas, betonte in diesem Zusammenhang, daß Botschafter Bush mit dem UN-Generalsekretär vor dessen Moskau-tReise gesprochen
und ihm versichert habe,"daß die an die amerikanischen Streitkräfte ergangenen
Befehle Angriffe auf Deiche als zivile Ziele ausschließen". Auf seiner Pressekonferenz am 29. Juni hatte Präsident Nixon erklärt: »Unser Befehl lautete,
keine Deiche zu treffen, weil die Folgen im Hinblick auf die Zivilbevölkerung
überaus groß sein würden. Was nun irgendeine weitere Aktivität in dieser Hinsicht anbelangt, so ist dieser Befehl immer noch in Kraft*.
Bray verlas vor den Korrespondenten ferner Auszüge aus zwei Leitartikeln
der amtlichen Zeitung "Hanoi Moi", die zeigen, daß das Hauptanliegen Hanois
hinsichtlich der Deiche - wie dies der eigenen Bevölkerung gegenüber dargestellt
wurde - darin bestand, die Schäden der Überschwemmungen des vergangenen Jahres
zu beseitigen. In einem Leitartikel vom 28. Mai heißt es unter anderem: "Hanoi
hat alles getan, um undichte Stellen abzudichten, Termitenhügel einzuebnen und
zu beseitigen, Dränagerohre und Leitungen zu reparieren und das gesamte System
von Deichen und Dämmen, das durch die Überschwemmungen des letzten Jahres in
Mitleidenschaft gezogen worden war, weiter zu konsolidieren." Am 20. Juni er-

�erklärte das gleiche Blatt in einem Leitartikel: "An einigen Stellen hat die
Wiederinstandsetzung von Deichstücken, die durch Wolkenbrüche im Jahre 1971 beschädigt worden waren, noch nicht den technisch erforderlichen Stand erreicht."
Andere amerikanische Stellen wiesen am 2 4 . Juli darauf hin, daß wenigstens
mehrere 2 000-»Pfund Bomben die gleiche Stelle treffen müßten, wenn wesentliche
Schäden an einem Deich bewirkt werden sollten. Die von den Flugzeugen gewöhnlich mitgeführten 500 Pfund-Bomben würden kaum eine größere Beschädigung verursachen. Im übrigen habe

die amerikanische Regierung immer wieder darauf hin-

gewiesen, daß Deiche höchstens dann getroffen werden könnten, wenn sich auf
ihnen oder in ihrer unmittelbaren Nähe militärische Ziele befänden. Hanoi habe
das Diplomatische Korps Anfang Juli eingeladen, einen beschädigten Damm zu besichtigen. Ein von einem Diplomaten eingegangener Bericht zeige jedoch eindeutig, daß sich in der Nähe dieser Stelle eine Flugabwehrstellung
habe.

l-l-t-li

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USA: BESCHULDIGUNGEN HANOIS SIND PROPAGANDAMASSNÄHME

WASHINGTON --(AD)-- Nach Ansicht des Weißen Hauses ist Hanoi angesichts der
bevorstehenden Regenzeit und etwaiger Überschwemmungen offensichtlich bemüht,
die Weltöffentlichkeit davon zu überzeugen, daß die Vereinigten Staaten die
Dämme und Deiche in Nordvietnam durch Bombenangriffe bewußt schädigen.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, erklärte am 20.Juli
auf eine entsprechende Frage, es sei ganz offensichtlich, daß Nordvietnam in
diesem Zusammenhang ein Propagandamanöver gegenüber der Weltöffentlichkeit
unternehme. "Die Dämme und Deiche in Nordvietnam waren kein Ziel (für unsere
Angriffe) und werden es auch in Zukunft nicht sein", erklärte der Sprecher
wörtlich. Dies sei von Präsident Nixon, Verteidigungsminister Laird und Außenminister Rogers immer wieder unterstrichen worden.
Die Feststellungen Zieglers erfolgten in Beantwortung von Fragen zu einem
Artikel des amerikanischen Journalisten Joseph Kraft, in dem behauptet worden
war, daß Dämme, Schulen und Wohnhäuser in Nordvietnam durch amerikanische Luftangriffe beschädigt worden seien.
Es

�Es sei die Politik der USA, so sagte Ziegler, den Nachschub Nordvietnams
für die offensiven Operationen in Südvietnam zu unterbinden und nicht Schulen
oder Wohnhäuser anzugreifen. Er selbst habe auch keine Beweise dafür gesehen,
daß Schulen oder Wohnhäuser bombardiert worden seien.
Der Sprecher des Weißen Hauses wies darauf hin, daß Verteidigungsminister
Laird auf seiner Pressekonferenz vom 17. Juli erklärt hatte, wenn die Nordvietnamesen Flugabwehrgeschütze auf Deichen oder Dämmen in Stellung brächten und
auf amerikanische Maschinen schössen, dann könnte ein Angriff gegen diese
Stellung geflogen worden sein. "Ich habe jedoch keine Beweise gesehen, die auf
eine größere oder weitreichende Beschädigung der Dämme schließen lassen",
fügte Ziegler hinzu.

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USA: HANOI SETZT MILITÄRISCHEN AUFBAU IN SÜDVIETNAM FORT
-Wortlaut der Erklärung der US-Delegation vom 25.Juli-

PARIS —(AD)-- Die amerikanische Delegation bei den Pariser Vietnam-Gesprächen hat Hanoi vorgeworfen, daß es die Vorschläge Präsident Nixons für eine
Waffenruhe ignoriere und stattdessen einen "wesentlichen" militärischen Aufbau südlich der entmilitarisierten Zone durchführe.
Die zwei Tage vor der für den 27. Juli anberaumten Sitzung der Konferenz
veröffentlichten Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"In einer Zeit, in der die Vorschläge Präsident Nixons vom 8. Mai für
eine international überwachte Waffenruhe in ganz Indochina immer noch auf dem
Verhandlungstisch liegen und von der anderen Seite noch nicht ernsthaft beantwortet sind, gibt es weitere Hinweise auf einen wesentlichen militärischen Aufbau der nordvietnamesischen Streitkräfte in den nördlichsten Provinzen Südvietnams .
Um die Presseverlautbarung der Delegation vom 21. April 1972 über die
Dislozierung regulärer nordvietnamesischer Divisionen außerhalb Nordvietnams
auf den neuesten Stand zu bringen: Die uns verfügbaren Hinweise deuten darauf
hin, daß sich jetzt sogar 12 reguläre/vietnamesische Divisionen in Südvietnam

-l-

�Südvietnam befinden dürften gegenüber 10 Divisionen, die dort im April standen.
Die andere Seite bezieht sich häufig auf - wie sie es nennt - die 'Verantwortung' der Vereinigten Staaten. Es wäre gut, wenn sie sich ihre eigene Verantwortung für die Fortsetzung und Intensivierung der militärischen Operationen in
Südvietnam vor Augen halten würde. Diese Operationen haben bereits zu enormen
Verlusten und einer großen Zahl verwüsteter Städte im Süden geführt, und die
Aussicht, daß diese Entwicklung anhält, muß die Weltmeinung in Bestürzung versetzen."

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30/1972

REDE VON AUSSENMINISTER ROGERS VOR DEM COMMONWEALTH CLUB
VON SAN FRANCISCO

SAN FRANCISCO --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat
am 18. Juli 1972 in einer Rede vor dem Commonwealth Club von San Francisco
zu der gegenwärtigen internationalen Lage Stellung genommen. Die Rede des
Außenministers hat folgenden Wortlaut:
"Es ist mir eine große Freude, daß ich eingeladen wurde, vor diesem namhaften Club zu sprechen. Ich habe vor vielen Jahren bereits einmal vor dem
Commonwealth Club gesprochen, als ich noch Justizminister in der Regierung
Präsident Eisenhowers war.
Ich weiß, welche Bedeutung diesem Forum für die Gestaltung der öffentlichen Einstellung zu wichtigen außen-und innenpolitischen Fragen zukommt. Aus
diesem Grunde schätze ich mich sehr glücklich, heute hier mit Ihnen die Außenpolitik der Vereinigten Staaten erörtern zu können. Ich glaube, sie verdient
die Unterstützung aller verantwortungsbewußten Amerikaner.

Lassen

�Lassen Sie mich heute mit einer abschließenden Feststellung beginnen.
Aufgrund der von Präsident Nixon in internationalen Fragen ergriffenen Initiativen
haben die Vereinigten Staaten heute in der ganzen Welt ein Prestige wie nie zuvor.
Ausgehend von dem Grundsatz, daß 'eine Generation den nachfolgenden Generationen
kein größeres Geschenk hinterlassen kann, als den Schlüssel zu einem dauerhaften
Frieden zu schmieden', hat der Präsident beharrlich jeden Schritt in Richtung auf
dieses Ziel ausgerichtet. Die Folge ist, daß die Welt heute ein weitaus weniger
feindseliger Platz ist als noch vor dreieinhalb Jahren, und daß die Grundlagen
für einen wirklich stabilen und dauerhaften Frieden gelegt sind.
Der Präsident hat der Versuchung widerstanden, eine nationale Hypothek auf
sich zu nehmen - einen temporären Frieden um den Preis einer künftigen Instabilität zu erkaufen. Ein wahrer Friede kann nicht mit der Zukunft erkauft werden;
er muß für die Zukunft errichtet werden. Das verlangt Geduld und sorgfältiges
Planen. Es verlangt eine Bereitschaft, neuen Boden durch Verbesserung der Beziehungen zu früheren Gegnern zu gewinnen. Und es erfordert Stärke und ein ständiges Festhalten an feierlich eingegangenen Verpflichtungen gegenüber Freunden und
Verbündeten. Das ist der Weg, für den sich Präsident Nixon entschieden hat. Dies
ist der Grund, warum unser Ansehen - sowohl bei unseren Freunden wie auch bei
unseren Gegnern - so hoch ist wie noch nie zuvor. Dies ist auch der Grund, warum
'die Welt nicht mehr so starr und versteift ist* - um einen gängigen Ausdruck
zu gebrauchen, wie dies noch vor dreieinhalb Jahren der Fall war.
Nach den Besuchen in China, Rußland und Polen bin ich vor kurzem von einer
Reise durch elf weitere Länder in vier Kontinenten zurückgekehrt. Diese jüngste
Besuchsreise begann mit einem Treffen mit unseren südostasiatischen Verbündeten
in Canberra, Australien, wo ich die Bedeutung unterstrich, die wir unseren engen
Beziehungen zu Australien und allen unseren Sicherheitsbündnissen in Asien beimessen.
Wir

�Wir haben auf unserer Reise einige der ältesten Länder der Welt besucht
- Griechenland, das die Wiege unserer eigenen Demokratie ist, und Ceylon, das
ebenfalls drei Jahrhunderte vor Christi Geburt bereits eine blühende Kultur
aufwies. Wir waren in Indonesien, einem wichtigen Land in Südostasien, mit
einer Bevölkerung, die so groß wie die aller übrigen Länder in diesem Raum zusammen ist. Und wir waren in zwei Ländern am Persischen Golf - Kuwait und
Bahrein - mit einer Gesamtbevölkerung, die etwa der von San Francisco entspricht, denen aber eine bedeutende Rolle in der Welt zukommt.
Drei der von uns besuchten Länder - Italien, Griechenland und Australien sind unsere Verbündeten. Zwei Länder - Ungarn und Rumänien - sind Mitglieder
des Warschauer Paktes. Und ein drittes kommunistisches Land - Jugoslawien hat eine führende Rolle unter den Blockfreien.
Zu den meisten der von uns besuchten Länder sind unsere Beziehungen
freundschaftlich und eng. Zu Ungarn sind unsere Beziehungen jedoch eingeschränkt
und ich war das erste amerikanische Regierungsmitglied, das den Führer Ungarns,
den Ersten Sekretär Kadar,besucht hat. Und zum Jemen, einer eindrucksvollen Republik auf der arabischen Halbinsel, hatten wir seit 1967 überhaupt keine diplomatischen Beziehungen; mein Besuch in der Gebirgshauptstadt des Jemen, Sanaa,
bildete den Anlaß zur Wiederherstellung und zur Hervorhebung der Bedeutung,die
wir der Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu allen arabischen Ländern beimessen.
Dieser Besuch im Jemen war zugleich ein guter Hinweis auf die Bedeutung,
die allen Ländern dieser Welt zukommt. Wir flogen bei einbrechender Dunkelheit
in die Hauptstadt dieses entlegenen und armen Landes - und mußten auf einer
Landebahn ohne Lichter oder irgendwelche navigatorischen Hilfsmittel landen.
In einem solchen Augenblick fällt es vielleicht schwer - und besonders für

-3

�für unseren Piloten - sich den Jemen als einen bedeutsamen Faktor in der Weltpolitik vorzustellen. Und doch ist er das - mit seiner geographischen Lage auf
der ölreichen arabischen Halbinsel und der größten Bevölkerungszahl auf dieser
Halbinsel. Wir wissen den positiven Schritt zu schätzen, den der Jemen ergriffen hat,als er eine amerikanische Botschaft in Sanaa wieder zuließ. Und wir
hoffen, daß andere arabische Länder,die sich uns seit dem Ausbruch des arabischisraelischen Konflikts entfremdet haben, ähnliche Schritte erwägen werden.
Auf meiner Weltreise habe ich mit einer Reihe namhafter Persönlichkeiten
gesprochen. Unter ihnen befanden sich der 39jährige Emir von Bahrain und der
80jährige jugoslawische Präsident Tito, der noch an der russischen Revolution
vor 55 Jahren teilgenommen hatte. Während meines Aufenthaltes in Rom hatte ich
ein nützliches Gespräch mit dem burmesischen Präsidenten Ne Win, der dort ebenfalls zu Besuch weilte. Und ich hatte eine Audienz bei einem der unermüdlichsten Fürsprecher der Welt für den Frieden, bei Papst Paul VI.

Allen diesen Persönlichkeiten legte ich unsere Hoffnungen auf und unsere
Bemühungen um eine friedlichere Welt dar, und ich versuchte in Erfahrung zu bringen, wie eine solche Welt ihrer Ansicht nach am besten verwirklicht werden könnte. Heute würde ich gerne mit Ihnen über einige der Fragen sprechen, die wir
erörtert haben. Was für eine Welt streben wir an? Vor allem sollte es eine Welt
sein, in der alle Länder - gleichgültig ob Freunde oder Feinde, ob Partner oder
Konkurrenten - im Gespräch stehen.
Während der Zeit des kalten Krieges herrschte die Auffassung vor, daß wir
nicht miteinander reden könnten, weil wir mit unseren Gegnern wesentliche Meinungsverschiedenheiten hätten.

Präsident Nixon ist von der entgegengesetzten

Auffassung ausgegangen, nämlich weil wir wesentliche Meinungsverschiedenheiten
haben, müssen wir miteinander reden. Natürlich wußte der Präsident, daß ein Gespräch allein nicht die Differenzen überbrücken würde; aber er wußte auch, daß
sie ohne ein Gespräch überhaupt nicht überbrückt werden würden.
Unsere

�Unsere Außenpolitik basiert daher auf der Überzeugung, daß Kommunikationen
zwischen solchen, die einander fremd sind, und Verhandlungen zwischen Gegnern
der Sache einer ruhigeren Welt dienen. Aus diesem Grunde hat auch der Besuch
des Präsidenten in China eine so große Bedeutung; er hat einen notwendigen
Dialog zwischen uns angebahnt. Bei der Sowjetunion dagegen bestand die Aufgabe
darin, zu konkreten Verhandlungen zu gelangen. Wir haben jetzt Abkommen zur
Begrenzung der offensiven und der defensiven strategischen Waffen. Wir haben
fünf weitere bilaterale Abkommen, die alle während des Gipfeltreffens in Moskau
unterzeichnet wurden und die unsere Zusammenarbeit mit der Sowjetunion auf ein
Maß erweitern, wie es seit der Zeit unseres Bündnisses im Kriege unbekannt war.
Unsere neuen Beziehungen zu China und unsere wachsende Zusammenarbeit mit der
Sowjetunion sind meines Erachtens von großer Bedeutung für die Schaffung einer
stabileren internationalen Ordnung.
Auf meiner Weltreise stellte ich fest, daß dies allgemein anerkannt wurde.
Und ich legte unsere Auffassung dar, daß das, was für uns gut ist, auch für ande gut ist. Es gibt nichts Produktiveres als eine Bereitschaft in allen Gebieten der Welt, sich von der Erstarrung der letzten beiden Jahrzehnte frei zu
machen.
Es ist in der Tat bemerkenswert, wie groß der Fortschritt ist, der gerade
in diesem Augenblick gemacht wird, da langjährige Gegner nunmehr miteinander
sprechen. Ganz beiläufig möchte ich hervorheben, daß die Vereinigten Staaten
in zahlreichen Fällen diesen Bemühungen in aller Stille dennoch wirksame diplomatische Unterstützung gegeben haben. Dies trifft unter anderem auf folgende
Fälle zu:
-- Die Gespräche, die zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der
Deutschen Demokratischen Republik auf einem weiten Gebiet von Fragen im Gange
sind.
--Die

-5-

�-- Die Übereinkunft über eine Reihe von Prinzipien für eine Verminderung
der Spannungen und eine Verbesserung der Kommunikationen, die vor gerade zwei
Wochen gleichzeitig in Seoul und in Pjoengjang bekanntgegeben wurde.
-- Das Abkommen, das während der gleichen Woche zwischen Pakistan und Indien, die innerhalb von 25 Jahren in drei Kriegen gegeneinander gekämpft haben,
unterzeichnet wurde und das ein Beginn zur Heilung der Wunden dieser Kriege sein
kann.
-- Die Gespräche, die zwischen dem griechischen und dem türkischen Bevölkerungsteil auf der Insel Zypern - einer weiteren Brutstätte der Spannungen über eine friedliche Beilegung der tiefgreifenden Differenzen aufgenommen wurden.
-- Die Vietnam-Gespräche, die in der letzten Woche in Paris wieder aufgenommen wurden. Wir sind zu diesen Gesprächen in der aufrichtigen Hoffnung zurückgekehrt, daß sie zu einer Lösung auf dem Verhandlungswege führen können.
Es gibt nur eine bedeutsame Ausnahme in diesem Trend hin zu Gesprächen
- das ist der Nahe Osten. Während meines Besuches im Nahen Osten habe ich den
Fortschritt unterstrichen, der in Verhandlungen bei schwierigen Problemen in anderen Teilen der Welt erzielt worden ist. Ich habe ein gleiches Vorgehen bei dem
arabisch-israelischen Problem gefordert. Aufgrund einer amerikanischen Initiative
herrscht seit zwei Jahren Waffenruhe im Nahen Osten. Es wird jedoch solange keinen
dauerhaften Frieden geben, wie nicht alle Beteiligten beschließen, miteinander in
Frieden zu leben, und nach Lösungen der komplexen und emotionellen Probleme zu
suchen beginnen, um die es hier geht. Ich glaube, daß dies schließlich geschehen
wird und daß dann ernsthafte Verhandlungen stattfinden werden.
An diesen Beispielen läßt sich ersehen, daß unsere Politik, zu Verhandlungen
zu ermutigen und Wege für Kommunikationen in allen Gebieten der Welt zu öffnen,
sich auszahlt - daß die Spannungen nachgelassen haben und daß zahlreiche örtliche Konflikte einer Beilegung entgegenzugehen scheinen.
Das

�Das zweite Merkmal einer friedlichen Welt, wie wir sie anstreben, steht in
einem engen Zusammenhang zu dem ersten. Da für eine solche Welt Gespräche und
Verhandlungen charakteristisch sind, muß sie ebenfalls für den freien Verkehr
von Menschen, Ideen und Gütern offen sein. Wir sind überzeugt, daß die Sache
des Friedens durch Kontakte zwischen den Menschen und einen freien Austausch
von Gedanken auf allen Ebenen gefördert wird. Daher suchen wir in Gebieten, in
denen solche Kontakte begrenzt

sind, diese zu erweitern.

Zwei wichtige Aspekte unserer sich ausweitenden Beziehungen zu China sind
der Austausch von Personen und die Zunahme der Handelskontakte, über die wir
gegenwärtig mit den Chinesen in Paris sprechen. Nach dem sehr erfolgreichen Besuch der chinesischen Tischtennismannschaft hoffen wir auf eine Fortsetzung des
Austausches auf dem Gebiet des Sports. Wir rechnen ferner mit einem Austausch auf
Gebieten wie Medizin und Musik. Das Handelsministerium hat kürzlich Exportlizenzen für den Verkauf kommerzieller Düsenflugzeuge an China im Werte von 150 Millionen Dollar ausgestellt. Wenn diese Lizenzen ausgenutzt werden, so wird dies der
erste bedeutende Schritt in Richtung auf bilaterale Handelsbeziehungen sein,
die, wie wir hoffen, sich produktiv erweisen werden.

