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Telex:08-85432

7. März 1973

10

Inhalt

DOKUMENTATION:
Die Schlußakte der Vietnamkonferenz
-Wortlaut-

HI NTERGRUND MATERIAL :
Wie lange werden die Vereinten Nationen noch dem internationalen
Terror zusehen?
Von Richard L. Carl

WIRTSCHAFT:
Volcker: Keine weitere Dollarabwertung
-Wortlaut der Erklärung des StaatssekretärsWashington erwartet mehr ausländische Direktinvestitionen in den USA
Von Sam Burks

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Nierentransplantationen
-Zweitübertragung - Gute Operationsergebnisse bei Kindern Magnetische Stürme und Wettergeschehen
-Auffällige "Koordination" von Polarlichtern und TiefdruckrinnenHaemoglobin aus tiefgekühltem Knochenmark

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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10/1973

DIE SCHLUSSAKTE DER VIETNAMKONFERENZ
-WortlautPARIS - »(AD)»- Mit der feierlichen Unterzeichnung der "Schlußakte" ist
am 2. März die Internationale Vietnamkonferenz zu Ende gegangen. Das Abschlußdokument besteht aus einer Präambel und 9 Artikeln und hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika,
die Regierung der Französischen Republik,
die Provisorische Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,
die Regierung der Volksrepublik Ungarn,
die Regierung der Republik Indonesien,
die Regierung der Volksrepublik Polen,
die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam,
die Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und
Nordirland,
die Regierung der Republik Vietnam,
die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken,
die Regierung von Kanada und
die Regierung der Volksrepublik China
sind in Anwesenheit des Generalsekretärs der Vereinten Nationen hinsichtlich der Anerkennung der unterzeichneten Abkommen über die Garantie der
Einstellung der Kriegshandlungen, der Erhaltung des Friedens in Vietnam,

-1-

�Vietnam, der Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des Vietnamesischen Volkes sowie des Rechtes des sudvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung und als Beitrag zum sowie zur Garantie des Friedens in Vietnam
über die folgenden Bestimmungen übereingekommen und verpflichten sich, diese
zu respektieren und einzuhalten.

Artikel 1
Die Unterzeichner dieser Akte erkennen feierlich das am 27. Januar 1973
unterzeichnete Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam und die am gleichen Tage unterzeichneten vier Protokolle zu dem Abkommen (im folgenden jeweils als das Abkommen und die Protokolle bezeichnet) an und sie erklären ausdrücklich, daß
sie diese billigen und unterstutzen.

Artikel 2
Das Abkommen entspricht den Zielen und den grundlegenden nationalen Rechten des vietnamesischen Volkes - das sind Unabhängigkeit, Souveränität,
Einheit und territoriale Integrität Vietnams -, dem Recht des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung sowie dem von allen Völkern der Welt geteilten aufrichtigen Wunsch nach Frieden. Das Abkommen stellt einen wichtigen Beitrag zum Frieden, zur Selbstbestimmung, zur nationalen Unabhängigkeit
und zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Ländern dar. Das Abkommen
und die Protokolle sollten strikt eingehalten und peinlich genau durchgeführt
werden.

Artikel 3
Die Unterzeichner dieser Akte erkennen feierlich die Verpflichtungen
der Unterzeichner des Abkommens und der Protokolle an, das Abkommen und die
Protokolle strikt einzuhalten und peinlich genau durchzuführen.

Artikel 4

»2-

�Artikel 4
Die Unterzeichner dieser Akte erkennen die grundlegenden nationalen
Rechte des vietnamesischen Volkes feierlich an, nämlich die Unabhängigkeit,
Souveränität, Einheit und territoriale Integrität Vietnams sowie das Recht
des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung,und respektieren diese
strikt. Die Unterzeichner dieser Akte werden das Abkommen und die Protokolle
strikt einhalten und werden sich jeder im Widerspruch zu ihren Bestimmungen
stehenden Handlung enthalten.

Artikel 5
Um eines dauerhaften Friedens in Vietnam willen appellieren die Unterzeichner dieser Akte an alle Länder, die grundlegenden nationalen Rechte
des südvietnamesischen Volkes strikt zu achten, nämlich die Unabhängigkeit,
Souveränität, Einheit und territoriale Integrität Vietnams sowie das Recht
des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung wie auch das Abkommen
und die Protokolle, indem sie sich

jeder im Widerspruch zu ihren Bestim-

mungen stehenden Handlung enthalten.

Artikel 6
a) Die vier Parteien des Abkommens oder die beiden südvietnamesischen
Parteien können entweder einzeln oder durch eine gemeinsame Handlung die
anderen Unterzeichner dieser Akte über die Durchführung des Abkommens und
der Protokolle unterrichten. Da die von der Internationalen Kontroll-und
Uberwachungskommission unterbreiteten Berichte und ihre Ansichten über die
Kontrolle und Überwachung der Durchführung derjenigen Bestimmungen des Abkommens und der Protokolle, die in den Aufgabenbereich der Kommission fallen,
entweder an die vier Signatarstaaten des Abkommens oder an die beiden südvietnamesischen Parteien gesandt werden, sollen diese Parteien dafür ver-

�verantwortlich sein, sie entweder einzeln oder durch eine gemeinsame Handlung umgehend an die übrigen Unterzeichner dieser Akte weiterzuleiten.
b) Die vier Parteien des Abkommens oder die beiden südvietnamesischen
Parteien werden ferner, entweder einzeln oder durch eine gemeinsame Handlung, diese Information und diese Berichte und Ansichten an die übrigen
Teilnehmer der Internatinalen Vietnamkonferenz zu deren Information weiterleiten.

Artikel 7
a) Im Falle einer Verletzung des Abkommens oder der Protokolle, die
eine Bedrohung des Friedens, der Unabhängigkeit, der Souveränität, der Einheit oder der territorialen Integrität Vietnams oder des Rechtes des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung darstellt, werden die Signatarstaaten
des Abkommens und der Protokolle entweder einzeln oder gemeinsam mit den übrigen Unterzeichnern dieser Akte Konsultationen mit dem Ziele führen, die erforderlichen Maßnahmen für eine Abstellung zu beschließen.
b} Die Internationale Vietnamkonferenz kann auf gemeinsamen Antrag der
Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam namens der Signatarstaaten des Abkommens oder auch
auf Antrag von sechs oder mehr Unterzeichnern dieser Akte wieder einberufen
werden.

Artikel 8
Als Beitrag zum Frieden in Indochina und zu seiner Gewährleistung erkennen die Unterzeichner dieser Akte die Verpflichtung der Parteien des Abkommens an, die Unabhängigkeit, Souveränität, Einheit, territoriale Integrität und Neutralität

von Kambodscha und Laos, wie es in dem Abkommen festge-

legt ist, zu achten; sie selbst vereinbaren ferner, diese zu respektieren

-4.

�respektieren und sich jeder im Widerspruch hierzu stehenden Handlung zu enthalten, und sie fordern die übrigen Länder auf, das gleiche zu tun.

Artikel 9
Diese Akte soll mit Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter aller 12 Parteien in Kraft treten und von allen Parteien strikt durchgeführt werden. Die Unterzeichnung dieser Akte stellt in keiner Weise eine
Anerkennung irgendeiner Partei dar, die nicht zuvor ausgesprochen worden
war.

Ausgefertigt in 12 Kopien in Paris an diesem zweiten Tage des Monats März
des Jahres Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in englischer, französischer, russischer, vietnamesischer und chinesischer Sprache. Alle Texte sind
in gleicher Weise authentisch.

Für die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika:
Der Außenminister William P. Rogers
Für die Regierung der französischen Republik:
Der Außenminister Maurice Schumann
Für die Provisorische Revolutionsregierung der Republik Südvietnam:
Der Außenminister Nguyen Thi Binh
Für die Regierung der Volksrepublik Ungarn:
Der Außenminister Janos Peter
Für die Regierung der Republik Indonesiens:
Der Außenminister Adam Malik
Für

�Für die Regierung der Volksrepublik Polen:
Der Außenminister Stefan Olszowski
Für die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam:
Der Außenminister Nguyen Duy Trinh
Für die Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland:
Der Minister für Auswärtiges und Commonwealth-Angelegenheiten Alec DouglasHome
Für die Regierung der Republik Vietnam:
Der Außenminister Tran van Lam
Für die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken:
Der Außenminister Andrei A. Gromyko
Für die Regierung von Kanada:
Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten Mitchell Sharp
Für die Regierung der Volksrepublik China:
Der Außenminister Chi Peng-fei.

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10/1973

WIE LANGE WERDEN DIE VEREINTEN NATIONEN NOCH DEM INTERNATIONALEN
TERROR ZUSEHEN?

Von Richard L. Carl

VEREINTE NATIONEN, New York-(AD)--Der brutale Mord an drei Diplomaten
in Khartum hat die Vereinten Nationen und ihre Mitgliedsstaaten erneut mit
einem Problem konfrontiert, dem sie in den letzten Jahren immer wieder ausgewichen sind. Erneut stellt sich die Frage, was die Mitglieder der Weltorganisation gemeinsam zu tun gedenken, um dem internationalen Terror endlich wirksam Einhalt zu gebieten.
Weder in den Vereinten Nationen selbst noch in der ihnen angeschlossenen Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) noch in irgendeinem
anderen internationalen Gremium hat sich die Gemeinschaft der Völker, die
doch ein so großes Interesse an friedlichen, gewaltlosen Beziehungen haben
muß, über harte, wirksame und vor allem durchsetzbare Maßnahmen einigen
können, die potentielle Terroristen abschrecken und ihnen klar machen könnten, daß sie den Folgen ihres verbrecherischen Tuns nicht entgehen können.

Die

�Die Vereinigten Staaten haben seit dem entsetzlichen Massaker in München und schon vorher immer wieder an die Vereinten Nationen appelliert,
endlich weltweite Schritte gegen Gruppen zu beschließen, die wie der sogenannte "Schwarze September" in München und jetzt in Khartum Mord und Terror
als politisches Mittel benutzen.
Nach dem furchtbaren Zwischenfall in der sudanesischen Hauptstadt erklärte der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Scali,
dieser Angriff "stellt eine erneute Forderung an die Gemeinschaft der Vereinten Nationen, bedeutsame und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um internationalen Terroristen Einhalt zu gebieten." Er ließ keinen Zweifel daran,
daß die Vereinigten Staaten ihre Initiative in dieser Richtung, die sie im
Herbst vorigen Jahres in der Vollversammlung ergriffen haben, nicht aufgeben werden.
Bereits im September vorigen Jahres hatte der amerikanische Außenminister,
William P. Rogers, einen Dreipunkte-Plan vorgelegt:
-&lt;» Rascher Abschluß eines Vertrages über die Bestrafung von Personen,
die Diplomaten oder ausländische Regierungsvertreter angreifen oder
entführen, wie er von der UN-Menschenrechtskommission bereits entworfen wurde;
-« Übereinkunft über einen internationalen Vertrag über die Einstellung
des Flugdienstes nach Ländern, die sich weigern, Luftpiraten oder
Saboteure zu bestrafen;
-- Abschluß eines weiteren Vertrages über die Bestrafung von Personen,
die internationale Terrorakte begehen, um andere Regierungen zu erpressen.
Alle drei dieser geforderten und angesichts der steigenden Flut des
Terrors ohne Frage notwendigen Abkommen zielen auf eine klare Verpflichtung

-2-

�Verpflichtung aller Signatarstaaten ab, internationale Terroristen angemessen zu bestrafen oder auszuliefern. Wenn erst alle Länder eine solche Verpflichtung eingegangen wären, dann gäbe es keinen Schlupfwinkel mehr für
Terroristen.
Die 132 Mitglieder der Vollversammlung konnten sich jedoch im Herbst
vorigen Jahres nicht zu einem solchen festen und einmütigen Stand gegen den
Terrorismus durchringen, und was der "Ausdruck der tiefen Besorgnis", wie
er von der Vollversammlung formuliert wurde, nutzt, das hat nicht zuletzt
die Bluttat von Khartum gezeigt.
Auch von der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf
ist der neueste Terror-Fall verurteilt worden. Der amerikanische Vertreter,
Philip E. Hoffman, hat mit seiner Forderung nach der schärfsten internationalen Verurteilung jedoch ebenfalls erneut auf ein gemeinsames Handeln der
Völkergemeinschaft gedrungen. "Wir sind der Überzeugung", so betonte er,
"daß diese Handlung erneut die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit lenkt,
daß Regierungen sofort handeln, damit diejenigen, die diesen besonderen Akt
begangen haben, einer wirksamen Bestrafung zugeführt werden, und daß klar
gemacht wird, daß in Zukunft keine Regierung für ähnliche Täter Zuflucht
gewähren wird."
Außenminister Rogers, der vor der Presse berichtete, daß Präsident
Nixon über den jüngsten Zwischenfall zutiefst besorgt und empört sei, unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit internationaler Maßnahmen. "Wir
müssen uns als internationale Gemeinschaft diesem Problem stellen", so
erklärte er, "und dafür sorgen, daß solche Fälle sich nicht wiederholen."
Es kann nicht angehen, daß, wie Botschafter Scali betonte, "die Gemeinschaft der Völker sich noch länger ihrer Verantwortung entzieht, sich
diesem kritischen Problem zu stellen."

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10/1973
V0LCKER: KEINE WEITERE DOLLARABWERTUNG
-Wortlaut der Erklärung des Staatssekretärs-

WASHINGTON --(AD)— Die Vereinigten Staaten haben nicht die Absicht, eine
weitere Dollar-Abwertung vorzunehmen. Dies hat der Staatssekretär im USFinanzministerium, Paul A. Volcker, am 6. März vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für internationale Finanzfragen unterstrichen. Die Erklärung des Staatssekretärs hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Unterausschusses:
Vor einer Woche bin ich vor dem Bankenausschuß des Senats für dieses
Ihnen jetzt vorliegende Gesetz (H.R. 4546) eingetreten, das die Ermächtigung
für eine Herabsetzung der Dollar-Parität um 10 Prozent erteilt. Ich füge der
Vollständigkeit halber den vollen Text meiner damaligen Erklärung bei, die
alle Hintergrundinformationen für den Antrag der Regierung gibt, dieses Gesetz
zu verabschieden. Heute morgen möchte ich einige zusätzliche Bemerkungen
machen, um Sie über den neuesten Stand der Dinge zu unterrichten.
Wie Sie wissen, ist es an bestimmten europäischen Devisenbörsen in den
letzten beiden Wochen zu einem starken spekulativen Druck gekommen. Angesichts
dieses Druckes haben die Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft mit einem
festen Wechselkurs ihre Devisenbörsen geschlossen, d.h. sie haben zumindest
aufgehört, das Wechselkurssystem offiziell zu stützen. Die Japaner, die ihren
Wechselkurs bereits freigegeben hatten, haben ihre Devisenbörse vorübergehend
völlig geschlossen. Mehrere wichtige europäische Währungen - das Pfund

-1-

�•

Pfund Sterling, der schweizer Franken und die italienische Lire - floateten
bereits vor der letzten Krise. Am vergangenen Wochenende haben die EWG-Finanzminister Besprechungen über die jüngsten Entwicklungen geführt und die
Frage erörtert, wie diesen gemeinsam begegnet werden kann. Wir standen in
dieser Zeit in Verbindung mit einer Reihe maßgebender Länder. (Weitere Konferenzen auf internationaler Ebene sind anberaumt worden, darunter auch eine
Konferenz der EWG-Länder und am Freitag der Zehner-Gruppe).
Im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Tage möchte ich einige Punkte
erneut unterstreichen:
-- Erstens sind wir weiterhin der Überzeugung, daß die grundlegende
Neufestsetzung der Wechselkurse, wie sie im Februar erreicht wurde, angemessen
ist. Diese Neufestsetzung bildet - soweit dies Wechselkursänderungen überhaupt können - eine realistische Basis für die Wiederherstellung eines dauerhaften Zahlungsbilanzgleichgewichtes. Die Situation, vor der wir heute stehen,
ist die Folge spekulativer Auswüchse. Wir haben nicht die Absicht, eine weitere Dollar-Abwertung vorzunehmen.
-- Zweitens sind wir bereit, mit der Europäischen Gemeinschaft und mit
unseren anderen Handelspartnern schnell darauf hinzuarbeiten, eine baldige
und befriedigende Lösung dieses Problems zu erreichen. Wir haben in enger
Verbindung mit ihnen gestanden und wir werden uns später in dieser Woche in
Paris treffen.
—

Drittens unterstreichen die jüngsten Entwicklungen erneut - sofern

dies überhaupt noch erforderlich ist - die Notwendigkeit, das Tempo unserer
Bemühungen um eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems
zu beschleunigen. Was dies anbetrifft, so glaube ich, daß wir mit Vernunft
und gutem Willen auf allen Seiten die Ereignisse der letzten Wochen zu einem
konstruktiven Abschluß bringen können. Wir sahen uns zwei getrennten, aber
doch miteinander zusammenhängenden Problemen gegenüber. Wir müssen die

-2-

�die zugrundeliegenden Ungleichgewichte in den internationalen Zahlungsbilanzen
- der Zahlungsbilanzen der USA und anderer Länder-korrigieren, die die Ursache dieser monetären Unruhe und Verwirrung sind. Die Wechselkursänderungen
entsprechen diesem Erfordernis. Wir brauchen ferner dauerhafte Vereinbarungen, um sicherzustellen, daß sich diese Ungleichgewichte nicht wiederholen,
daß notwendige internationale Anpassungen künftig wirksamer sind, reibungsloser vor sich gehen und sicherer sind,und laß unsere monetären Abmachungen
zu einem offenen Handel und einem offenen Zahlungsverkehr zwischen den einzelnen Ländern beitragen. Dies letztere Erfordernis ist Aufgabe der Reform des
Währungssystems. Wir müssen beide Ziele erreichen, um sicherzustellen, daß
das internationale Währungssystem - statt uns immer wieder in einer Krisenatmosphäre zu belasten - zu einer im Hintergrund wirkenden Kraft für eine
expandierende und prosperierende Weltwirtschaft wird.
-- Viertens und letztens - was aber keineswegs am wenigsten zählt möchte ich nachdrücklich wiederholen, daß die Stärke des Dollar im Ausland
letztlich von der Stärke des Dollar und der Stärke der Wirtschaft im Inland
abhängt. Die Regierung ist sich dieser einfachen Wahrheit voll bewußt. Ich
glaube, unser Verhalten entspricht dieser Sorge. Ja, relativ gesehen, stehen
wir unter den großen Industriestaaten, was die Wiederherstellung der Preisstabilität anbetrifft, wirklich gut da und wir werden noch besseres leisten.
Die Haushalts-, Währungs-, Lohn- und Preispolitik ist auf dieses Ziel ausgerichtet.
Abschließend möchte ich den Ausschuß dringend ersuchen, den vorliegenden
Gesetzesentwurf bald und positiv zu verabschieden. Damit wird ein wichtiger
Teil des Prozesses, die Unsicherheit zu beenden, das Gleichgewicht wiederherzustellen und gemeinsam mit unseren Handelspartnern auf ein stärkeres Währungssystem hinzuarbeiten, abgeschlossen sein. Die Neufestsetzung der Wechselkurse war vor drei Wochen notwendig und ist auch heute noch notwendig. Sie
erforderte schwierige Entscheidungen und Maßnahmen seitens zahlreicher anderer

-3-

�anderer Länder wie auch seitens der USA. Das Gesetz ist notwendig, damit
wir den gesetzlichen und finanziellen Folgen der Wechselkursänderung gerecht werden können. Allgemeiner gesagt, ich hoffe, Sie werden dem beipflich
ten, daß die Neufestsetzung der Wechselkurse den Interessen der amerikanischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber am besten gerecht wird. Die Verabschiedung dieses Gesetzes wird dazu beitragen, die Grundlagen für eine weitere
Zusammenarbeit mit anderen Ländern mit dem Ziele einer Wiederherstellung des
Gleichgewichtes unserer Zahlungsbilanz und einer Verwirklichung der notwendigen Reform des Währungssystems zu legen.

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10/1973

WASHINGTON ERWARTET MEHR AUSLÄNDISCHE DIREKTINVESTITIONEN
IN DEN USA
Von Sam Burks

WASHINGTON --(AD)— Eine wichtige Begleiterscheinung der auf eine Reform
des Welthandels und des Weltwährungssysteins abzielenden Wirtschaftspolitik Präsident Nixons ist die von der US-Regierung erwartete Ausweitung
der ausländischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten.
Dies haben gerade in den letzten Tagen maßgebende Persönlichkeiten
der amerikanischen Regierung vor dem US-Senat betont. Der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul Volcker, erklärte letzte Woche vor
dem Bankenausschuß des Senats, die Neufestsetzung der internationalen
Wechselkurse sollte zu einer Belebung des Flusses von Investitionskapital
nach den Vereinigten Staaten führen. Gerade die Ölländer im Nahen Osten
würden, wenn jetzt ihre Kapitalüberschüsse immer mehr anwachsen und auch
das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft zurückkehrt, feststellen,
daß die USA "ein attraktives Land" für Investitionen seien.
Der Sonderberater Präsident Nixons und Direktor des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter Flanigan, bekräftigte gleichzeitig
vor einem anderen Senatsausschuß, daß die USA bestimmt nicht die Absicht
hätten, Schranken gegen eine Ausweitung der gegenwärtig rund 13,7 Milliarden

-1-

�Milliarden Dollar betragenden ausländischen Direktinvestitionen in der USWirtschaft zu errichten. Wörtlich fuhr Flanigan fort, "wir begrüßen sie,
wir hoffen, daß sie zunehmen werden." Er sei sicher, daß jeder Amerikaner
die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch ausländische multinationale Gesellschaften wie Shell, Lever Brothers oder Nestle begrüße.
Und Handelsminister Frederick B. Dent gab vor dem gleichen Ausschuß
der Erwartung Ausdruck, daß sowohl die ausländischen Direktinvestitionen in
den USA wie auch die langfristigen Geldanlagen des Auslandes in amerikanischen
Wertpapieren weiter zunehmen werden. Allein in seinem Heimatdistrikt SouthCarolina gebe es jetzt 22 in ausländischem Besitz befindliche Unternehmen
mit etwa 2 200 Arbeitsplätzen, in die von ausländischer Seite rund 230 Millionen Dollar investiert worden seien.
Auch eine Studie, über die die Februarausgabe der vom US-Handelsministerium herausgegebene Zeitschrift "Survey of Current Business" berichtet, unterstreicht diesen Trend zu steigenden ausländischen Investitionen in der
amerikanischen Wirtschaft. So ist, wie in der Studie berichtet wird, der Wert
der ausländischen Direktinvestitionen in den USA von 7,4 Milliarden Dollar
im Jahre 1962 auf 13,7 Milliarden Dollar Ende 1971 angestiegen. Von Ende 1961
bis Ende 1966 betrug die jährliche Zuwachsrate der ausländischen Investitionen im Jahresmittel 330 Millionen Dollar oder 4,1 Prozent, in den darauffolgenden Jahren jedoch im Durchschnitt 930 Millionen Dollar pro Jahr oder 8,6
Prozent. Zu der Beschleunigung des Tempos der ausländischen Investitionen
haben der Studie zufolge die Ausweitung des Eurodollar-Marktes, die Modifizierung der Bestimmungen für die Berichterstattung der in ausländischem Besitz befindlichen Unternehmen über ihren finanziellen Status durch die amerikanische Wertpapier-und Bcrsenkommission, die Fusionsbestrebungen westeuropäischer Firmen, die zu höheren Investitionen in der chemischen und der
metallverarbeitenden Industrie sowie der Stahlindustrie führten, sowie die
schnelle Ausweitung des amerikanischen Marktes selbst beigetragen.
Auf

-2-

�Auf europäische Firmen entfielen der Studie zufolge 1971 mit circa
10 Milliarden Dollar rund 73 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen
in den USA gegenüber einem Anteil von 69 Prozent im Jahre 1962. Demgegenüber entfielen von den amerikanischen Direktinvestitionen im Ausland in
Höhe von rund 86 Milliarden Dollar 30 Prozent auf Europa, weitere 30 Prozent auf Kanada, 20 Prozent auf Lateinamerika und weitere 20 Prozent auf
die übrige Welt. Bei den ausländischen Direktinvestitionen in den USA lag
1971 Großbritannien mit 4,4 Milliarden Dollar an erster Stelle, gefolgt von
Kanada mit 3,3 Milliarden Dollar, Holland mit 2,2 Milliarden Dollar und der
Schweiz mit 1,5 Milliarden Dollar. Die Erträge der in ausländischem Besitz
befindlichen amerikanischen Gesellschaften erhöhten sich von 359 Millionen
Dollar im Jahre 1962 auf 1 110 Millionen Dollar 1971, und diese Gesellschaften hatten 1971 eine Gewinnzunahme (Zinsen und Lizenzen ausgenommen) von
20 Prozent zu verzeichnen gegenüber 14 Prozent bei den amerikanischen Unternehmen. Die an die ausländischen Stammhäuser abgeführten Erträge erhöhten
sich von 185 Millionen Dollar im Jahre 1962 auf 623 Millionen Dollar 1971.
Die Studie weist darauf hin, daß die in ausländischem Besitz befindlichen US-Firmen für amerikanische Verhältnisse klein seien und in keinem Industriezweig einen dominierenden Einfluß ausübten. Von dem Zuwachs der ausländischen Direktinvestitionen in diesem ZehnJahreszeitraum von 6,3 Milliarden Dollar entfielen der Studie zufolge 2,6 Milliarden Dollar auf Nettokapitalzuflüsse und der Rest auf reinvestierte Gewinne.
Von der Studie, die im Auftrage des US-Handelsministeriums erstellt
worden war, wurden ein repräsentativer Querschnitt von 400 größeren in ausländischem Besitz befindlichen US-Gesellschaften sowie alle amerikanischen
Gesellschaften erfaßt, bei denen 25 Prozent oder mehr des stimmberechtigten
Kapitals in ausländischem Besitz sind.

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10/1973

NIERENTRANSPLANTATIONEN
-Zweitübertragung - Gute Operationsergebnisse bei Kindern-

—(AD)-- Mehr als 10 000 Nierenübertragungen wurden bisher in aller Welt
durchgeführt -

an den Kliniken der Universität Kalifornien mit Zen-

tren in San Francisco und Los Angeles allein über 500 seit der ersten
Transplantation einer Niere im Jahre 1954. In Kalifornien wurde auch einzigartige Pionierarbeit geleistet, um die Ergebnisse solcher Operationen
durch exakte Gewebsbestimmungen und Verträglichkeitsprüfungen, bestmögliche Vor-und Nachbehandlung und Überwachung des Patienten und nicht zuletzt
durch die Weiterentwicklung der Methoden zur Organkonservierung ständig
zu verbessern.
Nach den Erfahrungen von Prof. Samuel Kountz (Transplantationszentrum
San Francisco) liefern die Kompatibilitätsprüfungen von Spender-und Empfängergewebe einen der wichtigsten Schlüssel für einen Erfolg, d.h. das Überleben des fremden Organs. Mit Hilfe von Computeranalysen wird in enger Zusammenarbeit mit in - und ausländischen Transplantationszentren versucht,
die jeweils günstigste Kombination für die bei Spender-und Empfängergewebe
ermittelten genetischen Faktoren zu finden.
Solche

�Solche Arbeiten auf "molekularer Ebene" erhöhen die Chance, daß der
Empfängerorganismus das Fremdorgan annimmt und es nicht durch Abwehrreaktionen des eigenen Immunsystems wieder abstößt. Unter günstigsten Bedingungen
kann sogar auf Medikamente, die Abwehrreaktionen unterdrücken sollen, verzichtet werden. Zahlreiche Fachkräfte im Laboratorium für Gewebstypenbestimmung, das die Universität Kalifornien in Los Angeles eingerichtet hat und
das heute das größte dieser Art in der Welt ist, beschäftigen sich ausschließlich mit derartigen Fragen.
Zu den bisherigen positiven wie negativen Erfahrungen und den auf dieser Basis erarbeiteten Regeln ergeben sich aber doch immer wieder neue Gesichtspunkte. So stellten Dr. Gerhard Opelz, Dr. Paul J. Terasaki und
Dr. Max R. Mickey (Los Angeles) durch die Datenauswertung von 1 497 Erstund 257 Zweittransplantationen zu ihrer Überraschung fest, daß die prozentuale Überlebensrate des zweiten Organs der Überlebensrate bei den Erstübertragungen äl .ilich war. Entgegen diesem Befund hatten sie erwartet, daß
die Abwehrreaktionen nach der Wiederholung der Transplantationen, die außerdem mit Leichennieren vorgenommen wurden, sogar heftiger als beim ersten Mal
in Erscheinung treten würden.
Durch eine weitere Untersuchung von Zweittransplantationen konnten die
Wissenschaftler die Beobachtung zur Frage der Überlebenschance einer zweiten Fremdniere erhärten und differenzieren. Aufgrund der Unterlagen zu 264
Zweittransplantationen mit Leichennieren, die von Januar 1967 bis Dezember
1971 an 58 Kliniken in den USA und in Kanada durchgeführt wurden, ergab sich
bei einer bestimmten Patientengruppe sogar eine deutlich verbesserte Überlebensrate. Und dieser Effekt scheint durch die Reaktionen induziert worden
zu sein, die sich im Zusammenhang mit der Abstoßung des ersten Organs entwickelten. Insbesondere bei Patienten mit "langsamer Abwehr", d. h. der Abstoßung der ersten Fremdniere nach mehr als drei Monaten, wäre es denkbar,

-2-

�denkbar, daß das sogenannte Enhancement-Phänomen mit erhöhter Toleranz gegenüber dem zweiten Fremdorgan durch die Bildung spezifischer Antikörper in
Erscheinung tritt; dies wäre eine Folge der Immunreaktionen auf das erste
Transplantat. Diese Frage ist jedoch noch keineswegs endgültig beantwortet
und bedarf weiterer gründlicher Untersuchungen.

- Fremdniere bei jugendlichen Patienten Eine Gruppe von fünf Ärzten vom Transplantationszentrum San Francisco
führte seit 1964 insgesamt 63 Nierenübertragungen bei 54 Patienten unter 18
Jahren durch.

Der von Beizer, Schweitzer, Holliday, Fotter und Kountz ver-

öffentlichten Übersicht zufolge waren bei 32 Kindern die Organspender Blutsverwandte; in fünf Fällen war eine Retransplantation erforderlich. Die Überlebensrate dieser Gruppe lag nach dem ersten Jahr bei 90 Prozent, bei den
21 Kindern mit Leichennieren bei 67 Prozent. Manche der Kinder leben bereits
sieben Jahre mit dem fremden Organ, das bei fast allen so gut funktioniert,
daß ein ganz normales Leben möglich ist.
Trotz dieser guten Ergebnisse ist die Todesrate mit 20 Prozent noch "zu
hoch", wie Dr. Beizer erklärte - auch angesichts der Tatsache, daß die Erkrankungen ohne die Operation in allen Fällen zum Tod geführt hätten. Die zweite
Therapiemöglichkeit, nämlich die Hämodialyse mit regelmäßiger Blutwäsche,
ist nach den Erfahrungen von Beizer und Mitarbeitern als Dauerbehandlung für
Kinder nicht akzeptabel.

Bei chronischer Urämie sei eine Nierenübertragung

möglicherweise bereits in Erwägung zu ziehen, noch ehe die Dialyse erforderlich werde.

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10/1973

MAGNETISCHE STÜRME UND WETTERGESCHEHEN
-Auffällige "Koordination" von Polarlichtern und Tiefdruckrinnen-

--(AD)— Für die seit langem gehegte Vermutung, daß ein direkter Zusammenhang zwischen erdmagnetischen Stürmen und damit Vorgängen auf der Sonne
und dem Wettergeschehen auf der Erde bestehen könne,

gibt es jetzt zum

ersten Mal statistische Beweise. Aufgrund ihrer langjährigen Untersuchungen
(1964-1971) berichteten kürzlich Dr. Walter Orr Roberts, der Präsident
der "Universitätscorporation für Atmosphärische Forschung" in Boulder
(Colorado), und Dr. Roger H. Olson, Meteorologe beim US-Amt für Meeres- und
Atmosphärenforschung (NOAA), über entsprechende Beobachtungen im Raum über
dem Golf von Alaska im nordöstlichen Pazifik. Offensichtlich werden Tiefdruckrinnen - langgestreckte Zonen relativ niedrigen atmosphärischen
Drucks, wie sie in der Höhe mit 300 Millibar (ca. 10 000 m) zu finden
sind - in Reaktion auf Stürme im erdmagnetischen Feld verstärkt. In den
in die Beobachtung einbezogenen geographischen Breiten rufen solche Stürme
meist das farbenprächtige Schauspiel der Nordlichter hervor.
Die Entwicklung von Tiefdruckrinnen über dem Golf von Alaska beeinflußt
erheblich das Wetter über Nordamerika. Etwa ein Drittel der Tiefdruckgebiete dringt bis in den amerikanischen Mittelwesten vor. Gehen den Tief-

�Tiefdrucksystemen jedoch Nordlichter voraus, verlagern sich die Schlechtwetterzonen bis 350 km weiter nach Süden und bringen dort merkliche Abkühlung.
Obgleich sich nicht alle großen Tiefdruckrinnen erst nach Nordlichtern
ausbilden, und umgekehrt einem Nordlicht nicht immer die Entwicklung einer
Tiefdruckrinne folgt, ist die Wahrscheinlichkeit der Verstärkung dieses meteorologischen Phänomens zwei bis vier Tage nach einem erdmagnetischen Sturm
doppelt so groß wie in magnetisch ruhigen Perioden.
Eine beweisbare physikalische Erklärung vermochten die Wissenschaftler
für einen derartigen Zusammenhang zwischen Sonnen-und Erdwetter noch nicht
zu geben. Über die Mechanismen, die dabei im Spiele sind, gibt es bisher nur
Vermutungen.So könnte sich beispielsweise die sonnenaktive und geomagnetische
Steuerung auf dem Wege über eine gewisse Blockierung der Abstrahlung von
Wärmeenergie a«s dem Raum über dem verhältnismäßig warmen Nordpazifik durch
Zirruswolken ergeben. Deren Bildung wiederum beruht unter anderem auf Phänomenen, die mit erdmagnetischen Störungen zusammenhängen. Aber auch Veränderungen der Ozon-Konzentration und möglicherweise verstärkte Gewittertätigkeit
könnten als Einflußfaktoren in Frage kommen.
Um die Fragen, die aufgrund der siebenjährigen Beobachtungen aufgeworfen wurden, vielleicht doch klären und so zur Verbesserung der Wettervorhersage beitragen zu können, wollen die beiden Wissenschaftler nunmehr die meteorologischen Daten aus dem betreffenden Gebiet über einen Zeitraum von 20 Jahren (1950-1970) einer nochmaligen Analyse unterziehen.(Olson und Roberts berichteten im Januarheft 1973 der Zeitschrift "Journal of the Atmospheric
Science" über ihre bisherigen Forschungen.)

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10/1973

HAEMOGLOBIN AUS TIEFGEKÜHLTEM KNOCHENMARK

--(AD)-- Menschliche Knochenmarkzellen können bis zu neun Monate im gefrorerenen Zustand konserviert werden, ohne dadurch ihre Fähigkeit zu verlieren, den roten Blutfarbstoff und Sauerstoffträger Haemoglobin zu produzieren. Diese Feststellung machten Dr. John W. Adamson und Dr. Rainer
Storb von der Universität Washington (Seattle) bei Laboruntersuchungen an
Knochenmarkzellen von sechs Patienten. Die Lebensfähigkeit des tiefgekühlt
konservierten Knochemarks testeten die Wissenschaftler aufgrund seiner
Fähigkeit, nach Behandlung/Erythropoetin (ESF-dem Blutplasmafaktor, der
normalerweise die Produktion roter Blutkörperchen anregt), Haemoglobin
zu synthetisieren.
Haemoglobin wird nur im Stadium der Zellteilung und in den noch nicht
ausgereiften Erythrozyten gebildet. Deshalb berechtigte die Beobachtung
einer verstärkten Haemoglobinsynthese in den ESF-behandelten Zellkulturen
zu der Schlußfolgerung, daß sich die konservierten Zellen nach monatelangem
Einfrieren tatsächlich weitervermehren. Allerdings machen die beiden Forscher darauf aufmerksam, daß dies mit Sicherheit erst von einem der fünf
Typen von "Vorläufern" der Erythrozyten im Knochenmark gesagt werden könne.
Die Vermehrungsfähigkeit der anderen Elemente im konservierten menschlichen
Knochenmark müsse erst noch genau untersucht werden. Die bisherigen Ergeb-

-l-

�Ergebnisse lassen jedoch hoffen, in bestimmten Fällen die Bildung roter
Blutkörperchem mit eigenem, konservierten Knochenmark des Patienten anregen zu können. Drei Institute der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der Vereinigten Staaten unterstützen finanziell die Untersuchungen in
Seattle.

-2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Schlußakte der Vietnamkonferenz &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie lange werden die Vereinten Nationen noch dem internationalen Terror zusehen? &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Richard L. Carl &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Volcker: Keine weitere Dollarabwertung - Wortlaut der Erklärung des Staatssekretärs - Washington erwartet mehr ausländische Direktinvestitionen in den USA &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Sam Burks &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nierentransplantationen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zweitübertragung - Gute Operationsergebnisse bei Kindern -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Magnetische Stürme und Wettergeschehen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auffällige "Koordination" von Polarlichtern und Tiefdruckrinnen -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Haemoglobin aus tiefgekühltem Knochenmark</text>
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28. Februar 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Teil III der Botschaft über die Lage der Nation: Die Wirtschaft
- Wortlaut Rogers-Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats
vom 21. Februar 1973
- Auszüge Wortlaut des amerikanisch-chinesischen

Kommuniques

HINTERGRUNDMATERIAL:
Kissinger b e r i c h t e t über seine China-Reise
- Wortlaut der einleitenden Erklärung -

INFORMATION:

vierte internationale technische Konferenz in Japan
(13. - 16. März 1973)

WIRTSCHAFT:
USA erläutern Zielsetzungen bei den bevorstehenden HandelsVerhandlungen
- Auszüge aus der Ansprache von William R. Pearce vor dem Verband
kanadischer Erporteure Jüngste Neufestsetzung der Wechselkurse ist ausreichend
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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9/1973

TEIL III DER BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION: DIE WIRTSCHAFT
-Wortlaut-

WASHINGTON -»(AD)-« Der dem amerikanischen Kongreß am 22. Februar unterbreitete Teil III der Botschaft Präsident Nixons über die Lage der Nation,
der sich mit der Situation der amerikanischen Wirtschaft befaßt, hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Heute, in diesem dritten Teil meiner Botschaft über die Lage der
Nation für 1973, möchte ich über die Lage unserer Wirtschaft berichten und
den Kongreß ersuchen, gemeinsam mit mir die Grundlagen einer neuen Ära der
Prosperität in den Vereinigten Staaten zu errichten.
Die Lage unserer Nation ist in fundamentaler Weise abhängig von der
Lage unserer Wirtschaft. Ich freue mich, berichten zu können, daß unsere
wirtschaftlichen Aussichten sehr gut sind. Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren können wir einer Epoche echter Prosperität in einer Zeit des Friedens
entgegensehen. Wir können in der Tat die größte Prosperität erreichen, die
dieses Land jemals erlebt hat.
Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn wir selbst Disziplin
üben und uns auf bestimmte grundlegende politische Richtlinien einigen:
—Wir

-1-

�-- Wir müssen Zurückhaltung üben bei den Ausgaben der Bundesregierung.
—

Wir müssen in den Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen Vernunft
walten lassen.

-- Wir müssen den Erfordernissen der Phase III unseres wirtschaftlichen
Stabilisierungsprogramms voll und ganz entsprechen.
-- Wir müssen unsere Bemühungen, die Lebensmittelpreise niedrig zu halten, fortsetzen.
-«. Und wir müssen der Wettbewerbsherausforderung im Außenhandel energisch begegnen.
Es ist mir klar, daß das amerikanische Volk bei der Unterstützung dieser Politik fest zusammensteht. Sein Präsident hält zu ihm. Und wenn die
Mitglieder des 93. Kongresses die uns dieses Jahr vorliegenden Alternativen
prüfen, so bin ich gewiß, daß sie sich ebenfalls an dieser großen Aufgabe
beteiligen werden.

- Die Auswirkung der Wirtschaft auf das Leben der Menschen In dieser Botschaft werden meine grundlegenden wirtschaftlichen Empfehlungen dargelegt, die Prioritäten gesetzt und einige der Bereiche aufgezeigt,
auf denen weitere detaillierte Pläne später vorgelegt werden.
Ich möchte unsere wirtschaftliche Lage aber auch in einer weniger formellen Form erörtern: Wie wirken sich statistische Normen, Vergleiche und
Tabellen auf das tägliche Leben der einzelnen Amerikaner und ihrer Familien
aus?
Wir bauen unsere Wirtschaft nämlich nicht auf, um kalte, unpersönliche
Statistiken für unsere Geschichtsschreibung zu schaffen, sondern um das Leben
unserer Menschen zu verbessern.
Grundsätzlich

-2-

�Grundsätzlich wirkt sich die Wirtschaft auf die Menschen auf dreierlei
Weise aus. Einmal beeinflußt sie ihre Arbeitsplätze - wie viele verfügbar
sind, wie sicher sie sind und wie gut sie sind. Zweitens wirkt sie sich auf
die Bezahlung der Menschen für ihre geleistete Arbeit aus = und darauf, wie
viel sie mit diesem Einkommen kaufen können. Schließlich wirkt sie sich darauf aus, wie viel die Bevölkerung an Steuern an die Regierung zu entrichten hat.

- Ermutigende Arbeitsmarktlage Zunächst einmal, die Arbeitsmarktlage ist heute sehr ermutigend. Die
Zahl der in Arbeit Stehenden in unserem Lande ist 1972 um 2,3 Millionen gestiegen ~ das ist die größte Zunahme in 25 Jahren. Die Arbeitslosigkeit ging
von einem Stand von 6 Prozent im Jahre 1971 auf 5 Prozent im letzten Monat
zurück.
Der Grund, warum die Zahl der Arbeitsplätze so schnell zugenommen hat,
ist, daß die Wirtschaft im letzten Jahr real um 6 1/2 Prozent expandierte
-- das ist eines der besten Ergebnisse des letzten Viertel Jahrhunderts. Unsere Wirtschaftsberater rechnen für 1973 mit einer Wachstumsrate von fast
7 Prozent. Das würde die Arbeitslosigkeit bis Ende des Jahres auf einen Stand
von 4 1/2 Prozent herabdrücken.
5 Prozent Arbeitslosigkeit ist zu viel. Trotzdem ist es aufschlußreich,
diese Zahl von 5 Prozent genauer zu prüfen. Zum Beispiel:
-» Nur 40 Prozent der jetzt als arbeitslos Geführten befinden sich in
diesem Status, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Entlassungsrate war Ende des Jahres niedriger als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem
Korea^Krieg.
-- Die übrigen 60 Prozent haben ihren Arbeitsplatz entweder freiwillig
verlassen oder sie bemühen sich erstmals um einen Arbeitsplatz oder sie tre-

-3-

�treten nach einer langen Zeitspanne erneut wieder in das Arbeitsleben ein.
-- Rund 45 Prozent der Arbeitslosen waren weniger als 5 Wochen ohne
Arbeit.
-- Verglichen mit früheren Zeiten, in denen die Arbeitslosenrate sich
in etwa auf dem gegenwärtigen Stand befand, ist die Arbeitslosenrate bei
männlichen Arbeitnehmern, Haushaltsvorständen und verheirateten Männern niedr
ger. Bei verheirateten Männern beträgt sie nur 2,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit bei diesen Gruppen sollte 1973 noch weiter zurückgehen.
Dieser Erfolg auf dem Beschäftigtensektor ist umso bemerkenswerter, da
weit mehr Menschen Arbeit suchen als sonst. Zum Beispiel sind fast drei
Millionen Amerikaner seit 1969 aus mit der Verteidigung zusammenhängenden
Arbeitsplätzen entlassen worden - in dieser Zahl sind auch über eine Million
Kriegsveteranen enthalten.
Die Arbeitslosenrate bei Veteranen des Vietnamkrieges liegt gegenwärtig
bei 5,9 Prozent - also über der allgemeinen Arbeitslosenrate, aber geringfügig unter der Arbeitslosenrate für Männer in der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre
Dies ist zwar bedeutend besser als die 8,5 Prozent vor einem Jahrj die Arbeitslosenrate von 5,9 Prozent ist jedoch immer noch zu hoch.
Das Problem, Arbeitsplätze für Kriegsveteranen zu schaffen, die so viel
für ihr Land gegeben haben, wird im kommenden Jahr weiterhin obenan auf meiner Liste der dringenden Anliegen stehen.
Frauen und junge Menschen haben sich ebenfalls in noch nie dagewesenen
Zahlen um Arbeit bemüht. Doch

wie im Falle der Kriegsveteranen, hat die Zahl

der Arbeitsplätze für diese Gruppen noch schneller zugenommen. Die Arbeitslosigkeit bei Frauen und jungen Menschen ist somit zurückgegangen - aber sie
liegt immer noch zu hoch und bedeutet für unser Land eine große Vergeudung.
Wenn wir jetzt in eine neue Ära der Prosperität in Friedenszeiten eintreten, hat unser Wirtschaftssystem Platz - ja es besteht ein Bedarf - für
jede verfügbare Arbeitskraft.
Die
-4-

�Die Rolle der Frau wird in unserer Wirtschaft immer stärker werden. Und
sie sollte das - nicht nur, weil die Erweiterung der Arbeitsplatzchancen
für Frauen ihr Recht hat, sondern auch, weil Amerika sonst nicht sein volles
wirtschaftliches Potential entfalten kann, sofern nicht jede Frau, die arbeiten will, einen Arbeitsplatz finden kann, der ihr faire Entlohnung und
gleiche Fortkommensmöglichkeiten bietet.
Diese Regierung hat sich verpflichtet, dieses Ziel zu fördern. Wir unterstützen den Zusatzartikel (zur Verfassung) über gleiche Rechte. Wir haben
die Tür für die Beschäftigung qualifizierter Frauen im Bundesdienst geöffnet. Wir haben ähnliche Bemühungen in den Wirtschaftsunternehmen und in den
Instituten gefordert, die Aufträge oder Unterstützung seitens der Bundesregierung erhalten. Gerade im letzten Jahr haben wir einen Beratungsausschuis
über die Rolle der Frau in der Wirtschaft geschaffen. Dieser Ausschuß wird
federführend mitwirken, die wirtschaftlichen Probleme aufzuzeigen, denen sich
die Frau gegenübersieht, und mit dazu beitragen, die Haltung zu ändern, die
ungerechte und unlogische Schranken für ihre Beschäftigung schafft.

