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2 1 . November 1972

Inhalt
WIRTSCHAFT:
Umfassende US-Vorbereitungen auf neue GATT-Verhandlungsrunde
Von Eugene Brake
Amt für Ost-West-Handel im US-Handelsministerium
Die Frage der amerikanischen Lohn-und Preiskontrollen
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten
Sowjetisches Erdgas für amerikanische Wohnungen?
Von John Holway
INFORMATION:
Ausstellung "Pumpen, Kompressoren und Ventile"
I
HINTERGRUNDMATERIAL:
Überangebot an Akademikern in den USA
Von Thomas H. Elliston

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Farbfernsehsendungen aus dem Raumschiff
APOLLO 17: Seismische Untersuchungen auf dem Mond
Affen nehmen Röntgenstrahlen wahr

B E I L A G E
Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
-Der Standpunkt der USA-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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47/1972

UMFASSENDE US-VORBEREITUNGEN AUF NEUE GATT-VERHANDLUNGSRUNDE
Von Eugene Brake
NEW YORK --(AD)-- Die Vereinigten Staaten werden sich auf die für Ende
1973 vorgesehene neue GATT-Runde von Handelsverhandlungen eingehend vor«

bereiten und hierzu die vielleicht umfassendsten Erhebungen durchführen, die jemals vorgenommen worden sind.
Dies kündigte der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson
dieser Tage auf dem amerikanischen Außenhandelskonvent in New York an.
Über die einzelnen legislativen Maßnahmen hierzu, so sagte Peterson,sei
noch nicht entschieden. Die Regierung habe jedoch die Pflicht, alles
für die Vorbereitung auf diese Verhandlungsrunde Erforderliche zu tun
und auch den Kongreß, wo nötig, einzuschalten.
Die Mitgliedstaaten des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommen (GATT)
haben auf ihrer am 14. November beendeten zweiwöchigen Tagung beschlossen, Ende 1973 eine neue Runde von Handelsverhandlungen aufzunehmen.
Ferner soll ein Vorbereitungsausschuß eingesetzt werden, der allen Mit-

-1-

�Mitgliedsstaaten wie auch allen interessierten Entwicklungsländern, die nicht
GATT-Mitglied sind, offen steht. Im September kommenden Jahres wird eine weitere GATT-Ministertagung stattfinden, die den Bericht des Vorbereitungsausschusses prüfen, einen Verhandlungsausschuß einsetzen und Verhandlungsrichtlinien verabschieden soll.
Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, hat die Ergebnisse der GATT-Tagung bereits in einer
ersten Stellungnahme begrüiit und als einen weiteren Schritt in Richtung auf
die von Präsident Nixon angekündigte Ära der Verhandlungen bezeichnet. Er rechne damit, so sagte der Botschafter, daß die neue GATT-Verhandlungsrunde innerhalb von 60 Tagen nach Abschluß der Ministerkonferenz im September 1973 beginnen werde. Und es sei durchaus realistisch, wenn man als Ziel für das Ende
dieser Verhandlungen das Jahr 1975 annehme.
. Peterson wies in seinen Ausführungen vor dem Außenhandelskonvent darauf
hin, daß die Vereinigten Staaten zu lange mit einem System von Prioritäten gelebt hätten, in dem politischen und Sicherheitsfragen Vorrang gegeben wurde,
während der Handel nur eine untergeordnete Rolle gespielt habe. Die gegenwärtige, weltweite Abkehr von einem Sichverlassen auf militärische Macht sei zu einem
großen Teil auf Präsident Nixons Friedensinitiativen zurückzuführen, durch die
erst wirtschaftliche Fragen mehr in den Vordergrund rücken konnten.
Man werde in immer stärkerem Maße jetzt feststellen, so führte Peterson
aus, daß Wirtschaftspolitik mit anderen Zielsetzungen Hand in Hand gehe. Handelspolitik sei sowohl Außen-wie auch Sicherheits-, Innen- und Energiepolitik,
und nur durch Integration ließen sich die Ziele erreichen, die im nationalen
Interesse der USA liegen.
Aufgabe

-2-

�Aufgabe der Industriestaaten, so forderte Peterson, müsse es

sein, sicher-

zustellen, daß das internationale Wirtschaftssystem auch für die Entwicklungsländer Prosperität gewährleistet. Die Vereinigten Staaten würden weiterhin zu
ihrer Zusage stehen, im Rahmen ihrer Handelsgesetze auf ein System allgemeiner
Präferenzen für die Entwicklungsländer hinzuarbeiten. Allerdings müßten solche
Präferenzen mit einem offenen Weltsystem, nicht einem Blocksystem, zu vereinbaren sein.
Peterson wie auch der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul A.
Volcker, sprachen sich in diesem Zusammenhang äußerst kritisch über die Präferenzabkommen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und einigen Entwicklungsländern aus. Insbesondere wandten sie sich gegen die Bestimmungen der Abkommen,
wonach die Entwicklungsländer Importen aus der Europäischen Gemeinschaft bevorzugten Zugang gewähren müssen. Dies stelle eine Diskriminierung der Exporte aus
den USA sowie anderen, nicht der EWG angehörenden Ländern dar.
Volcker, der sich in seiner Ansprache vorwiegend mit Währungsfragen befaßte,
betonte!; daß die Verhandlungen über eine Reform des internationalen Währungssystems auch in die bevorstehenden Handelsverhandlungen greifen würden und umgekehrt. Nach Auffassung der USA sollte in die Bestimmungen über Anpassungsverfahren bei Zahlungsungleichgewichten auch ein Anreiz zu einer weitergehenden
Handelsliberalisierung aufgenommen werden. So könnten es Überschußländer oftmals für angebrachter halten, Zölle oder sonstige Beschränkungen abzubauen,
statt die gesamte Anpassung über die Wechselkurse vorzunehmen. Auch vom Standpunkt der anderen Länder könne dies oftmals sehr erwünscht sein.

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AMT FÜR OST-WEST-HANDEL IM US-HANDELSMINISTERIUM

NEW YORK --(AD)-- Das amerikanische Handelsministerium wird ein gesondertes
Amt für Ost-West-Handel einrichten, das auch die gegenwärtige Abteilung für
Exportkontrollen umfassen wird.
Dies hat der stellvertretende Unterstaatssekretär im US-Handelsministerium, Steven Lazarus, auf der Tagung des amerikanischen Außenhandelskonvents in New York mitgeteilt.
Neben der Abteilung für Exportkontrollen wird das neue Amt eine Abteilung für Handelsanalysen haben, die Informationen über das Handelspotential
der osteuropäischen Länder sammeln, Diagnosen und Voraussagen geben und
alle einschlägigen Statistiken und Informationen für den Ost-West-Handel
zusammentragen soll.
Weiter ist ein Handelssekretariat vorgesehen, das die Durchführung von
Handelsabkommen, wie die jetzt mit der Sowjetunion und mit Polen geschlossenen Vereinbarungen, überwachen soll.
Und

-1-

�I

Und drittens ist eine Abteilung zur Entwicklung des Ost-West-Handels geplant, die im besonderen die Förderung des Exports amerikanischer Güter betreiben soll. Sie wird zwei Unterabteilungen umfassen: eine für Handelsmessen
und Ausstellungen, die auch Handelsmissionen nach den osteuropäischen Ländern
entsenden wird, und eine zweite, die amerikanischen Geschäftsleuten bei der
Abwicklung von Geschäften mit den osteuropäischen Ländern helfend zur Seite
stehen soll.

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DIE FRAGE DER AMERIKANISCHEN LOHN-UND PREISKONTROLLEN
-Einstellung oder Modifizierung ?Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WASHINGTON --(AD)-- Nach einjährigen Erfahrungen mit dem für Friedenszeiten
ungewöhnlichen Schritt, Lohn-und Preiskontrollen zu verfügen, steht die amerikanische Regierung jetzt vor der vielleicht schwierigsten Entscheidung, der
sich die Vereinigten Staaten in den nächsten vier Jahren gegenübersehen werden. Was soll geschehen, wenn das Gesetz über die derzeitigen Kontrollen ausläuft. Sollen die Lohn-und Preiskontrollen weiter bestehen bleiben, sollen sie
aufgehoben oder sollen sie in modifizierter Form fortgesetzt werden? Von seiten
der US-Regierung war bisher lediglich zu vernehmen, daß dieser ganze Fragenkomplex gegenwärtig Gegenstand einer eingehenden Überprüfung ist.
Die Öffentlichkeit hat ganz allgemein den Kontrollen ihre Unterstützung
gegeben, die offiziell am 14. November 1971, nachdem man die Preise schon vorher 90 Tage lang eingefroren hatte, eingeführt worden waren. Obwohl die Lebensmittelpreise,die nicht unter die Kontrollen fielen, schneller als erwünscht
gestiegen sind, stimmen die meisten Amerikaner mit dem Vorsitzenden der Preis-

-1-

�Preiskommission, Jackson Grayson, darin überin, daß die Kontrollen das Tempo
des Preisauftriebs wirklich verlangsamt haben. Grayson hatte am 15. November vor
einem Kongreßausschuß betont, daß die Preisauftriebsrate aufgrund der Lohn-und
Preiskontrollen in den letzten 12 Monaten um rund zwei Prozent gesenkt werden
konnte. Die Verbraucherpreise, die seit November vergangenen Jahres um 3,2 Prozent angezogen haben, wären also ohne die Kontrollen um 5,2 Prozent gestiegen.
Die Folge ist, daß zahlreiche andere Länder die Vereinigten Staaten um ihre gegenwärtige Preisauftriebsrate beneiden.
Der Erfolg der amerikanischen Bemühungen um eine Eindämmung des Preisauftriebs wird nach Ansicht maßgebender amerikanischer Wirtschaftsexperten auch Auswirkungen auf andere Länder haben. Sie werden zu einer Stärkung des amerikanischen Dollar und zu einer vermehrten Stabilität des internationalen Währungssystems führen. Und es mag vielleicht wie Ironie klingen, daß gerade die Regierungj die seinerzeit nur sehr zögernd die Kontrollen eingeführt hatte, für ihr
Programm jetzt völlig unerwartet Unterstützung nicht nur von demokratischen
Wirtschaftlern, sondern auch aus Kreisen der Wirtschaftsmanager erhalten hat.
So erklärte der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des verstorbenen Präsidenten
Kennedy, Walter Heller, die Kontrollen hätten wesentlich dazu beigetragen, den
Auftrieb bei Löhnen und Preisen niedrig zu halten; sie sollten daher beibehalten
werden, bis die Arbeitslosenrate auf 4 Prozent heruntergedrückt sei. Die Regierung sehe sich allerdings einer schweren Aufgabe gegenüber, die Vollbeschäftigung ohne Preisauftrieb zurückzugewinnen. Würden die Kontrollen aufgehoben, so
meinte Heller, dann werde die Haushalts-und Währungspolitik diese Aufgabe ganz
allein bewältigen müssen.
Und der Sprecher der amerikanischen Handelskammer, Carl H. Madden, sprach
sich vor dem gleichen Ausschuß ebenfalls für eine Fortsetzung der Lohn- und
Preiskontrollen aus. Gerade angesichts der 1973 bevorstehenden Lohnverhandlungen
in wichtigen Industriesektoren, die leicht zu einem erneuten Aufleben des Lohn-

-2-

�Lohn-und Preisauftriebs führen könnten, komme einer Fortführung der Kontrollen
besondere Bedeutung zu.
Die Gewerkschaften allerdings haben das Kontrollprogramm in der Vergangenheit verschiedentlich scharf kritisiert, weil es die Löhne, aber nicht Preise und
Gewinne einfriere, und George Meany hatte zusammen mit anderen Gewerkschaftsführern den Lohnausschuß verlassen. Trotzdem haben die Gewerkschaften das Kontrollprogramm stillschweigend geduldet, und tatsächlich sind seit Einführung des Programmes Löhne und Wochenarbeitszeit schneller als die Preise gestiegen, so daß
das Realeinkommen der Arbeitnehmer einen Nettozuwachs zu verzeichnen hatte. Und
auch nicht alle Wirtschaftskreise haben die Kontrollen uneingeschränkt unterstützt. Die Wirtschaftszeitschrift Dun*s berichtet über eine Befragung von 300
Wirtschaftsführern, daß die meisten ein Ende der Kontrollen wünschten oder zumindest eine Modifizierung. .Als Begründung wird angeführt, daß Leistung und gutes
Management bestraft und die Wiedererholung der Wirtschaft durch Beschneiden der
Gewinne beeinträchtigt würden.
So haben die Kontrollen ihre Anhänger und ihre Gegner, aber bei weitem am
größten ist die Zahl derer, die ein Beibehalten modifizierter Kontrollen befürworten. Der demokratische Senator William Proxmire möchte die kleineren Betriebe
mit einem Jahresumsatz von weniger als 100 Millionen Dollar ausgenommen wissen.
Stattdessen soll den Großbetrieben schärfer auf die Finger gesehen werden. Auch
der Gewerkschaftsverband AFL/CIO würde eine Verschärfung der Kontrollen für die
Industrie, besonders der Zinsen, Dividenden und Gewinne, gerne sehen. Professor
Heller und andere sprechen sich für eine Aufhebung der Kontrollen bei Renten und
Einzelhandelsumsätzen aus, während der republikanische Senator Jacob Javits für
die Beibehaltung der Kontrollen in diesen Bereichen und die Einbeziehung der
Lebensmittelpreise in das Kontrollsystem eintritt. Dem widerspricht jedoch Preiskommissar Grayson, der gegen eine Kontrolle der Lebensmittelpreise ist, da dies
höchstens zu schwarzen Märkten führen würde. Dann, so sagte er, sei es aber nicht
mehr weit bis zur Rationierung. Grayson möchte das Problem lieber dadurch anpacken, daß das Warenangebot vergrößert wird.
Das

-3-

�Das gegenwärtige Kontrollprogramm will gerade den durch steigende Kosten
ausgelösten Preisauftrieb bekämpfen. In Wirtschaftskreisen bezweifelt man es
daher, ob die derzeitigen Kontrollen auch bei einem von der Nachfrage getragenen
Preisauftrieb wirken würden. So hat Präsident Nixon denn auch zugesagt, bei den
Regierungsausgaben kurzzutreten, damit eine zu hohe Nachfrage nicht, wie Ende
der sechziger Jahre, wieder zur Ursache des Preisauftriebs wird.
Wann aber sollten nun die Preiskontrollen aufhören? Die Regierung hat es
bisher abgelehnt, einen genauen Zeitpunkt hierfür zu nennen. Der Vorsitzende des
Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons, Herbert Stein, hat betont, daß die Kontrollen zwar erfolgreich gewesen seien, aber nicht auf unbegrenzte Zeit fortgesetzt werden könnten. Im Laufe der Zeit, so meint er, würden sie immer mehr an
Wirkung verlieren. Auf der anderen Seite könne die Regierung sie nicht auf einen
Schlag einstellen und wieder zu freiwilligen Leitzahlen zurückkehren. Dies würde
nur zu einem Wiederaufleben des starken inflationistischen Druckes führen, wie
er in den Jahren 1965 bis 1968 bestand.

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47/1972

SOWJETISCHES ERDGAS FÜR AMERIKANISCHE WOHNUNGEN ?
Von John Holway

WASHINGTON --(AD)-- Das Erdgas, mit dem die amerikanischen Wohnungen beheizt werden, wird eines Tages vielleicht aus der Sowjetunion kommen. Dies
dürfte die Folge des wohl größten Erdgasgeschäftes sein, über das gegenwärtig sechs amerikanische und mehrere japanische Gesellschaften mit der
Sowjetunion Verhandlungen zwecks Erschließung und Nutzung der sowjetischen
Erdgasvorkommen in Sibirien führen. Das unter der sibirischen Tundra liegende Erdgas soll in Pipeline über Tausende von Kilometern an die Küste
gepumpt, dort verflüssigt und dann in Tankern nach Japan und den Vereinigten Staaten gebracht werden.
Amerikanische Verhandlungskreise warnen jedoch vor zu optimistischen
Erwartungen, daß diese Pläne sich bereits bald realisieren lassen würden.
Es seien, so wird betont, noch zahlreiche Hürden zu nehmen. Dies gelte
vor allem für die Finanzierung des Vorhabens, so daß es noch Jahre dauern
dürfte, bis sich diese Pläne verwirklichen ließen.
Die

-l-

�Die Pläne sind sowohl für die Sowjetunion als auch für die Vereinigten
Staaten sehr attraktiv. Für die USA ließe sich so die ständig bedrohlicher werdende Energiekrise leichter meistern. Darüberhinaus könnten durch das Erdgasgeschäft tausende neuer Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten geschaffen
werden. Aber auch für die Sowjetunion brächten die Pläne zahlreiche Vorteile.
Moskau braucht dringend ausländische Devisen, die das Erdgasgeschäft, wenn
erst einmal die Investitionskosten nach rund 10 Jahren bezahlt sind, erbringen
würde. Daher ist die Sowjetunion an einem schnellen Abschluß interessiert, zumal nach Ansicht zahlreicher Experten im Jahre 2 000 der Atomstrom Erdgas als
Energiequelle verdrängen dürfte. So wollen die Sowjets ihre riesigen Erdgasvorkommen möglichst bald nutzen.
Doch bis zur Verwirklichung dieses Projekts gilt es noch beträchtliche
Schwierigkeiten zu überwinden. In den Vereinigten Staaten fragt man sich, ob
es richtig ist, auf dem Energiesektor in eine zu starke Abhängigkeit von sowjetischen Lieferungen zu geraten. Wenn die sibirischen Erdgaslieferungen erst
einmal laufen, werden sie etwa 6 Prozent des gesamten Energiebedarfs der USA
decken. Auf der anderen Seite glaubt man in Washington nicht, daß die Sowjets
etwa die Lieferungen stoppen würden, da die dafür erlösten Devisen für Moskau
lebenswichtig sind.
GroQe Schwierigkeiten wirft auch das Finanzierungsproblem auf. In Sibirien
müßten bis nach Murmansk, rund 2 400 Kilometer weit, Pipelines verlegt werden.
Dort müßten dann Verflüssigungsanlagen errichtet, und schließlich müßten rund
20 Tanker für den Transport des verflüssigten Erdgases nach den USA gebaut werden, von denen jeder rund 10 Millionen Dollar kosten dürfte. Die Gesamtkosten
würden sich also auf rund 6 Milliarden Dollar stellen.

Bei

-2-

�Bei Beteiligung Japans an dem Projekt würden sich die Gesamtkosten sogar
auf etwa 10 Milliarden Dollar belaufen. Es müßte eine Pipeline über eine Entfernung von 3 200 Kilometern nach Wladiwostok gebaut und dort müßten Verflüssigungsanlagen geschaffen werden. Japan würde etwa ein Drittel des Erdgases erhalten, so daß eine Tankerflotte von 11 bis 16 Schiffen benötigt würde.
Wie das benötigte Kapital aufgebracht werden kann, ist noch nicht geklärt.
Berichten zufolge will sich die Sowjetunion an die amerikanische Export-Importbank wenden und um eine Finanzierung von 5 Milliarden Dollar der Gesamtkosten
nachsuchen. In amerikanischen Wirtschaftskreisen hält man dies jedoch für unrealistisch, denn die größte ausstehende Anleihe der Bank - an Japan - beläuft
sich auf nur 1,3 Milliarden Dollar. Es sei daher äußerst unwahrscheinlich, so
wird erklärt, daß die Bank so kurzfristig 5 Milliarden Dollar der Sowjetunion
zur Verfügung stellen werde, zumal keine amerikanischen Firmen kapitalmäßig beteiligt werden sollen, sondern das von ihnen investierte Geld in Form von Erdgaslieferungen zurückgezahlt werden soll.
Moskau hat bereits angekündigt, daß im kommenden Jahr eine sowjetische
Delegation nach den USA fliegen wird, um dort die Finanzierungsmöglichkeiten zu
sondieren sowie andere Möglichkeiten für eine Ausweitung des amerikanischsowjetischen Handels zu erörtern. So bestände beispielsweise die Möglichkeit,
daß die Sowjetunion die amerikanischen und japanischen Investoren mit Gold auszahlt. Doch zögert Moskau, dies zu tun, da es das Gold für Getreidekäufe benötigt. Eine andere Möglichkeit wäre die Gründung einer amerikanisch-sowjetischen
Börse
Gesellschaft, deren Aktien an der New Yorker/zugelassen würden. Und schließlich
könnte auch eine Anleihe zur Deckung der Kosten des Projekts auf dem amerikanischen Markt aufgelegt werden.

Nach

-3-

�Nach amerikanischer Ansicht muß die Finanzierung auf jeden Fall multinational erfolgen, wobei etwa aufzulegende Papiere eine Laufzeit von bis zu 20 Jahren haben könnten. Außerdem, so wird erklärt, müsse sich die Sowjetunion selbst
wesentlich stärker an der Finanzierung beteiligen, als sie dies gegenwärtig
scheinbar will.
Trotz aller dieser Schwierigkeiten gibt man sich auf amerikanischer Seite
optimistisch. Drei amerikanische Gesellschaften hoffen sogar, bereits im
Februar kommenden Jahres zumindest eine prinzipielle Einigung bekanntgeben zu
können. Dagegen hält der amerikanische Handelsminister Peterson Berichte über
eine endgültige Einigung entschieden für verfrüht. Die amerikanischen Gesellschaften, so meint er, müßten erst einmal genaue Kalkulationsgrundlagen erstellen, wie teuer das sibirische Erdgas wirklich kommen

wird. Sie müßten ferner

feststellen, ob die Verwirklichung der Projekte technisch auch durchführbar
ist.

Die amerikanische Regierung hat inzwischen eine sogenannte Erdgasgruppe
eingesetzt, die den gesamten Fragenkomplex prüfen soll.

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AUSSTELLUNG "PUMPEN,KOMPRESSOREN UND VENTILE"
— ( A D ) — Rund 35 amerikanische Hersteller zeigen vom 4.-7.Dezember 1972
im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main ein breit gestreutes Ausstellungsprogramm über den Einsatz von Pumpen, Kompressoren und Ventilen
in den verschiedensten Industriezweigen.
Zwei Drittel der ausstellenden Firmen zeigen ihre Produkte zum ersten
Mal in Deutschland oder in Europa; sie sind besonders an Verbindungen zu
Lizenznehmern bezw. Vertriebsgesellschaften interessiert.
Parallel zur Ausstellung wird am 5. und 6. Dezember eine Vortragsreihe veranstaltet, auf der deutsche und amerikanische Fachleute zu aktuellen Fragen auf dem Pumpen-und Ventilsektor Stellung nehmen.
Informationen und AusStellungsprogramm können über das US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, angefordert
werden.

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47/1972

ÜBERANGEBOT AN AKADEMIKERN IN DEN USA
Von Thomas H.Elliston

WASHINGTON —(AD)-- Die Vereinigten Staaten sehen sich auf ihrem Arbeitsmarkt vor ein Problem gestellt, das es bisher in der amerikanischen Geschichte noch nie gegeben hat: Es gibt mehr akademisch vorgebildete Arbeitskräfte als Arbeitsplätze für sie.
Eine der wichtigen Fragen für die Zukunft wird es sein, wie dieses
Problem gelöst und wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden kann. Es werden Mittel und Wege gefunden werden müssen, wie die jungen Menschen, die alljährlich die Universitäten und Colleges verlassen, ihre Ausbildung und erworbenen Fähigkeiten auf ihren Fachgebieten zu ihrem und zum Nutzen der Gesellschaft einsetzen können.
Dieses Überangebot macht sich vor allem auf den Gebieten der Bildung
und Erziehung, der Technik und der Wissenschaften bemerkbar. Und dieses
Problem ist erst in den letzten Jahren aufgetreten, denn früher war gerade
auf den genannten Gebieten die Zahl der offenen Stellen sehr viel höher als

�als die Zahl der qualifizierten Bewerber.
In Regierungskreisen hegt man die Hoffnung, daß sich die Situation wieder
einpendeln wird - wobei die Experten sich nicht ganz einig sind. Manche sind
überzeugt, daß der Ausgleich noch in diesem Jahrzehnt kommen wird, während
andere glauben, daß es noch etwa zwanzig Jahre dauern wird, bis sich die Verhältnisse wieder normalisiert haben. Wer recht hat, wird die Zukunft zeigen.
Fest steht, daß dem Problem große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Erst
kürzlich sind in Publikationen des amerikanischen Arbeitsministeriums zwei bedeutsame Artikel zu diesem Thema erschienen;

der eine, "Akademisch gebildete

Arbeitskräfte und die Wende auf dem Arbeitsmarkt" in der von der Abteilung für
Arbeitsstatistik herausgegebenen Monatsschrift "Monthly Labor Review", und
der andere "Akademisch gebildete Arbeitskräfte und nationale Ziele" in dem
Magazin "Manpower".
Die Wurzeln des Problems sind in zwei verschiedenem Dekaden zu finden.
Zunächst wurden in den Jahren unmittelbar nach dem Krieg sehr viel mehr Kinder
geboren als in den Kriegsjähren. Und dann kam Ende der fünfziger Jahre der
gewaltige Aufschwung der Weltraumtechnologie.
Diese Entwicklung führte dazu, daß die große Zahl der Neueinschulungen
Anfang der fünfziger Jahre eine starke Nachfrage nach Lehrkräften auslöste und
damit den Lehrerberuf für viele junge Amerikaner s'ehr attraktiv werden ließ.
Als dann Mitte der sechziger Jahre diese zahlenmäßig starken Schuljahrgänge das Collegealter erreicht hatten, bestand auf technischem und wissenschaftlichem Gebiet eine große Zahl offener Stellen und damit ein Anreiz, diese Studieneinrichtungen einzuschlagen.
Infolgedessen

-2-

�Infolgedessen stieg die Zahl der Studenten an den Colleges und Universitä
ten gewaltig an. Bezeichnend dafür ist, daß die Gesamtzahl der an den amerikanischen Hochschulen im Jahre 1970 erteilten akademischen Abschlußdiplome im Jahre
1970 mit 1 0f)5 • 91 Graduierten mehr als doppelt so groß war wie die im Jahre
1960, in dem die Hochschulen 476 704 Diplome erteilten.
Anfang 1970 erreichte die Zahl der technischen und akademischen Berufe in
den Vereinigten Staaten eine Rekordhöhe von etwas über 11 Millionen und begann
dann im Jahre 1971 wieder zu sinken.
Eine Reihe von Faktoren war für dieses Absinken maßgeblich

Einmal ging

die Zahl der Neueinschulungen zurück und verringerte damit den Bedarf an Grundund Mittelschullehrern. Zum anderen führten Einsparungen bei den Forschungsprojekten der Regierung - vor allem auf dem Gebiet des Verteidigungswesens und der
Raumfahrttechnik zu einer geringeren Nachfrage nach wissenschaftlich und technisch hoch qualifizierten Arbeitskräften.
Wie aus den Publikationen der Abteilung für Arbeitsstatistik hervorgeht,
ergibt sich für den akademischen Nachwuchs bis tu den achtziger Jahren jedoch
wieder ein optimistischeres Bild. Schätzungen zufolge werden die Hochschulen
in der Zeit bis 1980 rund 13,o Millionen Qiplome verleihen, aber nur 9,2 Millionen der Graduierten werden in das Berufsleben eintreten. Die Nachfrage nach aka
demisch vorgebildeten Kräften wird in ^ s e r Zeit jedoch wieder steigen, einmal
weil ganz allgemein für viele Berufe, die man bislang auch ohne Hochschulabschluß einschlagen könne -, in Zukunft ein akademischer Grad erforderlich sein
wird, und zum andern weil mit einem weiteren Anwachsen der Zahl offener Stellen für den akademischen Nachwuchs gerechnet werden kann.

Diese

3-

�Diese Faktoren werden statistischen Untersuchungen zufolge bis 1980 9,6
Millionen Stellen schaffen, für die ein Hochschulabschluß erforderlich ist. Daraus ergibt sich, daß das ungefähre Gleichgewicht zwischen der Zahl der Stellen
und der vorhandenen Bewerber wieder hergestellt sein wird.
In jedem Falle - so geht aus den Untersuchungen hervor - wird in Zukunft
die Forderung nach einer hochqualifizierten Ausbildung eher zunehmen als geringer werden,und es wird keine Gefahr bestehen, daß eine Art akademisches Proletariat entsteht, für das es keine seiner Ausbildung entsprechenden Stellen gibt.

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APOLLO 17:

FARBFERNSEHSENDUNGEN AUS DEM RAUMSCHIFF

--(AD)— Die NASA veröffentlichte einen vorläufigen Zeitplan für die Farbfernsehsendungen, die während des Fluges aus dem Raumschiff APOLLO 17 und
während des dreitägigen Aufenthaltes der Astronauten Cernan und Schmitt auf
dem Mond aus dem Landegebiet vorgesehen sind. Die unten angegebenen Sendezeiten hängen jedoch von der Einhaltung des vorgesehenen Starttermines
(7. Dezember 1972, 3.53 Uhr MEZ) und vom Flugverlauf ab. Sollte der Start
in der Nacht zum 7. Dezember nicht möglich sein, gäbe es noch Startmöglichkeiten am 8. Dezember 1972 und am 5. Januar 1973.
Folgende Sendungen sind geplant:

Tag

-1-

�Iä£

Dauer

7. Dezember

20 Min.

Beginn(MEZ)

Programm

7.59 Uhr

Wenden und Ankoppeln nach Einschuß in
Flugbahn zum Mond. Aufnahmen aus dem
Fenster der Kommandokapsel, während
die Astronauten das Raumschiff um
18o Grad drehen und dann mit der
Spitze der AMERICA an der Mondfähre
CHALLENGER festmachen. Anschließend
wird die gesamte Kombination von
der Oberstufe S-IV B der SATURN VTrägerrakete abgesetzt, um eine
Kollision zu vermeiden. Die S-IV B
stürzt drei Tage später auf den
Mond. Die

Seismometer an vier frühe-

ren APOLLO-Landeplätzen können die
Bodenerschütterungen registrieren.
12.Dezember

5 Std.
30 Min.

1 43 Uhr

Sendung aus dem Taurus-Littrow-Landegebiet, 70 Minuten nach Beginn der
ersten Exkursion von Cernan und Schmitt
Installation der automatischen Meßstation ca.100 m westlich der Landefähre und,ca.300 m davon entfernt,
der Radio-Bodensonde SEP; Auslegen
kleiner Sprengkapseln für spätere
seismische Experimente auf der Fahrt
zu einer Kratergruppe im Südosten,
Einsammeln von Bodenproben.
12.

-2-

�»

Tag

Dauer

Beginn(MEZ)

12.Dezember

6 Std.
30 Min.

23.23 Uhr

Programm
2. Exkursion in südwestlicher Richtung zu Kratern am Fuße eines Zweitausenders und zu einer langgestreckten Felswand.

13.Dezember

6 Std.
30 Min.

22.53 Uhr

3.Exkursion in weitgezogenem Bogen
nach Norden und Osten in ein Gelände
mit vier größeren und zahlreichen
kleinen Kratern.

14.Dezember

25 Min.

23.41 Uhr

Rückstart vom Mond, aufgenommen von
der am Rover Fahrzeug montierten Fernsehkamera. Sie wird von Houston aus
gesteuert.

15.Dezember

6 Min.

1.08 Uhr

Rendezvous mit dem APOLLO-Mutterschiff. Aufnahmen aus der Kommandokapsel.

15.Dezember

5 Min.

1.31 Uhr

Ankoppeln am Mutterschiff. Aufnahmen
aus der Kommandokapsel.

17.Dezember

30 Min.

0.46 Uhr

Aufnahmen vom Mond nach Einschießen
des APOLLO-Raumschiffes in die Rückkehrbahn zur Erde.

17.

�17.Dezember

1 Std.

21.19 Uhr

Ausstieg von Ron Evans. Der Pilot der
Kommandokapsel begibt sich zum rückwärtigen Teil des APOLLO-Raumschiffes,
um Kassetten mit Fotos und Aufzeichnungen zu bergen.
i

18.Dezember

30 Min,

24.00 Uhr

Pressekonferenz der APOLLO 17-Besatzung
mit Journalisten in Houstonwährend des
Rückfluges zur Erde.

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47/1972

APOLLO 17:
SEISMISCHE UNTERSUCHUNGEN AUF DEM MOND
--(AD)-- Ein wichtiges Verfahren zur Sondierung des Mondkörpers ist das
Studium des Verhaltens von Druckwellen beim Durchgang durch den Untergrund.
Den vier Seismometern, die im Landegebiet von APOLLO 12,14,15 und 16 installiert wurden und noch immer zuverlässig arbeiten, verdankt die Wissenschaft bereits sehr aufschlußreiche Meßdaten. Die Instrumente erfassen
Dauer und Stärke von Bodenvibrationen, die durch Druckwellen von Mondbeben
oder von natürlichen und "künstlichen" Meteoriten beim Einschlag auf dem
Mond und deren Reflexion an Grenzschichten unter der Oberfläche ausgelöst
werden. Außerdem ist es jetzt mit Hilfe der ALSEP-Stationen auf der Nordund Südhalbkugel des Mondes in den meisten Fällen durch Triangulation möglich, den Bebenherd zu lokalisieren.
Wie schon bei den früheren APOLLO-Flügen werden auch bei der letzten
Expedition im Rahmen dieses Programmes die Oberstufe der Trägerrakete
SATURN V und die Oberstufe der Landefähre als künstliche Meteorite benutzt.
Noch vor der Landung von Cernan und Schmitt zerschellt die S-IV B-Oberstufe
auf der Vorderseite. Nach der Rückkehr des Landeteams zum Mutterschiff läßt
man auch die Fähre auf den Mond stürzen. Ferngelenkt aus Houston wird die

-l-

�die 2 200 kg schwere

Aufstiegsstufe etwa acht Stunden, nachdem die Astronauten

den Mond verlassen haben, nur ca. neun Kilometer vom APOLLO 17-Landeplatz entfernt niedergehen. Die Wucht des Aufsturzes an einem Berghang entspricht der
Sprengkraft von ca. 720 kg TNT.
Die auf dem zurückgelassenen Rover-Fahrzeug montierte Fernsehkamera wird
zuvor - ebenfalls von Houston aus - in Richtung des Aufschlagpunktes gedreht.
Man will versuchen, den Ablauf des Ereignisses nicht nur auf Grund von Bodenerschütterungen, die das neu installierte Seismometer erfaßt, sondern auch opti
zu beobachten. Wenn es gelingt, wäre dies das erste Mal. Die Besatzungen von
APOLLO-Raumschiffen in der Mondumlaufbahn bemühten sich bisher vergeblich, den
Aufsturzort auszumachen. Die Entfernung von mehr als 100 km zur Mondoberfläche
ist dafür einfach zu groß.
An die Auswirkungen des Einschlags natürlicher Meteorite kommt aber weder
das Experiment mit der Mondfähre noch mit der fast neunmal schwereren S-IV/BRaketenstufe heran. So erwies sich der Aufsturz eines Meteoriten im Mai 1972
auf der Mondvorderseite als ein Ereignis besonderer Art. Die Einschlagenergie
entsprach der Sprengkraft von 200 Tonnen TNT, die Druckwellen wurden noch aus
mehr als 1 000 km Tiefe reflektiert. Ein zweiter Meteoritentreffer im Juli 1972
auf der Rückseite des Erdtrabanten alarmierte jedoch die gesamte wissenschaftliche Welt - die Druckwellen mußten, da sie von den Stationen auf der Vordersei
registriert wurden, den ganzen Mondkörper durchlaufen haben. Die Auswertungsergebnisse dürften somit auch Hinweise auf den - vielleicht flüssigen - Mondkern
geben.
Von dem bei APOLLO 17 erstmalig angewandten Sprengkapsel-Experiment sind
allerdings nur Aufschlüsse über oberflächennahe Schichten zu erwarten. Auf den
Rover-Fahrten wird Astronaut Schmitt insgesamt acht Sprengkapseln verschiedener
Größe auslegen. Sie werden in 500 bis 3 500 m Abstand von vier Geophonen plaziert, die ihrerseits an den Eckpunkten eines gleichseitigen Dreiecks von

-2-

�von 90 m Seitenlänge und in der Dreiecksmitte zu installieren sind. Erst nach
der Rückkehr zur Erde sollen durch Funkkommandos aus Houston die Sprengkapseln
gezündet werden.
Die Betriebsenergie für die Instrumente der Meß-und Experimentierstation
liefert wiederum eine Radionuklidbatterie, die die Zerfallswärme eines künstlichen Radioisotops in elektrischen Strom umwandelt. Die Lebensdauer einer solchen "Atombatterie" überrascht selbst die Fachleute. Ein Jahr hatte man der
Stromquelle der ALSEP-Stationen gegeben - aber der Radionuklidgenerator an der
APOLLO 12-Station ist nun schon drei Jahre in Betrieb, und nichts läßt darauf
schließen, daß er in absehbarer Zeit ausfallen könnte.

++++

•3-

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47/1972

AFFEN NEHMEN RÖNTGENSTRAHLEN WAHR
--(AD)-- Daß manche Tiere für Schallwellen sehr hoher Frequenz, für die
der Mensch taub ist, sehr empfindliche Aufnahmeorgane haben, ist unter
anderem durch Forschungen mit Fledermäusen und, seit etwa eineinhalb Jahrzehnten, mit Meeressäugetieren hinreichend bekannt geworden. Ähnlich krasse
Unterschiede bestehen vielfach zwischen menschlichem und tierischem Sehund Riechvermögen. Bei Experimenten mit Affen wies nun Dr. Thomas Chaddock
von der Staatsuniversität Florida nach, daß diese Röntgenstrahlungen wahrnehmen können, und zwar sowohl mit den Augen als auch mit der Nase.
Als erstes wurde der Geruchssinn von Affen für Röntgenlicht getestet,
wobei sich die Tiere in einer hell erleuchteten, echofreien Kammer befanden.
Sie reagierten sofort auf jeden Blitz von Röntgenlicht, bis durch einen operativen Eingriff der Geruchssinn ausgeschaltet worden war. Dann führte Chaddock
die Experimente in einer total abgedunkelten Kammer weiter, wobei innerhalb
eines bestimmten

Versuchsabschnitts das Sehvermögen durch vorübergehende

Fixierung der Augenlider beeinträchtigt wurde. Die Tiere reagierten nur, wenn
sie die Lider öffnen konnten. Schließlich stellte Chaddock durch weitere Experimente, bei denen er das Farbensehen testete, fest, daß "Blau" die Farbe
ist, in der den Affen das Röntgenlicht erscheint.

+-H-t-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Umfassende US-Vorbereitungen auf neue GATT-Verhandlungsrunde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amt für Ost-West-Handel im US-Handelsministerium&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Frage der amerikanischen Lohn- und Preiskontrollen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetisches Erdgas für amerikanische Wohnungen?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausstellung "Pumpen, Kompressoren und Ventile"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Überangebot an Akademikern in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Thomas H. Elliston&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Farbfernsehsendungen aus dem Raumschiff&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Seismische Untersuchungen auf dem Mond&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Affen nehmen Röntgenstrahlen wahr</text>
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46

15. November 1972

Inhalt
INFORMATION:

Vier Maßnahmen zur Eindämmung des internationalen Terrorismus
Von George Bush
Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen

DOKUMENTATION:
Eine politische Absichtserklärung Präsident Nixons
WIRTSCHAFT:

1

Eberle erläutert amerikanische Handelspolitik vor dem GATT
-AuszügeUSA lehnen Gegenpräferenzen nachdrücklich ab
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Biologische Experimente
Von G.Weiss
"Künstliches Wetter" ist meldepflichtig
Sonderstipendien für Ausbildung von Krebsspezialisten

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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46/1972

VIER MASSNAHMEN ZUR EINDÄMMUNG DES INTERNATIONALEN TERRORISMUS
Von George Bush
Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen

WASHINGTON —(AD)-- Die Völkergemeinschaft sieht sich in jüngster Zeit einem
neuartigen bedrohlichen Phänomen - der Internationalisierung des Terrors gegenüber, wobei die Terrorakte in Länder getragen werden, die dem eigentlichen Konfliktsherd weit entfernt sind. Kein Land ist gegen diese Gefahr
immun.
Wir erleben Flugzeugentführungen, Bedrohungen der Handels-und Transporteinrichtungen sowie Entführung und Ermordung von Diplomaten. Ihren dramatischen Höhepunkt hat diese neue Form des Terrors in den entsetzlichen Geschehnissen wie dem Massaker auf dem Flugplatz von Lod und dem Blutbad von München
gefunden.
Präsident Nixon ist energisch entschlossen, diesen Akten eines internationalen Terrors ein Ende zu setzen. Als Mitglied des auf Kabinettsebene gebildeten Präsidialausschusses zur Bekämpfung des Terrors bin ich mit den Ge ~
danken und Sorgen des Präsidenten auf diesem Gebiet bestens vertraut.
Die

�Die Schaffung des Präsidialausschusses stellt lediglich einen von mehreren
Schritten dar, der in den Vereinigten Staaten gegen den Terror unternommen wird.
Der amerikanische Kongreß hat jüngst eine Gesetzesvorlage verabschiedet, wodurch Verbrechen gegen ausländische Diplomaten und offizielle ausländische
Gäste, die den Beziehungen der USA zu anderen Ländern schaden könnten, unter
die Jurisdiktion des Bundes fallen. Gleichzeitig werden alle in die USA Einreisenden einer eingehenderen Kontrolle unterzogen, um Terroranschläge in den
Vereinigten Staaten zu verhindern.
Auf internationaler Ebene gibt es vier konkrete Maßnahmen, die unter den
Auspizien der Vereinten Nationen unternommen werden könnten und unternommen
werden sollten;

1.

Eine Konferenz mit entsprechenden Vollmachten sollte einberufen werden,

um eine Konvention zum Schutz der Diplomaten zu beschließen, die auf der Grundlage des sehr brauchbaren Konventionsentwurfes ausgearbeitet werden könnte, den
die Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen erstellt hat. Der Entwurf
sieht die Auslieferung oder Strafverfolgung an Ort und Stelle solcher Personen
vor, die Akte von Gewaltanwendung gegen Diplomaten außerhalb der Rechtsprechung
oder räumlich weit entfernt von dem Land begehen, dessen politische Verhältnisse durch diese Gewaltakte verändert werden sollen. Das Ziel ist es, den Terroristen jede Möglichkeit einer sicheren Zuflucht zu nehmen und damit vor jeder
Art Terror abzuschrecken.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß der Rechtsausschuß der UN-VollVersammlung selbst als derart bevollmächtigte Konferenz im Herbst 1973 in Aktion treten und eine solche Konvention beschließen wird.

2.

-2-

�2.

Es sollte eine "allgemeine Konvention" vorbereitet werden, die die Aus-

lieferung oder Strafverfolgung all jener vorsieht, die Terrorakte ausführen,
bei denen unschuldige Privatpersonen zu Schaden kommen können. Die Vereinigten
Staaten haben im September in der UN-Vollversammlung einen vollständigen Entwurf
für einen solchen Vertrag, der diesen Grundsatz umfaßt, zirkulieren lassen. Dieser Entwurf wird im Verlauf der Sitzungen der Vollversammlungen noch diskutiert
werden.

3.

Alle Staaten sollten aufgefordert werden, die Konventionen von Tokio,

Den Haag und Montreal zu unterzeichnen und sich an sie zu halten, die im Rahmen
der Internationalen Zivilen Luftfahrtorganisation (ICAO. der Vereinten Nationen
abgeschlossen wurden und die Auslieferung oder Strafverfolgung von Personen vorsehen, die Flugzeuge entführen oder in anderer Weise die internationale zivile
Luftfahrt stören.

4.

Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe der ICAO, den Luftverkehr nach all

jenen Ländern einzustellen, die eine Auslieferung oder Strafverfolgung solcher
Personen verweigern, sollten Unterstützung finden.
Die Vereinigten Staaten treten dafür ein, den Bestimmungen der Verträge
gegen Luftpiraterie die notwendige Schärfe zu geben. Sie stoßen in ihren Bemühungen aber bedauerlicherweise auf eine gewaltige Opposition.
Das Traurige an der Sache ist, daß eine solche Opposition nicht nur in
bezug auf die erforderliche Schärfe dieser Vertragsbestimmungen besteht, sondern
auch massiv zu Tage trat, als UN-Generalsekretär Waldheim die Vereinten Nationen
zur offenen Erörterung des gesamten Fragenkomplexes des Terrorismus aufforderte.
Viele arabische Länder vereinten sich in dieser Opposition, weil sie wohl
glauben, daß jede Erörterung des Terrors zwangsläufig zu einem Vorstoß gegen
gewisse palästinensische Organisationen führen würde.
Auch

-3-

�Auch eine ganze Reihe afrikanischer Länder wehrte ;ich dagegen, die Erörterung des Terrors auf die Tagesordnung der Vollversammlung zu setzen, wobei
sie unbeirrt daran festhielten, daß ein solcher Tagesordnungspunkt die Guerillatätigkeiten der "Befreiungs"-Kräfte in Afrika beeinträchtigen würde.
Unsere Aufgabe war und ist es, all diese Länder davon zu überzeugen, daß wir
bei unserem unbedingten Eintreten für den Vorschlag des Generalsekretärs nicht
auf eine bestimmte Gruppe abzielen.
Wir müssen klarstellen, daß wir uns einzig und allein darum bemühen, zu
einem Abkommen zu gelangen, wonach bestimmte Gewaltakte als Terror gekennzeichnet
werden und verurteilt und geächtet werden sollten - Akte wie Luftpiraterie, Versendung von Briefbomben, Entführung von Diplomaten und andere Gewaltmaßnahmen,
wie wir sie in den vergangenen Monaten und Jahren erleben mußten.
Angesichts der weitverzweigten und starken politischen Opposition,die dieses Bemühen bei den Vereinten Nationen findet, bin ich, offen gesagt, nicht gerade optimistisch, daß es uns gelingen wird, zu den konkreten Ergebnissen zu
kommen, die die Vereinigten Staaten so dringend wünschen und die alle zivilisierten Menschen auf der Erde fordern.
Ich kann Ihnen jedoch

versichern, daß wir uns auch weiterhin nachdrücklich

um solche positiven Ergebnisse bemühen werden.

•I-H-H

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46/1972

EINE POLITISCHE ABSICHTSERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS
Präsident Nixon hat in einem Interview mit
Garnett D. Horner von der amerikanischen Zei-»
tung "Washington Star-News" seine Vorstellungen und Absichten für seine zweite vierjährige Amtsperiode als Präsident der Vereinigten
Staaten dargelegt. Das Interview wurde am 5.
November aufgenommen und am 9 November veröffentlicht. Wir geben hier die Passagen wieder, die die Außenpolitik betreffen sowie die
zusammenfassende Darstellung
Copyright (c) The Washington,D.C.Star-News 1972
Außenpolitik

Das erste Jahr wird sehr bewegt werden. Wir werden zu SALT II kommen. Und
wir werden natürlich zu der Europäischen Sicherheitskonferenz kommen • und auf
einem parallelen Kanal werden wir zu MBFR - der beiderseitigen, ausgewogenen
Truppenverringerung - kommen Wir werden den Dialog mit der Volksrepublik China
fortsetzen, obwohl das ein Prozeß auf lange Sicht ist. Es wird keine plötzlichen
Ereignisse geben. Es wird keine Änderung, keinerlei Änderung, in unserer Politik
gegenüber Kuba geben - es sei denn, Castro ändert seine Politik gegenüber

•

!

•

�gegenüber Lateinamerika und den Vereinigten Staaten - womit ich nicht rechne.
Dem Nahen Osten wird eine sehr hohe Priorität eingeräumt werden, weil der Nahe
Osten während der letzten Jahre sich zwar in einer Periode einer unsicheren Waffenruhe oder eines unsicheren Waffenstillstandes - wie immer man das bezeichnen
will -. befunden hat, er jedoch jederzeit explodieren kann.
Was nun andere Teile der Welt angeht, so möchte ich nicht den Eindruck erwecken, daß Lateinamerika und Afrika keine Aufmerksamkeit erhalten werden; sie
werden es, denn kein Teil unserer gegenwärtigen Politik wird als heilige Kuh
behandelt werden. Ich werde unsere Lateinamerika-Politik und unsere Afrika-Politik überprüfen, um festzustellen, wie unsere Programme in diesen Gebieten verbessert werden können.
Auf internationalem Gebiet müssen wir uns daran machen, ein stabileres Währungssystem zu bekommen, und wir müssen auf dem Gebiet des Handels etwas tun,
damit die Vereinigten Staaten auch weiterhin in ihren Handelsbeziehungen zu anderen Ländern eine angemessene Chance erhalten können.
Ich möchte daher sagen, daß die nächsten vier Jahre vielleicht nicht so
spektakulär sein werden wie das Jahr 1972 - als wir die Öffnung nach Peking
hatten, das erste Gipfeltreffen mit den Russen und die internationalen Währungsschritte vom 15. August (1971) - daß die nächsten vier Jahre jedoch auf dem aufbauen und sogar mehr erreichen werden, da es sich damals im wesentlichen um die
ersten Schritte handelte, die den Weg für sehr viel größere Schritte in der Zukunft öffneten.
So wird beispielsweise SALT II wichtiger sein als SALT I. Es wird mehr erreichen. Es wird mehr von einer Begrenzung bringen. Das gilt für die Europäische
Sicherheitskonferenz, für den Nahen Osten, für all diese Gebiete. Zu Vietnam
möchte ich folgendes sagen: Wenn ich erk Ire, daß ich absolut zuversichtlich

.2-

�zuversichtlich bin, daß wir eine Regelung erreichen werden, dann dürfen Sie
sich darauf verlassen.
Von der Annahme ausgehend, daß es eine Regelung in Vietnam geben wird, wurde
der Präsident nach der Zukunft Südostasiens in den nächsten vier Jahren gefragt:
Es wird sich um eine Zukunft handeln, in der wir unseren Freunden in diesem Gebiet weiterhin Wirtschaftshilfe gewähren werden - und auch einige Militärhilfe, da die kommunistischen Länder dieselbe Art von Hilfe an Nordvietnam
gewähren werden. Wir werden, wie wir erklärt haben, auch Nordvi,etnam einige
Hilfe auf wirtschaftlicher Basis gewähren.
Unser Interesse besteht nicht nur darin, ein Abkommen herbeizuführen, das
den Krieg jetzt beendet, sondern wir wollen auch einen Einfluß auf die Ereignisse in der Zukunft haben, und es ist sehr viel bessei , zu den Nordvietnamesen eine Beziehung zu haben als keine.

Zusammenfassung
Der Präsident hat in seinen Äußerungen oft zu verstehen gegeben, daß er
vor der Geschichte einmal als ein Präsident dastehen möchte, der eine neue Ära
des Friedens eröffnet hat, und er wurde in diesem Zusammenhang gefragt, ob er
auf innenpolitischem Gebiet dies auch wolle.
Lassen Sie mich in Bezug auf den weltpolitischen Aspekt sagen, daß ich
dies ein wenig abwandeln möchte. Ob die Vereinigten Staaten, als die einzige
Nation, die in der freien Welt mächtig genug ist, um diese Rolle zu übernehmen,
sich dieser Aufgabe gewachsen zeigt und auf dem Weg zu dieser neuen Periode
des Friedens vorangeht - das ist die eigentliche Fraget ob wir uns ihr gewachsen
erweisen oder zum Isolationismus zurückkehren.
Das

-3-

�Das ist auch der Grund, warum ich dies als eine der entscheidend wichtigen
Fragen dieses Wahlfeldzuges betrachtete. Ein schwächeres, sich nach innen wendendes Amerika wäre meiner Ansicht nach für die Menschen in unserem Lande nicht
gut gewesen. Darüber aber ließe sich immerhin noch streiten. Für die Welt jedoch wäre dies eine Katastrophe gewesen, weil die kleineren Nationen ohne Mitwirkung Amerikas auf der weltpolitischen Szene in Furcht und Schrecken leben
müßten, weil dadurch ein Vakuum der Macht entstünde. Dieses Vakuum ist gefüllt.
Die Vereinigten Staaten unterhalten jetzt Beziehungen zur Sowjetunion und
zu den Chinesen, von denen die eine eine Supermacht ist und die anderen das Potential für die Zukunft haben. Es ist dies eine gesunde Beziehung, aber auch eine
Beziehung, in der unsere Stärke stets beibehalten werden muß, bis wir zu einem
gemeinsamen Abkommen über ihre Reduzierung gelangen.
Was nun die Szenerie der Innenpolitik anbetrifft: Ich glaube, die Tragödie
der sechziger Jahre besteht darin, daß so viele Amerikaner - und vor allem so
viele junge Amerikaner - den Glauben an ihr Land, an das amerikanische System
und die Außenpolitik ihres Landes verloren haben. Viele wurden dazu gebracht, zu
glauben, daß sie sich über das schämen müßten, was wir in der Außenpolitik getan haben und in der Welt weiterhin tun, daß wir uns zu schämen hätten über das,
was Amerika alles getan hat.
Viele Amerikaner gewannen den Eindruck, daß dies ein häßliches Land ist,
rassistisch, ohne Mitgefühl für den anderen - und der Grund dafür lag zum Teil
in dem Bestreben

einiger, jeden kleinen Fleck bei uns herauszustellen und ihm

das Aussehen eines Krebsgeschwürs zu geben.
Nun, wir sehen ein: dies isp kein vollkommenes Land. Es gibt vieles, was
falsch ist und der Korrektur bedarf. Aber was ich nun sage, sage ich keineswegs
in chauvinistischem Sinne - ich habe die Welt gesehen und ich kenne keinen jungen

-4-

�jungen Menschen im Ausland, der - wenn er die Möglichkeit hätte - nicht lieber
hier als an irgendeinem anderen Olt leben würde.
Es geht nun meiner Ansicht nach nicht einfach darum, in den Amerikanern wieder einen neuen Stolz in ihr Land zu erwecken - die Mehrzahl der Amerikaner ist
stolz auf ihr Land

Sie sehen ja, wie sie reagieren.

Aber sie müssen dies nicht in dem blinden Glauben tun: "Dies ist mein Land,
ob Recht oder Unrecht, es ist mein Land." Wir wollen, daß sie wissen, warum
dieses Land Recht hat. Um das Gebiet der Außenpolitik zu nehmen: wir wollen das
amerikanische Volk dazu bringen, daß es stolz au,f die Rolle ist, die sein Land
auf außempolitischen Gebiet spielt

Ich glaube, daß die Reisen nach Peking und

Moskau in dieser Hinsicht geholfen haben. Ich glaube, das Volk sah, daß die Vereinigten Staaten führend waren in der Welt im Bemühen um Frieden, und daß wir
die einzigen waren, die dies tun konnten. Sie waren stolz auf ihr Land.
Wir werden auch weiterhin eine Führungsrolle dieser Art übernehmen.
Im eigenen Land werden wir - so glaube ich - etwas von dem in den sechziger
Jahren verlorengegangenen Glauben wiedergewinnen, wenn wir uns auf die Chancengleichheit für alle hinbewegen

die freilich nicht über Nacht kommen wird -

aber wenn wir, wie gesagt, auf sie hinarbeiten, wenn wir uns daran machen, die
Probleme der Umwelt in den Griff zu bekommen, handele es sich nun um reine Luft,
um ein besseres Gesundheitssystem oder um Verbesserungen des Erziehungswesens
- wenn wir auf all diesen Gebieten zu Fortschritten gelangen.
Ich glaube, wir sind von ihrer eigentlichen Frage etwas abgeschweift, aber
worüber wir hier meiner Ansicht nach reden, ist, daß wir in diesem Land Ende der
sechziger Jahre eine sehr große geistige Krise durchgemacht haben; viele haben
den Vietnamkrieg dafür einzig und allein verantwortlich machen wollen. Er aber
bildete nur einen Teil des Problems und in vielen Fällen war er auch eigentlich

-5-

�eigentlich mehr eine Entschuldigung als eine Begründung, Wir erlebten aber jedenfalls einen Zusammenbruch in der, wie ich ganz offen sagen möchte, Führungsschicht dieses Landes.
Ich sage dies nicht tadeln, weil viele ihren Glauben in zahlreiche unserer
Institutionen verloren haben. Da ist beispielsweise dieser gewaltige Trend zur
Nachgiebigkeit, der dann zu der Eskalation der Kriminalität und der Eskalation
des Drogenmißbrauchs in diesem Lande führte - all dies war ein Resultat der
Haltung jener unter uns, die im Grunde die Verantwortung und die Aufgabe der
Führung tragen und nicht erkannten, daß man vor allem eins nicht darf: den Charakter eines Volkes schwächen.
Lassen Sie mich versuchen, es andersherum zu sagen. Eine Frage, die Sie
nicht berührt haben, ist der große Komplex der Rechtsprechung . Ich habe mehrfach gesagt, daß ich auch weiterhin konservative Richter an die Gerichtshöfe berufen werde. Ich werde es. Die Gerichte brauchen sie; sie brauchen Männer wie
Rehnquist und Burger und Blackmun und Powell an den Gerichten - nicht reaktionäre
Richter, sondern konservative Männer, die auf dem Boden der Verfassung stehen,
weil der Trend zu weit in die andere Richtung gegangen ist. Ich will damit nicht
sagen, daß es nicht Richter waren, die das beste wollten, aber ich glaube nicht,
daß das der richtige Trend für dieses Land war, und ich bin der Ansicht, daß wir
diesen Trend auf dem gesamten Gebiet des Re;htsvollzugs umkehren müssen.
Was die Drogen und all das anbetrifft - so werden wir auch hier weiterhin
^in sehr energisches Programm fortsetzen, weil diese ganze Ära der Duldsamkeit
und Nachgiebigkeit hier ihren Einfluß gehabt hatNun meine ich mit dem, was ich gesagt habe, nicht, dai&gt; wir uns zur Reaktion
hinwenden. Ich meine nicht, da.j wir nun in eine Haltung verfallen sollten, die

-6-

�die kein Mitgefühl mit denen hat, die keine Schuld für manche ihrer Probleme
tragen. Aber ich bin zutiefst überzeugt, daß dieses Land ein neues Gefühl der
Selbstdisziplin will - daß diese Wahl zeigen wird, daß das amerikanische Volk
ein solches neues Gefühl der Selbstdisziplin und Verantwortung will, damit
stark sein wird und nicht zu den Vorstellungen der sechziger Jahre zurückkehren
möchte, nämlich, daß es Aufgabe einer Regierung sein sollte, jedes auftretende
Problem zu lösen und die Bevölkerung mehr und mehr von ihr abhängig zu machen,
so daß diese alL ihren Launen nachgibt.
Das Durcheinander bei der Wohlfahrt ist ein Beispiel. Diese zahlenmäßige
Eskalation bei der Wohlfahrt ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß
etwas geschwunden ist, was ich als Arbeitsethos bezeichne. Ich weiß, daß man es
als reaktionär betrachtet, wenn gesagt wird, die Leute sollten lieber arbeiten
als Wohlfahrtsempfänger werden. Ich weiß auch sehr wohl, daß es Leute gibt, die
nicht arbeiten können und von der Wohlfahrt leben müssen. Aber auf der anderen

Seite geht es bei dieser Wahl mit darum, ob wir noch mehr Geld an die Leute verteilen und die Menschen mehr und mehr von der Regierung abhängig machen sollen,
ihr
i der ob wir sagen sollen, es liegt an Euch selbst. Die Menschen werden/ Teil an
der Last tragen müssen.
Der Durchschnittsamerikaner ist wie das Kind in der Familie. Man überträgt
ihm eine Aufgabe, und es wird etwas aus ihm. Es wird etwas leisten, Macht man es
auf der anderen Seite völlig abhängig, verwöhnt es und gewährt ihm zu viel, dann
wird es weich und verwöhnt und schließlich zu einem sehr schwachen Menschen
Ich möchte das einfach mit folgenden Worten zusammenfassen: Wenn Sie auf die
kommenden vier Jahre blicken - an der innenpolitischen Front und an der internationalen Front - dann wird das eine erregende Zeit sein: International gesehen, weil wir uns nicht, wie unsere Gegner das befürwortet haben, von der Welt
zurückziehen, sondern auf vielen Gebieten weiterhin eine große Rolle in der Welt
spielen werden, da das der einzige Weg ist, den Frieden zu bekommen, von dem wir
sprechen.
Was

-7-

�Was die innenpolitische Front anbetrifft, so wird die Zeit erregend sein,
weil wir die Dinge anders anpacken werden. In der Vergangenheit ist man immer
davon ausgegangen, die meisten Stimmen bringt, wer am meisten verspricht

Mit

anderen Worten, es ging darum, wieviel man versprach, wieviel Geld man für dies
oder jenes Programm zusagte. Dies war der erste Wahlkampf in der Geschichte,
wie man erleben wird, ja vielleicht der ;rste Wahlkampf eines Kandidaten überhaupt, der nicht mit ein i: ^ack voll Versprechungen herumzog.
ich habe mich an mein Programm gehalten und ich habe nicht einen Haufen
neuer Versprechungen gemacht. Das ist ein Fall, wo das amerikanische Volk
zwischen einem Kandidaten zu wählen hatte, der versprach, Milliarden mehr von
seinem (des amerikanischen Volkes) Geld auszugeben, um letztlich, wie es hieß,
ihm (dem Volk) zu helfen, und einem anderen Kandidaten, der erklärte, nein,
wir versprechen nicht, das zu tun; wir versprechen,Euch

die Chance zu geben,

Euch selbst zu helfen.
Das amerikanische Volk wird sich zu diesem Punkt äußern. Unsere Aufgabe
ist es, einen Weg zur Reform unserer Regierungseinrichtungen zu finden, damit dieser neue Geist der Unabhängigkeit, des Selbstvertrauens, des Stolzes,
den ich im amerikanischen Volke spüre, gestärkt wird. Ich glaube, daß dieser
Geist vorhanden ist.
Ich bin mir durchaus darüber im kl ren, daß das, was ich hier gesagt habe,
in vielen Gegenden Washingtons, beim Cocktail Set in Georgetown, einiges Kopfschütteln hervorrufen wird. Diese Leute glauben ernsthaft, daß die Lösung der
Probleme immer in neuen massiven Regierungsprogrammen zu finden sei. Ich bin
völlig anderer Meinung, kri ichmal bedarf es eines neuen Programms. Was wir jedoch heute brauchen, ist nicht mehr Regierung, sondern bessere Regierung. Ich
bin mir darüber im klaren, daß das ein Klischee ist, aber statt mehr soll
besser stehen, und oft ist das bessere nicht das Umfassendere, sondern das
Magerere .
Wir

-8-

�Wir werden einen anderen Weg gehen. Statt daß die Regierung mehr für

das

Volk tut und das Volk immer abhängiger von ihr macht, stehe ich dafür ein,
daß die Regierung Mittel und Wege findet, es dem Volk durch Regierungsprogramme
zu ermöglichei , mehr für sich selbst zu tun; es ermutigt, mehr für sich selbst
zu tun; es nicht nur ermutigt, sondern ihm auch den Anreiz gibt, selbst mehr
für sich zu tun; ohne Hilfe der Regierung.

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46/1972

EBERLE ERLÄUTERT AMERIKANISCHE HANDELSPOLITIK VOR DEM GATT
-Auszüge-

GENF --(AD)-- Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,
Botschafter William D. Eberle, hat vor dem GATT die Ziele der amerikanischen
Handelspolitik dargelegt. Die wichtigsten Teile der Rede Eberles haben
folgenden Wortlaut:
Beseitigung der Zölle
Was den Handel selbst anbetrifft, so bereitet sich meine Regierung gegenwärtig intensiv auf multilaterale Handelsverhandlungen vor.
Wir erwarten von solchen Verhandlungen, daß sie alle Aspekte der Handelsbeziehungen umfassen.
Das GATT hat auf dem Gebiet der Zölle einen äußerst wichtigen Beitrag zur
Handelsliberalisierung geleistet. Die Bedeutung der Zölle hat sich ganz eindeutig während des letzten Viertel Jahrhunderts -gemessen an der bei anderen
Handelshindernissen und Handelsverzerrungen verfolgten Politik - wesentlich verringert. Aber wir dürfen auch die Bedeutung der Zölle nicht unterschätzen, vor
allem in bezug auf das effektive Maß an Schutz, das sie gewähren. Angesichts
des bereits erzielten bedeutenden Fortschritts beim Abbau der Zölle, dürfte die

-1-

�die Zeit bald gekommen sein, da wir ernsthaft mögliche Programme für ihre phasenweise Beseitigung erwägen werden.

Nicht-tarifäre Handelsschranken
Was die Politik auf dem Gebiet der nicht-tarifären Handelsschranken und bei
anderen Handelsverzerrungen anbetrifft, so sollten unseres Erachtens alle Anstrengungen unternommen werden, diese Quellen der Verzerrung und der Reibungen
in den Handelsbeziehungen zu beseitigen. Wo die Ursache des Problems darin zu
suchen ist, daß die nationale Politik und die nationalen Praktiken voneinander
abweichen oder im Widerspruch zueinander stehen, eine Beseitigung der Kontrollen
jedoch nicht im Einklang mit den sozialen Zielen liegt, sollten unseres Erachtens gemeinsame Verpflichtungen auf gemeinsame Regeln und Verfahren angestrebt
werden. Dies würde die Möglichkeit zumindest verringern oder ganz beseitigen,
daß nicht-tarifäre Maßnahmen zur Begünstigung einer Gruppe gegenüber einer anderen oder eines Landes gegenüber einem anderen angewandt werden. Damit würden wir
alle harmonisierten Konzeptionen von dem, was recht und was falsch ist, unterworfen sein.
Landwirtschaft
Unseres Erachtens ist es unbedingt erforderlich, für eine beträchtliche Ausweitung des Welthandels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu sorgen und die
verschiedenen nationalen Werkzeuge der Agrarpolitik, die zu größeren Verzerrungen
und Störungen führen, unter eine internationale Ordnung zu bringen. Die Notwendigkeit einer Reform auf diesem Gebiet ist groß. In den Verhandlungen im Laufe
der Jahre ist es nicht gelungen, eine wesentliche Liberalisierung herbeizuführen. Die GATT-Bestimmungen sind unzulänglich, und wo solche bestehen, haben die

-2-

�die Regierungen sie oft ignoriert oder Wege zu ihrer Umgehung gefunden.
Wenn ich die Landwirtschaft besonders heraushebe, so liegt das daran, weil
diese unseres Erachtens eines der deutlichsten Beispiele dafür ist, welche Gefahren Handelspraktiken bilden, die nicht durch gemeinsam vereinbarte Regeln
kontrolliert werden. Industriestaaten und Entwicklungsländer haben in gleicher
Weise ein grundlegendes Interesse daran, die Stärke ihres Agrarsektors aufzubauen und zu erhalten. Dies sollte jedoch nicht in einer Weise geschehen, die
den Bauern anderer Länder Lasten auferlegt, noch auf eine Weise, die auf lange
Sicht das Streben nach größerer Effizienz der Gütererzeugung der Welt zunichte
macht .

