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5/1973

PROTOKOLL ÜBER DIE KONTROLL- UND ÜBERWACHUNGSKOMMISSION

WASHINGTON — (AD) -- Das am 24. Januar vom Weißen Haus in Washington
veröffentlichte Protokoll über die Internationalt

Kontroll- und Über-

wachungskommission hat folgenden Wortlaut:
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben zur
Durchführung von Artikel 18 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam, der die Schaffung einer Internationalen Kontroll- und Überwachungskommission vorsieht, folgendes vereinbart:

Artikel 1

Für die Durchführung des Abkommens sind die Parteien verantwortlich, die das Abkommen unterzeichnet haben.
Die Funktionen der Internationalen Kommission bestehen darin,
die Durchführung der in Artikel 18 des Abkommens erwähnten Bedingungen
zu kontrollieren und zu überwachen. In Ausübung dieser Funktionen soll
die Internationale Kommission:
a)

die Durchführung der oben erwähnten Bestimmungen des Abkommens
- 1 -

�Abkommens durch Kommunikation mit den Parteien sowie durch direkte Beobachtung an den Plätzen verfolgen, wo dies erforderlich wird;
b)

solche Verletzungen der Bestimmungen untersuchen, die unter die

Kontrolle und Überwachung der Kommission fallen;
c)

wenn notwendig mit den Gemeinsamen Militärkonimissionen zusammen-

arbeiten, um Verletzungen der oben erwähnten Bestimmungen zu verhindern
und festzustellen.

Artikel 2
Die Internationale Kommission soll Verletzungen der in Artikel 18
des Abkommens dargelegten Bestimmungen nachprüfen und zwar auf Ersuchen
der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission oder der Gemeinsamen ZweierMilitärkommission oder irgendeiner der Parteien oder im Hinblick auf
Artikel 9 b des Abkommens über allgemeine Wahlen auf Ersuchen des Nationalrates der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht oder in jedem Fall,
wo die Internationale Kommission andere ausreichende Gründe für die Annahme hat, daß eine Verletzung dieser Bestimmungen stattgefunden hat.
Dabei wird davon ausgegangen, daß die Internationale Kontrollkommission
bei der Durchführung dieser Aufgaben mit der Unterstützung und der Zusammenarbeit der betroffenen Parteien, wenn dies erforderlich ist,
arbeiten wird.

Artikel 3
a)

Wenn die Internationale Kommission eine ernsthafte Verletzung bei

der Durchführung des Abkommens oder eine Bedrohung für den Frieden feststellt, gegen die die Kommission keine angemessene Maßnahme treffen kann,
dann soll die Kommission dies den vier Parteien des Abkommens melden,
damit diese Konsultationen wegen einer Lösung abhalten können.
b)

�I

b)

Gemäß Artikel 18 f des Abkommens sollen die Berichte der Inter-

nationalen Kommission seitens der Vertreter aller vier Mitglieder einstimmig unterbreitet werden. Falls keine Einstimmigkeit erreicht wird,
soll die Kommission gemäß Artikel 18 b des Abkommens die von einander
abweichenden Ansichten den vier Parteien oder gemäß Artikel 18 c des
Abkommens den beiden südvietnamesischen Parteien zuleiten; diese werden
nicht als Berichte der Kommission angesehen.
Artikel 4
a)

Das Hauptquartier der Internationalen Kommission soll in Saigon sein.

b)

Es soll 7 regionale Gruppen geben, die in den auf der beigefügten

Karte aufgezeigten Regionen eingesetzt werden und an den folgenden Orten
stationiert sind:
Regionen:

Orte:

I

Hue

II

Danang

III

Pleiku

IV

Phan Thiet

V

Bien Hoa

VI

My Tho

VII

Can Tho

Die Internationale Kontrollkommission soll 3 Gruppen für die Region
Saigon-Gia Dinh abstellen.
c)

Es soll 26 Gruppen geben, die in den auf der beigefügten Karte auf-

gezeigten Gebieten tätig und an den folgenden Orten in Südvietnam stationiert
sind:
Region I:

- 3 -

�Region I;

Region II:

Region III;

Region IV;

Quang Tri

Hoi An

Kontum

Da Lat

Phu Bai

Tarn Ky

Hau Bon

Bao Loc

Chu Lai

Phu Can

Phan Rang

Tuy An
Ninh Hoa
Ban Me Thuot
Region V;

Region Vi;

Region VII;

An Loc

Moc Hoa

Tri Ton

Xuan Loc

Giong Trom

Vinh Long

Ben Cat

Vi Thanh
Khanh Hung
Quan Long

d)

Es soll 12 Gruppen geben, die - wie auf der beigefügten Karte ge-

zeigt - eingesetzt und an den folgenden Orten stationiert sind:
Gio Linh (zur Erfassung des Gebietes südlich der provisorischen militärischen Demarkationslinie)
Lao Bao
Ben Het
Duc Co
Chu Lai
Qui Nhon
Nha Trang
Vung Tau
Xa Mat
Bien Hoa (Flugstützpunkt)
Hong Ngu
Can Tho
e)
- 4-

�e)

Es soll 7 Gruppen geben, von denen 6 zur Verfügung stehen, um für

die Übergangsstellen abgestellt zu werden, die nicht unter obigem Paragraph
d angeführt sind und die die beiden südvietnamesischen Parteien im Zuge der
nach Artikel 7 des Abkommens gestatteten Ersatzbeschaffung von Waffen, Munition und Kriegsmaterial als legitime Übergangspunkte auswählen. Jede Gruppe
oder Anzahl von Gruppen, die für die oben erwähnte Aufgabe nicht benötigt
werden, sollen in Übereinstimmung mit der Verantwortlichkeit der Kommission für Kontrolle und Überwachung für andere Aufgaben zur Verfügung
stehen.
f)

Es soll 7 Gruppen geben, die die Rückführung des von den Parteien ge-

fangengehaltenen und internierten Personals kontrollieren und überwachen.

Artikel 5
a)

Zur Durchführung der Aufgaben bezüglich der Rückführung der von den

Parteien gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten,
wie dies in Artikel 8 a des Abkommens vereinbart worden ist, soll die
Internationale Kommission während des Zeitraums der Rückführung eine
Kontroll- und Überwachungsgruppe zu jeder Stelle in Vietnam entsenden,
an der die Rückführung der gefangengehaltenen Personen erfolgt sowie zu
den letzten Internierungslagern, von denen aus diese Personen an die
Rückführungsstellen gebracht werden.
b)

Zur Durchführung der Aufgaben bezüglich der Rückführung der in Süd-

vietnam gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten,
wie dies in Artikel 8 c des Abkommens ausgeführt ist, soll die Internationale Kommission während des Zeitraums der Rückführung eine Kontrollund Überwachungsgruppe zu jeder Stelle in Südvietnam entsenden, an der die
Rückführung der oben erwähnten gefangengehaltenen und internierten Personen
erfolgt sowie zu den letzten Internierungslagern, von denen aus diese

- 5-

�diese Personen an die Rückführungsstellen gebracht werden.

Artikel 6

Zur Durchführung der Aufgaben bezüglich Artikel 9 b des Abkommens
über freie und demokratische allgemeine Wahlen in Südvietnam soll die
Internationale Kommission - wenn notwendig - weitere Gruppen bilden.
Die Internationale Kommission soll diese Frage im voraus mit dem Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht erörtern. Sollten
weitere Gruppen für diesen Zweck erforderlich werden, sollen sie 30 Tage
vor Abhaltung der allgemeinen Wahlen gebildet werden.

Artikel 7
Die Internationale Kommission soll ihre Größe kontinuierlich überprüfen und die Zahl ihrer Gruppen, ihrer Vertreter oder ihres anderen
Personals (oder der beiden) reduzieren, wenn diese Gruppen, diese Vertreter oder dieses Personal die ihnen zugeteilten Aufgaben erfüllt haben
und nicht mehr für andere Aufgaben erforderlich sind. Gleichzeitig sollen
die Ausgaben der Internationalen Kommission entsprechend verringert werden.

Artikel 8
Jedes Mitglied der Internationalen Kommission soll jederzeit die
folgende Anzahl qualifizierten Personals verfügbar machen:
a)

einen leitenden Vertreter und 26 andere für den Stab des Hauptquartiers;

b)

5 Vertreter für jede der sieben regionalen Gruppen;

c)

zwei für jede der anderen internationalen Kontrollgruppen mit Ausnahme

der in Gio Linh und Vung Tau stationierten Gruppen, die jeweils drei Ver-

- 6-

�Vertreter haben werden;
d)

116 Personen, die das Hauptquartier der Kommission sowie ihre

Gruppen unterstützen sollen.

Artikel 9
a)

Die Internationale Kommission und jede ihrer Gruppen soll als

einzelnes Gremium handeln, das sich aus Vertretern aller vier Mitglieder
zusammensetzt.
b)

Jedes Mitglied ist dafür verantwortlich, daß die Präsenz seiner Ver-

treter auf allen Ebenen der Internationalen Kommission sichergestellt ist.
Falls ein Vertreter nicht anwesend ist, soll das betroffene Mitglied unverzüglich einen Ersatzmann bestimmen.

Artikel 10

a)

Die Parteien sollen der Internationalen Kommission volle Zusammen-

arbeit, Unterstützung und Schutz gewähren.
b)

Die Parteien sollen zu jeder Zeit eine reguläre und kontinuierliche

Verbindung zur Internationalen Kommission unterhalten. Solange die Gemeinsame Vierer-Militärkommission besteht, sollen die Delegationen der
Parteien bei dieser Kommission ebenfalls Verbindungsfunktionen zur Internationalen Kommission ausüben. Nachdem die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat, soll eine derartige Verbindung durch
die Gemeinsame Zweier-Militärkommission, durch Verbindungsmissionen oder
durch andere angemessene Mittel aufrechterhalten werden.
c)

Die Internationale Kommission und die Gemeinsamen Militärkommissionen

sollen eng miteinander zusammenarbeiten und sich gegenseitig bei der Durch-

- 7-

�Durchführung ihrer jeweiligen Funktionen unterstützen.
d)

Wo immer eine Gruppe stationiert oder tätig ist, soll die betrof-

fene Partei einen Verbindungsoffizier für diese Gruppe abstellen, um mit
ihr zusammenzuarbeiten und sie bei der störungsfreien Durchführung ihrer
Kontroll- und Überwachungsaufgaben zu unterstützen. Wenn eine Gruppe eine
Untersuchung durchführt, soll ein Verbindungsoffizier von jeder betroffenen Partei die Möglichkeit haben, sie zu begleiten, vorausgesetzt, daß
die Untersuchung dadurch nicht verzögert wird.
e)

Jede Partei soll der Internationalen Kommission in einem angemessenen

Zeitraum im voraus Mitteilung über alle beabsichtigten Maßnahmen bezüglich
jener Bestimmungen des Abkommens machen, die von seiten der Internationalen
Kontrollkommission kontrolliert und überwacht werden sollen.

f)

Der Internationalen Kommission einschließlich ihrer Gruppen sind

zum Zwecke der Beobachtung solche Bewegungen gestattet, die vernünftigerweise für die genaue Ausübung ihrer Funktionen, wie dies in dem Abkommen
vereinbart wurde, erforderlich sind. Bei der Ausübung dieser Funktionen
soll der Internationalen Kommission einschließlich ihrer Gruppen jede notwendige Unterstützung und Zusammenarbeit seitens der betroffenen Parteien
gewährt werden.

Artikel 11
Bei der Überwachung der Abhaltung der freien und demokratischen
allgemeinen Wahlen, wie dies in Artikel 9 b und 12 b des Abkommens in
Übereinstimmung mit den Modalitäten, die zwischen dem Nationalrat der
Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht und der Internationalen Kommission vereinbart werden sollen, beschrieben wird, soll die letztere
volle Zusammenarbeit und Unterstützung seitens des Nationalrates erhalten.
Artikel 12

�Artikel 12
Die Internationale Kommission und ihr Personal, das die Nationalität
eines Mitgliedsstaates hat, soll sich bei der Ausübung ihrer Aufgaben der
Privilegien und der Immunität erfreuen, wie sie den diplomatischen Missionen
und den diplomatischen Vertretern gewährt werden.

Artikel 13
Die Internationale Kommission kann sich der Kommunikations- und der
Transportmittel bedienen, die zur Durchführung ihrer Funktionen notwendig
sind. Jede südvietnamesische Partei soll der Internationalen Kommission
auf Mietbasis geeignete Büro- und Wohnmöglichkeiten zur Verfügung stellen
und sie bei der Anmietung dieser Einrichtungen unterstützen. Die Internationale Kommission kann von den Parteien - nach beiderseitig vereinbarten Bedingungen - die erforderlichen Kommunikations- und Transportmittel erhalten und kann von jeder anderen Stelle die erforderliche Ausrüstung und die Dienstleistungen erwerben, die von den Parteien nicht
erlangt werden konnten. Die Internationale Kommission soll diese Mittel
in Besitz haben.

Artikel 14
Die Kosten für die Tätigkeit der Internationalen Kommission sollen
von den Parteien und den Mitgliedern der Internationalen Kommission gemäß
den Bestimmungen dieses Artikels getragen werden:
a)

Jedes Mitgliedsland der Internationalen Kommission soll die Gehälter

und Aufwandsentschädigungen seines Personals bezahlen;
b)

alle weiteren Ausgaben, die durch die Internationale Kommission ent-

stehen, sollen aus einem Fonds beglichen werden, zu dem jede der vier
Parteien 23 Prozent und jedes Mitglied der Internationalen Kommission zwei
- 9-

�zwei Prozent beitragen;
c)

innerhalb von 30 Tagen nach Inkrafttreten dieses Protokolls soll jede

der vier Parteien der Internationalen Kommission eine erste Zahlung von
umgerechnet 4,5 Millionen französischen Francs in konvertierbarer Währung
leisten; diese Summe soll gegen den von jeder Partei im Rahmen des ersten
Budgets zu entrichtenden Betrag aufgerechnet werden.
d)

Die Internationale Kommission soll ihre eigenen Budgets aufstellen.

Nachdem die Internationale Kommission ein Budget gebilligt hat, soll sie
es allen Parteien, die das Abkommen unterzeichnet haben, zur Zustimmung
vorlegen. Erst wenn die vier Parteien des Abkommens die Budgets gebilligt
haben, werden sie verpflichtet sein, ihre Beiträge zu leisten. Falls die
Parteien des Abkommens sich nicht über ein neues Budget einigen können,
soll die Internationale Kommission ihre Ausgaben vorübergehend auf das
vorherige Budget stützen, mit Ausnahme der außergewöhnlichen einmaligen
Ausgaben für ihre Einrichtung oder für den Erwerb von Ausrüstung, und die
Parteien sollen dann ihre Beiträge auf dieser Basis solange entrichten,
bis ein neues Budget gebilligt worden ist.

Artikel 15
a)

Das Hauptquartier soll innerhalb von 24 Stunden nach dem Waffenstill-

stand einsatzfähig und eingerichtet sein.
b)

Die regionalen Gruppen sollen innerhalb von 48 Stunden nach dem Waffen-

stillstand einsatzfähig und an Ort und Stelle sein, und drei Gruppen, die
die Rückführung des gefangengehaltenen und internierten Personals überwachen und kontrollieren sollen, sollen ebenfalls binnen 48 Stunden einsatzbereit sein.

£2
- 10 -

�c)

Andere Gruppen sollen innerhalb von 15 bis 30 Tagen einsatzfähig

und an Ort und Stelle sein.

Artikel 16

Zusammenkünfte sollen auf Einladung des Vorsitzenden stattfinden.
Die Internationale Kommission soll weitere Arbeitsverfahren aufstellen,
die der wirksamen Ausübung ihrer Funktionen angemessen sind und in Übereinstimmung mit der Respektierung der Souveränität Südvietnams stehen.

Artikel 17
Die Mitglieder der Internationalen Kommission akzeptieren die Verpflichtungen dieses Protokolls, indem sie den vier Parteien, die das
Abkommen unterzeichnet haben, Noten der Zustimmung übermitteln. Sollte
ein Mitglied der Internationalen Kommission sich entscheiden, sich aus
der Internationalen Kommission zurückzuziehen, dann kann dies geschehen,
indem das Mitglied drei Monate im voraus den vier Parteien des Abkommens
durch Noten davon Kenntnis gibt; in einem solchen Falle sollen die vier
Parteien untereinander Konsultationen führen, mit dem Ziel, sich über ein
Ersatzmitglied zu einigen.
Artikel 18
Dieses Protokoll soll nach Unterzeichnung durch die bevollmächtigten
Vertreter aller an der Pariser Vietnam-Konferen beteiligten Parteien in
Kraft treten. Es soll von allen betroffenen Parteien strikt durchgeführt
werden.
Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen
und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.
Für

- 11 -

�Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

- 12 -

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Duy Trinh

Nguyen Thi Binh

Außenminister

Außenminister

- 13 -

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris,
Sonnabend Nachmittag, Pariser Zeit,
27. Januar 1973

PROTOKOLL ZUM ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES
UND DIE WIEDERHERSTELLUNG DES FRIEDENS IN VIETNAM
BEZÜGLICH DER INTERNATIONALEN KONTROLL- UND ÜBERWACHUNGSKOMMISSION

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
in Übereinstimmung mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung mit der provisorischen Revolutionsregierung der
Republik Südvietnam,

haben zur Durchführung von Artikel 18 des an diesem Tage unterzeichneten
Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des
Friedens in Vietnam, der die Schaffung einer Internationalen Kontrollund Überwachungskommission vorsieht, folgendes vereinbart:
(Artikel 1-17 des Protokolls sind identisch mit obigen Artikeln)

Artikel 18
Das Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam bezüglich der Internationalen Kontroll- und Überwachungskommission soll mit Unterzeichnung
dieses Dokumentes durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika und den Außenminister der Regierung der Demokratischen
- 14 -

�Demokratischen Republik Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokumentes
gleichen Inhalts durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika, den Außenminister der Regierung der Republik Vietnam,
den Außenminister der Demokratischen Republik Vietnam und den Außenminister
der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam in Kraft
treten. Das Protokoll soll von allen betroffenen Parteien strikt ausgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen
und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Demokratischen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

+++

- 15 -

�</text>
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5/1973

DAS PROBLEIM VIETNAM (Chronologie)
Von Alexander Sullivan

WASHINGTON — ( A D ) — Das Problem Vietnam reicht - politisch gesehen - in
seinem Ursprung bis ins 19. Jahrhundert zurück. Von den sechziger Jahren
des vergangenen Jahrhunderts an bis zur Besetzung durch die Japaner im zweiten Weltkrieg war dieses Gebiet Indochinas französische Kolonie. Präsident
Roosevelt wollte nach Beendigung des zweiten Weltkrieges Indochina zu einem
internationalen Treuhandgebiet machen, um ihm schließlich die völlige Unabhängigkeit zu geben. Frankreich unter Charles de Gaulle aber wollte das Gebiet zurückhaben und sicherte ihm einen neuen politischen Status in der französischen Gemeinschaft zu.
Japan verlor den Krieg; Präsident Roosevelt starb kurz vor Kriegsende,
und die Franzosen gewannen Indochina zurück. Seither hat das vietnamesische
Volk, das seit langem eine nationale Selbständigkeit anstrebte, praktisch beständig im Krieg gestanden. Nachfolgend einige wichtige Daten aus der leidgeprüften Geschichte Vietnams seit Ende des zweiten Weltkrieges:

August 1945:

-1-

�August 1945: Mit der "August-Revolution" entsteht die Demokratische
Republik Vietnam (DRV), die sich - unter der Führung von Ho Tschi Minh in
Nordvietnam (Tongking), wo Nationalchina die Besatzungsmacht ist, fest
etabliert, dagegen in Zentralvietnam (dem ehemaligen Annam) und Südvietnam
(Kotschinchina) - das unter britischer Besatzung steht - nicht die gleiche
Macht gewinnt. Kaiser Bao Dai dankt zugunsten der neuen Republik ab.
6. März 1946: Frankreich und der Viet Minh einigen sich über die Rückkehr französischer Truppen nach Tongking. Frankreich anerkennt die Demokratische Republik Vietnam als "freien Staat mit eigener Regierung....";
ein Referendum soll darüber entscheiden, ob Teile von Annam und Kotehinchina
zur Demokratischen Republik Vietnam gehören werden. (Von diesem Augenblick
an setzt ein Guerillakrieg im Lande ein, der die Verhandlungen zwischen
dem Viet Minh und Paris wie ein Kontrapunkt begleitet).
5. Juni 1948: Mit Bao Dai an der Spitze bilden die Franzosen den Staat
Vietnam (Annam), dem später Kotehinchina zugefügt wird.
8. März 1949: Durch das Elys£e-Abkommen werden die Staaten Vietnam,
Laos und Kambodscha als unabhängige in der französischen Union assoziierte
Staaten begründet.
18. Januar 1950: Die Demokratische Republik Vietnam wird vom kommunistischen China diplomatisch anerkannt; 12 Tage später erfolgt die diplomatische
Anerkennung durch die Sowjetunion.
7. Februar 1950: Die Vereinigten Staaten und Großbritannien erkennen die
Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha diplomatisch an.
8. Mai 1950: Die Vereinigten Staaten erklären sich bereit, Frankreich
und seinen assoziierten Staaten Militär-und Wirtschaftshilfe zu gewähren.

27.Juni 1950:

�27. Juni 1950: Im Rahmen des an die amerikanischen Truppen ergangenen
Befehls, die nordkoreanischen Invasoren aus Südkorea zurückzudrängen, gibt
Präsident Truman die Anweisung zur Entsendung einer militärischen Mission
nach Indochina und beschleunigt die Unterstützung Frankreichs und seiner
assoziierten Staaten in ihrem Kampf gegen den Druck der Kommunisten.
12. Dezember 1952: Der NATO-Rat erklärt, daß der französische Kampf
in Indochina seitens der Mitglieder der NATO"anhaltende Unterstützung
verdient".
7. Mai 1954: Mit der Eroberung des vorgeschobenen Stützpunktes Dien
Bien Phu nach einer 56-tägigen Belagerung versetzt der Viet Minh dem Selbstgefühl Frankreichs einen schweren Schlag.
20. Juli 1954: Die Genfer Konferenz führt zu einer zeitweiligen Einstellung der Kämpfe - Vietnam wird entlang des 17. Breitengrades geteilt.
21. Juli 1954: In einer gesonderten, aber nicht unterzeichneten Deklaration fordert die Genfer Konferenz die Wiedervereinigung Vietnams durch
Wahlen bis zum 20. Juli 1956. (Diese Wahlen fanden jedoch niemals statt;
Südvietnam stellt die Behauptung auf, daß "gefälschte" Wahlen im Norden
die wahrhaft freien Wahlen im Süden überspielen würden).
August 1954: Über eine Million Vietnamesen flüchten aus dem Norden
und suchen Zuflucht in Südvietnam.
24. Oktober 1954: Präsident Eisenhower ordnet eine direkte Hilfe für
Südvietnam an.
23. Oktober 1955: Bao Dai wird nach Wahlen von den Südvietnamesen als
Staatsoberhaupt abgesetzt. Drei Tage später wird die Republik Vietnam gegründet mit Ngo Dinh Diem als Präsident.
4. Juli 1956: Die im März gewählte Verfassunggebende Versammlung
beschließt eine südvietnamesische Verfassung.
2.Juni 1962:

�2. Juni 1962: Indien und Kanada als Mitglieder der Internationalen Kontrollkommission informieren die Sowjetunion und Großbritannien als die beiden Ko-Vorsitzenden der Genfer Konferenz, daß sich Nordvietnam der Subversion
und der verschleierten Aggression gegen Südvietnam im Widerspruch zu den Genfer Abkommen von 1954 schuldig gemacht habe.
2.-4.August 1964: Präsident Johnson ordnet Luftangriffe gegen Nordvietnam an, nachdem zwei amerikanische Zerstörer außerhalb der Hoheitsgewässer
vor Nordvietnam angegriffen wurden.
7. August 1964: Mit überwältigender Mehrheit beschließt der amerikanische Kongreß, Präsident Johnson freie Hand für alle seiner Ansicht nach notwendigen Maßnahmen zur Förderung des Friedens und der Sicherheit in Südostasien zu geben.
1. Januar 1965: Die Zahl der amerikanischen Militärberater in Südvietnam
ist auf schätzungsweise 23 000 Mann gestiegen.
8. März 1965: Die ersten amerikanischen Trupperiverbände treffen in Vietnam zum Schutze der amerikanischen Anlagen ein.
9. Dezember 1965: Ho Tschi Minh bezeichnet die von Präsident Johnson gemachten Friedensvorschläge als "absolut unannehmbar."
10. Juli 1966: Das amerikanische Verteidigungsministerium gibt bekannt,
daß die Zahl der amerikanischen Truppen in Südvietnam bis zum Frühjahr 1967
auf 425 000 Mann ansteigen werde. Am Ende waren über 500 000 amerikanische
Soldaten in Vietnam stationiert.
28. März 1967: Der Generalsekretär der Vereinten Nationen,U Thant, schlägt
eine Feuereinstellung vor - Washington und Saigon nehmen diesen Vorschlag an,
doch Hanoi lehnt ab.

30. Januar 1968:

�30. Januar 1968: Beginn der kommunistischen TET-Offensive, deren erste
Angriffswelle sich gegen etwa die Hälfte aller Provinzhauptstädte in Südvietnam sowie gegen 25 Flugplätze und das amerikanische Botschaftsgebäude
in Saigon richtet.
31. März 1968: Präsident Johnson ordnet die Einstellung der Luftangriffe auf Ziele nördlich des 20. Breitengrades an und verspricht die völlige
Einstellung der Bombenangriffe, wenn Hanoi die Kampftätigkeit einschränkt.
10. Mai 1968: Delegierte der Vereinigten Staaten und Nordvietnams treffen zum ersten Mal zu vorbereitenden Gesprächen über eine Beendigung des
Krieges zusammen.
20. Juli 1968: Präsident Johnson versichert, Washington werde es nicht
zulassen, daß Südvietnam gegen seinen Willen eine Koalitionsregierung unter
Beteiligung der Kommunisten aufgezwungen wird.
31. Oktober 1968: Um den Beginn produktiver Friedensgespräche zu erleichtern, ordnet Präsident Johnson die Einstellung sämtlicher amerikanischer
Luftangriffe gegen Nordvietnam an.
14. Mai 1969: Nach einem Zusammentreffen mit dem südvietnamesischen
Staatspräsidenten Thieu auf den Midway-Inseln ruft Präsident Nixon 25 000
amerikanische Soldaten aus Vietnam zurück.
4. August 1969: Der Sonderberater des Präsidenten für Fragen der
Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, beginnt eine Reihe von Geheimgesprächen mit dem Vertreter Hanois, dem nordvietnamesischen Politbüromitglied
Le Duc Tho,in Paris.
4. September 1969: Radio Hanoi meldet den Tod Ho Tschi Minhs.
7. Oktober 1970: Präsident Nixon umreißt die Grundzüge eines Friedensplanes, der eine politische Lösung vorsieht, die den gegebenen Verhältnissen der politischen Kräfte in Südvietnam entspricht, sowie einen Waffen-

�Waffenstillstand, einen Truppenabzug nach einem festgelegten Plan und die
Freilassung der Kriegsgefangenen.
7. April 1971: Präsident Nixon ruft weitere L00 000 amerikanische Soldaten aus Vietnam zurück.
31. Mai 1971: Bei einem Geheimgespräch zwischen Kissinger und Le Duc
Tho in Paris bietet Washington die Festlegung eines bestimmten Zeitpunktes
für den Truppenabzug an, wenn Hanoi dafür die Kriegsgefangenen freilassen
würde. Hanoi lehnt diesen Vorschlag für eine militärische Lösung ab und besteht auf einer umfassenden - politischen wie militärischen - Lösung, die
unter anderem den Sturz des südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu vorsieht.
25. Januar 1972: Präsident Nixon gibt die zwischen Kissinger und Le
Duc Tho geführten geheimen Gespräche bekannt und fordert gleichzeitig Hanoi
zu Verhandlungen auf. Der Präsident schlägt einen Waffenstillstand an Ort
und Stelle sowie die Freilassung aller Gefangenen und den Abzug der amerikanischen und alliierten Truppen aus Vietnam vor. Außerdem erklärt Nixon, daß
Staatspräsident Thieu einen Monat vor dem Termin für Neuwahlen von seinem Amt
zurücktreten werde.
30. März 1972: Nordvietnam beginnt mit starken militärischen Kräften
eine Invasion nach Südvietnam über die entmilitarisierte Zone hinweg.
8. Mai 1972: Präsident Nixon ordnet die Verminung der nordvietnamesischen Häfen und Luftangriffe auf militärische Depots an, um den Invasionstruppen den Nachschub abzuschneiden.
29. August 1972: Präsident Nixon kündigt an, daß die amerikanische
Truppenstärke in Südvietnam bis zum 1. Dezember auf 27 000 Mann reduziert
werden soll, versichert aber zugleich, daß einige amerikanische Truppeneinheiten solange in Vietnam bleiben würden, bis Hanoi die amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen hat.
8.Oktober 1972:

-6-

�8. Oktober 1972: Auf einer geheimen Konferenz Ln Paris erklärt sich
der Vertreter Nordvietnams Le Duc Tho zum ersten Mal bereit, den militärischen Aspekt einer Vietnamlösung von dem politischen zu trennen. Ein Vertragsentwurf wird aufgesetzt, der einen Waffenstillstand an Ort und Stelle
unter internationaler Überwachung, die Freilassung aller amerikanischen Gefangenen und die Schaffung eines Nationalrates der Wiederaussöhnung und Eintracht vorsieht, der unter internationaler Überwachung die Durchführung neuer Wahlen in Südvietnam in die Wege leiten soll.
26.Oktober 1972: Der Entwurf wird von Radio Hanoi bekanntgegeben, wobei
die Vereinigten Staaten gleichzeitig beschuldigt werden, sie wollten sich
an die gegebene Zusage, dieses Abkommen bis zum 31- Oktober zu unterzeichnen,
nicht halten. Dr. Kissinger erklärt, daß gewisse Unklarheiten und Nuancen
im Text des Entwurfes einer weiteren Verbesserung und Klärung bedürften. Nach
seiner Ansicht sollten diese Schwierigkeiten jedoch durch eine weitere Konferenz von drei bis vier Tagen ausgeräumt werden können.
25. November 1972: Nach sechs weiteren Konferenzsitzungen werden die
vertraulichen Gespräche zwischen Kissinger und Tho bis zum 4. Dezember vertagt.
4. Dezember 1972: Kissinger und der Vertreter Nordvietnams Le Duc
Tho kommen erneut in Paris zu vertraulichen Verhandlungen zusammen.
13. Dezember 1972: Die Gespräche zwischen Kissinger und Le Duc Tho
werden vorerst ausgesetzt; Kissinger fliegt nach Washington zurück.
14. Dezember 1972: Kissinger führt eine Reihe von Konsultationen mit
Präsident Nixon, Vizepräsident Agnew, Außenminister Rogers und Verteidigungsminister Laird.
16. Dezember 1972: Auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt
Kissinger, daß die vertraulichen Gespräche in Paris ausgesetzt wurden, weil

-7-

�weil Nordvietnam sich weigerte, ernsthaft weiter zu verhandeln.
17. Dezember 1972: Der Stellvertreter Kissingers, General Alexander
Haig, fliegt von Washington zu einer sechstägigen Reise nach Südostasien, wobei er auch mit dem südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu konferiert.
18. Dezember 1972: Verstärkung des Einsatzes der amerikanischen Luftwaffe gegen strategische militärische Ziele in Nordvietnam entsprechend der von
Präsident Nixon am 8. Mai abgegebenen Erklärung.
30. Dezember 1972: Das Weiße Haus gibt bekannt, daß Kissinger am 8. Januar zur Wiederaufnahme der geheimen Gespräche mit Le Duc Tho nach Paris zurückkehren wird

und daß am 2. Januar Experten beider Seiten ebenfalls in

Paris technische Gespräche aufnehmen werden. Präsident Nixon ordnet die Einstellung der amerikanischen Luftangriffe auf militärische Ziele in Nordvietnam jenseits des 20. Breitengrades an.
2. Januar 1973: Die technischen Experten kommen in Paris zusammen.
8. Januar 1973: Kissinger und Le Duc Tho nehmen ihre vertraulichen Gespräche wieder auf.
13. Januar 1973: Kissinger fliegt nach den Vereinigten Staaten zu Konsultationen mit Präsident Nixon zurück.
14. Januar 1973: General Haig fliegt erneut nach Saigon zu Konsultationen mit dem südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu.
15. Januar 1973: Präsident Nixon ordnet die einseitige Einstellung der
amerikanischen Luftangriffe, der Beschießung und der Verminung der Häfen Nordvietnams an.
18. Januar 1973: Washington und Hanoi geben gemeinsam bekannt, daß
Kissinger und Le Duc Tho am 23. Januar erneut in Paris zusammenkommen werden, um dem Wortlaut des Abkommens seine endgültige Gestaltung zu geben.

23. Januar 1973:

�23. Januar 1973: Präsident Nixon gibt bekannt, daß an diesem Tage um
12:30 Uhr Pariser Zeit das Abkommen über die Beendigung des Krieges und
die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam von Kissinger und Le Duc Tho
paraphiert worden ist.
27. Januar 1973: Das Abkommen wird von den Außenministern der an der
Pariser Vietnam-Konferenz Beteiligten im internationalen Konferenzgebäude
in Paris formell unterzeichnet.

-9-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;Das Problem Vietnam (Chronologie)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Alexander Sullivan&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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DOKU mefltotion

T e i e x : 08 • 8 54 32

4

2 4 . Januar 1973

Inhalt
INFORMATION:
Erklärung Präsident Nixons zum Waffenstillstand in Vietnam
-WortlautLyndon B. Johnson-Sein Glaube war Amerika
Minicomputer-Ausstellung im US-Handelszentrum in Frankfurt

DOKUMENTATION:
Die Antrittsrede Präsident Nixons
-WortlautAußenminister Rogers fordert neue Friedensbemühungen im Nahen Osten
-Auszüge aus seiner Anspräche vom 17. Januar-

HINTERGRUND:
Die Wahl zeigt: Die Amerikaner wollen den Wandel
Von Louis Harris

WIRTSCHAFT:
Die kommenden amerikanisch-europäischen Handels-und Währungsverhandlungen
-Rede des scheidenden US-Handelsministers Peterson in New York-

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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4/1973

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS ZUM WAFFENSTILLSTAND IN VIETNAM
•Wort l a u t -

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am Abend des 23. Januar (Washingtoner Zeit) in einer Rundfunk~und Fernsehansprache den Abschluß eines Waffenstillstandes in Vietnam bekanntgegeben, der am 27. Januar um 2400 Uhr
Greenwich Mean Time ("28. Januar 0100 Uhr MEZ) in Kraft treten wird.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Guten Abend! Ich habe um diese Sendezeit im Rundfunk und Fernsehen gebeten, um bekanntzugeben, daß wir heute ein Abkommen geschlossen haben, um
den Krieg zu beenden und einen ehrenvollen Frieden in Vietnam und in Südostasien herbeizuführen. Die folgende Erklärung wird zu diesem Zeitpunkt in
Washington und Hanoi veröffentlicht:
'Heute am 23. Januar 1973 um 1230 Uhr Pariser Zeit wurde das Abkommen
über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam von Dr. Henry Kissinger im Namen der Vereinigten Staaten und von
Sonderberater Le Duc Tho im Namen der Demokratischen Republik Vietnam
paraphiert.
Das

-1-

�Das Abkommen wird von den Beteiligten der Pariser Vietnam-Konferenz
am 27. Januar 1973 im Internationalen Konferenzgebäude in Paris formell unterzeichnet werden. Der Waffenstillstand wird am 27. Januar um 2400 Uhr
Greenwich Mean Time in Kraft treten.
Die Vereinigten Staaten und die Demokratische Republik Vietnam bringen
die Hoffnung zum Ausdruck, daß dieses Abkommen einen stabilen Frieden in
Vietnam garantieren und zur Erhaltung eines dauerhaften Friedens in Indochina und Südostasien führen wird.8
Soweit die formelle Erklärung.
Während all der Jahre der Verhandlungen haben wir auf einem ehrenhaften
Frieden bestanden. In meinen Ansprachen an die Nation vom 25. Januar und
8. Mai legte ich die Ziele dar, die wir als von entscheidender Bedeutung für
einen ehrenhaften Frieden erachteten. Mit der Regelung, der jetzt zugestimmt
worden ist, wurden alle von mir damals gestellten Bedingungen erfüllt.
Ein international überwachter Waffenstillstand wird am Sonnabend, dem
27. Januar um 1900 Uhr Washingtoner Zeit in Kraft treten.
Innerhalb von sechzig Tagen - von diesem Sonnabend an gerechnet - werden alle in Indochina festgehaltenen amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen werden. Über die im Einsatz Vermißten wird eine genauestmögliche
Auskunft erteilt.
Während dieses Zeitraums von sechzig Tagen werden alle amerikanischen
Truppen aus Südvietnam abgezogen werden.
Dem südvietnamesischen Volk ist das Recht garantiert worden, ohne Einmischung von außen selbst über seine Zukunft zu entscheiden.
Aufgrund einer gemeinsamen Absprache werden der volle Text des Abkommens sowie die Durchführungsprotokolle morgen veröffentlicht werden.
Während

�Während dieser Verhandlungen standen wir in engster Konsultation mit
Präsident Thieu sowie mit anderen Vertretern der Republik Vietnam. Diese Regelung entspricht den Zielen und hat die volle Unterstützung Präsident Thieus
und der Regierung der Republik Vietnam sowie aller unserer anderer Verbündeten, die hiervon berührt werden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin die Regierung der Republik Vietnam als die einzige rechtmäßige Regierung von Südvietnam anerkennen. Wir werden Südvietnam im Rahmen des Abkommens weiterhin unterstützen, und wir werden
Bemühungen der Bevölkerung von Südvietnam unterstützen, ihre Probleme friedlich unter sich selbst zu regeln.
Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß die Beendigung des Krieges
nur der erste Schritt zum Aufbau des Friedens ist. Alle Beteiligten müssen
jetzt dafür sorgen, daß dies ein Friede wird, der hält, und auch ein Friede,
der heilt - und ein Friede, der nicht nur den Krieg in Südostasien beendet,
sondern zu den Friedensaussichten in der ganzen Welt beiträgt. Das bedeutet,
daß die Bedingungen des Abkommens ganz genau eingehalten werden müssen. Wir
werden alles tun, was das Abkommen von uns verlangt, und wir werden von den
anderen Beteiligten erwarten, daß sie alles tun werden, was es von ihnen verlangt. Wir werden auch von anderen interessierten Nationen erwarten, daß sie
mithelfen, um sicherzustellen, daß das Abkommen eingehalten und der Frieden
aufrechterhalten wird.
Da nun dieser lange und sehr schwierige Krieg zu Ende geht, möchte ich
einige besondere Worte an all jene richten, die an dem Konflikt beteiligt gewesen sind.
Der Bevölkerung und der Regierung von Südvietnam möchte ich sagen:
Durch Ihren Mut, durch Ihre Opfer, haben Sie das kostbare Recht gewonnen, ihre
eigene Zukunft zu bestimmen. Und Sie haben die Stärke aufgebaut, dieses Recht
zu verteidigen. Wir sehen der künftigen Arbeit mit Ihnen mit Erwartung ent-

-3-

�entgegen - als Freunde im Frieden, so wie wir Verbündete im Krieg gewesen
sind.
Den Führern Nordvietnams möchte ich, wo wir jetzt den Krieg durch Verhandlungen beendet haben, sagen: Laßt uns nun einen Frieden der Versöhnung
schaffen. Wir unsererseits sind bereit, uns nachdrücklich um die Verwirklichung dieses Zieles zu bemühen. Aber wie Gegenseitigkeit nötig war, um den
Krieg zu beenden, so wird auch Gegenseitigkeit nötig sein, um den Frieden zu
schaffen und ihn zu stärken.
Den anderen großen Mächten, die engagiert waren - wenn auch indirekt möchte ich sagen, daß jetzt die Zeit beiderseitiger Zurückhaltung gekommen
ist, damit der von uns erreichte Frieden von Dauer sein kann.
Und schließlich möchte ich Ihnen allen, die mir zuhören, dem amerikanischen Volke, sagen: Die Standhaftigkeit, mit der Sie unser Beharren auf einem
ehrenhaften Frieden unterstützt haben, hat diesen ehrenhaften Frieden möglich
gemacht.
Ich weiß, Sie hätten es nicht gewünscht, daß dieser Friede gefährdet wird.
Hätte ich, als unsere Geheimverhandlungen vor kurzem in dieser heiklen Phase
waren, öffentlich über unsere Bemühungen zur Sicherung des Friedens gesprochen, dann hätte ich nicht nur unsere Absprache mit Nordvietnam verletzt, sondern dann würde dies auch die Chancen für den Frieden ernsthaft beeinträchtigt
und möglicherweise zerstört haben. Deshalb weiß ich, daß Sie jetzt verstehen
können, warum ich während dieser letzten Wochen keine öffentliche Erklärungen
über diese Bemühungen abgegeben habe.
Es war wichtig, nicht über den Frieden zu sprechen, sondern den Frieden zu
erlangen, und zwar den richtigen Frieden. Dies haben wir getan. Nachdem wir
jetzt ein ehrenhaftes Abkommen erreicht haben, können wir stolz darauf sein,
daß Amerika sich nicht auf einen Frieden einließ, der unsere Verbündeten be-

�betrogen, unsere Kriegsgefangenen aufgegeben oder den Krieg zwar für uns beendet, aber ihn für die fünfzig Millionen Menschen in Indochina fortgesetzt
hätte. Wir können stolz sein auf die zweieinhalb Millionen junger Amerikaner,
die in Vietnam gedient haben - die in Ehren und mit Auszeichnung in einem
der selbstlosesten Unternehmen in der Geschichte der Völker gedient haben.
Und wir wollen stolz sein auf die, die sich opferten, die ihr Leben
hingaben, damit das südvietnamesische Volk in Freiheit und damit die Welt in
Frieden leben kann.
Insbesondere möchte ich noch ein Wort zu jenen tapfersten Menschen, die
ich kenne, sagen - zu den Frauen, den Kindern, den Familien unserer Kriegsgefangenen und der im Kampfeinsatz Vermißten. Wenn andere uns aufforderten, wir
sollten den Konflikt unter allen Bedingungen beilegen, so hatten Sie

en Mut,

für die rechte Art eines Friedens einzutreten, damit jene,die starben und
duldeten, nicht umsonst gestorben seien und geduldet hätten, und damit dort,
wo für diese Generation Krieg geherrscht hatte, für die nächste Generation
Frieden sein sollte. Nichts bedeutet mir in diesem Augenblick mehr als die
Tatsache, daß Ihre lange Prüfung nun Ihrem Ende entgegengeht.
Eben, gestern ist ein großer Amerikaner, der einst dieses Amt bekleidete,
gestorben. In seinem Leben mußte Präsident Johnson die Schmähungen jener ertragen, die versuchten, ihn als einen Mann des Krieges zu zeichnen. Dabei gab
es nichts, was ihm so sehr am Herzen lag, als die Schaffung eines dauerhaften
Friedens in der Welt.
Ich erinnere mich an das letzte Mal, da ich mit ihm sprach - es war genau
der Tag nach Neujahr. Er sprach damals über seine Sorge um das Zustandekommen
des Friedens - wie man zu einem rechten Frieden gelangen könnte. Und ich war
dankbar, daß er mich erneut seiner Unterstützung bei meinen Bemühungen um die
Erlangung eines solchen Friedens versicherte.Niemand hätte diesen Frieden mehr

-5-

�mehr begrüßt als er. Und ich weiß, daß er mit mir zu jenen, die starben, und
zu jenen, die leben, sagen würde: Laßt uns diesem Augenblick seine Weihe
geben, indem wir zusammen fest beschließen, diesen Frieden, den wir erzielten,
zu einem Frieden von Dauer zu machen.
Ich danke Ihnen. Guten AbendJ."

++++

-6-

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4/1973

LYNDON B.JOHNSON-SEIN GLAUBE WAR AMERIKA
--(AD)-- Lyndon Baines Johnson, der 36. Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika,ist am 22. Januar 1973 im Alter von 64 Jahren nach einem Herzanfall verstorben - nur 28 Tage nach einem seiner großen Amtsvorgänger,
Harry S. Truman. Wie Truman mußte Johnson nach dem Tode des gewählten Präsidenten als Vizepräsident die Geschicke seines Landes übernehmen, wie Truman
wurde Johnson dann als Präsident gewählt, und wie Truman hat sich Johnson
aus einfachen Verhältnissen mit Begabung und Fleiß zum höchsten Amt emporgearbeitet - und wie Truman glaubte Johnson zutiefst an Amerika und seine
Mission.
"Für Präsident Johnson", so heißt es in dem Nachruf von Präsident Nixon,
"war der 'amerikanische Traum1 mehr als nur ein Schlagwort - er war eine
Realität seines eigenen Lebens. Er glaubte an Amerika - an das, was Amerika
all seinen Bürgern bedeuten kann und was Amerika für die Welt bedeuten kann.
Im Dienste dieses Glaubens gab er sich ganz hin."
Als ein Attentat er am 22. November 1963 in Dallas, Texas, Präsident
John F. Kennedy niederstreckte, übernahm sein noch auf dem Flughafen vereidigter Nachfolger Lyndon B. Johnson unter dramatischen Umständen zwei gewaltige Komplexe: Die Bürgerrechtsfrage und den Vietnamkrieg.

Es ist dem

Geschick und der Beharrlichkeit des Demokraten Johnson aus dem Süden der USA

-1-

�t

l
USA zu verdanken, daß der amerikanische Kongreß wichtige Bürgerrechtsgesetze
verabschiedete, die er Kennedy verweigert hatte. Und es ist letztlich dem
dramatischen Verzicht auf Bombardierung und erneute Präsidentschaftskandidatur für 1968 zu verdanken, daß die Vietnam-Verhandlungen in Gang kamen,
die zu einer ehrenvollen Beendigung dieses Krieges führen.
Der Lebensweg von Lyndon B. Johnson ist ein Spiegelbild dessen, was
man sich unter Amerika vorstellt - oder zumindest vorstellte. Er wurde am
27. August 1908 als Sohn von Samuel Ealy und Rebekah Johnson auf einer Farm
unweit des kleinen Ortes Stonewall in Texas geboren, wo sich seine Vorfahren
in der Pionierzeit als Baumwo11farmer und Viehzüchter niedergelassen hatten.
Die Schule besuchte er in Johnson City, einer Kleinstadt, die sein Großvater
gegründet hatte. Johnson stammte "vom Lande", und daraus rührte wohl auch
seine Vorliebe für seine große Farm am Pedernales-Fluß in Texas - von Freunden
einfach "the ranch" genannt -, auf die er sich nach seinem Ausscheiden aus dem
politischen Leben zurückgezogen hatte.
Das Studium an der Pädagogischen Hochschule in Texas verdiente Johnson
v

sich selbst, um dann in Houston seine erste Lehrerstelle anzutreten. Aber sein
politischer Ehrgeiz war ebenfalls erwacht, und im Jahre 1932 nahm ihn der
texanische Kongreßabgeordnete Richard M. Kleberg als seinen Sekretär mit nach
Washington. Johnson studierte in seiner Freizeit an der Georgetown-Universität
Jura, um dann drei Jahre später von Präsident Roosevelt als Regionalleiter des
amerikanischen Jugendwerkes nach Texas entsandt zu werden. Bereits 1937 konnte er eine Nachwahl für den Kongreß für sich entscheiden, während er vier Jahre
später eine Nachwahl für den Senat nicht gewinnen konnte - übrigens die einzige verlorene Wahl in seinem Leben. Im Repräsentantenhaus, in das er von 1938
bis 1946 alle zwei Jahre regelmäßig wiedergewählt wurde, war er ein entschiedener Verfechter der "New Deal"-Politik, die Präsident Roosevelt konzipiert
hatte. Soziale Gerechtigkeit war für ihn ein echtes Anliegen, das sich in

-2-

�in seiner eigenen Konzeption von der "Großen Gesellschaft" und dem "Krieg
gegen die Armut" niederschlug, deren Ziel das war, was heute als "Qualität
des Lebens" bezeichnet wird.
Im Jahre 1948 zog Johnson dann als Senator in den Kongreß ein; 1953
wurde er Vorsitzender seiner Fraktion und hatte dieses Amt bis 1961 inne.
Maßvolle Haltung und staatspolitische Klugheit ließen ihn zu einem Politiker
werden, der Aufmerksamkeit erregte. Als er sich 1960 mit John F. Kennedy zusammen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei bewarb,
hatte er einen reichen Schatz an politischer Erfahrung. Wenn auch auf dem
Parteikonvent damals Kennedy zum Präsidentschaftskandidaten gewählt wurde,
so wurde Johnson per Akklamation als Mitstreiter und Vizepräsidentschaftskandidat bestätigt.
Sein persönlicher und politischer Lebensweg ist ohne seine Familie nicht
denkbar - nicht ohne seine Frau Claudia Alta - oder besser bekannt als "Lady
Bird" - und seine beiden Töchter und seine Enkelkinder.
Johnsons persönlicher Stil war von Energie und Arbeit geprägt, und sein
Arbeitstag betrug meist 18 Stunden - was eine doppelte Besetzung der Sekretärinnenposten notwendig machte. Den Glanz und das Charisma seines Vorgängers
Kennedy mußte er durch unermüdlichen Einsatz ausgleichen. Dieser Einsatz galt
Amerika und der Gerechtigkeit und der Freiheit. Er glaubte nicht, daß einem
die Dinge einfach zufallen, und so mahnte er seine Landsleute und die Welt in
seiner letzten Botschaft über die Lage der Nation am 10. Januar 1967: "Denken wir bei allem Übel, das uns befällt, bei allen Ängsten, die wir ausstehen
müssen... daran, daß diejenigen, die die Segnungen der Freiheit ernten wollen,
sich wie Männer der Mühe unterziehen müssen, sie zu erhalten."

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4/1973

MINICOMPUTER-AUSSTELLUNG IM US-HANDELSZENTRUM IN FRANKFURT

--(AD)-- Eine Ausstellung mit angeschlossener Fachtagung, die ausschließlich
dem Thema "Minicomputer und Peripheriegeräte" gewidmet ist, findet vom 12.16.Februar 1973 im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4 statt. Über 50 amerikanische Hersteller von EDV-Geräten werden sich
an dieser Fachausstellung beteiligen, darunter rund ein Drittel, die neu auf
dem europäischen bezw. deutschen Markt sind.
Das Programm der Ausstellung umfaßt unter anderem:
Minicomputer, Terminals mit Sichtanzeigen, Tastatureingabeeinheiten,
Streifenlocher und Leser, Belegleser, Magnetbandgeräte und Kassettenrecorder,
Magnetbandreinigungs-und Wartungsgeräte, Plattenspeicher, Interface-Bausteine,
Datendrucker, Plotter, Mikrofilm-Plotter, Sprachsimulatoren, Signalumsetzer,
Digitalisiereinrichtungen, Videosysteme, Literatur und Software.
Die angeschlossene Tagung dauert vom 13.-16.Februar und befaßt sich mit
Neuentwicklungen sowie Anwendungsmöglichkeiten von Kleinrechnern einschließlich
der dazugehörigen Peripherie.Die Referenten sind EDV-Fachleute aus Europa und
den USA.
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4/1973

DIE ANTRITTSREDE PRÄSIDENT NIXONS

gehalten in Washington am 20. Januar 1973 anläßlich
seiner zweiten Amtseinführung

�Als wir vor vier Jahren hier zusammenkamen, war die Stimmung in Amerika
düster und gedrückt ob der Aussicht auf einen anscheinend endlosen Krieg
in Übersee und einen destruktiven Streit im eigenen Lande.
Wenn wir heute hier zusammenkommen, dann stehen wir an der Schwelle
einer neuen Ära des Friedens in der Welt.

Die zentrale Frage, die sich uns stellt, lautet: Wie sollen wir diesen
Frieden nutzen?
Seien wir entschlossen, daß diese Ära, in die wir jetzt eintreten,
nicht so sein wird, wie andere Nachkriegsepochen es oft waren; eine Zeit
des Rückzuges und der Isolierung, die zu Stagnation im eigenen Lande führt
und neue Gefahren in Übersee heraufbeschwört.

Seien wir entschlossen, daß diese Ära das sein wird, was sie werden
kann: Eine Zeit großer Aufgaben, in Größe gemeistert, in der wir den
Geist und die Verheißung Amerikas erneuern, da wir in unser drittes Jahrhundert als Nation eintreten.

Das vergangene Jahr brachte weitreichende Ergebnisse unserer neuen
Politik für den Frieden.Durch die Neubelebung unserer traditionellen
Freundschaften

und durch unsere Reisen nach Peking und nach Moskau konnten

wir die Basis für ein neues und dauerhafteres System von Beziehungen
zwischen den Völkern der Welt schaffen. Aufgrund der kühnen Initiativen
Amerikas wird man sich an 1972 noch lange als an das Jahr erinnern, in dem
der größte Fortschritt seit dem zweiten Weltkrieg in Richtung auf einen
dauerhaften Frieden in der Welt gemacht wurde.

Der

�Der Friede, den wir für die Welt anstreben, ist kein oberflächlicher
Friede, der nichts weiter als ein Zwischenspiel zwischen zwei Kriegen ist,
sondern ein Friede, der für spätere Generationen Bestand haben kann.

Es ist wichtig, daß wir sowohl die Notwendigkeit als auch die Grenzen
der Rolle kennen, die Amerika bei der Erhaltung dieses Friedens spielen
kann.
Wenn wir in Amerika nicht dafür arbeiten, diesen Frieden zu erhalten,
dann wird es keinen Frieden geben.
Wenn wir in Amerika nicht dafür arbeiten, die Freiheit zu erhalten,
dann wird es keine Freiheit geben.
Wollen wir uns jedoch völlig im klaren sein über die neue Art der
Rolle, die Amerika aufgrund der neuen Politik spielt, die wir im Laufe
dieser letzten vier Jahre eingeschlagen haben.