- Lohn und Kaufkraft -

Die zweite große Frage ist, welche Entlohnung die Menschen für ihre Arbeit erhalten und was sie dafür kaufen können.
Hier sind die Berichte ebenfalls gut. Es stehen nicht nur mehr Menschen
in Arbeit, sondern sie erhalten auch eine höhere Entlohnung für ihre Arbeit.
Das durchschnittliche pro-Kopf-Einkommen ist 1972 um 7,7 Prozent gestiegen
- das liegt weit über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.
Am wichtigsten ist jedoch, daß diese Erfolge nicht durch steigende Preise
zunichtegemacht werden - wie dies oftmals in den siebziger Jahren der Fall
war. Die Bundesregierung gab in dieser Zeit zu viel Geld zu schnell aus, und
das Ergebnis war eine galoppierende Inflation.
Während

»5-

�Während die Löhne in diesen Jahren sehr schnell, anstiegen, nahm die
Kaufkraft nicht zu. Vielmehr blieb die Kaufkraft unverändert oder sie ging
sogar zurück. Die Inflation führte zu einem wirtschaftlichen Stillstand, bei
dem ein Arbeitnehmer oftmals eine sechsprozentige Gehaltserhöhung jährlich
haben mußte, nur um den gleichen Stand halten zu können.
Das hat sich jetzt geändert. Die Inflationsrate ist im letzten Jahr gegenüber dem Stand von vor vier Jahren auf fast die Hälfte gesenkt worden.
Die Kaufkraft des durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens nahm im letzten
Jahr stärker als in irgendeinem Jahr seit 1955 zu; sie stieg um 4,3 Prozent
an - dies entspricht etwa zwei Extrawochenlöhnen.
Wir rechnen damit, daß die Inflation 1973 noch weiter abgebaut werden
kann - und zwar aus mehreren Gründen.
Ein Hauptgrund ist die wachsende Opposition im Lande gegen zu stark
steigende Bundesausgaben. Die Öffentlichkeit erkennt in immer stärkerem Maße,
was solche Ausgaben für Preise und Steuern bedeuten. Als folge hiervon haben
wir jetzt eine gute Chance, die beste seit Jahren, um der Ausweitung des Bundeshaushaltes Einhalt zu gebieten. Das wird mehr als irgendeine andere Maßnahme dazu beitragen, das Familienbudget zu schützen.
Andere Kräfte arbeiten ebenfalls für uns. Die Produktivität ist im
letzten Jahr stark gestiegen - was bedeutet, daß der durchschnittliche Arbeiter mehr produziert und daher mehr verdienen kann, ohne daß hierdurch die
Preise in die Höhe getrieben werden. Darüberhinaus wird die Tatsache, daß
das freie Einkommen im letzten Jahr real so stark gestiegen ist, zu vernünftigen Lohnforderungen in diesem Jahr führen. Die Arbeitnehmer werden nicht
mehr einen früheren Lohnruckstand aufzuholen haben.
Schließlich haben wir ein neues System von Lohn-und Preiskontrollen
- ein System, das das Richtige für 1973 ist.
-Strikte

�- Strikte Kontrollen und Kampf gegen die Lebensmittelpreise-

Jeder Gedanke, daß die Kontrollen praktisch aufgehört haben, ist völlig
falsch. Wir haben noch immer strikte Kontrollen, Wir setzen sie immer noch
entschlossen durch. Was sich geändert hat, ist die Art, wie wir sie durchsetzen.
Das alte System war abhängig von einer Bürokratie in Washington, die
im voraus größere Lohn-und Preiserhöhungen billigen mußte.. Obwohl dieses
System während seiner Geltungsdauer wirksam war, begann es doch zu Ungerechtigkeiten zu führen und sich in der Bürokratie zu verlieren. Das neue System
wird diese Gefahren vermeiden. Wie die meisten unserer Gesetze basiert es
weitgehend auf Selbstverwaltung und auf der freiwilligen Mitarbeit des
amerikanischen Volkes.
Sollten jedoch einige nicht mitmachen, so verfügen wir über den Willen
und die Mittel, sie dazu zu zwingen.
Allen wirtschaftlichen Interessen, die etwa glauben sollten, daß das
neue System ihnen, offen oder heimlich, gestatten wird, Gewinne zu erzielen,
die über die von uns festgesetzten Sicherheitsgrenzen hinausgehen, möchte
ich folgendes in klaren und unmißverständlichen Worten sagen:
Wir werden jede Verhöhnung unserer anti-inflationistischen Bestimmungen
und Normen als nichts anderes als einen Versuch wirtschaftlicher Brandstiftung ansehen, der die Stabilität unserer Volkswirtschaft bedroht - und wir
werden dementsprechend handeln. Wir möchten, daß die Phase III so freiwillig
wie möglich gehandhabt wird. Aber wir werden so viel Zwang ausüben, wie
notwendig ist.
Unser neues System findet breite Unterstützung bei Wirtschaft und Gewerkschaften - das ist der entscheidende Punkt für jedes erfolgreiche Programm. Es wird uns auf den Tag vorbereiten, an dem Kontrollen nicht länger
mehr notwendig sind. Es wird uns die Möglichkeit geben, uns auf solche

-7-

�solche Gebiete zu konzentrieren, auf denen die Inflation am störendsten war
- auf die Bauwirtschaft, die Gesundheitsfürsorge und vor allem auf die Lebensmittelpreise .
Wir werden dem schwierigen Problem der Lebensmittelpreise besondere Aufmerksamkeit schenken und unsere Maßnahmen hierauf konzentrieren. Diese Preise
haben auf Großhandelsebene in den letzten Monaten stark angezogen, so daß
die Statistiken der Einzelhandelspreise im Januar und Februar zwangsläufig
eine starke Zunahme aufweisen werden. Praktisch werden wir wahrscheinlich
noch auf Monate hinaus eine Erhöhung der Lebensmittelpreise erleben.
Die diesem Problem zugrundeliegende Ursache ist, daß die Lebensmittelversorgung nicht schnell genug ausgeweitet worden ist, um mit der schnell
steigenden Nachfrage Schritt halten zu können. Wir dürfen jedoch schnell
steigende Lebensmittelpreise nicht als eine ständige Erscheinung im Leben
der USA hinnehmen. Wir müssen dieser inflationistischen Spirale Einhalt gebieten, indem wir die Ursachen der steigenden Lebensmittelpreise auf allen
Fronten angehen. Der Verbesserung der Lebensmittelversorgung muß von uns
oberste Priorität gegeben werden, um die wachsende Nachfrage befriedigen zu
können.
Wir ergreifen nachdrückliche Maßnahmen, um unsere Lebensmittelversorgung
zu verbessern:
—

Wir ermutigen die Farmer, mehr Land in Bestellung zu nehmen, sowohl
für Feldfrüchte wie auch für die Viehzucht.

-- Wir werden mehr Fleisch und Trockenmilch aus dem Ausland hereinlassen.
-- Wir haben die Subventionen für Agrarexporte eingestellt.
-- Und wir bauen die Regierungsbestände an Agrarerzeugnissen ab und ermutigen die Farmer, ihre eigenen Bestände zu verkaufen.

Derartige

-8-

�Derartige Maßnahmen werden dem Anstieg der Lebensmittel-Großhandelspreise Einhalt gebieten und den Anstieg der Lebensmittel-Einzelhandelspreise
verlangsamen. Leider wird sich nichts von dem, was wir tun können, bereits
in den nächsten Monaten entscheidend auswirken. Aber die von mir ergriffenen Maßnahmen werden für die zweite Hälfte des Jahres eine nachhaltige Wirkung haben.
Diese Maßnahmen werden ferner unseren Farmern helfen, ihre Einkünfte
durch Ausweitung der Erzeugung und ohne gleichzeitige Preiserhöhungen zu verbessern.. Wir rechnen damit, daß die Agrarpreise Ende des Jahres nicht höher
liegen werden als zu Jahresbeginn.
Aus allen diesen Gründen haben wir eine gute Chance, die Gesamtinflationsrate bis Ende 1973 auf 2 1/2 Prozent zu senken.
- Beibehaltung des Steuerniveaus Die dritte wichtige wirtschaftliche Frage ist, wieviel
kerung an Steuern zu zahlen hat und wieviel

Geld die Bevöl-

ihr zu ihrer eigenen Verfügung

bleibt. Hier ist das Bild ebenfalls vielversprechend.
Seit 1950 hat sich der Anteil der Steuern am durchschnittlichen Familieneinkommen in den Vereinigten Staaten fast verdoppelt - er ist auf über
20 Prozent gestiegen. Der durchschnittliche Arbeitnehmer hatte 1950 weniger
als eine Stunde seines Achtstundentages gearbeitet, um seine Steuern bezahlen zu können; heute arbeitet er fast zwei Stunden täglich für den Steuereinzieher .
Wären die Steuersenkungsvorschläge während unserer ersten Amtszeit nicht
angenommen worden, so wäre die Lohnaufbesserung des durchschnittlichen Arbeitnehmers im letzten Jahr fast völlig durch die höheren Steuern aufgezehrt
worden

und die Steuerzahler müßten dieses Jahr weitere 25 Milliarden Dollar

an Einkommenssteuer entrichten.
Der

-9-

�Der einzige Weg, um die Steuern nicht höher werden zu lassen, ist,
die Bundesausgaben nicht weiter steigen zu lassen.
Dies ist der Grund, warum wir Bundesprogramme kürzen, einstellen oder
reformieren, die das Geld des Steuerzahlers verschwenden.
Meine Administration blickt auf eine vierjährige Erfahrung mit allen
unseren Bundesprogrammen. Wir haben detaillierte Studien durchgeführt und
ihre Kosten und Ergebnisse miteinander verglichen. Aufgrund dieser Erfahrungen bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß die Kosten zahlreicher Bundesprogramme nicht länger mehr gerechtfertigt sind. Zu ihnen gehören:
-- Bauprogramme, durch die mehr Krankenhäuser errichtet werden, wenn
ein Überschuß an Krankenhausbetten besteht;
-- Lehrerstipendien, die den Lehrerberuf für mehr Leute attraktiv machen
sollen, wenn bereits zehntausende von Lehrern keinen Arbeitsplatz
in ihrem Beruf finden können;
-- Programme zur Subventionierung von Schulplätzen für Kinder von Bundesangestellten, die bereits genügend Steuern an kommunale Stellen
zur Unterstützung ihrer örtlichen Schulen entrichten;
-- Programme für die Fortsetzung sozialer Beihilfezahlungen an Personen, die nicht mehr in den Kreis der Berechtigten fallen oder zu
hohe Einkünfte haben.
Solche Programme mögen klingende Namen haben; sie mögen nach einer
guten Sache klingen, aber hinter einem anspruchsvollen Etikett kann sich ein
böser Fehlschlag verbergen. Und wenn wir nicht bald die Programme einstellen, die sich als Fehlschlag erwiesen haben,dann werden wir bald kein Geld
mehr für Programme haben, die erfolgreich sind.
Es ist behauptet worden, unsere Haushaltskürzungen ließen einen Mangel
an Mitgefühl für die Unterprivilegierten erkennen. Die beste Antwort auf
diese Beschuldigung ist ein Hinweis auf die Tatsachen. Wir setzen in unserem

-10-

�unserem Haushalt für das nächste Jahr (1973/74) 66 Prozent mehr ein, um
den Armen zu helfen, als vor vier Jahren; 67 Prozent mehr, um den Kranken
zu helfen; 71 Prozent mehr, um den alten Menschen zu helfen,und 242 Prozent mehr, um den Hungrigen und Unterernährten zu helfen.
Insgesamt beläuft sich unser Budget für Aufgaben im Dienste des Menschen auf eine Rekordhöhe von 125 Milliarden Dollar - also fast auf das
Doppelte der Summe vor vier Jahren, als ich mein Amt antrat.
Wir haben unsere Ausgabenprioritäten bereits von Verteidigungsprogrammen auf Programme im Dienste des Menschen verlegt. Jetzt müssen wir unsere
Ausgabenprioritäten von Programmen, die einen schlechten Ertrag pro Dollar
erbracht haben, auf Programme verlegen, die ihr Geld wert sind. Damit zeigen wir, daß wir uns wirklich um jene kümmern, die in Not sind.
Die Frage ist nicht, ob wir helfen, sondern wie wir helfen. Indem wir
Programme abstellen, die Verschwendung bedeuten, können wir uns auf Programme konzentrieren, die funktionieren.
Unser jüngstes Paket an Haushaltskürzungen kann im Laufenden Finanzjahr 11 Milliarden Dollar einsparen, 19 Milliarden Dollar im nächsten Haushaltsjahr und 24 Milliarden Dollar im darauffolgenden Jahr. Das bedeutet
für jeden der 75 Millionen Steuerzahler in Amerika im Laufe der nächsten
drei Jahre eine durchschnittliche Ersparnis von 700 Dollar.
Ohne die Einsparungen, die ich durch Programmkürzungen und Reformen
erzielt habe, würden sich die Gesamtausgaben auf jeweils 261 Milliarden
Dollar, 288 Milliarden Dollar und 312 Milliarden Dollar belaufen - Zahlen,
die entweder höhere Steuern oder eine neue Welle lähmender Inflation oder
beides zusammen bedeuten würden.
Um

-11-

�Um die Ausgaben des Bundes in Grenzen halten zu können, ist es absolut
unerläßlich, daß der Kongreß voll und ganz mit uns zusammenarbeitet. Ich
appelliere an den Kongreß, als eine seiner dringendsten Aufgaben
Haushaltsjahr einen Gesamtausgabenplafond

für jedes

festzulegen. Ich möchte ihn auch

ersuchen, ein ordentliches Verfahren zu entwickeln, um die Einhaltung des
Plafonds zu garantieren.

- Die internationale Herausforderung -

In den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit der Amerikaner in zunehmendem Maße den ernsten Fragen zugewandt, vor denen wir auf dem internationalen Handels-und Währungsschauplatz stehen.
Dies ist kein Gebiet mehr, auf dem die Vereinigten Staaten - so hervorragend sie in der Wissenschaft, in der Vermarktung und in den Dienstleistungen sein mögen - die Weltmärkte mit den modernen Erzeugnissen unserer Technologie und unserer modernen Produktionsmittel beherrschen können.
Das ist kein Gebiet mehr, auf dem die Vereinigten Staaten automatisch
mehr im Ausland verkaufen können,als wir von anderen Ländern kaufen. Wir stehen vor neuen Herausforderungen auf dem Gebiete des internationalen Wettbewerbs und befinden uns somit in einer Periode substantieller Anpassungen in
unseren Beziehungen zu unseren Handelspartnern.
Eine Konsequenz dieser Entwicklungen war die Maßnahme, die wir in der
letzten Woche ergriffen haben, um den relativen Wert des Dollar beim Handel
im Ausland zu ändern.
Wir haben diesen Schritt wegen des ernsthaften Handelsungleichgewichts
ergriffen, das die wachsende

Prosperität unseres Volkes bedrohen könnte.

Amerika hat von anderen Ländern mehr gekauft als diese Länder von uns. Und genau so wie eine Familie oder ein Unternehmen nicht auf unbegrenzte Zeit mehr
kaufen als verkaufen kann, so ist dies auch im Falle eines Landes.
Eine

-12-

�Eine Änderung der Wechselkurse wird uns helfen, dieses Bild zu ändern.
Sie bedeutet, daß unsere Exporte auf den internationalen Märkten preislich
konkurrenzfähiger werden und sich besser verkaufen.

Unsere Importe anderer-

seits werden nicht so schnell anwachsen.
Diesem Schritt müssen jedoch Reformen folgen, die grundlegender sind.
Erstens benötigen wir ein flexibleres internationales Währungssystem
- ein System, das zum Gleichgewicht ohne Krisen führt. Die Vereinigten Staaten haben im September letzten Jahres fundamentale Vorschläge für ein solches System unterbreitet. Für andere Länder ist es jetzt an der Zeit, sich
gemeinsam mit uns für Maßnahmen hinsichtlich dieser Vorschläge einzusetzen.
Zweitens müssen amerikanische Produkte einen faireren Anteil an einem
offeneren Welthandelssystem erhalten, damit wir die amerikanischen Märkte
und die amerikanischen Arbeitsplätze ausweiten können. Wenn andere Länder
einen Verkauf unserer Waren im Ausland erschweren, dann kann unser Handelsungleichgewicht nur noch schlimmer werden.

- Die Verantwortung des Kongresses -

Amerika Defindet sich ohne Frage auf dem Wege zu einer neuen Ära der
Prosperität. Die Zeichen sind klar und deutlich, und mit jedem Monat gewinnen
wir mehr an Schwungkraft. Aber wir können sehr leicht vom Wege abkommen, wenn
der Kongreß nicht mit dabei ist und mithilft, den Kurs zu halten.
Wenn wir auf das Jahr 1973 blicken, dann können wir sicher sein, daß
die Lage unserer Wirtschaft tatsächlich in großem Maße von den Entscheidungen abhängt, die der Kongreß in diesem Jahr trifft.
Im Laufe der nächsten Monate werde ich auf unverzügliche Maßnahmen des
Kongresses bezüglich einer ganzen Anzahl wirtschaftlicher Vorschläge drängen. Zusammengenommen werden diese Vorschläge eines der wichtigsten Bündel

-13-

�Bündel wirtschaftlicher Initiativendarstellen, die jemals von irgendeinem
Kongreß in unserer Geschichte erörtert worden sind. Ich hoffe - wie dies
auch unser ganzes Volk tut -,daß der Kongreß mit Umsicht und ohne Verzug
handelt.
Zu den Punkten, die mein Wirtschaftspaket für 1973 enthält, gehören:
—

eine Verlängerung des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms.

Die gegenwärtige Vollmacht läuft in Kürze aus,und ich habe den Kongreß ersucht, das Gesetz um ein Jahr bis zum 30. April 1974 zu verlängern. Ich hoffe, daß dies ohne weitere allgemeine Zwangsnormen oder die Auflage starrer
Vorentscheidungen geschehen wird - Schritte, die eine vernünftige Durchführung dieses Programms nur behindern würden. Eine so hochkomplizierte Wirtschaft kann auf diese Weise einfach nicht über längere Zeiträume wirksam
reguliert werden.
-- das Steuerprogramm. Ich werde ein Steuerprogramm empfehlen, das
weitere Reformen auf den 1969 und 1971 bereits erreichten aufbaut.
-- Vermögenssteuerentlastung. Ich werde ferner Empfehlungen vorlegen,
damit die schwere Belastung für ältere Amerikaner durch die Vermögenssteuer
gemildert wird.
—

Steuerkredit für nicht-öffentliche Schulen. Ich werde ein Gesetz

vorschlagen, das einen Einkommenssteuerkredit für in nicht-öffentlichen
Volksschulen gegebenen Unterricht vorsieht. Diese Institutionen stellen eine
wertvolle nationale Einrichtung dar, die das öffentliche Schulsystem bei zu
starken Aufnahmezahlen entlastet, in unseren Erziehungsprozeß eine willkommene Vielfalt bringt und Millionen von Eltern größere Möglichkeiten bietet.
—

Handelsgesetz

Ein weiterer Punkt, der obenan auf unserer Tagesord-

nung steht, werden neue Handelsvorschläge sein, die ich dem Kongreß in Kürze
unterbreiten werde. Sie werden es uns leichter machen, nicht nur unsere Handelsschranken zu senken, wenn die anderen Länder die ihren abbauen, sondern
auch unsere Schranken zu erhöhen, falls dies notwendig ist, um faire Verhältnisse zu schaffen.
--Andere

-14-

�-- Andere Reformen. Ich werde ferner später Empfehlungen unterbreiten
für eine Verbesserung unseres privaten Pensionssystems, unseres Arbeitslosenunterstützungsprogramms, unserer Gesetze über Mindestlöhne sowie die Art,
wie wir unsere Transportsysteme handhaben, um diese zu modernisieren, sie
gerechter und besser zu machen.
-- Ausgabenlimit. Schließlich, und das ist äußerst wichtig, werde ich
den Kongreß ersuchen, noch in diesem Jahr feste Höchstgrenzen für die Bundesausgaben zu setzen.
Die von mir in dem diesjährigen Haushalt vorgeschlagenen Kürzungen
fielen mir nicht leicht. Daher kann ich es gut verstehen, daß es dem Kongreß
nicht leicht fallen wird, sie beizubehalten, wenn jede besondere Interessengruppe mit ihren eigenen Vertretern im Kongreß für ihre eigenen besonderen
Interessen wirbt. Aber der Kongreß sollte Höherem als nur besonderen Interessen dienen; seine oberste Aufgabe muß es stets sein, dem öffentlichen Interesse zu dienen.
Wir müssen uns ferner darüber klar sein, daß niemand im Kongreß zur
Zeit damit beauftragt ist, alle unsere Bundesaufgaben zusammenzuaddieren
und ihre Gesamtauswirkungen auf Steuern und Preise zu untersuchen. Es ist
so, als ob jedes Mitglied einer Familie für sich einkaufen geht, ohne zu
wissen, wieviel

Geld in dem gesamten Familienbudget verfügbar ist und wie,,

viel die übrigen Familienmitglieder ausgeben oder auf die verschiedenen Kreditkarten kaufen.
Um diese Probleme zu lösen,schlage ich vor, daß der Kongreß umgehend
eine Gesamtausgabenhöchstgrenze für jedes Finanzjahr festlegt. Ein solcher
Schritt würde es dem Kongreß ermöglichen, gemeinsam mit mir darauf hinzuarbeiten, die Ausgaben im laufenden Finanzjahr auf 250 Milliarden Dollar, im
nächsten Finanzjahr auf 269 Milliarden Dollar und im Finanzjahr 1974/75 auf
288 Milliarden Dollar beschränkt zu halten. Neben der Verabschiedung einer
Jahreshöchstgrenze empfehle ich ferner, daß der Kongreß innere Reformen erwägt, durch die ein regulärer Mechanismus für die Entscheidung geschaffen

-15-

�geschaffen wird, wie diese Höchstgrenze einzuhalten ist.
Keine andere wirtschaftliche Empfehlung, die ich dem Kongreß zu unterbreiten habe, ist für das wirtschaftliche Wohlergehen unseres Landes wichtiger. Ich glaube, daß die meisten Mitglieder des Repräsentantenhauses und
des Senats die Ausgaben niedrig halten wollen. Die meisten Kongreßmitglieder stimmten im Prinzip

für eine Ausgabenhöchstgrenze, als der Senat und

das Repräsentantenhaus im vergangenen Herbst eine Höchstgrenze billigten.
Leider konnten die beiden Häuser sich nicht auf eine endgültige Formulierung einigen. Meines Erachtens sollten sie bald zusammenkommen - damit der
Kongreß in diesem Jahr mit einem entschlossenen Sinn für Haushaltsdisziplin
arbeiten kann.
Es steht viel auf dem Spiel. Wenn wir die Ausgaben nicht einschränken
und wenn meine empfohlenen Kürzungen rückgängig gemacht werden, so müßten
die Einkommenssteuern um 15 Prozent erhöht werden, um die zusätzlichen Ausgaben bezahlen zu können.
Die Gewaltenteilung zwischen dem Präsidenten und dem Kongreß ist in
den letzten Wochen ein beliebtes Gesprächsthema geworden. Natürlich sollten
wir niemals unsere große Sorge um die Erhaltung eines verfassungsmäßigen
Gleichgewichts aufgeben.
Aber wir sollten auch niemals die Tatsache übersehen, daß wir gemeinsame
Verantwortungen wie auch getrennte Gewalten haben.
Es gibt viele Gebiete, auf denen der Präsident und der Kongreß im Namen
des gesamten Volkes zusammenarbeiten sollten und müssen - und die Höhe
der Ausgaben, die sich direkt auf das Portemonnafc jeder einzelnen Familie
des Landes auswirkt, ist eines der wichtigsten.
Ich habe mein Versprechen gehalten, daß ich keine Programme empfehlen
werde, die eine allgemeine Steuererhöhung erfordern oder einen inflationären Druck auslösen würden.Nunmehr liegt es beim Kongreß, diesen Bemühungen zu entsprechen durch eine eigene Ausgabenhöchstgrenze.
-Die

-16-

�- Die Entscheidung Wir stehen an der Schwelle einer neuen Ära einer langen und wachsenden
Prosperität für die Vereinigten Staaten.
Im Gegensatz zu früheren Hochkonjunkturen wird diese Prosperität nicht
durch einen Krieg stimuliert sein. Sie wird auch nicht durch die Seuche
der Inflation aufgezehrt werden. Sie wird solide sein; sie wird stetig sein;
und sie wird von Bestand sein.
Wenn wir verantwortungsbewußt handeln, können wir diese neue Prosperität auf viele Jahre hinaus haben. Wenn wir dies nicht tun, dann können wir,
wie Franklin Roosevelt einst warnte, "an

den Felsen einer zügellosen Haus-

haltspolitik zerschellen".
Wir haben die Wahl. Wählen wir eine von Verantwortung getragene
Prosperität!

Weißes Haus
22. Februar 1973

g e z . Richard Nixon

-H-+

-17-

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9/1973

ROGERS-ERKLÄRUNG VOR DEM AUSSENPOLITISCHEN AUSSCHUSS
DES US-SENATS VOM 21.FEBRUAR 1973
-Auszüge-

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 21. Februar vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats die
Zielsetzungen der amerikanischen Außenpolitik niedergelegt. Seine Einleitung sowie die die Handels-und Währungspolitik, das Verhältnis zur Europäischen Gemeinschaft und die Ost-West-Beziehungen betreffenden Passagen
haben folgenden Wortlaut:
"Herr Vorsitzender!
Vor fast genau vier Jahren erschien ich vor diesem Ausschuß, um die
Hauptziele unserer Außenpolitik darzulegen. Ich erklärte damals, daß wir
erstens eine dauerhafte Lösung in Vietnam anstreben würden, in deren Rahmen
sowohl Nordvietnam als auch seine Nachbarn in Frieden und nicht nur im
Stadium eines ausgesetzten Kriegszustandes leben können; daß zweitens die
Vereinigten Staaten bei der Suche nach einem Frieden im Nahen Osten eine
aktive Rolle spielen würden; daß wir drittens ein zunehmend vereintes

.1-

�vereintes Westeuropa

'legünstigen und in diesem Sinne mit ihm zusammenar-

beiten würden; daß wir viertens den Ausbau beiderseits nützlicher Beziehungen
zu Ost uro,r

anstreben würden: daß fünftens unsere Politik einen ernsthaf-

ten Versuch einschließen würde, zu einer konstruktiveren Beziehung zu Peking
zu gelangen, und dab wir sechstens hofften, einen wesentlichen Fortschritt
zu verbesserten Beziehungen zur Sowjetunion zu machen.
Im vorigen Jahr konnte ich Ihrem Ausschuß berichten, daß wir im Nahen
Osten mit beachtlichem Erfolg tätig waren; daß wir im Begriffe waren, uns
aus dem Konflikt in Indochina zurückzuziehen, und daß wir nachhaltige Anstrengungen unternahmen, um sowohl die Zusammenarbeit mit unseren Freunden
in Westeuropa und Japan zu verstärken, als auch um unsere Beziehungen zu jenen zu verbessern, mit denen wir fundamentale Meinungsverschiedenheiten haben, wie etwa die Sowjetunion und die Volksrepublik China; und daß der Präsident sich nachhaltig für die Errichtung eines Gebäudes des Friedens durch
Verhandlungen einsetzte.
Die Erfolge bei der Erreichung unserer außenpolitischen Ziele waren
höch;,t ermutigend • in jüngster Zeit vor allem natürlich das Vietnam-Abkommen.
In meinem ersten außenpolitischen Bericht erklärte ich, daß meine größte
Hoffnung darin bestehe, unter den Amerikanern eine neue nationale Einheit
und Zielsetzung in unserer Außenpolitik schaffen zu können - einer Politik,
die nicht länger von den düsteren Schatten der Vergangenheit gejagt wird,
sondern sich den Chancen der Zukunft zuwendet. Nachdem wir nun die Hauptquelle der Spaltung in unserem Lande hinter uns gelassen haben, besteht aller
Grund zu der Anna.ime, daß wir zusammenarbeiten können, um diese Gemeinsamkeit
der Zielsetzungen wiederherzustellen. Der Zweck meines Hierseins ist gerade
der, darum zu bitten, daß wir uns für diese Aufgabe einsetzen.

Nach

�Nach einer langen und oft entmutigenden militärischen Auseinandersetzung
mag sich bei manchen Amerikanern eine gewisse Sehnsucht einstellen, sich von
den Lasten und Verantwortlichkeiten einer aktiven Rolle in der Weltpolitik
zurückzuziehen. Schon zweimal in diesem Jahrhundert war unsere erste Reaktion,
uns zurückzuziehen und uns auf innenpolitische Fragen zu konzentrieren. Dieses Mal, so bin ich überzeugt, werden wir diesen Fehler nicht machen.
Wir müssen natürlich die Überdehnung der Rolle Amerikas vermeiden, die
unsere Politik in der Vergangenheit manchmal gekennzeichnet hat. Aber unser
eigenes Selbstinteresse verlangt von uns, den neuen Konsensus in unserer
Außenpolitik auf etwas aufzubauen, was ich als eine Politik des 'realistischen Engagements* bezeichnen möchte - eine Politik, in deren Rahmen wir
weiterhin unseren Anteil an der Verantwortung tragen, auch wenn wir andere
auffordern, die größeren Rollen zu übernehmen, deren sie heute fähig sind.
Es mag gelegentlich unterschiedliche Beurteilungen geben, wo hier der
richtige Punkt der Ausgewogenheit sein mag. Ich bin jedoch sicher, daß dieser
Ausschuß, der Kongreß, und das amerikanische Volk unsere Auffassung teilen
werden, daß ein verantwortungsbewußtes und in richtigem Maße engagiertes
Amerika einem Amerika vorzuziehen ist, das vor einer Führungsrolle in der
Welt zurückschreckt und sich zurückzieht.
Ich werde mich in den kommenden Monaten ernsthaft bemühen, mit diesem
Ausschuß und mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um eine wohlüberlegte und
hoffentlich gemeinsame Einstellung zur Rolle Amerikas zu entwickeln. Lassen
Sie mich diesen Prozeß mit der Darlegung einiger der Hauptprobleme beginnen,
vor denen wir heute stehen

—Handels-

�--Handels-und Währungspolitik--

Ein dringendes allgemeines Ziel der Außenpolitik besteht darin, einen
baldigen Fortschritt bei der Reformierung des Handels-und Währungssystems
zu erzielen. In der vorigen Woche hat Präsident Nixon die Initiative ergriffen, um eine neue Währungskrise zu überwinden, indem er eine Abwertung
des Dollar angeordnet hat. Bei dieser Maßnahme war ihm die Zusammenarbeit
vieler Länder, vor allem der beiden Länder, sicher, deren Dollarreserven
die höchsten sind, nämlich Deutschland und Japan.
Die von uns ergriffenen Währungsmaßnahmen waren ein wichtiger Schritt
in der Neuordnung unserer wirtschaftlichen Beziehungen. Aber sie waren
kein Allheilmittel. Es müssen ihnen grundsätzliche Änderungen des Währungssystems folgen. Der Präsident und Finanzminister Shultz haben die
Prinzipien umrissen, die nach unserer Auffassung die Grundlage eines solchen Systems sein könnten. Es ist für den Zwanziger-Ausschuß wichtig, ohne
Verzug auf dieses Ziel hinzuarbeiten.
Innerhalb der nächsten Wochen wird Präsident Nixon dem Kongreß die
Vorschläge für eine umfassende Handelsgesetzgebung unterbreiten, von der
er bereits gesprochen hat. Das unmittelbare Hauptziel dieser Gesetzgebung
wird darin bestehen, die Fähigkeit amerikanischer Arbeiter und Geschäftsleute zu verbessern, auf den Weltmärkten zu konkurrieren. Das langfristige
Ziel dieser Gesetzgebung wird darin bestehen, die Bedingungen des internationalen Handels weiter auszudehnen und zu liberalisieren.
In bilateralen Gesprächen und in den formellen Handelsverhandlungen,
die in diesem Herbst beginnen, werden wir darauf bestehen, daß amerikanischen Erzeugnissen eine faire und vernünftige Behandlung zuteil wird. Die
Vol macht, die der Präsident vom Kongreß erhalten möchte, in bestimmten
Fällen Zölle zu erhöhen, dient dazu, diesen Zweck zu erreichen, und nicht
etwa verstärkte Handelsschranken aufzurichten. Unser Ziel ist gerade das
Gegenteil.
Weder

-4-

�'

Weder für uns noch für irgendeinen unserer Handelspartner wäre eine Erhöhung statt einer Senkung der Handelsschranken der Weg zum größten wirtschaftlichen oder politischen Nutzen. Dieser Weg könnte höchstens zur internationalen Diskriminierung, Isolierung und Autarkie führen. Auf lange Sicht
gesehen werden sich die größten Vorteile aus einem schrittweisen Abbau der
tarifären und nicht-tarifären Schranken - auf absolut gegenseitiger Basis sowohl für industrielle wie auch für landwirtschaftliche Güter ergeben,
und zwar einem Abbau bis zu dem Punkt, wo sie keine fühlbare Behinderung
des Handels mehr darstellen.
Während die Industrienationen die internationalen Wirtschaftsbeziehungen noch immer beherrschen, gewinnen die Entwicklungsländer jedoch zunehmend
an Bedeutung - in der Energie-und Rohstoffversorgung, in Handel und Investitionen und auf einer Vielzahl anderer Gebiete, angefangen von der Nutzung
der Meere bis zur Erhaltung der Umwelt. Gleichzeitig verbreitert sich die
wirtschaftliche Kluft weiterhin und wird nicht etwa geringer. In dieser Tatsache liegt die Wurzel potentiell ernster Zukunftsprobleme zwischen Entwicklungsländern und Industrieländern.
Wir beabsichtigen daher, mit neuem Nachdruck darauf zu dringen, daß unsere Entwicklungspolitik umfassend ist; wir verfolgen dabei eine Politik, die
nicht lediglich Hilfe gewährt, sondern alle Aspekte der wirtschaftlichen Beziehungen der industrialisierten Welt mit der Entwicklungswelt einschließt.
Unser Ziel wird es sein, sowohl mit Industriestaaten wie mit Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten, um die Wachstumsrate des pro-Kopf-Einkommens der
ärmeren Nationen zu beschleunigen und gleichzeitig die beiderseitigen Interessen an verstärktem Handel und verstärkter Investition zu fördern.
Ich habe den neuen Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten
(im State Department), William Casey, ersucht, alle dem Ministerium zur Verfügung stehenden Hilfsmittel auf diese Aufgabe zu konzentrieren, um so
unterschiedliche Elemente wie Bevölkerungskontrolle, internationale Investitionen, Ausweitung des Handels, Zollpräferenzen, Warenabkommen, Zuwendungen
und Anleihen und Umschuldung unter einen Hut zu bringen.
Die
-5-

�-- Die Europäische Gemeinschaft -Die wirtschaftlichen Fortschritte - mit ihren starken politischen Auswirkungen - sind ebenfalls die Hauptanregung dafür gewesen, daß der Präsident das Jahr 1973 als ein Jahr wichtiger Entwicklungen in unseren Beziehungen zu Europa betrachtet. Die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
stellt sich uns sowohl als eine Herausforderung wie auch als eine Chance.
Wir werden uns in diesem Jahr darum bemühen, so dauerhafte und konkrete Bindungen zu der Gemeinschaft herzustellen, daß unsere Beziehungen eine weitere
Säule der amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit wird.
Wir müssen ferner eine baldige Beseitigung von Praktiken innerhalb der
Gemeinschaft erreichen, die sich gegen unsere Erzeugnisse als diskriminierend
auswirken. Wir werden dieses Ziel in unseren Gesprächen mit der Gemeinschaft
noch vor der Handelskonferenz in diesem Herbst verfolgen.

-- Ost-West-Beziehungen —

Verbesserte Beziehungen zu Osteuropa werden ebenfalls von Bedeutung
sein. Wir unternehmen bereits zusammen mit unseren westeuropäischen Verbündeten eine nachhaltige gemeinsame Anstrengung, um durch eine Verstärkung der
menschlichen Kontakte, des Informationsflusses und des Handels mit Osteuropa
Schranken gegenüber dem Zusammengehörigkeitsgefühl Europas abzubauen. Der
Fortschritt der Vorbereitungsgespräche für die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa, auf der diese Themen eine Hauptrolle spielen werden, ist ermutigend gewesen. Wir rechnen mit bedeutsamen Ergebnissen bei den
Verhandlungen in diesem Sommer. Wir haben auch die Absicht, diesen Fortschritt
auf bilateralem Wege voranzutreiben, indem wir unsere eigenen Beziehungen zu
Osteuropa verbessern, vor allem indem wir versuchen, mit der Tschechoslowakei und Bulgarien ähnliche Fortschritte zu erzielen, wie wir sie anderswo
bereits gemacht haben.
Mit

�Mit diesen Bemühungen geht eine Politik der weiteren Verbesserung der
Sicherheit durch Rüstungskontrolle einher. Von zentraler Bedeutung sind natürlich die Gespräche über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen. Wir
sind ermutigt über den kürzlichen öffentlichen Hinweis von Parteichef
Breschnew auf einen 'schrittweisen Abbau» strategischer Waffen und hoffen,
daß im Rahmen des jetzt zur Verhandlung stehenden Abkommens ein solcher Abbau erreicht werden kann.
Vor einigen Wochen sind auch Sondierungsgespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streitkräfte in Mitteleuropa angelaufen. Im Herbst dieses Jahres sollen eigentliche Verhandlungen beginnen. Eine
Verringerung der Streitkräfte, die sich so lange in Mitteleuropa gegenübergestanden haben, ist zwar technisch schwierig, jedoch einfach in der Konzeption
und würde den Abbau strategischer Waffen

noch verstärken und weiter zur

Entspannung und zum Frieden in Europa beitragen. In der Zwischenzeit ist
es jedoch wichtig, daß wir die Verteidigungskapazität der NATO nicht einseitig verringern.
Herr Vorsitzender, in einer Zeit, da unsere Aufmerksamkeit noch immer
so stark auf ein Problem ausgerichtet ist - nämlich Indochina - ist es wichtig, daß wir den weiten Bereich des Fortschritts auf einer Vielzahl anderer
Gebiete erkennen. Ich habe heute kurz eine Reihe von Fragen gestreift, die
uns angehen,und habe dabei auch auf einige ungelöste Probleme hingewiesen.
Ich habe jedoch versucht, diese Probleme in die richtige Perspektive zu
rücken und darauf hinzuweisen, wie weit wir in nur vier Jahren gekommen sind.
Der Ausschuß ist voll und ganz auf dem laufenden über die Entwicklungen
in unseren Beziehungen zur Sowjetunion und zur Volksrepublik China. Für andere, weniger dramatische, aber auf lange Sicht gleich wichtige Gebiete - wie
Umweltverschmutzung, Bevölkerungskontrolle, Rauschgift, Erschließung der

-7-

�der Ozeane, Flugzeugentführung und Terrorismus - haben wir viel Zeit und
Mühe aufgewandt. Herr Vorsitzender, wir dürfen alle stolz auf das sein,
was wir in diesen letzten vier Jahren erreicht haben, und ich bin sicher,
daß die nächsten vier Jahre unter der Führung von Präsident Nixon eine
Periode des weiteren Fortschritts zu unserem Ziel darstellen werden: einer
Welt des Friedens."

• 8-

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9/1973

WORTLAUT DES AMERIKANISCH-CHINESISCHEN KOMMUNIQUES
WASHINGTON --(AD)— Das am 22. Februar vom Weißen Haus in Washington veröffentlichte gemeinsame amerikanisch-chinesische Kommunique1 hat folgenden
Wortlaut:
Der Berater des amerikanischen Präsidenten für Nationale Sicherheitsfragen, Dr. Henry A. Kissinger, hat die Volksrepublik China vom 15. bis
19. Februar besucht. In seiner Begleitung befanden sich Herbert G. Klein,
Alfred Le S. Jenkins, Richard T. Kennedy, John J. Holdridge, Winston Lord,
Jonathan T. Howe, Richard Solomon und Peter W. Rodman.
Der Vorsitzende Mao Tse-tung hat Dr. Kissinger empfangen. Dr. Kissinger
und Mitglieder seiner Begleitung führten umfassende Gespräche mit Ministerpräsident Chou En-tlai, Außenminister Chi Peng-lei, dem stellvertretenden
Außenminister Chiao Kuan-hua und weiteren chinesischen Regierungsmitgliedern. Mr. Jenkins führte gleichlaufende Gespräche über technische Fragen
mit dem Abteilungsleiter im Außenministerium Chang Wen-chin. Alle Gespräche wurden in einer zwanglosen Atmosphäre geführt und waren ernsthaft,
offen und konstruktiv.
Die

-1-

�Die beiden Seiten überprüften die Entwicklung der Beziehungen zwischen
den beiden Ländern in dem Jahr, das seit dem Besuch Präsident Nixons in der
Volksrepublik China verstrichen ist, sowie andere Fragen von beiderseitigem
Interesse. Sie bekräftigten die Prinzipien des gemeinsamen Kommuniques, das
im Februar 1972 in Schanghai herausgegeben worden war, sowie ihre gemeinsame
Verpflichtung, eine Normalisierung der Beziehungen herbeizuführen. Sie vertraten die Ansicht, daß der in dieser Zeit erzielte Fortschritt den Völkern
ihrer beiden Länder zum Vorteil gereicht.
Die beiden Seiten stimmten darin überein, daß nunmehr die Zeit reif für
eine Beschleunigung der Normalisierung der Beziehungen ist. Zu diesem Zweck
haben sie sich verpflichtet, ihre Kontakte auf allen Ebenen zu erweitern. Sie
vereinbarten ein konkretes Programm für eine Ausweitung des Handels wie auch
des Austausches auf wissenschaftlichen, kulturellen und anderen Gebieten.
Um diesen Fortschritt zu erleichtern und die Kommunikationen zu verbessern wurde vereinbart, daß jede Seite in naher Zukunft ein Verbindungsbüro
in der Hauptstadt der anderen Seite errichten wird. Einzelheiten sollen über
die bestehenden Kanäle ausgearbeitet werden.
Die beiden Seiten stimmten darin überein, daß die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China zur
Verminderung der Spannungen in Asien und in der Welt beitragen wird.
Dr. Kissinger und seine Begleitung gaben ihrem tiefen Dank für die ihnen
gewährte herzliche Gastfreundschaft Ausdruck.

+++

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9/1973

KISSINGER BERICHTET UEBER SEINE CHINA-REISE
-Wortlaut der einleitenden Erklärung-

WASHINGTON --(AD)— Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, hat am 22. Februar auf einer Pressekonferenz in Washington über seine Reise nach der Volksrepublik China und
nach Nordvietnam berichtet und sich den Fragen der Journalisten gestellt.
Seine einleitende Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, ich dachte, ich beginne am besten mit einigen Bemerkungen über meine Reise nach der Volksrepublik China, beantworte
dann einige Fragen dazu sowie zum Kommunique und schließe dann daran einige
zusätzliche Feststellungen zu der Presseunterrichtung an, die (der Pressesekretär des Weißen Hauses) Ron Ziegler im Hinblick auf das Kommunique1 von
Hanoi bereits vorgenommen hat.
Um das Kommunique in die richtige Perspektive zu rücken und einige
Worte dazu zu sagen, sollte man sich die Entwicklung unserer China-Politik
vor Augen führen. Als wir im Jahre 1969 unsere ersten Kontakte mit der Volksrepublik China durch dritte Parteien aufnahmen und im Jahre 1971 dann direkt,

-1-

�direkt, hatten die Vereinigten Staaten seit nahezu 20 Jahren keinerlei Kontakt mit der Volksrepublik China gehabt; zumindest keinen Kontakt auf einer
wirklich bedeutsamen Ebene.
Unsere ersten Gespräche zielten in erster Linie darauf ab, Vertrauen
zu schaffen, wobei jeder seine Position darlegte und wobei Kommunikationskanäle eingerichtet wurden. Im vorigen Jahr bestanden unsere Erfolge darin,
daß die Richtungen sowie die Wege aufgezeigt wurden, die man beschreiten
könnte. Nach der Beendigung des Krieges in Vietnam und im Zuge unserer Gespräche in Peking konnten wir einige dieser Wege beschreiten und über den
Versuch, die Hindernisse und das Mißtrauen zu beseitigen hinaus zu einigen
konkreteren und positiveren Erfolgen zu gelangen.
Was sich in diesen Konferenzen vollzog, war praktisch eine Fortsetzung
der Möglichkeiten, die während des Besuches unseres Präsidenten und im Zuge
der Gespräche zwischen ihm und dem Vorsitzenden Mao sowie Ministerpräsident
Chou En-lai aufgezeigt worden waren; allerdings nahmen sie nunmehr konkretere Form an. Wie es im Kommunique heißt, überprüften wir ausführlich den
Fortschritt in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen, und wir überprüften auch ausführlich die weltpolitische Situation.
Wir erörterten die Grundsätze des Kommuniques von Schanghai, besonders
diejenigen, die sich mit dem Wunsche nach einer Normalisierung der Beziehungen, dem Wunsche nach einem Abbau der Gefahr eines militärischen Konfliktes,
sowie der nachdrücklichen Versicherung beider Seiten befassen, daß sie nicht
nach einer Hegemonie im pazifischen Bereich streben - wobei jede Seite sich
gegen den Versuch irgendeines anderen Landes stellt, diese Hegemonie zu erreichen und wobei betont wird, daß die Beziehungen zwischen China und den
Vereinigten Staaten niemals gegen irgendein drittes Land gerichtet sein
würden.
In

-2-

�In diesem Geiste beschlossen wir, die Normalisierung der Beziehungen
zu beschleunigen und die Kontakte auf allen Gebieten zu vertiefen; eii.
erstes konkretes Programm für die Erweiterung dieser Kontakte wurde ausgearbeitet .
Angesichts dieses neuen Bereiches von Kontakten kam man zu der Ansicht,
daß der bestehende Kanal in Paris nicht ausreichend sei und daß deshalb jede Seite in der Hauptstadt der anderen ein Verbindungsbüro einrichten würde.
Dieses Verbindungsbüro soll sich mit Fragen des Handels wie auch mit allen
anderen Angelegenheiten befassen, mit Ausnahme der rein formellen diplomatischen Aspekte unseres Verhältnisses, aber im übrigen soll dieses Büro
den ganzen Bereich der Beziehungen erfassen. Dieses Verbindungsbüro wird in
nächster Zukunft eingerichtet werden. Beide Seiten werden innerhalb der
nächsten Wochen Vorschläge hinsichtlich der technischen Erfordernisse unterbreiten und dann wird es für die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik
China möglich sein, miteinander in der Hauptstadt des jeweils anderen zu
unterhandeln.
Damit nun dieser Wunsch nach einer Normalisierung der Beziehungen konkreten Ausdruck erfährt, wurde eine Reihe von Schritten vereinbart.
Zunächst einmal haben uns die Chinesen als ein Zeichen ihres guten
Willens davon in Kenntnis gesetzt, daß sie während des Zeitraums unseres Abzuges aus Vietnam gleichzeitig die beiden militärischen Gefangenen, die in
China festgehalten werden, freilassen wollen, nämlich Korvettenkapitän
(Robert J.) Flynn und Major (Philipp E.) Smith. Sie werden seit 1967 bezw.
seit 1965 in China festgehalten und werden innerhalb der nächsten Wochen
freigelassen.
Ministerpräsident Chou En-lai hat mich ferner gebeten, Präsident Nixon
davon in Kenntnis zu setzen, daß das chinesische Strafgesetz die Möglichkeit
einer periodischen Überprüfung des Strafmasses von Gefangenen vorsieht und

3

�und daß diese Bestimmung auch im Falle von John Downey angewandt werden würde. Das chinesische Strafgesetz sieht eine Herabsetzung des Strafmasses
aufgrund guter Führung vor. Uns ist erklärt worden, daß die Führung und das
Verhalten von Mr. Downey beispielhaft gewesen sei und daß sein Fall in der
zweiten Hälfte dieses Jahres überprüft werden würde.
Im Hinblick auf weitere bisher ungelöste Fragen, die über andere Kanäle
erörtert wurden, kamen wir überein, daß die miteinander zusammenhängenden
Fragen der amerikanischen Privatansprüche gegen die Volksrepublik China und
der blockierten Guthaben der Volksrepublik China in den Vereinigten Staaten
in naher Zukunft auf einer globalen Basis ausgehandelt werden sollen. Erste
Gespräche über dieses Thema werden in der nächsten Woche zwischen Außenminister Rogers und dem chinesischen Außenminister beginnen, wenn beide an
der internationalen Vietnamkonferenz in Paris teilnehmen; wir rechnen damit,
daß diese Verhandlungen rasch und in einer umfassenden Weise abgeschlossen
werden können, und wir sind sicher, daß beide Seiten in einem konstruktiven
Geiste und mit einer Haltung an diese Verhandlungen herangehen werden, die
in Übereinstimmung mit unserer Absicht steht, die Verbesserung unserer Beziehungen zu beschleunigen.
Was einen verstärkten Austausch zwischen den beiden Ländern anbetrifft,
so haben die Chinesen zugestimmt, im Herbst dieses Jahres das Philadelphia
Symphonie-Orchester, im Frühjahr ein Ärzte-Team, im Sommer Gruppen von Wissenschaftlern, eine Gruppe von Lehrern weiterführender Schulen sowie in vermehrtem Maße Abgeordnete und Senatoren, sowie Sportler (verschiedener Sparten)
einzuladen.
Die Volksrepublik China hat der Entsendung einer archeologischen Ausstellung aus der Verbotenen Stadt nach den USA zugestimmt, die wahrscheinlich
im Jahre 1974 zu uns kommen wird, sowie der Entsendung einer Gruppe von
Wasserwirtschaftsexperten, einer Gruppe von Hormonspezialisten, einer Gruppe
von Hochenergiephysikern sowie eines Teams \o n Turnern.
Wenn

-4-

�Wenn die Verbindungsbüros eingerichtet sind, besteht die Möglichkeit
für die Entwicklung weiterer Kontakte und für die Beschleunigung dieses gesamten Prozesses. Der Hauptpunkt, den ich hier herausstellen möchte, ist folgender:
Unsere Kontakte zur Volksrepublik China haben sich von einem Zustand der
Feindseligkeit zur Normalisierung hin bewegt. Beide sind wir der Auffassung,
daß es für den Weltfrieden von entscheidender Bedeutung ist, daß die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China in weltpolitischen Angelegenheiten
verantwortungsbewußt handeln; daß wir Teil einer internationalen Gesellschaft
sind, in der alle Nationen ein entscheidendes Interesse an der Wahrung des
Friedens haben und daß sich deshalb, wie es im Kommunique von Schanghai bereits betont und jetzt noch einmal bekräftigt wurde, die Normalisierung der
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China nicht
gegen andere Länder richtet, sondern daß dies Teil des Planes ist, den der
Präsident immer verfolgt hat, nämlich die Errichtung eines Gebäudes des Friedens, an dem alle Länder teilhaben können und an dem alle Länder ein Interesse haben.
Es bleibt mir nur noch zu sagen, daß wir mit außerordentlicher Höflichkeit empfangen wurden und daß die Gespräche in einer - wie es immer geheißen
hat - ungezwungenen Atmosphäre stattgefunden haben.