Schutz
Wir werden ferner Wege finden müssen, um eine gewisse Harmonisierung der
verschiedenen nationalen Schutzmaßnahmen zu erreichen, die zu einer Verminderung des internationalen Handelsflusses für begrenzte Zeiträume ergriffen worden sind. Unseres Erachtens sollte ein neues internationales Schutzsystem entwickelt werden, das gemeinsame Verfahren für alle Länder vorsieht, sofern sie
besondere Maßnahmen zur Mäßigung des Tempos der binnenwirtschaftlichen Anpassungen ergreifen, die durch plötzliche Veränderungen der Handelsbedingungen
ausgelöst worden sind. Dies würde es einerseits den Ländern gestatten, spezielle Schutzmaßnahmen in besonderen Fällen durchzuführen, in denen ein Druck von
außen zu beträchtlichen binnenwirtschaftlichen Anpassungsschwierigkeiten führt.
Und auf der anderen Seite würde dies sicherstellen, daß durch solche Maßnahmen
benachteiligte Länder gerecht behandelt werden und daß die speziellen Maßnahmen
sich an die vereinbarten Bestimmungen und Zeitpläne halten. Dies würde Möglichkeit und Anreiz geben, um sicherzustellen, daß solche Maßnahmen auf eine
langfristige Anpassung an die sich ändernden Gegebenheiten auf den Weltmärkten
abzielen. Ein multilaterales Schutzsystem, das richtig aufgebaut ist, sollte

�sollte den Prozeß der weltweiten Handelsliberalisierung erleichtern, während
gleichzeitig die Unsicherheit der Zugangsbedingungen zu den Märkten verringert
wird, der sich die Exporteure in bestimmten Erzeugergebieten gegenübersehen
könnten.

Diskriminierung
Schließlich sind wir der Ansicht, daß solche Länder, die im Innern Diskriminierungen gegen ausländische Erzeugnisse sowie überholte Formen des Schutzes,
wie sie unter den Bedingungen einer anderen Zeit noch angebracht waren, aufrechterhalten, jetzt bereit sein sollten, ihre Politik wesentlich zu ändern und sich
mit uns zu gemeinsamen Verpflichtungen zusammenzuschließen.
Wir sind der Ansicht, daß das GATT, wenn wir jetzt Liberalisierung und
Entwicklung neuer Bestimmungen und Verfahren anstreben, als Institution wie
auch als Abkommen über Bestimmungen und Verfahren weiterhin von Wert ist. Trotzdem ist es nunmehr an der Zeit, die Stärke des GATT zu festigen und seine Schwächen zu beseitigen. Es muß anerkannt werden, daß sich seit der Zeit, da die Entwürfe für das GATT erstmals ausgearbeitet wurden, große Änderungen vollzogen haben. Auch innerhalb des GATT haben sich aufgrund täglicher Entscheidungen, oder
gerade weil keine Entscheidungen getroffen wurden, Änderungen vollzogen. Die
Praxis wird zur Regel, wenn sie sich oft genug wiederholt und wenn die Mitgliedstaaten nicht bereit sind, zu den betreffenden Fragen Stellung zu beziehen.
Unseres Erachtens kann es sich das internationale Handelssystem nicht länger leisten, daß wichtige Bestimmungen des Abkommens weitgehend übertreten werden. Es ist daher vordringlich und notwendig, die tägliche Arbeit des GATT zu
beleben und die Verfahren mit dem Blick auf konkrete Entscheidungen anzuwenden.
Wo es für die Vereinigten Staaten zum Beispiel seit langem Importbeschränkungen
gab, die mit dem GATT nicht zu vereinbaren waren

und sich gegen ihren Handel

�Handel richteten, werden wir jetzt jede einzelne zur Diskussion stellen mit dem
Ziel, eine baldige Übereinkunft über einen Zeitplan für eine Liberalisierung
oder.Kompensierung zu erreichen. Unseres Erachtens sollten wirksame Maßnahmen
in diesen Routinefragen im Rahmen der normalen Arbeit des GATT - ohne Zögern
und politische Reibungen - ergriffen werden.
Es besteht, wie Sie alle wohl wissen, in meinem Lande eine wachsende Besorgnis hinsichtlich einer etwaigen Aushöhlung der Anwendbarkeit des Prinzips
der allgemeinen Meistbegünstigung. Die Praxis, besondere Vereinbarungen auf
einer diskriminierenden Basis auszuhandeln, die auf die spezifischen bilateralen Probleme zwischen zwei Ländern oder Gruppen von Ländern zugeschnitten sind,
läuft unseres Erachtens dem Geist des GATT zuwider und steht auch im Gegensatz
zu den Bestimmungen von Artikel XXIV. Praktisch betrachten wir dies als eine
eindeutige Bedrohung der Vorstellungen von einem gerechten Wirtschaftssystem,
für das es nur eine Welt gibt und das von denen so stark hervorgehoben worden
ist, die direkt von einer monetären Reform betroffen werden. Wir teilen die
wachsende Besorgnis, daß die Ereignisse uns in eine Aufspaltung der Welt in
Blöcke oder fest abgeschlossene Einflußsphären hineinzwingen werden.
Aufgrund der Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des GATT hat es
das GATT vermieden, darüber zu beschließen. Die Praxis, Sondervereinbarungen
auszuhandeln, ist jetzt in den Beziehungen mit der

Europäischen Gemeinschaft

weitverbreitet. Was bedeutet allgemeine Meistbegünstigung jedoch? Gilt sie
nur wahlweise für bestimmte Länder?
Ich könnte das noch fortsetzen. Die Liste würde dann Probleme der Unzulänglichkeit und der Nichteinhaltung von Bestimmungen in der Landwirtschaft,
die Anwendung von Handelsmaßnahmen aus Zahlungsbilanzzwecken, Subventionen und
restriktive Schutzmaßnahmen einschließen. Ich könnte Bereiche nennen, wo der
Handel durch nationale Politik beeinflußt wird, aber die Bestimmungen für die

-5-

�die Bewältigung der aufgeworfenen Probleme nicht ausreichen. Hierunter fallen
die Beschaffungspolitik, administrative Maßnahmen, Innen-und regionale Politik.
Diese Probleme betreffen in der einen oder anderen Weise alle Mitgliedstaaten.
Bei der Vorbereitung von Handelsverhandlungen in den kommenden Monaten werden wir in Konsultationen den Rat unserer Handelspartner suchen, sowohl der
Industriestaaten wie auch der Entwicklungsländer. Wir hoffen, sie werden das
gleiche tun, so daß man die Verhandlungen wirklich als eine gemeinsame Initiative zum gemeinsamen Wohl betrachten kann. Wir werden in diesem Zusammenhang sorgfältig die Ansichten der Regierungen der Entwicklungsländer über die Rolle studieren, die ihnen vorschwebt. Multilaterale Handelsverhandlungen sind für ihre
Interessen von entscheidender Bedeutung. Auf den Handel entfallen 75 bis 80 Prozent ihrer Devisenquellen. Wege zur Unterstützung der Entwicklungsländer bei
ihren Verhandlungen und Verfahren zur Hinzuziehung von Ländern, die gegenwärtig
nicht dem GATT angehören, sollten in den kommenden Monaten sehr sorgfältig ausgearbeitet werden.
Ja, wir rechnen damit, daß die Probleme der Entwicklungsländer einen wichtigen Punkt der Vorbereitungsgespräche bilden werden, die unseres Erachtens geführt werden müssen.
Bei der Vorbereitung der Verhandlungen sollten Unterschiede zwischen den
Volkswirtschaften der Industriestaaten und der Entwicklungsländer gebührend berücksichtigt werden. Der Gesamtrahmen für die Verhandlungen sollte sicherstellen, daß die tatsächlichen Ergebnisse - was den Handel anbetrifft - die Möglichkeiten für den Zugang der Exporte der Entwicklungsländer zu den Märkten der Industriestaaten verbessern.
Meine

-6-

�Meine Regierung kennt das große Interesse der Entwicklungsländer und auch
das allgemeine Präferenzsystem. Wir werden eine legislative Ermächtigung zur
Ausweitung solcher Präferenzen anstreben. Die Tatsache sollte nicht übersehen
werden, daß auch ohne Präferenzen in der Zeit von 1%2 bis 1969 die Hälfte der
Fertigwarenimporte der Entwicklungsländer aus den Industriestaaten auf die Vereinigten Staaten entfiel.
Wir haben diesen Punkt offen gelassen in der Hoffnung, daß die Europäische
Gemeinschaft und die ihr beitretenden Länder uns eine umfassendere Darlegung
ihrer Ansichten geben werden, damit wir festlegen können, wie die Prüfung am
besten beschleunigt werden kann. Wir begrüßen die Erklärung des Sprechers der
erweiterten Gemeinschaft, daß die Verhandlungen über Artikel XXIV Absatz 6 bald
aufgenommen werden können. Die Arbeitsgruppe für die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft sollte die Ergebnisse der Verhandlungen genau verfolgen, ihren
Fortschritt von Zeit zu Zeit überprüfen und den Teilnehmerstaaten bei der Ausräumung etwa sich ergebender Schwierigkeiten helfen. Es wäre wünschenswert gewesen,
wenn diese Verhandlungen vor dem 1. Februar 1973 hätten abgeschlossen werden
können, wenn die beitretenden Länder die Bestimmungen des Beitrittsabkommens
anzuwenden beginnen. Ohne uns irgendwelcher Rechte auf Konzessionen zu begeben,
die gebrochen werden könnten, sind wir uns darüber im klaren, daß Neuverhandlungen
nicht vor dem 1. Februar abgeschlossen werden können. Unseres Erachtens sollten
die Verhandlungen im Februar beginnen und bis zu den Ferien im August abgeschlossen sein. Daher muß jetzt ein fester Termin für einen Beginn im Februar festgelegt werden, der für alle Mitgliedsstaaten fair ist, die Vorkehrungen treffen
müssen, damit das für die Verhandlungen benötigte Personal rechtzeitig in Genf
ist. Es müssen konkrete Ergebnisse erreicht werden.

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45/1972

USA LEHNEN GEGENPRÄFERENZEN NACHDRÜCKLICH AB
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -

WASHINGTON --(AD)-- Der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft hat am 6. und
7. November in Brüssel die beabsichtigte Handelspolitik der Gemeinschaft gegenüber den Mittelmeerländern erörtert. Noch vor dieser Tagung hatten die Vereinigten Staaten den Mitgliedern der E,WG gegenüber ihre Besorgnis zu einem
Aspekt der beabsichtigten Handelspolitik - den Gegenpräferenzen - zum Ausdruck
gebracht.
Die Vereinigten Staaten halten Gegenpräferenzen aus zwei Gründen für untragbar. Derartige Vereinbarungen ermöglichen die Einfuhr von Fertigerzeugnissen
aus der EWG in bestimmte Entwicklungsländer zu niedrigeren Zollsätzen, als sie

für Drittländer gelten. Gegenpräferenzen sind somit nach Auffassung der USA diskriminierend für die Exporteure anderer Länder.
Amerikanische Regierungskreise pflichten dem zwar bei, daß die Entwicklungsländer ein legitimes Recht auf Handel haben und auch für ihre Fertigerzeugnisse
besonderen Zugang zu den Märkten der Industriestaaten erhalten sollten. Eine
gesunde Volkswirtschaft in diesen Ländern ist zu einem erheblichen Teil vom
Außenhandel und den Absatzmärkten abhängig. Gegenpräferenzen begünstigen je-

-1-

�jedoch nicht die Entwicklungsländer, sondern die Industriestaaten Europas und
richten sich gegen die Exportinteressen dritter Länder - Industriestaaten wie
auch Entwicklungsländer. Zum Beispiel stehen die Vereinigten Staaten und andere
Industriestaaten, wie auch bestimmte Entwicklungsländer, bei zahlreichen Fertigerzeugnissen, Werkzeugmaschinen, Chemikalien und elektronischen Erzeugnissen
und bei Halbzeugen in einem scharfen Wettbewerb mit der EWG. Einzeln ausgehandelte Gegenpräferenzen mit Industriestaaten dienen nur dazu, den europäischen Erzeugnissen einen unfairen Vorteil zu verschaffen und die Märkte gegenüber der
Konkurrenz abzuschirmen. Und die Besorgnisse der Drittländer sind umso verständlicher, wenn man bedenkt, daß die Märkte für solche Erzeugnisse in den Entwicklungsländern sich noch mehr ausweiten werden, so daß die Diskriminierungen in
den kommenden Jahren eher größer als kleiner werden. Aber auch die zahlreichen
Entwicklungsländer, die nicht der Europäischen Gemeinschaft angehören oder mit
ihr assoziiert sind, werden ihren Export an Fertigerzeugnissen laufend ausweiten. Und diese Länder werden sich dann ebenfalls diskriminierenden Zollsätzen
gegenübersehen.
Zweitens sind die Vereinigten Staaten der Ansicht, daß Gegenpräferenzen ein
Hindernis für eine gesunde Entwicklungspolitik in den Entwicklungsländern selbst
darstellen. Wenn ein solches Land von Gegenpräferenzen abgeht, dann kann es
freier unter den Fertigerzeugnissen aller Länder wählen. Der freie Wettbewerb,
und auf lange Sicht niedrigere Preise und ein breiteres Warenangebot auf den
Binnenmärkten, werden damit gewährleistet. Nach Ansicht amerikanischer Regierungskreise sind zahlreiche Entwicklungsländer längst nicht so glücklich über
die Gegenpräferenzen,wie dies die Europäer vielleicht glauben mögen. Mehrere
Länder haben darauf hingewiesen, daß sie die Vereinbarungen über Gegenpräferenzen zwar nicht gut heißen, jedoch glauben, daß sie sie annehmen mußten, um die
Finanzhilfe und die Vorzugszölle zu erhalten, die sie auf den europäischen Märkten brauchen.
Aber

-2-

�Aber auch unter den Entwicklungsländern ergeben sich Probleme. Einige stellen fest, daß sie Gegenpräferenzen akzeptiert haben, während ihre Nachbarn dies
nicht getan haben. Die Folge ist, daß die ersteren beim Import von industriellen
Erzeugnissen an die Länder der EWG gebunden sind, während ihre Nachbarn zwar bevorzugten Zugang zu dem EWG-Markt erhalten haben, ohne daß sie aber den Preis
von Gegenpräferenzen zahlen mußten.
Die Vereinigten Staaten sind besonders besorgt über die ständige Ausweitung
der Zahl solcher Präferenzabkommen, die die Grundlagen des Allgemeinen Zoll-und
Handelsabkommens (GATT) untergraben. So besagt Artikel I des GATT, der grundlegend für das Prinzip der allgemeinen Meistbegünstigung ist, "...alle Vorteile,
Vergünstigungen, Vorrechte oder Befreiungen, die eine Vertragspartei für eine
Ware gewährt, welche aus einem anderen Land stammt oder für dieses bestimmt ist,
werden unverzüglich und bedingungslos für alle gleichartigen Waren gewährt, die
aus Gebieten der anderen Vertragsparteien stammen oder für diese bestimmt sind."
Das grundlegende Ziel der allgemeinen Meistbegünstigung ist es, diskriminierende
Handelsschranken gegen Erzeugnisse anderer Vertragsparteien zu beseitigen. Und
gerade dieses Prinzip wird nach Ansicht der Vereinigten Staaten durch die Präferenzabkommen gefährdet. Demgegenüber ist die Europäische Gemeinschaft der Auffassung, daß Präferenzabkommen und Gegenpräferenzen mit dem GATT zu vereinbaren
sind und zwar nach Artikel XXIV, der Freihandelszonen als Ausnahme zuläßt. Die
wachsende Zahl solcher Abkommen über Präferenzen und Gegenpräferenzen bedeutet
jedoch, daß die Ausnahme zur Regel wird, widerspricht also dem Prinzip der allgemeinen Meistbegünstigung und benachteiligt Drittländer. Das Vorgehen der EWG
muß also der amerikanischen Öffentlichkeit als Versuch erscheinen, für die europäischen Erzeugnisse einen großen Präferenzmarkt zu schaffen. Nach Ende der
Übergangsperiode werden die Erzeugnisse der EWG-Länder zollfrei oder zu Vorzugszöllen Zugang zu den Märkten zahlreicher Entwicklungsländer haben. Bei Importen
aus Drittländern werden dagegen die in diesen Ländern geltenden höheren Zölle
angewandt.
Zwischen

3-

�Zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft besteht grundlegende Übereinstimmung darüber, daß den Entwicklungsländern Handelsvorteile und Wirtschaftshilfe gewährt werden sollten. Die Amerikaner können
zwar die historischen und geographischen Bande akzeptieren, die zwischen den
europäischen Ländern und zahlreichen Entwicklungsländern besondere Beziehungen
geschaffen haben. Es wäre jedoch unmöglich, die amerikanische Öffentlichkeit
und den amerikanischen Kongreß davon zu überzeugen, daß Gegenpräferenzen für
eine gesunde Entwicklungspolitik notwendig und für Drittländer nicht diskriminierend sind. In den Vereinigten Staaten hinterlassen die Gegenpräferenzen
den Eindruck, daß die Europäische Gemeinschaft einen Präferenzhandelsblock für
europäische Waren errichtet. Amerikanische Regierungskreise sind der Auffassung,
daß die europäischen Länder die nachteilige

psychologische und politische Wir-

kung von Gegenpräferenzen auf die amerikanische Öffentlichkeit nicht genügend
berücksichtigen, die das Klima der Zusammenarbeit nachteilig beeinflussen könnten, das für einen Erfolg der bevorstehenden Verhandlungen über Währungs-und
Handelsreformen erforderlich ist.

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APOLLO 17:

46/1972

BIOLOGISCHE EXPERIMENTE
Von G.Weiss

--(AD)i-- Die drei Astronauten Eugene Cernan, Ronald Evans und Dr. Harrison
Schmitt sind nicht die einzigen Passagiere an Bord des APOLLO 17-Raumschiffes. Sie fliegen in Gesellschaft von einem halben Dutzend winziger
Mäuse und rund einer Milliarde von Mikroorganismen sowie Keimwurzeln und
Samen verschiedener Pflanzen. Allerdings wird davon, nichts zur Mondoberfläche transportiert. Sie verbleiben während der ganzen Dauer des Fluges an
Bord der AMERICA, wie kürzlich das APOLLO 17-Team das Mutterschiff taufte.
Bei den sechs Mäusen handelt es sich um eine Spielart der Taschenspringmaus, Gattungsname: Perognathus Lingotnembris. Die Mäuseart wurde deshalb ausgewählt, weil diese Tierchen sehr widerstandsfähig, genügsam und besonders leicht sind. Keines wiegt mehr als neun Gramm. Sie trinken kein Wasser.
Vielmehr beziehen sie die Flüssigkeit, die sie benötigen, aus Samenkörnern
- und davon werden sie auf dem 13-Tage-Flug genug zur Verfügung haben. Jede
Maus .

. lebt in einer eigenen Kapsel, in der sie sich wohl fühlen kann. Die

Kapseln sind in einen Kanister mit eigenem Sauerstoffversorgungssystem eingeschlossen, so daß sich die Astronauten nicht um die Mäusegesellschaft zu kümmern
brauchen. Den Tieren ist am Kopf ein winziger Detektor implantiert, der

-i-

�der kosmische Strahlenpartikel registriert. Nach der Rückkehr zur Erde werden die
Wissenschaftler zunächst die in Schichten konstruierten Detektoren

auf Kernspu-

ren prüfen, die energiereiche Strahlenpartikel beim Durchschlagen der Schichten
erzeugt haben. Einige der Mäuse werden über gewisse Zeit auf mögliche Sehschädigungen oder Reaktions-und Verhaltensveränderungen gründlich beobachtet, während
man bei den anderen sofort die Gehirnzellen auf Schädigungen untersucht, die
vielleicht unter der Einwirkung des Bombardements schwerer Kerne entstanden.
Noch weiß man viel zu wenig über das Phänomen der Zellschädigung, insbesondere der Schädigung von Nervenzellen, um Flüge von längerer Dauer - etwa über
mehrere Monate oder gar Jahre •• planen zu können. Das für 1973 vorgesehene Projekt SKYLAB dürfte hierzu erste ausführliche Informationen bringen; während die
Aufenthaltsdauer der jeweils drei Mann Besatzung im Weltraum von zunächst 28 Tagen beim zweiten und dritten Flug auf 56 Tage ausgedehnt werden soll, wird eine
Anzahl biologischer Präparate monatelang der Korpuskelstrahlung • jsgesetzt sein.
Für die Berichte von Astronauten, bei Flügen im Weltraum selbst bei abgedunkelter Kabine oder bei geschlossenen Augen Lichtblitze wahrgenommen zu haben,
fand die Wissenschaft inzwischen eine Erklärung. Man konnte durch Experimente
nachweisen, daß es sich bei diesen "Blitzen" um physiologische Reaktionen handelt^
die beim Durchgang energiereicher kosmischer Strahlenpartikel durch die Netzhaut
des Auges ausgelöst werden.
Die Raumfahrtbehörde NASA versucht gegenwärtig durch Experimente aller Art,
diesem Phänomen und der Art wie dem Ausmaß der biologischen Auswirkungen energiereicher Strahlung aus dem Kosmos nachzugehen. Deshalb kommt den beim Flug
APOLLO 17 mitreisenden Mikroorganismen und biologischen Materialien besondere Bedeutung zu. Die Versuchsanordnung, die in einem kleinen Kanister hermetisch abgeschlossen ist,trägt die Bezeichnung BIOSTACK II. Sie wurde unter der Leitung
von Dr. Horst Bücker von der Universität Frankfurt entwickelt und soll helfen,

-2-

�helfen, die Untersuchungen fortzuführen, die Dr. Bücker mit BIOSTACK I, einer
"Beiladung" für APOLLO 16, so erfolgreich begann.
Bei der Auswertung von BIOSTACK I hat sich u.a. herausgestellt, daß die
Entwicklungs-und Fortpflanzungsfähigkeit eines Teiles der Organismen und biologischen Materialien, zu denen z.B. Kressesamen, Krebseier, Bakterien und
Bakteriensporen gehörten, durch die Strahleneinwirkung beeinträchtigt worden
war. Inwieweit die Weltraumstrahlung, gegen die das Leben auf der Erde durch
die Lufthülle weitgehend geschützt ist, Mutationen hervorzurufen vermag, ist
eine Frage, zu deren Beantwortung BIOSTACK II manches beitragen kann.

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46/1972

"KÜNSTLICHES

WETTER" IST MELDEPFLICHTIG

—(AD)-- Am 1 November 1972 trat in den USA eine Verordnung in Kraft, derzufolge alle Versuche zur Wetterbeeinflussung innerhalb der Vereinigten Staaten und in «merikanischen Territorien dem US-Handelsministerium gemeldet werden müssen. Durch Regierungsverordnung sollen künftig auch die Behörden, die
sich mit solchen Unternehmungen befassen, in diese Meldepflicht einbezogen werden .
Wie Donald F, Moore von der für die Meldungen zuständigen Bundesbehörde
für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA) erklärte, soll damit in keiner
Weise ein Eingriff in Projekte zur Wetterbeeinflussung oder deren technische
Bewertung verbunden sein. Vielmehr gehe es z.B. darum, an zentraler Stelle
Daten über Art und Zweck solcher Vorhaben zu sammeln, welche dann wiederum
den Spezialisten, die sich mit derartigen Projekten befassen, zur Verfügung
stünden. Das Verfahren trage dazu bei, Doppelarbeit und, was unter Umständen
sehr wichtig sein kan• , regionale Überschneidungen in der Auswirkung einzelner
Projekte zu vermeiden. Die NOAA wird in Jahresberichten Zusammenfassungen der
entsprechenden Unterlagen veröffentlichen. Über die einruinon Projekte zur

-l-

�zur Wetterbeeinflussung sollen vor, während und nach dem Versuch Mitteilungen an
die NOAA mit Zwischenberichten und ausführlichen Berichten über die Resultate
gegeben werden.
Unter Wetterbeeinflussung werden alle Aktionen verstanden, mit denen künstliche Veränderungen von Vorgängen in der Atmosphäre, deren

Zusammensetzung und

Dynamik erreicht werden sollen - beispielsweise Impfen von Wolken und Nebelmassen, Nebelauflösung oder Beeinflussung von Luftströmungen unter Feuer-oder Hitzeeinwirkung, Freisetzen von Gasen, Staubpartikeln, Flüssigkeiten oder Aerosolen,
um die Strahlungsbilanz zu verändern, und Besprühen und Bestäuben von Land oder
Wasseroberflächen(auch mit Farben oder anderen Materialien), Freisetzen elektri. ch
geladener oder radioaktiver Partikel oder Ionen in der Atmosphäre, Anwendung von
Druck-und Schallwellen, Erzeugung von Luftbewegung durch Propeller oder Strahltriebwerke, Verwendung von Laserlicht oder anderen Quellen elektromagnetischer
Strahlung.

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46/1972

SONDERSTIPENDIEN FÜR AUSBILDUNG VON KREBSSPEZIALISTEN

--(AD)-- Mit einem neu aufgenommenen Stipendienprogramm will das "Nationale
Krebsforschungsinstitut", eine Abteilung der Medzinischen Bundesforschungsan •
stalten der USA in Bethesda (Maryland), Assistenzärzten, jungen praktischen
Ärzten und Zahnärzten Gelegenheit geben, sich zusätzlich auf eines der Gebiete der Krebskrankheiten zu spezialisieren. Man hofft, auf diese Weise mehr
Ärzte als bisher außerhalb der Klinik-und Forschungszentren mit dem Rüstzeug
von Spezialisten zu versehen und sie dafür zu gewinnen, an der Früherkennung,
Behandlung und Verhütung von Krebserkrankungen mitzuwirken.
Die Sonderausbildung, die bis zu drei Jahre dauern kann, wird in Kliniken
absolviert, die einen besonderen Ruf als Diagnose-und Behandlungszentren für
Krebskranke haben. Die Stipendiaten brauchen sich dabei nicht auf amerikanische
Institutionen zu beschränken, sondern können sich auch um einen Studienplatz
im Ausland bewerben.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vier Maßnahmen zur Eindämmung des internationalen Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von George Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ständiger US-Vertreter bei den Vereinten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine politische Absichterklärung Präsident Nixons&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eberle erläutert amerikanische Handelspolitik vor dem GATT&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA lehnen Gegenpräferenzen nachdrücklich ab&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Wirtschaftskorrespondeten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Biologische Experimente&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Künstliches Wetter" ist meldepflichtig&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonderstipendien für Ausbildung von Krebsspezialisten</text>
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Dokumentation

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4 5

9 &gt;N o v e m b e r

INFORMATION:

1972

Inhalt

P r ä s i d e n t Nixon m i t ü b e r w ä l t i g e n d e r M e h r h e i t
- 6 1 P r o z e n t d e r Stimmen f ü r N i x o n -

wiedergewählt

Demokraten b e h a l t e n K o n t r o l l e ü b e r den Kongreß
Gewinne d e r D e m o k r a t e n b e i d e n G o u v e r n e u r s w a h l e n
P r ä s i d e n t Nixon: T e r r o r i s m u s kann n i c h t g e d u l d e t
- K o n v e n t i o n von Montreal r a t i f i z i e r t Von A l e x a n d e r M. S u l l i v a n
Europäischer

werden

Mikrofilm-Kongreß

DOKUMENTATION:
L a i r d : V e r s t ä r k t e r Nachdruck a u f k o n v e n t i o n e l l e Waffen
- A u s z u g a u s d e r P r e s s e k o n f e r e n z vom 3 1 . O k t o b e r HINTERGRUNDMATERIAL:
Die E r s c h l i e ß u n g d e r W e l t m e e r e a l s i n t e r n a t i o n a l e
- H o f f n u n g e n und G e f a h r e n Von B a r r e t t McGurn

Aufgabe

WIRTSCHAFT:
F r i e d e n i n Vietnam d ü r f t e
führen
Von John Holway

zu w e i t e r e m W i r t s c h a f t s a u f s c h w u n g

s_

i n d e n USA

USA schlagen Beseitigung aller Zölle für Industrieerzeugnisse vor
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Wohngemeinschaft im Korallenriff
"Stoff" wird allmählich knapp
-Großer internationaler Rauschgift-Händlerring zerschlagenNavigation mit Satelliten soll einfacher werden

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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45/1972

PRÄSIDENT NIXON MIT ÜBERWÄLTIGENDER MEHRHEIT WIEDERGEWÄHLT
-61 Prozent der Stimmen für NixonWASHINGTON -~(AD)-- Mit überwältigender Mehrheit hat das amerikanische Volk am
7. November Richard M. Nixon zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wiedergewählt. In einem "Erdrutschsieg" konnte Nixon 49 der 50 amerikanischen Bundesstaaten für sich gewinnen.Dies ist einer der größten Wahlerfolge in der Geschichte
der USA. Sein Gegner, der demokratische Senator George McGovern, konnte sich
lediglich im Staate Massachusetts sowie im District of Columbia, dem Gebiet
der amerikanischen Hauptstadt Washington, gegen Nixon behaupten. Nach dem
Stand der Auszählung vom 9. November früh - 96 Prozent der Wahlbezirke - vereinigte Nixon 45 520 507 Stimmen auf sich - das sind 61 Prozent -, während auf
McGovern 28 281 207 Stimmen - das sind 38 Prozent - entfielen. Nach den Stimmen
der Wahlmänner der einzelnen Bundesstaaten, die in den USA letztlich den Präsidenten wählen, bedeutet dies 521 Wahlmänner für Nixon, 17 Wahlmänner für Senator
McGovern.
In einer Fernsehansprache nach seinem Wahlsieg forderte Nixon alle Amerikaner auf, ihn bei dem Bemühen zu unterstützen, "eine Generation des Friedens" mit
der Sowjetunion, der Volksrepublik China und allen Ländern der Welt zu erreichen.
Sein Gegner, McGovern, hatte ihm in einem Telegramm bereits seine volle

-i-

�f

4
volle Unterstützung bei diesem Vorhaben zugesichert. Wörtlich erklärte Nixon
in seiner Fernsehansprache:
"Nachdem die Wahl nunmehr vorüber ist, ist es an der Zeit, mit den großen
Aufgaben, die vor uns liegen, zu beginnen. Ich habe mich während dieses Wahlfeldzuges eines Verhaltens befleißigt, das unser Land nicht spalten sollte...., weil
ich der festen Überzeugung bin, daß das, was Amerika heute vereint, unendlich
viel wichtiger ist, als jene Dinge, die uns trennen. Wir sind alle Amerikaner
- im Norden, Osten, Westen und Süden - wir alle sind uns einig in dem Wunsch
nach Frieden - nach einem Frieden in Ehren, nach einem Frieden, der von Dauer
ist; und wir bemühen uns, dieses große Ziel schnell zu erreichen, nicht nur in
Vietnam, sondern auch im Hinblick auf eine neue Ära des Friedens, in der die
alten Beziehungen zwischen den beiden Supermächten - der Sowjetunion und den
Vereinigten Staaten - und zwischen der Volksrepublik China, dem volkreichsten
Land, und den Vereinigten Staaten

geändert werden, so daß wir uns nunmehr am

Vorabend einer Ära befinden, die zur größten Generation des Friedens für die
gesamte Welt werden könnte, die die Menschheit je gekannt hat.
Dies ist ein großes

Ziel, wichtiger als die Tatsache, ob wir Demokraten

oder Republikaner sind, und es ist ein Ziel, zu dessen Erreichung Sie sicherlich
mit mir zusammenarbeiten werden."
Präsident Nixon will bereits in den nächsten Tagen darangehen, Pläne für
eine Umstrukturierung und Reorganisation des Stabes des Weißen Hauses sowie anderer Teile der Exekutive zu prüfen. Der Pressesekretär des Weißen Hauses,
Ronald Ziegler, teilte am 8. November vor Journalisten mit, die zweite Amtszeit
Präsident Nixons werde nicht nur eine Fortsetzung bisheriger, sondern auch den
Beginn neuer Programme bringen. Man könne mit einer bedeutsamen Reorganisation

-2-

�Reorganisation von Regierungsstellen rechnen. Ziegler wies in diesem Zusammenhang
darauf hin, daß alle Kabinettsmitglieder sowie andere vom Präsidenten ernannte
hohe Persönlichkeiten traditionsgemäß ihren Rücktritt einreichen würden. Das
setze den Präsidenten in den Stand, für seine zweite Amtszeit Umstrukturierungen
vorzunehmen. Nixon hat bereits die Abteilungsleiter im Weißen Haus aufgefordert,
entsprechende Pläne vorzulegen.

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45/1972

DEMOKRATEN BEHALTEN KONTROLLE ÜBER DEN KONGRESS

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon wird trotz seines überwältigenden Sieges
in den Präsidentschaftswahlen während der kommenden vier Jahre weiterhin mit
einem demokratisch kontrollierten Kongreß regieren müssen.
Wie die meisten politischen Beobachter bereits vorausgesagt hatten, ist
es den Republikanern nicht gelungen, im Senat, wo 33 der 100 Senatoren für
eine neue sechsjährige Amtszeit gewählt werden mußten, und im Repräsentantenhaus, dessen 435 Mitglieder alle zwei Jahre neu gewählt werden, die Mehrheit
zu gewinnen. Im Repräsentantenhaus, dem in den vergangenen zwei Jahren 179
Republikaner und 256 Demokraten angehörten, konnten die Republikaner ihre Position um 12 Sitze verbessern, so daß im neuen Repräsentantenhaus nunmehr
191 Republikaner und 244 Demokraten vertreten sein werden. Dagegen konnten
die Demokraten im Senat ihre Position um 2 Sitze verbessern, so daß dem Senat
nunmehr 57 Demokraten und 43 Republikaner - im letzten Senat 55 Demokraten
und 45 Republikaner - angehören werden.
Im Repräsentantenhaus wurden die führenden Abgeordneten beider Parteien
wiedergewählt, unter ihnen der demokratische Fraktionsführer Haie Boggs aus
Louisiana, der zusammen mit dem wiedergewählten Abgeordneten Nick Begich aus
Alaska seit dem 16. Oktober vermißt wird, als sie mit dem Flugzeug eine Wahl-

-l-

�Wahlreise durch Alaska durchführten. Wenn es nicht bald gelingt, die beiden Abgeordneten aufzufinden, werden Neuwahlen zur Besetzung der beiden Repräsentantenhaussitze durchgeführt werden müssen, und die Demokraten werden einen neuen
Fraktionsführer wählen müssen.
Im Senat gewannen die Republikaner 17 der zur Wahl anstehenden 33 Sitze,
die Demokraten 16. Ihnen gelang es, vier bisher von Demokraten besetzte Sitze
hinzuzugewinnen; dagegen konnten die Demokraten sechs republikanische Sitze für
sich gewinnen. So unterlagen die republikanischen Senatoren Gordon Allott
(Colorado), Margaret Chase Smith (Maine), Jack Miller (Iowa) und Caleb Boggs
in
(Delaware) ihren demokratischen Gegnern, In Kentucky und/South Dakota, wo die
republikanischen Senatoren sich nicht zur Wiederwahl gestellt hatten, konnten
die Demokraten diese Sitze hinzugewinnen. Auf der anderen Seite entsandten in
Virginia die Wähler den konservativen republikanischen Abgeordneten William Scott
an Stelle des demokratischen Senators William Spong in den Senat. Desgleichen
konnten die Republikaner die bisher von Demokraten besetzten Senatssitze in
Oklahoma, New Mexico und North Carolina für sich gewinnen.
Dem neuen Repräsentantenhaus werden unter anderem 16 schwarze Abgeordnete
- bisher 13 - angehören, während im Senat der einzige Schwarze, der republikanische Senator Edward W. Brooke (Massachusetts), wiedergewählt wurde. Erstmalig
erhöhte sich die Zahl der aus Südstaaten entsandten Farbigen; in Houston (Texas)
wurde die Negerin Barbara C. Jordan in das Repräsentantenhaus gewählt und in
Atlanta (Georgia) schlug der Demokrat Andrew Young den republikanischen Sitzinhaber.
Die Ergebnisse der Senatswahlen nach Staaten:
(WW)=Wiederwahl; (D)=Demokrat; (R)=Republikaner
Alabama

Sparkman (D) (WW)

Alaska

Stevens (R) (WW)
Arkansas

�Arkansas

McClellan (D) (WW)

Colorado

Haskell (D)

Delaware

Biden (D)

Georgia

Nunn (D)

Idaho

McClure (R)

Illinois

Percy (R) (WW)

Iowa

Clark (D)

Kansas

Pearson (R) (WW)

Kentucky

Huddieston (D)

Louisiana

Johnston (D)

Maine

Hathaway (D)

Massachusetts

Brooke (R) (WW)

Michigan

Griffin (R) (WW)

Minnesota

Mondale (D) (WW)

Mississippi

Eastland (D) (WW)

Montana

Metcalf (D) (WW)

Nebraska

Curtis (R) (WW)

New Hampshire

Mclntyre (D) (WW)

New Jersey

Case (R)(WW)

New Mexico

Domenici (R)

North Carolina

Helms (R)

Oklahoma

Bartlett (R)

Oregon

Hatfield (R) (WW)

Rhode Island

Pell (D) (WW)

South Carolina
South Dakota
Tennessee

Thurmond (R) (WW)
Abourezk (D)
Baker (R) (WW)
Texas

-3-

�Texas

Tower (R) (WW)

Virginia

Scott (R)

West Virginia

Randolph (D) (WW)

Wyoming

Hansen (R) (WW)

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GEWINNE DER DEMOKRATEN BEI DEN GOUVERNEURSWAHLEN
WASHINGTON --(AD)-- Während Präsident Nixon die Wahlmänner von 49 der 50 Staaten der Union für sich gewinnen konnte, haben die Demokraten bei den Gouverneurswahlen Gewinne erzielen können. Der amerikanische Wähler hat verstärkt
von seinem Recht

abrauch gemacht, auf dem Stimmzettel jeweils nach der Person

des einzelnen Bewerbers und nicht einheitlich nach der Parteizugehörigkeit abzust immen.
Von den 18 Gouverneursposten, die zur Wahl standen, konnten die Demokraten
elf für sich erringen, sodaß jetzt in 31 der 50 Einzelstaaten Demokraten als
Gouverneure regieren.
Von neun Bewerbern, die sich zur Wiederwahl stellten, waren sieben - vier
Demokraten und drei Re; ublikaner - erfolgreich. Offensichtlich spielten persönliche Qualifikation und örtliche Gegebenheiten eine größere Rolle bei den Gouverneurswahlen als die Parteizugehörigkeit. In Illinois wurde der bisherige republikanische Gouverneur Richard E. Ogilvie von dem Demokraten Daniel Walker
abgelöst - vielleicht nicht zuletzt, weil Ogilvie zum ersten Mal in Illinois
eine einzelstaatliche Einkommensteuer eingeführt hatte. In Delaware verlor der
bisherige republikanische Gouverneur Russell W. Peterson gegen den konserva-

�konservativen Demokraten Sherman W, Tribbitt, und auch in Vermont gewann der demokratische Kandidat Thomas Salmon gegen den republikanischen Kandidaten, In North
Carolina hingegen konnte sich der Republikaner James Holshause'" gegen seinen demokratischen Gegenspieler durchsetzen, wobei zu bemerken ist, daß dieser Staat seit
1896 keinen republikanischen Gouverneur mehr hatte. Einen Rückschlag für die Demokraten gab es auch in West Virginia, wo der Multimillionär John D

Rockefeller IV.

gegen den Republikaner Arch A. Moore verlor.
Die Ergebnisse der Gouverneurswahlen nach Staaten:
(WW)=Wiederwahl; CD)=Demokrat; (R)=Republikaner
Arkansas

Dale Bumpers (D) (WW)

Delaware

Sherman W. Tribbit (D)

Illinois

Daniel Walker (D)

Indiana

Otis R, Bowen

Iowa

Robert D. Ray (R) (WW)

Kansas

Robert B. Docking &lt;D) (WW)

Missouri

Christopher S. Bond (R)

Montana

Thomas L. Judge (D)

New Hampshire

Meldrim Thomson, Jr

North Carolina

James Holshauser, Jr.(R)

North Dakota

Arthur A. Link (D)

Rhode Island

Philip Noel (D)

South Dakota

Richard F. Kneip (D) (WW)

Texas

Dolph Briscoe (D)

Utah

Calvin L. Rampton (D) 'WW)

Vermont

Thomas Salmon (D)

Washington

Daniel J. Evans (R) (WW)

West Virginia

Arch A. Moore, Jr. (R) (WW)
-HH-H-r

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(R)

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45/1972

PRÄSIDENT NIXON: TERRORISMUS KANN NICHT GEDULDET WERDEN

-Konvention von Montreal ratifiziert-

Von Alexander M. Sullivan

WASHINGTON --(AD)-- Mit der Feststellung, daß die zivilisierte Gesellschaft
den Terrorismus nicht dulden könne, hat Präsident Nixon am 1. November für
die Vereinigten Staaten die Ratifikationsurkunde der Konvention von Montreal
unterzeichnet. Jede Maßnahme, so sagte der amerikanische Präsident,die einen
Diplomaten, einen Regierungsvertreter oder einen unschuldigen Zivilisten zu
einem Faustpfand in einem politisch motivierten Streitfall werden lasse,
unterminiere die Sicherheit eines jeden Bürgers. Für eine friedliche und
stabile Welt sei es erforderlich, daß alle Nationen mit Nachdruck Terrorakte verdammen und unter Strafverfolgung stellen, um eine Wiederholung auszuschließen.
Die Konvention, die am 23. September 1971 in Montreal unterzeichnet wurde, sieht die Auslieferung oder Strafverfolgung solcher Personen vor, die
sich krimineller Akte wie Flugzeugsabotage oder der Bombendrohung gegen die

-1-

�die Zivilluftfahrt schuldig gemacht haben. Es ist die dritte internationale Konvention, die auf eine Abschreckung vor der Luftpiraterie abzielt. Im Jahre 1963
wurde die Konvention von Tokio unterzeichnet, die die Rückführung von Passagieren und Mannschaft einer entführten Maschine verlangt; ihr folgte im Jahre 1970
die Haager Konvention, die die Auslieferung oder die Strafverfolgung von Flugzeugentführern vorsieht.
Der amerikanische Senat hatte am 3. Oktober dieses Jahres seine Zustimmung
zur Ratifizierung der Konvention von Montreal gegeben. Sie tritt 30 Tage nach
der Hinterlegung der Ratifikationsurkunden durch zehn der Teilnehmerstaaten
an der Konferenz von Montreal in Kraft. Unterzeichnet haben die Konvention bisher 54 Länder,, 13 Länder haben sie ratifiziert, und acht Staaten haben bisher
die Ratifikationsurkunden hinterlegt. Großbritannien, die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion sind die Depositarmächte.
Mit Nachdruck wies Nixon darauf hin, daß noch weitere Maßnahmen erforderlich seien, um die "Geißel des Terrorismus" zu beseitigen. So sollten die Vereinten Nationen und die Zivile Luftfahrtorganisation (ICAO) unverzüglich die
Konventionen verabschieden, die eine Auslieferung oder Strafverfolgung solcher
Personen verlangen, die des Angriffes oder der Entführung von ausländischen
Zivilisten beschuldigt werden; ferner sollte Vorsorge dafür getroffen werden,
daß die Zivilluftfahrt nach solchen Ländern ausgesetzt wird, die sich weigern,
Flugzeugentführer oder Saboteure auszuliefern oder zu bestrafen. Ebenso sollte
die Strafverfolgung oder Auslieferung solcher Personen verlangt werden, die in
einem fremden Land Zivilisten verletzen, töten oder entführen mit dem Ziel, ein
Land oder eine internationale Organisation zu erpressen. Die Konvention von
Montreal ist nach den Worten von Präsident Nixon ein "wichtiger Schritt" im
Kampf gegen den Terrorismus. Die anderen Maßnahmen seien jedoch erforderlich,
"wenn wir eine Welt schaffen wollen, in der Menschen und Völker miteinander
leben können, ohne Furcht vor irrationalen und verabscheuungswürdigen Terror-

-2-

�Terrorakten haben zu müssen."
In diesem Zusammenhang wies der amerikanische Präsident auch auf das vor
kurzem in den USA in Kraft getretene Gesetz hin, durch das die Entführung oder
die Ermordung eines fremden Regierungsvertreters zu einem Verbrechen wird, das
auf Bundesebene und nicht mehr lediglich auf der Ebene der Bundesstaaten verfolgt wird.
Amerikanische Beobachter unterstreichen, daß die Unterzeichnung der Ratifikationsurkunde durch Präsident Nixon die von den USA seit langem vertretene
Auffassung widerspiegele, wonach die Luftpiraterie ein internationales Problem
darstellt, das nur durch internationale Maßnahmen und Zusammenarbeit beseitigt
werden kann. In diesem Zusammenhang muß auch der von den Vereinigten Staaten
im September bei den Vereinten Nationen eingebrachte Resolutionsentwurf für
eine Konvention gegen den Terrorismus gesehen werden. Die Resolution sieht
kollektive Maßnahmen seitens der Mitgliedsstaaten der Weltorganisation vor,
um die Luftpiraterie, Angriffe auf Diplomaten sowie andere Verbrechen dieser
Art zu bekämpfen. Bisher ist allerdings in dieser Angelegenheit in der Vollversammlung der Vereinten Nationen wenig geschehen - was den amerikanischen
Chefdelegierten, George Bush, kürzlich zu der Erklärung veranlaßte, die USA
seien mit dem mangelnden Fortschritt in dieser Frage unzufrieden.

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EUROPÄISCHER MIKROFILM-KONGRESS

--(AD)-- In Verbindung mit dem Europäischen Mikrofilm-Kongreß, der vom 14.
bis 16. November 1972 in der Rheingoldhalle in Mainz abgehalten wird, findet
eine von zahlreichen in-und ausländischen Firmen beschickte Fachausstellung
statt. Etwa 25 Unternehmen der einscnfegigen amerikanischen Industrie sind
mit einer Gemeinschaftsschau auf dieser Ausstellung vertreten. Der Schwerpunkt liegt auf Datenspeicher-und Wiederauffindungssystemen.
Die US-Firmen der Mikrofilm-Branche zeigen u.a. folgende Geräte:
Mikrofilm-Kameras, komplette COM-Systeme mit Teletype-Anschluß, Lesegeräte für Mikrofilm, Microfiche und Rollfilm, Lesegeräte mit Hardcopy-Ausgabe,
Kopiergeräte, magnetische Wiederauffindungssysteme, Datendrucker, Mikrofilmablagen sowie Peripheriegeräte und zahlreiches Zubehör. Darüberhinaus werden
Software-Programme für D kumentation und Klassifikation und die Archivierung
von Nachrichte ., historischen Dokumenten etc. auf Mikrofilm vorgestellt.
Programme für die US-Gemeinschaftsschau sowie weitere Auskünfte sind . :
v/rj.1 US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4
(Telefon 72 08 01, Telex 41 65 35).rhältlich.

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45/1972

LAIRD: VERSTÄRKTER NACHDRUCK AUF KONVENTIONELLE WAFFEN
-Auszug aus der Pressekonferenz vom 31. Oktober

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Verteidigungsminister Melvin R. Laird
hat am 31. Oktober an Bord der USS Mount Whitney in Norfolk, Virginia, eine
Pressekonferenz abgehalten, auf der er unter anderem über die Sitzung der
Nuklearen Planungsgruppe der NATO in London berichtete. Der Minister gab
eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
"Meiner Ansicht nach war der herausragende Aspekt der Herbstsitzung
der Nuklearen Planungsgruppe die Tatsache, daß in dem Maße, in dem wir uns
auf dem Gebiete der nuklearen Waffen auf eine Gleichwertigkeit hinbewegt
haben, die Bedeutung der konventionellen Waffen sehr viel größer wird und
innerhalb der Planung des NATO-Bündnisses zunehmendes Gewicht erhält. Wenn
wir uns im Zuge der SALT II-Verhandlungen, die am 21. November beginnen,
auf die Gleichwertigkeit zubewegen, dann werden wir uns einer Position nähern,
in der es, was die strategischen Waffen anbelangt, eine Parität gibt. Und
wenn wir an die Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerung herangehen, die im nächsten Jahr beginnen werden, dann ist es ab-

-l-

�absolut notwendig, daß unsere NATO-Verbündeten zusammen mit den Vereinigten
Staaten sich nachdrücklich darum bemühen, die Situation auf dem Gebiet der konventionellen Waffen zu verbessern - was auch geschieht.
Wenn wir die Gesamtstärke-Konzeption auf das NATO-Bündnis anwenden, diese
Konzeption mit dem Geist einer starken Partnerschaft und einer angemessenen militärischen Stärke verbinden und Verhandlungsbereitschaft zeigen - was der
Grundpfeiler der Nixon-Doktrin ist - dann gelangen wir mit dem Eintritt in die
MBFR-Gespräche zu einer Position, wo auf die Haushalte für die konventionellen
Streitkräfte, die die NATO-Verbündeten ihren Parlamenten für das nächste Haushaltsjahr vorlegen werden, weitaus größerer Wert gelegt werden muß als dies zu
irgendeinem anderen Zeitpunkt der Fall gewesen war. Ich habe meinen Amtskollegen in diesem Bündnis nahezubringen versucht, welch großen Nachdruck wir darauf
legen, daß sie im Rahmen der NATO einen größeren Teil der Lasten für die Verteidigung und die nationale Sicherheit übernehmen.
Ich glaube, daß wir auf der Tagung der EURO-Gruppe, die den Sitzungen des
Ausschusses für Verteidigungsplanung (DPC) in der ersten Dezemberwoche vorausgehen wird, mit einer Steigerung in verschiedenen wichtigen Haushalten des NATOBündnisses rechnen können. Ich bin der Auffassung, daß sich die Partner des Bündnisses darüber im klaren sind, wie wichtig es ist, während dieser bedeutsamen
Zeitspanne vor Beginn der MBFR-Gespräche in dieser Richtung voranzukommen.
Ich habe den Bündnispartnern versichert, daß Präsident Nixon - was unsere
Streitkräfte in Europa angeht - keine einseitigen Reduzierungen vornehmen werde,
obwohl es Leute gibt, die Kürzungen bis zu 170 000 Mann sowie eine wesentliche
Verringerung unserer Flugzeugträger-Streitmacht befürworten. Diese Kreise finden
jedoch nicht die Unterstützung einer Mehrheit der Demokraten im Repräsentanten-

-2-

�Repräsentantenhaus und im Senat; sie finden auch nicht die Unterstützung einer
Mehrheit der republikanischen Mitglieder des Hauses und des Senats. Ich glaube,
ich konnte jede echte Besorgnis seitens der NATO-Verbündeten ausräumen, daß
die USA ihre nachdrückliche Unterstützung der partnerschaftlichen Beziehungen
nicht fortsetzen würden, die wir bisher unterhalten haben und aufgrund deren
es möglich war, den Frieden in Europa seit dem zweiten Weltkrieg zu wahren."

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45/1972

DIE ERSCHLIESSUNG DER WELTMEERE ALS INTERNATIONALE AUFGABE
-Hoffnungen und GefahrenVon Barrett McGurn

WASHINGTON --(AD)-- Die Vereinten Nationen werden in dieser Sitzungsperiode
über Zeitpunkt und Ort einer großen internationalen Meereskonferenz entscheiden. Voraussichtlich im November kommenden Jahres werden sich die Länder dieser Erde mit den großen Chancen, aber auch den großen Gefahren befassen, die
die Ozeane bergen.
Was das Meer zu bieten hat, ist bekannt - wenn auch noch längst nicht
voll erschlossen: Eiweiß in gewaltigen Mengen, um die hungrigen Menschen der
Welt zu speisen. Hier kann der Ertrag des Fischfangs von gegenwärtig 55 Millionen Tonnen pro Jahr ohne Gefahr fJr den Fischbestand auf 100 Millionen Tonnen
gesteigert werden, wobei die Fischzucht eine nicht geringe Rolle spielt.

Die

-1-

�Die Festlandsockel enthalten riesige Mengen von Erdöl und Erdgas, deren Erschließung einer drohenden Energiekrise steuern werden. Allein vor den Küsten de
Vereinigten Staaten werden Öllager in einer Größenordnung von 700 Milliarden
Barrel vermutet, wozu noch Erdgasvorkommen von rund zwei Billiarden Kubikfuß
hinzukommen.
Aus dem Sand des Meeresbodens und dessen Untergrund können seltene Metalle
wie Mangan, Nickel, Kobalt, Zink und Blei in großen Mengen gewonnen werden
- neue Absaug-und Schürfmethoden werden den Abbau wesentlich erleichtern. Aber
auch Stickstoff, Kohlendioxyd, Helium, Schwefel und andere Mineralien harren darauf, geborgen zu werden.
Die riesigen Ozeane mit einer Oberfläche von 260 Millionen Quadratkilometern bergen also ein ungeheures Reservoir für den Menschen - aber auch große
Gefahren der Verschmutzung und der nationalen Besitzergreifung durch ungezügelte Ausdehnung der Hoheitsgewässer. Die fortschreitende Verschmutzung der Meere
droht heute bereits, die so dringend benötigten Reserven zu vernichten. Der berühmte französische Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau, der durch seine Unterwasserexpeditionen bekannt geworden ist, hat nicht umsonst davon gesprochen, daß
er seit 30 Jahren ein "langsames Sterben" in den Weltmeeren beobachten mußte.
Wenn diese Entwicklung weitergeht, gibt Cousteau der Menschheit noch 50 Jahre au
diesem Planeten zu leben.
Die Verschmutzung der Ozeane geschieht übrigens keineswegs nur auf direktem
Wege durch den Menschen, sondern auch über die Atmosphäre. So kommen von jährlich 2,2 Milliarden Tonnen gewonnenem Öl rund 10 Millionen Tonnen wieder in
irgendeiner Form ins Meer zurück, zum großen Teil über Rauch und Ruß.
Und

�Und was die nationalen Ansprüche auf die Meere angeht,so hat der Botschafter von Malta, Arvid Pardo, dieses in der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit den kolonialen Eroberungen des vorigen Jahrhunderts verglichen.
Ansprüche auf eine 200-Meilen-Zone vor Küsten können den heutigen Menschheitsinteressen nicht mehr entsprechen. Wenn alle Küstenländer dem Beispiel
Ecuadors in dieser Richtung folgen wollten, dann würden 36 Prozent der Meeresoberfläche für die Handels-und Kriegsmarinen der Welt versperrt bleiben. Selbst
eine 12-Meilen-Zone, die heute weitgehend befürwortet wird, würde über 100 strategisch wichtige Meerengen und Durchfahrten praktisch sperren, darunter auch
Gibraltar, wo die Meerenge nur acht Meilen breit ist, und die Malakka-Straße,
die den Pazifik mit dem Indischen Ozean verbindet. Für die meisten Staaten,
darunter die USA, würde eine solche Einschränkung die Gefährdung ihrer Sicherheit
bedeuten, und keine seefahrende Nation kann eine Beeinträchtigung ihrer Schiffahrt akzeptieren.
Wenn die große Meereskonferenz im nächsten Jahr zustandekommt, dann wird
eine Fülle von Anträgen vorliegen. Die Vereinigten Staaten, die jahrhundertelang
an der Drei-Meilen-Zone festgehalten haben, werden sich der Forderung nach einer
Zone von 12 Meilen nicht verschließen - unter der Voraussetzung, daß die freie
Durchfahrt für Schiffe aller Nationen durch internationale Meerengen gewährleistet
wird.
Was die Erschließung und Ausbeutung der Schätze des Meeres angeht, so haben
die USA eine neue internationale Behörde vorgeschlagen, die die Lizenzen vergeben soll. Diese Behörde wäre praktisch die erste internationale Organisation,
die sich aus den Einnahmen selbst finanzieren und darüberhinaus erhebliche Mittel für die internationale Gemeinschaft - in erster Linie für Entwicklungsaufgaben - zur Verfügung stellen könnte. Um auch die Interessen der Küstenländer in

-3-

�in fairer Weise zu berücksichtigen, sieht der amerikanische Vorschlag vor, daß
diese im Rahmen einer internationalen Vereinbarung größere wirtschaftliche Rechte über den Bereich der Territorialgewässer hinaus erhalten sollen. In dieser
Pufferzone zwischen den Hoheitsgewässern und dem tiefen Ozean würden die Küstenstaaten zu einem Drittel an den Lizenzeinnahmen und Gewinnen beteiligt und
müßten zwei Drittel an die internationale Behörde abführen. Dadurch soll jeder
Raubbau vermieden und gegen Verschmutzung vorgesorgt werden.
Auch auf dem Gebiet der Fischerei wendet sich der amerikanische Vorschlag
gegen jeden Raubbau und strebt eine vernünftige Nutzung und Verteilung der Eiweißreserven der Meere an.
All diese Probleme sind in ihrem Schwierigkeitsgrad durchaus mit der Abrüstung zu vergleichen; hier wie dort geht es letztlich um die Zukunft der
Menschheit, und man kann nur hoffen, daß die Vernunft die Oberhand behalten
wird.

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45/1972

FRIEDEN IN VIETNAM DÜRFTE ZU WEITEREM WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG
IN DEN USA FÜHREN

Von John

Holway

WASHINGTON--(AD)— Was bedeutet Frieden in Vietnam für die amerikanische
Wirtschaft? Die meisten Experten glauben, daß die kurzfristigen Auswirkungen
nur sehr gering sein werden,da die bereits expandierende Wirtschaft einen
Frieden in Vietnam weitgehend einkalkuliert hat. Aber auf lange Sicht, so
meinen die Experten, könnten die psychologischen Auswirkungen eines Friedens
der US-Wirtschaft- der Binnen-wie der Außenwirtschaft- starken Auftrieb
geben.
Nach Ansicht der Experten befindet sich die amerikanische Wirtschaft
schon in einer nachhaltigen Aufschwungsphase, die auch das kommende Jahr hindurch anhalten dürfte. Bei den letzten vier Kriegen, in die die Vereinigten
Staaten verwickelt waren, hat der Friede anschließend stets zu einem Wirtschaftsboom geführt. Nach einer kurzen Zeit nicht vorhersehbarer Reaktionen,
folgte immer ein geradezu phantastischer Aufschwung - der wohl stärkste nach
Beendigung des Korea-Krieges.
Die

-1-

�Die Bevölkerung, so wird erklärt, sei bereits wieder kauffreudiger, nachdem
die Wirtschaft schon lange in ihre gegenwärtige Aufschwungphase eingetreten
ist. Allerdings bestehe nicht die gleiche angestaute Nachfrage nach Verbrauchsgütern wie nach früheren Kriegen. Und dies bedeute, daß die Wirtschaft heute
nicht, wie nach früheren Kriegen, einen erneuten Preisauftrieb befürchten muß.
In Fachkreisen ist man sich allerdings darüber einig, daß ein Friede in
Vietnam zu einem Ansteigen der Verbraucherausgaben führen wird. Die Zeitschrift
"Business Week" meint: "Geschäftswelt und Verbraucher dürften wieder kauffreudiger eingestellt sein." So hat sich denn auch die Wirtschaft auf ein überdurchschnittliches Weihnachtsgeschäft eingestellt. Allerdings wird darauf hingewiesen, daß in verschiedenen Bereichen die Verbraucherausgaben bereits recht
hoch sind und für weitere Steigerungen nur wenig Raum ist. So übertreffen beispielsweise die Autoverkäufe alle bisherigen Rekorde. Eine Ausnahme dürfte der
Wohnunbsbau sein. Hier sind ebenfalls alle Rekorde übertroffen worden, doch die
Nachfrage ist weiterhin stark. Und wenn die Bauwirtschaft floriert, dann bedeutet dies auch für zahlreiche andere Industrien eine anhaltend günstige Geschäftsentwicklung.
Hand in Hand mit der Ausweitung der Produktion wird nach Ansicht der Experten ein Rückgang der Arbeitslosigkeit erfolgen, die die Wirtschaftstätigkeit
seit zwei Jahren oder noch länger beeinträchtigt hatte. Aber auch die Produktivität dürfte steigen, wenn die Kapazitätsauslastung in der Industrie wieder zunimmt. Dies wiederum wird zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse auf den Weltmärkten, einer Milderung des Druckes auf den
Dollar und einer Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanzposition führen.
So meint die bekannte Maklerfirma"Merrill, Lunch, Pierce, Fenner and Smith",
ein Ende des Krieges in Vietnam könne das Vertrauen in die USA und ihr Potential, mit anderen Handel zu treiben, stärken. Darüberhinaus dürfte aber ein

-2-

�ein Ende der Kämpfe in Indochina auch vermehrten Handel mit der Sowjetunion,
China und anderen kommunistischen Ländern und damit eine weitere Verbesserung
der amerikanischen Handelsbilanz bringen.
Allerdings,so betonen die Experten, gibt es noch keinerlei Anzeichen dafür, daß ein Friede in Vietnam auch ein Ende der Lohn-und Preiskontrollen der
Regierung bedeuten würde. Meinungsumfragen zeigen, daß diese von den Verbrauchern,
zum Teil sogar auch von der Geschäftswelt befürwortet werden. Im kommenden Jahr
stehen einige wichtige Lohn-und Gehaltstarife zur Erneuerung an, und daher dürfte die Neigung zum Abbau solcher Beschränkungen, der vielleicht die Lohn-Preisspirale erneut in Gang setzen könnte, nur gering sein.
Auch wenn die Waffen in Vietnam vielleicht bald schweigen werden, dürften
die Auswirkungen auf den amerikanischen Verteidigungshaushalt nach Ansicht dieser Experten nur gering sein. Sie weisen darauf hin, daß diese Ausgaben für Vietnam bereits von einem Höchststand von 30 Milliarden Dollar im Jahre 1969 auf
nur 7 Milliarden Dollar heute zurückgegangen sind. Eine gewisse Militärhilfe
sowie Gelder für den Wiederaufbau werden auch weiterhin nach Südostasien fliessen. Auftragskürzungen in der Verteidigungsindustrie, wie vor zwei Jahren,
deren Auswirkungen für einzelne Betriebe so schmerzlich waren, dürften sich dieses Jahr nicht wiederholen. Und diese "Friedensdividenden" sind bereits durch
höhere Kosten der Waffenentwicklung sowie höhere Personalkosten der geplanten
Freiwilligenarmee aufgezehrt worden. Geringfügige Einsparungen sind allerdings
möglich. Sie werden zur Einengung des Haushaltsdefizits wie auch zur Eindämmung
des Preisauftriebs beitragen und einem Ansteigen der Zinsen entgegenwirken.
Die größte Enttäuschung brachte die Börse. Die Kurse zogen an, als der
Berater des Präsidenten für Sicherheitsfragen, Dr. Henry Kissinger, letzte Woche
erklärte, der Friede sei in Reichweite. Doch dieser Kursanstieg setzte sich
nicht fort.Einige Beobachter sind der Auffassung, daß die Börse die Auswirkungen

-3-

�Auswirkungen eines Kriegeendes bereits vorweggenommen und damit auf die Gerüchte der letzten Monate reagiert hat. Andere sind der Ansicht, daß die von der
Regierung ausgeübte Kontrolle für Preise und Gewinne auf die Kurse drückt. Und
wieder andere meinen sogar, daß die Kurse im nächsten Jahr nachgeben werden.
Ein namhafter New Yorker Bankier erklärte jedoch gegenüber der New York
Times, die Kurse würden jäh anziehen, sobald es zu einem echten Frieden kommt.
Und wenn erst einmal die Aktienkurse steigen und sich auf dem erhöhten Niveau
behaupten,so betonte er, dann worden dies die ausländischen Investoren als
Signal zum Einsteigen betrachten, Er rechne mit einem erheblichen Kursanstieg,
der seinen Höhepunkt vielleicht im kommenden Frühjahr erreichen werde, wobei
Standardaktien die größten Gewinne zu verzeichnen haben dürften.

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45/1972

USA SCHLAGEN BESEITIGUNG ALLER ZOLLE FÜR INDUSTRIERZEUGNISSE VOR

GENF --(AD)-- Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß bei den im kommenden Jahr anstehenden neuen Handelsverhandlungen bei industriellen Erzeugnissen das angestrebte Ziel eines zollfreien Handels zwischen den Industriestaaten erreicht werden kann.
Entsprechende Vorschläge hat der stellvertretende US-Sonderbeauftragte
für Handelsverhandlungen, Botschafter William R. Pearce, jetzt den übrigen Mitgliedstaaten des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) unterbreitet. Wie
ein Sprecher des GATT betonte, habe Botschafter Pearce darauf hingewiesen, daß
der Industrieausschuß des GATT bei verschiedenen nicht-tarifären Handelsschranken Lösungen ausgearbeitet habe, die den Regierungen zur Billigung vorgelegt
werden könnten, und erklärt, daß bis Ende des Jahres Übereinstimmung über Standardnormen erzielt werden könne. Wörtlich, so fuhr der Sprecher fort, habe Pearce
erklärt: "Der Vorschlag,die künftige Arbeit mit einer Erörterung des zollfreien
Handels mit Industrierzeugnissen zwischen den Industriestaaten zu beginnen, hat
unseres Erachtens wesentliche Vorteile. Bedenkt man, daß kein Mitgliedstaat bisher bereit ist, eine feste Verpflichtung einzugehen, so dürfte ein solches Vorgehen den weitestmöglichen Rahmen für eine Erörterung bieten, bei der auch

-1-

�auch andere Verfahren geprüft und dem jeweiligen Ziel, über das im Laufe des
Verhandlungsprozesses Übereinstimmung erzielt werden kann, angepaßt werden
können."
Auf die engen Wechselbeziehungen zwischen Zöllen, nicht-tarifären Verzerrungen und Schutz eingehend hatte Botschafter Pearce erklärt, daß Art und Umfang
eines Abkommens bei einem dieser Punkte jeweils von den Fortschritten bei den
übrigen Punkten abhingen.
Bei der Landwirtschaft, so führte der Botschafter weiter aus, würden nicht
nur der Schutz an den Grenzen, sondern auch die Erzeugung und Verbrauch beeinflussende Politik Probleme für den Handel aufwerfen. Wörtlich sagte Pearce: "Wir
müssen gewillt sein, die Bedeutung der Subventionspolitik auf den Binnenmärkten
für den Handel zu erkennen und diese notfalls zu modifizieren, um eine Ausweitung des Handels mit Agrarerzeugnissen zu ermöglichen, damit Fortschritte auf
diesem Gebiet gemacht werden können." Dies gelte, so fügte der Botschafter hinzu, nicht nur für die Politik der USA, sondern auch für die Politik der übrigen
Länder.
Die bei der neuen Verhandlungsrunde vereinbarten Verfahren müssen nach Ansicht von Pearce einen Abbau des Schutzes für Importe, eine Beseitigung der Exportsubventionen sowie eine prinzipielle Übereinstimmung einschließen, daß Zahlungen zur Erhaltung der Erzeugereinkommen Erzeugung und Handel so wenig wie möglich beeinflussen dürften.
Über die Rolle der Entwicklungsländer im GATT sagte Pearce, nach Ansicht
der USA sei der langsame Fortschritt beim Studium dieser Frage in den GATT-Arbeitsgruppen nicht nur auf das Fehlen jeglichen politischen Willens, sondern
auch eines Verhandlungsklimas zurückzuführen, das eine Verwirklichung guter Absichten erleichtern würde.
Nach

4.