Wir werden unsere vertraglichen Verpflichtungen respektieren.

Wir werden nachdrücklich das Prinzip unterstützen, daß kein Land das
Recht hat, einem anderen seinen Willen oder seine Herrschaft gewaltsam
aufzuzwingen.

Wir werden in dieser Ära der Verhandlungen weiter auf die Begrenzung
der Nuklearwaffen und die Verringerung der Gefahr einer Konfrontation
zwischen den Großmächten hinarbeiten.

Wir werden unseren Teil zur Verteidigung von Frieden und Freiheit auf
der Welt beitragen, aber wir werden von den anderen erwarten, daß sie das
Ihre dazu beitragen.

Die

�Die Zeit ist vorbei, da Amerika die Konflikte aller anderen Länder
zu seinen eigenen gemacht hat

oder da es sich verantwortlich fühlte für

die Zukunft jedes anderen Landes oder da es sich anmaßte, den Völkern
anderer Länder zu sagen, wie sie ihre eigenen Angelegenheiten regeln sollten.

So wie wir das Recht eines jeden Landes respektieren, über seine
eigene Zukunft zu entscheiden, so erkennen wir auch an, daß jedes Land
die Verantwortung für die Sicherung seiner eigenen Zukunft trägt.

So wie auf die Rolle Amerikas bei der Erhaltung des Weltfriedens nicht
verzichtet werden kann, genauso wenig kann auf die Rolle jedes einzelnen
Landes bei der Erhaltung seines eigenen Friedens verzichtet werden.
Seien wir entschlossen, gemeinsam mit der übrigen Welt auf den Anfängen, die wir bereits gemacht haben, weiter aufzubauen. Wollen wir fortfahren, die Mauern der Feindschaft einzureißen, die die Welt zu lange getrennt haben, und an ihrer Stelle Brücken der Verständigung errichten auf daß die Völker der Welt, trotz tiefgehender Unterschiede zwischen den
Regierungssystemen, Freunde sein können.
Wollen wir ein Gebäude des Friedens in der Welt errichten, in dem
die Schwachen genauso sicher sind wie die Starken - in dem jeder das Recht
des anderen respektiert, in einem andersgearteten System zu leben - in
dem diejenigen, die andere beeinflussen möchten, dies durch die Stärke ihrer
Ideen und nicht durch die Macht ihrer Waffen tun.

Wollen wir diese hohe Verantwortung nicht als eine Bürde, sondern
freudig auf uns nehmen - freudig, weil die Chance, einen solchen Frieden
zu schaffen, die vornehmste Aufgabe ist, die ein Land auf sich nehmen
kann; freudig auch, weil wir nur dann eine große Nation bleiben werden,
wenn wir mit Größe unseren Verpflichtungen im Ausland nachkommen. Und
nur wenn wir eine große Nation bleiben, werden wir mit Größe unseren Ver-

- 3-

�Verpflichtlingen im eigenen Lande nachkommen können.

Wir haben heute die Chance, mehr zu tun als jemals zuvor in unserer
Geschichte, um das Leben in Amerika zu verbessern - um eine bessere Schulbildung, bessere Gesundheitseinrichtungen, bessere Wohnungen, bessere
Verkehrseinrichtungen, eine sauberere Umwelt zu gewährleisten - um die
Achtung vor dem Gesetz wiederherzustellen, um unsere Gemeinden lebensfreundlicher zu gestalten - um das von Gott gegebene Recht jedes einzelnen Amerikaners auf umfassende und gleiche Chancen sicherzustellen.

Da der Rahmen dessen, was nötig ist, so weit gesteckt ist - da der
Bereich dessen, was möglich ist, so groß ist, - sollten wir kühn sein in
unserer Entschlossenheit, diese Erfordernisse auf neue Weise zu erfüllen.
So wie die Errichtung eines Gebäudes des Friedens in der Welt es
erforderte, daß wir uns von der alten Politik abwandten, die versagt hat,
so erfordert es der Aufbau einer neuen Ära des Fortschritts im eigenen
Lande, daß wir von der alten Politik ablassen, die ebenfalls versagt hat.

In der Welt bedeutete der Übergang von der alten Politik zu einer
neuen keine Abkehr von unseren Verpflichtungen, sondern vielmehr einen
besseren Weg zum Frieden.

Im eigenen Lande wird der Übergang von einer alten Politik zu einer
neuen keine Abkehr von unseren Verpflichtungen sein, sondern vielmehr
ein besserer Weg zum Fortschritt.

In der Welt wie im eigenen Lande liegt der Schlüssel zu dieser neuen
Politik in der Verteilung der Aufgaben. Wir haben zu lange mit den Folgen
des Versuches gelebt, alle Gewalt und Verantwortung in Washington zu vereinen.

In
- 4-

�In der Welt wie im eigenen Lande ist die Zeit gekommen, da wir uns
von der herablassenden Politik des Paternalismus - des "Washington weiß
es am besten" - abwenden.
Jemand kann nur verantwortungsbewußt handeln, wenn er Verantwortung
trägt. Dies liegt in der Natur des Menschen. Wir sollten die Menschen im
eigenen Lande und die anderen Völker ermutigen, selbst mehr zu tun und
selbst mehr zu entscheiden. Wollen wir das, was wir für andere tun, nach
dem bemessen, was sie selbst für sich tun.
Das ist der Grund, warum ich heute nicht verspreche, daß die Regierung
schon alle Probleme lösen wird. Wir haben zu lange mit diesem falschen
Versprechen gelebt. Indem wir zu sehr auf die Regierung bauten, haben wir
mehr von ihr gefordert, als sie geben kann. Dies führt nur zu übersteigerten Erwartungen, zu geringeren Anstrengungen des einzelnen, und zu Enttäuschung und Frustration, die das Vertrauen in das, was die Regierung
und was die Bevölkerung leisten können, untergraben.

Die Regierung muß lernen, weniger von den Menschen zu nehmen, so
daß diese mehr für sich selbst sorgen können.

Jeder von uns sollte sich daran erinnern, daß Amerika nicht von der
Regierung, sondern vom Volke geschaffen wurde - nicht durch Wohlfahrt,
sondern durch Arbeit - nicht durch Zurückschrecken vor der Verantwortung,
sondern durch Übernahme von Verantwortung.

In unserem eigenen Leben sollte sich jeder von uns fragen: Was kann
ich selbst für mich tun, und nicht, was wird die Regierung für mich tun.

Bei den Aufgaben, vor denen wir gemeinsam stehen, sollte jeder von
uns fragen: Wie kann ich helfen, und nicht, wie kann die Regierung helfen.

Unsere

�Unsere Bundesregierung hat eine große und entscheidend wichtige Rolle
zu spielen. Ich versichere Ihnen, daß diese Regierung, wo sie handeln
sollte, mutig handeln, und führen wird. Aber genauso wichtig ist die Rolle,
die jeder einzelne von uns spielen muß, als Einzelperson und als Mitglied seiner eigenen Gemeinde.
Von

dem heutigen Tage an sollte sich jeder vpn uns zutiefst in

seinem Herzen verpflichten, seiner Verantwortung nachzukommen, seinen Beitrag zu leisten, seine Ideale zu verwirklichen, so daß wir gemeinsam ein
neues Zeitalter des Fortschritts für Amerika anbrechen sehen und gemeinsam - da wir jetzt den 200. Gründungstag unserer Nation begehen werden stolz sein können auf die Erfüllung des Versprechens, das wir uns und
der Welt gegeben haben.

Wo jetzt der längste und schwierigste Krieg Amerikas seinem Ende
entgegengeht, müssen wir erneut lernen, über unsere Meinungsverschiedenheiten mit Würde und Anstand zu debattieren. Und jeder von uns sollte
sich um jenes kostbare Gut bemühen, das die Regierung einem nicht geben
kann, nämlich um ein neues Maß an Respekt vor den Rechten und Gefühlen
des anderen und um ein neues Maß an Respekt vor der Menschenwürde, die
das kostbare angeborene Recht eines jeden Amerikaners ist.

Und vor allem anderen ist jetzt die Zeit für alle Amerikaner gekommen,
den Glauben an uns selbst und an Amerika zu erneuern.

In den letzten Jahren ist dieser Glaube in Frage gestellt worden.

Unseren Kindern ist gesagt worden, sie müßten sich ihres Landes,
ihrer Eltern, der Taten Amerikas hier im eigenen Lande und seiner Rolle
in der Welt schämen.

Bei jeder Krise sind wir von denjenigen bedrängt worden, die an

- 6-

�an Amerika alles falsch und nur wenig richtig finden.

Aber ich bin zuversichtlich, daß dies nicht das Urteil der Geschichte
über diese bemerkenswerten Zeiten sein wird, in denen wir leben dürfen.

Was Amerika in diesem Jahrhundert geleistet hat, an Verantwortungsbewußtsein, an Großherzigkeit, an schöpferischer Kraft und an Fortschritt
ist ohne Parallele in der Weltgeschichte.

Wir können stolz darauf sein, daß unser System mehr Freiheit und mehr
Wohlstand hervorgebracht und gegeben hat - und zwar für mehr Menschen -,
als irgendein System in den letzten hundert Jahren der Geschichte der
Menschheit.
Wir können stolz darauf sein, daß wir in jedem der vier Kriege, in
denen wir in diesem Jahrhundert gekämpft haben - das gilt auch für denjenigen, den wir jetzt beenden - nicht für eigennützige Vorteile gefochten
haben, sondern um anderen zu helfen, einer Aggression zu widerstehen.

Wir können stolz darauf sein, daß wir mit unseren kühnen, neuen
Initiativen und mit unserem unerschütterlichen Eintreten für einen ehrenhaften Frieden einen Durchbruch erzielt haben, um in der Welt etwas zu
schaffen, was die Welt zuvor noch nie gehabt hat - ein Gebäude des Friedens
nicht nur für unsere Zeit, sondern für künftige Generationen.

Wir treten heute hier in eine Ära ein, die uns vor so gewaltige Aufgaben stellt, wie sie kein Land und keine Generation je zuvor zu bewältigen
hatte.

Wir werden Gott, der Geschichte und unserem Gewissen gegenüber dafür
verantwortlich sein, wie wir diese Jahre nutzen werden.
Wenn
- 7-

�Wenn ich jetzt hier an dieser so ehrwürdigen Stätte der Geschichte
stehe, dann denke ich an die anderen, die vor mir hier gestanden haben.
Ich denke an das, was sie sich für Amerika erträumt hatten, und ich denke
daran, wie jeder von ihnen sich darüber im klaren war, daß er Hilfe benötigte, die weit über seine eigene Kraft hinausging, um diese Träume
Wirklichkeit werden zu lassen. Heute bitte ich Sie, dafür zu beten, daß
ich in den kommenden Jahren Gottes Hilfe haben möge, um die Entscheidungen
zu treffen, die für Amerika richtig sind, und ich bitte Sie um Ihre Unterstützung, damit wir gemeinsam unserer großen Aufgabe gerecht werden können.

Wollen wir gemeinsam das feierliche Gelübde ablegen, die nächsten
vier Jahre zu den besten vier Jahren in der Geschichte Amerikas zu machen,
so daß Amerika an seinem 200. Geburtstag so jung und dynamisch sein wird
wie zu seinem Beginn und ein genauso

leuchtender Hoffnungsstrahl für

die ganze Welt.

Wollen wir von hier aus voranschreiten, zuversichtlich voll Hoffnung,
stark in unserem Glauben aneinander, gestärkt durch unseren Glauben an
Gott, der uns geschaffen hat, und in dem steten Streben, seinen Zielen zu
dienen.

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4/1973

AUSSENMINISTER ROGERS FORDERT NEUE FRIEDENSBEMÜHUNGEN IM NAHEN OSTEN

-Auszüge aus seiner Ansprache vom 17. Januar-

NEW YORK --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat sich
am 17. Januar für neue Friedensbemühungen,vor allem auch im Nahen Osten,eingesetzt. Rogers sprach auf einem Abschiedsessen für den scheidenden israelischen Botschafter Rabin . Nach einigen einleitenden Worten, in denen er die
Verdienste Rabins würdigte, führte der amerikanische Außenminister wörtlich
aus:
"Für die Motivierung der Politik eines Landes gibt es selbstverständlich
kein höheres Ziel als das Streben nach einem gerechten und dauerhaften Frieden. Diesem Ziel hat sich die amerikanische Außenpolitik verschrieben, nämlich eine Welt zu schaffen, in der der Soldat, wie im Falle von Botschafter
Rabin, hinter den Diplomaten zurücktritt. Präsident Nixon hat dies in seiner
ersten Amtseinführungsrede so ausgedrückt: »Wir wollen dort den Frieden
willkommen machen, wo man ihn nicht kennt; wir wollen dort den Frieden stärken, wo er schwach ist; wir wollen dort den Frieden dauerhaft machen, wo er
nur vorübergehend ist.1
In

-1-

�In den letzten vier Jahren haben wir dramatische, wenn auch nicht immer
glatte Fortschritte in Richtung auf dieses Ziel gemacht. Wir werden während
der nächsten vier Jahre, wo immer dies notwendig sein wird, dieses Bemühen
mit allem Nachdruck fortsetzen.
Ohne Frage ist unser Erfolg beim drastischen Abbau der Spannungen zwischen den Großmächten - zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
sowie zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China - ein wesentlicher Fortschritt in Richtung auf eine Zukunft in Frieden. Langjährige
von Zank und Streit getragene Beziehungen werden zu Beziehungen »einer gegenseitig nützlichen Zusammenarbeit*. Selbstverständlich werden fundamentale
Differenzen bleiben. Aber wir haben die feste Absicht, einen Rahmen beiderseitiger Verpflichtungen zu schaffen,durch den der natürliche Wunsch unserer
Völker nach einer von Krieg freien Welt gestärkt wird.
Für den von uns erzielten Fortschritt waren geduldige, einfallsreiche
und beharrliche Verhandlungen von entscheidender Bedeutung. Wenn wir unsere
realistische Hoffnung auf eine Generation des Friedens verwirklichen wollen,
dann sind weitere Fortschritte notwendig.
Wir werden in den kommenden Monaten jede Gelegenheit benutzen, um in
Richtung auf dieses Ziel weiterzukommen:
- Wir werden versuchen, mit der UdSSR nicht nur eine Begrenzung, sondern
eine Verringerung der strategischen Offensivwaffen zu erreichen. Wir haben bereits die Raketenabwehrsysteme (ABM) begrenzt und vereinbart, sie nicht für
eine Verteidigung unserer nationalen Hoheitsgebiete zu dislozieren. Wir müssen
jetzt danach streben, den Stand der strategischen Offensivkräfte, die die Bedrohung unserer jeweiligen Sicherheit darstellen, de facto abzubauen.
- Wir werden versuchen, eine größere Freizügigkeit von Personen und
Ideen in ganz Europa herbeizuführen. In einer Periode der Interdependenz und
der Entspannung wird ein besseres gegenseitiges Verständnis und ein verstärkter Austausch von Ideen und Menschen von entscheidender Bedeutung für einen

�einen stabilen Frieden sein. In diesem Zusammenhang ermutigt uns die kürzliche Äußerung von Parteichef Breschnew, daß 'die Möglichkeiten hier recht weitgesteckt sind', zu der Hoffnung, daß die kommende Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa einen Fortschritt in dieser Richtung bringen
wird.
- Wir werden eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streitkräfte in Mitteleuropa anstreben. Im Rahmen einer besser werdenden politischen
Atmosphäre in Europa kann eine beiderseitige Verringerung der Streitkräfte
weiter zum Abbau der Spannungen beitragen, während gleichzeitig die Sicherheit
beider Seiten gewährleistet wird. In den Vorbereitungsgesprächen, die in Kürze
beginnen, werden wir die Grundlage für ernsthafte Verhandlungen zu diesem Zweck
im kommenden Herbst schaffen.
- Wir werden versuchen, im Jahre 1973 unsere Austausch-und Besuchsprogramme mit der Volksrepublik China auszuweiten und unseren Handel mit diesem Land
mindestens zu verdoppeln. Wir haben unseren Handel mit China bereits von weniger als fünf Millionen Dollar auf über 100 Millionen Dollar gesteigert und haben das erste bedeutsame Besucheraustauschprogramm seit 25 Jahren ins Leben gerufen. Wir sind über diesen Fortschritt erfreut und rechnen damit, daß er
stetig weiter zunimmt.
Es sind nicht große Worte, sondern Leistungen dieser Art, aus denen die
Grundlagen einer friedlichen Welt gebaut werden.
So haben wir eh und je versucht, einen dauerhaften und ehrenhaften Frieden in Vietnam herbeizuführen. Wie Sie wissen, war die Entscheidung des Präsidenten, die Bombardierung, Beschießung und weitere Verminung von Nordvietnam
einzustellen, das Ergebnis eines Fortschritts bei der jüngsten Verhandlungsrunde.
Der Frieden in Vietnam ist natürlich ein Hauptanliegen;es kann jedoch
keine Garantie für eine Generation des Friedens geben, solange es keine dauerhafte Regelung im Nahen Osten gibt.
Die

3-

�Die Vereinigten Staaten haben in den letzten vier Jahren diesem Ziel
ernsthafte und eingehende Bemühungen gewidmet - einem Ziel, das die Welt ein
Viertel Jahrhundert lang nicht erreichen konnte. Die Waffenruhe von 1970 entlang des Suezkanals - das Ergebnis einer amerikanischen Initiative, bei deren
Zustandekommen Botschafter Rabin eine wichtige Rolle spielte -, war ein Vorsignal. Die Kämpfe entlang des Kanals ruhen seit fast zweieinhalb Jahren, was
weiterhin für alle Beteiligten von Vorteil ist.
Noch sind keine Verhandlungen im Gange. Wir sind der Überzeugung, daß
eine Lösung nur durch einen - direkten oder indirekten - echten und bedeutsamen Verhandlungsprozeß erreicht werden kann. Die Entscheidung, in Verhandlungen einzutreten, erfordert keine Änderung der Zielsetzungen oder der Politik.
Verhandlungen setzen nur die Bereitschaft voraus, nach Lösungen zu suchen und
ernsthaft und überlegt die Möglichkeiten einer gegenseitigen Annäherung zu
prüfen. Verhandlungen können die gegenseitige Klärung der Vorstellungen und
die Festlegung

des letztlichen nationalen Interesses bringen, aus denen ein

dauerhafter Frieden erwachsen kann.
Als Präsident Nixon vor vier Jahren die Hoffnung zum Ausdruck brachte,
daß die Welt aus einer Ära der Konfrontation heraus-und in eine Ära der Verhandlungen eintreten werde, sprach er nicht ausschließlich über die Beziehungen
zwischen Supermächten. Er sprach von dem Fortschritt und von der Hoffnung, die
ein solcher Fortschritt für die Regelung von Streitigkeiten zwischen allen Nationen bietet. So haben also ernsthafte und umfassende Verhandlungen nicht nur
zwischen uns und der Sowjetunion und der Volksrepublik China stattgefunden,
sondern auf dem ganzen .Erdball haben Gegner Verhandlungen aufgenommen: die
Ostdeutschen mit den Westdeutschen, die Pakistanis mit den Indern, die Nordkoreaner mit den Südkoreanern. Ich glaube, es liegt auf der Hand, daß die
Politik des Präsidenten zu diesen begrüßenswerten Entwicklungen und zur Verbesserung des Friedensklimas in allen Teilen der Welt beigetragen hat.
Der

-4-

�Der Nahe Osten bildet weiterhin eine Ausnahme in den Bemühungen, Differenzen durch einen aktiven Dialog beizulegen. Das Nachlassen der Spannungen
zwischen den Großmächten, verbesserte Verhältnisse in anderen Ländern des
Gebietes und die Aufrechterhaltung des militärischen Gleichgewichtes tragen
zusammen dazu bei, das Jahr 1973 zu einem günstigen Zeitpunkt für Verhandlungen zu machen. Wir sind überzeugt, daß beide Seiten - Araber und Israelis eine Lösung wünschen, die auf der Resolution des Weltsicherheitsrates vom
November 1967 beruht. Daher bleiben nach unserer Auffassung die Türen der
Diplomatie offen.
Wir sind weiterhin überzeugt, daß der realistischste Weg der wäre, mit
Verhandlungen über ein Interimsabkommen über den Suezkanal zu beginnen. Eine
solche Entwicklung würde:
- die militärischen Kräfte beider Seiten auseinanderrücken;
- die Waffenruhe festigen;
- zu einem Teilabzug der Israelis führen; und
- den Suezkanal für den Welthandel öffnen.
Der Abschluß und die Einhaltung des Interimsabkommens würde Vertrauen
schaffen und den Bemühungen um eine endgültige Regelung Auftrieb geben. Das
Zustandekommen des Interimsabkommens wäre nicht der Abschluß eines Prozesses,
sondern ein erster entscheidender Schritt, um Verhandlungen über die Durchführung der Sicherheitsratsresolution Nr. 242 in ihrer Gesamtheit zu erleichtern.
Präsident Nixon hat öffentlich erklärt, daß wir dem Nahen Osten eine
sehr hohe Priorität einräumen werden. Wir werden uns aktiv darum bemühen
festzustellen, ob und wie wir den Beteiligten helfen können, einen echten
Verhandlungsprozeß in Gang zu bringen...."

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4/1973

DIE WAHL ZEIGT: DIE AMERIKANER WOLLEN DEN WANDEL
Von Louis Harris

&lt;

Louis Harris,der Präsident von Louis Harris
and Associates, hat sich in zwei Jahrzehnten einen Platz als einer der bekanntesten
und meist geachteten Meinungsforscher der
Welt erobert. Seine Voraussage des überwältigenden Sieges Nixons traf das Endergebnis um zwei Zehntel Prozent. Diese erfolgreiche, genaue Vorhersage ist jedoch nach
seinen eigenen Worten "nicht das, worum
es bei der Meinungsforschung geht. Der
'Existenzgrund1 für die Meinungsumfragen
ist vielmehr die Erweiterung des Verständnisses für das, was vorgeht hinsichtlich
der treibenden Kräfte bei einer bestimmten
Wahl - und was dies über die Zukunft erkennen läßt". Aus seiner Überzeugung heraus,
daß die Öffentlichkeit ein Recht hat, die
Kriterien und die Methoden zu erfahren, die
seinen Schlußfolgerungen zugrunde liegen,
hat er der amerikanischen Kongreßbibliothek
die kompletten Unterlagen seiner politischen
Meinungsumfragen zur Verfügung gestellt,die
er bei den Wahlen 1968 und 1972 durchführte.

Der entscheidende Punkt bei den amerikanischen Wahlen im Jahre 1972 war
der, daß die Vereinigten Staaten geteilt waren zwischen den Kräften, die für
den Wandel eintraten und den Kräften, die keinen Wandel wollten. Es ging

-1-

�ging nicht um einen Wettkampf zwischen einer ideologischen Rechten und einer
ideologischen Linken mit einer "ausschlaggebenden" Mehrheitsgruppe in der
Mitte.
Nach meiner Auffassung ist es unmöglich zu begreifen, was bei diesen
Wahlen vor sich ging, ohne diese grundlegenden Fakten zu erkennen. Der entscheidende Punkt bei den Wahlen im November vorigen Jahres scheint mir zu
sein, daß Richard Nixon offensichtlich diese Lehre von einer sich verändernden Wählerschaft sehr gut begriffen hat, was die zentrale Frage der Außenpolitik angeht. Und am Ende gelang es ihm, eine Mehrheit zustandezubringen,
die sich aus Anhängern der Gruppe des Wandels und der des "Nichtwandeis"
zusammensetzte.
Die Zukunft des politischen Prozesses in den Vereinigten Staaten, so
wie wir sie heute sehen, kündet mehr Wandel,mehr Unbeständigkeit seitens der
Wählerschaft an als etwa eine Festigung, eine Verhärtung oder etwa eine
neue Mehrheit um einen amorphen Mittelpunkt herum.
Bis 1976 wird sich die für den Wandel eintretende Gruppe, die sich bereits jetzt auf rund 50 Prozent der Wählerschaft vergrößert hat, wahrscheinlich auf 55 Prozent erhöhen.
Eines können wir nach der Wahl von 1972 sicherlich sagen: Die neue,
höchst unabhängige Gruppe, die den Wahlzettel nicht einfach nach der Partei
ausfüllt, sondern die genau differenziert und für den Wandel eintritt, wird
die treibende Kraft in der amerikanischen Politik sein. Und jeder Politiker,
der das ignoriert, wird das zu seinem Nachteil tun.
Lassen Sie mich mit einigen grundlegenden Fakten des politischen Lebens
beginnen, wie sie weitgehend existierten, bevor der Wahlkampf 1972 überhaupt
angefangen hatte,und wie sie sich heute,nachdem das alles vorbei ist, nicht
verändert haben.
Tatsache Nr. 1: Obwohl ein Präsident im Amt mit einem Erdrutsch wiedergewählt worden ist, fühlen sich mehr als vier von zehn Amerikanern im Alter
von 18 Jahren und darüber der Führung öffentlicher und privater amerikani-

-2-

�amerikanischer Institutionen entfremdet. Seit 1966 hat diese Entfremdung in
unserer Bevölkerung dramatisch zugenommen.
Tatsache Nr. 2: Im Brennpunkt dieser Entfremdung stehen nicht entfernt
so stark die vielbehandelten Ziele wie die protestierende Jugend, die militanten Schwarzen oder drogensüchtige Hippies oder Langhaarige, die obszöne
Worte gebrauchen, sondern das Ziel, auf das es hinausläuft, kann am besten
als das "Establishment" bezeichnet werden - die Leute, in deren Händen die
beherrschenden Institutionen in unserem Lande liegen.
Hier ein paar Beispiele dafür, wie sehr das Establishment -das öffentliche wie das private- in der Gunst der Öffentlichkeit im Verlauf der
letzten sechs Jahre gesunken ist: die Medien - Presse und Fernsehen - und
zwar, was das Vertrauen in sie anbetrifft, von 29 auf 18 Prozent; das Oberste
Bundesgericht von 51 Prozent auf 28 Prozent; die Exekutive der Bundesregierung von 41 Prozent auf 27 Prozent; der Kongreß von 41 Prozent auf 21 Prozent; die militärische Führung von 62 Prozent sogar bis auf 35 Prozent; die
Geschäftsleute und Unternehmer von 58 Prozent auf 27 Prozent.
Diese Zahlen weisen warnend darauf hin, daß die amerikanische Bevölkerung - falls sich die Qualität des Lebens in den USA nicht verbessert durchaus gewillt und bereit ist, diejenigen, die jetzt auf dem Thron der
Macht sitzen, von ihren Posten zu verdrängen und zwar sowohl im öffentlichen
wie im privaten Sektor. Und es kann kein Zweifel bestehen, daß sie im Rahmen
des politischen und wirtschaftlichen Systems der Vereinigten Staaten dazu
durchaus die Macht haben.
Tatsache Nr. 3: Aber Veränderungen noch grundlegenderer Art haben in
unserer Wählerschaft seit 1968 stattgefunden - Veränderungen, wie sie sich nie
zuvor in einem vergleichbaren Zeitabschnitt von vier Jahren in unserer modernen Geschichte vollzogen haben. Bei einer Wählergruppe, der ganz besondere
Aufmerksamkeit zuteil wurde, zeigte sich die Tendenz, sich jedem Wechsel in
wachsendem Maße zu widersetzen. Was die Gemüter der Angehörigen dieser Gruppe
erhitzt, sind Fragen wie die Bemühung um rassischen Ausgleich in den Schulen

-3-

�Schulen durch das neu eingerichtete Schulbussystem; Amnestie für landesflüchtige Wehrdienstverweigerer; Straferleichterung für den Besitz von Marihuana,
wobei die Ansicht vertreten wird, daß die Richter und andere Organe des
Rechtsvollzugs in den Vereinigten Staaten schon seit langem hier viel zu
nachsichtig gewesen seien. In dieser Gruppe finden sich unter denen, die
besonders empfindlich auf alle diese Fragen reagieren, vor allem Vertreter der
Altersgruppe über 50, Gewerkschaftsmitglieder; Leute, die überwiegend nur eine
Grundschulbildung besitzen sowie Kleinstadtbewohner und viele aus der Einkommensgruppe zwischen 5 000 und 10 000 Dollar jährlich.
Man hat diese Gruppe Amerikas Mitte - oder auch die schweigende Mehrheit genannt. Das besondere Kennzeichen der in dieser Gruppe vereinigten Wähler besteht aber darin, daß ihr zahlenmäßiger Anteil an der Gesamtheit der Wählerstimmen zurückgeht.
Insgesamt betrug der Anteil dieser Gruppen - die man vielleicht als
Koalition des Patt oder des Status quo bezeichnen könnte - an der Gesamtwählerzahl im Jahre 1968 noch etwa 55 Prozent, im Jahre 1972 aber nur noch 50 Prozent .
Eine ganz andersartige Gruppe findet man bei den Wählern unter 30 Jahren,
unter denen, die sich selbst als unabhängig bezeichnen und sich an keine politische Partei gebunden fühlen. Personen, die in den Vorstädten leben, die
ein gewisses Maß an Collegeausbildung erhalten haben und deren Einkommen in
der Größenordnung von 15 000 Dollar jährlich und darüber liegt.
Das besondere Kennzeichen dieser neuen "Koalition für Wandel und Veränderungen" besteht darin, daß die zu ihr Gehörigen von einer ganz anderen Reihe
von Problemen bewegt und bedrängt werden. Für sie ist die Qualität des Lebens
ein Anliegen besonderer Wichtigkeit, sie wünschen schärfere Maßnahmen zur Eindämmung der Luft-und Wasserverschmutzung. Sie waren bei den 1972er Wahlen führend in der Aufstellung und Propagierung von Referenden für Maßnahmen zum Umweltschutz. Sie befürworten die Legalität der Abtreibung bis zum dritten
Schwangerschaftsmonat; Zwei Drittel von ihnen haben nichts gegen lange Haare

-4-

�Haare und die neuen Formen von Mode und Verhalten bei der Jugend. Vor allem
aber wollen sie zu einer Ära des Friedens gelangen anstelle der Konfrontation,
die die Gefahr birgt, zu einem nuklearen Krieg zu eskalieren. Die Mehrheit dieser Menschen ist prinzipiell für Veränderungen - für konkrete und pragmatische nicht ideologische - aber für reale Veränderungen. Wenn Präsident Nixon eine
"Veränderung, die sich bewährt" in Aussicht stellte, so war das eine Sprache,
die von diesem Menschen verstanden wurde, und viele fanden den Präsidenten
denn auch überzeugend.
Ohne Ausnahme hat diese Koalition, die für Veränderungen eintritt, ihren
zahlenmäßigen Anteil an der Wählerschaft verstärkt. Es ist mehr als genug
über den Einfluß der Jungwähler auf die Gesamtzahl der Wählerstimmen gesagt
worden. Tatsache ist jedenfalls, daß von den geschätzten 18 Prozent bei den
Wahlen im Jahre 1968 zu den 24 Prozent der im Jahre 1972 registrierten Stimmen
ein Zuwachs von 6 Prozent erfolgte.Dies zeigt, daß die Jungwähler keinesfalls
die Wählergruppe waren, die den rapidesten Zahlenanstieg verzeichnete. Die Zahl
der Unabhängigen ist von 16 Prozent bei den Wahlen vor vier Jahren auf 22 Prozent im Jahre 1972 - und damit ebenfalls um 6 Prozent - gestiegen. Die Zahl der
Wähler aus den Vorstädten schnellte von 27 auf 33 Prozent, ist also ebenfalls um
6 Prozent höher. Die Wähler mit Collegebildung machten im Jahre 1968 nur 27 Prozent der Gesamtwählerzahl aus und stiegen um 8 Prozent auf 35 Prozent im Wahljahr 1972. Und die Wähler aus der Gruppe mit einem Jahreseinkommen von 15 000
Dollar und darüber schnellte von 11 auf 20 Prozent und verzeichnete damit eine
Zunahme um neun Prozent.
Als Ganzes genommen stellte diese Gruppe, diese neue Koalition für den
Wandel, im Jahre 1968 rund 45 Prozent der Wählerschaft, aber im Jahre 1972 gehörten ihr schon rund 5o Prozent aller Wähler an: sie hat also mit der Gruppe,
die nicht für den Wandel ist, praktisch gleichgezogen.
In seiner langen Kampagne um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat
der Demokraten hat Senator George McGovern von Anfang an eine zwiefältige
Strategie verfolgt: Einmal, daß er einen festen Ankerpunkt als derjenige

-5-

�derjenige Demokrat setzen würde, der für den Wandel und für die neue Politik
eintritt, und zum andern ging er davon aus, daß sich die Demokraten der Mitte
bei den Vorwahlen gegenseitig ausschalten würden. Darüberhinaus wollte er
eine Armee junger Leute mobilisieren, die bei den Vorwahlen ihre Stimme in
die Waagschale werfen konnten.
Diese Strategie hat offensichtlich bis zum Parteikonvent der Demokraten
und während des Konvents selbst funktioniert. Hubert Humphrey hat einen beträchtlichen Teil der Stimmen für Muskie auf sich gezogen, und John Lindsay
und Henry Jackson ging der Atem aus. Die große Überraschung der Vorwahlen war
jedoch die Staerke von George Wallace auch außerhalb des Südens. Das Phänomen
Wallace und das Phänomen McGovern zeigte damals eines gemeinsam, nämlich eine
grundsätzliche Anziehungskraft: Beide fanden Anklang bei den 47 Prozent der
Wählerschaft, die entfremdet waren,und beide kamen der Enttäuschung der Wähler
über das Establishment, vor allem das Big Business, und dem weitverbreiteten
Wunsch nach Steuerreform entgegen.
Trotz der übertriebenen Behauptungen der Manager von McGovern, daß dieser
eine Mehrheit unter den eingeschriebenen Demokraten habe, zeigten ihre eigenen
Meinungsumfragen in den Einzelstaaten, in denen Vorwahlen stattfanden, daß
seine Anhängerschaft im Durchschnitt kaum über die 30 Prozent-Marke hinauskam.
Unsere eigene Höchstnotierung für McGovern bei den Demokraten lag bei 27 Prozent. Für Wallace ging sie nie über 22 Prozent hinaus.
Zu Ende der Vorwahlen hatte sich die Demokratische Partei in eine Position
hineinmanövriert, in der ihr nichts anderes übrig blieb, als einen Kandidaten
unter den Minderheitsanwärtern auszusuchen.
Die Verlagerung der Stimmen, die sich von Wallace ab-und Nixon zuwandten
und zwar in einem Verhältnis von 80 zu 20, hat Anfang Juni wahrscheinlich die
Chancen von George McGovern zunichte gemacht, das Weiße Haus zu erobern. Unsere
eigenen Meinungsumfragen zeigten, daß die entscheidende Periode der Stimmenabwanderung von McGovern nicht etwa während oder nach der Eagleton-Affäre lag
(als McGovern seinen designierten Vizepräsidentschaftskandidaten aufgeben mußte,
weil sich dieser früher einer psychiatrischen Behandlung unterzogen und dies

-6-

�dies verschwiegen hatte - d.R.) und sicherlich auch nicht auf den Parteikonvent der Demokraten zurückzuführen war, der bedeutsamer, ansprechender und
interessanter war als der Konvent der Republikaner. McGovern geriet bereits
in der letzten Woche der Vorwahlen in Kalifornien Anfang Juni auf die Bahn
nach unten.. Es war nämlich in Kalifornien, als Senator Humphrey mit seinem
Angriff auf das Steuerreform-Einkommensneuverteilung-Wohlfahrtsreform-Paket
den wunden Punkt seines Rivalen fand. Dieser Vorschlag McGoverns wurde unauslöschlich von dem Versprechen geprägt, jedem Mann, jeder Frau und jedem
Kind einfach 1 000 Dollar im Jahr aus dem großen Topf der Bundesregierung zu
geben. Diese Idee wurde von den Wählern selbst rundweg abgelehnt, und zwar
mit 73 gegen 15 Prozent, und dieser Vorschlag hing McGovern bis zum Wahltag
an. Noch am Wochenende vor dem Wahltag fand eine Mehrheit von 62 gegen 24 Prozent diesen Einkommensneuverteilungsplan einfach zu "radikal".
Man hat heute bereits vergessen, daß McGovern im Mai vorigen Jahres in
unseren Umfragen nur sieben Punkte hinter Präsident Nixon zurücklag - mit
einem Verhältnis von 48 zu 41 Prozent. Er lag im Osten der USA in Führung und
kam im Mittelwesten und im Westen bis knapp an Nixon heran. Er lag in den
Großstädten klar vorn und in den entscheidend wichtigen Vororten nur um wenige
Punkte zurück. Er lag bei der Jugend an der Spitze und bei den Unabhängigen
nur um einen Punkt zurück, und bei der Einkommensgruppe um 15 000 Dollar pro
Jahr und darüber nur um sechs Punkte zurück. Er hatte eindeutig eine goldene
Chance, eine Koalition des lebendigen Wandels zustandezubringen, die ihn praktisch an den Präsidenten herangebracht hätte. Zusammen mit seiner Führung von
vier gegen eins bei den Schwarzen hätte er es im November durchaus schaffen
können.
Nach den Vorwahlen in Kalifornien im Juni fiel McGovern jedoch von sieben Punkten Rückstand auf 16 Punkte zurück. Er war auf 20 Punkte Rückstand
zurückgefallen, bevor der Parteikonvent der Demokraten noch begonnen hatte,
und kam nach der Eagleton-Affaire mit 23 Punkten Rückstand heraus. Die eigentliche Auswirkung der Eagleton-Episode bestand darin, daß er bei den jungen
Menschen unter Dreißig endgültig die Führung verlor, denn mit zwei gegen eine

-7-

�eine vertrat die Gruppe, mit der er so stark gerechnet hatte, die Auffassung,
daß

McGovern in der Frage der geistigen Gesundheit - also einer vernünfti-

gen Frage - einen unvernünftigen Standpunkt eingenommen und sich im übrigen wie
ein Politiker üblichen Stils verhalten habe.
Den letzten Anstoß gab dann das Bemühen McGoverns, die Einheit in den
demokratischen Reihen dadurch wiederherzustellen, daß er bei den Gewerkschaften und den katholischen Wählern mit den üblichen massiven Wahlversprechungen
Boden zu gewinnen versuchte, gleichzeitig gegen die Gesetze für ein Recht auf
Arbeit loszog, sich gegen Lohnkontrollen wandte und für eine Unterstützung
von Konfessionsschulen aussprach und in der Abtreibungsfrage Rückzieher machte.
Langsam aber sicher verlor er immer mehr an Boden bei seinen ursprünglichen Anhängern unter der Koalition für einen Wandel.
Mit anderen Worten, McGovern machte sich selbst zu dem eigentlichen Thema
des Wahlkampfes 1972 und verlor in diesem Prozeß seine eigene Identität.
Aber wenn auch das Problem der Person McGoverns schließlich zum zentralen
Faktor für den Ausgang der Wahlen des Jahres 1972 wurde, so bleibt immer noch
die schwierige Frage: Wie konnte Richard Nixon, der als Präsident im Weißen
Haus saß und von A3 Prozent der Wähler für einen in seiner Grundeinstellung
"Konservativen" gehalten wurde, für einen Mann, den man gleichsam als Symbol
für das Establishment und den Verteidiger des Status quo setzen konnte, wie
konnte dieser Mann die Wahl fast 22 Punkte vor George McGovern gewinnen, der
mehr als jeder andere Demokrat im Jahre 1972 von seiner der Sache des Wandels
verschriebenen Partei nominiert worden war?
Mitte des Jahres, 1971 hatte die Beliebtheit Nixons etwa ihren Tiefstpunkt
erreicht, und es sah ganz so aus, als würde er sich mit einer Amtszeit als
Präsident zufriedengeben müssen. Die günstigste Beurteilung fanden allenfalls
noch seine Bemühungen um den Frieden in der Welt, und hier lag er punktmäßig
etwa bei 48 zu 48. Was die Kriegführung in Vietnam anbetraf, so wurde sie von
61 Prozent negativ beurteilt; zur Steuer-und Ausgabenpolitik äußerten sich
75 Prozent negativ; zur Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung sowie zur
Verbrechensbekämpfung 63 Prozent negativ; zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit

-8-

�1

71 Prozent negativ; zur Senkung der Lebenshaltungskosten 83 Prozent negativ;
zur wirtschaftlichen Stabilität und Gesundheit 73 Prozent negativ und zu der
Frage, ob er persönlich das Vertrauen ins Weiße Haus stärke, hatten 56 Prozent
eine negative Meinung.
Bei "Probeläufen"gegen die Demokraten lag Nixon bis zu sechs Punkten zurück,und die Demokraten hatten ihre Kampagne gegen ihn noch nicht einmal gestartet. Richard Nixon hatte in der Vietnam-Frage und bezüglich des Problems
Wirtschaft eindeutig Schwächen.
Im Sommer 1971 machte Nixon in seiner Einstellung zum Wähler eine Wendung
um 180 Grad. Er trat für den Wandel ein - nicht ideologisch,sondern sachlich,
nicht theoretisch, sondern praktisch.
In rascher Folge gab er seinen Besuch in Peking bekannt, dann verkündete
er am 15. August die Einfrierung aller Löhne und Preise. Das war der gleiche
Richard Nixon, der einmal gelobt hatte, er werde niemals zu Kontrollen Zuflucht
nehmen, um die wirtschaftlichen Übel des Landes zu beseitigen. Und schließlich
teilte er mit, daß er nach seinem Besuch in Peking auch zu einem Gipfeltreffen
in die Sowjetunion reisen werde. Mit der Präzision eines Chirurgen machte sich
Nixon daran, seine beiden offenkundigsten Angriffspunkte zu beseitigen - den
Krieg und die Rezession - und gleichzeitig erhob er den kühnen Anspruch, die
Wiederwahl als der Kandidat des Friedens zu gewinnen.
Die Ergebnisse dieser Strategie schlugen sich rasch in unseren eigenen
Umfragen nieder und sicherten ihm schließlich die Wiederwahl.
Die Gesamtbeurteilung Nixons im Amt durch die Öffentlichkeit verbesserte
sich von dem Tiefstand von 44 Prozent positiv im Juni 1971 auf 56 Prozent
positiv im Juni 1972 nach seiner Moskaureise und erreichte dann im Oktober
mit 59 bis 60 Prozent den höchsten Stand seit den glücklichen Tagen im Jahre
1969.
Was den Aspekt der Friedensarbeit anbetrifft,so stieg er von einem 48 zu
48 Gleichstand auf einen Vorsprung von 67 gegen 31 Prozent.
Was

-9-

�Was die Wirtschaft angeht, so wandelte sich die Mehrheit von 62 gegen
24 Prozent, die der Auffassung war, das Land befinde sich in einer Rezession,
bis Oktober in eine Mehrheit von 51 gegen 34 Prozent, die glaubte, die Rezession sei endlich vorbei. Die Mehrheit von 56 gegen 29 Prozent, die sich
hinsichtlich des Vertrauens negativ ausdrückte, verwandelte sich zum Zeitpunkt
der Wahl in eine Mehrheit von 51 gegen 41 Prozent, die dem Mann im Weißen
Haus ihr Vertrauen schenkte.
Der Wandel in der Einstellung der Wähler war augenfällig. Statt sechs
Punkte hintan zu liegen, endete Nixon mit einem Vorsprung von 22 Punkten
- was einen Umschwung von 28 Punkten bedeutet. Der Nettogewinn, den der Präsident bei der

Gruppe machte, die keinen Wandel wollte, belief sich auf

rund 16 Punkte, lag also um 12 Punkte niedriger als die Gewinnmarge bei
der Gesamtwählerschaft, die Nixon in den 18 Monaten erzielte. Bei der Gruppe
der für den Wandel eintretenden Wähler - der Jugend, den Unabhängigen, den
Vorstadtbewohnern, der Einkommensgruppe von 15 000 Dollar pro Jahr und darüber und den akademisch Gebildeten - machte die Zunahme die erstaunliche
Zahl von 36 Punkten gegenüber seinem Tiefstand aus - lag also um 8 Punkte
über dem Durchschnitt.
Der entscheidende Punkt ist, daß Richard Nixon aus der Position eines
potentiellen Verlierers im Sommer 1971 die Position eines Gewinners mit überwältigendem Abstand im November 1972 machte. Das bedeutsamste Element dieser Entwicklung ist die Tatsache, daß es ihm gelang, die fast sichere Opposition der Gruppen für den Wandel fest für sich zu gewinnen. Was für einen
Mann, der nie für sich in Anspruch nehmen konnte, daß seine persönliche Wärme
oder sein Charisma besonders angekommen wären, vielleicht noch wichtiger ist,
ist die Tatsache, daß es ihm jetzt zum ersten Mal gelungen war, eine beachtliche Mehrheit zu finden, die ihm die persönliche Fähigkeit zutraute, im
Weißen Haus Vertrauen auszustrahlen.
Es wird zwar heute oft das Gegenteil behauptet, aber die Außenpolitik
- der tiefe und echte Friedenswunsch des amerikanischen Volkes - hat ohne
Frage den Wettlauf zum Weißen Haus entschieden. Den zweifellos größten Vor-

-10-

�Vorsprung vor McGovern hatte Richard Nixon durch seine Fähigkeit und Möglichkeit, mit den Russen und Chinesen zu verhandeln:70 gegen 14 Prozent. Von
Vietnam angefangen bis zu den spektakulären Durchbrüchen in Peking und Moskau
war der dominierende Punkt, von dem aus sich die Wählerschaft ihr Haupturteil
bildete, Friede und Außenpolitik.
Das Urteil des amerikanischen Volkes über Richard Nixon entstand nicht
aus innenpolitischen Fragen, sondern aus der Frage des Friedens heraus nicht aus dem, was er sagte, sondern aus dem, was er tat. Die Öffentlichkeit
sieht seine Handlungen in der Außenpolitik als eine Option für den Wandel,
ja, den radikalen Wandel.
Im Grunde tat das Land bei der Wahl nichts anderes, als daß es Präsident
Nixon ein mächtiges "Mandat für den Wandel"übertrug, was die Friedenspolitik
und die Außenpolitik angeht - aber dem Kongreß ein ebenfalls mächtiges "Mandat
für den Wandel" auf dem Gebiet der Innenpolitik gab. In beiden Fällen bedeutet
das Mandat nach meiner Auffassung einen Auftrag für einen pragmatischen Wandel,
einen "Wandel, der funktioniert", wie Nixon es selbst ausgedrückt hat, und
nicht für den Status quo.
Richard Nixon mag vielleicht keine neue und dauerhafte politische Mehrheit zusammenschweißen. Er war im Jahre 1972 eher so etwas wie eine Brücke
zwischen dem Alten und dem Neuen. George McGovern konnte am Ende weder das
Alte noch das Neue für sich gewinnen - und bisher ist es weder der einen
noch der anderen der beiden großen politischen Parteien - Demokraten und Republikaner - gelungen, sich an und mit der neuen Gestaltung der Wählerschaft
zu messen.
+4-H-

-11-

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53

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4/1973

DIE KOMMENDEN AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN HANDELS-UND WAHRUNGSVERHANDLUNGEN
-Rede des scheidenden US-Handelsministers Peterson in New York-

NEW YORK --(AD)— Der scheidende amerikanische Handelsminister Peter G.
Peterson, dessen Nachfolge Frederick Dent antritt, hat am 18. Januar vor
dem Conference Board von New York über die kommenden Verhandlungen der USA
mit ihren westlichen Handelspartnern gesprochen. Die Rede, die den Titel
"Die Auswirkung einer sich verändernden Wirtschafts-und Währungspolitik
auf den internationalen Handel: Unsere kommenden Verhandlungen mit unseren
westlichen Partnern"trägt, hat folgenden Wortlaut:
Sie haben mich gebeten, heute abend zu Ihnen über die Frage unserer kommenden Verhandlungen mit unseren westlichen Handels-und Sicherheitspartnern
zu sprechen.
Wenn man von der außerordentlichen Bedeutung, ja dem Schwierigkeitsgrad
der Verhandlungen ausgeht; wenn man von der Tatsache ausgeht, daß noch immer
kritische Studien über alternative Verhandlungsziele und - Strategien entwickelt werden; und wenn man davon ausgeht, daß mein Status als Regierungsbediensteter nur noch auf Wochen begrenzt ist, dann glaube ich, daß ich am

-1-

�besten zwei Dinge tue: Erstens möchte ich unterstreichen, daß das, was ich
hier vortrage, meine persönlichen und vorläufigen Auffassungen sind und keine
amtlichen oder endgültigen. Zweitens möchte ich mich mehr auf die allgemeinen
umrisse einer möglichen Tagesordnung konzentrieren und nicht so sehr auf die
spezifischen amerikanischen Standpunkte, die eingenommen werden könnten.
Es liegt auf der Hand, daß diese Entscheidungen noch nicht getroffen worden
sind und in jedem Fall vom Präsidenten getroffen werden müssen.
Es ist nun einmal eine Tatsache im Leben, ob man dies wahrhaben will
oder nicht, daß jede Beziehung, sei es zwischen Einzelpersonen oder zwischen
Völkern, gepflegt werden muß und im Denken und Fühlen der jeweiligen Beteiligten nicht als zweitrangig deklassiert werden darf, wenn dies nicht zu einer
Verschlechterung führen soll.
Es gibt ernsthafte, denkfähige und besorgte Bürger auf beiden Seiten
des Atlantiks und Pazifiks, die der Überzeugung sind, daß unsere alten und
wertvollen Beziehungen zu den Ländern Westeuropas, zu Japan und Kanada in
Gefahr sind, sich auf diese Weise zu verschlechtern. Diese Leute sagen, daß
wir zu sehr mit den historischen Initiativen des Präsidenten gegenüber der
Sowjetunion und China und natürlich mit dem Vietnamproblem beschäftigt seien.
Diese Leute sagen ferner, daß die Gewinne aus den Initiativen gegenüber
Rußland und China zwar unschätzbar groß gewesen seien, daß jedoch unsere unbeabsichtigte Vernachlässigung Europas und unserer anderen wichtigen Partner das Ganze zu einem nicht ganz reinen Segen werden lassen könnte.
Diese Initiativen drängen offensichtlich vielen Europäern die Auffassung
auf, die Vereinigten Staaten hielten die zugrundeliegenden Motive oder zumindest die ursprünglichen Gründe für das Bündnis - politisch und sicherheitsmäßig gesehen - für nicht mehr so dringend und die Vereinigten Staaten
seien trotz unserer ethnischen, politischen, geistigen und wirtschaftlichen

-2-

�wirtschaftlichen Bindungen indifferent geworden . Es wäre eine Ironie des
Schicksals und ein politischer Verlust von ungeahnten Ausmaßen, wenn wir,
weil wir uns gegenüber dieser möglichen europäischen Schlußfolgerung taub
stellen, uns der Beschuldigung aussetzen würden, zwar die Sowjetunion und
China "zu gewinnen", aber Europa "zu verlieren". Der Präsident ist sich
darüber selbstverständlich völlig im klaren, und ich ganz sicher, daß er
und seine Berater den gleichen Einfallsreichtum und die gleiche Hingabe einsetzen werden, um die unerläßlichen alten Bindungen zu stärken, wie sie sie
benutzt haben, um neue Beziehungen zu China und der Sowjetunion zu schaffen.
Ich glaube, man darf in diesem Zusammenhang jedoch fairerweise auch
sagen, daß einige unserer Verbündeten sich unseren Empfindungen gegenüber
ebenso taub gestellt haben wie wir uns möglicherweise gegenüber den ihrigen.
So haben sie beispielsweise - befangen in ihrem Drang, die Europäische Gemeinschaft auszuweiten - die Ausbreitung von Präferenzabkommen bis zu einem
Ausmaß betrieben, das weit über das hinausgeht, was wir aus unserer ursprünglichen Politik der Unterstützung einer erweiterten Gemeinschaft erwarten
konnten.
Der Gemeinsame Markt, der als ein positiver Schritt zum wirtschaftlichen Wachstum konzipiert wurde, hat mehr und mehr den Charakter eines wirtschaftlichen Schutzwalles angenommen. Es ist nur ein kleiner, aber gefährlicher Schritt von der Vorstellung, daß einen gemeinsame Bande mit einem
oder mehreren Ländern verbinden, zu der leichten, aber trügerischen Fortsetzung des Gedankens, daß die Anerkennung der Bindung eine Form annehmen
kann, die in der Mißachtung der Interessen besteht, welche man mit jenen
außerhalb der Gruppe teilt.
Die Geringschätzung der legitimen Besorgnisse des anderen sowohl seitens der Europäer als der Amerikaner droht nicht nur auf Kosten der Wirtschaft beider Seiten zu gehen, sondern auch auf Kosten des Verlustes

-3-

�Verlustes unseres Gefühls der gemeinsamen Zielsetzung. Wenn diesen Entwicklungen nicht gesteuert wird, dann könnten sie leicht zu verstärkter Bitterkeit und der Forderung nach einseitigen, in wachsendem Maße isolationistischen und, wie ich meine, selbstzerstörerischen Konfrontationen führen. Es
gehört bei uns schon zu den traditionellen Formulierungen bei internationalen
Beziehungen, von unseren "besonderen Beziehungen" zu Westeuropa zu sprechen.
In früheren Zeiten war einigermaßen klar, was wir mit dieser Formulierung
meinten. Heute jedoch, angesichts der kühnen Initiative des Präsidenten gegenüber der Sowjetunion und China und angesichts des raschen Wachstums der wirtschaftlichen Macht des Gemeinsamen Marktes, müssen wir diese besondere Beziehung neu definieren und ihr eine neue praktische und auch menschliche Bedeutung geben. Darüberhinaus ist es so, daß wir, wenn wir dies erfolgreich tun
wollen, mit einigen der herkömmlichen Denkweisen über unsere Beziehungen
brechen müssen. Bisher haben wir traditionsgemäß wirtschaftliche Probleme
ausschließlich durch wirtschaftliche Mittel und Wege behandelt. Heute sprechen beide Seiten erneut von "wachsendem wirtschaftlichem Druck" gegeneinander und zwar in voller Wechselseitigkeit. Die Einstellung war: Quote für
Quote und Zollsatz um Zollsatz. In wachsendem Maße messen Handelsminister Sieg
oder Niederlage nach diesem engen Maßstab, statt von einer umfassenden Gesamtaufrechnung der allgemeinen und beiderseitigen Interessen unseres Bündnisses
auszugehen. Die gleiche Einstellung ist leider auch die Regel gewesen, wenn
es um Verteidigungs-, Währungs- und Entwicklungshilfefragen ging. Nach meiner
Überzeugung kann diese herkömmliche und vielleicht engstirnige Einstellung
in der Zukunft nur magere Ergebnisse bringen.
Ich meine, wir sollten uns überlegen, die Vorstellung von getrennten Konten und getrennten Hauptbüchern aufzugeben, und nach einer Symmetrie in unseren Gesamtbeziehungen streben, statt nach einem Ausgleich auf jedem einzelnen
Konto. Angemessener Vorteil ist die erste Regel eines effektiven Managements

-4-

�1

Managements der Mittel. Das sollte auch für die Beziehungen unter Nationen
auf den Gebieten der Politik, der Sicherheit, der Wirtschaft und des Sozialwesens gelten. Die Teilung der Lasten braucht nicht auf die einzelnen Sektoren
beschränkt zu bleiben, sondern kann über sie hinausgehen. Als Beitrag zu den
gemeinsamen Zielen des Friedens, der Prosperität und der Verbesserung der
Lebensqualität sind Handelskonzessionen, Währungsanpassungen, Militärhilfe,
Auslandshilfe und technologisches know-how in einem gewissen Sinne konvertible
Währungen.
Die Probleme,vor denen wir heute stehen, sind überall bekannte Probleme.
Einige von ihnen gehören zur Tradition: Sicherheit und das Streben nach wirtschaftlicher Prosperität; andere sind relativ neu und sind ironischerweise
aus der Art und Weise entstanden, in der wir in der Vergangenheit unsere mehr
traditionellen Probleme gelöst haben. Zu dieser Kategorie gehören der Raubbau
an natürlichen Hilfsquellen - vor allem der Energie - und die immer drängender
werdenden Probleme der "Qualität des Lebens". Die Hilfsquellen, die uns für
die Lösung dieser Probleme zur Verfügung stehen, sind endlich, aber endlich
bedeutet nicht gleichmäßig verteilt. So wie unsere gerneinsamenProbleme sich
in unterschiedlichem Grade auf eine unterschiedliche Zahl im Bündnis auswirken, so ist auch unsere Fähigkeit, mit ihnen fertig zu werden, unterschiedlich. Schon die Vernunft gebietet deshalb, bei der Aufteilung der Lasten nicht
nach einem bilateralen Ausgleich auf jedem einzelnen Konto zu suchen. Die Beziehung, die wir anstreben, ist eine totale Beziehung - eine Beziehung, bei
der die Beiträge der Partner einander ergänzen, eine Beziehung mit einer echten Aufteilung , eine Beziehung, bei der man nicht von der Frau erwartet, daß
sie die halbe Männerarbeit übernimmt, weil der Mann die halbe Frauenarbeit
übernimmt.
Die Situation, vor der wir stehen, birgt eine ungewöhnliche Herausforderung. Wenn wir sie ignorieren, könnten wir noch weiter von unseren europäischen Partnern wegtreiben. Das Tückische an dieser Art des Wegtreibens ist,
daß man es nicht bemerkt. Es ist nur zu leicht, an einem unerwünschten Ziel

-5-

�Ziel anzukommen, ohne daß man bemerkt hat, daß man an den richtigen Wegweisern
vorbeigegangen ist.
Kriege werden selten geplant, Länder treiben in sie hinein. In ähnlicher
Weise werden wirtschaftliche Konfrontationen selten mit Absicht herbeigeführt.
Niemand wollte, daß die beiden Kriege in den dreißiger Jahren stattfanden, und
doch haben sie stattgefunden, und ihre verheerenden Auswirkungen auf den Welthandel sind erst nach dem zweiten Weltkrieg korrigiert worden.
Wenn wir unseren Bindungen Stärke verleihen wollen, dann wird dies positive Schritte erfordern; es wird die Artikulierung gemeinsamer Entschlüsse, gemeinsamer Ziele, gemeinsamer Projekte und gemeinsamer Interessen erfordern. Darüberhinaus wird es erforderlich sein, daß sie ebensoweit in die Zukunft hinein
abgesteckt werden, wie der Präsident dies bei seinen Initiativen gegenüber
China und der Sowjetunion getan hat.