Nach der Beantwortung von Fragen zu diesem Komplex wandte sich Dr.Kissinger seinem Besuch in Hanoi zu. Hierzu erklärte er wörtlich:
Ich möchte noch eine allgemeine Feststellung zu meinem Besuch in Nordvietnam anfügen. Ein großer Teil der Kommentare, die ich seit meiner Rückkehr
und auch während meiner Reise gesehen habe, befaßte sich mit der Wirtschaftskommission und der Wirtschaftshilfe, über die jetzt gesprochen wird. Lassen
Sie mich versuchen, dies in die richtige Perspektive zu rücken.....
Es

-5-

�Es war nicht der Hauptzweck meines Besuches in Hanoi, ein wirtschaftliches Hilfsprogramm auszuarbeiten. Hauptzweck dieses Besuches war es vielmehr, mit der Führung der Demokratischen Republik Vietnam einen Kontakt herzustellen, um herauszufinden, ob es möglich sein würde, mir ihr in Indochina
eine ähnliche Beziehung herzustellen, wie wir sie mit der Volksrepublik China
herstellen konnten.
Sie müssen sich vor Augen halten, daß die Führer der Demokratischen Republik Vietnam fast ihr ganzes Leben lang entweder im Gefängnis oder mit dem
Führen von Guerilla-Kriegen oder dem Führen von internationalen Kriegen zugebracht haben. Noch niemals in ihrem Leben haben sie eine Möglichkeit gehabt,
an normalen diplomatischen Beziehungen mit anderen Ländern teilzuhaben oder
sich auf die friedliche Entwicklung ihres Landes und ihres Gebietes zu konzentrieren.
Aus welchen Gründen auch immer haben sie jetzt ein gewisses Interesse
zumindest an der Sondierung der Möglichkeit einer konstruktiveren Beziehung und einer friedlicheren Entwicklung gezeigt. Den größten Teil meiner
Zeit in Hanoi habe ich darauf verwandt, über die Verwirklichung des Abkommens
sowie darüber zu sprechen, welche Formen eine Normalisierung der Beziehungen
annehmen könnte.
Man sollte das Wirtschaftsprogramm nicht als eine Art Almosen betrachten und darin auch nicht nur ein reines Wiederaufbauprogtamm sehen; man sollte es vielmehr als einen Versuch ansehen, der es den Führern Nordvietnams
ermöglichen soll, mit anderen Ländern, insbesondere westlichen, in einem
kontruktiveren Verhältnis zusammenzuarbeiten und damit einen Anstoß zu einer
friedlicheren Entwicklung zu geben.

Die

-6-

�Die Wirtschaftskommission bietet den Führern der Demokratischen
Republik Vietnam die erste Möglichkeit, mit verantwortlichen Amerikanern
über etwas anderes zu sprechen als über Waffenstillstand oder militärische
Vereinbarungen, und deshalb war mein Besuch Teil eines Versuches, von
einem Zustand der Feindseligkeit zur Normalisierung zu gelangen. Deshalb
ersuchen wir nicht aus wirtschaftlichen Gründen und auch nicht in erster
Linie aus humanitären Gründen um die Unterstützung des Gedankens eines
solchen Programmes, sondern weil wir versuchen wollen, in Indochina Frieden
zu schaffen und damit zum Frieden in der Welt beizutragen.

+ ++++

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9/1973

VIERTE INTERNATIONALE TECHNISCHE KONFERENZ IN JAPAN
(13.-16.März 1973)

—(AD)-- Vom 13. bis 16. März 1973 wird in Kyoto (Japan) die 4. Internationale Konferenz über das "Sicherheitsauto" abgehalten. Veranstalter ist
der im Jahre 1969 geschaffene NATO-Ausschuß für Aufgaben der modernen Gesellschaft (CCMS). Dieses meist kurz als "Umweltausschuß" titulierte Komitee ist zu einer wichtigen Kontaktstelle für Experten der verschiedensten
Fachgebiete geworden - Experten, die sich in erster Linie damit befassen,
für Probleme wie Luft-und Wasserverschmutzung, unzureichende Straßen-und
Verkehrssicherheit, Verbesserung des Gesundheitswesens in allgemeiner und
spezieller Sicht oder bestmögliche

Hilfe nach Naturkatastrophen gute Lösun-

gen zu finden. In jedem Fall sind auf internationaler Ebene wirksamere Maßnahmen oder bessere Modelle für künftige Aktionen zu entwickeln, als sie
ein einzelnes Land präsentieren könnte.
Nicht alle an den CCMS-Projekten beteiligten oder daran interessierten
Länder sind Mitglieder der NATO. Auch Drittländern stehen die wissenschaftlich-technischen Arbeitskreise dieser Organisation offen. Von einer solchen gemischten Gruppe wird das Projekt "Experimentelles Sicherheitsauto"
(ESV) durchgeführt. Ihr gehören neben den Vereinigten Staaten die Länder
Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien,

-1-

�Italien, Niederlande sowie Japan und Schweden an. Nach den ersten drei Konferenzen in Paris (Januar 1971), Stuttgart (Oktober 1971) und Washington
(Mai 1972) wird nun Japan der Gastgeber sein. Die fünfte Konferenz ist für
das Frühjahr 1974 in England vorgesehen.
Die USA haben inzwischen mit jenen NATO-Ländern, die zu den wichtigsten
Autoproduzenten gehören, bilaterale Vereinbarungen über die Konstruktion von
Sicherheits-Modellfahrzeugen in verschiedenen Größenklassen getroffen. Mit
Japan und Schweden wurden ähnliche Abkommen geschlossen. Parallel zu den ESVEntwicklungen laufen in einigen Ländern ergänzende Studien - Erforschung
von Unfallursachen (Niederlande), Alkohol am Steuer (Kanada), technische
Überwachung von Kraftfahrzeugen (Bundesrepublik), Notarzteinrichtungen
("Italien), Fußgängersicherheit (Belgien) und bauliche Gefahren der Straße
(Frankreich).
Die bevorstehende 4. Technische Konferenz über Sicherheitsfahrzeuge
wird sowohl für die Fachpresse als auch für die Tagespresse\on Interesse
sein. Soweit zu erfahren war, sollen einige neue Modelle von Sicherheitsfahrzeugen vorgestellt werden. Außerdem ist damit zu rechnen, daß einige
Firmen die Öffentlichkeit darüber informieren werden, welche technischen
Neuerungen in bezug auf "mehr Sicherheit im Auto" in die Serienproduktion
übernommen werden sollen.
Die Vereinigten Staaten werden durch Experten des US-Verkehrsministeriums
sowie der großen Autofirmen vertreten sein. Aus der Bundesrepublik werden
Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, der an der Entwicklung von ESVFahrzeugen beteiligten Firmen VW jnd Daimler-Benz sowie der Zulieferindustrie
und der Versicherungsgesellschaften erwartet.

-2-

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9/1973

USA ERLÄUTERN ZIELSETZUNGEN BEI DEN BEVORSTEHENDEN HANDELSVERHANDLUNGEN

-Auszüge aus der Ansprache von William R.Pearce vor dem Verband kanadischer
Exporteure-

WASHINGTON --(AD)-- Der Stellvertretende Sonderbeauftragte Präsident Nixons
für Handelsverhandlungen, William R. Pearce, hat vor dem Verband kanadischer Exporteuie in Toronto die Ziele der Vereinigten Staaten bei den
bevorstehenden Handelsverhandlungen erläutert.
Die wichtigsten Teile der Ansprache, die am 22. Februar in Washington veröffentlicht worden war, haben folgenden Wortlaut:
"

Am 1. Januar sind Großbritannien, Dänemark und Irland der

Europäischen Gemeinschaft beigetreten. Innerhalb eines Zeitraumes von fünf
Jahren werden sie die Zoll-und die sonstigen Handelsbestimmungen der Gemeinschaft übernommen haben. Sie werden ferner in den Genuß der Präferenzabkommen kommen, die die Gemeinschaft mit anderen Ländern in Westeuropa, im
Mittelmeerraum und in Afrika abgeschlossen hat.

•

Von den traditionellen Lieferanten der neuen Mitgliedsstaaten wird
dies mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Wenn die drei Länder sich jetzt

�jetzt dem gemeinsamen Außenzoll der Gemeinschaft anpassen, werden einige
ihrer Zölle sinken.
Auf anderen Gebieten wird die Höhe des Zollschutzes stark steigen. Wir
sind am meisten besorgt über die Auswirkungen auf die Absatzmärkte für Agrarerzeugnisse . Während des letzten Jahrzehnts haben die drei Länder im Durchschnitt 10 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr importiert. Wenn Großbritannien
zu den festen Zöllen des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens zurückkehren
und wenn Dänemark und Irland ihr derzeitiges Preissystem beibehalten würden,
könnten wir innerhalb von 5 Jahren mit einem Ansteigen ihres Netto-Importbedarfs um rund 50 Prozent rechnen. Auf der anderen Seite würden sie im Rahmen
der gemeinsamen Agrarpolitik der Gemeinschaft in dieser Zeit zu Netto-Getreideexporteuren werden.
In gleicher Weise sind wir auch über unsere Exporte von Zitrusfrüchten
und Tabak besorgt, die auf ein höheres Niveau von Importschutz und auf einen
wachsenden Wettbewerb seitens bevorzugter Lieferanten im Mittelmeerraum und
in Afrika stoßen werden.
Die Gemeinschaft hat den Standpunkt eingenommen, daß sie niemandem etwas
schuldig ist; daß die Senkungen in den Zolltarifen der drei neuen Mitglieder
die Lieferanten aus Drittländern für den Schutz mehr als kompensieren, der
sich aus der Anpassung an den gemeinsamen Außenzoll der Gemeinschaft sowie
der Annahme ihrer gemeinsamen Agrarpolitik ergibt.
Die Vereinigten Staaten können dem nicht beipflichten. Gleichgültig, was
für Auswirkungen die Erweiterung auf unseren Handel insgesamt haben wird
- und wer kann schon sagen, wie diese Auswirkungen sein werden - einige Warengruppen werden neue, restriktivere Handelsschranken zu gewärtigen haben.
Natürlich werden wir die Vorteile der Angebote der Gemeinschaft auf anderen
Sektoren auf einer Fall-zu-Fall-Basis beurteilen. Wir sind jedoch nicht verpflichtet - weder aus logischen noch aus gesetzlichen Gründen - zu akzeptieren, was uns angeboten wird.
Bestenfalls

-2-

�Bestenfalls wird es schwer werden, eine Übereinkunft zu erzielen. Ja,
einige haben sogar vorgeschlagen, daß die Erweiterungsfrage in die umfassenderen Verhandlungen einbezogen und dort gelöst werden sollte. Dies wäre
für uns schwierig. Es wird schwer fallen, den Kongreß davon zu überzeugen,
daß wir mit den umfassenden Vollmachten betraut werden können, die für die
neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen notwendig sind, wenn die Erweiterungsfrage weiterhin ungelöst bleibt....
Die Vereinigten Staaten messen den später in diesem Jahr beginnenden
multilateralen Verhandlungen große Bedeutung bei. Wir haben zunächst in den
bilateralen Handelsgesprächen, die in Zusammenhang mit dem Smithsonian-Abkommen vom Dezember 1971 standen, die übrigen großen Handelsländer aufgefordert, umfassende Verhandlungen zu unterstützen. Diese sind für eine Ausweitung des Handels wie auch für eine Verbesserung des internationalen Handelssystems erforderlich, das den Veränderungen der auf den Handel einwirkenden
Faktoren, die seit der Ausarbeitung der GATT-Statuten in den vierziger Jahren
eingetreten sind, Rechnung trägt
Zölle - Wir werden einen Abbau der Zölle anstreben. Obwohl die Bedeutung der
Zölle in sechs aufeinanderfolgenden Runden von GATT-Verhandlungen immer mehr
verringert worden ist, bleiben sie weiterhin ein Hindernis für eine Ausweitung des Welthandels. Zollverhandlungen haben im Hinblick auf das wachsende
Handelsvolumen im Rahmen der Präferenzsysteme vermehrt an Bedeutung gewonnen.
Im Gegensatz zu Presseberichten haben die Vereinigten Staaten nicht eine
völlige Beseitigung der Zölle vorgeschlagen. Soweit wir sehen können, ist
kein Mitgliedsland bereit, in diesem frühen Stadium eine solche Verpflichtung
einzugehen. Was wir vorgeschlagen haben, ist, daß die künftige Arbeit des
GATT-Ausschusses für den Handel mit Industrieerzeugnissen mit einer -allerdings hypothetischen- Erörterung eines zollfreien Handels mit Industrieerzeugnissen zwischen den Industriestaaten beginnen könnte. Wenn wir uns jetzt

3-

�jetzt dazu durchringen, die vernünftigen Grenzen eines Zollschutzes für
bestimmte Erzeugnisse und Warengruppen zu prüfen, so würde dies bereits
den größtmöglichen Fortschritt bei den Zollsenkungen fördern.

Nicht-tarifäre Handelsschranken - Ein Fortschritt bei den Zollverhandlungen
hängt in gewissem Maße auch von einem Erfolg bei der Behandlung der nichttarifären Handelsschranken ab. Sofern die nicht-tarifären Handelsschranken
nicht in die internationalen Bestimmungen einbezogen werden können, werden
sie weiterhin die Erfolge von Zollverhandlungen zunichtemachen. Ein Fortschritt hier wird schwer sein. Die GATT-Mitgliedsstaaten haben mehr als 800
nicht-tarifäre Handelsschranken festgestellt. Nicht einmal zwei von diesen
scheinen einander gleich zu sein. Oft ist es schwierig, ihre Auswirkungen auf
den Handel zu bewerten, und noch schwerer ist es, Wege für ihren Abbau ohne
Beeinträchtigung des legitimen Zwecks zu finden, dem sie dienen sollen. Es
wird unsere Aufgabe sein, die nicht-tarifären Handelsschranken abzubauen
oder zu beseitigen, die nicht gerechtfertigt sind, und Bestimmungen für die
Harmonisierung und Kontrolle der übrigen zu finden
Die Vereinigten Staaten haben im GATT-Landwirtschaftsausschuß ein Verfahren vorgeschlagen, das für eine Liberalisierung des Agrarhandels im Laufe
der Zeit benutzt werden könnte. Wir haben praktisch vorgeschlagen, daß alle
Elemente des Schutzes in gemischte Zollkomponenten umgerechnet werden, die
von Anfang an gegen Erhöhungen geschützt sind. Die Zollsenkungen könnten dann
Erzeugnis für Erzeugnis ausgehandelt und über einen längeren Zeitraum verteilt
durchgeführt werden. Wir haben keinerlei Einschränkungen des Rechtes der Regierungen vorgeschlagen, das Einkommen ihrer Erzeuger aufzubessern, aber wir
haben vorgeschlagen, daß die Systeme für eine solche Förderung so beschaffen
sein sollen, daß sie sich im Handel so wenig wie möglich niederschlagen.
Wir sind nicht auf ein solches Vorgehen festgelegt; wir haben es als
Basis für die Aufnahme von Gesprächen vorgeschlagen. Genauso wenig sind wir in
der Frage der Rohstoffabkommen festgelegt. Wir sind uns im klaren darüber,

-4-

�darüber, daß Änderungen bei den landwirtschaftlichen Subventionierungssystemen nicht über Nacht durchgeführt werden können. Es werden Übergangsabkommen notwendig sein, und dies könnte in der Tat irgendwelche multilateralen Abkommen erfordern. Wir werden jede derartige Vereinbarung danach beurteilen, in welchem Maße sie im Laufe der Zeit zu einer grundlegenden Liberalisierung und Ausweitung des Agrarhandels beitragen kann.

Sicherheiten - Die Vereinigten Staaten werden ferner die Erörterung eines
neuen multilateralen Sicherheitssystems unterstützen.
Die Bestimmungen des Artikel XIX des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens, die die Mitgliedsstaaten zu einer Beschränkung solcher Importe ermächtigen, die den einheimischen Produzenten ernsten Schaden zufügen könnten,
waren für die Lösung von Problemen im Zusammenhang mit den immer schnelleren
Änderungen in den Welthandelspraktiken nicht ausreichend. Infolgedessen haben alle großen Handelsländer ihre eigenen Lösungen außerhalb des Rahmens der
gegenwärtigen GATT-Bestimmungen entwickelt. Ein derartiges Vorgehen hat dazu geführt, den Wert der bestehenden GATT-Verpflichtungen zu untergraben.
Was notwendig erscheint, ist ein neues multilaterales Sicherheitssystem, das
Bestimmungen und Verfahren schafft, die alle Länder akzeptieren und denen sie
in Praxis und Theorie nachkommen können.
Obwohl zweifellos noch keine Übereinstimmung besteht, beginnen jetzt die
Hauptelemente eines neuen, ergänzenden Systems Form anzunehmen. Im Rahmen
eines solchen Systems könnten die schnell zunehmenden Importe, die den einheimischen Produzenten ernsten Schaden zuzufügen drohen, vorübergehend eingeschränkt werden, um den einheimischen Industrien Zeit zur Anpassung an den
neuen Wettbewerb zu geben. Im Gegensatz zu den derzeitigen Verfahren nach
Artikel XIX würde das delikate Gleichgewicht der Lastenaufteilung unter einem
neuen multilateralen System erreicht werden - nicht durch Zollkompensationen
oder durch Vergeltung, sondern durch eine Verpflichtung seitens der den Import einschränkenden Länder, den einheimischen Anpassungsprozeß zu fördern
und zu beschleunigen.

,

�Obwohl die Konzeption eines neuen multilateralen Sicherheitssystems weite Unterstützung gefunden hat, ist auch Besorgnis hinsichtlich seiner wahrscheinlichen Auswirkungen auf bestehende Handelsverpflichtungen geäußert worden. Wir selbst sind in bezug auf diesen Aspekt ebenfalls besorgt. Aber eine
größere Sorge ist für uns die Verwundbarkeit des gesamten GATT-Systems, solange nicht ein Weg gefunden wird, um die sich ausweitende Kluft zwischen den
sich schnell ändernden Handelspraktiken und den mehr begrenzten Kapazitäten
der Binnenwirtschaften zu überbrücken, sich diesem neuen Wettbewerb anzupassen. Die Aufgabe scheint uns darin zu bestehen, Bestimmungen zu entwickeln,
die ein Ausweichen auf multilaterale Sicherheiten auf solche Fälle begrenzt,
wo eine echte Notwendigkeit besteht."

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9/1973

JÜNGSTE NEUFESTSETZUNG DER WECHSELKURSE IST AUSREICHEND
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)— Mit der jüngsten Dollarabwertung und dem Aufwärtsfloaten des Yen ist die erforderliche Neufestsetzung der Wechselkurse
abgeschlossen worden, die mit dem Smithsonian-Abkommen von 1971 nur
zum Teil gelöst worden war.
Dies hat der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul A.
Volcker, am 27. Februar vor dem Bankenausschuß des amerikanischen Senats
unmißverständlich zu verstehen gegeben. Nach Ansicht Volckers reichen
die Veränderungen der Wechselkurse, die in den letzten zwei Jahren stattgefunden haben, für eine Korrektur der internationalen Ungleichgewichte
aus, sobald sie erst einmal voll auf Handel, Investitionen und andere
internationale Transaktionen durchgeschlagen sind. Gleichzeitig hat
der Staatssekretär jedoch unterstrichen, daß die Neufestsetzung der
Wechselkurse nur eines von drei Erfordernissen für die Wiederherstellung
des Gleichgewichts und der Stabilität in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen ist. Die beiden anderen Erfordernisse' sind, daß die Vereinigten Staaten weiterhin erfolgreich die Inflation unter Kontrolle halten
und daß den amerikanischen Exporten Zugang zu den Märkten anderer Länder gewährt wird.
Volcker

�1
I

i

Volcker hatte vor dem Ausschuß das eingebrachte Gesetz über die offizielle Neufestsetzung der Dollar-Parität begründet. Die Devisenmärkte verhalten sich bereits so, als ob die zehnprozentige Dollarabwertung Gesetzeskraft habe; die Verabschiedung des Gesetzes durch den Kongreß ist jedoch erforderlich, damit die amerikanische Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) offiziell von der Paritätsänderung in Kenntnis setzen kann. Nach
dem bisherigen Verlauf der Hearings im Senat dürfte mit keiner Opposition
gegen das Gesetz zu rechnen sein.
Auf Fragen der Senatoren eingehend hatte Volcker betont, daß es sich bei
der Neufestsetzung der Wechselkurse im Jahre 1971 um einen "Kompromiß" gehandelt habe, der erst nach harten Verhandlungen erreicht worden war und seines
Erachtens den Erfordernissen nicht voll gerecht geworden sei. Die Vereinigten Staaten, so meinte Volcker, wären damals bei der Neufestsetzung der
Wechselkurse wesentlich weiter gegangen, als dann von den Finanzministern im
Dezember 1971 vereinbart worden sei. Dieses Mal halte er die Neufestsetzung
der Wechselkurse jedoch für ausreichend.
1971, so sagte Volcker, habe man den amerikanischen Schätzungen über das
erforderliche Ausmaß der Wechselkursänderungen keinen Glauben geschenkt. Die
USA seien für wesentlich größere Veränderungen als ihre Handelspartner eingetreten; die späteren Entwicklungen hätten jetzt die Situation in neuem Licht
erscheinen lassen. In der Zwischenzeit habe sich eine wesentliche Änderung in
der Haltung der einzelnen Länder gegenüber Handels-und Zahlungsbilanzungleichgewichten durchgesetzt. Selbst Länder mit Handelsüberschüssen fänden
sich jetzt mit der Tatsache ab, daß Ungleichgewichte unerwünscht sind und
korrigiert werden sollten.
Auf Presseberichte angesprochen,wonach die Möglichkeit von Goldverkäufen aus amerikanischen Regierungsbeständen zur Beruhigung der Spekulation
auf den privaten Goldmärkten im Gespräch sei, meinte Volcker, die Vereinigten

-2-

�Vereinigten Staaten hätten in dieser Frage in den letzten Tagen keinerlei
Kontakte mit anderen Regierungen gehabt. Die amerikanische Regierung halte
sich vielmehr weiterhin an das internationale Abkommen über einen gespaltenen Goldmarkt, nach dem Regierungen kein Gold auf dem privaten Markt kaufen
oder verkaufen dürfen. Eine etwaige Entscheidung über eine Änderung dieses
Abkommens, so betonte Volcker, könne von den Vereinigten Staaten allein nicht
getroffen werden. Allerdings, so fügte Volcker hinzu, seien die USA dafür,
daß das Gold in dem internationalen Währungssystem künftig eine geringere
Rolle spielen sollte. Im Rahmen einer solchen künftigen Entwicklung, so meinte Volcker, würden Goldverkäufe, um den höheren Marktpreis zu nutzen, nicht
störend wirken. Auf den Vorschlag eines Senators, wonach die Vereinigten
Staaten den Internationalen Währungsfonds zu Goldverkäufen aus seinen Beständen auffordern sollten, um den inoffiziellen Weltpreis herabzudrücken, erwiderte Volcker, daß diese Frage von Zeit zu Zeit aufgeworfen worden sei,
daß aber von der einen oder der anderen Seite ein solcher Gedanke immer wieder abgelehnt wurde. In einer vor dem Ausschuß abgegebenen vorbereiteten Erklärung hatte Volcker bereits betont, daß der offizielle Goldpreis von
42,22 Dollar pro Unze in keiner Weise den Schluß zulasse,"daß wir eine generelle Änderung des Goldpreises als ein angebrachtes oder nützliches Mittel
zur Erhöhung der internationalen Liquidität betrachten". Gerade die wilden
spekulativen Fluktuationen des Goldpreises auf dem freien Markt, so fügte
der Staatssekretär hinzu, deuteten auf eine der schwerwiegenden Unzulänglichkeiten des Währungssystems hin, dieses Metall als Basis zu benutzen.
Die beiden Abwertungen des US-Dollar 1971 und jetzt sind nach Ansicht
Volckers für die USA wie auch die übrigen Länder eine unerfreuliche Erfahrung
gewesen. Sie seien jedoch, so betonte der Staatssekretär, erforderlich gewesen, um eine wichtige Anpassung in der Nachkriegswirtschaft zum Abschluß zu
bringen. Doch könne und dürfe dies nicht zu einer Politik für die Zukunft werden. Die Welt brauche ein Währungssystem, das weniger anfällig für Ungleichgewichte, Marktstörungen und Spekulationen sei, durch die die jüngsten

-3-

�I

jüngsten Verhandlungen notwendig geworden seien. Für die USA gelte es zunächst einmal, mit der Inflation im eigenen Lande fertig zu werden. Darüberhinaus müsse eine neue internationale Handelsordnung geschaffen werden. Wörtlich sagte Volcker: "Wir arbeiten so hart wie nur möglich auf diese Ziele
hin und erwarten von unseren Handelspartnern eine aufgeschlossene Haltung."
Auch der Vorsitzende des Federal Reserve Board - der amerikanischen Notenbank - Arthur Burns vertrat vor dem Ausschuß die Ansicht, daß das
Smithsonian-Abkommen und die jüngste Neufestsetzung der Wechselkurse die
USA eindeutig wieder auf den Weg zu einem Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz zurückgebracht hätten. Die Auswirkungen der letzten Dollarabwertung würden
allerdings erst 1975 voll durchschlagen, während das Smithsonian-Abkommen
schon 1973 und 1974 voll zur Wirkung kommen werde. Wie Burns erklärte, könne
für 1975 bereits wieder mit einem beträchtlichen Handelsüberschuß der USA
gerechnet werden, "und dies ist der Grund, warum ich sage, wir sollten nicht
mehr an eine weitere Abwertung denken". Die USA, so fuhr Burns fort, hätten
in den letzten eineinhalb Jahren die Inflation weit besser als irgendein anderes Land unter Kontrolle gebracht. Dieser Kurs werde fortgesetzt werden.
Darüberhinaus werde es auch ein wichtiges Ziel der amerikanischen Wirtschaftspolitik in diesem Jahre sein, ein Klima zu schaffen, das zu Investitionen in
den USA ermutige.

-4-

�</text>
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Dokumentation

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Nummer

2 1 . Februar 1973

Inhalt

INFORMATION:
Nixon unterstreicht Bedeutung der Beziehungen zu Europa
-Auszüge aus einem Gespräch mit dem NATO-OberbefehlshaberPressekonferenz von Außenminister Rogers am 15. Februar 1973
-Auszüge zu Europa-

DOKUMENTATION:
Wortlaut des amerikanisch-nordvietnamesischen Kommuniques

WIRTSCHAFT:
Nixon will US-Kongreß um Ermächtigung für Zollerhöhungen ersuchen
-Neues Handelsgesetz soll US-Position stärken-

WISSENSCHAFT

UND TECHNIK:

Natürliche Hilfsquellen der Umwelt
-Botschaft Präsident Nixons an den US-KongreßMetallische Schadstoffe
Von G. Weiss
OECD-Rat untersagt Anwendung bestimmter Chemikalien

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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8/1973

NIXON UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER BEZIEHUNGEN ZU EUROPA
-Auszüge aus einem Gespräch mit dem NATO

Oberbefehlshaber-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat am 15. Februar den Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (SACEUR), General Andrew Goodpaster, zu einer Unterredung empfangen und dabei auch zu internationalen Fragen Stellung genommen.

Die Europa und Vietnam - vor allem die amerikanischen NATO-Ver-

pflichtungen - betreffenden Ausführungen des Präsidenten haben folgenden
Wortlaut:
"Ich habe im Augenblick nichts wesentliches zu MBFR und zur europäischen Sicherheitskonferenz zu sagen, mit der Ausnahme vielleicht, daß diese
Fragen sehr eingehend innerhalb der Regierung wie auch zwischen der amerikanischen Regierung und den Regierungen unserer europäischen Verbündeten
erörtert werden. Sie bildeten einen wichtigen Punkt in dem Gespräch mit
Premierminister Heath. Natürlich koennen Sie annehmen, daß dies auch zu
wirtschaftlichen Betrachtungen, über das Problem des Handels zum Beispiel,
führen würde, das sehr interessant und manchmal auch, was unsere europäischen Freunde wie auch die Japaner anbetrifft, sehr schwierig sein kann.
Wir dürfen die Tatsache nicht übersehen, daß die Sicherheitsvereinbarungen, die wir mit Europa und mit Japan getroffen haben, in engem Zusammenhang
hiermit stehen. Die Vereinigten Staaten werden jetzt, nachdem Vietnam vorbei

�vorbei ist, verständlicherweise Stimmen hören, sehr ernsthafte Stimmen,
daßVir jetzt nach Vietnam die Hände heben, uns nach innen wenden und uns
von unseren Verpflichtungen in der Welt zurückziehen sollten*.
Einer der Gründe, warum ich es für ungeheuer wichtig erachte, daß der
Krieg in Vietnam auf, wie ich glaube, die richtige Weise beendet wurde, nämlich durch einen ehrenvollen Frieden, war, daß es notwendig war, unseren
Verbündeten in Europa, den Japanern und den übrigen Verbündeten, den Thais
usw., wie auch den potentiellen Gegnern zu zeigen, daß die Vereinigten Staaten ein zuverlässiger Verbündeter sind. Alle Macht der Welt, die in den Vereinigten Staaten liegt, bedeutet nichts, wenn diejenigen, die von der amerikanischen Macht abhängig sind, um sie vor einer möglichen Aggression durch
andere Mächte zu schützen, vor der sie sich nicht selbst schützen können
- alle Macht der Welt bedeutet hier nichts, wenn nicht eine gewisse Garantie,
eine gewisse Zuversicht, ein gewisses Vertrauen besteht, daß die Vereinigten
Staaten glaubwürdig und zuverlässig sein werden.
Es ist mir durchaus bekannt, daß seitens unserer guten Freunde und Verbündeten in der Welt große Besorgnis geäußert worden ist - die wir durchaus
verstehen - nicht nur hinsichtlich unseres Engagements in Vietnam, der Entscheidungen, die wir treffen mußten, um einen ehrenvollen Frieden zu erreichen und um unsere Ziele zu verwirklichen, die ich in meiner Rede vom
8. Mai aufgezeigt hatte.
Ich bin, das möchte ich nur sagen, der ganz festen Überzeugung, daß
viele unserer Verbündeten zurückblicken und im geschichtlichen Rückblick erkennen werden, daß wir, hätten wir den leichten Ausweg gewählt- was wir
schon vor Jahren hätten tun können und sicherlich bei meinem Amtsantritt
im Jahre 1969 - durch unser Versagen dort ihr Vercrauen in die Vereinigten
Staaten ausgehöhlt und möglicherweise sogar zerstört hätten - und sicherlich
jene gewaltig ermutigt hätten, die aggressive Absichten uns gegenüber hegen
könnten."
General

�I
»
General Goodpaster erwiderte auf die Ausführungen des Präsidenten:
"Die Folge davon ist eine Stärkung des Vertrauens in Europa, und seit
den Anfängen der NATO bildete dieses Vertrauen ihre Grundlage. Es hat keine
Aushöhlung dieses Vertrauens gegeben; vielmehr kam es zu einer Stärkung
dieses Vertrauens, vor allem da dieses Handeln mit der starken Unterstützung
verbunden war, die Sie für die gesamte NATO zum Ausdruck brachten, sowie durch
die anhaltende Verpflichtung amerikanischer Stärke und durch die weiteren
amerikanischen Beiträge zur NATO. Wenn wir jetzt in diese Periode konstruktiver Verhandlungen eintreten, dann besteht nach meiner Meinung grundsätzlich
die Auffassung, daß wir diese Verhandlungen, so schwierig und so anspruchsvoll sie auch sein mögen, auf der Grundlage des gegenseitigen Vertrauens
und eines Gefühls der Stabilität und Stärke angehen."

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8/1973

PRESSEKONFERENZ VON AUSSENMINISTER ROGERS AM 15.FEBRUAR 1973
-Auszüge zu Europa-

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 15. Februar auf einer Pressekonferenz zu internationalen Fragen
Stellung genommen. Wichtigste Themen der Pressekonferenz waren das Abkommen mit Kuba über die Auslieferung von Flugzeugentführern, die bevorstehende Vietnamkonferenz in Paris, der Nahe Osten, Europa, Indochina und der
Wiederaufbau Indochinas, die SEATO, das neue Handelsgesetz, das Energieproblem, die bevorstehende Sitzung des Weltsicherheitsrates in Panama
und der China-Besuch Dr. Kissingers.
Die Europa betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
Frage: Herr Außenminister, vor zwei Tagen hat: ein Sprecher, der nicht
identifiziert werden kann, die Lösung der Handels-und Währungsprobleme mit
den Truppen, den amerikanischen Truppen in Europa, in Verbindung gebracht.
Gestern abend hat einer der höchsten Beamten des Außenministeriums in
einem informellen Gespräch eine solche Verbindung eindeutig bestritten.
Besteht eine solche?
Antwort: Es gibt keine Verbindung zwischen diesen beiden Dingen, bestimmt nicht in irgendeinem

formellen Sinn und bestimmt nicht, was die Ge-

spräche anbetrifft, die wir mit unseren europäischen Verbündeten führen
werden.
Auf

�Auf der anderen Seite liegt auf der Hand, daß die Gesundheit unserer
Wirtschaft und die Stärke unserer Position hier im eigenen Lande etwas mit
der Haltung des Kongresses bezüglich unserer Präsenz in Europa zu tun hat.
Was dies anbetrifft, so ist allgemein bekannt, daß eine Opposition im Kongreß
vorhanden ist und daß unsere Situation hier im eigenen Lande die Ansichten
des Kongresses beeinflußt.
Was die amerikanische Regierung anbetrifft, so bringen wir natürlich
die beiden Dinge nicht miteinander in Verbindung. Nach unserer Auffassung
sollte dies nicht geschehen, denn die Wäarungs-und Handelsfragen sind in
weltweitem Sinne, nicht nur was Europa anbetrifft, sehr wichtig.
Frage: Herr Außenminister, rechnen Sie mit irgendwelchen Schwierigkeiten mit der Europäischen Gemeinschaft, wenn wir nicht bis September, wenn
die Gespräche beginnen, ein Handelsgesetz verabschiedet haben. Es hat zahlreiche Anzeichen dafür gegeben, daß den Europäeern dieser Punkt alles andere
als gleichgültig ist?
Antwort: Ich weiß nicht, wie die zeitliche Reihenfolge sein wird. Die
Gespräche über Handelsfragen beginnen jedenfalls im Herbst.
Frage: Richtig, und die übereinstimmende Ansicht im Kapitol ist, daß
ein Handelsgesetz bis dahin kaum verabschiedet sein dürfte.
Antwort: Ich halte dies nicht für eine sehr fundierte Auffassung, denn
niemand im Kapitol weiß bis jetzt, was vorgeschlagen werden wird. Ich glaube,
wenn die Vorschläge, die wir machen werden, im Kapitol unterbreitet worden
sind, wird es eine beträchtliche Unterstützung für diese Vorschläge geben
- weil diese Vorschläge nämlich in keiner Weise darauf abzielen, unsere Märkte stärker für ausländische Waren zu öffnen, als dies heute der Fall ist.
Im Gegentei1,sie sollen für einen faireren Handel sorgen, so daß, ^enn unsere
Märkte stärker geöffnet werden, auch andere Märkte für uns geöffnet werden
müssen. Mit anderen Worten, wir wollen nichts anderes, als eine gleiche Behandlung in Handelsfragen. Und meines Erachtens ist man sich darüber im

�r

im klaren - und ich bin sogar sicher, daß man sich darüber im klaren ist denn die Außenminister, mit denen ich gesprochen habe, haben diese Auffassung zum Ausdruck gebracht, daß eine Menge Änderungen vorgenommen werden müssen.
Es gibt viele Ungerechtigkeiten. Unseres Erachtens wird der Kongreß
anders darüber denken, wenn ihm das Gesetz erst einmal vorliegt und daraus hervorgeht, daß es sich um einen Vorschlag handelt, der für gerechtere Handelsabmachungen sorgen wird, die vom Standpunkt der amerikanischen Geschäftsleute und der amerikanischen Arbeitnehmer fair sind. Wir
sind der Meinung, daß es keinen anderen Weg gibt als diesen, um auf dem
Gebiet des Handels vernünftig zu verhandeln - denn es geht, nicht nur um
Zölle, sondern es geht auch um nicht-tarifäre Handelsschranken, die durch
eine starre Gesetzgebung schwer zu packen sind. Hier muß man verhandeln.
Ich glaube also nicht, daß der Kongreß bereits jetzt schon seine Hai»
tung festgelegt hat.

Ich möchte sehr hoffen, daß der Kongreß positiv re-

agieren wird. Alles andere ist sinnlos. Ich meine., daß die Vorstellung,
man könne die Vereinigten Staaten gegenüber den ausländischen Importen
völlig abschirmen und dann ginge es uns allen besser, einfach nicht stimmt.
Was wir wollen, ist mehr Handel, mehr Welthandel, aber wir wollen, daß er
auf faire Weise abgewickelt wird. Vor allem müssen die nicht-tarifären Handelsschranken beseitigt werden, die, wie Sie uissen, versteckte Hilfsmittel,
oftmals versteckte Hilfsmittel, sind, um uns daran zu hindern;, nach anderen
Märkten zu exportieren. Das sind alles Dinge, die wir nicht etwa erfinden
oder uns nur einbilden. Das sind Dinge, die auch andere Nationen zugeben.
Wir sind zuversichtlich, daß wir jetzt die Zeit verlassen, da es um
militärische Auseinandersetzungen ging, und ich möchte mir das Jahr 1973
als ein Jahr des Friedens vorstellen. Wenn wir jetzt diese Zeit hinter uns
lassen und in ein Jahr des Friedens eintreten, dann gewinnen Fragen wie

-3-

�/•

wie Handel, Umwelt, die Weltmeere betreffende Fragen, Kommunikationsfragen,
all diese Dinge, immer mehr an Bedeutung.
Es ist für die internationale Völkergemeinschaft von entscheidender Bedeutung, bei der Behandlung solcher Fragen genügend Selbstdisziplin zu üben.
Und ich bin besonders froh, daß unsere Beziehungen zu allen großen Mächten
der Welt heute derart sind, daß wir, wie ich glaube, hoffen können, diese
schwierigen Fragen mit einem gewissen Maß an Selbstdisziplin behandeln zu
können.
Frage: Herr Außenminister, können Sie uns sagen, wann der Gesetzesentwurf vorgelegt wird?
Antwort: Nein, wir haben darüber noch nicht entschieden.
Frage: Herr Außenminister, eine ganz kurze Frage. Was wird das "Jahr
Europab" uns als nächstes bringen?
Antwort: Mir ist der Begriff "Jahr des Friedens" lieber als der Begriff
"Jahr Europas", weil ich glaube, daß das Schlagwort Jahr Europas so verstanden werden könnte, daß wir andere Gebiete der Welt vernachlässigen und unsere
ganze Aufmerksamkeit Europa zuwenden würden. Ich glaube nicht, daß dies der
Fall sein wird. Meines Erachtens wird das Schwergewicht mehr auf Europa und
europäische

Probleme gelegt werden, als dies in der Vergangenheit der Fall

war, und zwar aus vielen offensichtlichen Gründen: Erstens die Erweiterung
der Gemeinschaft; zweitens ist eine Reihe von Konferenzen im Gange, die sich
mit europäischen Angelegenheiten befassen - die europäische Sicherheitskonferenz, die beiderseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierungen, die SALT-Verhandlungen . Und die Probleme im Zusammenhang mit der Erweiterung der Gemeinschaft werden ohne Frage ganz unterschiedliche Handelsfragen berühren, die
natürlich auch zu einem beträchtlichen Teil Japan angehen. All diese Faktoren
zusammengenommen werden sicherlich bewirken, daß das Schwergewicht in diesem
nächsten Jahr vermehrt auf Europa liegen wird."

"H—r

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8/1973

WORTLAUT DES AMERIKANISCH-NORDVIETNAMESISCHEN KOMMUNIQUES

WASHINGTON -„(AD)-- Das amerikanisch-nordvietnamesische Kommunique, das
zum Abschluß des Besuches, den der Berater Präsident Nixons für Nationale
Sicherheitsfragen, Dr. Henry Kissinger, Hanoi vom 10. bis 13. Februar abgestattet hat, herausgegeben und am 14. Februar vom Weißen Haus in Washington veröffentlicht worden ist, hat folgenden Wortlaut:
"Der Berater des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Dr. Henry A.
Kissinger, ist am 10. Februar 1973 in Hanoi eingetroffen und hat Hanoi am
13. Februar 1973 wieder verlassen. Er wurde von dem Leiter der RegierungsInformationszentrale, Herbert G. Klein, dem Stellvertretenden Unterstaatssekretär im amerikanischen Außenministerium, Botschafter William H.
Sullivan, sowie weiteren amerikanischen Beamten begleitet.
Während seines Aufenthaltes in Hanoi wurde Dr. Henry A. Kissinger von
Ministerpräsident Pham van Dong, dem Sonderberater Le Duc Tho und dem
Stellvertretenden Ministerpräsidenten Nguyen Duy Trinh empfangen. Die nordvietnamesische und die amerikanische Seite hatten einen offenen, ernsthaften
und konstruktiven Gedankenaustausch zur Durchführung des Abkommens über

»1-

�über eine Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam, das am 27. Januar 1973 in Paris unterzeichnet worden war, wie auch
über die Nachkriegsbeziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam
und den Vereinigten Staaten und über andere Fragen von beiderseitigem Interesse. Sonderberater Le Duc Tho und Dr. Kissinger führten ferner Gespräche,
mit denen sie ihre Treffen fortsetzten, die in den vergangenen vier Jahren
in Paris stattgefunden hatten. Unabhängig von diesen Arbeitssitzungen besuchten Dr. Kissinger und seine Begleiter eine Reihe von für sie interessanten Punkten in Hanoi.
Die beiden Seiten überprüften sorgfältig die Durchfuhrung des Pariser
Vietnam-Abkommens während der letzten Zeit. Sie erörterten verschiedene notwendige Maßnahmen, die ergriffen werden sollten,um die Verwirklichung des
Abkommens zu verbessern und zu beschleunigen, und vereinbarten, daß sie weiterhin in gewissen Zeitabständen einen Gedankenaustausch führen werden, um
die strikte und peinlich genaue Einhaltung des Abkommens und seiner Protokolle zu gewährleisten, so wie es die Unterzeichner versichert haben.
Die beiden Seiten begrüßten die Gespräche zwischen den beiden südvietnamesischen Parteien, die dem Ziele dienen, die Paragraphen über die Selbstbestimmung in Südvietnam gemäß den Vereinbarungen des Pariser Vietnanh-Abkommens durchzuführen.
Die Demokratische Republik Vietnam und die Vereinigten Staaten erklärten, daß die volle und peinlich genaue Durchführung des Pariser Vietnam-Abkommens zur Sache des Friedens in Indochina und in Südostasien auf der Basis der strikten Respektierung der Unabhängigkeit und Neutralität der Länder
dieses Raumes positiv beitragen werde.
Die beiden Seiten bekräftigten, daß die zwischen den Ländern Indochinas
bestehenden Probleme von den Parteien Indochinas auf der Basis der Respektierung der Unabhängigkeit, der Souveränität und der territorialen Integrität

-2-

�Integrität des anderen sowie der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen gelöst werden sollten. Sie begrüßten die Verhandlungen zwischen den Parteien in Laos, die eine friedliche Regelung in diesem Lande
herbeiführen sollen.
Die beiden Seiten führten einen Gedankenaustausch darüber, wie die
Vereinigten Staaten zur Heilung der Wunden des Krieges und zum Wiederaufbau
der Nachkriegswirtschaft in Nordvietnam beitragen werden. Sie vereinbarten,
eine gemeinsame nordvietnamesisch-amerikanische Wirtschaftskommission einzusetzen. Diese Kommission, die sich aus einer gleichen Zahl von Vertretern jeder Seite zusammensetzen soll, wird die Aufgabe haben, die wirtschaftlichen
Beziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und den Vereinigten
Staaten auszubauen.
Die beiden Seiten führten ferner einen Gedankenaustausch über die Einberufung der internationalen Vietnamkonferenz,wie dies in Artikel 19 des Pariser Vietnamabkommens vorgesehen ist. Sie werden ihre Konsultationen mit den
übrigen Konferenzteilnehmern fortsetzen, um den Boden für eine erfolgreiche
Konferenz vorzubereiten.
Die beiden Seiten erörterten die Nachkriegsbeziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und den Vereinigten Staaten und prüften konkrete Schritte, die zur Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern ergriffen werden können. Sie vereinbarten bestimmte allgemeine Prinzipien,
die ihren beiderseitigen Beziehungen zugrundeliegen sollen:
-- Alle Bestimmungen des Pariser Vietnam-Abkommens und seiner Protokolle
sollen voll und peinlich genau durchgeführt werden.
-- Die Demokratische Republik Vietnam und die Vereinigten Staaten sollen
sich um ein neues Verhältnis bemühen, das auf der Respektierung der
Unabhängigkeit und Souveränität des anderen, der Nichteinmischung in
die inneren Angelegenheiten des anderen, der Gleichberechtigung und
des beiderseitigen Wohles basiert.
--Die

3-

�-- Die Normalisierung der Beziehungen zwischen der Demokratischen Republik Vietnam und den Vereinigten Staaten wird dazu beitragen, einen
stabilen Frieden in Vietnam zu gewährleisten, und der Sache des
Friedens in Indochina und Südostasien nützen.