�Nach Ansicht von Botschafter Pearce braucht ein Abkommen über Richtlinien
für die neue Verhandlungsrunde Zeit. Hierfür sei ein Gremium erforderlich, das
alle Probleme des Agrar-und des Industriehandels zusammen erörtern könne. Es
sei Sache der Mitgliedsstaaten, diese Frage noch während der gegenwärtigen
Sitzungsperiode zu regeln. Diese Sitzungsperiode biete die Möglichkeit, der
Vorbereitungsarbeit für die nächstes Jahr beginnenden wichtigen Handelsverhandlungen neuen Auftrieb zu geben.

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45/1972

WOHNGEMEINSCHAFT IM KORALLENRIFF

--(AD)-- Eine neue Serie von meeresbiologischen und chemischen Untersuchungen
von einer in 17 m Tiefe verankerten Tauchstation aus begann Anfang Oktober
1972 in der Nähe der Großen Bahama-Insel. Die Studie, an der Wissenschaftlergruppen von fünf amerikanischen Universitäten und zwei Forschungsinstituten
teilnehmen, wird von Bundesbehörden, insbesondere der US-Behörde für Meeresund Atmosphärenforschung (NOAA) finanziert. Das Projekt, für das von der
Perry Foundation, Inc., und der Bahamas Undersea Research Foundation die Unterwasserstation Hydro-Lab bereitgestellt wurde, ist auf neun Monate befristet.
In Gruppen zu je vier Mann werden
grund

die Forscher jeweils sieben Tage am Meeres-

verbringen, um dort vor allem das Leben im Korallenriff zu beobachten

und a^e Einflüsse von Abfallstoffen auf das biologische Gleichgewicht im Meer
zu untersuchen.
Hydro-Lab steht etwa 260 m vor einem Steilhang zur Tiefsee. In einem
solchen "Grenzgebiet" zwischen der verhältnismäßig nahen Küste und dem offenen
Meer ergeben sich für die Wissenschaftler besonders interessante Aspekte.

-1-

�Aspekte. Physikalische Faktoren, chemische Prozesse aller Art und die Herausbildung typischer ökologischer Systeme sind hier auf relativ engem Raum zu
studieren.
Die Bewohner des Korallenriffs, insbesondere die Fische, wird Dr. C.
Lavett Smith vom American Museum of Natural History unter die Lupe nehmen. Ihn
interessiert vor allem die Frage des erforderlichen Lebensraumes für die Tiere,
der Einfluß des tatsächlich vorhandenen Lebensraumes auf die Größe der Kolonien und die Zusammensetzung der überall beobachteten Wohngemeinschaften von
Meereslebewesen, auf Fortpflanzungszyklen, auf Brutpflege und ähnliche Faktoren.
Dr. Thomas J. Bright von der Texas A &amp; M-Universität wird sich mit der
"Sprache" der Riffbewohner befassen. Taucher wissen, daß Korallenriffe und ihre
nähere Umgebung besonders "laute"Plätze unter Wasser sind. Aber von den Verursachern der Geräusche weiß man noch recht wenig.

Man kennt z.B. Klick-und

Knarrgeräusche von Garnelen, die im Stakkato ausgestoßenen Laute vom Sägefisch
oder die typischen Geräusche, die Stachelhummer oder Nassau-Barsch erzeugen,
wenn sie aufgeschreckt werden. Alles in allem ist jedoch über all dies noch
wenig bekannt - etwa über die Technik zur Lauterzeugung, über die Tonhöhen, die
Bedeutung der Geräusche und die Reaktionen der Mitbewohner der Riffe auf sie.
Dr. Bright setzt jetzt Untersuchungen fort, die er beim Unternehmen TEKTITE 11
vor Florida und bei früheren Hydro-Lab-Experimenten bereits begonnen hat.
Dr. William Schroeder (Texas A &amp; M University in College Station, Texas)
wird mit seiner Gruppe die Rolle tierischer Mikroorganismen (Zooplankton) in
der Korallenriff-Ökologie untersuchen. Plankton bildet den Anfang der Nahrungskette im Meer. Noch weiß man

viel zu wenig darüber, ob und inwieweit die

Milliarden und Abermilliarden dieser winzigen Lebewesen durch die Eingriffe des

-2-

�des Menschen in die natürlichen Gegebenheiten beeinträchtigt werden.
In diesem Zusammenhang sind auch die Studien von besonderer Bedeutung,

die

Dr. John Bunt und Richard Curry (beide Universität Miami) sowie Dr. William
P. Muellenhoff (Staatsuniversität Oregon) und Alan A. Allen (Marine Consultants,
Inc., Long Beach, Kalifornien) z. B. zur Konzentration bestimmter chemischer Elemente im Riffgebiet und zu der dort beobachteten biologischen Aktivität - einschließlich des Produktionstempos der Korallentiere für Kalziumkarbonat - und
zur "Verarbeitung" bezw. zum Abbau von ölhaltigem Schlamm, Kohlenwasserstoffen
und Abfällen aus Wohn-und Industriegebieten im Wasser und am Meeresgrund vornehmen. Die meisten Studien, die es bisher zu dieser Frage gab, beziehen sich
in erster Linie auf Auswirkungen der Schmutz-und Schadstoffe an der Küste, an
der Wasseroberfläche und im oberflächennahen Bereich.

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45/1972

"STOFF" WIRD ALLMÄHLICH KNAPP
Großer internationaler Rauschgift-Händlerring zerschlagen

--(AD)-- Etwa 20 Jahre lang dürfte ein internationaler Rauschgifthändlerring mit Verbindungsstellen in Europa, Lateinamerika und in den Vereinigten
Staaten aktiv gewesen sein, bis es jetzt endlich gelang, ihn zu zerschlagen.
Der Erfolg ist der engen Zusammenarbeit der Fahndungsbehörden in den betroffenen Ländern zu verdanken. Ein Sprecher der amerikanischen Bundesbehörde für
Narkotika und gefährliche Drogen (BNDD) bezeichnete den Ring als "einen französisch-lateinamerikanischen Kanal" und äußerte die Vermutung, daß die Verbrechergruppe mindestens 25 Prozent des Heroins geliefert hatte, das in den Straßen
der Städte in den USA gehandelt wurde.
Nach den Angaben von John E. Ingersoll, des Direktors der US-Zentrale für
die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs, gingen allein der französischen Polizei
von Januar bis August 1972 nicht weniger als 67 "größere Fische" von internationalen Banden ins Netz; im gleichen Zeitraum wurden in Frankreich 1429 Händler
festgenommen. Eine Folge dieser Maßnahmen ist eine erhebliche Verteuerung und

-l-

�und gleichzeitig Qualitätsminderung des in Frankreich noch angebotenen Heroins.
Das gleiche ist schon seit einiger Zeit in den Vereinigten Staaten zu beobachten.
Die französischen Gerichte gehen streng gegen Rauschgifthändler vor

Diese haben,

wenn sie zum ersten Mal straffällig werden, 10 bis 20 Jahre Gefängnis zu erwarten, im Wiederholungsfalle 40 Jahre.
Wie John E. Ingersoll auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte,
konnten 14 Schlüsselfiguren der internationalen Bande dank des Zusammengehens
der amerikanischen mit den ausländischen Behörden ausgeschaltet, 40 weitere Verbrecher im Zusammenhang damit hinter Gitter gebracht werden. Die 14 wurden entweder verhaftet oder bei Schießereien mit der Polizei verwundet oder getötet.
Zu ihnen gehören, so Ingersoll, u.a. Lucien Sarti. Er wurde in Mexiko City erschossen, als er auf mexikanische Polizisten aus seinem Haus das Feuer eröffnete. Der in Mexiko verhaftete Jean Paul Angelletti wurde an Frankreich ausgeliefert, wo er wegen Mordversuchs gesucht wurde; Francois Chiappe, der "Organisator"
des Ringes in Argentinien, der wegen zweier 1964 in Paris begangener Morde zum
Tode verurteilt ist, sitzt hinter Schloß und Riegel. Der Name des ebenfalls verhafteten Anführers der Bande, "Mr.Big", wurde nicht bekanntgegeben. Der Ring
hatte seine Netze über eine Reihe europäischer Länder, von Italien bis Belgien,
ausgeworfen. Die Hauptkanäle nach Übersee gingen über Argentinien, Brasilien,
Venezuela und Mexiko in die Vereinigten Staaten, dort insbesondere nach Miami
und New York.

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NAVIGATION MIT SATELLITEN SOLL EINFACHER WERDEN

--(AD)— Für Navigationssatelliten erprobt die US-Marine z.Zt.ein neuartiges
Steuerungssystem. Es soll dazu beitragen, die Umlaufbahn des "künstlichen
Leitsterns" für Schiffe so zu stabilisieren,.daß sehr viel exaktere Karten
als bisher mit vorausberechneten Umlaufbahnen für mehrere Tage angefertigt
werden können. Die Schiffe» denen die Daten per Funk übermittelt werden,
wären dann auch mit einfachen Instrumenten in der Lage, ihre Positionsbestimmungen auf Grund der Durchgänge von Navigationssatelliten zu machen, ohne
dabei jedesmal deren Bahnveränderungen berücksichtigen zu müssen.
Die Vorläufer des im September 1972 in einen polnahen Orbit eingeschossenen Versuchssatelliten TRIAD5 der eine Betriebsdauer von höchstens sechs Monaten haben soll, verändern unter der Einwirkung des sogenannten Lichtdrucks
der Sonne und des Bremseffekts von Luftteilchen ständig etwas ihre Bahn. Deshalb müssen die Speicher der Computer, mit deren Hilfe die nächsten Umläufe
vorausberechnet werden, alle 12 Stunden mit neuen Daten gefüttert werden.
Das neue Steuerungssystem DISCOS dagegen soll alle derartigen Störeffekte
erfassen und sie durch die Aktivierung kleiner Düsen am Satelliten sofort mit

-l-

�mit Kurskorrekturen ausgleichen. DISCOS ist die Abkürzung für "disturbance
compensation System" und bedeutet "System zur Kompensation von Störungen". Es
nutzt das Trägheitsprinzip bei einer Flugstabilisierung unter dem Einfluß von
Gravitation. Das Verfahren wurde von Professoren und Assistenten der StanfordUniversität (Kalifornien) in zweijähriger Arbeit entwickelt.
Der 94 kg schwere und insgesamt 7,3 m lange Satellit besteht aus drei
Hauptkörpern, die durch zwei Scherenarme miteinander verbunden sind. Am einen
Ende befindet sich der Radionuklid-Generator, der den Betriebsstrom liefert,
am anderen Ende die gesamte elektronische Ausrüstung, in der Mitte die DISCOSKomponente. Sie ist von den beiden anderen Segmenten des Satelliten, der auf
Grund seiner Länge und Massenverteilung zum Erdmittelpunkt orientiert ist,
weit genug entfernt, um einen Störeffekt durch deren Massen auszuschalten.
DISCOS selbst besteht aus einer 113 Gramm schweren tischtennisgroßen Edelmetallkugel in einem kleinen, goldplattierten Vakuumbehälter, in dessen Innenwandung empfindliche Sensoren eingebaut sind. Sobald die frei schwebende Kugel
infolge einer Störung der Gravitationsorientierung des Satelliten, die unter
der Einwirkung der Korpuskelströme von der Sonne oder des Bremseffektes von
Luftteilchen hervorgerufen werden kann, ihren normalen Platz im Mittelpunkt
des Behälters verläßt und auf die Wandung zutreibt; registrieren dies die Sensoren. Über ein rafi Lniertes elektronisches System werden daraufhin bestimmte
Düsen aus einem ganzen Satz von winzigen Freongas-Düsen aktiviert, um die -wenn
auch nur geringfügige- Abweichung des Satelliten von seiner ursprünglichen Bahn
sofort zu korrigieren

Denn ein Navigationssatellit erfüllt nur dann seinen

Zweck, wenn er auf die Sekunde pünktlich an den erwarteten Bahnpositionen erscheint, damit die Ortsbestimmung, die ein Schiff durch Funkmessung mit seiner
Hilfe vornimmt, nicht zu falschen Ergebnissen führt.

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                <text>Amerikadienst 09.11.1972</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 61 Prozent der Stimmen für Nixon -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Demokraten behalten Kontrolle über den Kongress&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewinne der Demokraten bei den Gouverneurswahlen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon: Terrorismus kann nicht geduldet werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Konvention von Montreal ratifiziert -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Alexander M. Sullivan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Europäischer Mikrofilm-Kongress&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Laird: Verstärkter Nachdruck auf konventionelle Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszug aus der Pressekonferenz vom 31. Oktober -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Erschließung der Weltmeere als internationale Aufgabe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Hoffnungen und Gefahren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Barrett McGurn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden in Vietnam dürfte zu weiterem Wirtschaftsaufschwung in den USA führen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA schlagen Beseitigung aller Zölle für Industrieerzeugnisse vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wohngemeinschaft in Korallenriff&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Stoff" wird allmählich knapp&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Großer internationaler Rauschgift-Händlerring zerschlagen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Navigation mit Satelliten soll einfacher werden</text>
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und
Dokumentation

Telex:08-85432

Nummer

44

3 1 . Oktober 1972

Inhalt

INFORMATION:

Nixon: Weltwirtschaftsordnung muß gerechter und offener werden
-Erklärung des Weißen Hauses-

DOKUMENTATION:
Kissinger erläutert Stand der Verhandlungen mit Hanoi
-Wortlaut der Erklärung Kissingers auf der Pressekonferenz am 26.0ktober-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Internationale "Denkfabrik" zur Lösung sozialer Probleme
-Institut für angewandte Systemanalyse in Schloß Laxenburg bei WienLokalisierung von Flugzeugwracks im Meer
Kosmische Gamma-Strahlung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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44/1972

NIXON: WELTWIRTSCHAFTSORDNUNG MUSS GERECHTER UND OFFENER WERDEN
-Erklärung des Weißen Hauses-

WASHINGTON --(AD)-- Die Vereinigten Staaten werden bei den bevorstehenden Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform "kühne Maßnahmen" für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaftsordnung ergreifen. Dies betonte Präsident
Nixon in einer Erklärung des Weißen Hauses zum kürzlichen EWG-Gipfeltreffen
in Paris, die am 27. Oktober in Washington veröffentlicht wurde.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Ich habe mit großem Interesse das Kommunique gelesen, das von den Führern
der neun Länder der erweiterten Europäischen Gemeinschaft herausgegeben wurde
und in dem sie erneut ihre Verpflichtung zu einer verstärkten europäischen Einheit zum Ausdruck bringen. Auf diesem wichtigen Treffen haben die Mitglieder der
Gemeinschaft ihre Absicht bekundet, »vor Ablauf dieses Jahrzehnts die Gesamtheit ihrer Beziehungen in eine Europäische Union umzuwandeln.* Die Vereinigten
Staaten unterstützen dieses Ziel mit allem Nachdruck. Es ist - und war immer meine feste Überzeugung, daß Fortschritte in Richtung auf ein vereintes Europa
den Frieden in der Welt, Sicherheit und Prosperität fördern.
Es

-1-

�Es ist ebenfalls von größter Wichtigkeit, daß die Vereinigten Staaten und
Europa eng zusammenarbeiten. Aus diesem Grunde begrüße ich besonders die erklärte Absicht der Gemeinschaft, mit uns in einem progressiven, aufgeschlossenen
Dialog zu bleiben, sowie ihre Verpflichtung zu einer progressiven Liberalisierung der tarifären und nichttarifären Handelsschranken auf einer umfassenden
Basis während der wichtigen multilateralen Verhandlungen, die im nächsten Jahr
beginnen sollen.
Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich unsere Verpflichtung bekräftigen, mit den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft für eine Reform des Weltwirtschaftssystems zusammenzuarbeiten, und zwar in einer Weise, durch die eine
Freiheit des Welthandels, eine neue Gerechtigkeit im internationalen wirtschaftlichen Verhalten sowie wirksame Lösungen der Probleme der Entwicklungswelt erreicht werden.
Dies sind die Ziele, die die Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden
Verhandlungen über eine Währungs-und Handelsreform leiten werden. Wir werden bereit sein, mit unseren europäischen Partnern kühne Maßnahmen für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaft zu ergreifen. Die Erklärung der Gipfelkonferenz
vom 21. Oktober ist der Beweis, daß unsere europäischen Partner sich in gleicher
Weise dem Erfolg dieser Bemühungen verschrieben haben. In der Zwischenzeit rechnen wir von ihrer Seite mit kontinuierlicher Unterstützung bei der Förderung
eines Klimas der gegenseitigen Zusammenarbeit und des gegenseitigen Vertrauens
sowie mit einer Demonstration, daß diese Bemühungen durch positive Maßnahmen zur
Lösung dringlicher und unmittelbarer Probleme von Erfolg gekrönt sein werden."

-2-

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44/1972

KISSINGER ERLÄUTERT STAND DER VERHANDLUNGEN MIT HANOI

•wortlaut der Erklärung Kissingers auf der Pressekonferenz am 26.0ktober-

WASHINGTON --(AD)-- Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, hat auf einer Pressekonferenz am 26. Oktober
in Washington den Stand der Verhandlungen mit Nordvietnam erläutert. Dabei gab
er eine längere Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
"Meine Damen und Herren:
Beide Teile Vietnams haben sich nunmehr geäußert, und es ist offensichtlich, daß ein Krieg, der zehn Jahre lang gedauert hat, jetzt zu Ende geht; das
ist eine traumatische Erfahrung für alle Beteiligten. Der Präsident meinte,
es könnte nützlich sein, daß ich Ihnen jetzt einen Bericht darüber gebe, was
wir getan haben, wo wir jetzt stehen und daß ich die verschiedenen Behauptungen und Beschuldigungen in die richtige Perspektive rücke.
Lassen Sie mich zunächst über die Situation sozusagen in drei Teilen berichten:
wo

1-

�wo wir verfahrensmäßig stehen, welches der wesentliche Inhalt der Verhandlungen ist und welches unser künftiger Kurs sein wird.
Ich glaube, daß der Friede in Reichweite ist. Wir sind der Auffassung, daß
ein Abkommen in Sicht ist - ein Abkommen, das sich auf den Vorschlag des Präsidenten vom 8. Mai sowie auf einige Anpassungen unseres Vorschlages vom 25. Januar stützt und das für alle Beteiligten gerecht ist. Es ist unvermeidlich, daß
es in einem Krieg von solcher Komplexität bei der Erreichung einer endgültigen
Lösung gelegentliche Schwierigkeiten gibt, aber wir glauben doch, daß bei weitem
der längste Teil dieses Weges zurückgelegt worden ist; was jetzt einem Abkommen
noch im Wege steht, sind Fragen, die relativ weniger wichtig sind als die Probleme, die bereits geregelt wurden.
Ich möchte zunächst auf die verfahrensmäßigen Punkte eingehen, auf die Argumente hinsichtlich bestimmter Daten für die Unterzeichnung des Abkommens. Wie
Sie wissen, haben wir nahezu vier Jahre lang auf geheimen Sitzungen mit den Nordvietnamesen verhandelt. Wir haben die Gespräche am 19. Juli dieses Jahres wieder aufgenommen. Bisher sind die Verhandlungen immer daran gescheitert, daß die
Nordvietnamesen darauf bestanden, daß erst eine politische Regelung erreicht
werden müsse, bevor über eine militärische Lösung verhandelt werden könne; sie
scheiterten ferner an der damit zusammenhängenden Forderung der Nordvietnamesen,
daß die politische Regelung Vorkehrungen enthalten müsse, die nach unserer Auffassung das politische Ergebnis von vorneherein entschieden hätten.
Wir haben in diesen vertraulichen Verhandlungen von Anfang an den Standpunkt vertreten, dau ein zügiger Fortschritt nur erreicht werden könne, wenn die
politischen und die militärischen Fragen getrennt würden; d.h., wenn die Nordvietnamesen und wir über Mittel und Wege für eine Beendigung des Krieges verhandelten, und wenn die politische Lösung des Krieges einer Erörterung der vietnamesischen Partner unter sich überlassen bleibe. Während vieler langer und

�und vertraulicher Sitzungen während des Sommers blieben diese Positionen im
wesentlichen unverändert

Wie Radio Hanoi heute richtig gemeldet hat, machten die

Nordvietnamesen am 8. Oktober zum erstenmal einen Vorschlag, der uns in die Lage
versetzte, die Verhandlungen zu beschleunigen. Ja, zum erstenmal unterbreiteten
sie einen Vorschlag, der es überhaupt möglich machte, konkret zu verhandeln

Die-

ser Vorschlag ist mit den Erklärungen aus Hanoi korrekt wiedergegeben worden;
d.h. er sieht vor, daß die Vereinigten Staaten und Hanoi sich zunächst einmal
darauf konzentrieren, die militärischen Aspekte des Krieges zu einem Ende zu
bringen, daß sie sich über einige sehr allgemeine Grundsätze einigen, innerhalb
derer die südvietnamesischen Partner dann über die politische Entwicklung

in

Südvietnam entscheiden könnten, was genau der Position entsprach, die wir immer
vertreten haben. Sie ließen ihre Forderungen nach einer Koalitionsregierung fallen, die alle vorhandenen Kräfte absorbieren würde. Sie ließen ihre Forderung
nach einem Veto in bezug auf die führenden Persönlichkeiten und die Struktur der
gegenwärtigen Regierung fallen.
Sie stimmten auch zum erstenmal einer Formel zu, die eine gleichzeitige Erörterung von Laos und Kambodscha gestattete. Kurz gesagt, wir hatten zum erstenmal den Rahmen,innerhalb dessen wir konkret und genau unsere Standpunkte sowie
das, was jede Seite zu geben bereit war, prüfen konnten, statt allgemeine Behaup
tungen aufzustellen und einen Fortschritt daran zu messen, ob bestimmte Klauseln
besonderer Sätze in Winzigkeiten geändert worden seien
Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um darauf hinzuweisen, daß von diesem
Zeitpunkt an die nordvietnamesischen Unterhändler guten Willen und großen Ernst
zeigten. Dasselbe gilt für uns. Wir haben an der allgemeinen Darstellung der Ereignisse, die von Radio Hanoi gegeben wurde, nichts auszusetzen.

Es

�Es zeigte sich jedoch der erste Anfang eines spezifischen Mißverständnisses. Die nordvietnamesischen Unterhändler machten ihren Vorschlag von der Lösung
des Problems bis zum 31. Oktober abhängig, und sie bestanden beharrlich darauf,
daß wir gewisse Verpflichtungen dahingehend eingehen sollten, daß wir bis zum
31. Oktober den Krieg beilegen und die Verhandlungen abschließen müßten.
Ich möchte hier unterstreichen, daß diese Daten keine Daten waren, die wir
erfunden oder vorgeschlagen haben. Ich möchte ferner unterstreichen, daß meine
Anweisungen seitens des Präsidenten genau diejenigen waren, die er auf einer
Pressekonferenz dargelegt hatte; d.h., daß wir eine Regelung erreichen sollten, die gerecht und unabhängig ist von irgendwelchen willkürlichen Terminen,die
von innenpolitischen Vorgängen bestimmt würden. Um eine abstrakte Erörterung von
endgültigen Terminen zu vermeiden, die zu jenem Zeitpunkt noch überaus theoretisch erschienen, stimmten wir jedoch zu, daß wir eine wesentliche Anstrengung
machen würden, um die Verhandlungen bis zum 31. Oktober abzuschließen; und es
ist richtig, daß wir von Zeit zu Zeit Terminabläufe nannten, durch die dies
vielleicht erreicht werden könnte. Es war jedoch immer klar - zumindest für
uns, und wir dachten, wir hätten dies auch in den Verhandlungsprotokollen klar
gemacht - daß wir ganz offensichtlich kein Abkommen unterzeichnen könnten, bei
dem noch Einzelheiten auszuarbeiten blieben, nur weil wir guten Glaubens erklärt hatten, wir würden uns darum bemühen, dieses Abkommen zu einem bestimmten
Datum abzuschließen.
Es war immer klar, daß wir alles, was ausgehandelt wurde, zunächst in
Washington und dann in Saigon erörtern müßten. Es ist viel darüber geredet worden, ob Saigon ein Veto hinsichtlich unserer Verhandlungen habe, und ich möchte
unseren Standpunkt hierzu darlegen:
Ohne

�•4

Ohne Frage hat die Bevölkerung Südvietnams, die so sehr gelitten hat,
sowie die Regierung Südvietnams, mit der wir verbündet sind, die beide in jenem
Lande verbleiben, nachdem wir abgezogen sind, jedes Recht, sich an der Gestaltung
ihres eigenen Friedens zu beteiligen. Sie haben jedes Recht darauf, daß ihre Ansichten gehört und überaus ernst genommen werden.
Wir behalten uns selbstverständlich unsere eigene Urteilsfreiheit vor und
wir treffen unsere eigenen Entscheidungen darüber, wie lange nach unserer Auffassung ein Krieg fortgesetzt werden sollte. Aber eine Quelle des Mißverständnisses
bestand darin, daß Hanoi der Ansicht zu sein schien, daß wir Saigon irgendeine
Lösung einfach aufzwingen könnten und daß die Beteiligung Saigons nicht erforderlich sei. Ich möchte jedoch auch klar machen, daß die noch zu regelnden Punkte
aus einer ganzen Reihe von Quellen herrühren, und ich werde mich ausführlich mit
ihnen befassen. Saigon, und dies ist allgemein bekannt, hat seine Ansichten mit
dem üblichen Ungestüm sowie öffentlich als auch vertraulich zum Ausdruck gebracht.
Wir stimmten mit einigen dieser Ansichten überein, wir stimmten jedoch nicht
allen diesen Auffassungen zu und wir machten klar, welche wir akzeptierten und
mit welchen wir uns nicht identifizieren können.
Darüberhinaus haben meine Mitarbeiter und ich, während wir in Saigon waren,
auch andere Länder Südostasiens besucht, und wir hatten ausführliche Gespräche mit
amerikanischen Regierungsvertretern. Es hatte hierbei den Anschein, daß es bestimmte Besorgnisse und bestimmte Unklarheiten in dem Abkommensentwurf gab, die nach
unserer Auffassung einer Modifizierung und Verbesserung bedurften. Ich möchte jedoch noch einmal betonen, daß

das, was noch getan werden muß, nur einen Bruchteil

dessen ausmacht, was bereits erreicht worden ist, und wenn jetzt Behauptungen und
Gegenbehauptungen aufgestellt werden, dann müssen wir uns vor Augen halten, daß
wir nach dem bisher Erreichten an dem, was noch geregelt werden muß, nicht scheitern können und nicht scheitern werden.
Lassen

-5-

�Lassen Sie mich nun zunächst kurz die Hauptbestimmungen des Abkommens,
wie wir sie verstehen, umreißen, damit ich dann erläutern kann, was nach unserer
Auffassung noch getan werden muß. Wir sind übrigens der Meinung, daß das, was
noch geregelt werden muß, in einer einzigen weiteren Sitzung mit den nordvietnamesischen Unterhändlern erreicht werden kann, die, so möchte ich meinen, nicht
länger als drei oder vier Tage dauern dürfte, so daß hier nicht die Rede von
einer sehr langen Verzögerung ist.
Lassen Sie mich jetzt noch, bevor ich die noch verbleibenden Fragen behandle, auf jene Punkte eingehen, die in dem Entwurf für ein Abkommen enthalten
sind, und die im großen und ganzen in der Rundfunksendung aus Hanoi sehr fair
wiedergegeben wurden. Ich beziehe micht jetzt nicht auf die beiden letzten rhetorischen Seiten, sondern ich beziehe mich auf die Darstellung des Abkommens.
Die hauptsächlichen Bestimmungen waren und sind, daß eine Waffenruhe in Südvietnam von einem Zeitpunkt an eingehalten wird, über den man sich beiderseits
geeinigt hat - es würde eine Waffenruhe an Ort und Stelle sein; daß die amerikanischen Streitkräfte innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens
abgezogen würden; daß es ein totales Verbot hinsieht der Verstärkung der Truppen
geben würde, d.h., daß eine Infiltration nach Südvietnam, von welchem Gebiet und
von welchem Land aus auch immer, verboten sein würde; die vorhandene militärische Ausrüstung innerhalb Südvietnams könnte - unter internationaler Überwachung auf der Basis Stück gegen Stück durch Waffen ersetzt werden, die die gleichen
Eigenschaften oder eine ähnliche Beschaffenheit haben.
Das Abkommen sieht vor, daß alle gefangengenommenen Soldaten und ausländische Zivilpersonen während des gleichen

Zeitraums, in dem sich der Abzug voll-

zieht, repatriiert werden, d.h. alle amerikanischen Gefangenen, Soldaten wie
Zivilisten, werden innerhalb von 60 Tagen nach Inkrafttreten des Abkommens zurückkehren.
Nordvietnam

-6-

�Nordvietnam hat sich verpflichtet, über alle unsere Gefangenen und im Einsatz Vermißten in ganz Indochina Auskunft zu erteilen und alle amerikanischen Gefangenen in ganz Indochina zu repatriieren.
Es gibt da ferner eine besondere Bestimmung, wonach die Zukunft der südvietnamesischen Zivilpersonen, die in Südvietnam festgehalten werden, durch Verhandlungen zwischen den südvietnamesischen Beteiligten bestimmt werden soll, so daß
die Rückkehr unserer Gefangenen nicht von den Vorkehrungen hinsichtlich der vietnamesischen Gefangenen in vietnamesischen Gefängnissen beider am Konflikt beteiligter Seiten abhängt. Was die politischen Bestimmungen angeht, so gibt es da eine
Bestätigung der allgemeinen Grundsätze, die garantieren, daß das südvietnamesische
Volk ein Recht auf Selbstbestimmung hat und daß es über seine politische Zukunft
im Rahmen freier und demokratischer Wahlen unter internationaler Überwachung bestimmt ,
Wie Radio Hanoi ausführte, würden die bestehenden Behörden in bezug auf die
Innen-und Außenpolitik im Amt bleiben. Die beiden Beteiligten in Vietnam würden
über den Zeitpunkt von Wahlen, über die Art der Wahlen sowie über jene Ämter verhandeln, um die es bei diesen Wahlen gehen soll.
Es würde eine als Nationalrat der Versöhnung und Eintracht bezeichnete Einrichtung geschaffen werden, dessen generelle Aufgabe darin bestehen würde, für die
Aufrechterhaltung der Waffenruhe einzutreten und die Wahlen zu überwachen, auf
die sich die Parteien einigen könnten. Dieser Rat würde auf der Basis der Ernennung gebildet werden und würde auf der Grundlage der Einstimmigkeit arbeiten.
Wir betrachten ihn als die Institutionalisierung der Wahlkommission, die wir am
25. Januar in unserem Plan vorgeschlagen haben.
Es

-7-

�Es gibt da Bestimmungen, daß die Disposition vietnamesischer Streitkräfte
im Süden ebenfalls durch Verhandlungen unter den südvietnamesischen Partnern geregelt werden soll.
Es gibt da Bestimmungen, daß die Vereinigung Vietnams ebenfalls auf dem
Verhandlungswege unter den Beteiligten erreicht werden soll, und zwar ohne militärischen Druck, ohne Einmischung von außen, ohne Zwang und ohne Annexion.
Es gibt da ferner ein sehr langes und kompliziertes Kapitel über internationale Überwachung, das sicherlich Studenten höherer Semester noch viele Jahre
beschäftigen wird, und das, soweit ich das übersehe, nur mein Kollege, Botschafter Sullivan, ganz versteht.
Kurz gesagt, es sieht gemeinsame Kommissionen der Beteiligten, je nachdem
mit zwei Parteien oder vier Parteien, für jene Teile des Abkommens vor, die jeweils auf zwei Parteien oder auf vier Parteien anwendbar sind. Es sieht eine internationale Überwachungskommission vor, an die Streitfragen der aus Parteien zusammengesetzten Kommissionen verwiesen würden; die jedoch auch das Recht haben
würde, unabhängige Untersuchungen vorzunehmen, sowie eine internationale Konferenz, die innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens zusammentreten soll, um die Garantien auszuarbeiten und die Beziehungen

der verschiedenen

Parteien untereinander im einzelnen herzustellen.
Da gibt es schließlich ein Kapitel über Kambodscha und Laos, in dem die an
dem Abkommen Beteiligten übereinkommen, die Unabhängigkeit und Souveränität von
Kambodscha und Laos zu respektieren und anzuerkennen, in dem sie übereinkommen,
davon Abstand zu nehmen, das Territorium von Kambodscha und das Territorium von
Laos dazu zu benutzen, die Souveränität und Sicherheit anderer Staaten zu gefährden.
Es

-8-

�Es gibt da ein Übereinkommen, daß ausländische Mächte ihre Streitkräfte aus
Kambodscha und Laos abziehen werden, und es gibt da ein besonderes Kapitel über
die künftigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen
Republik Vietnam, in dem beide Seiten ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß
dieses Abkommen eine neue Periode der Versöhnung zwischen beiden Ländern einleiten wird, und in dem die Vereinigten Staaten ihre Auffassung zum Ausdruck bringen, daß es in der Nachkriegsperiode zum Wiederaufbau von Indochina beitragen
wird und daß beide Länder ihre Beziehungen auf der Grundlage der gegenseitigen
Achtung und Nichteinmischung in die Angelegenheiten des anderen aufbauen werden,
und daß sie aus einem Zustand der Feindseligkeit heraus in einen normalen Zustand
eintreten werden.
Meine Damen und Herren, angesichts des Standes, den wir erreicht haben, ist
es klar ersichtlich, daß die meisten der schwierigsten Probleme überwunden sind.
Wenn Sie einmal von dem ausgehen, was viele von Ihnen noch vor Monaten für möglich gehalten hätten, und es mit dem vergleichen, wo wir heute sind, dann müssen
wir sagen, daß beide Seiten an dieses Problem mit einem Blick auf die weite Zukunft herangegangen sind - mit der Einstellung, daß wir nicht lediglich einen
Waffenstillstand haben wollen, sondern Frieden - und es ist diese Einstellung, die
trotz des gelegentlichen Auf und Ab, das bei einem Problem solcher Komplexität
unvermeidlich ist, unser Handeln bestimmen wird.
Was verhindert denn nun aber den Abschluß des Abkommens? Warum haben wir
um eine weitere Zusammenkunft mit den Nordvietnamesen ersucht, um den endgültigen
Text auszuarbeiten? Der Hauptgrund ist der, daß bei Verhandlungen, die fünf Jahre
lang auf der Stelle traten und bei denen bis zum 8. Oktober faktisch kein Durchbruch erzielt werden konnte, viele der Grundprinzipien vor diesem Durchbruch klar
verstanden wurden, dann aber bei einem genaueren Eingehen auf den Text viele der
Nuancen, von denen die Verwirklichung letztlich abhängen wird, mehr und mehr zu
Tage traten.
Es

-9-

�Es lag auf der Hand und es war nur natürlich, daß sich bei unseren Gesprächen über den abstrakten Wunsch nach einer Waffenruhe weder die eine noch die
andere Seite so präzise ausdrückte, wie später notwendig wurde, als wir über
Zeitpunkt und Ablauf einer Waffenruhe in einem Lande sprachen, in dem es keine
klare Frontlinie gab. Und auch als wir unsererseits das Beharren der Nordvietnamesen auf einem beschleunigten Zeitplan akzeptierten, bedeutete das, daß der
Text niemals konform gestaltet werden konnte, daß also die englischen und
vietnamesischen Texte hintereinander herhinkten, und daß außerdem Unklarheiten
bei der Formulierung entstanden, deren Klärung eine weitere Zusammenkunft erforderlich machen.
Ich darf Ihnen dafür ein paar Beispiele geben und ich glaube, Sie werden
verstehen, daß wir hier über ein ganz anderes Problem sprechen als das, was uns
in den vielen Konferenzen beschäftigte, die ich mit Ihnen, meine Damen und
Herren, über das Problem des Friedens in Vietnam gehabt habe - Konferenzen,
die die abstrakten Theorien betrafen, welcher Weg zum Erfolg führen könnte.
Wir sprechen hier über sechs oder sieben sehr konkrete Fragen, die mit
einem ähnlichen guten Willen, wie er bereits gezeigt wurde, leicht gelöst werden
können. So ist es beispielsweise für uns klar geworden, daß eine große Versuchung
bestehen wird, mit einer Waffenruhe eine letzte Anstrengung einhergehen zu lassen, um soviel Territorium wie nur möglich in Besitz zu nehmen und die Operationen vielleicht lange genug auszudehnen, um die politische Kontrolle über ein
bestimmtes Gebiet zu erlangen.
Wir möchten die Gefahren des weiteren Verlustes von Menschenleben vermeiden, vielleicht in einigen Gebieten sogar die eines Massakers, das damit gegeben sein könnte, und daher wünschen wir über Methoden zu sprechen, durch die
ein internationales Überwachungsgremium gleichzeitig mit der Verkündigung der
Waffenruhe seinen Platz einnehmen kann.
Unser

-10-

�Unser Außenminister hat bereits vorbereitende Gespräche mit einigen der
Länder geführt, die gebeten werden sollen, diesem internationalen Gremium beizutreten - um dadurch diesen Prozeß zu beschleunigen.
Zweitens, wegen der unterschiedlichen politischen Umstände in jedem der
indochinesischen Länder ist der Zusammenhang zwischen den dortigen militärischen Operationen und dem Ende des Krieges in Vietnam oder der dortigen Waffenruhe zu dem Ende des Krieges in Vietnam ziemlich komplizierter Art, und wir
möchten in konkreterer Weise erörtern, wie man dies zeitlich so stark wie möglich zusammendrängen kann.
Es bestehen ferner gewisse Unklarheiten, die sich aus einem Interview ergeben, das der nordvietnamesische Ministerpräsident Pham Van Dong einer Wochenzeitschrift gegeben hat, in dem er hinsichtlich eines oder zweier Punkte in
einem Irrtum über das, was der Inhalt des Abkommens

ist, befangen zu sein

schien - jedenfalls würden wir das gern klargestellt sehen.
Es gibt auch rein sprachliche Probleme. So bezeichnen wir beispielsweise
den Nationalrat für Versöhnung als ein administratives Gebilde, um klarzumachen,
daß wir in ihm nichts mit einer Koalitionsregierung Vergleichbares sehen. Wir
möchten sicherstellen, daß der vietnamesische Text die gleiche Bedeutung vermittelt .
Ich muß hinzufügen, daß der Ausdruck administratives Gebilde uns von den
Vietnamesen selbst durch die englischen Worte "administrative structure11 vorgeschlagen wurde, so daß es sich hier nicht etwa um ein Manöver von unserer
Seite aus handelt.
Da

-11-

�Da gibt es ferner einige technische Probleme hinsichtlich der Frage, auf
welche Klauseln der Genfer Abkommen man sich in bestimmten Abschnitten des
D&lt; uiments beziehen solle und es gibt außerdem das Problem, das bisher nicht
gelöst wurde, daß nämlich die Nordvietnamesen - wie sie in ihrer Rundfunksendung
betonten - vorgeschlagen haben, daß das Abkommen von den Vereinigten Staaten und
Nordvietnam unterzeichnet werden soll - wir für Saigon; sie für ihre Verbündeten in Südvietnam.
Wir haben stets die Auffassung vertreten, daß es unseren Verbündeten überlassen bleiben sollte, ob sie ein Zwei-Mächte-Dokument wünschten oder ob sie
selbst das Dokument unterzeichnen wollten, das Frieden in ihrem Lande schafft.
Nun ziehen sie es vor, an der Unterzeichnung des Friedens beteiligt zu sein und
es erscheint uns auch als ein durchaus vernünftiger Vorschlag, daß ein Land,
auf dessen Territorium ein Krieg geführt worden ist und dessen Bevölkerung so
schwer gelitten und Opfer gebracht hat, das Recht haben sollte, seinen eigenen
Friedensvertrag zu unterzeichnen.
Das wiederum scheint uns keine unüberwindliche Schwierigkeit darzustellen,
aber die Annahme dieses Vorschlages wird eine Neufassung bestimmter Abschnitte
des Dokumentes erforderlich machen, und das wiederum ist eine Aufgabe, für die
mehrere Stunden Arbeit notwendig sind.
Wir haben die Nordvietnamesen gebeten, mit uns zu einem Zeitpunkt ihrer
Wahl zusammenzukommen. Wir haben - wie schon berichtet - unsere Bombardierungen
eingeschränkt und zwar faktisch auf das eigentliche Kampfgebiet, um damit unseren guten Willen zu zeigen und erkennen zu lassen, daß wir uns im Rahmen der bestehenden Übereinkunft halten.
Wir bleiben auch weiterhin davon überzeugt, daß die von mir erwähnten Fragen in einem sehr kurzen Zeitraum gelöst werden können. Wir haben zugesagt, und

-12-

�und ich wiederhole dies hier in aller Öffentlichkeit, sie auf einem einzigen
weiteren Zusammentreffen zu regeln und dieses Zusammentreffen so lange auszudehnen wie es notwendig ist, um das Abkommen zu einem Abschluß zu bringen.
Das ist also die Situation, in der wir uns im Hinblick auf Hanoi befinden.
Wir verstehen Hanois Enttäuschung, daß ein Zeitplan, für dessen Verwirklichung
es so ernsthafte Anstrengungen gemacht hat, aus Gründen, die außerhalb der Kontrolle irgendeines Beteiligten liegen, nicht eingehalten werden konnte; sie
(die Nordvietnamesen) wissen jedoch oder sie sollten es wissen, und gan* bestimmt müssen sie es jetzt wissen, daß der Friede innerhalb von Wochen oder
noch weniger in Reichweite ist, was davon abhängt, wann das Treffen stattfindet. Und sie wissen auch, daß wir, wenn der Friede einmal erreicht worden ist,
von der Gegnerschaft zu einer normalen Situation gelangen werden und von dort
zur Zusammenarbeit, und zwar mit dem gleichen Ernst, mit dem wir unsere bisherigen weniger glücklichen Beziehungen zu ihnen geführt haben.
Was nun Saigon anbetrifft, so ist es natürlich berechtigt, an der Beendigung
eines Krieges mitzuwirken, der auf seinem Territorium geführt worden ist. Das
südvietnamesische Volk hat vieles erleiden müssen, und die Südvietnamesen werden
dort bleiben, wenn wir das Land verlassen haben. Die südvietnamesischen Ansichten
verdienen großen Respekt. Um die Verhandlungen zu beschleunigen, legten wir ihnen
Ergebnisse vor, über die man in den vier Tagen, die ich in Saigon verbrachte,
offenbar nicht hundertprozentig klarkommen konnte. Wir sind jedoch zuversichtlich, daß unsere Konsultationen mit Saigon innerhalb des zeitlichen Rahmens, der,
wie ich angedeutet habe, zum Abschluß des Abkommens mit Hanoi erforderlich ist,
zu einer Einigung führen werden, und daß die Verhandlungen nach dem Plan fortgesetzt werden können, den ich dem amerikanischen Volke dargelegt habe.
Wir

-13-

�Wir haben hier sehr oft über die Friedensverhandlungen gesprochen und wir
waren uns der Spaltung und der Sorgen sehr wohl bewußt, die der Krieg in diesem
Lande verursacht hat. Ein Grund, warum der Präsident so bestrebt war, den Krieg
durch Verhandlungen zu beenden, und zwar in einer Weise, die sich mit unseren
Grundsätzen in Übereinstimmung befindet, ist die Hoffnung, daß der Friedensschluß die Einheit wiederherstellen kann, die zuweilen zu bestimmten Zeiten während dieses Krieges verlorengegangen war, so daß das Abkommen heilend wirken
könne statt neue Spaltung zu verursachen. Das bleibt auch weiterhin unsere
Politik.
Wir werden uns nicht in ein Abkommen hineintreiben lassen, bevor die Bestimmungen in Ordnung sind. Wir werden einem Abkommen nicht ausweichen, wenn seine
Bestimmungen in Ordnung sind. Mit dieser Haltung und mit etwas Zusammenarbeit
seitens der anderen Seite glauben wir, daß wir schon sehr bald sowohl den Frieden als auch die Einigkeit in Amerika wiederherstellen können,"

+++

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INTERNATIONALE "DENKFABRIK" ZUR LÖSUNG SOZIALER PROBLEME
-Institut für angewandte Systemanalyse in Schloß Laxenburg bei Wien-

--(AD)-- Wissenschaftliche Organisationen und Akademien aus zunächst 12 Ländern der westlichen und östlichen Welt haben sich zu einer internationalen
Institution zusammengeschlossen, die sich mit der Lösung weltweiter sozialer
Fragen befassen will. Dabei wird man vor allem auf Methoden der Systemanalyse
zurückgreifen, die beispielsweise die Inangriffnahme und Durchführung technischer Großprojekte wie die Landung von Menschen auf dem Mond ermöglicht
haben. Sitz des "Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse" wird
Schloß Laxenburg bei Wien sein, das die österreichische Bundesregierung gegenwärtig für den neuen Bestimmungszweck renovieren läßt. Der Gründungsvertrag für das Institut wurde Anfang Oktober 1972 in London unterzeichnet.
Die Anregung zu dem neuen internationalen Projekt, das vor allem die
komplexen Folgeprobleme der Industrialisierung in Angriff nehmen wird, gab
schon im Jahre 1966 McGeorge Bundy in seiner damaligen Eigenschaft als Berater von Präsident Lyndon B. Johnson. Bundy wurde kurz darauf mit dem Amt
des Präsidenten der Ford-Stiftung betraut, das er noch heute innehat.

Bundys

-1-

�Bundys damalige Verhandlungen mit Vertretern der UdSSR führten zu einem
ständig weiter intensivierten Gedankenaustausch zwischen der Nationalen Akademie der Wissenschaften in den Vereinigten Staaten unter der Leitung von
Philip Handler und Repräsentanten der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion. Später wurden auch führende Wissenschaftler anderer Länder in Ost und
West hinzugezogen. Wie Dr. Handler, der Präsident der US-Akademie der Wissenschaften, kürzlich erklärte, wird das jetzt ins Leben gerufene Gemeinschaftsunternehmen "einzigartige Möglichkeiten und Hilfsmittel für Wissenschaftler
vieler Nationen schaffen. Sie können relativ frei von Rücksichten auf nationale Belange direkt miteinander zusammenarbeiten, um einige der schwierigsten
Weltprobleme zu untersuchen, sie zu verstehen und nach Lösungen zu suchen."
Die wichtigsten "Instrumente" zur Bewältigung dieser Aufgabe werden Methoden
der Systemanalyse, des modernen Management und der Computertechnik sein. Nach
Meinung Handlers ist gerade dieses Institut geeignet, Brücken zwischen den
Geisteswelten der Länder von Ost und West zu bauen.
Sein künftiger Direktor, der Wirtschaftsstatistiker und Mathematiker
Prof

Howard Raiffa von der Harvard-Universität in Cambridge (Mass.),wird nach

Wien übersiedeln und dort einen Mitarbeiterstab von zunächst 80, später etwa
100 Wissenschaftlern aus den Mitgliedsländern haben.
Die in Angriff zu nehmenden Projekte konzentrieren sich auf die verschiedensten Aspekte von Umweltverschmutzung, des Wasserhaushaltes der Erde angesichts des rapide zunehmenden Wasserverbrauchs sowie der Verunreinigung und Aufheizung natürlicher Wasserläufe, ferner auf Systeme der optimalen Gesundheitsfürsorge für große Bevölkerungsgruppen, auf Dienstleistungsaufgaben der Großstädte und auf Bauvorhaben größten Stils. Wie Prof. Raiffa erklärte, dürften zunächst Energiefragen im Vordergrund stehen - Versorgung, Bedarf, Erschließung
zusätzlicher Energiequellen, neuartige Technologien der Energieproduktion und

~2-

�und schließlich auch der Gefahren von Produktion und Verbrauch von Energie.
Um jedoch brauchbare Lösungen zu finden, sind nicht nur physikalisch-technische und wirtschaftliche, sondern ebenso gesellschaftliche und menschliche
Faktoren zu berücksichtigen und in das "System" zu integrieren.
Das internationale Institut, in dem die Wissenschaftler aller beteiligten
Länder gleichberechtigt sind, wird sich nur mit friedlichen Forschungsaufgaben
befassen. Von dem erforderlichen Jahresetat von ca. 3,5 Millionen Dollar übernehmen in den ersten Jahren die USA und die Sowjetunion je eine Million Dollar,
in den Rest teilen sich die Vertragsorganisationen der übrigen Länder - in
der Bundesrepublik die Max-Planck-Gesellschaft, in der DDR die Deutsche Akademie der Wissenschaften, ferner Wissenschaftsorganisationen in Frankreich,
England, Italien, Kanada, Japan, Polen, Bulgaren und der Tschechoslowakei.

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44/1972

LOKALISIERUNG VON FLUGZEUGWRACKS IM MEER

--(AD)-- Die Klärung der Unfallursache nach dem Absturz eines Flugzeuges
ist für die zuständigen zivilen oder militärischen Behörden eine der
kritischsten Aufgaben. In den meisten Katastrophenfällen ist sie, auch wenn
auf die Aussagen von Überlebenden zurückgegriffen werden kann, nur dann
zu erfüllen, wenn der Flugschreiber geborgen wird. Dies aber ist beim Absturz über dem Meer oder einem großen Binnensee oft schon deshalb fraglich, weil die Absturzstelle nicht genau zu lokalisieren ist. Ohne besondere Suchhilfen besteht dann kaum Aussicht, das Wrack unter Wasser zu
entdecken.
Ein Ultraschall- Gerät der amerikanischen Firma Dukane Corporation
(St. Charles, Illinois) hat sich in solchen Fällen außerordentlich bewährt.
Wie Gloria W. Heath, Direktorin von SAR-Assist, Inc. (Greenwich,Connecticut)
- ein Unternehmen, das sich mit der Entwicklung von Rettungsverfahren für
Luft-und Raumfahrzeuge befaßt - kürzlich in Wien erklärte, seien z.B. sämtliche Flugzeuge der NASA (US-Amt für Luft-und Raumfahrt) sowie zahlreiche
Flugzeuge der US-Marine und vor allem Versuchsmaschinen damit ausgerüstet.

Dank

-l-

�Dank eines solchen Ultraschallsenders an Bord eines Jagdflugzeuges vom
Typ F 14-A war es möglich,die in der Chesapeake-Bucht (Bundesstaat Maryland) abgestürzte Maschine innerhalb von fünf Stunden zu finden. Sie lag in 10 m Wassertiefe. Jedoch war das Wasser, gepeitscht von einem Hurrikan, so trübe, daß die
Sicht gleich Null war. Ein vom nahegelegenen Marine-Testzentrum ausgeschicktes
Suchboot nahm das Peilsignal auf; ein mit einem Empfangsgerät ausgerüsteter
Froschmann vermochte dann innerhalb von Minuten das Wrack zu finden.
Das batteriebetriebene PcLI gerät wird mit dem Augenblick der Wasserberührung aktiviert. Es ist mit einem entsprechenden Empfangsgerät selbst noch bei
6 000 m Wassertiefe auszumachen; je nach den Wasserverhältnissen und der Betriebsdauer ist das Signal in einem umkreis von knapp 2000 bis 4000 m aufzuspüren. Die aktive Lebensdauer wird von Dukane mit 3o Tagen angegeben. Die Betriebsfrequenz liegt bei 37,5 kHz. Das Gewicht des Signalgerätes beträgt ca. 34o g.
Es wurde auch bei Testflugkörpern verwendet,die mit sehr hoher Geschwindigkeit
auf das Wasser aufschlugen. Das Gerät blieb unversehrt und signalisierte den
Lageort, so daß die Bergung in mehr als 95 Prozent der Fälle möglich war.

f+4-i

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KOSMISCHE GAMMA-STRAHLUNG

--(AD)-- Die "Kartierung" von Quellen kosmischer Gammastrahlung innerhalb
und außerhalb unserer Milchstraße ist die Aufgabe eines neuen wissenschaftlichen Satelliten, den die NASA (US-Amt für Luft-und Raumfahrt) mit einer
SCOUT-Rakete von der italienischen San-Marco-Plattform aus Anfang November
1972 zu starten beabsichtigt

Der Abschußplatz befindet sich auf einer stäh-

lernen Insel, ca. 5 km vor der Küste des Staates Kenia im Indischen Ozean.
Er erlaubt die Einsteuerung des Satelliten in qine fast auf Äquatorebene
liegende Umlaufbahn. Bei der vorgesehenen Umlawfhöhe von 555 km ist dies
deshalb von großer Bedeutung, weil dadurch der Durchgang durch ein die
Messungen störendes Feld hoher Elektronendichte

über dem Südatlantik, das

auf eine Anomalie im erdmagnetischen Feld zurückzuführen ist, vermieden
wird.
Der 186 kg schwere Satellit SAS-B (nach erfolgreichem Start wird er die
Bezeichnung EXPLORER 48 führen) ist mit einem Funkenkammer-Detektor ausgerüstet, der über ein Filter von 32 Einzelschüiten auf Gammastrahlung in den

-l-

�'

den Energiebereichen zwischen 25 und 200 Millionen Elektronenvolt anspricht und
außerdem noch die Bestimmung der Richtung, aus der die Strahlen kommen, auf ein
Grad genau erlaubt. Die Lokalisierung der Strahlungsquellen ist somit mit großer
Präzision möglich.
Die Gammastrahlen-Astronomie hat vor allem auf Grund der Ergebnisse, die
mit EXPLORER 42 (auch UHURU genannt) erzielt wurden, große Bedeutung erlangt.
Allein durch diesen Satelliten wurden 125 Quellen von Röntgenstrahlung entdeckt, bei denen es sich z.T. um Binär-Sternsysteme, um die noch rätselhaften
Quasare, um

sogenannte Seyfert-Galaxien und um einen neuartigen Typ von Pulsaren

handelt. Dr. Carl Fichtel vom Goddard-Raumflugzentrum in Greenbelt (Maryland)
nennt dieses neue Gebiet der astronomischen Forschung "einen riesigen Schritt
vorwärts, weil nicht nur wichtige, sondern auch unerwartete Phänomene zu erfassen sind, die direkten Bezug zu den

Hochenergie-Prozessen haben, welche bei

der Evolution der Sterne und Galaxien eine Rolle spielen."
Die kosmische Gammastrahlung - übrigens sendet auch die Sonne Gammastrahlung aus, wie der amerikanische Forschungssatellit OSO 7 im Zusammenhang mit
den heftigen Eruptionen am 4. und 7. August 1972 feststellte - dringt nicht
bis zur Erdoberfläche vor. Aber in ca. 36 000 m Höhe, also im Operationsbereich
von Forschungsballonen, ist sie bereits zu registrieren. Jedoch werden dort die
Beobachtungen durch die Reaktionen kosmischer Partikelstrahlung mit den Luftmolekülen gestört. Deshalb sind Satellitenbeobachtungen außerhalb der Erdatmosphäre
auf jeden Fall vorzuziehen. Von SAS-B erhoffen sich die Wissenschaftler besonders
aufschlußreiche Ergebnisse, weil das dabei verwendete Gamma-Teleskop zehnmal
empfindlicher ist als alle ähnlichen,bisher in Raumfluggeräten verwendeten Instrumente.
Vor

-2-

�Vor allem die wichtigen Prozesse des Transports und der Umwandlung von Energie im Kosmos dürften durch diese Art von Beobachtungen besser verstanden werden.
So erwartet man beispielsweise neue Erkenntnisse über Supernovae - explodierende
Sterne, die in ihrer Masse etwa der Masse unserer Sonne vergleichbar sind. Auch
zur Dynamik des Kräftespiels innerhalb unseres Milchstraßensystems, wo dem Expansionsdruck von kosmischer Strahlung, Magnetfeldern und Teilchenbewegung die
Gravitationskraft der Materie in der galaktischen Ebene entgegenwirkt, dürften
neue Einsichten zu erwarten sein.
Das 11-Millionen-Dollar-Projekt (9 Millionen Dollar davon entfallen auf den
Satelliten) wird von Marjorie R. Townsend (Goddard-Raumflugzentrum) geleitet.
Mrs. Townsend studierte Ingenieurwissenschaften an der George Washington-Universität (in der Bundeshauptstadt Washington) und wurde vor einem Jahr in Anerkennung ihrer hervorragenden organisatorischen Fähigkeiten bei der Durchführung
komplizierter Projekte mit der Verdienstmedaille der NASA ausgezeichnet.

-3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon: Weltwirtschaftsordnung muß gerechter und offener werden &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Weißen Hauses &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger erklärt Stand der Verhandlungen mit Hanoi &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Erklärung Kissingersauf der Pressekonferenz am 26. Oktober&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale "Denkfabrik" zur Lösung sozialer Probleme &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Institut für angewandte Problemanalyse in Schloß Laxenburg bei Wien&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lokalisierung von Flugzeugwracks im Meer &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kosmische Gamma-Strahlung</text>
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Dokumentation

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25. Oktober 1972

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Inhalt

INFORMATION:
Sowjetunion und USA regeln alte Schulden
-Haupthindernis für Handelsabkommen wurde beseitigtVon John Holway
US-Kongreß beendete 92. Sitzungsperiode

DOKUMENTATION:
USA erläutern amerikanisch-sowjetisches Handelsabkommen
-Darlegung des Weißen HausesAmerikanisch-Sowjetisches Abkommen zur Regelung der Pacht-Leih-.Ansprüche
-Wortlaut-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Nobelpreis für Medizin, Chemie und Physik
-US-Forscher aller drei Fachgebiete geehrtPilzkrankheit bei Nadelbäumen
-Bakterien als Nährstofflieferanten der Schädlinge-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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43/1972

SOWJETUNION UND USA REGELN ALTE SCHULDEN
-Haupthindernis für Handelsabkommen wurde beseitigtVon John Holway

WASHINGTON --(AD)— Mit der Regelung der Ansprüche aus dem Pacht-und Leih-Abkommen haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion jetzt - 27 Jahre nach
Beendigung des zweiten Weltkrieges - ein Problem bereinigt, das der Entwicklung gegenseitiger Handelsbeziehungen in der Nachkriegszeit störend im Wege
gestanden, ja sie praktisch blockiert hatte.
Vor dem Kriege hatte es zwischen den beiden Staaten - trotz ihrer politischen Gegnerschaft - einen regen Handelsverkehr gegeben. Die Vereinigten
Staaten zählten damals zu den wichtigsten Handelspartnern Moskaus, und verschiedene große amerikanische Gesellschaften - wie beispielsweise die Ford-Werke - hatten in der Sowjetunion Werke aufgebaut.
Während des Krieges leisteten die Vereinigten Staaten der Sowjetunion
Hilfe für die gemeinsame Sache des Kampfes gegen die Aggression, die sich auf
Güter sowohl für den militärischen wie den zivilen Bedarf erstreckte und einen
Gesamtwert von 11 Milliarden Dollar darstellte.
Die

-l-

�Die Phase des kalten Krieges verhinderte nach Kriegsende die Wiederbelebung
der alten Handelsbeziehungen und ließ die Frage der Regelung der sowjetischen
Kriegsschulden praktisch hoffnungslos erscheinen. Versuche, das Problem durch
Verhandlungen zu bereinigen, scheiterten im Jahre 1951 mit dem Ausbruch des
Koreakrieges und im Jahre 1960 durch die unüberbrückbare Kluft zwischen den
von beiden Seiten vertretenen Standpunkten. Bei diesen Verhandlungen hatten die
Vereinigten Staaten die Zahlung von 800 Millionen Dollar zur Begleichung der
Gesamtschuld vorgeschlagen, die Sowjetion sich jedoch nur zur Zahlung von
300 Millionen Dollar bereiterklärt, und somit erschien eine Regelung hoffnungslos. Als dann vor einem Jahr von offizieller sowjetischer Seite ein stärkeres
Interesse an der Wiederbelebung des Handels zwischen den beiden Ländern bekundet wurde, erwies sich dieses ungelöste Problem der Schulden aus dem Pachtund Leih-Abkommen des zweiten Weltkrieges als unüberwindbares Hemmnis.
Die Sowjetunion wünschte für die Wiederbelebung ihres Handels mit den Vereinigten Staaten die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel, das heißt, die
Senkung der Zölle für ihre Handelsgüter auf einen Stand,wie er allgemein auf
die gleichen Produkte der meisten anderen amerikanischen Handelspartner angewandt wird. Die Gewährung einer solchen Zollbehandlung aber bedurfte der Billigung durch den amerikanischen Kongreß, und es war politisch äußerst unwahrscheinlich, daß solche Konzessionen vom amerikanischen Präsidenten gefordert oder vom
Kongreß bewilligt werden könnten,solange die aus dem Pacht-und Leih-Abkommen
herrührenden Schulden unbeglichen blieben.
So wurden denn im April dieses Jahres von beiden Ländern neue Verhandlungen
in dieser Frage aufgenommen, wobei man entschlossen war, zu irgendeiner Regelung
zu kommen.
Am

-2-

�Am 18. Oktober konnte der amerikanische Handelsminister, Peter Peterson,
vor der Presse im Weißen Haus schließlich bekanntgeben, daß in der Kriegsschuldenfrage eine Regelung erzielt worden sei und daß es "eine gute Regelung von
unserem Standpunkt aus und eine faire vom sowjetischen Standpunkt her" sei.
Der letztlich ausgehandelte Betrag - 722 Millionen Dollar - schließt sowohl
das Kapital als auch die Zinsen ein. Hinzu muß man weitere 199 Millionen Dollar
rechnen, die die Sowjetunion bereits für Güter bezahlt hat, die nach Beendigung
der Kampfhandlungen ausgeliefert wurden. Damit ergibt sich ein Gesamtbetrag von
921 Millionen Dollar, der sich unter Umständen noch etwas erhöhen wird, falls
die Sowjetunion von den Aufschüben Gebrauch macht, die ihr bis zum Jahre 2001,
wenn die letzte Zahlung fällig wird, eingeräumt wurden.
Die ganze Frage war für Moskau mit Emotionen beladen. Die Sowjetunion mußte
im zweiten Weltkrieg große Leiden ertragen und war der Ansicht, daß solche Opfer
bei einer Rückzahlung stark ins Gewicht fallen müßten. Die Vereinigten Staaten
haben jedoch niemals eine Rückzahlung für militärische Ausrüstungsgegenstände
verlangt. Es sollten nur solche zivilen Güter ausgeglichen werden, die den Krieg
überdauert hatten, wie Lastkraftwagen, Straßenbaumaschinen, Fertighäuser etc.
Die USA wollten ferner alle jene Güter erstattet haben - und zwar sowohl militärische als auch zivile Güter -,die bereits vor Beendigung der Kampfhandlungen
bestellt, aber erst später, als Frieden war, ausgeliefert wurden.
Präsident Franklin Roo sevelt hatte es 1941, als er zum ersten Mal die Pacht—
Leih-Konzeption verkündete, so formuliert: Wenn das Haus eines Nachbarn in Brand
geraten ist und man selbst über einen Gartenschlauch verfügt, den man dem Nachbarn leihen kann, dann bittet man nicht im voraus um Bezahlung. Wenn jedoch das
Feuer gelöscht ist und der ausgeliehenßSchlauch beschädigt wurde, dann wird ein
guter Nachbar ihn ersetzen. Und wenn man dann einen guten Gartenschlauch zurückbekäme, dann wäre alles in bester Ordnung.
Die

-3-

�Die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungspartner nahmen sich das Abkommen
zwischen den USA und Großbritannien über eine Regelung der Pacht-und Leih-Schulden
zum Vorbild, und nach den Worten des amerikanischen Handelsministers nimmt sich
das jetzt erreichte Abkommen recht günstig aus. Großbritannien erhielt etwa zweimal so viel Pacht-Leih-Hilfe wie die Sowjetunion. Unmittelbar nach Kriegsende
verpflichtete sich London in einem Abkommen, einen Teil zurückzuzahlen. Praktisch
werden die britischen Zahlungen, wenn sie abgeschlossen sind, nur etwas weniger
sein

als die Summe, die die Sowjets zurückzahlen.
Der genaue Zinssatz, zu dem die Sowjetunion zurückzahlen wird, wurde nicht

bekanntgegeben, und es wurde auch keine Aufschlüsselung zwischen Kapital und
Zinsen gegeben. Wenn die Sowjetunion jedoch von den vier zugestandenen Zahlungsaufschüben Gebrauch macht, dann beträgt der Zinssatz während dieser Zeit 3 Prozent. Großbritannien zahlt für seine Aufschübe 2 Prozent.
Es war sehr schwierig, zu einer Formel für die Festsetzung des Zinssatzes
zu gelangen. Die sowjetischen Unterhändler verwiesen darauf, daß während der
vergangenen 25 Jahre für sowjetische Waren weit höhere Zölle in den Vereinigten
Staaten erhoben wurden, als dies für britische Produkte der Fall war. Die amerikanischen Unterhändler hielten dem entgegen, daß die Vereinigten Staaten die
sowjetischen Schulden mehr als 25 Jahre lang ohne Zinszahlungen hätten tragen
müssen und daß sich während dieses Zeitraumes weltweit eine beträchtliche Inflation vollzogen habe. Die Sowjetunion hatte ferner um eine fünfjährige Stundungszeit ersucht, wie sie Großbritannien eingeräumt worden war. Handelsminister
Peterson wies in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, daß die Sowjets praktisch
bereits eine Stundungszeit von mehr als 20 Jahren gehabt hätten und daß es daher
keinen logischen Grund gebe, diesen Zeitraum zu verlängern.