Mögliche Elemente einer Tagesordnung
Was könnten also die Elemente einer erfolgreichen Methode sein, um erstens
einige der großen Probleme zu lösen, vor denen die Vereinigten Staaten stehen,
und zwar ohne ein Anwachsen eines politisch-wirtschaftlichen Antagonismus gegenüber Europa, Japan und Kanada, der zu einem verstärkten Wirtschaftskrieg und
zu politischer Spaltung führen würde, und um zweitens in unseren Beziehungen
zu unseren Verbündeten wieder kooperative Verhaltensweisen zu schaffen, die
sowohl zu unserem beiderseitigen Wohlergehen als auch zu internationaler Stabilität, Sicherheit und Zusammenarbeit in der übrigen Welt beitragen werden.
Wie ich es sehe, müßte wohl eine Reihe von Bedingungen erfüllt werden.
Diese könnten eine mögliche, jedoch höchst vorläufige Tagesordnung für Verhandlungen abgeben, und ich muß immer wieder betonen, daß all dies vorläufige und
persönliche Überlegungen sind.
Das

-6-

�Das politische Wollen
Um die Lösungen für unsere vielen beiderseitigen Probleme zu finden,
muß irgendwie das politische Wollen auf den höchsten Regierungsebenen angeregt werden. Krieg ist eine viel zu bedeutsame Sache, als daß man sie den
Generalen überlassen könnte, und Handel ist eine zu wichtige Sache, als daß
man sie den Handelsministern überlassen könnte. Und so meine ich, daß die
Kombination all unserer beiderseitigen Probleme eine zu wichtige Sache ist,
als daß man sie jemand anders als den Staats-oder Regierungschefs überlassen könnte. Ich weiß, daß es Leute gibt, die sagen, die Führer Europas seien
zu sehr mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt - ob es die Inflation
im eigenen Lande ist, die Wirtschafts-und Währungsintegration der Gemeinschaft oder die "Ostpolitik" - um die Führungsrolle zu übernehmen und die
Sache der Welt oder auch nur des Atlantischen Bündnisses zu vertreten. Es
gibt viele, die behaupten, auf der "Europa-Ebene" sei eine Art politischer
Lähmung eingetreten. Und doch hat es jüngst einige ermutigende Erklärungen
von höchster Ebene in Europa gegeben, in denen die fundamentale Bedeutung
unserer totalen Beziehung unterstrichen wurde.

Eine langfristige Betrachtung
Ein zweites Element, dem mögliche Verhandlungen dienen können, könnte
eine langfristigere Betrachtung der Beziehung sein. Wir müssen dem Atlantischen Bündnis eine neue Zielsetzung geben. Aber wir müssen ihm auch ein Gefühl der Dauerhaftigkeit und Haltbarkeit verleihen.
Als amerikanischer Vorsitzender der Amerikanisch-Sowjetischen Handelskommission war ich in der glücklichen Lage, ein wichtiges Paket von grundsätzlichen und langfristigen Prinzipien für die Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion auszuhandeln, die der Präsident und

-7-

�und Parteichef Breschnew unterzeichneten. Wenn man also auf beiden Seiten
des Atlantiks bereit ist, langfristige Abkommen und Grundsatzpakete mit der
Sowjetunion ins Auge zu fassen, dann muß man sich fragen, warum keine Abkommen
mit unseren besten Freunden möglich sein sollten.
Man könnte sich vorstellen, daß beide Seiten eine neue und umfassende
Grundsatzerklärung, eine Art Grundkontrakt ins Auge fassen, der für die langfristigen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa, Japan
und Kanada gelten würde - ähnlich, jedoch vielleicht noch spezifischer als
das Grundsatzpaket, das der Präsident mit der sowjetischen Führung unterzeichnete. Ich meine, daß es uns mit echter Überlegung und echtem Einfallsreichtum
gelingen könnte, ein wichtiges Grundsatzpaket zustandezubringen. Zu diesen
Grundsätzen könnte eine Definition der Art von Wirtschaftswelt gehören, die wir
wollen (wie etwa die Verpflichtung zu einer Reform des Währungssystems, die
fair ist und einen Ausgleich und ein Gleichgewicht auf beiden Seiten vorsieht);
eine Verpflichtung, Regeln und Verfahren zur Beilegung von Streitfragen im Handel zu akzeptieren. Dazu gehört die ganze Entwicklungswelt, wo es einige sehr
wichtige Gebiete der Zusammenarbeit gibt (wie etwa das ganze Gebiet der Enteignung und der Investitionen); dazu gehören Grundsätze der Sicherheit und
Lastenteilung, kooperative Unternehmen auf dem Gebiet der Energie, der Gesundheit, der Drogen, der Raumfahrt, der Umweltverschmutzung und des Verbrechens.
Alle diese Gebiete verlangen dringend nach mehr Zusammenarbeit.
Kurz gesagt - und wenn es nur darum ist, den Vereinigten Staaten zu helfen,
selbst klarere Vorstellungen zu gewinnen - sollten wir vielleicht prüfen, welche Grundsätze auch immer nach unserer Überzeugung weiterhin unsere Beziehung
zu einer "besonderen" machen sollen.

Sicherheit

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�Sicherheit
In dem Prozeß der Verhandlungen über die Sektoren hinweg, aus dem heraus
ein umfassendes langfristiges Abkommen mit den Europäern entstehen könnte,
ist das vielleicht fundamentalste Element unsere gegenseitige Sicherheit
und der Beitrag, den jeder von uns zur Sicherheit Europas und der Welt leisten
kann.
Unsere militärische Präsenz in Europa ist nun schon von so langer Dauer,
daß sie manchmal als selbstverständlich betrachtet wird. Ein ander Mal mag
sie temporär und unsicher erscheinen. Auf jeden Fall wird sie wohl unterbewertet. Obwohl ich kein Experte für Verteidigungsangelegenheiten bin und auf
diesem Gebiet keinen Namen habe, möchte ich Sie doch bitten, folgende Überlegungen anzustellen:
- Es wird mir erklärt, daß die amerikanischen Verteidigungsausgaben -absolut gemessen - etwa das Dreifache derer unserer westlichen Partner betragen und prozentual zum Bruttosozialprodukt etwa doppelt so hoch sind.
- Es wird mir von einer Vielzahl von Experten erklärt, daß in Europa
Übereinstimmung darüber herrscht, daß jede bedeutsame Veränderung des gegenwärtigen Standes der dort stationierten amerikanischen Truppen jeden schlechter
stellen würde, da die Anfälligkeit der Europäer gegenüber sowjetischem Druck
wachsen würde, da das Gespenst Deutschlands als Nuklearmacht sich erheben würde und fast sicher jede westeuropäische Regierung gezwungen wäre, ihren Verteidigungshaushalt neu zu überdenken und Mittel und Wege zu suchen, um zu vermeiden, daß Gelder für vorwiegend innenpolitische Zwecke anders verwendet werden müssen.
- Es wird mir erklärt, daß die Schaffung eines voll unabhängigen europäischen Verteidigungssystems, bei dem jeder auf konventionelle Waffen begrenzt
wäre, ein Maß an politischer Einheit in Europa erfordern würde, das heute nicht
existiert. Die Kosten einer glaubwürdigen europäischen nuklearen Abschreckung

-9-

�Abschreckung und die politischen Probleme, die es zu lösen gilt (wer trifft
die Entscheidungen?) wären so gewaltig, daß diese Angelegenheit zumindest für
die nächsten Jahre eine akademische Frage ist.
- Es wird mir erklärt, daß für jene Europäer, die noch immer die strategische nukleare Abschreckung als die ultima ratio der europäischen Sicherheit
betrachten, die amerikanische militärische Präsenz von entscheidender Bedeutung ist, um die Abschreckung zu einer wirksamen Abschreckung zu machen. Für
die anderen, die nicht so recht am die Abschreckung glauben und die einen taktischen Nuklearkrieg als eine Katastrophe betrachten, sind die amerikanischen
Streitkräfte die einzige Garantie, daß ein Krieg in Europa noch vor einer totalen Katastrophe eingedämmt werden könnte.
- Es wird mir erklärt, daß die europäische Flottenkapazität im wesentlichen darin besteht, die Handelsschiffahrt zu schützen, während die amerikanische Flotte eine Angriffsstreitmacht sei, und keine von ihnen sehr leicht die
Rolle der anderen übernehmen könne.
Zusammengenommen heben alle derartigen Faktoren die Tatsache heraus, daß
die amerikanische Militärmacht für jetzt und noch für einige Zeit von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit Europas und unsere totale Beziehung bleibt.
Wie mir scheint, müssen wir sehr vorsichtig sein, damit nicht der Eindruck entsteht, daß der Geist oder der Inhalt dieser Verhandlungen die Form von "Erpressung" annimmt, sondern daß vielmehr der Versuch gemacht wird, eine faire beiderseitige Aufteilung der totalen Lasten unserer totalen Beziehung zu erreichen.

Definition unserer wirtschaftlichen Prioritäten
Beide Seiten werden - und vielleicht zu Recht - kritisiert, daß sie sich
nicht gerade auszeichnen, was unseren Zusammenhalt und unsere Übereinstimmung
in der Definition unserer wahren Prioritäten angeht. Und mann kann uns vielleicht auch beiden zu Recht vorwerfen, das Ziel des üblichen Verhandlungsführers

-10-

�Verhandlungsführers zu verfolgen, nämlich viel zu erwarten und nichts aufzugeben. Und schließlich finde ich, daß auf beiden Seiten die Selbstgerechtigkeit
in reichem Maße vorhanden ist. So reden wir beispielsweise unentwegt von der
Agrarpolitik der Gemeinschaft. Das sollten wir auch, denn sie ist ein
Anachronismus. Aber es handelt sich hier um einen alten Anachronismus, der in
den einheimischen politischen Realitäten Europas tief verwurzelt ist, und
wir werden hier einige Zeit brauchen - was einer der Gründe dafür ist, warum
wir ein Paket von langfristigeren Abkommen erörtern sollten. Aber es ist auch
wichtig, daß wir einige unserer eigenen Anachronismen auf dem Agrarsektor
unter die Lupe nehmen - von denen ich allerdings ehrlich glaube, daß sie für
die europäischen Agrarinteressen weit weniger schädlich sind. Aber sie sind
trotzdem vorhanden. Im Grunde sind die meisten unserer echten langfristigen
Interessen tatsächlich die gleichen - nämlich niedrigere Lebensmittelpreise selbst auf dem Agrarsektor.
Wir sprechen auch beide, manchmal recht zungenfertig, von nicht-tarifären
Handelsschranken. Welche spezifischen Schranken sind die wichtigsten? Über
welche sind wir bereit zu verhandeln? Gerade hier hat der Präsident eine intensive Überprüfung angeordnet, und wir dürfen hoffen, daß unsere Handelspartner
das gleiche tun.
Viele von uns, die wir im Geschäftsleben stehen, neigen dazu, sich nur
zu leicht von der Währungsreform bange machen zu lassen, und sind trotzdem nur
zu bereit, sie den sagenhaften Heinzelmännchen zu überlassen, wo immer diese
in unseren Tagen leben mögen. Ich bin erfreut darüber, daß die Währungsreform
einen so wichtigen Platz auf Ihrer Tagesordnung einnimmt, da ich der Meinung
bin, daß die kühnen und umfassenden Vorschläge von Finanzminister Shultz für
ein Gleichgewicht in der Praxis statt einem Gleichgewicht in der Theorie von
ungeheurer Bedeutung und höchster Priorität sind.
Ich

�•'

Ich möchte noch ein weiteres Thema aufgreifen,das ich für höchst bedeutsam erachte: das Problem der Marktverzerrung. Wirtschaftliche und politische Realitäten überall machen klar, daß in einigen Fällen Importe zu stark
und zu rasch hereinkommen, als daß sie wirtschaftlich und politisch verdaut
werden könnten, und daß wir einige neue, beiderseits vereinbarte und zivilisierte Spielregeln brauchen, die den Anpassungsprozeß erleichtern, ohne der
Vorstellung vom Ablauf eines vernünftigen offenen und expandierenden Welthandels eine ständige Krücke anzulegen (oder vielleicht sollte ich besser sagen,
ihm

eine "Verrenkung" zu bringen). Auch hier hat der Präsident eine Vielzahl

von Mitteln und Wegen zur Behebung von Marktverzerrungen - Anpassungshilfen angeregt.
Wenn ich mich jetzt noch kurz einem weiteren Thema auf der wirtschaftlichen Tagesordnung - der Entwicklungshilfe - zuwende, dann möchte ich nur ein
Argument bringen und auf einen Grundsatz zurückkommen, den ich bereits vorher
angesprochen habe: nämlich eine faire Lastenteilung in den Aufgaben der totalen Beziehung. Ich weiß, daß nach den herkömmlichen Erkenntnissen jedes der
Industrieländer den gleichen Prozentsatz des Bruttosozialproduktes in die Entwicklung stecken sollte. In der neuen Welt der wirtschaftlichen Parität unserer westlichen Partner sollten wir fragen: Ist das noch immer eine gültige
Konzeption? Oder ist dies ein Gebiet, wo einige mehr dieser Lasten tragen sollten, während andere mehr die anderen Lasten tragen?

Das Energieproblem
Die zu erwartenden Energiehandelsdefizite der Vereinigten Staaten, Japans
und Europas könnten sich bis 1980 auf insgesamt 60 Milliarden Dollar belaufen, wenn die gegenwärtigen Trends nicht geändert werden. Solche massiven Defizite könnten nicht nur traumatische Auswirkungen auf das internationale
Währungssystem haben, sondern könnten dazu führen, daß die westlichen Handels-

-12-

�Handelspartner sich in einen kannibalistischen Kampf nicht nur um Energie,
sondern auch um Exporterlöse stürzen, um dafür bezahlen zu können - eine
Situation, die wohl kaum dazu angetan sein dürfte, unser westliches Bündnis
neu zu gestalten.
Nach meiner Auffassung sollte zu jeder neuen Strategie des westlichen
Bündnisses eine kühne und kooperative Strategie bezüglich unserer beiderseitigen Energieprobleme in den siebziger und achtziger Jahren gehören. Manche
Europäer mögen vielleicht noch nicht erkannt haben, was für ein kritisches
globales Problem dies werden wird. Wenn sie es nicht erkannt haben, dann ist
es unsere Aufgabe, es ihnen klar zu machen.

Andere gemeinsame Probleme
Energie ist nur eines der gemeinsamen Probleme, vor denen wir zusammen mit
unseren Partnern in den nächsten Jahrzehnten stehen werden. Es wird eine Fülle
anderer Probleme geben, einschließlich Umweltverschmutzung, anderer Umweltaufgaben, Bevölkerungskontrolle, Urbanprobleme, Verkehrsprobleme, medizinische
Probleme usw. Die Forderung nach Verbesserung der Qualität des Lebens beschäftigt in zunehmendem Maße die Aufmerksamkeit der führenden Männer in der ganzen
Welt. Führer der Europäischen Gemeinschaft sprechen heute weniger von einem
wirtschaftlichen Wachstum und mehr von dem, was sie die "Humanisierung" ihrer
wirtschaftlichen Gewinne nennen. Einige führende Leute in Japan entfernen sich
ebenfalls von einer primär wachstumsorientierten Wirtschaft und wenden sich
einer Wirtschaft zu, in der der Nachdruck stärker auf dem Verbraucher und der
Erhöhung des Lebensstandards liegt.
Was wir hier versuchen müssen, ist, solche kooperativen Gebiete mit mehr
Einfallsreichtum und Bedeutung zu erfüllen. Wenn wir Erfolg haben (in der Vergangenheit hatten wir keinen), dann könnte eine solche Zusammenarbeit unserer

-13-

�1

unserer neuen Beziehung zu Europa eine menschliche Dimension geben, die so
technischen und kalten Fragen - und mögen sie noch so fundamental sein - wie
Sicherheit und Währung fehlen.

Ost-West-Handel und Entspannung
Ein weiteres Element auf unserer Tagesordnung für den Neubau des Atlantischen Bündnisses hat weniger mit der Art und Weise zu tun, in der wir an
Europa herantreten, als vielmehr damit, wie sich die Art und Weise, in der wir
an andere herantreten, auf Europa auswirkt. Die Fortschritte, die wir auf den
Gebieten des Handels und der Sicherheit mit China und der Sowjetunion erzielt
haben, sind von historischer Bedeutung und könnten die Grundlage einer langen
und einträglichen Beziehung bilden.
Das wird jedoch nicht der Fall sein, wenn eine Nebenwirkung unserer Entspannung in einer Verschlechterung unserer Beziehungen zu unseren westlichen
Partnern besteht. Die Sicherheit, mit der wir an die ganze Frage der Aussöhnung mit dem Osten herangehen, hat die Solidarität des westlichen Bündnisses
zur Voraussetzung. Wir dürfen diese Voraussetzung nicht vergessen.
Es muß Teil unserer Gesamtstrategie sein sicherzustellen, daß die Herbeiführung der Entspannung sowohl zwischen den Vereinigten Staaten und dem Osten
als auch zwischen den Ländern des Gemeinsamen Marktes und dem Osten gegen Keile
gefeit ist, die uns spalten könnten. Dies bringt mich zu der Auffassung, daß
auf die Tagesordnung unserer Verhandlungen auch eine kooperative Einstellung
zum Ost-West-Handel gehört.

Zusammenfassung

-14-

�Zusammenfassung

Dies sind nach meiner Auffassung die Art von Fragen und die Art von
Einstellungen, über die wir sprechen müssen, wenn wir der Erosion unserer
atlantischen Bindungen Einhalt gebieten und unsere beiderseitigen Sicherheits-, Wirtschafts- und Sozialinteressen bekräftigen wollen.
Ich darf sagen, daß Akademiker und Atlantiker und jene von uns in der
Bürokratie schon sehr lange die Hände gerungen haben, wie ernst unsere europäischen Probleme geworden sind. Aber wir haben alle sehr wenig Vorschläge
gemacht, was wir zu ihrer Lösung tun sollten. In den kommenden Monaten werden wir all diese und noch mehr Probleme mit den verschiedenen Vertretern
der europäischen Regierungen erörtern. Der Präsident ist sich höchst bewußt, wie wichtig es ist, diese historischen Bindungen aufrechtzuerhalten
und zu stärken.
Zu keiner Zeit habe ich ihn je etwas anderes zum Ausdruck bringen hören
als die höchste Anerkennung der Bedeutung der totalen Beziehung. Sie können
damit rechnen, daß er mit der gleichen Kühnheit, Gesamtschau und Sensibilität
im Sinne der langfristigen Interessen und der Sicherheit der Nation handeln
wird, die er bei seinen Initiativen in der Sowjetunion und China und bei
seinem neuen Wirtschaftsprogramm vom 15. August 1971 angelegt hat.

THT

-15-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Nixons zum Waffenstillstand in Vietnam &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lyndon B. Johnson - Sein Glaube war Amerika Minicomputer-Ausstellung im US-Handelszentrum in Frankfurt &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Die Antrittsrede Präsident Nixons &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Wortlaut -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Rogers fordert neue Friedensbemühungen im Nahen Osten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus seiner Anspräche vom 17. Januar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahl zeigt: Die Amerikaner wollen den Wandel &lt;em&gt;Von Louis Harris&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die kommenden amerikanisch-europäischen Handels-und Währungsverhandlungen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des scheidenden US-Handelsministers Peterson in New York -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

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3

17. Januar 1973

Inhalt
INFORMATION:
USA wollen Vietnam-Konflikt zu Ende bringen
-Einseitige Einstellung der Bombardierung
USA werden in Helsinki die Frage der Freizügigkeit nicht aufgeben
Von Peter Karegeannes

HINTERGRUNDMATERIAL:
Drogenverbrecher in der Defensive
Von Ron Moxness

WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon ordnet Aufhebung der meisten Lohn-und Preiskontrollen an
-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-KongreßNixon fordert Reform des internationalen Handelssystems
-Wortlaut des Schreibens an den US^Kongreß«

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Kooperation - ein Schlüssel zur Umweltverbesserung
-Konferenz in Detroit erörtert den "Preis des Autos für die Gesellschaft"Zellkulturen in Gewebedichte gezüchtet
Strahlströme und Erdkrustenbewegur.g

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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3/1973

USA WOLLEN VIETNAM-KONFLIKT ZU ENDE BRINGEN
-Einseitige Einstellung der Bombardierung-

WASHINGTON --(AD)— Der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, betonte
am 16. Januar erneut, das Hauptziel der Vereinigten Staaten bestehe darin,
den Vietnam-Konflikt zu Ende zu bringen. Unter Hinweis auf die Vertraulichkeit der Verhandlungen mit der anderen Seite lehnte Ziegler es ab, zu Einzelheiten Stellung zu nehmen oder sich zeitlich festzulegen.
Der Sprecher bestätigte, daß der amerikanische Verhandlungsführer,
Dr. Henry Kissinger, nach Washington zurückgekehrt sei und bis Ende der Woche
in der amerikanischen Hauptstadt bleiben werde. Präsident Nixon habe nicht
die Absicht, sich vor seiner Amtsantrittsrede am Sonnabend zum VietnamProblem zu äußern.
Am 15. Januar hatte Fräsident Nixon die Einstellung aller Angriffe aus
der Luft oder von See her auf Nordvietnam angeordnet. Diese einseitige
Friedensgeste der Vereinigten Staaten trat am 15. Januar um 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft und gilt für den gesamten Bereich Nordvietnams
nördlich des 17. Breitengrades. Wie aus der Bekanntgabe des Weißen Hauses
hervorging, schließt der Befehl des Präsidenten auch eine weitere Verminung

-1-

�Verminung nordvietnamesischer Häfen aus. Die bereits gelegten Minen sollen
jedoch erst nach Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens geräumt
werden.
Der Sprecher des Weißen Hauses hatte am 15, Januar die folgende wichtige
Ankündigung gemacht:
"Aufgrund des Fortschrittes bei den Verhandlungen zwischen Dr. Kissinger
und Sonderberater Le Duc Tho hat Präsident. Nixon angeordnet, daß die Bombardierung, Beschießung und weitere Verminung (der Küsten) von Nordvietnam eingestellt wird. Diese Anordnung trat heute am 15. Januar um lOrOO Uhr Washingtoner Zeit in Kraft.
Die von mir angeführte Anordnung des Präsidenten gilt für Kampfhandlungen
nördlich des 17. Breitengrades, also für ganz Nordvietnam."

-2-

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3/1973

USA WERDEN IN HELSINKI DIE FRAGE DER FREIZÜGIGKEIT NICHT AUFGEBEN
Von Peter Karegeannes

HELSINKI --(AD)-- Wenn die Vertreter von 34 Ländern jetzt in Helsinki zur
zweiten Runde der vorbereitenden Gespräche für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) zusammengekommen sind, dann werden
sie an der Erörterung der Frage der Freizügigkeit von Personen und Ideen
nicht vorbeikommen. Die westlichen Länder und vor allem die Vereinigten Staaten haben die Frage der Freizügigkeit als eines der wichtigen Themen für
eine Konferenz herausgestellt. In der ersten Phase der Vorbereitungsgespräche fanden sie bei den Sowjets und den Delegierten der anderen Staaten des
Warschauer Paktes nur wenig Gegenliebe.
Zwar hat die parteiamtliche "Prawda" die Forderungen des Westens als
"unverschämt" und eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer
Staaten bezeichnet, aber doch auf eine vorherige Äußerung von Parteichef
Breschnew hingewiesen, in der dieser die Freizügigkeit keineswegs abgelehnt
hatte. Wie die sowjetische Nachrichtenagentur TASS berichtete, hat Breschnew
am 21. Dezember vorigen Jahres erklärt: "Auch wir sind dafür - natürlich nur,
wenn eine solche Zusammenarbeit unter Berücksichtigung der Souveränität, der
Gesetze und der Gepflogenheiten eines jeden Landes stattfindet und wenn sie

-1-

�sie zur gegenseitigen geistigen Bereicherung der Völker, zu einem wachsenden
Vertrauen unter ihnen und zur Förderung der Ideen des Friedens und guter
Nachbarschaft beiträgt."
Diese Äußerungen können als ein Anzeichen einer größeren Flexibilität
angesehen werden. Inwieweit sich das nun in der Praxis der Vorbereitungsgespräche in Helsinki niederschlagen wird, bleibt abzuwarten. Es wird eine der
Hauptaufgaben der Delegierten sein, dieser Frage auf den Grund zu gehen.
Die Vereinigten Staaten haben nie ein Hehl daraus gemacht, daß sie
einen echten Fortschritt in der Frage der Freizügigkeit von Personen, Ideen
und Informationen als ein konkretes Zeichen dafür betrachten, daß eine KSZE
stattfinden kann. Die USA sind weiter der Auffassung, daß dem Fortschritt
in den Ost-West-Beziehungen durch eine KSZE gedient sei, die sich konkret mit
den Fragen des menschlichen Kontaktes und den dazu notwendigen Maßnahmen beschäftigt.
Die Grundprinzipien der Freizügigkeit liegen längst fest. Damit brauchte
sich eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa nicht mehr
zu befassen. Es geht jetzt vielmehr um ganz konkrete Schritte zur Verwirklichung einer größeren Freizügigkeit, die schon in Artikel 19 der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen - und auch in anderen weltweit akzep-r
tierten Konventionen und Vereinbarungen - garantiert wird.
Natürlich enthalten all diese Dokumente sogenannte Vorbehaltsklauseln,
die aber für den echten Ausnahmefall und nicht - wie in den Ländern des Warschauer Paktes - dazu gedacht sind, Buchstaben und Absicht der Erklärung zu
negieren.
Starre Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Menschen tragen zu
Spannung und Mißtrauen bei und stehen einer echten Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im Wege. Ein stetiger Abbau dieser Beschränkungen würde

-2-

�•t

würde wesentlich zur Entspannung beitragen und würde den Hoffnungen und Wünschen der europäischen Völker entgegenkommen. Eine KSZE wird sich nach westlicher Auffassung mit der Frage der Liberalisierung nicht nur der kulturellen
Zusammenarbeit befassen müssen, wobei der Westen sicherlich einsehen muß, daß
diese Liberalisierung nur schrittweise kommen kann.

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3/1973

DROGENVERBRECHER IN DER DEFENSIVE
Von Ron Moxness

--(AD)-» Die nahezu 100 amerikanischen Sonderfahnder im Ausland und die
fast 15 000 Angehörigen des amerikanischen Zolls, die sich unter anderem
auf das Aufspüren von Rauschgiftschmugglern konzentriert haben, treffen
den internationalen Rauschgifthandel empfindlich. Von Mitte 1971 bis
Mitte 1972 zum Beispiel wurden aufgrund der Recherchen von Beamten der
amerikanischen Bundeszentrale für Narkotika und gefährliche Drogen
(BNDD) 7 671 Händler festgenommen - 62 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Eine wesentliche Rolle spielte dabei die enge Zusammenarbeit von Behörden innerhalb der USA und die Einschaltung ausländischer Stellen in die
Überwachung und Fahndung.
Eine ständig steigende Zahl von ausländischen Händlern und Schmugglern wird an den Grenzen der USA gefaßt. Der amerikanische Zoll verhaftete
- ebenfalls von Mitte 1971 bis Mitte 1972 - 7 820 Personen wegen Verstößen gegen das Rauschgiftgesetz von 1970 und erreichte die Verurteilung
wegen einschlägiger Delikte in 2 200 weiteren Fällen. Gleichzeitig beschlagnahmte er 284 kg Heroin, 23 kg Opium, 171 kg Kokain, nahezu 145 t
Marihuana und fast 5 t Haschisch. Die größte Menge Heroin, nämlich 110 kg,

�110 kg, wurden aus dem Chassis eines nach Puerto Rico gebrachten französischen
Kraftwagens geholt, in das das Rauschgift eingeschweißt worden war. Im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit wurden zwei Franzosen festgenommen. Aufgrund eines Tips amerikanischer Rauschgiftfahnder wurde ein zweites Auto aus
Frankreich in Valencia (Spanien) beschlagnahmt. Es enthielt 112 kg Heroin,
Die Schmuggler sind recht einfallsreich und finden immer wieder neue Verstecke. Zwar kam der doppelte Kofferboden noch nicht aus der Mode, aber neuerdings sind auch Schuhe, Wäsche und Toilletenartikel, Kunstgegenstände, Geschenkartikel in Weihnachtspaketen und selbst Elektrogeräte (z.B. Lautsprecher
für Stereoanlagen aus Hongkong) recht beliebt.
Wie amerikanische Beamte von Rauschgiftdezernaten erklärten, ist es vor
allem dem Einsatz von besonders geschultem Personal, von Hunden, die Rauschgift selbst dann noch wahrnehmen, wenn es mit Zwiebelgeruch und anderen "Düften"
getarnt ist, und der intensiven Benutzung von Computer-Karteien zu verdanken,
daß die Risiken der Rauschgifthändler immer größer werden. Auch Diplomatenpässe
sind kein Schutz mehr, wie der Fall eines Bürgers der Philippinen zeigt, der im
vergangenen Jahr wegen Heroin-Schmuggels zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt
wurde.
Aufgrund des amerikanischen Rauchgiftgesetzes von 1970 können auch Personen wegen Rauschgiftschmuggels in den USA vor Gericht gestellt werden, wenn sie
nie zuvor amerikanischen Boden betreten haben. Dies gilt z.B. in Fällen, wo
"zwei oder mehrere Personen Rauschgift oder andere, unter Kontrolle stehenden
Substanzen herstellen oder verteilen mit dem Zweck, sie in amerikanisches Territorium zu verbringen oder verbringen zu lassen." Nach Aussage eines BNDD-Sprechers "verletzt jeder, auch wenn er nie in den USA gelebt hat, das amerikanische
Gesetz gegen Verschwörungen zur Einfuhr und Verteilung von Heroin, der irgendwo
im Ausland - von Marseille bis Hongkong - ein Heroin-Laboratorium betreibt und
das Rauschgift an einen Zwischenträger verkauft, von dem er weiß oder annehmen

-2-

�annehmen kann, daß es dieser in die USA weiterbefördern wird."
Der Handel mit "unter Kontrolle stehenden Substanzen" wie Heroin, Kokain
oder Methadon kann 15 Jahre Haft in einem amerikanischen Gefängnis und Geldstrafen bis zu 25 000 Dollar einbringen. Haschisch-und Marihuanaschmuggel
-Straftaten, in die eine immer größere Anzahl von Personen verwickelt istwerden mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft. Ein ähnliches Strafmaß ist
bei Handel mit Amphetaminen, Barbituraten und Halluziogenen, z.B. LSD, zu erwarten.
Diese gesetzlichen Bestimmungen trugen in letzter Zeit viel dazu bei,
daß einige der berüchtigsten amerikanischen und ausländischen Händler gefaßt
und die großen internationalen Schmuggelringe teilweise zerschlagen werden konnten. Ende November fällte z.B. ein Bundesgericht in New York das Urteil über
20 von BNDD-Beamten überführte Rauschgifthändler - nach ihrer Staatsangehörigkeit Bürger der USA, Belgiens, Frankreichs, Italiens, Argentiniens und der
Schweiz. Sie hatten Heroin im Verkaufswert von 130 Millionen Dollar in die USA
eingeschmuggelt und abgesetzt. Der Drahtzieher des Unternehmens, Christian
David, bekannte sich am 1. Dezember 1972 für schuldig, 30 kg Heroin empfangen,
versteckt und transportiert zu haben. Er wurde zu 20 Jahren Haft in einem amerikanischen Zuchthaus (ohne Bewährung) und 20 000 Dollar Geldstrafe verurteilt.
Die brasilianische Polizei hatte ihn festgenommen; wegen des Mordes an einem
französischen Polizeikommissar war er schon von französischen Behörden gesucht
worden.
Mit einer Haftstrafe bis zu 20 Jahren hat der Korse Paul Auguste Ricord
(62) zu rechnen, wenn am 29. Januar 1973 wegen seiner Beteiligung am Einschmuggeln von Rauschgift in die Vereinigten Staaten das Urteil über ihn gesprochen
wird. Er gilt als der Kopf einer Rauschgifthändlerbande, auf die ca. 50 Prozent
des während der letzten fünf Jahre in die Oststaaten der USA eingeschmuggelten
Heroins entfallen. Ricord war im März 1971 in Paraguay festgenommen und von

-3-

�von den Behörden dieses südamerikanischen Staates an die Vereinigten Staaten
ausgeliefert worden. Umgekehrt geht auch das Ausland scharf gegen amerikanische Staatsbürger vor, die wegen Rauschgiftdelikten mit den Landesgesetzen
in Konflikt kommen. Das US-Außenministerium gab kürzlich bekannt, daß 934
von insgesamt 1 460 US-Bürgern, die in 60 Staaten in Gefängnissen sitzen,
wegen Verletzung der Gesetze gegen Narkotika-und Rauschgiftmißbrauch verurteilt wurden.

-4-

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3/1973

PRÄSIDENT NIXON ORDNET AUFHEBUNG DER MEISTEN LOHN-UND PREISKONTROLLEN AN
-Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Kongreß»
WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat am 11. Januar die Aufhebung der
meisten Lohn-und Preiskontrollen angeordnet. Die Botschaft des Präsidenten
über den Beginn der Phase III seines wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms
an den amerikanischen Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Im Jahre 1969 betrug die Jahresrate des Preisauftriebs in den Vereinigten Staaten rund 6 Prozent. Während meiner ersten Amtszeit ist diese Rate
fast auf die Hälfte gesenkt worden, und heute haben die Vereinigten Staaten
die niedrigste Inflationsrate aller Industriestaaten der freien Welt,
In den letzten eineinhalb Jahren wurde dieser Rückgang der Inflationsrate von einer schnellen wirtschaftlichen Expansion begleitet. Die zivile
Beschäftigung stieg im letzten Jahr schneller an als jemals zuvor in unserer
Geschichte, und die Arbeitslosigkeit ging erheblich zurück. Wir haben heute
eine der höchsten wirtschaftlichen Wachstumsraten aller Industriestaaten.

Kurz

-1-

�Kurz gesagt, 1972 war ein sehr gutes Jahr für die amerikanische Wirtschaft. Ich rechne damit, daß 1973 und 1974 sogar noch besser sein werden.
Sie können in der Tat die besten Jahre werden, die unsere Wirtschaft jemals
gehabt hat, vorausgesetzt, daß wir den Willen haben und klug genug sind,
auf dem öffentlichen wie auf dem privaten Sektor eine entsprechende Wirtschaftspolitik zu verfolgen.
In den letzten Wochen haben Mitglieder meiner Regierung unsere Wirtschaftspolitik überprüft,um sie auf den neuesten Stand zu bringen. Ich weiß
die fruchtbaren Ratschläge und die ausgezeichneten Anregungen sehr zu
schätzen, die wir in unseren Konsultationen mit dem Kongreß erhalten haben.
Wir sind ferner dankbar für die starke Unterstützung, die uns von hunderten
von namhaften Persönlichkeiten gewährt wurde, die die Gruppen der Wirtschaft,
der Gewerkschaften, der Landwirtschaft und der Verbraucher wie auch die allgemeine Öffentlichkeit vertraten. Diese Gespräche waren für uns äußerst
nützlich, um verschiedene grundlegende Schlußfolgerungen über die Zukunft
unserer Wirtschaft zu ziehen.
Ein wichtiger Punkt, der sich herauskristallisiert, wenn wir auf das in
der Vergangenheit Erreichte und die Aussichten für die Zukunft blicken, ist
die zentrale Rolle, die die Währungs-und Haushaltspolitik der Regierung
spielte. Wir können nicht die Inflation unter Kontrolle halten, wenn wir
nicht die Regierungsausgaben unter Kontrolle halten. Aus diesem Grunde habe
ich darauf bestanden, daß unsere Ausgaben im Finanzjahr 1972/73 nicht über
250 Milliarden Dollar hinausgehen und daß unser Haushaltsvoranschlag für das
Finanzjahr 1973/74 nicht die Einnahmen übersteigt, die das derzeitige Steuersystem bei Vollbeschäftigung erbringen würde. Ich hoffe und erwarte, daß der
Kongreß diesen Haushalt mit einer gleichen Auffassung von Haushaltsdisziplin
aufnehmen wird. Die Stabilität unserer Preise hängt von der Zurückhaltung
seitens des Kongresses ab.
Wenn

~2~

�Wenn wir jetzt in ein neues Jahr und in eine neue Amtszeit dieser Regierung eintreten, dann beginnen wir gleichzeitig auch eine neue Phase unseres wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms. Meines Erachtens hat das System
von Kontrollen, die seit 1971 bestanden, ganz wesentlich zur Stärkung unserer
Wirtschaft beigetragen. Heute unterbreite ich dem Kongreß ein Gesetz, durch
das das grundlegende Gesetzeswerk, auf dem dieses System basiert - das Gesetz
zur Stabilisierung der Wirtschaft -, um ein weiteres Jahr bis zum 30. April
1974 verlängert wird.
Auch wenn wir uns der Notwendigkeit einer weiteren Zurückhaltung bei
Preisen und Löhnen auf Seiten der Regierung bewußt sind, so sehen wir doch
den Tag kommen, da wir die Vorteile stabiler Preise ohne die Nachteile einer
solchen Zurückhaltung haben können. Ich glaube, wir können uns auf diesen
Tag vorbereiten und sein Kommen beschleunigen, indem wir das derzeitige
System (von Preis-und Lohnkontrollen) so modifizieren, daß es in einem
stärkeren Maße auf der freiwilligen Mitarbeit des privaten Sektors durch vernünftige Preis-und Lohnentscheidungen basiert.
In der Phase III wird die vorherige Billigung von Änderungen bei Löhnen
und Preisen durch die Bundesregierung nicht mehr erforderlich sein, besonders
problematische Gebiete ausgenommen. Die Bundesregierung wird, nach Beratung
mit Unternehmern und Gewerkschaften, Richtlinien für das private Verhalten
ausarbeiten, die sich selbst tragen. Dies besagt, daß Unternehmen und Arbeiter
künftig selbst entscheiden können, ob ihr Verhalten diesen Normen entspricht.
Zunächst und ganz generell werden wir uns auf die freiwillige Mitarbeit des
privaten Sektors in bezug auf eine vernünftige Beachtung der Normen verlassen.
Die Regierung wird jedoch weiterhin die Vollmacht - und die Pflicht - haben,
einzugreifen und Maßnahmen zu stoppen, die mit unseren antiinflationistischen
Zielsetzungen nicht zu vereinbaren wären. Ich habe als grundlegendes Ziel dieses Programms eine weitere Senkung der Inflationsrate bis Ende 1973 auf 2 1/2
Prozent oder noch weniger gesetzt.
Aufgrund

3-

�Aufgrund dieses Programms kann ein großer Teil des Apparates der Bundesregierung, der sich in den Phasen I und II so sehr bewährt hat, abgebaut werden, darunter die Preiskommission, der Lohnausschuß, der Ausschuß für das
Gesundheitswesen, der Ausschuß für Zusammenarbeit mit den Einzelstaaten und
den Kommunalverwaltungen und der Beirat für Renten. Denen, die als Angehörige dieser Gremien und deren Stäbe so hervorragende Dienste geleistet haben
- vor allem dem Vorsitzenden des Lohnausschusses, Richter George H. Boldt,
und dem Vorsitzenden der Preiskommission, C. Jackson Grayson Jr. - gilt mein
tiefer Dank wie auch der ihrer Landsleute für ihre hingebungsvolle und wirksame Arbeit.
Dieses neue Programm wird von dem Lebenshaltungskostenrat verwaltet werden. Der neue Direktor des Rates wird John T. Dunlop sein. Dr. Dunlop tritt
die Nachfolge von Donald Rumsfeld an, dem, wenn er nun aus diesem Amt ausscheidet, der tiefe Dank des Landes für seine hervorragende Arbeit gilt.
Im Rahmen unseres neuen Programms werden besondere Anstrengungen unternommen werden, um die Inflation auf Gebieten zu bekämpfen, wo der Preisauftrieb besonders störend war, vor allem, um gegen die steigenden Lebensmittelpreise anzugehen. Unser Anti-Inflationsprogramm wird nicht hundertprozentig
erfolgreich sein, solange seine Auswirkungen nicht auch bis auf die örtlichen
Supermärkte und die kleinen Kolonialwarenläden durchschlagen.
Ich ordne daher an, daß unser gegenwärtiges bindendes System zur Kontrolle
von Löhnen und Preisen mit besonderem Nachdruck bei solchen Firmen fortgesetzt
wird, die mit der Verarbeitung und Verteilung von Lebensmitteln zu tun haben.
Ich setze ferner einen neuen Ausschuß für die Überprüfung der Politik der Regierung ein, soweit diese die Lebensmittelpreise berührt, und einen Beirat von
nicht der Regierung angehörenden Persönlichkeiten, der andere Wege zur Erreichung von Preisstabilität in den Lebensmittelgeschäften prüfen soll. Ich werde
diesen Beirat ersuchen, seine besondere Aufmerksamkeit neuen Wegen zur Senkung

-4-

�•

Senkung der Kosten und zur Steigerung der Produktivität an allen Punkten der
Kette, von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zur Verteilung der Lebensmittel, zu schenken. Ferner ist vom Landwirtschaftsministerium und vom Lebenshaltungskostenrat gestern und heute eine Reihe von wichtigen Schritten verkündet worden, um die Lebensmittelpreise so weit wie möglich - durch Steigerung
des Lebensmittelangebotes - niedrig zu halten. Meines Erachtens werden alle
diese Anstrengungen uns in die Lage versetzen, dem Ansteigen der Lebensmittelkosten auf wirksame Weise Einhalt zu gebieten, ohne den wachsenden Wohlstand
der amerikanischen Farmer zu beeinträchtigen. Weitere besondere Maßnahmen, die
zur Bekämpfung der Inflation ergriffen werden, sind die Beibehaltung der gegenwärtigen bindenden Kontrollen auf dem Gesundheits-und dem Bausektor und die
Beibehaltung des gegenwärtigen erfolgreichen Programms für Zinsen und Dividenden.
Die von mir heute verkündete neue Politik kann noch größere Preisstabilität mit weniger restriktiver Bürkratie bringen. Ihr Erfolg wird jedoch jetzt
von einem festen Willen zur Selbstbeschränkung sowohl innerhalb der Bundesregierung wie auch in der allgemeinen Öffentlichkeit abhängen.
Wenn der Kongreß unseren neuen Haushalt mit einem hohen fiskalischen Verantwortungsbewußtsein aufnimmt und wenn die Öffentlichkeit weiterhin den gleichen Geist der freiwilligen Mitarbeit zeigt, der während der Phasen I und II
so wichtig war, dann können wir die Inflationsrate unter 2 1/2 Prozent drücken
und eine noch nie zuvor dagewesene Ära eines umfassenden und stabilen Wohlstandes einleiten . (Ende Botschaft)

-Künftiges Programm basiert auf Freiwilligkeitin einer gleichzeitig herausgegebenen Erklärung betont das Weiße Haus, daß
der Phase III des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms des Präsidenten,
die auf Freiwilligkeit im Kampf gegen die Inflation basiert, umfassende Kon-

-5-

�Konsultationen mit über 400 Persönlichkeiten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens vorangingen.
Nach dem modifizierten System wird die Regierung Richtlinien für das private Verhalten aufstellen, die dem nationalen Anti-Inflationsziel entsprechen.
Die Leitzahlen für Löhne werden nach Anhören von Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgearbeitet werden. Die Sozialpartner werden künftig selbst entscheiden, ob ihr Verhalten diesen Richtlinien entspricht, und ihre Entscheidungen
bedürfen nicht mehr der vorherigen Billigung. Doch wird erwartet, daß sie sich
an die Richtlinien und Ziele halten. Der Regierung wird eine Nachprüfung ermöglicht werden, ob ihr Verhalten den Richtlinien entspricht. Sie
wird ferner ermächtigt sein, dort bindende Leitzahlen für das künftige Verhalten festzulegen, wo das freiwillige Verhalten den Zielen des Programms nicht
entspricht. Zu diesem Zweck hat der Präsident um die Verlängerung des Gesetzes
zur Stabilisierung der Wirtschaft um ein Jahr nachgesucht. Besondere Programme
werden auf dem Lebensmittel-, dem Gesundheits- und dem Bausektor sowie für
Zinsen und Dividenden beibehalten. Nach Auflösung des Lohnausschusses und der
Preiskommission wird der Lebenshaltungskostenrat allein die Phase III des Programms überwachen.
Als allgemeine Richtlinie für die Preise gilt, daß künftige Preiserhöhungen nicht über die Kostensteigerungen hinausgehen sollen. Aber auch wenn die
Kosten höher liegen, dürfen die Preise nicht erhöht werden, wenn die Gewinne
des Unternehmens die Grundspanne übersteigen. Unabhängig hiervon kann ein Unternehmen bei Kostensteigerungen seine Preise jedoch heraufsetzen, wenn solche
Preiserhöhungen 1,5 Prozent pro Jahr nicht übersteigen. Als Anhalt sollen auch
weiterhin die von der Preiskommission in der Vergangenheit ausgearbeiteten Bestimmungen gelten.
Bei den Löhnen können die derzeitigen Richtlinien des Lohnausschusses als
Anhalt für das Maximum an angemessenen Lohnerhöhungen dienen, solange sie

-6-

�sie nicht modifiziert werden. Ein Beirat der Sozialpartner soll den Lebenshaltungskostenrat dahingehend beraten, ob und inwieweit Modifzierungen vorgenommen werden sollen.
Alle neuen Bestimmungen und Erfordernisse sollen mit sofortiger Wirkung
in Kraft treten.

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3/1973

NIXON FORDERT REFORM DES INTERNATIONALEN HANDELSSYSTEMS
-Wortlaut des Schreibens an den US-Kongreß-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat erneut eine Reform des internationalen Handelssystems gefordert, die zu einem weiteren Abbau der tarifären wie auch der nicht-tarifären Handelsschranken führen sollte. In einem
Begleitschreiben zu dem 16. Jahresbericht über das Programm für Handelsabkommen an den amerikanischen Kongreß gab der Präsident ferner seiner Zuversicht Ausdruck, daß in einem solchen internationalen System der Welthandel
auf einer gerechten Basis für alle Beteiligten ausgeweitet werden kann.
Das Schreiben des Präsidenten an den US-Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Gemäß Paragraph 402 (A) des Gesetzes über die Ausweitung des Handels
von 1962 unterbreite ich hiermit den 16. Jahresbericht des Präsidenten zu
dem Programm über Handelsabkommen. Dieser Bericht erfaßt die Entwicklungen
in den 12 Monaten bis zum 31. Dezember 1971.
Dieses Jahr bildete einen historischen Wendepunkt in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Die sich immer mehr verschärfenden Krisen
im Frühjahr und im Sommer 1971 zeigten auf dramatische Weise,daß die von

�von uns am Ende des zweiten Weltkrieges entwickelten Regeln und Mechanismen überholt und ungerecht waren. Vor diesem Hintergrund hatte die
Regierung im August eine Reihe von Maßnahmen verkündet, die zu einem Teil
darauf abzielten, eine weitere Schädigung der wirtschaftlichen Position
der Vereinigten Staaten zu verhindern. Noch wichtiger war jedoch, daß Maßnahmen ergriffen wurden, um den Weg für eine Reform des Handels-und des
Währungssystems der Welt durch multilaterale Zusammenarbeit zu öffnen.
Gleichlaufend mit den monetären Konsultationen, die zu dem SmithsonianAbkommen vom Dezember 1971 führten, haben die Vereinigten Staaten bilaterale
Gespräche mit ihren wichtigsten Handelspartnern aufgenommen. Diese Gespräche führten 1972 zu einem Abbau verschiedener ausländischer Handelsschranken für unsere Exporte, der für uns von großem Wert war. Noch bedeutsamer
war jedoch, daß die Vereinigten Staaten, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und Japan zu dem Schluß gelangten, daß dauerhafte Lösungen nur auf
dem Wege über umfassende Verhandlungen gefunden werden können. Das Ergebnis dieser Gespräche war eine Vereinbarung, aktiv auf den Beginn einer
neuen Runde umfassender Verhandlungen im Jahre 1973 hinzuarbeiten, die alle
Elemente der Handelspolitik einschließen.
Die Länder der Welt haben jetzt Gelegenheit, eine neue Ära der internationalen Beziehungen einzuleiten, für die Verhandlungen über alle außenpolitischen Fragen statt Konfrontationen charakteristisch sind.
Unsere Hauptziele bei der Reform des internationalen Handelssystems
sind der Abbau der bestehenden tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken für unsere Agrar-wie auch unsere Industrierzeugnisse, die Ausarbeitung
neuer Bestimmungen für eine fairere Abwicklung des Welthandels und die
Erschließung neuer Möglichkeiten für die ärmeren Länder, damit sie sich
die für ihre wirtschaftliche Entwicklung benötigten Devisen verdienen
können. So weitgesteckte Ziele lassen sich nur in einem Rahmen erreichen,

-2-

�erreichen, der eine gerechte Aufteilung der Vorteile und der Pflichten
bietet und der ein Schutzsystem einschließt, das den durch den ausländischen
Wettbewerb geschädigten Industrien Zeit gibt, sich den veränderten Handelsformen anzupassen.
Vorschläge, die den Vereinigten Staaten die Teilnahme an wirksamen
Verhandlungen ermöglichen, werden gegenwärtig innerhalb der Regierung eingehend geprüft. In den kommenden Monaten wird die Regierung eng mit den
Mitgliedern des Kongresses zusammenarbeiten, um zu entscheiden, wie wir am
besten den Aufgaben und der Große der vor uns liegenden Möglichkeiten entsprechen können.
Ich bin zuversichtlich, daß wir einen Rahmen für die Weltwirtschaft
schaffen können, in dem der Handel auf einer für alle Beteiligten gerechten Basis expandieren kann - und so zu Frieden und Wohlstand für alle
Länder der Welt beiträgt.