Dr. Kissinger und seine Begleitung haben ihrem herzlichen Dank für die
von der Demokratischen Republik Vietnam gewährte Gastfreundschaft Ausdruck
gegeben. Beide Seiten hoffen, daß dieser Besuch den Beginn neuer bilateraler Beziehungen kennzeichnen wird."

Auf Fragen von Korrespondenten erklärte der Pressesekretär des Weißen
Hauses, Ronald Ziegler, zur Möglichkeit einer diplomatischen Anerkennung
Hanois: "Die beiden Seiten haben Schritte zur Normalisierung der Beziehungen
geprüft und bestimmte Prinzipien für die Beziehungen der beiden Seiten vereinbart. Nach Durchführung dieser Maßnahmen können wir weitere Schritte erörtern."
Nach den Worten Zieglers sind ferner bedeutsame Fortschritte in drei
Punkten erzielt worden, nämlich bei der Ausarbeitung eines Systems zur Nachforschung nach den als vermißt gemeldeten Amerikanern, bei der Verbesserung
des Waffenstillstandes sowie bei der Festlegung der Übergangsstellen, über
die militärischer Ersatz gemäß dem Abkommen vom 27. Januar nach Südvietnam
gebracht werden darf. Ziegler kündigte weiter an, daß Präsident Nixon innerhalb von zwei Wochen die amerikanischen Mitglieder für die gemeinsame Wirtschaftskommission benennen wird, wobei der Pressesekretär betonte, daß die
amerikanischen Wiederaufbauanstrengungen ganz Indochina umfassen würden.
Wie hoch die Beträge sein werden, die die USA zum Wiederaufbau Indochinas
beisteuern werden, war in Washington noch nicht zu erfahren, doch betonten
maßgebende amerikanische Kreise, daß gegenwärtig bilaterale wie auch multilaterale Kanäle für die Nächkriegshilfe geprüft werden. Und der Sprecher
des amerikanischen Außenministeriums, Charles Bray, erklärte, daß jedes der-

-4-

�derartige Programm zuerst der Zustimmung des US-Kongresses bedürfe.
Ziegler lehnte es ab, auf Einzelheiten der am 26. Februar in Paris beginnenden Vietnam-Konferenz und die Zur Erörterung anstehenden Tagesordnungspunkte einzugehen und betonte lediglich, daß Washington und Hanoi ihre Kontakte auf den bestehenden Kanälen fortsetzen werden.

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NIXON WILL US-KONGRESS UM ERMÄCHTIGUNG FÜR ZOLLERHÖHUNGEN ERSUCHEN
-Neues Handelsgesetz soll US-Position stärken-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat angekündigt, daß er den amerikanischen Kongreß um eine Ermächtigung für Zollerhöhungen ersuchen werde,
wenn sich solche als notwendig erweisen sollten, um amerikanischen Erzeugnissen im Ausland eine faire Behandlung und einen fairen Anteil an
den Auslandsmärkten zu sichern.
Nach Ansicht des Präsidenten müssen die Vertreter der USA bei den
bevorstehenden Verhandlungen, die den amerikanischen Exporten bessere Absatzmöglichkeiten bringen sollen, in der Lage sein, notfalls auch mit Importbeschränkungen drohen zu können. In einem Gespräch mit Finanzminister
Shultz nach Bekanntgabe der Abwertung des US-Dollar um 10 Prozent gab
Nixon eindeutig zu verstehen,daß "die Abwertung des Dollar bestenfalls
nur eine vorübergehende Lösung des Problems (der Ungleichgewichte) ist."
Aus diesem Grunde müsse der Abwertung jetzt ein neues Handelsgesetz folgen.
Gleichzeitig wies der Präsident darauf hin, daß die Vereinigten Staaten in
der Vergangenheit zu oft ihre Handelsbeschränkungen abgebaut haben, während
andere Länder die ihren erhöhten. Künftig, so betonte der Präsident, müßten
die amerikanischen Delegierten Handlungsfreiheit nach beiden Seiten haben,
denn nur wenn die Vereinigten Staaten ihre Handelsschranken erhöhten,

-1-

�I

V.

erhöhten, könnten andere Länder dazu veranlaßt werden, einige ihrer Handelsschranken abzubauen.
Die Vereinigten Staaten stellen für die übrige Welt den besten Absatzmarkt dar, und Japan sowie die europäischen Länder können diesen Markt mit
ihren Erzeugnissen überschwemmen, so daß amerikanische Firmen schließen
müssen und amerikanische Arbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren. Aus diesem
Grunde müssen die USA nach Ansicht des Präsidenten bei der Verfolgung ihrer
Politik eines freieren Handels stets "die Karte des Protektionismus in der
Hinterhand" halten. "Wir sind der Ansicht, daß der Welt durch eine Senkung
der Zölle besser gedient ist", so betonte der Präsident. Aber dies könne
nicht dadurch erreicht werden, daß die USA ihre Zölle senken, während die
anderen Länder sie beibehalten. Vielmehr müßten auch die anderen Länder
ihre diskriminierende Politik aufgeben.
Das neue Handelsgesetz ist nach Auffassung der amerikanischen Regierung
unbedingt notwendig, um die hohen Defizite der USA in den beiden letzten Jahren abzubauen. Nur so kann der Druck, unter dem der US-Dollar steht, beseitigt werden. Den unmittelbaren Auswirkungen der Ungleichgewichte ist jetzt
durch die Dollarabwertung begegnet worden, aber, und das hat der Präsident
ganz klar zu verstehen gegeben, "wir dürfen uns keinen Illusionen in bezug
auf die Tatsache hingeben, daß wir jetzt ein Handelsgesetz brauchen, damit
die grundlegenden Ursachen angepackt werden."
Schon bei der Bekanntgabe der neuen amerikanischen Handelspolitik am
15. August 1971 hatte Nixon darauf hingewiesen, daß es für die USA von ungeheurer Wichtigkeit ist, ihre Märkte vor einer möglichen Überschwemmung durch
ausländische Erzeugnisse zu schützen. Und in den jüngsten Erklärungen der
amerikanischen Regierung ist immer wieder betont worden, daß die amerikanischen Produzenten fair behandelt werden und gleichen Zugang zu den Auslandsmärkten haben müssen. Diesem Ziel, nämlich die tarifären und die nicht-

-2-

�nicht-tarifären Handelsschranken auf allen Gebieten abzubauen und die amerikanische Handelsposition zu verbessern, soll das neue Handelsgesetz dienen,
wobei von amerikanischer Seite immer wieder darauf verwiesen worden ist,
daß es sich bei den internationalen Wirtschaftsproblemen keineswegs ausschließlich um Probleme der USA handelt. Und mit Recht erklärte Finanzminister Shultz am 13. Februar: "Wenn wir dieses Ziel einer Verbesserung
der US-Handelsposition nicht im Rahmen eines freieren und faireren Handels
erreichen können, dann wird sich ein starker Druck in den USA in Richtung
auf eine Wendung nach innen herausbilden."
Maßgebende Kreise des amerikanischen Kongresses haben bereits erkennen
lassen, daß der Kongreß die in Kürze zu erwartenden Handels-und Währungsvorschläge Präsident Nixons rasch behandeln wird. Hier wie auch in der amerikanischen Presse ist die Dollarabwertung allgemein begrüßt und die Forderung des Präsidenten nach einem Handelsgesetz unterstützt worden, das der
amerikanischen Wirtschaft einen fairen Anteil an den Weltmärkten sichern
soll .
Zahlreiche Abgeordnete und Senatoren unterstrichen dabei die Notwendigkeit weiterer Reformen sowohl auf dem Währungssektor wie auch auf dem Gebiet
des Handels. Der demokratische Abgeordnete Henry Reuss betonte, daß die
Dollarabwertung praktisch nur eine Atempause gebe und weitere Krisen zu erwarten seien, "sofern wir nicht schnell und entschlossen in Richtung auf eine
grundlegende Reform des internationalen Währungssystems fortschreiten."
Wie dringlich eine solche Reform des internationalen Währungssystems ist,
unterstreichen auch die jetzt vom amerikanischen Handelsministerium veröffentlichten vorläufigen Zahlen des amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits im Jahre
1972, das mit 13 779 Millionen Dollar angegeben wird. Gegenüber dem Rekorddefizit des Jahres 1971 bedeutet dies eine Verbesserung um 8 223 Millionen
Dollar. Maßgebende amerikanische Kreise weisen in diesem Zusammenhang darauf

�darauf hin, daß diese Verbesserung fast ausschließlich auf einen Rückgang
des Abflusses spekulativer Gelder zurückzuführen war, während die Bilanz
der Güter und Dienstleistungen 1972 ein Defizit von 4 542 Millionen Dollar
auswies. Noch im Jahre 1970 hatten die USA einen Überschuß in dieser Bilanz
von 3 563 Millionen Dollar und 1971 einen geringen Überschuß von 727 Millionen Dollar zu verzeichnen gehabt.
In der Presseverlautbarung des US-Handelsministeriums heißt es wörtlich:
"Daß die Importe 1972 stärker als die Exporte anstiegen ist zum Teil
auf die raschere Zunahme der Wirtschaftstätigkeit in den USA-im Vergleich
zu den meisten unserer großen Exportmärkte- zurückzuführen. Weiter haben die
Importpreise rascher angezogen als die Exportpreise, zum Teil,weil der inflationistische Druck in zahlreichen anderen Ländern stärker war,und zum Teil,
weil sich die Dollarabwertung des Jahres 1971 zunächst nachteilig auswirkte.
Dieser Dollarabwertung folgten fast umgehend höhere Dollarpreise für Importgüter. Diese Importpreise stiegen im letzten Jahr um fast 7,5 Prozent verglichen mit 5,2 Prozent 1971. Die Exportpreise stiegen weit weniger an
- um 3,5 Prozent gegenüber 3,2 Prozent im vorangegangenen Jahr - und zu einem
wesentlichen Teil war dies auf die zunehmende weltweite Nachfrage nach Agrarerzeugnissen zurückzuführen."
Die amerikanische Handelsbilanz allein hat sich nach den Angaben des
Handelsministeriums 1972 um 4,1 Milliarden Dollar verschlechtert, wovon je
1,5 Milliarden Dollar auf den Handel mit Westeuropa und mit den Entwicklungsländern in Asien und Afrika entfielen. Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan vergrößerte sich um 800 Millionen Dollar auf 4 Milliarden Dollar
und das Handelsdefizit gegenüber Kanada um 300 Millionen D 0 n a r
den Dollar.

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NATÜRLICHE HILFSQUELLEN UND UMWELT
-Botschaft Präsident Nixons an den US-Kongreß-

WASHINGTON --(AD)— In einer Botschaft über "Natürliche Hilfsquellen und
Umwelt", die Präsident Nixon am 15. Februar 1973 dem US-Kongreß zuleitete,
werden die Anstrengungen und die Fortschritte der letzten Zeit zur Reinhaltung von Luft und Wasser hervorgehoben. "Die Ergebnisse der Anstrengungen sind meßbar geworden..; unsere Luft wird sauberer...; die schwerwiegenden Probleme von Wasserverschmutzung bekommen wir in den Griff, die
Probleme der Lärmbelästigung und Pestizidanwendung kommen unter Kontrolle,
unsere Park-und Naturparkflächen werden größer", erklärte der Präsident.
Gleichzeitig verweist er auf die Notwendigkeit einer nationalen Landnutzungspolitik, in der die Aufgaben des Umweltschutzes gebührend berücksichtigt sind.
Besserer Schutz der Umwelt ist inzwischen auch Gegenstand internationaler Bemühungen.Präsident Nixon erinnert daran, daß die Vereinten Nationen
den amerikanischen Vorschlag zur Schaffung eines Sonderfonds für umweltaufgaben akzeptierten. Der amerikanische Haushaltsvoranschlag für 1974 sieht
einen Beitrag der USA von zunächst zehn Millionen Dollar zu dem Fonds vor,
der im Verlauf von fünf Jahren auf 100 Millionen Dollar aufgestockt werden

�werden soll. Der Präsident drängt außerdem darauf, daß der US-Senat

der

internationalen Konvention über die Abfallbeseitigung im Meer zustimmen möge,
auf die sich im November 1972 die USA und 91 andere Länder in London einigten. Auch die internationale Konvention über die Schaffung eines Welttreuhänderrates steht noch zur Ratifizierung an. Diese Einrichtung, die auf
Vorschläge der Vereinigten Staaten zurückgeht, soll Gebiete betreuen, "die
von so großem naturkundlichen, historischen oder kulturellen Wert sind,
daß sie als Kulturgut der gesamten Menschheit zu gelten haben."
Präsident Nixon erwähnt in der Botschaft eine neue Gesetzesvorlage,
die den Schutz seltener und in ihrem Bestand gefährdeter Pflanzen und Tiere gewährleisten soll. Damit könnten die Vereinigten Staaten auch einen
Beitrag zu ähnlichen internationalen Bestrebungen leisten. In Washington
tagt gegenwärtig eine internationale Konferenz, die eine entsprechende
Konvention mit weltweiter Gültigkeit erarbeitet.
Vorschläge der Regierung zu 19 speziellen Punkten in bezug auf natürliche Hilfsquellen und Umweltaufgaben, auf die der Kongreß bisher nicht reagierte, wird der Präsident erneut unterbreiten. Andere wichtige Regierungsvorlagen über Immissionsschutz, Verbesserung der Wasserqualität und der
Kontrolle von Pestiziden, zur Lärmbekämpfung, dei Abfallbeseitigung im Meer
und Verhinderung von Ölverschmutzung von Häfen und Wasserwegen sowie über
die Schaffung von Erholungsgebieten haben bereits Gesetzeskraft erlangt.
"Jahr für Jahr werden mehr öffentliche Mittel für Umweltprogramme
eingesetzt", betont Präsident Nixon. In den letzten vier Jahren haben sich
die Aufwendungen dafür vervierfacht; auf dem Gebiet der Wasser-Reinhaltung
wurden sie sogar um das 15fache erhöht. Indirekt auf die Kritik aus Kongreßkreisen eingehend, daß der Präsident sich weigerte, die von der Volksvertretung für diesen speziellen Zweck bereits bewilligten Mittel in voller Höhe
freizugeben, gibt Nixon zu bedenken: "Wir schaffen gegenwärtig neue Anlagen

-2-

�Anlagen schon beinahe in dem gleichen Tempo an, in dem die Industrie sie
baut. Dafür noch mehr Geld auszugeben würde uns nicht mehr Klär-und Reinigungsanlagen einbringen, sondern nur höhere Kosten."
Zur Erfüllung wichtiger innenpolitischer Aufgaben forderte Präsident
Nixon unter anderem:
-- ein Bundesgesetz über Landnutzung, das Bundeshilfe an die 50 Einzelstaaten vorsieht, "um gefährdete Gebiete zu schützen und die Standortwahl
für Einrichtungen wie Flughäfen, Fernstraßen und wichtige private Projekte
zu regeln";
-- ein Programm für die Standortwahl von Kraftwerken, das sowohl die
Energieversorgung auf lange Sicht als auch den Umweltschutz berücksichtigt;
-- ein neues Bergbauschutzgesetz, das die Einzelstaaten verpflichtet,
Umweltschutz-Auflagen der Bundesregierung bei der Neuerschließung von Tagebau- und Untertage-Gruben zu berücksichtigen. Unter anderem ist auch die Rekultivierung von Tagebau-Gebieten darin vorgesehen;
—

Erhebung einer Gebühr in Höhe von 44 Cent pro Kilogramm Schwefel,

der mit Abgasen in solchen Gebieten in die Atmosphäre gelangt, wo die Luftqualität nicht den gesundheitlichen Mindestwerten entspricht. Gebiete mit
besserer oder guter Luftqualität dagegen sollen von der Sondergebühr befreit sein.
Präsident Nixon setzt sich außerdem für neue gesetzliche Regelungen in
bezug auf den Fischfang durch ausländische Schiffe vor solchen Küstengebieten der USA ein, die in internationale

Verträge einbezogen sind, neuer-

dings aber als Naturschutzgebiete gelten. Während dies bisher ausschließlich
für die Pazifikküste zutraf, wurden jetzt auch Gebiete der Ostküste zu
Schutzzonen erklärt.
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8/1973
METALLISCHE SCHADSTOFFE

Verbesserte Analyseru. cthoden - Neue Erkenntnisse zur Wirkung von
Quecksilber im Organismus
Von G, Weiss
--(AD)-- Ein genaues und sehr zuvex..ässiges Verfahren für die Messung der
Konzentration von Schadstoffen in der Luft entwickelten Wissenschaftler
des amerikanischen "National Bureau of Standards" (iNBS-Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen) gemeinsam mit Chemikern der Universität
Maryland. Die in Luftproben enthaltenen Staubpartikel werden in einem NBSLaboratorium mit energiereichen Photonen eines Elektronen-Linearbeschleunigers beschossen. Dabei entstehen radioaktive Reaktionsprodukte der beteiligten Elemente, die Gammastrahlung abgeben. Die Intensität und Frequenz der
Strahlungskomponenten läßt genaue Rückschlüsse darauf zu, welche von 14
verschiedenen Elementen in welcher Konzentration in der Probe enthalten waren. Zur Messung und Unterscheidung der Gammastrahlung, die z.B. die genaue
Menge toxischer Materialien wie Blei, Arsen oder Nickel im Staub angibt,
werden Halbleiter-Detektoren verwendet.
Da Elektronenbeschleuniger jedoch noch Seltenheitswert haben und sehr
kostspielige Maschinen sind, ist das als "instrumenteile Photonen-Aktivierungsanalyse (IPAA) bezeichnete Verfahren vorläufig nur an gut ausgestatteten

-l-

�ausgestatteten Instituten anwendbar. Deshalb sollte es nach Ansicht von
Dr. George J. Lutz (NBS), der im Januar 1973 auf einer Tagung der American
Chemical Society darüber berichtete, zunächst zur Überprüfung und Einstellung einfacherer und billiger Meßverfahren benutzt werden.
Mit Hilfe der Neutronen-Aktivierungsanalyse wurde im NBS außerdem ein
Verfahren zur genauen Bestimmung von Chrom bei sehr geringen Konzentrationen entwickelt- Die Methode ist sowohl für die klinische Forschung als auch
für die Schadstoffüberwachung anwendbar. Dieser kommt in der Umgebung von
Bergwerken oder Industrieanlagen besondere Bedeutung zu, wo Chrom freigesetzt wird. Die Aufnahme giftiger Chromverbindungen durch Pflanzen und Tiere
(z.B. Anreicherung im Laub von Obstbäumen oder in der Leber von Rindern)
ist auf diese Weise zuverlässig zu kontrollieren.

-QuecksilberEin besonders guter Indikator für die Belastung der Luft mit Quecksilber, das aus Industrieprozessen stammt, scheint die Moosdecke in den Wäldern
zu sein. Der Chemiker Dr. Donald S. Yeaple ("J-B-F Scientific Corporation"
in Burlington, Vermont) stellte bei der Untersuchung zahlreicher Moosarten
in der Nachbarschaft von Industrieanlagen fest, daß sie Quecksilber aus der
Luft mit Staub oder durch Niederschläge aufnehmen. Eine Quecksilberabsorption
aus dem Boden, die die Meßwerte verfälschen würde, kann dagegen mit Sicherheit ausgeschlossen werden.
Sehr zuverlässige "Bioindikatoren" für die Belastung von Gewässern mit
Quecksilber und anderen giftigen Abfällen, insbesondere Zink und Kupfer,
sind die Muscheln. Prof. Francis C. Birkner von der Universität Maryland
(Baltimore) stellte dies bei Untersuchungen an Muscheln aus der ChesapeakeBucht an der Küste von Maryland fest, die erhebliche Mengen von Industrieabfällen aufzunehmen hat.
Die

�Die Muscheln aus diesem Gebiet, die übrigens kommerziell nicht verwertet werden, hatten zwar noch eine relativ niedrige Quecksilberkonzentration.
Nach den heute üblichen Maßstäben wäre eine Gefährdung erst dann gegeben,
wenn man täglich mehr als 30 solcher Muscheln verzehren würde. Die Muscheln
reichern durch ihre massive Filtrationsarbeit die Giftstoffe an, so daß sie
stets wesentlich mehr davon enthalten als das Wasser, in dem sie leben. Deshalb sollten sie als "Markierorganismen" für metallische Schadstoffe im Wasser mehr als bisher genutzt werden.
Dr. Bruce McDuffie von der Staatsuniversität New York (Binghamton), der
vor ein paar Jahren als einer der ersten wegen des teilweise gefährlich hohen Quecksilbergehaltes von Schwert-und Thunfisch Alarm schlug, stellte durch
neuere Untersuchungen fest, daß das Schwermetall ausschließlich in der
methylierten

Form in den Speisefischen vorhanden ist. Sie speichern die

giftigen Schwermetallverbindungen in den Muskeln, ähnlich wie der menschliche Körper das Metall Kadmium in Niere und Leber anreichert.
In der methylierten Form kann Quecksilber bei Säugetieren und beim
Menschen die Blut-Hirn-Schranke passieren und irreversible Schäden anrichten. Über die verschiedenen Formen und Stadien neurologischer und biochemischer Störungen sowie Veränderungen der Verhaltensweisen versuchten Dr. Joan
Spyker, Dr. Sheldon Sperber (Universität Minnesota) und Dr. Alan Goldberg
(Johns Hopkins-Universität in Baltimore, Maryland) durch Tierversuche Aufschluß zu bekommen. Den drei Forschern ging es vor allem darum, zu ermitteln,
ob es neben den bekannten Symptomen von Methylquecksilber-Vergiftung - beim
Menschen z.B. taubes Gefühl und andere abnorme Empfindungen in Händen, Füßen,
Augenlidern und Zunge, die Unfähigkeit zu koordinierten Muskelbewegungen,
Beeinträchtigung des Hör-und Sehvermögens - bereits im Frühstadium Anzeichen
für eine Quecksilbervergiftung gibt und ob verschiedene Altersgruppen unterschiedlich reagieren.
Bei

�Bei den Experimenten an Mäusen fiel die Feststellung besonders ins
Gewicht, daß Methylquecksilber im Gewebe des Fötus, und zwar speziell im
Nervensystem, stärker angereichert wird als im Gewebe des Muttertieres. Äußerlich waren zwischen der Nachkommenschaft behandelter Tiere und unbehandelter
Kontrollgruppen keine Unterschiede festzustellen. Aber nach einigen Wochen
war zu beobachten, daß die Nachkommen behandelter Tiere im Vergleich zu den
normalen Artgenossen auf äußere Reize stark verzögert oder falsch reagierten
und daß Stoffwechselvorgänge offenbar langsamer abliefen. Auch die Ausscheidung von Urin und Exkrementen war davon betroffen.
Nach Ansicht der drei Wissenschaftler, die ihre Studien mit finanzieller Unterstützung der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH)
durchführten, müßten aufgrund dieser Beobachtungen neue, verfeinerte Parameter zur Diagnose einer Quecksilbervergiftung entwickelt werden. Andernfalls sei zu befürchten, daß eine Reihe von gesundheitlichen Störungen zu
lange unentdeckt bleibt oder falsch gedeutet wird, solange die Symptome
nicht in das Bild einer massiven Quecksilbervergiftung passen.

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8/1973

OECD-RAT UNTERSAGT ANWENDUNG BESTIMMTER CHEMIKALIEN
Polychlorierte Biphenyle (PCB) nur noch in Ausnahmefällen zugelassen

— (AD)-- Einstimmig beschloß der Rat für Wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) in Paris, die Anwendung von polychlorierten
Biphenylverbindungen (FCB) zu verbieten, sofern nicht durch besondere Umstände gegen die weitere Benutzung keine Bedenken bestehen. Das ist beispielsweise bei Transformatoren und großen Kondensatoren der Fall, die
"geschlossene Systeme" darstellen.
Die PCB-Verbindungen, von denen es etwa 2oo gibt, sind in der Elektroindustrie wegen ihrer guten Isoliereigenschaften und Unbrennbarkeit geschätzt. Darüberhinaus wurden sie auch anderweitig auf den verschiedensten
Gebieten verwendet - z.B. in Farben, Schmierölen, Weichmachern oder Pestiziden. Verhältnismäßig spät fand man heraus, daß sie für Menschen wie für
die Tier-und Pflanzenwelt eine Gefahr darstellen können. Alarm wurde geschlagen, nachdem es zu einigen Unfällen mit Vergiftungserscheinungen gekommen war - am schlimmsten wurden die ca. 1 000 Arbeiter einer japanischen
Fabrik betroffen, wo Reisöl pasteurisiert wurde. Deshalb ordneten einige
Länder schon vor der OECD-Aktion Einschränkungen für die Anwendung von
PCB-Chemikalien an. Aber es wird viel Zeit brauchen, um diese vor allem

-1-

�allem durch Abwässer in der Natur deponierten, nur schwer abbaufähigen Substanzen wieder los zu werden.
Der OECD-Beschluß schafft einen Präzedenzfall für konkrete internationale
Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltsituation, Er wurde in Übereinstimmung
mit einer Resolution der UN-Konferenz von Stockholm (Juni 1972) über den
Schu-Z der menschlichen Umwelt gefaßt, geht jedoch auf zwei amerikanische
Anträge zurück, die Vertreter der USA im Umwelt ausschuß der OECD einbrachten.
Der erste dieser Anträge, dem der OECD-Rat bereits im Mai 1971 zustimmte,
galt der Einführung eines "Frühwarnsystems", das hier im wirtschaftlichen
Sinn zu verstehen ist. Es soll die Partnerländer rechtzeitig auf beabsichtigte nationale Maßnahmen aufmerksam machen, die die Verwendung gewisser toxischer Substanzen in dem betreffenden Land einschränken, wodurch aber gleichzeitig wirtschaftliche Interessen von Partnerländern berührt werden könnten.
Der zweite amerikanische Antrag betraf ausschließlich die Kontrolle von PCBVerbindungen. Er wurde im Oktober 1972 angenommen.
Der Umweltausschuß der OECD wurde 1970 geschaffen, um wirtschaftliche,
technologische, gesetzgeberische und gesundheitliche Fragenkomplexe im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung und Umweltschutz gemeinsam zu erörtern und zu
regeln.

Zum Vorsitzenden wurde damals der Amerikaner Christian Herter.Jr.,

berufen.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon unterstreicht Bedeutung der Beziehungen zu Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einem Gespräch mit dem NATO-Oberbefehlshaber -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz von Außenminister Rogers am 15. Februar 1973&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge zu Europa -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des amerikanisch-nordvietnamesischen Kommuniqués&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon will US-Kongress um Ermächtigung für Zollerhöhungen ersuchen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neues Handelsgesetz soll US-Position stärken -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;Natürliche Hilfsquellen der Umwelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft Präsident Nixons an den US-Kongress -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Metallische Schadstoffe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;OECD-Rat untersagt Anwendung bestimmter Chemikalien</text>
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Dokumentation

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14. Februar 1973

Nummer

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Erklärung von US-Finanzminister Shultz vom 12. Februar 1973 zur
Abwertung des Dollar
-Wortlaut-

INFORMATION:
i

Das neue amerikanische Kabinett

HINTERGRUNDMATERIAL:
Das neue Bevölkerungsportrait der Vereinigten Staaten
-Bericht des Statistischen Bundesamtes-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
ERTS -Augen sehen mehr
Ermutigender Auftakt für Erderkundung mit Satelliten
Von G.Weiss
u^

Nationale Maßnahmen sind nicht genug
v&gt;j-JUS-Rauschgiftkommission fordert weltweite Aktionen gegen DrogenmißbrauchKrebstierschalen als chemischer Rohstoff
-Modellanlage koppelt Chemikaliengewinnung mit Produktion von Protein- Konzentrat-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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7/1973

ERKLÄRUNG VON US-FINANZMINISTER SHULTZ VOM 12. FEBRUAR 1973
ZUR ABWERTUNG DES DOLLAR
-Wortlaut -

WASHINGTON --(AD)— Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
hat am Abend des 12. Februar (Washingtoner Zeit) eine längere Erklärung
abgegeben, in der er bekanntgab, daß Präsident Nixon den Kongreß um eine
Abwertung des US-Dollar um 10 Prozent von einer Parität von 0,92106 SDR
(Sonderziehungsrechte) auf 0,82895 SDR ersucht hat.
Die Erklärung des amerikanischen Finanzministers hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten erkennen, wie andere Länder, die Notwendigkeit einer Reform und Stärkung des Rahmens für den internationalen Handel
und für internationale Investitionen an. Dieser Rahmen muß unser Grundziel,
nämlich die Steigerung des Lebensstandards aller Nationen, stützen. Er muß
den friedlichen Wettbewerb ermutigen, der dem wirtschaftlichen Fortschritt
und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zugrundeliegt. Er muß für jede
Nation Raum lassen, bei einer Beteiligung an den gegenseitigen Vorteilen
des Handels ihre eigenen Institutionen und ihre eigenen besonderen Ansprüche zu respektieren. Er muß die fundamentale Wahrheit in sich enthalten,
daß die Prosperität eines Landes nicht auf Kosten eines anderen angestrebt
werden darf.
Diese

�Diese große Reformaufgabe ist nicht nur einem Lande allein gestellt,
noch kann sie mit einem einzigen Schritt gelöst werden. Wir können mit Befriedigung auf das zurückblicken, was auf kooperativer Basis erreicht worden ist, seit die am 15. August 1971 verkündeten Maßnahmen eindeutig unsere
Erkenntnis der Notwendigkeit einer entscheidenden Änderung signalisiert
haben.
-- Intensive Verhandlungen schufen im Dezember 1971 eine wichtige
Tatsache: Über Veränderungen in dem System der Wechselkurse der
Welt, einschließlich der Parität des US-Dollar, kann beiderseitiges Übereinkommen erreicht werden, um das anerkannte Ziel eines
besseren Ausgleichs in der internationalen Handels-und Zahlungsbilanz zu fördern.
-- Im "Zwanziger-Ausschuß1 sind Währungsverhandlungen unter der Prämisse eingeleitet worden, daß bessere Mittel und Wege gefunden
werden müssen, um große Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte zu verhindern, die die Volkswirtschaften verzerren, die Geldmärkte beunruhigen und den freien Fluß des Handels bedrohen. Die Vereinigten Staaten haben praktische und spezifische Vorschläge für eine internationale Währungsreform vorgelegt.
-- Für umfassende Handelsverhandlungen werden die Grundlagen gelegt.
Diese Verhandlungen sollten über Industriezölle hinausgehen und
auch andere Hindernisse für den freien Warenfluß einschließen.
Sie sollten für die Erzeugnisse aller Länder eine faire Behandlung
im Wettbewerb sicherstellen. Sie sollten auch vereinbarte Mittel
und Wege suchen, um abrupte Dislokationen von Arbeitern und Unternehmen zu vermeiden.
Im September 1972 erklärte der Präsident den führenden Vertretern der
Finanzwelt: »Es ist nunmehr die Zeit des Handelns an der gesamten Front der
internationalen Wirtschaftsprobleme gekommen. Immer wiederkehrende Währungs-

-2-

�'

Währungskrisen, wie wir sie alle während des letzten Jahrzehnts nur zu oft
erlebt haben; unfaire Wechselkursfestsetzungen und Handelsvereinbarungen,
die die Arbeiter eines Landes gegenüber denen eines anderen Landes benachteiligen; große Unterschiede im Grad der wirtschaftlichen Entwicklung, die
die Ursache von Verstimmungen sind; ein Währungssystem, das keine Bestimmungen für die Realitäten der Gegenwart und die künftigen Erfordernisse enthält ••- dies alles schädigt nicht nur unsere Volkswirtschaften, sondern
schafft politische Spannungen, die die Sache des Friedens untergraben.*
Auf derselben Tagung habe ich die Prinzipien eines Währungssystems umrissen, das alle Nationen, einschließlich der Vereinigten Staaten, in die
Lage versetzen würde, ein Gesamtgleichgewicht in ihren internationalen Zahlungsbilanzen zu erreichen und aufrechtzuerhalten. Diese Prinzipien würden
eine prompte Anpassung fördern und würden eine gerechte Behandlung aller
Nationen - groß und klein, reich und arm - bieten.
In den letzten Monaten haben wir jedoch beunruhigende Anzeichen erlebt.
Unser eigener Handel blieb weiterhin in einem ernsten Defizit, was unsere
Finanzposition nach außen schwächte. Andere Länder waren bei der Beseitigung
ihrer exzessiven Überschüsse langsam und trugen damit zur Unsicherheit und
Instabilität bei. In den letzten Tagen haben Währungsstörungen die Devisenmärkte der Welt erschüttert. Unter dem Druck der Ereignisse haben einige
Länder mit zusätzlichen Restriktionen reagiert und haben sich damit gefährlich von den von uns angestrebten Grundzielen entfernt.
Die Fortschritte bei der Arbeit des Zwanziger-Ausschusses waren zu
langsam und sollten mit einem größeren Sinn für Dringlichkeit betrieben werden. Die Zeit ist jetzt gekommen, da unsere Bemühungen um eine stärkere internationale Wirtschaftsordnung einen erneuten Anstoß erfahren sollten.
Zu diesem Zweck ergreifen wir in Konsultationen mit unseren Handelspartnern und unter Wahrung der grundlegenden Prinzipien unserer Vorschläge für
eine Währungsreform eine Reihe von Maßnahmen, mit deren Hilfe drei miteinander zusammenhängende Zielsetzungen erreicht werden sollen:
a)

-3-

�a) eine beschleunigte Verbesserung unserer Handels-und Zahlungsposition
und zwar in einer Weise, die unsere Bemühungen um eine konstruktive
Reform des Währungssystems unterstützt;
b) die Schaffung der legislativen Grundlage für umfassende und nach
außen orientierte Handelsverhandlungen, die parallel zu unseren Bemühungen um eine Stärkung des Währungssyst ans laufen, und
c) die Garantie, daß die amerikanischen Arbeiter und Geschäftsleute
in unseren Handelsbeziehungen gerecht behandelt werden.
Deshalb ersucht der Präsident den Kongreß, eine weitere Anpassung
der Wechselkurse zu billigen. Dieses Ziel wird durch eine formelle Abwertung
des Dollar um 10 Prozent von einer Parität von 0,92106 SDR auf 0,82895 SDR
angestrebt.
Obwohl diese Maßnahme gemäß den bestehenden Artikeln des Abkommens über
den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einer Änderung der offiziellen
Relation des Dollar zum Gold führen wird,möchte ich betonen, daß diese technische Änderung keine praktische Bedeutung hat. Der Marktpreis des Goldes
wich in den letzten Jahren schon stark von dem offiziellen Goldpreis ab,
und unter diesen Bedingungen wurde Gold in keinem nennenswerten Ausmaß mehr
zwischen internationalen Währungsstellen transferiert. Wir sind weiterhin mit
allem Nachdruck der Ansicht, daß ordnungsgemäße Abmachungen ausgehandelt werden müssen, um einen kontinuierlichen Abbau der Rolle des Goldes in internationalen Währungsangelegenheiten zu fördern.
Konsultationen mit unseren führenden Handelspartnern in Europa geben mir
Gewißheit,daß die vorgeschlagene Änderung in der Parität des Dollar für sie
akzeptabel ist und daher für die Wechselkurse des Dollar auf den internationalen Märkten sofort wirksam werden wird. Der Dollar wird gegenüber jenen
Währungen, für die es eine effektive Parität gibt, wie beispielsweise die
Deutsche Mark und der französische Franc, im Wert um etwa 10 Prozent sinken.
Zuständige

�Zuständige japanische Behörden haben angedeutet, daß dem Yen erlaubt
wird, zu floaten. Wir hegen die feste Erwartung, daß der Yen in ein Verhältnis gegenüber anderen Währungen floaten wird, das mit dem Ziel vereinbar
ist, ein Zahlungsbilanzgleichgewicht zu erreichen, das nicht von wesentlichen Regierungsinterventionen abhängig ist.
Diese Veränderungen sollen die im Smithsonian-Abkommen vom Dezember
1971 erreichten Veränderungen ergänzen und in der gleichen Richtung wirken.
Sie stellen jüngste Entwicklungen in Rechnung und sollen die Verbesserung
unserer Handels-und Zahlungsposition beschleunigen. Sie sind vor allem darauf abgestellt, zusammen mit einer angemessenen Liberalisierung des Handels
das große ZahlungsbilanziUngleichgewicht zwischen Japan und den Vereinigten
Staaten zu korrigieren, das im vorigen Jahr angehalten hat.
Andere Länder mögen ebenfalls Veränderungen ihrer Paritäten oder
Mittelkurse gegenüber dem Internationalen Währungsfonds vorschlagen. Wir
werden alle Änderungen unterstützen, die auf der Basis der gegenwärtigen und
voraussichtlichen Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte angebracht erscheinen;
wir werden jedoch gegen alle Veränderungen stimmen, die unangemessen sind.
Wir haben gelernt, daß es Zeit braucht, bevor neue Wechselkursrelationen eingefahrene Wege des Handels-und Kapitalflusses ändern. Es kann jedoch
kein Zweifel bestehen, daß wir eine große Verbesserung der Wettbewerbsposition des amerikanischen Arbeiters und der amerikanischen Unternehmen erreicht haben.
Die zu diesem Zeitpunkt festgelegten neuen Wechselkurse stellen eine
vernünftige Abschätzung der Beziehungen dar, die - zusammen mit geeigneten
Maßnahmen zur Beseitigung bestehender Handels-und Investitionsbeschränkungen mit der Zeit die internationalen Wirtschaftsbeziehungen in ein dauerhaftes
Gleichgewicht führen werden. Wir haben jedoch für die amerikanische Regierung keine Verpflichtungen übernommen, auf ausländischen Devisenmärkten
zu intervenieren.
Zweitens,

-5-

�Zweitens, der Präsident hat beschlossen, dem Kongreß in Kürze Vorschläge für eine umfassende Handelsgesetzgebung vorzulegen. Vor der Unterbreitung
dieser Gesetzesvorlagen werden intensive Konsultationen mit Vertretern des
Kongresses, der Gewerkschaften, der Landwirtschaft und der Unternehmer abgehalten werden, um sicherzustellen, daß die Gesetzgebung unseren Erfordernissen soweit wie möglich entspricht.
Diese Gesetzgebung sollte uns unter anderem die Werkzeuge an die Hand
geben, die wir brauchen, um
I. tarifäre und nicht-tarifäre Handelsschranken abzubauen, wobei wir
von der Annahme ausgehen, daß unsere Handelspartner bereit sind, mit
uns zusammen voll an diesem Prozeß mitzuwirken;
II. Zölle zu erhöhen, wenn solche Maßnahmen zu Vorkehrungen beitragen,
die sicherstellen, daß amerikanische Exporte einen fairen Zugang zu
ausländischen Märkten haben;
III. Sicherheitsmaßnahmen gegen die Störung bestimmter Märkte und Produktionen durch rasche Veränderungen im Außenhandel vorzunehmen; und
IV. unsere Außenposition gegen große und anhaltende Defizite zu schützen.
Bei der Vorbereitung dieser Vorlage ist es ein besonderes Anliegen des
Präsidenten, daß - so tüchtig unsere Arbeiter und Geschäftsleute auch sein
und wie immer Wechselkurse auch geändert werden mögen - die amerikanischen
Produzenten fair behandelt werden und einen fairen Zugang zu ausländischen
Märkten haben. Zu oft sind wir durch ein Netz administrativer Schranken und
Kontrollen ausgeschlossen worden. Darüberhinaus sind die für Handelsbeziehungen geltenden Regeln in vielen Fällen veraltet und bewürfen wie unsere internationalen Währungsregeln einer umfassenden Reform.
Man kann uns nicht vor unüberwindliche Schranken für unsere Exporte stellen und gleichzeitig von uns erwarten, unser Defizit abzubauen.
Gleichzeitig

-6-

�Gleichzeitig müssen wir jedoch einsehen, daß auch die Vereinigten Staaten auf manchen Gebieten der Handelsschranken bezichtigt werden können. Der
beste Weg, um mit diesen Hindernissen auf beiden Seiten fertig zu werden,
ist der, sie zu beseitigen. Wir werden hart verhandeln, um dieses Ziel zu
erreichen. Ich bin überzeugt, daß die amerikanischen Arbeiter und die amerikanischen Verbraucher die Nutznießer sein werden.
Wenn der Präsident jetzt dieses Gesetz vorschlägt, so tut er dies in
der Erkenntnis, daß die Entscheidung, vor der wir stehen, nicht lautet, mehr
Freiheit oder Status Quo. Es geht darum, unsere Außenhandelsposition zu verbessern. Wenn wir dieses Ziel nicht im Rahmen eines freieren und faireren
Handels erreichen können, so wird sich ein starker Druck in Richtung auf eine
Wendung nach innen herausbilden.
Wir müssen dieses Risiko vermeiden, weil dieser Weg zu gegenseitigen
internationalen Beschuldigungen, zu Isolierung und zu Autarkie führen würde.
Drittens werden wir nach Koordinierung mit dem Handelsminister die Zinsausgleichsteuer und die Kontrollen des Amtes für Direktinvestitionen im
Ausland auslaufen lassen. Beide Kontrollmaßnahmen werden spätestens bis zum
31. Dezember 1974 aufgehoben werden.
Wie mir mitgeteilt wurde, wird auch der Federal Reserve Board entsprechende Maßnahmen bei seinem freiwilligen Programm zur Beschränkung von Auslandskrediten in Erwägung ziehen.
Der schrittweise Abbau dieser Beschränkungen ist angebracht angesichts
der Verbesserungen unserer grundlegenden Zahlungsbilanzposition, die durch
die kumulative Wirkung der Veränderungen der Wechselkurse, den anhaltenden
Erfolg bei der Eindämmung der inflationistischen Tendenzen und die Anziehungskraft der amerikanischen Wirtschaft auf ausländische Investoren erreicht
werden wird. Die Beendigung der Beschränkungen für die Kapital ströme ist angesichts unseres großen Zieles angebracht, die staatlichen Kontrollen privater Transaktionen abzubauen.
Die

-7-

�Die Maßnahmen, die ich heute verkündet habe - die Neufestsetzung der
Wechselkurse, das vorgeschlagene neue Außenhandelsgesetz und die Einstellung
der amerikanischen Kontrollen für den Kapitalverkehr - werden mit dazu beitragen, unsere Volkswirtschaft und die Weltwirtschaft dem Zustand eines internationalen Gleichgewichtes bei gleichzeitiger wettbewerbsorientierter
Freiheit näherzubringen. Sie werden das Tempo einer erfolgreichen internationalen Währungs-und Handelsreform beschleunigen.
Sie wollen und können aber kein Ersatz für ein wirksames Management
unserer Binnenwirtschaft sein. Was die Einschränkungen im Staatshaushalt und
auf monetärem Gebiet sowie die wirksamen Maßnahmen zur Lohn-und Preisstabilisierung angeht, so muß und wird die Disziplin mit allem Nachdruck aufrechterhalten werden. Wir haben einen Staatshaushalt vorgeschlagen, der ein Wiederaufleben des inflationistischen Drucks in den Vereinigten Staaten verhindern wird. Wir fordern den Kongreß erneut auf, angesichts unserer internationalen Finanzerfordernisse wie auch um der wirtschaftlichen Stabilität im
Inland willen seinen Teil dazu beizutragen, die Bundesausgaben im Rahmen der
vom Haushalt des Präsidenten gesteckten Grenzen zu halten. Das wirksame
System zur Kontrolle von Preisen und Löhnen bleibt weiter bestehen, Die
jüngsten internationalen wirtschaftlichen Entwicklungen unterstreichen die
Notwendigkeit, diese Kontrollen so zu handhaben, daß die Inflationsrate
weiter gesenkt wird. Wir sind entschlossen, dies zu tun.
Die Mitarbeit unserer wichtigsten Handels-und Finanzpartner bei der Entwicklung einer gemeinsamen Lösung für die akuten Schwierigkeiten der letzten
Tage war ermutigend. Wir fordern sie nunmehr auf, sich uns in dem Bemühen anzuschließen, möglichst rasch ein wirksameres internationales Währungssystem
und ein gerechteres und freieres Welthandelssystem zu schaffen, damit wir
künftig Anpassungen ohne Krisen vornehmen können und damit alle Menschen
aus Handel und Wandel den größten Nutzen ziehen.
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DAS NEUE AMERIKANISCHE KABINETT

WASHINGTON --(AD)-- Nachdem der amerikanische Senat den Ministerernennungen
Präsident Nixons zugestimmt hat, hat das neue Kabinett der USA jetzt
folgende Zusammensetzung:
Vizepräsident:

Spiro T. Agnew

Außenminister:

William P. Rogers

Stellvertretender Außenminister:

Kenneth Rush

Staatssekretär für Politische Angelegenheiten:

William J. Porter

Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten:

William J. Casey

Staatssekretär für die Koordinierung der
S icherheitshilfeprogramme:

Curtis W. Tarr

Verteidigungsminister:

Elliot Richardson

Stellvertretender Verteidigungsminister:

William P. Clements jr,

Finanz-

�Finanzminister:

George P. Shultz

Stellvertretender Finanzminister:

William E. Simon

Staatssekretär für Monetäre Angelegenheiten:

Paul A. Volcker

Handelsminister:

Frederick Dent

Innenminister:

Rogers C. B. Morton

Justizminister:

Richard Kleindienst

Stellvertretender Justizminister:

Joseph P. Sneed

Generalanwalt:

Robert H. Bork

Landwirtschaftsminister:

Earl Butz

Gesundheits-, Erziehungs-und Sozialminister:

Caspar W. Weinberger

Arbeitsminister:

Peter J. Brennan

Minister für Wohnungsbau-und Städteplanung:

James F. Lynn

Verkehrsminister:

Claude S. Brinegar.

Die Leiter der wichtigsten Bundesbehörden und Beiräte sind:
Generalpostmeister:

Eimer T. Klassen

Atomenergiekommission:

Dr. Dixy Lee Ray
Zentral-

-2-

�Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA):

James R. Schlesinger

Wirtschaftsbeirat des Präsidenten:

Herbert Stein

Beirat für Wirtschaftspolitik:

Finanzminister
George P. Shultz

Lebenshaitungskostenrat:

Donald S. Perkins

Bundesamt für Umweltschutz:

William D. Ruckeishaus

Bundeshandelskommission:

Lewis A. Engman

Bundesamt für die Seeschiffahrt:

Helen Bentley

Bundesluftfahrtsamt:

Alexander P.Butterfield

Bundesamt für Planung und Haushalt:

Roy L. Ash

US-Informationsamt:

James Keogh

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7/1973

DAS NEUE BEVÖLKERUNGSPORTRAIT DER VEREINIGTEN STAATEN
-Bericht des Statistischen Bundesamtes-

Das Statistische Bundesamt der USA hat zu
Ende vorigen Jahres unter dem Titel "General
Social and Economic Characteristics: U.S.
Summary" in einem umfangreichen Band die
Ergebnisse der großen Volkszählung aus dem
Jahre 1970 veröffentlicht und Vergleiche mit
vorherigen Volkszählungen seit 1900 angestellt. Das amerikanische Handelsministerium
hat in seiner Publikation "Commerce Today"
vom 13. November 1972 eine Zusammenfassung
des Berichtes hinsichtlich der heutigen
Bevölkerungsstruktur vorgenommen, die wir
hier im wesentlichen wiedergeben.
Der vorgenannte Bericht des Statistischen
Bundesamtes der USA ist zum Preise von
2,25 Dollar erhältlich beim:
Superintendent of Documents, Government Printing Office, Washington, D.C. 20402

Wo der Amerikaner und die Amerikanerin heute leben und arbeiten, wie
es um ihre Familie und ihren Lebensstil bestellt ist und vor allem, welche
Veränderungen und Verlagerungen seit den vorangegangenen Jahrzehnten aufgetreten sind, das alles geht aus dem reich und bunt illustrierten umfassenden
Bericht des Statistischen Bundesamtes über die Volkszählung 1970 hervor.