Die

-4-

�Die sowjetischen Zahlungen sind unverzüglich mit einem Scheck über
12 Millionen Dollar angelaufen. Weitere 24 Millionen Dollar werden am 1. Juli
nächsten Jahres und 12 Millionen am 1, Juli 1975 fällig. Danach wird Moskau
rund 24 Millionen Dollar jährlich bis zum Jahre 2001 zurückzahlen.

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43/1972

US-KONGRESS BEENDETE 92. SITZUNGSPERIODE

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Kongreß hat soeben seine 92. Sitzungsperiode beendet. Nach Ansicht einiger Beobachter war es eine unrühmliche
Sitzungsperiode, andere sprechen von großen Leistungen. Eines ist jedoch
sicher: es war eine ereignisreiche Legislaturperiode.
Die Debatten im Kongreß füllten mehr Seiten der Kongreßprotokolle als
sonst üblich. Der Senat nahm mehr namentliche Abstimmungen vor als in den
letzten 89 Jahren. Und das Repräsentantenhaus befaßte sich mit einer Rekordzahl an Vorlagen.
Nach Ansicht der führenden Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus
war die 92. Sitzungsperiode überaus erfolgreich. Die Republikaner sehen das
anders und verweisen darauf, daß von 318 von Präsident Nixon unterstützten
Regierungsvorlagen nur 141 von dem demokratisch kontrollierten Kongreß während der vergangenen zwei Jahre verabschiedet worden seien. Der Fraktionsvorsitzende der Republikaner im Repräsentantenhaus, Gerald R. Ford, sprach in
diesem Zusammenhang sogar davon, daß die 92. Legislaturperiode "die parteipolitischste der modernen Zeitrechnung" gewesen sei, bestimmt von dem Wunsch,
einem Präsidenten der Oppositionspartei nicht zuviel Anerkennung zu zollen.
Mit

-i-

�Mit der Vertagung des Kongresses blieb eine große Zahl anstehender Gesetzesvorlagen auf der Strecke, Ein Teil von ihnen dürfte niemals mehr zur Sprache
kommen. Zwei Tage vor seiner Vertagung verabschiedete der Kongreß allerdings noch
ein "Übergangsgesetz", das die Fortsetzung des amerikanischen Auslandshilfeprogramms bis zum 28. Februar in einer Höhe von 3,6 Milliarden Dollar - das sind
rund 1,5 Milliarden Dollar weniger als von Präsident Nixon angefordert » vorsieht. Es kann jedoch damit gerechnet werden, daß der nächste Kongreß den Betrag für die Auslandshilfe heraufsetzt und daß bestimmte Beschränkungen, die
die Gegner Nixons im Senat in die Vorlage hineingeschrieben hatten, nunmehr
"gestorben" sind, nachdem die ursprüngliche Senatsfassung nicht verabschiedet
wurde.
Die wohl tiefgreifendste dieser Beschränkungen sah vor, daß der Präsident
alle Regierungsabkommen mit anderen Ländern über die Benutzung deren Territoriums
für Militärbasen dem Senat genauso vorlegen sollte wie internationale Verträge,
die, um bindend zu werden, eine Zweidrittelmehrheit im Senat erfordern. Der Senat
und der Präsident konnten jedoch einen großen Teil ihrer Meinungsverschiedenheiten in

der Frage Regierungsabkommen versus internationale Verträge beilegen.

Dies war eine der wenig beachteten, aber doch wesentlichen Leistungen des 92.
Kongresses.
Während der zweijährigen Legislaturperiode des 92. Kongresses hat der Senat
die Ratifikation

von 54 Verträgen gebilligt, was den Vorsitzenden des Außen-

politischen Senatsausschusses, J„ William Fulbright, veranlasste, von einer
"bedeutsamen Verbesserung der Zahl und der Qualität" der dem Senat unterbreiteten
Verträge zu sprechen. Fulbright verwies hier auf die im Rahmen der SALT-Gespräche
erreichten Abmachungen, auf das Meeresbett-Abkommen, auf das Protokoll über die
atomwaffenfreie Zone in Lateinamerika,auf den Okinawa-Vertrag mit Japan sowie auf
den Vertrag gegen die Luftpiraterie.
Während

�Während der jetzt zu Ende gegangenen Sitzungsperiode hat das Repräsentantenhaus häufig den Präsidenten gegen den Senat unterstützt. Dies war der Fall,
als der Senat versuchte, den Abzug der gesamten amerikanischen Streitkräfte
aus Vietnam zu erzwingen, als es um Gesetzeszusätze ging, die umfassende Kürzungen der in Europa stationierten US-Truppen anstrebten, und als der Senat
versuchte, die Vollmachten des Präsidenten in der Frage der Entsendung amerikanischer Truppen zu Kampfeinsätzen ohne vorherige Billigung durch den Kongreß
zu beschneiden. Auch in der Frage Abkommen versus Verträge fand der Präsident
die Unterstützung des Repräsentantenhauses.
Der Senat wiederum wandte sich gelegentlich gegen die Auffassung des Repräsentantenhauses und ergriff die Partei der Regierung. Dies war beispielswsise
der Fall in der Frage des amerikanischen Beitrages für die Vereinten Nationen
und ihre Sonderorganisationen. Das Haus hatte sich für eine sofortige Kürzung
des amerikanischen Beitrages von 31 Prozent auf 25 Prozent.ausgesprochen. Die
Regierung befürwortete dagegen keine überstürzten Reduzierungen und fand hier
die Unterstützung des Senats, wodurch eine Kürzung bis zum 31. Dezember 1973
hinausgeschoben wurde.
In der jetzt abgelaufenen Sitzungsperiode wurden ferner zwei Zusätze zur
amerikanischen Verfassung verabschiedet. Durch den einen Verfassungszusatz
wurde das Wahlalter von 21 auf 18 Jahre herabgesetzt, wodurch 11 Millionen weitere Amerikaner bei den Wahlen am 7. November ihre Stimme abgeben können; der
andere soll die Gleichberechtigung der Frauen sicherstellen. Den das Wahlalter
betreffenden Zusatz haben 38 Einzelstaaten ratifiziert - damit ist die erforderliche Zahl erreicht; 21 Bundesstaaten haben den Verfassungszusatz, der die
Gleichstellung der Frau betrifft, ratifiziert.
Inzwischen

-3-

�Inzwischen haben die meisten Kongreßmitglieder die amerikanische Hauptstadt verlassens um sich in ihren Heimatstaaten um die Wiederwahl in den 93.
Kongreß zu bewerben. Der neue Kongreß tritt am 3. Januar zusammen. Bei der Wahl
am 7. November geht, es um alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus: 33 der insgesamt loo Sitze im Senat müssen neu besetzt werden.

-4-

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43/1972

USA ERLÄUTERN AMERIKANISCH-SOWJETISCHES HANDELSABKOMMEN
-Darlegung des Weißen Hauses-

WASHINGTON --(AD)-- Das Weiße Haus hat am 18. Oktober in einer längeren
Darlegung das amerikanisch-sowjetische Handelsabkommen, die Pacht-Leih-Regelung sowie die gegenseitigen Krqditabmachungen erläutert.
Die Verlautbarung hat folgenden Wprtlaut:
Zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind heute die
Verhandlungen über eine umfassende Serie von Abkommen und Vereinharungen erfolgreich abgeschlossen worden. Sie betreffen Handelsfragen, gegenseitige
Kredite für den Handel, die Erweiterung von Geschäftseinrichtungen sowie die
Regelung noch offenstehender Pacht-Leih-Verpflichtungen. Diese Abkommen spiegeln die grundlegenden Prinzipien der Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wider,
die von dem (amerikanischen) Präsidenten und dem (sowjetischen) Parteichef
Breschnew auf der Gipfelkonferenz im Mai dieses Jahres unterzeichnet worden
sind. Der siebte Grundsatz sah vor: "Die USA und die UdSSR betrachten Handels-

-l-

�Handels-und Wirtschaftsbeziehungen als ein wichtiges und notwendiges Element
der Stärkung ihrer bilateralen Beziehungen und werden daher das Wachstum solcher Beziehungen fördern. Sie werden die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen
Organisationen und Unternehmen der beiden Länder und den Abschluß von geeigneten
Vereinbarungen und Kontrakten - einschließlich langfristiger - erleichtern."
Auf der Gipfelkonferenz wurde die gemeinsame amerikanisch-sowjetische Handelskommission ins Leben gerufen, in der der Handelsminister der USA, Peter G.
Peterson, für die amerikanische Seite und der Außenhandelsminister der UdSSR,
N.S.Patolitschew, für die sowjetische Seite den Vorsitz führen. Die Gesamtkommission traf im Juli dieses Jahres in Moskau und in der letzten Woche wiederum in
Washington zusammen. Besondere Arbeitsgruppen der Kommission führten während der
vergangenen Woche spezifische Verhandlungen.
Der Präsident hat heute die Bestimmung unterzeichnet, durch die die Sowjetunion für Kredite der Export-Import-Bank der Vereinigten Staaten bezugsberechtigt wird. Handelsminister Peterson und der sowjetische Außenhandelsrainister
Patolitschew haben das Handelsabkommen unterzeichnet. Außenminister William P.
Rogers und der Außenhandelsminister Patolitschew haben das Pacht-Leih-Abkommen
unterzeichnet.

Handelsabkommen
In Übereinstimmung mit dem Ziel der USA, einen umfassenden und klaren Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen amerikanische Privatfirmen sich am amerikanischsowjetischen Handel beteiligen können, legt das Abkommen Richtlinien für bestimmte kritische Gebiete fest, um den Handelsfluß zu erleichtern. Das Abkommen sieht
vor, daß gegenseitig ein Handelszugang gewährt wird, der jenem entspricht, welcher den meiste

unserer Handelspartner in der freien Welt gewährt wird; es

sieht ferner den Schutz vor einer Verzerrung einheimischer Märkte vor, die

-2-

�die Erteilung substantieller Aufträge seitens der Sowjetunion für amerikanische
Maschinen, Fabrikanlagen und Ausrüstung, für landwirtschaftliche Produkte und
industrielle Erzeugnisse und für Verbrauchsgüter, die Bereitstellung von Geschäftseinrichtungen in der Sowjetunion, wie sie Vertretern anderer Länder gewährt werden, die Einrichtung eines amerikanischen Handelsbüros in Moskau und
einer sowjetischen Handelsvertretung in Washington sowie die Anwendung eines
durch Drittländer überwachten Schlichtungsverfahrens bei der Regelung kommerzieller Streitfragen. Das Abkommen enthält weiter eine für beide Seiten geltende Ausnahmebestimmung bezüglich der nationalen Sicherheitsinteressen. Über die
amerikanischen Exportkontrollen kann nicht verhandelt werden, und sie wurden
daher auch nicht erörtert. Diese Bestimmungen werden jedoch überprüft, und
dies wird auch weiterhin der Fall sein.

Handelsvolumen

Aufgrund des Handelsabkommens wird damit gerechnet, daß sich der Gesamthandel während der dreijährigen Laufzeit des Abkommens gegenüber dem Zeitraum
von 1969-1971 zumindest auf einen Gesamtbetrag von mindestens 1,5 Milliarden
Dollar verdreifachen wird. Die sowjetische Regierung erklärt, daß sie damit
rechnet, daß substantielle Aufträge in den USA für "Maschinen, Fabrikanlagen
und Ausrüstung, für landwirtschaftliche Produkte und industrielle Erzeugnisse
und für Verbrauchsgüter" plaziert werden. So hat die sowjetische Regierung beispielsweise den Wunsch zu erkennen gegeben, für mehrere Millionen Dollar amerikanische Ausrüstungen zur Herstellung von Geschirr zu kaufen. Ferner haben ameri
kanische Firmen um Exportlizenzen für Ausrüstungen im Werte von weit über einer
Milliarde Dollar nachgesucht in der Annahme, daß sie bei den Kontraktausschreibungen im Zusammenhang mit dem Bau des großen Lastwagenwerkes an der Kama erfolgreich sein werden. Man schätzt, daß bei diesem Projekt Ausrüstungskontrakte
im Werte von 250 bis 500 Millionen Dollar auf amerikanische Firmen entfallen

3-

�entfallen könnten. Überdies werden beträchtliche Getreidekäufe

während der Lauf-

zeit dieses Abkommens erwartet. Die Exporte von Maschinen und Ausrüstung dürften
wesentlich anwachsen. Gegenwärtig belaufen sich die Exporte von elektrischen und
anderen Maschinen auf nur 60 Millionen Dollar (oder 37 Prozent unseres Gesamtexportes in die Sowjetunion im Jahre 1971), obwohl die Gesamtexporte von amerikanischen Maschinen nach allen Ländern im Jahre 1971 rund 11,6 Milliarden Dollar betrugen. Verschiedene große Gemeinschaft-sprojekte sind gegenwärtig im Gespräch
oder es wird über sie verhandelt. Dazu gehören Industrieanlagen für die Produktion von Polystren, Metallbeschlägen, Düngemitteln, Metallschürfung und die Gewinnung und Weiterleitung von Erdgas. Die Handelsbilanz der Vereinigten Staaten
gegenüber der Sowjetunion war traditionell überaus günstig für die USA und allgemein in einem Verhältnis von drei zu eins. Dieser Trend dürfte während der Laufzeit des Handelsabkommens anhalten und zu einer günstigen Handelsbilanz in der
wahrscheinlichen Größenordnung von mindestens einigen hundert Millionen Dollar pro
Jahr führen. Weiterhin waren die amerikanischen Exporte nach der Sowjetunion
traditionell weitaus arbeitsintensiver als die sowjetischen Exporte nach den USA
- letztere größtenteils Rohstoffe, die sehr viel weniger arbeitsintensiv sind.

Meistbegünstigungsklausel

Das Abkommen sieht vor, daß jedes Land seine Zölle hinsichtlich der Produkte
des anderen auf einen Stand senkt, der allgemein auf die gleichen Produkte der
meisten anderen Länder anwendbar ist. Dies wird Maßnahmen seitens des amerikanischen Kongresses erfordern. Der Präsident plant gegenwärtig, derartige Gesetzesvorlagen zu Anfang der nächsten Legislaturperiode zu unterbreiten. Es wird erwartet, daß das Handelsabkommen nicht in Kraft treten und seine dreijährige Laufzeit
nicht beginnen wird, bevor eine solche Gesetzgebung verabschiedet worden ist.

-4-

�ist. Zwischen 1935 und 1951 wurde auch der Sowjetunion eine solche Zollbehandlung gewährt; sie wurde jedoch im Jahre 1951 während des Koreakrieges durch Gesetz zurückgezogen. Jugoslawien wurde durch dieses Gesetz nicht berührt. Im Jahre
1960 wurde Polen durch eine Gesetzesänderung diese Zollbehandlung zuteil. Wenn
der Sowjetunion jetzt eine solche Zollbehandlung gewährt wird, und zwar in einem
Ausmaß, das allgemein anwendbar auf gleiche Produkte der meisten anderen Länder
ist, dann steht dies voll und ganz in Übereinstimmung mit der Mitgliedschaft der
Vereinigten Staaten im Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommen (GATT).

Marktverzerrung

Durch staatliche Handelsmonopole kontrolliert die Sowjetunion sowohl die
Einfuhr als auch die Ausfuhr aller Güter. In der sowjetischen Wirtschaft spielen
Kosten und Preise nicht notwendigerweise die gleiche Rolle wie dies in einer
Marktwirtschaft der Fall ist. Demgemäß haben sich die Sowjets mit einem Verfahren
einverstanden erklärt, unter dem sie nach Konsultationen keine Güter nach den
Vereinigten Staaten exportieren werden, die nach Ansicht der amerikanischen Regierung "eine Verzerrung ihres einheimischen Marktes verursachen, eine solche
Verzerrung heraufbeschwören oder zu ihr beitragen werden." Falls die Sowjets
eine Begrenzung der amerikanischen Exporte verlangen, ist die amerikanische Regierung verpflichtet, eine solche Mitteilung der amerikanischen Geschäftswelt
zugänglich zu machen.

Gegenseitige

-5-

�Gegenseitige Handelskredite
Beide Regierungen erklärten sich bereit, einander auf einer Basis der Gegenseitigkeit Handelskredite zu gewähren, wie sie bei der Exportfinanzierung
üblich sind. Der Präsident hat daher bestimmt, daß die Export-Import-Bank der
Vereinigten Staaten in Transaktionen mit der Sowjetunion eintreten kann. Die
Sowjets haben zugesichert, daß die Möglichkeiten der Außenhandelsbank der Sowjetunion sowie die Kreditmöglichkeiten von über 4o sowjetischen Außenhandelsorganisationen amerikanischen Importeuren verfügbar gemacht werden.
Die Sowjets haben mit der Export-Import-Bank ein Durchführungsabkommen ausgefertigt, welches vorsieht, daß sie im Hinblick auf alle Fragen - Höhe des Kredits, Zinssatz, Rückzahlungsbestimmungen - genau so behandelt werden wie jedes
andere Land. Die Bestimmungen der Export-Import-Bank hinsichtlich einer privaten
Beteiligung an Krediterleichterungen sollen zur Anwendung kommen, und alle Kredite, die zehn Millionen Dollar übersteigen, werden Gegenstand der üblichen Überprüfung durch den Nationalen Beratungsausschuß sein.

Erweiterte Geschäfts-und Handelsmöglichkeiten, Handelsbüros
Das Handelsabkommen sieht vor, daß die Vereinigten Staaten ein regierungsgefördertes Handelsbüro in Moskau einrichten, das durch die dortige amerikanische
Botschaft unterhalten wird. Den Sowjets wird die Einrichtung einer Handelsvertretung in Washington gestattet. Das amerikanische Handelsbüro in Moskau wird
die amerikanischen Geschäftsleute mit neuesten Informationen über die sowjetischen
Märkte versorgen, Kontakte zwischen amerikanischen Geschäftsleuten und den zuständigen sowjetischen Ministerien erleichtern sowie zweisprachige Stenographen,
Kommunikationsmöglichkeiten und zur Unterrichtung amerikanischer Geschäftsleute
bezüglich ihrer Käufe und Verkäufe Marktanalysen zur Verfügung stellen. Da die

-6-

�die Mitglieder der sowjetischen Handelsvertretung diplomatische Immunität genießen
werden, wird es ihnen nicht gestattet sein, über irgendwelche Transaktionen zu
verhandeln oder diese auszuführen.

Geschäftseinrichtungen in Moskau
Wie alle ausländischen Firmen dürfen amerikanische Firmen ohne Akkreditierung
seitens der sowjetischen Regierung kein ständiges Büro in Moskau mit dem Recht,
Ortskräfte einzustellen und Büro-oder Wohnraum zu erhalten, einrichten. Bis in
jüngster Zeit waren nur zwei amerikanische Firmen - beide aus der Reise- und
Touristenbranche - akkreditiert. Im Zuge der Verhandlungen wurden zwei Industriefirmen zugelassen, und die Sowjets haben sich bereiterklärt, daß sie in Zukunft
amerikanische Firmen auf einer Basis akkreditieren werden, die nicht ungünstiger
als für die Firmen irgendeines dritten Landes ist. Jedes, Problem, das sich aus
diesen Akkreditierungsverfahren ergibt, wird durch die gemeinsame Handelskommission
geregelt werden. Die Sowjets haben schriftliche Zusagen gegeben, daß akkreditierte amerikanische Firmen die Vollmacht erhalten werden, sowjetisches Personal einzustellen, die erforderlichen Telefon-und Telexausrüstungen sowie andere Kommunikationsmittel ohne Verzug zu erwerben, umgehend die benötigten Ausrüstungen wie
Schreibmaschinen, Rechenmaschinen, Diktier-und Kopiergeräte sowie Automobile und
persönliche Gebrauchsgegenstände wie Möbel und andere Einrichtungsstücke einzuführen, daß sie angemessene Wohnungen erhalten und d^ß die Visaersuchen unverzüglich behandelt werden.

Großes

-7-

�Großes Handelszentrum in Moskau
Die Sowjets haben ferner erklärt, daß sie in Moskau ein großes Handelszentrum
mit Büroräumen, Hotels und Wohnungen errichten werden. Es ist geplant, daß das
Handelszentrum eine beträchtliche Anzahl von Firmenräumen, erstklassige Hotelzimmer und Appartements sowie damit zusammenhängende Einrichtungen enthalten wird.
Dieses Zentrum wird das erste seiner Art in der Sowjetunion sein und dürfte in
den nächsten Jahren voll in Betrieb genommen werden. Die Sowjets werden amerikanische Firmen auffordern, Vorschläge zu unterbreiten und an der Finanzierung und
dem Bau des Handelszentrums mitzuwirken. Die sowjetische Regierung plant ferner
den Bau eines wirtschaftlichen Ausstellungszentrums und hat den Vereinigten Staaten angeboten, einen Pavillon zur Ausstellung amerikanischer Produkte zu mieten.
Die USA werden die Sowjets bei der Einrichtung eines sowjetischen Büros in New
York unterstützen, durch das amerikanische Ausrüstung für das Lastwagenwerk am
Kama gekauft werden soll. .

Schlichtung

Während der letzten 4o Jahre haben die. Sowjets ein Schlichtungsverfahren
unter den Auspizien der Außenhandels-Schlichtungskommission in Moskau angewandt,
die sich aus 15 sowjetischen Staatsbürgern zusammensetzt. Die sowjetische Außenhandelsorganisation stimmte einer Schlichtung durch ein drittes Land nur dann zu,
wenn die westliche Firma in dem Kauf-oder Verkaufskontrakt eine entsprechende
Klausel forderte und durchsetzen konnte. Im Gegensatz dazu sehen die Bestimmungen
des amerikanischen Schlichtungsverbandes vor, daß - wenn eine Partei in einem
Schlichtungsverfahren nicht amerikanisch ist - sie das Recht hat, eine Schlichtungskontrollinstanz aus einem dritten Lande anzurufen. Das Handelsabkommen fördert

�fördert eine Beilegung kommerzieller Streitfälle mit Hilfe einer Schlichtung
nach den entsprechenden Bestimmungen der Wirtschaftskommission für Europa, einer
Organisation der Vereinten Nationen, in einem Lande außerhalb der Sowjetunion
und der Vereinigten Staaten und mit Schlichtern, die von einer Stelle in einem
Land außerhalb der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten ernannt werden. Den
Kontraktpartnern steht es jedoch frei, sich auch für andere Schlichtungsmöglichkeiten zu entscheiden, "die sie beide vorziehen und die nach ihrer gemeinsamen Ansicht ihren besonderen Erfordernissen am besten entsprechen." Darüberhinaus wird den amerikanischen Firmen das Recht garantiert, sich der Möglichkeiten sowjetischer Gerichte zu bedienen, und den vergleichbaren sowjetischen Organisationen wird ein ähnlicher Zugang zu den amerikanischen Gerichtshöfen zugesichert .

Regelung des Pacht-Leihabkommens

Hintergrund
Die noch offenen Schuldverpflichtungen der Sowjetunion aus dem Pacht-und
Leih-Abkommen sind seit dem zweiten Weltkrieg ein Hindernis für die amerikanischsowjetischen Handelsbeziehungen gewesen. Alle Verhandlungen, die unmittelbar
nach dem Kriege sowie im Jahre 1951 und 1960 geführt wurden, endeten ergebnislos. Das Pacht-und Leih-Statut gibt dem Präsidenten die volle Macht, die Verpflichtungen innerhalb sehr weitgesteckter Grenzen zu regeln. Das Abkommen,
untrer dem den Sowjets Pacht-und Leih-Hilfe gewährt wurde, schloß sich anderen
ähnlichen Abkommen an, insofern es nur in sehr allgemeiner Ausdrucksweise festlegte, wie die Beiträge jeder Seite zu den Kriegsanstrengungen zu regeln seien.

-9-

�seien. Dementsprechend gab die 1945 erfolgte Regelung mit den Briten, den
Hauptnutznießern des Pacht-und Leih-Abkommens, die Richtlinien für die Regelung
mit der Sowjetunion ab, die etwa halb soviel Hilfe wie die Briten, aber über
fünfmal so viel wie alle anderen Länder erhalten hatten. Die Hauptpunkte betrafen die Höhe der Gesamtregelung, die Frage ob und wie hohe Zinsen erhoben werden sollten, die Länge der Zeit für die Rückzahlung, die Stundungszeit und das
Recht zum Aufschub der jährlichen Abzahlungsraten unter bestimmten Bedingungen.
Die Verhandlungen wurden erschwert durch die Länge der Zeit, die seit dem zweiten Weltkrieg verstrichen war, durch den Unterschied zwischen den derzeitigen
Zinssätzen und den zu Ende des zweiten Weltkrieges üblichen,sowie durch die Tatsache, daß sowjetische Produkte in der Zwischenzeit höheren Zollsätzen unterworfen waren als die Produkte der Briten.

Die sowjetische Regelung

Die noch offenstehenden sowjetischen Schuldverpflichtungen aus dem Pachtund Leih-Abkommen werden durch die Zahlung eines

Betrages in Höhe von min-

destens 722 Millionen Dollar über einen Zeitraum, der am 1. Juli des Jahres 2001
endet, an die Vereinigten Staaten von Amerika beglichen. Zwölf Millionen Dollar
werden gegenwärtig gezahlt, weitere 24 Millionen Dollar werden am l.

Juli 1973

und 12 Millionen Dollar am 1. Juli 1975 gezahlt. Die verbleibende Restsumme wird
in gleichen jährlichen Raten - (insgesamt 28 Raten in Höhe von je 24 071 429
Dollar, sofern die erste derartige Zahlung am 1. Juli 1974 erfolgt) - gezahlt,
deren letzte am 1. Juli des Jahres 2001 fällig ist. Die genaue Summe des Gesamtbetrages wird davon abhängen, ob und wie oft die Sowjets von den vier eingeräumten jährlichen Aufschüben der regulären Raten Gebrauch machen. Sollten die
Sowjets von dem ihnen gewährten Recht zu vier Aufschüben schon in der Anfangsperiode Gebrauch machen, so könnten die Zinsen für die aufgeschobenen Zahlungen
bis zu 37 Millionen Dollar betragen und damit die vom heutigen Tage bis zum

-10-

�zum Jahre 2001 zu zahlende Gesamtnettosumme auf 759 Millionen Dollar ansteigen
lassen. Solche aufgeschobenen regulären Raten werden - falls in Anspruch genommen
bis spätestens 1. Juli 2001 nachgezahlt und mit drei Prozent Jahreszins verzinst
werden müssen. Die Briten zahlen zwei Prozent für alle aufgeschobenen Raten und
dürfen für jeden solchen Zahlungsaufschub ein Jahr über die gesetzte Frist des
Jahres 2001 hinausgehen. Der mittlere Zinssatz für die Gesamtzinslast der öffentlichen

Verschuldung zwischen 1946 und 1972 liegt bei 2,867 Prozent, was zufällig

auch der Zinssatz für das Jahr 1959 war. Die Regelung umfaßt auch die noch verbleibenden Beträge auf das "Pipeline-Konto" für Pacht-und LeihrGüter(in Höhe von
ungefähr 45 Millionen Dollar), die den Sowjets unmittelbar nach Beendigung des
zweiten Weltkrieges geliefert wurden und für die sie seit 1954 bezahlen.

Wenn eine Meistbegünstigungsklausel zwischen dem 1. Juni und dem 1. Dezember
eingeräumt wird, dann ist die erste Pacht-und Leih-Zahlung spätestens dreißig Tage danach fällig. Wenn diese Klausel vom 2. Dezember an bis zum 31. Mai des folgenden Jahres eingeräumt wird, dann ist die erste Pacht-Leih-Zahlung am 1. Juli
dieses Jahres fällig. Der früheste Zahlungstermin für derartige Jahresraten ist
der 1. Juli 1974.

Die sowjetische Regelung verglichen mit der britischen Regelung

Es wurde außerdem der Tatsache Rechnung getragen, daß die Vereinigten Staaten die sowjetischen Schulden seit dem Kriege getragen haben, und zwar auf Kosten
der verlorenen Zinsen, die sie erhalten hätten, wenn die Sowjets zur gleichen Zei
wie die Briten es taten, zu einer Regelung gekommen wären - und daß die Zwischenzeit eine beträchtliche weltweite Inflation gebracht hat. Was den vorgesehenen
Zinssatz anbetrifft, so mußte berücksichtigt werden, daß der Prozentsatz von zwei
Prozent für die Briten ein Entgegenkommen gemessen an den im Jahre 1946 üblichen
Zinsen darstellte. Die beiden Regelungen verhalten sich zueinander wie folgt:

-11-

�wie folgt:

Insgesamt geleistete Hilfe (in Dollar)
Gesamte zahlbare Summe

Großbritannien

Sowjetunion

21,5 Milliarden

11,1 Milliarden

895 Millionen

(in Dollar)

+

921 Millionen +)

'

5 Jahre

Stundungszeit

31.Dezember 2005

Letztes Fälligkeitsdatum

1. Juli 2001

(Es könnte der 31.12.
2008 sein, wenn von drei
weiteren der zugestandenen Aufschübe Gebrauch
gemacht wird.)
Jährlicher Aufschub

zugestanden 7} dadurch
wird letztes Fälligkeitsdatum hinausgeschoben

Zinssatz bei Aufschub

2 Prozent

zugestanden 4;
keine Verlängerung

3 Prozent
(verglichen mit der
britischen Regelung,
bei der ein Aufschub
zu einer Verlängerung führt). Der
dreiprozentige Zinssatz für die Sowjetunion ist praktisch
einem vierprozentigen Zinssatz für
Großbritannien vergleichbar. Großbritannien zahlte
2 Prozent.

+) Ohne Aufschub und einschließlich der Zahlungen für Güter, die,bereits auf dem
Wege,erst nach Kriegsende ausgeliefert wurden ("Pipeline-Güter"). Davon wurden
von der Sowjetunion bereits 199 Millionen Dollar zurückgezahlt.
Copyright

-12-

�Copyright-und Steuerverträge
In der Frage der Copyright-und Steuerverträge wurden bedeutsame Fortschritte erzielt, und in besonderen Arbeitsgruppen wird die Arbeit über diese
Themen fortgesetzt. Es wird damit gerechnet, daß weitere wesentliche Fortschritte vor der nächsten Sitzung der Kommission erzielt werden

Die Gemeinsame amerikanisch-sowjetische Handelskommission
Die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern werden von der Gemeinsamen
Handelskommission weiter in ihrem Ablauf verfolgt werden. Die amerikanische
Delegation der Kommission wird von Handelsminister Peter G. Peterson geleitet; ihr gehören ferner an: James T. Lynn, Staatssekretär im Handelsministerium und Stellvertretender Vorsitzender der USA in der Kommission;
Jack F. Bennett, Stellvertretender Staatssekretär im US-Finanzministerium;
Willis Armstrong, Unterstaatssekretär im US-Außenministerium; und Andrew E.
Gibson, Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Handelsministerium.
James L. Mitchell fungiert als juristischer Berater und Steven Lazarus als
Geschäftsführender Sekretär.

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AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ZUR REGELUNG DER PACHT-LEIHANSPRÜCHE

-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die
Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 18. Oktober
ein Abkommen über die Regelung der Ansprüche aus dem Pacht-und Leih-Abkommen,
der gegenseitigen Hilfe und sonstiger Ansprüche geschlossen. Das vom amerikanischen Außenminister William P„ Rogers und dem sowjetischen Außenhandelsminister N. Patolitschew unterzeichnete Abkommen hat folgenden Wortlaut:
"Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
aus der Überlegung heraus, daß eine Regelung der Verpflichtungen aus der
Führung des Krieges gegen die Aggression notwendig ist, um das gegenseitige
Vertrauen und die. Entwicklung von Handels-und Wirtschaftsbeziehungen zwischen
beiden Ländern zu fördern;

aus

-1-

�aus dem Wunsche heraus, den von den Führern beider Länder auf dem Gipfeltreffen intyosk.auzustandegebrachten Geist der Freundschaft und der gegenseitigen Verständigung zu stärken;
aus der Erkenntnis des Nutzens der Zusammenarbeit heraus, den sie bereits
durch die ßesiegung ihrer gemeinsamen Gegner und die von jeder Regierung der
anderen im Laufe des Krieges gewährten Hilfe gezogen haben; und
aus dem Wunsche heraus,alle Rechte und Verpflichtungen jeder der beiden
Regierungen gegenüber der anderen, die sich aus dem Pacht-und Leih-Abkommen,
aus der gegenseitigen Hilfe oder sonstwie aus der Führung des Krieges gegen die
Aggression ergeben,zu regeln
wie folgt übereingekommen:
1. Dieses Abkommen stellt eine volle und endgültige Regelung aller Rechte,
Ansprüche, Leistungen und Verpflichtungen jeder der beiden Regierungen gegenüber der anderen dar, die sich ergeben aus oder im Zusammenhang stehen mit:
A) dem Abkommen vom 11. Juni 1942 zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über
Grundsätze, die für die gegenseitige Hilfe in der Führung des Krieges gegen die
Aggression gelten, einschließlich der vorherigen und der durch besagtes Abkommen ersetzten Vereinbarungen zwischen beiden Regierungen;
B) dem Abkommen vom 15.* Oktober 1945 zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
bezüglich der Verfügung über Pacht-und Leih-Güter auf Lager oder im Stadium der
Beschaffung in den Vereinigten Staaten von Amerika; und

C)

-2-

�C) allen anderen Fragen bezüglich der Führung des Krieges gegen die
Aggression in der Zeitspanne vom 22. Juni 1941 bis zum 2. September 1945.

2. Beim Abschluß des vorliegenden Abkommens haben beide Regierungen die
Leistungen und Zahlungen voll anerkannt, die sie beide im Rahmen der in Artikel 1
erwähnten Vereinbarungen bereits erhalten haben. Dementsprechend sind beide Regierungen übereingekommen, daß keine der beiden an die andere irgendwelche weiteren Ansprüche stellen wird, die ßich aus oder im Zusammenhang mit irgendeiner
der in besagtem Artikel 1 erwähnten Fragen ergeben.
3. A.) Die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken erwirbt hiermit - und soll davon ausgehen dürfen, sie am 20. September 1945 erworben zu haben - alle solchen Rechte, Besitzansprüche und Anrechte, wie sie die
Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika an allen Pacht-und Leih-Materialien
haben mag, die von der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika an die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken übergeben wurden, einschließlich jedes Gegenstandes, der (erstens) im Rahmen des oben angeführten Abkommens vom 11. Juni 1942 übergeben wurde; (zweitens) an die Regierung der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken im Rahmen des Öffentlichen Gesetzes (Public
Law) No. 11 der Vereinigten Staaten von Amerika vom 11. März 1941 übergeben wurde oder im Rahmen des Öffentlichen Gesetzes an irgendeine andere Regierung übergeben und vor dem 20. September 1945 an die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken weitergegeben wurde; (drittens) im Rahmen des oben angeführten Abkommens vo. 15. Oktober 1945 übergeben wurde, oder (viertens) sonstwie
in der Zeitspanne vom 22. Juni 1941 bis zum 20. September 1945 im Zusammenhang
mit der Führung des Krieges gegen die Aggression übergeben wurde.
B.)

-3-

�B.) Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika erwirbt hiermit
-und soll davon ausgehen dürfen, sie am 20.September 1945 erworben zu haben- alle
solchen Rechte, Besitzansprüche und Anrechte, wie sie die Regierung der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken an allen Gegenständen und Materialien haben mag,
die die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in der Zeitspanne vom 22. Juni 1941 bis zum 20. September 1945 an die Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika übergeben hat.

4. A.) Die Gesamtnettosumme, die die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika zur Regelung aller Angelegenheiten schuldet, wie sie in Artikel 1 dieses Abkommens festgelegt werden, soll 722 000 000 US-Dollar betragen, zahlbar wie in Absatz B.),
C.) und D.) dieses Artikels 4 vorgesehen.
B.) (Erstens) Drei Raten sollen fällig und zahlbar werden wie folgt:
12 000 000 Dollar am 18. Oktober 1972; 24 QOÖ 000 Dollar am 1. Juli 1973; und
12 000 000 Dollar am 1. Juli 1975. (Zweitens) Gemäß Absatz C.) dieses Artikels 4
soll nach dem Datum ("Mitteilungsdatum"), an dem eine Note der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika an die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken übergeben worden ist, in der festgestellt wird, daß die Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken die
Meistbegünstigungsklausel eingeräumt hat, und zwar zu nicht ungünstigeren Bedingungen, als sie in einem Handelsabkommen zwischen den Regierungen der Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken am Datum
der Unterzeichnung eingeräumt worden sind, die Restsumme von 674 000 000 an Zahlungen zur Begleichung von Pacht-und Leih-Konten in gleichen Raten ("regulären
Raten") wie folgt bezahlt werden:

1.)

.4-

�1.) Wenn das Mitteilungsdatum auf den oder vor den 31- Mai 1974 fällt, soll
die erste reguläre Rate am 1. Juli 1974 fällig und zahlbar sein, und die folgenden regulären Raten sollen fällig und zahlbar werden am 1. Juli eines jeden darauffolgenden Jahres bis zum 1. Juli 2001; oder 2.) wenn das Mitteilungsdatum auf
den oder nach dem 1. Juni 1974 fällt, und a) wenn das Mitteilungsdatum in den
Zeitraum vom 1. Juni bis zum 1. Dezember irgendeines Jahres fällt, dann wird die
erste reguläre Rate fällig und zahlbar nicht später als 30 Tage nach dem Mitteilungsdatum, und die folgenden regulären Raten werden dann jährlich fällig und
zahlbar jeweils zum 1. Juli eines jeden darauffolgenden Jahres bis zum 1. Juli
2001; oder b) wenn das Mitteilungsdatum in den Zeitraum vom 2. Dezember irgendeines Jahres bis zum 31. Mai d es darauffolgenden Jahres fällt, dann wird die
erste reguläre Rate an dem 1. Juli fällig und zahlbar, der auf das Mitteilungsdatum folgt, und die folgenden regulären Raten werden jährlich fällig und zahlbar am 1. Juli eines jeden darauf folgenden Jahres bis zum 1. Juli 2001.
C.) In jedem Jahr soll die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken auf schriftliche Mitteilung an die Regierung der Vereinigten Staaten
von Amerika hin, daß angesichts der dann herrschenden und zu erwartenden wirtschaftlichen Verhältnisse ein Aufschub der nächst fälligen regulären Rate (ausgenommen die erste und letzte reguläre Rate) notwendig ist, das Recht haben, die
Zahlung einer solchen regulären Rate aufzuschieben ("aufgeschobene reguläre Rate").
Ein solches Aufschubrecht darf nicht mehr als viermal in Anspruch genommen werden. Gleichgültig, ob die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
irgendeine spätere reguläre Rate aufschiebt, wird in jedem Falle die aufgeschobene
reguläre Rate fällig und zahlbar am 1. Juli eines jeden Jahres beginnend an dem
1. Juli, der auf das Datum folgt, an dem die aufgeschobene reguläre Rate bezahlt
worden wäre, wenn die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
nicht von ihrem Recht auf Aufschub einer solchen regulären Rate Gebrauch gemacht
hätte, wobei die Schlußzahlung auf die aufgeschobene reguläre Rate am 1. Juli

-5-

�Juli 2001 zusammen mit den Zinsen für den nichtbezahlten Betrag der aufgeschobenen regulären Rate für die offene Zeit zu drei Prozent jährlich zu erfolgen
hat, und zwar zum gleichen Zeitpunkt, an dem die aufgeschobene reguläre Rate
fällig und zahlbar ist.
D.) Die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken soll
das Recht haben, zu jeder Zeit die Gesamtsumme oder eine Teilsumme ihrer gesamten
Verpflichtungen im voraus zurückzuzahlen, mit der Einschränkung, daß keine solche Rückzahlung erfolgen darf zu einem Zeitpunkt, an dem eine Zahlung gemäß diesem Artikel 4 nicht an dem Datum geleistet worden ist, an dem sie fällig und
zahlbar war.

5. Beide Regierungen sind übereingekommen, daß sich Rieses Abkommen nur auf
Rechte, Ansprüche, Leistungen und Verpflichtungen der beiden Regierungen bezieht.
Ferner soll nichts in diesem Vertrag dahingehend ausgelegt werden, daß es
die Bestimmungen von Artikel III des oben angeführten Abkommens vom 11. Juni
1942 aufheben würde.

Gegeben in Washington in doppelter Ausfertigung am 18. Tag des Oktober 1972
in englischer und russischer Sprache; beide Fassungen sind in gleicher Weise
authentisch.
gez. William P. Rogers

gez. N. Patolitschew

Außenminister

Außenhandelsminister

für die Regierung der

für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken
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43/1972

NOBELPREISE 1972 FÜR MEDIZIN, CHEMIE UND PHYSIK
-US-Forscher aller drei Fachgebiete geehrt-

--(AD)-- Entdeckungen, die z.T. schon mehr als ein Jahrzehnt zurückliegen,
wurden 1972 mit der Verleihung der Nobelpreise für Medizin, Chemie und Physik
gewürdigt. Und wie schon so häufig sind auch in diesem Jahr die mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichneten Arbeiten gleichzeitig eine Leistung der chemischen Analyse, während die Arbeiten aus dem Gebiet der Chemie große Bedeutung
für den Fortschritt der Medizin haben. Sie dürften sich bereits in absehbarer
Zeit praktisch auswirken.
In den Nobelpreis für Medizin und Physiologie teilen sich der 43jährige
amerikanische Biochemiker Dr. Gerald Maurice Edelman (Rockefeller-Universität,
New York) und der 55jährige Engländer Dr. Rodney R. Porter (Universität Oxford).
Die Wissenschaftler vermochten biochemische Prozesse aufzuklären, die der Körper in Gang setzt, um Krankheitserreger abzuwehren und Gifte zu neutralisieren. Lange Zeit war es ein Rätsel, wie der menschliche Organismus Fremdeiweiß
oder Fremdgewebe überhaupt "erkennt" und in einer immunologischen Reaktion bekämpft. Er bildet dazu, wie man heute weiß, spezifische Eiweißkörper, die die

-l-

�die Eindringlinge bezw. Giftsubstanzen attackieren.
Bei Infektionen durch Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger ist
eine solche Reaktion sehr erwünscht, denn sie bildet einen wichtigen Schritt zur
Genesung. Ganz und gar nicht erwünscht ist sie dagegen bei Organtransplantationen,
da sie trotz Gegenmaßnahmen die Abstoßung des überpflanzten Organs bewirken
kann.
In vielen Fällen ist nur an Hand des Typs der sogenannten Antikörpers
bezw. Immunoglobuline im Blut herauszufinden, welche Ursache den Krankheitserscheinungen zugrundeliegt. Denn die Struktur der Eindringlinge - als solche
werden übrigens vom Organismus auch entartete körpereigene Zellen und Zellhaufen
(Tumore) behandelt - bestimmt den Typ der jeweiligen Antikörper. Diese geben dem
Menschen die Möglichkeit, mit Milliarden gefährlicher Viren und Bakterien zu leben.
Schon Ende der fünfziger Jahre vermochten Edelman und Porter den biochemischen Prozessen, mit denen der Körper Giftstoffe und Krankheitserreger abwehrt,
auf die Spur zu kommen.

Im Jahre 1969 gelang es dann Dr. Gerald M. Edelman

erstmals, auch die Struktur eines Antikörper-Moleküls in allen Einzelheiten aufzuklären. Es handelte sich um ein Immunoglobulin, das aus Blut und Urin eines
Krebspatienten extrahiert wurde.
Dieses Immunoglobulin mit dem Atomgewicht 150 000, das sich aus 1320 Aminosäuren aufbaut, ist eines der größten Eiweißmoleküle, dessen Struktur bisher erforscht wurde. Besonderes Interesse verdient die Anordnung der Aminosäure-Blöcke
in seinen vier Submolekülen aus zwei kurzen und zwei langen Ketten. Denn jede
der vier Ketten des Großmoleküls besitzt einen stabilen und einen veränderlichen
Teil. Und offenbar hat der variable Abschnitt die Funktion eines chemischen
"Wachhundes". Er bildet das Kernstück in dem

Mechanismus, Fremdzellen und Fremd-

moleküle, sogenannte Antigene, als nicht zu dem betreffenden Organismus gehörig

-2-

�gehörig zu erkennen, während der stabile Teil die Produktion von"Antikörpern"
in Gang setzt und für die Neutralisierung der fremden Moleküle sorgt. Normalerweise dauert dieser Vorgang nur so lange, wie der Reiz durch die Fremdmoleküle
besteht.
Aber es kommt auch vor, daß die Zellen nach Erlöschen des Reizes spezifische
Antikörper weiterproduzieren. Diese stören nach gewisser Zeit das physiologische
Gleichgewicht und können chronische Erkrankungen oder auch Allergien auslösen,
gegen die die Medizin noch weitgehend machtlos ist. Die Kenntnis des Mechanismus
der Antikörperbildung und der dabei beteiligten Faktoren schafft jedoch wichtige
Voraussetzungen dafür, sowohl unerwünschte Abwehrreaktionen als auch die sogenannten Autoimmunkrankheiten und die oft recht gefährlichen Allergien medikamentös zu bekämpfen.

+

Der Nobelpreis 1972 für Chemie ging an Dr. Christian B. Anfinsen (56), einen
Mitarbeiter der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA, sowie an
Dr. Stanford Moore (59) und Dr. William H. Stein (61), beide von der RockefellerUniversität in New York. Sie befaßten sich mit besonderen Problemen der Chemie
von "Schlüsselmolekülen des Lebens", nämlich von Ribonukleinsäure (RNS) und
Desoxyribonukleinsäure (DNS). Im besonderen untersuchten sie die Prozesse des
Aufbaus des Ferments Ribonuklease in der lebenden Zelle sowie dessen Struktur und
biologische Aktivität. Das Ferment ist

einer der Katalysatoren,der im Organismus

lebenswichtige Reaktionen auslöst und in Gang hält. Die durch.die Arbeiten derForscher

gewonnenen neuen Erkenntnisse lassen hoffen, daß eines Tages auch

Fehlsteuerungen in der Zellchemie, z.B. die Entartung von Zellen unter Bildung
von Krebszellen, beeinflußt werden können.

+
Zum

3-

�Zum zweiten Mal wurde Dr. John Bardeen (64) von der Universität Illionois
in Urbana mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Er teilt ihn dieses Mal
mit Dr. Leon N. Cooper (42) von der Brown-Universität in Providence (Rhode Island) und Dr. John R. Schrieffer (41) von der Universität Pennsylvanien in
Philadelphia. Die Wissenschaftler vermittelten neue Einsichten in die Natur der
Elektrizität,indem sie eine - nach den Anfangsbuchstaben ihrer Namen als BCSTheorie bezeichnete - wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen der Supraleitfähigkeit zu geben versuchten. Man versteht darunter das nahezu völlige
Verschwinden des elektrischen Widerstandes bei der Abkühlung elektrisch leitfähiger Materialien auf sehr tiefe Temperaturen, die nur wenige Grade über dem
absoluten Nullpunkt (minus 273 Grad Celsius) liegen.
Das von dem

holländischen Physiker Heike Kammerlingh Onnes schon im Jahre

1911 entdeckte Phänomen bedeutet, daß unterhalb der sogenannten Sprungtemperatur
ein in einem Material einmal in Gang gesetzter Elektronenfluß bei der dafür notwendigen Tiefsttemperatur unaufhörlich weiterfließt,ohne daß noch elektrische
Spannung erforderlich wäre. Aber erst ein halbes Jahrhundert später gelang es
den jetzt mit dem Physik-Preis geehrten Wissenschaftlern, die physikalische
Ursache

für dieses Phänomen aufzuzeigen. Sie ist in der Zuordnung von Elektronen

zueinander im Kristall bei Tiefsttemperaturen und der •'Synchronisation" der
Schwingungen solcher Elektronenpaare mit den Kristallschwingungen begründet.
Für die Elektrotechnik, speziell die Erzeugung und den Transport von elektrischem Strom, gewinnt die Nutzbarmachung der Supraleitfähigkeit jetzt große
Bedeutung. Die Suche nach Materialien, deren Sprungtemperatur höher liegt als
die der "klassischen" supraleitfähigen Metalle, wurde in letzter Zeit ungemein
intensiviert. Denn jedes Grad Celsius, das zur Abkühlung auf die Sprungtemperatur eingespart werden kann, bedeutet eine wesentliche Minderung der Kosten des
Verfahrens.
++++

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43/1972

PILZKRANKHEIT BEI NADELBÄUMEN
Bakterien als Nährstofflieferanten der Schädlinge
--(AD)-- Etwa 2,83 Millionen Kubikmeter Nutzholz gehen allein in den amerikanischen Bundesstaaten Oregon und Washington jedes Jahr durch Pilzbefall verloren. Einer Wissenschaftlergruppe der Staatsuniversität Oregon ist es nunmehr
gelungen, aus dem abgestorbenen Gewebe von Fichtenbäumen eine bisher unbekannte
Art von Stickstoffbakterien zu isolieren, die wahrscheinlich eine Schlüsselrolle
bei dem Zerstörungsprozeß spielen.. Sie vermögen Luftstickstoff zu assimilieren
und wandeln ihn in eine Verbindung um, die wiederum für die Pilze, mit denen
sie in Symbiose leben, von großer Bedeutung ist, Nach Ansicht des Pflanzenphysiologen Dr. Harold J Evans (Universität Oregon) kommt es nun darauf an,
die Fähigkeit zur Stickstoffasämilation dieser Bakterienart zu unterbinden.
Dann nämlich hätte man ein Mittel in der Hand, die Pilzschädlinge auszuhungern
und auf diese Weise wirksam zu bei .'impfen
In der Zeitschrift "Journal of General Microbiology" (Ausgabe vom Oktober
1972) verweist Dr Evans darauf, daß der letzte Beweis für eine StickstoffZulieferung durch die Bakterien an den Pilz noch nicht erbracht sei. daß jedoch
ein solcher Prozeß mit Sicherheit angenommen werden könne. Denn der Pilz benötigt
dringend Stickstoff, riei aber im Holz nur in äußerst geringen Mengen zur Verfü-

-i„

�Verfügung steht. Deshalb bleibt kaum eine andere Schlußfolgerung als die übrig,
daß die Bakterien als Stickstofflieferanten fungieren.
Dr. Evans bemüht sich derzeit mit Kollegen um die experimentelle Aufklärung dieses Prozesses. Der Wissenschaftler befaßt sich seit langem mit der
Frage der Stickstoffbindung in der Natur und genießt in Fachkreisen hohes Ansehen. Gegenwärtig führt er im Auftrag der "National Science Foundation" entsprechende Untersuchungen durch. "Wir wissen bereits, welche Art von Verbindungen die Stickstoffbindung verhindern", erklärt er, "aber wir können noch nicht
sagen,ob diese Verbindungen auch geeignet wären, den Pilzbefall von Bäumen
zu unterbinden " Eine dieser Verbindungen ist beispielsweise Kohlenmonoxid.
Zu der Wissenschaftlergruppe gehören Mikrobiologen, Pflanzenpathologen,
Virusforscher und Agrarwissenschaftler

Über spezielle Fachfragen, unter anderem

die Klassifizierung von Bakterien und Vergleiche zwischen verschiedenen Bakterientypen sowie Untersuchungen zur Aufklärung von Stickstoffbindungsprozessen an
Getreide-und Baumwurzeln durch Bodenbakterien fanden sich die Forscher mehr zufällig als gezielt zu dem neuen Projekt zusammen.
Der Pilzbefall von Nadelbäumen, insbesondere von Fichten, ist bereits ein
wirtschaftliches

Problem geworden. Paul E Aho vom US-Forstdienst, der eben-

falls zu der Gruppe gehört, stellte beispielsweise bei Untersuchungen in den
Wäldern der "Blue Mountains" von Oregon fest, daß dort im Verlaufe von vier Jahren der Holzbestand um 35 Prozent vermindert worden ist. Die Holz-und Papierindustrie ist jedoch in zunehmendem Maße auf Fichten angewiesen, weil die bisher bevorzugten Holzarten wie Douglas-Fichten und Ponderosa-Kiefern immer selte ner werden.
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-2-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sowjetunion und USA regeln alte Schulden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Haupthindernis für Handelsabkommen wurde beseitigt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Kongress beendete 92. Sitzungsperiode&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA erläutern amerikanisch-sowjetisches Handelsabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Darlegung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Regelung der Pracht-Leih-Ansprüche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nobelpreis für Medizin, Chemie und Physik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Forscher aller drei Fachgebiete geehrt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pilzkrankheit bei Nadelbäumen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Baktieren als Nährstofflieferanten der Schädlinge -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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18. Oktober 1972

Inhalt

INFORMATION:

USA warnen vor Kontrolle von Satellitensendungen
-Bush äußert Bedenken gegen sowjetischen VorschlagAmerikanisch-sowjetisches Umweltabkommen bringt die Völker einander
näher
Von Hubert G. Collins

HINTERGRUNDMATERIAL:
Fortschritte im Kampf gegen den internationalen Rauschgifthandel
Von Ron Moxness
Die amerikanischen Einwanderungsgesetze
-Faire Behandlung aller ethnischen GruppenVon Ed Scherr
Mehr Schwarze an amerikanischen Colleges
-Neuer Bericht des Amerikanischen Rates für ErziehungVon Howard W. Young
Das Absinken der Geburtenrate in den USA und seine Folgen
Von Mary Sherwood

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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42/1972

USA WARNEN VOR KONTROLLE VON SATELLITENSENDUNGEN

-Bush äußert Bedenken gegen sowjetischen Vorschlag-

VEREINTE NATIONEN, New York --(AD)-- Die Vereinigten Staaten haben ernsthafte
Bedenken gegen einen sowjetischen Vorschlag geäußert, der eine Kontrolle von
Satellitensendungen vorsieht. Moskau wünscht eine internationale Konvention,
die es jedem Land verbieten würde, Fernsehsendungen über Satelliten für den
Direkt empfang durch Bewohner anderer Länder zuzulassen, wenn die Regierung
des Empfängerlandes die Genehmigung hierzu nicht erteilt hat.
Vor dem Politischen Ausschuß der Vollversammlung der Vereinten Nationen
unterstrich der amerikanische Chefdelegierte George Bush dieser Tage, daß der
sowjetische Vorschlag ein fundamentales Prinzip verletzen würde, dem die USA
sowie andere demokratische Länder größte Bedeutung beimessen: den Glauben
an den freien Austausch von Informationen und Gedanken. Dieses Prinzip bilde
eine entscheidende Grundlage für den Fortbestand demokratischer Institutionen.
Der direkte Heimempfang von Satelliten-Fernsehsendungen ist zwar im Augenblick noch nicht möglich und dürfte es auch in den nächsten Jahren noch nicht

-l-

�nicht sein, doch nahm die Sowjetunion die diesjährige Vollversammlung der Vereinten Nationen zum Anlaß, ihren Vorschlag zu unterbreiten und derartige Kontrollen zu fordern.
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten gibt es gegenwärtig keine "adäquate
Grundlage" für die Ausarbeitung endgültiger internationaler Abmachungen in bezug
auf Satelliten-Fernsehsendungen. Bush sagte, bevor die Weltorganisation Grundregeln für den Fluß von Informationen festlege, sollte sie einige Fragen untersuchen, die diesem ganzen Komplex zugrundelägen.
"Dazu gehört die Frage", so sagte der amerikanische Chefdelegierte wörtlich,
"ob eine Beschränkung der Freiheit des Ausdrucks mit den fundamentalen Prinzipien
der Menschenrechtserklärung in Übereinstimmung gebracht werden kann. Wir müssen
uns auch fragen, was für internationale Abmachungen erreicht werden können, die
nicht den freien Fluß von Gedanken und Informationen gefährden und die gleichzeitig doch eine angemessene Respektierung nationaler, kultureller, ethnischer
und religiöser Gefühle gewährleistet. Und wir müssen angesichts der Fakten der
sich weiterentwickelnden Technologie prüfen, wie bei den ständig wachsenden Übermittlungsmöglichkeiten unter Nutzung der modernsten verfügbaren Mittel den Interessen aller Länder, der Industrienationen wie der Entwicklungsländer, am besten
gedient wird. Dies sind nur einige der komplexen und wichtigen Fragen, die einer
überaus sorgfältigen Überlegung bedürfen."
Die Vereinigten Staaten,so sagte Bush weiter, würden ein neues technologisches Mittel begrüßen, durch das die amerikanische Bevölkerung andere Kulturen
und Gesellschaftsformen besser kennenlernen könnte. Die Beschreibungen der Erde
aus der Sicht der Astronauten beispielsweise zeige für alle Nationen die Notwendigkeit auf, so viele Informationen wie nur möglich zu erhalten.

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AMERIKANISCH-SOWJETISCHES UMWELTABKOMMEN BRINGT DIE VOLKER
EINANDER NÄHER
Von Hubert G.Collins
WASHINGTON --(AD)-- Der Hauptwert des amerikanisch-sowjetischen Uraweltabkommens
liegt in seiner völkerverbindenden Wirkung, und es spielt keine entscheidende
Rolle, welches Land dabei einen größeren materiellen Vorteil erzielt. Mit dieser
Erkenntnis kehrte der Vorsitzende des amerikanischen Beirates für Umwelthygiene,
Dr. Russell E. Train, kürzlich von einer längeren Informationsreise durch die
Sowjetunion zurück.
Dr. Train, der sich in Umweltfragen einen internationalen Namen gemacht
hat, hat auf seiner fast 17000 km langen Reise durch die UdSSR mit über 100
sowjetischen Experten Umweltfragen - angefangen vom Winterbau bei Dauerfrost
bis zur Luft-und Wasserverschmutzung in städtischen Ballungsgebieten - gesprochen.
Am 21. September haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein
Durchführungsabkommen zu dem Allgemeinen Umweltabkommen geschlossen, das Präsident Nixon und der Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjets, N.V.Podgorny,
am 23. Mai unterzeichnet hatten. Im Rahmen des Durchführungsabkommens sind über
30 spezielle amerikanisch-sowjetische Gemeinschaftsprojekte des Umweltschutzes
vorgesehen.
Auf

-1-

�Auf einer Pressekonferenz am 13. Oktober nach seiner Rückkehr aus der
UdSSR (am 5. Oktober) zeigte sich Dr, Train beeindruckt von der Gastfreundschaft
und der positiven Einstellung, die er in der Sowjetunion vorgefunden habe.
Die USA, so sagte er, seien der UdSSR in der Umwelttechnologie sicherlich
voraus, und die sowjetische Seite werde fraglos die größeren Vorteile haben.
Er habe jedoch in der UdSSR immer wieder darauf hingewiesen, daß die von der
amerikanischen Privatindustrie produzierte Technologie jedermann zur Verfügung
stehe. Das Entscheidende sei jedoch die Stärkung der Beziehungen zwischen beiden
Völkern, da das Abkommen nicht nur Wissenschaftler und Verwaltungsleute einander nahe bringe, sondern auch Institutionen in beiden Ländern.
Podgorny, so berichtete Dr. Train, habe ferner darauf hingewiesen, daß
die Frage des Umweltschutzes nicht nur für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, sondern auch und gerade für die internationale Zusammenarbeit von
Bedeutung sei.
Die Gemeinschaftsprojekte auf dem Gebiet des Umweltschutzes würden sicherlich positive Auswirkungen auf das allgemeine politische Klima haben.
Nach Schätzungen von Dr. Train werden im Zuge der amerikanisch-sowjetischen
Projekte in neun Arbeitsgruppen auf vier Tagungen mindestens tausend Personen
routinemäßig zusammentreffen und zusammenarbeiten.
Dr. Train vertrat aufgrund seiner Reise die Überzeugung, daß die Vereinigten Staaten beispielsweise auf dem Gebiet der Kontrolle der Luft-und Wasserverschmutzung voraus seien. Dies

habe er vor allem am Baikalsee feststellen

können, wo ein großes Zellulosewerk ernste Probleme für Luft und Wasser mit
sich bringe. Auch was die Festsetzung von Normen fpr die Reinheit von Luft
und Wasser angehe, sei die Sowjetunion noch zurück.

Ferner

�Ferner berichtete Dr. Train, daß ein Besuch bei dem sowjetischen Permafrost-Institut in Jakutsk - dem einzigen Institut dieser Art in der Welt - ebenfalls keine wesentlichen neuen Erkenntnisse gebracht habe. Die USA selbst hätten
angesichts der geplanten Pipeline durch Alaska umfassende Forschungen auf dem
Gebiet des Bauens unter Dauerfrost betrieben. Amerikanische Ölfirmen hätten jedoch bereits viel von den sowjetischen Erfahrungen beim Bau von Pipelines unter
Dauerfrostbedingungen profitiert.
Die Sowjetunion, so betonte der Vorsitzende des amerikanischen Beirates für
Umwelthygiene abschließend, wolle das Problem des Umweltschutzes im großen nationalen Rahmen angehen. Nach seiner Überzeugung werde das neue Abkommen den
Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und der ganzen Welt zum Vorteil gereichen.

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42/1972

FORTSCHRITTE IM KAMPF GEGEN DEN INTERNATIONALEN RAUSCHGIFTHANDEL

Von Ron Moxness

WASHINGTON --(AD)-- Fast täglich liest man Meldungen über erfolgreiche Schläge
der Polizei gegen Rauschgifthändler, die Präsident Nixon erst kürzlich
Schleichhändler des Todes, genannt h,ato Wie gefährlich dieser Kampf ist,läßt
sich daraus erkennen, daß erst dieser Tage ein Beamter des amerikanischen Bundeskriminalamtes FBI seinen Einsatz in New York mit dem Leben bezahlen mußte
und ein weiterer Beamter schwer verletzt wurde. Auch in der Türkei wurden kürzlich durch eine überraschende Aktion der Polizei große Mengen an Heroin sichergestellt .
Ein Beispiel der verstärkten internationalen Zusammenarbeit zur Bekämpfung
vor allem der sogenannten harten Drogen nannte kürzlich der Direktor des amerikanischen Büros für die Bekämpfung von Rauschgift und gefährlichen Drogen (BNDD),
John E. Ingersoll. Auf einer Tagung der Internationalen Vereinigung der in der
Rauschgiftbekämpfung tätigen Rechtsvollzugsbeamten in New Orleans, Louisiana,
am 12. Oktober gab Ingersoll bekannt, daß sich die Zusammenarbeit auf diesem
Gebiet mit lateinamerikanischen Ländern verzehnfacht hat. Vor allem in Brasilien,

"1-

�Brasilien, Argentinien, Peru und Chile habe

die Rauschgiftbekämpfung große

Fortschritte gemacht.
Nach dem Bericht Ingersolls wurden vor kurzem allein in Buenos Aires
45 Kilogramm Heroin beschlagnahmt und 30 Mitglieder eines internationalen Rauschgiftringes verhaftet. Einige Tage zuvor konnte die venezolanische Polizei in Zusammenarbeit mit BNDQ-Agenten 16 Kilogramm Heroin sicherstellen und eine Organisation von Rauschgifthändlern in Caracas und Miami zerschlagen.
Die wachsenden Erfolge der internationalen Zusammenarbeit, so betonte
Ingersoll in seiner Ansprache, seien der Beweis dafür, daß es in dem Kampf gegen
den illegalen Rauschgifthandel keine "Kapitualation" gebe. "Wir führen", so
sagte er, "einen weltweiten Krieg gegen Rauschgift und gefährliche Drogen in
Zusammenarbeit mit fast allen Ländern der Erde, und wir werden diesen Krieg
weiterführen."
Ingersoll gab zahlreiche weitere Beispiele dieses erfolgreichen Einsatzes.
So haben Ende September philippinische Beamte in Zusammenarbeit mit BNDD-Agenten
in Manila über 21 Kilogramm Heroin sichergestellt, die im Endverkauf einen Wert
von fast neun Millionen Dollar hatten. In drei getrennten Aktionen wurde ein
Heroin-Ring zerschlagen, der monatlich rund acht Kilogramm reines Heroin herstellte.
Die Hauptsorge, so betonte Ingersoll, bereite Südostasien. Man habe zwar
eine gute Zusammenarbeit mit den Regierungen von Thailand und Laos erreicht,
jedoch sei eine wirksame Kontrolle des Mohnanbaus im sogenannten "goldenen
Dreieck" - wo die Grenzen von Laos, Thailand und Burma zusammenkommen - bisher
noch nicht möglich. Von den schätzungsweise 700 Tonnen Opium, die im goldenen
Dreieck illegal produziert werden, gelangen nach Ansicht von Ingersoll etwa
200 Tonnen auf die Märkte in Malaysia, den Philippen und Hongkong, während
etwa 100 Tqnnen dem internationalen Markt zufließen. Immerhin hat die thailändi-

-2-

�thailändische Regierung in diesem Jahr

bereits 26 Tonnen Opium vernichtet,

das beschlagnahmt worden war.
Ingersoll konnte auch über Fortschritte in der Organisation der Rauschgiftbekämpfung berichten. Seine Behörde, das BNDD, verfügte im Jahre 1968 über ein
Gesamtpersonal von weniger als 900 Mann, darunter weniger als 600 Agenten, mit
einem Budget von rund 14 Millionen Dollar. Heute, so hob Ingersoll hervor, verfuge er über fast 3 000 Bedienstete, darunter fast 1 600 Agenten, und einen
Haushalt von 74 Millionen Dollar. Großer Nachdruck werde auf die wissenschaftliche und technologische Ausbildung und Ausrüstung der Beamten gelegt.
Wie Ingersoll ausführte, haben nationale Anstrengungen und internationale
Zusammenarbeit zu guten Ergebnissen geführt. In den ersten beiden Monaten des
laufenden Haushaltsjahres seien allein auf dem amerikanischen illegalen Markt
23,8 Kilogramm Heroin und 21,6 Kilogramm Kokain sichergestellt worden. Im
gleichen Zeitraum konnten ausländische Behörden in Zusammenarbeit mit BNDDAgenten 706 Kilogramm Heroin und ähnliche Derivate beschlagnahmen. Im Haushaltsjahr 1971/72 nahmen BNDD^Agenten 4 579 Festnahmen vor und unterstützten
andere Polizeistellen in In-und Ausland bei weiteren 3 092 Festnahmen. Die
amerikanische Zollbehörde nahm im gleichen Zeitraum 7 86o Personen wegen
Rauschgiftbesitz fest und beschlagnahmte 286 Kilogramm Heroin und verwandte Derivate sowie 170 Kilogramm Kokain.
IngersQll wies darauf hin, daß die Tätigkeit von BNDD-Agenten im Ausland
vervielfacht worden sei, und das zahle sich aus. Auch das Abkommen mit der Türkei,
die sich verpflichtete, keinen Mohn mehr anzubauen, werde sicherlich positive
Auswirkungen haben. Früher seien zwischen 50 und 150 Tonnen Rohopium allein aus
der Türkei in den illegalen Rauschgifthandel geflossen. Ein Großteil dieses im
wesentlichen für die Vereinigten Staaten bestimmten Opiums sei in Frankreich

�Frankreich verarbeitet worden. Die französischen Behörden machten jedoch nachdrückliche Anstrengungen, um dagegen einzuschreiten. In diesem Jahr seien allein
auf einem Fischdampfer eine halbe Tonne Heroin sichergestellt und auf französischem Boden fünf Laboratorien ausgehoben worden.
Dies alles, so betonte der BNDD-Direktor, sei ein klarer Beweis für die
immer erfolgreichere internationale Zusammenarbeit.