Wir sind ferner der Mei-

nung, daß die neue Generation der chinesischen Führung nicht jeder Möglichkeit
beraubt sein sollte, sich aus erster Hand Informationen über Amerika und die
Amerikaner zu beschaffen, die der gegenwärtigen Generation fehlten - und umgekehrt .
Es ist ebenso bemerkenswert, in welchem Maße den Führern Osteuropas Kontakte mit den Vereinigten Staaten fehlten. Von den 22 Mitgliedern des höchsten, die
politischen Entscheidungen treffenden Gremiums der Sowjetunion, dem Politbüro
der kommunistischen Partei, haben, soweit ich weiß, nur vier jemals Amerika besucht. Von den Verbündeten der Sowjetunion hat lediglich der rumänische Präsident
Ceausescu die Vereinigten Staaten über die Vereinten Nationen hinaus besucht.
Bis zu meinem Besuch in Budapest hat kein amerikanisches Kabinettsmitglied jemals Ungarn besucht. In der heutigen Welt muß der Ausweitung der aus erster Hand

-7-

�Hand gewonnenen Kenntnisse, die die führenden Staatsmänner der einzelnen Länder
von anderen Staaten haben, oberste Priorität gegeben werden.
Wir rechnen ferner mit einer beträchtlichen Ausweitung unseres Handels und
anderer Kontakte zu Osteuropa. Die Sowjetunion hat kürzlich mit uns ein Abkommen
über den Ankauf von mehr Getreide unterzeichnet,als bisher bei einem einzigen
Geschäftsabschluß je von uns verkauft worden ist. Und in Rumänien habe ich unseren Gastgebern versichert, daß ich mich im Kongreß weiterhin für die Verabschiedung eines Gesetzes einsetzen werde, damit die rumänischen Exporte auf der Basis
der Meistbegünstigungsklausel, das heißt ohne diskriminierende Zölle, nach den
Vereinigten Staaten hereingenommen werden können. In dem ganzen Gebiet wird es,
wie wir hoffen, bald möglich sein, zu normaleren Handelsbeziehungen überzugehen. Dies ist der Grund, warum an der Spitze unserer Handelsmission, die sich
gegenwärtig auf dem Wege nach Moskau befindet, unser Handelsminister steht.
Wir sind ferner der Ansicht, daß ein freierer Austausch von Personen und
Ideen ein aktives Prinzip in Beziehungen zwischen den getrennten Teilen Europas
sein sollten. Im nächsten Jahr dürfte eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, an der nahezu alle europäischen Länder sowie die Vereinigten Staaten und Kanada teilnehmen, stattfinden. Wenn diese Konferenz wirklich
nützlich sein soll, so sollte sie unserer Ansicht nach, statt sich mit Ermahnungen oder Deklarationen zufriedenzugeben, konkrete Schritte zur Erleichterung des
normalen Reiseverkehrs und des Flusses von Ideen über den Kontinent hinweg ergreifen. Unserer Ansicht nach sind praktische Verbesserungen, die zu einem größeren Kontakt zwischen allen Völkern Europas führen, der beste Weg, um schneller
zu dem Tag zu kommen, da Europa nicht mehr geteilt ist.
Gerade deshalb messen wir dem Abkommen, das ich zusammen mit den Außenministern Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion im vergangenen Monat in
Berlin unterzeichnete, solche Bedeutung bei. Dieses richtungweisende Abkommen
wird das tägliche Leben von zwei Millionen Westberlinern erleichtern, indem es

-8-

�es ihnen normalere Reisen nach Ostberlin und in die Deutsche Demokratische Republik ermöglicht. Wir hoffen, daß die wachsenden Kontakte, die durch das Abkommen sichergestellt werden, Europa als Ganzem Auftrieb geben werden.
Das dritte Merkmal der friedlichen Welt, die wir anstreben, besteht darin,
daß das Recht eines jeden Landes auf Unabhängigkeit, auf Souveränität und auf
seine eigene innere Entwicklung ohne Einmischung von außen weltweit respektiert
werden muß.
Wenn wir auf die Beseitigung der einem freieren Kontakt entgegenstehenden
Hindernisse drängen, so haben wir dabei keinerlei Interesse, uns in die inneren
Angelegenheiten irgendeines Landes einzumischen. Im Gegenteil, unsere Politik
entspringt einer ganz anderen und positiven Überzeugung, daß nämlich offenere
Grenzen die Spannungen vermindern und die normale menschlische Kommunikation
fördern werden, die die Menschen und Staaten dazu ermutigt, in Frieden und
Freundschaft zu leben und andere leben zu lassen.
Wir in Amerika treten nachdrücklich für die Rechte von Ländern ein, sich
nach ihren eigenen Wünschen zu entwickeln, weil wir selber einen Kampf geführt
haben, um diese Rechte für uns zu erlangen. Wir respektieren dies bei anderen.
Ja, wir sehen diese Rechte als fundamental für friedliche Beziehungen zwischen
den Staaten an. Sie müssen immer - und nicht nur manchmal - angewandt werden,
und sie müssen nicht nur in bestimmten Fällen, sondern in jedem einzelnen Fall
angewandt werden. Einem Lande darf nicht die volle Souveränität verwehrt werden,
nur weil es klein ist oder weil der geographische Zufall es in die Nähe einer
Großmacht gerückt hat oder weil es das gleiche politische, wirtschaftliche oder
soziale System wie andere Länder in seinem Gebiet hat.
In Osteuropa habe ich unterstrichen, daß dieses Prinzip zum Fundament unserer
Außenpolitik gehört. Wir haben die Absicht, mit allen Ländern in diesem Gebiet
und auch anderswo als mit souveränen Mächten zu verkehren. Wir sind zu einer

-9-

�einer Verbesserung oder Ausweitung unserer Beziehungen bereit, und zwar in einem
Tempo und in einer Weise, die diese Länder selbst einschlagen wollen. Während
des Besuches des Präsidenten in Moskau haben die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten durch eine schriftliche Verpflichtung vereinbart, 'die souveräne
Gleichberechtigung aller Staaten anzuerkennen und weder für sich selbst den
Anspruch in der Weltpolitik auf irgendwelche besonderen Rechte oder Vorteile
zu erheben noch einen solchen Anspruch von einer anderen Seite anzuerkennen'.
Diese Verpflichtung, die von beiden Ländern feierlich eingegangen wurde, ist
in den vor uns liegenden Jahren von großer Bedeutung für Frieden und Sicherheit.
Unser

langfristiges Ziel ist es, über das passive Verhältnis, das durch

das Wort 'Koexistenz1 impliziert ist, hinweg zu einem aktiveren und kooperativeren Verhältnis zu gelangen. Von der Anerkennung des Rechtes eines jeden Landes, seine eigenen Angelegenheiten zu regeln, ausgehend, setzen wir uns für eine
Welt ein, in der ehemalige Gegner nicht nur in Frieden koexistieren, sondern
auch kooperieren können.
Das vierte wesentliche Merkmal der friedlichen Welt, die wir anstreben, ist
die Bereitschaft der Staaten, sich nicht länger mehr auf die Gewalt als eines
unerläßlichen Instruments der nationalen Politik zu verlassen. Selbst heute ist
eine wachsende Bereitschaft erkennbar, die Anwendung von Gewalt zu begrenzen.
Ich habe bereits auf die Mannigfaltigkeit der Verhandlungen verwiesen, die
gegenwärtig über einige der schwierigsten Probleme der gesamten Nachkriegszeit
geführt werden. Wenn es auch wichtig ist, die Dinge in der richtigen Perspektive zu sehen, so glaube ich doch, daß die ersten SALT-Abkommen einen neuen Abschnitt in den weltpolitischen Beziehungen eingeleitet haben. Zum erstenmal haben die stärksten nuklearen Mächte der Welt unumgehbare und verifizierbare Abkommen über einen Komplex abgeschlossen, der für sie selbst sowie für die Welt
als Gesamtheit von lebenswichtiger Bedeutung ist.
Wir

-10-

�Wir hoffen und erwarten daher, daß die Prinzipien der friedlichen Beziehungen, auf die sich die Sowjetunion und wir in Moskau verpflichtet haben, mehr als
nur Worte auf einem Stück Papier darstellen. Wir unsererseits werden ohne Frage
unser bestes tun, um sie in die praktische Wirklichkeit umzusetzen.
Wir blicken erwartungsvoll auf die nächste Phase der SALT-Verhandlungen.
Wir hoffen ferner, daß bald Verhandlungen über eine Reduzierung der Streitkräfte in Mitteleuropa beginnen können. Außer der sowjetisch-chinesischen Grenze
ist dieses Gebiet der Schauplatz der größten Konzentration bewaffneter Gewalt
in der Welt. Wir haben die Absicht, parallel mit der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa auf Verhandlungen über dieses Problem zu drängen.
Wir werden

bereit sein, über spezifische Reduzierungen zu verhandeln, solange

diese beiderseitige und ausgewogene Reduzierungen darstellen und die Sicherheit
der einen oder der anderen Seite nicht gefährden.
Wenn wir nun zu neuen und konstruktiveren Beziehungen mit früheren Gegnern
gelangen, so ist es umso wichtiger, daß wir ein Gefüge an Stabilität bewahren.
Wie kann dies geschehen? Erstens, indem wir sicherstellen, daß das Bemühen um
neue Beziehungen nicht auf Kosten unserer Verbündeten und Freunde geht. Zweitens, indem wir uns darüber im klaren sind, daß diese Beziehungen unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nur verbessern werden, wenn wir dabei überzeugend stark bleiben werden. Drittens, indem wir durch Wort und Tat bekräftigen, daß eine friedliche Welt nicht angestrebt wird - wie sie ja auch nicht erreicht werden könnte - durch die Aufgabe unserer Verpflichtungen oder unserer
Interessen.
Es ist gerade die Gültigkeit dieser drei Grundsätze, die die Art und Weise
unseres Abzuges aus Vietnam genau so wichtig macht wie den Abzug selbst. Mit
dem Ende unseres Engagements in diesem Krieg in Sicht dürfen wir niemals vergessen, daß die Bevölkerung Südvietnams mit uns als Verbündete und Freunde gekämpft hat und gestorben ist. Eine vernünftige und ehrenhafte Beendigung dieses tragischen Krieges muß unter Berücksichtigung ihrer als auch unserer In-

-11-

�Interessen erreicht werden.
Es ist auch die Gültigkeit dieser drei Grundsätze,die von uns in unserem
eigenen Interesse verlangt, daß wir unsere Verpflichtungen gegenüber der NATO,
im Pazifik und in unserer eigenen Hemisphäre aufrechterhalten. Die Stabilität,
die unsere Bündnisse mit 42 Ländern mit sich gebracht haben, ist eine wesentliche Voraussetzung für den Frieden, den wir anstreben. Und schließlich ist
es die Gültigkeit dieser Grundsätze, die Präsident Nixon veranlaßt haben, auf
einem angemessenen nationalen Verteidigungsbudget zu bestehen. Eine Kürzung
von 30 Milliarden Dollar oder jede Kürzung in dieser Größenordnung würde unsere
Bündnisse über Nacht unterminieren und uns sehr bald in eine zweitrangige militärische Position versetzen.
Eine anhaltende Verbesserung unserer Beziehungen zur Sowjetunion und zu
China hängt nicht von der Aufgabe unserer Bündnisse ab und erfordert auch keine
gefährlich geschwächte Verteidigungskapazität. Ja, wir hätten niemals ein verbessertes Verhältnis erlangen können, wenn wir diese Bündnisse aufgegeben oder
diese Kapazität geschwächt hätten. Gerade die Stärke der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten hat es uns ermöglicht, mit Vertrauen zu verhandeln. Es
wäre ein tragischer Schritt und ein Schritt nach rückwärts, der der Sache des
Friedens nicht förderlich sondern abträglich sein würde, würden wir diese Lehre
vergessen.
Dies also ist die Art friedlicher Welt, die wir gerne schaffen würden und
auf die die Politik Präsident Nixons gerichtet ist:
-- eine Welt, in der Dialog und Verhandlung an die Stelle von Konfrontation und Konflikt getreten sind;
-- eine Welt, in der die Menschen frei und leicht über die nationalen Grenzen reisen können;
--eine

-12-

�-- eine Welt, in der die Anerkennung der Souveränität und der Unabhängigkeit
aller Länder der erste Grundsatz der internationalen Beziehungen ist;
-- eine Welt, in der man sich weniger und weniger auf die Gewalt als ein
Instrument der nationalen Politik verläßt.
Hätte noch vor einem Jahrzehnt irgendjemand gedacht, daß eine solche Welt
noch zu unseren Lebzeiten möglich sei? Auch heute noch kann niemand sagen, daß
sie bald verwirklicht wird oder daß die Probleme und Schwierigkeiten nicht unerhört schwierig sind. Aber zum erstenmal seit dem Kriege ist eine solche Welt
zu einer praktischen Möglichkeit geworden.
Wir können aber zur Verwirklichung dieser Möglichkeit nicht beitragen, wenn
wir uns auf unsere eigen Küsten zurückziehen. Um am»Aufbau eines dauerhaften
Friedens mitzuwirken, müssen wir in weltpolitischen Angelegenheiten in verantwortlicher Weise engagiert bleiben. Die Vereinigten Staaten müssen und werden
so engagiert bleiben."

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30/1972

US-MASSNAHMEN GEGEN DIE WÄHRUNGSSPEKULATION
Von Eugene Brake
WASHINGTON — ( A D ) - - Die überraschenden Interventionen der Federal Reserve
Bank auf den Devisenmärkten unterstreichen die feste Absicht der Vereinigten
Staaten, zur Abwehr von Währungsspekulationen beizutragen, wenn immer solche

Maßnahmen angebracht erscheinen.
Mit dem Ankauf von US-Dollar durch DM am 19. Juli hat die Federal Reserve
Bank erstmals wieder amerikanische Devisenreserven zum Rückkauf von US-Dollar
eingesetzt, seit Präsident Nixon am 15. August 1971 die Konvertierbarkeit des
Dollar ausgesetzt hatte. Dieser Schritt wurde nicht im voraus angekündigt,
vielmehr erläuterte ihn der Vorsitzende des Federal Reserve Board, Arthur F.
Burns, später mit folgenden Worten: "Wir werden unsere Rolle bei der Wiederher.
Stellung der Ordnung auf den Devisenmärkten spielen und das unsrige tun, um
das Smithsonian-Abkommen aufrechtzuerhalten, so wie dies die übrigen Länder
tun. Es handelt sich hierbei ausschließlich um unsere eigene Initiative".
Einen Tag später gab das amerikanische Finanzministerium hierzu folgende
Erklärung ab:
"Die

-1-

�"Die Federal Reserve Bank hat gestern einen begrenzten Dollar-Betrag mit
DM-Guthaben des Schatzamtes aus dem Markt genommen. Dieser Schritt zeigt die
Bereitschaft der Vereinigten Staaten zu Interventionen auf den Devisenmärkten
in Fällen, in denen sie es für wünschenswert erachten, zur Abwehr der spekulativen Kräfte beizutragen.
Dieser Schritt deutet absolut keine Änderung unserer grundlegenden Politik
bezüglich einer Währungsreform und der notwendigen Anstrengungen auf allen Fronten an, ein tragbares Zahlungsbilanzgleichgewicht zu erreichen.
Dieser Schritt steht selbstverständlich im Einklang mit unserer offen bekundeten Auffassung, daß der spekulative Druck aufgrund der Entscheidung, den
Wechselkurs des britischen Pfundes freizugeben, nicht das grundlegende Wechselkurssystem beeinträchtigen darf, das durch das Smithsonian-Abkommen geschaffen
und erst jetzt wieder von den anderen Ländern bekräftigt worden ist'.'.
Weder das Finanzministerium noch der Federal Reserve Board haben angedeutet, ob die Interventionen auf den Devisenmärkten fortgesetzt werden. Amerikanische Regierungskreise gaben jedoch zu verstehen, daß die Swap-Abkommen mit
anderen Notenbanken wieder reaktiviert werden könnten. Unter diesen Swap-Abkommen können die Notenbanken sich untereinander Devisen ausleihen , wenn diese
zur Stützung des Wechselkurses benötigt werden. Die US-Federal Reserve Bank
hatte ein umfassendes Netz von Swap-Abkommen mit anderen Notenbanken, bis diese
am 15. August letzten Jahres aufgrund der von Präsident Nixon verkündeten Maßnahmen ausgesetzt worden waren.
Die Reaktivierung dieser Swap-Abkommen gibt den amerikanischen Währungsbehörden eine Möglichkeit zur Beschaffung anderer Devisen, die für den Rückkauf
von Dollar verwandt werden können, und somit zur Stützung des Dollar-Kurses.
Die

�Die Erklärung des US-Finanzministeriums deutet darauf hin, daß derartige
Interventionen seitens der Vereinigten Staaten nur gelegentlich erfolgen, wenn
die USA dies für wünschenswert erachten,

und auch dann nur, um gegen die Spe-

kulation vorzugehen.
Die Spekulationen gegen den US-Dollar hatten nach der kürzlichen Entscheidung der britischen Regierung, den Wechselkurs des Pfundes freizugeben, zugenommen. Der Dollar-Kurs ging dabei bis auf den unteren Interventionspunkt zurück.
Doch war bereits vor der Intervention der Federal Reserve Bank am 19. Juli eine
Festigung des Dollar-Kurses festzustellen.
Alle derartigen Interventionen erfolgen gewöhnlich über die Federal Reserve
Bank von New York.

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30/1972

POSITIVE ZEICHEN AUS DER US-WIRTSCHAFT MEHREN SICH

-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WASHINGTON --(AD)-- Die immer positiver klingenden Berichte über den Wirtschaftsaufschwung in den USA tragen zu einem wachsenden Optimismus bei, daß
die von der Nixon-Administration gesetzten wirtschaftspolitischen Ziele
bis Ende des Jahres erreicht werden können.
Ende letzten Jahres hatte der Lebenshaltungskostenrat gefordert, daß die
Inflationsrate bis Ende 1972 auf einen Stand zwischen zwei und drei Prozent
gesenkt werden müsse. Die soeben vom US-Handelsministerium veröffentlichten
Zahlen zeigen, daß der Index der Verbraucherpreise - auf Jahresbasis und
nach Ausschaltung saisonbedingter Faktoren - in den letzten sechs Monaten
lediglich um 2,9 Prozent und in den letzten drei Monaten sogar nur um 2,2 Prozent gestiegen ist. Beide Zahlen liegen im Rahmen des vom Lebenshaltungskostenrat gesetzten Zieles. Und der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Dr. Herbert Stein, betonte, daß die zuletzt verzeichnete Zuwachsrate
aller registrierten Preise von 2,1 Prozent die niedrigste gewesen ist, die in
irgendeinem Quartal seit 1965 erreicht wurde, abgesehen von der Zeit des
Lohn-und Preisstopps.
Aber

�Aber auch für das Bruttosozialprodukt mußten die Zahlen nach oben revidiert werden. So konnte für das zweite Quartal 1972 die ungewöhnlich hohe
Zuwachsrate - auf Jahresbasis und saisonbereinigt - von real 8,9 Prozent erzielt werden, während gleichzeitig die Arbeitslosenrate, die lange Zeit bei
sechs Prozent gelegen hatte, auf 5,5 Prozent zurückging.
Dr. Stein konnte also auf seiner Pressekonferenz mit Recht sagen, daß
"äußerst eindrucksvolle Zeichen eines starken Fortschritts in Richtung auf eine
gesündere Wirtschaft vorliegen, wie sie das Land lange Zeit nicht mehr gesehen
hat". Aber auch aus der Außenwirtschaft hatte Dr. Stein Gutes zu berichten,
und er erläuterte

das in dieser Woche erneut vor dem Gemeinsamen Wirtschafts-

ausschuß des Kongresses. So hat sich die Nettoexportposition der USA im zweiten Quartal erstmalig wieder gebessert, nachdem sich die Handelsposition mehrere Monate lang ständig verschlechtert hatte. Wie Stein am 24. Juli ausführte,
wies das Defizit in der US-Handelsbilanz - in Dollar von 1958 - nach einer
Jahresrate von 1,8 Milliarden Dollar im 4. Quartal 1971 und einer Jahresrate
von 3,3 Milliarden Dollar im 1. Quartal 1972 im 2. Quartal 1972 wieder eine
Jahresrate von 2,4 Milliarden Dollar auf. Und die rückläufige Entwicklung der
Inflationsrate, wie sie die Junizahlen jetzt erneut bestätigten, ließen auf
eine weitere Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz in den kommenden Monaten schließen.
Dr. Stein wies vor der Presse wie auch vor dem Kongreßausschuß darauf hin,
daß die günstige Entwicklung in der amerikanischen Wirtschaft während der nächsten Monate andauern dürfte. Allerdings, so sagte er, werde es, was Ausmaß und
Tempo des Aufschwungs angehe, "Fluktuationen" geben. Zum Beispiel sei kaum damit
zu rechnen, daß die im zweiten Quartal erzielte hohe Zuwachsrate des Bruttosozialproduktes sich so bald wiederholen werde. Doch seien gerade die jüngsten
Statistiken, was Produktion und Preise anbetreffe, "äußerst ermutigend".
Auf

-2-

�Auf die kürzliche Intervention der amerikanischen Federal Reserse Bank
auf den internationalen Devisenmärkten angesprochen, meinte Stein auf seiner
Pressekonferenz, daß dieser Schritt im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen
der Regierung erfolgt sei.