�hervor. Besonders hervorstechende Merkmale sind, daß heute fast ebenso viele
Personen ihren Arbeitsplatz in den Vororten haben wie in den Stadtkernen und
daß gegenüber 1940 mit 20 Prozent heute fast 50 Prozent der amerikanischen
Frauen zwischen 45 und 64 Jahren berufstätig sind. Aber auch der Status der
Schwarzen und der anderen Minderheiten und die Rolle der jungen und der alten
Menschen wird eingehend untersucht.
Im einzelnen zeigt der Bericht auf:
-- Im Jahre 1970 waren 40 Prozent der amerikanischen Frauen über 14
Jahre berufstätig - gegenüber 25 Prozent im Jahre 1940.
-- Die Zahl der Männer in akademischen und technischen Berufen nimmt
rascher zu als die Zahl der Frauen, und die Zahl der farbigen Frauen nimmt
rascher zu als die Zahl der weißen Frauen.
-- Im Jahre 1970 wurden insgesamt 28,1 Millionen Kriegsteilnehmer gezählt, davon fast die Hälfte aus dem Zweiten Weltkrieg.
-- Die Zahl der Kinder unter 18 Jahren, die mit beiden Elternteilen leben, ging von 1960 bis 1970 von 86,8 Prozent von insgesamt 64,3 Millionen um
4,1 Prozent auf 82,7 Prozent von insgesamt 69,9 Millionen zurück.
-•&gt; Insgesamt 2 685 144 beschäftigte Amerikaner hatten 1970 ihren Arbeitsplatz im Hause, die meisten davon Farmer.
-- Von den Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren verlassen 15,2 Prozent
die Schule vorzeitig, davon mehr auf dem Lande als in der Stadt.
-- Die Zahl der amerikanischen Regierungsbediensteten auf Bundes-,
einzelstaatlicher und kommunaler Ebene hat sich von 1960 bis 1970 um fabt
4,5 Millionen auf 12 320 637 oder 14 Prozent der männlichen und 19,5 Prozent
der weiblichen Arbeitnehmer insgesamt erhöht.
-- Im Jahre 1969 hatten siebenmal mehr Frauen und viermal mehr Männer
ein Einkommen über 10 000 Dollar jährlich als 1959.
--Über

-2-

�•• Über 25 Prozent der im Nordosten der USA und 20 Prozent der im Westen
der USA lebenden Personen sind ausländischer Herkunft oder stammen von im
Ausland geborenen Eltern.
-- Die Amerikaner sind etwas seßhafter geworden. Am 1. April 1970
wohnten 53 Prozent der Bevölkerung im Alter über fünf Jahre am selben Wohnort wie vor fünf Jahren - die Vergleichszahl 1960 war 50 Prozent, wobei kaum
ein Unterschied zwischen Weißen und Schwarzen zu verzeichnen war.
-- Rund 20 Prozent der Familien in den USA hatten 1970 ein Einkommen
von 5 000 Dollar jährlich oder darunter, 20 Prozent hatten ein Einkommen
von 15 000 Dollar und darüber, und nur 5 Prozent oder 2,4 Millionen Familien hatten ein Einkommen von 25 000 Dollar jährlich und darüber. Rund 10
Prozent aller Familien hatten eine Frau als Haushalt.svorstand.

Die Vororte
Am 1. April 1970 hatten 52 Prozent der in den städtischen Ballungsgebieten beschäftigten Amerikaner - 11 224 000 - ihren Arbeitsplatz im
Stadtkern und 48 Prozent - 10 158 000 - in den Vororten. Im Gebiet von
Groß-New York liegen noch immer zwei Drittel der Arbeitsplätze im Stadtkern.
Die Volkszählung ergab ferner, daß 4, 2 Millionen Beschäftigte mit
Bus oder Straßenbahn, 1,8 Millionen mit U-Bahn oder Hochbahn, 500 000 mit
der Eisenbahn und 300 000 mit dem Taxi zur Arbeit kommen. Immerhin 5,7
Millionen gehen zu Fuß, aber 59,7 Millionen kommen als Fahrer oder Mitfahrer mit dem Automobil zur Arbeit.

Die Frau

�Die Frau
Auf 95 Amerikaner männlichen Geschlechtes kommen 100 weiblichen Geschlechtes. Die zunehmende Beteiligung der Frauen am Arbeitsleben wird in
allen Altersgruppen deutlich: in der Altersgruppe zwischen 45 und 64 stieg
der Anteil von 20,2 Prozent im Jahre 1940 auf 47,8 Prozent im Jahre 1970;
zwischen 35 und 44 von 27,2 Prozent auf 50,3 Prozent;

zwischen 25 und 34

von 33,3 Prozent auf 44,9 Prozent; während beispielsweise in der Altersgruppe von 20 bis 24 der Prozentsatz von 45,6 auf 56,1 und bei den 18 und ^jährigen von 40,1 auf 47,4 nur geringer anstieg.
Der Prozentsatz der arbeitenden weißen Frauen lag in den jüngeren Altersgruppen höher als bei Schwarzen und anderen Minderheiten, während in den
Altersgruppen über 25 das Verhältnis umgekehrt ist. So waren beispielsweise
junge weiße Frauen im Alter von 18 und 19 Jahren zu 48,9 Prozent berufstätig, jedoch nur 38,1 Prozent der farbigen Frauen. In der Altersgruppe von
25 bis 34 Jahren ist das Verhältnis umgekehrt 42,9 Prozent zu 57,6 Prozent.
Im Jahre 1969 gab es 1,6 Millionen berufstätiger Frauen, die 10 000
Dollar oder mehr im Jahr verdienten - verglichen mit.216 000 im Jahre 1955 und fast 3,4 Millionen Frauen hatten ein Einkommen zwischen 7 000 Dollar
und 9 999 Dollar jährlich - verglichen mit 429 000 Dollar im Jahre 1959.
Das Einkommen farbiger Frauen stieg im Verhältnis wesentlich stärker als
das der weißen.
Rund 50 Millionen Frauen hatten 1969 ein Einkommen, das im Gesamtdurchschnitt 2 330 Dollar jährlich betrug - verglichen mit 1 415 Dollar
jährlich zehn Jahre zuvor. Aus der Statistik geht weiter hervor, daß Kleinkinder und Schulkinder gegenüber früher kein wesentlicher Hinderungsgrund
mehr für die Mütter sind, einen Beruf auszuüben. Interessant ist auch, daß
bei älteren Frauen die Arbeitstätigkeit, d.h.die Zahl der gearbeiteten
Wochen pro Jahr größer ist als bei den jüngeren.

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7/1973

ERTS-AUGEN SEHEN MEHR
Ermutigender Auftakt für Erderkundung mit Satelliten
Von G.Weiss

--(AD)--"Kleine Orte sind auf den Landkarten oft an falscher Stelle eingezeichnet. Die Ausdehnung von Lagunen ist unrichtig angegeben, manche
sind um ein Mehrfaches größer. Einige Nebenflüsse des Amazonas verlaufen
ganz anders als in den Karten verzeichnet - mit Richtungsunterschieden
bis zu 90 Grad. Wir haben Inseln ausfindig gemacht, die auf den Karten
nicht existieren."
Dieser Auszug aus einem Bericht von Dr. Fernando de Mendonca, des
Generaldirektors der brasilianischen Raumfahrtbehörde, an die NASA in
Washington ist typisch für Beobachtungen, die jetzt in zahlreichen Ländern
mit Hilfe des ersten Erderkundungssatelliten gemacht werden. Sie helfen,
Programme zu entwickeln, wie und für welche Zwecke unbemannte Geräte wie
der von den USA im Juli 1972 gestartete ERTS A-Satellit am besten eingesetzt werden sollen und wie die Daten zu interpretieren sind, die sie
zur Erde übermitteln.
-Fotogrammetrie--

-l-

�-FotogrammetrieAngesichts der Schwierigkeiten detaillierter Analysen unter den Gesichtspunkten der vielen verschiedenen Interessengebiete - u.a.Geologie, Mineralogie, Kartographie, Wasserwirtschaft, Land-und Forstwirtschaft, Schiffahrt
und Hochseefischerei, Raumplanung, Überwachung von Luft-und Wasserverschmutzung - steht in der Praxis zunächst einmal die Meßbildtechnik im Vordergrund. Vor allem in weniger genau vermessenen Regionen wie Südamerika,
Afrika oder im Mittleren Osten sind Wissenschaftler dabei, durch Vergleiche
mit den Geländeaufnahmen aus dem Weltraum Kartenwerke zu vervollständigen
oder zu korrigieren.
Im Iran entdeckte ein Wissenschaftler z.B. an Hand der ERTS-Aufnahmen
mehrere Seen sowie vulkanische Formationen, die in den Landschaftskarten
nicht aufgeführt sind. Auch entsprechen die Konturen der Bandar-Schah-Halbinsel auf der Karte nicht mehr den Konturen, die auf den ERTS-Bildern erscheinen. Die Veränderungen sind wahrscheinlich auf das Absinken des Wasserspiegels des Kaspischen Meeres zurückzuführen.
Die Republik Mali will aufgrund der ERTS-Aufnahmen genaue Karten vom
Gebiet dieses westafrikanischen Staates anfertigen lassen, was nach brasilianischer Erfahrung erheblich billiger kommt als unter Verwendung von Luftaufnahmen. Außerdem wird jetzt mit Hilfe der Weltraumbilder gezielt nach Wasser
gesucht und die günstigste Linienführung für Fernstraßen ermittelt. Ghana berichtet von einem Experiment, bei dem man der Heuschreckenplage dadurch Herr
zu werden hofft, daß die Insekten an ihren Brutstätten bekämpft werden. Sie
bevorzugen für die Eiablage Vegetationsränder von Wüstenland. Gewisse Farbveränderungen auf ERTS-Bildern in diesen Regionen &lt;;ind ein Alarmsignal und
ermöglichen wirksame Gegenmaßnahmen für weniger Geld.

-Die Kunst,

-2-

�-Die Kunst,Weltraumfotos zu interpretierenUra die Entwicklung brauchbarer Methoden zur Interpretation von Erdaufnahmen aus dem Weltraum bemühen sich amerikanische Wissenschaftler schon
seit Jahren. Dabei leisteten Fotoexperimente, die von Flugzeugen und APOLL0Raumschiffen aus gemacht wurden, wertvolle Hilfe- Das überflogene Gelände
wurde sowohl in den natürlichen Farben als auch in ausgesuchten Wellenlängenbereichen wie Grün, Rot oder Infrarot aufgenommen. Und da zeigte sich
beim Vergleich der "Falschfarben-Bilder", daß auf diesen gewisse Merkmale
-z.B.trockener oder sumpfiger Boden, gesunder oder kranker Baumbestand- in
Erscheinung treten, die auf dem "Normalfoto" überhaupt nicht auffallen.
Die gleiche Technik wird beim ERTS-Satelliten angewandt. Er übermittelt
aus ca.900 km Höhe Aufnahmen zur Erde, die in drei bezw. vier verschiedenen
Spektralbereichen erfaßt worden sind und erst im Labor wieder zum Normalbild zusammengesetzt werden. Sie stammen von einer Drei-Farben-Fernsehkamera und einem sogenannten Scanner, der die Erdoberfläche in vier verschiedenen Spektralbereichen nach Strahlungen abtastet. Während die -wegen mangelhafter Stromversorgung nur über den USA eingeschaltete- Fernsehkamera Fotos
vom jeweiligen Flächenausschnitt in Grün, Rot und Dunkelrot liefert, macht
der Scanner die Aufnahme vom gleichen Objekt in Grün, Rot, Dunkel-und Infrarot. Er arbeitet nach Aussage der Fachleute so gut, daß der Ausfall der Fernsehkamera gar keine Rolle mehr spielt. Die auf Magnetband gespeicherten
Erdbilder werden von drei amerikanischen und einer kanadischen Station abgerufen - pro Woche sind es ca. 750 Aufnahmen.
Nach dem Aufbereiten gehen diese zur Auswertung an 330 Wissenschaftler
in den USA und in mehr als 30 anderen Ländern, auch in der Bundesrepublik.
Die deutschen "Principal Investigators"sind an den Universitäten München,
Heidelberg, Frankfurt, der FU Berlin und an der Bundesanstalt für Bodenforschung in Hannover tätig und vertreten die Fachgebiete Geologie,Mineralogie,

3-

�Mineralogie, Hydrologie und Geodäsie. Einige von ihnen befassen sich nicht
nur mit der Analyse der ERTS-Aufnahmen von Mitteleuropa, sondern - im Auftrag der zuständigen Regierungen - auch mit der Auswertung der Fotos von
bestimmten Regionen in Südamerika und Afrika.
Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Berkeley berichteten
kürzlich, daß sie bei 83 Prozent der ERTS-Aufnahmen von landwirtschaftlichen
Nutzflächen den Feldfruchttyp identifizieren konnten, sofern die Anbaufläche eine Ausdehnung von mindestens 8 Hektar hatte. Für kanadische Experten der Forstwirtschaft war die Feststellung äußerst eindrucksvoll, daß sie
Flächen mit Fichtenwaldungen, Pappelbestand, Weidenstrauchwerk und Schachtelhalm sowie nicht kultivierter Tundra gut voneinander unterscheiden konnten. Obstbaumkulturen, Felder, Weideland und Wald, Teiche und kleine Seen
waren zu identifizieren. Die Lichtabstrahlung von der Erde in den verschiedenen Spektralbändern, in denen der Scanner die Erdoberfläche abtastet, erlaubt bei wolkenfreiem Himmel auch Aussagen darüber, ob Gewässer klar oder
trübe sind.
Auf einer Anzahl von Aufnahmen der amerikanischen Atlantikküste, insbesondere von Gebieten der Bundesstaaten Massachusetts, New York, New Jersey
und Maryland mit der Bundeshauptstadt Washington , konnten bei den Städten
u.a. Industrie-, Geschäfts-und Wohnviertel ausgemacht werden. Gelegentlich
war sogar zu erkennen, ob es sich um Bezirke mit Ein-oder Mehrfamilienhäusern oder mit gemischter Bebauung handelte.

-Fischschwärme werden aufgespürtEine seltsame "Schlierenbildung" auf ERTS-Aufnahmen vom Golf von Mexiko
ließ vermuten, daß man zum ersten Mal einem großen Fischschwarm auf der
Spur war. Ein Forschungsschiff des US-Amtes für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA), das sich zufällig in dem Seegebiet aufhielt, machte die

-4-

�t

die Probe aufs Exempel: Innerhalb von zwei Stunden waren die Netze übervoll.
Allerdings sind es nicht die Fische selbst, die durch die Fotos aus dem Weltraum entdeckt werden. Vielmehr registrieren die Sensoren des Scanners an
Bord des ERTS-Satelliten den hauchdünnen Ölfilm an der Wasseroberfläche, der
sich von den Überresten jener kleineren Tiere bildet, von denen die größeren
leben. Und da diese dünne Schicht eine für die Substanz typische Reflexionsstrahlung abgibt und man andererseits bei den Mearesbewohnern recht gut weiß,
wer auf wessen Kosten lebt, ist es somit auf indirektem Wege sogar möglich,
Aussagen darüber zu machen, um welche Fischart es sich bei dem Schwärm handelt.
Angesichts solcher ersten Erfolge darf man allerdings nicht vergessen,
daß sich die Fernüberwachung des menschlichen Lebensraumes und die Bestandsaufnahme von unveränderlichen und veränderlichen Gegebenheiten auf der Erdoberfläche

ebenso wie die Nutzung der Daten, noch im Anfangsstadium befin-

den. Durch das ERTS-Programm werden zunächst einmal Modelle und Normen geschaffen, um künftig die Flut von Daten aus dem Weltraum von besonders ausgebildeten Fachkräften routinemäßig auswerten zu lassen. Diese neue Technik
könnte aber in absehbarer Zeit dazu beitragen, die Lebensbedingungen allgemein zu verbessern und die Hilfsquellen und Rohstoffe, die der Menschheit zur
Verfügung stehen, ökonomischer zu nutzen.

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7/1973

NATIONALE MASSNAHMEN SIND NICHT GENUG
UN

-Uf&gt;-Rauschgiftkommission fordert weltweite Aktionen gegen Drogenmißbrauch--(AD)-- Ohne die aktive Unterstützung "aller Menschen dieser Erde" wird
dem immer weiter anwachsenden Drogenproblem nicht beizukommen sein. Nach
Ansicht von John E. Ingersoll, Direktor der amerikanischen Zentralstelle
für Narkotika und gefährliche Drogen (BNND) und seit kurzem Vorsitzender
der UN-Rauschgiftkommissioit, vermögen weder Regierungs-und Justizbehörden noch
nationale oder internationale Kommissionen und ebensowenig die Vereinten
Nationen als Organisation dieses schwerwiegende Problem zu lösen, solange
es Menschen gibt, die den Drogenmißbrauch tolerieren oder gar unterstützen.
Am letzten Tag der diesjährigen Konferenz der UN-Rauschgiftkommission,
die vom 22. Januar bis 9. Februar 1973 in Genf ihre 25. Tagung abgehalten
hatte, erläuterte John Ingersoll vor Pressevertretern die gegenwärtige
Situation. Zwar seien vereinzelt ermutigende Entwicklungen in Richtung auf
eine wirksame Bekämpfung zu verzeichnen. Insgesamt gesehen habe sich jedoch
der Drogenmißbrauch ausgeweitet und viele verschiedene Formen angenommen.

In

-l-

�In einigen Ländern ist, wie Ingersoll erklärte, Cannabis in allen seinen
Varianten der gängige Stoff. In höchstem Maße alarmierend sei dort der ständig steigende Gebrauch des Cannabis-Extrakts Tetrahydrocannabinol(THC), der
besonders massiv wirke. In anderen Ländern ist der Gebrauch von Opiumderivaten besorgniserregend - in Nordamerika und Westeuropa von Heroin, in Skandinavien von Morphin, in Asien und vor allem Südostasien von Opium und Rohmorphin. Außerdem sind jetzt in einigen westeuropäischen Ländern sowie in
verschiedenen Entwicklungsländern synthetische und psychotrope Substanzen erschreckend weit verbreitet - eine Entwicklung, die sich auch in Skandinavien
und in Nord-und Südamerika abzeichnet. Immer mehr Drogenabhängige konzentrieren sich nicht mehr auf ein Mittel, sondern nehmen verschiedenartige Suchtstoffe. Das erschwert sowohl die Bekämpfung des Rauschgiftproblems als auch
die Behandlung der Süchtigen außerordentlich.
Um den illegalen Versorgungsquellen besser auf die Spur zu kommen, will
die UN-Rauschgiftkommission künftig regional stärker aktiv werden. So soll
eine Unterkommission für den Nahen und Mittleren Osten aus Vertretern
Afghanistans, Irans, Pakistans, der Türkei und Schwedens gebildet werden, die
zur Unterbindung des illegalen Handels in diesem Raum mit den zuständigen
Regierungen zusammenarbeitet. Ein ad-hoc-Komitee der Kommission wird in
16 asiatische Staaten reisen, um mit den Behörden die Situation zu erörtern
und künftige Maßnahmen vorzubereiten. In Südamerika sind Konsultationen
über ähnliche Aktionen bereits im Gang.
Ingersoll hofft, daß über den UN-Wirtschafts-und Sozialrat (ECOSOC)
und die Vollversammlung der Vereinten Nationen weltweit Interesse an gemeinsamen und wirksamen Aktionen gegen Rauschgifthandel und Drogenmißbrauch geweckt wird. Nationale oder bilaterale Aktionen, wie sie z.B. von den USA

-2-

�USA und einigen westeuropäischen Ländern praktiziert werden, können nur
einen ermutigenden Anfang darstellen, reichen aber für eine Bewältigung
des Problems niemals aus
Wie Ingersoll vor den Vertretern der 30 Mitgliedstaaten der UN-Rauschgif tkommission erklärte, ist die Existenzsicherung für die Landbevölkerung
von Staaten des Mittleren und Fernen Ostens, die bisher aus dem Anbau von
Hanf und Mohn ihren Unterhalt bestritt,

mit Hilfe von Umstellungsprogram-

men für die Landwirtschaft eine vordringliche Aufgabe. In Thailand ist bereits ein großangelegtes Projekt im Gang, mit Burma und Afghanistan wird
darüber noch verhandelt. Derartige Vorhaben, die sich auch auf die soziale
und wirtschaftliche Struktur der betreffenden Länder auswirken, sollen weitgehend aus dem UN-Fonds zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs finanziert werden. Die von 20 Ländern bisher dafür eingezahlten Beiträge belaufen sich
jetzt auf mehr als 4,5 Millionen Dollar - drei Millionen steuerten allein
die USA bei. Die Mittel reichen bei weitem noch nicht aus, um die Verhältnisse vor allem im Orient so zu verändern, daß der illegalen Drogenproduktion und dem Rauschgifthandel nicht mehr Vorschub geleistet wird.
Auch die großen Lücken in bezug auf exakte und neueste Informationen
zur Drogensituation behindern den Kampf an der Rauschgiftfront. Dieses
Problem müsse,wie Ingersoll forderte, auf breitester internationaler Basis
angegangen werden, wobei auch größerer Wert auf die wissenschaftliche Forschung und den Austausch von Ergebnissen zu legen sei.
Wie Präsident Nixon in der kürzlich dem US-Kongreß zugeleiteten Haushaltsbotschaft für 1974 erklärte, werden die Vereinigten Staaten den Kampf
gegen den Drogenmißbrauch weiter intensivieren. Für Maßnahmen zur Unterbindung des Rauschgifthandels und für die Behandlung und Rehabilitation von
Drogenabhängigen sind 719 Millionen Dollar bereitgestellt.

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KREBSTIERSCHALEN ALS CHEMISCHER ROHSTOFF
Modellanlage koppelt Chemikalien-Gewinnung mit Produktion von
Protein-Kon?, snt rat
--(AD)-- Die Schalen von Krebsen, großen Garneelen und anderem Meeresgetier, die bisher als Abfall ins Meer gekippt wurden und ein höchst unangenehmes Verschmutzungsproblem heraufzubeschwören drohen, dürften in absehbarer Zeit für eine Vielzahl von Industriezweigen interessant werden. Ein
privates Forschungslabor in Seattle (US-Bundesstaat Washington), das mit
Unterstützung des US-Amtes für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA) entsprechende Untersuchungen durchführte, entwickelte Verfahren zur Extraktion
von Chitin und zur Gewinnung von Chitosen aus der Schalenmasse. Chitin,
allgemein der Hauptbestandteil des Panzers von GLiederfüßlern, ist ein
stickstoffhaltiges Polysaccharid, das sich für die verschiedensten Verwendungszwecke eignet, z.B.:
-- als Zusatzstoff bei der Herstellung von Zeitungspapier zur Erhöhung der Naßfestigkeit;
— als Zusatzstoff zur Babynahrung;
- - als Koagulierungsmitttel bei der Behandlung von Frischwasser, Abwasser und von Kanalisationsabwässern;
als

-1-

�-- als Zusatzstoff zu Präparaten gegen Magenübersäuerung;
-- in der Wundbehandlung;
—

für langsame, gesteuerte Freisetzung von Herbiziden und Insektiziden;

-- für finish-Verfahren der Textilindustrie;
-- in Wasserfarben-Emulsionen;
-- als neue synthetische Faser;
-- als Verdickungsstoff für bestimmte Nahrungsmittel;
-- in der Filmfabrikation und bei der Herstellung von Spezialklebern.
Die "Food, Chemical and Research Laboratories, Inc." in Seattle
verarbeiteten in erster Linie die Beinschalen von Königskrabben, wobei das
Verfahren mit der Gewinnung von Eiweißkonzentrat aus Meerestieren gekoppelt
wurde. Bei voller Ausnutzung ihrer Kapazität kann die vorerst nur als
Modellbetrieb unterhaltene Anlage pro Monat ca. eine Tonne Chitin produzieren. Die Errichtung einer zweiten, größeren Anlage wird zur Zeit erwogen. In der Praxis zeigte sich, daß mit den neuen Verfahren 75 bis 83 Prozent; der Abfälle der wichtigsten Schalentierarten nutz-und gewinnbringend
zu verwenden sind.

-2-

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 14.02.1973</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von US-Finanzminister Shultz vom 12. Februar 1973 zur Abwertung des Dollar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das neue amerikanische Kabinett&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das neue Bevölkerungsporträt der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des Statistischen Bundesamtes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ERTS-Augen sehen mehr&lt;br /&gt;Ermutigender Auftakt für Erderkung mit Satelliten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nationale Maßnahmen sind nicht genug&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Rauschgiftkommission fordert weltweite Aktionen gegen Drogenmissbrauch -&lt;/em&gt;</text>
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Nummer

7. Februar 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:
Die Botschaft über die Lage der Nation (Teil I)
«WortlautKissinger will Dialog mit Hanoi in Gang bringen
-Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 1. Februar\
WIRTSCHAFT:

I
Präsident Nixon legt Wirtschaftsbericht vor
-Wortlaut des Begleitschreibens des PräsidentenUS-Wirtschaftsbeirat fordert weitere Liberalisierung des Welthandels
Von John Holway
USA legen der Weltöffentlichkeit Vorschläge zur Reform des Internationalen Währungssystems vor
USA setzen neuen Präzedenzfall für Ausgleichszölle
Von John H. Harter

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Raumfahrt mit Kürzungen
Vitamin B 12 synthetisch dargestellt

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6/1973

DIE BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION (Teil I)
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
2. Februar den ersten Teil seiner Botschaft über die Lage der Nation
- State of the Union Message - 1973 zugesandt, in der er einen Überblick
über sein künftiges Regierungsprogramm gibt. Nixon hat in diesem Jahr
einen völlig neuen Weg eingeschlagen und angekündigt, daß er den traditionellen Bericht in mehrere Fachgebiete - Innenpolitik, Wirtschaft, Außenpolitik usw.- aufgliedern und jeweils getrennt an den Kongreß geben werde.
Teil I der Botschaft über die Lage der Nation - Überblick - hat folgenden Wortlaut:
"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Die traditionelle Form des jährlichen Berichtes des Präsidenten, mit dem
er den Kongreß über die Lage der Nation informiert, ist eine Einzelbotschaft
oder Ansprache. Da sich jedoch im Laufe der Jahre die Angelegenheiten und Anliegen unserer Nation vervielfacht haben, haben sich auch die Themen vervielfacht, die in Botschaften über die Lage der Nation behandelt werden müssen.
Vor

�Vor allem in diesem Jahr, da so viele Veränderungen in Regierungsprogrammen erwogen werden und da unsere Grundvorstellungen von der Beziehung
zwischen dem Einzelnen und dem Staat an einem historischen Kreuzweg angekommen sind, hätte eine einzelne, alles umfassende Botschaft über die Lage
der Nation unzureichend erscheinen müssen.
Ich habe mich daher entschlossen, meinen Bericht über die Lage der Nation 1973 in Form einer Reihe von Botschaften während der ersten Wochen des
93. Kongresses abzugeben. Der Zweck dieser ersten Botschaft einer ganzen
Reihe besteht darin, einen kurzen und bündigen Überblick zu geben, wo wir
als Volk heute stehen, und einige der allgemeinen Ziele zu umreißen, die
wir nach meiner Auffassung im Laufe dieses Jahres und darüberhinaus anstreben sollten. Ich werde dem Kongreß in den kommenden Wochen weitere Botschaften über die Lage der Nation in bezug auf bestimmte Gebiete der Politik
zuleiten, einschließlich Wirtschaft, natürliche Ressourcen,menschliche Ressourcen, Gemeindeförderung, Außenpolitik und Verteidigungspolitik.
Der neue Kurs, den diese Botschaften aufzeigen werden, stellt eine neue
Einstellung der Regierung und zur Regierung dar - eine Einstellung, die sich
den Realitäten der siebziger Jahre zuwendet und nicht der dreißiger oder
sechziger. Wenn wir uns jetzt dem dritten Jahrhundert unserer Unabhängigkeit
nähern, dann sollte die Rolle der Regierung nicht darin bestehen, irgendeinen
Bereich des amerikanischen Lebens beherrschen zu wollen, sondern vielmehr darin, die Menschen, Gemeinden und Institutionen zu unterstützen und zu ermutigen, selbst mit möglichst vielen ihrer Schwierigkeiten und Aufgaben fertig
zu werden und dafür zu sorgen, daß jeder Amerikaner und jede Amerikanerin
die volle und gleiche Chance haben, seine oder ihre Möglichkeiten zu verwirklichen.
Wenn wir die Bundesregierung in dem Tempo der letzten Jahrzehnte weiter
vergrößern wollten, dann würde sie uns bald gänzlich verschlingen. Es ist
jetzt an der Zeit, daß wir eine klare Wahl treffen - Entscheidungen zwischen

-2-

�zwischen alten Programmen, die zwar erstrebenswerte Ziele setzten, sie aber
nicht erreichten, und neuen Programmen, die einen besseren Weg aufzeigen,
um diese Ziele zu erreichen; und natürlich Entscheidungen zwischen konkurrierenden Programmen - die zwar alle an sich wünschenswert sein mögen, von denen
wir uns jedoch mit den begrenzten Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, nur
einige leisten können.
Da unsere Mittel nicht unbegrenzt sind, stehen wir 1973 auch vor einer
wichtigen Entscheidung, ob wir nämlich die Regierungsausgaben in Grenzen halten oder kostspielige Programme einführen wollen, die garantiert zu einer Erhöhung der Steuern und einer Neubelebung der Inflation führen würden.
Und schließlich ist es jetzt von größter Wichtigkeit, daß auf der Ebene
der einzelstaatlichen und kommunalen Verwaltung und bei jedem einzelnen Amerikaner wieder ein größeres Verantwortungsgefühl geweckt wird.
Der Grundzustand unserer Nation ist heute gesund und vielversprechend.
Wir treten in das Jahr 1973 ein - wirtschaftlich stark, militärisch gesichert
und - was am wichtigsten von allem ist - in Frieden nach einem langen und
harten Krieg.
Auch weiterhin wird Amerika einem immer größeren Teil seiner Bevölkerung ein besseres und erfüllteres Leben bieten als irgendein anderes Land
auf der Welt.
Wir haben eine der schwierigsten Zeiten unserer Geschichte durchschritten, ohne der Verzweiflung anheimzufallen und ohne unsere Ideale als Volk
aufzugeben.
Wenn wir zurückblicken, so können wir alle hieraus eine Lehre ziehen.
Dies ist eine Lehre, die wir in den letzten Jahren manchmal auf harte Weise
erfahren mußten. Aber wir haben sie begriffen. Diese Lehre besagt, daß sogar
potentiell destruktive Kräfte in positive Kräfte umgewandelt werden können,
wenn wir wissen, wie sie zu leiten sind, und wenn wir Vernunft und Anstand

-3-

�Anstand walten lassen, um ein Klima gegenseitiger Achtung und beiderseitigen guten Willens zu schaffen.
Durch Zusammenarbeit und Bändigung der Naturgewalten haben Amerikaner
einige der großen Geheimnisse des Universums enthüllt. Menschen haben die
Oberfläche des Mondes betreten und den Entdeckungen neue Perspektiven eröffnet. Der gleiche Entdeckergeist hilft uns, Krankheiten und Leiden zu
überwinden, die unseren Planeten seit Menschengedenken heimgesucht haben.
Durch Zusammenarbeit mit den führenden Staatsmännern anderer Länder
konnten wir neue Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden schaffen - auf eine
Weltordnung, in der das gemeinsame Interesse alte Feindschaften zurückdrängt und in der eine neue Generation von Menschen in Frieden in einer
sich wandelnden Welt heranwachsen kann.
Im eigenen Lande haben wir gelernt, daß wir durch Zusammenarbeit Wohlstand schaffen können,ohne Inflation zu entfachen; wir können die Ordnung
wiederherstellen, ohne die Freiheit zu schwächen.

Die vor uns liegenden Aufgaben
Diese ersten siebziger Jahre waren gute Jahre für Amerika.

Unsere Auf-

gabe - für alle von uns - ist es, 1973 und die folgenden Jahre zu noch besse
ren zu machen. Ich glaube, daß wir das schaffen können. Ich glaube, daß wir
die Jahre bis zu unserer 200-Jahrfeier zu den besten vier Jahren in der amerikanischen Geschichte machen können.
Aber wir dürfen niemals vergessen,daß nichts Wertvolles geschaffen werden kann, wenn nicht der Wille zum Erfolg und die Stärke, Opfer zu bringen,
vorhanden sind.
Harte Entscheidungen müssen getroffen werden, und wir müssen zu ihnen
stehen.
Auf

�t

Auf außenpolitischem Gebiet müssen wir bedenken, daß ein starkes Amerika
- ein Amerika, auf dessen Wort man vertraut und dessen Stärke respektiert
wird - unerläßlich ist, wenn Frieden und Verständigung auf der Welt fortdauern sollen. Der von uns in Vietnam erreichte ehrenvolle Friede hat diese
grundlegende amerikanische Glaubwürdigkeit gestärkt. Wir müssen in den kommenden Jahrpn so handeln, daß diese Glaubwürdigkeit,

und damit auch die Sta-

bilität der Welt - ein untrennbarer Bestandteil hiervon - unversehrt bleibt.
Im eigenen Land müssen wir die irrige Vorstellung zurückweisen, die
einen zu großen Teil des öffentlichen Dialogs viel zu lange beherrscht hat,
daß eine immer größer werdende Regierung die Lösung für jedes Problem sei.
Wir haben nur zu gut erfahren, daß hohe Steuern und zu hohe Regierungsausgaben kein Allheilmittel sind

In zu vielen Fällen haben sie, statt die

Probleme zu lösen, die sie lösen sollten, lediglich noch schwerere Lasten auf
die Schulterndes amerikanischen Steuerzahlers geladen - in Form höherer
Steuern und höherer Lebenshaltungskosten. Gleichzeitig haben sie unsere Bürger getäuscht, weil viele der angesprochenen Begünstigten weit weniger erhielten als versprochen worden war, so daß das Vertrauen der Öffentlichkeit
in die Wirksamkeit der Regierung als Ganzes untergraben wurde.
Für uns ist jetzt die Zeit gekommen, einen Schlußstrich zu ziehen. Es
ist jetzt die Zeit gekommen, daß die verantwortlichen Führer beider politischer Parteien Stellung beziehen gegen eine zu aufgeblähte Regierung und für
den amerikanischen Steuerzahler. Wir geben nicht das Geld der Bundesregierung aus; es ist vielmehr das Geld des Steuerzahlers, und es muß so ausgegeben werden, daß der volle Gegenwert garantiert und der größtmögliche Nutzen
für die Menschen erreicht wird, denen geholfen werden soll.
Die Lösung für zahlreiche der innenpolitischen Probleme, vor denen wir
stehen, sind nicht Steuererhöhungen und höhere Ausgaben. Sie lautet: Weniger
Verschwendung, mehr Ergebnisse und mehr Freiheit, für den einzelnen Amerikaner,

-5-

�Amerikaner, damit er sich den ihm zustehenden Platz in seiner Gemeinde erarbeiten kann - und für die Staaten und Kommunen: Die eigenen Probleme auf
eigene Weise nach eigenen Prioritäten anzugehen.
Dadurch,daß wir den Menschen und ihren auf kommunaler Ebene gewählten
Führern durch Änderung des Steuerausgleichs und durch ein "Nein" zu überhöhten Bundesausgaben und Steuererhöhungen ein größeres Mitspracherecht geben, können wir zur Verwirklichung dieses Zieles beitragen.

Die kommenden Botschaften
Die Politik, die ich dem Kongreß in den kommenden Wochen darlegen werde, ist eine Bekräftigung der Verantwortung der Bundesregierung und nicht
ein Zurückweichen. Sie ist eine erneute pragmatische Verpflichtung zu sozialem Mitempfinden und zu nationalen Leistungen statt guter Absichten und deren unklarer Durchführung, die zu oft in der Vergangenheit als ausreichend
erachtet worden sind.
Auf wirtschaftlichem Gebiet wird es unser Ziel sein, die Steuern niedrig
zu halten, die Inflation einzudämmen, das wirtschaftliche Wachstum zu fördern, die Produktivität zu steigern, den Außenhandel anzuheben, das Agrareinkommen hochzuhalten, die Kleinbetriebe zu stärken und bessere ArbeitgeberArbeitnehmerbeziehungen zu unterstützen.
Auf dem Gebiet der natürlichen Ressourcen werden meine Empfehlungen Programme zur Erhaltung und Verbesserung der Umwelt, zur Förderung von Wissenschaft und Technologie und zur Gewährleistung einer ausgewogenen Nutzung unserer
unersetzbaren natürlichen Hilfsquellen einschließen.
Zur Förderung der menschlichenResscurcen werde ich Empfehlungen vorlegen, um das amerikanische Gesundheits-und Erziehungswesen zu stärken, um die
Lebensbedingungen der in Not Befindlichen zu verbessern, um unser immer immer

�I

immer erfolgreicheres Vorgehen gegen Kriminalität, Rauschgiftmißbrauch und
Ungerechtigkeit fortzusetzen und um so wichtige Probleme wie Verbraucherfragen, die ein besonderes Anliegen sind,anzupacken. Wir werden die Bemühungen
unseres Landes, denjenigen, die in den Streitkräften in Vietnam gedient haben, durch bessere Arbeits-und Ausbildungsmöglichkeiten zu helfen, fortsetzen
und intensivieren.
Wir müssen Besseres bei der Gemeindeförderung leisten, um wirklich lebensfreundliche Gemeinden zu schaffen, in denen unsere Kinder mit größeren
Chancen heranwachsen können und in denen sie stärker immun sind gegen die
sozialen Mißstände und schädlichen Einflüsse, unter denen jetzt so viele
unserer Gemeinden und Städte zu leiden haben. Ich werde Vorschläge unterbreiten, die zur Verwirklichung dieser Ziele beitragen werden.
Ich werde mich ferner mit unserer Verteidigungs-und Außenpolitik befassen sowie mit unserer neuen Auffassung von der Rolle und Struktur der Regierung selbst.
Als Ganzes betrachtet wird diese Reihe von Botschaften einen Entwurf für
die Modernisierung der Konzeption und der Funktionen der amerikanischen Regierung darstellen, um den Erfordernissen unserer Bevölkerung zu entsprechen.
Um dies zu verwirklichen, wird es eines Geistes der Zusammenarbeit und
des gemeinsamen Einsatzes aller Teile der Regierung bedürfen, denn die von
uns angestrebten Ziele sind nicht die irgendeiner einzelnen Partei oder
Gruppe, sondern es sind Ziele, die für alle Amerikaner Verbesserungen bringen
sollen. Ich weiß, daß ich als Präsident diese Aufgabe nicht alleine bewältigen kann. Der Kongreß muß helfen, und ich verpflichte mich feierlich, meinen
Teil dazu beizutragen, um ein konstruktives Arbeitsverhältnis mit dem Kongreß
herzustellen. Meine aufrichtige Hoffnung ist, daß Exekutive und Legislative
bei dieser großen Aufgabe in einem positiven Geist gegenseitiger Achtung und
Kooperation zusammenarbeiten können.
Wenn

-7-

�I

Wenn wir zusammenarbeiten - der Kongreß, der Präsident und die Bevölkerung - so bin ich sicher, daß wir diese Vorschläge in ein Aktionsprogramm
umsetzen können, das die amerikanische Regierung reformieren und dynamisieren kann und das, was noch wichtiger ist, ein besseres Leben für alle Amerikaner schaffen kann.

-8-

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6/1973

KISSINGER WILL DIALOG MIT HANOI IN GANG BRINGEN
-Auszüge aus dem Fernsehinterview vom l.FebruarWASHINGTON --(AD)-- Der Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, will bei seinem Besuch in der nordvietnamesischen Hauptstadt Hanoi vom 10. bis 13. Februar Mittel und Wege
sondieren, um das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Nordvietnam, das bisher von "Feindseligkeit" gekennzeichnet war, einer "Normalisierung" näher zu bringen. Kissinger legte am 1. Februar in einem einstündigen Fernsehinterview mit dem diplomatischen Korrespondenten der Rundfunkund Fernsehgesellschaft Columbia Broadcasting System (CBS), Marvin Kalb,
die Ziele der amerikanischen Politik gegenüber Nordvietnam dar.
Auf die Frage nach der Möglichkeit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den USA und Nordvietnam erklärte Kissinger, das liege noch
in weiter Ferne. "Im Prinzip", so sagte er, "sind wir bereit, dies zu sondieren, aber nicht als ersten Schritt."
Auf das Friedensabkommen in Vietnam eingehend betonte Kissinger:
"Die größte Aufgabe besteht jetzt darin, von einer Generation, die
nichts als Krieg gekannt hat, zu einer friedlichen Einstellung zu gelangen."

-1-

�gelangen." Er wies darauf hin, daß die vietnamesischen Beteiligten noch eine
politische Regelung erreichen müssen. "Mit gutem Willen aller Beteiligten,
einiger Geduld und einiger Klugheit", so fügte er hinzu,"können wir diese
Übergangsperiode bewältigen." Dr. Kissinger erklärte weiter: "Viel hängt von
den Handlungen der Sowjetunion und der Volksrepublik China sowie von der Art
des Verhältnisses ab, das wir mit Nordvietnam herstellen können."
Kissinger wurde im Verlauf des Interviews auch nach den Bombardierungen
Nordvietnams und den Gründen dafür gefragt. Die Fragen und Antworten hierzu

haben folgenden Wortlaut:
"Frage:.... Lassen Sie mich die Uhr einmal um etwa einen Monat zurückdrehen in die Zeit, als die Vereinigten Staaten ein sehr ausgedehntes Bombardierungsprogramm im Gebiet Hanoi-Haiphong durchführten. Wir haben niemals etwas
darüber erfahren, warum das wirklich notwendig war. Könnten Sie uns aus Ihrer
eigenen Sicht etwas dazu sagen?

Antwort: Die Entscheidung Mitte Dezember, die Bombardierung wieder aufzunehmen, war vielleicht die schmerzlichste, schwierigste und sicherlich die
einsamste Entscheidung, die der Präsident seit seinem Amtsantritt zu fällen
hatte. Es war sehr schmerzlich, dies zu diesem besonderen Zeitpunkt zu tun,
da die Friedenserwartungen so hoch waren, und nur sechs Wochen vor seinem
(zweiten) Amtsantritt. Es war sehr schwierig, es unter Umständen zu tun, unter
denen der Erfolg nicht beweisbar war.
Es ging hier eigentlich um drei Dinge. Erstens, sollten wir die Bombardierung wieder aufnehmen? Zweitens, wenn wir die Bombardierung wieder aufnahmen, mit welchen Waffen? Dies berührte die Frage der B 52(-Bomber). Und
drittens, sollten wir zum amerikanischen Volk darüber sprechen? Es klang doch
aus Ihrer Frage heraus, daß es niemals eine Erklärung gegeben hat.

Was

�Was den ersten Bereich angeht - warum der Präsident entschieden hat,
die Bombardierung wieder aufzunehmen - so waren wir zu dem Schluß gekommen,
daß die Verhandlungen, wie sie damals geführt wurden, nicht ernsthaft waren;
daß die Nordvietnamesen, aus welchen Gründen auch immer, zu dem damaligen
Zeitpunkt zu dem Schluß gekommen waren, daß ein Hinausziehen der Verhandlungen
mehr in ihrem Interesse lag, als sie zum Abschluß zu bringen. Es handelte
sich nicht darum, daß wir bestimmte Forderungen stellten, die sie abgelehnt
hätten. Es handelte sich vielmehr darum, daß, sobald eine Frage geregelt war,
drei neue auftauchten, und sobald eine Lösung nahe war, wieder weitere vorgebracht wurden.
Gleichzeitig war es so, daß je schwieriger Hanoi wurde, Saigon immer
starrer wurde. Und wir konnten daher einen Zeitpunkt kommen sehen, an dem wir
zwischen den beiden streitenden vietnamesischen Parteien gefangen sein würden
- ohne daß ein Element ins Spiel kam, das ihre Meinung hätte ändern können wobei die vertraulichen Gespräche zwischen Le Duc Tho und mir allmählich in
die gleiche Art von Propaganda abgleiten würden, die die öffentlichen Verhandlungen im Hotel Majestic erreicht hatten. Es wurde daher beschlossen, den Versuch zu machen, beiden vietnamesischen Parteien wirklich klar zu machen, daß
die Fortsetzung des Krieges ihren Preis hatte. Und es ist weitgehend unbeachtet geblieben, daß wir zur gleichen Zeit, da wir die Bombardierung Nordvietnams wieder aufnahmen, General Haig nach Saigon entsandten, um ganz klar zu
machen, daß dies nicht bedeutete, daß wir keine Regelung zu den Bedingungen
wollten, die wir als vernünftig definiert hatten.
So gingen wir wirklich gleichzeitig in beiden Richtungen vor. Sobald die
Entscheidung über die Wiederaufnahme der Bombardierung getroffen war, standen
wir vor der Tatsache, daß Regenzeit herrschte und daß das einzige Flugzeug,
das entsprechend eingesetzt werden konnte, die B-52 war, die eine Allwettermaschine ist. Sie erwähnten das Gebiet Hanoi-Haiphong. Es wurden jedoch große
Anstrengungen unternommen, um Wohngebiete zu meiden. Und die von den Nord-

3-

�Nordvietnamesen bekanntgegebenen Verlustzahlen von etwa einem Tausend dürften
die Annahme untermauern, daß dies geschah, denn viele der Verluste müssen in
den Zielgebieten und nicht in zivilen Wohngebieten aufgetreten sein.
Frage: Und doch wurde allem Anschein nach eine ganze Menge ziviler Wohngebiete getroffen. Es gab entsprechende Bilder.
Antwort: Sehen Sie, man kann bei einem solchen Bild niemals sagen, wie
groß das um es herumliegende Gebiet der Zerstörung ist. Sicherlich aber müssen
auch einige zivile Wohngebiete getroffen worden sein. Und ich möchte keinesfalls sagen, daß es nicht etwas sehr Schmerzliches war, was man tun mußte.
Warum entschloß sich nun der Präsident, nicht zum amerikanischen Volk zu
sprechen? Der Präsident kann dann äußerst wirksam sprechen, wenn er einen neuen
Kurs in der Politik ankündigt und aufweist, was getan werden kann, um diesen
speziellen Kurs zu Ende zu führen. Er hätte mit einer solchen Rede, die auch
in Erwägung gezogen wurde, nur zweierlei tun können. Das eine war, zu erklären,
warum die Verhandlungen zum Stillstand gekommen waren. Das andere war, zu erklären, unter welchen Umständen er_die Bombenangriffe einstellen würde. Das
erste hätte die Vertraulichkeit der Verhandlungen gebrochen und zwar noch
stärker, als dies ohnehin durch den Meinungsaustausch in der Öffentlichkeit
schon der Fall war, und das zweite hätte die Wiederaufnahme der Gespräche zu
einer Prestigefrage gemacht und womöglich noch länger hinausgezögert. Aus diesem Grunde kam der Präsident zu dem Entschluß, daß - wenn die Aktion Erfolg
haben würde - die Resultate in Form einer Lösung des Konfliktes für sich selbst
sprechen würden. Wenn es aber zu keiner Lösung kommen sollte, dann würde er
dem amerikanischen Volk Rechenschaft über alle Maßnahmen abzulegen haben, die
zu dem anhaltenden Stillstand (der Verhandlungen) führten.

Welches

�Welches nun auch immer der Grund war, es kam verhältnismäßig rasch zu
einer Lösung, nachdem die Gespräche erst einmal wieder aufgenommen waren. Wi
haben niemals eine Behauptung darüber aufgestellt, was zu dieser Lösung führ
te. Aber Sie fragten, warum der Entschluß gefaßt, wurde, die Bombenangriffe
wieder aufzunehmen, und dies waren die Überlegungen, die dazu führten."