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42/1972

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DIE AMERIKANISCHEN EINWANDERUNGSGESETZE
-Faire Behandlung aller ethnischen GruppenVon Ed Scherr

WASHINGTON --(AD)-- Über die Möglichkeiten der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika herrschen auch heute noch viele Unklarheiten, und bei
manchem mögen noch die Bilder von Ellis Island - der längst geschlossenen
Einwanderungsstation im New Yorker Hafen - lebendig sein. Die im Jahre 1965
unterzeichneten Einwanderungsgesetze haben jedoch die Verhältnisse grundlegend
gewandelt. Heute ist eine gerechte Verteilung der Einwanderungsbewilligungen
auf fast alle Länder der Erde sichergestellt.
Nach den früheren Bestimmungen gab es nationale Quoten, durch die Einwanderer aus Nord-und Westeuropa begünstigt wurden. Heute werden die Quoten nach
Hemisphären verteilt, wodurch die geographische Streuung breiter und gerechter
geworden ist. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes von 1965 hat die Zahl der
Einwanderer aus Asien sowie aus Süd-und Osteuropa um ein Vielfaches zugenommen,
während die Zahl der Einwanderer aus Nord-und Westeuropa stark zurückging.
Bis zur Wende des 19. Jahrhunderts kamen die Menschen aus fast allen Ländern der Erde - vor allem aber aus Nord-und Westeuropa - in praktisch unbe-

-1-

�unbegrenzter Zahl nach den USA. Mit der raschen Industrialisierung Anfang des
20. Jahrhunderts stieg auch die Zahl der Einwanderer aus Süd-und Osteuropa. In
den zwanziger Jahren setzten die Vereinigten Staaten dann mit einer Reihe von
Gesetzen der Einwanderung Grenzen. Auf der Basis einer Volkszählung, durch die
Anteile der ethnischen Gruppen festgestellt wurden, wurden jetzt länderweise
Quoten aufgestellt, wobei die sogenannten "alten Herkunftsländer" in Nord-und
Westeuropa begünstigt wurden.
Ein neues Gesetz im Jahre 1952 bevorzugte weiterhin die Länder Nord-und
Westeuropas, die etwa 80 Prozent der Quotenzahlen erhielten. Bei all diesen Gesetzen war die Einwanderung aus der westlichen Hemisphäre keinerlei Beschränkungen unterworfen.
Im Rahmen des Gesetzes von 1952 erhielten drei europäische Länder - Großbritannien, Irland und Deutschland - allein 70 Prozent des Quotenanteils für
Einwanderer aus Europa, Asien und Afrika. Während Großbritannien

jährlich

40 000 bis 50 000 Visen ungenutzt ließ, betrug die Quote für Italien 5 600,
während über 200 000 Einwanderungsanträge vorlagen.
Nach dem neuen Gesetz vom 3. Oktober 1965 wurden die Länderquoten abgeschafft und mit 170 000 lediglich eine Jahreshöchstgrenze für die Einwanderung
aus der östlichen Hemisphäre (Europa, Asien, Afrika^ festgelegt, wobei kein Land
jährlich mehr als 20 000 Visen bekommen kann. Auch die Einwanderung aus der westlichen Hemisphäre wurde begrenzt. Seit 1. Juli 1968 ist die Höchstzahl der jährlichen Visen für die amerikanischen Länder auf insgesamt 120 000 festgelegt, wobei jedoch keine Begrenzung für die einzelnen Länder vorgenommen wird.
Mit der Abschaffung der Länderquoten hat sich die ethnische Zusammensetzung
der Einwanderer radikal verändert. So nahmen die USA im Haushaltsjahr 1970/71
(das am 30. Juni 1971 zu Ende ging) 103 461 Asiaten auf, verglichen mit

-2-

�mit 20 683 im Haushaltsjahr 1964/65. Die Zahl der Einwanderer aus Süd-und Osteuropa betrug in den gleichen Zeiträumen 70 444 gegenüber 40 106.
Während 1964/65 Kanada mit 40 013, Großbritannien mit 29 747 und Italien
mit 10 344 Einwanderern an der Spitze der Herkunftsländer lagen, waren es
1970/1 die Philippinen mit 28 471, Italien mit 22 137 und Kuba mit 21 611.
Auch die berufliche Qualifikation der Einwanderer hat sich geändert.
Während Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem ungelernte Arbeitskräfte in die
USA kamen, haben heute mindestens 40 Prozent eine Berufsausbildung; bei den Einwanderern aus Asien sind sogar rund 60 Prozent technisch oder beruflich qualifiziert. Auch nach dem Geschlecht ist eine Verschiebung eingetreten. Kamen früher
hauptsächlich ledige junge Männer, sind heute etwa die Hälfte der Einwanderer
Frauen - nicht solche, die ihren Männern folgen.
Auch in dem Gesetz von 1965 wird die Tradition fortgesetzt, Angehörigen
von amerikanischen Staatsbürgern den Vorrang bei der Einwanderung zu geben. Ehefrauen und Kinder (ledig und unter 21 Jahren) von bereits in den USA lebenden
Bürgern konnten schon früher ohne zahlenmäßige Beschränkung in die Vereinigten
Staaten einwandern. Im Gesetz von 1965 wurden sogar noch die Eltern von erwachsenen amerikanischen Bürgern in den bevorzugten Personenkreis aufgenommen.
Die Familienzusammenführung hat bei der jährlichen Quote von 170 000 für
die östliche Hemisphäre Vorrang und zwar nach folgendem Prozentsatz:
74 Prozent für (1.) unverheiratete Söhne und Töchter von amerikanischen
Staatsbürgern, (2.) Ehefrauen und unverheiratete Kinder von Ausländern, die ständiges Wohnrecht haben, (4.) verheiratete Söhne und Töchter von amerikanischen
Staatsbürgern, (5.) Brüder und Schwestern amerikanischer Staatsbürger;

10

-3-

�10 Prozent für (3.) Akademiker und Personen mit außerordentlichen Fähigkeiten auf den Gebieten von Wissenschaft und Kunst (wozu auch Buchhaltung, Architektur, Maschinenbau, Krankenpflege, Pharmazie usw. gezählt werden;
10 Prozent für (6.) gelernte und ungelernte Arbeitskräfte, für die nach
Bescheinigung des Arbeitsministers ein Mangel besteht (dazu gehören Piloten,
Juweliere, Tischler, Modeschöpfer, Schreibmaschinenmechaniker usw.)»
6 Prozent für (7.) Flüchtlinge.
Alle Visen, die nicht unter diesen bevorzugten Kategorien ausgenutzt werden, stehen sonstigen Bewerbern zur Verfügung, die die Einwanderungsbestimmungen
erfüllen.
Interessant wäre noch anzumerken, daß die Zahl der Einwanderer aus
Deutschland von 1964/65 mit 24 045 bis 1970/71 mit 7 519 um 68,7 Prozent abgei

nommen hat.

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42/1972

MEHR SCHWARZE AN AMERIKANISCHEN COLLEGES
-Neuer Bericht des Amerikanischen Rates für ErziehungVon Howard W. Young

WASHINGTON --(AD)-- Erziehung und Ausbildung der schwarzen Bevölkerung in den
USA zeigen stetige Fortschritte. Dies geht aus neuesten Angaben des Statistischen Bundesamtes der USA sowie aus einer jetzt veröffentlichten Untersuchung
des Amerikanischen Rates für Erziehung (ACE) hervor.
Während die Zahl der jungen Amerikaner, die von einer weiterführenden
Schule auf ein College überwechseln, in den letzten Jahren ganz allgemein
ständig gestiegen ist, war die Zuwachsrate von Schwarzen fast fünfmal so groß
wie bei weißen Schülern. Im Studienjahr 1971/72 schrieben sich insgesamt 8,1
Millionen Studierende an 2 543 amerikanischen Colleges und Universitäten ein,
was einer Zunahme um 33 Prozent während der letzten fünf Jahre entspricht. Der
Zuwachs der schwarzen Studenten - auf 680 000 - betrug jedoch während des gleichen Zeitraumes 141 Prozent. Wenn auch der Prozentsatz der schwarzen Studenten
noch hinter der Zahl der jungen Amerikaner in ihrer Gesamtheit zurückbleibt,
so ist doch immerhin ein weiterer Teil der Lücke geschlossen worden.
Die

-1-

�Die meisten schwarzen Studenten sind an nicht nur für Neger vorgesehenen
Institutionen eingeschrieben. Sie machen 6,3 Prozent der amerikanischen CollegeStudenten aus. Diese Ziffer ist zwar niedrig in bezug auf die Gesamtzahl der
Schwarzen in der amerikanischen Bevölkerung (12 Prozent), doch spiegelt auch diese Zahl einen nicht unbeträchtlichen Fortschritt wider.
Mit den besseren und größeren Ausbildungsmöglichkeiten für Schwarze hat sich
auch ihre sozial-wirtschaftliche Position verbessert. Dies wird aus einer Untersuchung des Amerikanischen Rates für Erziehung deutlich, der 1918 ins Leben gerufen wurde, um das Erziehungswesen in den Vereinigten Staaten zu fördern. In
dem Bericht, der den Titel trägt: "Die schwarzen Erstsemester - Charakteristika
und neueste Tendenzen" wird darauf hingewiesen, daß sich der sozial-wirtschaftliche Status der Studienanfänger verglichen mit der Ausbildung, dem Beruf und
dem Einkommen ihrer Eltern zwar leicht verbessert hat, daß jedoch weiterhin
gewisse Unterschiede zwischen schwarzen und weißen Studenten bestehen.

So ist

der schwarze Student durchweg älter als sein weißer Kommilitone, ärmer, und sein
Vater hat eine weniger gute Ausbildung. Fast 50 Prozent der Väter der schwarzen
Studenten hat eine weiterführende Schule nicht beendet, während weniger als 25
Prozent der Väter der weißen Studienanfänger die Schule vor dem Abschluß verlassen haben. Ferner kommen etwa dreimal so viele Schwarze wie Weiße aus Familien
mit relativ geringen Einkommen, wenn sich auch der wirtschaftliche Status der
schwarzen Familien ständig verbessert. Die schwarzen Studenten sind auch in größerem Maße auf Stipendien und Zuschüsse angewiesen als ihre weißen Kommilitonen.
Mehr als 50 Prozent der Schwarzen beziehen ihre Mittel aus solchen Quellen, während 56 Prozent der weißen Studierenden angeben, daß sie in erster Linie von
ihren Eltern unterstützt werden. Die Studenten des Erstsemesters sind meistens
18 Jahre alt, doch ist ein höherer Prozentsatz von Schwarzen als von Weißen älter
als 18 Jahre.
Schwarze

�Schwarze Studenten sind dem Bericht zufolge durchweg weniger militant als
ihre weißen Kommilitonen.

Obwohl

nahezu die m f t e

der schwarzen

Studenten

(46,5 Prozent) sich als "liberal» oder »weit links stehend» bezeichnet gegenüber
37,5 Prozent der weißen Studienanfänger, neigen die Weißen eher dazu, an Demonstrationen für die Geburtenkontrolle, die Legalisierung von Marihuana und die Abschaffung des Benotungssystems an den Colleges teilzunehmen.
Sowohl schwarze als auch weiße Studienanfänger ließen dem Bericht nach ein
abnehmendes Interesse an dem Besuch von Gottesdiensten sowie von Museen und
Kunstgalerien erkennen. Aber beide Gruppen zeigten ein starkes Interesse daran,
anderen zu helfen und als Lebensziel ein besonderes Fachwissen auf Spezialgebieten zu erlangen. Zwei von drei Schwarzen erklärten, sie würden bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen ihre Stimme abgeben, während bei den Weißen drei

von

vxer d.ese Absicht erklärten. Im Hinblick auf die Kontrolle der Umweltverschmutzung
sowie den Verbraucherschutz war das Interesse auf beiden Seiten etwa gleich.
Die Untersuchungsergebnisse des Rates für Erziehung bestätigten im großen
und ganzen die Feststellungen eines zu Anfang dieses Jahres veröffentlichten Berichtes des National Scholarship Service, einer im Jahre 1946 gegründeten gemeinnützigen Organisation, deren Ziel es ist, Negern bei der Erlangung einer CollegeAusbildung zu helfen.

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42/1972

DAS ABSINKEN DER GEBURTENRATE IN DEN USA UND SEINE FOLGEN

Von Mary Sherwood

WASHINGTON --(AD)-- Die rasche Bevölkerungszunahme in den Vereinigten Staaten

scheint nach den jüngsten vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Berichten über die Geburtenziffern ihrem Ende entgegenzugehen.
Noch vor fünf Jahren rechnete man mit einem Anwachsen der amerikanischen
Bevölkerung, die damals rund 200 Millionen zählte, auf rund 300 Millionen bis
zum Jahre 2000.

Nach den heutigen Schätzungen wird man bis zum Jahre 2000 mit

30 bis 40 Millionen weniger Geburten rechnen müssen als ursprünglich angenommen.
Es besteht damit sogar die Möglichkeit, daß die Bevölkerungszunahme bei weiter
anhaltender geringer Geburtenzahl den Nullpunkt erreicht - wenn man von der Zahl
der in das Land strömenden Einwanderer einmal absieht.
Eine vom Bundesamt für Statistik im Juni 1972 bei amerikanischen Frauen der
Altersgruppen zwischen 18 bis 24 Jahren durchgeführte umfrage ergab, daß 70 Prozent der Befragten im Höchstfalle zwei Kinder haben wollen. Noch ein Jahr zuvor
hatten nur 64 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe erklärt, daß sie nicht

-1-

�nicht mehr als zwei Kinder haben wollten, und im Jahre 1964 lag die Zahl sogar
bei nur 44 Prozent. Die Durchschnittszahl der in dieser Altersgruppe erwarteten
Geburten fiel in fünf Jahren um über 2o Prozent und zwar von 2,9 im Jahre 1967
auf 2,3 im Jahre 1972.
Alle Voraussagen über den Bevölkerungszuwachs werden immer nur im besten
Falle einen wissenschaftlichen Wahrscheinlichkeitsgrad beanspruchen können,da
sie weitgehend von Veränderungen in der Grundeinstellung der Menschen zur
Existenz abhängig sind. Dennoch sieht das Bundesamt für Statistik die Resultate
seiner jüngsten Erhebungen als "sehr bedeutsam" an. Bei einer ähnlichen im
Jahre 1960 durchgeführten Umfrage hatte sich bei den Frauen dieser Altersgruppe
ergeben, daß sie im Durchschnitt 3,1 Kinder haben wollten. Die Durchschnittszahl der tatsächlich geborenen Kinder liegt mit 2,9 Geburten um 0,2 unter dem
erwarteten Durchschnitt. Zieht man diese 0,2

von der als Durchschnitt

errechneten Zahl bei den in diesem Jahr befragten amerikanischen Frauen ab,
so käme man auf 2,1 Geburten und damit auf eine Zahl, die den Bevölkerungszuwachs auf den Punkt Null brächte, wenn sie in den nächsten siebzig Jahren beibehalten wird.
Was bedeutet diese Statistik über die Zahl der zu erwartenden Geburten
nun für die Vereinigten Staaten? Als erste Auswirkung zeigt sich heute schon,
daß die Entbindungsstationen in den Krankenhäusern weniger überfüllt sind und
die Zahl der Schulanfänger in den Volksschulen etwas zurückgeht.
In einer Veröffentlichung der Weltbank, die sich ganz allgemein mit den
möglichen Auswirkungen eines geringeren Bevölkerungszuwachses befaßt, heißt
es: "Der sicherste, unmittelbarste und greifbarste Vorteil der Verlangsamung
der Bevölkerungszunahme ist das Anwachsen des pro Kopf-Einkommens. Die Probleme
der Arbeitslosigkeit und der Ungleichheit in der Verteilung der Einkommen
werden durch einen Rückgang in der Geburtenzahl entschärft."
Ben

-2-

�Ben Wattenberg schreibt in einem in der amerikanischen Zeitschrift "World"
am 8. August 1972 veröffentlichten Artikel über die in den Vereinigten Staaten
sich mehr und mehr durchsetzende Form der kleineren Familie, daß "wir damit
rechnen können, daß die jungen Familien gesünder als heute sein werden - das
heißt, daß sie in der Lage sein werden, mehr Geld für ihre Wünsche als für ihre
direkten Bedürfnisse auszugeben."

Eine kleinere Familie, so fährt Wattenberg

fort, brauche auch nur eine kleinere Wohnung,und außerdem könne die Mutter einer
kleineren Familie leichter eine Beschäftigung finden - was wiederum zur Gründung
kleinerer Familien ermutigen werde.
Außerdem, so betont Wattenberg, werde sich das Verhältnis von "Steuerverzehrern" zu "Steuerzahlern" günstig verändern, da beispielsweise eine wachsende
Zahl von Schulkindern eine immer größere Zahl von Schulen und Lehrern brauche
und damit "Steuerverzehrer" sei.

•H-H-f

-3-

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11. Oktober 1972

Inhalt

DOKUMENTATION:
Pressekonferenz Präsident Nixons am 5, Oktober 1972
-Auszüge-

*

WIRTSCHAFT:
Peterson erläutert Stand der amerikanisch-sowjetischen Handelsbez iehungen
-Wortlaut der Rede des Ministers vor der Handelskammer in KalifornienAussichten auf Reform des internationalen Währungssystems haben sich
gebessert
Von Eugene Brake
Günstigere Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz
Von Marina Whitman, Mitglied des US-Wirtschaftsbeirates

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 5. OKTOBER 1972
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am 5. Oktober auf einer kursfristig
einberufenen Pressekonferenz, die vorwiegend innenpolitischen Themen gewidmet
war, auch zur Frage einer Friedensregelung für Vietnam Stellung genommen. Die
Vietnam betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:

Frage: Herr Präsident, sehen Sie eine Möglichkeit für eine ausgehandelte
Vietnam-Regelung noch vor den Wahlen?

Antwort: Die Regelung wird so bald kommen, wie wir eine Regelung erreichen
können, die gerecht ist - gerecht für die Südvietnamesen, für die Nordvietnamesen
und für uns. Es wird eine Regelung sein, die unser Ziel berücksichtigt, nämlich
die gewaltsame Einsetzung einer kommunistischen Regierung in Südvietnam zu verhindern, und natürlich ein Ziel, das uns besonders am Herzen liegt - in humanitärem
Sinne - nämlich die Rückkehr unserer Kriegsgefangenen.

Ich möchte jedoch betonen, daß unter keinen Umständen der Zeitpunkt einer
Regelung, zum Beispiel das mögliche Aushandeln einer Waffenruhe, das mögliche
Aushandeln einer Einstellung der Bombenangriffe oder diesbezügliche einseitige
Maßnahmen - daß unter keinen Umständen solche Maßnahmen durch die Tatsache beeinflußt werden, daß hier in den USA am 7. November eine Wahl stattfindet.
Wenn

�Wenn wir eine richtige Regelung vor der Wahl erreichen können, so werden
wir das tun. Wenn nicht, so werden wir nicht eine falsche Regelung vor der Wahl
eingehen. Wir befanden uns in einer ähnlichen Lage im Jahre 1968, als Politiker
mit den besten Absichten einen sehr, sehr großen Fehler begingen, indem sie die
Bombenangriffe ohne ausreichende Zusagen der anderen Seiten einstellten.

Ich übe hier natürlich keine Kritik, was ihre Motive anbetrifft. Ich erkläre
lediglich, daß wir diesen Fehler nicht noch einmal machen, nachdem wir erlebt
haben, was dann geschah.

Die Wahl, und ich wiederhole dies, wird in keiner Weise das beeinflussen,
was wir am Verhandlungstische tun.

Zweitens ..., die Verhandlungen sind, wie Sie wissen, sehr eingehend über
private Kanäle geführt worden. Wir haben vereinbart, daß keine Seite über den Inhalt dieser Verhandlungen sprechen wird. Ich werde weder in der einen noch in der
anderen Weise darüber sprechen. Ich möchte nur sagen,daß sich die Verhandlungen
in einem sensitiven Stadium befinden. Ich kann nicht voraussagen, und ich werde
dies auch nicht tun, daß sie Erfolg oder keinen Erfolg haben werden. Ich kann
und werde nicht voraussagen, wann sie Erfolg haben werden.

Ich möchte jedoch betonen, daß jeder Kommentar meinerseits zu der Frage, wie
der Verlauf der Verhandlungen ist, nur abträgliche Auswirkungen auf das von uns
angestrebte Ziel haben kann - und dieses Ziel ist eine möglichst baldige Regelung
dieses langen und schwierigen Krieges auf dem Verhandlungswege.

Frage.: Herr Präsident, es ist gesagt worden, daß Hanoi vielleicht mit einer
Regelung bis nach der Wahl wartet, weil es von der Theorie ausgeht, daß es, wenn
ein Demokrat gewählt wird, bessere Bedingungen für sich herausholen kann. Was
können Sie uns darauf antworten?

Antwort: Dies könnte ihr Motiv sein. Es gibt Leute, die der Ansicht sind,
daß sie auch 1968 bis zu einem gewissen Ausmaß von politischen Erwägungen ge- 2-

�r

geleitet wurden, als sie einer Einstellung der Bombardierungen vor der Wahl zustimmten aus dem Gedanken heraus, daß meine Niederlage mehr in ihrem Interesse
liege als die Wahl meines Gegners.

Ich behaupte nicht, daß dies so war. Ich muß sagen, daß sowohl Senator
Humphrey als auch ich uns meines Erachtens recht verantwortungsbewußt im Wahlfeldzug verhielten, indem wir uns jeder Stellungnahme zu dem enthielten, was
damals lediglich vorbereitende Verhandlungen waren, und zwar aus dem Bewußtsein
heraus, daß jede Stellungnahme durch jemand, der Präsident werden könnte, den
Erfolg der Verhandlungen gefährden könnte.

Wenn nun Hanoi alles auf diese Karte setzt, dann besagt dies nur, daß niemand
über das politische Bild in den USA eine Voraussage machen kann. Trotz allem, was
die Meinungsumfragen ergeben haben, und trozt mancher Hinweise auf unserer Seite,
daß wir glauben, gute Siegeschancen zu haben, gibt es viele in den USA und auch
im Ausland, die glauben, daß auch die andere Seite eine Siegeschance hat.

Unter diesen Umständen könnten sie mit einer gewissen Berechtigung zu dem
Schluß gelangen, daß mein Festhalten an dem Vorsatz, niemals einer Regelung zuzustimmen, durch die dem südvietnamesischen Volk direkt oder indirekt eine
kommunistische Regierung aufgezwungen würde, verglichen mit den gegenteiligen
Erklärungen unserer (politischen) Gegner zu diesem besonderen Punkt, eventuell
von Einfluß auf sie sein würde.

Auf der anderen Seite sprechen wir miteinander. Wenn wir die Möglichkeit
dazu haben, werden wir die Gespräche vor dieser Wahl fortsetzen, und wir werden
Hanoi zu überzeugen suchen, daß ein Warten bis nach der Wahl keine gute Taktik
wäre.

Frage: Herr Präsident, unter Ihren Kritikern sind einige, die erklären, die
Bombenangriffe dienten wirklich keinem guten Zweck und seien unnötig.

Welchem

Zweck dienen die Bombenangriffe jetzt angesichts der Tatsache, daß die Verhandlungen nicht zu einer Regelung geführt haben, und angesichts der Tatsache, daß
- 3-

�daß es immer noch ein beträchtliches Maß an militärischer Aktivität im Süden
gibt?

Antwort: Ich glaube, Sie könnten noch weiter gehen. Da gibt es Leute, die
erklären, Bombenangriffe und Verminung dienten überhaupt keinem nützlichen Zweck,
und so sei es auch in diesem Fall. Diese gleichen Kritiker ... waren auch zu
dem Schluß gekommen, daß Südvietnam am Ende sei. Time, Newsweek, die New York
Times, die Washington Post, die Kommentatoren der drei großen Rundfunk- und
Fernsehgesellschaften - ich beziehe mich nicht auf Sie meine Damen und Herren,
die Sie Reporter sind - sie alle haben in unterschiedlicher Lautstärke von dem
Gespenst einer Niederlage sowie von der Hoffnungslosigkeit der südvietnamesischen
Sache geschrieben und gesprochen.

Am 8. Mai handelte ich, um eine solche kommunistische Machtübernahme zu verhindern, die die gleichen Kritiker damals alle voraussagten. Nachdem ich diese
Verminung und Bombardierung angeordnet hatte, sagten die gleichen Kritiker voraus, das (Moskauer) Gipfeltreffen würde dadurch torpediert werden. Einige gingen
sogar so weit, zu erklären, wir riskierten einen dritten Weltkrieg.

Diese Vorhersagen haben sich als falsch erwiesen. Nun erklären diese
gleichen Kritiker, die Bombenangriffe und die Verminung wären nicht notwendig,
sie hätten nichts erreicht und seien künftig nicht mehr nötig. Unter Berücksichtigung ihrer Vorhersagen möchte ich meinen, daß ich dem, was die Kritiker erklärt
haben, nicht viel Glauben schenken würde.

Ich möchte nur sagen, daß die Bombenangriffe und die Verminung notwendig
waren, um eine potentiell verheerende Situation in Südvietnam grundlegend zu
ändern. Das Rückgrat der gegnerischen Offensive ist gebrochen worden. Die Nordvietnamesen halten jetzt überhaupt keine Provinzhauptstädte mehr.

Dies alles hätte nicht erreicht werden können ohne die Bombenangriffe und
die Verminung - und die Verminung und die Bombenangriffe werden fortgesetzt
werden, bis wir auf dem Verhandlungswege irgendwelche Abkommen erreicht haben.
+ + + + +
- 4 -

�amerika dienst
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41/1972

PETERSON ERLÄUTERT STAND DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN HANDELSBEZIEHUNGEN
- Wortlaut der Rede des Ministers vor der Handelskammer von Kalifornien -

SAN FRAN«';iSi:o - (AD) - Der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson
hat am 3. Oktober vor der Handelskammer von Kalifornien zu dem Thema "Der
amerikanisch-sowjetische Handel - Was bringt er für uns" gesprochen. Die Rede
des Ministers hat folgenden Wortlaut:

"Sie alle wissen sicher, daß die Regierung in den letzten sechs Monaten
fast ständig in Verhandlungen mit der Sowjetunion gestanden hat - Verhandlungen,
von denen wir erwarten, daß sie bald zu Abkommen führen werden, die unseren
beiden Ländern die Wiederaufnahme der vor fast 30 Jahren ausgesetzten normalen
Handelsbeziehungen ermöglichen.

Als Handelsminister und als Leiter der amerikanischen Delegation bei der
amerikanisch-sowjetischen Handelskommission habe ich in den letzten Monaten einen
beträchtlichen Teil meiner Kraft auf diese Verhandlungen verwandt.

Wir machen äußerst ermutigende Fortschritte. Gegenwärtig treffen sich amerikanisch-sowjetische Arbeitsgruppen auf der Ebene der Ministerstellvertreter in
Washington, um die gegenwärtig noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten über
ein Seefahrtsabkommen, in der Frage der Pacht- und Leihschulden sowie in Kreditfragen und in bezug auf Handelskonditionen zu beseitigen.
Sofern

- 1 -

�Sofern es zu keinen unvorhergesehenen Ereignissen kommt, möchte ich annehmen,
daß noch vor dem von uns ursprünglich für das Jahresende gesetzten Termin ein
Abkommen erreicht wird. Das soll jedoch nicht bedeuten, daß wir nun unbedingt
nach dem Kalender gehen müssen. Das Hauptziel des Präsidenten bleibt weiterhin,
ein umfassendes Abkommen sicherzustellen, das von vornherein jedem nur denkbaren
Problem Rechnung trägt - und eine Lösung aufzeigt -, das sich im Zusammenhang
mit der Wiederaufnahme von Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion ergeben könnte,.
Sollte das einen Monat oder ein Jahr länger dauern, so wäre dies die dafür aufgewandte Zeit durchaus wert.
Es wäre in höchstem Maße unverantwortlich, der politischen Versuchung zu
erliegen, rasch ein Abkommen zu erreichen, das Meinungsverschiedenheiten ignoriert
oder über sie hinweggeht, die sich später als politische Probleme von internationaler Tragweite erweisen könnten. Zur Wiederherstellung normaler Handelsbeziehungen zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten der Welt bedarf es einer
festen, technisch gut durchkonstruierten Brücke. Was wir nicht gebrauchen können,
ist ein Laufsteg.

Bei einer Reihe von Anlässen und vor den verschiedensten Gremien habe a.ah
darzulegen versucht, was wir uns vom Handel mit den Sowjets erhoffen und warum
gerade jetzt ein günstiger Zeitpunkt für einen Abbau der Schranken ist, die uns
seit Ende des zweiten Weltkrieges getrennt haben.

Das Auditorium hört meist höflich zu, aber nach fünf oder zehn Minuten setzt
eine vorhersehbare Reaktion ein. Die Augen werden schwer und ein merkliches Desinteresse macht sich breit.

Das kommt einfach daher, daß für den Durchschnittsamerikaner und selbst für
den amerikanischen Durchschnittsgeschäftsmann die Aussicht, aus der Erschließung
eines so weit entfernten und so unbekannten Marktes, wie dies die Sowjetunion ist,
große Vorteile ziehen zu können, wenig überzeugend ist. Verstandesmäßig wird der
Gedanke zwar akzeptiert, aber nur zu oft verbindet sich damit die apathische
Frage: 'Was bringt mir das ein'.
Gerade

�Gerade das ist es, worüber ich heute zu Ihnen sprechen möchte - nicht nur,
was es Ihnen einbringt, sondern was für jeden einzelnen Amerikaner dabei herauskommt.
Lassen Sie mich zuerst auf zwei Befürchtungen eingehen, die gelegentlich geäußert worden sind. Die eine ist die offensichtliche Furcht auf Seiten einiger
amerikanischer Arbeiter, für sie könnte dies zu einem Verlust von Arbeitsplätzen,
ausgelöst durch eine Flut billiger sowjetischer Importwaren, führen.
Dafür besteht jedoch nicht die geringste Wahrscheinlichkeit. Als ich im
Juli in der Sowjetunion war, tat ich das, was jeder neugierige Geschäftsmann tun
würde: ich machte einen Bummel durch mehrere sowjetische Läden und Warenhäuser,
um zu sehen, was an Waren angeboten wurde. Wer das gesehen hat, was ich sah, kann
kaum glauben, daß die Sowjetunion eine große Gefahr für amerikanische Produzenten
sein kann, zumindest was den Verbrauchsgütersektor anbetrifft. Charakteristisch
für die in Moskau zum Verkauf angebotenen Waren, waren die geringe Wettbewerbsfähigkeit und die extrem hohen Preise.

Angesichts meiner eigenen Erfahrungen in der Fotoartikelbranche interessierte
ich mich besonders für die zum Verkauf ausgestellten Kameras. Sie waren nicht nur
groß und unhandlich, sondern sie glichen auch den Kameras, wie sie in den USA vor
zehn oder mehr Jahren angeboten wurden. Ich kann Ihnen mit voller Überzeugung versichern, daß sie in den Vereinigten Staaten nicht einmal für einen Bruchteil des
in Moskau geforderten Preises verkauft werden könnten.

Unser Problem wird meines Erachtens nach höchstwahrscheinlich keineswegs
eine Flut von Importen sein, sondern im Gegenteil ein Mangel an sowjetischen
Importen. Ich meine es nicht scherzhaft, wenn ich das als ein Problem bezeichne,
denn es ist wichtig für die Sowjets, daß sie in der Lage sind, nach den Vereinigten
Staaten zu exportieren, damit sie die notwendigen Devisen verdienen, um bei uns
kaufen zu können.

Im Handel mit der Sowjetunion werden für den amerikanischen Arbeiter Vorteile liegen, die über jene hinausgehen, die dem Verbraucher aus der unbehinderten
- 3-

�unbehinderten Anwendung der Gesetze des Wettbewerbsvorteils zufließen. Die Produkte, die die Vereinigten Staaten aller Wahrscheinlichkeit nach an die Sowjets
verkaufen werden - Werkzeugmaschinen, Maschinen und Ausrüstungen sowie Getreide haben einen beträchtlich höheren Arbeitsanteil als die Rohstoffe, die den Großteil unserer Importe aus der Sowjetunion ausmachen werden. Selbst wenn unser
Handel mit der Sowjetunion ausgeglichen sein wird, dann werden die Vereinigten
Staaten in ganz echtem Sinne Arbeitsplätze importieren. In den ersten Jahren, in
denen wir mit einem beträchtlichen Handelsüberschuß mit den Sowjets rechnen,
werden die günstigen Auswirkungen auf die Arbeitsplätze des amerikanischen Arbeiters selbstverständlich noch größer sein. Wir werden also nicht nur einen
Handelsüberschuß haben, sondern auch einen Arbeitsplatzüberschuß.

Eine berechtigte Befürchtung der amerikanischen Arbeiter ist die, daß der
Handel mit der Sowjetunion zu Verzerrungen auf den einheimischen Märkten für
gewisse Erzeugnisse führen könnte, wenn nicht vorher entsprechende Lösungen
ausgearbeitet würden.

Kommerzielle Beziehungen zu einem staatlichen Handelsmonopol werfen einige
schwierige Fragen auf, wie beispielsweise die Anwendung unserer AntidumpingGesetze. In der Sowjetunion steht der Verkaufspreis einer Ware nicht unbedingt
in derselben Beziehung zu den Produktionskosten wie in unserem Lande. Die Möglichkeit des Staates, Preise willkürlich festzusetzen, macht den Test bezüglich
des 'fairen Wertes' bedeutungslos. Die gleichen Faktoren komplizieren die Anwendung unserer Zollausgleichsgesetze, die normalerweise unsere einheimische
Industrie gegen subventionierte ausländische Exporte schützen.

Es sind gerade solche Probleme, die ich meine, wenn ich davon spreche,
daß der Präsident auf einem umfassenden Abkommen besteht.

Die zweite Befürchtung, die ich gelegentlich höre, ist die, daß unser Land
durch die Wiedereröffnung von Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion seine
nationale Sicherheit untergraben könnte. Auch diese Befürchtung ist grundlos.
Strategisch wichtige Industriezweige und durch Importe gefährdete Industriezweige werden weiterhin den gleichen Schutz erhalten wie bisher. Wir haben ferner
- 4-

�ferner gegenüber der Sowjetunion deutlich erklärt, daß wir nicht bereit sind,
über eine Beseitigung unserer Exportbeschränkungen für Güter zu sprechen, die
als militärisch wichtig angesehen werden. Kurz gesagt, die Sicherheit unserer
Nation ist nie Gegenstand von Verhandlungen gewesen und wird es auch nie sein.

Es i$t

meiner Meinung nach sogar so, daß einer der größten Gewinne, die

dem Durchschnittsamerikaner aus der Wiedereröffnung des Handels mit der Sowjetunion erwachsen, darin bestehen wird, daß seine Sicherheit größer sein wird,
Länder, die sich einer für beide Seiten gewinnbringenden kommerziellen Beziehung
erfreuen, haben ein begründetes Interesse daran, Maßnahmen zu vermeiden, die
diese Gewinne in Frage stellen könnten. Handelspartner messen die Kosten von
Feindseligkeiten nämlich nicht nur in militärischen Ausgaben, sondern auch in
ausgefallenen kommerziellen Gewinnen.

Diese begründeten Interessen sind darüber hinaus nicht nur nationaler,

sondern auch persönlicher Natur. Die Bürokratie, die für die verschiedenen Gebiete der gewinnbringenden

Beziehungen verantwortlich sind, haben ein echtes

Interesse daran, daß sie nicht abreißen. Das gilt in unserem System, und das
gilt in noch höherem Maße in der Sowjetunion, wo die Macht und damit die direkte
Verantwortung der amtlichen Stellen noch größer ist. Wenn Sie der Minister für
Schiffahrtsangelegenheiten, für Landwirtschaft, für Technologie, für die Gasversorgung oder für sonst etwas sind und verantwortlich für Erfolg oder Mißerfolg
bei der Erreichung eines verkündeten Zieles, dann werden Sie es sich zweimal
überlegen, bevor Sie etwas tun, was eine Beziehung bedrohen könnte, die Ihnen
bei der Erreichung des Zieles hilft.

Die Welten der internationalen Politik und des internationalen Handels
stehen somit in engem Zusammenhang zueinander. Die Minderung der politischen
und der kommerziellen Spannungen liegt im Sinne beider und wirkt sich auf die
beiderseitigen Beziehungen aus. In dem Maße, wie sich die politischen Beziehungen
verbessern, weiten sich auch die kommerziellen Beziehungen aus. Und in dem Maße,
wie sich die kommerziellen Beziehungen ausweiten, nimmt auch der Anreiz zur Beilegung politischer Meinungsverschiedenheiten zu.
Verbesserte

�Verbesserte Handelsbeziehungen mit der Sowjetunion werden somit dem Durchschnittsamerikaner auf dreifache Weise Vorteile bringen. Sie werden ihn zum
Nutznießer eines Arbeitsplatzüberangebots machen. Sie werden seine Sicherheit
erhöhen. Und dadurch wird es der amerikanischen Regierung möglich sein, den Prozentsatz öffentlicher Gelder für die Verteidigung zu verringern und die eingesparten Mittel

anderen Aufgaben zuzuführen, die den Lebensstandard des Arbeiters

verbessern.

Während die sowjetischen Verbrauchsgüter für den amerikanischen Arbeiter
kaum eine Gefahr bedeuten, kann dieser wesentlichen Nutzen aus dem Import sowjetischer Rohstoffe ziehen.

Wie Sie wissen, müssen die USA im nächsten Jahrzehnt mit einer ernsten
Energieverknappung rechnen. Aufgrund der jüngsten Maßnahmen steigt der Energiebedarf in den USA so rasch, daß die zur Deckung des Bedarfs erforderlichen Hilfsquellen alle 15 Jahre um das Doppelte steigen. Bei Berücksichtigung unserer gesamten verfügbaren Energiequellen stellte sich unser Energieverbrauch 1970 auf
ungefähr 68 Billiarden BTU's (1 Britisch-Thermal-Unit = 252 Kalorien). Im Jahre
1985 wird sich der Bedarf wahrscheinlich auf fast 125 Billiarden BTU's stellen.

Während die Kapazitäten unserer Industrie wesentlich über denen der Sowjetischen liegen, sind die Rohstoffvorkommen und vor allem die Energiequellen der
Sowjetunion weitaus größer als die unsrigen. Es ist bedauerlich, aber - wie ich
befürchte - wohl unvermeidlich, daß der Bedarf an Energie und Rohstoffen in den
USA im nächsten Jahrzehnt weitaus schneller steigen wird als unsere derzeitigen
Versorgungsquellen. Dieses Ungleichgewicht kann zumindest teilweise ausgeglichen
werden, wenn wir Zugang zu diesen riesigen sowjetischen Vorkommen erhalten.

Die Sowjetunion wird, wenn die jetzt im Stadium der Erörterung befindlichen
Projekte zum Tragen kommen, den Nahen Osten und Venezuela als Lieferquelle für
Erdgasimporte übertreffen. Selbst wenn man Algerien zu diesen beiden Ländern als
Erdgaslieferant hinzunimmt, wird die Sowjetunion immer noch an der Spitze liegen.
Aber noch auf absehbare Zeit hinaus werden wahrscheinlich nicht mehr als 5 oder

- 6-

�oder 7 Prozent unseres Bedarfs, der sich geographisch über ganz Amerika verteilt, von der Sowjetunion gedeckt werden - einfach um die Möglichkeit einer
zu starken Abhängigkeit von der Sowjetunion oder irgendeinem anderen ausländischen
Lieferanten auf ein Minimum zu beschränken.

Die Kosten des Energieverbrauchs treffen vielleicht alle Bürger der USA
gleichmäßiger als die Kosten für andere Güter und Dienstleistungen. Sie treffen
Reiche und Arme in gleicher Weise. Der Durchschnittsbürger kann seinen Energieverbrauch weit weniger einschränken als den Verbrauch anderer Güter. Es liegt
daher ganz eindeutig im Interesse aller, daß der Anstieg der Energiepreise auf
ein Minimum beschränkt bleibt und daß natürlich die Versorgung unseren Bedarf
deckt.

Der Zugang zu den sowjetischen Energiequellen ist auch aus zwei anderen
Gründen ratsam. Er wird unsere Abhängigkeit von den immer unsicherer werdenden
Versorgungsquellen in den OPEC-Ländern verringern. Wenn wir von der Sowjetunion
im Rahmen gemeinsamer Handelsabkommen und nicht in den OPEC-Ländern kaufen, so
wird dies ferner unsere Zahlungsbilanz verhältnismäßig günstig beeinflussen,
denn in diesen Abkommen könnte festgelegt werden, daß die sowjetischen Kredite
in den Vereinigten Staaten auszugeben sind.

Neben diesen Vorteilen für die Bevölkerung im allgemeinen gibt es verschiedene Teile der amerikanischen Bevölkerung, die besonders von einem Handel
mit der Sowjetunion profitieren werden.
Einmal ist dies ganz offensichtlich die Landwirtschaft. Wie die jüngsten
sowjetischen Getreidekäufe zeigen, kaufen die Sowjets, wenn sie das tun, gleich
große Mengen. Angesichts der sowjetischen Getreidekäufe erzielen die Farmer im
Mittleren Westen jetzt Rekordeinkünfte für ihre Ernte.

Aufgrund dieser neuen Auslandsverkäufe wird das Nettofarmeinkommen in den
Vereinigten Staaten dieses Jahr eine Rekordhöhe von 18,4 Milliarden Dollar erreichen. Das sind 14 Prozent mehr als im vergangenen Jahr und über eine Milliarde
Dollar mehr als im bisherigen Rekordjahr 1947.
Ich
- 7-

�Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß die Farmer nicht die einzigen
Nutznießer dieser Ausweitung des Handels sind. Das Geld fließt wieder in die
Läden und Ausrüstungsbetriebe in unseren Landgemeinden und bringt neues Leben
in manche bisher wirtschaftlich darniederliegende Stadt.

Auswirkungen lassen sich aber auch in verwandten Wirtschaftssektoren feststellen. Die Verkäufe von Traktoren liegen um 31 Prozent höher als vor einem
Jahr, und bei Mähdreschern und Heupressen sind sie um 15 Prozent gestiegen.
Nehmen wir ein anderes Glied in der Kette von Transaktionen, so lassen sich
ebenfalls Auswirkungen erhöhter Gewinne in der Landwirtschaft auf andere Wirtschaftszweige feststellen. Auf die Farmer, die nur einen verhältnismäßig kleinen
Prozentsatz der Gesamtbevölkerung ausmachen, entfällt bei Stahl, Kautschuk und
Erdöl ein unverhältnismäßig großer Prozentsatz des Binnenmarktes. Und diese Industrien beginnen ebenfalls die neue Prosperität der Landwirtschaft zu spüren.

Wenn auch die Feststellung nur fair ist, daß die derzeitig

ungewöhnlich

hohe sowjetische Weizennachfrage auf eine schlechte Ernte zurückzuführen ist, so
möchte ich doch damit rechnen, daß die Verkäufe von Futtergetreide an die Sowjetunion auch künftig anhalten.werden, wenn diese ihr Versprechen wahrzumachen
sucht, den Fleischkonsum ihrer Bevölkerung zu steigern.

Ein anderer Grund, warum ich mit weiteren Exporten rechne, ist der starke
Kontrast zwischen der Produktivität in der sowjetischen und der amerikanischen
Landwirtschaft. Im Jahre 1971 betrug die durchschnittliche Erzeugung eines
sowjetischen Bauern nur ein Neuntel dessen, was ein amerikanischer Farmer produzierte. Dies war trotz der Tatsache so, daß die Sowjetunion beträchtliche Kapitalinvestitionen während der letzten Jahre in ihrer Landwirtschaft vorgenommen
hat.

Ein weiterer spezifischer Sektor, auf dem wir uns gerade von einem Handel
mit den Sowjets Vorteile erhoffen, ist der Maschinenbau und die Produktion von
Ausrüstungsgütern. Wenn die Sowjets Maschinen und Ausrüstungen kaufen, so kaufen
sie gleichzeitig auch Dienstleistungen wie technisches Wissen, Installation und
Wartung. Hier handelt es sich für die Vereinigten Staaten um zu 100 Prozent
arbeitsintensive Exporte.
DG IT

- 8-

�Der Export von Maschinen und Ausrüstungen in die Sowjetunion dürfte wesentlich zunehmen. Amerikanische Firmen haben Exportlizenzen für Ausrüstungen
im Werte von über einer Milliarde Dollar beantragt in der Erwartung, daß sie
bei den Ausschreibungen im Zusammenhang mit dem Bau des großen Lastwagenwerkes
an der Kama erfolgreich sein werden. Informierte Geschäftsleute schätzen, daß
amerikanische Gesellschaften bei diesem Projekt Aufträge für Ausrüstungen im
Werte zwischen 250 und 500 Millionen Dollar - je nachdem ob eine Exportfinanzierung zur Verfügung steht - hereinbringen können.

Gegenwärtig sind die Exporte von elektrischen und anderen Maschinen in
die Sowjetunion mit 60 Millionen Dollar oder 37 Prozent unseres Gesamtexports
im Jahre 1971 dorthin nur sehr gering. Die gesamten amerikanischen Maschinenexporte nach allen Ländern stellten sich 1971 auf 11,6 Milliarden Dollar„ Verschiedene große Gemeinschaftsprojekte sind gegenwärtig im Gespräch oder es
wird darüber verhandelt. Hierzu gehören Industrieanlagen für die Produktion von
Polystren, Autogetrieben, Düngemitteln, für die Metallgewinnung und - geht man
etwas in die Zukunft - die Gewinnung und Weiterleitung von Naturgar.

Insgesamt bestehen glänzende Aussichten für unseren Maschinenexport nach
der Sowjetunion in der nächsten Zeit. Wenn wir die Verhandlungen über ein Handelsabkommen erfolgreich abschließen und in der Lage sind, Exportkredite zu gewähren,
können wir wesentlich mehr Maschinen und Ausrüstungen exportieren.

Eine der Fragen, die häufig an mich gerichtet werden, ist, warum wir, wenn
beide Seiten wirklich den Willen haben und die Vorteile für beide so offensichtlich sind, nicht schon viel früher ein Abkommen erreicht haben. Die Antwort
lautet, Bereitschaft und Wissen um die Vorteile machen noch lange kein Abkommen
aus.

Es wäre für den Präsidenten und Herrn Breschnew relativ einfach, ein allgemeines Abkommen über das Prinzip zu erreichen, daß zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion wieder normale Handelsbeziehungen hergestellt werden.
Ich möchte annehmen, wir könnten ein solches Abkommen schon morgen haben. Es
wäre vielleicht sogar politisch nützlich. Aber es wäre nur dann politisch nütz- 9 -

�nützlich, wenn wir, wie ich bereits gesagt habe, eine Vielzahl spezifischer
Fragen einfach ignorieren, die gelöst werden müssen, wenn das Abkommen von wirklicher und dauerhafter Bedeutung sein soll.

Wenn nicht diese Einzelheiten im Rahmen eines Abkommens gelöst sind, würde
die erste Begeisterung über normale Handelsbeziehungen bald Unsicherheit, Enttäuschung und vielleicht noch Schlimmerem weichen.
Ich habe bereits gesagt, daß in einer Welt, in der Wirtschaft und Politik
eng miteinander verbunden sind, verbesserte Handelsbeziehungen zu besseren
politischen Beziehungen führen können. Leider ist es umgekehrt auch so. Handelsprobleme, sofern sie nicht vorhergesehen und abgewendet werden, können zu
politischen Problemen führen.
Daher ist der Präsident der Auffassung, daß im Falle der Sowjetunion nur
ein umfassendes Handelsabkommen angebracht ist, das die Rechte der Partner und
die grundlegenden Rechtsnormen genau definiert und ganz allgemein solche Probleme
ausschließt, die, falls sie nicht jetzt gelöst werden, in ein oder zwei Jahren
zu immer stärkeren Meinungsverschiedenheiten führen könnten.

Lassen Sie mich einige Beispiele dafür geben, was unseres Erachtens vorher
geregelt sein muß.

Da ist einmal die Frage der Kreditbedingungen. Es wäre eine grausame
Täuschung, wenn wir dem amerikanischen Exporteur sagen würden, es stehe ihm
frei, Geschäfte mit der Sowjetunion abzuschließen, und wenn er dann feststellen
würde, daß seine Auffassung von angemessenen Kreditbedingungen und die der
Sowjetunion so weit auseinanderliegen, daß tatsächliche Verkäufe unmöglich
sind. Die Sowjetunion hat, wenn das Gespräch auf Zinssätze und Kreditbedingungen kommt, eine bestimmte Zahl im Auge. Sie wünscht 2 Prozent und 10
Jahre. Mir gefallen diese Zahlen auch. Noch besser wären 1 Prozent und 20 Jahre.

Betrachtet man die ideologische Basis ihres Wirtschaftssystems, so ist
es leicht verständlich, warum sie nicht gerne viel für Kapital zahlen wollen. Es
- 10 -

�Es ist weiter richtig, daß 2 Prozent der Zins sind, den sowjetische Bürger
bei zahlreichen Verbrauchsgütern zahlen müssen. Aber das ist weder ein Zinssatz, der einen Anreiz für eine private Exportfinanzierung in dieses Land
bietet, noch kann die amerikanische Regierung Kredite zu einem solchen Satz
gewähren, ohne daß dies diskriminierend für unsere Verbündeten - und praktisch
auch für unsere Steuerzahlen - wäre.

Exportfinanzierung ist äußerst wichtig, wenn unser Abkommen mit der Sowjetunion mehr als nur ein Stück Papier sein soll. Der Rubel ist eine weiche
Währung, und die sowjetischen Reserven an konvertierbaren Währungen sind äußerst
begrenzt. Außerdem deuten unsere Pläne darauf hin, daß die Vereinigten Staaten
in der nächsten Zeit im Handel mit der Sowjetunion einen beträchtlichen Handelsüberschuß haben werden. Wenn das der Fall ist, werden die Vereinigten Staaten
natürlich auf absehbare Zeit hinaus die Aufgabe übernehmen werden, einen großen
Teil ihrer Exporte zu finanzieren.

Die Kreditfrage ist auch für die voraussichtlichen amerikanischen Importe
an sowjetischen Rohstoffen von besonderer Bedeutung. Einige der hier angeschnittenen
Energieabkommen würden enorme Kredite erfordern. Ich denke nur an zwei Projekte,
die zusammen einen Kapitalbetrag von weit über 5 Milliarden Dollar erfordern
würden. Um Ihnen einen Vergleich zu geben: 5 Milliarden Dollar sind fast ein
Drittel der gegenwärtigen Gesamtausleihungen der Export-Importbank. Das ist
mehr als die Hälfte des gegenwärtigen Betrages für Direktkredite. Und es ist
fast das Vierfache der Verbindlichkeiten, die die Export-Importbank gegenüber
einem einzelnen Lande eingegangen ist.

Die Kreditfrage wird aber noch durch einen anderen Faktor kompliziert.
Die Sowjetunion ist immer noch das einzige große Land, das seine Pacht- und Leihschulden an die Vereinigten Staaten noch nicht zurückgezahlt hat.

Der Präsident hat den Standpunkt eingenommen, daß die Vereinigten Staaten
der Sowjetunion keine neuen Kredite gewähren werden, bevor die alten Kredite zurückgezahlt sind. Die Pacht- und Leihfrage ist für die Sowjetunion in hohem
Grade emotionell. Sie hat im zweiten Weltkrieg über 20 Millionen Menschen ver-

- 11 -

�verloren und nimmt den Standpunkt ein, daß sie mit Blut bezahlt hat, wofür
wir mit Kriegsmaterial bezahlt haben. Wir verstehen diesen Standpunkt und
stehen ihm mitfühlend entgegen. Aber hier geht es um ein wichtiges Prinzip
der Außenpolitik. Wir können die Bücher über ihre Pacht- und Leihschulden
nicht abschließen, ohne andere Empfänger von Pacht- und Leihilfe zu diskriminieren, von denen viele ebenfalls riesige Verluste erlitten und die alle ihre
Kredite zurückgezahlt haben.

Hier in San Franzisko brauche ich Ihnen nicht zu sagen, daß es ohne Öffnung
der Schiffahrtswege kaum Handel geben kann. Wir führen gegenwärtig intensive
Verhandlungen über ein Schiffahrtsabkommen, in denen wir die wenigen noch verbliebenen Probleme zu lösen suchen. Wenn wir Erfolg haben, wird der wichtige
Hafen von San Franzasko natürlich großen Nutzen daraus ziehen.

Eine andere Frage,die jetzt geregelt werden muß, wenn ein Handelsabkommen
wirklich Bedeutung haben soll, ist die Bereitstellung von Geschäftseinrichtungen.
Wir erhalten häufig von amerikanischen Geschäftsleuten, die mit der Sowjetunion
Handel treiben wollen, Klagen. Sie sind enttäuscht, nicht nur über das ihnen
fremde System als Ganzes, sondern auch über die für sie verfügbaren kärglichen
und unsicheren Einrichtungen. Unzureichender Büroräume, schlechter Telefondienst,
die Unmöglichkeit, Kontakte zu Kunden aufzunehmen, und ungünstige Geschäftslagen
sind einige der Punkte, über die am häufigsten geklagt wird. Selbst wenn man alle
rechtlichen Beschränkungen beseitigt, so bedeutet dies für den amerikanischen
Geschäftsmann nicht viel, solange diese Hindernisse für wirkliche Geschäfte bestehen bleiben.

Ein von uns unterbreiteter Vorschlag ist, in irgendeiner Form neue Einrichtungen zu schaffen, die dem amerikanischen Geschäftsmann den Zugang zu
sowjetischen Handelsbüros, die Benutzung von Telefoneinrichtungen, Büros, Ausstellungsräumen und Hotels erleichtern. Wir wollen ganz bestimmte allgemeine
Regeln, die sicherstellen, daß dem amerikanischen Geschäftsmann auch bei Geschäftseinrichtungen eine entsprechende Meistbegünstigtenbehandlung zuteil wird.
Schließlich gibt es noch eine Reihe rechtlicher Probleme, die im Rahmen eines
umfassenden Abkommens gelöst werden müssen. Die Sowjetunion gehört keiner der
- 12 -

�der Welthandelsorganxsationen an, denen wir angehören. Daher bestehen hier viele
der konventionellen rechtlichen Einschränkungen für den Handel nicht. Nehmen wir
zum Beispiel die Frage der Schlichtung. Wir halten uns traditionell an eine internationale Schlichtung durch eine dritte Partei. Die Sowjets hingegen haben ihre
eigenen Schiedsgerichte. Hier muß irgendeine beiderseits akzeptable Regelung
ausgearbeitet werden, oder wir könnten uns leicht in einem Jahr in einem unerfreulichen und möglicherweise politisch gefährlichen Streit befinden. Genauso
gibt es Meinungsverschiedenheiten in bezug auf Patente, Besteuerung, Lizenzen
und Abdruckrechte.

Dies sind noch längst nicht alle Probleme, die gelöst werden müssen, bevor
ein Abkommen mit der Sowjetunion unterzeichnet werden kann, aber ich glaube, sie
vermitteln Ihnen einen Eindruck von dem, was ich meine, wenn ich von einem umfassenden Abkommen spreche.
Dies sind notwendige Schritte, wenn wir unseren Erfolg sichern wollen. Und
es liegt im Interesse aller unserer Bürger, daß er gesichert ist. Denn wenn Sie
die Auswirkungen eines Abkommens mit der Sowjetunion in ihrer Gesamtheit betrachten, dann wird klar, daß es hier um mehr als begrenzte Interessen, um mehr
als einfache Geschäftsfragen geht. Hier geht es um einen Vorschlag, der die Arbeitsplätze, das Wohlergehen und die Sicherheit aller Amerikaner berührt."

- 13 -

�amerika dienst
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41/1972

AUSSICHTEN AUF REFORM DES INTERNATIONALEN WÄHRUNGSSYSTEMS
HABEN SICH GEBESSERT

Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Der Optimismus, mit dem die diesjährige Jahrestagung
des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank schloß, beruhte zu
einem guten Teil auf der echten und bedeutsamen Annäherung in den Meinungsverschiedenheiten darüber, wie bei einer Reform des internationalen WährungsSystems
vorgegangen werden sollte.

Natürlich bleiben immer noch zahlreiche schwierige Fragen ungelöst - wegen
ihrer Komplexität, weil es hier um wichtige nationale Interessen geht und weil
die Auffassungen in einigen Fällen doch noch recht weit auseinandergehen. Niemand
bestreitet, daß in dem neu gebildeten Zwanziger-Ausschuß des IWF noch hart verhandelt werden muß, wenn das Ziel erreicht werden soll, in den nächsten 18 Monaten
oder zwei Jahren ein neues internationales Währungssystem zu schaffen.

Die Hoffnungen auf allseits akzeptable Lösungen, so läßt sich feststellen,
sind größer geworden, was allein schon die Tatsache zeigt, daß die Regierungen
bereits ein weites Stück voran in Richtung auf die Beilegung einiger besonders
großer Schwierigkeiten gekommen sind.

Noch zu Beginn der fünftägigen Konferenz am 25. September hatte es den Anschein, als ob das Beharren der USA darauf, daß die Verhandlungen über ein neues
internationales Währungssystem mit den Verhandlungen über einen Abbau der Handels-

�Handelsschranken verbunden sein müßten, sich als eine besonders umstrittene
Frage erweisen würde. Zahlreiche Länder widersetzten sich dem nachdrücklich.

Bei der Vorlage der amerikanischen Vorschläge für eine Reform des internationalen WährungsSystems am 26. September jedoch regte der amerikanische Finanzminister Shultz ein Vorgehen an, das für die meisten übrigen Länder akzeptabel
erschien.

Shultz begrüßte die von den großen Ländern bereits eingegangene
tung zur Aufnahme

Verpflich-

detaillierter HandelsVerhandlungen im kommenden Jahr, die im

Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens(GATT) geführt werden sollen.
Aber er fügte hinzu, daß diese Verhandlungen, die sich mit bestimmten Erzeugnissen und bestimmten Beschränkungen befassen, nicht bis zu einer Reform des
internationalen WährungsSystems zu warten brauchten, genauso wie eine solche
Währungsreform nicht auf die Ergebnisse solcher spezifischen Handelsverhandlungen
warten müsse.

Der amerikanische

Finanzminister wies darauf hin, daß einige Handelsfragen

- wie Bestimmungen über die Anwendung von Importzuschlägen bei temporären Zahlungsbilanzungleichgewichten - in einem so engen Zusammenhang mit den monetären
Fragen stehen, daß sie direkt von dem Zwanziger-Ausschuß behandelt werden müssen.

Bestimmte andere, Handel und Investitionen berührende Praktiken stehen nicht
in einem so engen Zusammenhang mit den Währungsverhandlungen und werden wahrscheinlich auch nicht in den bevorstehenden GATT-Verhandlungen behandelt werden, auch
wenn sie bei Handel und Investitionen genauso zu Verzerrungen führen, wie dies
Handelsschranken und Währungsungleichgewichte tun. Shultz schlug vor, daß der
Zwanziger-Ausschuß sich zwar nicht direkt mit diesen Fragen befassen sollte, aber
als Katalysator dienen könnte, um Bestrebungen in anderen Gremien, sich damit
zu befassen, zu fördern.

Und mit einem Blick in die Zukunft schlug Shultz eine "Harmonisierung" der
Statuten des Internationalen Währungsfonds und des GATT vor, so daß enge Arbeitsbeziehungen zwischen den beiden internationalen Organisationen geschaffen werden.
Ein
- 2-

�Ein anderer Punkt der amerikanischen Erklärung, der zahlreiche Tagungsteilnehmer beruhigte, war die Zusage, daß die Vereinigten Staaten bei einer
Einigung über ein annehmbares internationales Währungssystem den Dollar wieder
in andere Reserveguthaben konvertierbar machen würden. Dies bedeutet, daß die
Vereinigten Staaten Sonderziehungsrechte des IWF oder andere international
akzeptierbare Guthaben gegen bei ausländischen Zentralbanken liegende Dollarguthaben eintauschen würden.

Die Rückkehr zur Konvertierbarkeit des Dollar würde jedoch nur nach einer
entsprechenden Übergangsperiode erfolgen, in der die amerikanische Zahlungsbilanzposition und die amerikanischen Währungsreserven gestärkt worden wären. Die
anderen Länder verstehen und akzeptieren die Notwendigkeit einer solchen Übergangsperiode. Noch vor der Rede des amerikanischen Finanzministers war keineswegs klar, ob die Vereinigten Staaten jemals wieder zu einer Rückkehr zu dem
System bereit sein würden, das eine volle Konvertierbarkeit des Dollar beinhaltet.

Die Vereinigten Staaten waren keineswegs das einzige Land, das bedeutsame
Schritte in Richtung auf eine Anpassung unternommen hat. Die auf der diesjährigen
IWF-Tagung gehaltenen Reden zeigen, daß die meisten Länder jetzt das Prinzip
akzeptieren, daß die Wiederherstellung des Gleichgewichts der internationalen
Zahlungsbilanzen ein zweiseitiger Prozeß sein muß und daß Länder mit einem
ständigen Zahlungsbilanzüberschuß Maßnahmen zum Abbau dieses Überschusses ergreifen müssen, genauso wie Länder mit ständigen Zahlungsbilanzdefiziten diese
Defizite korrigieren müssen. Selbst Länder mit solchen Zahlungsbilanzüberschüssen
wie Japan akzeptieren jetzt die Tatsache, daß zu hohe Überschüsse irgendwie eingeengt werden müssen.

Aber es bestehen natürlich auch noch Meinungsverschiedenheiten, zum Beispiel
über die Anwendung von Indikatoren, die automatisch anzeigen, wann ein Überschußland zu handeln verpflichtet ist und die Verhängung von Sanktionen das letzte
Mittel gegen Überschuß- wie auch Defizitländer

wäre, die sich den vereinbarten

Bestimmungen zu beugen weigern.

Trotzdem

�Trotzdem ist es ein großer Fortschritt, wenn das Prinzip akzeptiert
worden ist, daß Überschußlander in gewissem Maße verpflichtet sind, zur
Wiederherstellung des internationalen Wirtschaftsgleichgewichts beizutragen.
In der Vergangenheit haben einige Länder darauf bestanden, daß die gesamte
Last der Anpassung dem Land auferlegt werden soll, das ein Zahlungsbilanzdefizit hat.