-H-K

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KOOPERATION - EIN SCHLÜSSEL ZUR UMWELTVERBESSERUNG
- Konferenz in Detroit erörtert den "Preis des Autos für die Gesellschaft"-

--(AD)— Autoausstellungen sind in Detroit nichts besonderes. Aber die Fahrzeuge, die Mitte Januar 1973 beim Jahreskongreß der amerikanischen Kraftfahrzeugingenieure in der "Cobo Hall" gezeigt wurden, hatten eine ungewöhnliche Anziehungskraft für Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Zu besichtigen waren die in drei verschiedenen Größenklassen konzipierten Modelle für
das "experimentelle Sicherheitsauto", kurz ESV ("Experimental Safety Vehicle")
genannt - Modelle der in den USA von General Motors und Ford entwickelten
ESV-Fahrzeuge (große Limousinen) und der in Europa von Daimler-Benz, VW und
Fiat gebauten Fahrzeuge der Mittel-und Kleinwagenklasse. Bei dem in Silbergrau und Weiß gehaltenen Mercedes-Modell schien die Verbindung von eleganter
Linienführung und attraktiver Ausstattung mit den rigorosen technischen Anforderungen besonders gut gelungen zu sein. Das Sicherheitsauto soll zum Beispiel einen Frontalzusammenstoß bei 80 km/st ohne Schaden für die Insassen
überstehen und in bezug auf Brems-und Steuerungsverhalten, Betrieb und Bedienung, Beleuchtung und Sicht besondere Sicherheitsmerkmale aufweisen.

In

• 1-

�In Serie werden die in Detroit gezeigten Modelle wohl nie gebaut, dafür
sind sie viel zu kostspielig. Aber die Entwicklungsarbeiten, die auch auf abgasarme Motoren ausgedehnt werden, zeigen Möglichkeiten auf, wie die heute
üblichen Typen unter den besonderen Aspekten von Sicherheit und Umweltschutz
bei tragbaren Kosten verbessert werden könnten.
"Straßensicherheit und Sicherheitsfahrzeug" zählen zu den Projekten, die
vom CCMS-Ausschuß der NATO vorrangig gefördert werden. Denn allein in den
Mitgliedsstaaten der NATO fordern Verkehrsunfälle weit über 100 000 Todesopfer pro Jahr. Elf Mitgliedsstaaten der Nordatlantischen Verteidigungsgemeinschaft arbeiten mit Japan und Schweden gemeinsam an der Lösung der zahllosen technischen und organisatorischen Aufgaben. Diese erfassen, noch dazu
in Verbindung mit den übrigen CCMS-Modellprojekten wie Wasser-und Luftreinhaltung, Stadtverkehr und Massenverkehrsmittel, Gesundheitswesen, Raumplanung
und Katastrophenhilfe,viel mehr akute Umweltprobleme, als es vielleicht auf
den ersten Blick den Anschein haben mag.
Manchen ist es noch immer unverständlich, daß sich ein NATO-Gremium
überhaupt mit Umweltfragen befaßt. Aber die 1969 geschaffene CCMS-Gruppe
(CCMS = "Committee on the Challenges of Modern Society" - Ausschuß für Aufgaben der modernen Gesellschaft) soll und kann helfen, die mit einem riesigen
wissenschaftlich-technischen und organisatorischen Apparat in der militärischen Zusammenarbeit gesammelten Erfahrungen auch dafür zu nutzen, vordringliche Umwelt-und Gesellschaftsprobleme wirksam anzugehen.
Es ist bezeichnend für die heutige Situation, daß auf dem Programm der
Konferenz von Detroit auch ein Seminar stand, auf dem die "Kosten und Vorteile des Automobils für die Gesellschaft" debattiert wurden. Zum ersten Mal befaßten sich Ingenieure und Vertreter der Autoindustrie, die traditionsgemäß
Fragen wie Antrieb, Leistung, neue Modelle, neue Technologien und Produktionsverfahren am meisten interessieren, mit sozialpolitischen Problemen.
Russell

�Russell E. Train, der Berater Präsident Nixons in Umweltfragen, richtete den dringenden Appell an die Teilnehmer, alles in ihren Kräften stehende
zu tun, um den hohen Preis, den die menschliche Gesellschaft für die Annehmlichkeit der Benutzung von Kraftfahrzeugen zu zahlen habe, zu reduzieren. Die
Toten und Verletzten von Verkehrsunfällen, verschmutzte Luft, das Auswuchern
der Städte, ein völlig veränderter Charakter der Stadtzentren, Verbrauch unvorstellbarer Mengen fossiler Brennstoffe und anderer Naturschätze, und über
all dem der Verlust des Gemeinschaftssinns, des Gefühls, irgendwo wirklich
zuhause zu sein - das alles summiere sich zu einem astronomisch hohen, zu
hohen Preis.
"Technologien müssen auch ein Gefühl für Grenzen, müssen ein gewisses
Verständnis dafür vermitteln, was wir

nicht

haben können...". Dieses

Wort von Daniel P. Moynihan, dem ehemaligen Sonderbeauftragten Präsident
Nixons für Städteplanung, bezeichnete Train als ein unabdingbares Grundprinzip der Technik von heute. Allerdings bedeute es für Öffentlichkeit, Staat
und Industrie in vielen Fällen eine "harte Nuß", sich daran zu orientieren.
Im Zusammenhang mit dem so liebgewordenen Auto erfordere es Konzessionen und
wohl auch die Aufgabe mancher Bequemlichkeiten, wenn soziale Bedürfnisse wie
mehr Sicherheit und weniger Gefahren für die Allgemeinheit und sparsamerer
Umgang mit Energiequellen im Vordergrund stünden, gleichzeitig aber allumfassende Informationen über die günstigsten Verbesserungen oder Alternativen
zum "System Auto und Verkehr" noch fehlen. Die Zeit dränge. Gegenmaßnahmen
könnten nicht so lange aufgeschoben werden, bis alle in Frage stehenden Probleme durchanalysiert seien.
Mr. Train verwies in diesem Zusammenhang auf einen jüngst erschienenen
Bericht der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), der die verschiedensten Maßnahmen zumindest für die Lösung einiger
Probleme vorschlägt - Einrichtung von Fußgängerzonen und Zonen mit stundenweisen Sperrzeiten in den Städten für Personen und Lastkraftwagen; ausgeklügelte

3

�ausgeklügelte Vorschriften, Gebühren und Verbote für das Parken^ besondere
Gebühren für Pendler zwischen Vororten und verstopften Stadtzentren^ Anreize
für Personenmitnahme in Pkwsj gleitende Arbeitszeit; besser durchdachte Regional-, Städte- und Verkehrsplanung. Bemühungen um die Durchsetzung von Verbesserungen sollten die Behörden, so Train, im Interesse der Sache durch enge Zusammenarbeit fördern, anstatt wirksame Fortschritte durch Eigenbrötelei, Kompetenzüberlappungen, ja selbst Gegensätzlichkeit der Verordnungen zu blockieren.

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ZELLKULTUREN IN GEWEBEDICHTE GEZÜCHTET

--(AD)-- Eine Wissenschaftlergruppe der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National Institutes of Health-NIH' entwickelte ein Verfahren,
das es erlaubt, Zellkulturen mit einer Dichte zu züchten, die nahezu der
von natürlichen Körpergeweben entspricht. Den Schlüssel dafür bildet ein
ausgeklügeltes Netzwerk für die künstliche Zirkulation der Nährlösungen.
Bei Anwendung der heute üblichen Methoden können zwar Kulturen aus vielen Typen menschlicher und tierischer Zellen gewonnen werden. Aber sobald ein
bestimmter Dichtegrad erreicht ist, der allerdings noch weit unter dem des
natürlichen Gewebes liegt, vermehren sich die Zellen nicht mehr und wachsen
nicht weiter. Eine Ursache dafür dürfte in der ungenügenden Zuführung von
Nährstoffen und unzureichender Abführung von Abbauprodukten zu suchen sein,
wofür im normalen Gewebe die Kapillaren sorgen. Auch laufen unter Reagenzglasbedingungen Zellfunktionen anders ab als im natürlichen Gewebe, wo die
Zellen miteinander in Kontakt stehen und ihre Aktivität gegenseitig beeinflussen.
Die natürlichen Bedingungen versucht die Forschergruppe ^Dr. Richard
A. Knazek, Dr. Petro M. Gullino, Dr. Peter 0. Kohler und Dr. Robert L. Dedrick)
dadurch weitgehend nachzuahmen, daß in den Kulturschalen die Nährlösung durch

• 1 -

�I

durch Bündel dünner, poröser Röhrchen gepumpt wird. Die Zellen wachsen an
der Oberfläche und zwischen den Röhrchen, durch die,dem Blut vergleichbar,
ständig die Nährlösung strömt. Die Röhrchen sind porös genug,um Sauerstoff
und Nährstoffe ausdringen zu lassen und Abbauprodukte der Zellen aufzunehmen
und abzutransportieren.
Dr. Knazek und Dr. Gullino, die in der Abteilung Tumorphysiopathologie
des Nationalen Krebsforschungsinstituts arbeiten, hoffen nun, mit Hilfe des
neuen Verfahrens auch auf ihrem speziellen Gebiet weiterzukommen. So könnten
beispielsweise durch eine Veränderung der Hormone und anderer Substanzen in
den Nährlösungen die Bedingungen besser untersucht werden, unter denen das
Wachsen der verschiedensten Typen von Krebsgewebe gefördert oder blockiert
wird.
Die neue Methode erleichtert es außerdem, spezifische Zellprodukte aus
den Kulturen zu extrahieren und so die Auf-und Abbauprozesse bei der Zellentwicklung besser im Detail kennenzulernen, als dies bisher möglich war. Sie
zeigt ferner Möglichkeiten auf, um menschliche Hormone, die derzeit noch
sehr schwer zu gewinnen, für die Behandlung bestimmter Erkrankungen aber
äußerst wichtig sind, in größeren Mengen zu produzieren.

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STRAHLSTRÖME UND ERDKRUSTENBEWEGUNG
«-(AD)— Mit Seismographen des amerikanischen Bundesamtes für Meeres-und
Atmosphärenforschung (NOAA) wurden im Gebiet von Neumexiko wellenähnliche
Bewegungen der Erdkruste von äußerst langer Frequenz aufgezeichnet, die mit
Störungen im atmosphärischen Strahlstrom in ca. 14 000 m Höhe in Zusammenhang gebracht werden. Die Schlußfolgerung, daß Druckwellen, die von Strahlstrom-Störungen ausgehen, direkt oder indirekt zur Erdoberfläche übertragen
werden, untermauerte Alvaro F. Espinosa, Geophysiker an den NOAA-Instituten
von Boulder (Colorado), durch die Meßdaten für den Luftdruck während der betreffenden Zeit und mit theoretischen Modellen für die Beziehungen ErdeAtmosphäre, die ähnliche Effekte voraussagen.
Die seismischen Wellen wurden durch neuartige Seismographen der Erdbebenforschungsstation von Albuquerque registriert, die für schwache Bebenwellen mit sehr langen Perioden besonders empfindlich sind. Die Periodendauer betrug sechs bis zehn Minuten, was noch nie zuvor gemessen worden war.
Angesichts ihrer hohen Empfindlichkeit erfassen diese Seismometer, wie
Espinosa erklärte, Druckbelastungen der Atmosphäre sogar noch genauer als
die für solche Messungen "zuständigen" empfindlichen Barographen.

Auswirkungen

�Auswirkungen in umgekehrter Richtung, nämlich von der Erde zur Hochatmosphäre, beobachtete Dr. Kenneth Davies vom NOAA-Laboratorium zur Erforschung des erdnahen Raumes. Er konnte nachweisen, daij auch zwischen Erdbeben
und Störungen in der Ionosphäre Zusammenhänge bestehen. Espionosa bestätigte,
daß bei Ionosphärenuntersuchungen in verschiedenen Bereichen Störungen ermittelt wurden, die zeitlich mit der Aufzeichnung von Erdbebenwellen zusammenfielen. Er vermutet, daß sich Störungen im Strahlstrom nach oben in die
Ionosphäre und nach unten zur Erdoberfläche fortpflanzen. Auch Wirbelstürme
und atmosphärische Sturmfronten können die Erdoberfläche vorübergehend deformieren, wie bei seismischen Messungen im Sommer 1972 vom Fiat-River-Observatorium in Missouri festgestellt wurde. Aber Strahlströme spielen nach
Meinung Espinosas eine wichtigere Rolle dabei, um über atmosphärische Druckwellen mit Periodenlängen von 6 500 m bis fast 18 000 m periodische Bodenwellen in Gang zu setzen.

-2-

�</text>
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                <text>1. Information&lt;br /&gt;USA wollen Vietnam-Konflikt zu Ende bringen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Einseitige Einstellung der Bombardierung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden in Helsinki die Frage der Freizügigeit nicht aufgeben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Peter Karegeannes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenverbrecher in der Defensive&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Ron Moxness&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Wirtschaft&lt;br /&gt;Präsident Nixon ordnet Aufhebung der meisten Lohn- und Preiskontrollen an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nixon fordert Reform des internationalen Handelssystems&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kooperation - ein Schlüssel zur Umweltverbesserung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Konferenz in Detroit erörtert den "Preis des Autos für die Gesellschaft"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zellkulturen in Gewebedichte gezüchtet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strahlströme und Erdkrustenbewegung</text>
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10. Januar

1973

Inhalt
INFORMATION:
93. US-Kongreß vor arbeitsreicher Sitzungsperiode
-Vielzahl außen-und innenpolitischer ProblemeVon Edgar H. de Lesseps
U. Alexis Johnson wird amerikanische SALT-Delegation leiten

DOKUMENTATION:
Verteidigungsminister Laird legt Abschlußbericht vor
-Auszüge aus dem Europa-und NATO-Teil-

WIRTSCHAFT:
EWG-Erweiterung wirft Kompensationsprobleme für US-Farmer auf
Von John Holway
US-Personaleinkommen nähert sich der Billionen-Dollargrenze

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
,i

]

Internationale Datenbank für die Krebsforschung
-USA errichten Informationszentrale und intensivieren Zusammenarbeit
von SpezialistenAllergie gegen bestimmte Nahrungsmittel
Schwermetalle als Umweltgift
Fischbestände im Nordostpazifik

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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2/1973

93. US-KONGRESS VOR ARBEITSREICHER SITZUNGSPERIODE
-Vielzahl außen-und innenpolitischer Probleme-

Von Edgar H. de Lesseps

WASHINGTON --(AD)-- Der jetzt wieder zusammengetretene amerikanische Kongreß - der 93. seit Gründung der USA - steht vor arbeitsreichen Wochen
und hitzigen Debatten über eine Vielzahl außen-und innenpolitischer Fragen;
dabei dürften der Krieg in Vietnam sowie die Regierungsausgaben eine zentrale Rolle spielen. Ferner stehen für eine baldige Erörterung die Frage der
Steuerreform, die Verlängerung der Lohn-und Preiskontrollen, das Problem
der Handelspolitik und der Energieversorgung sowie das Auslandshilfeprogramm an.
Präsident Nixon wird seine spezifischen Vorschläge und Empfehlungen
in der jährlichen Haushaltsbotschaft unterbreiten, die dem Kongreß Ende Januar zugeleitet wird; einige Punkte dürften auch schon in seiner Ansprache
anläßlich der zweiten Amtseinführung am 20. Januar angesprochen werden.
Wie während der ersten Amtszeit Nixons wird der Kongreß auch jetzt
wieder von den Demokraten kontrolliert. Der Fraktionsvorsitzende der demokratischen Partei im Senat, Mike Mansfield aus dem Staate Montana, hat als

-1-

�r

als "größtes nationales Anliegen" die Beendigung des Krieges in Vietnam
genannt. Es sei Aufgabe des amerikanischen Kongresses, so erklärte er, sich
dafür einzusetzen,daß ein völliges Desengagement der USA zustandekomme. Er
unterbreitete zwar keine spezifischen Vorschläge zu diesem Ziel, aber die
Vertreter der Demokraten im Senat und im Repräsentantenhaus haben sich dafür
ausgesprochen, notfalls die Mittel zur Führung des Krieges zu sperren. Demgegenüber hat das Weiße Haus den Kongreß dringend vor Maßnahmen gewarnt, die
die vertraulichen Vietnamverhandlungen in Paris beeinträchtigen könnten.
Ein weiteres Problem, das aber auch in diesen Fragenkreis hineinreicht,
ist die Machtverteilung zwischen Regierung und Kongreß. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Carl Albert aus dem Staate Oklahomo, hat zu Beginn der
neuen Sitzungsperiode versichert, daß er stärker denn je dafür eintreten werde, daß - wie er sagte - die Respektierung des K0ngresses als gleichberechtigter Partner in der Regierung wiederhergestellt werde.
Seit vierzig Jahren beklagen sich die Mitglieder des amerikanischen Kon-n
gresses über den ihrer Ansiebt nach eingetretenen Verlust an Machtbefugnissen
gegenüber der Exekutive. Eine Reihe von diplomatischen Beobachtern in der amerikanischen Hauptstadt rechnet daher damit, daß dieses Problem während der
jetzigen Sitzungsperiode immer wieder angesprochen werden wird, insbesondere im
Zuge der Vietnamdebatte sowie der Beratungen über die Ausgabenpolitik der
Regierung.
Diese letztere Frage wird zweifellos zutage treten, wenn der Kongreß über
eine neue Gesetzesvorlage für Gesundheit, Erziehung und Soziales für das am
30. Juni ablaufende Finanzjahr 1973 berät, gegen die Präsident Nixon zweimal
sein Veto einlegte, weil er sie für zu weitgehend hält. Die Administration hat
die feste Absicht, sich an die selbstauferlegte Ausgabengrenze von 2.50 Milliarden Dollar für das laufende Finanzjahr zu halten. Der Kongreß hatte 1972 diesen Vorschlag abgelehnt, der den Präsidenten ermächtigt hätte, Kürzungen nach
seinem Ermessen vorzunehmen. Der Kongreß ging dabei von dem Gedanken aus, daß

-2-

�r

daß dadurch sein verfassungsmäßiges Recht der Ausgabenkontrolle beschnitten
würde. Die Führung der Demokraten im Kongreß erwägt nun, ein eigenes Gesetzgebungsprogramm auf die Beine zu stellen, um dadurch dem Programm Nixons entgegenwirken zu können.
Weiter kann mit einiger Sicherheit erwartet werden, daß der beständige
Kampf um die Auslandshilfeprogramme der USA wieder auflebt. Während der vergangenen Sitzungsperiode mußte sich der Kongreß immer wieder mit kontroversen
außenpolitischen Gesetzeszusätzen befassen, über die der Senat und das Repräsentantenhaus keine Einigung erzielen konnten. Bereits 1969 hatte Präsident
Nixon eine Reform des gesamten Auslandshilfeprogrammes gefordert, worauf der
Kongreß jedoch bisher noch nicht reagiert hat. Im vergangenen Jahr konnte sie
der Kongreß nicht über die Bewilligung von Mitteln für das Finanzjahr 1973
einigen. Stattdessen wurde eine Interimsmaßnahme verabschiedet, durch die die
militärische und die wirtschaftliche Auslandshilfe der USA auf dem bisherigen
Stand finanziert wurden. Diese Mittel laufen am 28. Februar aus.
Für das Militärhilfeprogramm ist eine jährliche Bewilligung erforderlich, während sich dieser Zeitraum bei der Wirtschaftshilfe auf zwei Jahre er
streckt, der am 30. Juni abläuft. Der gegenwärtige Kongreß muß also Mittel
für die Militär-und die Wirtschaftshilfe in diesem Finanzjahr sowie für das
kommende Finanzjahr bewilligen. In Beobachterkreisen wird es für möglich gehalten, daß der Kongreß das Auslandshilfegesetz mit einem Zusatz für die Beendigung des Krieges in Vietnam koppelt.
Auch auf wirtschafts-und steuerpolitischem Gebiet stehen einige Probleme
an. Die Ermächtigung Nixons für Lohn-und Preiskontrollen, mit denen der In™
flation Einhalt geboten werden soll, läuft am 30. April aus. Die Forderung
der Regierung nach Verlängerung dieser Ermächtigung wird den Rahmen für eine
weitere frühzeitige Debatte in dieser Sitzungsperiode des Kongresses bilden.
Allgemein

-3-

�Allgemein wird mit einer Modifizierung der amerikanischen Steuergesetzgebung gerechnet. Die Regierung Nixon hat zwar keine spezifischen Empfehlungen unterbreitet, doch hat der Vorsitzende des einflußreichen Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses, Wilbur D. Mills aus Arkansas, eine Gesetzgebung angekündigt, die Ungerechtigkeiten korrigieren soll, allerdings
ohne eine wesentliche Zunahme der Regierungseinkünfte oder eine umfassende
Steuersenkung.
Auf dem Gebiet der Handelspolitik erwägt die Regierung eine Gesetzgebung,
die den Präsidenten im Zuge von Handelsabkommen mit anderen Ländern zu Zollsenkungen ermächtigen würde. Dieser Vorschlag würde eine Modifizierung der bestehenden Anpassungsprogramme für importgeschädigte Industrien und Arbeitnehmer bedingen.
Auf dem Umweltsektor werden die Hauptanstrengungen der Regierung auf die
Energiequellen des Landes gerichtet sein. Man rechnet damit, daß die Administration die Schaffung einer neuen Bundesbehörde empfiehlt, die die energiepolitische Arbeit der gegenwärtigen 44 damit befaßten Bundesstellen koordinieren soll, sowie mit einer Beseitigung oder doch einem Abbau der Regierungskontrolle für die Naturgaspreise und einer Förderung der Erdöl-und Erdgasgewinnung vor den Küsten der USA.
Auch auf dem Erziehungs-und Gesundheitssektor kommt große Arbeit auf den
neuen Kongreß zu. Die meisten der vom Bund unterstützten Erziehungsgesetze
laufen 1973 aus, und nach den Worten des Fraktionsvorsitzenden der Republikaner im Senat, Hugh Scott, beabsichtigt Präsident N-pcon die Vorlage eines
umfassenden Krankenversicherungsgesetzes in diesem Frühjahr.

Die

-4-

�Die Zusammensetzung des 93. Kongresses als Ergebnis der Wahlen im November ist die gleiche wie beim Amtsantritt Nixons: 57 Demokraten und 43 Republikaner im Senat; 243 Demokraten und 192 Republikaner im Repräsentantenhaus. Durch den Tod des Abgeordneten George W. Collins aus Illinois, der
am 8. Dezember gestorben ist, sowie durch den mutmaßlichen Tod der Abgeordneten Haie Boggs aus Louisiana und Nich Bagich aus Alaska, die seit dem 16.
Oktober während eines Fluges über Alaska verschollen sind, vermindert sich
die Zahl der Demokraten im Repräsentantenhaus, zumindestens vorübergehend,
auf 240 Abgeordnete.

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2/1973

U.ALEXIS JOHNSON WIRD AMERIKANISCHE SALT-DELEGATION LEITEN

WASHINGTON--(AD)-- Der bisherige Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, U. Alexis Johnson, ist von Präsident
Nixon als neuer Leiter der Delegation der Vereinigten Staaten bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen (SALT) vorgesehen worden. Er wird die Nachfolge von Botschafter
Gerard C. Smith antreten, der gleichzeitig auch von seinem Posten als
Direktor des Bundesamtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung zurückgetreten
ist, um ins Privatleben zurückzukehren.
Johnson, der den Status eines Sonderbotschafters erhalten wird, soll
nur die Leitung der amerikanischen SALT-Delegation übernehmen, da die zweite Phase der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen als so wichtig und
verantwortungsvoll angesehen wird, daß der Delegationschef der USA auch wegen seiner notwendigen längeren Auslandsaufenthalte kein zweites Amt daneben bekleiden soll. Ein neuer Direktor für die Abrüstungsbehörde soll in
Kürze nominiert werden.
U.Alexis Johnson ist als einziger Berufsbotschafter der ranghöchste
Beamte im Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten.
Am

-1-

�Am 17. Oktober 1908 in Falun im Staate Kansas geboren, studierte
Johnson am Occidental College mit dem Abschluß eines Bachelor of Arts und
dann ein Jahr an der Georgetown-Universität. Im Jahre 1935 trat er in den
auswärtigen Dienst der USA und bekleidete bis 1940 diplomatische Posten in
Tokio, Seoul und Tientsin in China. Beim Eintritt der Vereinigten Staaten
in den zweiten Weltkrieg wurde er 1941 in Mukden

in China interniert und

dann 1942 ausgetauscht. Seine weitere Verwendung fand er bei den amerikanischen Missionen in Rio de Janeiro und auf den Philippinen. Danach war er in
Japan bei der Militärregierung und als Generalkonsul und ab 1950 im Nordostasien-Referat im Außenministerium tätig. Er avancierte 1951 zum stellvertretenden Unterstaatssekretär in der Fernostabteilung und fungierte bei den
Friedensverhandlungen mit Japan in San Francisco als Berater der US-Delegation. 1953 zum Botschafter in Prag ernannt, nahm er 1954 an der Indochinakonferenz in Genf teil und führte dort 1955 Botschaftergespräche mit Rotchina. Johnson wurde 1958 zum Botschafter in Thailand und 1961 zum stellvertretenden Staatssekretär für politische Angelegenheiten berufen. Er ging
1964 als stellvertretender Botschafter nach Südvietnam und kehrte 1965 auf
seinen vorigen Posten zurück. Zuletzt war er von 1966 bis 1968 Botschafter
in Japan.
Johnson ist verheiratet und hat vier Kinder.

(Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von U.Alexis
Johnson zur Verfügung).

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2/1973

VERTEIDIGUNGSMINISTER LAIRD LEGT ABSCHLUSSBERICHT VOR
-Auszüge aus dem Europa- und NATO-Teil-

WASHINGTON --(AD)-- Der aus seinem Amt scheidende amerikanische Verteidigungsminister Melvin R. Lair,d hat dem Militärausschuß des US-Repräsentantenhauses am 8. Januar einen abschließenden Bericht über seine vierjährige Tätigkeit im Pentagon vorgelegt.
Im einzelnen stellt Laird - dessen designierter Nachfolger Elliott
Richardson ist - fest, daß die Vereinigten Staaten heute über eine realistische Abschreckungskraft auf allen Ebenen eines potentiellen Konfliktes verfügen. Trotzdem habe die zahlenmäßige Stärke der US-Streitkräfte
seit 1969 um rund 1,2 Millionen Mann abgebaut und hätten in dieser Zeit
fast eine halbe Million amerikanischer Soldaten aus Vietnam abgezogen werden können. Die Vereinigten Staaten brauchten nicht länger die Rolle eines
Polizisten zu übernehmen, sondern die befreundeten und verbündeten Länder
könnten solche Aufgaben in wachsendem Maße selber lösen. Südvietnam verfüge
heute über das Potential, sich selbst verteidigen zu können.Und die europäischen Länder könnten und sollten selbst mehr tun, um vor einer sowjetischen Bedrohung ihrer Sicherheit abzuschrecken, zumal sie über die Hilfsquellen, Erfahrungen und das technische Wissen hierfür verfügten.
Laird

-1-

�Laird hebt weiter hervor, daß die Vereinigten Staaten in den vergangenen
vier Jahren ihre technologische Überlegenheit gegenüber der Sowjetunion weiter gehalten hätten. Im Rahmen des vor zwei Jahren angelaufenen realistischen
Abschreckungsprogramms seien veraltete Waffen durch modernere und wirksamere
Ausrüstung ersetzt worden. Auch die Kommando struktur sei verbessert worden.
Das ungerechte Einberufungssystem solle beseitigt werden, und bei dem Übergang zu einer Freiwilligenarmee werde auch der Status der Nationalgarde und
der Reserveverbände verbessert.
In seinem Bericht befaßt sich Laird ferner eingehend mit der Situation
in Vietnam, wobei er es jedoch vermeidet, auf Punkte der Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Hanoi oder die künftige amerikanische Strategie
in Indochina einzugehen, da hierdurch die geheimen Verhandlungen in Paris gestört werden könnten. Gleichzeitig unterstreicht er die Erfolge des Vietnamisierungsprogramms Präsident Nixons. Dieses Programm sei der erste entscheidende
Schritt im Rahmen der Nixon-Doktrin gewesen, die zu einer völlig neuen Formulierung der amerikanischen Politik geführt habe. Diese Politik sei darauf abgestellt, den Freunden und Verbündeten der USA den Weg zur Selbsthilfe zu weisen, die grundlegenden amerikanischen Verpflichtungen einzuhalten und bei allen internationalen Streitfragen eine Verhandlungslösung an Stelle von Konfrontation anzustreben.
Die wichtigsten, Europa und die NATO betreffenden Teile des Berichtes
haben folgenden Wortlaut:
In Europa ist der Rahmen,in dem wir die Nixon-Doktrin zu verwirklichen
suchen, wesentlich anders (als in anderen Teilen der Welt;. Unsere europäischen Verbündeten können und müssen mehr tun, um vor einer sowjetischen Bedrohung ihrer Sicherheit abzuschrecken. Ihnen fehlen nicht die Hilfsquellen
dazu. Ihnen mangelt es nicht an Erfahrung und technischem Wissen. Sie müssen
lediglich die strategischen und politischen Realitäten erkennen, denen wir

-2-

�wir alle uns gegenübersehen, und den Willen haben, dementsprechend zu handeln.
Eine ausreichende nukleare Abschreckung wird auch weiterhin den Eckpfeiler der Struktur für die Sicherheit der Verbündeten bilden. Gleichzeitig
verleiht jedoch das Herannahen eines strategischen nuklearen Gleichgewichtes
zwischen den USA und der UdSSR der Notwendigkeit eines ausreichenden konventionellen Potentials vermehrtes Gewicht, um konventionellen Bedrohungen auf
den Ebenen begegnen zu können, auf denen sie auftreten könnten
Den Vereinigten Staaten wird weiterhin die Hauptverantwortung für die
Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung seitens der Verbündeten zufallen.
Und die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin einen beträchtlichen Beitrag zu der konventionellen Abschreckung durch die Verbündeten leisten, Aber
von den USA kann nicht erwartet werden, daß sie die volle Last der nuklearen
Verteidigung und gleichzeitig einen unangemessen hohen Teil der Lasten der
konventionellen Verteidigung tragen. Dies ist weder gerecht noch politisch
richtig. Und es ist nicht mit der Konzeption der Nixon-Doktrin von einer
neuen Partnerschaft zu vereinbaren.
In den vergangenen vier Jahren haben zahlreiche Mitglieder des Kongresses
die derzeitige Aufteilung der Verantwortung für die Verteidigung Europas zwischen den USA und den Verbündeten in Zweifel gezogen. Der Punkt,um den es dabei ging, war meines Erachtens nicht: "warum tun die USA so viel", sondern
vielmehr: "warum tun die Europäer nicht mehr für das, was in erster Linie ihre
eigene Verteidigung ist?".
Auf meinen Zusammenkünften mit meinen NATO^Kollegen zweimal im Jahre
habe ich immer wieder hierauf verwiesen, Sie haben mit Programmen zur Verbesserung der Streitkräfte im Rahmen der Euro»Gruppe geantwortet, die tatsächlich einen wesentlichen Schritt voran bedeuten. Aber mehr - viel mehr - muß
getan werden, wenn wir das volle Potential der von uns auf dem Gebiet der kon-

-3-

�konventionellen Verteidigung bereits unternommenen Investitionen zum Tragen
bringen wollen.
Es besteht natürlich bei einigen Kreisen - und zwar auf beiden Seiten
des Atlantiks - die Tendenz, in der neuen Ära der Verhandlungen einen

Grund

oder einen Vorwand zu sehen, die Verteidigungsanstrengungen zu verringern.
Es muß jedoch allen klar sein, daß die militärische Stärke des Westens dazu
beigetragen hat, diese neue Ära herbeizuführen und zwar dadurch, daß alle
Wege außer dem der Verhandlungen verschlossen wurden. Und es muß genauso klar
sein, daß die Positionen und Interessen des Westens in Verhandlungen nicht
ausreichend geschützt und gefördert werden können, sofern der Westen nicht den
Willen und die Fähigkeit zeigt, seine militärische Stärke aufrechtzuerhalten.
Als ich 1969 Verteidigungsminister wurde, war es klar, daß wir unsere
kollektive NATO-Strategie überprüfen müßten, um festzustellen, ob sie angesichts der neuen Gegebenheiten und Realitäten noch gültig war. Wir wußten,
daß es Schwächen und Ungleichgewichte in dem konventionellen Potential der
NATO, verglichen mit dem des Warschauer Paktes gab. Der Status der amerikanischen Streitkräfte in Europa war vor 1969 aufgrund unseres erweiterten
Truppenengagements in Südostasien geringer veranschlagt worden. Es war ferner
wichtig, einige der Mißverständnisse zwischen den USA und ihren Verbündeten
zu beseitigen, die sich im Laufe der Jahre ergeben hatten, und gemeinsam
auf die Wiederherstellung des Zusammenhalts des großen Bündnisses hinzuarbeiten.
Gemeinsam mit unseren Verbündeten haben wir innerhalb der NATO eine umfassende Studie der Verteidigungsprobleme des Bündnisses in den siebziger Jahren durchgeführt, in der wir die Gültigkeit unserer derzeitigen militärischen
Strategie bekräftigten und Übereinstimmung über die Art und Weise erzielten,
wie die NATO-Streitkräfte, ihre Bewaffnung, ihr Nachschub, die sie stützende
Infrastruktur wie auch die Möglichkeiten verbessert werden sollten, Konsultationen über ihren möglichen Einsatz in einer Krise zu führen.
Präsident

-4-

�Präsident Nixon hat nachdrücklich die amerikanischen Verpflichtungen
gegenüber der NATO bekräftigt. Er erklärte, daß die USA bei entsprechendem
Verhalten unserer Verbündeten ihre im europäischen Raum stationierten Streit«
kräfte weiter dort belassen und qualitativ verbessern würden. Wir haben dieses Versprechen gehalten.
Was die europäische Seite anbetrifft, so können wir alle mit Recht stolz
auf das Europäische Verstärkungsprogramm (EDIP) sein, das eine Verpflichtung
zu Modernisierungsprogrammen für die nationalen Streitkräfte, Zahlungen
für Flugzeugbunker für die taktischen Luftstreitkräfte der NATO in Europa
und ein Programm für gegenseitige Hilfe vorsieht.
Die Fortschritte bei der Bewaffnung der NATO waren langsam, wenn es
auch besonders bei Panzern, Panzerabwehr und Modernisierung der Marine voranging. Aber der Gesamtprozeß war, offen gesagt, aufgrund der nationalen Bestrebungen, eine Vielzahl ähnlicher Verteidigungsindustrien am Leben zu erhalten, unzulänglich und von Überschneidungen gekennzeichnet. Das Ergebnis ist
nicht nur wirtschaftliche Verschwendung, sondern es ist auch militärisch unerwünscht, denn es verhindert Normung und gegenseitige Einsetzbarkeit. Wir
haben versucht, dieser Entwicklung dadurch zu begegnen, daß wir eine stärkere
Zusammenarbeit und Rationalisierung zwischen den europäischen Ländern der
freien Welt förderten. Wir bieten anderen NATO-Ländern unsere neuesten Entwicklungen an und prüfen ihre Entwicklungen auf eine mögliche Aufnahme in
unsere Streitkräfte hin. Natürlich wird jedes dem Bündnis angehörende Land
im gemeinsamen Interesse etwas nachgeben müssen, wenn wir die beträchtlichen
Ersparnisse erzielen wollen, die eine echte Zusammenarbeit uns bringen kann.
Die Zusammenarbeit der Verbündeten auf dem Gebiet der Logistik läßt
ebenfalls manches zu wünschen übrig; wir hoffen jedoch, daß die Reihe von
Konferenzen internationaler Logistikexperten, die kürzlich begonnen hat,

-5-

�hat, neue Voraussetzungen auf diesem Gebiet schaffen wird. Auch dies ist
ein Gebiet, auf dem beträchtliche Einsparungen erwartet werden können, sobald
die Haltung der einzelnen Länder dies zuläßt.
Die Infrastruktur, das NATO-Programm für den Bau der notwendigen ortsgebundenen Einrichtungen für die NATO-Streitkräfte, bleibt weiterhin ein Gebiet, auf dem die gemeinsame Arbeit der NATO überragende Erfolge erzielt hat,
obwohl sie unter einer unzureichen Mittelzuteilung zu leiden hatte. Während
gegenwärtig das Infrastrukturprograrnm für den Bau von Bunkern für taktische
Flugzeuge der NATO von der Euro-Gruppe (INIT) gefördert wird, sieht sich
die NATO-Infrastruktur bei der Wiederherstellung und dem Umbau früherer
Anlagen wie auch beim Bau neuer Anlagen beträchtlichen Problemen gegenüber,
die durch die Erfordernisse der heutigen Verteidigung entstanden sind. Die
Minister haben vereinbart, das Infrastrukturprogramm für weitere fünf Jahre
fortzusetzen; die Vereinigten Staaten werden in Kürze innerhalb des Bündnisses Verhandlungen über den Umfang des Programms sowie den angemessenen
amerikanischen Beitrag zu diesem letzten Punkt führen. In den vergangenen
Jahren war die Unterstützung, die wir für unsere Streitkräfte aus dem NATOInfrastrukturprograrnm erhalten haben, gut.
Das Fernmeldenetz der NATO für politische Konsultationen sowie für
Befehlsübermittlung und Kontrolle ist im allgemeinen unzulänglich, sieht man
es im Hinblick auf mögliche Erfordernisse einer modernen Kriegsführung. In
den letzten eineinhalb Jahren hat die NATO einen Plan für ein verbessertes
NATO-Nachrichtenverbindungssystem (NICS) ausgearbeitet und vereinbart; sie
hat Mittel für die erste Phase des Programms verfügbar gemacht und den erforderlichen Apparat aufgebaut,um die Entwicklung des Systems zu leiten,Einige
Verbesserungen im Fernmeldenetz der NATO sind bereits offensichtlich, und
wenn das NICS-Programm weiter fortgeführt wird, rechnen wir mit ganz wesentlichen Verbesserungen.
Was

-6-

�Was das Krisenmanagement anbetrifft, so hat die NATO die Kapazität ihrer wichtigsten Einrichtungen im Brüsseler Hauptquartier beträchtlich verbessert, und sie entwickelt und erprobt gegenwärtig Verfahren für mögliche Krisen, damit die NATO-Länder im Falle eines Notstandes sofort umfassende Konsultationen führen und entsprechende Schritte unternehmen können. In den vergangenen vier Jahren haben unsere NATO-Verbündeten Einsatzbereitschaft und Ausbildungsstand ihrer Streitkräfte durch Teilnahme an und Zusammenarbeit bei alliierten Manövern erhöht. Von besonderer Bedeutung in jüngster Zeit waren das im
September 1972 durchgeführte große Manöver "Strong Express", an dem 64 000
Mann, 300 Schiffseinheiten und 700 Flugzeuge beteiligt waren, sowie die Teilnahme der Ständigen Seestreitmacht Atlantik (STANAVFORLANT) an einem alliierten Manöver im Mittelmeer im Mai 1972.
Was die Manöver anbetrifft, so sind jedoch größere Fortschritte vor allem
im maritimen Bereich möglich. Unsere Verbündeten verfügen über beträchtliche
Schiffsreserven, deren Kapazitäten noch nicht voll ausgenutzt werden, weil die
Schiffe einen großen Teil ihrer Zeit im Hafen liegen. Würden bestimmte Verbündete solche Schiffseinheiten vermehrt einsetzen, würden Ausbildungsstand, Einsatzbereitschaft und die Fähigkeit, mit den übrigen verbündeten Seestreitkräften zusammenzuarbeiten, wesentlich gestärkt werden. Dies könnte dann auch zur
Schaffung einer Ständigen Seestreitmacht Mittelmeer führen, die eine Ergänzung zu den in der Vergangenheit so erfolgreichen atlantischen Seestreitkräften bilden würde.
Was die Planung anbetrifft, so sind wir mit dem, was die Nukleare Planungsgruppe der NATO - ein Forum für eine offene Erörterung delikater nuklearer Probleme der NATO - erreicht hat, zufrieden. Ich bin weiterhin überzeugt,
daß die Förderung des Verständnisses unter den Verbündeten und die Planung
für die nukleare Verteidigung der NATO von großer Wichtigkeit sind.
Wenn

-7-

�Wenn wir in die Zukunft blicken, so werden wir die uns verfügbaren Hilfsquellen noch weit wirksamer nutzen müssen - gleichgültig, ob es sich dabei um
Menschenpotential, Technologie, politische Grundsätze oder Dislozierung handelt. Gerade das aber versuchen wir im Rahmen unserer Konzeption der Gesamtstreitkräfteplanung zu erreichen. Die NATO muß ebenfalls alle potentiellen
Aktiva für die Verteidigung in Rechnung stellen, darunter auch die zivilen
Hilfsquellen, und gewährleisten, daß ihr Einsatz voll koordiniert ist.
Wir brauchen zusätzliche gemeinsame Maßnahmen der Verbündeten auf Gebieten wie:
-- Organisation, Kommando und Kontrolle der NATO-Luftstreitkräfte im
Bereich Mitte;
-- bessere Nutzung des Mannschaftspotentials, der Aktiven wie der Reservisten;
-- Forschung und Entwicklung, um eine wirklich effektive Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Bewaffnung zu erreichen.
Wir haben in den letzten vier Jahren die Zusage des Präsidenten eingehalten, die amerikanischen Streitkräfte in Europa zu belassen und qualitativ
zu verbessern. In den unmittelbar vor uns liegenden Jahren wird es jedoch
nahezu unmöglich sein, eine unverminderte amerikanische Truppenpräsenz in
Europa zu unterstützen, wenn einige unserer Partner die Schlagkraft ihrer eigenen Streitkräfte schwächen - sei es durch Budgetkürzungen, Verringerung ihrer Truppenstärken oder kürzere Dienstzeiten.
Auf der jüngsten Konferenz der NATO-Verteidigungsminister im Dezember
1972 in Brüssel gründete ich meine Hauptargumente auf die Lastenverteilung
sowie auf die Notwendigkeit, diese noch zu erweitern. Über meine Mahnungen
hinaus, daß die Verteidigungsausgaben real wachsen und daß die Mittel wirksamer zur Förderung unserer gemeinsamen Verteidigung eingesetzt werden müßten,
forderte ich die kontinuierliche Weiterführung des Europäischen Verstärkungs-

-8-

�Verstärkungsprogramms (EDIP), eine neue Form der Infrastruktur zur Unterstützung von Truppen, die außerhalb ihres eigenen Territoriums stationiert
sind, sowie einen verminderten Anteil der USA an den Kosten für das Infrastrukturprogramm der NATO. Ich bin mir im klaren darüber, daß es schwierig
sein wird, diese Empfehlungen zu verwirklichen; ich bin jedoch der Überzeugung, daß die Zeit hierfür reif ist, und daß unsere Verbündeten voll und ganz
die Notwendigkeit einsehen, uns einige der Lasten abzunehmen.
Mit den bereits geschlossenen Abkommen, wie SALT und Berlin, mit den
laufenden Vorbesprechungen für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und mit den in Kürze beginnenden ersten Gesprächen
über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) befinden
wir uns schon mitten in der Ära der Verhandlungen. Angesichts dieses Komplexes der Ost-West-Gespräche hört man nun schon viel über eine profunde und
dauerhafte Änderung der Grundhaltung und -einstellung der Sowjets gegenüber
dem Westen. Dies ist verfrüht. Entspannung ohne angemessene Verteidigung ist
eine Selbsttäuschung.
Ich bin mir vielmehr darüber im klaren, daß tiefgehende Differenzen und
Meinungsverschiedenheiten zwischen uns bestehen bleiben. Diese Differenzen
können nicht einfach dem historischen Zufall oder Mißverständnissen zugeschrieben werden. Sie wurzeln vielmehr in verschiedenartigen Konzeptionen der
Rechte und Pflichten von Menschen und Regierungen sowie in verschiedenartigen
Methoden des Verhaltens zu anderen Nationen.
Wir können auch nicht andere Fakten ignorieren, die sich auf unsere
Hoffnungen auf erfolgreiche Verhandlungen mit dem Osten auswirken:
-- Wir können nicht die großen, gut ausgebildeten und sich ständig verbessernden Streitkräfte des Warschauer Paktes in Europa außer acht lassen;
-- wir können nicht die Augen verschließen vor der raschen und kontinuierlichen Ausweitung der sowjetischen Rüstung und ihrer qualitativen Verbesserung

-9-

�Verbesserung in den letzten Jahren}
-- wir können nicht die weltweite Expansion der sowjetischen Seestreitkräfte und ihrer Aktivität ignorieren;
-- wir können nicht; die wachsende militärische Präsenz der Sowjets sowie ihr Engagement in Gebieten übersehen, die an den NATO-Bereich angrenzen,
wie im Nahen Osten und im Indischen Ozean.
Es ist; einfach eine Tatsache, daß der militärische Aufbau der Sowjets,
auf konventionellem wie auf nuklearem Gebiet, weiter energisch vorangetrieben
wird.
Wenn wir uns nicht über diese strategische und politische Realität im
klaren sind und diese Erkenntnis zum Ausgangspunkt für unsere Verhandlungsbemühungen machen, gefährden wir die Chancen für die Erreichung eines Friedens,
während wir gleichzeitig unsere lebenswichtigen Interessen aufs Spiel setzen.
Dies soll nicht besagen, daß wir nicht darauf vorbereitet sein sollten,
das Eingehen vernünftiger Risiken für den Frieden zu erwägen. Im Gegenteil
sollten wir uns gemeinsam mit unseren Verbündeten darum bemühen, neue Beziehungen zur Sowjetunion und den Ländern Osteuropas anzubahnen - Beziehungen, die
auf beiderseitiger Zurückhaltung und beiderseitiger Anpassung der Interessen
basieren. Solche Beziehungen lassen sich aber nur auf der Grundlage eines
starken und geeinten Westens schaffen.
Es mag zutreffen, daß eine Ära der Verhandlungen in gewisser Weise größere
Anforderungen an uns stellt als eine Ära der Konfrontation; aber ich bin zuversichtlich, daß wir dieser Aufgabe genauso gewachsen sein werden.
Eine solche Aufgabe, vor der das Bündnis gegenwärtig steht, siimd die Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR).
Bei MBFR handelt es sich um eine Initiative der NATO, die auf das Jahr 1968
zurückgeht und die ein stabileres militärisches Gleichgewicht auf einem

-10-

�einem niedrigeren Truppenstand erreichen und dadurch das Risiko eines Konflikts in Europa verringern soll. Nach mehreren Jahren von Vorbereitungen und
Versuchen seitens der Verbündeten, die Sowjetunion und andere osteuropäische
Länder in einen MBFR-Dialog hineinzuziehen, haben bestimmte osteuropäische
Länder, unter ihnen die Sowjetunion, jetzt ihre Bereitschaft zu erkennen gegeben, in vorbereitende MBFR-Gespräche einzutreten, die bald aufgenommen werden sollen. Es besteht Hoffnung, daß diese vorbereitenden Gespräche die Aufnahme von Verhandlungen im Herbst 1973 ermöglichen werden.
Die Aussichten auf Fortschritte bei den MBFR-Verhandlungen bedeuten für
das Bündnis Verschiedenes:
—

Unsere umfassende Untersuchung in bezug auf MBFR hat gezeigt, daß

es keinen schnellen und leichten Weg zum Erfolg gibt; daher müssen wir bei
der Verfolgung unserer Zielsetzungen an die MBFR-Verhandlungen mit Klugheit,
Zielstrebigkeit und Entschlossenheit herangehen.
-- Da jede Schwächung der kollektiven Verteidigungsanstrengungen unsere
Position am Verhandlungstisch beeinträchtigen würde, müssen wir vor allen
Bestrebungen auf der Hut sein, die Aussicht auf MBFR als Vorwand entweder für
einseitige Truppenreduzierungen der Verbündeten oder für ein Nachlassen bei
der Verbesserung der Streitkräfte zu benutzen.
-- Wir dürfen nicht etwaige MBFR-Ergebnisse als Anlaß für eine Kürzung
der Verteidigungsausgaben auf längere Sicht betrachten. MBFR wird nicht die
Notwendigkeit beseitigen, unser konventionelles Potential aufrechtzuerhalten
und zu verbessern; im Gegenteil, MBFR wird die Notwendigkeit erhöhen, unsere
Verteidigungshilfsquellen auf wirksamste Weise zu nutzen.
Insgesamt gesehen kann MBFR, sofern die Mitglieder des Bündnisses richtig an die Verhandlungen herangehen, die militärische Ergänzung zu den politischen Bemühungen des Bündnisses bilden, das Ausmaß der Konfrontation zwischen Ost und West abzubauen.
Einige

-11-

�t

Einige haben die Besorgnis geäußert, ob wir MBFR und andere Verhandlungen führen und gleichzeitig im Zuge dieser Verhandlungen den Zusammenhalt
des Bündnisses gewährleisten können. Aber wie groß auch die Aufgabe, vor die
MBFR uns stellt, sein mag, in vieler Hinsicht wird MBFR eine noch weit schwerere Bewährungsprobe für den Osten sein.
Welcher Ar; unsere Probleme hier im Westen auch sein mögen, das gegenseitige Vertrauen, das schon so lange unter uns besteht, wird für uns in den
kommenden Monaten bei den Verhandlungen mit unseren Gegnern ein großer Pluspunkt sein. Dieses Vertrauen ist tief verwurzelt in gemeinsamen Idealen und
Bestrebungen und in einer Tradition vertrauensvoller Beziehungen zueinander.
Dies ist ein Gut, das alle von uns sorgfältig hüten müssen.
Das Bündnis war in der Vergangenheit eine mächtige Kraft für den Frieden und wird dies auch künftig sein. Ich scheide aus meinem Amt mit der Zuversicht, daß die NATO weiterhin diesem hohen Ziele dienen wird.

+++

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2/1973

EWG-ERWEITERUNG WIRFT KOMPENSATIONSPROBLEME FÜR US-FARMER AUF

Von John Holway

WASHINGTON — ( A D ) — Der jetzt vollzogene Beitritt Großbritanniens, Irlands
und Dänemarks zum Gemeinsamen Markt bedeutet für die amerikanischen Farmer
keineswegs eine gute Nachricht, denn der Absatz ihrer Erzeugnisse in diesen
Ländern wird durch die sogenannten "variabler} Abschöpfungsbeträge" der EWG,
die nahezu prohibitiven Charakter haben, künftig erschwert werden.
Aufgrund einer früheren bindenden Vereinbarung mit Großbritannien war
den amerikanischen Farmern zugesichert worden, daß ihr Weizen zollfrei dorthin eingeführt werden darf. Nachdem diese Vereinbarung nunmehr hinfällig
geworden ist, ergibt sich die Frage, wie der Gemeinsame Markt die amerikanischen Farmer für die ihnen entstehenden Exportverluste kompensieren will.
Diese Frage wird im Mittelpunkt der intensiven Verhandlungen stehen,die
im März in Genf aufgenommen werden sollen und die sich voraussichtlich bis
in den Sommer hinziehen werden. Und ihr Verlauf wird zweifellos beträchtlichen Einfluß auf den Gang der für September anberaumten weltweiten Handelsverhandlungen haben.
Die

-1-

�Die Vereinigten Staaten wie auch andere Weizenexportländer - zum Beispiel Kanada und Australien - werden im Rahmen der GATT-Bestimmungen Kompensationen fordern. Nach diesen Bestimmungen kann eine Zollunion, wie sie der
Gemeinsame Markt letztlich darstellt, errichtet werden; der neue konsolidierte Zolltarif darf jedoch das allgemeine Zollniveau der früheren Einzelstaaten nicht übersteigen. Und selbst wenn dieses allgemeine Erfordernis erfüllt
ist, haben Exporteure aus Drittländern Anspruch auf Kompensationen, sobald
Zölle im Gegensatz zu bestehenden Abkommen oder Vereinbarungen heraufgesetzt
werden.
Anstelle von Zöllen erhebt der Gemeinsame Markt bei landwirtschaftlichen
Erzeugnissen sogenannte variable Abschöpfungsbeträge. Die Höhe dieser Abschöpfungsbeträge ändert sich von Tag zu Tag, um Fluktuationen der Weltmarktpreise bei den einzelnen Agrarerzeugnissen auszugleichen, Wenn auch der Weltmarktpreis für Getreide im Augenblick recht hoch und die variable Abschöpfung
somit relativ niedrig ist, so kann der Abschöpfungsbetrag jedoch jederzeit
heraufgesetzt werden, sobald die Getreidepreise auf den Weltmärkten nachgeben.
Im Gegensatz zu Zöllen,die sich nicht ändern, können die Abschöpfungsbeträge
jederzeit erhöht werden, um Importe fernzuhalten. Und in der Vergangenheit
hatten die EWG-Abschöpfungsbeträge für Getreide zeitweise eine Höhe von bis
zu 70 Prozent des Warenwertes erreichtIn den meisten Fällen werden die Exportverluste nicht so groß wie gerade
bei Getreide sein. Ja, vielfach werden die britischen Industriezölle im Zuge
der Anpassung an den gemeinsamen Außenzoll der EWG gesenkt werden. Doch trotzdem bleibt die Frage im Raum, wie die Vereinigten Staaten und andere Länder
für die höheren Abschöpfungsbeträge bei Getreide kompensiert werden können.
Eine Möglichkeit wäre, daß der Gemeinsame Markt seine Abschöpfungsbetrage für Getreide senkt. Beispielsweise könnte sich die jetzt auf neun
Mitglieder erweiterte EWG bereit erklären, anstelle der bisherigen variablen

-2-

�variablen Abschöpfungsbeträge der früheren sechs EWG-Länder und des von
Großbritannien zugesagten Null-Tarifs die Abschöpfung auf 30 Prozent zu begrenzen. Eine andere Möglichkeit wäre, die Exportverluste bei Getreide durch niedrigere Zölle bei anderen Agrarerzeugnissen zu kompensieren.
Sprecher des Gemeinsamen Marktes haben zu verstehen gegeben, daß die EWG
einen dritten Weg bevorzugen würde, nämlich die Verluste bei Agrarexporten
durch Zollvorteile auf dem Industriesektor auszugleichen. Von amerikanischer
Seite wurde jedoch bereits angedeutet, daß die USA einen solchen Vorschlag ablehnen würden, da damit den amerikanischen Farmern nicht geholfen sei. Alles
spricht also dafür, daß es in Genf zu harten Verhandlungen kommen wird.
Was geschieht aber nun, wenn diese Verhandlungen auf einem toten Punkt
stecken bleiben? Die Vereinigten Staaten und jede andere geschädigte Partei
könnten den Fall vor das GATT bringen und Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, indem sie entsprechende Konzessionen gegenüber dem Gemeinsamen Markt aufheben.
Das war zum Beispiel 1962 der Fall, als die Abschöpfungsbeträge bei Geflügel
zu einer starken Einschränkung der US-Exporte nach Deutschland führten. Mit
Zustimmung des GATT erhöhten die Vereinigten Staaten damals die Zölle für
Lastwagen und Kognak.
Das wäre jedoch nur ein letzter Ausweg, der letztlich den amerikanischen
Verbraucher träfe, ohne den geschädigten Exporteuren zu helfen. Nach amerikanischer Auffassung wäre es weit besser, wenn eine faire Kompensation der geschädigten Exporteure durch entsprechende Zollsenkungen seitens des Gemeinsamen
Marktes erreicht werden kann.