-5-

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6/1973

PRÄSIDENT NIXON LEGT WIRTSCHAFTS BERICHT VOR
-Wortlaut des Begleitschreibens des Präsidenten-

WASHINGTON --«(AD)--- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
31- Januar den von seinem Wirtschaftsbeirat ausgearbeiteten Wirtschaftsbericht vorgelegt, der - untermauert durch zahlreiche Tabellen und Statistikenein umfassendes Bild über den gegenwärtigen Stand der amerikanischen Wirtschaft gibt.
Das Begleitschreiben des Präsidenten zu diesem Bericht hat folgenden
Wortlaut:
"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Wie bereits vorausgesagt, war 1972 ein sehr gutes Jahr für die amerikanische Wirtschaft.
Von Ende 1971 bis Ende 1972 ist die Gesamtgütererzeugung um 7,5 Prozent gestiegen

Dies ist eine der größten jährlichen

/''nahmen in den letzten

2.5 Jahren. Dieses Wachstum fand in einer - nahezu ausscül ießl ichen - Friedenswirtschaft statt; es wurde nicht durch einen durch Krieg angeheizten
inflationistischen Boom erreicht. Tatsächlich gingen die realen Verteidigungsausgaben im Laufe des Jahres um fünf Prozent zurück.

Wichtiger ist

�ist noch die Tatsache, daß die große Produktionszunahme in dem soeben beendeten Jahr von einer niedrigeren Inflationsrate begleitet war. Die Verbraucherpreise stiegen von 1971 bis 1972 um etwas mehr als 3 Prozent an
-was weit entfernt von der davonlaufenden Inflationsrate des Jahres 1969
ist.
Als ich vor 12 Monaten auf das bevorstehende Jahr 1972 blickte, erklärte ich, daß es das große Problem sei, die Arbeitslosenrate von dem Stand
von 6 Prozent, auf dem sie sich 1971 gehalten hatte, herunterzubekommen.
Im Laufe des Jahres 1972 konnte die Arbeitslosenrate auf etwas über 5 Prozent gesenkt werden. Wir sollten sie weiter herunterdrücken, und wir werden dies tun, aber das, was wir erreicht haben, ist erfreulich. Es ist be«sonders bedeutsam, daß die Gesamtzahl der in Arbeit Stehenden von 1971 bis
1972 um 2,3 Millionen gestiegen ist - was die größte Zunahme in 25 Jahren bedeutet.
Aber es war auch nicht alles ideal im Jahre 1972 - in der Wirtschaft
und mehr noch in anderen Bereichen unseres nationalen Lebens. Die steigenden
Lebensmittelpreise bereiteten große Sorge. Die amerikanische Handelsbilanz
gegenüber den übrigen Ländern hat sich nicht, wie wir dies erhofft hatten,
gebessert. Doch alles in allem war es ein sehr gutes Jahr.
Die Leistungen der Wirtschaft im Jahre 1972 sind zu einem großen Teil
auf eine gesunde und kraftvolle Politik der Regierung zurückzuführen. Die
Anfänge dieser Politik liegen noch vor dem Jahre 1972 und noch vor den dramatischen Maßnahmen, die am 15. August 1971 ergriffen worden sind. Sie gehen
zurück auf die im Jahre 1969 getroffene Entscheidung, der gefährlichen Inflation ein Ende zu setzen, die Mitte der sechziger Jahre begonnen hat, Diese Entscheidung wurde durch eine langsamere Steigerung der Bundesausgaben,
durch Beibehalten der vorübergehenden Steuererhöhung, die 1968 verabschiedet worden war, sowie durch Verschärfung der Geldmarktbedingungen verwirklicht. So konnte ein großer Teil der Ursachen der Inflation beseitigt und

-2-

�und der Anstieg der Lebenshaltungskosten gemildert werden. Ohne diese Schritte wäre der sich darauf aufbauende Erfolg der Lohn-und Preiskontrollen
nicht möglich gewesen.
Die Eindämmung der Inflation und die Einschränkung der Verteidigungsproduktion führten zwangsläufig zu einem Rückgang in der Wirtschaft und einem
Anstieg der Arbeitslosenzahl. Um zu verhindern, daß diese Entwicklung zu weit
ging, schwenkten die Haushalts-und die monetäre Politik 1971 in eine expansive Richtung um. Und um sowohl den Rückgang der Inflation wie auch die Wiedererholung der Wirtschaft zu beschleunigen, habe ich am 15. August 1971
eine neue Wirtschaftspolitik verkündet. Für Preise, Renten und Löhne wurden
temporäre Kontrollen verfügt™ Steuern wurden gesenkt. Etwas später gingen
wir dazu über, der Wirtschaft einen weiteren Auftrieb zu geben, indem wir
im ersten Halbjahr 1972 die Regierungsausgaben ausweiteten, in erster Linie
durch Vorziehen von Ausgaben, die erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen worden wären.
Die Politik, die 1969 begann, hat zu dem so deutlich sichtbaren wirtschaftlichen Fortschritt im Jahre 1972 beigetragen. Aber die Politik der
Regierung hat dies alles nicht alleine erreicht. Dies ist zu einem großen
Teil einer starken Privatwirtschaft wie auch den privaten Bürgern zu verdanken, die bei der Steigerung der Produktivität mitgearbeitet haben - durch
Erhaltung des Friedens in der Industrie und durch Einhaltung der Normen des
Kontrollsystems. Die Regierung hat dazu beigetragen, Bedingungen zu schaffen,
unter denen die privaten Bürger sich auf eine expandierende Wirtschaft umstellen konnten, die weit weniger verteidigungsorientiert und viel weniger
inflationistisch war. Es war also der einzelne Amerikaner, der diese Anpassungen durchgeführt hat.
Die unmittelbaren wirtschaftlichen Zielsetzungen für die Binnenwirtschaft im Jahre 1973 sind klar. Gütererzeugung und Einkommen sollten expandieren. Sowohl die Arbeitslosenrate wie auch die Inflationsrate sollten wei-

3-

�weiter gesenkt werden, und es muß ein echtes Vertrauen geschaffen werden,
daß keine von beiden erneut steigen wird.
Die Aussichten, diese Ziele im Jahre 1973 zu verwirklichen, sind gut
- wenn wir Vernunft, Klugheit und Weitblick walten lassen. All diesen Anzeichen zufolge ist eine nachhaltige wirtschaftliche Expansion im Gange, und
sie wird auch während des Jahres anhalten. So werden Gütererzeugung und Beschäftigtenstand steigen und die Arbeitslosigkeit zurückgehen. Das Problem,
so weit es sich jetzt voraussehen läßt, wird darin bestehen, zu verhindern,
daß diese Expansion in einen inflationistischen Boom ausartet.
Dies ist der Grund, warum ich eine Einschränkung der Bundesausgaben
an die Spitze der der wirtschaftspolitischen Maßnahmen für 1973 gesetzt habe.
Nichts ist einfacher oder angenehmer, zumindest für eine Bürokratie, als Geld
auszugeben. Aber über einen gewissen Punkt hinaus, den unsere Haushaltspläne
bereits erreicht haben, muß alles, was die Regierung mit einer Hand ausgibt,
mit der anderen Hand wieder eingenommen werden - durch höhere Steuern oder
mehr Inflation oder durch beides. Die Ausgabenansätze müssen in diesem Sinne
gesehen werden; sie müssen daran gemessen werden, ob sie einen solchen Preis
wert sind. Bei zu hohen Regierungsausgaben wird diese Bewährungsprobe nicht
bestanden.
Ich schlage einen Haushalt mit Ausgaben von 250 Milliarden Dollar für
das laufende Finanzjahr vor - eine Zunahme von 18 Milliarden Dollar gegenüber
dem vorangegangenen Finanzjahr. Ich schlage eine Ausgabensteigerung um 19
Milliarden Dollar auf 269 Milliarden Dollar für das kommende Finanzjahr vor.
Obwohl dies große Beträge und große Steigerungen sind - so spiegeln sie
doch Verantwortungsbewußtsein und Disziplin wider. Ich ersuche dringend um
die Mitarbeit des Landes und des Kongresses, damit wir im Rahmen meiner Haushaltsansätze bleiben.
Nur

-4

�Nur wenn wir uns an die Ausgabenansätze halten, werden wir die Inflationsrate 1973 weiter senken können. Die Produktivität sollte weiter erheblich steigen. Die inflationistischen Erwartungen sollten unterdrückt werden. Die Arbeitnehmer hatten große Steigerungen ihrer Realeinkommen zu ver~
zeichnen, und daher wird der Druck, aufholen zu müssen, weit geringer als
früher sein. Anti-inflationistische Kräfte sind zwar am Werk, aber es wird
notwendig sein, dafür zu sorgen, daß unsere gesunde Expansion nicht in einen
überhitzten Boom ausartet.
Das im Jahre 1972 gültige System der Lohn-und Preiskontrollen hat dazu
beigetragen, beides - weniger Inflation und mehr Gütererzeugung - zu erreichen. Aber für 1973 ist es nicht das beste System. Nach eingehenden Konsultationen mit allen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit sind wir zu
dem Schluß gekommen, daß die Kontrollen wesentlich modifiziert werden sollen.
Es gibt mehrere Problemgebiete - Nahrungsmittel, Bausektor und die Kosten
der ärztlichen Betreuung » die besondere Anstrengungen zur Zurückhaltung
erfordern, in einigen

Fällen sogar stärkere als irr vergangenen Jahr.

Für die Wirtschaft als Ganzes besteht die Notwendigkeit, entschiedener
eine Verhaltensform zu finden, die im Einklang mit einer vernünftigen Preisstabilität steht. Gleichzeitig zeigen unsere eigenen Erfahrungen und die Erfahrungen anderer Länder, daß bei einem Beibehalten von Kontrollen, sofern
sie nicht ausreichend modifiziert werden, der Bürokratismus sich ausbreitet,
die Ungerechtigkeiten zunehmen, die Eingriffe in Produktion und Produktivität immer schwerwiegender werden und die Möglichkeit steigt, daß die Preise
nach einem Aufheben der Kontrollen explodieren werden. Daher modifizieren wir
das Kontrollsystem in verschiedener Hinsicht.
Wir setzen eine Norm für ein vernünftiges Preis~und Lohnverhalten und
wir fordern Wirtschaft und Arbeitnehmer auf, ihr zu entsprechen. Die privaten
Wirtschaftsbetriebe werden selbst entscheiden können, ob Preis-oder Lohnerhöhungen innerhalb der Norm liegen oder nicht. Preis-und Lohnerhöhungen

-5-

�Lohnerhöhungen werden nicht im voraus die Billigung seitens der Regierung erfordern, aber die Regierung wird weiterhin gesetzlich ermächtigt,, und praktisch in der Lage und auch gewillt sein, notfalls zu intervenieren, um Maßnahmen zu stoppen, die unvernünftig und mit der Norm nicht zu vereinbaren
sind. Ich ersuche den Kongreß um eine Verlängerung des Gesetzes zur Stabilisierung der Wirtschaft um ein Jahr bis zum 30. April 1974, um diese Ermächtigung beizubehalten. Es sollte kein Zweifel bezüglich der Tatsache bestehen, daß von dieser Ermächtigung notfalls auch Gebrauch gemacht wird.
Die Steigerung des Lebensmittelangebotes, um Preiserhöhungen bei Lebensmitteln einzudämmen und, wo möglich, Preissenkungen nerbeizuführen, muß einen
unerläßlichen Bestandteil unseres Anti-Inflationsprogrammes bilden. Das Zusammenfallen von Naturereignissen, die die Lebensmittelerzeugung in den Vereinigten Staaten und im Ausland auf einem niedrigen Stand hielten mit steigenden Verbrauchereinkommen im Inland haben ein scharfes Ansteigen der Lebensmittelpreise im letzten Jahr bewirkt. Diese gleichen Kräfte werden sich
auch im ersten Teil dieses Jahres auswirken. Aber wir haben Schritte zur Vergrößerung des Lebensmittelangebotes ergriffen. Die Quoten, die bisher den
Fleischimport einschränkten, sind ausgesetzt worden. Beschränkungen für die
zu bestellenden Anbauflächen sind bei wichtigen Agrarerzeugnissen gelockert
worden. Größere Mengen Trockenmilch dürfen in das Land eingeführt werden.
Subventionen für Agrarexporte sind aufgehoben worden. Das Weiden von Rindern
auf Land, das aus der Landbestellung herausgenommen wurde, ist gestattet worden. Wir haben innerhalb der Bundesregierung neue Einrichtungen geschaffen,um
sicherzustellen, daß der Aufgabe, die Lebensmittelpreise niedrig zu halten,
hohe Priorität eingeräumt wird.
Zurückhaltung in der Haushaltspolitik, das neue System kooperativer
Preis- und Lohnkontrollen sowie besondere Anstrengungen zur Steigerung des Lebensmittelangebotes sollten zusammen mit der Produktivität und Dynamik der

-6-

�der Privatwirtschaft 1973 zu einem weiteren Jahr machen, in dem Inflation
und Arbeitslosigkeit zurückgehen und die Gütererzeugung ansteigt. Aber bei
der Politik des Jahres 1973 geht es um mehr als nur um wirtschaftliche
Leistungen. Es geht darum, ob wir das Jahr 1973 zum Beginn einer andauernden Periode des Wachstums und der Stabilität in einer freien Wirtschaft
machen können. Seit 1968 haben Regierung und Wirtschaft die negative Aufgabe weitgehend gelöst, die der Stabilität entgegenwirkenden Folgen der
Finanzierung des Vietnam-Krieges zu korrigieren. Diese Periode ist so gut

wie vorüber. Jetzt können wir damit aufhören, Feuer zu löschen, und uns
stattdessen der Errichtung einer besseren Wirtschaftsordnung zuwenden.
Wir müssen eine zuverlässige und verantwortungsbewußte Einstellung
dem Bundeshaushalt gegenüber einnehmen sowie zuverlässigere und verantwor tungsbewußtere Methoden zu seiner Handhabung entwickeln, so daß dieser
nicht ständig am Rande einer inflationistischen Explosion steht. Wir müssen
uns auf das Ende der Lohn-und Preiskontrollen vorbereiten und bereit sein,
den gleichen Mut bei ihrer Aufhebung wie seinerzeit bei ihrer Einführung
zu zeigen. Wir werden die restriktiven Auswirkungen der großen Zahl anderer
von der Bundesregierung ausgeübter wirtschaftlicher Kontrollen beseitigen,
von denen die meisten ihren Ursprung vor Jahrzehnten hatten,und von denen
viele Produktivität und Produktion beeinträchtigen. Und wir müssen die Wettbewerbskräfte in einer dynamischen freien Unternehmerwirtschaft stärken.
Nirgendwo ist die Notwendigkeit, 1973 zu einem Jahr der wirtschaftlichen Reformen zu machen , offensichtlicher als in unseren internationalen Beziehungen. Unsere Maßnahmen vom 15. August 1971 haben die Welt auf den Weg
zu Verhandlungen über eine Verbesserung der Weltwirtschaft gebracht. Letztes
Jahr haben wir Vorschläge für die Reform des internationalen Finanzsystems
gemacht, und diese Vorschläge sind jetzt Gegenstand von Erörterungen auf
hoher Ebene zwischen Beamten der Mitgliedsstaaten des Internationalen

-7-

�1

Internationalen Währungsfonds (IWF). Dieses Jahr rechnen wir mit der Auf»
nähme von Verhandlungen auf dem Gebiet des Handels.
Wir möchten, daß die Amerikaner die ausländischen Güter und Dienstleistungen kaufen können, die besser, billiger oder interessanter als unsere
eigenen sind. Das hebt den amerikanischen Lebensstandard. Wir wollen,daß
die Amerikaner im Ausland investieren können, wenn dies für sie am meisten
Gewinn bringt. Wir wollen, daß die Amerikaner für diese Käufe und Investition
nen auf die für uns günstigste Weise bezahlen können. Dies bedeutet erstens,
daß wir, um bezahlen zu.können, die Dinge, die wir am besten produzieren, im
Ausland verkaufen und zwar zu den besten Bedingungen, die wir freiwillig erreichen können. Zweitens bedeutet dies, daß wir in einer Weise bezahlen dürfen, die tragbar ist, so daß wir nicht mit der Notwendigkeit plötzlicher und
möglicherweise schmerzlicher Anpassungen konfrontiert werden.
Die bestehenden Vereinbarungen sind in keiner Weise günstig für uns.
Wir haben vom Ausland in schnell wachsenden Größenordnungen gekauft, und das
hat dem amerikanischen Volke geholfen. Aber unsere Exporte, mit denen wir
für diese Importe bezahlen wollen, unterliegen zu hohen Beschränkungen;
dies trifft vor allem für unsere Agrarerzeugnisse zu. Wir konnten nicht ge~
nug verkaufen, um unsere Ausgaben im Ausland zu bezahlen, und so mußten wir
sie durch Aufnehmen von immer mehr kurzfristigen Schulden im Ausland begleichen. Diese Situation kann nicht unbegrenzt andauern; ihr plötzliches Ende
könnte verheerende Folgen haben. Daher möchten wir diese Reformen herbeiführen, die es uns gestatten werden, selbst für uns aufkommen zu können.
Unsere Vorschläge sind in der Vergangenheit im nationalen Interesse der
USA vorgelegt worden, und dies wird auch künftig so sein. Aber dies widerspricht nicht den Interessen der anderen Länder. Der internationale Wettstreit verlagert sich von der militärischen und der politischen Ebene auf die
wirtschaftliche. Dies ist ein großer Vorteil, denn beim wirtschaftlichen
Wettbewerb kann jeder Beteiligte gewinnen - es muß keine Verlierer geben.

-8-

�geben. Die Bemühungen jedes Landes, zu produzieren und zu verkaufen, was
es kann, werden den anderen auf das Wirksamste nützen. Dies ist die Grundauffassung unserer Vorschläge für Reformen und der Hauptgrund, warum wir
glauben, daß ein zufriedenstellendes Abkommen erreicht werden kann.
Die allgemeine Voraussage lautet, daß 1973 ein weiteres sehr gutes
Jahr für die amerikanische Wirtschaft sein wird. Ich glaube, daß es ein
großes Jahr sein kann. Es kann ein Jahr sein, in dem wir Arbeitslosigkeit
und Inflation weiter senken und in eine andauernde Periode starken Wachstums,
der Vollbeschäftigung und der Preisstabilität eintreten. Aber 1973 wird nur
dann ein großes Jahr sein, wenn wir unsere Haushaltsprobleme klug meistern
und die von mir vorgeschlagene Zunahme der Bundesausgaben nicht überschreiten. Dies ist die praktische Lehre aus den Erfahrungen der Jahre 1965 bis
1968, als eine zu lockere Haushaltspolitik eine gesunde Expansion in einen
fieberhaften Boom ausgleiten ließ, dem dann eine Rezession folgte. Ich bin
entschlossen, diese Lehre zu beherzigen. Und ich appelliere dringend an den
Kongreß, dies ebenso zu tun.

H-H-4

-9-

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6/1973

US-WIRTSCHAFTSBEIRAT FORDERT WEITERE LIBERALISIERUNG DES
WELTHANDELS

Von John Holway

WASHINGTON --(AD)— Mit der Warnung, daß Handelsungleichgewichte nicht nur
der amerikanischen, sondern gleichzeitig auch der Weltwirtschaft schaden,
haben die Vereinigten Staaten in diesen Tagen erneut für 1973 eine stärkere
Öffnung der Grenzen für einen liberalen Handel gefordert.
In seinem Bericht zur Lage der amerikanischen Wirtschaft, der am 31.
Januar veröffentlicht worden war, betont der Wirtschaftsbeirat Präsident
Nixons, daß eine Korrektur der Zahlungsbilanzungleichgewichte zu einem Teil
durch Änderung der Wechselkurse sowie eine wirksamere Anti-Inflationspolitik
in den Vereinigten Staaten erreicht werden kann. Gerade; auf letzterem Gebiet
seien in den letzten 18 Monaten bedeutende Fortschritte erzielt worden.
Aber, so stellt der Wirtschaftsbeirat weiter fest, auch ein Abbau der Handelsschranken könne beträchtlich zur Korrektur der Zahlungsbilanzungleichgewichte beitragen. Bereits 1972 hätten eine Reihe von Ländern, vor allem Japan,
Liberalisierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Situation zu entschärfen, und

-1-

�und es stehe zu hoffen, daß 1973 weitere Maßnahmen in diesem Anpassungsprozeß
folgen werden.
Der Bericht weist darauf hin, daß die Errichtung des Gemeinsamen Europäischen Marktes dazu geführt hat, Warenlieferungen von Firmen aus Drittländern
auf Firmen der Mitgliedsstaaten zu verlagern. Und er folgert hieraus, daß "nur
eine ausgehandelte Senkung des allgemeinen Niveaus von tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken diese Diskriminierung wirksam beseitigen kann."

In

diesem Zusammenhang warnt der Beirat auch, daß die Präferenz-Handelsabkommen der
EWG mit afrikanischen und anderen Ländern das Meistbegünstigungsprinzip auszuhöhlen drohen. Es sei daher wichtig, daß in den bevorstehenden weltweiten Handelsgesprächen die von den Mitgliedsstaaten des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) in bezug auf das Meistbegünstigungsprinzip übernommenen Pflichten klargestellt werden, nämlich daß eineeinem Gatt-Mitglied eingeräumte Konzession auch allen übrigen Mitgliedern gewährt werden muß.
Die für den Herbst in Genf anberaumten Gespräche sollen sich nach Auffassung des Beirates mit allen Formen von Handelsschranken - den tarifären wie auch
den nicht-tarifären - befassen. Es soll sowohl über den Handel mit industriellen
Erzeugnissen wie auch über den Agrarhandel gesprochen werden, bei dem die Vereinigten Staaten sich benachteiligt fühlen.
Aber der Beirat Präsident Nixons geht noch weiter und fordert eine Reform
des GATT, um diesem eine stärkere Position, vor allem bei Streitigkeiten zwischen
einzelnen Ländern, zu geben. Denn unbereinigte Streitfälle könnten sich leicht
auf die politischen wie auch die Sicherheitsbeziehungen auswirken. In diesem
Zusammenhang wird besonders auf die Bestimmungen des GATT verwiesen, die Ländern eine temporäre Einschränkung der Importe gestatten, sofern sie entsprechende Senkungen bei anderen Handelsschranken vornehmen. Diese Bestimmung hat sich
nach Ansicht der amerikanischen Wirtschaftsberater in der Praxis als nicht
praktikabel erwiesen, und die Regierungen suchten sie zu umgehen. Dem werden die

-2-

�die Vorschläge Präsident Nixons gegenübergestellt, die ein neues System von
Sicherheiten für solche Länder vorsehen, deren Industrie durch den Import
geschädigt wird. Sofern solche Sicherheiten multilateral ausgehandelt sind,
so betont der Beirat, bildeten sie eine versteckte Form des Schutzes. Derartige Sicherheiten brauchten auch nicht kompensierende Konzessionen einzuschließen; aber sie sollten wirksame binnenwirtschaftliche Anpassungen aufweisen, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr wettbewerbsfähiger Industrien
wiederherzustellen.
Der amerikanische Bericht impliziert somit, daß die Vereinigten Staaten
die Mitarbeit im GATT weiterhin fortsetzen werden. Die neuen Bestimmungen
über eine Reform des GATT brauchten den substantiellen Verhandlungen nicht
vorauszugehen. Denn jede neu ausgehandelte Vereinbarung würde gleichzeitig
auch zu einer Modifizierung der GATT-Bestimmungen führen. Auf diese Weise
würde eine Reform Hand in Hand mit diesen Verhandlungen erfolgen.
Der Bericht des Beirates widmet drei wichtigen Gebieten besondere Aufmerksamkeit: Dies sind der Handel zwischen Industriestaaten mit einer freien
Wirtschaft, der Handel mit Entwicklungsländern und der Handel mit kommunistischen Ländern. Was den ersten Punkt, den Handel zwischen Industrieländern,
anbetrifft, so verweist der Beirat auf die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geleistete Arbeit, die Studien
über Probleme wie Investitionen, Subventionen, tarifäre und nicht-tarifäre
Handelsschranken durchgeführt hat. Der in einer der OECD-Studien gezogene
Vergleich über die Wirkung von Subventionen und Zöllen als Schutz für die
einheimische Industrie veranlaßt den Beirat zu der Feststellung, daß Zölle
vorzuziehen seien, da sie zu Nettoeinnahmen für das; betroffene Land führten,
während aus dem Staatshaushalt gezahlte Subventionen Nettokosten bedeuteten.
Über

-3-

�.

Über die Beziehungen zu den Entwicklungsländern heißt es in dem Bericht, daß beide, die Industriestaaten und die Entwicklungsländer, nur Nutzen
daraus ziehen könnten, wenn das Maß der Willkür bei Handel, Hilfe und Investitionen betreffenden nationalen Entscheidungen eingeengt werde. Die Vereinigten Staaten, so stellt der Beirat fest, unterstützten eine allgemeine
Zollsenkung für Erzeugnisse aus den Entwicklungsländern. Dies sei eine bessere Alternative als Präferenzabkommen, die zahlreiche Entwicklungsländer
mit dem Gemeinsamen Europäischen Markt haben.
Der Beirat Präsident Nixons appelliert schließlich an alle Länder, die
noch nicht Mitglied im GATT sind, die Pflichten einer solchen Mitgliedschaft
auf sich zu nehmen und sich an den bevorstehenden Verhandlungen voll zu beteiligen. Im Gegensatz zu früheren GATT-Abkommen werde es sich, wie der
Beirat betont, bei allen in diesen Gesprächen getroffenen Vereinbarungen um
in sich geschlossene Abkommen handeln. Dies bedeute, daß sie nur für die
Unterzeichnerstaaten gültig sind. Nicht-Mitgliedsstaaten könnten an diesen
Verhandlungen teilnehmen, doch würden sie weniger Einfluß als Vollmitglieder
haben. Und als GATT-Mitglieder würden sie aufgrund des Meistbegünstigtenprinzips automatisch an allen ausgehandelten Zollsenkungen teilhaben.
Zum Handel mit "zentral gelenkten Volkswirtschaften" bemerkt der Bericht,
daß sich der Güteraustausch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besonders schnell ausweiten dürfte. Da die kommunistischen Länder jedoch nicht dem GATT angehörten, müßten besondere Bestimmungen über die Errichtung eines multilateralen Systems für einen Zahlungsausgleich ausgearbeitet werden.
Zusammenfassend stellt der Beirat in seinem Bericht fest, wenn alle
Länder sich weiterhin fest zu einem freieren Handel und freieren Investitionen bekennen würden, dann hätten sie aufgrund der internationalen Bestimmungen
zwangsläufig auch die Chance, an den Segnungen einer solchen Liberalisierung

-4-

�Liberalisierung von Handel und Investitionen teilzuhaben,, Allerdings sollten die internationalen Bestimmungen künftig die internationalen Verhaltensnormen genauer definieren und mehr Flexibilität hinsichtlich des Rahmens
bieten, in dem solchen Verantwortungen nachgekommen werden kann. Ein starkes internationales System, und das wird nachdrücklich unterstrichen, müsse
auf einer gesunden Politik der einzelnen Länder zur Förderung des binnenwirtschaftlichen Wachstums und der Preisstabilität basieren.

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6/1973

USA LEGEN DER WELTÖFFENTLICHKEIT VORSCHLÄGE ZUR REFORM DES INTERNATIONALEN WÄHRUNGSSYSTEMS VOR

WASHINGTON —(AD)-- Die jetzt erfolgte Veröffentlichung der amerikanischen
Vorschläge für eine Reform des internationalen Wahrungssystems beantwortet
zahlreiche Fragen, die aufgeworfen worden waren, als der amerikanische
Finanz minister George P. Shultz im September letzten Jahres den amerikanischen Plan in groben Umrissen skiziierte. Mit seinen Ausführungen wollte
Shultz damals die Aufmerksamkeit der Welt auf die Vorschläge der USA richten, in denen der Stand der Währungsreserven eines Landes als bester Indikator dafür bezeichnet worden war, wann von einer Regierung eine Korrektur
eines Zahlungsbilanzüberschusses oder Defizits erwartet werden müsse.
Die jetzt - in Form eines dem Jahresbericht des Wirtschaftsbeirates
des Präsidenten beigefügten Memorandums - veröffentlichten Einzelheiten
der amerikanischen Vorschläge zeigen, daß der US-Plan nicht so stark und
automatisch sein würde, als die ersten Andeutungen dies seinerzeit erwarten
ließen. Der US-Plan würde nicht verlangen, daß eine Regierung - unabhängig
von den anderen Gegebenheiten - einen bereits im voraus festgelegten Schritt
- zum Beispiel eine Änderung ihres Wechselkurses - vornimmt, sobald der

-1-

�der Stand der Währungsreserven einen gewissen Punkt überschreitet. Vielmehr
schlagen die Vereinigten Staaten vor, eine Reihe von Punkten über und unter
einer vereinbarten Zahl, die als normaler Stand der Währungsreserven eines
bestimmten Landes betrachtet würde, festzulegen. Von den Regierungen würde
erwartet werden, auf ihre eigene Weise und nach ihren eigenen Zeitplänen zu
handeln, um internationale Ungleichgewichte zu korrigieren, noch bevor der
"obere" oder der "untere Punkt" zu diesem Basisstand erreicht ist.
Internationale Sanktionen würden zur Verfügung stehen, um Druck auf
eine Regierung auszuüben, die zögert, wirksame Anpassungsmaßnahmen zu ergreifen. Sie würden jedoch nur in dem extremen und unwahrscheinlichen Fall angewandt werden, daß eine Regierung sich weigern sollte, selbst zuerst zu handeln
Außerdem könnte die internationale Völkergemeinschaft - im Internationalen
Währungsfonds (IWF) - für eine Aussetzung des durch die Veränderung der Währungsreserven gegebenen Signals

stimmen, falls ihrer Auffassung nach auch

andere Faktoren berücksichtigt werden sollten oder falls sie der Ansicht ist,
daß die betreffende Regierung bereits wirksame Maßnahmen zur Korrektur der
Situation unternimmt.
Bei Ländern, deren Währungsreserven unter den "unteren Punkt" absinken
und bei denen dieser Zustand längere Zeit anhält, könnten die Sanktionen darin bestehen, daß sie die Kreditprivilegien beim IWF verlieren oder daß ihr
Anteil an der nächsten Zuteilung von Sonderziehungsrechten einbehalten würde.
Eine Regierung, deren Währungsreserven zu schnell ansteigen, könnte zunächst
den Anspruch auf Umwechslung von weiteren, durch Interventionen auf den Devisenmärkten erworbenen zusätzlichen Devisen verlieren. Das heißt, diese Regierung könnte solche Devisenbeträge den betreffenden Ländern nicht mehr vorlegen und ihre Einlösung in Reserveguthaben wie Sonderziehungsrechte oder
Gold fordern. Weiter könnte ein solches Land von der nächsten Zuteilung an
Sonderziehungsrechten ausgeschlossen werden.
Wenn

-2-

�Wenn ein Land weiter Devisenreserven - in Form von nicht-konvertierbaren Währungen - erwirbt, bis seine Gesamtreserven den oberen Punkt erreicht
haben, und wenn dieser Zustand dann eine bestimmte Zeit andauert, so könnten
andere Sanktionen zum Tragen kommen. Zum Beispiel könnte der IWF dritte
Länder ermächtigen, allgemeine Importzölle oder zusätzliche Abgaben auf
Waren des betreffenden Landes zu erheben. Ein solches Land könnte von einer
Zuteilung an Sonderziehungsrechten ausgeschlossen werden, oder es könnte
eine Steuer auf die überhöhten Reservebestände eines solchen Landes erhoben
werdenderen Erträge der Entwicklungshilfe zugutekämen. Derartige Sanktionen
könnten nur vermieden oder hinausgeschoben werden, falls der IWF feststellt,
daß sie nicht gerechtfertigt seien,oder auf der Basis eines vereinbarten Anpassungsprogramms, das zum Beispiel wesentliche Schritte in Richtung auf
Liberalisierung von Importbeschränkungen, die Aufhebung von Kontrollen für
Kapitalabflüsse, die Gewährung ungebundener Hilfe oder eine Aufwertung einschließe .
Es würde jedoch selten, wenn überhaupt jemals, notwendig werden, zu der
artigen internationalen Sanktionen zu greifen. Allein schon die Tatsache ihr
Bestehens und die allgemeine Übereinstimmung, daß die Länder auf einen Ausgleich ihrer internationalen Transaktionen hinarbeiten sollten, würden genügen, um die einzelnen Regierungen zu Maßnahmen zu veranlassen, bevor der
"obere Punkt" erreicht wäre.
Alle «liese Punkte -

der "untere Punkt", der "untere Gefahrenpunkt",

der "Basisstand", der "obere Gefahrenpunkt", der "Konvertibilitätspunkt"
und der "obere Punkt"- würden im Laufe der Zeit in dem Maße heraufgesetzt
werden, wie die gesamten Währungsreserven der Welt infolge der Ausgabe von
Sonderziehungsrechten steigen.
Kleinere Anpassungen der Wechselkurse - Abwertungen für Länder mit Zahlungsbilanzdefiziten, Aufwertungen für Länder mit Zahlungsbilanzüberschüssen - wären ein Weg, wie Regierungen ihre internationalen Zahlungskonten

-3-

�Zahlungskonten ausgeglichen halten könnten. Aber es würde ihnen auch freistehen, andere Anpassungsmethoden zu wählen - solange derartige Methoden
mit den Marktmechanismen, einem liberalen Welthandel und den Bestimmungen
für den Zahlungsverkehr zu vereinbaren wären.
Die neuen amerikanischen Vorschläge gehen davon aus, daß das neue internationale WährungsSystem, wenn es wirksam sein soll, Möglichkeiten einschließen muß, die sicherstellen, daß Ungleichgewichte im internationalen
Zahlungsverkehr angepaßt werden. Nach dem alten System würden Länder mit
Zahlungsbilanzdefiziten stets unter Druck geraten, früher oder später, wenn
ihre Reserven zu Ende gehen, Anpassungen vorzunehmen. Die amerikanischen
Vorschläge zielen darauf ab, einen gleichen Druck auch auf Überschußländer
auszuüben, damit diese aufwerten oder andere Anpassungsmaßnahmen vornehmen.
Und sie sollen beide, Defizit-wie auch Überschußländer, ermutigen, früher
zu handeln, bevor die Ungleichgewichte zu einer ernsthaften Bedrohung der
Stabilität des Systems werden.
Die Notwendigkeit objektiver Indikatoren als Maßstab für das Ergreifen
von Maßnahmen

wird in den amerikanischen Vorschlägen wie folgt erläutert:

"Entscheidungen über Anpassungen sind für jede Regierung häufig schwierig,
und es besteht eine Tendenz, derartige Entscheidungen hinauszuzögern und
ganz zu vermeiden,obwohl schon längst der Zeitpunkt erreicht ist, an dem
eine Anpassungspolitik hätte aufgenommen werden sollen. In gleicher Weise
zögern internationale Gruppen, sich umgehend mit den schwierigen und politisch delikaten Anpassungsfragen zu befassen. Ohne objektive Indikatoren
besteht Gefahr, daß die erforderlichen Maßnahmen nicht ergriffen werden."

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6/1973

USA SETZEN NEUEN PRÄZEDENZFALL FÜR AUSGLEICHSZÖLLE
Von John H.Harter

WASHINGTON —(AD)--Die Vereinigten Staaten haben ein neues Kriterium
für die Erhöhung von Zöllen für Importe geschaffen, die von Subventionen
seitens der Regierungen der Herstellerländer profitieren. Am 8. Januar
führten sie eine zusätzliche Abgabe - einen sogenannten Ausgleichszoll für bestimmte Michelin-Reifen aus Kanada ein, die in etwa wertmäßig der
Subvention entsprechen, die Michelin von der kanadischen Regierung erhalten hat.
Hier handelte es sich nur um eine Maßnahme in einer ganzen Reihe von
Schritten, die eine härtere Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber subventionierten Importen erkennen lassen. Andere solche Entscheidungen betrafen Italien, Griechenland und Frankreich, während weitere Fälle
- Mexiko, Südkorea und Japan betreffend - noch geprüft werden.
Die Entscheidung im Falle der Michelin-Reifen ist jedoch die erste,
die gegen eine besondere Art der Subvention, nämlich Zuwendungen für die
Regionalentwicklung, zielt. Durch solche Subventionen soll ein Anreiz für
die Ansiedlung von Industrie in Notstandsgebieten geschaffen werden. Der
scheidende Unterstaatssekretär im amerikanischen Finanzministerium,
Eugene T. Rossides, begründete diese Maßnahme für Fälle, bei denen solche

�solche Subventionen Teil eines starken Exportförderungsprogramms sind, wie
im Falle Michelin.
Rossides betonte in diesem Zusammenhang, daß die Frage zunehmender Regierungssubventionen,die den internationalen Handel verzerren, reif für multilaterale Verhandlungen sei. Alle Regierungen, so führte er aus, unterliegen
einem wachsenden Druck, Produktion und Exporte zu subventionieren - und
zwar nicht nur direkt, sondern beispielsweise auch durch Investitionsanreize
und Rückerstattung indirekter Steuern. Mit der Verschärfung des internationalen Wettbewerbs können solche Subventionen zu einer wachsenden Verzerrung
des Handels führen.
Von amtlicher amerikanischer Seite hofft man, daß in den nächsten Jahren
ein internationales Abkommen erreicht werden kann, das klarere, präzisere
und harmonischere Definitionen und Regeln bezüglich der den Export berührenden Regierungssubventionen enthält.
In Washington wird ferner betont, daß sich die Ausgleichsabgabe für
diese Reifen weder gegen Kanada noch gegen Michel in richtet. Nach einem aus
dem Jahre 1930 stammenden Gesetz ist der Finanzminister gezwungen, eine solche Maßnahme zu treffen, wenn eine Beschwerde eingeht und die Tatsachen erhärtet sind. Rossides wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß auch amerikanische Tochterfirmen im Ausland von einem solchen Schritt betroffen werden
können. Das amerikanische Finanzministerium ist einfach gezwungen, eine solche
Abgabe zu erheben, wenn entsprechende Fakten vorliegen. Mit wachsender Produktion wird dei Ausgleichszoll natürlich entsprechend geringer.
Im vorliegenden Fall beträgt der normale Einfuhrzoll für Reifen in den
USA vier Prozent; die Ausgleichsabgabe ist laut Amtsblatt des Finanzministeriums auf 6,6 Prozent fob (free on board) des Reifenwertes festgelegt worden. Der Einfuhrzoll für Reifen beträgt in Kanada übrigens generell 17 Pro-

-2-

�I

Wie Rossides betonte, hat die Firma Michelin selbstverständlich das
Recht, den Fall vor das Amerikanische Zollgericht und im Falle eines Einspruches vor das Amerikanische Zoll-und Patent-Appellationsgericht zu bringen.
Während die meisten Länder in ihren Gesetzen über Ausgleichsabgaben
sogenannte "Schadensklauseln" haben - gemäß Artikel VI des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT) - sind die Vereinigten Staaten von dieser Klausel
befreit, da sie das entsprechende Gesetz bereits vor ihrem Beitritt zum GATT
verabschiedet hatten. Das amerikanische Gesetz verlangt keinen Nachweis eines
Schadens für die einheimische Wirtschaft. Dies hat in anderen Handelsnationen
Besorgnis erregt.
Die Vereinigten Staaten haben zu erkennen gegeben, daß sie bereit wären,
im Zuge ernsthafter Verhandlungen über feste Regeln für Exportsubventionen
eine solche "Schadensklausel" zu erwägen. Bisher haben andere Regierungen jedoch noch wenig Interesse an diesem Vorschlag gezeigt.

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6/1973

US-RAUMFAHRT MIT KURZUNGEN
--(AD)-- Wenn der Kongreß zustimmt, werden 3,136 Milliarden Dollar der
Rahmen sein, in dem das US-Amt für Luft-und Raumfahrt (NASA) im Haushaltsjahr 1974 tätig sein kann. Das Budget ist zwar um 74 Millionen Dollar gegenüber 1973 erhöht, jedoch entspricht dies angesichts des allgemeinen
Kostenanstiegs von ca. 5 Prozent einer Reduzierung der Geldmittel um etwa
400 Millionen Dollar.
Die NASA bemüht sich, alle wesentlichen Elemente eines ausgewogenen
und produktiven Luft-und Raumfahrtprogramms zu erhalten. Das bedeutet, daß
es bei der experimentellen Raumstation SKYLAB, dem wiederverwendbaren Raumtransporter, dem amerikanisch-sowjetischen Gemeinschaftsprojekt AP0LL0SOJUS, dem Unternehmen VIK1NG (weiche Landung einer unbemannten Sonde auf
dem Mars), dem MARINER-Flug zu den Großplaneten Jupiter und Saturn, verschiedenenAnwendungssatelliten und bestimmten aeronautischen Entwicklungsprojekten keine Streichungen, allenfalls eine zeitliche Streckung geben
wird.
Ein Drittel der für 1974 verfügbaren Gelder ist für bemannte Unternehmen bestimmt. So werden die Vorbereitungen für den APOLLO-SOJUS-Flug zügig
weitergeführt. Dagegen dürften die Arbeiten am Raumtransporter eine gewisse

-1-

�I
gewisse Verzögerung erfahren. Der erste "Space Shuttle"-Flug wird deshalb
kaum vor 1980 zu erwarten sein.
Die zusammen mit der AEC durchgeführten Entwicklungsarbeiten an
Nukleartriebwerken werden vorläufig eingestellt, da ein Einsatz von Raketen
mit nuklearem Antrieb frühestens in den achtziger Jahren in Frage käme.
Auch das HEAO-Projekt fällt dem Rotstift zum Opfer. HEAO, ein tonnenschwerer
Astronomie-Forschungssatellit»sollte u. a. Detailbeobachtungen im Bereich
hochenergetischer Strahlen und die Untersuchung höchst komplizierter kosmischer Prozesse ermöglichen. Man hofft aber, einen Teil seiner Aufgaben von
kleineren Forschungssatelliten ausführen zu lassen.
Völlig aufgegeben werden die längerfristigen Projekte auf dem Gebiet
der Nachrichtensatelliten, da die Industrie jetzt in der Lage ist, diese
in eigene Regie zu übernehmen. Der Anwendungssatellit ATS-F, der 1974 gestartet werden soll, wird das letzte NASA-Gerät aus dieser Satellitengruppe
sein.
Der ursprünglich für Ende 1973 vorgesehene Start des zweiten Erdbeobachtungssatelliten (ERTS-B) wird auf 1976 verschoben, damit alle Möglichkeiten für Verbesserungen gegenüber dem ersten Gerät (ERTS-A/1) ausgeschöpft
werden können. Dieses umkreist seit Sommer 1972 die Erde täglich 14 Mal,
funktioniert ausgezeichnet und wird eine sehr viel längere Lebensdauer haben
als ursprünglich erwartet. Durch seine Aufnahmen liefert es eine Flut von
Meßdaten und Hinweisen, von denen Land-, Forst-und Wasserwirtschaft,
Schiffahrt und Hochseefischerei, Geologie, Geographie und Kartographie,
Raumplanung und Umweltschutz profitieren können - um nur die wichtigsten
Sektoren zu nennen. Von der Raumstation SKYLAB aus (Starttermin: 30. April
1973) sollen die Beobachtungen noch ergänzt und vertieft werden. Die drei
SKYLAB-Astronautenteams arbeiten dabei im Auftrag amerikanischer und ausländischer - auch deutscher - Institute.
Zwei

-2-

�Zwei Satellitenprojekte werden in das NASA-Programm neu aufgenommen.
Bei dem einen handelt es sich um eine spezielle Ausführung des bewährten
NIMBUS-Wettersatelliten, durch den nicht nur Wolkenfelder, Wasser-und Bodentemperaturen, sondern auch Luft-und Meeresverschmutzung überwacht werden
sollen. Das zweite ist ein neuartiges Gerät für die Landvermessung
("Terrestrial Reference Satellite"). Dieser Satellit, der 1976 auf eine
Erdumlaufbahn gebracht wird, soll in Verbindung mit Laser-Meßverfahren helfen, die Abstände zwischen den Kontinenten der Erde auf wenige Zentimeter
genau zu bestimmen.
Auch auf dem Sektor Luftfahrt, wo in den NASA-Instituten Grundlagenund angewandte Forschung für die Weiterentwicklung ziviler und militärischer
Fluggeräte betrieben wird, gibt es Kürzungen. So wird das Projekt QUESTOL
(geräuscharmer Steigflug von Kurzstartflugzeugen) vorläufig eingestellt, da
kommerzielle Fluggeräte dieses Typs erst in den achtziger Jahren eingesetzt
werden dürften. Die Arbeiten zur Entwicklung geräuscharmer Motoren gehen
jedoch weiter.
Die vorgesehenen Einsparungen werden dazu führen, daß einige NASA-Laboratorien verkleinert oder, wie die Station Plum Brook (Ohio), wo nukleare
Triebwerke getestet wurden, geschlossen werden. Von den Maßnahmen sind
1 880 Angestellte der US-Weltraumbehörde betroffen.

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6/1973

VITAMIN B 12 SYNTHETISCH DARGESTELLT

- (AD) - Der "Nachbau" des ungemein komplizierten Moleküls von Vitamin
B 12 ist einer amerikanisch-schweizerischen Forschergruppe unter der Leitung
von Dr. Robert B. Woodward (Harvard-Universität in Cambridge, Mass.) und
Dr. Albert Eschenmoser (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) gelungen.
Da das natürliche Vitamin, eines der wichtigsten der Vitamin-B-Gruppe, relativ
billig und leicht zu gewinnen ist, kommt der Synthese vorerst keine besondere
Bedeutung für die klinische Anwendung zu. Nach Meinung Dr. Woodwards, dem
1965 der Chemie-Nobelpreis für seine außergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiet der organischen Synthese (u.a. von Chinin, Cortison, Reserpin und einigen
Antibiotika) zuerkannt wurde, könnte sie jedoch den Weg zur Produktion zahlreicher neuer Arzneimittel auf der Grundlage der chemischen Synthese und nicht
zuletzt von Präparaten mit einem synthetischen Wirkstoff weisen, der dem natürlichen Vitamin vielleicht sogar überlegen ist.

Vitamin B 12 ist vor allem zur Behandlung von perniziöser Anämie von
Bedeutung. Ein Mangel an diesem Vitamin, das heute zu den biologisch aktivsten
überhaupt gerechnet wird, mindert z.B. die Bildung von Aminosäuren und Proteinen und blockiert die Bildung von Ribonukleinsäure. Störungen dieser Art
wirken sich vor allem auf das Nervengewebe und das Knochenmark als blutbildendes Organ aus.

Elf

�Elf Jahre arbeiteten die Forscher an der B12-Synthese. Im Gegensatz
zu den kettenförmigen Proteinen und Nukleinsäuren mit sich wiederholenden
"Blöcken" im Aufbau ist das kleine B 12-Molekül von anderer Struktur;
Woodward bezeichnet es als "das komplizierteste nichtmakromolekulare Naturprodukt". Im Verlauf der langwierigen theoretischen Vorarbeiten und Versuche
entdeckte Woodward gemeinsam mit Prof. Ronald Hoffman von der Cornell-Universität neue, bisher nicht bekannte Gesetzmäßigkeiten in der organischen
Chemie, die "orbitale Symmetrie". Diese Regeln bestimmen bis zu einem gewissen Grade die Art und Weise, wie sich z.B. Atome von Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und Sauerstoff zu den Bausteinen der lebenden
Materie arrangieren und Atome sogenannter Spurenelemente für wichtige Reaktionen nutzen.