- 4 -

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41/1972

GÜNSTIGERE AUSSICHTEN FÜR DIE AMERIKANISCHE HANDELSBILANZ
-Von Marina Whitman, Mitglied des US-Wirtschaftsbeirates-

WASHINGTON — ( A D ) — Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge hängt die Stabilität der internationalen Devisenmärkte noch immer in sehr großem Maße von
der Stärke des US-Dollar und den dieser Stärke zu Grunde liegenden Entwicklungen ab, obwohl allgemeine Übereinstimmung herrscht, daß der Dollar in
Zukunft nicht mehr die herausragende Rolle spielen soll wie in der Vergangenheit. Aus diesem Grunde sind die Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz ein entscheidend wichtiger Bestandteil der Stabilität der internationalen
Devisenmärkte und der künftigen Gestaltung des Weltwährungssystems.
Das Smithsonian-Abkommen bot die Grundlage für eine Verbesserung der
amerikanischen Wettbewerbsposition und eine Wende in der amerikanischen Zahlungsbilanz. Aber obwohl Wirtschaftsgeschichte und politische Realität Anlaß
genug zu der Annahme boten, daß die Wende erst mit beträchtlicher Verzögerung
eintreten werde, sind viele Leute enttäuscht gewesen, wie langsam sich dieser
Umschwung zu verwirklichen scheint. Einige wenige bringen sogar laut ihre Verwunderung zum Ausdruck, ob er je überhaupt eintreten wird oder ob die Regeln
der Wirtschaft durch Entwicklungen in der modernen Welt außer Kraft gesetzt

-1-

�gesetzt worden sind.
Auf kurze Sicht gesehen mußte man natürlich damit rechnen,daß die Abwertung
des Dollar zu einer weiteren Verschlechterung der amerikanischen Handelsbilanz
führen würde. Das kommt daher, daß eine Abwertung unmittelbar die Erhöhung der
Dollarpreise für importierte Waren zur Folge hat und damit den Dollarwert eines
unveränderten Volumens von Importen erhöht. Erst später beginnt der echte Handelsfluß auf die relativen Preisveränderungen zu reagieren. Dieser negative
Effekt auf die Handelsbilanz ist offensichtlich eingetreten. Im ersten Halbjahr
1972 stiegen die amerikanischen Importpreise -in Dollar- um 7,0 Prozent, während unsere Exportpreise nur um 2,3 Prozent anstiegen.
Abweichende zyklische Trends in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern haben ebenfalls zur Verschlechterung unserer Handelsbilanz beigetragen.
In den Vereinigten Staaten sind die Einkommen weiter rasch gestiegen, da die
Regierung eine Politik verfolgte, die auf einen Anreiz des echten Wachstums
und der Beschäftigung ausgerichtet war. Das Anwachsen der persönlichen Verbraucherausgaben mit einer Jahresrate von 8,6 Prozent vom ersten Quartal 1971 bis
zum zweiten Quartal 1972 schuf eine verstärkte Nachfrage nach importierten Verbrauchsgütern, während die beschleunigte Wiederbelebung auch die Nachfrage nach
importierten Rohstoffen und Maschinen für die einheimische Produktion anregte.
Auf der anderen Seite ist die Nachfrage nach amerikanischen Exporten im Ausland
zögernd gewesen, da Bemühungen zur Dämpfung des inflatorischen Drucks in einer
Reihe anderer Industriestaaten zu einer wirtschaftlichen Stagnation geführt haben. Diese zyklischen Einflüsse auf die amerikanische Handelsbilanz sind einer
Entwicklung aufgesetzt worden, die sich offensichtlich in einem spektakulären
Anwachsen des Wunsches der Amerikaner ausdrückte, importierte Waren zu konsu
mieren.
Aufgrund

-2-

�Aufgrund dieser verschiedenen Belastungen stieg das Defizit in der Warenbilanz mit einer Jahresrate von 7,7 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 1972,
verglichen mit einem Defizit von 2,7 Milliarden Dollar im Jahre 1.971, und das
amerikanische Defizit in Gütern und Dienstleistungen stieg entsprechend. Diese
Verschlechterung war, wie bereits erwähnt, zu einem Teil ohne Frage auf den negativen Preiseffekt der Veränderung des Wechselkurses des Dollar zurückzuführen.
Ein erster Überblick deutet darauf hin, daß sich das Handelsdefizit zwischen dem
erstenund zweiten Quartal 1972 zwar wertmäßig steigerte, daß jedoch real eine
gewisse Einengung eintrat.
In den letzten Monaten hat sich jedoch das Handelsdefizit auch wertmäßig
zumindest auf seinem Stand gehalten. Das August-Defizit war sogar das kleinste,
das die Vereinigten Staaten seit Januar zu verzeichnen hatten. Und es gibt eine
Reihe von Gründen für die Annahme, daß im zweiten Halbjahr 1972 eine gewisse
Verbesserung eintritt. Die Veränderung der relativen Preise von ausländischen
und einheimischen Waren, die die Smithsonian-Anpassung herbeigeführt hat,wird
durch das hervorragende Verhalten der amerikanischen Wirtschaft auf dem Sektor
der Preisstabilität verstärkt, wenn man es mit dem Verhalten der meisten der
wichtigen Handelspartner Amerikas vergleicht. Da Erzeuger und Verbraucher voll
auf diesen relativen Anstieg der Preise ausländischer Güter im Vergleich zu amerikanischen Gütern reagieren, dürfte sich das rasche Anwachsen der Importe verlangsamen, während sich der Zuwachs der Exporte beschleunigen dürfte. Und schließlich gibt es Hinweise für eine Neubelebung der Nachfrage in einer Reihe von
Amerikas Partnerländern, vor allem in Deutschland und in Japan, was zu einem
weiteren Aufschwung für die amerikanischen Exporte führen dürfte.
Man darf also, alles in allem,

im Laufe des Jahres eine gewisse Verbes-

serung der amerikanischen Handelsbilanz erwarten. Aber selbst dann werden die
Vereinigten Staaten mit ziemlicher Sicherheit dieses Jahr mit einem Handelsdefizit abschließen, das das Defizit von 2,7 Milliarden Dollar im Jahre 1971 über-

�übertrifft„ Nicht zuletzt wegen des Standes der amerikanischen Warenbilanz wird
auch wahrscheinlich die amerikanische Position der laufenden Kosten - Regierungszuwendungen ausgeschlossen - in diesem Jahr weniger günstig sein als
1971, als das Defizit weniger als eine Milliarde Dollar betrug.
Die Auswirkungen der Abwertung dürften zusammen mit den Investitionschancen,
die das rasche reale Wachstum der amerikanischen Wirtschaft im Jahre 1972 bietet, das Klima für eine Verringerung des Nettoabflusses langfristiger Gelder
aus den Vereinigten Staaten begünstigen. Es gibt Hinweise dafür, daß dies tatsächlich der Fall ist, obwohl schwer vorauszusehen ist, in welchem Umfang sich
das in einer Verbesserung der amerikanischen Kapitalkonten-Bilanz niederschlagen wird.
Es besteht ferner wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen Verbesserungen
der Handelsbilanz und der Verbesserung der Kapitalkonten-Bilanz.Wenn die Handelsbilanz definitive Anzeichen bietet, daß man aus der Klemme heraus ist, dann
werden sich ausländische Investoren sicherer fühlen, in den Vereinigten Staaten
Anlagewerte zu kaufen. Jede Verbesserung der Zahlungsbilanz dürfte daher eine
vervielfachende Wirkung auf die grundlegende Zahlungsbilanzposition haben, die
sowohl laufende als auch langfristige Kapitaltransaktionen einschließt.
Die ermutigendste Entwicklung in der amerikanischen Zahlungsbilanz ist die
verbesserte Gesamtzahlungsposition gewesen, vor allem im zweiten Quartal.
Während die grundlegende Zahlungsbilanz-Position weiterhin ein beträchtliches
Defizit aufwies, hat ein bedeutender Rückfluß von kurzfristigen Geldern aus
dem Ausland stattgefunden. Wirtschaftler betrachten solche Rückflüsse gewöhnlich als ein Vertrauensvotum der internationalen Geldmanager in die Stärke des
Dollar.

Über

�Über diesen Punkt hinaus läßt sich eine klare Voraussage nicht machen.
Ohne Frage haben wir noch einen weiten Weg zu gehen, bevor wir uns sicher fühlen
können, daß der Dollar keinem weiteren spekulativen Druck mehr ausgesetzt sein
wird. Wenn der Dollar auf den ausländischen Devisenmärkten

einen ausgewogenen

Stand erreichen soll, wird es für die Vereinigten Staaten nötig sein, nicht
nur einen Ausgleich ihrer Position der laufenden Konten zu erzielen, sondern
einen Überschuß zu erreichen, der groß genug ist, um den Abfluß von Zuwendungshilfe und langfristigem Kapital sowie die Rückzahlung von Schulden bei ausländischen Geldinstituten abzudecken.

I i-H 1-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 5. Oktober 1972&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Peterson erläutert Stand der amerikanisch-sowjetischen Handelsbeziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rede des Ministers vor der Handelskammer in Kalifornien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aussichten auf Reform des internationalen Währungssystems haben sich gebessert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Günstigere Aussichten für die amerikanische Handelsbilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Marina Whitman, Mitglied des US-Wirtschaftsbeirates&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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4. Oktober 1972

Inhalt
INFORMATION
Amerikanisch-sowjetische Abkommen über Rüstungsbegrenzung in Kraft
- Wortlaut der Ansprachen Nixons und Gromykos Hanois "Deichpropaganda" bricht zusammen
Von unserem Sonderkorrespondenten

DOKUMENTATION
Nixon ruft zu gemeinsamen Maßnahmen gegen den Terror auf
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Verteidigung ist auch mit Freiwilligen gesichert
- Das Ende der Wehrpflicht in den USA in Sicht Von Hubert G. Collins

WIRTSCHAFT
IWF-Tagung bekräftigte Wunsch nach Anpassung unterschiedlicher Standpunkte
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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40/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ABKOMMEN ÜBER RÜSTUNGSBEGRENZUNG IN KRAFT
- Wortlaut der Ansprachen Nixons und Gromykos -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon und der sowjetische Außenminister
Gromyko haben am 3. Oktober in Washington in einer Feierstunde im Weißen Haus
die Ratifikationsurkunden zu dem amerikanisch-sowjetischen Vertrag über die Begrenzung der ABM-Systeme sowie zu dem amerikanisch-sowjetischen Interimsabkommen über die Begrenzung von Offensivwaffen ausgetauscht. Beide Verträge
treten damit in Kraft. Die von den beiden Staatsmännern aus diesem Anlaß gehaltenen Ansprachen haben folgenden Wortlaut:

Ansprache von Außenminister Gromyko:

"Herr Präsident, Herr Außenminister, meine Damen und Herren:

Der Vertrag und das Interimsabkommen über Fragen der Begrenzung der strategischen Rüstungen, die von Ihnen, Herr Präsident, und von dem Generalsekretär des
Zentralkomitees der kommuni;:_ - &lt;chen Partei der Sowjetunion, Leonid Breschnew,
unterzeichnet worden sind und die heute in Kraft treten, werden in die Geschichte
als ein bedeutsamer Erfolg bei der Einschränkung des Wettrüstens eingehen.

Die öffentliche Meinung der Welt wird die Bedeutung dieses Ereignisses so
bewerten. Die Sowjetunion mißt diesen Verträgen große Bedeutung bei, die eine
Fortsetzung des Prozesses bedeuten, der durch den Abschluß des Atomsperrvertrages
in Moskau, den Vertrag über die Nicht-Weitergabe von Kernwaffen und andere wichtige

�wichtige Abkommen zur Begrenzung des Wettrüstens auf der Welt eingeleitet worden
ist.

Das sowjetische Volk hat den festen Willen, mit der Durchführung des Friedensprogramms fortzufahren, das vom 24. Kongreß der kommunistischen Partei der Sowjetunion gebilligt worden ist. Wir sind überzeugt, daß die Frage der Nicht-Anwendung
von Gewalt in internationalen Beziehungen und das ständige Verbot eines Einsatzes
von Kernwaffen, die wir der gegenwärtigen Sitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen unterbreitet haben, ebenso von entscheidender Bedeutung für die
Sache des Friedens sind.

Der Vertrag und das Interimsabkommen, die heute in Kraft treten, basieren
auf der Anerkennung des Prinzips der gleichen Sicherheit der Partner,und sie
bieten keinem einen einseitigen militärischen Vorteil. Gleichzeitig dienen diese
Verträge nicht nur den Interessen unserer beiden Länder, sondern auch den Interessen der internationalen Sicherheit als Ganzem und den Interessen aller Länder,
weil Sicherheit und Friede ihr gemeinsames Ziel sind.

Praktische Schritte zur Begrenzung der Rüstungen bei Nuklearraketen
nehmen mit Recht einen wichtigen Platz unter den sehr realen politischen Veränderungen ein, die sich in den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern vollziehen, und dies bedeutet einen Erfolg für die Politik der friedlichen Koexistenz
und übt eine positive Wirkung auf die gesamte internationale Situation aus.

Zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg treten Abkommen in Kraft, die auf
eine Verlangsamung des Wettrüstens bei den destruktivsten Waffenarten abzielen.
Aber jeder Vertrag und jedes Abkommen können nur dann eine echte historische Bedeutung haben, wenn die in ihnen verkündeten Prinzipien und Absichten Inhalt des
praktischen Wirkens der Staaten werden und zu weiteren wichtigen Schritten in
dieser Richtung führen.

Die Sowjetunion für ihren Teil ist fest entschlossen, alles Erforderliche
hierzu zu tun.
Heute

�Heute, wenn diese wichtigen Dokumente in Kraft treten, sollte festgestellt
werden, daß entsprechend dem zwischen unseren beiden Ländern erzielten Einvernehmen, die Verhandlungen fortgesetzt werden mit dem Ziele einer Vertiefung und
Ausweitung der Abkommen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen.

Wie der Vertrag und des Interimsabkommen zeigen, die heute in Kraft treten,
zeitigen nachdrückliche Anstrengungen zur Beseitigung der Kriegsgefahr und auf
dem Abrüstungssektor konkrete positive Ergebnisse.
Wir sind überzeugt, daß die Interessen des sowjetischen und des amerikanischen
Volkes und die Interessen der Völker aller Länder der Welt es erfordern, daß die
Anstrengungen zur Begrenzung des Wettrüstens uneingeschränkt fortgesetzt werden
sollten.

Die Ansprache Präsident Nixons hat folgenden Wortlaut:
Herr Vizepräsident, Herr Außenminister, Mitglieder des Kabinetts und Mitglieder des Kongresses sowie alle verehrten Gäste:

Wie bereits gesagt worden ist, tritt mit den von uns unterzeichneten Dokumenten die erste Begrenzung offensiver und defensiver Nuklearwaffen in Kraft, die
jemals vorgenommen worden ist; insbesondere ist es bedeutsam, daß diese Begrenzung zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika erfolgt.

Bei dieser besonderen Gelegenheit möchte ich den Mitgliedern des Repräsentantenhauses und des Senats, die in überparteilicher Weise diese historischen
Dokumente billigten und unterstützten, meine persönliche Hochachtung bezeugen und
ihnen den Dank der Nation aussprechen.

Genauso möchte ich den vielen Vertretern beider Regierungen, die hier zwar
nicht mit am Tis .1 sitzen, aber mit den hier Anwesenden bei der Festlegung der
- 3-

�der Einzelheiten dieser Abkommen und ihres Inhaltes fast drei Jahre lang zusammenarbeiteten, meine persönliche Anerkennung aussprechen.
Es wäre nicht angebracht, hier alle oder nur einige Namen zu nennen, aber
ich bin sicher, daß jeder zu würdigen weiß, wenn ich sage, daß ein Name einem
heute besonders vor Augen steht, nämlich der eines ehemaligen Botschafters der
Vereinigten Staaten in der Sowjetunion, der auch zusammen mit Botschafter Smith
der SALT-Delegation der Vereinigten Staaten angehörte: Botschafter Llewellyn
Thompson. Von ihm kann wirklich - wie auch von vielen anderen, die auf diesem Gebiet gewirkt haben - gesagt werden, daß er sein Leben der Sache des Friedens verschrieb.

Bei diesem Anlaß sind wir uns darüber im klaren, daß diese Abkommen den
ersten Schritt bei der Begrenzung der nuklearen Rüstungslasten bedeuten, soweit
dies unsere beiden Länder angeht. Ferner stellen diese Abkommen einen ersten
Schritt beim Abbau der Kriegsgefahr in der Welt und bei der Stärkung der Friedenschancen dar.

Ich habe hier ganz bewußt von einem "ersten Schritt" gesprochen; zwar haben
diese Abkommen eine enorme Bedeutung hinsichtlich des Verbotes defensiver Nuklearwaffen über die in dem Abkommen und dem Vertrag behandelten Punkte hinaus, und sie
haben auch eine enorme Bedeutung in bezug auf die Begrenzung bestimmter Kategorien
von Offensivwaffen, aber dennoch verbleibt eine bedeutsame Anzahl von Kategorien
auf nuklearem Gebiet, die nicht erfaßt worden sind. Deshalb teile ich die Ansicht
von Außenminister Gromyko, daß wir nunmehr von diesem ersten Schritt zu dem
lebenswichtigen zweiten Schritt gelangen müssen, bei dem wir den gesamten Bereich der offensiven Nuklearwaffen erörtern und versuchen müssen, eine Übereinkunft zwischen unseren beiden Ländern auf diesem Gebiet zu finden. Und wenn dann
dieser Schritt erfolgt ist, können wir die Möglichkeit der Reduzierung der Last
der Kernwaffen und schließlich die Möglichkeit von Begrenzungen und Beschränkungen
eines Einsatzes solcher Waffen ins Auge fassen.

Was

- 4 -

�Was wir also heute praktisch miterleben, ist nach unserer Überzeugung der
Beginn eines großen historischen Prozesses, bei dem wir durch die Ausarbeitung
dieser Abkommen, die dem Vertrag über die Nicht-Weitergabe von Kernwaffen und
dem Atomsperrvertrag folgen, gelernt haben, daß wir den Weg zu Fortschritten
auf anderen Gebieten gefunden haben, die schließlich zu dem von uns allen angestrebten Ziel führen können: zu einer Welt, die viel sicherer ist, und insbesondere zu einer Welt, die möglicherweise frei von der großen Gefahr einer nuklearen
Katastrophe ist.

Ich glaube, wir alle sind uns völlig über die Tatsache im klaren, daß die
heutige Unterzeichnung dieser Dokumente sowie die damalige Unterzeichnung der
Dokumente im Kreml die Hoffnungen aller Menschen auf der Welt auf einen Traum
stärken werden, den die Menschheit von Anbeginn der Zivilisation geträumt hat:
auf eine Welt des Friedens, auf eine Welt, in der die Völker mit unterschiedlichen
Regierungen und unterschiedlichen Auffassungen in Frieden miteinander leben
können.

Wir glauben, daß wir einen Beitrag zu dieser Sache und zu der Verwirklichung
dieses Traumes geleistet haben. Und wenn wir nun diesen ersten Schritt tun,
dann blicken wir erwartungsvoll auf die Zusammenarbeit bei den nächsten Schritten;
und wir sind insbesondere darauf bedacht, uns der Hoffnungen der Menschen in aller
Welt würdig zu erweisen. Wir können uns dieser Hoffnungen würdig erweisen, wenn
unsere beiden großen Nationen darangehen können, nicht nur unsere eigenen Rüstungslasten zu begrenzen, sondern auch der Menschheit die Last der Kriegs furcht zu
nehmen.

- 5-

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HANOIS "DEICHPROPAGANDA" BRICHT ZUSAMMEN
Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINTTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 28. September einem
Unterausschuß des Senats umfassende Fakten und Zahlen unterbreitet, die eindeutig
zeigen, daß die Beschuldigungen Hanois, die Vereinigten Staaten hätten vorsätzlich und systematisch Bombenangriffe gegen die nordvietnamesische Deiche und
Flußregulierungssysteme geflogen, von Anfang an falsch und verlogen waren.

Der unter dem Vorsitz des demokratischen Senators Edward Kennedy stehende
Unterausschuß hatte den stellvertretenden Unterstaatssekretär für Ostasien und
den Pazifik im amerikanischen Außenministerium, William Sullivan, sowie zahlreiche andere Vertreter der Regierung zu dieser Frage vorgeladen, die alle übereinstimmend die massive nordvietnamesische Propagandakampagne über die angeblichen
amerikanischen Bombenangriffe auf die Deichsysteme Lügen straften und durch die
wirklichen Tatsachen entkräfteten.

In seiner großangelegten intensiven Hetzkampagne hatte Hanoi immer wieder behauptet, die Vereinigten Staaten hätten vorsätzliche Bombenangriffe auf die Deichsysteme geflogen, mit dem Ziele, durch deren Zerstörung eine Überschwemmung weiter
Gebiete auszulösen, was das Leben von vielen Tausenden von Zivilisten gekostet
haben würde. Um den Ernst dieser Situation noch zu unterstreichen, hatte Hanoi
diese falschen Behauptungen immer wieder in die Welt hinausposaunt und ständig
in allen Einzelheiten über solche angeblichen Bombenangriffe und die dabei ver-

�verursachten schweren Schäden berichtet. Westliche Diplomaten, Journalisten und
Kriegsgegner waren immer wieder an solche Stellen geführt worden, wo angeblich
durch amerikanische Bombenangriffe schwere Schäden entstanden sein sollten.

Auf dem Höhepunkt dieser nordvietnamesischen Propagandakampagne hatte im
Juli sogar der Generalsekretär der Vereinten Nationen solche Berichte erwähnt und
seiner ernsten Besorgnis darüber Ausdruck verliehen. Und Senator Kennedy hatte
in einer Rede am 4. August erklärt, wenn diese Deiche nicht halten, kann es zu
einer der größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts kommen.

Aber die Regenzeit ist jetzt fast vorbei. Amerikanische Regierungsvertreter
haben dem Kennedy-Ausschuß berichten können, daß die Fluten im Delta des Roten
Flusses um den 1. September ihren Höchststand erreicht hatten

und daß das Hoch-

wasser, falls es nicht noch zu Wirbelstürmen kommen sollte, bereits wieder im
Zurückgehen begriffen sei. Es sei kein großer Deich gebrochen, und es habe in
ganz Nordvietnam dieses Jahr keine größeren Überschwemmungen gegeben. Dagegen
brachten der August und September 1971 riesige Übersc lwemmungen, obwohl es damals
praktisch so gut wie keine Bombenangriffe gegeben hatte. Und an den wenigen
Stellen, an denen es dieses Jahr zu geringfügigen Überschwemmungen kam, ließen
sich diese beim besten Willen nicht mit rein zufällig in der weiteren Umgebung
befindlichen Bombentrichtern in Verbindung bringen.

Aber die Propagandasprecher Hanois haben bei diesen untergeordneten Fällen
noch nicht einmal den Amerikanern die Schuld in die Schuhe geschoben, noch haben
sie den Amerikanern die Verluste von Menschenleben angelastet. Die Deichpropaganda
Hanois hat vielmehr in den letzten Tagen eine völlige Kehrtwendung vollzogen. In
einem Ende August zur Lage in den Deichgebieten veröffentlichten Kommunique wird
nicht mehr von irgend welchen Gefahren in diesem Jahr gesprochen, sondern lediglich erklärt, daß langfristige Schäden aufgetreten seien, die sich erst in späteren
Jahren richtig bemerkbar machen würden.

Die amerikanische Regierung hat immer wieder erklärt, daß sie nicht die
geringste Absicht habe, die Deiche zu zerstören und daß bei den wenigen gelegentlichen Treffern eindeutig militärische Ziele in der Nähe der Deiche oder gar

�gar auf diesen gelegen hätten, wie zum Beispiel wichtige Straßen, Raketen- und
Flak-Stellungen. Auch Präsident Nixon hatte am 28. Juli unterstrichen, daß er
strikte Anweisung gegeben habe, keine Deichanlagen zu bombardieren. Wenn es die
Politik der USA wäre, so fügte der Präsident damals hinzu, die Deiche zu zerstören, so hätte dies praktisch innerhalb einer Woche geschehen können.

Nachdem die Hochwasserzeit fast verstrichen ist, läßt sich nur der Schluß
ziehen, daß es niemals Ziel der amerikanischen Politik gewesen sein kann, die
Deichsysteme zu vernichten. Die Behauptung, daß die amerikanischen Bombenangriffe Verluste unter der Zivilbevölkerung schaffen und Überschwemmungen auslösen
sollten, gehört praktisch in die gleiche Kategorie von

Verleumdungen wie die

Behauptung der Kommunisten, daß die USA im Koreakriege biologische Kampfmittel
angewandt hätten.

Neben Sullivan hatte auch der Stellvertretende Unterstaatssekretär für Ostasien und den Pazifik im Verteidigungsministerium, Dennis Doolin, vor dem Unterausschuß zu den kommunistischen Anschuldigungen Stellung genommen. Doolin unterstrich nachdrücklich, daß das Verteidigungsministerium niemals Anweisungen gegeben habe, die nordvietnamesischen Deiche zu bombardieren.

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40/1972

NIXON RUFT ZU GEMEINSAMEN MASSNAHMEN GEGEN DEN TERROR AUF
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

NEW YORK - (AD) - Präsident Nixon hat an alle Länder einen nachdrücklichen
Appell gerichtet, gemeinsame Maßnahmen zu ergreifen, um dem unmenschlichen
Terror Einhalt zu gebieten, der nicht nur unschuldige Menschenleben überall auf
der Welt bedrohe, sondern auch die Prinzipien, auf denen die Vereinten Nationen
begründet wurden, in Frage stelle. Die am 27. September in New York veröffentlichte Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Am Montag (den 25. September) hat Außenminister Rogers hier in New York
umgehend dreierlei Maßnahmen der Vereinten Nationen gefordert, um der unmenschlichen Terrorwelle entgegenzutreten, die über die Welt hereingebrochen ist. Ich
bin oefriedigt darüber, daß die Vereinten Nationen beschlossen haben, sich vordringlich mit der Frage des Terrors zu befassen, und ich unterstütze nachdrücklichst den Appell des Außenministers im Namen der Vereinigten Staaten und der
Menschenwürde.

Ebenfalls am Montag habe ich in Washington Anweisung gegeben, einen Kabinettsausschuß zur Bekämpfung des Terrors zu bilden, in dem Außenminister Rogers den
Vorsitz übernehmen wird und der die allen zuständigen Regierungsdienststellen
zur Verfügung stehenden Mittel voll für die Aufgabe einsetzen soll, den Terror,
wo immer er auftritt, wirksam zu bekämpfen. Ich habe den Ausschuß angewiesen,
nachdrückliche und sofortige Maßnahmen hierzu zu ergreifen.
Die

�Die Anwendung von Terror ist nicht zu entschuldigen. Der Terror beseitigt
mit einem Schlag in der zivilisierten Welt jede Sicherheit, die die Menschheit
so mühsam in Jahrhunderten geschaffen hat.
Aber der Terror bedroht nicht nur das Leben Unschuldiger. Er bedroht gerade die Prinzipien, auf denen die Vereinten Nationen gegründet wurden. Jedes
Mitgliedsland der Vereinten Nationen, gleichgültig welche Ideologie es vertritt,
wer immer seine Gegner und wer immer seine Sympathisanten sein mögen, ist sich
mit allen anderen Ländern über die Gefahr einig, die der Terror für die Souveränität aller bedeutet. Wenn die Welt sich nicht in ihrer Ablehnung des Terrors
einig sein kann, wenn wir nicht ganz einfache Grundregeln schaffen können, um
der Gesetzwidrigkeit Einhalt zu gebieten, wenn wir kurz gesagt nicht handeln
können, um in unserem eigenen Interesse die Grundprinzipien der nationalen
Souveränität zu verteidigen, auf welcher Grundlage können wir dann ein gutes
internationales Einvernehmen schaffen?

Da sind jene, die uns erklären, daß Terror

die letzte Zuflucht der Schwachen

und Unterdrückten, ein Produkt der Verzweiflung in einem Zeitalter der Indifferenz
sei, und daß er lediglich politische Gerechtigkeit erreichen wolle. Das ist Unsinn. Der Weg, um Gerechtigkeit zu erlangen, sind Verhandlungen. Wir haben uns
in unseren eigenen Beziehungen zu anderen darum bemüht, an die Stelle von Konfrontation Verhandlungen zu setzen. Wir halten dies für den einzigen Weg, wie
Mißständen in einer Weise abgeholfen werden kann, die zu Frieden und Stabilität
beiträgt.

In den letzten Monaten haben wir erlebt, wie Länder Anpassungen erreichten
und wie sie Meinungsverschiedenheiten beilegten, und wir haben es erlebt, wie
Terroristen mit ihren Aktionen diese Bemühungen vereitelten. Es ist nunmehr an
der Zeit, daß die zivilisierten Nationen gemeinsam handeln, um die Welt von der
Drohung des Terrors zu befreien.

Die Welt sehnt sich nach Frieden. Der Weg dorthin mag vielleicht schwer und
unsicher sein, aber alle vernünftigen und anständigen Menschen sind heute mehr

�t

mehr denn je zuvor entschlossen, diesen Versuch zu unternehmen. Wir wollen
uns nicht durch jene stören oder davon abbringen lassen, die Anarchie über
die Welt bringen wollen; wir wollen uns nicht mit der Barbarei einlassen,
sondern vielmehr etwas tun, um sie zu beseitigen."

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40/1972

DIE VERTEIDIGUNG IST AUCH MIT FREIWILLIGEN GESICHERT
- Das Ende der Wehrpflicht in den USA in Sicht Von Hubert G. Collins

WASHINGTON - (AD) - Wenn Präsident Nixon in einer Erklärung am 28. August
die Aufhebung der Wehrpflicht in den Vereinigten Staaten bis Juli 1973 angekündigt hat, dann muß man auch seine Erklärung vom 24. August daneben sehen,
daß er es niemals zulassen werde, daß "Amerika die zweitstärkste Nation der Welt"
werden würde.

Bereits am 17. Oktober 1968 hatte der Präsident erklärt, daß in Friedenszeiten die Wehrpflicht in den USA abgeschafft werden sollte, wenn sichergestellt
sei, daß das Land auf anderem Wege eine ausreichende Verteidigung erreichen könne.
Seither hat das amerikanische Verteidigungsministerium in zahlreichen Studien
die Möglichkeit geprüft, die Streitkräfte aus Freiwilligen zu rekrutieren. Der
jetzt vorliegende Bericht des amerikanischen Verteidigungsministers Melvin Laird
vom August 1972 zeigt, daß eine Gesamtstreitmacht von 2,3 Millionen aktiven
Soldaten und einer Million Reservisten aufrechterhalten werden kann, wenn die
notwendigen gesetzlichen Grundlagen für Anwerbung, Besoldung, Unterbringung usw.
gegeben sind.
Jede

- 1 -

�I

Jede moderne, hochtechnisierte Streitmacht steht heute vor dem Problem,
daß Wehrpflichtige bei immer kürzer werdender Dienstzeit kaum die notwendige
Ausbildung erhalten können. Einzelne Teilstreitkräfte, wie Marine und Luftwaffe
und auch technische Einheiten des Heeres»kommen ohne längerdienende Freiwillige
heute schon nicht mehr aus.

Die Grunderkenntnis in den Vereinigten Staaten war also zunächst, daß der
Beruf des Soldaten so attraktiv gemacht werden muß, daß er mit anderen Berufszweigen echt konkurrieren kann. Eine Streitmacht aus Freiwilligen, die sich im
freien Wettbewerb durchgesetzt hat, wird ohne Frage in jeder Hinsicht leistungsfähiger sein als eine Armee von Wehrpflichtigen.

Die Besorgnis, daß in einer Freiwilligenarmee in den USA Söldner, Schwarze
und 'nterprivi legierte ein Übergewicht haben würden, hat sich nach dem Bericht
von Laird als unbegründet erwiesen. Nach den bisherigen Untersuchungen stellen
die Freiwilligen ein fast genaues prozentuales Spiegelbild der amerikanischen
Gesellschaft dar. So liegen beispielsweise die Freiwilligen zu über 50 Prozent
im Bereich der mittleren Begabung, zu über 30 Prozent sind :ie überdurchschnittlich begabt, und nur knapp 20 Prozent liegen unter dem Durchschnitt.

Eine ganz entscheidende Frage ist natürlich die Bezahlung. So ist der Sold
eines unverheirateten Soldaten von durchschnittlich 149 Dollar im Monat im vorigen
Jahr bereits mit 321 Dollar mehr als verdoppelt worden. Auch moderne Wege der
Unterbringung - bis zum Einzelzimmer - dürften den Soldatenberuf attraktiver
machen. Ein weiterer Anreiz sind Stipendien für Offiziersanwärter an Colleges
und Universitäten.

Ein weiterer Punkt ist die effektivere Ausbildung und Verwendung der Soldaten,
wobei unter Wegfall rein formalistischer Gesichtspunkte die Verbreiterung des
Fachwissens den Vorzug hat.

Die bisherige Entwicklung in den USA hat ergeben, daß mit der V rringerung
der Einberufungen - von fast 300 OOO im Jahre 1968 auf rund 50 OOO im Jahre 1972 die Zahl der Freiwilligen nicht ebenfalls abgenommen, sondern vielmehr zuge- 2-

�(

zugenommen hat. Das Verteidigungsministerium plant, von Januar 1973 bis Juli
1973 - wenn das Wehrpflichtgesetz ausläuft - wenn irgend möglich keine Einberufungen mehr vorzunehmen.

Eine gewisse Rolle spielt auch das Handgeld, das bei besonders knappen
Berufssparten - wie auch Militärärzten - dem Freiwilligen einen zusätzlichen
Anreiz bieten soll. Auch das Problem der späteren Versorgung wird neu durchdacht.

Um darüber hinaus die Verteidigungskapazität sicherzustellen, hat das Verteidigungsministerium die Nationalgarde und die Reserve verstärkt. Die Haushalt: mittel für diese Zwecke wurden von 2,1 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr
1968/69 auf 4,1 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1972/73 erhöht.
Um die genannten und andere Probleme zu lösen, wird der amerikanische
Kongreß die gesetzlichen Grundlagen für ein modernes Management der Streitkräfte
schaffen müssen.

Nicht zuletzt wird auch der psychologische Aspekt eine Rolle spielen,
wenn junge Menschen den Beruf des Soldaten wählen sollen. Aber auch hier verzeichnet der Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums eine positive
Entwicklung, denn immerhin ist der Anteil der Freiwilligen bei den amerikanischen
Streitkräften von 59 Prozent im vorigen Jahr auf 75 Prozent in diesem Jahr angestiegen.

Von ganz wesentlicher Bedeutung für die Verbündeten der Vereinigten Staaten
ist die Tatsache, daß keine Pläne bestehen, Verpflichtungen abzubauen und Truppenstärken zu verringern. Präsident Nixon hat versichert, daß er Amerika "stark genug"
erhalten werde, "um eine vernünftige, verantwortungsbewußte Außenpolitik" auch
"glaubwürdig" zu machen.

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40/1972

IWF-TAGUNG BEKRÄFTIGTE WUNSCH NACH ANPASSUNG UNTERSCHIEDLICHER STANDPUNKTE

Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Die diesjährige Jahrestagung des Internationalen
Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, zu der sich die Finanzminister und Notenbankpräsidenten der Mitgliedstaaten in Washington versammelt hatten, endete
am vergangenen Freitag in einer deutlich optimistischeren Haltung, als sie noch
fünf Tage zuvor bei Beginn der Beratungen bestanden hatte.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Beratungen standen die Aussichten für ein
umfassendes Abkommen über ein neues internationales Währungssystem, das künftig
an Stelle der Abkommen von Bretton Woods als Basis für Welthandel, Auslandsinvestitionen und sonstige zwischenstaatliche Transaktionen dienen soll. Zu Beginn der Tagung, am 25. September, bestand eine so weite Kluft zwischen den verschiedenen nationalen Standpunkten, daß vielfach bezweifelt wurde, ob überhaupt
in absehbarer Zeit Fortschritte möglich sein würden. Als sich die Konferenz am
29. September vertagte, herrschte weitverbreitete Übereinstimmung, daß die Länder
die anstehenden Fragen wirklich in den Griff bekommen und allseits akzeptable
Lösungen finden würden. Es lag so etwas wie eine Atmosphäre der Anpassung in
der Luft.

Der Generaldirektor des IWF, Pierre-Paul Schweitzer, betonte auf einer
Pressekonferenz nach Abschluß der Tagung, er sei nunmehr überzeugt, daß alle
Länder wirklich gewillt seien, sich an ernsthaften Gesprächen und Verhandlungen
über eine Reform des internationalen Währungssystems zu beteiligen.
Einer

�Einer der Höhepunkte der Tagung, von dem wohl der stärkste Impuls in Richtung auf ernsthafte Verhandlungen ausging, war die Ansprache des amerikanischen
Finanzministers Shultz am 26- September, in der dieser mehrere Alternativen für
eine Reform des internationalen WährungsSystems aufzeigte, die für die Vereinigten
Staaten akzeptabel sein würden. Shultz war sorgfältig bedacht, die amerikanischen
Vorschläge lediglich als Vorstellungen, die gemeinsam mit anderen erörtert werden
könnten, und nicht als einen detaillierten Plan hinzustellen, den die USA anderen
Nationen etwa aufzudrängen suchten. Die anderen Teilnehmerstaaten verstanden und
begrüßten dies.
Die optimistische Stimmung wurde noch durch die Haltung des französischen
Finanzministers Valery Giscard D'Estaing bestärkt. Gerade Frankreich und die
Vereinigten Staaten waren in der Vergangenheit in Währungsfragen häufig entschieden anderer Meinung gewesen. In seiner Ansprache am 27. September vermied
der französische Finanzminister jede direkte Konfrontation mit den Vereinigten
Staaten und suchte stattdessen die Gebiete einer Übereinstimmung herauszustellen.

Auch andere Reden, sowohl von Vertretern der Industriestaaten wie der Entwicklungsländer, verfolgten das gleiche Ziel. So konnte IWF-Generaldirektor
Schweitzer mit Recht sagen, daß die auf der Jahrestagung gehaltenen Reden "alle
konstruktiv" waren.

Gerade die Vertreter der Entwicklungsländer beteiligten sich aktiv an der
Aussprache über eine Reform des internationalen Währungssystems. Und in dem neu
gebildeten Zwanziger-Ausschuß sind sie ebenso wie die Industriestaaten vertreten.
Darüber hinaus haben die Entwicklungsländer einen eigenen Vierundzwanziger-Ausschuß gebildet, der Fragen einer internationalen Währungsreform prüfen soll.

Von besonderem Interesse für die Entwicklungsländer ist die Frage, inwieweit
das internationale Währungssystem Gewähr dafür bieten kann, daß die reicheren
Länder ihnen künftig mehr Entwicklungshilfe zur Verfügung stellen werden. Dies
könnte zum Beispiel auf dem Wege über die Zuteilung von Sonderziehungsrechten
geschehen, bei der Entwicklungsländer künftig mit höheren Zuteilungen bedacht
werden könnten, als ihnen aufgrund ihrer nationalen Quote beim IWF zustehen

�zustehen würden. Von Vertretern der Industriestaaten wurden hierzu unterschiedliche Ansichten geäußert, wobei die Frage aufgeworfen wurde, ob eine solche direkte Verbindung zwischen Sonderziehungsrechten und Entwicklungshilfe wünschenswert sei. Weltbankpräsident Robert McNamara betonte dann auch in seiner Schlußrede, er sei,nachdem er auf der Tagung eine wachsende Unterstützung für eine
derartige Verbindung zwischen Sonderziehungsrechten und finanzieller Hilfe festgestellt habe, zuversichtlich, daß diese Frage in den bevorstehenden Beratungen
über eine Reform des internationalen Währungssystems aktiv und wohlwollend erörtert werden würde.

IWF-Generaldirektor Schweitzer äußerte auf die Frage eines Korrespondenten,
ob er dieser Auffassung McNamaras zustimme, man solle bei der Definierung der
Konzeption "Verbindung" vorsichtig sein, doch glaube er, daß Industriestaaten
wie auch Entwicklungsländer darin übereinstimmten, daß etwas zu Gunsten der Entwicklungsländer getan werden müsse, was über den gegenwärtigen Zustand hinausgehe. Hierzu gebe es allerdings verschiedene Wege. Gerade diese Fragen würden
vom Direktorium des IWF in den kommenden Monaten eingehend geprüft werden und
hätten auf ihrer Tagesordnung wie auch im Zwanziger-Ausschuß Vorrang.

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetische Abkommen über Rüstungsbegrenzung in Kraft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprachen Nixons und Gromykos -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hanois "Deichprogaganda" bricht zusammen&lt;br /&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon ruft zu gemeinsamen Maßnahmen gegen den Terror auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärungen des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verteidigung ist auch mit Freiwilligen geischert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Das Ende der Wehrpflicht in den USA in Sicht -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hubert G. Collins&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;IWF-Tagung bekräftigte Wunsch nach Anpassung unterschiedlicher Standpunkte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;</text>
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Nummer

39

Inhalt

28&lt;

September

1972

DOKUMENTATION
Nixon fordert grundlegende Reform des internationalen Währungssystems
Wortlaut der Rede des Präsidenten auf der Jahrestagung des IWF und
der Weltbank
Shultz erläutert US-Vorstellungen zur internationalen Währungsreform
Wortlaut der Rede des amerikanischen Finanzministers auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank
Rede von Außenminister Rogers vor der UN-Vollversammlung
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
Vereinte Nationen werden sich mit Terrorismus befassen
- Amerikaner unterstützen UN-Generalsekretär INFORMATIONEN
USA und Sowjetunion unterzeichnen Memorandum über Durchführung des
Umweltabkommens
Chromatographie und Spektroskopie
Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum
Kulturbrief aus den USA
Literatur - Musik - Film - Museen
WIRTSCHAFT
Die amerikanischen Vorstellungen zur internationalen Währungsreform
- Das Zahlungsbilanzproblem steht im Mittelpunkt Von Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
APOLLO 16-Proben für deutsche Wissenschaftler
Biochemische Präzisionsmessungen
Strengere Maßstäbe für Standardtests

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Dokumentation

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39/1972

NIXON FORDERT GRUNDLEGENDE REFORM DES INTERNATIONALEN WÄHRUNGSSYSTEMS
Wortlaut der Rede des Präsidenten
auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat in einer Rede auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank am 25. September
eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems gefordert. Eine
solche Reform müsse auch, so betonte Nixon,Handel und Investitionsmöglichkeiten
einschließen. Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Es ist schon zu einem Brauch geworden, in einer Ansprache vor einem so
bedeutenden internationalen Gremium zu erklären, daß wir gegenwärtig einen
großen Augenblick der Geschichte erleben. Große Augenblicke der Geschichte
lassen sich leicht erkennen - Schlagzeilen erscheinen, und die Welt heftet ihre
Blicke auf die Fernsehschirme, wenn die führenden Staatsmänner der Welt zusammenkommen .
Aber wirklich große Veränderungen in der Geschichte sind weitaus schwerer
zu erkennen, wenn wir mitten drin stehen. Die Ereignisse vollziehen sich viel
langsamer, weniger dramatisch und sind unendlich viel komplexer, so wie die
sich rändelnden Gegebenheiten und die neuen Bedürfnisse der Menschen das Verhalten der Völker verändern.
Ich bin aufgrund der Ereignisse des letzten Jahres überzeugt, daß wir nicht
nur einen großen Augenblick der Geschichte erleben, sondern daß wir Zeuge sind,
wie sich eine tiefgreifende Veränderung in der Geschichte vollzieht, und daß

- 1 -

�daß wir dazu beitragen, sie in Gang zu setzen.
Diese Veränderung führt weg von der Lösung potentieller Konflikte durch
Krieg und weist in Richtung auf ihre Lösung mit friedlichen Mitteln.
Die in diesem Räume versammelten Experten sind nicht so naiv, etwa zu erwarten, daß damit alle Meinungsverschiedenheiten beigelegt wären. Wir müssen
mit der Möglichkeiten von Konflikten rechnen, solange Menschen und Völker unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Lebensformen und unterschiedliche
Ideale haben.
Wir müssen daher das Außergewöhnliche schaffen, was der Frieden von uns
verlangt. So wie die Gefahr eines bewaffneten Konflikts zwischen den Großmächten abgenommen hat, ist die Möglichkeit wirtschaftlicher Konflikte gestiegen.
So wie die Möglichkeit eines Friedens immer mehr zunimmt, werden einige
der ursprünglichen Bande, die unsere Bündnisse in der Nachkriegszeit zusammenhielten, immer schwächer.
So wie die Länder überall auf der Welt neue wirtschaftliche Stärke erlangen, vermehren sich sowohl die Berührungspunkte für kommerzielle Kontakte
als auch die Möglichkeiten für Meinungsverschiedenheiten um ein Vielfaches.
Aber auch einer anderen Ironie sollten wir uns alle bewußt sein. Mit einer
Ausnahme können die hier versammelten Länder, deren Binnenwirtschaften heute so
gewaltig expandieren, einen Großteil ihres Wachstums nach dem Kriege auf die
Ausweitung des Welthandels zurückführen.
Die eine Ausnahme sind natürlich die Vereinigten Staaten - die Industrienation, deren Welthandel den mit Abstand kleinsten Prozentsatz des Bruttosozialprodukts ausmacht.
Warum aber stehen die Vereinigten Staaten - für die scheinbar am wenigsten
auf dem Spiele steht - in vorderster Front der Länder, die auf eine umgehende
'and durchgreifende Reform des internationalen Währungssystems hinarbeiten - mit
all dem, was dies für die Ausweitung des Handels jetzt und in der Zukunft bedeutet?
Ein

- 2-

�Ein Grund ist natürlich unser nationales Selbstinteresse. Wir wollen,
daß unsere arbeitenden Männer und Frauen, unsere Geschäftsleute eine faire
Chance im Wettbewerb um ihren Anteil an einem expandierenden Handel zwischen
den Ländern haben. Vor einer Generation machten wir uns zielstrebig an die Aufgabe, unseren ehemaligen Gegnern und unseren geschwächten Verbündeten zu helfen,
so daß sie die wirtschaftliche Stärke erlangen konnten, die sie in die Lage
versetzen würde, mit uns den Wettbewerb auf den Weltmärkten anzutreten. Nunmehr
erwarten wir von unseren Handelspartnern, daß sie zur Herbeiführung gleicher
Wettbewerbsbedingungen mit beitragen.
Es gibt noch einen weiteren, viel tiefer gehenden und fundamentaleren
Grund, der die Vereinigten Staaten veranlaßt, auf eine wirtschaftliche und
monetäre Reform zu drängen.
In gemeinsamer Arbeit müssen wir eine Wirtschaftsstruktur schaffen, die
das historische Fortschreiten der Welt in Richtung auf den Frieden fördert und
nicht behindert.
Wir müssen sicherstellen, daß der internationale Handel zu einer Quelle
der Stabilität und Eintracht und nicht zum Anlaß für Spaltung und Animosität
wird.
Ein potentieller Konflikt muß in einen gemeinsamen Wettbewerb übergeleitet
werden.
Das ist der Grund, warum die Struktur des internationalen Währungssystems
und des künftigen Welthandelssystems für uns heute ein so zentrales Anliegen
ist.
Es ist nunmehr die Zeit des Handelns an der gesamten Front der internationalen Wirtschaftsprobleme gekommen. Immer wiederkehrende Währungskrisen, wie
wir sie alle während des letzten Jahrzehnts nur zu oft erlebt haben; unfaire
Wechselkursfestsetzungen und Handelsvereinbarungen, die die Arbeiter eines
Landes gegenüber denen eines anderen Landes benachteiligen; große Unterschiede
im Grad der wirtschaftlichen Entwicklung, die die Ursache von Verstimmungen
sind; ein Währungssystem, das keine Bestimmungen für die Realitäten der Gegen-

- 3-

�Gegenwart und die künftigen Erfordernisse enthält - dies alles schädigt nicht
nur unsere Volkswirtschaften, sondern schafft politische Spannungen, die die
Sache des Friedens untergraben.
Es muß eine durchgreifende Reform des internationalen WährungsSystems
erfolgen, um den Weg für einen künftigen, gesunden Wettbewerb zu öffnen. Wir
müssen monetäre Reformen als einen entscheidend wichtigen Bestandteil einer
Gesamtreform der internationalen Wirtschaftsprobleme betrachten, die Handel
wie auch Investitionsmöglichkeiten einschließt.
Wir müssen realistische wirtschaftliche Verhaltensnormen schaffen, die als
Richtschnur für unsere gegenseitigen Beziehungen dienen - ein Kodex, der den
Regierungen die Freiheit einräumt, legitime binnenwirtschaftliche Ziele zu verfolgen, der sie aber auch veranlaßt, sich den vereinbarten internationalen Verhaltensnormen zu beugen. Jedes einzelne Land sollte versuchen, beispielhaft zu
sein, was realistisches und ordentliches Verhalten in binnenwirtschaftlichen
Fragen anbetrifft, so daß es seine Erzeugnisse und nicht seine Probleme exportiert.
Wir können alle darin übereinstimmen, daß eine gesunde Weltwirtschaft
und die Stabilität des internationalen Wirtschaftssystems weitgehend auf einem
erfolgreichen Management der Binnenwirtschaft beruhen.
Die Vereinigten Staaten sind sich der Wichtigkeit einer starken, nicht
inflationären Binnenwirtschaft bewußt, die sowohl den Bedarf der eigenen Bevölkerung deckt und gleichzeitig zu einer starken Weltwirtschaft beiträgt. Wir
haben uns kompromißlos verpflichtet, unsere Ziele - ein starkes Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung und Preisstabilität - zu erreichen.
Wir sind ermutigt ob der derzeitigen Leistungen unserer Wirtschaft. Wir
haben gegenwärtig eine der niedrigsten Inflationsraten und eine der höchsten
realen wirtschaftlichen Wachstumsraten von allen Industriestaaten.
Die jüngste Zunahme der Produktivität und der Realeinkommen der amerikanischen
Arbeiter waren ermutigend. Wir beabsichtigen die Politik, die solche Erfolge ge-

- 4-

�gebracht hat, fortzusetzen.
Wir sind uns ferner darüber im klaren, daß auf lange Sicht die Binnenwirtschaftspolitik allein nicht alle internationalen Probleme lösen kann. Selbst
wenn alle Länder beim Management ihrer eigenen Volkswirtschaften so erfolgreich
sein sollten, könnten sich Belastungen und Spannungen an Kontaktpunkten zu
anderen Volkswirtschaften ergeben.
Wir können uns kein System leisten, das fast jedes Jahr erneut eine Währungskrise herausfordert. Das ist der Grund, warum wir jetzt vor der Notwendigkeit
stehen, Verfahren für umgehende und ordnungsgemäße Anpassungen zu entwickeln.
Das spricht sich so leicht aus: 'umgehende und ordnungsgemäße Anpassungen'.
.Aber diese wenigen Worte fassen die wahren Probleme der arbeitenden Männer und
Frauen, die Ängste und Hoffnungen der Investoren und Manager großer und kleiner
Betriebe und daher auch die Besorgnisse der maßgebenden Politiker aller Länder
zusammen. Keinem Lande sollte die Möglichkeit einer Anpassung verwehrt werden,
noch sollte es von der Verpflichtung, eine Anpassung vorzunehmen, entbunden sein.
Bei den bevorstehenden Verhandlungen wird es Unterschiede in den Ansichten
und bezüglich der Wege geben. Die unmittelbaren Interessen mögen vielleicht im
Widerspruch zueinander stehen. Es wird Zeiten geben, da sich tote Punkte ergeben,
die zu überwinden, unmöglich erscheinen mag.
Aber die Welt hat in letzter Zeit einige Erfahrungen mit langen und harten
Verhandlungen gesammelt - Beispiele dafür sind die Abkommen über eine Begrenzung
der strategischen Rüstungen, die von der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten
unterzeichnet worden sind.
Das waren bilaterale Verhandlungen zwischen zwei Ländern und nicht zwischen
124 Ländern. Aber sie schienen nahezu unendlich komplex zu sein; die Widerstände
hatten sich 25 Jahre lang verhärtet; die Frage der nationalen Sicherheit war ein
so heikles Problem, wie es nur zwischen zwei Weltmächten bestehen kann.
Wir gelangten dieses Jahr mit Moskau zu einem Abkommen, weil die uns einende
Frage - nämlich ein Ende des verschwenderischen und gefährlichen Wettrüstens zu

- 5-

�zu suchen - überwog gegenüber den Fragen, die una trennten.
Wir erreichten ein Abkommen, weil wir erkannt hatten, daß es unmöglich
war, daß eina der beiden Seiten in den Verhandlungen einen Vorteil gegenüber
der anderen erreichen konnte. Nur ein Abkommen, bei dem jeder Seite daran gelegen sein mußte, es auch einzuhalten, war es wert, abgeschlossen zu werden.
Diese beiden Prinzipien können uns als Anhalt beim Aufbau des Währungssystems der Zukunft dienen.
Wir wissen, daß es zahlreiche und schwerwiegende Fragen gibt, die uns
trennen. Aber der Ansporn, der diese Verhandlungen zum Erfolg führen wird, ist
die Kraft,die uns eint: die Notwendigkeit für uns alle, eine gesunde und dauerhafte Grundlage für den Handel zu schaffen, die zu besseren Lebensbedingungen
für alle Menschen in der Welt führt.
Diese gemeinsame Notwendigkeit - nennen wir sie das Interesse der Welt erfordert eine neue Freiheit des Welthandels und eine neue Fairness des internationalen wirtschaftlichen Verhaltens.
Es ist ein Zeichen unserer Reife, daß wir erkennen, daß ein heute in einem
Abkommen erzielter unfairer Vorteil dieses Abkommen morgen untergräbt. Nur ein
System bewährt sich, bei dem jedes Land ein aktives Interesse daran hat, daß es
sich bewährt.
Die Notwendigkeit liegt auf der Hand. Der Wille zur Reform des Währungssystems ist hier in diesem Raum vorhanden. Und es gibt ein Sprichwort - übrigens
fast in jeder Sprache - wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.
Wir sind hier zusammengekommen, um ein den Erfordernissen entsprechendes
Währungssystem zu schaffen - den Erfordernissen von Stabilität und Offenheit
entsprechend, und den Erfordernissen jedes Landes entsprechend, seinen besonderen
Eigenarten Rechnung zu tragen.
Auf diese Weise bringen wir eine der großen Lehren des Föderalismus zur
Geltung: daß der beste Weg zur Durchsetzung einer vereinbarten Ordnung darin besteht, es jedem einzelnen Mitglied zu überlassen, auf seine Weise solche Maß- 6-

�Maßnahmen zu ihrer Einhaltung zu treffen, die am besten seinen lokalen Eigenheiten, dem Stadium seiner wirtschaftlichen Entwicklung und seiner wirtschaftlichen Struktur entsprechen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika ihrerseits werden weiterhin zu ihren
internationalen Verpflichtungen stehen und gemeinsam mit anderen Ländern eine
moderne Weltwirtschaftsordnung schaffen und in ihr mitarbeiten.
Wir fühlen uns in unserer Unabhängigkeit so sicher, daß wir freiwillig unsere
Abhängigkeit von anderen - unsere Interdependenz - einräumen können. Und dies
sind die Prinzipien,von denen ich zutiefst glaube, daß sie die Vereinigten Staaten
in ihrem internationalen Verhalten leiten sollten und werden:
Wir werden darauf drängen, daß die Welt des Handels gerechter und offener
wird.
Wir werden uns dem Wettbewerb stellen und ihm nicht ausweichen.
Wir werden ein anspornender Handelspartner und ein ehrlicher Unterhändler
sein.
Wir werden uns nicht nach innen wenden und zu Isolationisten werden. Auf
der anderen Seite werden wir von unseren Freunden erwarten, daß sie ähnliche
Zeichen einer Ablehnung des Isolationismus in wirtschaftlichen und politischen
Fragen zeigen.
Wollen wir uns doch entschließen, mit neuen Augen in das Hauptbuch des
internationalen Handels zu blicken - und dafür zu sorgen, daß ein temporärer
Überschuß nicht als Heldentat oder ein temporäres Defizit nicht als Untat betrachtet wird, sondern die Erkenntnis sich durchsetzt, daß ein Fortschritt nur
im Rahmen des Gleichgewichts möglich ist. Hier ist ein kühnes Handeln im Sinne
einer gerechteren und offeneren Welthandelsordnung notwendig.
Wie jeder führende Staatsmann der hier vertretenen Länder,möchte ich dafür
sorgen, daß überall auf der Welt neue Arbeitsplätze geschaffen werden, aber ich
werde den durch eine in das Welthandelssystem eingebaute Unfairness verursachten
Export von Arbeitsplätzen aus den Vereinigten Staaten nicht gutheißen.
Alle
- 7-

�Alle Länder, die sich in einem fortgeschritteneren Stadium der industriellen
Entwicklung befinden, sollten gemeinsam die Verantwortung dafür tragen, den
Ländern zu helfen, deren wirtschaftliche Entwicklung zurückgeblieben ist - und
der Versuchung widerstehen, diese Hilfe als Instrument für Diskriminierung und
Rivalitäten zu benutzen.
Es geht hier um weit mehr als nur um die Mechanik von Handel und Finanzen.
Es geht um die Chance, dem Leben der Menschen aller Länder zusätzliche echte
Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, um die Chance, weitere Stabilität und Sicherheit für die Ersparnisse und Einkommen von hunderten von Millionen Menschen
zu schaffen, und um die Chance, die Stützen des Friedens wirtschaftlich weiter
zu untermauern.
Ich habe heute morgen ganz allgemein darüber gesprochen, wie wir unsere
wirtschaftliche Interdependenz ausbauen können. Im Laufe der Woche wird Finanzminister Shultz eine Reihe von Vorschlägen erläutern, die die besten Gedanken
meiner maßgeblichen Wirtschaftsberater zusammenfassen. Ich empfehle Ihnen, sie
sorgfältig zu prüfen.
Führt man das Wort 'Ökonomie' auf seinen griechischen Ursprung zurück, so
bedeutet es 'die Hausordnung'.
Das Haus, in dem wir leben, - die Gemeinschaft der Völker - braucht weit
bessere Gesetze, die unser künftiges wirtschaftliches Verhalten regeln. Jedes
Land kann blühen und gedeihen, wenn es im Rahmen einer modernen wirtschaftlichen
Weltordnung arbeitet, an deren Erhaltung es ein Interesse hat.
Von dem, was in diesen Verhandlungen geleistet wird, wird in der breiten
Öffentlichkeit nur sehr wenig verstanden oder gewürdigt werden.
Aber die Geschichte wird in ihren Annalen festhalten, wie entscheidend
wichtig die vor uns liegenden Aufgabe war. Ich bin zuversichtlich, daß die hier
versammelten Experten und Nationen die Gelegenheit ergreifen werden, um ein
'Jährüngs- und Handelssystem zu schaffen, daß sich in der kommenden Generation
bewähren wird - und das dazu beitragen wird, die kommenden Jahre zu einer Generation des Friedens zu machen."
+ + + + +
- 8-

�(amerika dienst
United
53

States

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T e l :

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8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 3 0 0

Telex:

08-85432

39/1972

SHULTZ ERLÄUTERT US-VORSTELLUNGEN ZUR INTERNATIONALEN WÄHRUNGSREFORM
Wortlaut der Rede des amerikanischen Finanzministers
auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz hat
am 26. September in einer Rede auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank die amerikanischen Vorstellungen bezüglich einer
Reform des internationalen Währungssystems erläutert. Die Rede des Ministers
hat folgenden Wortlaut:

"Die hier versammelten

Länder haben es in ihrer Macht, eine neue Bilanz

in den internationalen Wirtschaftsangelegenheiten zu ziehen.

Das neue Gleichgewicht, von dem ich hier spreche, beschränkt sich nicht auf
die Konzeptionen einer Handels- und einer Zahlungsbilanz.

Die Welt braucht ein neues Gleichgewicht zwischen Flexibilität und Stabilität
für ihre grundlegende Haltung in geschäftlichen Dingen.

Die Welt braucht ein neues Gleichgewicht zwischen Einheit der Zielsetzung
und Vielfalt der Ausführung, die es den Ländern gestattet, eng miteinander zusammenzuarbeiten, ohne ihre Individualität und Souveränität zu verlieren.

Uns fehlt dieses Gleichgewicht heute. Der Erfolg der Verhandlungen, in denen
wir gegenwärtig stehen, wird daran gemessen werden, inwieweit wir in der Lage

- 1 -

�Lage sind, dieses Gleichgewicht in der Zukunft zu erreichen.

Ich hoffe dabei auf eine enge und intensive Zusammenarbeit mit Ihnen, wenn
es darum geht, unsere besten Ideen zu formulieren und neu zu formulieren, wobei
wir von der Erkenntnis ausgehen müssen, daß die legitimen Ansprüche jedes einzelnen Landes zu einem harmonischen Ganzen zusammengeschmolzen werden müssen.

In diesem Geiste hat mich Präsident Nixon beauftragt, Ihnen bestimmte Vorstellungen vorzutragen.

Wenn ich das jetzt tue, so muß ich meine heutigen Ausführungen zwangsläufig
auf monetäre Fragen konzentrieren. Ich bin mir zutiefst bewußt, daß wir, wenn
wir jetzt an diese große Aufgabe einer Währungsreform herangehen, die Erfordernisse der wirtschaftlichen Entwicklung nicht vernachlässigen dürfen. Und ich bin
mir ebenso bewußt, daß der Erfolg unserer Entwicklungsanstrengungen letztlich
und in hohem Maße davon abhängt, daß wir in der Lage sind, ein Währungs- und
Handelsklima zu schaffen und zu erhalten, in dem alle Länder gedeihen und von dem
Fluß von Gütern, Dienstleistungen und Investitionen profitieren können.

Die Bildung des Zwanziger-Ausschusses, in dem die gesamte Mitgliedschaft
des Fonds repräsentiert ist, ist Spiegelbild und Symbol zugleich für die Tatsache, daß wir es hier mit Fragen zu tun haben, die für alle Mitglieder von
großem Interesse sind, und daß vor allem die Anliegen der Entwicklungsländer bei
der Erörterung der Reform des internationalen Währungssystems voll berücksichtigt
werden müssen.

Wenn wir im Rahmen dieser Gruppe die Verhandlungen beginnen, dann haben wir
den nützlichen Bericht des Direktoriums vorliegen, der einige der grundlegenden
Fragen, die zu lösen sind, umreißt und abklärt.
Wir hoffen ferner auf die Mitarbeit anderer internationaler Organisationen,
die jeweils dort mitwirken können, wo sie am besten zu helfen in der Lage sind.
Die vor uns liegende Aufgabe erfordert eine wesentliche Modifizierung der Institutionen und Praktiken auf dem gesamten Bereich der internationalen wirtschaft-

- 2-

�wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

Eine Vielzahl von Stellen, öffentlicher wie privater, hat bereits anregende
Beiträge zu unseren Überlegungen geleistet. Ich habe die in den letzten Monaten
von einzelnen anderen Gouverneuren abgegebenen Erklärungen sowie die acht Punkte
mit besonderer Sorgfalt geprüft, die in den Beratungen der Finanzminister der
Europäischen Gemeinschaft erarbeitet worden sind.

Auf diesem Gedankenaustausch und auf dem Smithsonian-Abkommen aufbauend
können wir jetzt nach einer festen Übereinstimmung über neue Währungsvereinbarungen suchen, die uns in den kommenden Jahrzehnten dienen werden. Ja,ich
glaube, daß bestimmte, einer Währungsreform zugrundeliegende Prinzipien bereits
eine weitgehende Unterstützung finden.

An oberster Stelle steht unser gemeinsames Interesse, einen freieren Handel
mit Gütern und Dienstleistungen sowie den Kapitalfluß dorthin, wo er am meisten
zum Wirtschaftswachstum beitragen kann, zu ermutigen. Wir müssen verhindern,
daß die Welt in antagonistische Blöcke aufgespalten wird. Wir dürfen nicht hinter
den Mauern des Protektionismus Zuflucht vor unseren Problemen suchen.

Das Streben nach gemeinsamem Wohl durch mehr freien Handel wird durch einen
alten und immer wiederkehrenden Trugschluß gefährdet. Zahlungsbilanzüberschüsse
werden allzu oft als Zeichen des Erfolges und des guten Managements angesehen statt als Maßstab für die Güter und Dienstleistungen, die ein Land für andere
aufbringt, ohne eine laufende Gegenleistung zu erhalten.

Wir müssen uns natürlich darüber im klaren sein, daß ein freierer Handel
mit der Forderung jedes Landes in Einklang stehen muß, abrupte Änderungen, die
zu ernsthaften Störungen von Produktion und Beschäftigtenstand führen könnten,
zu vermeiden. Wir müssen auf eine Ausweitung der produktiven Beschäftigung in
allen Ländern hinarbeiten - aber diese darf nicht auf Kosten anderer erfolgen.

Ein zweites grundlegendes Erfordernis ist die Notwendigkeit, einen gemeinsamen Verhaltenskodex zu schaffen, um das Gebäude einer freien und offenen inter- 3-

�internationalen Wirtschaftsordnung zu schützen und zu stärken.

Solche Grundregeln wie 'keine wettbewerbsverzerrende Abwertung' und die
'Meistbegünstigungsklausel' haben uns gute Dienste geleistet, aber diese und
andere Grundsätze müssen erneut bekräftigt, ergänzt und auf die heutigen Gegebenheiten zugeschnitten werden. Ohne derartige Regeln für uns wäre eine enge
und fruchtbare tagtägliche Zusammenarbeit nicht möglich.

Drittens müssen wir uns bei der Ausarbeitung dieser Regeln der Notwendigkeit klarer Verbindlichkeiten und Verhaltensnormen für den internationalen Anpassungsprozeß bewußt sein - dies war eine entscheidende Lücke in dem System von
Bretton Woods. In der Debatte über die Ursachen, die zu den Ungleichgewichten
der Vergangenheit geführt haben, sowie über die Verpflichtung zu Initiativen zu
ihrer Korrektur ist die Tatsache zu oft aus dem Auge verloren worden, daß Anpassung an sich ein zweiseitiger Prozeß ist - daß in der Welt insgesamt jedem
Überschuß ein Defizit gegenübersteht.

Die Weigerung der Überschußländer, ihre Überschüsse abzubauen, vereitelt
das Ziel einer Währungsordnung genauso wie das Versäumnis der Defizitländer, die
Ursache ihrer Defizite zu bekämpfen. Jeder Versuch, ein ausgewogenes und gerechtes
Währungssystem zu schaffen, muß dieser einfachen Tatsache Rechnung tragen: Für
jedes dauerhafte System sind wirksame und symmetrische Anreize für Anpassungen
unerläßlich.

Viertens sollten wir, während wir zwar auf der Notwendigkeit von Anpassungen
bestehen, den einzelnen Regierungen eine beträchtliche Flexibilität bei der Wahl
ihrer Mittel für eine Anpassung einräumen. In einer so vielfältigen Welt müssen
gleiche Verantwortung und gleiche Möglichkeiten nicht unbedingt eine starre Einförmigkeit bestimmter Praktiken bedeuten. Sie bedeuten jedoch eine gemeinsame
Verpflichtung auf vereinbarte internationale Ziele. Es ist eine weitverbreitete
Auffassung - und wir teilen diese Auffassung - daß das Wechselkurssystem flexibler
sein muß. So wichtig die Wechselkurse auch sind, so sind sie doch nicht das einzige einer Anpassungspolitik zur Verfügung stehende Instrument, noch werden sie
in bestimmten Fällen unbedingt das wünschenswerteste Instrument sein.
Fünftens
- 4-

�Fünftens stellen unsere Währungs- und Handelssysteme einen in sich zusammenhängenden Komplex dar. Wenn wir eine Reform der Währungsbestimmungen anstreben, müssen wir gleichzeitig auch Anreize für eine Liberalisierung des
Handels schaffen. Wenn wir in die Zukunft blicken, müssen ohne Frage Mittel und
Wege für eine bessere Integration der Arbeit des GATT und des IWF gefunden werden.
Gleichzeitig sollten wir sicherstellen, daß ein Druck hinter eine ausreichende
Entwicklungshilfe und gegen Kontrollen gesetzt wird, die den freien Fluß von
Investitionen ersticken.