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ERSTER ERTS-SATELLIT GESTARTET
Roboter sucht Bodenschätze und ermittelt Umweltschäden
--(AD)-- Der erste Versuchssatellit der ERTS-Serie wurde am 23. Juli 1972
von der Abschußbasis Lompoc (Kalifornien) in eine polare Umlaufbahn in 920 km
Höhe eingeschossen. Das schmetterlingsförmige, 891 kg schwere Gerät umkreist
die Erde in 103 Minuten einmal und tastet mit drei Fernsehkameras und einer
ganzen Batterie elektronischer Sensoren die Oberfläche unseres Planeten ab.
Ziel des Experiments ist eine Bestandsaufnahme, die sowohl über Hilfsquellen
als auch über mögliche Gefahren für das Leben auf der Erde Auskunft gibt.
So könnten beispielsweise die Bilder der drei Fernsehkameras und der
Scanning-Systeme anzeigen, wo Trockengebiete, Sümpfe, Seen und Flußsysteme
mit oder ohne ausreichende Zuflüsse liegen, ob der Boden landwirtschaftlicher
Nutzgebiete durch Bewässerung versalzen wird oder nicht, ob Anbauflächen von
Schädlingen befallen sind, noch ehe dies bei Kontrollen an Ort und Stelle bemerkt wurde. Die Instrumente helfen Meeresströmungen und große Fischschwärme
orten, ermöglichen die Ermittlung der

in Gelände

zunächst kaum erkenn-

baren Landschaftsschäden durch Straßen-und Autobahnbau oder zeigen den Fortschritt bei der Rekultivierung weiter Tagebaugebiete.
Untersuchungen

-1-

�Untersuchungen zu Raumordnungsfragen auf kommunaler und regionaler Ebene
und zu den Auswirkungen industrieller Ballungszentren auf die nähere und weitere
Umgebung, die Luft-und Wasserverschmutzung und das regionale Klima werden durch
das Erdbeobachtungsprogramm mit den "Earth Resources Technology Satellites"
unterstützt, ja in mancher Hinsicht überhaupt erst möglich. Mit der durch das
ERTS-Programm erhofften Verbesserung der zunächst einmal versuchsweise angewandten
Technik hofft man z.B. auch, Veränderungen im Gelände sowie der Temperaturen und
des Feuchtigkeitsgehaltes des Bodens als Vorboten von Erdbeben, Vulkanausbrüchen
und Erdrutschen erfassen zu können.
Die mit ERTS gewonnenen Meßdaten sollen aller Welt zur Verfügung stehen.
Schon im vergangenen Jahr hatten die Vereinigten Staaten zu einem an der Universität von Michigan abgehaltenen Seminar eingeladens wo unter Beteiligung von
Wissenschaftlern aus 40 Ländern und von 16 internationalen Organisationen die
Aufgaben und die Möglichkeiten dieser neuen Erd-und Bodenforschungstechnik erläutert wurden. Inzwischen hat die NASA, die für das ERTS-Projekt verantwortlich ist, 300 Wissenschaftlerteams (davon 100 in 34 Ländern außerhalb der USA)
als Arbeitsgruppen für die Auswertung der Daten ausgewählt. Sie werden kontinuierlich mit Informationen versorgt, die der ERTS-Satellit von dem Gebiet liefert,
zu dem ihr Land gehört, oder die für ihr spezielles Arbeitsgebiet von Interesse
sind. In den Vereinigten Staaten selbst werden das US-Innenministerium, das USHandelsministerium und das US-Landwirtschaftsministerium zu den Hauptkunden der
ERTS-Datenzentrale in Sioux Falls (Süddakota) zählen.

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KREBS - GEOGRAPHISCH GESEHEN

--(AD)-- Zu den Rätseln, die der Krebs als Krankheit aufgibt, kommt ein
weiterer Faktor hinzu - das gehäufte Auftreten bestimmter Krebsformen in
einzelnen geographischen Regionen. So sind beispielsweise aus bisher nicht erklärbaren Gründen Krebserkrankungen im Nasen-und Rachenraum in China relativ
häufig. Die Erkrankungsziffer geht jedoch unter Auslandschinesen sehr rasch
zurück. I n einem Gebiet in Äquatorial-Ostafrika wird ein Karzinom des Lymphsystems, das in der übrigen Welt nur selten zu registrieren ist, extrem häufig
beobachtet. Finnen und Japaner sind von Magenkrebs viel stärker betroffen als
die Bevölkerung in anderen Ländern. Warum ist das so? Viele Wissenschaftler
sind überzeugt, daß es tatsächlich eine "geographische Häufigkeit" bei versohiedenen Krebsformen gibt und dies auf Umweltfaktoren zurückzuführen ist.
Somit müßten sich auch in bestimmten Fällen exogene Ursachen ermitteln und ausschalten lassen.
Das neue Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation in
Lyon (Frankreich), das im Juni seiner Bestimmung übergeben wurde, soll einen
wichtigen Beitrag zur Klärung dieser Fragen leisten. Es wird dabei in jeder
nur erdenklichen Form von der neuen amerikanischen Zentralbehörde zur Erforschung und Bekämpfung von Krebs unterstützt.
Untersuchungen
.i-

�Untersuchungen über ein merkwürdiges regionales Phänomen, nämlich das
Auftreten von Speiseröhrenkrebs in zwei Distrikten des Iran, wurden bereits in
Angriff genommen: im östlichen Gonbad-Distrikt werden auffallend viele Frauen
von der Erkrankung befallen, dagegen ist die Gefahr für Frauen im RudbarDistrikt, nur ca. 400 km von Gonbad. entfernt, praktisch Null. Außerhalb des
Iran wird in einem breiten Band von Vorderasien bis ins nordöstliche China
eine besonders große Erkrankungshäufigkeit beobachtet, ähnlich in Frankreich
in der Normandie und in der Bretagne. Man vermutet, daß die Ursachen chemischer Natur sind. Die Wissenschaftler machen Nitrite (zur Fleischkonservierung
benutzt) und Amine(die z.B. in Fisch gefunden werden) dafür verantwortlich.
Wenn diese beiden Verbindungen miteinander reagieren, bilden sie sogenannte
Nitrosamine, die, wie durch Experimente mit sehr kleinen Dosen an verschiedenen
Tierarten bereits nachgewiesen, bei den Versuchstieren Ösophaguskarzinom auslösen. Ob die Reaktionskette allerdings auch für den Menschen gilt, war bisher
nicht zu beweisen. Deshalb wird Ursachenforschung in Bezug auf kanzerogene
Stoffe im internationalen

Rahmen intensiviert; das neue amerikanisch-sowje-

tische Abkommen zur Zusammenarbeit in der Medizin dürfte dabei eine wichtige
Rolle spielen.

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ATEMNOT - SCHON VOR DER GEBURT DIAGNOSTIZIERT

--(AD)-- Für die pränatale Diagnostik, in diesem Fall zur Erkennung der Gefahr von Sauerstoffmangel und schwerer Atemnot beim Neugeborenen, entwickelten Mediziner der Universität Kalifornien in den Kliniken von Los Angeles
und San Francisco einen zuverlässigen und relativ einfachen Test. Er sollte
nach Meinung von

Dr. John A. Clements, der mit finanzieller Unterstützung

der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) die Arbeiten leitete, in allen solchen Fällen angewandt werden, bei denen entweder die Geburt
vor Ablauf der normalen Reifezeit zu erwarten ist, ein primärer Kaiserschnitt vorgenommen werden muß oder andere Risikofaktoren eine Rolle spielen,
die die vorzeitige Geburtseinleitung ratsam erscheinen lassen oder bei denen
auch nach normaler Tragezeit die Organreife des Kindes nicht gegeben ist.
Zu den Risiken zählen z.B. Diabetes und Bluthochdruck bei der Mutter, Präeklampsie oder RhiUnverträglichkeit.
Der neue Test gibt Auskunft darüber, ob die Broncheolen und Lungenalveolen
bereits genügend ausgebildet sind, um den regulären Gasaustausch in der Lunge
und damit die ausreichende Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe zu
gewährleisten. In diesem Fall bildet sich vor der Geburt ein oberflächenakti-

-1-

�oberflächenaktiver Film, der z.B. einen Stau hyaliner Massen (geronnenes
Eiweiß, Kohlenhydrat-Komplexe) zwischen Kapillarwand und Epithel der Lungenbläschen oder andere Störungen, die Atmungsbeschwerden, ja den Zusammenbruch
der Lungenfunktion auslösen, verhindert.
Der Test verlangt eine Amniozentese, d.h. eine Punktion der Eihäute zur
Gewinnung von Fruchtwasser. In den meisten Fällen wird die Punktion durch
die Bauchdecke ausgeführt. Er läßt sich in weniger als einer halben Stunde
in der Klinik, im Labor oder in der ärztlichen Praxis durchführen. Durch
Schaumbildung beim Schütteln der mit einer entsprechenden Menge Alkohol versetzten Fruchtwasserprobe wird angezeigt, daß bereits genügend oberflächenaktive Substanz, von der dann auch Partikel in das Fruchtwasser übergehen, gebildet worden ist. Ist dies nicht der Fall.unterbleibt die Schaumbildung oder
ist nur schwach

Unter diesen Umständen sind Atmungsschwierigkeiten bei dem

Kind nach der Entbindung zu erwarten. Der Arzt kann dann Maßnahmen treffen, um
den Geburtstermin bis zu einem Zeitpunkt hinauszuziehen, an dem mit einer besse
ren Organreife beim Kind gerechnet werden kann,oder aber die Atmung des Neugeborenen sofort mit allen erdenklichen Mitteln zu unterstützen. Denn wenn erst
einmal Atemnot eingesetzt hat, ist es oft sehr schwierig, den damit ausgelösten
Circulus vitiosus zu durchbrechen. In den USA sterben jährlich 25 000 Neugeborene an dem gefürchteten "Respiratory Distress Syndrom" (RDS .

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BIOLOGISCHE SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG

--(AD)— Mit 250 Wissenschaftlern und technischen Hilfskräften werden sich
fast alle großen amerikanischen Universitäten an einem Forschungsprojekt
beteiligen, das den Ausbau der biologischen Bekämpfung von Schädlingen zum
Ziele hat. Wie Dr. H. Guyford Stever, der Direktor der Nationalstiftung für
die Wissenschaft (National Science Foundation - NSF), kürzlich bekanntgab,
geht es dabei vor allem um den Schutz von Zitruspflanzen, Baumwolle, AlfalfaGras, Plantagen mit Kern-und Steinfrüchten (z.B. Äpfeln und Pfirsichen) und
Anbauflächen für Sojabohnen. Mit zunächst 300 000 Dollar wird die National
Science Foundation, mit 700 000 Dollar die Bundesbehörde für Umweltschutz
(EPA) und mit 911 500 Dollar das US-Landwirtschaftsministerium das Projekt
finanzieren. Es ist Teil des Internationalen Biologischen Programms (IBP),
in dem 57 Nationen zusammengeschlossen sind.
Im Rahmen der von Dr. Carl B. Huffaker (Universität Kalifornien in Berkeley) geleiteten Studie soll die Arbeit aller beteiligten Wissenschaftler,
die die verschiedensten Fachgebiete wie Entomologie, Biochemie, Pflanzen-und
Tierphysiologie, Ökologie und Mathematik vertreten, koordiniert werden. Die
biologische Schädlingsbekämpfung umfaßt eine Vielzahl von Methoden, angefangen von der Unterbindung der Entwicklung und Vermehrung von Schädlingen durch
biochemische Mittel, der Einführung natürlicher Feinde in Schädlingspopulationen bis zur Entwicklung schädlingsresistenter Pflanzen.
Durch

-l-

�Durch Anwendung solcher Methoden wird angestrebt, die weitere Anreicherung
und damit Verseuchung der Umwelt mit Chemikalien, die bisher in großen Mengen
zur Schädlingsbekämpfung benutzt wurden, zu verhindern und zusätzliche Schädigungen ökologischer Systeme unmöglich zu machen. Allerdings erfordert es größte
Sorgfalt und fortlaufende Informationen über alle nur erdenklichen Faktoren im
regionalen Bereich, um biologische Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung wirksam
und unter Vermeidung neuer Schäden anwenden zu können. Die Studie, die den
Titel trägt "Prinzipien, Strategie und Taktik bei der Bekämpfung und Regulierung von Schädlingspopulationen im Ökosystem wichtiger Nutzpflanzen",soll der
Wissenschaft unter anderem ein möglichst komplettes Bild aller Umweltfaktoren
vermitteln,die auf die Existenz der Schädlinge in der lebenden Natur Einfluß
haben und von Ort zu Ort verschieden sind. Für die größten Anbaugebiete werden bereits entsprechende Computermodelle entwickelt, an denen sich die Bedeutung einzelner Faktoren und die Auswirkung ihrer Veränderung studieren
lassen.

4-H-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rogers brandmarkt nordvietnamesische Propagandakampagne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Worlaut der Erklärung des US-Außenministers vom 24. Juli -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Beschuldigungen Hanois sind Propagandamaßnahme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Hanoi setzt militärischen Aufbau in Südvietnam fort&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung der US-Delegation vom 25. Juli -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Rogers vor dem Commonwealth Club von San Francisco&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Maßnahmen gegen die Währungsspekulation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Positive Zeichen aus der US-Wirtschaft mehren sich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erster ERTS-Satellit gestartet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Krebs - geographisch gesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atemnot - schon vor der Geburt diagnostiziert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologische Schädlingsbekämpfung</text>
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Dokumentation

Telex:08-85432

19. Juli 1972

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Inhalt
INFORMATION:
George S. McGovern-der Präsidentschaftskandidat der Demokraten
Thomas Eagleton: Jung, Liberal und Dynamisch
-Der Vizepräsidentschaftskandidat der DemokratenDie nordvietnamesischen Deich-und Schleusensysteme sind kein Ziel
amerikanischer Bombenangriffe
Von Marion D. Joyce

DOKUMENTATION:
Erklärung von Botschafter Porter auf der Pariser Vietnamkonferenz
-Wortlaut-

WIRTSCHAFT:

US-Zollkommission: Osteuropäische Länder sollen ebenfalls Zollkonzessionen gewähren

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Raumfahrt in den siebziger Jahren
Astronomie-Satellit "Copernicus"
Flugzeug mit ungleichen Tragflächen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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29/1972

GEORGE S.MCGOVERN - DER PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT
DER DEMOKRATEN

MIAMI BEACH --(AD)-- Senator Dr. George Stanley McGovern, der Außenseiter
aus dem Staate Süddakota, hat mit seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei für die am 7. November 1972 in den
USA stattfindenden Präsidentschaftswahlen alle Voraussagen derer Lügen gestraft, die ihm jede Chance absprachen. Bereits im ersten Wahlgang konnte
der Senator auf dem Parteikonvent in der Nacht zum 13. Juli 1 864 Delegiertenstimmen auf sich vereinigen - mindestens 1 509 Stimmen waren für die
Nominierung erforderlich.
McGovern gilt als einer der führenden Köpfe des liberalen Flügels der
Demokratischen Partei, der sich nicht scheut, auch unorthodoxe Ideen zu vertreten. Er möchte Amerika - und hier schlägt er geradezu konservative Töne
an - zu den Idealen der Gründungsdokumente des amerikanischen Staates zurückführen: die Unabhängigkeitserklärung, die Verfassung und die Bill of
Rights. Er tritt ferner für eine umgehende Beendigung des Krieges in Vietnam
und einen amerikanischen Truppenabzug ein und will lediglich solange einige
Truppen in Südostasien belassen, bis alle amerikanischen Kriegsgefangenen
freigelassen worden sind.
George

-1-

�George S. McGovern wurde am 19. Juli 1922 in Avon, einem Dort in Süddakota,
als Sohn eines M

'

pi :rrers geboren. Schon in frühester Jugend lernte er

die Probleme aet verarmten Farmer seiner Heimat kennen, denn der Lebensunterhalt der Familie wurde zum größten Teil mit von Gemeindemitgliedern gespendeten
Naturalien b&lt; ti tten.
Sein « M schiedenes Eintreten für den Frieden rührt.

inen Erfahrungen

während des Krieges her. Als Boraberpilot flog er 35 Einsätze über Nordatrika
und Europa. Als seine Maschine bei seinem 30. Einsatz über Wien getroffen
und er verwundet wurde, gelang ihm eine Notlandung aul der Adriainsel Viz,für
die ihm später das Distinguished Flying Gross verliehen wurde.
Im Jahre 1945 erwarb George McGovern den Grad eines Bachelor of Arts an
der Dakota Wesleyan-Universität. Nach mehrjähriger Lehrtätigkeit siedelte der
heutige Senator nach Evanston, Illinois, über, wo er 1949 an der dortigen
Northwestern-Universität das Magister-Examen ablegte und 1953 zum Dr. phil.
promovierte.
Nachdem der Professor für Geschichte, und Politologie drei Jahre die Geschäfte der Demokratischen Partei Süddakotas geführt hatte, wurde McGovern als
Abgeordneter - der erste demokratische Abgeordnete, den dieser Bundesstaat nach
20 Jahren wieder nach Washington entsandte - in das US-Repräsentantenhaus gewählt. Sein erster Versuch im Jahre 1960, sich für einen Sitz im Senat zu qualifizieren, scheiterte, aber der zweite Anlauf zwei Jahre später gelang, nachdem er sich bereits als Leiter des "Lebensmittel-für-den-Frieden;,-Programms
der Regierung zur Bekämpfung des Hungers in den Entwicklungsgebieten der Welt
einen Namen gemacht hatte. Damals bezeichnete ihn Präsident Kennedy als "einen
tatkräftigen und klugen" Politiker, der sich "durch seine hervorragende Kenntnis landwirtschaftlicher Probleme und sein Verständnis für die Belange der
sozial Benachteiligten der Welt" ausgezeichnet habe.
Im

-2-

�Im Senat ist McGovern bekannt für seine unabhängigen Ansichten und seine
feste Haltung ohne Rücksicht auf Mehrheitsauffassungen oder politische Konsequenzen. So sagt er von sich: "Ich kann harten Fragen fest ins Auge sehen.
Meines Erachtens muß ein Kandidat beweisen können, daß er zu seinen Auffassungen steht." Und er selbst hat nicht gezögert, zu unpopulären Maßnahmen zu
stehen, wenn er sie für richtig hielt.
Schon 1968 bewarb sich McGovern - allerdings erfolglos - um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei, gewann dann

allerdings die

Wiederwahl in den Senat. Und als er im Januar 1971 als erster Politiker der
Demokraten bereits Öffentlich bekanntgab, daß er sich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei bei den nächsten Wahlen bewerben werde, wurde sein
Entschluß vielerorts nur belächelt. Doch McGovern verfolgte sein Ziel ganz
konsequent, und es gelang ihm, in zehn von 2.3 Vorwahlen als Sieger hervorzugehen und schon vor dem Parteikonvent, mit Abstand die meisten Delegiertenstimmen auf sich zu vereinigen.
McGovern setzte sich bereits 1963 für die Anti-Kriegsbewegung ein,als
diese noch in ihren Anfängen war, und seitdem hat er immer wieder die Beendigung des Vietnam-Krieges und den Abzug der amerikanischen Truppen gefordert.
Auch sein Eintreten für bessere Beziehungen zu Peking, heute ein wichtiges Anliegen

der amerikanischen Politik, ist alt. Schon vor 20 Jahren hat sich

McGovern zum Fürsprecher einer Anerkennung der Volksrepublik China als einzige
legitime Vertreterin des chinesischen Volkes und ihrer Aufnahme in die Vereinten Nationen gemacht. Und in seinem Wahlfeldzug hat er immer wieder die alte
Forderung wiederholt, daß der Handel mit dem chinesischen Festland auf die
gleiche Basis wie der Handel mit der Sowjetunion gestellt werden sollte. Was
die Umstellung der amerikanischen Wirtschaft von einer Kriegs-auf eine Friedensbasis anbetrifft, so kann der Senator aus Süddakota auf die von ihm 1963

-3

�1963 eingebrachte Gesetzesvorlage verweisen, in der erstmalig die Unterstützung
des Übergangs zu einer Friedenswirtschaft der Vollbeschäftigung gefordert worden war. Ein ähnlicher Entwurf war dann 1970 erneut eingebracht worden. Und
als erster Senator hat McGovern einen von der Bundesregierung garantierten Arbeitsplatz für jeden Amerikaner gefordert, der arbeiten will. McGovern setzt
sich auch energisch für die Gleichberechtigung der Frauen ein, denen vermehrte
Aufstiegsmöglichkeiten bis in höchste Regierungsämter, ja sogar eine Vertretung
im Kabinett eingeräumt werden sollten.

Und er fordert einen verstärkten Schutz

der Umwelt und nachdrücklicheres Vorgehen gegen jegliche Verschmutzung. Zu den
derzeitigen Kontrollen von Preisen und Löhnen sagt McGovern, daß er solche bereits als erster Senator gefordert habe, um die inflationistische Spirale zu
brechen.
George S.McGovern ist seit 1943 mit Eleanor Stegeberg verheiratet; aus
dieser Ehe sind fünf Kinder hervorgegangen.