II III

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US-PERSONALEINKOMMEN NÄHERT SICH DER BILLIONEN-DOLLARGRENZE
WASHINGTON--(AD)-- Das amerikanische Personaleinkommen dürfte in Kürze
die Billionen-Dollargrenze überschreiten. Dies stellt der Unterstaatssekretär im US-Handelsministerium, Dr. Harold C. Passer, in der diese Woche
erschienenen neuesten Ausgabe der vom Ministerium herausgegebenen Zeitschrift "Commerce Today" fest.
Wie Dr. Passer betont, hat das Personaleinkommen in den USA in den
vergangenen 12 Monaten eine durchschnittliche monatliche Zuwachsrate von
über 7,5 Milliarden Dollar zu verzeichnen gehabt. Bei Zugrundelegung
dieser Zuwachsrate werde das Personaleinkommen im kommenden März oder
April die Billionen-Dollargrenze überschreiten.
Dr. Passer verweist in der alle zwei Wochen herausgegebenen Zeitschrift
darauf, daß das amerikanische Bruttosozialprodukt bereits vor Jahren die
Billionen-Dollargrenze überschritten und im dritten Quartal 1972
-saisonbereinigt- eine Jahresrate von 1 164 Milliarden Dollar zu verzeichnen hatte. Aber nicht nur das Personaleinkommen, so betont der
Unterstaatssekretär, habe seit Ende des zweiten Weltkrieges einen enormen
Zuwachs aufzuweisen gehabt, sondern auch das verfügbare Einkommen - ver-

• 1 -

�- verbleibende Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben - habe
sich in der Nachkriegszeit - gemessen in Dollar von 1958 - mehr als verdoppelt.
Die Zeitschrift befaßt sich in ihrer neuesten Ausgabe ferner mit der
Errichtung der neuen Abteilung für Ost-Westhandel im US-Handelsministerium,
dessen Leitung Steven Lazarus übernommen hat, sowie den Aussichten für eine
Ausweitung des Handels zwischen den Vereinigten Staaten und der kommunistischen Welt. Nach Auffassung von Lazarus, so betont das Blatt, dürfe man
von der Schaffung der neuen Abteilung nicht eine plötzliche Ausweitung des
amerikanischen Osthandels um viele Milliarden Dollar erwarten. Fortschritte
in dieser Richtung würden sich vielmehr nur ganz allmählich und in dem
Maße vollziehen, wie von amerikanischen Firmen auf individueller Basis neue
Handelsbeziehungen angebahnt würden.
In einem weiteren Beitrag befaßt sich die Zeitschrift mit einem von dem

amtierenden Direktor des Statistischen Bundesamtes der USA, Dr. Lawrence M.
Kushner, ausgearbeiteten Arbeitspapier über die Auswirkungen eines eventuellen Übergangs zum metrischen System. Damit allein,so stellt Dr. Kushner in
seiner Expertise klar, würden die Handelsprobleme der USA nicht gelöst. Nach
Ansicht von Dr. Kushner wäre ein vernünftiger Weg, einen geplanten Übergang
mit einer verstärkten Mitarbeit der USA bei der internationalen Typennormierung zu verbinden.

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INTERNATIONALE DATENBANK FÜR DIE KREBSFORSCHUNG

-USA errichten Informationszentrale und intensivieren Zusammenarbeit von
Spezialisten
--(AD)-- Das Nationale Krebsforschungsinstitut (NCI), das den medizinischen
Bundesforschungsanstalten der USA in Bethesda (Maryland) angeschlossen
ist, bemüht sich um die Schaffung eines weltweiten Informationsnetzes, das
alle Erfahrungen und Resultate erfaßt, die für die Bekämpfung der Krebskrankheiten Bedeutung haben können. Dr. John H. Schneider, der am NCI für
wissenschaftliche und technische Informationen zuständig ist, erläuterte
den Plan zur Errichtung der "Internationalen Datenbank für Krebsforschung"
(1CRDB-International Cancer Research Data Bank) auf der Jahrestagung der
Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft (AAS) Ende Dezember 1972 in Washington. Das Institut will fortlaufend Informationen aus den
USA und anderen Ländern sammeln und katalogisieren und spezifische Daten
bezw. Ergebnisse an interessierte Mediziner und Krebsforscher in aller
Welt weiterleiten.
Einen

�r

Einen derartigen Informationsdienst, der allgemein weiterhelfen könnte,
gibt es bisher nicht. Der Erfahrungs-und Informationsaustausch zwischen den
Institutionen der medizinischen Forschung und speziell der Krebsforschung
innerhalb und außerhalb der USA ist zwar gut eingespielt, reicht aber nach Ansicht Dr. Schneiders nicht aus, um aus den tatsächlichen Bemühungen um

eine

Lösung der zahlreichen Probleme einer wirksamen Krebsbekämpfung das Bestmögliche herauszuholen.
Der Plan zur Einrichtung einer solchen Datenbank ist nicht neu, sondern
bereits in dem amerikanischen Gesetz von 1971, das die rechtlichen Grundlagen
für eine intensivierte Erforschung und Behandlung von Krebskrankheiten in den
USA schuf, erwähnt. Den vorbereitenden Arbeiten von NCI-Vertretern im abgelaufenen Jahr,die auch bereits eine gewisse Übersicht über den in Frage kommenden Benutzerkreis der Datenbank brachten,soll Anfang 1973 die Auswahl des Unternehmens folgen, das auf vertraglicher Basis das Informationszentrum betreibt. Ausschlaggebend für die Erteilung des Auftrags werden Erfahrungen auf
dem Gebiet der Datenerfassung und Datenverarbeitung sein.
Daneben wird, wie Dr. Stephen Carter vom NCI erklärte, die direkte Zusammenarbeit der für die Krebsbekämpfung zuständigen amerikanischen Stellen mit
Institutionen anderer Länder - insbesondere in Europa und Asien sowie mit der
Sowjetunion -weiter verstärkt. So vergab kürzlich das NCI einen Forschungsauftrag an das Weizmann-Institut in Rehovot (Israel) in Höhe von fast einer
halben Million Dollar. Bei den Untersuchungen wird es vor allem um die Entwicklung besserer Methoden zur Früherkennung von Krebs und um die Erforschung
von Möglichkeiten gehen, Leukämie auf dem Wege über eine Beeinflussung der
Entwicklung von Lymphozyten, die aus dem Knochenmark oder aus dem Thymus
stammen, wirksamer zu bekämpfen.
Mit

-2-

�Mit der Sowjetunion wurde vereinbart, daß Dr. James F. Holland, einer
der führenden amerikanischen Spezialisten in der chemotherapeutischen Krebsbekämpfung

und einer der Direktoren des Roswell Park Memorial Instituts in

Buffalo (New York), ein Jahr lang in Rußland arbeitet. Er hat dort Gelegen-,
heit, sich aus erster Hand über den Stand der Chemotherapie bei Krebs zu informieren und seine eigenen langjährigen Erfahrungen mit sowjetischen Kollegen

und Vertretern der Pharmazie zu erörtern. Gleichzeitig wird Dr. Holland

Seminare über pharmazeutische Forschung abhalten und an der Ausarbeitung von
Behandlungsprogrammen für Magen-Darm-Krebs sowie von Fachartikeln für wissenschaftliche Zeitschriften mitwirken. Er hält sich mit seiner Familie bereits
seit November 1972 in der Sowjetunion auf.

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ALLERGIE GEGEN BESTIMMTE NAHRUNGSMITTEL

--(AD)— Viele Eltern wissen nicht, daß die verschiedensten Symptome wie
Müdigkeit, Unlust, Bauch-oder Gliederschmerzen, auffallende Blässe, Augenringe, chronischer Husten, Niesen und verstopfte Nase bei ihren Kindern
Anzeichen für eine Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel sein können.
Vor allem Milch, Schokolade, Cola-Getränke, Weizen-und Maisprodukte sind
unter Umständen für solche Erscheinungen verantwortlich, wie Dr. William
Deamer, Professor der Kinderheilkunde an der Universität Kalifornien in
San Francisco, kürzlich berichtete. Natürlich müssen für jedes einzelne
der genannten Symptome auch andere Ursachen in Betracht gezogen werden. Aber
nach Meinung Prof.Deamers machen sich zu wenig Ärzte und Eltern Gedanken
darüber, daß eine Nahrungsmittelallergie dahinter stecken könnte.
So wurden ihm z.B. kleine Patienten vorgestellt, bei denen wegen starker Blässe und Müdigkeit Verdacht auf Anämie, wegen Schmerzen in den Beinen
und auffälliger Müdigkeit Verdacht auf eine "rheumatische Erkrankung" bestand und wegen ständiger Kopfschmerzen sogar vermutet wurde, daß ein
Gehirntumor die Ursache sein könne. In allen solchen Fällen könne, so
Prof. Deamer, die Anamnese gar nicht sorgfältig genug durchgeführt werden.
Ist jedoch der Verdacht auf Nahrungsmittelallergie gegeben, so sollte man

-l-

�man drei Wochen lang das Kind auf eine Diät setzen, die bestimmte Nahrungskomponenten - insbesondere Milch, Schokoladen und Maisprodukte - ausschließt.
Denn Hauttests allein genügten nicht, um diese Frage zu klären. In mehr
als der Hälfte der Fälle führe das Weglassen von Milch, Milchprodukten und
Schokoladen (einschließlich der Cola-Erzeugnisse) schon nach kurzer Zeit
zu einem Verschwinden der Symptome.
Die verbreitete Annahme, daß sich eine Überempfindlichkeit des Säuglings gegen Milch, die beispielsweise mit dem Auftreten von Koliken oder
Durchfall zum Ausdruck kommt, mit der Zeit verliere, wenn man die Babynahrung vorübergehend entsprechend ändere, entspricht nach Dr. Deamers Erfahrung nicht den Tatsachen. Nach Ablauf einer gewissen Zeit seien zwar in
den meisten Fällen nicht mehr die zuerst beobachteten Beschwerden zu registrieren, jedoch äußere sich die gegen bestimmte Nahrungsmittel nach wie
vor bestehende Allergie in anderen und teilweise irreführenden Symptomen,
z.B.chronischem Schnupfen oder Müdigkeit.

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SCHWERMETALLE ALS UMWELTGIFT

--(AD)— Quecksilber, Kadmium, Blei, Zink und Arsen gehören zu den gefürchteten Giftstoffen im Wasser. Für den Menschen wie für Tiere und Pflanzen
können sie selbst in sehr kleinen Mengen toxisch sein. Wie aber kommt es
zu dem Kreislauf von Metallen in der Biosphäre? Wie verbinden sie sich mit
anderen Metallen oder wie gehen sie in Formen über, die für den Menschen besonders schädlich sind? Sind diese Prozesse genau zu ermitteln und unter
Kontrolle zu bringen?
In einem Versuch, diese Art von Problemen besser zu verstehen, nahmen
Laboratorien des US-Handelsministeriums Studien in Angriff, mit denen charakteristische biologische und andere Prozesse geklärt werden sollen, durch
die Schwermetalle in Wasserläufen, Seen, Küstengewässern und in Grundwasser
mobilisiert und transportiert werden. Die bisherigen Erfahrungen vor allem
des "National Bureau of Standards" und das Interesse einer Reihe seiner Mitarbeiter an metallorganischen Verbindungen und an der biologischen Korrosion
von Materialien erleichtert das schwierige Unternehmen.

Es wird z.T. durch

die amerikanische Bundesbehörde für Umweltschutz finanziert.

Man

-l-

�Man will in erster Linie herausfinden, auf welchen Wegen elementares
und anorganisches Quecksilber in metallorganische Verbindungen übergeführt
wird, in welchem Umfang dies geschieht und welche chemischen und biologischen Faktoren diese Prozesse unterstützen oder blockieren. Erst auf der Grundlage solcher Untersuchungen ist es möglich, Kontrollverfahren für metallische
Belastungsstoffe der Gewässer zu entwickeln. So ist beispielsweise die genaue
Ermittlung des Umfangs der Bildung von Methylquecksilber eine Basis dafür, um
Aussagen zu maximal zuverlässigen Konzentrationen und die Zeitspanne zu
machen, in der eine Gefährdung durch sie besteht. Andererseits dürfte die genaue Beobachtung der Bedingungen, die für das Ausmaß der Methylierung maßgebend sind, Hinweise auf praktische Möglichkeiten zur Verminderung der
Dauerkonzentrationen erbringen.
Das Einleiten von Quecksilber und anderer giftiger Metalle in freie Gewässer und Sickerräume kann zwar gestoppt werden und wird auch schon unterbunden. Jedoch werden diese Substanzen noch Jahre danach von Pflanzen aus
verseuchtem Boden und verseuchtem Wasser absorbiert. Häufig sind die Konzentrationen der Giftstoffe im Boden, insbesondere in Sedimenten, um ein Vielfaches größer als im Wasser. Die Metalle können immer wieder in lebenden
Pflanzen und in tierischem Gewebe angereichert werden und so Eingang in die
Nahrungskette und in die menschliche Ernährung finden.
Untersuchungen in verschiedenen Laboratorien haben gezeigt, daß Quecksilber und seine anorganischen Salze in Gewässersedimenten durch Mikroorganismen in Methylquecksilber, eine unbeständige Verbindung, und in andere reaktionsfähige Zwischenprodukte umgewandelt werden. Vieles deutet aber auch darauf hin, daß es daneben andere, nichtbiologische Wege der Bildung spezifischer metallorganischer Verbindungen gibt. In umfangreichen und systematischen Laboratoriums-und Feldversuchen wollen Dr.F.E.Brinckman und Dr.W.Iverson vom "National Bureau of Standards" und Prof.R.Colwell von der Universität

�&lt;

Universität Maryland diese Probleme unter Einsatz der modernsten Analysenmethoden angehen. Bisher gibt es keine Methode, um Schwermetalle in der
oberen 50-60 cm dicken Sedimentschicht, wo sie sich ansammeln, auf chemischem Wege zu neutralisieren.
Ein empfindliches, dabei leicht transportables Instrument zur Messung
von Quecksilberkonzentrationen in anorganischen und organischen Proben sowie
in Luft entwickelten Dr. Peter R. Buseck, Dr. Roland C. Hanson und John J.
McNerney von der Staatsuniversität Arizona in Tempe. Seine Arbeitsweise beruht
auf dem Prinzip, daß sich der elektrische Widerstand eines auf eine Chromlage
aufgedampften Goldfilmes mit der -sehr geringfügigen- Menge von absorbiertem
Quecksilberdampf verändert. Auf diese Weise ist Quecksilber bereits in Konzentrationen von 0,05 Nanogramm (Milliardstel Gramm) nachweisbar. Nach Meinung der drei Wissenschaftler wäre das Instrument nach entsprechender Modifizierung auch zum Nachweis anderer giftiger Gase - Z.B.Schwefelwasserstoff geeignet.

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FISCHBESTÄNDE IM NORDOSTPAZIFIK

--(AD)-- Das Überfischen wichtiger Speisefische im Pazifik soll verhindert werden. Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler, die unter
der Leitung von Dr. D.L.Alverson (Direktor der Abteilung Nordwest des
US-Bundesamtes für Hochseefischerei in Seattle, Washington) und Dr. A. S.
Bagdanow (Direktor des sowjetischen Instituts für Fischereiwesen und Meeresforschung in Moskau) Ende 1972 zehn Tage lang in Moskau konferierten,
haben dazu Empfehlungen an ihre Regierungen ausgearbeitet. Betroffen ist
vor allem der Fang von Krabben, Flundern, Kabeljau, Heringen, Barsch und
Seehecht im nordöstlichen Pazifik, insbesondere im Seegebiet vor Oregon,
Washington, Britisch-Kolumbien, Alaska und im Beringmeer. Anfang 1973
sollen Regierungsvertreter beider Länder in Moskau entsprechende Vereinbarungen über Schutzmaßnahmen treffen.

+444

�</text>
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und
Dokumentation

T e l e x : 0 8 - 8 54 32

Nummer

3. Januar 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Erste SALT Il-Verhandlungsrunde abgeschlossen
-Wortlaut des Kommuniques und des Memorandums-

HINTERGRUNDMATERIAL:
US-Energiebedarf wird sich bis zum Jahre 2000 verdoppeln
-Ein Bericht des US-Innenministeriums-

WIRTSCHAFT:

1972 erfüllte wirtschaftliche Erwartungen der Regierung
-US-Wirtschaftsbeirat gibt Jahresrückblick.-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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1/1973

ERSTE SALT II-VERHANDLUNGSRUNDE ABGESCHLOSSEN
-Wortlaut des Kommuniques und des Memorandums-

GENF --(AD)— Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben während
der am 21. Dezember zu Ende gegangenen ersten Verhandlungsrunde von SALT II
über den allgemeinen Rahmen der die Offensivwaffen betreffenden Fragen
Übereinstimmung erzielt, die nach Wiederaufnahme der Gespräche am 27, Februar erörtert werden sollen.
Das am 21. Dezember von den beiden Verhandlungsführern unterzeichnete
Kommunique hat folgenden Wortlaut:
"Die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über eine Begrenzung der
strategischen Rüstungen wurden vom 21.November 1972 bis zum 21. Dezember
1972 fortgesetzt.
Die amerikanische Delegation wurde von dem Leiter der US-Abrüstungsbehörde, Gerard Smith, angeführt. Mitglieder der Delegation, die an den Verhandlungen teilnahmen, waren Philip J.Farley, Paul Nitze, Harold Brown und
Royal Allison.
Die

i

�Die sowjetische Delegation wurde von dem stellvertretenden Außenminister
der UdSSR, V.S.Semenow, angeführt.Mitglieder der Delegation, die an den Verhandlungen teilnahmen, waren K..S. Trusow, P.S. Pleschakow, A..N.Schukin und
0. A. Grinewsky.
Den Delegationen waren Berater und Experten beigegeben.
Gemäß dem im Mai 1972 erzielten Abkommen, die aktiven amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen
fortzusetzen, haben die Delegationen sich mit der weiteren Erörterung von Fragen befaßt, die sich auf die Erzielung eines Abkommens über umfassendere Maßnahmen zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen beziehen.
Im Verlaufe dieser ersten Erörterungen wurde ein weiter Bereich von Fragen, die hiermit im Zusammenhang stehen, geprüft. Die Gespräche waren zur Vorbereitung weiterer Verhandlungen im kommenden Jahr für beide Seiten nützlich.
Es wurde eine Übereinstimmung über den allgemeinen Rahmen von Fragen erreicht,
die Gegenstand weiterer amerikanisch-sowjetischer Gespräche sein werden.
Im Verlaufe der Verhandlungen wurde ein Memorandum über die erzielte Übereinstimmung ausgearbeitet und unterzeichnet, das die Einsetzung einer ständigen
beratenden Kommission gemäß Artikel 13 des Vertrages zwischen den USA und der
Sowjetunion über die Begrenzung der ABM-Systeme vorsieht.
Beide Seiten dankten der schweizerischen Regierung für die Schaffung so
günstiger Bedingungen für die Abhaltung der Verhandlungen sowie für die ihnen
gewährte Gastfreundschaft.
Es wurde vereinbart, daß die Verhandlungen zwischen der amerikanischen und
der sowjetischen Delegation am 27. Februar 1973 in Genf wieder aufgenommen werden sollen."
Wortlaut

�Wortlaut des Memorandums:
"Erstens: Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken setzen hiermit eine
ständige beratende Kommission ein.
Zweitens: Die ständige beratende Kommission soll die Zielsetzungen und
die Durchführung der Bestimmungen des Vertrages zwischen den USA und der
UdSSR über die Begrenzung der ABM-Systeme vom 26. Mai 1972, des amerikanischsowjetischen Interi»sabkommensüber die Begrenzung bestimmter strategischer
Offensivwaffen vom 26. Mai 1972 und des Abkommens über Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr des Ausbruches eines Atomkrieges zwischen den USA und der
UdSSR vom 30. September 1971 fördern und ihre Befugnisse im Einklang mit den
Bestimmungen des Artikels 13 des besagten Vertrages, des Artikels 6 des besagten Interimsabkommens

un

d des Artikels 7 des besagten Abkommens ausüben.

Drittens: Jede Regierung soll in der ständigen beratenden Kommission durch
einen Beauftragten und einen stellvertretenden Beauftragten vertreten sein,
denen der erforderliche Arbeitsstab beigegeben ist.
Viertens: Die ständige beratende Kommission wird periodische Sitzungen
zu beiderseits über die Beauftragten vereinbarten Zeitpunkten, doch wenigstens
zweimal im Jahr, abhalten. Auf Antrag eines der beiden Beauftragten sollen
Sitzungen ebenfalls sobald wie möglich und nach entsprechender Benachrichtigung
anberaumt werden.
Fünftens: Die ständige beratende Kommission wird in Genf zusammentreten.
Sie kann auch an anderen vereinbarten Orten zusammenkommen.
Ausgefertigt in Genf am 21. Dezember 1972 in zwei Kopien, jeweils in englischer und in russicher Sprache, von denen beide Texte in gleicher Weise authentisch sein sollen."
Das

�Das Memorandum wurde

für die Vereinigten Staaten von Botschafter

Gerard Smith und für die Sowjetunion von dem stellvertretenden Außenminister
Wladimir S. Semenow unterzeichnet.

-4-

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Hintergrundmaterial

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1/1973

US-ENERGIEBEDARF WIRD SICH BIS ZUM JAHRE 2000 VERDOPPELN

-Ein Bericht des US-Innenministeriums-

WASHINGT0N --(AD)-- Der Energiebedarf der Vereinigten Staaten wird sich
bis zum Jahre 2000 mehr als verdoppeln. Dies geht aus einem Bericht des amerikanischen Innenministeriums hervor, der zum Jahresende veröffentlicht wurde. Der amerikanische Innenminister Rogers Morton hat im Zusammenhang mit dem
Bericht darauf hingewiesen, daß die USA mit Versorgungsschwierigkeiten rechnen müssen, wenn sie nicht alle nur möglichen Anstrengungen zur Sicherung
ihres Energiebedarfs machen.
Nach Angaben des Berichtes ist mit einer Zunahme des Energiebedarfs
in den Vereinigten Staaten um 3,6 Prozent jährlich zu rechnen. Man geht dabei
von einer Zunahme des amerikanischen Bruttosozialproduktes von 739,5 Milliarden Dollar im Jahre 1971 auf 2 438 Milliarden Dollar im Jahre 2000 aus. Die
industrielle Produktion in den USA dürfte sich in diesem Zeitraum vervierfachen - mit dem entsprechenden Bedarf an Brennstoff und Energie.
Ein entscheidender Faktor wird die Umstellung auf Atomstrom sein. Hier
werden vor allem die sogenannten "Brutreaktoren" eine wichtige Rolle spielen, die mehr Nuklearbrennstoff produzieren als sie verbrauchen. Gegenwärtig

-1-

�Gegenwärtig macht der Atomstrom 2,4 Prozent der gesamten amerikanischen Stromerzeugung aus, jedoch dürfte um die Jahrhundertwende der Anteil auf 51 Prozent
gestiegen sein.
Zu dem etwas schwierigeren Problem der Erdölversorgung heißt es in dem
Bericht, daß gegenwärtig rund 74 Prozent des Bedarfs aus eigener Förderung gedeckt werden können, daß jedoch bis zum Jahre 2000 die Eigenversorgung nur noch
etwa 30 Prozent ausmachen werde. Dabei ist eingerechnet, daß die neuen Vorkommen
in Alaska rund 10 Prozent des Bedarfs decken werden, Innenminister Morton räumt
jedoch die Möglichkeit ein, daß das Öl aus Alaska sogar 15 Prozent des Gesamtbedarfs erbringen wird.
Nach Ansicht der Experten wird es bis 1980 möglich sein, das Defizit in der
Ölversorgung durch Importe zu decken. Über diesen Zeitpunkt hinaus wird jedoch
die Gewinnung von Rohöl aus Ölschiefer und durch die Verflüssigung von Kohle
- aus eigenen Vorkommen - an Bedeutung gewinnen.
Wie es in dem Bericht heißt, wird auch die Erschließung neuer Ölquellen im
Festlandsockel an der Atlantikküste verstärkt vorangetrieben werden. Der Anteil
des Öls an der Gesamtenergieversorgung wird voraussichtlich von 44 Prozent im
Jahre 1971 auf 37 Prozent im Jahre 2000 zurückgehen.
Was die Versorgung mit Gas angeht, so werden bisher 96 Prozent durch Erdgas und künstliches Gas gedeckt. Hier wird bis zum Jahre 2000 ein Rückgang auf
72 Prozent erwartet, wobei etwa 20 Prozent Erdgas über Rohrleitungen aus Kanada
eingeführt werden, und die restlichen acht Prozent durch die Einfuhr von Gas in
flüssigem Zustand gedeckt werden sollen.
Die Kohleversorgung der USA aus eigener Förderung ist nach dem Bericht mehr
als ausreichend gedeckt. Man rechnet damit, daß bis 1980 das Problem des Schwefeloxyds bei der Kohleverbrennung gelöst sein und die Kohle als umweltfreundlicher Brennstoff akzeptiert wird. Obwohl sich der Kohlebedarf bis zum Jahre
2000 verdreifachen wird, werden die amerikanischen Bergleute diesen Bedarf decken
können. Dabei dürften sich die Kohleexporte der USA von 58 Millionen Tonnen im

-2-

�im Jahre 1971 auf 108 Millionen Tonnen im Jahre 2000 fast vcr ' A.peln.
Nach den Erwartungen der Experten wird sich die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von gegenwärtig 210 Millionen bis zum Jahre 2000 auf nahezu 280
Millionen erhöhen; dabei dürften jedoch wirtschaftlichere Methoden der Nutzung
der Energiequellen . vor allem durch öffentliche Verkehrsmittel statt Privatwagen - den Energiebedarf relativ verringern. Flugzeuge werden verstärkt für den
Frachtdienst eingesetzt werden, während Eisenbahnen und Lastkähne in ihrer Bedeutung zurückgehen werden.
Wie Innenminister Morton betonte, wird in Zukunft ein Unterstaatssekretär
in seinem Ministerium verstärkt mit Energiefragen betraut werden, und Präsident
Nixon wird Anfang 1973 eine "Energiebotschaft" an den Kongreß richten.

-3-

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1/1973

1972 ERFÜLLTE WIRTSCHAFTLICHE ERWARTUNGEN DER REGIERUNG
-US-Wirtschaftsbeirat gibt Jahresrückblick-

WASHINGTON — ( A D ) » Der Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons hat in einer
Erklärung zum Jahresschluß die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten während der letzten 12 Monate analysiert, die die Erwartungen
der Regierung erfüllt hätten. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
1972 war ein Jahr einer starken wirtschaftlichen Expansion; es brachte einen starken Anstieg der Beschäftigtenzahl, eine wesentliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und eine geringere Preisauftriebsrate. Die im Dezember veröffentlichten statistischen Zahlen für Gütererzeugung, Beschäftigtenstand, Umsätze und Preise, die sich vorwiegend auf den November beziehen,
bestätigen diese Lageeinschätzung. Obwohl die endgültigen Zahlen noch nicht
vorliegen, deuten die jüngsten Berichte darauf hin, daß dieses Jahr das von
der Regierung gesetzte Ziel, eine Steigerung des Bruttosozialproduktes um
100 Milliarden Dollar - bei sechsprozentiger Zunahme der realen Güterererzeugung und 3 1/4 Prozent Preissteigerungen (wie dies der Deflator des
Bruttosozialproduktes

zeigt) - erfüllt hat.
Die

-1-

�Die Arbeitslosenrate im November von 5,2 Prozent lag im Bereich der
Voraussagen der Regierung, daß nämlich die Arbeitslosenrate gegen Ende des Jahres 1972 bei etwa 5 Prozent liegen werde
In den neun Monaten von Ende Februar bis Anfang November 1972, nachdem
der kurze Preisanstieg nach Ablauf des totalen Lohnend Preisstopps überwunden
war, ist der index der Verbraucherpreise mit einer Jahresrate von 3,1 Prozent
gestiegen. Dies liegt noch geringfügig
Ziel, den

über dem von der Regierung gesetzten

Preisauftrieb auf 2 bis 3 Prozent herabzudrücken; allerdings ist

die Preisauftriebsrate nur noch etwa halb so groß wie 1969, Andere wichtige
I idikatoren für die Preisentwicklung sind, wie dies der Deflator des Bruttosozialprodukts und des privaten Verbrauchs zeigt, in den letzten Quartalen
weniger als 3 Prozent angestiegen.
Es gibt zahlreiche Hinweise,die für ein Anhalten des wirtschaftlichen Aufschwungs 1973 sprechen. Die Höhe der Verbrauchsgüterumsätze, die anhaltend
hohen Raten des Baubeginns von Wohnungen und der Auftragseingänge in der Fertigungsindustrie, die Berichte über die Investitionspläne der Wirtschaft, der
stimulierende Einfluß des Bundeshaushaltes und die stetige Zunahme der Geldversorgung - sie alle weisen darauf hin, daß die Auftriebskräfte auf der Nachfrageseite der Wirtschaft ungebrochen sind. Dies sollte zu einer Steigerung von
Gütererzeugung und Beschäftigung führen und die Arbeitslosigkeit weiter abbauen.
Was den Preisauftrieb anbetrifft, so werden die Preis-und Lohnentscheidungen in
einem Klima getroffen werden, das von mehr Vertrauen in das Preisniveau und
einer geringeren Notwendigkeit für größere Lol lerhöhungen, um frühere, jahrelang bestandene Rückstände auszugleichen, gekennzeichnet ist. Somit sind die
Aussichten auf ein weiteres Jahr, das eine schnelle Expansion mit einer rückläufigen Preisauftriebsrate verbindet, gut.
Wenn auch diese Aussichten gut sind, so sind sie jedoch noch keineswegs
gesichert, und das endgültige Ergebnis wird wesentlich davon beeinflußt werden,

-2-

�werden, wie wir als Nation einige schwierige Aufgaben lösen. Zurückhaltung in
der Haushaltspolitik des Bundes wird notwendig sein, um zu verhindern, daß die
gegenwärtige gesunde Expansion sich wieder zu einem inflationistischen Boom
auswächst. Die Entschlossenheit der Regierung in dieser Beziehung ist wohl bekannt; es wird der Zusammenarbeit mit dem Kongreß und der Öffentlichkeit bedürfen, um das Ziel zu erreichen. Das System zur Kontrolle von Preisen und Löhnen
wird modifiziert werden müssen, um eine optimale Wirksamkeit zu erlangen, ohne
daß Effizienz und Dynamik der Wirtschaft im Laufe des Jahres 1973 beeinträchtigt werden. Die Regierung hat eingehende Konsultationen mit allen Sektoren der
Wirtschaft über die erforderlichen Änderungen geführt. Die Empfehlungen der Regierung hierzu werden gegenwärtig noch ausgearbeitet; es ist klar, daß in diesem
Bereich ebenfalls eine Zusammenarbeit mit dem Kongreß und der Öffentlichkeit
notwendig sein wird. Zweifellos werden sich auch noch andere, im Augenblick
noch nicht vorauszusehende Probleme ergeben. Aber die durch die gemeinsamen Anstrengungen allr.r Amerikaner innerhalb und außerhalb der Regierung im Jahre 1972
erzielten ausgezeichneten Ergebnisse geben Grund zu der Zuversicht

daß die

Probleme des Jahres 1973 ebenfalls gelöst werden.
Wirtsc.haftsi ndikatoren für November
Gütererzeugung und Umsätze
Alle wichtigen Wirtschaftsstatistiken für November zeigen, daß die auf einer
breiten Basis aufbauende Wirtschaftsexpansion weitergeht. Der Index der industriellen Produktion stieg im November um 1,1 Prozent und hat damit in den
letzten drei Monaten eine Jahreszuwachsrate von 12,7 Prozer.t erreicht. Der private Wohnungsbau hatte ebenfalls einen weiteren guten Monat zu verzeichnen mit
Bau! eginnen - auf Jahresbasis - von 2,45 Millionen Wohneinheiten, etwa genauso
viel wie im Oktober. In den ersten 11 Monaten des Jahres 1972

lag die Zahl der

neu begonnenen Wohneinheiten im Durchschnitt um 19 Prozent höher als im gleichen

-3-

�gleichen Zeitraum des Jahres 1971. Die Auftragseingänge in der Dauergüterindustrie zeigten im November mit 2,9 Prozent eine ungewöhnlich starke Zunahme
und lagen damit um 21 Prozent höher als vor einem Jahr. Der Absatz von Dauergütern war um 2 Prozent höher,und die Auftragsbestände nahmen im November im
vierzehnten aufeinanderfolgenden Monat zu. Ein

geringfügiger Rückgang der

Einzelhandelsumsätze im November folgte auf einen ungewöhnlich großen Zuwachs
um 3,6 Prozent im Oktober« Die beiden Monate zusammen zeigen, daß die Verbraucherausgaben auch im vierten Quartal dieses Jahres hoch sein dürften,

Beschäftigtenstand
Der Wirtschaftsaufschwung war von einem starken Anwachsen der Zahl der
Arbeitsplätze begleitet. Die Zahl der in der Wirtschaft Beschäftigten lag im
November um 2,2 Millionen höher als vor einem Jahr. Für die ersten 11 Monate
dieses Jahres ergibt sich eine Zunahme der Beschäftigtenzahl gegenüber dem
gleichen Zeitraum des Jahres 1971 um 2,3 Millionen.
Die Arbeitslosenrate verzeichnete im November einen scharfen Rückgang
auf 5,2 Prozent gegenüber der seit Juni verzeichneten Rate von 5,5 Prozent.
Zwar sollte man den Statistiken für einen einzelnen Monat nicht zu große Bedeutung beimessen, aber die beträchtliche Zunahme von Beschäftigtenzahl und
Gütererzeugung, die dieses Jahr festzustellen war, hatte bereits einen Rückgang von der 5,5 Prozentmarke angekündigt.

Löhne und Einkommen
Eine weitere ungewöhnlich starke Zunahme des Personaleinkommens wurde
für November gemeldet, die zum Teil auf die Beschleunigung von Zahlungen an
die Kriegsteilnehmer zurückzuführen ist. Die wichtigste Komponente des Personaleinkommens - die Löhne und Gehälter - erhöhte sich um 4,6 Milliarden Dollar,
was etwa dem durchschnittlichen monatlichen Zuwachs der letzten sechs Monate

-4-

�Monate entspricht. Verglichen mit dem Vorjahr war das Personaleinkommen um
10,6 Prozent und die Komponente Löhne und Gehälter um 11 Prozent höher.
Die Stundenlohnsätze waren im November unverändert, und die Bruttowochenlöhne der Industriearbeiter gingen aufgrund einer etwas geringeren Arbeitszeit leicht zurück. Die Stunden-und die Bruttowochenlöhne im November lagen beide um jeweils 6,9 Prozent höher als vor einem Jahr. Angesichts eines
weit langsameren Anstiegs des Verbraucherpreisindexes nahmen die Stunden-und
die Bruttowochenlöhne -nach Ausschaltung des Preisauftriebs-in den 12 Monaten bis Ende November um 2,9 respektive um 3,2 Prozent zu.

Preise
Die Preisentwicklung war im November, wie auch zuvor im Oktober, unterschiedlich. Die Großhandelspreise zogen nach einem relativ geringen Anstieg
in den beiden vorangegangenen Monaten um 0,6 Prozent an. Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel standen im November - wie in den
vorangegangenen 12 Monaten - an der Spitze des Preisanstiegs. Der Verbraucherpreisindex zog im November um 0,3 Punkte an. Dieser mäßige Anstieg ist zu
einem großen Teil auf ein starkes Anziehen der Lebensmittelpreise (1,1 Prozent) zurückzuführen; bei den übrigen Erzeugnissen betrug der Preisanstieg
lediglich 0,1 Prozent und bei Dienstleistungen 0,2 Prozent.

Entwicklung auf Jahresbasis

Für den größten Teil des Jahres 1972 liegen nunmehr Statistiken über die
wirtschaftliche Entwicklung vor. Es ist daher nur angebracht, die verfügbaren
Informationen einer Prüfung zu unterziehen, wenn wir uns jetzt dem Ende des
Jahres 1972 nähern. Die Tabellen 1 und 2 geben die bis jetzt verfügbaren Jah-

-5-

�Jahresstatistiken auf zwei verschiedene Weisen wieder.
Tabelle 1 zeigt die jährlichen Veränderungen für den größten Teil des
Berichtszeitraumes, wobei entweder das dritte Quartal mit dem dritten Quartal 1971 oder der November 1972 mit dem gleichen Vorjahresmonat verglichen
werden. Tabelle 1 zeigt weiter diese jährlichen Veränderungen zurückgehend b
1968, so daß die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre mit 1972 verglichen werden kann.
Die in Tabelle 2 aufgezeigten Veränderungen umfassen die ersten drei
vollen Quartale (oder die ersten 11 Monate) 1972 verglichen mit den gleichen
Vorjahreszeitraum. . Sobald die Statistiken für das vierte Quartal und für
den Dezember eingearbeitet werden können, wird ein Vergleich zwischen der
wirtschaftlichen Entwicklung im Jahre 1972 insgesamt mit 1971 möglich sein.
Tabelle 2 zeigt ferner die jährlichen Veränderungen zurückgehend bis 1968
sowie die Durchschnittsrate der Veränderungen zwischen den Jahren 1960 und
1970.

Wirtschaftsindikatoren

�WIRTSCHAFTSINDIKATOREN
(auf der Basis saisonbereinigter Zahlen)
Tabelle 1: Jährliche prozentuale Veränderungen ausgewählter Wirtschaftsindikatoren, 1968 bis 1972

Vierteljahreszahlen(Änderungen jeweils auf der
Basis des dritten Quartals jedes einzelnen Jahres) 1972

1971

1970

1969

1968

Bruttosozialprodukt

0,1

7,2

4,7

7,6

9,3

Bruttosozialprodukt - real

7,2

2,2

-0,3

2,4

4,9

Bruttosozialprodukt

2,7

4,9

5,1

5,1

4,1

6,1

6,6

7,8

6,7

7,4

2,9

2,2

1,9

1,1

2,9

5,4

2,4

2,0

-0,4

2,5

Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft

2,8

1,9

0

2,8

1,8

Verbraucherpreis index

3,5

3,5

5,6

5,7

4,7

Verbraucherpreisindex t hne Lebensmittel

2,9

3,4

6,3

5,6

4,8

Index der Großhandelspreise

5,4

3,2

2,6

4,6

3,2

Index der Großhandelspreise - Industrieerzeugnisse
4)
Freier Wochenlohn - real
Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft (Zunahme in
Millionen)

3,7
3,7

3,2

3,6

3,9

2,6

4,0

3,9

-1,3

-0,5

-0,2

2,21

1,47

0,01

2,13

1,37

5,2

6,0

5,8

3,5

3,4

Deflator
Lohn pro Arbeitsstunde 2)
2)
Reallohn pro Arbeitsstunde
3)
Produktivität

'

Monatszahlen (Änderungen jeweils auf der
Basis des Novembers jedes einzelnen Jahres)

Arbeitslosenrate (tatsächlicher Stand)

Tabelle 2:

�Tabelle 2: Prozentuale Veränderungen des Jahresdurchschnitts ausgewählter Wirtschaftsindikatoren 1968 bis 1972 und die Durchschnittsrate der Veränderungen zwischen den Jahren i960 und 1970
Viertel Jahreszahlen

1972

1971

1970

1969

1968

1960/70

Bruttosozialprodukt

9,3

7,6

5,0

7,6

8,9

6,8

BruttoSozialprodukt-real

6,1

2,7

-0,5

2,7

4,7

4,0

Bruttosozialprodukt-Deflator
2)
Lohn pro Arbeitsstunde
2)
Reallohn pro Arbeitsstunde
3)
Produktivität '

3,0

4,7

5,5

4,8

4,0

2,7

6,2

7,1

7,2

6,7

7,5

5,2

2,9

2,7

1,2

1,3

3,2

2,3

4,5

3,6

0,6

-0,1

2,9

2,6

Monatszahlen
Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft

2,9

0,6

0,9

2,6

2,1

1,8

Verbraucherpreisindex

3,3

4,3

5,9

5,4

4,2

2,7

Verbraucherpreisindex ohne
Lebensmittel

3,0

4,6

6,0

5,5

4,4

2,8

Index der Großhandelspreise

4,3

3,2

3,7

3,9

2,5

1,5

Index der Großhandelspreise Industrierzeugnisse

3,4

3,6

3,8

3,4

2,5

1,4

4,2

2,8

-1,2 -0,4

0,6

0,9

Beschäftigtenzahl in der Wirtschaft (Zunahme in Millionen?

2,28

0,49

0 , 7 3 1,98

1,55

1,29

Arbeitslosenrate (tatsächlicher Stand)

5,6

5,9

4,9

3,6

4,7

Freier Wochenlohn -real 4)

3,5

5

&gt;

Fußnoten:

�Fußnoten:

1) Die ersten 3 Quartale (oder 11 Monate) 1972 verglichen mit dem
gleichen Zeitraum 1971
2) Alle Beschäftigten in der Privatwirtschaft - ohne Landwirtschaft
3) Gesamtwirtschaft - ohne Landwirtschaft
4) Arbeiter in der Wirtschaft - ohne Landwirtschaft - mit drei
Familienangehörigen
5) Durchschnitt der zehn Jahresraten

�</text>
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                <text>Amerikadienst 03.01.1973</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erste SALT II-Verhandlungsrunde abgeschlossen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Kommuniqués und des Memorandums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Energiebedarf wird sich bis zum Jahre 2000 verdoppeln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Bericht des US-Innenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;1972 erfüllte wirtschaftliche Erwartungen der Regierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Wirtschaftsbeirat gibt Jahresrückblick -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

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20. Dezember 1972

51

Inhalt
DOKUMENTATION:
Erklärung Kissingers zum Stand der Vietnam-Verhandlungen
-Pressekonferenz vom 16. Dezember-

INFORMATION:
John A. Scali soll neuer US-Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen
werden
Sonderprogramm der Fulbright-Kommission für Bildungsexperten im Jahre
1973
WIRTSCHAFT:
Ein Jahr Smithsonian-Abkommen
Von Eugene Brake
1972 brachte nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung für die USA
Von John Holway

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Sonderbonus für die Wissenschaft
-Die automatischen Meßstationen liefern noch jahrelange ForschungsdatenKalziumbestimmung im Blutserum
Laser-Nachrichtensystem
Die vorliegende Ausgabe von INFORMATION UND DOKUMENTATION ist die letzte
in diesem Jahr.
Wir wünschen allen Beziehern ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches
Neues Jahr.

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Dokumentation

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51/1972

ERKLÄRUNG KISSINGERS ZUM STAND DER VIETNAM-VERHANDLUNGEN
•Pressekonferenz vom 16.Dezember-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Sonderberater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, hat am 16. Dezember auf einer
Pressekonferenz im Weißen Haus über den Stand der Vietnamverhandlungen berichtet. Er gab hierzu eine längere Erklärung ab, die folgenden Wortlaut
hat:
Meine Damen und Herren,
wie Sie wissen, habe ich dem Präsidenten berichtet und mit dem Außenminister, dem Vizepräsidenten, dem Verteidigungsminister, dem Chef des Gemeinsamen Stabes sowie anderen maßgeblichen Regierungsvertretern konferiert.
Ich treffe heute mit Ihnen hier zusammen, weil es unser Wunsch war, Ihnen
über den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen Bericht zu erstatten.
Sie werden sicherlich verstehen, daß ich nicht in Einzelheiten bestimmter Fragen gehen kann, aber ich werde Ihnen eine möglichst faire und ehrliche Darlegung des allgemeinen Trends der Verhandlungen geben.
Lassen

-1-

�Lassen Sie mich dies zunächst in drei Teilen tun: erstens, was führte
uns Ende Oktober zu der Überzeugung, daß der Friede bevorstand; zweitens, was
ist seither geschehen; drittens, wie geht es nun weiter?
Ende Oktober hatten wir soeben drei Verhandlungswochen mit den Nordvietnamesen beendet, Wie Sie alle wissen, unterbreiteten uns die Nordvietnamesen am 8. Oktober einen Vorschlag, der - wie sich dann herausstellte - die
Hauptprinzipien zu reflektieren schien, die der Präsident immer als Bestandteil der amerikanischen Position hervorgehoben hatte. Diese Grundsätze besagten, daß es eine bedingungslcse Freilassung aller amerikanischen Gefangenen
in ganz Indochina geben müsse; daß zweitens in ganz Indochina eine Waffenruhe
Zustandekommen müsse, und zwar durch verschiedene, den Verhältnissen der betroffenen Länder entsprechende Mittel; daß wir drittens bereit seien, unter
diesen Bedingungen unsere Truppen innerhalb eines beiderseitig vereinbarten
Zeitraums abzuziehen; daß wir viertens dem politischen Ergebnis der Zukunft
Vietnams nicht vorgreifen, daß wir keine besondere Lösung aufzwingen, daß wir
nicht auf unserer besonderen Lösung bestehen wollten,
Das Abkommen, das sich im Laufe des Ol tober herauskristallisierte, schien
uns diese Prinzipien genau zu reflektieren. Gegen Ende Oktober dann stießen
wir auf eine Reihe von Schwierigkeiten

Weil wir die Atmosphäre, die zu einer

schnellen Regelung führen konnte, erhalten wollten^

erwähnten wir zum damali»

gen Zeitpunkt zwar diese Schwierigkeiten auf unseren Presseunterrichtungen,
gingen jedoch nicht im einzelnen auf sie ein.
Lassen Sie mich nunmehr zusammenfassen;, welcher Art diese Probleme Ende
Oktober waren:
Es wurde deutlich, daß damals eine massive kommunistische Anstrengung vorbereitet wurde, in ganz Südvietnam einen Angriff zu starten, der einige Tage
vor der Verkündigung einer Waffenruhe eingesetzt und noch einige Wochen nach

2-

�nach dem Inkrafttreten der Waffenruhe fortgedauert hätte.
Zweitens, es gab ein Interview des nordvietnamesischen Ministerpräsidenten, welches besagte, daß die politische Lösung, auf der wir immer als Bestandteil unserer politischen Prinzipien beharrt hatten, nämlich, daß (Südvietnam)
keine Koalitionsregierung aufgezwungen würde, nicht so klar war, wie dies aus
den Verhandlungsunterlagen hervorging.
Drittens, wie keinem entgehen konnte, stießen wir auf einige spezifische
Einwände von Seiten Saigons.
Aufgrund dieser Umstände schlugen wir Hanoi eine weitere Verhandlungsrunde vor, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Wir waren der Überzeugung,
daß diese Schwierigkeiten mit gutem Willen auf beiden Seiten relativ leicht
überwunden werden könnten und daß eine Regelung sich schnell herbeiführen
ließe, wenn wir uns auf beiden Seiten an den Geist der Oktoberverhandlungen
halten würden.
Wir waren überzeugt, daß, wenn wir einen zehnjährigen Krieg beenden wollten, wir dies nicht mit einem Waffenstillstand, sondern mit einem Frieden tun
sollten, der Aussicht auf Bestand hätte. Wir schlugen drei Kategorien der
Klärung in dem Abkommen vor: erstens wünschten wir die sogenannten linguistischen Schwierigkeiten aufgeklärt, damit durch sie nicht der Same für endlose
Dispute und einen erneuten Ausbruch des Krieges gelegt werde,, Ich werde darüber noch gleich sprechen.
Zweitens hatte das Abkommen immer vorgesehen, daß unverzüglich nach Verkündigung einer Waffenruhe ein internationaler Apparat eingesetzt werde. Wir
wollten die praktische Bedeutung des Wortes "unverzüglich" dadurch klarstellen, daß wir die Protokolle ausarbeiteten, die erforderlich sind, um diesen
internationalen Apparat gleichzeitig mit dem Abkommen über eine Waffenruhe
zu schaffen. Dies schien uns weitgehend eine technische Angelegenheit zu sein.
Drittens

�Drittens wünschten wir irgendeinen Hinweis in dem Abkommen, und sei er
noch so vage, verblümt, illusorisch oder indirekt -

einen Hinweis, der klar-

stellen würde, daß die beiden Teile Vietnams in Frieden miteinander leben
würden und daß keine Seite ihre Lösung der anderen mit Gewalt aufzwingen würde.
Dies schienen uns ganz bescheidene Anforderungen, die relativ leicht zu erreichen sein würden.
Lassen Sie mich Ihnen nun die Folge der Ereignisse seit jenem Zeitpunkt
aufzeigen. Wir alle wissen von den Meinungsverschiedenheiten, die zwischen Saigon und Washington bestanden haben. Diese Meinungsverschiedenheiten sind bis
zu einem gewissen Grad verständlich. Es ist unvermeidlich, daß ein Volk, auf
dessen Territorium der Krieg ausgetragen wurde und das 25 Jahre lang der Zerstörung, dem Leid und dem Terror ausgesetzt war, auf die Aussichten einer Regelung in detaillierterer Weise sieht, mit einem besorgteren Blick,als wir,
die wir 10 000 Meilen vom Schauplatz entfernt sind. Viele Bestimmungen des Abkommens wurden unvermeidlicherweise in Vietnam in einem anderen Zusammenhang gesehen als in Washington.
Ich glaube, man kann mit einiger Berechtigung sagen, daß wir uns diesem
Problem im Hinblick auf beide vietnamesische Seiten gegenübersehen. Das vietnamesische Volk, im Norden wie im Süden, hat nun schon so lange gekämpft, daß
ihm die Risiken und Gefahren des Krieges, so schwer sie auch sein mögen, manchmal erträglicher zu sein scheinen als die Ungewißheiten und die Risiken und
Gefahren des Friedens.
Nun ist es auch kein Geheimnis, daß die Vereinigten Staaten nicht allen
Einwänden zustimmten, die von Saigon erhoben wurden. Insbesondere war die
Haltung der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Waffenruhe im Oktober 1970
klargestellt worden. Sie wurde im Vorschlag des Präsidenten vom 25. Januar 1972
erneut klargemacht und dann im Angebot des Präsidenten vom 8. Mai 1972 wiederholt. In keinem dieser Vorschläge war ein Abzug der nordvietnamesischen Streit-

&gt;4*

�Streitkräfte gefordert worden. Daher konnten wir unseren Verbündeten in
Südvietnam nicht zustimmen, als sie den festgelegten Positionen Bedingungen
hinzufügten, nachdem ein Abkommen erreicht worden war, das diese festgelegten
Positionen widerspiegelte. Wie wir in der Pressekonferenz vom 26. Oktober hier
klargelegt haben und wie der Präsident es in seinen Reden immer wiederholt hat ,
werden die Vereinigten Staaten den Krieg nicht einen Tag länger führen, als
dies nach ihrer Ansicht notwendig ist, um ein Abkommen zu erreichen, das wir
als gerecht und fair erachten.
Wir möchten also keinen Zweifel an der Tatsache lassen, daß, wenn ein
Abkommen erreicht worden ist, das den erklärten Bedingungen des Präsidenten
entspricht, falls ein Abkommen erreicht worden ist, das wir für gerecht ansehen, keine andere Seite ein Veto gegen unsere Maßnahmen haben wird.
Ich bin jedoch auch verpflichtet, Ihnen zu sagen, daß diese Frage heute
hypothetisch ist, weil wir bisher noch kein Abkommen erreicht haben, das der
Präsident für gerecht und fair ansieht. Daher möchte ich Ihnen den Gang der
Verhandlungen darlegen, seit sie am 20. November wieder aufgenommen wurden,
und Ihnen erläutern, wo wir heute stehen.
Die drei Ziele, die wir in diesen Verhandlungen anstreben, wurden in der
Pressekonferenz vom 26. Oktober, in vielen Reden des Präsidenten nach diesem
Zeitpunkt und in jeder Kommunikation mit Hanoi selbst dargelegt. Sie dürften
keine Überraschung dargestellt haben.
Lassen Sie mich nun zuerst ein Wort zu dem Komplex sagen, den wir
"linguistische Schwierigkeiten" nannten und die so bezeichnet werden, um die
Situation nicht anzuheizen. Wie entstanden sie? Sie entstanden, weil die Nordvietnamesen uns ein Dokument auf englisch unterbreiteten, das wir dann mit
ihnen erörterten. An zahlreichen Stellen dieses Dokumentes wurde der ursprüngliche Text im Zuge der fortschreitenden Verhandlungen geändert, und die Formulierungen wurden im Vergleich zu den ursprünglichen häufig abgeschwächt.