Schließlich, und das ist vielleicht das wichtigste, muß jedes stabile und
gutfunktionierende internationale Währungssystem auf einer gesunden Politik zur
Förderung des binnenwirtschaftlichen Wachstums und der Preisstabilität in den
großen Ländern basieren. Dies sind zwingende nationale Ziele für meine Regierung
- und auch für Ihre Regierungen. Gleichgültig, wie gut das von uns entworfene
internationale System sein wird, seine Aussichten auf Bestand werden ohne wirksame Lösung dieser Aufgaben zweifelhaft sein.

Heute ist nicht der richtige Augenblick, um einen detaillierten Entwurf
für eine Währungsreform vorzulegen. Ich möchte jedoch diese allgemeinen Prinzipien
durch bestimmte spezifische und miteinander zusammenhängende Gedanken darüber
ergänzen, wie diese Prinzipien in einem praktisch durchführbaren internationalen
Abkommen niedergelegt werden könnten.

Diese Anregungen zielen auf Stabilität ohne Starrheit ab. Sie gehen davon
aus, daß die meisten Länder im Rahmen festgelegter Wechselkurse arbeiten wollen.
Sie möchten diese Wechselkurse in festgelegten Bandbreiten halten, solange dies
ohne Verzerrung des Handels- und Zahlungsgefüges oder der Entwicklung der Binnenwirtschaft möglich ist. Wir wollen den freieren Fluß von Handel und Kapital
fördern und gleichzeitig die Verzerrungen auf ein Minimum beschränken, die sich
aus dem destabilisierenden Fluß mobilen Kapitals ergeben. Wir möchten die Stimme
der internationalen Völkergemeinschaft, die im IWF zusammenarbeitet, stärken.

Ich möchte diese Gedankengänge unter folgenden sechs Überschriften zusammenfassen, wobei ich mir bewußt bin, daß noch viel Arbeit zu tun bleibt, um für

- 5-

�für jeden Bereich die besten Verfahren zu finden:
Das Wechselkurssystem
Der Reservemechanismus
Der Zahlungsbilanz-Anpassungsprozeß
Kapitalkontrollen und sonstige Zahlungsbilanzkontrollen
Hiermit zusammenhängende Verhandlungen
Institutionelle Auswirkungen

1. Das Wechselkurssystem
Wir sind uns darüber im klaren, daß die meisten Länder einen festen Bezugspunkt für ihre Währungen aufrechterhalten wollen - also einen Mittel- oder Parikurs. Dazu gehört eine Bereitschaft, diese Kurse durch Gewährleistung der Konvertierbarkeit der eigenen Währungen in andere internationale Reserveguthaben aufrechtzuerhalten und zu stützen.

Die Bandbreiten, innerhalb derer die Wechselkurse auf dem Markt um solche
Mittelkurse schwanken können, müssen groß genug sein, um den Anreiz zu kurzfristigen Kapitalbewegungen zu dämpfen und, falls Änderungen des Mittelkurses
wünschenswert erscheinen, den Übergang zu erleichtern. Das Smithsonian-Abkommen
bildete einen wichtigen Schritt in dieser Richtung. Ausgehend von dieser Initiative
könnten im Rahmen eines symmetrischen Systems die zulässigen Ober- und Untergrenzen dieser Bandbreiten bei allen Währungen - einschließlich des Dollars - in
der gleichen Größenordnung festgelegt werden, wie sie heute für den Handel von
Nicht-Dollarwährungen untereinander erlaubt ist.

Wir könnten uns zum Beispiel auch vorstellen, daß Länder, die gerade im Begriff stehen, eine Währungsunion - mit der weitergehenden politischen und wirtschaftlichen Integration, die dies bedingt - zu bilden, untereinander engere
Bandbreiten aufrechterhalten möchten, und dies sollte ihnen gestattet sein.
Darüber hinaus könnten einzelne Länder, vor allem Entwicklungsländer, sich um
die Zustimmung eines wichtigen Handelspartners bemühen, für die gegenseitigen
Wechselkurse engere Bandbreiten zu unterhalten.
Es
- 6 -

�•

Es müssen ferner Bestimmungen für solche Länder getroffen werden, die
eine Freigabe des Wechselkurses (ein Floaten) ihrer Währungen beschließen.
Ein Land, das von der Festsetzung eines Mittelkurses Abstand nimmt, vor allem
wenn dieser Zustand über eine kurze Übergangsperiode hinausgeht, sollte jedoch
gehalten sein, in anderer Hinsicht strengere Verhaltensnormen zu beachten,
damit gewährleistet bleibt, daß sein Vorgehen im Einklang mit den grundlegenden
Erfordernissen der kooperativen Ordnung steht.

2. Reservemechanismus

Wir glauben, daß die Sonderziehungsrechte (SDR) an Bedeutung zunehmen und
zu einem offiziellen Numeraire des Systems werden. Zur Erleichterung seiner Aufgaben sollte dieses Instrument von solchen Hindernissen befreit werden, wie
etwa Rekonstitutionspflicht, Designierungsverfahren und Begrenzung der Bestände Dinge, die in einem reformierten System unnötig wären. Eine Änderung der Menge
der in dem System insgesamt vorhandenen Sonderziehungsrechte wird in bestimmten
Zeitabständen notwendig sein, um den Gesamtbedarf an Reserven zu decken.
Ein 'System von Mittelwerten1 impliziert ge-.visse Fluktuationen der offiziellen Währungsreserven einzelner Länder, um temporären Störungen ihrer Zahlungsbilanzpositionen zu begegnen. Darüber hinaus sollte es jedem Land normalerweise
freistehen, bilateral oder multilateral über den IWF oder auf anderem Wege Mittel
aufzunehmen oder auszuleihen.

Gleichzeitig besteht keine Notwendigkeit, amtliche Devisenbestände allgemein
zu verbieten oder zu fördern. Manche Länder mögen Devisenbestände dahingehend betrachten, daß sie einen nützlichen Flexibilitätsspielraum für die Reservepolitik
bieten, und Fluktuationen dieser Bestände

können dem System als ganzem eine

gewisse Elastizität verleihen, um plötzlichen Bewegungen schädlicher Gelder zu
begegnen. Die Vorschläge für einen Umtausch eines Teiles der derzeitigen Bestände
an Reservewährungen in eine Sonderausgabe von Sonderziehungsrechten auf Option
des Inhabers sollten sorgfältig geprüft werden.
Die

- 7-

�Die vorgeschlagenen Bestimmungen über Mittelwerte und Konvertierbarkeit
implizieren nicht, daß das auf Goldbasis beruhende System wiederhergestellt
wird. Die Starrheit eines solchen Systems, das Imponderabilien wie Goldgewinnung,
Spekulation und Nachfrage der industriellen Verbraucher unterliegt, kann den
heutigen Erfordernissen nicht mehr genügen.
Ich erwarte nicht, daß die Goldbestände der Regierungen über Nacht verschwinden werden. Meines Erachtens stehen ordnungsgemäße Verfahren zur Verfügung,
um den Übergang zu einem internationalen Währungssystem zu erleichtern,in dem
Gold eine geringere Rolle spielt.

3. Der Zahlungsbilanz-Anpassungsprozeß

In einem System der Konvertierbarkeit (der Währungen) und der Mittelkurse
ist ein wirksamer Zahlungsbilanz-Anpassungsprozeß untrennbar mit entsprechenden
Kriterien für Änderungen der Mittelkurse sowie für die angemessene Höhe, Tendenz
und Zusammensetzung der Reserven verbunden. Eine Übereinstimmung in diesen
Fragen wie auch in anderen Elementen eines wirksamen und zeitgerechten Anpassungsprozesses ist unbedingt erforderlich, um ein System praktisch durchführbar und
dauerhaft zu machen.
Gewöhnlich besteht natürlich eine sehr enge Beziehung zwischen Zahlungsbilanzungleichgewichten und Fluktuationen

der Reservepositionen. Länder mit

einer sehr starken Verschlechterung ihrer Reservepositionen mußten im allgemeinen
ihre Währungen abwerten oder andere Maßnahmen zur Stärkung ihrer Zahlungsbilanz
ergreifen. Überschußländer mit einem unverhältnismäßig hohen Zuwachs an Reserven
standen jedoch unter einem weit geringeren Druck, ihre Währungen aufzuwerten
oder andere politische Maßnahmen mit entsprechenden Auswirkungen auf ihre Zahlungsbilanz durchzuführen. Wenn der Anpassungsprozeß in einem reformierten System wirksamer sein soll, so muß diese Asymmetrie korrigiert werden.

Meines Erachtens wäre das am meisten Erfolg versprechende Vorgehen, sicherzustellen, daß ein Übermaß an Reserven einen Druck anzeigt und auslöst, An-

- 8-

�Anpassungen auf der Überschußseite vorzunehmen, so wie ein Verlust von Reserven
dies bereits auf der Defizitseite tut. Hier könnten ergänzende Richtlinien und
verschiedene technische Verfahren geeignet sein und sollten geprüft werden. Es
werden bedeutende Übergangsschwierigkeiten zu überwinden sein. Meines Erachtens
wäre jedoch ein unangemessener Zuwachs oder Verlust an Reserven letztlich der
wohl gerechteste und wirksamste Indikator, den wir als Richtschnur für den Anpassungsprozeß haben.

Wie bereits angedeutet, kann man eine ganze Reihe von politischen Gegenmaßnahmen zur Beeinflussung der Zahlungsbilanz in Erwägung ziehen. Von einem
Land, dessen Reserven unverhältnismäßig stark zurückgehen, würde man erwarten,
daß es korrigierende Maßnahmen ergreift. So würde man einem solchen Land beispielsweise geringfügige Abwertungen ohne weiteres zugestehen. Bei angemessener
internationaler Überwachung hätte ein solches Land an einem bestimmten Punkt
eine glaubhaft erscheinende Begründung für eine stärkere Abwertung.

Während wir uns offen der Tatsache stellen müssen, daß es unter bestimmten
Umständen Grenzen für die Anwendung nationaler währungs- und steuerpolitischer
oder sonstiger innerer Maßnahmen als Mittel zurFörderung internationaler Anpassungen gibt, sollten wir auch einsehen, daß das Defizitland es durchaus vorziehen könnte - und in der Lage wäre - striktere innere finanzielle Disziplin
zu üben statt seine Währung abzuwerten. Direkte Restriktionen sollten einem
Land nur in Ausnahmefällen und auf begrenzte Zeit zugestanden werden, und diese
müssen zudem allgemein und nichtdiskriminierend sein. Die beharrliche Weigerung,
grundlegende Anpassungsmaßnahmen zu treffen, könnte den Widerruf des Kreditanspruchs und des Rechtes auf die Zuteilung von Sonderziehungsrechten sowie anderer
Privilegien zur Folge haben.

Umgekehrt könnte ein Land, das es duldet, daß seine Reserven in unangemessener Weise zunehmen, den Anspruch auf Konvertierung derselben verlieren,
wenn es nicht zumindest eine begrenzte Aufwertung vornimmt oder andere akzeptable
Anpassungsmaßnahmen ergreift. Wenn die Reserven dennoch weiterhin zunehmen und
auf diesem höheren Stand über einen längeren Zeitraum hinweg aufrechterhalten
werden, dann wären nachdrückliche Anpassungsmaßnahmen angezeigt.
Eine
- 9 -

�Eine Änderung des Wechselkurses braucht weder für ein Überschuß- noch für
ein Defizitland die einzige überlegenswerte Form der Abhilfen zu sein. Die verstärkte Bereitstellung von nichtgebundener Entwicklungshilfe, die Senkung von
Zöllen und der Abbau von anderen Handelsschranken sowie die Beseitigung von
Hindernissen für Investitionen im Ausland - unter gewissen Umständen auf Option
des betreffenden Landes - stellen Ergänzungs- oder Alternativmaßnahmen dar.
Solange jedoch eine echt wirksame Kombination von korrigierenden Maßnahmen aussteht, sollte es anderen Ländern letztlich freistehen, ihre Interessen durch Erhebung einer Importabgabe auf Waren aus chronischen Überschußländern zu schützen.

Was Länder angeht, die sich auf dem Wege zu einer Währungsunion befinden,
könnte man die Richtlinien auf kollektiver Basis anwenden, sofern diese Länder
bereit sind, mit einer Stimme zu sprechen und es selbst wünschen, daß sie hinsichtlich der Anwendung der Grundregeln des internationalen Währungs- und Handelssystem-^ als Einheit behandelt werden.

4. Kapitalkontrollen und andere Zahlungsbilanzkontrollen

Das Gesagte impliziert, daß der Anpassungsprozeß meines Erachtens auf die
Förderung eines freieren Handels und offener Kapitalmärkte gerichtet sein sollte.
Wenn in Extremfällen Handelskontrollen aus Zahlungsbilanzgründen vorübergehend
gestattet werden, dann sollten sie in Gestalt von Importabgaben oder einer
linearen Besteuerung verwirklicht werden. Eine Kontrolle der Kapitalflüsse darf
nicht zum Mittel für die Absicherung einer chronisch unterbewerteten Währung
werden. Kein Land darf dazu gezwungen werden, Kontrollen anstatt anderer und
tiefer greifender Anpassungsmaßnahmen anzuwenden.

5. Hiermit zusammenhängende Verhandlungen

Wir begrüßen die Zusagen wichtiger Länder, im kommenden Jahr im Rahmen des
GATT detaillierte HandelsVerhandlungen zu führen. Diese Verhandlungen, die sich
auf spezifische Erzeugnisse und spezifische Restriktionen erstrecken sollen,
brauchen nicht bis zu einer internationalen Währungsreform aufgeschoben zu
werden, und diese wiederum braucht nicht zu warten, bis die Ergebnisse spezi-

- 10 -

�spezifischer Handelsverhandlungen vorliegen.

Diese Verhandlungen und die Ausarbeitung von Regeln des Wohlverhaltens
im engeren Währungsbereich bedürfen der Ergänzung durch Verhandlungen mit dem
Ziel, hinsichtlich der Anwendung von Subventionen und fiskalischer oder administrativer Druckmittel bei Handels- und Investitionstransaktionen zu größerer
Gerechtigkeit und Einheitlichkeit zu gelangen. Ungehörige Praktiken in diesem
Bereich verzerren die Handels- und Investitionsbeziehungen sicherlich ebenso wie
Handelsschranken und Währungsungleichgewichte. In manchen Fällen - wie etwa
bei Zollzuschlägen oder Kapitalkontrollen aus Zahlungsbilanzgründen - ist der
Zusammenhang so eng, daß der Zwanziger-Ausschuß mit dieser Angelegenheit sich
direkt wird befassen müssen. In Ergänzung ihrer eigenen Tätigkeit kann diese
Gruppe auch dazu beitragen, daß andere Gremien ebenfalls ernsthafte Bemühungen
unternehmen, eine Harmonisierung der Praktiken der Länder bezüglich der Besteuerung des internationalen Handels und der internationalen Investitionen,
der Gewährung von Exportkrediten und der Subvention des internationalen Investitionsflusses herbeizuführen.

6. Institutionelle Auswirkungen

Wenn ich in die Zukunft blicke, so scheint es mir mehrere klar umrissene
institutionelle Erfordernisse für eine vernünftige Reform des Währungs- und
Handelssystems zu geben.

Verschiedentlich habe ich heute die Notwendigkeit für einen umfassenden
Rahmen von neuen Währungsregeln unterstrichen. Diese Regeln müssen der Aufsicht des IWF unterstellt werden, der bereit sein muß, eine noch entscheidendere
Rolle innerhalb der Weltwirtschaft zu übernehmen.

Angesichts der Wechselbeziehungen von Handel und Zahlungsverkehr kann diese
Rolle nicht wirksam ausgeübt werden, wenn nicht die Statuten des IWF und des
GATT harmonisiert werden und eine enge Zusammenarbeit zwischen ihnen erreicht
wird.
Schließlich

�Schließlich müssen wir uns dessen bewußt sein, daß wir uns hier zwangsläufig mit Fragen befassen, an denen bestimmte Länder ein wesentliches und
waches nationales Interesse haben. Internationale Entscheidungen werden nicht
glaubwürdig oder wirksam sein, wenn sie nicht von Repräsentanten getroffen
werden, die eindeutig einen hohen Status und großen Einfluß in den Gremien ihrer
eigenen Regierungen haben. Unsere internationalen Institutionen werden dieser
Realität Rechnung tragen müssen, damit die Regierungen der einzelnen Staaten in
den kommenden Jahren an den Beratungen und Prozessen dieser Institutionen eingehend und ständig beteiligt sein werden. Ohne eine Verpflichtung seitens der
Regierungen der einzelnen Länder, ein neues System auf diese Weise arbeitsfähig zu machen, könnten all unsere übrigen Bemühungen zunichte werden.

Ich bin mir völlig darüber im klaren, daß die Vereinigten Staaten wie auch
andere Länder nicht von heute auf morgen ohne Übergangszeit in neue Währungsund Handelsvereinbarungen eintreten können. Ich kann jedoch versichern, daß die
Vereinigten Staaten nach einer solchen Übergangszeit bereit wären, eine Verpf 1i Jhtung zu übernehmen, im Rahmen eines zufriedenstellenden Systems, wie ich
es vorgeschlagen habe - eines Systems, das eine wirksame und gerechte Durchführung des Anpassungsprozesses gewährleistet - Dollarreserven ausländischer
Regierungen in andere Reserveguthaben umzutauschen. Dieser Beschluß muß natürlich davon ausgehen, daß wir uns während der Übergangsperiode eindeutig in
die Lage versetzt sehen, diese Verpflichtung in bezug auf unsere Reserve- und
Zahlungsbilanzposition erfüllen zu können.

Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß wir noch nicht die Stärke erlangt haben, die die Konten unserer Außenbilanz haben müssen. Letztlich kann es
keinen Ersatz für eine solche Stärke geben, wenn es gilt, die Grundlage für einen
stabilen Dollar und ein stabiles Währungssystem zu schaffen.

Ein akzeptables Währungssystem setzt

die Bereitschaft von uns allen vor-

aus, zu dem gemeinsamen Ziel eines uneingeschränkten internationalen Gleichgewichts beizutragen. Ohne ein solches Gleichgewicht wird kein System funktionieren. Das Gleichgewicht kann nicht durch den Alleingang eines Landes erreicht
werden.
Wir
- 12 -

�Wir haben die Erörterung der Handels- und Finanzfragen in dem vollen Bewußtsein der Notwendigkeit aufgenommen, unsere eigenen Anstrengungen zur
Wiederherstellung unseres Zahlungsbilanzgleichgewichts auf breiter Front fortzusetzen. Ich muß hier in aller Offenheit hinzufügen, daß unsere Anstrengungen
zur Verbesserung unserer Zahlungsbilanzposition in mehr als einem Fall durch
das Zögern anderer zunichte gemacht worden sind, eine ungerechtfertigte bevorzugte und stark abgeschirmte Marktposition aufzugeben. Wir können jedoch ohne
einen Erfolg bei unseren Bemühungen unseren erwünschten Anteil an der Bereitstellung von Hilfe nicht aufrechterhalten und unsere offizielle Verschuldung
gegenüber ausländischen Währungsbehörden abbauen.

Wir sind recht stolz auf unsere Fortschritte, die wir im letzten Jahr in
Richtung auf Preisstabilität, Produktivitätsanstieg und rascheres Wirtschaftswachstum erzielt haben. Setzen sich diese Fortschritte auch künftig fort, wie
es sein soll, so wird diese Entwicklung die beste Medizin nicht nur für unseren
Wohlstand im eigenen Land, sondern auch für ein wirksames Funktionieren des
internationalen Finanzsystems sein.

Meine Ausführungen heute spiegeln die lange Tagesordnung wieder, die vor
uns liegt. Ich habe schwierige, komplizierte und kontroverse Fragen angeschnitten.
Ich bin nicht davor zurückgeschreckt aus dem einfachen Grunde: Ich weiß, daß Sie,
wie auch wir, Fortschritte in Richtung auf die vor uns liegenden großen Aufgaben
wünschen.

Wollten wir abwarten, ob wir nicht in Nairobi im nächsten Jahr sagen können,
daß ein neues Gleichgewicht in Sicht und daß Übereinstimmung über die wichtigsten
Grundzüge eines neuen Systems erzielt worden ist. Wir sind uns auch einander
diese Anstrengung schuldig."

+ + + + +

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39/1972

REDE VON AUSSENMINISTER ROGERS VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG

- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister William
P. Rogers hat am 25. September vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen
folgende Rede gehalten:
"Herr Präsident, Herr Generalsekretär:
Während der letzten Jahre hat die Welt bemerkenswerte Fortschritte in
Richtung auf das Ziel der Charta gemacht 'Toleranz zu praktizieren und miteinander als gute Nachbarn in Frieden zusammenzuleben1.
Allein im Jahre 19 72 haben:
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zugesagt, ihr 'Äußerstes' zu tun,
um militärische Konfrontationen zu vermeiden, die souveräne Gleichberechtigung
aller Länder zu respektieren und Bedingungen zu fördern, unter denen kein Land
Gegenstand 'einer ausländischen Einmischung in seine inneren Angelegenheiten
sein würde';
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten genau festgelegte Beschränkungen für unsere Verteidigung und zumindest für die nächsten fünf Jahre auch
für unsere offensiven strategischen Raketensysteme vereinbart;
die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China damit begonnen, die
Verständigung zwischen ihren Völkern auszuweiten, die Beziehungen zwischen uns

- 1 -

�uns zu verbessern - in der Überzeugung, daß dies 'im Interesse aller Länder1
sein würde, und alle Versuche in Richtung auf eine Hegemonie in Asien und eine
Aufteilung der Welt 'in Interessensphären' abzulehnen;
Großbritannien, Frankreich, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
spezifische Bestimmungen vereinbart, um den unbehinderten Verkehr von und nach
Berlin auf dem Straßen-, Schienen- und Wasserwege zu gewährleisten;
die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik
Verhandlungen über einen Vertrag zur Normalisierung ihrer Beziehungen aufgenommen;
Nord- und Südkorea ihre Gespräche intensiviert, um das Los der getrennten
Familien zu erleichtern, sowie vereinbart, einen gemeinsamen Ausschuß zur Prüfung der Probleme eines Zusammenschlusses einzusetzen.
Es gab 1972 zahlreiche weitere Erfolge in Richtung auf die Z iele der Charta.
Ich erwähne diese Beispiele lediglich, um zu zeigen, wie alte Feindschaften beseitigt werden. Wenn dieser Prozeß weitergeht, wird dies schließlich auch seinen
Niederschlag in den Vereinten Nationen finden.
Wir sind ebenso ermutigt von den Forderungen in östlichen wie auch westlichen Hauptstädten nach einem sichereren und offeneren Europa.
Ein Schritt zur Verwirklichung dieses Zieles wäre die Schaffung eines
stabileren militärischen Gleichgewichts in Mitteleuropa durch Verhandlungen über
beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerungen (MBFR). Wir führen gegenwärtig zu diesem Zweck Konsultationen mit unseren Verbündeten und sind der Auffassung, daß vorbereitende Gespräche hierüber in einigen Monaten beginnen könnten.
Wir bauen darauf, daß diese produktiv sein werden.
Genauso wichtig ist es, daß Fortschritte in Richtung auf normalere Beziehungen in Europa gemacht werden - Beziehungen, die seit Ende des zweiten
Weltkrieges nicht mehr bestanden haben.
Hierbei

�Hierbei könnte eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE), sofern sie sorgfältig und konstruktiv vorbereitet ist, eine entscheidende
Rolle spielen.
Eine Konferenz, deren Hauptzweck nur darin bestünde, den Stempel der Zustimmung unter die starre Spaltung Europas zu setzen, würde lediglich die gegenwärtigen Probleme auf eine weitere Generation ausdehnen. Eine Konferenz, die
normalere Bez iehungen zwischen allen europäischen Ländern und Völkern fördert,
würde die Bemühungen um bessere Beziehungen auf anderen Ebenen verstärken.
Aus diesem Grunde sind wir der Auffassung, daß die Konferenz praktische
Schritte zur Förderung einer größeren Freizügigkeit für Menschen, Ideen und
Güter auf dem gesamten Kontinent ergreifen muß.
Wir prüfen gegenwärtig auch Alternativen für die bevorstehenden SALT-Verhandlungen. Die Vereinigten Staaten werden dabei die folgenden allgemeinen
Ziele verfolgen:
1) Wir werden uns um Verhandlungen über Offensivwaffen bemühen. Dabei werden
wir den Kreis der strategischen Offensivwaffen, die in die Begrenzungen einbezogen werden, zu erweitern und ein Gleichgewicht bei den wichtigsten Trägersystemen zu erreichen suchen.
2) Wir werden die qualitativen Begrenzungen sorgfältig zu. prüfen wünschen,
die sich fördernd auf die Stabilität auswirken könnten.
3) Wir werden bei den strategischen Waffen auf eine Reduzierung des Rüstungsstandes hinarbeiten. Wie Präsident Nixon 1969 in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung erklärte, besteht unser Ziel darin, 'nicht nur eine Begrenzung des
weiteren Ausbaus der strategischen Rüstung, sondern sogar ihren Abbau zu erreichen. '
Natürlich messen wir auch der Arbeit der Abrüstungskonferenz große Bedeutung
bei, die nunmehr ihr Augenmerk darauf gerichtet hat, das Anlegen von Beständen
an chemischen Waffen für eine Verwendung im Kriege zu verhindern. Die Konferenz
hat lange gebraucht, um einige der wichtigen und komplexen Fragen im Zusammen- 3 -

�Zusammenhang mit möglichen bedeutsamen Beschränkungen auf diesen Gebieten zu
lösen. Die Vereinigten Staaten haben ihre Prüfung aller Vorschläge beschleunigt/
und wir rechnen damit, bald auf sie antworten zu können.
Aus dem, was ich gesagt habe, wird klar, daß die Vereinigten Staaten der
Auffassung sind, daß ein Vorgehen Schritt um Schritt in der Praxis der beste
Weg ist, um einen echten Fortschritt in Richtung auf eine Abrüstung zu erreichen.
Lassen Sie mich noch auf andere Gebiete der Welt eingehen, wo die Fortschritte beschleunigt werden müssen.
In Afrika muß diese Vollversammlung fortfahren, das Streben aller Völker
aller Rassen nach Menschenwürde, Selbstbestimmung und sozialer Gerechtigkeit zu
verteidigen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin allen diesbezüglichen,
praktisch

durchführbaren Bemühungen ihre volle Unterstützung gewähren.

In Lateinamerika, wo die Wachstumsraten in den letzten Jahren die von der
Allianz für den Fortschritt gesetzten Ziele zwar weit übertroffen haben, ist
die wirtschaftliche Entwicklung immer noch ein Hauptanliegen und oberstes Erfordernis. Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin zu einem wesentlichen
Wirtschaftshilfeprogramm stehen und wir werden in anbetracht der großen Bedeutung,
die der Handel für die wirtschaftliche Entwicklung hat, die Teilnahme der lateinamerikanischen und anderer Entwicklungsländer an den bevorstehenden Verhandlungen
über ein neues internationales Handelssystem aktiv unterstützen.
In Vietnam haben die Vereinigten Staaten die Stärke ihrer Streitkräfte von
rund 550 000 auf 35 000 Mann verringert. Präsident Nixon hat eine Waffenruhe
für ganz Indochina unter internationaler Überwachung, einen Austausch der Kriegsgefangenen und einen völligen Abzug aller amerikanischen Truppen vorgeschlagen.
Nach diesem Vorschlag könnte über die politische Zukunft Vietnams von den
Vietnamesen

selbst verhandelt werden. Präsident Nixon hat ferner wesentliche An-

strengungen zugesagt, um beiden vietnamesischen Staaten beim Wiederaufbau nach
dem Kriege zu helfen. Unter diesen Umständen fällt es schwer zu verstehen, warum
die andere Seite hartnäckig bei der Auffassung bleibt, daß der Krieg fortgesetzt
werden sollte.
Und
- 4-

�Und im Nahen Osten muß die Schwungkraft in Richtung auf eine friedliche Regelung zurückgewonnen werden.
Wir sollten von zwei positiven Elementen Kenntnis nehmen. Die Waffenruhe
besteht nunmehr seit 26 Monaten. Das Klima für eine Regelung schien sich im Laufe
des Jahres 1972 immer weiter zu verbessern.
Wir müssen uns jedoch darüber klar sein, daß die Morde in München eine bedauerliche Folge von Aktionen und Gegenaktionen ausgelöst und die Aussichten auf
einen baldigen Fortschritt verdunkelt haben. Trotzdem hat keine der beiden Seiten
die Tür für künftige diplomatische Bemühungen für immer zugeschlagen. Wir glauben,
daß die eine friedliche Regelung begünstigenden Kräfte immer noch die Oberhand
haben. Unsere Aufgabe ist es, alles in unseren Kräften stehende zu tun, um dafür zu sorgen, daß sie unterstützt werden.
Die gegenwärtig im Nahen Osten bestehende Situation des Nicht-Friede/NichtKrieg kann und wird niemandes Interessen in diesem Raum dienen. Natürlich ist
ein stabiles, gerechtes und dauerhaftes Friedensabkommen auf der Basis der Resolution 242 des Weltsicherheitsrates auch weiterhin das Ziel der Vereinigten
Staaten.
Aber dies kann nicht erreicht werden, ohne daß echte Verhandlungen zwischen
den betroffenen Parteien aufgenommen werden. Keine von außerhalb aufgezwungene
Regelung könnte lange von Bestand sein. Verhandlungen bedeuten nicht Kapitulation.
Es finden gegenwärtig überall auf der Welt Verhandlungen zwischen solchen statt,
die seit langem Gegner sind. Warum sollte der Nahe Osten eine Ausnahme sein. Wenn
Nordkorea mit Südkorea spricht, wenn die Ostdeutschen mit den Westdeutschen
sprechen, wenn die Inder und die Pakistanis sofort nach dem Kriege und noch vor
einem Abzug der Truppen zusammenkommen können, dann sollte der Nahe Osten bestimmt keine Ausnahme von der allgemeinen Regel sein, daß Meinungsverschiedenheiten durch einen aktiven Dialog zwischen den betroffenen Parteien beigelegt
werden können.
Wir glauben nicht, daß dieser Prozeß unbedingt mit direkten Verhandlungen
beginnen muß. Es bestehen auch andere diplomatische Kanäle. Botschafter Jarring

- 5-

�Jarring steht weiterhin zur Verfügung, um den Parteien bei den Verhandlungen
über die Bedingungen einer Friedensregelung, die im Einklang mit der Resolution
242 des Weltsicherheitsrates steht, zu helfen.
Ein anderer - unseres Erachtens sehr verheißungsvoller erster Schritt - wären
Annäherungsgespräche, die zu einem Interimsabkommen über den Suezkanal führen.
Damit würden die kämpfenden Parteien getrennt und die ägyptische

Verwaltung

des Suezkanals wieder hergestellt werden, dies würde einen gewissen Rückzug der
Israelis bedingen, die Waffenruhe erhalten und weiteren Bemühungen um eine Gesamtlösung neuen Auftrieb verleihen.
Es ist ermutigend, daß beide Seiten übereinstimmen, daß ein solches Interimsabkommen in sich nicht das Ende, sondern nur der erste Schritt in Richtung
auf eine Gesamtfriedensregelung sein würde. Ein solcher praktischer Test für
den Frieden zu Lande läge im Interesse beider Seiten, und die Vereinigten Staaten
stehen weiterhin bereit, dabei mitzuhelfen. Ferner muß eine Gesamtregelung im
Einklang mit der Resolution 242 den legitimen Bestrebungen und Anliegen der Regierungen beider Seiten wie auch des palästinensischen Volkes Rechnung tragen.
Wenn man die großen politischen Entwicklungen der letzten Jahre betrachtet,
dann muß man feststellen, daß die Vereinten Nationen nicht direkt daran beteiligt waren. Diese Tatsache wird in Angriffen gegen die Weltorganisation oft
angeführt.
Wir sind uns natürlich darüber im klaren, daß die Charta nicht darauf abzielt, die Vereinten Nationen zum Mittelpunkt aller Diplomatie zu machen. Immer
noch ist,.jwie;es .der Generalsekretär in seinem Jahresbericht milde formuliert
hat,'der Platz der Organisation in der politischen Sphäre ... ungewiss1. Mit
dieser Feststellung dürften die meisten von uns übereinstimmen.
Wenn wir in die Zukunft blicken, dann sollten wir nicht aus dem Auge verlieren, daß die Lösungen des Problems nicht so sehr in institutionellen Reformen,
sondern im nationalen Willen gefunden werden müssen. So weit jedoch bessere Arbeitsmethoden und realistischere institutionelle Vereinbarungen dazu beitragen
werden, müssen wir auch versuchen, diese herbeizuführen. Dafür einige Beispiele:
Wir
- 6 -

�Wir sind der Überzeugung, daß der Sicherheitsrat, wenn er seinen Einfluß
und seine Autorität behalten will, Wege finden muß, um die Vertretung von Staaten
über die gegenwärtigen ständigen Mitglieder hinaus zu gewährleisten - Staaten,
deren Mittel und Einfluß von wesentlicher Bedeutung für die Weltpolitik sind.
So fällt beispielsweise auf, daß Japan in einer Körperschaft nicht vertreten ist,
die dazu dienen soll, die Verantwortung der wichtigen Mächte der Welt zum Tragen
zu bringen.
Wir sind der Überzeugung, daß größere Mittel für Untersuchungskommissionen,
Vermittlerdienste und für die stille präventive Diplomatie eingesetzt werden
müssen.
Wir sind der Überzeugung, daß die zunehmende Abstimmung nach Blöcken - oft
ohne ein unabhängiges Ansehen der Sache an sich - in zunehmendem Maße zu unrealistischen Ergebnissen führt.
Die Erörterung der Schwächen der Vereinten Nationen bei der Behandlung
politischer Probleme hat ihren Höhepunkt genau zu dem Zeitpunkt erreicht, da
ihr Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur wissenschaftlichen und
technologischen Zusammenarbeit große Fortschritte macht.
Lange bevor die wirtschaftliche Entwicklung zu einem großen internationalen
Anliegen wurde, haben die Vereinten Nationen Bemühungen eingeleitet, um die wirtschaftliche Kluft zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländer zu verkleinern.
Die Vereinigten Staaten haben diese Bemühungen von Anfang an unterstützt. Es
ist eine ermutigende Tatsache, daß während der ganzen letzten drei Jahre das
Produktionswachstum pro Kopf in den Entwicklungsländern eine höhere Rate erreicht hat als in den Industrieländern. Die kürzliche Studie der Weltbank zeigt
jedoch, daß noch immer ein ernstes Problem im Hinblick auf Einkommensverteilung,
hohe Raten der Kindersterblichkeit, hohe Raten des Analphabetentums, der schweren
Unterernährung und des weit verbreiteten schlechten Gesundheitsstandes besteht.
Die Vereinigten Staaten wollen weiterhin der Lösung solcher Probleme ernsthafte
Anstrengungen widmen - durch das verbesserte Entwicklungsprogramm der Vereinten
Nationen und durch andere Mittel und Wege der Wirtschaftshilfe.
Auch

- 7-

�Auch die Tätigkeiten der Vereinten Nationen auf dem Gebiet der Wissenschaft
und Technologie haben ihre Wirkung Die Konferenz der Vereinten Nationen über die menschliche Umwelt, die als
Meilenstein gelten kann, hat eine weltweite Beobachtung des Verschmutzungsstandes
von 'Wasser, Luft, Erde und Lebewesen' vorgeschlagen* die Messung des Standes
bestimmter Chemikalien wie Kohlenwasserstoff, der die Luft über den Städten der
Welt verpestet. Um diese und andere wichtigen Programme ohne Verzug in Gang zu
bringen, appelieren wir an die Versammlung, das Sekretariat und den geforderten
Fonds von 100 Millionen Dollar für den Umweltschutz einzurichten.
Die Vereinten Nationen können ferner einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung des Rauschgifthandels, vor allem des Heroinhandels leisten. Eine revidierte zusammengefaßte Konvention über Rauschgifte wird dem Ausschuß für Narkotika die Vollmacht geben, den Mohnanbau und die Opiumproduktion in Ländern zu
verringern, die die Quelle für diesen Handel zu sein scheinen. Der Fonds der Vereinten Nationen zur Bekämpfung

des Drogenmißbrauchs hilft den einzelnen Staaten

die Drogenüberwachung zu verbessern, Polizei-und Zollbeamte auszubilden, andere
Einkommensquellen für Opiumanbauer zu erschließen und die Drogensucht zu verhindern und zu behandeln. Präsident Nixon hat vorige Woche erklärt, daß jede Regierung, die gegen den Drogenmißbrauch vorgehen will, auf die volle Unterstützung
der Vereinigten Staaten dabei rechnen kann.
Erst letzte Woche hat der Generalsekretär bekanntgegeben, daß 1974 das Jahr
der Weltbevölkerung und der Zeitpunkt einer großen Bevölkerungskonferenz der
Vereinten Nationen sein wird. Wir hegen die Hoffnung, daß die Konferenz zur Aufstellung konkreter Ziele hinsichtlich eines verringerten Wachstums der Weltbevölkerung führen wird.
Diese Vollversammlung wird ferner den Fortschritt ihres Meeresbett-Ausschusses bei der Vorbereitung einer Konferenz über das Seerecht prüfen. Es ist
wichtig für uns, diese Gelegenheit dazu zu benutzen, um die Ozeane zu einem
Beispiel der internationalen Zusammenarbeit zu machen und sie nicht zu einem
Gebiet des künftigen Konflikts werden zu lassen.
Tätigkeiten

- 8-

�Tätigkeiten auf solchen Gebieten wie dem Umweltschutz, den Rauschgiften,
dem Meeresbett und der Bevölkerungskontrolle - wo vielfach neue Anwendungsmöglichkeiten der Wissenschaft und der Technologie bestehen - werden in Zukunft
an Bedeutung gewinnen. Wir sind der Auffassung, daß fast alle diese Tätigkeiten
eine stärkere Aufmerksamkeit und höhere Priorität in den Vereinten Nationen erfordern werden.
Ich habe heute von einigen der Schwächen wie auch einigen der Stärken der
Vereinten Nationen gesprochen, weil ich der Überzeugung bin, daß wir diese Organisation realistisch betrachten müssen, wenn wir zu ihrer künftigen Entwicklung
beitragen wollen. In diesem Geiste werden die Vereinigten Staaten die Vereinten
Nationen auch weiterhin unterstützen. Wir bleiben dem Ziel verpflichtet, sie stärker
und wirksamer zu gestalten.
Während dieser Sitzungsperiode werden die Vereinten Nationen die Gelegenheit
und auch die Verpflichtung haben, Maßnahmen von lebenswichtiger Bedeutung für die
internationale Gemeinschaft zu ergreifen. Die Vereinten Nationen müssen sich wirksam und energisch mit kriminellen Akten des internationalen Terrorismus auseinanderzusetzen, die überall in so tragischer Weise in das Leben von Menschen eingreifen - ohne Warnung, ohne Unterschied und ohne Rücksicht auf die Heiligkeit
des menschlichen Lebens.
Vor 20 Jahren bekräftigten die Vereinten Nationen in ihrer Erklärung der
Menschenrechte, daß jeder Mensch ein Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit
der Person hat. Aber wie steht es in der heutigen Welt mit dieser Sicherheit?
In Schweden werden 90 Menschen, die einen internationalen Flug antreten
zu Geiseln gemacht und von kroatischen Terroristen gegen Lösegeld festgehalten.
In London wird ein israelischer Diplomat durch eine Bombe getötet, die ihm
mit der Post zugeschickt wurde. Hier in New York entgehen Kollegen bei den Vereinten Nationen nur knapp einem ähnlichen Schicksal.
Auf Zypern entkommen 95 Personen vieler Nationalität in einem venezolanischen
Flugzeug nur knapp dem Tode, da eine Bombe gerade noch rechtzeitig entdeckt wird.
In
- 9-

�In New York werden Schüsse in die Wohnung eines Mitglieds der sowjetischen
Mission abgegeben, in der Kinder spielen.
In München werden elf olympische Sportler an einem Tag des Schreckens, den
die ganze Welt erlebte, entführt und ermordet.
In der Tschechoslowakei wird ein tschechoslowakischer Pilot getötet und
sein Flugzeug nach Westdeutschland entführt.
In Israel werden 26 Touristen - davon 16 amerikanische Staatsbürger - in
einem wahnsinnigen Angriff auf einen internationalen Flughafen hingemetzelt.
Allein in diesem Jahr sind 25 Flugzeuge aus 13 Ländern erfolgreich entführt
worden und 26 andere solcher Versuche konnten abgewendet werden. Allein in diesem
Jahr wurden 140 Luftpassagiere und Besatzungsmitglieder durch Terrorakte getötet
und 97 verwundet. In fünf Jahren sind 27 Diplomaten aus 11 Ländern entführt und
drei ermordet worden. In New York sind arabische und andere Vertretungen bedroht
worden.
Gibt es einen von Ihnen hier, der nicht anläßlich einer Flugreise von irgendwoher über seine eigene persönliche Sicherheit besorgt gewesen wäre? Gibt es
einen von Ihnen hier, der sich nicht gefragt hätte, welcher Terrorist als nächster
und an welcher Stelle zuschlagen könnte?
Hier geht es nicht um Krieg - Krieg zwischen Staaten, Bürgerkrieg oder
revolutionären Krieg - hier geht es nicht darum, daß Völker danach streben,
Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu erreichen.
Hier geht es vielmehr darum, ob Millionen von Luftreisenden weiterhin
jedes Jahr in Sicherheit fliegen können. Hier geht es darum, ob eine Person
die einen Brief erhält, ihn ohne Angst öffnen kann, in die Luft gesprengt zu
werden. Hier geht es darum, ob Diplomaten ihren Aufgaben in Sicherheit nachkommen können. Hier geht es darum, ob internationale Zusammenkünfte - wie die
olympischen Spiele, wie diese Versammlung - ohne die ständige Bedrohung durch
Gewalt vonstatten gehen können.
Kurz

- 10 -

�Kurz gesagt, hier geht es darum, ob die leicht angreifbaren internationalen
Verbindungslinien, die Luftwege und die Postverbindungen, die diplomatische
Tätigkeit und internationale Tagungen - ohne Störung fortgeführt werden können,
um Nationen und Völker zusammenzuführen. Alle die das angeht, geht es auch an,
entscheidende Maßnahmen zur Unterdrückung dieser wahnsinnigen Akte des Terrorismus zu treffen.
Wir wissen alle, daß viele kriminelle Akte des Terrorismus abgesehen von
den psychopathischen und den rein bösartigen Ursachen auch politischen Ursprungs
sind. Wir sind uns alle darüber im klaren, daß Fragen wie die Selbstbestimmung
auch weiterhin von der internationalen Gemeinschaft ernsthaft behandelt werden
müssen. Aber politische Leidenschaft, so tief sie auch sein mag, kann keine
Rechtfertigung für kriminelle Gewalt gegen unschuldige Menschen sein.
Die Terrorakte, die ich gerade angeführt habe, sind ohne Frage absolut
unannehmbare Angriffe gegen das eigentliche Gefüge der internationalen Ordnung.
Sie müssen weltweit verurteilt werden, ob wir nun die Gründe, die die Terroristen
anführen, für nobel oder schändlich, für legitim oder illegitim ansehen.
Wir müssen wirksame Schritte ergreifen, um die Entführung von internationalen
Zivilflugzeuge zu verhindern.
Wir müssen wirksame Schritte ergreifen, um Mordanschläge und Entführungsversuche; gegen Diplomaten zu.verhindern.
Wir müssen wirksame Schritte ergreifen, um Terroristen daran zu hindern,
Bomben mit der Post zu versenden oder unschuldige Zivilisten zu ermorden.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die Initiative des Generalsekretärs,
die Frage auf die Tagesordnung zu bringen.
Vor zwei Jahren, noch bevor das Problem seine gegenwärtige Dimension erreichte, unternahm die Vollversammlung den ersten Schritt - den Schritt der
uns jetzt leiten muß. In der Erklärung über freundschaftliche Beziehungen unter
Staaten, die das Recht auf Selbstbestimmung so nachdrücklich unterstrich, hat
die Vollversammlung auch einstimmig erklärt, daß jede Nation die Pflicht hat,

- 11 -

�hat, sich der Unterstützung terroristischer Akte in einem anderen Staat zu enthalten oder sich sonstwie daran zu beteiligen oder innerhalb ihres Territoriums
organisierte Tätigkeiten zu dulden, die auf die Ausübung solcher Akte gerichtet
sind.
Es ist jetzt an der Zeit, dieser Verpflichtung, die diese Vollversammlung
so feierlich ausgesprochen hat, wirklich Sinn und Bedeutung zu geben.
In den letzten zwei Jahren hat die internationale Gemeinschaft bestimmte
Schritte auf dem Gebiet der Flugzeugentführung unternommen. Es sind Konventionen
abgeschlossen worden, die schwere Strafen für die Entführung und die Sabotage
von Flugzeugen vorsehen, und von den Staaten verlangen, Entführer und Saboteure
auszuliefern oder strafrechtlich zu verfolgen. Wir appellieren an alle Staaten,
die diese Konventionen noch nicht ratifiziert haben, dies zu tun.
Wir stehen jetzt vor der dringenden Notwendigkeit, internationale

Gewalt-

verbrechen nicht nur in der Luft, sondern überall in unserer Gesellschaft zu
verhüten und zu bestrafen. Die Vereinigten Staaten fordern dringend, daß diese
Versammlung handelt - und zwar sofort handelt - um dieser Herausforderung zu
begegnen.
Erstens»sollte noch in dieser Sitzungsperiode dieser Versammlung der Entwurf für einen Vertrag über die Strafverfolgung oder Auslieferung von Personen,
die Diplomaten oder Vertreter ausländischer Regierungen oder internationaler
Organisationen angreifen oder entführen, abgeschlossen

und zur Unterzeichnung

aufgelegt werden. Der Vertragsentwurf liegt dieser Versammlung in Dokument
A/8710 vor.
Zweitens, ein Vertrag, der die Aussetzung des gesamten Luftverkehrs nach
Ländern vorsieht, die Entführer oder Saboteure von Zivilflugzeugffi nicht bestrafen
oder ausliefern, sollte sofort abgeschlossen und zur Unterzeichnung aufgelegt
werden. Eine Nation, die Entführern Unterschlupf

gewährt, sollte von der inter-

nationalen Gemeinschaft geächtet werden. Der Entwurf für einen Vertrag in diesem
Sinne ist bereits von einem Unterausschuß der Zivilen Luftfahrtorganisation erörtert worden. Um baldige Maßnahmen zu erreichen, sollte der Prozeß der Be-

- 12 -

�I

Behandlung beschleunigt und ohne Verzug eine diplomatische Konferenz zur Fertigstellung des Vertrages einberufen werden.
Drittens, ein neuer Vertrag gegen den 'Export von internationalem Terrorismus'
sollte so bald wie möglich abgeschlossen und zur Unterzeichnung aufgelegt werden.
Der Vertrag sollte eine weltweite Verurteilung von Personen enthalten, und ihre
Strafverfolgung oder Auslieferung fordern, die unschuldige Zivilisten in einem
anderen Staat zu dem Zwecke töten, ernsthaft verwunden oder entführen, um einem
Staat oder einer internationalen Organisation Schaden zuzufügen oder von ihnen
Zugeständnisse zu erzwingen.

Zum Abschluß eines solchen Vertrages

sollte so

bald wie möglich eine diplomatische Konferenz einberufen werden. Die amerikanische
Regierung bringt heute einen ersten Entwurf für einen solchen Vertrag in Umlauf.
Wir fordern alle Regierungen auf, diesem Entwurf ernste Beachtung zu schenken.
Wir haben diese verschiedenen Vorschläge ferner in einem Resolutionsentwurf niedergelegt, den wir heute morgen dem Sekretariat zur Verteilung übermittelt haben.
Diese Maßnahmen würden einen wesentlichen Fortschritt in dem Kampf gegen
den internationalen Terrorismus bedeuten. Es liegt sicherlich im kollektiven
Interesse jeder hier in dieser Halle vertretenen Nation, dem wachsenden Angriff
auf die internationale Ordnung Einhalt zu gebieten, vor dem wir heute alle
stehen.
Möge diese Vollversammlung die treibende Kraft für die spezifischen und
die nachdrücklichen Schritte sein, die erforderlich sind. Möge sie beweisen,
daß die Vereinten Nationen diese Probe bestehen können. Möge sie den Menschen
überall in der Welt zeigen, daß diese Organisation hier und jetzt in der Lage
ist, die konkreten Maßnahmen zu treffen, die notwendig sind, um uns einer Welt
näherzubringen die frei von Gewalt ist - einer Welt, wie sie das große Ziel
der Charta der Vereinten Nationen ist.

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39/1972

VEREINTE NATIONEN WERDEN SICH MIT TERRORISMUS BEFASSEN
- Amerikaner unterstützen UN-Generalsekretär -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die Tatsache, daß sich die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit dem weltweiten Terrorismus befassen und
zumindest Vorschläge zu dessen Bekämpfung hören wird, hat die Vereinigten
Staaten mit Befriedigung erfüllt. Amerika hat von Anfang an die Bemühungen
von Generalsekretär Waldheim unterstützt, den Punkt "Terror" auf die Tagesordnung zu bringen.
Vor dem Lenkungsausschuß, der mit 15 gegen sieben Stimmen, bei zwei Stimmenthalt ;ngen, der Vollversammlung die Erörterung von "Maßnahmen zur Verhütung
von Terrorismus und anderen Formen der Gewalt, die unschuldige Menschenleben
gefährden oder kosten oder Grundfreiheiten in Frage stellen" empfohlen hatte,
legte der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter George Bush, den Standpunkt
seiner Regierung dar. "Die Vereinigten Staaten", so erklärte er, "unterstützen
nachdrücklich die Aufnahme dieses wichtigen Punktes, dieses dringenden Punktes,
auf die Tagesordnung. Die tragischen Ereignisse in weit auseinander liegenden
Gegenden der Erde lassen keinerlei Zweifel daran, daß die Gefahren nicht nur
für die internationalen Beziehungen, sondern auch für unschuldige Zivilisten
überall unmittelbar und ernst sind. Das kann niemand bestreiten ..."
Obwohl jede Nation die Verpflichtung hat, alles in ihrer Macht stehende
zu tun, um das Auftreten von Terrorakten zu verhindern, und obwohl bilaterale
Maßnahmen zu diesem Zweck unerläßlich sind, erfordert die weltweite Natur des

- 1 -

�des Problems Maßnahmen der ganzen Völkergemeinschaft, wenn nicht unschuldige
Zivilisten in zunehmendem Maße Opfer der Gewalt werden sollen".
Die Weltöffentlichkeit sei über den wachsenden Terror alarmiert, so betonte Bush, und dieses Problem in den Vereinten Nationen nicht zu behandeln,
hieße an dem eigentlichen Zwecke der Weltorganisation vorbeigehen.
Auch der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray,
hatte wiederholt unterstrichen, daß die Vereinten Nationen über Maßnahmen zur
Bekämpfung und Unterbindung des Terrors aktiv werden müßten. Die Vereinigten
Staaten hielten dieses Thema für außerordentlich wichtig. Der Sprecher wies
darauf hin, daß das Problem bei bilateralen Gesprächen von Außenminister Rogers
immer wieder angeschnitten worden sei, so unter anderem mit dem französischen
Außenminister Maurice Schumann und dem israelischen Außenminister Abba Eban.
Rogers habe seinem französischen Kollegen gegenüber auch darauf hingewiesen,
daß die Vereinigten Staaten auf harte Sanktionen gegenüber Ländern drängten,
die Luftpiraten und Saboteuren Unterschlupf gewähren.
Der bekannte amerikanische Kommentator James Reston vertrat in einem Leitartikel in der New York Times die Auffassung, daß vor allem die fünf Großmächte
- die fünf Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen eine besondere Verantwortung trügen, das "internationale Banditentum" zu bekämpfen. Die Vereinigten Staaten müßten alles in ihren Kräften stehende tun,
dieses Problem vor die Vereinten Nationen zu bringen - selbst auf die Gefahr
hin, daß dies mit einer Debatte über Vietnam verquickt würde.
In amtlichen Kreisen in Washington hält man die Vollversammlung der Vereinten Nationen für das durchaus geeignete Forum, um praktische Schritte gegen
den Terror zu beschließen. So könnte die Vollversammlung ihre Mitglieder auffordern, sich an die bereits bestehenden Konventionen von Tokio, Den Haag und
Montreal gegen die Luftpiraterie zu halten. Auch könnten die Vereinten Nationen
nach amerikanischer Auffassung eine Konvention über den Schutz von Diplomaten
ausarbeiten.
Die

- 2-

�Die Vereinigten Staaten selbst haben weitere Schritte zum Schutz vor
Terrorakten ergriffen. So hat der Außenpolitische Ausschuß des Senats die
Ratifizierung der Konvention von Montreal empfohlen, und das Plenum des Senats
hat eine Gesetzesvorlage gebilligt, die die Aufstellung einer neuen Flughafensicherungspolizei ermöglichen soll.

- 3-

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39/1972

USA UND SOWJETUNION UNTERZEICHNEN MEMORANDUM ÜBER DURCHFÜHRUNG
DES UMWELTABKOMMENS

MOSKAU - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben in der
friedlichen Zusammenarbeit einen "wichtigen Schritt vorwärts" getan und ein
Momorandum über die Durchführung ihres Umweltabkommens unterzeichnet.
Did am 21. September zum Abschluß der viertägigen amerikanisch-sowjetischen
Gespräche erzielte Vereinbarung ist das erste Ergebnis des von Präsident Nixon
und Präsident Podgorny am 23. Mai in Moskau unterzeichneten Abkommens über
Zusammenarbeit im Umweltschutz.
Der amerikanische Delegationschef, Dr. Russell E. Train, bezeichnete
diese Vereinbarung als die bisher umfassendste, die zwischen beiden Ländern auf
diesem Gebiet je getroffen wurden, und als "einen wichtigen Schritt vorwärts".
Dr. Train und der sowjetische Delegationsführer, E.K.Fedorow,kündigten vor der
Presse an, daß sie die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Projekte auch anderen
Ländern zugänglich machen würden.
Dr. Train, der Vorsitzender des amerikanischen Beirats für Umwelthygiene
ist, betonte, daß die zu untersuchenden Probleme "weltweiter Natur" leien. Der
amerikanische Delegationschef ging auf einige der über 30 spezifischen Gebiete
einer engen Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Politikern beider Seiten
ein. So sollen noch in diesem Jahr gemeinsamen mit sowjetischen Wissenschaftlern
Erdbebenstudien in San Francisco durchgeführt werden, während zu einem späteren

- 1 -

�späteren Zeitpunkt zu dem gleichen Zweck eine amerikanische Expertengruppe
nach Zentralasien reisen wird. Als weitere Punkte der Zusammenarbeit nannte
Train

die Bekämpfung der Verschmutzung von Luft und Wasser, die urbane Umwelt

sowie klimatische und landwirtschaftliche Fragen. Diesbezügliche Studien sollen
unter anderem im Rahmen verschiedener Programme in St. Louis und Leningrad, am
Baikal-See und an den amerikanischen Großen Seen sowie in San Francisco und
Atlanta und in Leningrad und wahrscheinlich Wolgograd durchgeführt werden. Eines
der vorgesehenen multinationalen Projekte fußt auf einer anlaufenden Studie
des amerikanischen Handelsministeriums über die Auswirkungen von Überschallflugzeugen auf die Umwelt, für die auch britische, französische und japanische
Daten herangezogen werden.
In einer zum Abschluß der amerikanisch-sowjetischen Gespräche veröffentlichten
Erklärung heißt es, daß die beiden Delegationen "in einer freundschaftlichen
Atmosphäre Beratungen über eine beiden Seiten zum Nutzen gereichende Zusammenarbeit geführt haben".
Die nächsten Beratungen der beiden Delegationen sollen im kommenden Jahr
in den Vereinigten Staaten geführt werden. In der Zwischenzeit werden, wie es
in der Erklärung heißt, Koordinatoren beider Seiten die Kontakte aufrechterhalten, um Fortschritte des Programms sicherzustellen.

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CHROMATOGRAPHIE UND SPEKTROSKOPIE
Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum

- (AD) - Unter dem Titel "Chromatographie und Spektroskopie" zeigen
vom 23. - 27. Oktober 1972 über 40 amerikanische Hersteller im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main moderne Apparaturen und Systeme für die Analytik.
Das Ausstellungsprogramm umfaßt ein lückenloses Geräte-Angebot, das auch alle
wichtigen elektronischen Hilfsmittel für die beiden bedeutendsten Analysenmethoden in der Chemie, in der physikalischen Chemie, Biochemie und Labormedizin umfaßt. Neben den "großen Namen" werden auf der Ausstellung auch
kleinere und noch weniger bekannte Firmen vertreten sein.
Gezeigt werden u.a.: Gas-Chromatographen, Detektoren, FlüssigkeitsChromatographen, Aminosäure-Analysatoren, Elektrophorese-Geräte, Photometer
zur Auswertung von Chromatogrammen und Elektropherogrammen, Spektrophotometer,
Spektrallichtquellen, Monochromatoren, Röntgenfluoreszenz-Spektrometer, automatische Analysengeräte für chemische und klinische Untersuchungen, Blutgasanalysatoren, Geräte für die chemische Metallanalyse sowie Datenerfassungsgeräte und Rechner für analytische

Instrumente..

Angeschlossen an die Ausstellung ist eine Fachtagung vom 24. - 26. Oktober,
auf der deutsche und amerikanische Fachleute über die neuesten Erkenntnisse
der Analysentechnik berichten und fortschrittliche Geräteentwicklungen
diskutieren.
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KULTURBRIEF AUS DEN USA
Literatur - Musik - Film - Museen

NEW YORK

- (AD) - Im September 1972 - Alexander Solschenizyns Romane

und Erzählungen sowie die Fülle von Artikeln, die über ihn in der amerikanischen
Presse erschienen sind, machen den Wunsch amerikanischer Leser verständlich,
mehr über das eigentliche Leben dieses Mannes zu erfahren, der 1970 mit dem
Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde und dessen soeben veröffentlichte
Nobelpreisrede diesem Wunsche wieder neue Nahrung gibt. So werden viele Amerikaner das Erscheinen der Solschenizynbiographie von David Burg und George Feifer
begrüßen. Beide Autoren sind hervorragende Kenner der Sowjetunion. Trotz der
Anfeindungen durch sowjetische Behörden - Feifer ist die Einreise in die Sowjetunion auf Lebenszeit untersagt - und trotz der Tatsache, daß Solschenizyn
selbst sich nachdrücklich dagegen verwahrt hat, daß Biographien zu seinen Lebzeiten veröffentlicht werden, haben die beiden Autoren doch ein erstaunlich
objektives Buch vorgelegt. An Hand von Solschenizyns eigenen Schriften - die
ja vorwiegend Autobiographisches enthalten - sowie aus Bemerkungen seiner Freunde
und Bekannten, zeichneten sie das Lebensbild eines Sowjetbürgers, der Krieg,
politische Verfolgung, Arbeitslager, eine bösartige Krebserkrankung und die
Schikanen eines starren Bürokratismus ertragen und überdauert hat. Das Buch
erscheint in einem günstigen Augenblick, nämlich kurz vor Auslieferung der
amerikanischen Ausgabe von Solschenizyns "August 1914", das vom Book-of-theMonth Club in einer ersten Auflage von 100 000 Exemplaren auf den Markt gebracht wird*
Jede

- 1 -

�Jede andere Neueerscheinung wird es im Hinblick auf das Publikumsinteresse schwer haben, sich gegen "August 1914" zu behaupten. Die Verlagsprogramme
für Herbst 1972 lassen außerdem eine gewisse Zurückhaltung auf dem Gebiet der
Romanliteratur erkennen, zumal es immer schwieriger scheint, aufnahmewillige
Märkte zu finden. Herausgegriffen aus dem Herbstangebot etablierter Schriftsteller seien "Museums and Women and other Stories", ein Kurzgeschichtenband
von John Updike; "Marriage and Infidelities" von Joyce Carol Oates; "Transparent
Things" von Vladimir Nabokov und "Chimera" von John Arth.

Auf dem Gebiet der Musik ist Amerika nach wie vor ungeheuer aktiv. Rechnet
man die stattliche Anzahl der Sommerfestivals und Gastspieltourneen großer
Opernensembles und Sinfonieorchester hinzu, hat die Musik in den USA das ganze
Jahr über Saison. Unermüdlich scheint die New York City Opera, die bereits
Ende August die neue Spielzeit mit Donizettis "Maria Stuart" mit Beverly Sills
in der anspruchsvollen Titelrolle eröffnet hat. Vorgesehen sind ferner je
fünf Aufführungen von Mozarts "Don Giovanni" in englischer und italienischer
Sprache - ein Experiment, das viele Opernfreunde begrüßen werden. Mit zu den
rührigsten Opernhäuser Amerikas zählt auch die Santa Fe Opera in Santa Fe,
New Mexiko. Das Haus besteht seit 16 Jahren und hatte auch in diesem Jahr wieder
einen großstädtischen Spielplan aufzuweisen, so u.a. "Don Giovanni" (Mozart),
"Salome" (Richard Strauss), "Madame Butterfly" (Puccini) und die amerikanische
Erstaufführung der Oper "Melusine" von Aribert Reiman (Berlin, , Das Theater
ist eine Art Freilichtbühne mit hervorragenden akustischen Eigenschaften; insgesamt eine Anlage, die sich harmonisch in die zauberhafte Landschaft Neu
Mexikos einfügt. Die Metropolitan Opera eröffnete das Winterprogramm am
19. September mit einer Inszenierung von Bizets "Carmen" von Göran Gentele,
dem leider inzwischen tödlich verunglückten neuen Intendanten der Met. Am
20. September gedachte das New York Philharmonie Orchestra unter der Leitung
seines Chefdirigenten Pierre Boulez im Rahmen eines festlichen Konzerts des
10. Jahrestags der Eröffnung des Lincoln Center.

- 2-

�Die Tatsache, daß drei neue Theater in der kommenden Saison den New Yorker
Theaterplan zusätzlich bereichern, mag als Beweis gewertet werden,daß der
Broadway keineswegs so moribund ist wie einige Kommentatoren dies mit großer
Hartnäckigkeit immer wieder behaupten. Ein weiteres Anzeichen für seine ungebrochene Vitalität ist das Rekordangebot an neuen Musical-Produktionen. Hinzu
kommt die Übernahme außerordentlicher Off-Broadway-Erfolge, einschließlich des
Lustspiels "That Championship Season" von Jason Miller und des Musicals "Jacques
Brei is Alive - and Well and Living in Paris", das in der Off-Broadwayinszenierung
seit Jahren erfolgreich aufgeführt wird und bisher mehr als 1800 Vorstellungen
erreichte.

Das American Film Institute Theater im Washingtoner Kennedy Center ist
zwar noch nicht offiziell eingeweiht, was indes die Manager nicht hinderte,
eben dieses zum Schauplatz einer Art Musikfilmfestival zu machen. Gezeigt
wurden sechs Verfilmungen von Bernsteinkonzerten mit ausgewählten Werken von
Beethoven, Mahler, Verdi und Brahms, die in Tanglewood, London und Wien aufgenommen wurden. Die Vorführungen fanden im Eisenhower Theater des Kennedy
Center statt, das wegen seiner hervorragenden Akustik sich auch für die Aufführung von Kammermusiken und Schauspielen eignet.

Der Jahresbericht der National Gallery of Art (Washington) von 1971 berichtet von 333 Kunstwerken, die 1971 erworben wurden, einschließlich eines
Porträts von Cezanne

sowie Graphiken von Goya, Dürer und Rembrandt. Hinzu

kommen Arbeiten von Künstlern, deren Namen man vor wenigen Jahren in Publikationen der Nationalgalerie wohl vergeblich gesucht haben würde, Namen wie
Morris Louis, Lowell Nesbitt, Andy Warhol und Tom Weselmann. Sie sollen später
in dem noch im Bau befindlichen neuen Flügel der Nationalgalerie, der eine
repräsentative Sammlung moderner Kunst aufnehmen soll, gezeigt werden.
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39/1972

DIE AMERIKANISCHEN VORSTELLUNGEN ZUR INTERNATIONALEN WÄHRUNGSREFORM
- Das Zahlungsbilanzproblem steht im Mittelpunkt -

Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Der Kern des neuen amerikanischen Planes für eine Reform des internationalen Währungssystems ist der Vorschlag, daß die einzelnen
Länder und -er Internationale Währungsfonds (IWF) Veränderungen der Währungsreserven eines Landes daraufhin beobachten, ob eine Anpassung des Wechselkurses seiner Währung nach oben oder nach unten vorgenommen werden sollte.

Der amerikanische Finanzminister George Shultz, der die amerikanischen
Vorstellungen auf der Jahrestagung des IWF am 26. September erläuterte, erklärte hierzu, "ein unangemessener Zuwachs oder Verlust an Reserven" - Währungsguthaben, die von den einzelnen Regierungen zur Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten benutzt werden - "wäre letztlich der wohl gerechteste und wirksamste
Indikator, den wir als Richtschnur für den Anpassungsprozeß haben".

Es wird also von jedem einzelnen Land erwartet, daß es den Wechselkurs
seiner Währung ändert oder gleich wirksame, international akzeptable Maßnahmen
ergreift, wenn immer dieser Indikator klar zeigt, daß eine Wechselkursänderung
notwendig ist.

So könnten Sanktionen gegen Defizit- oder Überschußländer verhängt werden,
die sich weigern, Anpassungen ihres Wechselkurses vorzunehmen, nachdem die
- 1 -

�die Gemeinschaft der Völker der Welt - vertreten durch den Internationalen
Währungsfonds - entschieden hat, daß eine solche Anpassung nicht länger mehr
aufgeschoben werden kann.

Defizitländer würden Währungsreserven verlieren und könnten ebenfalls
ihres Zugangs zu IWF-Krediten oder ihrer Zuteilung von Sonderziehungsrechten
- den vom IWF geschaffenen und verwalteten internationalen Reserveguthaben verlustig gehen.