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THOMAS EAGLETON: JUNG, LIBERAL UND DYNAMISCH
-Der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten-

MIAMI BEACH --(AD)-- Thomas Francis Eagleton, der diesjährige Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten, ist ein relativ neuer Mann auf der politischen Bühne der Vereinigten Staaten. Jung, liberal und ehrgeizig, gilt er
als eine Art Wunderknabe im politischen Leben seines Heimatstaates Missouri.
Wahlniederlagen sind ihm fremd, und seine Laufbahn im öffentlichen Leben wird
durch eine Reihe bemerkenswerter Erfolge gekennzeichnet: mit 26 Jahren der
jüngste Kreisstaatsanwalt von St.Louis, mit 30 Jahren der jüngste Justizminister des Staates Missouri und mit 34 Jahren der jüngste stellvertretende
Gouverneur seines Heimatstaates. Mit 39 Jahren wurde er in den amerikanischen
Senat gewählt.
Heute, im Alter von 42 Jahren, weist sein Haar zwar die ersten grauen
Strähnen auf, doch ist er in den Augen seiner Anhänger noch immer der junge
dynamische. Mann von einst. Er ist liberaler als der Durchschnitt seiner Wähler,
weiß seine Wahlkampagnen energisch zu führen und gilt als geschickter Politiker.
Als

-1-

�Als Eagleton von seiner Wahl zum Vizepräsidentschaftskandidaten seiner Partei hörte, nannte er selbst die Gründe für seine Nominierung: Er ist relativ
jung, katholisch, kommt aus einem vorwiegend durch Städte geprägten Bundesstaat
und verfügt über gute Beziehungen zu den Gewerkschaften. Damit ergänzt er nach
Ansicht vieler politischer Beobachter den Präsidentschaftskandidaten seiner
Partei, Senator McGovern, der Protestant ist, aus einem vorwiegend ländlichen
Staat (Süddakota) stammt und gewisse Schwierigkeiten mit den Gewerkschaften hat.
Tom Eagleton wurde am 4. September 1929 in St. Louis als Sohn eines bekannten republikanischen Anwalts geboren, der später der Demokratischen Partei beitrat. Er besuchte das Amherst College und absolvierte dann ein juristisches Studium an der Harvard-Universität; beide Male legte er seine Abschlußprüfungen
"cum laude" ab. Zwischenzeitlich diente er bei der amerikanischen Marine. Seit
1955 im öffentlichen Dienst seines Staates, bewarb er sich 1968 um den Posten
eines Senators von Missouri, schlug zwei demokratische Gegner bei den Vorwahlen
und besiegte dann bei der eigentlichen Wahl seinen republikanischen Opponenten.
In Washington konzentrierte er sich auf die Kürzung der Militärausgaben,
auf die Wahlreform und auf Fragen der Städtesanierung. Er sprach sich gegen die
Vietnampolitik der Nixon-Administration aus, gilt als Gegner des Raketenabwehrsystems und tritt für eine stärkere Aufteilung der Regierungseinnahmen auf die
Bundesstaaten ein. Eagleton ist ein Verfechter von Gewerkschafts-und Verbraucherfragen, hatte wesentlichen Anteil an der Verabschiedung des Gesetzes zur Luftreinhaltung aus dem Jahre 1970 und befürwortete schon sehr früh Lohn-und Preiskontrollen

zur Eindämmung der Inflation. Er unterstützt ferner die von Sena-

tor John Stennis aus dem Staate Mississippi eingebrachte und vom Senat bereits
verabschiedete Vorlage,die eine Einschränkung der Vollmachten des Präsidenten bei
einer Entsendung amerikanischer Truppen ins Ausland vorsieht.
Eagleton

�Eagleton ist mit Barbara Ann Smith verheiratet; sie haben zwei Kinder:
Terrence (13) und Christin (10)-.

++++

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne einePortraitaufnähme von Thomas
Eagleton zur Verfügung.

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29/1972

DIE NORDVIETNAMESISCHEN DEICH-UND SCHLEUSENSYSTEME SIND
KEIN ZIEL AMERIKANISCHER BOMBENANGRIFFE
Von Marion D. Joyce
WASHINGTON --(AD)-- Ein planmäßiger Angriff auf das umfassende System von
Dämmen, Schleusen und Deichen in Nordvietnam, die das Land während der Regenzeit vor Überschwemmung schützen und in der Trockenzeit die Bewässerung der
Felder sichern, ist von maßgeblichen amerikanischen Kommandostellen - in
Vietnam oder in Washington - niemals in Erwägung gezogen worden.
Von offizieller amerikanischer Seite ist der Gedanke an einen solchen
Angriff sowohl aus humanitären als auch aus praktischen Gründen stets verworfen
worden. Seit Beginn des Vietnamkrieges hat sich die Regierung in Washington
ständig darum bemüht, die Verluste unter der Zivilbevölkerung so niedrig wie
nur möglich zu halten.
Wie von amtlicher amerikanischer Seite hierzu erklärt wird, wäre der
entschlossene Versuch, das ausgedehnte Damm-und Schleusensystem in Nordvietnam
durch Luftangriffe zu zerstören, eine Aufgabe, die einen ungeheuren Materialund Kräfteaufwand erforderte. Jeder derartige Versuch wäre aber außerdem ein
direkter Verstoß gegen die vom Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte
erlassenen Befehle.

-l-

�So erklärte Präsident Nixon noch am 29. Juni auf seiner Pressekonferenz
mit allem Nachdruck, daß die "Vereinigten Staaten sich bei ihren Bombardierungen größte Zurückhaltung auferlegt haben - und, wie ich glaube, war das auch
durchaus richtig."
"Wir haben versucht", so fuhr der Präsident fort, "ausschließlich militärische Ziele anzugreifen, und wir haben die militärischen Ziele auch getroffen.
Unsere Piloten haben den Befehl, keine Deiche zu bombardieren, weil die Folgen
solcher Angriffe für die Zivilbevölkerung ungeheuerlich sein würden. Was unsere militärischen Aktionen für die Zukunft anbetrifft, so gelten diese Befehle
auch weiterhin. Ich werde es nicht zulassen, daß militärische Befehle ergehen,
die der Zivilbevölkerung große Verluste zufügen könnten - soweit das irgendwie
zu vermeiden ist.Ausschließlich militärische Ziele werden angegriffen werden."
Wie von militärischer Seite hierzu erklärt wurde, sind im Verlaufe der
Kämpfe zur Unterbindung der Verbindungswege in Nordvietnam sowie der Eisenbahn-und Straßenlinien nach dem kommunistischen China zweifellos einzelne
Damm-und Schleusenanlagen durch Bomben und Raketenbeschuß aus der Luft getroffen
worden.
Einige der Deiche dienen gleichzeitig als Straße oder Eisenbahndämme,
und sofern militärische Konvois auf ihnen Agriffsziel der amerikanischen Luftwaffe sind, ist es oft unvermeidlich, daß diese Anlagen beschädigt werden.
Wie ein Sprecher des Pentagon hierzu bemerkt, werden gerade die Deiche in
Nordvietnam von den Kommunisten oft benutzt, um ihre Flugzeugabwehrgeschütze
und Raketenanlagen in günstige Feuerstellungen zu bringen. Die amerikanischen
Piloten sind verständlicherweise berechtigt, solche Stellungen anzugreifen
- sofern sie sich nicht in dicht bevölkerten Gebieten befinden -, und bei derartigen Angriffen kann es geschehen, daß die Deiche und Dämme selbst Schaden
leiden.
Solche

�•

Solche Fälle seien jedoch die Ausnahme und nicht die Regel, so betont der
Sprecher des Pentagon. In diesem Zusammenhang wird auf das vom amerikanischen
Verteidigungsministerium am 15. Juni veröffentlichte Bildmaterial verwiesen,
das die Zerstörungen an einem nordvietnamesischen Wasserkraftwerk nach einem
amerikanischen Luftangriff zeigt.
Das Kraftwerk liegt rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Hanoi. Bei
dem ersten Angriff wurde das Schutzdach des Kraftwerkes zerstört. Die zweite
Bomberwelle brachte ihre Bomben mit höchster Genauigkeit in die entscheidenden
Ziele - den Turbinenraum, die Schaltanlagen und andere Schwerpunkte - wobei
diese gänzlich zerstört wurden.
Wie genau die durch Laserstrahl geführten Bomben

in ihr Ziel kommen, wird

aus der Tatsache deutlich, daß das Elektrizitätswerk völlig zerstört wurde,
während ein in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks gelegener Damm unversehrt
blieb.
Nach Ansicht des Pentagon gibt es eine Reihe von Erklärungen für die Behauptung Hanois, daß die amerikanische Luftwaffe bewußt die Dämme und Deiche
in Nordvietnam angreife. "Hanoi11, so erklärt ein General der US-Air Force,
"versucht uns - ähnlich wie im Jahre 1968 - unter Druck zu setzen und auf diese
Weise einen neuen Bombardierungsstopp zu erreichen."
Verteidigungsminister Laird stellte hierzu fest, daß Hanoi noch schlimmere
Überschwemmungen als 1971 befürchtet und sein eigenes Versagen, die Deiche in
Stand zu halten und Schäden noch vor dem Höhepunkt der Regenzeit im August und
September zu beseitigen, verdecken will. Dabei wird von amerikanischer Seite
darauf hingewiesen, daß Hanoi die hierfür benötigten Arbeitskräfte für andere
Aufgaben eingesetzt hat. Große Gebiete mit Ackerland müssen neu kultiviert
werden, Straßen-und Eisenbahnnetze müssen repariert werden, und diesen Aufgaben wird nach amerikanischen Informationen größere Priorität eingeräumt als
dem Deichbau. Und hierzu kommt noch der Bedarf der Streitkräfte an jungen

-3-

�jungen Soldaten für die Invasion Südvietnams. Im Oktober 1971s als Nordvietnam
von der schwersten Überschwemmung seit fast einem Jahrhundert heimgesucht
worden war, wurden trotzdem beträchtliche Zahlen von Arbeitskräften für den
Straßenbau im westlichen Teil der entmilitarisierten Zone und für die Instandhaltung des Ho-tschi-Minh-Pfades abgezweigt. Besser für Nordvietnam wäre es gewesen, so meint US-Botschafter Porter bei den Gesprächen in Paris, wenn diese
Arbeitskräfte und Materialien für die Wiederinstandsetzung der von den Fluten
beschädigten Deichsysteme eingesetzt worden wären. Die jetzt bevorstehende Regenzeit, die meistens von drei bis fünf Wirbelstürmen begleitet wird, bereitet
den nordvietnamesischen Führern mit Recht ernste Sorge. So warnt die offizielle Zeitung "Hanoi Moi" in ihrer Ausgabe vom 20. Juni, daß die nach der Überschwemmung von 1971 wiederhergestellten Dämme vielfach noch nicht den technischen Voraussetzungen entsprechen. Sie seien zu schwach, nicht hoch genug und
teilweise voll Termitenkolonien. Das Blatt wendet sich an jeden einzelnen Bürger, sich aktiv für die Reparaturarbeiten zur Verfügung zu stellen,,
Offizielle Statistiken gibt es für das nordvietnamesische Deichsystem
nicht, das 1954 eine Länge von über 2 500 Kilometern hatte und seitdem noch erheblich ausgebaut worden ist. Einige der Deiche sind 25 bis 30 Meter breit,
so daß zweispurige Straßen auf ihnen angelegt werden können,die dann vielfach
von Flugabwehrbatterien geschützt werden. Häufig sind auch Erdölleitungen auf
den Deichen verlegt, die ebenfalls ein militärisches Ziel darstellen. "Wenn die
Nordvietnamesen die Sicherheit ihrer Deiche gewährleistet sehen wollen, dann
sollten sie alle militärischen Ziele von ihnen entfernen", so wird von seiten
des Pentagon betont. Und der Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium,
Daniel Z.Henkin,stellt fest, daß Nordvietnam selbst die Voraussetzungen geschaffen habe, um den amerikanischen Bombenangriffen die Schuld für etwaige Überschwemmungen

zuschieben zu können.
Schon

�Schon am 28. Mai hatte "Hanoi Moi" betont, daß die Deiche trotz umfassender Wiederinstandsetzungsarbeiten in diesem Jahr, um die Schäden der Überschwemmung von 1971 zu beseitigen, immer noch in schlechter Verfassung seien,."Wir
dürfen daher bis zur Regenzeit in unserer Wachsamkeit nicht im geringsten nachlassen und müssen die laufenden Arbeiten vordringlich zum Abschluß bringen", so
schreibt das Blatt weiter. "Zahlreiche Teilstücke,die erst kürzlich instand
gesetzt worden waren, haben die Abnahmeprüfungen nicht bestanden, die Erde hat
sich nicht genügend gesetzt, und wenn der Fluß aufgrund starker Niederschläge
anschwillt, dürften sie wieder beschädigt werden. Andere Stücke könnten brechen,
weil das Erdreich nicht ausreichend verdichtet worden ist."

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29/1972

ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER PORTER AUF DER PARISER VIETNAMKONFERENZ

-Wortlaut-

PARIS --(AD)-- Nach rund zehnwöchiger Unterbrechung sind am 13. Juli in
Paris die Vietnamgespräche wieder aufgenommen worden. Es war die 150. Vollsitzung der Konferenz. Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter William
J. Porter,gab eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
Meine Damen und Herren,
wir sind heute zu einem ganz bestimmten Zweck hierher gekommen: um
mit Ihnen die Möglichkeiten für den Beginn ernsthafter und konstruktiver
Verhandlungen über eine Beilegung des Vietnamkonfliktes zu sondieren. Wir
hoffen, daß auch Ihre Seite von den gleichen Überlegungen geleitet wird und
daß wir gemeinsam zu einer intensiven Prüfung der konkreten Fragen gelangen
können.
Seit der letzten Vollsitzung sind durch Verhandlungen in verschiedenen
Teilen der Welt bemerkenswerte Beiträge zum Frieden geleistet worden. Am
4. Juli verpflichteten sich die Republik Korea und die Demokratische Volksrepublik Korea, ihre künftigen Beziehungen auf "friedlichem Wege und nicht
durch die Anwendung von Gewalt gegeneinander" zu regeln.

Inzwischen sind

weitere Fortschritte bei der Schaffung freundlicherer Beziehungen zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik

�Republik erzielt worden. Diese Entwicklungen waren das Ergebnis von Verhandlungen, die der Bundeskanzler als einen Beweis dafür bezeichnet hat, daß es trotz
der bestehenden Gegensätze möglich sei, zu praktischen Vereinbarungen zu gelangen, die die besondere Situation in Deutschland berücksichtigen und geeignet
seien, die Spannungen und Reibungsflächen zu vermindern. Am 29. Mai bekundeten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihren "Wunsch,die friedlichen Beziehungen zueinander zu stärken", in voller Erkenntnis der "Notwendigkeit, Beziehungen zu schaffen, die eine Verminderung der Spannungen in der Welt fördern".
Die beiden Länder erklärten ihre Bereitschaft, "zu verhandeln und ihre Differenzen durch friedliche Mittel beizulegen".
Dies sind überaus ermutigende Entwicklungen. Ohne in irgendeiner Weise
die außerordentliche Komplexität des Vietnamproblems zu unterschätzen, halten
wir es für möglich, daß hier bei diesen Gesprächen eine Parallele gefunden werden kann. Auf jeden Fall lenken wir Ihre Aufmerksamkeit auf eine weitere Entwicklung bei der Suche nach Frieden, die sich seit der letzten Vollsitzung
vollzogen hat.
Am 8. Mai schlug Präsident Nixon in Übereinstimmung mit der Regierung der
Republik Vietnam gerechte und großzügige Bedingungen vor, die die Grundlage für
eine für beide Seiten vorteilhafte Regelung auf dem Verhandlungswege bieten
könnten. Die Regierung/der Vereinigten Staaten und der Republik Vietnam haben
in der Tat eine lange Reihe konstruktiver Vorschläge unterbreitet. Die Vorschläge vom 8. Mai sind unserer Ansicht nach jedoch ihres klaren und großzügigen Inhalts wegen besonders bemerkenswert.
Wie Sie wissen, sehen diese Vorschläge folgendes vor: erstens, die Rückkehr aller amerikanischen Kriegsgefangenen sowie Angaben über die Vermißten;
zweitens, eine Waffenruhe unter internationaler Überwachung für ganz Indochina; .drittens werden die Vereinigten Staaten, sobald Punkt eins und zwei erfüllt
worden sind, jegliche Gewaltanwendung in ganz Indochina einstellen; schließlich erklärte der Präsident, daß wir dann den völligen Abzug aller amerikani-

�amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam innerhalb von vier Monaten einleiten
werden.
Diese Vorschläge würden das Töten beenden. Sie würden Verhandlungen über
eine politische Lösung zwischen den Vietnamesen selbst gestatten und zwar in Übereinstimmung mit dem Grundsatz, daß über die politische Zukunft Südvietnams vom
südvietnamesischen Volk selbst ohne Einmischung von außen bestimmt wird. Sie
würden es ermöglichen, daß alle Länder, die in diesem langen Krieg gelitten haben - Kambodscha, Laos, Nordvietnam,Südvietnam - mit der dringenden Aufgabe des
friedlichen Wiederaufbaus und der Aussöhnung beginnen könnten. Wenn diese Vorschläge nicht zufriedenstellend sind, was ist dann falsch an ihnen?
Ist es denn denkbar, daß irgendjemand die Fortsetzung des gegenwärtigen
Krieges in Nord-und Südvietnam der Möglichkeit für eine ehrenhafte Lösung des
Konfliktes vorziehen würde, die diese Vorschläge bieten?
Kurzum, diese Vorschläge verdienen Ihre umfassende und abgewogene Prüfung.
Wir unsererseits werden den von Ihnen vorgebrachten Ansichten sowie irgendwelchen einleitenden Fragen, die Sie vielleicht zu unseren Vorschlägen stellen wollen, bevor Sie Ihre Ansichten darlegen, die größte Aufmerksamkeit schenken. Wir
sind ebenfalls voll und ganz bereit, auch jede andere Frage zu behandeln, die
Sie vielleicht für eine eingehende Erörterung hier aufwerfen.
Meine Damen und Herren, unserer Meinung nach ist eine beiderseitige Prüfung
unserer jeweiligen Standpunkte, ein ernsthafter und systematischer Dialog über
die substantiellen Fragen der Weg, um hier Fortschritte zu erzielen.

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US-ZOLLKOMMISSION: OSTEUROPAISCHE LANDER SOLLEN EBENFALLS ZOLLKONZESSIONEN GEWÄHREN

WASHINGTON — ( A D ) - - Osteuropäische Länder, die von den Vereinigten Staaten
Gewährung der Meistbegünstigungsklausel verlangten, sollten aufgefordert werden, ihrerseits hierfür ebenfalls gewisse Zollkonzessionen einzuräumen.