-5-

�abgeschwächt. Erst als wir den vietnamesischen Text erhielten, und zwar nach
Abschluß dieser Verhandlungen, stellten wir fest, daß zwar der englische Text,
jedoch nicht der vietnamesische geändert worden war.
So befanden wir uns plötzlich in zwei Verhandlungen ~ in einer über den
englischen Tex. und in einer anderen über den vietnamesischen Text. Obwohl
ich zahlreiche Verhandlungen geführt habe, muß ich doch sagen, daß dies eine
neuartige Prozedur war. Dies führte zu der Ansicht, daß es hierbei vielleicht
doch nicht lediglich um linguistische Schwierigkeiten, sondern um substantielle Schwierigkeiten ging. Nun muß ich sagen, daß alle diese Schwierigkeiten mit
einer Ausnahme beseitigt worden sind. Die zweite Kategorie der Probleme betraf
die Schaffung des internationalen Apparates, damit dieser gleichzeitig mit der
Waffenruhe c

10 Arbeit aufnehmen und eine Situation vermieden werden konnte,

in der die Waffenruhe, statt Frieden zu bringen, eine erneute unsinnige Kette
von Feindseligkeiten auslösen würde.
Zu diesem Zweck unterbreiteten wir also am 20. November, dem ersten Tag
der wiederaufgenommenen Verhandlungen, eine Liste dessen, was wir Protokolle
nannten - technische Instrumente, durch die dieser Apparat ins Leben gerufen
werden sollte. Diese Protokolle - und ich möchte mich nicht auf Einzelheiten
hierüber einlassen » sind normalerweise technische Dokumente, und unsere verfolgten ohne Zweifel das Ziel, den normalen Praktiken zu entsprechen, trotz
der Tatsache, daß dies vier Wochen nach dem Zeitpunkt geschah, an dem wir
klar gemacht hatten, daß dies unser Ziel war, und drei Wochen, nachdem Hanoi
uns gedrängt hatte, ein Abkommen über eine Waffenruhe zu unterzeichnen. Die
nordvietnamesische Seite weigerte sich, unsere Protokolle zu erörtern, und
weigerte sich auch, uns ihre Protokolle zu unterbreiten, so daß wir uns der
Frage der Schaffung des internationalen Apparates nicht zuwenden konnten. Wir
sahen die nordvietnamesischen Protokolle erstmalig am Abend des 12. Dezember
- am Abend, bevor ich Paris verlassen sollte, und sechs Wochen, nachdem wir

-6-

�wir unsere Ziele dargelegt hatten, fünf Wochen, nachdem die Unterzeichnung der
Waffenruhe vorgeschlagen worden war - eine Waffenruhe, die bedingte, daß dieser
Apparat umgehend eingerichtet werden mußte.
Bei diesen Protokollen handelt es sich nicht um technische Instrumente ,
sondern es wird eine ganze Liste von Fragen erneut aufgeworfen, die bereits geregelt worden waren oder von denen wir glaubten, daß sie in dem Abkommen geregelt worden seien. Sie enthielten Bestimmungen,die in dem ursprünglichen Abkommen nicht enthalten waren, und es waren Bestimmungen ausgelassen worden, die in
dem ursprünglichen Abkommen standen. Diese Protokolle werden gegenwärtig von den
technischen Experten in Paris erörtert; aber es wird einiger Anstrengungen bedürfen, die politischen Bestimmungen aus ihnen wieder herauszunehmen und ihnen
wieder einen technischen Status zu geben.
Zweitens kann ich mit Bestimmtheit sagen, daß die nordvietnamesische Vorstellung von einem internationalen Apparat und unsere Vorstellung von einem internationalen Apparat in einem krassen Widerspruch zueinander stehen, und das,
meine Damen und Herren, ist eher noch zu gelinde ausgedrückt.
Wir waren der Auffassung, daß ein wirksamer Apparat praktisch eine gewisse
Bewegungsfreiheit bedingt

und nach unseren Schätzungen wären mehrere tausend

Personen erforderlich gewesen, um die zahlreichen Bestimmungen des Abkommens zu
überwachen. Nach der nordvietnamesischen Vorstellung soll sich die Gesamtstärke
auf nicht mehr als 250 Personen belaufen, von denen die Hälfte in den Hauptquartieren stationiert sein sollte ; damit würden sie, was Nachrichtenverbindungen,
Nachschub und auch die physischen Erfordernisse anbetrifft, völlig von der Partei abhängig sein, in deren Gebiet das Hauptquartier seinen Sitz hat.
So würden sie keine eigenen Jeeps, Telefone und Funkgeräte haben;

die Leute

könnten sich nicht ohne Begleitung von Verbindungsoffizieren der Partei bewegen,
die überprüft werden soll, falls diese Partei überhaupt die Jeeps bereitstellen

�bereitstellen würde, um an den Ort des Verstosses zu gelangen, und falls diese
Partei dann die Übermittlung der Feststellungen zulassen würde.
Wir haben den Eindruck, daß die Mitglieder dieser Kommission sich nicht
überarbeiten würden, falls dieses Verfahren akzeptiert werden würde.
Drittens ist da noch der Inhalt des Abkommens. Die Verhandlungen seit dem
20. November haben praktisch in zwei Phasen stattgefunden. Die erste, drei
Tage dauernde Phase fand in dem Geist und der Haltung der Treffen vom Oktober
statt. Wir legten unsere Vorschläge vor. Einige wurden akzeptiert, andere abgelehnt. Aber am Ende des dritten Tages hatten wir sehr beträchtlichen Fortschritt gemacht, und alle von uns glaubten, daß wir innerhalb von einem oder
zwei Tagen die Vereinbarungen abgeschlossen haben würden. Wir kennen die damals
in Hanoi getroffenen Entscheidungen nicht, doch von diesem Augenblick an hatten
die Verhandlungen den Charakter, daß eine Regelung stets nahezu in Reichweite
war, und daß sie uns immer wieder entzogen wurde, wenn wir danach zu greifen
suchten.
Ich halte es nicht für angebracht, auf die Einzelheiten der spezifischen
Fragen einzugehen, aber ich glaube, ich sollte Ihnen einen Eindruck von der allgemeinen Atmosphäre und den befolgten Verfahren geben.
Als wir am 4. Dezember zurückkehrten, glaubten wir in der amerikanischen Delegation, daß die Treffen nicht länger als zwei oder drei Tage dauern würden,
da nur noch zwei oder drei Fragen zu lösen waren. Sie alle wissen, daß die Treffen neun Tage dauerten. Sie begannen damit, daß Hanoi jede Annäherung zurückzog, die in den vorangegangenen zwei Monaten vereinbart worden war.
So verbrachten wir den Rest der Woche damit, dahin zurückzukehren, wo wir
bereits zwei Wochen zuvor gewesen waren. Am Samstag glaubten wir, daß die Fragen so weit angenähert worden waren, daß, wenn die andere Seite einen bereits
zwei Wochen zuvor vereinbarten Absatz akzeptiert hätte, das Abkommen hätte

�hätte abgeschlossen werden können.
An diesem Punkt beorderte der Präsident General Ha ig nach Washington zurück, so daß er für die dann folgende Mission, das Abkommen unseren Verbündeten
vorzulegen, verfügbar sein würde. An dieser Stelle glaubten wir uns einem Abkommen nahe genug, so daß die Experten zusammenkommen und die Texte aufeinander abstimmten könnten, damit wir nicht erneut auf die sprachlichen Schwierigkeiten stoßen würden, wie wir sie zuvor erlebt hatten, und damit wir sicherstellen konnten, daß die im Englischen ausgehandelten Änderungen auch im
Vietnamesischen enthalten sein würden. Als die Experten zusammentraten, wurden sie mit 17 neuen Änderungen in linguistischer Hinsicht konfrontiert. Als
ich wieder mit dem Sonderberater zusammentraf, waren aus dem einen Problem,
das unserer Ansicht nach für Samstag übrig geblieben war, zwei geworden, und
eine neue Forderung wurde präsentiert. Als wir diese akzeptierten, wurde sie
am nächsten Tag zurückgezogen und noch schärfer gefaßt. So verbrachten wir unsere Zeit damit, die 17 linguistischen Änderungen durchzugehen und sie erneut
auf zwei zu reduzieren.
Dann, am letzten Tag der Zusammenkunft, beauftragten wir unsere Experten,
zusammenzutreten und zu vergleichen, ob die 15 geregelten Änderungen von den
17 ursprünglich vorgeschlagenen jetzt in den beiden Texten gleichlautend waren.
An dieser Stelle wurden wir mit 16 neuen Änderungen konfrontiert, darunter vier
wesentlichen, von denen einige jetzt immer noch ungelöst sind.
Nun, ich möchte nicht auf die Einzelheiten oder Vorzüge dieser Änderungen
eingehen. Die Hauptschwierigkeit, der wir uns jetzt gegenübersehen, ist, daß
die in dem Abkommen bereits geregelten Bestimmungen in den Protokollen erneut
in einer anderen Form erscheinen; daß Fragen der technischen Durchführung,die
in dem Abkommen von Anfang an impliziert waren,rieht angesprochen worden waren
und uns erst am letzten Tage einer Reihe von Sitzungen vorgelegt wurden, die
gerade dazu bestimmt waren, diese Fragen zu diskutieren; und daß, sobald eine

-9-

�V

eine Frage geregelt worden war, eine neue Frage aufgeworfen wurde.
Es war für uns sehr verlockend, den Prozeß fortzusetzen, der allen so
sehr am Herzen lag, wie dies aus den zahlreichen Treffen hervorgeht, und auf
große Fortschritte zu verweisen, aber der Präsident entschied, daß wir dem
amerikanischen Volk nicht ständig Rätsel aufgeben könnten.
Wir befinden uns jetzt in der folgenden merkwürdigen Situation: Großer
Fortschritt war gemacht worden, selbst in den Gesprächen. Was lediglich noch
fehlt, ist eine Entscheidung in Hanoi, die verbleibenden Fragen in einer Form
zu regeln, die bereits zwei Wochen zuvor vereinbart worden war. Wir sprechen
also nicht über eine Prinzipienfrage, die völlig unannehmbar ist.
Das Zweite ist, die erforderliche Arbeit zum Abschluß zu bringen für den
Aufbau des internationalen Apparates in einem solchen Geiste, daß beide Seiten
interessiert sind, den Krieg nicht in einer solchen Weise zu beenden, daß dies
lediglich der Anfang einer neuen Konfliktsrunde ist. Wir befinden uns also in
einer Situation, wo der Friede nahe sein kann, wo der Friede jedoch eine Entscheidung erfordert. Dies ist der Grund, warum wir erneut unsere grundlegende
Haltung darlegen wollen.
Was Saigon anbetrifft, so haben wir Sympathie und Mitgefühl mit der Not
seiner Bevölkerung und den Sorgen seiner Regierung. Wenn wir jedoch ein Abkommen erreichen können, das der Präsident als gerecht erachtet, so werden wir damit voranschreiten.
Was Hanoi anbetrifft, so ist unser grundlegendes Ziel in der Pressekonferenz vom 26. Oktober dargelegt worden. Wir wollen ein Ende des Krieges, das
mehr als ein Waffenstillstand ist. Wir wollen von Feindschaft zu Normalisierung
und von Normalisierung zu Zusammenarbeit gelangen. Aber wir werden keine Regelung eingehen, die nur eine verschleierte Form eines fortdauernden Krieges ist

-10-

�ist und die auf Umwegen das herbeiführt, was wir stets als nicht tolerierbar
erklärt haben-.
Wir haben stets erklärt, daß eine faire Lösung unmöglich jeder Seite das
geben kann, was sie sich wünscht. Wir setzen den Krieg nicht fort, um unseren Verbündeten einen totalen Sieg zu erringen. Wir wollen ihnen eine vernünftige Möglichkeit geben, an einer politischen Struktur teilzuhaben, aber
wir werden nicht eine Regelung eingehen, die einen versteckten Sieg für die
andere Seite bedeutet.
Daher befinden wir uns jetzt an einem Punkt, wo wir vielleicht einem Abkommen wieder näher sind, als wir es Ende Oktober waren, sofern die andere
Seite bereit ist, mit uns in gutem Glauben und gutem Willen zu verhandeln.
Aber es geht nicht an, daß an jedem Tag, an dem eine Frage gelöst wird, eine
weitere aufgeworfen wird, daß eine einmal in einem Abkommen geregelte Frage
erneut in einer Absprache aufgeworfen wird, und wenn sie als solche dann geregelt ist, als Protokoll vorgebracht wird. Wir werden uns nicht zu einem Abkommen erpressen lassen. Wir werden uns nicht aus Panik in ein Abkommen treiben
lassen, und wenn ich es einmal so sagen darf, wir werden uns nicht in ein Abkommen hineinschmeicheln lassen, dessen Bedingungen nicht gerecht sind.
Dem Präsidenten und uns allen, die wir mit diesen Verhandlungen befaßt
waren, hat nichts anderes so viel bedeutet, wie der Versuch, den Krieg in
Vietnam zu beenden. Nichts, was ich getan habe, seit ich mich in dieser Position befinde, hat mich so sehr fühlen lassen, der Treuhänder so vieler Hoffnungen zu sein, wie gerade die Verhandlungen, an denen ich in letzter Zeit
teilgenommen habe. Es war oftmals schmerzlich, an die Hoffnungen der Millionen
zu denken und praktisch an die Hoffnungen von vielen von Ihnen, meine Damen
und Herren, die vor den verschiedenen Tagungsorten warteten und mit bedeutsamen Ereignissen rechneten, während innerhalb dieser Tagungsstätten in den
letzten drei Tagen eine geringfügige Frage nach der anderen aufgeworfen wurde.
So

-11-

�So sagen wir Hanoi jetzt, wir sind bereit, mit den Verhandlungen in dem
Geiste fortzufahren, in dem sie im Oktober aufgenommen wurden. Wir sind bereit, ein Abkommen einzuhalten, das die bedingungslose Freilassung aller amerikanischen und verbündeten Gefangenen vorsieht, das keiner Seite irgendeine
politische Lösung aufzwingt, das eine international überwachte Waffenruhe und
den Abzug aller amerikanischen Truppen innerhalb von 60 Tagen bringt. Eine
solche Regelung ist für beide Seiten gerecht, und dies erfordert lediglich die
Entscheidung, bereits akzeptierte Bestimmungen einzuhalten und Prozeduren zu
beenden, die lediglich die Hoffnungen der Menschheit verhöhnen können.
Auf einer solchen Basis können wir einen Frieden haben, der den Hoffnungen der Menschheit wie auch dem Gerechtigkeitsgefühl aller Beteiligten entspricht.

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51/1972

JOHN A. SCALI SOLL NEUER US-CHEFDELEGIERTER BEI DEN VEREINTEN NATIONEN
WERDEN
WASHINGTON -»(AD)«- Präsident Nixon hat seinen bisherigen Sonderberater
John A. Scali zum neuen Chefdelegierten der USA bei den Vereinten Nationen

nominiert. Er soll die Nachfolge von George Bush antreten, der Vorsitzender
des Nationalen Komitees der Republikanischen Partei wird. Die Ernennung muß
noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Scali bringt für seinen neuen Posten eine fast dreißigjährige Auslandserfahrung mit, die er sich als Journalist von Ruf erworben hat. Bevor er 1971
als Sonderberater in den Stab des Weißen Hauses eintrat, war er zehn Jahre
lang diplomatischer Chefkorrespondent der American Broadcasting Company (ABC)
und davor 17 Jahre lang diplomatischer Berichterstatter der amerikanischen
Nachrichtenagentur Associated Press. Auch als Sonderberater Nixons begleitete er diesen auf vielen Auslandsreisen. So gehörte Scali der Vorausabteilung
an, die den Besuch Nixons in der Volksrepublik China vorbereitete, wobei es
seine Aufgabe war, die Fernsehberichterstattung über diese Reise zu organisieren. Er war auch Mitglied der amerikanischen Delegation beim Gipfeltreffen in Moskau.
Als Reporter hatte Scali sich auf die Berichterstattung über internationale Entwicklungen konzentriert. In dieser Zeit besuchte er fast 80 Länder

-1-

�Länder und war bei allen Auslandsreisen der Präsidenten Eisenhower, Kennedy
und Johnson dabei. Diese Erfahrung veranlasste Außenminister Rogers zu der
Feststellung, daß die Nominierung Scalis das große Interesse Präsident Nixons
an der Weltorganisation manifestiere.
Scali wurde am 27. April 1918 in Canto im Staate Ohio geboren; seine
Eltern sind italienischer Abstammung. Er studierte an der Universität von
Südkalifornien und an der Boston Universität, wo er den Grad eines Bachelor
of Journalism erwarb. Während seiner Tätigkeit als Journalist, die ihn weltweit bekannt machte, wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, so beispielsweise für seine Rolle als inoffizieller Übermittler von Botschaften
zwischen sowjetischen Diplomaten und der amerikanischen Regierung während
der Kuba-Krise des Jahres 1962, die er aufgrund seiner engen internationalen
Kontakte ausüben konnte. Dafür zollte ihm der damalige amerikanische Außenminister Dean Rusk ausdrücklich seinen Dank.
Als amerikanischer Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen hat Scali
den Rang eines Botschafters.

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SONDERPROGRAMM DER FULBRIGHT-KOMMISSION FÜR BILDUNGSEXPERTEN
IM JAHRE 19 73

--(AD)«.» Die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission, die seit 1962
als zwischenstaatliche Einrichtung von beiden Regierungen getragen wird,
hat Stipendien für ein Sonderprogramm in den Bereichen der Bildungsplanung,
der Bildungsreform sowie der Hochschulverwaltung als "Pilot Project" ausgeschrieben. Die Stipendien finanzieren einen zweimonatigen Aufenthalt in
den USA, der Bewerbern mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung in den
genannten Bereichen die Begegnung mit der Vielfalt amerikanischer Modelle
und Verfahren vermitteln und die kritische Auswertung von Erfahrungen erleichtern soll. Für 1973 wird das Schwergewicht des Sonderprogramms auf
die folgenden Themenkreise fallen: Struktur, Organisation und Verwaltung im
tertiären Bereich ("Higher Education") der USA; Bildungsplanung in den USA;
der Übergang von der Sekundarstufe zur Hochschule. Bewerbungsschluß ist am
15. Februar 1973. Antragsformulare und weitere Auskünfte sind erhältlich
beim Executive Director, Fulbright-Kommission, Bonn-Bad Godesberg, Postfach 208. Ein ähnliches Programm für amerikanische Bildungsexperten zum
Aufenthalt in der Bundesrepublik ist in Vorbereitung.

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51/1972

EIN JAHR SMITHSONIAN-ABKOMMEN
Von Eugene Brake

WASHINGTON — ( A D ) — Ein Jahr ist seit dem Abschluß des historischen
Smithsonian-Abkommens am 18. Dezember 1971 verstrichen, das der Welt ein
Chaos im internationalen Handel und Finanzwesen ersparen sollte.
Zum ersten Male war hier auf internationaler Ebene in Verhandlungen
eine allgemeine Neufestsetzung der Wechselkurse vereinbart worden. Und, was
langfristig vielleicht noch wichtiger ist, die zehn hier vertretenen Länder vereinbarten, daß umgehend Gespräche über eine Reform des internationalen Währungssystems aufgenommen werden sollten. Aber auch Vorgespräche
über eine Tagesordnung für Verhandlungen über grundlegende Handelsfragen
wurden vorgesehen.
Ein Jahr ist inzwischen verstrichen. Die Welt hat zwar bisher noch kein
neues Währungssystem erhalten, und es ist auch kein neues Handelssystem ausgearbeitet worden.

Doch haben sich die Finanz-und Handelsminister mit die-

sen Fragen befaßt, und blickt man auf das verflossene Jahr zurück, so ist
ganz offensichtlich, daß Fortschritte erzielt wurden.
Einmal wurde ein neues Gremium für die Ausarbeitung neuer Richtlinien
für die Wechselkurspolitik und andere Aspekte der internationalen Währungsbe-

-1-

�Währungsbeziehungen eingesetzt, in dem neben den wichtigen Industriestaaten
auch die Entwicklungsländer und die kleineren Staaten zu Wort kommen können.
Seine detaillierten Aufträge erhielt dieses Gremium auf der Jahrestagung des
Internationalen Währungsfonds (IWF) im September 1972, und auf der kommenden
IWF-Jahrestagung in Nairobi soll es seine Empfehlungen vorlegen.
Die in diesem Zusammenhang von dem amerikanischen Finanzminister George
Shultz unterbreiteten Vorschläge wie auch die Reaktionen der anderen Länder
hierauf lassen auf ein günstiges Klima bei den Verhandlungen der Stellvertreter des Zwanziger-Ausschusses rechnen, der im Januar zu seiner zweiten Sitzungsrunde in Paris zusammentreten wird.
Aber auch auf anderen Gebieten des internationalen Währungssystems scheint
weitgehende Übereinstimmung zu bestehen. So wird künftig kein Land mehr damit
rechnen können, auf unbegrenzte Zeit hinaus Zahlungsbilanzdefizite oder Überschüsse ausweisen zu können. Defizit-wie auch Überschußländer sollen künftig
auf einen Ausgleich der internationalen Transaktionen hinarbeiten, was ein
deutliches Abweichen von dem System von Bretton Woods bedeutet, das bis zum
15. August 1971 praktisch uneingeschränkt in Kraft war.
Das Smithsonian-Abkommen selbst bedeutet bereits eine Anerkennung dieses
Prinzips. Nunmehr bemühen sich die Länder darum, Richtlinien auszuarbeiten,
die prompte Maßnahmen zur Anpassung von Ungleichgewichten sicherstellen, bevor solche Ungleichgewichte ernstlich die Stabilität der Weltwirtschaft beeinträchtigen können.
Weiterhin besteht allgemeine Übereinstimmung darüber, daß häufigere Anpassungen der Wechselkurse in erster Linie, aber keinesfalls ausschließlich,
ein besseres Gleichgewicht der Geldströme sichern sollen. Daneben, so wird
betont, gibt es auch noch andere Möglichkeiten, um eine weitgehende Stabilität
der Wechselkurse zu gewährleisten. So meinte ein Teilnehmer der letzten Gesprächsrunde der Stellvertreter des Zwanziger-Ausschusses, "es besteht eine

-2-

�eine starke Spannung zwischen dem Wunsch nach Stabilität und dem Wunsch nach
Flexibilität, die es zu überwinden gilt."
Auch andere wichtige Fragen sind noch ungelöst. Welche Kriterien sollten
angewandt werden, um festzustellen, wann ein Land handeln muß? Wie weit können
Druck oder Sanktionen angewandt werden, falls sich ein Land weigert, sich den
vereinbarten Regeln zu beugen? Sollten Länder, falls sie dies wünschen, einen
Teil ihrer Reserven in Dollar halten dürfen? Wie würde das neue Währungssystem
den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer Rechnung tragen? Selbst
die optimistischsten Währungsexperten glauben, daß vor Jahresfrist eine Antwort auf alle diese Fragen gefunden werden kann.
Auf dem Gebiet des Handels war die Vereinbarung der GATT-Partner, im kommenden Jahr eine neue Runde von umfassenden und weltweiten Handelsverhandlungen aufzunehmen mit dem Ziele, alle Arten von Hemmnissen für den Welthandel
-zollursächliche wie auch nicht-zollursächliche- abzubauen, eine wichtige positive Entwicklung. Diese Verhandlungsrunde soll sowohl alle Industrie-wie auch
alle Agrarerzeugnisse aus tropischen wie auch aus nicht-tropischen Gebieten einschließen. Auch hier soll wieder den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer Rechnung getragen werden. Eine Ministertagung im September 1973 soll den
Bericht des Vorbereitungsausschusses prüfen und dann die Verhandlungen in Gang
setzen.
Die Vereinigten Staaten haben die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
von 6 auf 9 Mitglieder unterstützt. Ihre Kritik richtet sich jedoch gegen die
besonderen Handelsvereinbarungen, die die Gemeinschaft mit zahlreichen Nicht-Mitgliedern in Europa, Afrika und dem Mittelmeerraum ausgehandelt hat. In den
meisten Fällen handelt es sich hier um Präferenzabkommen, und die Vereinigten
Staaten wenden sich im besonderen gegen die Gegenpräferenzen,die die Entwicklungsländer dafür einräumen sollen.
Für

-3-

�Für manche Amerikaner hat es den Anschein, als ob die Europäische Gemeinschaft im Begriffe steht, einen riesigen diskriminierenden Handelsblock

zu

errichten, der für die europäischen Industrieexporte auf Kosten der wenigen
außenstehenden Industriestaaten - etwa die USA, Kanada, Japan und Australien einen abgeschirmten Absatzmarkt schaffen würde. Von europäischer Seite sind
solche amerikanischen Einwendungen als unwesentlich zurückgewiesen worden, wobei die Ausweitung ihres Netzes von besonderen Handelsvereinbarungen für die
Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft als notwendig oder aus politischen
Gründen als wünschenswert bezeichnet wurde. In jüngster Zeit mehren sich aller
dings die Anzeichen, daß die EWG bereit sein könnte, den Auswirkungen ihrer
Maßnahmen auf Drittländer mehr Beachtung zu schenken.
In einer Stellungnahme zu dem Treffen der führenden Staatsmänner der neun
länder der erweiterten Europäischen Gemeinschaft hat Präsident Nixon ausdrücklich "die erklärte Absicht der Gemeinschaft begrüßt, mit uns in einem progressiven, aufgeschlossenen Dialog zu bleiben, sowie ihre Verpflichtung zu einer
progressiven Liberalisierung der tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken auf einer umfassenden Basis während der wichtigen multilateralen Verhandlungen, die im nächsten Jahr beginnen sollen". Und der Präsident fügte hinzu,
daß die Vereinigten Staaten bereit seien, "zusammen mit unseren europäischen
Partnern kühne Maßnahmen für eine gerechtere und offenere Weltwirtschaft zu
ergreifen."

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51/1972

1972 BRACHTE NACHHALTIGEN WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG FÜR DIE USA
Von John Holway

WASHINGTON _-(AD)-~ Das Jahr 1972 hat für die amerikanische Wirtschaft einen
nacbba] r.i.gan Aufschwung gebracht. Wenn auch nicht alle gesteckten Ziele voll
erreicht sind, so müssen selbst die Kritiker der Regierung das zugestehen,
während die maßgeblichen Wirtschaftsindikatoren dies eindeutig zeigen.
Die industrielle Produktion hatte eine starke Zunahme zu verzeichnen, und
die Auslastung der vorhandenen Kapazitäten war - nach den letzten verfügbaren
Zahlen - mit 80 Prozent recht hoch. Die Zahl der Beschäftigten erreichte einen
Rekordstand, obwohl die Arbeitslosenquote mit 5,2 Prozent noch immer relativ
hoch ist. Die Wochenlöhne der Arbeitnehmer sind weiter gestiegen, und die Regierung hat die Preise in den Griff bekommen. Allerdings liegt die Preisauftriebsrate mit 3,4 Prozent im Oktober immer noch etwas über dem von der Regierung für 1972 angestrebten Ziel von 3 Prozent.
Finanzminister GeorgeShultz faßte die wirtschaftliche Entwicklung des auslaufenden Jahres mit den Worten zusammen: "Wir sind außerordentlich zufrieden.
Die Anzeichen sprechen eindeutig dafür, daß wir uns in einer soliden, starken
Expansion befinden."

Und diese Entwicklung, so fügte Shultz hinzu, dürfte

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�i

dürfte auch 1973 anhalten.
Allerdings ist man sich in Regierungskrisen der noch nicht voll gelösten
Aufgaben voll bewußt. Wenn auch die Arbeitslosenquote von 6 Prozent auf 5,2
Prozent im November gefallen ist - die Regierung wollte sie bis zum Jahresende
auf 5 Prozent herabgedrückt haben -, so ist dieses Ergebnis noch lange nicht
befriedigend. Zwar wurden 1972 rund 2,7 Millionen neue Arbeitsplätze in der
Wirtschaft geschaffen - eine Million mehr als in einem normalen Jahr - aber dafür wurden in der Verteidigungsindustrie Arbeitskräfte freigesetzt, und das verfügbare Arbeitskräftepotential nahm doppelt so stark wie üblich zu. In Regierungskreisen rechnet man allerdings damit, daß das Arbeitskräftepotential 1973
nicht mehr so stark ansteigen wird und die Arbeitslosenquote damit auf etwa
4,5 Prozent zurückgehen dürfte.
Ein weiteres Problem ergibt sich auf dem Außenhandelssektor. Nach der
Dollarabwertung im Januar erwartete man in Regierungskreisen kurzfristig eine
Zunahme des Handelsdefizit. Aber erst im Oktober 1972 begann dieses Handelsdefizit wieder zu schrumpfen; die Exporte lagen in diesem Monat sogar doppelt so
hoch wie die Importe. Für das Gesamtjahr ergibt sich jedoch immer noch ein beträchtliches Handelsdefizit. Die Verbesserung der Handelsbilanz im Oktober ist
nach Ansicht der Regierung auf drei Faktoren zurückzuführen. Einmal beginnt die
Neufestsetzung der Wechselkurse aufgrund des Smithsonian-Abkommens jetzt durchzuschlagen. Zum anderen hat die wirtschaftliche Erholung in den anderen Ländern
die Nachfrage nach amerikanischen Erzeugnissen belebt

Und drittens hat die

Sowjetunion große Mengen amerikanischen Weizens angekauft.
Die amerikanische Zahlungsbilanz wies allerdings nicht die gleiche Verbesserung wie die Handelsbilanz auf. Ein Grund dafür waren die Spekulationen gegen das britische Pfund„ Aber seit Juli hat sich der US-Dollar an den internationalen Geldmärkten wesentlich gefestigt. Und die Zahlungsbilanzzahlen für das

-2-

�das dritte Quartal 1972 lassen erkennen, daß das Defizit in der Bilanz der Güter und Dienstleistungen gegenüber dem vorangegangenen Quartal - von 1,6 Milliarden Dollar auf weniger als 900 Millionen Dollar - beträchtlich zurückgegangen
ist. Aufgrund der sonstigen Kapitalflüsse steckt die amerikanische Zahlungsbilanz jedoch weiterhin noch tief in den roten Zahlen.
Ein weiteres Problem bildete der Preisauftrieb. Bis zum Jahresende war die
Regierung dem angestrebten Ziel - einen Preisauftrieb von rund 3 Prozent - beträchtlich nahe gekommen. Die Statistiken für Oktober zeigen eine Zuwachsrate
von 3,4 Prozent - verglichen mit einem Preisauftrieb von fast 6 Prozent Anfang
1970 ist dies ein beträchtlicher Fortschritt. Damit haben die USA die niedrigste Preisauftriebsrate in der nichtkommunistischen Welt zu verzeichnen - ja,
sie liegt nur etwa halb so hoch wie in den europäischen Ländern. Ganz offensichtlich haben die von Präsident Nixon angeordneten Lohn-und Preiskontrollen
sich bewährt, ohne die nach Ansicht führender Experten der Preisauftrieb in den
Vereinigten Staaten 1972 wenigstens fünf Prozent betragen haben würde. Einige
dieser Kontrollen sollen auch über den 30. April 1973 - wenn das gegenwärtige
Gesetz ausläuft - beibehalten werden.
Aber auch die Reallöhne der Arbeitnehmer sind gestiegen, was zu einer Zunahme der Verbraucherausgaben um fast zehn Prozent geführt hat. Die Kreditkäufe
erreichten sogar neue Rekorde, und die Geschäftsinhaber sind mit dem Weihnachtsgeschäft sehr zufrieden. Die Autoindustrie nähert sich einem Rekordumsatzjähr,
und immer mehr Familien haben drei Wagen laufen. Dabei fällt auf, daß wieder
mehr Käufer von ausländischen Modellen zu amerikanischen Wagen übergehen. Nach
Ansicht der Automobilindustrie wird das Jahr 1973 sogar noch besser werden.
Auch die Gewinne der großen Unternehmen zeigten eine deutliche Tendenz nach
oben - zum Teil betrug der Anstieg bis zu 15 Prozent. Allerdings wirkten sich
hier die Lohn-und Preiskontrollen dämpfend aus. Ganz wesentlich hat sich auch
die Produktivität erhöht, was zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit

-3-

�1
V

Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse auf den Weltmärkten führte. So
wird auch das Bruttosozialprodukt das von der Regierung angestrebte Ziel von
6 Prozent deutlich übersteigen - die Zuwachsrate im zweiten Quartal war mit 9,5
Prozent die höchste für diesen Zeitraum seit 13 Jahren. Nach übereinstimmender
Ansicht der Experten dürfte für 1972 mit einem Zuwachs des Bruttosozialproduktes
um real 7 Prozent zu rechnen sein, was die höchste Zuwachsrate seit 1966 wäre.
Eine weitere Sorge der Bundesregierung gilt dem Haushalt, dessen Ausgaben
250 Milliarden Dollar nicht übersteigen sollen. Damit, so glaubt man, erhält
die Wirtschaft weiterhin genügend Auftrieb ohne das Risiko einer erneuten Inflation. Der Kongreß hatte für das laufende Finanzjahr gegen das Veto des Präsidenten sogar 6 Milliarden Dollar mehr als angefordert bewilligt. Der Präsident will
jedoch dieses Geld nicht ausgeben, sondern bei seinen eigenen Ansätzen bleiben.
So kann Finanzminister Shultz mit Recht zum Jahresende sagen, daß die Wirtschaft weiterhin über starke Auftriebskräfte verfügt und die derzeitige Expansion
uneingeschränkt anhalten wird.

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APOLLO 17:
SONDER-BONUS FÜR DIE WISSENSCHAFT
-Die automatischen Meßstationen liefern noch jahrelang Forschungsdaten-

--(AD)o- Den jungen Menschen der Welt widmeten die APOLLO 17-Astronauten einen
•&gt;

von Dr. Harrison Schmitt gefundenen Stein aus dem Taurus Littrow-Gebiet als
ein Symbol für die Vielfalt in der Einheit. In dem Wunsch, daß die Menschheit
ihre Zukunft in diesem Sinne gestalten möge, stehen Eugene A. Cernan, Harrison
H. Schmitt und Ronald E. Evans, die den letzten APOLLO-Flug zum Mond unternahmen, gewiß nicht allein.
Kommandant Eugene Cernan beschrieb den mehr als faustgroßen Stein als
typisch für das aus verschiedensten Bestandteilen zusammengesetzte Material,
das sie im Landegebiet fanden. Der Stein wird nach der glücklichen Rückkehr
zur Erde aufgeteilt und Museen in den 79 Ländern zum Geschenk gemacht, die
junge Menschen für 14 Tage nach den Vereinigten Staaten entsandt hatten, damit
sie Zeuge des letzten Mondfluges würden.
Die sechste und letzte APOLLO-Gruppe, die eine Mondlandung unternahm,hält
in bezug auf wissenschaftliche Informationen, Bodenproben und Fotos vom Mond
den Ausbeuterekord. Die Astronauten benutzten und installierten eine ganze

-l-

�ganze Anzahl neuer und noch besserer Meß-und Beobachtungsinstrumente als ihre
Vorgänger. Zwar sind Boden-und Gesteinsproben vom Erdtrabanten heute nichts
Seltenes mehr auf der Erde. Zu den 269 kg, die die Expeditionen APOLLO 11,
12,14,15 und 16 erbrachten, kamen jetzt weitere 113 kg hinzu. Um alles mitnehmen zu können, hatten Cernan und Schmitt ihre Fähre CHALLENGER für den
Rückstart zum Mutterschiff sogar um mehr als 10 kg überladen.
Die zweieinhalb Zentner Material aus dem Taurus-Littrow-Gebiet enthalten höchstwahrscheinlich Dokumente sowohl aus der ältesten als auch aus der
jüngsten Mondgeschichte. Vielleicht liefern sie außerdem Beweise für vulkanische Aktivität und für die Existenz von Wasser auf dem Mond - in welcher
Form auch immer es vorhanden gewesen sein mag oder sogar noch vorhanden ist.
Die Sensation des Fluges von APOLLO 17 dürfte orangefarbener Sand und
Gestein mit orange und braun gefärbten Adern sein, die Eugene Cernan und
Jack Schmitt bei der zweiten Exkursion fanden. Dabei könnte es sich um Mineralien handeln, die durch Oxydationsprozesse unter Beteiligung von Wasserdampf bei vulkanischen Vorgängen entstanden. Es wäre denkbar, daß die beiden
auf Überreste dessen stießen, was man auf der Erde als "Fumarolen" bezeichnet. Sie entstehen in der Endphase von Vulkanausbrüchen und stellen eine Art
Ventil dar, aus dem Gase und Dämpfe entweichen. Allerdings werden erst die
Untersuchungen in den Laboratorien zeigen, ob die Vermutung richtig war.
Verständlicherweise galt die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit nach
der Landung von CHALLENGER den beiden schwer arbeitenden Astronauten im TaurusLittrow-Gebiet. Ronald E. Evans, der mehr als 75 Stunden allein im AP0LL0Mutterschiff den Mond umkreiste, war fast vergessen. Dennoch dürften die Fotos
und die Beobachtungen, die er auf der Vorder-und Rückseite des Mondes machte,
die Meßdaten der Radarsonde und der Infrarot-und Ultraviolett-Sensoren am
Mutterschiff für die wissenschaftliche Analyse mindestens ebenso wichtig wie
die Beobachtungen und die Mitbringsel des Landeteams sein.
Der

�Der Fund im Landegebiet hatte die Astronauten alarmiert, ihren Blick
für Farben vielleicht noch mehr geschärft. Auch Evans entdeckte aus der Umlaufbahn vor allem auf der Mondrückseite orangerote und braune "Flecke"
- Beobachtungen, die der Geologe Schmitt nach der Rückkehr zur AMERICA bestätigte. Außerdem machte der Pilot der Kommandokapsel auf der Rückseite des
Mondes eine Anzahl von Gebilden aus, bei denen es sich wahrscheinlich um Vulkankegel handelt. Die sensationellen Fernsehbilder von einem Teil der Rückseite und vom Südpolgebiet des Mondes, die die Astronauten bei Beginn ihres
Rückfluges zur Erde funkten, vertieften und ergänzten auf eindrucksvolle
Weise das Bild vom Mond, das man sich nun auf der Erde dank des APOLLO-Unternehmens machen kann.
Zu den jetzt vorhandenen Informationen kommen aber noch ständig neue hinzu - nämlich die Meßdaten von den fünf Stationen mit ihren automatisch arbeitenden Instrumenten, die auf der Vorderseite bei den APOLLO»Landungen installiert wurden. Mit Ausnahme eines Magnetometers am Landeplatz von APOLLO 12
arbeiten alle 25 Instrumente einwandfrei. Selbst am Landeplatz von APOLLO 11
ist noch ein Gerät benutzbar. Es ist ein Quarzprismen-Reflektor für LaserStrahlen, die von der Erde aus auf diesen Spiegel gerichtet werden. Diese Experimente dienen einmal der genauen Entfernungsmessung von Erde und Mond. Zum
anderen aber machen sie es möglich, Abstände auf der Erdoberfläche auf Dezimeter, ja Zentimeter genau zu bestimmen.
Von den Signalen der Instrumente an den Mond-Meßstationen im Meer der
Stürme, im Fra Mauro-Gebiet, am Fuß des Apennin-Gebirges, im Descartes-Hochland und im Taurus-Littrow-Gebiet erwarten die Wissenschaftler Informationen
zur Klärung einer Vielzahl von Fragen. Sie betreffen z.B. Magnetfeld, Temperaturen und Wärmefluß im Untergrund, Mondbeben und Reflexion von Bebenwellen
an inneren Schichten des Mondkörpers, Atmosphäre des Mondes, kosmische Strahlung und Mikrometeoriten, Gezeitenbewegungen des Mondkörpers und Gravitationswellen im Kosmos.
Drei

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�Drei Erdstationen - in Kalifornien, Australien und Spanien - fangen die
Signale auf. Keines geht verloren, gleichgültig, welche Seite die Erde dem
Mond gerade zuwendet. Alle Funksignale werden hier auf Magnetband aufgenommen
und per Luftpost sofort zum Raun.fahrtzentrum Houston (Texas) weitergeleitet.
Computer verarbeiten die Daten, Wissenschaftler analysieren sie. Gelegentlich ist es auch erforderlich oder wünschenswert, Meßdaten direkt vom Mond
in den wissenschaftlichen Beobachtungsraum von Houston zu übertragen. Auch
das ist möglich und wird recht häufig getan. Kopien der Meß~und Auswertungsstreifen gehen kostenlos an die Wissenschaftler in vielen Ländern, die sich
bei der NASA als offizielle Mitarbeiter um die Überlassung von Material beworben haben.
Pro Tag kommen durchschnittlich vier neue Rollen je 750 m langer Magnetbänder zu der schon bestehenden Sammlung hinzu - ca. 15 00 Rollen pro Jahr.
Jeder Zentimeter Band enthält 320 "Bits", d.h. Einzel Informationen für den
Computer. Bei der Analyse wurde bisher noch wenig unternommen, um die Auswertung in bezug auf die verschiedensten Gebiete zu koordinieren und Einzelbeobachtungen in Zusammenhang zu bringen. Eine solche "Synthese" erfordert wahrscheinlich viel Zeit. Aber sie wäre nach Meinung der Forscher geeignet, zu
neuen wichtigen Entdeckungen zu führen.

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KALZIUMBESTIMMUNG IM BLUTSERUM

--(AD)-- Eine Methode mit hoher Meßgenauigkeit zur raschen Ermittlung des
Kalziumspiegels im Blutserum entwickelten in den Vereinigten Staaten Wissenschaftler von acht klinischen Laboratorien in Zusammenarbeit mit dem US-Bundesamt für Technische Normen (NBS-National Bureau of Standards). Sie basiert
auf der spektrometrischen Absorptionsmethode von J. Pybus, F.J.Feldman und
G.N.Bowers, jr. Wie jetzt das National Bureau of Standards bekanntgab, konnte das Verfahren zu einer Referenz-Methode ausgebaut werden, mit der die
Konzentration bestimmter Stoffe bezw. die Eigenschaften einer Substanz bis
zu einem exakt definierten Genauigkeitsgrad ermittelt werden.
Bei der Anwendung dieses Verfahrens ist es möglich, den Kalziumgehalt
einer Lösung oder des Blutserums auf plus minus zwei Prozent genau in Konzentrationen von 3-6mVal/l (6-12 mg % Ca) zu messen; das gilt auch dann, wenn
das Präparat physiologische Mengen von Natrium und Kalium enthält. Die beim
Menschen als normal angesehene Konzentration liegt innerhalb dieses Bereiches
Abweichungen davon, insbesondere erhöhte Kalziumwerte, können ein Alarmzeichen für das Vorhandensein schwerer Erkrankungen, z.B. einer Überfunktion
der Nebenschilddrüsen,sein, die eine sofortige Operation erforderlich
machen.
Mit

�r

Mit Hilfe der neuen Referenz-Methode ist es möglich, die Genauigkeit und
Brauchbarkeit von Messungen zu überprüfen, die in der ärztlichen Praxis mit
Routineverfahren erzielt werden. Aufgrund derartiger Vergleiche sind Fehlraessungen oder Ungenau'igkeiten zu eliminieren oder zumindest ausfindig zu machen.
Hauptzweck der Referenz-Messung ist unter anderem:
- den absoluten Kalziumwert in Kontrollseren oder Mischseren zu ermitteln;
• die Kalziumwerte zu kontrollieren, die in den klinischen Fertigpackungen
angegeben sind;
- die Qualität von Kalzium-Normallösungen nachzuprüfen und die Genauigkeit
der zahlreichen Methoden zur Messung des Kalziumspiegels sicherzustellen.

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LASER- NAC HR IC HTENS YS TEME

--(AD)-- Die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (National Science Foundation-NSF) vorgab an 20 Ingenieure und Wissenschaftler, die an 14 der bekanntesten amerikanischen Universitäten und Instituten tätig sind, Forschungsaufträge zur "Entwicklung optischer Kommunikationssysteme". Im Mittelpunkt der Projekte wird die Laser-Technik stehen.
Es ist möglich, den Laser-Strahl zu modulieren und zur Übermittlung von
Daten und anderen Informationen zu benutzen. Und da solche Systeme sehr große
Bandbreiten haben, besteht Aussicht, mit Laser-Strahlen ein Vieltausendfaches
an Informationen im Vergleich zu der Trägerkapazität der heute üblichen elektromagnetischen Wellen zu übermitteln, wie sie für Funk und Fernsehen verwendet werden.
Im Hintergrund des neuen NSF-Projekts steht der wachsende Bedarf an
Nachrichtenkanälen und Frequenzen. Zwar bieten die äußerst leistungsfähigen
Bänder im Mikrowellen-und Millimeterbereich vorläufig einen Ausweg aus einer
immer kritischer werdenden Situation. Jedoch ist die Zukunft der Nachrichtentechnik ohne Systeme nicht denkbar, bei denen mit Photonen gearbeitet wird-

�</text>
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DOKU mefltOtiOn

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Nummer

50

Inhalt

Dezember

u

1972

DOKUMENTATION:
Präsident
-Wortlaut

Nixon e r n e u e r t a m e r i k a n i s c h e E u r o p a - G a r a n t i e
d e s S c h r e i b e n s a n d e n NAT0~Rato

INFORMATION:
F r e d e r i c k B. Dent a l s n e u e r a m e r i k a n i s c h e r H a n d e l s m i n i s t e r

vorgesehen

James T . Lynn zum M i n i s t e r f ü r Wohnungsbau u n d S t ä d t e p l a n u n g

nominiert

Claude S. Brinegar s o l l a m e r i k a n i s c h e r Verkehrsminister^ werden
D r . E a r l L . Butz w e i t e r h i n L a n d w i r t s c h a f t s m i n i s t e r
Rogers C.B.Morton w i r d I n n e n m i n i s t e r
Richard Kleindienst

d e r USA

d e r USA b l e i b e n

bleibt amerikanischer

Justizminister

HINTERGRUNDMATERIAL:
USA b e t r ä c h t e n NATO^-Konferenz a l s e r f o l g r e i c h
Von P e t e r K a r e g e a n n e s
WIRTSCHAFT:
P r ä s i d e n t Nixon o r d n e t S o f o r t m a ß n a h m e n
P r e i s a u f t r i e b s an
US-Wirtschaftsbeirat
friedigt

z u r w e i t e r e n Eindämmung d e s

über w i r t s c h a f t l i c h e

E n t w i c k l u n g im November b e -

US-Handelskammer h o f f t a u f w e i t e r e H a n d e l s l i b e r a l i s i e r u n g
-Von u n s e r e m W i r t s c h a f t s k o r r e s p o n d e n t e n WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Nach APOLLO 1 7 : I r d i s c h e P r o b l e m e h a b e n V o r r a n g
Von W a l t e r F r ö h l i c h
Darmgrippe-Erreger
~US..Wissenschaftler
Drüsensekret

gefunden?
isolierten

Kleinstvirus-

a u s dem G e h i r n b e e i n f l u ß t

Depressionen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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50/1972

PRÄSIDENT NIXON ERNEUERT AMERIKANISCHE EUROPA-GARANTIE
-Wortlaut des Schreibens an den NATO-Rat-

BRÜSSEL —(AD)-- Präsident Nixon hat in einem Schreiben an den Nordatlantikrat erneut versichert, daß die Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte in
Europa aufrechterhalten und verbessern und sie nicht verringern werden, sofern die andere Seite nicht entsprechende Schritte ergreift. Das von dem
amerikanischen Außenminister William P. Rogers am 7. Dezember vor den NATOMinistern verlesene Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Wenn wir jetzt dem Jahre 1973 entgegengehen, stehen wir am Beginn von
Verhandlungen, die uns einem dauerhaften Frieden näher bringen können, der
das Ziel des nordatlantischen Bündnisses ist:
-- Es haben Sondierungen für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa begonnen.
-- Es werden in Kürze Sondierungen bezüglich beiderseitiger und ausgewogener Truppenreduzierungen beginnen.
-- Bilaterale Gespräche zwischen einzelnen Verbündeten und Mitgliedern
des Warschauer Paktes über Fragen der Sicherheit und des Friedens
dauern an.
Diese

�Diese Aussichten auf Frieden müssen jedoch auf einer Grundlage fortdauernder militärischer Bereitschaft basieren. Diese konkurrierenden Anforderungen stehen im Wettstreit miteinander um die begrenzten Haushaltsmittel, die jedem einzelnen Verbündeten zur Verfügung stehen. Unsere Völker geben immer mehr den berechtigten innenpolitischen Erfordernissen einer
demokratischen und modernen Gesellschaft nach, während gleichzeitig die
Kosten einer modernen und verbesserten Verteidigung steigen.
Das wird die Stärke und Dynamik dieses Bündnisses auf eine Bewährungsprobe stellen, unsere geraeinsame Verteidigung in solchen Zeiten aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Aber diese Aufgabe muß bewältigt werden.
Was uns anbetrifft, so erneuern die Vereinigten Staaten ihr feierliches
Versprechen, daß wir bei einer entsprechenden Haltung unserer Verbündeten
unsere Streitkräfte in Europa aufrechterhalten und verbessern und sie nicht
verringern werden, es sei denn, unsere Gegner ergreifen entsprechende
Schritte.
Wir blicken auf Sie - auf Sie alle -, daß Sie die beachtlichen Anstrengungen fortsetzen, die Sie unternommen haben, um einen größeren Teil der
Lasten der gemeinsamen Verteidigung zu übernehmen. Auf seine eigene Weise
muß jeder Verbündete sicherstellen, daß sein Volk die fundamentalen Zusammenhänge versteht, die zwischen einer militärisch starken NATO und erfolgreichen
Verhandlungen bestehen. Ohne dieses Verständnis und ohne die Unterstützung
unserer Völker kann dieses Bündnis nicht überleben. Wenn Sie dies bedenken,
so bin ich zuversichtlich, daß die Staatsmänner und die freien Völker des
nordatlantischen Bündnisses weiterhin unverminderte Verteidigungsanstrengungen jedes einzelnen Mitgliedes unterstützen werden."

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50/1972

FREDERICK B. DENT ALS NEUER AMERIKANISCHER HANDELSMINISTER VORGESEHEN

WASHINGTON —(AD)-- Als neuen Handelsminister der Vereinigten Staaten hat
Präsident Nixon den Industriellen Frederick B. Dent vorgeschlagen. Dent,
dessen Nominierung der Bestätigung durch den amerikanischen Senat bedarf,
soll die Nachfolge von Peter G. Peterson antreten, der das Amt des Handelsministers am 27. Januar 1972 übernommen hatte.
Peterson wird temporär den Posten eines Sonderbeauftragten des Präsidenten übernehmen und nach einer Informationsreise durch Europa und Asien
- und möglicherweise auch Lateinamerika - Vorschläge für eine bessere Koordinierung der Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten und der wichtigsten Handelspartner der USA ausarbeiten.
Frederick Baily Dent wurde am 17. August 1922 in Cape May im Staate
New Jersey geboren und schloß 1943 seine Studien an der Yale-Universität
ab. Von 1943 bis 1946 diente er in der Reserve der US-Marine.
Anschließend ging er in die Wirtschaft und spielte eine bedeutende
Rolle in der Textilindustrie. Er war Direktor der Firma Joshua L. Baily
&amp; Co. in New York und übernahm 1947 die Textilfirma Mayfair Mills _in

-1«

�in Arcadia im Staate South Carolina als Präsident. Daneben hatte er Direktoren-und Aufsichtsratsposten in mehreren anderen großen Unternehmen, darunter der National Bank von South Carolina, inne.
Dent gehört mehreren bedeutenden Textilindustrieverbänden an und ist
Treuhänder des Instituts für Textiltechnik.
Er ist verheiratet und hat zwei Söhne und drei Töchter.

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50/1972

JAMES T. LYNN ZUM MINISTER FÜR WOHNUNGSBAU UND STÄDTEPLANUNG
NOMINIERT

V/ASHINGTON — ( A D ) — Der bisherige Staatssekretär im amerikanischen Handelsministerium, James T. Lynn, soll in der zweiten Amtsperiode Präsident
Nixons das Ministerin» für Wohnungsbau und Städteplanung übernehmen. Dies
gab das Weiße Haus am 5. Dezember bekannt. Er wird die Nachfolge von
George Romney antreten, der aus der Regierung ausscheiden will. Die Ernennung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden, wenn dieser im
Januar nächsten Jahres wieder zusammentritt.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, wies im Zusammen«
hang mit der Nominierung Lynns auf die jüngsten Erklärungen Präsident Nixons
hin, daß während der nächsten vier Jahre auf innenpolitischem Gebiet große
Fortschritte erzielt werden müßten. Schon während der Amtszeit Romneys seien
wichtige Erfolge erreicht worden, und man erwarte, daß sich diese Entwicklung unter der Amtsführung von Lynn fortsetzen werde.
Lynn, der 45 Jahre alt ist, ist von Hause aus Anwalt. Im Jahre 1969
verließ er eine Anwaltsfirma in Cleveland im Staate Ohio und trat ins amerikanische Handelsministerium ein. Er war zunächst als Rechtsberater dieses
Ministeriums tätig und übernahm im April 1971 den Posten eines Staats-

�Staatssekretärs. Lynn war maßgeblich an den Handelsverhandlungen mit der
Sowjetunion beteiligt und gehörte neben Handelsminister Peterson zu der
amerikanischen Delegation, die die während der Moskauer Gipfelkonferenz
unterzeichnete Erklärung über die amerikanisch-sowjetischen Handelsbeziehungen ausarbeitete. Er war ferner an führender Stelle an den späteren Verhandlungen beteiligt, die zu einem umfassenden Handelsabkommen zwischen beiden
Ländern führten.

Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von James T.
Lynn zur Verfügung.

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50/1972

CLAUDE S.BRINEGAR SOLL AMERIKANISCHER VERKEHRSMINISTER WERDEN
WASHINGTON --(AD)— Zum neuen amerikanischen Verkehrsminister während seiner
zweiten Amtsperiode hat Präsident Nixon am 7. Dezember den 46-jährigen
Industriellen Claude S. Brinegar nominiert. Er soll die Nachfolge von John A.
Volpe antreten, der die Vereinigten Staaten künftig als Botschafter in Italien
vertreten wird. Die Nominierung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt
werden.
Brinegar kommt aus der Ölindustrie. Er trat 1952 in die Union Oil Company
ein, in der er verschiedene hohe Posten - zuletzt den eines Vizepräsidenten innehatte. Außerdem gehört er dem Direktorium des American Petroleum Institute
an.
Zuvor hatte Brinegar an der Stanford-Universität (Kalifornien) studiert
und promoviert. Zu Anfang der fünfziger Jahre arbeitete er als Forschungsassistent am Food Research Institute in Stanford und war für verschiedene
Universitäten tätig.
Brinegar wurde am 16. Dezember 1926 in Rockport im Staate Kalifornien geboren. Von 1945 bis 1947 diente er in der US-Armee als Heeresflieger.
Brinegar ist verheiratet und hat drei Kinder.