+ + + ++

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Botschaft über die Lage der Nation (Teil I)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger will Dialog mit Hanoi in Gang bringen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 1. Februar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon legt Wirtschaftsbericht vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Begleitschreibens des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsbeirat fordert weitere Liberalisierung des Welthandels&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA legen der Weltöffentlichkeit Vorschläge zur Reform des Internationalen Währungssystems vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA setzen neuen Präzedenzfall für Ausgleichszölle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John H. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Raumfahrt mit Kürzungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vitamin B12 synthetisch dargestellt</text>
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Dokumentation

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Nummer

31. Januar 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam
-WortlautProtokoll über den Waffenstillstand und die Militärkontmissionen
-WortlautProtokoll über die Kontroll-und Überwachungskommission
-WortlautProtokoll über die Kriegsgefangenen
-WortlautProtokoll über die Räumung der Minen
-WortlautDas Problem Vietnam (Chronologie)
Von Alexander Sullivan

WIRTSCHAFT:
Präsident Nixon legt neuen amerikanischen Haushalt vor
«Auszüge aus der Haushaltsbotschaft-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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5/1973
ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES UND DIE WIEDERHERSTELLUNG
DES FRIEDENS IN VIETNAM
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Das am 24. Januar in Washington vom Weißen Haus veröffentlichte Vietnam-Abkommen hat folgenden Wortlaut:
Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben im Hin-

»

blick auf die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens
in Vietnam auf der Basis der Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes und des Rechtes des südvietnamesischen Volkes
auf Selbstbestimmung sowie als Beitrag zur Konsolidierung des Friedens in
Asien und in der Welt die folgenden Bestimmungen vereinbart und verpflichten
sich, diese einzuhalten und durchzuführen:
Kapitel I
Die grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes
Artikel 1
Die Vereinigten Staaten und alle anderen Länder respektieren die Unabhängigkeit, die Souveränität, die Einheit und die territoriale Integrität
Vietnams, wie sie in den Genfer Vietnam-Abkommen von 1954 anerkannt worden
sind.
Kapitel II

-1-

�Kapitel II
Einstellung der Feindseligkeiten - Abzug der Truppen
Artikel 2
Ein Waffenstillstand wird in ganz Südvietnam am 27. Januar 1973
um 2400 Uhr GMT in Kraft treten.
Zur gleichen Stunde werden die Vereinigten Staaten ihre gesamten
militärischen Aktionen gegen das Territorium der Demokratischen Republik
Vietnam durch Land-, See- und Luftstreitkräfte, gleichgültig, wo diese
ihre Stützpunkte haben, einstellen und die Verminung der Territorialgewässer, der Kriegs- und Handelshäfen sowie der Wasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam beenden. Die Vereinigten Staaten werden alle
Minen in den Territorialgewässern, den Kriegs- und Handelshäfen sowie
den Wasserstraßen Nordvietnams entschärfen oder zerstören, sobald dieses
Abkommen in Kraft tritt. Die völlige Einstellung der in diesem Artikel er
wähnten Feindseligkeiten soll von Dauer und ohne jede zeitliche Begrenzung sein.
Artikel 3
Die Parteien verpflichten sich, den Waffenstillstand einzuhalten und
einen dauerhaften und stabilen Frieden sicherzustellen.
Sobald der Waffenstillstand in Kraft tritt, werden:
a)

die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und die der anderen mit den

Vereinigten Staaten und der Republik Vietnam verbündeten Länder bis zur
Durchführung des Truppenabzugsplanes an ihren jeweiligen Standorten verbleiben.
b)

die Streitkräfte der beiden südvietnamesischen Parteien an ihren je-

weiligen Standorten verbleiben. Die in Artikel 17 erwähnte Gemeinsame
Zweier-Militärkommission wird die von jeder der beiden Parteien kontrollierten Gebiete festlegen und die Modalitäten der Stationierung
bestimmen.

£2
- 2-

�c)

die regulären Streitkräfte aller Waffengattungen und die irregulären

Verbände der Parteien in Südvietnam alle offensiven Aktionen gegeneinander
einstellen und sich strikt an die folgenden Abmachungen halten:
- Alle gewaltsamen Handlungen zu Lande, in der Luft und zur See sind
verboten;
- alle feindseligen Handlungen, Terrorakte und Repressalien beider
Seiten sind verboten.

Artikel 4
Die Vereinigten Staaten werden ihr militärisches Engagement nicht fortsetzen und sie werden sich auch nicht in die inneren Angelegenheiten Südvietnams einmischen.

Artikel 5
Innerhalb von 60 Tagen nach Unterzeichnung dieses Abkommens werden alle
Truppen, alle Militärberater und das gesamte militärische Personal, darunter
auch technische Militärberater und mit dem Pazifizierungsprogramm in Verbindung stehendes Militärpersonal, alle Waffen, Munitionsbestände und Kriegsmaterialien der Vereinigten Staaten und der anderen in Artikel 3 a erwähnten
Länder aus Südvietnam abgezogen werden. Die Berater der oben genannten Länder
bei allen paramilitärischen Organisationen und den Polizeiverbänden werden
ebenfalls in der gleichen Zeit abgezogen werden.

Artikel 6
Der Abbau aller militärischen Stützpunkte der Vereinigten Staaten und
der anderen in Artikel 3 a erwähnten Länder in Südvietnam soll innerhalb von
60 Tagen nach der Unterzeichnung dieses Abkommens abgeschlossen sein.

Artikel 7

�Artikel 7
In der Zeit vom Inkrafttreten des Waffenstillstandes bis zur Bildung
der in den Artikel 9 b und 14 dieses Abkommens vorgesehenen Regierung sollen
die beiden südvietnamesischen Parteien es nicht zulassen, daß Truppen,
Militärberater und militärisches Personal, einschließlich technisches
militärisches Personal, sowie Waffen, Munition und Kriegsmaterial nach Südvietnam gebracht werden.
Den beiden südvietnamesischen Parteien soll es gestattet sein, in
periodischen Zeitabständen Waffen, Munition und Kriegsmaterial, das nach
dem Waffenstillstand zerstört, beschädigt, unbrauchbar geworden oder verbraucht worden ist, auf einer Stück-für-Stück-Basis, bei gleicher Art und
Beschaffenheit, unter der Aufsicht der Gemeinsamen Militärkommission der
beiden südvietnamesischen Parteien und der Internationalen Kontroll- und
Überwachungskommission zu ersetzen.
Kapitel III
Die Rückkehr des gefangengehaltenen Militärpersonals, der gefangenen ausländischen Zivilisten sowie der gefangenen und internierten
vietnamesischen Zivilsten
Artikel 8
a)

Die Rückkehr des von den Parteien gefangen gehaltenen Militärpersonals

und der ausländischen Zivilisten soll gleichzeitig durchgeführt werden und
nicht später als an dem gleichen Tage beendet sein, an dem auch der in Artikel
5 erwähnte Truppenabzug abgeschlossen ist. Die Parteien sollen am Tage der
Unterzeichnung dieses Abkommens vollständige Listen der oben genannten, gefangen gehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten austauschen.

Ol
- 4-

�b)

Die Parteien sollen einander dabei helfen, Informationen über die im

Kampf vermißten Militärpersonen und ausländischen Zivilisten der Parteien zu
erhalten, den Ort der Gräber festzustellen, diese zu pflegen, Exhumierungen
und die Rückführung der sterblichen Überreste zu ermöglichen und alle sonstigen, etwa erforderlich werdenden Maßnahmen zu ergreifen, um Nachrichten über
die dann noch als vermißt Geltenden zu erhalten.

c)

Die Frage der Rückkehr der vietnamesischen Zivilisten, die in Südvietnam

gefangen und interniert gehalten werden, soll von den beiden südvietnamesischen
Parteien auf der Basis der Grundsätze des Artikels 21 b des Abkommens über die
Einstellung der Feindseligkeiten in Vietnam vom 20. Juli 1954 geregelt werden.
Die beiden südvietnamesischen Parteien werden dies in einem Geist der nationalen Wiederaussöhnung und der Eintracht mit dem Ziel tun, Haß und Feindschaft
zu beenden, um so das Leid zu mildern und die Familien wieder zusammenzuführen. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden ihr Äußerstes tun, um diese
Frage innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstands zu lösen.

Kapitel IV
Die Ausübung des Rechtes auf Selbstbestimmung durch das südvietnamesische Volk

Artikel 9
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und die Regierung der
Demokratischen Republik Vietnam verpflichten sich,die folgenden Prinzipien für
die Ausübung des Rechtes auf Selbstbestimmung durch das südvietnamesische Volk
zu respektieren:
a)

-5-

�a)

Das Recht des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung ist heilig,

unveräußerlich und soll von allen Ländern respektiert werden.
b)

Das südvietnamesische Volk soll selbst über die politische Zukunft Südviet-

nams in wirklich freien und demokratischen, allgemeinen Wahlen entscheiden, die
unter internationaler Überwachung durchgeführt werden.
c)

Andere Länder sollen dem südvietnamesischen Volk keine politische Richtung

oder politische Persönlichkeit aufzwingen.

Artikel 10
Die beiden südvietnamesischen Parteien verpflichten sich, den Waffenstillstand zu respektieren und den Frieden in Südvietnam zu wahren, alle strittigen
Fragen auf dem Verhandlungswege zu lösen und jeden bewaffneten Konflikt zu vermeiden.

Artikel 11
Unmittelbar nach dem Waffenstillstand werden die beiden südvietnamesischen
Parteien:
- nach nationaler Wiederaussöhnung und Eintracht streben, Haß und Feindschaft beenden, alle Vergeltungsakte und Diskriminierungen gegen Personen oder Organisationen verbieten, die mit der einen oder anderen Seite kollaboriert haben;
- die demokratischen Freiheiten des Volkes gewährleisten: persönliche Freiheit,
Redefreit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Organisationsfreiheit, Freiheit der politischen Betätigung, Glaubensfreiheit, freier Reiseverkehr, freie
Wahl des Wohnsitzes, freie Wahl des Arbeitsplatzes, Recht auf Eigentum und Recht
auf freie Berufsausübung.
Artikel 12

�Artikel 12
a)

Unmittelbar nach dem Waffenstillstand sollen die beiden südvietnamesi-

schen Parteien in einem Geiste der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht,
der gegenseitigen Achtung und der Vermeidung jeglicher gegenseitigen Behinderung Konsultationen miteinander führen, um einen Nationalrat der Nationalen
Wiederaussöhnung und Eintracht zu errichten, der aus drei gleichberechtigten
Gremien besteht. Der Rat soll nach dem Prinzip der Einstimmigkeit verfahren.
Nachdem der Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht seine
Arbeit aufgenommen hat, werden sich die beiden südvietnamesischen Parteien
über die Bildung von Räten auf niedrigeren Ebenen konsultieren. Die beiden
südvietnamesischen Parteien werden so bald wie möglich ein Abkommen über die
Regelung der inneren Angelegenheiten Südvietnams unterzeichnen und ihr Äußerstes tun, um dies innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes im Einklang mit dem Streben des südvietnamesischen Volkes nach Frieden,
Unabhängigkeit und Demokratie zu erreichen.

b)

Der Nationalrat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht soll die

Aufgabe haben, die Durchführung dieses Abkommens durch die beiden südvietnamesischen Parteien, die Verwirklichung der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht und die Gewährleistung demokratischer Freiheiten zu fördern. Der Nationale Rat der Nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht wird freie und demokratische allgemeine Wahlen, wie sie in Artikel 9 b vorgesehen sind, organisieren
sowie Verfahren und Modalitäten dieser allgemeinen Wahlen festlegen. Über die
Institutionen, für die allgemeine Wahlen abgehalten werden sollen, werden sich
die beiden südvietnamesischen Parteien in Konsultationen einigen. Der Nationalrat für Nationale Wiederaussöhnung und Eintracht wird ferner die Verfahren und
Modalitäten für solche örtlichen Wahlen festlegen, die die beiden südvietnamesischen Parteien vereinbart haben.
Artikel 13

-7-

�Artikel 13
Die Frage der vietnamesischen Streitkräfte in Südvietnam soll von den
beiden südvietnamesischen Parteien in einem Geist der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht, der Gleichberechtigung und der gegenseitigen Achtung
ohne jede ausländische Einmischung und im Einklang mit der Nachkriegssituation
geregelt werden. Zu den von den beiden südvietnamesischen Parteien zu erörternden Fragen gehören Schritte zur Verminderung ihrer militärischen Schlagkraft
und zur Demobilisierung der zu verringernden Truppen, Die beiden südvietnamesischen Parteien werden diese so bald wie möglich durchführen.

Artikel 14
Südvietnam wird eine Außenpolitik des Friedens und der Unabhängigkeit
verfolgen. Es wird bereit sein, mit allen Ländern ohne Rücksicht auf ihre politischen und sozialen Systeme auf der Basis der gegenseitigen Respektierung
von Unabhängigkeit und Souveränität Beziehungen aufzunehmen und von allen
Ländern wirtschaftliche und technische Hilfe anzunehmen, sofern keine politischen Bedingungen daran geknüpft sind. Die Annahme militärischer Hilfe durch
Südvietnam wird künftig der Entscheidung der Regierung obliegen, die nach den
in Artikel 9 b vorgesehenen allgemeinen Wahlen in Südvietnam gebildet wird.

Kapitel V
Die Wiedervereinigung Vietnams und d i e Beziehungen zwischen Nord-und
Südvietnam
A r t i k e l 15
Die Wiedervereinigung Vietnams soll Schritt für Schritt mit friedlichen
Mitteln auf der Basis von Gesprächen und Vereinbarungen zwischen Nord-und Südvietnam, ohne Zwang oder Annektion seitens der einen oder der anderen Partei

-8-

�Partei und ohne ausländische Einmischung erfolgen. Der Zeitpunkt der Wiedervereinigung soll von Nord-und Südvietnam vereinbart werden.
Bis zur Wiedervereinigung sollen:
a)

die militärische Demarkationslinie zwischen den beiden Zonen am 17. Brei-

tengrad nur als provisorische und nicht als politische oder territoriale
Grenze gelten, wie dies auch in Paragraph 6 der Abschlußerklärung der Genfer
Konferenz von 1954 vorgesehen ist.
b) Nord-und Südvietnam die entmilitarisierte Zone zu beiden Seiten der provisorischen militärischen Demarkationslinie respektieren.
c) Nord-und Südvietnam umgehend Verhandlungen mit dem Ziele aufnehmen,wieder
normale Beziehungen auf den verschiedenen Gebieten herzustellen. Zu den Fragen, über die verhandelt werden muß, gehören auch die Modalitäten des zivilen
Reiseverkehrs über die provisorische militärische Demarkationslinie.
d) Nord-und Südvietnam sich keinem militärischen Bündnis oder Militärblock anschließen und es keiner ausländischen Macht gestatten, militärische Stützpunkte, Truppen, Militärberater sowie Militärpersonal auf ihren jeweiligen
Territorien zu unterhalten, wie dies in den Genfer Vietnam-Abkommen von 1954
gefordert worden ist.

Kapitel VI
Die Gemeinsamen Militärkommissionen, die Internationale Kontrollund Überwachungskommission, die Internationale Konferenz
Artikel 16
a)

Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien werden umgehend

Vertreter für die Bildung einer Gemeinsamen Vierer-Militärkommission benennen,
die die Aufgabe hat, ein gemeinsames Handeln der Parteien bei der Durchführung
der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens zu gewährleisten:

-Paragraph

-9-

�- Paragraph eins des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes in ganz Südvietnam;
- Artikel 3 a über den Waffenstillstand der amerikanischen Streitkräfte
und der Streitkräfte der anderen Länder, auf die in diesem Artikel Bezug genommen wird;
- Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam;
- Artikel 5 über den Abzug der amerikanischen Truppen und der Truppen der
anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind, aus Südvietnam;
- Artikel 6 über die Räumung der militärischen Stützpunkte der Vereinigten Staaten und der anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden
sind, in Südvietnam;
- Artikel 8 a über die Rückkehr der von den Parteien gefangen gehaltenen
Militärpersonen und ausländischen Zivilisten;
- Artikel 8 b über die gegenseitige Hilfeleistung der Parteien bei der
Beschaffung von Informationen über solche Militärpersonen und ausländische Zivilisten der Parteien, die in den Kämpfen vermißt worden
sind.

b)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll nach dem Prinzip der

Konsultationen und der Einstimmigkeit arbeiten. Unstimmigkeiten sollen der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission unterbreitet werden.
c)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll umgehend nach der Unter-

zeichnung dieses Abkommens ihre Arbeit aufnehmen und ihre Tätigkeit innerhalb
von 60 Tagen nach Abschluß des Abzuges der amerikanischen Truppen sowie der
der
Truppen/anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind, und nach Abschluß der Rückführung der von den Parteien gefangen gehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten, beenden.
d)

-10-

�d)

Die vier Parteien sollen umgehend Vereinbarungen über die Organisation,

das Arbeitsverfahren, die Arbeitsmittel und die Ausgaben der Gemeinsamen
Vierer-Militärkommissionen treffen.

Artikel 17
a)

Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen umgehend Vertreter für die

Bildung einer Gemeinsamen Zweier-Militärkommission benennen, die die Aufgabe
hat, ein gemeinsames Handeln der beiden südvietnamesischen Parteien bei der
Durchführung der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens zu gewährleisten:
Paragraph eines des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes
in ganz Südvietnam, wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat;
Artikel 3 b über den Waffenstillstand zwischen den beiden südvietnamesischen
Parteien;
Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam,
wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat;
-

Artikel 7 über das Verbot der Einbringung von Truppen nach Südvietnam und
alle übrigen Bestimmungen dieses Artikels;
Artikel 8 c zur Frage der Rückführung der vietnamesischen Zivilisten, die
in Südvietnam gefangen gehalten werden und interniert sind;

-

Artikel 13 über die Verminderung der militärischen Schlagkraft beider südvietnamesischer Parteien und die Demobilisierung der zu verringernden Truppen.

b) Unstimmigkeiten sollen der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission unterbreitet werden.

c)

-11-

�c)

Nach Unterzeichnung dieses Abkommens soll die Gemeinsame Zweier-Militär-

kommission Vereinbarungen über die Maßnahmen und die Organisation zur Durchführung des Waffenstillstandes und zur Erhaltung des Friedens in Südvietnam
treffen.

Artikel 18
a)

Nach Unterzeichnung dieses Abkommens wird umgehend eine Internationale

Kontroll-und Überwachungskommission geschaffen.
b)

Bis die in Artikel 19 vorgesehene Internationale Konferenz endgültige

Vorkehrungen trifft, wird die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission
den vier Parteien über alle Fragen berichten, die die Kontrolle und Überwachung
der Durchführung der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens betreffen:
- Paragraph eins des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes
in ganz Südvietnam;
- Artikel 3 a über den Waffenstillstand der amerikanischen Streitkräfte
und der Streitkräfte der anderen Länder, auf die in diesem Artikel Bezug
genommen wird;
- Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam;
- Artikel 5 über den Abzug der amerikanischen Truppen und der Truppen der
anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind, aus Südvietnam;
- Artikel 6 über die Räumung der militärischen Stützpunkte der Vereinigten
Staaten und der anderen Länder, die in Artikel 3 a genannt worden sind,
in Südvietnam;
- Artikel 8 a über die Rückkehr der von den Parteien gefangen gehaltenen
Militärpersonen und ausländischen Zivilisten.

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll zur Durchführung
ihrer Aufgaben Kontrollgruppen bilden. Die vier Parteien sollen umgehend Verein-

-12-

�Vereinbarungen über den Standort und die Arbeitsweise dieser Gruppen treffen.
Die Parteien werden ihnen ihre Arbeit erleichtern.
c)

Bis die Internationale Konferenz endgültige Vorkehrungen trifft, wird

die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission den beiden südvietnamesischen Parteien über alle Fragen berichten, die die Kontrolle und Überwachung der Durchführung der folgenden Bestimmungen dieses Abkommens betreffen:
- Paragraph eins des Artikels 2 über die Durchführung des Waffenstillstandes in ganz Südvietnam, wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission
ihre Tätigkeit beendet hat;
- Artikel 3 b über den Waffenstillstand zwischen den beiden südvietnamesischen Parteien;
- Artikel 3 c über den Waffenstillstand zwischen allen Parteien in Südvietnam, wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet hat;
- Artikel 7 über das Verbot der Einbringung von Truppen nach Südvietnam
und alle übrigen Bestimmungen dieses Artikels;
- Artikel 8 c zur Frage der Rückführung der vietnamesischen Zivilisten,
die in Südvietnam gefangen gehalten werden und interniert sind;
- Artikel 9 b über freie und demokratische allgemeine Wahlen in Südvietnam;
- Artikel 13 über die Verminderung der militärischen Schlagkraft beider
südvietnamesischer Parteien und die Demobilisierung der zu verringernden
Truppen.
Die Internationale Kontroll-und Überwachungskonimission soll zur Durchführung ihrer Aufgaben Kontrollgruppen bilden. Die beiden südvietnamesischen
Parteien sollen umgehend Vereinbarungen über den Standort und die Arbeitsweise dieser Gruppen treffen. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden
sie in ihrer Arbeit unterstützen.

dl
-13-

�d)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll sich aus

Vertretern von vier Ländern zusammensetzen: Kanada, Ungarn, Indonesien und Polen. Der Vorsitz in dieser Kommission wird von den Mitgliedern für bestimmte,
von der Kommission festzulegende Zeiträume der Reihe nach abwechselnd eingenommen .
e)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll ihre Aufga-

ben im Einklang mit dem Prinzip der Respektierung der Souveränität Südvietnams durchführen.

f)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll nach dem

Prinzip der Konsultationen und der Einstimmigkeit arbeiten.
g)

Die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission soll ihre Ar-

beit aufnehmen, sobald in Vietnam der Waffenstillstand in Kraft tritt. Was
die Bestimmungen von Artikel 18 b über die vier Parteien betrifft, so wird die
Internationale Kontroll-und Überwachungskommission ihre Tätigkeit einstellen,
wenn die Kontroll-und Überwachungsaufgaben der Kommission in bezug auf diese
Bestimmungen erfüllt sind. Was die Bestimmungen des Artikels 18 c über die
beiden südvietnamesischen Parteien betrifft, so wird die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission ihre Tätigkeit auf Ersuchen der Regierung
einstellen, die nach den in Artikel 9 b vorgesehenen allgemeinen Wahlen in
Südvietnam gebildet worden ist.
h)

Die vier Parteien werden umgehend Vereinbarungen über die Organisation,

die Arbeitsmittel und die Ausgaben der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission treffen. Die Beziehungen zwischen der Internationalen Kommission und der Internationalen Konferenz werden von der Internationalen Kommission und der Internationalen Konferenz vereinbart werden.

Artikel 19

-14-

�Artikel 19
Die Parteien stimmen der Einberufung einer internationalen Konferenz
innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung dieses Abkommens zu, die die unterzeichneten Vereinbarungen bestätigen, das Ende des Krieges, die Wahrung
des Friedens, die Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes und das Recht des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung garantieren sowie einen Beitrag zum Frieden in Indochina leisten
und diesen sichern soll.
Die Vereinigten Staaten und die Demokratische Republik Vietnam werden
namens der an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien den folgenden
Parteien vorschlagen, sich an dieser internationalen Konferenz zu beteiligen:
die Volksrepublik China, die Republik Frankreich, die Union der

Sozialisti-

schen Sowjetrepubliken, Großbritannien, die vier Länder der Internationalen
Kontroll-und Überwachungskommission und der Generalsekretär der Vereinten
Nationen sowie die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien.

Kapitel VII
bezüglich Kambodscha und Laos

Artikel 20
a)

Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien sollen die

Genfer Abkommen aus dem Jahre 1954 über Kambodscha sowie die Genfer Abkommen
aus dem Jahre 1962 über Laos, in denen die grundlegenden nationalen Rechte
der Völker von Kambodscha und Laos anerkannt wurden, das heißt die Unabhängigkeit, Souveränität, Einheit und territoriale Integrität dieser Länder, strikt
respektieren. Die Parteien werden die Neutralität von Kambodscha und Laos
respektieren.
Die

-15-

�Die an der Pariser Konferenz beteiligten Parteien verpflichten sich,
das Territorium von Kambodscha und das Territorium von Laos nicht zu benutzen,
um Souveränität und Sicherheit des anderen sowie die anderer Länder zu beeinträchtigen.
b)

Ausländische Staaten sollen jede militärische Aktivität in Kambodscha

und Laos beenden, alle Truppen, Militärberater und militärisches Personal sowie Waffen, Munition und Kriegsmaterial aus diesen beiden Ländern abziehen
und es unterlassen, diese wieder dorthin zu entsenden.
c)

Die inneren Angelegenheiten von Kambodscha und Laos sollen durch das

Volk jedes dieser beiden Länder ohne ausländische Einmischung geregelt werden.
d)

Die zwischen den indochinesischen Ländern bestehenden Probleme sollen

durch die indonesischen Parteien geregelt werden und zwar auf der Basis der
Respektierung der gegenseitigen Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität und der Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten des
anderen.

Kapitel VIII
Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen
Republik Vietnam

Artikel 21
Die Vereinigten Staaten erwarten, daß dieses Abkommen eine Ära der Aussöhnung mit der Demokratischen Republik von Vietnam sowie mit allen Völkern
Indochinas einleiten wird. In Verfolgung ihrer traditionellen Politik werden
die Vereinigten Staaten ihren Beitrag zur Heilung der Wunden des Krieges und
zum Wiederaufbau der Demokratischen Republik Vietnam sowie ganz Indochinas
leisten.
Artikel 22

-16-

�Artikel 22
Die Beendigung des Krieges, die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam sowie die strikte Einhaltung dieses Abkommens werden die Bedingungen für
die Herstellung einer neuen, gleichberechtigten und beiderseitigen nützlichen Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen Republik Vietnam auf der Grundlage der Respektierung der Unabhängigkeit und
Souveränität sowie der Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten des
anderen schaffen. Gleichzeitig wird dadurch ein stabiler Friede in Vietnam
gesichert und ein Beitrag zur Wahrung eines dauerhaften Friedens in Indochina und Südasien geleistet.
Kapitel IX
Andere Bestimmungen

Artikel 23
Dieses Abkommen soll mit Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter der an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien in Kraft
treten. Alle betroffenen Parteien sollen dieses Abkommen und seine Protokolle
strikt durchführen.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischenund
englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für

-17-

�Für die Regierung der Vereinigten

Für die Regierung der Republik

Staaten von Amerika

Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

-18-

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Thi Binh

Nguyen Duy Trinh
Außenminister

Außenminister

Zu

-19

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris,
Sonnabend Nachmittag, Pariser Zeit,
27. Januar 1973

ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES UND DIE WIEDERHERSTELLUNG
DES FRIEDENS IN VIETNAM
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika

in Übereinstimmung

mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung
mit der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,

haben im Hinblick auf die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam auf der Basis der Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des vietnamesischen Volkes und des Rechtes des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung sowie als Beitrag zur Konsolidierung des
Friedens in Asien und in der Welt die folgenden Bestimmungen vereinbart und
verpflichten sich, dieses einzuhalten und durchzuführen:

(Kapitel I bis VIII sind identisch mit obigen Kapiteln)

Kapitel IX
Andere Bestimmungen
Artikel 23
Das Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam soll mit Unterzeichnung dieses Dokumentes
durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und

-20-

�und den Außenminister der Regierung der Demokratischen Republik
Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokumentes gLeichen Inhalts
durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von
Amerika, durch den Außenminister der Regierung der Republik Vietnam,
den Außenminister der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam
und den Außenminister der provisorischen Revolutionsregierung von
Südvietnam in Kraft treten. Das Abkommen und seine Protokolle sollen
von allen betroffenen Parteien strikt ausgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die
vietnamesischen und englischen Texte sind offiziell

und gleicher-

maßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der Demokratischen

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

William P. Rogers
Außenminister

Nguyen Duy Trinh
Außenminister

I I "I •

- 21 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über den Waffenstillstand und die Militärkommission&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über die Kontroll- und Überwachungskommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über die Kriegsgefangenen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll über die Räumung der Minen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Problem Vietnam (Chronologie)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Alexander Sullivan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon legt neuen amerikanischen Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -&lt;/em&gt;</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Postfach

Telex:

Wirtschaft

Service
300

08-85432

5/1973

PRÄSIDENT NIXON LEGT NEUEN AMERIKANISCHEN HAUSHALT VOR
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft -

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
29. Januar den neuen Haushalt für das am 1. Juli beginnende US-Finanzjahr
1973/74 vorgelegt, der bei Einnahmen von 256 Milliarden Dollar und Ausgaben
von 268,7 Milliarden Dollar ein Defizit von 12,7 Milliarden Dollar ausweist.
Die wesentlichen Teile der Einleitung zur Haushaltsbotschaft des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
" Mit dem Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 wird mein Versprechen erfüllt, die Bundesausgaben niedrig zu halten, so daß sich keine Notwendigkeit
für eine Erhöhung der Steuern ergibt.
Dieser Haushalt wird die Wirtschaft unseres Landes weiter einem Ziel
näher bringen, das sie in fast zwei Jahrzehnten nicht erreicht hat: Hoher
Beschäftigtenstand und hoher Wohlstand für die Bürger Amerikas ohne Inflation
und ohne Krieg....

Seit

-1-

�Seit Mitte der fünfziger Jahre ist der Anteil am Bruttosozialprodukt
des Landes, den die öffentlichen

Verwaltungen in den Vereinigten Staaten

- die Bundesregierung, die Regierungen der Einzelstaaten und die Kommunen für sich in Anspruch genommen haben, von einem Viertel auf ein Drittel gestiegen. Er muß nicht und sollte nicht weiter steigen.
Die höheren Forderungen, die die Regierung an die Steuerzahler stellte,
waren nicht für Verteidigungsprogramme bestimmt. Tatsächlich ist der Anteil
der Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt um ein Viertel zurückgegangen, während der Anteil der zivilen Programme aller Verwaltungen um 75 Prozent stieg, nämlich von 14 Prozent des Bruttosozialproduktes im Jahre 1955
auf rund 25 Prozent im Jahre 1972. Die zivilen Programme der Bundesregierung
sind also keineswegs verkümmert....
In den letzten zwei Jahren, in denen die Kapazitäten der Wirtschaft zu
gering ausgenutzt waren und die Inflationsgefahr nachließ, gingen die Auftriebskräfte, die die Wirtschaft Fortschritte in Richtung auf eine Vollbeschäftigung machen ließen, vom Bundeshaushalt aus. Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 trägt der fortdauernden Verpflichtung der Bundesregierung
Rechnung, durch eine gesunde Währungs-und Haushaltspolitik zur Schaffung der
Bedingungen beizutragen, unter denen die Volkswirtschaft aufblühen wird und
neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Der Haushalt muß jetzt jedoch,
statt in erster Linie nur Auftrieb zu sein, auch vor einer Inflation schützen.
Der sicherste Weg, Inflation oder höhere Steuern oder beides zu vermeiden, ist, daß der Kongreß sich mit mir zu gemeinsamen Bemühungen um eine
Kontrolle der Bundesausgaben zusammentut. Ich schlage daher vor, daß der Kongreß, bevor er irgend welche gesetzlichen Ausgaben billigt, ein starres Ausgabenlimit festlegt, durch das die Gesamtausgaben für das Finanzjahr 1973/74
auf die von mir im Haushalt empfohlenen 268,7 Milliarden Dollar begrenzt
werden.
Ich

�Ich glaube nicht, daß das amerikanische Volk höhere Steuern wünscht,
genauso wenig, wie es Inflation wünscht. Um sowohl höhere Steuern wie auch
Inflation zu vermeiden, schlage ich vor, daß die Ausgaben im Finanzjahr 1973/
74 und im Finanzjahr 1974/75 nicht höher sein sollen als die Einnahmen, die
sich bei einer Vollbeschäftigung ergeben würden.

Zusammenfassung des Haushalts 1973/74
Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 bringt - bei Zugrundelegung
einer Vollbeschäftigung - in etwa einen Ausgleich und tatsächlich ein Defizit,
das nur halb so groß wie das Defizit im Finanzjahr 1972/73 ist. Der Gesamthaushalt, den ich hier für das Finanzjahr 1974/75 vorschlage, wird ebenfalls
- bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung - ausgeglichen sein. Ein Haushalt
im Finanzjahr 1973/74, der bei Vollbeschäftigung ausgeglichen wäre, unterstützt den anhaltenden Wirtschaftsaufschwung, ohne daß es zu einem Wiederaufleben der Inflation kommt. Ein stärkerer Auftrieb im Finanzjahr 1973/74 wäre
gefährlich und würde für künftige Haushalte nicht mehr tragbare Belastungen
bringen.
Die Haushaltseinnahmen im Finanzjahr 1973/74 werden auf 256 Milliarden
Dollar veranschlagt. Dies bedeutet gegenüber dem Finanzjahr 1972/73 eine Zunahme um 31 Milliarden Dollar, der den wachsenden Wohlstand, das höhere Persona leinkommen und die steigenden Gesellschaftsgewinne widerspiegelt. Bei den
Einkommenschätzungen wirken sich auch die Steuersenkungen aufgrund des Steuerreformgesetzes von 1969, die neue Wirtschaftspolitik, das Abgabengesetz von
1971 sowie die höheren Abgaben auf Löhne und Gehälter aus, um die gestiegenen
Sozialversicherungsleistungen zu finanzieren.
Die

�Die Haushaltsausgaben im Finanzjahr 1973/74 werden auf 268,7 Milliarden
Dollar veranschlagt. Der Gesamtbetrag wäre ganz erheblich höher gewesen
- wahrscheinlich bei 288 Milliarden Dollar -,wenn meine Regierung nicht
außergewöhnliche Anstrengungen unternommen hätte, um die Haushaltsleitzahl
im Finanzjahr 1972/73 bei einem Maximum von 250 Milliarden Dollar statt, was
sonst der Fall gewesen wäre, bei 261 Milliarden Dollar zu halten und für das
Finanzjahr 1973/74 bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung in etwa auszugleichen.
Aber auch so bringt dieser Haushalt zwangsläufig ein Ansteigen der Ausgaben um 19 Milliarden Dollar gegenüber dem Finanzjahr 1972/73 oder fast
8 Prozent gegenüber dem letzten Haushaltsjahr. Der Haushalt ist ausreichend
für die Gewährleistung von Sicherheit und Wohlstand in Amerika im kommenden
Jahr.
Das Haushaitsprogramm für das Finanzjahr 1973/74 sieht Ausgaben im
Finanzjahr 1974/75 - bei Zugrundelegung von Vollbeschäftigung - von 288 Milliarden Dollar vor, was zusammen mit den Einnahmen nach den gegenwärtigen Gesetzen
Vollbeschäftigung und einen ausgeglichenen Haushalt bedeuten würde....

Die Schaffung eines dauerhaften Friedens
Die Schaffung eines dauerhaften Friedens erfordert mehr als Wunschdenken.
Er kann nur durch geduldige Diplomatie und Verhandlungen, gestützt auf militärische Stärke,erreicht und erhalten werden. Um von Dauer zu sein, muß der
Friede auf einer Grundlage gegenseitiger Interessen und gegenseitiger Achtung
unter den Völkern basieren. Er muß so beschaffen sein, daß diejenigen, die
sonst versucht sein könnten, ihn zu zerstören, einen Anreiz haben, ihn zu erhalten.
Der

�Der Haushalt für das Finanzjahr 1973/74 unterstützt die Bemühungen
Amerikas um die Schaffung eines solchen Friedens auf zwei wichtigen Wegen.
Einmal wird die militärische Stärke aufrechterhalten, die wir zur Unterstützung
unserer Verhandlungen und unserer Diplomatie benötigen. Zum anderen bringt er
eine gesunde Haushaltspolitik, die, von einer ergänzenden monetären Politik
unterstützt, zu Wohlstand und wirtschaftlicher Stabilität hier und im Ausland
beitragen wird.
Unsere Stärke

zusammen mit unserer Bereitschaft zu Verhandlungen hat es

uns bereits ermöglicht, mit der Errichtung eines Gebäudes für einen dauerhaften Weltfrieden zu beginnen und zu einer allgemeinen Verminderung der Spannungen auf der Welt beizutragen.
-- Wir haben wesentlichen Fortschritt in Richtung auf eine Beendigung
unseres Engagements in dem schwierigen Krieg in Südostasien gemacht.
-- In den letzten vier Jahren haben wir mehr bedeutsame Abkommen mit
der Sowjetunion abgeschlossen als in all den vorangegangenen Jahren
seit dem zweiten Weltkrieg, darunter auch das historische Abkommen
über die Begrenzung der strategischen Nuklearwaffen.
-- Wir haben eine nahezu ein ViertelJahrhundert dauernde beiderseitige
Isolierung zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China
beendet und können der Entwicklung einer friedlichen Zusammenarbeit
auf Gebieten von beiderseitigem Interesse entgegensehen.
In dieser Atmosphäre haben andere Länder ebenfalls damit begonnen, in
Richtung auf eine friedliche Beilegung ihrer Meinungsverschiedenheiten voranzuschreiten.
Eines der Ergebnisse unserer Verhandlungen - zusammen mit dem Erfolg der
Nixon-Doktrin, unserem beträchtlichen Disengagement in Vietnam und der höheren Wirksamkeit neuerer Waffensysteme - war eine wesentliche, aber kluge

�kluge Verringerung unserer Streitkräfte. Die Gesamttruppenstärke ist seit
1968 um etwa ein Drittel verringert worden und wird weiter verringert werden,
wenn wir die Wehrpflicht aufheben und reine Freiwilligen-Streitkräfte haben
werden. Gleichzeitig übernehmen unsere Verbündeten einen wachsenden Anteil
der Lasten ihrer eigenen Verteidigung.
Als Folge hiervon sind die Verteidigungsausgaben etwa gleich geblieben.
Im Finanzjahr 1973/74 werden sie im wesentlichen die gleichen wie 1967/68
sein. In dieser Zeit ist der Gesamthaushalt um 50 Prozent gewachsen und haben die nicht für die Verteidigung bestimmten Ausgaben um 91 Prozent oder
90 Milliarden Dollar zugenommen. Bei Ausschaltung von Lohn-und Preiserhöhungen werden die Verteidigungsausgaben im Finanzjahr 1973/74 etwa die gleichen
wie im Finanzjahr 1972/73 sein und etwa ein Drittel unter denen des Finanzjahres 1967/68 liegen.
Wenn es dieser Regierung auch gelungen ist, die unnötigen Verteidigungsausgaben auszumerzen, so ist sie jedoch genau so entschlossen, die für die
nationale Verteidigung erforderlichen Ausgaben zu machen. Unser Haushalt
für das Finanzjahr 1973/74 entspricht diesem Ziel. Er garantiert uns eine
ausreichende Stärke, um unsere Sicherheit zu erhalten und weiterhin als wichtige Kraft für den Frieden zu wirken.
Ein wichtiger Teil unserer Bemühungen um den Frieden ist ein Rahmen für
den internationalen wirtschaftlichen Fortschritt. Ein solider Anfang bei einer
Reform des internationalen Währungssystems ist durch unsere Teilnahme an den
fortdauernden Gesprächen des Zwanziger-Ausschusses gemacht worden. Wir werden
diese Bemühungen im kommenden Jahr mit Nachdruck fortsetzen.
Unsere Auslandshilfeprogramme spiegeln ebenfalls unsere Absicht wider,
ein dauerhaftes Gebäude des Friedens durch gemeinsame Aufteilung von Lasten
und Vorteilen zu schaffen. Amerika wird weiterhin fest zu seiner Unterstützung
befreundeter Nationen stehen, die wirtschaftlichen Fortschritt und eine sichere Verteidigung anstreben. Wir erwarten jedoch, daß die anderen Länder ebenso

�ebenso ihren Teil hierzu beitragen, und das Auslandshilfebudget für das
Finanzjahr 1973/74 basiert auf dieser Erwartung.
Unser Ziel ist ein dauerhafter Friede, der von dem Selbstinteresse aller
Nationen getragen ist, ihn zu wahren. Unsere anhaltende militärische Stärke
und unsere Programme für einen internationalen wirtschaftlichen Fortschritt,
wie sie in diesem Haushalt vorgesehen sind, werden uns diesem für uns und
unsere Nachkommen angestrebten Ziel näherbringen.

Erfüllung menschlicher Erfordernisse
Die Programme für menschliche Aufgaben in dem Haushalt für das Finanzjahr
1973/74 spiegeln - wie die drei ihm unter meiner Regierung vorangegangenen meine Überzeugung wider, daß soziales Mitgefühl nicht lediglich durch Zuweisung öffentlicher Gelder bewiesen werden kann in der Hoffnung, so einen NotStand zu beheben, sondern nur dadurch, daß solche Gelder greifbare Verbesserungen für das Leben unserer Bevölkerung bringen. Meine Bemühungen um grundlegende Reformen, durch die die Leistungen der Bundesregierung verbessert werden, sollen in dem kommenden Finanzjahr fortgesetzt werden.
Gegenüber dem Finanzjahr 1968/69 sind die Ausgaben für Bundesprogramme
für menschliche Aufgaben im Finanzjahr 1973/74 um 97 Prozent gestiegen,während die Gesamthaushaltsausgaben lediglich um 46 Prozent gewachsen sind. Infolgedessen machen die Dollar-Ausgaben für menschliche Aufgaben heute fast
die Hälfte des Haushaltes aus, verglichen mit etwas über einem Drittel der
Gesamthaushaltssumme zur Zeit meines Amtsantrittes.
Wir konnten zahlreiche solide Erfolge verbuchen.... Wir können und werden
noch bessere Wege finden, um aus unseren Programmen für menschliche Aufgaben
das beste herauszuholen - durch Partnerschaft zwischen einer umstrukturierten
Bundesregierung und starken bundesstaatlichen Regierungen und Kommunalverwal-

�Kommunalverwaltungen sowie mit Hilfe einer sozial eingestellten Privatwirtschaft, gestärkt durch eine Wiederbelebung der individuellen Initiative und
des Selbstvertrauens der Menschen. Aber nur, wenn wir hier und jetzt unproduktive Programme einstellen, können wir die Mittel erhalten, die wir zur
Durchführung solcher Ergebnisse zeitigenden Programme benötigen."

Internationale Angelegenheiten und Finanzen
Die wichtigsten Teile des Kapitels "Internationale Angelegenheiten und
Finanzen" haben folgenden Wortlaut:
"Mit den Reisen des Präsidenten nach Moskau und Peking, den Abkommen
über die Begrenzung der strategischen Rüstungen, dem Berlin-Abkommen und dem
Abbau des militärischen Engagements der USA in Vietnam haben die Vereinigten
Staaten entscheidende Schritte getan, um die Nachkriegsära der Konfrontation
zu beenden und ein dauerhaftes Gebäude des Friedens zu errichten, Unser Ziel
ist ein Netz von Beziehungen und Interdependenz, das jedem Land ein Interesse am Frieden gibt.
Unsere Werkzeuge hierzu sind Diplomatie und Verhandlungen, Auslandshilfe,
Reform des internationalen Währungssystems und Ausweitung des Handels sowie
der Austausch von Personen und Ideen.
Das Budget für internationale Programme im Finanzjahr 1973/74 stellt die
Mittel bereit, um dieses Ziel - den Frieden - im Einklang mit unseren Möglichkeiten und mit dem Minimum an erforderlichen Hilfsquellen anzustreben ...
Wirtschafts- und Finanzhilfe. Die Auslandshilfeprogramme spiegeln unsere Absicht wider, ein dauerhaftes Gebäude des Friedens zu errichten, wobei Lasten
und Vorteile sich auf alle verteilen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin
fest zu ihrer Unterstützung befreundeter Länder stehen, die wirtschaftlichen
Fortschritt und eine sichere Verteidigung anstreben; aber wir erwarten auch
von den anderen Ländern, daß sie ihren Teil hierzu beitragen ...
Internationale Sicherheitshilfe. Durch Gewährung von Hilfe an Länder, deren
Volkswirtschaften die Sicherheitserfordernisse noch nicht ausreichend tragen

�tragen können, unterstützen diese Programme befreundete Länder bei der Entwicklung und Erhaltung des Potentials, sich selbst zu verteidigen. Die gesamten Bundesausgaben (in diesem Bereich) im Finanzjahr 1973/74 werden auf
rund 1,5 Milliarden Dollar veranschlagt.
Die Militärhilfe, die vom Verteidigungsministerium verwaltet und unter
nationale Verteidigung eingestuft ist, schließt nicht-rückzahlbare Zuwendungen
für Ausrüstungen und Ausbildung wie auch Kreditverkäufe von militärischen Ausrüstungen ein. (Die Militärhilfe an Laos und Südvietnam fällt ebenfalls unter
die Kassenzuweisungen des Verteidigungsministeriums..)
In dem Maße, in dem sich die Volkswirtschaften der Empfängerländer und
die internationale politische Lage bessern, kann auch die Militärhilfe
schrittweise von nicht-rückzahlbaren Zuwendungen auf Kredit- und Barverkäufe
umgestellt werden. Daher wird für das Finanzjahr 1973/74 mit vermehrten

Kre-

ditverkäufen gerechnet. Die gesamten Bundesausgaben für die Militärhilfe,
einschließlich der Kreditverkäufe an Israel, werden sich im Finanzjahr
1973/74 auf 791 Millionen Dollar belaufen.
Die ergänzende Wirtschaftshilfe, die vom Amt für

Internationale Entwick-

lung (AID) verwaltet wird, soll die politische und wirtschaftliche Stabilität
in Ländern fördern, die außenpolitisch für die Vereinigten Staaten von Bedeutung sind. Die Ausgaben sind im Finanzjahr 1973/74 auf 708 Millionen Dollar
veranschlagt worden ...

Internationale Entwicklungshilfe. Diese Programme fördern das langfristige
wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer sowohl über multilaterale wie
auch über bilaterale Kanäle. Die Ausgaben werden im Finanzjahr 1973/74 auf
rund 1,5 Milliarden Dollar veranschlagt ...
Zur Bereitstellung des amerikanischen Beitrages zu international vereinbarten Kapitalaufstockungen werden für das Finanzjahr 1973/74 folgende Haushaltsermächtigungen beantragt:
— 320
- 9-

�-- 320 Millionen Dollar für die Internationale Entwicklungsgesellschaft
(IDA);
—

193 Millionen Dollar für das Stammkapital der Interamerikanischen
Entwicklungsbank und zusätzlich eine Zahlung von 500 Millionen Dollar an deren Sonderfonds; und

---100 Millionen Dollar an den Sonderfonds der Asiatischen Entwicklungsbank sowie weitere 109 Millionen Dollar für das Stammkapital der
Bank nach Verabschiedung des Rahmengesetzes.
Der größte freiwillige Beitrag an Internationale Organisationen wird an
das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen gehen, das technische Hilfsprogramme sowie Erhebungen über Investitionsvorhaben finanziert. Für das
Finanzjahr 1973/74 wird ein Beitrag von 90 Millionen Dollar vorgeschlagen.
Ferner wird ein Beitrag von 10 Millionen Dollar zu dem neuen Umweltfonds
der Vereinten Nationen vorgeschlagen.
Die bilaterale Hilfe wird in erster Linie vom Amt für Internationale
Entwicklung (AID) verwaltet. Die Ausgaben werden für das Finanzjahr 1973/74
auf 871 Millionen Dollar veranschlagt. Der Personalstand des AID wird im
Finanzjahr 1973/74 weiter verringert werden, so daß der Personalabbau seit
dem Finanzjahr 1967/68 insgesamt 44 Prozent ausmachen wird.
Die Interamerikanische Stiftung mit einem Ausgabenansatz im Finanzjahr
1973/74 von 8 Millionen Dollar gewährt in erster Linie gemeinnützigen Privatorganisationen nicht-rückzahlbare Zuwendungen für neue Entwicklungsvorhaben
in Lateinamerika.
Die internationale humanitäre Hilfe, die vom Außenministerium und dem
AID verwaltet wird, gewährt Flüchtlingen und Opfern von Naturkatastrophen
Unterstützung. Sie wird weitgehend aus dem Lebensmittel-für-den-Frieden^Programm, dem Sonderfonds des Präsidenten für Auslandshilfe und aus Sonderbe-

-10-

�Sonderbewilligungen für Unterstützung finanziert. Die Vereinigten Staaten haben erst kürzlich zu der dringend notwendigen Hilfe für Südasien,die Philippinen, Zentralafrika und Nicaragua beigetragen.