Dies geht aus einer von Experten der amerikanischen Zollkommission erstellten Studie hervor, in der auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, daß
diese Länder möglicherweise an Stelle oder zusätzlich zur .Gewährung der
Meistbegünstigungsklausel an die USA noch zu weniger orthodoxen Konzessionen
greifen müssen. In der unter der Leitung von Anton Malish erstellten Studie
"Der amerikanische Osteuropahandel" wird darauf hingewiesen, daß die darin
enthaltenen Empfehlungen nicht zwangsläufig auch die Ansichten der Zollkommission wiedergeben.
Die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel an ein osteuropäisches Land
bedeutet, daß Importgüter aus diesem Land zu dem niedrigsten Zollsatz in die
USA eingeführt werden dürfen, der von den Vereinigten Staaten irgendeinem Lande
eingeräumt wird. Zur Zeit müssen Waren aus den osteuropäischen Ländern,Polen
ausgenommen, zu den hohen Sätzen des vom US-Kongreß 1930 beschlossenen Zolltarifs verzollt werden.
Räumt

�Räumt ein Land einem anderen die Meistbegünstigungsklausel ein, so erwartet
es von diesem eine gleiche Vergünstigung. Die Studie hat jedoch festgestellt, daß
die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel für amerikanische Waren durch die
osteuropäischen Länder den Zugang amerikanischer Exporte auf den betreffenden
Markt nur wenig erleichtern würde. Da die Handelsbeziehungen in diesen Ländern
fast ausschließlich eine Angelegenheit des Staates sind, könnten Vergünstigungen
aufgrund der Meistbegünstigungsklausel durch andere staatliche Kontrollen zunichtegemacht werden.
Die Studie zählt unter anderem folgende Konzessionen auf,die die osteuropäischen Regierungen einräumten könnten:
-- Kaufverpflichtungen seitens der osteuropäischen Länder, die sich damit
bereiterklären, während der Laufzeit der Verträge amerikanische Exportgüter mindestens bis zu einem bestimmten Betrag abzunehmen;
-- Preisklauseln, wonach die amerikanischen Exportgüter in diesem osteuropäischen Land zu einem bestimmten Preis und in Mengen verkauft werden,
die die Nachfrage zu diesem Preis deckt;
-= Schutz der industriellen Rechte und Fertigungsverfahren, so daß amerikanische Patente und Warenzeichen geschützt bleiben;
-- Beilegung von Handelsstreitigkeiten auf dem Schlichtungswege in einem
dritten Land oder durch ein internationales Tribunal und nicht durch
eine osteuropäische Handelskammer, die letztlich doch Teil des Handelsministeriums dieses Landes ist;
-- Förderung des Reiseverkehrs und des Kulturaustausches in beiden Richtungen.
Die

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&lt;

Die Vereinigten Staaten haben in der Vergangenheit bereits verschiedene
Schritte zur Liberalisierung des Handels mit den kommunistischen Ländern gemacht.
1971 wurde zum Beispiel die Forderung fallen gelassen, daß 5o Prozent der Getreidelieferungen auf amerikanischen Schiffen befördert werden müssen. Dann wurde
das Handelsembargo gegenüber der Volksrepublik China aufgehoben. Weiter erhielt
Polen die Meistbegünstigungsklausel von den USA eingeräumt. Ein entsprechendes
Gesetz, diese Vergünstigung auch anderen kommunistischen Ländern einzuräumen
oder dem amerikanischen Präsidenten entsprechende Vollmachten zu geben, muß noch
den Kongreß passieren .
Im Jahre 1970 entfielen 45 Prozent der USA-Exporte osteuropäischer Länder
mit einem Wert von 97 Millionen Dollar auf Polen., während die Ausfuhren der
Sowjetunion nach den USA 65 Millionen Dollar und die der Tschechoslowakei 23
Millionen Dollar ausmachten. Es liegen auch Hinweise dafür vor, daß die Sowjet'

union und andere osteuropäische Länder an einer Ausweitung des USA-Handels interessiert sind, wobei nicht nur wirtschaftliche, sondern in stärkerem Maße

,

noch politische Erwägungen mitspielen.
Präsident Nixon und andere führende Politiker der USA haben mit den Führern
der Volksrepublik China, der Sowjetunion und der osteuropäischen Länder 1972
Handelsfragen erörtert. Der frühere Handelsminister Stans war 1971 in der
Sowjetunion, und der jetzige US-Handelsminister Peter Peterson wird in der
nächsten Woche nach der Sowjetunion fliegen.
Nach Ansicht der Studie würde der Abschluß eines Abkommens über die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel mit einem oder mehreren kommunistischen
Ländern wichtige Auswirkungen haben. In der Sowjetunion könnte dies zu vermehrten Importen führen, und für andere osteuropäische Länder würde der Zugang zum
amerikanischen Markt erleichtert und als unmittelbare Folge davon der Handel
ausgeweitet werden. Aber auch die stabilisierende politische Wirkung einer Handelsausweitung sollte nicht unterschätzt werden. So hat die Sowjetunion erst in
diesen Tagen ein Abkommen über umfangreiche amerikanische Getreidelieferungen abgeschlossen und die Volksrepublik China verhandelt mit der US-Flugzeugindustrie
über etwaige Lieferungen in Höhe von vielen Millionen Dollar.
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29/1972

US-RAUMFAHRT IN DEN SIEBZIGER JAHREN

--(AD)— Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit werden das bestimmende Element
im Raumfahrtprogramm der Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren sein,,
Dies betonte Dr. James C. Fletcher, der Leiter des US-Amtes für Luft-und
Raumfahrt (NASA). Er verweist gleichzeitig darauf, daß das Programm zwar im
Gegensatz zu den sechziger Jahren der Dramatik entbehre, aber nicht minder
interessante Entwicklungen und Ergebnisse verspreche.
Die finanziellen Aufwendungen seitens der amerikanischen Bundesregierung dürften im Durchschnitt bei etwas über drei Milliarden Dollar pro Jahr
liegen - das entspricht etwa der Hälfte dessen, was Mitte der sechziger Jahre
für die Raumfahrt ausgegeben wurde. Dies zeigt eine pragmatische Einstellung
zur Raumfahrt, bei der man sich auf Vorhaben konzentrieren wird, von denen
größtmöglicher Nutzen für die Allgemeinheit zu erwarten ist. Dennoch sind
weitgespannte Projekte, etwa ein Flug von Menschen zum Mars gegen Ende der
achtziger Jahre, nicht ad acta gelegt.
In den siebziger Jahren stehen im Zusammenhang mit der bemannten Raumfahrt
vier Hauptprojekte auf dem amerikanischen Programm:

1)

�1)

Auswertung der APOLLO-Flüge zum Mond unter allen nur erdenklichen

wissenschaftlichen und technischen Gesichtspunkten, was nach Meinung der Experten mindestens noch die Jahre bis 1980 in Anspruch nehmen wird.

2)

SKYLAB, die experimentelle Raumstation, die nach ihrem Start (vorgesehener

Termin: 30. April 1973) acht Monate lang in Betrieb gehalten wird und davon fünf
Monate drei Astronautengruppen als Aufenthalt dienen soll. Die Aufgaben der Besatzung umfassen u.a. die Durchführung von Experimenten, welche für Raumflugmedizin, Physiologie und Biologie von Bedeutung sind; die Astronauten beobachten
Sonne,Erde -jnd den erdnahen Raum und befassen sich mit einer Vielzahl technischer Versuche unter den speziellen Bedingungen der Schwerelosigkeit»
3)

Gemeinsamer Raumflug eines bemannten amerikanischen APOLLO-Raumschiffs

und eines sowjetischen SOJUS-Raumschiffs im Jahre 1975. In einem internationalen
Unternehmen,für das es noch keine Parallele gibt, sollen die beiden Fluggeräte
mit je zwei oder drei Mann Besatzung ein Rendezvous-und Koppelmanöver durchführen. Abgesehen von dem technischen Fortschritt, der mit der Verwirklichung des
Projekts beispielsweise in bezug auf künftige Möglichkeiten einer Rettung "gestrandeter" Astronauten aus dem Weltraum verbunden wäre, könnte es auch den Beginn einer neuen Ära der Weltraumforschung darstellen, von der alle Länder profitieren.

4) Wiederverwendbarer Raumtransporter - neuartiges Transportsystem zur Beförderung von Nutzlasten und von Personen, die keine Astronauten zu sein brauchen,
von der Erde zu einer Raumstation und zurück. Außerdem soll der Raumtransporter
als fliegende Abschußrampe für den Start von unbemannten Satelliten für Nachrichtenzwecke, Wetterbeobachtung etc. sowie als "orbitale Reparaturwerkstatt"
dienen. Dadurch würden die Startkosten für solche Geräte gegenüber den heute erforderlichen Aufwendungen drastisch verringert, und Satelliten auf Erdumlauf-

�i

Erdumlaufbahnen könnten inspiziert und notfalls repariert werden.

-PlanetenforschungIn der planetaren Forschung stehen die Nahbeobachtung der Planeten Jupiter, Venus und Merkur mit PIONIER-Sonden für 1973 und 1974 auf dem Programm.
Im Jahre 1976 soll eine unbemannte VIKING-Sonde ein Landegerät auf dem Mars absetzen, das als automatisches Laboratorium ausgerüstet ist und durch chemische
Analysen unmittelbar an der

Marsoberfläche auch die Existenz von Leben auf dem

Nachbarplaneten, falls es sich dort in irgendeiner Form entwickelt hat, nachweisen könnte.
Die Beobachtungen, die mit Hilfe der Erdforschungssatelliten ERTS möglich
werden, könnten im besonderen für Land-und Forstwirtschaft, Bodennutzung und
Raumordnung, Bergbau und Wasserwirtschaft von Nutzen sein. Mit Hilfe dieser
Satelliten wollen Wissenschaftler und Wirtschaftler zu einer umfassenden Bestandsaufnahme der natürlichen Reichtümer dieser Erde gelangen. Allgemein gesehen soll die Raumfahrt dazu dienen, die Erde besser und rationeller zu nutzen
als dies mit den heutigen Kenntnissen und Mitteln möglich ist.

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ASTRONOMIE-SATELLIT "COPERNICUS"

--(AD)-- Zu Ehren des großen Astronomen Nikolaus Kopernikus wird das US-Amt
für Luft-und Raumfahrt (NASA) dem nächsten Astronomie-Forschungssatelliten
vom Typ 0A0 den Namen COPERNICUS geben. Dies erklärte Dr. Edward E. David,
der Wissenschaftsberater Präsident Nixons und Direktor des Präsidialamtes
für Wissenschaft und Technik, anläßlich seines fünftägigen Besuches in
Warschau. Der Start des 2,2 Tonnen schweren Geräts mit einer ATLAS-CENTAURRakete ist für Anfang August 1972 vorgesehen.
Der Satellit ist u.a. mit einem 81-cm-Fernohr (Entwicklung von Wissenschaftlern der Universität Princeton) und einer Anzahl kleinerer Teleskope
(Experiment der Universität London, England) ausgerüstet. Er soll die Erde in
660 km Höhe umkreisen und vor allem ultraviolette Strahlung erfassen bezw.
Quellen dieser Strahlung im Universum ausfindig machen und beobachten. Die
Optik..wird vom Goddard-Raumflugzentrum der NASA in Greenbelt (Maryland) durch
Fernsteuerung bedient.
Der Start des neuen OAO-Satelliten bildet den wissenschaftlichen Auftakt
zum Kopernikus-Jahr. Dieses beginnt offiziell allerdings erst am 19. Februar

-l-

�»

Februar 1973. An diesem Tage jährt sich zum 500. Male der Geburtstag des
Begründers des heliozentrischen Weltbildes, der aus Thorn stammte, an den
Hohen Schulen von Krakau, Bologna, Padua und Ferrara Astronomie, Mathematik,
weltliches und geistliches Recht sowie Medizin studierte und als 70jähriger
in Frauenburg (Ostpreußen) starb.

-++-H-

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FLUGZEUG MIT UNGLEICHEN TRAGFLÄCHEN
Neue Theorie zum Überschallflugzeug

--(AD)— Die Verwendung "anti-symmetrischer Tragflächen" hält Dr.R.T.Jones,
langjähriger Mitarbeiter des Arnes-Forschungszentrums der NASA (US-Amt für
Luft-und Raumfahrt) in Moffett Field (Kalifornien), für den Schlüssel zur
Lösung vieler Probleme des Überschallfluges. Bisherige Ergebnisse von Experimenten und Computerberechnungen bestärkten ihn in ssiner Überzeugung, daß
eine radikale Abkehr von der Tragflächen-Grundgeometrie die Lärmentwicklung
bei künftigen Überschall-Transportflugzeugen reduziere und ihren wirtschaftlicheren Betrieb ermögliche. Als "anti-symmetrisch" bezeichnet Dr. Jones
eine durchgehende Doppeltragfläche, die um ihren Mittelpunkt über dem Flugzeugrumpf drehbar ist.
Beim Start von einer Rollbahn mittlerer Länge sollen die Tragflächen wie
bei einem langsamen Propellerflugzeug rechtwinklig zum Rumpf angestellt sein.
Ein Flugzeug dieser Konfiguration benötigt nur den vierten Teil der Energie,
die eine vergleichbare, mit gepfeilten, d.h. schräg nach hinten abgewickelten
Tragflächen ausgerüstete Düsenmaschine bei ähnlich großer Nutzlast zum Abheben
und Steigen braucht. Sobald die Geschwindigkeit und die Höhe erreicht sind,

-l-

�sind, wo Delta-Flügel den größten Nutzeffekt haben, würde der komplette Doppelflügel um etwa 45 Grad gedreht, so daß auf der einen Seite seine eine Hälfte
schräg nach v o r n , die andere Hälfte auf der anderen Seite schräg nach hinten
weist.
Auf Grund der bisher vorgenommenen Studien ist anzunehmen, daß das Flugzeug bei dieser Tragflächenstellung im Bereich von Überschallgeschwindigkeit
bis 1,2 Mach keinen Überschallknall am Boden erzeugt und dabei kaum mehr Treibstoff verbraucht als die heutigen Düsenpassagierflugzeuge bei Unterschallgeschwindigkeit.. Über dem offenen M e e r , wo niemand durch den Überschall-Lärm belästigt w i r d , ließe sich die Reisegeschwindigkeit auf 1,5 Mach (ca„ 1 8 0 0 km/st)
steigern. Diese Angaben basieren auf Windkanaluntersuchungen a n Modellen, bei
denen Fluggeschwindigkeiten bis 1,4 Mach simuliert worden sind.
Dr.R.T,Jones, der 1945 die theoretischen Grundlagen für die Entwicklung
moderner Fluggeräte mit gepfeilten Tragflächen schuf, kommentiert seine neuen
Überlegungen so: "Der Mensch hat ein instinktives Empfinden für Symmetrie,
das sich zweifellos davon herleitet, daß die Vögel oder andere Tiere symmetrisch
gebaut sind, So ist es auch nur natürlich, daß wir einem Überschallflugzeug

eine

Form geben, die diesem instinktiven Empfinden gerecht wird. A b e r in Wirklichkeit
gibt uns die Natur ja gar keine Anleitung für den Überschallflug. V ö g e l , die
schneller fliegen als der Schall, gibt es nicht. Deshalb ist es besonders interessant und wichtig, daß m a n auf mathematischem Wege zu einer ganz anderen Art
v o n Symmetrie für das Überschallflugzeug gelangt".
Die theoretischen Computerstudien v o n Wissenschaftlern des Arnes Research
Center zur Weiterentwicklung der Theorie von Dr. Jones werden fortgesetzt. Inzwischen wurde auch ein Unternehmen der Flugzeugindustrie in die Untersuchungen
eingeschaltet.
H-J I I I-

-2-

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 19.07.1972</text>
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            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Georg S. McGovern- der Präsidentsschaftskandidat der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Eagleton: Jung, Liberal und Dynamisch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;-der Vizepräsidentsschaftskandidat der Demokraten-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Die nordvietnamesischen Deich- und Schleusensysteme sind kein Ziel amerikanischer Bombenangriffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marion D. Joyce&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Botschafter Porter auf der Pariser Vietnamkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Zollkommission: Osteuropäische Länder sollen ebenfalls Zollkonzessionen gewähren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Raumfahrt in den siebziger Jahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Astronomie-Satellit "Copernicus"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Flugzeug mit ungleichen Tragflächen&lt;br /&gt;</text>
              </elementText>
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12. Juli 1972

Inhalt
DOKUMENTATION:

Erklärungen von Außenminister Rogers in Athen, Bukarest, Budapest
und Belgrad
Neuner-Ausschuß erörtert Beziehungen USA-EWG
-Wortlaut der Abschlußerklärung der Londoner Tagung-

INFORMATION:
Nationale Verifizierung im Rahmen der SALT-Vereinbarungen
Von W.A.Swartworth
Die amerikanischen Hochschulen sind gesund
-Eine Untersuchung der Carnegie-KommissionVon Howard Young

WIRTSCHAFT:
Die amerikanisch-sowjetischen Handelsgespräche
Von Eugene Brake

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Abfallschäden in Küstengewässern
Von G.Weiss
Herzfunktionen im Computermodell
Lezithin gegen Gallensteine

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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ANKUNFTSERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS IN ATHEN
-Wortlaut-

ATHEN - - (AD)— Bei seiner Ankunft in der griechischen Hauptstadt hat der
amerikanische Außenminister William P. Rogers am 4.

Juli eine Erklärung

abgegeben, die folgenden Wortlaut hat:
Ich bin sehr erfreut, daß ich Ihre großartige Hauptstadt zum ersten
Male besuchen kann, und insbesondere darüber, daß ich an einem Tag hier eintreffe, da die Amerikaner ihre Unabhängigkeit feiern. Ich erinnere, mich, daß
in klassischen Zeiten der freie Stadtstaat Athen als die Schule Griechenlands bekannt war. In der Geschichte der westlichen Kultur war Athen die
Schule der persönlichen Freiheit und der Demokratie, und sein Beispiel
hat die Männer zutiefst beeinflußt, die heute vor 196 Jahren unsere Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet haben.
Es kann also gesagt werden, daß die Bindungen zwischen Griechen und
Amerikanern 2 000 Jahre alt sind. Diese Verbundenheit ist durch die engen
Bindungen zwischen unseren Völkern verstärkt worden, die bis zu Ihrem eigenen

-1-

�eigenen Unabhängigkeitskampf vor 150 Jahren zurückreichen. Sie wurden ferner
verstärkt durch unsere gemeinsamen Bemühungen während des zweiten Weltkrieges
und im Zuge der Truman-Doktrin, Griechenland von fremder Herrschaft frei zu
halten, und sie ist in unseren Bindungen in der NATO vorhanden, der Griechenland
seit 21 Jahren als Mitglied angehört.
Heute spielt Griechenland eine wichtige Sicherheitsrolle an der südlichen
Flanke der NATO. Wir fördern und unterstützen diese Rolle, und wir messen der
kooperativen Sicherheitsbeziehung Griechenlands mit den Vereinigten Staaten
und der NATO große Bedeutung bei. Wir begrüßen ferner die Bemühungen Griechenlands um die Stärkung friedlicher Beziehungen mit der Türkei und mit seinen
Nachbarn auf dem Balkan.
Es gibt natürlich einige unterschiedliche Ansichten zwischen uns und der
griechischen Regierung. Hierzu ist die Haltung der Vereinigten Staaten wohl
bekannt. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Gebiete, auf denen wir übereinstimmen.
Ich sehe erwartungsvoll den Gesprächen mit den griechischen Führern entgegen, die, dessen bin ich sicher, nützlich und offen sein werden. Wie es langjährigen Verbündeten zukommt, müssen wir alles in unseren Kräften stehende tun,
um die Bande zwischen unseren Ländern zu stärken, Das ist der Zweck meines Besuches.

Hi IM-i-H-

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TRINKSPRUCH VON AUSSENMINISTER ROGERS IN ATHEN
-Wortlaut-

ATHEN--(^D)-- Der Trinkspruch von Außenminister William P. Rogers auf
einem Essen, das der griechische Ministerpräsident Georgios Papadopoulos
zu Ehren des amerikanischen Gastes am 5. Juli gab, hat folgenden Wortlaut:
Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herrn,
ich möchte Ihnen, Herr Ministerpräsident, danken für die herzlichen Worte, mit denen Sie die Freundschaft zwischen dem griechischen und dem amerikanischen Volk beschrieben haben.
Ihre Vorfahren im alten Griechenland sind in geistiger Hinsicht auch
unsere Vorfahren, weil sich unsere politischen Traditionen in einer direkten
Linie von dem Athen des Perikles ableiten. Als junge Republik unterstützten
wir den griechischen Unabhängigkeitskampf, und im zweiten Weltkrieg kämpften
wir Seite an Seite mit Griechenland gegen die ausländische Aggression.
Die Truman-Doktrin und der Marshallplan, die unserer Außenpolitik eine
Generation lang ihren Stempel aufdrückten, haben zu einem großen Teil ihren
Ursprung in den heldenhaften Anstrengungen Griechenlands zur Wahrung seiner
Unabhängigkeit. Auch Blutsbande verbinden uns. Über zwei Millionen Amerikaner
Sind griechischer Abstammung. Im Jahre 1947, als Präsident Truman seinen

�seinen P l a n zur Unterstützung G r i e c h e n l a n d s und der T ü r k e i b e k a n n t g a b , e r k a n n t e n die USA die g e m e i n s a m e n S i c h e r h e i t s i n t e r e s s e n mit Griechenland a n . Das
ist auch heute noch der Fall. Unsere Bindungen auf dem G e b i e t e der S i c h e r heit w e r d e n durch unsere Z u s a m m e n a r b e i t m i t der NATO b e s t ä t i g t , die seit ihrer
G r ü n d u n g v o n a l l e n g r i e c h i s c h e n R e g i e r u n g e n unterstützt w o r d e n ist.
W ä h r e n d dieser Reise habe ich sechs Länder in O s t a s i e n , auf dem südasiat i s c h e n Subkontinent und der a r a b i s c h e n Halbinsel b e s u c h t . Ich h a b e e r k l ä r t ,
d a ß diese Besuche Teil des Bemühens sind, zur F ö r d e r u n g einer W e l t

beizutragen,

in der alle L ä n d e r , die g r o ß e n w i e die k l e i n e n , in F r i e d e n leben k ö n n e n .
Ihre R e g i e r u n g , Herr M i n i s t e r p r ä s i d e n t , hat sich um bessere

Beziehungen

m i t Ihren k o m m u n i s t i s c h e n Nachbarn J u g o s l a w i e n , B u l g a r i e n und A l b a n i e n bemüht
und sie auch e r r e i c h t . Dies alles sind p o s i t i v e Schritte in R i c h t u n g auf d e n
F r i e d e n . W i r b e g r ü ß e n die h e r z l i c h e n B e z i e h u n g e n , die g e g e n w ä r t i g

zwischen

u n s e r e n b e i d e n N A T O - V e r b ü n d e t e n in diesem Teil der Welt b e s t e h e n . Wir b e *
g r ü ß e n ferner den Beginn substantieller G e s p r ä c h e über Z y p e r n . W i r sind der
Ü b e r z e u g u n g , daß F o r t s c h r i t t e erreicht w e r d e n k ö n n e n , w e n n sich G e s p r ä c h s p a r t ner z u s a m m e n s e t z e n und v e r n ü n f t i g und gründlich m i t e i n a n d e r r e d e n . E i n solcher
D i a l o g bewährt sich in D e u t s c h l a n d , er bewährt sich in K o r e a und er hat sich
in Indien im H i n b l i c k auf die S i t u a t i o n z w i s c h e n Indien und P a k i s t a n b e w ä h r t .
W i r h o f f e n , daß er sich auch in V i e t n a m bewähren w i r d . Wir h o f f e n f e r n e r , daß
er im Nahen Osten versucht w i r d , w e i l w i r g l a u b e n , daß dies die e i n z i g e M ö g lichkeit i s t , jenen K o n f l i k t zu einem E n d e zu b r i n g e n .
G r i e c h e n l a n d und die V e r e i n i g t e n S t a a t e n h a b e n ein g e m e i n s a m e s
a n dem F o r t s c h r i t t zum F r i e d e n , den alle diese D i a l o g e auf der W e l t