Länder mit ständigen Zahlungsbilanzüberschüssen, die sich in der Vergangenheit nur einem geringen Druck, zu handeln, ausgesetzt sahen, hätten zwei neue
Arten von möglichen Sanktionen zu gewärtigen:

1. Sie würden das Recht verlieren, die Einlösung fremder Währungen, die
durch Markttransaktionen erworben wurden, von den Ausgabelandern gegen andere
Reserveguthaben zu fordern. Praktisch wären dann von ihnen erworbene Dollar,
Franc, Yen oder andere Währungen nicht mehr konvertierbar.

2. In extremen Fällen würde es anderen Ländern gestattet werden, besondere
Importabgaben bei Gütern zu erheben, die aus solchen Ländern kommen, die sich
weigern, die neuen Bestimmungen einzuhalten.

Obwohl die neuen amerikanischen Vorstellungen nur ganz allgemein gehalten
waren, und absichtlich vermieden wurde, Einzelheiten über die Arbeitsweise des
neuen Systems darzulegen', hat Shultz doch klar zu verstehen gegeben, daß der
amerikanische Plan dem Internationalen Währungsfonds bei der Schlichtung von
Streitfragen, wann und wie die neuen Bestimmungen angewandt werden sollen, eine
wesentlich stärkere Stellung einräumen würde.

Sobald irgend ein System, so führte Shultz weiter aus, das eine Anpassung
von Zahlungsbilanzungleichgewichten gewährleistet, in Kraft tritt, würden die
Vereinigten Staaten wieder Sonderziehungsrechte oder andere Reserveguthaben
zur Einlösung von Dollar anbieten, die von den Zentralbanken anderer Länder erworben worden sind. Sie würden dies allerdings nur nach einer Übergangszeit
tun, in der die Zahlungsbilanzposition der Vereinigten Staaten eine wesentliche
Stärkung erfahren hat.
Noch

�Noch im Laufe der Woche wird sich der neue Zwanziger-Ausschuß des IWF konstituieren, um dann substantielle Verhandlungen über eine Währungsreform aufzunehmen. Wahrscheinlich werden die amerikanischen Pläne dann in diesen Verhandlungen im Detail ausgearbeitet und zusammen mit dem kürzlichen IWF-Bericht über
eine Währungsreform sowie den Vorschlägen anderer Länder erörtert werden. Da die
meisten der 20 Mitglieder des Ausschusses Ländergruppen repräsentieren, werden
praktisch alle Mitgliedsstaaten des IWF direkt oder indirekt bei den Verhandlungen
vertreten sein.

Die Vereinigten Staaten haben zwar neue Bestimmungen vorgeschlagen, die eine
Korrektur grundlegender Ungleichgewichte innerhalb

des internationalen Währungs-

systems sicherstellen sollen, ihr Plan läßt jedoch eine große Vielfalt in der Wahl
der politischen Instrumente zu, die von den einzelnen Regierungen hierbei eingesetzt werden können.

So könnten Länder den Wechselkurs ihrer Währungen innerhalb verhältnismäßig
großer Bandbreiten freigeben. Gleichzeitig würde es aber auch der Europäischen
Gemeinschaft gestattet sein, ihren Plan für eine Verringerung der Bandbreiten
innerhalb der Gemeinschaft durchzuführen. Und ein Entwicklungsland, das sich
großer Wechselkursstabilität rühmen kann, könnte mit seinem wichtigsten Handelspartner vereinbaren, den Wechselkurs seiner Währung eng an den Wechselkurs dieses
Landes zu binden.

Unter bestimmten Umständen würde es Länden erlaubt sein, den Wechselkurs
ihrer Währungen freizugeben. Aber ein solches Floaten würde neuen strengen
Bestimmungen unterliegen - zum Beispiel Bestimmungen, die sicherstellen, daß
wirklich keinerlei offizielle Interventionen zur Beeinflussung des Kurswertes
vorgenommen werden.

Obwohl bei internationalen Zahlur.gsbilanzungleichgewichten allgemein eine
Anpassung der Wechselkurse erwartet wird, können die betreffenden Länder auch
unter einer Vielzahl anderer, international akzeptabler Maßnahmen wählen - bei
Defizitländern zum Beispiel scharfe Beschränkungen auf binnenwirtschaftlichem
Gebiet oder bei Überschußländern ein Abbau der Handelsschranken oder eine Er- 3-

�Erhöhung der zinsgünstigen Finanzhilfe an Entwicklungsländer.

Dadurch, daß der Anpassungsmechanismus verschiedene Alternativen zuläßt,
haben die einzelnen Regierungen eine größere Handlungsfreiheit. Dies dient
aber auch einem anderen wichtigen Zweck. Für die Spekulanten erhöht sich damit
das Risiko, wenn sie auf künftige Auf- oder Abwertungen setzen. Ihnen wird der
Anreiz zu Spekulationen genommen, den, wie einige Experten befürchteten, jedes
auf automatischen und vorhersehbaren Wechselkursänderungen basierende System
geben könnte.

Gleich den meisten anderen Ländern treten die Vereinigten Staaten für eine
Stärkung der Rolle der Sonderziehungsrechte in dem künftigen internationalen
WährungsSystem ein, während dem Gold eine mehr untergeordnetere Rolle zugewiesen
werden soll. Offensichtlich würde auch der Dollar nicht mehr eine so wichtige
Rolle für die internationalen Währungsreserven spielen, doch hat Shultz angedeutet, daß Ländern, die ihre gesamten Reserven - oder einen Teil - in Dollar
halten wollen, dies gestattet sein soll.

Der amerikanische Plan sieht ferner eine enge Zusammenarbeit von Internationalem Währungsfonds und Allgemeinem Zoll- und Handelsabkommen (GATT) vor.
Dadurch soll sichergestellt werden, daß Handelsschranken und Subventionen nicht
das Ziel einer Wiederherstellung des Gleichgewichts der Internationalen
Zahlungsbilanzen zunichte machen. Dagegen sind Maßnahmen zum Abbau von Beschränkungen und Kontrollen im Handel und im Kapitalverkehr in dem amerikanischen Plan
nicht vorgesehen.

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APOLLO 16-PROBEN FÜR DEUTSCHE WISSENSCHAFTLER

BONN - (AD) - Neue Boden- und Gesteinsproben vom Unternehmen APOLLO 16
sind in der Bundesrepublik eingetroffen. Sie stammen aus dem Descartes-Hochland, ca. 300 km südlich des Mond-Äquators, wo die Astronauten Young und Duke
insgesamt 97 kg Material einsammelten. Ein Teil davon wird gegenwärtig vom
US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) an einige Hundert "Principal Investigators"
in den Vereinigten Staaten und im Ausland zur Vornahme spezieller Untersuchungen
verteilt.
Meist handelt es sich um Proben von nur einigen Gramm Gewicht, die unter
den verschiedensten chemischen und physikalischen Aspekten analysiert werden.
Die sieben Proben der jetzigen Sendung sind für Prof. Wolf von Engelhardt
(Universität Tübingen), Dr. Heinrich Hintenberger und Dr. Hermann Wanke (beide
Max Planck-Institut für Chemie in Mainz) und Dr. T. Kirsten (Max Planck Institut für Kernphysik in Heidelberg) bestimmt.
Im Vordergrund der Untersuchungen stehen dieses Mal Altersbestimmungen
vom ersten Material aus den lunaren "Kontinenten", d.h. vom Hochland über den
Mare-Becken, sowie chemische Analysen, einschließlich der Ermittlung von Spurenelementen. Die genannten Wissenschaftler beteiligten sich bereits an den Analysen
von Material aus dem Gebiet früherer APOLLO-Landeplätze. So wurden an Gesteinssplittern, Staub und Brekzien von der APOLLO 15-Basis am Apennin und an der
Hadley-Rille u.a. Druckwelleneffekte bestimmt, wie sie nahe der Aufsturzstelle

-

I

-

�Aufsturzstelle eines Meteoriten auftreten können. Ferner befaßte man sich
mit Kristallgitter-Untersuchungen, Kristallverformung unter Druckwelleneinwirkung im Vakuum und bei tiefen Temperaturen, mit dem Gehalt der Proben an
Edelgasen und gewöhnlichen Gasen sowie dem Anteil von deren verschiedenen
Isotopen, mit der Altersbestimmung des Materials sowie möglicherweise eingetretenen KernUmwandlungen unter dem Einfluß der kosmischen Strahlung.

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BIOCHEMISCHE PRÄZISIONSMESSUNGEN

- (AD) - In einem Vortrag vor der Gesellschaft amerikanischer Chemiker
erläuterte Dr. Charles Scott vom Kernforschungszentrum Oak Ridge National
Laboratory (Tennessee) ein neues Verfahren, das die Empfindlichkeit von bestimmten Untersuchung, oiethoden außerordentlich erhöht. Scott nennt es
"Differential-Chromatographie mit sehr hoher Auflösung". Die dabei verwendeten
Instrumente vergleichen Flüssigkeiten und deren Verhalten bei der erzwungenen
Passage fester Stoffe. Diese Feststoffe halten gewisse Elemente zurück und beschleunigen den Transport anderer Elemente. Die quantitativen Unterschiede in
der Zusammensetzung von Flüssigkeiten, die in zwei parallel geschalteten Chromatographen verglichen werden, braucht man dann nur abzulesen.
Das Verfahren eignen sich nach Scott für diagnostische Zwecke in der Medizin,
zur Prüfung der Wirkung von Arzneimitteln und zur Ermittlung von Schmutz- und
Schadstoffen, die wegen ihrer geringen Konzentration schwer zu erfassen sind.
Versuchsweise wurde die Methode auch bei der Krebsdiagnose angewandt. Dabei
zeigte sich u.a., daß Krebs, ranke größere Mengen methylierter Purinverbindungen Elemente des genetischen Materi als der Zelle - ausscheiden, als gesunde Kontrollpersonen. Das Instrument mißt z-B. auch die Wirkung eines Medikaments, indem
die Zusammensetzung des Urins vor und nach der Einnahme bzw. Anwendung des
Präparats qualitativ und quantitativ analysiert wird. Außerdem war es bei Versuchen möglich gewesen, Spuren von Kohlenwasserstoffen in Abwässern vor und nach
deren Behandlung mit Chlor zu bestimmen.

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STRENGERE MASSTÄBE FÜR STANDARDTESTS

- (AD) - Die amerikanische "Food and Drug Administration" (US-Bundesbehörde zur Überwachung von Lebens- und Arzneimitteln sowie kosmetischen Präparaten) hat angekündigt, daß sie für diagnostische Standardtests strengere Vorschriften und neue bundeseinheitlichen Standardwerte festsetzen werde. Das gleiche
gelte für alle biologischen Produkte, die zur Verhütung und Behandlung von Krankheiten verwendet werden.
Die amerikanische Bundesbehörde FDA verfolgt damit das Ziel, alle auf dem
Markt befindlichen Artikel, mit denen beispielsweise jedermann selbst den
Zuckerspiegel im Harn prüfen kann, mit denen Frauen selbst einen Schwangerschaftstest vornehmen oder das technische Personal in medizinischen Laboratorien unter großer Zeiteinsparung BlutUntersuchungen unter den verschiedensten
Gesichtspunkten ausführt, zu überprüfen und einer strengeren Kontrolle zu unterwerfen. Nach Aussage von Henry Simmons, des FDA-Direktors für pharmazeutische
Produkte, hat die Herstellung solcher Do-it-yourself-Diagnosehilfen und vorbereiteten Testpräparate eine solche Ausweitung erfahren, daß manche dieser Artikel
sogar ohne Lizenz auf den Markt kommen. Da allgemeine Richtlinien für die Anwendung und die Interpretation der Meßwerte fehlen, sind viele Hersteller und
kommerzielle Laborbetriebe dazu übergegangen, eigene Vorschriften und Maßstäbe
für die Interpretation zu entwickeln. Dies alles soll bis zum Jahr 1973 bundeseinheitlich geregelt und an den von der FDA ausgearbeiteten Vorschriften orientiert werden.
Die

-

I

-

�Die Durchführung von Bluttests und der Blutfaktoren-Bestimmung wird auch
deshalb überprüft, damit die mögliche Gefahr einer Übertragung von Infektionskrankheiten wie Hepatitis ausgeschaltet wird. Ferner will man die Impfstoffe
gegen bakterielle Infektionen und andere biologische Präparate unter die Lupe
nehmen, damit gewährleistet wird, daß sie tatsächlich Antikörper-Reaktionen
gegen die von ihnen zu bekämpfenden Krankheitserreger in Gang setzen.
Die Aktion beginnt bei den Präparaten für die häufig angewandten Glukosetests; als nächstes kommen die Verfahren an die Reihe, mit denen auf einfache Weise Hämoglobin im Blut bestimmt wird.

- 2-

�</text>
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September

1972

Inhalt
INFORMATION:
Nixon: Kampf gegen Drogenmißbrauch hat höchste Priorität
Wortlaut der Ansprache vor der Konferenz über internationale Drogenbekämpfung
Kann die NATO die Liebe zum Auto kurieren?
- Verkehrsexperten tagten in Den Haag
Von Hubert G. Collins
HINTERGRUNDMATERIAL:
USA treten weiterhin für weltweite Maßnahmen gegen jeden Terror ein
Von unserem Sonderkorrespondenten
WIRTSCHAFT:
Ermutigende Fortschritte bei den amerikanisch-sowjetischen Handelsgesprächen
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten
Burns erläutert Zweck der US-Interventionen auf den Devisenmärkten
Von Eugene Brake
US-Zahlungsbilanzdefizit im zweiten Quartal 1972 zurückgegangen
- Wortlaut einer Erklärung des Handelsministeriums Osteuropahandel der USA stieg im ersten Quartal 1972 an
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Drogenkrieg bis zur bedingungslosen Kapitulation
Vereinigte Staaten ziehen erste Bilanz
Monitor für Stickstoffoxid in der Luft
Erdbeben verändern Magnetfeld
Wichtige Erkenntnisse für Erdbebenforschung aus dem Amchitka-Test

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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38/1972

NIXON: KAMPF GEGEN DROGENMISSBRAUCH HAT HÖCHSTE PRIORITÄT
Wortlaut der Ansprache vor der
Konferenz über internationale Drogenbekämpfung

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat in einer Ansprache zu Beginn einer
dreitägigen Konferenz über internationale Rauschgiftbekämpfung am 18, September
den Maßnahmen gegen die Drogenseuche höchste nationale Priorität eingeräumt.
An der Konferenz, die im amerikanischen Außenministerium stattfindet, nehmen
die Sonderbeauftragten für Rauschgiftbekämpfung an 55 Botschaften der Vereinigten Staaten in aller Welt teil.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Herr Außenminister, meine Damen und Herren!
Wenn ich die Liste der Teilnehmer an dieser Konferenz betrachte, dann
bin ich mir durchaus darüber im klaren, daß die meisten von Ihnen im Laufe
Ihrer Tätigkeit an vielen Konferenzen teilgenommen haben. Ich nehme an, daß
Sie sich wohl gefragt haben, warum gerade diese Konferenz etwas anderes sein
sollte und warum sie wohl wichtiger wäre als all die früheren Konferenzen.
Ich möchte gleich zu Anfang betonen, daß diese Konferenz mindestens so
wichtig ist, wie all die Konferenzen, an denen Sie je mitgewirkt haben- Ich
betrachte sie auf jeden Fall so wichtig wie jede andere Konferenz, an der ich
in meiner öffentlichen Tätigkeit je teilgenommen habe, weil der Sieg im Kampf
gegen den Drogenmißbrauch zu den wichtigsten Aufgaben - zu den höchsten na- 1 -

�nationalen Prioritäten - gehört, die den Vereinigten Staaten heute gestellt
sind.
Als Präsident der Vereinigten Staaten fühle ich keine größere Verpflichtung, als zum Sieg in diesem Kampfe beizutragen, und Sie alle hier in diesem
Raum, die Sie dieses Land in aller Welt vertreten, könnten keiner besseren
humanitären Sache dienen als dem Sieg in diesem Kampf gegen den Drogenmißbrauch.
Wie wir alle wissen, ist das globale Drogenproblem ungeheuer schwierig.
Hier bieten sich keine Sofort- oder Patentlösungen an. Wenn wir jedoch auf
die letzten drei Jahre zurückblicken, seit ich den totalen Krieg gegen den
Drogenmißbrauch erklärt und das Rauschgift als öffentlichen Feind Nummer eins
Amerikas bezeichnet habe, dann, so meine ich, wird das ganze Ausmaß unserer
nationalen Verpflichtung deutlich. Die Gesamtausgaben des Bundes für diesen
Kampf haben sich gegenüber 1969 um das elffache gesteigert. Sie machen gegenwärtig rund dreiviertel Milliarden Dollar in dem Haushalt aus, der dem Kongreß
jetzt vorliegt.
Was die organisatorische Seite anbetrifft, so haben wir alle Kräfte mobilisiert, um das Problem an allen Fronten anzupacken. Wir haben ein Sonderaktionsamt zur Verhütung von Drogenmißbrauch unter der Leitung von Dr.Jaffe
eingerichtet, das sich mit Therapie und Rehabilitation befaßt. Wir haben auch
im Justizministerium ein neues Amt für den Vollzug der Rauschgiftgesetze eingerichtet, das sich gegen die Verteilung und gegen die Händler im eigenen Lande
richtet. Und ich habe einen Kabinettsausschuß für Internationale Rauschgiftkontrolle

eingesetzt, der unseren weltweiten Kampf zur Unterbindung des Nach-

schubs koordiniert.
Wir packen das Problem also durch unsere verschiedenen Regierungsbehörden
an allen Fronten so wirksam wie nur möglich an.
Ich habe auch persönlich einige Verpflichtungen übernommen. Ich habe, wie
viele von Ihnen hier in diesem Raum wissen, bei meiner persönlichen Aufsicht
über dieses Programm immer wieder ausdrücklich mit der Peitsche geknallt. Und
ich muß zugeben, daß wir einige bürokratische Köpfe zusammengestoßen haben, als
ich im Ostraum (des Weißen Hauses) vor zwei Jahren die Anweisung gegeben habe,

�habe, daß die verschiedenen Regierungsbehörden endlich aufhören sollten, sich
gegenseitig über dieses Problem zu streiten, und endlich anfangen sollten das
Problem selbst zu bekämpfen.
Ich wollte endlich solide Ergebnisse sehen, und zwar in Form der Rettung
des Lebens Tausender junger Menschen, die sonst hoffnungslos dem Rauschgift
verfallen würden. Und heute liegen uns einige dieser Ergebnisse vor. Wir dürfen
sie nicht mit Selbstgefälligkeit betrachten, aber mit einigem Stolz und auch
mit der Entschlossenheit, weiterzumachen, um in Zukunft zu noch besseren Ergebnissen zu gelangen.
Dr. Jaffe berichtet aus seinem Gebiet, daß wir im letzten Jahr mehr mit
Bundesmitteln finanzierte Kapazität zur Behandlung einer Viertelmillion Menschen brauchen, läßt das gewaltige Ausmaß des Problems und die Notwendigkeit
erkennen, es in den Griff zu bekommen - nicht nur was die Behandlung angeht,
sondern auch besonders hinsichtlich der Lieferquellen und des Rechtsvollzugs.
Was den Rechtsvollzug angeht, so hat sich die Zahl der Festnahmen von
Rauschgifthändlern im letzten Haushaltsjahr gegenüber 1969 verdoppelt. Die Beschlagnahme von Heroin und anderen ungesetzlichen Drogen ist auf einem Höchststand angelangt. Aber wie ich denen, die mir erst im letzten Monat darüber Bericht erstattet haben, erklärt habe, ist das noch nicht genug. Wir müssen die
Zahlen verdoppeln und verdreifachen und von da aus zu einem völligen Sieg über
jene gelangen, die diesen Handel betreiben.
Ein sehr starker Preisanstieg bei Heroin im ganzen Osten der Vereinigten
Staaten läßt erkennen, daß der Nachschub austrocknet und daß der kriminelle
Drogenhandel unter Druck geraten ist. Ich darf Ihnen allen, und vor allem all
jenen, die es angeht, versichern, daß wir weiterhin mit allem Nachdruck vorgehen werden, bis die erbärmlichen Profitgeier des menschlichen Elends aus
ihren Schlupfwinkeln vertrieben und in die Gefängnisse gesteckt worden sind,
wo sie hingehören. Diese Anstrengung wird auch nicht an den Grenzen unseres
Landes haltmachen.
Die

�Die Männer und Frauen, die den weltweiten Heroinhandel betreiben, bedeuten
nicht nur eine Gefahr für die amerikanische Nation, sondern für die ganze
Menschheit. Diese Menschen sind im wahrsten Dinne des Wortes die Sklavenhändler
unserer Zeit. Sie handeln mit dem lebendigen Tod. Sie müssen bis an die Grenzen
unserer Erde gejagt werden. Ihnen darf keine Operationsbasis in irgend einem
Land bleiben. Ihnen darf nirgendwo in der Welt auch nur ein einziger Unterschlupf oder ein Refugium vor der Gerechtigkeit eingeräumt werden. Darum habe
ich, in Zusammenarbeit mit den Regierungen von über 50 Ländern in der ganzen
Welt, ein aggressives internationales Rauschgift-Kontrollprogramm eingerichtet.
Darum habe ich schon bald nach meinem Amtsantritt das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) angewiesen, alle seine Mittel für den Kampf gegen
den internationalen Rauschgifthandel zu mobilisieren - eine Aufgabe übrigens,
in der es sich hervorragend bewährt hat.
Lassen Sie mich hier ein Wort über diese vielgeschmähte Einrichtung einflechten. Wie ich oft erklärt habe, stellen wir auf dem Gebiet des Nachrichtendienstes immer wieder fest, daß nur die Versager publiziert werden. Die Erfolge
müssen, schon aus der Natur der Sache heraus, immer geheim bleiben, und auf
diesem Gebiet gibt es viele Erfolge, und vor allem Erfolge, auf die dieses
Amt sehr stolz sein darf.
Die höchste Priorität hat hier die Ausschaltung der Händler, wo immer sie
sich befinden mögen - sie durch unsere Rechtsvollzugs- und Nachrichtenorgane
auszuschalten und unschädlich zu machen. Und ich darf Ihnen allen für die ersten
Fortschritte, die wir in diesen Programmen erzielt haben, meine Anerkennung aussprechen.
Frankreich, Paraguay, Laos, Thailand und die Türkei sind nur einige Beispiele für die vielen Länder, wo die Arbeit amerikanischer Regierungsbediensteter
vom Botschafter abwärts in allen Botschaften im Ausland in Partnerschaft mit
örtlichen Regierungsvertretern wichtige Durchbrüche erzielt hat - wie beispielsweise die Beschlagnahme großer Heroinbestände, die Festnahme wichtiger Personen
und, im Falle der Türkei, die mutige Entscheidung, den Opiumanbau selbst ganz
einzustellen. Diese Maßnahme stellt übrigens nicht nur ein großes Verdienst
für die türkische Regierung dar, sondern auch für unsere eigene Regierung und
- 4-

�und vor allem für jene im Außenministerium und in der türkischen Botschaft, die
an diesem Problem gearbeitet haben.
Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten und vor allem die jungen Menschen
schulden Ihnen, Ihnen allen hier in diesem Raum, großen Dank. Leider werde ich
keine Gelegenheit haben, mit den meisten von Ihnen persönlich zusammenzukommen,
um Ihnen für das zu danken, was Sie hier geleistet haben. Aber wie Sie alle
wissen, bleibt uns noch sehr viel mehr zu tun, um diesen Krieg zu gewinnen und
wir müssen mit einer noch sehr viel größeren Dringlichkeit als bisher an diese
Aufgabe herangehen.
Ich möchte Sie, die Sie in der ganzen Welt an der Rauschgiftkontrolle arbeiten, bitten, diese persönliche Botschaft von mir an die ausländischen Regierungsvertreter zu übermitteln, mit denen "ie zusammenkommen. Alle Regierungen,
deren Führer an den Tätigkeiten jener beteiligt sind oder sie schützen, die unser
Drogenproblem mit verursachen, sollen wissen, daß der Präsident der Vereinigten
Staaten gesetzlich verpflichtet ist, jede amerikanische Wirtschafts- und Militärhilfe an ein solches Regime einzustellen, und ich werde nicht zögern, diesem
Gesetz entsprechend zu verfahren, wenn irgendwelche Übertretungen vorkommen.
Ich betrachte die Aufgabe, gefährliche Drogen von den Vereinigten Staaten
fernzuhalten, für ebenso wichtig wie die Verhinderung der Landung gegnerischer
Streitkräfte in den Vereinigten Staaten. Gefährliche Drogen, die in die Vereinigten Staaten hereinkommen, können das Leben junger Amerikaner ebenso gefährden, wie eine Invasionsarmee, die in den USA landet. Jede Regierung die
gegen Rauschgift vorgehen will, soll wissen, daß sie seitens unseres Landes
auf unsere volle und nachhaltige Unterstützung dabpi rechnen kann.
Vor drei Jahren watete die globale Heroinseuche in der ganzen Welt praktisch
ohne jede Kontrolle. Für eine ganze Generation unserer Kinder, die potenziellen
Rauschgiftopfer der nächsten Jahre, drohte die Zeit abzulaufen.
Aber dann starteten wir unseren Kreuzzug zur Rettung unserer Kinder, und
heute können wir feststellen, daß dieser Kreuzzug aus der Defensive heraus zur
Offensive übergeht und in einem Land nach dem anderen in der ganzen Welt und
in den Vereinigten Staaten selbst Siege zu zeitigen beginnt.
Was

�Was ist heute unser Ziel? Wir leben heute, wie wir alle wissen, im Zeitalter der Diplomatie, in dem es Zeiten gibt, da eine große Nation sich auf
etwas einlassen muß, was als begrenzter Krieg bezeichnet wird. Ich habe dieses
Prinzip abgelehnt und den totalen Krieg gegen die gefährlichen Drogen erklärt.
Unser Ziel ist die bedingungslose Kapitulation der Schleichhändler des Todes,
die mit Heroin Geschäfte machen. Unser Ziel ist die totale Verbannung des
Drogenmißbrauchs in Amerika. Es geht um Leben und Zukunft unserer Kinder deshalb muß uns dies gelingen.
Wir werden dieses Übel mit jeder verfügbaren Waffe bekämpfen, und mit
Ihrer Hilfe und mit der Unterstützung durch Millionen engagierter Amerikaner
werden wir siegen."

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KANN DIE NATO DIE LIEBE ZUM AUTO KURIEREN?
- Verkehrsexperten tagten in Den Haag -

Von Hubert G. Collins

DEN HAAG - (AD) - Wenn der NATO-Ausschuß für Aufgaben der Modernen Gesellschaft (CCMS) im November in Brüssel zu seiner Plenarsitzung zusammentritt,
wird er sich mit der wenig dankbaren Aufgabe beschäftigen müssen, Wege zur
Behebung der Verkehrsmisere in den Städten der westlichen Welt zu finden. Verkehrsexperten aus neun NATO-Ländern - Niederlande, Belgien, Kanada, Dänemark,
Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Italien, Großbritannien und Vereinigte
Staaten - kamen vom 14. bis 16. September in Den Haag zusammen, um eines der
Übel des 20. Jahrhunderts, das Verkehrschaos in den Großstädten, anzupacken.
Das Projekt im Rahmen des CCMS steht seit längerem an, und in Nordamerika
wie in Europa haben sich die Fachleute ihre Gedanken gemacht, wie der moderne
Massenverkehr bewältigt werden könnte. Der Leiter der Expertenkonferenz in der
niederländischen Hauptstadt, der Direktor der Planungsabteilung im amerikanischen
Verkehrsministerium Dr. Lee Huff, hat wohl den Kern des Problems berührt, als er
sagte, es gehe letztlich darum, "die Liebe zum Auto" zu kurieren.
In Den Haag ging es nicht um neue

Technologien, sondern um institutionelle

und wirtschaftliche Veränderungen zur Lösung des Verkehrsproblems. Die Vereinigten Staaten hatten bereits im Frühjahr angeregt, ein CCMS-Musterprojekt unter amerikanischer Federführung - einzurichten, um in einem Erfahrungsaustausch über den Atlantik hinweg, neue Wege zum Transport von Personen und Gütern

- 1 -

�Gütern zu finden, die einmal wirtschaftlich und durchführbar und zum anderen
auch umweltgerecht sind. Die Probleme in Amerika und Europa sind mehr oder
weniger die gleichen. Wie kann der Einzelne dazu bewegt werden, öffentliche
Verkehrsmittel zu benutzen und sein Auto zuhause zu lassen?
Die Erfahrungen in Amerika haben gezeigt, daß die "Entmutigung" der Privatfahrer allein - beispielsweise durch drastische Erhöhung der Parkgebühren nicht ausreicht. Vielmehr bedarf es auch einer entsprechenden Ausweitung der
Kapazität der öffentlichen Verkehrsmittel. Auch in Brüssel hat sich herausgestellt, daß die Autofahrer dem Appell der Behörden zunächst folgten, daß sie
jedoch bei einem mangelnden Angebot von Bussen und Bahnen bald wieder zum
Privatwagen zurückkehrten.
In diesem Zusammenhang ist ein amerikanischer Vorschlag interessant: Autobusse sollen eigene Strai3en erhalten - auf denen keine Privatautos zugelassen
sind. Dadurch wäre es möglich, stündlich rund 1200 Busse verkehren zu lassen,
die über 60 000 Menschen befördern könnten. Die Zahl der Privatwagen, um eine
solche Menge Menschen zu transportieren ist riesig, und der entsprechende Aufwand für Straßen und Einrichtungen noch gewaltiger. In Amerika sind bereits
Versuche in dieser Richtung gemacht worden, so beispielsweise mit der "Shirly
Highway Bus Lane" in Nordvirginia. Auf dieser Strecke, die ausschließlich von
Bussen befahren werden darf, werden die Menschen zur Arbeit nach Washington gebracht. Sobald die Busse jedoch das normale Washingtoner Straßennetz erreichen,
bleiben sie - wie die Privatwagen - im Berufsverkehr iiängen. Die Bus-Straßen
müssen also auch innerhalb der Städte nach bestimmten Brennpunkten durchgeführt
werden.
Ähnliche Probleme ergeben sich auci für den Güterverkehr. Das wirtschaftlich rationellste System ist nicht immer das umweltfreundlichste. Es ist und
bleibt die Frage, wie die Waren zu ihrem Empfänger kommen, vor allem wenn beispielsweise die Geschäfte in einer Fußgängerzone liegen. Sicherlich verfolgen
die Amerikaner die europäischen Versuche, in den Stadtkernen solche Fußgängerzonen einzurichten, mit großem Interesse.
Eine

�»

Eine wesentliche Rolle bei den Expertengesprächen in Den Haag hat auch
die Voraussage der Verkehrsbedürfnisse und der Verkehrsdichte in den Städten
gespielt. Solche Untersuchungen und Berechnungen sind für die einzelnen Städte
sehr kostspielig, und wenn es dem CCMS gelingt, hier durch Standardisierung der
Methoden sowie durch Vereinfachungen Kosten und Aufwand wesentlich zu senken,
dann dürfte dies ein weiterer echter Fortschritt sein.
Man kann nur hoffen, daß der internationale Erfahrungsaustausch im Rahmen
des NATO-AusSchusses für Aufgaben der Modernen Gesellschaft (CCMS) und ein neues
Musterprojekt eine wirtschaftlich tragbare und umweit- und menschenfreundliche
Lösung näher bringen.

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USA TRETEN WEITERHIN FÜR WELTWEITE MASSNAHMEN GEGEN JEDEN TERROR EIN
Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden weiterhin für eine
weltweite Solidarität gegen Terrorakte jeder Art eintreten und sich für internationale Maßnahmen einsetzen. Präsident Nixon und Außenminister Rogers sowie
andere amerikanische Regierungsvertreter haben unmißverständlich zu verstehen
gegeben, daß sie dieses Problem in nationalen und internationalen Gremien
weiterverfolgen werden.
Präsident Nixon hat in einer Botschaft an den Senat der Vereinigten Staaten
diesen dringend um die Ratifizierung der vor einem Jahr in Montreal unterzeichneten Konvention gegen kriminelle Akte gegen die Zivilluftfahrt ersucht. Nach
der Konvention gegen Luftpiraterie, die im Dezember 1970 in Den Haag verabschiedet und inzwischen von den USA und 39 weiteren Ländern ratifiziert wurde,
soll die zweite Konvention vor Sabotage, Terrorangriffen und sonstigen kriminellen Akten gegen die Zivilluftfahrt schützen.
Die Konvention, so heißt es in der Botschaft Nixons an den Senat, "dient
dazu, die Strafverfolgung von Saboteuren und anderen Terroristen, die Flugzeuge
angreifen, zu sichern, und sie kann dazu beitragen, dieses wachsende Problem
für die weltweite Zivilluftfahrt zu beheben."
Die Vereinigten Staaten haben auch den Entwurf für eine neue Konvention
gegen Luftpiraterie begrüßt, den ein Unterausschuß des Rechtsausschusses der
Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) ausgearbeitet hat. Der Ent-

�Entwurf, der jetzt in Montreal dem Rechtsausschuß

der ICAO vorgelegt wird,

sieht unter anderem den Flug-Boykott gegen Länder vor, die Luftpiraten beherbergen. Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray, erklärte dazu, "endlich haben wir eine Formulierung für eine Konvention, die, wenn
sie von der Völkergemeinschaft angenommen, endlich unseren Anstrengungen zur Bekämpfung der Luftpiraterie in all ihren Formen eine echte Handhabe gibt." Der
Leiter der amerikanischen Delegation, Charles Brower, wies darauf hin, daß es
noch zwei Jahre dauern könne, ehe die Konvention abgeschlossen sei, räumte jedoch ein, daß der Fortschritt in den letzten beiden Wochen - gegenüber zwei
Jahren der Untätigkeit - Anlaß zur Hoffnung gebe.
Nicht zuletzt aufgrund der grauenhaften Ereignisse in München wird sich
auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit dem Problem des Terrors
und der Terroristen befassen müssen. Auch hier haben sich die Vereinigten Staaten
mit an die Spitze der Bemühungen gestellt, eine weltweite Zusammenarbeit zu
erreichen, ohne die eine wirkungsvolle Verhütung und Bekämpfung von Terrorakten
kaum möglich ist. Außenminister Rogers, der, wie gesagt, ausdrückliche Anstrengungen in dieser Richtung ankündigte, hält sich zu Beginn der neuen Vollversammlung in New York auf. Er wird sicherlich bei seinen Gesprächen am Rande der
Vollversammlung die amerikanische Initiative gegen den Terror mit den Vertretern
anderer Länder erörtern.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Waldheim, hat einen ungewöhnlichen Schritt getan und das Thema Terror persönlich auf die Tagesordnung der
Vollversammlung gesetzt sowie Maßnahmen zur Verhütung künftiger Terrorakte gefordert. Die Vereinigten Staaten werden diese Forderungen mit allem Nachdruck
unterstützen.

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ERMUTIGENDE FORTSCHRITTE BEI DEN AFRIKANISCH-SOWJETISCHEN
HANDELSGESPRÄCHEN
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Bei den amerikanisch-sowjetischen Handelsgesprächen
sind "sehr wesentliche Fortschritte" erzielt worden, so daß noch bis zum Jahresende mit einem Paket von wichtigen wirtschaftlichen Vereinbarungen zwischen den
beiden Ländern zu rechnen ist.
Dies haben sowohl der amerikanische Handelsminister Peter G. Peterson, wie
auch der Sonderberater Präsident Nixons für Nationale Sicherheitsfragen, Henry
Kissinger, in den letzten Tagen mitgeteilt. Peterson betonte vor der Handelskammer von Baltimore, er sei mehr denn je ermutigt, daß das angestrebte Ziel
des Präsidenten, ein umfassender Handelsvertrag, noch bis zum Jahresende, vielleicht sogar schon früher, erreicht werden kann. Gleichzeitig kündigte der
Minister an, daß Arbeitsgruppen der Gemeinsamen Handelskommission noch in diesem
Monat detaillierte Verhandlungen über einige der offenen Fragen aufnehmen würden.
Kissinger, der auf einer Pressekonferenz über seine Handelsgespräche in
Moskau berichtete, gab der festen Zuversicht Ausdruck, daß "eine befriedigende
Lösung" erzielt w rden wird. Die drei Arbeitsgruppen würden die Themen Handel,
Schiffahrtsabkommen sowie Pacht- und Leihschulden erörtern, die alle drei Bestandteil des großen Gesamtpaketes seien.
Den Schlüssel zu diesem Gesamtpaket dürften die Pacht- und Leihgespräche
bilden. Von einer befriedigenden Lösung auf diesem Gebiet wird es nämlich ab- 1 -

�abhängen, ob der amerikanische Kongreß Regierungskre iten an die Sowjetunion
sowie der Einräumung der Meistbegünstigungsklausel für sowjetische Erzeugnisse
zustimmt. Bei den Pacht- und Leihge prächen geht es um die nichtmilitärische
Hilfe, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion während des zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach gewährt haben (für die während des letzten
Krieges gewährte Militärhilfe haben die Vereinigten Staaten nie eine Rückzahlung gefordert). Die endgültige Regelung dieser Schulden wird wahrscheinlich
nur die Rückzahlung eines Bruchteils des unsprünglichen Wertes der Hilfsgüter
vorsehen. Wie Dr. Kissinger auf seiner Pressekonferenz erklärte, hätten beide
Seiten nunme ir einer Formel für die Bewertung der Hilfsgüter zugestimmt. Einzelheiten der Zahlungsmodalitäten, wie Höhe der Raten und Rückzahlungszeitraum,
müssen aber noch ausgehandelt werden.
Weitere Punkte des angestrebten Handelsabkommens sind ein von den USA gewünschter Mechanismus für eine internationale Schlichtung von Streitigkeiten;
die Sowjetunion hat sich bisher stets an ihre eigenen Schiedsgerichte gehalten. Ferner wünschen die USA bessere Arbeitsmöglichkeiten für amerikanische
Geschäftsleute in der So jetunion; unter diesen Punkt fallen Fragen wie Bereitstellung von Büror. um und Telefonanschlüssen, aber auch Kontaktmöglichkeiten
mit potentiellen Kunden. Und schließlich wünscht die Sowjetunion Regierungskredite zur Finanzierung ihrer Käufe in den USA; die USA bestehen darauf, daß
jedes Abkommen auf Gegenseitigkeit beruhen muß und die Sowjetunion nicht besser
als andere amerikanische Handelspartner gestellt sein darf.
Auch in der Frage der Einräumung der Meistbegünstigungsklausel besteht
noch keine Einigung. Hier geht es unter anderem um den Schutz der amerikanischen
Wirtschaft vor einem Sowjet sehen Dumping, denn beide Länder gehören unterschiedlichen Handelsblöcken an und angesichts des Regierungsmonopols in der
Sowjetunion gibt es dort keine absolute Bez ehung zwischen Kosten und Preisen.
Auch die von den USA seit langem ausgeübte Kontrolle über den Export strategisch wichtiger Güter wirft gewisse Probleme auf. Und letztlich muß jedes Abkommen

' die Einräumung der Meistbegünstigtenklausel vom amerikanischen Kongre

gebilligt werden.
Im

�t

Im Kongreß sind bereits Stimmen laut geworden, die sich gegen die von der
Sowjetunion geübte Praxis wenden, von sowjetischen Juden, die nach Israel auswandern wollen, eine Ausreisegebühr zu fordern. Senator Ribicoff hat dies als
"Kopfgeld" bezeichnet und gleich anderen Abgeordneten und Senatoren damit gedroht, den Handelsvertrag als Druckmittel zu benutzen, um durchzusetzen, daß
die Sowjetunion auf diese Abgabe verzichtet.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Verhandlungen ist ein Schiffahrtsabkommen,
bei dem jedoch, wie Handelsminister Peterson betonte, eine Einigung unmittelbar
bevorsteht. Mit diesem Abkommen soll eine Reihe von Fragen gelöst werden, die
sich im Gefolge des zu erwartenden verstärkten Warenverkehrs zwischen beiden
Ländern ergeben dürften. Unter anderem muß geklärt werden, welcher Warenanteil
auf amerikanischen und welcher auf sowjetischen Schiffen befördert werden soll
und in welchem Ausmaß Schiffe dritter Länder eingeschaltet werden können. Im
Augenblick sind Schiffe dritter Länder zu 20 bis 25 Prozent am an,^rikanisch••
sowjetischen Handel beteiligt. Da die Betriebskosten amerikanischer Frachter aufgrund höherer Löhne und besserer Sicherheitseinrichtungen höher liegen, als bei
Schiffen anderer Länder, müßten Subventionen gezahlt werden, um sie wettbewerbsfähig zu machen. Von Seiten des amerikanischen Handelsministeriums wurde bereits
betont, daß recht beträchtliche Regierungssubventionen direkt an die Schiffseigner gezahlt werden müßten, wenn ein Engpaß wie bei den Getreideverkäufen des
Jahres 1963 vermieden werden soll.
Ferner muß festgelegt werden, welche Häfen in beiden Ländern für Schiffe
des anderen Landes offen sein sollen und welchen Schiffen ein Anlaufen gestattet
werden soll. Sofern es hier nicht zu unvorhergesehenen Schwierigkeiten kommt,
dürfte, wie Handelsminister Peterson betonte, eine Einigung in all diesen Fragen
innerhalb weniger Jochen nöglich sein.

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BURNS ERLÄUTERT ZWECK DER US-INTERVENTIONEN AUF DEN DEVISENMÄRKTEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON - (AD) - Die Verein igten Staaten werden auch in Zukunft nicht
versuchen, durch massive Interventionen auf den Devisenmärkten einen unrealistischen Wechselkurs des US-Dollar zu stützen.
Das ist das Fazit der öffentlichen Anhörungen, die der Unterausschuß für
Devisen und internationalen Zahlungsverkehr des gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des amerikanischen Kongresses in der letzten Woche durchgeführt hat.
Nicht nur der Vorsitzende des Federal Reserve Boards, Notenbankpräsident Arthur
Burns, sondern auch der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, Paul
Volker, gaben vor dem Ausschuß entsprechende Zusicherungen ab. Burns betonte,
daß Interventionen auf den Devisenmärkten ausschließlich auf Initiative des
Federal Reserve Boards (Bundesbank) und nicht etwa auf Initiative anderer Länder
nin unternommen würden. Sie v;ürden auch nur erfolgen, um Auswüchse auf den Märkten
zu verhindern oder ihnen entgegenzuwirken, und dann in einem Umfang vorgenommen,
der ein positives Ergebnis sicherstellte. Auch Swap-Vereinbarungen würden niemals dazu mißbraucht werden, um amerikanische Zahlungsbilanzdefizite mitteloder langfristig zu finanzieren. Genau so wenig stellten sie einen Ersatz für
eine erforderliche Anpassung der grundlegenden Wirtschaftspolitik dar.
Volker wies vor dem Ausschuß darauf hin, daß das Finanzministerium sich
nicht an Interventionen auf den Devisenmärkten beteilige, um bei Zahlungsbilanzungleichgewichten einen bestimmten Wechselkurs zu verteidigen. Allerdings gab

- 1 -

�gab der Staatssekretär zu bedenken, daß nicht immer im Voraus leicht zu erkennen sei, ob ein Wechselkurs nur vorübergehend unter Druck geraten sei, oder
ob es sich hier um die ersten Anzeichen eines fundamentalen Ungleichgewichts
handele, das früher oder später durch eine Auf- oder Abwertung korrigiert
werden müsse.
Burns wie auch Volcker wandten sich damit gegen Bedenken, die der Ausschußvorsitzende

Henry Reuss, zugleich im Namen verschiedener Zeugen geäußert hatte,

daß nämlich die reaktivierten Swap-Vereinbarungen zur Stützung des Dollarkurses
benutzt werden könnte, solange noch ein grundlegendes Zahlungsbilanzungleichgewicht bestünde. Wörtlich erklärte Burns, "ich kann Ihnen uneingeschränkt versichern, daß dies nicht der Fall sein wird".
Allerdings, so führte Burns weiter aus, mehrten sich jetzt die Anzeichen,
daß die bescheidenen amerikanischen Investitionen auf den Devisenmärkten vom
Juli ihren Zweck erreicht haben. Zusammen mit Maßnahmen anderer Länder, so sagte
Burns, hätten sie dazu beigetragen, der Spekulation Einhalt zu gebieten und
das Vertrauen in den Markt wieder herzustellen. Bei den insgesamt neun seit dem
19. Juli von amerikanischer Seite durchgeführten Interventionen seien ausländische
Devisen - belgische Francs und DM - im Werte von 32 Millionen Dollar abgegeben
und diese Beträge seien durch spätere Käufe wieder voll abgedeckt worden. Die
Tatsache, daß die Vereinigten Staaten diese Swap-Vereinbarungen ausnutzen können,
und dies sei noch nicht einmal in vollem Umfang der Fall gewesen, habe allein
schon genügt, um der Spekulation Einhalt zu gebieten und die Spekulanten zum
Nachdenken zu zwingen.
Auf die amerikanische Zahlungsbilanz eingehend, betonte Burns, es sei völlig
verfrüht, etwa pessimistische Schlußfolgerungen hinsichtlich ihrer langfristigen
Entwicklung ziehen zu wollen. Allerdings, so gab der Notenbankchef zu, vollzögen
sich die erforderlichen Anpassungen zur Korrektur der Ungleichgewichte nicht so
rasch wie erhofft oder angenommen worden sei. Dies gelte im besonderen auch für
die amerikanische Zahlungsbilanz. Man brauche jedoch kein großer Optimist zu
sein, um feststellen zu können, daß zumindest eine Reihe von Faktoren in die
richtige Richtung weisen, um eine wesentliche Verbesserung der US-Zahlungsbilanz zu bewirken. In diesem Zusammenhang verwies Burns vor allem auf die Ent- 2-

�Entwicklung von Kosten und Preisen in den USA, die gegenüber den anderen
Ländern hier weitaus besser abgeschnitten hätten. Auch die Neufestsetzung der
Wechselkurse im Dezember vorigen Jahres, so sagte Burns, werde sich jetzt auszuwirken beginnen und mit der Zeit zu einer Ausweitung des amerikanischen Exports sowie einer Verlangsamung der Zunahme der Importe führen. Ferner werde
sich die in Japan und in Europa im Gange befindliche zyklische wirtschaftliche
Wiedererholung in einer Steigerung der Nachfrage nach amerikanischen Exporterzeugnissen auswirken. Und schließlich werde die starke Expansion der amerikanischen Wirtschaft selbst dazu führen, daß amerikanische Investoren wieder eher
geneigt sind, ihr Geld im eigenen Land statt im Ausland anzulegen.

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US-ZAHLUNGSBILANZDEFIZIT IM ZWEITEN QUARTAL 1972 ZURÜCKGEGANGEN
- Wortlaut einer Erklärung des Handelsministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das Zahlungsbilanzdefizit der USA ist im zweiten
Quartal dieses Jahres beträchtlich zurückgegangen. Dies stellt das amerikanische Handelsministerium in einer am 13. September veröffentlichten Presseverlautbarung fest, die folgenden Wortlaut hat:
"Die Bilanz der laufenden Konten und die langfristige

Kapitalbilanz

wiesen im zweiten Quartal ein Defizit von 1,9 Milliarden Dollar aus, wie das
Büro für Wirtschaftsanalysen, eine Unterabteilung des Amtes für Sozial- und
Wirtschaftsstatistik des Handelsministeriums heute bekannt gegeben hat. Das
Defizit war damit nur etwa halb so groß wie das (revidierte) Defizit von 3,6
Milliarden Dollar im ersten Quartal. (Alle Zahlen saisonbereinigt).
Nachdem das Handelsdefizit im zweiten Quartal zugenommen hat und der Überschuß bei den Dienstleistungen einen geringfügigen Nettorückgang aufwies, erbrachte die Bilanz der Güter- und Dienstleistungen ein Defizit von 1,5 Milliarden Dollar (revidiert) und die Bilanz der Güter, Dienstleistungen und Remittenten ein Defizit von 1,9 Milliarden Dollar, so daß beide sich gegenüber
dem ersten Quartal um jeweils etwa 350 Millionen Dollar verschlechterten. Die
Bilanz der laufenden Konten allein verschlechterte sich ebenfalls und wies ein
Defizit von 2,4 Milliarden Dollar - gegenüber 2,2 Milliarden Dollar im ersten
Quartal - aus.
Der

�Der Nettofluß langfristigen Privatkapitals verzeichnete im zweiten Quartal
einen Nettozufluß von 660 Millionen Dollar, nach einem Abfluß von 1,1 Milliarden
Dollar im ersten Quartal. Auf der Basis der jetzt verfügbaren, vorläufigen Zahlen
über die direkten amerikanischen Auslandsinvestitionen erfolgte im zweiten
Quartal ein Nettoabfluß von nur 200 Millionen Dollar gegenüber einem Nettoabfluß
von 1,3 Milliarden Dollar (revidiert) im ersten Quartal. Verschiedene besondere
Faktoren, darunter einige sich nicht wiederholende Nettozuflüsse haben wahrscheinlich zu den niedrigen Nettoabflüssen im zweiten Quartal beigetragen. Die Direktinvestitionen des Auslandes in den Vereinigten Staaten nahmen um über 700 Millionen Dollar zu und wiesen damit einen Nettozufluß von 345 Millionen Dollar auf.
Ein guter Teil dieses Zuflusses ist auf den Rückfluß von Geldern zurückzuführen,
die von japanischen Handelsgesellschaften in den USA zuvor aus den Vereinigten
Staaten an ihre Muttergesellschaften transferiert worden waren. Veränderungen
bei anderen privaten langfristigen Kapitalflüssen hoben sich meistens gegeneinander auf.
Die Nettoliquiditätsbilanz verzeichnete im zweiten Quartal ein Defizit von
(revidiert) 2,4 Milliarden Dollar und die Bilanz der offiziellen Reservetransaktionen erbrachte ein Defizit von (revidiert) 865 Millionen Dollar. Die entsprechenden Defizite im ersten Quartal betrugen jeweils 3,1 und 3,3 Milliarden
Dollar."

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38/1972

OSTEUROPAHANDEL DER USA STIEG IM ERSTEN QUARTAL 1972 AN

WASHINGTON - (AD) - Der Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Osteuropa stellte sich nach Angaben des amerikanischen Handelsministeriums im ersten Quartal 1972 auf wertmäßig 230,3 Millionen Dollar. Von dem Gesamtbetrag
entfielen 158,8 Millionen Dollar auf amerikanische Exporte nach Osteuropa und
71,5 Millionen Dollar auf Importe aus diesem Raum. Im vierten Quartal 1971
hatte sich der gesamte Warenaustausch zwischen den USA und Osteuropa auf 137,7
Millionen Dollar und im ersten Quartal 1971 auf 170,9 Millionen Dollar gestellt.
Der vom amerikanischen Handelsministerium veröffentlichte lOO. Quartalbericht über die Durchführung der amerikanischen Exportkontrollen zeigt weiter,
daß im zweiten Quartal 1972 Lizenzanträgen für Warenexporte nach Osteuropa im
Werte von 119,4 Millionen Dollar stattgegeben wurde

gegenüber Anträgen im Werte

von 432,5 Millionen Dollar im ersten Quartal 1972 und von 119 Millionen Dollar
im zweiten Quartal 1971.
Der höchste Dollarbetrag bei den genehmigten Exportlizenzen entfiel mit
99,1 Millionen Dollar auf die Sowjetunion. Davon waren 77,6 Millionen Dollar
für die Ausfuhr von Ausrüstungen für die sowjetische Autoindustrie bestimmt.
Weiter wurden Lizenzen für die Ausfuhr nach Rumänien in Höhe von 8,9 Millionen
Dollar - meistens Walzwerksausrüstungen -, nach Polen in Höhe von 3,2 Millionen
Dollar - darunter ebenfalls Walzwerkausrüstungen - nach Ostdeutschland in Höhe
von 2,8 Millionen Dollar, nach der Tschechoslowakei in Höhe von 2,3 Millionen

�Millionen Dollar und nach Ungarn in Höhe von 2,1 Millionen Dollar ausgestellt.
Unter anderem haben die USA im ersten Quartal 1972 dem Bericht zufolge,
Mais im Werte von 53,3 Millionen Dollar nach der Sowjetunion, Baumwolle im
Werte von 6,5 Millionen Dollar und Sojabohnen im Werte von 6 Millionen Dollar
nach Polen, Mais im Werte von 7,5 Millionen Dollar nach Ostdeutschland, Baumwolle im Werte von 7,5 Millionen Dollar nach Rumänien, Sojabohnenölkuchen und
Mehl im Werte von 3 Millionen Dollar nach Ungarn sowie Hopfen im Werte von
1,8 Millionen Dollar und Sojabohnenölkuchen und Mehl im Werte von 2 Millionen
Dollar nach der Tschechoslowakei ausgeführt.
Nach den Angaben des Handelsministeriums wurden von den USA im Berichtszeitraum unter anderem Büchsenschinken im Werte von 8,2 Millionen Dollar aus
Polen, Diamanten, Palladium, Platin und Chromerz im Werte von 10,1 Millionen
Dollar aus der Sowjetunion, Raffinerieprodukte im Wert von 3,3 Millionen Dollar
aus Rumänien und Büchsenschinken im Werte von 1,4 Millionen Dollar aus Ungarn
eingeführt.

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DROGENKRIEG BIS ZUR BEDINGUNGSLOSEN KAPITULATION
Vereinigte Staaten ziehen erste Bilanz

- (AD) - Mehr als 2300 kg Heroin, 306 kg Kokain, 70 192 kg Marihuana,
3756 kg Haschisch und 207 Millionen Dosen gefährlicher anderer Drogen haben
in den letzten zwölf Monaten die amerikanischen Rauschgiftfahnder in Zusammenarbeit mit ausländischen Kollegen und Behörden beschlagnahmt. Im gleichen Zeitraum kam es zu 7771 Verhaftungen im Zusammenhang mit Rauschgiftdelikten. Diese
Angaben enthält ein Bericht, der am 17. September 1972 in Washington von der
Rauschgiftzentrale des amerikanischen Justizministeriums veröffentlicht wurde.
John E. Ingersoll, der Leiter der US-Bundesbehörde für Narkotika und gefährliche Dragen (BNDD), nahm ebenso wie Außenminister Rogers, CIA-Chef Richard
Helms und andere führende Vertreter von Regierung und Behörden an der dreitägigen Konferenz im US-Außenministerium teil, zu 3er die Sonderbeauftragten
für Rauschgiftbekämpfung an amerikanischen Botschaften in 55 Ländern nach
Washington gerufen wurden. Die US-Botschaft in Bonn wurde durch Gesandten Frank
Cash vertreten.
Die Konferenz zog eine Bilanz der bisherigen Ergebnisse der Aktionen, die,
wie Präsident Nixon darlegte, vor allem den internationalen Heroinhändlern gilt,
"die eine Gefahr nicht nur für die amerikanische Nation, sondern für die ganze
Menschheit bedeuten ... Unser Ziel ist die bedingungslose Kapitulation der
Schleichhändler des Todes, die mit Heroin Geschäfte machen ..., die totale
Verbannung des Drogenmißbrauchs aus dem Leben in Amerika. Wir werben sie mit

�mit jeder verfügbaren Waffe bekämpfen. Es geht um Leben und Zukunft unserer
Kinder - deshalb muß uns dies gelingen."
Präsident Nixon machte auch kein Hehl aus seiner Entschlossenheit, von
seinem Recht Gebrauch zu machen, Wirtschafts- und Militärhilfe für Regierungen
zu sperren, in denen führende Männer "sich an den Aktionen jener beteiligen
oder sie schützen, die zu unserem Drogenproblem beitragen". Der Versuch, den
Rauschgifthandel allmählich "auszutrocknen", zeitigt in den Vereinigten Staaten
erste Früchte. In New York schnellte in den letzten paar Monaten der Preis für
ein Gramm Heroin von 418 Dollar auf 785 Dollar in die Höhe, die Qualität des
Stoffs Hat sich erheblich verschlechtert. Ähnliches gilt für andere Großstädte
wie Boston und Baltimore. Aber noch bleibt viel zu tun, um wenigstens den Nachschub so weit wie nur irgend möglich zu unterbinden. An den dabei ergriffenen
Maßnahmen beteiligen sich mehr als 50 Länder in aller Welt.
Der Rauschgiftkrieg in Amerika dauert nun fast vier Jahre. In dieser Zeit
wurde, wie Eugene T. Rossides, Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium, erklärte, an der internationalen Front mehr gegen die Seuche Rauschgift getan als
in den vorangegangenen 35 Jahren. Dank der Initiative des Präsidenten wurden
die Maßnahmen erheblich ausgeweitet und auf eine andere Ebene angehoben - aus
interministeriellen Aktionen gegen den Mißbrauch von Narkotika, Marihuana und
gefährliche!Drogen entwickelten sich internationale Aktionen auf breiter Basis.
Zur besseren Koordinierung der Maßnahmen im In- und Island wurde im vergangenen
Jahr unter dem Vorsitz von Außenminister Rogers der Kabinettsausschuß für internationale Narkotika- und Rauschgiftbekämpfung geschaffen.
Den intensiven Bemühungen ist es u.a. zu verdanken, daß beispielsweise
Frankreich zum ersten Mal die Rauschgiftbekämpfung als Schwerpunktprogramm behandelt und dabei in letzter Zeit auch beachtliche Erfolge erzielte. Der Opiumnachschub aus der Türkei, aus der 70 Prozent des in die Vereinigten Staaten gelangten Rauschgifts kamen, dürfte bald versiegen. Die türkische Regierung hat
nunmehr den Anbau von Mohn zur Opiumgewinnung verboten. Umso mehr wird dann
allerdings der südostasiatische Raum als Zuliefergebiet zu beobachten sein.
Die

- 2-

�Die Erfassung, Behandlung und Rehabilitation Rauschgiftsüchtiger ist eine
besonders wichtige und gleichzeitig sehr schwierige Aufgabe. Die 16 Behandlungsprogramme, die die US-Regierung um die Jahreswende 1968/69 finanzierte, wurden
inzwischen auf 321 erweitert. Für die medizinische, soziale und berufliche Rehabilitation vor allem der jugendlichen Drogenabhängigen werden alle nur erdenklichen Möglichkeiten sondiert und erprobt. Für diese Zwecke allein sind im
Finanzjahr 197:./73

485,2 Millionen Dollar vorgesehen, der zehnfache Betrag

gegenüber den Ausgaben von 1969. Im Gesetz von 1971 zur Rauschgiftbekämpfung und
gegen Drogenmj.3brauch sind Bestimmungen verankert, die mehr Flexibilität r.'ei
der gerichtlichen Verfolgung von Ersttätern und eine Differenzierung bei Strafen
für Rauschgift-Delikte

insofern vorsehen, als Mißbrauch von Marihuana weniger

streng behandelt wird als von Heroin.
Die Zusammenarbeit der Bundesstaaten mit der Regierung in Washington bei
der Drogenbekämpfung ist selbstverständlich geworden. Sie bekommen von der
Bundesregierung beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt, um an allen Fronten
dagegen vorgehen zu können. Der sich jetzt abzeichnende Erfolg läßt erkennen,
daß dies der richtige Wej ist.

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MONITOR FÜR STICKSTOFFOXID IN DER LUFT

- (AD) - Am "National Bureau of Standards", dem US-Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen, wurde eine neue Methode zur quantitativen Bestimmung von Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) in Autoabgasen
und Emissionen von Industriebetrieben, insbesondere Kraftwerken, entwickelt.
Das Verfahren ist einfacher und wirtschaftlicher als die bisher angewandten
Methoden und wird hinsichtlich der Meßergebnisse durch andere Beimengungen wie
Schwefeldioxid oder Wasserdampf nicht gestört. Die Empfindlichkeit für Stickstoffmonoxid beträgt 3 ppm (d.h. Die Verunreinigung wird bei Vorhandensein von
nur drei Anteilen in 1 Million Anteilen Luft erfaßt, also bei einer Konzentration von 0,0003 % ) . Durch eine weitere Verbesserung der Komponenten des
Instruments - insbesondere der Lichtquelle, eines Infrarotlicht abstrahlenden
Kohlenmonoxid-Lasers, und des Infrarot-Detektors- dürfte die Empfindlichkeit
des Geräts sogar auf 0,1 ppm bzw. 0,00001 % zu steigern sein. Dann ließen sich
bereits Milliardstel Anteile von Stickstoffoxid in Luftproben ermitteln.
Das Arbeitsprinzip für das von A. Kaldor, W.B. Olson und A.G. Maki (alle
von der Abteilung Optische Physik des "National Bureau of Standards") entwickelte
Instrument ist die Verschiebung und Aufspaltung von Spektrallinien im Magnetfeld , der sog. Zeeman-Effekt. Als "Richtwert" bei der Ermittlung der NO-Konzentration dient das mit einheitlicher Wellenlänge abgegebene Infrarotlicht
des Kohlenmonoxid (CO)-Lasers, das beim Durchgang durch die zu analysierende
Luftprobe (Absorptionszelle) einen Teil seiner Energie verliert. Dadurch ergibt sich je nach den Bestandteilen der Luftprobe ein Absorptionsspektrum mit
Spektrallinien bei ganz bestimmten Wellenlängen. Die Beimengungen schlucken an
-

1 -

�I

an diesen "Stationen" entsprechend ihrer Konzentration Energie des Infrarotstrahls. Das bewirkt, daß der hinter der Absorptionszelle angebrachte Infrarotdetektor einen plötzlichen Abfall des Meßwertes für das Licht des CO-Lasers
anzeigt.
Die Absorptionszelle befindet sich zwischen den Polen eines Elektromagneten,
der ein Magnetfeld von 750 Gauss Stärke erzeugt. In diesem Magnetfeld erfahren
die •• relativ weit auseinanderliegenden und deshalb voneinander gut unterscheidbaren - Absorptionslinien für NO (Stickstoffmonoxid) und N0 2 (Stickstoffdioxid)
eine Aufspaltung in Zee an-Linien. Durch Anlegen eines zweiten, variablen Magnetfeldes von lO bis 100 Gauss läßt sich die Position der Zeeman-Linie z.B. für
NO im Spektrum verschieben, bis es zu deren stärkster Annäherung an die Spektrallinie für den CO-Las r bzw. zu einer Überlagerung mit ihr

kommt. Aus der dabei

vom Detektor gemessenen Intensität des infraroten Lichts ist durch Extrapolation
die Menge von Stickstoffoxid zu errechnen, die in der Luftprobe vorhanden ist.

+ + + + +

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ERDBEBEN VERÄNDERN MAGNETFELD
Wichtige Erkenntnisse für Erdbebenforschung aus dem Amchitka-Test

- (AD) - Durch die unterirdische Kernexplosion "Cannikin" vom 6. November
1971 auf der Aleuten-Insel Amchitka wurden nicht nur die Spannungsverhältnisse
im Untergrund, sondern auch die erdmagnetischen Feldstärken verändert. Wie die
Ergebnisse der regelmäßigen Beobachtungen in den letzten zehn Monaten zeigten,
handelt es sich dabei nicht um einan vorübergehenden, sondern um einen bleibenden
Effekt.
Zwar sind die Veränderungen minimal - es wurde z.B. ein Anstieg der Feldstärke um 13 Gamma diesseits einer Gesteinsversetzung, die sich in ca. 1600 m
Abstand vom Explosionsort befindet, dagegen ein Abfall bis zu 11 Gamma jenseits der Versetzung und außerdem ein markanter Abfall um 15 Gamma im Umkreis
von 15 Metern zu beiden Seiten der Versetzungslinie g "sssen. Im Vergleich zu
den je nach geographische

Breite unterschiedlichen Werten für das erdmagnetische

Feld, das im Bereich der Pole eine Feldstärke von ca. 50 000 Gamma (0,5 Gauss)
am Äquator von ca. 30 OOO Gamma aufweist, ist dies gewiß nicht viel. Aber die
Tatsache, daß Spannungsveränderungen im Untergrund das örtliche Magnetfeld meßbar beeinflussen können, gibt der Wissenschaft wahrscheinlich eine Chance, auf
Grund solcher Messungen die Erdbebenvorhersage merklich zu verbessern.
Dem Effekt liegt das Phänomen des Geo-Piezomagnetismus zugrunde, d.h. Veränderungen der magnetischen Eigenschaften von Gestein unter der Einwirkung von
Druck. Es wird schon seit langer Zeit als mögliches Anzeichen für ein bevor-

-

I

-

�bevorstehendes

Erdbeben diskutiert, jedoch gibt es bisher nur ganz wenige

Messungen magnetischer Feldveränderungen im Zusammenhang mit Spannungsveränderungen in der Erdrin ;e. Die Daten vom Cannikin-Experiment jedoch, über
die Dr. W. '. Hasbrouck vom Institut für Erdwissenschaften und J.H. Allen vom
Nationalen Datenzentrum für Geophysik und Solarforschung in Boulder (Colorado)
jetzt berichteten, liefern den Beweis für das Auftreten solcher Magnetfeldveränderungen und bilden eine wichtige Grundlage, um festzustellen, inwieweit
sie als Vorboten von Erdbeben gewertet werden können. Der nächste Schritt bestünde dann in dem Versuch, die Zusammenhänge zwischen Spannungen im Gestein
bzw. der Erdrinde und regionalen oder örtlichen geomagnetischen Effekten
quantitativ zu erfassen. Für die Auswertung des unter bekannten Bedingungen
durchgeführten Versuchs auf der Insel Amchitka bedeutete dies, sagen zu können,
welche nach der Explosion aufgetretenen Spannungswerte den einzelnen Magnetfeldveränderungen zuzuordnen sind.
Im Laboratorium werden entsprechende Versuche mit meßbaren Effekten bereits seit geraumer Zeit durchgeführt. Aber in der Natur waren sie vor
"Cannikin" nur äußerst selten zu beobachten und nicht mit Sicherheit nachzuweisen. Hasbrouck und Allen werden das Ergebnis ihrer Untersuchungen auf
Amchitka gegen Ende des Jahres im "Bulletin of the Seismological Society of
America" veröffentlichen. Sie benutzten Protonen-Präzessionsmagnetometer, die
noch Feldstärkenveränderungen von 1/8 Gamma registrieren.

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�</text>
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