Friedenskorps. Der Haushaltsansatz von 78 Millionen Dollar an Ermächtigungen
für die Arbeit des Friedenskorps im Finanzjahr 1973/74, wozu noch wachsende
Beiträge der Gastländer kommen, wird es gestatten, den gegenwärtigen Stand
an Freiwilligen aufrechtzuerhalten.

Lebensmittel-für-den-FrJeden. Durch Verkauf und Schenkung von Agrarerzeugnissen an andere Länder will das Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm Hunger
und Unterernährung bekämpfen, das wirtschaftliche Wachstum in den Entwicklungsländern fördern und die Exportmärkte für amerikanische Agrarerzeugnisse erweitern. Die Ausgaben werden für das Finanzjahr 1973/74 auf 766 Millionen Dollar
veranschlagt, wovon 500 Millionen Dollar auf Nettoverkäufe und 266 Millionen
Dollar auf Schenkungen entfallen."

Haushaltsübersicht

�•

Haushaltsübersicht
(in Milliarden Dollar)

Haushaltsjahr

1971/72
tatsächlich

1972/73
geschätzt

1973/74
geschätzt

Haushaltseinnahmen

208,6

225,0

256,0

Haushaltsausgaben

231,9

249,8

268,7

Haushaltsdefizit

-

23,2

-12-

-

24,8

-

12,7

�Haushaltsausgaben
(in Milliarden Dollar)

Haushaltsjahr

1971/72
tatsächlich

Nationale Verteidigung

78,3

1972/73
geschätzt

1973/74
geschätzt

76,4

81,1

Internationale Angelegenheiten und
Finanzen

3,7'

3,3

3,8

Weltraumforschung und Technologie

3,4

3,1

3,1

Landwirtschaft

7,1

6,1

5,6

Natürliche Hilfsquellen u. Umwelt

3,8

0,9

3,7

11,2

12,5

11,6

Städteentwicklung u.Wohnungsbau

4,3

4,0

4,9

Ausbildung und Arbeitskräfte

9,8

10,5

10,1

Gesundheitswesen

17,1

18,0

21,7

Sicherung der Einkommen

64,9

75,9

82,0

Kriegsveteranen

10,7

11,8

U,7

Zinsendienst

20,6

22,8

24,7

4,9

5,6

6,0

6,8

6,0

—

0,5

1,8

Handel und Verkehr

Allgemeine Verwaltung
Finanzausgleich
Zusätzliche Ausgaben
Interne Transaktionen

-

2,8

3,0

-

3,2

Zinseinnahmen aus Treuhandfonds

-

5,1

5,4

-

6,0

231,9

249,8

-13-

268,7

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U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

T e l :

8 9 - 3 2 4 0

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

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Dokumentation

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T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

5/1973

PROTOKOLL ÜBER DEN WAFFENSTILLSTAND UND DIE MILITÄRKOMMISSIONEN
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Das am 24. Januar in Washington vom Weißen Haus veröffentlichte Protokoll über den Waffenstillstand in Südvietnam und die Gemeinsamen Militärkommissionen hat folgenden Wortlaut:
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben zur
Durchführung von Paragraph eins des Artikels 2, von Artikel 3, Artikel 5,
Artikel 6, Artikel 16 und Artikel 17 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam, die den Waffenstillstand in Südvietnam und die Schaffung
einer Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und einer Gemeinsamen Zweier-Militärkommission vorsehen, folgendes vereinbart:

Waffenstillstand in Südvietnam
Artikel 1
Die Oberkommandos der Parteien in Südvietnam sollen umgehend und rechtzeitig an alle ihrem Befehl unterstehenden regulären und irregulären Truppen
und bewaffneten Polizeiverbände Befehl erteilen, die Feindseligkeiten in ganz

�ganz Südvietnam zu dem genauen, in Artikel 2 des Abkommens genannten Zeitpunkt
völlig einzustellen, und gewährleisten, daß diese Truppen und bewaffneten Polizeiverbände diesen Befehlen nachkommen und den Waffenstillstand einhalten.

Artikel 2
a)

Sobald der Waffenstillstand in Kraft getreten ist und bis von den Ge-

meinsamen Militärkommissionen Bestimmungen erlassen worden sind, sollen alle
Land-, Fluß-, See-und Luftverbände der Parteien in Südvietnam an ihrem Standort verbleiben; das heißt, um die Einhaltung eines stabilen Waffenstillstandes zu gewährleisten, darf es keine größeren Redislozierungen oder Truppenbewegungen geben, durch die das von jeder Partei kontrollierte Gebiet ausgedehnt würde, oder die zu Berührungen zwischen den gegnerischen Truppen und
etwa erfolgenden Zusammenstößen führen würden.
b)

Alle regulären und irregulären Truppen und bewaffneten Polizeiverbände

der Parteien in Südvietnam sollen sich an das Verbot

der folgenden Betäti-

gungen halten:
1) Entsendung von bewaffneten Patrouillen in von gegnerischen Truppen
kontrollierte Gebiete und Flüge von Bomben-und Kampfflugzeugen
aller Typen, ausgenommen unbewaffnete Flüge für Schulungs-und Wartungszwecke;
2) bewaffnete Angriffe gegen irgendwelche Militär-oder Zivilpersonen
unter Einsatz welcher Mittel auch immer; darunter fallen auch der
Einsatz von Handfeuerwaffen, Granatwerfer und Artillerie, Bombardierung und Beschuß durch Flugzeuge sowie der Einsatz aller anderen
Arten von Waffen oder Sprengstoffen;
3) alle Kampfoperationen zu Lande, auf Flüssen, zur See und in der
Luft;
4) alle feindseligen Handlungen, Terror und Vergeltungjund
5) alle Handlungen, die Menschenleben oder öffentliches oder privates
Eigentum in Gefahr bringen.
Artikel 3

�Artikel 3
a)

Die oben erwähnten Verbote dürfen nicht zu einer Behinderung oder

Einschränkung führen:
1) Des zivilen Nachschubs, der Bewegungsfreiheit, der freien Wahl des
Arbeitsplatzes, der Freiheit der Bevölkerung, Handel zu treiben, sowie des zivilen Nachrichten-und Transportwesens zwischen allen und
innerhalb aller Gebiete in Südvietnam;
2) des Einsatzes militärischer Nachschubverbände, zum Beispiel Pionierund Transporteinheiten durch jede Partei in den von ihr kontrollierten Gebieten zwecks Wiederinstandsetzung und Errichtung öffentlicher
Einrichtungen und für den Transport und die Versorgung der Bevölkerung;
3) der normalen militärischen Ausbildung, die von den Parteien in den
unter ihrer jeweiligen Kontrolle stehenden Gebieten bei angemessener Beachtung der öffentlichen Sicherheit durchgeführt wird.

b)

Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen umgehend Vereinbarungen

treffen über Korridore, Routen und sonstige Bestimmungen für Flüge militärischer Transportmaschinen sowie für Fahrten militärischer Transportfahrzeuge
und militärischer Transportschiffe der einen Partei durch von den anderen Parteien kontrollierte Gebiete.

Artikel 4
Zur Vermeidung von Konflikten und zur Gewährleistung normaler Bedingungen
für die Truppen, die direkt in Berührung miteinander stehen, sollen - bis zu
einer Regelung durch die Gemeinsamen Militärkommissionen - die Kommandeure
der an diesen Stellen eines direkten Kontakts sich gegenüberstehenden Truppen
zusammenkommen,sobald der Waffenstillstand in Kraft getreten ist, um zu

einer

Vereinbarung über vorübergehende Maßnahmen zur Vermeidung eines Konfliktes
und zur Sicherstellung von Versorgung und ärztlicher Betreuung dieser Truppen
zu gelangen.

Artikel 5

�Artikel 5
a)

Jede Partei soll ihr Äußerstes tun, um innerhalb von 15 Tagen nach In-

krafttreten des Waffenstillstandes die Beseitigung oder Entschärfung aller
Sprengsätze, Minenfelder, Fallen, Hindernisse oder sonstigen gefährlichen
Objekte, die früher gelegt oder errichtet worden waren, zum Abschluß zu bringen, damit Freizügigkeit und Arbeit der Bevölkerung nicht beeinträchtigt werden; dies gilt in erster Linie für Wasserstraßen, Landstraßen und Eisenbahnen
in Südvietnam. Die Minen, die innerhalb dieser Zeit nicht geräumt oder entschärft werden können, sollen eindeutig markiert werden und müssen so bald
wie möglich geräumt oder entschärft werden.
b)

Das Legen von Minen ist verboten, ausgenommen als Verteidigungsmaßnah-

me am Rande militärischer Einrichtungen, an Stellen, wo sie Freizügigkeit und
Arbeit der Bevölkerung sowie den Verkehr auf den Wasserstraßen, den LandStraßen und den Eisenbahnen nicht beeinträchtigen. Bereits gelegte Minen und
sonstige Hindernisse am Rande militärischer Einrichtungen können dort verbleiben, wenn sie sich an Stellen befinden, wo sie Freizügigkeit und Arbeit
der Bevölkerung sowie den Verkehr auf den Wasserstraßen, den Landstraßen und
den Eisenbahnen nicht behindern.

Artikel 6
Ziviles Polizei-und ziviles Sicherheitspersonal der Parteien in Südvietnam, das für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung verantwortlich
ist, soll die in Artikel 2 dieses Protokolls aufgeführten Bestimmungen strikt
einhalten. Bedingt durch ihre Aufgaben, sind sie normalerweise berechtigt,
Pistolen zu tragen. Wenn aber ungewöhnliche Umstände dies erfordern, kann
ihnen erlaubt werden, auch andere Handfeuerwaffen zu tragen.

Artikel 7

�Artikel 7

a)

Die Einbringung von Ersatzwaffen, Munition und Kriegsmaterial, wie

sie in Artikel 7 des Abkommens zugelassen ist, soll unter Überwachung und
Kontrolle der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission und der Internationalen
Kontroll-und Überwachungskommission und an solchen Übergangsstellen erfolgen,
die ausschließlich von den beiden südvietnamesischen Parteien vereinbart werden. Die beiden südvietnamesischen Parteien sollen innerhalb von 15 Tagen
nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes solche Übergangsstellen vereinbaren. Die beiden südvietnamesischen Parteien dürfen bis zu sechs Übergangsstellen auswählen, die nicht in der Liste der Orte angeführt sind, an denen
Gruppen der Internationalen Kontroll-und Überwachungäkommission nach Artikel
4 d des Protokolls über die Internationale Kommission stationiert werden
sollen. Gleichzeitig können die beiden südvietnamesischen Parteien auch
Übergangsstellen aus der Liste der Orte auswählen, die in Artikel 4 d dieses
Protokolls angeführt sind.

b)

Jede der so bezeichneten Übergangsstellen soll nur derjenigen südviet-

namesischen Partei zur Verfügung stehen, die die Kontrolle über diese Stelle
ausübt. Die beiden südvietnamesischen Parteien werden eine gleiche Zahl von
Übergangsstellen haben.
Artikel 8
a)

Bei Durchführung von Artikel 5 des Abkommens sollen die Vereinigten

Staaten und die anderen in Artikel 5 des Abkommens genannten Länder alle ihre
Waffen, ihre Munitionsbestände und ihr Kriegsmaterial mitnehmen. Ein Transfer solcher Gegenstände, bei dem diese in Südvietnam verbleiben würden, darf
nach Inkrafttreten des Abkommens nicht mehr erfolgen, ausgenommen der Transfer von Nachrichten-und Transport- sowie anderem
wendbarem

nicht für Kämpfe ver-

Material an die Gemeinsame Vierer-Militärkommission der Inter-

nationalen Kontroll-und Überwachungskommission.

b)
-5-

�b)

Die Vereinigten Staaten werden die Gemeinsame Vierer-Militärkommission

und die Internationale Kontroll-und Überwachungskommission innerhalb von fünf
Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes über die allgemeinen Zeitpläne für den vollständigen Truppenabzug unterrichten, der in vier Phasen von
je 15 Tagen erfolgen soll. Es wird erwartet, daß die Zahl der in jeder Phase
abgezogenen Truppen wahrscheinlich nicht sehr unterschiedlich sein wird,
wenngleich es nicht möglich ist, gleiche Zahlen zu gewährleisten. Die ungefähre Zahl der in jeder Phase abgezogenen Truppen soll der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission rechtzeitig vor dem tatsächlich Abzug angegeben werden, so daß diese
ordnungsgemäß ihre Aufgaben in diesem Zusammenhang wahrnehmen können.

Artikel 9
a)

Bei Durchführung von Artikel 6 des Abkommens sollen die Vereinigten

Staaten und die anderen in diesem Artikel genannten Länder alle militärischen
Stützpunkte der Vereinigten Staaten und der anderen in diesem Artikel genannten Länder in Südvietnam, einschließlich der Waffen, Minen und sonstigen militärischen Ausrüstungen in diesen Stützpunkten, demontieren und aus Südvietnam entfernen oder zerstören, so daß sie für militärische Zwecke unbrauchbar
gemacht werden.
b)

Die Vereinigten Staaten sollen der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission

und der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission die erforderlichen Informationen über Pläne für die Demontage der Stützpunkte geben, so
daß diese Kommissionen ordnungsgemäß ihre Aufgaben in diesem Zusammenhang
wahrnehmen können.

Die

-6-

�DIE GEMEINSAMEN MILITARKOMMISSIONEN

Artikel 10
a)

Die Durchführung des Abkommens ist Aufgabe der Parteien, die das Ab-

kommen unterzeichnet haben.
Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission hat die Aufgabe, ein gemeinsames
Vorgehen der Parteien bei der Durchführung des Abkommens zu gewährleisten, indem sie als Kommunikationsbrücke zwischen den Parteien dient, indem sie die
Pläne entwirft und die Modalitäten festlegt, um die in Artikel 16 des Abkommens
genannten Bestimmungen zur Durchführung zu bringen, den Ablauf zu koordinieren, zu verfolgen und zu inspizieren, und indem sie Verhandlungen über alle
die Durchführung dieser Bestimmungen betreffenden Fragen führt und diese regelt.
b)

Die konkreten Aufgaben der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission sind:
1) Die Durchführung der oben erwähnten Bestimmungen des Abkommens durch
die vier Parteien zu koordinieren, zu verfolgen und zu inspizieren;
2) Verletzungen zu verhindern und festzustellen, sich mit den Fällen
solcher Verletzung zu befassen, Konflikte und Streitfälle zwischen
den Parteien in bezug auf die oben genannten Bestimmungen beizulegen;
3) je nach Erfordernis eine

oder mehrere gemeinsamen Gruppen umgehend

in jeden Teil Südvietnams zu entsenden, um angebliche Verletzungen
des Abkommens zu untersuchen und den Parteien dabei zu helfen, Maßnahmen zu finden, damit das Wiederauftreten ähnlicher Fälle verhindert wird;
4) Beobachtungsaufgaben an Orten zu übernehmen, wo dies für die Ausübung
ihrer Funktionen notwendig ist;
5) Zusätzlich sich stellende Aufgaben, die durch einstimmigen Beschluß
festgelegt werden, auszuführen.
Artikel 11

�Artikel 11
a)

Es soll eine Zentrale Gemeinsame Militärkommission mit Sitz in

Saigon geben. Jede Partei soll umgehend eine militärische Delegation von
59 Personen benennen, die sie in der Zentralen Kommission vertritt. Der
von jeder Partei benannte vorgesetzte Offizier soll im Generals- oder
entsprechenden Rang stehen.
b)

Es soll sieben regionale Gemeinsame Militärkommissionen mit Sitz

in den Regionen geben, die auf der beigefügten Karte gezeigt werden und
die an den folgenden Orten stationiert sind:
Region:

Ort:

I

Hue

II

Danang

III

Pleiku

IV

Phan Thiet

V

Bien Hoa

VI

My Tho

VII

Can Tho

Jede Partei soll eine militärische Delegation von 16 Personen benennen, die sie in jeder der regionalen Kommissionen vertritt. Der von
jeder Partei benannte vorgesetzte Offizier soll jeweils im Rang eines
Oberstleutnants oder Obersten oder einem entsprechenden Rang stehen.
c)

Es soll eine Gemeinsame Militärgruppe für jedes der auf der beigegeben
fügten Karte angegebenen Gebiete/mit Stationierung an folgenden Orten in
Südvietnam:

Region I:

- 8-

�Region I:

Region II:

Region III:

Region: IV:

Quang Tri

Hoi An

Kontum

Da Lat

Phu Bai

Tarn Ky

Hau Bon

Bao Loc

Chu Lai

Phu Cat

Phan Rang

Tuy An
Ninh Hoa
Ban Me Thuot
Region V:

Region VI:

Region VII:

An Loc

Moc Hoa

Tri Ton

Xuan Loc

Giong Trom

Vinh Long

Ben Cat

Vi Thanh

Cu Chi

Knanh Hung

Tan An

Quan Long

Jede Partei soll vier qualifizierte Persönlichkeiten für jede
Geraeinsame Militärgruppe benennen. Die von jeder Partei als Vorgesetzter
benannte Persönlichkeit soll ein Offizier im Rang eines Majors oder Oberstleutnants oder einem entsprechenden Rang sein.
d)

Die Regionalen Gemeinsamen Militärkommissionen sollen die Zentrale

Gemeinsame Militärkommission bei der Durchführung ihrer Aufgaben unterstützen und die Arbeit der Gemeinsamen Militärgruppen überwachen. Die
Region Saigon-Cia Dinh ist der Aufsicht der Zentralen Kommission unterstellt, die Gemeinsame Militärgruppen benennen wird, die in dieser
Region tätig sein sollen.
e)

Jeder Partei soll ermächtigt werden, für ihre Delegationen bei der

Zentralen Gemeinsamen Militärkommission und den Regionalen Gemeinsamen
Militärkommissionen sowie für ihre Mitglieder bei den Gemeinsamen
Militärgruppen Hilfs- und Wachpersonal zu stellen. Die Gesamtzahl des
Hilfs- und Wachpersonals soll für jede Partei 550 nicht übersteigen.

- 9-

�f)

Die Zentrale Gemeinsame Militärkommission kar^n entsprechend den

jeweiligen Erfordernissen Gemeinsame Unterausschüsse, Gemeinsame Stäbe
und Gemeinsame Militärgruppen einsetzen. Die Zentrale Kommission soll
die Zahl des benötigten Personals für die von ihr eingesetzten zusätzlichen Unterausschüsse, Stäbe oder Gruppen festlegen unter der
Voraussetzung, daß jede Partei einviertel der Zahl des benötigten
Personals stellt und daß die Gesamtzahl des Personals der gemeinsamen
Vierer-Militärkommissionen, einschließlich ihrer Stäbe, Gruppen und des
Hilfspersonals 3.300 nicht übersteigt.
g)

Die Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien können

durch Vereinbarung provisorische Unterkommissionen und Gemeinsame
Militärgruppen zur Durchführung der ihnen in Artikel 17 des Abkommens
speziell übertragenen Aufgaben einsetzen. Was Artikel 7 des Abkommens
anbetrifft, so können die Delegationen der beiden südvietnamesischen
Parteien bei der Gemeinsamen Vierer-MilitärkommissLon Gemeinsame Militärgruppen an Übergangsstellen nach Südvietnam einsetzen, die für die
Ersatzbeschaffung von Waffen, Munition und Kriegsmaterial gemäß
Artikel 7 dieses Protokolls bezeichnet werden. Für die Zeit vom Inkrafttreten
meinsame

des Waffenstillstandes bis zu dem Zeitpunkt:, an dem die GeZweier-Militärkommission ihre Funktion übernimmt, sollen die

Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien bei der Gemeinsamen
Vierer-Militärkommission eine provisorische Unterkommission und provisorische Gemeinsame Militärgruppe bilden, die deren Aufgaben bezüglich der
gefangen gehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten wahrnehmen sollen. Soweit es zu dem obenerwähnten Zweck notwendig ist, können
die beiden Parteien vereinbaren, den beiden südvietnamesischen Delegationen
bei der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission zusätzliches Personal zuzuteilen.

Artikel 12

- 10 -

�Artikel 12
a)

Im Einklang mit Artikel 17 des Abkommens, der festlegt, daß die

beiden südvietnamesischen Parteien umgehend ihre jeweiligen Vertreter für
die Bildung der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission benennen, sollen die
beiden designierten Delegationen der südvietnamesischen Parteien bei der
Gemeinsamen Zweier-Militärkommission innerhalb von 24 Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillands in Saigon zusammenkommen, um so bald wie
möglich eine Vereinbarung über die Organisation und Tätigkeit der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission sowie über Maßnahmen und Struktur zu
treffen, die dem Ziele dienen, den Waffenstillstand durchzusetzen sowie
den Frieden in Südvietnam zu wahren.
b)

Für die Zeit vom Inkrafttreten des Waffenstillstandsbis zu dem

Zeitpunkt, an dem die Gemeinsame Zweier-Militärkommission ihre Funktion
übernimmt, sollen auf allen Ebenen die Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien bei der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission
gleichzeitig auf allen Ebenen die Aufgaben der Gemeinsamen ZweierMilitärkommission zusätzlich zu ihren Funktionen als Delegationen bei
der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission übernehmen.
c)

Wenn zu dem Zeitpunkt, an dem die Gemeinsame Vierer-Militärkom-

mission gemäß Artikel 16 des Abkommens ihre Arbeit einstellt, noch keine
Vereinbarung über die Organisation der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission erreicht ist, sollen die Delegationen der beiden südvietnamesischen
Parteien die auf allen Ebenen bei der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission
arbeiten, weiter vorübergehend als provisorische Gemeinsame ZweierMilitärkommission zusammenarbeiten und die Aufgaben der Gemeinsamen ZweierMilitärkommission auf allen Ebenen übernehmen, bis die Gemeinsame ZweierMilitärkommission ihre Funktion übernimmt.

Artikel 13

�Artikel 13
Entsprechend dem Prinzip der Einstimmigkeit sollen die Gemeinsamen
Militärkommissionen keine Vorsitzenden haben, und Sitzungen sollen auf
Antrag jedes Vertreters einberufen werden. Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen Arbeitsverfahren einschlagen, wie sie für die wirksame
Erledigung ihrer Funktionen und Aufgaben geeignet sind.

Artikel 14
Die Gemeinsamen Militärkommissionen und die Internationale Kontrollund Überwachungskommission sollen miteinander eng zusammenarbeiten und
sich gegenseitig bei der Durchführung ihrer jeweiligen Funktionen unterstützen. Jede Gemeinsame Militärkommission soll die Internationale Kommission über die Durchführung der Bestimmungen des Abkommens unterrichten,
für die diese Gemeinsame Militärkommission verantwortlich ist und die im
Rahmen der Zuständigkeit der Internationalen Kommission liegen. Jede
Gemeinsame Militärkommission kann die Internationale Kommission ersuchen,
spezifische Beobachtungsaufgaben durchzuführen.

Artikel 15
Die Zentrale Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll ihre Arbeit 24
Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes aufnehmen. Die Regionalen
Gemeinsamen Vierer-Militärkommissionen sollen die Arbeit 48 Stunden nach
Inkrafttreten des Waffenstillstands aufnehmen. Die Gemeinsamen Militärgruppen, die an den in Artikel 11 c dieses Protokolls aufgeführten Orten
stationiert sind, sollen die Arbeit nicht später als 15 Tage nach dem
Inkrafttreten des Waffenstillstandes aufnehmen. Die Delegationen der beiden
südvietnamesischen Parteien sollen gleichzeitig die Aufgaben der Gemeinsamen
Zweier-Militärkommission, wie in Artikel 12 dieses Protokolls vorgesehen,
aufnehmen.
Artikel 16
- 12 -

�Artikel 16
a)

Den Gemeinsamen Militärkommissionen auf allen Ebenen soll von

den Parteien voller Schutz und alle erforderliche Hilfe bei der Durchführung ihrer Aufgaben gewährt werden.
b)

Die Gemeinsamen Militärkommissionen und ihr Personal sollen bei

der Durchführung ihrer Aufgaben die gleichen Privilegien und die gleiche
Immunität wie die diplomatischen Missionen und die Diplomaten genießen.
c)

Das Personal der Gemeinsamen Militärkommission darf Pistolen und

besondere Abzeichen tragen, über die von jeder Zentralen Gemeinsamen
Militärkommission entschieden wird. Das Personal jeder Partei kann für
die Bewachung von Einrichtungen oder Ausrüstungen der Kommission ermächtigt werden, andere individuelle Handfeuerwaffen zu tragen, so wie
dies von jeder Zentralen Gemeinsamen Militärkommission festgelegt wird.

Artikel 17

a)

Die Delegation jeder Partei bei der Gemeinsamen Vierer-Militär-

kommission und der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission soll ihre eigenen
Büroräume, Nachrichtenverbindungen sowie Versorgungs- und Transporteinrichtungen, einschließlich Flugzeuge, falls erforderlich, haben.
b)

Der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und der Gemeinsamen

Zweier-Militärkommission soll auf allen Ebenen angemessene Büro- und
Wohnräume von jeder der Parteien in den von ihr kontrollierten Gebieten
zur Verfügung gestellt werden.
c)

Die Parteien sollen sich darum bemühen, der Gemeinsamen Vierer-

Militärkommission und der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission mietoder leihweise oder als Schenkung die üblichen Arbeitsmittel, einschließlich der Einrichtungen für Nachrichtenverbindungen, Versorgung
und Transport und auch, falls erforderlich, Flugzeuge zur Verfügung zu
stellen. Die Gemeinsamen Militärkommissionen können die erforderlichen
- 13 -

�erforderlichen Einrichtungen, Ausrüstungen und Dienstleistungen, die
nicht von den Parteien gestellt werden, von jeder anderen Stelle
käuflich erwerben. Die Gemeinsamen Militärkommissionen sollen diese
Einrichtungen und Ausrüstungen in Besitz haben und nutzen.
d)

Die oben erwähnten Einrichtungen und Ausrüstungen für den

gemeinsamen Verbrauch sollen an die Parteien zurückgegeben werden,
wenn die Gemeinsamen Militärkommissionen ihre Arbeit beendet haben.

Artikel 18
Die gemeinsamen Ausgaben der Gemeinsamen Vierer-Militärkommission
sollen in gleicher Höhe von den vier Parteien getragen werden und die
gemeinsamen Ausgaben der Gemeinsamen Zweier-Militärkommission in Südvietnam sollen in gleicher Höhe von diesen beiden Parteien getragen
werden.

Artikel 19

Diese Protokoll soll mit der Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter aller an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten
Parteien in Kraft treten. Es soll von allen betroffenen Parteien strikt
ausgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen
authentisch.

Für

- 14 -

�Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Republik Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

- 15 -

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Thi Binh

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

- 16 -

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris,
Sonnabend Nachmittag, Pariser Zeit,
27. Januar 1973

PROTOKOLL ZUM ABKOMMEN ÜBER DIE BEENDIGUNG DES KRIEGES
UND DIE WIEDERHERSTELLUNG DES FRIEDENS IN VIETNAM
BEZÜGLICH DES WAFFENSTILLSTANDS IN SÜDVIETNAM UND
DER GEMEINSAMEN MILITÄRKOMMISSION

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika in Übereinstimmung mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung mit der provisorischen Revolutionsregierung der
Republik Südvietnam,
haben zur Durchführung von Paragraph eins des Artikels 2, von Artikel 3,
Artikel 5, Artikel 6, Artikel 16 und Artikel 17 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam, die den Waffenstillstand in Südvietnam
und die Schaffung einer Gemeinsamen Vierer-Militärkommission und einer
Gemeinsamen Zweier-Militärkommission vorsehen, folgendes vereinbart:
(Artikel 1-18 des Protokolls sind identisch mit obigen Artikeln)

Artikel 19
Das Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam bezüglich des Waffenstillstands in Südvietnam und der Gemeinsamen Militärkommissionen soll mit
Unterzeichnung dieses Dokuments durch den Außenminister der Regierung der

- 17 -

�der Vereinigten Staaten von Amerika und den Außenminister der Regierung
der Demokratischen Republik Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokuments gleichen Inhalts durch den Außenminister der Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika, den Außenminister der Regierung der
Republik Vietnam, den Außenminister der Demokratischen Republik Vietnam
und den Außenminister der provisorischen Revolutionsregierung der
Republik

Südvietnam in Kraft treten. Das Protokoll soll von allen

betroffenen Parteien strikt ausgeführt werden.
Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen
authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Demokratischen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

i l i

- 18 -

�</text>
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Dokumentation

300

T e I e x : 08 - 8 5 4 3 2

5/1973

PROTOKOLL ÜBER DIE RÄUMUNG DER MINEN
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)— Das am 24. Januar vom Weißen Haus in Washington veröffentlichte Protokoll über die Räumung, Entschärfung oder Zerstörung der
Minen in den Territorialgewässern, den Kriegs-und Handelshäfen sowie den
Wasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam,
haben zur Durchführung von Paragraph zwei Artikel 2 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam folgendes vereinbart:
Artikel 1
Die Vereinigten Staaten werden alle Minen, die sie in den Territorialgewässern, den Kriegs-und Handelshäfen sowie den Wasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam gelegt haben, räumen. Diese Minenräumoperation soll
so erfolgen, daß die Minen durch Räumung, dauerhafte Entschärfung oder Zerstörung unschädlich gemacht werden.

Artikel 2

�»

Artikel 2
Zur Gewährleistung dauernder Sicherheit für den Verkehr von Menschen
und Wasserfahrzeugen und zum Schutze wichtiger Einrichtungen sollen die Minen
auf Ersuchen der Demokratischen Republik Vietnam in den bezeichneten Gebieten
geräumt oder zerstört werden; und wo ihre Räumung oder Zerstörung nicht möglich ist, sollen die Minen dauerhaft entschärft und ihre Lage eindeutig markiert werden.
Artikel 3
Die Minenräumoperation soll am 27. Januar 1973 um 2400 Uhr GMT beginnen.
Die Vertreter der beiden Parteien sollen sich umgehend über die relevanten
Faktoren konsultieren und sich über/frühestmöglichen Zeitpunkt für die Beendigung der Arbeit einigen.
Artikel 4
Die Minenräumoperation soll entsprechend den Prioritäten und dem Zeitplan durchgeführt werden, der von den beiden Parteien vereinbart worden ist.
Daher sollen Vertreter der beiden Parteien zu einem baldigen Zeitpunkt zusammenkommen, um eine Vereinbarung über ein Programm und einen Durchführungsplan
zu treffen. Hierzu werden:
a)

Die Vereinigten Staaten ihren Plan für die Minenräumoperationen zur Ver-

fügung stellen, einschließlich der Lagepläne der Minenfelder und der Informationen über Art, Zahl und Ausstattung der Minen;
b)

die Demokratische Republik Vietnam alle verfügbaren Karten und hydro-

graphischen Pläne zur Verfügung stellen und die verminten Stellen sowie alle
sonstigen potentiellen Gefahren für die Minenräumoperationen angeben, die der
Demokratischen Republik Vietnam bekannt sind;
c)

-2-

�.

c)

die beiden Parteien eine Vereinbarung über die zeitliche Durchführung

jedes einzelnen Teiles des Planes treffen und die Öffentlichkeit rechtzeitig,
zumindest 48 Stunden vor Beginn der Minenräumoperationen in diesem Teile,
unterrichten.

Artikel 5
Die Vereinigten Staaten werden verantwortlich für die Minenräumung auf
den Binnenwasserstraßen der Demokratischen Republik Vietnam sein. Die Demokratische Republik Vietnam wird sich mit aller Kraft aktiv in die Minenräumung einschalten und zwar durch Vermessung, Räumung und Zerstörung sowie mit
Hilfe technischer Beratung durch die Vereinigten Staaten.

Artikel 6
Zur Gewährleistung eines sicheren Verkehrs von Personen und Wasserfahrzeugen auf den Wasserstraßen und zur See werden die Vereinigten Staaten bei
dem Minenräumverfahren rechtzeitig Informationen über den Fortschritt der
Minenräumung in jedem Gebiet sowie bezüglich der restlichen, noch zu zerstörenden Minen geben. Die Vereinigten Staaten werden ein Kommunique herausgeben, wenn die Operationen abgeschlossen sind.

Artikel 7
Bei der Durchführung der Minenräumoperationen soll das an diesen Operationen beteiligte amerikanische Personal die Souveränität der Demokratischen
Republik Vietnam respektieren und sich in keinerlei Tätigkeiten einlassen,
die mit dem Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam sowie mit diesem Protokoll nicht zu vereinbaren
sind. Das an den Minenräumoperationen beteiligte amerikanische Personal soll
für die Dauer der Minenräumoperationen Immunität gegenüber der Gerichtsbarkeit der Demokratischen Republik Vietnam haben.

Die
-3-

�Die Demokratische Republik Vietnam soll die Sicherheit des amerikanischen Personals für die Dauer ihrer Minenräumtätigkeit auf dem Territorium der
Demokratischen Republik Vietnam gewährleisten und diesem Personal jede mögliche Hilfe sowie die in der Demokratischen Republik Vietnam benötigten Mittel
zur Verfügung stellen, wie dies von den beiden Parteien vereinbart worden ist.

Artikel 8
Dieses Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam soll mit der Unterzeichnung
durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und
den Außenminister der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Kraft
treten. Es soll von den beiden Parteien strikt durchgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundr.
siebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und di e
englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten von Amerika

Demokratischen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

-4-

�</text>
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5/1973

PROTOKOLL ÜBER DIE KRIEGSGEFANGENEN
-Wortlaut-

WASHINGTON _-(AD)-- Das am 24. Januar vom Weißen Haus in Washington veröffentlichte Protokoll über die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und
internierten vietnamesischen Zivilisten hat folgenden Wortlaut:
Die an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien haben zur
Durchführung von Artikel 8 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens
über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam, der die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten vorsieht, folgendes vereinbart:

Die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen
und der ausländischen Zivilisten

Artikel 1
Die Parteien, die das Abkommen unterzeichnet haben, sollen die von den
Parteien gefangengehaltenen Militärpersonen gemäß Artikel 8 a wie folgt zurückführen:
-- alle

�-- alle gefangengehaltenen Militärpersonen der Vereinigten Staaten und
die der anderen in Artikel 3 a des Abkommens erwähnten Länder sollen amerikanischen Stellen übergeben werden;
-- alle gefangengehaltenen vietnamesischen Militärpersonen, ob sie regulären oder irregulären Streitkräften angehören, sollen den beiden südvietnamesischen Parteien übergeben werden; sie sollen derjenigen südvietnamesischen Partei übergeben werden, unter deren Kommando sie gedient haben.

Artikel 2
Alle gefangengehaltenen Zivilisten, die Staatsangehörige der Vereinigten Staaten oder eines der anderen in Artikel 3 a des Abkommens erwähnten
Länder sind, sollen amerikanischen Stellen übergeben werden. Alle anderen
gefangengehaltenen ausländischen Zivilisten sollen den Stellen ihres Heimatlandes durch eine der Parteien, die dazu bereit und in der Lage ist, übergeben werden.
Artikel 3
Die Parteien sollen heute vollständige Listen der in Artikel 1 und 2
dieses Protokolls erwähnten gefangengehaltenen Personen austauschen.

Artikel 4
a)

Die Rückführung aller in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls erwähnten ge-

fangengehaltenen Personen soll innerhalb von sechzig Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens beendet sein und zwar in einem Tempo, das nicht geringer
ist als das des Abzuges der Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der
anderen in Artikel 5 des Abkommens erwähnten Länder aus Südvietnam.
b)

Personen, die schwer krank, verwundet oder verstümmelt sind, alte Per-

sonen sowie Frauen sollen als erste zurückgeführt werden. Die Übrigen sollen
entweder durch völlige Räumung eines Internierungslagers nach dem anderen

�anderen oder nach den Daten ihrer Gefangennahme zurückgeführt werden, wobei
mit denen begonnen wird, die am längsten gefangengehalten sind.

Artikel 5
Die Rückführung und die Aufnahme der in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls erwähnten Personen soll an Orten erfolgen, die den betroffenen Parteien
genehm sind. Über den Ort der Rückführung soll sich die Gemeinsame ViererMilitärkommission einigen. Die Parteien sollen die Sicherheit des mit der
Rückführung und Aufnahme dieser Personen befaßten Personals gewährleisten.
Artikel 6
Jede Partei soll die Rückführung aller in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls erwähnten Personen ohne Verzögerung vornehmen und deren Rückführung
und Aufnahme erleichtern. Die Internierungsparteien sollen die Rückführung
aus keinem Grunde verweigern oder verzögern, auch nicht in dem Falle, daß
gefangengehaltene Personen aus irgendwelchen Gründen angeklagt oder verurteilt worden sind.

Rückführung von gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten
Artikel 7
a)

Die Frage der Rückführung der vietnamesischen Zivilisten, die in Süd-

vietnam gefangengehalten werden und interniert sind, wird durch die beiden
südvietnamesischen Parteien auf der Grundlage der Prinzipien von Artikel 21 b
des Abkommens über die Beendigung der Feindseligkeiten in Vietnam vom 20. Juli
1954 geregelt, der wie folgt lautet:
"Der Begriff »zivile Internierte1 ist so zu verstehen, daß damit alle
Personen gemeint sind, die - indem sie in irgendeiner Weise zu der politischen und bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien
beigetragen haben - aus diesem Grunde festgenommen und von der einen

3-

�einen oder der anderen Partei während des Zeitraums der Feindseligkeiten interniert wurden."

b)

Die beiden südvietnantesischen Parteien werden dies im Geiste der natio-

nalen Wiederaussöhnung und Eintracht tun mit der Absicht, Haß und Feindschaft
zu beenden, damit das Leiden gelindert und die Familien wiedervereint werden.
Die beiden südvietnamesischen Parteien werden alles in ihren Kräften stehende
tun, um diese Frage innerhalb von neunzig Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes zu lösen.
c)

Die beiden südvietnamesischen Parteien werden innerhalb von fünfzehn

Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes Listen mit den Namen der von
beiden Parteien gefangengehaltenen und internierten Zivilisten sowie Listen
mit den Namen der Lager, in denen sie festgehalten werden, austauschen. .

Behandlung der gefangengehaltenen Personen während der Internierung

Artikel 8
a)

Alle von den Parteien gefangengehaltenen Militärpersonen und alle gefan-

gengehaltenen ausländischen Zivilisten sollen zu jeder Zeit human und in Übereinstimmung mit den internationalen Praktiken behandelt werden. Sie sollen
vor jeder Gefährdung von Leben und Person geschützt werden, insbesondere vor
Mord in jeder Form, vor Verstümmelung, Folterung und grausamer Behandlung
sowie vor jeder Verletzung der persönlichen Würde. Diese Personen sollen nicht
gezwungen werden, in die Streitkräfte der Internierungspartei einzutreten.
Sie sollen ausreichende Nahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft und die
für die Erhaltung ihrer Gesundheit erforderliche medizinische Betreuung bekommen. Es soll ihnen gestattet sein, Postkarten und Briefe mit ihren Familien auszutauschen und Pakete zu erhalten.
b)

-4-

�b)

Alle in Südvietnam gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen

Zivilisten sollen zu jeder Zeit human und in Übereinstimmung mit den inter nationalen Praktiken behandelt werden. Sie sollen vor jeder Gefährdung von
Leben und Person geschützt werden, insbesondere vor Mord in jeder Form, vor
Verstümmelung, Folterung und grausamer Behandlung sowie vor jeder Verletzung
der persönlichen Würde. Die Internierungsparteien sollen die Rückführung aus
keinem Grunde verweigern oder verzögern, auch nicht in dem Falle, daß gefangengehaltene Personen aus irgendwelchen Gründen angeklagt oder verurteilt
worden sind. Diese Personen sollen nicht gezwungen werden, in die Streitkräfte der Internierungsparteien einzutreten.
Sie sollen ausreichende Nahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft und
die für die Erhaltung ihrer Gesundheit erforderliche medizinische Betreuung
bekommen. Es soll ihnen gestattet sein, Postkarten und Briefe mit ihren Familien auszutauschen und Pakete zu erhalten.

Artikel 9
a)

Um zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der von den Parteien

gefangengehaltenen Militärpersonen und ausländischen Zivilisten beizutragen,
sollen sich die Parteien innerhalb von fünfzehn Tagen nach Inkrafttreten
des Waffenstillstandes über die Benennung von zwei oder mehr nationalen Rotkreuzgesellschaften einigen, die alle Lager besuchen sollen, in denen gefangengenommenes Militärpersonal und ausländische Zivilisten festgehalten werden.
b)

Um zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der gefangengehaltenen

und internierten vietnamesischen Zivilisten beizutragen, sollen sich die beiden südvietnamesischen Parteien innerhalb von fünfzehn Tagen nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes über die Benennung von zwei oder mehr nationalen
Rotkreuzgesellschaften einigen, die alle Lager besuchen sollen, in denen die
gefangengenommenen und internierten vietnamesischen Zivilisten festgehalten
werden.
Tote
-5-

�Tote und vermißte Personen
Artikel 10
a)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll die Durchführung von Ar-

tikel 8 b des Abkommens aufgrund gemeinsamer Maßnahmen der Parteien sicherstellen. Wenn die Gemeinsame Vierer-Militärkommission ihre Tätigkeit beendet
hat, soll eine Gemeinsame Vierer-Militärgruppe beibehalten werden, um diese
Aufgabe fortzuführen.
b)

Hinsichtlich der toten oder vermißten vietnamesischen Zivilisten in

Südvietnam sollen die beiden südvietnamesischen Parteien einander bei der Beschaffung von Informationen

über die vermißten Personen unterstützen, die

Lage der Gräber feststellen und für ihre Erhaltung sorgen und zwar im Geiste
der nationalen Wiederaussöhnung und Eintracht entsprechend den Erwartungen
der Bevölkerung.

Andere Bestimmungen
Artikel 11
a)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission und die Gemeinsame Zweier-Mi-

litärkommission sind dafür verantwortlich, unverzüglich die Modalitäten
der Durchführung der Bestimmungen dieses Protokolls festzulegen in Übereinstimmung mit ihren jeweiligen Verantwortungen unter Artikel 16 a und 17 a
des Abkommens. Falls die Gemeinsamen Militär-Kommissionen bei der Durchführung ihrer Aufgaben keine Einigung über Angelegenheiten im Zusammenhang mit
der Rückführung der gefangengehaltenen Personen erzielen können, sollen sie
sich an die Internationale Kommission um Unterstützung wenden.
b)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll zusätzlich zu den auf

Grund des Protokolls über die Waffenruhe in Vietnam und die Gemeinsamen Militär-Kommissionen geschaffenen Gruppen eine Unter-Kommission für gefangengehaltene Personen und, falls erforderlich, Gemeinsame Militärgruppen für gefangengehaltene Personen bilden, die die Kommission bei ihren Aufgaben unterstützen sollen.

sl
-6-

�c)

Vom Zeitpunkt des Inkrafttretens des Waffenstillstandes an bis zu dem

Zeitpunkt, da die Gemeinsame Zweier-Militärkommission ihre Tätigkeit aufnimmt, sollen die Delegationen der beiden südvietnamesischen Parteien bei
der Geraeinsamen Vierer-Militärkommission eine provisorische Unter-Kommission
sowie provisorische Gemeinsame Militärgruppen bilden, um ihre Aufgaben bezüglich der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten
auszuführen.
d)

Die Gemeinsame Vierer-Militärkommission soll Gemeinsame Militärgruppen

zur Beobachtung der Rückführung der in Artikel 1 und 2 dieses Protokolls
erwähnten Personen an jeden Ort in Vietnam entsenden, an dem solche Personen
rückgeführt werden, sowie an die letzten Internierungslager, von wo aus diese Personen an die Rückführungsorte gebracht werden. Die Gemeinsame ZweierMilitärkommission soll Gemeinsame Militärgruppen zur Beobachtung der Rückführung der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten an
jeden Ort in Südvietnam entsenden, an dem solche Personen rückgeführt werden
sowie an die letzten Internierungslager, von wo aus diese Personen an die
Rückführungsorte gebracht werden.

Artikel 12
Im Zuge der Durchführung der Artikel 18 b und 18 c des Abkommens soll di
Internationale Kontroll-und Überwachungskommission dafür verantwortlich sein,
die Beachtung der Artikel 1 bis 7 dieses Protokolls zu kontrollieren und zu
überwachen und zwar durch Beobachtung der Rückführung der gefangengehaltenen
Militärpersonen, der ausländischen Zivilisten und der gefangengehaltenen und
internierten vietnamesischen Zivilisten an jedem Ort in Vietnam, an dem diese Personen rückgeführt werden, sowie an den letzten Internierungslagern,
von wo aus diese Personen an die Rückführungsorte gebracht werden, sowie
durch Überprüfung der Listen, und durch die Untersuchung von Verletzungen
der Bestimmungen der oben erwähnten Artikel.
Artikel 13

�Artikel 13

Jede Partei soll innerhalb von fünf Tagen nach Unterzeichnung dieses Protokolls den Text des Protokolls veröffentlichen und ihn an alle gefangenengehaltenen Personen weiterleiten, auf die das Protokoll zutrifft und die
von der jeweiligen Partei interniert sind.

Artikel 14
Dieses Protokoll soll mit Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter aller an der Pariser Vietnam-Konferenz beteiligten Parteien in Kraft
treten. Es soll von allen betroffenen Parteien strikt durchgeführt werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiund'
siebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen und
englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für

-8-

�Für die Regierung der

Für die Regierung der Republik

Vereinigten Staaten von Amerika

Vietnam

William P. Rogers

Tran van Lam

Außenminister

Außenminister

Für

• 9-

�Für die Regierung der

Für die provisorische Revolutions-

Demokratischen Republik Vietnam

regierung der Republik Südvietnam

Nguyen Thi Binh

Nguyen Duy Trinh
Außenminister

Außenminister

Zu

-10-

�Zu unterzeichnen im internationalen
Konferenzzentrum, Paris
Sonnabend nachmittag, Pariser Zeit
27. Januar 1973

Protokoll
zum Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam
über
die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und der ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und internierten
vietnamesischen Zivilisten

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika in Übereinstimmung
mit der Regierung der Republik Vietnam,
Die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam in Übereinstimmung
mit der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,

haben zur Durchführung von Artikel 8 des an diesem Tage unterzeichneten Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in
Vietnam, der die Rückführung der gefangengehaltenen Militärpersonen und der
ausländischen Zivilisten sowie der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten vorsieht, folgendes vereinbart:
(Artikel 1-13 des Protokolls sind identisch mit obigen Artikeln)

Artikel 14

�Artikel 14
Das Protokoll zu dem Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges
und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam über die Rückführung der
gefangengehaltenen Militärpersonen und der ausländischen Zivilisten sowie
der gefangengehaltenen und internierten vietnamesischen Zivilisten soll
mit Unterzeichnung dieses Dokumentes durch den Außenminister der Regierung
der Vereinigten Staaten von Amerika und den Außenminister der Regierung der
Demokratischen Republik Vietnam und mit Unterzeichnung eines Dokumentes
gleichen Inhalts durch den Außenminister der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, den Außenminister der Regierung der Republik Vietnam, den
Außenminister der Demokratischen Republik Vietnam und den Außenminister
der provisorischen Revolutionsregierung der Republik Südvietnam in Kraft
treten. Das Protokoll soll von allen betroffenen Parteien strikt ausgeführt
werden.

Ausgefertigt in Paris am 27. Tage des Januar Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in vietnamesischer und englischer Sprache. Die vietnamesischen
und englischen Texte sind offiziell und gleichermaßen authentisch.

Für die Regierung der

Für die Regierung der Demokrati-

Vereinigten Staaten von Amerika

sehen Republik Vietnam

William P. Rogers

Nguyen Duy Trinh

Außenminister

Außenminister

-12-

�</text>
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