Interesse
bringen

k ö n n e n . Wir b e m ü h e n u n s innerhalb der NATO und in u n s e r e n b i l a t e r a l e n Bezieh u n g e n , einen solchen Fortschritt zu f ö r d e r n . In diesem G e i s t e , Herr M i n i s t e r p r ä s i d e n t , m ö c h t e ich auf Ihre G e s u n d h e i t und im Interesse des Friedens auf
eine anhaltende Z u s a m m e n a r b e i t z w i s c h e n Griechenland und den V e r e i n i g t e n
Staaten trinken.
•H H t i I I'

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ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS BEI SEINER ANKUNFT IN
BUKAREST
-WortlautBUKAREST --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat am
5. Juli bei seiner Ankunft in Bukarest folgende Erklärung abgegeben:
Es ist mir eine große Ehre, zum ersten Male hier in Rumänien sein zu
dürfen. Obwohl ich der erste amerikanische Außenminister bin, der dieses
Land besucht, ist die Feststellung, daß mir im vergangenen Jahr bereits drei
amerikanische Kabinettsmitglieder vorausgegangen sind, Zeugnis unserer wachsenden bilateralen Beziehungen.
Kurz nach seinem historischen Besuch in Rumänien im August 1969 hat Präsident Nixon seinem Wunsch Ausdruck gegeben, daß dieser Besuch greifbare Ergebnisse in Form einer Reihe kooperativer Programme zeitigen möge. Seit diesem Zeitpunkt haben sich unsere bilateralen Beziehungen in einem noch nie dagewesenen Maße entwickelt.
Wir haben unseren kulturellen und wissenschaftlichen Austausch wesentlich
erweitert. Unser Besucheraustauschprogramm mit Rumänien wächst am schnellsten
von allen derartigen amerikanischen Programmen mit Osteuropa.
Unser bilateraler Handel hat ebenfalls zugenommen. Präsident Nixon hat
im letzten Jahr die Kreditmöglichkeiten erweitert, um amerikanische Firmen £ii

-1-

�zu ermutigen, mit Rumänien Handel zu treiben. In jüngerer Zeit hat er ein Gesetz angestrebt, das uns Verhandlungen über ein Handelsabkommen,das auch den
Meistbegünstigtenstatus für rumänische Exporte nach den Vereinigten Staaten
einschließt, ermöglichen würde, Wir werden im Kongreß weiterhin auf Verabschiedung unseres Gesetzes drängen.
Unsere beiden Regierungen haben soeben ein Abkommen über eine KonsularKonvention erzielt, das Außenminister Manescu und ich heute noch unterzeichnen
werden,Wir hoffen, daß diese Konvention zur Ausweitung der normalen Reise-und
Handelskontakte zwischen unseren Ländern beitragen wird.
Die Vereinigten Staaten möchten solche spezifischen Gebiete der Zusammenarbeit mit Rumänien entwickeln und ausweiten. Wir begrüßen ferner eine ständige Ausweitung unserer bilateralen politischen Beziehungen. Wir hatten dieses
Jahr wichtige Treffen sowohl mit der Volksrepublik China wie auch mit der Sowje
union. Wir sind uns jedoch durchaus bewußt, daß der Weltfriede und die internationale Zusammenarbeit von der Beteiligung aller Länder, ungeachtet ihrer
Größe, abhängen.
Die Sozialistische Republik Rumänien - mit ihrer Verpflichtung zu einer unabhängigen Politik und ihren engen Bindungen zu zahlreichen Ländern - spielt
bei der Suche nach einem dauerhaften Frieden auf der Welt eine wichtige Rolle.
Aus diesem Grunde mißt Präsident Nixon seinen Konsultationen mit Präsident
Ceausescu große Bedeutung bei, und ich sehe meinen Gesprächen hier mit dem
Präsidenten erwartungsvoll entgegen.
Die Vereinigten Staaten und Rumänien werden zweifellos weiterhin in einer
Reihe von Fragen verschiedener Meinung sein, aber in einer der grundlegendsten
Fragen stimmen wir überein,, Wir glauben beide, daß Nationen - im Geiste der
UN-Charta - ihre Handlungen nach den Prinzipien der Achtung der nationalen
Souveränität, der gleichen Rechte aller Staaten und der Nichteinmischung in

�in die Angelegenheiten der anderen ausrichten müssen. Und wir glauben beide,
daß diese Prinzipien auf alle Länder, ungeachtet ihrer Größe, ihrer Stärke,
der Gleichartigkeit oder der Unterschiedlichkeit ihrer Gesellschaftssysteme,
angewandt werden müssen.
Im Rahmen dieser gemeinsamen Überzeugungen werde ich meine Gespräche
hier in Rumänien führen.

-H I H l-l H-H-

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PRESSEERKLÄRUNG ZUR UNTERZEICHNUNG DER AMERIKANISCH-RUMÄNISCHEN
KONS ULAR-KONVENTION
-Wortlaut-

BUKAREST --(AD)-- Anläßlich der Unterzeichnung der amerikanisch-rumänischen
Konsular-Konvention am 5. Juli 1972 ist in Bukarest folgende gemeinsame
Presseerklärung herausgegeben worden:
Die Regierung der Vereinigten Staaten und die Sozialistische Republik
Rumänien haben am 5. Juli in Bukarest eine Konsular-Konvention abgeschlossen.
Außenminister William P. Rogers, der Rumänien einen offiziellen Besuch abstattet, hat die Konvention für die Vereinigten Staaten unterzeichnet. Außenminister Corneliu Manescu unterschrieb für Rumänien.
Der Vertrag, der dem amerikanischen Senat zur Bestätigung vorgelegt werden muß, ist ein wichtiger Schritt bei der ständigen Verbesserung und Ausweitung der amerikanisch-rumänischen Beziehungen.
Die Konsular-Konvention wird in beiden Ländern einen verbesserten konsularischen Dienst ermöglichen. Sie wird ungehinderte Kommunikationen zwischen
einem Bürger und seinem Konsul sowie sofortige Besuche bei Bürgern, die sich
in Haft befinden, durch den Konsul gewährleisten. Die Konvention erstreckt

�erstreckt sich auf die konsularischen Aufgaben und Funktionen wie die Ausgabe
von Visen und Pässen, die Durchführung notarieller Dienstleistungen und die
Unverletzbarkeit der konsularischen Kommunikationen, Dokumente und Archive.
Aufgrund dieser Konvention werden amerikanische Staatsbürger in einem
größeren umfang als jemals zuvor konsularische Hilfe und konsularischen
Schutz erhalten. Amerikanische Geschäftsleute und Schiffahrtslinien können
sich an amerikanische Konsularbeamte mit der Bitte um Hilfe bei der Wahrnehmung ihrer Interessen wenden, und die Mittel für die Behandlung eines weiten
Bereichs rechtlicher Fragen werden beträchtlich vergrößert.

II l l i &gt; l

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TRINKSPRUCH VON AUSSENMINISTER ROGERS IN BUKAREST
-Wortlaut-

BUKAREST --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P.Rogers hat am
6. Juli auf einem von dem rumänischen Präsidenten Ceausescu ihm zu Ehren
gegebenen Essen folgenden Trinkspruch auf seine rumänischen Gastgeber ausgebracht :
Herr Präsident, Madame Ceausescu, meine Damen und Herren,
wir haben soeben einen Vormittag sehr erfolgreicher Gespräche beendet.
Sie bestätigten,daß die Beziehungen zwischen unseren beiden Regierungen gut
sind und daß sie sich noch mehr ausweiten werden.
Vor drei Jahren waren diese Beziehungen noch begrenzt. Aber der Besuch
von Präsident Nixon in Rumänien im August 1969 und Ihr Besuch in den Vereinigten Staaten im Oktober 19 70 haben eine neue und bedeutsame Ära eröffnet.
Mit unseren Gesprächen gestern und heute haben wir bewiesen, daß diese
neue Ära der Zusammenarbeit unseren Völkern Vorteile sowie engere Beziehungen
zwischen unseren Regierungen bringen wird:
--Wir

�--Wir haben die erste Konsular-Konvention zwischen Rumänien und den Vereinigten Staaten seit 1881 unterzeichnet. Diese Konvention wird zur Ausweitung des normalen Reiseverkehrs und normaler kommerzieller Kontakte zwischen
unseren beiden Regierungen beitragen.
—Die Vereinigten Staaten haben Schritte ergriffen, um den Zeitbedarf
für das Anlaufen amerikanischer Häfen durch rumänische Schiffe und Besatzungen um über die Hälfte zu senken - die erste derartige Maßnahme, die wir in
Bezug auf Länder in diesem Teile Europas ergriffen haben. Wir hoffen, daß
dieser Fortschritt zu vermehrtem Handel führen wird und daß amerikanische
Schiffe jetzt ebenfalls bald rumänische Häfen besuchen werden.
--Wir haben beschlossen,Rumänien die Einrichtungen der amerikanischen
Export-Importbank für den Erwerb amerikanischer Ausrüstungen, Materialien
und technologischen Wissens verfügbar zu machen.
--Wir haben die Reisebeschränkungen für rumänische Diplomaten in den
Vereinigten Staaten aufgehoben, die Überbleibsel einer vergangenen Zeit beiderseitiger Beschränkungen waren.
Diese Fortschritte bauten sich auf anderen bisher in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern erzielten Fortschritten auf.
--Unser Kulturaustausch und unsere kulturellen Beziehungen sind intensiv
und weiten sich schnell aus. Die Eröffnung einer rumänischen Bücherei in
New York im vergangenen Dezember und einer amerikanischen Bücherei in Bukarest im Januar wird dazu beitragen, die Verständigung zwischen unseren Völkern zu verbessern.
--Unsere Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem und technologischem Gebiet
hat in gleicher Weise zugenommen. In den letzten drei Jahren haben mehr als
4o rumänische Wissenschaftler die Vereinigten Staaten besucht. Und erst in
der letzten Woche wurden sieben neue Gebiete der Zusammenarbeit genehmigt,
darunter auch Arbeiten zur Kontrolle der Abgasverschmutzung durch Kraftfahrzeugmotoren - ein wichtiges Anliegen in den Vereinigten Staaten.
Herr
-2-

�Herr Präsident, diese spezifischen Fortschritte in unseren bilateralen
Beziehungen sind eindrucksvoll. Aber dies ist noch nicht alles. Unser bilateraler Handel hat sich in den letzten drei Jahren mehr als verdreifacht. Damit er weiter zunimmt, haben wir unseren Kongreß gedrängt, und wir werden
dies weiter tun, daß die Gesetze verabschiedet werden, die den rumänischen
Exporten Zugang nach den Vereinigten Staaten auf einer Meistbegünstigungsbasis
ermöglichen werden.
Unsere politischen Beziehungen sind ebenfalls aufgeblüht. Äußerst wichtig ist, daß Rumänien und die Vereinigten Staaten gemeinsame Interessen in
Europa und der Welt im großen haben.
Gestern abend sprach Außenminister Manescu davon, Europa zu "einer Zone
des Friedens, der Zusammenarbeit und der guten Nachbarschaft zwischen souveränen Ländern zu machen, die gleiche Rechte haben". Wir unterstützen dieses Ziel
ebenfalls. In der Tat, wir möchten den Tag gerne anbrechen sehen, an dem Europa
nicht länger mehr geteilt ist. Es wird nicht einfach sein, dies zu erreichen,
aber das Berlin-Abkommen zeigt, daß deutliche Fortschritte möglich sind. Die
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im nächsten Jahr kann,
sofern sie konkrete Schritte zur Vermehrung der Kontakte zwischen den Europäern
ergreift, ebenfalls den Prozeß in Richtung auf eine Aussöhnung in Europa fördern.
Die Vereinigten Staaten und die Sozialistische Republik Rumänien verfolgen eine Außenpolitik, die auf die gleichen Ziele ausgerichtet ist - die friedliche Beilegung von Streitigkeiten, die Unterstützung der Vereinten Nationen,
die Förderung guter Beziehungen zwischen allen Ländern. Wir haben ferner eine
grundlegende Überzeugung gemein, daß alle Länder - ungeachtet ihrer Größe,
ihrer geographischen Lage und der Art ihrer Gesellschaftssysteme - gleich
souverän und in gleicher Weise unabhängig sind und ein gleiches Recht haben,
ihre eigenen Angelegenheiten ohne ausländische Einmischung zu regeln. Mein Besuch hier unterstreicht, mit welcher Hingabe die Vereinigten Staaten zu diesem

-3-

�diesem grundlegenden Prinzip der Beziehungen zwischen Ländern stehen.
Herr Präsident, Präsident Nixon hat mich gebeten, Ihnen und dem rumänischen Volk folgende Botschaft zu überbringen: daß die Vereinigten Staaten auf
ihre Beziehungen zu Ihrem Lande großen Wert legen und daß sie alles in ihren
Kräften stehende tun werden, damit diese Beziehungen in den kommenden Jahren
aufblühen mögen.
Ich bitte Sie, zusammen mit mir anzustoßen:
--auf Präsident CeausescuJ
--auf die Verstärkung der Bande zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sozialistischen Republik Rumänien;
--auf die Freundschaft zwischen dem amerikanischen und dem rumänischen
Volk.

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ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS BEI SEINER ANKUNFT IN
BUDAPEST
-Wortlaut-

BUDAPEST — ( A D ) — Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat
am 6. Juli bei seiner Ankunft in Budapest folgende Erklärung abgegeben:
Es ist mir eine große Ehre, hier in der schönen Hauptstadt dieses
Landes zu sein, das so viel zu der Geschichte und Kultur Europas beigetragen
hat. Mein Besuch in Ungarn ist der erste, der auf dieser Ebene zwischen unseren beiden Regierungen stattfindet. Wir hoffen, daß es bald weitere ähnliche
Besuche zwischen Ungarn und den Vereinigten Staaten geben wird.
Die starken Bande, die zwischen Ungarn und Amerikanern bestehen, werden
noch durch die Tatsache bekräftigt, daß zahlreiche amerikanische Staatsbürger
ungarischer Abstammung sind und daß rund 60 000 amerikanische Touristen jährlich Ungarn besuchen. Wir wollen diese Bande zwischen unsern Völkern in umfassendere Beziehungen zwischen unseren beiden Regierungen übertragen.
Die Außenpolitik Präsident Nixons zielt auf die Schaffung einer Ära der
Verhandlungen und der Zusammenarbeit zwischen allen Ländern ab. Wir sind erfreut darüber, daß Ungarn zu den Ländern gehört, mit denen wir Fortschritte
erzielt haben. Wir sind bereit, in unseren Beziehungen zu Ungarn im Rahmen

-1-

�Rahmen unserer beiderseitigen Interessen weiter voranzugehen. Und in diesem
Geiste bin ich nach Budapest gekommen.
Mein Besuch unterstreicht die Bedeutung, die wir allen europäischen Ländern, kleinen wie großen, beimessen. Das Berlin-Abkommen, die Fortschritte in
den Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu seinen

Nachbarn im Osten

und die Verbesserungen in unseren eigenen Beziehungen zur Sowjetunion haben
die Aussichten vergrößert, daß Spaltungen und Spannungen nicht mehr so große
Narben in Europa hinterlassen. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im kommenden Jahr kann - sofern sie konkret zu einem freieren
Reiseverkehr und Ideenfluß beiträgt - helfen, den Prozeß in Richtung auf einen
Ausgleich zu beschleunigen.
Wir haben ferner die Absicht, auf der Basis der Anerkennung der souveränen Gleichberechtigung aller Länder weitere Fortschritte bei der Förderung
solcher Bedingungen zu erzielen, unter denen alle Länder in Frieden und Sicherheit leben können und unter denen sie nicht einer ausländischen Einmischung in
ihre inneren Angelegenheiten ausgesetzt sind.
In dem neuen Europa, das jetzt entsteht, haben kleinere Länder wie Ungarn
eine wichtige Rolle zu spielen. Die Vereinigten Staaten begrüßen diese Rolle.
Daher sehe ich besonders erwartungsvoll meinen Gesprächen mit den ungarischen
Führern entgegen. Mein Besuch in Ungarn unterstreicht unseren Wunsch nach einer
deutlichen Verbesserung der ungarisch-amerikanischen

•I 11 I I I I M

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Beziehungen.

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ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS BEI DER UNTERZEICHNUNG
DES KONSULARABKOMMENS MIT UNGARN

-Wortlaut-

BUDAPEST --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat am
7. Juli 1972 anläßlich der Unterzeichnung der Konsular-Konvention mit Ungarn
folgende Erklärung abgegeben:
Bei der Suche nach Frieden messen die Vereinigten Staaten der Verständigung zwischen den Völkern grundlegende Bedeutung bei. Daher treten wir auch
für eine offenere Welt ein - offen für Handel, für vermehrte Kontakte zwischen den Völkern und für einen stärkeren Fluß von Ideen. Die heute unterzeichneten Abkommen sind beide wenn auch nur bescheidene, so doch wichtige
Schritte.
Die Konsular-Konvention, die Außenminister Peter und ich unterzeichnet
haben,ist eine Folge der vermehrten Kontakte zwischen Ungarn und den Vereinigten Staaten und soll diese fördern. In dem Maße wie der amerikanische Reiseverkehr mit Ungarn steigt und wie immer mehr Ungarn die Vereinigten Staaten
besuchen, nimmt auch die Inanspruchnahme konsularischer Dienste zu. Wir haben
daher ein beiderseitiges Interesse, bessere Voraussetzungen hierfür zu
schaffen.
Ich
-l-

�Ich freue mich, bei der Unterzeichnung des Abkommens über wissenschaftlichen und technischen Austausch zwischen dem Institut für kulturelle

Beziehungen

und der Nationalen Stiftung der Wissenschaften zugegen sein zu dürfen. Dieses
Rahmenabkommen wird es den Wissenschaftlern beider Länder ermöglichen, ihr
Wissen und ihre Erfahrungen miteinander auszutauschen und persönliche Kontakte
anzubahnen, die so wichtig für den wissenschaftlichen Fortschritt

sind.

Namens der amerikanischen Regierung begrübe ich diese beiden Abkommen
nicht nur ob ihrer Vorteile sondern auch, weil sie den beiderseitigen Wunsch
sowie die Fähigkeit unserer beiden Länder zeigen, eine Verbesserung unserer
bilateralen Beziehungen in einer aufrichtigen und realistischen Weise anzustreben.