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50/1972

DR. EARL L. BUTZ WEITERHIN LANDWIRTSCHAFTSMINISTER DER USA

WASHINGTON --(AD)-- Der bisherige Landwirtschaftsminister der Vereinigten
Staaten, Dr. Earl L. Butz, ist von Präsident Nixon in seinem Amt bestätigt
worden. Butz war im November 1971 anstelle von Clifford M. Hardin an die
Spitze des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums berufen worden.
Während seiner bisherigen Tätigkeit hat sich Butz für die Erhaltung
einer gesunden Struktur der amerikanischen Farmen eingesetzt und sich gegen
die Landflucht ausgesprochen.
Am 3. Juli 1909 auf einer Farm in Albion im Staate Indiana geboren,
studierte Earl L. Butz an der Purdue-Universität in Lafayette, Indiana, wo
er 1937 zum Dr. phil.(Ph.D.) promovierte. Er nahm dann eine Lehrtätigkeit
an dieser Universität an; von 1946 bis 1954 leitete er das Agrarwissenschaftliche Institut. Anschließend wurde er von Präsident Eisenhower als Staatssekretär in das Landwirtschaftsministerium nach Washington berufen. Im Jahre
1957 kehrte er an die Purdue-Universität als Dekan der Landwirtschaftlichen
Fakultät zurück.
Im Jahre 1968 wurde er Leiter der Abteilung für weiterführende Bildung
und Vizepräsident der Purdue-Forschungsstiftung. Dr. Butz leitete auch die

�die amerikanische Delegation auf den Konferenzen der Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen in Rom in den Jahren
1955 und 1957.
Als Landwirtschaftsexperte hat sich Dr. Butz einen internationalen Ruf
erworben und 30 Länder in fünf Kontinenten besucht. Er ist Autor zahlreicher
Publikationen auf seinem Fachgebiet.
Dr. Butz ist verheiratet und hat zwei Söhne.

4-H-f

Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Dr. Earl L.
Butz zur Verfügung.

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ROGERS C.B. MORTON WIRD INNENMINISTER DER USA BLEIBEN

WASHINGTON --(AD)— Präsident Nixon hat im Zuge der Reorganisation seines
Kabinetts für die zweite Amtsperiode den bisherigen Innenminister der Vereinigten Staaten, Rogers CfB. Morton, in seinem Amt bestätigt.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, gab am 5. Dezember bekannt, daß Innenminister Morton nach Auffassung des Präsidenten die
"starken und nachdrücklichen Führungsqualitäten" bewiesen habe, wie sie für
ein Amt von so weitreichendem sachlichen Umfang notwendig seien. Zum Zuständigkeitsbereich des amerikanischen Innenministers gehören vor allem
die Erschließung und Erhaltung der Bodenschätze und natürlichen Hilfsquellen der USA, während Polizei und innere Sicherheit der Aufsicht des Justizministeriums unterliegen.
Rogers C.B. Morton wurde am 19. September 1914 in Louisville im Staate
Kentucky geboren. Nach dem Studium an der Yale-Universität, das er 1937
mit dem Grad eines Bachelor of Arts abschloß, und dem Einsatz auf dem europäischen Kriegsschauplatz als Hauptmann, trat er 1946 als Vizepräsident in
ein familieneigenes Mühlen-und Nahrungsmittelunternehmen in Louisville
ein. Zwei Jahre später zum Präsidenten der Firma bestellt, vollzog er 1956
deren Fusion mit einem Großkonzern. Nach einer einjährigen Tätigkeit als

-1-

�a l s V i z e p r ä s i d e n t der D a c h g e s e l l s c h a f t w u r d e er 1952 in d e r e n A u f s i c h t s rat b e r u f e n . Er erwarb noch im g l e i c h e n Jahr eine Farm in der N ä h e von E a t o n ,
M a r y l a n d , w o er sich v o r allem der V i e h z u c h t w i d m e t e .
Im Jahre 1962 bewarb sich M o r t o n , Bruder des b e k a n n t e n E x - S e n a t o r s
Th,ruston B, M o r t o n , als r e p u b l i k a n i s c h e r K a n d i d a t erfolgreich um einen Sitz
im R e p r ä s e n t a n t e n h a u s , dem er nach v i e r m a l i g e r W i e d e r w a h l bis zur E r n e n n u n g
zum M i n i s t e r im Februar 1971 a n g e h ö r t e . A l s A b g e o r d n e t e r setzte sich M o r t o n
w i e d e r h o l t für eine V e r b e s s e r u n g d e s U m w e l t s c h u t z e s und eine E r w e i t e r u n g des
S y s t e m s der Nationalparks e i n ; er w a r M i t g l i e d m e h r e r e r A u s s c h ü s s e , zuletzt
des H a u s h a l t s a u s s c h u s s e s . Im Jahre 1969 ü b e r n a h m er auf W u n s c h P r ä s i d e n t
Nixons den V o r s i t z im B u n d e s k o m i t e e der R e p u b l i k a n i s c h e n P a r t e i .
Er ist v e r h e i r a t e t und hat eine T o c h t e r und einen S o h n .

1-1 III

A u f A n f o r d e r u n g stellen w i r Ihnen gerne eine P o r t r ä t a u f n a h m e v o n R o g e r s C.B.
M o r t o n zur V e r f ü g u n g .

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RICHARD KLEINDIENST BLEIBT AMERIKANISCHER JUSTIZMINISTER

--WASHINGTON -.(AD)— Der bisherige amerikanische Justizminister Richard
Kleindienst wird auch in der zweiten Amtsperiode Präsident Nixons das USJustizministerium leiten. Kleindienst wurde am 8. Dezember von Nixon in
seinem Amt bestätigt. Gleichzeitig gab das Weiße Haus bekannt, daß Professor Robert Bork von der Yale-Universität neuer amerikanischer Generalanwalt
werden soll, wenn der bisherige Inhaber dieses Amtes, Erwin Griswold, im
Frühjahr 1973 in den Ruhestand tritt.
Aus dem amerikanischen Justizministerium scheiden fünf höhere Vertreter,
darunter der stellvertretende Justizminister, Ralph Erickson, sowie der Leiter der Abteilung für Bürgerrechtsfragen, David Norman, aus. Beide sollen
mit neuen Aufgaben betraut werden.
Zum stellvertretenden Generalanwalt hat Präsident Nixon die Chicagoer
Anwältin Mrs. Jewel Lafontant vorgesehen. Mrs. Lafontant, eine Schwarze, gehört der amerikanischen Delegation bei den Vereinten Nationen an. Sie wird
ihr neues Amt zusammen mit Professor Bork antreten.
Kleindienst gehört dem amerikanischen Justizministerium seit dem 31. Januar 1969 an. Damals wurde er zum stellvertretenden Justizministerium ernannt. Als der damalige Justizminister John Mitchell im März 1972 sein Amt

-1-

�Amt niederlegte, um die Vorbereitungen des Wahlkampfes für Präsident Nixon
zu leiten, wurde Kleindienst vom Präsidenten mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Justizministers beauftragt.
Der in Arizona gebürtige 48jährige Kleindienst war bereits lange vor
seinem E.'ntritt in das Justizministerium im politischen Leben seines Heimatstaates aktiv tätig gewesen. Er wurde in Winsley, Arizona, als Sohn eines
Eisenbahners geboren und besuchte dort auch die Volksschule. Von 1942 bis
1954 diente Kleindienst in der amerikanischen Luftwaffe, aus der er nach
Kriegsende mit dem Range eines Oberleutnants entlassen wurde. Anschließend
studierte er an der Harvard-Universität Jura, legte 1947 sein Examen mit magna
cum laude ab und promovierte 1950.
Unmittelbar nach Beendigung seines Studiums trat Kleindienst in eine Anwaltsfirma in Arizona ein,und bald darauf wurde er Partner der Anwaltsfirma
Shimmel, Hill, Kleindienst and Bishop. Von 1953 bis 1954 gehörte er dem Abgeordnetenhaus von Arizona an. Im Jahre 1964 unterstützte er aktiv die Präsidentschaftskandidatur von Senator Barry Goldwater, während er sich gleichzeitig,
allerdings erfolglos, um das Amt des Gouverneurs seines Heimatstaates bevarb.
Kleindienst ist verheiratet und hat vier Kinder.

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Auf Wunsch stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Richard Kleindienst zur Verfügung.

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USA BETRACHTEN NATO-KONFERENZ ALS ERFOLGREICH

Von Peter Karegeannes

WASHINGTON — ( A D ) — Die jüngste MinistertagLing der NATO in Brüssel - übrigens
die 50. Sitzung des Nordatlantikrates - wird von amerikanischer Seite als
erfolgreich bezeichnet. Für die Vereinigten Staaten ist und bleibt es wichtig, daß die Bündnispartner an der atlantischen Allianz festhalten, die
über zwanzig Jahre lang den Frieden in Europa gewährleistet hat.
Die Einstellung der USA kommt klar und deutlich in dem Schreiben zum
Ausdruck, das Präsident Nixon an die im Nordatlantikrat tagenden Minister
gerichtet hat. Er spricht von den Vorbereitungen für eine Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und den Sondierungen für beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR) und sonstigen Entspannungsbemühungen. "Diese Aussichten auf Frieden", so heißt es in dem Schreiben
des Präsidenten, "müssen jedoch auf einer Grundlage fortdauernder militärischer Bereitschaft basieren."
Außenminister Rogers hat vor seiner Rückreise nach Washington darauf
hingewiesen, daß bei den Verbündeten eine weitgehende Einigkeit der Zielsetzungen bezüglich KSZE und MBFR herrsche. Auch Rogers unterstrich mit Nachdruck, daß gerade bei einer Verbesserung der Ost-West-Beziehungen das atlan-

-1-

�atlantische Bündnis seine Stärke aufrechterhalten müsse. Die Vereinigten
Staaten, so sagte er in anderem Zusammenhang,würden auf jede einseitige Verringerung der Verteidigungskraft des Westens besorgt reagieren, umgekehrt
hat Präsident Nixon das "feierliche Versprechen" der USA erneuert, daß sie
"bei einer entsprechenden Haltung unserer Verbündeten unsere Streitkräfte in
Europa aufrechterhalten und verbessern und sie nicht verringern werden, es
sei denn, unsere Gegner ergreifen entsprechende Schritte."
Der amerikanische Außenminister ließ in Brüssel keinen Zweifel daran,
daß sich die Außenpolitik der USA im Jahre 1973 verstärkt auf Europa richten werde - und er hat am Rande der NATO-Konferenz natürlich auch mit den
führenden Vertretern der Europäischen Gemeinschaft gesprochen und darauf hingewiesen, daß für die bestehenden Probleme zwischen Amerika und der Gemeinschaft im kommenden

Jahr eine Lösung angestrebt werden müsse.

Die Vereinigten Staaten - wie auch Großbritannien und Frankreich - haben
ganz offensichtlich auch mit der Bundesrepublik Deutschland über die künftigen Beziehungen zur DDR Einigung erzielt.
Was die militärische Seite des Bündnisses angeht, so hat; der amerikanische Verteidigungsminister Melvin Laird - der aus seinem Amt ausscheidet und
zum letzten Mal als Minister an einer NATO-Konferenz teilnahm - die Einstellung der Bündnismitglieder und den in den letzten Jahren erzielten Fortschritt
einfach als "realistisch" bezeichnet. Das Streitkräfteverbesserungsprogramm
der europäischen Partner (EDIP) lasse einmal erkennen, daß Westeuropa bereit
sei, einen größeren Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung zu leisten, und sich
zum anderen klar darüber sei, daß Entspannung nicht ohne Verteidigungsbereitschaft zu haben ist.
Auch Laird warnte vor einseitigen Kürzungsmaßnahmen der westlichen Verbündeten, da durch diese.der Erfolg der MBFR-Verhandlungen gefährdet und die

-2-

�I

die Aussichten von SALT II geschmälert werden würden. Der amerikanische Verteidigungsminister unterstrich die Zusage seines Präsidenten, daß die Vereinig,
ten Staaten ihre Truppen in Europa aufrechterhalten und verbessern wollen
- vorausgesetzt, daß auch die europäischen Partner eine solch entschlossene
Haltung zeigen.

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PRÄSIDENT NIXON ORDNET SOFORTMASSNAHMEN ZUR WEITEREN EINDÄMMUNG
DES PREISAUFTRIEBS AN

WASHINGTON ..(AD)-» Präsident Nixon wird den neuen amerikanischen Kongreß
nach dessen Zusammentreten im Januar im Rahmen der ständigen Bemühungen
der Administration um eine Eindämmung des Preisauftriebs um eine Ermächtigung ersuchen, die Lohn-und Preiskontrollen weiter zu verlängern.
Diese Entscheidung hat der amerikanische Finanzminister George Shultz
jetzt zusammen mit einer Reihe anderer Maßnahmen zur Einschränkung der Regierungsausgaben vor der Presse bekanntgegeben. Nach den Angaben von Shultz
will Präsident Nixon die Bundesausgaben für das laufende, am 30. Juni 1973
endende Haushaltsjahr auf etwa 250 Milliarden Dollar beschränken. Diesbezügliche Gesetzesmaßnahmen waren vom letzten Kongreß jedoch abgelehnt worden.
Als Sofortmaßnahme zur Einschränkung der Bundesausgaben hat der Präsident jetzt einen Einstellungs-und Beförderungsstopp für alle Bundesbediensteten und Angehörigen der US-Streitkräfte angeordnet. Diese am 11. Dezember
erlassene Verfügung soll zumindest bis zur Einbringung des neuen Haushaltes
für das am 1. Juli beginnende Finanzjahr 1973/74 in Kraft bleiben. Sie
schließt auch ein Verbot von Gehaltserhöhungen für Führungskräfte sowie wesentliche Personalkürzungen in dem persönlichen Mitarbeiterstab des Präsidenten

-1-

�Präsidenten ein. Die für Januar vorgesehene lineare Gehaltserhöhung soll davon allerdings nicht betroffen sein. Präsident Nixon hatte es in seinem Erlaß als das Ziel bezeichnet, "eine unnötige und verschwenderische Ausweitung
des Bundeshaushaltes zu verhindern". Gleichzeitig sollen alle Regierungsprogramme auf eine mögliche Straffung hin überprüft werden.
ShultZj der erst kürzlich von Präsident Nixon mit der Gesamtplanung der
amerikanischen Wirtschaftspolitik betraut worden war, teilte weiter mit, daß
gegenwärtig auf Kabinettsebene Konsultationen geführt würden, um die genaue
Form der Kontrollen festzulegen, die am besten die für 1973 erwartete Fortsetzung des Wirtschaftswachstums gewährleisten. Eine Entscheidung darüber, ob
die bisherigen Kontrollen einfach über den 30. April hinaus verlängert oder ob
sie teilweise modifiziert werden sollten, sei noch nicht getroffen worden.
Genauso sei noch nicht entschieden, wie lange die nächste Phase der Lohnund Preisrichtlinien dauern sollte. Es werde jedoch, so betonte Shultz, ein
System von Kontrollen geben, das ein gesetzlich bindendes Element ähnlich
den derzeitigen Bestimmungen - vielleicht auch etwas modifiziert - enthält.
Eine Rückkehr zu freiwilligen Leitzahlen sei damit ausgeschlossen.
Das gegenwärtige wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm enthält gesetzlich bindende Kontrollen für Löhne und Preise« Die Lohnkontrollen werden von
einem Lohnausschuß und die Preiskontrollen von einem Preiskomitee überwacht.

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US-WIRTSCHAFTSBEIRAT ÜBER WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IM NOVEMBER
BEFRIEDIGT

WASHINGTON «-(AD)— Der Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons ist über den
Rückgang der Arbeitslosenquote im November auf 5,2 Prozent befriedigt und
sieht auch in dem relativ stärkeren Anstieg der Preise im Berichtsmonat
keine Beeinträchtigung der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung in
den USA.
Dies geht aus zwei Erklärungen hervor, die der Wirtschaftsbeirat dieser Tage zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sowie dem Anziehen der Großhandelspreise im November veröffentlichte. Die von dem Vorsitzenden des
Wirtschaftsbeirates, Herbert Stein, abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Der Rückgang der Arbeitslosenquote im November von 5,5 auf 5,2 Prozent
ist als Zeichen der Verbesserung der Beschäftigungslage zu werten, die sich
seit eineinhalb Jahren stetig vollzieht. Dieser Veränderung der Statistiken
innerhalb eines Monats, die auf Stichproben beruht und noch der Ausschaltung
saisonaler Faktoren bedarf, ist an sich keine zu große Bedeutung beizumessen.
Gegenüber einer Arbeitslosenquote von 6,1 Prozent im November 1971 bedeutet
dieser Rückgang jedoch eine sehr wesentliche Verbesserung, die in Einklang

-1-

�Einklang mit dem stehts was Produktion und Beschäftigtenstand erwarten ließen.
Die Zunahme der zivilen Beschäftigung seit Beginn der neuen Wirtschaftspolitik ist genauso eindrucksvoll und ermutigend«
Die Arbeitslosenquote war im November 1972 niedriger als in allen Monaten seit August 1970, und bei den Haushaltsvorständen war sie mit 2,9 Prozent die niedrigste seit Juni 1969.
Wir haben allen Grund zu der Annahme, daß die gegenwärtig sich vollziehende starke wirtschaftliche Expansion auch in den kommenden Monaten anhalten
und ein weiteres Ansteigen der Beschäftigtenzahl sowie einen Rückgang der
Arbeitslosigkeit mit sich bringen wird. Natürlich wird es in den monatlichen
Statistiken Schwankungen nach oben und unten geben, aber wir sind zuversichtlich, daß die grundlegende Entwicklung weiterhin positiv verlaufen wird."
Die von dem Wirtschaftsbeirat zur Entwicklung der Großhandelspreise im
November herausgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Dem starken Anziehen der industriellen Großhandelspreise im November
waren im September und Oktober sehr geringe Preissteigerungen vorausgegangen.
Wir betrachten den Preisanstieg im November nicht als eine Verschlimmerung der
inflationistischen Entwicklung.
Wir sind besonders ermutigt darüber, daß die Preise der industriellen Erzeugnisse in den letzten sechs Monaten - auf Jahresbasis - nur um 3,2 Prozent
angestiegen sind und in den letzten drei Monaten - auf Jahresbasis - nur um
2,2 Prozent, Die Preise für Agrarerzeugnisse haben aufgrund der gestiegenen
Nachfrage - im Inland und im Ausland - weiterhin schnell angezogen.
Die Preisentwicklung der letzten Monate zeigt, daß zwar Fortschritte erzielt worden sind, daß die Regierung jedoch weiterhin den Preisauftrieb auf
jede nur wirksame Weise bekämpfen muß. Die Regierung ist verpflichtet, dies
zu tun, und betrachtet ihre Bemühungen um eine Kontrolle des Haushalts im gegegenwärtigen Zeitpunkt als einen entscheidenden Faktor in diesem Kampf."
Der

-2-

�Der Index der Großhandelspreise in den USA war im November nach Angaben
des amerikanischen Arbeitsministeriums um 0,6 Prozent gestiegen, was einer
Jahresrate von 7,2 Prozent entsprechen würde. Der größte Teil dieses Preisanstiegs entfiel jedoch auf Agrarerzeugnisse und Lebensmittel, bei denen die
Preisentwicklung oft sprunghaft und unberechenbar ist, während die industriellen Großhandelspreise, die als ein zuverlässigeres Zeichen für die allgemeine
Preisentwicklung anzusehen sind, saisonbereinigt lediglich um 0,4 Prozent
anzogen.

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50/1972

US-HANDELSKAMMER HOFFT AUF WEITERE HANDELSLIBERALISIERUNG

•Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WASHINGTON -™(AD)-- Die Welt kann in den siebziger Jahren so große Fortschritte in Richtung auf eine weitere Liberalisierung des Handels machen,
daß die in den sechziger Jahren erzielten Erfolge demgegenüber völlig verblassen.
Diese Ansicht vertrat der Vizepräsident der amerikanischen Handelskammer, Arch N, Booth, auf einer Pressekonferenz nach seiner Rückkehr von einer
Reise durch sieben europäische Länder. Er hege nicht den geringsten Zweifel,
so betonte Booth, daß die europäischen und die amerikanischen Geschäftsleute
echte Gespräche über eine Ausweitung des Handels und der Investitionsmöglichkeiten für alle wollten. Seines Erachtens sollten die USA und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) in Vorverhandlungen bestehende Schwierigkeiten beseitigen und den Weg für die 1973 anberaumte multinationale Runde
von Handelsverhandlungen ebnen. Die erweiterte EWG bedeute für die Vereinig»
ten Staaten einen verstärkten Wettbewerb auf den Weltmärkten, biete aber
auch neue Handelsmöglichkeiten,wenn es gelinge, zu multilateralen Handelsvereinbarungen zu kommen«, Die amerikanische Handelskammer unterstütze einen

-1-

�einen freieren Handel auf der Basis der Gegenseitigkeit.
Allerdings, so fügte Booth hinzu, gelte es noch verschiedene Probleme
zu überwinden. Es müsse ein neues flexibleres Währungssystem mit einer flexibleren Rolle für den US-Dollar geschaffen werden. Die Situation auf den Weltmärkten habe sich geändert, und der amerikanische Geschäftsmann sehe sich
heute, was Handel und Investitionen anbetreffe, einem scharfen Wettbewerb gegenüber.
Auf den Agrarhandel eingehend betonte Booth, daß gerade die landwirtschaftlichen Exporte für die amerikanische Zahlungsbilanz von großer Bedeutung
seien.Die gemeinsame Agrarpolitik der EWG mache es den amerikanischen Getreideexporteuren schwer, im freien Wettbewerb zu bestehen. Er möchte jedoch annehmen, daß einige europäische Länder immer mehr zu Viehzucht übergehen würden und so die Nachfrage nach amerikanischem Futtergetreide in Europa steigen
werde. Die Vereinigten Staaten wie auch die EWG, so erklärte Booth, müßten
beide Anpassungen in ihrer Agrarpolitik vornehmen, und beide Seiten sollten
einige Änderungen akzeptieren, die sich vielleicht nicht sofort, aber doch
auf lange Sicht auswirken würden.
Die Europäer, so führte Booth weiter aus, seien einmal über das Fortbestehen des amerikanischen ASP-Systems (Verzollung nach dem Verkaufspreis) und
zum anderen über die Möglichkeit einer etwaigen Verabschiedung des umstrittenen Burke-Hartke-Gesetzes besorgt. Bei Verabschiedung dieses Gesetzes würden
einmal Importquoten für Einfuhren in die USA verhängt und zum anderen die Besteuerung amerikanischer multinationaler Gesellschaften erhöht, was zusammen
zu einem Rückgang der US^Einfuhren um bis zu 10 Milliarden Dollar führen könnte. In diesem Zusammenhang wies Booth darauf hin, daß die USA keineswegs das
einzige Land mit multinationalen Gesellschaften seien und daß die amerikanische
Wirtschaft ausländische Investitionen in den USA nur begrüßen würde. Allerdings, so räumte Booth ein, stellten die riesigen Kapitalbewegungen der

-2-

�der multinationalen Gesellschaften ein echtes Problem dar., und eine Lösung
hier sei noch nicht in Sicht. Es sollte eine internationale Konferenz zur Erörterung dieser Fragen einberufen werde)., doch sollte man sich hütens auf
einer solchen Konferenz den multinationalen Gesellschaften ein festes System
oder Bestimmungen aufzuzwingen.
Booth hatte mit seiner Delegation auf

3iner fast vierwöchigen Rundreise

durch Westeuropa Großbritannien, Frankreich, die Bundesrepublik, Belgien, die
Schweiz, Italien und Spanien besucht,. Die Delegation plant, ihre Feststellungen
in einem Bericht zusammenzufassen und diesen Präsident Nixon zusammen mit
Empfehlungen für die künftige Handelspolitik der USA vorzulegen.

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50/1972

NACH APOLLO 17: IRDISCHE PROBLEME HABEN VORRANG
Von Walter Fröhlich

--(AD)-- Der spektakuläre Nachtstart des Raumschiffs APOLLO 17 von der
Atlantikküste Floridas signalisierte das Ende einer Phase im amerikanischen
Raumfahrtprogramm. Präsident Nixon ging in seiner Botschaft an die Astro»
nauten des letzten APOLLO-Unternehmens darauf ein, als er hervorhob, daß
künftige Projekte auf dieser Phase von mehr als zehn Jahren Dauer aufbauen
und "jene, die danach kommen, auf den Schultern der Männer von APOLLO"
stehen werden.
Vielleicht wird der APOLLO 17-Flug zum Mond für das Raumfahrtzentrum
von Houston die letzte Aufgabe dieser Art in unserem Jahrhundert sein. Man
wendet sich dort bereits anderen Projekten zu, bei denen die Erde im Mittelpunkt steht. Seit Monaten ist in einem Kontrollraum, der sich in nichts
von dem unterscheidet, von dem aus das APOLLO 17-Unternehmen dirigiert wird,
das Training für bemannte Flüge im erdnahen Raum bis zum Jahre 1975 in Gang.
Sie haben zum Ziel, die in der ersten Phase gesammelten Erfahrungen für

-l-

�für Gebiete zu nutzen, die der ganzen Menschheit zugute kommen.
In einem dem Kontrollzentrum benachbarten Gebäude proben Austronauten-,
Ingenieur-und Wissenschaftlerteams an einem naturgetreu nachgebildeten Modell von SKYLAB die für das Jahr 1973 vorgesehenen drei Flüge in der ersten
experimentellen Raumstation der Vereinigten Staaten. Die Station soll am
30. April 1973 in eine Erdumlaufbahn gebracht werden. Nach den gegenwärtigen Plänen werden die drei amerikanischen Astronautengruppen mehr Zeit darin verbringen, als alle Astronauten von MERCURY bis APOLLO im Weltraum
und auf dem Mond verbracht haben. Von den SKYLAB-Experimenten, den intensivsten Untersuchungen, die bisher für Weltraumaufgaben erdacht wurden, erhoffen die Forscher neue Einsichten und Methoden für die verschiedensten Gebiete, insbesondere für Medizin und Biologie, Umweltschutz, Erschließung und
Bewirtschaftung natürlicher Hilfsquellen, industrielle Fertigungsverfahren,
Energieproduktion, Vorhersage und Beeinflussung des Wetters,
Zwischen dem Raumfahrtzentrum Houston und den zuständigen Stellen in
der Sowjetunion ist seit einigen Monaten ein lebhafter Besucheraustausch im
Gang. Die Delegationen besprechen die technischen Details des für 1975 vorgesehenen Koppelmanövers eines APOLLO-Raumschiffs mit einem SOJUS-Raumschiff
in einer Erdumlaufbahn. In anderen Abteilungen des Raumfahrtzentrums arbeiten Ingenieure und Astronauten bereits an Einzelprojekten für den wiederverwendbaren Raumtransporter. Die ersten Flüge einer solchen "Fähre" von der
Erde zu Raumstationen und zurück werden Ende dieses Jahrzehnts erwartet.
Schon Anfang der 80er Jahre könnten Passagiere mitgenommen werden, die keine
Astronauten sind. Der Raumtransporter ermöglicht es u. a.,unbemannte Satelliten
anzufliegen, um sie in der Umlaufbahn zu reparieren od,er zu überprüfen und so
den Betrieb unbemannter Geräte zu verbilligen.
Das

�Das Zentrum Houston wird für lange Zeit die wissenschaftliche Zentrale
der Mondforschung bleiben. Hier werden alle Meßdaten gesammelt, die von den
unbemannten automatischen Stationen an den verschiedenen Landeplätzen der
APOLLO-Expeditionen auf dem Mond zur Erde gefunkt werden. Hier laufen auch
alle Informationen zusammen, die Wissenschaftler in aller Welt als Ergebnisse
ihrer Untersuchungen von Boden-und Gesteinsproben vom Mond bekanntgeben. Und
die Forschung wird noch lange damit zu tun haben, dies alles auszuwerten und
zu interpretieren.

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5P/1972

DARMGRIPPE-ERREGER GEFUNDEN ?
- US-Wissenschaftler isolierten Kleinstvirus -

-O»(AD)«~-

"Darmgrippe" ist eine unangenehme, wohl allseits bekannte Er-

krankung. Eine Gruppe von Medizinern in Bethesda (Maryland) glaubt nunmehr, mit Hilfe des Elektronenmikroskops den Erreger dieser auch als
"Reisekrankheit" und "akute infektiöse Gastroenteritis" bezeichneten Erkrankung gefunden zu haben. Es handelt sich offenbar um ein Virus, das
zu den kleinsten überhaupt gehört, die man bisher zu isolieren vermochte.
Wissenschaftler des Instituts für Infektionskrankheiten an den Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA konnten es optisch darstellen, indem sie es zunächst auf das 45tausendfache seiner natürlichen Größe
und, durch weitere fotografische Techniken auf das 250-tausendfache vergrösserten. Es sieht aus wie ein vieleckiger WürfeL.
Die Forscher hoffen, nach diesem Anfangserfolg den Erreger, bei dem
es sich ihres Erachtens kaum um etwas anderes als ein Virus handeln kann,
im Laboratorium in Kulturen zu züphten. Das wäre der erste Schritt, um
eines Tages auch Impfstoffe gegen die Erkrankung zu entwickeln. Allerdings
sind zuvor noch manche Fragen zu klären - u.a. auch die, ob es sich dabei
um das einzige Virus handelt, das die in den meisten Fällen schon nach

„l-

�nach einem oder zwei Tage abgeklungenen Krankheitserscheinungen verursacht,
oder ob mehr Viren beteiligt sind. Wenn letzteres der Fall ist - wie wir es
von den sogenannten Erkältungskrankheiten kennen -, dürften Schutzimpfungen
noch lange Zeit auf sich warten lassen.

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DRÜSENSEKRET AUS DEM GEHIRN BEEINFLUSST DEPRESSIONEN

--(AD)-- Die Biochemie der Depressionen ist noch weitgehend ungeklärt. Aber
die meisten Wissenschaftler sind sich darin einig, daß geistige Störungen
weitgehend auf abnormen neurochemischen Vorgängen im Gehirn beruhen. Manche
Forscher glauben auch, daß u.a. ein Mangel an bestimmten Hormonen oder die
Blockierung der Ausschüttung solcher Hormone - beispielsweise von Noradrena%

lin, das im Nebennierenmark und im gesamten sympathischen Nervensystem gebildet wird - Depressionen verursachen. Die Milderung der Symptome von Depression durch gewisse Pharmaka führen sie darauf zurück, daß unter der Wirkung der Medikamente den Nervenzellen vermutlich mehr Noradrenalin zugeführt
wird.
Zwei Gruppen amerikanischer Wissenschaftler - u.a.Dr. A. Prange und
Dr. I. Wilson von der Universität Nordkarolina, Dr. Kastin (Tulano University) und Dr. R. Ehrensing (Staatsuniversität Louisiana) - kamen jetzt unabhängig voneinander zu der Auffassung, daß mit einem Hormon des Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns) und zwar mit TRH (Thyrotropin Releasing Hormone),
Depressionszustände offenbar recht wirksam zu bekämpfen sind. Bei dem
Pepstid TRH handelt es sich um einen Wirkstoff, der die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) dazu anregt, Thyreotropin (TSH) zu produzieren, das seinerseits

-l-

�seinerseits die Schilddrüse veranlaßt, Thyroxin (Schilddrüsenhormon) zu produzieren.
Schon seit geraumer Zeit spielen Hormone, z.B. Hormone der Schilddrüse
und Östrogene, bei der Behandlung von

Depressionen eine Rolle. Bei den Unter-

suchungen und Experimenten der beiden Forschergruppen, deren Ergebnisse mit
sorgfältig durchgeführten Placebo-Versuchen bestätigt werden konnten, hat man
nun zum ersten Mal ein Zwischenhirn-Hormon angewandt. Dr. Prange, Dr. Kastin
und Dr. Ehrensing heben jedoch ausdrücklich hervor, daß ihre Studien noch
nicht abgeschlossen seien und die Effektivität des TRH-Wirkstoffs durch weitere Versuche exakt bestimmt werden müsse. Umfassende künftige Untersuchungen
werden durch den Umstand außerordentlich erleichtert, daß TRH bereits synthetisiert worden ist und in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht.

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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon erneuert amerikanische Europa-Garantie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens an den NATO-Rat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frederick B. Dent als neuer amerikanischer Handelsminister vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;James T. Lynn zum Minister für Wohnungsbau und Städteplanung nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Claude S. Brinegar soll amerikanischer Verkehrsminister werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dr. Earl L. Butz weiterhin Landwirtschaftsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rogers C.B. Morton wird Innenminister der USA bleiben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard Kleindienst bleibt amerikanischer Justizminister&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA betrachten NATO-Konferenz als erfolgreich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Peter Karegeannes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon ordnet Sofortmaßnahmen zur weiteren Eindämmung des Preisauftriebs an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsbeirat über wirtschaftliche Entwicklung im November befriedigt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelskammr hofft auf weitere Handelsliberalisierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nach APOLLO 17: Irdische Probleme haben Vorrang&lt;br /&gt;Von Walter Fröhlich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Darmgrippe-Erreger gefunden?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Wissenschaftler isolierten Kleinstvirus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drüsensekret aus dem Gehirn beeinflusst Depressionen&lt;/p&gt;</text>
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6. Dezember 1972

INFORMATION:

Inhalt
William P. Rogers bleibt Außenminister der USA
-Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werdenEnger Vertrauter Nixons als NATO-Botschafter vorgesehen
-Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehenGeorge F. Shultz, Finanzminister mit erweitertem Aufgabenbereich
Herbert Stein bleibt Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten
Peter M.Flanigan bleibt Vorsitzender des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik
Peter J. Brennan soll neuer Arbeitsminister werden

DOKUMENTATION:
Erklärung von Botschafter Peterson auf der KSZE-Vorbereitungskonferenz
in Helsinki
-WortlautWIRTSCHAFT:
Koordinierung der Wirtschaftspolitik soll Stellung der USA in den kommenden Verhandlungen stärken
-Von unserem WirtschaftskorrespondentenStellvertreterausschuß nahm Währungsgespräche in Washington auf
-Von Eugene BrakeWISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Rätselhafte Gravitation
-Von G.WeissNoch mehr Schutz vor ionisierenden Strahlen
Strahlungsausbruch eines Röntgensterns

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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49/1972

WILLIAM P. ROGERS BLEIBT AUSSENMINISTER DER USA
-Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werden-

WASHINGTON — ( A D ) — William P. Rogers, einer der engsten Mitarbeiter Präsident Nixons, soll auch in der zweiten Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Außenminister der USA bleiben.
Wie der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, am 30. November
mitteilte, soll Außenminister Rogers für die nächsten vier Jahre ein "starkes neues Team" zur Seite stehen, damit die sich aus den außenpolitischen
Initiativen der letzten Jahre ergebenden Ziele verwirklicht werden könnten.
Präsident Nixon hat in diesem Zusammenhang noch einmal die hervorragenden Verhandlungsqualitäten von Außenminister Rogers unterstrichen und seine
Befriedigung darüber zum Ausdruck gebracht, daß Rogers auch in der neuen
amerikanischen Regierung eine "zentrale Rolle" spielen werde. Nixon verwies
auf eine Reihe von Initiativen, bei denen sich Außenminister Rogers besonders
engagiert habe, und nannte hier den Nahen Osten, die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die Verhandlungen für eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung.
Zweiter

-1-

�Zweiter Mann im State Department und damit Stellvertreter von Rogers soll
der bisherige Stellvertretende Verteidigungsminister Kenneth Rush werden, der
vom Juli 1969 bis zum Februar 1972 Botschafter der USA in Bonn war. Er wird
die Nachfolge von John N. Irwin antreten, der einen hohen Botschafterposten
übernehmen soll.
Rush wurde am 17. Januar 1910 geboren, studierte an der Universität von
Tennessee und in Yale, war lange Jahre als Rechtsanwalt tätig und trat 1936
in den Dienst der Union Carbide Corporation, deren Präsident er von 1966 bis
zu seiner Berufung zum Botschafter in Bonn war.
Für das neugeschaffene Amt des Staatssekretärs für Wirtschaftliche Angelegenheiten im State Department ist der bisherige Leiter des Effekten-und
Börsenaufsichtsamtes, William J. Casey, vorgesehen. Damit soll nach den Worten von Präsident Nixon dem künftigen "intensiven internationalen Wirtschaftswettbewerb" Rechnung getragen werden. Casey habe auf seinem Posten im Effektenund Börsenaufsichtsamt jene Initiative bewiesen, die für das neue Amt benötigt werde. Der 59jährige Casey, von Haus aus Jurist, hatte maßgeblichen Anteil an der Durchführung des Marshall-Planes in Europa,
Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im State Department soll der
bisherige Botschafter der USA und persönliche Vertreter Nixons bei den Pariser
Vietnamverhandlungen, William J. Porter, werden. Er wird an die Stelle von
U. Alexis Johnson treten, der mit einer neuen wichtigen Aufgabe betraut werden
soll. Porter leitet die amerikanische Delegation in Paris seit dem 31. Juli
1971. Vorher war er Botschafter der USA in Korea und Algerien sowie Stellvertretender Missionschef in Vietnam. Er gehört dem Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten seit 1937 an.
Das

-2-

�Das Amt des Staatssekretärs für die Koordinierung der Sicherheitshilfeprogramme der USA soll weiterhin von seinem bisherigen Leiter Curtis W. Tarr
geführt werden. Dieses Amt war 1971 durch Gesetz geschaffen worden und ist
seit Anfang 1972 besetzt. Zuvor war Tarr, der 1924 geboren wurde und an der
Harvard-Universität studiert hatte, Direktor der Bundeszentrale für Wehrdiensterfassung .
Alle Neuernennungen müssen vom Senat der USA bestätigt werden.

Rogers: USA werden ihre bisherigen außenpolitischen Ziele weiter
verfolgen

Nach den Worten von Außenminister Rogers werden die Vereinigten Staaten
in den nächsten vier Jahren ihre bisherigen außenpolitischen Ziele weiter verfolgen und das bisher auf außenpolitischem Gebiet Erreichte weiter ausbauen.
Vor Pressevertretern sagte Rogers am 30. November, hierzu gehörten insbesondere die Phase II der Gespräche über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen (SALT), die vorgeschlagene Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa. Der Außenminister versicherte, daß er auch in
Zukunft seine ganze Kraft für die Interessen der Vereinigten Staaten einsetzen
werde. Dies habe er bisher getan, und dies werde auch in Zukunft der Fall
sein.
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49/1972
ENGER VERTRAUTER NIXONS ALS NATO-BOTSCHAFTER VORGESEHEN
- Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehen -

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat einen seiner engsten Mitarbeiter
und Vertrauten im Weißen Haus, den ehemaligen Kongreßabgeordneten Donald
Rumsfeld, als Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat vorgesehen. Wenn der Senat nach der Einberufung des neuen amerikanischen Kongresses im Januar nächsten Jahres die Ernennung Rumfelds bestätigt, wird er in Brüssel die Nachfolge von Botschafter David Kennedy antreten, der als früherer Finanzminister und Sonderbotschafter ebenfalls
zu den engen Vertrauten Nixons zählt. Kennedy wird in den Ruhestand treten.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, der die Ernennung am 4. Dezember bekanntgab, betonte, daß der Präsident der"Stärkung und Neubelebung des Bündnisses"höchste Priorität einräume. Dies komme
schon dadurch zum Ausdruck, daß er einen seiner engsten Mitarbeiter im
Weißen Haus für den Botschafterposten bei der NATO in Brüssel ausersehen
habe. Rumsfeld sei wegen seiner vielfältigen Erfahrungen, vor allem auch
auf wirtschaftlichem Gebiet und seines Verhandlungsgeschicks für den Posten
in Brüssel hervorragend geeignet.
Donald

�Donald Rumsfeld gehört seit Mai 1969 dem Kabinett Nixon an; zunächst
war er Leiter des Amtes zur Sicherung des Wirtschaftlichen Fortkommens
(OECf. und Referent im Weißen Haus, um dann Sonderberater des Präsidenten
zu werden.
Als Direktor des Lebenshaltungskostenrates ist Rumsfeld für die
Durchführung der Phase II des wirtschaftlichen Stabilitätsprogrammes des
Präsidenten verantwortlich. Gleichzeitig gehört er wichtigen wirtschaftlichen Beratungsgremien an.
Am 9. Juli 1932 in Chicago im Staate Illinois geboren studierte
Rumsfeld an der Princeton-Universität und diente von 1954 bis 1957 als
Fluglehrer bei der amerikanischen Marine. Anschließend war er als
Assistent für verschiedene Kongreßabgeordnete tätig und wurde dann 1962
selbst zum ersten Mal als Vertreter des Wahlkreises 13 in seinem Heimatstaat Illinois in den Kongreß gewählt. Bis zu seiner Wahl war er für das
Bankhaus A.G.Becker &amp; Co. in Chicago tätig gewesen.
Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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49/1972

GEORGE P. SHULTZ, FINANZMINISTER MIT ERWEITERTEM AUFGABENBEREICH

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
wird dem neuen Kabinett Nixon mit einem erweiterten Aufgabenbereich angehören.
Präsident Nixon hat Shultz nicht nur in seinem bisherigen Amt bestätigt, sondern ihn gleichzeitig zum Sonderberater des Präsidenten und zum Vorsitzenden
des neugeschaffenen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik ernannt.
Damit ist Shultz praktisch zum Gesamtkoordinator der amerikanischen Wirtschafts«
politik geworden.
Shultz, der bereits 1969 von Präsident Nixon zu seinem Arbeitsminister
ernannt worden war und der dann 1970 das neugeschaffene zusammengefaßte Amt
für Planung und Haushalt übernahm, wird dem Präsidenten auch je nach Bedarf
für Sonderaufgaben zur Verfügung stehen. Neben seinem Amt als Finanzminister,
das er am 12.Juni 1972 übernommen hat, wird Shultz als Sonderberater des Präsidenten im Weißen Haus ein eigenes Büro haben, und als Vorsitzender des
neuen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik wird er dem Präsidenten gegenüber die Gesamtverantwortung für die Finanz-und Wirtschaftspolitik der
Vereinigten Staaten nach innen und außen tragen.
Der

-1-

�Der Präsident selbst hat der Wirtschaftspolitik nach der nationalen
Sicherheit und Verteidigung die zweithöchste Priorität eingeräumt und damit
dürfte Shultz eine besondere Stellung im Kabinett einnehmen.
Geboren am 13. Dezember 1920 in New York wirkte Shultz nach dem Jurastudium an der Princeton-Universität (Bachelor of Laws 1942) und dem Wirtschaftsstudium am Massachusetts Institute of Technology (Doktor 1949) an dessen
wirtschaftswissenschaftlicher Fakultät als Lektor und, ab 1955, a.o.Professor.
Seit 1957 o.Professor am Wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Universität von Chicago und seit 1962 dessen Dekan hat sich Shultz einen internationalen Ruf in Finanz-und Wirtschaftsfragen erworben.

++++

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von George P.
Shultz zur Verfügung .

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49/1972

HERBERT STEIN BLEIBT VORSITZENDER DES WIRTSCHAFTSBEIRATES
DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat den bisherigen Vorsitzenden seines Wirtschaftsbeirates, Herbert Stein, am 1. Dezember in seinem Amt bestätigt. Stein, der dem wichtigen Beirat seit dem 4. Februar 1969 angehörte,
hat am 1. Januar 1972 dessen Vorsitz von Paul W. McCracken übernommen.
Am 27. August 1919 in Detroit im Staate Michigan geboren studierte
Stein am Williams-College und war von 1938 bis 1945 als Wirtschaftler für
die amerikanische Regierung tätig - bis 1940 bei der Bundesdepositenversicherungsgesellschaft, 1940-41 bei der Nationalen Kommission für Verteidigungsberatung, von 1941-44 beim Kriegsproduktionsausschuß und 1945 beim Amt
für Kriegsmobilisierung.
Von 1945 bis 1969 gehörte Stein dem Ausschuß für Wirtschaftliche Entwicklung an und war zuletzt Chefwirtschaftsberater.
Im Jahre 1958 promovierte er an der Universität von Chicago in Wirtschaftswissenschaften.
Stein

-1-

�Stein hat sich auch als Wirtschaftspublizist einen Namen gemacht und
verschiedene Bücher und Fachartikel veröffentlicht, darunter ein Buch über
die Preispolitik der Regierung.
Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von
Herbert Stein zur Verfügung.

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49/1972

PETER M. FLANIGAN BLEIBT VORSITZENDER DES RATES FÜR INTERNATIONALE
WIRTSC HAFTS POLITIK

WASHINGTON -~(AD)-- Präsident Nixon hat den bisherigen Vorsitzenden des
Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter M. Flanigan, am
1. Dezember in seinem Amt bestätigt. Flanigan, der seit dem 16. April
1969 dem Beraterstab des Weißen Hauses angehört, behält auch seinen Status
als Berater des Präsidenten.
Flanigan hatte bereits vor 1969 als ehrenamtlicher Berater der Regierung in Wirtschaftsfragen gewirkt und sich nach seiner Aufnahme in den Arbeitsstab des Präsidenten vorwiegend mit Fragen der Wirtschaft, des Handels und der Finanzen befaßt. Unter anderem hatte er Textilverhandlungen
mit Japan geführt.
Am 21. Juni 1923 in New York geborer

studierte Flanigan an der Prince-

ton-Universität und war im zweiten Weltkrieg Pilot auf einem Flugzeugträger der US-Marine im Pazifik.
Von 1947 bis zu seiner Berufung ins Weiße Haus im Jahre 1969 war
Flanigan bei der New Yorker Investitionsbank Dillon, Read &amp; Co. Inc. tätig. In den Jahren 1949 und 1950 erstellte er Wirtschaftsanalysen für die

-1-

�die Mission des Amtes für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (EAC) in Großbritannien. Ehrenamtlich arbeitete er auch für verschiedene Stiftungen
Bereits seit 1959 hatte er sich in Wahlkämpfen für Richard Nixon eingesetzt und war 1968 bei den Präsidentschaftswahlen Stellvertretender Wahlkampfmanager für Nixon.
Flanigan ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Peter
Flanigan zur Verfügung.

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49/1972

PETER J.BRENNAN SOLL NEUER ARBEITSMINISTER WERDEN

WASHINGTON — ( A D ) - - Präsident Nixon hat den Gewerkschaftler Peter J. Brennan
zum Arbeitsminister in seinem Kabinett für die zweiten vier Jahre seiner
Amtszeit ausersehen. Die Nominierung Brennans bedarf noch der Bestätigung
durch den Senat.
Brennan wird damit der erste Gewerkschaftler seit 1953 sein, der dieses Amt übernimmt. Damals hatte Präsident Eisenhower Martin Durkin in das
Arbeitsministerium berufen. Brennan wird die Nachfolge von James Hodgson antreten, der von Präsident Nixon für einen anderen Regierungsposten auf internationaler Ebene vorgesehen ist. Wie der Pressesekretär des Weißen Hauses,
Ronald Ziegler, in diesem Zusammenhang mitteilte, habe Hodgson eine Entscheidung bezüglich seiner Zukunft noch nicht getroffen.
Brennan wurde am 24. Mai 1918 in New York geboren. Nach Besuch der Handelsschule trat er der Gewerkschaft der Maler und Tüncher bei. Schon während
der Vorbereitung auf die Meisterprüfung und auch während des anschließenden
College-Besuches war er aktiv für die Gewerkschaft tätig. Während des zweiten
Weltkrieges wurde Brennan zur Marine eingezogen und im Pazifik eingesetzt.

Seit

�Seit Kriegsende gehörte Brennan der Bauarbeitergewerkschaft an, zu deren
Präsident er 1957 in

der Stadt New York und 1958 für den Staat New York ge-

wählt wurde. Gleichzeitig ist Brennan Vizepräsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL/C10 für den Staat New York.
Neben der aktiven Gewerkschaftsarbeit hat sich Brennan in zahlreichen
kommunalen und karitativen Organisationen betätigt. Von Gouverneur Rockefeller
wurde er ferner in den Beirat für Arbeitsbeschaffung sowie in den Beirat des
Arbeitsministeriums des Staates New York für Sicherheitsbestimmungen berufen.
Und im September 1971 hatte Präsident Nixon ihn zum Mitglied des Nationalen
Beirates für die Förderung geistig und körperlich behinderter Kinder ernannt.
Brennan hat auf kommunaler, nationaler und internationaler Ebene zahlreiche
Auszeichnungen erhalten und sich in seiner Gewerkschaft besonders für die berufliche Förderung von Angehörigen der Minderheiten eingesetzt.
Brennan ist verheiratet und hat drei Kinder und fünf Enkel.

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49/1972

ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER PETERSON AUF DER KSZE-VORBEREITUNGSKONFERENZ IN HELSINKI
-Wortlaut-

HELSINKI--(AD)-- Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter Val Peterson,
hat am 4. Dezember auf der Vorbereitungskonferenz für die Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) folgende Erklärung abgegeben:
"Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren:
Ich möchte zuerst der Regierung Finnlands und der Stadt Helsinki meinen
tiefen Dank für die Vorbereitung dieser Konferenz aussprechen. Die großzügige finnische Gastlichkeit sollte

zusammen mit den uns zur Verfügung stehen-

den ausgezeichneten technischen Einrichtungen und ihrer hervorragenden Leitung unsere Arbeit wesentlich fördern. Wir sind wirklich dankbar, hier sein
zu dürfen.
In einer kürzlichen Erklärung an das amerikanische Volk hat Präsident
Nixon betont, und ich zitiere, "daß unser Land mit besonderer Dankbarkeit auf
die Ereignisse eines Jahres zurückblicken kann, das mehr Fortschritt in Richtung auf einen dauerhaften Frieden gebracht hat als irgend ein anderes Jahr

-1-

�Jahr während der letzten Generation" und daß ,lwir.... den Chancen entgegensehen können, die der Friede bringen wird".
Es bietet sich uns eine neue und einzigartige Möglichkeit, um zu dieser
sich entwickelnden Struktur des Friedens beizutragen. Im Mittelpunkt einer
friedlichen Welt steht ein friedliches Europa. Das ist die Lehre, die wir
alle aus zwei Weltkriegen gezogen haben. Und aus dieser Erfahrung haben die
Amerikaner noch eine weitere Lehre gezogen: Europas Sicherheit ist untrennbar mit der unsrigen verbunden.
Daher sehen wir dem Tag entgegen, da Europa nicht länger mehr gespalten
ist. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß Verständigung unter den
Völkern hierfür von grundlegender Bedeutung ist. Wir streben eine offenere
Welt an - offen für eine engere Zusammenarbeit und vermehrte Kontakte zwischen
den Völkern wie auch für einen freien Austausch von Gedanken und Informationen.
Herr Vorsitzender, wir treten in diese vorbereitenden Gespräche konstruktiv und aufrichtig ein. Wir glauben, daß eine Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa, wenn sie sorgfältig vorbereitet ist, bedeutsame
praktische Schritte ergreifen kann, um die Zusammenarbeit zu verstärken und
die Sicherheit, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung jedes einzelnen unserer
Staaten, frei von ausländischer Einmischung zu fördern

- und daß sie damit

einen echten Beitrag zu dem gegenwärtig sich vollziehenden Prozeß einer europäischen Aussöhnung leisten kann.
Es liegt reichlich Arbeit vor uns. Jeder der hier vertretenen Staaten hat
eine wichtige Rolle zu spielen. Wir wollen eine allseits befriedigende Basis
für eine Konferenz auf Ministerebene schaffen, die über einen möglichst weitgesteckten Rahmen verhandeln kann:
Zuerst

-2-

�Zuerst einmal sollten unseres Erachtens allgemein akzeptierte Prinzipien
für das internationale Verhalten ohne jede Einschränkung auf die Beziehungen
zwischen uns allen angewandt werden - und wir befürworten Maßnahmen, die Vertrauen aufbauen könnten, daß militärische Truppenbewegungen und Manöver nicht
Instabilität und Mißverständnis schaffen.
Ferner können wir unseres Erachtens mit gutem Willen ainige der wirklichen Hindernisse für freie Kontakte zwischen unseren Völkern und für einen vermehrten Austausch von Informationen und Gedanken beseitigen.
Schließlich streben wir Maßnahmen an, die eine engere Zusammenarbeit auf
den Gebieten der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Umwelt fördern.
Angesichts der Vielzahl der vor uns liegenden Themen erscheint es nur angebracht und logisch, daß wir jetzt prüfen, wie wir unsere Arbeit am besten
fortsetzen können.

In dieser Hinsicht, Herr Vorsitzender, wäre es unseres Erachtens ein Fehler, einfach den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und uns darauf zu
beschränken, nur eine Übereinkunft über Vereinbarungen für eine schließliche
Konferenz anzustreben. Täten wir dies, so würden wir die sich uns bietende Gelegenheit auslassen, eine Konferenz vorzubereiten, die bedeutsame Ergebnisse
zeitigen kann.
Unseres Erachtens wäre für uns der wünschenswerteste Weg, erst eine Übereinkunft über die Punkte einer Tagesordnung für eine Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa anzustreben.
Dies muß unserer Meinung nach zu einer sorgfältigen Prüfung der Bezugspunkte für eine weitere Vorbereitung jedes einzelnen Tagesordnungspunktes führen. Sobald wir einen Punkt erreicht haben, an dem es den Anschein hat, daß ausreichende Übereinstimmung in wesentlichen Fragen erreicht worden ist, so daß
ein weiteres Vorgehen gerechtfertigt wäre, ist es nur natürlich, daß wir unsere

-3-

�unsere Aufmerksamkeit den Verfahrensfragen für spätere Phasen, unter anderem
auch Ebene und Zuständigkeitsbereich der Konferenz selbst, zuwenden.
Herr Vorsitzender, ich sagte zu Beginn, daß sich uns eine neue und einzigartige Gelegenheit bietet. Wir stehen vor einer bedeutenden Aufgabe. Wir
sind damit betraut, sicherzustellen, daß eine Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa meßbaren Fortschritt in Richtung auf Frieden und
Aussöhnung in Europa bringen wird. Angesichts der vor uns liegenden schwierigen Fragen wird es ein echter Prüfstein für die Diplomatie sein, ob es uns
gelingen wird, diese außergewöhnliche Aufgabe zu bewältigen. Wir sind zuversichtlich, daß konstruktive, verantwortungsbewußte und ernste Bemühungen jedes
Einzelnen an diesem Tisch es möglich machen werden, daß eine Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zur Schaffung einer Ära der Verhandlungen beitragen wird.