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ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS BEI SEINER ANKUNFT
IN BELGRAD
-Wortlaut-

BELGRAD --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat bei
seiner Ankunft in Belgrad am 7. Juli folgende Erklärung abgegeben:
Es ist mir eine Ehre, erneut in Belgrad weilen und die außerordentlich
herzlichen Bande bekräftigen zu dürfen, die zwischen Jugoslawien und den
Vereinigten Staaten bestehen. Wenn diese Bande so eng sind, so beweist dies,
daß unterschiedliche Gesellschaftssysteme keineswegs ein Hindernis für kooperative und produktive bilaterale Beziehungen sein müssen. Mit unseren
Initiativen gegenüber der Sowjetunion und der Volksrepublik China suchten
wir dieses Prinzip in der Praxis zu verwirklichen. Was Jugoslawien betrifft,
so bildete dieses Prinzip bereits seit über zwei Jahrzehnten den Kern unserer
bilateralen Beziehungen.
Im Laufe der Jahre haben unsere beiden Länder bei zahlreichen Problemen,
denen sich die Welt bei der Leitung ihrer Geschicke gegenübersieht, gemeinsame
Perspektiven entwickelt. Meines Erachtens kommt dreien dieser Perspektiven
heute eine besondere Bedeutung zu:
Erstens

�Erstens haben wir mit Ihnen auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen
eine Hingabe gemein zu den Prinzipien der Unabhängigkeit, der gegenseitigen
Achtung, der vollen Gleichberechtigung sowie der Nichteinmischung in die Angelegenheiten souveräner Staaten, ob nun ihre Gesellschaftssysteme gleich oder
unterschiedlich sind.
Zweitens sind wir, was Europa anbetrifft, genauso wie Sie der Ansicht, daß
echte Sicherheit nur erreicht werden kann, wenn sie den gesamten Kontinent und
nicht lediglich einen Teil umfaßt, und daß ein Ausgleich zwischen allen Völkern
Europas angestrebt werden sollte. Diese Einstellung bildet die Grundlage für
die amerikanische Politik in Bezug auf eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Unseres Erachtens muß eine solche Konferenz die Einheit
Europas fördern; sie darf seine Spaltung

nicht bestätigen und muß zu einem

freieren Fluß von Menschen und Ideen auf dem gesamten europäischen Kontinent
ermutigen.
Drittens legt jeder von uns in seiner Innenpolitik großen Wert auf eine
Verbesserung der Lebensbedingungen unserer Völker. Um Ihnen bei Ihren Bemühungen
zu helfen, werden wir weiterhin Jugoslawiens Wirtschaftsreform unterstützen*
Wir freuen uns, daß wir während des letzten Jahres verschiedene konkrete Schritte
tun konnten. Hierzu gehörten neue Regelungen, wonach die amerikanische Regierung
Garantien für amerikanische Privatinvestitionen in Jugoslawien übernehmen
wird,eine Umschuldung sowie die Einräumung vermehrter Kredite der US-ExportImport-Bank und beträchtliche Kredite für Agrarerzeugnisse.
Die Wege,die jeder von uns mit seinem Gesellschaftssystem beschreitet, sind
Wege, die jeder von uns selbständig gewählt hat; es handelt sich jedoch um Wege
mit dem gleichen Ziel, die ein besseres Leben für Jugoslawen wie auch für Amerikaner erreichen wollen.
Im

-2-

�Im Geiste dieser gemeinsamen Ziele sehe ich meinen Gesprächen in Jugoslawien entgegen. Außenminister Tepavac und ich haben bei zahlreichen Anlässen
zusammen Besprechungen geführt, und ich habe unsere Gespräche stets als sehr
nützlich empfunden. Ich bringe ein Schreiben Präsident Nixons an Präsident Tito
mit, das die Bedeutung bekräftigt, die wir engen Konsultationen beimessen. Wir
schätzen die Ansichten Jugoslawiens, als Führer der Blockfreien, zu den großen,
den Frieden in Europa und auf der Welt betreffenden Fragen besonders hoch.
Ich bin zuversichtlich, daß mein Besuch hier unsere bilateralen Beziehungen vertiefen wird. Präsident Tito und Präsident Nixon stimmten im vergangenen
Oktober darin

überein, daß diese Beziehungen "einen wichtigen Faktor für Frie-

den und Stabilität in Europa und auf der Welt im allgemeinen darstellen und
den Zielen einer umfassenden internationalen Verständigung dienen."

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28/1972

PRESSEERKLÄRUNG ZUM JUGOSLAWIEN-BESUCH VON AUSSENMINISTER ROGERS
-Wortlaut-

BELGRAD --(AD)-- Zum Abschluß des offiziellen Besuches, den der amerikanische
Außenminister William P. Rogers Jugoslawien vom 7. bis 9. Juli abgestattet hat,
ist am 9. Juli in Belgrad folgende gemeinsame Presseerklärung herausgegeben
worden:
Auf Einladung des Außenministers der Föderativen Sozialistischen Republik
Jugoslawien, Mirko Tepavac,hat der amerikanische Außenminister William P.Rogers,
der von Mrs. Rogers begleitet wurde, Jugoslawien vom 7. bis 9. Juli einen offiziellen Besuch abgestattet.
Der Präsident der Föderativen Sozialistischen Republik Jugoslawien, Josip
Broz Tito, hat den Außenminister am 9. Juli 1972 auf Brioni empfangen. Außenminister Rogers wurde ferner von dem Präsidenten des Föderativen Exekutivrates,
Bijedic, empfangen.
Im Verlaufe des Besuches wurden Gespräche über die internationale Lage und
über die bilaterale Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern geführt. Die
beiden Außenminister stellten mit Genugtuung fest, daß die Beziehungen zwischen
Jugoslawien udd den Vereinigten Staaten traditionell gut und für beide Seiten

-1-

�Seiten nützlich waren und sich im Augenblick außerordentlich gut entwickeln. Sie
unterstrichen die Bedeutung des Treffens zwischen Präsident Tito und Präsident
Nixon und deren gemeinsamer Erklärung vom 30. Oktober 1971, die auf lange Zeit
hinaus eine Basis für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern abgibt. Sie
gaben ihrer Befriedigung darüber Ausdruck, daß auf der Basis dieses Dokuments
eine weitere Entwicklung der engen beiderseitigen Beziehungen zwischen Jugoslawien und den Vereinigten Staaten auf allen Gebieten festzustellen war.
In den Gesprächen wurden internationale Fragen und Entwicklungen erörtert,
darunter die kürzlichen, von den führenden Staatsmännern beider Länder gemachten Besuche, die europäische Zusammenarbeit und Sicherheit sowie die Lage im
Nahen Osten und in Südostasien. Die Tätigkeit der Blockfreien - und der Entwicklungsländer kam ebenfalls zur Sprache.
Im Verlaufe des Gedankenaustausches über internationale Fragen legten beide
Seiten ihre jeweiligen Standpunkte in offener und freundschaftlicher Form dar.
Sie stimmten darin überein, daß Lösungen für die Probleme gefunden werden können,
die gegenwärtig die Welt belasten, und zwar auf der Basis der Respektierung von
Unabhängigkeit, Souveränität, Gleichberechtigung und Nichteinmischung aller
Staaten, gleichgültig ob sie die gleichen oder unterschiedliche soziale, wirtschaftliche und politische Systeme haben.
Die Außenminister betonten, daß sich die bilateralen Beziehungen auf allen
Gebieten günstig entwickelt haben.und vereinbarten, die beiden zum Vorteil gereichende Zusammenarbeit zwischen Jugoslawien und den Vereinigten Staaten weiter
zu entwickeln und zu fördern. Besondere Aufmerksamkeit soll den wirtschaftlichen Beziehungen gewidmet werden, die in jüngster Zeit neuen Auftrieb erhalten
haben. Beide Länder bekundeten ferner ihre Absicht, weiterhin wissenschaftliche,
technische und kulturelle Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln und diese zu
erweitern. Sie vertraten die Ansicht, daß von den amerikanischen Staatsbürgern
jugoslawischer Abstammung ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der bilateralen
Beziehungen geleistet werde.
Die
-2-

�Die beiden Außenminister bekräftigten die Wichtigkeit regelmäßiger Kontakte und Gedankenaustausche auf den verschiedenen Gebieten zwischen Vertretern
der beiden Länder und wiesen darauf hin, daß diese beiden Ländern in der Vergangenheit zum Vorteil gereichten und auch künftig im Interesse einer Weiterentwicklung der Beziehungen und der Zusammenarbeit zwischen der Föderativen
Sozialistischen Republik Jugoslawien und den Vereinigten Staaten sowie im
Interesse des Weltfriedens fortgesetzt werden sollten.

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28/1972

NEUNER-AUSSCHUSS ERÖRTERT BEZIEHUNGEN USA-EWG
-Wortlaut der Abschlußerklärung der Londoner Tagung-

LONDON --(AD)-- Der von der Nordatlantischen Versammlung zur Überprüfung
der politischen, militärischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme sowie
der Zukunft des Nordatlantischen Bündnisses eingesetzte Neuner-^Ausschuß hat
zum Abschluß seiner Londoner Tagung folgende Erklärung veröffentlicht:
Der Neuner-Ausschuß der Nordatlantischen Versammlung hat am 1. und
2. Juli in London seine zweite Sitzung abgehalten. Zugegen waren der Vorsitzende des Ausschusses, Senator Jacob Javits (USA), Senator Manlio Brosio
(Italien), Professor Walter Hallstein (Deutschland), Lord Harlech (Großbritannien), der Abgeordnete Wayne L. Hays (USA), Halfdan Hegtun (Norwegen), Lester
Pearson (Kanada) und Max van der Stoel (Holland). Ferner nahmen an der Sitzung
als Berater des Ausschusses Senator Ihsan Sabri Caglayangil (Türkei), Dr. Karl
Mommer (Deutschland) und Botschafter Alberto Franco Nogueira (Portugal) sowie
der Präsident der Nordatlantischen Versammlung Terrence Murphy (Kanada) und
deren Generalsekretär Philippe Deshormes (Belgien) teil.
Auf

-1-

�Auf dieser Sitzung erörterte der Ausschuß alternative Richtungen der
politischen, der sicherheitsbezogenen, der sozialen und der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Westeuropa und Nordamerika in den kommenden zehn Jahren. Es
bestand Übereinstimmung darüber, daß die Konzeption einer atlantischen Partnerschaft für die siebziger Jahre wichtig ist, und der Ausschuß diskutierte darüber,
wie diese Konzeption gefördert werden kann, sei es durch Ausnutzung der bestehenden internationalen Organisationen zur Entwicklung besserer Beziehungen zwischen
der Europäischen Gemeinschaft und den Vereinigten Staaten und Kanada oder durch
Schaffung anderer Institutionen. Die Möglichkeit einer Reform des Atlantischen
Bündnisses wurde erörtert und auch die Möglichkeit einer Ausweitung der Bereiche
der atlantischen Zusammenarbeit.
Der Ausschuß ist der Ansicht, daß die Entwicklung einer größeren Übereinstimmung in Europa ein positiver Schritt für die Schaffung enger transatlantischer Bindungen sein sollte.
Der Ausschuß vertritt die Auffassung, daß Solidarität auf seiten der NATORegierungen von entscheidender Bedeutung für eine Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa ist und daß hierzu besondere Treffen auf hoher Ebene abgehalten werden sollten.
Der Ausschuß wird der 18. Vollsitzung der Nordatlantischen Versammlung, die
vom 20. bis 25. November 1972 in Bonn, Deutschland, stattfindet, einen Zwischenbericht vorlegen. Auf der Sitzung nahm der Ausschuß Berichte von Philip Trezise
(USA), Brookings Institution, und von Peter Dobell (Kanada) über Fortschritte
bei den Forschungsarbeiten entgegen, die sie im Auftrage des Ausschusses durchführen. Darnell Whitt (Vereinigte Staaten) und Anthony Hartley (Großbritannien)
sind Exekutivdirektoren für die Arbeiten des Ausschusses.
Weiter

�Weiter waren auf der zweiten Sitzung des Ausschusses anwesend: John
Peel, der erste Vizepräsident der Nordatlantischen Versammlung (London),
Dr. Curt Gasteyger, stellvertretender Generaldirektor des Atlantischen Instituts
(Paris), Brigadegeneral Kenneth Hunt, stellvertretender Direktor des Internationalen Instituts für Strategische Studien (London), und Michael Plamer,
Direktor für Ausschüsse und Studien des Internationalen Sekretariats der Nordatlantischen Versammlung (Brüssel).
Die dritte Sitzung des Neuner-Ausschusses wird in Rand House, dem NiagaraInstitut für internationale Studien, Niagara-On-The-Lake, Ontario (Kanada) am
Samstag und Sonntag den 9. und 10. September 1972 stattfinden.

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28/1972

NATIONALE VERIFIZIERUNG IM RAHMEN DER SALT-VEREINBARUNGEN
Von W. A. Swartworth

WASHINGTON --(AD)«- Ein Schlüsselelement der amerikanisch-sowjetischen Vereinbarungen über Nuklearwaffen - noch dazu eines, das leicht übersehen wird ist die beiderseitige Verpflichtung, nicht in die "nationalen technischen Mittel der Verifizierung" des Vertragspartners einzugreifen. Im wesentlichen bedeutet dies, daß sich beide Seiten verpflichtet haben, nichts gegen die Überwachungssatelliten des anderen zu unternehmen.
Selbstverständlich ist es die Satellitentechnik, durch die im Hinblick
auf das Problem der Verifizierung endlich Abstand zu der Sackgasse der
"Inspektion" gewonnen werden konnte. Die Vereinigten Staaten hatten darauf
bestanden, daß direkter Zugang zu sowjetischem Territorium Kernpunkt jeder
Vereinbarung über Rüstungskontrolle sei. Die Sowjetunion widersetzte sich
dem beharrlich.
Die Verifizierungsbestimmungen in den Moskauer Verträgen zeigen also,
wie technologische Veränderungen durch Wechselwirkung mit der politischen Willensbildung politische Abmachungen beeinflussen können.
Gerard

�Gerard C. Smith, Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung und Chefunterhändler der Vereinigten Staaten bei. den bilateralen Gesprächen über die Begrenzung der Strategischen Rüstung, bezeichnet das Versprechen der Nichteinmischung als eine "markante Verpflichtung ". Er verweist
ferner auf die "Verpflichtung, keine Verschleierungsmaßnahmen zu ergreifen",
um eine Verifizierung der Einhaltung der vertraglichen Abmachungen zu verhindern, und fügt hinzu: "Die Welt dürfte als Folge dieser eingegangenen Verpflichtungen offener geworden sein."
Die Beseitigung der Abgeschlossenheit ist in der Tat von wesentlicher
Bedeutung für die Durchsetzung der Abkommen über die Begrenzung strategischer
Waffen, die darauf abgestellt sind, defensive und offensive Nuklearraketen
zahlenmäßig zu beschränken. Offenbar ist keines der beiden Länder bereit
(bezw. könnte man von keinem der beiden Länder erwarten), sich in einer für das
Überleben der Nation so wichtigen Angelegenheit ausschließlich auf den vom andern zum Ausdruck gebrachten guten Willen zu verlassen.
In seiner Stellungnahme vor dem Militärausschuß des Senats Ende Juni hob
Gerard Smith besonders die Bedeutung hervor, die dem Problem der Verifizierung
zukomme. "Wir haben nicht zuvor Begrenzungen ausgearbeitet und dann geprüft,
ob die nationalen technischen Mittel für die Verifizierung ausreichen", erklärte er. "Wir orientierten die Begrenzungen an den Möglichkeiten der nationalen
technischen Mittel zur Verifizierung."
Dem technischen Fortschritt, der zunächst das Gespenst der nuklearen Vernichtung heraufbeschworen hatte, erkennt man heute eine zentrale Rolle in der
Förderung der Sache des Weltfriedens zu. Die Abkommen zur Rüstungskontrolle
bedeuten

eine zeitgemäße, vorteilhafte Verbindung von technischem Sachver-

stand und politischem Willen.
US-

-2-

�US-Verteidigungsminister Laird, der im vergangenen Monat vor dem Militärausschuß des Senats aussagte, bemerkte, daß "angemessene und wirksame Möglichkeiten der Verifizierung eine zwingende Notwendigkeit sind", und fuhr fort:
"Wir verfügen jetzt über derartige Möglichkeiten und schlagen eine mäßige Erhöhung der finanziellen Aufwendungen vor, um sicherzustellen, daß die Verifizierung mit nationalen Mitteln auch in Zukunft angemessen bleibt....".
Smith erklärte in seiner Stellungnahme vor dem Ausschuß, daß die Vereinbarungen die Schaffung einer gemeinsamen Beratungskommission vorsehen,die sich
mit der praktischen Ausführung der Übereinkünfte befaßt und auch Fragen der
Vertragserfüllung behandelt. "In den sowjetisch-amerikanischen Maßnahmen zur
Rüstungskontrolle stellt dies eine bemerkenswerte neue Entwicklung dar", erklärte er.
Charles Bray gab als Sprecher des Außenministeriums auf einer Pressekonferenz bekannt, daß eine Nachrichten-Sonderabteilung geschaffen worden sei, die
die Einhaltung der Vereinbarungen auf sowjetischer Seite zu überwachen habe.
Auf die Frage eines Journalisten antwortete er: "...Angesichts der Bedeutung
dieser Angelegenheit wäre die Regierung sehr darauf bedacht, sicherzustellen,
daß die Ergebnisse der Verifizierung mit technischen Mitteln in angemessener
Weise koordiniert und berücksichtigt werden."
Die Vereinbarungen bedeuten in Wahrheit die Anerkennung einer Konzeption,
die als "beiderseitige Verwundbarkeit" bezeichnet werden könnte. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion akzeptieren den Gedanken, daß garantierte
Selbstzerstörung im Falle eines Angriffes der anderen Seite die beste Abschreckung
gegen einen solchen Angriff darstellt. Somit ist garantiertes Spionieren eine
logische Folge und Begleiterscheinung.
Dies

-3-

�Dies alles liege im Interesse beider S u p e r m ä c h t e , sagt D r . Henry A.
K i s s i n g e r , der Berater Präsident Nixons in nationalen S i c h e r h e i t s f r a g e n . " E i n
einseitiger Versuch, sich auf strategischem Gebiet einen Vorteil zu v e r s c h a f f e n ,
w ä r e gleichbedeutend mit Selbstvernichtung", erklärte er vor
auf einer Sondersitzung.Die Regierung N i x o n befürworte "diese

Kongreßmitgliedern
Vereinbarungen

nicht auf einer Basis des V e r t r a u e n s , sondern auf der Basis eines w o h l v e r s t a n d e n e n Eigeninteresses beider S e i t e n . Dieses E i g e n i n t e r e s s e " , so fügte Kissinger
h i n z u , "wird durch die sorgfältig ausgearbeiteten Verifizierungsbestimmungen
A b k o m m e n noch bestärkt. Über die rechtlichen Verpflichtungen hinaus steht

im

für

beide S e i t e n bei allen (in M o s k a u ) unterzeichneten A b k o m m e n eine M e n g e auf dem
S p i e l , und beide haben großes Interesse an dem in Gang gesetzten breit

angeleg-

ten Prozeß einer Verbesserung der B e z i e h u n g e n . "
Präsident Nixon betonte in einem kürzlich in einer Zeitschrift v e r ö f f e n t lichten Artikel das in den Rüstungsvereinbarungen m a n i f e s t i e r t e

Eigeninteresse

mit folgenden W o r t e n : "In Wirklichkeit standen beide Seiten vor der W a h l , entw e d e r die R ü s t u n g zu begrenzen oder dem nuklearen W e t t r ü s t e n freien Lauf zu
lassen - und in einem solchen W e t t r e n n e n gäbe es k e i n e S i e g e r , sondern nur
Verlierer."

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28/1972

DIE AMERIKANISCHEN HOCHSCHULEN SIND GESUND
-Eine Untersuchung der Carnegie-Kommission-

Von Howard Young

WASHINGTON --(AD)-- Die Universitäten und Colleges in den Vereinigten Staaten sind gesund und voller Leben. Nach Ansicht ihrer Studenten und Lehrkörper sind sie keinesfalls Hochburgen irrelevanter Wissensfächer, die unter
Belagerungsdruck stehen, sondern werden den Bedürfnissen der an ihnen Lernenden wie der an ihnen Lehrenden voll und ganz gerecht.
Zu diesen Ergebnissen kommt eine umfassende Studie, die von der Carnegie-Kommission für Hochschulfragen durchgeführt und Ende Juni veröffentlicht wurde.
Die Kommission hat für ihre Untersuchungen die Interviews mit rund
170 000 Studenten niederer und höherer Semester sowie mit Mitgliedern der
Lehrkörper an über 300 akademischen Institutionen in den Vereinigten Staaten
herangezogen. Der Vorsitzende der Kommission, Clark Kerr, bezeichnete die
Studie als "den umfassendsten Überblick über die Meinung der Akademiker,
der bisher erarbeitet wurde."
Die

-1-

�Die Studie wurde in den Jahren 1969 und 1970 durchgeführt, zu einer Zeit
also, in der an den amerikanischen Hochschulen Symptome von Unruhe und Span,nungen zu beobachten waren. An der Untersuchung wirkten die Abteilung Erziehungswesen im HEW (Bundesministerium für Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialwesen) und der Amerikanische Rat für Erziehungsfragen mit.
Die Untersuchung, so erklärte die Kommission, "erbrachte einige überraschende Resultate - überraschend zumindest für diejenigen, die in den amerikanischen Hochschulen etwas wie Hexenkessel der Unzufriedenheit sehen."
Wie die Analysen der Kommission zeigten, waren die Unruhen an den Universitäten vielmehr eine Reaktion auf bestimmte inneramerikanische und internationale Ereignisse, nicht aber Ausdruck der Unzufriedenheit mit den
Hochschulinstitutionen als solchen. "Wir bestreiten das weitverbreitete Märchen, wonach das akademische Leben in den USA heute voll allgemeiner Unzufriedenheit ist und immer mehr Studenten und akademische Lehrer dies nicht länger
zu akzeptieren vermögen", so heißt es in dem Bericht.
"Wir würden mit ganz ähnlichen Resultaten rechnen können", so fährt der
Bericht fort, "wenn die Untersuchung heute durchgeführt würde... Das akademische Leben ist im wesentlichen gesund."
Der Bericht, der 175 Seiten umfaßt, ist der vierzehnte, den die Kommissio
seit ihrer Gründung im Jahre 1967 erstellt hat. Sein Titel lautet: "Reformen
an den Hochschulen: Andere Studenten, andere akademische Programme."
Um die allgemeine Einstellung der Studenten in den ersten Semestern herauszufinden, wurden 70 772 von ihnen gefragt: "Wie ist die Gesamtbewertung
Ihres Colleges?". Zwei von drei Befragten erklärten, sie wären "sehr zufrieden' oder"zufrieden". Rund 22 Prozent äußerten sich unentschieden, und nur
12 Prozent bekundeten Unzufriedenheit.
Eine