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KOORDINIERUNG DER WIRTSCHAFTSPOLITIK SOLL STELLUNG DER USA
IN DEN KOMMENDEN VERHANDLUNGEN STARKEN
-Von

WASHINGTON —

unserem Wirtschaftskorrespondenten-

Die Ernennung von Finanzminister George P. Shultz zum Vor-

sitzenden des neu geschaffenen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik
wird nachhaltige Auswirkungen auf die künftige Binnen-und Außenwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten haben. Damit soll vor allem dem seit langem
bestehenden Erfordernis Rechnung getragen werden, die von den einzelnen
Ministerien und unabhängigen Regierungsämtern in Wirtschaftsfragen verfolgte Politik besser aufeinander abzustimmen. In der Vergangenheit vertraten
zum Beispiel Landwirtschaftsministerium, Arbeitsministerium und andere
Regierungsdienststellen häufig etwas andere Ansichten als die für den Außenhandel, die Auslandshilfe und die Währungspolitik der USA unmittelbar Verantwortlichen. Es gab keine zentrale Stelle, die ein einheitliches, auf
einander abgestimmtes Programm in Wirtschaftsfragen für die gesamte amerikanische Regierung abstecken konnte.
Dies

-1-

�Dies soll mit dem neuen Kabinettsausschuß für Wirtschaftspolitik unter
dem Vorsitz von Finanzminister Shultz anders werden. Der Ausschuß wird alle
binnen-und außenwirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung aufeinander abstimmen. Ihm werden die Chefs des Arbeitsministeriums, des Handelsministeriums,
des Landwirtschaftsministeriums, des Verkehrsministeriums, des Außenministeriums und des Finanzministeriums sowie der Direktor des Amtes für Planung
und Haushalt und die Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten,
des Lebenshaltungskostenrates und des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik angehören. Shultz hatte, bevor er Mitte dieses Jahres das amerikanische Finanzministerium übernahm, selbst zwei dieser Ämter inne gehabt - er
war Arbeitsminister und Direktor des Amtes für Planung und Haushalt gewesen.
Auf internationaler Ebene bestätigen die Errichtung des neuen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik sowie andere von Washington in letzter Zeit
getroffene Maßnahmen eine Entwicklung, die in den letzten Wochen immer deutlicher zutagegetreten ist, nämlich die feste Absicht der Nixon-Administration,
der Außenwirtschaftspolitik einen höheren Rang in der Prioritätenliste einzuräumen und Entscheidungen in Fragen des Handels, der Reform des internationalen Währungssystems oder der Auslandsinvestitionen künftig auf einer höheren
Ebene zu treffen.
Noch vor den Novemberwahlen war bereits in Washingtoner Regierungskreisen
betont worden, daß im Falle einer zweiten vierjährigen Amtszeit Präsident
Nixons den wirtschaftlichen Fragen, und im besonderen den internationalen Wirtschaftsbeziehungen, ein bedeutend größeres Gewicht zukommen werde. Berichten
zufolge soll Präsident Nixon sogar beabsichtigen, künftig häufiger persönlich
einzugreifen, um einen etwaigen toten Punkt in internationalen Wirtschaftsverhandlungen überwinden zu helfen, so wie der Präsident dies bereits beim
Zustandekommen des Smithsonian-Abkommens vom Dezember vorigen Jahres getan
hatte.
Finanzminister

-2-

�Finanzminister Shultz hatte bereits auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds(IWF) im September die Notwendigkeit unterstrichen, internationale Wirtschaftsfragen künftig auf einer hohen Regierungsebene zu behandeln, da es sich hier um Dinge handele, die für die nationalen Interessen
bestimmter Länder von großer Wichtigkeit seien. Internationale Entscheidungen
über solche Fragen könnten nur dann glaubwürdig und wirksam sein, wenn sie von
Politikern getroffen würden, die innerhalb ihrer eigenen Regierung maßgebenden
Einfluß haben. Das Finanzminister Shultz nunmehr übertragene neue Amt verleiht seinen Worten künftig ein solches Gewicht.
Amerikanische Regierungskreise weisen in diesem Zusammenhang darauf hin,
daß verbesserte Wirtschaftsbeziehungen einen gewichtigen Faktor bei der Verbesserung der Gesamtbeziehungen zwischen den Ländern bilden. Und Außenminister
Rogers hat mit Recht darauf hingewiesen, daß Präsident Nixon die Tatsache,
daß wir in einer "interdependenten Welt" leben, in der für alle so viel auf
dem Spiele steht, daß niemand den Frieden zu stören wagen kann, allen ins Bewußtsein zu rufen sucht. Handelsminister Peterson verwies auf dem Außenhandelskonvent in New York darauf, daß Handelspolitik zugleich Außen-, Sicherheits-.
Innen-wie auch Energiepolitik ist und daher im nationalen Interesse auf höchster
Ebene abgestimmt werden müsse. In diesem Sinne ist auch die Schaffung des Postens
eines weiteren Staatssekretärs für Wirtschaftliche Fragen im amerikanischen
Außenministerium zu sehen, für den Präsident Nixon den bisherigen Direktor des
Amtes für Planung und Haushalt, William J. Casey, nominiert hat.

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STELLVERTRETEKAUSSCHUSS NAHM WÄHRUNGSGESPRÄCHE IN WASHINGTON AUF
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)-- Das für die detaillierten Verhandlungen über ein neues
internationales Währungssystem zuständige internationale Gremium - die Stellvertretergruppe des Zwanziger-Ausschusses - hat letzte Woche in Washington
seine erste Sitzungsrunde abgeschlossen.
Im Mittelpunkt der Debatten auf dieser ersten Zusammenkunft der internationalen Währungsexperten stand eines der heikelsten Themen, mit denen sich
die Stellvertretergruppe zu befassen hat, nämlich wie im Rahmen des neuen
Systems ständige Zahlungsbilanzungleichgewichte abgebaut werden können, die
das alte, unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg in Bretton Woods geschaffene
WährungsSystem in so große Schwierigkeiten brachten. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand die Form des Anpassungsprozesses und die Frage, welche Rolle
Wechselkursanpassungen bei der Überwindung von Zahlungsbilanzschwierigkeiten
spielen können.
Sehr eingehend wurde dabei der amerikanische Vorschlag diskutiert, daß
sich das neue internationale Währungssystem objektiver Indikatoren für die
Entscheidung bedienen müsse, wann eine Regierung Maßnahmen zur Korrektur eines

-1-

�eines internationalen Zahlungsungleichgewichtes ergreifen soll. Nach Auffassung
der USA hat eine Regierung die Pflicht zu handeln, sobald es sich bei einem
Ungleichgewicht um einen Zahlungsbilanzüberschuß oder ein Zahlungsbilanzdefizit
handelt.
Der amerikanische Finanminister George Shultz hatte bereits auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im September betont, der beste
und objektivste Indikator hierfür sei, wenn sich der Stand der internationalen
Währungsreserven eines Landes -IWF-Sonderziehungsrechte, Gold und harte Devisenverändere. Gerade dieser Punkt wurde jetzt von den Währungsexperten eingehend
erörtert; die Vereinigten Staaten erläuterten ihre Auffassung näher, und die
anderen Staaten legten ihre Ansichten dazu dar. Wie der Vorsitzende der Gruppe,
Jeremy Morse, vor Korrespondenten betonte, bestand allgemeine Übereinstimmung
darüber, daß die angewandten objektiven Indikatoren lediglich die Notwendigkeit

von Anpassungsmaßnahmen seitens der betreffenden Regierung anzeigen sollten,
nicht jedoch von spezifischen Wechselkursänderungen, sobald der Gefahrenpunkt
überschritten ist. Die USA hatten bereits zu einem früheren Zeitpunkt darauf hingewiesen, daß den einzelnen Ländern nach ihrer Ansicht ein, Höchstmaß an Freiheit
hinsichtlich der Wahl der Anpassungsmaßnahmen - beispielsweise Handelsliberalisierung statt Wechselkursänderung, sofern damit das angestrebte Ziel auch erreicht werden kann - eingeräumt werden sollte. Es soll also, wie Morse ausführte, bei Erreichen eines bestimmten Punktes nicht"automatisch"eine bestimmte Maßnahme ausgelöst werden.
Verschiedene Länder waren offensichtlich der Ansicht gewesen, daß den Vereinigten Staaten ein "automatisches System" vorschwebte, als Finanzminister
Shultz die amerikanischen Pläne auf der IWF-Jahrestagung darlegte. Diese Auffassung ist von dem Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul Volcker, korrigiert worden, der in seiner Rede auf dem amerikanischen Außenhandelskonvent in
New York am 13. November erklärte, daß solche vereinbarten objektiven Kriterien

-2-

�Kriterien nicht unfehlbar auf entsprechende Maßnahmen hinweisen könnten. Sie
könnten lediglich Zeiten schwerwiegender Zahlungsbilanzungleichgewichte anzeigen und zu der Auffassung führen, daß wirksame Anpassungsmaßnahmen vorgenommen
werden sollten. Die betreffenden Länder, so hatte Volcker weiter ausgeführt,
sollten und könnten selbst weitgehend über die Form ihrer Anpassungspolitik
entscheiden. In internationalen Konsultationen werde festgestellt werden, ob
das Kriterium auf eine bestimmte Situation anzuwenden oder der seltene Fall
eingetreten sei, daß das Kriterium ein "falsches Signal" gesetzt habe.
Aber auch ein anderer Punkt wurde auf dieser ersten Sitzungsrunde erörtert,
nämlich inwieweit Druck oder Sanktionen angewandt werden dürfen, falls die internationalen Konsultationen nicht ausreichten, um ein Land zur Durchführung
der erforderlichen Anpassungen zu bewegen. Morse betonte jedoch, daß die Gesprächsteilnehmer zu diesen oder zu anderen Aspekten des Reformpaketes noch
nicht endgültig Stellung beziehen würden, bevor die Stellvertreter alle Fragen
geprüft hätten.
Die Stellvertretergruppe hofft, bereits auf ihrer nächsten Sitzungsrunde
vom 23. bis 25. Januar in Paris die Erörterungen des Anpassungsprozesses abschließen und sich einem weiteren wichtigen Gebiet zuwenden zu können, nämlich
der Rolle, die IWF-Sonderziehungsrechte, Gold, Dollar und andere Reservewährungen in dem neuen System einnehmen werden. Auf der März-Sitzung sollen dann die
besonderen Interessen der Entwicklungsländer zur Sprache kommen. Die Stellvertretergruppe will weiterhin alle zwei Monate zusammentreten, so daß der gesamte
Fragenkomplex einer Reform des internationalen Währungssystems bis zur nächsten
Jahrestagung des IWF im September 1973 in Nairobi behandelt werden kann.

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APOLLO 17:
RÄTSELHAFTE GRAVITATION
Von G.Weiss

.--(AD)-- Als Wirkungskraft ist die Gravitation, die Anziehungskraft zwischen zwei oder mehreren Massen, wohlbekannt, obgleich ihr Wesen noch
nicht restlos aufgeklärt ist. Die Entfernung der Körper voneinander und
ihre relative Größe spielen jedenfalls eine wichtige Rolle. Der englische
Naturforscher Isaac Newton berechnete die Gravitation und wies auf Grund
seiner Beobachtungen von Planetenbahnen um die Sonne schon vor 290 Jahren
nach, daß es sich bei dieser Kraft um eine universale Größe, eine Naturkonstante handelt.
Gravitation ist zwischen allen Massen vorhanden, gleichgültig, wo sie
sich gerade befinden. Sie erklärt, weshalb ein Apfel zu Boden fällt, ein
locker gespanntes Seil durchhängt oder weshalb die Planeten scheinbar unverändert in ihrer Bahn um die Sonne verbleiben. Ihre Eigenbewegung ist das
Resultat eines Gleichgewichtszustandes zwischen Kräften innerhalb eines bestimmten Bezugssystems und im Einflußbereich eines Gravitationsfeldes.
Auch

-l-

�Auch die Erde und ihr Satellit, der Mond, bilden eines der unzähligen
Systeme im Kosmos, dessen einzelne "Glieder" ein gemeinsames Gravitationszentrum haben. Aber die Masse des Mondes greift an den Milliarden und Abermilliarden Materieteilchen, aus denen die Erde besteht, mit unterschiedlicher Stärke
an, weil diese Teilchen verschieden weit von der Masse des Mondes entfernt und
verschieden stark beweglich sind. Daraus erklären sich z.B. Ebbe und Flut oder
auch die Deformation von festem Gestein an oder nahe der Erdoberfläche unter
dem Einfluß der Massenanziehung des Mondes.
Während dabei die Erdkruste stellenweise um Zentimeter oder ein paar Dezimeter verformt wird und, gemessen an der flächenmäßigen Ausdehnung, in
einem normalerweise kaum wahrnehmbaren Ausmaß "pulsiert", können die Höhenunterschiede zwischen Ebbe und Flut an den Meeresküsten sogar mehr als 20 m
betragen. Das ist örtlich ganz verschieden und von sehr vielen zusätzlichen
Faktoren, u.a. vom Wind und vom Stand der Sonne (und damit von deren Massenanziehung als weiterer Komponente) abhängig.
Entsprechende Messungen wurden bisher nur auf der Erde durchgeführt. Beim
Unternehmen APOLLO 17 sollen nun zum ersten Mal Gravimeter auf einem anderen
Himmelskörper eingesetzt werden. Das eine dieser Instrumente, das die Astronauten bei ihren Erkundungsfahrten mitführen, wird absolute Messungen des örtlichen Schwerefeldes im Bereich des Landeplatzes ermöglichen. Das andere dagegen soll über einen längeren Zeitraum relative Werte der Gravitation unter
dem Einfluß der Massenanziehungskraft anderer kosmischer Objekte übermitteln.
Die für dieses Experiment zuständigen Wissenschaftler hoffen,, dabei auch
"Gravitationswellen" aus der Tiefe des Universums registrieren zu können.
Gravitationswellen spielen seit Einführung der allgemeinen Relativitätstheorie durch Albert Einstein im Jahre 1915 in der theoretischen Physik eine
Rolle. Demnach müßten beschleunigte Massen, sofern sie sich nicht gleichförmig

-2-

�gleichförmig parallel, sondern relativ zueinander und deshalb mit veränderlicher Massenanziehung bewegen, Gravitationswellen abstrahlen, die sich mit
Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen. Diese Wellen führen Energie und Kraftmomente mit sich und sind somit in gewisser Weise elektromagnetischen Wellen vergleichbar. Während diese jedoch nur mit elektrischen Ladungen und Strömen in
Wechselwirkung treten, reagieren Gravitationswellen mit allen Formen von Materie
und Energie.
Der amerikanische Physiker Dr. Joseph Weber von der Universität Maryland
versucht seit fast eineinhalb Jahrzehnten, mit empfindlichen Detektoren Gravitationswellen zu erfassen. Durch ständige Verbesserung seiner Apparaturen
und seiner Meßtechnik glaubt Dr. Weber, daß ihm dies in den letzten drei Jahren
auch tatsächlich schon mehrfach gelungen sei und das Milchstuaßenzentrum als
"Strahlungsquelle" ausgemacht werden könne. Viele seiner Kollegen zweifeln
die Ergebnisse und ihre Interpretation an. Dennoch sind ähnliche Experimente
inzwischen an zahlreichen Instituten in aller Welt in Angriff genommen worden;
auch das Max Planck-Institut in Garching bei München befaßt sich damit.
Das größte Hindernis bei derartigen Experimenten ist eben die Tatsache,
daß die Energie möglicher Gravitationswellen für die meisten Objekte auf der
Erde viel zu klein ist, um hier überhaupt gemessen werden zu können. Deshalb
ist Weber schon seit langem dazu übergegangen, Detektoren mehr als 1 000 km
voneinander entfernt aufzustellen und sie durch Telefonverbindung miteinander
zu koppeln. Denn da es sich bei den von ihnen registrierten Vibrationen
- vielleicht - um die Wirkung einer kosmischen Kraft handelt, müßten diese
Vibrationen auf der Erde an vielen Orten gleichzeitig verzeichnet werden
können. Besser wäre es jedoch, sowohl von der Erde als auch einem anderen
Himmelskörper Meßdaten dafür zu bekommen, beide Objekte gewissermaßen als
"Antennen" für Gravitationswellen aus dem Kosmos zu benutzen.
Genau

-3-

�Genau das soll beim Unternehmen APOLLO 17 geschehen. Dr. Weber
schickt ein Oberflächengravimeter mit auf die Reise, dessen Meßdaten
möglicherweise auch über Gravitationswellen, die den Mond durchlaufen,
Auskunft geben. Allerdings wäre der Effekt nur dann als solcher zu erkennen, wenn zur gleichen Zeit Detektoren auf der Erde, wo allerdings
Ebbe und Flut, Druckveränderungen in der Atmosphäre und seismische Aktivität erhebliche Störeffekte ausüben, ihn ebenfalls registrierten.
In erster Linie aber gibt das Webersche Gravimeter, das nach dem
Prinzip einer empfindlichen Federwaage - mit einem Präzisionsgewicht aus
Wolfram und einer Spiralfeder - funktioniert und Schwingungen als Folge
der Aufnahme von Vibrationen in elektrische Meßwerte umsetzt, Auskunft
über den Massenanziehungseffekt der Erde, der Sonne und der übrigen Planeten des Sonnensystems auf dem Mond. Die Kräfte verändern sich ja ständig mit der jeweiligen Position der Himmelskörper zueinander. Jedenfalls
stellt der Mond für diese Art Untersuchungen ein geradezu ideales Experimentierfeld dar. Man erwartet, daß das Oberflächengravimeter etwa
zwei Jahre lang Daten übermittelt.

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NOCH MEHR SCHUTZ VOR IONISIERENDEN STRAHLEN

--(AD)-- Eine Gruppe prominenter amerikanischer Wissenschaftler hat vorgeschlagen, die für die allgemeine Bevölkerung zulässige Dosis an ionisierender Strahlung noch mehr zu reduzieren. In einem 470 Seiten umfassenden
Bericht begründet eine Kommission der Nationalen Akademie der Wissenschaften, welche sich speziell mit den biologischen Auswirkungen ionisierender
Strahlen befaßt, ihre vor allem für viele Gebiete der Medizin einschneidende Schlußfolgerung. Die Bedenken der Expertengruppe beruhen auf der Befürchtung, daß bei weiterer Anwendung von Röntgenstrahlen und anderen Quellen
ionisierender Strahlung im bisherigen Umfang die Häufigkeit der Krebserkrankungen und der Erbschädigungen in den kommenden Jahrzehnten zunehmen werde.
Die Untersuchungen, die dem Bericht vorausgingen, wurden auf Ersuchen
der US-Bundesbehörde für Umweltschutz und des amerikanischen Bundesministeriums für das Gesundheitswesen durchgeführt. Auf Grund der bisher gültigen
Bestimmungen ist pro Jahr eine Bestrahlungsdosis bis zu 170 Millirem (170
Tausendstel "röntgen cquivalent man" = biologisches Äquivalent von Röntgenstrahlung) zulässig. Diese Maximaldosis, die beispielsweise

durch vier

Röntgenaufnahmen vom Brustkorb Zustandekommen würde, möchte die Kommission
reduziert sehen. Sie befürchtet, daß andernfalls mit der Zeit die Todesfälle
als Folge von Krebs um 2 Prozent jährlich ansteigen würden. Denn die

-i-

�die Strahlenwirkung im Organismus summiert sich im Laufe der Jahre.
Auch in der Natur ist ionisierende Strahlung vorhanden. Sie entsteht
durch kosmische Strahlen oder den Zerfall radioaktiver Bestandteile von
Gestein, beispielsweise im Granit. In manchen Gegenden beträgt diese Dosis
sogar ein Mehrfaches der oben erwähnten Maximaldosis aus künstlichen Quellen.
Angesichts cieser Strahlenbelastung, gegen die sich niemand schützen kann,
sollte nach Meinung der Kommission die Belastung durch künstliche Strahlungsquellen so klein wie nur irgend möglich gehalten werden. In dieser Beziehung
seien noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. In dem Bericht werden
u.a. elektronische Geräte und Leuchtzifferuhren als mögliche Strahlungsquellen
erwähnt, bei denen noch mehr als bisher auf eine Verminderung ihrer Strahlen emmission hingearbeitet werden sollte.Die Bemühungen sollten sich jedoch
.rster Linie auf die weitere Verbesserung der Röntgentechnik und auf die
stärkere Beachtung und Entwicklung von Methoden richten, um die Einwirkung
von Röntgenstrahlen auf ein Mindestmaß zu beschränken. So wird u.a. in Frage
gestellt, ob Schirmbild-Massenuntersuchungen, beispielsweise auf Lungenkrebs
und Tuberkulose, tatsächlich im bisherigen Umfang erforderlich und ergiebig
genug seien. Zumindest sollte der Kreis der auf diese Weise zu untersuchenden
Personen durch mögliche anderweitige Tests wesentlich eingeschränkt werden.
Ähnliches gelte für diagnostische Untersuchungen beim Mann und bei Frauen
(z.B. zur Vornahme einer Mammographie), bei denen bereits eine Schwangerschaft
festgestellt wurde oder zu vermuten ist.

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STRAHLUNGSAUSBRUCH EINES RÖNTGENSTERNS

--(AD)— Um mehr als das 200fache ihrer normalen Intensität verstärkten
sich Anfang September 1972 die Radiosignale von Cygnus X-3, einer Röntgenstrahlungsquelle im Sternbild des Schwans. Dr. Mark A. Stull und Larry R.
D'Addario beobachteten die "Eruption" von Radiostrahlung über mehrere Tage
mit einem der modernsten Radioobservatorien der Welt - nämlich mit dem
aus fünf Parabolantennen bestehenden Interferometer des radiowissenschaftlichen Instituts der Stanford-Universität. Jede der Schüsselantennen des
Observatoriums hat 18 m Durchmesser.Die Antennen,die auf einer 205 m langen,
von Ost nach West verlaufenden Strecke montiert sind, können auf jede Radioquelle am Firmament gerichtet werden und diese beobachten, solange sie über
dem Horizont steht. Die Oberfläche der fünf Antennen zusammen entspricht
dem Auflösungsvermögen einer Einzelantenne von mehr als 200 m Durchmesser.
Die Meßdaten jeder Station werden separat aufgezeichnet und von einem
Computer wieder zusammengefügt, der auf Befehl den Durchschnittswert für
die Einzelmessungen ausdruckt.
Nie zuvor war ein derartiges Phänomen, das sich einige Wochen später
noch einmal wiederholte und auch von einigen anderen Radioobservatorien
erfaßt wurde, beobachtet worden. Der Ost-West-Durchmesser der unsichtbaren

�unsichtbaren Strahlungszunge betrug den Meßdaten zufolge auf dem 2,8 craBand (10 690 Megahertz) nicht mehr als fünf Bogensekunden. Mit dem optischen Fernrohr ist die Strahlungsquelle, einer der hellsten "Röntgensterne",
der bisher geortet wurde, nicht auszumachen. Niemand weiß genau, wie weit
sie von der Erde entfernt ist oder um was für ein Objekt es sich tatsächlich
handelt. Man glaubt jedoch, daß s_ch Cygnus X-3 in der Nähe eines optisch
gut sichtbaren Sternhaufens befindet, dessen Entfernung auf ca. 6 500 Lichtjahre geschätzt wird.
Cygnus X-3, vor ein paar Jahren mit Hilfe einer Forschungsrakete entdeckt, eröffnete der Astronomie eine neue Dimension. Inzwischen wurden
-vor allem durch entsprechend ausgerüstete Forschungssatelliten- mehr als
hundert Röntgenstrahler im Kosmos ausfindig gemacht. Eine ganze Anzahl von
ihnen gibt in diesem sehr kurzwelligen Bereich des elektromagnetischen Spektrums viel mehr Energie ab als im Bereich des sichtbaren Lichts oder der
Radiowellen.

-2-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;1. Information&lt;br /&gt;William P. Rogers bleibt Außenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enger Vertrauter Nixons als NATO-Botschafter vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;George P. Shultz, Finanzminister mit erweirtem Aufgabenbereich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herbert Stein bleibt Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peter M. Flanigan bleibt Vorsitzender des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peter J. Brennan soll neuer Arbeitsminister werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Botschafter Peterson auf der KSZE-Vorbereitungskonferenz in Helsinki&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Koordinierung der Wirtschaftspolitik soll Stellung der USA in den kommenden Verhandlungen stärken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stellvertreterausschuss nahm Währungsgespräche in Washington auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Eugene Brake -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Rätselhafte Gravitation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch mehr Schutz vor ionisierenden Strahlen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strahlungsausbruch eines Röntgensterns&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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Dokumentation

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29. November 1972

48

Inhalt
INFORMATION:
Elliot L. Richardson zum neuen amerikanischen Verteidigungsminister
vorgesehen
Caspar W. Weinberger soll Ministerium für Gesundheit, Erziehung und
Sozialfragen übernehmen
Roy L. Ash soll neuer Direktor des Amtes für Planung und Haushalt
werden
Washington unterstreicht Bedeutung der Konsultationen mit den NATOVerbündeten
Von Marie H.König

L
DOKUMENTATION:
Schreiben Nixons zur Eröffnung von SALT II
-Wortlaut-

WIRTSCHAFT:
USA werden nachdrücklich auf Lösung der anstehenden Handelsprobleme
hinarbeiten
-Intensive Vorbereitungen WashingtonsVon Eugene Brake
WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Pakt zum Schutz der Ozeane
-91 Länder einigten sich auf internationale KonventionLaborsynthese von Lanosterin gelungen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Ab/1972

ELLIOT L.RICHARDSON ZUM NEUEN AMERIKANISCHEN VERTEIDIGUNGSMINISTER VORGESEHEN

WASHINGTON --(AD)«- Zum neuen Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten
hat Präsident Nixon am 28. November den jetzigen Gesundheits-, Erziehungsund Sozialminister Elliot L. Richardson vorgesehen. Richardson soll die
Nachfolge von Melvin R. Laird antreten, der das Amt des Verteidigungsmi~
nisters seit dem 20.Januar 1969 innehat.
Richardson war am 24. Juni 1970 von Präsident Nixon an die Spitze des
Ministeriums für Gesundheit, Erziehung und Sozialfragen berufen worden, nachdem er seit Januar 1969 Staatssekretär im amerikanischen Außenministerium
gewesen war.
Am 20. Juli 1920 in Boston, Massachusetts, geboren, hat Richardson an
der Harvard-Universität studiert und dort 1941 den Grad eines Bachelor of
Arts und 1947 den eines Bachelor of Laws erworben. Im Kriege diente er als
Oberleutnant bei der US-Armee und nahm u.a. an der Landung der alliierten
Truppen in der Normandie teil. Nach einer dreijährigen Assistententätigkeit
an einem Bundesberufungsgericht bei Richter Learned Hand und am Obersten

-l-

�Obersten Bundesgericht bei Oberrichter Felix Frankfurter praktizierte er,
seit 1949 Mitarbeiter einer angesehenen Anwaltskanzlei in Boston

und seit

1950 zu den Gerichten von Massachusetts zugelassen, bis 1956 als Anwalt, Zwischendurch war Richardson 1952 an der Harvard-Universität als Lektor und
Chefredakteur der juristischen Fachzeitschrift "Havard Law Review" und 1953
bis 1954 als Referent des republikanischen Senators Leverett Saltonstall tätigIm Jahre 1957 berief ihn Präsident Eisenhower als Unterstaatssekretär
für Gesetzgebungsfragen in das Gesundheits-, Erziehungs-und

Sozialministerium.

Zwei Jahre später übernahm Richardson das Amt des Anklagevertreters der Bundesgerichtsbarkeit in seinem Heimatstaat. 1961 fungierte er kurze Zeit als Sonderreferent im Justizministerium und wurde noch im gleichen Jahr Teilhaber seiner
alten Bostoner Anwaltskanzlei. Von 1965 bis 1969 war er erst stellvertretender
Gouverneur und später Justizminister von Massachusetts, bis ihn Präsident Nixon
kurz nach seinem Amtsantritt als Staatssekretär und Ministerstellvertreter
ins Außenministerium berief. Elliot Lee Richardson ist verheiratet und hat
zwei Söhne und eine Tochter.

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Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Elliot Lee
Richardson zur Verfügung.

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48/1972

CASPAR W.WEINBERGER SOLL MINISTER FÜR GESUNDHEIT, ERZIEHUNG
UND SOZIALFRAGEN WERDEN

WASHINGTON --(AD)-- Caspar W. Weinberger, der bisherige Direktor des wichtigen Amtes für Planung und Haushalt, ist von Präsident Nixon am 28. November ausersehen worden, das Amt des Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialministers zu übernehmen. Er wird damit die Nachfolge Elliot L.Richardsons
antreten, der im neuen Kabinett Nixon als Verteidigungsminister vorgesehen
ist.
Weinberger hatte am 16. Mai 1972 das Amt für Planung und Haushalt übernommen, nachdem er seit

1. Juli 1970 stellvertretender Direktor dieses zu

diesem Zeitpunkt neugeschaffenen zusammengefaßten Amtes gewesen war.
Am 18. August 1917 in San Francisco geboren studierte Weinberger in
Harvard, wo er 1938 den akademischen Grad eines Bachelor of Arts erwarb, um
dann 1941 an derselben Universität sein juristisches Examen abzulegen. Er
diente vier Jahre in der US-Armee und wurde 1945 als Hauptmann entlassen. Anschließend trat er in den Justizdienst ein, um dann ab 1947 als Rechtsanwalt
zu praktizieren.
Im

-1-

�Im November 1952 w u r d e er in das Parlament des Staates K a l i f o r n i e n g e w ä h l t und hatte eine führende R o l l e in der republikanischen P a r t e i in diesem
Staat inne. Im S t a a t s p a r l a m e n t befaßte er sich vor allem m i t F r a g e n der R e g i e r u n g s o r g a n i s a t i o n und w u r d e 1955 v o n den P a r l a m e n t s J o u r n a l i s t e n zum fähigsten A b g e o r d n e t e n g e w ä h l t .
Nach einer e r f o l g r e i c h e n T ä t i g k e i t als A n w a l t und P u b l i z i s t v o n 1959
b i s 1968 ernannte ihn G o u v e r n e u r R e a g a n A n f a n g 1968 zum Direktor der Finanzen des S t a a t e s K a l i f o r n i e n . E n d e 1969 w u r d e W e i n b e r g e r in die Bundeshandelskommission berufen.
W e i n b e r g e r ist v e r h e i r a t e t und hat einen S o h n u n d eine T o c h t e r .

I1 H I

A u f A n f o r d e r u n g stellen w i r Ihnen gerne eine P o r t r ä t a u f n a h m e v o n C a s p a r W.
W e i n b e r g e r zur V e r f ü g u n g .

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48/1972

ROY L.ASH SOLL NEUER DIREKTOR DES AMTES FÜR PLANUNG UND HAUSHALT
WERDEN

WASHINGTON — ( A D ) - - Der kalifornische Industrielle Roy L. Ash ist von Präsident Nixon zum Direktor des Amtes für Planung und Haushalt in der neuen USRegierung ausersehen worden, die im Januar in ihr Amt eingeführt werden soll.
Ash ist seit 1961 Präsident der Litton Industries Inc. Er gehört zu den
Mitbegründern dieser Gesellschaft und war seit 1953 Mitglied des Direktoriums.
Von April 1969 bis Mai 1971 war Ash Vorsitzender des Beirates des Präsidenten
für die Reorganisation der Regierung. In dieser Zeit hat der Beirat Präsident
Nixor. zahlreiche Empfehlungen für eine Straffung der Regierungsarbeit, darunter auch für die Umbildung des früheren Budgetamtes in das heutige Amt für
Planung und Haushalt, vorgelegt.
Ash wurde am 20. Oktober 1918 in Los Angeles geboren und studierte an
der Harvard Universität Wirtschaftswissenschaften. Von 1936 bis 1942 und von
1947 bis 1949 was Ash für die Bank of America tätig, und von 1949 bis 1953
war er Leiter der Finanzabteilung der Hughes Aircraft Company. Während des
zweiten Weltkrieges diente er bei der amerikanischen Luftwaffe und schied 1945
als Hauptmann aus.
Ash

�Ash ist ferner Direktor der Bank America Corporation, der Bank of America,
der Global Marine Inc. und der Pacific Mutual Life Insurance Company sowie
Ko-Vorsitzender der japanisch-kalifornischen Gesellschaft. Ferner gehört er
dem Kuratorium des California Institute of Technology, des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung und des Urban Institute sowie dem Exekutivausschuß
des amerikanisch-japanischen Beirats an.
Ash ist verheiratet und hat fünf Kinder.

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48/1972

WASHINGTON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER KONSULTATIONEN MIT
DEN NATO-VERBÜNDETEN

Von Marie H.König

WASHINGTON --(AD)-- Weil in Kreisen der Nordatlantischen Versammlung die Ansicht vertreten wird, daß eine Ausweitung der "streng bilateralen Diplomatie" zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion potentielle Gefahren
für die westliche Solidarität mit sich bringen könnte, ist es wichtig, sich da
in die Erinnerung zurückzurufen, was der amerikanische Außenminister William
P.Rogers im Mai in Bonn auf der Ministerratstagung der NATO gesagt hat.
Außenminister Rogers war damals direkt von den Gipfelgesprächen, die
Präsident Nixon in Moskau geführt hatte, nach Bonn gekommen und hatte auf den
geheimen Sitzungen der Minister immer wieder unterstrichen, "daß der Erfolg
unseres Besuches in Moskau nicht im geringsten auf Kosten unserer Verbündeten
gegangen ist". Und ein wichtiger Punkt, den Rogers herausstellte, war, daß die
sowjetischen Gesprächspartner höflich aber fest zurückgewiesen worden seien,
wenn immer die Sowjets Präsident Nixon oder ihm eine Möglichkeit anboten,
einseitig für die NATO zu sprechen. Von amerikanischer Seite sei dabei betont

�betont worden, daß Moskau und Washington nicht über das Schicksal Europas entscheiden könnten. Moskau, so erklärte Rogers damals, sei davon unterrichtet worden, daß die USA mit ihren Verbündeten umfassende und ständige Konsultationen
über alle Fragen führen würden, die die Sicherheit Europas berühren.
Außenminister Rogers bereitet sich gegenwärtig auf eine neue NATO-Ministerratstagung vor, die im Dezember in Brüssel stattfinden wird. Wie der Sprecher
des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray, dieser Tage vor Korrespondenten betonte, wird Rogers auf der Konferenz eingehende Konsultationen mit den
übrigen Außenministern führen und zwar gerade zu dem Zweck, die Politik der NATO
im Hinblick auf die beiden wichtigen, für 1973 vorgesehenen Ost-Westkonferenzen
aufeinander abzustimmen.
Der amerikanische Außenminister wird zu einem entscheidend wichtigen Zeitpunkt in Brüssel sein, denn die vorbereitenden Gespräche für eine Konferenz über
Europäische Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) haben soeben zwischen
Vertretern von 34 Ländern in Helsinki begonnen, und am 31. Januar 1973 sollen
ebenfalls vorbereitende Gespräche für eine Konferenz mit den kommunistischen
Ländern Europas über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung(MBFR)
aufgenommen werden.
Auf eine am 23. November von der Nordatlantischen Versammlung in Bonn angenommene Resolution angesprochen, in der auf potentielle Gefahren für die westliche Solidarität angesichts der amerikanisch-sowjetischen Geheimdiplomatie verwiesen worden war, erwiderte Bray, daß die Vereinigten Staaten gerade dieser Frage,
nämlich Politik und Konsultationen zwischen den USA und den übrigen Mitgliedern
des Bündnisses zu harmonisieren, große Bedeutung beimessen. Bereits während der
ersten Runde der Verhandlungen über eine Reduzierung der Strategischen Rüstungen
(SALT I) hätten die Vereinigten Staaten strikt diesen Weg verfolgt.
Von

-2-

�Von Seiten des amerikanischen Außenministeriums wurde in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, daß die Nordatlantische Versammlung, die sich aus Paria»
mentarier der NATO-Mitgliedsstaaten zusammensetzt und beratende Funktionen ausübt, offensichtlich nicht auf dem laufenden darüber sei, welche eingehende
Konsultationen Washington ständig mit den europäischen Hauptstädten führe. Zum
Beispiel schließt der stellvertretende amerikanische Außenminister John Irwin
in diesen Tagen in Washington mit den Botschaftern der NATO-Länder eine Gesprächsrunde über die bevorstehenden Verhandlungen für eine Truppenreduzierung
ab. Und im Oktober hatte Irwin in Paris Konsultationen über Amerika und Europa
betreffende Fragen geführt. Während der Moskauer Gipfelkonferenz hat Außenminister Rogers ständig die Botschafter der verbündeten Länder über das Konferenzgeschehen auf dem laufenden gehalten. Präsident Nixon selbst hat in seiner
Rede vor dem amerikanischen Kongreß nach seiner Rückkehr aus Moskau unter anderem erklärt: "...Wir müssen fest zu unseren NATO-Partnern stehen, wenn Verhandlungen mit dem Ziel einer neuen Entspannung und einer beiderseitigen Verringerung
der Streitkräfte in Europa positive Ergebnisse bringen sollen. Die Erhaltung
der Stärke, der Integrität und Festigkeit unserer Bündnisse in der freien Welt
ist die Grundlage, auf der alle unsere anderen Initiativen für Frieden und
Sicherheit in der Welt basieren müssen."

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48/1972

SCHREIBEN NIXONS ZUR ERÖFFNUNG VON SALT II
-Wortlaut«
GENF--(AD)-- Präsident Nixon hat in einen» Schreiben an den amerikanischen

Chefdelegierten bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT), Botschafter Gerard Smith,
seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß SALT II zu einem "erneuten
Erfolg" führen werde. Das zu Beginn der neuen Verhandlungsrunde in Genf am
21. November veröffentlichte Schreiben hat folgenden Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr Botschafter!
Vor drei Jahren sind Sie und Ihre Kollegen in die wohl kritischsten
Verhandlungen in unserer Geschichte eingetreten. Damals bestand nur eine geringe Garantie, daß wir einen gemeinsamen

Boden für Gespräche finden würden,

geschweige denn ein Übereinkommen über Fragen, deren letzter Konsequenz man
sich in der Nachkriegszeit nicht gestellt hatte und die die lebenswichtigen
Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion berührten.

Der

-1,

�Der erfolgreiche Abschluß der am 26

Mai unterzeichneten Abkommen war

ein Meilenstein nicht nur in den amerikanisch sowjetischen Beziehungen, sondern
auch in der umfassenderen Anstrengung, eine friedlichere Welt zu schaffen.
Diese abkommen, so wichtig sie auch sind, dürfen nicht Anlaß zur Selbstgefälligkeit sein. Wir haben einen ersten Schritt getan und die Grundlage für
neue Abkommen gelegt. Jetzt stehen Sie vor einer Aufgabe, die in vieler Hinsicht noch komplizierter und schwieriger ist, da beide Seiten jetzt gezwungen
sein werden, in einem endgültigen Abkommen langfristige Verpflichtungen für
ein

stabiles strategisches Verhältnis "ür dieses Jahrzehnt und darüber hinaus

einzugehen.
In meinem Schreiben an Sie vor drei Jahren habe ich darauf hingewiesen,
daß niemand den Ausgang der Verhandlungen voraussehen könne, aber zugleich habe
ich meiner Überzeugung Ausdruck verliehen, daß eine Kontrolle der Rüstungen
im beiderseitigen Interesse unseres Landes und der Sowjetunion läge. Wir haben
in den letzten drei Jahren erfahren, daß solche beiderseitigen Interessen in
der Tat bestehen.
Was durch die SALT-Abkommen und auch durch die Grunds.-^ze er eicht wurde,
die heute unsere Beziehungen zur UdSSR .^stimmen, bringt mich zu der Überzeugung, daß Ihre gegenwärtigen Bemühungen zu e • .iem erneuten Erfolg führen werden.
Wenn Sie und Ihre sowjetischen Kollegen jetzt in eine neue Gesprächsrunde
eintreten, dann begleiten Sie die Hoffnungen des ganzen amerikanischen Volkes
- ja die Hoffnungen der ganzen Menschheit.

uochachtun,gsvoll
gez. Richard Nixon "

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USA WERDEN NACHDRÜCKLICH AUF LÖSUNG DER ANSTEHENDEN HANDELSPROBLEME
HINARBEITEN
-Intensive Vorbereitungen WashingtonsVon Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)—Amerikanische Regierungskreise stellen bei jeder Gelegenheit heraus, daß die Nixon-Administration in den kommenden Monaten und Jahren
nachdrücklich auf eine Lösung der anstehenden Handelsprobleme hinarbeiten
wird.
Die wichtigsten Handelsverhandlungen sind die, die im kommenden Jahr auf
weltweiter Ebene aufgenommen werden und zu einem weiteren Abbau aller Handelsschranken - der zoll-und der nicht-zollursächlichen - führen sollen.

Die ame-

rikanische Regierung hat hierfür umfassende Vorbereitungen in Angriff genommen, und in Kreisen des amerikanischen Handels setzt man große Erwartungen und
Hoffnungen auf diese Gespräche, die das in der Kennedy-Runde der sechziger
Jahre erreichte Maß an Handelsliberalisierung noch wesentlich erweitern sollen.
Dieser weltweiten Verhandlungsrunde werden jedoch andere Handelsgespräche
noch vorangehen. Diese Zollausgleichsverhandlungen sollen im Rahmen des

-1-

�des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) geführt werden und betreffen
die sich aus der Erweiterung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)
ergebenden Fragen sowie die Auswirkungen der besonderen Handelsvereinbarungen
zwischen der EWG und den ihr nicht als Vollmitglied angehörenden Ländern auf
den Handel mit Drittländern.
Wenn ein Land, das einer Zollunion beitritt, deswegen Zölle oder andere
Handelsschranken erhöhen muß, so fordern die GATT-Bestimmungen, daß die NichtMitgliedsstaaten für die Schädigung ihrer Handelsinteressen kompensiert werden
müssen. Da die Vereinigten Staaten gewillt sind, ihre Rechte und die anderer
Nicht-Mitgliedsstaaten zu wahren, dürften harte Verhandlungen bevorstehen. Die
wünschenswerte Lösung der Kompensationsfrage - vom Standpunkt der Vereinigten
Staaten wie auch der anderen Länder, die mit der EWG hierüber in Verhandlungen
eintreten wollen - wären wahrscheinlich Maßnahmen, um die besondere Situation
zu korrigieren, die diese Probleme geschaffen hat, und das in früheren Verhandlungen geschaffene Gleichgewicht von Rechten und Pflichten wiederherzustellen.
Wo zum Beispiel die Agrarpolitik der EWG die Ausweitung der amerikanischen
Getreideexporte beeinträchtigt hat, könnte eine modifizierte Politik eingeschlagen werden, die das Einkommen der Bauern in der EWG wirksam schützen würde,
ohne daß die Landwirte anderer Länder einen Teil ihrer potentiellen Absatzmärkte verlieren.
Und wo die besonderen Handelsvereinbarungen der EWG mit Nicht-Mitgliedsstaaten zu einer Diskriminierung amerikanischer Waren führen, ließe sich das
Ausmaß solcher Diskriminierung auf verschiedene Weise verringern. Beispielsweise könnten die Gegenpräferenzen in den Abkommen zwischen der EWG und einigen
Entwicklungsländern aufgehoben werden, nach denen diese Länder Industrieerzeugnissen der EWG einen niedrigeren Zollsatz einräumen müssen als gleichen Importen aus den USA, Japan oder anderen Nicht-Mitgliedsländern.
Sollten

-2-

�Sollten die europäischen Länder nicht bereit sein, spezifische, korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, so könnten sie auf andere Weise Kompensationen
gewähren. So könnten sie die Zölle für andere Erzeugnisse senken, die für die
USA von besonderem Interesse sind, und dadurch die durch Gegenpräferenzen sich
für den US-Handel ergebenden Verluste kompensieren.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß beide Seiten gewillt sind, ernsthaft
zu verhandeln. Europäische Sprecher scheinen zu akzeptieren, daß sie anderen
Ländern Kompensationen schuldig sind. Allerdings dürfte es darüber, wo und wie
solche Kompensationen erfolgen sollen,harte Verhandlungen geben.
Die Aussicht auf ein konstruktives Ergebnis wird durch die Bereitschaft
aller großen Handelsnationen, im kommenden Jahr eine umfassende, weltweite
Runde von Handelsgesprächen aufzunehmen, nur vergrößert. Ein Abbau oder eine
Beseitigung zahlreicher Handelsschranken auf weltweiter Ebene würde an sich
schon ausreichen, um zahlreiche Klagen über eine Handelsdiskriminierung auszuräumen. Würde bei einzelnen Erzeugnissen überhaupt kein Zoll mehr erhoben
werden, so könnte es bei diesen Erzeugnissen auch keine Diskriminierung durch
Zölle mehr geben.
Die Ergebnisse dieser beiden bevorstehenden Verhandlungsrunden könnten
also die Exportmöglichkeiten aller Länder verbessern, während der Welthandel
sich aufgrund der weltweiten Handelsliberalisierung weiter ausweitet. Und
ein solches konstruktives Ergebnis - nicht eine sterile Konfrontation - streben
die Vereinigten Staaten mit ihrer neuen dynamischen Handelspolitik an.

-B-f-f

-3-

�amerika dienst
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48/1972

PAKT ZUM SCHUTZ DER OZEANE,

91 Länder einigten sich auf internationale Konvention

--(AD)-- Vor zwei Jahren forderte der US-Präsidialbeirat für Umwelthygiene
die amerikanische Regierung auf, sich auf internationaler Ebene dafür einzusetzen, daß der Verseuchung der Ozeane Einhalt geboten werde. In den Vereinigten Staaten wurden daraufhin Gesetze vorbereitet, die eine weitere Verseuchung
durch das Versenken von Abfällen aus amerikanischen Quellen unterbinden sollten. Die Maßnahmen dienten auf der Stockholmer "UN-Konferenz über die menschliche Umwelt" (Juni 1972) als Modell für ein ähnliches internationales Programmi das bis Ende 1972 Rechtskraft erlangen soll.
Mitte November wurde darüber in London Einigung erzielt. 91 Länder, unter ihnen alle seefahrenden Nationen, stimmten einer globalen Konvention zu,
die Russell E. Train, der Leiter der US-Delegation, als einen "historischen
Schritt zur Kontrolle weltweiter Meeresverschmutzung" bezeichnete. Aufgrund
dieser Konvention sind die Regierungen dafür verantwortlich, welche Art von
Abfällen in welchen Mengen und an welcher Stelle ins Meer geleitet werden.
Bei

i

�Bei manchen Substanzen besteht ein absolutes Verbot zur Abfallbeseitigung in
den Ozeanen. Zu ihnen gehören z,B

bestimmte Schädlingsbekämpfungsmittel, schwer

abbaufähige Öle und Koststoffmassen, stark radioaktive Abfälle sowie Kadmium und
Quocksilberund deren Verbindungen. Abfälle, die giftige Stoffe wie Blei, Chrom,
Arsen, Zyanide und Fluoride enthalten, dürfen nur mit Sondergenehmigung ins Meer
gebracht werden, alle übrigen Substanzen fallen unter ein allgemeines Genehmigungsverfahren.
Die Vereinbarungen von London berücksichtigen im wesentlichen die Ziele,
die die Vereinigten Staaten zum Schutz der Meere anstreben. So verbietet das
von Präsident Nixon am 28. Oktober 1972 unterzeichnete Gesetz das Versenken oder
Ablassen jeglicher Stoffe für radiologische, chemische oder biologische Waffen
oder stark radioaktiver Abfälle amerikanischer Herkunft im Meere. In den neuen
amerikanischen Bestimmungen ist auch die verschmutzende Wirkung anderer Abfallprodukte berücksichtigt - z.B, von Industrieabfällen, Klärschlamm, festen
Materialien und von Baggergut. Die Ablagerung solcher Produkte wird nach der
Untersuchung ihrer Auswirkungen von der US-Bundesbehörde für Umweltschutz geregelt.
Der "Pakt von London" tritt in Kraft, sobald er von mindestens 15 Signatarmächten ratifiziert worden ist

Diese verpflichten sich, "alle praktikablen

Schritte zu tun, um die Verschmutzung der Meere durch Abfallprodukte und andere
Stoffe zu verhindern, welche zwangsläufig Gefahren für die menschliche Gesundheit schaffen, die Nahrungskette und Lebewesen im Meer schädigen, Naturschönheiten zerstören oder anderweitig die rechtmäßige Nutzung der Meere beeinträchtigen." Wo in Sonderfällen eine Beseitigung gefährlicher Substanzen im Meer
unumgänglich ist, muß dies der Behörde oder Organisation, die beauftragt wird,
Informationen über die Meeresverschmutzung zu veröffentlichen, sofort gemeldet
werden. Die Durchsetzung der einzelnen Punkte der Konvention ist Sache der
Regierungen.
Die

T2-

�Die Konvention allein könnte allerdings die Probleme der Meeresverschmutzung
nicht lösen. Sie muß deshalb zusammen mit den übrigen Abmachungen wirksam werden, die durch internationale Gremien wie IMCO (Intergovernmental Consultative
Organization - Zwischenstaatliche Konsultativorganisation) insbesondere zur
Bekämpfung der Ölpest bereits durchgesetzt worden sind. Die USA stehen derzeit
inmitten der Vorbereitungen für die nächste IMCO-Konferenz im Herbst 1973.
Auf dieser soll eine neue Konvention angenommen werden, die sehr strenge Maßstäbe in bezug auf das Ablassen von Öl und Versenken gefährlicher Substanzen
im Meer sowie für die Konstruktion von Schiffen anlegt, mit denen solche Stoffe
transportiert werden.

�. amerika dienst
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48/1972

LABORSYNTHESE VON LANOSTERIN GELUNGEN

--(AD)-- Chemikern der Stanford Universität ist es zum ersten Mal gelungen,
eine der kompliziertesten biochemischen Reaktionen unter Laboratoriumsbedingungen zu simulieren. Prof. Eugene van Tamelen und Richard Anderson, einer
seiner Doktoranden, beschreiben in der Zeitschrift der "American Chemical
Society" (Ausgabe vom 15. November 1972) Reaktionsabläufe, die über Lanosterin zur Bildung der pflanzlichen und tierischen Steroide führen.
Bisher glaubte man, die Synthese von Lanosterin sei nur in Anwesenheit
von Enzymen möglich, die im Organismus als Katalysatoren fungieren. Die Natur
setzt ein ganzes System von Enzymen ein, um aus einem verhältnismäßig einfachen Molekül, nämlich Squalenoxid, Lanosterin zu produzieren. Dieses ist
die Muttersubstanz für zahlreiche wichtige Verbindungen - insbesondere für
Cholesterin und eine Gruppe von Körpern, zu der z.B, Vitamin D-Varianten,
Sexualhormone und Nebennierenrinden-Hormone wie Cortison gehören. Normalerweise gewinnt man alle synthetischen Hormone, auch die Bestandteile der Kontrazeptiva, aus natürlichen Steroiden. Nach den Angaben der Stanford-Wissenschaftler ist es bisher bei Abwesenheit von Enzymen nicht gelungen, aus Squalenoxid
Lanosterin aufzubauen. Die beiden Chemiker fanden jedoch ein nahezu identisches
Molekül, ein "Pseudo-Squalenoxid", Dieses Molekül führt in Verbindung mit
Enzymen oder - im Labor - mit einer Reihe von sauren Katalysatoren zum
Lanosterin-System.
Nach

-l-

�Nach Ansicht van Tamelens bedeutet dies einen wichtigen Schritt für die
organische Chemie. "Es gibt wenig Fälle, in denen man in einer einzigen Reaktion
mit so wenig Aufwand so viel erreichen kann", meint er. Die Aufdeckung der Rolle
des Squalenoxids bei der Biosynthese der Steroide ist ebenfalls Arbeiten von
Wissenschaftlern der Stanford-Universität zu verdanken.
Ob den neuen Experimenten und deren Ergebnissen kommerzielle Bedeutung zukommt, vermag van Tamelen noch nicht zu beurteilen. Aber sie lassen nunmehr bemerkenswerte Schlußfolgerungen auf Evolutionsprozesse zu. Höhere Lebensformen
könnten ohne Lanosterin überhaupt nicht existieren. Aus spektrographischen
Untersuchungen ist bekannt, daß es schon vor 2,5 Milliarden Jahren auf der Erde
Steroide gab. Nach Meinung van Tamelens ist anzunehmen, daß sich diese Substanzen
spontan bildeten - und das bedeutet, daß vorher chemische Prozesse ohne Enzyme
am Werk waren. "Nachdem wir jetzt wissen, was ohne ein Enzym zustandegebracht
werden kann, sind wir auch eher in der Lage, seine reale Bedeutung zu erfassen
und abzugrenzen."
Die neuesten Ergebnisse stellen den Höhepunkt zehnjähriger Forschungsarbeit
dar. Dem Bericht van Tamelens zufolg e wurde das gleiche Verfahren nicht nur bei
Squalenoxid, sondern bei verschiedenen Ausgangsmaterialien angewandt, um mit
einfachen Mitteln noch kompliziertere Verbindungen zu gewinnen als Lanosterin
es ist. Dazu gehörten z.B. Beta-und Deltaamyrin (zwei sehr komplizierte Pflanzenprodukte) und Tetrahymanol, das normalerweise in Protozooen enthalten ist.

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Elliot L. Richardson zum neuen amerikanischen Verteidigungsminister vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Caspar W. Weinberger soll Ministerium für Gesundheit, Erziehung und Sozialfragen übernehmen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Roy L. Ash soll neuer Direktor des Amtes für Planung und Haushalt werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Washington unterstreicht Bedeutung der Konsultationen mit den NATO-Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Marie H. König&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Nixons zur Eröffnung von SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden nachdrücklich auf Lösung der anstehenden Handelsprobleme hinarbeiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Intensive Vorbereitungen Washingtons -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pakt zum Schutz der Ozeane&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 91 Länder einigten sich auf internationale Konvention -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Laborsynthese von Lanosterin gelungen</text>
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