�Eine fast gleiche Mehrheit gab ihren Colleges diese ausgezeichneten Noten, als sie von dem unabhängigen, bekannten Gallup-Institut für Öffentliche
Meinungsforschung entsprechend befragt wurden. Bei einer Meinungsumfrage bei
1 092 Studenten an 57 amerikanischen Hochschulen, die das Gallup-Institut
1969 für die amerikanische Zeitschrift "Newsweek" durchgeführt hatte, gaben
68 Prozent der befragten Studenten den amerikanischen Universitäten die
Noten "gut" bis "ausgezeichnet".
Die Carnegie-Kommission stellte 39 963 Studenten in höheren Semestern
die Frage, ob sie der folgenden Erklärung zustimmen würden: "Ich bin im Grund
mit der Ausbildung,die ich erhalte, zufrieden". Darauf antworteten 77 Prozent
der Befragten mit voller Zustimmung, während 23 Prozent erklärten, sie könnten keinesfalls oder nur mit Vorbehalten zustimmen.
Um herauszufinden, welche Befriedigung die akademischen Lehrer in ihrem
Beruf finden, stellte die Kommission 60 028 Mitgliedern der Lehrkörper die
folgenden beiden Fragen: "Wenn Sie noch einmal ihre Berufswahl treffen könnten, würden Sie sich dann wieder für den Weg eines Universitätslehrers entscheiden?" und "Wie denken Sie ganz allgemein über diese Hochschule?". Auf
die erste Frage erklärten nur neun Prozent, daß sie sich "wahrscheinlich
nicht" oder "in keinem Falle" wieder für ihren Beruf entscheiden würden. Auch
auf die zweite Frage lautete die Antwort nur bei neun Prozent negativ, indem
sie erklärten, daß"die Hochschule kein Platz für mich ist".
Der Bericht der Carnegie-Kommission legte 20 Empfehlungen für Änderungen
in der Hochschulbildung vor, darunter Vorschläge zur Förderung einer größeren
Mannigfaltigkeit der Institutionen, stärkere Beteiligung der Studenten am
Hochschulbetrieb, bessere Möglichkeiten für Mitarbeit in der Gemeinschaft und
für die Arbeitspraxis der Studenten sowie eine erneut stärkere Betonung der
Lehre gegenüber der Forschung.
"Vor

�"Vor einem Jahrhundert", so heißt es in dem Bericht, "wurde die Hochschulausbildung 'modernisiert', um der neuen Rolle der Naturwissenschaften,dem
raschen industriellen Fortschritt der Nation und der rasch an Boden gewinnenden
Idee des Populismus Ausdruck zu geben. Nunmehr muß sie weitgehender und vollständiger 'humanisiert' werden im Sinne einer stärkeren Öffnung für immer
mehr junge Menschen und einer weitergehenden Anpassung an die individuellen
Besonderheiten und Talente ihrer Studenten."
Die Kommission hebt ferner in ihrem Bericht hervor, daß 95 Prozent der
Studenten in den ersten Semestern und 89 Prozent der Studenten höherer Semester
sowie 78 Prozent der Professoren dahingehend übereinstimmen, daß die Lehrbefähigung und nicht die Forschungstätigkeit das Hauptkriterium für den Aufstieg
der Hochschullehrer sein müsse. Die Mehrzahl der Studenten vertrat darüberhinaus die Auffassung, daß die Studenten bei der Beurteilung des Lehrkörpers
mitbeteiligt sein müßten , was - und das überrascht nicht - von der Mehrzahl
der Hochschullehrer abgelehnt wurde.
Ein großer Teil der Studenten und des Lehrkörpers war übereinstimmend der
Ansicht, daß die Vorlesungen und Übungen "relevanter, dem heutigen Leben und
seinen Problemen näher sein müßten". Sie stimmten auch darin überein, daß der
"emotionellen Entwicklung der Studenten" größere Beachtung geschenkt werden
müsse.
In zwei Fragen jedoch gingen die Ansichten der Studenten und der Mitglieder des Lehrkörpers weit auseinander. Von den Studenten in den ersten Semestern
erklärten 59 Prozent, daß das Stufensystem abgeschafft werden müßte, und
51 Prozent vertraten die Ansicht, daß sie das Recht haben müßten, alle ihre
Vorlesungen und Kurse selbst auszuwählen. Nur 33 Prozent der Professoren und
Dozenten sprachen sich für eine Abschaffung des Stufensystems und 19 Prozent
für Wahlfreiheit der Vorlesungen und Übungen aus.
"Wir fordern eine neue Periode beschleunigter Reformen", so heißt es in
dem Carnegie-Bericht abschließend, "selbst wenn die Mehrzahl der Studenten
erklärt, daß sie mit ihrer Ausbildung am College zufrieden sind oder sie doch
zumindest akzeptieren."
Es
-4-

�Es bestehe keine Notwendigkeit "zu revolutionären Umgestaltungen im akademischen Leben in den Vereinigten Staaten", so wird in dem Bericht weiter
betont, vielmehr "sehen wir dieses Jahrzehnt als eine Periode der Erneuerungen
an - als einen Zeitabschnitt, der ungewöhnliche Chancen bietet, um die Qualität
des akademischen Lebens zu verbessern, als eine Periode, in der die für Reformen freigewordene Energie mit dem ganzen Spektrum zur Verfügung stehender
Neuerungen kombiniert werden kann, um so lebendigere geistige Gemeinschaften
zu schaffen."

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28/1972

DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN HANDELSGESPRÄCHE
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)— Von den amerikanisch-sowjetischen Handelsgesprächen
- die erste Sitzung der auf dem Moskauer Gipfeltreffen zwischen Präsident
Nixon und den sowjetischen Führern eingesetzten amerikanisch-sowjetischen
Handelskommission beginnt am 20. Juli in Moskau - erhofft sich die amerikanische Seite, daß noch vor Jahresende solider Fortschritt bei einer Reihe von
Fragen erzielt werden kann.
Allerdings ist es unwahrscheinlich, wie auch der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson am 10. Juli anläßlich der Bekanntgabe der Namen
der amerikanischen Mitglieder der Kommission betont hat, daß alle Fragen bereits auf einer Sitzung gelöst werden können. Vielmehr rechnet der amerikanische Handelsminister mit einer Reihe von Sitzungen, deren erste vom 20. Juli
bis etwa um den 1. August in der sowjetischen Hauptstadt stattfinden wird.
Peterson, der persönlich die amerikanische Delegation auf dieser Sitzung
führen wird, betrachtet die Arbeit der Kommission als einen fortdauernden Prozeß oder Mechanismus und nicht als einmalige Verhandlungen. Verläuft dieser
Prozeß erfolgreich, dann werden die Ergebnisse nicht auf einmal, sondern vielmehr in einer Reihe von Bekanntgaben veröffentlicht werden. Trotzdem ist
Peterson hoffnungsvoll, daß bis zum Jahresende ein Abkommen mit der Sowjetunion

-1-

�Sowjetunion über eine Begleichung der Pacht-und Leihschulden aus dem zweiten
Weltkrieg und ein allgemeines Handelsabkommen erreicht und daß von jedem der
beiden Länder Kredite zur Finanzierung der Exporte des anderen bereit gestellt
werden können. Auch Abkommen über beiderseitige Geschäftseinrichtungen, Schlichtung kommerzieller Streitigkeiten und Lizenzvereinbarungen sind nach Ansicht
von Peterson in diesem Jahre möglich, allerdings nicht sehr wahrscheinlich.
Weiter in der Zukunft liegen dagegen die so häufig erwähnten gemeinsamen Projekte zur Erschließung von Rohstoffen und anderen sowjetischen Produkten, die
für eine Weiterverarbeitung in den Vereinigten Staaten in Frage kommen. Dabei
wird auf die enorme Komplexität derartiger gemeinsamer Vorhaben amerikanischer
Privatunternehmen und der sowjetischen Regierung verwiesen.
Entscheidend für den Abschluß eines umfassenderen Handelsabkommens noch
in diesem Jahr ist allerdings eine Regelung der Pacht-und Leihschulden. Bisher
lagen die Auffassungen beider Seiten über die Höhe der anzusetzenden Schuldsumme
weit auseinander. Auch in seinem Gespräch mit der Presse am 10. Juli hat es
Peterson abgelehnt, irgendwelche Zahlen hinsichtlich der amerikanischen Vor Stellungen zu nennen.
Bisher haben die Vereinigten Staaten stets den Standpunkt vertreten, daß
diese alte Schuld geregelt sein muß, bevor neue Kreditvereinbarungen ausgehandelt werden können. Die Sowjetunion ihrerseits hat zu verstehen gegeben, daß
die Frage der Einräumung der Meistbegünstigungsklausel geregelt sein muß, ehe
an eine Bereinigung der Pacht-und Leihschulden gegangen werden kann. Zur Zeit
unterliegen amerikanische Importe aus der Sowjetunion noch den Zöllen,die der
amerikanische Kongreß im Jahre 1930 beschlossen hatte, und die später von den
Vereinigten Staaten in Verhandlungen mit anderen Ländern vereinbarten Zollsenkungen finden auf diese Einfuhren keine Anwendung.
Für die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel an die Sowjetunion bedarf
es jedoch der Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes durch den US-Kongreß. Und Präsident Nixon hat erklärt, daß er dem Kongreß erst ein zufrieden-

-2-

�zufriedenstellendes Paket kommerzieller Abkommen mit der Sowjetunion vorweisen
müsse,bevor ein solches Gesetz eingebracht werden könne.
Bereits zwei Tage vor dem Pressegespräch des amerikanischen Handelsministeriums war in Washington bekanntgegeben worden, daß die Sowjetunion in den
nächsten drei Jahren in den USA Getreide im Wert von wenigstens 750 Millionen
Dollar ankaufen wird. Kredite zur Finanzierung dieses Geschäfts sollen von einer
amerikanischen Regierungsstelle eingeräumt werden, wobei die Verzinsung mit
6,5 Prozent die gleiche wie bei entsprechenden Geschäften mit anderen Ländern
sein wird und die Rückzahlung innerhalb von drei Jahren erfolgen soll.
Ein Thema, das bei den abwechselnd in Moskau und in Washington geführten
amerikanisch-sowjetischen Handelsgesprächen nicht erörtert werden wird, sind die
amerikanischen Exportkontrollen bei strategisch wichtigen Materialien. Die Liste
dieser Güter, die nicht nach der Sowjetunion ausgeführt werden dürfen, ist in den
letzten Jahren ohnehin schon ständig kleiner geworden, und diese Entwicklung
dürfte auch weiter anhalten. Handelsminister Peterson hat jedoch klar zu verstehen gegeben, daß es sich hier um einseitige Entscheidungen der USA - umgekehrt
auch der Sowjetunion - handele und solche Entscheidungen nicht Gegenstand eines
Handelsgeschäftes sein könnten.

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ABFALLSCHÄDEN IN KÜSTENGEWÄSSERN
Bewohner des Meeresbodens besonders gefährdet

Von G.Weiss

--(AD)-- Eine erhebliche Dezimierung pflanzlicher und tierischer Organismen,die den Meeresboden bewohnen, stellte eine amerikanische Wissenschaftlergruppe in den Küstengewässern und im Schelfmeer zwischen New York und
Atlantic City fest. Im Auftrag des "Nationalen Dienstes für die Hochseefischerei" (Sandy Hook, New Jersey) führte sie zwei Jahre lang Untersuchungen
in diesem Gebiet des Westatlantik durch. In einem jetzt veröffentlichten
Bericht weisen die Forscher darauf hin, daß die Bodenflora und -fauna nicht
nur in bezug auf Populationsdichte, sondern auch auf die Vielfalt der Arten
reduziert sei. Der Grund: Die Bodenorganismen sind in weiten Gebieten unter
Halden von ausgebaggertem Material und Abwasserschlamm begraben, erhalten
zu wenig Sauerstoff und werden durch Schwermetalle aus Abwässern und Abfällen vergiftet.
Noch ist nicht ganz geklärt, welche Bedeutung die in dem genannten Gebiet lebenden Bodenbewohner für die Fischerei haben. Aber man weiß, daß

-l-

�daß z.B. wirbellose Tiere wie Muscheln, Krebse und Würmer wichtigen Nutzfischen,
vor allem Flundern, Schellfisch und Seebarsch, zur Nahrung dienen.
Gründliche Untersuchungen auf See wurden mit zahlreichen Experimenten im
Laboratorium kombiniert, um die Auswirkung der Meeresverschmutzung, speziell
der Abfallbeseitigung im Meer, auf Mikroorganismen und höher entwickelte Lebewesen bis zu den Nutzfischen zu erforschen. Außerdem versuchte man Schätzwerte
für die Konzentrationen von Kolibakterien, die gewöhnlich mit Fäkalien ins Meer
gelangen,und für die Verteilung von Schwermetallen wie Chrom, Kupfer, Blei,
Nickel und Zink im Schelfgebiet vor einem Teil der amerikanischen Atlantikküste
zu bekommen,und schließlich sollte die Frage der Bewegungsrichtungen von
Wassermassen näher untersucht werden.
Bei frei im Wasser treibenden Organismen (Zooplankton) und bei Fischen
fanden die Wissenschaftler Schäden nur in geringem Ausmaß und von kurzfristiger
Dauer. Die Bodenbewohner dagegen - auch große Krustentiere wie Langusten, Hummer
und Krabben, von denen man zahlreiche kranke Exemplare fand - sind eindeutig
gefährdet. An Stellen, wo Abwässer eingeleitet und Abfälle beseitigt werden,
wurden auffallend hohe Konzentrationen von Kolibakterien gefunden. Aus dem
Verteilungsschema solcher Mikroorganismen wie auch von Schwermetallen im oberen
Teil des unter Wasser weit in den Atlantik hinaus verlaufenden Hudson-Tales
kann geschlossen werden, daß die Abfallstoffe entlang der Achse dieser Unterwasserschlucht in immer größere Tiefe transportiert werden.
Dagegen zeigten Untersuchungen an Wasserproben von der Oberfläche und aus
oberflächennahen Schichten, daß sich unter bestimmten Wetterbedingungen große
Wassermengen auf Long Island und die Bucht von New York vom Meer her zubewegen.
Dies ist für die Wahl neuer Abfallplätze im Meer von Bedeutung. Allerdings liegen noch zu wenig Untersuchungsergebnisse vor, um endgültig sagen zu können,
daß es ratsamer sei, Abfälle außerhalb des Schelfmeeres in der Tiefsee zu

-2-

�zu versenken. Denn man weiß über die Ökologie und über langfristige Austauschund Mischungsvorgänge in diesen tiefen Gewässern einfach noch zu wenig.
Deshalb werden in dem Bericht - auch im Hinblick darauf, innerhalb der
Schelfzone besser geeignete "Abraumhalden"ausfindig au machen - weitere
Studien über lange Zeiträume und unter Einbeziehung größerer Gebiete empfohlen. Diese Projekte umfassen neue Untersuchungen mit bemannten Tauchbooten
wie ALVIN und DEEP STAR, die in Tiefen von 300 m bis 2 000 m abtauchen sollen.
Dr. Georg Keller von den "Atlantic Oceanographic and Meteorological
Laboratories" (AOML in Miami, Florida) will mit Hilfe des Forschungs-U-Boots
ALVIN klären, ob Unterwasserschluchten (z.B. der Hudson-Canyon) wie eine
Art Saugleitung für den Transport von Sedimenten und sinkfähigen Schmutzstoffen vom Kontinentalschelf zur Tief see wirken, und wie groß in einem solchen
Fall ihre Transportkapazität ist.
Im Rahmen dieser neuen Projekte wird auch Dr. Donald Swift (ebenfalls
AOML), der bei verschiedenen Tauchversuchen im Herbst 1971 zwischen zwei
großen Unterwasserschluchten im Westatlantik einschneidende Veränderungen der
Bodentopographie durch Sedimentverlagerungen unter der Einwirkung von Wind
und Stürmen an der Oberfläche festgestellt hatte, seine Untersuchungen fortsetzen. Durch weitere Expeditionen im Herbst 1972 und im nächsten Jahr sollen
die Transportgeschwindigkeit von Sedimenten am Meeresboden im Schelfgebiet
und die Ausbildung typischer, sanddünenähnlicher Rippelstrukturen ermittelt
werden. Für die geologische Forschung dürften Stellen von besonderem Interesse
seinwo am Meeresboden durch Wassererosion der nackte Fels zum Vorschein gekommen ist.
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28/1972

HERZFUNKTIONEN IM COMPUTERMODELL

—(AD)-- Die Funktionen des menschlichen Herzens in mathematischer Sicht
demonstrierte kürzlich Dr. Reinhardt M. Rosenberg, Professor für angewandte
Mechanik an der Universität Kalifornien, vor Herzspezialisten auf dem
Interamerikanischen Kongreß für Kardiologie in Berkeley. Mit einer Gruppe
von Mitarbeitern hatte er ein Computermodell entwickelt, in dem alle nur
erdenklichen Vorgänge und Funktionen im Zusammenhang mit der Herztätigkeit
erfaßt sind. Mit Hilfe dieser Technik soll versucht werden, dem Arzt die
Diagnose von Herzerkrankungen und die Kontrolle bezw. die Beurteilung der
Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen zu erleichtern.
Sowohl die Herzströme als auch die Funktionen eines Elektrokardiographen,
mit dem Herzströme erfaßt und in der Form von

Meßkurven niedergeschrieben

werden, lassen sich mit dem Modell simulieren. Gegenwärtig ist die Anlage
so programmiert, daß bereits zahlreiche bekannte Fehl funktionen des Herzens
mit dem jeweils entsprechenden EKG "mit erstaunlicher Genauigkeit und im
Detail" dargestellt werden können. Aber das Experiment ist ausbaufähig und
soll sukzessive ausgeweitet werden. Prof. Rosenberg schätzt, daß in zwei
bis drei Jahren ein ausführlicher Katalog anomaler Elektrokardiogramme als

-l-

�1

als Handbuch veröffentlicht werden kann, das mit Hilfe des Computermodells
auch unter Einbeziehung überaus komplexer Herz-Fehlfunktionen ausgearbeitet
wird. Der Katalog soll den Ärzten bei der Auswertung von Elektrokardiogrammen,
die von Herzkranken aufgenommen werden, als Orientierungshilfe dienen. Später
könnten, so hofft Rosenberg, sämtliche Modell-Daten in eine nationale Datenbank einspeist werden, an die die Ärzte in diagnostisch schwierigen Fällen
EKG-Daten zur Auswertung weitergeben.
Das Modell Rosenbergs zeigt viele Aspekte der Herzstromtätigkeit auf,
die bisher noch nicht analysiert worden sind. Somit sei auch zu hoffen, daß
in einer Reihe von Fällen ein Kurvenverlauf beim EKG, der dem Arzt nicht bis
ins einzelne verständlich ist, doch interpretiert und mit bestimmten Funktionsstörungen in ursächlichen Zusammenhang gebracht werden könne.

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28/1972

LEZITHIN GEGEN GALLENSTEINE

--(AD)-- Eine an Cholesterol und Fett arme, jedoch an phosphorhaltigen
Lipoiden reiche Diät scheint zur erfolgreichen Behandlung von Gallensteinleiden geeignet zu sein. Dies berichtete Dr. Ronald K. Torapkins, Professor
der Chirurgie an der "School of Medicine" der Universität Kalifornien in
Los Angeles, der ein von der John A. Hartford-Stiftung (New York) mit
fast 100 000 Dollar dotiertes Projekt zur Erforschung neuer therapeutischer Möglichkeiten für Gallensteinleiden leitet.
In den Vereinigten Staaten sind schätzungsweise 15 bis 20 Millionen
Menschen von Gallensteinen geplagt. Durch Tierversuche konnte Dr. Tompkins
nachweisen, daß beispielsweise in der Gallenblase von Hunden,wo es nicht
zur Steinbildung kommt, ein hoher Anteil von Phosphatiden gegenüber
Cholesterol zu finden ist. Da beim Menschen die meisten Gallensteine aus
Cholesterol als Folge von biochemischen Veränderungen in der Galle gebildet werden, unternahm er den Versuch, das Verhältnis von Cholesterol zu
Phosphatiden durch entsprechende Nahrungszusätze zu verändern. Wichtigster
Faktor dieser Diät ist das Phosphatid Lezithin.
Auch

-1-

�Auch die Wirkung bestimmter Bakterien und Sexualhormone sowie die Auswirkung einer Unterbrechung einzelner Leitungsbahnen des Vagus-Nervs

auf

den Gallestoffwechsel werden untersucht. Damit hofft man wissenschaftlich
exaktes Beweismaterial zu Berichten zu erhalten, denen zufolge alle diese
Faktoren zu erhöhter Gallensteinbildung führen sollen.
Erkrankungen der Gallenblase rangieren in den USA an fünfter Stelle
bei stationärer Behandlung, die operative Entfernung von Gallensteinen an
dritter Stelle bei chirurgischen Eingriffen. Obgleich diese gewöhnlich erfolgreich verlaufen, wäre es bei Patienten bestimmter Altersgruppen oder
bei Komplikationen infolge zusätzlicher Erkrankungen und Stoffwechselstörungen oft wünschenswert, eine diätetische Therapie zur Verfügung zu haben
und auf die Operation verzichten zu können.

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